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Full text of "Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie"

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University  of  North  Carolina 

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thropie Societies 


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34  d»ury  Street, 
DUBLIN. 


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University  of  North  Carolina  at  Chapel  Hill 


http://archive.org/details/ausfhrlicheslexi21rosc 


AUSFÜHRLICHES  LEXIKON 


GRIECHISCHEN  UND  RÖMISCHEN 


MYTHOLOGIE 


IM    VEREIN    MIT 

TH.  BIET,  0.  CRUSIUS,  F.  CUMONT,  W.  DEECKE (f),  F.  DENEKEN,  W.  DREXLER, 
R.  ENGELMANN,  A.  FURTWÄNGLER,  0.  HÖFER,  J.  ILBERG,  0.  IMMISCH, 
A.  JEREMIAS,  MAX.  MAYER,  0.  MELTZER,  EH.  MEYER,  R.  PETER,  A.  PREUNER, 
K.  PURGOLD,  A.  RAPP,  B.  SAUER,  TH.  SCHREIBER,  E.  SEELIGER,  H.  STEUDING, 
H.W.  STOLL(t),  L.  v.  SYBEL,  E.  THRÄMER,  K.  TÜMPEL,  P.  WEIZSÄCKER, 
L.  WENIGER,    G.  WISSOWA,  E.  WÖRNER  U.  A. 

HERAUSGEGEBEN  VON 

W.  H.  RÖSCHER. 


ZWEITER  BAND. 


MIT    456    ABBILDUNGEN    IM    TEXT. 


LEIPZIG, 

DRUCK   UND  VERLAG  VON  B.  G.  TEUBNER. 
1890—1897. 


S.  EXC.  HERRN  DE.  IUB,  HON.  C.  PAUL  VON  SEYDEWITZ, 

KGL.  SACHS.  STAATSMINISTER, 


SOWIE    DER 


KGL.  SACHS.  GESELLSCHAFT  DER  WISSENSCHAFTEN 

ZU  LEIPZIG 


UND    DEM 


PHILOLOGIKOS  SYLLOGOS  PARNASSOS 
IN  ATHEN 

IN  DANKBARER  VEREHRUNG  ZUGEEIGNET 
VOM  HERAUSGEBER. 


(ö  tov  dioz  TtaTs  xaZXivtXog  'H^axZfjg 
*Ev&&äs  xatoiXEt'  /utjdhv  siattca  xaxövl 


Vorrede. 


Die  Bearbeitimg  und  Herausgabe  des  zweiten,  nunmehr  —  Gott  sei  Dank!  — 
glücklich  vollendeten  Bandes  unseres  Ausführlichen  Lexikons  der  griechischen  und  römi- 
sehen  Mythologie  hat  ungefähr  dieselbe  Zeit  (7 — 8  Jahre)  in  Anspruch  genommen  wie 
die  des  ersten  Bandes:  daher  die  Hoffnung  gerechtfertigt  erscheint,  die  Vollendung  des 
letzten  Drittels  unseres  grofsen  Werkes  werde,  wenn  nicht  unvorhergesehene  Hindernisse 
eintreten,  ebenfalls  in  etwa  sieben  bis  acht  Jahren  erfolgen  können.  Hinsichtlich  des 
Planes  und  der  erstrebten  Ziele  des  Lexikons  hat  sich  nichts  geändert,  sodafs  die  Vorrede 
des  ersten  Bandes  in  dieser  Beziehung  auch  für  den  zweiten  gelten  darf.  Im  übrigen  kann 
es,  glaube  ich,  keinem  aufmerksamen  Leser  und  Benutzer  unseres  Werkes  verborgen 
bleiben,  dafs  wir  unserem  Hauptziele,  eine  mögliehst  objektive,  knappe  und  doch  voll- 
ständige, stets  auf  die  Quellen  gegründete  Darstellung  der  litterarisch  überlieferten 
Mythen  unter  gehöriger  Berücksichtigung  der  Kulte  und  der  Monumeute  der  bildenden 
Kunst  zu  geben,  im  zweiten  Bande  noch  etwas  näher  gekommen  sind  als  in  dem  ersten, 
indem  wir  alle,  teils  durch  die  eigene  fortschreitende  Arbeit,  teils  durch  gegenseitige 
Belehrung,  gar  mancherlei  gelernt  haben,  was  dem  gemeinsamen  Werke  zu  C4ute  kommen 
mufste.  Aufserdem  mufs  von  Seiten  der  Redaktion  dankbar  anerkannt  werden  erstens 
der  grofse  Eifer  und  die  Pünktlichkeit,  mit  der  fast  alle  Mitarbeiter  den  von  ihnen 
übernommenen  Verpflichtungen  nachgekommen  sind,  sodal's  kein  einziger  gröfserer  Artikel 
des  zweiten  Bandes  (wie  in  Bd.  I  der  Mythus  und  Kultus  des  Herakles)  in  die  Supple- 
mente verwiesen  zu  werden  brauchte,  zweitens  die  rühmenswerte  Opferwillio-keit  der 
hochgeehrten  Verlagshandlung,  welche  die  bedeutenden  Kosten  einer  erheblichen  Ver- 
mehrung der  Abbildungen  nicht  gescheut  hat*),  um  den  inneren  und  äufseren  Wert  des 

*)  Die  Artikel  der  ersten  8  Buchstaben  (A — Hi  erhielten  etwas  über  500,  die  Artikel  der 
darauf  folgenden  4  Buchstaben  (f — M)  45C  Abbildungen. 


VI  Vorrede. 

Lexikons  zu  erhöhen.  Als  ein  hocherfreuliches  Zeugnis  für  das  Wachsen  des  Interesses 
an  mythologischen  und  religionsgeschichtlichen  Studien  ist  ferner  die  Thatsache  zu 
betrachten,  dafs  die  Zahl  der  Freunde  und  Abonnenten  unseres  Werkes  in  den  letzten 
Jahren  nicht  unwesentlich  zugenommen  hat,  sodafs  wir  auch  in  dieser  Beziehung  ohne 
Sorgen  in  die  Zukunft  blicken  können.  Wir  dürfen  uns  dessen  um  so  mehr  freuen, 
als  ja  sonst  —  leider!  —  das  Interesse  weiterer  Kreise  für  die  Antike  während  des 
letzten  Jahrzehnts  nicht  unerheblich  zurückgegangen  ist,  eine  Thatsache,  die  notorisch 
den  buchhändlerischen  Absatz  der  dem  Gebiete  der  klassischen  Philologie  angehörigen 
streng  wissenschaftlichen  Werke  bedeutend  eingeschränkt  hat.  Zum  Schlufs  habe  ich 
noch  mitzuteilen,  dafs  zu  den  in  der  Vorrede  zu  Bd.  I  S.  VI  erwähnten  früheren  Mit- 
arbeitern noch  eine  Anzahl  neuer  hinzugekommen  ist,  die  teils  am  zweiten  Bande  schon 
mitgearbeitet,  teils  ihre  Beteiligung  an  der  Arbeit  des  dritten  Bandes  in  sichere  Aus- 
sicht gestellt  haben.     Es  sind  dies  folgende  Herren: 

Dr.  E.  Aust  (Frankfurt  a.  M.):  Iuppiter,  Luna  etc. 

Privatdocent  Dr.  0.  Bie  (Berlin):  Musen  etc. 

Dr.  Heinr.  Bulle  (München):  Nike  etc. 

Prof.  Dr.  Fr.  Cumont  (Brüssel):  Mithras  etc. 

Dr.  Theod.  Eisele  (Tübingen):  Plutos  etc. 

Dr.  Reinhold  Franz  (Annaberg):  Kallisto  etc. 

Prof.  Dr.  0.  Gruppe  (Berlin):  Orpheus,  Geschichte  der  neueren  mythologischen 
Theorieen  (für  den  Supplementband). 

Oberlehrer  Dr.  Rieh.  Holland  (Leipzig):  Memnon  etc. 

Dr.  AI  fr.  Jeremias  (Leipzig):  Izdubar,  Nebo,  Nergal  etc. 

Dr.  0.  Jessen  (München):  Lykos,  Marsyas,  Megara  etc. 

Dr.  H.  Küentzle   (Rastatt):   Orion  etc. 

Dr.  Heinr.  Lewy  (Mülhausen  i.  E.):  Mania,  Tyche  etc. 

Prof.  Dr.  Mackrodt  (Eisenberg):  Olympos  (Götterberg). 

Prof.  Dr.  Elard  Hugo  Meyer  (Freiburg  i.  Br.):  Poseidon  (mythologisch)  etc. 

Prof.  Dr.  C.  Pauli  (Lugano):  Etruskisches. 

Dr.  Pilling  (Naumburg):  Herakleiden. 

Museumsassistent  Dr.  F.  Quilling  (Frankfurt  a.  M.):  Nessos. 

Prof.  Dr.  0.  Rossbach  (Königsberg):  Nemesis. 

Dr.  Rubensohn  (Berlin):  Unterwelt  etc. 

Oberlehrer  Dr.  Job.  Schmidt  (Grimma):  Odysseus. 

Prof.  Dr.  E.  Schwartz  (Strafsburg):  Geschichte  der  mythographischen  und 
mythologischen  Litteratur  der  Alten  (für  den  Supplementband). 

Oberlehrer  Dr.  Rieh.  Wagner  (Dresden):  N-  u.  O-Artikel. 

Dr.  G.  Weicker  (Zwickau):  Seirenen. 

Privatdocent  Dr.  Wernicke  (Berlin):  Pan  (kunstmythologisch). 

Prof.  Dr.  Sam   Wide  (Upsala):  Karneios. 


Würzen  im  Juni   1897. 


Kgl.  Gymnasialrektor  Dr.  W.  H.  Röscher. 

o.  Mitgl.  d.  Kgl.  fies.  d.  Wiss.  zu  Leipzig, 
c.  Mitgl.  d.  Philologikoa  Syllogos  Paraasaos  in  Athen. 


AUSFÜHRLICHES  LEXIKON 


DER 


GRIECHISCHEN  UND  RÖMISCHEN 
MYTHOLOGIE 

IM   VEREIN   MIT 

TH.  BIRT,  0.  CRUSIUS,  F.  CÜMONT,  W.  DEECKE  (t),  F.  DENEKEN,  W.  DREXLER, 
R.  ENGELMANN,  A.  FURTWÄNGLER,  0.  HÖFER,  J.  ILBERG,  0.  IMMISCH, 
A.  JEREMIAS,  MAX.  MAYER,  0.  MELTZER,  ED.  MEYER,  R.  PETER,  A.  PREUNER, 
K.  PURGOLD,  A.  RAPP,  B.  SAUER,  TH.  SCHREIBER,  K.  SEELIGER,  H.  STEUDING, 
H.  W.  STOLL(f),  L.  v.  SYBEL,  E.  THRÄMER,  K.  TÜMPEL,  P.  WEIZSÄCKER, 
L.  WENIGER,   G.  WISSOWA,   E.  WÖRNER  U.  A. 

HERAUSGEGEBEN  VON 

W.  H.  RÖSCHER. 


ZWEITER  BAND,  ERSTE  ABTEILUNG. 
IACHE  — KYZIKOS. 

MIT  ZAHLREICHEN  ABBILDUNGEN. 


% 


LEIPZIG, 

DRUCK  UND   VERLAG  VON  B.  G.  TEUBNER. 
1890—1894. 


lache  ('lcc%g),  Tochter  des  Okeanos,  Ge- 
spielin der  Persephone,  Hom.  hymn.  in  Ger.  419. 
Braun,  Gr.  Götterl.  §  172.  176.  [Stoll.] 
Iacor  s.  d.  Nachträge. 
Iaino  ('faivcö)  verdächtiger  Name  einer 
der  Graien  (=  Jeivd?)  bei  Pherekydes  im 
schol.  Ap.  Bh.  4,  1515  (s.  Bd.  1  Sp.  1730  Z.  49), 
Der  Name  'luivco  findet  vielleicht  seine  Er- 
klärung durch  die  Glosse  laivszaf  lolovzai. 
TiixQuivtTou.    Hesych.    [Höfer.] 

Iaira  (ituga).  1)  Nereide,  II.  18,  42.  Hyg. 
f.  praef.  p.  28  Bunte.  Braun,  Götterl.  §  98.  — 
2)  Waldnymphe,  welche  die  gewaltigen  Zwil- 
lingssöhne des  Alkanor,  Pandaros  und  Bitias, 
Gefährten  des  Aeneas,  im  idäischen  Haine 
des  Zeus  aufzog,   Verg.  Aen.  9,  673.     [Stoll.] 

Iakchos  ("lcm%og ;  auf  einer  Voleenter  Vase 
G.  I.  G.  7633  und  auf  einer  tyrrhenischen  Am- 
phora Arehäol.  Ans.  10,  238  Hia%og;  hinsicht- 
lich der  Form  "Ia%%og  s.  Boscher  in  Curtius' 
Stud.  z.  yr.  u.  lat.  Gramm.  1,  2  S.  89). 

Litteratur:  Bolle,  recherches  sur  le  culte 
de  Bacchus  1,  16  ff.  Taylor,  on  the  Elcusinian 
and  Bacchic  mysteria  135  ff.  Ouvaroff,  essai 
sur  les  mysteres  cVEleusis  82  ff.  135  ff.  Lobeck, 
Aglaophamus  821  ff. ;  de  morte  Bacchi  2,  2  f. 
Preller,  Demeter  und  Persephone  135.  389  f. 
Griech.  Mythologie  1",  614  ff.  und  in  der  Stutt- 
garter Bccdencyklopädie  3,  97  ff,  4,  1021  ff. 
Gerhard,  Griech.  Mythologie  1,  452  ff.  Prodromus 
49  ff.,  73  ff.,  über  die  Anthesterien  und  das  Ver- 
hältnis des  attischen  Dionysos  zum  Koradienst, 
Akadem.  Ahhandl.  2,  148  ff.,  über  den  Bilderkreis 
von  Eleusis  ebendas.  322  ff.  344  ff.  Hermann, 
Gottesdieiislliche  Altertümer1  368  ff.  O.  Bibbeck, 
Anfänge  und  Entwickelung  des  Dionysoskultus 
in  Alüka.  A.  Mommsen,  Heortol.  226  ff.  P.  E. 
Neuher,  lakehos  und  seine  Bedeutung  besonders 
in  den  Eleusinischen  Geheimnissen,  Progr.  Ko- 
motau  1868,  p.  21 — 35.  K.  0.  Müller,  Eleusinien 
bei  Ersch  und  Gruber  295.  Bichter  ebendas.  s.  v. 
Dionysos  31  Si.  Petersen  ebendas.  Griechische 
Mythologie  6,  9  p.  259  ff.  vgl.  B.  H.  Klausen 
ebendas.  unter  Orpheus  23  a.  39  b.  Lcnormant 
—  im  Dictionnairc  des  antiquites  von  Daremberg 
f~~-iind  Saglio  s.  v.  Bacchus  595.  634  f.  s.  v. 
«f.  Geres  1061  f.  F.  Back,  Zur  Geschichte  grie- 
f^chiseher  Göttertypen:    1)  Hermes  und  Dionysos 

mit  besonderer  Bücksicht  auf  die  Darstellung 

—■des  Phidias,  Fleckeisens  Jahrbücher  57  (1887), 
445.  454.    Ludwich,  ebda.  1890  S.  51  ff. 

Iakchos,  eine  Hauptgottheit  der  eleusinischen 
Mysterien,    den   man    gewöhnlich    den   mysti- 
schen  Dionysos  nennt  und   an   dessen   „unbe- 
stimmten   schwankenden    Umrissen    sich    am 
Rosciier,  Lexikon  der  gr.  u.  rüin.  Mytliol.  II. 


besten  zeigt,  wie  das  Schaffen  der  Phantasie 
auf  mystischem  Boden  es  vielfach  nicht  zu 
festen  Gebilden  bringt"  (Haggenmacher,  Die 
eleusinischen  Mysterien  p.  7  [öffentliche  Vor- 
träge gehalten  in  der  Schweiz  5,  1880]),  gilt: 
1)  als  Sohn  der  Demeter;  schol.  Ari- 
stid.  3,  648.  Diod.  3,  64, 1.  Suid.  u.  Phot.  s.  v.'W- 
%og'  Jiovvaog  ialtä  g,ctczä(Lobcck,Aglaoph. 822 
Anm.  h   will  für   |jti  ztsi  jlioiötcö  lesen   inl  zov 

10  uvozixov  seil.  Jiovvaov  zb  Svofia  liyszai); 
Lucret.  4,  1160:  tumida  et  mammosa  Ceres  est 
ipsa  ab  Laccho;  vgl.  Arnob.  adv.  nat.  3,  10; 
daher  heilst  Iakchos  im  orphischen  Hymnus 
52,  11  imoKÖlTiiog.  Zweifelhaft  ist  Soph. 
Antig.  1120  zJnovg  tv  %61-n.oig,  wobei  die  einen 
{Gerhard,  Mythol.  1,  419.  3  a.  Welcher,  Gölter- 
lehre 2,  542)  an  den  Meerbusen  von  Eleusis 
als  den  Hauptort  der  nächtlichen  Iakchos- 
feier,  andere  (Bolle  a.  a.  O.  16,  Petersen  a.  a.  0. 

20  266  Anm.  9)  an  Demeter  denken  (kcUttoi  würde 
dann  nicht  rBusen',  sondern  cSchofs'  bedeuten; 
vgl.  Foerster,  Der  Baub  und  die  Bückkehr  der 
Persephone  286  Anm.  3);  auch  in  dem  Festruf 
des  Hierophanten  zu  Eleusis  ff  pbv  i'ziv.s  itozviu 
Y.OVQOV  Bqi[ioi  Bqijj,6v  (Hippolyt.  rcf.  haeret.  8 
p.  164  Schneidcwin)  bedeutet  nach  Petersen  a. 
a.  0.  263  a  Brirno  die  Demeter  und  Brimos 
ihren  Sohn  Iakchos;  anders  Carl  Strube,  Stu- 
dien über  den  Bilderkreis  von  Eleusis  81.    Die 

30  bei  Clemens  Alex,  protrept.  21  und  Euseb.  praep. 
ev.  2,  3  (vgl.  Arnob.  adv.  nat.  5,  25)  erhaltenen 
orphischen  Verse  lassen  den  kleinen  Iakchos 
seine  Mutter  auf  ihren  Irrfahrten  begleiten  und 
die  unzüchtigen  Scherze  der  Baubo  (s.  d.)  be- 
lachen (vgl.  Lobeck,  Aglaoph.  818,  Foerster  a. 
a.  0.  282  ff.);  doch  bietet  die  Anwesenheit  des 
Iakchos  bei  dieser  Scene  mehrfache  Schwierig- 
keiten dar;  vgl.  Petersen  a.  a.  0.  264  Anm.  5. 
Als   Kind   der   Demeter  ist  Iakchos  vielleicht 

40  dargestellt  auf  den  Sitzbildern  der  Demeter 
Kurotrophos(?);  vgl.  Gerhard,  Abhandl.  2,  399 
Anm.  174f.  Preller,  Demeter  3S0;  413,  Anm.  219. 
Overbcck,  Kiuistm.2  S.  488  ff.  Als  Erzeuger  des 
Iakchos  nimmt  Gerhard,  Mythologie  1,  453,  3  c. 
den  Iasion  oder  den  Dionysos  (unt.  Sp.  3  Z.  58) 
oder  mit  Lobeck,  Aglaoph.  824  auch  d.  Keloos  an. 
2)  ist  Iakchos  ein  Sohn  der  Persephone 
(s.  d.  Eunstdenkmäler  bei  Gerhard,  Abh.  2, 
413;  schol.  Aristoph.  ran.  324  tpael  ntgasepov-ng 

50  avzbv  slvai,  schol.  Eur.  Troad.  1230,  schol. 
Eur.  Orest.  964)  und  ward  von  ürphikern  wie 
Onomakritos  (Paus.  8,  37,  5.  Welcker  a.  a.  0. 
Bibbeck  a.  a.  0.  19  f.)  als  solcher  dem  thra- 
kischen  Zagveus  (s.  d.)  oder  auch  dem  phry- 
gischen  Sabazios  (vgl.  Bapp,  Die  Beziehungen 

1 


3  Iakclios  (S.  d.  Perseph.  u.  Gemahl  d.  Demet.)  Iakclios  (S.  d.  Dionysos  u.  =  Dionysos)      4 

des   Dionysoskultus    zu    Thrakien   und   Klein-  (im    orphisclien   Hymnus   49    ist   Hippa    seine 

asien  22  ff.)  gleichgesetzt,   schol.  Pind.  Isthm.  Amme)  und  überbringt  ihn   den  eleusinischen 

7,  3:  b  st  nsQO£cp6vi]g  ysyovdig  Zaygsvg  Jiövv-  Bacchen,  die  den  jugendlichen  Gott  bei  nächt- 

oog   [P.hit.   de   sl  Delph.   9:    AibvvGov    ds   nal  lichem  Reigen  und  Fackeltanz  feiern.    Nonnos 

ZayQici  .  .  ovofid^ovGiv],   b  wko  zivctg  "lay-xog,  nennt  a.  a.  0.  diesen  Iakchos  den  dritten  Dio- 

schol.    Aristopli.     ran.     398     Zayoevg   "luY.%og,  nysos  (der  erste  ist  nach  ihm  Zagrens,  der  Sohn 

Diod.  3,  64,  1.    An:  exped.  Alex.  2,  16,  3.   He-  der  Persephone,   der  zweite   der  thebanische, 

sych.  Suidas.  Etym.  Magn.  406,  47:  äo-nil  yctg  der  Sohn  der  Semele);  doch  steht  diese  Stelle 

b  Zfi>?    fiiyjjvai   tij  FligGscpöv-ij    l|   r;g   yßoviog  des  Nonnos  im  Widerspruch  mit  31,  66  ff.,  wo  — 

Jiövvaog,  Athenag.  leg.  pro  Christ.  296a.  309a.  10  vor  der  Geburt  des  eben  erwähnten  Iakchos  — 

Tatian.  orat.  adv.  Graec.  6  p.  251;   vgl.  schol.  ein    'EXsvalvios    Jiövvaog    und    ein    ngozegog 

Aristopli.  av.  874.  Lys.  388;  ob.  Bd.  1  Sp.  1087.  "fay.xog    genannt    werden.    —    Em.   Braun,    il 

Dieser  Zagreus  wird  von  den  durch  die  eifer-  nascimento  di  lacco  arm.  d.  instit.  archeol.  14, 

süchtige    Hera    angestachelten    Titanen    beim  21  ff.  Mon.  dcll'  instit.  3  tav.  39  will  auf  einem 

Spiel  überfallen;  vergebens  versucht  er  durch  Marmorrelief,    auf  dem   der  thebanische  Dio- 

mannigfache  Verwandlungen  sich  seinen  Ver-  nysos  einen  eben  aus  seinem  linken  Schenkel 

folgern    zu    entziehen;    in    der    Gestalt    eines  ans  Licht  getretenen  Knaben  liebkosend  dar- 

Stieres    wird    er    von    ihnen   überwältigt   und  gestellt  ist,  die  Geburt  des  Iakchos  erkennen, 

sein  zerstückelter  Körper  in  einem  Kessel  über  der  aus   dem  Schenkel  des  Dionysos   in  glei- 

einem  Dreifufs    gekocht.     Zeus,    der  zu   spät  äo  eher  Weise  hervorgegangen  sei,  wie  dieser  aus 

zur  Rettung  seines  Lieblings  erscheint,   tötet  der   Hüfte  des  Zeus;   dagegen   sieht  Panofka, 

die  Titanen  mit  seinem  Blitz,  lafst  die  Glieder  Archiiol.   Zeit.  9,  342  f.   in   dem  Knaben  nicht 

des    Gemordeten    von    Apollon    am   Parnassos  den  Iakchos,   sondern  den  Marorx   (s.  d.),   und 

beisetzen  und  verschluckt  das  ihm  von  Athena  Welcher  (ebendas.  10,  503  ff.  'angeblicher  Iak- 

gebrachte,  noch  zuckende  Herz,    worauf  die  chos')  erklärt  ihn  für  einen  dem  Dionysos  dar- 

Palingenesie   des   Zagreus,    der   jetzt  Iakchos  gebrachten  Hierodulen. 

genannt  wird  (Bibbcck  a.  a.  0.  20.  Preller  in  5)  wird  Iakchos,  —  während  er  an  manchen 
der  Stuttg.  Bealencyhl.  4,  1021  f.),  erfolgt;  Stellen  ausdrücklich  vom  Dionysos  geschieden 
Clemens  Alex,  protr.  5.  Arnob.  adv.  nat.  5,  wird;  vgl.  schol.  Aristopli.  ran.  324  äXloi  öl 
19;  Prodi,  in  Plat.  Tim.  3,  200  d;  hymn.  in  30  srsgov  Jiovvaov  slvai  zbv  "Ia-nxov.  Aman.  a. 
Minerv.  7,  11  ff.;  Macrob.  in  somn.  Sdp.  1,  a.  0.  6  "/a'xjjos  ö  u.vazi-xbg  xovxco  tä  Jiovvaa, 
12;  Tzetzes  zu  Lykophr.  v.  355;  vgl.  Löbedk,  ov%l  im  Qrjßuic»  litäSszai.  Cic.  de  nat.  deor.  2, 
Aglaoph.  555  ff.  Klausen  a.  a.  0.  38  b.  Max.  24,  62  Liberum  Semele  natmn,  non  cum  quem 
Mayer,  D.  Giganten  u.  Titanen  S.  236  ff.  nostri  maiores  auguste  sancleque  cum  Cerere  et 
Ebenso  wird  uns  auch  von  einer  Zerfleischung  Libera  consecrarcrunt:  quod  quäle  sit,  ex  mil- 
des Sabazios  (Tcrpandcr  bei  Lyd.  de  mens.  4,  sterüsintellegipotest;  auch  Aristophanes scheidet 
38  Jiovvaov  zbv  vno  zivav  Zaßd&ov  ovopia-  in  den  Fröschen  beide  von  einander  — ,  dem 
'Cofisvov  [daher  auch  Jiovvgov  öiuoTcaauög  Dionysos  gleichgesetzt  bei  schol.  Aristopli. 
Prodi,  in  Plat.  Tim.  1,  53  c],  sw.  Jihg  nai  und  Aristid.  a.  a.  0.  (vgl.  scliol.  Arist.  ran.  404: 
ritQGEipovrig  ysvopevov,  sixec  vnb  rcöv  Tizavojv  -10  si'grjzai  ydg  o  ccvzog  'Iaxxog  tm  Jlovvgco  hcczcc 
G7iaQa%&£vzce)  und  von  einer  solchen  des  Iak-  zivag),  Eust.  ad  II.  962,  60.  Hesyeh.  Said.  Et. 
chos  [Luc.  de  Salt.  39  'id-axov  anagayflög)  be-  M.  462,  49.  Strdbo  10,  3,10  p.  468:  "Ia-nxov  zc 
richtet.  Der  Tod  und  das  Wiedererscheinen  -aal  xbv  Jiovvaov  y.kIovgi;  vgl.  Soph.  bei  Strabo 
des  Zagreus-Iakchos  entspricht  dem  Mythos  15  p.  687  Nvaccv,  rjv  b  ßovxigoig  "lay-xog  ocirtä 
von  Adonis  (Gerhard,  Abhandl.  2,  543),  der  ytuat*  rjSiGrnv  vifi^i  und  bei  Dionys.  Halic. 
im  orphisclien  Hymnus  56  Sohn  der  Perse-  de  comp.  verb.  17  "Io>-axs  öi&vgufißs,  vgl.  Ger- 
phone  heifst.  hard,   Abhandl.  2,  183.  218.    Preller,  Demeter 

3)  wird  Iakchos  auch  Gemahl  der  De-  54;  daher  findet  sich  oft  Iakchos  für  Dionysos 
meter  genannt:  schol.  Aristopli.  ran.  324  cpaoi  gesetzt  und  umgekehrt;  so  hätte  Plato  Phaedr. 
avzbv  zij  Jr\\Lrtzgi  GvyysvsG&at;  auch  Pind.  50  265b,  wo  er  von  der  iitinvoiu  zsXsazixi]  Jio- 
Isthm.  7,  5  scheint  ihn  als  solchen  aufzufassen,  vvaov  spricht,  dieselbe  genauer  dem  Iakchos 
wenn  er  den  Dionysos  itdgfSgog  der  Demeter  zuweisen  sollen,  vgl.  schol.  vet.  So2)h.  Ant. 
nennt,  vgl.  schol.  Aristopli.  a.  a.  0.  avviSgvzai  1115:  hoivu  zd  jivazrjgia  Jrjfirirgog  v.ctl  Jio- 
zfj  Jruit]ZQi  b  Jiövvaog  und  Orph.  Hymn.  40,  vvgov  (=  'idxxov).  Umgekehrt  wird  Iakchos 
10,  wo  die  eleusinisehe  Demeter  Bgopioio  für  Dionysos,  ja  sogar  metonymisch  für  die 
Gvvioziog  heifst  (Bgouiog  =  "laxxog;  vgl.  Eur.  Gabe  des  Dionysos,  den  Wein,  gesetzt;  Anthol. 
Bacch.  T2b:"lu*xog  Bpo'fuog).  Palat.   9,   82.    11,   59.    11,   64.     Cat.    64,   251, 

4)  ist  Iakchos  Sohn  des  Dionysos;  schol.  Verg.  ecl.  6, 15;  vgl.  Ov.  Met.  4, 15.  Stat.  Th.  2,85. 
Oxon.  Aristid.  3,  648,  vgl.  Hesyeh.   s.  v.  Sa-  Kultus  des  Iakchos. 

ßd&og  (der,  wie  wir  oben  sahen,  mit  Iakchos  co        Schon  aus  der  Überlieferung,  die  den  Iak- 

identificiert  wurde)-  ind>vv/j,ov  Jiovvaov.  oi  ä\  chos  bald  den  Sohn  oder  Gemahl  der  Demeter, 

vibv  Jiovvaov.   [Vgl.  auch  0.  Kern,  Hermes  25  bald  den  Sprofs  der  Persephone  nennt,  ergiebt 

(1S90)  S.  1  ff.  u.  d.  Artikel  Pais.  R.]    Bei  Nonn.  sich   der  innige   Zusammenhang,  in   dem   die 

Dionys.  48,   951  ff.   gebiert  die  von   Dionysos  Person   des   Iakchos  mit  den   beiden   grofsen 

schwangere  Nymphe  Aura  (s.  d.)  Zwillinge;  das  Göttinnen  von   Eleusis   und   ihrem   Mysterien- 

eine  Kind  zerreifst  sie,  das  andere,  eben  den  kultus  stehen  mufs;  so  wird  Iakchos,  der  Gott 

Iakchos,  rettet  Dionysos  und  übergiebt  es  der  der   eleusiuischen  Mysterien  (daher  bei  Nonn. 

Athena;  diese  reicht  dem  Säugling  ihre  Brust  Dionys.  13,  110  [vgl.  9,  98]  MvGxig  und  Tslizi] 


5                   Iakchos  (eleusin.  Kult)  Iakchos  (eleusin.  Kult)                   G 

Ammen  des  Dionysos-Iakchos  sind),  im  Chor-  zeigt  der  Bericht  des  Plutarch  (Ale.  34;  vgl. 
gesang  b.  Aristoph.  ran.  377  ff.  neben  der  Kora-  Xen.  Hell.  1,  4,  20),  wonach  die  Athener  seit 
Soteira  und  der  Demeter  angerufen  (vgl.  Artemid.  der  Besetzung  Dekeleias  durch  die  Spartaner 
Oneiroid:  2,  39:  z/?j(«;'r?;p  xai.  Kögn  v.al  o  Xsyö-  den  Festzug,  um  ihn  nur  zu  ermöglichen, 
fisvog  "[ctH%og  und  ebendas.  2,  34;  vgl.  Eustath.  übers  Meer  abgehen  liefsen;  im  Notfall  ging 
z.  II.  752,  21),  so  sehen  wir  diese  Gottheiten  der  Zug  unter  militärischer  Bedeckung  der 
in  der  praxitelischen  Gruppe  Paus.  1,  2,  4  Epheben  nach  Eleusis  (Flut.  a.  a.  0.  vgl.  C. 
(vgl.  Clem.  Alex,  protr.  54  Jrjfirjxga  K6qt]v  xal  I.  A.  2,  467.  Inschr.  im  Philistor  2  p.  238  f. 
xöv  "lav.%ov  xöv  (ivGTiKÖv)  vereinigt  und  finden  bei  Mommsen,  Hcortologie  227);  über  den  Weg, 
sie  wieder  in  der  italischen  Dreiheit  von  10  den  die  Prozession  nahm,  und  die  unterwegs 
Ceres,  Liber  (Mythogr.  Vat.  3,  12,  2;  Servitut  stattfindenden  Kultushandlungen  s.  Preller,  de 
zu  V.  Heiligen  6,  15)  und  Libera  (Gerhard,  Pro-  via  Sacra  Elcusinia  1.  2  =  ausgewählte  Auf- 
dromus  114  ff.);  so  heilst  Iakchos  bei  Strabo  468  sätze  117  ff.  und  in  der  Realencyklopädie  3, 
ug%nyi'xT]g  xäv  (Lvexvgicav  (vgl.  selinl.  An-  97  ff.  Mommsen  a.  a.  0.  226  ff.  253  ff.  Preller 
Stopji.  ran.  343  (ivaxrjgia  tov  xqg  tfifrijs  ov  läfst  den  Zug  vom  Eleusinion,  das  er  nord- 
fiovov  %OQ£vzi'iq,  ßUc  xcu  i£aQx°S  Vv  °  dio-  westlich  nnter  der  ßurg  nach  dem  Markte  und 
vvaog)  und  xijs  Jrjunxgog  daiuaiv  und  ist  Theseion  zu  und  nahe  bei  dem  Altar  der 
als  solcher  den  Mysten  leuchtender  Führer  zwölf  Götter  sucht,  ausgehen,  von  da  über  den 
(Iakchos  mit  Fackel  in  der  schon  erwähnten  Markt  nach  dem  'lax%&iov  (Plut.  Arist.  27,  6. 
Gruppe  des  Praxiteles  und  bei  Aristoph.  ran.  20  Alciphr.  ep.  3,  59;  in  der  Nähe  dieses  Tempels 
340;  die  Fackel  ist  Symbol  der  läuternden  safsen  Geldwechsler  und  Traumdeuter)  am 
Reinigung  Born.  Ilym.  Cer.  234  ff.  oder  der  peiräischen  Thore  [vgl.  jedoch  Milehhijfer  b. 
Lebenszeugung  Plat.  de  leg.  6,  776  b;  vgl.  Baumeister,  D.  d.  kl.  AU.  S.  161.  R.]  und  meint, 
Neuber  a.  a.  0.  28)  durch  Nacht  und  Finsternis  nachdem  er  sich  in  dem  in  der  Nähe  befind- 
zum  Licht  (als  Helfer  in  den  Gefahren  der  liehen  Tlo{iiiBiov  (Paus.  1,  2,  4)  gerüstet,  sei  er 
Unterwelt  heifst  Iakchos-Dionysos  nach  Preller,  durch  den  Kerameikos  (d.  h.  durch  das  thria- 
Aufsätse  297  =  Arehäol.  Zeit.  1861,  166  Epi-  sische,  heilige  oder  kerameikische  Thor)  hin- 
mach os  auf  einer  zu  Knidos  gefundenen  Basis  ausgezogen;  dagegen  nimmt  Westermann  (Zeit- 
rnit  der  Inschrift  Jäfiaxgi,  Kovga,  IlXovxcovi,  Schrift  f.  d.  Altertumswissenschaft  1843,  665  ff.) 
'Enifiäxo],  Eguä;  die  Stellung  zwischen  Pluton  30  an,  das  Eleusinion  habe  beim  Iakcheion  ge- 
und  Hermes  d.  h.  dem  Psychopompos  deutet  legen  oder  sei  mit  ihm  verbunden  gewesen, 
darauf  hin)  und  Geleiter  zum  Sitze  der  Seligen  und  verlegt  das  Eleusinion  entfernt  vom  Markt 
und  zur  Unsterblichkeit;  daher  nennen  ihn  die  an  das  östliche  Ende  der  Burg  ebenso  wie 
Mysten  q>iaoq>6gog  äaxrig;  Aristoph.  ran.  342;  Leake,  Top.  214,  4  (vgl.  Zeitschr.  f.  d.  Alter- 
vgl.  Soph.  Ant.  1147  jjopayog  aßzgcov  und  den  tumswissenseh.  1841,1157),  Gerhard,  Rhein.  Mus. 
Vers  des  Eumolpos  bei  Bind.  1,  11  acxgay>uvr\  18,  300  ff.  Abhandl.  2,  354.  Mommsen  a.  a.  0. 
diovvöov  iv  äxxivsoGi  nvgoixov.  Es  kann  hier  249;  nach  letzterem  a.  a.  0.  251  f.  ist  der  von 
nicht  der  Ort  sein,  näher  auf  die  eleusinischen  Pausanias  1,  2,  4  in  der  Nähe  des  peiräischen 
Mysterien,  denen  die  Person  des  Iakchos  den  Thores  erwähnte  Demetertempel  (mit  den  Bild- 
Stempel  einer  höheren  geistigen  Weihe  auf-  io  säulen  der  drei  eleusinischen  Gottheiten)  eben 
drückt,  und  deren  Feier  einzugehen;  es  sei  das  Iakcheion  (Böckh,  G.  I.  p.  471;  Milehhijfer 
hier  nur  kurz  gedacht  des  den  Iakchos  aus-  a.  a.  0.);  Sainte-Croix  bei  Bolle  a.  a.  0.  1,  128 
schliefslich  angehenden  Iakchostages,  der  auf  hält  das  Eleusinion  für  gleichbedeutend  mit  dem 
den  20.  Boedromion  (Preller,  Zeit  der  attischen  Iakcheion,  anäLobeck,  Aglaoph.  253  sehlofs  aus 
Eleusinion  Ztschrft.  f.  d.  Altert  um  sicissensch.  Paus.  1,  37,  4,  dafs  das  Iakcheion  auf  der  eleu- 
1835,  1001  ff. ,  Mommsen,  Hcortologie  226  ff.)  sinisehen  Strafse  jenseits  der  Kephissos  beim 
fiel  und  alljährlich  (äva  nävra  i'tf  a  Herod.  Denkmal  des  Mnesitheos  zu  suchen  sei.  Dieser 
8,  65  [beiläufig  die  älteste  Belegstelle  für  den  Mnesitheos  nämlich,  ein  Arzt,  hatte  aufser 
Namen  des  Iakchos])  gefeiert  wurde.  Bekannt  anderen  Bildsäulen  auch  eine  des  Iakchos 
ist,  dafs  der  Seesieg  von  Salamis  auf  diesen  r>o  (Paus.  a.  a.  0.)  geweiht,  in  der  Nähe  seines 
Tag  fiel  (Herod.  a.  a.  0.  Plut.  Thcm.  19.  Ari-  Denkmals  befand  sich  ein  Tempel  des  Kya- 
stid.  or.  19  vol.  1,  418.  or.  42  vol.  2,  282  und  mites,  der  nach  dem  Bericht  des  Pausanias 
schol.  3,  648),  und  dieser  glückliche  Zufall  wird  in  engem  Zusammenhang  mit  den  eleusinischen 
ohne  Zweifel  dem  Iakchostag  für  die  Zukunft  Mysterien  stehen  mufs.  Man  hat  diesen  Kya- 
ein  höheres  Ansehen  verschafft  haben.  Dieser  mites  für  identisch  mit  Iakchos  erklärt,  indem 
Tag  hiefs  selbst  Iakchos  (Hesych.  Suid.  "Ia-axog •  man  in  der  Glosse  des  Hesych.  Kvafiixng-  6 
7]  r/fifgci,  Haft'  'iqv  slg  avxbv  i)  Ttavriyvgig)  ebenso  itayv-og  xaXovusvog  konjicierte  6  "/axjjos  (Soping. 
wie  der  dem  Gotte  zu  Ehren  von  Athen  nach  und  Salmas.  in  Solin.  p.  258;  vgl.  Welcher, 
Eleusis  stattfindende  Festzug  (i^äysiv  "lu%%av  Götterl.  3,  284);  anders  jedoch  Preder ,  de  via 
Hesych.  Plut.  Them.  19.  Camill.  19,  9.  i 'gslav-  60  Sacra  Eleus.  2,  5.  —  Der  Zug  verliefs  Athen 
vsiv  xov  "iu-/.%ov  Plut.  Ale.  34,  3.  xov  "/kk^ov  schon  am  19.  Boedromion,  etwa  vormittags 
t'|  ä'otfos  'EisvatvaSe  nzincuv  Plut.  Phoc.  28.  (Mommsen  a.  a.  0.  226),  da  man  schon  in  der 
■ngonifi-ntiv  xov  "luv.iov  G.  I.  A.  2,  467.  471;  Nacht  auf  den  20.  in  Eleusis  sein  wollte  und 
vgl.  468 — 470.  ngonifinsiv  xov  Jiövvaov  schol.  der  Weg  dahin  ein  ziemlich  weiter  war  {Arist. 
Victor.  Arist.  ran.  395  vgl.  399),  an  dem,  wie  ran.  401  nolli)v  oSov.  Dodwell,  class.  tour.  hat 
aus  Herod.  a.  a.  0.  hervorgeht,  viele  Tausende  nach  Preller,  de  via  s.  E.  2,  14  den  Weg  von 
teilnahmen;  wie  sehr  den  Athenern  die  Feier  Athen  nach  Eleusis  in  4  Stunden  5  Minuten 
dieses    Tages    zum   Bedürfnis    geworden    war,  zurückgelegt),   auch   die  unterwegs  vovzuneh- 

1* 


7                   Iakchos  (eleusin.  Kult)  Iakchos  (Kult  zu  Agrai?)                  S 

menden  religiösen  Gebrauche  (ftvciai  Kai  %o-  Eleusis  ein,  worauf  die  Teilnehmer  nach  der 
gsiai  Kai  TioXXä  zäv  Sgco/aivcov  Ketof'  bSöv  isgäv  langen  Prozession  sich  der  Ruhe  widmeten; 
Plut.  Ale.  34,  3)  viele  Zeit  in  Anspruch  nahmen;  Mommsen  256.  Am  eigentlichen  Festtag,  am 
eröffnet  wurde  der  Zu£  durch  den  luY.%Kymyös  20.  Boedromion,  wurde  in  Eleusis  der  Demeter 
(Pollu.c  1,  35.  Böckh,  C.  I.  nr.  481.  Bofs,  Dem,  und  den  mit  ihr  in  Zusammenbang  stehenden 
nr.  189  p.  103),  der  das  aus  dem  Iakcheion  Gottheiten  (Eur.  Suppl.  1  ff.)  ein  Opfer  dar- 
abgeholte Bild  (so  Mommsen  253;  dagegen  gebracht,  das  auch  inschriftlich  bezeugt  ist; 
vermutet  Gerhard,  Abh.  2,  412,  dafs  Iakchos,  s.  C.  I.  A.  1,5:  ['ia-xj^w  (nach  Lcnormants  Er- 
der als  schöner  Knabe,  ägaiog  ftsog  (Arist.  gänzung;  zu  gleichem  Resultat  ist  Mommsen 
ran.  395)  gepriesen  wird,  durch  einen  leib-  10  257  gelangt)  Osoiv  zgizzöav  ßoagxov  iv  ry 
haftigen  Knaben  [vielleicht  einen  naig  icp'  iog[zy];  Lcnormant  deutet  die  zgizzöa  ß6ag%og 
Icri'ag]  dargestellt  worden  sei)  des  Gottes  trug  =  xgizzva  ßovßgägco,  als  ein  Opfer  von  drei 
oder  führte  (Poll.  a.  a.  0.),  ihm  folgen  Priester,  Tieren,  wovon  zuerst  das  Rind,  das  dem  Dio- 
Mystagogen  und  die  Schar  der  Mysten  (is gsig  8s  nysos  (Iakchos)  heilig  ist  (Mommsen  257;  vgl. 
nal  fivarag  Kai  [Lvoxayaiyovg  Plut.  Ale.  34,  5),  Art.  Dionysos  Bd.  1  Sp.  1057  Z.  2  ff.)  diesem  als 
bekränzt  mit  den  Zweigen  der  Weifspappel  der  Hauptgottheit  geopfert  wurde;  vielleicht 
(Sarpocr.  u.  Suid.  XsvKy  oi  ra  BaKxiKa  zsXov-  wurde  dem  Iakchos  auch  das  —  für  Perse- 
[isvoi  xfi  Xsvki]  azscpovzai;  Strab.  468)  und  der  phone  bezeugte  (Arist.  ran.  337)  —  Sehweins- 
dem  Iakchos  geweihten  Myrte  (Arist.  ran.  330;  opfer  dargebracht;  wenigstens  liefse  es  sich 
Istros  im  schol.  Soph.  Oed.  C.  681),  Fackeln  ao  aus  der  Notiz  des  Athanis  bei  Athen.  3,  98  d, 
in  den  Händen  tragend  (Suid.  XafinaSsvse&ai,  dafs  Dionysios  das  Schwein  emphatisch  i'ctKxog 
Strube  a.  a.  0.  55 f.)  und  beim  Durchschreiten  genannt  habe,  vermuten.  Die  ganze  darauf 
des  Marktes  einen  Gesang  zu  Ehren  des  Iak-  folgende  Nacht  hindurch  fand  auf  der  am 
chos  anstimmend  (Scsych.  Jiayogag'  .  .  aSsiv  eleusinischen  Meerbusen  (s.  o.  <J»joüs  iv  koX- 
röv  "Icckxov  8i'  dyogäg  ßaSigovrsg).  Dieser  Ge-  zroig)  gelegenen  thriasischen  Ebene  (svav&sig 
sang  hiefs  selbst  Iakchos  (Suid.  s.  v.  /.  iuivog  v.oXnovg  Xstfiävmv  Arist.  ran.  373,  äv&rjgbv 
s(g  iiiov.  Hesych.  cöSrj,  rjv  oi  (iSfiv-q{iivoi  ccSov-  sXsiov  SdnsSov  ebend.  351)  unter  Fackelschein 
eiv;  vgl.  Eust.  ad  II.  962,  61;  Long.p.  3,  11)  und  (Arist.  ran.  344  cpXoyl  tpsyyszat  Xsifiäv;  vgl. 
soll  von  dem  Gotte  selbst  erfunden  sein;  Arist.  445;  Eur.  Ion  1076.  Aeschyl.  fr.  383  (D.)  Xap- 
ran.  397.  Im  Festzug  ward  höchstwahrschein-  30  ngaioLv  doxganaioi  Xaunddiav  0&ivii'  daher 
lieh  auch  die  mystische  Wanne  oder  Wiege  heifst  die  thriasische  Ebene  selbst  das  'Fackel- 
des  Iakchos  (Xikvov,  mystica  vannus  Iacchi  gestade',  XafindS sg  ÜKzai  Soph,  0.  C.  1049 
Verg.  Georg.  1,  166;  nach  Servius  z.  d.  St.  dno  zäv  avzodi  iv  zoig  fivozggioig  XafindScov 
soll  diese  mystische  Wanne  bedeuten,  dafs  der  schol.)  eine  nächtliche  Feier  statt  (itavvvxßsg 
Mensch  in  den  Mysterien  ebenso  gereinigt  Arist,  ran.  371;  vgl.  445.  Cic.  de  leg.  2,  14,  35: 
werden  soll,  wie  das  Getreide  durch  die  quid  ergo  aget  lacehus  Eumolpidaeque  restri,  et 
Fruchtschwinge  [«anwies];  vgl.  Prodi,  in  Plat.  augusta  illa  mysteria,  siquidem  Sacra  nocturna 
Tim.  5,  330  b:  oi  .  .  zä  Aiovvoa  Kai  zf]  Kogrj  tollimus?  ögyta  vvKzuparj  Orph.  Symn.bi.  ogyia 
zsXovfisvot  zv%svv  dvarcvsvaai  KaKozrjzog)  von  ndvvv%a  Aiith.  Pal.  Append.  246,  3  =  C.  I.  G. 
Liknophoren  (Sarpoerat.  s.  v.)  mitgeführt,  wie  40  1,  401);  daher  heifst  Iakchos  auch  NvxzsXiog 
ja  auch  Iakchos  als  Liknites  (ini&szov  Jiovv-  schol.  Soph.  Ant.  1146;  vgl.  Plut.  de  st  Delph.  9. 
aov  dno  zäv  XiKviav ,  iv  oig  zä  ltuiBla  kol-  Paus.  1,  40,  6.  Anth.  Pal.  9,  524,  14.  Dar- 
tiävxai  Scsych.)  bei  Persephone  erzogen  (Orph.  gestellt  wurde  in  dieser  Feier  das  Suchen  und 
Sym.  46)  und  nach  dreijährigem  Schlummer  Irren,  die  Trauer  und  die  Aufheiterung  der 
(im  Xlkvov)  erwacht  sein  soll  (ebendas.  53;  Demeter  (Gerhard,  Abh,  2,  352.  439.  Momm- 
s.  Weniger,  d.  Colleg.d.  TJiyiaden  14);  auch  die  sein,  261);  auch  wurden  die  Mysten,  welche  den 
von  Kistophoren  getragenen  heiligen  Kisten  höchsten  Grad  der  Weihe  erlangt  hatten,  in 
(Suid.  KtazocpoQog'  ioiks  8h  zag  Kiczag  isgdg  diesem  mystischen  Drama  auf  die  künftige 
slvcti  Jiovvaov  Kai  xaiv  ®salv;  vgl.  Jahny  de  Seligkeit  hingewiesen.  ,, Dogmatischer  Gegen- 
cista  mystica  Sermcs  1869,  p.  319.  Lenormant  50  stand  der  höchsten  Weihe,"  sagt  Mommsen 
a.  a.  0.  1205  ff.)  befanden  sich  im  Zuge;  unter-  (S.  261;  vgl.  72)  „scheint  der  wiedergeborene 
wegs  verrichteten  die  Teilnehmer,  wie  schon  Bacchus  (lacehus)  im  glückseligen  Verein  mit 
erwähnt,  allerlei  religiöse  Gebräuche  (vgl.  die  seiner  Mutter  Köre  und  mit  Demeter  gewesen 
Inschrift  im  Philistor  bei  Mommsen   a.   a.   O.  zu  sein." 

227    ftvotäv    Kai   OTzovSäv    Kai   naidvcov   zä[v  Eine  Verehrung  des  Iakchos  in  den  'kleinen 

yiyvofiivcav  hkiJ'']  bäov  ^is&i^siv),  ferner  fanden  Mysterien'  zu  Agrai  ist  nicht  bezeugt  (Gerhard, 

die    sogenannten    Gephyrismen,    Scherze    und  Abh.    2,    355),    doch   nahmen   eine    solche    an 

Neckereien   (ey.änzsiv  Arist.  ran,  417;  itoXXet  Stephani,  compte  rend.    1859,   48  ff.    Welcher, 

ysXoiu   sinstv  ebend.  390)  statt,   und  zwar  an  Göttcrlchrc  2,   546.   640.    Ribbeck   a.  a.  0.  20, 

der    über    den   Kephissos    führenden    Brücke  co  der    sie    aus    den    Worten    des    Steph.    Byz. 

(Etym.M.  p.  229,6  ystpvgav,  Si  ijs  inl  'EXsvoiva  schlofs  "Jyga  .  .  .  iv  ca  zä  piKpa   fivozrlgta  im- 

Kaztteiv    oi    fivGtui.     Sesych.    yscpvQLOrai,    oi  zsXsizaL,     flifirjfia     zäv     tisqI     zov     Jwvvaov. 

OKtZmzai,    insl    iv    'EXsvoivi    ijcl  zyg  yiyvpag  Mittclhaus ,  de  Baccho  Attico  53   findet  in  der 

zoig     {ivazrjpioig    Kadsi;6(iivoL    tGKmnzov    zovg  Nachricht,   dafs   vor  dem  Tempel  des  Tripto- 

■jtagivvzag);    doch  ist  es  fraglich,  ob  die  Deu-  lemos  zu  Agrai  die  Bildsäule   des  Epimenides 

tung  der  Gephyrismen  von  yicpvga  die  richtige  (Paus.  1,  14,  4)   stand,    Epimenides   aber   für 

ist;  Mommsen  a.  a.  0.  29.  255.     Der  Zug  traf  die    Verbreitung    des    Kultes    des    mystischen 

abends  oder  in  der  Nacht  bei  Fackelschein  in  Bakcbos   sehr  gewirkt  habe,  den  Beweis   für 


9        Iakchos  (Kult  zu  Lerna,  Tegea  etc.)'  Iakchos  (Kult  zu  Sikyon;  Etymologie)     10 

die  Iakekosfeier  zu  Agrai.    Mommsm  (S.  378;  Dafs    Iakchos    auch     in    Sikyou    verehrt 

vgl.  71  f.)  vermutet,  dafs  sich  die  zweite  Weihe  wurde,  beweist  die  von  Timachides  bei  Athen. 

zu  Agrai  auf  die  Vermählung  des  Zeus  mit  der  15,  678  a  (Hesych.  lä%ia)  bezeugte  Benennung 

Persephone   bezogen  habe,    aus   welcher  Iak-  bacchischer  Kränze   als    luxxcu;   vgl.   Philetas 

chos   entsprossen   sei.     Ganz  entschieden  aber  ebene! as.,    der    einen    oziyuvog   'lctY.%uiog    er- 

gegen    einen    Kultus    des    Iakchos    zu    Agrai  wähnt,  vgl.  Mesyeh.  &'  Iühxcc-  äv&r}  s v  Svtivmvi; 

spricht  sich  Strube  a.  a.  0.  56  f.  65.  78  ff.  84.  denn  der  in  Sikyon  verehrte  Baxxnog  (Oiph. 

97   aus,    der  die   von  Stephani  (vgl.  Archäöl.  Mymn.  30,  2  Ban.%sioq  avug),  dessen  Bild  nur 

Anz.  18  [1860]  26  ff.)  gegebene  und  von  Welcher  einmal    im  Jahre    nachts    unter   Fackelschein 

a.  a.  0.  640  ff.  gebilligte  Deutung  der  zweiten  10  und    Hymnengesang     aus     dem     sogenannten 

Darstellung    der    Kertscher    Vase    als    die    zu  Kosmeterion  in  das  Dionysion  geschafft  wurde 

Agrai  gefeierte  gemeinschaftliche  Anodos   der  (Paus.  2,  7,  5),   ist  ebenso  wie   der  Bax%eiog 

Köre  und  des  Iakchos  unter  gleichzeitiger  Ge-  der   Korinthier    (Paus.   2,  2,    6)    mit    Iakchos 

burt   des   letzteren   durch  Persephone  verwirft  identisch  (Gerhard,  Abh.  2,  187.  223.    Prodrom. 

und  vielmehr  die  Geburt  des  Erichthonios  er-  129,33).   Vgl.  Bd.  1  Sp.  1093  u.  Paus.  2,  11,  3. 

blickt;  ebeuso  erklärt  Strube  97  O.Jahns  (Ar-  Aus  einem  von  Oelüer  (Phüoloyus  16,  355) 

chäol.  Zeit.  25  [1867],  68)  Ansicht  für  unhaltbar,  herausgegebenen,    zur   51.   Haeresie    des   Epi- 

der  auf  einem  Krater  mit  der  Beischrift  mgo-  phamos  gehörigen  Fragmente,  das  die  nächt- 

cpazTa  die  Übergabe  des  Iakchos  durch  Hermes  liehe  Feier  der  Köre  in  Alesandria  und   das 

an  Persephone  zu  erkennen  glaubte.                     20  Zeigen  und   siebenmalige    Herumtragen    eines 

Auch  in   den  mit  Eleusis  wohl  in  Zusam-  hölzernen  Bildes  unter  Gesang  und  Musik  um 

menhang  stehenden  (Preller,  Demeter  211;   in  den   Tempel   der  Köre    schildert,   wobei   man 

der  Realencyhl.  2,  1066.    Gerhard,  Abhandl.  406)  den    Ruf  ertönen    liefs  rj   Kögrj    tyivvnos   zov 

lernäischen   Mysterien   (ein   Orgiophantes  Aläva,  wollte  Stephani,  campte  rend.  1859,  60 

Aegvcticov    äävrcov    Anthol.    Pul.    9,    688,     ein  auf  eine  Festfeier  des  Iakchos    zu  Alexandria 

Hierophantes    dwoig     -ao!    Kovgrjg    Asgvaicav  schliefsen  (das  Gleiche  wie  in  Alexandria  ge- 

aSvriov  Append.  epiyr.    145)    findet   sich  Iak-  schah   übrigens    in    derselben   Nacht   in    den 

chos  (Liban.  orat.  14,  I  p.  427:  b  zrtv  Asqvtjv  Städten  Elusa  und  Petra,   wobei  man  in  ara- 

Karrf  %(ov  "Ia-Kxog;  vgl.  die  römische  Inschrift  bei  bischer  Sprache  die  Köre  als  Chaabu  und  den 

Preller,  Demeter  213:  Sacratae  apud  Laernam  30  von  ihr  geborenen  Dusares  [s.  d.]  feierte);  da- 

Deo  Libero  et  Cereri  et  Corae  und  die  Weih-  gegen  sucht  Strube  a.  a.  0.  82  ff.  nachzuweisen, 

inschrift    bei   Kaibel,   epiyr.   821  f.     Bax^oo   fie  dafs    unter    dem  Aion    des    Epiphanios   nicht 

ßctHXOv  xal  ngoav/ivai'u  dtä  x.  z.l.)  mit  Perse-  Iakchos,  sondern  Christus  gemeint  sei. 

phone  uud  Demeter,  welche   letztere  hier  den  Etymologie.    Gewöhnlich  leitet  man  Iak- 

Namen  Prosymna  führt,  gepaart.    Nach  Paus.  chos  von  den  bei  seinen  Festen  ausgestofsenen 

2,  37,  2  befanden  sieh  in  einem  zwischen  den  Rufen  ab;  Elym.  M.  462:  naga  zr\v  la%r\v  zr\v 

Flüssen    Pontinos    und    Amymone    gelegenen  tv   zaig  xoQiCaig  yivo(x.ivrjv   zovzkaxi   zr\v   ßoi\v 

heiligen  Haine  Bilder   der  Demeter  Prosymna  yivszai    i'ax°S    «<n    nlsovaa[ico    zov    %    i'ait%og; 

und  des  Dionysos,  in  einem  anderen  Tempel  ein  vgl.  Eust.  ad  Moni.  IL  629,  30.  962,  60.   Gram. 

sitzendes  Holzbild  des  Dionysos  Sadzng  (=  Iak-  do  Anecd.   Oxon.  2,  451,  7.  schol.  vet.  Aesch.  Sept. 

chos;  vgl.  Hermann.    Gottesdienstl.   Altert.  52,  618  (K.).  Suid.  fazijpatct'  ääai  Jiovvaia-dai.  — 

12;    ein   Altar    des   Dionysos   Saotes    auch   in  ?<xx>V   ^no   zov  lü%af   zovzo  dt  naget  zb  i'u,    6 

Troizen,  Paus.  2,  31,  8),   dem   alljährlich   an  erj/ialvst   zi[v   cpiovr/v;    es    wäre    Iakchos   also 

dem    alkyouischen    See    nächtliche    Mysterien  dann   ein  Jubelruf  wie  Eleleus,   Euan   etc.  — 

gefeiert  wurden  (Paus.  2,  37,  6),  zu  denen  die  Bcrgh   bei    Ersch    und    Gruber ,    Qriech.   Litt. 

Argiver  in   den  älteren  Zeiten  das  Feuer  aus  315  a   Anm.    88.    Savelsberg,    de   cliyamm.    24. 

dem    Heiligtum    der    Artemis    üvgaivicc    vom  liibbech  a.  a.  0.  20  Anm.  1.    Röscher  in  Our- 

Berge  Krathis  holten;    Paus.  8,   15,   8.     Wie  tius'  Studien  I,  2  S.  122.  Curtius,  Grundzüge5 

Zagreus    von    den   Titanen    getötet    ward,    so  460.  576  erklären  es  mit  Recht  als  Reduplikation 

wurde    nach    argivischer   Sage    Dionysos    von  50  von  Bdv.%og  aus  fij-ay.xog  entstanden,  wie  ja  bei 

Perseus    erschlagen    und    in    den    lernäischen  Monier  i'ä^co  und  ia%r]  stets  noch  mit  Digamma 

See  geworfen  (schol.  Victor.  II.  |  319.    Lobech,  anlauten.     Mommsen  a.  a.  0.  68  sieht  in  Iak- 

Aylaoph.  574);  zu  einer  bestimmten  Zeit  riefen  chos    einen    schmerzlichen    Klageruf    (Ivyfiog 

die  Argiver,  indem  sie  ein  Lamm  in  den  See  Mom.  II.  18,  572).    [Richter  a.  a.  0.  378  b  hält 

warfen,   den  Dionysos  wieder  empor.     Stellen  es    für    eine   Abkürzung  von  'l6ßaxx°s   (s-  d) 

bei  Lobech  a.  a.  0.  619  Aum.  d.  und    weist    daneben    auf    die    Ableitung    von 

Nicht  unwahrscheinlich  sind  mit  dem  von  dem  syrischen    Iakko    (=    säugender    Knabe; 

Paus.  8,  54,  5  erwähnten  Tempel  des  Dionysos  vgl.  oben  <JiovvGog  £itl  zä  jxaerm)  hin,  Sichler 

Mystes   (Anth.  Pal.  9,  524,  13),    der  auf  dem  bei    Richter   a.   a.    0.    leitet    den  Namen    her 

Weg  von  Tegea  nach  Argos   nicht  weit  von  60  von    !~i;p     erhellen,    Licht    machen,    und    er- 

einem   Tempel   der   Demeter   stand,   und   den  klärt    Ti>-rD^    als   die   erhellende,  erklärende, 

zwei  in  Tegea   6elbst  neben  einem  Altar  der  deutlich  machende  Kraft,  Neubcr   a.  a.  0.  29 

Köre    gelegenen    Heiligtümern    des    Dionysos  erblickt   in    Iakchos    „die    apokopierte    dritte 

(Paus.  8,  53,  7)  Tempel  des  Iakchos  gemeint.  Pers.  des  Fut.  der  Form  Aphel  vom  Verbuni 

Ebenso   scheint  Verehrung   des  Iakchos   statt-  chava,  jacho  d.  h.  er  wird  leben  machen,  wird 

gefunden  zu  haben  in  Pheneos  (Paus.  8,  15, 1),  beleben;    noch   andere  bringen  Iakchos  in  Zu- 

Thelpusa    (Paus.  8,  25,  2),    Megalopolis  sammenhang  mit  Iao  ('s.  d.)  vgl.  Rolle  a.  a.  0. 

(Paus.  8,  31,  3).  1,  302  ff.] 


11       Iakchos  (i.  (1.  Kunst)  —  Ialemos  Iainbe                             12 

Iakchos  in  der  Kunst.  Mit   seinem  Bruder   führte   er   die  Minyer  auf 

Schon  oben  wurde  die  von  Mnesitheos  ge-  30  Schiften  nach  Troja,  Honi.  B  511  ff.  (Paus. 

weihte  Bildsäule  des  Iakchos  sowie  das  Werk  9,  37,  7.  Hyg.  f.  97;  vgl.  auch  Tsetz.  Posthorn 

des   Praxiteles  erwähnt  (Iakchos  ist  iu   dieser  87)  und   soll   nach   der  Zerstörung  der  Stadt 

Gruppe  wohl  mit  Welcher  und  Gerhard,  Abh.  seine  Leute  nach  dem  Pontos  geführt  und  als 

2,  410   als  Ephebe  [auf  der  Grabsehrift  eines  Achaier  daselbst  angesiedelt  haben,  Strab.  416 

Knaben  Append.  136,  5  roiog  S'  r\v  ysyaiog,  olog  (aus  ihm  Eustath,  p.  272).   Appiaii.  b.  Mithr. 

noz'  ttpvoiv  (oiog  irorf,  cpaolv  Jacobs)  "laxxog]  67.  102.  I)ion.  Perieg.  083  (Priscian.  Per.  063). 

zu  denken,   nicht  mit  Preller,  Aufs.  292  f.  =  Tgl.  O.  Müller,   Orchomenos*    203.   241.      Da- 

Archäol.  Zeit.  1845,  10S  f.  als   erwachsen   und  10  gegen   läfst  die  Grabschrift   bei  Aristot.  Pepl. 

der  Persephone   an  Alter  und   Gröfse  gleich);  1576  a   10   die  beiden  Brüder  in   rninyeiscker 

vielleicht  ist  letzteres  mit  dem  von  Cic.  Verr.  Erde  ruhen.     Aus   dem  Verzeichnis  der  troja- 

4,   60,   135   erwähnten  identisch   (Friederichs,  nischen  Helden  kamen  beide  Namen  in  das  der 

Praxiteles  12.     Overbeck,  Gesch.  d.  Plastik  2,  Argonauten  bei  Apollod.  1,  9, 16  (anders  Jessen, 

22,   2);   ob   in   der  verderbten  Stelle  ebendas.  Proll.  in  catal.  Argon.  Berlin  18S9  S.  14)  und 

57,   128,  wo  es  keifst,  Verres  habe   aus  dem  der  Freier  der  Helena  bei  Apollod.  3, 10,  8  (I.  fehlt 

Tempel  der  Libera  parinum  Caput  illud  pulcher-  bei  II yg.  f.  81).                                     [Seeliger.] 

rimum   geraubt,   mit  Richter  für  parinum  zu  Ialouus  (-a?).    Auf  einem  Votivaltärchen  aus 

lesen  ist  puerinum  (=  pueri  Iacchi;  vgl.  Ov.  Nismes    liest  Hirschfeld,   CIL  12,  3057   add. 

Met.  4,  18,  wo  er  puer  aeternus  heifst),  bleibt  20  Ialon  I  et  For  \  jJonfif\.  Die  zweite  Zeile  scheint 

zweifelhaft.  Über  Iakchos  auf  Kunstdenkmälern  et  For(tunae)  zu  lesen  zu  sein.    Mit  der  in  der 

vgl.  man  Gerhard,  Bilder  des  Iakchos  Abh.  2,  ersten  Zeile  genannten  Gottheit  (im  Index  des 

367  ff.    409  ff. ,    der   gegen   Preller,   Aufs.  293  Corpus  Ialona)    ist    zu    vergleichen    der   deus 

den   bärtigen   Typus    des    Iakchos   in   Abrede  Ialonus  Contre .  . .  der  Inschrift  von  Lancaster 

stellt  (Abh.  2,  409);  über  geflügelte,  gehörnte  CIL  7,  284    (vgl.  290    deo   saneto    Contrcbi). 

und  mannweibliche  (vgl.  den  Mises-Iakchos  der  [M.  Ihm.] 

Ürphiker:  Orph.IIyvm.i2.  Gerhard,  Abh.  2,89)  Ialysos   (Idlvcog),    rhodischer  Heros,  nach 

Darstellungen  vgl.  Gerhard,  Abh.  2,  369,  412.  welchem  die  Stadt  Ialysos  benannt  war.    Ker- 

Ebend.  410  f.     Prodromus  79:   Iakchos,  Plutos  kaphos,  ein  Sohn  des  Helios  und  der  Rhodos, 

und  der  mystische  Eros  (vgl.  Archäol.  Zeit.  8  30  zeugte   mit  Kydippe  (Lysippe,   Eustath.  Hom. 

[1850],  164)   ähnlich   dargestellt.     Ferner  vgl.  p.   315,    29),    einer    Tochter    seines    Bruders 

Archäol.  Zeit.   3   (1845),   63  f.   8  (1850),   161  ff.  Üchimos,    den  Ialysos,   Lindos   und  Kameiros, 

und  Strube  a.  a.  O.  78.    Archäol.  Ans.  18,  99.  welche  die  Insel  Rhodos  unter  sich  teilten  und 

Archäol.  Zeit.  19  (1861)  165.    E.  Thrämer  oben  die  drei  nach  ihnen  benannten  Städte  bauten, 

unter  Dionysos  Sp.  1130  Z.  5  ff.  Sp.  1148  Z.26ff.  Find.  Ol.  7,  74  (136)   und  Schol.  Diod.  5,  57. 

1149,  40  ff.    Förster  a.  a.  O.  266  f.    Lenormant  Steph.  B.  v.  Käuipog  und  ,l(vSog.   Bei  Tzets.  zu 

a.  a.  O.  1062.   1070.     [Vgl.    auch   Petersburger  L.  923  heifsen  die  drei  Brüder  Nachkommen  des 

Vasens.  nr.  1792.     Vase  d.  Samml.  Santangelo  Helios   und    der  Rhode  oder  der  Rhode  und 

nr.  11  =  Arch.Z.  1867,  220  f.    Brit.  M.  nr.  674.  des  Poseidon.     Syme,  nach  welcher  die  Insel 

Über  das  eleusinische  Relief  vgl.    Welcher,  A.  .10  Syme   zwischen  Rhodos   und  Knidos  benannt 

Derikm.  5,  106  f.   Overbeck,  K.  M.2,  567.   Frie-  sein  sollte,  heifst  Tochter  des  I.  und  der  Dotis, 

derichs-  Wolters  nr.  1182.    R.]     [Höfer.]  wegen  einer  dotischen  Kolonie,  die  nach  Rhodos, 

Ialemos  ('Idltfiog) ,  Sohn   des  Apollon  und  Kuidos  und  Syme  ging,  Mnas.  bei  Athen.  7,296b. 

der  Muse  Kalliope,   nach  welchem  die  Klage-  Steph.  B.\.Ev^v.  Müller,  Orchom.  195.   Aegin. 

gesänge    (Lältfioi)    über    frühen   Tod    in    der  41  ff.    [Über  das  Gemälde  des  Protogenes  vgl. 

Natur    und    im    Menschenleben    benannt    sein  Brunn,  Gesch.  d.gr.  Künstl.  2, 236 ff.  R.]  [Stoll.] 

sollten,    Bruder  des  Hymenaios   und  Orpheus.  lambadules  ('lafißaäovXrig),  ein  barbarischer 

Manche  identificierten  ihn  mitLinos;  wie  dieser  ithrakischer?)  Gott  auf  einem  jetzt  im  kapitol. 

galt    er   für    den   Gegenstand   des    Klagelieds,  Museum  zu  Rom  befindlichen,  mit  griechischer 

für    einen   Knaben    oder  Jüngling,    der   einen  50  Inschrift   versehenen   Votivrelief  eines    Präto- 

frühen  unglücklichen  Tod  gefunden,  sowie  auch  rianers,  welches  zwei  Götter  (Zßsg&ovgäog  und 

für  den   Erfinder  des   Trauerlieds.     Pindar  b.  'lafiß.)  darstellt,  von  denen  der  zur  L.  ganz  als 

Schol.  Eurip.  Blies.  892   (Pind.  fr.  116  Bergk.  Iuppiter  (mit  Blitz  und  Scepter),   der  andere 

Müller    hist.    gr.   fragin.   3,   303,   8.     Welcher,  als  ein  nackter  reitender  Jüngliug  mit  langem 

Kl.    Sehr.    1,    50).     Schol.    Eurip.    Or.    1375.  Haarschopf  dargestellt  ist.     Vgl.  Mats-Duhn, 

Suppl.  281.    Schol.  Pind.  Pyth,  4,  313.    Schol.  Ant.  Bildw.  in  Born  nr.  3771.     [Röscher.] 

Ap.    Rh.    4,    1304.    Hesych.   u.   Et.    M.   s.   v.  lambe   ('Idußrj).     Im  homerischen  Hymnos 

Preller,  Gr.  Myth.  2,  490.  Gerharde.  §324,3.  auf  Demeter,   v.  195  ft'.,    erscheint   lambe    als 

[Stoll.]  Dienerin  im  Hause  des  Keleos  und  der  Meta- 

Ialmenos  (läl^tvog  „der  Wehklager"  nach  co  neira  in   Eleusis,    sie  bringt  der  um   die  ge- 

O.  Müller,  Orchomenos2  S.  241 A.  5,  „der Werfer"  raubte  Persephone  trauernden  Demeter  einen 

nach  Pape-Bcnselcr),  Sohn  des  Ares  und   der  Sitz    und    erheitert    sie   durch   allerlei   Scherz 

Astyoche,  der  Tochter  des  Aktor,   mit  seinem  und    Mutwillen.      Daraus    entstand    die    Sitte, 

Bruder  Askalaphos  Beherrscher  des  boiotischen  bei  den  Festen  der  Demeter  allerlei  Spott,  Mut- 

Orchomenos,    Hom.    B  511  ff.    Paus.   9,  37,  7.  willen  und  Ausgelassenheit  zu  treiben.    Ebenso 

(Eustath,  zu  Hom.  B  511  p.  272.)  Hyg.  f.  159  Apollodor  1,  5,  1,  3;    Diodor  5,  4;   Etym.  M. 

p.  15,  2  Seh.   (f.  97  p.  91,  6   beruht   der  Zu-  s.  v.  'Icifißri;  Hesych.  s.  v.     In  der   orphisohen 

satz  „Lyci  et  Pcrnidis  filius"  auf  Korruption).  Poesie,  wo  die  derben  Späfse,  welche  die  De- 


13 


Iarnenos 


Ianthe 


14 


meter  aufheitern,  ausführlich  besprochen  wer- 
den, tritt  Baubo  (s.  d.)  an  die  Stelle  der  Iambe. 
Die  Sage  verdankt  wohl  ihren  Ursprung  dem 
Bestreben,  die  Verbindung  jener  Ausgelassen 
heit ,  jenes  Scherzens  und  Spottens ,  kurz  des 
ictfißigsiv  mit  den  Demeterfesten  zu  erklären. 
'lafxßri  bedeutet  eben  nichts  anderes  als  Spott. 
So  sagt  das  Etymolog.  M.  s.  v. ,  das  Wort 
Iccfißi^eiv  komme  her  von  ibv  ßd'^siv  rj  mg 
ßtXn  ßdXXsiv  tu  Xiyöuivu,  was  zwar  dem  Sinne  10 
N  nach  richtig,  aber  etymologisch  unmöglich 
ist.  Der  Name  wird  vielmehr  abzuleiten  sein 
von  laitxa  sende,  schicke  (besonders,  von  Ge- 
schossen gebraucht).  So  hiefsen  auch  die 
Spottverse  der  griechischen  Lyriker  lamben, 
weil  sie  gleichsam  wie  Geschosse  auf  die 
Gegner  geschleudert  wurden.  Wurden  aber 
die  Spöttereien  (lafißiia)  der  Demeterfeste  auf 
die  mythische  Gestalt  der  Iambe  zurückge- 
führt, so  lag  es  nahe,  auch  die  Erfindung  der  20 
Iambendichtung  von  Iambe-Enipo  herzuleiten; 
vgl.  Sittl,  Gesch.  d.  griech.  Litt.  1,  269  f.  Anders 
Eustath.  ad  Hom.  p.  1684.  48.  54.  Jaeobi, 
Mythol.  Wörterbuch.  —  Als  Eltern  der  I.  erwähnt 
das  Et.  31.  den  Pan  und  die  Echo  (Thrakerin 
ist I. nach  Proldos  b.  Westphal, So:  Metr.  1  p.  242). 
Auch  diese  Genealogie  scheint  aus  dem  Namen 
geschöpft,  der  dort  auch  abgeleitet  wird  von 
i'av  ßäfeiv,  i'a  nämlich  sei  die  gemeine  Stimme, 
das  gewöhnliche  Geschrei  der  Menschen.  Die  30 
lärmende  Freude  bei  ländlichen  Festen  konnte 
wohl  allerdings  die  Vorstellung  wachrufen,  dafs 
das  Tosen  des  Festlärms  ein  Kind  des  länd- 
lichen Gottes  Pan  und  des  Wiederhalls  sei. 
Etymologisch  ist  diese  Ableitung  unmöglich. 
Vgl.  auch  Preller,  Gr.  Mytli.  I3,  648.  Ludwich, 
Fleckeis.  Jahrb.  1890  S.  51  ff.      [Weizsäcker.] 

Iarnenos  ('lafisvög,  auch  'lapivög,  Schol.  LI. 
12,  193.  Et.  M.  s.  v.),  ein  Troer,  beim  Sturm 
auf  die  Mauer    des   griechischen  Lagers    von  io 
Leonteus  getötet,  11.  12,  139.  193.     [Stoll] 

Iamidai  {'Iay-CSai),  Nachkommen  des  Iamos 
(s.  d.).     [Röscher.] 

Iamnos  ("Iaavog),  der  Heros  Eponymos  des 
phönikischen  Städtchens  lamnia,  Steph.  B.  v. 
'lafivla.     [Stoll.] 

Iamos  ("Iupog),  Sohn  des  Apollon  und  der 
Euadne,  der  Tochter  des  Poseidon  und  der 
Pitana,  der  Stammvater  der  Iamiden,  einer 
Weissagerfamilie,  die  in  Olympia  dem  alter-  50 
tümlichen  Orakel  des  Zeus  vorstand  und  dort 
ihren  Hauptsitz  hatte.  Paus.  6,  2,  3.  Müller, 
Vor.  1,  142.  253.  Boeckh  ad  Find.  Ol.  6.  Expl. 
152f.  660.  Preller,  Gr.  Mytli.  1,  113  f.  2,  477. 
Curtius,  Pcloponn.  2,  110,  55.  —  Pitana,  die 
Tochter  des  Eurotas  (der  Ort  Pitana  war  eine 
Korne  von  Sparta),  hatte  ihre  neugeborene 
Tochter  Euadne,  um  sie  zu  verbergen,  zu  dem 
Arkader  Aipytos  nach  Phaisana  am  Alpheios 
gesandt.  Dort  gebar  die  Jungfrau  Euadne  von  go 
Apollon  im  dunkeln  Haine  einen  Knaben,  den, 
als  die  Mutter  ihn  aus  Scham  verliefs,  durch 
göttliche  Vorsorge  zwei  Schlangen  mit  Honig 
nährten.  Weil  er  zwischen  blühenden  Veilchen 
liegend  gefunden  wurde,  nannte  ihn  die  Mutter 
Iamos  (Veilchenreich).  Dem  Aipytos,  der  wegen 
des  Knaben  den  delphischen  Gott  gefragt 
hatte,   wurde   verkündet,    derselbe  werde  ein 


herrlicher  Seher  und  Stammvater  eines  lange 
dauernden  Sehergeschlechtes  werden.  Als 
Iamos  zum  Jüngling  herangereift  war,  stieg  er 
in  der  Nacht  in  die  Flut  des  Alpheios  hinab 
und  rief  seinen  Ahnen  Poseidon  und  den  Vater 
Apollon  wegen  seiner  Bestimmung  an.  Apollon 
gebot  ihm  antwortend,  seiner  Stimme  zu  folgen, 
und  führte  ihn  nach  Olympia,  wo  er  ihm  ver- 
lieh, sowohl  die  Stimmen  der  Vögel  zu  ver- 
stehen u.  zu  deuten,  als  auch  aus  den  brennenden 
Häuten  der  Opfertiere  auf  dem  Altare  des  Zeus 
zu  weissagen,  sobald  Hepakles  die  olympischen 
Spiele  stifte.  Seitdem  bestand  das  berühmte 
Sehergeschlecht,  Pind.  Ol.  6,  28—70  (46—120) 
mit  d.  Schol,  bes.  z.  v.  46  u.  111.  [Vgl.  Gag.  arch. 
1880  T.  34.  Bev.  d,  reo.  6  p.  227.  Dr.]    [Stoll.] 

lana  (=  Diana?),  zweifelhafter  Name  einer 
römischen  Göttin,  welche  entweder  als  Diana 
oder  Luna  gedeutet,  oder  als  feminine  Par- 
allele zu  Ianus  gefafst  wird.  Vgl.  Varro 
r.  r.  1,  37,  3:  nunquamne  rure  audisti  octavo 
Ianam  (codd.  Lariam)  et  crescentem  et  contra 
senescentem  et  quae  crescente  luna  fieri  oporteret 
[et]  tarnen  quaedam  melius  fieri  post  octavo 
Ianam   (codd.   Lanam)  quam  ante?.     Macrob. 

1,  9,  8 :  pronuntiacit  Nigidins  Apollinem  Ianum 
esse  Dianamque  Ianam  apposita  D  littera  etc. 
Tertull.  ad  nat.  2,  15:  et  diva  Arquis  et  Lana 
(Iana">  1  et  montium  Septimontium etc.  Vgl.  oben 
Bd.  1  Sp.  1003;  unt.  Sp.  48.  Preller,  Ä.il/.31,167. 

2,  221.    Buttmann,  Mythol.  2,  72.     [Röscher.] 
Iauassa  ('Idvaaaa),  eine  der  Nereiden  (s.  d.); 

II.  18,  47.  Hygin.  f.  praef.  p.  29  Bu.  Vgl. 
Ianeira  und  Ianthe.     [Röscher.] 

Iandysos  ('Idvdvoog) ,  König  der  Skythen 
zur  Zeit  des  ägyptischen  Königs  Sesostris,  Arrian 
in  Phot.  Bill.  cod.  58.     [Stoll] 

Ianeira  i'ldvsigä),  1)  Nereide,  II.  18,  47. 
Hygin.  praef.  p.  29  Bunte.  Braun,  Gr.  Götterl. 
§  99.  —  2)  Okeanide,  Hcs.  Th.  356.  Hom. 
Hyrrm.  5,  421.  Schümann,  Opusc.  Ac.  2,  150  über- 
setzt Fovela.  Hermann,  Opusc.  6,  172.  Lobeck, 
Proleg.  pathol.  263.  Braun,  Gr.  Götterl.  §  156 
(„die  Männererfreuende,  Männerbeglückende"). 
—  3)  Tochter  des  Iphis,  Gemahlin  des  Kapa- 
neus,  gewöhnlich  Euadne  genannt,  Schol.  Pind. 
Ol.  6,  46.     [Stoll] 

Ianiskos  ('lavicxog),  1)  Sohn  des  Asklepios, 
Schol.  Aristoph.  Plut.  701.  Gerhard,  Mytli.  1 
§  510.  S.  unten  Sp.  23  Anm.  —  2)  Nachkomme 
des  Atheners  Klytios,  des  Schwiegervaters  des 
sikyonischen  Königs  Lamedon,  welcher,  aus 
Attika  kommend,  König  in  Sikyon  wurde,  als 
Adrastos,  (s.  d.),  seine  Herrschaft  in  Sikyon 
aufgebend,  nach  Argos  zurückgekehrt  war. 
Nach  seinem  Tode  ward  der  Heraklide  Phai- 
stos  in  Sikyon  König.  Paus.  2,  6,  2.  3.  Ger- 
hard, Myth.  2  p.  238  f.     [Stoll] 

lnrmn("lavva), . .  nvig  öi  trjv 'KXivrrv :  Hesych. 

[Höfer.] 

Ianthe  ('iäv&ri),  1)  Okeanide,  Hes.  Th.  349. 
Hom.  Hyrrm.  5,  418.  Paus.  4,  30,  3.  Hygin. 
praef.  p.  28  Bunte.  Schümann,  Opusc.  Ac.  2, 
147  („Violiflora").  Braun,  Gr.  Götterl.  §  147 
(die  „Wärineerquickte").  —  2)  Eine  kretische 
Jungfrau,  Tochter  des  Telestes,  vermählt  mit 
der  durch  die  Huld  der  Isis  in  einen  Jüng- 
ling verwandelten  Iphis,  Ovid.  Met.  9,  666 ff. 


15        Ianus  (röru.  Kulte  u.  Lokalsagen)  Ianus  (Kult  d.  Geminus  od.  Quirinus)     16 

—    [3)    Nymphe    (Okeanide?)    zwischen    zwei  Forums,   und  zwar   „ad  infimum   Argilctum" 

tanzenden  Silenen  stehend  auf  einer  attischen  (Biv.  1,  19,  2.    Serv;  z.  Verg.  A.  7,  007)  nach 

streng-rotfigur.  Schale  in  Berlin;  Fwtwängler  Jordan,   Top.  1,2,  351   u.  214    „zwischen    d. 

nr.  4220.    Koscher.]     [StolL]  Severnsbogen  und  San  Adriano"  (anders  Richter 

Ianuaria  Dea  s.  d.  Nachträge.  b.   Baumeister,  Benhn.  S.   1467   u.  Annali  d. 

Iauns.  Inst.  1885  S.  323  fl'.),  d.  h.  wohl  an  einer  von  der 

_,.,..  -         ,     ,  Subura     nach     dem     Forum     herabführenden 

A.   Kultstatten  und  Lokalsagen.  strafse  {Jordan  a.  a.  0.),  stand  der  uralte,  der 

1)  Rom.   Wie  alt  der  Ianusknlt  zu  Rom  und  Sage  nach  von  Suma  gestiftete  (Pisa  b.  Varro 

in  Italien  überhaupt  war,  ersieht  man  am  besten  10  l.  l.  5,  165.   Biv.  1,  19,  2     Plin.  h.  n.  34,  33. 

aus  der  Thatsache,  dafs  er  schon  von  Romulus  Plut.    Num.  20.    Flor.   1 ,  2.    Serv.   a.   a.  O.) 

eingeführt  sein  sollte   (vgl.   Varro  b.  August.  Ianus    Geminiis    (Macroh.  1,  9,  9  u.  5,  15  f. 

c.  d.  4,  23:   Romulus  .  .  .  ergo  constituit  Ro-  Flor.  1,  g.  2,  34.    Bio  C.  54,  36.   Eutrop.  9,  2. 

manis   deos  Ianum,  Iovem,  Martern,  Picum,  Sud.  Nero  14.    Vellci.  2,  38,  3.    Vita  Commodi 

Faunum  etc.     Hcrodian  1,  16:    &sbg   vlqxuio-  16.     Gordiani  tres  26.     Viri  ill.  79,  7),    auch 

xaxog    xrjg    'ixaXiag    sitixäqiog.    luv.   6,    393:  wohl  ebenso  wie   die  darin  befindliche  Statue 

antiquissimc  divum  .  .  .  lane  pater.    Procop.  b.  bifrons  (Verg.  A.  7,  180.  12,  198),  biformis 

Goth.  1,  25   b  "Iavog   jrpajros  rrv   xäv   a-p^cuW  (Ov.  f.   1,  89),   oder   geminae  portae  belli 

&säv,  oi'g  äi)'Pa>fiatoi  yXäaan  xy  aeptzegee  irsvä-  (Verg.  A.  7,  607),  Iani  gemini  portae  (Viri 

xag  [Hss.  nzvrjxag]  ixdXovv),  ferner  daraus,  dafs  20  ill.   79,  7.     Aug.   c.   d.    3,    10),   nvXq   svväXiog 

Ianus  in  dem  Kulte  und  den  Liedern  der  von  (Mon.  Anc.  Gr.  7,  5),  ÖL&vgog  vsäg  oder  nvln 

Hninn    eingesetzten   Salier  eine  Rolle    spielte  iioXiuov  (Plut.  Num.  20,  1),  porta  Iannalis 

(Varroh. Macrob.  l,d,li:  Saliorum  antiquissimis  (Varro  l.  I.  5,  165),  porta  Iani  (Flor.  1,  18), 

carminibus  Ianus  Beorum   deus   [Varro   l.   I.  mvkai  xov  'Iavov  (Bio  C.  51,  20),  oder  Ianus 

7,  27]  canitur.    Varro  l.  I.  7,  26:  Buonus  cerus  Quirinus  [Quirini?]  genannt  (Mon.  Anc.  Bat. 

es,  du(o)nus  Ianus.    Pauli  epit.  3,  6.    Io.  Byd.  %  42.    Suet.  Aug.  22;  vgl.  Macr.  1,  9,  16.   Hör. 

de  mens.  4,  2:  dvoHea'öixa  ngvxdviig  ■jtQog  xov  ca.  4,  15,  9:   Ianum  Quirini  [oder  Quirinum? 

Novuä  zovg  .  .  .  ZaXwvg  OQio&ijvcti  qxxoiv*),  vgl.  Kicfsling  z.  d.  St.]  clausit).  Wie  eng  dieses 

vavovvxag   xbv   'lavbv   v.axä  xbv  xäv  'ixaXwäv  „zweifellos  uralte   Heiligtum  (Jordan  a.  a.  O. 

pnväv  ägi&ijiöv.    Tcrtull.  Apolog.  10;  vgl.  unten  30  346),  das  nie  seinen  Platz  wechselte  und  sicher 

Sp.  30, 54  ff.).  Wahrscheinlich  hängen  mit  diesem  bis    ins    5.   Jahrhundert   nach    Chr.    bestand" 

lanuskult  der   12   palatinischen   Salier   die   12  (Procop.   Goth.  1,  25  S.  122  f.     Jordan  349  u. 

Altäre  des  Ianus  und  seine  Feier  an  den  auch  352),  mit  dem  Forum  verbunden  war,   ersieht 

der  Iuno  geheiligten  Kaienden  zusammen  (vgl.  man    namentlich    aus    Senecas   Apocol.    9 ,    2 : 

Varro  b.  Macrob.  1,  9,  16:  Iano  duodeeim  aras  Ianus  pater  %;  .  .  homo  quantunwis  vafer,  gut 

pro  totidem  mensibus  dedicatas.     Fronteius (?)  semper  videt  ccfia  Kai  öniooeo.    is  multa  disertc, 

b.   Byd.   mens.   4,   2:    äadsKäßco[iov    slvai   xbv  quod  in  foro  vivebat,   dixit  und   aus  Procop. 

ctixov  vabv  Kaxd  xbv  xäv  (irjväv  aQi&aov.   Vgl.  a.  a.   0.   ej;ei   äs    xov   viaiv  sv   xy  ayogü   jtjo 

Macrob.    1,    15,    19:   Ianum  Iunonium  cogno-  ™ü   ßovlevTT}oJoy   etc.   (vgl.   auch  Bio    13,  13 

minatum  diximus,  quod  Uli  deo  omnis  ingressus,  10  (z>  J-  193):   tä   'lavä   xä   jrpo  xäv  fi-vpäv  [xov 

huic  dcae  euueti  Kalendarum  dies  videntur  ad-  avviäQt'ov]).     Vgl.   Jordan    S._  348.     Was    die 

scripti.    ib.  1,  9,  16:  Iunonium  quasi  non  solum  Gestalt   des    Gebäudes    betrifft,    so    hat   man 

mensis  Ianuarii  sed  mensium  omnium  ingressus  darunter  genau  genommen  keine   aedes ,   son- 

tenentvm;  in  dicione  autem  Iunonis  sunt  omnes  dem  eben  nur   einen   doppelthürigen  (dt&vqog 

Kalcndae.    Byd.  4,  2:  Bagporv  .  .  .  qinalv  ctvxbv  Blut.  Num.  20,  1)  ianus  oder  ein  Durchgangs- 

.  .  .  liysa&ai  .  .  .  Kai  TJonävcova  [Ov.  f.  1,  276  tbor  (vgl.   die  Ausdrücke  porta  und  nvXrj   in 

u.   127]  Stä  xb  Iv  xaig  KaXivSaig  dvacpigfed-ai  den   oben   angeführten   Stellen   und   xb   'Iavov 

noJiava).     Die    römischen   Kulte    des   Ianus  binvXov  b.  Plut.   fort.  Rom.  9),   an  einer  sehr 

sind  folgende:  belebten,  zu  Uvids  Zeit  zwei  Fora  (wohl  das 

a)  Am  oberen  (nordöstlichen)  Ende**)  des  50  Mische    und    das   grofse;    Becker,   Top.   368) 

verbindenden  Strafse   (die   es   teilweise    über- 

*)  wenn  Pdkgriao  (Andmt.  ib.  d.  ursprüngi.  Rcii-  spannte)    gelegen,    zu   verstehen    (vgl.   Ov.   f. 

gionsuntendiied  d.  Palric.  u.  rieb.  1S42  S.  52  f.)  und  Mar-  1>  257 :  OUr  stas  sacratus  in  uno,  hie  ubi  iuneta 

quardt  (it.  staatsD.  3  s.  119,  io)  in  diesem  Falle  an  die  foris  templa  duobus  habes?).    Die  genaueste 

agonalischen    Salier   des    Quirinus   denken,   weil  in    der  Vorstellung    von    diesem    Gebäude    und    seiner 

lex  über  die  spolia  c-i.ima  die  drei  Hauptgütter  der  Salier,  Einrichtung  verdanken  wir  erstens   einer  Be- 

Iuppitev,  Mars  und  Ianus  Quirinus  vorkommen  und  weil  Schreibung  des  PrOCOnius  Und  zweitens  einigen 

die  Agoualia   (s.  u.),    bei  denen    die   agonalascnen  Salier  tiT--  -,    n   .  ,        ,t>   „    t  t -\t   nr  tt      j         7 

n    ,   h  ,      ,  :  ,.  /' ..-.  ,      T  ,,    >  Münzen  des  Au«'ustus  (Kev.  IAJ\.  CLV.  stemple 

doch  wahrscheinlich  thatig  waren,  dem  Ianus  galten,  so  ,      T  „  °       _.     *>,.  7  .    ~  -k 

widerspricht    dem    die    Nachricht,    daf8   Numa   einerseits  dC   IdHUS    fermc";    BouthOWSfCl    S.    327    nr.    (67; 

das    Kollegium    der    12    palatinischen    Salier    [Marquanit  60  Vgl.    EcMiel   VI,    80)    Und    des   Nero    (Eclchel  VI, 

a.  a.  O.  410,3)  anderseits  den  Ianus  Geminus  am  Forum  373.    CullCH  1   T.  XI  NcrOH  177.    Becker,  TopOgr. 

[ä.  u.)    gestiftet   und    seinen  Saliern    die  Pflicht  auferlegt  Taf.  5,  \).     JBaillHeistir,    DetllCM.    S.    234   Hl'.  2UÜ; 
haben    sollte,    den  Ianus   nach    der  Zahl    der  italischon 

Monate  zu  besingen  {Lyd.  4,  2),  wahrend  die  agonalischen  ersten     d.    h.     Nordregion    des    Himmels     bei    3Iartiama 

Salier  erst  von  Tullus  Ilostilius  eingesetzt  sein  sollten,  Capella  und   des  von  Deecke  ihiu  gleichgesetzten  Ani  des 

(s.  d.  Stellen  b.  Ma?-quardt  S.  411,  2).  l'emplums  von  Piacenza  (vgl.  Lyd.  de  mens.  4,  2  ci/)'  ix«- 

**)  Höchst  beachtenswert  ist,  dafs  dieser  Ianus  gerade  tioa^Ldox-tov  und  Deecket  Etr.Forsdt. 4,19  u.  25 ff.   Etrusker 

am  äufsersten  Nord  -  oder  Nordosteudo  des  Forums  lag.  2,    135  f.,    der   Etr.    F.    S.    27   in    der   ersten   Kegion,    der 

Dies    entspricht   genau    der  Placierung   des  Ianus  in  der  ianzta  caeli,  auch  ianitores  caelestes  vermutet). 


1 7     Ianus  (Kult  d.  Genimus  od.  Quirinus) 

vgl.  die  beistehende  Abbildg.).  Nach  Procop 
(bell.  Gotli.  1 ,  25  S.  122  f.)  war  der  Tempel 
(vscog)  ganz  von  Erz  (unag  %al%ovg),  viereckig 
(s v  TtTQceymvcp  axgfiazi)  und  nur  so  hoch,  dafs 
das  5  Ellen  hohe  Erzbild  des  Gottes  darunter 
stehen  konnte.  Das  Doppelgeaicht  der  Statue 
schaute  nach  Osten  und  Westen  zu  beiden 
Thoren  heraus  (vgl.  auch  Ov.  f.  1,  140  eoas 
partes  hesperiasque  simul.  Lutatius  b.  Io.  Lyd. 


Ianus  (Kult.  d.  Geminus  od.  Quirinus)     18 

wurden,  redet  Quid  f.  1,  275  (vgl.  ib.  127: 
ceridle  libum  farraque  mixta  sah);  in  betreff  der 
12  Altare,  die  Fronteius  (?bei  Lyd.  4,  2)  wohl 
diesem  Tempel  zuschreibt,  s.  oben  Sp.  15.  An 
den  Ianus  geminus  knüpft  sich  eine,  wie  es 
scheint,  ziemlich  alte  ätiologische  Lokalsage, 
welche  einerseits  die  Entstehung  der  Lautolae 
oder  Lotolae,  d.  i.  einer  in  unmittelbarer  Nähe 
des  Heiligtums  befindlich  gewesenen  warmen 


'lavbv  Kalff]  naga  zb  £q>'  i-xazigctg  nvXrß 
UQinv,  ävazolrjg  i'aag  neu  ävasmg).  Auf  den 
Münzen  des  Nero  „erscheint  der  geschlossene 
Ianus  als  ein  würfelförmiges  Gebäude,  von 
dem  die  Front  und  eine  Seite  sichtbar  sind. 
Jene  besteht  aus  einem  Thor  mit  geschlossenen 
valvae,  welches  von  zwei  einen  Bogen  tragen- 
den korinthischen  Säulen  gebildet  wird;  von 
dem     unzweifelhaft    die    Rückseite    bildenden 


de  mens.  4,  2:  o  ys  f«jv  Aovzäziog  "Rliov  [zbv  io  Schwefelquelle,    andrerseits    die    Öffnung    der 

Tenrpelthüren  zur  Kriegszeit  erklären  sollte 
(vgl.  Varro  l.  I.  5,  156:  Lautolae  a  lavando, 
quod  ibi  ad  Ianum  geminum  aquae  cäldae 
fuerunt.  Ov.  Met.  14,  785:  Iano  loca  iuneta 
tenebant  Naides  Ausoniae  guido  rorantia  forde 
etc.;  hinsichtlich  des  vulkanischen  Charakters 
dieser  lautolae  vgl.  Jordan,  Top.  1,  1,  122). 
Die  Geschichte  steht  ziemlich  übereinstimmend 
bei  Macrobius  (1,  9,  17),  der  wohl  aus  Varro 
gleichen  Thor  sieht  man  die  Ecksäule;  die  20  schöpfte,  und  bei  Ooid  (Met.  14,  778  ff.  u.  F. 
beide  Thore  verbindende  Seitenwand  ist  qua-  1 ,  259  ff.).  Als  die  Sabiner,  heilst  es  bei 
driert  und  erreicht  nur  %  der  Höhe  der  Thore,  Macrobius,  um  der  ihnen  geraubten  Jung- 
das  offene  obere  Viertel  schliefst  ein  Gitter,  frauen  willen  unter  Titus  Tatius  die  am  Fui'se 
auf  den  Säulen  ruht  vorn  wie  zur  Seite  ein  des  Viminalis  (vgl.  darüber  Jordan  S.  349 
zweigliedriges  Gebälk,  darüber  aber  liegt  kein       Anm.   52)    gelegene   porta   Ianualis    stürmten, 

deren  Thüren  sich  immer  wieder  von  selbst 
öffneten  (nach  Ovid  a.  a.  0.  öffnet  sie  die 
den  Römern  feindliche  Iuno),  und  als  die 
Verteidiger  das  offene  Thor  nicht  mehr 
halten  konnten,  soll  Ianus  eine  solche  Masse 
heii'sen  Quellwassers  aus  der  geöffneten  Pforte 
auf  die  Angreifer  geschleudert  haben,  dafs 
die  an  dieser  Stelle  arg  gefährdete  Altstadt 
dadurch  gerettet  worden  sei.  So  sollte  die 
Sitte  entstanden  sein,  in  Kriegszeiten  die 
Thüren  des  Ianus  offen  zu  halten  (vgl.  auch 
Serv.  V.  Ä.  1,  291.  12, 198  =  Mytliogr.  Tat.  3, 
4,  9,  wo  die  Stiftung  des  Ianus  bifrons   auf 

Münze  des  Aero  mit  der  Darstellung  des  Iazmstempels  auf  dem    -,>>••     i    -      l       r>  l  i   rn    i-  --„l 

das  Bündnis  des  Romulus  und  latius  zurück  - 


Forum  Rom.  (nacli  Baumeister,  Uenktn.  d.  kl.  Alt.  S.  2i)-l  nr 

Dach  mit  Fastigium.  Unzweifelhaft  also  ist 
das  Gebäude  keine  aedes,  sondern  ein  dop- 
pelter ianus,  dessen  __ Seitenwände  plutea 
bilden"  (Jordan  351).*)  Über  ein  interessantes 
Motiv  der  in  dem  alten  Ianustempiel  stehenden 
Statue  belehrt  uns  Plinius  34,  33:  Ianus  Ge- 
minus a  Numa  rege  dicatus  ....  digitis  ita 
figuratis,  ut  CCCLV  dierum  nota  per  signi- 
fieationem  anni,  temporis  et  aevi  esse  se  deum  in- 
dicaret  (vgl.  Io.  Lyd.   de  mens.  4,  1   u.   Said.  50  B.  Jf.3  2,  128). 


'  geführt  wird).  Nicht  undenkbar  wäre  es,  dafs 
auf  dieser  Nachbarschaft  der,  wie  es  scheint, 
durch  vulkanische  Ereignisse  zeitweilig  zu  Tage 
getretenen  Quelle  die  Sage  von  Iuturna  als  Gattin 
des  Ianus  und  Mutter  des  Fontus  beruhte  (Arnob. 
3,  29),  zumal  da  Iuturna  als  Nymphe  der  in 
der  Nähe  des  Vesta-  und  des  Kastorentempels 
auf  der  andern  Seite  des  Forums  (Jordan, 
Topogr.  1,  2,  370)  hervorsprudelnden  Quelle 
gefafst  wurde  (vgl.  d.  Art.  Iuturna  u.  Preller, 


s.  v.  'ictvovaQtog.  Macrob.  1,  9,  10.  Mommscn 
Chron.  34).  Im  übrigen  haben  wir  uns  die 
Gestaltung  des  Kopfes  der  Statue  wohl  nach 
Mafsgabe  der  alten  römischen  Münzen  zu 
denken  (s.  u.).  Von  einer  ara  parvo  eoniuneta 
sacello,   auf  welcher  strues  und  farra  geopfert 


Endlich  haben  wir  in  diesem  Zusammen- 
hange noch  der  merkwürdigen,  soeben  be- 
rührten Sitte  zu  gedenken,  die  Thore  dieses 
Ianus  geminus  während  des  Krieges  geöffnet 
zu  halten  und  nur  dann  zu  schliefsen,  wenn 
einmal  im  ganzen  Gebiet  des  römischen  Reiches 
tiefer  Frieden  herrschte.  Vergils  (A.  7,  607)  Be- 
schreibung des  von  ihm  für  allgemein  latinisch 
gehaltenen  Brauches  bei  der  Öffnung  des  Ianus- 


*)  Wenn  Servius  zu  Aen.  7,  607  diesen  Ianus  „circa 
iiaum  Argileturn  iuxta  theatrum  Marceil  i"  ansetzt 
und  seine  spätere  Verlegung   an    das  Forum  transitorium 

.und   Verwandlung    in    ein   temjdum  quattuor  portarum,  ™  ternpels  vor  ^  Beginn  eines  Knegszuges  macht 

d.  h.  in  einen  ianus  quadrifrons ,  behauptet,  so  beruht 
das,  wie  Jordan  a.  a.  O.  S.  347  Anm.  46  überzeugend 
naebgewiesen  hat,  auf  einer  irrtümlichen  Interpolation, 
welche  aus  der  Verwechselung  des  numaniseben  ianus 
mit  dem  am  Theater  des  Marcellus  befindlichen  hervor- 
gegangen ist.  Die  irreführenden  "Worte  iuxta  —  Marcelli 
fehlen  in  den  ältesten  Veroneser  Scholien,  und  der  die 
Verlegung  des  alten  Ianus  behauptende  Satz  lautet  im 
ITloriacensis  ganz  anders. 


fast  den  Eindruck,  als  meine  er,  dafs  der  Feld- 
herr und  das  ganze  Heer  durch  den  geöffneten 
Ianus  in  den  Krieg  gezogen  seien  (vgl.  Lyd. 
de  mens.  4,  2:  cpaal  6s  zbv  avzbv  y.ul  tcpoQov 
zoiv  litt  itbXigov  oq[icüvzcov  zvy%äv£Lv  /tat 
8lk  jj,sv  zrjg  fitäg  oipecag  (=  os  Eingang, 
ostium?)  uiiont fittti v,  dia  6s  zfjg  eztgctg 
ä vuxaXc ta&at.   zb   oz^dziv^ia).     Said.    s.    v. 


19     Ianns  (Kult  d.  Geniinus  od.  Qniriims)  Ianus  (sonstige  iani  des  For.  Rom.)      20 

"lavog.  Tag  nvXag  xov  'Iävov  8 ictnsTccoag,  doiniquc  oder  domi  militiaeque;  vgl.  in  pace  et 
ö  ßaaiXivg,  aineg  ini  räv  jityi'ozmv  ttoXsucov  domi  Cic.  rep.  1,  40).  Man  pflegte  demnach 
änjvofyovTO,  äxlT0  T<?ös  rrjv  "Ew,  d.  h.  wohl  zur  Gewährleistung  einer  glücklichen  Heimkehr 
durch  das  östliche,  vom  Forum  wegführende  den  Ausgezogenen  den  Zugang  zum  Gemeinde- 
Thor.  Schliefsungen  fanden  statt  unter  Numa,  platze  offen  zu  halten  und  erst  dann  zu  schliefsen, 
der  überhaupt  den  Brauch  eingeführt  haben  wenn  alle  wieder  daheim  (domi)  waren  (vgl. 
sollte  (Piso  bei  Varro  l.  1.  5,  165:  mm  in-  Myth.  Vat.  3,  4,  9  =  Serv.  V.  A.  1,  291: 
stitutum  a  Pompilio  .  .  .  ut  sit  aperta  semper,  qiiod  ad  bellum  ituri  de  pace  cogitare  et  re- 
nisi  quom  bellum  sit  nusquam  etc.),  ferner  im  versionem  optare  debent).  Hierzu  kommt 
J.  519/235  (Varro  a.  a.  0.  Liv.  1,  19,  3),  10  noch,  dafs  es  Sitte  gewesen  zu  sein  scheint, 
unter  Augustus  725,  729,  kurz  vor  753  (Momm-  den  ianitor  für  die  aufserhalb  ihres  Hauses 
seil  z.  Mon.  Anc.  7,  5  u.  2,  42),  unter  Nero  weilenden  Familienglieder  die  Hausthüre  offen 
(vgl.  die  oben  angeführten  Münzen)  u.  s.  w.  halten  zu  lassen,  bis  dieselben  heimkehrten, 
(Mehr  bei  Jordan,  Topogr.  1,  2,  346  ff.)  Über  damit  sie  nicht  erst  durch  Klopfen  und  Rufen 
die  Bedeutung  dieser  Sitte  waren  schon  die  wie  Fremde  Einlafa  zu  begehren  brauchten  (vgl. 
Alten  nicht  einig.  Abgesehen  von  der  soeben  Apul.  Met.  9,  20.  Becker,  Gallus3  2,  190), 
behandelten  ätiologischen  Legende  behaupteten  während  die  Hausthür  in  der  Kegel  verschlossen 
einige,  dafs  der  Dämon  des  Krieges  in  Friedens-  wurde,  wenn  der  Hausherr  und  seine  Familie 
Zeiten  im  Ianusheiligtum  verschlossen  sitze,  im  daheim  waren,  damit  sie  nicht  von  plötzlich 
Kriege  aber  daraus  gegen  die  Feinde  hervor-  20  Eintretenden  überrascht  werden  konnten  (vgl. 
breche  (vgl.  die  Bezeichnung  portae  belli,  nvln  die  Stellen  bei  Marquardt,  Privatalt.  1,  231, 
ivvüXiaq  und  Verg.  A.  1,  293  ff.  nebst  Serv.  z.  d.  Anm.  53  u.  54;  240  Anm.  97  ff.  ;  Hermann- 
Stelle;  Aen. 7, 607),  andere  umgekehrt,  dafs  nicht  Blümner,  Gr.  Privatalt.  S.  148  f.). 
der  Krieg,  sondern  der  Frieden  im  Ianustempel  Aufser  dem  uralten  numanischen  Ianus  am 
hause  und  durch  Schliefsung  der  Thüren  am  oberen  Ende  des  Marktes  gab  es  aber  sicherlich 
Entweichen  gehindert  werden  solle  (Horat.  ep.  noch  mehrere  andere  iani  auf  oder  an  dem 
2,  1,  255:  claustraque  custodcm  pacis  cohibtn-  Forum  Romanum;  ja  es  ist  so  gut  wie  gewifs, 
tia  Ianum.  Ovid.  f.  1,  281  pace  fores  obdo,  dafs  alle  nach  dem  Forum  führenden  Strafsen 
ne  qua  discedere  possit),  noch  andere  meinten:  an  der  Stelle  ihrer  Einmündung  ins  Forum 
ideo  . . .  Ianus  belli  tempore  patebat,  ut  eiusdcm  30  von  Ianusbögen  überspannt  waren  (Bichtcr  bei 
conspectus  per  bellum  patent,  in  cicius  po-  Baumeister ,  1).  1469;,  wie  schon  aus  den  An- 
testate  esset  exitus  reditusque  (Serv.  V.  sichten  auf  den  Rostrabalustraden  hervorgeht. 
A.  1,  294;  vgl.  Ov.  f.  1,  279:  ut  populo  rc-  So  wird  öfters  namentlich  ein  Ianus  medius 
ditus  pateant  ad  bella  profccto,  tota  patct  (nach  Jordan  1,  2,  215  am  unteren  Marktende 
dcmpta  ianua  nostra  sera),  eine  Auffassung,  in  der  Nähe  des  Vesta-  und  Kastortempels  ge- 
die  manches  für  sich  hat,  zumal  wenn  wir  legen)  erwähnt,  in  dessen  Umgebung  die  Geld- 
bedenken, dafs  aus  ähnlichen  Gründen  auch  und  Börsengeschäfte  abgewickelt  wurden  (vgl. 
der  Tempel  der  Horta  oder  Hora  Quirini  (s.  d.)  Cic.  off'.  2,  25,  90.  Cic.  01:  Philipp.  6,  15.  7,  6, 16. 
immer  geöffnet  gehalten  wurde  (Phit.  Q.  Born.  Horas  Sat.  2,  3,  18.  C.  I.  L.  6,  5845..  10027 
40).  Der  wesentlichste  Grund  des  Brauches  10  u.  s.  w.  Jordan,  Top.  1,  2,  215  f.).  Obwohl 
scheint  aber  folgender  zu  sein.  Wie  wir  ferner,  abgesehen  von  Hör.  epi.  1,  1,  53,  sonst 
später  (Sp.  34)  sehen  werden,  sind  die  alte-  nirgends  ein  unterer  oder  ein  oberer  Ianus  auf 
sten  sakralen  Verhältnisse  des  Forums  (d.  i.  dem  Forum  erwähnt  wird  (Jordan  215  f.),  ist 
des  Volksgemeindeplatzes),  welche  in  den  doch  einerseits  aus  der  Bezeichnung  medius,  die 
beiden  auf  Numa  zurückgeführten  Kulten  des  noch  2  andere  Iani  (oben  oder  unten?  rechts 
Ianus  und  der  Vesta  gipfeln,  aus  dem  Kult  oder  links?)  auf  dem  Forum  voraussetzt, 
des  altrömischen  Privathauses  hervorgegangen  anderseits  aus  den  im  J.  5S0/174  von  den 
und  diesem  nachgebildet*),  d.  h.  wie  der  Ianus  Censoren  auf  dem  Markte  einer  römischen 
des  Privathauses  über  dessen  Eingang,-  die  Kolonie,  wohl  nach  Analogie  des  römischen 
ianua,  waltet,  so  beschützt  der  Ianus  Geminus  50  Forums,  errichteten  3  Iani  (Liv.  41,  27)  auf 
den  alten  Haupteingang  des  Gemeindeplatzes,  die  einstige  Existenz  mindestens  dreier  Iani 
an  dessen  Gegenseite,  uugefähr  der  Stätte  des  auf  dem  römischen  Marktplatze  zu  schliefsen, 
Herdes  im  Atrium  entsprechend,  der  alte  Ge-  wobei  nur  das  zweifelhaft  bleibt,  ob  der  alte 
meindeherd,  d.  h.  das  Heiligtum  der  Vesta,  er-  numanische  Ianus  in  dieser  Dreizahl  mit  in- 
richtet war.  Da  demnach  der  Ianus  Geminus  begriffen  ist  oder  nicht.  Religiöse  Bedeutung 
für  das  Forum  und  die  auf  demselben  weilende  scheinen  übrigens  die  anderen  iani  des  Forums 
Bürgergemeinde  genau  dasselbe  bedeutet  wie  nicht  zu  haben,  da  die  Worte  des  Ovid  (f.  1, 
die  ianua  für  das  Privathaus  und  den  Haus-  257)  cum  tot  sint  iani,  cur  stas  sacratus  in 
herm,  so  wäre  es  ein  schlimmes  Omen  (vgl.  uno?  sich  wahrscheinlich  nur  auf  den  Gegen- 
Tac.  a.  28,2)  für  die  „draufsen';,  d.  h.  im  Kriege  60  satz  des  numanischen  Heiligtums  zu  den. 
befindliche  Bürgergemeinde  gewesen,  wenn  man  anderen  (profanen?)  Iani  des  Forums,  nicht 
nach  ihrem  Abmärsche  hinter  ihr  das  Ge-  aber  zu  andern  Ianusheiligtümern  in  der  Stadt 
meindethor  verschlossen  hätte  (man  denke  (s.  u.)  beziehen  (anders  IJeter,  Ovid  Fast.  II 
hierbei  an  den  uralten  Gegensatz  von  domus  p.  11).  Über  den  von  Hora:  epi.  1,  1,  54 
und  bellum  (militia)  in  den  Redensarten  belli  erwähnten  Ianus  summus  und  imus  s.  Jor- 
dans Erklärungsversuch  Top.  216  f.  u.  348. 
*)  Auch  NUsen,  Templum  S.  142 u.  148  vergleicht  aas  Jordan  glaubt,  dafs  hiermit  der  alte  (am 
lurum  mit  dem  Atrium  des  Privathauses,  obern)    und   der   am    andern   (untern)   Ende 


21          Ianus  (Curiatius;  Tigill.  soror.)  Ianus  (auf  d.  Ianiculum)               22 

des  Forums  gelegene  (sonst  Ianus  medius  ge-  schlechter,  was  insofern  nicht  unwahrsehein- 
nannte)  Bogen  gemeint  sei,  welche  heide  zu-  lieh  ist,  als  die  ihm  parallele  Iuno  Sororia 
sammen  die  Totalität  des  Marktes  (von  einem  zweifellos  eine  Iuno  (d.  h.  weihlichen  Genius 
Ende  bis  zum  andern)  bezeichnen  sollen.  der  Frauen)  bedeutet  (vgl.  den  Artikel  Iiuto). 
Anders  Becker,  Top.  326  f.  u.  liiehter  b.  Bau-  Das  Sühnopfer  fiel  nach  den  Fasti  Arvaliuni 
meister  a.a.O.  1469  (der  unt.  I.  medius  mit  Recht  auf  den  1.  Oktober,  also  auf  einen  zugleich  der 
denüberdenVicusTuscusgespanntenBogenver-  Iuno  und  dem  Ianus  geheiligten  Tag  (Kalendae). 
steht).  Über  dieVesta  ad  Ianum  vgl.  C.  I.  L.  c)  Auf  einen  sehr  alten  Ianuskult  deutet 
1  p.  395  a;  Jordan  a.  a.  0.  216  Anm.  (der  ferner  der  allgemein  (Solin.  2,  4)  auf  Ianus 
diesen  Ianus  für  den  geminus  hält)  und  Brenner,  10  zurückgeführte  Name  des  Ianiculum,  auf 
Hestia-Vesta  243  (der  ihn  für  den  „summus"  welchem  schon  Ancus  Martius  zum  Schutze 
erklärt).  Mommsen  CLL.  1  p.  395  a  meint,  es  der  Flufsschiffahrt  und  des  gegenüberliegen- 
sei der  „medius"  gewesen,  und  diese  Ansicht  den  römischen  Hafens  (Jordan,  Topogr.  1,  1, 
scheint  mir  in  der  That  das  meiste  für  sich  431  ff.  Richter  b.  Baumeister,  D.  S.  1437  f. 
zu  haben.  —  Wie  dem  auch  sein  möge,  wir  er-  1499)  eine  Befestigung  angelegt  hatte  (Uio'ti. 
kennen  aus  der  Existenz  mindestens  dreier  Hai.  3,  45.  Liv.  1,  33,  6).  An  diese  Stätte 
Iani  auf  dem  Forum ,  dessen  äufserste  Enden  knüpfte  sich  erstens  die  Legende,  dafs  in  der 
(Ein-  und  Ausgänge?)  unzweifelhaft  durch  ältesten  Zeit  Ianus  als  König  daselbst  geherrscht 
Ianusbögen  bezeichnet  wurden,  wie  eng  der  und  den  vor  Iuppiter  aus  Kreta  geflohenen 
Begriff  des  Ianus  mit  dem  des  Forums  ver-  20  Saturnus  gastlich  aufgenommen  habe  (vgl. 
bunden  war,  so  dafs  Jordan  a.  a.  0.  S.  34S  Verg,  8,  319  ff.  u.  357:  lianc  Ianus  pater,  hanc 
den  Gott  mit  Recht  den  Patron  des  Marktes  Saturnus  condidit  arcem,  Ianiculum  huic,  Uli 
nennen  kann.  fuerat  Saturnia  nomen.  Ovid  f.  1,  245:  arx 
b)  In  einer  alten  Strafse  der  vierten  Region  mea  collis  erat,  quem  cultrix  nomine  nostro 
der  Stadt,  „nicht  weit  vom  Colossus  Neronis  Nuncupat  haec  aetas  Ianiculumque  vocat. 
bei  dem  Amphitheater"  (Becker,  Top.  527)  Protarch.  u.  Hygin.  b.  Macrob.  1,  7,  19  ff. 
stand  das  sogen.  Tigillum  sororium,  d.  h.  Plut.  Q.  Gr.  41.  Amol),  ade.  g.  3,  29;  vgl. 
wohl  ein  primitiver  aus  einfachen  Holzbalken  1,  36.  Cass.  Bio  b.  Cedren.  1  p.  295,  10  Bckk. 
(=  ä'dxai'a?)  gebildeter  Ianus  (vgl.  Lichter  b.  Herodian  1,  16.  Mythogr.  Tat.  3,  1,  2.  Lact. 
Baumeister,  Denhm.  1528),  neben  welchem  zwei  30  inst.  1,  13.  Tert.  Nat.  2,  12  =  Apol.  10.  Scrv. 
Altäre,  der  eine  der  Iuno  Sororia,  der  andere  V.  A.  8,  319:  Saturnus  rex  f'uit  Cretae,  quem 
dem  Ianus  Curiatius  geheiligt,  errichtet  waren  Iuppiter  filius  hello  pepulit.  Hie  fagiens  ah 
(vgl.  Fest.  s.  v.  Sororium  tigillum  . . .  duo  tigilla  lano  [rege,  qui  urbem  habuit,  ubi  nunc  Iaui- 
tertio  super iecto,  quae  pater  eius  constituerat,  cidum  est,]  est  suseeptus,  qui  regnabat  inlialia; 
velut  sub  iugum  missus  subit,  consecratisque  ibi  quem  cum  doeuisset  usum  vinearum  et  falcis 
aris  Iunonis  Sororiae  et  lano  Curiatio  libe-  [et  humaniorem  victum,]  in  partem  est  cedmissus 
ratus  omni  noxia  sceleris  est  auguriis  appro-  imperii  et  sibi  oppidum  fecit  ....).  Hiermit 
bantibus  etc.  Dion.  Hai.  3,  22:  kÜksivoi  ßoi-  verband  man  die  Idee  von  einem  goldenen 
fiovg  läpvedaBvoi  Svo,  xov  fiiv'Hgag,  r)XsXoy%sv  Zeitalter  in  Italien  als  dessen  Vertreter  eben 
t7iioxo7itiv  üösXqHxg,  xbv  ö'  izsQov  .  .  .  'lavov  40  Ianus  und  Saturnus  galten:  Varro  (?)  b.  August. 
....  i7to>i'i'fiot)  dt  KoQuximv  xcöv  äraiqs&ivzcov  civ.  d.  7,  4:  de  lano  .  .  non  .  .  .  fädle  quiequam 
x.  x.  X.  xal  ftvaiag  xivug  in'  aixoiq  Ttotrjaanzig  oecurrit,  quod  ad  opprobrium  pertineat.  Et 
xoig  Tf  cllois  na&aQfioCi;  iiQrjaavxo  xat  xs-  fortasse  talis  fuerit,  innocentius  vixerit  et  a 
Xivzävxss  vTtTj'fayov  xov  'Oquxiov  vtio  £vyov.  facinoribus  flagitiisque  remotius.  Saturnum 
....  zovzo  ficv  Sri  T0  Xu>9^ov  xHi  aviicpopüs  xov  [ugientem  benignus  excepit;  cum  hospite  parti- 
avägög  ^vqfitlov  iv  x;j  nöltL  i'xi  tpvXäxxsi,  tus  est  regnum,  ut  etiam  civitates  singulas  con- 
ftvoiuLg  ye^aiQÖfitvov  vnb  'Pa>u,cticov  »a&'  ixa-  derent;  iste  Ianiculum,  ille  Saturniam  (vgl. 
axov  ivtavxovj  mehr  b.  Marquurdt,  Staatsv.  3  auch  den  Art.  Saturnus  u.  Premier,  Hestia 
S.  560).  Wie  alt  dieses  bis  ins  5.  Jahrhundert  S.  380  f.  389).  Und  zwar  gab  es  von  dem  auf 
(Becker  a.  a.  0.)  nachweisbare  Heiligtum  war,  50  dem  Ianiculum  wohnenden  Ianus  zwei  ver- 
ersieht man  aus  der  Legende,  wonach  die  Er-  schiedene  Traditionen:  nach  der  einen  sollte 
richtung  des  Tigillum  und  der  beiden  Altäre  er  ein  Ureinwohner  (indigena  Macrob.  1,  7, 
auf  die  Sühne  des  von  dem  letzten  Horatier  19.  Labeo  b.  Io.  Lyd.  4,  1  'lavbv  ....  LJazQi- 
begangenen  Schwestermords  bezogen  wurde.  v.iov  waü  cevzö%&ovu)  von  Latium,  das  auch 
Zum  Verständnis  der  Legende  erinnere  ich  Camesene  hiefs,  sein  und  mit  dem  sonst  ver- 
an  die  von  Grimm,  D.  M.3 1118  erörterte  Sitte,  schollenen  Eponymos  dieses  Landes,  Cameses, 
einen  verderblichen  Zauber  (Fluch)  dadurch  zu  zusammen  eine  Zeit  lang  auf  dem  Ianiculum 
lösen,  dafs  man  durch  gespaltene  Bäume,  geherrscht  haben  (Protarch.  Troll,  u.  Hygin 
durch  Erd-  und  Felsenhöhlen  hindurchging  b.  Macr.  1,  7,  19:  Ianus  .  .  .  cum  Camcse'*) 
oder  -kroch.  Io.  Lydus  de  mens.  4,  1  erklärt  go  aeque. indigena  terram  hanc  ita  partieipata  po- 
(nach  Labeo)  den  Beinamen  Curiatius  als  tentia  possidebant,  ut  regio  Camesene,  oppidum 
i'qiOQug  ivysväv  (vgl.  den  ebenda  erwähnten  Ianiculum  vocaretur).  Die  andere  vorwiegend 
Ianus  Patricius  und  die  30  curiae  der  patri-  griechische  Version  der  Sage  läfst  dagegen 
zischen  Altbürger).  Kovqiixxioi  yap  xal  'Oou-  den  Ianus,  ebenso  wie  den  Evander,  Aeneas, 
Ttot  6v6[Lctxa  ivTxuxoiSwv  siel.  Klausen,  Aeneas  Saturnus  u.  a.  (vgl.  Solin  2,  5  ff.  p.  34  f.  ed. 
u.  d.  Pen.  S.  714  erklärt  den  Ianus  Curiatius 
als   den  Gottder  Kurien,  Preller,   It.  M.3  1,  171  »,   oder  sollte   Cameso   auch   hier  als   Gemahlin  des 

als  den  Genius  oder  Urheber  patrizischer  Ge-  ianus  zu  fassen  sein? 


23              Iauus  (auf  d.  Ianioulttm)  Ianus  (auf  d.  Ianiculum)              24 

Mommsen),  zusammen  mit  seiner  Schwester  aller  dieser  Legenden  zu  erfassen,  so  kann  es 
und  Gattin  Kctui'aq  {Kajiaoqvrj,  Camesene)  aus  kaum  zweifelhaft  sein,  dafs  ihnen  eine  Er- 
Hellas (nach  Flut.  0.  B.  22  aus  Perrbaibien*)  innerung  an  den  am  Fufse  des  Ianiculum  ge- 
in  Thessalien)  einwandern  und  ihn  mit  dieser  legenen  und  von  der  schon  in  uralter  Zeit 
Gattin  zwei  Kinder,  einen  Sohn  Ai&qi,  (Epo-  daselbst  gebauten  Feste  (arx  Verg.  u.  Ovid. 
nymos  der  AÜ&msg  in  Thessalien?)  und  eine  a.  a.  0.)  beschützten,  für  die  'älteste  Zeit  so 
Tochter  'Olictrjvj],  zeugen  (Dralcon  v.  Kerkyra  wichtigen  Handelshafen  Roms  zu  Grunde 
b.  Athen.  692  DE  =  Eustath.  z.  Od.  1533,  3,  liegt  (vgl.  Dion.  Hai.  3,45;  Bichter  b.  Bau- 
wo  die  Worte  „äjrö  rovzov  kki  zov  'iccvov  meiste);  Denkm.  1437  f.).  Bedenkt  man  aufser- 
{'lavov'i  'luviov'i]  nozajibv  xai  zb  bgog  iuvbv  lu  dem.  dafs  über  das  Ianiculum  die  älteste 
l'lavov/.Xovt'luvov?]  dvoi-iügtodui  nuzoiy.rjauvzog  Handels-  und  Verkehrsstrafse  zwischen  Rom 
uvzov  inl  zov  bgovg  kaum  auf  etwas  anderes  und  Etrurien ging (Baul.  Fest.]).  104 Müll.  Jam- 
als auf  den  auch  Sohn  des  Ianus  genannten  cidum  dictum,  quod  per  eum  Bomanus  populus 
Tiber  (s.  u.)  und  das  Ianiculum  zu  beziehen  primitits  transierit  in  agrum  Etruscum),  so  be- 
sind; vgl.  Demoph.  b.  Lyd.  de  mens.  4,  2).  greift  man,  dafs  dem  Eponymos  des  Ianiculum 
Nach  Sero.  V.  A.  S,  330  war  nämlich  Tiberinus,  —  und  das  ist  eben  Ianus  —  alle  die  aus  dem 
der  Eponymos  des  Tiberflusses,  ein  Sohn  dieses  Auslande  stammenden  Segnungen  und  Kultur- 
Paares  (vgl.  d.  Art.  Camese).  Sehr  beachtens-  fortschritte  zugesehrieben  wurden,  welche  das 
wert  erscheint,  dafs  mit  dieser  Legende  von  älteste  Rom  dem  am  Fufse  des  Ianiculum  be- 
den  beiden  zur  See  über  das  Meer  nach  dem  20  triebenen  und  von  demselben  beschützten 
Ianiculum  gekommenen  Göttern  Ianus  und  Handel  und  Verkehr  mit  ausländischen  und 
Saturnus  auch  die  Sage  von  der  Erfindung  etruskischen  Kaufleuten  zu  verdanken  hatte, 
des  Schiffsbaus  verknüpft  und  behauptet  wurde,  Auch  die  antike  Deutung  der  ältesten  römischen 
das  Schiffsbild,  welches  den  Revers  der  alt-  Münzbilder  mit  dem  lanuskopf  auf  der  einen 
römischen,  auf  der  andern  Seite  den  bärtigen  und  dem  Schiff  auf  der  andern  Seite  ist 
lanuskopf  tragenden  asses  schmückt,  bedeute  keineswegs  so  einfältig,  wie  es  auf  den  ersten 
das  Schiff  entweder  des  Ianus  oder  des  Satur-  Blick  aussehen  mag,  wenigstens  scheint  es,  als 
nus,  mit  welchem  diese  nach  dem  Ianiculum  ob  wirklich  Ianus  und  Schiff  eine  Beziehung 
gekommen  seien  (vgl.  Serv.  V.  A.  8,  357:  Ianus  zu  einander  hätten  (vgl.  Blut.  Q.  B.  41,  der 
in  laniculo  habitavit,  qui  quod  una  navi  exul  30  zur  Erklärung  des  altrömischen  Münzbildes 
venu,  in  peennia  eins  ex  una  parte  Iani  cajjut  bemerkt:  inti  zoivvv  av-x.oot.iiuv  fiiv  'Juvbg 
ex  altera  navis  signata  est.  Dralcon  a.  a.  0.  xaziozriotv  uvzoig,  i'^nfitgiöaug  zbv  ßiov,  acp&o- 
itaäxov  äs  ....  svgtiv  nui  ariSiag  v.al  nloiu  viuv  äi  jraps^Ei  zäv  uvayxuiav  b  nozaaög 
xui  v6fiieg.u  %uly.ovv  ngäzov  %ugu$ui  y.  z.  I.  nXcöit.iog  cov  v.ui  zä  fiiv  iy.  itaXuoong  zu  61  uno 
Hygin  b.  Mucrob.  a.  a.  0.  cum  primus  qnoque  zijg  x°>Qctg  xazuv.Ojiit;cov,  ovußolov  i'axs  ro  vo- 
aera  signaret,  servavit  et  in  hoc  Saturni  re-  uioact  zov  jiiv  rofio&ixov  zb  öifiogcpov  . . .  diu 
verentiam,  ut,  quoniam  ille  navi  fuerat  advectus,  xr\v  psxußolqv,  zov  6h  norugov  zb  nog&[itiov). 
ex  una  quidem  parte  sui  capitis  effigiem  ex  Wir  glauben  kaum  zu  irren,  wenn  wir  diese 
altera  rero  navis  exprimerttur,  quo  Saturni  mc-  Beziehung  in  dem  Verhältnisse  erblicken,  welche 
moriam  in  posteros  propagaret.  Ov.  /'.  1,  239  f.  10  Ianus  von  jeher  zu  dem  römischen  Handels- 
Blut.  Q.  B.  41:  inl  xipfj  zov  Kgövov  tiloico  diu-  hafen  am  Fufse  des  Ianiculums  gehabt  hat, 
ictguaupzog  ti'g  'izali'av).  Auch  fabelte  man,  wozu  noch  kommt,  dafs  der  Börsen- und  Markt- 
dal's  Iauus  von  seinem  Ianiculum  aus,  entweder  verkehr  auf  dem  Forum  Rom.,  wie  wir  sahen, 
selbständig  (Diakon  a.  a.  0.  Blut.  Q.  B.  22  ebenfalls  unter  dem  Patronat  des  Gottes  stand 
u.  41)  oder  vom  Saturnus  dazu  angeleitet,  (s.  oben  Sp.  20_;  anders  Mommsen,  Münzw. 
allerlei  nützliehe  Erfindungen  (z.  B.  Obst-  und  S.  1S4).  Hiermit  dürfte  nunmehr  auch  der 
Getreidebau,  Schiffsbau,  Häuserbau,  Münz-  richtige  Standpunkt  für  die  Beurteilung  der 
prägung,  Staatsverfassung  u.  s.  w.)  und  über-  Hypothese  Breuers  (B.  ü£3  1,  177  f.),  dafs 
haupt  eine  höhere  Kultur  in  Latium  einge-  Ianus  mit  Portunus  identisch  sei,  gewonnen 
führt  und  verbreitet  habe  (Macrob.  S.  1,  7,  50  sein.  Breuer  beruft  sich  hierfür  auf  folgende 
19  ff.  Athen,  u.  Eustath.  a.  a.  0.  Demoph.  b.  Thatsachen.  Erstens  wissen  wir  (aus  Fest. 
Lyd.  de  mens.  4,  2.  Sero.  V.  A.  8,  319  oben  Baut.  p.  56,  5),  dafs  Portunus,  der,  wie  Ianus, 
Sp,  22  Z.31.  Blut.  Q.B..  19,22  u.  41.  Num.lS,S.  pater  hiefs  {Verg.  A.  5,  241),  für  einen  deus 
Amt.  ine.  de  orig.  gent.  Born.  p.  15  ed.  Schröter).  portarum  galt  und  mit  einem  Schlüssel  in 
—  Suchen  wir  den  eigentlichen  Sinn  und  Kern  der  Hand  abgebildet  wurde,  was  entschieden  an 

Ianus  erinnert  (vgl.  auch  Varro  b.  Intp.  Vcron. 

*)  Vielleicht   liogt   dieser  merkwürdigen   Iierleitung  Aeil.     5,     241:       BorttmuS    .   .   .    deus    port[uum 

aus  Eerrliaibien  iu  Thessalien  die  Gleichsetzung  von  Iauus  portajrumque    p'raeses  etc.).      Sodann    berichtet 

undlaniskosfs   d.)ZU  Grunde,  der  als  Sohn  des  Askle-  y       ■>    j     ?                                einer    ^^    portu)ü    in 

pios  und  Bruder  dos  Macl.aon  und  rodüleinos    (.'Ixjutalls  „,  .,   '      .                    ,                          -,        -,,     . 

aus   Pcrrbaibien,    d.   i.    dem    nürdl.    Thessalien    (5««/«»,  60  P<>rtU      TlbcriHO      und      einem      daselbst      am 

Geogr.  v.  Gr.   i,  48),   stammen  mufs.    Auch  der  Name  17.    Aug.   gefeierten   Feste    Portitnaha'-) ,   was 

M9i$  {-'l'Stz)  weist  auf  Thessalien,    ist  vielleicht  in  durch  eine  Notiz  des  augustischen  Kalenders: 

yOhoTi'ji)]  eine  Hin  deutung  auf  V/.oooovjv  in  Perrhaibien  Port [unalio] ,'  fevicte  PortUHO ;  Pöl'tiMO  dd 
zu  erblicken?     Auch  in  Kaiuoij,  ICafiaatjVij  steckt  wohl 

eine  (tbossalische  >)  Örtlichkeit;  vgl.  Suhl.  s.  v.  Kuitaoatj-  *)  Vgl.  auch  den  flamen  Portunalis  (b.  Fest.  p.  217^),  der 

ro;  ifrvuiur.    Arcadius  p.  111    ed.  Barker.     Lobeck,  rathol.  arma  Quirini  [=  Iani  Quirtni ;  Mar^aardt,  Staaisv.  3,  315,  3] 

Proll.    p.   191  ff.     Ähnlich    wird   Iauus    vom    Inc.    auet.    or.  unguit;    unter    den    arma  Iani  Quirini   könnten   baculum, 

gent.  Korn.  cap.  2  p.  13  Schröter  mit  Ion,  Sohn  des  Apollon  virga  und  clavis  gemeint  sein,   die  Ianus  selbst  Ov.  f.  1, 

und  der  Kreusa,  identificiert.  -5J:  arma  nennt. 


25            Ianus  (auf  d.  For.  transitor.)  Ianus  ("am  theatr.  Marcelli;  I.  Patricias)    26 

pontem  Aemilium  (vgl.  Kai.  Amit.  Voll.  u.  sich,    dafs  zu  Doniitians  und  Nervas  Zeit,  wo 

Allif.   Eph.   epigr.  3,  85)   bestätigt  wird   (vgl.  das  Forum   transitoriuni   entstand,    dem  alten 

über  die  Lage  des  pons  Aem.  Richter  b.  Bau-  Quadrifrons  von  Falerii,  wie  es  scheint,  in  der 

meister,  B.  S.  1499  u.  Jordan,  Top.  1,  1,  409  Mitte    des    neuen    Marktes   (Stat.  sile.  4,  3,  9 

u.  430).    Aufserdem  erfahren  wir  aus  dem  Kai.  limina  .  .  .  lani  .  .  .  foro  coronat)   ein  neues 

Allif.,  dafs  derselbe  17.  Aug.  auch  dem  Ianus  stattliches  Heiligtum   statt   des  früheren  klei- 

ad  theatrum  Marcelli  geheiligt  war.   Was  liegt  neren  erbaut  wurde.     Anders,  und  zwar,   wie 

nun  näher  als  mit  Preller  anzunehmen,  dafs  in  ich  glaube,  unrichtig  Preller-Jordan,  R.  M.J  1, 

der  That   der  schlüsseltragende  Gott  des  por-  176   u.   Anm.   4    und    Jordan,    Top.  1,  2,  348. 
tus*)  und   der  portae,   welcher  an  demselben  10  Vgl.  Richter  b.  Baumeister,  B.  S.  1472.     Von 

Tage  wie   Ianus  im   portus  Tiberinus  verehrt  Domitianus  berichtet  übrigens  Suetonius  (vita 

wurde,  mit  dem  Ianus  des  Ianiculum  von  Haus  Born.  13),   dafs  er  ianos  .  .  .per  regiones  urbis 

aus  identisch  und  ursprünglich  nur  der  auf  der  tantos   ac  tot  exstruxit,  ut  cuidam  Graece  in- 

linken  Seite  des  Tiberhafens  verehrte  Doppel-  scriptum  sit  „arci"  (=  ägnsi). 

ganger  des  Ianiculensischen  Gottes  war?    Eine  e)   Ein  zweiter  Tempel  des  Ianus  Geminus 

höchst  erfreuliche  Bestätigung  würde  diese  An-  befand   sich   beim   Theater  des  Marcellus 

sieht  durch  den  Ianus  Portunus  einer  Inschrift  am  Forum  Olitorium  (vgl.  Becker,  Top.  138. 

von  Spoletium  b.  Orelli  (nr.  1585)  finden,  wenn  259.  C03),     Er  war  errichtet  entweder  von  C. 

dieselbe  nicht  der  Fälschung  in  hohem  Grade  Duilius   (vgl.  Tac.  arm.  2,  49:  Iano  templum, 

verdächtig  wäre.**)     Vgl.  Sp.  52  Z.  9.                 20  quod  apuä  forum  holitorium  C.  Buiiius  struxerat 

Endlich  haben  wir  in   diesem  Zusammen-  [Tib.  dedieavit]  oder  noch   viel  früher,  wenn 

hange  noch  der  ara  des  Föns  oder  Fontus  (s.  man    einer    allerdings    nicht    unverdächtigen 

d.)  auf  dem  Ianiculum  zu  gedenken  (vgl.  Cic.  Notiz    Glauben    schenken   darf  (Fest.   p.   285: 

de  leg.  2,  22,  56:  guod  [haud]  proeul  a  Fonti  religioni  est  quibusdam  porta  Carmentali  egredi 

ara  regem  . . .  Nwnam   conditum  aeeepimus  u.  et  in  aede  lani,  quae  est  extra  eam,  Senatum 

die  von  Becker,  Top.  S.  656,  12  angef.  Stellen).  haberi,  quod  ea  egressi  sex   et  trecenti  Fabii 

Da  nun  von  Arnobius  (adv.  gentes  3,  29)  Fontus  apud  Cremeram  omnes  interfecti  sunt,  cum  in 

ein  Sohn   des  Ianus  und  der  Iuturna  genannt  aede  lani  s.  c.  factum  esset,  uti  proficiscerentnr). 

wird    und    auf   den   Münzen    der  Fonteia    als  In  betreff  der  Tempelfeste  vgl.  Kai.  C'apranic. 
jugendlicher    unbärtiger    Ianus    erscheint***)  30  XVI  Kcd.   Sept.   Iano   ad  theatrum  Marcelli. 

(Preller,  R.  M.3  1,  184;  Babelon,  Monn.  de  la  Kai.  Amitern.  XV  Kai.  Nov.  u.  Ephem.  epigr. 

re'publ.  Rom.   1,  499  f.),  so  ist  es  nicht  unmög-  3,  85   Iano   ad   theatr.  Marcelli.    Vgl.   Richter 

lieh,   dafs   auch   dieser  Mythus    sich  auf   den  b.   Baumeister  S.    1505  und   dagegen  Jordan, 

Ianus  des  Ianiculum  bezieht  (s.  jedoch  ob.  Sp.  18).  Top.   1,   2,  347   Anm.   46   u.    Hermes  4,   234. 

d)    Nach    dem   codex  Floriac.    des  Servius  Becker,  Top.  138  f. 

(V.  A.  7,  607)  und  Macrob.  1,  9,  13  ist  nach  f)   Vielleicht  gab   es   auch  einen  Kult  des 

der  Eroberung  von  Falerii  ein   daselbst  be-  Ianus  Patricius  in  Rom,  welchen  Babeo  b. 

findliches     „lani    simulacrum    cum    frontibus  Io.  Byd.  de  mens.  4,  1  mit  uvt6%&uv  erklärt 

quattuor"    nach   Rom    gebracht    und    hier    in  (vgl.  Cedren.  1  p.  295,  9:  'lavbv  .  .  .  Tlazgiyuov 

einem  „templum  quatuor  portarum"    auf  dem  40  avTU%9ovc().    Man  könnte  versucht  sein,  diesen 

Forum  transito  riuru,  welches  mit  3  anderen  Ianus    nach    dem    vicus    Patricius     (zwischen 

Fora  in  Verbindung  stand  (Jordan,  Top.  1,  2,  Cispius    und   Viminalis),    wo    auch    eine    Isis 

348.  Becker,  Top.  374.  376),  aufgestellt  worden.  Patricia    (in   d.   5.  Region  Not.  Reg.)    verehrt 

Kombiniert  man  nun  mit  dieser  Nachricht  die  wurde,    zu    versetzen    (Richter    b.    Baumeister 

Verse  Martials  (10,  28,  3  ff.;  vgl.   auch  Stat.  S.  1528.  Becker,  Top.  535),  aber  nach  Analogie 

Silv.  4,  3,  9  ff .  Io.  Lyd.  de  mens.  4,  1):  per-  der    in    einem    sacellum   verehrten    Pudicitia 

vius  exiguos  habitabas   ante  penates,  phi-  patricia(Zw.  10,  23,  3),  zu  welcher  die  Pudicitia 

rima  qua  medium  Roma    terebat   iter:    nunc  plebeia  einen  Gegensatz  bildet,  ist  es  auch  müg- 

tua  caesareis  cinguntur  limina  donis  et  fora  tot  lieh,  einen  ausschliefslich  patricischen  Kult  des 

numerus,   lane,   quot    ora   geris,    so   ergiebt  so  Ianus  anzunehmen.     Vgl.  auch  die  patricische 

und  plebejische  Myrte  vor  dem  Tempel  des  Qui- 

*)   Hinsichtlich   der  Etymologie  und  Ursprung!.  Ee-  nnUS   (^»'-  '<•  «■  15>  120)- 

deutung  des  mit  por-ta,  »fy-os,  'dii-noQ-o;,  nio-ao,  etc.  ver-  S)  Phmus  h.  n.  36,  28  berichtet  von   einer 

wandten  Wortes  portus  (=~domus)  vgl.  Curtius,  Grdz.'  272  vergoldeten    (oder    in    einem    vergoldeten 

u.Jordan,  Top.  i,  i, 420  f.,  der  portus  als  „Magazin,  Stapel-  Tempel  aufgestellten?)  Statue  des  Ianus  pater  in 

ort,  Eingangsort"  fafst.  suo  templo  dicatus  ab  Augusto,  ex  Aeggpto 

**)  Ist  vielleicht  bei    Varn  i.   i.  5,   14G:  seandum  advectus  (wohl  im  J.  724  d.  Stadt),  von  welcher 

Tiberim   ad    Iuniuui   (so    die    Hss. ;  Jordan,    Tov     1,    1     132  „           •   \.l                        ^                         rt  \.    •*.   l             i 

„ ,.„4  „    ,     .     , '             .      ' ;""'"""'  ■"««■  L<  i>  m"  man  nicht  wisse,   ob   er  von  Praxiteles   oder 

vermutet  J urtiinunit)  forum  pixcanum    zu    lesen   ad  lanum  m               i          -i         /-n                t--      ,7              7     ..     „«.., 

oder    Ianium    (vgl.    Prob.    Exe.    de    nomine    p.    214,    31  K.  ^O^  hexmhre  (Brunn    KunstkrgCSCh.  1,  32i). 

lanius  diciiur,  non  ianus,  et  deeiinaiur  hie  ianim,  huius  co  Welcher  lempel  ist  in  diesem  ialle  gemeint? 

lanü  etc.  Paul.  epit.  103  ianeus  (lantusf)  ianitor)'!   Auch  Etwa  (wie  Peter  in  s.  Ausg.  von  Ovids  Fasten 

die  Hss.  hahen   hisweilen    Ianim   statt  Ianus:    vgl.  Sera.  II  p.    11    meint)     der    unter    e)    erwähnte    beim 

V.  a.  7,  607  vol.  11  p.  171,  18  Thilo.  Theater  des  Marcellus  oder  ein  zu  dem  Forum 

***)  Oder  sollte  auch  auf  diesen  Münzen  eigentlich  der  Augustum     (Becker,    Top.    370  ff.)     gehöriger 

Vater    des    Föns,    d.  Ji.    Ianus,    cremeint   seine1     Für   eine  t           l             in     tvt"      ■   x  j        i   x  j.                 i          i      - 

,   .  .      ,  -o        '     ;        *uui,  gwneu«  «aar             mi  Ianiistempel?    Mir  ist  das  letztere  wahrschein- 

bejanende  Beantwortung  dieser  Frage  scheint  zu  sprechen,  ,.,              ■*■.,■,          .          -               i^.             ,          ■, 

dafs    auf    den    Münzen    der   Fonteia    bei    Baielon    a.  a.  o!  llcb>    ZUmal    "?  ,WU'   wlSSen,    dafs    Augustus    das 

S.  500  u.  508  bisweilen  auch  ein  bärtiger  Ianus  Geminus  von    lnm     errichtete     Foruni     auch     sonst     mit 

vorkommt.  Tempeln  und  Bildwerken  aller  Art  schmückte 


27  Ianns  (auf  d.  For.  Augustum) 

und  dabei  das  Gold  nicht  sparte  (vgl.  Becker 
a.  a.  ü.  372,  8),  und  weil  Ocid  Fast.  1,  223  ff. 
von  einem  neuen  goldenen  Ianustempel 
redet,  was  trefflich  zu  dem  iam  et  auro  occul- 
tatus  des  Plinius  (36,  28)  sowie  zu  den  übrigen 
vergoldeten  Bauten  des  Forum  Augustum  (Clau- 
dian.  48,  24.  Becker  a.  a.  0.)  pafst.  Peter, 
Ovids  Fasten  II  p.  11  (vgl.  I  p.  13)  bezieht 
die  Verse  des  Ovid  auf  die  zwar  schon  von 
Augustus  begonnene,  aber  erst  im  Jahre  17  10 
nach  Chr.  vollendete  Restauration  des  Ianus - 
tempels  am  theatrum  Marcelli,  was  jedoch 
nicht  recht  zu  der  Abfassungszeit  der  Fasti 
stimmt,  während  das  Forum  Augusti  mit  dem 
wahrscheinlich  darauf  errichteten  Ianustempel 
schon  vor  dem  J.  752  der  öffentlichen  Be- 
nutzung übergeben  wurde  (Becker,  Top.  371). 
Über  den  noch  jetzt  erhaltenen  Ianus  am  Ein- 
gang dieses  Forums  (Arco  de1  Pantani)  s.  Becker 
S.  370  und  372,  10.  Wenn  Senilis  z.  Verg.  20 
A.  1,  294  sagt:  11011  in  aede  Iani  [in  foro 
Rom.]  sed  in  alia,  in  foro  Augusti  intro- 
cuntibus  ad  sinistram  fuit  Bellum  pictum 
et  Furor  sedens  super  arma  acnis  vinetus  und 
damit  Vergils  Worte  (1,  294)  claudentur  Belli 
portae;  Furor  impius  intus  saeva  sedens  super 
arma  ...  vinetus  erklärt,  so  liegt  es  nahe  Ser- 
vius'  Worte  auf  das  aus  Plinius  n.h.  35,27  u. 
93  f.  bekannte  von  Augustus  („in  foro  sito  cele- 
berrima  in  parte",  d.  h.  wohl  in  dem  Ianus  sei-  30 
nes  Forums  (vgl.  Serv.  a.  a.  0.  iiitroeuniibus) 
aufgestellte  Bild  des  Apelles  (Belli  imaginem  re- 
slrictis  ad  terga  manibus;vg\.  Brunn,  K.-G.  2, 210) 
zu  beziehen,  das  vor  der  Erbauung  des  neuen 
Ianus  auf  dem  Forum  Augusti  in  dem  alten  im 
J.  725  von  Augustus  geschlossenen  Ianus  des 
Forum  Rom.  aufgestellt  sein  mochte  (vgl. 
auch  Manu.  1,  923.  Ov,  fast.  1,  123  f.  701  f. 
Calpurn.  1 ,  46).  An  den  Tempel  des  Mars 
Ultor  auf  dem  Forum  des  Augustus  zu  denken  -to 
verbietet  der  Umstand,  dafs  dieser  erst  a.  u. 
752,  also  lange  nach  Vergils  Tode,  dediciert 
wurde,  lange  nach  der  Errichtung  des  Forums 
(Becker  a.  a.  0.  370). 

2)  Sonstige  Kulte  des  Ianus  in  Italien  und 
anderwärts. 

Auch  aufserhalb  Roms  mufs  Tanus  mehr- 
fach in  Italien  und  sonst  verehrt  worden  sein. 
Darum  nennt  ihn  z.  B.  Herodian  1 ,  16  einen  r>0 
&Eog  u.Q%Q(iöxaTOS  rijfg  IxaXCag  tmxtoQiog,  und 
aus  Diakon  b.  Athen.  692  D E  (=  Eustath.  z. 
Od.  1533,  3)  erfahren  wir:  Kai  xäv  Kaxa  ttjv 
'EXXääa  noXXag  noXsig  Kai  xiov  Kaxa  xrjv 
'ixaXiav  Kai  2iKfXi'cev  inl  xov  voiiiofiaxog 
tyjjapärrfu'  irgöocoitov  dt-KEcpaXov  Kai  Im  &a- 
xsgov  fitQOvg  7}  0%e8iav  rj  exiepavov  r]  nXoiov. 
Wir  beginnen  mit: 

a)  Etrurien.  Nach  Lydus  de  mens.  4,  2 
soll  Varro  im  14.  Buche  rer.  die.  von  Ianus  eo 
behauptet  haben:  aixov  naoa  @ovaxoi.g  ovqa- 
v'ov  Xeyeo&ui  Kai  tcpoQOv  näat]g  nQat,£u>g  Kai 
llonavwva,  Sia  xo  ev  xaig  KaXtvdaig  ava<p£- 
Qeodut,  nonava.  Auf  Grund  dieser  Stelle  mufs 
jedenfalls  angenommen  werden,  dafs  Ianus 
auch  in  Etrurien  verehrt  wurde  (was  auch 
durch  die  Münzen  von  Volaterrae  und  Telamon 
sowie     durch     den     schon     erwähnten     Ianus 


Ianus  (in  Etrurien  u.  d.  Provinzen)      28 

quadrifrons  von  Falerii  bestätigt  wird),  doch 
mufs  es  zweifelhaft  bleiben,  ob  der  hier  als 
Ianus  verehrte  Gott  ursprünglich  etruskisch 
und  später  mit  dem  latinischen  Ianus  ver- 
mischt oder  nur  von  italischen  Stämmen  nach 
Etrurien  importiert  war,  da  wir  leider  über 
seinen  etruskischen  Kult  zu  wenig  unterrichtet 
sind.  Höchstens  dies  läfst  sich  aus  Martianus 
Cap.  1,  45  (vgl.  Müller -Dcecke,  Etrusker  2, 
133  f.)  schliefsen,  dafs  Ianus  mit  Iuppiter  und 
anderen  Göttern  in  der  ersten  (nördlichen) 
Region  des  Himmelstemplums  wohnhaft  ge- 
dacht wurde.  Dcecke,  Etr.  Forsch.  4,  24  f. 
will  mit  diesem  Ianus  des  Martianus  Cap.  den 
Ani  in  der  ersten  (nördlichen)  Region  des 
Templums  von  Piacenza  identiticieren.  Viel- 
leicht bezieht  sich  auch  die  Notiz  des  Prac- 
textatus  bei  Lud.  de  mens.  4,  2  Svrafiiv  avxbv 
sivai  xiva  ....  itp'  tKaxigag  "Jqkxov  xsxccyfii- 
vrjv  k.  x.  X.,  auf  die  etruskische  Vorstellung  vom 
Wohnsitze  der  Götter  im  Norden  des  Himmels 
(vgl.  Müller  -Deecke  a.  a.  0.  2,  131  f.  Dcecke, 
Etr.  Forsch.  4,  19).  Für  die  mehrfach  aus- 
gesprochene Ansicht,  Ianus  sei  eine  rein  etrus- 
kische und  von  Etrurien  ans  zu  den  Römern 
u.  s.  w,  hinübergedrungene  Gottheit,  läfst  sich 
bis  jetzt  so  gut  wie  nichts  anführen  (vgl.  die 
Litteratur  bei  Miiller-Deecke,  Etrusker  2,  58  f. 
Gerhard,  Ges.  ah.  Abh.  1,  311  Anm.  29  u.  31  f.). 

Über  den  Ianus  quadrifrons  zu  Falerii, 
einer  unzweifelhaft  mehr  italischen  als  etrus- 
kischen Stadt  (wie  schon  aus  dem  daselbst 
herrschenden  Dialekte  hervorgeht;  s.  Müller- 
Deccke  1,103),  vgl.  Serv.  z.  Verg.  A.  7,  607  u. 
ob.  Sp.  25  f. 

Auf  den  Münzen  von  Volaterrae  erscheint 
ein  jugendlicher  bartloser  lanuskopf  mit 
flachem,  aber  (wie  z.  B.  beim  Hermes  auf 
Münzen  von  Ainos)  in  eine  Spitze  auslaufenden 
Petasos,  auf  der  Rückseite  oft  ein  Delphin; 
vgl.  Gatalogue  of  greek  coins  in  the  Brit.  Mus. 
Italy  S.  9  ff.  Abbiklg.  S.  11.  Mutter -Wieseler, 
D.  a.  K.  1,  63,  327.  Oder  sollte  hier  an  einen 
Doppelhermes  zu  denken  sein?  Vgl.  den 
Hermes  mit  Petasos  auf  anderen  etruskischen 
Münzen  (Cataloguc  a.  a.  0.  S.  13)  und  den 
Hermes  mit  Flügelhut  auf  Münzen  von  Popu- 
lonia  (a.  a.  0.  S.  4  u.  7). 

Ebenso  auf  den  Münzen  der  Hafenstadt 
Telamon  mit  prora  auf  dem  Revers;  vgl. 
ISlüller-Dcecke,  Etr.  1,  414.  Mionnet  Suppl.  1, 
p.  204,  50  f.  Abgesehen  von  diesen  lanus- 
bildern  sind  „doppelköpfige  und  Hermen- 
bildungen im  etruskischen  Denkmälervorrat 
ohne  Beispiel"  (Gerhard  a.  a.  0.  S.  311,  31). 

b)  Alb  an  um;  vgl.  die  Inschrift  bei  Orelli 
nr.  1583:  Jana  Patri  sacrum  etc. 

c)  Sicilien;  vgl.  die  unten  zu  besprechenden 
Münzen  von  Syrakus  und  Panormus. 

d)  In  den  römischen  Provinzen  scheint 
Ianus  verhältnismäfsig  selten  verehrt  worden  zu 
sein,  wenigstens  kommen  auf  ihn  bezügliche 
Inschriften  nur  selten  vor.  Seine  gewöhnlichen 
Beinamen  sind  Pater  (0.  I.  L.  3,  2881.  3030) 
und  Augustus  (C.  I.  L.  3,  2969.  2,  4712.  4701) 
oder  Pater  Augustus  (C.  I.E.  3,  3158.  8,  4576), 
einmal  Patro[nus]  (C.  I.  L.  8,  2608),  Geminus 
(C.  I.  L.  3,  5092  a),    Vaeosus  (?  G.  I.  L.  12, 


29        Ianus  (Gott  d.  Thürcn  u.  Thore) 

1065).  Beachtenswert  erscheint,  dafs  dem 
Gotte  wie  in  Rom  so  auch  in  den  Provinzen 
mehrfach  iani,  namentlich  sogen,  rjuadrifrontes 
an  den  Ausgangs-  und  Kreuzpunkten  öffent- 
licher Heerstrafsen  errichtet  wurden,  offenbar 
um  dieselben  unter  göttlichen  Schutz  zu  stellen 
und  gleichsam  zu  heiligen  (vgl.  die  Zusammen- 
stellung von  Graef  bei  Baumeister,  Denkm. 
S.  1871ff.).  Besonders  hervorzuheben  ist  in 
dieser  Beziehung  der  am  Ausgangspunkte  der 
von  Baeticas  Grenze  bis  ans  Meer  führenden  Via 
Augusta  errichtete,  wahrscheinlich  mit  einem 
Bilde  des  Gottes  versehene  „Ianus  Augustus", 
welcher  in  mehreren  spanischen  Inschriften  (G. 
I.  L.  2,  4701.  4712.  4715.  4721.  4697)  erwähnt 
wird  (vgl.  Hübner,  C.  I.  L.  3  p.  627  und  I)es- 
jardins  in  der  Hernie  Ärcheol.  1880  (39)  p.  155  tf'j. 

B.   Funktionen  des  Ianus. 
a)  Ianus  als  Gott  aller  Eingänge,  Thiiren,  Tlioro. 

Ist  auch  eine  überzeugende  Etymologie  des 
Namens  Ianus  und  der  Appellativa  ianus  und 
ianua  noch  nicht  gefunden  (s.  u.  Sp.  43  ff.  u.  49), 
so  ist  es  doch  unzweifelhaft,  dafs  Güttername 
und  Appellativum  zusammengehören  und  Ianus 
derngemäfs  vor  allem  den  Gott  der  iani  und 
ianuae  bedeutete,  so  dafs  wir  in  seiner  Be- 
ziehung zu  den  Eingängen  und  Thüren  min- 
destens eine  seiner  ältesten  und  ursprünglich- 
sten Funktionen  erblicken  dürfen.  Ja  vielleicht 
können  wir  noch  weiter  gehen  und  ihn  ein- 
fach als  göttliche  Personifikation  der  iani 
und  ianuae  fassen.  Eine  solche  Deutung,  so 
sonderbar  sie  auch  auf  den  ersten  Blick  er- 
seheinen mag,  würde  sich  doch  auf  mehrere 
treffende  Analogieen  aus  dem  Bereiche  der  ita- 
lischen Mythologie  stützen  können.  Man  denke 
vor  allem  an  Vesta  (=  Hestia),  die  Göttin  des 
Herdes  und  des  auf  ihm  brennenden  Feuers, 
deren  Name  noch  völlig  mit  dem  Appellativum 
zusammenfällt  (vgl.  aufser  dem  griech.  tazi'a 
Nonius  p.  53  in  primis  ingrcssibus  tt  in  spatiis 
domoram  vestae,  hoc  est  arae  ac  foci,  soleant 
haberi.  Mythogr.  Vat.  3,  5  u.  d.  Art.  'Eou'a 
oben  Bd.  1  Sp.  2607),  ferner  an  die  dem 
Ianus  so  nah  verwandte  Cardea  (s.  d.  Art. 
Carna),  die  göttliche  Personifikation  der  Thür- 
angeln  (cardines),  an  den  Limentinus,  den  Gott 
der  limina,  an  Forculus,  den  Gott  der  fores 
(Tertull.  N.at.  2,  15),  endlich  an  Arquis,  Ter- 
minus, Fornax  u.  s.  w.  Nur  mufs  man  sich 
hüten,  diese  Götter  nur  als  Personifikationen 
toter  Begriffe  zu  fassen:  sie  sind  mehr  als  das: 
sie  sind  lebendige,  im  Herdfeuer,  in  den 
Eingängen,  Thüren  u.  s.  w.  waltende  numina, 
von  deren  Macht,  Gunst  und  Ungunst  der 
religiöse  Mensch  genau  so  abhängig  zu  sein 
glaubte  wie  von  den  Gottheiten  der  äufseren 
Natur:  Sonne  und  Mond,  Himmel,  den  numina 
des  Waldes  und  Feldes  u.  s.  w. 

Suchen  wir  uns  jetzt  der  inneren  Gründe 
der  Verehrung  solcher  Götter  der  Eingänge, 
Thüren  und  Thore  bewufst  zu  werden,  so  ist 
zunächst  darauf  hinzuweisen,  dafs  Eingang 
(Schwelle)  und  Herd  (focus)  von  jeher  für  die 
wichtigsten,  bedeutungsvollsten  und  heiligsten 
Teile  des  italischen  Hauses  galten.    Über  dem 


Ianus  (Gott  d.  Thüren  u.  Thore)        30 

focus  waltete  bekanntlich  Vesta  (Premier, 
Hestia-Vesta  S.  235,  1),  über  dem  Eingang 
(ianua,  ianus)  Ianus,  über  den  fores  Forculus, 
über  der  Schwelle  der  Limentinus,  doch  haben 
die  beiden  letzteren  Götter  sich  nie  zu  der 
Bedeutung  des  Ianus  erheben  können,  wahr- 
scheinlich deshalb,  weil  ursprünglich  limen 
und  fores  nur  Teile  des  ianus  und  der  ianua 
waren,  worunter  man  nach  Analogie  nainent- 

in  lieh  des  ältesten  numanischen  ianus  an  dem 
Forum  Komanum  (s.  ob.  Sp.  17)  die  ganze 
Eingangsflur  (=  ostium,  aditus)  mit  der  Thür 
im  engeren  Sinne  zu  verstehen  hat,  so  dafs 
also  ianus  und  ianua  (seil,  porta)  von  vorn- 
herein als  der  umfassendere  Begriff  erschien. 
Leider  sind  wir  über  die  religiösen  Vor- 
stellungen ,  welche  die  Italiker  ebenso  wie 
die  Griechen  mit  dem  Begriffe  des  Eingangs 
verbanden ,    nur    ungenügend    unterrichtet    — 

20  wir  müssen  eben  das  meiste  aus  der  Existenz 
von  Göttern  wie  Ianus,  Cardea,  Forculus, 
Limentinus,  'EQfiijg  argorpaiog  und  aus  den  an 
der  Thür  angebrachten  Hekateia  schliefsen*)  — 
doch  geht  schon  aus  allerlei  Thürinschriften, 
wie  z.  B.  nihil  intret  mali,  [irjälv  slahco  xcexöv, 
felix  hie  locus**),  ferner  aus  den  über  der 
Thüre  angebrachten  deprecationes  incendiorum 
und  gewissen  Glück  verheifsenden  und  Unglück 
abwehrenden  Symbolen  =  ttnotgönaia  (Tertull. 

30  de  cor.  13.  Marquardt,  Privatalt.  1,  229.  Jahn, 
Her.  d.  Sachs.  Ges.  d.  Wiss.  Phil.  bist.  Kl. 
1855  S.  46  u.  74  f.) ,  sodann  aus  der  Salbung 
der  Thürpfosten  bei  der  Hochzeit  und  dem 
Heben  der  Braut  über  die  Schwelle  (h'ofsbach, 
rö'm.  Ehe  356  ff.  359  f.  Premier,  Hestia  230  f.), 
endlich  aus  den  auf  Vertreibung  der  Steigen 
berechneten  Gebräuchen  bei  Ovid  f.  6,  155  ff. 
(die  Thüre  wird  von  Cardea  mit  Wasser  be- 
sprengt, mit  Arbutuszweigen  berührt  und  eine 

40  „virga  Ianalis"  von  Weifsdorn  am  Fenster  an- 
gebracht) deutlich  hervor,  was  man  von  den  die 
Eingangspforte  des  Hauses  bewachenden  Gott- 
heiten wünschte  und  erwartete  (vgl.  Pauly, 
Bealenc.  4,  1408  und   Varro  b.  Non.  135). 

Viel  genauer  als  über  den  Thüraberglauben 
der  Griechen  und  Römer  sind  wir  über  den- 
jenigen der  Deutsch  e n***) unterrichtet,  welche 

*)  Vielleicht  gehören  auch  die  griechischen  Dios- 
r)Q  kuren  in  diese  Klasse  der  griechischen  Tkürgötter; 
wenigstens  läfst  sich  eines  ihrer  ältesten  Symbole,  das 
sogen,  dipiönuita  (od.  die  öüy.avu),  dessen  Gestalt  genau  den 
ältesten  Thüren  entspricht,  auf  diese  Funktion  beziehen 
(s.  ob.  Bd.  1  Sp.  1170  u.  O.Jahn,  A.  Beitr.  92  Anm.  60  f.). 
**)  Zu  den  mala  (y.ay.ü) ,  welche  Eingang  ins  Haus 
finden  können ,  gehören  vor  allem  büse  Winde  oder 
Lüfte,  welche  Krankheiten  erzeugen.  Nun  galt  in  Mittel- 
italien wie  in  Hellas  der  Ostwind  für  den  gesün- 
desten (Eippocral.  I  p.  530  Kühn.  Varro  r.  r.  1,  12. 
Colum.  1,  5),  daher  wurden  die  Häuserfronten  mit  dem 
ostium  am  liebsten  auf  der  Ostseite  angelegt  {Varro 
^o  u.  Col.  a.  a.  O.),  so  dafs  also  die  Ostia  meist  (ebenso  wie 
der  alte  Ianus  Geminus  des  röm.  Forums)  eine  west- 
üstliche  Richtung  hatten. 

***)  Vgl.  auch  Steniler,  Indische  Rausregeln  II  Paraskara 
Heft  I  S.  90  ff.  „Dem  fertigen  Hause  naht  der  Inder,  indem 
er  spricht:  „.  .  .  den  beiden  Thürbre tteru  nahe  ich  ;  dies 
sind  ludras  Häuser,  schatzreich,  schutzgewährend,  ihnen 
nahe  ich"  .  .  .  Ein  dem  Ianus  ähnlicher  Hausgeist,  der  wie 
Vesta  zugleich  über  dem  Herde  waltet,  ist  der  russische 
Domowoi;   Roskoschmj  im  'Ausland*  1S8S  S.  732  ff. 


31         Ianus  (Gott  d.  Thüren  u.  Thore)  Ianus  (Privatkult:  Patulcius  etc.)      32 

grofsenteils  noch  gegenwärtig  demselben  liul-  auf  den  religiösen  Vorstellungen  von  der  Be- 

digen.      Eine    reiche    Sammlung    hierher    ge-  deutung  der  ThüVen  beruhenden  germanischen 

höriger  Vorstellungen  und  Bräuche  findet  man  Rechtsbräuche  vgl.  die  reichhaltige  Abhandlung 

bei     Wuttke,    Der    deutsche    Volksäberglaube1  von  Rochhols,  Deutscher  Glaube  2  S.  130 — 174. 

Berlin  1869  (vgl.  den  Index  unter  Thür,  Thür-  Der  Privatkult  des  Ianus  tritt  ebenso  wie 

pfosten,  Thürschwelle).     Auch  bei  den  Deut-  derjenige  der  Vesta  (Preimer,  Hestia-V.  232 f.) 

sehen    spielt    die    Vorstellung,    dafs    allerlei  fast  ganz  hinter  dem  öffentlichen  zurück,  doch 

Zauber    und    Übel    zur   Thüre    hereinkommen  dürfen  wir  deshalb  an  seiner  einstigen  Existenz 

und  von  derselben  durch  allerlei  Bräuche  ab-  ebensowenig  wie  an  dem  der  Vesta  zweifeln, 

gewehrt  werden  könne,   eine  Hauptrolle.     So  10  zumal  da  alle  einzelnen  Thatsachen  des  öffent- 

sucht  man   sich  z.  B.  gegen  Berufen  und  Be-  liehen  Ianuskults  die  private  Verehrung  in  den 

schreien    zu   schützen,    indem   man   den  Rest  Häusern   notwendig  voraussetzen  und   nur  aus 

eines  nach  bestimmten  Vorschriften  bereiteten  dieser  erklärbar  sind. 

und  getrunkenen  Wassers  auf  die  Thürangeln  Der  Privatkult  des  Ianus  ist  schon  aus 
giefst  CWuttke  §  413),  Wechselfieber  geht  zur  seinem  etymologischen  Zusammenhang  mit 
Thüre  herein  und  wird  durch  eine  Inschrift  ianua,  worunter  man  im  Gegensatz  zu  porta  in 
über  der  Thüre  vertrieben  (vgl.  §  509.  616).  der  Regel  den  Eingang  des  Privathauses 
Während  und  unmittelbar  nach  der  Geburt  verstand,  zu  erschliefsen.  Wie  es  scheint,  waren 
eines  Kindes  werden  alle  Thüren  fest  ver-  ihm  alle  ianuae  der  Privathäuser  geheiligt; 
schlössen  und  die  Schlüssellöcher  verstopft,  20  vgl.  Cic.  N.  I).  2,  27,  67:  ab  eundo  nomen  [IaniJ 
ein  Messer  wird  in  die  Thür  oder  den  Thür-  est  duetum:  ex  cquo  transitiones  perviae  ianij 
pfosten  gesteckt  und  ein  Besen  (gegen  die  foresque  profanarum  aedium  ianuae  nominan- 
Hexen?)  verkehrt  an  die  Thür  gestellt,  das  tur.  Macrob.  1,  9,  7:  apud  nos  Ianum  om- 
Thürschlofs  mufs  Tag  und  Nacht  mit  einem  nibus  praeesse  ianuis  nomen  ostendit,  quoä 
blauen  Schürzenbande  zugebunden  sein  (,§  5S1 ;  est  simile  0vQuüp  .  .  .  omnium  et  portarum  custos 
vgl.  215  u.  444  und  die  ähnliche  Sitte  der  et  rector  viarum.  ib.  1,9,2:  ob  merita  introitus 
Römer  bei  August,  e.  d.  6,  9  vol.  I  p.  232,  et  exitus  aedium  eidem  [Iano]  consecratos. 
19  ff.  ed.  Dombart).  Ein  auf  die  Schwelle  Auf  Privatkult  deuten  ferner  mehrere  Ana- 
genageltes Hufeisen  oder  blühendes  Farrnkraut  logieen  mit  den  ianitores  der  Privathäuser, 
über  der  Thür  oder  ein  Rad  (Grimm,  D.  M. 3  30  Vgl.  Ovid  f.  1,  125:  praesideo  foribus  caeli 
1091)  bringt  Glück  (5  123,  176,  419  f.).*)  Auch  cum  mitibus  Iloris:  |  it  redit  officio  Iuppiter 
bei  den  Deutschen  sind  nächst  dem  Herde  ipse  meo.  ib.  137  ff. :  utque  sedens  primi  vester 
und  dem  Ofen  der  Thürpfosten  und  die  Schwelle  pjrope  limina  tecti  ianitor  egressus  introitusque 
bedeutsame  Orte,  besonders  für  schützenden  videt,  |  sie  ego  perspicio  caelestis  ianitor  aulae  I 
Zauber  und  Wahrsagung  (§  330;  Iiochholz,  eoas  partes  hesperiasque  simul.  Wie  der  ianitor 
D.  Glaube  2,  154  f.),  an  dem  Eingange  und  der  der  Privathäuser  für  rechtzeitige  Öffnung  und 
Grenze  des  Hauses  bricht  sich  böser  Zauber  Schliefsung  der  Thüren  zu  sorgen  hatte,  so 
und  birgt  sich  der  schützende  (§  107).  Die  dachte  man  sich  auch  den  Ianus  als  custos 
Hausschwelle  gilt  als  Sitz  des  schützenden  ianuarum  ( Verg.  A.  7,  610.  Seren,  fr.  23  Müller 
Genius  des  Hauses,  daher  man  auf  derselben  .10  „tuens"),  d.  h.  bald  als  Öffner  (Patulcius; 
nicht  Holz  spalten  (§  57;  vgl.  auch  Rochhole,  Ov.  f.  1,  129.  Macrob.  Sat.  1,  9,  16),  bald  als 
Deutscher  Glaube  2,  136)  und  auch  die  Thüre  Schliefser  (Clusius,  Clusivius*)  Ov.  u.  Ma- 
nicht  hart  zuschlagen  darf  (liochholz  a.a.O.  crob.  a.  a.  O.  Labeoh.  Io.Lyd.  mens.  4,1  IJatovl- 
153).  Will  man  seinem  Feinde  Unglück  ins  kiov  xal  KXovoiov,  oiovn  9vqs6v.  Serv.  V.  A. 
Haus  bringen,  so  vergräbt  man  unter  oder  vor  7,  610),  _  was  von  Macrobius  fälschlich  blofs 
dessen  Schwelle  eine  tote  Katze  (§  177.  388)  oder  auf  das  Öffnen  und  Schliefsen  des  Ianus  geminus 
Menschenhaare  (§  395;  vgl.  Plin.  h.  n.  28,  86),  am  Forum  Komanum  bezogen  wird,  obwohl 
offenbar  weil  dadurch  der  Schutzgeist  unter  ein  Öffnen  und  Schliefsen  dieses  Gebäudes  im 
der  Schwelle  vertrieben  oder  ein  böser  Geist  Laufe  von  sieben  Jahrhunderten  nur  zweimal 
ins  Haus  gebannt  wird  u.  s.  w.  Aber  die  Thüre  50  erfolgte  (vgl.  Liv.  1,  19.  3.  Ov.  f.  1,  281  ff.  Vcll. 
hat  nicht  blofs  den  Zweck,  da.s  Übel  auszu-  2,  38,  3.  Suet.  Aug.  22)  und  die  übrigen  öffent- 
schliefsen,  sie  dient  auch  dazu,  das  Glück  des  liehen  iani  in  Rom,  wie  es  scheint,  stets  offen 
Hauses  nicht  herauszulassen,  darum  darf  die  und  gar  nicht  zum  Verschliefsen  eingerichtet 
Spitze  des  Messers  oder  das  Brot  mit  der  an-  waren  (vgl.  Cic.  Ar.  D.  2,  27,  67 :  transitiones 
geschnittenen  Seite  nicht  nach  der  Thüre  zu  perviae  iani).  Wie  ferner  der  ianitor  des 
gelegt  werden,  sonst  geht  der  Segen  aus  dem  Privathauses  einen  Schlüssel  und  eine  virga 
Hause  (§  460.  457),  beim  Buttern  mufs  man  führte,  um  mit  dieser  unbefugte  Eindringlinge 
der  Thür  den  Rücken  zukehren,  sonst  buttert  abzuwehren  (Marquardt. ,  Privatalt.  1,  240. 
man  den  Nutzen  zur  Thüre  hinaus  (§  708)  u.  s.w.  Becker,  Gallus3  2,  129),  so  auch  Ianus  (vgl. 
Wenn  die  Thür  von  selbst  aufgeht,  so  kommt  co  Ov.  f.  1,  99:  ille  tenens  baculum  dextra  clo.vem- 
ein  Geist  herein**)   (§  753).     Hinsichtlich  der  que  sinistra.    Macrob.  S.   1,  9,  7:  cum  clavi  ac 

virga  figuratur.     Io.  Lyd.  a.  a.  O.  Suid.  s.  v. 
*)   Tgl.    Plin.  It.  n.  29,  07:    Caput  [draconis]   limini 

ianuarum   subditum  .  .  .  fortunatam   domum  facere  pro-  *)  Ganz  verkehrt  deutet  täbeo  bei  /".  Lyd.  mens.  4,1 

viiUitur.     ib.  20,  101:    Pythagoras  sei/laut  in  limine  quoque  den  Clusivius    als  rum  qui  vias   claudit   (IQ.Ovalßtov  avTl 

ianuae  stispensam  malorum  medicamentorum  introitum  pel-  thü  6ä[i]aTov\   eine   Erklärung,    die   übrigens   zur  Ver- 

lerc  tradit.  Besserung    von    Ccdren.  1    p.  205  Bonn,    benutzt    werden 

**)  Auch  den  Alten  galt  es  als  ein  wichtiges  rrndigiuni,  kann,   wo   statt  \finov  .  .  .  Kovaa  io  r  uvti   roü  ooaiov 

wenn  sich  eine  Thür  von  selbst  öffnete:  Cic.div.  1,34,74.  offenbar  zu  lesen  ist:  'lavbv  KXovatßlov  ävttloü  oöaiov. 


33  Ianus  (Privaltkult:  Matutinus)  Ianus  (öffentl.  Kult  d.  Forums)  34 

'lavovciQtos;  vgl.  auch  die  unten  angeführten  zusammengestellt  und  erörtert  worden.  Wir 
Bildwerke).  Auch  das  doppelte  Gesicht  des  entnehmen  daraus  vor  allen  Dingen,  dafs  die 
Ianus  dürfte  sich  am  einfachsten  auf  die  Ana-  öffentlichen  iani  vorzugsweise  eine  Beziehung 
logie  der  menschlichen  Thürhüter  zurückfuhren  zum  Markte  hatten,  dessen  Zu-  und  Eingänge 
lassen,  insofern  diese  in  erster  Linie  wach-  sie  bildeten.  So  haben  wir  gesehen,  dafs  das 
sam  sein  mufsten  (s.  unten  Sp.  53  f.)  und  ihre  Forum  Romanum  mit  mindestens  drei  (wahr- 
Aufmerksamkeit  nach  zwei  Seiten  hin,  so-  scheinlich  aber  noch  mehreren)  iani  geschmückt 
wohl  auf  die  Hereinkommenden  wie  auf  die  war  (vgl.  Richter  b.  Baumeister,  D.  1469,  der 
Hinausgehenden  zu  richten  hatten  (vgl.  Mar-  namentlich  auf  die  Fornmsansichten  auf  den 
quardt,  Privatalt.  1,  238.  Varro  r.  r.  1,  13:  10  Rostrabalustraden  verweist);  ein  weiterer  sehr 
villici  proxime  ianuam  ccllam  esse  oportet  cum-  alter  ianus  befand  sich  am  Forum  holitorium, 
que  stire,  qui  introeat  aut  exeat  noctu.  Aristot.  ein  quadrifrons  wenigstens  in  späterer  Zeit  am 
oec.  1,  6:  d-vQmgos  ...  %Qr\Oifioi;  ...  itgog  Gmrrj-  F.  transitorium  u.  s.  w.  (Sp.  25  ff.);  im  Jahre  174 
qi'uv  Toiv  tlocptQouivcov  xai  in(p?QOU£vwv.  Petron.  v.  Chr.  wurden  nach  Liv.  41,27  von  den  Cen- 
28.  Apul.  Met.  1,  15.  Colum.  1,  6  viliico  iuxta  soren,  offenbar  nach  römischem  Muster,  auf  oder 
ianuam  fiat  habitatio,  ut  intrantium  exeuntium-  an  dem  Markte  einer  röm.  Kolonie  tres  Iani  er- 
que  conspectum  habeat.  Procuratori  supra  ia-  richtet  u.  s.  w.  (über  die  an  den  Eingängen  des 
nuam  ob  casdem  causas;  vgl.  auch  die  oben  Forums  zu  Pompei  befindlichen  Iani  s.  Bau- 
Sp.31  angeführten  deutschen  Bräuche).  Ferner  meisler,  Denlcrn.  S.  1361  u.  die  Abb.  nr.  1508). 
läl'st  sich  für  den  Privatkult  des  Ianus  geltend  20  In  hohem  Grade  interessant  und  bisher  noch 
machen,  dafs  er  bei  allen  Opfern  und  Gebeten,  gar  nicht  ins  rechte  Licht  gesetzt  ist  das  Ver- 
d.  h.  doch  wohl  nicht  blofs  den  öffentlichen,  hältnis,  welches  offenbar  zwischen  den  beiden 
sondern  auch  den  privaten,  an  erster  Stelle  Kulten  des  Ianus  Geminus  und  der  Vesta  auf 
angerufen  und  geehrt  wurde  (vgl.  Serv.  V.  A.  dem  Forum  Romanum  besteht  und  ganz  unver- 
1,  292  ipsa  (Vesta)  et  Ianus  in  Omnibus  sacri-  kennbar  dem  Verhältnis  der  beiden  Götter  im 
fieiis  iniocaniur.  Mythogr.  Vat.  3,  2,  5.  Arnob.  Privatkult  nachgebildet  ist.*)  Ich  mache  darauf 
3,  29  quem  in  eunetis  anteponitis  preeibus).  aufmerksam,  dafs  auf  dem  Forum  Romanum 
Bestätigt  wird  dies  durch  die,  wie  es  scheint,  dieselben  Kulte  der  Vesta  und  des  Ianus  be- 
private Verehrung  des  Gottes  als  Matutinus  deutungsvoll  hervortraten,  die  auch  im  röini- 
pater  (Hör.  Seit.  2,  6,  20  ff.),  als  welcher  er  30  sehen  Privathause  die  Hauptrolle  spielten.**) 
in  der  Frühe  des  Morgens  vor  dem  Beginn  Hierzu  kommt,  dafs  der  alte  numanische  Ianus 
des  Tagewerkes  angerufen  wurde,  ferner  durch  den  ältesten  und  hauptsächlichsten  Zugang 
mehrere  erhaltene  Gebete  bei  Festen,  die  (Schal.  Cruq.  Hör.  Sat.  2,  3,  18:  ima  [Iani 
einen  durchaus  privaten  Charakter  tragen;  statuaj  in  ingressu  fori,  altera  in medio)  zum 
vgl.  namentlich  Cato  r.  r.  134  (Privatfeier  vor  Forum  bildete,  dessen  in  der  Regel  offene 
der  Ernte);  ib.  141  (privata  agri  lustratio);  Thüren  der  Gott  offenbar  nach  Analogie  des 
Iuvcnal.  6,  385  f.,  wo  er  mit  Vesta  zusammen  menschlichen  ianitor  bewachen  sollte,  während 
angerufen  wird;  endlich  das  interessante  Ge-  im  Hintergrunde  des  Platzes,  an  einer  Stelle, 
bet  des  Serenus  b.  Terentian.  v.  1889  ff.  welche  dem  Ianus  Geminus  auf  dem  Argiletum 
=  frgm.  23  Luc.  Midier:  Iane  pater,  lanc  40  schräg  gegenüberliegt  (vgl.  das  Forum  Rom. 
tucns,  dive  bieeps,  bifbrmis,  |  o  cate  rerum  sator,  auf  Taf.  LlII  bei  Baumeister,  Denkm.)  und 
o  prineipium  deorum  |  stridula  cui  limina,  cui  einigermafsen  der  Stätte  des  focus  im  Atrium 
cardinei  iumidtus  |  cui  reserata  mugiunt  aurea  des  ältesten  römischen  Hauses  entspricht,  das 
claustra  mundi  |  tibi  vetus  ara  caluit  Aboriginco  Vestaheiligtum,  ebenso  wie  der  Ianus  geminus 
saccllo,  wo  freilich  auch  ein  offizielles,  dem  eine  Stiftung  des  Numa  (Liv.  1,  19,  2.  20,  3. 
öffentlichen  Ianus  (des  Forums)  dargebrachtes  Flor.  1,2),  erbaut  war  (Jordan,  Top.  1,  2, 
Opfer  gemeint  sein  könnte.  Endlich  ist  das  421  Anm.  136).  Diese  Analogie  der  sakralen 
Verhältnis  des  Ianus  zu  Cardea,  der  öffnenden  Verhältnisse  des  Forums  und  derjenigen  des 
und  sehliefsenden  Göttin  der  cardines  (Ovid  Hauses  wird  noch  deutlicher,  wenn  wir  be- 
f.  6,  161  f.),  hier  zu  erwähnen;  sie  wurde  als  50  denken,  dafs  auch  die  Tempel  der  Penaten 
seine  Geliebte  oder  Gemahlin  gedacht,  führte,  und  der  Laren  des  römischen  Staates  in  der 
ebenso  wie  Ianus  eine  virga  aus  Weifsdorn  Nähe  des  Marktes  lagen  (Jordan  a.  a.  0. 
(Ov.  f.  6,  129)  und  gehört  ganz  entschieden  S.  416  ff.  420  ff.)  und  sicherlich  zu  demselben 
ebenso  wie  Forculus  und  Limentinus  nur  dem  in  Beziehung  standen.  Wie  nahe  der  Ianus 
Privatkult  an.  Möglicherweise  ist  auch  die  des  Forums  von  vornherein  den  Penaten  oder 
von  Bemophilos  b.  Io.  Lydus  d.  mens.  4,  2  be-  Hausgöttern  stand,  zu  denen  Vesta  selbst  mit- 
zeugte (euhemeristische?)  Vorstellung  von  Ianus  gerechnet  wurde  (Premier,  Hestia  S.  94  u.  244 
als  dem  ersten  Erbauer  von  Thüren  (Thoren)  vgl.  265,  1),  ersieht  man  auch  daraus,  dafs 
und   Häusern   (tzqütov   avxbv   .  .  .    oi-AOvg  Kai 

Ttvllmvac,    %UXOtOY.£VUGai)    auf    Seine    Bedeutung  GO  *,    Wie  dic  mci8teu  Ostia   der  Privatl.äuscr   auf   dem 

als   Hausgott  oder   Schutzgeist   der  Häuser  ZU-  Lande  (s.  ob.  Sp.30Anm"),  hatte  auch  der  Ianus  Geminus 

rückzulühren,   doch  ist,  wie  wir  sehen  werden,  des   Forums    eine    westöstliche  Axe    (ob.    Sp.    17).     Ich 

in  diesem  Falle  noch   ein  anderer  Ideenzusam-  hsite    auch    diese    Übereinstimmung   nicht    für   zufällig, 

menhano-   denkbar  sondern  für  absichtlich  und  bedeutungsvoll. 

Viel  "genauer  sind   wir  dagegen  über  den  **>  s:  *J'  Gebet  ™  Ia°"s  ™ä  v**t\l"!i  iu?r„.  6 

••«.      +,.„,  tt    li    i        t  l      i       TT  ••-!.  385  f.  und  vgl.  Serv.    V.  A.  1,292   [Vesta    et  Ianus  in  omni- 

offeiithchen  Kult  des  Ianus  als  des  Herrn  über  bm  sacrificHs  inmtuv,  '  Ianula  UJ  Ve3ta  biIden  ge_ 

alle   öffentlichen  iani  Unterrichtet.     Schon  oben  wissermafsen  das  A  und  0  in  den  rom.  Gebeten  (Preuner, 

Sp.  IG  ff.  ist  das  meiste  hierher  gehörige  Material  Hestia  29). 

Koscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.  II.  2 


35         Ianus  (abstrakte  Auffassungen)  Ianus  (Consivius;  duonus  cerus)        36 

Ianus  selbst  der  erste  der  Penaten  sein  sollte  p.  281)  Hekate  als  ftsäv  fir]rr}g  und  Ianus  als 

(Proeop.  b.  Gotli.  1,  25:  'iarbg  izgätog  .  .  xäv  7iQ07tärwQ,  Zsiig  äcpd'i.tog  oder  vnccrog  feiert,  so 

ctQ%ai<ov  ftecöv,  ovg  .  .  .  Ttsväzag  ixulovv.    Den  sebeiut    dieser    sonst    unerhörten    Verbindung 
Laren  u.  dem  I.  wurde  am  1.  Jan.  auf  den  häus-      der  beiden  Gottheiten  einerseits  die  Auffassung 

liehen  Altären  Weihrauch  geopfert  nach  Anthol.  des  Ianus  als  Sonnengott  und  Weltenschöpfer 

Lat.  395,  1  ff.  Miese).     So   verstehen  wir  auch  anderseits  als  Gemahl  der  lana  (—  Diana  oder 

am  besten,  warum  der  alte  Ianus  des  Forums,  Hekate)  zu  Grunde  zu  liegen  (s.  Sp.  41  f.).    Man 

also  gewissermafsen  des  gemeinsamen  Atriums  suchte  sich  also  in  späterer  Zeit  in  möglichst 

der  römischen  Bürgerschaft,   im  Kriege,   also  tiefsinnigen  und  abstrusen  Deutungen  des  alten 

in  der  Zeit,  wo  die  Bürger  nicht  dorni,  sondern  10  einfachen  Thürengottes  förmlich  zu  überbieten, 

belli,   d.  h.  nicht  drinnen,   sondern  draufsen,  Von   diesen   späten   abstrakten   und  philo- 

waren ,    offen    gehalten    und    nur   im    tiefsten  sophi sehen  Vorstellungen  von  Ianus  sehr  wohl 

Frieden,  d.  h.  nach  ältester  Auffassung,  wenn  zu   unterscheiden   ist   die    gewifs   uralte,    sehr 

alle  daheim  und  unter  sich  waren,  geschlossen  einfache  und  natürliche  Anschauung,  dafs  vom 

wurde:    es   wäre    zweifelsohne    ein    schlimmes  Patuleius  und  Clusius  auch  die  Schliefsung  und 

Omen  für   die   Ausgezogenen   gewesen,    wenn  Öffnung  des  jungfräulichen  Leibes  bei  der  ersten 

man  hinter  ihnen  das  allen  gemeinsame  ideale  Schwängerung  und  Entbindung  abhänge. 

Thor  der  Bürgergemeinde   verschlossen   hätte  Offenbar  spielt  bei  dieser  Funktion   des  Ianus 

(s.  oben  Sp.  19  f.).  der  sogen,  hymen  oder  die  membrana  virginalis, 

Aus    diesem    ursprünglich    sehr   konkreten  20  qua  rupta  desinit  esse  virgo  (Donat.  Ter.  Eun. 

Begriffe  des  alten  italischen  Thürengottes  ent-  5,  5,  7.    Serv.   V.  A.  4,  99)    die    Rolle    einer 

wickelten    sich   natürlich    im    Laufe   der   Zeit  ianua.     Denn  was  liegt  näher  als  diese  mem- 

verschiedene    mehr    abstrakte    Vorstellungen,  brana    virginalis    als    einen    Verschlufs    anzu- 

wouach  Ianus  als  der  ideale  Öffner  und  Scbliefser  sehen,     von     dessen    Öffnung     die    weibliche 

schlechthin   oder   als  Hüter  des  Himmels  und  Fruchtbarkeit  abhängt?    Dafs  in  der  That  die 

Weltalls  erschien.    Vgl.  z.  B.  Ocid  f.  1,  117  ff. :  Alten   die  Sache   so  auffafsten,  folgt  deutlich 

quidguid  ubique  vides,  caelum,   mare,  nubila,  aus    den   Worten    Augustins   de  civ.  d.   7,  2: 

terras,    omnia    sunt    nostra   clausa   patentque  ipse  primum  Ianus  cum  Puerperium   con- 

manu.      Me   penes    est    unum    vasti    custodia  eipitur  ,  .  .  aditum  aperit  reeipiendo  se- 

mundi,  et  ius  vertendi  cardinis  omne  meum  est.  30  mini.    Vgl.  auch  6,  9  [p.  234  Uonib.]  Yarro . . . 

Vgl.  v.  125:  praesideo  foribus  caeli  cum  miti-  enumerare  deos  coepit  a  coneeptione  hominis, 

bus  Horis.     Septim.   Seren,   frgm.   23   Müller:  quorum  numerum  est  exorsus  a  Iano.    ib.  7,  3 

cui   reserata   mugiunt    aurea    claustra    mundi.  Uli  etiam  quod  aperitur  coneeptui  non  im- 

So  entstand  die  philosophische  Auffassung  des  merito  adtribui.    Tert.  ad  not.  2,  11:  qui  con- 

Ianus    als    eines    göttlichen    Dcmiurgen    und  sationibus  coneubitalibus  praesit.    So  erklärt 

Weltordners   {mundi  sator  Martial.  10,  28,  1),  sich    der    Beiname    Consivius,     den     Ianus 

der  wir  in   einem  Fragment  des   M.  Messala  in  den  Indigitamenta  führt  (vgl.  Macrob.  1,  9, 

(eines  Zeitgenossen  des  Cicero)   b.  Macrob.  1,  16 :   Consivium  a  conserendo  i.  c.  a  propagine 

'.),  14  begegnen,  wo  es  heifst:  qui  euneta  fingit  geueris  humani,  quae  Iano  auetore  conseritur), 

eadcmque  regit,  aquae  terraeque  vim  ac  naturam  40  denn  dafs  Consivius,  Consiva  mit  serere  (säen, 

gravem  atque  prouam  in  profundum  dihibtntem,  zeugen)  zusammenhängt,  kann  nicht  bezweifelt 

ignis  atque  animae  levem  in  immensum.  sublime  werden  (vgl.  Corssen,  Ausspr.  eto.a  1,  418).    Ganz 

fugientem    copiüavit    circumdato    caelo,   quae  verkehrt  leitet  Labeo  b.  Io.  Lyd.  mens.  4,  1  Con- 

vis  caeli  maxima  duas  vis  dispares  colligavit.  sivius  von  eonsilium  ab.    Auch  die  Öffnung  des 

Auch  nach  etruskischer  Auffassung  soll  Ianus  Leibes    der    Schwangeren    scheint   dem   Ianus 

ein   Himmelsgott   gewesen    sein    (Io.  Lyd.  d.  zugeschrieben  worden  zu  sein,  da  nach  Paul, 

mens.  4,  2;  vgl.  Aug.  c.  d.  7,  28).    Noch  andere  epit.   56,   6   clavim   consuetudo  erat  mulieribus 

(vgl.  Macrob.  1,  9,  8  f.),  z.  B.  Nigidius,  redeten  donare  ob  signijkandam  partus  facilitatcm.   Der 

(offenbar  im  Hinblick  auf  die  westöstliche  Lage  Schlüssel  aber  war,  wie  wir  wissen,  eines  der 

des  doppelthürigen  Ianus  geminus  am  Forum)  50  wesentlichsten    Attribute    des   Ianus    (Sp.   42). 

von  Ianus   als   dem   utriusque  ianuac   caelestis  Wie   alt  diese  Funktion   des  Ianus  als  Gottes 

potens,  qui  e.xoriens  operiat  diem,  oeeidens  clau-  der  menschlichen  Zeugungen  und  Geburten  ist, 

dat  und  hielten  ihn  daher  für  einen  Sonnen-  erkennt  man  am  besten   daran,   dafs  er  nach 

gott   oder  Apollo.     Vgl.   Io.  Lyd.  4,2:    0   ys  Varro  l.  I.  7,  26  bereits  im  Liede  der  Salier  als 

figv   Aovzäziog  "Hliov    nagä   zö    icp'  tttazi-gag  duonus  cerus,  d.  i.  als  bonus  creator,  gefeiert 

Tzvfojg  oLQXBiv,  ävuzolrjg  i'ocog  v.al  Svoecog.  Arnob.  wurde  (vgl.  d.  Artikel  Cerus).  Vielleicht  hängen 

3,    39.      Noch    phantastischere    Ausdeutungen  auch    gewisse    auf   die    Hausthüre   und   Haus- 

des   lanusbegrifles  finden   sich  bei   Ovid  f.   1,  schwelle  bezügliche  Hochzeitsgebräuche, 

103  ff.  (vgl.  auch  Fest.  s.  v.  Chaos),  wo   er  als  wie   das  Heben   der  Braut  über  die  Schwelle, 

Chaos,  bei  Serv.  V.  A.  7,  610  u.  August,  c.  d.  7,  7  CO  das    Salben    der    Thürpfosten    mit    Fett,    das 

u.  8  ff.,  wo  er  als  „mundus"  (s.Sp.38f.),u.  bei  Io.  acpia  et  igni  aeeipi,  das  „in  limine"  stattfand 

Lyd.  mens.  4,  2,  wo  er  als  drjQ  (G.Bassus)  und  (Itofsbach,  Rom.  Ehe  356  ff.  359  ff.  361  ff.)  mit 

övvetuig   iq>'    EY.aziQKg  "Aqkzov   TSTctyutvq   nal  dieser  Funktion  des  Ianuä  zusammen. 

änoniiMovca  (Prlctr.vtatns   offenbar  nach  Py-  b)  Ian«s  als  6ott  aller  AnlMSe; 

tbagoreischer  Anschauung;  vgl.  Proklos  hy.  6)  Wie  eng  diese  Funktion  mit  der  soeben  be- 

aufgefafst    wird   (Sp.  47).     Wenn    Proldos    im  sprochenen  zusammenhängt,  läfst  sich  am  besten 

6.  hymnus  (auf  Hekate  u.  Ianus  b.  Abel,  Orphica  an  der  sprachlichen  Verwandtschaft  der  Begriffe 


37             Ianus  (Gott  aller  Anfänge)  Ianus  (Gott  d.  Jahres ;  Erfinder)        38 

Eingang,  Thiire,  Thor  und  Anfang,  Beginn,  Aus-  civoi^tg   zov   iviavzov    Suid.   s.  v.   'lavovügiog; 

gang,  Ende  zeigen,  insofern  oft  dieselben  Worte  mehr  bei  Marquardt,  Staatsv.  3,  273,  5).    Vgl. 

zur  Bezeichnung  der  beiden  Begriffe  gebraucht  über    die     Einzelheiten     dieser    Neujahrsfeier 

werden.    So  bedeutet  initium  ursprünglich  das  Mart.  8,  8.     Preller- Jordan,   B.  M.  1,  179  ff. 

Eingehen,   den  Eingang,   sodann  den  Anfang,  Marquardt,    Privatalt.  1,    257.     Es    war   eine 

Beginn  (vgl.  inire  =  hineingehen,  beginnen).  natürliche    Konsequenz   dieser    Anschauungen, 

Den  Gegensatz  dazu  bildete  exitus  und  exitium,  dafs  man  Ianus  als  Gott  des  Jahres  dachte 

eigentl.  Ausgang,  auch  im  Sinne  von  Ausgangs-  und  die  Finger  seiner  Hände  bildlich  so  dar- 
thür,  sodann  Ausgang  im  Sinne  von  Ende,  ■  stellte,  dafs  die  Zahl  der  Tage  eines  Jahres,  also 
Ziel,    Tod   und   Verderben.      Namentlich    er-  xo  355  oder  365  herauskam  (Plin.  34,33.  Macrob. 

scheint    Urnen   oft   in    der    übertragenen    Be-  1,  9,  10.  Io.  Lyd.  4,  1.  Suid.  s.  v.  'lavovügiog. 

deutung  Anfangspunkt,   Eingang,   ebenso  wie  Mythogr.  Vat.  3,  4,  9.   Amol).  3,  29.    Serv.  A. 

ianua  (fores;  vgl.  Mythogr.  Vat.  3,  4,  9:  Ianus  7,  607.  Mart.  8,  2,  1  fastorum  genitor.  Schweglcr, 

.  .  .  anni  ianuam  pamdat)  im  Sinne  von  Ein-  B.G.  1,220,  12).   Oder  man  bezog  den  Schlüssel 

leitung,  AnfaDg  (vgl.  auch  introitus,  ingressus  in    der    B.    des    Gottes    auf    die    avoi^ig   zov 

=  Einleitung,  Anfang,  sonst  Eingang,  Zugang).  iviavzov  (Suid.  s.  v.  'lavovägiog).    Auf  Münzen 

Vgl.    auch    Butlmann,   Mythol.  2,  76    u.    79.  des  Commodus  (abgebildet  Arch.  Ztg.  19,  Taf. 

Schwegler,  B.  G.  1,   221.      Auf  Grund    dieser  147,  6  ff .   vgl.  dazu  S.  137  ff.)   erscheint  dieser 

sprachlichen  Analogieen  ist  wohl  nicht  zu  Kaiser  als  Ianus  stehend  mit  einer  virga  in 
zweifeln,   dafs   aus   dem   Gotte   der  Eingänge  20  der   L.;    seine   R.    legt    er    auf  einen   offenen 

und  Thüren  leicht  ein  Gott  der  Anfänge  werden  Bogen      (ianus    =    fores     caeli),      innerhalb 

konnte,   zumal  wenn  man  bedenkt,  dafs  auch  dessen   die  4  Jahreszeiten   (vgl.  Uv.  f.  1,  125: 

die  Ausdrücke  für  Raum  und  Zeit  oft  zusammen-  praesideo    foribus    caeli    cum    mitibus    Horts) 

fallen    (vgl.    z.    B.    spatium    und    intervallum,  stehen;   ihnen   entgegen   schreitet   ein  nackter 

beides  vom  Räume  und  von  der  Zeit  gebraucht).  Knabe    mit   einem   vollen   Füllhorn   (=  Novus 

Dem    Ianus    als    Gott   des   Anfangs    (Aug.  Annus).  Schliefslich  wurde  Ianus  geradezu  in  der 

c.  d.  7,  3  omnium  initiorum  potestatem  habere  Bedeutung  von  annus  gebraucht  (Auson.  epist. 
Ianum.  Varro  ibid.  7,  9:  penes  Ianum  prima.  20,  13;  vgl.  Martial.  10,  28,  1:  annorum  mundi- 
Mythogr.  Vat.  2,  4,  9.  August,  c.  d.  4,  11:  in  que  sator.  Lucan.  Phars.  5,  6  ducentem  ttmpora 
Iano  sit  initiator)  waren  die  meisten  An-  30  Ianum).  So  entstand  einerseits  die  Identifi- 
fänge   der  natürlichen  Zeitabschnitte  geweiht,  cierung  des  Ianus   mit  Aion   oder    dem  Vater 

d.  h.  die  Morgenfrühe,  die  Kaienden  als  Monats-  des  Aion  (Messala  b.  Io.  Lyd.  de  mens.  4,  1. 
anfange,  der  Ianuarius  als  Anfangsmonat  des  Longinus  b.  Suid.  a.  a.  0.  Nemes.  Gyneg.  104 
Jahres.  Aus  Boras  Sat.  2,  6,  20  ff.  erhellt,  timporis  auctor,  Mart.  8,  2,  1),  andererseits 
dafs  Ianus  als  Matutinus  pater  in  der  Frühe  die  Vorstellung,  er  sei  tcpogog  näang  nga'&ag 
des  Morgens  beim  Beginne  der  Tagesarbeit  (Varro  b.  Lyd.  4,  2;  vgl.  auch  Ovid  /'.  1> 
angerufen  wurde  (vgl.  Myth.  Vat.  3,  4,  9:  diei  165  ff.)  oder  der  Airfang  aller  Dinge  (Paul, 
deus.  Serv.  V.  A.  7,  607:  diei  dominus).  Auf  p.  52  s.  v.  Chaos:  a  quo  verum  omnium  factum 
den  Gott  der  Kaienden  oder  Monatsanfänge  putabant  initium),  eine  Idee,  welche  mit  der 
bezieht  sich  unzweifelhaft  der  Beiname  Iuno-  .10  oben  besprochenen  von  Ianus  als  mundus  oder 
nius,  welcher  offenbar  den  mit  der  Mond-  Chaos  sehr  nahe  verwandt  ist  (s.  Sp.  35  u.  39). 
göttin  Iuno  zusammen  an  den  Kaienden  ver-  Nach  Ovid  f.  1, 165  ff.  (vgl.  aueh/S'oieca  ep.  83, 
ehrten  Gott  bezeichnen  soll  (Macrob.  1,  9,  16  5.  Colum.  r.  r.  11,  2  p.  446  ed.  Bip.)  mufste  jeder 
Iunonium  quasi  non  solum  mensis  Ianuarii,  Kömer  (ominis  causa)  am  ersten  Januar  an 
sed  mensium  omnium  ingressus  tenentem,  sein  jährliches  Geschäft  die  erste  Hand  an- 
in  dicione  autem  lunonis  sunt  omnes  Kalendae.  legen,  aber  es  gleichsam  nur  kosten,  um  so 
ib.  1,  15,  19).  Auf  diesen  Iunonius  bezogen  durch  einen  guten  Anfang  am  ersten  Tage  des 
sieh  nach  Varro  die  12  zu  Rom  dem  Ianus  neuen  Jahres  seiner  Thätigkeit  einen  guten  Er- 
geweihten Altäre  (Macrob.  a.  a.  0.  Io.  Lyd.  folg  für  das  ganze  Jahr  zu  sichern  (vgl.  Peter 
4,  2:  ävonaiäe-na  ngvzavtig  xgbg  zov  Novfiä  50  z.  Ov.  f.  a.  a.  0.).  Diese  gewifs  uralte  Sitte, 
rovg  xaXoi'fisvovg  Ealiovg  bgiß&rivai  cpaoiv,  welche  z.  B.  Varro  a.  a.  0.  veranlaßt,  den 
vfivovvzag  xov  Iavbv  %ctzu  zbv  zäv  'Izalmäv  Ianus  für  den  s qpopos  näarig  ngd^icoe  zu  halten, 
(irjväv  dgi&fLÖv.  b  81  Euqpoiv  .  .  .  cprjoCv,  sowie  der  Brauch,  den  Matutinus  pater  am 
avzov  .  .  .  ksysc&cu  ««i.  IIoTiävoivci,  8iä  zb  iv  frühen  Morgen  vor  dem  Beginn  der  Tages- 
zalg  KaXiväaig  cLvacpaQte&ai  ttanuvu.  Paul.  arbeit  anzuflehen  (Hör.  sat.  2,  6,  20  ff.),  hat 
p.  104:  Ianual  libi  genus,  quod  Iano  tantum-  wohl  hauptsächlich  die  Vorstellung  erzeugt, 
modo  immolatur).  Ganz  besonders  feierlieh  dafs  Ianus  der  Urheber  oder  Erfinder  aller 
waren  natürlich  unter  diesen  Kaienden  die  möglichen  nützlichen  Thätigkeiten  oder  Be- 
des  Ianuarius,  d.  i.  des  dem  Ianus  ganz  rufe  sei.  So  wurde  (nach  Flut.  Q.  Born.  22) 
speziell  (von  Numa)  geheiligten  ersten  Monats,  go  nicht  blofs  die  gebildete  Sprache  und  Lebens- 
mit  welchem  die  Tage  wieder  zunehmen  (vgl.  weise  (yläaaa  -acu  SCaira;  vgl.  genitor  vocis 
Varro  l.  I.  6,  34  Ianuarius]  a  principe  deo  .  .  .  Serv.  7,  610),  der  Landbau  (yeiagysiv)  und  die 
appellatus.  Porphyr,  antr.  Nymph.  23.  Mythogr.  Staatsverfassung  (tioIliiv le&txi),  sondern  auch 
Vat.  3,  4,  9.  Io.  Lyd.  de  mens.  4,  1:  ägx'lv  die  Kunst,  Häuser  und  Thore  (oiv-ovg  v.al 
ugazinov  Iviavzov  zbv  'Iavovügiov  firjva  .  .  .  Tcvltävag  y.azciay.iväeat  Bemoph.  b.  Lyd.  de 
■nagä  roü  ßciaü.icog  Novjiä  bgia9j}vai;  vgl.  ib.  mens.  4,  2)  und  Tempel  zu  erbauen  (ngätov 
3,  15.  Ovid.  f.  1,  43  u.  65  Iane  biceps,  anni  xuzaoxtvaGai  ztfitvr]  Lyd.  a.  a.  Ü.  4,  2),  ferner 
taeile    labentis    origo;    ägxf}    zov    %govov    -Aal  der    Schiffsbau    (s.  ob.  Sp.    23  f.),    die    Münz- 


39     Iamis  (erste  Stelle  bei  Gebeten  etc.)  Linus  (Kriegs-  u.  Quellengott?)            40 

prägung  {Athen .  692  DE.  Macrob.  1,  7,  22),  ja  lieh  nicht  blofs  den  gewöhnlichen  Ehrentitel 

sogar    der  ganze  religiöse   Kultus    {Xenon  b.  der    anderen  ~grofsen    Götter    (vgl.    Iuppiter, 

Macrob.  1,  9,  3.  lo.  Lyd.  4,  2)  auf  das  Wirken  Maxapiter   etc.    Zinzow ,  d.   Vaterbegriff'  b.   d. 

des  Ianus   zurückgeführt.     Vgl.  auch  Macrob.  röm.  Gottheiten,   Pyritz  18S7  S.  6  f.),   sondern 

1,  7,  21 — 25,    wo    Ianus   in   dieser   Beziehung  bezieht    sich    wahrscheinlich    auch    auf   seine 

als  Schüler  des  Saturnus  aufgefafst  wird.    Der  Stellung  als  Göttervater  schlechthin,  auf  seine 

Beiname  Cenulus,  den  Labeo  b.  Io.Lyd.i,  1  Geltung  als  prineipium  deorum.    Vgl.  Macrob. 

mit  eva>%ucorix6s  erklärt  (vgl.  Cedren.  1  p.  295,  7  1,  9, 16 :  patrem  [invocamus]  quasi  deorum  deum. 

Sonn.   'PaiiaLoi  xi'ßove  ttjv  rQoiffjv  ixülovv,  lij  "   Cato  r.  r.  134.  Lucü.  b.  Lactant.  i.  d.  4,3.  Yerg.A. 

ob  Kai  'lavov  KifiovXliov   Siä  t'o  £vayu<iGTi-  10  8,  357.  Hör.  ep.  1,  16,59.  sat.  2,  6,  20.  luv.  sat.  6, 

%6v),  dürfte  sich  am  besten  aus  der  Idee  eines  393.  Plin.  h.  n.  36,  28.  Gell.  5,  12,  5.  Macrob.  1,  9, 

göttlichen  Erfinders   der   'ars  cenarum'  {Hör.  15.   Mehr  b.  Schioegler,  B.  G.  1,  223,  25.  Zinzoxe 

sat.  2,  4,  35)  im  Gegensätze  zu  dem  'ferus  et  a.  a.  0.  6,  4.    Preller,  B.  M.3  1,  167,  1. 

rudis  ante  fruqes  coqnitas  victus'  {Macrob.  1,  ^  T           ,    _  „  ,     _  .                  ,      .     ,, 

7,  21)   erklären.    Nicht  recht  klar  ist,   wie  c)  Ianus  als  Gott  «es  Krieges  (?)n.  der  QueUen(?). 

Ianus  dazu  kam,   als  Erfinder  der  Kränze  ge-  Schon    die  Alten    selbst  haben   Ianus   für 

nannt  zu  werden  {Dral'on  v.  Kerkyra  b.  Athen.  einen  Kriegsgott   erklärt  und  namentlich  die 

692  DE).      Es    fragt    sich,    welche    Art    von  Öffnung    des    Ianus    Geminus    in   Kriegszeiten 

Kränzen  in  diesem  Falle  gemeint  ist,  die  zum  und  seinen  Beinamen  Quirinus  (s.  ob.  Sp.  16)  auf 

Apparat  des  Gastmahls  gehörenden,   oder  die  20  diese  Funktion  bezogen.    Vgl.  Ennius  b.  Hör. 

dem    religiösen    Kultus    {Plin.  h.  n.  21,   11)  1,  4,  60  Discordia  taetra  Belli  ferratas  postes 

dienenden.     Auf   den    Trientalassen    seit   268  portasque  refregit.    Macrob.  1,  9,  16  Quirinum 

(s.    unten  Sp.  51)    erscheint   Ianus   selbst  mit  quasi  bcllormn  potentem  ab  hasta  quam  Sabini 

Lorbeer  bekränzt,  und  über  der  Prora  des  Re-  curin  vocant.    Lucan.  Phars.  1,  62    belligeri 

verses  steht  als  Beizeichen  ein  Kranz.  —  Aus  limini   Iani.     Cedren.   1   p.   295  Bonn,   'lavov 

dieser   Vorstellung    des    Ianus   als    Gott    aller  KvqIvov    äeavst    7CQÖuaxov;    Anthol.    Bat.    ed. 

Anfänge  und  als  Stifter  des  Gottesdienstes  so-  Biese  394,  1.     Hiermit    könnte    man    die    auf 

wie  als  Mittler  zwischen  Göttern  und  Menschen  Numa    {Blut.    Marc.    8)    zurückgeführte    Be- 

{Ov.  f.  1,  171  ff.    Serv.   V.  A.  7,  610.   Macrob.  Stimmung  tertia*)  spolia  fopima]  lanui  Quirino 

1,  9,  9.  Arnob.  3,  29)  erklärt  sich  wohl  der  30  agnum  marem  caedito  {Fest.  p.  189)  wohl  ver- 
uralte Brauch,  bei  allen  Opfern,  Gebeten  und  einigen,  wenn  nicht  bei  Philarch.  vita  Marc. 
Anrufungen  zuerst  des  Ianus  zu  gedenken  und  8  (tk  ö'j  roha  reo  Kvqivco)  statt  des  Ianus 
ihn  an  die  Spitze  zu  stellen.    Vgl.  Cic.  N.  I).  Quirinus     der    Quirinus     als    Empfänger    der 

2,  27,  67  eumque  in  Omnibus  rebus  vim  haberent  dritten  Spolien  genannt  würde,  was  gegen  die 
maximam  prima  .  .  .,  principe!»  in  sacrificando  Lesart  des  Festus  einigermafsen  ruifstrauisch 
Ianum  esse  voluerant.  Yarro  b.  August,  c.  d.  macht,  zumal  wenn  wir  bedenken,  dafs  Quiri- 
7,  9:  pencs  Ianum  sunt  prima,  penes  lovem  nus  in  diesem  Zusammenhange  besser  zu 
summa.  Vgl.  ferner  die  Gebete  bei  Cato  r.  r.  Iuppiter  und  Mars  pafst  als  Ianus,  und  dafs 
134  u.  141,  die  Devotionsformel  b.  Liv.  8,  9,  6,  dieser  sonst  immer  im  Opferkult  und  bei  Ge- 
die  Götterreihe  der  arval.  Tafeln  Mengen,  acta  40  beten  die  erste,  nie  die  dritte  Stelle  hat  (vgl. 
fr.  arv.  144 f.  Festi  epit.  52.  Ovid.  f.  1,  171  ff.  namentlich  die  Devotionsformel  bei  Liv.  S,  9: 
Serv.  V.  A.  7,  610.  Xenon  b.  Macrob.  1,9,3  Iane,  Iuppiter,  Mars  pater,  Quirine,  Bel- 
u.  9.  Io.  Lyd.  mens.  4,  2.  Arnob.  3,  29  u.  s.  w;  lona  etc.).  Hierzu  kommt  noch,  dafs  Ianus 
mehr  b.  Marquardt,  Staat sv.  3,  25,  7;  26,  1.  ebenso  oft  auch  ausdrücklich  als  Friedensgott 
Schireglcr,  B.  G.  1,  222  f.  Beachtenswert  ist  angesehen  wird  (vgl.  Hör.  ep.  2,  1,  255: 
es,  dafs  ebenso  wie  im  häuslichen  und  foren-  clauslraque  cuslodem  pacis  cohibentia  Ianum. 
sischen  Kult  so  auch  bei  allen  Opfern  und  Ge-  Ovid  f.  1,  281:  pnee  fores  obdo,  ne  qua  dis- 
beten  Vesta  eine  Art  Pendant  zu  Ianus  bildet,  cedere  possit.  ib.  287  ff.  Martini  8,  66,  11  paci- 
indem  sie  als  „custos  rerum  intimarum"  {Cic.  ficus  Ianus.    Claudian  28,  638.    Plut.  Q.  Born. 

nat.  d.  2,  27,  67)   die   letzte,   Ianus    die    erste  so  19:    zbv  'lavov tioIizi-aov  xal  yscOQyiKov 

Stelle  erhielt  (Prcuner,  Hestia  S.  28  ff.  =  Mar-  fiäV.ov  r)  noXefuxbv  ytvöutvov).     Man  erkennt 

quardt,  Staatsv.  5,  26,  3).  hieraus  auf  das  deutlichste,  dafs  Ianus  durch- 

In  nahem  Zusammenhang  mit  diesen  und  aus  nicht  als  eigentlicher  Kriegsgott  anzu- 
den  oben  Sp.  35  ff.  behandelten  Anschauungen  sehen  ist  und  seine  Auffassung  als  bellorum 
und  Bräuchen  steht  die,  wie  Preller,  B.  M.'6  1,  potens  und  belliger  sich  lediglich  auf  die  oben 
166  ganz  richtig  hervorhebt,  gewissermafsen  Sp.  18f.  behandelte  Sitte  den  Ianus  Geminus 
theogonische  oder  kosmogonische  Idee  von  im  Frieden  zu  schliefen,  im  Kriege  offen  zu 
Ianus  als  dem  Gott  der  Götter  oder  Urgott.  halten  bezieht  (vgl.  auch  Ov.  f.  1,  254:  nil 
Wie  alt  und  ehrwürdig  diese  Idee  war,  erhellt  mihi  cum  bcllo.  pacem  postesque  tuebar).  Was 
am  besten  aus  dem  Umstände,  dafs  Ianus  be-  60  den  Beinamen  Quirinus  (vgl.  auch  Eießling 
reits  in  den  Liedern  der  Salier  als  Divum  zu  Hör.  ca.  4,  15,  9)  betrifft,  der  einzig  und 
Dens  gefeiert  wurde.  Vgl.  Macrob.  1,  9,  14:  allein  den  am  Eingang  zu  dem  Forum  der 
Saliorum  antiquissimis  carminibus  Ianus  Deo-  Quirites,  d.  i.  der  röm.  Bürger,  befindlichen 
rum  Dens  canitur.  Yarro  1.  1.  7,  27:  Divum  und  daselbst  als  custos  verehrten  Ianus  be- 
Deo.  Senn.  fr.  23  Müller  bei  Tercnt.  Maur.  zeichnet,  so  ist  es  mir  bei  dem  unverkenn- 
de  metr.  p.  18S9:  0  catc  rerum  sator,  0  prin- 
eipium deorum.  Wenn  er  Pater  genannt  ,}  Dic  prlma  sro)ia  RaUon  dem  iuppiter  reretrius, 
wird ,  so  bedeutet  dies  Epitheton  wahrsebein-  die  seennda  dem  Mars  (s.  d).    Vgl  unt.  Sp.  43  z.  30. 


41            Ianus  (myth.  Verbindungen)  Ianus  (Attribute,  Opfer)               42 

baren  Zusammenhang  von  Quirinus  mit  Quirites  elternlos  sein  mufs  (Klausen,  Aeneas  etc.  713). 

(Jordan  zu  Pi  eller,  11.  M.s  1,  369,  4)    wahr-  Offenbar  ist  ihm   Caelus   zum   Vater   gegeben 

seheinlich,  dal's  Quirinus  in  diesem  Falle  Ad-  worden,   weil  man  Ianus   selbst  als  Hirnmels- 

jectivum  ist  und  den  Ianus  der  Quiriten,  d.  h.  gott    auffalste    (s.    unten    Sp.    44),    und   seine 

der   auf  dem  Forum  versammelten  römischen  Mutter  Hekate    erklärt    sieh    einfach  aus   der 

Vollbürger,    bezeichnen    sollte    (anders    Butt-  Thatsache,  dafs  diese  häufig  wie  Ianus  mehr- 

mann,  Mythol.  2,  90  ff).     Wenn  Servius  z.  V.  A.  köpfig   dargestellt  und   als  Thürengöttin   ver- 

7,  610  sagt:  quidam  Ianum  Eanum  dicunt  ab  ehrt  wurde  (s.  Hekate  u.  vgl.  ob.  Sp.  35 f.). 

eundo  eumque  esse  Martern,  so  beruht  das  k)  Hinsichtlich  des  Aithex  und  der  Oli- 

wohl  einerseits  auf  der  Identificierung  von  Ora-  10  stene.  als  Kinder  des  Ianus  s.  oben  Sp.  23. 

divus  und  Ianus,  anderseits  auf  der  Bedeutung,  1)  Über  das  Verhältnis  des  Ianus  zu  Picus 

welche  die  Öffnung  des  Ianus  Geminus  für  die  u.  s.  w.   vgl.   Verg.  A.  7,  180.    Jordan.    Rom. 

römischen  Krieger  hatte.  §39M.  Easeb.  b.  Hieron.  Chron.  ad  a.  Abr.  838. 

Etwas    anders    steht    die    Sache    mit    der  „      ,       _ 

Funktion  des  Ianus  als  Gottes  der  Quellen.  D-  Attribute  des  Ianus. 
Preller,  B.  M.3  1,  170  bezieht  darauf  die  Sage  Nach  Analogie  der  menschlichen  Thürhüter 
von  der  Ehe  mit  der  Iuturna,  aus  welcher  führt  Ianus  zunächst  den  Schlüssel  (clavis)  und 
Fontus  hervorgegangen  sein  sollte  (ob.  Sp.  18  u.  einen  Stock  oder  Stab  (virga,  baculum),  den 
25),  und  die  von  Ovid  f.  1,269  u.  Met.  14,  785  man  aber  nicht  mit  dem  Mafsstabe  des  Aion 
behandelte  Legende  von  der  Abwehr  der  die  20  verwechseln  darf,  wie  dies  Arch.  Ztg.  19 
porta  Ianualis  (=  Ianus  Geminus  am  Forum)  S.  139  geschehen  ist.  Vgl.  Ovid  f.  1,  99  = 
erstürmenden  Sabiner  durch  plötzlich  hervor-  illc  tenens  baculum  dextra  clavemque  sinistra. 
brechende  heifse  Schwefelquellen  (s.  ob.  Sp.  18).  ib.  177.  228.  254.  Maerob.  1,  9,  7:  cum  clavi  et 
Hierzu  kommt  noch  die  Sage  von  der  Quell-  virga  figuratur,  quasi  omnium  et  portarum 
nymphe  Canens  (s.  d.),  die  Venilia  (s.  d.),  custos  et  rtctor  viarum.  Arnob.  6,  25.  Auch 
wohl  ebenfalls  eine  Quellengöttin,  auf  dem  auf  den  erhaltenen  Bildwerken  (s.  u.)  erscheint 
Palatin  dem  Ianus  geboren  hatte  (Ovid  Met.  der  Stab  in  der  Rechten  mehrfach  ganz  deut- 
14,  333).  Obwohl  diese  Sagen  meines  Er-  lieh,  während  in  der  Linken  Btatt  des  Schlüs- 
achtens  nicht  ausreichen,  um  die  Funktion  des  sels  hie  und  da  eine  patera  vorkommt.  Wie 
Ianus  als  eines  Quellengottes  sicher  zu  be-  30  aus  der  Erzählung  von  Carna  =  Cardea  (Ov. 
gründen,  wäre  es  doch  im  Hinblick  auf  Redens-  /".  6,  101  ff.)  hervorzugehen  scheint,  bestand  die 
arten  wie  claudere  fontes  (Ov.  Met.  15,  271),  virga  des  Ianus  aus  Weifsdorn  (spina  idba 
aquas  (Prop.  5,9,  44),  rivos  (Verg.  Ecl.  3,  111),  Ov.  f.  6,  129  f.),  dem  man  überhaupt  eine 
recludere  ora  fontana  (Ov.  f.  1,  269),  recludere  segnende,  unheilabwehrende  Wirkung  zuschrieb 
fontes  (Verg.  G.  2,  175),  aperire  puteum  (Dig.  (vgl.  Bötticher,  Baumkultus  d.  Hell.  S.  360  f. 
39,  2,  24),  aperire  fontes  (Cic.  Tusc.  1,  3,  6),  Kuhn,  Herabkunft  d.  Feuers1  237.  Wuttke, 
puteus  patens  (Hör.  ep.  2,  2,  135)  u.  s.  w.  nicht  d.  dtsch.  Volksaberglaube  S.  474  unter  'Hage- 
unmöglich, dafs  Ianus  Patulcius  und  Clusius  dorn'.  3Iannhardt,  Baumkultus  178.  295.  426). 
auch  als  Öffner  und  Schliefser  der  Wasser-  Hinsichtlich  des  Lorbeerkranzes,  mit  welchem 
quellen  gedacht  worden  wäre.                              40  I.  auf  Münzen  geschmückt  ist,  s.  Sp.39u.  Sp.  51. 

C.    Mythen   u.   mythische   Verbindungen.  E.    Opfer. 

Da   die   meisten    Mythen    und   mythischen  Als  regelmäfsiges  Opfer   des  Ianus  an  den 

Verbindungen   des  Ianus   bereits   zur  Sprache  Kaienden    (namentlich    des    Ianuarius)    wird 

gekommen  sind,  so  genügt  es,  auf  die  betreffen-  Kuchen  (nonavov,  Ianual,  strues)  genannt,  von 

den  Stellen  dieses  Artikels  und   die  sonstigen  dem    Ianus    sogar     einen    Beinamen    (griech. 

in  Betracht  kommenden  Artikel  dieses  Lexikons  noitdvwv  =  Libarius?)  erhielt.    Io.  Lyd.  mens. 

kurz  hinzuweisen.    Die  mit  Ianus  in  mythischer  4,  2:  b  äs  Bciggav  .  .  .  (pnolv  avzöv  .  .  .  Xiysa&ui 

Verbindung  stehenden  Personen  sind:  ...  yial  HoTtaviava,   äia   rö    iv   rctis  KaXsvdaig 

a)  Iuturna  s.  d.  u.  vgl.  oben  Sp.  18  u.  25.  50  avacpsgte&cei.  nö-nava.     Paul.  epit.  Fest.  p.  104 

b)  Venilia  s.  d.  u.  vgl.  oben  Sp.  41  Z.  25.  Ianual    libi    genus,    quod    Iano    tantummodo 

c)  Fontus  s.  d.  u.  vgl.  oben  Sp.  18  u.  25.  libatur.    Ov.  f.  1,  127   cui  Cericde  sacerdos  im- 

d)  Tiberinus  s.  d.  u.  vgl.  Sp.  23.  ponit  Hb  um  farraejue  mixta  sale.   ib. 21b  ara 

e)  Canens  s.  d.  u.  vgl.  Sp.  41  Z.  25.  mihi  posita  est  parvo  coniuneta  sacello:    haec 

f)  Carna  und  Cardea  s.  d.  u.  vgl.  Sp.  33.  adolet   flammis    cum   strue   farra   suis   (vgl. 
g)   Cameses,    Camesene,    Camasene,    Ca-  Seren,    b.    Terentian.    v.    1889  ff.   =   frgm.  23 

mise  s.  Camese  u.  vgl.  Sp.  23.  Müller  u.  Fest.  p.  310:  strues  genera  liborum .  . . 

h)   Saturnus    s.  d.  u.   vgl.   oben   Sp.  22 f.  digitorum  coniunetorum  non  dissimilia).     Vgl. 

Die  nur  von  Pseudoplutareh  parall.  9  berichtete  auch  Gass.  Dio  73,  13:   zm'lavät   %ä   tiqo  zäv 

Sage  von  Ianus  als  Sohn  des  Kronos  (Saturnus)  60  &vqü>v  [roü  avvsSgiov]  &vaeiv  Sy.sVi.tv,  wo  wohl 

und  der  Entoria  ist  apokryph.  ein   Kaiendenopfer    gemeint  ist.     Far ,  vinum 

i)    Wenn  Arnobius   adv.   nat.   3,   29    sagt:  und  eine  agna  werden  als  Opfer  des  Ianus  und 

Ianum,  quem  ferunt  Caelo  atque  Hecata  pro-  der  Vesta  im  Privatkult  genannt  bei  Iuvcnal. 

creatum,  so  haben  wir  darin  nicht  etwa  einen  6,  385  ff.    Nach  Cato  r.  r.  134  wurde  ihm  kurz 

echten  Mythus,   sondern   lediglich   einen  Aus-  vor    der    Ernte    zusammen    mit    Iuppiter    und 

flufs    späterer    gelehrter    Spekulation    zu    er-  Iuno   tus   und   vinum   und    sodann  ihm  alleiu 

blicken,   zumal  da  Ianus  naturgemäfs ,   seiner  strues  geopfert  (vgl.  Ov.  f.  1,  171:  cur,  quam- 

Bedeutung  als  Gott  der  Anfänge  entsprechend,  vis  aliorum  numina  placem,  laue,  tibi  primum 


43                 Ianus  (Priester,  Feste)  Iarms  (antike  u.  moderne  Deutungen)     44 

tura  merumque  fcro?  Anthol.  Lat.  ed.  Riese  103  ff.)-    Nahe  verwandt  damit  ist  die  Deutung 

1,  395.  Martial.  8,  8,  2).     Auch  beim  Ambar-  des  Ianus  als  „mundus"  (s.  Arnob.  3,  29.  Aug. 

valienfeste   wurde   er  zusammen  mit  Iupjsiter  c.  d.  7,  7  ff.    7,  28.    Serv.  V.  A.  7,  610).     Als 

durch  eine  Weinspende  geehrt  (Cato  r.  r.  141).  Gott  aller  Anfänge  wird  Ianus  mit  Aion  identi- 

Festus  p.  189  behauptet,   dem  Ianus  Quirinus  ficiert  von   Mcssala  bei  Lydus  de  mens.  4,  1 

sei  bei   der  Feier  der  spolia  opima  ein  agnus  (vgl.  Plin.  n.  lt.  34,  33 :  temporis  et  aevi  deus). 

mas    geschlachtet   worden    (vgl.  jedoch    oben  Neben  diesen  haltlosen  Phantasieen  finden  sich 

Sp.  40).  Bei  der  Feier  der  Agonalia  am  9.  Januar  aber    schon    im    Altertum    auch    rationellere 

wurde   dem    Ianus    (als  prineeps   deorum?)    in  Deutungen.     So   erklärte    schon  Kigidius   den 

der  Regia  vom  res  sacrorum  ein  Leithammel  10  Ianus  mit  Rücksicht  auf  die  Form  Iana  =  Diana 

(prineeps    gregis,    aries)    geopfert   (Ovid  f.  1,  (=   Luna)    für    einen   mit  dem  (ebenfalls   als 

317  ff.     Varro    l.  1.  6,  12:    agonales    (dies)   per  &vgalog  verehrten)  Apollon  identischen  Sonnen- 

quos  rex  in  regia  arietem  immölat  etc.    Paul.  gott  (Macrob.  1,  9,  8:   Apollinem  Ianum  esse 

p.  10).     Auch   sonst  erscheint  der  Widder  als  Dianamque  Ianam;   vgl.  ebenda  1,  9,  5  u.  6. 

das  dem  Ianus  heilige  Opfertier;  vgl.  Hennen,  1,   17,   42    u.   64.    Plueid.    Gloss.  p.  471   Mai 

acta  fr.  An.  144:  lano  arietes  II.  =  p.  462  IQotz.  Arnob.  3,  29.    Tertull.  de  cor. 

mil.  13).     Ahnlich  behauptet  Lutatius  bei  Io. 

'    Priester.  Lyd.  mens.  4,  2,   Ianus  sei  =  Helios  nagu  xo 

Ein  eigentliches  lanuspriestertum  existierte  iq>'  sxctTEQag  ■nilrig  uq%siv ,  ävarolrig  i'acog  Kai 

nicht,  doch  scheint  aufser  den  Saliern  der  Rex  20  dvßicog    (vgl.   Macrob.    1,   9,   9).      Nach   Varro 

sacrorum   den   Dienst  des  Ianus  bei  gewissen  bei  Lyd.   a.  a.  0.   4,   2    wäre   Ianus    bei    den 

Gelegenheiten   versehen   zu  haben   (vgl.  Mar-  Etruskern    ein  Himmelsgott   (=  oigavög)   ge- 

quarclt,  Staatsv.  3,310  Anm.3  — 5.  S.  25,  1).  Vgl.  wesen  (vgl.  Macrob.  1,  9,  11:  alii  mundum  id 

namentlich  auch  den  ordo  sacerdotum  hei  Festus  est  caelum  esse  voluerunt  etc.).    Noch  andere 

185:    maximus  videtur  rex,  dein  Dialis,  post  hielten    ihn    für   einen   Gott   der   Luft    (utiq); 

hunc  Martialis,  quarto  loco  Quirinalis,  quinto  vgl.  G.  Bassus  b.  Lyd.  a.  a.  0.  4,  2:   Bdeaog 

Pontif.Max.  Diese  Ordnung  entspricht  so  genau  iv  reo  izsql  dtäv  dctiuova  ctvzbv   tlvai  voui^si 

der  alten  von  Numa  festgesetzten  Götterreihe  rsrctyiiivov   inl  rov   üigog   y.al   äi'  ccvtov   rag 

I an  u  s,  Iuppiter,  Mars,  Quirinus,  Vesta,  dafs  wir  tüv  av&qd>iia>v  iv%ag  avcicpsQia&ai  roig  hqsit- 

kaum  bezweifeln  können,  dafs  der  rex  sacrorum  30  zoai.     Serv.   V.  A.  7,  610:   alii  Ianum  aerem 

zu  Ianus  in  besonderer  Beziehung  stand  (vgl.  credunt;  et  quia  vocis  genitor  habeatur,  ideirco 

Prcller,  P.  M.s  1,  64.  Marquardt  a.  a.  0.  25).  mandari  ei  preces  nostras  ad  deos  perferendas. 

b)    Neuere  Deutungen.     Auch  die  neuere 

G.    Festtage.  Mythologie     ist     im     wesentlichen     über    die 

1)  Hinsichtlich  der  regelmäfsigen  Feier  an  Deutungsversuche  der  Alten  nicht  hinaus- 
den  Ealenden  s.  oben  Sp.  15  u.  vgl.  Varro  gekommen;  nur  hat  sie,  den  Anforderungen 
b.  Lyd.  mens.  4,  2.  Macrob.  1,  15,  19.  1,  9,  15.  der  modernen  Wissenschaft  entsprechend,  ihre 
Betreffs  der  Feier  am  1.  Januar  s.  oben  Sp.  37.  Auffassungen  besser  und   eingehender  zu  be- 

2)  Für  den  7.  Jan.  verzeichnet  das  Kai.  gründen  gesucht.  Bei  weitem  die  meisten 
Philocali:  lano  patri  c(irccnses)  m(issus).  Vgl.  40  neueren  Forscher  {Buttmann,  Mythol.  2,  72; 
Mommscn  C.  I.  L.  1  p.  382.  Sclnoegler,  li.  G.  1,  218  ff,   der  Anm.  2  noch 

3)  Am  9.  Jan.  fand  die  Feier  der  Agonalia  mehrere  ältere  Vertreter  dieser  Ansicht  an- 
statt; vgl.  ob.  Zeile  8.  Marquardt,  Staatsv.  führt;  Preller,  R.  Myih."  1,  168  ff.)  erblicken 
3,  310,  5  u.  25,  1.  in  Ianus  einen  Sonnengott.  Am  eingehendsten 

4)  Am  17.  August:  lano  ad  theatrum  Mar-  haben  Sclnoegler  und  Preller  diese  Annahme 
celli,  Cal.  Voll,  und  Allif.  (Eph.  epigr.  3,  85).  zu  beweisen  versucht.  Ihre  Gründe  sind  kurz 
Becker,  Topogr.  254.  603.  Auf  denselben  Tag  folgende:  1)  Der  Parallelismus  der  beiden 
fielen  die  Portunalia;  s.  oben  Sp.  24f.  u.  vgl.  Namensformen  Ianus  und  Iana  (=  Diana), 
Marquardt  a.  a.  0.  S.  315,  3.   C.  I.L.  1,  p.  399.  worunter  nach   Varro  r.  r.  1,  37,  3  der  Mond 

5)  18.  Oktober:  lano  ad  thcatr(um)  Mar-  50  (Iana  crescens  et  contra  sencscens)  zu  verstehen 
celli.  Cal.  Amit.  ist.    —    2)   Die    nur    aus   Macrobius    (1,  9,  9) 

bewiesene    Vorstellung,    dafs    die   aufgehende 

H.    Deutungen  des  Ianus.  gonüe  den  Tag  eroffne  (exoriens  aperiat  diem), 

a)  Antike  Deutungen.  Wohl  die  älteste  die  untergehende  beschliefse  (oeeidens  claudat). 
von  ihnen  ist  die  des  Cicero,  welcher  de  not.  —  3)  Die  Richtung  des  Ianus  Geminus  am 
deor.  2,  27,  67  (vgl.  Serv.  V.  A.  7,  610)  Ianus  Forum  von  Osten  nach  Westen.  —  4)  Seine 
ebenso  wie  ianua  und  ianus  von  ire  ableiten  Verehrung  als  Matutinus,  d.  h.  als  Gott  der 
will  (ab  eundo).  Cicero  erblickt  also  im  Ianus  aufgehenden  Sonne.  —  5)  Seine  Bedeutung 
einen  Gott  des  Gehens,  oder  wohl  besser  des  als  Quellengott,  da  nach  Dion.  Hah  1,  55  eine 
Ein-  und  Ausgehens,  während  Macrobius  1,  9,  co  Quelle  bei  Laurentum  dem  Sol  ('Hliog)  ge- 
ll den  Begriff  des  Gehens  auf  den  ewigen  weiht  war.  —  6)  Wenn  Ianus  nicht  Sonnen- 
Gang  (Bewegung)  des  Weltalls  beziehen  will  gott  wäre,  so  würde  die  latinische  Religion 
(Ianumque  ab  eundo  dictum,  quod  muiulus  keinen  solchen  gehabt  haben,  da  Sol  ein 
semper  eat,  dum  in  orbem  volritur).  —  Die  sabinischer  Gott  und  der  Dienst  des  Apollo 
Deutung  des  Ianus  als  Chaos  (bei  Pauli  Fest.  erst  ziemlich  spät  eingeführt  sei. 
52),  wobei  Ianus  als  Hianus  gefafst  wurde  Eine  der  Schwegler-  Prellerschen  Deutung 
(vgl.  xc'°S  T0U  zäoxEtv),  ist  schon  oben  Sp.  35  nahe  stehende  Erklärung  des  Ianus  als  Him- 
zur   Sprache   gekommen  (vgl.   auch  Ovid  f.  1,  melsgott  hat  Deeckc,  Etruslc.  Forschungen  2, 


45              Ianus  (neuere  Deutungen)  Ianus  (neuere  Deutungen)              46 

125  ff.  offenbar  im  Anschlufs  an  Varros  oben  nög  zs,  ^fiiv  dvaxlSvai  nvKtvov  vicpog  t)8' 
erwähnte  Notiz  bei  Iu.  Lydus  m.  4,  2  zu  geben  ini&ilvui.  Verg.  Geo.  3,  261:  porta  caeli. 
versucht.  Deeclce  verwirft  die  gewöhnliche  Ennius  b.  Seneca  epist.  108,  34:  mi  soli  caeli 
Etymologie  von  Ianus  =  Divanus  (Dianus)  inaxima  porta  patei).  So  kommt  es,  dafs  bei 
und  hält  den  Namen  mit  dem  Appellativum  den  Römern  so  oft  von  einem  caeluin  apertum 
ianus  in  der  Bedeutung  Gewölbe,  Bogen  für  (patens)  und  clausuni  die  Rede  ist.  War  näm- 
gleichbedeutend.  Ianus  sei  demnach  der  Gott  lieh  der  Himmel  heiter,  unbewölkt,  so  sprach 
des  Himmelsgewölbes  und  von  den  Etruskern,  man  von  einem  caelum  apertum,  im  ent- 
die  wahrscheinlich  Erfinder  des  Bogen-  und  Ge-  gegengesetzten  Falle  von  einem  caelum  elau- 
wölbebauesgewesenseien,  von  dem  ursprünglich  10  sum  (vgl.  I/ucr.  6,  817:  aperta  promtaque 
etruskischen  Ianiculum  aus ,  unter  Nurna  nach  caeli.  Cic.  de  divin.  1 ,  1 :  patens  caelum  ex 
Rom  gekommen.  Als  Himmelsgott  sei  er  auch  omni  parte  atqite  apertum  intueri.  Vol.  Flacc. 
Gott  des  Anfangs,  des  Ursprungs  aller  Dinge,  1,  655:  emieuit  reserata  dies  caelumquc  resölvit 
und  Quellengott  geworden,  weil  die  irdischen  arcus;  mehr  b.  Röscher  a.  a.  0.  S.  121  Anm. 
Wasser  vom  Himmel  kommen  und  jvon  ihm  469).  Was  könne  nun  einfacher  sein  als  die 
genährt  werden.  Den  Ianus  cpiadrifrons  be-  Vorstellung,  dafs  der  Wind,  welcher  den 
zieht  Deeclce  nach  dem  Vorgange  ..der  Alten  Himmel  bald  mit  Wolken  bedeckt,  bald  davon 
auf  die  vier  Weltgegenden.  „Das  Öffnen  und  befreit,  der  Öffner  und  Schliefser  des  himni- 
Schliefsen  des  Tempels  beim  Beginne  und  lischen  Hauses  sei?  (Vgl.  Ovid  f.  1,  681:  cum 
Ende  des  Krieges"  betrachtet  Deeclce  (S.  127)  20  serimus  caelum  ventis  aperite  serenis).  Er- 
in  etwas  gesuchter  Weise  „als  Symbol  der  Off-  wäge  man  nun,  dafs  der  Wind  oder  Luftzug 
nung  der  Schranken  des  Weltalls,  wenn  Ianus,  ebenso  die  als  himmlische  Thüren  gedachten 
der  Gott  der  Himmels-  und  Weltordnung  ge-  Wolken  wie  die  Thüren  der  menschlichen 
zwungen  ist,  gegen  die  bösen  Mächte  draufsen  Wohnungen  bald  öffnet,  bald  zuschliefst,  so 
zu  kämpfen,  der  Schliefsung,  wenn  die  Ruhe  dränge  sich  uns  fast  von  selbst  die  Vermutung 
draufsen  hergestellt  ist".  '  auf,  dafs  Ianus  ein  altitalischer  Windgott  sei, 
Corssen  {Ausspr.  etc.  1  -,  212),  der  fest  an  die  zumal  da  es  bisher  an  einem  solchen  einheit- 
Richtigkeit  der  Ableitung  von  der  Wurzel  div  lieh  gedachten  Windgotte  in  der  italischen 
(vgl.  auch  Pott,  E.  F.  1,  99.  2,  207.  Ploix,  Kat.  d.  Religion  fehle.  Diese  Vermutung  sucht  nun 
dieux99.  Grafsma/rm, Z.  f.  vgl.  Spr.  11, 9. 16, 161)  so  Moscher  durch  die  Vergleichung  mit  dem 
glaubt,  erkennt  dagegen  in  I.  „den  Gott  der  griechischen  Hermes,  den  er  als  Windgott  er- 
Grenzen von  Raum  und  Zeit,  insbesondere  der  wiesen  zu  haben  glaubt,  zu  stützen.  Die  ver- 
Zeitgrenzen,  die  durch  die  Lichtwechsel  der  schiedenen  Vergleichungspunkte  sind  kurz 
Sonne  und  des  Mondes  bestimmt  werden,  wie  folgende.  Dem  thürhütenden  Ianus  dürfte  zu- 
Anfang und  Ende  der  Jahre,  Monate,  Wochen  nächst  deutlich  der  an  der  Thüre  des  grie- 
und  Tage".  Er  meint,  dafs  I.  eben  mit  B.ück-  chischen  Hauses  Wache  haltende  'Egurjg  ozqo- 
sicht  auf  diese  Lichtwechsel  als  „lichter  Gott"  yaiog,  Ttvlrjdöxog,  der  als  Windgott  die  Thüre 
oder  „himmlischer  Gott"  bezeichnet  worden  bald  öffnet,  bald,  schliefst  (Boscher,  Hermes 
sei.  „Da  nun  aber  Ianus  auch  die  Gottheit  91  f.)  und  vor  allen  Dingen  wie  ein  Thürhüter 
der  Raumgrenzen  auf  der  Erde  war,  daher  der  40  die  sich  etwa  einschleichenden  Diebe  abwehrt, 
Thüren  und  Thore,  so  ist  es  begreiflich,  dafs  entsprechen.  Dem  Ianus  als  rector  viarum 
von  ihm  ein  Thor  oder  Durchgang,  bei  dem  (Macrob.  1,  9,  7),  dem  zu  Ehren  auf  den  be- 
sein  Brustbild  zu  sehen  war(?),  Ianus  genannt  lebtesten  Strafsen  iani,  auf  den  Kreuzwegen 
wurde,  wie  Wein  durch  Bacchus,  Brot  durch  iani  quadrifrontes  mit  doppelküpfigen  oder 
Ceres,  Liebe  durch  Venus,  Kampf  durch  Mars  vierköpfigen  Ianusbildern  errichtet  waren,  ist 
bezeichnet  wurde."  Härtung  {Bei.  d.  B.  2,  219)  der  Wegegott  Hermes  vergleichbar,  der  eben- 
und  Klausen  (Aeneas  710)  halten  Ianus  für  einen  falls  oft  mehrköpfig  (E.  zgiyjqicüog,  rsrQctiis- 
Gott  des  Anfangs,  oder  für  den  Urgott  schlecht-  yalog)  dargestellt  wurde.  Ebenso  wie  Ianus 
hin;  Mommsen,  B.  G.3  1,  163  fafst  ihn  als  wurde  auch  Hermes  öfters  als  Doppelherme 
„Geist  der  Eröffnung".  Eine  von  allen  bis-  50  gebildet.  Die  Darstellungen  beider  Götter 
herigen  Deutungen  abweichende  Erklärung  ist  standen  sich  so  nahe,  dafs  z.  B.  Augustus 
neuerdings,  wenn  auch  mit  vorsichtiger  Re-  einen  solchen  Doppelhermes  des  Skopas  oder 
serve,  von  Boscher  in  seiner  Schrift  Hermes  Praxiteles  aus  Ägypten  nach  Rom  brachte  und 
der  Windgott  (Leipzig)  1878  S.  119  ff.  versucht  hier  als  Ianus  aufstellte  (Plin.  h.  n.  36,  28). 
worden.  Boscher  geht  aus  von  der  Griechen  Vgl.  auch  den  doppelköpfigen  Windgott  Boreas 
und  Römern  gemeinsamen  Vorstellung  einer  auf  einer  Vase  (ob.  Bd.  1  Sp.  809  f.).  Da  ferner 
Himmelspforte  {nvlui  ovgccvov,  porta  caeli),  vom  Winde  das  Gelingen  der  Opfer  und  die 
welche  bei  Homer  von  den  Hören  bald  ge-  Hörbarkeit  der  Gebete  abhängt*)  (vgl.  Boscher 
öffnet,  bald  geschlossen  wird.  Unter  den  a.  a.  0.  S.  122),  so  ist  dem  Hermes  sowohl 
Thüren  dieser  Pforte *)  sind  natürlich  die  co  wie  dem  Ianus  die  Erfindung  des  Opferritus 
Wolken  zu  verstehen  (vgl.  II.  E  749:  avzo-  und  Götterdienstes  zugeschrieben  worden.  Vgl. 
fiazca  d's  nvlcti  (ivy-ov  ovqcivov,  öis  l%ov  Hermes  als  „precum  minister" (Welcher, Sylloge 
wqcci,  zf]g  HiizhzQttnzat.  fisyag  ovQctvög  Ovlvu.-  epigr.    gr.  136)    mit   Ianus    als    viam   pandens 

*)    Auch   der   Rigveda   kennt   Götterthore    (1,  13,  C.  *)    /(.    0   b49    xvUsrpl   o"    Ix    rtiäiov    ,'ivi^ioi     ipi(ir,r 

142,  6.  2,  3,  5  etc.).     Ebenso  die  germanische  Mythologie;  odnavuv    iiow.      ib.    A    317.      Ap.    RIi.    1,    43S  f.     Vayu 

MannhanU,     Germern.    Mythen    255.    266  f.    287.    3S9  ff.    (wo  heilst  im  Rigveda  8,  26,  21  Titas  pati  =  Herr   des  Opfers, 

deutlich  die  Wolken  als  Himruelsthüren  erscheinen,  deren  Dieselbe  Vorstellung  scheint  dem  Opfer  Kains  und  Abels 

Pfortner  St.  Petrus  (=  Ianus?)  ist).    3S4f,  100 ff.  etc.  zu  Grunde  zu  liegen. 


47      Ianus  (Kritik  d.  neueren  Deutungen)  Linus  (Kritik  d.  neueren  Deutungen)     48 

deorum  ad  audientiam  (Amol).  3,  29)  und  als  ständnis  seinea  Wesens  zu  gelangen.  Hierzu 
preces  supplicum  per  portas  suas  ad  deos  ipse  kommt  noch,  dafs  fast  alle  soeben  dargelegten 
transmittens  (Nigid.  b.  Macrob.  1,  9,  9).  Vgl.  vor  Deutungen  verschiedenen  Bedenken  unterliegen, 
allem  auch  Serv.  7,610:  alü Ianum  aerem  cre-  Namentlich  scheint  mir  dies  bei  der  Deutung 
dunt,  et  qiiia  vocis  genitor  (vgl.  Hermes  als  des  Ianus  als  Sonnen-  oder  Himmelsgott  der 
Erfinder  der  Sprache!)  habeatur,  idcirco  man-  Fall  zu  sein.  Um  mit  dem  ersten  von  Preller 
dari  ei  preces  nostras  ad  eos  pterferendas.  angeführten  Grunde  zu  beginnen,  dafs  Ianus 
Des  Ianus  Verhältnis  zu  den  Märkten  die  maskuline  Parallele  zu  Iana,  d.  h.  der 
Italiens  und  den  daselbst  verkehrenden Wechs-  Mondgöttin,  sei,  so  ist  diese  Annahme  zwar 
lern  und  Händlern  erinnert  an  den  Hermes  10  an  sich,  d.  h.  lautlich  möglich,  doch  ist  erstens 
äyogalog  der  griechischen  Städte.  Dem  Matu-  die  Form  Iana  (s.  d.)  =  Diana  nur  schlecht 
tinus  pater  scheint  der  ebenso  wie  der  Wind  bezeugt  und  vielleicht  nur  einer  ruythologisch- 
am  frühen  Morgen  geborene  Hermes  zu  ent-  etymologischen  Spekulation  zuliebe  konstruiert 
sprechen.  Der  Ianus  Consivius  und  duonus  (vgl.  Varro  r.  r.  1, 37,  3  and  Matcröb.  1, 9,  8  pro- 
cerus  findet  eine  Analogie  in  dem  Hermes,  nuntiavit  Nigidius  Apöllinem  Ianum  esse  Dia- 
kon welchem  die  Befruchtung  der  Pflanzen  namque  Ianam),  zweitens  nimmt  es  wunder, 
und  Tiere  abhängt.  Sogar  für  den  \Epfiijs  dafs  diese  etymologische  Verwandtschaft  zwi- 
ipv%07ioa7t6g  findet  sich  eine  Parallele  im  Vor-  sehen  Ianus  und  Diana  (Iana)  keine  nrytho- 
stellungskreise  des  Ianus,  welcher  nach  Prae-  logische  Verwandtschaft  beider  Gottheiten  er- 
textatus  b.  Io.  Lyd.  mens.  4,  2  zag  dttozEQug  20  zeugt  hat,  und  drittens  würde  die  Parallele 
ipvxüs  stl  zbv  asXrjvuniiov  x°Q°v  BMonspnsi,  Ianus  und  Diana  (Iana)  das  offenkundige  Ver- 
was  unverkennbar  an  den  pythagoreischen  hältnis  des  Ianus  zu  den  iani  und  ianuae 
'EQfifie  zotjiiag  läv  ipvxäv  ■  ■  ■  [ös]  eleitE/uta  zerreifsen,  zumal  da  Diana  in  gar  keiner  Be- 
Ütcö  zäv  ocoixäzwv  rag  ^pv^ctg  . .  .  tag  v.a&aQocg  ziehung  zu  diesen  Begriffen  steht. 
ini  zbv  vrpiazov  x.  z.  X.  erinnert.  Auch  im  Nicht  minder  hinfällig  oder  bedenklich  ist 
Kultus  beider  Götter  kommen  Ähnlichkeiten  der  zweite  von  Preller  angeführte  Grund,  der 
vor,  beiden  werden  vorzugsweise  Widder  ge-  sich  wesentlich  auf  Macrob.  1,  9,  9  qui.  exo- 
opfert;  beiden  sind  vorzugsweise  die  Neumonde  riens  aperiat  diem ,  oeeidens  claudat  stützt,  in- 
(Kalenden)  geheiligt.  sofern  hier  eine  ganz  späte,  wahrscheinlich 
__.,„,  ,  „  30  nur  aus  eingebildeten  Theorieen  entstandene, 
I.    Kritik  der  modernen  Deutungen.  80ngt    nicht    nilcliweisbare    Vorstellung    eines 

Fragen  wir  jetzt,  welche  der  soeben  ange-  Mythologen  (Nigidius)  vorgeführt  wird.  Wenn 
führten  meist  physikalischen  Deutungen  An-  Preller  u.  a.  drittens  aus  der  von  Osten  nach 
spruch  auf  unsere  Billigung  machen  können,  Westen  laufenden  Axe  des  alten  Ianus  Geminus 
so  scheint  mir  keine  einzige  derselben  volle  am  Forum  auf  einen  Sonnengott  schliefsen,  so 
Befriedigung  zu  gewähren;  ja  es  ist  sogar  ist  dem  nicht  blofs  entgegenzuhalten,  dafs  diese 
nach  unserer  oben  gegebenen  Darstellung  in  Lage  zufällig  und  lediglich  aus  örtlichen  Ver- 
hohem Grade  zweifelhaft,  ob  wir  überhaupt  hältnissen  erklärbar  sein  kann,  sondern  auch, 
in  Ianus  einen  alten  Naturgott  anerkennen  dafs  sie  sich  möglicherweise  aus  der  gewöhn- 
dürfen. Wie  wir  gesehen  haben,  lassen  sich  .10  liehen  Anlage  der  altrömischen  Bauten,  nament- 
alle  einzelnen  Funktionen  des  Ianus  auf  die  lieh  der  Villen,  erklärt,  deren  Front,  wie  wir 
beiden  Grundbegriffe  eines  Schutzgottes  oder  sahen  (Sp. 30  A.  **),  in  der  Regelnach  Ostenge- 
Genius  der  Thüren  und  eines  solchen  der  An-  richtet  war.  Vielleicht  hängt  diese  ost-west- 
fänge  zurückführen,  und  der  letztere  Grund-  liehe  Richtung  des  alten  Markteingangs  mit 
begriff  ist  aller  Wahrscheinlichkeit  erst  aus  der  dem  Templum  zu  Grunde  liegenden  Vor- 
dem ersteren  hervorgegangen.  Dafs  ein  solcher  Stellung  zusammen,  dafs  die  Ostseite  die  glück- 
häuslicher Schutzgeist  der  Eingänge  und  An-  verheifsende  sei  (Müller-Deccke ,  Etruskcr2  2, 
fange  ganz  wohl  ohne  ein  Natursubstrat  131  f.),  daher  man,  um  ein  günstiges  Omen  für 
wenigstens  bei  den  Italikern  denkbar  .ist,  alle  auf  dem  Markte  betriebenen  Angelegen- 
lehren zahlreiche  Analogieen,  namentlich  Vesta  50  heiten  zu  gewinnen,  durch  eine  östlich  ge- 
(=  Hestia),  die  göttliche  Personifikation  des  richtete  Pforte  ein-  und  auszugehen  liebte. 
Herdfeuers  und  Herdes,  Cardea,  die  Göttin  der  Auch  der  vierte  Grund,  die  Verehrung  des 
cardines,  Limentinus  der  Gott  der  limina,  Ter-  Ianus  als  Matutinus,  braucht  nicht  notwendig 
minus  der  Gott  der  Grenzen  und  viele  andere  auf  einen  Gott  der  aufgehenden  Sonne  bezogen 
göttliche  Wesen,  welche  uns  namentlich  die  zu  werden,  sondern  kann  sich  recht  wohl 
Indigitamenta  kennen  lehren  (s.  oben  Sp.  30).  ebenso  wie  die  Verehrung  an  den  Kaienden, 
Was  hindert  uns  also  bei  dem  völligen  Zu-  im  ersten  Monate  des  Jahres  u.  s.  w.  aus  der 
sammenfallen  des  Namens  und  des  Appella-  Bedeutung  des  Ianus  als  Gottes  aller  Anfänge 
tivums  (Ianus  und  ianus)  au  ein  ähnliches  erklären  (s.  oben  Sp.  37  ff.).  Genau  dasselbe 
Verhältnis  zu  glauben,  wie  es  uns  bei  'Eazi'a  60  gilt  von  Ianus  als  Quellengott,  den  wir  oben 
und  fffTt'o:  entgegentritt,  oder,  mit  anderen  auf  Grund  sprachlicher  Thatsachen  einfach  aus 
Worten,  was  hindert  uns  anzunehmen,  dafs  der  Vorstellung  vom  Öffnen  und  Schliefsen 
ebenso  wie  der  Begriff  des  Herdes  und  Herd-  (der  Wasseradern)  zu  erklären  gesucht  haben, 
feuers  in  'Eazia  und  Vesta  so  auch  der  Be-  zumal  da  eine  Beziehung  des  Sonnengottes  zu 
griff  des  Eingangs  in  Ianus  zu  einem  göttlichen  Quellen  bei  Griechen  und  Italikern  sonst  so 
Wesen  sich  steigern  konnte?  Nötig  ist  es  gut  wie  unerhört  ist.  Der  Gedanke  Schweg- 
also  entschieden  nicht  für  Ianus  nach  einem  lers  endlich,  dafs,  wenn  Ianus  kein  Sonnengott 
Natursubstrat  zu  suchen,  um  zum  vollen  Ver-  wäre,  die   altlatinische  Religion  eines  solchen 


49       Ianus  (in  d.  Kunst:  doppelköpfig) 

entbehrt  haben  würde,  ist  schon  deshalb  hin- 
fällig, weil  Mars  (s.  d.)  aller  Wahrscheinlich- 
keit nach  von  Haus  aus  ein  Sonnengott  und 
mit  Apollon  nahe  verwandt  ist.  Gegen  die 
Deutung  (Deeckes)  des  lanus  als  eines  etruski- 
schen  Gottes  des  Himmelsgewölbes  spricht 
nicht  blofs  der  Umstand,  dafs  Ianus  sich  durch- 
aus nicht  als  ein  rein  etruskischer  Gott  er- 
weisen läfst  (s.  oben  Sp.  28),  sondern  auch, 
dafs  es  sehr  fraglich  erscheint,  ob  der  Himmel 
aufser  von  Ennius  jemals  als  einfacher  Bogen 
{ianus,  fomix,  arcus)  gefafst  worden  ist.*) 
Anders  läge  die  Sache,  wenn  nicht  der  ein- 
fache Bogen,  sondern  vielmehr  das  Kuppel- 
gewölbe (tholus,  hemisphaerium)  Symbol  des 
Ianus  wäre.  Der  einfache  Bogen  könnte  höch- 
stens Symbol  des  Regenbogens  (arcus  caeli) 
sein,  zu  welchem  Ianus  jedoch  keine  nach- 
weisbaren Beziehungen  besitzt.  —  Die  Corssen- 
sche  Deutung  des  Ianus  als  Gott  des  Licht- 
wechsels beruht  einerseits  auf  einer  zweifel- 
haften Etymologie**),  anderseits  auf  einer  zu 
abstrakten,  unseres  Wissens  nie  sonst  zu  einer 
göttlichen  Persönlichkeit  ausgebildeten  Vor- 
stellung. Was  endlich  meine  eigene,  vor  Jahren 
gegebene  Deutung  betrifft,  so  dürfte  zwar 
nicht  zu  leugnen  sein,  dafs  sie  mehr  charakte- 
ristische Eigentümlichkeiten  des  Ianus  zu  er- 
klären vermag  als  die  anderen  physikalischen 
Deutungsversuche,  doch  scheint  sie  mir,  wie 
schon  oben  hervorgehoben,  bei  der  eigentüm- 
lichen Richtung  der  römischen  Religion  auf 
Personifikation  und  Vergöttlichung  aller  mög- 
lichen, im  häuslichen  Leben  wichtigen  Begriffe, 
unnötig  zu  sein,  womit  ich  jedoch  nicht  bestimmt 
in  Abrede  stellen  will,  dafs  doch  vielleicht  dem 
alten  Thürengotte  ein  (nur  nicht  mit  Sicherheit 
nachweisbares)  Natursubstrat  zu  Grunde  liegen 
könne.  Vgl.  Mannhardt,  German.  Mythen  236  f., 
wo  nachgewiesen  wird,  dafs  der  Donner-  und 
Blitzgott  Thor   germanischer  Thürengott  war. 

K.   Ianus  in  der  Kunst. 

A)  Doppelköpfiger  Typus.  Bildwerke, 
welche  Ianus  darstellen,  sind,  abgesehen  von 
den  Münzen,  im  ganzen  höchst  selten.  Das 
älteste  in  dem  numanischen  Ianus  Geminus 
des  Forums  aufgestellte  Bild  (jedenfalls  ganze 
Figur)  mit  Doppelkopf  kennen  wir  nur  aus  Be- 
schreibungen von  Schriftstellern  (s.  oben  Sp.  17)  50 
und  vielleicht  aus  dürftigen  Münzbildern  (vgl. 
Eckhel,  D.  N.  VII 119).  Dafs  es  sich  in  diesem 
Falle  um  eine  sehr  alte,  noch  zu  Plinius'  Zeit 
vorhandene  Statue  handelt  (vgl.  Varro  l.  I. 
5,  165)  geht  deutlich  aus  den  Worten  dieses 
Schriftstellers  (h.  n.  34,  33)  hervor:  fuisse  .  .  . 
statuariam  artem  familiärem  Italiae  quoque  et 

*)  Vgl.  Gic.  de  orat.  3,  40,  162  quo  in  genere  .  .  fugienda 
est  dissimilitudo :  ,Cacli  ingentes  fornices* :  quamvis  sphae- 
ram  in  scenam  .  .  attulerit  Ennius,  tarnen  in  sphaera 
fornicis  similitudo  non  potest  inesse.  Hieraus  folgt, 
dafs  die  Bezeichnung  des  Himmels  als  fornices  (statt 
tholus,  hemisphaerium,  sphaera)  ganz  Singular  und  unzu- 
treffend war.  Oder  meinte  Ennius  etwa  den  Regen- 
bogen ? 

**)  Eine  gauz  schlagende  Etymologie  von  ianus, 
ianua  und  Ianus  ist  noch  nicht  gefunden,  doch  kann 
man  sich  allenfalls  einstweilen  an  der  alten  Ableitung 
von  i  (ire)  genügen  lassen. 


Ianus  (in  d.  Kunst:   doppelköpfig)       50 

v et us tarn  indicant.  ...  Ianus  geminus  a  rege 
Numa  dicatus  digitis  ita  figuratis  ut  CCCLV 
(andere  lesen  CCCLXV)  dierum  nota,  per  signi- 
ficationem  anni ,  temporis  et  aevi  sc  deum  in- 
dicaret.  Vgl.  Lyd.  de  mens.  4,  1:  rij  fisv  ös^iä 
TQiuxoeias  rf]  äs  IziQa  i^rjv.ovza  uivxt 
tlir](povg  ctQi&novvTa  ojansg  xov  iviavxov;  ebenso 
Said.  s.  v.  'luvovctQiog  und  Macrob.  1,  9,  10. 
Ist  demnach  die  Lesart  CCCLV  bei  Plinius 
10  richtig,  da  er  ausdrücklich  von  dem  alten  von 
Numa  gestifteten  Bilde  redet,  so  dürfen  wir 
im  Hinblick  darauf,  dafs  erst  Cäsar  im  J.  46 
das  aus  365  Tagen  bestehende  Jahr  einführte, 
wohl  annehmen,  dafs  man  später  (wie  es 
scheint,  erst  nach  Plinius)  die  Stellung  der 
Finger  der  linken  Hand  so  änderte,  dafs  statt 
LV   die   Zahl  LXV    (oder  LVVV?)   dargestellt 


Ianus    bartig    auf    einem   rüm.  Libralas    (nach    Mommsen, 

Eist,  de  la  monn.  rom.  trad.  par  le  Luc  de  Btacas  pl.  V  — 

Baumeister,  Denkrn.  S.  964  nr.  1153). 

wurde.  Was  den  Ausdruck  und  die  Auffassung 
des  Kopfes  betrifft,  so  dürfen  wir  ihn  uns 
wohl  nach  Mafsgabe  des  Doppelkopfes  auf 
den  ältesten  römischen  Libralassen  etwa  aus 
der  zweiten  Hälfte  des  4.  Jahrb.  bärtig  (vgl. 
Ovid  f.  1,  259  propexam  ad  pectora  barbam) 
und  ernst  mit  auffallend  grofsem ,  wie  es 
scheint,  aufmerksam  beobachtendem  Auge  vor- 
stellen. Vgl.  die  schönen  Abbildungen  der 
ältesten  Ianusmünzen  in  d.  Wiener  Kumismat. 
Ztschr.  15  (1883)  Taf.  1  Fig.  12  u.  Tai'.  2 
Fig.  1—3.  Seit  d.  Jahre  268  treten  an  die  Stelle 
der  alten  Libralasse  die  sogen.  Trientalasse, 
deren  Typus  ein  wenig  verändert  wird,  indem 
der  Ianuskopf  jetzt  mit  dem  Lorbeerkranze 
(Claudian.  28,  641  ore  coronatus  —  gemino. 
Sidon.  ca.  7,  11:  dupilicique  accingere  lauro) 
ausgestattet  und  darüber  das  Wertzeichen  I 
gesetzt  ist  (Baumeister,  Derikm.  S.  712  hält 
dieses  Wertzeichen  irrtümlich  für  einen  Stab). 
Ahnlich  auf  Gemmen;  vgl.  Töllccn  nr.  1397. 
Vielleicht    gehört    in    diese    Reihe    auch    der 


51 


Linus  (doppelköpfig ,  bartlos) 


Ianus  (in  ganzer  Figur) 


52 


Ianus  bärtig  auf  e.  runi.Triental- 

as    (nach    Mommsen,    hht.    etc. 

pl.  XXII,  7  =  Baumeister,    D. 

S.  066  nr.  1166). 


von  manchen  für  Zeus  erklärte  Doppelkopf 
(etwa  lebensgrofs)  im  Palazzo  Spada  zu  Rom, 
abgebildet  in  E.  Brauns  Ant.  Marmorwerken 
1.  Dekade  Taf.  3a  u.  3b,  besprochen  von 
Overbeck,  Eunstm.  Zeus  S.  91  f.  Matz-Duliu, 
Roms  ant.  Bildw.  32;  vgl.  auch  Müller,  Hdb. 
d.  Arcli.  407,  2.  Sind  hierher  auch  die  Ianus- 
herme  Tmpr.  d.  I. 4, 86  {Müller  a.  a.  0.)  u.  die  ob. 
(Bd.  1  Sp.  2416)  von  Scherer  auf  Hermes  bezogene 
Gemme  (Doppelge- 
stalt ,  bärtig  mit 
Petasos  und  Stab) 
zu  stellen?    Neben 

diesem  bärtigen 
Doppelkopf  begeg- 
net auf  Münzen, 
z.  B.  denen  von  Vo- 
laterrae  (s.  oben 
Sp.  28),  und  auf  rö- 
mischen Familien- 
münzen (Klausen, 
Aeneas  715  Anm.  r), 
sowie  auf  Gemmen 
(Töllcen  nr.  139S), 
noch  ein  jugend- 
licher, dem  un- 
bärtigen  Hermes  ähnlicher  Typus  bisweilen  mit 
einem  ziemlich  flachen,  oben  in  eine  Spitze  aus- 
laufenden Petasos  (vgl.  Cat.  of  grecle  coins  in 
the  Brit.  Mus.  Italy  S.  9—11.  Deiche,  Etruslc. 
Forsch.  2  S.  90.  125  Taf.  III  nr.  42.  Müller- 
Wieseler,  T>.  a.  K.  1,  63,  327).  Ganz  ähnlich, 
nur  dafs  das  eine  Gesicht  bärtig,  das  andere 
jugendlich  ist,  sind  die  beiden  oben  (Hermes 
Sp.  2416)  von  Scherer  auf  Hermes  SixEyaXos 
bezogenen  Doppelköpfe  auf  Gemmen,  in  welchen 
vielleicht  auch  Ianus  anzuerkennen  ist.  Ebenso 
erscheint  auf  den  asses  des  aes  grave  von 
Mittelitalien  ein  jugendlicher  bartloser  Doppel- 
kopf (mit  Diadem?);  vgl.  Catalogue  a.  a.  0. 
S.  48  u.  49.     S.  auch  die  röm.-campan.  Münzen 

heiBabelon,  Moni), 
de  la  rep.  I  S.  21  ff. 
sowie  die  Münze 
der  Fonteia  ib.  I 
S.  499. 

Überhaupt  ist 
Ianus  (oder  die  mit 
ihm  identificierte 
Doppelherme?)  zu 

einem     häufigen 
Münzbilde     vieler 
Städte  Italiens,  Si- 
eiliens  u.  Griechen- 
lands     geworden ; 
vgl.    Drakon    von 
Kerkyra  b.  Athen. 
692DE(=Ä(sto(/(. 
z.  Od.  1533,  3):  zmv  xaT«  zriv'EXlcidct  noXlctg  no- 
Xtig  Mal  räv  xara  zrjv  IzaXCav  y.a.i  Hiv.sXtav  sitl 
zov  i'Ofxi'cfiaros  hy%ctQ<xxz£iVKQÖGa>nov  äixicpaXov 

Httl    EX    &IXTEQOV    {IZQ0V$    1]    G^SÖiKV     7}     GZEtyCtVOV 

~rj  nXoiov.  In  der  That  finden  wir  diese  Notiz 
durch  erhaltene  Münzen  bestätigt.  Besonders 
interessant  ist  das  youthful  juniform  head, 
law.  (Hermes?)  auf  Silbermünzen  von  Syra- 
kus  (Head  pl.  VI,  5)  aus  der  Zeit  des  Timo- 
leon  (Cat.   of  the  gr.  coins  in  the  Brit.  Mus. 


Ianus  jugeudlich  mit  Petasos 
auf  e.  Münze  v.  Volaterrae  (nach 
Deeoke,  Etrusl:  Forsch.  Taf.  3, 12). 


Sicihj  186.  Vgl.  auch  die  nach  212  geschla- 
gene syrakusanische  Münze  mit  head  of  Ianus, 
bearded  and  wearing  ivreath  (Head  pl.  XIV, 
13)  Cat.  a.  a.  0.  S.  229.  Von  panormita- 
ni sehen  Münzen  sind  folgende  'Typen  zu  er- 
wähnen: a)  06c.  ram  Standing  r.  between  his 
legs  head  of  Ianus;  Period  of  Decline;  Cat. 
a.  a.  0.  122.  —  b)  Ohr.  head  of  Ianus,  law. 
above  I;  Bei:  F-R  [=  PORTVS?  PORTVNVS?] 

10  mithin  laurel-ureath;  Cat.  a.  a.  0.  124;  vgl. 
ebenda  S.  126  ff.  Ebenso  erscheint  Ianus  auf 
Münzen  von  Amphipolis  (das  eine  Gesicht 
bärtig,  das  andeie  unbärtig?  Cat.  of  greel:  coins 
Macedon.  50),  Thessalonike  (ib.  S.  112)  und 
sonst  (vgl.  Imhoof-Blumcr,  Monnaies  grecques 
S.  252). 

Aufser  dem  alten  numanischen  Doppelianus 
am  Forum,  der  durch  die  Stellung  seiner 
Finger  die  Zahl  der  Tage  des  Jahres  andeutete, 

20  finden  sich  noch  andere  doppelköpfige  Typen 
in  ganzer  Figur.  Hierher  gehört  der  Typus, 
welcher  nach  Analogie  der  ianitores  in  der 
Rechten  einen  Stab  (baculum,  virga;  vgl.  auch 
die  Münze  des  Ant.  Pius  Ecldiel,  D.  N.  VII,  16,  wo 
die  virga  als  ha- 
sta  gedeutet  wird; 
vgl.  Cohen,  Med. 
imp.-2,S56;eben- 
so    des    Pertinax 

30  ib.  141 ;  Cohen, 
Med.  imp."3,  392 
mit  der  Inschrift 
lano  Conservat.), 
in  der  Linken 
einen  Schlüssel 
oder  umgekehrt 
hielt    (vgl.    Ovid 

/.  1,  99  illc  teneilS  Ianus  ^  ganzer  Gestalt  anf  e.  He- 
baculum      dextra    daillon  des   Commodus  (nach  67er- 

■10  Clavemque  Sini-  liard,  Denkm.  u.  F.  Taf.  UV,  nr.  S). 
stra;  ib.  228  cla- 

viger ;  vgl.  ib.  254.  Macrob.  1,  9,  7.  Io.  Lyd. 
de  mens.  4:  vvv  fiiv  kXsis  [v.XsWa,  xlttV?] 
zfj  Ss^iä  cptQovtcc;  ebenso  Suid.  s.  v.  'Iavovci- 
giog),  ferner  der  höchst  merkwürdige,  oben 
Sp.  38  besprochene  Typus  auf  Münzen  des 
Commodus*)  (Ianus  mit  Doppelkopf,  das  eine 
Gesicht  bärtig,  das  andere  unbärtig,  hält 
in  der  L.  einen  Stab,  die  R.  legt  er  auf  einen 

50  Ianusbogen,  aus  welchem  die  vier  Jahreszeiten 
herausschreiten  [Mythogr.  Vat.  3,  4,  9  Ianus 
.  .  .  anni  ianuam  pandat],  ihnen  entgegen 
kommt  ein  Knabe  mit  Füllhorn  =  Novus 
Annus),  endlich  der  Ianus  auf  den  Münzen 
des  Gallienus  (Eclchel ,  D.  N.  7,  396;  Cohen, 
a.  a.  0.  5,  376) :  „Ianus  bieeps  vultu  uno  bar- 
bato  cdtero  imberbi  stans  togatus  d.  patcram, 
s.  seeptrum."  Wie  der  von  Augustus  aus 
Ägypten    nach    Rom    gebrachte    Ianus    Pater 

fio  von  der  Hand  des  Praxiteles  oder  Skopas 
(oben  Sp.  26)  aussah,  wissen  wir  nicht,  wahr- 
scheinlich war  auch  dieser  ein  Geminus  und 
eigentlich  ein  Doppelhermes  (s.  oben  Sp.  46). 
Höchst  beachtenswert  ist  eine  im  J.  1847  zu 
Cortona  aufgefundene  und  daselbst  im  öffent- 

*)  Comniodus  liefs  sich  auf  Münzen  auch  selbst  als 
Ianus  darstellen  {Echhel,  D.  X.  7,  110). 


53    Ianus  (4köpfig;  Entstehung  d.  Ianustypus) 

liehen  Museum  aufbewahrte  „statua  aenea  Tus- 
cae  originis",  welche  Detlefsen,  de  arte  Roman, 
antiq.  1  p.  21  (vgl.  auch  Lorini,  di  due  Sta- 
tuette in  bronso  ed  inscritte  rinvenute  presso  le 
mura  di  Cortona;  Cortona  1855)  folgender- 
niafsen  beschreibt:  „iuvenis  bifrons  imberbis 
nudus,  torque  tantum  et  caligis  omatus ,  leni 
passu  incedens,  qici  dextram  protendit,  sin.  fe- 
mori  admovet." 

B)  Vierköpfiger  Typus  (quadrifrons, 
zizgäpogcpog  Lyd.  d.  mens.  4,  1.  Suid.  s.  v. 
'Iavovdgtog).  Das  älteste  Beispiel  dieses  Typus 
ist  der  alte  aus  Palerii  nach  Rom  gebrachte 
und  später  auf  dem  Forum  Transitorium  auf- 
gestellte Ianus. 

C)  Entstehung  der  Ianustypen.*) 
Schon  mehrfach  ist  behauptet  worden,  dafs 
die  Form  des  Doppelkopfes  keine  echtitalische 
Erfindung  (wie  Mommsen,  B.  G.s  1,  163  und 
Detlefsen,  de  arte  Born,  antiq.^  part.  1  p.  21  an- 
nehmen), sondern  nur  die  Übertragung  eines 
schon  der  griechischen  Kunst  geläufigen  Typus 
(der  Doppelherme)  sei.  Obwohl  sich  diese 
Ansicht  nicht  mit  voller  Sicherheit  beweisen 
läfst,  ist  sie  doch  als  in  hohem  Grade  wahr- 
scheinlich zu  bezeichnen,  da  sich  in  der  That 
in    der    griechischen   Kunst    schon    seit   sehr 

alter  Zeit  derartige  Doppel- 
köpfe nachweisen  lassen**), 
daher  es  durchaus  falsch  ist, 
wenn  Ovid  (f.  1,  90)  von  Ianus 
sagt:  nam  tibi  par  nulluni 
Graecia  numen  habet.  Natür- 
lich berücksichtigen  wir  in 
der  folgenden  Aufzählung  von 
Doppelköpfen  nicht  die,  wel- 
che zwei  verschiedenen  Göt- 
tern angehörende  Gesichter 
verbunden  zeigen,  sondern 
nur  solche,  welche  entweder, 
wie   Lucian   (Iupp.  trag.  43) 

Sagt,    SlZZol   Mt  CtflCpCOZ£gCO&£V 

ofiowi  sind,  oder  welche  ein  und  dieselbe 
Persönlichkeit  in  verschiedenem  Lebensalter 
(d.  h.  jugendlich  ohne  Bart  oder  männlich 
mit  Bart)  darstellen. 

a)  Arg os  doppelköpfig  auf  einer  echt- 
archaischen  schwarzfigurigen  Amphora,  be- 
sprochen von  Overbeck,  Kunstmyth.  d.  Zeus 
S.  476;  desgl.  auf  einem  späten  Vasengemälde 
aus  Ruvo  (Argos  hat  ein  bärtiges  und  ein 
jugendliches,    unbärtiges    Gesicht),     Overbeck 

*)  Die  Alten  hatten  von  der  Entstehung  des  doppel- 
kupfigen  Ianus  die  verschiedensten  und  abenteuerlichsten 
Ansichten;  vgl.  Bio  Cass.  bei  C'edren.  1,  295,  10 ff.  Bekk. 
Ilerodian  1,  16.  Oe.  f.  1,  113  ff.  Mytliogr.  Vat.  3,  4,  9.  Aug. 
c.  <l.  7,  8.    Sern.  A.  7,  610.    Aumn.  cd.  9. 

**)  Auch  die  ägyptische  und  phüDikische  Kunst  kennen 
ianusaitige  Doppelköpfe;  vgl.  z.  B.  den  doppelköpfigen 
Besä  (Bd.  1  Sp.  2887,  64,;  Catal.  of  engrav.  gems  in  the  Brit. 
Mus.  nr.  189),  sowie  den  doppelhäuptigen  El  oder  Kronos 
auf  Münzen  von  Mallos  {Imhoof- Blumer,  Maüos  Megarsos  etc. 
Paris  1S83  S.  IC  f.  u.  36  Taf.  5,  15  =  Annuaire  de  la  soc. 
Franc,  de  numismat.  annee  1883;  oben  Bd.  1  Sp.  1226,  wo 
die  Doppelküpfigkeit  als  Symbol  der  Wachsamkeit  ge- 
fafst  ist).  Vielleicht  war  auch  das  älteste  Apollonidol  zu 
Amyklai  (mit  1  Armen  und  4  Ohren)  ursprünglich  ianus- 
artig  gebildet  und  hatte  nur  durch  Zufall  sein  zweites 
GeBicht  eingebüfst,  wie  M.  Mayer,  Giganten  S.  S3  vermutet. 


Ianus  (Analogieen  d.  griech.  Kunst)      54 

a.  a.  0.  S.  478.  Dieser  Typus  des  Argos  ist 
deshalb  für  die  Entstehung  des  Doppel- 
gesichts besonders  bezeichnend,  weil  es  keinem 
Zweifel  unterliegt,  dafs  in  diesem  Falle  der 
Doppelkopf  die  unermüdliche,  nach  verschie- 
denen Seiten  gerichtete  Wachsamkeit  und 
Aufmerksamkeit  des  Wächters  der  Io  aus- 
drücken sollte. 

(3)   Boreas  erscheint  doppelköpfig  auf  der 

io  oben    Bd.    1    Sp.    809/10    besprochenen    Vase 

schönen    Stils.      Wahrscheinlich    erklärt    sich 

diese    Doppelköpfigkeit    des    Boreas    aus    den 

Worten  des  Theophrast  de  vent.  27  ff. :   ßogiov 


Münze  v.  Athen 
(nach  Gatalogue  of 
Greek  Coins,  Atti- 
ca,  Taf.  2,  Mg.  10). 


El  (Kronos)  doppel 
köpfig  auf  e.  Münze 
von  Mallos  (nach 
Annuaire  de  la  so- 
cie'te  frone,  numism. 
1883.  PI.  5,  15). 


nvsovzog    Ttgog    zov    poQictv.    .    .    .    Evia%ov 

.  .  .    avzinvoiai    yivovzai    zä> 

ßogsa  dia  zr\v  itsgMctoiv,  coorz 

%ai    svavziodgoiiEiv    za     nloia, 

xa&äntg    xal    mgi    zov    nogov 

zov    in    Xal-xidog    elg    QgcoTibv, 

20  ot!g    di]   Httlovoi  nalifißog  sag.    Weibl.     Doppel- 

y)    Eine     sehr    alte    Münze   köpf   auf   einer 

von  Athen   ist  geschmückt  mit  hocharchaischen 

„janiform   fcmale  heads   of  ar- 

cliaic  style,   ivearing    earrinys" ; 

Catal.    of  the  coins  in  the  Brit. 

Mus.  Attica  p.  5  ;  Taf.  2  nr.  10. 

ä)    „Double     Ute    de    femme",    archaische 

Münze    von    Lampsakos    bei    Imhoof-  Blumer, 

Monnaies  grecques  S.  248.    Vgl.  auch  die  ozifkn 
30  yvvaixst'cc    Siv.ägr]vog    iv  zy  nögza  zov  hixgzqov 

flavogfiov  bei  Codinus  de  sign.  p.  62  Bonn. 
i)    „Tete    de    Ballas    ä    deux   faces",    kili- 

kisehe(?)   Münze    bei   Imhoof  -  Blumer  a.  a.  O. 

S.  371;    Taf.  G    nr.   11. 

f)    Münzen   von  Rhegion,    beschrieben  im 

Cat.    of  greek   coins  in  the  Brit.   Mus.   Italy 

S.  381,    zeigen    „janiform    fe- 

male  heads  law.  and  each  wea- 

ring  modius,  Stephane,  earring 
io  and  necklace". 

n)  Hinsichtlich   der  Darstel- 
lungen des  ähnlich  wie  Ianus  die 

einfachen    und    die    Kreuzwege 

bewachenden  'Egf.ifjg   Si-nscpulog  Doppelkopf   des 

und  zszgaxicpalog,  welch  letzte- 
rem man  den  Typus  des  Ianus 

quadrifrons     vergleichen    kann, 


Uli 


m  km 


bärtigen    u. 
bärtigen   Diony- 
sos    auf      einer 
-    Münze    von    Te- 

verweise    ich    aut    den    Artikel  nedos  (n.  Gard- 

Hermes   (Bd.  1   Sp.  2415  f.);  vgl.    „er,  types  of  Greek 

50  auch  oben  Sp.  53,  10 ff.  coins.   PI.  io,  43). 

&)  Bärtige  geflügelte  Doppel- 
büste   (Kronos  oder  El)   auf  einer  Münze  von 
Kainarina  (?);   Gerhard,   Ges.  alc.  Abh.   1,  160 
Taf.  9,  3.      Vgl.    ebenda     Taf.   43,  23,    Bd.  2 
S.  540.     S.   oben  Sp.  53  Anm.**. 

t)  Münzen  von  Tenedos  zeigen  einen  ianus- 
artigen  Doppelkopf  des  bärtigen  und  unbärtigen 
Dionysos;  Gardner,  Typ.  Taf.  10,  43,  Hcad, 
E.  N.  476,  Imhoof- Blumer,  Monn.  gr.  S.269,  der 
60  wohl  unrichtig  den  unbärtigen  Kopf  als  'femi- 
nine' fafst.    Vgl.  Collect.  A.  Castellani  nr.  1082. 

k)  Auf  Münzen  von  Thasos  aus  der  1.  Hälfte 
des  4.  Jahrhunderts  {Catal.  of  greek  coins  in  the 
Brit.  Mus.  Thrace  S.  221  nr.  51  f.)  sieht  man 
ein  „janiform  head  of  bald  and  beardeel  Satyr". 

I)  Über  Hängegewichte  in  Form  von  Doppel- 
köpfen s.  Friederichs ,  Berlins  ant.  Bildtc.  2 
nr.  923  u.  923b  (S.  208). 


55                              Iao  Iapetos                         56 

Auf  Grund  dieser  teilweise  sehr  alten  Ana-  zu  erkennen,  das  ja  deutlich  durch  Deukalion, 

logieen  der  griechischen  Kunst  ist  es  allerdings  des  Prometheus  Sohn,  der  aus  der  Flut  gerettet 

in  hohem  Grade  wahrscheinlich,  dafs  die  Ita-  wird,  auf  ihn  zurückgeführt  wird.    Diese  Auf- 

liker  ihre  Typen  des  Ianus  bifrons  und  quadii-  fassung    des   Iapetos    bietet  auch   die   einzige 

frons  an  ihnen  bekannte  ähnliche  oder  gleiche  annehmbare    Erklärung    für     seinen    Namen. 

Typen    griechischer    Götter    (namentlich    des  Denn  aus  dem  Griechischen  hat  sich  bis  jetzt 

Hermes)  angeschlossen  haben.     [Röscher.]  keine  befriedigende  Ableitung  desselben  finden 

Iao  {'lad)  1)  der  Jehova  der  Juden;  Bio-  lassen.  Das  Etym.  31.  leitet  ihn  ab  von 
dor  1,  94,  2.  —  2)  Phönikischer  Name  des  Cnxm  =  ßlänrco,  oder  von  idxzco  =  i'i]iii,  senden, 
Dionysos  bei  den  Chaldäern;  Lyd.  de  mens.  4,  10  schicken,  schleudern.  Bald  soll  er  die  Schwer- 
es. —  3)  Name  des  Helios  in  einem  Orakel  kraft,  bald  die  Bewegung  der  Himmelskörper, 
des  Apollo  Clarius  bei  Macrob.  1,  IS,  18  ff.  oder  die  Flut,  oder  den  Wind,  oder  endlich 
[Höfer.]  —  [Lobeck,  Aglaoph.  p.  461;  vgl.  auch  den  Repräsentanten  der  abgefallenen,  unglüek- 
ayyili  7igcorsvov{'>)  Zrjvbg  uiydXoio  'lad  in  liehen,  deni  Verderben  preisgegebenen  Mensch- 
dem  ersten  der  von  Parthey  (Abh.  d.  Berl.  heit  bezeichnen,  vgl.  Schoemann,  Die  hesiod. 
Ak.  1866  S.  109  ff.)  herausg.  griech.  Zauber-  Theog.  S.  205,  Upusc.  2,  269  ff.  K.  0.  Midier, 
papyri  Zeile  300  S.  128.  Mehr  darüber  jetzt  Griech.I/itt.  1,161  übersetzt:  der  Herabgestürzte 
bei  Burcsch,  Klaros,  Untersuch,  z.  Orakelwesen  =  das  von  seiner  Glückseligkeit  herabgestürzte 
d.  spät.  Alt.  S.  48 — 53,  wo  auch  die  neuere  Litte-  Menschengeschlecht.  Vgl.  Benfey ,  Griech. 
ratur  angeführt  ist.     R.]                                        20  Wur:ellexikon    1,   391;     Fr.     Windischmann, 

Iaoii  ('iüav)  tötet   sich  selbst  beim  Heran-  Ursagen  der  arischen  Völker  S.  8;    Schwcnck, 

nahen  des  Deriades;  Komi.  Bion.  32,  234.  Griech.  Mythol.  S.  2.     Ganz  zu  verwerfen  ist 

[Röscher.]  die  Gleichsetzung  von  Iapetos  und  Iupiter. 

lapetides  J('/a7r£Tt(J^g?),  kephenischer  Sähger  Unter  solchen  Umständen  hat  am  meisten 

auf  der  Hochzeit  des  Perseus  von  Pettalos  ge-  die   Annahme    für    sich,    dafs   in  Iapetos   der 

tötet.    Andere  lesen  Lampetides  für  Iapetides,  Name   des   Noachiden  Japhet  stecke.     Diese 

Ovid.  Metam.  5,  111.     [Höfer.]  Ansicht    haben    namentlich    Welcher,    Griech. 

lapetiouides  ('lansnoviäng)  heifst  als  Sohn  Götterlehre  1,  744  ff.,  Buttmann  uud  Schoemann 

des  Iapetos   (wegen  der  Form  des  Patronymi-  vertreten,    und   mit   guten  Gründen.     Iapetos 

kons  s.  Göttling  zu  Hesiod.  theog.  528):  1)  Pro-  30  wäre   dann  ursprünglich  nicht    eine  Titanen- 

metheus  Hesiod.  a.  a.  0.   op.  54.   Apoll.  Bliod.  gottheit,    sondern    in    gewissem    Sinne    eine 

3,    1087.    Julian,    in    Antli.    Plan.    88,   6.    —  historische   Persönlichkeit,    deren    Name    den 

2)  Atlas  Ov.  Metam.  4,  632.     [Höfer.]  Griechen    von    Asien   her   bekannt   geblieben 

Iapetionis  s.  Iapetos.  oder  von  Kleinasien  her,  wo  japhetitische  und 

Iapetos  ('lanEzös),  einer  der  Titanen,  Sohn  semitische  Stämme  unter  einander  lebten,  be- 
des  Dranos  und  der  Gaia.  Bei  Homer  er-  kannt  geworden  sei.  Der  Name  Japhet  um- 
scheint er  mit  Namen  nur  einmal  in  Gemein-  fasst  nach  der  mosaischen  Völkertafel  (Genes. 
schaff  mit  Kronos  als  in  den  Tartaros  ver-  10,  2— 5)  die  Völker  des  Nordens  uud  Westens, 
stofsener  Titane,  IL  8,  479.  Wen  Homer  und  in  derselben  erscheinen  auch  eine  Reihe 
aufser  diesen  beiden  noch  zu  den  Titanen  io  von  Namen  unzweifelhaft  griechischer  Stämme 
zählte,  läfst  sich  aus  den  wenigen  Erwähnungen  unter  den  Nachkommen  Japhets. 
nicht  mit  Bestimmtheit  ermitteln  (s.  Titanen).  Dazu  kommt  der  Name,  der  in  einigen 
Wir  sind  also  auf  die  späteren  theogonischen  Stellen  der  Gattin  des  Iapetos  beigelegt  wird. 
Systeme  angewiesen.  Als  förmliches  System,  in  Diese  heilst  bei  Apollodor  1,2,  3  f.  Schal,  vet. 
welchem  sich  Volkssage  und  theologische  Eon-  zu  Lykoplir.  Alex.  1283  Asia,  Tochter  des 
struktion  schwer  trennen  lassen,  erscheint  bereits  Okeanos  und  der  Tethys,  was  jedenfalls  auf 
die  Genealogie  bei  Hesiod,  Theog.  507.  Als  Gattin  eine  enge  Verbindung  mit  Asien  hinweist.  Bei 
des  Iapetos  erwähnt  dieser  die  Okeanine  Kly-  Pruklos  zu  Werke  und  Tage  48  ff.  heilst  die- 
mene,  als  Sühne  Atlas,  Menoitios,  Prometheus  selbe  auch  Asopis,  Tochter  des  Asopos,  also 
und  Epimetheus,  deren  Namen,  Epitheta  und  50  Enkelin  des  Okeanos  und  der  Tethys.  Proklos 
Schicksale  in  diesem  Zusammenhang  kaum  schreibt  dem  Iapetos  29  Kinder  zu,  darunter 
eine  andere  Deutung  zulassen,  als  die  von  die  Anchiale,  Eponyme  der  gleichnamigen 
Personifikationen  der  menschlichen  Eigen-  Stadt  in  Eilikien,  Stcph.  Bys.  s.  v.  Wenn 
schatten,  die  sie  bezeichnen,  womit  nicht  aus-  dagegen  Buphagos.  Heros  eponymos  eines 
geschlossen  ist,  dafs  nicht  der  eine  und  Flusses  in  Arkadien  (Paus.  8,  27,  11),  ein  Sohn 
andere,  z.  B.  Atlas,  in  der  ursprünglichen  des  Iapetos  und  der  Thomas  heifst,  so  ist 
Sage  schon  eine  andere  Bedeutung,  nämlich  daraus  für  das  Verständnis  des  Iapetos  nichts 
die    des   Trägers    des  Himmels    gehabt  habe.  zu  entnehmen. 

Sind   aber    im   hesiodischen  System    die    vier  Eine   weitere   Stütze   erhält   Welckers  Auf- 
Iapetiden  Repräsentanten  der  vier  Haupteigen-  eo  fassung  durch  die  Forschungen  von  E.  Suess 

schaffen   des    Menschen,    der    mutige    Träger  (Die   Sintflut,    eine   geologische    Studie,    Prag 

Atlas,    der    übermütige    Trotzkopf   Menoitios,  1883).      Dieser   weist  nämlich   nach,    wie    die 

der     klugberechnende,     gewandte    Vordenker  Traditionen  anderer  Völker  keineswegs  zu  der 

Prometheus,    und  der  a^agtivoog  Epimetheus,  Behauptung  berechtigen,  dafs  die  Sintflut  über 

der    zu    spät    bedenkt,     so    liegt    es    nahe    in  den  Unterlauf  des  Euphrat  und  Tigris  hinaus, 

Iapetos   neben  Kronos,   dem   Stammvater  des  oder  gar  über  den  ganzen  Erdkreis  gereicht 

Göttcrgeschleehtes,  der  Zeusreligion,  den  Ur-  habe;    es    ergebe   sich   das   aus   einer  Episode 

yatcr   des   ersten  Menschengeschlechts  des  Epos  vom   Helden  Izdubar.     Dagegen  ist 


57 


Iapetos 


Iardanos 


58 


es  unzweifelhaft,  dafs  kleinere  Sintfluten  in 
verschiedenen  Teilen  der  alten  Welt  zu  ver- 
schiedenen Zeiten  stattgefunden  haben.  „Die 
Kushiten,"  sagt  Maspero  (Gesch.  d.  Orient. 
Völker,  deutsch  v.  Pietschmann  S.  143),  „waren 
zuerst  aus  der  gemeinschaftlichen  Wiege  ge- 
gangen. Sie  kamen  von  Osten  und  stiegen 
von  jenem  Hochland  herunter,  von  dem  alle 
edeln  Rassen  der  alten  Welt  ausgegangen 
sind.  Sie  brachten  die  Erinnerung  an  ihr 
jenseits  des  Oxus  gelegenes  Vaterland  und  an 
die  grofse  Sintflut  mit,  die  sie  von  dort  ver- 
trieben hatte,  und  verbreiteten  sich  allmäh- 
lich über  Armenien,  Arphaxad  bis  nach  Meso- 
potamien und  an  den  persischen  Meerbusen." 
Die  Flutsage  erscheint  demnach  um  ganze 
Völkergenerationen  älter  als  nach  dem  bibli- 
schen und  chaldäischen  Bericht.  Damit  ist 
nicht  ausgeschlossen,  dafs  in  Mesopotamien 
selbst  durch  eine  Flut  (Suess)  die  alte  Sage 
neue  Gestalt  gewann,  und  mit  Ausbreitung 
der  Noachiden  wanderte  dann  auch  die  Flut- 
sage nach.  Westen.  Die  mitgebrachte  Sage 
wurde  an  Ortliehkeiten  der  neuen  Heimat  an- 
geknüpft, die  den  Gedanken  an  eine  ehemalige 
Flut  nahelegten  oder  in  denen  die  Einwanderer 
selbst  eine  grofse  Flut  erlebten  (Thessalien); 
aber  die  Generation,  über  welche  die  in  die 
neue  Heimat  verlegte  Flut  hereinbrach,  mufste 
dann  naturgemäfs  jünger  sein,  als  der  Stamm- 
vater der  Einwanderer,  Japhet.  So  wird  der 
aus  der  noachischen  Flut  gerettete  Noachide 
Japhet  in  der  griechischen  Flutsage  seiner- 
seits der  Stammvater  des  neuen  Noah-Deu- 
kalion,  des  Flutmannes. 

Dafs  aber  Japhet  in  der  griechischen  Mytho- 
logie aus  dem  Stammvater  eines  weitverzweigten 
Völkerstammes  durch  den  allein  geretteten 
Deukalion  der  des  ganzen  Menschengeschlechts 
wird,  bietet  der  Gleichsetzung  von  Iapetos  mit 
Japhet  keine  Schwierigkeit,  da  ja  im  Altertum 
jedes  Volk  gerne  sich  für  den  alleinigen  Ver- 
treter des  Menschengeschlechtes  nimmt.  Aber 
wie  kommt  denn  Iapetos  unter  "die  Titanen, 
die  doch  die  vor  den  Olympiern  herrschenden 
Götter  sind?  Das  deukalionische  Menschen- 
geschlecht gehört  der  Periode  der  Zeusreligion 
an.  Mit  dem  Untergang  der  Herrschaft  des 
Kronos,  sagt  Welcher,  hat  auch  das  trotzige 
Geschlecht  dieser  Periode ,  d.  h.  die  unmittel- 
baren Nachkommen  des  Iapetos,  einem  neuen 
Geschlecht  (dem  des  einzig  guten  Promethiden 
Deukalion)  Platz  gemacht.  „Andere  Götter 
bedingen  auch  ein  anderes  Menschengeschlecht, 
darum  mufste  auch  Iapetos  als  Repräsentant 
des  früheren,  und  als  solcher  ein  Titane  und 
Bestandteil  der  früheren  Ordnung,  eines  ab- 
gelaufenen Weltalters,  untergehen.  Bedeutsam 
genug  ist,  dafs  nur  er,  der  Stammvater  der 
Menschen  neben  Kronos,  demderGötter, 
namhaft  gemacht  wird."  Bedeutsam  ist  aber 
auch,  und  spricht  mit  für  die  Richtigkeit  von 
Welckers  Auffassung,  dafs  die  Griechen  schon 
frühzeitig  durch  eine  abweichende  Genealogie 
ihr  Geschlecht  statt  auf  den  Titanen  vielmehr 
auf  Zeus  zurückzuführen  bestrebt  sind,  s.  Deu- 
kalion (Sp.  997,  26  ff.),  Ees.  frrjm.  5  Goettling 
=  2iPsach,  Apollod.  1,  7,  3.    Der  Hymnus  auf 


Apollon  endlich  (v.  335)  spricht  den  Satz  aus, 
dafs  von  den  Titanen  die  Menschen  und  Götter 
stammen. 

Iapetos  ist  in  der  griechischen  Mythologie 
eiue  der  farblosesten  Gestalten,  und  wird  auch 
aufser  der  Homerstelle  fast  nur  als  Vater  des 
Prometheus  und  seiner  Brüder  erwähnt;  aufser 
Klymene  (Hesiod.  a.  a.  0.)  und  Asia  (Apollod.) 
wird    als    seine    Gattin    noch    genannt   Asopis 

10  (s.  o.)  und  Libye;  sonst  erscheint  sein  Name 
meist  nur  unter  denen  der  übrigen  Titanen 
(s.  diese  und  aufser  den  genannten  Stellen 
Biodor  5,  66.  ProMos  in  Plat.  Tim.  5,  295  D 
=  Orph.  fr  gm.  8,  21  ff.  [=  fr.  95  Abel]. 
Teetz.  Lylcophr.  1277.  Verg.  Georg.  1,  279). 
Infolge  der  später  häufigen  Verwechslung  der 
Titanen  mit  den  Giganten  erscheint  er  in 
späten  Quellen  auch  unter  diesen:  Hyg.  praef, 
Serv.  ad  Verg.  Georg.  1,  279.    Stat.  Theo.  10, 

20  916.  Nach  Silüts  Ital.  12,  148  ist  er  nicht  im 
Tartaros,  sondern  unter  der  Insel  Inarime  ge- 
fesselt. Vgl.  endlich  Volcker,  Mythol.  des  Iapet. 
Geschlechts  S.  4  ff.  —  Max.  Meyer,  Giganten 
und  Titanen  S.  52  verwirft  die  Gleichsetzling 
des  Iapetos  mit  Japhet  und  beschränkt  sich 
auf  das  Geständnis,  derselbe  entziehe  sich  vor- 
läufig noch  jeder  Beurteilung.  [Weizsäcker-.] 
Iapis,  Sohn  des  Iasos,  Liebling  des  Apollon, 
Arzt    des   Aeneas,    Verg.  Aen.   12,   391.     Die. 

so  Handschriften  und  Ausgaben  variieren  zwischen 
Iapis  und  Iapyx  (s.  d.);  Servius  hat  Iapix. 
Vgl.  Iasides  4.  [Stoll.] 

Iapyx  ('/äxro|).  1)  Der  Heros  Eponymos 
von  Iapygia  in  Unteritalien,  Sohn  des  Lykaon, 
Bruder  des  Daunios  und  Peuketios,  mit  denen 
er  eine  Kolonie  nach  Italien  führte,  Anton. 
Lib.  31.  Oder:  ein  Kreter,  Bruder  des  Ika- 
dios,  der  nach  Italien  zog,  Serv.  V.  Aen.  3, 
332.   11,  247  (in  der  1.  St.  heifst  er  Tapys,  in 

40  der  2.  Iapyx).  Oder:  ein  Sohn  des  Daidalos 
und  einer  Kreterin,  der  die  Kreter  anführte, 
welche  mit  Minos,  als  er  den  entflohenen 
Daidalos  verfolgte,  nach  Sicilien  gezogen  waren 
und  von  da  nach  des  Minos  Tod  nach  Unter- 
italien verschlagen  wurden,  wo  sie  sieh  nieder- 
liefsen,  Strab.  6,  279.  282.  Plin.  N.  H.  3,  11, 
16.  Solin.  8.  Vgl.  Herodot  7,  170.  Atlien.  12, 
522  ff.  —  2)  s.  Iapis.     [Stoll.] 

Iai'bas  (Iarba)  Sohn  des  Iupiter  Amnion  und 

50  einer  garaniantischen  Nymphe,  König  der  Gä- 
tuler  zu  der  Zeit,  wo  Dido  nach  Afrika  kam. 
Er  verkaufte  den  Platz  von  Karthago  an  Dido, 
bekriegte  aber  die  Stadt,  da  Dido,  von  Liebe 
zu  Aeneas  erfafst,  seine  Bewerbung  zurückwies. 
Verg.  Aen.  4,  36.  196.  326.  Serv.  zu  1,  367.  4, 
36.  Ov.  Her.  7, 125.  Fast.  3,  552.  lustin.  18,  6. 
Meltzcr,  Gesch.  d.  Karth.  1,  477.     f Stoll.] 

Iardanos  ('Idgäavog/lctQSavwg),  1)  Vater  der 
lydischen    Königin   Omphale,   Apollod.  2,  6,  3. 

go  Steph.  B.  v/'Tön.  C.  I.  Gr.  5984  B.  Bei  Hero- 
dot 1,  7  heifst  sie  Sklavin  des  Iardanos.  Nach 
Nile.  Bamasc.  bei  Müller,  hist.  gr.  fragm.  3,  372, 
28  stand  Iardanos  im  Verdacht,  den  lydischen 
König  Kamblitas  aus  Feindseligkeit  durch 
böse  Künste  zu  einer  solchen  Gefräfsigkeit 
gebracht  zu  haben,  dafs  er  sein  eignes  Weib 
verzehrte.  [Hinsichtlich  des  semitischen  Ur- 
sprungs  dieses   Iardanos   s.  Ed.  Meyer,  Gesch. 


59                         Iaribolos  Iasion                            60 

d.  Alt.  §  257  Anm.    Röscher.]  —  2)  Die  Wiese  griech.  Stämme  2,  350;  vgl.  0.  Crusius,  Bei- 

und  das  Grab  eines  Iardanos   {Cuitius,  Pelop.  träge    zur   griech.    Mythologie   und   Beligions- 

2,  82    vermutet   Dardanos)    wurde    im   tnpky-  geschichte    (Programm,    Leipzig    1886)    S.    21 

lischen    Elis    am  Flusse   Akidon   oder  Akidas  Anm.  3. 

gezeigt,  Strab.  8,  347.  348.  Müller,  Orchom.  372.  Bei  Ilom.  s  125  ff.  wird  unter  den  Sterblichen, 
Dieser  Flufs  Akidas  soll  früher  Iardanos  ge-  die  von  Göttinnen  geliebt  worden  sind,  Iasion 
heifsen  haben  (lJaits.  5,  5,  5.  5,  18,  2),  und  die  genannt,  zu  dem  sich  Demeter  auf  dreimal 
Wiese  und  das  Grab  werden  wohl  auf  den  geackertem  Saatfeld  in  Liebe  gesellt  habe; 
Flufsgott  Iardanos,  der  hier  geherrscht,  Bezug  Zeus  aber  habe  ihn  mit  dem  Blitzstrahl  er- 
haben. Iardanos  ist  übrigens  ein  semitischer  10  schlagen.  Das  letztere  Motiv  gehört  gewifs  nicht 
Flufsnarne  in  Lydien  {Stepih.  B.  s.  v.),  in  Elis  dem  ursprünglichen  Mythus  an,  sondern  der 
und  auf  Kreta,  Preller,  Gr.  Myth.  2,  226,  Bur-  daraus  entwickelten  Sage,  die  aus  dem  Dämon 
sian,  Geogr.  2,  272.  [Ed.  Meyer,  Gesch.  d.  Alt.  1  einen  Heros  machte.  {(Je.  Met.  9,  422  läfst  I. 
§  293.  R.]     [StolL]  als  Liebling  der  Göttin  alt  werden.)   Nach  Äs. 

Iaribolos  {'lugißcolog),  eine  semitische  Gott-  Theog.  969  ff.  wird  das  Beilager  in  Kreta  ge- 

heit,  welche  auf  zwei  Inschriften  von  Palmyra  halten,   und   die   Frucht  desselben  ist  Plutos, 

erscheint  und  von  einigen  mit  dem  Dens  Lunus  der    auch   sonst  in    Verbindung    mit  Demeter 

identifiziert  wird.     Vgl.   C.  I.  G.  4483:  mg  diä  genannt  und  im  Gebete  angerufen  wird    (vgl. 

ravza  [iaQTVQri&?)vui  vtzo  &bov  'ictqißcoXov  etc.  Hymn.  hom.  in  Cerer.  488  ff.    Ar.  Thesm.  295. 

ib.   4502:    iirifiiXririjg    aigs&slg  "Ecptag    7t»jyjjs  20  Slcol.  3  aus  Athen.  15,694  0).     Die  agrarische 

vitb  'iagtßäXov  rov  &sov.  Mehr  unter  Hierobo-  Bedeutung  dieses  isgog   ydfiog  hat  zuletzt  W. 

lus  und  Ba'al  ob.  Bd.  1  Sp.  2877.   [Röscher.]  Mannhardt,  Myth.  Forsch.   S.  238  ff.    nachge- 

Iarmogius .   falsche  Lesart   bei   Urelli  5072  wiesen,  indem  er,  wie  Breiter,  Gr.  M.s  S.  638, 

statt  Harmogius  oder  Marmogius;  s.Harmogius.  dafür    zugleich    die    Verehrung    der   Demeter 

[Röscher.]  Chamyne  zu  Olympia  {Paus.  6,  21,  1)  geltend 

Iasens   ('Taasvs),    ein  Phoker,    der  dem  in  macht.     In   Olympia   gab   es  einen  Altar  der 

Phokis   einwandernden  Phokos,  S.  des  Aiakos,  idäischen  Daktylen,   die  von  Kreta  dahin 

ein  guter  Freund  ward.    Beide  waren  auf  dem  gekommen    sein    sollten:    unter    diesen    auch 

Gemälde  des  Polygnot  in  der  Lesche  zu  Delphi  Iasos    (s.    d,    und    vgl.    Paus.  5,  14,  7.   7,  6). 

dargestellt.     Paus.  10,  30,  2.     [Stoll.]  so  Diodor   5,   77    (vgl.    c.  49)    führt   die   tjber- 

lasides  {'laaiätjg),  Beiname  1)  des  Amphion  lieferung  an,    dafs   Plutos    von   Demeter   und 

(s.  d.  2.)    Hom.    Od.    11,  28.3    und    schol.    das.  Iasion    in    Tripolos     {vnä    Ivi    zginolco)    auf 

Eust.  Od.  1684,  5S.   —   2)  des  Dmetor,   eines  Kreta  geboren  sei;   Ov.  Am.  3,  10,  25  erzählt, 

angeblichen  kyprischen  Königs,  Hom.  Od.   17,  die  Göttin  habe  den  Geliebten  zuerst  gesehen, 

443.   Eust.   Od.   1826,  36,   vgl.  Ameis,  Anhang  als  er  am  kretischen  Ida  gejagt  habe.    Wenn 

zur  Odyssee  z.   d.   a.    St.    —    3)    des    Steuer-  endlich   Schol.  Theokr.  3,  50  Iasion   der  Sohn 

mannes  Palinurus,   Verg.  Aen.  5,  843  und  Sere.  des  Minos  und  der  Phronia(?)  genannt  wird,  so 

das.    —    4)   des  Arztes   des  Aeneas  Iapis   (bei  liegt  auch  hierin   eine  Anerkennung  des  kre- 

Serv.   keifst   er   Iapix,   noch   andere   schreiben  tischen  Anspruchs  auf  die  Sage;  von  einem  Kul- 

Iapyx,   Verg.  Aen.  12,  392.  —  5)  des  Adrastos,  40  tus  des  I.  auf  Kreta  ist  allerdings  nichts  bekannt. 

Stcd.  Tlteb.  1,  541.    6,  889.   —   C)  des  Phaidi-  Dagegen  läfst  sich  ebensowenig  der  Gegen- 

mos,  der  vor  Theben  fällt,  Stat.  Theb.  8,439.  —  beweis  führen,  da  die  Ansprüche  von  Saino- 

Der  Plural  'Laaiäai  bedeutet  allgemein  Nach-  thrake    auf    I.    noch   unsicherer    sind.     Für 

kommen   des  Iasos  =  Argiver,  Stra.bo  8,  6,  9  diese  ist  als  iältester_  Gewährsmann  Hellanikos 

p.  371;    bei    Stat.   Theb.   2,   254    sind    Iasides  zu  nennen,   dessen  Überlieferung  sich  freilich 

=  Argiverinnen.     [Höfer.]  schwer  feststellen  läfst.    Denn  dafs  er  I.  einen 

Iasion  {'laalcov).  Diese  Form  ist  überliefert  Kreter  genannt  habe,  darf  aus  fr.  58  {Schol. 
bei:  Hom.  a  125.  Theokr.  3,  50.  Ski/mnos  und  Eustath.  z.  Hom.  e  125)  nicht  geschlossen 
681.  Strab.  7,  331  fr.  50.  Diod.  5,  48  f.  77.  werden;  eher  geht  das  Gegenteil  daraus  her- 
Apollod.  3,  12,  1.  Schol.  Apoll.  Bhod.  1,  916,  so  vor,  dafs  nach  ihm  Zeus  und  die  Atlantide 
917.  Eustath.  z.  Odyss.  1528.  Schol.  Hom.  s  Elektra  die  Eltern  des  I.  sind (HfitgaheiEustatli. 
125.  Steph.  Bys.  s.  v.  Jagöavog  u.  ndqtov;  ist  ein  offenbarer  Fehler),  dieselben,  die  er  im 
Iasion  bei:  Ov.  Met.  9,  422.  Hyg.  fab.  270.  1.  Buche  seiner  Atlantis  als  Eltern  des  Dar- 
poet.  astr.  2,  4;  'läaiog  bei:  Hes.  Theog.  970.  danos  bezeichnet  hat  (fr.  56  aus  Schol.  Hom.  £ 
Paus.  5,  7,  6;  lasius  bei:  Verg.  Aen.  3,  107  486);  wenn  dagegen  beim  Schol.  Apoll.  Bh.  1, 
und  Serv.  zu  Verg.  Aen.  1,  380.  3,  15.  167.  916  {fr.  129)  Hellanilcos  ausdrücklich  für  die 
7,  207.  Ov.  Am.  3,  10,  25;  "Iaaog  bei:  Dion.  Namensform  'HlEY.TQvuvn  citiert  wird,  so  löst 
Hai.  ant.  rom.  1,  61  und  Baus.  5,  14,  7;  end-  sich  der  Widerspruch,  wenn  wir  diesen  Namen 
lieh  fälschlich  'leiaav  bei  Con.  21  und  Iason  bei  auf  die  Insel  Samothrake  beziehen,  von  der 
Hyg.  f.  250.  Die  Ableitung  des  Namens  von  co  der  Name  'HXs-nvQLg  bei  Schol.  Dion.  Perieg. 
tivai  billigt  u.  a.  Welcher,  Götterlehrc  1,  693,  524  angeführt  wird  (vgl.  Apollon.  Bh.  1,  916: 
bestreitet  aber  Pott,  Ztschr.  f.  vgl.  Spr.  0,  vfjcog  'HlixrQng  'Ar?.avriSog).  Damit  erst  wäre 
341;  die  von  tdoixcu  billigt  u.  a.  0.  Müller,  Hellanilcos  als  Gewährsmann  für  die  Lokali- 
Orchomenos2  S.  260,  bestreitet  Düntser,  Ztschr.  sierung  der  Sage  in  Samothrake  sicher  er- 
/'.  vgl.  Spr.  14,  201  ff.;  die  von  lui'vco  hält  für  wiesen,  wobei  auch  die  Möglichkeit  nicht  aus- 
wahrscheinlich u.  a.  W.  Mannhardt,  Mythol.  geschlossen  ist,  dafs  er  die  Atlastochter  aus 
Forschungen  S.  240;  von  ]/i  „gehen"  leitet  Arkadien  hat  einwandern  lassen,  wie  dies 
den  Namen   ab  H.  D.  Müller,  Mythologie  der  JJion.  Hol.  antigu.  rom.  1,  61  von  den  Brüdern 


Gl                             Iasion  Iasion                             62 

Dardanos  und  Iasion  selbst  erzählt,  während  3,  50;  weiter  aber  nichts.  Dagegen  hält  0. 
Demagoras  (fr.  1  aus  Schol.  Eur.  Phoen.  7)  Müller,  Orchomenos'2  S.  452,  indem  er  I.  mit 
ihre  Mutter  aus  Libyen  nach  Samothrake  ver-  dem  Argonauten  Iason  gleichsetzt  (vgl.  S.  260), 
setzte.  In  Bezug  auf  die  Herkunft  des  I.  ihn  für  eins  mit  Kadmilos  (Kasmilos  =  Kad- 
stimmen  mit  Hellanikos  fast  alle  Späteren  mos),  dem  Vater  der  Kabiren  (nach  Akusilaos) 
überein :  er  gilt  als  Sohn  des  Zeus  und  der  u.  nennt  wiederum  Iasion  selbst  einen  samothra- 
Elektra,  als  Bruder  des  Dardanos  und  Be-  kischen  Kabiren.  Auch  II.  D.  Müller,  Mythol. 
wohner  von  Samothrake  bei  Athenikon  (b  zu  der  griech.  Stämme,  zweifelt  nicht  an  der  Identi- 
Zafio&gaKiix  yqut'ag  Müller,  fr.  h.  4,  345)  im  tat  von  Iasion  und  Iason  (2,  348  f.),  ist  aber 
Schol.  zu  Apoll.  Rh.  1,  916.  Strab.  7,  331  fr.  50,  10  seiner  altargivischen  Religion  zuliebe  geneigt, 
Apollodor  3,  12,  1  (daraus  Tzetz.  Lyk.  29),  die  Insel  Kreta  für  den  Vereinigungspunkt 
Con.  21.  Skymn.  680  ff.  Verg.  Aen.  3,  167  dieser  Sagen  zu  halten  (vgl.  S.  344  ff.).  Um 
und  Serv.  z.  d.  St.;  dazu  kommt  nach  samo-  seiner  Pelasger  willen,  die  er  in  Kreta  nicht 
thrakischer  Überlieferung  als  Schwester  Har-  nachweisen  kann,  kehrt  0.  Crusius  in  dem 
nionia  bei  Mnaseas  (fr.  28)  aus  Steph.  Bys.  oben  Sp.  60,  1  citierten  Programm  zu  O.Müllers 
s.  v.  JägSavog.  Diod.  5,  48.  Schol.  Apoll.  Mh.  Ansicht  zurück  und  tadelt  Mannhardt,  dafs 
1,  916  (das.  ist  neben  Hellanikos  noch  Idomc-  er  die  samothrakische  Überlieferung  für  se- 
neus  [von  Lampsakos?],  Verf.  von  Samothraciea,  kundär  hielt;  ihm  ist  „der  Mythus  von  Iasion 
citiert).  Schol.  Eur.  Phoen.  7,  1129.  In  den  in  Samothrake  zu  Hause"  (S.  19).  „Der  Grund- 
Apollonios-  und  Euripides  -  Schollen  a.  a.  0.  20  Vorstellung  nach  deckt  sich  der  Mythus  von 
wird  noch  überliefert,  dafs  I.  ursprünglich  den  der  Vermählung  des  Iasion  und  der  Demeter 
Namen  Eetion  (s.  d.)  geführt  habe,  während  völlig  mit  den  analysierten  Bestandteilen  der 
Arrian  (bei  Eustath.  z.  Odyss.  1528)  Eetion  Kadmos-Iason-Sage."  Dagegen  ist  zu  bemerken: 
einen  Bruder  des  Iasion  nannte.  Die  Schuld  Erstens  kann  die  Gleichheit  des  Namens  nichts 
des  I.,  die  seine  Tötung  durch  den  Blitz  zur  beweisen;  denn  der  Name  ist  in  verschiedenen 
Folge  hatte,  wird  in  dieser  Überlieferung  da-  Formen  und  Zusammensetzungen  sehr  häufig 
hin  vergröfsert,  dafs  er  mit  frevelhafter  Gewalt  und  läfst  auch  etymologisch  so  viel  Deutungen 
die  Liebe  der  Göttin  begehrt  (Dion.  Hai.  zu,  dafs  er  in  verschiedenen  Sagen  aus  ganz 
a.  a.  0.  Apollod.  3,  12,  1.  Strab.  a.  a.  0.:  verschiedenen  Vorstellungen  geflossen  sein 
äfictQTLa  sig  zfr/fir/rpa)  oder  (euhemeristisch)  ihr  30  kann  (darum  mag  auch  der  argivische  Iasos, 
Bild  umarmt  habe  (Schol.  Apoll.  Eh.,  Conon  und  obwohl  auch  er  durch  Triopas  in  den  Demeter- 
Skymnos  a.  a.  0).  Am  eigentümlichsten  ist  kreis  sich  ziehen  liefse,  hier  aufser  Betracht 
die  Überlieferung  bei  Diod.  5,  48  f.  (Quelle  bleiben).  Zweitens  ist  das  Motiv  geschlecht- 
noch  unbekannt)  behandelt:  Auf  Samothrake  lieber  Vereinigung,  das  in  der  Iasionsage  ohne 
leben  die  Kinder  des  Zeus  und  der  Atlantide  jedes  andere  verwendet  ist,  vielen  agrarischen 
Elektra,  Dardanos,  Iasion  und  Harmonia.  Mythen,  die  unabhängig  von  einander  an  den 
Während  Dardanos  in  Asien  ein  Reich  gründet,  verschiedensten  Orten  entstanden  sein  können, 
wird  Iasion  von  Zeus  in  den  Mysterien  unter-  gemeinsam  und  kann  demnach  nicht  die  Gleich- 
wiesen und  wird  dann  selbst  der  Mystagog  heit  des  Ursprungs  beweisen;  gerade  dasjenige, 
für  viele  Heroen.  Bei  der  Hochzeit  seiner  10  was  für  die  Kadmos-  und  Iasonsage  charakte- 
Sch wester  Harmonia,  die  die  Götter  mitfeiern,  ristisch  ist,  fehlt  der  Iasionsage  gänzlich;  etwa 
spendet  Demeter,  die  in  Liebe  zu  ihm  entbrannt  Medeia  mit  Demeter  vergleichen  zu  wollen,  ist 
ist,  die  Getreidefrucht;  I.  selbst  heiratet  später  durch  nichts  begründet.  Ferner  hat  Samothrake 
die  Kybele  und  erzeugt  den  Korybas.  Nach-  noch  geringere  Ansprüche  als  Kreta  an  Iasion; 
dem  er  zu  den  Göttern  entrückt  ist,  begeben  der  durch  die  eleusinischen  Mysterien,  wie  es 
sich  Kybele  und  Korybas  nach  Asien  und  scheint,  beeinflufste  Kultus  daselbst  hat  schliefs- 
bringen  den  Kult  der  grofsen  Mutter,  die  von  lieh  alle  Demetersagen  in  seinen  Bannkreis  ge- 
Kybele  den  Namen  erhält,  nach  Phrygien;  zogen.  Nicht  bedeutungslos  endlich  ist,  dafs 
nach  Korybas  werden  die  Korybanten  genannt.  nicht  Iasion  für  Samothrake  der  ältere  Name, 
Am  Schlufs  fügt  Diodor,  nachdem  er  der  Sage  50  sondern  Eetion  scheint. 

von    der    Geburt    des   Plutos    (s.   o.)    gedacht,  Die  tyrrhenisch-pelasgischen  Kombinationen 

hinzu,  dafs  Iason,  die  Dioskuren,  Herakles  und  der  hellenistischen  Gelehrsamkeit  haben  I.  mit 

Orpheus  die  Weihen   empfangen  haben.     Die-  seinem    Bruder   Dardanos    nach    Etrurien    ge- 

selbe  Bemerkung  in  Bezug  auf  Odysseus  findet  führt,  was  von  der  römischen  Sage  gern  auf- 

sich  Schol.  Apollon.  Rh.  1,  917,  wo  Mnaseas  genommen    wurde:      Bei    Verg.   Aen.    3,    167 

von  Patrai  (Schüler   des  Eratosthenes)   citiert  (vgl.  7,  205  ff.)  erzählen  die  troischen  Penaten, 

wird,  der  in  dem  über  Asien  handelnden  Teil  dafs    sie   aus   Italien  stammen,    wo  Dardanos 

seiner  Periegesis  darüber  geschrieben  hat  (Müller,  und  I.  geboren  seien;   daselbst  wird  auch  der 

fr.  h.  3,  154  f.).    In  demselben  Scholion  ist  das  Name  Corythus  genannt,  der  als  Gründer  von 

Athenikonfragment    (s.  o.   nach   dem   Lauren-  go  Cortona  in  Etrurien  (über  Cortona  s.  Ed.  Meyer, 

tianus,  verwirrt  im  Parisinus)  in  den  Abschnitt  Philol.  48,  1889  S.  484  ff.)   galt   und  von   den 

über  die  Kabiren  eingeschoben,  woraus  fälsch-  Auslegern  des  Dichters  (Serv.  zu  beiden  Stellen) 

lieh  gefolgert  worden  ist,   dafs  Athenikon  die  Vater    des    Iasion    von    der    Elektra    genannt 

Brüder  Dardanos  und  Iasion  unter  die  Kabiren  wird;    von   Cortona    soll  I.   nach   Samothrake 

gerechnet  habe.     Dafs  die  Liebe  der  Demeter  gewandert  sein  (vgl.  noch  Serv.  zu  3,  15  und 

zu   Iasion    in    hellenistischer    Zeit    unter    die  1,  380.    Die  Notiz  des  Serv.  zu  A.  3,  167,  dafs 

Mysterien  von  Samothrake  gehörte,  ergiebt  sich  Dardanos  seinen  Halbbruder  I.  getötet  habe,  ist 

aus  der  geheimnisvollen  Anführung  bei  Theokr.  wertlos).    Bei  Hyg.  f.  270  ist  Iasion  Ilithii  filius 


63                               Iasios  Iason  (Genealogie;  I.  in  Iolkos)         64 

zu  verbessern  in  Corythi  filius;  von  Hyg.  poet.  Tochter  des  Laodikos,  nach  Andron  fr.  15  bei 

astr.  2,  4  wird  Tkuscus  (sie)  Vater  des  I.  ge-  Schol.  Ap.  Rh.  1,  45;   oder  Amphinome  bei 

nannt;   auch  hier  ist  unter  dem  Tusker  Cory-  Biod.  4,  50  (Bionys.  Skytobr.);  oder  Arne  bez. 

thus    zu    verstehen.     Unabhängig   von    dieser  Skarphe   (die  Schol.  Hom.  B  532  Mutter  des 

etruskischen  Überlieferung   ist   die   Notiz    bei  Aison    keifst),   Variante   bei    Tzetz.   Lyk.   872; 

Eustath.  zur  Odyss.  152S,  Iasion  sei  in  Sicilien  oder  Rhoio,  Tochter  der  Staphylos,  bei  Tzetz. 

umhergezogen  und  habe  den  Ackerbau  gelehrt  Chil.  6,  979.    Als  seine  Schwester  wird  Hippo- 

(vgL  d.  Art.  Triptolemos).  lyte  von  Ibykos  fr.  39  bei  Schol.  Ap.  Rh.  1,  287 

Übrig  bleibt   noch    die    Sage    von  Parios,  genannt,   als  Bruder  Promachos,  Diod.  4,  50 
dem  Gründer  der  Stadt  Parion  am  Hellespont,  10  =  Apollod.   1,  9,  27.     Über    seine   Verwandt- 

der  nach  Eustath.  a.  a.  0.  und  zu  Dion.  Perieg.  schaff  mit  Pelias  vgl.  bes.  Hom.  I  254  ff.  Pind. 

517  (vgl.   Steph.   Byz.  s.   v.  Tlägiov)   ein   Sohn  Pyth.  4,  142  u.  Schol.;  mit  Phrixos:  Schol  Ap. 

des  Iasion  sein  soll  (nach  Hyg.  poet.  astr.  2,  4  Rh.  2,  1162.  3,  359.   —   Ptol.  Heph.  bei  Phot. 

Pareas    ein    Enkel    des    L).     Crusius  a.  a.  0.  bibl.    p.    147,    28    (Mythogr.    gr.   p.   185,   16) 

S.  13  scheint  geneigt,   auch  dies  mit  der  pe-  nennt  einen  Sohn  des  iason:  Argos;  über  seine 

lasgischen  Überlieferung  zu  kombinieren;  aber  übrigen  Söhne  s.  unten  Absehn.  4. 

vielleicht    hängt    die    Genealogie    damit    zu-  1)    Iason  in   Iolkos.     Als  Iasons  Heimat 

sammen,  dafs  Bewohner  von  Paros,  einer  alten  gilt   Iolkos,   Hes.   Thcog.   997.    Pind.  Pyth.  4, 

Kultstätte  der  Demeter,  an  der  Gründung  von  118.    Ap.  Rh.  1,  906   u.  a.      Daher    Columclla 
Parion   beteiligt   gewesen  sein   sollen    (Strab.  20  10,   368:    Iolcus  =   Iason,    Ov.  fast.  1,  491: 

13,  588).     [Seeliger.]  Iason  Pagasaeus.    Nach  der  ältesten  Überliefe- 

Iasios  s.  Iasos  u.   Iasion..  rung  war  Pelias  (s.  d.)  rechtmäfsiger  Herrscher 

Iasis  ("Iaatg),  1)  Nymphe  der  gleichnamigen  von  Iolkos  (Hom.  I  256.  Apollod.  1, 9, 16  [Phere- 

Heilquelle  bei  Herakleia  in  Elis,  Paus.  6,  22,  4;  k.ydesf]    Val  Flacc.  1,  16);   nach  anderen  hatte 

vgl.  Strab.  8,  356;  s.  Ionides.   —   2)   Beiname  Aison     dem    Pelias    die    Herrschaft    bis    zur 

der   Atalante   als  Tochter   des  Iasos,   Propert.  Volljährigkeit  seines  Sohnes  übergeben,  d.  h. 

1,  1,  10.     [Stoll.j  Pelias  folgte   dem  Aison   als   Iasons  Vormund 

Iaso    ('iaaä),  die  Heilung,   Genesung,   eine  (Schol.  Od.  (i  69  [Asklepiades?];  hyp.  Ap.  Sh. 

Personifikation    aus   der    um   Asklepios   (s.  d.)  Arg.   p.  533  Keil);    nach    der  vulgären  Über- 

versammclten  Gruppe  der  Heilgötter.    Sie  galt  00  lieferung  hatte  Pelias  seinen  Stiefbruder  Aison 

für  die  Tochter  des  Asklepios  (oder  des  Amphia-  verdrängt    (Hes.    Theog.  995    ißgior^g   IJ^li'rjg 

raos)  und  Schwester  der  Hygieia  (s.  d.),  Pana-  %cA  dtaa&alog;  vgl.  Mimnerm.  fr.  11  bei  Strab. 

keia,  Aigle.    Zu  Oropos  in  dem  Heiligtum  des  1,46);    die  Eltern    aber    retteten    ihren   Sohn 

Amphiaraos,  der  hier  auch  Heilgott  war,  hatte  vor    den   Nachstellungen    des   Oheims,    indem 

sie   zusammen   mit   Aphrodite,   Panakeia,   Hy-  sie    ihn    dem   Kentauren   Cheiron    übergaben: 

gieia  und  Athene  Paionia  einen  Teil  des  AI-  Pind.  Pyth.  4,  111  ff.  und  Schol.  (Tzetz.  Lyl;. 

tars   in   Besitz.     Paus.  1,  34,  2.  Aristoph.  Plut.  175).    Jedenfalls  ist  die  Überlieferung  von  dem 

701  mit  Schol.  Hesych.  s.  v.  Lehrs  popul.  Aufs.  Aufenthalt  Iasons  bei  Cheiron  und  seiner  Mutter 

26S2.  Preller,  Gr.  Myth.  1,  431.  2,  361,  3.    [Vgl.  Philyra    und    seinem    Weibe   Cbariklo   in    der 

auch  Arch.  Z.  35,  141  nr.  1.  2;   149  nr.  23  u.  d.  ±o  Höhle   des   waldreichen   Pelion    allgemein  m- 

Artikel  Asklepios  und  Hygieia.  R.]      [Stoll.]  genommen;  von  Cheiron  soll  er  die  Arzneikunst 

iason   ('läacov,   Gen.    -oi>og;   ionisch  7;J  «reo  v).  erlernt  und  davon  seinen  Namen  erhalten  haben: 

1)  Sohn  des  Aison  aus  dem  Geschlechte  des  Pind.  Pyth.  4,  102 ff.  119.  Nein.  3,  53  f.  Hesiod. 

Aiolos    (Hesiod.    fr.  40    ed.   Rzach    bei   Schol.  fr.  40  bei  Schol.  Pind.  N.  3,  92   (nach   Theog. 

Find.  Nem.  3,  92.     Pind.  Pyth.  4,  118.    Hella-  1000  f.  wird  Iasons  Sohn  Medeios  von  Cheiron 

nikos  bei   Schol.  Ap.  Rh.  3,  335.     Ap.  Rh.  3,  erzogen).   Schol.  Od.  (i  69.  hyp.  Ap.  Rh.  Arg. 

357;  vgl.  auch  Schal.  Pind.  Pyth.  4,  190.  Schol.  p.  553  Keil  Schol.  Ap.  Rh.  1,  554.  Steph.  Byz. 

Ap.    Rh.    1,    143);     daher    genannt    AlaoviSrjg  s.  v.  Albcov.    —    Der    angeblich    ältere    Name 

(Hes.   Theog.   993.   999.     Pind.    Pyth.    4,   217.  des   Iason  „Diomedes"  bei   0.  Müller,  Orcho- 

Ap.   Rh.    1,   33),    Aesonides    (Ov.   Met.   7,  60.  50  menos"  260  Anm.  2,  stammt  aus  Natalis  Comes, 

Prop.  1,  15,  17),  Cretheia  (Kretheus,  Vater  des  myth.  6,  S.     Diomedes   wird  als  Besieger  des 

Aison)  proles  (Val.  Flacc.  8, 112). —  Et.  M.  434,  kolchischen  Drachens  im  daunischen  Phaiakis 

18    wird  Iason  mit  Iaso  verwechselt  und   ein  genannt  von  Timaios  bei  Tzetz.  Lylc.  615.    Die 

Sohn  des  Asklepios  und  der  Epione  genannt.  —  Inschrift  JiOfirjSrig  (auf  der  Vase   b.  Gerhard, 

Der  Name  der  Mutter  schwankt:  Alkimede,  Auscrl    V.  3,  155)  wird  von  Gerhard  fälschlich 

Tochter   des  Phylakos   und   der  Minyade  Kly-  auf  Iason  bezogen;  ebensowenig  ist  im  fr.  des 

mene  nach   Pherekydes  fr.  59   bei    Schol  Od.  Attius bei  Non.  238,  1  s.  v.  aditusdie  Lesart  Bio- 

ti  69.  Schol.  Ap.  Rh.  1, 45.  230.   Stesichoros  fr.  54  medes  (=  [ason,  Büntzcr,Zeitschr.  f.  Altertumsiv. 

bei  Schol.  Ap.  Rh.  1,  230  (Alk.  T.  der  Eteokly-  1848  S.  487  und  Pyl  ebend.  1855  S.  506  Anm.) 

mene),  ebenso  bei  Ap.  Rh.  1,47.  232  f.  Hyg.  f.  14  co  richtig,  s.  Ribbeck,  fr.  tr.  z.  d.  Stelle.  —  Pind. 

p.   44,   9    Seh.  f.  3  p.  39,  15.    f.   13  p.  '44,  6.  Pyth.    4,    78  ff.    erzählt    weiter:     Vom    Pelion 

Val  Flacc.  1,297.  Ov.  Her.  6,  105;  oder  Poly-  kehrt  Iason  nach  Iolkos  zurück;   in   der  mag- 

mede,    Tochter    des   Autolykos    bei  Apollod.  netischen  Landestracht,  ein  Pardelfell  über  die 

1,  9,  16   (Tzetz.  Byk.  175.  872)    —   danach   ist  Schulter  geworfen,  zwei  Lanzen  in  der  Hand, 

wohl    Tlolv^t'jlr]    in    Hesiod   fr.   39    bei    Schol.  so   erscheint   der  herrliche  Jüngling,   dem  die 

Od.  fi  69    (aber   auch  Tzetz.  Chil.  6,979)   und  wallenden  Locken  über  dem  Nacken  schimmern, 

Bolvcprifirj    in    Herodor  fr.  36    bei    Schol.    Ap.  auf  dem  Markt,  umdrängt  von  dem  staunenden 

Rh.  1,45  zu  berichtigen  — ;  oder  Theognete,  Volk.     Offen  und   ehrlich   stellt  er   sich    dem 


65                       Iason  (in  Iolkos)  Iason  (als  Argonaut)                  66 

Pelias  "vor,  der  besorgt  nur  den  rechten  Fufs  Vol.  Flacc.  1,  12  ff.  (aus  derselben  Quelle, _#  wie 
des  Jüno-lings  beschuht  sieht;  es  ist  ihm  näm-  es  scheint).  Darin  stimmt  die  gesamte  Uber- 
lich  das  Orakel  geworden,  dafs  er  durch  „die  lieferung  überein,  dafs  der  König  von  Iolkos, 
herrlichen  Aioliden"  sterben  werde,  und  weiter,  Pelias,  in  arglistiger  Absicht  seinen  Neffen 
dafs  er  sich  vor  dem  Einschuhigen  (.fiovoKQrjmg  Iason  beauftragte,  das  goldene  Vliefs  (s.  dar- 
Pind.  Pyth.  4,  75.  Lykopin:  1310.  aovoaavSaXog  über  den  Artikel  „Phrixos")  aus  dem  Lande 
Apollod.  X,  9,  16.  'oloneäilog  Äp.  Eh.  1,  7.  des  Aietes,  Aia-Kolehis  (s.  , .Argonautensage" 
fiovOTtiSiloq  arg.  Ap.  Rh.  Arg.  p.  533,  9  Keil;  1,  532)  zu  holen,  Hes.  Theog.  995  f.  Pind. 
vgl.  die  Münzen  von  Larissa  bei  Head,  hist.  Pyth.  4,  159  ff.  (das  säv  tyvxäv  [sc.  Phrixi] 
■mim.  253)zu  hüten  habe.  Darnach  schmaustlason  iu  v.ofiit,ai  ist  dem  Dichter  eigentümlich  nach  dem 
fünf  Tage  und  Nächte  mit  seinem  Vater  und  Schal.).  Pherek.  bei  Schol.  Pind.  P.  4,  133. 
seinen  Vettern,  bis  er  am  sechsten  vor  Pelias  Ap.  Eh.  1,  16.  Schol.  Od.  y,  69  (Asklepiadest) 
tritt  und  die  Herrschaft  fordert.  Dieser  ver-  u.  a.  ■ —  Glücklich  kehrt  Iason  im  Besitz  des 
spricht  ihm  die  Erfüllung  seines  Wunsches,  erbeuteten  Vliefses  mit  Medeia  nach  Iolkos 
wenn  er  die  ipvxv  <I>ql£ov  (v.  159  und  Schol.)  zurück.  Nach  Hes.  Theog.  997  f.  hat  er  hier 
und  das  goldne  Vliefs  des  Widders,  der  den  geherrscht  und  mit  Medeia  den  Medeios  er- 
Phrixos  über  das  Meer  getragen,  aus  dem  zeugt,  den  er  von  Cheiron  erziehen  liefs. 
Lande  des  Aietes  zurückhole.  So  Pindaros  Anders  die  bereits  von  Eumelos  und  Simonides 
nicht  ohne  eigne  Zuthat,  aber  gewifs  auch  mit  fr.  48  (Schoh  Ein:  Med.  20,  vgl.  Paus.  2,  3,  10) 
altertümlichen  Zügen.  Die  einfache  Form  der  20  vertretene  Überlieferung,  nach  der  Iason  und 
Sage  giebt  Pherekydes  fr.  60  bei  Schol.  Pind.  Medeia  nach  Korinth  übergesiedelt  sind.  Moti- 
P.i,  133:  Pelias  veranstaltet  dem  Poseidon  ein  viert  wird  die  Übersiedlung  von- Iolkos  nach 
feierliches  Opfer  und  fordert  allgemeine  Be-  Korinth  in  der  Sage  durch  die  Ermordung  des 
teiligung.  Iason,  der  am  Anauros  den  Acker  Pelias  (s.  Medeia  und  Pelias  —  die  von  Sie- 
bestellte,  überschreitet,  die  Sandalen  in  der  sichoros  fr.  1  besungenen,  an  der  sog.  Kypselos- 
Hand,  den  Flufs,  bindet  sich  dann  die  eine  lade  dargestellten  ä&Xa  enl  TLzlia,  an  denen 
an  den  rechten  Fufs,  vergifst  aber  die  andere;  die  Argonauten  teilnehmen,  stehen  im  Gegen- 
so  kommt  er  zum  Opfer.  Als  Pelias  ihn  be-  satz  zu  dieser  Sagenwendung  — ),  die  in  der 
merkt,  gedenkt  er  des  ihm  gewordenen  Orakels  späteren  Tradition  als  Rache  dafür  galt,  dafs 
und  fragt  den  Jüngling  am  nächsten  Tage,  30  Pelias  lasons  Eltern  zum  Selbstmord  genötigt 
was  er  wohl  thun  würde,  wenn  ihm  der  Tod  und  ihren  kleinen  Sohn  Promachos  getötet 
von  einem  Bürger  geweissagt  worden  wäre.  habe,  Dionysios  Skytobrachion  bei  Diod.  4,  50 
Iason  antwortet  ihm,  er  würde  ihn  nach  Aia  (—  Apollod.  1,  9,  27,  vgl.  Val.  Fl.  1,  730  ff.), 
schicken,  das  goldne  Vliefs  zu  holen.  Diese  Nach  Schol.  Eur.  Med.  20  hat  Akastos,  Sohn 
Antwort  hatte  ihm  Hera  eingegeben,  welche  des  Pelias,  die  beiden  aus  Iolkos  vertrieben, 
die  Medeia  zur  Ermordung  des  Pelias  nach  ebenso  Apollod.  1,9, 27,  während  hiervon  Diod. 
Iolkos  bringen  wollte  (Mrjäeiav  xav  UeXiao  4,  53  mit  der  Überlieferung  abweicht,  dafs 
qpövov  auch  Pind.  Pyth.  4 ,  250).  Auf  dieser  Iason  dem  Akastos  die  Herrschaft  über  Iolkos 
Erzählung  beruht  auch  Ap.  Eh.  1,  5  ff. ,  nur  freiwillig  abgetreten  habe.  Mit  der  ersten 
dafs  hier  die  eine  Sandale  im  Schlamm  stecken  40  Überlieferung  vereinigt  sich  Apollod.  3,  13,  7, 
bleibt;  ebenso  Apollod.  1,  9,  16,  wo  der  wonach  Peleus  mit  Iason  und  den  Dioskuren 
nicht  direkt  benutzte  Pherekydes  mit  Apollo-  Iolkos  zerstört  haben  soll,  dies  nach  Pherekydes 
nios  vermengt  ist;  aus  Apollodoros  stammt  (Schol.  Pind.  Nein.  3,  55;  vgl.  Nikol.  Damast:, 
Zenol).  4,  92  und  Tzetz.  Lyk.  175  (mit  Citaten  Müller  fr.  li.  3,  389  und  aus  ihm  Suidas.  s.  v. 
aus  Pindaros  und  Apollonios).  Der  Hafs  der  'Axulävtri :  für  willkürliche  Erfindung  hält 
•  Hera  wird  bei  Apollonios  dadurch  motiviert,  diese  Sage  H.  D.  Müller,  Mythol.  d.  griech. 
dafs  Pelias  die  Göttin  beim  Opfer  übergangen  Stämme  1 ,  224).  Nach  Paus.  2,  3,  11  (Eumelos1}) 
habe.  Ebenderselbe  erzählt  3,  66  ff.,  um  der  kehrt  Iason  aus  Korinth  nach  Iolkos  zurück, 
Hera  Freundschaft  mit  Iason  zu  motivieren,  bei  Diod.  4,  55  (Dion.  Skyt.)  übernimmt  sein 
uugewifs,  ob  aus  älterer  Quelle  oder  eigner  50  Sohn  Thessalos  als  Nachfolger  des  Akastos 
Erfindung,    dafs    Iason    auf   der   Rückkehr  die  Regierung  von  Iolkos. 

von  der  Jagd  die  in  eine  alte. Frau  ver-  2)  Iason  als  Argonautenführer  und 
wandelte  Göttin  über  den  angeschwollenen  seine  Schutzgötter;  vgl.  „Argonautensage'\ 
Anauros  getragen  habe.  Ebenso  Hyg.  f.  12  Da  Iolkos  allgemein  als  der  Ausgangs- 
und Yal.  Flacc.  1,  81,  nur  dafs  der  Enipeus  punkt  der  Argofahrt  gilt  (dagegen  Jessen 
an  Stelle  des  Anauros  getreten  ist  (ebenso  S.  33  siehe  Abschn.  9),  so  steht  'die  Identität 
Hyg.  f.  13  und  Schol.  Stat.  Theo.  5,336;  des  Argonauten  Iason  mit  dem  von  Iolkos,  d,  h. 
Dracont.  Mied.  57:  Ister).  Die  Geschichten  dem  thessalischen,  fest.  Das  in  Erinnerung  an 
von  dem  Einschuhigen  und  dem  der  Hera  er-  die  Abfahrt  der  Argo  zu  Ehren  des  Zeus  ge- 
wiesenen Dienst  sind  verbunden  in  der  Hypoth.  60  feierte  thessalische  Fest  der  'Eraigiäsia  wurde 
von  Ap.  Eh.  Arg.  533,  10  ff.  Keil,  bei  Hyg.  f.  auf  Iason  als  den  Gründer  desselben  zurück- 
13  und  Serv.  Verg.  Ecl.  4,  34  („flumen"'ohne  geführt  (Hegesander  fr.  25  bei  Athen.  13,  572  d); 
Namen).  Diod.  4,  40  (Dionys.  Skytolr.)  be-  ebenderselbe  galt  als  Stifter  eines  Tempels 
richtet,  dafs  iason  freiwillig  aus  Ruhmbegierde  des  'Aicollmv  ««rios  bei  Pagasai;  Kallimachos 
auf  Abenteuer  habe  ausgehen  wollen  und  fr.  545b  bei  Hyg.  astr.  2,  37.  Die  älteste  Über- 
Pelias  ihm  diese  Fahrt  nach  Kolchis  in  der  lieferung  ebenso  wie  die  spätere  Erzählung 
Hoffnung  geraten  habe,  sich  dadurch  des  macht  Iason  zum  Veranstalter  und  Führer  des 
lästigen  Prätendenten  zu  entledigen,  ähnlich  Argonautenzugs;  er  hat  die  Helden  berufen 
Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Myth'ol.  II.  3 


67  Iason  (als  Argonaut)  Iason  (s.  Schutzgötter)  68 

und  versammelt;  Hom.  ft  72.  Hes.  Theog.  992 f.  526.   530,   insbesondere  lustin.  42,  2.  3    (vgl. 

Find.  Pyth.  4,  169.    Ap.  Rh.  1 ,  347.   3,  356  f.  d.  Art.  „Medeia"). 

Apollod.  1,  9,  16.  17.  Val.  Flacc.  1,  240.  Orpli.  Iason  unternimmt  die  Fahrt  unter  dem 
304.  Daher  heifst  er,  wie  Agamemnon,  noifiijv  Schutze  der  Hera,  die  den  Helden  liebt, 
laäv  Hom.  H  469;  Hes.  Theog.  1000;  vavzäv  Hom.  (i  72.  Schol.  Find.  Pyth.  4,  156  extr. 
anzog  Find.  Pyth.  4,  188;  primae  ratis  molitor  vgl.  Ap.  Rh.  3,  66.  4,  1152.  Die  Sage  fügt 
Ov.  Met.  8,  302  (vgl.  Philostephanos  fr.  29  bei  als  zweites  Motiv  den  Hafs  gegen  Pelias  hinzu, 
Plin. hist.nat. 7 ,207); princeps ille Argonaularum  PhcreJcydes  bei  Schol.  Find.  Pyth.  4,  133  u.  a. 
Cic.  Tusc.  4,  69.  Daher  ist  sein  lemnischer  Sohn  (s.  unter  1.).  Hera  versammelt  die  Helden, 
(s.  u.  6)  mythisch  Euneos  „der  gute  Schiffer"  10  Find.  Pyth.  4,  184.  Val.  Flacc.  1,  69,  hilft 
genannt;  daher  bezeiehnet  Propert.  2,  34,  85  ihnen  durch  die  Syruplegaden  (Plankten) 
mit  „Iason"  die  Argonautica  des  Varro  Ata-  Hom.  p  72,  darnach  Apollod.  1,  9,  22.  25. 
cinits.  Übrigens  hat  man  unserem  Helden  die  Val.  Flacc.  4,  682  (anders  Apollonios)  und  be- 
Feldherrnwürde  streitig  gemacht  und  dem  Hera-  währt  sich  auch  bei  Apollonios  als  Helferin, 
kies  zugesprochen,  Kikander  bei  Anton.  Lib.  26  3,  210.  818.  922  (vgl.  Val.  Fl.  5,  363).  4,  753. 
und  P/ionysios  Shytobrach.  bei  Diod.  4,  .41;  vgl.  784  ff.  1152.  1199.  Aufser  dem  Altar  der  Hera 
Seliol.  Ap.  Rh.  1,  1289.  Apollod.  1,  9,  19.  Auch  am  Bosporos  (Ulpian  zu  Hern.  Lept.  p.  468) 
der  Rhodier  Apollonios  bringt  diese  Variante  wird  auch  ein  Heiligtum  der  Hqu  'Agycia  in 
zum  Ausdruck,  indem  er  Herakles  auf  die  Lukanien  —  wohl  auf  Grund  falscher  Etyrno- 
Feldherrnwürde  zu  Gunsten  Iasons  verzichten  so  logie  —  als  Iasonische  Gründung  erwähnt, 
läfst  (vgl.  auch  die  Meidiasvase  unter  10  Strab.  6,  252.  Vgl.  auch  die  Inschrift  bei 
und  Bd.  1  unter  „Herakles"  Sp.  2234,  7.  43ff.),  Müller,  Orchomenos"  246  Anm.  1.  Während 
.  Was  Iasons  Thaten  auf  der  Fahrt  betrifft,  die  Hülfe  der  Hera  auf  ihrem  persönlichen 
so  wird  die  Tötung  des  Dolionenkönigs  Ky-  Verhältnis  zu  deniFührer  beruht,  gilt  Athene, 
zikos  ihm  zugeschrieben  von  Ap.  Rh.  1,  1032,  wenigstens  in  der  späteren  Sage,  als  Patronin 
(darnach  Val.  Flacc.  3,  240.  Hyg.  f.  16.  273),  der  Heldenfahrt,  während  Pindaros  nur  die 
während  andere  behaupteten,  Eyzikos  sei  von  Hera  nennt.  Apollonios  wird  wohl  nicht  zuerst 
den  Dioskuren  (Schol.  Ap.  Rh.  1,  1040)  oder  sie  als  die  Leiterin  des  Baus  der  Argo  be- 
von  Herakles  (Orph.  525  ff.)  getötet  worden.  sungen  haben  (1,  19.  110.  551.  3,  340);  ihm 
[Umgekehrt  behauptet  Ptolemaios  Hephaist.  bei  so  folgten  Apollod.  1,  9,  16.  Val.  Fl.  1,  92,  vgl.  die 
Phot.  tibi.  150  a  20,  Myth.  gr.  p.  191,  dafs  Bildwerke,  die  den  Argobau  darstellen.  Bei 
nicht  Polydeukes,  sondern  Iason  den  Bebryker-  Apollonios  geleitet  sie  statt  der  Hera  das 
könig  Amykos  überwunden  habe.]  Als  Führer  Schiff  durch  die  Symplegaden:  2,  537.  598. 
der  Helden  wird  er  von  Apollonios  auch  mit  602.  612  (vgl.  Val.  Fl.  4,  682);  sonst  wirkt 
andern  Abenteuern  der  Fahrt  in  Verbindung  ge-  sie  im  Verein  mit  Hera:  Ap.  Rh.  3,  7  ff.  Val. 
bracht,  so  zum  Beispiel  mit  Phineus  (2,410ff.),  Fl.  1,  73.  91  ff.  u.  s.  w.  Anonymus  bei  Bährens, 
mit  Lykos  (2,  762)  insbesondere  auf  der  Heim-  poet.  lat.  min.  5,  nr.  117  v.  3:  Iunone  et  Pal- 
fahrt  mit  dem  libyschen  Triton,  4,  1701  ff.  lade  faustis.  In  Eyzikos  war  ein  Heiligtum 
(vgl.  Find.  Pyth.  4,  20);  in  Bezug  auf  das  letzte  der  'A&rjvv  'iusovirj,  Ap.  Rh.  1,  900  (s.  auch 
Abenteuer  erzählt  Herod.  4,  179,  dafs  Iason  40  v.  721).  Schol.  Ap.  Rh.  1,  955.  959.  Vgl.  eine 
vor  Antritt  der  Fahrt  um  deu  Peloponnes  (?)  Erzmünze  bei  Mionnet,  descript.  des  medailles 
gefahren  sei,  um  den  delphischen  Gott  zu  be-  ant.  2,  p.  534  nr.  140,  auf  welcher  die  Athene 
fragen,  und,  dabei  nach  Libyen  verschlagen,  von  Eyzikos  geflügelt,  mit  einem  Steuer  in 
dem  Triton  einen  für  Apollon  'zum  Geschenk  der  Hand,  hinter  ihr  ein  Schiffsvorderteil,  dar- 
bestiinmten  Dreifufs  als  Lohn  für  guten  Rat  gestellt  ist.  Über  die  Athene  'Aai'a  s.  Fans. 
geschenkt  habe.  Als  vorzügliches  Zeugnis  für  3,  24,  7.  —  Dosiades,  ara  2,  5  (Anthol.  Pal.)  ■ 
die  Führerschaft  des  Argonautenzugs  galt  den  und  PJtilostratos  iun.  c.  17  bringen  Iason  in 
Alten,  dafs  der  Name  Jasons  in  lokaler  Über-  Beziehung  zur  Athene  Chryse,  worauf  Ed.  Ger- 
liet'erung  an  mancher  Örtlichkeit  der  von  der  hards  falsche  Erklärung  der  Vasenbilder, 
Argo  angeblich  berührten  Küste  haftete;  vgl.  so  Auserl.  V.  3,  t.  155,  beruht.  Dagegen  findet 
z.B.  bSbg  'laeovio  bei  Eyzikos  Ap.  Rh.  1,  1148  f., '  sich  Athene  auf  mehreren  Argonautenbildern: 
['Iaaovog  ctt'xiiri  (?)  bei  Ptolem.  Heph.  a.  a.  0.]  insbesondere  auf  der  dem  5.  Jahrhundert  au- 
ä-agov  'Jaaovtov  Strab.  12,  548.  Xen.  Anab.  gehörigen  Schale  des  Mus.  Gregor,  aus  Caere 
6,  2,  1,  «iJÄOi  'idoovog  am  Pontos,  Timonax  (Mon.  dell.  inst.  2,  35),  welche  Iason  aus  dem 
bei  Seliol.  Ap.  Rh.  4,  1217,  oqoq  'Iaaöviov  an  Rachen  des  Drachen  hervortanchend  darstellt 
den  kaspiscnen  Thoren  Strab.  11,  503,  be-  (s.  Sp.  83,  60),  vgl.  auch  die  ficoronische 
sonders  aber  die  zahlreichen  'laaöria,  in  denen  Cista  —  ein  Beweis,  dafs  Athenes  Beziehungen 
dem  ersten  Seefahrer  göttliche  Ehren  erwiesen  zu  Iason  über  den  Alexandrinisinus  hinaus- 
wurden, Strab.  1,45.  11,  501.  531.  Schol.  Ap.  gehen.  Ein  Apollon  'Iaaöviog  wird  Schol.  Ap. 
Rh.  i,  1217.  Ja  man  fabelte  sogar  von  einer  eo  Rh.  1,  966  nach  Deiochos  fr.  3  erwähnt;  ihm 
zweiten  Fahrt,  die  Iason  in  Begleitung  des  wird  ebenso  als  dem  Orakelgott  (Herodot.  4, 
Thessalos  (oder  des  Armenos  aus  Thessalien;  179.  Ap.  Rh.  1,  301.  412  f.  4,  529  ff.  1548. 
bei  lust.  42,  3  Armenius  und  Thessalus)  oder  (lavr-q'iog  2,  493),  wie  als  Patron  der  See- 
der  Medeia  und  ihres  Sohnes  Medos  (s.  dar-  fahrer  (tpßäeiog,  BKßiiciog,  aKTiog,  icöog)  eine 
über  Abschn.  4)  nach  Kolchis  unternommen  hervorragende  Rolle  in  den  Argodichtungen 
haben  sollte,  um  die  Herkunft  der  Iberer  und  zuerteilt,  besonders  von  Apollonios,  z.  B.  1, 
Albaner,  der  Armenier  und  Meder  zu  erklären,  404.  966.  2,  686  mit  Schol.  zu  v.  6S4,  wo 
Tacit.  arm.  6,  34.    Plin.  6,  38.    Strab.  9,  503.  Herodoros  fr.  48  citiert  ist.    Ein  Epigramm  des 


69           Iason  (s.  Thaten  in  Kolchis)  Iason  (s.  Thaten  in  Kolchis)           70 

Agaihias  von  Myrina  (Anth.  gr.  4,  3)  bezieht  Lykophr.  1314  f.  —  Schol  Od.  fi  69  (Askle- 
sich  auf  die  Argofahrt  unter  dem  Schutze  des  piad.es'>)  giebt  die  Tötung  der  feuerschnaubenden 
Apollon.  Die  Tempel  des  Apollon  bei  Pagasai,  in  Stiere  als  Auftrag  des  Pelias  an  Iason  an.  — 
Kyzikos,  auf  der  Insel  Thynias  und  Anaphe  (vgl.  Unerwähnt  bleibt  bei  Pindaros  die  zweite 
„Argonautensage1, Sp. 519. 525 ;  s.  auch  Ampelius,  Aufgabe,  nach  welcher  der  Held  die  Drachen- 
lib.  mein.  8:  Apollontempel  zu  Sikyon)  knüpften  ziihne  zu  säen  und  mit  den  aus  ihnen 
in  der  lokalen  Überlieferung  ihre  Gründung  entsprossenen  erzgerüsteten  Männern 
an  Iason  und  die  Argonauten.  Von  Bildwerken  (yrjysvzig,  terrigenae)  den  Kampf  zu  bestehen 
wäre  nur  die  ficoronische  Cista  zu  nennen,  wo  hatte,  einen  Kampf,  den  er  dadurch  glück- 
Apollon  von  einigen  angenommen  wird,  vgl.  E.  10  lieh  beendigte,  dafs  er  die  Gegner  durch 
Braun,  Die  Fic.  C,  Leipzig  1850,  dagegen  Ed.  den  heimlichen  Steinwurf  zum  Brudermord 
Gerhard,  Auserl.  Vasenb.  3  S.  167.  Eine  Be-  reizte.  Nach  Schol.  Ap.  Rh.  3,  1372  (vgl. 
ziehung  Jasons  zu  Zeus  (vgl.  auch  das  Gebet  Rohde,Gr.  RomanS.  104  nr.  3)  hat  Eumelos  von 
bei  Pirna.  Pyth.  4,  194)  findet  sich  nur  in  diesem  Kampfe  gesungen;  denn  aus  ihm  sollen 
der  Einsetzung  der  thessalischen  Hetairideien  einige  darauf  bezügliche  Verse  des  Apollonios 
(Athen.  13,  572  d)  und  in  der  Gründung  eines  entlehnt  sein;  ebendaselbst  werden  einige 
Altars  am  Bosporos,  der  zu  den  Altären  der  hierher  gehörige  Verse  aus  des  Sophokles 
zwölf  Götter  (vgl.  Bd.  1  Sp.  521). gehört,  Melal,  Kolclterinnen  citiert,  vgl.  auch  Eur.  Med.  479. 
19,  5 (vgl.  noch  Hes.  Theog.  1002  und  B.Kenner-  Auch  Fherekydes  fr.  44  hat  von  den  Drachen- 
knecht,  Zur  Argonautensage  [Bamberg  1888]  20  zahnen  berichtet;  nach  Schol.  Ap.  Eh.  3,  1179 
S.  19).  Hermes  erscheint  nur  auf  bildlichen  (vgl.  Schol.  Pind.  Isthm.  7,  13)  hat  er  über- 
Darstellungen in  Beziehung  zu  Iason ;  vgl.  Zoega,  liefert,  Ares  und  Athene  hätten  die  eine  Hälfte 
bass.  45,  wenn  hierher  gehörig  (Athene  und  derselben  dem  Kadmos  (s.  d.),  die  andere  dem 
Hermes  mit  dem  am  Schiff  bauenden  Mann);  Aietes  übergeben;  Kadmos  habe  sie  gesät  und  dif 
Cab.  Dur.  256  (Iason  dem  Hermes  opfernd);  emporwachsenden,  gerüsteten  Männer  durch 
Mülingen,  peint.  d.  vas.  cliv.  7.  Über  Aphro-  Steinwürfe  zum  gegenseitigen  Kampfe  gereizt 
dite  vgl.  Abschnitt  4.  und  dadurch  autgerieben.  Den  Kampf  er- 
3)  Die  afrloi  'idaovog  in  Aia-Kolchis.  zählen  Ap.  Rh.  3,  1320  und  nach  ihm  Apollod. 
Während  Hesiod  (Theog.  994  fi'.)  nur  von  den  1,  9,  23.  Ov.  Met.  7,  121  ff.  (vgl.  Heroid.  12, 
cxovoivzsg  &£&Xoi  spricht,  die  Pelias  dem  30  95  ff.).  Vol.  Flacc.  7,  607  ff.  Hyg.  f.  22.  Lucan: 
Iason  aufgetragen  habe,  scheint  dem  Epitheton  4,  552  ff.  Orph.  873  ff.  —  Während  nach  Pind. 
6Xo6q>Qcav,  welches  Homer  (Od.  10,  131)  dem  Pyth.  4,  429  ff.  Aietes  dem  Iason  selbst  den 
Airjznf  giebt,  die  Kenntnis  von  den  Gefahren  Ort,  wo  der  Drache  das  Vliefs  bewacht,  zeigte, 
zu  Grunde  zu  liegen,  welche  Iason  durch  des  in  der  Hoffnung,  dafs  der  Held  bei  dem  Raube 
Aietes  Tücke  zu  bestehen  hatte.  Von  den  unterliegen  werde,  berichtet  die  vulgäre  Über- 
Aufgaben,  die  Aietes  dem  Iason  stellte,  er-  lieferung  (die  Darstellung  der  Kaupaktien  und 
zählten  die  Kaupaktien  (vgl.  Schol.  Ap.  Rh.  des  Herodoros  siehe  unter  4),  Aietes  habe 
3,  521.  523)  und  mit  ihnen  übeveinstimmend  auch  nach  der  glücklichen  Lösung  der  Auf- 
die  Sage,  soweit  sie  nachweisbar  ist;  eine  Zu-  gaben  die  Herausgabe  des  Vliefses  verweigert 
sammenstellung  der  Aufgaben  s.  bei  Ap.  Rh.  40  und  Iason  ohne  sein  Wissen  mit  Hülfe  der 
3,  401  ff.  und  darnach  Apollod.  1,  9,  23.  Hyg.  Medeia  das  im  Areshain  an  einer  Eiche  (<pijyds 
f.  22.  Vol.  Fl.  7,  61  ff.  (Kritik  dieser  Über-  Ap.  Rh.  4,  124)  aufgehängte,  vom  Drachen  be- 
lieferung  bei  Grüger  S.  11  ff.  und  Jessen  wachte  Vliefs  geraubt  (Belegstellen  unter  4). 
S.  36ff.  s.  Abschn.  9.)  Die  erste  Aufgabe  be-  Nach  der  einen  Überlieferung  tötet  Iason  den 
stand  in  dem  Anschirren  der  erzfüfsigen,  Drachen,  Herodoros  fr.  53  bei  Schol.  Ap.  Rh.  4, 
feuerschnaubenden  Stiere  und  dem  Pflügen  87  (unsicher  ob  so  die  Kaupaktien,  s.  Schol,  Ap. 
des  Aresfeldes  mit  denselben.  Sie  allein  be-  Rh.  4,  86)  Pherekydes  fr.  72  bei  Schol.  Ap. 
singt  Find.  Pyth.  4,  224  ff.:  „Aber  als  Aietes  Rh.  i,  156.  Auch  Pind.  Pyth.  4,  249  f.  erzählt, 
den  Pflug  von  Stahl  stemmte  mit  den  Stieren,  dafs  Iason  den  im  Dickicht  liegenden  (v.  244) 
welche  von  den  fahlen  Kinnbacken  die  Flammen  50  Drachen  (otpiv  ylav-näma  nonulovcotov)  getötet 
lodernden  Feuers  hauchten  und  mit  ehernen  habe,  allerdings  durch  die  Zaubermittel  (zi%vaig) 
Hufen  den  Boden  stampften,  führte  Iason  sie  der  Medeia;  vgl.  Eur.  Med.  480  ff.  (Sqa-Aovza 
allein  unter  das  Joch,  trieb  sie  gerade  Furchen  -uzthutsct  sc.  Medeia).  [In  einem  Bilde  (s. 
ziehend  und  spaltete  den  Rücken  der  scholligen  Abschn.  10)  begegnen  wir  der  eigentümlichen 
Erde  eine  Klafter  tief."  Hiervon  berichteten  Wendung,  dafs  Iason  vom  Drachen  verschlungen 
Herodoros  fr.  51  bei  Schol.  Ap.  Rh.  3,  594  und  und  durch  der  Athene  Hülfe  wieder  ausge- 
Pherekydes  fr.  71  bei  Schol.  Ap.  Rh.  3,  230  spieen  wird,  s.  Gerhard,  Iason  des  Drachen  Beute, 
(özi  i&liioiioStg  oi  zctvgoi  y.ul  nvq  nviovzsg)  Berlin  1835.  Wenn  Welcher,  Alte  Denkmäler 
und  411  (7t£vzr]y.ovz6yviov  sc.  xo  TtiSCov),  Anti-  3,  378 ff.  damit  Herakles  vergleicht,  der  den 
machos  fr.  9  bei  Schol.  Pind.  Pyth.  4,  398  60  Drachen  von  innen  tötet,  so  widerspricht  dieser 
(zovg  nvQi'nvovg  zavQOvg  ' Hcpaiaxozkvv.zovg  Auffassung  die  Art  der  Darstellung,  F/asch, 
liyn  =  Schol.  Ap.  Rh.  3,  409),  Sophokles  fr.  311  Angebliche  Argonautenbilder  25  ff.]  Nach  der 
bei  Schol.  Find.  Pyth.  4,  398  (nach  Kon-  anderen  Überlieferung  wird  der  Drache  durch  die 
jekt.),  Euripides  Med.  478  f.  Dazu  kommen  Zauberkräuter  der  Medeia  nur  eingeschläfert, 
die  Erzählungen  bei  Ap.  Rh.  3,  1284  ff.  so  zuerst  Antimachos  (Schol.  Ap.  Rh.  4,  156) 
und  (davon  abhängig)  Apollod.  1 ,  9,  23.  Ov.  und  nach  diesem  Apollonios  und  die  Spä- 
Met.  7,  100  ff.  (vgl.  Heroid.  12,  93  f.).  Val.  teren.  Jedenfalls  erfolgt  die  Gewinnung  des 
Flacc.  7,  581  ff.    Hyg.  f.  22.    Orph.  873;    vgl.       Vliefses   durch  Raub:   Iason  der  cpäj  noQcpv- 

3* 


71 


Jason    u.  Medeia) 


Iason  (u.  Medeia  in  Korinth1) 


12 


gtov  kqiov  Antli.  gr.  15,  25.  LyJcophron  1310 
■nXlipovrag  (vgl.  Find.  Pyth.  4,  250  v.Xtiptv) 
vav.r]v  ÖQay.ovrocpQOvgoig  EGxtnaGutvnv  GvOTicxlg. 
luven.  Sat.  1,  10:  furtivae  aurum  pelliculae. 

4)  Iason  und  Medeia.  Iason  in  Ko- 
rinth. Die  Liebe  der  Medeia  zu  Iason  wurde 
zum  Hauptmotiv  der  Erzählung.  Es  liegt  be- 
reits dem  besiodeiscben  Berichte  zu  Grunde, 
Tlieog.  992  ff.:  v.ovgrjv  S'  AItjtcio  diorgtcptog 
ßaai?.fjOg  AlaoviSrjg  ßovXfjGi  &£mv  äiiysvzTacov 
rjyf  nag'  AifjTta  .  .  .  vgl.  v.  99S,  ebenso  dem 
der  Naupaktien  und  des  Hcivdoros ,  Schal. 
Ap.  Eh.  4,  86,  sieber  auch  dem  des  Eumelos 
(vgl.  Bd.  1  Sp.  511)  und  des  Pherekydes  (Bd.  1 
Sp.  513).  Vgl.  Find.  fr.  172  aus  Schol.  JEur. 
Androm.  796:  xal  rt»'  'lüoovog  tvSo'^ov  TtXöov 
hY.TtXiaaig  i^siXs  Mi'jSnav  Ix  KoXywv  S6- 
ilwv.  —  Pindar  Pyth.  4,  213  ff.  erzählt,  die 
kyprisebe  Göttin  habe  durch  die  Iynx,  das 
Symbol  zauberisch  erregter,  heftig  glühender 
Liebe,  die  Medeia  verführt,  über  der  Liebe  zu 
Iason  die  Ehrfurcht  vor  den  Eltern  zu  ver- 
gessen. Sophokles  hat  dieses  Motiv  in  den 
Kolchides  behandelt  (vgl.  Schol.  Ap.  Bh.  3, 
1040),  Euripides  in  der  Medeia  benutzt,  v.  476ff.; 
vgl.  bes.  v.  527  ff.  Vgl.  auch  Antimachos  fr.  10 
bei  Schol,  Apoll.  Rh.  4, 156  und  die  ausführlichen 
Darstellungen  bei  Ap.  Eh.  3,  1  ff.  und  nach 
ihm  Apollod.  1,  9,  23.  Ov.  Met.  7,  9  ff.  (Heroid. 
12,  31  ff.)  Val.  Fl.  6,  427  ff.  Hyg.  f.  22.  Orph. 
870  f.  (Siehe  unter  , .Medeia".)  Gegen  das 
Versprechen  der  Ehe  giebt  Medeia  dem  Iason 
die  prometheische  Salbe,  mit  der  er  seinen 
Leib  gegen  das  Feuer  der  Stiere  schützen  soll, 
und  erteilt  ihm  Batschläge,  wie  er  diese  be- 
zwingen und  durch  den  Steinwurf  die  Drachen- 
saat bewältigen  könne,  Sophokles  a.  a.  0.  Schol. 
Find.  Pi/th.  4,  393.  412.  Ap.  Eh.  3,  1014. 
1026  ff.  und  darnach  Apollod.  .1,  9,  23.  Ov. 
Met.  7,  74  f.  17(7.  Fl.  7, 449  ff.  Insbesondere  steht 
Medeia  dem  Iason  bei  der  Überwältigung  des 
Drachen  und  der  Gewinnung  des  Vliefses  bei. 
Als  nämlich  Aietes  die  Herausgabe  des  Vliefses 
verweigert  und  den  Argonauten  nachstellt, 
flüchtet  Medeia  in  der  Nacht  zu  Iason  und 
führt  ihn  an  den  Ort,  wo  der  Drache  das 
Vliefs  bewacht;  nach  der  vulgär  gewordenen 
Überlieferung  wird  der  Drache  durch  Medeias 
Zauberkräuter  eingeschläfert;  mit  dem  zwie- 
fachen Baub ,  dem  Vliefs  und  der  Königs- 
tochter, flüchtet  sich  Iason  auf  die  Argo  und 
segeit  ab,  Apoll.  Eh.  4,  146  ff.  (in  Überein- 
stimmung mit  Antimachos  fr.  10  nach  Schol.  Ap. 
Eh.  4,  156),  und  nach  ihm  Apjollod.  1,  9,  23. 
Ov.  Met.  7,  149  ff.  Val.  Fl.  8,  68  ff.  Hyg.  f. 
22  vgl.  LyJc.  1317  ctvroy.XrjTOv  ägndaag  xfpci'iJ«. 
Im  ganzen  wird  auch  Pherekydes  so  erzählt 
haben,  nur  dafs  nach  ihm  der  Drache  getötet 
wird;  darüber  und  über  Pindars  Darstellung 
s.  ob.  unter  3.  Abweichend  davon  lauteten  die 
Erzählung  der  Naupaktien  und  des  Herodoros 
fr.  53;  nach  letzterem  sandte  Aietes  den  Iason 
selbst  nach  dem  Vliefs  (wie  bei  Pindar  wohl 
in  arglistiger  Absicht);  dieser  gewinnt  es  nach 
Tötung  des  Drachen;  Aietes  aber  ladet  die 
Argonauten  zum  Mahle  ein,  um  sie  dabei 
hinterlistig  zu  überfallen.  Hieran  schliefst 
sich    die   den  Naupaktien  und  Herodoros  ge- 


meinsame Erzählung,  dafs  Aietes  durch  die 
von  Aphrodite  in  ihm  erneuerte  Liebe  zu 
seiner  Gemahlin  veranlafst  worden  sei,  die 
beim  Mahl  sitzenden  Argonauten  zu  verlassen, 
so  dafs  dieselben  die  Gelegenheit  benutzen 
konnten,  im  Besitze  des  Vliefses  mit  Medeia 
zu  entfliehen,  Schol.  Ap.  Eh.  4,  87.  59.  86. 
(Ahnlich  Sophokles,  der  den  Absyrtos  im  Hause 
des  Aietes   ermorden  läfst,   Schol.  Ap.  Eh.  4, 

io  228.)  Nach  der  euhemeristischen  Erzählung 
des  Dionysios  Skytohrachion  bei  Diod.  4,  48 
kommt  es  bereits  in  Kolchis-Taarike  zum 
Kampfe,  in  dem  Aietes  fällt,  während  Iason  nebst 
anderen  Helden  verwundet  und  von  Medeia  ge- 
heilt wird  (vgl.  Schol.  Ap.  Eh.  4,  223.  228). 
—  Die  willkürliche ,  in  einigen  Funkten  mit 
Diodor  übereinstimmende  Darstellung  bei  Dra- 
contius,  Medea  (Bährens,  poet.  lat.  5,  192 ff.) 
kann  unberücksichtigt    bleiben.    —    Über   die 

so  Ermordung  des  Absyrtos,  die  von  einem  Teil 
dem  Iason  zugeschrieben  wird,  wird  ausführ- 
lich unter  Medeia  gehandelt  werden;  eben- 
daselbst über  die  Entsühnung  durch  Kirke  und 
die  Hochzeit  auf  Kerkyra  (bez.  Kolchis  oder 
Byzantion).  Der  Sohn  aus  dieser  Ehe  ist  nach 
Hes.  Theog.  1001  Medeios,  der  dem  Cheiron 
zur  Erziehung  übergeben  wird.  (Medos  ist  der 
Stiefsohn  Iasons  bei  Iustimis  42,  1';  vgl.  Paus. 
2,  3,  8.   Diod.  4,  55.    Strab.  p.  526.)  Hellanikos 

30  fr.  30  bei  Paus.  2,  3,  8  nannte  einen  Sohn 
Iasons  und  der  Medeia  Polyxenos.  (Oder  ist 
vor  nargog  'iäeovog  ausgefallen  MrjSov,  so  dafs 
unter  avröv  vor  TJoXvt,svov  der  Sohn  des 
Aigeus  zu  verstehen  ist?)  Nach  der  korin- 
thischen (?)  Sage  haben  Iason  und  Medeia  zwei 
Söhne  Mermeros  und  Pheres,  Paus.  2,  3, 
6.  9  (letzteres  nach  den  Naupaktien ;  die  Frage, 
ob  diese  beide  Namen  genannt  haben,  verneint 
F.  Leo  im  Hermes  15,  312  Anm.  2).   Schol.  Für. 

40  Med.  118.  Apollod.  1,  9,  28.  Hyg.  f.  25  (Dra- 
contius  Med.  531  f. ;  vgl.  Abschn.  5) ;  nach  Diodor 
4,  54  drei  Söhne:  Thessalos,  Alkimenes,  Ti- 
sandros.  Dafs  Iason  und  Medeia  in  Korinth 
geherrscht  haben,  davon  berichteten  Eume- 
los  bei  Schol.  Für.  Med.  10.  Paus.  2,  3.  11 
und  Simonides  fr.  AS  bei  Schol.  Für.  Med.  10  ' 
und  20  (nach  Konjekt. :  6  ä'  tV.fr'  es  Kögiv&ov 
oval  Mayvnoiuv  vaisv,  aX6%ov  ä\  KoXyjdog 
ovv&QOvog    aozsog   Aeyatov    t'    avaGGSv);    von 

50  einer  fisroiy.rjGig  lig  Kogir&ov  redet  auch  Hel- 
lanikos fr.  34  bei  Schol.  Für.  Med.  10.  Der 
letztere  scheint  nur  einen  gastlichen  Aufent- 
halt in  Korinth  anzunehmen,  wie  auch  Euripi- 
des und  die  Späteren.  Nach  zehnjährigem 
Aufenthalt  in  Korinth  (Diod.  4,  54.  Apollodor 
1,  9,  28)  verlobt  sich  Iason  mit  der  Tochter 
des  Königs  Kreon  —  nach  Sclrol.  Eiir.  Med. 
20  Tochter  des  Hippotes,  des  Sohnes  des 
Kreon  (Diod.  4,  55)    —    in  nacheuripideischer 

co  Überlieferung  Glauke  oder  Kreusa  genannt, 
vgl.  Schol.  Für.  Med.  19.  Hyg.  f.  25  (auf  der 
Münchner  Medeiavase  nr.  810  Kgiovrsta  seil. 
TTffiä,  wie  Hör.  ep.  5,  64:  Creontis  filia)  und 
verstöfst  Medeia,  die  sich  an  ihm  durch  die 
grausame  Tötung  seiner  Braut,  deren  Vater  und 
der  eignen  Kinder-  rächt.  So  lautet  die  Sage  seit 
Euripides:  das  Nähere  darüber  unter  „Medeia". 
Die  dem  Euripides  folgende  Sage  begleitet  Me- 


73       Iason  i  in  Thesprotien  u.  Lemnos)  Iason  (kalydon.  Jäger;  im  Drama)       74 

deia  nach  Athen  und  schweigt  von  Iasons  Aus-  1,  9,  17.    Orph.  474  ff.    Val.  Flacc.   2,   311  ff. 

gang.     Doch  fehlt  es  auch  nicht  an  solchen,  Hyg.  f.  15.    Stat.  Theb.  5,  335  ff.    Myth.   Vat. 

die  die  Frage  nach  seinem  Ende  beantworteten.  2,  f.  133.  199,  vgl.  auch  Ov.  Heroül.  6.  Propert. 

Staphylos  von  Naukratis  (fr.  5)  erzählte,  dafs  1,  15,  17  ff.,    aufserdem  AsJclepiades  fr.  13  bei 

Iason,  nachdem  ersieh  auf  den  arglistigen  Ptat  Schol.  Hom.  H  468.  (Apost.  11,  98)  Niköl.  Da- 

derMedeia  unter  das  Hinterteil  der  Argo  schlafen  '     mask.  fr.  18.     Aufser  Euneos  wird  als  Sohn  der 

gelegt  hatte,  von  dem  herabstürzenden  Gebälk  Hypsipyle  von  Iason  genannt  Nebrophonos  bei 

erschlagen  worden  sei,   Hypoth.  Eur.  Med.  1  Apollod.  1,  9,  17    (woher?),    statt    dessen   bei 

(vgl.   die   von   Nauck  eingeklammerten  Verse  Hyg.    f.   15:    Deiphilos    (Deipylos    coni.),    bei 

Eur.  Med.  1386  ff.  vgl.  dagegen  v.  1396).    Neo-  in  Schal.  Find.  Kern,   hypoth.  2 :    Thoas    (ebenso 

phron    (s.   Nauck   fr.  tr.  565)  legte    der    Me-  Stat.  Theb.  6,  342:'  Thoas    und  Euneos,    vgl. 

deia   die  Drohung   in   den  Mund,   dafs   Iasons  5,  463).     Dafs    es    zwei    Söhne   gewesen   sind, 

Leben    durch   Erhängen  enden  werde,    Schol.  bezeugt  auch  Ov.  Herold.  6,  121.    Über  die  Ia- 

Eur.   Med.  1387.     Damit  könnte   Diod.  4,  54  soniden   auf  Lsmnos    vgl.   auch   Joh.   Töpffcr, 

übereinstimmen,   wonach    sich  Iason    aus   der  Attische  Genealogie  S.  185  ff. 

brennenden   Königsburg  rettet,    aber  nachher  7)  Iason  als  Teilnehmer  an  der  kaly- 

aus    Gram    durch    Selbstmord    stirbt.      Nach  donischen  Jagd  wird  genannt  von  Apollod. 

Hyg.  f.  '25  verbrennt  er  mit  Kreon  und  Kreusa  1,  8,  2.     Ov.  Met.  8,  302.    Hyg.  f.  173  p.  28, 

in  der  Königsburg.     Dagegen  erzählt  lustinus  14  Seit.     Auf  einer   Münchener  Vase  (nr.  333, 

42,  1 ,   Iason   habe   die  Scheidung  von  Medeia  20  Ed.  Gerhard,  Auserl.  Vas.  3,  235.  236.  C.  I.  G. 

bereut  und  sei  mit  ihr  und  ihrem  Sohn  Medos  8139)   ist  Iason   inschriftlich  nachweisbar,  auf 

nach  Kolchis   zurückgekehrt,    wo    er  den  ver-  einer    Berliner   Amphora    nr.    1022,    Gerhard, 

triebenen  Aietes   in   sein  Eeich   wieder  einge-  Apul.   V.  9  p.  14   (vgl.  Anm.  35).  wird  er  von 

setzt  habe,  vgl.  Abschn.  2  u.  „Medeia".  —  Apol-  Gerhard  vermutet.    Dagegen  fehlt  er  im  tegea- 

lonios  Sophista  im  lex.  Hom.  156,  18  Bk.  läfst  tischen  Giebelfeld   (Paus.  8,  45)   und  auf  der 

Iason  Stierblut  trinken:  vielleicht  hat  er  Iason  Fran9oisvase. 

mit  Aison  verwechselt- (Diod.  4,  60  =  Apollod.  8)  Iason  im  Drama..  Hier  ist  auf  die  Zu- 

1,  9,  27),  oder  ist  Ai'oovog  statt  'läaovog  zu  sammenstellung  im  Art.  „Argonantensage"  Bd.  1 
schreiben?  Ebenso  wie  Aison,  soll  auch  Iason  Sp.  512f.  und,  was  die  korinthische  Sage  be- 
von  Medeia  verjüngt  worden  sein,  Pherekydes  30  trifft,  auf  den  betr.  Abschnitt  in  „Medeia''  zu 
fr.  74  und  Simonides  fr.  204  in  der  Hypoth.  Eur.  verweisen.  Unter  dem  Titel  'Iaatav  wird  ein 
Med.  1.  Schol.  Ar.  eou.  1332;  Lykophr.  1315;  Stück  des  Tragikers  Antiphon  angeführt,  Nauck, 
Dosiades ,  Anth.  gr.  15,  26  nennt  Iason  äiaaßog.  fr.  tr.  615,  nach  Welcher,  Tragödie  p.  1043  und 

5)  Iason  und  die  Iasoniden  in  Meineke,  fr.  com.  1,  391  des  Komödiendichters 
Thesprotien.      Die    Naupaktien    bei    Paus.  Antiphanes;  eine  Komödie  'läamv   von  Alexis 

2,  3,  9  berichten,  dafs  Iason  sich  von  Iol-  bei  Meineke,  fr.  com.  1,  316.  In  den  Kdßngoi 
kos  nach  Kerkyra  begeben  habe;  auf  dem  des  Aischylos  trat  Iason  mit  seinen  Gefährten 
gegenüberliegenden  Festland,  d.  i.  in  Thespro-  auf  Lemnos  trunken  auf,  Athen.  10  p.  428  f. 
tien,  soll  sein  Sohn  Mermeros  von  einer  9)  Deutungen  und  Litteratur.  Wenn 
Löwin  auf  der  Jagd  zerrissen  worden  sein.  10  der  für  Iason  wesentliche  Zug  in  der  Führer- 
Auch  wird  überliefert,  dafs  Iason  mit  Medeia  schaff  der  Argo  liegt,  so  hängt  seine  Deutung  eng 
im  thesprotischen  Ephyra  gelebt  und  den  mit  der  Auffassung  der  Argofahrt  zusammen. 
Pheres  gezeugt,  habe,  der,  wie  sein  Sohn  Solange  man  diese  als  historisches  Ereignis 
oder  Enkel  Ilos,  in  Thesprotien  herrschte,  auffafste,  blieb  Iason  eine  historische  Person 
Apollodoros  fr.  170  ed.  Müller  f.  h.  1  bei  als  der  erste  Seefahrer  (vgl.  die  Citate  unter  2), 
Schol.  Od.  a  259.  (Nach  Hom.  a  259  ist  Hos  als  Kaufmann  (mercator  Iason  bei  luv.  Sat. 
Sohn  des  Mermeros;  Proxenos  iv  'HnsigcoTixois  6,  135),  wohl  auch  als  Seeräuber  (pirata  bei 
fr.  3  nannte  ihn  Iros,  Schol.  z.  d.  St.;  vgl.  auch  Dracont.  Med.  210.  248).  Heroische  Ver- 
Schol.  Find.  Nem.  7,  53.)  Dafs  Medeia  von  ehrung  empfing  er  als  Beschützer  der  See- 
lason  in  Buthroton  begraben  worden  sei,  50  fahrten  in  den  'laoovia  genannten  Heilig- 
lesen wir  bei  Solimus  2,  28  nach  Cn.  Gellius,  türnern  (vgl.  unter2).  Seinen  Namen  (von  idofioci) 
fr.  9  Peter.  begnügte   man   sich   von  seiner  Erziehung  bei 

6)  Ias.on  und  die  Iasoniden  auf  Lern-  Cheiron  abzuleiten  (vgl.  unter  1).  Auch  die  bei 
nos.  Homer  (H  468  f.  $41.  W  747)  kennt  auf  Weiche:  t,  Leben  und  Gedicht  des  Apollonius  von 
Lemnos  den  Herrscher  Euneos,  den  Hypsipyle  Ithodus  1821  S.  114  ff.  zusammengestellten  Er- 
dem  Iason  geboren  habe.  Find.  Pyth.  4,  251  klärungen  älterer  Mythologen  kommen  darüber 
läfst  die  Argonauten  auf  der  Rückfahrt  hier  nicht  hinaus;  Weichert  selbst  drückt  sich  so 
landen  (vgl.  auch  Myrsilos  fr.  7  bei  Schol.  Ap.  aus :  „Iason  übernimmt  als  Aiolide  die  Blut- 
Rh.  1,615)  und  sich  zu  den  Frauen  von  Lemnos  räche  (an  dem  Mörder  des  Phrixos,  Aietes) 
gesellen.  Vgl.  Herod.  4,  145  (Kampf  des  Iason  60  oder  die  Wiedereroberung  der  Schätze."  0. 
gegen  die  Tyrrhener:  Possis  bei  Atlien.  7  Müller,  Orchomenos*  S.  260  fafst  in  seiner 
p.  296d).  Der  Aufenthalt  der  Argonauten  auf  ideellen  Deutung  der  Argofahrt  den  Minyer 
Lemnos  ist  in  Tragödie  und  Komödie  behan-  Iason  als  den  jungen  in  die  Welt  tretenden, 
delt  worden.  Hier  scheint,  wie  bei  Herodoros  fr.  wahrhaft  versöhnenden  Gott  (iacig),  während 
44  (bei  Schol.  Ap.  Bh.  1,  769)  die  Landung  in  die     Vertreter     der    physikalischen    Deutung, 

'Lemnos   auf  die  Hinfahrt   verlegt,   wie  allge-  welche    das    Vliefs    auf    die    regenspendende 

mein    in    der   späteren   Sage,   Apollon.  Bh.   1,  Wolke  bezogen,  den  Heros  als  den  „Retter,  der 

720  ff.  3,  1205  f.  4,  422   und   darnach  Apollod.  zum  Heile  des  dürren  Landes  den  befruchten- 


75        lason  (Deutungen  u.  Litteratur)  Jason  (Kritik  d.  Überlieferg.)           76 

den  Regen  schafft"  (E.  Gerhard,  Mythologie  sehen  Poseidon,  gleich  dem  Kadmoa  als  Re- 
§  689)  oder  als  den  „Dämonen  des  Frühlings  Präsentanten  eines  altargivischen  Stammes,  der 
mit  seiner  milden  Sonne  und  seinen  befruchten-  sich  mit  den  Minyern  vereinigte.  Ursprüng- 
den  Regengüssen,  aber  auch  der  Sühnung  und  lieh  in  seinem  Mythos  seien  die  Züge,  die  der- 
Befreiung  des  Landes  von  der  auf  ihr  ruhenden  selbe  mit  der  Kadmossage  gemeinsam  habe: 
Schuld,  eine  dem  Asklepios  und  Aristaios  ver-  das  Wandern  ('idaav  von  der  Wurzel  t  heifse 
wandte  Gestalt"  {Preller,  Gr.  M. 3  2,  318)  oder  „Wanderer",  s.  dagegen  Düntner,  Ztschr.  f. 
auch  als  einen  anderen  Zeus  /xejU'jjios,  ver-  vgl.  Spr.  14,  201  ff.)  nach  der  ihm  bestimmten 
gleichbar  dem  Gotte  Indra,  welchen  man  um  Braut,  Tötung  des  Drachen,  Säen  der  Drachen- 
die  befruchtenden  Wasser  anfleht  (WecMein,  lo  zahne,  Kampf  mit  der  Drachensaat.  Zu  diesen 
Euripides'  Medea,  Leipzig  1880  S.  3),  erklären.  Zügen  seien  äolische  Elemente  hinzugetreten: 
Weckleins  Deutung  führt  uns  zur  komparativen  Aia,  Aietes,  das  goldene  Vliefs,  die  Helios- 
Mythologie,  deren  Begründer  A.  Kuhn  in  den  tochter  Medeia;  Aia  ist  aber  nach  H.  D.  Müller 
Abh.  der  Berliner  Akademie  1873  S.  138  f.  Iason  die  Unterwelt  in  der  äolisehen  Religion,  aus  der 
als  Sonnenheros  auffafst;  ihm  sind  die  feurigen  sich  Iason,  wie  Kadmos,  mit  seiner  Braut  be- 
Stiere  und  die  hervorsehiefsenden  Männer  eben-  freit:  kurz,  er  erkennt  in  der  Argonautensage 
sogut  der  Ausdruck  für  die  hervorbrechenden  einen  chthonischen  Mythus.  Auch  0.  Grusius 
Strahlen  der  Sonne,  wie  der  sie  bezwingende  hat  in  dem  Programm:  Beiträge  zur  griechi- 
Held  und  der  Stein,  den  er  unter  sie  wirft.  sehen  Mythologie  und  Beligionsgeschichte,Levpzig 
An  diese  solarische  Erklärung  sehliefst  sich  20  1886  nur  die  mit  der  Kadmossage  gemeinsamen 
in  der  Deutung  einiger  Züge  der  Argosage  Elemente  der  Iasonsage  berücksichtigt  und  an- 
W.  Mannhardt  an  in  der  Ztschr.  f.  Ethnologie  knüpfend  an  H.  D.  Müller  a.  a.  0.  S.  236  und 
7  (1875),  243  fl.  (wozu  vgl.  Wald-  und  Feld-  Mannhardt  (bes.  in  den  Mythologischen  For- 
kulte 2,  XX,  Anm.  2,  bes.  aber  das  treffende  schlingen  S.  75  ff.  130  ff'.  —  S.  240  wird  'laoiav 
Geständnis  iu  einem  Briefe,  abgedr.  Mythol.  von  laivui  ,, erregen"  abgeleitet)  das  Uru- 
Forschungen,  1884  S.  XXV).  Als  Helios  fafst  pflügen  des  Ackers,  den  Kampf  der  Sparten 
auch  Myriantheus,  Die  Acvins  S.  95.  98.  122  und  das  Werfen  des  Steines  als  prototypische 
den  Iason,  als  Morgenröte  die  Medeia,  und  Andeutungen  von  ländlichen  Festgebräuchen, 
vergleicht  das  goldene  Vliefs  mit  dem  xqvoovv  das  Ganze  als  dem  Demeterkreis  angehörig 
■&igos  des  Apollon.  Dagegen  bezieht  W.Schwartz,  30  erklärt,  wobei  mehrere  wesentliche  Züge  ihre 
Ursprung  der  Mythologie  (Berlin  1860)  S.  12.  Deutung  nicht  gefunden  haben  und  als  dichte- 
19  Anm.  1.  129.  137.  188,  Poetische  Natur-  rische  Ausschmückung  gefafst  werden  müssen. 
anschauungen  2,  4.  5.  189.  1,  229.  2,  9  ver-  Die  Wiege  der  Kadmos-Iasonsage  sucht  er  in 
schiedene  Züge  der  Sage  auf  das  Gewitter  dem  von  ihm  angenommenen  Pelasgerstamm. 
und  scheint  demnach  Iason  als  Gewitterhelden  Wie  demnach  die  komparative  Mythologie  die 
aufzufassen.  Verfasser  dieses  Artikels  hat  Auswahl  unter  dem  Sonnen-,  Gewitter-  und 
früher  geglaubt,  in  Iason  einen  dem  Hermes  Regendämonen  läfst,  so  schwankt  die  ethno- 
ähnlichen  Himmelsgott,  der  dem  Lande  die  logische  zwischen  dem  Minyer,  Ioner,  Altargiver 
fruchtbare  Gewitterwolke  zuführt  und  als  u.  Pelasger,  wozu  noch  der  Aioler  gefügt  werden 
Segenspender,  und  Geleiter  der  Seefahrer  ver-  40  könnte,  ein  Zeugnis  dafür,  wie  viel  Schwierig- 
ehrt wird,  erkennen  zu  dürfen,  und  den  Namen  keiten  die  Iasonsage  den  Forschern  bietet, 
von  der  Wurzel  vä  spirare  abgeleitet:  fifä-  (G.  F.  Grotefend  in  der  Allgem.  Encykl.  s.  v. 
aav  (vgl.  den  indischen  Väju).  Man  erkennt,  Iason  erklärte  Iason  für  einen  Phönizier  und 
dafs  die  vergleichende  Methode  bei  der  Deutung  verglich  seinen  Namen  mit  „Jesus- Heiland".) 
dieses  Heros  zn  keinem  sicheren  Ziele  führt,  Neue  Schwierigkeiten  erwachsen  aus  einer 
zumal  da  man  sich  über  den  ursprünglichen  schärferen  Kritik  der  Sagenüberlieferung.  Aus- 
Kern  der  Sage  noch  lange  nicht  einig  ist.  gehend  wohl  von  einer  Bemerkung  von  Wilamo- 
Wenn  z.  B.  die  Saat  der  Drachenzähne  und  mite.  Homerische  Untersuchungen  S.  122  (vgl. 
der  Kampf  mit  den  erdgeborenen  Männern  für  M.  Mayer ,  De  Euripidis  mytltopoeia  capita 
ein  aus  der  Kadmossage  erst  spät  entlehntes  so  duo,  Berol.  1883  S.  9  Anm.)  hat  O.  Jessen,  Pro- 
Motiv  erklärt  wird  (vgl.  Gröger  (s.  u.)  S.  15.  legomena  in  catalogum  Argonautarum,  Berol. 
33),  so  fällt  ein  Hauptgrund  weg,  I.  mit  Kad-  1889  S.  31  ff.  den  Beweis  versucht,  dafs  der 
mos  und  dadurch .  mit  dem  samothrakischen  älteste  Kern  der  Sage  der  icgög  yäfiog  von 
Kadmilos  zu  vergleichen,  wie  dies  zuerst  Iason  und  Medeia  und  der  Ursprung  dieser 
0.  Müller,  Orchomenos-  S.  260.  443  ff.  gethan  Legende  in  Korinth  bez.  Argos  (Iaaov  "Agya?) 
hat;  gegen  seine  Gleichstellung  mit  Iasion  zu  suchen  sei.  Dagegen  hält  die  gleichzeitig 
hat  sich  Verfasser  im  Art.  „Iasion "  aus-  erschienene  Dissertation  von  M.  Gröger,  De 
gesprochen.  0.  Müllers  Gedanken  hat  H.  D.  Argonautarum  fabidarum  historia  quaestiones 
Müller,  Mythologie  der  griechischen  Stämme  2,  selectae,  Vratisl.  18S9  S.  22  ff.  an  dem  höheren 
328  ff.  (1869)  weiter  verfolgt  und  mit  der  ihm  60  Alter  der  thessalischen  Sage  vom  Herbeibringen 
eigentümlichen  Stammestheorie  verbunden.  des  goldenen  Vliefses  fest,  das  S.  19  im  Forch- 
Während  0.  Müller  an  dem  minyeischen  Ur-  hammersehen  Sinne  (s.  „Argonauten"  Sp.  531) 
sprung  des  Iason  nicht  zweifelt  —  E.  Cuttius,  gedeutet  wird.  Der  Artikel  „Medeia"  wird 
Ionier  1855  S.  23  erklärt  ihn  dagegen  als  dem  Verfasser  Gelegenheit  geben,  näher  auf 
Vertreter  des  ionischen  Stammes  (vgl.  Don-  diese  Frage  einzugehen;  hier  sei  nur  erklärt, 
dorff,  Ionier  auf  Euhoea  S.  7)  — ,  fafst  H.  D.  dafs  die  Gründe  Jessens  nicht  ausreichend  sind, 
Müller  den  Helden  im  Gegensatz  zu  dem  um  Iason  von  dem  für  ihn  in  der  vulgären 
Minyer  Pelias,  der  „Metamorphose"  des  minyei-  Sage  charakteristischen  Motiv  der  Herbeiholung 


77                   Iason  (in  d.  Kunst)  Iason  (in  d.  Kunst)             .       78 

des  Vliefses  und  Medeia  von  ihrem  Zauberin-  savzöv;  im.  11  wird  lediglich  seine  Bewaffnung 

Charakter  zu  trennen.     Je  mehr  aber  die  An-  hervorgehoben.     Die    erhaltenen   Darstel- 

sichten  über  diese  wichtigste  Frage  auseinander-  lungen,  die  mit  Recht  oder  Unrecht  auf  Iason 

gehen,  desto  mehr  glaubte  der  Verf.  dem  Zwecke  bezogen    worden    sind,     geben    wir    sachlich 

dieses  Werkes  zu  dienen,   wenn   er  das  Mate-  geordnet.      Eine    Statue    im    Louvre,    nr.   710, 

rial  der  Überlieferung  nach  sachlichen  Gesichts-  Chirac,    Mus.  d.  Louvre  pl.  309    (ähnlich  die 

punkten  sammelte,  nicht  nach  subjektivem  Er-  Statuette    Mus.    Pio  Clem.    3,48),    die,    als 

messen  gruppierte.  Als  Ergänzung  zur  Litteratur  Cincinnatus     falsch     ergänzt,     von     Winckel- 

der  „Argonauten"  (s.  Sp.  530,1  seien  hinzugefügt:  mann  als  Iason  gedeutet  wurde  —  sie   stellt 

D.  Kewnerknecht,  De  Argonautarum  fabula quae  10  einen  mit  der  Chlarnys  bekleideten  Jüngling 

veterwn   scripitores   Iradiderint,   Monach.   1886  dar,  der  den  einen  Fufs  auf  einen  Stein  stützt, 

und  Ztir  Argonautensage  (Ba.mbergevPi-ogra.mm)  um  sich  den  Schuh  anzuziehen  —   wird  jetzt 

1888.  K.  Hoffmann,  De  Pseudo-Urphei  catalogo  nach  Lambert;  de  Mercurii  non  Iasonis  statua, 

Argonautarum   (Nürnberger  Programm)   1888.  Bonn  1860  auf  Hermes  bezogen.  —  Wenn  die 

Gianrinaldo  Carli,  Deüa  spedizione  degli  Argo-  Terracotten  des  Brit.  Museums,  descr.  of  anc. 

nauti  (dem  Verf.   unbekannt).    Ed.  Meyer  in  terrae.  16,    vgl.  Campana  5,  in  Villa  Albani, 

der   Allgem.  Encykl.   unter    Kolchis    (sect.  II  Zoega,  bass.  45,  das   Bronzetäfelchen  im  Mus. 

vol.  38  S.  112 ff.).  Borgia  bei  Mulm,  gal.  myth.  418  den  Argo- 

10)  Iasons  Darstellung  in  der  Kunst.  bau  darstellen  (die  Deutung  wird  von  Kenner- 

(Zu    der  „Argonauten"   Sp.  525  angegebenen  20  kriecht,  Zur  Argonautensage  S.  16  f.  durch  Hin- 

Litteratur  kam   seitdem  besonders  H.  Hey  de-  weis    auf    Vol.  Flacc.  5,  435   unterstützt),   so 

mann,  Lason  in  Kolchis,  Hallisches  Winokel-  wäre    Iason    einer    der    am   Bau    arbeitenden 

mannsprogramm  1886,   das  erst  bei  der  Kor-  bärtigen  Männer.    Bei  Zoega,  bass.  45  ist  Her- 

rektur    dieses    Artikels    benutzt   worden    ist.)  mes  anwesend.   Auf  einem  tuskischenScarabäus 

Ein  charakteristischer  Typus  hat  für  Iason  in  bei  Micali,  ant.  mon.  116,  2   ist  der   nackte 

der   antiken  Kunst   kaum   existiert,    da  Sage  MannamSchiff  durch  dieBeisehriftEasun  (s.d.) 

und    Dichtung   versäumt    haben,    die    Gestalt  erklärt;   unsicher   dagegen  ist  die   Gemme  in 

dieses  Helden  zu  individualisieren.  Am  lebendig-  den    Impronte    gemme   deW    instit.    3,   64.    — 

sten  ist  noch  die  Schilderung  Pindars  (Pytli.  Cab.  Dur.  256:    der  bewaffnete  Held,  der  vor 

4,  78  ff.),  der  den  furchtbaren  (t xnayXog)  Helden  30  Hermes  opfert,  ist  durch  [IJAZQN  erklärt,  vgl. 
vom  Pelion  herabsteigen  läfst  in  der  eng  an-  C.  J.  G.  nr.  7750;  Cab.  Dur.  257:  der  ge- 
liegenden magnetischen  Kutte,  über  welche  ein  panzerte  Held,  der  vor  einem  nackten  Jüngling 
Pantherfell  geworfen  ist,  zwei  Lanzen  in  der  steht,  durch  EAIS2N  bezeichnet,  vgl.  C.  I.  G. 
Hand;  die  herrlichen  Locken  fallen  ihm  über  nr.  7751  (Heydemann  a.  a.  0.  S.  5  bezieht  die 
die  Schulter  herab,  und  es  staunen  alle,  die  Scene  auf  Apoll.  Llh.  3, 1246  ff.).  —  Lambergsche 
diese  dem  Apollon  (vgl.  Apoll.  Rh.  1,  307)  und  Vase  und  zwei  Schalen  aus  Caere  im  Brit.  Mus., 
Ares  gleichende  Erscheinung  sehen.  (Apoll.  von  Gerhard,  Arch.  Ztg.  1845  T.  35.  36  und 
Shod.  3,  1246  ff.  schildert  die  Schönheit  und  Auserlesene  Vasenbilder  3,  155  besprochen:  die 
Kraft  des  durch  die  Zaubersalbe  gekräftigten  mit_AOEQN  (?  Millingen:  IHIßN),  APXENAY- 
Helden.)  Als  jugendlichen  Helden  mitioTHZ,  AIOMHAHZ  bezeichneten  Figuren  sind 
herabwallendem  Haar  und  erstem  Bartwuchs  nicht  auf  Iason  zu  beziehen.  Vgl.  Flusch,  An- 
(lovlco  te  i'iSn  ßgvti  xadtQnovzi  -aal  r;  xoj*7]  gebliche  Argonautenbilder  S.  13  ff.  —  Attische 
gav&i]  i-jiioultvsi  rä  fitxunrco)  schildert  ihn  Amphora  von  Orvieto,  Mon.  dell'  inst.  11,  38: 
auch  der  jüngere  Philostratos,  im.  7;  Jugend-  Robert  in  den  Annali  1882  S.  273  erklärt  die 
lieh,  häufiger  bartlos  als  bärtig,  nackt  oder  Darstellung  als  Auszug  der  Argonauten  (nach 
mit  der  Chlarnys  nur  dürftig  bekleidet,  oft  mit  dem  Gemälde  des  Mikon)  und  den  neben 
Schuhen  oder  mit  Reisehut  versehen  (s.  die  Athene  stehenden  Helden  (dem  Herakles  gegen- 
Abbiklung  einer  Münchener  Vase  Bd.  1  Sp.  529)  über)  für  Iason.  —  Ficoronische  Cista  (Abbild, 
findet  er  sich  auf  den  erhaltenen  Darstellungen,  unter  „Argonauten"  Sp.  527):  unter  den  zu- 
als  Iason  durch  die  Situation  bez.  die  Beigabe  50  schauenden  Argonauten  kann  Iason  nicht 
der  Argo  bestimmt.  Zur  statuarischen  Behand-  fehlen,  nach  Gerhard,  Arch.  Ztg.  1845  S.  167 
lung  eignete  sich  am  besten  der  govoaüvdalog;  ist  es  der  neben  Athene  sitzende,  lorbeer- 
aber  kein  Beispiel  für  die  Benutzung  dieses  geschmückte,  nackte  Jüngling,  der  von  Wie- 
Motivs  ist  uns  auch  nur  litterarisch  erhalten.  seier  u.  a.  als  Apollon  erklärt  wird ;  nach  anderen 
Denn  am  Kypseloskasten  war  der  Held  ein-  ist  es  der  dritte  Held  von  links,  der  neben 
■mal  mit  Medeia  zusammen  und  ferner  im  Kastor  steht,  nackt,  nur  mit  Gürtel  und  Lanze 
Ringkampf  mit  Peleus  dargestellt  bei  den  versehen.  Nolanische  Kalpis,  Gerhard,  A.  V. 
Leichenspielen  des  Pelias  (Paus.  5,  18,  3.  17,  2,  153,  4:  der  speertragende  Held  an  der  Argo 
10);  von  den  Bd.  1  Sp.  525  angeführten  Argo-  wird  als  Iason  erklärt,  von  Gerhard,  Arch. 
nautendarstellungen  des  Lykios,  Mikon  (siehe  60  Ztg.  1845  S.  166  für  Herakles  gehalten.  — 
übrigens  Robert  in  den  Annali  dell'  inst.  1882  Amphora  der  Sammlung  Jatta   nr.  1095  Mon. 

5.  282  ff.)  Kydias  u.  s.  w.  fehlen  nähere  Angaben.  d.  Lnst.  3,  49:  der  Argonaut  zwischen  der 
Aus  den  ebendaselbst  citierten  philostratischen  Argo  und  Phineus,  der  bekleidet  mit  hohen 
Schilderungen  ist  oben  ein  bemerkenswerter  Stiefeln  sich  auf  den  Speer  stützt,  wird  als 
Zug  angeführt;  des  Helden  Kleidung  wird  Iason  erklärt  (vgl.  Flasch  in  der  Arch.  Ztg. 
ebendaselbst,  Philostr.  hm.  im.  7,  beschrieben:  1880  S.  142).  —  Amphora  Raoul  Röchelte;  mon. 
XtvHov  xitüvu  ffcoffTtu  Xsovzijv  t'griQTr^itvos  ined.  t.  XXXV  p.  194,  Gerhard,  Apul.  V.  Erg. 
xal    KQrjTiiäa    Ivrpizai    ä-Kovrim    te     insQsicag  A  6   p.  30;    nach    Gerhard,  Beil.  Ant.  Sildw. 


79 


Iason  (in  d.  Kunst* 


Iason  (in  d.  Kunst) 


80 


nr.  1003  p.  285  wäre  der  eine  sitzende  Jüng- 
ling, der  sich  mit  dem  in  phrygiseker  Tracht 
(Phrixos)  unterhält,  Iason.  Diese  Erklärung 
genügt  ebensowenig,  wie  die  Deutung  von 
Pyl.  p.  26,  dafs  auf  dem  unteren  Teil  des  Bildes 
Iason  neben  der  (sitzenden)  Hera  dargestellt 
sei.  —  Das  mittlere  Bild  der  Ruveser  Vase 
in  München  (nr.  805),  wenn  es  mit  0.  Müller, 
Arch.  d.  E.  §  412,  4  und  Pyl,  de  Medeae  fa- 
bala  p.  18  auf  Iasons  Ankunft  vor  Aietes  oder  10 
mit  Panofka  {Arch.  Ztg.  1844  S.  256)  auf  sein 
Erscheinen  vor  Alkinoos  bezogen  wird  (vgl. 
0.  Jahn,  Arch.  Ztg.  1860  S.  74  ff.)  oder  endlich 
mit  Jessen  (siehe  Abschn.  9)  S.  43  als  Hoch- 
zeit des  Iason  und  Medeia  in  Eolchis  gedeutet 
werden  sollte:  O.  Müller  (auch  Jessen)  erklärt 
den  neben  dem  Weibe  (Medeia)  links  von  der 
Säule  stehenden  Jüngling,  der  sich  auf  die 
Lanze  stützt,  für  Iason,  Pyl  den  Jüngling  vor 
dem  Könige,  lorbeergeschmückt,  die  Chlamys  20 
über  die  Arme  gehängt,  mit  Schwert  und  Lanze 
bewaffnet,  eine  tessera  mit  der  Inschrift  ZIZY- 
<J>OX  überreichend.  Vgl. dagegen  Fleisch  p.  3  Off., 
der  vielmehr  das  Bild  Mülingen,  vas.  div.  7  auf 
Iasons  Audienz  bei  Aietes  bezieht.  —  Das 
Terracottarelief  bei  Combe,  terrae.  Br.  Mus.  2S,  53 
stellt  nach  O.  Müller  a.  a.  O.  die  Übergabe 
der  Iynx  (Find.  Pyth.  4,  213)  an  Iason  durch 
Hermes  dar,  eine  falsche  Erklärung.  —  Ebenso 
unsicher  erklärt  Pyl  a.  a.  0.  p.  23  die  Dar-  30 
Stellung  einer  Lambergschen  Vase  (Alex.  La- 
borde  coli.  d.  vas.  gr.  de  C.  Famberg  2,  3)  als 
Übergabe  der  Iynx  an  Iason  durch  Iris.  — 
Die  erste  Begegnung  von  Iason  und  Medeia 
wird  auf  mehreren  Darstellungen  ohne  zu- 
reichenden Grund  angenommen;  namentlich 
kann  die  phrygische  Tracht  des  Weibes  allein 
nicht  entscheidend  sein.  Die  meisten  der 
von  Pyl  p.  24  f.  aufgezählten,  sei  es  von  ihm 
oder  anderen  hierauf  bezogenen  Darstellungen  .10 
können  als  höchst  zweifelhaft  hier  übergangen 
werden.  Hervorgehoben  sei  nur:  Apulische 
Amphora  im  Berliner  Museum  n.  3258  (1022), 
abgebildet  Gerhard,  Ap.  Vas.  Taf.  10:  Jahn, 
Ehein,  Mus.  6,  295  ff.  und  Pyl  p.  30  ff.  be- 
ziehen die  Darstellung  gegen  Gerhard  auf  die 
Unterredung  Iasons  mit  Medeia  vor  den  Bo- 
readen. Iason  mit  Chlamys  und  Schuhen, 
Schwert  und  Lanze  trägt  eine  Stirnbinde. 
Ebenso  Heydemann  S.  3  f.  Die  Ealpis  der  50 
Catalanischen  Sammlung  zu  Neapel,  Gerhard, 
Ap.  V.  p.  13  Anm.  20  d,  abgeb.  bei  Heydcmann 
nr.  2  trägt  eine  ähnliche  Darstellung1,  auf  der 
Iason  mit  dem  Eetasos  bedeckt  ist.  —  Neapo- 
litanische Vase  der  Sammlung  Jatta,  Gerhard, 
Apul.  V.  Erg.  E  8,  gegen  Gerhard  von  Pyl 
als  Iasons  Zusammenkunft  mit  Medeia  vor 
dem  Tempel  der  Hekate  gedeutet ('?).  Der  mit 
der  Chlamys  bekleidete  Jüngling  hält  in  der 
einen  Hand  einen  Kranz,  in  der  anderen  einen  eo 
Zweig.  Neben  beiden  soll  Aphrodite  mit  der 
Iynx  stehen.  —  Der  Graffito  eines  tuskischen 
Spiegels  (Mon.  d.  Jnst.  11 T.  3)  wird  von  Heydc- 
mann S.  6  erklärt:  Dem  Iason  (Aeasun)  hält 
Medeia  (Metvia)  die  Schale  mit  dem  Zaubersaft 
an  den  Muud;  anwesend  Athene  und  ein  mit 
einem  Vogel  (Iynx)  tändelndes  Mädchen  (?).  — 
Die  Bändigung  der  feuerschnaubenden 


Stiere  ist  auf  mehreren  spätrömischen  Sarko- 
phagen dargestellt,  die  auf  ein  im  wesentlichen 
mit  Apoll.  Jihod.  3,  1306  ff.  übereinstimmendes 
Original  zurückgehen  (Jahn,  Arch.  Ztg.  1866 
S.  233  ff.):  Sarkophagrelief  aus  Neapel  in  Wien, 
nr.  171,    Arch.  Ztg.   1866   T.  215,  2   (siehe  die 


:  ^iiEJI7^^      Sri 


Abbildung) ;  Fragment  eines  Turiner  Reliefs, 
Mittin,  gal.  myth.  175,  424;  Sarkophagrelief  aus 
Villa  Borghese  im  Louvre,  Zocga,  bass.  1  p.  215. 
Clarac,  mus.  de  sc.  199,  373;  verlorenes  Re- 
lief, einst  in  Rom,  abgeb.  Codex  Pighianus 
f.  251,  Arch.  Ztg.  1866  T.  216,  2;  über  andere 
s.  Heydcmann  S.  6  f. ;  vgl.  auch  Arch.  Ztg.  1879 


81 


Iason  (in  d.  Kunst) 


Iason  (in  d.  Kunst) 


82 


S.  72  (Th.  Schreiber,  Bildwerke  aus  dem  Mus. 
Torlonia  nr.  464):  Iason,  nackt  bis  auf  die 
flatternde  Chlamys,  steht  zwischen  den  beiden 
Stieren;  mit  der  Linken  fafst  er  den  einen  hoch 
sich  bäumenden  beim  Hörn,  den  andern,  den  er 
mit  der  Rechten  am  Hörn  packt,  hat  er  schon 
zur  Erde  geworfen  und,  drückt  ihn  mit  dem 
angestemmten  Knie  nieder.  Zuschauer  sind 
einerseits  Aietes,-    auf  dem  Relief  im  Louvre 


Arch.  Ztg.  1885  S.  112  und  Heydemann  S.  9  f. 

eingetreten.  Vase  der  Sammlung  Caputi  in 
Rom,  Jatta  Vasi  Caputi  nr.  377  tav.  7,  beschr. 
von  Heydemann  S.  10  f. :  Der  auf  ein  Knie  ge- 
fallene Held  packt  den  Stier  an  Hörnern  und 
Schnauze;  neben  ihm  liegt  eine  Keule;  an- 
wesend ist  Nike,  Zuschauer  ein  greiser  Herr- 
scher und  eine  reichgeschmückte  Frau  mit  Um- 
gebung.   Von  Heydemann  wird  die  Darstellung 


auch  Medeia,  anderseits  Argonauten.    Dieselbe  10  auf  Iason,    von   Jatta    auf  Theseus    bezogen. 


Darstellung  der  Hauptscene  findet  sich  als 
Schmuck  einer  Truhe  auf  dem  den  Tod  derKreusa 
darstellenden  römischen  Sarkophagreliefe 
nr.  3162  {Matz-Buhn) ,  Annali  dell'  inst.  1869 
Tav.  AB.  Endlich  ein  Kontorniat  mit  dem  Bilde 
des  Nero,  Sabatier ,  Med.  cont.  13,  3;  Pedrusi, 
Mus.  Farnes.  5,  3,  6:  ein  Jüngling  im  langen 
Gewand  (Iason)  schirrt  zwei  Stiere  an  den  Pflug. 
Die  auf  die  Stierbändigung  des  Iason  bezogenen 


Die  attische  Vase  in  Petersburg  (Errn.  nr.  2012, 
Antiquites  du  Bosphorc  Cimmerien  T.  63  a  2) 
wird  von  K.  Purgold  ebenfalls  auf  den  Stier- 
kampf Iasons  bezogen,  dagegen  von  Stepliani, 
Vasensamml.  d.  Ermit.  2,  409,  Michaelis,  Arch. 
Ztg.  1877  S.  75  ff.  1885  S.  231  ff.  281.  291  und 
Heydemann  S.  11  f.  richtiger  auf  den  Stierkampf 
des  Theseus  in  Anwesenheit  der  Medeia.  —  Die 
die  Erbeutung  des  Vliefses   darstellenden 


im  Gegensatz   zu   der  Überlieferung  und   den 
Reliefs    den    Kampf   des   Helden    mit    einem 


Vasenbilder  sind  sämtlich  zweifelhaft,  weil  sie  20  Bilder  sind  von  0.  Jahn  in  der  Arch.  Ztg.  1860 

S.  74  ff.  und  Arch.  Ztg.  1866  S.  238  ff.  zusammen- 
gestellt.    Auf  den  römischen  Sarkophagreliefs, 
den    beiden     obengenannten 
ä^jV^V  ^es   c°dex  Pighianus  und  in 
1   Wien  n.  171  (siehe  d.  Abbildg. 
Sp.  80),    Relief  in    der  Villa 
Ludovisi  (Zoega,  bass.l  p.215. 
Schreiber,    Antike   Bildw.    in 
V.  L.  nr.  81)  Relief  auf  dem 
Palatin  nr.  3196  (Matz-Duhn: 
hier  ist  nur  die  Figur  Iasons 
erhalten)  stützt   Iason  in  rö- 
mischer Rüstung  das   rechte 
Knie  auf  einen  grofsen  Stein 
und   nimmt  mit  der  Rechten 
das  Widderfell   vom  Baume, 
um  den  sich  die  vonMedeia  be- 
reits eingeschläferte  Schlange 
windet.    Dafs  Iason  auf  dem 
erstenRelief  sich  bärtig  findet, 
erweist    sich    durch   Verglei- 
chung  der  drei  anderen  als  zu- 
fällige   Variante     oder    Ver- 
sehen.     Terracottarelief     im 
Brit.  Museum,  Combe,  terr.  of  the  brit.  mus.  52 
und    Campana,    ant.   op.   in  plast.  63:   Medeia 
reicht    dem     Drachen     die     Schale,     während 
Iason,  den  linken  Arm,  über  den  er  die  Chla- 
mys   gehängt  hat,    zum   Schutz   vorstreckend, 


Iasons  Stierbändigung  in  Gegenwart  der  Medeia;  über  dem  Stier  Nike,  Neapler 
Vase  (nach  Heydemann,  Hall.  Winckelmannsprogr,  1886.  Taf.  nr.  1);  s.  Sp.  Sl,46ff. 


Stier  darstellen  und  namentlich  auch  auf  The- 
seus oder  Herakles  gedeutet  werden.  Neapeler 
Vase  nr.  2413,  abgeb.  nach  Heydemann  nr.  1,  ge- 
wöhnlich auf  Theseus  und  den  marathonischen 
Stier  bezogen:    Ein  Jüngling   hat  einen   Stier 


an  den  Hörnern  gepackt  und  will  ihn  zu  Boden  50  heranschleicht  (der  Kopf  ist  verstümmelt).  An- 
wesend sind  drei  Kolcher.  Andere  Darstellungen, 
namentl.  auf  geschnittenen  Steinen  sind  von 
Heydemann  S.  16f.  gesammelt  und  beschrieben; 
auch  die  zweifelhaften  sind  dort  aufgezählt 
(s.  Nachtrag  Sp.  87);  hier  seien  nur  genannt 
die  Darstellung  eines  Achatonyx  in  den  Samm- 
lungen des  Goethehauses  (Schuchardt,  Goethes 
Kunstsammlung  2,  6  n.  28)  und  eine  Stoschische 
Paste  in  Berlin,  Tölken  4,  141.  Deutlicher  als 
hier  60  das  Terracottarelief  zeigen  den  Kampf  mit 
dem  Drachen  die  Vasenbilder:  Unteritalische 
Hydria  im  Louvre,  Millingen,  peint.  de  vas.  6: 
Iason  hält  in  der  Rechten  das  Schwert  be- 
reit; sein  Kopf  ist  bedeckt  mit  einem  Pilos. 
Aufser  Medeia  ist  anwesend  eine  Frau(Apbro- 
dite?  Chalkiope?)  und  ein  Boreade  (0.  Jahn, 
Rhein.  31us.  6,  298).  Unteritalische  Vase  in 
Neapel,  nr. 3248,  abgeb.  nach.  Heydemann  a.  a.  0. 


drücken;  eine  Frau  in  griechischer  Tracht  hält 
in  den  Händen  je  einen  kleinen  Blätterzweig; 
über  dem  Stier  schwebt  Nike  mit  einer  Schale 
in  der  einen  und  einem  Zweiglein  in  der 
anderen  Hand.  Heydemann  hält  die  (Lorbeer-) 
Zweige  für  Zaubermittel  und  deswegen  die 
Deutung  auf  Iason  für  gesichert.  Prachtvase 
aus  Ruvo  im  Neapeler  Museum  bei  Heyde- 
mann nr.  3252,  besprochen  von  K.  Purgold 
in  der  Arch.  Ztg.  1883  (T.  11)  S.  163 
greift  der  Held  den  einen  Stier  mit  einer 
Keule  an.  Die  um  einen  Baum  sich  windende 
Schlange  veranlafst  Purgold  zu  der  Erklärung 
als  Iasons  Stierkampf;  die  zuschauende,  reich 
geschmückte  Frau  neben  Eros  wird  als  Aphro- 
dite oder  Medeia  {Heydemann)  gedeutet.  Dieser 
Deutung  widerspricht  G.  Robert,  Arch.  Ztg.  1883 
S.  262,  dagegen  sind  für  sie  M.  Lehnert  in  der 


83 


Iason  (in  d.  Kunst) 


Iason  (in  d.  Kirnst^ 


84 


nr.  3:  Der  Drache  wird  von  Medeia  eingeschlä- 
fert; Iason,  bärtig,  mit  Chiton,  Stiefeln  und 
Schwert,  stöfst  das  Schwert  gegen  ihn,  unter- 
stützt von  zwei  Argonauten.  Euveser  Vase 
in  Petersburg,  Ermit.  nr.  422,  Mon.  d.  instit. 
5,  12;  Arch.  Ztg.  1844  S.  231  ff.:  Medeia  (in- 
schriftlich) schläfert  den  Drachen  ein;  Iason 
(inschriftlich:  HAH2N;  vgl.  C.I.  Gr.  nr.  8407), 
mit  Chlamys  und  zwei  Lanzen,  greift  ihn  an, 
unterstützt  von  Kaiais  und  mehreren  anderen 
Argonauten  (Herakles?).  (Nach  Petersen,  Arch. 
Ztg.  1879  S.  13  ist  das  Bild  zum  Teil  restau- 
riert.) Ruveser  Vase  in  München  nr.  805  (Ab- 
bildung unter  Arg.  Sp.  529),  Archäol.  Ztg. 
1860  T.  139.  140:  Iason  mit  Chlamys,  Petasos 
und  Stiefeln  bekleidet,  bekämpft  den  Drachen 


nach  Wieseler,  Ztschr.  f.  Altert.  1851  S.  318. 
Fleisch  26  ff.  —  Auf  der  Meidiasvase  des  Brit. 
Museums,  Miliin,  gal.  myth.  94,  385,  ist  der 
Name  cMoxtjJttjs  (C.  I.  G.  nr.  8487)  von  Ger- 
hard, Gesammelte  Sehr.  1,  59  ft*.  auf  Iason  be- 
zogen worden,  was  mit  Recht  bestritten  wird, 
vgl.  0.  Jahn,  Arch.  £ufs.  132  f.  Bursian  in 
der  Arch.  Ztg.  1851  S.  486  f.  Pyl  in  der  Arch. 
Ztg.  1854  S.  299  f.  Auf  dieser  Vase  wird  von 
10  Gerhard  a.  a.  0.  die  Darstellung  der  Ankunft 
der  Argonauten  bei  Hypsipyle,  von  anderen,  wie 
ü.  Robert,  Bild  und  Lied  S.  40  Anm.  50, 
bei  den  Hesperiden  angenommen;  auch  citiert 
Gerhard  eine  gleiche  Scene  auf  der  Vignette 
des  Cabinet  Pourtales  nach  0.  Müller,  Gott, 
gel.  Am.  1837  nr.  188.    Sämtliche  Erklärungen 


\m  wum 


■ 


Iason  unterstützt  von  2  Gefährten  erbeutet  das  goldene  Vliefs,  anwesend:  Jledeia,  Nike,  Satyr.    Neapler  Vase 
(nach  Beydemann,  Hall.   Winckelmannsjtrofframm.    18S6.    Taf.  nr.  3) ;  8.  Sp.  S3,  1  ff. 


mit  dem  Schwert;  hinter  ihm  Medeia  und 
Argonauten,  darunter  die  Boreaden,  in  ruhiger  so 
Haltung.  —  Etruskiseher  Spiegel,  Gerhard  F. 
Sp.  3,  238:  Iason  (inschr.  Heiasun),  in  der 
Rechten  das  Schwert  haltend,  mit  der  Linken 
das  Vliefs  greifend  flieht  vor  dem  Drachen,  der 
nach  ihm  schnappt.  —  Die  Wendung  der  Sage, 
nach  welcher  Iason  in  den  Drachen  hinein- 
steigt und  ihn  von  innen  tötet  (s.  darüber 
unter  3  am  Ende),  findet  sich  zu  Grunde  ge- 
legt der  Darstellung  auf  dem  Innenbild  einer 
dem  5.  Jahrh.angehörigenVase  des  Mus.  Gregor.  60 
aus  Caere,  Mon.  delV  inst.  2,  35  (s.  Abbildung 
Sp.  85/6):  Iason  (inschriftlich  IAION,  vgl.  C. 
I.  G.  nr.  7749),  ein  bärtiger  Mann,  taucht  aus 
dem  Rachen  des  Drachen  hervor;  anwesend 
Athene  mit  der  Eule;  am  Baum  hängt  das  Vliefs. 
Eine  Peruginer  Vase,  Mon.  d.  inst.  5,  9,  wird 
von  Pyl  so  erklärt:  Iason  stürzt  sich  in  den 
Rachen  des  Drachen ;  diese  Erklärung  ist  falsch 


sind  zweifelhaft.  —  Ruveser  Vase  in  Neapel, 
Bull.  Kapol.  3,  26.  Arch.  Ztg.  1846  T.  44  f. 
1848  T.  24:  Darstellung  von  Talos'  Über- 
windung. Unter  den  Zuschauern  ist  der  auf 
der  Leiter  an  der  Argo  stehende  Jüngling, 
lorbeerbekränzt,  mit  Chlamys  bekleidet  und 
Lanze  bewaffnet,  als  Iason  erklärt  worden, 
Pyl  S.  48  findet  ihn  auf  dem  2.  Teil  der  Dar- 
stellung, auf  welchem  die  Dioskuren  den 
Siegespreis  von  Athene  und  Aphrodite  em- 
pfangen, in  dem  neben  Aphrodite  stehenden 
lorbeerbekränzten  Jüngling  mit  reich  gesticktem 
Chiton  (Apoll.  Bh.  1,  722),  Petasos  und  Lanze.  — 
Millingen,  peintur.  d.  DOS.  dir.  coli.  7 :  Iason  über- 
bringt dem  Peliaa  das  Vliefs  (so  nach  0.  Müller, 
anders  nach  Millingen  und  Flasch  S.  34).  Iason 
ist  mit  Chlamys  n.  Petasos  bekleidet  und  trägt 
eine  Lanze.  Zugegen  ist  Hermes.  —  Hydria 
im  Britischen  Museum  nr.  717,  bekannt  gemacht 
von  Sam.  Birch  Class.  Mus.  10,  41".  Arch.  Ztg. 


85 


Iason  (in  d.  Kunst) 


Iason  (in  d.  Kunst) 


86 


1846  S.  287;  vgl.  Gerhard,  Anserl.  V.  3  S.  28: 
Die  Aufkochung  des  Iason (?).  Der  kurzbärtige, 
mit  Chiton  und  Mantel  bekleidete,  auf  einen 
Krückstock  sich  stützende  Greis  neben  dem 
Kessel  ist  durch  die  Beischreift  IAZQN  (vgl. 
C.  I.  Gr.  nr.  7748)  bezeichnet.  Nach  Heyde- 
mann  S.  19  Anm.  48  ist  der  Name  mit  AIIQN 
verwechselt.  Damit  vergleicht  Pyl  S.  60  ein 
anderes   Gefäfs    im    Brit.  Museum,    bei  Birch 


1149ff.);  in  der  Darstellung  bei  Winckehnann, 
inon.  ined.  91  trägt  derselbe  eine  Lanze  und  hat 
neben  sich  einen  Schild  stehen.  Auf  den  ge- 
nannten Darstellungen  steht  zwischen  der  Ver- 
mählungsscene  und  der  Darstellung  von  Kreusas 
Tod  ein  Jüngling,  mit  der  Chlamys  bekleidet, 
mit  Lanze  oder  neben  sich  den  Schild,  der 
sich  mit  einem  zweiten  Jüngling  unterredet; 
auch  er  ist  als  Iason  im  Gespräch  mit  Aigeus 


nr.  1521    mit   gleicher    Darstellung,   nur   dafs  10  {Miliin)  oder  einem  Boten  (früher  Jahn)  oder 


mit    Hippotes    (Pyl)    gedeutet    worden,    sehr 
zweifelhaft.       3)    Kindesmord.      Canusinische 
Vase  in  München,  nr.  810,  0.  Jahn  in  Archäol. 
Ztg.  1847.  T.  3.  S.  33  ff.:  Im  unteren  Teile  der 
Vase  Iason  (inschriftlich,  vgl.  C.  I.  Gr. 
bärtig,   mit  der  Chla- 
ekleidet,   mit  Schwert 
id     Lanze     bewaffnet 
md  mit   einem  Dory- 
os   zur   Verhin- 
ung    bez.    Be- 
strafung   des 
Kindesmords 
herbeieilend. 
Münchener 
Sr|\\  Vase  n.  333; 
s.  Absehn.  7. 
Nach- 
trag.     Zu 
den    oben 
citierten 
Medeia- 
sarkopha- 
gen   kam 
neuerdings 
ein  neuent- 
deckter    in 
Rom, von  dem 
L.  v.    Ulrichs 
dem     Pro- 
gramm   des     v. 
Wagner' sehen 
Kunstinstituts  1888 
<h/  !rEin     Medea  ■  Sarko- 
phag"    Mitteilung     ge- 
macht   und    die    Haupt- 
scene    veröffentlicht   hat. 
Die  linke  Nebenseite  ent- 
Sarkophags bei   Winckcl-   Attische  Vase  aus  Caere:  Iason  taucht  aus  dem  Rachen   hält  die   Darstellung  von 

mann,  Mon.  ined.  nr.  91  desDrachenhervor(na<&j/oB.rfeH,»u(.2,35);s.Sp83,55£f.  Iasons     Stierkampf,    die 
(vgl.  auch  Dütschke,  Arch.  Vorderseite      die      Dar- 

Ztg.   1876    S.   73)     wird    auch    auf    die  Ver-       Stellung    von    Kreusa    und    dem    Kindesmord, 
mählung  von  Iason  und  Medeia  bezogen,  eine       Diese  Reliefs  stimmen  mit  den  oben  genannten 


hier   der  Greis  das  Feuer   knieend  anfacht. 
Die    auf   die   korinthische   Sage   bezüglichen 
Darstellungen  sind  besprochen 
Arch.  Ztg.  1866  S.  239  ff.  und  1 
Dilthey,  Sarcophagi  di  Medea  i 
Ann.d.  Inst.  1869,  5i 
d.i.  1874, 233  (Arch,. 
1868,  66),  sie  finden 
unter    „Medeia"    au: 
führlicher       behan- 
delt:   1)  Verrnäh 
lung  Iasons   m' 
Glauke-Kreusa 
Das        Sarko 
phagrelief  in 
den    Annali 
1869    tav. 
AB  1:  Iason 

im    Har- 
nisch,  mit 

Schwert 
bewaffnet, 

spendet 
aus    einer 
Schale     in 
die  Flamme 
des   Altars; 
anwesend  is 

ein  Opfer- 
diener. DieVei 
mählungscene 
(Iason  vor  der 
hüllten  Brau! 
den  oben  ge 
Reliefs  in  Wie 
im  Louvrebei 
373,  des  code: 
unddes  jetzt  verschollenen 


ninnten 


Deutung,  die  namentlich  für  das  Relief  des 
cod.  Pigh.  sehr  unsicher  ist.  2)  Kreusa  em- 
pfängt Geschenke  von  den  Kindern  der  Medeia. 
Das  oben  citierte  Relief  des  codex  Pighianus 
=  röm.  Sark.  in  den  Annali  1869  t.  d'agg. 
AB  2;  der  oben  angeführte  röm.  Sark.  nr.  316 


überein.  Urlichs  vermutet,  dafs  der  Relief- 
cyclus  nach  dem  Vorbilde  der  Argonauten- 
bilder in  der  Porticus  Agrippiana  (der  Septa 
auf  dem  Campus  Martins)  geschaffen  worden 
sei  (Werk  desKydias?);  Iason  scheint  in  diesen 
Darstellungen,  wie  auch  auf  den  Reliefs,  die 
in  den  Amiali  1869.  t.  d'agg.  ABl;  Sarkophag  60  Hauptperson    gewesen    zu    sein    (vgl.:    luven. 


in  Mantua  Miliin,  gal.  myth.  108,  426;  Sarko- 
phag im  Louvre,  Clarac  204,  478;  römischer 
Sarkophag,  Winckehnann,  mon.  ined.  nr.  91 
und  P.-Bochette,  mon.  ined.  63;  der  hinter 
den  beiden  Knaben  stehende  bartlose  Mann 
mit  nacktem  Oberkörper,  der  die  Rechte  in 
die  Seite  stemmt,  die  Beine  kreuz  weis  stellt, 
wird  als   Iason   erklärt   (vgl.  Euripides  Med. 


Sat.  6,  153  cum  iam  mercator  Iason  clausus, 
Martiad.  2,  14.  3,  20).  —  Aufserdem  verdankt 
Verfasser  zumeist  den  gütigen  Mitteilungen 
des  Herrn  Dr.  Drexler  noch  folgende  Ergän- 
zungen: Ein  Pompejanisches  Wandgemälde 
(Sogliano,  Le  pitture  murali  campane  scoverte 
negli  anni  1867 — 1879,  p.  102  n.  551,  vgl.  Lu- 
eido  di  Discanno,  Notisio  d.  Scav.  d.  Ant.  1878 


87                   Iason  'in  d.  Kunst)  lasos  (Iasios)                       88 

p.  264.  Ghirardini,  Giasone  e  Pelia):  Auf  den  Paul  de  Praun  ä  Nuremberg  p.  317  m\  672, 
Stufen  eines  Tempels  steht  ein  lorbeerbekränz-  Onyx:  Iason  nimmt  das  goldene  Vliefs;  der 
ter,  graubärtiger  König,  gestützt  auf  eine  Jung-  Drache  ist  am  Fufs  des  Baumes  eingeschlafen, 
frau;  hinter  dieser  wird  eine  zweite  sichtbar;  Im  Brit.  Mus.  befindet  sich  unter  nr.  1367  ein 
beide  augenscheinlich  die  Töchter  des  Königs.  Onyx  von  zweifelhafter  Echtheit:  Iason  mit 
Die  Aufmerksamkeit  dieser  Gruppe  ist  auf  dem  Vliefs,  rückwärts  blickend.  4)  Ein  Heros 
einen  jungen  Helden  gerichtet,  der  mit  einer  mit  Schild  und  Helm  steht  vor  einer  Säule, 
Chlamys  bekleidet  ist  und  in  der  Rechten  eine  um  die  sich  eine  Schlange  windet  und  auf  der 
Lanze  (oder  Stab)  trägt;  sein  rechter  Fufs  ein  Vogel  sitzt.  Am  Fufs  der  Säule  steht  ein 
hat  die  Sandale,  der  linke  dagegen  ist  10  Widder.  Die  Deutung  auf  Iason  ist  sicher 
unbeschuht.  Neben  ihm  steht  eine  dritte  falsch,  auch  die  auf  Phrixos  zweifelhaft;  eher 
Jungfrau.  Die  Scene  stellt  nach  allem  Zubehör  ist  eine  Opfer-  oder  Orakelscene  anzunehmen, 
ein  Opfer  dar.  Ist  diese  Beschreibung  richtig,  Zu  den  von  Heydemann  S.  17  Anm.  43  citierten 
so  kann  es  nicht  zweifelhaft  sein,  dafs  hier  Exemplaren  sind  hinzuzufügen:  Dresdener  Kar- 
die  Ankunft  des  Iason  zu  dem  Opfer  des  Pe-  neol  nr.  122  {Mettners  Katal.  v.  J.  1856.  Herr 
lias  dargestellt  ist,  das  einzige  bisher  bekannte  Prof.  Treu,  der  dem  Verf.  freundliche  Auskunft 
Beispiel  bildlicher  Darstellung  des  fiovoaav-  erteilte,  neigt  zu  der  Deutung  auf  Phrixos). 
dalog.  Die  Sandale  des  Iason  erkennt  man  Thorwaldsenmuseum, Katal.ri.  105nr.857(Paste), 
auch  auf  dem  Revers  von  Silbermünzen  von  85S  (Paste);  ebenso  Catal.  of  the  coli,  of  anti- 
Larissa  in  Thessalien,  welche  Head,  Hist.  20  quities  formed  by  B.  Hertz,  London  1851  p.  40 
Num.  p.  253  um  480  v.  Chr.  ansetzt  (Mülmgen,  nr.  763  (Onyx),  764  (Karneol),  765  (Karneol); 
Ancient  coins  of  greek  eitles  and  längs  p.  49  f.  aufser  läppert  2  nr.  70  auch  nr.  69.  —  Will- 
pl.  3,  15.  E.  Muret,  Bull,  de  Corr.Hell.  V  (1881)  kürlich  sind  die  Deutungen  bei  Lippert  2,  68, 
p.  291f.  pl.  2,  4.  Head  a.  a.  0.).  Der  Kopf  des  71  —  73  auf  Iason  und  Medeia;  dagegen  er- 
Iason  wird  von  Muret  a.  a.  0.  p.  292  auf  einer  scheinen  Iason  (inschriftlich)  und  Medeia  auf 
Münze  von  Larissa  angenommen,  vgl.  Head  einem  Vasenfragment  von  St.  Colombe:  Corp. 
p.  254  (hier  mit  Fragezeichen).  Zweifelhaft  inscr.  Bat.  12  nr.  5687,  13  p.  779. 
ist  die  Echtheit  und  Deutung  einer  Gemme,  2)  Vater  des  Apis  aus  dem  arkadischen 
Brit.  Mus.  nr.  1368  (Katalog  v.  J.  1888):  Iason  Pallantion  nach  Paus.  5,  1,  8.  [Seeliger.] 
die  Sandale  des.  linken  Fufses  bindend.  (Ge-  30  lasos,  auch  Iasios  {"lacog,  'läaiog,  beide 
fälschte  Künstlerbeischrift:  Pheidias.)  Vgl.  Namen  sind  von  gleichem  Ursprung  und  häufig 
dazu  die  Beschreibung  einer  Paste  bei  Visconti,  verwechselt  mit  Iasion,  Müller,  Orchom.  265), 
Opere  varie  2,  265  nr.  344.  —  Zu  dem  oben  ein  in  den  ältesten  pelasgischen  Geschlechtern 
citierten  Scarabäus  Micali  116,  2  (Iason  und  häufig  erscheinender  Name,  dem  wir  in  Argos, 
die  Argo)  vgl.  noch  den  Cat.  of  engr.  gems  in  Arkadien,  Elis,  Böotien,  Athen,  am  kretischen 
tlie  Brit.  Mus.  (London  1888)  p.  70  nr.  350  und  Ida,  in  Samothrake  und  im  troischen  Lande 
den  Scarabäus  der  Sammlung  Vannutelli  in  begegnen,  Stark,  Niobe  357.  1)  In  der  mannig- 
Rom,  Bull.  d.  Inst.  1869  p.  55  nr.  1  {Heydemann).  faltigen  und  verwickelten  Stammtafel  der 
—  Die  Steinbildchen,  welche  auf  Iason  und  argivischen  Könige  (s.  Gerhard,  Gr.  Myth.  2 
den  Raub  des  goldenen  Vliefses  gedeutet  40  S.  233)  kommt  lasos  öfter  vor:  a)  als  Sohn  des 
worden  sind,  teilen  sich  in  vier  Typen:  1)  Achat-  Triopas,  Enkel  des  Phorbas,  Urenkel  des 
onyx  im  Goethehaus  (s.  oben),  von  Julius  Argos,  Bruder  des  Agenor,  Vater  der  Io,  deren 
Friedländer  beschrieben :  ,, Neben  einem  Baum,  Mutter  Leukane  war,  Paus.  2,  16,  1.  Schol. 
um  den  sich  eine  Schlange  windet,  steht  einer-  Eurip.  Or.  920.  Nach  Hellanikos  b.  Schal. 
seits  Iason  mit  einem  Wurfspiefse,  andrerseits  II.  3,  75  teilten  die  Söhne  des  Triopas,  lasos 
Medeia;  während  diese  die  Schlange  aus  einer  und  Pelasgos,  das  Land  Argos  (d.i.  den  ganzen 
Schale  trinken  läfst,  greift  Iason  nach  dem  Peloponnes)  unter  sich,  und  da  ihr  Bruder 
goldenen  Vliefs,  welches  durch  einen  Widder-  Agenor  kein  Land,  sondern  die  Pferdezucht 
köpf  angedeutet  ist."  2)  Vor  dem  Baum,  an  ihres  Vaters  erhielt,  so  überzog  er  später  mit 
dem  das  Vliefs  hängt  und  um  den  sich  die  50  seiner  Reiterei  das  ganze  Land.  Von  diesen  drei 
Schlange  windet,  steht  der  Heros,  behelmt  Brüdern  leitet  Hellanikos  die  drei  Beinamen  von 
und  mit  Chlamys  nebst  Schild  ausgerüstet,  die  Argos  ab:  "leecov  "Agyog  {Od.  18,  246),  nsXceayi- 
Rechte  gegen  das  Antlitz  erhebend.  Zwischen  kov  und  'Tnitoßorov.  Dasselbe  erzählt  nach 
ihm  und  dem  Baum  ist  ein  Altar  (z.  T.  mit  Hellanikos  Eustath.  p.  385,  39,  nennt  aber 
einem  Widderkopf).  Die  Scene  kann  auch  auf  als  Vater  Phoroneus.  Vgl.  Pharorin.  v.  "Jg- 
das  Opfer  des  Phrixos  bezogen  werden  {Paus.  1,  yog.  Buttm.,  Mi/thol.  2,  179  f.  Gerhard,  Gr. 
24,  2);  vgl.  Visconti,  OpererarieZ,  265  nr.343  und  Myth.  2  §  671.  790  ff.  p.  233.—  b)  Sohn  des 
Pyl  p.  11.  Zu  den  von  Pyl  p.  11  und  Hey  de-  Argos  Panoptes  und  der  Ismene,  der  Tochter 
mann  S.  16  Anm.  42  gesammelten  Exemplaren  des  Asopos,  Vater  der  Io,  Apollod.  2,  1,  3. 
füge:  Katalog  des  Brit.  Mus.  p.  15S  nr.  1366.  60  Preller,  Gr.  Myth.  2,  39.  [Das  Haupt  des 
L.  Müller.  Dcscr.  des  intailles  et  camecs  ant.  lasos,  vollbärtig,  mit  dem  Diadem,  einem  Teil' 
du.  Muscc-Thorualdsen  p.  104  nr.  853  (Karneol),  des  Scepters(?)  und  der  Beischrift  IACOC  er- 
854  (Paste),  855  (Karneol),  856  (Paste).  3)  Iason,  scheint  auf  dem  Obv.  von  Münzen  der  gleich- 
geharnischt, eilt  mit  dem  Vliefs  davon;  die  namigen  Stadt,  die  im  Rev.  die  Isis  führen, 
Schlange  ist  um  eine  Säule  gewunden,  auf  der  Kenner,  Die  Münzensammlung  des  Stifts  St. 
ein  Vogel  mit  gebreiteten  Flügeln  sitzt.  Bar-  Florian  p.  136—138  Tf.  4.  11,  ohne  Scepter 
thold ij  sehe  Paste  der  Berliner  Sammlung,  To'l-  mit  der  Beischrift  IACOC  KTICTHC  zeigen  es 
lien  4,  146.    Murr,  Descr.  du  cab.  de  Monsieur  Münzen,   deren  Rs.   der  Knabe   auf  denrDel- 


89                            Iatrci  Iber                             90 

phin  einnimmt  (Birch,  Num.  Chron.  4  p.  142,  ihrer  Heilquelle  schrieb  man  xocficizcov  «ai  ülyr\- 
Head,  H.  N.  p.  528);  vgl.  nr.  14.  Drexler.]  —  fiäxmv  nuvxoiav  tdfiaxazu;  der  gemeinschaft- 
c)  Sohn  der  Io,  Schol.  Od.  18,246.  Eustath.p.  1845,  liehe  Name  dieser  Nymphen  ist  sonst  'Icoviäeg  (s. 
12.  1465,61.  Auch  von  diesem  wird  der  Name  d.),  sie  selbst  heifsen  Kalliphaeia,  Synallaxis  (Sy- 
"laoov'AQyog  hergeleitet.  —  d)  Bei  Apollod.  2,  1,  2  naithaxis  Lobeck),  Pegaia  und  Iasis,  ihre  Quelle 
und  Hygin.  f.  145  ist  die  früher  vermutete  und  ihr  Heiligtum  lag  in  unmittelbarer  Nähe 
Lesart  Jasos  zu  entfernen  und  dafür  Ekbasos  des  elischen  Flusses  Kytheros,  Paus.  a.  a.  0.; 
zu  sehreiben,  s.  Schal.  Eur.  Or.  920.  —  2)  Sohn  bei  Strabo  8,  3,  32  p.  356  heifsen  die  Nymphen 
des  Lykurgos  und  der  Kleophile  oder  der  'laviädsg,  der  Flufs  Kytherios;  auch  Strabo 
Eurynome,  Urenkel  des  Arkas,  Bruder  des  io  schreibt  ihnen  die  Fähigkeit  zu  nrigaTtiv  stv 
Ankaios,  Epochos  und  Amphidamas,  Gemahl  vöoovg  xoig  väaaiv.  Mehr  b.  Maafs  a.  a.  0. 
der  Klymene  (s.  Stark,  Niobe  358),  der  Tochter  •  [Höfer.] 
des  Minyas,  Vater  der  Atalante,  Apollod.  3,  Iatromantls  ('[a\qöfiavxtg),  Beiname  des 
9,  2.  Schol.  Eurip.  Phoen.  150,  vgl.  Hygin.  f.  kpoWon,  Aesch.Eum.&i  (vgl.  Bd.  1  Sp.  442,  41  ü'.). 
70.  99,  wo  er  Iasios,  Aelian  V.  H.  13,  wo  er  _  [Höfer.] 
Iasion,  Schol.  Ap.  Eh.  1,  769,  wo  er  Iasos  oder  Iatros  ('laxgög),  1)  6  rjptos  taxQog  ö  tv  äoxst, 
Iasion  (s. d.)  heifst.  Gerhard,  Gr.Myth.2-p.  236.—  der  Heros-Arzt,  mit  Eigennamen  Aristo- 
3)  Iasios,  ein  Arkader  aus  Tegea,  der  zur  Zeit  machos  (Bd.  1  Sp.  2865).  Heilkult  in  Athen 
des  Herakles  mit  dem  Rennpferd  im  Wett-  neben  dem  Theseion.  Das  Grab  desAristomachos 
kämpfe  zu  Olympia  siegte,  Paus.  5,  8,  1.  8, 48,  1.  so  war  in  Marathon,  von  wo  der  Kult  nach  Athen 
—  4)  Iasios,  Sohn  des  Eleuther,  Vater  des  übertragen  sein  wird,  Dem.  de  falsa  leg.  18, 129 
Chairesileos,  Grofsvater  des  Poimandros,  Grün-  (270  E.).  Apollon.  Vit.  Aeschin.  Bekker  anecd. 
ders  von  Tanagra,  Paus.  9,  20,  2.  —  5)  Iasos  p.  262.  Hesyeh.  v.  laxgög.  [Nach  Bekker  anecd. 
oder  Iasios,  Vater  des  Amphion,  Königs  von  263,  11  hiefs  er  Oresiniosund  wurde  iu  Eleusis 
Orchomenos,  des  Vaters  der  Chloris,  welche  verehrt.  Höfer.]  S.  d.  Inschriften  (gefunden  an 
Neleus  heiratete,  Od.  11,  283.  Paus.  9,  36,  4.  der  Athenastrafse  gegenüber  dem  Boreasbrunnen 
Seine  Gemahlin  war  Phersephone,  Tochter  des  und  der  Kapelle  der  H.  Maura,  vgl.  Müchhöfer 
Minyas,  Pherekydcs  b.  Schol.  Od.  11,  281.  in  Baumeisters  Denkmälern  S.  170)  des  aus- 
Vülcker,  Iapetos  357.  Müller,  Orchom.  231.  gehenden  3.  und  2.  Jahrh.  v.  Chr.  bei  G.Hirsch- 
Stark,  Niobe  357  f.  —  C)  Sohn  des  Sphelos,  30  feld,  Hermes  1874,  350.  Eustratiades,  'Aq%ui.oX. 
Enkel  des  Bukolos,  ein  Führer  der  Athener  'Eqpr/fi.  1874,  490.  Kumanudes,  'A%-i)veaov  1874, 
vor  Troja,  von  Aineias  getötet,  II.  15,  332  ff.  202.  Koehler,  C.  I.  Att.  2,  1  nr.  403.  404.  Vgl. 
337  u.  Schol.  —  7)  Vater  des  Dmetor,  König  Hermes  20,  42.  —  2)  Ganz  verschieden  ist  6 
von  Kypros,  Od.  17,  443.  —  S)  Vater  der  £ivog  larQÖg,  nur  bei  Lucian,  Scyth.  1:  der 
Nepeia,  der  Gemahlin  des  mysischen  Königs  fremde  Arzt,  Kultbezeichnung  des  an  einem  ver- 
Olympos ,  nach  welcher  das  nepeische  Gefilde  witterten  Grabstein  vor  dem  Dipylon  zu  Athen 
benannt  war,  Schol.  Ap.  Eh.  1, 1116.  —  9)  Ke-  verehrten  Toxaris  (s.  d.).  [v.  Sybel.]  —  [3)  Ia- 
pheus  heifst  Iasides,  S.  des  Iasos,  Arat.  Phaen.  tros  als  Beiname  des  Apollon  findet  sich  auf 
179  (s.  dagegen  Schol).  Orig.  Philos.  4,  48  p.  86  kleinasiatischen  Münzen  (ATTOAAQN.  IATPO[I]), 
ed.  Müler.  Buttmann,  Myth.  2, 179. — ,10)  Iasos  do  G'rotefend,  Hannov.  Num.  Anz.  (1870)  p.  192; 
oder  Iasios,  nach  Überlieferung  der  Eleer  einer  r.  Hallet,  Ztschr.  f.  Num.  2  (1878)  p.  108;  Loeb- 
der  idäischen  Daktylen  oder  Kureten,  P«!«s.  5,7,4.  becke,  Ztschr.  f.  N.  12  (1885)  p.  319;  Michel  P. 
14,  5  (s.  ob.  Sp.  60). —  11)  Palinurus,  der  Steuer-  iMmbros,  Monnaies  portant  les  inscriptions 
mann  des  Aeneas,  heifst  Iasides,  S.  des  Iasos  A10I  AITAIOT  et  ATTOAAftNOI  IATPOY,  Bull. 
oder  Iasios,  Verg.  Aen.  5,  843  u.  Serv.  z.  d.  St.  de  Corr.  Hell.  2  (1878)  p.  508 — 510;  und  in  In- 
n.  zu  3,  202.  —  12)  Iapyx  (s.  d.)  heifst  Iasides  Schriften,  so  in  einer  von  Apollonia  (Sizopoli), 
Verg.  Aen.  12,  391.  —  13)  Iasios  =  Iasion  (s.  d.),  Jirecek,  Arch.  Ep.  Mitth.  aus  Oesterr.  10  (1886) 
Hes.  Theog.  970.  Verg.  Aen.  3,  167.  Ovid.  Am.  p.  163,  1  Z.  5,  Larfeld,  Jahresber.  üb.  d.  Fort- 
3,  10,  25;  s.  Iasion.  [—  14)  Eponymos  und  sehr.  d.  cl.  A.  W.  Bd.  52  Jg.  15,  3  p.  548  (AnuX- 
Oikist  von  Iasos,  einer  argivisehen,  durch  50  Xasvi  »jrp[<»]);  einer  aus  Südrufsland,  C.  I.  Gr. 
ihren  Fischhandel  berühmten  Kolonie  an  der  add.  2134a  ('AnoXXcovt.  wjTprö);  vielleicht  einer 
Küste  von  Karien,  also  verwandt  oder  identisch  aus  Olbia,  nach  Latyschew's  (Inscr.  ant.  orae 
mit  Iasos  I.  (s.  d.).  Er  erscheint  auf  Münzen  von  sept.  Ponti  Euxini  Gr.  et  Lat.  1  p.  126  n.  93) 
Iasos  (Imhoof -Blumer,  Monn.  gr.  311.  Head,  Ergänzung  vonTOAAfiNI  za'Aii]6l7.covi'J[rjXQäi]; 
Hist.  Num.  528)  „appuye  sur  un  dauphin,  nageant  auch  in  den  Inschriften  von  Pantikapaion  kommt 
ä  Ar",  was  auf  einen  der  Taras-  und  Arionsage  er  nach  Latyschew  a.  a.  0.  öfter  vor.  In  einem 
ähnlichen  Mythus  deutet.  Roscher.j  [Stoll.]  Hyrnnos  von  Delos  {Ball,  de  Corr.  Hell.  6  p.  131 
Iatroi  ('laxQoi),  Name  gewisser  Nymphen  Z.  3 ff.)  wird  er  angerufen  ["Ati^oXXoV  ÜQxtt7f  — 
in  Elis,  Hesyeh.  s.  v.,  wo  ursprünglich  stand  ßgoxäv  laxge;  Aristophayies  nennt  ihn  latoüg 
lazQoC'  vv/Kpai  xivig  xaXoivxui  y.cti  mgl  tjaiiuv  oo  Aves  584,  Plutos  9 — 11;  vgl.  über  Apollon  als 
&£Qu7tovxtg.  Meineke  im  Philol.  12  (1857)  Heilgottheit  unter  anderen  Wieseler,  Gott. 
p.  602  verbesserte  mit  Bezug  auf  Paus.  6,  22,  7  Nachr.  1880  p.  39  —  40;  Evans,  Num.  Chron. 
und  Nie.  bei  Athen.  14  p.  683  a  'Iaxgoi-  vv(i<j>ui  1867  p.  1  —  4  PL  1,  1;  Wanciek  Wroth,  Apollo 
Zivis  kkXovvzch  tisqi  'HXilav.  Meinekes  Ver-  with  Ihe  Aesculapius  staff,  Num.  Chron.  1882 
mutung  ist  evident  (s.  Maafs  im  Lektions-  p.  301 — 305;  Himly,  Apollo  medicus.  Gottingae 
katalog  von  Greifswald  Ostern  1890  S.  XVII):  '  1820,  4",  F.  Bruchmann,  De  Apolline  et  Mi- 
denn  die  eine  der  von  Paus.  a.  a.  0.  aufgeführten  nervo,  deis  medicis.  Vratisl.  1886.  Drexler.] 
Nymphen  hiefs  "la aig  (s.  d.)  und  dem  Gebrauche  Iber  ("jßrjQ),  1)  Sohn  des  Herakles,  der  ihn 


91 


Iboite 


Ichthyokentauren 


92 


samt  dem  Keltos  mit  der  Tochter  eines  Bar- 
barenfürsten (der  Keltine,  Parthen.  Erot.  30) 
erzengte;  nach  Iber  wurden  die  (hispanischen) 
lberes  benannt,  Eustath.  ad  Dionys.  Perieg. 
2S1.  —  2)  Auf  einem  Sarkophagrelief  aus 
Huesca  (Osca)  vermutet  Hühner,  Arch.  Am. 
21  (1863),  6G  in  einer  der  gelagerten  Orts- 
gottheiten den  Stromgott  Iberus;  personifiziert 
erscheint  der  izovzog  "lß)jp  bei  Nonn.  Dionys. 
43,  292.     Vgl.  Hiberus.     [Höfer.] 

Iboite  [dat.]  Drei  in  Lambesc  bei  Arles 
gefundene,  heute  verschollene  Inschriften.  0. 
1.  L.  12,  637  — G39  enthalten  die  Widmung 
Iboite.  Die  Dedikanten  sind  Freigelassene. 
Zuerst  publiciert  von  Miliin,  Voyage  dans  le 
midi  II  p.  188.  189  (hieraus  de  Wal,  Mythol. 
sept.  monumenta  epigr.  nr.  151  — 153).  Die 
Gottheit  ist  nicht  weiter  bekannt.    [M.  Ihm.] 

Ica.  Eine  Göttin  dieses  Namens  auf  der 
dalmatinischen  Inschrift  C.  I.  L.  3,  3031.  31. 
Vipsanius  M.  l(ibertus)  Faustus  Icae  v.  s.  I. 
m.  Die  Lesart  ist  nach  Mommsen  sicher,  die 
Göttin  unbekannt.     [M.  Ihm.] 

Icaunis  dea.  In  der  Altarinschrift  Orelli  187 
=  I)e  Wal,  De  Moedergod innen,  Leyd.  1846 
S.  119  nr.  154  (Auxerre):  Aug  sacr  deac  (so 
steht  auf  der  Inschrift,  nicht  deab,  wie  Orelli 
u.  de  Wal  geben;  vgl.  de  Wal  S.  173.  J.  Becker, 
Beiträge  z.  röm.-Jseltischen  Mythologie,  in  Jahrbb. 
d.  Ver.  von  Alterth.-Freunden  im  Bheinl.  26, 
1858  S.  104.  M.  Ihm,  Der  Mütter-  oder  Matronen- 
kultus  und  seine  Denkmäler,  in  Jahrbb.  d.  Ver. 
n.  s.  w.  83,  1887  S.  104  Anm.  6)  leauni  |  T.  Te- 
tricius  African  \  d.  s.  d.  d  nimmt  man  gewöhn- 
lich unbegreiflicherweise  eine  dea  leauni  an  (nur 
(/<  Wal  meint,  dafs  auf  der  Inschrift  ursprüng- 
lich deab(us)  Icaunis  gestanden  habe),  wobei 
leauni  doch  nur  gen,  von  Icaunus  oder  Icau- 
uum  sein  kann,  während  die  Widmung  fordert, 
in  leauni  den  dat.  von  Icaunis  zu  sehen. 
Jedenfalls  ist  dies  die  Flufsgöttin  der  Icauna 
=  Tonne  (ähnliche  weibliche  Flufsgottheiten 
führt  Becker^  a.  a.  0.  an).     [R.  Peter.] 

Icliliaia  ('ixvctiu),  Beiname  der  Themis,  Hom. 
Hymn.Ap.  94.  Strabo$,5, 14  p.  435.  Lycophr.  129 
und  Tzetz.  das.  Hesych.  s.  v .' 'I%vuiriv %ri>Qctv.  Steph. 
Byz.  s.y."l%vai.  Nach.S'fra&o  a.a.O.  hat  sie  ihren 
Namen  von  der  thessalischen,  nach  Steph.  Byz. 
von  der  makedonischen  (vgl.  Herod.  7,  123) 
Stadt  lchnai;  hier  sei  sie  auf  ihrer  Flucht 
vor  Zeus  von  diesem  eingeholt  worden  und 
habe  den  Namen  'l%vaia  bekommen  änb  zov 
dia>x&fivat  xar'  i'pos;  auch  Hesych.  verlegt 
ihre  Verehrung  zusammen  mit  der  des  Apollon 
nach  Makedonien  ^lfvain  %wou);  nach  Tzetz. 
a.  a.  0.  ist  sie  'l%vaiu  genannt  Sia  zb  uaz' 
i'pos  x«i  xazä  noäag  zü>v  Ti-javzav  (vgl. 
Bd.  1  Sp.  1647,  47)  'tTtea&ai  oder  äice  zb  k<xz'  i'%voq 
zütv  ävägäv  noptvio&ai;  doch  wird  man  bei 
letzterer  Deutung  eher  an  die  Nemesis  zu 
denken  haben,  die  selbst  'Ixvain  nao&ivog 
heilst,  Anth.  Pal.  9,  405  =  Brunck,  anal.  2 
p.  186.     |  Höfer.] 

Iclinobates  ^I%voßätinq),  Name  eines  Hundes 
des  Aktaion,  Ovid.  Metam.  3,  207  f.     [Höfer.] 

Iohor  (Jido),  die  in  den  Adern  der  Götter 
an  Stelle  des  Blutes  befindliche  Flüssigkeit, 
„Götterblut",    das   z.   B.    der  Aphrodite    nach 


ihrer  Verwundung  durch  Diomedes  entfliefst. 
Hom.  II.  5,  339.  416.  Eust.  ad  IL  553,  40. 
Plut.  vit.  Alex.  28.  de  Alex.  M.  fort.  9. 
Apophthegm.  Alex.  16.     [Höfer.] 

Ichsina  (i%siun),  etruskischer  Name  des  Ixion 
(s.  d.)  auf  einem  Scarabäus  aus  Sicilien,  einst  in 
der  Sammlung  Castellani;  s.  Heydemann,  Bull. 
1 869,  55 ;  Fabr.,  Pr.  Spl.  465,  u.  vgl.  Deecke,  Bezz. 
Beitr.  2,  167,  nr.  58;  Corssen,  Mr.  1,  817.    [Cat. 

10  of  gems  Brit.  3Ius.  nr.  334  R.].     [Deecke.] 

Ichthyokentauren  ClxQvoxEvravQoi),  jetzt 
gewöhnlich  See-  oder  Fischkentauren  genannt, 
bilden  eine  besondere  Klasse  der  zahlreiche 
Arten  [Seeböcke,  Seedrachen,  Seehirsche,  See- 
löwen, Seepanther,  Seerosse  oder  Hippokampen 
(s.d.),  Seestiere  u.  -Kälber,  ja  sogar  Seeelefanten 
(Arch.  Ztg.  33  S.  93)  u.  s.  w.;  vgl.  z.B.  die  Re- 
gister zu  Furtwängler,  Besehr.  d.  Berl.  Yasens.  2 
S.  1092,  zu  Mate-Huhn,  Ant.  Bildw.  in  Born  und 

20  zu  Dütschke,  Ant.  Bildw.  in  Oberit.  0.  Jahn, 
Arch.  Z.  18,  115  ff.]  umfassenden  Gattung  von 
Meerwesen  (cete,  hippocampi,  Tritones,  pistrices 
Plin.  n.  h.  36,  26),  mit  denen  namentlich  seit 
Skopas  (Plin.  a.  a.  0.  Brunn,  Eünstlerg.  1, 
322)  die  bildende  Kunst  der  Griechen  und 
Römer  die  Darstellungen  des  Meeres  und  seiner 
Götter  ausstattete  und  belebte.  Als  charakte- 
ristisch für  diese  Seekentauren  werden  heut- 
zutage  gewöhnlich   folgende   3   Merkmale   be- 

30  trachtet:  menschlicher  Oberkörper,  Vorderbug 
eines  4 füfs.  Tieres  (in  der  Regel  eines  Pferdes) 
und  Fischhinterleib,  so  dafs  zwischen  den  See- 
kentauren und  Tritonen  im  wesentlichen  nur 
der  Unterschied  besteht,  dafs  diesen  die  Tier- 
beine am  Vorderbug  fehlen.  Ob  freilich  schon 
die  Alten  beide  Gattungen  streng  von  einander 
schieden,  mufs  dahingestellt  bleiben.  Aus  den 
beiden  einzigen  aus  der  Litteratur  bekannten 
Stellen,   wo  die  Gestalt  der  Seekentauren  be- 

io  schrieben  ist,  werden  sie  (wie  auch  Müller, 
Hdb.  d.  Arch. 3  402,  2  thut)  mit  den  Tritonen 
(s.  d.)  identificiert.  Vgl.  Tzetz.  z.  Lykophr.  34: 
Tpizcov  v.vpiiog  v!bg  llooEidävog  xori  AycpizQi'z^g, 
zä  ulv  aveo  ut%pi  zov  öutpaXov  avirpanog ,  to: 
dl  f|  oyrpaXov  utxQtg  ovpaiov  (Jfleplg  «ai  oiov 
ihtsiv  ix^V0K^VTKVQ°s.  ib.  886:  Toixiov  zä 
filv  civco  .  .  .  äv&panog  r]v  ziXuog  £3(pas  zi 
tycov  Kai  za  loiitd,  zä  Sh  iv.  Xayoviov  v.uxa 
öiXiplg ,     i'xtov     Svo    iiovovg    tfi7ipoß&iovg 

50  iröäag  Tnnov  x.  z.  X.  (vgl.  Schol.  zu  v.  892). 
Claudian  nupt.  Hon.  et  Mar.  144  ff.  läfst  die 
Venus  auf  dem  Rücken  eines  solchen  See- 
kentauren, den  er  Triton  nennt  und,  wie  es 
scheint,  mit  Stierfüfsen  ausstattet,  über  das  Meer 
reiten:  prorupit  gurgite  torvus  |  Semifer:  undosi 
rerrebant  bracchia  erwies  |  Hispida  tendebat 
bifido  vestigia  cornu,  \  Qua  pistrix  coynmissa 
viro.  Dieser  Schilderung  entspricht  mehr  oder 
weniger  das  von  Heibig,  Wandgem.  unter  nr.  308 

co  beschriebene  pompejanische  Gemälde  (vgl.  auch 
ebenda  nr.  309 — 311.  Heradanum  u.  Pomp, 
gest.  von  Boux  aine  4  Taf.  16.  Arch.  Ztg. 
1858  Taf.  112).  Häufig  finden  sich  auch  Ab- 
weichungen von  der  oben  geschilderten  Normal- 
gestalt des  Ichthyokentauren.  So  sehen  wir 
z.  B.  auf  dem  pergamenischen  Altarfriese  einen 
Seekentauren  (Triton?)  mit  menschlichem  Ober- 
körper,  Pferdebug,    Fischleib    und    Flügeln 


93 


Ichthyokentauren 


Ida 


94 


(letztere  sind  seltsamerweise  nicht  aus  Federn, 
sondern  aus  Seegewächsen  oder  Teilen  von  See- 
tieren gebildet),  auf  dem  berühmten  Münchener 
Relief  (Hochzeit  des  Poseidon  und  der  Amphi- 
trite,  Overbeck,K.  31.2,  357)  erneu  solchen  mit 
Krall enfüfsen  statt  der Pferdefüfse  erscheinen 
(vgl.  auch  die  krebsscherenartigen  Klauen*)  der 
Ichthyokentauren  in  d.  Arch.  Ztg.  18,  Taf.  143, 
S.  117  u.  Fruhner,  Kotice  du  Louvre  1  S.  25; 
auf  pompejanischen  Gemälden  kommen  —  nach 
Analogie  der  gehörnten  Kentauren  (s.  d.)  —  auch 
gehörnte  Ichthyokentauren  vor.  Aufser  der 
Aphrodite  und  dem  Eros  (Friedericlts-Wolters 
nr.  1907/8;  vgl.  auch  Collection  A.  Castellani 
nr.  667)  reiten  auf  den  Ichthyokentauren 
häufig  Nereiden  (so  namentlich  auf  Sarko- 
phagen: Frühner,  Kotice  de  la  sculpt.  mit.  du 
Louvre  nr.  439  —  442;  vgl.  Chirac  2  pl.  206, 
194.  pl.  207,  196.  pl.  208,  197.  pl.  224,  83. 
Dütschhe,   Ant.  Bildw.    in   Oberit.   1,   45.   70. 


Litteratur:  Vofs ,  Mythol.  Br.  2,  226  ff.  O. 
Jahn,  Bei:  d.  Leipz.  Ges.  d.  Wiss.  1854  (V) 
S.  179.  Birt,  Marburqer  Lectionsl:  Sommer 
1885  S.  VI.  Vgl.  d.  Artikel  Triton.  [Röscher.] 
Ichthys  ('-f^iK's),  Sohn  der  syrischen  Göttin 
und  Königin  Ätargatis  oder  Gatis,  samt  seiner 
Mutter  von  dem  Lydier  Mopsos  ertränkt, 
Xa7ithos  bei  Athen.  8,  346  e;  nach  Mnaseas 
v.   Patrai    ebendas.    7,  301  d    erzeugte    I.   mit 

10  seiner  Schwester  Hesychia  (s.  d.)  die  Galene, 
die  Myraina  und  die  Elakatenen,  vgl.  Eust. 
Od.  1488,  35.  v.  Baudissin,  St.  z.  semit.  Bei. 
2,  165.     [Höfer.] 

Icotii  (oder  Icotiae),  unbekannte  Gottheiten, 
die  auf  einer  fragmentierten  südfranzösischen  In- 
schrift erscheinen.  Man  hat  sie  zu  den  Müttern 
oder  Matronen  in  Beziehung  setzen  wollen. 
Beoue  e'pigr.  1  p.  78.  C.  I.  L.  12,  2902.  Bonn. 
Jahrb.  83  p.  103.     [M.  Ihm.] 

20      Icovellauna  dea,  vermutlich  eine  gallische 


Ichthyokentaur  (Triton?)  mit  Krallenfüfsen,  eine  Nereide  tragend,  von  dem  Relief  in  München  (nach  Seemann, 
Kunsthislor.  Bilderbogen.l  22,  5);  vgl.  ob.  Sp.  »3,  3ff. 


106. 111.  i,119[=Friederichs-Woltersnr.l83i]; 
vgl.  auch  Mus.  Pio-Clem.  nr.  228  etc.),  bis- 
weilen auch  Siiene  {Matz-Duhn  a.  a.  O.  2395), 
mitunter  werden  sie  von  Triton  geführt  (Matz- 
Duhn  3465),  sie  tragen  Ruder,  Dreizacke,  Stäbe, 
Trinkgefäfse,  Lyren  und  blasen  Muscheltrom- 
peten und  Flöten  (Matz-Duhn  2357.  Friede- 
richs, Berl.  ant.  Bilchv.  2,  677  a,  Overbech, 
K.  31.  2,  363.  Hercul.  u.  Pomp.  gest.  von 
Botix  4,  Taf.  11  u.  16).  Sonstige  Bildwerke: 
^lrc7(.  Z.  18  S.  115  f.  Taf.  143.  Matz-Duhn 
580(?).  3391.  Heibig  a.  a.  O.  1065  ff.  1319.  1321. 
1575.  Clarac  4  pl.  745,  1808.  pl.  747.  Kehde, 
Sicil.  Terrae,  t.  XLI,  1.  Spanheim,  Kum.  ant. 
5,    12.    Arch.    Ztg.    1885    (43)    S.    26    Taf.   4. 

*)  Nicht  selten  finden  sich  auch  Ichthyokentauren, 
deren  Pferdebeine  ganz  in  flosseniihnliehe  Gebilde  auf- 
gelöst sind:  so  auf  dem  Sarkophagrelief  bei  Clarac,  Mus. 
de  sculpt.  pl.  206,192,  auf  "Wandgemälden  Pitture  d' Erco- 
lano  1  Taf.  44  p.  233  =  Heibig  1005.  Mus.  Borbon.  12,  32 
(=  Zahn,  Ornam.  u.  Gem.  3,  4),  auf  dem  geschnittenen 
Steine  Lamy,  Cab.  de  p.  gr.  2  pl.  126  nr.  CS  (Mitteilung 
von  R.  Dresfler). 


Lokalgottheit.  Die  spärlichen  Inschriften,  die 
sie  erwähnen  (Bronzetäfelchen  und  Steinfrag- 
mente), stammen  aus  Sablon  bei  Metz  (Bone 
in   den  Bonn.  Jahrb.  66    p.  64  ff.  und  Moeller 

so  im  Korresp.-Bl.  der  Westdeutschen  Zeitschrift  1 
p.  29).  Man  vergleiche  gallische  Namen  wie 
Cassi-vellaunus,  Vellauno-dunum,  die  aus  Caesar 
bekannt  sind,  u.  a.  m.  (Bonn.  Jahrb.  66  p.  66). 

[M.  Ihm.] 
Ida  s.  Ide. 

Idaei  Dactyli  s.  Daktyloi. 
Idaia  ('iSaia),   1)  Nymphe,  von  dem  Flufs- 
gott  Skamandros  Mutter  des  Teukros,  Königs 
der   Teukrer,  Apollod.  3,  12,   1.    Diod.  4,  75.. 

60  Tzetz.  L.  29.  Serv.V.Aen.  3,  109.  —  2)  Tochter 
des  Dardanos,  zweite  Gemahlin  des  thrakischen 
Phineus,  welche  durch  Verleumdung  diesen 
veranlafste,  dafs  er  seine  Söhne  aus  erster  Ehe 
blendete,  oder  selbst  sie  blendete,  Sophokl.  b. 
,S'c7ioZ.  Ap.  Bit.  2,  178,  vgL  1,  211.  2,  140. 
Soph.  Antig.  980  u.  Schol.  Apollod.  3,  15,  3. 
Diod.  4,  43.  Ov.  Bern.  Am.  454.  Welcher,  Gr. 
Tr.  1,  329.  Preller,  Gr.  Myth.  2,  330.  Gerhard, 


95 


Idaios 


Idas  ^Genealogie  u.  Thaten) 


96 


Gr.  Myth.  2  p.  245.  —  3)  Nymphe,  nach  Be- 
hauptung der  Erythräer  von  dem  erythräischen 
Hirten  Theodoros  Mutter  der  Sibylle  Herophile, 
Paus.  10,  12,  4.  —  4)  Mutter  der  Kureten,  Biod. 
3,  61.  —  5)  Beiname  der  am  phrygischen  Ida 
verehrten  Kybele,  '18aiu  /mjr?;p,  Eurip.  Or.  1453. 
Hesych.  s.  v.   Verg,  Arn.  10,  252.    [Stoll  ] 

Idaios  (Idaiog),  1)  Sohn  des  Dardanos  n. 
der  Chryse,  Bruder  des  Deimas,  zog  mit  seinem 
Vater  aus  Arkadien  über  Sarnothrake  nach  10 
Phrygien ,  wo  er  sich  am  Hellespont  auf  den 
Bergen  niederliefs,  die  nach  ihm  die  idäischen 
hiefsen.  Hier  sollte  er  Tempel  und  Geheim- 
dienst der  phrygischen  Göttermutter  errichtet 
haben.  Dardanos  selbst  liefs  sich  in  Troas 
nieder,  Bion.  Hai.  1,  01.  Gerhard,  Gr.  Myth. 
2  §  880  u.  p.  245.  —  2)  Sohn  des  Pria- 
mos,  Ptol.  Heph.  5  p.  324.  —  3)  Sohn  des 
Paris  und  der  Heleua,  Bruder  des  Bunikos, 
Korythos,  Aganos,  Tzetz.  L.  851.  Tzetz.  Hom.  20 
440  ff.  Bikt.  5,  5.  —  4)  Herold  der  Troer,  II. 
3,  248.  7,  276.  381.  413.  T:ets.  Hom.  166. 
Wagenlenker  des  Priamos,  dl.  24,  325.  Tzetz. 
Hom.  311.  Verg.  Aen.  6,  485.  —  5)  Sohn  des 
troischen  Hepbaistospriesters  Dares,  Bruder 
des  Phegeus,  II.  5,  11.  —  (i)  Führer  der  kre- 
tischen Korybanten,  begleitet  den  Dionysos 
nach  Indien,  Konn.  Bion.  14,  34.  —  7)  Bein, 
des  Zeus,  IL  16,  605.  Verg.  Aen.  7,  139;  [vgl. 
Jacobi  und  Pape- Benseier  s.  v.  Idaios.  Der-  30 
selbe  ist  ferner  inschriftlich  belegt  in  Kreta, 
wo  in  der  Grotte  beim  Nidafeld  im  kretischen 
ldagebirge,  dem  Heiligtum  des  Zeus  Idaios, 
die  Widmung  Ja  'läal[m(i)]  \  ft^r/v.  |  Agtijq 
'A  ltt,u.v  öqov  gefunden  worden  ist  {Ernst 
Fabricius,  Mitt.  d.  B.  Arch.  Inst,  in  Athen 
10,  1885  p.  280  —  281,  vgl.  ebenda  p.  59—72 
Ernst  Fabricius,  Altertümer  auf  Kreta  2. 
Bie  idäische  Zeusgrotte),  sowie  auf  Münzen 
Domitians,  die  nach  Mionnet  von  kretischer  40 
Fabrik  sind  und  einen  Adler  mit  ausgebreiteten 
Schwingen  nebst  der  Aufschrift  AIOI  •  IAAIOY 
zeigen,  Mionnet  2,  258,  8;  Suppl.  4,  348,  327. 
Auf  Münzen  des  Commodus  von  Skepsis  er- 
scheint er  stehend,  den  Adler  auf  der  R.,  das 
Scepter  in  der  L.,  mit  der  Beischrift  Z6YC 
GIAAIOC,  Mi.  2,  669,  254.  Gat.  Ivanoff p.  28 
nr.  247.  Head,  H.  N.  p.  474.  Münzen  von 
llion,  Head,  IL  N.  p.  473,  geprägt  unter 
Faustina  juu.,  Mi.  S.  5,  563,  426  und  S.  7,  50 
404  =  Pellerin,  Mel.  2  p.  96,  340  (letztere 
fälschlich  unter  Iulia  Phrygiae,  s.  Cavedoni, 
Spicil.  num.  p.  239)  und  lulia  Domna,  Mi.  2, 
664,  225  stellen  ihn  dar  thronend,  die  Statue 
der  Athena  Ilias  haltend,  begleitet  von  der 
Beischrift  AIA  IAAION.  Drexler.]  —  S)  Bein, 
des  Herakles,  der  zu  den  idäischen  Daktylen 
gezählt  wird,  Paus.  5,  8,  1.  Müller,  Bor.  1, 
454.  —  9)  Gefährte  des  Aeneas,  Verg.  Aen. 
9,  500.     [Stoll.]  co 

Idalia  (Idalie  Ov.  Metam.  14,  094),  Beiname 
der  Venus  von  dem  ihr  heiligen  (sacrata  sedes 
Verg.  Aen.  1,  681,  093.  Thcokrit.  15,  100.  Ca- 
tall.  04,  96.  61,  17.  36,  12)  Idalion  auf  Kypros. 
Ovid  a.  a.  O.  Verg.  Aen.  5,  760.  Gvid.  ars  am. 
3,  106.     [Höfer.] 

Idarnas  (Iddovag),  Name  eines  Sehers  (He- 
sych.),  nach    dem    die    ldarnaioi    ('löagvccioi), 


eine  W-ahrsagerfamilie,  benannt  sind;  Phot. 
s.  v.  'läctgvctioi.  Idarnas  bedeutet  nach  He- 
sych. und  Kallistratos  bei  Phot.  ixTOfiLctg  (der 
Verschnittene).     [Höfer.] 

Idas  ("iSag,  gen.  -ä  Apollod.  Plut.  Paus., 
-ov  Et.  M.,  -avtog  Kallim.  im  Et.  M. ,  -fco 
episch).  —  1)  Sohn  des  Aphareus  und  der 
Arene,  Tochter  des  Oibalos.  Arene  heifst 
auch  eine  Stadt  in  Elis  (II.  2,  591.  11,  723. 
Strato  8  p.  346.  347.  361)  und  eine  zweite  in 
Messenien,  die  von  Aphareus  gegründet  sein 
soll  (Paus.  4,  2,  5).  Nach  dem  Vater  heifst 
Idas  'Aepctgriiog  (Ap.  ffltod.  1,  4S5)  mit  seinem 
Bruder  Lynkeus  zusammen  'AcpagrjTiciSai 
Ap.  Ph.  1,  151  oder  'AtpugnziSai  (Pind.  Nein. 
10,  121)  nach  der  Heimat  auch  'Agrjvn&sv 
Ap.  Rh.  1,  152.  Ein  weiterer  Bruder  heifst 
Peisos.  Idas  ist  Gemahl  der  Marpessa, 
Vater  der  Eleopatra  mit  dem  Beinamen 
Alkyone,  so  genannt  nach  den  Wehklagen 
ihrer  Mutter,  als  Apollon  sie  raubte;  It.  9, 
558 — 564.  Dies  ist  die  einzige  Erwähnung  bei 
Homer,  vgl.  dazu ., Sc/10?.  Eustath.  p.  776,  12. 
Nach  Apollod.  3,  10,  3,4  wurde  Idas  vielfach  als 
Sohn  des  Poseidon  betrachtet.  Seine  Mutter 
wird  auch  Polydora  genannt,  Schol.  Ap.  Phod. 
1,  151,  oder  Laokoossa  Theolcr.  Id.  22,  206. 
Tzetz.  z.  Lykophr.  511  nennt  sie  Arne,  wofür 
wohl  Arene  zu  lesen  ist. 

Idas  wird  geschildert  als  der  stärkste  der 
Menschen  bei  Homer  a.  a.  O.:  og  xaQTiotog 
tnn&oviav  yivtx'  avSqäv\  imsoßiog  "Idag  heifst 
er  bei  Ap.  Ph.  1,  151,  ibid.  jrfpilrßpff)^  uiyäXy 
äXy.fj,  HotQTsoög  Theokr.  Id.  22,  140;  relox 
Idas  bei  Ovid  Met.  8,  305,  acer,  ferox  bei 
Hyg.  f.  14.  Seine  Kraft  und  sein  Mut  sind 
so  grofs,  dafs  er  selbst  mit  Göttern  den 
Kampf  aufzunehmen  wagt,  so  in  dem  Streit 
mit  Apollon. 

Thaten  des  Idas.  a)  Seine  Gemahlin 
Marpessa  war  Tochter  des  Euenos,  Sohnes  des 
Ares.  Um  sie  warb  auch  Apollon,  aber  Idas 
raubte  sie  ihrem  Vater  auf  einem  Flügelwagen, 
den  er  von  Poseidon  empfangen  (hieran  an- 
knüpfend mag  die  Wendung  der  Sage  ent- 
standen sein,  die  ihn  zum  Sohne  Poseidons 
macht;  übrigens  erhält  auch  Pelops  seine 
Rosse  von  Poseidon  (Pind.  Ol.  1,  109  ff.).  Bei 
der  Verfolgung  des  Räubers  kommt  Euenos 
an  den  Flufs  Lykormas;  da  er  aber  den  Idas 
nicht  einholen  kann,  tötet  er  hier  seine  Pferde 
und  stürzt  sich  in  den  Flufs,  der  nach  ihm  den 
Namen  Euenos  erhält  (war  Euenos  ursprüng- 
lich ein  Flufsgott?).  Idas  kommt  nach  Mes- 
senien; Apollon  sucht  ihm  nun  seine  Braut  zu 
entreifsen;  aber  Idas  spannt  gegen  ihn  den 
Bogen  (77.  9,  559);  da  tritt  Zeus  schlichtend 
zwischen  die  Kämpfenden  und  überläfst  der 
Jungfrau  die  Wahl,  welchem  sie  folgen  wolle. 
Marpessa  wählt  den  Sterblichen,  aus  Furcht, 
Apollon  möchte  sie  verlassen,  wenn  sie  altere. 
So  Apolloelor  1,  7,  8  f.  Nach  Homer  II.  9, 
564  hatte  Apollon  Marpessa,  als  sie  schon 
Verlobte  des  Idas  war  (500),  geraubt,  und  sie  war 
eine  Zeit  lang  in  dessen  Besitz,  bis  Idas  sie 
ihm  wieder  abnahm;  wenigstens  scheint  die 
Hervorhebung  der  schweren  Klage  der  Braut, 
die    mit    der    des   Eisvogels    verglichen    wird, 


97    Idas  (u.  Marpessa,  I.  als  Argonaut  etc.)  Idas  (Kampf  m.  d.  Dioskuren)  98 

diese    Auffassung    zu    erfordern;    ebenso    das  den  Kastor  in  dem  Stamm  einer  hohlen  Eiche 

Epigramm  vom  Kypseloskasten  (Paus.  5,  18,  2):  sitzen   sehen,    und    dies   dem  Idas   mitgeteilt. 

>/r„      - .  /  ,, ,  «      <■,.    f..  Nun  flohen  sie  vor  Polydeukes,  der,  um  seinen 

/dag  Magnriaaav  -/MliLcqivoov,  av  o^  Aitoli-wv  u      i  ■•   i  ■  p  i  \       i_-  j 

w  *,  '  ,  .  ,/   T      /,'       »     >,  rsruaer  zu  rächen,    sie  vertolgte,    bis   zu   dem 

y  '  '  Grabmal  ihres  Vaters;  hier  rissen  sie  die  Grab- 
Nach  Simonides  bei  Schol.  Hom.  11.  9,  553,  säule  herab  und  schleuderten  sie  dem  Poly- 
Bäkchylides  bei  Schol.  Pind.  Isthm.  4,  92  deukes  auf  die  Brust;  doch  dieser  durchbohlte 
mufsten  die  Freier  der  Marpessa  mit  Euenos  den  Lynkeus,  den  Idas  aber  traf  der  Blitz- 
einen Wettlauf  zu  Wagen  eingehen,  wobei  er  strahl  des  Zeus,  in  dessen  Flamme  sie  beide 
sie  einholte  und  tötete,  wie  Oinomaos  die  10  verbrannten.  Vgl.  auch  Kypria  frg.  $  Kinkel. 
Freier  der  Hippodameia.  Vielleicht  ist  der  Proklos  Chrest.  1,  ibid.  p.  18.  Schol.  Pind. 
Flügelwagen  des  Idas  und  seine  Verfolgung  Nem.  10,  114.  Eine  willkommene  Ergänzung 
durch  Euenos  noch  eine  dunkle  Reminiscenz  dieser  Schilderung  bietet  Apollodor  3,  11,  2. 
an  diese  Wendung  der  Sage,  wie  ja  auch  Nachdem  dieser  berichtet,  Kastor  und  Poly- 
Oinomaos  in  ähnlicher  Weise  seineu  Tod  deukes  hätten  aus  Messenien  die  Töchter 
findet  bei  der  Wettfahrt  oder  Verfolgung  des  des  Leukippos  geraubt  und  geheiratet,  läfst 
Pelops.  Vom  Reigentanze  hinweg  —  also  vom  er  die  Dioskuren  gemeinschaftlich  mit  den 
Vaterhaus  —  raubt  Idas  die  Marpessa  nach  Apharetiden  einen  Beutezug  nach  Arkadien 
Plut.  parall.  40  p.  315  D  u.  Schol.  IL  9,  557.  —  ausführen.  Die  Teilung  der  erbeuteten  Rinder 
Den  Stieit  des  Apollon  und  Idas  schlichtet  20  wird  dem  Idas  übertragen.  Dieser  zerlegt  ein 
Zeus  entweder  persönlich  oder  durch  Hermes,  Rind  in  vier  Teile  und  bestimmt,  wer  zuerst 
oder  Iris,  vgl.  0.  Jahn,  Arch.  Aufs.  S.  46 — 56.  sein  Viertel  aufgegessen  habe,  solle  die  Hälfte 
Dafs  Apoll  die  Marpessa  entehrt  habe,.,  be-  der  Beute  bekommen,  der  zweite  den  Rest, 
richtet  nur  Clemens  Alex,  protr.  p.  9,  32.  Über  Idas  ist  mit  seinem  Teile  zuerst  fertig,  ifst 
die  bildlichen  Darstellungen  s.  u.  Sp.  101.  dann   auch  noch  den  seines  Bruders   auf,  und 

b)    Idas    erscheint    mit    Lynkeus    auch    als  nun  treiben  die  beiden  die   ganze  Beute  ihrer 

Teilnehmer  an  der  kalydonischen  Eberjagd,  Heimat  zu.     Darauf  ziehen  die  Dioskuren  nach 

Apd.    1,   8,   2,   3.     Ovid  Met.  8,  305.       Seine  Messenien    und    holen    sich    mit   Gewalt   jene 

Tochter    Kleopatra    ist  ja   die   Gemahlin   des  Beute  und  noch  viele  andere  dazu.     Dem  idas 

Meleagros.  30  und  Lynkeus  aber  lauern  sie  unter  einer  Eiche 

.    c)  Auch unterden  Argonauten(s.d.)  werden  auf.    Lynkeus  erblickt  jedoch  den  Kastor,  saut 

die  Aphariden  genannt  Apd.  1,  9,  16,  8.   Ap.  Rh.  dies  dem  Idas,  und  dieser  durchbohrt  nun  den 

1,151  ff.  Orph.  Arg.  178.  Bei  den  Mariandyneru,  Kastor.    Polydeukes  verfolgt  die  beiden,  tötet 

im  Lande  des  Königs  Lykos  findet  Idmon  (s.  d  )  den    Lynkeus,    wird    aber    von    Idas    auf   der 

durch  einen  Eber  seinen  Tod;  Idas  rächt  den-  weiteren    Verfolgung     mit    einem    Steine    so 

selben  durch  Erlegung  des  Ebers,   Ap.  Eh.  2,  schwer   getroffen,   dafs   er  die  Besinnung  ver- 

817  ff.  832.   Hygin.  f.  14.     In  Mysien  wollte  er  liert.     Da    erschlägt   Zeus   den   Idas   mit   dem 

den  König  Teuthras   seines   Landes   berauben,  Blitze.    Die  Abweichung  dieser  Erzählung  von 

dieser  aber  besiegte  ihn  mit  Hülfe  des  Telephos  der  Pindars  ist  gering;  Ap.  sagt  zwar  nicht,  dafs 

und  Parthenopaios,  Hyg.  f.  100.  40  der  Stein  vom  Grabe  des  Aphareus  war,  und 

d)  Der  Kampf  der  Apharetiden  mit  läfst  nicht  beide  Brüder  durch  den  Blitz  Ver- 
den Dioskuren  wird  verschieden  berichtet.  zehrt  werden,  aber  die  Veranlassung  des 
Der  Ort  des  Kampfes  ist  nach  den  älteren  Kampfes  ist  dieselbe  wie  bei  Pindar,  und  der 
Quellen  übereinstimmend  in  der  Nähe  des  Ort  ist  gleichfalls  Messenien.  —  (3)  Die  zweite 
Grabes  des  Aphareus,  also  mit  gröfster  Wahr-  Klasse  von  Überlieferungen  giebt  als  Ver- 
scheinlichkeit  in  Messenien,  und  zwar  wohl  anlassung  zu  dem  Kampf  den  Streit  der 
bei  Arene,  denn  die  Verlegung  dieses  Grabes  Brüderpaare  um  den  Besitz  der  Leukippiden 
nach  Sparta  ist  nach  Paus.  3,  13,  1  jedenfalls  an,  mit  allerlei  Variationen  im  einzelnen.  Bei 
erst  späteren  Datums.  Auch  die  Heimat  des  Ocid  (F.  5,  699 — 714),  dessen  Erzählung  mit 
Leukippos,  wo  nach  einer  Version  der  Kampf  50  Klasse  a  mehr  übereinstimmt  als  Theolcrit, 
stattfand,  wird  erst  von  späteren  Quellen  nach  sind  die  Apharetiden  die  Verlobten  der  Leu- 
Amyklai  oder  Aphidna  verlegt  (Lykophr.  559.  kippiden,  welche  ihnen  von  den  Dioskuren 
Ovid.  f.  5,  708.  Hyg.  poet  astr.  2,  22,  St.  B.  geraubt  werden.  Auf  dem  Kampfplatz,  den 
s.  v.  AtfiSva);  die  ältere  Überlieferung  nennt  Ovid  Aphidna  nennt,  wird  Kantor  von  Lynkeus 
ihn  übereinstimmend  einen  Fürsten  in  Mes-  getötet,  Polydeukes  rächt  seinen  Bruder  und 
senien.     Vgl.  Böckh,  Expl.   Pind.  p.  472  f.  wird  nun  seinerseits  von  Idas  angegriffen,  aber 

Hinsichtlich  der  Veranlassung  des  Kampfes  von  Zeus  gerettet,  der  den  Idas_mit  dem  Blitze 
zerfallen  unsere  Quellen  in  zwei  Klassen,  die  erschlägt.  Iheokrit  22,  137  —  211  erzählt  die 
sich  jedoch  dem  tieferen  Sinn  des  Mythos  nach  Veranlassung  zum  Kampf  übereinstimmend  mit 
nicht  widersprechen.  Pindar,  Apollodor  und  60  Ovid.  Beim  Grabhügel  des  Aphareus  holen 
Pausanias  (4,  31)  lassen  den  Streit  über  ge-  die  Apharetiden  die  Räuber  ein.  Nun  macht 
raubte  Rinder  entbrennen,  Theokrit,  Ovid  und  Lynkeus  den  Vorschlag,  den  Streit  durch  einen 
Hygin  um  die  Tochter  des  Leukippos,  wobei  teil-  Zweikampf  zwischen  ihm  und  Kastor  zu  ent- 
weise gleichfalls  ein  Rinderdiebstahl  hereinspielt  scheiden.  Dafs  in  diesem  nicht,  wie  sonst 
(Schol.  vet.z.  Lykophr.  548  Kinkel).  —  a)  Pindar  übereinstimmend,  Kastor  der  Unterliegende 
Nem.  10,  60  —  72  erzählt:  den  Kastor  durch-  ist  (gleichviel  ob  L.  oder  I.  sein  Gegner  war), 
bohrte  um  Rinder  grollend  Idas  mit  der  Lanze.  hat  seinen  natürlichen  Grund  darin,  dafs  der 
Vom    Taygetos    aus    hatte    nämlich    Lynkeus  Dichter  die  Dioskuren  verherrlichen  will,  also 

EoscuF.n,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.    II.  4 


99          Idas  i,Kanipf  111.  d.  Dioskuren)  Idas  (.Deutung  d.  Idassage)           100 

nicht  den  Kastor  fallen  lassen  kann,  was  frei-  sei  in  Sparta  gezeigt  worden :  „aller  Wahr- 
lich, im  Zusammenhang  mit  dem  ganzen  Mythos  scheinlichkeit  nach  aber,  fährt  er  fort,  sind  sie 
betrachtet,  den  Übelstand  hat,  dafs  gerade  an  nicht  hier,  sondern  in  Messenien  begraben; 
diesen  Kampf  sich  die  Sage  von  dem  Tode  allein  das  Unglück  der  Messenier  und  die 
des  Kastor  und  der  Heteremerie  der  Dioskuren  lange  Zeit  ihrer  Verbannung  aus  der  Pelo- 
knüpft.  Der  Rest  der  Erzählung  stimmt  fast  ponnes  hat  auch,  als  sie  zurückgekehrt  waren, 
vollständig  mit  Pindar  überein:  Idas,  um  vieles  von  der  alten  Geschichte  bei  ihnen  ver- 
seinen Bruder  zu  rächen,  will  mit  der  Grab-  wischt,  und  wovon  sie  dann  nichts  mehr  wissen, 
säule  den  Kastor  zerschmettern  (Polydeukes  das  kann  leicht  jemand  anders  in  An- 
bleibt naturgemäfs  aus  dem  Spiele,  da  es  sich  10  spruch  nehmen."  Es  ist  sehr  bedeutungs- 
ja  um  einen  Zweikampf  von  Lynkeus  und  voll,  dafs  es  in  diesem  Fall  gerade  die  Lake- 
Kastor  handelt),  Zeus  aber  rettet  jenen,  dämonier  sind,  die  auch  das  Grabmal  des 
indem  er  dem  Idas  den  ti'xtjjs  uuquo:qos,  die  Aphareus  für  sich  in  Anspruch  nahmen.  Denn 
Grabsäule,  aus  der  Hand  schlägt  —  denn  der  es  spricht  sich  darin  ihr  Bestreben  aus,  Mes- 
sterbliche  Kastor  hätte  diesen  Steinwurf  nicht  senien  durch  Usurpation  seiner  Stammsage 
ausgehalten  wie  der  unsterbliche  Polydeukes  ganz  zu  annullieren  und  in  Lakonien  aufgeheu 
bei  Pindar  —  und  ihn  mit  dem  Blitzstrahl  zu  lassen.  Hieraus  ergiebt  sich  auch  die 
verbrennt.  Man  sieht,  wie  die  Abweichung  Grundbedeutung  der  Apharetiden.  Es  sind 
der  Theokritischen  Erzählung  von  der  gewöhn-  ursprünglich  messenische  Lichtgottheiten,  die 
liehen  Tradition  durchweg  durch  den  Zweck  20  dort  dieselbe  Stellung  einnahmen,  wie  in 
des  Hymnus  motiviert  ist.  —  Ganz  abweichend  Lakonien  die  Dioskuren,  sie  sind  in  messeni- 
erzählt  Hygin.  f.  SO  den  Hergang.  Nachdem  scher  Sage  die  Gatten  der  Leukippiden,  die 
Kastor  den  Lynkeus  getötet  (wie  bei  Tlieokrit),  Besitzer  der  Rinderherden ;  aber  mit  dem 
will  Idas  den  Bruder  bestatten,  wird  aber  von  Untergang  des  messenischen  Volkstums  ver- 
Kastor  an  der  Errichtung  des  Grabmals  unter  schwinden  sie  gegenüber  den  Dioskuren  der 
höhnischen  Worten  verhindert  („er  habe  den  Sieger,  oder  rücken  in  eine  untergeordnete 
L.  wie  ein  Weib  überwunden1');  da  erschlägt  Stellung,  von  der  aus  ihre  gleichen  Bestrebungen 
er  ergrimmt  den  Kastor  und  wird  nun  von  wie  ein  unberechtigter  Kampf  erscheinen:  diese 
Pollux  getötet.  Thatsache  findet  ihren  mythologischen  Aus- 
Gemeinsam  ist  somit  der  ganzen  Über-  30  druck  in  dem  Kampf  der  beiden  Brüderpaare, 
lieferung  der  Zug,  dafs  die  Apharetiden  immer  in  dem  naturgemäfs  die  Apharetiden  als  Mes- 
die  Angegriffenen  resp.  Beleidigten  sind,  denn  senier  unterliegen.  Wenn  einige  unserer 
auch  wo  die  Rinderverteilung  den  Anlafs  des  QueUen  als  Veranlassung  des  Kampfes  den 
Streites  giebt,  sind  formell  die  Apharetiden  Streit  um  die  Rinderherden  angeben,  so  be- 
im Recht,  gemeinsam  aber  auch,  dafs  trotz-  stätigt  auch  dies  die  Deutung  der  Apharetiden 
dem  die  ganze  Überlieferung  für  die  Dioskuren  als  ursprünglicher,  mit  den  Dioskuren  iden- 
Partei  nimmt.  Dies  erklärt  sich  nur  daraus,  tischer  Lichtgottheiten.  Denn  es  ist  eine  bei 
dafs  die  Apharetiden  uud  namentlich  Idas  mit  vielen  Völkern  verbreitete  Vorstellung,  die 
roheren  Zügen  ausgestattet  sind ;  dahin  gehört  Himmelskörper  als  eine  grofse  Herde  zu  be- 
seine  Geträfsigkeit,  seine  Gewaltthätigkeit  und  .10  trachten,  die  von  einem  Hirten  geweidet  wird 
sein  Frevelmut,  der  selbst  vor  Verletzung  des  (Sonne  oder  Mond) ;  so  erscheint  Helios  im 
väterlichen  Grabes,  ja  vor  dem  Kampfe  mit  Besitze  grofser  Herden;  ebenso  die  Apharetiden 
Apollon  nicht  zurückschreckt.  Woher  rührt  und  Dioskuren;  da  aber  beide  gleiche  Grund- 
aber  diese  unfreundliche  Charakterzeichnung  bedeutung  haben,  so  können  auf  die  Dauer  nicht 
der  sonst,  wo  die  Dioskuren  nicht  ihr  Gegen-  beide  die  Herren  der  Herden  sein;  so  entsteht 
bild  sind,  so  gerühmten  Helden?  Um  diese  von  selbst  die  Sage  vom  Kampfe  der  beiden 
Frage  zu  beantworten,  müssen  wir  eingehen  Paare  um  die  Heiden,  wie  ungefähr  gleich- 
auf  die  zeitig  die  um  den  Besitz  der  Leukippiden  (vgl. 
Deutung  der  Sage.  Idas  erscheint  in  der-  Preller,  Gr.  Myfh.  2  3,  91.  94 — 97.  Schwende, 
selben  durchweg  als  ein  Mensch  und  Held,  so  Etym.  mythol.  Andeut.  194).  Da  aber  die 
nirgends  als  Gott,  wie  die  Dioskuren.  Die  göttliche  Bedeutung  der  Apharetiden  früh  ver- 
kamen jedoch  sowTohl  des  Idas,  des  „Sehen-  schwand,  so  teilten  sie  bis  zu  einem  gewissen 
den",  als  auch  des  Lynkeus,  des  „Leuchten-  Grade  das  Los  entthronter  Götter  und  wurden 
den"  (Schwende)  oder  des  „Luchsäugigen",  mit  widrigen  und  rohen  Zügen  ausgestattet, 
lassen  in  ihnen  Lichtgottheiten  ähnlich  den  die  ihnen  ursprünglich  nicht  zukamen. 
Dioskuren  veimuten;  darauf  führt  auch  ihr  Ob  auch  darin  ein  Nachklang  der  ursprüng- 
Verlöbnis  mit  den  Leukippiden  (s.d.)  Phoibe  und  liehen  Bedeutung  des  Idas  als  Lichtgott  zu 
Hilaeira,  die  ihren  Namen  nach  derselben  finden  sei,  dafs  er  als  Nebenbuhler  des  Apollon 
Sphäre  augehören.  Bei  den  Leukippiden  wie  um  die  Hand  der  Marpessa  als  selbst  mit 
bei  dem  Rinderraub  erscheinen  sie  als  die  un-  60  dem  Attribut  des  Sonnengottes  ausgestatteter 
glücklichen  Konkurrenten  der  Dioskuien;  ihr  Bognei  eischeint,  und  diesem  mit  dieser 
Untergang  hat  trotz  der  unfreundlichen  Züge  Waffe  entgegentritt,  wie  Preller  will,  wage  ich 
in  ihrem  Wesen  etwas  Tragisches,  wie  der  nicht  zu  entscheiden, 
ihres  Heimatlandes  Messenien:  es  sind  ja  mes-  _  , ,  ,  .  „  T  .,  , 
senische  Heroen,  wie  die  Dioskuren  lako-  Fortleben  der  Sage  in  Litteratur 
nische,  und  zwar  die  einzigen  spezifisch  mes-  u  • 
senischeu  Heroen  (Grote  übers,  v.  Meißner  1,  Die  dichterische  Behandlung  des  Kampfes 
138).     Pausanias  3,  13,  1   sagt,    ihr  Grabmal  mit  den  Dioskuren   bei  Pindar,    Tlieokrit  und 


101       Idas  (u.  Marpessa  in  d.  Kunst) 

Otiid  hat  bereits  Erwähnung  gefunden.  —  Drama- 
tisch scheint  die  Idassage  nicht  behandelt 
worden  zu  sein.  Dagegen  bot  sie  der  bildenden 
Kunst  willkommenen  Stoff,  a)  Das  älteste  be- 
zeugte Bildwerk  dieses  Kreises  ist  an  dem  Kasten 
des  Kypselos  die  Scene,  wie  Idas  die  willig 
folgende  Marpessa  aus  dem  Tempel  des  Apollon 
holt,  der  sie  ihm  entführt  hatte;  Paus.  5,  18,  1, 
vgl.  oben,  b)  Ein  Gemälde  des  Polygnot  im 
Anakeion  zu  Athen,  den  Raub  der  Leukippiden  10 
darstellend,  erwähnt  Pausanias  1,  18,  1.  Die 
Anwesenheit  der  Apharetiden  auf  demselben 
ist  wahrscheinlich,  aber  nicht  gewifs.  c)  Im 
Tempel  der  Messene  zu  Messene  sah  Pausanias 
ein  Bild  des  Aphareas  und  seiner  Söhne  von 
der  Hand  des  Omphalion,  eines  Schülers  des  Ni- 
kias,  Paus. 4,31,9.  —  Erhaltene  Bildwerke: 

a)  Idas  und  Marpessa,  vgl.  0.  Jahn, 
Arch.  Aufs.  46 — 56.  Hier  werden  3  Kunst- 
werke besprochen,  die  diesen  Gegenstand  dar-  20 
stellen:  o)  ein  etruskischer  Spiegel  mit  In- 
schriften (Apulu,  Ite,  Marmis)  b.  G.  di  Minicis, 
conghiettura  sopra  uno  specehio  etrusco  di 
bronzo.  Perugia  1838.  8.  Gerhard,  Etr.  Spiegel 
t.  80.  Braun,  Bull.  d.  inst.  1838  p.  127  f.; 
abgeb.  in  Engebnanns  Atlas  zum  Homer  11, 
53.  —  (3)  Vase  aus  Girgenti,  jetzt  in  München 
(vgl.  JS.  Politi,  esposizione  di  un  vaso  fittile 
Agrigentino.  Palermo  1828.^1.  Inghirami,  Vnsi 
fittili  t.  282.  283.  Mon.  ined.  d.  inst.  1  t.  20 
0.  Jahn,  Münch.  Vasensammlung  745.  0.  Müller 
§  143,  2i,  zuerst  auf  die  Gigantomachie,  dann 
auf  den  Dreifufsraub  gedeutet  (Gerhard,  Bullet. 
1831,  p.  136;  Auswies.  Vasenb.  1  p.  209;  2 
p.  147),  oder  auf  den  Kampf  des  Hades  mit 
den  Göttern  bei  Pylos  (Welcher,  Bullet.  1831, 
p.  132  ff),  zuletzt  auf  Idas  und  Marpessa, 
Müller,  Ann.  4  p.  393  ff.  und  Jahn  a.  a.  O. 
Die  Mittelfigur  des  Hauptbildes  nenut  M. 
Poseidon,  Jahn  verzichtet  auf  eine  Benennung.  40 
Es  ist  ein  bärtiger  Mann  mit  bekränztem  Haupt, 
mit  langem  Untergewand,  darüber  ein  schwerer 
Mantel,  in  der  R.  ein  Stab,  die  Linke  ab- 
wehrend gegen  Idas  und  Marpessa  erhoben; 
dieser,  bärtig,  mit  kurzem  bekränzten  Haar, 
hat  den  Pfeil  auf  den  1.  gegenüberstehenden 
Apollon  angelegt,  dem  Artemis  zur  Seite  steht. 
Auf  der  entgegengesetzten  Seite  Zeus  zwischen 
Hermes,  den  er  nach  linkshin  zur  Schlichtung 
des  Streites  entsendet  und  einer  rechtshin  (auf  so 
Apollon  zu)  eilenden  Frau,  Hera  oder  Leto  dem 
Sohne  zu  Hülfe  eilend.  —  y)  Tyrrbenische  Am- 
phora Gerhard,  Auserl.  Vasenb.  1  Tat.  46, 1 ;  S.  169 
=  Witte-Lenormant,  Elite  ceramogr.  3  pl.  57  B. 
Ein  bärtiger,  kräftiger  Krieger  in  Panzer  und 
Chlamys  führt  ein  langbekleidetes,  mit  Stephane 
und  Sehleier  geschmücktes  Mädchen  nach  rechts- 
hin weg,  während  ein  verschmähter  Freier,  bart- 
los, bekränzt,  mit  Chlamys,  den  Bogen  in  der 
L.,  nach  der  Mitte  zurüekschauend,  nach  links  G0 
abgeht,  von  jenem  Paare  getrennt  durch  Iris, 
welche  durch  Kerykeion  und  Flügel  an  Schul- 
tern und  Füfsen  kenntlich  ist.  Die  Deutung 
auf  Idas  und  Marpessa,  welche  den  Apollon 
verschmäht,  ist  unzweifelhaft,  trotzdem  Iris 
statt  Hermes  erscheint  und  Idas  keinen  Bogen 
führt,  O.  Jahn  a.  a.  0. 

b)  Raub  der  Leukippiden.  Wie  weit  hier 


Idas  (u.  Marpessa  in  d.  Kunst)       102 


4* 


103 


Idban 


Idennica 


104 


die  Apharetiden  wirklich  zur  Darstellung  kom- 
men, ist  zweifelhaft;  vgl.  Bursian,  Arch.  Ztg. 
1852  S.  433  ff.  Müller,  Handb.  §  414,  5;  vgl. 
insbes.  das  Sarkophagrelief  Mus.  Pio-Clem.  4, 
4i  =  Baumeister,  Denkm.d.  kl.  AU.  1  Fig.  499. 
[Über  eine  Vase  im  Museum  von  Boulogue 
sur  Mer,  ehemals  in  der  Sammlung  Panckoueke, 
nr.  73,  bemerkt  Maxim.  Mayer,  Jahrb.  d.  K. 
D.   Arch.    Inst.   4,   1889,   Arch.   Ans.   p.    185: 


wir  eine  dea  Idbansa  vor  uns  haben  könnten. 
Dieselbe  Endung  weist  auf  den  Namen  der 
Göttin  Vihansa  (Schuermanns ,  Bulletin  des 
commiss.  royales  XI  1872  p.  42.  Bonn.  Jahrb. 
83  p.  104).  Dagegen  hat  die  Endung  -bana 
der  Name  einer  anderen  unbekannten  Göttin 
auf  einer  rheinländischen  Inschrift  Bonn.  Jahrb. 
59  p.  39:  D.E  .  AM  //  BAJE  .  GA  //  ;  viel- 
leicht ist   das   letzte   Wort   auch   hier   Gabiae 


„Das  nJfsxcdds  vertikal  hinter  Herakles'  zweitem  10  gewesen.     Denselben    Beinamen    führen    auch 


Gegner  ist  meiner  Erinnerung  nach  vollständig 
und  schien  keine  Ergänzung,  etwa  als  Patrony- 
mikon,  zuzulassen.  I8r]g  als  Name  zu  fassen  und 
einen  Kampf  mit  diesem  Unhold  und  seinen 
Brüdern  anzunehmen,  könnte  man  um  so  eher 
versucht  sein,  als  auch  die  Schreibung  des  Haupt- 
namens HsaxXitg,  d.  i.  Hf [p]axlE?js  aul  eine 
ionische  Vorlage  zu  deuten  scheint."    Drexler.] 

Andere  Träger  des  Namens  Idas. 

2)   Sohn   des  Aigyptos  von  einer  Gorgone, 
Gemahl   der  Danaide  Hippodike,  Tochter  des 


Apollou,  Jris,  Marpessa,  Idas,  Vasenbüd  (Dach  Gerhard,  auserlesene  griech.  Vasen- 
bilder.   I.  Teil.    Tafel  XLVI,  1);  s.  Su.  101,  52ff. 

Danaos  und  der  Piereia,  Apd.  2,  1,  5,  9.  — 
3)  Einer  der  idäischen  Daktylen  (s.  d.),  die 
von  dem  kretischen  Ida  nach  Elis  kamen  und 
auch  Kureten  genannt  wurden,  Paus,  ö,  7,  6. 
Er  hatte  einen  Altar  in  Olympia,  der  von 
andern  auch  der  des  Akesidas  (s.  d.  u.  Daktyloi) 


die  Matronae  und  Iunones;  vgl.  Bonn.  Jahrb. 
83  p.  27  ff.  u.  77.     [M.  Ihm.] 

Ide  ('LSr]  oder  Ei'Sn),  Ida,  1)  Tochter  des 
Melisseus  (Melissos),  Schwester  der  Adrasteia, 
wohl  eigentlich  Eponyme  des  kret.  Idagebirges 
und  kaum  verschieden  von  Rhea  Kybele,  eine 
der  idäischen  Nymphen  in  Kreta,  welchen  Rhea 
den  kleinen  Zeus  zur  Erziehung  übergab, 
Abel,  Orphica  frgm.  109  f.  (vgl.  Philol.  N.  F.  1, 
20  1889  S.  703 ff.),  Apollod.  1,  1,  6  f.  Phit.  a.  symp. 
3,  9,  2,  2.  Mit  andern  Nymphen  dargestellt 
am  Altar  der  Athene  Alea  zu  Tegea,  Paus.  8, 
47,  2.  Sie  ward  auch  an 
den  phrj-gischen  Ida  versetzt, 
der  nach  ihr  benannt  sein 
soll,  Diod.  17,  7,  und  soll 
zuerst  in  Troas  geherrscht 
haben,  Steph.  B.  v.  'Aägaazs ta 
u.  "Idn :  Charax  frg.  2  Müller. 
[Das  Haupt  der  Berggottheit 
"ISn  erscheint  zuweilen  mit 
der  Beischrift  IAH  auf  dem 
Obv.  von  Münzen  von  Ska- 
mandria  in  der  Troas,  Zeit- 
schr.  /'.  Num.  1  p.  139,  142. 
Head,  H.  N.  p.  474.  Sitzend 
im  Schatten  eines  Baumes, 
von  dem  sie  einen  Zweig  mit 
der  R.  erfafst,  mit  nacktem 
Oberkörper,  begleitet  von  der 
Beischrift  IAH,  sieht  man  sie 
auf  Münzen  Caracallas  von 
Skepsis  mit  der  Darstellung 
des  Parisurteils,  Imhoof-Blumer,  Jahrb.  d.  Ksl. 
D.  Arch.  Inst.  1  p.  291  —  292,  Tafel  IX,  20. 
Drexler.]  Vgl.  Hygin.  f.  182,  wo  nach  Munckers 
Korrektur  die  Töchter  des  Melisseus  Amalthea, 
Adrastea,  Ida  heifsen ,  und  gesagt  wird, 
dafs    sie   auch  Töchter   des   Okeanos   genannt 


genannt  wurde,  5,  14,  7.   —  4)  Gast  bei  der  50  würden,  Schümann,  Opusc.  Ac.2,  261.    S.  auch 


Hochzeit  des  Perseus,  von  Phineus  getötet, 
Ovid,  Met.  5,  90.  —  5)  Einer  der  Genossen 
des  Diomedes,  die  von  der  erzürnten  Venus  in 
schwanenartige  Vögel  verwandelt  wurden,  Ov. 
M.  14,  504.  —  6)  Sohn  des  Klymenos  und  der 
Epikaste,  Bruder  des  Theragros  und  der  Har- 
palyke,  Parthen.  Narr.  amat.  13.  —  7)  u.  S) 
Held  im  thebäischen  Kriege  aus  Onchestos; 
Stat.  Theb.  6,  553  ff.  und  aus  Tainaros  7,  588. 

[Weizsäcker.] 
Dca  idban  Gabia  erscheint  auf  einer  bei 
Jülich  gefundenen  Inschrift  Bramb.  C.  I.  Ehen. 
625  add.  (vgl.  Bonn.  Jahrb.  39/40  p.  195). 
Früher  las  man  deab.  Idbanis  Gabiab.;  s. 
Bonn.  Jahrb.  83  p.  27  f.  Nach  einer  noch- 
maligen Untersuchung  des  im  Bonner  Pro- 
vinziahnuseum  befindlichen  Steines  scheint  auch 
die  Lesart  Idbans.   nicht   unmöglich,    so   dafs 


Jahrb.  d.  arch.  Inst.  3  S.  291  f.  Posnansky, 
Nemesis  u.  Adrasteia.  Breslau  1890  S.  70  f.  74. 
—  2)  Idäische  Nymphe,  mit  welcher  Zeus  die 
idäischen  Daktylen  zeugte,  Stesimbrotos  b.  Et. 
31.  v.  'ISccioi,  s.  Müller,  hist.  gr.  fr.  2,  57,  13. 
Ctiarax  bei  Schol.  Ap.  Eh.  1,  1129  nennt  als 
Vater  statt  Zeus  den  Daktylos.  —  3)  Tochter 
des  Korybas,  mit  welcher  der  kretische  König 
Lykastos,  Sohn  des  Rhadamanthys,  den  Minos  II. 
üo  zeugte,  Diod.  4,  60.  Schol.  Vatic.  Eurip.  Blies. 
28,  wo  die  Söhne  beider  Minos,  Rhadamanthys 
und  Sarpedon  sind.  —  4)  Mutter  des  Nisos, 
Yerg.  Aen.  9,  177,  s.  Hyrtakos  nr.  2.  [Stoll.] 
Idennica  erscheint  als  Beiname  einer  Göttin 
Sulivia  Minerva  auf  einer  jetzt  verscholle- 
nen südfranzösischen  Inschrift  (vgl.  Sulivia) 
C.  I.  L.  12,  2974  =  Orelli  2051.  Statt  Iden- 
nicae  bietet  die  älteste  handschriftliche  Quelle 


105                            Ideus  Idomeneus                       106 

Idemicae.     Es   scheint  ein  topischer  Beiname  Idomcna,      eine     ismavische     (thrakische) 

zu    sein,    vgl.   Siebourg,  De  Sulevis  p.  15    zu  Nymphe,  von  Orpheus  Mutter  des  Rhythmonios, 

nr.    18.     Germer-Durand   hat    zum   Vergleich  nach    dem   der  Rhythmus    benannt   sein  soll, 

herangezogen  den  Ortsnamen  Eyssen es  (heute  Nikdkrates  bei  Censorin.  fr.  10   (Hultscli);   für 

Heynes  bei  Uzes);  Bulletin  epigraphiqiie  1885  ldomena  vermutete  Urlichs  Idmonia.    [Höfer.] 

p.  198.     [M.  Ihm.]  Idomeneus  ('Idopsvsvs,  s<os,  ep.  fjog),  1)  Enkel 

Ideus,  Lynkeus  und  Plexippos  heifsen  Söhne  des  Minos  und  der  Pasiphae,  Sohn  desDeukalion 

des   Thestios,    Brüder   der  Althaia,   Hyyin.  f.  von  Kreta,  daher  zlev/.aXiärjg  IL  13,  307,  Kvdaiog 

173.  174.     Der  Text  scheint  übrigens  verderbt  Diod.  5,  79.    Lyctius,  Verg.  Aen.  3,  401;  durch 

und  Ideus   ist  vielleicht  ganz   zu  entfernen,  s.  10  Minos  Urenkel  des  Zeus,  II.  13,446 — 454.    Od. 

Bunte  zu  f.  173.                                       [Stoll.]  13,  181.   Ly~kophr.  Alexandra  431  und  schal,  vet. 

Idmon  (ISficov,  ovog),  1)  der  Seher  der  Argo-  ed.  Kinkel,  durch  Pasiphae  Urenkel  des  Helios, 
nauten,  nach  PhereJeydes  fr.  70  der  Sohn  des  daher  einen  Hahn  als  Schildzeichen  führend, 
Apollon  und  der  Asteria,  nach  Herodoros  fr.  41  Paus.  5,  25,  5  (9);  Bruder  der  Krete,  Halb- 
der  Sohn  des  Abas,  Schal.  Ap.  Bh.  1,  139;  beide  bruder  des  Molos,  des  Vaters  seines  Kampf- 
Traditionen  vereinigt  Ap.  Bh.  1 ,  142  ff.  (nach  genossen  und  Freundes  Meriones,  Apd.  3,  3,  1 ; 
ihm  Orph.  188.  726,  wo  "ISuov'  'Jßavti.ädt]v  (nach  Diod.  5,  79  ist  Molos  ein  Bruder  des 
auf  Konjektur  beruht;  vgl.  K.  Hoffmann ,  De  Deukalion).  Sein  Sohn  heilst  nach  Od.  13, 
Pseudo-OrjyheicatalogoArgonautarum^iimberg  260  Orsilochos.  In  der  Teichoskopie  nennt 
1888  S.  26  f.  Val.Fl.  1,227:  Phoebeius  Idmon).  20  ihn  Helena  als  Gastfreund  des  Menelaos  II. 
Hyg.  f.  14  p.  46,  10  Seh.  nennt  ihn  den  Sohn  3,  230,  als  ein  Held  von  ausgezeichneter 
des  Apollon  und  der  Nymphe  Kyrene,  nach  Schönheit  und  Freier  der  Helena  wird  er  von 
einigen  ist  er  Sohn  des  Abas  (Schal.  Pind.  Hygin  f.  81  u.  270  erwähnt.  Als  solcher 
Pyth.  4,  337);  bei  ihm  wie  bei  Apollonios  ist  nimmt  er  auch  an  dem  trojanischen  Kriege 
er  Argiver.  Man  identifleierte  ihn  auch  mit  teil.  Als  Fürst  der  Kreter  {Ko^xäv  äyog  II. 
Thestor,  der  nach  Phe rekgdes  fr.  10  ein  Sohn  des  4,  265  u.  ö.),  Herrscher  von  Knosos,  Gortyn, 
Apollon  und  der  Laothoe  war,  dem  Vater  des  Lyktos,  Milet,  Lykastos ,  Phaistos,  Rhytion 
Kalchas;  "ISjiwv  sei  nur  ein  Epitheton,  Chamai-  (s.  Schiffsliatcdog)  führt  er  mit  seinem  Waffen- 
leon  bei  Schul.  Ap.  Bh.  1,  139  (worin  ov  auf  genossen  Meriones,  Molos'  Sohn,  80  Schiffe  dem 
'AnolXcovog,  nicht  auf  "Iducov  zu  beziehen  ist).  —  30  griechischen  Heere  zu,  II.  2,  645 — 652.  Hyg. 
Eine  hervorragende  Rolle  scheint  er  in  den  Nau-  f.  97.  Nach  Philostratos,  Her.  7  p.  705  schickte 
paktien  (Schol.  Ap.  Bh.  3,  523.  4,  76)  und  bei  Idomeneus  eine  Gesandtschaft  nach  Aulis  und 
Eumelos  (Schol.  Ap.  Bh.  3,  1372)  —  also  in  der  versprach  die  Hülfe  Kretas,  wenn  Agamemnon 
korinthischen  Argonautensage?  —  gespielt  zu  mit  ihm  den  Oberbefehl  teilen  würde,  was 
haben;  beide  lassen  ihn  nach  Kolchis  gelangen;  natürlich  abgelehnt  ward, 
nach  der  vulgär  gewordenen  Überlieferung  Id.  gehört  bei  Homer  unter  die  ersten  Helden 
von  Herakleia  ist  er  auf  der  Fahrt  bei  den  des  trojanischen  Krieges  und  wird  von  Agamem- 
Mariandynen  von  einem  Eber  getötet  worden,  non  hoch  geschätzt,  27.  4,  257;  sein  häufigstes 
Herodoros  fr.  56  (Nympihis  fr.  7,  Promathidas  Epitheton  ist  Sovoiv.lvzog;  sonstige  Epitheta 
fr.  2;  nach  Keil  auch  KalHstratos)  bei  Schol.  40  Korjzäv  äyog  II.  4,  265,  Kgrjtäv  ßovlrjcpogog 
Ap.  Bh.  2,  815;  nach  ihm  wäre  dies  auf  der  13,  255,  äa'i'qigcov  4,  252,  (ployl  oder  avl  sftta- 
Rückfahrt  geschehen  (vgl.  fr.  54.  55.  58);  die  log  ulv.rjv  13,  330;  4,  253,  uarigonij  ival.iyr.10g 
Späteren  mufsten  dies  auf  die  Hinfahrt  ver-  13,  242,  fisaainoliog  13,  361,  uyavog  12,  117; 
legen  und  konnten  Idmon  nicht  bis  Kolchis  ge-  äycnti\vag.  Er  war  unter  den  neun  Helden, 
langen  lassen:  Apoll.  Bh.  1,  139  ff.  2,  815  ff.  die  sich,  als  Hektor  die  Griechen  zum  Zwei- 
fach ihm  Apollod.  1,  9,  23  —  sein  Name  kämpf  herausforderte,  hiezu  erboten  (11.  7, 
fehlt  im  Verzeichnis  1,  9,  16  —  Orph.  188.  161  ff)  und  war  mit  diesen  in  der  Gruppe  des 
728.  Hyg.  f.  14  p.  46,  10.  48,  14.  /'.  18  p.  51,  Onatas  in  Olympia  dargestellt,  welche  diese 
14.  /'.  248  p.  138,  4  —  etwas  abweichend  Yal.  Scene  zum  Gegenstand  hatte;  gekennzeichnet 
Fl.  1,  360.  5,  2:  morbis  fatisque  rapaeibus);  50  war  er  nur  durch  das  Schildzeichen  des  Hahns 
vgl.  auch  Ov.  Ib.  506.  Sein  Grab  in  Herakleia  (s.o.),  dagegen  hatte  Onatas  auf  seinem  Schild 
wurde  später  für  das  des  Agamestor  aus-  seine  Künstlerinschrift  angebracht,  Paus.  5, 
gegeben:  Ap.  Bh.  2,  844  ff.  und  Schol.  zu  25,  5  (9).  Im  Kampfe  erlegt  er  den  Phaistos, 
v.  845  (wo  auch  Promath  i  las  citiert  wird),  des  Maioniers  Boros  Sohn,  IL  5,  43.  Auch  er 
vgl.  Ammian.  Marcell.  22,  8.  —  2)  Sohn  des  hat,  wie  andere  Helden  in  der  Utas,  seine 
Aigyptos,  mit  der  Danaide  Pylarge  vermählt,  Aristie,  und  zwar  in  der  Schlacht  bei  den 
Apollod.  2,  1,  5. —  3)  Ein  Phryger  bei  Norm.  38,  Schiffen,  13,210—517.  Hier  tötet  er  nach- 
31—46.  —  4)  Ein  kolophonischer  Purpurfärber,  einander  den  Othryoneus,  Asios,  Alkathoos  und 
Vater  der  Arachne,  bei  Ov.  Met.  6,  8.  133.  —  Oinomaos,  13,  361  ff.  Sein  Hauptgegner  ist 
5)  Ein  Epidaurier,  Arzt  des  Adrastos,  Stat.  60  Deiphobos,  dem  er  aber  immer  glücklich  ent- 
Theb.  3,  398.     [Seeliger.]  geht  (II.  13,  517);  zuletzt  auch  Aineias;  diesem 

Idinonides   ('IäfioviSrig),   Sohn  des  Euklees,  tritt  er  zuerst  mit  seinen  Gefährten  entgegen, 

Urenkel    des   Orpheus    und  Vater    des   Philo-  entgeht    dem   Speerwurf  desselben   und    tötet 

terpes,    einer    der    Vorfahren    des    Homeros.  noch  den  Oinomaos;   zieht  sich  aber  dann  er- 

Charax   bei    Suid.  s.   v.  "Ou.rigog.     Hellanikos,  mattet  aus  dem  Kampfe  zurück;    denn   „nicht 

Damastes  und  Pherekydes  bei  Proklos  Chrestom.  mehr  waren  die  Füfse  zum  Anlauf  kräftig  und 

(Scriptores  Metrici  ed.   Westphal  1  p.  231).  sicher,   nachzustürmen   dem   eignen   Geschofs, 

[Höfer.]  und  das  fremde  zu  meiden"  —  langsam  wich 


107 


Idomeneus 


I  dj'ia 


108 


er  zurück.  So  ist  mit  dem  Zuge,  dafs  er  dem 
troisehen  Helden  gegenüber  gealtert  erscheint, 
sein  Rückgang  motiviert;  auch  sonst  erscheint 
er  als  älterer  Mann,  z.  B.  Schol.  vet.  Lykophr. 
1218.  II.  23,  476  f.;  13,  361  heifst  er  peoai- 
Ttöliog  halbergraut.  In  der  Fatrokleia  er- 
scheint er  wieder  auf  dem  Plan  und  erlegt 
den  Eryrnas,  16,  345,  und  im  Kampf  um  Patro- 
klos'  Leichnam  wagt  er  sogar  den  Hektor  an- 
zugreifen, entflieht  aber,  als  dieser  ihn  be- 
droht und  des  Meriones  Wagenlenker  Koiranos 
getötet  hat,  auf  dessen  Wagen  zum  Lager, 
17,  605 — 625.  Bei  den  Leichenspieleu  des 
Patroklos  erscheint  er,  seinem  gesetzteren  Alter 
gem'afs,  nicht  unter  den  Agonisten,  sondern 
nur  unter  den  Zuschauern,  23,  450  tf.  In  der 
Amazonenschlacht  tötet  er  die  Bremusa  (Quint. 
Sm.  1,247),  siegt  im  Faustkampf  bei  den  Leichen- 
Spielen  des  Achill  (4,  284ff.),  steigt  mit  andern 


von  Kreta  aus  der  Apollonkult  sich  über  die  öst- 
lichen Küsten  des  ägäischen  Meeres  verbreitete ; 
wie  auch  Strabo  sagt,  das  alte  Milet  sei  eine 
kretische  Gründung;  vgl.  oben  das  kretische 
Milet.    Str.  p.  634.    Müller,  Bor.  1,  216  ff. 

Zwei  eigentümliche  Märchen  finden  sich 
bei  Ptolem.  Nov.  Hist.  5  und  Schol.  vet.  Lykophr. 
Alex.  1218  ff.  Srsterer  erzählt  nach  Alhe- 
noclor  v.  Eretria  (in  oySoa  vaoßvrjfiä vatv) ,  in 
10  dem  Wettstreit  der  Thetis  und  Medeia  über 
die  Schönheit  sei  dem  Idomeneus  die  Ent- 
scheidung übertragen  worden.  Da  er  der  Thetis 
den  Preis  zuerkannte,  so  habe  Medeia  erzürnt 
ausgerufen:  Kgr/rsg  chl  ipevarai,  und  ihn  dazu 
verflucht,  niemals  mehr  die  Wahrheit  zu  sagen. 
Daher  komme  es,  dafs  die  Kreter  für  Lügner 
gelten.  Das  Scholion  zu  Lyk.  berichtet,  Ido- 
meneus habe  bei  seinem  Zug  nach  Troja  die 
Regentschaft   und   die   Obhut  über   sein   Haus 


Helden  in  das  trojanische  Pferd  (12,  320)  und  ist  20  dem   Leukos,  Tantalos'  Sohn,   der   als   Knabe 


unter  den  Schiedsrichtern  über  die  Waffen  des 
Achill,  5,  134  ff. 

Nach  der  Zerstörung  Trojas  kehrt  er  glück- 
lich nach  Kreta  zurück,  Od.  3,  191,  wird  nach 
seinem  Tode   ehrenvoll    bestattet    uud    erhält 


Idonieneus  uud  Merioues  auf  der  Tabula  Iliaca  (uach  0.  Jahn 
Gr.  Büderchron.  Tf.  I*). 


gemeinsam   mit  Meriones   einen   Heroendienst, 
Diod.  5,79.  Ihre  Grabschrift  lautete  nach  Diodor: 

Kvwot'ov  'idoiitvitog  OQa  raepov   ccvzaQ  syc6  rot 
Tl\i}oiov  i'SQVfiai  MrjQiövrjs  ö   MöXov. 

Über  die  Vorgänge  in  Kreta  während  Ido- 
meneus' Abwesenheit  vgl.  Strabo  10  p.  479  f. 
und  schol.  vet.  zu  Lykophr.  Alex.  1218  (s.  u.). 
Nach  späterer  Sage  wandert  Idomeneus,  wie 
verschiedene  andere  Helden  des  trojanischen 
Krieges  (Diomedes,  Philoktet,  Epeios)  nach 
Westen.  Er  soll  bei  eiuem  Sturme  dem  Po- 
seidon gelobt  haben,  ihm  das  zu  opfern,  was  50 
ihm  nach  glücklicher  Landung  zuerst  begegnen 
würde.  Dies  war  sein  eigener  Sohn  (Parallele: 
Jephtha  und  seine  Tochter,  Buch  d.  Richter 
11,  30 — 39).  Infolge  des  wirklichen  oder  nur  be- 
absichtigten Vollzugs  des  Gelübdes  brach  eine 
Pest  aus,  und  die  Kreter  vertrieben  den  Ido- 
meneus. Er  zog  nun  nach  Italien,  wo  er  sich  , 
im  sallentinischen  Gebiete  in  Kalabrien  nieder- 
liefs  und  der  Athena  einen  Tempel  baute, 
Vertj.  Aen.  3,  121.  400  ff.  531  und  Serv.  u.  60 
Heyne  z.  d.  St.  Am.  11,  265.  Strab.  6  p.  281. 
Schol.  Od.  13,  259.  Muller,  Dorier  1,  276.  (228,  1.) 
Preller,  Gr.  Myth.  23,  479.  Von  Unteritalien 
soll  sich  Idomeneus  nach  Kolophon  begeben 
und  bei  dem  Tempel  des  klarischen  Apollon 
niedergelassen  haben,  wo  er  auch  sein  Grab 
auf  dem  Berge  Kerkaphos  fand.  Diese  Sage 
ist  offenbar  ein  Nachklang  der  Thatsache,  dafs 


ausgesetzt    aber    vou    Idomeneus    aufgezogen 
worden    war,    übertragen.      Leukos    aber   be- 
mächtigte sich   auf  Anraten  des  Nauplios  der 
Herrschaft,    tötete   seines  Wohlthäters    Gattin 
Mede,  seine  Tochter  Kleisithera,  die  ihm  zur 
Ehe  versprochen  war,  und  seine 
Söhne    Iphiklos    und     Lykos. 
Idomeneus     blendet    ihn    bei 
seiner  Rückkehr(v.  1223),  daher 
wird    Leukos  ftgenzog  dgccKatv 
genannt,  in  Erinnerung  an  die 
bekannte  Fabel.  Offenbar  ver- 
danken     beide      Erzählungen 
ihren  Ursprung  dem  Bestreben, 
die     Entstehung     sprichwört- 
licher    Redensarten     zu     er- 
klären. 
In  der  bildenden  Kunst  begegnet  man  Ido- 
meneus selten.     Sein  Bild  in  der  Gruppe  der 
40  neun   Helden  von   Onatas   ist  schon  oben  er- 
wähnt.   Auf  der  Tabula  Iliaca  (s.  d.  Abbildg.) 
erscheint  er  mit  Meriones  in  dem  Streifen   zu 
II.  jV  als  Sieger  über  Othryoneus.   S.  beist.  Abb. 
nach  O.  Jahn,  Gr.  Bilderchr.  Tf.  I*.     [In   der 
Grabschrift      des     Ogctovaaiog     Asovti'oi     von 
Knossos  (G.  Doublet,  Bull,  de  Corr.  Hell.  1889 
p.  59  ff.  nr.  5  v.  9 — 10)  heifst  es:   Tovvsn[a)  Gf 
<p&iuiva>v  HU&'  ourjyvQiv  ö  y.Xvzbg  "Aidrjg   \    ias 
7io\i66ov%(»  cvv&govov  'iäojiivsi.     Drexier.] 
2)  Sohn  des  Priauios,  Apollod.  3,  12,  5. 

[Weizsäcker.] 
Idrieus  ('iSgisvg),  Sohn  des  Kar,  nach 
welchem  die  karische  Stadt  Idrias  benannt 
war  (Steph.  B.  v.  'Idgioig);  Vater  des  Euromos, 
des  Gründers  der  gleichnamigen  karischen 
Stadt,  Steph.  B.  v.  EvQmpog.     [Stoll.] 

Idyia  ('Idvla),  auch  Eidyia  (ElSvia  Apoll. 
Bhod.  3,  243),  Tochter  des  Okeanos  und  der 
Tethys,  Hes.  Theog.  352.  959,  vgl.  schol.  Apoll. 
Bhod.  3,  242,  zweite  (Apoll.  Bhod.  a.  a.  0.  die 
erste,  die  ihm  den  Absyrtos  gebar,  hiefs  Aste- 
rodeia  [s.  d.])  Gemahlin  des  Aietes  und  Mutter 
der  Medeia,  Apollodor  1,  9,  23.  Cic.  de  nat. 
deor.  3,  19,  48.  Hyg.  f.  25.  fab.  praef.  p.  12 
(Schmidt).  Tzetz.  Lyk.  174.  Nach  Soph.  im 
schol.  Apoll.  Bhod.  4,  323  ist  Idyia  die  erste 
Gemahlin    des    Aietes;    nach   Tzetz.  Lyk.  798. 


1024   ist  Idyia  nicht  nur   Mutter  der  Medeia, 


109  Iedud  Ignes  aeterni  110 

sondern  auch   des   Absyrtos.      Idyia    ist    wohl  irjnuiriav  einen  Gesang   zu  Ehren   des  Gottes; 

identLeh  mit  Eidothea  (s.  d.).     [Höfer.]  vgl.  0.  Müller,  Darier  1,  298.     [Höfer.] 

Iedud  s.  Ieud.  lern  (]).     Die   Inschrift   C.   I.  L.   8,   5673, 

Ieios  ('iri'Cog),  Beiname:  1)  des  Apollon;  'gravee  assez  grossierement  dans  une  espeee 
Aesch.  Agam.  138  (K.).  Soph.  Oed.  B.  154.  1097.  de  niche  sur  un  rocher  isole  qui  domine  le 
Aristoph.  Lys.  1281.  Vesp.  874.  Plut  de  sl  plateau  Guechegache  entre  el-Massine  et  Oul- 
ap.  Delph.  20.  Hephaist.  de  poem.  8.  Apoll.  laza  ä  16  kiloin.  de  Constantine',  lautet:  Icru 
Bhod.  2,  712  =  Etym.  M.  469,  41.  Die  Ab-  Aug  sac  G  Iul  \  Crescens  vis  \  ab  fecit,  darunter 
leitung  und  Bedeutung  des  Wortes  ist  zweifei-  '"vir  capite  radiato  altus  m.  1'  (c.  .  .  potest 
haft;  manche  schreiben  es  mit  Spiritus  asper,  in  esse  vis(u).  —  ar(am)  coni.  Cherbonneau  pro- 
irfiog,  indem  sie  es  von  i'rjjxi  ableiten,  und  er-  babiliter'  Wümanns").  Es  mufs  dahingestellt 
klären  es  als  To|o'rr;j,  wie  ja  Apollon  ü<prizwg  bleiben,  ob  lern  der  volle  oder  abgekürzte 
(Hom.  II.  9,  404),  £Y,r}§olog  und  1-nuzrjßuXog  Name  des  Gottes  ist.  [R.  Peter.] 
heifst  (vgl.  Hesych.  ir'fiog  b  Anbllav  c'aio  z?ts  Iesioiie  (?),  Tochter  des  Eeleos,  eine  der 
ctcpsaswg  nal  rrjg  xo^Ei'ug  Etym.  M.  469,  48.  sieben  von  Theseus  geretteten  Jungfrauen,  Sern. 
Suid.  s.  v.  'irfiog.  Aristarch  im  Etym.  M.  469,  zu  Very.  Aen.  6,  21.  [0.  Jahn,  Arch.  Beitr. 
53.  Schol.  Hom.  II.  15,  365;  vgl.  20,  152.  S.  453  liest  Hesione.  Röscher.]-  [Höfer.] 
Eust.  ad  Hom.  II.  500,  41;  vgl.  Etym.  M.  Ieter  ('lrpr\g),  Beiname  des  Asklepios  auf 
462,  57);  andere  leiten  es  von  läofiai  her  Inschriften:  'Aa-/.lr\nias  'Inzr/gi  diog  .SWijoos  G. 
(Hesych.  s.  v.  irjiog-  iazgbg  yäg  b  fttog-  Suid.  -20  I.  G.  3159.  'Ecp.  äg-{.  1883,  155.  [Höfer.] 
s.  v.  Inüov  =  sclwl.  Soph.  Oed.  B.  173  irßog  Iend  ('iiovä)  oder  Iedud  ('IsSovä),  Phil. 
6  'AnölXcov,  slg  ov  7]  ayvsCa  zwv  loipäv  ava-  Bybl.  bei  Euseb.  praep.  ev.  1,  10,  30;  in  der 
(figsrca.  Etym.  M.  469,  50.  55.  schol.  II.  20,  Mythologie  der  Phöniker  Sohn  des  Kronos  (s.  El 
152.  Eust.  a.  a.  0.  schol.  Aristoph.  Vesp.  874),  Bd.  1  Sp.  1227  f.)  und  der  einheimischen  Nymphe 
wie  denn  Apollon  selbst  auch  'latgog  genannt  Anobret  i'Avoßoir).  Als  Phönikien  durch 
wird  (Aristoph.  av.  584.  Lycophr.  1207. 1377.  He-  schwere  Kriegsstürme  heimgesucht  wurde, 
sych.  s.  v.  latQÖg;  vgl.  Tzele.  Lycophr.  1207.  G.  I.  brachte  Kronos  den  mit  königlicher  Gewan- 
G.  2134a).  Im  homcr.  Apollonhymnos  120,  wo  düng  geschmückten  Sohn  auf  einem  Altar 
die  Nebenform  rjios  steht  (?JtE  doißs  =  Hom.  dem  allgemeinen  "Wohl  zum  Opfer,  Phil.  Bybl. 
II.  15,  365.  20,  152.  —  La  Boche  zu  II.  13,  oo  bei  Euseb.  a.  a.  0.  und  4,  16,  11.  Ieud  be- 
365  leitet  ijiog  von  slfii  (vgl.  ijia)  ab  =  der  deutet  in  phönikischer  Sprache  den  einzigen 
eilende,  wandelnde;  vgl.  schol.  II.  a.  a.  0.  oi  oder  den  eingeborenen  Sohn  (aovoysvijg  Virg, 
<5?  naget  zb  livai'  r{kiog  ycig  ioziv,  Franlce  zu  vgl.  Bd.  1  Sp.  1227,  56).  [Höfer.] 
Hymn.  Apoll.  120  von  r\vg  ab),  verlangen  Ieusdrinus  oder  Leusdrinus?  erscheint  als 
0.  Müller,  Darier  1,  298  und  Cobet,  Mnemosyii.  Beiname  des  Mars  C.  I.  L.  12,  2  add.  im  Ge- 
ll, 293  gleichfalls  trj'iE;  vgl.  dagegen  Gemoll  biet  von  Vence,  dem  alten  Vintium,  wo  der 
z.  d.  St.,  der  irjiog  als  wahrscheinlich  aus  ly\  Mars  Vintius  verehrt  wurde  (CLL.  12,  3). 
entstanden  annimmt,  wie  tviog  aus  ivoi.  Nach  •  [M.  Ihm.] 
Phit.  a.  a.  0.  trägt  Apollon  den  Namen  Ieios,  Ievetus  (ievetus)  steht  von  rechts  nach  links 
weil  er  Einer  (slg  *al  fiovog)  ist.  —  2)  der  10  über  der  Gestalt  des  Philoktetes  auf  einem 
Artemis,  die  von  den  in  Geburtswehen  liegen-  Carneol-Scavabäus  von  Chiusi,  während  über 
den  Frauen  angerufen  wird  (Suid.  s.  v.  Irfav.  dem  heilenden  Machaon  von  1.  nach  r.  a%ers 
schol.  Soph.  a.  a.  0.  s-jiicf&Ey^a  (li\'iog)  v.oivbv  eingeritzt  ist;  s.  Cunest.  Bull.  1859,  32;  Fabr., 
sazi  iial  'Agziiiidog'  ai  S\  yvvaiv.sg  iv  zaig  C.  I.  L.  485;  Adr.  Milani,  II  mito  di  Filottete 
dvayv.aig  zoiavzag  äcpiäai  cpaivdg.  —  3)  des  105.  Da  jene  Helden  etruskisch  sonst  plieltutc 
weinspendenden  Bakchos,  als  des  wohlthätigen  (oder  pheliuete)  und  mayan  heifsen  —  s.  d. 
heiteren  Gottes  (Athen.  8,  363  b).     [Höfer.]  Bronzespiegel  in  Bologna,  Fahr.  C.  1. 1.  45  — , 

Ieuisal.    Die  auf  einer  Basis  eingemeifselte  so    ist    die    obige    Deutung    sehr    zweifelhaft: 

Inschrift  C.  I.  L.  8,8834  (Tupusuctu  in  Maure-  man  könnte   ie  vetus    a%ers   lesen,   worin   die 

tania  Sitifensis)   enthält  die   Widmung:    lern-  50  beiden  letzten  Wörter  Vor-  und  Familienname 

sali  |  L.  Percenius  \  L.   f.   Stel  \  Bogatus  \   v.  im  Genitiv  wären,  ie  Abkürzung  eines  Spiegel, 

[$.  I.  a.],  wozu  Wümanns  bemerkt  'Iemsalis  Gabe  oder  dgl.  bedeutenden  Wortes.  [Deecke.] 
id  est  Hiempsalis  nomen  cum  Numidicae  origi-  Ifles  nur  durch  eine  bei  Dormagen  gefundene 

nis  esse  videatur,  veriloquia  ex  Punica  lingua  Inschrift   bekannt   (Bramb.,    C.  I.  Bhen.  292). 

petita,  quae  olim  proposita  sunt,  prudentiores  Gleichzeitig  wurden  zwei  Votivsteine   an   die 

iam  abiecerunt.     ceterum  non  dubium  est  hie  Nymphen    gefunden    (G.    I.   Bhen.    290.   291). 

nominari   non   regem   pro    deo    habitum   post  Ob  die  Gottheiten  männlich  oder  weiblich  zu 

mortem,  sed  ipsum  numen,  a  quo  rex  nomen  fassen  sind,  ist  vorderhand  unsicher.    Man  hat 

traxit.'     [R.  Peter.]  zum    Vergleich    herangezogen    die    Matronae 

Ienios,   zweifelhafter  Name   eines  Giganten  60  Afliae;  vgl.  Bonn.  Jahrb.  83  p.  25.  101.     Eine 

bei  Hygin.  fab.praef.  p.  10  (Schmidt).   [Höfer.]  Beziehung  auf  die  „Eifel"  ist  unwahrscheinlich. 

Iepaieon  (Irinai/iav),  Beiname  des  Apollon.  [M.  Ihm.] 

Hom.  hymn.  Ap.  272.   Apoll.  Bhod.  2,  702.  Nach  Ignavia,    die   personificierte  Trägheit,   mit 

dem  schol.  Apoll.  Bhod.  a.  a.  0.  heifst  er  so  ent-  der  Ruhe  (Quies)   und  der  Vergessenheit  (Ob- 

weder   als   Bogenschütze    (diu   zb   Wc^itnv   zä  livio)  zusammen  an  der  Schwelle  der  Wohnung 

ßiXn,  \g}.  schol.  Apoll.  Bhod.  2,  712.   schol.  Ar  ist.  des  Schlafgottes,  Stat.  Theb.  10,90.    [Höfer.] 
Pac.  453),  oder  als  Heilgott  (ort  laanag  6  %sbg  Igues  aeterni  erscheinen  auf  einer  Inschrift 

aiziog).  Im  Hum.  "hymn.  in  Ap.  500.  517  bedeutet  aus  dem  Gebiete  der  gallischen  Vocontii  (Vif) 


111                         Ikadios  Ikarios                         112 

C.  I.  L.  12,  1551  =  Kernen  5689:  Ignibus  Vater  begraben  ist.  Zeus  oder  Dionysos  ver- 
Aetcrnis  hü.  Placidianus  ....  ex  voto  posuit.  setzen  sie  als  Jungfrau  unter  die  Gestirne, 
Hennen  scheint  nach  dem  Platze,  welchen  er  ebenso  ihren  Vater  mit  seinem  Becher  als 
der  Inschrift  zugewiesen  hat,  an  einen  Zu-  Bootes  oder  _Arkturos  und  die  Maira  als 
sarnrnenkang  der  ignes  aet.  mit  Volcanus  oder  Hundsstern.  Über  die  Athener  aber  verhängte 
Vesta  zu  denken;  viel  wahrscheinlicher  ist  es  Dionysos  Pest  oder  Baserei  der  Jungfrauen, 
mir  jedoch,  dafs  Götter  der  Sterne  und  Ge-  die  sich  alle,  wie  Erigone,  erhängen.  Das 
stirne  (Sol  u.  Lnna?)  gemeint  sind;  vgl.  Cic.  Orakel  verheilst  Abhülfe,  sobald  man  den 
somn.  Sei}].  3,  7:  Piominibus]  animus  datus  est  Leichnam  finde  und  das  Verbrechen  sühne. 
ex  Ulis  sempiternis  ignibus,  quae  sidera  10  Da  man  ihn  aber  nicht  fand,  so  stiftete  man 
et  Stellas  vocatis  etc.  Nach  dem  Vorgänge  des  der  Erigone  zum  Andenken  die  Feier  der 
Piaton  uod  Aristoteles  hielten  die  Stoiker  die  Jkogct,  das  Schaukelfest  (auch  EvSstnvog  ge- 
Gestirne für  vernünftige,  .göttliche  Wesen;  nannt,  Et.  M.  s.  v.  alcoga);  wobei  allerlei  kleine 
vgl.  Cic.nat.deor. 2, 16, 39 f.  Vielleicht  war  lul.  Bildwerke,  Masken,  Phallen  (in  Italien  oscilla 
Placid.  Anhänger  der  stoischen  Philosophie.  gen.,  vgl.  0.  Jahn,  Arch.  Beitr.  p.  324;  Macr. 
[Hirschfeld  zu  C.  I.  L.  a.  a.  0.  bemerkt:  'non  Sat.  1,  7,  35)  an  den  Bäumen  in  der  Schwebe 
recte  ad  fontem  ardentem,  unuin  ex  septem  aufgehängt  und  geschaukelt  wurden,  unter 
Delphinatus  miraculis,  quinque  chiliometra  ab  Begleitung  eines  Gesanges,  den  man  auch 
oppido  Vif  distantem,  dedicationem  referunt  'AXfjng  nannte  (Athen.  14,  10.  Poll.  4,  55), 
Long  et  Yallentin;  Ignes  aetemi  mihi  sunt  20  und  dem  Vater  wie  seiner  Tochter  die  Erst- 
Sol  et  Luna,  quos  aeternos  dictos  coniuuetirn-  linge  der  "Weinlese  dargebracht  wurden.  Vgl. 
que  eultos  esse  notum  est  (cf.  Jahn,  Archaeolog.  Ael.  n.  an.  7,  28;  Luc.  sali.  40.  Auch  den 
Beiträge  p.  89,  Preller,  R.  M.s  1  p.326,  Mommsen  Schlauchtanz  (day.coXiaafj.6g),  eine  der  beliebte- 
in huius  operis  vol.  I  p.  400  [zum  28.  August]),  sten  Lustbarkeiten  der  Weinlese,  wobei  man 
fierique  potest,  ut  titulus  ad  Aureliauum  im-  Weinschläuche  aufbliefs,  mit  Ol  bestrich  und 
peratoreni  studiosissirnum  Dei  Solis  eultorem  darauf  sprang,  führte  man  auf  Ikarios  zurück, 
referendus  sit',  was  Hirschfeld  weiter  aus-  der  aus  dem  Felle  eines  Bockes,  welcher  seine 
führt.     R.  Peter.]     [Koscher.]  Reben    beschädigte,    einen  Schlauch    gemacht 

Ikadios   ('Ixciäiog),    Sohn   des  Apollon   und  und    darauf  in   der   Lust  der  ersten  Weinlese 

der  Nymphe  Lykia,  der  das  Land,  in  dem  er  30  getanzt  habe  [A.  Ztg.  5,  130 R.].     Nach  Hyg. 

geboren  war,  nach  seiner  Mutter  Lykia  nannte  p.  astr.  dörrte  der  aufgehende  Hundsstern  die 

und   dort    die   Stadt   Patara   mit    dem   Orakel  Fluren    und    erzeugte   Krankheiten   zur  Strafe 

des    Apollon   gründete.     Als   er   darauf  nach  für  die  Ermordung  des  Ikarios.     Als  Aristaios 

Italien  fuhr  und  Schiffbruch  litt,  wurde  er  von  deshalb    seinen   Vater  Apollon    befragte,    riet 

einem   Delphin  in   die  Nähe   des  Parnafs   ge-  dieser,  den   Tod  des  Ikarios  mit  vielen  Opfern 

tragen,    wo    er    dem    Apollon    einen    Tempel  zu   sühnen  und   den  Zeus  um   die  Etesien  zu 

gründete  und  nach  dem  Delphin  die  Stadt  Delphi  bitten.   Zeus  gewährte  die  Bitte  und  liefs,  wenn 

nannte.     Nach  Cornificius  Longus   war  er   ein  der  Hundsstein  aufging,   40   Tage   den  Wind 

Kreter,  Bruder  des  Iapys  (s.  Iapyx);  dieser  kam  wehen,  Apollod.  3,  14,  7;   Paus.  1,  2,  4;  Luc.  d. 

nach  Italien,  Ikadios  aber,  von  eiuem  Delphin  40  deor.  18,  2  mit  Schol.;  Hes.  s.  v.  Jloigix,  "Alrj-cig; 

geführt,    an   den    Parnafs,   wo   er  Delphi   und  Schol.   Hom.   II.  22,  29;    Eustath.   p.  389,  43; 

den  Krisäern  (Kretäern)  den  Namen  gab,  Sen:  1535,  38;    Porphyr,    de  abst.   2,    10;     Hyg.   f. 

Yerg.  Acn.  3,  332.    Vgl.  Itc/en  ad  Hom.  hymn.  130;   P.  A.  2,  4.  Sero,  zu  Yerq.  Georg.  1,  67, 

p.  341.    Müller,  Dor.   1,  209  f.  215.     [StolL]  218;    2,  389;    Schol.   zu   Ov.  Ibis  609;    Tib.  4, 

Ikarion    ('Iv-agimv),    Sohn   des   Oibalos   und  1,    19;    Prop.   2,   33,   29;     Ov.    Met.    6,   126;' 

der  Najade   Bateia,  sonst  Ikarios    (s.   d.)   ge-  10,  451.    Die  Sage  stellt  in  sehr  durchsichtiger 

nannt,  Apollod.  3,  10,  4,  5.    [Höfer.]  Weise  das  Aufleben  der  Vegetation  im  Früh- 

Ikarios  ('IxÜQiog,  "ixtxQog,  'Ikupiojv),  1)  ein  ling  und  ihres  Hinsterbens  unter  der  Herr- 
Athener,  der  den  unter  Pandions  Regierung  schalt  des  Hundssternes  dar.  Vgl.  Welcher, 
nach  Athen  gekommenen  Dionysos  freundlich  50  Nachtr.  p.  222  f.;  Schwende,  And.  p.  148; 
aufgenommen  haben  soll.  Zum  Dank  dafür  Übers,  der  hom.  Hymnen  p.  309  f.;  Preller, 
lehrt  ihn  der  Gott  die  Kunst  des  Weinbaus  Dem.  21.  Fers.  288  A.  17;  Mittelhaus,  de  Baccho 
und  giebt  ihm  Schläuche  mit  Wein.  Um  diese  Attico.  Bresl.  1874.  p.  5.  Über  bildl.  Darstellungen 
Gabe  zu  verbreiten,  fährt  nun  Ikarios  im  Lande  vgl.  v.  Kühler,  descr.  d\tn  came'e  ant. ;  O.  Jahn, 
(nach  Liban.  narr.  23  p.  1107  in  Thrakien)  Arch.  Ztg.  1847  nr.  9  t.  9.  Die  Einkehr  des 
umher  und  läfst  die  Bauern  davon  kosten.  Dionysos  glaubte  man  auf  einer  Anzahl  Re- 
Diese  werden  berauscht,  halten  sich  für  ver-  liefs  dargestellt  zu  sehen;  doch  scheinen  sie 
giftet,  töten  den  Ikarios  mit  Knütteln  oder  vielmehr  eine  allgemeinere  Bedeutung  zu 
stürzen  ihn  in  eine  Grube  'ohne  Wasser'  oder  haben  in  dem  Sinne,  dafs  Dionysos  überall 
begraben  ihn  unter  einem  Baume.  Seine  oo  da,  wo  er  reichen  Segen  spendet,  als  ein- 
Tochter Erigone  ('Hgiyovn,  die  Lenzgeborene),  kehrend  gedacht  wurde.  Vgl.  O.  Jahn,  Arch. 
auch  Aletis  ('AXririg,  die  Umherirrende)  genannt  Beitr.  p.  198 — 211;  Leneken ,  de  Theoxeniis, 
(vgl.  über  diese  E.  Maafs  in  d.  Piniol.  Unters.  Berl.  1881  p.  47  —  56;  Arch.  Ztg.  1881  p.  275 f. 
von  Kiefsling  u.  Wilamoicitz  Heft  6.  7),  sucht,  [ob.  Bd.  1  Sp.  1144  u.  2541;  ferner  die  schwarz- 
von  ihrem  Hunde  Maira  (MctCga)  geleitet,  sein  figur.  Vasen  des  Britischen  Museums  nr.  565 
Grab  und  findet  es  nach  langem  Umherirren  u.  577  =  Arch.  Z.  10,  176*.  Röscher.] 
auf  dem  Hymettos.  In  ihrer  Verzweiflung  er-  2)  S.  des  Perieres  und  der  Gorgophone,  Br. 
1  ängt  sie  sich  an  dem  Baume,  unter  dem  ihr  des  Aphareus,  Leukippos,  Tyndareos,  Enkel  des 


113 


Ikarios 


Ikaros 


114 


Aiolos  oder  des  Kynortas,  Apollod.  1,  9,  5; 
3,  10,  3;  Tzetz.  Lyk.  511;  oder  S.  des  Oibalos 
und  der  Bateia,  Br.  des  Tyndareos  und  der 
Arene  ("Agvr}  Schol.  Eur.  Or.  457),  Halbbruder 
des  Hi]3pokoon,  Enkel  des  Perieres,  Apollod.  3, 
10,  4;  Schol.  Eur.  Or.  457;  Eustath.  293,  11; 
oder  Sobn  des  Oibalos  und  der  Gorgophone, 
Enkel  des  Kvnortas,  Paus.  3,  1,  4.  Nacb 
Paus.  2,  21,  8;    3,  1,  4;    4,  2,  3    war   Gorgo- 


Scliol.  Villi,  zu  II.  2  v.  581  stebt  "i-nagog  statt 
'!%ägiog.  Bildlich  dargestellt  erscheint  Ikarios 
als  Greis  auf  einer  Berliner  Vase  des  Hieron 
(Furtwängler  nr.  2291  =  0.  I.  Gr.  nr.  8220),  bei 
der  Entführung  der  Helena  neben  seinem  Bruder 
Tyndareos.  —  3)  s.  Ikaros.  Boscher.]  [Schultz.] 
Ikaros  ("Ixagog),  1)  Sohn  des  Daidalos  (auch 
Ikarios  genannt,  Dio  Chrysost.  or.  71  p.  626  b, 
vgl.  Hesych.  [Schmidt]  'lxcep[i]os),  der  nach  der 


phone   zuerst  mit  Perieres,   dann   mit  Oibalos  10  gewöhnlichen  Sage  mit  seinem  Vater  Daidalos 


verheiratet.  Vgl.  über  diese  Genealogieen 
Deimling,  Lcleger  p.  118  ff.  Hippokoon  ver- 
treibt Tyndareos  und  Ikarios  aus  Lakedaimon. 
Auf  der  Flucht  gelangen  sie  zu  Thestios  in 
Pleuron  und  wohnen  dort  jenseits  des  Acheloos. 
Tyndareos  kehrte  später, 
nachdem  Herakles  die  Hip- 
pokoontiden  erschlagen, 
zurück;  Ikarios  aber  blieb 
in  Akarnanien  (bei  Apollod. 
3,  10,  5  kehrt  auch  er  zu- 
rück). Nach  Paus.  3,  1,  4 
u.  Schol.  Eur.  Or.  457 
standlkarios  auf  seifendes 
Hippokoon  und  vertrieb 
mit  diesem  den  Tyndareos. 
In  Akarnanien  zeugte  er 
mit  Polykaste,  der  T.  des 
Lygaios,  die  Penelope,  den 
Alyzeus  und  Leukadios, 
Strab.  p.  452.  461.  Bei 
Schol.  Od.  15,  16  werden 
Dorodoche,  T.  des  Orsi- 
lochos,  oder  Asterodeia, 
T.  desEurypylos,  als  seine 
Frauen  genannt.  Oder  er 
zeugt  mit  der  Najade 
Periboia  Thoas,  Damasip- 
pos,  Imeusimos,  Aletes  und 
Penelope  (Apoll.  3,  10,  6; 
Paus.  8,  34,  2 ;  Tzetz.  Lyi. 
511;  vgl. Schol.Od. a.a.O.; 
Eustath.  zu  Hom.  1773, 22), 
auch  Iphthime  (OdA,  797). 
Elatos  heifst  sein  Sohn  bei 
Schol.  Apoll.  Ehod.  1, 102. 
Für  die  Freier  seiner 
Tochter  stellte  er  einen 
Wettlaufan,  in  welchem 
Odysseus  siegte  (Paus.  3, 12,2), 
3,10,9  wirbtTyndareos  bei  seinem  Bruder  Ikarios 
für  Odysseus  um  die  Penelope  zum  Danke  da- 
für, dafs  dieser  den  klugen  Rat  gegeben,  die 
vielen  Freier  schwören  zu  lassen ,  dem  er- 
korenen Bräutigam  gegen  jeden  beizustehen, 
der  ihn  angreife.  Als  Penelope  verlobt  war, 
wollte  Ikarios  den  Od.  bewegen,  in  Lakedai- 
mon zu  bleiben.  Od.  aber  weigerte  sich  und 
zog  mit  der   Braut   ab.     Als   dennoch  Ikarios 


(s.  d.)  vor  dem  Zorn  des  Minos  aus  Kreta  ver- 
mittelst künstlicher  Flügel  entfloh,  trotz  der 
Warnung  des  Vaters  aber  seinen  Flug  zu  hoch 
nahm  und,  infolge  des  Schmelzens  des  Wachses 
seiner  Flügel  beraubt,  ins   Meer   stürzte    und 


Daidalos  u.  Ikaros,  Wandgemälde  (nach  Arch.  Ztg.  1S77  Taf.  II,  Fig.  -2). 

Nach  Apollod.  so  ertrank;  Xenoph.  Memor.  4,  2,  33.  Diod.  Sic. 
4,  77,  9.  Strabo  14,  1,  19  p.  639.  Arrian.  Anab. 
7,  20,  5.  Lucian.  Gatt.  23.  Imag.  21.  Navig. 
46.  Philostephanos  und  Kallimachos  im  schol. 
Hom.  II.  2,  145.  Bio  Chrysost.  or.  4  p.  79  a. 
71  p.  626  b.  Hesych.  Zenob.  4,  92.  Eust.  ad 
II.  193,  4.  Anecd.  Par.  2,  384.  Ovid.  Met.  8, 
223  ff.  Hygin.  fab.  40.  Serv.  ad  Verg.  Arn. 
6,  14.  Append.  narrat.  32  (Westermann  p.  373). 
Nach    euhemeristischer   Sage    flohen  beide  zu 


folgte,   verlangte   Od.,   dafs  seine   Braut   sich  co  Schiffe    (Palaeph.    13.     Phanodikos    bei    Serv. 


erkläre;  sie  schwieg,  aber  indem  sie  sich 
schamhaft  verhüllte,  erklärte  sie  damit,  ihm 
folgen  zu  wollen.  An  der  Stelle  errichtete 
Ikarios,  der  nun  nachgab,  eine  Bildsäule  der 
Schamhaftigkeit,  Paus.  3,  20,  10;  vgl.  Arist. 
Poet.  25;  Steph.  Byz.  s.  v.  'Alv&iu  und  Tccivcc- 
gog;  Eustath.  1417,  21;  Athen.  18,  597  e.  [Bei 
Schol.  Eur.  Or.  457-   Eust.  zu  II.  B.  p.  293,  10. 


a.  a.  O.  =  F.  H.  G.  4,  472),  und  Ikaros  fand 
seinen  Tod,  indem  er  durch  ungeschicktes 
Steuern  das  ihn  tragende  Segelschiff  um- 
schlagen liefs  (Paus.  9,  11,  5).  oder  indem  er 
bei  der  Landung  tollkühn  aus  Ufer  zu  springen 
versuchte,  dabei  aber  ins  Meer  stürzte  (Dtod. 
Sic.  4,  77,  6).  Nach  Menekrales  bei  Serv. 
a.  a.  O.  =  F.  H.  G.  2.  344  wurde  er  nach  der 


115 


Ikaros 


Ikaros 


116 


Flucht  des  Daidalos  von  den  Athenern  vertrieben 
und  kam  auf  der  Suche  nach  dem  Vater  durch 
Schiffbruch  um.  Den  von  den  Wellen  ans  Land 
(Insel  Doliche)  gespülten  Leichnam  findet  und 
bestattet  Herakles  (Apollod.  2,  6,  3,  4.  Paus. 
a.  a.  0.)i  die  Insel  selbst  erhält  nun  den 
Namen  Ikaria  oder  Ikaros  (Paus.  Apollod. 
Strato.  Arrian.  a.  a.  0.  Diod.  Sic.  4,  77,  6; 
vgl.  Ovid.  Met.  8,  235;  bei  Aescli.  Pers.  876  [K.~] 
wird  sie  'Holqov  iäog  genannt).  Der  Grab-  10 
hügel  des  Ikaros  ward  auf  einer  in  das 
aigaiische  Meer  vorspringenden  Landspitze  ge- 
zeigt (Paus.  a.  a.  0.);  oder  Daidalos  bestattet 
selbst  seinen  Sohn,  nachdem  er  dem  Ikaros 
nach  Sicilien  vorausgeflogen  war  und  ihn  dort 


',f<  ~~> 


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Daidalos  u.  Ikaros,  Wandgemälde  (nach  Arch 


vergeblich  erwartet  hatte  (schal.  II.  a.  a.  0.),  auf 
der  Insel  Ikaria  (Ovid.  Met.  8,  235;  vgl.  Palaiph. 
a.  a.  0.).  Auf  den  Bernsteininseln  hatte  Daidalos 
seine  und  des  Ikaros  Bildsäule  aufgestellt  (.Ari- 
sto*, de  mir.  aud.  81  p.  836  b.  Steph.  Byz.  s.  v. 
'HliY.Tei'Szg  vriooi)  und  auf  den  Thürflügeln 
des  von  ihm  zu  Cuinae  erbauten  Apollon- 
tempels  war  wohl  auch  von  seiner  Hand  das 
Schicksal  seines  unglücklichen  Sohnes  darge- 
stellt (Serv.  a.  a.  0.;  vgl.  jedoch  Yerg.  Aen.  < 
6,  31);  das  Meer,  in  welches  Ikaros  gestürzt 
war,  heifst  nach  ihm  das  ikarische  (s.  z.  T. 
obige  Stellen  und  aufserdem  Lucian.  IJcar.  3. 
Philops.  2.  Eust.  II.  192,46.  Ovid.  Met.  8,  230. 
Irist.  1,  1,  90.  Fast.  4,  283;  vgl.  Heroid.  17 
[18],  50).  Ikaros  gilt  für  den  Erfinder  der  kunst- 
mäfsigen  Verarbeitung  des  Holzes  (Hesych. 
Curtius,  Griech.  Etym.5  461  leitet  den  Namen 


Ikaros  vom  Stamme  in,  lat.  ic  [ictüs]  =  schlagen, 
stofsen  ab)  und  des  Segels  (Plin.  hist.  nat.  7, 
56,  208.  Epigramm  des  Iiüianos  auf  ein  ehernes 
Standbild  des  Ikaros:  Anth.  Planud.  107.  108). 
Als  Person  trat  Ikaros:  in  den  Kretern  des 
Euripides  auf  (schal.  Arist.  ran.  849),  und  auch 
sonst  wurde  der  Mythos  dramatisch  behandelt 
(vgl.  schol.  Arist.  pae.  141  Tovg  tpaytxoig 
jra/Jft  §iä  xa  nsgl  'Iy.uqov  liyo^uva)  oder  auch 
in  Tänzen  dargestellt  (Luc.  Salt.  49;  vgl.  auch 
Suet.  Nero  12).  Spätere  Deutung  der  Sage  bei 
Pseudo-Luc.  Asirol.  15  =  Anonym,  bei  Wester- 
mann p.  324,  14.  Eust.  IL  193,  6.  [Bild- 
werke: Vgl.  aufser  den  oben  Bd.  1  Sp.  937 
Z.  24  angeführten  Monumenten  noch  den  Onyx- 
kameo  Mus.  Borbon.  2, 
28,  1:  „I.  auf  einem  Posta- 
mente stehend,  während 
ihm  Daidalos  die  schon  am 
Rücken  hängenden  Schwin- 
gen noch  durch  Ring- 
klammern am  Arme  be- 
festigt. Eine  links  stehende 
Frau  nimmt  man  für  die 
befreundete  Pasiphae,  oder, 
da  sie  den  Hammer  hält, 
für  eine  Personifikation  der 
Skulptur;  rechts  sitzt  die 
kretische  Göttin  Diktynna 
oder  Britoruartis  in  phry- 
gischer  Tracht  mit  hohen 
Jagdstiefeln,  Köcher  und 
Bogen  auf  dem  Rücken,  den 
Speer  in  der  Hand."  Vgl. 
ferner  die  Paste  des  Brit. 
Museums  (Catal.  of  engrav. 
gems  in  the  Brit.  Mus.  nr. 
1332:  „Icaros  Stands  half 
turned  to  l.  hands  raised 
to  wings;  Daidalos  Icneels 
oehind  him  with  both  hands 
raised,  and  droped  round 
7oins."ib.nr.  1333:  „I.flyin'g 
to  r.  over  waves.  Paste." 
Das  Relief  einer  aus  der 
Gegend  von  Neapel  stam- 
menden Thonlampe  (ab- 
gebildet Arch.  Z.  10  [1852] 
Taf.  39, 2;  vgl.  S.  423  f.)  stellt 
ebenfalls  1.  über  das  Meer 
fliegend  dar,  unter  ihm  rudert  ein  Fischer  da- 
hin (vgl.  Ov.  Met.  8,  226  ff.),  im  Hintergrunde 
sitzt  Minos  auf  den  Zinnen  seiner  Barg  und 
schaut  dem  Flüchtlinge  mit  erstaunter  Gebärde 
nach  (vgl.  Ov.  Met.  8,  187).  Vgl.  in  betreff  der 
Daidalos  und  Ikaros  angehenden  Monumente 
im  allgemeinen  MiÜUr,IIdb.  d.  Archäol.  §418, 1. 
E.  Pottier  im  Dictionnaire  des  antiq.  sous  la 
direct.  de  Daremberg  et  Saglio  Bd.  II  p.  6  ff. 
u.  Baumeister,  Denhn.  d.  Id.  Altert.  S.  403  ff. 
Röscher.]  —  2)  Vater  des  Elatos,  Grofsvater 
des  Tainaros,  Pherclcyd.  im  schol.  Apoll.  Bhod. 
1,  102.  Meinehe  zu  Steph.  Byz.  s.  v.  Tat'vaQog 
verlangt  Ikarios.  —  3)  Vater  des  Alyzos,  Steph. 
Byz.  s.  v.  'Alv&La-  auch  hier  schreibt  Meineice 
Ikarios.  —  4)  Vater  der  Erigone,  sonst  Ikarios 
(s.  d.)  genannt,  Pro».  3,  33,  29.  Ttbull.  4,  1,  10. 
Ov.  Ib.  609.  —  5)  König  v.  Karien,  der  die  von 


Taf.  II,  Fig.  1). 


117 


Ikastos 


Ilioneus 


118 


Seeräubern  entführte  Tochter  des  Thestor,  die 
Theonoo ,  kaufte  und  zu  seinem  Kebsweib 
machte  (das  Nähere  unter  Leukippe,  Theonoe, 
Thestor).  Hygin.  fab.  190.  [Höfer]  —  G)  s. 
Ikarios. 

Ikastos  ("Iytaatog),  Sohn  des  Aiolos,  gewöhn- 
lich Iokastos  (s.  d.),  oder  auch  Akastos  (Enst. 
ad  Dionys.  Per.  476)  genannt,  Bellten  anecd. 
283,  23.     [Höfer.] 

Ikelos  ("intXog) ,  ein  Traumgott,  der  nur  in 
Tiergestalt  sich  zeigt.  Ikelos  heifst  er  bei 
den  Göttern,  während  ihn  die  Menschen  Pho- 
betor  nennen,  Ovid.  Metam.  11,  640.    [Höfer.] 

Ikmaios  (Txftafos),  Beiname  des  Zeus:  der 
Befeuchtende  (Itifiaivo],  befeuchten),  der  Regen- 
spendende (wie  vsztog,  oußoiog).  Auf  Keos 
feierte  man  zur  Zeit  der  Hundstage  ein  Fest, 
damit  die  Etesien  erfrischenden  Tau  und 
Regen  brächten.  Das  Fest  stand  in  Verbin- 
dung mit  dem  Kulte  des  Aristaios  (s.  d.),  der 
hier  einen  Altar  des  Zeus  Ixfiatog  gestiftet 
und  zuerst  ihm  geopfert  und  zu  ihm  gebetet 
haben  soll.  Zeus  Iv.uaiog  ist  derselbe  wie  Z. 
äv-xaiog  am  Pelion.  Ap.  Rh.  2,  522  mit  Schöl. 
Müller,  Orehom.  249.  348.  Preller,  Demeter  u. 
P.  248,  15.  Gr.  Myth.  1,  114.  374.  Lauer, 
System  197.  Gerhard,  Gr.  Myth.  1  §  192,  2, 
197,  3.  199,  8.  Welcher,  Gr.  Götterl.  1,  490. 
[Für  das  bärtige  Haupt  auf  dem  Obv.  von 
Münzen  von  Keos,  Karthaia,  Koresia  und  Iulis 
läfst  Eead,  H.  N.  p.  410ff.  die  Wahl,  ob  man 
darin  den  Zeus  Ikmaios  oder  den  Aristaios  zu 
erkennen  hat.     Drexler.]  [Stoll.] 

Ikmalios  ('ly.aaliog),  ein  Zimmermann  in 
Ithaka,  der  den  kunstvollen,  mit  Elfenbein 
und  Silber  ausgelegten  Lehnsessel  der  Pene- 
lope  verfertigt  hatte;  Hom.  Od.  19,  57  (JEust. 
1855,  16);  nach  Ourtius,  Griech.  Etym.5  461 
vom  Stamme  in.  latein.  ic  (ictus)  =  schlagen, 
stofsen;  anders  Eitst.  1855,  29:  'iv.ficxXtog  ovouu 

oi'AlLOV    XEHTOVl    £vl(OV,    «     XQrj6l^LCi    yiVETCCt    [lETCi 

rö  i^iniiaß&rjvoit.     [Höfer.] 

Hat  s.  Astarte. 

Ilea  ('Uta).  Auf  einer  Münze  von  Pessinus  ist 
dem  Haupte  der  Kybele  beigeschrieben  0£A 
IA€A,  Num.  Chron.  1876  p  79.  Zeitschr.  f.  Nim. 
4,  1877  p.  287.  Eead,  H.  N.  p.  630.    [Dresler.] 

Ileithyia  s.  Eileithyia. 

Hin  ('IXt'ct),  in  der  gräcisierenden  Sage  der 
Römer  die  Mutter  des  Romulus  und  Remus, 
gleich  der  Rea  (Rhea)  Silvia  in  der  ge- 
wöhnlichen Sage ,  Verg.  Aen.  1 ,  274.  7,  659. 
Hyg.  f.  252.  Fest.  p.  267  Müller.  Plut.  Romul. 
3.  Konon  48;  s.  Rea  Silvia.  Perizonius  zu 
Ael.  Var.  Hist.  7  p.  510  ff.  beweist,  dafs  die 
Mutter  des  Romulus  als  Ilia  immer  Tochter 
des  Aeneas,  als  Rea  Silvia  Königstochter  von 
Alba  ist,  dafs  Ilia  nie  Rea  heifst.  Bei  den 
älteren  römischen  Dichtern  Naevius  und  Ennius 
ist  Ilia  noch  die  Tochter  des  Aeneas  und 
dieser  der  Grofsvater  des  Romulus  und  Remus, 
Serv.  Verg.  Aen.  1,  273.  6,  778  (Valden,  Enn. 
poes.  rel.  p,  9  ff.),  vgl.  Dion.  Hai.  A.  Born. 
1,  73.  In  dem  ennianischen  Fragment  bei  Cic.  de 
divin.  1,  20,  40  (Vahlenp.  10  nr.  34;  vgl.  Robert, 
Arch.Z.Sl,2ö)  heifstllia  eine  Tochter  des  Aeneas 
und  Stiefschwester  der  Eurydike,  sie  selbst  ist 
also  wohl  Tochter  des  Aeneas  und  der  Lavinia. 


Bei  Ennius  ist  Ria  auch  Vestalin,  und  auch 
Amulius  wird  genannt,  ohne  dafs  abzusehen 
ist,  wie  er  die  gewöhnliche  Tradition,  der  er 
folgt,  mit  der  Voraussetzung,  dafs  Ilia  des 
Aeneas  Tochter  sei,  in  Einklang  gebracht  hat. 
Nach  Ennius  bei  Porphyrion  zu  Hör.  Carm. 
1,  2  wurde  Ilia,  nachdem  sie  die  Zwillinge 
des  Mars  geboren,  auf  Befehl  des  Amulius, 
Königs   der  Albaner,   in    den  Flufs   geworfen; 

10  der  Flufsgott  Anio  aber  oder  Tiberinus  machte 
die  zu  einer  Göttin  Erhöhte  zu  seiner  Ge- 
mahlin, Serv.  V.  Aen.  1,  273.  3,  333.  Hör. 
Carm.  1,2  u.  dazu  Acro  u.  Porphyr.  Ovid 
Am.  3,  6,  45.  Fast.  2,  598.  Claudian.  in  Prob, 
et  OVybr.  cons.  225.  Sidon.  Apoll.  Paneij.  in 
Maior.  28.  Mythoqr.  Vat.  1  f .  30.  —  Niebuhr, 
R.  Gesch.*  1,  220  ff.  Schwegler,  R.  Gesch.  1, 
407  f.  Preller,  R.  Myth.1  697.  511.  Müller, 
Bor.  1,  223.    Preuner,  Hestia-Vesta  289  f.  378. 

20  u.  d.  Art.  Mars  u.  Rea  Silvia.  [Auf  einem  der 
Medaillons  des  zu  Aisnay  gefundenen  Gefäfses 
(Caylus,  Rec.  d'ant.  VI  PI.  CVU,  p.  338—341; 
Miliin,  Voyage  dans  les  depart.  du  midi  de  la 
France  I  p.  439  Note  1  zu  p.  438;  Comarmond, 
Descr.  des  ant.  et  objets  d'art  contenus  dans  les 
salles  du  palais-des-arts  de  la  rille  de  Lyon 
p.  42— 43,  nr.  211,  pl.  II;  A.  de  Boissieu,  Inscr. 
ant.  de  Lyon  p.  463 ff.;  Froehner,  Les  musc'es 
de  France  p.  65 — 66)   sind  Mars  und  Ilia  mit 

30  den  Beischriften  MARS  und  ILIA  dargestellt. 
Vgl.  Bonner  Jahrb.  1  p.  45  ff.  Tf.  1  f.    Drexler.] 

[Stoll.] 
Ilias  (Iliäg),  Personifikation  des  Homerischen 
Gedichtes,  zusammen  mit  der  Odysseia  neben 
Homer  dargestellt  auf  dem  bekannten  Relief 
der  Apotheose  Homers;  vgl.  Baumeister,  D. 
d.  cl.  Alt.  S.  Ulf.  [Röscher.] 

Ilias  ('Iliäg),  Beiname  der  Athena  in  Ilion 
auf  Münzen  von  Ilion  mit  dem  Kultusbild  der 

io  Göttin  und  der  Revers -Aufschrift  AOHNAÜ 
IAIAAOZ,  Read,  H.  N.  p.  473.     [Drexler.]  _ 

Ilieus  {'iXistig),  Beiname  des  Apollon  in  Troja, 
Steph.  Byz.  s.  v.  "lliov.  'ttisig  ö  'JtzoXXcov  iv 
Tooi'a;  auch  inschriftlich  bezeugt  G.  I.  G. 
3614'd   'Anöllavog  xov  'lld[a>]g.     [Höfer.] 

Ilion.  Auf  einer  Münze  des  Elagabal  (?) 
von  Ilion  soll  die  Stadtgottheit  von  Ilion,  der 
Roma  die  Hand  reichend,  unter  Beifügung  der 
Beischriften  IAION  •  PQMH  dargestellt  sein,  Mi. 

50  S.  5,  574,  187  (nach  Vaillant),  Head,  H.  N. 
p.  473.  Vgl.  Schliemann,  Ilios  719.  [Drexler.] 
Ilione  ('Iliüvi}),  die  älteste  Tochter  des 
Priamos  und  der  Hekabe,  Verg.  Aen.  1,  653. 
Hyg.  f.  90.  Sie  war  vermählt  mit  dem  thra- 
kischen  König  Polymestor,  welchen  sie  wegen 
seiner  Treulosigkeit  und  Feindseligkeit  gegen 
ihre  Familie  tötete,  Hyg.  f.  109.  240.  243.. 254, 
vgl.  Serv.  V.  Aen.  3,  15.  49.  1,  653.  Über 
die   Tragödie  Iliona   des  Pacuvius   und    deren 

60  Inhalt  s.  De'ipylos  nr.  3.  Welcher,  Gr.  Trag. 
3  p.  1150  ff.  Düntzer,  Zeitschr.  /'.  Altsiu.- 1838 
p.  57  ff.  Riboeck,  trag.  lat.  rell.  p.  83  u.  292. 
Ribbeck,  Die  röm.  Trag.  232  ff.,  vgl.  Horat. 
Serm.  2,  3,  61  u.  Sehol.     [Stoll.] 

Ilioneus  ('Iliovsvg),  1)  der  jüngste  Sohn 
des  Amphion  und  der  Niobe,  Ov.  Met.  6,  261. 
[Über  den  früher  sog.  Ilioneus  (=  Troilos) 
der  Münchener  Glyptothek  s.  Wieseler,  D.  d.  a. 


119                         Ilios  Ilos                          120 

K.  1  Taf.  XXXIV  E  und  Text  dazu;  Arch.  Z.  des   Laoinedon,    Grofsvater   des  Priamos   uud 

26,45.    Brunn,  Beschreib,   d.   Glyptothek*  S.  der  Hesione  (Apöllod.  a.  a.  0.   II.  20,  232.  236), 

176ff.  R.]  —  2)  Sohn  des  reichen,  von  Hermes  Gründer  von]  Kos.  Hierüber  berichtet  Apollodor, 

geliebten  Phorbas,  ein  Trojaner,  von  Peneleos  llos   sei  nach  Phrygien    gekommen   und  habe 

erlegt,  11.  14,  489  ff.  —  3)  Trojaner,  Begleiter  in  einem  von  dem  dortigen  König  angestellten 

des  Aeneas,   Verg.  Aen.  1,  120.  521.  9,  601.  —  Kampfspiel  im  Ringkampf  gesiegt.    Als  Preis 

i)  Ein  troischer  Greis,  von  Diomedes  bei  der  habe    er    50    Jünglinge    und    50    Jungfrauen 

Eroberung   der   Stadt   trotz  seiner  Bitten  ge-  bekommen    und    einem    Orakelspruch    zufolge 

tötet,  Quint.  Sin.  13,  181.     [Stoll.]  habe    ihm    der    König    auch    eine    scheckige 

llios.   Die  Aufschrift  IH OS  auf  einer  Bronze- 10  Kuh    (das    heil.    Tier    der    Pallas?)    gegeben 

kiste    von   Palestrina    (B.   Schöne,    Ann.   deW  mit  der   Bestimmung,  dort,   wo  die   Kuh  sich 

Inst.  1870  p.  334 — 53.    Mon.  delV  Inst.  8  Tav.  niederlege,    eine    Stadt    zu    gründen.     Er    sei 

XXII — XXV.    Vente   Castellani  nr.  359.    Bull.  ihr    nun  nachgegangen,  und   als   sie   auf  dem 

epigr.  de  la  Gaule  4  p.  151)  wird  von  Corsscn,  Hügel    der  sogen,   phrygiseken  Ate   sich  ge- 

Ann.   a.  a.  0.  p.  338   als  Pferdename   erklärt,  legt,  habe  er  dort  eine  Stadt  gegründet  uud 

während   Schöne  p.  340  —  341    auf  Grund   des  llios   genannt.     Vgl.  Steph.  Byz.  s.  v.  'AzioXo- 

Punktes   zwischen    \l  \X   und  IHOS   einen  Zu-  qpo?   (Ate,   von    Zeus   vom    Himmel    herabge- 

sammenhang  zwischen  beiden  Namen  annimmt  schleudert,  soll  hierher  gefallen  sein  und  der 

und  "lliog    für   ein   Adjektiv,    abgeleitet    von  Hügel    davon  seinen    Namen   erhalten  haben; 

'ilsvg,  einer  Nebenform  von  Ollevs,  also  „der  20  s.   Ate).     Bemerkenswert   ist,    dafs    dnreh   die 

Sohn  des  Oileus"  erklärt.     [Drexler.]  Führuug    der  Kuh    Ilos*  wieder    in    die  Nähe 

Ilissides  (TAicof'iJf s),  Beiname  der  am  Ilissos  seiner    Heimat     zurückgebracht    wird,     denn 

verehrten  Musen,    Apollodor    bei    Steph.  Byz.  schon  Dardanos  siedelte  sich  von  Samothrake 

s.  v.  'l?.iaaögM  in  der  Nähe  des  Flusses  befand  aus  auf  dem   ,. gegenüberliegenden  Festlande" 

sich  ein  ßcogog  Movaäv  EiliaßLccöoiv ,  Paus.  1,  an  und  gründete  die  Stadt  Dardanos  am  Hel- 

19,  5.     [Höfer.]  lespont,  im  Lande  des  Teukros,  eines  „Sohnes 

Ilissos  ('iXtooog,  IXiaog),  der  Gott  des  gleich-  des    Skamandros"    und   der   Nymphe    „Idaia", 

namigen  Flusses  in  Attika,  welcher  eiu  Heilig-  und  sein  Vater  Tros  ist  der  Enkel  des  „Simoeis  ' 

tum  in  Athen  besafs  (athenische  Inschrift  aus  und  Eidam   des  Skamandros.     In  der  Ebene 

der  Zeit  des  peloponnesischen  Krieges,  CIA.  30  des  Simoeis  und  Skamandros  also,  auf  einem 

1,  210,  k,  2  u.  1,  273,  f,  16   =   Dittenberger,  Hügel   {Xocpog)  ward  Ilion  gegründet,   Diod. 

syll.  29,  82);  bei  Norm.  Dion.  39,  190  wird  er  4,  75.      Nicht    zufrieden    mit    der    durch    die 

als  ya/xoacoXog  geehrt.     [Ober  die  Darstellung  Kuh    ihm    gewordenen   Andeutung  bittet    Ilos 

des  Ilissos  im  westl.  Parthenongiebel  s.  Friede-  den    Zeus    um    ein    Zeichen    und    findet    am 

richs- Wolters,  Gipsabgüsse  S.262R.]  [Steiiding.]  folgenden  Tage  vor  seinem  Zelt  das  Simsxsg 

Ilixo.  Ein  Gott  dieses  Namens  erscheint  auf  naXXaSiov,  ein  Bild  von  3  Ellen  Höhe,  mit 
drei  kurzen  Inschriften,  welche  mit  Nymphen-  enggeschlossenen  Füfsen,  den  erhobenen  Speer 
steiuen  in  den  Thermen  von  Bagneres-de-  in  der  R.,  in  der  L.  Spindel  und  Pocken. 
Luchon  zu  Tage  gefördert  wurden.  L.  Ecnier,  [Ganz  ähnlich  dieser  Beschreibung  findet  sich 
Bullet,  du  comite  de  la  langue,  de  Thistoire  et  40  das  Palladion  gewöhnlich  abgebildet  auf  Vasen, 
des  arts  de  la  France  III  p.  149.  Sacaze,  in  Wandgemälden  und  Reliefs  (vgl.  Overbeek, 
Epigr.  de  Luchon  p.  18.  20.  Mcrimee,  De  Gall.  hero.  Bildiv.  Taf.  26,  17.  27,  1—4.  Arch. 
antiquis  aquar.  relig.  p.  63  ff.  Man  hat  den  Ztg.  1882  Tf.  8,  2  a),  nur  dafs  die  Linke  ge- 
Namen des  Gottes  in  'Luchon'  wiederfinden  wohnlich  den  Schild  hält.]  Für  dieses  Bild 
wollen.  Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dafs  baute  Ilos  einen  Tempel.  Andere  berichten, 
es  der  Quellgott  der  Thermen  ist.  Mcrimee  als  Ilos  bei  einem  Tempelbrand  das  Bild 
verweist  noch  auf  ein  in  Vieune  gefundenes  rettete,  sei  er  erblindet,  weil  er  das  Bild  ge- 
Thongefäfs  mit  der  Inschrift  Illixo  (a.  a.  0.  schaut  habe,  das  von  niemand  gesehen  werden 
p.  69  Anmerk.  8).     [M.  Ihm.]  durfte,  was  sich  mit  dem  Bericht  des  Apollodor, 

Illyrios   ('iXXvQwg),   Sohn  des  Kadinos  und  50  wonach    doch  Ilos   das  Bild  ungefährdet  sah, 

der  Harmonia,  der  ihnen  geboren  ward,  nach-  nicht  recht  reimt.    Doch  habe  sich  Athena  ver- 

dein  sie  von  Theben  nach  lllyrien  übergesiedelt  söhnen   lassen   und   ihm   die    Sehkraft  wieder 

waren    und    hier    eine    Herrschaft    gegründet  geschenkt:   Flut.  Parcdl.   min.   gr.   et.  vom.  17 

hatten.     Er  wurde   der   Stammvater   der   illy-  =   Moralia  ed.    Wyttenbach,  Tom.   2    p.   269. 

rischen  Könige  und  gab  dem  Lande  den  Namen.  Nach  Diodor  4,  74   soll   er   den  Tantalos   und 

Apollod.  3,  5,  4.   Steph.  B.  v.  'iXXvgCa.   Strab.  dessen  Sohn  Pelops  wegen  des  Raubes  seines 

7,  326.   Dionys.  F.  95,  389.   Schol.  Veron.  Verg.  Sohnes  Ganvrnedes  aus  Paphlagonieu  vertrieben 

p.  83  Keil.  Preller,  Gr.  Myth.  2,  27,  1.  [Stoll]  haben.  Vgl*  Paus.  2,  22,  4.    Über  sein  Grabmal 

Ilos    ('ilos,   ElXog),    1)   Sohn  des   Dardanos  in   der   Ebene   vor  Ilios    vgl.  II.  10,  415.    11, 

und   der   Bateia,   einer  Tochter    des   Teukros,  00  166.    372.    24,    349.      Theokr.    16,    75.     Eust. 

Bruder     des     Erichthonios,     stirbt    kinderlos,  1352,  62.      [Eine   Münze   Caracailas   von  Ilion 

Apollod.  3,  12,  2.  zeigt  ihn  mit  der  Beischrift  6IAOC  auf  einem 

2)  Sohn  des  Tros  und  der  Kallirihoe,  einer  Altar  vor  der  Säule  mit  dem  Palladion  opfernd, 

Tochter  des  Skamandros,  Enkel  des  Erichtho-  Sestini,  Mus.  Hedervarianum  II  p.  137  nr.  17, 

nios,  Urenkel  des  Dardanos,  daher  JagSavCSra  Mionnet,  S.  V  572,  475,   Carcdoni,  Spie.  num. 

(Hom.  11.  11,  372),   Bruder  des  Assarakos,  des  p.  153,  Head,  E.  N.  p.  473.     Drexler.] 

Ganymedes   und    der  Kleopatra,    Gemahl    der  Jener  Hügel,  wo  die  Kuh  sich  legte  (nach 

Eurydike,   einer  Tochter   des  Adrastos,  Vater  Lykophr.  Alex.  29  und  Steph.  waren  es  zwei), 


121                          llunnus  Imeusimos                       122 

hiefs  auch  ßovnlavoY.Tiozog ,   von  dem  Umher-  d'une  sorte  de  petit  temple  ou  ehapelle,  dont 

irren  der  Kuh.    Nach  Tzctz.  zu  Lykopin .  a.  a.  0.  on   a    reconnu    l'emplaeement   au    milieu    des 

erhielt   llos    beim    Weiden    seiner   Herden   in  substruetions   qui  s'elevaient  au   dessus  de  la 

Mysien    von    Apollon    Priapeios    das    Orakel,  tete    de    l'emissaire    romain    et    qui   faisaient 

dort   eine   Stadt   zu  gründen,   wo   eine   seiner  partie  des  bätiments  dans   lesquels   habitaient 

Kühe    uiederfalle.      Dieser   Fall   trat    ein,    als  les  personnes  attachees  ä  l'entretien  de  l'emis- 

ihm   einst   eine    Kuh    entlief  und   er   sie    ver-  saire'):  Unesimus  Aug.  Hb  \  proc  \  fecit.     Ima- 

folgte.     Beide  Versionen  der  Sage   in  Verbin-  ginibus  et    Laribus .  cultoribus   Fucini.  Momm- 

dung  mit  dem  Stamm   seines  Namens   weisen  seil  z.  d.  Iaschr. :  rita  inscriptionem  interpretor, 

auf  llos    als   Herdenbesitzer    (ilrj)    hin.     Über  10  ut  Augusti  libertus  ille  qui  sacellum  fecit  pri- 

Ilos    und  Assarakos    als   angeblich    assyrische  ruum    id    dedicaverit    imaginibus    et    Laribus, 

Gottheiten   =   „Ilu"    und   „Assur   der  Grofse"  scilicet  dominorum  suorum  Augustorum,  deinde 

vgl.  den  Art.  Aineias  Bd.  1  Sp.  188  oben  und  F.  collegio  funeraticio  sive  cultoribus,    qui  Fuci- 

Lenormant ,  Gas.  arche'ol.  1675  p.  259  m.  Anm.  mim  sibi  elegerant  deum  tutelarem.'   [R.  Peter.] 

3)   llos,   Sohn   des   Mermeros  (M^Q^^giä-ng)  Imaon,  Eriegsgefährte  des  Haiesos,  Führers 

von  Ephyra  in  Elis  {Strabo  8   p.  338),    Enkel  der  Aurunker,  der  Bundesgenossen  des  Turnus, 

des  Pkeres,  Urenkel  des  Iason  und  der  Medeia  Verg.  Aen.  10,  424.     [Stoll.] 

nach  Eust.  p.  1415,  50  ff.  1416,  2;  vgl.  Müller,  Imbramos   (Iiißgctfiog),   karischer  Name  für 

Orchom.    p.  268.     Von    ihm    wollte    Odysseus  Hermes  nach  Steph.  B.  s.  v.  "ifißgog.    Eust.  z. 

das  Gift  zum  Bestreichen   seiner  Pfeile  holen,  20  Dion.  Per.  524.    Vgl.  oben  'Hermes'  (Sp.  2352) 

erhielt  es  aber  nicht,  da  Hos   die  Vergeltung  und  den  Art.  Kabeiroi.     [Röscher.] 

der  Götter  fürchtete;    Od.  1,  259.    2,  328.     In  Imbrasides    ('liißQaaiärjg),    d.    i.    Sohn    des 

diesem  Fall  kann  wohl  nur  das  elische  Ephyra  Imbrasos  (Serv.  ad   Verg.  Aen.  10,  123)  heifst: 

gemeint  sein;   es  gab  jedoch   mehrere  Städte  1)  Peiroos,  der  Führer  der  Thraker  aus  Ainos, 

dieses  Namens,  die  als  giftreich  (nolvcpugfiu-Aog)  Hom.  II.  4,  520.     Strabo  7   p.  331.    fr.  58.  — 

bezeichnet   und  mit  Medeia  in  Beziehung  ge-  2)  Asios,  ein  Genosse  des  Aeneas,   Verg.  Aen. 

bracht  wurden,  vgl.  Müller  a.  a.  0.    IL  11,  740  10,  123.  —  3)  Glaukos  und  Lades,   die  Söhne 

und  Krates  beim  Schal,  z.  d.  St.    [Weizsäcker.]  des  Imbrasos  aus  Lykien,  von  Turnus  getötet, 

llunnus  (Ihtnist)  durch  mehrere  Inschriften  Verg.  Aen.  12,  343.     [Höfer.] 

der  Pyrenäen  bekannt.    Sacaze,  Bevue  de  Com-  30  Inibrasios    ('[ußgadog),    ein   Trojaner,    von 

minges   1885    Oktob.    erwähnt   Inschriften    aus  Neoptolemos  getötet,  Quint.  Sm.  10,  87.   [Stoll.] 

Gaut  (nr.  16)  und  Cadeac-les-Bains  (nr.  39)  mit  Imbrasos   ('ltxßgc(aog),    1)  Flufs   und   Flufs- 

der    Dativform    Iluni    (Fluni    deo);    vgl.    den-  gott    in    Samos,    dem    die    samische    Nymphe 

selben  im   Bull,   epigr.  2   p.  183.     Eine  Mar-  Chesias   die   von  Apollon  geliebte  Okyroe  ge- 

morbasis  von  Toulouse,  welche  einst  ein  Signum  bar,     Athen.    7,   283  e.      [Mit    der    Beischrift 

argenteum  des  Hercules  invictus  trug,   enthält  IMBPACOC  erscheint  er  auf  einer  Münze  Trajans 

die  Widmung  Herculi  Ilunno  Andose  (Mont-  von  Samos,  Gardner,  Num.  Chron.  1882  p.  283 

faucon,  Ant.  expliq.  2,  1  p.  251  pl.  CIV.  Mülin,  nr.   23;    Head.,    H.   N.   p.    768.      Drexler.]   — 

Monum.  inedits  1  p.  98.   De  Wal,  Myth.  sept.  —  2)  Thrakerfürst  in  Ainos,  Vater  des  Peiroos, 

mon.  epigr.  nr.  154).    Danach  scheint  llunnus  40  II.  4,  520.  —  3)  Ein  Lykier,  Vater  des  Glaukos 

Beiname    des    Hercules.      Die    Erklärung    von  und  Lades,    der   Gefährten   des  Aeneas,   Verg. 

Andose   ist   unsicher;    vgl.   J.  Becker,  Rhein.  Aen.  12,  343.    —   4)  Vater    des    Asios,    eines 

Museum  N.  F.  17  p.  14ff.    Merimee,  F)e  anti-  Gefährten  des  Aeneas,    Verg.  Aen.  10,  123. 

quis    aquar.    religionibus    (Paris    1886)    p.   73.  [Stoll.] 

Die  Widmung  Astoilunno  deo  steht  auf  einem  Inibreus,    Kentaur,    auf   der   Hochzeit   des 

Stein  von  St.  Beat  (Basses-Pyreneea)  bei  Miliin,  Peirithoos  von  Dryas  getötet,  Ov.  Met.  12,  310. 

Monum.  ined.  1  p.  97  pl.  XII,  1.    Orelli  1962.  [Stoll.] 

De  Wal,  Mythol.  sept.  mon.  epigr.  nr.  20.    Vgl.  Imbrios   ("Ißßgiog),   Sohn  des   Mentor,  aus 

"wich.  Peter  ob.  Bd.  1  Sp.  3021.     [M.  Ihm.]  Pedaion,  Gemahl  der  Medesikaste,  einer  Tochter 

Ilurberrixo,  zu  Escugnan  und  Tibiran  in  den  50  des  Priamos,  im  Kampfe  vor  llion  von  Teukros 

Pyrenäen   verehrte  Gottheit,  Sacaze,   Bull,  de  erlegt,  II.  13,  171  ff.  Paus.   10,  25,  4.    Welcher, 

la  societe   des   antiquaires   de  France  1883,  3e  Tril.  p.  607,  10;   vgl.  Eustath.  p.  926,  42. 

livr.  Bev.  des  Bevues  8,  1884  p.  307.  [Drexler.]  [Stoll.] 

Iluro,  unbekannter  Gott  der  Pyrenäen,  er-  Imbros  ("Iiißgog),    Sohn  des   Aigyptos   und 

wähnt  auf  einer  Inschrift   aus  Mondilhan  im  der    Kaliadne,     vermählt    mit     der    Danaide 

Gebiet  des  alten  Lugudunum  Convenarum  (deo  Euippe,  Apollod.  2,  1,  5.     [Stoll.] 

lluroni  Maxuma  Flori  fil.   v.  s.   I.  m.).     Eine  Imenarete  (?)  heifst  bei  Hyg.  f.  97  Mutter  des 

Stadt  Iluro  (bei  Pomp.  Mela  2,  6,  2  Luro  ge-  Elephenor,    Gemahlin    des    Chalkodon.      Der 

nannt)  liegt  in  Hispania  Tarraconensis.    Bevue  Name  ist  korrupt.     [Stoll.] 

celtique  2  p.  288.   Merimee,  De  antiquis  aquar.  ou  Imeusimos   ('Ijisvaifiog),    Sohn    des    Ikarios 

relig.  (Paris  1886)   p.   48.    Sacaze,  Epigr.  de  und  der  Nais  Periboia,   Bruder  der  Penelope, 

Luchon  p.  67.    Der  Stempel  IL  VRÜF  auf  einer  Apollod.  3,  10,  6.  —  Buttmann  (zu  Schal.  Od.  4, 

Lampe  Bonn.  Jahrb.  35  S.  46.     [M.  Ihm.]  797,   wo   ein  Bruder   der  Penelope   Amasichos 

Imagines    als    göttliche    Wesen    nennt    die  heifst)  vermutet,  dafs  dafür  und  für  Imeusimos 

Inschrift   G.  I.  L.   9,   3887    (=    Orelli-Henzen  als   wahrer  Name  Amasiklos   herzustellen   sei, 

5826  a;  gefunden  am  Fucinersee;  ccette  plaque  der    sich    bei    Schol.    Od.  1,  277    findet.      Bei 

de  marbre  .  .  .  portant  ä  chaque  angle  un  trou  Schal.  Od.  1,  275  heifst  ein  Bruder  der  Pene- 

. .  .  devait  avoir  ete  fixee  au  dessus  de  l'entree  lope  Damasiklos.     [Stoll.] 


123                       Imhotep  Imuthes                        124 

IiiiUotep,  griech.  Iuov&ng  (s.  d.),  d.  ägyptische  kundiger  Schüler  des  Hermes  gilt,  Pietschmann, 
Asklepios.  Man  sehe  über  ihn  Pierret,  Panih.  Hermes  Trismegistos.  Leipzig  1875  p.  44.  Louis 
ig.  p.  78,  101.  Lanzone,  Die.  di  mitol.  egiz.  Menard,  Hermes  Trisme'giste  passim.  Als 
p.  151  — 154.  Tav.  50,  1—3.  Brugsch,  Bei.  u.  „oberster  Hierograrnmat",  wie  er  in  der.  zu- 
Myth.  d.  alt.  Äg.  p.  526 — 528.  v.  Strauß  u.  letzt  angeführten  Inschrift  heilst,  stand  er 
Torney ,  Her  altäg.  Götterglaube  p.  426 — 427.  nach  Brugsch  p.  527— 528  der  Leichenbesorgung 
Der  Name  bedeutet  „der,  welcher  kommt  vor.  In  einem  Papyrus  heilst  es  von  dem 
in  Frieden".  H.  de  Rouge,  Kotice  sommaire  Toten:  „Du  vereinigst  deine  Seele  mit  lin- 
des monum.  ig.  exposes  dann  les  galeries  du  hotep,  während  du  bist  im  Thale  des  Todes", 
musee  du  Loucre.  Kouv.  Edit.  Paris  1876  10  Lanzone  p.  151.  Als  "Widmung  an  Imhotep  fafst 
p.  127  Note  1  vermutet,  dafs  der  von  Jambli-  man  die  Tempelinschrift  von  Philai  auf:  Baai- 
clius  (De  Myst.  p.  158  ed.  Gate)  angeführte  Xevg  nxoXstiCtwg  xal  ßaoiXiooa  KXiondrga  j 
Gottesname  Emeph,  wofür  Gcde  Kneph  lesen  &sol  smqiavsig  v.cti  nroXsuaiog  b  vibg  'AoxXn- 
will,  eine  Transkription  von  Imhotep  sei.  Im-  juiü,  Letronne,  Eec.  des  inscr.  gr.  et  lat.  de 
hotep  gilt  als  Sohn  des  Ptah,  den  die  Griechen  l'Eg.  1  nr.  2  p.  7 — 10.  C.  I.  Gr.  4894.  Brugsch 
ihrem  Hephaistos  verglichen.  In  einer  In-  p.  527.  Auch  in  Theben  hatte  er  eine  Kapelle, 
schritt  bei  Le})sius,  Denhn.  4,  18.  Lanzone  Brugsch  p.  527.  Sein  Hauj^theiligtum  aber, 
p.  153.  Pierret  p.  101  heilst  er:  „Imhotep,  der  Pi-Imhotep,  „das  Haus  des  Imhotep",  befand 
grofse  Sohn  des  Ptah,  der  wohlthätige  Gott,  sich  zu  Memphis  am  Rande  der  Wüste  nahe 
hervorgebracht  von  Tanen,  zur  Welt  gebracht  20  beim  Sarapeion,  Brugsch  p.  526  —  527.  Lanzone 
aus  seinem  Leibe  und  von  ihm  geliebt";  in  p.  151  — 152.  In  den  Papyri  von  Memphis  wird 
einem  Text  bei  Champollion,  Notices  1,  15.  es  als  to  'AokXijtiieCov,  tu  [isya  'ABvXrpiiEiov, 
Pierret  p  101.  Lauzone  p.  151  wird  er  be-  'AouXrim'ov  vifiEvog  bezeichnet,  G.  Leemans, 
zeichnet  als  „älterer  Sohn  des  Ptah,  zur  Welt  Papyri  Graeci  Musei  Ant.  Publ.  Lugduni- 
gebracht  durch  Nut";  in  Theben  bilden  Ptah,  Batuvi  1  1843  p.  7;  E,  22;  p.  33;  O,  9;  L,  7 
Mut-Hathor  und  Imhotep  eine  Triade,  Lepsius,  p.  56.  Für  Spenden,  welche  zwei  im  Sara- 
Denhin.  4,  15.  Pierret  p.  101.  Brugsch  p.  52S.  peion  iv  xaroxjj  befindliche  Schwestern  dem 
Dargestellt  wird  Imbotep  als  schreitender  Asklepios  darbrachten,  hatten  sie  eine  Anzahl 
oder  sitzender  Mann,  auf  dem  glattrasierten  Brote  aus  dem  Asklepieion  zu  empfangen, 
Kopfe,  dessen  Kahlheit  Synesius  (Encom.  cal-  30  Bernardino  Peyron,  Papiri  greci  del  Museo 
vitiei  cap.  10  p.  15  ed.  Krabinger.  Ja-  Brit.  di  London  p.  7  ff.,  Pap.  XII  p.  70  ff. 
blonshi,  Panih.  Aeg.  3  p.  196)  hervorhebt,  Beuvens,  Lettres  ä  31.  Letronne  sur  les  papy- 
die  eng  anschliefsende  Kappe  der  alten  Agyp-  rus  bilingues  et  grecs  au  muse'e  d'ant.  de  l'unic. 
ter,  Brugsch  p.  526.  Mit  Halsketten,  Arm-  de  Leide  3  p.  88.  96.  Brunei  de  Presle,  Mein. 
und  Fufsbändern  ist  er  reich  geziert,  in  der  sur  le  Sirapeum  de  Memphis,  Mein.  pres.  pur 
flechten  führt  er  nicht  selten  das  Scepter  div.  sav.  ä  Vacad.  des  inscr.  et  b.-l.  1.  ser.  su- 
Uas,  in  der  Linken  das  Henkelkreuz,  Brugsch  jets  divers  d'erud.  2.  Paris  1852  p.  561 — 562. 
p.  526.  Lanzone  Tav.  50,  2,  3.  Häufig  hat  er  Lumbroso,  Beeil. surl'e'conomie polit.  deVEgypte 
eine  Papyrusrolle  auf  dem  Schofse  ausgebreitet,  sous  les  Lagides  p.  267.  [Drexler.] 
Marielte-Bey ,  Kotice  des  prineipaux  monum.  40  Imiiiarados  ('//xjuxpados),  Sohn  des  Eumolpos, 
du  muse'e  d'ant.  e'gypt.  ä  Boulaq.  3e  ed.  p.  117  im  Krieg  der  Eleusinier  und  Athener  Anführer 
nr.  163.  Lanzone  Tav.  50,  1.  Pierret  p.  78;  der  Eleusinier  und  von  Erechtheus  getötet, 
auch  hält  er  zuweilen  in  der  B.  den  Schreib-  Paus.  1,  5,  2.  27,  5.  38,  3.  Schol.  LI.  18,  483. 
griffel,  in  der  L.  die  Papyrusrolle  Seine  Schol.  Eur.  Plioen.  854.  Bei  Apollod.  3,  15,  4 
Bilder  sind  gewöhnlich  sorgfältig  in  Bronze-  heifst  der  Sohn  des  Eumolpos  Ismaros  (s.  d.). 
gufs  gearbeitet,  oft  mit  Gold,  Silber  und  Edel-  Pott  in  Z.  f.  vgl.  Spr.  9,  415  erklärt  'lu^.aQaäog 
steinen  ausgelegt,  Brugsch  p.  526.  Lunzone  durch  isgöcpavog,  von  üiiöio,  so  dafs  er  nur 
p.  153;  die  Arbeit  der  im  Vergleich  zu  den  ein  Doppelgänger  des  Eumolpos  wäre.  [Stoll.J 
Bronzefiguren  seltenen  Porzellanstatuetten  ist  Impetus,  Personifikation  ■  des  stürmischen 
nach  Lanzone  viel  flüchtiger;  eine  sehr  schöne  50  Angriffs,  zusammen  mit  Metus  als  'famulus'  der 
Granitstatue  erwähnt  E.  de  Bouge  a.  a.  O.  Nach  minervaartig  gedachten  Roma  geschildert  von 
Brugsch  p.  527  erteilte  Imhotep  im  Traume  Claudianus  1,  78  ff.  Vgl.  Dilthey ,  Arch.  Z. 
den  Kranken,  die  in  seinem  Tempel  schliefen,  33  S.  69,  Anm.  28.  Stat.  Theb.l,  47.  [Röscher.] 
Orakel.  In  einem  von  Brugsch  p.  527  — 52S  Iiuporcitor  s.  Indigitamenta. 
angeführten  Texte,  worin  er  als  „der  gut-  Impsios  (7/xipios),  Beiname  des  Poseidon, 
thätige  Gott"  und  als  „Urheber  der  Heil-  Hesych.,  der  ihn  durch  ^vyiog  erklärt;  das  Wort 
mittel  gegen  alle  Leiden"  bezeichnet  wird,  sagt  scheint  thessalischen  Ursprungs  zu  sein,  vgl. 
er  von  sich:  „Ich  beseitige  alle  Leiden  an  Hesych.'  ijiipctg'  £sv£ag-  SittuIoC.  [Höfer.] 
deinen  Gliedern".  Als  „der  königliche  Schreiber,  Impmleutia,  die  personiticierte  Schamlosig- 
das  Ebenbild  des  weisen  Thoth",  wie  ihn  ein  ou  keit,  griechisch  Anaideia  (s.  d.);  Cic.  de  leg.  2, 
Text  bezeichnet,  berührt  er  sich  mit  letzterer  11,  28.     [Höfer.] 

Gottheit,    Brugsch   p.   527—528,    weshalb    cm  Imuthes  ('ijiov&rig)  =  ImllOtep  (s.d.),  d.i.  der 

im    Logos    Isidis    bei    Stobaeus    I    p.    485    ed.  v  ägypt.  Asklepios;  er  gilt  als  Sohn  des  Pan  und  der 

Gaisförd   als   Erfinder   der  Dichtkunst   sowohl  Hephaistobule  (Ätoö.  Eclog.  1  p.  282AZeiMeÄ-e)und 

als  der  Heilkunst  (larpiKijs   äs   6  'JoxXrim.bg  b  als  Erfinder  der  Dichtkunst,  Stob.  a.  a.  0.  p.  348; 

'HifiaioTQv 7toL7]zL%r)g  di  ndXiv  0  'AoxXrim.bg  vgl.  auch  Papyr.  Salt,  in  Letr.  reo,  1,  9  bei  Pape- 

Ifiov&ng)  bezeichnet  wird  und  in  anderen  her-  Benseier,  wo  Imuth   ('ifioufl-/    als  aigyptiscüer 

metischen   Schriften  als   der  Natur  besonders  Name  des  Asklepios  bezeichnet  wird.    [Höfer.] 


125                        Inachides  Inachos                          126 

Inachides  (^va^id  r/s),  Sprofs  desInachos(s.d.),  Aesch.  fr.  320).     Als   seine  Tochter  Io  infolge 

heilst   1)  Phoroneus,   Rhianos  bei  Steph.  Byz.  der  Verwandlung  verschwunden  ist,  trauert  er 

s.  v.  'Ania.   —   2)    Epaphos,   Ov.   Met.  1,    753.  um  sie   (Ovid.  met.  1,  583    Inachus  unus  abest 

—  3)  Perseus  Ov.  Met.  4,  719.  S.  Inachos.  [Höf'er.]  —  natamque  miserrimus  Io  luget  ut  amissam). 

Inacliie  ('ivaxLT]),  Beiwort  der  mit  lo  iden-  Er  sendet  den  Kyrnos  aus,  um  sie  zu  suchen, 

tificierten  Isis  (s.  d.)  b.  Kallim  epigr.  58  Sehn.  mit  dem  Verbote  der  Rückkehr,   wenn  er  sie 

und  in  der  Inschrift  C.  I.  G.  4943  add.  =  Kaibel  nicht   findet   (Diod.  5,  60,  4;   da  alles  Suchen 

epigr.  gr.  nr.  981.     Vgl.  'Inachos'.     [Röscher.]  umsonst  ist,  läfst  sich  Kyrnos  in  Karien  nieder 

Inachos  ('Ivaxog),  Sohn  des  Okeanos  und  und  gründet  dort  die  nach  ihm  benannte 
der  Tethys  [Aesch.  Proin.  636.  Dion.  Hai.  a.  r.  io  Stadt).  Vgl.  Parthcn.  er.  1  iiaazrjgag  y.ui  igav- 
1,  25  "lva%s  väzog,  na£  zov  Kgvväv  nazgbg  vrjTtxg  v.a&fjv.sv  (Maller,  fr.  h.  4,  313).  Nach 
'SlxEctvov,  fisya  ngsoßsvaiv  'Agyovg  zs  yvaig  Strabo  lfi,  2,  5  dagegen  wird  zu  diesem  Zweck 
r'Hgag  zb  ndyoig  neti  l'vgarjvoiai.  JleJ.aeyoig  aus  Triptolemos  von  den  Argivem  ausgesandt, 
dem  Inachos  des  Sophokles.  Apollod.  2,  1,  1.  Nach  Ephoros  (Müller,  fr.  h.  1,  258.  Schol. 
Hygin.  f.  S.  11  Schm.;  vgl.  dagegen  f.  145  ex  Apoll.  Bh.  2, ..168)  wird  ihm  zum  Ersatz  für 
[Iriope  et]  Arestoride  Xantleus  et  Inachus),  Io  von  den  Ägyptern  ein  Stier  gesandt;  da 
gilt  als  "ältester  König  von  Argos,  Geo.  Syn-  die  Überbringer  den  Inaehos  nicht  mehr  am 
cellus  Clironogr.  64  B,  C  (Müller,  fr.  h.  gr.  1,  Leben  finden,  ziehen  sie  in  Griechenland  herum 
101).  Vgl.  Paus.  2,  15,  4.  Hör.  carm.  2,  3,  2  und  lassen  den  Stier,  ein  bis  dahin  in  Griechen- 
divesne  prisco  natus  ab  Inacho,  vgl.  3,  19,  1  20  land  unbekanntes  Tier,  für  Geld  sehen.  Nach 
quantum  distet  ab  Inacho  Codrus.  Schot  Isoer.  Pseudoplut.  de  fluv.  18  (1032)  verfolgt  Inachos 
Euag.  6,  wo  er  mit  Erichthonios  und  Euinolpos  den  Zeus,  den  Verführer  seiner  Tochter,  mit 
als  gleichzeitig  angesetzt  wird.  Nach  Schol.  Schmähungen.  Deshalb  wird  eine  der  Erinyen, 
Eur.  Or.  932  hat  er  nach  der  grofsen  Flut  die  Tisiphone,  gegen  ihn  geschickt,  infolge  dessen 
Argiver  zusammengeführt,  die  Ebene  gereinigt  stürzt  er  sich  in  den  Plufs  Haliakmon,  der- 
mal den  Flufs  nach  seinem  Namen  genannt.  Aus  von  ihm  den  Namen  Inachos  empfängt;  in 
seiner  Verbindung  mit  Melia,  Tochter  des  Okea-  diesem  wächst  eine  Pflanze  Hmvovga,  deren 
nos,  entspringen  Phoroneus  und  Aigialeus  (Tzetz.  sich  die  Frauen  zum  Abortieren  bedienen, 
ad  Eye.  178.  Steph.  Byg.  ethn.  40,  14;  vgl.  Ov.  ferner  wird  darin  ein  Stein  gefunden,  weicher 
am.  3,  6,  25  Inachus  in  Melle  Bithynide  pal-  30  bei  einem  Meineid  schwarz  wird.  Ayu&oxlrig 
lidus  isse  dicitur.  Et.  m.  122,  12;  vgl.  dagegen  ät  Mil>\oiog  iv  zolg  nsgi  Tioza^äv  cpnai,'  zov 
Hygin.  f.  143  u.  145  Inachus  Oceani  filius  ex  "lva%ov  $ta  navovgytav  iwö  zov  Jiog  -Asgawüi- 
Argia  sorore  sua  proereavit  Phoroneum.)  Auch  &ivza  'giqgbv  ysvca&ai..  Dafs  Inachos  samt  Io 
die  Mykene  ist  des  Inachos  und  der  Melia  und  Argos  ein  Gegenstand  des  Mimus  sei,  er- 
Tochter nach  den  grofsen  Eöen  bei  Paus.  2,  wähnt  Luc.  de  Salt.  43.  Vgl.  noch  Nonn. 
16,  3  und  nach  dem  Kyklos,  vgl.  Schol.  Ambras.  Dion.  3,  261  u.  a.  Nach  Steph.  Byz.  ethn. 
ad  Hom.  ß  120;  aus  ihrer  Ehe  mit  Arestor  636,  7  giebt  er  der  Hekate,  weil  er  sie  iv  zy 
entspringt  Argos.  Ferner  wird  Pelasgos  Sohn  6dm  findet,  den  Beinamen  'EvoSCa;  nach  seinem 
des  I.  genannt  (Schol.  Apoll.  Uli.  1,  580),  auch  Namen  wird  auch  ein  Fest  der  Leukothea  in 
Argos  (Pherek.  bei  Apollod.  2, 1,3)  u.  Pegeus  (seh.  40  Kreta  Inacheia  genannt,  Hesych.  lex.  s.  v. 
Eur.  Or.  932).  Vor  allem  aber  gilt  Io  als  seine  'Ivccxnct.  Zu  seiner  Zeit,  so  berichtet  African. 
Tochter,  besonders  bei  den  Tragikern:  Aesch.  apud  Euseb.  F.  E.  10,  10  p.  490  ß  seien  die 
Prom.  590.663.  705.  Soph.fr.  des  Inachos.  Herod.  Juden  unter  Moses  von  den  Ägyptern  ab- 
1,1.  Apollod.  2,  1,3.  Kallim.  h.  3,  254  ('lva%iB>vri).  gefallen.  Vgl.  Tatian.  or.  ad  Gr.  e.  59.  Clem. 
Er  wird  als  Stammvater  eines  ganzen  Ge-  Alex.  Str.  1,  22  p.  138,  19  Sylb.  Müller,  fr.  h. 
schlechts  betrachtet   (Apollod.  2,  1.     Ov.   met.  3,  509,  2. 

1,753  heifst  Epaphus  Inachides,  ebenso  Perseus  Der  Inaehos  wird  als  der  bedeutendste  Flufs 

4,   720,    selbst    Agamemnon    Eur.    Iph.    Aul.  von  Argos   betrachtet  und   deshalb  das  Land, 

1088.    Seneca  Thyest.  337).     Er  wird   bei   dem  ja  die  ganze  Peloponnesos,  nach  ihm  genannt, 

Streite   zwischen  Hera  und  Poseidon  um   den  50  Soph.  El.  1.  Eur.  Or.  932.  fr.  228  'lvu%ov  nolig. 

Besitz   des   Landes   neben   dem   Kephisos   und  Kallim.   lovzg.   z.  77.  140.    Seneca  Phoen.  315. 

Asterion  zum   Schiedsrichter  ernannt  und  er-  444.    Ovid.  ep.  13,  134.    Petr.  Sat.  139  Inachia 

kennt    es    der   ersteren    zu;    zur   Strafe    dafür  ira  =  ira  lunonis  Argivae.    Plin.  n.  h.  4,  17. 

trocknet  Poseidon  sein  Flufsbett  aus,   so  dafs  Herod.  Techn.  rel.   1,  288,  34.     Als   dem  Ver- 

er  im  Sommer  ganz  trocken  liegt,  Paus.  2,  15,  4.  treter    des    Landes    weiht    ihm    Orestes    eine 

Apollod.  2,  1,  4.    Kallim.   h.    in   Del.    74   inü  Locke,   Aesch.    Choeph.  7.     Er    entspringt   auf 

laitv  "Lva%ov  "Hgn.  Luc.  Char.  23  'Ira^ov  ovdi  dem  Avqk'Qiov   ogog,   Schol.  Apoll.  Eh.  1,  125 

zdqigog    k'zt   iv   "Agyei   v.azaZsimzui.     Er   oder  oberhalb  von  Oinoe  in  Argos,  Paus.  2,  25,  3, 

sein   Sohn   Phoroneus    sollen    den   Dienst    der  seine  Quellen  werden  im  Artemision  in  Arka- 

Hera  in  Argos  eingeführt  haben,  Paus.  2,  15,  4.  eo  dien  gezeigt;  zuerst  bildet  sein  Lauf  die  Grenze 

Hygin.  f.  124.  225.   Steph.  Byz.  ethn.  104,  23.  zwischen  Mantineia  und  Argos  .  .  azioozgiipag 

Nach  Ioann.  Antioch.  fr.  6,  14  (Müller,  fr.  h.  Ss  ix  zijg  oäov  zä  ccn'o  zovzov  xäxeioi,  Kai  iitl 

gr.  4,  544,  14  gründet  er  eine  Stadt  eig  'övofia  zovzm  zov  "lva%ov  älloi  zs  Kai  Ala%v7.og  noxu- 

zfjg   BiXr^vrig  'l(o  .  ovzia    yäg  zrjv   eslr^vrjv  ixd-  fibv    v.alovotv    'Agyiiov,    Paus.  8,  6,  6.      Nach 

low   'Agyiioi,    v.ccl    r\yüyizo    yvvawu    Mrfliav  Sophokles  im   Inachos,   einem  wohl   an  Stelle 

ä(p'    ijg    i'axsv    tnoüs    Svo    v.al    ftvyazigu   1(6.  des  Satyrdramas   aufgeführten   Stück   (Naucli, 

Seine   Töchter   werden  von  Aischylos  vificpai  fr.  tr.  248 — 273.   v.  Wilamowitz,  Eur.  Herakles 

ßioäcogoL    genannt   (Schol.  Aristoph.  ran.  1344.  1 ,   88)    soll    der    Flufs   auf   dem   Lakmon    im 


127 


Inatimus 


Pindosgebirge  entspringen,  in  den  Acheloos 
münden,  dann  aber  unter  dem  Wasser  fort 
nach  Argos  gehen,  Strab.  6,  2,  4.  7,  5,  8. 
Jedenfalls  war  in  Akarnanieu  ein  gleichnamiger 
Flufs,  Steph.  Byz.  ethn.  408,  20.  Strabo  7,  7,  7 
u.  8,  welcher  von  Älkmaion  nach  dem  argi- 
vischen  Flusse  genannt  sein  soll.  Nach  Plut. 
quaest.  gr.  41  (301  C)  gab  es  auch  in  Böotien 
einen  Flufs  Inachos,  der  nachher  Skamandros 
genannt  wurde.  Der  argivische  Inachos  ist 
XagaäQcoörjg,  Strabo  8,  6,  7,  er  hat  rapidas 
undas  bei  Attius  (fr.  tr.  lat.  297),  er  wird 
vohicer  genannt  Senec.  Herc.  Oet.  139,  als  ge- 
waltiger Flufs  bezeichnet  Lucan.  Phars.  6,  362, 
obgleich  er  inWirklichkeitmeist  einen  traurigen 
Eindruck  macht,  Luc.  Char.  23;  dagegen  Tgl. 
Kallim.  h.  5,  50  Kai  yctg  är]  %qvg&  xs  Kai  av- 
fttoiv  vfiuxa  fu'^ag  j  i)£?t  (pOQßaiatv  Iva%og  £§ 
oqicov  |  xd9dvtx  xo  Ioixqov  äycov  kwXöv.  Unweit 
von  ihm  tötet  Herakles  die  lernäische  Hydra, 
Luc.  Phars. 4,634.  Seine  Anwohner  heifsen  nach 
ihm  lvu%ieZq,  Flut,  quaest.  gr.  13  (294  A),  die  von 
den  Aineianen  vertrieben  werden.  [Engelmann.] 

Inatimus  wollte  J.  Becker,  Beiträge  zur 
römisch-keltischen  Mythologie  in  Jahrbb.  d. 
Ver.  von  Alter lh.- Freunden  im  Eheini.  42,  1867 
S.  119  ff.  als  Name  eines  norischen  Gottes,  der 
mit  Mars  identifiziert  wurde,  oder  als  keltischen 
Beinamen  des  Mars  auf  einer  Inschrift  aus 
Seckau  in  Steiermark  erkennen,  die  er  nach 
deren  Veröffentlichung  durch  B.  Knabl  in  den 
Mittheihmgcn  des  histor.  Vereins  für  Steier- 
mark 13,  1864  S.  122  f.  folgenderinafsen  giebt: 
Marti  |  Latobio  |  Iarmogio  |  Toutati  \  Inatimo 
C  \  [.Jtio.  C.  Val  |  [Jalerinus  \  ex  voto ;  das 
C  in  Z.  5  verbindet  er  mit  dem  Anfang  der 
folgenden  Zeile  zu  Cetio  (Knabl :  Cotio).  Momm- 
sen  publieiert  jedoch  (nachdem  Knabl  in  den 
Mittheilungen  u.  s.  w.  15,  1867  S.  206  die  In- 
schrift nochmals  besprochen  hatte)  im  C.  1.  L. 
3,  5320  die  Inschrift  nach  Abklatschen  von 
Knabl  uud  Abschrift  von  G.  Wilmanns  in 
folgender  Form:  Marti  \  Latobio  \  Harmogio 
Toutati  \  Sinati  .  Mag  enio  C  Val  |  Alerinus 
ex  voto,  mit  den  Anmerkungen  zu  Z.  5:  'Sinati 
Wilm. ; prima tamealittera  dubia,  item  punctum 
post  id  vocabulum',  und  zu  Z.  6:  'enio  vel  neio 
Wilm.  Quod  proposuit  Beckcrus  seeundum 
ectypum  sibi  visum  cetio.  deinde  Knablius  ita 
admisit,  ut  5.  6  legeiet  Inatimo  Coetio  vel 
Inati  Moc\etio,  nos  reprobavimus;  nam  in 
lapide  non  et  est,  sed  n.'  Danach  ist  die 
Annahme  Beckers   nicht  haltbar.     [R.  Peter.] 

Incubo  =  Incubus  (s.  d.). 

Inoiibus  oder  Iucubo.  Das  asthma  noctur- 
num  zeigt  sich  durch  schwere,  Tseängstigende 
Träume  mit  dem  Gefühle  einer  aufspringenden 
oder  bereits  aufliegenden  Last,  welche  den 
Atem  beklemmt  und  Erstickung  droht.  Die 
Alten  schrieben  diese  Erscheinung  einem  ge- 
spenstischen Wesen  zu  (Horat.  epod.  5,  95  f.), 
welches,  der  Art  des  Übels  entsprechend, 
griechisch  als  Ephialtes  (s.  d.),  lateinisch  als 
Incubus  oder  Incubo  bezeichnet  wurde  (Scribon. 
Larg.  comp.  med.  100.  Tertull.  de  anim.  44; 
vgl.  49.  Porphyr,  bei  Prokl.  in  Tim.  142  D. 
Macrob.  somn.  1,  3,  7).  Dieser  I.  wurde  dem 
Geschlecht  der  Faune,   Silvane  (s.  o.  Sp.  1456, 


Inderjvehensibilis  128 

57  ff.)  oder  Pane  (Serv.  V.  A.  6,  775.  Augustin. 
c.D.  15, 23.  Isidor.  orig.  8,  113f.)  zugesellt,  offen- 
bar well  er  wie  diese  die  Menschen  schreckte  und 
ängstigte.  Von  ihnen  wurde  dann  wegen  der 
Bedeutung  des  Namens  Incubus  und  unter 
Berücksichtigung  von  ähnlichen  Träumen  wol- 
lüstiger Art  die  ihm  zunächst  nicht  zukom- 
mende Eigenschaft  der  Geilheit  auf  den  In- 
cubus übertragen,  und  nun  behauptet,  dafs  die 

10  Ineubi  Frauen  in  der  Nacht  zu  unzüchtigem 
Zwecke  beschrieben  (Publ.  Syr,  110.  Plin.  n.  h. 
25,  4,  29.  30,  10,  84.  Augustin.  c.  D.  15,  23; 
vgl.  6,  8  nach  Varro.  Grimm,  D.  Myth.*  3 
S.  415).  Deshalb  wird  er  auch  dem  Inuus 
(Serv.  V.  A.  6,  775.  Isidor.  orig.  8,  113  f.) 
und  den  gallischen  Dusii  (Augustin.  c.  D. 
15,  23.  Isidor.  a.  a.  0.  Glosse  bei  Hanka  7b, 
IIa  nach  Grimm,  D.  M.*  1  S.  397;  vgl.  398,  3. 
3   S.  139)    gleichgesetzt.     Unter    den  Faunen 

20  sind  es  besonders  die  ficarii,  d.  b.  die  in 
Feigenbäumen  hausenden,  welche  wegen  der 
Bedeutung  dieses  Baumes  als  Symbol  der  Un- 
keuschheit  (Preller ,  B.  M.3  2  S.  265)  für 
Frauen  verfolgende  Ineubi  gehalten  wurden 
(Hieronym.  comm.  in  Isai.  13,  21.  Isidor.  orig. 
8,  113  f.  Glosse  bei  Hanka  71',  IIa  nach 
Grimm,  D.  M.1  1  S.  397;  vgl.  Lye  u.  Wright 
ebenda  3  S.  140  und  Plin.  n.  h.  27,  12,  107). 
Bei  Jordanis  de  Get.  orig.  24  ist  nach  Clofs 

30  z.  d.  St.  Faunos  vicarios  später  zur  Erklärung 
von  Spiritus  immundi  aus  der  Historia  miscella 
eingeschoben.  Für  die  Ableitung  von  ficus 
spricht  aber  auch  der  Spiritu  di  ficu  in  dem 
sicilisehen  Zauberspruch  bei  Mannhardt,  Ant. 
Wald-  u.  Feldk.  S.  31.  Nach  dem  altböhmi- 
schen Glossator  Wacehrad  bei  Mannhardt  a.  a.  ü. 
S.  178  wären  auch  die  ineubi  (moruzzi,  pilosi, 
panites)  wie  die  Pane  oben  menschlich,  unten 
tierisch,  d.  h.  mit  Bocksfüfsen  vorgestellt  wor- 

40  den,  eine  Bildung,  welche  offenbar  den  Namen 
pilosi  veranlafst  hat  (Hieron.  u.  Isidor.  a.  a.  0.). 
Als  Heilmittel  gegen  die  Faunorum  in  quiete 
ludibria  galt  die  Paeonia,  welche  aber  nachts 
ausgerissen  werden  mufste,  weil  sonst  der  picus 
Martius  dem  danach  Suchenden  in  die  Augen 
hackte  (Plin.  n.  h.  25,  4,  29.  27,  10,  85); 
vgl.  die  deutsche  Sage  von  der  Springwurzel 
bei  Grimm,  D.  M.*  1  S.  812. 

Auf    eine    ganz    andere    Vorstellung    vom 

so  Wesen  des  Incubo  deutet  Petron.  sat.  38:  sed 
quomodo  dieunt  —  ego  nihil  scio,  sed  audivi 
—  quom  Incuboni  pilleum  rapuisset,  [et]  the- 
saurum  invenit.  Infolge  seines  Namens  ver- 
mischte sich  offenbar  der  Incubo  im  römischen 
Volksglauben  mit  dem  jedenfalls  indogerma- 
nischen schatzhütenden  Hausgeist,  welcher  die 
unsichtbar  machende  Kappe  mit  den  Zwergen 
gemein  hat.  In  der  auch  von  Petroiius  an- 
gedeuteten Weise   bemächtigt    sich    Siegfried 

oo  des  von  Alberich  bewahrten  Hortes  (Grimm, 
1).  M.*  1  S.  423).  Vgl.  auch  den  Hercules 
Incubo  oben  Sp.  2962  und  den  Lateranus  deus 
bei  Arnob.  4,  6.  Weiteres  b.  Laistner,  Das 
Bätsei  d.  Sphinx.     [Steuding.] 

Iitdepreliensibilis  (geschrieben  Indeprelieu- 
sivilis)  deus=  Mithras  (s.d.)  auf  einem  im  Mi- 
thraeum  zu  Ostia  gefundenen  Relief  bei  Orelli 
1912  =  5000  =  C.  I.  L.  14,  64.     [Koscher.] 


129                             Index  Indigitamenta  (allgern.  Unters.)      130 

Index,  Beiname  des  Herakles  als  Über-  cod.  Lemovicensis-Leidensis  und  cod.  Mona- 
setzung von  [irjvvtrig,  unter  welchem  Namen  censis  6394,  in  letzterem  von  zweiter  Hand  in 
er  ein  Heroon  in  Athen  besafs,  weil  er  einen  nominum  verbessert)  continent,  quae  etiam  Varro 
Dieb,  der  eine  goldene  Schale  aus  dem  Heilig-  dicit.  iiam,  ut  supra  (zu  v.  5)  diximus,  nomina 
tum  gestohlen  hatte,  dem  Sophokles  im  Traume  numinibus  ex  of'ficiis  constat  inpo&ita,  verbi 
bezeichnet  und  angegeben  haben  sollte  (Cic.  causa  ut  ab  occatione  deus  Occator  dicatur,  a 
de  divin.  1,  25,  54.  Vita  Sophoel.  S.  129  sarritione  Sarritor,  a  stercoratione  Sterculinius, 
We&term.  Hcsych.  s.  v.).  Vgl.  aber  auch  oben  a  satione  Sator.  Aus  diesen  Stellen  geht  zu- 
Bd.  1  Sp.  2961  f.     [Steuding.]  nächst  im  allgemeinen  hervor,  dafs  die  lndigi- 

Indigens  s.  Indigitamenta.                          10  tamenta  eine  besondere  Gattung  von  Pontifical- 

Indiges,  Indigetes  s.  Indigitamenta,  be-  büchern  waren,   in  welchen  eigenartige  Gott- 

sonders  von  Sp.  132  an.  heiten    von    ganz    bestimmten,    beschränkten 

Indigitamenta  und  Indigetes.    Litteratur:  Funktionen,   die   sich  teils  auf  das  Leben  des 

a)    über    Indigitamenta:    /.    A.    Ambrosch,  Menschen    (Censor.),   teils    auf   den   Landbau 

Ueber  die  Bcligionsbücher  der  Römer,  in  Zeit-  (Serv.)  bezogen,  verzeichnet  standen;  als  Bei- 

schr.    f.   Philosophie   u.    kathol.   Theol.    (Bonn)  spiele    solcher    Gottheiten    führt    Scrvius   den 

N.  F.  3,  1842   Heft  2   S.  221  ff.    und   Heft  4  Occator,   Sarritor,   Sterculiniua   und  Sator  an. 

S.  26  ff.,  als  Sonderabdruck  Bonn  1843  (kurze  Zugleich     erfahren    wir,     dafs    zwei    römische 

Andeutungen    seiner  Ansichten    schou    vorher  Altertumsforseher  über  die  Indigitamenta  ge- 

in   seinen  Studien  u.  Andeutungen  im   Gebiet  20  schrieben    hatten.     Von    der    an    Caesar    ge- 

dcs  altröm.  Bodens  und  Cidtus.  I.  Bresl.  1S39  richteten  Schrift  des  Gramms  Flaccus  de  in- 

S.  VII.  XVI.  63  f.  Anm.  109  und  Observationen  digitamcntis  ist  aufser  der  Erwähnung  derselben 

de  sacris'Bomanor.  libris  partic.  I.  Ind.  schol.  bei  Gensorinus nichts  Sicheres  bekannt;  denn  bei 

Vratisl.  1840  S.  4);  bildet  die  Grundlage   aller  Huschice,  Iurisprudent.  anteiustin.i  S.  108  f.  sind 

folgenden  Darstellungen.     Gh.   Walz,  Über  die  die  Fragmente  nr.  2—8  der  Schrift  de  indigita- 

alt-italische   Religion,    in    den    Verhandl.    der  mentis  ganz  willkürlich,  zum  Teil  sogar  unwahr- 

7.  Versamml.  deutscher  Phil.  u.  Sclndm.  (1S44),  schemlich  zugeteilt.     Granius  Flaccus  kommt 

Leipz.   u.  Dresd.  1845   S.  54  f.   und  in  Paulys  also  für  diese  Untersuchung  nicht  weiter  in  Be- 

Realencycl.  4   S.  147   s.  v.   Indigitamenta  und  tracht  (s.  über  ihn  noch  Sp.  131  f.  und  Sp.  141; 

das.  6,  1   S.  432  ff.   s.  v.  Religio.    Marquardt,  so  von  der  bei  Festus  S.  339  s.  v.  [Sequester]  an- 

Röm.  Staatsverw.  3 2  S.  7  ff .   mit  G.   Wissoivas  geführten  Rede  Catos  de  iudigitibus  ist  eben- 

Zusätzen.  Preller,  R.  M. 3  1  S.  134  ff.  2  S.  204  ff.  daselbst  nur  ein  ganz  trümmerhaftes  Fragment 

G.  Boissier,  Etüde  sur  la  vie  et  les  ouorages  erhalten   [fr.  76   S.  70  Jord.],    welches   jedoch 

de  M.  T.  Varron.  Paris  1861   S.  229  ff.    Ders.,  erkennen  tatst,  dafs  darin  von  Gottheiten  nicht 

La  Religion  romaine  d' Auguste  aux  Antonius  die  Rede    war).     Dagegen  ist   Varro   für  die 

l3.  Paris  1884  S.  4  ff.    A.  Bouche-Leclercq,  Les  Frage   nach   dem  Wesen   und  dem  Inhalt  der 

Pontifes  de  Tancienne  Rome.  Paris  1871  S.  24  ff.  Indigitamenta  von   der  gröfsten  Wichtigkeit; 

P.  D.  Chantepie  de  la  Saussaye,  Lehrbuch  der  denn   auf  ihn  ist  wohl   alles,  was  wir  über- 

Religionsgeschichte  2.  Freib.  i.  B.  1889  S.  202  ff.    '  haupt  von  dieser  Priesterschrift  wissen,  zurück- 

—  b)   über  Indigetes:   I.  A.  Hartling,  Bei.  40  zuführen,  wie   die   folgenden  Untersuchungen 

d.  Römer  1   S.  81  ff.    R.  H.  Klausen,  Acneas  ergeben  werden.   Aus  Varro  stammt  bei  Servins 

und  die  Penaten  2  S.  905  ff.  Metzger  in  Paidys  sicherlich    die   ganze   Auseinandersetzung    no- 

Bealencycl.  4  S.  146  f.  s.  v.  Indiges.  Schwegler,  mina  .  .  .  Sator.     Unter   den    aus    der    Schrift 

Rom.  Gesch.  1  S.  328  Anm.  3.  Preller,  B.  M.3  Catus  de  liberis  educandis  unter  Beibehaltung 

1  S.  91  ff.  des  ursprünglichen  Wortlautes  erhaltenen  Frag" 

Die    speziellere    Litteratur,    besonders    die  menten  Varros  sind  zwei,  in  denen  er  sich  auf 

grammatische,  ist  im  Verlaufe  der  folgenden  die  Indigitamenta  beruft:    Varro  vel  de  liberis 

Untersuchungen  namhaft  gemacht.  educandis  (fr.  6  S.  248  Riese)  bei  Non.  S.  352 

1)  Allgemeine  Untersuchungen.     Die  s.v.  numerum:  '.  .  .  quod  etiam  in  partu  preca- 

beiden  Hauptstellen  der  Schriftsteller  über  die  50  bantur  Numeriam,    quam  deam  solent  indige- 

Indigitamenta  sind  folgende:   Censorin.  de  die  tare  etiam  pontifices' ,  wo  der  Hinweis  auf  die 

nat.  3,  2   eundem  esse  Genium  et  Larem  multi  Indigitamenta  deutlich  ist;    Varro  Cato  vel  de 

veteres   memoriae  prodiderunt ,    in   quis   etiam  liberis  educandis  (fr.  13  S.  249  Riese)  bei  Non. 

Granius  Flaccus  in  libro  quem  ad  Caesarem  S.  532  s.  v.  Statilinum:  'uti  (so  Biese,  all  und 

de  indigitamentis  scriptum  reliquit  .. .  3 f.  Genio  ab  die  Hss.)  Statano  et  Statilino,  quorum  no- 

igitur  potissimum  per  omnem  aetatem  quotannis  mina  habent  scripta  pontifices,  sie  cum  primo 

sacrificamus;  quamquam  non  solum  hie,  sed  et  fari  ineipiebant ,  sacrificabant  divo  Fabulino' 

alii  sunt  praeterea  dei  conplures  hominum  vitam  ebenfalls   mit  klarer  Beziehung  auf  die  Indi- 

pro  sua  quisque  portione  adminiculantes ,  quos  gitamenta,  wenn  man  die  Stelle  des  Censorinus 
rolentem  cognoscere  indigitamentorum  libri  satis  60  im  Auge  behält.    Jedoch  auf  die  Schrift  Catus 

edocebunt.    sed  omnes  hi  semel  in  uno  quoque  de  liberis  educandis  kann  sich  die  Angabe  des 

homine  numinum  suorum  effettum  repraesentant,  Senilis,   die  auf  eine  eingehende  Abhandlung 

quocirca  non  per  omne  vitae  spatium  novis  re-  über  die  Indigitamenta  deutet,  nicht  beziehen 

ligionibus  arcessuntur.   Serv.  georg.  1,  21  quod  denn  in  jenem   Logistoricus  hatte  Varro  nur 

autem  dicit 'studium  qaibus  arva  hieri1,  nomi na  einige    auf    die    Kindererziehuug     bezügliche 

hnec    numinum    in  indigitamentis  inveniuntur,  Indigitamentengottheiten  genannt   (aufser  der 

id    est  in    libris  pontificalibus ,   qui  et  nomina  Nuineria,  dem  Statanus,  Statilinus  und  Fabu- 

deorum  et  rationes  ipsorum  nominum  (numinum  linus  werden    in    deu    erhaltenen  Fragmenten 

Röscher  ,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol-   II.  5 


131      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      132 

noch   die  Göttinnen   Cunina,   Rumina,   Edusa  in  dessen  Suetonius  S.  434;   Varro  et  Granius 

und  Potina    erwähnt,    s.  Sp.  142).      Die   Mit-  Flaccus  zusammen  genannt  bei  Macrob.  Sat. 

teilungen  des  Servins  sind  vielmehr  den  Anti-  1,18,4);  oder  endlich  dafs  Censorinus  in  einer 

quitates  rerum  divinarum  entlehut:  in  diesem  anderen    Quelle   (Suetonius?  vgl.   Heifferscheid 

Werke   hatte   Varro  ausführlich  über  die  In-  a.  a.  0.  S.  473.  475)  die  Erwähnung  des  Granius 

digitamenta  gehandelt.     Augustinus ,    der  zur  Flaccus  mit  dem  varronischen  Excerpt  schon 

Abfassung  seines  Werkes    de  civitate  dei   die  vereinigt  fand. 

Antiquitates  rerum  divinarum  selbst  in  Händen  Die  Ausführungen  Varros  über  die  Indigi- 
hatte  und  auch  eine  genaue  Inhaltsübersicht  tamenta  waren  in  dem  14.  Buche  der  Anti- 
derselben  giebt  (6,  3;  vgl.  über  die  Benutzung  10  quitates  rer.  div.,  das  über  die  dii  certi  han- 
Varros  durch  Augustinus  Erdm.  Schwärs,  De  delte  (August.  6,3.  7,  17.  Schol.  Vcronens. 
M.  Terentii  Varronis  apud  sanitos  patres  vesti-  Aen.  10 ,  76 ;  vgl.  TertuU.  ad  not.  2 ,  9. 
giis  capita  duo.  Cap.  II.  De  Augustmo,  in  adv.  Marcion.  1,  9.  August.  3,  12),  enthalten; 
N.  Jahrb.  f.  Fhü.  Suppl.  16  [1888]  S.  437  ff.,  die  charakteristische  Eigentümlichkeit  der  In- 
der ein  Verweisen  auf  frühere  Litteratur  ent-  digitamentengottheiten  bestand  ja  nach  Cen- 
behrlich  macht;  s.  über  Augustinus  weiterhin  sorinus  und  Scrrius  in  der  eng  begrenzten 
Sp.  139f.),  berichtet  nämlich  (6,  9):  denique  et  Wirksamkeit  in  fest  bestimmten  Fällen,  dern- 
ipse  Varro  commemorare  et  enumerare  deos  gemäfs  Varro  diese  Götter  als  dii  certi,  d.  h. 
coepit  a  conceptione  hominis,  quorum  numerum  als  Götter,  deren  Natur  und  Bedeutung  sich 
est  exorsus  a  Iano,  eamque  scriem  perduxit  20  mit  Sicherheit  ermitteln  liefs,  betrachten  konnte; 
usque  ad  decrepiti  hominis  mortem,  et  deos  ad  s.  Sp.  150f.  Die  von  Ambrosch  (ReUgionsbiicIier 
ipsum  hominem  pertinentes  clausit  ad  Neniam  Heft 2  S.225Anm.  =  Abdr.  S.5Anm.),Marquardt 
deam,  quae  in  funeribus  senum  cantatur;  deinde  (Staatsrerw.  3-  S.  7  Anm.  4  S.  9 f.)  und  anderen 
coepit  deos  alios  ostendere,  qui  pertinerent  non  aufgestellte  Ansicht,  dafs  die  Indigitamenten- 
ad  ipsum  hominem,  sed  ad  ea  quae  sunt  ho-  gottheiten  mit  den  varronischen  dii  certi  iden- 
minis,  sicuti  est  victus  atque  vestitus  et  quae-  tisch  seien,  ist  jedoch  falsch,  s.  Sp.  151.  Da- 
eumgue  alia  huic  vitae  sunt  necessaria,  osten-  mit  fällt  naturgemäfs  zugleich  die  von  Mar- 
dern in  omnibus,  quod  sit  cuiusque  munus  et  qiiardt  (S.  10)  ausgesprochene  Möglichkeit, 
piropter  quid  cuique  debeat  supplicari.  Ein  Ver-  dafs  jene  Gottheiten  in  den  Indigitamenten 
gleich  der  Worte  denique. .  .cantatur  mit  der  An-  30  selbst  den  Namen  dii  certi  führten,  fort.  Der 
gäbe  des  Censorinus  zeigt,  dafs  es  sich  an  beiden  Name,  mit  welchem  diese  Götter  in  der  Prie- 
Stellen  um  ein  und  dieselbe  Klasse  von  Gott-  stersprache  bezeichnet  wurden,  läfst  sich  mit 
heiten  handelt;  da  nun  Censorinus  diese  Götter-  Bestimmtheit  angeben. 

wesen   ausdrücklich  als   in  den  Indigitamenta  Indigito    und    indigitamentum   bilden 

enthalten   bezeichnet,    so    ergiebt   sich    schon  nämlich  zweifellos   mit  Indiges  eine  Gruppe 

hieraus,  dafs  Varro  für  denjenigen  Teil  seines  von    etymologisch     wie     sachlich    zusammen- 

Werkes,  auf  den  sich  die  Angaben  des  Augu-  gehörigen  Wörtern.    Indigito  bedeutet  nach 

stinns  beziehen,  die  Indigitamenta  benutzt  hat,  Beiff'erscheids   (persönlich   mitgeteilter)   Erklä- 

und  dasselbe  gilt  natürlich  auch  für  die  Gott-  rung  ich  mache,  schaffe  einen  Indiges; 

heiten  qui  pertinerent  .  .  .  ad  ea  quae  sunt  ho-  40  indigitamentum  ist  hiernach  die  Gebets- 

minis  u.  s.  w.     Dafs  aber   Varro  die  Indigita-  formel,    durch    welche   in    den    einzelnen 

menta    als    seine    Quelle    auch    genannt   und  Fällen  dieses  Schaffen  eines   Indiges  zu 

Näheres    über    den   Charakter  derselben    mit-  geschehen  hat,   während  die  Handlung  des 

geteilt   hatte,    geht    aus   Servius  hervor,    der  Indigitierens  selbst  wohl  indigitatio  (ein  Wort, 

das,  was  er  über  die  Indigitamenta  sagt,  eben  das   nirgends   überliefert  ist)   geheifsen  haben 

Varro   verdankt,    und    ergiebt  sich   auch  aus  wird.     Die   dii  Indigetes   sind  also   die   im 

Censorinus;    denn    wenn    dieser    Varro    auch  Vorstehenden   vorläufig    nur    im    allgemeinen 

nicht  nennt,  ja  sogar  sich  auf  Granius  Flaccus  charakterisierten    Gottheiten    der   Indigi- 

beruft,   so  kann   es  doch  im  Hinblick  auf  die  tamenta.     Dieses    an    sich    klare  Verhältnis 
angeführte  Stelle  des  Augustinus  nicht  zweifei-  50  ist     durch     die    Erklärungen     der    Indigetes, 

haft  sein,  dafs  bei  Censorinus  ein  Auszug  aus  welche  die  Alten  aufgestellt  haben,  ganz  ver- 

Varro    vorliegt,    sei    es    nun,    dafs    Granius  dunkelt  und  durch  die  an  dieselben  anknüpfen- 

Flaccus  der   Vermittler   desselben    ist,    wenn  den    etymologischen   Deutungen    der  Neueren 

derselbe,  wie  man  gewöhnlich  annimmt,  nach  nicht  wieder  aufgehellt  worden. 

Varro  geschrieben   hat    (s.    Teuffei,  Gesch.  d.  Am  häufigsten  findet  sich  bei  den  Schrift- 

röm.  Lü.b  1  §  199);  oder  dafs  Censorinus,  der  stellern  die  offenbar  älteste  Ansicht,   dafs  die 

Varro    öfter   benutzt  als   er  ihn  nennt  (s.  O.  dii  Indigetes   die  dii   patrii,   die  Schutzgötter 

Jahns  Prolegomeua  S.  VIII  f.),    auch   hier   aus  Roms  sind,   also  indiges  =  indigpna:   Vcrgil. 

diesem  schöpft  und  aus  ihm  auch  den  Namen  georg.  1,  498  di  patrii  Indigetes  et  Eomule  Vesta- 
des  Granius  Flaccus  entlehnt,  so  dafs  danach  co  que  mater;    Ovid.  met.   15,  861  ff.    di,  precor, 

die  Schrift  des  letzteren  de  indigitamentis  vor  Aeneae  comites,  quibus  ensis  et  ignis  |  cesserunt, 

Varros  Antiquitates  rerum  divinarum  zu  setzen  dique  Indigetes  genitorque   Quirine  \  urbis,   et 

und  vielleicht  als  eine  der  Quellen  Varros  an-  invicti  genitor  Gradive  Quirini  \  Vestaqueu.s.-w.; 

zusehen  wäre   (gerade   das  ist  eine  Eigentum-  Luean.  1,  556  f.   Indigetes  flevisse  deos,  urbis- 

lichkeit  des  Censorinus.  dafs  er  seinen  direkten  que  laborem  |  testatos  sudore  Lares;  bei  Silius   J 

Gewährsmann  verschweigt,  die  von  diesem  er-  Italiens,    der  9,    287  ff.    eine    Götterschlacht    I 

wähnten  Schriftsteller  jedoch  anführt,  s.  Jahn  schildert,    stehen    auf  römischer   Seite   neben    l 

a.  a.  0.   Beifferscheid,  Quaestiones  Suetonianae  Mars,   Apollo,   Neptunus,  Venus,  Vesta,  Her-    l 


133      Indigitamenta  i'allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      134 

cules,   Cybele,   Castor  und  Pollux  auch  Indi-  nullius  indigent  (Schal.  Bernens.  georg.  1,  498 

getesque  dei  Fannusque  satorqueQuirinus(v.2di);  und    Schal,    cod.    Leid.   Voss.  F  29  z.    d.   St. 

Symmach.  relat.  3,  10  S.  282  Seeek  ergo  cliis  =  P.  Nigidii  Figuli  operum  rel.  ed.  A.  Swo- 

patriis,  diis  Indigetibus  pacem  rogamus;   bei  boda  [Vindob.  1889]  S.  85  fr.  71;  vgl.  M.  Hertz, 

Claudian.  bell.   Gild.  128  ff.   trauern   die   Tndi-  De   P.   Nigidii  Figuli  studiis  atque  operibus. 

getes  mit  Venus,  Mars,  Minerva,  Cybele,  Inno,  Berol.    1845    S.    20.    36);    dieselbe    Erklärung 

et  si  quos  Borna  reeepit  |  mit  dedit  ipsa  deos  bieten  in  verschiedener  Form  Servius  Aen.  12, 

über  die  Verheerung  des  Landes.    Paul.  S.  106  794  Indigetes  .  .  .  dicuntur  .  .  .  cptod  nullius  rei 

Indigetes  dii,  guorum  nomina  vulgari  non  licet,  egeant,  wozu  der  Interpolator  Servii  fügt  vel 

Glosse   bei   C.  Barth,  Adversarii  Commentarii  w  quod   nos   deorum   indigeamus,    unde    quidam 

(Francof.  1648)  Sp.  1342  Indigetes  dii  qnorum  omnes   deos  Indigetes   appellari  volunt;   Serv. 

nomina  non  audebant   proferre  =   Glosse    im  georg.  1 ,  498  Indigetes  .  .  .  sunt  .  .  .   abusive 

Thesaurus   nov.    latinitatis   bei   Mai,    Classici  omnes  (nämlich  dii)  gener aliter ,  quasi  nullius 

Auciores   8    S.  294,    nämlich    als    Name    der  rei  egentes;  Placidus  S.  56,  6  ff.  Deuerl.  dicunt 

Schutzgötter  Roms   (0.  Müllers  Erklärung  zu  etiam  quidam  Indigetes  deos  naturales  et  cae- 

Paul.  a.  a.  0.   fscilicet  ab   in  et  dicendo'  ist  lestes  a  contrario,  quod  nullis  indigeant;   Ful- 

sehr  ansprechend;  die  Namen  der  Schutzgott-  gent.  mythol.  3,5  =  Mythograph.   Vatic.  III 

heiten  Roms  müssen  verschwiegen  werden,  s.  2,  1;  vgl.   Priscian.  6,  10,  55  S.  241,  1  H.  in- 

z.  B.  Serv.  georg.  1,  498   und  Schol.  Bernens.  digeo  indiges,  Indiges  Indigetis  (vielleicht  ist 

z.  d.  St.,   Ambrosch,  Studien  S.  164  und  Be-  20  in  dem  vorher  erwähnten  Elogium  auf  Aeneas 

ligionsbücher   Heft  4    S.   40    =    Abdr.    S.   48.  die    Form   Indigens    nicht    mit  Mommsen   für 

Marquardt,    Staatsvenv.   32    S.   21);   Interpol.  einen  Fehler  des  Steinmetzen  zu  halten,  son- 

Servii  Aen.  12,  794  alii  patrios  deos  Indigetes  dern   beruht  darauf,    dafs    der  Verfasser    des 

dici  debere  tradunt;   vgl.   Diomedes  3   S.  476,  Elogiums   diese  Form   mit  Absicht    im   Sinne 

17  K.   (Numa  Pompilius  .  .  .  cum)  patrios  pla-  der  ijigidianisehen  Erklärung  brauchte). 

caret  Indigetes.  Wieder  eine  andere  Erklärung  bei  Placidus 

Eine  andere  Erklärung  geben  Servius  Aen.  a.  a.  0.  lautet  Indiges  dicitur  interdum  hemi- 
12,  794  Indigetes  sunt  dii  ex  hominibus  facti,  theus  . .  .  ab  indigendo  divinitate;  dieselbe  kehrt 
et  dicti  Indigetes  quasi  in  diis  agentes  =  Serv.  wieder  in  den  Glossen  Indigetes:  jjfu'of'Eot  Kov- 
georg.  1,  498  und  damit  übereinstimmend  die  30  gfjtsg  (Glossae  [PhiloxeniJ  latino  -  graecae  im 
Schol.  Bernens.  georg.  1,  498  (S.  883  Hagen);  Corp.  glossar.  lat.  edd.  Loeice-Goet;  2  S.  80, 
hierfür  führte  man  das  Beispiel  des  Aeneas  46);  Indiges:  ijfu'xTEos  [Gloss.  Labb.  S.  90 
an,  der  nach  der  Sage  im  Kampfe  mit  Me-  col.  4  [1.  Abt.]);  ^ftiiTEO?:  semideus  Indiges 
zentius  oder  Turnus  plötzlich  verschwand  oder  (Glossae  [Cyrilli]  graeco-lat,  im  Corp.  gloss. 
in  den  Flufs  Numicius  stürzte  und  hierauf  lat.  2  S.  324,  45);  rjfitirzoi:  Indigetes  (Gloss. 
unter  die  Götter  erhoben  als  Aeneas  Indiges  Labb.  S.  87  col.  1  [2.  Abt.]).  Die  Identi- 
oder  luppiter  Indiges  an  jenem  Flusse  verehrt  ficierung  der  Indigetes  mit  den  Kureten  findet 
wurde  (s.  Bd.  1  s.  v.  Aineias  Sp.  179  ff.;  sich  auch  in  den  Glossen  Kov^gtsg  ol  tiiqI 
Aeneas  Indiges:  Verg.  Aen.  12,  794.  Tibull.  rfjv  'Piav:  Indigetes  Corybantes  (Glossae  [Cy- 
2,  5,  44.  Ovid.  met.  14,  608.  Paul.  S.  106  s.  v.  40  rilli]  graeco-lat.  im  Corp.  gloss.  lat.  2  S.  354, 
Indiges.  Sil.  Ital.  8,  39.  Gell.  2,  16,  9.  Arnob.  23)  und  Karor/reg  ol  tzsqi  zbv  Tlaiäva:  Indi- 
1,  36.  Interpol.  Serv.  Aen.  12,  794.  Schol.  Vera-  getes  Corybantes  (Gloss.  Labb.  S.  110  col.  2 
nens.  Aen.  1,  259.  C.  I.  L.  1  elog.  20  S.  283  [2.  Abt.],  lortasse  Flava''  0.  Müller  zu  Paul. 
=  10,  808,  wo  das  Wort  Indigens  geschrieben  S.  106,  10);  vgl.  hierzu  P.  Nigidii  Figuli  oper. 
ist,  s.  darüber  Mommsen  im  C.  I.  L.  1  z.  d.  rel.  ed.  Swoboda  S.  84  fr.  70  mit  adnot., 
Inschr.;  luppiter  Indiges:  Liv.  1,  2,  6.  woraus  hervorzugehen  scheint,  dafs  die  Gleich- 
Plin.  n.  h.  3,  56.  Serv.  Aen.  1,  259.  [4,  620  Setzung  Indigetes  =  Curetes  mit  der  anderen 
die  Italorurn  supplementa'];  Pater  Indiges:  Curetes  =  Dactyli  (s.  Bd.  1  Sp.  940,  53  ff.) 
Dionys.  Halic.  1,  64  v.al  avrtö  Y.araßy.ivd^ovoLv  =  Digiti  im  Zusammenhang  steht. 
oi  Aaztvoi  ftQföov  iniyQacpfj  zoiääs  v.oauov-  50  Bei  Macrob.  comm.  in  somn.  Scip.  1,  9,  7 
/iivov  'IXaTQog  9eov  x&ovCov  ,  og  ttozafiov  wird  der  Vers  Hesiods  (op.  et  dies  1,  122  [121]) 
NouiHiov  givfia  Sl£^Jt£l,,  wo  narrio  xftög  %&ö-  toi  (ilv  Saiiiovig  ilci  Jibg  utyäXov  äia  ßovXug 
viog  =  Divus  Pater  Indiges  (s.  Sahnasius,  übersetzt  mit  Indigetes  divi  fato  summi  Iovis 
Plinianae  Exercitationes  [Traj.  ad  Rhen.  1689]  hi  sunt;  dazu  vgl.  die  Glossen  daipovsg:  Indi- 
1  S.  51.  Preller,  B.  M.3  1  S.  94.  Bd.  1  s.  v.  getes  (Gloss.  Labb.  S.  43  col.  1  [2.  Abt.])  und 
Aineias  Sp.  179,  42  ff.),  Solin.  2,  15.  Origo  Indigetes:  Suipovtg  (das.  S.  90  col.  4  [1.  Abt.]), 
gent.  rom.  14,  4;  der  Name  luppiter  Indiges  sowie  Mythogr.  Vatic.  III  2,  2  apud  antiquos 
scheint  der  eigentliche  Kultusname  gewesen  dii  sive  daemones  sivc  Indigetes  a  divitiis  dicti 
und  der  Name  Aeneas  erst  dann  damit  in  sunt.  Endlich  eine  nicht  aufgeklärte  Gleich- 
Verbindung  gesetzt  worden  zu  sein,  als  man  60  Stellung  der  Indigetes  mit  griechischen  Gott- 
griechische und  einheimische  Sagen  mischte,  heiten  in  den  Schol.  Bernens.  georg.  1 ,  498 
vgl.  Preller  a.  a.  0.  und  2  S.  142  Anm.  1.  (S.  883  Hagen)  Indigetes  a  Latinis,  qui  a 
Bd.  1  s.  v.  Aineias  Sp.  181,  58  ff. ;  s.  auch  Graecis  fennichi  (sfiiiv^oi  Hagen,  iixuvxiot  Sin- 
Frdr.  Cauer,  Die  röm.  Aeneassage  von  Naevius  tenis,  uvx'oi  J.  Klein,  IVoixot  Hertz,  enchorii 
bis  Vergilius,  in  N.  Jhrb.  f.  Phil.  Suppl.  15  K.  W.  Müller)  dicuntur. 
[1887]  S.  120  f.).  Neben  diesen  größtenteils  unsinnigen,  deut- 

Nigidius  Figulus  und  alii  stellten  den  Satz       lieh   als  etymologische  Spielereien  der  Gram- 
auf   omnes   deos  Indigetes   cognominari,    quia      matiker    erkennbaren    Erklärungen    giebt    es 


135      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitameuta  (allgem.  Unters.)      136 

auch    eine,    welche   Indiges    mit   indigito   zu-  einheimischen   Götter';    vgl.    anfserdem    z.  B. 

sammenhringt,   bei   dem   Interpol.  Serv.  Aen.  Heyne-Wagner  und  Forbiger  zu   Vcrg.  georg. 

12,   794    alii    ab    inrocatione    Indigetes    dictos  1,498. 

volunt,  quod  indigeto  ett  preeor  et  invoco;  aber  Mit  indigitare  brachte  Indiges  zusammen 
auch  diese  erscheint  als  ein  verständnisloser  Klausen,  Aen.  u.  d.  Penaten  2  S.  907  ff. ;  indi- 
Versuch,  wie  denn  alle  die  angeführten  Er-  gitare  aber,  worin  er  denselben  Stamm  wie  in 
klärmigen  zeigen,  dafs  das  Bewufstsein  von  digitus  findet  (cim  Sinn  des  bald  mehr,  bald 
der  Bedeutung  des  Wortes  Indiges  und  der  dii  minder  bedeutsamen  und  feierlichen  Zeigens', 
Indigetes  den  Römern  schon  zur  Zeit  des  S.  909),  ist  ihm  'der  eigentliche  Ausdruck  für 
Vergilius  entschwunden  war,  jedenfalls  eine  10  die  gottesdienstliche  Verrichtung'  (S.  908,  vgl. 
Folge  davon,  dafs  die  Indigitameuta  sehr  9141,  die  Indigitamenta  sind  die  'gottesdienst- 
früh in  Vergessenheit  geraten  waren  (siehe  liehen  Darstellungen',  die  'Verrichtungen  zur 
unten).  Verehrung,  zur  Verherrlichung,  zur  wirksamen 
Die  neueren  Gelehrten  sehen  in  den  dii  Behandlung  der  Götter',  'Beschwörungen  durch 
Indigetes  gröfstenteils  in  Übereinstimmung  mit  Wort  und  Handlung,  vermittelst  welcher  man 
der  an  erster  Stelle  angeführten  Erklärung  der  sich  der  Gewährung  seines  Wunsches  bei 
Alten  die  'einheimischen'  oder  'eingeborenen'  den  Göttern  versichert'  (S.  910  f.);  Aeneas 
Götter:  von  indu  und  ago  leiten  das  Wort  ab  und  Anchises  sind  ihm  die  einzigen  Wesen, 
Dacerius  zu  Feslus  S.  186,  6  (ed.  Amstelod.  welche  neben  Iuppiter  (Indiges)  als  Indigetes 
1696),  Salmasius  a.  a.  0.  und  Haltung,  Bei.  d.  20  anzuerkennen  sind  (S.  906).  K.  W.  Gött- 
Böm.  1  S.  81  f.,  der  S.  93  seine  Ansicht  dahin  ling,  Gesch.  der  röm.  Staatsverfassung.  Halle 
zusammenfafst,  'dass  der  Name  indigetes  mit  1840  S.  174  und  mit  ihm  Wals  in  Paulys 
penates  synonym  aber  nicht  identisch  ist,  in-  Bealcntycl.  4  S.  147  s.  v.  Indigitamenta  leitete 
sofern  er  das  Verhältniss  der  Gottheit  zum  von  Indiges,  'welches  zwar  einen  Heros  oder 
Land  und  Volke  bezeichnet,  so  wie  jener  das  Dämon,  aber  dann  auch  überhaupt  einen  Gott 
zum  Hauss  und  seinen  Bewohnern';  Metsger  bezeichnet',  den  Namen  der  Indigitamenta, 
in  Paulys  Bealcncycl.  4  S.  147  s.  v.  Indiges:  welche  'die  Namen  der  Götter  und  die  Art 
Indigetes  =  'einheimische  Heroen  des  Landes',  sie  beim  öffentlichen  Gottesdienst  anzuwenden, 
der  Name  sei  eine  Nebenform  von  indigena;  gleichsam  ihre  Titulatur'  enthielten,  ab. 
H.  Ebel  in  Ztschr.  f.  vgl.  Spr.-F.  1 ,  1852  30  Corssen  {De  Volscorum  lingua.  Progr.  v. 
S.  305  'Würz,  ge  =  gen,  skr.  jan,  in  indi-  Pforta.  Naumburg  1858  S.  17  f.  Krit.  Naeh- 
get';  Schioeglcr,  Bö'm,  Gesch.  1  S.  328  Anm.  3:  träge  zur  lat.  Formenlehre  S.  254.  Ausspr.  22 
Indiges  (iudigens)  =  'Landesgenius,  National-  S.  540  Anm.  *),  vgl.  S.  591)  erklärte  indige(t)s 
genius,  rjgaq  STnitagiog',  von  indi  (=  indu)  als  Part.  pass.  eines  Verbuni  *indigere  —  in- 
und  gens  'Erzeuger'  (von  gigno),  'wörtlich:  vocare  von  Würz,  ag  'sagen,  sprechen'  (z.  B. 
der  im  Lande  Zeugende',  Aktivform  zu  indi-  in  adagium,  aio  =  agio,  axare  =  agsare), 
gena;  Preller,  B.  M.3  1  S.  92  f.:  Indiges  (In-  wovon  wieder  indigitare  und  weiter  indigita- 
digens)  von  indu  und  geno,  'also  eingeborene  mentum  gebildet  sei,  dii  Indigetes  also  =  dii 
Genien  oder  Heroen,  örtliche  Schutzgeister,  invocati  (über  diese  Ableitung  von  indigita- 
die  von  einem  bestimmten  Orte  und  im  engsten  40  mentum  s.  aufserdem  Corssen,  Krit.  Beitr.  s. 
Natur-  und  geschichtlichen  Zusammenhange  lat.  Formenl.  S.  425.  Ausspr.  I2  S.  90;  der- 
mit  diesem  Orte  verehrt  wurden,  die  rJQaisg  selbe  hatte  Origincs  poesis  remanae.  Berol. 
tyiÜQioi  oder  inixcögtoi.  der  Griechen;  gewisser-  1846  S.  46  f.  indigitare  und  indigitamenta 
mafsen  die  ansässig  gewordenen  Aboriginer';  =  axare  und  axamenta  von  agere  =  orare, 
L.  Meyer,  Vergl.  Gramm,  der  griech.  und  lat.  invocare  abgeleitet).  Corssens  Etymologie  von 
Spr.  2  S.  320  und  in  Ztschr.  f.  vgl.  Spr.-F.  indigitare  und  indigitamentum  fand  den  Bei- 
14,  1865  S.  82;  Bücheier -Windehilde,  Giundr.  fall  von  Curtius  (Grunds,  d.  griech.  Etym.1' 
der  lat.  Deklin.  S.  12  (=  S.  51):  'C.  I.  L.  1  §  611  S.  399),  Vanicelc  (Etymol  Wörterb.  d. 
elog.  20  indigens  von  anderer  Gruudform  als  lat.  Spr.  °  S.  9.  Gr.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  20  f. ; 
indigenus,  von  vollerer  als  indiges,  gen.  indi-  50  Indiges  erklärt  VaniceJc  jedoch  anders,  s.  vorher) 
getis  . . .  die  Mittelform  indiges  ist  nicht  mehr  und  Fr.  Stols  (in  Wiener  Studien  8, 18S6  S.  157); 
nachweisbar';  Beuche -Leclercq,  Les  Pontifes  nicht  bestimmt  entscheidet  sich  Bcuche-Leclercq 
S.  29.  43  und  in  seinem  Manuel  des  wstitutions  (Les  PonUfes  S.  28  f.).  Preller  (B.  M.3  1  S.  92. 
romaines  (Paris  1886)  S.  460  Anm.  3  (vgl.  134)  hatte  einen  Zusammenhang  des  Wortes 
S.  462  Anm.  3)  'les  indigenes  ou  dieux  locaux';  indigitamenta  mit  index  und  indicare  angenom- 
Vaniceli ,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  75  men  und  sich  dabei  auf  den  Sol  Indiges  (vgl. 
'indigetes  eingeborene  Heroen'  =  Gr.-lat.  etym.  S.  325  und  Marquardt ,  Staatsvcru:  3  2  S.  580 
Wörterb.  1  S.  189;  Boissier,  La  Beligion  ro-  zum  8.  August),  der  nicht  wohl  etwas  anderes 
maine  l3  S.  114  'sous  le  nom  de  dieux  indi-  gewesen  sein  könne  als  der  Späher,  der  An- 
getes  ils  adoraient  Picus,  Faunus,  Latinus,  eo  zeiger,  der  index,  bezogen, 
qui  avaient  regne,  disait-on,  sur  le  Latium';  Alle  diese  Etymologieen  können  indes 
W.  Glemm  in  Curtivs'  Studien  s.  gr.  und  lat.  nicht  befriedigen,  da  in  ihnen  das  eigenartige 
Gramm.  8,  1875  S.  12  (von  Würz,  ge,  mit  n  Wesen  der  Indigetes  ebenso  wenig  zum  Aus- 
erweitert zu  gen);  Madvig,  Verfass.  und  Ver-  druck  gelangt  wie  die  eigentliche  Bedeutung 
walt.  des  röm.  Staates  2  S.  588  Amn.  **):  In-  von  indigitare  und  indigitamentum  in  den 
digetes  =  die  'ursprünglichen'  römischen  farblosen  Umschreibungen  der  Alten  indigitare 
Götter;  Chantepie  de  la  Setussaye,  Lehrb.  d.  =  imprecari,  invocare  (Paul.  S.  114  indigi- 
Beligionsgesch.    2     S.    202  f.    205:    'die     alt-  tanto:    imprecanto;    Interpol.    Serv.    Aen.   12, 


137      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitainenta  (allgem.  Unters.)     138 

794    indigeto    est   precor    et    invoco;    Glossae  tates  rer.  div.  Varros  ergeben,  welche  entweder 

abavus  im  Corp.  gloss.  Tat.  edd.  Locwe-Goets  4  wörtliche  Mitteilungen   aus   den   Auseinander- 

S.    352,    47    indigitat:    invocat;    Glossar,    lat.  Setzungen  Varros  über  dii  certi  enthalten  oder  in 

bibl.    Parisinae    antiquissimum   saec.    IX   ed.  der  Forin  von  Auszügen  der  Hauptsache  nach  nur 

Ilildebrand   [Götting.    1854]    S.  171    indigitat:  Götternainen  und  kurze  Erklärungen  derselben 

invocat;  Thesaur.  nov.  latinitatis  in  Hais  Clas-  bieten  (auf  die  Zusammenstellung  aller,  auch 

sici  Auct.  8    S.  291    indigitare:    invocare,    in-  der  zu   der  vorliegenden  Untersuchung   ihrem 

plorare,  exorarc,  supplicare,  incalare)  und  in-  Inhalte    nach   in  keiner  Beziehung  stehenden 

digitamenta:   incantamenta  vel  indicia,    Paul.  Fragmente  des  14.  Buches  der  Ant.  rer.  div.  bei 

S.  114  (ganz  wertlos  sind  die  Erklärungen  von  10  Merkel,  Proleg.  zu  Uvids  Fast.  S.  CLXXXV  ff. 

indigitamenta  in   den   Glossae  [Philoxeni]   la-  ist  im  Folgenden  keine  Rücksicht  genommen 

tino-graecae   im   Corp.  glossar.    latin.  2    S.  80,  worden,  da  dieselbe  den  an  eine  solche  Frag- 

47  indigitamenta:  isgaztwcc  ßißXta;  Gloss.  Labb.  mentsammlung   zu   stellen  den  Anforderungen 

S.  90  col.  4  [1.  Abt.]   indigitamenta:   isgan-nct;  nicht  mehr  entspricht). 

was  Huschke  meint,  wenn  er  lurisprud.  ante-  Aus  dem  14.  Buche  teilt  Gdlius  3,  16,  5  ff . 

iust.*  S.  105  Anm.  5  zu  dem  Titel  der  Schrift  eine  Stelle   mit,   welche  über   die  Geburt  des 

'E^riyrjziKa     des     Cornelius    Balbics     bemerkt  Menschen  und  auf  dieselbe   bezügliche   Gott- 

''E^rjyjjrixK  sunt  indigitamenta'  ist  nicht  klar).  heiten   handelt:    §   5  ff.    (M.    Varro)  .  .  .  mense 

Trotzdem    kommen    die    Untersuchungen    der  nonnumguam  octuvo  editwn  esse  partum  in  libro 

neueren  Gelehrten  über  indigitare  und  indigita-  20  quarto  deeimo  rerum  divinarum  scriptum  reli- 

menta  im  Grunde  nicht  über  die  Erklärungen  quit,  worauf  Erörterungen   über  abnorme  Ge- 

indigitare   =   invocare,   indigitamenta   =  in-  burtszeiten   folgen;   g  9  f .   antiquos  autem  Bo- 

vocationes,  preeationes  hinaus,  s.  Sp.  155 ff.  manos    Varro  dicit  non  reeepisse   huiuscemodi 

Indiges,  von  indu  und  Würz,  ag  in  agere  quasi  monstruosas  raritates,  sed  nono  mense  aut 

gebildet,    bezeichnet    einen    in    einer    be-  deeimo  neque praeter  hos  aliispartionemmulieris 

stimmten    menschlichen    Handlung,  seeundum  naturam  fieri  existimasse  iclcircoque 

Thätigkeit,  in  einer  bestimmten  Sache,  eos  nomina  Fatis  tribus  fecisse  a  pariendo  et 

Örtlichkeit  u.  s.  w.    und    zwar,    wie    sich  a  nuno  atque  deeimo  mense.    nam  'Parca'  in- 

aus    dem    oben    Gesagten    ergiebt,     nur    in  qua    'inmutata  una  littera  a  partu  nominata, 

dieser    einen    und    in    keiner    anderen  30  item  Noua  et  Dceima  a  partus  tempestivi  tem- 

Handlung  u.  s.  w.  wirkenden  Gott.     Der  pore' .    Hiermit  steht   in   innerem  Zusammen- 

luppiter  Indiges   oder  Aeneaa  Indiges  ist  also  hange  Gell.  16,  16,  2  ff.   esse  autem  pueros  in 

der  gerade  im  Flusse  Numicius  waltende  Gott  ■  utero  Varro  dicit  capite  infimo  nixos,  sursum 

('der  Iuppiter  gerade  dieser  Lokalität'  Beiffcr-  pedibus  elatis,  non  ut  hominis  natura  est,  sed 

scheid   in   seinen    an    der   Universität  Breslau  ut  arboris.    nam  pedes  cruraque  arboris  ramos 

gehaltenen  Vorlesungen  über  römische  Mytho-  appellat,  Caput  stirpem  atque  caudicem.  ' 'quando 

logie  und  Sakralaltertümer);  und  wenn  in  dem  igitur'     inquit     'contra    naturam    forte    con- 

den  Pontifiealbücheni  entlehnten  (s.  die  Aus-  versi  in  pedes  brachiis  plerumque  diduetis  rc- 

führungen    des    Unterzeichneten    in    Commcn-  titwri  soleut  aegriusque  tunc  mulieres  enituntur, 

tationcs    in    honorem    Augusti    Eeifferscheidii.  40  huius  periculi  chprecandi  gratia  arae  statutae 

Vratisl.  18S4  S.  75  f.)  carmen,   durch  welches  sunt  Eomae  duabus  Carmentibus,  quartim  altera 

P.  Decius  in  der  Schlacht  am  Yesuvius  devo-  Postvcrta   cognomitata   est,    Prorsa    altera,    a 

viert  wurde,  bei  Liv.  8,  9,  6  ff.  auch  di  Indi-  recti  perversique  partus  et  potestate  et  nomine'; 

getes  angerufen  werden  (Ia)ie,  Iuppiter,  Mars  es    kann    nicht  zweifelhaft    sein,    dafs    dieses 

pater,  Quirine,  Bcllona,  Larcs,  divi  Novensiles,  Citat  ebenfalls  dem  14.  Buche  entstammt  und 

di  Indigetes,  divi  quorum  est  potestas  nostrorum  daselbst  in  enger  Verbindung  mit  dem  vorher- 

Iwstiumque,  diique  Manes,  vos  precor  u.  s.  w.),  gehenden  stand.     Mit  voller  Sicherheit,  ist  im 

so  ist  dies  neben  der  Anrufung  von  Gottheiten  Hinblick   auf  diese  beiden  Stellen  auch  Gell. 

allgemeinerer  Bedeutung  eine  invocatio  gene-  16,  17    auf  dasselbe  Buch  zurückzuführen:   et 

ralis  der  gerade  in  der  Devotion  wirksam  ge-  so  agrum  Vaticanum  et  eiusdem  agri  deum  praesi- 

dachten   Götter,    welche   der  Priester    einzeln  dem  appellatum  aeeeperamus  a  vaticiniis,  quae 

mit  Namen  nicht  nennen  kaun  oder  will  (vgl.  vi  atque  instinclu  cius  dei  in  co  agro  fieri  so- 

über    die    priesterliche    Sitte    des    generaiiter  Uta  essent.    sed  praeter  hanc  causam  M.  Varro 

invocare  Interpol.  Serv.  georg.  1,  10.  21.  Serv.  in  libris  divinarum  aliam  esse  tradit  istius  no- 

Aen.  8,  103.   Ambrosch,  Peligionsbüeher  Heft  4  minis  rationem.    'nam  sicut  Aius'  inquit  'deus 

S.  47  =  Abdr.  S.  55.   Marquardt,  Staatsvenv.  appellatus   araque   ei  statuta  est,   quae   est  in- 

32  S.  32.    Preller,  B.  M.3  1   S.  62  f.;   der  Sol  fima  nova  via,  quod  eo  in  loco  divinitus  vox 

Indiges   bleibt   als   verhältnismäfsig   späte  Er-  edita  erat,  ita  Vaticanus  dens  uominatus,  pencs 

scheinung  hier  um   so   eher   unberücksichtigt,  quem  essent  vocis  humanae  initia,  quoniam  pueri, 

als  sein  Beiname  wirklich  den  Sinn  von  indes  60  simid  atque  partisunt,  eam  primam  vocem  edunt, 

zu  haben  scheint  [s.  Preller  a.  a.  0.  S.  325]).  epiae  prima  in  Vaticano  syllaba  est,  iclcircoque 

Auf  diese  Weise  ist  eine  sachlich   befrie-  vagire  dicitur  exprimente  verbo  sonum  vocis  re- 

digende   Erklärung  von   lediges   erreicht  und  centis'.     Hierzu   kommt   der  wörtliche  Auszug 

die   Zusammengehörigkeit  von  Indigetes    und  bei    dem   Interpol.  Serv.  Aen.   12,   139   Varro 

Indigitamenta  begründet.    Weitere  Aufschlüsse  rerum   divinarum   quarto   deeimo    ait   ' Iuturna 

über    die    Indigetes    und    Indigitamenta    wird  inter  proprios  deos  nymphasque  ponitur',  und 

eirle   nun   anzustellende   genauere  Betrachtung  das  lückenhafte,  aber  zum  Teil  sicher  ergänzte 

derjenigen  Reste  des  14.  Buches  der  Antiqui-  Citat  in  den  Schol.  Veronens.  Aen.  10,  76  (nach 


139      Indigitanienta  (allgeni.  Unters.)  Indigitanienta  (allgem.  Unters.)      140 

der   Ausgabe    von  A.  Herrmann,  Progr.   von  welche    sich    ad   ea,   quae  sunt  hominis,  wie 
Donaueschingen  1869.  1871):  [deam  Venüiajm  Lebensunterhalt,  Kleidung  et  quaecumque  alia 
alii  Venerem,  quod  in  mari  nata  sit,  alii  nym-  huic  vitae  sunt  necessaria  beziehen;  bei  samt- 
pliam  quam  Grueci  Eovvi'jvr^v  vocant.  \  [Varro  liehen  Göttern  aber  hatte  er  angegeben,  welches 
rerum  dirinJarumXJIII  de  dis  certis  'spes  cum  das   muuus   eines  jeden   sei  und  weshalb  ein 
conciliata  non  frustra  esset  et  evenissi'et  credere)  \  jeder    angerufen    werden    müsse    (vgl.    hierzu 
/.  .  Jbantur,    quam  deam   cum  Neptuno    con-  August.  4,  22  quid  est  ergo,  quod  pro  ingenti 
iungunt  multi  [.  .  .]ens(is)  quo  cae(cis)  \  [■  ■  ■]  beneficio  Varro  iaetat  praestare  se  civibus  suis, 
(licet)    differre'.     Als    ein    Auszug    aus    dem  quia   non  solum   commemorat   deos,   quos  coli 
14.  Buche  ist  schon  oben  Sp.  130f.  die  Stelle  10  oporteat  a  Eomanis,  verum  etiam  dicit,  quid 
des    Serv.    georg.   1 ,   21    mit    der    Erwähnung  ad  quemque  pertineat?  und   die  weiteren  Äus- 
und  Erklärung  der  ländlichen  Götter  Occator,  züge   aus   Varro   in  diesem  Kapitel  und  6,  1). 
Sarritor,  Sterculinius  und  Sator  nachgewiesen  Dafs  Varro  hierbei  sich  nicht  mit  einer  trockenen 
worden;  keinem   anderen  Buche  ist   demnach  Aufzählung  der  Gottheiten  und  ihrer  Funktionen 
Serv.  georg.  1,  315  sane  Varro   in  libris  divi-  begnügte,   wie   es   wohl  nach  diesen  Angaben 
narum  dicit  deum   esse  Lactantem,  qui  se  in-  des  Augustinus  und  den  Auszügen  selbst,  die 
fundit   segetibus   et   eas   facit   lactescere   zuzu-  fast  nur   aus  den  Namen  der  Götter  und  An- 
weisen.   Eine  auch  nur  einigermafsen  deutliche  gaben   ihrer   Funktionen    bestehen ,    scheinen 
Vorstellung  von  der  Einrichtung  des  14.  Buches  könnte,  ist  weiter  unten  dargethan.     Es  finden 
und  einen  Schlufs  auf  den  Umfang  der  varro-  20  sich  nun  bei   TertuUianus  (ad  nat.  2,  11.  15. 
nischen  Götterklasse  der  dii  certi  kann  man  sich  de  anima  37.  39;  vgl.  über  das  zweite  Buch  ad 
aus  diesen  zerstreuten  Resten  indes  nicht  bilden;  nat.  Erdm.  Schwarz  a.  a.  0.  S.  409  ff.,  über  die 
solche   vermitteln   erst  bis  zu  einem  gewissen  beideu  angeführten  Kapitel  der  Schrift  de  anima 
Grade   die   zusammenhängenden   Auszüge   aus  das.  S.  431)  und  bei  Augustinus  (4,  8.  11.  16.  21. 
Varro  bei  TertuUianus,   Arnobius   und  Augu-  6,  9.  7,  2.  3,  vgl.  4,  24.  28.  34.  6,  1.  7;  s.  über 
stinus.  Augustins  viertes,  sechstes  und  siebentes  Buch 
Das  Verhältnis  zu  Varros  Werk  ist  bei  den  Schwarz  S.  438  ff.1)  Reihen  und  Gruppen    von 
drei    Kirchenvätern   keineswegs    ein    gleiches.  Gottheiten,  die  einerseits  durch  ihre  Übereiu- 
Während   TertuUianus    und   Augustinus    ganz  Stimmung    mit    den  Angaben  des   Augustinus 
zweifellos   die  Antiquitates  rer.   div.  selbst  in  30  sich     als     varronisches     Eigentum     erweisen, 
Händen  hatten   (Tertull.    ad  nat.   2,   1    quare  andererseits  aber  von  TertuUianus  und.  August  i- 
senmdum  vestros  commentarios ,  quos  ex  omni  nus   selbst   wiederholt    nur    als   Auszüge    aus 
theologiae   getiere    cepistis,    gradum    conferens,  Varros  Reihen  gekennzeichnet  werden  (Tertull. 
quoniam  maior  in  huiusmodi  penes  vos  auetori-  ad  nat.  2,  15   ut  cetera  transvolem;  August.  4, 
tas   literarum  quam  rerum  est,   elegi  ad  com-  8  nee  omnia  commemoro ,  quia  nie  piget  quod 
pendium     Varronis    opera,    qui    rerum    divi-  illos  non  pudet;   haec   autem  paucissima   ideo 
narum  ex  Omnibus  retro  digestis  commentatus  dixi  u.  s.  w. ;   4,  11    haec  omnia  quae  dixi  et 
idoneum  se  nobis  scopum  exposuit;  vgl.  Erdm.  quaecumque  non  dixi  (non  enim  omnia  dicenda 
Schwarz  a.  oben  a.  0.  Cap.  I.  De  Tertulliano  arbitratus   sum)  u.   s.   w. ;    4,   21    quos   neque 
S.  409  ff. ;    über  Augustinus    s.    oben    Sp.  131  40  omnes   commemoravi;    6,   1   quos  partim  com- 
und   über  das  Einzelne  das  Folgende),  liegen  memoravi  in  quarto  libro,  partim  praetereundos 
bei  Arnobius  die  hier  in  Betracht  kommenden  putavi;  6,  9  ipsa  numinum  officia  tarn  viliter 
varronischen    Fragmente    iu    einer    eigentüm-  minutatimque  concisa  . .  .  unde  non  quidem  om- 
lichen  Überarbeitung  vor,  die  es  ebenso  zweifei-  nia,  sed  multa  iam  diximus).    In  dem  letzteren 
los  erscheinen  läfst,  dafs  Arnobius  diese  Aus-  Umstände  liegt  zugleich  die  Erklärung  dafür, 
züge    aus    Varro    einer    vermittelnden    Quelle  dafs  die  beiden  Kirchenväter  in  der  Aufzählung 
verdankt  (s.  darüber  weiterhin  Sp.  140  f.).   Nach  von  Gottheiten   ein  und   derselben  Reihe   von 
der    Mitteilung    des    Augustinus   (s.    Sp.   131)  einander    abweichen,    indem    Götter,    welche 
hatte  Varro  in  einer  Reihe  diejenigen  dii  certi  der  eine  nennt,  bei  dem  anderen  fehlen;  jeder 
zusammengefafst,  welche  sich  auf  das  gesamte  50  von   ihnen  machte    seine   Auszüge  nach  Gut- 
Leben  des  Menschen  von  seiner  Erzeugung  bis  dünken.      Augustinus    führt    überdies    neben 
zu   seinem  Tode    beziehen;    diese   Götterreihe  seinen  Reihen  an  anderen  Stellen  (4,  21.  7,  3) 
hatte    er   mit    Ianus    begonnen    und    mit    der  vereinzelt  einige   Gottheiten   an,    welche   sich 
Nenia   geschlossen  (auf  diese  Reihe  beziehen  deutlich  als  willkürlich  abgesonderte  Glieder 
sich  die  Worte  des  Augustinus  7,  2   ipse  pri-  jener  Reihen  und  somit  als  Ergänzungen  der- 
mum  Ianus,  cum  pueiperium  coneipitur ,  undc  selben  ergeben. 

illa  euneta  opera  sumunt  exordium  minutatim  Ganz  anders  als  bei  TertuUianus  und  Augusti- 

minutis   distributa   numinibus ,    aditum    aperit  nus  steht  es  bei  Arnobius.   Dieser  nennt  haupt- 

reeipiendo   semini,    und    des    Tertidlianus   ad  sächlich  4,  3.  7.  S  und  9  eine  Anzahl  hierher 
nat.   2,    11    ne[c   EomaniJ    contenti    eos    deos  eo  gehöriger,  zum  Teil  auch  bei  TertuUianus  und 

asseverarc  qui  visi  retro,  auditi  contreetatique  Augustinus  vorkommender  Gottheiten  mit  An- 

sunt,  [quorum]  effigies  descriptae.  negotia  di-  gäbe    ihrer   munera,   aber  nicht  in  der  Grup- 

gesta,   memoriac  propagatae ,  umbr[as  alijquas  pierung  der  Reihen  bei  den  beiden  genannten 

incorporales ,    inanimales   et   nomina  de   rebus  Kirchenvätern;    vielmehr   ist   die   Anordnung, 

efflagitant  [deosque]  sanciunt  divklentes  omnem  wie  G.  Kettner  (Cornelius  Labeo.  Ein  Beitrag 

statum  hominis  singulis  jiotestaftibus  ab  ip]so  zur    Quellenkritik    des   Arnobius.    Progr.    von 

quidem    uteri    coneeptu);    sodann    hatte    er    in  Pforta.   Naumburg   1877    S.   16  f.)    richtig  -be- 

gleicher  Weise  diejenigen  dii  certi  aufgeführt,  obachtet   hat,    im    wesentlichen    eine    alpha- 


141      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      142 

betische,  ohne  inneren  Zusammenhang  der  Catus  de  liberis  educandis ,  in  denen  neben 
zusammengestellten  Gottheiten;  doch  wird  die  mehreren  auch  von  Tertullianus  und  Augusti- 
alphabetische  Ordnung  nicht  immer  mit  pein-  nus  aufgeführten,  das  Leben  des  Menschen 
lieber  Genauigkeit  festgehalten  und  selbst  durch  im  Eindesalter  betreffenden  Gottheiten  einige 
Einschiebung  von  Götternarnen  mit  abweichen-  von  den  Kirchenvätern  nicht  namhaft  gemachte 
dem  Anfangsbuchstaben  unterbrochen  (vgl.  4,  3  Götter  erscheinen  (Varro  Cato  vel  de  liberis 
die  Zusammenstellung  von  Praestana,  Panda  educandis  bei  Non.  S.  352  s.  v.  numerum 
vel  Pantica,  Pellonia;  4,  7  f.  die  von  Venus,  =  fr.  6  S.  248  Riese,  s.  oben  Sp.  130;  bei 
Perfica,  Pertunda,  Tutunus,  Puta,  Peta,  Ne-  Non.  S.  167  s.  v.  rumam  =  fr.  7  S.  248  Riese; 
mestrinus,  Patellana,  Patella,  Nodutis,  Nodu-  10  bei  Non.  S.  108  s.  v.  Edusam  =  fr.  10  S.  249 
terensis,  fVpibilia,  Orbona,  Nenia,  Mellonia,  Riese;  bei  Non.  S.  532  s.  v.  Statüiwum  =  fr.  13 
Ossipago;  4,  9  die  von  Luerii,  Libentina,  S.  249  Riese,  s.  oben  Sp.  130).  Diese  Frag- 
t  Burnus,  Limeutinus,  Lima,  Limi,  Saturnus,  mente  berechtigen  zu  der  schon  oben  (Sp.  130  f.) 
Montinus,  Mureida,  Peeunia).  Da  es  ganz  un-  angedeuteten  Vermutung,  dafs  Varro  im  Catus 
wahrscheinlich  ist,  dafs  der  eilig  und  flüchtig  die  ganze  auf  das  Kindesleben  und  die  Kinder- 
(s.  Reiffcrschcid  in  der  Praefatio  zu  seiner  erziehung  bezügliche  Reihe  seiner  dii  eerti 
Ausgabe  des  Arnob.  S.  XIV  und  im  Ind.  schol.  besprochen  hatte  (s.  Ambrosch,  Religionsbüeher 
Vratisl.  1879/80  S.  9)  sein  Werk  schreibende  Heft  2  S.  229  und  Heft  4  S.  52  =  Abdr.  S.  9 
Arnobius  aus  Varros  Antiquitates  rer.  div.  sich  und  60).  Auf  denselben  Logistoricus  die  Stelle 
dergleichen  Zusammenstellungen  eigenhändig  20  des  Donat.  Ter.  Pharm.  1,  1,  15  (v.  49)  legitur 
gemacht  habe,  so  müssen  wir  annehmen,  dai's  apud  Varronem  initiari  pueros  Eduliae  et 
er  dieselben  bei  einem  Gewährsmanne  vorfand:  Poticae  et  Cubae  divis  edendi  et  potandi  et 
dieser  ist  nach  Kettners  sehr  ansprechender  cubandi,  ubi  primum  a  lacte  et  a  eunis  trans- 
Annahme  Cornelius  Labeo,  der  Zeitgenosse  des  ierunt  zu  beziehen  rät  das  Fragment  aus  dem 
Arnobius,  dessen  Bekämpfung  den  Mittelpunkt  Catus  bei  Non.  S.  108  s.  v.  Edusam  (fr.  10 
der  Polemik  des  Apologeten  bildet  (über  Riese)  'cum  primo  eibo  et  potione  initiarent 
Cornelius  Labeo  vgl.  aufser  Kittners  Abband-  pueros,  sacrificabantur  ab  edulibus  Edusae,  a 
hing  und  Beiffersöheid  im  Ind.  schol.  Vratisl.  potione  Potinae  nutrices,1-  anderenfalls  wäre 
a.  a.  O.  TVissoua,  De  Macrobii  Saturnaliorum  die  Stelle  auf  Grund  der  bisherigen  Aus- 
fontibus.  Diss.  Vratisl.  1880  S.  26  ff.  40  ff.  Erdm.  30  einandersetzuugen  dem  14.  Buche  der  Anti- 
Schwarz  a.  a.  0.  S.  469  f.  /.  Mülleneisen,  De  quitates  rer.  div.  zuzuteilen  (die  Kamensformen 
Cornelii  Labeonis  fragmentis ,  studiis,  adseeta-  der  hier  genannten  Gottheiten  bleiben  vor- 
toribus.  Diss.  Marburgi  1S89,  der  indes  die  läufig  noch  unerörtert).  Dafs  Varro  aufserdem 
vorliegende  Frage  gar  nicht  berührt;  von  Cor-  auch  in  der  Schrift  de  vita  populi  Komani  bei 
nelius  Labeo  wird  weiterhin  noch  wiederholt  der  Schilderung  des  altrömischen  Lebens  der 
die  Rede  sein).  Cornelius  Labeo.  der  Varro  auf  die  Lebensverhältnisse  bezüglichen  Gott: 
wiederholt  citiert  und  ihn  vermutlich  als  seine  heiteu  gedachte,  zeigt  Non.  S.  528  Picumnus 
Hauptquelle  benutzt  (vgl.  z.  B.  fr.  15  S.  24  ff.  et  Pilumnus  dii  praesides  auspieiis  coniugali- 
Kettn.  =  fr.  15  S.  21  ff.  Mülleneis.;  fr.  19  bus  deputautur.  Vcerro  de  vita  populi  Romemi 
S.  27  f.  Kettn.;  fr.  23  S.  29  Kettn.  =  fr.  4  40  lib.  LI  (lib.  II  fr.  18  S.  33  Kettner)  ' natus  si  erat 
S.  15  Mülleneis.  und  Kettner  S.  11  ff.  Wissowa  vitalis  ac  sublatus  ab  obstetrice,  statuebatur  in 
S.  41.  42  Anm.  2.  Mülleneisen  S.  43  f.),  hat  terra  ut  auspicaretur  rectus  esse; diis  coniugalibus 
jedenfalls  die  Reihen  der  dii  eerti  in  Varros  L'ilumnoetPiciimnoinaedibuslectusstcrnebatur'. 
14.  Buche  einer  Umarbeitung  zu  alphabetischen  Die  bei  Tertullianus  und  Augustinus  sich 
Listen  mit  Beibehaltung  der  Angaben  Varros  findenden  Reihen  und  Gruppen  sind  folgende 
über  die  munera  der  einzelnen  Gottheiten  (zu  Grunde  gelegt  ist  für  Tertull.  ad  nett,  und 
unterworfen,  und  Arnobius  teilt  hieraus  einzelne  de  anima  die  Ausgabe  von  Reifferscheid- 
Stücke  mit,  wobei  er  jedoch,  wie  es  scheint,  Wissowa,  für  Arnobius  die  Ausgabe  Reiffer- 
Labeos  Listen  erst  vom  Buchstaben  L  ab  be-  scheids,  für  Augustinus  de  civ.  dei  die  zweite 
rücksichtist  und  planlos  die  ausgewählten  50  Auflage  von  Dombarts  Ausgabe,  was  betreffs 
Götter  durcheinanderwürfelt  (dafs  Cornelius  der  in  diesen  Ausgaben  auf  Grund  der  Uber- 
Labeo  'die  höchst  eigenthümliche  Indigita-  lieferung  festgestellten  Namensformen  hervor- 
mententafel'f!],  'aus  der  Arnobius  Mittheilungen  gehoben  werden  rnufs;  die  bei  Tertullianus  in 
macht',  aus  Granius  Flaccus,  der  auch  sonst  von  dem  lückenhaften  Texte  nach  den  erhaltenen 
Labeo  benutzt  werde,  in  diesem  Falle  aus  dessen  Partieen  mit  voller  Sicherheit  ergänzten  Namen 
Schrift  de  indigitamentis  genommen  habe,  ist  sind  in  []  geschlossen;  über  die  Funktionen  der 
eine  unwahrscheinliche  Annahme  Kettners  S.  16;  einzelnen  Gottheiten  s.  Abschn.  2  u.  Sp.  149 f.): 
es  ist  gar  nicht  ausgemacht,  dafs  Labeo  wirklich  a)  Die  umfangreiche  Reihe  von  Gott- 
den  Granius  Flaccus  selbst  benutzt  hat;  s.  übri-  heiten,  welche  sich  auf  das  Leben  des 
gens  das  Sp.  130  über  Granius  Gesagte).  Der  eo  Menschen  von  seiner  Erzeugung  bis  zu 
Wert  der  varronischen  Excerpte  bei  Arnobius  seinem  Tode  beziehen.  Aus  dem  diese 
beruht  bei  dieser  Sachlage  in  der  Erwähnung  Gottheiten  umfassenden  Teile  von  Varros 
einer  beträchtlichen  Anzahl  von  Gottheiten,  die  14.  Buche  geben  Tertull.  ad  not.  2,  11  und 
von  Tertullianus  und  Augustinus  nicht  genannt  August.  4,  11  und  21  gröfsere  Auszüge,  die  unter 
werden  und  daher  eine  wichtige  Ergänzung  der  sich  und  mit  den  sie  ergänzenden  kürzeren  Ex- 
Reihen dieser  beiden  Kirchenväter  bilden.  cerpten  bei  Tertull.  ad  nat.  2, 15.  de  anima  37. 
.Den  gleichen  Wert  haben  vier  der  er-  39.  August.  4, 8.  16.  6,9.  7, 2.  3  zusammengestellt 
haltenen  Fragmente  von   Varros  Logistoricus  folgendes  Gesamtbild  ergeben: 


143      Indigitamenta  (allgem.  Unters.) 


Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      144- 


Terhäl.  ad  nat.  2,11 

August.  7,  3  (= 

7,2) 

Consevius 

August.  4,  11 
Liber 

lanus 

Saturnus 

Liber 

5 

Libera 

Libera 

• 

Fluvionia 

Iuno  (Fluviona 
Mena 

s.  unten) 

Vituinnus 

Vituinnus 

Tertull.  de  an.  37 

Sentiuus 

10 

Sentinus 

Aleoiona 

Nona 

Decima 

Diespiter 

Diespater 

Partula 

Candelifera 

Mena 

August.  4,  21 

[Postverta] 

Lucina 

Luciua 

Lucina 

15  Prosa 

Tertull.  de  an.  39 

20 

Opis 

Opis 

Diana  (mit  Lucina) 

Iuno 

Fata  Scribunda 

August.  6,  9 

lntercidona 

Pilumnus 

Deverra 

Farinus 
[Locutius] 
25  [Cunina] 
Levana 


Rumina 
30  Potina 
Edula 

Sta[tina] 

[Adeona] 
35  Abeona 

Domiduca 
[Mens] 
Volumnus 
40  Voleta 
[Pavejntina 
Venilia 
Volupia 

45  Praestitia 
Peragenor 


50 


Consus 

55  | lujvcnta 

Fortuna  Barbata 
Afferenda 


Vaticanus 

Levana 

Cunina 

Carmentes 

Fortuna 

Rumina 

Potina 

Educa 


l'aventia 

Venilia 

Volupia 


Agenoria 

Stimula 

Strenia 

Numeria 
Camena 

Consus 
Snntia 
luventas 

Fortuna  Barbata 

Iugatinus 


Vaticanus 

Cunina 

Rumina 

Statilinus 

Adeona 
Abeona 


Mens 

Volumnus 

Volumua 


August.  4,   16 

Agenoria 

Stimula 

Murcia 

Strenia 

Ouies 


Virginiensis 
Mutunus  et  Tutunus  MutunusvelTutunus 
Pertunda 

65  Subigus 
Prema 


Tertull.  dt -a«. 39  (s.Z.  15  ff.) 

Statina 

August.  7,  3 

Abeona 

Adeona 

Iterduca 

Domiduca 

Mens 

Minerva 


August.  4, 

Volupia. 
Lubentina 


August.  6,  9 

Iugatinus 

Domiducus 

Domitius 

Mauturna 

Virginiensis 


Subigus 
Prema 
Pertunda 
Venus 


145      Indigftamenta  (allgem.  Unters.")  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      146 

August.  6,  0 

70  Priapus 
Tertidl.  ad  nat.  2, 15 
[Vi]duus 
Caeeulus 
Orbana 
75  'ipsius  mortis  d[ea]'  August.  6,9  (s.  Sp.  131) 
Nenia 

Nach Non.  S.  632  s.  Y.Statüinum hatte  Vurro  10  Vallonia;  und  Soia,  Segetia,  Tutilina,  Proser-- 
im  Catus  de  liberis  educandis  (fr.  13  S.  249  pina,  Nodutus,  Volutina,  Patelaua,  Hostilina, 
Riese)  den  Statilinus,  Statanus  und  Fabulinus  Flora,  Lacturnus,  Matuta,  Runeina.  Eine 
dii  praesides  puerüitatis  genannt  (an  Stelle  des  andere  zu  dieser  Reihe  gehörige  Gruppe  ist 
überlieferten  puerüitatis  wollten  Junius  und  4,  34  die  der  Bubona,  Mellona,  Pomona. 
Preller,  It.3I.s2  S.  211  Anna.  4  puerilis  aetatis  d)  Eine  besondere  Gruppe  von  Gottheiten 
lesen),  in  dem  Sp.  142  angeführten  Frag-  führt  Tertull.  ad  nat.  2,  15  an:  etiam  loco- 
mente  aus  dem  zweiten  Buche  der  Schrift  de  rum  urbis  vel  loca  deos  ar[bitramini,  Ianum] 
vita  populi  Bomani  bei  Non.  S.  528  s.  v.  Pi-  patrem  (et  diva  arquis  est  Jana)  et  montium 
lumnus  sind  Pilumnus  und  Picumnus  (s.  über  Septem  Septemontium.  [geniis  eisdem?]  Uli 
diesen  Sp.  147)  als  dii  coniugales  bezeichnet  20  faciunt  qui  in  isdem  locis  aras  vel  aedes  habent, 
(vgl.  Interpol.  Ssrv.  Aen.  9,  4  von  denselben  praetferea  aliis  qui]  in  alieno  loco  aut  mer- 
Göttern:  Varro  coniugales  deos  suspicatur;  da-  cedibus  habitant.  taceo  Ascensum  [a  scansione] 
gegen  heifst  es  bei  dem  Interpol.  Serv.  Aen.  et  Cliricolam  a  clivis;  taceo  deos  Forculum  a 
10,  76  Varro  Pilumnum  et  Pitumnum  [lies  foribus  et  Garfdeam  a  cardijnibus  et  liminum 
Picumnum]  infantium  deos  esse  ait  eisque  pro  Limentinum,  sive  qui  alii  inter  vicinos  ap[ud 
puerpera  lectum  in  alrio  stemi,  dum  explorctur  vos  numijimm  iauitorum  adorantar  (Z.  18  las 
an  vitalis  sit  qui  natus  est).  Da  nun  Attgusti-  Gothofredus:  est  et  diva  Arquis  et  Iana  \lana 
nus  (4,  34)  von  dii  pueriles  und  dii  coniugales  der  cod.  Agobardinus];  Uartel:  ut  diva  a.  s.  w.; 
mit  deutlicher  Beziehung  auf  die  auf  das  Z.  19  ist  Septem  von  Ohler  hinzugefügt).  Es 
Kindesalter  und  die  Ehe  bezüglichen  Gott-  30  ist  schwierig  zu  entscheiden,  ob  die  hier  ge- 
heiten  der  vorstehenden  Reihe  spricht,  und  nannten  Gottheiten  in  dieser  Zusammenstellung 
außerdem  Tertullianus  (ad  nat.  2,  11)  sowie  sich  bei  Varro  fanden,  oder  ob  erst  Tcrtul- 
Augustinus  (4,  21)  von  dii  nuptiales  =  eoniu-  Hanns  sie  zusammenfafste;  doch  ist  das  erstere 
gales  reden,  so  ist  mit  Sicherheit  anzunehmen,  das  wahrscheinlichere,  da  einerseits  Tertul- 
dafs  Varro  unter  den  Göttern  dieser  Reihe  lianus  auch  sonst  nur  solche  Gottheiten  zu- 
Abteilungen der  genannten  Art  und  vermut-  sammen  nennt,  die  er  bei  Varro  vereinigt 
lieh  auch  noch  andere  unterschieden  hatte  fand,  andererseits  aber  der  Ascensus  und  die 
(vgl.  unten).  Clivicola,  welche  als  Verwandte  der  Gottheiten 

b)  Zu  den  nach  Augustinus  (6,  9,  Sp.  131)  in  der  ersten  Gruppe  der  Reihe  c  erscheinen 
bei  Varro  auf  die  soeben  genannte  Reihe  fol-  40  könnten,  sehr  gut  zu  dem  Septemontius  passen, 
genden  Gottheiten,  qui  pertinerent  .  .  .  ad  sobald  man  sie  als  die  Götter  der  Abhänge 
ea,  quae  sunt  hominis,  sicuti  est  victus  at-  der  Berge  Roms  und  der  an  diesen  hinauf- 
que  vestitus  et  quaecumque  alia  lüde  vitae  sunt  führenden  clivi  auffafst.  Cardea,  Forculus, 
necessäria  gehört  bei  August.  4,  21  offenbar  Limentinus  und  Ianus  nennt  Tertull.  de  idol. 
die  Gruppe  Mars,  Bellona,  Victoria,  Honor,  15;  de  cor.  13  (wo  das  im  cod.  Agobard.  nach 
Pecunia,  Aescolanus,  Argentinus.  Da  diesen  ÖMers  Angabe  überlieferte  Carnam  in  Cardeani 
Gottheiten  bei  Augustinus  eine  Gruppe  von  zu  verbessern  ist);  ohne  Ianus  scorp.  10  (der 
Göttern  aus  Reihe  a  und  die  Erwähnung  der  cod.  Agobard.  bietet  nach  Beiff erscheid :  Bar- 
dii  nuptiales  (s.  vorher)  und  dii  agrestes  nitm  quendam  et  Forculum  et  Limentinum; 
(=  Reihe  c)  vorhergeht,  so  ist  es  wahrschein-  50  auch  hier  ist  unbedenklich  mit  Pamelius  Car- 
lich, dafs  die  vorstehende  Gruppe  ein  zu-  deam  quandam  zu  schreiben).  Forculus,  Cardea 
sammenhängender  Auszug  aus  dem  bezeich-  und  Limentinus  nennt  auch  Augustinus  4,  8 
neten  Teile  des  14.  Buches  ist.  (vgl.  6,  7)  in  einer  eigenen  Gruppe. 

c)  Augustinus  4,  8  führt  eine  aus  zwei  in  Andere  Reihen  oder  Gruppen  sind  bei  Ter- 
sich  geschlossenen  Gruppen  bestehende  Reihe  tullianus  und  Augu&tinus  nicht  erhalten.  Ter- 
von  Gottheiten  des  Landbaues  (nee  agro-  tull.  ad  nat.  2,  15  cum  et  [numina  sua]  ha- 
rum  munus  uni  alicui  deo  committendum  arbi-  beant  in  lupanaribus,  in  culinis  et  etiam  in 
trati  sunt;  4,  21:  dii  agrestes)  an,  welche  von  carcere  deutet  allerdings  darauf  hin,  dafs  Varro 
dem  Kirchenvater  in  seiner  Inhaltsangabe  des  im  14.  Buche  auch  diese  Gottheiten  besprochen 
14.  Buches  Varros  (s.  Sp.  131)  nicht  besonders  eo  hatte;  doch  haben  die  Kirchenväter  hiervon 
angeführt  wird,  vermutlieh  weil  sie  unter  die  nichts  in  ihre  Schriften  aufgenommen. 

in  den  Worten  quaecumque  alia  huic  vitae  sunt  Es  zeigt  sich,   dafs  in  der  Reihe  a  und  in 

necessäria     angedeutete     varronische     Götter-  der  Hauptgruppe   der  Reihe  e  die  Gottheiten 

abteilung    gehört    (vgl.    Ambrosch,    Religions-  nach    bestimmten    Prinzipien    geordnet    sind, 

büchcr   Heft  2   S.  227   und  240  =  Abdr.  S.   7  nämlich  in  Reihe  a  nach  der  natürlichen  Auf- 

und  201,  während  dagegen  Servius  (s.  Sp.  129 f.)  einanderfolge   der  Zustände   des  menschlichen 

ihrer   als   in    diesem   Buche    vorkommend   Er-  Lebens,  denen  die  einzelnen  Götter  vorstehen, 

wähnung   thut:    Rusina,    lugatinus,   Collatina,  in    der   genannten   Gruppe   der   Reihe   c   nach 


147      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      148 

dein  Entwicklungsgänge  der  Feldfracht.  Diese  1,21  (s.  Sp.  129  f.)  gehören  an  den  Anfang  der 
Ordnnngsprinzipien  ermöglichen  trotz  einiger  Gruppe  vor  Seia,  der  Lactans  (s.  Sp.  139)  tritt 
den  Kirchenvätern  zur  Last  fallenden  Unregel-  neben  den  Lacturnus.  —  Dagegen  läfst  sich 
mäfsigkeiten  (Mena  tritt  an  zwei  verschiedenen  von  der  Fessona  und  den  zusammen  genannten 
Stellen  auf:  Z.  7,  wohin  sie  gehört,  und  Z.  13;  Apollo  und  Aesculapius  bei  August.  4,  21  nur 
ebenso  Pertunda:  Z.  64  und  66,  letztere  Stelle  so  viel  sagen,  dafs  sie  zur  Reihe  a,  von  der 
offenbar  die  richtige;  von  geringerer  Bedeutung  nicht  im  Zusammenhange  genannten  Fructe- 
sind  die  Vertauschungen  der  Stellen  von  Cu-  sea,  dem  Spiniensis  und  der  Robigo  ebenfalls 
nina  und  Levana  in  Z.  25  und  26,  und  von  bei  August.  4,  21,  und  der  Noduterensis  bei 
Adeona  und  Abeona  in  Z.  34  und  35)  für  einen  10  Arnob.  4,  7.  11,  dafs  sie  zur  Hauptgruppe  der 
Teil  der  von  Augustinus  vereinzelt  oder  Reihe  c  gehören,  ohne  dafs  sich  für  dieselben 
wenigstens  nicht  in  deutlichem  Zusammen-  bestimmte  Stellen  ermitteln  lassen.  Dasselbe 
hange  erwähnten  sowie  der  nur  von  Arnobius  gilt  nicht  nur  von  den  zur  Gruppe  Rusina 
u.  in  den  Sp.  138 ff.  angeführten  anderweitigen  u.  s.  w.  der  Reihe  c  zu  stellenden  Limi  bei 
Fragmenten  des  14.  Buches  beziehungsweise  Arnob.  4,  9  und  den  dieser  Reihe  im  all- 
des  Catus  de  liberis  educandis  und  der  Schrift  gemeinen  zuzuweisenden  Gottheiten  Puta  (das. 
de  vita  populiBomuni  namhaft  gemachten  Gott-  4,  7.  8)  und  Nemestrinus  (das.  4,  7),  sondern 
heiten  eine  mehr  oder  weniger  sichere  Ein-  auch  gröfstenteils  von  den  zu  den  übrigen 
Ordnung  in  die  Reiben  und  Gruppen.  Reihe  a:  angeführten  Reihen  und  Gruppen  gehörigen 
der  mit  Meicurius  und 'Minerva  zusammen  20  Göttern:  Victa  und  Potua  bei  Arnob.  3,  25, 
genannte  Catius  pater  bei  August.  4,  21  ge-  Lucrii  das.  4,  9  und  Pellonia  bei  Arnob.  4,  4 
hört  mit  diesen  beiden  zu  den  Gottheiten  in  und  August.  4,  21,  welche  alle  zur  Reihe  b  zu 
Z.  38 — 40  (Minerva  s.  Z.  39);  bei  Arnobius  ist  stellen  sind  (zur  Victa  vgl.  die  Angabe  des 
die  Peta  (4,  7.  8)  offenbar  den  Gottheiten  in  Augustinus  über  diese  Reihe  [Sp.  131]  quae 
Z.  38 — 49  zuzuweisen,  der  aus  der  handschrift-  suid  hominis,  sieuti  est  vietus  atque  vestitus 
liehen  Lesart  Burnus  (4,  9)  in  einer  ununter-  u.  s.  w.);  nur  der  Lateranus  bei  Arnob.  i,  6.  Hund 
brochenen  Reihe  von  Götternamen  mit  dem  die  Lima  das.  4, 9  haben  ihren  bestimmten  Platz 
Anfangsbuchstaben  L  mit  voller  Sicherheit  neben  dem  Forculus  und  Limentinus  in  Gruppe  d. 
herzustellende  Gott  der  libidines  Liburnus  (so  —  Der  Name  einer  vermutlich  zur  Reihe  a 
Gclenius)  stellt  sich  zu  der  Lubentina  (Z.  44;  30  gehörigen  Göttin  verbirgt  sich  unter  der  ver- 
dafs  auch  bei  Arnobius  neben  diesem  Gotte  derbten  Überlieferung  des  cod.  Parisinus  bei 
Libentina  steht  [s.  Sp.  141],  beruht  jedenfalls  Arnob.  4,  7  ab  erroribus  viarum  dea  fYpibilia 
nur  auf  der  alphabetischen  Anordnung),  die  liberal;  von  den  verschiedenen  Verbesserungs- 
Praestana  (4,  3)  neben  die  Praestitia  (Z.  45),  vorschlagen  (Gclenius:  Vibilia,  Meursius:  Ve- 
die  Unxia  und  Cinxia  (3,  25)  gehören  zu  den  hilia,  Hildebrand:  Viabilia)  befriedigt  keiner, 
Gottheiten  in  Z.  58  —  62,  und  zwar  Cinxia  zur  nach  dem  Sp.  140f.  über  die  alphabetischen 
Virginiensis,  die  Perfica  (4,  7.  11)  hat  ihren  Reihen  bei  Arnobius  Gesagten  könnte  man, 
Platz  hinter  der  Pertunda  Z.  67  (das  Zusammen-  da  Nodutis  und  Noduterensis  vorausgehen, 
treffen  beider  bei  Arnobius  ist  wie  bei  Liben-  Orbona  und  Kenia  folgen,  einen  mit  N  (oder 
tina  und  Liburnus  zu  erklären);  von  den  Gott-  -io  0?)  anfangenden  Namen  vermuten.  Ob  die 
heiten  der  übrigen  Fragmente  gehört  die  Parca  Panda  vel  Pantica  bei  Arnob.  4,  3  (s.  über 
(s.  Sp.  138)  neben  die  Partula  (Z.  12;  beide  dieselbe  unten)  und  die  Iuturna  in  dem 
hatte  Varro  mit  der  Nona  und  Decima  zu-  Fragmente  des  14.  Buches  beim  Interpol.  Serv. 
sammen  genannt),  die  Numeria  (s.  Sp.  130)  Aen.  12,  139  (s.  Sp.  138)  den  vorstehenden 
verlangt  ihren  Platz  bei  der  Postverta  und  Reihen  angehört  haben,  läfst  sich  nicht  ent- 
Trosa  (Z.  14.  15),  Picumnus  (s.  Sp.  145)  er-  scheiden  (stand  Iuturna  etwa. unter  den  Gott- 
scheint  mit  Pilumnus  (Z.  21)  verbunden,  der  heiten,  deren  Reste  in  Gruppe  d  vorliegen'?). 
Fabulinus  (s.  Sp.  130),  stellt  sich  zu  dem  Fari-  Dies  also  sind  die  auf  Grund  der  Über- 
aus und  Vaticanus  (Z.  23),  die  Cuba  ist  auf  lieferung  mit  voller  Sicherheit  er- 
Grund der  Angaben  des  Bonatus  (s.  Sp.  142)  50  niittelten  Reste  der  Reihen  der  dii 
der  Potina  und  Edula  oder  Educa  (Z.  30.  31)  certi  in  Varros  14.  Buche.  Es  gilt  nun  die 
anzureihen,  der  Statanus  (s.  Sp.  130)  gehört  wichtige  Frage,  in  welchem  Verhältnisse  diese 
zu  der  Statina  und  dem  Statilinus  (Z.  32;  Götterreihen  zu  den  Indigitamenta  stehen,  zu 
Varro  selbst  nennt  ihn  mit  Statilinus  zu-  erörtern.  Ein  Blick  auf  die  Reihen  und 
sammen;  eine  von  Marquardt,  Staatsvcnc.  3-  Gruppen  zeigt,  dafs  dieselben  sich  aus  zwei 
S.  13  Anm.  11  angeführte  Statilina  bei  Ter-  verschiedenartigen  Bestandteilen  zusammen- 
tull.  ad  nat.  2,  11  beruht  auf  nicht  haltbarer  setzen.  Die  Hauptmasse  der  darin  enthaltenen 
Ergänzung  der  lückenhaften  Worte  et  sta-  Gottheiten  ergiebt  sich  ohne  weiteres  als  In- 
tuendi  infantis  Staf.  .  .]  durch  Gothofredus;  digetes,  d.  h.  nach  dem  Obigen  als  Götter,  die 
die  Stelle  de  an.  39  dum  prima  ctiam  consti-  co  nur  in  ganz  bestimmten  Funktionen  wirken; 
tutio  infantis  super  terram  Stqtinae  deae  sacrum  dies  ist  die  turba  miiiutorum  deorum,  turba 
est  rechtfertigt  vielmehr  Öhlers  Ergänzung  quasi  plebciorum  deorum,  turba  indignissima 
Staftina]).  —  Hauptgruppe  der  Reihe  c:  u.  s.w.  des  Augustinus  mit  ihren  dem  Kirchen- 
die  Patella  bei  Arnob.  4,  7  gehört  zu  der  Pa-  vater  so  verächtlichen  officia,  s.  z.  B.  4,  9 
telana  (die  Erwähnung  beider  zusammen  bei  turba  minutorum  deorum;  4,  11  turba  quasi 
Arnobius  ist  wieder  durch  die  alphabetische  plebciorum  deorum;  4,  13.  16  deos  singulos 
Anordnung  veranlafst) ,  die  Götter  Occator,  singulis  rebus  et  paene  singulis  motibus  adtri- 
Sarritor,  Sterculinius  und  Sator  bei  Serv.  georg.  bucrunt;  nee  ipsi  potuerunt  omnibus  bonis  hu- 


149      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      150 

manis   minutatim    singillatimque   digestis   deos  21;  vgl.  21);  Carmentes:  quae  fata  nascentibus 

minutos  et  singidos  providcre;  4,  23  turba  in-  canimt  (August.  4,  11);  Fortuna:  praesit  for- 

dignissima   tanta;   4,  34;    6,  1    quibus   verum  tuitis    (ebendas.);    Mens:    quae    faciat   pueris 

exiguarum  singulis  singula  distribuuntur  officia;  bonam  mentem  (August.  7,  3;  vgl.  4,  21;  Ter- 

illa  turba  vel  quasi  plebeiorum  vel  quasi  pro-  tull.  ad  nat.  2,  11  [Mentem,  quae  faciat  men- 

ccrum   deorum;    ista   ipsa   temporalia   et    cito  tem  bonam  acquje  et  malam);  Minerva:  cid  per 

praetereuutia  munera,   quibus  singulis  singuli  ista  minuta  opera puerorummemoriamtribuerunt 

praecsse    perhibentur;    ista    opera    temporalia,  (August.  7,  3;  vgl.  4,  21);    Murcia  (Mureida): 

quoniam  nimis  multos  putarunt,   ne  quisquam  quae  praeter   modum   non   moveret  ac   faceret 

corum   sederet   otiosas,    minutatim   divisa   tri-  10  kontinent  .  .  .  mureidum  id  est  nimis  desidiosum 

buerunt;  ipsanuminum  officia  tarn  viliter  mimt-  et  inactuosum  (August.  4,  16;  vgl.  Arnob.  4,  9 

tatimque   concisa,  propter  quod  eis  dieunt  pro  quis    segnium  31urcidam?    [sc.    esse    credat]); 

uniuseuiusque  proprio  munere  supplicari  opor-  Quies:  quae  faceret  quietum  (sc. Iwminem;  August, 

tere;  7,2;  7,3  7jaec  opera  minima;  turba  vilis;  4,  16);  Caraena:  quae  canere  (sc.  doceat;  August, 

cum  .  .  .  in  his  minutis  operibus,  quae  minuta-  4,  11);  Consus:  a  consiliis  Consum  (Tertull.  ad 

tim  diis  pluribus  distributa  sunt,  etiam  ipsos  nat. 2,ll),deus Consus praebendoconsilia(August. 

selectos  videamus  tamquam   senatum  cum  plebe  4,  11);  Iuventas:  quae  post  praetextam  excipiat 

pariter   operari;    7,   4    illam    infimam   turbam  iuvcnüis  aetatis  exordia (August. 4,11),  [Iufccnta 

ipsa  ignobilitas  texit,  ne  obrucretur  opprobrüs;  novorum   togatorum    (Tertull.   ad   nat.  2,  11); 

eos   videmus   figmentis   Immanarum  opinionum  20  Fortuna  Barbata:    quae  adultos  barba  induat 

partitis  iwfer  se  operibus  distributos,  tamquam  (August.  4,  11),  virorum  iam  Fortuna  Barbata 

minuscularios  vectigalium  conduetores  u.  s.  w.;  (Tertull.    ad    nat.  2,  11);   Ergänzungen   dieser 

istorum   humilia   opera;    7,   11   iuter  Mos  mi-  Keine:   Mercurius:   quid  doctrinae  .  .  .  a  Mer- 

nuscularios    (auch   Tertullianus  und  Arnobius  curio  .  .  .  petendum    esset?    (August.   4,   21); 

halten  mit  ihrem  Spott  nicht  zurück,  s.  z.  B.  Apollo  und  Aesculapius:  propter  aegros  medi- 

Tertull.  ad  nat.  2,  11  [Sp.  139].  Arnob.  4,  3  ff.  cus  vel  Apollo  vel  Aesculapius   vel  ambo  simul 

an   verschiedenen   Stellen;    den  Ausdruck   dii  (sc.    invocandi;   August.  4,  21).     Gruppe   b: 

minuti  wendet  schon  Plautus  zur  Bezeichnung-  Marti  et  Bellonae,  ut  bene  belligerarent,   deae 

untergeordneter  Gottheiten  an:  Cas.  2,  5,  23  f.  Victuriae  ut  vincerent  (August.  &,2l).  Reihe  c: 

[v.  310  f.],   wo  Lysidamus   als  Iuppiter  seiner  30  Proserpina:   praefecerunt  .  .  .  Proserpinam  fru- 

Frau  und   seinem  Sohne  =  dii  minuti  gegen-  meutis   germinantibus   (August.    4,    8);    Flora: 

übergestellt  wird;   Cist.  2,  1,  46  f.    [v.  347  f.];  (praefecerunt)   florentibus   frumentis  deam  Flo- 

vgl.  hierzu  Preller,  B.  M.s  1    S.  69  Anrn.  2).  ram   (August.  4,  8);    Matuta:    maturescentibus 

Neben  diesen  treten  nun   nicht  wenige  Gott-  (sc.  frumentis)  deam  Matutam  (sc.  praefecerunt; 

heiten   von  allgemeinerer  Bedeutung,    welche  August,  a.  a.  0.).    Ohne  Angabe  der  Funktionen 

einen  mehr   oder  minder  ansehnlichen  öffent-  werden  genannt  Diana,   Iuno  und  Fata  Scri- 

lichen    Kultus    genossen    ('grofse    Gottheiten'  bunda  (Reihe  a  Z.  16.  17.  18)   bei  Tertull.  de 

Ambroscli),  und   selbst   solche,    welche   Varro  au.  39,  Venus  (das.  Z.  68)  bei  August.  6,  9,  Ianus 

im  16.  Buche   als   dii  selecti  behandelt  hatte.  pater  (Gruppe  d)  bei  Tertull.  ad  nat.  2,  15  (offen- 

auf    (vgl.    Ambroscli,    Beligionsbüeher   Heft    2  «f.bar  als   Gott  der  arens).     Auf  die  Fata  Scri- 

S.  251  ff.  =  Abdr.  S.  31  ff.).     Augustinus,  der  buuda,  Murcia,  Quies,  Venus  und  den  Priapus 

7,  2   die  dii   selecti  aufzählt  (Ianus,  Iuppiter,  (Reihe  a   Z.  70)   ist   weiterhin    (Sp.  154    und 

Saturnus,    Genius,    Mercurius,    Apollo,   Mars,  unten)  näher  einzugehen. 

Vulcanus,  Neptunus,  Sol,  Orcus,  Liber  pater,  Dafs  die  Indigetes  dieser  Reihen  und 
Tellus,  Ceres,  Iuno,  Luua,  Diana,  Minerva.  Gruppen  aus  den  Indigitamenta  entlehnt  sind, 
Venus,  Vesta),  hebt  diese  Eigentümlichkeit  leidet  nach  den  oben  Sp.  129  f.  zum  Ausgangs- 
spottend hervor:  si  propterea  (sc.  selecti  di-  punkt  genommenen  Stellen  des  Censorinus  und 
euntur),  quia  opera  maiora  ab  Ins  administran-  Servius  und  dem  Sp.  132  über  die  Zusammen- 
tur  in  mundo,  non  eos  invenire  debuimus  inter  gehörigkeit  von  Indiges  und  indigitamentum 
illam  quasi  plebeiam  numinum  multitudinem  50  Gesagten  nicht  den  geringsten  Zweifel.  Um 
minutis  opusculis  deputatam  (in  weiterer  Aus-  für  die  Beurteilung  der  mit  ihnen  verbundenen 
führung  7,  3).  Jedoch  werden  auch  diesen  rgröfseren'  Gottheiten  den  richtigen  Stand- 
Göttern  fest  bestimmte  Funktionen  beigelegt,  punkt  zu  gewinnen,  mul's  man  davon  ausgehen, 
wie  folgende  Obersicht  zeigt:  Reihe  a:  Ianus:  dafs  Varro  gemäfs  seiner  Einteilung  der  ge- 
cum  Puerperium  coneipitur,  .  .  .  ctditum  aperit  samten  römischen  Götterwelt  in  dii  certi,  dii 
reeipiendo  semini  (August.  7,  2),  seminis  ad-  incerti  und  dii  praeeipui  atque  selecti  (August, 
missor  (das.  3);  Saturnus:  propter  ipsum  semen  6,  3)  im  14.  Buche  de  diis  certis  alle 
und  seminis  dator  vel  sator  (August,  a.  aa. 00.) ;  diejenigen  Gottheiten  behandelte,  deren 
Liber  und  Libera:  Liberum  a  liberamento  ap-  Natur  und  Bedeutung  sich  mit  Sicher- 
pellatum  volunt,  quod  mares  in  coeundo  per  60  heit  feststellen  liefs:  dies  ist  die  richtige, 
eius  beneficium  emissis  seminibus  liberentur;  von  Wissmca  (bei  Marquardt,  Staatsverw.  32 
hoc  idem  in  feminis  agere  Liberum,  quam  etiam  S.  9  f.  Anm.  4)  hervorgehobene  Bedeutung  der 
Venerem  putant,  quod  et  ipsas  perhibeant  se-  dii  certi;  vgl.  Interpol.  Sero.  Aen.  2,  141 
mina  emittiere  (August.  6,  9,  fast  mit  den-  pontifices  dieunt  singtdis  aclibus  proprios  deos 
selben  Worten  7,  2;  vgl.  7,  3);  Diespiter:  qui  praeesse:  hos  Varro  certos  deos  appellat.  Arnob. 
partum  perducat  ad  diem  (August.  4,  11;  vgl.  2,  65  dii  certi  certas  apud  vos  habent  tutclas 
Tertull.  ad  nat.  2,  11);  Opis:  opem  ferat  na-  licentias  potestates,  neque  eorum  ab  aliquo  id 
scentibus  excipiendo  cos  sinu  terrae  (August.  4,  quod  eius  non  sä  potestatis  ac  licentiae  postu- 


151      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgeru.  Unters.)      152 

latis  und  August.  7,  17  die  Worte  Varros  aus  Ianus  Sp.  36  ff.;  Saturnus  als  Gott  alles  Samens, 
dem  Anfange  des  15.  Buches  de  cliis  incertis,  penes  quem  sationum  omnium  dominatus  est, 
die  einen  Schlafs  auf  seine  Auffassung  der  dii  Vanv  bei  August.  7,  13;  vgl.  Preller,  B.  3I.3 
certi  gestatten  (Erdm.  Schwarz  a.  a.  0.  S.  418 f.  2  S.  10  ff.;  Liber,  von  dem  sogleich  die  Rede 
trifft  jedenfalls  nicht  in  jeder  Beziehung  das  sein  wird;  Opis,  die  Mutter  Erde,  vgl.  Preller, 
Richtige,  wenn  er  meint,  dafs  Varro  nirgends  B.  31. 3  2  S.  20  f.;  Carmentes  als  weissagende 
genau  angegeben  habe,  wie  er  seine  Einteilung  Geburtsgöttinnen,  s.  Bd.  1  Sp.  851  ff.;  Fortuna; 
der  Götter  in  dii  certi,  incerti  und  selecti  Mens;  Minerva,  s.  Preller,  B.  M. 3  1  S.  289  ff'.; 
verstanden  wissen  wollte;  falsche  Auffassungen  Camena  als  Göttin  des  Gesanges,  s.  Bd.  1 
der  dii  certi  bei  Merkel,  Prolegom.  zu  Ovids  10  Sp.  846  f.;  Iuventas;  Fortuna  Barbata;  Bel- 
Fast.  S.  CLXXXVIIIff.  und  Preller,  B.  M.3  1  lona;  Victoria;  Flora),  dafs  andere  aber  mit 
S.  71  [ihm  folgend  K.  B.  Stark  in  der  Re-  Funktionen,  welche  künstlich  aus  dem  Namen 
zension  von  Prellers  Born.  Myth.  in  JV.  Jhrb.  herausgesponnen  sind  (Diespiter,  s.  Sp.  154), 
f.  Ph.  79,  1859  S.  625  und  B.  Engelhard,  De  oder  gar  auf  vollständig  falscher  Narnens- 
pcrsonificationibus  cquae  in  poesi  atquc  arte  Bo-  deutung  beruhen  (Murcia?;  Consus;  Matuta, 
manorum  inveniuntur.  Diss.  Gotting.  1881  S.  5],  s:  Sp.  153 f.),  auftreten.  Selbst  griechische 
der  aus  Interpol.  Serv.  Aen.  8,  275  Varro  dicit  Götter  finden  sich  den  Indigetes  zugesellt: 
deos  alios  esse  qui  ab  initio  certi  et  sempiterni  Apollo  und  Aesculapius  als  medici;  Proserpina, 
sunt,  alios  qui  inmortales  ex  hominibus  facti  die  unseres  Wissens  weder  inr  römischen  Staats- 
sunt:  et  de  his  ipsis  alios  esse  privatos,  alios  2u  kultus,  noch  im  Volksglauben  eine  eigentliche 
communes  u.  s.  w.  mit  Unrecht  entnimmt,  die  Verehrung  genossen  hat,  soll  als  Göttin  der 
dii  certi  seien  'eigentliche  und  ausgemachte  'hervorkrieekenden'  (proserpere)  Saaten  den 
Götter,  die  dazu  nicht  erst  durch  Consecration  frumenta  germinantia  vorstehen  ('da  [der 
geworden,  sondern  von  jeher  Götter  gewesen  Name  der  Proserpina]  'nach  sicherer  Spur 
waren',  daher  sie  Varro  auch  dii  perpetui  und  auch  in  den  Indigitamenta  enthalten  war, 
proprii  genannt  habe;  vgl.  über  die  dii  certi  so  ist  glaublicher  und  glaubt  auch  Uscner 
und  incerti  Preuncr  in  der  Anzeige  von  Prellers  jetzt'  [derselbe  hatte  vorher  im  N.  Bh.  31. 
B.  31.  in  Gelehrte  Anseigen.  Herausg.  von  3Iit-  22,  1867  S.  435  f.  andere  Ansichten  aufgestellt], 
gliedern  der  k.  hager.  Akad.  d.  Wiss.  [München]  'dafs  er  wie  die  übrigen  Namen  jener  Ur- 
48, 1859  Sp.  406  f£;  eine  Erörterung  über  Varros  so  künden  von  Haus  aus  lateinisch  und  wegen 
dii  proprii  [Tertull.  ad  nat.  2,9]  =privati  gehört  Ähnlichkeit  des  Klanges  und  praktischen 
nicht  hierher,  vgl.  darüber  Schwarz  a.  a.  0.  Dienstes  auf  die  griechische  Göttin  übertragen 
S.  419  ff.  u.  Preuner  a.  a.  0. ;  auch  Chantepie  de  ist',  Bücheier  im  N.  Bh.  31.  33,  187S  S.  284, 
la  Saussaye,  Lehrb.  d.  Bcligionsgesch.  2  S.  202.  also  etwa  eine  ursprüngliche  Proserpina?;  die 
205  urteilt  nicht  vollkommen  richtig  über  die  'sichere  Spur'  ist  nach  den  vorliegenden 
dii  certi;  dii  certi  in  einem  von  dem  varro-  Untersuchungen  ganz  in  Abrede  zu  stellen; 
nischen  verschiedenen  Sinne  bei  Liv.  27,  25,  9.  nach  Analogie  der  meisten  übrigen  von  konso- 
Fest.  S.  351  s.  v.  sistere  fana.  Arnob.  2,  62,  nantisch  auslautenden  Verbalstämmen  durch 
dazu  Wissowa  bei  3Iarquardt  S.  19  f.  Anm.  13).  einfache  Anhängung  des  femiuinen  -a  an  den 
Dafs  unter  diesen  Begriff  die  Indigetes  ihrem  40  Stamm  gebildeten  weiblichen  Indigetennamen 
Wesen  nach  naturgemäfs  vor  allen  anderen  [z.  B.  Cuba,  Domiduca,  Pertunda,  Postverta, 
Göttern  entfielen,  ist  schon  oben  bemerkt  Prema]  müfste  man,  wenn  der  Name  von 
worden  (Sp.  132).  Keinesfalls  aber  darf  man  proserpere  herkäme,  nach  Jordans  Ansicht 
mit  Ambrosch  (Beligiousbiicher  Heft  2  S.  225  [Krit.  Beiträge  s.  Gesch.  d.  latein.  Sprache  S.  69] 
Anm.  =  Abdr.  S.  5  Anm.),  3Iarquardt  (Staats-  eine  Proserpa,  oder  auch  eine  Proserpunda  [vgl. 
verw.  3S  S.  7  Anm.  4.  S.  9  f.  18),  Boissier  Adolenda,Commolenda,Coinquenda, Deferunda] 
(Etüde  u.  s.  w.  S.  232  f.)  und  Bouche'-Leclercq  erwarten);  im  Sinne  der  griechischen  Vor- 
(Les  Pontifes  S.  44  f.  und  Manuel  des  institu-  Stellung  ist  dem  Mercurius  die  Funktion  der 
tions  rom.  S.  462  Anm.  3)  die  lndigitarnenten-  doctrina  zugeteilt.  Von  Libera  wird  ange- 
gottheiten  mit  den  varronischen  dii  certi  voll-  50  führt,  dafs  sie  bei  der  Begattung  die  Frau 
ständig  identificieren;  denn,  wie  Wissowa  (bei  emissis  seminibus  befreie;  dafs  Liber  und 
Marguardt  a.  a.  0.)  richtig  bemerkt,  bei  dem  Libera,  ihrem  Ursprünge  nach  altitalischo 
rein  äufserlichen  Einteilungsprinzip  Varros  Gottheiten  der  üppigen  Fülle  und  zeugenden 
mufsten  der  Klasse  der  dii  certi  notwendig  Kraft,  in  Bezug  auf  die  menschliche  Frueht- 
auch  andere  Gottheiten  zugerechnet  werden,  barkeit  verehrt  werden,  und  zwar  Liber  als 
sotern  nämlich  Varro  ihre  Natur  und  Be-  Gott  der  männlichen  Erzeugung,  dem  das 
deutung  ermitteln  konnte  oder  ermittelt  zu  Symbol  des  Phallus  heilig  ist,  Libera  als 
haben  glaubte.  Auf  diese  Weise  wurde  für  Göttin  der  weiblichen  Empfängnis,  der  das 
eine  ganze  Anzahl  'gröfserer'  Gottheiten  die  Symbol  des  weiblichen  Geschlechtes  geweiht 
Einordnung  unter  die  dii  certi  von  selbst  go  wird  (s.  August.  6,  9  und  mehr  bei  Preller, 
geboten.  B.  31. 3  2  S.  47  ff.),  erscheint  ganz  natürlich,; 
Nun  beachte  man  bei  den  in  den  Reihen  die  der  Libera  beigelegte  Funktion  aber  be- 
auftretenden Gottheiten  allgemeinerer  Be-  ruht  ganz  sicher  nicht  auf  einer  altrömischen, 
deutung,  dafs  nur  ein  Teil  derselben  alt-  volkstümlichen  Anschauung,  sondern  auf  einer 
römische  Gottheiten  sind,  deren  Wesen  zu  der  Ansicht  griechischer  Philosophen,  welche  auch 
ihnen  beigelegten  Funktion  wirklich  stimmt  der  Frau  Samen  zuschreibt  (vgl.  z.  B.  Ccnsorin. 
(Ianus  [Consivius,  s.  weiterhin]  als  Gott  aller  5,  4  illud  quoque  ambiguam  facit  inter  auclores 
Anfänge    oder    als    Gott    aller    Eingänge,    s.  opinionem,  idrwnne  ex  patris  tantuinmodo  se- 


153      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      154 

mine  partus  nascatur,  ut  Diogenes  et  Hippon  leitung  a  consiliis  vgl.  die  bei  Schwegler,  B.  67. 
Stoieique  scripserunt,  an  etiam  ex  matris,  quod  1  S.  473  Anm.  5.  Preller,  B.  M.s  2  S.  24 
Anaxagorac  et  Alcmaeoni  nee  non  Parmenidi  Amn.  1  und  in  Bd.  1  s.  v.  Gonsus  Sp.  926, 
Empedoclique  et  Epicuro  visum  est;  dafs  Pytha-  53  ff.  zusammengestellten  Stellen,  welche  alle 
goras,  Democritus  und  Epicurus  einen  weib-  ,  auf  Varro  hinweisen;  man  darf  nicht  mit 
liehen  Samen  amiahmen,  berichtet  z.  B.  Gtdenus  Ambrosch,  Seligionsb.  Heft  2  S.  241  =  Abdr. 
ed.  Kühn  Bd.  19  S.  322 f.;  bei  Hippocrates  und  S.  21.  Walz  in  Patdys  Bealencyel.  6,  1  S.,437. 
Galenus  ist  von  dem  Samen  des  Weibes  häufig  Preller,  R.  M. :i  2  S.  225.  Boissier,  Etudc 
die  Rede,  s.  z.  B.  Hippocrates  ed.  Kühn  Bd.  1  u.  s.  w.  S.  238  und  Bouche-Leclercq,  Les 
S.  377.  2  S.  324.  Galenits  Bd.  4  S.  18S  ff.  536.  10  Pontifes  S.  37  bei  August.  4,  8  den  hand- 
599  ff.  622  ff. ;  nach  Aristoteles  hat  das  Weib  schriftlich  vollkommen  sicheren  Namen  Matuta 
keinen  Samen,  sondern  das  Menstruationsblut  in  Matura  ändern;  denn  die  hier  zusammen- 
macht den  weiblichen  Zeugungsstoff  aus,  es  gestellten  falschen  Etymologieen  stützen  sich 
ist  ein  unvollendeter  Samen,  vgl.  Zeller,  Pliilos.  gegenseitig).  Bei  Diespiter  als  Gott  qui  partum 
d.  Griechen  2,  22  S.  409  ff).  Unmöglich  kann  perducat  ad  diem  offenbart  sich  das  ebendem- 
man  den  Poniifices  die  Aufnahme  griechischer  selben  Geiste  entsprungene  Bestreben,  aus  dem 
Gottheiten  in  die  Indigitamenta  oder  die  Ver-  Namen  eine  Funktion  zu  gewinnen  (das  Un- 
wendung  einer  derartigen  philosophischen  Lehre  gereimte  einer  männlichen  Geburtsgottheit 
zutrauen.  Von  Apollo  ist  es  überdies  direkt  leuchtet  ohne  weiteres  ein).  Den  hier  ge- 
bezeugt, dafs  er  in  den  Indigitamenta  nicht  20  nannten  Gottheiten  ist  jedenfalls  auch  die 
enthalten  war:  Arnob.  2,  73  non  doctorum  in  Murcia,  quae  praeter  modum  non  moveret  ac 
litteris  continetur  Apollinis  nomen  Pompiliana  faeeret  hominem,  ut  ait  Pomponius,  mureidum 
indigitamenta  nescire?  (vermutlich  geht  die  id  est  nimis  desidiosum  et  inactuosum  bei  August. 
Stelle  auf  Cornelius  Labco  zurück,  s.  Kettner  4,  16  (Reihe  a  Z.  48)  anzureihen;  allerdings 
a.  a.  0.  S.  30  fr.  25  =  Mülleneiscn  S.  37  fr.  25).  heifst  bei  Amol.  4,  9  dieselbe  Göttin  Mur- 
•Jene  philosophische  Lehre  aber  hatte  Varro  in  eida  (quis  segnium  Mureidam?  [sc.  esse  cre- 
seinen  Schriften  vorgetragen,  wie  sich  aus  dat]),  aber  die  Angabe  des  Interpol.  Serv.  Aen. 
Lactant.  de  opifle.  dei  12  ergiebt:  coneeptum  8,  636  alii  Murciam  a  mureido,  cquod  est  mar- 
igitur  Varro  et  Aristoteles  sie  fieri  arbitrantur.  eiditm,  dietam  volunt  macht  es  wahrscheinlich, 
aiunt  non  tantum  maribus  inesse  semen,  verum  30  dafs  Augustinus  das  Richtige  bietet  und  Varro 
etiam  feminis,  et  inde  plerumque  matribus  similes  den  Namen  Murcia  nach  Pomponius'  Vorgange 
proereari;  sed  earum  semen  sanguinem  esse  pur-  von  mureidus  ableitete  (die  Mureida  kommt 
gatum,  quod  si  recte  cum  virili  mixtum  sit,  dabei  auf  Rechnung  der  Quelle  des  Arnobius, 
utraque  concreto  et  simul  coagulata  informari  d.  i.  nach  Sp.  141  Cornelius  Labeo,  oder  des 
u.  s.  w.  (Ch.  Chappuis,  Fragments  des  ouvrages  Kirchenvaters  selbst);  eine  Göttin  der  mureidi 
de  M.  Terentius  Varron  intitules  Logistorici.  im  Sinne  von  Pomponius'  und  Varros  Er- 
Paris 1868  S.  58  f.  nr.  *93  teilt  diese  Stelle  klärung  ist  aber  die  altitalische  Murcia  nicht 
dem  Logistoricus  Tubero  de  origine  humana  (vgl.  über  dieselbe  Becker,  Topogr.  S.  467  f. 
zu,  mit  grofser  Wahrscheinlichkeit,  wie  der  Anm.  972.  Paulys  Bealencyel.  5  S.  239  s.  v. 
Auszug  aus  dem  Tubero  bei  Censorin.  9  [fr.  3  10  Murcia.  E.  Hubner  in  N.  Jhrb.  f.  Ph.  77, 
S.  257  Riese]  lehrt:  beide  Stellen  zeigen,  dafs  1858  S.  343ff.  mit  Nachtrag  das.  79,  1859  S.  437. 
Varro  in  diesem  Logistoricus  eingehend  über  Preller,  B.  21/. 3  1  S.  438  f.  Stark  in  N.  Jhrb.  f. 
die  Erzeugung  des  Menschen  und  seine  Bildung  Ph.  79  S.  634;  die  Annahme  zweier  Göttinneu 
im  Mutterleibe  nach  den  Lehren  griechischer  dieses  Namens,  von  denen  die  eine  die  bei 
Philosophen  gehandelt  hatte,  also  über  Gegen-  Augustinus  genannte  ist,  und  daneben  noch 
stände,  die  auch  im  14.  Buche  der  Antiquitates  der  Muvcida  des  Arnobius  bei  Georges  im  Lat.- 
rcr.  div.  besprochen  waren;  besonders  berührt  deutsch.  Handwörterbuch  s.  vv.  [vgl.  auch  Hildc- 
sich  das  Fragment  bei  Censorinus  sehr  eng  mit  brand  zu  Arnob.  4,  9  S.  343]  ist  nicht  zu  recht- 
dem  Sp.  138,  15  ff.  mitgeteilten  Fragmente  des  fertigen),  es  liegt  auch  hier  eine  etymologische 
14.  Buches).    Wir  können  daher  zunächst  50  Erfindung  vor. 

in  diesen  griechischen    oder    gräcisie-  Auf  Kriterien  der   angegebenen  Art   kann 

renden  Gottheiten  nur  dii  certi   Varros  man  sich  bei  den  Sp.  151  f.  zusammengestellten 

erkennen,   welche  er  mit  Angabe   ihrer  Gottheiten  nicht  stützen;  ob  auch  diese  eben- 

Bedeutung    den   Reihen    der    Indigetes  falls  nur  als  dii  certi,  welche  Varro  den  Indi- 

dort    einfügte,    wohin    sie    dieser    letzteren  getes  beigesellte,  zu  betrachten  sind,  soll  erst 

nach  gehörten.  nach   einer   weiteren  Untersuchung  über  Indi- 

Aber   auch  bei  einigen   der  übrigen  getes,  indigitare  und  indigitamenta  festgestellt 

'gröfseren    Götter'     gelangen     wir     zu  werden.     Hören   wir   zunächst  im   Zusammen- 

demselben    Ergebnisse.     Consus   als   Gott  hange  die  Ansichten  der  neueren  Gelehrten, 

der     consilia,     Matuta     als    Göttin     der    fru-  co        Aus    der   Zeit  vor  Ambroseh   sei  hier  nur 

menta    maturescentia    verraten    sich    deutlich  K.  TV.  Göttling  erwähnt,   der  {Gesch.  d.  röm. 

als    verfehlte    Erzeugnisse     der    varronischen  Staatsverf.    S.    174)    das    Wort    indigitamenta 

Etymologie,  die  sich  der  sicher  ebenfalls  von  von  Indiges  in  der  Sp.  136  angegebenen  Weise 

Varro   gemachten    Ableitung    der    Proserpina  ableitend    die    Indigitamenta    als    diejenigen 

von  proserpere   an  die  Seite  stellen  (die  vor-  Pontificalbücher  bezeichnet,  welche  die  Namen 

stehende    Erklärung    des    Consus    hat    schon  der  Götter  und  die  Art,  sie  beim  öffentlichen 

Marquardt,   Slaatsveriv.  3"   S.   10   Anm.  4   als  Gottesdienst  anzuwenden,  gleichsam  ihre  Titu- 

Etymologie     Varros    erkannt;     über    die    Ab-  latur,  enthielten. 


155      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitarnenta  (allgeru.  Unters.)      156 

Ambrosch  nahm  an,  dafs  Varro  bei  der  S.  18.  Wissowa,  De  Macr.  Sat.  fönt.  S.  27.  42. 
Einteilung  und  Darlegung  seiner  Götterreihen  MüUeneisen  S.  6  fr.  1  und  dazu  S.  6  fi.)  bei 
schwerlich  einer  von  ihm  selbst  beliebten  An-  Macrobius  (Sat.  1,  12,  21)  über  Maia:  auctor 
Ordnung,  sondern  vielmehr  den  von  Censorinus  est  Cornelius  Labeo  Inda  Maiae  id  est  Terrae 
und  Servius  in  Beziehung  auf  dieselbe  Grund-  aedtm  kedendis  Maus  dedicatam  stib  nomine 
einteilung  citierten  Indigitamenta  gefolgt  sei;  Bonae  Deae,  et  eandan  esse  Bonam  Deam  et 
'zu  Grunde  lag  für  diese  Abtheilungen  derselben  Terram  ex  ipso  ritu  oecultiore  sacrorum  doceri 
der  scharfe  Unterschied  zwischen  persona  und  posse  conßrmat.  hanc  eandem  Bonam  Deam 
res'  (so  schon  in  Studien  und  Andeutungen  Faunamque  et  Opern  et  Fatuam  pontificum 
S.  63  Anm.  109);  'aus  diesem  ergaben  sich,  10  libris  indigitari,  woraus  sich  ergebe,  dafs  indi- 
auf  das  menschliche  Leben  augewandt,  ganz  gitare  weder  den  engeren  Sinn  von  invocare 
natürlich  die  eben  angedeuteten  Götterreihen'  und  imprecari  behalten,  noch  auch  den  von 
(Beligionsb.  Heft  2  S.  22S  =  Abdr.  S.  8;  vgl.  eitare  völlig  angenommen  habe,  sondern  viel- 
Heft  2  S.  230.  234.  239.  244  =  Abdr.  S.  10.  mehr  ein  solches  Namhaftmachen  bezeichnete, 
14.  19.  24).  Er  schrieb  aber  die  Reihen  Varros  welches  wesentlich  in  der  Subsumption  mehrerer 
samt  den  darin  enthaltenen  Gottheiten  all-  Qualitätsbestimmungen  unter  einem  göttlichen 
gemeinerer  Bedeutung  den  Indigitamenta  zu.  Hauptbegritfe  bestanden  habe,  wie  dies  eben 
'Alle  diese  Götter'  (d.  h.  die  in  den  Reihen  aus  der  an  Apollo  gerichteten  Gebetsformel 
auftretenden  'grofsen'  Gottheiten)  '.  .  .  haben  der  Vestalinnen  entwickelt  worden  sei.  Eine 
den  gemeinsamen  Charakter,  dafs  sie  allgemein  20  solche  Zerlegung  der  einen  göttlichen  Natur 
wirkende  Naturmächte  sind,  d.  h.  nicht,  wie  in  eine  Reihe  von  Qualitätsbestimmungen,  die 
jene  von  uns  oben  genannten  dii  minuti,  nur  nun  bei  dem  feierlichen  Anruf  jener  einen 
einen  einzelnen  Moment  menschlicher  Zustände  Gottheit  sämtlich  vom  Priester  genannt  wurden, 
oder  Thätigkeiten  verwirklichen,  sondern  eine  habe  ohne  Zweifel  bei  allen  grofsen  Gottheiten 
ganze  Sphäre  von  Kräften  und  Erscheinungen  des  alten  Rom  stattgefunden.  Nur  müsse  man 
bedingen  .  .  .  Sie  bildeten  .  .  .  einerseits  im  sich  wohl  hüten,  solche  Qualitätsbestimmungen 
praktischen  Cultus  der  späteren  Jahrhunderte  eines  Gottes,  welche,  sei  es  nach  pontificischer 
einen  gewissen  Gegensatz  mit  jenen  zahllosen  Theorie,  sei  es  im  praktischen  Kultus,  wirk- 
Gottheiten  niederer  Ordnung,  während  sie  lieh  zu  neuen  Göttern  wurden,  mit  blofsen 
denselben  andererseits  nach  altrömischer  Vor-  30  Beinamen  zu  verwechseln,  was  bei  der  unleug- 
stellung  nicht  so  gar  fern  standen.  Auch  sie  bar  inneren  Verwandtschaft  und  häufig  ganz 
nämlich  hatten  in  gewissen  Zuständen  des  analogen  Formenbildung  beider  nicht  immer 
Menschenlebens  nur  einen  Moment  zu  ver-  ganz  leicht  sei  (vgl.  S.  25  'Auch  glaube  man 
wirklichen,  indem  ihr  allgemeines  Machtgebiet  ja  nicht,  dafs  jene  scheinbar  so  inhaltsleeren 
hier  gleichsam  nur  auf  einen  besonderen  Fall  Abstraktionen'  [wie  Abeona,  Adeona  u.  s.  w.] 
angewandt  wurde'  (Heft  2  S.  251  f.  =  Abdr.  'blofs  als  cognomina  gegolten,  etwa  wie  Gen- 
S.  31  f.).  'Fand  nun  aber  zwischen  den  Gott-  tumpeda,  Tigillus  [August.  7,  11]  und  ander- 
heiten höheren  und  niederen  Ranges  eine  so  weitige  Bestimmungen  des  Iupiter;  sie  wurden 
iuuige  Verbindung  statt,  so  läfst  sich  schwer-  in  der  That  im  praktischen  Cultus  beson- 
lich  glauben,  dafs  jene  in  Monumenten  anderer  40  ders  verehrt').  Bezeichne  nun  aber  indigitare 
Art  als  denjenigen  ihren  Platz  gefunden,  in  'einen  oder  mehrere  Götter  nach  einer  im  ins 
welchen  die  Götter  unteren  Ranges  mit  so  divinum  bestimmten  Norm  anrufen  und  nennen', 
serupulöser  Genauigkeit  verzeichnet  standen'  so  seien  wir  auch  berechtigt,  diejenigen  Gott- 
(Heft  2  S.  253  f.  =  Abdr.  S.  33  f.),  d.  h.  also  heiten ,  auf  welche  mit  Beziehung  auf  die 
in  den  Indigitamenta.  Eine  Bestätigung  dieser  Pont\fices  oder  deren  Bücher  jener  Ausdruck 
Ansicht  findet  Ambrosch  in  der  'Art  und  Weise,  angewandt  wird ,  als  in  den  Indigitamenta 
wie  bei  der  Anführung  gewisser  Götternamen  verzeichnete  anzuerkennen.  Zunächst  komme 
auf  die  priesterlichen  Urkunden  hingewiesen  das  eben  angeführte  Zeugnis  des  Cornelius 
wird'  (Heft  2  S.  254  =  Abdr.  S.  34);  um  auf  Labeo  in  Betracht,  in  welchem  der  Maia  nicht 
diese  näher  eiugehen  zu  können,  stellt  er  zu-  50  nur  als  einer  in  den  Indigitamenta  stehenden 
vor  die  Bedeutung  von  indigitare  fest  (Heft  4  Göttin  gedacht,  sondern  auch  mehrere  ihrer 
S.  26  ff.  =  Abdr.  S.  34  ff. ).  Ausgehend  von  Qualitätsbestimmungen  angegeben  sind;  sodann 
der  Stelle  des  Macrobius  (Sat.  1,  17,  15)  vir-  Interpol.  Serv.  Arn.  8,  330  sed  hie  Alexandrum 
gines  Vcstales  ita  indigitant  'Apollo  Medice,  sequitur,  gm  dicit  Tiberinum,  Capeti  filium, 
Apollo  Paean'  (die  höchst  wahrscheinlich  durch  verneintem  in  hunc  fluvium  (den  Tiber)  cecidisse 
Vermittelung  einer  neuplatonischen  Quelle  auf  et  fluvio  nomen  cledisse:  nam  et  a  pontificibus 
Cornelius  Labeo  zurückgeht,  s.  Wissowa,  De  indigitari  solet:  dies  habe  den  doppelten  Sinn, 
Macrobii  Saturnaliorum  fontibus  S.  40  f.)  findet  dafs  der  Name  Tiberinus  selbst  in  den  Indi- 
er,  dafs  beim  Indigitieren  Anrufung  des  Gottes  gitamenta  stehe  und  dafs  dort  auch  die  ihm 
und  Anzeige  seiner  Eigenschaften  verbunden  00  zukommenden  Qualitätsbestimmungen  genannt 
waren,  und  nennt  es  daher  verständlich,  wem  seien  (danach  hätten,  wie  Ambrosch  meint, 
Paulus  (s.  Sp.  137)  das  Wort  indigitamenta  auch  Spino,  Almo,  Nodinus  und  alia  propin- 
selbst  durch  incantamenta  vel  indicia  erklärt.  quorum  fluminum  nomina,  welche  nach  die. 
Mit  der  Zeit  habe  sich  die  Bedeutung  von  n.  d.  3,  20,  52  in  einem  Gebete  der  Augurn 
indigitare  dahin  modificiert,  dafs  es  'auf  mit  Tiberinus  angerufen  wurden,  daselbst  ihren 
priesterliche  Weise  einen  Gott  bezeichnen'  Platz  gehabt).  'So  sind  wir  denn  wohl  ge- 
bedeutete: dies  lehre  die  Stelle  des  Cornelius  nöthigt  anzuerkennen,  dafs  in  den  Indigitamenta 
Labeo  (a.jKettner  a.  a.  O.  S.  27  f.   fr.  19,  dazu  nicht  blofs  jene  vom  Censorinus  und  Servius 


157      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgern.  Unters.)      158 

angedeuteten  Götterreihen,  sondern  sicher  noch  Priesterschriften  heifsen  auch  Indigitamenta' 
sehr  viele  andere  und  der  höchsten  Wahr-  (aber  An m.  3:  fdie  Indigitamenta  scheinen  nur 
scheinlichkeit  nach  sämintlicbe  durch  Ursprung  einen  Theil  jener  Literatur,  die  unter  dem 
oder  zeitige  Reception  dem  älteren  Staats-  Namen  libri  pontificii  zusammengefafst  wird, 
cultus  angehörigen  Gottheiten  verzeichnet  ge-  ausgemacht  zu  haben1),  rein  Name,  der  zu- 
standen; es  müssen  diese  geistlichen  Urkunden,  nächst  und  nach  seiner  eigentlichen  Bedeutung 
die  mit  der  Entwickelung  des  römischen  Volkes  die  Gebetsformeln  bezeichnet,  nach  denen  eine 
selbst  nothwendig  im  Laufe  der  Jahrhunderte  Gottheit  angerufen  werden  mufste,  wenn  sie 
immer  mehr  anschwollen,  gleichsam  ein  Corpus  nach  einer  bestimmten  Seite  ihrer  Wirksam- 
sämmtlicher  oder  wenigstens  sämmtlicher  alte-  10  keit ,  in  Beziehung  auf  einzelne  bestimmte 
ren  vom  römischen  Staate  und  Volke  anerkannt-  Lebensmomente,  Zustände,  Thätigkeiten,  Be- 
ten Götter  gewesen  sein'  (Heft  4  S.  33  =  Abdr.  dürfnisse  des  Menschen  wirksam  angerufen 
S.  40  f.;  vgl.  Heft  4  S.  50  =  Abdr.  S.  58,  wo  werden  wollte:  in  welchem  Fall  eben  .jene 
Ambrosch  ausspricht,  rdafs  die  Indigitamenta  besondere  Qualitätsbestimmung,  jene  beson- 
nicht  blofs  einzelne  Götterklassen,  sondern  dere  Seite  des  göttlichen  "Wesens  in  der  An- 
mindestens  sämmtliche  von  Hause  aus  römi-  rufungsformel  besonders  und  genau  benannt 
sehen,    d.  h.   lateinische   und  sabinische  Gott-  sein  mufste.' 

heiten  umfafsten';  s.  auch  Studien  und  An-  Gegen  Ambroschs  Auffassung  der  Indigita- 
deutungen  S.  VII.  XVI.  S.  63  Anm.  109  und  menta  erklärte  sich  Preller,  der  P.  M . 3  1 
im  Ind.  schob  Vratisl.  1840  S.  4).  Da  nun  die  »o  S.  134  ff.  die  Indigitamenta  nicht  als  eine  Art 
Kenntnis  der  Indigitamenta  nicht  jedermanns  offizieller  Protokolle  der  ältesten  Göttemarnen, 
Sache  gewesen  sei,  vielmehr  diese  wie  die  sondern  als  eine  Sammlung  der  alten  Gebets- 
übrigen geistlichen  Urkunden  von  den  Priestern  formein  des  öffentlichen,  von  den-  Pontifices 
geheim  gehalten  wurden  und  es  Aufgabe  der  überwachten  Gottesdienstes,  in  denen  die  Reihen 
Pontifices  war,  aus  ihnen  Belehrung  zu  er-  und  Namen  der  Götter  nach  eigentümlichen 
teilen  (Heft  2  S.  228.  Heft  4  S.  40.  42.  51  liturgischen  Prinzipien  (s.  S.  59)  zusammen- 
=  Abdr.  S.  8.  48.  50.  58  f.),  so  'mufsten  unter  gestellt  waren,  aufgefafst  wissen  will.  Aller- 
diesen  Verhältnissen  die  Pontifices  gewisse  dings  seien  diese  Bücher  wohl  Verzeichnisse 
tabnlae  haben,  in  welchen  jene  den  Leib,  die  gewesen  (indigitamentum  =  Frequentativuru 
Familie  und  Hanthierung  der  Bürger  betreffen-  30  von  index);  aber  nicht  von  blofsen  Götter- 
den Gottheiten  nach  der  Reihe  und  nach  ge-  namen,  sondern  von  solchen  Gebeten,  in  denen 
wissen,  aus  dem  Verlaufe  des  römischen  Lebens  nach  altertümlicher  Weise  bei  den  versehie- 
von  selbst  hervorgehenden  Abschnitten  sich  auf-  denen  Veranlassungen  des  Lebens,  Geburten, 
gezeichnet  fanden:  wo  also  z.B.  Kindererziehung,  Hochzeiten,  Todesfällen,  für  die  Äcker,  für  das 
Mannbarkeit,  Hochzeit,  Schwangerschaft,  Ge-  Vieh  u.  s.  w.  zu  den  Göttern  gebetet  wurde, 
burt  und  Tod,  sowie  die  einzelnen  Zweige  des  Daher  das  Wort  indigitare  auch  in  derselben 
Erwerbes,  nebst  ihren  göttlichen  Beschirmern  Bedeutung  wie  cbeten' und  'anrufen' gebraucht 
und  Beschirmerinnen  aufeinander  folgten,  so  werde,  namentlich  von  dem  priesterlichen,  mit 
jedoch  wohl,  dafs,  wie  Varro  es  gethan,  die  religiöser  Weihe  und  bei  einer  feierlichen 
Götter,  welche  die  persönliche  Entwickelung  40  Gelegenheit  vorgetragenen  Gebete  der  Pouti- 
des  Menschen  selbst  betrafen,  und  jene,  die  fices,  der  vestalischen  Jungfrauen  und  der 
seinen  Besitz  und  Erwerb  angingen,  nach  der  Flamines;  ja  auch  wohl,  weil  man  dem  Ge- 
Gruudeintheilung  von  persona  und  res  gesondert  bete  überhaupt  und  vollends  dem  Gebete  der 
erschienen.  Diese  tabnlae  waren  demnach  höchsten  geistlichen  Würdenträger  eine  magi- 
gleichsam  ein  Katechismus  für  Haus  und  Hof:  sehe  Kraft  zuschrieb,  in  dem  Sinne  einer 
umfafsten  trotz  ihrer  Weitschiehtigkeit  einen  magischen  Beschwörung  durch  Gebet  und  An- 
verhältnifsmäfsig  nur  geringen  Theil  der  Staats-  rufung  {Paul.  S.  114  indigitamenta:  incanta- 
religion,  deren  Gottheiten  in  ihnen  nur  in  ihrer  menta  vel  indicia.  Tertull.  de  ieiimio  16: 
Anwendung  auf  das  individuelle  Leben  und  magistratus  .  .  .  prectm  indigitant,  hostiam, 
Thun  erschienen,  und  nur  sie  können  es  ge-  50  instaurant).  Es  sei  ausdrücklich  von  einer  in 
wesen  sein,  welche  uns  Sermus  und  Censorinus  den  Händen  der  Pontifices  befindlichen  Samm- 
unter dem  Namen  der  Indigitamenta  citiren,  lung  der  öffentlichen  Gebete  des  römischen 
wie  sie  denn  jedenfalls  eine  der  Quellen  des  Staatskultus  die  Rede  (Gell.  13,  23,  1  f.  con- 
Varro  gewesen  sind.  Hiernach  aber  bedarf  precationes  deam  inmortalium ,  quae  ritu  Po- 
es wohl  kaum  noch  der  Bemerkung,  dafs  mano  fiunt,  expositae  sunt  in  libris  sacerdotmn 
diese  geistliche  Urkunde  nur  ein  verhältnifs-  populi  Pomani  [=  libri  pontificii,  Murquardt, 
mäfsig  geringer  Theil  der  vollständigen,  den  Staatsverw.  3°  S.  176]  .  .  .  in  liis  scriptum  est 
ganzen  Umfang  des  älteren  Cultus  betreffen-  'Luam  Saturni,  Salaciam  Neptuni,  Horam 
den  Indigitamenta  gewesen'  (Heft  4  S.  52  f.  Quirini,  Virites  Quirini ,  Maiam  Volcani, 
=  Abdr.  S.  60  f.).  60  Heriem   Iunonis,    Moles   Martis   Nerienemquc 

Wals  schlofs  sich  in  seiner  Auffassung  der  Martis'),  so  dafs  man  eben  die  Indigitamenta 

Indigitamenta   (Über  die  alt-ital.  Pelig.  S.  54,  dafür   werde   halten   dürfen,    d.   h.    für   einen 

in  Paulys  Pealencycl.  4  S.   147   s.  v.  Indigita-  authentischen  Originalcodex  sämtlicher  in  der 

menta  und   das.  6,  1    S.  439  s.  v.  Religio)   an  Praxis  des  römischen  Staatsgottesdienstes  bei 

Ambrosch  an.  dieser  oder  jener  Gelegenheit  vorgetragenen  Ge- 

Dagegen   äufserte   sich  Sclmegler  (P.  G.  1  bete  (vgl.  S.  71  Anm.  2,  wo  die  Stelle  Gell.  5, 12, 1 

S.  32)  bei  Besprechung  der  libri  pontificii  über  in   antiquis  precationibtis  nomina  liaec  deorum 

die     Indigitamenta     folgendermafsen :     fDiese  inesse  aniinadvertimus:  Diovis  et  Vediovis  mit 


159      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)       .  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      160 

der  soeben  genannten  verbunden  wird).  Der  särnmtlicher  in  der  Praxis  des  römischen  Staats- 
Form  nach  werde  man  sich  diese  Gebete  nach  gottesdienstes  bei  einzelnen  Gelegenheiten  vor- 
Art  der  alten  Liturgieen  oder  Hymnen  zu  getragener  Gebete  und  der  darin  für  diese 
denken  haben,  etwa  der  orphischen  Hymnen  Gelegenheiten  angewendeten  Anrufungen  des 
und  der  ältesten  Gesänge  und  Liturgieen  der  allwaltenden  numen  überhaupt  oder  der  we- 
christlichen  Kirche,  wo  auch  häufig  der  Text  nigen  Hauptgötter,  wie  wir  dies  noch  näher 
nur    aus    einer  Zusammenstellung    vieler    ein-  nachweisen  könnten.' 

zelnen  Namen  und  Beinamen  bestehe.  Ohne  Boissier  steht  in  seiner  ersten  Darstellung 
Zweifel  seien  auch  diese  Texte,  noch  viel  mehr  der  Indigitamenta  (Etüde  sur  la  vie  et  les 
als  die  Fasten  und  der  Kalender,  ursprünglich  10  ouvrages  de  M.  T.  Varron  S.  233  ff.)  zum  Teil 
geheim,  d.  h.  nur  für  die  geweihten  Kreise  der  auf  dem  Standpunkte  von  Ambrosch.  Er  er- 
Priester bestimmt  und  der  Öffentlichkeit  sorg-  klärt,  nachdem  er  die  von  Censorinm  und 
fältig  entzogen  gewesen,  bis  später  bei  der  Servins  angedeuteten  Gottheiten  als  die  dii 
allgemeinen  Verweltlichung  des  Priestertums  certi  Varros  bezeichnet  hat  (S.  232 f.;  siehe 
und  der  priesterlichen  Bildung  auch  sie  zu-  Sp.  151),  die  Indigitamenta  als  clivres  de  prie- 
gänglich  und  ein  Gegenstand  der  gelehrten  res'  (von  indigitare  'prier'),  welche  nicht  etwa 
Forschung  geworden  seien;  namentlich  scheine  nur  eine  trockene  Nomenklatur,  sondern  auch 
Varro  sie  in  dem  Buche  de  diis  ceitis  durch-  die  Anrufungsformeln  enthalteu  hätten.  Alles, 
gängig  excerpiert  und  auf  eigentümliche  Weise  was  Varro  über  die  dii  certi  berichtet,  habe 
überarbeitet  zu  haben.  Bd.  2  S.  204f.  erörtert  20  er  den  Indigitamenta  entnommen;  seine  An- 
Preller  weiter,  dafs  in  diesen  Gebeten  die  hülf-  Ordnung  aber  der  Götter  sei  sein  Eigentum; 
reichen  Lebensmächte,  von  denen  Censorinus  von  der  Sammlung  der  Pontifices  selbst  nimmt 
(Sp.  129)  spricht,  nicht  allein,  sondern  zu-  Boissier  an,  dafs  sie  ' singulierement  confus  et 
sammenge'stellt  mit  den  Hauptgöttern  des  desordonne '  gewesen  sei  (S.  233).  Die  Ent- 
älteren römischen  Glaubens,  welche  aber  bei  stehung  der  dii  certi  setzt  er  (S.  239 f.)  in  die 
solchen  Gelegenheiten  nicht  in  ihrer  vollen  Zeit,  wo  Sabiner  und  Latiner  zu  einem  Ge- 
Geltung und  gesamtem  Wirkung,  sondern  nur  meiuwesen  auch  hinsichtlich  ihrer  Götterkulte 
in  der  speciellen  Beziehung  auf  den  jedesmal  sich  vereinigt  hatten;  die  Gottheiten  beider 
vorliegenden  einzelnen  Fall  einer  Geburt,  einer  Stämme  (z.  B.  lanus,  Iuppiter  von  latinischer, 
Vermählung  u.  s.  w.  angerufen  würden,  er-  30  Ops  von  sabinischer  Seite)  hätten  bei  dieser 
seheinen:  ein  Beweis  mehr  dafür,  dafs  die  In-  Vereinigung  ihren  auf  das  ganze  Leben  sich 
digitamenta  nicht  priesterliche  Verzeichnisse  erstreckenden  Wirkungskreis  eingebüfst  und 
des  ältesten  Götterglaubens  gewesen  seien,  seien  in  ihren  Funktionen  auf  bestimmte  Fälle 
sondern  für  gewisse  Veranlassungen  des  Le-  beschränkt  worden.  In  den  zahlreichen  Gott- 
bens bestimmte  Gebets-  und  Anrufungsformeln  heiten  von  eng  begrenzter  Bedeutung  sieht 
(in  denen  die  Namen  jener  'vielen  kleineren  Boissier,  wie  Ambrosch,  ursprüngliche  Mani- 
Hülfsgötter'  den  Zusatz  divus  pater  und  diva  festationen  (potestates)  höherer  Gottheiten 
mater  erhielten,  wie  Preller  1  S.  56  aus  der  (S.  241  f.),  die  ihrer  Entstehung  nach  in  die 
Stelle  des  August.  7,  3  unde  dich  ctiam  ipse  ältesten  Zeiten  Roms  hinaufreichten  (S.  243). 
Varro,  quod  diis  quibusdam  patribus  et  deabus  40  Für  die  zweite  Behandlung  des  Gegenstandes 
matribus,  sicut  hominibus,  ignobilitas  aecidissct,  (La  Beligion  romaine  l3  S.  4 ff.)  hat  Boissier 
die  er  auf  die  Götter  der  Indigitamenta  be-  sich  mehr  an  die  nun  in  den  Hauptzügen 
zieht,  schliefst).  Es  müsse  dahingestellt  bleiben,  wiederzugebende  Darstellung  Bouche-Leclercqs 
ob  Varro  die  vielen  Götternamen  des  14. Buches  gehalten  (eigentümlich  ist  S.  5  die  Anschauung 
in  jenen  priesterlichen  Urkunden  zu  einem  ahn-  'ils'  [d.  h.  die  Gottheiten  der  Indigitamenta] 
liehen  Ganzen  zusammengestellt  gefunden  habe,  'ne  possedent  pas  de  nom  veritable;  celui 
wie  er  selbst  sie  in  seinem  Werke  zusammen-  qu'on  leur  donne  ne  les  designe  pas  eux-memes, 
stellte,  oder  ob  sie  nicht  vielmehr  in  den  In-  il  indique  seulement  les  fonetions  qu'ils  rem- 
digitamenta  in  viele  einzelne  Gruppen  zerfielen  plissent';  ähnlich  Chaittepie  de  la  Saussage, 
und  je  nach   den   besonderen  Veranlassungen  50  s.  weiterhin). 

des  Kultus  oder  des  Lebens  in  verschiedenen  Ge-  Bauche -Leclercq  (Les  Pontifes  S.  24  ff.)  be- 

beten  und  Liturgieen  zusammengestellt  waren,  zieht,  wie  Preller,  die   angeführte   Stelle   des 

welches  letztere   Preller  für  das  Wahrschein-  Gellius  13,  23,  1  f.  auf  die  Indigitamenta  (S.  27  f.) 

liebere  hält.  und  übersetzt,   indem  er  indigitare  als  =  in- 

Prellers  Auffassung  fand  den  Beifall  B.Slarls  vocare  auffafst,  indigitamenta  mit  cListes  d'in- 

(in    der  Anzeige    der    Prellerscken    R.  M.    in  vocations'   oder  '  Renseignements    sur  les  in- 

N.  Jhrb.  f.  Phil.  79,  1859  S.  628):  'Mit  vollem  vocations'  und  bezeichnet  als  Inhalt  derselben 

Recht  erklärt  sich  Preller  gegen  die  von  Am-  'les  noms  des  dieux  qui  jouaient  un  röle  dans 

brosch  aufgestellte,  von  Marquardt  aeeeptirte  l'existence  humaine,  avec  la  formule  d'invoca- 
Ansicht,  dass  sie '  (die  Indigitamenta) '  ein  Ver-  60  tion  particuliere  ä  chaeun  d'eux,  le  tout  ränge 

zeichniss  der  ältesten  Götternamen  gebildet;  wir  dans    un    ordre    qui    devait    reproduire    assez 

begreifen  überhaupt  nicht,  wie  man  diese  pein-  exaetement    l'ordre   dans   lequel   se   succedent 

liehe  Casuistik,  die  in  jenem  Verzeichuiss  sieh  les   actes   de   la  vie'  (S.  29).     'Les   Indigita- 

ausspricht,  jemals   als  den  ältesten  Ausdruck  menta  etaient  nne  sorte  d'indicateur  dans  le- 

eines  Volksglaubens  an  die  Mächte  des  Himmels  quel  etaient  notees  les  principales  circonstances 

und  der  Erde  hat  auffassen  können;  nein,  ganz  de  la  vie  humaine,  avec  le  nom  des  auxiliaires 

gewiss  sind  sie  ein  von  einem  einfachen  Kern  surnaturels   qui   y  president,   et  la  formule  ä 

aus   erweiterter,   überarbeiteter   Originalcodex  employer    pour    demander    leur   Cooperation' 


161      Indigitamenta  (allgem.  Unters.) 

(S.  30f. ;  vgl.  dessen  Manuel  des  institutions 
romaines  S.  520  Anuu.  6  cLes  Indigitamenta 
ou  reeueil  de  prieres'  und  S.  4G7  rLe  Recueil 
d'invocations  (Indigitamenta),  redige,  disait- 
on,  par  Numa  et  tenu  au  oourant  par  les  Pon- 
tifes,  etait  comme  un  code  de  procedure  oü 
chacun  venait  apprendre  l'art  de  traiter  pour 
son  compte  avec  les  dieux.  Toutes  les  puis- 
sanees  cataloguees  dans  cet  eucologe  etaient 
au  Service  des  individus,  mais  la  ä  la  condi- 
tion  d'etre  invoquees  suivant  la  formale  pre- 
scrite').  Varro  habe  für  seine  Aufzählung  der 
Götter  die  Indigitamenta  zum  Führer  genom- 
men und  die  Anordnung  der  Gottheiten  in 
denselben  als  wesentlichen  Bestandteil  der 
pontificalen  Tradition  beibehalten  (S.  29  f.). 
Aus  der  Stelle  des  Lactantius  inst.  diu.  1,  22,  4 
(Numa)  deos  per  familias  discripsit,  die  er  auf 
Varro  zurückführt,  möchte  er  den  Schlufs 
ziehen,  dafs  Varro  seine  Einteilung  der  Gott- 
heiten als  eine  aus  den  libri  Numae  geschöpfte 
gegeben  habe ;  es  handle  sich  hier  nicht  um 
Genealogieen  der  Götter,  die  der  römischen 
Mythologie  fremd  seien,  sondern  um  Götter- 
klassen, denen  bestimmte  Funktionen  zugeteilt 
sind  (vgl.  aber  die  in  der  [in  der  erhaltenen 
Form  von  Lactantius  selbst  gefertigten?]  epi- 
tome  instant.  17,  2  vertretene  Auffassung  der 
Stelle:  [Numa]  deos  familiis  gcntibusque  distri- 
buit).  Die  in  den  Indigitamenta  aufgezeich- 
neten Anrufungsformeln  anlangend  entnimmt 
Bouche-Leclercq  (S.  38)  der  Stelle  des  Serv. 
georg.  1,21  (oben  Sp.  129f.),  dafs  dieselben  die 
speziellen  Funktionen  der  Gottheiten  in  einer 
Weise  ausgedrückt  enthielten,  dafs  das  Gebet 
gleichsam  eine  Art  Kommentar  des  Namens 
gewesen  sei.  Die  Redaktion  der  Indigitamenta 
setzt  er  in  eine  durch  den  Namen  des  Ancus  Mar- 
cius  gekennzeichnete  Entwickelungsstufe  der 
religiösen  Einrichtungen  Roms  (S.  42;  über  die 
von  Bouche-Leclerccq  unterschiedenen  Epochen 
des  Numa  und  Ancus  Marcius  s.  S.  39  ff.).  Die 
Aufgabe  der  Poutifices,  aus  den  Indigitamenta 
dem  Volke  auf  Befragen  Rat  zu  erteilen  (S.  42), 
habe  zu  Klassifikatiouen  der  Gottheiten  geführt. 
Die  einfachste  sei  die  schon  in  der  alten  For- 
mel der  Fetialen  (bei  Liv.  1,  32, 10)  sich  findende 
in  dii  superi,  inferi  (vgl.  August.  7,  28)  und 
terrestres  oder  medioxumi  (vgl.  Interpol.  Serv. 
Aen.  3,  134);  diese  scheint  Bouche-Leclercq  als 
eine  von  den  Pontifices  in  Bezug  auf  die  Gott- 
heiten der  Indigitamenta  gemachte  Einteilung 
zu  betrachten.  Ausdrücklich  bezieht  er  (S.  43) 
auf  die  Indigitamenta  die  Götterklassen  der 
dii  Indigetes  ('les  dieux  indigenes  du  Latium'; 
s.  Sp.  135,  52 ff.)  und  dii  Novensiles.  Das  prak- 
tische Bedürfnis  habe  die  Einteilung  der  Gott- 
heiten nach  Mafsgabe  der  Funktionen,  die  sie 
im  menschlichen  Leben  versahen,  veranlafst; 
die  Pontifices  hätten  nur  nötig  gehabt,  den  in 
den  Indigitamenta  von  Anfang  an  vorhandenen 
Götterklassen  dieser  Art  Namen  zu  erteilen: 
praesides  puerorum,  dii  nuptiales,  dii  coniugales, 
dii  agrestes  (s.  Sp.  145,  10 ff.  54 ff.);  auch  die  dii 
penates  stellt  er  hierher  (S.  43  f.;  neben  den 
praesides  puerorum  führt  Bouche-Leclercq  mit 
Unrecht  die  auf  einer  Münze  des  Kaisers  Sa- 
loninus  [bei  Eckliel ,  Doctr.  num.  7  S.  421. 
Röscher  ,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  II. 


Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      \Q'2 

Cohen,  Med.  imp.  Salonin  15  (Bd.  4  S.  481)] 
genannten  dii  nutritores  an;  schon  das  Bild 
der  Münze,  das  Iuppiter  dem  Kaiser  eine 
Victoria  darreichend  vorstellt,  läfst  erkennen, 
dafs  hier  durchaus  eigenartige  Vorstellungen 
zu  Grunde  liegen).  Einen  ganz  anderen  Charakter 
trage  die  von  dem  Pontifex  Q.  Mucius  Scae- 
vola  vorgenommene  Einteilung  der  römischen 
Götter  (s.  August.  4,  27  relatum  est  in  läteras 

10  doctissimum  pontificem  Scaevolam  disputasse 
tria  gcnera  tradita  deorum)  in  Götter  der 
Dichter  (unum  a  poetis),  der  Philosophen  (alte- 
rum  a  philosoplüs)  uud  Götter  des  Staates 
(tertium  a  principibus  civitatis;  das  Nähere 
über  diese  dreifache  Religion  des  Scaevola  s. 
bei  Krahner,  Grundlinien  S.  45  ff.  Marquardt, 
Staatsrerw.  32  S.  60.  Preller,  B.  M.3  1  S.  34), 
da  sie  auf  philosophischer  Grundlage  beruht: 
das    tertium   genus    des   Scaevola   (rles   dieux 

20  civils  ou  officiels')  seien  die  Götter  der  Indi- 
gitamenta =  dii  certi  Varros  (S.  44  f.;  s. 
Sp.  150  f.).  Nachdem  Bouche-Leclercq  (S.  45) 
noch  die  Einteilung  der  Götter  in  dii  boni 
nnd  mali  des  Antistius  Labeo  (August.  2,  11, 
vgl.  Amob.  7,  23;  es  ist  jedoch  ein  Irrtum, 
in  dem  von  Augustinus  genannten  Labeo  den 
Antistius  Labeo  zu  erkennen,  diese  ganze 
Lehre  gehört  vielmehr  dem  Cornelius  Labeo 
an,  s.  Kettner,  Cornelius  Labeo  S.  8.  20  ff.  32. 

30  Mülleneisen  a.  a.  0.  S.  18  ff.  35  f.  45;  zur  Ver- 
wechselung des  Cornelius  Labeo  mit  Antistius 
Labeo  vgl.  Wissowa,  De  Macrobii  Saturnalio- 
rum  fontibus  S.  26  ff'.)  besprochen,  sagt  er 
rmais  il  est  permis  de  douter  que  ces  erudits 
aient  consulte  les  Indigitamenta  eux-memes, 
oü  ce  polytheisme  complique  et  surcharge 
d'additions  posterieures  se  trouvait  peut-etre 
reduit  ä  un  dualisme  compose  des  deux  forces 
crfetrices  representees  dans  les  etres  Vivantes 

•10  par  les  sexes,  et  oü  ils  auraient  pu  surprendre 
ä  l'oeuvre  l'esprit  etroit  et  formaliste  qui 
faconna  une  multitude  de  dieux  avec  les  debris 
meconnus  du  couple  divin'  (S.  45  f.).  Alle 
Anrufungen  der  Indigitamenta  hätten  sich  ur- 
sprünglich an  die  Gottheit  im  allgemeinen 
gewandt,  um  ihre  Wirksamkeit  auf  einen  be- 
stimmten Fall  zu  beschränken;  daher  seien 
die  Namensformen  der  Indigitamentengott- 
heiten  die  von  Epitheta,  welche  stets  mit  dem 

DO  Zusatz  divus  pater  und  diva  rnater  verbunden 
worden  seien  (S.  46,  vgl.  S.  38  und  Manuel 
S.  462  Anm.  1;  das.  S.  467  Anm.  1  nimmt 
Bouche-Leclercq  au,  dafs  in  den  Indigitamenta 
die  Götter  in  Paaren  [z.  B.  Volumnus-Volumna, 
Domiducus-Domiduca,  Iugatinus-Iuga  u.  s.  w.] 
zusammengestellt  gewesen  seien).  Aber  schon 
vor  der  Redaktion  der  Indigitamenta  habe  die 
Umwandlung  der  Epitheta  zu  selbständigen 
Göttern    begonnen    und   sich   dann   unter  den 

60  Händen  der  Pontifices  noch  weiter  entwickelt; 
zur  Zeit  der  Aufzeichnung  der  Indigitamenta 
sei  die  Zahl  der  Gottheiten  relativ  gering  ge- 
wesen, sehr  zahlreich  aber  die  Attribute  der 
einzelnen  Götter,  die  in  der  Art  der  Litaneien 
des  katholischen  Kultus  in  Reihen  dem  Namen 
der  Gottheit  angeschlossen  worden  seien:  die 
grofse  Bedeutung,  welche  den  Epitheta  zu- 
kam, habe  zunächst  zu  einer  Einzelanwendung 


163      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgcm.  Unters.)      164 

derselben  und  dann  zu  ihrer  Erhebung  zu  tischen  Schmuckes  in  einem  geraden  Gegen- 
selbständigen Götterwesen  geführt,  und  die  satze  zu  den  griechischen  Göttern  steht,  und 
Pontifices  selbst  hätten,  das  Verständnis  der  das  Erzeugniss  reflectirenden  Verstandes  ist, 
heiligen  Urkunden  immer  mehr  verlierend,  welcher  alle  menschlichen  Verhältnisse  einem 
dieser  volkstümlichen,  aber  irrtümlichen  Fort-  speciellen,  positiv  auf  das  Genaueste  fest- 
bildung  sich  angeschlossen:  Interpol.  Serv.  gesetzten  Cultus  zuweist'),  doch  sei  es  ungewifs, 
Aen.  2,  141  pontifices  dieunt  singulis  actibus  ob  diese  Götter  in  den  Indigitamenta  selbst 
proprios  deos  praeesse  (S.  46  f.).  Dafs  die  den  Namen  der  dii  certi  führten  oder  ob  diese 
Pontifices  für  den  praktischen  Gebrauch  sich  Benennung  von  Varro  herrührt  (s.  Sp.  132,  21  ff. 
Auszüge  (tabulae)  aus  den  Indigitamenta  10  und  150  f.);  am  wenigsten  Wahrscheinlich- 
machten, wie  Ambrosch  annahm  (Sp.  157),  ist  keit  habe  es,  dafs  die  Erklärungen  der  Namen, 
auch  die  Ansieht  von  Bouche-Leclercq  (S.  47 f.);  welche  Varro  giebt,  aus  den  Indigitamenta 
in  diese  tabulae  hätten  sie  nur  das  Not-  geschöpft  seien;  denn  hierfür  spreche  weder 
wendigste,  d.  h.  die  Anrufungen  und  die  Epi-  die  Beschaffenheit  dieser  Erklärungen,  noch 
theta,  mit  Hinweglassung  der  Namen  der  der  Zweck  der  Indigitamenta:  die  Erklärungen 
Gottheiten  von  allgemeinerer  Bedeutung,  zu  seien  deutlich  als  Etyrnologieen  Varros  zu 
denen  dieselben  gehörten,  aufgenommen,  und  erkennen,  der  auf  diesem  Felde  nicht  glücklich 
diese  dem  Handgebrauch  dienenden  Auszüge  gewesen  sei  (S.  9  f.,  wozu  Wissowa  S.  10 
hätten  sich  so  vollständig  an  die  Stelle  des  Anm.  4  bemerkt,  dafs  dies  indes  von  den 
Originalwerkes  gesetzt,  dafs  die  gelehrtesten  20  meisten  Erklärungen  nicht  gelte,  da  ja  nach 
Pontifices  und  nach  ihnen  die  Altertumsforscher  dem  eigenen  Zeuguisse  Varros  bei  Serv.  georg. 
sich  mit  ihnen  begnügten.  1,  21  [Sp.  129f.]  die  Indigitamenta  et  nomina 
Marquardt  hatte  seiner  ersten  Darstellung  deorum  et  rationes  ipsorum  nominum,  welche 
der  Indigitamenta  (Becker-Marquardt,  Handb.  Varro  seinen  Erklärungen  zu  Grunde  legen 
d.  rd'm.  Altcrthümcr  4  [Lpzg.  1856]  S.  7  ff.)  die  konnte,  enthielten  V  Unter  den  Tausenden  von 
Untersuchung  von  Ambrusch  zu  Grunde  gelegt,  Namen,  welche  die  Indigitamenta  enthalten 
deren  'Resultate  und  Hauptbeweise'  er,  'wenn  haben  mögen,  habe  man,  wie  Ambrosch  ge- 
aueh  mit  einiger  Freiheit  im  Einzelnen',  be-  zeigt  habe  (Sp.  156),  ursprünglich  wenigstens 
nutzte  (s.  S.  7  Anm.  12);  in  der  Neubearbeitung  nur  Bezeichnungen  verschiedener  Funktionen 
dieser  Darstellung  [Staatsverw.  3 2  S.  7  ff.)  macht  so  (potestates)  zu  verstehen,  welche  auf  eine  ver- 
sieh daneben  der  Einflufs  von  Prellers  Aus-  hältnismäfsig  kleine  Anzahl  göttlicher  Wesen 
führungen  geltend.  Marquardt  erklärt  (S.  7)  zurückzuführen  sind  (S.  18).  Zunächst  nämlich 
die  Indigitamenta  als  'eine  officielle  Sarnm-  sei  das  Indigitieren  seinem  Begriffe  nach  eine 
lung  von  GebetsformelD,  in  welchen  diejenigen  Art  des  Gebetes,  in  welcher  man  einen  oder 
göttlichen  Mächte  zusammengestellt  waren,  mehrere  Götter  nicht  im  allgemeinen,  sondern 
deren  Hülfe  in  einem  bestimmten  Falle  in  mit  Bezeichnung  derjenigen  Eigenschaften  an- 
Anspruch genommen  werden  musste,  und  von  rief,  von  welchen  man  Hülfe  erwartete;  man 
denen  keine  übergangen  werden  durfte,  wenn  machte  daher  ein  und  denselben  Gott  mehr- 
ein günstiger  Erfolg  des  Gebetes  eintreten  mals  und  zwar  mit  verschiedenen  Attributen 
sollte'.  'Nach  .  .  .  Regeln  des  ius  divinum  40  namhaft  (S.  18  f.).  Ferner  sei  man  auch  gar 
die  geeigneten  Götter  anrufen  heisst  indigitare,  nicht  zweifelhaft  darüber  gewesen,  dafs  ein 
und  dazu  gaben  die  indigitamenta  die  An-  Teil  der  Sp.  143  ff.  aufgeführten  Namen  Bei- 
leitung. Allein  in  das  Publikum  ist  von  namen  bekannter  Götter  seien  (vgl.  hierzu 
diesen  Formularen,  so  viel  rnan.aus  der  uns  Sp.  172 ff.);  dafs  diese  Beziehung  nicht  bei  allen 
zugekommenen  fragmentarischen  Überlieferung  Namen  ohne  weiteres  klar  war,  werde  ans 
schliessen  kann,  niemals  mehr  als  ein  kleiner  dem  Umstände  erklärlich,  dafs  mit  der  Nanien- 
Theil  gekommen,  der  mit  dem  Privatleben  in  trennung  auch  eine  Vereinzelung  des  Kultus 
unmittelbarer  Beziehung  steht  und  dem  einzel-  verbunden  war,  denn  ein  grofser  Teil  der  dii 
nen  Bürger  für  häusliche  Culthandlungen  als  certi  erhielt  seine  eigenen  sacella  und  sacra 
Regulativ  dienen  konnte,  also  Gebete  bei  der  50  (S.  20;  vgl.  hierzu  Sp.  186,  51  ff.). 
Eheschliessung,  der  Geburt  eines  Kindes,  Ge-  Madvig  äufsert  sich  über  die  Indigitamenta 
bete  in  verschiedenen  Perioden  des  Lebens-  folgendermafsen  ( Verfass.  und  Verwalt.  d.  röm. 
alters  und  für  den  Beginn  aller  Berufsgeschäfte;  Staates  2  S.  682  Anm.  1):  'Einige  neuere 
der  bei  weitem  grössere  Theil,  welcher  für  den  Schriftsteller  haben  ein  ganz  besonderes  Ge- 
Gebrauch der  Priester  und  die  Verehrung  der  wicht  auf  eine  gewisse  Klasse  von  Pontifikal- 
G ötter  des  Staates  bestimmt  war,  ist  weder  büchern,  indigitamenta,  gelegt  und  behauptet, 
im  Alterthum  profanen  Schriftstellern  bekamit  dass  Varro  vorzugsweise  und  unmittelbar  aus 
geworden,  noch  uns  .  .  .  weiter  verständlich'  ihnen  geschöpft  habe;  aber  einmal  ist  die  Be-" 
(S.  8  f.).  Dafs  Varro  die  Indigitamenta  selbst  schaffenheit  dieser  indigitamenta  äusserst  un- 
benutzte, ist  nach  Marquardts  Ansicht  (S.  9)  60  klar'  (in  Anm.  *)  führt  Madvig  die  Definition 
nicht  zu  bezweifeln;  seine  dii  certi  seien  die  des  Serv.  georg.  1,21  [Sp.  129 f.]  an  mit  dem  Be- 
Gottheiten der  Indigitamenta  (vgl.  S.  5,  wo  merken:  'Servius  kannte  gewiss  nicht  selber  die 
Marquardt  sagt,  dafs  die  Götterklasse  der  dii  indigitamenta,  aber  wohl  Varros  Etymologien, 
certi  'nicht  aus  einer  unbewussten  Entwiche-  Der  Name  selbst  stammt  von  indigitare,  an- 
hing hervorgegangen,  sondern  auf  bettimmten  rufen  nach  einem  bestimmten  Formular')  'und 
Satzungen  beruhend,  und  auch  traditionell  auf  der  Beweis  für  Varros  umfassenden  Gebrauch 
die  ersten  Könige  zurückgeführt,  durch  den  derselben  höchst  unsicher'  (Anm.  **):  'So  be- 
Mangel aller  plastischen  Form  und  alles  poe-  ruht  z.  B.    die  Eintheilung  der  Götter  in  ver- 


165      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgern.  Unters.)      166 

schiedene  Klassen  augenscheinlich  auf  Varros  mische  Religion  angefüllt  ist,  und  wenn  man 

eigenen  Einfällen  und  Grübeleien').    'Das  was  die    räumliche    Spaltung    in    gleicher    Weise 

man  als  daraus  entnommen  zusammengestellt  auch  auf  die  Zeit  überträgt,  so  ist  die  Genesis 

hat,   betrifft   durchaus   nicht   das  Wesentliche  der  Indigitamenten-Götter  erklärt ' 

des  römischen  Staatsknltus,  sondern  die  spätere  Wenn  in  dem  gröfsten  Teile  der  vorstehend 

Symbolik.'  aufgeführten  Ansichten  einerseits  die  Bedeutung 

Chantepie  de  la  Saussaye  ist  (Lehrb.  d.  der  Indigitamenta  unter  dem  Einflufs  der  von 
Beligionsgesch.  2  S.  204)  der  Ansicht,  dafs  die  den  Alten  übernommenen  Erklärung  von  in- 
Zahl  der  Gottheiten,  welche  in  den  priester-  digitare  =  invocare  so  weit  gefafst  wird,  dafs 
liehen  Indigitamenta  aufgezählt  waren,  nicht  10  sie  entweder  als  Verzeichnisse  der  altrömi- 
zu  bestimmen  sei.  Die  Tausende  von  Wesen,  sehen  Götter  mit  ihren  Anrufungen  (Ambrosch 
welche  jene  Urkunde  aufführte,  seien  keine  Sp.  155  ff.  Wals  Sp.  157.  Boissier  Sp.  160. 
untergeordneten  Geister  gewesen,  obgleich  ihr  Bouche- Leclercg  Sp.  160 f.  Marguardt  in  seiner 
Wirkungskreis  auf  ein  bestimmtes  Moment  ersten  Darstellung,  Sp.  163.  Chantepie  de  la 
beschränkt  war.  Ambrosch  habe  die  Namen  Saussaye  Sp.  165)  oder  als  Sammlung  von 
in  diesen  Gebetsformeln  aufgefafst  als  die  Be-  Gebeten  (Preller  Sp.  158  f.  Stark  Sp.  159  f. 
Zeichnung  derjenigen  Eigenschaften  oder  Funk-  Marguardt  Sp.  163;  vgl.  Schicegler  Sp.  157  f.) 
tionen  der  Götter,  welche  man  um  Hülfe  in  erklärt  werden,  und  andererseits  die  Götter- 
bestimmten Fällen  anrufen  müsse;  allein  die  reihen  Varros  ohne  weiteres  als  den  Indigi- 
Zusammengehörigkeit  dieser  Indigitationen  mit  20  tamenta  entlehnt  betrachtet  werden  (Ambrosch 
den  mehr  persönlichen  Göttern  sei  nur  in  Sp.  155.  Bouche'- Leclercq  Sp.  161.  Marguardt 
einigen  Fällen  nachweisbar,  und  die  Person-  Sp.  163),  wobei  man  Varro  höchstens  die 
lichkeit  der  italischen  Götter  sei  selbst  zu  Anordnung  der  Gottheiten  als  Eigeutum  zu- 
schwach gewesen,  um  sich  in  so  viele  Funk-  schreibt  (Preller  Sp.  159.  Boissier  Sp.  160; 
tionen  zu  zersplittern;  diese  letzteren  hätten  vgl.  Madvig  Sp.  163f.),  so  mufs  dies  von  dem 
wohl  von  Anfang  an  unabhängig  für  sich  Standpunkte  der  vorliegenden  Untersuchung 
existiert.  Es  sei  mehr  als  wahrscheinlich,  dafs  aus  als  falsch  bezeichnet  werden.  Dieses  aus 
sämtliche  altrömischen  Gottheiten  in  den  Indi-  den  Ausführungen  Sp.  132,  34  ff.  137,  24  ff. 
gitamenta  ihren  Platz  hatten.  Die  Namen,  150  ff.  sich  ergebende  Urteil  wird  eine  jene 
unter  welchen  man  die  in  beschränkter  30  Erörterungen  vervollständigende  Entwickelung 
Wirksamkeit  auftretenden  Götter  indigitierte,  des  Wesens  der  Indigetes  (die  von  Ambrosch, 
sollten  nach  Chantepie  de  la  Saussaye  (S.  205)  Bcligionsbücher  Heft  2  S.  222  =  Abdr.  S.  2. 
lediglich  ihre  Funktionen  bezeichnen;  die  Preller,  B.  M.3  1  S.  92.  Bouche'-Leclercij,  Les 
eigentlichen  Namen  der  Götter  seien  ein  Ge-  Pontifes  S.  28  f.  und  Chantepie  de  la  Saussaye.. 
heimnis  geblieben  (s.  hierzu  Sp.  133,  8 ff.).  Die  Lehrb.  d.  Beligionsgesch.  2  S.  202  f.  ausdrück- 
Zusammenfassung  und  Benennung  von  dii  con-  lieh  von  den  Indigitamenta  getrennt  werden) 
iugales,  praesides  pueiilitatis ,  dii  nuptiales,  und  der  Indigitamenta  sowie  des  Begriffes  von 
dii  agrestes  u.  s.  w.  schreibt  er  (S.  203)  den  indigitare  und  des  Verhältnisses  Varros  zu 
Indigitamenta  zu.  den  Indigitamenta  noch  näher  begründen 

Die  Indigitamenta  hat  offenbar  Mommsen  40  Eine  Betrachtung  der  Indigetes  in  den 
im  Auge  (B.  G.  1 '  S.  165):  'Die  national-  varronischen  Reihen  zeigt,  dafs  die  fest  be- 
römische Theologie  suchte  nach  allen  Seiten  stimmte,  eng  umschriebene  Funktion 
hin  die  wichtigen  Erscheinungen  und  Eigen-  eines  jeden  Indiges  auch  in  dem  Namen 
schaffen  begrifflich  zu  fassen,  sie  termino-  desselben  ausgedrückt  ist  (dies  heben 
logisch  auszuprägen  und  schematisch  —  zu-  Tertull.  ad  nat.  2,  11  nomina  de  rebus  ef/lagi- 
nächst  nach  der  auch  dem  Privatrecht  zu  tant  [deosque]  sunciunt  dividentes  omnem  sta- 
Grunde  liegenden  Eintheilung  von  Personen  tum  hominis  singulis  potesta [tibus]  und  August. 
und  Sachen  —  zu  classificiren ,  um  darnach  4,  24  quorum  deorum  nomina  non  inveniebant, 
die  Götter  und  Götterreihen  selber  richtig  carum  rerum  notninibus  appellabant  deos,  cpias 
anzurufen  und  ihre  richtige  Anrufung  der  50  ab  eis  sentiebant  dari,  aligua  vocabula  inde 
Menge  zu  weisen  (indigitare).' #_  flectentes  .  .  .  aut  certe  nulla  vocabuli  declina- 

Schliefsliel^  sei  noch   (mit  Übergehung  ge-  tione    sicut    res    ipsae    nominantur    besonders 

legentlicher    Aufserungen    neuerer    Gelehrten  hervor).     Nun     enthielten    die    Indigitamenta 

über    die    Indigitamenta    von    geringerer    Be-  nach  Serv.  georg.  1,  21   et  nomina  deorum  et 

deutung,  wie  z.  B.  der  von  Chr.  Petersen,  Bas  rationes   ipsorum   nominum    (so    die  bessere 

Zwölfgöttersystem  der  Oriech.  u.  Bömer.  2.  Ab-  Überlieferung    [s.   Sp.  129  f.],    die    durch    die 

theil.     Progr.    des    Academ.    Gymn.    Hamburg  vorliegenden  Ausführungen  bestätigt  wird),  d.h. 

1868  S.  25.  32.  38.  41)  der  Erklärungsversuch  jedenfalls    Erklärungen    der   Namen   ('Gründe 

H.  Nissens  (Das  Templum.    Antiquar.    Unter-  der  Namen'  Ambrosch,  Beligionsbiicher  Heft  2 

suchungen.    Berl.  1869  S.  8)   betreffs  der  Ent-  co  S.  226  =  Abdr.  S.  6),    welche    Varro    seinen 

stehung  der  Indigitamentengottheiten  erwähnt:  Angaben    über    die    officia    der    Indigetes    zu 

'Die  Gottheit  wird  erkannt  an  ihren  Wirkungen  Grunde  legte  (quae  etiam  Varro  dicit,  Sp.  130, 

und  ihrer  Umgebung.     Deshalb  gewinnt  jeder  3  f.;  vgl.  die  von  Marguardt  betreffs  der  Na- 

Geist,   der    in   einen  Raum   gebannt  ist,   eine  menserklärungen  Varros  geäufserten  Bedenken 

Individualität  und   einen   bestimmten  Namen,  und    Wissowas    Bemerkung    dagegen    Sp.  164, 

bei  dem  der  Mensch  ihn  anrufen  kann.     Dies  sowie  Madvig  Sp.  164,  dessen  Ausdruck  '  Var- 

ist  die  räumliche  Ableitung  jener  unendlichen  ros  Etymologien'    erkennen  läfst,   dafs  er  die 

Reihe   von   Abstractionen  ,    mit  denen   die  rö-  Erklärungen  der  Indigetennamen  als  varronische 

6* 


167      Indigitarnenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgeni.  Unters.)      168 

Etyniologieen  ansieht).  Dafs  aber  auf  die  Fin-  libri  pontificum  nicht  zu  finden  waren,  ist 
düng  und  Nennung  des  richtigen  Na-  selbstverständlich  (natürlich  hat  Cornelius 
mens  beim  Indigitieren  alles  ankam,  ja  dafs  Labeo  die  libri  pontificum  selbst  gar  nicht 
das  Indigitieren,  d.  h.  das  Schaffen  eines  Indiges  gekannt,  geschweige  denn  benutzt,  was  Kettner 
(Sp.  132),  seiner  äufseren  Seite  nach  über-  S.  32  'mit  Vorliebe  ging  er  .  .  .  zurück  auf 
haupt  im  richtigen  Bilden  eines  dem  be-  die  libri  pontificales ,  an  sie  knüpfte  er  am 
treffenden  Momente  des  menschlichen  liebsten  seine  eigene  Ansicht  an'  und  Miillen- 
Lebens,  einer  Thätigkeit,  Sache,  Ort-  eisen  S.  37  zu  fr.  25  und  S.  43  gegenüber 
lichkeit  u.  s.  w.  möglichst  genau  ent-  hervorgehoben  werden  möge).  Somit  ist  auch 
sprechenden  Götternamens  bestand,  er-  10  dieser  Stelle  die  ihr  von  Ambrosch  beigelegte 
hellt  bei  der  von  Augustinus  (s.  Sp.  148,  64  ff.  Bedeutung  abzusprechen;  hier  wie  in  der  vor- 
149,  1  ff.)  so  stark  betonten  und  selbst  in  den  her  genannten,  dem  Cornelius  Labeo  zuge- 
Trümmern  der  varronischen  Reihen  noch  sehriebeneu  Stelle  (s.  Sp.  155,  55  ff.)  ist  indi- 
deutlich  erkennbaren  Zerlegung  des  mensch-  gitare  nur  ein  von  diesem  Autor  (oder  vielleicht 
liehen  Lebens  in  eine  erstaunlich  grofse  Menge  erst  von  Macrobius?)  gewählter  hochtrabender 
von  einzelnen  Momenten  am  besten  aus  den-  Ausdruck  für  czu  einem  Gotte  beten,  ihn  an- 
jenigen  Indigetennamen,  die  durch  verschiedene  rufen'.  Aber  auch  aus  der  dritten  Stelle, 
sprachliche  Mittel  von  ein  und  demselben  Interpol.  Serv.  Aen.  8,  330  (Sp.  156,  53  ff.), 
Wortstamme  gebildet  sind:  Lactans  und  Lac-  ergiebt  sich  nicht  das,  was  Ambrosch  daraus 
turnus,  Liburnus  und  Lubentina,  Lima  und  20  entnimmt.  Betrachtet  man  nämlich  den  Wort- 
Limentinus,  Parca  und  Partula,  Patella  und  laut  genauer,  so  zeigt  sich,  dafs  das  'indigi- 
Patellana,  Peragenor  und  Agenoria,  Potina  tari'  des  Flufsgottes  des  Tiber  durch  die 
und  Potua,  Praestana  und  Praestitia,  Sentia  Pontifices  damit  in  Verbindung  gebracht  wird, 
und  Sentinus,  Statanus,  Statina  und  Statilinus,  dafs  Tiberinus,  des  Capetns  Sohn,  in  den  Flui's 
Voleta  und  Volumna;  und  aus  solchen  Namen,  gestürzt  sei  und  ihm  den  Namen  gegeben 
die  von  eng  verwandten  Thätigkeiten  her-  habe.  .  Dies  erinnert  sofort  an  Aeneas,  der  in 
genommen  sind,  wie  Fabulinus,  Farinus,  Locu-  den  Numicius  stürzt  und  als  Aeneas  Indiges 
tius:  denn  alle  diese  Namen  bezeichnen  ver-  an  jenem  Flusse  verehrt  wird  (s.  Sp  133,  32  ff.), 
schiedene  Götter,  durch  die  Anwendung  des  Demnach  scheint  aus  der  in  ihrer  Fassung 
richtigen  Namens  allein  wurde  die  Anrufung  30  nicht  gerade  klaren  Stelle  der  Schlufs  zu 
des  richtigen  Indiges  bedingt.  ziehen,  dafs  der  Flufsgott  des  Tiber,  wie  jener 
Wir  können  in  den  Indigitamenta  Aeneas  Indiges,  von  den  Pontifices  mit  dem 
demgemäfs  nur  Verzeichnisse  von  den  Beinamen  Indiges  verehrt  wurde,  so  dafs  sich 
Pontifices  festgesetzter  Indigetenna-  wieder  nur  ein  Zusammenhang  von  indigitare 
inen,  welche  in  den  diesen  beigegebe-  mit  Indiges  ergeben  würde, 
nen  rationes  ipsorum  nominum  eine  Nunmehr  kann  es  nicht  zweifelhaft  sein, 
Anweisung  gaben,  wie  die  Namen  zu  wie  die  Sp.  154,  51  ff.  offen  gelassene  Frage, 
gebrauchen,  d.  h.  welcher  Indiges  im  ob  die  in  den  varronischen  Reihen  auftreten- 
einzelnen  Falle  anzurufen  war,  er-  den  Gottheiten  allgemeinerer  Bedeutung  Ianus, 
kennen,  und  an  dieser  allerdings  eng  be- 40  Saturnus,  Liber,  Opis,  Carmentes,  Fortuna, 
grenzten  Bedeutung  können  auch  die  von  Mens,  Minerva,  Camena,  luventas,  Fortuna 
Ambrosch  (Sp.  155 f.)  ausführlich  besprochenen  Barbata,  Bellona,  Victoria,  Flora  (Sp.  151, 
drei  Stellen,  in  denen  indigitare  auf  Gottheiten  67 — 152,  11\  denen  noch  Mars  und  Honor 
allgemeinerer  Bedeutung  angewendet  wird,  (Sp.  145,  45),  Pomona  (Sp.  146,  14),  Robigo 
nichts  ändern.  Die  Stelle  des  Ilacrobius  (Sat.  (Sp.  148,  8  f.)  und  Iuturna  (Sp.  138,  63  ff., 
1,  17,  15;  Sp.  155,  53 ff.)  nämlich,  die  ein  Gebet  vgl.  148,  40  ff.)  beizuzählen  sind,  in  den  Indi- 
der  vestalischen  Jungfrauen  an  Apollo  enthält,  gitamenta  verzeichnet  standen  oder  erst  von 
fällt  ganz  aufser  Betracht,  da  Apollo,  wie  Varro  hinzugefügt  worden  sind,  im  Zusammen- 
oben  (Sp.  153,  19  ff.)  nachgewiesen  ist,  über-  hang  der  vorliegenden  Erörterungen  zu  beant- 
haupt  nicht  in  den  Indigitamenta  vorkam.  50  woiten  ist.  Wenn  auch  diese  Götter,  wie 
Die  andere,  einen  Auszug  aus  Cornelius  Labeo  Ambrosch  bemerkt  hat  (Sp.  155;  vgl.  Preller 
enthaltende  Stelle  des  Macrobius  (1,  12,  21;  Sp.  159.  Boissier  Sp.  160.  Beuche -Leclercq 
Sp.  155,  67  ff.;  nicht  richtig  beurteilt  von  Sp.  162),  in  jenen  Reihen  nur  gewisse  einzelne 
Pouche  -Leclercq,  Les  Pontifes  S.  48)  beruft  Momente  des  Menschenlebens  u.  s.  w.  zu  ver- 
sieh allerdings  für  die  Identität  der  Maia,  wirklichen  haben,  indem  ihr  allgemeines 
Bona  Dea,  Fauna,  Ops  und  Fatua  mit  Terra  Maehtgebiet  hier  nur  auf  einen  besonderen 
sehr  unumwunden  auf  die  libri  pontificum;  Fall  angewandt  wird,  so  fehlt  doch  hierbei 
wie  übel  es  jedoch  mit  dieser  Quellenangabe  gerade  das  Charakteristische  des  indigitare, 
bestellt  ist,  zeigt  das  in  der  ganzen  Stelle  nämlich  das  Schaffen  einer  Gottheit,  welche 
erkennbare  und  auch  sonst  bekannte  Be-  60  aufserhalb  der  betreffenden  Indigitation  gar 
streben  des  Cornelius  Labeo,  irgendwie  mit  nicht  vorhanden  ist  (Sp.  137,  24  ff.).  Bei  den 
einander  verwandte  Götter  zuerst  unter  sich  Funktionen  dieser  Götter  handelt  es  sich  viel- 
und  sehliefslich  mit  solchen  Gottheiten  zu  mehr  deutlich  um  Beziehung  ihrer  vollständig 
identificieren,  deren  physische  Grundbedeutung  sicheren  und  gröfstenteils  auch  schon  im  Na- 
völlig  klar  war  (s.  Kettner  a.  a.  O.  S.  32.  men  ausgedrückten  Bedeutung  auf  einzelne 
Mülleneisen  S.  9.  11.  46;  vgl.  Wissoica,  De  Momente  des  menschlichen  Lebens  u.  s.  w., 
Macrobii  Saturn,  fontib.  S.  35  ff.);  dafs  der-  wie  sie  den  Reihen  zu  Grunde  liegen.  Auch 
gleichen   philosophische  Spekulationen  in  den  diese  Gottheiten  sind,   wie  die  Sp.  152  ff. 


169      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)   '  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      170 

besprochenen,  dii  certi  (vgl.  Sp.  150  f.),  sicherlich  das  Werk  Varros,  von  dessen  Be- 
welche  Varro  den  aus  den  Indigita-  streben,  auch  innerhalb  der  einzelnen  Bücher 
menta  entnommenen  Indigetes  einge-  eines  Werkes  die  Gegenstände  nach  einer  an- 
reiht hat.  Eine  Bestätigung  dieser  Auffassung  gemessenen  Disposition  zu  behandeln,  die  er- 
bietet August.  4,  16,  wo  es  nach  Anführung  haltenen  Bücher  der  Schrift  de  Ungua  latina 
der  Agenoria,  Stimula,  Muroia,  Strenia  (Sp.  144,  (vgl.  die  Übersichten  in  den  Ausgaben  von 
46  ff.)  heifst  Ins  Omnibus  (Ins  et  deabus  publica  0.  Müller  S.  XLI  ff.  und  L.  und  A.  Spengel 
sncra  faccre  susceperunt,  Quietcm  vcro  appel-  S.  XXXIV  ff.)  Zeugnis  ablegen  (vgl  auch  z.  B. 
lantes,  quae  faceret  quietum,  cum  acdem  haberct  Varro  de  vita  populi  Bomani  Üb.  I  [lib.  I 
extra  portam  Cöllinam,  publice  itlam  suseipere  10  fr.  22  Kettner]  bei  Kon.  S.  494  s.  v.  victuis: 
nolucrunt;  hieraus  geht  hervor,  dafs  Varro  'primum  de  re  familiari  ab  partibus,  seeundo 
eine  Gottheit,  welche  schon  deswegen,  weil  de  victuis  consuetudine  primigenia,  tertio  de 
sie  in  den  Staatskultus  nicht  aufgenommen  diseiplinis  priscis  necesmriis  vitae,)  was  keines- 
war,  in  den  Indigitamenta  nicht  hätte  ver-  wegs  eine  Inhaltsangabe  der  einzelnen  Bücher 
zeichnet  sein  können  (s.Sp.  186, 46  ff. ;  über  Quies  der  Schrift  de  vita  populi  Bomani,  sondern 
vgl.  Preller,  B.  M.3  2  S.  222),  offenbar  nur  eine  Disposition  innerhalb  der  einzelnen  Bücher 
ihrer  fest  bestimmten  Bedeutung  wegen  in  ist,  s.  H.  Kettner  in  seiner  Ausgabe  der 
seinen  Reihen  aufführte.  Fragmente  dieser  Schrift  [Halae  1863]  S.  6  f.). 
Nicht  Auszüge  aus  Indigetenreihen  Wenn  irgendwo  auf  dem  Gebiete  der  rö- 
also,  sondern  solche  aus  Reihen  von  dii  so  mischen  Religionsaltertümer,  so  gilt  vou  den 
certi,  welche  Varro  nach  einem  selbst-  Indigetes  und  den  Indigitamenta  der  Aus- 
erfundenen Prinzip  (s.  Sp.  150,  54 ff.)  und  spruch  Hartwigs  {Bei.  d.  Böm.  1  S.  275), 
mit  teilweise  sehr  fragwürdigen  Mit-  dafs  Varro  recht  eigentlich  das  Fernrohr  ist, 
teln  (s.  Sp.  152,  16  ff.  153,  59  ff.  154,  14  ff.)  durch  welches  wir  in  den  Religionszustand 
aus  der  ihm  bekannten  römischen  Göt-  der  Römer  hineinblicken  {Preller,  B.  M.3  2 
terwelt  zusammenbrachte,  deren  weit-  S.  206  weifs  das  gut  zu  würdigen,  während 
aus  gröfster  Bestandteil  allerdings  Madvig  Sp.  164  falsch  über  Varro  urteilt). 
Indigetes  sind,  liegen  uns  in  den  oben  In  die  Art  und  Weise,  wie  Varro  im  14.  Buche 
mitgeteilten  Götterreihen  hei  Tertul-  der  Antiquitates  rerum  divinarum  die  dii  certi 
lianus,  Arnobius  (in  Überarbeitung,  s.  30  und,  worauf  es  hier  hauptsächlich  ankommt, 
Sp.  140f.)  und  Augustinus  vor.  Mit  gutem  unter  ihnen  die  Indigetes  behandelt  hatte, 
Grunde  läfst  sich  aber  vermuten,  dafs  Varro  gestatten  die  wörtlichen  Anführungen  aus 
seine  Aufstellung  von  Reihen  auf  Anordnungen  diesem  Buche  und  die  Mitteilungen  des  Au- 
der  Indigetes,  die  er  in  den  Indigitamenta  gustinwi  einen  Einblick.  Varro  hatte  sich 
vorfand,  gründete,  dafs  also  etwa,  wie  Am-  nicht  auf  eine  einfache  Aufzählung  der  Götter 
brosch  (Sp.  157,  allerdings  für  die  von  ihm  mit  Angabe  ihrer  Funktionen  beschränkt, 
vermuteten  tabulae),  Preller  (Sp.  158 f.),  Bouche-  sondern  eine  so  eingehende  Darstellung  ge- 
Leclercq  (Sp.  161)  und  Chantepie  de  la  Saussaye  geben,  dafs  Augustinus  (6,4)  sich  zu  dem 
(Sp.  165)  annehmen,  in  dieser  Priesterschrift  Ausspruche  veranlafst  fühlte  quid,  quod  in 
die  auf  den  Menschen  und  sein  ganzes  Leben  40  Ulis  tribus  novissimis  libris  deos  certos  et  in- 
bezüglichen  Indigetes  nach  der  Zusammen-  certos  et  selectos  diligenter  explicans  nullam 
gebörigkeit  und  natürlichen  Aufeinanderfolge  deorum  naturam  praeter inittere  videtur?  Er 
ihrer  officia  in  Gruppen  geordnet  waren,  die  hatte  ausführlich  über  den  Kult  der  einzelnen 
sich  auf  Zeugung,  Schwangerschaft,  Geburt  Götter  und  die  auf  denselben  bezüglichen  Ge- 
u.  s.  w.  des  Menschen  (Reihe  a),  ferner  auf  wohnheiten  der  alten  Zeit  gesprochen  (vgl. 
dessen  einzelne  Thätigkeiten  im  übrigen  Leben  die  an  Varros  eigene  Worte  sich  eng  an- 
(Gruppe  b),  besonders  auch  iu  dem  Landbau  schliefseuden  Auszüge  bei  August.  6,  9  über 
nach  seinen  vielen  Seiten  (Reihe  c  mit  ihren  die  Gottheiten  Intercidona,  Pilumnus  und  De- 
verschiedenen Gruppen),  bezogen;  und  so  ist  verra  [s.  Abschn.  2  s.  vv.;  clafs  dies  ein  Auszug 
überhaupt  für  die  gesamten  Indigitamenta  50  aus  dem  14.  Buche  ist,  erörtert  Erdm.  Szhwarz 
eine  Gliederung  nach  sachlichen  Gesichts-  a.  a.  0.  S.  453  f.] ,  sowie  über  Liber  und  Li- 
punkten  zu  vermuten,  denn  ohne  eine  solche  bera,  und  das  Fragment  bei  Non.  S.  480  s.  v. 
wäre  eine  wirkliche  Brauchbarkeit  dieser  um-  sacrificantur :  Varro  antiqaitatum  rerum  divi- 
fangreichen  (s.  Sp.l75,12ff.)Götterverzeichnisse  narum  lib.  XIIII  'biviris  nuptis  [so  Popma, 
schlechterdings  undenkbar  (ganz  willkürlich  viris  oder  viri  die  Hss.,  viri  nuptiis  Merkel] 
und  überflüssig  ist  Ambroschs  [Sp.  157]  von  sacrificabantur  in  cubicido  viduae',  das  offenbar 
Bouche- Leclercq  [Sp.  163]  aeeeptierte  Annahme  in  den  Abschnitt  über  die  dii  coniugales  ge- 
von  Auszügen  [tabulae]  aus  den  Indigitamenta  hört).  Vor  allem  aber  hatte  er  das  Wesen 
zum  praktischen  Gebrauch  in  den  Händen  der  und  die  Bedeutung  der  einzelnen  Gottheiten 
Pontifices).  Einen  streng  durchgeführten  Unter-  go  nach  seiner  Art  in  gelehrten  Auseinander- 
schied zwischen  persona  und  res,  den  man  den  Setzungen  erörtert  (vgl.  die  Fragmente  Sp.  138, 
Indigitamenta  zugeschrieben  hat  {Ambrosch  15ff.3lff.47ff.;  s.  auch  Sp.  187,  25ff.;  August. 
Sp.  155.  157.  Mommsen  Sp.  165),  also  ein  4,  16  citiert  Varro  für  die  Bedeutung  der 
juristisches  Prinzip,  kann  man  aber  kaum  an-  Murcia  den  Dichter  Pomponius,  s.  Sp.  154,  21  ff.) 
nehmen;  die  Unter-cheidung  von  Göttern  ad  und  dabei  nicht  nur  die  verschiedenen  An- 
ipsum  hominem  pertinerdes  und  dii  qui  perti-  sichten  anderer  berücksichtigt  (vgl.  das  Frag- 
ncrent  non  ad  ipsum  hominem,  sed  ad  ea  quae  ment  über  Venilia  in  den  Schol.  Veronens.  Aen. 
sunt  hominis  (Sp.  131,  17  ff.)  ist  in  dieser  Form  10,  76,  Sp.  139,  2  ff.),  sondern  auch,  und  zwar 


171      Iudigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigilamenta  (allgem.  Unters.)      172 

offenbar    in    weitgehendster  Weise,    über   das  B.  M.^  2  S.  209  f.   spricht  ebenfalls   von  Va- 

Wesen  der  Götter  eigene  Ansichten  und  Deu-  gitanus,  indem  er  [S.  210  Anni.  1]  bei  August. 

tungen   aufge.-tellt:    so   gelten  ihm  die  Parca,  4,  8  Vagitanus  schreibt,   4,  21  aber  Vaticanus 

Nona  und  Decinia  als  Fata  tria  (s.  Sp.  138,  15  ff.),  stehen  läfst,  mit  dem  Bemerken  '  Varro  wollte 

die  Prorsa  und  Postverta  nennt  er  Carmentes  nehmlich  auch  den  Deus  Vaticanus  wie  Vagi- 

(s.  Sp.   138,  31  ff.   und    TertulL   ad  nat.  2,  11,  tanus  erklären';  Bouche-Leclercq,  Las  Pontifcs 

dem   jenes    von    Gellius    erhaltene   Stück    des  S.  32  giebt  ohne  nähere  Erklärung  'Vagitanus 

14.  Buches  vorgelegen  hat;   allerdings  werden  (Vaticanus)';   auch  Marquardt,   Staatsoirw.  32 

Porrima,  eine  der  Prorsa  eng  verwandte  Göttin,  S.  12  nennt  den  Gott  Vagitanus,  aber  wie  die 
und   Postverta    an  den   Carmentalia  mit   Car-  10  übrigen  hier  angeführten  Gelehrten  ohne  Er- 

inenta  zusammen  verehrt,  s.  Bd.  1  Sp.  S53,  4ff.  kenntuis    des   vorstehend   klargestellten   Sach- 

und  unten  Abschn.  2  s.  vv.  Porrima  und  Post-  Verhalts). 

verta);  den  Mutunus  Tutunus  identificiert  er  Besonders  bemerkenswert  ist  es,  dafs  Varro 
mit  dem  griechischen  Priapus  (August.  4,  11.  in  dem  Buche  de  das  selectis  die  officia  ein- 
34.  6,  9;  s.  Abschn.  2  s.  v.  Mutunus  Tutunus);  zelner  Indigetes  als  Funktionen  von  dii  selecti 
auch  die  neben  Priapus  bei  August.  6,  9  ge-  und  die  Namen  jener  Indigetes  als  Beinamen 
nannte  Venus  (Sp.  144  Z.  68)  wird  nur  auf  dieser  dii  selecti  aufführte.  Augustinus  (7,  2 
eine  von  Varro  vorgenommene  Gleichstellung  und  3)  bezeugt  dies  für  Fluvionia  (jedoch  mit 
einer  Gottheit  des  ehelichen  Beilagers  mit  Verwechselung  von  [Iuno]  Fluvionia  und  Inno 
Venus  zurückzuführen  sein  (vgl.  August.  6,  9.  20  Lucina,  wie  7,  2  et  hunc  provinciam  fluorum 
7,  2.  3  [Sp.  149,  59  ff.],  wo  nach  Varro  Libera  menstruorum  in  libro  selectorum  deorum  ipsi 
als  Venus  erklärt  wird).  Bei  den  Fata  Scri-  Iunoni  idem  auctor  [d.  i.  Varro]  adsignat, 
buncla,  welche  nach  Tertull.  de  an.  39  am  quae  .  .  .  hie  tamquam  Iuno  Lucina  cum  eadem 
letzten  Tage  der  ersten  Lebenswocbe  des  neu-  Menü  .  .  .  eidem  cruori  praesidet  zeigt,  denn 
geborenen  Kindes  angerufen  werden  (Sp.  144  die  hier  angegebene  Funktion  ist  das  officium 
Z.  18),  könnte  man  im  Hinblick  darauf,  dafs  der  [Iuno]  Fluvionia,  nicht  das  der  Iuno  Lu- 
die  Vorstellung  des  Fatum  uncl  der  Fata  cina),  ferner  (c.  3)  für  Iterduca  und  Domiduca, 
(neutr.  plur.)  sich  wahrscheinlich  erst  unter  deren  Funktionen  und  Namen  Varro  im 
Einwirkung  griechischer  Ideen  gebildet  hat  16.  Buche  der  Iuno  zuteilte;  und  bei  Martian. 
(s.  Bd.  1  Sp.  1447,  24  ff.  1449,  17  ff),  dagegen  so  Gap.  2,  149  an  einer  Stelle,  die  jedenfalls  auf 
ein  geschlechtlieh  differenzierter  Fatus  und  Varro  zurückgeht  (s.  Eysserihardts  Praefatio 
eine  Fata  echt  römische  Götterfiguren  sind  in  Martianum  Capellam  S.  XXXXVIII),  erhält 
(s.  Bd.  1  Sp.  1452  f.  s.  v.  Fatus,  Fata),  und  Iuno  dieselben  Beinamen  Fluonia,  Iterduca, 
eine  in  der  Einzahl  auftretende  Fata  Scribunda  Domiduca  (jedoch  Iterduca  und  Domiduca  in 
auch  viel  besser  zu  den  übrigen  Indigetes  anderer  Beziehung  ihrer  Bedeutung,  s.  Abschn.  2 
pafst,  sich  versucht  fühlen,  an  eine  von  Varro  s.  vv.).  Bei  Arnobius  3,  30,  wo  ebenfalls  offen- 
vorgenommene Umdeutung  einer  weiblichen  bar  varrouische  Doktrin  vorliegt,  führt  Iuno 
Fata  zu  einer  Mehrzahl  (wohl  Dreizahl,  s.  die  Beinamen  Fluvionia  und  Ossipagina.  Ferner 
Bd.  1  Sp.  1449,  5  ff.)  von  neutralen  Fata  zu  hatte  nach  Augustinus  (7,  11  und  12)  Varro 
denken,  wenn  nicht  das  Bd.  1  Sp.  1444  ff.  über  40  unter  den  Beinamen  Iuppiters  im  16.  Buche 
die  Fata  Scribunda  Gesagte  es  wahrscheinlich  auch  Pecunia  aufgeführt  mit  der  Erklärung 
machte,  dafs  diese  Gottheiten  überhaupt  nicht  et  Pecunia  .  .  .  vocatur,  quod  cius  sunt  omnia; 
zu  den  Indigetes  gehören  und  den  Sp.  168, 36ff.  und  4,  11,  wo  Augustinus  'de  multis  diis,  quos 
zusammengestellten  Göttern  anzureihen  sind.  doctores  paganorum  unum  eundemque  Iovem 
Eine  grofse  Rolle  spielt  bei  seinen  Deutungen  esse  defendunt'  handelt,  wird  sogar  jene  ganze 
die  Etymologie,  die  er  jedoch  höchst  Unglück-  turba  quasi  plebeiorum  deorum  als  Manifesta- 
lich  handhabt  (s.  die  Sp.  153  f.  angeführten  Bei-  tionen  Iuppiters  betrachtet  mit  der  Bemerkung 
spiele  und  Abschn.  2  s.  vv.  Panda,  Busor,  Ve-  hi  omnes  dii  deueque  sit  unus  Iuppiter,  sive 
nilia).  Auch  an  Irrtümern  fehlt  es  nicht:  es  sint ,  ut  quidam  volunt,  omnia  ista  partes  eius 
ist  gar  nicht  zu  bezweifeln,  dafs  in  dem  50  sive  virtutes  eius,  sicut  eis  eidetur,  quibus  eum 
Sp.  138,  47  ff.  mitgeteilten  Fragmente  Varro  placet  esse  mundi  animum,  quae  sententia  velut 
den  Gott  Vaticanus,  den  praeses  agri  Vaticani,  magnorum  multumque  doctorum  est.  Aber  auch 
infolge  von  Verwechselung  mit  einem  In-  schon  bei  der  Besprechung  der  dii  certi  im 
diges  Vagitanus  (in  älterer  Zeit  Vacitanus  14.  Buche  mufs  Varro  in  ähnlicher  Weise 
geschrieben)  zum  göttlichen  Beschirmer  des  verfahren  sein.  Als  ersten  Gott  der  Reihe  a 
vagitus  der  Kinder  macht  (August.  4,  8.  11  (Sp.  143/144  Z.  2)  führt  Tertullianus  (ad  nat. 
und  21,  der  ebenfalls  den  Vaticanus  als  Gott  2,  11)  aus  Varro  einen  Indiges  Consevius,  qui 
des  vagitus  nennt  [Sp.  143/144  Z.  23],  hat  con [satio] nibus  coneubitulibus  praesit  an,  wäh- 
jedenfalls  dieses  zufällig  erhaltene  Stück  beim  rend  Augustinus  (7,  2  und  3),  der  doch  eben- 
Excerpieren  als  Vorlage  gehabt;  falsch  ist  es,  oo  dieselben  Auseinandersetzungen  Varros  excer- 
wenn  Härtung,  Bei.  d.  Büm.  2  S.  240  Anm.  ff),  piert,  als  ersten  Gott  mit  der  gleichen  Funktion 
der  den  Gott  Vagitanus  nennt,  sagt  cmau  hat,  Ianus  nennt  (c.  3  confert  .  .  .  Ianus  aditum  et 
weil  die  Hdschr.  schwanken,  diesen  Namen  quasi  ianuam  semini);  dies  berechtigt  zu  der 
mit  Vaticanus  verwechselt',  also  den  Grund  Annahme,  dafs  Varro  au  der  von  beiden  Kir- 
des  Irrtums  in  Abschreibefehlern  sucht;  Wals  chenvätern  excerpierten  Stelle  wohl  einen  - 
in  Paulys  Bediene.  0,  1  S.  434  führt  Vagitanus  Indiges  Consevius  namhaft  machte,  denselben 
in  einer  Weise  an,  als  ob  bei  August.  4,  11  aber  zugleich  als  Manifestation  des  Ianus  be- 
diese   Namensform    überliefert    wäre;    Preller,  zeichnete.     Diese    eigentümliche    Behandlung 


173       Indigitamenta  f'allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgeiu.  Unters.)      174 

der  Indigetea   (beziehungsweise   der   dii   certi)  S.  20)  sagt  'Endlich  war  man  auch  gar  nicht 

beruht,  soweit  es  sich  um  Zurückführung  der-  zweifelhaft  darüber,  dass  ein  Theil  der  vorher 

selben   auf  Iuppiter   handelt,   auf  dem  theolo-  angeführten  Namen  Beinamen  bekannter  Götter 

gischen  System   Varros,  das  die  theologischen  seien,  dass  also  z.  B,  die  Iterduca,  Domiduca, 

Lehren    der    Stoiker    auf   die    Erklärung    der  Fluonia,    Ossipago,    Cinxia,  Lucina   auf  Iuno, 

römischen  Religion  anwendet,  um  dieselbe  zu  Stercutius   auf  Saturn'    (August.  18,  15),  'Lu- 

einem  inneren  Verständnis  zu  bringen  (vgl.  cetius  auf  Iuppiter'  (ßerv.  Aen.  9,  567),  'be- 
L.  Kr  ahner ,    Grundlinien   zur  Geschichte   des      zogen    werden   müsse';    denn  die   Indigetes 

Verfalls   der   röm.  Staatsreligion   bis   auf  die  Iterduca  u.   s.  w.    sind    nicht    identisch    mit 

Zeit  des  August.  Progr.  Lat.  Hauptsch.  Halle  10  Iuno    Iterduca   u.   s.   w.    (die    Beispiele    des 

1837  S.  51  ff.  Merkel,  Prolegorn.  zu  Ovids  Fast.  Stercutius    und    Lucetius    bleiben    hier    aufser 

S.  CCXX  ff.  Marquardt,  Staatsverw.  32  S.  62 ff.  Betracht,  weil  es  sich  dabei  nicht  um  sicher 
Preller,   B.    21/. 3   1    S.   35 f.     Boissier,    Etüde      bezeugte  Indigetes   handelt),   und   die  soeben 

S.  273  ff.     Erdm.   Schwarz  a.   a.  0.    S.  455  ff.  mitgeteilte    Auffassung    sowie    überhaupt    die 

473  ff. ;    über  die   Theologie   der  Stoiker  vgl.  von  Ambrosch  (Sp.  156),  Schwegler  (Sp.  157  f.; 

Zeller,  Philos.  d.  Griech   3,  \-  S.  288  ff.  [über  vgl.   Böm.   Gesch.  1  S.  226  f),   Marquardt  (in 

Varro   das.    S.  594  ff.]).     Die    stoische    Lehre,  der    ersten    Bearbeitung    a.   a.   0.    S.    18.   22; 

dal's    die    eine    Gottheit,    je    nachdem    sie    in  Sp.  164,   vgl.  Staatsverw.  32  S.  24),  M.   Voigt 

mannigfachen   Obliegenheiten  thätig  ist,  ver-  (Das  jus  naturale,   aequwm  et  bonum  und  jus 

schiedene  Namen  hat,  d.  h.  dafs  die  verschie-  20  gentium    der  Bmner.  2    [Leipz.   1858]   S.  564), 

denen   Götter   nur  Manifestationen    der  einen  Stark  (Sp.  159 f.),  Boissier  (Sp.  160)  und  Bouehe- 

Gottheit  sind   (Serv.  Aen.  4,  638   et  sciendum  Leclercq  (Sp.  162 f.)  in  verschiedener  Weise  ver- 

Stoicos   dicere   unum   esse   deum,    cid  nomina  tretene   (bei  Preller  aber  sich  nicht  findende, 

variantur  pro    actibus   it  offieiis;  georg.  1,  5  von    Chantepie   de    la   Saussaye   Sp.  165   aus- 

Stoici  elieunt  non  esse  nisi  unum  deum  et  unam  drücklich  zurückgewiesene)  Ansicht,  dafs  die 

eandemque  potestatem,  quae  pro  ratione  officio-  Indigetes  ursprünglich  nur  Qualitätsbestimmun- 

rum   nostrorum  variis  nominibus  appellatur  =  gen   oder  Bezeichnungen   verschiedener  Punk- 

Mythogr.     Vatic.    II    prooern.;     Macrob.    Sat.  tionen   einer  beschränkten   Anzahl   'gröfserer' 

1,  17,  4  et  sicut  Maro,   cum  de  una  Iunone  Gottheiten  gewesen   seien,   verkennt  den   Ur- 

diceret  (Aen.  1,  8)   'quo  numine  laeso'',  ostendit  30  sprung  der  Indigetes. 

unius  dei  effectus  varios  pro  variis  censendos  Klar  und  deutlich  ist  derselbe  ausgedrückt 
esse  numinibus ,  ita  diversae  virtutes  solis  no-  in  den  Worten  pontifiecs  clieunt  singulis  actibus 
mina  dis  dederunt,  wahrscheinlich  aus  Cornelius  proprios  deos  praeesse  (Interpol.  Serv.  Aen. 
Labeo,  s.  Wissowa.  De  Macrobii  Saturn,  fontib.  2,  141;  ganz  unhaltbare  Auffassung  dieser 
S.  41  f.,  vgl.  S.  37;  Mythogr.  Vatic.  III  prooern.),  Stelle  bei  Bouche-Leclercq  Sp.  163).  Die  Pon- 
wandte  Varro  in  der  Weise  auf  die  römische  tifices  also  waren  die  Schöpfer  der  eigenartigen 
Götterwelt  an,  dafs  er  die  dii  selecti  als  Aus-  Götterwelt  und  der  bis  ins  Kleinste  gehenden 
flüsse,  die  dii  certi,  also  auch  die  Indigetes,  Kasuistik  der  Indigitamenta,  indem  sie  lehrten, 
als  verschieden  bestimmte  Bethätigungen  Iup-  dafs  jeder  Moment  des  menschlichen  Lebens, 
piters  betrachtete,  so  dafs  dieser  sich  in  drei-  40  jede  Thätigkeit  u.  s.  w.  unter  dem  Schutze 
hundert  Funktionen  vorfindet  (Tertull.  apol.  14.  einer  nur  diesem  einen  Momente  u.  s.  w. 
ad  nat.  1,  10;  vgl.  Kreditier  S.  52.  Marquardt  eigenen  Gottheit  (proprius  deus),  d.  h.  eines 
S.  63.  Erdm.  Schivarz  S.  427  f.;  unhaltbare  Indiges  (Sp.  137)  stehe,  und  indem  sie  diese 
Auffassung  bei  Bauche- Leder eq,  Les  Pontifes  Gottheiten  nun  mit  Namen,  die  ihre  Funktionen 
S.  46).  Anders  scheint  dagegen  über  die  var-  möglichst  genau  ausdrückten  (Sp.  166,  40  ff), 
ronische  Auffassung  der  Domiduca,  Fluvionia,  bezeichneten.  Nicht  lebendiger  Volks- 
Iterduca  und  Ossipagina  als  Bethätigungen  glaube  an  die  Mächte  des  Himmels  und 
der  Iuno  zu  urteilen.  Wenn  man  nämlich  der  Erde,  sondern  eine  von  Priestern 
berücksichtigt,  dafs  in  der  Reihe  a  die  Namen  erfundene  und  vorgenommene  Vergött- 
Lucina  (Tertull.  de  an.  37.  August.  4,  11.  21.50  lichung  abstrakter  Begriffe  liegt  in 
34;  Sp.  143/144  Z.  14)  und  Cinxia  mit  Unxia  den  Indigetes  und  Indigitamenta  vor 
(Arnrjb.  3,  25;  Sp.  147,  35  ff.),  die  sonst  der  ('es  gehört  die  ganze  Begriffsspalterei  eines 
Iuno  als  Beinamen  zukommen,  als  Bezeich-  römischen  Juristenverste'ndes  dazu,  um  nur 
nungen  selbständiger  Indigetes  genannt  werden,  alle  diese  Sondergottheiten  auszusinnen  und 
so  liegt  die  Vermutung  nahe,  dafs  bei  Domi-  von  einander  zu  unterscheiden'  0.  Pfleiderer, 
duca,  Fluvionia,  Iterduca  und  Ossipagina  das-  Die  Religion,  ihr  Wesen  und  ihre  Geschichte 
selbe  Verhältnis  besteht,  d.  h.  dafs  diese  u.  s.  w.  2  [Leipz.  1869]  S.  168;  Nissens  ge- 
Namen nicht  nur  selbständigen  Indigetes,  son-  künstelte  Erklärung  der  Genesis  der  Indigetes 
dem  auch  der  Iuuo,  zu  deren  Wesen  die  in  ist  Sp.  165 f.  mitgeteilt;  unhaltbare  Ansicht  über 
diesen  Namen  ausgedrückten  Funktionen  gut  so  den  Ursprung  der  Indigites  bei  J.  Weisieeiler 
passen,  als  Beinamen  zukamen,  und  dafs  aus  in  der  Abschn.  2  bei  Adolenda  angeführten 
diesem  Grunde  Varro  im  16.  Buche  von  Iuno  Abhandlung  S.  40  f.).  Jeder  von  den  Ponti- 
Domiducau.  s.  w.  gesprochen  hatte  (vgl.  die  ver-  fices  geschaffene  Indiges  ist  also  von  Natur  ein 
schiedenen  Auffassungen  dieses  Gegenstandes  in  jeder  Beziehung  selbständiger  Gott,  auch 
bei  Marc[uardt  S.  20.  Preller  1  S.  275.  2  S.  207.  wenn  seine  Funktionen  und  sein  Name  mit 
Boscher,  Iuno  und  Hera  S.  67.  Schwäre  S. 456  ff.).  der  Bedeutung  und  dem  Beinamen  einer 
Jedoch  kann  es  nicht  als  richtig  bezeichnet  'gröfseren'  Gottheit  übereinkommen;  Indigetes 
werden,  wenn  z.  B.   Marquardt  (Staatsverw.  3-  wie  Cinxia,   Lucina  u.  s.  w.  sind  Erfindungen 


175      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitainenta  (allgem.  Unters.")      176 

der  Priester,  eine  Iuno  Cinxia,  Lucina  u.  s.  w.  nach  der  Niederlage  der  Römer  durch  die 
gehört  dem  Glauben  des  Volkes  an.  Gallier  zur  Sühnung  des  begangenen  Frevels 
Dafs  die  genannte  Lehre  der  Pontifices  an  der  Stelle,  wo  die  Stimme  gehört  worden 
ihren  Ursprung  hat  in  einer  tiefen  Religiosität,  war,  dem  Aius  Locutius  ein  Altar  oder  kleines 
welche  sich  des  göttlichen  Schutzes  in  jedem  Heiligtum  gebaut  (s.  das  Nähere  und  die  Be- 
Augenblicke des  Lebens  versichern  will,  ist  legstellen  in  Abschn.  2  s.  v.  Aius  Locutius). 
kaum  zu  bezweifeln;  der  auf  das  Abstrakte  Diese  Gottheit  ist  unzweifelhaft  ein  Indiges 
gerichtete  Sinn  der  Römer  veranlagte  es,  dafs  (s.  die  Ausführungen  Sp.  137  u.  166,  40ff.),  der 
diese  Religiosität  in  einer  unbegrenzten  An-  ganze  Vorgang  zeigt,  dafs  die  Pontifices 
zahl  von  Begriffsgöttern  und  in  einem  damit  10  schon  im  Jahre  363/391  ihre  schöpfe- 
verknüpften endlosen  System  gottesdienstlicher  rische  Thätigkeit  übten.  Im  Jahre  543/211 
Observanz  aufging.  Die  praktische  Durch-  kehrte  Hannibal,  als  er  auf  Rom  loszog,  durch 
führung  nämlich  der  Anschauung,  dafs  jeder  Visionen  erschreckt  kurz  vor  der  Stadt  plötz- 
Lebensmoment,  jede  Thätigkeit  u.  s.  w.  ihren  lieh  um;  an  der  Stelle,  wo  dies  geschehen  war, 
Indiges  habe,  mufste  naturgemäfs  zur  Fest-  wurde  ein  fanum  eines  Gottes,  der  den  Doppel- 
stellung einer  nahezu  unendlichen  Anzahl  von  namen  Redieulus  Tutanus  oder  Tutanus  Redi- 
Indigetes  führen  und  die  Indigitamenta  zu  ge-  eulus  geführt  zu  haben  scheint,  erbaut  (s.  das 
waltigem  Umfange  anschwellen  lassen :  August.  Nähere   und   die  Stellenangaben  in  Abschn.  2 

4,  8  quando  autem  possunt  uno  loco  libri  Indus  s.  vv.  Redieulus,  Tutanus).  Auch  hier  handelt 
commemorari  omnia  nomina  deorum  et  dearum,  20  es  sich  deutlich  um  einen  Indiges,  wobei  es 
cßiae  Uli  grandibus  voluminibus  vix  com-  jedoch  unentschieden  bleiben  mufs,  ob  dieser 
prehendere  potuerunt  singulis  rebus  proprio,  dis-  Gott  damals  erst  geschaffen  oder  einem  schon 
pertieiites  officio.  miminum?(iedenfa.\U}i&tAugu-  vorhandenen  die  Verscheuchung  Hannibals  zu- 
stinus  die  Indigitamenta  selbst,  nicht  Varros  geschrieben  wurde.  Die  letztere  Möglichkeit 
Antiquitates  rerum  divinarum  im  Auge;  eigen-  nicht  unberücksichtigt  zu  lassen  rät  folgendes, 
tümliche  Auffassung  der  Stelle  bei  Bouche'-  Wie  aus  August.  4, 21  und  28  hervorgeht,  hatte 
Leclercq,  Les  Pontifes  S.  57;  Preller,  R.  M.3  1  Varro  im   14    Buche  ausdrücklich  angegeben, 

5.  134  Anm.  1  und  Boissier ,  Etüde  S.  238  f.  dafs,  während  Gottheitendes  Kupfer-  und Silber- 
Anm.  2  beziehen  auf  die  Indigitamenta  die  geldes,  Aescolanus  und  Argentiuus,  existierten 
Stelle  Cic.  n.  d.  1,  30.  84  deinde  nominum  non  30  (s.  Sp.  145  Gruppe  b),  es  einen  Aurinus,  Gott 
magnus  numerus  ne  in  pontifieiis  quidem  no-  des  Goldgeldes,  nicht  gegeben  habe.  Danach 
stris,  deorum  autem  innumerubilis,  wohl  nicht  müssen  wir  annehmen,  dafs  die  Pontifices  für 
mit  Recht,  denn  von  den  Indigitamenta  hätte  das  Goldgeld,  welches  in  Rom  zuerst  i.  J. 
Cicero,  wenn  er  sie  wirklich  kannte,  unmöglich  537/217  (s.  Eultsch,  Griech.  u.  rüm.  Metrologie2 
so  sprechen  können).  S.  302)    geprägt  wurde,    keinen  Indiges    fest- 

Es  ist  nicht  zu  bezweifeln,  dafs  die  Indi-  setzten,  während  sie  für  das  nicht  gar  so  lange 
gitamenta,  deren  Ursprung  auf  Numa  zurück-  vorher,  i.  J.  485/269  oder  486/268  (s.  Htdtsch 
geführt  wurde  {Arnob.  2,  73  Pompiliana  indi-  a.  a.  0.  S.  267  f.),  zuerst  geprägte  Silbergeld 
gitamenta,  s.  Sp.  153,  21  ff.),  wie  alle  mit  dem  einen  solchen  aufgestellt  hatten.  Demnach 
Namen  dieses  Königs  bezeichneten  Schriften  40  scheint  es,  dafs  zur  Zeit  des  zweiten 
zu  den  ältesten  Urkunden  im  Archiv  der  Pon-  punischen  Krieges  der  Indigetenkult 
tifices  gehörten;  dafs  ein  so  künstliches  Er-  im  Kollegium  der  Pontifices  selbst  in 
Zeugnis  der  Priesterweisheit  aber  wirklich  bis  Verfall  geriet,  insofern  das  Schaffen  neuer 
in  die  Köuigszeit,  von  deren  Götterkult  wir  Indigetes  aufhörte  und  vielleicht  nur  bei  ganz 
uns  ganz  audere  Vorstellungen  machen  müssen,  aufsergewöhnlichen,  wichtigen  Gelegenheiten 
hinaufreichte  (vgl.  Ambrosch ,  Religionsbücher  noch  stattfand  (anders  urteilen  Ambrosch,  Re- 
Heft  2  S.  247  ff.  =  Abdr.  S.  27  ff.  Heft  4  S.  35.  ligionsbücher  Heft  4  S.  37  =  Abdr.  S.  45  und 
38  f.  =  Abdr.  S.  42  f.  46  f.  Preller,  R.  M.3  1  Preller,  R.  M.3  2  S.  222  Anm.  2).  Ein  Priester- 
S.  134.  2  S.  204.  Bouche-Leclercq  Sp.  161  und  tum,  welches,  wie  es  bei  den  Pontifices  der 
die  phantasiereichen,  Sp.  160  nur  kurz  angedeu-  50  Fall  war,  sich  immer  mehr  verweltlichte  (vgl. 
teten  Hypothesen  Boissiers,  Etüde  S.  239  f.),  ist  Marquardt,  Staatsverw.  3-  S.  64  ff.),  wird  aber 
durchaus  unwahrscheinlich.  Glücklicherweise  den  komplicierten  und  mühsamen  Indigeten- 
lassen  sich  aus  einigen  chronologisch  genau  kult  und  die  äufserst  umständlichen  Indigita- 
bestimmten  geschichtlichen  Ereignissen,  mit  menta  gar  bald  ganz  in  Vergessenheit  haben 
denen  der  Kult  gewisserlndigetes  im  Zusammen-  geraten  lassen.  Daher  konnte  verhältnismäfsig 
hange  steht,  Anhaltspunkte  gewinnen  für  eine  früh  der  Begriff  der  Indigetes  aus  dem  Bewufst- 
ungefähre  Bestimmung  der  Zeit,  in  welche  das  sein  des  Volkes  entschwinden  (s.  Sp.  135,  4  ff), 
auf  das  Schaffen  von  Indigetes  gerichtete  Wir-  umsomehr  als  die  Indigetes,  wie  sie  Schöpfungen 
keu  der  Pontifices  und  die  Entwickelung  der  derPontifices  waren,  so  offenbar  niemals  recht  in 
Indigitamenta  zu  setzen  ist  (Ambrosch,  Reli-  co  denVolksglaubengedrungen(vgl.d.Sp.l74,46ff. 
gionsbücher  Heft  4  S.  34  ff.  =  Abdr.  S.  42  ff.  Gesagte)  und  stets  mehr  Götter  der  Priester 
Pidler,  R.  M.3 1  S.  61.  2  S.222.  Bouche-Leclercq,  geblieben  sind;  das  Volk  war,  wie  jedenfalls 
Lis  Pontifes  S.  51  ff.  Marquardt,  Staatsverw.  3"  richtig  bemerkt  worden  ist  (Ambrosch  Sp.  157. 
S.  31  besprechen  die  hier  anzuführenden  That-  Preller  Sp.  159.  Bouche-Leclercq  Sp.  161),  immer 
Sachen  aus  anderen  Gesichtspunkten).  Als  im  darauf  augewiesen,  sich  bei  den  Pontifices  be- 
Jahre 363'391  eine  nächtliche  Stimme  das  An-  treffs  der  Verehrung  der  Indigetes  Rat  ein- 
rücken der  Gallier  verkündet  hatte,  aber  un-  zuholen  (vgl.  Liv.  6,  1,  10  quae  .  .  .  ad  Sacra 
beachtet   geblieben   war,    wurde   i.  J.  364/390  pertinebant,  a  pontifieibus  maxime  ut  religione 


177      Iudigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgern.  Unters.)      17S 

obstrictos  haberemt  multitudinis  animosoppressa;  bar    aus    Vcurro    stammender   Indigetennamen, 

Marquardt  nimmt  jedoch  an,  dafs  ein  Teil  der  von   den   oben   Sp.  143  ff.   angeführten   Namen 

Gebetsformulare   der  Indigitamenta  Volkstum-  folgende:  Agenoria  S.  50,  Lacturius  [sie!]  d.  i. 

lieh  geworden  sei,  s.  Sp.  1C3).  Laeturnus  S.  327,  Limentinus  S.  328,  Numeria 

Die    vorliegende   Untersuchung  hat  es. bei  S.  384,  [Vaticanus  paganorum  deus  S.  626  etwa 

der  Ermittelung  des  Inhaltes  der  Indigitamenta  =  Vagitanus?  vgl.  Sp.  171,  49ff.;  der  Thesaurus 

und  des  Wesens  der  Indigetes  bisher  (von  den  hat  auch  den  Cunsus  consiliontm  <te<sS.  143. 151; 

soeben  erwähnten,  den  Aius  Locutius  und  Re-  S.  152  s.  v.  considium,  vgl.  dazu  das  Sp.  153, 

diculus   Tutanus   oder   Tutanus   Rediculus  be-  59  ff.  Gesagte];   danach  kann   die  Odoria  und 

treffenden  Erzählungen  einstweilen  abgesehen)  10  die   sogleich  für  Reihe  c  anzuführende  Göttin 

nur   mit   den  in  den  direkten  Fragmenten  des  unbedenklich    für    die    Indigitamenta    in    An- 

14.  Buches  von   Yarros  Antiquitates  rcrum  di-  Spruch  genommen  werden).     Ein  zur  Gruppe  b 

vinarttm ,  in   den  Auszügen  aus  diesem  Buche  (Sp.  145)   gehöriger  Gott  ist  der  Arculus  qui 

bei    TertuUianus,    Arnobius   und   Augustinus,  tutelum  gereret  arcarum  bei  Paul.  S.  16   s.  v. 

und  in  Fragmenten  der  varronischen  Schriften  Arculus;  die  z.B.  von  Cicero  de  leg.  2, 11,28  und 

Calus   de   liberis   educandis  und  de  vita  populi  Livius  2,  7,  12  genannte  Vica  Pota,  nach  Aus- 

Romani  enthaltenen  Göttern   zu  thun  gehabt.  weis  ihres  Namens  eine  Siegesgöttin  (s.  Abschn. 

Es    finden    sich    aber    bei    den    Schriftstellern  2   s.  v.),   ist   mit   der   Sp.  148,  21    angeführten 

auch   sonst  noch  Gottheiten   genannt,   welche  Pellonia  zusammenzustellen  und  der  Gruppe  b 

nicht   nur  dem   Sp.  137   und  166  entwickelten  20  zuzuweisen.      Der    Hauptgruppe    der    Reihe    0 

Begriffe  eines  Indiges  vollständig  entsprechen,  (Sp.  146,  10  ff.)  einzureihen  ist  die  von  Macrob. 

sondern  auch  zu  den  in  den  Reihen  und  Grup-  Sat.  1,  16,  8   erwähnte  Semonia,   die   als   eine 

pen  Sp.  142  ff.  aufgeführten  Gottheiten  so  gut  Göttin  der  semina  (s.  Absehn.  2  s.  v.)  mit  dem 

passen,   dafs  sie  mit  voller  Sicherheit  als  aus  Sator  vor  die  Seia  zu  stellen  ist  (s.  Sp.  147,  68. 

den    Indigitamenta    stammend    zu    betrachten  148,  1  f . ;  diesen  Platz  hat  sie  auch  bei  Macro- 

sind.      Bei    einigen    dieser    Götter    läfst    sieh  bius,  der  folgende  Indigetes  aufzählt:  Semonia, 

mit  grofser  Wahrscheinlichkeit   Varro  als  die  Seia,  Segetia,  Tutilina  [Seia,  Segetia  und  Tu- 

Quelle  ihrer  Erwähnung  bei  den  Schriftstellern  tilina    in    derselben    Reihenfolge    bei    August. 

vermuten,  jedoch  soll  hierauf  nicht  das  Haupt-  4,  8,   s.  Sp.  146,  10]);   die  Segesta  a  segetibus 

gewicht  gelegt  werden,    da  vielmehr  der  so-  30  bei  Plin.  n.  h.  18,  8   ist  der  Segetia  in    der- 

eben  bezeichnete  Charakter  der  Gottheiten  hier  selben  Reihe  (Sp.  146,  10)   eng  verwandt,   die 

das  Aus=chlaggebende  ist.  Messia  a  messibus  bei  Tertull.  de  spect.  8  findet 

Zu    den     Geburtsgottheiten     der    Reihe     a  ihren  Platz  vor  der  Tutilina,  der  Beschützerin 

(Sp.  143/144    Z.  12  ff.)    tritt    die    schon    oben  des   eingeernteten  Getreides   (Sp.  146,  10;    die 

Sp.  171, 8  ff.  beiläufig  erwähnte,  von  Ovid.f.  1,683  Stelle  Tertullians  geht  zurück  auf  die  Ludiara 

und  Interpol.  Serv.  Aen.  8,  336  mit  Postverta  historia  des  Suetonius  [fr.  188**  S.  335  ff.  Reiff.], 

(s.  Sp.  143  Z.  14)  zusammen  genannte  Porrima  der  seinerseits  jedenfalls  Varros  neuntes  Buch 

(s.  Abschn.  2  s.  v.)  und   die  bei  Maerob.  Sat.  der  Antiquitates  rerum  divinarum  de  ludis  cir- 

1,7,20    ebenfalls    mit   Postvorta    verbundene  censibus  als  Quelle  hat,  Tgl.  Beifferscheid,  Quaest. 

Antevorta   (s.  Abschn.  2  s.  v.);   zu  denjenigen  40  Suetonianae  in  dessen  Suetonius  S.  463  f.);  die 

Gottheiten    derselben   Reihe,    welche    in    den  Frugeria  dca  frugum   im   Thesaur.  nov.  laiin. 

ersten  Tagen  nach   der  Geburt  des  Kindes  in  a.  a.  O.  S.  240  erscheint  als  eine  der  Fructesea 

Wirksamkeit  treten  (Sp.  143/144  Z.  18  ff.),  ge-  Sp.  148,  7  ff.  verwandte,  zur  Reihe  c  zu  stellende 

hört  die  Göttin  Nundina  a  nouo  die  nascentium  Göttin. 

mmeupala,   qui  lustricus  dicitur ,   bei  Macrob.  Vergleichen  wir  nun  mit  dieser  beschränkten 

Sat.  1,  16,  36   (aus   Sxietonius  de  anno  populi  Zahl  von  Göttern,  welche  sich  mit  Sicherheit 

Romani,  s.  Wissowa,  De  Macrobü  Sat.  fontib.  als    Indigetes     bezeichnen     (über    Gottheiten, 

S.  26  ff. ;  Suetonius  vei bindet  verrianische  und  welche   nur   mit  Wahrscheinlichkeit  oder  ver- 

varronische    Doktrin    mit    einander,    Wissowa  mutungsweise  zu  den  Indigetes  zu  zählen  sind, 

S.  32  ff. ,   in   dem   bei  Macrobius   vorliegenden  50  vgl.  Sp.  183ff.)  und  den  Resten  der  varronischen 

Fragmente  seheint  nach  Wissowa  S.  34  verria-  Reihen  hinzufügen  lassen,  diejenigen  Gottheiten, 

nisehes  Eigentum  zu  überwiegen);  zu  dem  Per-  welche  hauptsächlich  von  Ambrosch  (Religions- 

agenor  .und   der  Agenoria  (Sp.  143/144   Z.  46)  bücher  Heft  2  S.  231  ff.  =  Abdr.  S.  11  ff),  Preller 

tritt  der  deus  Agonius  bei  Paul.  S.  10  s.  v.  (R.  M.3  2  S.  206  ff.),  Bouche-Leclercq  (Les  Pon- 
Agonium:    Agonium   .  .  .  putabant   deum   dici       tifes   S.  31  ff.)   und   Marquardt   (Staatsvenv.  32 

praesidentem  rebus  agendis  (0.  Müllers  Berner-  S.  11  ff. ;  es  genügt,  diese  vier  Hauptdarstel- 
kung  z.  d.  St.  rde  hoc  nihil  alii,  et  apparet  lungen  hier  heranzuziehen,  da  Walz  in  Paulys 
inventum  eum  esse  studio  etymologico'  enthält       Realencycl.  6,  1  S.  432  ff.  s.  v.  Religio.    Boissier, 

eine  ungerechtfertigte  Verdächtigung).    Ferner  Etüde  S.  234  ff.  und  Chantepie  de  la  Saussaye, 

ist  der  Reihe  a  zuzuweisen  die  ihrer  Bedeutung  CO  Lchrb.  d.  Rdigionsgesch.  2  S.  204  f.  im  wesent- 

nach  klare  Viriplaca,   in  deren  sacellum,   wie  liehen    von    Ambrosch    und    Preller    abhängig 

Valer.  Maxim.  2, 1,  6  erzählt,  Ehegatten  gingen,  sind)  noch  aufserdem  zur  Ergänzung  der  Reihen 

wenn  unter  ihnen  ein  Streit  ausgebrochen  war,  des  lertullianus  und  Augustinus  in  ihre  Zu- 
um   dort   sich   zu  versöhnen;    und   die   Odoria       sammenstellungender Indigitamentengottheiten 

dea  odoris  im  Thesaur.  nov.  latinitatis  bei  Mai,  aufgenommen  worden   sind,   so   zeigt   es  sich, 

Class.  Auct.  8  S.  399  (dieser  viel  zu  wenig  be-  dafs  dies  sämtlich  Götterwesen  sind,  welche 
achtete  Thesaurus  birgt  unter  anderen  Resten      wohl  unter  den  varronischen  Begriff  eines  deus 

vortrefflicher  Erudition  auch  eine  Anzahl  offen-  certus,  nicht  aber  unter  den  eines  Indiges  ent- 


179      Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      180 

fallen.  Zu  den  Geburtsgottheiten  (Sp.  143144  agricoles'  (!  Bouche-Leclercq  S.  30,  vgl.  Preller 
Z.  12 — 16)  werden  gestellt:  Egeria  (Preller  S.  222);  zu  der  Gruppe  Rusina  u.  s.  w.  (Sp. 
S.  209.  Bouche-Leclercq  S.  32.  Marquarelt  S.  12)  145,  68.  146,  1)  stellt  Ambrosch  (Heft  2  S.  243 
auf  Grund  der  Stelle  Paul.  S.  77  Egeriae  nym-  =  Abdr.  S.  23)  die  Velinia,  die  Göttin  des 
phae  sacrificabant  praegnantes,  quocl  eam  puta-  lacus  Velinus  (Varro  l.  I.  5,  71),  von  der  wir 
bant  facile  conceptam  olvum  egerere  (vgl.  aber  indes  gar  niebt  wissen,  ob  sie  in  den  rörni- 
über  das  von  der  Bedeutung  eines  Indiges  sehen  Staatskultus  aufgenommen  war;  Haupt- 
ganz verschiedene  Wesen  dieser  Göttin  Bd.  1  gruppe  dieser  Reihe  (Sp.  146,  10  ff.):  Robigus 
Sp.  1216  f.);  ferner  die  Natio  (Preller  S.  209.  und  Robigo  (Bouche-Leclercq  S.  37.  Marquardt 
Bouche-Leclercq  S.  32),  obgleich  diese  von  Cic.  10  S.  17),  uralte  ländliche  Gottheiten,  die  ihren 
ii.  d.  3,  18, 47  als  eine  in  Ardea  verehrte  Göttin  eigenen  Kult  besafsen  (s.  Marquardt  S.  574 
bezeichnet  wird;  und  die  Nixi  dii  bei  Fest.  zum  25.  April.  Preller,  R.  M.32  S.  43  f. ;  über  Ro- 
S.  174  s.  v.  Nixi  dii  (Ambrosch  Heft  2  S.  233  bigo  ist  schon  Sp.  168,  36 ff.  gesprochen);  Picus, 
=  Abdr.  S.  13;  Preller  S.  209  und  Marquardt  der  alte  Wald-  und  Erddämon  (Ambrosch  Heft  2 
S.  12  Anm.  4  schliefsen  dieselben  jedoch  aus-  S.  242  =  Abdr.  S.  22);  Fornax  (Ambrosch  Heft  2 
drücklieh  aus;  die  eigentliche  Bedeutung  der  S.  241  =  Abdr.  S.  21.  Bouche-Leclercq  S.  37), 
Nixi  dii  hat  Wissowa  bei  Marquardt  a.  a.  0.  ebenfalls  eine  alte  Gottheit  mit  eigenem  Kultus 
und  in  Philol.  Abhandhingen  Martin  Hertz  zum  (s.  Bd.  1  Sp.  1499  f.);  Vertumnus  (Preller  S.  227. 
70.  Geburtstage  von  ehemaligen  Schillern  dar-  Bouche-Leclercq  S.  37),  dessen  Wesen  (s.  Preller, 
gebracht.  Berl.  1888  S.  157  f.  erkannt).  Der  20  B.  M.s  1  S.  451  ff.)  von  dem  eines  Indiges 
Gruppe  derjenigen  Götter,  welche  von  der  Ge-  ganz  verschieden  ist;  Meditrina  (Preller  S.  226. 
burt  an  über  der  Entwickelung  des  Kindes  Bouche-Leclercq  S.  37)  als  Göttin  des  Wein- 
und  der  heranwachsenden  Jugend  wachen  (Sp.  baues,  nach  Ausweis  ihres  Namens  jedoch  eine 
143  144  Z.  17  ff.),  werden  zugerechnet:  Genita  Heilgöttin  mit  altem  Kultus  (s.  Preller,  B.  31. 3 
Mana  (Marquardt  S.  13),  eine,  wie  es  scheint,  1  S.  197);  Gruppe  Bubona  u.  s.  w.:  Epona 
sehr  alte  Geburts-  und  Todesgöttin,  von  der  (Ambrosch  Heft  2  S.  242  =  Abdr.  S.  22.  Preller 
sich  auch  Spuren  bei  den  Oskern  finden  (vgl.  S.  221.  227.  Bouche-Leclercq  S.  37.  3Iarquctrdt 
über  sie  Bd.  1  Sp.  1612);  Cama  (Ambrosch  S.  17),  die  jedoch  jedenfalls  eine  keltische 
Heft  2  S.  235  =  Abdr.  S.  15.  3Iarquardt  S.  13),  Göttin  ist  und  mit  den  Indigitamenta  nichts 
von  welcher  es  bei  3Iacrob.  Sat.  1,  12,  32  heifst  30  zu  thun  hat  (s.  Bd.  1  Sp.  1286  ff.);  Pales  (31ar- 
lianc  deam  vitalibus  humanis  praeesse  credunt.  quardt  S.  17,  vgl.  Preller  S.  227)  als  Göttin 
ab  ea  denique  petitwr ,  ut  iecinora  et  corda  der  Lämmerzucht,  eine  alte  Hirtengöttin  mit 
quaeque  sunt  intrinsecus  viscera  salca  conservet,  eigenem  Kultus  (s.  Preller,  B.  31. 3  1  S.  413 ff); 
welche  aber  trotzdem  kein  Indiges  ist,  da  sie  rles  troupeaux  paissaient  et  se  multipliaient 
seit  alter  Zeit  einen  allgemeinen  Kultus  und  sous  la  garde  de  Pales,  Faunus,  Inuus,  Lnper- 
ein  Fest  am  1.  Juni  hatte  (vgl.  Bd.  1  Sp.  854  f.  cus,  Silvanus,  Ruminus  et  Rumina'  (!  Bouche- 
und  über  Ovids  Verwechselung  der  Göttin  mit  Leclercq  S.  37,  vgl.  Preller  S.  227).  Den  in 
Cardea  Abschn.  2  s.  v.  Cardea);  Valentia  (Preller  Gruppe  d  (Sp.  146,  15  ff.)  genannten  Gottheiten 
S.  213.  Bouche-Leclercq  S.  33),  nach  Tertull.  fügt  Bouche-Leclercq  (S.  35)  hinzu:  Iuppiter 
apol.  24  eine  Göttin  der  Ocriculaner  (vgl.  über  40  Fagutalis  (Plin.  n.  h.  16,  37),  Iuppiter  Vnni- 
sie  Ambrosch,  Studien  S.  179  Anm.  100.  Paulys  nalis  (Varro  l.  I.  5,  51,  wo  der  Gott  aber  Iup- 
h'ealencycl.  6,  2  S.  2288  f.  s.  v.  Valentia).  Den  piter  Viminus  heifst)  und  Virae  Querquetu- 
dii  miptiales  oder  coniugales  (Sp.  143/144  lanae  (Fest.  S.  261  s.  v.  Querquetulanae  Virae), 
'/..  57  ff.)  weiden  zugezählt:  Iuno  Iuga  epuam  bei  denen  natürlich  an  Indigetes  nicht  zu 
putabant  matrimonia  iungere  nach  Paul.  S.  104  denken  ist.  Aufserdem  ist  in  den  Zusammen- 
s.  v.  Iugariiisvicus  (Marquardt  S.lii.;  vgl.  das  Stellungen  Ambroschs,  Prellers  und  Bouche- 
Sp.  180,  45 ff.  Gesagte);  die  rätselhaften  Camelae  Leclercqs  manches  Falsche  enthalten:  eine  rdea 
virgines  bei  Paul.  S.  63  Camelis  virginibus  sup-  Iuga'  (Preller  S.  214.  Bouche-Leclercq  S.  33. 
plicare  nupturae  solitae  erant  (Ambrosch  Heft  2  Manuel  des  inst.  rom.  S.  467  Anm.  1.  S.  469 
S.  239  =  Abdr.  S.  19,  s.  Preller  S.  214;  vgl.  50  Anm.  6)  ist  ebensowenig  bezeugt  wie  eine 
über  diese  Gottheiten  Härtung,  Bei.  d.  Hörn.  2  Göttin  Lubia  (Preller  S.  212;  auch  Marquardt 
S.  71.  0.  Müller  zu  Paul.  a.  a.  0.  Ambrosch  S.  14  nennt  sie)  und  Virginalis  (Bouche-Leclercq 
und  Preller  a.  aa.  00.);  Talassio  oder  Talas-  S.  34;  Iuga  ist  nur  als  Beiname  der  Inno  be- 
sius  bei  Catull.  61  v.  134  (Bouche-Leclercq  kannt  [s.  Sp.  179,  44ff.],  Lubia  ist  bei  dem  Inter- 
S.  34;  im  Manuel  des  inst.  rom.  S.  469  Anm.  6  pol.  Serv.  Aen.  1,720  Beiname  der  Venus,  Vir- 
fügt  Bouche-Leclercq  noch  Concubinus  [Catull.  ginalis  heifst  Fortuna  [s.  Bd.  1  Sp.  1519,  18 ff.]); 
61  v.  128  ff.]  hinzu;  Preller  hat  jedoch  S.  215  f.  eine  diva  Arquis  (Preller  S.  221.  Bouche-Leclercq 
gezeigt,  was  es  mit  diesen  beiden  für  eine  Be-  S.  35)  beruht  nur  auf  einem  unbegründeten 
wandtnis  hat).  Den  Gottheiten  Sp.  145  Z.  72  ff.  Emendationsversuche  des  G othofredus  bei  Ter- 
wird  die  Libitina  beigesellt  (Ambrosch  Heft  2  tso  tull.  ad  nat.  2,  15  (Sp.  146,  16  ff.) ,  ein  Hono- 
S.  238  =  Abdr.  S.  18.  Preller  S.  220.  Bouchc-  rinus  (Ambrosch  Heft  2  S.  244  =  Abdr.  S.  24. 
Leclercq  S.  35.  Marquardt  S.  15),  die  jedoch  Preller  S.  222.  Bouche-Leclercq  S.  38)  auf 
als  eine  allgemein  verehrte  Todesgöttin  (s.  schlechter  handschriftlicher  Überlieferung  bei 
Preller,  B.  M.3  1  S.  440)  keiu  Indiges  ist.  Die  August.  4,  21  (anstatt  Honor,  Sp.  145,  44  ff). 
Reihe  der  dii  agrestes  (Reihe  c  Sp.  145  f.)  wird  Es  leuchtet  ein,  dafs  Götterreihen  mit  derartigen 
um  folgende  Gottheiten  bereichert:  cLes  giands  Zuthaten  wenig  dazu  geeignet  sind,  ein  richtiges 
noms  de  Tellus  Mater,  de  Ceres,  de  Saturnus,  Bild  von  dem  wahren  Zustande  der  überlieferten 
et   d'Ops   .  .  .  ouvrent  la   serie   des    divinites  lndigetenreihen  und  -gruppen  zu  vermitteln. 


181       Indigitamenta  (allgem.  Unters.!  Indigitamenta  (allgem.  Unters.)      182 

Eine  besondere  Besprechung  erfordert  eine  ruular  vereinigt  finden'  [?],  fehlen,  ist  unrichtig; 

Anzahl  von  Indigetes,   welche  in  Verbindung  der  Flamen  ruft  überhaupt  keine  'Saatgottheiten' 

mit  bestimmten  priesterlichen  Opfern  genannt  an);  der  Pontifes  nennt  in  seinem  Gebete  zwei 

werden    und    deswegen    nicht    ohne    weiteres  Indigetes,  von  welchen  der  eine  (Altor)  durch 

zu   den  Reihen    und  Gruppen   gestellt   werden  seinen    Namen    deutlich     als    Nahrungspender 

konnten:  bezeichnet  ist;  die  Arvalen  richten  ihre  Opfer 

1)  Interpol.  Serv.  georg.  1,21  im  Anschlufs  an  vier  Indigetes,  welche  der  Entfernung  der 
an  die  Sp.  129  f.  mitgeteilten  Angaben  des  Ser-  Bäume  und  gewissen  Verrichtungen  bei  derVer- 
vius:  Fabius  Pictor  hos  cleos  enumcrat,  quos  nichtung  derselben  vorstehen  (s.  über  die  Bedeu- 
invocat  flamen  sacrum  cereale  faciens  Telluri  10  tung  der  einzelnen  Gottheiten  Abschn. 2  s.w.). 
et  Cereri:  Vervactorem,  Redaratorem  (so  Mar-  Hiermit  ist  das  Sp.  171,  8  ff.  erwähnte  Opfer 
quardt,  Staatsverio.  3 2  S.  8  mit  Salmasius ;  an  den  Carmentalia  zu  verbinden,  bei  welchem 
überliefert  ist  Reparatorem,  Mommsen  in  Ann.  die  Priester  neben  Carmenta  die  Porrima  und 
d.  inst.  20,  1848  S.  428  und  Unterital.  Dial.  Postverta,  Indigetes  der  verschiedenen  Lage 
S.  138f.  Anm.  25  liest  Aratorem),  Inporcitorem,  des  Kindes  bei  der  Geburt,  anrufen  (Ovid.  /'. 
Insitorem,  Obaratorem,  Occatorem,  Sarritorem,  1,  631  ff. ;  s.  Bd.  1  Sp.  853,  4 ff.).  Es  ist  nicht 
Subruncinatorem,  Messonm,  Convectorem ,  Con-  glaublich,  dafs  die  hier  angeführten  Opfer  die 
ditorem,  I'romitorem  (falsche  Beurteilung  der  einzigen  waren,  bei  denen  neben  der  Haupt- 
Stelle  bei  Ambrosch,  Religionsbäeher  Heft  2  gottheit,  welcher  das  Opfer  galt,  Indigetes 
S.  241  =  Abdr.  S.  21).  20  verehrt  wurden;  es  gab  jedenfalls  noch  andere 

2)  August.  7,  23  cur  ergo  pontifices ,  ut  Opfer,  bei  welchen  das  Sakralrecht  die  An- 
ipse  (d,  i.  Varro)  indicat,  additis  quoque  aliis  rufung  von  Indigetes,  welche  sich  nach  dem 
duobus  quattuor  diis  faciunt  rem  divinum  Zwecke  des  Opfers  bestimmten,  forderte.  Wir 
Telluri  Tellumoni  Altori  Rusori?  ("wahrschein-  dürfen  auf  das  Vorhandensein  einer 
lieh  aus  dem  16.  Buche  der  Antiquitates  ganzen  Klasse  von  Indigetes,  welche 
rerum  divinarum ,  fr.  22c  bei  Schwarz  a.  a.  0.  im  Gegensatz  zu  den  oben  Sp.  142ff.  und 
S.  491).  Sp.  177f.  aufgeführten,  ihrer  Natur  nach 

3)  In  den  Arvalakten  wird  bei  Sühnopfern,  nicht  nur  für  die  priesterliche,  son- 
welche  i.  J.  183  n.  Chr.  wegen  Entfernung  dem  auch  für  volkstümliche  Verehrung 
eines  auf  dem  Giebel  des  Tempels  der  Dea  30  bestimmten  Indigetes  ausschliefslich 
Dia  gewachsenen  Feigenbaumes  von  den Fratres  bei  dem  priesterlichen  Gottesdienst  in 
arvales  dargebracht  werden,  auch  ein  Opfer  an  Anwendung  kamen,  sehliefsen.  Diese 
die  Göttinnen  Adolenda,  Conmolanda  oder  nur  für  die  Kreise  der  "Priester  ge- 
Commolenda  und  Deferuuda  erwähnt;  bei  einem  schaffenen  Indigetes  scheinen  nicht 
i.  J.  224  n.  Chr.  gelegentlich  d'er  Entfernung  in  den  Indigitamenta  verzeichnet  ge- 
einiger vom  Blitz  getroffener  Bäume  aus  dem  wesen  zu  sein;  da  nämlich  ihr  Kult  sich  auf 
Haine  der  Dea  Dia  veranstalteten  Sühnopfer  bestimmte  0]jfer  beschränkte,  zahlreiche  Spuren 
berichten  die  Akten  auch  von  einem  Opfer  an  aber  darauf  hinweisen,  dafs  sowohl  die  Ponti- 
Adolenda  und  Coinqnenda;  s.  das  Nähere  in  fices  als  auch  die  übrigen  Priesterschaften 
Abschn.  2  s.  v.  Adolenda.  40  Ritualbücher    mit    genauen    Vorschriften    und 

Dafs  diese  neben  Ceres  und  Tellus,  Tellumo  Gebeten  für  die  einzelnen  Opfer  besafsen  (vgl. 

(vgl.  August.  4,10  in  ipsa  terra  aliud  Tcrram,  Marquardt,    Staatsverio.   3-   S.  299 f.   und  die 

aliud  Tellurem,  aliud  Tellumonem  putant\_Antiq.  vorläufigen  Andeutungen   des  Unterzeichneten 

rer.  div.  üb.  XVI  fr.   f22b   S.  491  Schwarz])  in  seinem  Quaestionum  pontificalium  speeimen. 

und  in   den  Arvalakten   genannten  Gottheiten  Diss.  Argentor.  18S6  S.  32),   so   ist  es   höchst 

Indigetes  sind,  bedarf  nunmehr  keines  beson-  wahrscheinlich,    dafs   in  diesen  Ritualbüchern 

deren    Beweises     (Marquardt ,    Staatsverio.    3  -  bei  den  einzelnen  Opfern  auch  die  zu  denselben 

S.  19  rdie  Pontifices  bringen  ein  Opfer  Telluri,  gehörigen  Indigetes  angegeben  waren.    Da  nun 

Tellumoni,    Altori,   Rusori,   d.  h.    der  Erde   in  auch   die   Sp.  175  f.    erwähnten   Indigetes   Aius 

vier  verschiedenen  Qualitätsbeziehungen,    und  50  Locutius  und  Rediculus  Tutanus  oder  Tutanus 

der  Flamen,   wenn  er  das  sacrum  Cereale  an-  Rediculus    allem    Anscheine    nach    Gottheiten 

stellt,    nimmt   zwölf   verschiedene   Functionen  waren,  deren  Verehrung  in  ihren  Heiligtümern 

der   angerufenen   Gottheit  in   Anspruch'    [vgl.  zum  Staatskultus,   also  zu  den  Obliegenheiten 

Ambrosch,   Studien  S.  63  Anm.  109.  Religions-  eines  der  staatlichen  Priestertümer  gehörte,  so 

bücher  Heft  4  S.  29  =  Abdr.  S.  37];  s.  dagegen  mufs  es  zweifelhaft  erscheinen,  ob  diese  beiden 

Sp.  174, 31  ff.;  ganz  willkürlich  erklärt  Härtung,  Indigetes  in  den  Indigitamenta  enthalten  waren. 

Sei.  d.  Rom.  2  S.  128 f.  die  Namen  der  beim  sa-  Wir  können  somit  nach  dem  Stande  der 

crum   cereale  angerufenen  Gottheiten  und  des  Überlieferung    als    uns    bekannten    In- 

Sator,  Nodutus  und  Lacturnus  als  Beinamen  des  halt  der  Indigitamenta  mit  Sicherheit 

Saturnus):  der  Flamen  ruft  beim  sacrum  cereale  60  nur    die    in    den   Sp.  142ff.    mitgeteilten 

eine  Reihe  von  Indigetes  an,   welche  sich  auf  Trümmern     der     varronischen    Götter- 

die   Hauptthätigkeiten    des    Landmannes   vom  reihen  des   14.  Buches  der  Antiquitates 

ersten  Pflügen  des  Brachfeldes   bis   zum  Aus-  rerum  divinarum  enthaltenen  Indigetes 

fahren   der   neuen  Saat  nach   dem  Einbringen  mit   den  Ergänzungen  Sp.  177f.  bezeich- 

der   Ernte    beziehen    (Marquardts   Auffassung  nen,   d.  h.  die  zufällig  erhaltenen  Reste  jener 

S.  7  Anm.  4,  dafs  unter  den  Indigetes,  die  der  ungeheuren  Zahl  von  Götterwesen,  welche  nach 

Flamen  nennt,   eine  ganze  Anzahl  von  rSaat-  der  Lehre   der  Pontifices   über   dem   gesamten 

gottheiten,  welche  ...  sich  in  einem  anderen For-  Dasein  eines  jeden  Menschen  wachten.     Viel- 


183      Iudigitamenta  (allgem.  Unters.)  Imligitamenta  (allgem.  Unters.)      184 

leicht  waren  die  Indigitarnenta  in  der  That  Morta:  Gell.  3,  16,  11  Caesellius  autcm  Vindex 
nur  das,  worauf  die  Nachrichten  hindeuten,  in  lectionibus  suis  antiquis  'tria'  inquit  'no- 
nämlich  ein  unter  den  Händen  der  Pon-  mina  Parcaium  sunt,  Nona  Decuma  Morta'  et 
tifices  entstandener  Codes  aller  der-  versum  hune  Livii,  antiquissimi  poetae,  ponit 
j  enigen  Indigetes,  welche  das  Volk  Ter-  ex  'OSveesia  'quando  dies  advenitt,  quem  pro- 
ehren sollte,  mit  den  Anweisungen  zu  fata  Morta  est'  (Liv.  Od.  fr.  12  Müll.  fr.  12 
ihrer  Anrufung.  Bahr.),    sed  homo  minime  malus  Caesellius  Mor- 

Den  sicheren  Indigetes  lassen  sich  mehrere  tarn  quasi  nomen  aeeepit,  cum  aeeipere  quasi 
Gottheiten  anreihen,  welche  nur  mit  Wahr-  Moeram  deberet.  Jedoch  scheint  es,  wie  schon 
scheinlichkeit  als  Indigetes  zu  betrachten  10  Preller  (E.  M. 3  2  S.  193)  vermutet  hat,  dafs 
sind.  So  vor  allem  die  Stata  mater,  die  man  von  den  ursprünglichen  Geburtsgottheiten 
Göttin,  welche  bei  Feuersbrünsten  das  Feuer  Nona,  Decima,  Parca,  um  dieselben  den  grie- 
zum  Stehen  bringt  (vgl.  die  Stellenangaben  iu  einsehen  Moiren  gleichzustellen,  die  Parca 
Absehn.  2  s.  v.);  denn  wenn  Festus  (S.  317  weggelassen  und  an  ihre  Stelle  eine  Todes- 
s.  v.  Statae  matris)  angiebt,  dafs  ein  Bild  göttin  Morta  hinzugefügt  hat,  wobei  der  Ver- 
der  Göttin  auf  dem  Forum  verehrt  und  ihr  dacht  nicht  ausgeschlossen  ist,  dafs  diese 
Kult  erst  später  in  die  einzelnen  vici  über-  Göttin  eine  gräcisierende  Erfindung  ist  (Vor- 
tragen worden  sei,  so  scheint  es,  dafs  die  tung,  Bd.  d.  Born.  2  S.  233  hielt  Morta  für 
Stata  mater  ursprünglich  eine  nur  bei  be-  eine  Erdichtung  des  Caesellius  Vindex;  der 
stimmten  Veranlassungen  verehrte  Göttin,  d.  h.  20  von  diesem  angeführte  Vers  des  Licius  Andro- 
ein  Indiges  gewesen  ist,  der  allmählich  eine  nicus  ist  eine  Übersetzung  von  Hom.  Od.  2, 
Art  stehenden  Kultes  in  den  vici  erhielt.  99  f.  slg  özs  v.tv  ixiv  |  uol-/  ölorj  v.a&ilrjai 
Ferner  scheint  die  von  Livius  (39,  7,  8  [567/187])  zttV7}ltyio$  ftctiäroio  =  3,  237 f.  19,  144f.  24, 
genannte  Göttin  Pollentia,  welche  ein  Bild  im  134Ö;  ganz  unsicher  ist,  was  Preller  (B.  M.s2 
Circus  hatte,  ein  von  den  in  den  Wettkämpfen  S.  220  Anm.  1;  vgl.  dens.  in  Archäol.  Ztg.  16, 
des  Ciicus  Auftretenden  verehrter  Indiges  des  185S  Sp.  194  f.  =  Ausgeu.  Aufsätze  S.  306)  an- 
pollere  gewesen  zu  sein,  welcher  der  Praestitia  zunehmen  scheint,  dafs  bei  Tertull.  ad  nat.  2, 
(Sp.  143  Z.  45)  und  der  Praestana  (8p.  147,  34)  15  (Sp.  145  Z.  71fF.)  unter  ipsius  mortis  d[ea]  die 
zu  vergleichen  ist.  Neben  den  Sterculinius  Morta  zu  verstehen  sei.  Den  Namen  des  in  der 
(Serv.  georg.  1,  21,  Sp.  129  f.)  ist  als  ein  Indiges  so  Altarinschrift  C.  I.  L.  6,  3732  genannten  Gottes 
mit  Wahrscheinlichkeit  Stercutus  zu  stellen  Verminus  (Vermino  \  A.  Postumius.  A.  f.  A. 
(vgl.  Abschn.  2  s.  v. ,  wo  auch  die  verschie-  n.  Albi(nus)  |  duo.  vir.  lege.  Pluetoria,  d.  i. 
denen  überlieferten  Namensformen  besprochen  vielleicht  der  Consul  des  Jahres  603,151;  die 
sind).  Die  Namen  zweier  weiteren  hierher  ge-  Inschrift  ist  pnbliciert  und  besprochen  von 
hörigen  Gottheiten  beruhen  allerdings  auf  Text-  Lanciani  im  "Bull.  d.  comm.  arcli.  munic.  4, 
Verbesserungen  neuerer  Gelehrten,  die  aber  1876  S.  24ff.  mit  Taf.  3.  Fiorelli  in  Kotizie 
jedenfalls  das  Richtige  treffen.  Bei  Plaut.  degli  seavi  1S76  S.  25.  Henzen  im  Bull.  d.  inst. 
Pseud.  1100  nämlich  schrieb  Berg!::  ut  det  no-  1876  S.  85f.)  bringt  Lanciani  (a.  a.  O.)  mit 
men  ad  Molas  coloniam  statt  der  gewöhnlichen  vermina  (Fest.  S.  375  vermina  dieuntur  dolores 
Lesung  ad  molas  coloniam  (s.  Abschn.  2  s.  v.);  40  corporis  cum  quodam  minuto  motu,  quasi  a  ver- 
die  Göttin  Mola,  der  Indiges  der  Mühlen,  stellt  mibus  scindatur)  und  verminatio  (bei  Plin. 
sich  dem  Lateranus  und  den  verwandten  Gott-  n.  h.  28,  180.  30,  144  eine  Krankheit  des  Viehes, 
heiten  der  Gruppe  d  (Sp.  146,  15  ff.  und  Sp.  wohl  Würmerkrankheit)  zusammen,  stellt  den 
14S,  26  ff.)  an  die  Seite.  Das  Fragment  von  Gott  zu  den  dii  agrestes  der  Indigitamenten- 
Varros  menippeischer  Satire  S-niciuaxia  bei  gottheiten  (Reihe  c  Sp.  145f.)  und  vermutet, 
Gell.  13,  23,4  (fr.  1  S.  219  Riese)  hat  Mommsen  dafs  ein  häufiges  Auftreten  jener  Krankheit 
folgendermafsen  hergestellt  ted  Anna  Pcrenna,  die  Veranlassung  zu  der  Dedikation  eines 
Panda  Ctla,  te  (die  besseren  Hss.  bieten  panda  Altars  gegeben  habe.  Ob  diese  von  Henzen 
te  lato,  pandate  lato  und  pandatelato,  die  (im  Bull.  a.  a.  O.  und  im  CLL.  z.  d.  Inschr.) 
schlechteren  Panda  Celato)  Pales  \  Nerienes  et  50  beifällig  aufgenommenen  Vermutungen  das 
Minerva,  Fortuna  ac  Ceres  (vgl.  das  Nähere  Richtige  treffen,  bleibt  dahingestellt.  Ebenso 
Absehn.  2  s.  v.  Panda  nr.  2).  Panda  ist  schon  ist  es  nicht  sicher  zu  entscheiden,  ob  Am- 
ob.  Sp.  141,  7  f.  148,  40  ff.  als  Name  eines  Indiges  brosch  (Eeligionsbücher  Heft  4  S.  32  =  Abdr. 
aus  Arnob.  4,  3  angeführt  werden;  der  durch  S.  40),  Bouche'-Leelereq  (Lcs  Pontifcs  S.  48)  und 
Mommsen  hergestellte  Name  C'ela  (von  celare),  Marquardt  (Staatsverw.  3-  S.  19)  recht  haben, 
der  das  Gegenteil  von  Panda  (von  pandere)  wenn  sie  bei  Serv.  Aen.  8,  63  stringentem  ripas] 
ausdrückt,  ist  entweder  der  Name  eines  be-  rudentein,  inminuentem;  nain  hoc  est  Tiberini 
sonderen  Indiges,  der  mit  Panda  zusammen  fluminis  proprium,  adeo  ut  ab  antiquis  Bumon 
genannt  wird,  oder,  was  wahrscheinlicher  und  dictus  sit,  quasi  ripas  rwuinans  et  exedens  (vgl. 
auch  Moinmsens  Annahme  ist,  Panda  Cela  be-  60  8,  90  nam,  ut  supra  di.ximus,  Bumon  dictus 
zeichnet  einen  ludiges  (über  die  Doppelnamen  est),  in  sacris  etiam  Serra  dicebatur,  unde  ait 
von  Indigetes  s.  Sp.  186),  der  wohl  zu  den  nunc  'et  pinguia  eulta  secantem'  und  bei  dem 
dii  agrestes,  wie  sie  die  Hauptgiuppe  der  Itderpol.  Serv.  Aen.  8,  95  Tiberim  libri  augu- 
Reihe  c  (Sp.  146,  10 — 12)  enthält,  gehört  (s.  rum  Colubrum  loquuntur,  tamquam  flexuosum 
darüber  Abschn.  2  s.  v.  Panda  nr.  2).  in    den    Namen    Rumon,    Serra    und    Coluber 

Viel  ungewisser  ist  es,   ob   folgende  Gott-  selbständige 'Qualitätsbestimmungen' des  Flufs- 

heiten  hierher  zu  stellen  sind.     Den  Eindruck  gottes  des  Tiber,  also  selbständige  Götter,  er- 

eines  Indiges  macht  an  und  für  sich  die  Göttin  kennen  (Ambrosch  a.  a.  0.  Scheiffele  in  Paulys 


185      Indigitamenta  (allgeru.  Unters.)  Indigitamenta  (allgern.  Unters. 1      186 

Realencycl.  6,2  S.  1704  s.  v.  Terentus.  Bouche-  diva  mater  verbunden  gewesen  seien,  gewinnt 
Jjeelercq  und  Marquardt  a.  aa.  00.  stellen  hier-  durch  die  Beobachtung,  dafs  Varro  in  dem 
zu  nach  Serv.  Aen.  8,  63  noch  den  Namen  Fragmente  aus  dem  Catus  de  liberis  educandis 
Terentus,  doch  lautet  die  betreffende  Stelle  bei  Non.  S.  532  s.v.  Statilinum  (Sp.  ISO,  52ff.) 
nach  der  Überlieferung  in  aliqua  etiam  urbis  von  dem  divus  Fabulinus  spricht  (vgl.  die  Be- 
parte  Tarentum  dicitur  eo  quod  ripas  terat).  Zeichnung  der  Edulia,  Potica  und  Cuba  als 
Preller  (R.  M.3  2  S.  132)  hält  jene  Namen  divae  eclendi  et  potandi  et  cubandi  in  dem  Sp. 
für  Beinamen  des  Tiberinus;  waren  sie  dies  142,  19ff.  mitgeteilten  Fragmente  einer  Schrift 
jedoch  nicht,  so  sind  sie  nach  dem  Sp.  166,  40  ff.  Varros  und  die  jedenfalls  aus  Varro  unver- 
u.  174,  31  ff.  Gesagten  als  Namen  von  Indigetes,  10  ändert  herübergenommenen  diva  Iana  bei 
welche  sich  auf  das  verschiedene  Wirken  (Ru-  Tertull.  ad  nat.  2,  15,  diva  Educa  bei  August. 
mon,  Serra)  des  Tiberflusses  oder  seine  Gestalt  4,  11,  diva  Fructesea  bei  August.  4,  21,  diva 
(Coluber)  beziehen,  zu  erklären  (Rumon  be-  Potina  bei  August.  4,  11,  diva  Rumina  bei 
deutet  aber  wohl  nicht  ripas  ruminans  et  exe-  August.  4,  11)  und  in  den  Auszügen  aus  Varros 
dens,  sondern  nach  Preller  a.  a.  0.  wie  der  14.  Buche  der  Antiquität  es  rerum  divinarum 
Name  des  Flusses  Almo  cder  Nährende'  [vgl.  bei  August.  4,  21  von  Catins  pater  und  6,  9 
Rumina] ,  s.  auch  Vaniecl; ,  Etijm.  Wörterb.  von  deus  pater  Subigus  und  dea  mater  Prema 
der  latein.  Sprache-  S.  342;  Gr.-lat.  etym.  (vgl.  die  Stata  mater)  die  Rede  ist,  anWahr- 
Würterb.  2  S.  1212  und  über  andere  Ablei-  scheinlichkeit  (vgl.  über  die  Benennung  römi- 
tungen  z.  B.  Corssen,  Krit.  Beitr.  zur  lat.  20  scher  Gottheiten  als  pater  und  mater  Preller. 
Formenl.  S.  427.  Ausspr*  1  S.  364.  2  S.  85  R.  M.s  1  S.  55f.  A.  Zinsoio ,  Der  Vaterbegriff 
Anm.  S.  169.  1012.  Jordan,  Topogr.  d.  Stadt  bei  den  rö'm.  Gottheiten.  Progr.  Pyritz  1887). 
Rom  1,  1  S.  197  Anm.  76;  Serra  ist  der  das  Ob  diese  divi  patres  und  divi  matres  zu  Götter- 
anliegende  Land  nach  Art  einer  Säge  bear-  paaren  verbunden  waren,  wie  Bouche- Leclercq 
beitende).  Zweifel  anderer  Art,  als  bei  den  (Sp.  162)  annimmt,  ist  nicht  zu  entscheiden, 
im  Vorstehenden  genannten  Gottheiten,  lassen  Eine  Eigentümlichkeit  einiger  Indigetes 
es  fraglich  erscheinen,  ob  Anibrosch  (Religions-  ist  der  Doppelname,  welchen  sie  führen:  Aius 
Melier  Heft  2  S.  243  =  Abdr.  S.  23)  und  Mar-  Locutius,  Mutunus  Tutunus,  Panda  Cela,  Redi- 
quardt  (Staatsverw.  3ä  S.  18)  den  Vaticanus,  eulus  Tutanus  oder  Tutanus  Rediculus,  Vica 
den  deus  praeses  des  ager  Vaticanus  {Gell.  16,  so  Pota  (die  Bedeutung  der  Namen  s.  in  Abschn.  2 
17;  Sp.  138,  48  ff.),  und  den  Gott  Aventinus  s.  vv.).  Eigentlich  sind  es  die  Namen  zweier 
(s.  Bd  1  Sp.  739  s.  v.  Aventinus  nr.  1,  wo  je-  zu  einer  Einheit  verschmolzenen  Indigetes; 
doch  sowohl  Varro  l.  I.  5,  43  als  auch  die  entweder  sind  zwei  Namen  verbunden,  welche 
einzige  Stelle,  in  welcher  von  einem  Gotte  synonyme  oder  nahezu  synonyme  Ausdrücke 
Aventinus  die  Rede  ist,  fehlt:  August.  18,  21  für  ein  und  denselben,  dem  doppelnamigen 
Aventinus  autem  [der  Albanerkönig]  .  .  .  cum  Götterwesen  zu  Grunde  liegenden  Begriff  sind 
esset  prostratus  in  bello  et  sepultus  in  co  monte,  (Aius  Locutius,  Vica  Pota);  oder  die  beiden 
qici  etiam  nunc  eius  nomine  nuneupatur,  deorum  Namen  bezeichnen  verschiedene,  aber  innerlich 
tedium,  quales  sibi  faciebant,  numero  est  additus.  irgendwie  verwandte  Begriffe  (Rediculus  Tu- 
alii  sane  noluerunt  eum  in  proelio  scribere  occi-  10  tanus  oder  Tutanus  Rediculus);  oder  endlich 
sum,  sed  non  comparuisse  dixerunt)  mit  Recht  die  verbundenen  Namen  drücken  entgegen- 
unter die  Indigitamentengottheiten  gestellt  gesetzte  Begriffe  aus  (Mutunus  Tutunus?,  Panda 
haben.  Beide  sind  zwar  Gottheiten  bestimmter  Cela;  vgl.  hierzu  die  ähnliche  Vereinigung  von 
Örtlichkeiten  (falls  der  Aventinus  nicht  ganz  Gegensätzen  in  der  Genita  Mana  [Bd.  1  Sp. 
und  gar  eine  Erdichtung  ist),   aber   doch  von  1612]). 

Indigetes  wie  Ingatinus,  Montinus  u.  s.  w.  ganz-  Die  Indigetes  gehören  nach  dem  Sp.  167, 32  ff., 
lieh  verschieden;  überdies  seheint  das  Beispiel  174,  31  ff.  u.  182,  23 ff.  Gesagten  zu  den  dii  publici 
der  diva  Palatua,  der  alten  Schutzgöttin  des  populi  P^omani  (vgl.  August.  4,  16  ...  cum 
Palatiums,  die  sogar  ihren  eigenen  Flamen  cleos  singulos  singulis  rebus  et  paene  singulis 
und  ihr  eigenes  Opfer  hatte  (s.  Härtung,  Reh  50  motibus  attribuerent  .  .  .  his  Omnibus  diis  et 
d.  Rom.  2  S.  150.  Preller ,  R.  M.3  1  S.  414.  deabus  publica  sacra  facere  suscepierunt).  Eine 
Marquardt,  Staatsverw.  3  2  S.  190.  327  Anm.  6),  ganze  Anzahl  der  uns  bekannten  Iudigetes 
zu  beweisen,  dafs  die  Vorstellung  derartiger  hatte  ihre  eigenen  sacella  oder  arae  und 
Ortsgottheiten  der  altrömischen  Religion  über-  mithin  auch  wohl  gewisse  sacra:  Aius  Locu- 
haupt  angehört.  Es  mag  also  unentschieden  tius,  Mutunus  Tutunus,  Nenia,  Orbona,  Post- 
bleiben, ob  Vaticanus  und  Aventinus  als  In-  verta  (ara) ,  Prorsa  (ara),  Rediculus  Tutanus 
digetes  zu  betrachten  sind.  oder  Tutanus  Rediculus,  Rumina,  Stercutus 
Bezüglich  der  inneren  Einrichtung  der  In-  (ara),  Strenia,  Tutilina  {Tutilinne  loca  auf  dem 
digitamenta  ist  Sp.  169  vermutet  worden,  dafs  Aventinus,  Varro  l.  I.  5,  163),  Vica  Pota,  Viduus, 
die  Indigetes  darin  nach  sachlichen  Gesichts-  CO  Viriplaea,  Volupia  (s.  Abschn.  2  s.  vv.);  natür- 
punkten  angeordnet  waren.  Die  auf  die  Stelle  lieh  wird  man  nicht  annehmen,  dafs  dies  die 
August.  7,  3  unde  dicit  etiam  ipse  Varro,  quod  einzigen  Indigetes  waren,  welche  Heiligtümer 
diis  quibusdam  patribus  et  deabus  matribus  besafsen.  Von  einigen  Indigetes  ist  es  sogar 
sicut  hominibus  ignobilitas  aeeidisset  gegrün-  überliefert,  dafs  sie  bildlich  dargestellt  wurden: 
dete  ansprechende  Vermutung  Prellers  (Sp.  159;  Messia,  Mutunus  Tutunus,  Pollentia,  Segesta, 
vgl.  R.  M.3  2  S.  207)  und  Bouche-  Leclercqs  (Segetia?),  Seia,  Stata  mater,  Tutilina  (siehe 
(Sp.  162),  dafs  die  Götternamen  in  den  Indi-  Abschn.  2  s.  vv. ;  man  kann  Ambrosch  nicht 
gitamenta  mit  den  Zusätzen  divus  pater  und  beistimmen,    wenn    er  Religionsbücher  Heft  2 


187       Indigitamenta  (allgem.  Unters.)  Indigitamenta  (Abeona — Adolenda)    188 

S.  245  =  Abdr.  S.  25   meint,   dafs   nur   solche  und  Bildung   der  Namen  beschränken   sich  in 

Indigetes,  welche  mit  einigermaßen  analogen  den  meisten   Fällen  auf  Graßmann,  Die  ita- 

Gottheiten     der     Griechen     sieh     -vergleichen  Tischen    Güttemamen.     Ente   Abhandlung,    in 

liefsen,    in  Bildern   dargestellt    wurden;    dies  Zeitschrift   für   vergl.   Sprachforsch.   16,    1807 

pafst  unter  den   vorstehenden  Gottheiten  nur  S.  101  ff.   und    die   einschlägigen  Werke  von 

auf  Mutunus  Tutunus,   insofern  derselbe   dem  Corsseu   und  Vanicek  (wo   weitere  Litteratur- 

Priapus  entspricht,  während  eine  Messia  u.  s.  w.  angaben);   nur  bei   einigen  Indigetes  erschien 

ohne  jede  nähere  Analogie  in  der  griechischen  es  nützlich,  mehr  Litteratm'  anzuführen. 

Religion    sind;    aus  Lnctant.    inst.   die.   1,  20,  Abeona  die  Göttin,  welche  die  Kinder  bei 
36 f.  colitur  .  . .  et  Cunina,  quae  tnfantes  tuetur  io  ihren  ersten  Gängen  aus  dem  Hause  (abire)  be- 

in   cuiiis  ac    fascinum   submovel ,    et  Stercutus,  schützt,  Tertull.  ad  hat.  2, 11.  August.  4,21.  7, 3. 

qui  sterccrandi  agri  rationein  primus  induxit,  Sp.  143  144  Z.  34.  35.    Falsche  Auffassung  der 

et   Tutinus,    in   cuius  sinu   pudendo   nubentes  Göttin  bei  Härtung,  Fiel.  d.  Rom.  2  S.  71  und 

praesident  .  .  .  et  mille  alia  portenta,    ut  iam  in   Pautys  licalencycl.  1,  1  S.  12  s.  v.  Abeona; 

vaniores    qui    haec    colencla    suseeperint   quam  auch  Prelltrs  Erklärung  (Fl.  3F.'S  2  S.  212),  dafs 

Aegyptios  esse  dicamus,  qui  monstruosa  et  ridi-  Abeona  und  Adeona  (s.  d.)  die  Beschützerinnen 

cula    quaedam    simulacra    venerantur.    et    haec  der  Kinder  bei  den  ersten  Laufversuchen  'mit 

tarnen  habent   dliquam   imoginem  ist  nicht  mit  dem  bekannten  Ab-  und  Zulauf  zwischen  zwei 

Ambrosch    a.  a    0.    Anm.   132    zu    entnehmen,  Paaren     schützender    Arme'     sind     (so    auch 
dafs    auch   Cunina   ihr  Bild    hatte,    denn    der  20  Georges,   Latein.- deutsches  Handwörterb.  s.  v. 

Satz   et  haec  .  .  .  imaginem  bezieht  sich,  wie  Abeona.     Marquardt,    Siaotsveric.   3-    S.  13 f. 

der   ganze  Zusammenhang   zeigt,    auf    das   in  Bouche'-Feclercq,  Les  Pontifes  S.  33  und  Eoschtr 

§   37  ff.    angeführte    Beispiel    des    unter    dem  Bd.  1    Sp.  3    s.  v.    Abeona   und    Sp.   67    s.  v. 

Bilde  eines  Steines  verehrten  Gottes  Terminus).  Adeona),  ist  in  den  Angaben  der  Kirchenväter 

Einzelne  Indigetes  erscheinen  mit  sagen-  nicht  begründet  (vgl.  die  bei  Iterduca  mit- 
artigen Zügen  ausgestattet:  Aescolanus,  Ar-  geteilte  Stelle  August.  7,  3).  Zum  Namen  vgl. 
gentinus,    Cardea,   Mena,  Panda  vel  Pantica,  Grafsmann  S.  111  m\  12. 

Pieumnus,  Pilumnus,  Porrima,  Fostverta,  Prae-  Adeona   die   Göttin,   welche   die  Rückkehr 

stana,  Stercutus,  Venilia.    Bei  dem  Ursprünge  (adire)  der  Kinder  bei  ihren  ersten  Gängen  aus 
und  Wesen  der  Indigetes  (Sp.  174,  31  ff.)  wird  man  so  dem  Hause  beschützt,  August.  4,  21.  7,3;  bei 

von  vornherein  keine   echte  Sugenbilduug  er-  TtrtuUian.  ad '  nat.  2,  11  statuendi  infantis  Sta- 

warten;    das    wenige   Vorhandene    ist  als  Er-  [tina.  adeundi  Adeona,  ab  abeunfdo  Abeona  est 

Zeugnis   gelehrter   Erdichtung,   zum  Teil  ätio-  von   Ohler   (nach    Gothofredus1    Vorgang)    mit 

logischer  Richtung,    leicht   zu   erkennen   (vgl.  Sicherheit  ergänzt.  Sp.  143  144  Z. 34. 35.  Falsche 

das  Nähere   in  Abschn.  2  s.  vv.).  Auffassung   der   Göttin   bei  Härtung,    Bei.  d. 

Schliefslich  sei  eine  Angabe  des  Serv.  Aen.  Fiöm.  2  S.  71   und   in  Paulys  Ftealencycl.  1,  1 

7,  678   erwähnt,   welche   von  praenestinischen  S.  12   s.  v.  Abeona;    über  Prellers  u.  s.  w.  Er- 

Indigetes  berichtet:  ibi  (d.  i.  in  Praeneste)  erant  klärung  s.  Abeona.  Zum  Namen  vgl.  Graßmann 

/  (Ditiftces  et  dii  Fndigetes,  sicut  ctiam  Eomae.  S.  111  nr.  12. 

Aller  Wahrscheinlichkeit    nach   ist    aber  hier  in      Adolenda.    Nach  den  Arvalakten  (Henzen, 

der  Name  Indigetes   nicht  in   der  Bedeutung,  Acta  f rat r.  anal.  S.  CLXXXVI  f.  =  C.  I.  L.  6,  1 

welche   die  vorliegende   Untersuchung  festge-  S.  560)   bringt  am   8.  Februar  des  Jahres  183 

stellt  hat,  sondern  in  einer  der  den  Alten  ge-  n.  Chr.   der  Magister   der  Arvalen    operis  in- 

läufigen,    Sp.  132  ff.    mitgeteilten    Erklärungs-  chuandi  causa,  quod  in  fastigio  aedis  Deae  Diae 

weisen    gebraucht,    so    dafs    die    Stelle    einen  ficusinnata  esset,  eruendam  et  aedem  reficiendam 

Schlufs  auf  das  Vorhandensein   wirklicher  In-  im  Haine  der  Dea  Dia   ein  Opfer  von   suove- 

digetes    in    Praeneste    nicht    gestattet.      Der  taurilia  maiora  und   opfert  beim  Tempel  der 

gleiche  Verdacht  trifft  die   Inschrift  C.  F.  L.  Göttin  folgenden  Gottheiten:    Dea  Dia,   Ianus 

10,  5779   aus   Caereatae  Marianae  (Casamare):  pater,  Iuppiter,    Mars,   Iuno  Deae  Diae,   sive 
C.  Galvisio  L.  Passieno  cos  (750,4)  M.  Menius  50  deus   sive   dea,   Virgines   divae,    Famuli  divi, 

M.  f.  Flufus  [s]ac(erdos?)  VF  F.   Vibidius  L.  Lar'es,  Mater   Larum,   sive   deus   sive  dea  in 

f.  sac(erdos?)  FF  Fovi  aerfijs  et  dis  Fndigeti-  cuius  tutela  hie  lucus  locusve  est,  Föns,  Flora, 

bu[s]  cum  aediclfa]  et  base  [et  aejdi  et  por-  Vesta,    Vesta  mater;    dann    heilst    es    itefm] 

ticu  d  s  [.]  {Mommscn  z.  d.  Inschr.:  cnon  con-  Adolendae     Conmolandae     Deferundae 

stat,  utrum  vere  intellegatur  Fupiter  acris  an  oves  FF.    Am  13.  Mai  opfert  der  Magister  operis 

aliud  quoddam  cognomen  subsit').  perfecti  causa,  quod  arboris  eruendae  et  aedis 

2)  Alphabetisches  Verzeichnis  der  In-  refeetae,  im  Haine  wieder  suovetaurilia  maiora 

digetes.    Die  Namen  der  Sp.  177 f.  mit  Sicher-  und   beim   Tempel    denselben  Gottheiten,   wie 

heit  den  Indigetes  zugezählten  Götter  sind  mit  vorher    angegeben,    item   Adolendae    Com- 

*  versehen;   mit  ?   sind    diejenigen  Gottheiten  «0  molendae  Defc rundae  oves  FF.   Nach  einem 

bezeichnet,  welche  Sp.  183  mit  Wahrscheinlich-  Fragmente  der  Akten  vom  Jahre  218  (Henzen 

keit  als  Indigetes  erklärt  werden;  bei  den  mit  S.  CCII  =  C.  F.  L.  6.  1  S.  568)  wurde,  wie  das 

V?  bezeichneten,  Sp.  183  ff.  besprochenen  Göttern  Fragment  erkennen  läfst,  in  diesem  Jahre  eine 

ist  es   ungewifs,   ob   sie   als  Indigetes   zu  be-  gleiche  Feier,   vermutlich   aus   derselben  oder 

trachten  sind.     Bei   den  einzelnen  Göttern  ist  einer  ähnlichen  Veranlassung,  veranstaltet;  die 

auf  die  für  sie  in  Betracht  kommenden  Stellen  Namen  der  Adolenda,  Commoleuda  und  Defe- 

der    allgemeinen    Untersuchungen    verwiesen.  runda  sind  nicht  erhalten,  die  Göttinnen  waren 

Die   Litteraturnachweise   für    die    Etymologie  aber  wahrscheinlich  genannt  (s.  die  Ergänzungen 


189           Indigitam  enta  (Adolenda)  Indigitamenta  (Aescolanus  —  Agonius)    190 

bei  Hennen  und  im  C.  I.  L.  S.  569).  Im  Jahre  224  vernichtende  genannt  werden '    (!  ?  S.  48)  hat 

opfern   nach   den  Akten  (Hensen  S.  CCXIII  ff.  den  Unterzeichneten  in  keiner  Weise  überzeugt. 

=  CLL.  6,1  S.  574)   die  Arvalen  im   Haine  Der    Name    Adolenda   ist,    wie    die    anderen 

quod  vi  tenipestat(is)  ictu  fuhnin(is)  arbor(es)  auf  dieselbe  Weise  gebildeten  Indigetennamen 

sacrft)  l(uci) D(eae)  JD(iae)  attact(ae)  arduer(int),  (aufser  den   im   Vorstehenden  genannten   Göt- 

ear(um)q(ue)    arborfum)    eruendar(um),    ferr(o)  tinnen  noch  Afferenda),  mit  dem  gerundivischen 

[f  'Jendendar(um)    adolendar(um)    commolenelet-  Doppelsuffix  -un  du,  -en-da,  urapr.  -an-da  ge- 

r(am),  item  aliar(um)    restüuendar(um)   causa  bildet  (vgl.  über  diese  Bildungen  Corssen,  Krit. 

operisqfue)  irtcfhjoandi  arafsj  temporal(es)  sa-  Beitr.  zur  lat.  Formenlehre  S.  125  f.  Krit.  Naeh- 

cr(as)    D(eae)    Dfiae)    reficiendfi)    ein    Sühn-  10  träge  z.  lat.  Formenl.  S.   139.  150.   Ausspr.  22 

Opfer    von    suovetaurilia    inaiora,    ferner    vor  S.  181.   Beiträge  zur  ital.  Sprachlcunde  S.  595  f. 

dem  Tempel  der  Dea  Dia   der  Göttin   selbst  A.  Dohrvng,  Die  Etymologie  der  sogenannten 

und  an  den  arae  temporales   den  Gottheiten  Gerundivformen.  Progr.d.Friedriclis-Kollegiums 

Ianus     pater,     Iuppiter,    Mars    pater    TJltor,  in   Königsb.  i.  Pr.  1888,   besonders   S.  5),  und 

sive    deus    sive    dea,    Iuno   Deae    Diae,    Vir-  zwar  von  adolere  verbrennen  (vgl.  über  ado- 

gines    divae,    Famuli   divi,   Lares,   Mater   La-  lere  die  in  den  Lexika  aus  der  Litteratur  an- 

rurn,    Föns,    Flora,    Summanus    pater,   Vesta  geführten  Stellen  und  Kon.  S.  58  a.  v.  adolere, 

mater,  Vesta  deorum   dearumque;  dann  heifst  S.  247  s.  v.  adolere.  Serv.  Aen.  1,  704.  buc.  8,  65 

es  item  Adolend(ae)  Coinq/uendae)  ov(es)  =  Lactant.  Piaeid.  Stat.  Theb.  1,  514;   Hennen 

IL     Am  10.  Dezember  opfern  sie  eßwd  ab  ictu  20  S.  142.     Vemicelc,  Etyni.  Wörterb.  d.  lat.  Sp»:3 

fulminis  arbores  luci  sacri  D(eae)  D(iae)  attaetae  S.  28.    Grieeh.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  53;   die 

arduerint,   earumq(ue)  arborum  aelolefactarum  von  Corssen,  Krit.  Beitr.  S.  125  f.,  S.  Bugge  in 

et  coinquendarum ,  et  [quod]  in  eo  luco  sacro  K.  Jhrb.  f.  Ph.  105,  1872  S.  107  und  Vanicek, 

aliexe  sint  rcposüae  et  eirae  iemporal(es)  refeetae,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  21  und  Griech.- 

ferri  effer(endi),  flijuius  oper(is)  perfecti  causa  lat.  etym.   Wörterb.  1  S.  44  nach   Corssen  auf- 

lustrum  missum  suovetaurüibfusj  maioribus  et  gestellte  Deutung  der  Adolenda  als  Göttin  des 

cetera  q(uae)  sfupra).    Die  Bedeutung  der  bei  Wachstums    der  Bäume   [also   von  adolere  = 

diesen  aufsergewöhnlichen  Opfern  angerufenen  adolescere]  ist  nach   den   klaren  Angaben  der 

Göttinnen  Adolenda,  Commolenda,  Deferunda  Akten  sicher  falsch). 

und   Coinquenda  ergiebt   sich  aus  den   Akten  so  Aescolanus  (so  Dombart  mit  den  besseren 

mit  voller  Sicherheit  von  selbst.    Bei  dem  Opfer  Handschriften ,    Aesculanua    die    Vulgata)    der 

des  Jahres. 183  war  der  auf  dem  Tempel  ge-  Gott  des  Kupfergeldes  (aes),  August.  4,  21.  28. 

waehsene  Feigenbaum  herabzunehmen  (deferre),  Sp.  145, 39  ff. ;  vgl.Sp.  176, 26  ff.  An  beiden  Stellen 

zu  zerstücken  (commolere)  und  zu  verbrennen  wird  er  von  Augustinus  Vater  dea  Argentinus 

(adolere);  bei  dem  Opfer  des  Jahres  224  waren  (s.  d.)  genannt  (4,21  mit  der  Bemerkung  nam 

die  vom  Blitz  getroffenen  Bäume  zu  verputzen  ieleo  patrem   Argentini  Aescolanum  posuerunt, 

(coinquere)  oder  ebenfalls  zu  verbrennen:  diesen  quia  prius  aerea  peeunia   in  usu  esse  coepit, 

Handlungen  standen  also   die  Göttinnen  Defe-  post argentea); vgl.hierzuSp.l87,25ff.  IrrigeAn- 

runda,  Commolenda,  Adolenda,  Coinquenda  vor;  sichten  über  Aescolanus  bei  Klausen,   Aeneas 

vgl.  Preller,  B.  M.3  2  S.  228.   Henzen  S.  147  f.  40  u.   die   Penaten   2  S.  1001.     Alte    Abhandlung 

H.  Olelenberg,  De  sacris  Fredrum  aroalium  quae-  über  den  Gott:  J.  G.  Bidermann,  De  Aeseulano 

stiones.   Diss.  Berol.  1875   S.  45  f.    H.  Jordan,  fodinarum   metedlicetrum  deo,   in    dessen   Otia 

Krit.  Beiträge  zur  Gesch.  d.  lat.  Sprache.  Berl.  lüteraria  varii  argumenta   Pars  1.    Lips.  1751 

1879  S.  279  ff.  (über  Coinquenda,  Commolenda,  S.  25S  ff.     Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  111 

Deferunda  s.  weiterhin  s.w.).  Marini  (Gli  atti  nr.  11. 

e  monumenti   de'  fratelli  Arvali.    Roma  1795  Afferenda    die   Göttin,    welche    dem    Zu- 

S.  381  f.)  erkannte  zuerst  in  Adolenda  u.  s.  w.  bringen  der  Mitgift  vorsteht  {Afferenela  est  ab 

Gottheiten   und   hielt  sie  für  Götter  der  Indi-  afferendis  dotibus),  Teitull.  ad  not.  2,  11.  Sp.  143 

gitamenta;  dagegen  vgl.  das  Sp.  181  f.  Gesagte.  Z.  57.     Ganz   ungerechtfertigte   Verdächtigung 

Henzens  Ansicht  (S.  147)  rbinarius  victimarum  50  der   Namensform    bei    Weisweiler   in    der    bei 

numerus  ostendit  de  uno  numine  agi'  ist  nicht  Adolenda  angeführten  Abhandlung  S.  38  f.   Zum 

haltbar;    Adolenda,  Coinquenda,  Commolenda,  Namen  s.  Adolenda  (vgl.  aufser   der   dort   an- 

Deferunda    sind    vier    selbständige   Gottheiten  geführten  Litteratur   Vanicek,   Etym.  Wörterb. 

(s.  Sp.l74,31ff.);als  untergeordnete  Götterwesen  d.  lat.  Spr.''  S.  186.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb. 

erhalten  sie  wie  die  in  einer  Vielheit  gedachten  2  S.  601). 

Famuli  divi  (s.  Bd.  1  Sp.  1444,  38  ff.)  und  Vir-  Agenoria.     August.  4,  11  unter   den  Gott- 

gines  divae  in  ihrer  Gesamtheit  nur  zwei  Opfer-  heit'en  des  Kindesalters :  .  .  .  nuneupetur  . .  .  de 

tiere  (vgl.  auch  Oldenberg  a.  a.  0.).   Der  Versuch  aetu  Agenoria;   4,16.    Thesaur.  nov.  latinitalis 

J.  Weisweilers  (Zur  Erklärung  der  Arralaeten,  bei   Mai,  Class.  Auct.  8  S.  50:    Agenoria   dea 

in  N.  Jahrb.  f.  Ph.  139,  1889  S.  37  ff.)   darzu-  eo  ageneli   (darauf  folgt  die  unbrauchbare  Glosse 

thun,   dafs   die   Ausdrücke   adolendae   u.  s.  w.  Agonalia  festa   Agenoriae).    Sp.  143  Z.  46.     In 

der  Arvalakten  das  sine),  'was  sie  sein  müssen,  Paulys  Bealencycl.   1,  1    S.  541    s.  v.  Agenoriei 

die  passiven  Futurparticipia  der  Verba,  welche  und    bei   Georges,  Lat.- deutsch.   Handwörterb. 

die   an    den    zu    entfernenden  Bäumen   vorzu-  s.  v.    Agerona    ist    eine    nirgends    überlieferte 

nehmenden  Handlungen  bezeichnen.     Sie  ent-  Namensform  Agerona  aufgeführt.    Zum  Namen 

halten  die  erforderliche  und  .  .  .  auch  in  ihrer  (ag-ere)  vgl.Sp.  167, 1  ff.  GrafsmannS.  110  nr.  2d. 

Fassung  correcte  Bezeichnung  dieser  Baumgott-  *  Agonius.    Paul.  S.  10  Ayonium  .  .  .  putei- 

heiten,  die  dadurch  als  zu  beseitigende  und  zu  baut  deum  dici  praesidentem  rebus  agendis.  Vgl. 


191         Indigitamenta  (Aius  Locutius) 


Indigitamentä  (Alemona  —  Antevorta)   192 


Sp.  177,  52  ff.    Zum  Namen  (ag-ere)  vgl.  Grafs- 
mann S.  110  nr.  2  c. 

Aius  Locutius.  Yarro  in  libris  divinarum. 
bei  Gell.  16,  17,  2  (Sp.  138,  49  ff.),  Cicero  (de 
dir.  1,  45,  101.  2,  32,  (59),  Livius  (5,  32,  6  f.  50,  6. 
52,  11)  und  Phitarchus  (Canüll.  14.  30;  de  fort. 
Rom.  5)  erzähleu,  dafs  i.  J.  363/391  M.  Caedicius, 
ein  Plebejer,  den  Tribunen  meldete,  er  habe 
auf  der  Via  nova  in  der  Nähe  des  Vestatempels 
(a  luco  Veitae,  qui  a  Palatii  radiee  in  novam  10 
viam  devexus  est.  Cic;  supra  aedem  Veitae,  Liv.) 
nächtlicher  Weile  eine  Stimme,  stärker  als  die 
eines  Menschen,  gehört,  welche  befohlen  habe, 
den  Obrigkeiten  zu  melden,  dafs  die  Gallier 
anrückten  (nach  Cicero  befahl  die  Stimme  'ut 
muri  tt  portae  reficerentur ;  futurum  esse,  nisi 
provisum  esset,  ut  Borna  caperetur',  nach  Plu- 
tarchus  '«)'£,  Mciont  Klätxis ,  liys  ngög  rot'? 
cioxovzfxg  eca&tv  zl&cäv  ol.iyov  %oovov  Valcitag 
itQoaöf  yt g&ul');  man  achtete  indes  nicht  auf  20 
diese  Warnung.  Nach  der  Niederlage  der  Römer 
durch  die  Gallier  jedoch  wurde  i.  J.  364/390 
die  Sache  im  Senat  zur  Sprache  gebracht  und 
(jedenfalls  auf  Geheifs  der  Pontifices;  'iussum- 
que'  Liv.)  zur  Siihnung  des  begangenen  Frevels 
von  Camillus  bei  der  Via  nova  an  der  Stelle, 
wo  die  Stimme  gehört  worden  war  (infima 
nova  via,  Varro),  dem  Aius  Locutius  ein  Altar 
(Yarro,  Cic.)  oder  ein  kleines  Heiligtum  (tem- 
plum  Liv.,  vicäg  Flut.,  beide  offenbar  in  un-  30 
genauer  Ausdrucksweise)  errichtet  (über  die 
Lage  vgl.  Ambrosch,  Studien  S.  124.  Becker, 
Topogr.  S.  244  f.  0.  Gilbert.  Geschichte  und 
Topogr.  d.  Stadt  Born  2  S.  115  Anm.;  3  S.  422  f. 
Anm.  1.  0.  Richter  in  Baumeisters  Denkmal,  d. 
Mass.  Altert.  3  S.  1485,  in  Müllers  Handb.  d. 
läass.  Altertums- Wiss.  3  S.  828  f.).  Cicero  nennt 
den  Gott  Aius  Loquens;  dafs  aber  Aius  Locu- 
tius der  richtige  Name  ist,  geht  aufser  den 
oben  angeführten  Stellen  des  Livius  5,  50,  6.  10 
52,  11  aus  Arnob.  1,  28  hervor,  der  den  Gott 
ebenfalls  Aius  Locutius  nennt;  Yarro  spricht 
ungenau  nur  von  Aius.  Phitarchus  übersetzt 
den  Namen  mit  $>)uri  v.ai  KXrjäär.  In  der 
Gegend,  wo  man  sich  die  infima  nova  via  zu 
denken  hat,  ist  ('in  vinea  quondam  Nussiner') 
ein  Altar  von  altertümlicher  Form  mit  der  In- 
schrift sei.  deo.  sei.  deivae.  sac.  \  C.  Sextius.  C. 
f.  Calvinus.  pr  |  de.  senati.  scntentia.  \  restituit 
(C.L.L.  1,  632  =  6,  HO;  abgebildet  bei  Beber,  50 
Die  Ruinen  Borns  und  der  Campaqna.  Leipz. 
1863  Taf.  bei  S.  372,  dazu  S.  375),  die  nach 
Mommsen  (z.  d.  Inschr.)  wahrscheinlich  in  die 
Zeit  Sullas  zu  setzen  ist,  gefunden  worden. 
Diesen  Altar  halten  Nibby,  Mommsen  und 
Mengen  (z.  d.  Inschr.)  für  eine  Erneuerung  des- 
jenigen Altars,  der  nach  den  angeführten  Stelleu 
dem  Aius  Locutius  errichtet  wurde;  Mommsen 
meint,  dafs  der  Name  des  Aius  Locutius  auf 
jenem  alten  Altar  gar  nicht  gestanden  habe,  co 
sondern  eben  die  Formel  sei  deo  sei  deivae. 
Dem  gegenüber  mufs  man  die  Frage  aufwerfen, 
woher  denn  in  die  Berichte  der  Schriftsteller 
der  Name  Aius  Locutius  hätte  kommen  können, 
wenn  nicht  von  den  Pontifices  jene  nächtliche 
Stimme  diesem  fest  bestimmten  Gotte,  der 
dann  natürlich  auch  nur  unter  seinem  Namen 
einen    Altar    erhalten    konnte,    zugeschrieben 


worden  wäre.  Vgl.  auch  Jordan  in  Prellers 
B.  M.3 1  S.  62  Anm.  1  u.  Richter  a.  aa.  00.  S.  zu 
Aius  Locutius  Sp.  175f.,  182,  48 ff.  und  186,  26 ff. 
Zum  Namen  a)  Aius  vgl.  Grafsmann  S.  109 
nr.  2.  Corssen,  Ausspr.  I2  S.  306.  Vaniceh, Etym. 
Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  9.  Grieeh.-lat.  etym. 
Wörterb.  1  S.  20;  b)  Locutius:  Grafsmann  a. 
a.  0.  Vaniceh,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.*  S. 25. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  775.  Curtius, 
Grunde,  d.  griech.  Etym.6  §  85  S.  160. 

Alemona  die  Göttin,  welche  das  Kind  im 
Mutterleibe  ernährt,  Tertull.  de  anima  37.  Sp. 
144  Z.  9.  Zum  Namen  (uraltes  Participium 
mit  ursprünglichem  langen  o  von  alere)  vgl. 
Grafsmann  S.  112  f.  nr.  15.  Corssen,  Ausspr.  2! 
S.  171.  Vaniceh,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.- 
S.  21.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  43;  be- 
sonders aber  H.  Usener,  Grammat.  Bemerkungen. 
III.  Zur  Geschichte  des  latein.  Partiapiums, 
in  N.Jhrb.  f.  Ph.  117,  1878  S.  51  ff.  (daselbst 
S.  53  Übersicht  der  Bildungsstufen:  l*alümö- 
nus,  synk.  alumnus.  2a  *alemönus,  Alemona. 
2  b  *alimönus,  alimonium,  alimonia.  3  *alimenus 
alimen-tum;  die  Formen  Alimona,  welche  z.  B. 
Georges,  Lat.- deutsch.  Handwörteib.  s.  v.  Ale- 
mona. Bouche-Leclercq,  Les  Pontifes  S.  31,  und 
Alimonia,  welche  Marquardt,  Staatsveric.  32 
S.  11  auffuhrt,  sind  bei  Tertullianus  nicht  über- 
liefert, also  ganz  ohue  Gewähr)  und  zu  diesen 
partizipialen  Bildungen  überhaupt  z.  B.  Corssen, 
Ausspr.  22  S.  170  ff.  0.  Bechstein,  De  nominibus 
latinis  suffixorum  ent-  et  mino-  ope  formatis  in 
Curtius'  Studien  z.  griech.  und  lat.  Gramm.  8 
(1875)  S.  37S  ff.,  besonders  S.  387  ff.  (Alemona: 
S.  388).  K.  Brugman  in  Osthoff- Brugmans 
Morphol.  Unters,  auf  d.  Gebiete  der  indogerm. 
Sprachen  2  (1879)  S.  1S4  f. 

Altor.JAw0Msi.7,23(Sp.l81,21ff.)cw..  ponti- 
fices, ut  ipse  (sc.  Varro)  indicat,  additis  quoque 
aliis  duobus  quattuor  diis  faciunt  rem  divinum, 
Telluri  Tellumoni  Altori  Busori?  .  .  .  Altori 
quare?  quod  ex  terra,  inqu.it,  alunlur  omnia 
quae  natu  sunt.  Busori  quare?  quod  rursus,in- 
quit,  euneta  eodem  revolvuntur.  Vgl.  Sp.  182,  3 ff. 
Ganz  falsch  Paulys  Benlencycl.  1,  1  S.  811  s.  v. 
Altor:  'Beiname  des  Pluto.'  Die  Etymologie 
Varros  (von  alere)  ist  sicher  richtig;  vgl. 
Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21-  Vaniceh,  Etym. 
Wörterb.  d.  lat.  Spr.°  S.  21.  Griech.-lat.  etym. 
Wörterb.  1  S.  43. 

'■'•'Antevorta.  Macrob.  Sat.  1,  7,  20  post  ad 
lanum  solum  regnum  redactum  est,  qui  creditur 
geminam  faciem  praetidisse,  ut  quae  ante  quae- 
que  post  tergum  cssent  intueretur:  quod  procid 
dubio  ad  prudentiam  regis  sollertiamque  refc- 
rendum  est,  qui  et  praeterita  nosset  et  futura 
prospiecret ,  sicut  Antevorta  et  Postvorta,  dici- 
nitatis  scilicet  aptissimae  conütes,  apud  Boma- 
nos  coluntur.  Dauach  wäre  Antevorta  eine  Art 
Schicksalsgöttin,  welche  in  die  Zukunft  schaut 
(vgl.  Marquardt,  Staatsverw.  3-  S.  12  Anm.  2 
und  weiterhin  Porrima).  Aber  ihre  Zusammen- 
stellung mit  Postvorta  (s.  d.)  zeigt,  dafs  sie 
jedenfalls  wie  diese  ein  Indiges,  und  zwar 
einer  nach  vorwärts  gewandten  Lage  des  Kindes 
bei  der  Geburt,  ist  (vielleicht  meint  dies  auch 
Jordan  in  der  unklaren  Bemerkung  in  Pfeilers 
B.  M.3l  S.  406  Anm.  3).  Vgl.  Sp.  177,  33  ff.    Zum 


193    Indigitamenta  (Arculus  —  Cardea)  Indigitamenta  (Cardea)              194 

Namen  (von  altem  ante-vortere)  vgl.  Grafsmann  ergänzt  et  Carfdeam  a  cardijnibus;  de  cor.  13 

ö.  108  f.   nr.  1.     Vanicek ,  Etym.    Wörterb.  d.  ist  nach  Öhlers  Angabe  im  cod.  Agobardinus 

lat.  Spr.2  S.  274.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  überliefert  Forculum  et  Carnam  a  foribus  et 

S.  926.  cardinibus,  und  scorp  10  bietet  der  cod.  Agobard. 

*  Arculus  der  Gott  der  Truhen  und  Kasten  nach  Reifferscheid:  Barnum  quendam  et  For- 

(arcae),  Paul. S.  16 s.v. Arculus.  Vgl. Sp.  178, 12 ff.  eulum  u.  s.  w,;  an  beiden  Stellen  ist  unbedenk- 

Falsche   Auffassung   des   Gottes   bei   Haltung,  lieh  Cardeam  zu  schreiben,  wie  schon  Pamelius 

Ret.  d.  Rom.  1  S.  59  Anm.  ***)     Zum   Namen  für  scorp.  10  vorgeschlagen  hat.  Sp.  146,  15  ff. 

vgl.  Grafsmann  S.  114  nr.  22.    Vanicek,  Etym.  Die   Stelle    des   Cyprian.  qitod   idola   dii   non 

Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  25.    Griech.-lat.  etym.  10  sint  4:  est  .  .  .  et  Cardea  a  cardinibus  u.  s.  w. 

Wörterb.  1  S.  56.  ist  eine  alte,   aus  Tertull.  ad  nat.  2,  15  (s.  Sp. 

Argentinus    der    Gott    des    Silbergeldes,  146,  16  ff.)  genommene  Interpolation  der  cypria- 

August.  4,  21.  28.   Sp.  145,  39  ff.     An   beiden  nischen    Schrift,    s.    Ascensus.      Bei    Ovidius 

Stellen  wird  er  von  Augustinus  Sohn  des  Aes-  (/'.  6,  101  ff.)   findet  sich  eine  Erzählung  von 

colanus(s.d.)  genannt,  vgl.  dazu  Sp.  187, 25ff. und  der  Liebe   des   Ianus   zu   Carna,    der  spröden 

zu  Argentinus  überhaupt  Sp.  175, 52 ff.  a.Corssen,  Nymphe,  die  sich  allen  Bewerbern  durch  einen 

Beiträge  zur  ital.  Sprachsünde  S.  88  ff.     Zum  Kunstgriff  zu  entziehen  weifs,   indem  sie  die- 

Namen  vgl.  Grafsmann  S.  111  nr.  13.     Corssen  selben  auffordert,  ihr  in   eine  Grotte  voranzu- 

a.  a.  0.  Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  gehen,  -and  dann  hinter  ihrem  Rücken  im  Ge- 

S.  27.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  58.           20  büsch  verschwindet  (v.  113  ff.),  bis  ihr  derselbe 

Ascensus   der  Gott  der    allmählichen   Er-  bei  dem  doppelgesichtigen  Ianus  mifslingt  und 

hebungen  des  Terrains,   der  Bergabhänge  (as-  sie  diesem  sich  hingeben  mufs  (v.  119  ff.),  wo- 

census),    Tertull.  ad  nat.  2,  15   mit   Öhlers  Er-  für   er   sie  mit  der  Herrschaft   über  die  Thür- 

gänzung:   taceo  Ascensum   [a  scansionej.     Sp.  angeln  betraut  (v.  127  f.,   siehe   die    genauere 

146,  15  ff.  37  ff.    Die  Stelle  des  Cyprian.  quod  Inhaltsangabe  in  Bd.  1  Sp.  854  f.  s.  v.  Carna). 

idola  dii  non  sint  4:   est  et  Scansus  ab  ascen-  Dafs  die  ganze  Geschichte  kein  'naiv  drolliges 

sibus  dictui  et  Forculus  a  foribus  et  a  limini-  Volksniährchen '  {Preller,  B.  M.a  1  S.  183),  son- 

bus  Limentinus  et  Cardea  a  cardinibus  u.  s.  w.  dem,  wie  die  in  ihren  Elementen  herrschende 

ist  eine  alte,   aus  Tertull.  ad  nat.  2,  15  (s.  Sp.  Verwirrung  zeigt,  eine  Erfindung  Ovids  ist  (vgl. 

146,  16  ff.)  genommene  Interpolation  der  cypria-  so  Sp.  187,  25ff.),  hat  G.  ~\}rissowa  (in  Piiilologische 

nischen  Schrift,   vgl.  v.  Ilartel  in   seiner  Aus-  Abhandlungen.    Martin  Berts  zum  70.  Geburts- 

gabe  des  Cyprianus  Praef.  S.  XV  ff.  XVI11  und  tage  von  ehemaligen  Schulern  dargebracht.  Berl. 

adnot.  crit.  zu  der  Stelle  (S.  21).  1888    S.  164f.;    vgl.   dens.   in   Bd.  1    Sp.  854f. 

??Aventinus.     S.  Sp.  185,  25ff.  s.  v.  Carna)    dargethan.      Gemeint   kann,  wie 

Bubona    die    Göttin    der    Rinder,    August.  Wissotoa  ausführt,  als  Geliebte  des  Ianus  nur 

4,  24.  34.  Sp.  146,  12  ff.  Preller  (R.  M.3  2  S  227)  Cardea  sein,  damit  die  Gottheiten  der  Thüren 
meint,  dafs  Bubona  durch  eigene  Spiele,  die  und  der  Thürangeln  als  Liebespaar  verbunden 
ludi  Bubetii  (Plin.  n.  h.  18,  12),  gefeiert  wurde;  werden;  mit  dieser  Cardea  hat  aber,  wie  schon 
doch  hat  dieses  alte  Fest  mit  dem  Indiges  Härtung  (Bei.  d.  Rom.  2  S.  228),  Merkel  (Proleg. 
Bubona  offenbar  nichts  zu  thun.  Zum  Namen  40  zu  Ovids  Fast.  S.  CXCV)  und  H.  Peter  (in  seiner 
vgl.  Corssen,  Krit.  Nachträge  z.  lat.  Formenl.  Ausgabe   der  Fasti  la  S.  244  zu  v.  101  ff.  und 

5.  180  f.  Ausspr.  1"  S.116.  126.  2S  S.  135.  Grafs-  2'2  S.  77  f.  zu  v.  101  ff.)  richtig  erkannt  haben, 
mann  S.  111  nr.  12.  Vanicek,  Etym.  Wörterb.  Ovidius  die  ganz  und  gar  verschiedene  Carna 
d.  lat.  Spr.~  S.  86.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  vermengt  (v.  101  prima  dies  tibi,  Carna,  datur; 
S..229  f.  dea  cardinis  haec  est;   darin   folgen   ihm  z.  B. 

Caeculus  der  Gott,  der  den  Menschen  des  Haakh   in    Paulys  Beahncycl.   2  S.  148   s.  v. 

Augenlichts  beraubt,  Tertull.  ad  nat.  2,  15.  Sp.  Cardea.  Preller,  B.  M.3  1  S.  183    2  S.  237  ff. 

145  Z.  73.    Terlullianus  nennt  den  Caeculus  in  Vanicek,   Griech-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  1098. 

einer  Gruppe  von  Todesgöttern  (Viduus  [s.  d.],  Curtius,  Grands,  d.  grieeh.  Etym.b  §  39  S.  143) 

Caeculus,  Orbana  [s.  d.],  ipsius  mortis  clfeaj);  50  und  zum  Überflufs  noch  einen  dritten  Namen 

daher  wird  als  Funktion  desselben  nicht  sowohl  Crane   (von   ngciviia)   eingeführt,    den   Merkel 

das  Erblinden,  als  vielmehr  das  Erlöschen  des  (Proleg.  a.  a.  0.)  mit  Recht  für  seine  Erfindung 

Augenlichts  am  Lebensende  zu  betrachten  sein.  erklärt.    Wenn  nun   Oeidius  nur  das  Märchen 

Mit    Caeculus,    dem    Gründer    von   Praeneste  von  Ianus  und  Cardea  fälschlich  am  Feste  der 

(Bd.  1   Sp.  843  f.),    hat   dieser   Gott    natürlich  Carna  erzählte,  so  könnte  man,   wie   Wissowa 

nichts  als   den  Namen  gemein.     Zum  Namen  hervorhebt,  das  für  ein  leichtes  Versehen  seiner- 

vgl.  Grafsmann  S.  114  nr.  22.    Vanicek,  Etym.  seits  halten  und  immerhin  glauben,   dafs   die 

Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  65.    Griech.-lat.  etym.  Erzählung  selbst  auf  älterer  Überlieferung  be- 

Wörterb.  2  S.  1056.  ruhe.     Aber   diese   Annahme    wird   unmöglich 

Candelifera.    Tertull.  ad  nat.  2,  11  Cande-  60  gemacht  durch  die  Thatsache,  dafs  in  der  Er- 

lifera,  quoniam  ad  candelae  lumina  pariebant  Zählung  selbst  fortwährend  Züge,  die  der  Carna 

(vgl.   hierzu    Preller,   R.  M.3  2  S.  208.    Bd.  1  zukommen    (z.  B.  v.  131  ff.    die   Angabe,    dafs 

Sp.  850  s.  v.  Candelifera).    Sp.  143  Z.  13.    Die  die  Göttin  die  striges,  welche  den  Kindern  das 

Namenbildung  ist  klar  (candela,  ferre).  Blut    aussaugen,    abwehre;    vgl.     Marquardt, 

Cardea  die  Göttin  der  Thürangeln  (cardc),  Staatsverio.   32  S.  13    Anm.   9    und    mehr   bei 

Tertull.  de  idol.  15.  August.  4,  8.  6,  7.   An  diesen  H.  Peter  a.  a.  0.  22  S.  77  f.),  mit  solchen,  welche 

Stellen  ist  Cardea  überliefert;  demgemäfs  hat  nur  auf  Cardea  passen  (wenn  Ovidius  die  Göttin 

bei   Tertull.  ad  nat.  2,  15    Gothofredus  richtig  Carna  zu  Abwehrung  der  striges  Beschwörungen 

Koscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol    II.  7 


195  Indigitarnenta  (Catius  —  Comniolenda) 

au  den  postes,  den  limina  und  den  acutus  vor- 
nehmen läfst  [v.  155  ff.],  so  hat  er  dabei,  wie 
Peter  [S.  78]  mit  Recht  annimmt,  ohne  Zweifel 
an  Cardea  gedacht),  vermengt  werden;  es  mui's 
sich  also  bereits  der  Erfinder  der  Erzählung 
über  die  Verschiedenheit  der  beiden  Gottheiten 
nicht  mehr  klar  gewesen  sein,  was  bei  Ovidius 
ebenso  natürlich,  wie  in  einer  Volkssage  un- 
möglich ist.  Zum  Namen  vgl.  Grafsmann 
S.  110  nr.  3  (sowohl  die  S.  109  nr.  1  angeführte, 
auch  bei  Georges,  Lat.- deutsch.  Handicörterb. 
s.  v.  Cardea  sich  findende  Form  Carda  als  auch 
die  Form  Cardinea  S.  110  nr.  3  existiert  nicht). 
Curtius,  Grundz.  d.  grieeli.  Etym.'0  a.  a.  0. 

Catius  pater  qui  catos  id  est  acutos  face- 
ret,  August.  4,  21.  Sp.  147,  20  ff.;  zur  Bezeich- 
nung pater  s.  Sp.  185,  61  ff.  Zum  Namen  vgl. 
Grafsmann  S.  109  nr.  2.  Vanicek,  JStym, 
Wörtei-b.  d.  lat.  Sp;-.2  S.  65.  Griech.-lat.  etym. 
Wörterb.  1  S.  98. 

?  Cela   s.  Panda  nr.  2. 

Cinxia  ist  bei  Arndb.  3,  25  Name  eines 
Indiges:  superest  ...  cingulorum  Cinxia  repli- 
cationi.  Sp.  147,  35ff.  Vgl.  Sp.  172ffi,  wo  aus- 
geführt wird,  dafs  der  Indiges  Cinxia  von 
Iuno  Cinxia  verschieden  ist.  S.  Preller,  B.  3I.S 
2  S.  218  und  Iuno. 

Clivicola  die  Göttin  der  an  den  Bergen 
hinaufführenden  clivi,  Tertull.  ad  nat.  2,  15 
(acc.  Clivicolam  Bigaltius,  leuico  iam  cod. 
Agobard).  Sp.  146,  15  ff.  37  ff.  Zum  Namen 
(clivus,  colere)  vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1. 

Coinquenda  die  Göttin  des  Verputzens, 
Verschneidens  (coinquere)  der  Bäume,  welche 
von  den  Arvalen  bei  einem  i.  J.  224  n.  Chr. 
wegen  Entfernung  vom  Blitz  getroffener  Bäume 
aus  dem  heiligen  Haine  der  Dea  Dia  darge- 
brachten Opfer  verehrt  wird ,  s.  das  Nähere 
und  die  Litteratur  bei  Adolenda.  Es  scheinen, 
wie  Semen  (Acta  fratrum  arvalium  S.  142) 
hervorhebt,  bei  dieser  Gelegenheit  nicht  alle 
vom  Blitz  getroffenen  Bäume  entfernt  und 
verbrannt,  sondern  von  denjenigen,  die  weniger 
gelitten  hatten,  nur  die  beschädigten  Teile 
entfernt,  also  die  Bäume  verputzt  worden  zu 
sein.  Über  die  Bedeutuug  des  dem  Namen  der 
Göttin  (Bildung  wie  bei  Adolenda)  zu  Grunde 
liegenden  coinquere  (auch  coinquire)  s.  Treba- 
tius  de  religionibus  libro  septimo  (fr.  5  S.  100 
Huschke4)  bei  dem  Interpol.  Serv.  Aen.  11,  316. 
Paul.  S.  64  s.v.  coninquere.  S.  65  s.  v.  coinquere; 
Corssen,  Krit.  Beiträge  z.  lat.  Formen!.  S.  126. 
Ausspir.  2S  S.  181.  Beiträge  zur  ital.  Sprach- 
kunde S.  595.  BLtnzen  S.  22.  142.  Jordan,  Krit. 
Btitr.  z.  Gesch.  d.  lat.  Spr.  S.  279  ff.  und  in 
Prellers  B.  M.a  2  S.  32  Anm.  1. 

Collatina   die   Göttin  der   colles,  August. 

4,  8.   Sp.  145,  54  ff.    Härtung,  Bei.  d.  Böm.  2 

5.  86  Anm.  *):  'Durch  Verwechselung  ist'  bei 
Augustinus  cdie  Hügelgöttin  Collatia  für  Col- 
lina  genannt'  (!). 

??  Coluber.     S.  Sp.  184,  51  ff. 

Commolenda  oder  Conmolanda  die 
Göttin  des  Zermalmens  der  Bäume,  welche. die 
Arvalen  bei  einem  i.  J.  183  n.  Chr.  wegen  Ent- 
fernung eines  auf  dem  Tempel  der  Dea  Dia 
gewachsenen  Feigenbaumes  dargebrachten 
Opfer  verehren,   s.  das  Nähere  und  die  Litte- 


Indigitamenta  (Conditor  —  Decima)    196 

ratur  bei  Adolenda.  Die  Arvalakten  bieten 
einmal  die  Form  Conmolanda  und  einmal 
Commolenda.  Der  Name  ist  von  commolere 
(Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.'  S.  213. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  709  f.)  gebildet 
wie  Adolenda  von  adolere,  s.  Adolenda. 

Conditor  der  Gott  des  Einspeicherns  (con- 
dere)  des  eingefahrenen  Getreides,  welchen 
nach  dem  Sp.  181,  7  ff.  mitgeteilten  Fragmente 

10  des  Fabius  Pictor  bei  dem  Interpol.  Serv.  georg. 
1,  21  der  Flamen  bei  der  Darbringung  des 
sacrum  cereale  anruft.  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.  Zum 
Nameu  vgl.  Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21.  Vanicek, 
Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  S.  128.  Griech.- 
lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  381. 

Convector  der  Gott  des  Zusammenfahrens 
oder  Einfahrens  (convehere)  des  abgemähten 
Getreides,  welchen  nach  dem  Sp.  181,  7  ff.  mit- 
geteilten Fragmente  des  Fabius  Pictor  bei  dem 

20  Interpol.  Serv.  georg.  1,  21  der  Flamen  bei  der 
Darbringung  des  sacrum  cereale  anruft.  Vgl. 
Sp.  181 ,  41  ff.  Zum  Namen  vgl.  Grafsmann 
S.  113  f.  nr.  21. 

Cuba  die  diva  cubandi  der  Kinder,  ubi  pri- 
mum  . .  .  a  cunis  transierunt,  Varro  bei  Donat. 
Ter.  Pharm.  1,  1,  15  (v.  49).  Sp.  142,  19  ff.  147, 
49  ff.  Zur  Bezeichnung  diva  s.  Sp.  185,  61  ff. 
Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  108f.  nr.  1. 
Cunina  die  Göttin,  welche  das  Kind  in  der 

so  Wiege  beschützt,  Varro  Catus  de  liberis  edu- 
candis  (fr.  7  S.  248  Biese)  bei  Kon.  S.  167  s.  v. 
rumam:  'hisce  numinibas  (so  Preller,  B.M.3  1 
S.  59;  hisce  manibus  codd.  Lugdun.  prior, 
Harleian.,  Gnelferbit. ;  andere  Emendationen 
s.  in  L.  Müllers  krit.  Apparat  z.  d.  St.)  lade 
ß,  non  vino,  Cuninae  propter  cunas,  Buminae 
propter  rumam'  (s.  Sp.  141,  67  ff.).  Lactant. 
inst.  dir.  1,  20,  36.  August.  4,  8.  11.  21.  24.  34. 
Sp.  143/144  Z.  25  f.  Über  Anibroschs  irrtümliche 

40  Annahme,  dafs  aus  Lactant.  a.  a.  0.  auf  bild- 
liche Darstellung  der  Göttin  zu  schliefsen  sei, 
s.  Sp.  187, 9 ff.  Wenn  Bofsbach  (Untersuchungen 
üb.  die  röm.  Ehe.  Stuttg.  1S53  S.  307)  aus 
August.  4,  11  eine  Cunnina  als  Iuno  Cunnina, 
welche  cüber  die  weibliche  Keuschheit'  (cunmjs) 
wacht,  anführt,  so  entbehrt  dies  jeder  that- 
sächlichen  Begründung.  Gefälschte  Widmungs- 
inschrift an  Cunina  C.  I.  L.  10,  254*  (falsae). 
Decima     die     Göttin,     welche     angerufen 

50  wurde,  wenn  die  Geburt  im  zehnten  Monate 
der  Schwangerschaft  erfolgte,  Gell.  3, 16,  10  f. 
(Sp.  138,  15  ff.)  'Parca'  inquit  (sc.  Varro)  'in- 
mutata  una  littera  a  partu  nominata,  item 
Nona  et  Decima  a  partus  tempestivi  tempore'. 
Caesellius  autem  Vindex  in  lectionibus  suis 
antiquis  'tria'  inquit  'nomina  Parcarum  sunt, 
Kona  Becuma  Morta'  u.  s.  w.  (s.  Sp.  184,  lff.). 
Tertull.  de  anima  37  .  .  .  Konam  et  Decimam 
a  sollicitioribus  mensibus.  Sp.  144  Z.  11.   Gegen 

go  Marquardts  Annahme  (Staatsverw.3-  S.  19),  dafs 
Parca  als  Nona  und  Decima  angerufen  worden 
sei,  die  in  den  vorstehenden  Stellen  keine 
Stütze  findet,  vgl.  das  Sp.  174,  31  ff.  Gesagte. 
In  dem  Fragmente  des  Caesellius  Vindex  er- 
scheint die  ursprüngliche  Geburtsgöttin  zu 
einer  Schicksalsgöttin  im  Sinne  der  griechi- 
schen Moiren  umgedeutet,  vgl.  Sp.  171,  3 f. 
184,  9  ff. ;  siehe  auch  weiterhin  Parca. 


197   Indigitamenta  (Deferunda —  Edusa)  Indigitamenta  (Fabulinus —  Fluvionia)   198 

Defernnda    die   Herabbringende    (deferre),  (v.  49),   s.  Sp.  142,  19  ff.    Tertull.  ad  nat.  2,  11. 

eine  Göttin,  welche  von  den  Arvalen  bei  einem  August.  4, 11  (diva  Educa).  34.  6, 9.  Sp.  143  Z.  31. 
i.  J.  183  n.  Chr.  wegen  Entfernung  eines  auf      Zur  Bezeichnung  diva  vgl.  Sp.  185,  61  ff.     Die 

dem  Tempel  der  Dea  Dia  gewachsenen  Feigen-  Überlieferung  des  Namens  schwankt  zwischen 

baumes   dargebrachten  Opfer  verehrt  wird,   s.  den    Formen    Edusa    (bei    Nonius    an    beiden 

das  Nähere  und  die  Litteratur  bei  Adolenda,  Stellen  in  den  Worten  Varros  und  in  Nonius' 

wo    auch    über    die    Bildung    dieser   Art   von  eigenen  Worten),   Educa  (August,  a.  aa.  00.; 

Indigetennamen  gesprochen  ist  (zu  Deferunda  die   z.  B.   in   Paulys   Realencycl.  3   S.  56   s.  v. 

speziell  vgl.  noch  Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  Edusa,  von  Grafsmann  S.  110  nr.  6  und  Georges 
tat.  Spr.2  S.  186.     Griech.-lat.  etym.  Wörter!).  2  10  im  Lat.-deutsch.  Handwörterb.  s.  v.  Eduliea  aus 

S.  601).  Augustinus  angeführte  Form  Eduliea  hat  keine 

Deverra.     August.  6,  9    mulieri   fetae  post  andere  Gewähr  als  einige  alte  Drucke),  Edula 

partum  tres  deos  custodes  commemorat  (sc.  Varro)  (Tertull.)  und  Edulia  (Donat.).     Jordan  (Krit. 

adhiberi,  ne  Sihanus  deus  per  noctem  ingre-  Beitr.   z.   Gesch.   d.    lat.  Spr.    S.  120,    vgl.   in 

diatur  et  vexet,   eorumque  custodum  significan-  Prellers  R.  M.s  2  S.  211  Anm.  2)  meint,   dafs 

darum  causa  tres  homines  noctu  cireuire  limina  auf  Edula  und  Edulia  nicht  viel  zu  geben  sei, 

domus  et  primo  Urnen  securi  ferire,  postea  pilo,  da  diese  Formen   leicht  aus  der  Ableitung  ab 

tertio  deverrere  scopis,   ut   his   datis   eulturae  edulibus   entstanden  sein  können;    Educa  be- 

signis  deus  Silvanus  prohibeatur  intrare,  quod  zeichnet  er  als  sicher  unrichtig,  cmag  es  von 
neque  arbores  caeduntur  ac  putantur  sine  ferro  20  edu-cere,    oder,   was    freilich    allein    möglich 

neque  far  conficitur  sine  pilo  neque  fruges  coa-  wäre,   von   ed-uc-us   (vgl.  cad-ueus  . .  .)  abge- 

cervantur  sine  scopis;  ab  his  autem  tribus  rebus  leitet   werden.     Denn    offenbar   wäre    so    der 

tres  nuneupatos  deos,   Intercidonam  a  securis  Name,  das  Kompliment  zu  Potina,  undeutlich 


ireisione,    Pilumnum  a  pilo,   Deverram  ab  und  die  Göttin  unwillkürlich  als  eine  educens 

scopis,  quibus  diis  custodibus  contra  vim  dei  oder   educans   aufgefafst  worden';    er  ist  der 

Silvani  feta  conservaretur.    Sp.  144  Z.  22;   vgl.  Ansicht,  rdafs  das  mindestens  eben  so  gut  wie 

Sp.  170,  42 ff.     Zu    der    die    Göttin    Deverra  Educa  bezeugte  Ed-ü-sa,  gebildet  neben,  nicht 

betreffenden  Cerimonie  s.  0.  Müller  zu  Paul.  von   ed-ü-lia,   eine  vereinzelte,   aber  nicht  zu 

S.  78  Anm.  zu  exverrae  und  Preller,  R.  M.3  1  beanstandende  alte  Bildung  ist'.    Vgl.  zu  den 
S.  377.    Zum  Namen  (von  deverrere)  vgl.  Grafs-  30  Namensformen  noch  Preller,  R.  M.1  S.  579,  der 

mann  S.  108  nr.  1.     Vanicek,  Griech.-lat.  etym.  Educa   als  die  richtige  Namensform  annahm; 

Wörterb.  2  S.  910.  Grafsmann  S.  109  nr.  2  (Edulia).  Vanicek,  Etym. 

Domiduca  die  Göttin,  welche  die  Kinder  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  11  (Edulia).     Griech.- 

nach  Hause  führt,  Tertull.  ad  nat.  2,  11.  Sp.  143  lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  25  (Edulia,  Edusa). 

Z.  37.     Bei  August.  7,  3.    Martian.  Gap.  2,149.  Fabulinus  der  Gott,  welchem  man  opfert, 

Mythogr.  Vatic.  III  4,3.    Thesaur.  nov.  latini-  wenn   das   Kind    zu   sprechen   (fabulari,   nicht 

tatis  bei  Mai,  Class.  Auct.  8  S.  177  (Domiduca,  fari)  anfängt,  Varro  Catus  de  liberis  educandis 

qui  [sie]  novam  sponsam  ducit  domum;  nomen  (fr.  13    S.  249    Riese)    bei    Non.   S.  532    s.  v. 

quoque  est  Iunonis  aus  Martian.  Cap.  a.  a.  0.,  Statilinum  (Sp.  130,  52  ff.),  wo  der  Gott  divus 
der   S.  161   als   Quelle   dieser  Glosse    genannt  40  Fabulinus  genannt  wird.     Sp.  147,  47  ff.;   vgl. 

wird)    ist    Domiduca    Beiname    der    Iuno,    an  Sp.  167,  1  ff.     Zur  Bezeichnung  divus  s.  Sp.  185, 

allen    Stellen    jedoch,     mit     Ausnahme     von  61  ff.     Zum   Namen  vgl.    Grafsmann    S.  Ulf. 

Augustinus,  in  der  Bedeutung  als  Heimführerin  nr.  13.    Vanicek,  Etym.  Wörterb.   d.   lat.  Spr.2 

der    Braut    in    das    Haus    des    Mannes.     Vgl.  S.  180.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  577 f. 

hierzu  Sp.  172 ff.,  wo  ausgeführt  wird,  dafs  der  Farinus  der  Gott  des  fari,  von  Tertull.  ad 

Indiges    Domiduca    von    Iuno    Domiduca    ver-  nat.  2,  11   unter   den   Gottheiten   des  Kindes- 

schieden   ist.      Zum   Namen    vgl.    Grafsmann  alters  aufgeführt.  Sp.  143  Z.  23;  vgl  Sp.  167,1  ff. 

S.  108  nr.  1.  Die    von    Ambrosch    (Religionsbücher   Heft   2 

Domiducus  der  Gott,  der  die  Neuvermählte  S.  2.35  =  Abdr.  S.  15),  Walz  (in  Paulys  Real- 
in  das  Haus  des  Mannes  geleitet,  August.  6.  9.  50  encycl.  6,  1  S.  435)  und  Pouche -leclercq  (Les 

Sp.  144   Z.  59.    Härtung,  Reh  d.  Rom.  2  S.  70:  Pontifes    S.  33)    aufgeführte    falsche   Namens- 

'Iupiter  Domiducus'  (!).  form  Farmus  beruht  auf  der  Edit.  prino.  der 

Domitius  der  Gott,  der  die  Neuvermählte  Schrift   ad  nat.  von  Gothofredus    (1625)    und 

im  Hause  des  Mannes  zurückhält,  August.  6,  9.  der  Ausgabe  des  Rigaltius  vom  Jahre  1634. 

Sp.   144    Z.  60.     Namenbildung    offenbar    von  Fessona    (die    schlechteren    Handschriften 

domus   (vgl.   Vanicek,    Etym.  Wörterb.   d.   lat.  Fessonia)    die   Göttin    der    Ermüdeten    (fessi), 

Spr.2S.  117.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.18.  342).  August.  4,  21.   Sp.  148,  3  ff.     Zum  Namen  vgl. 

Edusa  (Educa,   Edula,  Edulia)  die  Göttin,  Grafsmann    S.  110    nr.  2  c.     Vanicek,    Etym. 

unter    deren    Schutze    die    Kinder    das    Essen  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  88.    Griech.-lat.  etym. 
lernen,  Varro  bei  Non.  S.  108  s.  v.  Edusam  (s.  60  Wörterb.  1  S.  238  (wo  überall  die  Namensform 

Sp.  142, '25  ff.):  Edusam  et  Potinam  deos  prae-  der    schlechteren   Überlieferung    angenommen 

sides  vult  haberi   puerorum  (s.  Sp.  145,  10  ff.)  wird). 

Varro    Cato    vel    de    liberis    educandis    (fr.  10  Fluvionia.    Tertull.  ad  nat.  2,  11  Fluvionia, 

S.  249  Riese)  'cum  primo  eibo  et   potione  ini-  quae  infantem  in  uterfo  nutriat] '.    Sp.  143  Z.  6. 
tiarent    pueros,    sacrificabantur    ab     edulibus      Das  eigentliche  officium  der  Göttin  ist  jedoch 

Edusae,   a  potione  Potinae  nutrices'  =  Varro  in    Tertullians     Worten    nicht     ausgedrückt; 

Cato  vel  de  liberis  educandis  S.  480  s.  v.  sacri-  dasselbe  ergiebt  sich  a,us  Paul.  S.  92  Fluoniam 

ficantur;  Varro  bei  Donat.  Ter.  Pharm.  1,  1,  15  Iunonem  midieres  colebant,  quod  eam  sanguinis 

7* 


199     Indigitamenta  (Forculus  —  Iana)  Indigitamenta  (Inporcitor  —  Iugatinus)  200 

fluorem  in  conceptu  retinere  pu'.abant  (vgl.  Die  übrigen  Stellen,  wo  Iana  erwähnt  wird 
hierzu  Preller,  B.  M.s  2  S.  207);  denn  der  (Varro  r.  r.  1,  37,  3,  wo  Politianus  Iana  aus 
Indiges  Fluvionia  kanu  keine  andere  Funktion  dem  handschriftlich  überlieferten  Jana  her- 
gehabt haben,  als  Iuno  Fluonia.  Den  Bei-  stellte;  Nigidius  [fr.  73  S.  85  Swoboda]  hei 
narnen  Fluvionia  (Fluonia)  hat  Iuno  auch  bei  Macrob.  Sat.  1,  9,  8),  enthalten  gelehrte  Deu- 
Amob.  3,  30  (flubionia  [b  in  u  verbessert]  die  tungen  der  Göttin,  s.  das  Nähere  Sp.  14  s.  v. 
Handschrift)  und  bei  Martian.  Cap.  2,  149  Iana;  wir  müssen  uns  daher  auf  die  Stelle 
(fluuoniam  der  cod.  Bamberg,  und  cod.  des  Tertullianus  beschränken,  der  Iana  in  der 
Üeichenauens.,  Fluoniam  Grotius).  Vgl.  hierzu  eng  begrenzten  Bedeutung  eines  Indiges  an- 
Sp.  172 ff.,  wo  ausgeführt  wird,  dafs  August.  7,2  10  führt:  Iana  die  Göttin  der  iani.  Zur  Bezeich- 
Iuuo  Fluvionia  oder  Fluonia  mit  Iuno  Lucina  nung  diva  s.  Sp.  185,  61  ff. 
verwechselt,  und  dafs  der  Indiges  Fluvionia  Inporcitor  der  dem  Ziehen  der  Furchen 
von  Iuno  Fluvionia  verschieden  ist  (irrtüm-  (Paul.  S.  108  imporcitor,  qui  porcas  in  agro 
lieh  ist  Sp.  144  Z.  6  die  nirgends  in  den  Hand-  facit  arando.  porca  autem  est  inter  duos  sul- 
schriften  überlieferte  Form  Fluviona,  welche  cos  terra  eminens)  nach  dem  zweiten  Pflügen 
sich  z.  B.  auch  bei  Georges,  Lat. -deutsch.  Hand-  des  Feldes  vorstehende  Gott,  welchen  nach 
wörterb.  s.  v.  Fluonia.  Ambrosch,  Beligions-  dem  Sp.  181,  7 ff.  mitgeteilten  Fragmente  des 
bücher  Heft  2  S.  232  =  Abdr.  S.  12.  Walz  in  Fabius  Pictor  bei  dem  Interpol.  Sero,  georg. 
Paulys  Bcalencycl.  6,  1  S.  433.  Preller,  E.  M.3  1  1,  21  der  Flamen  bei  der  Darbringung  des 
S.  275  und  Bouelie-Leclercq,  Les  Pontifes  S.  31  20  sacrum  cereale  anruft.  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.  Zum 
findet,  gebraucht).  Zum  Namen  vgl.  Grafs-  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21.  Vanicek, 
mann  S.  109  nr.  2  c  (die  daselbst  genannte  Form  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  163.  Griech.- 
Fluvonia  bieten  nur  zwei  Handschriften  des  lat.  ttym.  Wörterb.  1  S.  524. 
Martianus  Capella,  s.  vorher).  Vanicek,  Etym.  Insitor  der  Gott  des  Einsäens  (inserere)  der 
Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  19S.  Griech.-lat.  etym.  Saat,  welchen  nach  dem  Sp.l81,7ff.  mitgeteilten 
Wörterb.  2  S.  625.  Fragmente  des  Fabius  Pictor  bei  dem  Interpol. 

Forculus    der    Gott    der    Thüren    (fores),  Serv. georg.  1,21  der  Flamen  bei  der  Darbringung 

Tertull.  de  idol.  15.    ad  nat.  2,  15.    de  cor.  13.  des  sacrum  cereale  anruft.    Vgl.  Sp.  181,  41  ff. 

scorp.  10.   August.  4,  8.  6,  7.    Sp.  146, 15  ff.    Die  Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  113f.  nr.  21. 

Stelle  des  Cyprian.  quod  idola  dii  non  sint  4:  30      Intercidona.    Über  die  Bedeutung  und  Ver- 

est  .  . .  dictus  . .  .  et  Forculus  a  foribus  u.  s.  w.  ehrung  dieser  Göttin  s.  die  an  Varro  sich  eng 

ist    eine    alte,    aus   Tertull.  ad  nat.  2,  15   (s.  anschließenden,   bei  Deverra  vollständig  mit- 

Sp.  146 ,  16  ff.)   genommene  Interpolation  der  geteilten  Angaben   des  August.  6,  9.    Sp.  144 

C3'prianischen  Schrift,  s.  Ascensus.   Zum  Namen  Z.  20.     Zum    Namen    (intercidere)   vgl".  Grafs- 

vgl.  Grafsinann  S.  114   nr.  23.  mann  S.  111  nr.  12. 

Fructesea    nicht   Fruetiseia,    wie    Preller  Iterduca.    Aus  August.  7,  3  haec  (d.  i.  Iuno) 

(B.  i)/.8  2   S.  223)    und  Bouehe  -  Leclercq   (Les  tarnen  Iterduca   est  2]ue>'is  et  opus  facit  cum 

Pontifes  S.  36),  indem  sie  in  dem  Namen  nur  deabus  ignobilissimis  Abe^na  et  Adeona  ist  zu 

eine  andere  Bezeichnung  der  Göttin  Seia  (s.d.)  schliefsen,  dafs  Iterduca  ein  Indiges  war,  welcher 

sehen,   schreiben,   bei  August,  4,  21   (wo  man  40  die  Kinder  auf  ihren  Wegen  beschützte  (Sp.  144 

früher  et  maxime  ipsi  divae  Fruti  Seiae  las,  Z.  36),  dafs  der  Name  Iterduca  aber  auch  zu- 

vgl.  hierzu   Härtung,   Bei.   d,  Möm.   2    S.  251  gleich  Beiname   der  Iuno    war,    wie   dasselbe 

Anm.  •**))    Name    einer    Göttin    der   Früchte  auch  bei  Domiduca  (s.  d.)  und  Iuno  Domiduca 

(fruetus).     Sp.  148,  6  ff.     Augustinus  nennt  sie  der  Fall  war.     Diese  letztere  läfst  sich  auch 

diva  Fructesea,  vgl.  hierzu  Sp.  185,  61  ff.  insofern  zum  Vergleich  heranziehen,   als  Iuno 

*  Frugeria  dca  frugum,  Thesaur.  nov.  lati-  Iterduca  wie  Iuno  Domiduca  nur  bei  August, 

nitatis  bei  Mai,   Class.  Auct.  8   S.  240.     Vgl.  7,  3    als    Beschützerin    der   Kinder    erscheint, 

Sp.  178,  40 ff.  während    die     übrigen    Stellen     sie    wie    Iuno 

Hostilina.     August.  4,  8   cum  segetes  novis  Domiduca    als    die   Göttin,    welche   die  Braut 

aristis  aecquantur,  quia  veteres  aequare  hostire  50  in  das  Haus  des  Mannes  heimführt,   erklären: 

dixerunt,   deum  Hostilinam  (sc.  praefecerunt).  Martian,  Cap.  2,  149  (jedenfalls  aus   Varro,  s. 

Sp.  146,  10  ff.     Zum    Namen    und    der  Wort-  Sp.  172, 29ff.),  daraus  der  Thesaur.  nov.  latinitatis 

familie,  zu  der  er  gehört,  vgl.  Corssen,  Krit.  bei  Mai,  Class.  Auct.  8  S.  292  (Interduca  [sie] 

Beiträge  z.  lat.  Formenl.   S.  221  f.     Ausspr.  I2  nomen  Iunonis,  quas  domum  ducebat  virgines; 

S.  100.  797.    Grafsmann  S.  Ulf.  nr.  13.    Vani-  dieselbe  Namensform   auch  hei  C.  Barth,  Ad- 

eck,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr*  S.  90.    Griech.-  tersarii  Commmtarii  [Francof.  1648]  Sp.  1341: 

lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  258  f.                           ,  Interduca  nomen  Iunonis).    Vgl.  Sp.  172  ff.,  wo 

Iana  hat   Guthofredus  bei   Tertull,  ad  nat.  ausgeführt  wird,  dafs  der  Indiges  Iterduca  von 

2,  15   (Sp.  146,  16  ff.)   et  diva   arquis  est  Iana  Iuno   Iterduca    verschieden   ist.     Zum   Namen 

an  Stelle   des  im   cod.  Agobard.  überlieferten  60  vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1. 

Iana  hergestellt,  und  die  Angabe  der  Bedeutung  Iugatinus  1)  ein  Gott,  der  bei  Schliefsung 

dieser   Göttin   als   diva   arquis   (woraus  Gotho-  des  Ehebundes  angerufen  wird,   August.  4,  11. 

fredus  allerdings  eine  diva  Arquis  machte  [s.  6,  9.  Sp.  143  Z.  58.     Zum  Namen  (iugare  ehe- 

Sp.  146, 26  f.  u.Sp.  180, 57  ff.],  die  ihren  Platz  unter  lieh  verbinden,  vgl.  Iuno  Iuga)  vgl.  Grafsmann 

den  Indigitamentengottheiten  bis  in  die  neueste  S.  111  f.   nr.  13.     Vanicek,   Etym.    Wörterb.  d. 

Zeit  behauptet  hat,  vgl.  z.  B.  Prellcr,  B   M.3  lat.  Spr.'-  S.  226.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1 

2  S.  221.    Bouchc-Leclercq,  Les  Pontifes  S.  35)  S.  762.  —  2)  der  Gott  der  iugamontium,  August. 

rechtfertigt    diese    Emendation    vollkommen.  4,  8.  Sp.  145,  54  ff. 


201    Indigitamenta  (Lactans —  Libentina)  Indigitamenta  (Liburnns  —  Limi)      202 

Lactans.    Serv.georg.  1,  315  (Sp.  189,  14  ff.)  Libitina    {Härtung,    Bei.  d.   Böm.  2  S.  88  f. 

seine  Varro  in  libris  divinarum  dicit  deum  esse  Prellet,  B.  M.3  1  S.  440)   ist   durchaus   falsch, 

Lactantem,  gui  se  infmulit  segetibus  et  eas  facti  wenn  beide  Namen  auch  denselben  Ursprung 

laetescere.   Sp.  148, 2 f.;  vgl.  Sp.  167,  lff.    Name:  haben.    Lubia  ist  in  der  Stelle  des  Interpolator 

Participium  von  lactare  Milch  geben.  Servil  deutlich  genug  als  Beiname  der  Venus 

Lacturnus.  August.  4,  8  praefecerunt  .  .  .  namhaft  gemacht,  so  dafs  Marquardt  {Staats- 
frumentis  .  .  .  lactescentibus  deum  Lacturnum.  veno.  32  S.  14)  und  Preller  (B.  M.3  2  S.  212) 
Sp.  146,  10  ff.;  vgl.  Sp.  167,  lff.  Lacturnus  ist  mit  Unrecht  dieses  Wort  als  Namen  einer  In- 
gemeint in  der  Glosse  des  Thesaur.  nov.latini-  digitamentengottheit  aufführen.  Die  von  Plaut, 
tatis  bei  Mai,  Class.  Auct.  8  S.  327  I.acturius  10  Asin.  268  ut  ego  illos  lubentiores  faciam,  quam 
deus  segetis  adhuc  lactescentis  (vgl.  Sp.  177,  66  ff.).  Lubentiast  genannte  Göttin  Lubentia  (die  auch 
Die  von  Härtung  {Hei.  d.  Böm.  2  S.  132),  in  den  von  Th.  Hublich,  De  diis  Plautinis  Teren- 
Paulys  Bealencycl.  4  S.  717  s.  v.  Lactans,  von  tianisque.  Diss.  Regim.  1883  S.  54  ff.  erhobenen 
Preller  {B.  M.1  S.  592),  Grafsmann  S.  109  Einwendungen  gegenüber  als  eine  Göttin  zu 
nr.  2  a  und  Bouche- Leclercq  {Les  Pontifes  betrachten  ist)  ist  vielleicht  =  Lubentina,  vgl. 
S.  37)  aus  Augustinus  angeführte  dea  Lacturcia  Paventia  neben  Paventina  (s.  d.).  Zum  Namen 
beruht  auf  der  schlechten  Textrecension  alter  vgl.  Grafsmann  S.  1 1 1  f.  nr.  13.  Vanieek,  Etym. 
Ausgaben;  ebenso  die  von  Walz  (in  Paulys  Wörterb.  d.  lat.  Spr}  S.  254.  Griech.-lat.  etym. 
Bealencycl.  6,  1    S.  437)    an  Stelle    des    Lac-  Wörterb.  2  S.  852. 

turnus    aufgeführte    Lactantia?     Zum  Namen  20      Liburnus  ist  Sp.  147,  25  ff.  als  eine  sichere, 

vgl.    Grafsmann    S.    111    nr.    10  b.      Vanieek,  von  Gelcnius  herrührende  Emendation  der  ver- 

Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  221.  dorbenen  handschriftlichen   Lesart  burnum  in 

Lateranus    der    Gott    der    Ziegelsteinöfen  der    Stelle    des    Arnob.  4,9    quis   Libentinam, 

(later  Ziegelstein),  Kamine,  Herde,  Arnob.  4,  6.  quis  burnum   libidinum   superesse    tutelis  .  .  . 

11.  Sp.  148,  26  ff.    Zum  Namen  vgl.  Grafsinann  (sc.  crcdat)1    bezeichnet    worden    {Elmenhorst 

S.  111  nr.  11.  Corssen,Ausspr.  22  S.  151.  Vanicelc,  wollte  Liburnam   lesen;   andere  Emendations- 

Elym.   Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  S.  173.     Griech.-  versuche:  Liberum  Meursius,  Prurium  Hilclc- 

lat.  etym.  Wöiterb.  1  S.  554.  brand).    Die  Bedeutung  des  Gottes  giebt^nio- 

Levana  die  Göttin,  welche  die  Kinder  von  6ms    selbst    an    (Liburnus    gebildet    wie   Lac- 

der  Erde  aufhebt  (levare),  Tertull.  adnat.  2, 11  30  turnus).     Vgl.  Sp.  167,  lff. 

(wo  Gothofredus  mit  voller  Sicherheit  Levana  Lima    die    Göttin    der    Schwellen   (limina), 

schrieb  für  das  überlieferte   albana;  trotzdem  Arnob.  4,  9.  Sp.  148,26  ff.    Für  die  überlieferte 

haben  Ambrosch,  Beligionsbücher  Heft  2  S.  235  Namensform  Lima  schlug  Stewechius  Limentina 

—  Abdr.  S.  15  und  Walz  in  Paulys  Bealencycl.  (vgl.  Limentinus)  vor,  und  mit  diesem  Namen 

6,1  S.  434  das  sinnlose  Albana  als  Name  einer  nennen   die   Göttin  Ambrosch  {Beligionsbücher 

Göttin    beibehalten).     August.  4,  11.    Sp.  143  Heft  2  S.  243  =  Abdr.  S.  23),  Grafsmann  S.  Ulf. 

Z.  25.  26.  Preller  {B.  M.3  2  S.  210)  erklärt  (wie  nr.  13.    Bouche- Leclercq    {Les  Pontifes  S.  35); 

schon  Härtung,  Bei.  d.  Böm.  2  S.  244;  vgl.  auch  auch  Prelhr  {B.  M.3  2  S.  221  Anm.  4)  und  Mar- 

Georges,  Lat.-deutsch.Handwörterb.  s.v.  Levana)  quarclt  (Staatsverw.  32  S.  17)  nehmen  an,   dafs 

Levana  als  die  Göttin,  'welche  die  Kinder  von  40  Limentina  zu  lesen  sei.     Es  Hegt  jedoch  kein 

der  Erde  wieder  aufbebt,  nach  der  bekannten  Grund  vor,  von  der   überlieferten   Form  abzu- 
Sitte  das  neugeborne  Kind  vor  dem  Vater  auf      gehen,  da  Lima  (neben  Limentinus;  vgl.  Iuno 

die   Erde   zu   legen,   worauf  dieser   es   aufhob  Iuga  neben  Tugatinus)  eine  vollständig  richtige 

und   damit    seine  Pflege   und  Erziehung  über-  Bildung  ist;  vgl.  dazu  Sp.  167,  lff.   Grafsmann 

nahm,    aber  auch   alle  Eechte  der  väterlichen  S.  108f.   nr.  1.       Vanieek,    Etym.    Wörterb.   d. 

Gewalt  sich  vorbehielt';  die  Stellung  der  Göttin  lat.  Spr.-  S.  246.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2 

bei  Tertullianus  macht   diese  Erklärung  nicht  S.  825  f. 

wahrscheinlich.     Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  Limentinus    der  Gott  der   Schwellen    (li- 

S.  HOf.  nr.  11.    Vanieek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  mina),  Tertull.  deidol.  15.  adnat. 2,15.  decor.  13. 

<S'p»\2    S.   231.      Griech.-lat.  etym.    Wörterb.  2  50  scorp.  10.  Arnob.  4,  9. 11. 12,  vgl.  1,28.  August. 

S.  785  f.  4,  8.  6,  7.     Thesaur.  nov.   latinitatis  bei   Mai, 

Libentina  oder  Lubentina  die  Göttin  der  Class.  Auct.  8  S.  328.  Sp.  146,  15fV.    Die  Stelle 

libidines,  Arnob.  4,  9  (Libentina).    August.  4,  8  Cyprian.   quod    idola  dii  non  sint  4:   est  .  .  . 

(Lubentina).    Sp.  144  Z.  44.     Varro  l.  I.  6,  47,  dictus   .  .  .   et  a  liminibus  Limentinus  u.  s.  w. 

Varro  de  lingua  latina  lib.  V  bei  Non.  S.  64  ist   eine  alte,  aus  Tertull.  ad  nat.  2,  15  (siehe 

s.v.  fprolübiumj  und  Oic.n.  d.  2,23,  61  sprechen  Sp.  146,  16  ff.)    genommene    Interpolation   der 

von   Venus  Lubentina   (/.  I.  6,  47:    Libentina),  cyprianischen  Schrift,  s.  Ascensus.   Zum  Namen 

und  auch   der  Interpol.  Serv.  Aen.  1,720  führt  vgl.  Sp.  167,  lff.,  Grafsmann  und   Vanicelc  an 

Lubentina  als  Beiname  der'Venus  auf:  dicitur  den  bei  Lima  aa.  00.  und  Corsscn,  Ausspr.  I2 

.  ..(sc. Fenns)  et  Lubentina,  quae  hibentiam  menti-  60  S.  499.  22  S.  222. 

bus  novam praestat,quamvis aliihancLubiam di-  Limi.     Arnob.  4,  9  quis  curatorcs  obliquita- 

cant,  quod  co  numine  consilia  in  medullas  laban-  tum  IAmos  .  .  .  (sc.  credat)?  Sp.  148,  12  ff.    Die 

tur.     Dafs    der   Indiges   Libentina  von  Venus  Handschrift  bietet  bei  Arnobius  lemons;  Sabaeus 

Libentina    verschieden    ist,     geht    aus     dem  verbesserte    Limos,    Hildebrand    las    Limones 

Sp.  173,  45  ff.    über    das    Verhältnis   von    den  (angenommen  z.  B.  von  Georges,  Lat.-deutsch. 

Indigetes    Domiduca    u.  s.  w.    zu   Iuno   Domi-  Handwörterb.  s.  v.  Limones.    Bouche-Leclercq, 

duca  n.  s.  w.   Gesagten  hervor.     Vgl.  Sp.  167,  Les  Pontifes    S.  35);    Beifferscheid   nahm    die 

lff.      Die    Vermengung    von    Libentina     mit  Emendation  des  Sabaeus  in  den  Text  auf.    Zum 


203    Indigitarnenta  (Locutius  —  Mena)  Indigitamenta  (Messia  —  Mutunus  Tut.)    204 

Namen  (limus  =  obliquus)    vgl.   Vanicek  und  Sp.  975,  41  ff.  ('ursprünglich  wohl  eine  Göttin 

Corssen    an    den    hei    Lima    und    Limentinus  des  Mondes  [pqvrj]-  ['?]). 

aa.  00.  *  Messia  eine  Göttin  der  Ernte,  Tertull.  de 

Loeutius  der  Gott  des  loqui,  von  Tertull.  spect.  8,  der  von   einem  Bilde   der  Göttin  im 

ad  nat.  2,11    [deus    est   dictusj   et    ab    eff'atu  Circus  spricht.   Sp.  178, 31  ff. ;  vgl.  Sp.  186, 63  ff. 

Fariuus  et  alius  a  lofquendo  Locutius]  unter  Zum    Namen    vgl.    Grafsmann   S.    109    nr.   2. 

den  Gottheiten    des    Kindesalters    aufgeführt;  Vanicek,  Etym.    Wörterb.    d.   lat.  Spr*  S.  19. 

Sp.  143  Z.  24;  vgl.  Sp.  167,  lff..   Die  von  Gotho-  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  673. 

fredus    herrührende    Ergänzung    des    Namens  Messor  der  Gott  des  Mähens  des  Getreides, 

Locutius  ist  ohne  Zweifel  richtig;  alius  schrieb  10  welchen    nach    dem    Sp.  181,  7 ff.   mitgeteilten 

Be'ff'ei  scheid  für  das  im  cod.  Agobardinus  über-  Fragmente  des  Fabius  Pictor  bei  dem  Interpol. 

lieferte   aliis.     rIch    vermag    die   Vermuthung  Strv.  georg.  1,  21    der   Flamen   bei   der    Dar- 

nicht  zu  unterdrücken,  dass  Aius  in  aliis  stecke  bringung    des    sacrum    cereale    anruft.     Vgl. 

und  hier  wie   sonst  gewöhnlich   der  Gott  mit  Sp.  181,  41  ff.     Zum    Namen   vgl.   Grafsmann 

seinen  beiden  Namen  genannt  worden  sei:   et  S.  114f.  nr.  21  und  die  bei  Messia  angeführte 

Akts  a  loquendo  Locutius''   W.  v.  Hartel,  Pa--  Litteratur. 

Pristische  Studien  III.  S.  58   (aus   Sitzungsber.  ?  Mola    die   Göttin    der    Mühlen,    ist   nach 

der  W'iener  Akad.  philos.-hist.  Cl.  121 ,   1S90).  Eergks  (Beiträge  zur  lat.  Grammatik.  1.  Halle 

Dabei  übersieht  aber  v.  Hartel,  dafs  Locutius,  1870  S.  99  f.)  sehr  ansprechender,  von  Götz  in 

der  Indiges  der  ersten  Anfänge  des  loqui  beim  20  den  Text  aufgenommener  Emendation  bei  Plaut. 

Kinde,  und  Aius  Locutius   (s.  d.)   verschiedene  Pseud.  1100    facere,    ut  det   nomen  ad   Molas 

Gottheiten  sind  und  der  Aius  Locutius  hierher  coloniam  (für    die    gewöhnliche  Lesung  molas 

gar   nicht    gehört.      Zum  Namen  s.  Aius  Lo-  coloniam)  genannt.  Sp.  183,  34ff.    Die  von  Bergk 

cutius.  ausgesprochene  Vermutung,   dafs  diese  Göttin 

Lucina  ist  bei  TertuV.de  anima 37.  August.  identisch  sei  mit  den  von   Gellius  (13,23,2) 

4,  11.  21.  34  der  Indiges,  der  (partum)  pro-  und  im  Feriale  Cumanum  zum  12.  Mai  (Ü.  I.L. 
ducat  in  lucem  (Tertull.).  Sp.  143/144  Z.  14.  10,  8375  v.  16:  [supplieajtio  Molibus  Märtis) 
Vgl.  Sp.  172ff.,  wo  ausgeführt  wird,  dafs  der  erwähnten  Moles  Martis  (bei  Gellius  bieten 
Indiges  Lucina  von  Iuno  Lucina  verschieden  die  schlechteren  Handschriften  Molae),  ist 
ist.    S.  Preller,  B.  M.3  1  S.  271  f.  und  Iuno.       30  zunächst    deswegen    nicht    haltbar,    weil    in 

Lucrii  die  Gottheiten  des  Gewinnes  (lucrum),  Moles    das    o    lang    ist,    wie    sich    aus    der 

Arnob.  4,  9.   Sp.  148,  12 ff.    Zum   Namen  vgl.  Schreibung    des    Feriale    Cumanum    ergiebt, 

Grafsmann  S.  109  nr.  2.  Vanicek, Etym.  Wörterb.  während    es    in   Mola   (mölere;    vgl.    Vanicek, 

d.  lat.  Spr.°  S.  253.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr."  S.   213.     Griech.- 

2  S.  847.  lat.    etym.    Wörterb.   2    S.  709  f.)    kurz   ist    (s. 

Manturna  die  Göttin,  welche  bewirkt,  dafs  Mommsen   im    Hermes  17,    1882    S.  637,    der 

die  Vermählte  bei  ihrem  Manne  bleibt,  August.  Moles   auf  moliri  zurückführen  und  als  cSire- 

6,  9.  Sp.  144   Z.  61.    Härtung,  Bei.  d.  Rom.  2  bungen'   den  Virites  Quirini  'Kräften'  an  die 

5.  39 :  cIuno  Manturna' (!).    Zum  Namen  (manere)  Seite  stellen  will). 

vgl.  Grafsmann  S.  111  nr.  10a  (rwohl  eher  zu  40  Montinus  der  Gott  der  Berge,  Arnob.  4,  9; 

man,  moneo  gehörig,  und  mit  Mivtcoq  zu  ver-  gehört  zur  Gruppe  Rusina  u.  s.  w.  der  Reihe  c, 

gleichen,  als  zu  maneo'  [!]).     Corssen,  Ausspr.  Sp.  145,  5 4 ff.     S.  Septemontius.     Zum  Namen 

l2  S.  418.   Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr."  vgl.  Grafsmann  S.  111  f.  nr.  13.   Vanicek,  Etym. 

S.  208.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  667.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  210.    Griech.-lat.  etym. 

Mellona  (August.)  oder  Mellonia  (Arnob)  Wörterb.  2  S.  689. 

die  Göttin  des  Honigs  (mel),  Arnob.  4,  7.  8.  12.  ??Morta.     S.  Sp.  183,  66ff. 

August.  4,  34.  Sp.  146,  12  ff.    Zum  Namen  vgl.  Mutunus   Tutunus    oder    Tutinus    (Mu- 

Grafsmann  S.  110  nr.  2  c.  S.  111  nr.  12.  Vanicek,  tunus  vel  Tutunus  August.;  Mutunus  atque  Tu- 

Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.'2  S.  213.  Griech.-lat.  tunus   Arnob.  4,  11;    et  Mutunus   et  Tutunus 

etym.  Wörterb.  2  S.  709.                                           50  Tertull.  ad  nat.  2,  11;  Mutunus  Tertull.  apol.  25; 

Mena  die  Göttin  der  Menstruation,  August.  Tutunus  Arnob.  4,  7;    Tutinus   Lactant.)  oder 

4,  11  dea  Mena,  quam  praefecerunt  mtnstruis  Mutinus  Titinus  (Fest.)  ein  zu  den  dii  con- 

feminarum;   7 ,  2   et  hanc  provinciam  fluorum  iugales  gehöriger  Indiges,  Sp.  143  Z.  63.    Wäh- 

menstruorum  in  libro   selectorum   cleorum   ipsi  rend  bei  Tertull.  ad  nat.  2,  11.  apol.  25.  Arnob. 

Iunoni  idem  aucior  (d.  i.  Varro)  adsignat,  quae  4,  11   (dat.  Mutuno  Gelenius:  hoc  e   uno  cod. 

in  diis  selectis  etiam  regina  est  tt  hie  tamquam  Parisinus;  dat.  Tutuno  Sabaeus:  est  ut  uno  cod. 

Iuno  Lucina  (vielmehr  Fluvionia  oder  Fluonia,  Paris.)   den  Gott  nur  einfach   nennen,   geben 

s.  Fluvionia)  cum  eadem   Mtna  privigna   sua  folgende  Stellen  über  ihn  näheren  Aufschlufs : 

tidem  cruori  praesidet;  7,  3  confert  selecta  Iuno  Arnob.  4,  7  .  .  .  Tutunus,  cuius  inmanibus  pu- 

.  .  .  cum  Mena,  filia  Iovis,  ftuores  menstruos  60  dendis    horrentique    fascino   vestras   inequitare 

ad  eius,  cpiod  coneeptum  est,  incrementum.   Sp.  matronas    et    auspicabile    ducitis    et    optatis? 

143/144    Z.  7.  13;   vgl.  Sp.   147,  4  f.     Zur  Be-  Lactant.  inst.  div.  1,  20,  36   Tutinus,   in   cuius 

Zeichnung  als  filia  Iovis  und  privigna  der  Iuno  s.  sinu  pudendo  nubentes  praesident,  ut  illarum 

Sp.  187,  26ff.   Zum  Namen  (zu  mensis,  menstruus  pudicitiam prior  deus  delibasse  videatur.  August. 

u.  s.  w.  gehörig)  vgl.  Corssen,  Ausspr.  1-  S.  432.  4,  11  Mutunus  vel  Tutunus,  qui  est  apud  Graecos 

Vanicek,  Etym.   Wörterb.  cl.  lat.  Spr."  S.  201.  Priapnis,  woraus  hervorgeht,  dafs   Varro,  aus 

Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2   S.  655.     Curtius,  dem  Augustinus  schöpft,  den  Mutunus  Tutunus 

Grund:,  d.  griech.  Etym.5  §  471   S.  333.  Bd.  1  dem  griechischen  Priapus  gleichgestellt  hatte 


205    Indigitamenta  (Mutunus  Tutunus)       .  Indigitamenta  (Mutunus  Tutunus)     206 

(vgl.  Sp.  171,  13ff.);  demnach  ist  auf  Mutunus  das  griechische  pvzzog  s.  uvträv  d.i.  zb  yvvcti- 
Tutunus  zu  beziehen  August.  4,34  sine  cultu  v.siov, Tutunus  durch  das  griech.noo&rj,  noe&av, 
Priapi  coniugibus  mixti  (sc.  Iudaei);  6,  9  adest  aeol.  nöft&eiv  =  mentula,  lat.  Pnttunus  =  Tut- 
enim  dea  Virginiensis  tt  deus  pater  Subigus  et  tunus  erklären  will.  Vielleicht  liegt  in  dem 
dea  mater  Prema  et  dea  Pertunda  et  Venus  et  Namen  Tutunus  eine  Beziehung  zu  dem  weib- 
Priapus(yg\.  Sp.  171, 16ff.)... sed  quid  hoc  dicctm,  liehen  Geschlechtsteil;  in  diesem  Falle  würde 
cum  ibi  sit  et  Priapus  nimius  masculus,  super  der  Gott,  wie  Panda  Cela  und  z.  B.  Genita  Maua, 
cuius  inmanissimum  et  turpissimum  fascinum  die  Vereinigung  zweier  entgegengesetzter  Be- 
sedere  nova  nupta  iubebatur,  more  lionestissimo  griffe  darstellen;  vgl.  hierzu  Sp.  186,  26flf.  Den 
et  religiosissimo  matronarum?  7,  24  in  celebra-  10  Versuch  Brauns  (Muthunim  Priapus,  in  Jahrbb. 
tione  nuptiarum  super  Priapi  scapum  nova  d.  Ver.  von  Alterthums  freund,  im  Blieinl.  25, 
nupta  sedere  iubebatur.  Aus  diesen  Angaben  1857  S.  54  ff.  zu  22,  1855  Taf.  1  nr.  1,  la,  lb), 
der  Kirchenväter  ergiebt  sich,  dafs  Mutunus  Name  und  Kultus  des  Mutunus  aus  Afrika  her- 
Tutunus  ein  Indiges  der  Begattung  und  mann-  zuleiten,  hat  schon  0.  Jahn  (a.  a.  0.)  als  ver- 
liehen Befruchtung  war,  der  seinem  Wesen  fehlt  bezeichnet.  Von  einem  Heiligtume  des 
nach  sehr  wohl  mit  dem  griechischen  Priapus  Gottes  berichtet  Festus  S.  154,  nach  0.  Müllers 
verglichen  werden  konnte,  wie  auch  Lucilius  Text  folgendermafsen  lautend:  Mutini  Titini 
(2  v.  13  S.  8  Müll.)  nam  quid  Moetino  (d.  i.  sacellum  fuitinVelis  adeersumfmutum  Mustel- 
Mutino)  subrectoque  huic  opu'  signo  den  Namen  linum  (murum  für  mutum  Scaliger,  vicum  O. 
des  Gottes  ganz  in  diesem  Sinne  gebraucht.  20  Müller,  lucum?  Jordan,  Topogr.  d,  Stadt  Rom 
Dafs  er  aber  ein  echt  römischer  Gott  war,  er-  1,  2  S.  419  Anm.  134.  2  S.  257)  in  angi[portu], 
giebt  sich  aus  dem  seiner  Etymologie  nach  de  c±uo  aris  sublatis  balnearia  sunt  [fjaeta  do- 
sicher  deutbaren  ersten  Bestandteile  des  durch  mus  Cn.  Dfomiti]  Calvini,  cum  mansisset  ab 
Festus  (s.  weiterhin)  aufser  Zweifel  gestellten  urbecondita  [ad  prijncipatum  Augusti  [Caesar is 
Doppelnamens  des  Gottes.  Mutunus  oder  Mu-  inviolatum  religioscque]  et  sanete  eultum  [fuisset, 
tinus  ist  nämlich  gebildet  vom  Stamme  müt-  ut  ex  pontificum  librisj  manifestum  est,  [in 
in  muto  (mutto)  =  mentula  (Lucil.  8  v.  7  S.  40  quibus  significatur  fuisse  ad  sacrarium  s]ex- 
Müll.  Hör.  sat.  1,  2,  68;  vgl.  die  Glosse  eines  tum  et  vicensimum,  dextra  v[ia  iuxta  diverjti- 
cod.  Leidensis  bei  Loewe,  Prodromus  corporis  cidum  [.  .  .]  ubi  et  colitur  et  [midieres  sacri- 
glossar.  latin.  S.  304  muto:  priapus),  mutonium  30  ficantj  in  e[o  togis  praetextis]  ula[taej  (lies 
(muttonium),  mutunium  =  mentula  (Gloss.  velatae).  Die  Worte  nach  manifestum  est  er- 
latino-graec.  [Philoxeni]  im  Corp.  glossar.  latin.  gänzte  Ursinus  folgendermafsen :  [nunc  habet 
edd.  Loewe-Goetz  2  S.  131,  61.  62.  132,  5.  12.  aediculam  ad  miliarium  ab  urbe  sjextum  et 
Loeive  a.  a.  0.  S.  302  ff.  G.  I.  L.  4,  1939.  1940;  vicensimum,  dextra  v[ia  iuxta  diverjticulum 
vgl.  mutuniatus  mit  starkem  Penis  versehen  [viaej,  ubi  et  colitur  et  [mulieres  u.  «.  w.  Paul. 
Martial.  3,  73,  1.  11,  63,  2.  Priap.  52,  10  Buch.3);  S.  155  Mutini  Titini  (s.  die  Lesarten  der  Hand- 
vgl.  Vanieel;  Etym.  Wörterb.  d.lat.  Spr.-  S.  206.  Schriften  in  0.  Müllers  Ausgabe)  sacellum  fuit 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  736.  Die  Her-  Eomae,  cui  midieres  velatae  togis  praetextatis 
kunft  des  Namens  Tutunus,  Tutmus,  Titinus  (vielmehr  praetextis)  solebant  sacrificare.  Da- 
ist noch  nicht  aufgeklärt;  Härtung  meint  (Bei.  «  nach  hatte  der  Gott  auf  derVelia  (vgl. Ambrosch, 
d.  Born.  2  S.  258),  dafs  derselbe  aus  tutus  und  Studien  S.  125.  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  d. 
tueri  abzuleiten  und  mit  Tutanus  (!  ;  s.  d.)  Stadt  Born  1  S.  156  ff.  Anm.  2,  der  in  dem 
einerlei  sei;  den  Begriff  der  tutela  sieht  auch  sacellum  eine  Kultstätte  der  fveliensischen 
0.  Jahn  (in  Jahrbb.  d.  Ver.  von  Alterthums-  Sondergemeinde'  sieht;  Jordan,  Topogr. d.  Stadt 
freunden  im  Bheinl.  27, 1859  S.  48  Anm.  7)  in  Tu-  Born  1,2  S.  419)  ein  als  uralt  geltendes  sa- 
tinus  ausgedrückt;  0.  Gilbert  (Gesch.  u.  Topogr.  cellum,  das  durch  den  Bau  des  Hauses  des 
d.  Stadt  Born  1  S.  157  Anm.)  bringt  Tutunus  Domitius  Calvinus  beseitigt  wurde;  ist  die  Text- 
zusammen mit  dem  umbrischen  Worte  der  herstellung  des  Ursinus  wenigstens  der  Haupt- 
iguvischen  Tafeln  tota  =  Gemeinde,  civitas,  sache  nach  richtig  (wie  Jordan,  Topogr.  1,  2 
osk.  tovto  =  populus  u.  s.  w. ,  und  betrachtet  50  S.  419  Anm.  134.  2  S.  241  f.  meint;  andere  Be- 
als  eigentlichen  Namen  nur  Mutunus,  'welcher  urteilung  bei  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  2 
durch  das  beigefügte  Tutunus  als  der  eigent-  S.  369  f.  Anm.  1),  so  war  in  der  Stelle  des 
liehe  oder  Hauptgott  der  Gemeinde  —  ohne  Festus  von  einem  aufserhalb  Roms  befindlichen 
Zweifel  speziell  der  veliensischen  Gemeinde  —  Heiligtum  des  Gottes  die  Rede.  Für  die  bild- 
charakterisiert wird'.  Aber  alles  dies  sind  Ver-  liehen  Darstellungen  des  Mutunus  Tutunus, 
mutungen  ohne  innere  Wahrscheinlichkeit,  welche  durch  den  von  den  Kirchenvätern  be- 
und  ein  Hinweis  Jrjrdans  (im  Hermes  16,  1881  schriebenen  Hochzeitsbrauch  vorausgesetzt  wer- 
S.  242)  auf  den  ganz  und  gar  zweifelhaften  den,  haben  vermutlich  die  jedenfalls  früh  nach 
Beinamen  der  Ops  Toitesia  (s.  Preller,  B.  M.3  Rom  gelangten  Bilder  des  Priapus  das  Vorbild 
2  S.  22  Anm.  1)  fördert  die  Frage  ebensowenig  60  abgegeben.  Ein  vermeintliches  Amulett  in  Ge- 
wie  die  in  den  früheren  Erklärungsversuchen  stalt  eines  Pferde-  oder  Eselhufes  mit  Bild- 
des  Mutunus  Tutunus  aufgestellten  Ableitungen ;  werken  (Satyrköpfe  auf  dem  gewölbten  Rücken, 
vgl.  z.  B.  die  von  Öhler  (zu  Ttrtull.  apol.  25  ein  Phallus  auf  der  Unterseite,  Brustbild  einer 
S.  221)  angeführte  Erklärung  des  Bigaltius  zu  jugendlichen  männlichen  Figur  auf  der  Rüek- 
ad  nat.  2,  11,  'qni  vocabula  Mutunus  et  Tutu-  seite)  und  der  Inschrift  PREMA  ARIMN  MV- 
nus  derivat  a  meo  et  tuo  inter  venereos  am-  TINO  (mit  Abbildung  veröffentlicht  von  E. 
plexus  vocabulis';  ferner  Salmasius,  Plinianae  Braun  in  Monum.  Ann.  Bull.  d.  inst.  1854 
Exercitationes  1   S.  219  f.,   der  Mutunus  durch  S.  83  ff.;    Orelli- Henzen  6110;    angeblich  bei 


207  Indigitamenta  (Neniestr. —  Noduterensis)  Tndigitamenta  (Nodutus —  Occator)    208 

Bimini  gefunden)  ist  eine  Fälschung  (C.  I.  L.  terere)  wie  Candelifera,  Domiduca  u.s.  w. ;  vgl. 

11,  40*  [falsae]).    Ganz  willkürlich  ist  die  An-  zu  -terensis  Corssen,  Graßmann  und   Vanicek 

nähme,    dafs   ein  auf  einem   Denar    der   gens  a.  aa.  00. 

Titia  abgebildeter  bärtiger  Kopf  mit  Flügeln  Nodutus   (Nodutis  Arnob.),  nicht  Nodotus 

an  den  Schläfen  Mntinus  Titinus  darstelle,  den  (Vulgata  bei  Augustinus).  Arnob.  4,  7  Nodutis 

jene  gens    der  Namensähnlichkeit  wegen   auf  (doch  wohl  Nodutus  zu  lesen)  dicitur  deus,  qui 

die    Münze    gesetzt    habe    {Walz    in    Paulys  ad  nodos  perducit  res  satas.  August,  4,  8  prae- 

Eealencycl.  5  S.  285  s.  v.  Mutinus,   wo   Litte-  fecerunt  .  .  .  giniculis  nodisque  cuhnorum  deum 

ratur  angegeben;   Babdon,  Description  histor.  Nodutum.  4,  11.   Sp.  146,  10  ff.     Zum  Namen 

et  chrono!,  des  monnaies  de  la  republ.  rom.  2  10  vgl.  Grafsmann  S.  110  nr.  7.   Corssen,  Ausspr. 

[Paris  1886]  S.  489  f.   zu  S.  490  nr.  1;   andere  23  S.  173.    Vanicek,  Etym.  Wöiterb.  d.lat.  Spr.- 

Erklärungen  jenes  Kopfes  bei  Eckliel,  Doctr.  S.  89  f.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  240. 

num.  5  S.  325).  Ambrosch  (Studien  S.  156  Anru.)  Nona  die  Göttin,  welche  angerufen  wurde, 

schlägt  für  den  Fall,  dafs  bei   Yarro  1.  1.  5,  52  wenn    die    Geburt    im    neunten    Monat     der 

der  im  cod.  Florentinus  überlieferte  Name  des  Schwangerschaft   erfolgte,    Yarro  bei  Gell.  3, 

collis  Mucialis  (wofür   Scaliger  Atartialis  las)  16,  10  (Sp.  138,  15  ff.).     Tertull.   de  anima  37 

einer  Emendation  bedürfe,    vor  zu   schreiben  (s.  Decima).    Sp.  144  Z.  10.    In  dem  Fragmente 

collis  Mutinalis    mit  Beziehung    auf  Mutinus.  des   Caesellius   Yindcx  bei   Gell.  3,  16,  11   (s. 

Altere  Litteratur  über  Mutunus  Tntunus  führen  Sp.  184,  1  ff .  und  Decima)    erscheint    die    ur- 

Hildebrand  zu  Arnob.  4,  11  (S.  346)  und  Öhler  20  sprüngliche  Geburtsgöttin  zu  einer  Sehieksals- 

zu  Tertull.  apol.  25  (S.  221)  aD.  göttin  im  Sinne  der  griechischen  Moiren  um- 

Nemestrinus  der  Gott  der  nemora,  Arnob.  gedeutet,    s.  Sp.  171,  3f.    184,  9  ff.     Vgl.    bei 

4,  7.  Sp.  148,  12  ff.     Zum  Namen  vgl.  Corssen,  Decima  die  Bemerkung  gegen  Marquardt  utd 
Krit.  Seitr.  z.  lat.  Formen!.  S.  413  f.   Ausspr.  weiterhin  Parca. 

2ä  S.  215.  Grafsmann  S.  112  nr.  13  (falsch  Ne-  Numeria.     1)   Yarro  Catus  de  liberis  edu- 

mestrina).   Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  candis  (fr.  6  S.  248  Riese)  bei  Non.  S.  352  s.  v. 

5.  141.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  433.  numerum  (s.  Sp.  130,  43 ff.):  'ut  qui  contra  cele- 
Nenia  (Naenia  Fest.).  Arnob.  4,  7  in  tutela  riter  erant  nati  fere  Numerios  praenominabant, 

sunt  .  .  .  Neniae,  quibus  extrema  sunt  tempora.  quod  qui  cito  facturum  quid  se  ostendere  vole- 

August.  6,  9  (Sp.  131,  17  ff.)    Yarro  commemo-  so  bat  diccbat  num  er 0  id  fore;  cpwdetiam  in  partu 

rare  .  .  .  deos  coepit  a  conceptione  hominis  ...  precabantur  Numeriam,  quam  deam  solent  in- 

eamque  serieni  perduxit  usque  od  decrepiti  ho-  digetare  etiam  pontifces.'  Sp.147, 44  ff.  Davon  ist 

minis  mortem,  et  deos  ad  ipsum  hominem  per-  nach  der  pontiflcisehen  Lehre  (vgl.  Sp.  174, 31  ff.) 

tinentes  clausit  arl  Xiniam  deam,  quae  in  fune-  wohl  verschieden    2)   Auguit.  4,11   Numeria, 

ribus  senum  cantatur.    Sp.  145   Z.  76.    Festus  quae  numerare  doceat.    Thesaur.  nov.  latinitatis 

S.  161  s.  v.   [Naeniae  deaej  und   Paul.  S.  163  bei   Mai,  Class.  Auct.  8  S.  384  Numeria  dea 

s.  v.  Naeniae  erwähnen  ein  sacellum  der  Göttin  numeri.  Sp.  143  Z.  51.    Nach  Schicench  (Mythol. 

aufserhalb  der  Porta  Viminalis  (vgl.  über  das-  d.  Rom.  S.  120)  ist  Numeria  die  Geburtsgöttin, 

selbe  Becker,  Topogr.  S.  567.  Preller,  B.  HL3  2  welche  die  Geburt  mit  der  richtigen  Zahl  der 

S.  220,  der  es  in  der  Nähe  des  lucus  Libitinae  40  Tage  eintreten  läfst   und  verhindert,   dafs   sie 

vermutet).   Das  Wort  nenia  ist  ein  griechisches  darüber  hinaus  aufgehalten  werde;  danach  wäre 

Lehnwort    (Saalfdd,     Tensawus    italograecus  es  allerdings  ein  und  dieselbe  Numeria,  welche 

Sp.  737  f.),  aber  offenbar  so  früh  aufgenommen,  bei  der  Geburt   und   beim   Zählen    angerufen 

dafs  es  zuletzt  ganz  zum  römischen  Worte  ge-  wird.    Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  109  nr.  2. 

worden  ist.  Vanicek,  Etym.   Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  141. 

Noduterensis.     Arnob.  4,  7    quae  praeest  Griech.-lat.  etym.  Wörteib.  1  S.  433. 

frugibus  terendis,  Noduterensis;  4,  11.  Sp.  148,  *Nundina.    Macrob.  Sat.  1,16,36  est  etiam 

3  ff.    Salmasius  wollte  bei  Arnobius  4,  7  statt  Nundina  Bomanorum  dea  a  nono  die  nascen- 

Noduterensis  lesen  Tcrensis,  4,  11    für  Nodu-  tium  nuncupata  qui  luitricus  dicitur;  est  autem 

terensem:  Nodutim,  Tcrensem.    Diese  Änderung  50  lustricus  dies  (vgl.  Paul.  S.  120   s.  v.    lusirici 

fand  vielfache  Aufnahme  (Härtung,  Bei.  d.  Rom.  dies;  2Iarquardt,  Privatleben  1-  S.  83)  quo  ;'«■■ 

2  S.  132.    Ambrosch,   Beligionsbüclur   Heft    2  fantes   lustrantur   d   nomen  accipiunt,   sed   is 

S.  241  =  Abdr.  S.  21.   IValz  in  Paulys  Beeilen-  maribus  nonus,  oetavus  est  feminis.  Sp.  177,40ff. 

cycl.  6,  1    S.  437.    Marquardt ,  Staatsverw.  32  Obarator   der  Gott  des  Überpffügens   (ob- 

S.  16  f.   Preller,  B.  M.1  S.  437.   Boissier,  Etüde  arare)  des  Feldes  nach  der  Einsaat,    welchen 

S.  238.     Corssen,   Krit.  Bcitr.  z.  lat.  Formenl.  nach  dem  Sp.  181,  7  ff.  mitgeteilten  Fragmente 

S.   478.     Grafsmann    S.   114    nr.  25.     Pouche-  des  Fabius  Pidor  bei  dem  Interpol.  Serv.georg. 

Leclercq,  Les  Pontifes  S.  37.     Vanicek,  Griech-  1,  21    der  Flamen    bei    der    Darbringung    des 

lat.  etym.    Wörterb.  1   S.  290);    es   liegt  jedoch  sacrum  cereale  anruft.  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.    Zum 

ganz  und   gar   keiu   Grund   vor,   den   an   zwei  60  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21. 

Stellen  übereinstimmend  überlieferten  Namen  Occator  der  Gott  des  Eggens  (occare)  des 

anzuzweifeln;  derselbe  wird  sogar  geradezu  als  Ackers   nach   dem   auf  die   Einsaat  folgenden 

richtig   erwiesen   durch  seine  Stellung  4,  7  in  Überpflügen,   welchen    nach   dem  Sp.  181,  7 ff. 

einer    Gruppe    von   Götternamen,    welche  mit  mitgeteilten  Fragmente  des  Fabius  Pictor  bei 

N  oder  0  beginnen  (s.  Sp.  141,  8  ff.);  vgl.  das  dem  Interpol.  Serv.  georg.  1,  21  der  Flamen  bei 

Sp.  140  f.   über   die   alphabetische   Anordnung  der  Darbringung    des    sacrum   cereale   anrnft. 

der    Indigetennamen    bei    Arnobius    Gesagte.  Vgl.   Sp.  181,  41  ff.     Auch    Serv.  georg.  1,  21 

Der   Name   ist  eine  Zusammensetzung  (nodus,  (Sp.  129,  64  ff.)  nennt  den  Gott;  vgl.  Sp.147,  67ff. 


209   Indigitamenta  (Odoria  —  Ossipago) 

Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  113  f.  m\  21. 
Vanieek,  Etym.  Wöiterb.  d.  lat.  Spr."  S.  5. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb,  1  S.  7. 

*  Odoria  dea  odoris  vel  pro  odore,  Thesaitr. 
nov.  latinitatis  bei  Mai,  Class.  Auct.  8  S.  399; 
vgl.  Sp.  177,  64ff. 

Orbona  (Cic,  Plin.),  Orbana  (Tertulh,  Ar- 
nob.'!). Tertulh  adnat.2,  15  [Orjbana,  quae  in 
orbitatem  semina  extinguat.  Arnob.  4,  7  in  tutela 
sunt  Orbonae  (oder  Orbanae?  die  Handschrift 
bat  urbanane;  Orbonae  Sabaeus)  orbati  liberis 
parentes.  Sp.  145  Z.  74.  Die  Stelle  des  Cyprian. 
quod  idola  dii  non  sint  4:  . . .  ut  sit  apud  Mos 
Viduus  deus,  qui  anima  corpus  viduet,  qui  quasi 
feralis  et  funebris  intra  muros  non  habetur,  sed 
foris  conlocatur  et  nihilominus  (is  vel  deus  fügt 
Vonck  hinzu),  quia  extorris  fattus  damnatur 
potius  Bomana  religione  quam  colitur.  est  tt 
Scansus  .  .  .  (s.  Ascensus)  .  .  .  et  Cardea  a  car- 
dinibus  et  ab  orbitatibus  Orbona  (suborbana 
cod.  Monacens.  208)  ist  eine  alte,  aus  Tertulh 
ad  not.  2,  15  genommene  Interpolation  der 
cyprianischen  Schrift,  s.  Ascensus.  Nach  den 
angeführten  Stellen  des  TertulUanus  und  Arno- 
bius  ist  also  Orbona  die  Göttin,  welche  die 
Kinder  tötet,  so  dafs  die  Eltern  kinderlos 
(orbus)  werden  (nicht  'die  Göttin  des  Verwaist- 
seins, von  solchen  Eltern  angerufen,  die  ver- 
waist wieder  Kinder  zu  erhalten  wünschen'  [!], 
Georges  im  Lat.- deutsch.  Handicörterb.  s.  v. 
Orbona;  falsche  Auffassungen  auch  bei  Härtung, 
Bei.  d.  Born.  2  S.  257  und  in  Paulus  Bealencycl. 
5  S.  963  s.  v.  Orbona).  Die  Änderung  Prellers 
(Archäol.  Ztg.  16,  1858  Sp.  194  ff.  =  Ausgew. 
Aufsätze  S.  306  ff.  und  B.  M.s  2  S.  219  Anm.  3) 
lumina  für  semina  bei  TertulUanus  und  Deu- 
tung '  welche  das  Licht  der  Augen  vollends 
auslöscht'  hat  C.  Bursian  (in  der  Anzeige  von 
Prellers  B.  M.1  im  Literarischen  Centralblatt 
1859  Sp.  609)  zurückgewiesen.  Cicero  (n.  d. 
3,  25,  63)  =  Plinius  (n.  h.  2,  16)  erwähnen  ein 
fanum  der  Orbona  bei  der  in  summa  sacra  via 
gelegenen  aedes  Larum  (vgl.  dazu  Ambrosch, 
Studien  S.  51).  Zum  Kamen  vgl.  Grafsinann 
S.  111  nr.  12.  Corsstn,  Ausspr.  I2  S.  147.  162. 
Vanieek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.s  S.  27. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  62.  Curtius, 
Grundz.  d.  gricch.  Etym.5  §  404  S.  294. 

Ossipago  die  Göttin,  welche  den  Kindern 
die  Knochen  kräftigt,  Arnob.  4,  7.  8  (wo  beide 
mal  die  Handschrift  ossilago  [danach  Ossilago 
bei  Georges,  Lat.- deutsch.  Bandwörterb.  s.  v. 
ossüago  und  in  Paulys  Bealencycl.  5  S.  1016 
s.  v.  Ossilago]  bietet,  Ossipago  verbesserte  Can- 
terus);  gehört  zu  den  Gottheiten  Sp.  143/444 
Z.  23  ff.  Bei  Arnob.  3,  30  führt  Iuno  den  Bei- 
namen Ossipagina  (wofür  Preller,  B.  M.3  1 
S.  275  f.  Anm.  5  ohne  Grund  Opigena  lesen 
will);  vgl.  hierzu  Sp.  172 ff.  Jeder  Begrün- 
dung in  der  Überlieferung  entbehrt  die  bei 
Härtung  (Bei.  d.  Böm.  2  S.  241)  angegebene 
Form  Ossipanga  und  die  in  Paulys  Bealencycl. 
a.  a.  0.  aufgeführte  Form  Ossipango.  Zum 
Namen  (von  ossa  und  pangere,  altlat.  pagere) 
vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1  (wo  ebenso  wie 
bei  Härtung  a.  a.  0.,  Ambrosch,  Beligions- 
bücher  Heft  2  S.  235  =  Abdr.  S.  15,  Walz  in 
Paulys  Bealencycl.  6,  1    S.  434    und   Boissier, 


Indigitamenta  (Panda) 


210 


Etüde  S.  235  der  Name  falsch  Ossipaga  heifst). 
Corssen,  Ausspr.  I2  S.  393.  Vanieek,  Etym. 
Wörterb.  d.  lat.  Spr}  S.  148  f.  Griech.-lat.  etym. 
Wöi  terb.  1  S.  460. 

Panda.  1)  Arnob.  4,  3  et  quod  Tito  Tatio, 
Capitolinum  ut  capiat  collem,  viam  pandere 
atque  aperire  permissum  est,  dea  Panda  est  ap- 
pellata  vel  Pat.tica.  Sp.  148,  40  ff.  Von  der 
Göttin  Panda  war  offenbar  die  Rede  in  einem 

10  von  Nonius  (S.  44  s.  v.  pandere)  unverständig 
gekürzten  Citat  aus  Varro  de  vita  populi  Bo- 
mani  lib.  I  (Hb.  I  fr.  4  S.  21  Kettner):  pandere 
Vano  existimat  ea  causa  dici,  quod  qui  ope 
indigerent  et  ad  asylum  Gereris  confugissent, 
panis  [is]  daretur,  pandere  ergo  quasi  panem 
dare  tt  quod  numquam  fanum  tahbus  claudtrc- 
tur,  de  vita  popmli  Bomani  lib.  I  'haue  deam 
Aelius  putat  esse  Cererem,  sed  quod  in  asylum 
qui  confugissent  panis  [is]  daretur,  esse  nomen 

20  fictum  a  pane  dando  pandere  quod  est  aperire'' 
(die  Stelle  ist  offenbar  stark  verderbt,  vgl. 
L.  Müllers  Ausgabe  und  Mommsen,  Unteritul. 
Dial.  S.  135  f.  Anm.  19;  Kettner  bemerkt  in 
der  Anmerkung  zu  dem  Fragmente  'Varro  for- 
tasse  addiderat  ideoque  a  pandendo  dictum 
Pandam').  Gloss.  Labiaei  (Abt.  1  S.  129  col.  1) 
Panda  tlgr'ivr}g  &i6g.  Die  eigentliche  Be- 
deutung der  Göttin  ist  weder  aus  der  ätio- 
logischen  Fabelei    (s.    Sp.  187,  25 ff.),    welche 

30  Arnobius  mitteilt,  noch  aus  der  etymolo- 
gischen Spielerei  Panda  von  panem  dare 
(s.  Sp.  171,  44ff.)  und  der  damit  zusammen- 
hängenden Gleichsetzung  mit  Ceres  mit  Sicher- 
heit zu  entnehmen;  es  ist  nur  so  viel  klar, 
dafs  der  Name  Panda  und  jedenfalls  auch  Pan- 
tica  mit  pandere  zusammenhängt,  also  eine 
Göttin  des  Eröffnens  bezeichnet,  vgl.  Corssen, 
Krit.  Beitr.  z.  lat.  Formenl.  S.  115.  Krit.  Nachtr. 
z.  lat.  Formenl.  S.  111.     Krit.  Beitr.  zur  ital. 

40  Sprachkunde  S.  324.  Grafsmann  S.  108  nr.  1. 
Vanieek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  £pr.2  S.  332. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  471.  Denselben 
Urspiung  hat  jedenfalls  der  Name  der  Göttin 
Empanda,  Paul.  S.  76  Empanda  paganorum 
dea,  über  welche  sich  natürlich  nichts  Weiteres 
sagen  läfst  {Härtung,  Bei.  d.  Böm.  2  S.  76: 
Empanda  =  Panda).  Mommsen  ( Unterital.  Dicd. 
S.  135  f.;  vgl.  Ann.  d.  inst.  20,  1848  S.  424) 
unterscheidet  die  Panda  vel  Pantica,  die  dem 

so  Titus  Tatius  den  Weg  zum.  Capitolium  öffnet, 
als  Lokalgottheit,  als  Genius  der  Porta  Pan- 
dana  auf  dem  Capitolium  (S.  135  Anm.  18) 
von  der  Panda,  cdie  als  Ceres  charakterisirt 
wird,  und  wahrscheinlich  auch  sabinisch  war' 
(S.  136  Anm.  20  'Wenn  Serv.  ad  Virg.  Georg. 
1,  7'  [vielmehr  der  Interpolator  Servil]  'sagt: 
quamvis  Sabini  Cererem  Panem  appellant,  so 
möchte  hier  auch  eben  die  Panda  gemeint 
sein  und  eine  confuse  Beziehung  auf  die  Stelle 

60  des  Varro  zu  Grunde  liegen';  Preller,  B.  M.3 
2  S.  224  Anm.  4  will  für  Panem  direkt  Pan- 
dam schreiben  und  Thilo  hat  diese  Kon- 
jektur sogar  in  den  Test  aufgenommen;  s.  da- 
gegen S.Bugge.  Altitalische  Studien.  Christian. 
1878  S.  45  f.);  diese  erklärt  er  als  eine  Göttin, 
welche  die  Erde  erschliefst  und  die  Saat  ihr 
entlockt;  er  vergleicht  die  Göttin  LJccväiva 
(S.  136  f.),  welche  auf  Münzen  von  Hippon  und 


211      Indigitamenta  (Pantica.  Parca)  Indigitaineiita  (Partula  —  Patellana)  212 

Terina  als  eine  Frau,  die  in  der  Linken  einen  sammenbringt  {Härtung,  Bei.  d.  Rom.  2  S.  231  f. 
Stab,  in  der  Rechten  zwei  Mohnköpfe  oder  Georges  im  Lat.- deutsch.  Handivörterb.  s.  v. 
zwei  Ähren  hält,  und  unter  deren  rechter  Hand  Parca)  oder  auf  die  Wurzel  park  flechten  zu- 
eine Mohnblume  sprofst,  dargestellt  ist  (s.  die  rückführt  (vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1.  Vanicek, 
Angaben  über  die  Münzen  bei Mommsen  S.136).  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.°  S.  162.  Griech.-lat. 
Preller  {R.  2lf.s2  S.  224)  meint,  dafs  die  Porta  etym.  Wörterb.  1  S.  520.  Curtius,  Grundz.  d. 
Pandana  am  Abhänge  des  Capitoliums  nach  grieeh.  Etym.b  §  103  S.  165f.),  sieht  man  in  der 
der  Panda  benannt  gewesen  und  die  Göttin,  Göttin  von  vornherein  eine  'Zutheilerin'  oder 
deren  Namen  auf  den  Kult  einer  Erntegöttin  'Flechterin'  (des  Schicksalsknäuels;  vgl.  A7<b- 
(Anm.  3  'die  p.  Pandana  war  mit  der  p.  Saturnia  10  ifro),  also  eine  Schicksalsgöttin.  Diese  grie- 
identisch,  .  ..  daher  es  nahe  liegt  bei  der  chischen  Vorstellungen  können  aber  unmöglich 
Panda  an  die  Ops  zu  denken')  zurückführe,  das  ursprüngliche  Wesen  der  Göttin  ausmachen, 
dort  verehrt  worden  sei;  doch  ist  ein  Zu-  Parca  ist  vielmehr  jedenfalls- thatsächlich  ein 
sammenhang  der  Porta  Pandana  mit  Panda  ursprünglicher  Indiges  der  Geburt  (Par-ca  von 
sehr  unwahrscheinlich  (s.  Jordan,  Topogr.  d.  par-ere,  par-tus),  der  wie  Nona  und  Decima 
Stadt  Rom  1,  2  S.  122).  Unhaltbare  Ansichten  durch  Umdeutung  zur  Schicksalsgöttin  ge- 
über Panda  bei  Härtung,  Rel.  d.  Rom.  2  S.  76  f.  macht  und  in  einer  Dreizahl  gedacht  mit  den 
Der  Name  Panda  kehrt  wieder  in  dem  Namen  griechischen  Moiren  identificiert  wurde  (vgl. 
2)  ?  Panda  Cela,  den  Mommsen  als  Doppel-  hierzu  Sp.  171,  3f.  184,  9ff.;  s.  Parca,  Parcae; 
Damen  einer  Göttin  in  dem  bei  Gell.  13,  23,  4  20  nicht  richtig  Härtung  a.  a.  0.  S.  232  f.:  'Um 
erhaltenen  Fragmente  der  menippeischen  Satire  Uebereinstimmung  mit  der  griechischen  Vor- 
Varros  Zy.Lafiaxia  (fr.  1  S.  219  Riese,  fr.  1  S.  215  Stellung  herzustellen,  bat  Varro  diese  Bei- 
Büch.3)  Ted  Anna  Perenna,  Panda  Ccla,  te  namen'  [d.  i.  Nona  uud  Decima]  'als  beson- 
Fales  |  Xerienes  et  Minerva,  Fortuna  ac  Ceres  dere  Individuen  gerechnet,  und  die  Parce,  der 
hergestellt  hat,  s.  Sp.  183, 44ff.  (von  Riese  und  sie  beigelegt  waren,  als  ein  von  jenen  ge- 
Bücheler  in  den  Text  aufgenommen;  vgl.  über  trenntes  Wesen  betrachtet,  und  auf  diese  Weise 
die  verschiedenen  Herstellungsversuche  der  richtig  eine  Dreiheit  herausgebracht').  Vgl. 
beiden  Verse    den  kritischen  Apparat    in    31.  Sp.  167,  1  ff. 

Hertas   gröfserer  Ausgabe    des   Gellius).     Be-  Partula  eine  Göttin  der  Geburt,  Tertull.  de 

deutet  der  Name  Panda  die  Eröffnerin,  so  be-  so  anima  37.  Sp.  144  Z.  12;  vgl.  Sp.  167,  1  ff.    Zum 

zeichnet    Cela    (von    celare)    die   Verbergerin,  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  114  nr.  22.   Vanicek, 

Schliefserin.     'Panda  Cela  molto  bene   si  di-  Etym.   Wörterb.  d.  lat.  Spr"  S.  159.    Griech.- 

rebbe  Proserpina'    {Mommsen  in  Ann.  d.  inst.  lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  504  f. 

a.  a.  0.);  'wir  dürfen  .  .  .  die  TlarSiva  =  Ceres  Patella.     Arnob.  4,  7  Patellana  nunun  est 

auch  mit  Proserpina  identificiren,   welche  be-  et  Patella,  ex  quibus  una  est  patefactis,  pate- 

kanntermassen  der  Sage  nach  in Hippon  geboren  faciendis  rebus  altera  praestituta;  4,  S.  Sp.  147, 

war  und  .  .  .  dort  eifrig  verehrt  ward.   Dass  die  63 ff.;  vgl.  Sp.  167,  lff.    Preller  {R.  M.3  2  S.  224) 

Pandina  vorzugsweise  auf  Münzen  von  Hippon  erklärt  Patella  als   'die  Göttin   der  hervorge- 

vorkonimt,  weist  ebenso  wie  die  Embleme  der  tretenen  und  im  Liebte  des  Himmels  reifenden 

Münzen  auf  ein  Zusammenfallen  derselben  mit  40  Ähre'    indem    er   bei   Arnobius  patefaeündis 

Proserpina  hin,   und  wenn  die  Panda,   die  ja  frugibus  statt  patefaciendis  rebus  liest  (Anm.  1) ; 

auch  Cela  ist,  andrerseits  als  Ceres  erscheint,  'also  wäre  diese  die  eigentliche  Erndtegöttin, 

so  sind  Mutter  und  Tochter  mythologisch  so  die  blonde  Ceres  der  Griechen  .  .  .  und  in  der 

innig   verwandt,   dass  hierin  kaum   eine  ver-  That  scheint   die   Erndtegöttin  in   dem   alten 

schiedenartige    Auffassung    liegt'     {Unterital.  Italien   meist    unter    diesem    Namen    verehrt 

Dial.  S.136  f.).   Marquardt  {Staa'sveric.  3SS.  19)  worden  zu  sein.     Wenigstens  nennen  die  igu- 

meint,   dafs   Tellus  als  Panda  Cela  angerufen  vinischen  Tafeln    eine    Göttin   Padella'    (Taf. 

werde.     Alle   diese   Deutungen   sind   aber  un-  Via  14  Padellar  [gen.],  Bücheier,  UmbricaS.  49, 

haltbar,    denn  Panda   und   Panda   Cela    sind,  dazu  S.  48. 183)  'und  die  oskische  Weihinschrift 

wie  überhaupt  die  Indigetes,  nur  für  sich  be-  50  von  Agnone  eine  Patana'  (Vorderseite  Z.  14, 

stehende  Vergöttlichungen  abstrakter  Begriffe  Rückseite   Z.  17,    Mommsen ,    Unterital.  Dial. 

(s.  Sp.  174,  31  ff.);  wahrscheinlich  ist  es  aller-  S.  128  f.  Zvetajeff,  Sylt  hiscr.  ose.  S.7.  Mommsen 

dings,    dafs   beide   Gottheiten   des  Landbaues  übersetzt  den  Namen  mit  Panda  als  die  'dea 

(Sp.  145,  54  ff.   Reihe  c)    sind.     Zum    Doppel-  .  .  .  quae  patat  s.  pandit',   vgl.  S.  135  f.  285; 

namen  Panda  Cela  vgl.  Sp.  186,  26ff.     S.  auch  'so  ist  denn  die  Patanü  .  .  .  die  Göttin,  welche 

Patella.  den   Schoos   der  Erde   öffnet   und   die   Saaten 

Pantica  s.  Panda  nr.  1.  ihm  entlockt'  S.  137;  vgl.  dens.  in  Ann.  d. inst. 

Parca  nennt  Varro  bei  Gell.  3,  16,  10  (Sp.  20,  1848  S.  424  und  Henzen  das.  S.  403),  'die 

138,  15  ff.)  mit  Nona  (s.  d.)  und  Decima  (s,  d.)  höchst  wahrscheinlich  mit  jener  Patella  iden- 

zusammen  als  Göttin  der  Geburt:  nam  'Parca'  60  tisch    sind.'     Dafs    Patella    zu    den   Indigetes 

inquit  ' itimutata  una  littera  a  partu  nominata'.  des  Landbaues  gehört,  zeigt  die  eng  verwandte 

Sp.  147,  40  ff.    Dies  ist  offenbar  die  eigentliche  Patellana    (s.  d.).     Zum    Namen    (patere)  vgl. 

Bedeutung  der  ursprünglich  nur  einen  Parca,  Grafsmann  S.  108.     Vanicek,  Etym.   Wörterb. 

die  allerdings  gegenwärtig  aufser  von  Preller  d.  lat.  Spr.-  S.  153.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1 

{R.  M.3  2  S.  193;  in  etwas  anderer  Auffassung  S.  470  f. 

vorher  in  Paulys  Realencycl.  3  S.  435  f.)  kaum  Patellana    {Arnob.),    Patelana    {August.). 

noch   richtig  festgehalten   wird;    denn    indem  Arnob.  4,  7,  bei  Patella  im  Wortlaut  mitge- 

man  den  Namen  Parca  entweder  mit  pars  zu-  teilt;  August.  4,  8  {praefecerunt  ergo)  .  .  .  cum 


213  Indigitamenta  (Paventina —  Pilurnnus)  Indigitamenta  ^Pilumnus)           214 

folliculi  patescunt,  ut  spica  exeat,  deam  Pate-  bus  deputantur.    Varro  de  vita  populi  Bomani 

lanam.  Sp.  146, 10 ff.;  vgl.  Rp.  167,  lff.    Offenbar  lib.  II  (lib.  II  fr.  18  R.  33  Kettner)  r  natus  si 

haben  Arnobius  und  Augustinus  nicht  verschie-  erat  vitalis  ac  sublatus  ab  obstetrice,   statueba- 

dene  (Ambrosen,  Beligionsbücher  Heft  2  R.  240  tur  in  terra  ut  auspicaretur  reetus  esse;  düs 

=  Abdr.  S.  20.  Marquardt,  Staatsveriv.  32  R.  16  coniugalibus   Pilumno    tt  Picumno  in  aedibus 

Anm.  91,   sondern  ein  und  dieselbe  Göttin  im  lectus  sternebatur'  (vgl.  Interpol.  Sero.  Aen.  9,  4 

Auge  (die  geringe  Abweichung  in  den  Namens-  von  denselben  Göttern:    Varro  coniugales  deos 

formen   beruht   vielleicht  nur   auf  der  Über-  stispicatur);   darauf  bezieht   sich   das   Rp.  145, 

lieferung;  die  von  Ambrosch  a.  a.  0.,   Walz  in  23  ff.  mitgeteilte  Excerpt  des  Interpol.Serv.Aen. 

Paulys  Bealencycl.  6,  1  S.  437,  Preller,  B.  M.1  10  10,  76  aus   Varro,    wo   es  jedoch  heifst,   dafs 

R.  591  und  Bouche-LicJercq,  Les  Pontifes  R.  36  Varro  den  Pilumnus  und  Picumnus  infantium 

aufgeführte  Form  Patelena  entstammt  älteren  deos  genannt  habe.     Picumnus   und  Pilumnus 

Ausgaben   des  Augustinus).     Zum  Namen   (zu  werden    außerdem    verbunden     genannt    von 

patere  u.  s.  w.  gehörig)  vgl.  Grafsmann  R.  111  Fabius  Pictor  iuris  pontificii  lib  III  bei  Non. 

nr.  11.     Vanieek  an  den  bei  Patella  aa.  00.  R.  518  s.  v.  Picumnus:  'Pilumno  et  Picumno'' 

Paventina  oder  Paventia  die  Göttin  der  (Pilumnus    allein    erwähnt    von    Minuc.    Fei. 

Furcht  der  Kinder,  Ttrtull.  adnat.  2,11  [Imbent  Oct.  25).     Der   Interpol.  Serv.  Aen.  10,  76  be- 

et  Pavejntinam  patoris  u.s.w.  August.  4,  11  de  richtet  Piso  Pilumnum  dictum   (so.  ait),  quia 

pavore  infantium  Paventia  nuneupetur.  Rp.  143  pellat  mala  infantiae  (fr.  44   Peter   S.   137   ed. 

Z.  41.  Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  R.  109  nr.  2.  20  mai.,  R.  86  ed.  min.).    Dies  bezieht  sich  allem 

R.  Ulf.  nr.  13.   Vanieek,  Etym.  Wörterb.d.  lat.  Anscheine  nach  auf  den  von  Augustinus  6,  9 

Spr.-  R.  170.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  R.  541.  nach  Varro  geschilderten  Brauch,  in  welchem 

Pecunia  die  Göttin  des  Geldes,  Arnob.  4,  9.  Pilumnus  als  Beschützer  der  Frauen  nach  der 

August.  4,  21.  24.  7,  3.  11.  12.  Rp.  145,  39ff.    Über  Geburt  und  des  neugeborenen  Kindes  eine  Rolle 

Pecunia  als  Beiname  Iuppiters  vgl.  Rp.  172,  38 ff.  spielt,   s.   die   wörtliche  Mitteilung   der  Rtelle 

Pellonia    die   Göttin,    welche    die    Feinde  bei  Deverra.  Picumnus  und  Pilumnus  erscheinen 

vertreibt,  Arnob.  4,  4.   Augutt.  4,  21.    Rp.  148,  bei   diesen   Gelegenheiten   als   Beschützer   des 

21  ff.     Zum  Namen    (pellere)   vgl.  Grafsmann  ehelichen  Kindersegens,  aber  nicht,  wie  Preller 

R.  110  nr.-2c.     Vanieek,  Etym.  Wöiterb.  d.  lat.  (B.  M.3  1  S..376)   erklärt,    'vermöge   der  ge- 

Spr.°  S.  335.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.1183.  30  wohnlichen  Übertragung  der  Aussaat  und  des 

Peragenor.     Tertull.  ad  nat.  2,  11  ...  ab  Gewächses   der  Feldfrucht  auf  die  Frucht  des 

actu  Peragenorem  u.  s.  w.    Rp.  143  Z.  46;  vgl.  Menschen';      denn     solche     Beziehungen     der 

Rp.  167,  lff.    Zum  Namen  (peragere)  vgl.  Grafs-  beiden    Götter    treten     auch     an    denjenigen 

mann  R.  113  nr.  20.  Rtellen,    wo   Picumnus    und   Pilumnus   als   dii 

Perfica.  Arnob.  4,  7  etiamne  Perfica  una  est  agrestes  (Non.  R.  518  s.  v.  Pilummis:  Aemüius 

e  populo  numinum,  quae  obscenas  illas  et  luteas  Macer  in  Ornithogoniae  lib.  I  'et  nunc  agrestis 

voluptates  ad  exitum  perficit  chdeedine  inoffensa  inter  Picumnus  habetur')  erscheinen,  nicht  her- 

procedere?  4,  11.  Rp.  147,  37  ff.,  zu  den  dii  con-  vor:  Isidor.  or.  4,  11,  6  (vgl.  dazu  H.  Kettner, 

iugales  gehörig.  Bei  Tertull.  ad  nat.  2,  11  ordi-  Varron.  Studien.  Halle  1865  S.  27 f.):  Varro  .  .  . 

nati  [»  *  pro  pujdorl  et  Mutunus  et  Tutunus  40  refert  Pilumnum  quemdam  in  Italia  fuisse,  qui 

et   dea  Pertunda   et  Subigus    et  Prema  mater  pinsendis  praefuit  arvis:   unde   et  pilumni  et 

[.  .  .]  parcite  dei  impudentes!   hat  Ohler  will-  pistores.     ab  hoc  ergo  pilum  et  pilum  inventa, 

kürlich    und    falsch   Prema    [dea   et   Perfica.]  quibus  far  pinsitur ,  et  ex  eins  nomine  ita  ap- 

parcite  u.  s.  w.  geschrieben;  vgl.  Prema.    Zum  pellata.  Serv.  Aen.  9, 4  Pilumnus  et  Pilumnus  (lies 

Namen  vgl.  Grafsmann  R.  108  nr.  1.     Vanieek,  Picumnus)  fratres  fuerunt  dii.    horum  Pitumnus 

G-riech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  R.  384.  (lies   Picumnus)  usum  stercorandorum    invenit 

Pertunda.     Tertull.  ad  nat.  2,  11   (iLrleuer-  agrorum,  unde  et  Sterculinius  (s.  d.)  dictus  est, 

tuncle  cod.  Agobard.,  dea  Pertunda  Bigaltius).  Pilumnus   vero  pinseneli  frumenti:    unde  et   a 

Arnob.  4,  7  etiamne  Pertunda,  quae  in  cubiculis  pistoribus  deus  eolituv.    ab  ipso  tt  pilum  dictum 

praesto  est  virginalem  scrobem  effodientibus  ma-  50  est.  =  Mythogr.  Vatic.  II  183;  Interpol.  Serv. 

riiis?    4,  11.    August.  6,  9.    Rp.  143/144  Z.  64.  Aen.  10,  76  sed  Pilumnus   idem  Stercutius,   ut 

67,  vgl.  Sp.  147,  6  f.    Zum  Namen  (pertundere)  quidam  dieunt,  qui  propiter  pilum  inventum,  quo 

vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1.     Vanieek,  Etym.  fruges  confici  solent ,  ita  appellcUus  est.    Mart. 

Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  S.  328.    Griech.-lat.  etym.  Cap.  2, 158  comminuendae  frugis  farrisque  frag- 

Wörterb.  2  S.  1156.  Curtius,  Grunds,  d.  griech.  menta  Pilumno  assignat  Italia  (vgl.  Plin.  n.  h. 

Etym.5  §  248  R.  226  f.  18,  10  cognomina   etiam  prima  inde:   Pilumni 

Peta.     Arnob.  4,  7  rebus  petendis  Peia  (sc.  qui  pilum  pistrinis  invenerat).     Der  Name  Pi- 

praesto  est);   4,  8.  Sp.  147,  23  ff.     Zum  Namen  lumnus  wird  in  diesen  Stellen  richtig  mit  pi- 

vgl.   Grafsmann  S.  108  nr.  1.     Vanieek,  Etym.  lum  Mörserkeule  in  Zusammenhang  gebracht: 

Wörterb.  d.  lat.  Spr.''  S.  151.  Griech.-lat.  etym.  60  Pilu-mnu-s  ist   das  Participium   (s.  über   diese 

Wörterb.  1  S.  467.  Bildungen  die  bei  Alemona  angegebene  Litte- 

Picumnus  und  ratur)  eines  vom  Stamme  in  pilum  abgeleiteten 

Pilumnus  hatte    Varro  in   der   Schrift  de  Verbum  auf  o  oder  u  und  bezeichnet  den  mit 

vita  populi  Bomani  als  dii  coniugales  (Sp.  144  der  Mörserkeule  thätigen   Gott,   der  dem   Ge- 

Z.  21. J 147,  46  f.)    bezeichnet  und    angegeben,  treidestampfen   vorsteht  und  mit  seiner  "Waffe 

bei    welcher    Gelegenheit     dieselben    verehrt  die  Frau  nach  der  Geburt  und  das  neugeborene 

wurden:  Non.  S.  528  (Sp.  142,  37  ff.)  Pilumnus  Kind  behütet  (vgl.  Corssen,  Ausspr.  I2  S.  528. 

et  Picumnus  dii  praesides  auspieiis  coniugali-  652  Anm.  22  S.  173  f.    Vanieek,  Etym.  Wörterb. 


215          Indigitamenta  (Pitunmus)  Indigitamenta  (Pollentia  —  Postverta)  216 

d.  lat.  Spr.s  S.  169.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  ?  Pollentia.  Liv.  39,  7,  8 f.  (567/187)  ludis 
1  S.  538.  Beckstein  in  der  bei  Alemona  angef.  Bomanis  eo  anno,  quos  P.  Cornelius  Cethegus 
Abhandlung  S.  391.  394.  Curtius,  Grundz.  d.  A.  Postumius  Albinus  faciebant,  malus  in  circo 
griech.  Etym.6  §  365  b  S.  276  f.;  anders  Grafs-  instabilis  in  Signum  Pollentiae  proeidit  atque 
mann  S.  112  m\  15).  Mit  Stereutius,  mit  dem  id  deiecit.  ca  religione  moti  patres  et  diem  unum 
er  bei  dem  Interpol.  Serv.  (Aen.  10,  76)  identi-  adiciendum  ludorum  censuerunt  et  signa  duo 
ficiert  wird,  hat  demnach  Piluinnus  nichts  zu  pro  uno  reponenda  et  novum  auratum  facien- 
thun.  Picumnus  wird  ebenfalls  falsch  mit  Ster-  dum.  Sp.  183,  23ff.;  vgl.  Sp.  186,  63ff. 
culinius  identificiert  und  als  ein  Gott  des  *Porrima.  Ovid.  f.  1,633 ff.  (von  der  Feier 
Düngens  hingestellt  (Serv.  Aen.  9,  4).  Name  10  der  Carinentalia)  Porrima  placatur  Postverta- 
und  Bedeutung  dieses  Gottes  wird  durch  die  que,  sive  sororcs  |  sive  fugae  comites,  MaenaH 
Ansieht  Haitungs  (Rel.  d.  Rom.  2  S.  175  f.) :  'Es  diva  (d.  i.  Carmenta),  tuae.  \  altera  quod  porro 
ist  wahrscheinlich,  dafs  auch  Picumnus,  der  fuerat  cecinisse  putatur,  \  altera  versurum  post- 
stete Gesellschafter  des  Pilumnus,  eine  solche  modo  quiequid  erat.  Interpol.  Serv.  Aen.  8,  336 
Waffe  führte,  und  die  Form  seines  Namens  alii  Imius  (der  Carmentis)  comites  Porrimam  et 
scheint  dies  anzudeuten.  Pinna  (welches  Wort  Postvertam  tradunt,  quia  vatibus  et  praeterita 
wahrscheinlich  aus  piena  verändert  ist)  nannte  et  futura  sunt  nota.  Sp.  177,  33  ff.  Da  Postverta 
man  im  älteren  Latein  die  Schärfe  der  Axt'  (s.  d.)  als  Indiges  bezeugt  ist;  kann  es  keinem 
(Quint.  1,  4,  12,  wo  aber  von  pinnum,  nicht  Zweifel  unterliegen,  dafs  auch  Porrima  nicht 
von  pinna  die  Rede  ist),  'otk<jos  bedeutet  so  20  ein  Beiname  der  Carmenta  (Härtung,  Bei.  d. 
viel  als  wie  acer  oder  acerbns,  nzißnco  im  Grie-  Rom.  2  S.  199,  der  auch  Antevorta,  Postverta 
chischen,  pinso  im  Lateinischen,  pinashmi  im.  und  Prorsa  so  erklärt;  H.  Peter  z.  d.  St.  des 
Indischen  heifsen  stofsen,  stampfen:  davon  Ovidius;  vgl.  auch  Marguardt,  Staatsvertv.  32 
scheint  die  ulaaa — pica  benannt  zu  sein,  deren  S.  19.  Wissowa  s.  v.  Carmenta  in  Bd.  1  Sp.  853, 
Schnabel  eine  lebendige  Hacke  ist'  nicht  rieh-  4  ff.  854,  lOff.  und  dagegen  das  Sp.  174,  31  ff. 
tig  erklärt.  Pic-u-nmu-s  ist  ein  Participium  Gesagte),  sondern  der  Name  eines  selbständigen 
von  spicere  (Pic-u-mnu-s  aus  *pic-o-meno-s  für  Indiges  ist.  Die  beiden  Stellen  zu  Grunde  lie- 
*spic-o-meno-s;  vgl.  Corssen,  Krit  Beitr.  z.  lat.  gende  Etymologie  sowie  die  ganze  Auffassung 
Formenl.  S.  457  f.  Ausspr.  1-  S.  528.  22  S.  173.  des  Wesens  der  Porrima  und  Postverta  als 
Vauiceh,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.3  S.  333.  30  Schicksalsgöttinnen,  welche  in  die  Zukunft 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  1174.  Beckstein  und  in  die  Vergangenheit  schauen  (s.  Ante- 
a.  a.  0.  S.  388  f.;  anders  Grafsmann  a.  a.  0.)  vorta),  ist  aber  falsch  und  wie  die  Erzählung 
und  bedeutet  wie  Picus  (*spic-us),  mit  dem  von  den  beiden  Göttinnen  als  Schwestern  und 
Picumnus  eng  verwandt,  aber  nicht  identisch  Begleiterinnen  der  Carmenta  ein  Erzeugnis  ge- 
(Non.  S.  518  Picumnus  et  avis  est  Marti  dicata,  lehrter  Forschung  (vgl.  Sp.  187,25ff).  Wie  der 
quam  picum  vel  picam  vocant;  Härtung ,  Bei.  Name  (Porrima  eine  Bildung  mit  dem  Super- 
d.  Rom.  2  S.  173  f.  Schivegler,  B.  G.  1  S.  214.  lativauffix  -imo  von  porro,  vgl.  Corssen,  Krit. 
233  f.  Preller,  B.  M.3  1  S.  375  f.  Bubino,  Bei-  Beitr.  z.  lat.  Formenl.  S.  402.  Grafsmann  S.  113 
träge  z.  Vorgesch.  Italiens  S.  210  Anm.,  der  nr.  17.  Vaniceh,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.- 
auch  Pilumnus  mit  Gerhard  in  Hyperboreiseh-  40  S.  157.  Griech.-lat.  ttym.  Wöiterb.  1  S.  490) 
röm.  Studien  für  Archäologie  2  S.  96  Anm.  26  zeigt,  ist  Porrima  vielmehr  wie  Antevorta  und 
als  =  Faunus  betrachtet)  ist,  den  'Späher',  Prorsa  (s.  d.)  der  Indiges  einer  nach  vorwärts 
den  'Vorsorglichen',  also  zunächst  einen  länd-  gewandten  Lage  des  Kindes  bei  der  Geburt 
liehen  Schutzgeist,  dann  einen  Beschützer  des  (Kopfgeburt),  wie  schon  Preller  (R.  M.3  1 
Kindersegens.  Der  Auffassung  Prellers  (a.  a.  0.),  S.  406)  richtig  erklärt  hat.  Vgl.  Sp.  182,  Uff. 
dai's  in  Picumnus  und  Pilumnus  die  Volkstum-  Postverta  (Postvorta  Macrob.).  Varro 
liehe  Unterscheidung  'der  zwei  nahe  ver-  (14.  Buch  der  Antiq.  rcr.  div.)  bei  Gell.  16, 
wandten,  sonst  oft  verwechselten'  (?)  'Vögel,  16,  4  ff.  (Sp.  138,  32  ff.)  ' quando  igitur  .  .  . 
des  Stänkers  Wiedehopf  . . .  und  des  Stampfers  contra  naturam  forte  conversi  in  pedes  bra- 
Specht'  zum  Ausdruck  gelange,  kann  man  nach  50  chiis  plerumque  diduetis  retineri  solent  aegrius- 
dem  Vorstehenden  nicht  beistimmen.  Wenn  que  tunc  midieres  enituntur ,  Imius  periculi 
Picumnus  und  Pilumnus  als  ein  Brüderpaar  deprecandi  gratia  arae  statutae  sunt  Romae 
bezeichnet  werden  (Serv.  Aen.  9,4),  und  Pi-  duabus  Carmentibus  (s.  Sp.  171,  3 ff),  quarum 
lumnus  als  Gemahl  der  an  der  Küste  von  La-  altera  Postverta  cognominata  est,  Prorsa  altera 
tium  gelandeten  Danae,  Vater  des  Rutuler-  a  recti  perversique  partus  et  potestate  et  no- 
fürsten  Daunus  (Bd.  1  Sp.  964,  59  ff.)  und  mine.'  Demnach  hat  Gothofredus  bei  Tertull. 
Grofsvater  des  Königs  Turnus  von  Ardea  gilt  ad  nat.  2,  11  sicher  richtig  ergänzt  perverse 
(Vcrg.  Aen.  9,  3  f.  10,  76.  619.  12,  83.  Serv.  nato  [partu  Postvertae,  rede  vejro  Prosae  Car- 
zu  10,  76.  619.  12,  83  und  Interpol.  Serv.  zu  mentis  esse  provinfeiam  voluerunt].  Sp.  143 
10,  76;  s.  das  Nähere  Bd.  1  Sp.  948,  37  ff),  60  Z.  14.  Die  Postverta  war  also  der  Indiges  der 
so  sind  dies  Erzeugnisse  gelehrter  Legenden-  rückwärts  gewandten  Lage  des  Kindes  bei  der 
dichtung  (s.  Sp.  187,  25 ff.).  Denselben  Ur-  Geburt  (Steifsgeburt),  wie  es  auch  der  Name 
sprung  gelehrter  Bearbeitung  hat  die  An-  deutlich  ausdrückt  (vgl.  zu  demselben  Grafs- 
gabe  des  Interpol.  Serv.  Aen.  9,  4  quidam  mann  S.  108  nr.  1.  Vanicek,  Etym.  Wörterb. 
Pilumnum  et  Pitumnum  (lies  Picumnum)  Ca-  d.  lat.  Spr.-  S.  274.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2 
storem  et  Pollucem  aeeipiunt:  non  nulli  lau-  S.  926).  Bei  Ovid.  f.  1 ,  633  ff.  und  Interpol, 
dum  (?  s.  Thilos  Bemerkung  im  krit.  Apparat  Serv.  Aen.  8,  336  erscheint  Postverta  mit  Por- 
z.  d.  St.)  deos.  rirna    als    in     die    Vergangenheit     schauende 


217   Indigitamenta  (Pota —  Prema  mater)  Indigitamenta  (Promitor  —  Rediculus)    218 

Schicksalsgöttin  und  Schwester  und  Begleiterin  Gotliofrcdus).    August.  6,  9  adest  .  .  .  dea  mater 

der   Carmenta,   bei  Macrob.  Sat.  1,  7,  20  mit  Prema  .  .  .  adest  dea  Prema,  ut  subacta,  ne  se 

Antevorta  (s.  d.)  ebenfalls  als  Schicksalsgöttin  commoveat,  conprimatur.      Sp.  143/144    Z.  66. 

im  angegebenen  Sinne;   hierüber  vgl.  das  bei  Zur   Bezeichnung  mater  s.  Sp.  185,  61  ff.     Zum 

Porrima  Gesagte.    Bei  dem  Interpol.  Serv.  Aen.  Kamen  vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1. 

1,  720  dicitur   etiam   Obsequens   Venus,  quam  Promitor  der  Gott,  welcher  dem  Heraus- 

Fabius  Gurges  post  per  actum  bellum  Samniti-  nehmen    (promere)     des    Getreides     aus    dem 

cum  ideo  hoc  nomine  consecravit,  quod  sibi  fue-  Speicher,  jedenfalls  (wie  Marquardt,  Staatsrerw. 

rit    obsecuta:    hanc    Itali    f  Postvotam    dicunt  32  S.  8  erklärt)  um  es  zur  neuen  Saat  auszu- 
stellt Fr.  Scholl  Postvortam  her.                            10  fahren,  vorsteht;  er  wild  nach  dem  Sp.  181,  7  ff. 

Pota  s.  Vica  Pota.  mitgeteilten  Fragmente  des  Fabius  Pietor  bei 

Potina  die  Göttin  des  Triukens  der  Kinder,  dem  Interpol.  Serv.  georg.  1,  21  vom  Flamen 
welcher  die  nutrices  opfern,  cum  prima  potione  bei  der  Darbringung  des  sacrum  cereale  an- 
initiarent  pueros,  Varro  Catus  de  liberis  edu-  gerufen.  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.  Zum  Namen  vgl. 
candis  bei  Non.  S.  108  s.  v.  Fdusam  =  S.  480  Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21. 
s.  v.  sacrificantar,  s.  Edusa;  Varro  bei  Donat.  Prorsa,  Prosanach  Varro  bei  Gell.  16, 16, 
Ter.  Phorm.  1,  1,  15  (v.  49),  s.  Sp.  142,  19  ff.;  4  ff.  (Prorsa  .  .  .  a  recti  .  .  .  partus  et  potestate 
Tertull.  ad  nat.  2,  11.  August.  4,  11  (diva  et  nomine;  s.  Postverta)  und  Tertull.  ad  nat. 
Potina).  34.  G,  9.  Sp.  143  Z.  30;  vgl.  Sp.  167,  lff.  2,  11  (perverse  nato  [partu  Postvertae,  rede 
und  zur  Bezeichnung  diva  Sp.  185,  61  ff.  Bei  20  vejro  Prosae  Carmentis  esse  provinfciam  vo- 
Donatus  a.  a.  Ü.  ist  Potica  überliefert;  aber  luerunt])  die  Göttin  der  richtigen,  nach  vor- 
die  Übereinstimmung  der  übrigen  angeführten  wärts  gewandten  Lage  des  Kindes  bei  der  Ge- 
stellen in  der  Form  Potina  zeigt,  daß  Potica  burt (Kopfgeburt).  Sp.  143  Z.  15.  Vgl.Sp.  171, 3ft'. 
nur  ein  Fehler  der  Überlieferung  sein  kann  Varro  (a.  a.  0.)  giebt  an,  dafs  sie,  wie  Post- 
(beibehalten  von  Corssen,  Ausspr.  22  S.  205).  verta,  einen  Altar  in  Rom  hatte.  Zum  Namen 
Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  111  f.  nr.  13.  (Prorsa  =  Provorsa  von  *provortere)  vgl.  Va- 
Vanicelc,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.'2  S.  146.  nicelc,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  S.  274. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  453.     S.  Potua.  Griech.-lat.  etym.   Wörterb.  2  S.  926. 

Potua  die  Göttin  des  potus  im  allgemeinen,  Puta  die  Göttin,   welche   dem  Beschneiden 

Amob.  3,  25  Victa  et  Potua  sanctissimae  victui  so  (putare)   der  Bäume  vorsteht,  Arnob.  4,  7.  8. 

potuique  procurant.   Sp.  148,  20  ff. ;  vgl.  Sp.  167,  Sp.  148,  12  ff.    Scheifj'ele  in  Paidys  Eealencycl. 

lff.    Ambrosch  (Eeligionsbücher   Heft  2  S.  235  6, 1  s.v.  Puta:  'Beiname  der  Ops'(!).  Zum  Namen 

=  Abdr.  S.  15),  Georges  (Lat.- deutsch.  Hand-  vgl.  Vanicelc,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr."*  S.  171. 

wörterb.  s.  v.  Potua)  und  Marquardt  (Staats-  Griech.-lat.  etym.  "Wörterb.  1  S.  544. 

verw.  32  S.  13  Anm.  6)  halten  Potua  falsch  für  Redarator   hat   Marquardt   mit  Salmasius 

identisch  mit  Potina  (s.  d.).     S.  auch  Vica  Pota  in   dem   Sp.   181,  7  ff.    mitgeteilten   Fragmente 

am  Ende.    Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  108 f.  des  Fabius  Pictor  bei  dem  Interpol.  Serv.  georg 

nr.  1.     Vanicek  au  den  bei  Potina  aa.  00.  1,  21  an  Stelle   des  überlieferten  Namens  Re- 

Praestana.    Arnob.  4,  3  Pracstana  est,  ut  parator     mit     voller     Sicherheit     hergestellt 

perhibetis,  dicta,  quod  Quirinus  in  iaculi  mis-  40  (Mommsen:   Arator);    Redarator   ist   der  Gott 

sione  cunctorum  praestiterit  viribus.  Sp.  147, 33  f. ;  des    zweiten    Pflügens    (*redarare)    des    brach 

vgl.  Sp.  167,  lff.     Die  Zurückführung    des  Ur-  liegenden  Ackers  vor  dem  Furchenziehen,  wel- 

sprunges    der    Göttin    auf    einen    Lanzenwurf  eben    der    Flamen    bei    der   Darbriugung    des 

des   Romulus   ist   eine   ätiologische  Erfindung,  sacrum    cereale    anruft,    während    Reparator 

vgl.  Sp.  187,  25ff.  0.  Gilbert  (Gesch.  u.  Topogr.  d.  nicht   den   durch  die  Reihenfolge   der  Götter 

Stadt  Rom  im  Altert.  1  S.  52)  bringt  (wie  schon  in  jenem  Fragmente  geforderten  Sinn  ergiebt. 

vorher  Eubino,  Beitr.  z.  Vorgesch.  Italiens  S.  219  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.    Zum  Namen  vgl.  Grafsmann 

Anm.)   die  Göttin   'Praestitia   oder  Praestana'  S.  113  f   nr.  21. 

(s.  Praestitia)  mit  den  Lares  Praestites  in  innere  Rediculus.  Als  Hannibal  i.  J.  543  211  sich 

Verbindung  (?);    cda   der   heilige    Kirschbaum  50  Rom  näherte,  kehrte  er  plötzlich,  durch  nächt- 

...  als  die  Lanze  des  Romulus  selbst  galt,  so  liehe  Visionen  erschreckt,  wieder  um;  an  der 

scheint  der  Zusammenhang  der  Praestana  oder  Stelle,  wo  dies  geschehen  war,  erbaute  Corni- 

Praestitia   mit    dieser    Stelle'   (d.   i.   der  Süd-  ficius    vor    der    Porta    CapeDa    beim    zweiten 

westecke  des  Palatinus)  'unabweislich  zu  sein  Meilensteine    der   Via   Appia    ein    fanum    des 

und   daraus   auch    für   die  Ansetzung   der   ara  Rediculus  (Ftst.  S.  282  s.  v.  [Itediculi  fanum]. 

der  Lares  praestites  der  Schlufs  sich  von  selbst  Paul.  S.  283  s.  v.  Pedieuli  fanum    Plin.  n.  h. 

zu   ergeben'   (?).     Eubino  (a    a.  0.)  nahm  an,  10,   122,    der  jene    Gegend    eampus    Rediculi 

dafs    Praestana    bei    dem    Kornelkii-schbaume  nennt).    Da  Varro  in  der  menippeischen  Satire 

verehrt  worden   sei.     Zum  Namen   (praestare)  E-Mau.u%iu  die  Verscheuchung  Hannibals  einem 

vgl.  Grafsmann  S.  110  f.  nr.  10.                             60  Gotte    Tutanus    (s.   d.)    zuschreibt,    so    ist    es 

Praestitia.    Tertull.   ad  nat.  2,  11   habent  wahrscheinlich,  dafs  der  volle  Name  des  Gottes, 

.  .  .  [praestanjtiae  Praestiliam  u.  s.  w.  Sp.  143  dem  jenes  Ereignis  zugeschrieben  wurde,  Re- 

Z.  45;   vgl.   Sp.  167,  lff.  und  Praestana.     Zum  diculus  Tutanus  oder  Tutanus  Rediculus    war, 

Namen   (praestes)  vgl.   Corssen,  Krit.  Nachtr.  wie  der  Gott,  der  die  Ankunft  der  Gallier  ver- 

z.  lat.  Formenl.  S.  249.  Ausspr.  22  S.  429.  Grafs-  kündete.    Aius    Locutius    (s.   d.)    biefs.     Vgl. 

mann  S.  109  nr.  2.                                                   _  Sp.  175 f.'  182,  48ff.  186,  26ff.  und  über  den  Gott 

Prema  mater.  Tertull.  ad  nat.  2,11  (premat  überhaupt   die    bei  Ambrosch,  Edigionsbüehir 

cod.Agobard.,  Prcmamater  Eei  ff  er  scheid,  Prema  Heft  4  S.  36  f.  Anm.  179  =  Abdr.  S.  44  Anm. 


219            Indigitamenta  (Rumina)  Indigitamenta  (Rumon —  Rusor)      220 

179  angeführte  Litteratur ;  unnütze  Erörterungen  Schwegler  S.424f.  u.Romulus).  Zur  Bezeichnung 
über  Rediculus  (und  über  Tutanus)  von  Scheitele  der  Rumina  als  diva  vgl.  Sp.  185,  61  ff.  Seneea 
in  Paulys  Realencycl.  6,  1  S.  422  s.  v.  Redi-  (de  superstitioneh.  39  S.  426  Haase)  bei  August. 
culus.  Zum  Namen  (redire)  vgl.  Corssen,  Krit.  6,  Kl  rechnet  diva  Rumina  mit  Populonia  und 
Nachtr.  z.  lat.  Formenl.  S.  263.  Grafsmann  Fulgora  (Bd.  1  Sp.  1559)  zu  den  deae  vidaae. 
S.  114.  Dr.  23.  Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Gegen  Schicegkrs  Vermutung  (S.  422  ff.),  dafs 
Spr.-  S.  37.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  1  S.  80.  die  Rumina  nur  eine  besondere  Seite  und  ein 
Rumina  die  Göttin  des  Säugens  der  Kinder,  besonderer  Name  der  Fauna  Luperca  war  (vgl. 
August.  4,  11  (diva  Rumina).  21.  34.  7,  11  Preller,  R.  M.3  2  S.  419),  vgl.  das  Sp.  174,  3lff. 
(diva  Rumina).  Bei  Tertull.  ad  nat.  2,  11  [est  10  Gesagte.  Manches  Falsche  über  Rumina  bei 
educatjrix  tt  Levana  (s.  d.)  et  una  Rumina  Seheiffele  in  Paulys  Bealencycl.  6, 1  S.  564  f.  s.v. 
ist  der  Name  der  Göttin  von  Gothofredus  mit  Rumina.  Über  Iuppiter  Ruminus  vgl.  August. 
voller  Sicherheit  hergestellt  aus  der  Über-  7,11.  Preller,  R.  M.3 1  S.  194.  418  f.  (wo  ange- 
lieferung des  cod.  Agobardinus  runcinia  (Am-  nommen  wird,  dafs  bei  dem  Lupercal  Iuppiter 
brosch,  Religionsbücher  Heft  2  S.  235  =  Abdr.  Ruminus  und  Rumina  als  ein  Paar  von  Hirten- 
S.  15  und  Walz  in  Paiüys  Realencycl.  6,  1  göttern  verehrt  worden  seien).  Eineluno  Romina 
S.  434  machen  daraus  eine  Göttin  Rucinia  [!];  oder  Rumina  (Röscher,  Iuno  und  Hera  S.  49) 
Reiß'erscheid  schreibt  Runcina,  mit  Unrecht,  beruht  nur  auf  einer  Konjektur  statt  der  kand- 
denn  die  Göttin  dieses  Namens  hat  eine  ganz  schriftlieh  überlieferten  Pomana  bei  Arnob. 
andere  Bedeutung  [s.  d.]).  Sp.  143/144  Z.  29.  so  3,  30  (von  Iuno)  nulla  Fluvionia,  nulla  jPo- 
Bezüglich  der  Verehrung  der  Göttin  giebt  mana,  nulla 'Ossipagina  u.  s.w.  (Preller,  R.  M.3 
Varro  r.  r.  2,  11,  5  an  non  negarim,  in-  1  S.  275  f.  Anm.  5  will  Lucina  für  Pomana 
quam,  ideo  apitt  divae  Ruminae  (so  Schneider,  lesen).  Zum  Namen,  der  von  Varro  zweifellos 
diuae  rumniae  cod.  Marcianus,  diua  erum  mae  richtig  mit  rnma  =  mamma  in  Verbindung 
cod.  Paris.  6842  A,  diuae  runniae  cod.  Lauren-  gebracht  wird,  vgl.  Corssen,  Krit.  Beitr.  z.  lat. 
tianus  51,  4;  Rumiae  die  Vulgata)  sacellum  a  Formenl.  S.  429.  Ausspr.  I2  S.  279.  364.  Grafs- 
pastoribus  satam  ficum.  ibi  emim  solent  sacri-  mann  S.  111  nr.  13.  Vanicek,  Etym.  Wörterb. 
ficari  lade  pro  vino  et  [pro]  lactentibus.  mamma  d.  lat.  Spr.-  S.  342.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb. 
enim  rumis  n.  s.  w.,  woraus  hervorzugehen  2  S.  1212.  Curtius,  Grunde,  d.  griech.  Etym.5 
scheint,  dafs  Rumina  auch  dem  Säugeu  der  30  §  517  S.  352  f. 
Herden  vorstand;  und  in  dem  bei  Cunina  ??  Rumon.  S.  Sp.  184,  51ff. 
gröfstenteils  mitgeteilten  Fragmente  aus  dem  Runcina.  August.  4,8  (praefecerunt  ergo  .. . 
Oatus  de  liberis  educandis  (fr.  7  S.  248  Riese)  frumentis  .  .  .)  cum  runcantur,  id  est  a  terra 
bei  Non.  S.  167  s.  v.  rumam  sagt  Varro,  dafs  auferuntur,  deam  Runcinam.  Sp.  146,  10  ff.  Mit 
man  wie  der  Cunina,  so  auch  der  Rumina  Unrecht  ist  der  Name  der  Göttin  von  Reiffer- 
nicht  mit  Wein,  sondern  mit  Milch  opferte  scheid  bei  Tertull.  ad  nat.  2,  11  (1  S.  115,  12 
propter  rumam ;  id  est  prisco  vocabulo  mammam ;  Reiff)  an  einer  Stelle,  wo  Rumina  zu  lesen 
dasselbe  berichtet  von  den  Opfern  an  Rumina  ist,  hergestellt  worden,  s.  Rumina.  Runcina 
Plutarch.  q.  r.  57  und  Rom.  4  (wo  in  den  ist  eine  Göttin  des  Mähens;  die  Stelle  des 
Worten  Y.ai  &iöv  xivcc  rrjg  itToocprig  räv  vn-  40  Augustinus  ist  die  einzige,  an  welcher  das 
Ttitnv  inifislsiG&ai  dov.oveav  ovoud^ovai  'Pov-  Verbum  runcare  die  Bedeutung  mähen  hat, 
(iiXiav  selbstverständlich  zu  schreiben  ist  'Pov-  sonst  heilst  es  jäten  (Georges  im  Lat.-deutsch. 
(itvav,  wie  die  Überlieferung  in  den  quaest.  Handwiirterb.  s.  v.  Runcina.  Härtung,  Rel.  d. 
rom.  richtig  bietet;  an  beiden  Stellen  ist  ohne  Rum.  2  S.  132.  Seheiffele  in  Paulys  Realencycl. 
Zweifel  Varro  die  Quelle).  Mit  dem  sacellum  6,  1  S.  565  s.  v.  Runcina  und  Preller,  R.  M.3 
der  Rumina  stand  die  nach  der  Göttin  be-  2  S.  225  nennen  Runcina  nicht  richtig  eine 
nannte  fleus  Ruminalis  (vgl.  z.  B.  Varro  1.  1.  Göttin  des  Jätens).  Zum  Namen  vgl.  Grafs- 
5,  54.  Liv.  1,  4,  5.  Plin.  n.  h.  16,  77.  Fest.  mann  S.  Ulf.  nr.  13.  Vanicel;,  Etym.  Wörterb. 
S.  266  s.  v.  Romulum.  S.  270  s.  v.  [Buminalem  d.  lat.  Spr.'2  S.  242.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2 
ficum].  Paul.  S.  271  s.  v.  Ruminalis.  Serv.  Aen.  so  S.  820. 

8,  90;  Plut.  a.  aa.  00.;  Härtung,  Rel.  d.  Rom.  2  Rusina  die  Göttin  der  Gefilde  (rura),  August. 
S.  242.  Schwegler,  R.  G.  1  S.  385.  392f.  420.  4,  8.  Sp.  145,  54  ff.  Zum  Namen  vgl.  Grafs- 
Preller,  R.  M.3  1  S.  418  f.  2  S.  342;  vgl.  Romu-  mann  S.  111  f.  nr.  13  (der  neben  Rusina  eine 
lus)  in  Verbindung  (Schwegler  S.  421  f.);  beide  nicht  existierende  Form  Rurina  anführt), 
zusammen  befanden  sich  dicht  bei  dem  Lupercal  Rusor  ein  mit  Altor  (s.  d.)  zusammen  von 
am  untersten  Abhänge  des  Cermalus  (Varro  den  Pontifices  bei  einem  Opfer  an  Tellus  und 
7.  7.  a.  a.  0.)  an  der  Nordwestseite  des  Pala-  Tellumo  angerufener  Indiges,  Varro  bei  August. 
tinus  (vgl.  Becker,  Topogr.  S.  292  ff.  417  f.  7,  23.  Sp.  181,  21  ff.  4lff.  Die  Etvniologie 
Gilbert,  Gesch.  und  Topogr.  d.  Stadt  Rom  1  Varros  (a.  a.  0.)  Rusori  quare?  quod  rursus, 
S.  53 ff.  Richter  in  Baumeisters  Denkmal,  d.  60  inquxt ,  euneta  eodem  (zur  Mutter  Erde)  revol- 
klass.  Altert.  3  S.  1482,  in  Müllers  Handb.  d.  vuntur  ist  natürlich  unsinnig  (Härtung,  Bei. 
klass.  Alhrt.-Wiss.  3  S.  823  f.).  Jedenfalls  war,  d.  Rom.  2  S.  85:  Rusor  der  'Rückkehrer',  'aus 
wie  Gilbert  (a.  a.  0.  S.  56)  bemerkt,  das  Heilig-  rursor  oder  reversor  verkürzt' ;  Georges,  Lat.- 
tum  uralt  und  hat  auf  die  ganze  Ausbildung  deutsch.  Handwörterb.  s.  v.  Rusor:  'die  Gott- 
der  Sage  von  den  Zwillingen  Romulus  und  heit  der  regelmäfsigen  Wiederkehr  aller  Er- 
Remus,  von  ihrer  Nährung  unter  der  ficus  Zeugnisse' [!];  vgl.  Sp.  171,  44ff.);  der  Name' 
Euminalis  durch  eine  Wölfin  u.  s.  w.  eine  be-  geht  entweder  auf  ru-  in  rurna,  Rumina  (s.  d.) 
deutende    Einwirkung     ausgeübt    (vgl.     auch  u  s.  w.   zurück  und  bedeutet,   wie  Altor,   den 


221      Indigitamenta  (Sarritor  —  Seia)  Indigitamenta  (Semonia  —  Septemontius)  222 

Nahrungspender,  oder  er  ist  von  rus  gebildet,  er  von  einer  Seeia,   einer  dem  Schneiden  des 

so  dafs  dieser  Gott  das  männliche  Gegenstück  Getreides    vorstehenden    Göttin,    bei    Tertull. 

zu  Eusina  (s.  d.)  wäre.  a.  a.  0.  spricht  [!  ;  also  etwa  nur  irrtümlicher- 

Sarritor,  besser  Saritor  zu  schreiben  (vgl.  weise  Seia  statt  Secia?];  und  a.  a.  0.  S.  918 
Fleckeisen  in  N.  Jhrb.  f.  Ph.  60,  1850  S.  262.  s.  v.  Scgetia  scheint  er  anzunehmen,  dafs  Ter- 
97,  1868  S.  212;  bei  Serv.  georg.  1,  21  bietet  tullianus  a.  a.  0.  von  Segetia  spreche  [!];  dafs 
eine  Handschrift  Saritor),  der  Gott  des  Be-  bei  Tertullianus  von  einer  Göttin  des  Schnei- 
hackens (sarrire,  besser  sarire)  der  Saat  zum  dens  Secia  die  Rede  sei,  meint  Härtung,  Reh 
Hefausschaffen  des  Unkrautes,  welchen  nach  d.  Rom.  2  S.  131  ' Tertullian  .  .  .  scheint  falsch 
dem  Sp.  181,  7 ff.  mitgeteilten  Fragmente  des  10  verstanden  zu  haben,  indem  er  die  Secia  zu 
Fabius  Pictor  bei  dem  Interpol.  Serv.  georg.  einer  Sessia  macht').  Nach  Macrobius  {Sat.  1, 
1,  21  der  Flamen  bei  der  Darbringung  des  16,  8)  hielt  in  alter  Zeit  derjenige,  der  den 
sacrum  cereale  anruft.  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.  Namen  der  Seia  aussprach,  feriae.  Bei  Liv. 
Auch  Serv.  georg.  1,  21  (Sp.  129,  64  ff.)  nennt  24,  47,  16  und  25,  7,  6  wollte  J.  F.  Böttcher 
den  Gott;  vgl.  Sp.  147,  67  ff.  Zum  Namen  durch  unnütze  Konjektur  Seia  herstellen.  Über 
vgl.  Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21.  Vanicek,  Etym.  die  vermeintliche  Fortuna  Seia  s.  Bd.  1  Sp.  1510, 
Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  300.  Grieeh.-lat.  etym.  61  ff.  Zum  Namen  (Se-ia  von  se-  in  se  men 
Wörterb.  2  S.  1030.  n.  s.  w.)  vgl.  Grafsmann  S.  109  nr.  2.    Corssen, 

Sator  der  Gott  des  Säens,  Serv.  georg.  1,21.  Ausspr.  1'  S.  306.  417.   Vanicek,  Etym.  Wörterb. 

Sp.  147,  67  ff.     Zum  Namen  vgl.   Grafsmann  20  d.  lat.  Spr.2  S.  286.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2 

S.  113  f.  nr.  21.     Corssen,  Ausspr.   I2   S.  417.  S.  977. 

Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  286.  *Semonia  eine  Saatgöttin,  wie  der  Name 

Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  977.  (seinen,  Se-m-on;  vgl.  Grafsmann  S.  109  nr.  2. 

*Segesta  eine  Göttin  der  Saaten,  Plin.  n.  h.  Vanicek    an    den    bei    Seia    aa.   00.)    zeigt. 

18,  8  von  der  Zeit  Nunras:  hos  enim  deos  tum  Sp.  178,  20ff.      In    alter    Zeit    hielt    derjenige, 

maxime  noverant  Seiamque  a  serendo,  Segestam  der  ihren  Namen  aussprach,  feriae   (Macrob. 

a  segetibus  appellabant ,  quarum  simulacra  in  Sat.  1,  16,  8).     Aus    der   lückenhaften    Stelle 

circo   videmus;   tertiam   ex   his   nominare   sub  des  Festus  S.  309   s.  v.  supplicium,  ist  zu  ent- 

tecto   religio  est.     Sp.  178,  2 9 ff.     Falsch    sagt  nehmen,    dafs    in    alter  Zeit  bei  Hinrichtung 

Bücheler  (Archiv  für  lat.  Lexikographie  1,  1884  30  eines  Bürgers  der  Semonia  ein  Sühnopfer  ge- 

S.  114)    cZu   seges   gehört   die   Saatgöttin   Se-  bracht  werden  mufste.     S.  Tutilina. 

gesta,  identisch  mit  der  von  seget  abgeleiteten  Sentia.   August.  4,  11  dea  Sentia  sententias 

Segetia'  (so  auch  Georges,  Lat.-deutsch.  Hand-  inspirando,   zu  den  Göttern  des  Kindesaltera 

wörterb.  s.  v.  Segetia.  Preller,  R.M.^i  S.  223);  gehörig;  Sp.  143  Z.  54;  vgl.  Sp.  167,  lff.  Har- 

Segesta  ist   ein  besonderer  Indiges  neben  Se-  tung  (fiel.  d.  Rom.  2  S.  240)  und  Scheiffele  (in 

getia,   vgl.   hierzu   Sp.  167,  lff.     Zum   Namen  Paulys  Realencycl.  6,  2  S.  2695  s.  v.  Vitumnus) 

vgl.  Grafsmann  S.   110  nr.  7.     Vanicek,  Etym.  nennen  die  Göttin  falsch  Sentina.     Zum  Namen 

Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  290.  (von  sent-ire)  vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1. 

Segetia  eine  Göttin  der  Saaten,   die  dann  Sentinus    der    Gott,    der    dem    Kinde    im 

angerufen  wurde,  cum  .  .  .  iam  essent  (sc.  fru-  40  Mutterleibe  Empfindung  verleiht,    Tertull.  ad 

menta)  super  terram  et  segetem  facerent,  August.  nat.  2,  11.    August.  7,  2.  3.   Sp.  143/144  Z.  9; 

4,  8;  24.  34.  5,  21.  Sp.   146,  10  ff.    Nach  Ma-  vgl.  Sp.  167,  lff.     Zum  Namen  vgl.  Grafsmann 

crobius  (Sat.  1,  16,  8)   hielt  in  alter  Zeit  der-  S.  llOf.   nr.  10.      Vanicek,   Etym.    Wörterb.  d. 

jenige,  der  den  Namen  der  Göttin  aussprach,  lat.  Spr.2  S.  296.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2 

feriae.  Auf  einer  Münze  der  Salonina  (Eckhel,  S.  1018  f. 

Doctr.  num.  7  S   419.  Cohen,  Med.  im/p.  Salo-  Septemontius.    Tertull.  ad  nat.  2,  15  (Sp. 

nine  26  [Bd.  4  S.  466])    ist  mit   der  Legende  146,  15  ff.) :   etiam  locorum  urbis  vel  loca  deos 

TJeae  Segetiae  eine  Frau  rdebout  dans  nn  temple  arfbitramini,   Ianum]  patrem  (et   diva  arquis 

ä  quatre   colonnes,   nimbee ,    tenant    de   denx  est    lana)    et   montium   Septem   Septemontium. 

mains   son  voile  au-dessus   de   sa  tete'  abge-  50  Im    cod.    Agobardinus    steht    montium    septe- 

bildet;  soll  dies  der  alte  Indiges  Segetia  sein?  montium;  Septem  hat  Öhler  hinzugefügt.  Preller 

Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.109nr.  2.  Vanicek,  (R.  M.3  2  S.  221)    sagt,   nachdem   er  von  den 

Etym.  Wörterb.  d.  lat.  Spr.2  S.  290.  Griech.-lat.  in    der    Stelle    genannten     Gottheiten    Ianus, 

etym.  Wörterb.  2  S.  989.  cDiva    Arquis'    (s.  Sp.  180,  57  ff.)    und    lana 

Seia  eine  Göttin  der  Saat,   die  man  anrief  gesprochen  hat:  'Dann  wurde  vermuthlich  das 

sata  frumenta  quamdiu  sub  terra  essent,  August.  sehr    alte    städtische    Fest    Septimontium    er- 

4,  8.  Sp.  146,  10  ff.     Plinius  (n.  h.  18,  8)   er-  wähnt';  nicht  bestimmter  drückt  sich  Bouche- 

wähnt  sie  mit  Segesta  (s.  d.),  von  der  Zeit  Nu-  Leclercq  (Les  Pontifes  S.  35)   aus:    cLe   Septi- 

mas  sprechend,  und  giebt  an,  dafs  sie  ein  Bild  montium  de  la  Rome  primitive  et  les  collines 

im  Circus  hatte  (vgl.  Sp.  186,  63ff.);  daher  hat  60  de   la  Rome  historique  avaient  leurs  patrons.' 

Scheiffele  (in  Paulys  Realencycl.  6,1  S.  912  s.v.  Nichts   hindert  aber,    in   der   Stelle   des    Ter- 

Secia)  bei  Tertull.  de  spect.  8  columnae  Sessias  tullianus  einen  Gott  Septemontius  zuerkennen; 

a  sementationibus,  Messias  a  messibus,  Tutulinas  ein    solcher    entspricht    einerseits    ganz    dem 

a  tutelis  fructuum  sustinent,   wo   offenbar  von  Charakter    der   Indigetes    als   Verkörperungen 

denselben  Bildsäulen  im  Circus   die  Rede   ist,  von     Begriffen     ( Sp.    174,    31  ff. ),     anderer- 

das   Sessias   wohl   richtig    in   Seias  verbessert  seits  der  durchaus  geschlechtlichen  Auffassung 

(Reiff'erscheid  hat  Sessias  im  Texte  beibehalten;  dieser  Gottheiten.     Die  vorstehende  Annahme 

übrigens  verbessert  Scheiffele  a.a.O.  Seia,  wo  hat  zur  Voraussetzung,  dafs  das  Wort  Septem 


223  Indigitarnenta  (Serra  —  Stata  mater)  Indigitarnenta  (Statanus  —  Sterculinius)  224 

mit   Recht   von   Öliler   hinzugefügt   ist.     Man  Hülfe  leisten,  nämlich  Volcanus,  (Iuturna),  die 

könnte  indes  die  Worte  noch  in  anderer  Weise  Nymphen    und    Ops    Opifera,    stattfindenden 

zu  emendieren  versuchen,  indem  man  den  Fehler  sacriticium  publicum  (Fasti  arvales  in  Ephem. 

an  anderer  Stelle  suchend  schreibt  et  montium  cpigr.  1    S.  35.    C.  I.  L.   6,  2295)   auch   Stata 

Septem    Montinum    oder    et   Montinum   Septem  mater  verehrt  worden   sei;   doch  ist  dies  un- 

montium ,  wonach  eine  Erwähnung  des  Indiges  beweisbar.     Die   Göttin  erwähnt   auch   Cicero 

Montinus  (s.  d.)  in  den  Worten  enthalten  wäre.  {de  leg.  2,  11,  28).     Verschiedene  falsche   Auf- 

??  Serra.     S.  Sp.  184,  51ff.  fassungen  der  Stata  mater  stellt  Scheiffele  in 

Spiniensis  (die  schlechteren  Handschriften  Paulys  Reahncycl.  a.  a.  0.   zusammen   (hinzu- 

Spinensis)  der  Gott  der  Dornen  (spinae),  den  10  zufügen  ist  Preller,  Die  Regionen  der  Stadt 
man  anfleht,  dafs  er  dieselben  aus  dem  Acker      Rom    S.  84    Anm.  *)) ;    unhaltbare    Ansichten 

entferne,  August.  4,  21.     Sp.  148,  8ff.  auch  bei  0.  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  d.  Stadt 

1  Stata  mater  die  Göttin,  die  bei  Feuers-  Rom  1    S.  256  f.    Anin.  2.      Zum    Namen    vgl. 

brünsten  das  Feuer  zum  Stehen  bringt.   Sp.  183,  Grafsmann   S.  110   nr.  7.     Cvrssen,   Ausspr.  ls 

Sff.    Fest.  S.  217  Statae  matris  simulacrum  in  S.  414.  416.  22  S.  429.    Vanicek,  Etym.  Wörterb. 

foro  colebatur.   postquam  id  f  collastravit  (Gutta  d.  tat.  Sp?-.2  S.  321.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb. 

stravit  Huschkc,   Sidla   stravit   H.  Jordan  in  2  S.  1134. 

FJphem.  epigr.  1  S.  231   und   Topogr.  d.  Stadt  Statanus  und 

Rom  1,  1  S.  525f.  Anm.  51),  ne  lapides  igne  Statilinus  zwei  Götter,  welche  den  Kin- 
corrumperentur ,  qui  plurimus  (so  Ursinus,  plu-  20  dem  das  Stehen  lehren.  Beide  zusammen 
rimis  die  Handschrift)  ibi  fiebat  (so  Ursinus,  nennt  Varro  Catus  de  liberis  educandis  (fr.  13 
fiebant  die  Handschr.)  noctumo  tempore,  magna  S.  249  Riese)  bei  Non.  S.  532  s.  v.  Statiiinum 
pars  populi  in  suos  quisque  vicos  rettulerunt  (Sp.  130,  52ff.),  den  Statilinus  allein  August, 
cius  deae  cultum.  Die  Stelle  ist  verschieden  4,21.  Sp.  144  Z.  32.  147,52ff.;  vgl.  Sp.  167, 1  ff. 
aufgefafst  worden;  im  Gegensatz  zu  der  Er-  Eine  von  Walz  (in  Paulys  Realencycl.  6,  1 
klärung  Hartwigs  (Bei.  d.  Rom.  2  S.  110)  und  S.  435)  erwähnte  Statana  giebt  es  nicht.  Zu 
Schciffeles  (in  I'aulys  Realencycl.  6,  1  S.  1394  den  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  111  nr.  11  (Sta- 
s.  v.  Stata  Mater),  dafs  das  Bild  der  Göttin  tanus).  S.lllf.nr.  13(wo  eine  nicht  existierende, 
auf  dem  Forum  allnächtlich  durch  angezündete  auch  von  Härtung,  Rel.  d.  Rom.  2  S.  241  an- 
Feuer verehrt,  und  dafs  nach  der  Pflasterung  30  gegebene  Form  Statulinus  neben  Statilinus  auf- 
des  Forums  dieser  Dienst,  um  das  Pflaster  geführt  wird),  Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat. 
nicht  zu  verderben,  in  die  einzelnen  Stadt-  Spr.'2  S.  321.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2 
quartiere    verlegt   worden   sei,    und    der   Auf-  S.  1134  (Statulinus!). 

fassung   Prellers  (R.  M.3  2   S.  153),    dafs   die  Statina  eine  Göttin,   welche  den  Kindern 

Göttin    'sowohl   die   Häuser   als   das   Strafsen-  das  Stehen  lehrt,  Tertull.  de  anima  39 :  prima 

pflaster  gegen  seine'  (des  Feuers)  'verheeren-  .  .  .  constitutio  infantis  super  terram  Statinae 

den  Wirkungen  schützte.  Das  erste  Beispiel  deae  (Gelenius.  statin*  aedeae  cod.  Agobard.) 
eines  Bildes  dieser  Stata  Mater   sah   man  auf      sacrum  est;  danach  hat  Oliler  jedenfalls  richtig 

dem  Forum,   nachdem  dieses  durch  Cotta  ge-  den  Namen  der  Göttin  ad  nat.  2,11  staiuendi 

pflastert   worden   war'    sagt  Jordan   (Ephem.  40  infantis  Staftina  . . .]  est  hergestellt  (Statilina 

epigr.  a.a.O.)    'vides   illum   quiscumque   fuit  Gothofrcdus,    vgl.    Marquardt,  Staatsvcrw.  32 

stravisse   hoc   est   deposuisse   statuam,   ut   ar-  S.  13  Anm.  11).   Sp.  143  144  Z.  32;  vgl.  Sp.  167, 

bores   aliaque  id  genus   sterni  dieuntur,    quo  1  fl'.     Zum  Namen   vgl.  die  bei  Statilinus   an- 

facto  vicatim  dea  illa   coli  coepta  est'.    Auf  gegebene  Litteratur    und   Corssen,  Atisspr.  ls 

jeden   Fall   ergiebt  sich   aus  der   Stelle,   dafs  S.  415 f.    2-  S.  152.  429. 

die    Göttin   zum    Feuer   in    Beziehung    stand,  Sterculinius  ein  Gott  des  Düngens,  Serv. 

dafs  ein  Bild  von  ihr  auf  dem  Forum  verehrt,  georg.   1,  21     (Sp.  129,  64 ff.):     a    stercoratione 

und  später  der  Kult  der  Göttin  in  die  einzelnen  Sterculinius   (so    cod.   Caroliruhens.  116;    ster- 

vici  übertragen  wurde.  Die  letztere  Angabe  culinus  cod.  Hamburg.  52;  stercilinius  cod. 
des  Festus  wird  durch  eine  Anzahl  von  Wid- 50  Lemovicens.;  sterquilinius  codd.  Parisin.  7959, 

mungsinschriften    an    Stata   mater    (C.    1.    L.  Vatican.  3317,  Monacens.  6394).    Sp.  147,  67ff. 

6,  763  —  766;    802   Volcano    Quitto   Augusto    et  Bei  Sere.  Aen.  9,  4   wird  Picumnus  falsch  mit 

Statae   Matri  Augustae  sacrum  u.  s.  w. ;   über  Sterculinius  (so  cod.  Caroliruhens.  116,   codd. 

die  Verbindung  des  Vulcanus  mit  Stata  mater  Sangaliens.  861  und  862,  cod.  Lipsiens.  rep.  I 

vgl.    Preller   S.  153 f.)    insofern    bestätigt,    als  nr.  36b;  sterquilinius  cod.  Reginens.  1674,  cod. 

dieselben   von   Magistri   vicorum    dargebracht  Monacens.  6394;  stericuUnius  cod.  Hamburg.  52) 

sind:  diese  Beamten,  die  in  den  ersten  Jahren  identificiert,    s.   den  Wortlaut  der  Stelle   bei 

ihres  Bestehens,  d.  h.  bis  zum  Jahre  6  n.  Chr.,  Pilumnus.    Die  neueren  Gelehrten  nennen  den 

den  Feuerlöschdienst   versahen,   werden   wohl  Gott  vielfach  nach  den  verschiedenen  Lesarten 

im  Zusammenhange  damit  den  Kult  der  Stata  co  der    Handschriften    Sterculinus   (z.  B.   Preller, 

mater  besorgt  haben  (Marquardt ,  Staatsverw.  R.  M.ä  1    S.  375),   Stercilinus   (z.  B.  Härtung, 

32  S.  205).  Weitere  Widmungen  an  Stata  mater  Rel.   d.  Rom.  2    S.  128.     Scheiffele    in   Pauli/s 

CLL.  6,762.  11,3321  (Statae  Augustae  Matri  Realencycl.  6,  1   S.  1417  Anm.**;  im   cod.  Le- 

sacrum  u.  s.  w.);    gefälschte  Widmung   Statae  movicens.  steht  aber  stercilinius),  Sterquilinius 

Fortunae  Augustae  u.  s.  w.     G.  I.  L.  11,  59*  (z.  B.  Schwegler,  R.  G.  1    S.  234.     Marquardt, 

(falsae).     Marquardt    (a.  a.   0.    S.   9    Anm.  2)  Staatsverw.   38    S.   17;    Sterquilinus    Scheiffele 

scheint  anzunehmen,  dafs  bei  dem  am  23.  Au-  a.  a.  0.).     Zum  Namen  vgl.  die  bei  Stercutus 

gust  für  die  Götter,  welche  bei  Feuersbrünsten  angeführte  Litteratur. 


225           Indigitamenta  (Stercutuä)  Indigitamenta  (Stimula)            226 

?  Stercutus  (Sp.  183,  29 ff.)  ist  die  der  bes-  gebildete  Namensforin  betrachten  {Jordan  in 
seren  handschriftlichen  Überlieferung  ange-  Prellers  B.  J/.3  2  S.  11  f.  Anm.  3  über  diese 
hörige  Naniensfoiin  eines  Gottes  des  Düngens  Form:  'vielleicht  spielend  und  vulgär';  vgl. 
an  folgenden  Stellen:  Plin.n.h  17,50.  Lactant.  zu  derselben  Grafsmann  S.  114  nr.  22.  Vanicek 
inst.  dir.  1,  20,  36  (stercutus  codd.  Parisin.  Eeg.  und  Corssen  a.  aa.  00.),  während  die  häufig 
1663.  Parisin.  1664.  Parisin.  Puteani  1662  von  angeführte  Form  Sterculius  (z.  B.  bei  Tertull. 
zweiter  Hand;  stereus  cod.  ßononiens.  701;  apol.  25  in  alten  Ausgaben,  von  Gothofredus 
sterculus  codd.  Palatino  -Vaticanus  161.  Parisin.  ad  nat.  2,  17  unnütz  hergestellt;  aufserdem 
Puteani  1662  von  erster  Hand,  Valentianens.  z.  B.  bei  Härtung,  Bei.  d.  Born.  2  S.  128. 
140)  und  imt.  epit.  16  (21),  2.  Macrob.  Sat.  10  Scheifj'ele  in  Paulys  Bedienend.  6,1  S.  1417 
1, 7,  25  (acc.  stercutian  die  mafsgebenden  Hand-  s.  v.  Sterculius.  Grafsmann  S.  110  nr.  2  e. 
Schriften  cod.  Bamberg.  M.  L.  V.  5  nr.  9  von  Bauche- Leeler  cq,  Les  Pontifes  S.  36.  Vanicek 
erster  Hand,  cod.  Parisio.  6371;  sterculium  und  Corssen  a.  aa.  00.;  Klausen,  Aen.  u.  d. 
cod.  Bamberg,  von  zweiter  Hand,  von  Eyssen-  Penaten  2  S.  862  Anm.  1646  meinte  sogar, 
hardt  in  den  Text  aufgenommen  [!]);  bei  dafs  an  sämtlichen  Stellen  Sterculus  oder  Ster- 
Interpol.  Sero.  Aen.  10,  76  weisen  die  Lesarten  culius  herzustellen  sei)  durchaus  schlecht  be- 
strietus  des  cod.  Floriacens.,  struetus  des  cod.  zeugt  ist  (z.  B.  von  zweiter  Hand  im  cod. 
Autissiodorens.,  und  gen.  stricuti  des  cod.  Bamberg,  des  Macrobius ,  s.  vorher).  Ster- 
Floriacens.  auf  ursprüngliches  stercutus  und  cutus,  der  naturgemäfs  als  Erfinder  des  Düngens 
stercuti  hin,  während  der  cod.  Turonens.  ster-  20  auftritt  (Plin.,  [Teitull.  ad  nat.  2,  9],  Lactant. 
cutius  und  gen.  stercutii  hat  (von  Thilo  in  den  mit  epit.,  Macrob.,  Isidor.,  der  ihm  auch  die 
Text  aufgenommen).  Die  Form  Stercutius  wird  Erfindung  von  Ackergeräten  zuschreibt),  wird 
von  den  besseren  Handschriften  geboten  bei  von  Pludus  als  König  und  Sohn  des  Faunus 
August.  18,  15  und  Isidor.  or.  17,  1,  3  (nach  bezeichnet;  er  ist  Vater  des  Picus  (Interpol. 
der  Ausgabe  des  Arevalus).  Danach  war  also  Serv.  Aen.),  der  ihm  nach  Isidor us  einen  Altar 
der  eigentliche  Name  des  Gottes  Stercutus  in  Rom  stiftet.  Augustinus  erzählt  (nach  Varro, 
(Stercutus  gebildet  wie  Nodutus,  Matuta;  vgl.  wie  vorher  angegeben),  dafs  der  Vater  des 
zum  Namen  Grafsmann  S.  110  nr.  7.  Vanicek,  Picus  Sterces  war,  der  das  Düngen  erfand: 
Etym.  Wörtern,  d.  lat.  Spr.2  S.  312f.  Griech.-  hunc  quidam  Stercutium  voealum  fcrwnt.  Dieser 
lat.  etym.  Worterb.  2  S.  1091  [an  beiden  Stellen  30  Sterces  ist  wohl  sicher  eine  gelehrte  Erfindung 
wie  bei  Georges,  Lat.-deutsch.  Handwö'rterb.  s.  (Jordan  a.  a.  0.  vergleicht  ihn  mit  den  Albaner- 
v.  Stercutus  sicher  falsch  Stercutus].  Corssen,  königen  [Aremulus  u.  s.  w.]),  wie  es  auch  jeden- 
Beiträge 3. ital.  Sprachkunde  S.  52) ;  doch  müssen  falls  die  vorher  genannten  legendarischen  Züge 
wir  hauptsächlich  auf  Grund  der  Stelle  des  sind  (vgl.  Sp.  187,  25 ff.).  Die  Gleichsetzung 
Augustinus,  die  auf  Varro  de  gente  populi  Bo-  des  Stercutus  mit  Saturnus  (August.,  Macrob., 
mani  zurückgeht  (Buch  2  fr.  f  22  bei  H  Ktttner,  Isidor.;  danach  Härtung,  Klausen  a.  aa.  00. 
Varronische  Studien.  Halle  1865  S.  73,  vgl.  Wuh  in  Paulys  Beahncycl.  6,1  S.  437.  Schwegler, 
dazu  S.  40ff.),  daneben  eine  Form  Stercutius  B.G.X  S.  233.  Marquardt,  Staatscerw.  32  S.  20. 
anerkennen  (vgl.  zu  derselben  Grafsmann  S.  109  Preller,  B.  M.3  2  S.  11;  Ambrosch,  Beligions- 
nr.  2b.  Vanicek  und  Corssen  a.  aa.  00.).  Nun  40  bucher  Heft  2  S.  242  Anm.  97  =  Abdr.  S.  22 
ist  bei  Tertxdl.  apol.  25  Sterculus  et  Mutunus  Anm.  97 :  'Dafs  er  eine  Qualitätsbestimmung 
et  Larentina  provexit  Imperium,  weiterhin:  des  Saturnus  gewesen,  scheint  sicher;  aber 
quem  coluerat  Saturnus  et  Iupiter?  ahquem,  eben  darum,  weil  er  einer  einzelnen  Funktion 
opinor,  Sterculum;  ad  nat.  2,  17  nimirum  Ster-  innerhalb  des  Machtgebietes  jenes  Hauptgottes 
eulus  et  Mfutunus  et  Larentina  provexit]  hoc  vorstand,  kann  man  ihn  nicht  identisch  mit 
Imperium,  die  Namensform  Sterculus  fast  ein-  demselben  nennen' ;  vgl.  dagegen  Sp.  174,  31  ff.) 
stimmig  von  den  Handschriften  überliefert  (nur  wie  die  des  Pilumnus  mit  Stercutus  (Interpol, 
apol.  25  haben  an  der  zweiten  Stelle  einige  Sero.  Aen.;  s.  oben  Pilumnus)  sind  nicht  minder 
Handschriften  tttreolum)  und  demgemäfs  ad  Erzeugnisse  gelehrter  Bearbeitung.  Ein  z.  B. 
nat.  2,  9  quid  Stercuflus  meruitj  ad  divinita-  50  von  Härtung,  Sclieiffele  und  Vanicek  (a.  aa.  00.) 
tem?  si  agros  stercoribus  iuvando  diligens  fuit,  angeführter  Stercenius  beruht  auf  der  von 
plus  fimi  [Aujgias  conferebat  von  Bigaltius  Daniel  in  der  verderbten  Stelle  Interpol.  Serv. 
richtig  hergestellt  worden  (Bei '/fei scheid  hätte  Aen.  11,  850  regis  DercenniJ  quidam  fdester- 
.  nicht  der  Ergänzung  Stcrcuflinus]  des  Gotho-  cenü  (derteenu  cod.  Autissiodorens.),  rege  Ab- 
frtdus  durch  Aufnahme  in  den  Text  den  Vorzug  originum,  hoc  romen  fichem  putaut  hergestellten 
geben  sollen).  Dafs  hier  wohl  nicht,  wie  in  Lesung  de  Stercenii  (de  Sterce  Masvicius);  da 
der  Überlieferung  des  Lactantius  (s.  vorher),  hierdurch  aber  die  Schwierigkeiten  der  Stelle 
nur  handschriltliche  Fehler  vorliegen,  sondern  in  keiner  Weise  gelöst  sind  (vgl.  Thilos  Ver- 
ein Name  Sterculus  wirklich  existierte,  ergiebt  mutung,  dafs  das  ganze  Scholion  zu  schreiben 
sich  aus  Prudent.  perist.  2,  449  ff.  Ianum  bi-  60  sei  Dercennii]  regis  Aboriginum.  hoc  nomen 
frontem  et  Sterculum  (so  alle  Handschriften)  fictum  est),  so  mufs  dieselbe  aufser  Betracht 
|  eolit   senatus   (horreo    \    tot   monstra   patrum  bleiben. 

dictre)  j  et  festa  Saturni  senis.  Da  nicht  an-  Stimula.  August.  4,  11  de  stimulis,  quibus 
zunehmen  ist,  dafs  bei  Tertuüianus  und  Pru-  ad  nimium  actum  homo  inpellitur,  dea  Stimula 
deidius  ein  anderer  Gott  gemeint  sein  könnte,  nominetur;  4,  16.  Sp.  143/144  Z.  47,  unter  den 
als  an  den  vorher  angeführten  Stellen,  so  Gottheiten  des  Kindesalters.  Es  ist  selbst- 
müssen wir  Sterculus  ebenfalls  als  eine  neben  verständlich,  dafs  diese  Göttin  mit  der  bei 
Stercutus  bestehende,  aber  ganz  verschieden  Ostia  in   einem  Haine   an  der  Tibermündung 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.   LT.  8 


227    Iudigitanienta  (Strenia — Tutanus)  Indigitamenta  (Tutilina — Venilia)    228 

verehrten  Stimula  =  Semele  (vgl.  über  dieselbe  Tutilina  dieGöttin,  welche  das  eingeheimste 

Müller-Beecke,  Etrusker  2  S.  78  und  Scheiffele  Getreide  beschützt  (Augut-t.).   Varro  1. 1.  5, 163; 

in  Paulys  Eealencycl.   6,1   S.  1427   s.   v.   Sti-  ders.  Hercules  tuam  fidem  (fr.  2  S.  148  Kiese, 

mula,  welche  beide  Göttinnen  nicht  recht  aus-  fr.  4  S.  184  Buch.3)  bei  Non.  S.  47  s.  v.  Tuti- 

einander    halten;    Preller,    B.    M.3    1    S.  324.  lina.     Tertull.  de  spect.  8,  der  von  einem  Bilde 

2  S.  366)  nichts  als  den  Namen  gemein  hat.  der  Göttin  im  Circus  spricht  (Tutulina  cod.  Ago- 
Zum  Namen  vgl.  Grafsinann  S.  108  nr.  1  ('besser  bard);  August.  4, 8  (ncc.  tuUinam  cod.  Corbeiens., 
aus  stimulare,  als  unmittelbar  aus  Stimulus  tutelinam  cod.  Monacens.  3831).  Sp.  146,  lOff. 
abzuleiten').  Vanicek,  JEtym.  Wörterb.  d.  lat.  Nach  Macrobius  (Sat.  1,  16,  8)  hielt  in  alter  Zeit 
Spr. 2  S.  327.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  10  derjenige,  welcher  den  Namen  der  Tutilina 
S.  1154.  nannte,  feriae;  die  Göttin  ist  wohl  in  der  bei 

Strenia  die  Göttin,  quae  faceret  strenuum,  Segesta  mitgeteilten  Stelle  des  Plinius  (n.  h. 
August.  4,  16;  11.  Sp.  143  Z.  49,  unter  den  18,  8)  bei  den  Worten  tertiam  ex  Ms  nominare 
Gottheiten  des  Kindesalters.  Ein  sacellum  sub  teeto  religio  est  gemeint  (dies  ist  deswegen 
Streniae  lag  an  der  Via  sacra,  Varro  l.  I.  zu  vermuten,  weil  sowohl  bei  Macrobius  a.  a.  0. 
5,  47.  Fest.  S.  290f.  s.  v.  sacram  viam  (vgl.  als  auch  bei  Augustinus  a.  a.  0.  Seia,  Segetia 
Ambrosch,  Studien  S.  3 f.  79.  Becker,  Topogr.  und  Tutilina  in  dieser  Reihenfolge  genannt 
S.  224ff.  530.  0.  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  d.  werden,  Plinius  aber  von  Seia  und  Segesta 
Stadt  Born  1  S.  217  mit  Anm.  5.  0.  Bichter  in  vor  jener  tertia  spricht;  Härtung,  Bei.  d.  Böm. 
Baumeisters  Denkmal,  d.klass.  Altert.  3  S.  1448,  20  2  S.  131  bezog  die  Worte  des  Plinius  auf  Se- 
in   Müllers    Handb.    d.    Mass.    Altert.  -  Wiss.  monia).     Wahrscheinlich  ist  aus  der  Angabe 

3  S.  762).  Mit  demselben  hängt  vielleicht  zu-  Varros  (l.  I.  a.  a.  0.):  Porcius...de  Ennio  scri- 
sammen  der  lucus  Streniae  bei  Symmach.  relat.  bens  dicit  cum  coluisse  Tutilinae  loca  auf  ein 
15,1  S.  291,  26f.  Seeck:  ab  exortu  paene  urbis  Heiligtum  der  Göttin  zu  schliefsen,  welches, 
Martiae  strenarum  «sms  adolevit  auctore  Tatio  da  Ennius  auf  dem  Aventinus  wohnte  (s.  Teuffei, 
rege,  qui  rerbenas  felicis  arboris  ex  luco  Streniae  Gesch.  d.  röm.  Tit.b  1  §100,2),  auf  diesem 
anni  novi  auspices  primus  accepit  (vgl.  Gilbert  Berge  zu  suchen  wäre  (vgl.  Becker,  Topogr. 
a.  a.  0.  Anm.  5);  vgl.  Ioliann.  Laur.  Lyd.  de  S.  165  f.).  Manches  Falsche  über  die  Göttin 
mens.  4,  4,  der  von  der  Festfeier  beim  Amts-  bei  Scheiffele  in  Paulys  Eealencycl.  6,2  S.  2267 
antritt  der  Konsuln  berichtet:  rpvXla  äs  Sdtpvns  30  s.  v.  Tutelina.  Gefälschte  Widmung  an  Tuti- 
idiSoßav,  a'jrfp  J y.dlovv  azqf)va,  zig  zißrjv  Sai-  lina  C.  I.  L.  6,  5  nr.  3155*  (falsae).  Zum  Namen 
fiovög  Ttvog  ovtco  TigoaayoQSvoiiivng,  r\xig  f'<p°"  V"gi.  Grafsmann  S.  Ulf.  nr.  13.  Vanicek  an 
gög   ieri   xmv   vi-xäv.     In   beiden   Nachrichten  den  bei  Tutanus  aa.  00. 

wird  Strenia  mit  den  zu  Neujahr  gewechselten  Tutunus  s.  Mutunus  Tutunus. 
strenae  in  Zusammenhang  gebracht;  in  diesem  Unxia  ist  bei  Amob.  3,  25  Name  eines  In- 
Sinne zählt  Preller  (B.  M.3  2  S.  234)  sie  zu  diges:  unctionibus  ...  superest  Unxia.  Sp.  147, 
den  rHeilgöttern'.  Es  läfst  sich  nicht  ent-  35f.  Vgl.  Sp.  1 7 2 ff . ,  wo  ausgeführt  wird,  dafs 
scheiden,  ob  die  Strenia,  nach  welcher  der  der  Indiges  Unxia  von  Inno  Unxia  verschieden 
lucus  benannt  war,  im  Grunde  identisch  ist  ist.  S.  Preller,  E.  M.3  2  S.  217  und  Iuno. 
mit  der  Strenia  der  Indigitamenta,  oder  ob  40  Vagitanns.  Dafs  es  einen  Gott  Vagitanus, 
hier  zwei  verschiedene  Göttinnen  vorliegen.  Indiges  des  vagitus  der  Kinder,  gab,  ist  Sp.  171, 

Subigus  pater  der  Gott,  welcher  bewirkt,  49 ff.  gezeigt  worden,  wo  nachgewiesen  ist,  dafs 
ut  viro  subigatur  (sc.  virgo),  August.  6,  9;  Varro  bei  Gell  16,  17,  2  (Sp.  138,  48ff.)  den 
Tertull.  ad  nat.  2,  11.  Sp.  143/144  Z.  65.  Zur  deus  Vaticanus,  den  deus  praeses  agri  Vati- 
Bezeichnung  pater  s.  Sp.  185,  61  ff.  Zum  Namen  cani,  mit  einem  Vagitanus  verwechselt,  und 
vgl.  Grafsmann  S.  108  nr.  1.  dafs  dieselbe  Verwechselung  in  den  Auszügen 

Subruncinator  der  Gott  des  Jätens  (*sub-  aus  Varro  bei  August.  4,  8  .  .  .  Vaticano,  qui 
runcinare),  welchen  nach  dem  Sp.  181,  7  ff .  infantum  vagitibus  praesidd;  4,  11.  21  wieder- 
mitgeteilten Fragmente  des  Fabius  Ptctor  bei  kehrt.  Sp.  143/144  Z.  23  (zu  der  Sp.  171,  60ff. 
dem  Interpol.  Serv.  georg.  1,21  der  Flamen  50  angeführten  Litteratur  ist  Scheiffele  in  Paulys 
bei  der  Darbringung  des  sacrurn  cereale  anruft.  Eealencycl.  6,  2  S.  2287  s.  v.  Vagitanus  hinzu- 
Vgl.  Sp.  181,  4lff.  Zum  Namen  vgl.  Grafs-  zufügen).  Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  110 f. 
mann  S.  113f.  nr.  21.    Vanicek,  Etym.  Wörterb.  nr.  10. 

d.  lat.  Spr.-  S.  242.    Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  Vallonia    die   Göttin   der  Thäler,   August. 

2  S.  820.  4,  8.  Sp.  145,  68 f.    Zum  Namen  vgl.  Grafsmann 

Tutanus.   Varro  Hercules  tuam  fidem  (fr.  1  S.  110  nr.  2c.    Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d.  lat. 

S.  148   Riese,    fr.  1    S.  184  Buch.3)   bei   Non.  Spr."  S.  267.  Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  901. 

S.  47    s.   v.   Tutanus:    ' noctu  Hannibalis   cum  f  ?  Vaticanus.     S.  Sp.  185,  25ff. 

fugavi  exercitum,  \  Tutanus  ob  tutandum  Eomae  Venilia.    [Varro  rerum  divinjarum  XIIII 

nuncupor ;    \    hacpropter   omnes ,   qui   laborant,  00  de   dis   certis   in  Schol.    Veronens.   Aen.    10,  76 

invocant'.     Sp.  175,  52ff.    182,  48 ff.     Da   sich  (Sp.  139,  2  ff.)    von    Venilia:    ' spes    cum    con- 

diese    Angabe    auf   das   bei    Rediculus    ange-  ciliata    non    frustra    esset    et    evenissfet    cre- 

führte  Ereignis  bezieht,  so  ist  es  wahrschein-  dere)  [.  .  Jbantm';  Tertull.  ad  nat.  2,11  fha- 

lich,  dafs  der  volle  Name  des  Gottes  Rediculus  beut   et   Pavejntinam  pavoris,   spei    Veniliam 

Tutanus   oder  Tutanus   Rediculus  war,   s.  Re-  (so  Gothofredus,  speiue- neleiam  cod.  Agobard.). 

diculus.      Zum    Namen    vgl.    Vanicek,    Etym.  August.    4,    11     de    spe    quae    venit     Venilia. 

Wörterb.  d.  lat.  Spr."  S.  111.     Griech.-lat.  etym.  Sp.  143  Z.  42.     Aus   diesen   Stellen  geht   her- 

Wörterb.  1  S,  314.  vor,   dafs   Varro  im  14.  Buche  der  Antiq.  rer. 


229            Indigitamenta  (Venilia)  Indigitamenta 'Verminus  —  Vica  Potaj   230 

divin.   die  Venilia  unter  den  Indigitamenten-  aus  Varros  14.  Buch  der  Antiq.  rer.  divin.,  bei 

gottheiten   als   eine  Göttin  der  Hoffnung  auf-  Tertullianus  und  Augustinus  als  eine  Göttin  der 

geführt  und  inren  Namen  von  venire  abgeleitet  Hoffnung,  des  Verlangens,  vielleicht  nicht  ohne 

hatte.     Aufserdem   hatte  er  aber  noch  andere  den  Nebenbegriff  der  Liebe,  denn  Preller  (a,.  a.  0. 

Deutungen  der  Göttin  aufgestellt:  August.  7,22  Anm.  1)  und  Vanicek  (Griech.-lat.  etym.  Wörterb. 

iam  utique  habebat  Salaciam  Neptunus  uxorem  a.  a.  0.)   haben   offenbar   richtig   den   Namen 

.  .  .  ut  quid  Uli  adiuncta  est  et   Venilia  .  .  .  ?  Ven-ilia  mit  Ven-us  (vgl.  Preller  1  S.  435)  in 

.  .  .  '  Venilia '    inquit   (sc.    Varro)    '  unda    est,  Zusammenhang  gebracht.    Für  die  Deutungen 

quae   ad   litus   venu;    Salacia,   quae  in  salum  der  Göttin  waren  vermutlich  die  falschen  Ety- 

redit'   (=  Thesaur.   nov.   latinitatis  bei   Mai,  10  mologieen  des  Namens  das  Bestimmende.    Bei 

Class.  Auct,  8  S.  604  Wide  Varro  'Venilia  es-tf  Vergiliiis  (Aen.  6,  90.  10,  76;  10,  615 f.    12,  22. 

inquit   'unda  u.  s.  Vf.),   vgl.   Varros  Worte   in  90.   933 f.;    12,  138.   222.   813.   844;    vgl.  Serv. 

den  Schol.  Veronens.  a.  a.  0.  'quam  deam  cum  Aen.   12,  29.     Serv.  und   Interpol.   Serv.  Aen. 

Neptuno  coniungunf ;   etwas  anders  l.  I.  5,  72  12,  139)  ist  Venilia,  die  Schwester  der  Amata 

Venelia  a  veniendo  et  vento  illo,  quem  Plautus  (Serv.  Aen.  6,  90.  12,  29;  über  Amata  s.  Bd.  1 

dicit  (Cist.  1,1, 15f.)  'quod  ibi  dixit  qui  secundo  Sp.  266f.),   Gattin   des  Rutulerfürsten   Daunus 

[vento]  vectust  tranquillo  muri  <  ventum  gaudco"1 .  (Bd.  1   Sp.  964,  59 ff.)   und   Mutter  des  Turnus 

Neben  Varros  Erklärungen  (vgl.  zu  denselben  und   der  Iuturna.     Üvidius  (met.  14,  333  f.)  er- 

das  Sp.  171,  44 ff.  Gesagte)  gab  es  noch  andere:  zählt,    dafs  Venilia    auf   dem   Palatinus    dem 

Interpol.  Serv.  Aen.  10,  76  sane  hanc  Veniliam  20  Ianus    die    Nymphe    Canens    (Bd.  1    Sp.  850f.) 

quidam  Salaciam  accipiunt,   Neptuni  uxorem:  geboren   habe.     Diese  Erzählungen   sind  wohl 

Salaciam   a  salo,   Veniliam  quod   veniam   det  wie  die  Verbindung  der  Göttin  mit  Neptunus 

f  negentibus    (exigentibus    Daniel,    vehentibus  als  dessen  Gattin  und  die  verschiedenen  Deu- 

F.  Scholl,   navigantibus  oder  egentibus  Thilo;  tungen  Erzeugnisse  gelehrter  oder  dichterischer 

sollte    etwa    zu    lesen    sein    quod    ventum    det  Erfindung   (vgl.   Bd.  1    Sp.  851,  9ff.   und   oben 

navigantibus    und    somit    die    Stelle    die   Er-  Sp.  187,  25  ff.). 

klärungen  Varros  enthalten?);  Schol.  Veronens.  ??  Verminus.  S.  Sp.  184,  29ff. 
a.  a.  0.:  [deam  Veniliajm  alii  Venerem,  quod  Vervactor  der  Gott  des  ersten  Pflügens 
in  mari  nata  Sit,  alii  nympham  quam  Graeci  der  Brache  (vervagere) ,  welchen  nach  dem 
Bowr{V)]v  vocant.  In  allen  Deutungen  erscheint  30  Sp.  181,  7  ff.  mitgeteilten  Fragmente  des  Fabius 
Venilia  als  Meeresgöttin,  und  in  diesem  Sinne  Pictor  bei  dem  Interpol.  Serv.  georg.  1,  21  der 
ist  sie  auch  meistens  von  den  neueren  Ge-  Flamen  bei  der  Darbriugung  des  sacruni  cereale 
lehrten  unter  Beibehaltung  der  Namensablei-  anruft.  Vgl.  Sp.  181,  41  ff.  Zum  Namen  vgl. 
tungen  der  Alten  aufgefafst  worden.  Härtung  Grafsmann  S.  113  f.  nr.  21. 
(Bei.  d.  Born.  2.S.  82f.  99;  so  auch  Zeifs,  *Vica  Pota  (Sp.  178,  15f£),  nach  Ausweis 
Buperti  [vgl.  Scheiffele  in  Paidys  Bealeneycl.  ihres  Namens  eine  Siegesgöttin  (Vic-a  zu  vic-tor, 
6,2  S.  2442  s.v.  Venilia];  Corssen  in  Zeitschr.  vi-n-c-ere  u.  s.  w.  gehörig:  Corssen ,  Krit. 
f.  vgl.  Sprach  forsch,  3,  1864  S.  300)  hält  sie  Beitr.  z.  lat.  Formenl.  S.  61.  Aicsspr._  l2  S.  88. 
für  eine  Göttin  der  Seewinde  (rVenilia  .  .  .  aus  499.  Grafsmann  S.  108  nr.  1.  Vanicek,  Etym. 
einerlei  Stamme  mit  ventus'),  Klausen  (Aeneas  40  Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  S.  281.  Griech.-lat.  etym. 
u.  d.  Penaten  2  S.  783.  818.  878)  und  Scheiffele  Wörterb.  2  S.  961;  Pot-a  zu  pot-ens,  potiri 
(a.  a.  0.)  für  die  Göttin  der  glücklichen  An-  u.  s.  w.  gehörig:  Corssen,  Krit.  Beitr.  S.  80. 
kunft  (also  Venilia  von  venire).  Zu  venire  Krit.  Nachtr.  z.  lat.  Formenl,  S.  248.  Ausspr. 
stellt  den  Namen  auch  Vanicek,  Etym,  Wörterb.  1-  S.  425.  Grafsmann  a.  a.  0.  Vanicek,  Etym. 
d.  lat.  Spr.''  S.  73  mit  Hinweis  auf  August.  Wörterb.  d.  lat.  Spir.2  S.  144.  Griech.-lat.  etym. 
7,  22  unda  est  quae  ad  litus  venit,  während  er  Wörterb.  1  S.  447.  Curtius,  Grunds,  d.  griech. 
Griech.-lat.  etym.  Wörterb.  2  S.  883  Venilia  Etym.5  §  377  S.  282),  hatte  nach  Livius  (2,  7, 12) 
als  'Göttin  der  Hoffnung,  des  Verlangens'  mit  und  Plutarchus  (Pabl.  10)  ein  Heiligtum  in  der 
venia  (Gunst,  Huld,  Gnade,  Erlaubnis,  Nach-  Nähe  der  Velia  (infra  Veliam  et  ubi  nunc  Vicae 
sieht,  Verzeihung),  Venus  zusammenstellt.  50  Potae  est,  domus  [des  Valerius  Publicola]  in 
Preller  (B.  M.3  2  S.  121)  hält  Venilia  für  eine  infimo  clivo  aedificata;  Plutarchus  sagt  von 
der  Liebesgöttin  Venus  verwandte  Quellen-  demselben  Hause  des  Valerius  oizov  vvv  icgöv 
göttin  (als  eine  '  Nebengöttin '  [!]  der  Venus  iativ  Ovinag  TLözag  övo(iu'c,öy,svov);  vgl.  -Aro- 
bezeichneten Klausen  a  a.  0.  2  S.  1226  und  brosch,  Studien  S.  120 f.  Becker,  Topogr.  S.  249 ff. 
Scheiffele  a.  a.  0.  in  unklarer  Weise  die  Venilia).  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  d.  Stadt  Born  1 
Ambrosch  (Beligionsbücher  Heft2  S.237Anm.51  S.  108  Anm.  1.  S.  156  Anm.  2.  Jordan,  Topogr. 
=  Abdr.  S.  17  Anm.  51)  trennte  Venilia  die  d.  Stadt  Born  1,  2  S.  416.  Bichter  in  Bau- 
Göttin  der  spes  quae  venit  (Varro  in  Schol.  meisters  Denkmal,  d.  klass.  Altert.  3  S.  1489, 
Veronens.  a.  a.  0.,  Tcrtull,,  August.)  von  Venilia  in  Müllers  Handb.  d,  klass.  Altert. -Wiss.  3 
der  Gattin  des  Neptunus;  der  gleiche  Name  co  S.  835.  Die  Gö'ttin  wird  aufserdem  von  Cicero 
berechtige  keineswegs,  beide  Göttinnen  für  (de  leg.  2,  11,  28;  vgl.  dazu  E.  Hoffmann  in 
identisch  zu  halten.  Dies  ist  aber  wohl  nicht  N.  Jhrb.  f.  Ph.  117,  1878  S.  715f.)  erwähnt; 
richtig;  wir  haben  es  hier  offenbar  mit  mannig-  ferner  bei  Seneca  apocol.  9  Diespiter  Vicae 
fachen  Deutungen  ein  und  derselben  Göttin  zu  Potae  filius  .  .  .  nnmmulariolus .  allerdings  in 
thun.  Diese  Göttin  erscheint  an  denjenigen  scherzhafter  Weise  (Preller ,  B.  M.3  2  S.  245 
Stellen,  welche  für  die  Ermittelung  ihrer  wirk-  Anm.  1  vermutet,  dafs  hier  eine  Göttin  des 
liehen  Bedeutung  allein  in  Betracht  kommen,  Erwerbs  gemeint  sei;  vgl.  auch  Ambrosch, 
nämlich  in   dem  oben  angeführten  Fragmente  Studien    S.  121    Anm.  72).      Ascon.    Pison.   52 

8* 


231    Indigitamenta  (Victa  —  Virginiensis)  Indigitamenta  (Viriplaca  —  Voluninus)   232 

S.  12,  8  K.  u.  Seh.  sagt,  von  dem  Hause  des  zona  soluitur,  .  .  .  dea  Virginiensis  vocetur.  6,9 
Valerius  redend,  tub  Veliis  ubi  nunc  aedis  adest  ...  dea  Virginiensis  et  deus  putcr  Subigus 
Victoriae  est,  nennt  also  der  Sache  nach  ganz  (s.  d.)  .  . .  adtst  Virginiensis  dea,  ut  virgini  zona 
richtig  die  Vica  Pota  Victoria  (von  einem  solcatur.  Sp.  143/144  Z.  62. 
cMifsverständiiis.-e'[tri7öe)ia. a.  0.  S.  108Anm.  1]  *Viriplaca  die  Göttin,  welche  die  erzürnten 
kann  ebensowenig  die  ßede  sein  wie  von  einer  Männer  besänftigt  und  Frau  und  Mjnn  ver- 
Notwendigkeit der  Umänderung  des  Namens  söhnt,  Valer.  Max.  2.  1,  6,  wo  angegeben  wird, 
Victoria  in  Vica  Pota  [Becker  a.  a.  0.  S.  251]).  dafs  bei  entstandenen  Zwistigkeiten  die  Ehe- 
Zum  Doppclnamen  vgl.  Sp.  186,  26 ff.  Jordan  gatten  in  das  Heiligtum  der  Göttin  in  Palatio 
(in  Prellers  R.  M.s  2  S.  245  Anm.l)  erklärt,  dafs  10  (vgl.  Becker,  Topogr.  S.  421.  Richter  in  Bau- 
bei  Arnobius  3,  25  Victa  (s.  d.)  et  Potua  (s.  d.)  meisters  Dtnhn.  d.  Mass.  Altert.  3  S.  1484,  in 
sanetissimae  victui  potuique  procurant  zu  lesen  Müllers  Rum  Ib.  d.  Mass.  Altert. -Wiss.  3  S.  828. 
sei  Vua  und  fügt  hinzu  'es  war  also  ein  Gilbeit,  Gesüi.  u.Tupogr.d.  Stadt  Rani  3  S.  430) 
schlechter  Witz,  wenn  man  den  veralteten  gingen,  dort  wechselseitig  ihre  Anliegen  aus- 
Namen nach  seiuem  letzten  Theil  so  umdeutete';  sprachen  und  versöhnt  zurückkehrten.  Sp.  177, 
ähnlich  Georges,  Lot.  -  deutsch.  Handivörterb.  5aff.  Haltung  (Rel.  d.  Rom.  2  S.  39)  will  in 
s.  v.  Vica  Pota,  nach  welchem  Vica  Pota  =  Viriplaca  die  luno  erkennen.  Zum  Numen 
Victa  und  Potua,  und  E.  Hoffmann  a.  a.  0.  vgl.  Grafsmann  S.  Iu8  nr.  1. 
S.  716  Anm.  5:  'die  Potica  als  diva  potandi'  Vitumnus  der  Gott,  welcher  dem  Kinde 
hei  D<  nat.  Ter.  Pharm.  1,  l,  15  (s.  Potina)  20  im  Mutterleibe  das  Leben  verleiht,  Tertull.  ad 
'ist  eben  nur  die  dem  trivialen  Verständniss  nat.  2,  11.  August.  7,  2.  3.  :-p.  143/144. Z.  8. 
näher  gerückte  Pota,  und  wie  auch  Vica  neben  Der  Name  Vitu-mn'u-s  (für  *Vito- meno-s)  ist 
Pota  die  gleiche  Ausdeutung  uud  Umänderung  das  Participium  (s.  über  die=e  Bildungen  die 
erfuhr,  zeigt  Arnobius  3,  25'  (s.  Victa).  Das  bei  Alemona  angegebene  Litteratur)  eines  vom 
Abgeschmackte  und  Falsche  solcher  Annahmen  Stamme  in  vita  abgeleiteten  VerbaLtaninies 
liegt  auf  der  Hand.  *vito-,   vgl.   Corssen,  Ausspr.  \-  S.  435  Anm. 

Victa   die  Göttin   des  victus,  Arnob.  3,  25  S.  528.    2S  S.  174.    Vanicek,  Etym.  Wörterb.  d. 

Victa  (so  Sabaeus,  vita  die  Handschrift,  Victua  lat.  Spr.2  S-  84.    Gritch.-lut.  etym.  Wöiterb.  1 

Ursinus)  tt  Potua  sanetissimae  victui  potuique  S.  227.     Beckstein   in    der    bei    Alemona    an- 

procurant.    Sp.  148,  20ff.    Uie  Emendation  des  so  geführten   Abhandlung    S.  391  f.    394;     anders 

Sabaeus  ist  jedenfalls  richtig,  der  Gedanke  an  Grafsmann  S.  112  f.  nr.  15  (eine  daseibot  neben 

Vica  Puta  (s.  d.  am  Eude)  ist  durch   die  Er-  Vitumnus  aufgeführte  Form  Vitunnus  existiert 

klärung  des  Arnobius  vollständig  ausgeschlossen  ebensowenig  wie  die  von  Georges,  Lut.-deutsTi. 

(vgl.  August.  6,  9   | Sp.  131,  17ff.J  deinde  coepit  Hundwärterb.  8.  v.  Vitumnus  angeführte  Form 

[sc.  Varro]  deos  alias  ostendere,  qui  peitmtreut  Vitunu»). 

non  ad  ipsum  hommtm,  sed  ad  ta  quue  sunt  Voleta  eine  Göttin  des  Willens,  Tertull.  ad 

hominis,  sicuti  est  victus  u.  s.  w.).  Marquardt  nat.  2,  ll  unter  den  Göttern  des  Kindesalters. 

(Stautscerw.  32  S.  13  Anm.  6)  hält  Victa  falsch  Sp.  143  Z.  40;  vgl.  Sp.  167,  1  ff .     S.  Volumna. 

für  identisch   mit  Edusa  (s.  d.).     Zum  Namen  Zum  Namen  vgl.  Grafsmann  S.  110  nr.  7. 

(Vic-ta)  vgl.  Grafsmann  S.  108f.  nr.  1  ('"Victua,  40      Volumna  eine  Göttm  des  Willens,  August. 

wie  wohl   statt  des  undenkbaren   Victa  ...  zu  4,  21  unter   den  Göttern   des  Kindesalters   (ut 

lesen  ist').    Vanicek,  Griech.-lut.  etym.  Wörterb.  bona  vellent).     Sp.  144  Z.  40;  vgl.  Sp.  167,  lff. 

1  S.  227.  Härtung   {Rel.   d.   Rom.  2    S.  240)    nennt    die 

Viduus  der  Gott,  der  beim  Tode  die  Seele  Göttin,  die  er  für  luno  hält  (!),  falsch  Volumnia. 

vom   Körper    scheidet,    Tertull.   ad  nat.  2,15  Preller  (R.  ili.3  2  S.  212)  unterscheidet:  'JJiyus 

fViJduus,    qui  animnm   corpore  viduet,   quem  Volumnus'   (s.  d.)  'und  Diva  Volumna ...  sind 

intra  muros  cludi  n[on  admitjtendo  damnastis,  die  Götter  des  Verlangens'  (?),    'während  die 

woraus   auf  ein  Heiligtum  des  Gottes   aufser-  .  .  .  Diva  Voleta   mehr  das   sittliche   Wollen 

halb  der  Stadt  zu  schliefsen  ist.  Sp.  145  Z.  72.  (velle)   im   Gegensatze   zu   dem   Nicht -Wollen 

Die    Stelle    des   Cyprian.   quod   iaola   dii  non  50  (nolle)  ausdrückt.'     Der  Name  Vol-u-mna  ist 

sint  4:  ut  sit  apud  illos  Viduus  deus,  qui  anima  ein  Participium  (s    über   diese  Bildungen   die 

corpus  viduet,  qui  quasi  feralis  tt  funebris  in-  bei  Alemona  angegebene  Litteratur)  von  vol-o; 

tra  muros  non  habttur,  sed  foris  conlocatur  et  vgl.  Grafsmann  S.  112 f.  nr.  15.  Corssen,  Ausspr. 

mhilominus    (is   vel    deus   fügt    Vonek   hinzu),  1-  S.  528.  22  S  171.    Vanicek,  Etym.  Wörterb. 

quia   extorris  factus   damnatur   ist   eine   alte,  d.  lat.  jSpr.2  S.  265f.   Grtech.-Iat.  etym.  Wörterb. 

aus  Tertull.   ad  nat.  2,  15  genommene  Inter-  2  S.  889.     Beckstein  in  der  bei  Alemona  an- 

polation  der  cyprianischen  Schrift,  s.  Asceusus  geführten  Abhandlung  S.  3S9. 

und  Orboua.     Härtung  (Rel.  d.  Rom.  i  S.  90)  Volumnus   ein  Gott   des  Willens,   Minuc. 

will  Viduus  als  Beinamen  des  Orcus  auflassen;  Fei.  Oct.  25;   Tertull.  ad  nat.  2,  11  und  August. 

andere   unhaltbare  Ansichten  bei  Scheiffele  in  60  4,  21  unter  den  Göttern   des  Kindesalters  (ut 

Pauh/s  Realencijel.  6,  2  S.  2593f.  s.  v.   Viduus  bona  vellent,  August.).    Sp.  143/144  Z.  39;  vgl. 

(=  Pluto!  u.  s.  w.).    Eine  von  Bouche  -Leclercq  Sp.  167,  lff.     Hurtung  (Rel.  d.  Rom.  2  S.  240) 

(Les  Pontifes  S.  34)   angeführte   Göttin  Vidua  und  Scheiffele  (in  Paulys  Realencycl.  6,  2  S.  2744 

ist  nirgends  bezeugt.  s.  v.    Volumnus)  halten  Volumnus  für  Iuppiter 

Virginiensis  (Virginensis  cod.  Monaeensis  (! ;   bei  Scheiffele  überdies  falsche  Auffassung 

lat.  3831)  die  Göttin,  welche  die  Braut  anruft,  des     Gottes).      S.    Volumna.      Naniensbilduug 

wenn  sie  im  Begriff  steht,   ihre  Jungferschaft  (Vol-u-mnu-s)  wie  bei  Volumna,  s.  die  daselbst 

preiszugeben,  August.  4,  11  cum  virgini  uxori  angegebene  Litteratur. 


233    Indigit.  (Volup.,  Volut.)  —  Indulgentia  Inferi  (älteste  Vorstellungen)         234 

Volupia  die  Göttiu  des  behaglichen  Wohl-  324ff.;   S.  502,  Salonine  54. —  6  S.  5,   Macrien 

seins,  des  Vergnügens,  Tertull.  ad  nat.  2,  11.  jeune  6.    S.  7,  Quietus  6).     Dagegen  ist  sie  in 

August.   4,   8.    11    unter    den    Gottheiten    des  der  Gestalt  der  Spes  auf  Münzen  des  Alexander 

jugendlichen  Alters.  Sp.  143/144  Z.  43.    Nach  Severus,  des  Gallienus.  Probus  und  Florianus 

Macrobius   (Bat.  1,  10,  7)  brachten    in  saollo  (Cohen,  m.  i.2  4  S.  408,  Alex.  Se'v.  65  ff.  —  5  S.  .376, 

Volupiae  die  Pontifices   am  21.  Dezember  der  Gallien  321  ff.  —  6  S.  243,  Flor  29.  S.  283,  Prob. 

Augerona  ein  Opfer  dar  (s.  Bd.  1  Sp  348,55ff);  303  ,  einmalaneh  in  der  der  Providentia  gebildet 

dieses  sacellum  Volupiae  erwähnt  auch  Varro  (5  S  377,  Gallien  331 ).   Ihr,  als  der  Indulgentia 

7.  7.  5.  164.   Masurws,  den  Macrobnts  (§  8)  an-  domini,  errichtete  in  derselben  Zeit  der  Qnin- 

führt  (fastonon  fr.  12  S.  125  Huscbke'),  spricht  10  quenDalis  Caecilius  Natalis  in  Cirta  eine  Kapelle 

von  einem  in  ara  Volupiae  befindlichen  Bilde  mit  einer  ehernen  Statue  (C.  /.  L.  8,  7095  ff. ; 

der  Angerona  (mit  der  Erklärung  der  Verbin-  vgl.  6996).    [Auf  Münzen  des  Septirnius  Severus 

düng   dieser  beiden  Göttinnen:   quod  qui  suos  und   Caracalla  ist   neben   der  Inschrift  Indul- 

dolores  anxietatesque  dissimulunt  perveniant pa-  gentia.  Augg.  in.  Italiam  oder  in  Carth.  nicht 

tientiae  beneficio  ad  maximam  eohiptatein ;  zur  etwa  die  Ind.  sondern   vielmehr   die   personi- 

ara  Volupiae  vgl.  Mbmmsens  Supplemente  zu  ficierte  Itaba  oder  die  Stadtgöttin  von  Carthago 

den  Faxti  Praenestini  zum  21.  Dezember  G.  I.  (vgl.  Inno  Caelesti*)  oder  neben  Indulg.  fecunda, 

L.  1  S.  319,  dazu  S.  409  zum  21.  Dezember)     Da  der  reichen  Gnade,  eine  verschleierte,  auf  einem 

Varro  (2.7.6,23   jenes  Opfer  der  Angerona  in  kuruli>chen    Stuhl    sitzende,    mit    Mauerkrone 

curia  Acculeia  dargebracht  werden  läfst,  so  ist  20  und  Scepter  versehene  Frau  (Iulia?)  dargestellt 

anzunehmen,  dafs  das  sacellum  und  die  ara  Vo-  (Cohen,  m.  i.-  4  S.  27,  Sept.  Severe  228.   S.  153, 

lupiae  t-ich in  der  curia  Acculeia  befanden;  vgl.  Caracalla  102)] 

hierzu  u.  überhaupt  zu  der  Göttin  Becker,  Topogr.  Endlich  findet  sich  auf  Münzen  des  Postu- 

S.  114.  492.  Preller,  E  Mä2S.  36  f.    Mommsen  mus    (Cohen,    m.    i.2   6    S.  31,   Postume  145  f.) 

im  C.I.  L.l  S.  409  zum  21.  Dezember.  Gilbert,  die  Indvlg.   pia  Postumi  Aug.  so   verkörpert, 

Gesch.  und  Topogr.  d.  Stadt  Rom  1  S.  56 ff.  2  dafs  der  Kaiser  selbst  einer  vor  ihm  knieenden 

S.  104  ff.    Eiehttr  in  Baumeisters  Denkmal,  d.  Frau   die  Hand  reicht.     Diese  Frau  trägt  auf 

Mass.  Altert.  3  S.  1496,    in  Müllers  Ha-udb.  d.  einer  ähnlichen  Münze  des  Victorinus  ein  Füll- 

klnss.  Altert  -Wiss.  3  S.  846;  manches  Falsche  hörn   (Cohen  6   S.  73,    Victorine  pere  43),    so 

über  die  Göttin  bei  Scheiffele  in  Paulys  Peal-  30  dafs    sie   Vertreterin    eines    Landes    zu    sein 

encycl.  6,  2  S.  2744   s.  v.    Volupia.     Eine   ge-  scheint.     [Steuding.] 

fälschte  Widmung  Voluptiae  dene  piotentiu.  s.w.  Inferi,    die    Unterirdischen,    die    Bewohner 

C  /.  L.  11,  47*  (falsae).  Zum  Namen  vgl.  Grafs-  der  Unterwelt  bei  den  Piömern. 

mann  S.  109  nr.  2.    Corsstn,  Avsspr.  22  S.  597.  _     »,.     .                        t,                     ,    ..     -, 

1024.     Vanicek,  Etym.   Wörterb.  d.  lat.  Spr.-  L    älteste   aus   den  Bestattungsbrauehen 

S.  266.     Griech.lat.  ttym.  Wörterb.  2  S.  890.  lmd  ,dem    Grabkultus     ersichtliche    Vor- 

Volutina.    August.  4,  8  praefecerunt   ergo  Stellungen  über  das  Wesen  der  Inferi. 

.  .  .  inroluwenlis  folliculorum  deam   Volutinam.  Bei   dem    Schwanken    der  Meinungen   und 

Sp.  146,  10  ff.     Zum   Kamen   vgl.    Grafsmann  der  Unklarheit  und  Unvollständigkeit  der  Be- 

S    Ulf.  nr.  13.     Vanicek,  Etym.   Wörterb.  d.  40  richte    über   die  in   Bezug  auf  das   Fortleben 

lat   Spr.2  S.  270.    Grieeh.-lat.  etym.  Wörterb.  2  des  Menschen  nach  dem  Tode  in  ältester  Zeit 

S.  916.                                                 [R.  Peter.]  in  Rom  herrschenden  Vorstellungen  bieten  uns 

Indos  ('ivSög),  1)  Sohn  der  Ercle,  Stamm-  einen  Anhalt  für  eine  einigermafsen  zuver- 
vater  der  Inder,  von  Zeus  getötet;  Nonn.  lä-sige  Beurteilung  nur  die  im  Laufe  der 
Dionys.  18,  271.  —  21  Gemahl  der  Nymphe  Jahrhunderte  fast  unverändert  gebliebenen  Be- 
Kalauria  und  Vater  des  Ganges;  Pseudo-Plut.  stattungsbräuche  und  die  den  Gräberkult  be- 
cle  fluv.  4.  —  3)  Ein  angesehener  indischer  treffenden  Sitten  und  Vorschriften,  insoweit 
.Jnngling,  welcher  der  Damasalkida,  der  Tochter  sie  einen  Schlufs  auf  jene  zu  Grunde  liegen- 
des Königs  Oxyalkes,  Gewalt  anthat  und  sich  den  Anschauungen  gestatten.  Von  ihnen  mufs 
aus  Furcht  vor  Strafe  in  den  Flufs  Mausolos  50  also  ausgegangen  und  die  spätere  Überlieferung 
stürzte,  der  nun  nach  ihm  Indos  benannt  nur  zur  weiteren  Ausführung  der  aus  jenen 
wurde;  Pseudo-Plut.  de  fluv.  25.  —  4)  Ein  Bräuchen  erschlossenen  Grundzüge  verwendet 
König  in  Skythien,  der  zuerst  das  Silber  ent-  werden, 
deckt  haben"  soll;  Hyg.  fab.  274.     [Höfer.]  Wenn    nun   auch   die    Frage,    welche    der 

1  ml  u  In  ent  i  ■> .    die    personificierte   Nachsicht  beiden  Hauptarten  der  Bestattung,  Beerdigung 

und  Gnade,  eine  der  Clementia  (s.  d )  ähnliche  oder  Verbrennung  der  Toten,  in  Bezug  auf  den 

Gestalt,  welche  wohl  in  der  Zeit  des  Hadrianus  latinischen  Stamm  in  Mittelitalien  die  absolut 

und  in  Rücksicht  auf  diesen  (vgl.  C.  I.  L.  8,  ältere  ist,  noch  nicht  als  endgültig  gelöst  be- 

8813  f)  entstanden  ist.    Auf  Münzen  erscheint  trachtet   werden   darf,    so   kann   doch  für  Be- 

sie    als   Indulgentia  Aug.,    selten   absolut    als  60  urteilung  der  f'ir  uns  erkennbaren  Anschauungs- 

Indnlgentia    bezeichnet,     sitzend    mit    ausge-  weise  der  alten  Römer  durchaus  nur  die  erstere 

streckter    Rechten    und    mit    Scepter.     Schale  in  Betracht  kommen;  denn  auch  bei  der  später 

oder     Zweig     (Cohen,    med.    imp. 2  2    S.    176,  gewöhnlichen  Verbrennung  wurden  die  eigent- 

Adrien   845  ff.;    S.  250,    Sabine   36  f.;   S.  314,  lieh    sakralen   Gebräuche   durchaus   von  jener 

Autonin    452  ff.  — 3    S.    146,     Faustine    jeune  entlehnt,    wie    z.    B.   die   Weihung    der    Ver- 

118.    S.  181,    Lucius  Verus  114.   —   4    S.   26,  brennungsstätte   nur   durch    das  Werfen   einer 

Septime    Severe    216.     S.   154,    Caracalla    103.  Erdscholle  auf  das  Antlitz  des  Toten  erfolgte 

S.  507,  Maximin  I  16  ff.  —  5  S.  377,  Gallien  (Varro  bei  Non.  S.  163  s.  Proeädaneum.  Fett. 


235      Inferi  (älteste  Vorstellungen)  lnferi  (älteste  Vorstellungen)       236 

S.  218.  Paul.  S.  223  s.  Praecidanea),  und  in  iacent  12,  3464.  haec  certa  est  domus,  haec 
älterer  Zeit  deshalb  sogar  irgend  ein  Teil  der  colenda  nobis  .  .  ■  Orelli  4850),  so  dafs  es  als 
Leiche,  wenigstens  aber  ein  Finger,  unver-  domus  aeterno,  oder  aeternalis  (C.  I.  L.  1,  1008. 
brannt  für  sieh  beerdigt  werden  rnufste  ( Yarro  1059.  8,  5168  u.  öfter.  10,  2066.  12,  1686. 
de  l.  1.  5,  23.  Cic.  de  leg.  2,  22,  55  ff.  24,  60.  4123.  14,  229.  785.  1335  u.  s.  w.),  leti  domus 
Tusc.  1, 12, 27.  Paul.  Diae.  S.  148  s.  v.  menibrwm.  (1,  1009),  domicilium  (12,  4924),  sacrata  sedes 
Plin.  n.  h.  2,  63,  154.  7,  54,  187.  Plut.  quaest.  (12,  5271)  oder  patria  (8,  79)  bezeichnet  und 
Rom.  79.  Nima  22;  vgl.  M aller,  Etr. -  2  S.  164.  nach  Art  einer  Kammer,  eines  Hauses  (Mar- 
Marquardt,  Handb.  5,  1  S.  575  f.).  Dasselbe  guardt,  H.  d.  r.  A.  6,  1  S.  367  fl.  Deecke  bei 
beweist  der  Glaube,  dafs  nur  die  regelrecht  10  Müller,  Etr.-  1  S.  239,  26.  2,  242,  46;  vgl. 
beerdigten  Toten  (manes  rite  conditi)  im  Grabe  Jordan,  Topogr.  1,  1  S.  549  f.  Schreiber,  Kulturh. 
Ruhe  finden  (Plaut.  Biostell  2,  2,  6S.  Ennius  Bilderati.  Tf.  96  ff.)  oder  auch  als  kleiner  Tempel 
bei  Cic.  pro  Mil.  33,  91.  Tusc.  1,  44,  107.  (Bergan  in  d.  Arch.  Zeit.  24,  1866  S.  261*  ff. 
Verg.  Aen.  4,  620.  6,  333.  Plin.  ep.  7,  27,  11.  CLL.  10,  7566.  7574.  7719;  vgl.  7578.  14,480, 
Suet.  Calig.  59.  Tertull.  de  anima  56.  Serv.  V.  meistens  freilich  in  Versen)  angelegt  wird.  Vgl. 
Aen.  4,  386;  vgl.  unten  Sp.  248  n.  254),  offen-  auch  die  Aschenkisten  iu  der  Gestalt  eines 
bar  ■weil  der  Aufenthaltsort  des  Leibes  den  Hauses  oder  einer  Hütte  bei  Daremberg  et 
der  Seele  mit  bestimmt  (Propert.  4,  5,  3;  vgl.  Saglio  Dict.  des  ant.  s.  v.  domus.  Oft  wird 
die  Bewachung  der  manes  des  älteren  Scipio  daher  eine  arca  (C.  L.  L.  sehr  oft),  ein  forum 
Africanus  durch  einen  draco,  Plin.  n.  h.  16,  20  oder  vestibulum  sepulcri  (12  Tafelgesetze  bei 
44,  85,  der  wohl  eigentlich  sein  genius  ist,  Cic.  de  leg.  2,  24,  61.  Orelli- Henzen  7365), 
siehe  Bd.  1  Sp.  2467,  14  ff. ;  vgl.  auch  die  d.  h.  ein  Versammlungsraum  der  Verstorbenen, 
ähnliche  ägyptische  Vorstellung,  nach  welcher  der  häufig  mit  Bäumen  bepflanzt  wurde  (Serv. 
der  Seelenvogel  des  Osiris  über  dessen  Leiche  V.  A.  1,  441.  3,  302.  5,  760.  6,  673),  ein  accu- 
im  Grabe  schwebt,  Brugsch,  Bei.  u.  Myth.  d.  bitorium  (C.  I.  L.  14,  1473),  triclinium  und  cu- 
a.  Äg.  S.  652),  so  dafs  manes  und  cinis  auch  bicula  (14,  671.  1302.  2636  II  u.  öfter)  erwähnt, 
später  noch  zuweilen  einander  geradezu  gleich-  Vgl.  die  wie  Triclinien  eingerichteten  etruski- 
gesetzt  werden  (Propert.  2,  13,  31  f.  57  f.  C.  L.  sehen  Gräber  (Deecke  bei  Müller,  Etr."  2  S.  164, 
L.  11,  1624.  12,3464;  vgl.  Verg.  Aen.  2,  586.  129  b.  Lippert  a.  a.  O.).  Ja  in  ältester  Zeit 
Fers.  sat.  1, 38).  Aus  dem  gleichen  Grunde,  quod  30  diente  der  Boden  des  Hauses  selbst,  ebenso 
os  supra  terram  non  exitaret,  galten  nach  altem  wie  bei  den  Griechen  und  Germanen  (Lippeit 
Rechte  die  im  Meere  versenkten  Leichen  als  a.  a.  0.  S.  310.  135.  160  f.)  als  Begräbnisstätte, 
richtig  bestattet  (Cic.  de  leg.  2,  22,  57),  und  so  dafs  die  Seelen  der  Vorfahren  daselbst  als 
sogar  für  iu  der  Fremde  Verstorbene  wird  zu  Hausgeister  (Penates,  Lares)  ihre  Wohnung 
Hause  nach  Pontifikalrecht  eine  terrae  iniectio  behielteu  (Serv.  V.  A.  5,  64.  6, 152;  vgl.  11,  206 
vorgenommen  (Sern.  V.  A.  6,  366;  vgl.  Bd.  1  u.  unten  Sp.  245,  10).  A_n  diese  Voi-stellnng 
Sp.  2454,  25  ff.).  Ebenso  war  es  heilige  knüpft  auch  später  noch  der  Glaube  an,  dafs 
Pflicht  für  jeden  Vorübergehenden,  auf  Haupt  Geister,  die  im  Grabe  keine  Ruhe  finden,  be- 
ilud Gebeine  eines  unbestatteten  Leichnams  sonders  in  der  Nähe  derselben  umgehen  (Apul. 
drei  Hände  voll  Staub  zu  streuen  (Verg.  Aen.  -io  de  mag.  44  S.  535;  vgl.  Bd.  1  Sp.  2478,  60)  und 
6,  365 f.  Horat.  ca.  1,  28,  23  f.  36.  Petrin.  114.  beschworen  werden  können  (s.  unt.  Sp.  254,  30). 
Quintil.  decl.  5,  6.  Serv.  V.  A.  6,  176.  Claud.  Da  aber  der  Tote  selbst,  wie  wir  unten 
in  Ruf.  1,  371).  sehen  werden,    als    Gott  betrachtet  wird,   so 

Dagegen  kann  die  auf  Numa  zurückgeführte  gilt    seine    Wohnung     selbstverständlich     als 

Bestimmung    aus    einer    lex    PoBtumia:    Vino  heilig  und  unverletzlich  (Cic.  de  leg.  2,  22,  57. 

rogum   ne   respargito   (Plin.  n.   h.  14,  12,  88)  26,  64.  Tusc.  1.  12,  27.  Yarro  bei  Plut.  quaest. 

ganz    abgesehen    von    der    Berechtigung    des  Rom.  14.    Non.   Marc.   S.  464   s.  v.   templum; 

Zweifels  an  ihrem  Alter  nichts  beweisen,   ob-  vgl.   Verg.  Aen.  4,  457.    Liv.  26,  13,  13.   Sil. 

wohl  Gräberfunde  das  frühzeitige  Vorkommen  Ital.  1,  81  ff);  auch  wird  das  Grab  oft  geradezu 

der  Verbrennung  zu  bestätigen  scheinen  (Heibig  50  unter  den  Schutz   der  Inferi   gestellt  (C.  I.  L. 

in  der  Arch.  Zeit.  42  (1884)  S.  287  ff.).  Übrigens  1,  1241  =  10,  4265.  3,  191,  9,  5813.    12,  4725. 

erzählte  man,  dafs  Numa  selbst  beerdigt  wor-  14,  2535). 

den  sei  (Cic.  de  leg.  2,  22,  56.  Plut.  Numa  22).  Dafs    man   sich  jedoch    auch   das   gesamte 

Dementsprechend  knüpfen  alle  altrömischen  Leben  nach  dem  Tode  ebenso  wie  bei 
Vorstellungen  über  das  Fortleben  des  Menschen  anderen  Völkern  (vgl.  Brugsch,  R.  u.  31.  d.  a. 
nach  dem  Tode  an  die  Versenkung  der  Leiche  Ag.  S.  174;  siehe  Bd.  1  Sp.  2453,  55ff.)  geradezu 
in  die  Erde  an.  Offenbar  betrachtete  man  ur-  als  eine  Fortsetzung  des  irdischen  Da- 
sprünglich  ebenso  wie  in  Ägypten  (Brugsch,  seins  dachte,  beweist  die  Ausstattung  dieser 
JB.  u.  M.  d.  a.  Äg.  S.  174),  Babylonien,  Wohnung  mit  Speise,  Trank  und  dem  dazu 
(R.  Eoldewey  in  d.  Zeitschr.  f.  Assyr.  2  S.  403  ff.  co  nötigen  Geschirr,  sowie  mit  Waffen,  Werk- 
Erman  im  Arch.  Ans.  1889,  2  S.  55),  Phöni-  zeug  und  Toilettegegenständen  aller  Art  (Mar- 
zien,  Griechenland  und  Etrurien  (s.  Bd.  1  Sp.  guardt  a.  a.  O.  S.  369;  vgl.  Verg.  Aen.  6, 
2466,  27  ff.  Heibig  a.  a.  0.  E.  Sclndse  im  232  ff).  Dem  entspricht  ferner  die  Dar- 
Progr.  d.  Gymn.  s.  Gotha  1870  S.  6 ff.  Lippert,  bringung  des  silicemium  ,  das  zwar  all- 
L>.  Rel.  d.  eur.  Kulturv.  S.  415 f.)  das  Grab  mählich  zu  einem  im  Hause  gefeierten  Leichen- 
ais Wohnung  des  Verstorbenen  (Petron.  schmaus  mit  circumpotatio  (Cic.  de  leg.  2,  24,  60) 
sat.  71;  vgl.  Propert.  4,  5,  3.  2,  13,  31  f.  57  f.  wurde  (Festus  S.  294  s.  v.  silicernium.  Paul. 
5,  151;  hie  habitat  C.  I.L.  9,  2893.  ibi  Manes  JJiac.  S.  295.  Non,  Marc.S.iä.  Tertull.  apol.iS. 


237  Inferi  (Aufenthaltsort)  Inferi  (Aufenthaltsort)  238 

• 

Donat.  zu  Terent.  Adelph.  4,  2,  48),  Ursprung-  Grunde  war  die  Darbringung  jener  Gaben  den 

lieh  aber  und  oft  auch  später  noch  am  Grabe  Verwandten  bei  Strafandrohung  gesetzlich  ge- 

selbst   stattfand    (Varro   bei  Non.  a.  a.   0.  ad  boten  (C.  I.  L.  1,  1409). 

sepulcrum  antiquo  more.  Serv.  V.  A.  5,  92;  vgl.  In  alter  Zeit  waren  endlich  beim   eigeut- 

Orelli  3999.    Marquardt,  Handb.  4  S.  257  =  liehen   Totenopfer,    au   welches   sich   offenbar 

Staatsverw.  3   S.  300)   und    als    ein    Opfer  für  das     silicernium     anschlofs,     ebenso     wie     in 

den  Verstorbenen  zu  betrachten  ist  (vgl.  Wattke,  Griechenland  (s.  Bd.  1  Sp.  2503f.)  und  ander- 

Deutscher  Volksäbergl.  740  u.  Bd.  1  Sp.  2507 f.),  wärts    (Lippert,   I).  Bei.  d.  eur.   Kultv/rvöTker 

dessen  Anteil   wohl   den   an   den    angeführten  S.    56  ff.    178    u.    öfter)    auch    Menschen    ge- 
Stellen  mehrfach  erwähnten  Greisen  überlassen  10  schlachtet  worden  und  zwar  diejenigen,  deren 

wurde,    eigentlich   aber    von    ihm    selbst    ge-  Dienste   der  Tote  im  Leben  zu  seinem  Wohl- 

nossen  werden    sollte,  was  eine  Narbonenser  sein  nötig  gehabt  hatte,    seine   Lieblingsfrau 

Grabschrift  aus  der  Zeit  des  Augustus  geradezu  und   seine   Lieblingssklaven  ( Verg.  Aen.  5,  95 

ausspricht,    G.   I.   L,   12,   5102:    L.  Bunnius  u.  Serv.  dazu.    Tertull.  de  spect.  12.  Serv.  V.  A. 

Pa(r)  |    Cn.   f.    Pollio  [    cupidius.  perpoto.   in.  3,  67.  5,  78;   vgl.  Paul.  S.  103  s.  v.  Humanuni 

monumento  .  meo    quod  .  dormiendum  .  et  .perma-  sacrificium.  Gell.  5,  12.    Plut.  quaest.  Born.  83. 

nendum  \  heic.  est.  mihi.  Plin.  n.  h.  30,  1,  16  u.  oben  Bd.  1  S.  1032,  16); 

So  kostet  beim  Leichenbegängnis  des  An-  jedenfalls  sollte  er  also  diese  ebensowenig  wie 

chises   eine   Schlange   von  dem  dargebrachten  die   ihm  ins  Grab  mitgegebenen  Gegenstände 

Opfer,    die    der    Dichter    allerdings    entweder  20  oder  seine  Pferde  [Serv.  V.  A.  5,  95)  im  Tode 

für    den    genius    loci    oder   für    einen    Diener  missen;  vgl.  Bd.  1  Sp.  2451,  15  ff. 
seines    verstorbenen   Vaters    hält   (Verg.   Aen.  An   die   Stelle   der   Opferung   von  Sklaven 

5,  84  ff.;  vgl.  Bd.  1  Sp.  2468,  12  ff.),   die  aber  oder  Gefangenen  (Liv.  7,  15.   Tertull.  a.  a.  O.) 

wahrscheinlich   eigentlich   als   der  genius   des  traten  später,  wahrscheinlich  nach  etruskischem 

Toten   selbst  zu   betrachten   sein   dürfte    (vgl.  Vorbild   [Müller,  Etr.°  2,  224;    vgl.  Athen.  4, 

Bd.  1  Sp.  1624  und  2467,  14ff  36  ff.  2468,  25  ff.  39  S.  153  F.  Isidor.  orig.  10  S.  247  Bas.),  neben 

Schreiber,  Kulturhist.  Bilderati.  Tf.  98,  8).  Tieropfern    die    Gladiatorenkämpfe    bei     den 

Jedenfalls  zeigt  die  in  Gräbern  oft  wieder-  Leichenspielen  (Liv.  ep.  16.    Liv.  23,  30.    28, 

holte  Darstellung  eines  Familienmahles  (Mar-  21.   31,  50.   39,  46.   41,  28.     Yal.  Max.  2,  4,  7. 

quardt   a.  a.  O.   5,    1  S.   367),    wie    auf    den  30  Tertull.   a.  a.  O.;   vgl.   C.  I.  L.  1,  1199),   die 

gleichartigen    griechischen    Bildern    (s.    Bd.    1  Frauen    aber    kratzten    sich    dann  wenigstens 

Sp.  2571  ff.),   den  Verstorbenen   beim  Genüsse  das  Gesicht  blutig,   um   so   den   Inferi   genug 

des     ihm    dargebrachten     Speiseopfers     (vgl.  zu  thun   (Zwölftafelgesetz    bei   Cic.   de  leq.  2, 

Wernicke    in    d.   Arch.  Zeit.  43,  1885   S.    222,  23,  59.  25,  64;  bei  Festus  S.  273  s.  v.  Badere; 

wo  auch  die  neuere  Litteratur  hierfür  angeführt  bei  Plin.  n.  h.  11,  37,  157.  Propert.  3,  13  b,  11. 

ist),  und   auch  bei  den  alljährlichen  Wieder-  Serv.  V.  A.  3,  67.  5,  78.  12,606),  eine  Milderung 

holungen    des   Totenmahles   ist    er   selbst    als  des  Kultgebrauchs,  wie  sie  ähnlich  auch  sonst 

Teilnehmer  vorgestellt,    da    diese    Mahlzeiten  oft  nachweisbar  ist  (siehe  Bd.  1  Sp.  1182,  36 ff.), 

immer   wieder    am    Grabe   selbst   stattfanden;  n   Die  Inferi  als  Bewohner  eines  gemein- 

gehorten  doch,  wie  aus  zahlreichen  Inschriften  40  caTne„  „„taWi.,1,«,  Anftantl^.n-t™.^«. 
hervorgeht,  in  späterer  Zeit  nicht  nur  coena- 


samen  unterirdischen  Aufenthaltsortes. 


cula  (C.  I.  L.  9,  1938.  10,  6069),  sondern  auch  1-  Entwicklung  des  Ortshegriffes  und  all- 
culinae  (6,  14614.  9,  4079.  10,  4765.  14,  1869),  gemeiner  Pestzeiten, 
piscinae  (14,  396),  Gärten  (1,  1059.  14,  2139  u.  Aus  dem  Begriffe  des  Einzelgrabes  ent- 
öfter) und  Äcker  (14,  1304.  2148.  3340.  3343  wickelte  sich  allmählich  der  eines  unterirdischen 
u.  öfter)  zu  den  Gräbern,  letztere,  um  aus  ihrem  Aufenthaltsortes  aller  Verstorbenen  (qui  nunc 
Ertrag  die  Kosten  für  die  jährliche  Speisung  abierunt  hinc  in  communem  locum,  Plaut.  Casin. 
zu  bestreiten  (5,  7454).  prol.  19;  vgl.  me  ad  plures  penetravi,  Trin. 
Ebenso  ist  das  Speise-  und  Trankopfer,  291;  abiit  ad  plures,  Petron.  42),  d.  h.  die  Vor- 
weiches für  die  inferi  (Varro  d.  I.  I.  6,  13;  50  Stellung  von  der  Unterwelt  (Cic.  Tusc.  1,  16, 
vgl.  Cal.  Farnes.  21.  Febr.  im  C.  T.  L.  1  36),  auf  welche  naturgemäfs  die  charakteristi- 
S.  386)  aufser  an  den  öffentlichen  Festen  der  sehen  Eigenschaften  des  Grabes  selbst,  be- 
Feralia,  Rosaria,  dem  „dies  violae"  und  beim  sonders  die  Lage  unter  der  Erdoberfläche  und 
Schlachten  der  porca  praeeidanea,  besonders  die  Dunkelheit  des  Ortes,  übertragen  wurden 
auch  privatim  am  Todes-  und  am  Geburts-  (Plaut.  Aul.  2,  7,  6.  Alte  Tragiker  bei  Cic. 
tag  des  Verstorbenen  auf  den  Gräbern  auf-  Tusc.  1,  16,  37.  12,  27.  Verg.  Aen.  8,  246. 
gestellt,  verbrannt  oder  ausgegossen  wurde  Horat.  carm.  4,  7,  26.  Ovid.  met.  10,  17.  ex 
(das  Nähere  siehe  unter  Manes  und  vgl.  Mar-  Pont.  4,  14,  12.  Plin.  n.  h.  2,  63,  158.  33 
quardt,  Handb.  4,  257  ff.  =  Staatsveriv.  3,  298  ff.  praef.  2.  Non.  Marc.  S.  45  s.  v.  Inferum;  vgl. 
5,  368  f.),  nur  als  Speisung  und  Tränkung  der  60  oben  Aquili  dii).  Wie  aber  später  die  Götter 
im  Grabe  selbst  wohnenden  Toten  zu  be-  in  jedem  ihrer  Tempel  wohnend ,  daneben  je- 
trachten  (Ovid.  fast.  2,  566.  Serv.  V.  A.  5,  78;  doch  auch  als  überall  anwesend  und  helfend 
vgl.  Orelli  4781),  so  dafs  man  annahm,  Tote,  •  (praesens  deus,  Cic.  Tusc.  1,  12,  28)  gedacht 
welche  diese  Labung  nicht  erhielten,  würden  wurden,  so  wird  auch  den  Verstorbenen  eine 
im  Grabe  von  Durst  gequält  (Propert.  4,  5,  2),  Doppelexistenz,  wohl  infolge  einer  Vermischung 
oder  es  kämen  dieselben  heraus  und  ver-  der  Anschauungsweise  der  verschiedenen  Zeiten, 
anlafsten  den  Tod  der  Säumigen  (Ovid.  fast.  zugeschrieben.  Der  fortbestehende  Gräberknlt 
2,  547  ff. ;  vgl.  Bd.  1  Sp.  2479,  30  ff.).  Aus  diesem  erhält   die- alte  Vorstellung  von   dem  Aufent- 


239                       Inferi  (Feste}  Inferi  (Eigenschaften)               240 

halte  der  Einzelnen  in  ihren  Gräbern  lebendig,  Luft  für  den  Naturmenschen  ebenso  unsichtbar 

daneben  versetzt  man  die  Toten  aber  auch  in  ist  wie   die  Seele  (Cic.  Cato  M.  22,  79),  eine 

die  gemeinsame  Unterwelt,  welche  durch  den  Anschauung,    aus   der    später  jedenfalls   auch 

einzigen  lapis  manalis  geöffnet  und  geschlossen  der  Glaube  an   den  Aufenthalt   der  Seelen  im 

(s.  unten  Sp.  250,  24)  und  vou  eignen  Göttern  Luftraum   hervorging  (s.  unten  Sp.  260). 

beherrscht    wird    (Sp.    245).      Und    aufser    an  Wegen  der  Dunkelheit  des  Grabes  dagegen 

diesen    doppelten   Aufenthaltsort    glaubt   man  werden  die   Seelen  selbst  als   dunkelfarbig 

an  regelmäfsiges  und  auch  an  unregelmäfsiges  oder  schwarz  (s.  o.  Aquili  dii  und  vgl.  nigri  Le- 

Emporkommen  der  Toten  auf  die  Oberwelt  (s.  mures   Pers.  5,  185.    Proserpina  furva  Horat. 

unten   Sp.  249 ff.),   sowie   zuletzt    auch   an  ein  10  od.  2,   13,  21.     fuscae  deus.  aulae    Propert.  4, 

Wohnen   im  Himmelsraum  (s.  unten  Sp.  260).  11,  5)  vorgestellt,  und  es  wurden  ihnen,  ebenso 

Seitdem  nun  aber  die  Inferi  als  Bewohner  der  wie    den    griechischen   Todesgöttern,    dunkel- 

Unterwelt,  d.h.  als  Gesamtheit  aufgefafst  wer-  farbige  Opfertiere  geschlachtet  (Verg.  Aen.  5, 

den,  wird  ihnen  auch  neben  der  früheren  pri-  736.   Paul.   Diac.    S.  93    s.   v.   furvum    bovem. 

vaten  Feier  ein  gemeinsames  Fest  gewid-  Val.  3Iax.  2,  4,  5.  Plin.  n.  h.  30,  1,  16.  Amol). 

rnet.     Vor    dem    alten    durch    die   Terminalia  7,  19  f.   Serv.   V.  A.  3,  118.   6,  238),  schwarze 

und  die  Einachiebung  des  Schalttages  bezeich-  Bäume   oder  solche    mit   schwarzen  Früchten 

neten     Jahresschlufs    (Varro    de    1.   I.    6,    13)  geheiligt  (atra  cuprefsus,  Verg.  Aen.  3,  64  u. 

feierte  man  nämlich  vom  13.  bis  21.  Februar,  Serv.  dazu;   vgl.   Horat.  od.  2,  14,  23.    epod. 
dem  saerificiurn  novendiale  der  einzelnen  Be- 20  5,  18  und   Bd.  1   Sp.   1185,  16  ff.);  bei  einem 

gräbnisfeier    entsprechend ,    als    gemeinsames  zauberartigen  Brauch  werden  schwarze  Bohnen 

Totenfest  die   dies    parentales    (siehe    Manes).  und    ein    mit    Pech    bestrichener   Kopf   einer 

Der    bedeutendste     Tag     derselben     war     der  maena  verwendet  (Ovid.  fast.  2,  575  ff.  5, 436), 

21.   Februar,    die    Feralia,    an    welchem    das  und    endlich    auch   hei    der  Trauer   um   Ver- 

Hauptopfer    den    die    infer(is)     (Cal.    Farnes.  storbene    schwarze    Kleider    getragen    (Verg. 

21.  Febr.,  C.  I.  L.  1  S.  386)   dargebracht   wurde  Aen.  3,  64.     Cato  bei  Serv.  z.  d.  St.     Propert. 

(Varro  d.i.  1.6, 13;  siehe  Mania,  Muta,  Tacita).  4,  7,  28;  vgl.  Horat.  carm.  4,  12,  26). 

Es  schlössen  sich  dann  noch  die  Caristia  oder  Aus    demselben    Grunde    wurde    auch    die 

der  Tag  der  cara  cognatio  an,  der  aber  wohl  Nacht  zu  den  Inferi  in  Beziehung  gesetzt,  da- 

nicht   als   ein   eigentlich   öffentliches  Fest  be-  30  her  die  Bestattung  ursprünglich,  die  translatio 

gangen  wurde  (Mommsen  im  C.  I.L.  1  S.  386 f.).  cadaveris  immer  zur  Nachtzeit  stattfand  (Paul. 

Für  einige   Familien   fiel  dagegen,   jedenfalls  Diac.  S.  368  s.  v.    Vespae.   Dionys.  Hai.  4,  40 

aber  nur  wegen  des  später  geänderten  Jahres-  S.   743.    Serv.  V.  A.  11,   142.   143.    Donat.  z. 

Schlusses,  ein  ähnliches  Fest  in  den  Dezember  Terent.  Andr.  1,  1,  81.  88;    vgl.    Marqitardt, 

(Cic.  de  leg.  2,  21,  54.    Plut.  quaest.  Born.  34)  Staatsveno.  3  S.  297.    Privatalt.  5,  1,  352),  die 

vielleicht  auf  den  Tag  der  Larentalia  (s.  Bd.  den  Inferi  geltenden   Lectisternia  und   Spiele 

1  Sp.  5,  39  ff),    da  dieser   als   dies  parentum  (s.    unten    Sp.   252),    sowie    die    Lemuria    um 

(nach  Mommsens  Verbesserung)  bezeichnet  wird  Mitternacht  gefeiert  wurden    (Ovid.  f.  5,  429), 

(Varro  d.  1.  1.  6,  23).    Vgl.  Manes.  und   die  Geister  der  Verstorbenen   selbst  nur 

Über  die  Lemuria,    die  wohl  als  ein  altes  40  zur  Nächtzeit  auf  die  Oberwelt  heraufkamen 

Auferstehungsfest  zu   betrachten  sein   dürften,  (Ovid.  fast.  2,  552.    Propert.  4,  7,  89.    Apul.  de 

siehe  Lemures.  mag.  44  S.  535;  vgl.  Verg.  Aen.  8,  246  und  unten 

Sp.  248,  20).    —   Diese    beiden    Eigenschaften 

2.  Wesen  der  Inferi.  führten  zu  dem  Vergleiche  mit  dem  Schatten- 

Die  Vorstellung  einer  von   dem   zu   Staub  bild,   da  man  sich    auch  in  dieser  späteren 

zerfallenden    Körper    sich    loslösenden    Seele  Zeit  die   Seelen   natürlich  nur  in   einer    dem 

bildete  sich  auf  dieser  zweiten  Stufe  der  Ent-  Körper  ähnlichen  Gestalt  denken  konnte  (Cic. 

wicklung    naturgemäfs    im    Anschlufs    an    die  l'use.  1,  16,  37.  Plin.  ep.  7,  27,  1),  so  dafs  sie 

Betrachtung  der  beim  Tode  eintretenden  Ver-  dann    häufig     geradezu    umbrae     (vgl.     ciuct, 

änderung  des  menschlichen  Körpers  aus,  welche  60  Schatten)  genannt  werden   (Verg.  Aen.  5,  81. 

man  als  eine  Folge  des  Ausscheidens  derselben  734.     Horat.   carm.  4,  7,  16.     Tibidl.  3,  2,  9. 

ansah.  Ovid.  fast.  5,  434.  met.  11,  660.  Propert.  4,  7,  2. 

Zunächst    stellte    man    sich    demnach    die  89.  96.    11,  18.  25.  91.    Suet.  Cal.  59.   Petron. 

Inferi,  d.  h.  die  fortlebenden  Seelen  der  Ver-  sat.  62.  Apul.  de  mag.  64.  Serv.  V.  A.  4,  654. 

6torbenen   (Paul.  I)iac.    S.  128  s.  v.  Manalem  Georg.  4,  502  und  sonst  oft),  wie  man  sie  aus 

lapidem.     Cic.    Tuse.   1,  12,  27.     Plin.  n.  h.  7,  ähnlichen  Gründen  gelegentlich  auch  mit  Rauch 

55,  188),    welche    auch    geradezu    als    animae  vergleicht  (Verg.   Aen.  5,  740,    vgl.   Hom.  IL 

in/eron«»  bezeichnet  werden  (Paul.  Diac.  a.  a  O.  23,  100). 

Cic.  in  Vatin.  6,  14;  vgl.   den  alten  Tragiker  Die  Körperlosigkeit  in  Verbindung  mit  deui 

bei  Cic.  Tuse.  1,  16,  37),  luftartig  vor  (Cic.  co  Umstände,   dafs  man  im  Schlafe  häufig  Ver- 

Tusc.  1,  9,  19.    Verg.  Aen.  2,  794.  6,  702  und  storbene   zu   sehen  glaubte   [Plaut.  Mostell.  2, 

sonst  oft),  offenbar  weil  Leben  und  Atem  zu-  2,  59  ff.    Verg.  Aen.  2,  270.  5,  722.    Cic.  somn. 

gleich  entschwindet  (Cic.  Verr.  5,  45, 118.  Verg.  Scip.  1,  2.    Ovid.  met.  11,  653.    Propert.  4,  7,  3  ff. 

Aen.  4,  685    u.  Serv.  Horat.  carm.  4,  8,  14),  Plin.   ep.  7,  27,  13.     Tertv.ll.  apol.  23.     Orelli 

so  dafs  beides  identisch  zu  sein  schien  (Spiritus  4775.  7346  und  sonst  oft;  vgl.  Lobecl;.  Aglaoph. 

=  Seele,   Verg.  A.  4,  336.    6,  726.     Ovid.  Met.  S.  302)    veranlagte    dagegen    die    Zusammen- 

8,  523.    15,  167.     Trist.  3,  3,  62.     Tacit.  Ann.  Stellung  mit  den  T  raumb  ild  ein   (Verg.  Aen. 

16,  34      C.  I.  L.   14,  2934),   besonders  da  die  2,  791.    6,  702.    10,  611  f.)   und   auch    mit   den 


241               Inferi  (Eigenschaften)  Inferi  (Eigenschaften)                242 

Bildern     (simulacra,     imagines)     überhaupt  2,  2,  20S.    Augustin.  c.  D.  9,  11),    so  dafs  sie 

(Liieret.  1, 123.   Virg.  a.  a.  0.    Ovid.  fast.  5, 468.  an    Mord    und    Verbrechen     Gefallen     finden 

trist.  3,  11,  30 f.    Propert.  4,  11,  83.    Plin.  ep.  (Lucan.  Phars.  6,  706  ff.;   vgl.  529  ff.  560)  und 

7,  27,  6.  7.    Serv.  V.  A.  4,  654  und  öfter).    Ob-  in    der    Nähe    des    Eingangs    zur    Unterwelt 

wohl   nun   aber  dieselben  Vorstellungen   auch  Menschen,  Vieh  und  Früchte  zu  Grunde  gehen 

in    Griechenland  nachweisbar  sind   (vgl.   z.   B.  (Plaut.  Trin.  523  ff.    Ovid.  met.  5,  477  ff.);  vgl. 

Bd.  1  Sp.  2374'!,    so    ist    doch  nicht    an   Ent-  das  Töten  der  Opfertiere  durch  die  Dünste  des 

lehnung  zu  denken,  da  die  Vergleiche  zu  nahe  urabilicus  Italiae,  oben  Sp.  1185,  4,  und  siehe  d. 

liegen    und   auch    bei    anderen   Völkern   selb-  Art.  Larvae.  Aus  gleichem  Grunde  stören  sie  die 

ständig  gemacht  worden  sind  (Lippert,  D.  Bei.  10  andern  Göttern  dargebrachten  Opfer  (Lucan. 

d.  eur.  Kulturv.  S.  40  u.  öfter).     Auf  denselben  Phars.    1,   633  f.);    auch    dürften    deshalb    die 

Vorstellungskreis   geht  endlich    die   Annahme  tieffliegenden  Vögel   (aves  inferae,   Nigid.  bei 

zurück,    dafs    die    Seelen    leicht,    flüchtig  Gellius  6,  6.  Serv.  V.  A.  3,  361),  welche  man 

(Verg.  Aen.  6,    292.    10,  636.     Tibull.  3,  2,  9.  wohl  von  den  Inferi  gesendet  dachte,  als  Un- 

4,  1,  68.    Propert.  4,  11,  14  und  sonst  oft)  und  glück,    d.  h.   den  Tod,    verkündend   gegolten 

unfafsbar  seien   (lubrica  umbra,   Ovid.  fast.  haben;   vgl.  nigra  avis,  Prop.  3,  28,  38.     Da- 

5,476.  inanis,  Ovid.  trist.  3,11,25.  fast.  2,  554;  gegen    werden   sie    audererseits  dii  avertentes 

vgl.   Verg.  Aen.  2,  792  ff.   6,  700).  (Tarquit.    bei  Macrob.   sat.  3,  20,  3)    genannt, 

In  Rücksicht  auf  die  Eigenschaften  des  offenbar  weil  sie  neben  der  Macht  zu  schaden 

Leichnams  erscheinen  sie  dagegen  als  färb-  20  auch  die  Macht  Schaden  abzuwenden  besafsen. 

los   oder  blafs  (Lucret.  1,  123.    Ovid.  met.  11,  Über    ihr   sonstiges   Wesen  hat    man   sich 

654.    Prop.  4,  7,  2.    Claudian.   in  Ruf.  1,  128  in   älterer    Zeit    keine    klare   Vorstellung    ge- 

und  sonst  öfter),  als  stumm  (Verg.  Aen.  6,  264.  macht,    nur   persönliche  Fortdauer    und 

480     Ovid.  fast.  5,  483.    met.  14,  411.    Lucan.  Empfindung   wurden    den    Seelen   der    Ver- 

3,29.  Claudian.  in  Ruf.  1,125;  vgl.  Dea  Muta,  storbenen  bestimmt  zugeschrieben  (Cic.  Tusc. 

Tacita    und   die   taciti  Manes)    und    ungestalt  1,  12,  27.  13,  30.  16,  36;  siehe  oben  Sp.  1613, 

(deformes    animae,    Ovid.  fast.  2,  554),     Auch  57  ff.).     Damit  wurde  ihnen  aber  göttliches 

der  Umstand,  dafs  ihnen  unfruchtbare  Tiere  Wesen  beigelegt  (nisi  maiores  cos,  qui  ex  hac 

(Colum.  R.  R.  2,22  und  unten  Sp.  252,  43;  vgl.  vita  migrassent,  in  deorum  numero  esse  voluis- 
Hom.  Od.  10,  522.   11,  30),  Bäume  und  Dorn-  30  sent,  Ctc  de  leg.  2,  22,  55;    vgl.  Cato  M.  22, 

büsche  heilig  sind  (Cic.  pro  Mil.  13,  33;   vgl.  81  f.    Paul.    u.    Fest.    S.   128  f.    s.   v.   Mamas. 

pro  Rab.  perd.  reo  4.     Catull.  36,  8.    Liv.  1,  Augustin.  c.  d.  7,  35),   wie   solches   auch   dem 

26,  6.    —    Cato  bei   Paul.  S.  92   s.   v.  Felkes  Personalgenius    zukam    (s.    0.    Sp.  1615,  65  ff. 

arbores.     Tarquit.    bei   Macrob.   sat.  3,  20,  3.  1618,  26  ff),   so   dafs  sie  regelrecht,   wie  dies 

Plin.  n.  h.   16,  26,  108.   24,  9,  68;  vgl.  Horat.  auch   schon   im  Vorhergehenden   vielfach   ge- 

epod.  5,  17  u.  das  homerische  äliaUaQitoi  Od.  sehehen,    als    dii   bezeichnet   werden.      Nach 

10,  510),  dürfte  auf  derselben  Vorstellung  be-  späterer  Vorstellung    hing    freilich   der  Über- 

ruhen.  gang  der  Seelen  in  göttliche  Wesen  (dei  ani- 

Überhaupt   behalten  die   Verstorbenen  die  males)  von    gewissen,  bestimmten   Gottheiten 
Gestalt,    in   welcher   sie   aus   dem  Leben   ge-  40  dargebrachten  Opfern  ab   (Labeo  bei  Serv.  V. 

schieden  und  bestattet  worden  sind  (Verg.  Aen  A.  3,  168.    Arnob.   2,  62;    vgl.  Müller,   Etr.' 

2,  270.  6,  450.  495.    Ovid.  met.  10,  49.    11,  655.  2   S.   94);    diese    Anschauung    hat    sich    aber 

Tibull.    1,    10,   38.     2,  6,  39.    Prop.  4,  7,  7  ff.  offenbar  nur  aus  dem  alten  Glauben  entwickelt, 

Sil.  It.  11,  348.    12,  547.    Senec.  Troad.  181).  dafs  die  Toten  erst  nach  Vollendung   der  Be- 

Deshalb   erscheinen   sie   nackt    (Ovid.  met.  11,  stattung'  und  der  Totenopfer  in  die  Unterwelt 

654  n.  öfter)  oder  mit  der  weifsen  Tunika  be-  gelangen  und  so  zu  Göttern  werden  (-^avoavttg 

kleidet  (Plin.  ep.  7,  27,  13),  zuweilen  auch  als  rovg    yoveilg,    oretv    oarico    ngärov    ivzv%a)6i, 

blofse  Gerippe  (turpia  ossa,  Prop.  4,  5,  4.  11,  &£ov   ysyovivtu   zbv   ze&vrjHÖza  liyovai,   Plut. 

20.    Petron.  sat.  34.   Sencca  epist.  24,  18.   Treu,  quaest.   Rom.   14.    non  ante  ad   inferos  redigi 

de  ossium  humanorum  larvarumque  apud  anti-  50  quam   iusta  pereeperint ,  Tertull.   de  anima  56. 

quos  imaginibus  im  Arch.  Am.,  Beibl.  d.  Arch.  apolog.  10.    de  Corona   10;    vgl.  Cic.  de  leg.  2, 

Jahrb.  1889,  3  S.  106;  vgl.  Larvae).  22,  57.   debita  iura,  Horat.  carm.  1,  28,  32' und 

Die  Trauer,  welche  der  Tod  hervorruft,  ist  unten  Sp.  248,  33 ff.), 

wohl  die  Ursache,  dafs  auch  die  Inferi  selbst  q     a   +       a       t  f    • 

für  traurig  und  finster   (tristes,  Varro  bei  d'    Arxen  Qer  imen" 

Macrob.  1,  16,  18.  Senec.  Herc.  Oet.  1069;  vgl.  a)    Seelen  Verstorbener. 

luvenal.  13,  52)  gelten;    sie   erhalten  deshalb  Neben  den  erwähnten  allgemeinen  Bezeich- 

tristia   dona  (Verg.  Aen.  3,  301),  werden  ca.e-  nungen    der    fortlebenden    Seelen    treten   ver- 

dibus  et  tristibus  supplicationibus  versöhnt  und  schiedene  speziellere  Namen  für  dieselben  auf; 

selbst  als  mali  dei  (Labeo  bei  Augustin.  c.  I).  au  so    werden   zunächst  die  Inferi   geradezu   den 

2,  11;   vgl.  Vedius  =  Vetis   (s.   d.)  =  malus  Manes   gleichgesetzt  von  Paul.  Diac.  S.  128 

deus,  oben  Sp.  1188,  22),  oder  sogar  als  impii  s.  v.  Manalem  lapidem  und  S.  122  s.  v.  Matrem 

dei  bezeichnet,  welche  infelicibus  preeibus  an-  Matutam    (vgl.    S.    156    s.    v.   Manes.     Festus 

gerufen  werden  (Tacit.  arm.  16,  31).     Selbst-  S.  157),  sowie  von  der  einen  Überlieferung  bei 

verständlich   sind  daher  die  Todesgötter  und  Serv.  V.  A.  3,  63,   und  verbunden  erscheinen 

die  Toten  selbst,  wie  vielfach  auch  die  Heroen  beide  Bezeichnungen   vielfach  auf  Inschriften: 

(s.  o.  Sp.  2478,  38  ff.),  den  Lebenden  feindlich  Hei  Manes  inferi   oder  D.  M.  I.   (C.  I.  L.  2, 

gesinnt  (Arnob.  7,  20.   Porphyr,  zu  Horat.  ep.  4424.    10,  138.  2936.    Bull.  d.  inst.  arch.   1860 


243                 Inferi  (=  Seelen^  Inferi  (=  Seelen)                 244 

S.  70;    vgl.  Preller   in    der  Arcli.  Z.  19,  1861  Varro  bei  Non.   S.  136  s.  v.  Lemures),   sowie 

S.  167)  und  dei  inferi  Manes  (C.  I.  L.  2,  238.  die  Gleichsetzung  von  Larvae  und  Manes  bei 

2464.  2640.  2686.  2722.   2725.    10,  2322.  2565.  Paul,  und  Fest.  S.  128  f.  s.  v.  Mamas  beweist. 

12,  2699.    2712?.  5416?;   vgl.  inferi  Si/anorum  Über  Lavvae  und  Lemures,  die  nicht  versöhnten 

manes,   Tacit.  ann.  13,  14).     Ähnlich    werden  Spukgeister,  vgl.  die  Einzelartikel, 

bei   der  Devotion    bald    die  dii  Manes,    bald  Aus  der  Gesamtheit  der  Inferi  sondern  sich 

auch  allgemein  die  dii  inferi  (s.  unten  Sp.  257)  endlich  noch  die  als  Schutzgottheiten  der 

angerufen,    und    statt    des    gewöhnlichen    ad  Familien  und  Geschlechter  zu  betrachten- 

inferos  =   in   die    Unterwelt    steht   bei    Verg.  den    dei   inferum  parentum   (C.  I.  L.  1,  1241 

Aen.  4,  387  sub  Manis  imos.  10  =  10,  4255)  oder  divi  parentum  (lex  regia  bei 

Andererseits  werden  aber  auch  beide  Be-  JTe&tus  S.  230  b  Z.  14  u.  16)  aus,  die  als  Ver- 
zeichnungenbestimmt von  einander  geschieden,  treter  der  Unverletzlichkeit  des  Grabes  und 
so  auf  einer  doppelsprachigen  Inschrift  aus  der  Eltern  angerufen  werden  (vgl.  obenSp.  1186, 
Haleb  in  Syrien,  C.  I.  L.  3,  191:  .  .  .  diis  52  ff.).  Aus  Rücksicht  auf  diese  Götter  war  es 
3Ianibus   suis   et  Fl.   Titiae  uxoris   suae   in-  offenbar  verboten,  einen  Fremden  mit  den  sacra 

ferisque Hier  liegen  freilich ,   wie  aufser  seiner  gens  in  das   eigne  Familiengrab  aufzu- 

dem  Fundort  auch  die  Hinzufügung  der  Über-  nehmen  (PontifikalrecM  u.  Zwölftafelgesetze  bei 

Setzung    andeutet,    griechische    Anschauungen  Cic.  de  leg.  2,  22,  55.  26,  64;  vgl.  C.  I.  L.  14, 

zu  Grunde,  jedenfalls  werden  aber  die  einzelnen  766  und  sonst  oft),  und  andererseits  mufsten  sie 

dii  Manes   des  Verstorbenen  und   seiner  Frau  20  (xdönoi   dsoi)   durch  Opfer    versöhnt   werden, 

(vgl.   dis  deabus  Manibus  auf  dem  Grabmale  wenn  ein  Mann  seine  Frau  verstiefs  {Flut.  Rom. 

eines    Ehepaares,    C.    I.    L.    5,    6053,    Manes  22).  Ihnen  spenden  als  den  di  generis  diejenigen, 

Hectorei  bei  Serv.  V.  A.  3,  303;  oben  Sp.  1620,  welche  sich  nicht  gegen  ihre  Verwandten  ver- 

53  ff),  welche  in  der  Übersetzung  wie  gewöhn-  gangen   haben,    am   Feste    der    Caristia,    am 

lieh  als  äaiu-ovts  erscheinen  (s.  o.  Sp.  939,  2  f.  22.  Februar  {Ovid.  fast.  2,  631;  vgl.  Yerg.  Aen. 

u.  vgl.  Sp.   1620,  4  ff.),    den   durch  fttoi  natu-  6,  609)  und  wohl  auch  an  den  Larentalia,  am 

xdoiLoi    übertragenen    Inferi    entgegengesetzt,  23.  Dezember  (s.  0.  Bd.  1  Sp.  5,  39 ff.),  da  dieser 

eine  Vorstellung,  welche  auch  in  den  jüngeren  Tag  als  dies  parentum  (nach  üfoHnHsens  Verbesse- 

Scholien    des    Serv.    V.   A.   3,   63    durch    die  rung)  Accae  Larentinas  bezeichnet  wird,   und 

Worte  quidam  alios  manes,  alias  deos  Infernos  30  weuigstens   Acca   Larentia    an    diesem    sicher 

dicient   zum   Ausdruck   kommt;    ähnlich    steht  Totenopfer  erhielt  (Varro  d.  I.  I.  6,  23.    Plut, 

der    den    Einzelmanen    gleiche    genius    (s.    0.  quaest.  Born.  34).     Sonst  nennt   man  diese  zu 

Sp.   1618,  38  ff.),    der   sonst   wohl   selbst  auch  Göttern  gewordenen  Seelen  der  Ahnen  dei  pa- 

geradezu   als   genius   infernus  bezeichnet  wird  rentes  (C.  I.  L.  5,  3283  ff.   6,  9659  ff.    Bull.  d. 

(Orelli  4577;  vgl.  oben  Sp.  1619,  18),  der  Ge-  inst.   1S76,  193;  vgl.  die  dca'u-ovss  u/jTpräcH  Kai 

samtheit   der  Manes    inferi   gegenüber  in   der  jrarpräoi  bei  Lucian  Peregr.  36)  auch  geradezu 

Inschrift    einer    Lampe    im    Bull     arch.    1860  mit  Beifügung  des  Genitivs  der  Person:  dibus 

S.70  und  bei  Preller,  Arch.  Z.  19  (1861)  S.  167:  parentibus  il(l)ius  (C.  I.  L.  10,  8249),  wie  sich 

Helenus  suom  genio  Manib.  inferis  mandat.  sonst  regelmäßig  Bis  Manibus  alieuius  findet, 

Als    Bewohner    der   Unterwelt    erscheinen  40  oder  patrii  dei  (s.  d.  und  vgl.  C.  I.  L.  3,  231. 

ferner,     von     den     eigentlichen     Unterwelts-  3668,  die  animae  paternae ,  Ovid.  fast.  2,  533, 

göttern  zunächst  abgesehen,  die  Lemures  und  und  die  Manes  paterni,  Ovid.  fast.  5,  443).    An 

Larvae,  denen  wegen  ihrer  Wesensverwandt-  ihrer  Spitze  steht  wohl  der  Geist  des  Urahnen 

schaft  schon   frühzeitig  auch  die  Genii   (s.  o.  als  deus  parens  (Nepos  fr.  16   bei  Peter,  Inst. 

Sp.    1618)    und    die   eigentlich   als   Flurgötter  Rom.  fr.  S.  222),  der  mit  dem  parens  generis 

zu    betrachtenden    Lares    (s.    d.)    zugerechnet  (Laber.    bei    Non.    S.    119    s.   v.    genius;    vgl. 

wurden  (Varro  bei  Amob.  3,  41.    Paul.  Diac.  o.  Sp.  1620,  37),  dem  genius  Patris  (0.  Sp.  1618, 

S.  239  s.  v.  Pilae).     Nach   späterer  Überliefe-  50)   und   den  Genitales  di   (s.  d.  u.  vgl.   Geni- 

rung    nannte    man    nun    zunächst  jeden   den  tores  di),  in  deren  Kreis  Romulus  nach  römi- 

Körper  verlassenden   Geist  Lemur;   diejenigen  50  scher  Auffassung   fortlebte    (Ennius   bei  Cic. 

von  ihnen,  denen  die  Sorge  für  ihre  lebenden  Tusc.  1,  12,  28.    Serv.  V.  A.  6,  763;  vgl.  Plüt. 

Familienangehörigen   zukam,    wurden   pilacato  Ro7it.  28),  in  Zusammenhang  stehen  dürfte,  ob- 

et   quieto   numine  (d.  h.   wohl   nachdem   ihnen  wohl   diese   in   den   Himmel   versetzt  und   als 

die  gehörigen  sacra  dargebracht  waren,   s.  0.  fortzeugende   Götter   betrachtet   werden,    was 

Sp.  242    und    cuius    vix    sustinetis    furias    in-  dem  Wesen  der  Unterirdischen  zunächst  wider- 

sepulti,    Cic.  Mil.  33,  91)   zu   Lares   familiäres,  spricht.      Die   Beziehung    zwischen    ihnen    ist 

die   Seelen   böser  Menschen    wurden   dagegen  aber  jedenfalls  dieselbe  wie  die  zwischen  dem 

zu  Larvae.     Im  Zweifelsfalle  bezeichnete  man  Genius  und  den  Manes   (s.   0.  Sp.  1618).     Mit 

alle  als  Manes  (Varro  bei  Amob.  3,  41.    Apul.  einem  ähnlichen  Begriffswechsel  glaubte  man, 

de  deo  Socr.   15   S.   152.     de  mag.  44   S.  535.  60  dafs  diese  eigentlich  der  Unterwelt  angehören- 

Plotin.  bei  August.  c.D.9,  11;  vgl.  Mart.  Cap.  den  Familiengottheiten  die  einzelnen  Familien- 

2,  9,  162  f.  S.  40.  Müller,  Etr. 2  2  S.  95).    Diese  mitglieder  auch   auf  Erden  beschirmten   (vgl. 

Unterscheidung  bedeutet  aber  wohl  nur,   dafs  0.  Sp.  1616  u.  2477,  37  ff. ,   sowie   den  Saifitav 

Manes  als  euphemistischer,  jedenfalls  erst  spät  vvxzoqivXa^,    iAician.  Peregr.  27  f.),    wie    eine 

gebräuchlich   gewordener   (s.   Manes)   Gesamt-  Inschrift  aus   der  Nähe   von  Pest  (C.  L.  L.  3, 

name  zu  betrachten  ist,  was  auch  die  Anrede  3429)  beweist,  die  den  dis   redueibus  patriis 

der  umbrae,    d.  h.    der  Larvae    und   Lemures  gewidmet  ist;  vgl.  Fortuna  redux  oben  Sp.  1525f. 

als   Manes    paterni    (Ovid.   fast.   5,   443;    vgl.  und  Mercnrius  reducens. 


245               Inferi  (=  Gottheiten)  Inferi  (=  Gottheiten)              246 

Schwerlich  sind  von  diesen  Göttern  endlich  Aen.  6,  106.  138.   Stat.  silv.  2,  1,  147.    Claud. 

die   etruskischen    penates  inferorum  (Nigidius  in  Buf.  1,  27  u.  s.  w.).    Über  Wesen  und  Kult 

bei  Arnob.  3,  40)  zu  trennen,    denen   freilich  dieser  Götter  im  besonderen  sind  die  einzelnen 

penates   des  Himmels,   des   Wassers  und   der  Artikel  zu  vergleichen;  im  allgemeinen  scheinen 

Menschen    auf    der    Erde    gegenüber   stehen,  aber  die  Unterweltsgöttinnen  alle  nur  Personi- 

doeh    dürfte    dies    mit   Müller,   Etr.-  2   S.  89  fikationen  der  die  Toten  aufnehmenden  mütter- 

so    aufzufassen    sein,    dafs    zu    den    im   penus  liehen    Erde    zu    sein    (vgl.  C.  I.  L.  5,  7454: 

wohnenden  Schutzgöttern  des  Hauses  auch  die  .  .  .  mater   genuit  materque    reeepit  .  .__.),  eine 

Seelen    der    verstorbenen    Familienmitglieder,  Vorstellung,   die   sieh  z.  B.   auch  in  Ägypten 

d.  h.   eben    die    dei   parentes,    gehörten;    vgl.  io  ■wiederfindet,  Brugsch,  B.  u.  M.  d.  a.  Ag.  S. 229. 

auch  die  dii  penates   meum   parentum ,   Plaut.  580.  651),    während  Orcus  die  das  Leben  zer- 

Merc.  5,  1,  5    und    die  Bestattung  im    Hause,  störende    Macht    des    Todes   selbst    darstellen 

oben  Sp.  236,  29.  dürfte.      Vgl.    Gaia    als    Todesgöttin,    Bd.  1, 

Neben  dieser   auf  alten  Vorstellungen   be-  Sp.  1571. 

ruhenden    Einteilung    der    Inferi    findet    sich  Im   Kultus    und   Glauben    treten    dieselben 

später    ebenso    wie    in   Griechenland    die    ab-  durchaus  hinter  die  göttlich  verehrten  Seelen 

straktere  Scheidung  in  pii  und  impii  (Cic.  or.  der  Verstorbenen  selbst  zurück  oder  sie  werden 

Phil.  14,  12,  32.    Sali.  Cat.  52,  13.  Prop.  4,  7,  wenigstens  ganz  mit  ihnen  vermischt  und  ver- 

55;   vgl.  Plato  Phaed.  62  S.  113  D.    Hegesipp.  bunden  vorgestellt,  so  dafs  alles,  was  von  den 

in   d.   Anth.   Pal.  7,  545.     Verg.   Aen.   5,  734.  so  Toten  gilt,  auf  sie  übertragen  wird.    Vgl.  oben 

6,  543.  Propert.  4,  7,  55  ff.  Plin.  n.  h.  2,  7,  15).  Sp.  241. 

So   rief  nach  Awrel.    Vict.  Caes.  33   das  Volk  Die    wenigen    allgemeinen    Züge,    welche 

die  Terra  mater  und   die  dei  Inferi   an  sedes  sonst  über  Wesen  und  Verehrung  dieser  Götter 

impias   uti    Gallieno   darent,   und   von    einem  überliefert   werden,    erklären    sich    ans    dem 

Aufenthaltsort   für    die   Manes    der   Frommen  Gegensatz  derselben  zu  den  oberen  Göt- 

bpricht   Tacit.   Agr.   46,    während    die    Seelen  tern.     So   können   die   Zeichen   in   Bezug   auf 

schlechter  Menschen  nach  Apul.  de  deo  Socr.  jene    die    der   gewöhnlichen    entgegengesetzte 

15  S.  152  als  Larvae  nullis  bonis  sedibus   um-  Bedeutung  annehmen  (s.  o.  Sp.  1185,  22).    Auch 

herschweifen  mufsten;  vgl.  unten  Sp.  261.  gofs  man,    während  man  sonst  das  Opfer  mit 

,  ,    „ .         , , .    .      _    ,            , ,         , , ,     . ,  30  der  rechten   Hand  darbrachte   (Serv.  V.  A.  8, 

b)   Eigentliche  Unter weltsgottheiten.  106.   vgl_  petwn    30))   den  Infevri  da3   Trank_ 

Wie   der  Mensch   alles,   was   er  auf  Erden  opfer  mit  der  Linken  oder  auch  mit  nach  links 

gehabt  hat,  in  der  Unterwelt  wieder  zu  finden  hin  gewandter  Hand  aus  (Septim.  in  d.  pottae 

erwartet,  so  denkt  er  sich  daselbst  auch  herr-  min.  lat.  bei  Wernsdorf  2  S.  288.   Serv.  V.  A. 

sehende  Götter  (vgl.  o.  Sp.  1180).     Schon  seit  6,  244)   und   schnitt   das  Haar  des  Opfers  mit 

ältester  Zeit   werden   daher   unter  Inferi  auch  der  linken  Hand    ab    (Lucan.   Phars.  6,  563), 

eigentliche   Unterweltsgötter    mit    verstanden,  so   dafs  sie  auch  selbst  dii  laevi  oder  numina 

denn  bereits  Liv.  Andrem,  spricht  von   einem  latoa   genannt  werden   {Gell.  n.  A.  5,  12,  14. 

inferus   an  superus  deus  (Prise.  3,  606),   und  Arnob.  7,  19.  23;  vgl.  4,  5;    aber  in  anderem 

Plautus  stellt  aufser  den  superi  inferique  [Merc.  40  Sinne  bei   Verg.  Georg.  4,  7).     Zu  vergleichen 

5,  1,  1 ;   vgl.  Liv.  10,  28.  24,  38.  31,  31.    Prop.  ist  damit  die   Vorstellung  Piatons,    nach   der 

2,  1,  37.    C.  I.  L.  9,  5813.  12,  4725.  14,  2535.  die    Seelen    der    Ungerechten     den    Weg    zur 

Orelli  4773.  4777.  4783  f.  7382  u.  s.  w.)    schon  Linken    in    die    Tiefe    gehen    (de  re  publ.  10, 

die  dii  deacque  superi  atque  inferi  et  medioxumi  614  C). 

einander  gegenüber  (Cist.  2,  1,  36 ;    vgl.  Serv.  Derselbe  Gegensatz  spricht  sich  darin  aus, 

F.  A.  3,  134),  denen  die  dei  superi,  terrestres,  dafs  an  den  Festen  der  Inferi  die  Tempel  der 

inferni    oder    inferi    in    der     uralten    Formel  Superi   geschlossen  waren  (Ovid.  fast.  2,  563. 

der   Fetialen   (Liv.  1,  32,  10;    vgl.   Varro    bei  5,  485),   und   dafs   es   dem   fiamen  Dialis  ver- 

Serv.    V.    Luc.    5,    66)     entsprechen.      Ihnen  boten  war,  die  den  Toten  heiligen  Bohnen  zu 

gelten   jedenfalls    die    Inschriften   C.  I.  L.   5,  50  berühren  oder  überhaupt   das  Wort  faba  aus- 

1071.    12,  659.    Bull.   d.   inst.   arch.  1873,   55,  zusprechen   (Paul.   Biae.    S.   87   s.   v.    fabam); 

23;    vgl.    Mitt.   d.   Ath.   Inst.  9,  1884   S.  302.  vgl.   auch   die  regna  pallida  dis  invisa,   Verg. 

Sil.  It.  2,   426.   —   Von   bestimmt   persönlich  Aen.  8,  245. 

vorgestellten    Gestalten    dieser    Art    scheinen  Dagegen    scheint  die  Annahme,    dafs   den 

freilich  nur  Orcus,  Mania,  Genita  Mana,  Avia  Superi  die  ungerade,  den  Inferi  aber  die  gerade 

Larvarum ,    Lara,    Larunda,     die    dea    Muta  Zahl  heilig  sei  (Pontific.  libri  bei  Serv.  V.Buc. 

oder    Tacita,    Tellus    oder    Terra    mater    und  5,66;  vgl.  8,  75.  Solin.  1, 40.  Serv.  V.  A.  3,  305. 

die    vielleicht    auch    hierher    gehörigen    Fu-  5,  78.   Macrob.  seit.  1,  13,  7;  vgl.  Paul.  Biae. 

riae,    Furina    und   Laverna    wirklich    römisch  S.  109  s.  v.  Imparem  numenan.  Verg.  Ciris  372. 

zu   sein,   während   Dis  pater,   Proserpina,   Li-  60  Laur.  Lyd.  de  mens.  4,  44)  pythagoreischen  An- 

bera,  Aera  Cura  (siehe  diese  o.  Sp.  1813,  12  ff.  schauungen  entlehnt  zu  sein  (Plut.  Numa  14. 

1185,    47  ff.),    Ataeeina    und    andere    fremden  Iamblich.  28,  156),  da  bei  wirklich  römischem 

Ursprungs   sind;  Saturnus  (Plut.  Quaest.  Born.  Kultgebrauch  auch  in  Bezug  auf  die  Inferi  die 

34),   Consus,    Ceres  und   ähnliche   treten   aber  Zahlen  3,  7  und  9   von  besonderer  Bedeutung 

zunächst    nur     als     Gottheiten    der    Saat     zu  sind  (Verg.  Aen.  4,  510.  Ovid.  fast.  2,  573.  576. 

dem  Erdinnern  in  Beziehung.     Ihnen  kommen  5,  435.  439.  443.   met.  7,  153.  189.   Tibull.  1,  2, 

daher    die    Beinamen    inferus,    internus,    in-  56.    Plin.  n.  h.  26,  9,  93.    27,  12,  131.    28,  2, 

fernalis  zu  (s.  o.  Sp.  1185,  15.  1186,  63.    Verg.  21  und  sonst  oft). 


247              Inferi  (in  der  Unterwelt)  Inferi  (als  Spukgeister)              248 

III.    Thätigkeit  und  Machtbereich  der  selbst  auf  die  Fortdauer  ihres  Ruhmes  im  Ge- 

Inferi.  dächtnis  der  Nachwelt  einwirkten  (vgl.  Xenoph. 

Cyropaed.  8,  7,  18),  so  ist  dies  kaum  als  alter 

1.    Leben  in  der  Unterwelt.  unci  volkstümlicher  Glaube  zu  betrachten,  son- 

Wie   sich   die  alten  Römer  das  Leben  und  dem    aus  der  Sehnsucht  der  Lebenden  nach 

die  Thätigkeit  der  Inferi  an  ihrem  unterirdischen  Fortdauer   ihres   Namens    zu   erklären   (Varro 

Aufenthaltsort   selbst   gedacht   haben,   ist  nur  d.  I.  1.  6,  45.     Cic.  Tusc.  1,  14,  31.     Propert.  3, 

im  allgemeinen  aus  vereinzelten  Andeutungen  16,  30),   ein  Wunsch,  der   auch   in   den  Grab- 

der  Grabinschriften  zu  schliefsen,  da  alle  litte-  Schriften  zuweilen  zum  Ausdruck  kommt  (Orelli 

rarische  Überlieferung  in  dieser  Beziehung  nur  10  4836.    C.  I.  L.  1,  1007.  1009). 
die    griechischen    Vorstellungen    wiedergiebt. 

Wie  wenig  diese  letzteren  aber  zu  Rom  in  den  2-  Nocn  nicnt  in  die  Unterwelt  gelangte 
eigentlichen  Volksglauben  übergegangen  waren,  Seelen. 
geht  aus  der  Thatsache  hervor,  dafs  die  Grab-  Entschieden  eigentümliche  Vorstellungen 
schrifteu,  von  den  wenigen  griechischen  Brauch  hatte  man  in  Rücksicht  auf  das  die  Phantasie 
nachahmenden  metrischen  abgesehen,  dieselben  des  Naturmenschen  lebhafter  beschäftigende 
fast  völlig  unberücksichtigt  lassen.  Im  Volke  Treiben  der  noch  auf  der  Oberwelt  umgehen- 
blieb offenbar  der  oben  Sp.  235f.  entwickelte  den  Seelen,  welches  man  besonders  in  der  un- 
Glaube  an  das  Fortleben  der  Toten  im  Grabe  heimlichen,  für  die  Regungen  der  Furcht  zu- 
selbst  lebendig,  und  zwar  meinte  man  jeden-  20  gänglicheren  Nachtzeit  oder  in  Fieberphanta- 
falls  wegen  der  Ähnlichkeit,  welche  der  Tote  sieen  und  im  Traume  wahrzunehmen  glaubte 
mit  einem  Schlafenden  zeigt  (Cic.  Tusc.  1,  38,  (Lucret.  1,  132  ff.  Cic.  Tusc.  1,  13,  29.  de 
92),  dafs  derselbe  im  Grabe  ewig  sorglos,  divin.  1,  57,  129.  Horat.  epod.  5,  92.  epist. 
ruhig  und  glücklich  schlummere  (re-  2,  2,  209.  U.V.  26,  19.  Non.  Marc.  S.  135 
quieseere,  Ennius  bei  Cic.  Tusc.  1, 44, 107;  conni-  s.  v.  Lemures:  vgl.  Plut.  Dio  2  und  oben 
ventem  somno  consopiri  sempiterno,  Cic.  a.  a.  O.  Sp.  240).  Und  zwar  meinte  man,  dafs  das  Ein- 
1,  49,  117).  Auf  diese  Anschauung  deuten  auch  gehen  der  Verstorbenen  in  die  Unterwelt  durch 
die  auf  Grabschriften  häufig  vorkommenden  Bestimmte  Umstände  überhaupt  verhindert  wer- 
Ausdrücke:  quieti  aeternae  (C.  I.  L.  12,  1720.  den  könne,  da,  wie  oben  Sp.  242  erwähnt,  der 
1723  und  öfter;  vgl.  3,  1552.  10,  7962),  paci  30  Übergang  der  Seelen  in  göttliche  Wesen  (dei 
et  quieti  aeternae  (12,  758),  pax  tecum  aeterna  animales)  von  gewissen  ihnen  dargebrachten 
(12,  831.  833  f.  782.  878),  securitati  aeternae  Opfern,  d.  h.  von  der  feierlichen  Bestattung 
oder  perpetuae  (12,  409.  747  und  öfter)  odpr  abhing.  So  bleiben  also  die  Seelen  derjenigen, 
requietorium  (12,  843).  Vgl.  die  oben  Sp.  236  die  nicht  regelrecht  begraben  sind  (rite  con- 
angefiihrten  Inschriften.  diti,    Serv.   V.  A.  3,  68.    6,    325;    animamque 

Da  vielfach  hervorgehoben  wird,    dafs  der  sepulchro  condimus,  Yerg.  Aen.  3,  67  f.  5,  77ff.; 

Verstorbene    fromm    und    ehrbar    gelebt    und  vgl.  Ovid.  fast.  5,  451.   C.  I.  L.  1,  1051),  auch 

niemand  unrecht  gethan  habe,  so  mufs  dies  für  nach  römischer  Vorstellung  auf  der  Oberwelt 

den  Zustand  des  Lebens   nach  dem  Tode  von  (Suet.  Cal.  59.    Tim.  ep.  7,  27,  11),    da  ja  die 

Bedeutung  sein  (vgl.  oben  Sp.  245  die  Scheidung  40  strenge   Beobachtung   der   für  die   Bestattung 

in  pii  und  impii),  und  zuweilen  wird  dies  auch  geltenden  Vorschriften  (s.  0.  Sp.  235)  offenbar 

wirklich    ausgesprochen,    z.    B.     Orelli    4837:  den   Zweck    hat,    dies  gerade    zu   verhindern, 

....  vixi,  quod  volui ,  semper  bene  pauper  ho-  während  freilich  alle  ausführlicheren  Angaben 

neste;  fraudavi  nulluni,  quod  iuvat  ossa  mea  .  .  .;  über  den  Zustand  solcher  Seelen,  wie  sie  uns 

vgl.  Propert.  4,  11,  101.     Man   fürchtete  näm-  z.   B.    bei  Verg.  Aen.   6,   325    entgegentreten, 

lieh,   dafs   die  Seelen  der  Gottlosen  von   den  durchaus  griechisch  sind. 

Larvae  gequält  werden  würden   (Plin.  n.  h,  1  Zu  dieser  Art  von  ruhelosen  (Ennius  bei 

praef.  31.   Senec.  Apocol.  9),  obwohl  eigentlich  de.  Tusc.  1,44, 107.  Serv.  V.  A.S,  68)  Geistern 

auch    diese    selbst   nur   Seelen    solcher    impii  gehören  besonders  dipSeelen  vonSelbstmördern 

sind;  vgl.  auch  unten  Sp.  261,  18ff.  50  (Serv.  V.A.  4,  384.  386)  und  Ermordeten  über- 

Endlich  findet  sich  zuweilen   die  Hoffnung  haupt  (Plaut.    Most.   2,   2,    67  ff.     Plin.   ep.  7, 

auf  Wiedervereinigung  mit  den  Angehörigen  27,11.  Tertull.  de  anim.  56.  Porphyr,  zu  Borat. 

im  Grabe  angedeutet  (C.  I.  L.  12,  5193.   Orelli  epist.  2,  2,  208),  welche  letzteren  zunächst  die 

4847).  Mörder  (Horat.  epod.   5,   91  ff.     Ovid.  fast.  5, 

Somit   scheint  der   römische   Glaube   auch  46  f.    met.  9,  410.    Liv.  3,  58,  11.    Tacit.  ann. 

in    späterer    Zeit    keine    ins    Einzelne    durch-  13,    14.     Suet.   Nero   34.     Serv-    V.  A.    1,   276. 

gebildete  Lehre  über  das  Leben  in  der  eigent-  292),    dann    aber    auch    die   Bösen   überhaupt 

liehen  Unterwelt  besessen  zu  haben,  vielmehr  verfolgen    (Liv.   3,   58,    11.    Apul.    inet.   9,  29 

dürften  überall  da,  wo  der  Glaube  an  ein  dem  S.  649.    Lobeck,  Aglaoph.  1  S.  302)   und  wohl 

irdischen  Dasein  ähnliches  Fortleben  im  Grabe  60  in  allerlei  furchtbaren  Gestalten  (terrificationes 

schwand,  zunächst  die  Vorstellungen  der  griechi-  imaginum  et  bestiarvm,  Non.  Marc.  S.  135  s.  v. 

sehen  Mythologie  zum  Ersatz  angenommen  wor-  Lemures;  vgl.  oben  Sp.  1S94,  24  ff.  und  die  all- 

den   sein,   bis   auch   diese   in    den  gebildeten  gemein  indogermanische  Vorstellung  von  der 

Kreisen  von   den  Anschauungen   der   späteren  Schlangen-   oder  Drachengestalt  der   aus  dem 

griechischen    Philosophie     verdrängt    wurden  Körper  geschiedenen  Seele,   so  wie   den  Wer- 

(vgl  Cic.  Tusc.  1,  5, 10  f.  16,  37 f.  und  siehe  unten  wolf-  und  Vampvrg-lanbeu,  läppert,  D.Bel.  d. 

Sp.  260).    Wenn  aber  Cicero  (Cato  M.  22,  80)  cur.  Kulturv.  S.  41  ff.)  schrecken.    Die  bei  V«l. 

annimmt,    dafs    die   Seelen    der   Verstorbeneu  Flacc.    Arg.    3,  386    geschilderte    Form    des 


249                     Inferi  (mimdus)  Inferi  (lapis  manalis)               250 

Emporkommeus  der  Verstorbenen  in  Begleitung  Erstlinge  aller  Früchte,  deren  Genufs  das  Ge- 
einer  der  Furien  ninfs  als  dichterische  Aus-  setz  vorschreibt  und  die  Natur  zum  Bedürfnis 
schmückung  oder  als  griechische  Vorstellung  macht,  Bowie  Erde  von  der  früheren  Heimat 
betrachtet  werden.  der  Ansiedler  geworfen  wurden  (Ovid.  fast. 
Durch  gewisse  Opfer  und  Bräuche  (resolu-  4,  821  f.  Flut.  Moni.  11.  Laur.  Lyd.  de  mens. 
toria  sacra)  konnten  diese  Seelen  jedoch  ver-  4,  60;  vgl.  die  Anspielung  auf  dieses  Opfer 
söhnt  und  zur  Ruhe  gebracht  werden  (Sera.  V.A.  bei  Flaut.  Aulul.  2,  7,  5  f.).  Diese  war  jeden- 
3,  63.  4,  518  Lobcclc,  Aglaopli.  S.  303,  vgl.  302  k),  falls  mit  einem  Kuppelgewölbe  übermauert,  da 
nachdem  sie  beschworen  worden  waren  (Sueton.  der  niundus  von  Leuten,  welche  hineingestiegen 
Nero  34).  Sonst  aber  vermochte  man  sich  10  waren  (introvere),  seiner  Gestalt  nach  mit  dem 
gegen  ihre  Macht,  wie  gegen  allen  anderen  Himmelsgewölbe  verglichen  wurde  (Cato  bei 
Zauber  durch  eine  obseöne  Gebärde,  z.  B.  die  Fest.  S.  157).  Dafs  dieses  umgekehrt  und 
fiea  {Ovid.  fast.  5,  433  f.)  oder  auch  durch  nach  unten  gerichtet  gewesen  sei,  wie  Müller, 
Schwerthiebe  (Petron.  sat.  62;  vgl.  Verg.  den.  Etr.'2  S.  99  annimmt,  wird  nicht  überliefert; 
6,  260.  290  f.  Hom.  Od.  11,  48,  wo  die  Geister  auch  hätte  man  ja  dann,  um  die  Gestalt  zu 
als  körperlich  verletzbar  vorgestellt  sind)  zu  sehen,  nicht  erst  hineinsteigen  müs.-en.  Der 
schützen,  wie  nach  germanischem  Glauben  das  untere  Teil  des  mundus  war  den  di  Manes  ge- 
Messer vielfach  zauberlösend  wirkt  {Wuttke,  weiht  (vgl.  inferorum  vero  mundos,  Serv.  3, 
D.  deutsche  Yolksaberglaube  444  u.  öfter),  wäh-  134),  und  eine  Öffnung  des  Gewölbes,  die  viel- 
rend  dagegen  Knoten  von  der  Kleidung  fern  20  leicht  so  wie  in  dem  in  Rücksicht  auf  seine 
gehalten  werden  mufsten  (Ovid.  fast.  5,  432);  ursprüngliche  Bestimmung  noch  immer  nicht 
vgl.  die  ligamenta  und  Hexenknoten  bei  Grimm,  sicher  gedeuteten  (Jordan,  Top.  1,  1  S.  284; 
D.  Myth.*  1  S.  982 f.  3,  345.  Tullianum  angebracht  war,  wurde  mit  einem 
Im  Gegensatz  zu  diesen  furchtbaren  Geistern  Stein,  dem  lapis  manalis,  verschlossen  ge- 
glaubte man  aber  auch  an  Schutzgeister  halten  und  nur  an  den  oben  erwähnten  Tagen 
(vgl.  die  dii  reduces  patrii  ob.  Sp. 244, 66),  welche  geöffnet  (Fest.  u.  Faul.  a.  a.  O.  und  Faul. 
ihre  Freunde  und  die  Guten  überhaupt  trösten  S.  128  s.  v.  Manalem  lapidem).  Die  ganze 
und  ermahnen  (Prop.  4,  7,  71  ff.  11,  82  f.),  Grube  war  mit  Erde  angefüllt,  und  darüber 
ohne  dafs  man  bei  ihnen  an  einen  besonderen  ein  Altar  errichtet  (Ovid.  fast.  4,  823);  an 
Grund  für  ihr  Verweilen  auf  der  Oberwelt  30  jenen  drei  Tagen  wurde  diese  Erde  aber  wohl, 
dachte,  wie  ja  auch  die  Heroen  ihren  Stammes-  wie  zu  bestimmten  Zeiten  der  Altar  des  Consus 
genossen  und  Freunden  in  der  Gefahr  beizu-  und  Dis  (s.  o.  Sp.  925,  7  ff .  1181,  3  ff.),  immer 
stehen  pflegten  (s.  o.  Sp.  2477,  23 ff.  2479,  53  f.).  wieder  ausgegraben;  hierauf  beziehen  sich 
„„,..„.  _  ,  ,,-,..  vielleicht  die  zweifelhaften  Worte  des  Festus 
3.   Regelmäßiges  Emporkommen  der  Inferi.  s;u2:  mundus  ....  dktus  est  quod  terra  mo- 

Nicht  nur  solche  Geister,  welche  aus  irgend  vetur;  vgl.  Paul.  S.  143  s.  v.  Mundus. 

einem  Grund  keine  Ruhe  finden  konnten,  ver-  Auch    die   Sage    von    der   Schlief5nng   des 

kehrten    auf    der    Oberwelt,    zu    bestimmten  auf  dem  Forum  entstandenen  lacus  Curtius 

Zeiten    des  Jahres   kamen  auch    alle  übrigen  dürfte  vielleicht  auf  der  Erinnerung  an  einen 

aus  der  Unterwelt  herauf.    Zunächst  stand  am  -10  mundus  beruhen,  da  diese  Erzählung  in  allen 

24.  August,  5.  Oktober  und  8.  November  der  wesentlichen  Zügen   mit    den  in  Hinsicht    auf 

muu du s,  die  Pforte  der  Unterwelt  offen  (Ateius  letzteren  herrschenden  Vorstellungen   überein- 

Capito  bei  Festus   S.  154   s.   v.  Mundus;   vgl.  stimmt.     Ist    er    doch    auch    eine   zu   den  dei 

S.   142.    Paul.   S.  156.    Mommsen,   C.  I.  L.  1  Manes  hinabführende  Grube   in   der  Mitte  des 

5.  373),  so  dafs  diese  Tage  als  relisjiosi  und  Forums,  d.  h.  der  Stadt,  welche  mit  Erde,  mit 
nicht  für  wichtige  Geschäfte  tauglich  galten  Früchten  und  Gaben  aller  Art,  überhaupt  dem 
(Cato  bei  Ftst.  S.  157;  vgl.  Paul.  S.  156  s.  v.  Besten,  was  .es  in  Rom  giebt,  gefüllt  wird 
Mundus.  Varro  bei  Macrub.  sat.  1,  16,  18;  (Varro  d.  I.  I.  5,  148.  Dion.  Hol.  exe.  14,  11, 
vgl.  16  f.),  da  die  Macht  der  Inferi,  wie  oben  21.  Liv.  7,  6.  Val.  Max.  5,  6,  2.  Bio  Cass. 
Sp.  241  f.  ausgeführt  ist,  als  .eine  den  Menschen  so  /';•.  30,  2  S.  531  Mai.  1  S.  40  Dind.;  vgl. 
feindliche  angesehen  wurde.  Über  die  Schliefsung  jedoch  Jordan,  Top.  1,  1  S.  122.  1,  2  S.  399). 
der  Tempel  der  oberen  Götter  siebe  oben  Dafs  ursprünglich  auch  Menschenopfer,  die  zu 
Sp.  246.  Der  mundus,  der  auch  deorum  tristium  Schutzgeistern  der  Stadt  werden  sollten,  in 
atque  inferum  quasi  ianua  (Varro  bei  Macrob.  den  mundus  gestürzt  wurden,  ist  in  Rücksicht 
sat.  1,  16,  18;  vgl.  ostium  Orci,  Paul.  S.  128  auf  das  häufige  Vorkommen  von  solchen  beim 
s.  v.  3Ianalem  lapidem)  oder  faux  Plutonis  ge-  Kult  der  Inferi  durchaus  wahrscheinlich  (vgl. 
nannt  wird  und  dem  Dis  und  der  Proserpma  auch  die  Menschenopfer  bei  Bauten,  Grimm, 
heilig  war  (s.  o.  Sp.  1184,  45  ff.  und  vgl.  1).  Myth.*  1  S.  37.  956,  sowie  das  Begraben 
Cereris  qui  mundus  appellatur  vor  einer  Lücke  im  Hause,  unter  der  Schwelle  und  dem  Grenz- 
bei  Fest.  S.  142,  sowie  den  operae  messoriae  r>o  stein,  Lippert  a.  a  0.  S.  135).  Für  diese  Auf- 
mundus  der  eleusinischen  Mysterien,  der  auch  fassung  spricht  auch  der  Umstand,  dafs  noch 
als  Cereris  mundus  bezeichnet  wird,  Apul.  met.  zur  Zeit   des  Augustus   alljährlich   vom  "Volke 

6,  1  S.  883.  de  mag.  13  S.  418),  bildete  den  Spenden  in  den  lacus  Curtius  geworfen  wurden 
Mittelpunkt  jeder  neu  zu  gründenden  Stadt  (Sueton.  August,  hl).  Vgl.  die  ähnliche  Sage 
(vgl.  den  umbilicus  Italiae   oben  Sp.  1185,  4);  von  Anchuros,  oben  Bd.  1  Sp.  340,  8  ff. 

er   bestand   in    einer   runden,  bis   zum  festen  Offenbar  ist  der  mundus,   ebenso  wie  die 

Grunde  gegrabenen  Grube,  in  welche  cireapjjßt  Grube    bei    der    Totenbeschwörung    (a.    unten 

aller  möglichen  guten  und  nötigen  Dinge,  die  Sp.  253,  52)  ein  künstlicher  Ersatz  für  die  hie 


251  Inferi  (mundus  patet)  Inferi  (Spiele)  252 

und  da  in  gewissen  Gegenden  (s.  oben  Sp.  242)  endlieh   bei    Gelegenheit    der    ihnen  wohl    in 

in    Form    von    Höhlen    erscheinenden    natür-  Anlehnung  an  die  oben  Sp.  238  erwähnten  Gla- 

lichen  Eingänge  der  Unterwelt  (s.  o.  Sp.  1184,  diatorenkämpfe    bei    Bestattungsfestliehkeiten 

57  ff. ;    vgl.  Ephoros  bei  Strabo  5,  4,  5   S.  244.  gefeierten  Spiele,  der  ludi  Tarentini und  der 

Klausen,  Aen.  S.  967);  man  errichtete  ihn  nach  mit  diesen  zusammenhängenden  ludi  Saecu- 

etruskischer  Vorschrift  {Varro  d.  I.  1.    5,  143;  lares  (siehe  oben  Sp.  1180,  63  ff.),  sowie   der 

vgl.  Paul.  u.  Fest.  S.  284  f.  s.  v.  Rituales.  Plut.  ludi  Taurii,  wenn  dies  auch  nur  in  Beziehung 

Born.  11)   bei  einer  Stadtgründung,  jedenfalls  auf  die  letzteren  ausdrücklich  überliefert  wird 

um  mit  den  Inferi  der  Heimat,    wie   auch  die  (Fest.  S.  351  s.  v.  Tauri  ludi).     Erstere  mögen 

hineingeschüttete  heimische  Erde  andeutet,  in  10  ihren  Ursprung  in  einer  vulkanischen  Erschei- 

Verbindung  zu  bleiben,  obwohl  man  sonst  das  nung  haben  (Jordan,  Top.  1,  1  S.  122),  so  dafs 

Heraufrufen  derselben  intra  muros  zu  vermeiden  das   Terentum    ursprünglich    als    ein   Eingang 

pflegte  (Paul.  S.  351  s.  v.  Tauri  ludi).  zur    Unterwelt    zu    betrachten    iat,   jedenfalls 

Eine  ganz  ähnliche  Vorstellung  findet  sich  sind  beide  Spiele  nahe  mit  einander  verwandt 

bei  den  alten  Germanen,  die  ebenfalls  meinten,  (Marquardt,  Rom.   Staatsverw.  3   S.  378),    da 

dafs   das  Reich   der  Toten   durch   einen   Stein  beide  zur  Hebung  der  offenbar  von  unversöhnt 

wie   den  lapis   manalis,    den  Dillestein,  d.  h.  gebliebenen  Verstorbenen  gesendeten  Unfrucht- 

den  flachen,  eine  Höhlung  bedeckenden  Dielen-  barkeit  der  Frauen  und  Heilung  von  schwerer 

stein    (Fick ,   Vergl.   Wörterb.3  2    S.  371)    ver-  Krankheit  seit  Ende  der  Königszeit  nach  Befehl 

schlössen  werde  (Grimm,  D.  3t.1  1  S.  672  f.).  20  der    libri   fatales    gestiftet    sein    sollen    (oben 

Andererseits   ist  der   wahrscheinlich   einen  Sp.  1181   und  Fest,  und   Paul.   S.  350  f.   s.  v. 

magischen   oder   symbolischen   Verschlufs    des  Taurii.     Serv.    V.  A.  2,  140);   auch  liegen  das 

Wolkenhimmels,    d.  h.    des   ebenfalls  mundus  Marsfeld  (oben  Sp.  1181,  34.    Becker,  Handb.  1 

genannten    Himmelsgewölbes,    bildende    lapis  S.  628)  und  der  Circus  Flaminius  (Varro  d.i. 

manalis   zu  vergleichen,    der  bei  anhaltender  1.  5,  154.   Fcstus  a.  a.  0.),  wo  diese  Spiele  ab- 

Dürre  von  seinem  gewöhnlichen  Standort  ent-  gehalten  wurden,  nahe  bei  einander.    Die  Zeit 

fernt  und  in  die  Stadt  gezogen  wurde,  um  so  beider  war  ursprünglich  wahrscheinlich   nicht 

dem   Regen  freie  Bahn   zu  lassen  (Yarro  bei  fest  bestimmt  (Marquardt,  Staatsverw.  3  S.  375), 

Non.  Marc.   S.  547,  10;    vgl.   559,   19.    Paul.  jedenfalls   wurden   die   Taurii  nur  als    aufser- 

S.  128  s.v.  Manalem  lapidcm.  S.  2  s.  v.  Aquae-  30  ordentliche   Sühnfeste,    d.  h    Allerseelenfeste, 

licium.     Serv.    V.    A.    3,    175),     wobei    daran  religionis  causa  gefeiert  (Liv.  39,  22),  während 

erinnert    sein    mag,    dafs    Hydromantie    und  der  Name  der  Saeculares  andeutet,  dafs  sie  in 

Nekromantie  einander  sehr  nahe  stehen  (PI in.  jedem  Menschenalter   nur  einmal   stattfanden. 

n.  h.  37,  11,  192.  Augustin.  c.  D.  7,  35.  Klausen,  Aus   ihrer    Beziehung    zu    den    unterirdischen 

Aen.  2  S.  959  f.).     Vgl.  unten  Sp.  258,  11  ff.  Gottheiten  erklärt  sich  der  unterirdische  Altar 

Warum  aber  der  mundus  gerade  an  den  (vgl.  oben  Sp.  925),  das  Anbieten  des  eignen 
erwähnten  drei  Tagen  geöffnet  wird,  ist  nicht  Lebens  für  das  der  Kinder,  die  Einsetzung  zum 
klar.  Preller,  R.  M. s  2  S.  68  bezieht  dieselben  Zwecke  der  Hebung  von  Unfruchtbarkeit  und 
auf  die  Zeit  der  Ernte  und  neuen  Aussaat,  Krankheit,  die  nächtliche  Feier  und  das  Opfer 
was  durch  die  Verbindung  der  Proserpina  und  40  schwarzer  Tiere  (Val.  Max.  2,  4,  5,  Zosim. 
Ceres  mit  dem  mundus  empfohlen  wird;  aber  2,  3  ff. ;  vgl.  oben  Sp.  1181.  Marquardt,  Staats- 
für  ein  Opfer  der  Erstlingsfrüchte  (s.  o.  Sp.  250)  veno.  3  S.  377),  welch  letzterem  bei  den  tau- 
ist es  am  24.  August  viel  zu  spät,  denn  nach  rischen  Spielen  das  der  unfruchtbaren  Stiere 
F.  Olck  bei  Fleckeisen,  Jahrb.  1887  S.  465  ff.  entspricht  (Serv.  V.  A.  2,  140).  Auf  einstige 
beginnt  iu  Mittelitalien  die  Weizenernte  bereits  Knabenopfer  bei  diesen  scheint  das  Einbinden 
Mitte  Juni.  von  Knaben  in  die   frischen  Häute   der  Stiere 

Dafs  ein  Heraufkommen  der  Inferi  zu  deuten  (Fest.  S.  351);  die  folgenden  ver- 
ferner auch  an  den  übrigen  Festen  der-  derbten  Worte  des  Festus  beziehen  sich  viel- 
eelben,  besonders  den  dies  parentales  (siehe  leicht  auf  einen  unserem  Sackhüpfen  ent- 
Manes)  für  möglich  gehalten  wurde,  beweist  die  so  sprechenden  Festbrauch.  Vgl.  auch  das  Bannen 
auf  die  Stiftung  derselben  bezügliche  Erzählung  von  Geistern  in  Säcke,  Wuttke,  Deutscher  Volks- 
bei  Ovid.  fast.  2,  547  ff. ,  nach   der  sie  wegen  abergl.  774. 

Unterlassung    der    ihnen    gebührenden    Opfer  _  ,    ..  „  .         „  ,  ,       T   „    . 

aus  den  Gräbern  hervorkamen  und  allgemeines  4-   ünregelmafsiges  Emporkommen  der  Inferi. 
Sterben  verursachten.     Der  Opferbrauch  zeigt  Wie  gewisse  Opfer  und  Bräuche  das  Ein- 

jedoch,  dafs  dieses  Fest  nicht  den  Bewohnern  der  gehen  der  Seelen  in  die  Unterwelt  bewirkten 

eigentlichen  Unterwelt,  sondern  den  im  Grabe  (s.  o.  Sp.  235  und  242),  so  konnten  die  Toten 

selbst  fortlebenden  Verstorbenen  gilt.    Ebenso  durch  andere  entsprechende  Handlungen  auch 

erschienen   die  Schatten   in   ihren  alten  Wob-  wieder  willkürlich  auf   die   Oberwelt    empor- 

nungen  regelmäßig  am  Feste  der  Lemuria,  in  60  gerufen  werden,  besonders  da  sie,  wie  wir  ge- 

den   Nächten  des   9.,   11.    und   13.  Mai    (siehe  sehen,    zu   gewissen   Zeiten    überhaupt   regel- 

Lemures)  gleichfalls  die  Lebenden  bedrohend,  mäfsig    auf   dieselbe    heraufkamen    und   auch 

so  dafs   sie   am   Schlufs  des  Festes,   nachdem  sonst  die  Vorstellung  von  einem  Wiederauf- 

sie  ihr  Opfer  empfangen  hatten  und  versöhnt  leben    Verstorbener    verbreitet    war    (Cic.    in 

waren  (vgl.  Serv.  V.  A.  3,  63),  wieder  aus  dem  Catil.  2,  9,  20.  pro  Mil.  29,  27.   Orator  25,  85. 

Hause  hinausgewiesen  wurden.     Über  den  dies  Brut.  93,  322.  Liv.  26,  32;  vgl.  ne  intra  muros 

parentum   siehe  oben  Sp.  244,  28.  evocentur    di   inferi,    Fest.  S.  351    s.  v.  Tauri 

Das  Emporkommen  der  Inferi  fürchtete  man  ludi).     Diese   Vorstellung    von    der    Möglich- 


253           Inferi  (Totenbeschwörung)  Inferi  (Totenbeschwörung)          254 

-  keit  der  Totenbeschwörung  (vsxvofiuvzsia,  Durch    das    Blut,    das    als   wesentlichstes   Er- 

vEHQopuvzEia    oder    tpvxofiavrei:a,     Cic.    Tusc.  fordernis  des  Lebens  gilt  und  mit  dem  Herzeu 

1,  16,  37.  48,  115.    de  div.  1,  58,132;  vgl.  oben  zuweilen  geradezu  für  die  Seele  des  Menschen 

Bd.  1  Sp.  1033,  54 ff.)  beruht  so  vollkommen  auf  erklärt  wird  (Cic.  Tusc.  1,  9,  18.    Serv.   V.  A. 

dem    in    Rom    alteinheimischen    Vorstellungs-  3,  67.    5,  79;  vgl.  Lippert  a   a.  0.  S   41.  48 f.), 

kreis,  dafs  die  Angabe  des  Varro  (bei  Augustin.  soll  dem   Toten  selbst  wieder  auf  kurze  Zeit 

c.  D.  7,  35),  die  v£xvoy.avziiu  stamme  aus  Leben  eingeflöfst  werden  (Lucan.  Phars.  6, 
Persien,  ihren  Grund  nur  in  einer  späteren  667.  750  ff.  Serv.  V.  A.  3,  67  f.;  vgl.  d.  alten 
Verbindung  der  heimischen  Bräuche  mit  per-  Tragiker  bei  Cic.  Tusc.  1,  16,  37),  weshalb 
Bischer  Magie  (Plin.  h.  n.  30,  1,  8.  14.  28,  1,  10  natürlich  Menschenblut  dazu  am  geeignetsten 
5  f.),  wie  Bolche  auch  noch  in  der  Kaiserzeit  ist,  .doch  wurde  aufserdem  auch  Wein  und 
vorkam  (vgl.  z.  B.  Plin.  h.  n.  30,  1,  16  f.),  Milch  gebraucht  (Ovid.  met.  7,  245  ff.  Tibull. 
haben  dürfte.  Den  italischen  Ursprung  ahn-  1,  2,  50;  vgl.  Apul.  met.  3,  18  S.  206).  In 
liehen  Zaubers  beweisen  aber  die  von  Plin.  Ermangelung  von  frischen  Menschenopfern  be- 
h.  n.  28,  2,  17  aus  den  12  Tafeln  angeführten  nutzte  man  aber  bei  der  Beschwörung  auch 
Bestimmungen,  und  der  30,  1,  12  in  Verbin-  Totenschädel  (Apul.  de  mag.  34  S.  473)  oder 
düng  damit  erwähnte  Senatsbeschlufs  aus  dem  andere  bei  Mondschein  (vgl.  Hekate,  oben 
Jahre  97  v.  Chr. ,  durch  welchen  Menschen-  Bd.  1  Sp.  1894)  gesammelte  Teile  von  Leichen 
opfer  verboten  werden,  scheint  sich  geradezu  (Horat.  sat.  1,  8,  21  f.  Lucan.  6,  533 ff.  Apul.  met. 
auf  Beschwörungen  dieser  Art  zu  beziehen.  20  2,  20  S.  140.  3,  17  S.  206),  wie  solche  auch  bei 
Allerdings  geht  die  Überlieferung  auf  römi-  der  jüngeren  Art  der  Devotion  angewandt  wur- 
schem  Gebiet  nicht  weit  zurück,  auch  ist  sie  den  (s.  unten  Sp.  258,  25).  Doch  glaubte  man, 
offenbar  mit  griechischen  Vorstellungen  ge-  dafs  die  Wiederbelebung  bei  erst  kürzlich 
mischt  (vgl.  Pouche -Leclercq,  histoire  de  la  Verstorbenen  leichter  sei  als  bei  schon  länger 
divinat.  dans  l'antiquite,  1  S.  330ff.  3  S.  363ff.),  Abgeschiedenen,  weil  ihre  Seelen  noch  nicht 
dabei  erscheint  aber  die  Sache  so  volkstümlich,  in  der  Unterwelt  seien  (Lucan.  6,  619  ff.  712  ff. 
dafs  an  vollkommene  Entlehnung  schwerlich  Serv.  Verg.  A.  6,  152;  vgl.  Tibull.  1,  2,  48.  Ovid. 
zu  denken  ist.  Heroid.  6,  90),  und  offenbar  gilt  dies  aus  dem- 

Eine  solche  Mischung  zeigt  schon  ein  my-  selben  Grunde  von  gewaltsam  Getöteten  (vgl. 
thisches   Beispiel  von   Erweckung   vom   Tode,  30  oben  Sp.  248),  weil  man  voraussetzte,  dafs  diese 

die  Sage  von  Virbius  (s.  d.),  und  ähnlich  steht  nicht   regelrecht  bestattet  wären  (Pacuv.   bei 

es  mit  der  an  den  ältesten  italischen  Sitz  der  Cic.  Tusc.  1,  44,  106),    wie  ja    Hingerichtete 

Nekromantie     am    Avernus     bei    Cumae     ge-  und    Selbstmörder    überhaupt  nicht  begraben 

knüpften  Überlieferung,   bei   welchem  Aeneas  werden    durften    (Seneca   contr.  8,  4.     Serv.  V. 

in   die   Unterwelt    hinabstieg    (s.    0.  Sp.   1184,  A.  12,  603.    Big.  48,  24,  1;    vgl.    Marquardt, 

61  ff.,  wo  auch  die  übrigen  italischen  Eingänge  Staatsverw.  3   S.  295),    und    dafs    sie    deshalb 

der  Unterwelt  angeführt  sind).  nicht  in  die  Unterwelt  gelangen  könnten. 

Die    Beschränkung    der    Nekromantie    auf  Wesentlich  ist  bei  der  Beschwörung  die  An- 

solche  Orte  (necromantia  vel  sciomantia  non  wendung  von  Zauberformeln,  durchweiche 
nisi  ibi  poterat  fieri,  Serv.    V.  A.  6,  107;   vgl.  40  der  Boden  gespalten  und  dieToten  heraufgerufen 

d.  alten  Tragiker  bei  Cic.  Tusc.  1,  16,  37)  wurden  (Horat. sat.  1,8,  19.  45.  epod.  17,  6.  78f. 
dürfte  jedoch  nicht  alteinheimisch  sein,  denn  Tibutt.  2, 1,  47 f.  Ovid.  am.  1,  8,  17f.  Tacit.  arm. 
wie  an  Stelle  des  natürlichen  Eingangs  der  2,  28 ;  vgl.  Verg.  A.  4,  490) ;  gewifs  waren  diese 
Unterwelt  der  künstliche  des  mundus  trat,  so  Formeln  alteinheimisch,  da  solche  vielfach 
wurde  auch  die  Totenbeschwörung  an  dem  auch  bei  anderem  italischem  Zauber,  besonders 
nach  italischer  Vorstellung  ursprünglichen  aber  bei  der  verwandten  Devotion  (s.  unten 
Wohnort  der  Toten,  an  den  Gräbern  selbst  Sp.  255)  in  Gebrauch  waren  (Cato  B.  B.  160. 
vorgenommen  (Verg.  ecl.  8,  98.  Horat.  sat.  Plin.  h.  n.  17,  28,  267.  28,  2,  10  ff.  21.  29) 
'l,  8,  8  ff.  Tibull.  1,  2,  47  f.  Ovid.  amor.  1,  8,  und  hauptsächlich  den  Sabellern  und  Marsern 
17.  Stat.  Tlieb.  4,  507.  Apul.  met.  2,  20  S.  139).  50  zugeschrieben  wurden  (Horat.  epod.  5,  76.  17, 
Dabei  wird,  wie  bei  der  Anlage  des  mundus  eine  28  f.  Ovid.  med.  fac.  39.  Sil.  Ital.  8,  497  ff. 
Grube  gegraben  und  das  Blut  der  Opfer  in  Gell.  16,  11,  1).  Ausgeübt  wird  der  Zauber 
dieselbe  gegossen  (Horat.  sat.  1,  8,  26.  Ovid.  meist  durch  Weiber,  welche  dabei  in  schwarzem 
met.  7,  243;  vgl.  Varro  bei  Augustin.  c.  D.  7,  Gewand,  mit  nackten  Füfsen  und  gelöstem  Haar 
35.  Ovid.  met.  7,  259.  Quinet.  decl.  10);  als  erscheinen  und  ihre  Beschwörung  dreimal  mit 
solche  wurden  dem  alten  Totenopfer  ent-  lauter  Stimme  rufen  oder  heulen  (Verg.  Aen. 
sprechend  aufser  schwarzen  Tieren  auch  Men-  4,  509  f.  Horat.  sat.  1,  8,  23  ff.  epod.  5,  16. 
sehen,  besonders  unschuldige  Knaben,  die  zu-  Ovid.  Hiroid.  6,  89  f.  met.  7,  182.  190),  doch 
weilen  sogar  noch  ungeboren  aus  dem  Leibe  treten  auch  Beschwörer  auf  (Cic.  Tusc.  1,  16, 
der  Mutter  herausgeschnitten  wurden  (Lucan.  60  37.  de  div.  1,  58,  132.  in  Vatin.  6,  14),  und 
Phars.  6,  558  f.  Amm.  Marc.  29,  2,  17.  Mar-  letzteres  ist  vielleicht  sogar  der  eigentlich 
qiiar dt,  Staatsverw.  3  S.  110,  6),  geschlachtet  (Cic.  römischen  Sitte  entsprechender.  Daneben 
in  Vatin.  6,  14.  Lucan.  Phars.  6,  529  ff.  562  f.  scheint  jedoch  auch  die  Wahl  des  Tages  für 
Plin.  h.  n.  30,  1,  16.  TertuU.  apol.  23.  Dio  den  Erfolg  der  Beschwörung  nicht  bedeutungs- 
Cass.  73,  16,  5.  79,  11,  3.  Serv.  V.  A.  6,  107.  los  gewesen  zu  sein  (Plin.  h.  n.  30,  1,  16), 
Lobeck,  Agl.  S.  223;  vgl.  die  Tötung  von  sicher  aber  wurde  sie  immer  zur  Nachtzeit 
Knaben  bei  anderem  Zauber,  Horat.  epod.  5,  vorgenommen  (Verg.  Aen.  4,  490  u.  Serv.;  vgl. 
91  ff.     Iuvenal.   6,   652.    Lamprid.  v.  Hei.   8).  Apul.  met.  3,  16  S.  201).     Zweck  derselben  ist 


255                   Inferi  (Devotion)  Inferi  (Devotion)                    256 

zuweilen  die  Versöhnung  der  heraufgerufenen  und  bei  den  privaten  Formen  der  Devotion 
Schatten  (Suet.  Nero  34.  Dio  Cass.  77,  15,  4),  wahrscheinlich  gar  nicht  dargebracht  worden 
gewöhnlich  aber  beabsichtigt  man  sie  zu  be-  ist.  Dies  ist  aber  erklärlieh,  da  es  sich  bei 
fragen  (animas  responsa  duturas,  Horat.  sat.  der  Devotion  überhaupt  nicht  um  ein  Herauf- 
1,  8,  28  f.;  vgl.  Propert.  4,  11,  84.  Lucan.  6,  rufen  der  Inferi  aus  ihrem  unterirdischen 
761  ff.  Plin.  h.  n.  30,  1,  14 f.  2,  18.  Lactant.  Aufenthaltsort  handelt,  und  den  Verstorbenen 
4,  27,  18),  und  es  gehörte  besondere  Kraft  also  nicht  wieder  irdische  Lebenskraft  einge- 
dazu,  sie  so  lange  zurückzuhalten,  als  man  flöfst  zu  werden  braucht.  Die  Devotion  be- 
wünschte (Tibull.  1,  2,  49);  nach  freilich  sicher  steht  vielmehr  darin,  dafs  man  Menschenleben 
griechischer  Vorstellung  konnte  dies  auch  durch  10  in  die  Macht  der  Unterirdischen  giebt,  ohne 
die  Macht  eines  Steines  Synochitis  geschehen  dafs  jedoch  der  Devovierende  selbst  etwas 
{Plin.  n.  h.  37,  11, 192).  Auf  schriftliche  Beant-  Thatsächliches  für  die  Opferung  derselben 
wortung  der  Fragen  deutet  Cic.  Tuse.  1,  48,  115.  ausführt  oder  auch  nur  andeutet,  wie  die 
Griechisch  ist  jedenfalls  auch  der  Glaube,  dafs  Tötung,  an  deren  Stelle  später  zuweilen  auch 
jeder  Schatten  nur  einmal  gerufen  werden  nur  Senden  von  Krankheit  und  dergl.  (s.  unten 
dürfe,  da  dies  ausdrücklich  als  mystisch  be-  Sp.  259)  tritt,  erfolgen  soll.  Die  ganze  Aus- 
zeichnet wird  {Lucan.  6,  823  f.    Serv.  V.  Georg.  führung    des     gewünschten    Vorgangs    bleibt 

4,  502),  dafs  die  beschworenen  Seelen  zu  durchaus  den  angerufenen  Göttern  überlassen, 
ständigen  Dienern  (nägsSgoi,  Spiritus  familiäres)  und  es  wird  ihnen  dafür  gewöhnlich  auch 
der  Zauberer    werden    könnten    {Lobeck,  Agl.  20  kein  weiterer  Lohn  in  Form   eines   Gelübdes 

5.  222  f.),  sowie  die  Benutzung  von  pontischen  versprochen  (siehe  jedoch  unt.  Sp.  259,  22  ff.), 
oder  thessalischen  Kräutern  (Vera.  ecl.  8,  95.  .  _  ,.  _  .  ,  ,  „, 
Horat.  sat.  1,  8,  19.  epod.  6,  21).  Auch  die  a)  Devotion  von  Feinden  des  Staates. 
Ansicht,  dafs  jemandem,  der  Sommersprossen  Wie  aus  den  ältesten  Quellen,  den  beiden 
habe,  die  Geister  nicht  gehorchten,  gehört  bei  Liv.  8,  9  und  Macrob.  sat.  3,  9,  10  er- 
hierher  {Plin.  n.  h.  30,  1,  16).  Vgl.  Grimm,  haltenen  Verfluchungsformeln,  hervorgeht,  be- 
I).  M.  '3  S.  25.  ruht  der  ganze  Gebrauch   auf  der  dem  Alter- 

_  _  ,.  .  ,.  tum  durchaus  geläufigen  Vorstellung  des  stell- 
5.  Devotio  und  consecratio.  vertretenden  Opfers.  Decius  sagt  bei  Liv. 
In  nahem  Zusammenhang  mit  der  Beschwö-  30  ausdrücklich,  dafs  er  sieh  selbst  für  das  Heer 
rung  der  Inferi  stehen  die  uralten  Bräuche  und  zugleich  pro  republica  Quiritium,  exercitu, 
der  devotio  und  consecratio,  denn  auch  diese  legionibus,  auxiliis  populi  Romani  Quiritium 
beruhen  ebenso  wie  jene  wesentlich  auf  der  die  legiones  auxiliaque  hostium  mit  sich  zu- 
magischen Wirkung  bestimmter  Formeln  (car-  sammen  diis  Manibus  Tellurique  oder  matri 
mina,  verba  concepta,  sollemnia,  prccationes  sol-  Terrae  devoviert  (Liv.  8,  6.  9.  10),  und  ebenso 
lemnes,  meditatae  compositaeque  dirae),  welche  erklärt  der  Diktator  bei  Macrobius  a.  a.  0., 
den  Gegenstand  dieser  Handlungen  in  die  dafs  er  die  Feinde  als  Stellvertreter  für  sich, 
Macht  der  Unterirdischen  geben.  Die  Zauber-  das  römische  Volk  und  Heer  den  unterirdischen 
kraft,  welche  dem  Worte  ebeusowohl  im  Ge-  Göttern  weihe,  damit  sie  diese  unversehrt  lassen, 
bet  (siehe  Indigitamenta  Sp.  167)  als  im  Fluche  10  Vgl.  Cic.  de  nat.  deor.  3,  6,  15.  Liv.  10,  28. 
beigelegt  wird,  beruht  wohl  auf  der  wunder-  Dabei  ist  es  eigentlich  gleichgültig,  ob  der 
baren  Wirkung,  welche  demselben  als  Träger  Feldherr,  wie  es  nach  der  ersten  Formel  der  Fall 
des  Gedankens  und  Vermittler  des  Willens  ist,  sich  selbst  an  Stelle  seines  Heeres  mit 
überhaupt  innewohnt.  Dementsprechend  ist  weiht  (vgl.  das  Opfer  des  Kodros  und  das 
es  bei  jeder  Beschwörung,  um  Mifsverständnis  Königsopfer  bei  den  Germanen,  Lippert  a. 
auf  Seiten  der  angerufenen  göttlichen  Wesen  a.  0.  S.  186 f.  Frans,  myth.  Stud.  II.  Weihe- 
zu  vermeiden,  aufserordentlich  wichtig,,  die  früMing  u.  Königsopfer.  Wien  1888),  oder  ob 
richtigen  Worte  und  Namen  zu  kennen,  deren  er  dies  nur  mit  den  Feinden  thut;  auffallen 
Wirksamkeit  der  Erfolg  im  Laufe  der  Jahr-  könnte  nur,  dafs  er  überhaupt  etwas  weiht, 
hunderte  bewiesen  hat  {Plin.  n.  lt.  28,  2,  12;  50  über  das  er  keine  thatsächliche  oder  rscht- 
vgl.  Cic.  de  nat.  deor.  2,  3,  10.  Liv.  10,  28.  liehe  Verfügung  hat;  dafs  dies  aber  auch 
Senec.  ep.  7,  5,  9  =  67.  Auct.  de  vir.  ill.  27),  sonst  nicht  unbedingtes  Erfordernis  bei  Dar- 
daher  diese  bei  der  Devotion  vom  Pontifex  bringung  von  Geschenken  für  die  Gottheit 
vorgesprochen  werden  mufsten  (Liv.  5,  41.  ist,  beweisen  die  bei  Cic.  Verr.  4,  29,  67.  32, 
8,  9.  10,  28).  In  den  erhaltenen  Formeln  71.  Strabo  8,  6,  23  S.  381  erzählten  Beispiele, 
deuten  auf  diese  Vorsicht  die  Ausdrücke:  sive  für  die  der  Devotion  verwandte  Konsekration 
quo  alio  nomine  fas  est  nominare,  —  quem  ego  aber  besonders  Cic.  pro  domo  49,  127  ff.  Des- 
me  sentio  dicere,  —  seive  ea  alio  nomini(e)  est,  halb  kann  auch  neben  den  Feinden  als  Stell- 
sowie  die  ständige  Verwendung  von  Synonymen  Vertreter  des  gesamten  Heeres  irgend  ein 
und  die  vollständige  Aufzählung  aller  Einzel-  co  anderer  Bürger  als  der  Feldherr  devoviert 
heiten  und  Teile  (Liv.  8,  9.  Macrob.  sat.  3,  9,  werden,  welcher,  falls  er  nicht  wirklich  fallen 
10.  C.  I.  L.  10,_1604.  8249;  vgl.  Mommsen  zu  sollte,  sich  von  den  Unterirdischen  abermals 
1,  820).  Die  Übereinstimmung  mit  den  Be-  durch  ein  stellvertretendes  Opfer  loskaufen 
schwörungsbiäuchen  zeigt  auch  das  bei  der  mufs  (Liv.  8,  10).  Bei  den  ersten,  freilich  der 
Devotion  dargebrachte  Opfer  von  drei  schwarzen  Sage  angehörenden  Devotionen  des  M.  Curtius 
Schafen  (Macrob.  sat.  3,  9,  11),  das  jedoch  hier  (siehe  jedoch  oben  Sp.  260)  und  der  römischen 
nicht  von  wesentlicher  Bedeutung  gewesen  zu  Greise  nach  der  Schlacht  an  der  Allia  opfern 
sein  scheint,   da  es  anderwärts  nicht  erwähnt  sich   diese   dagegen   nur   selbst   an   Stelle   der 


257                    Inferi  (Devotion)       -  Inferi  (Devotion!                    258 

vom  Untergang  bedrohten   Stadt   (Liv.  5,  41.  Aufzeichnung,    was    wohl    einerseits    auf   das 

8,  10;   vgl.  Schwegler,  Beim.  Gesch.  3   S.  251).  Vorbild   des   gleichen  griechischen  Gebrauchs 

Historisch  beglaubigt  sind  nur  die  Devotionen  ( Wachsmuth  a.  a.  0.     Wessely,  Ephesia  Gram- 

von  P.  Decius  Mus  Vater  und  Sohn,   weniger  mala;  die  neuere  Litteratur  bei  Dieterich,  Pa- 

die  des  Enkels  (Cic.  pro  Sest.  21,  48.  pro  Bob.  pyrus  magica  mitsei  Lugdunensis  etc.),  anderer- 

post.  1.    div.  1,  24,  51.    de  nett.  deor.  3,  6,  15.  seits  auf  das  geringere  Alter  derselben  deutet. 

Parad.   1,  2.    Liv.  a.  a.  0.    Vol.  Max.  1,  7,  3.  Gewöhnlich    wurde   nämlich    die    Verfluchung 

5,  6,  5  f.    Plin.  n.  h.  28,  2,  10.    Seneca  ep.  7,  auf    einer    Tafel    aus    Blei    oder    Bronze    ein- 

5,9  =  67.    Frontin.  strat.  4,  5,  15.    Aristid.  geritzt     und     diese    dann    zusammengeklappt 

Mil.  bei   Phtt.  parall.  min.  18.    Zonar.  7,  26  10  und  vernietet   in  ein  Grab,   zuweilen  auch  in 

S.  363.  —  Cic.  de  fin.  2,  19,  61.    Txisc.   1,  37,  Quellen    (Zangemeister    im    Hermes    15,    1880 

89).      Eine    Anzahl    devovierter    Städte    zählt  S.  594.  C.  I.  L.  12,  5367)  gelegt,  welche  wohl 

Macrob.    sat.    3,   9,    13    auf;    vgl.   Iul.   Capit.  wegen    ihres    Hervorkoinniens    aus    dem    Brd- 

Max.  et  Betlb.  8,  6.  —  In  Bezug  auf  ähnliche  De-  innern  als  Eingänge  zur  Unterwelt  betrachtet 

votionsbräuche  bei  den  Galliern  und  Germanen  wurden  (vgl.  Tacit.  arm.  13,  57);   hie   und   da 

vgl.  Caes.  b.  G.  6,  17,  3  und  Tacit.  arm.  13,  57.  ist  noch   ein  kleines   Abbild    des   Verfluchten 

Aus  späterer  Zeit  finden  wir  eine  wirkliche  beigegeben  (C.  I.  L.  10,  8249).    Offenbar  stand 

stellvertretende   Selbstdevotion    an  die  Todes-  der  Verstorbene,   dessen    Grab  benutzt  wurde, 

götter  bei  einer  Erkrankung  des  Caligula  be-  selbst    in    keiner   Beziehung    zu  der  Devotion 

zeugt,  welche  nach  Wiedergenesung  desselben  20  (Wachsmuth    im    Bh.    M.    18,    1863     S.   566); 

auf   seinen  Befehl    durch    Tötung    des    Devo-  das   Grab    wurde   nur   gewählt,    um   die   Ver- 

vierten   zur   Ausführung   gebracht  wird    (Suet.  fluchung  an  die  Inferi,  in  deren  Machtbereich 

Calig.  14.  27.   I)io  Cass.  59,  8,  3),  bald  darauf  dasselbe  liegt,   gelangen  zu  lassen,   denn  das 

aber  wird  dieselbe  zu  einer  blofsen  Form  der  Gleiche   suchte   man  zu  erreichen,    wenn  man 

Schmeichelei  gegen  die  Kaiser  (Dio  Cass.  53,  die  Bleitafel  mit  Leichenresten  zusammen   in 

20.    Veget.  epit.  2,  5).  dem   Hause    des    Verfluchten    vergrub    (Tacit. 

Von  unterirdischen  Göttern,  denen  devoviert  arm.   2,  69;    vgl.  3,  1.3.     Dio  Cass.  57,  18,  9. 

wird,   werden   in   den   Formeln   besonders   die  WuttJce,  D.    Volkjabergl.  731  ff.  739;  vielleicht 

dii    Manes  und  die   Tellus   oder  Terra  mater  auch  Cic.  pro  Mil.  27,  75).     Ebenso  wie  man 

(vgl.   Terra   mater  dtique  inferi,  Aurel.   Vict.  30  aber  ein  Bild  des  Devovierten  beigab  (s.  o.  u. 

Caes.  33),  dann  auch  Dis  pater  (s.  oben  Sp.  1185,  vgl.  Ovid.  Her.  6,  89ff.),  so  geschah  dies  auch 

37  ff.),    Vejovis    und    die    Lares    oder     auch  mit  Haaren   desselben  (C.  I.  L.  10,  511)  und 

neben   den  inferi   die   caelestes   genannt  (Liv.  wahrscheinlich  mit  Eier-  oder  Muschelschalen, 

7,  6.    8,  6.  9.    10,  28.   Macrob.  sat.  3,  9,  10  f.),  welche    er    geleert    hatte,    daher    man    diese 

doch  werden   aufserdem   auch   die  Kriegsgott-  sofort  selbst  zu  zerbrechen  pflegte  (Plin.  n.  h. 

heiten  Mars  pater,  Quirinus  und  Bellona,  so-  28,  2,  19).    Eine  Lampe  mit  Devotionsinschrift 

wie    die   divi    Novensiles,    die    dii    Indigetes,  deutet    dagegen    auf   den    Brauch,    dafs    eine 

Ianus  und  Iupiter  angerufen.    Ianus  steht  da-  solche    als    symbolischer    Ausdruck    für    das 

bei  wohl  nur  infolge  alter  Gewohnheit  wie  bei  Lebenslicht  des  Verfluchten  bei  der  Ceremonie 

allen  Gebeten   als  Anfangsgott  voran,   Iupiter  411  ausgelöscht  wurde  (Preller,  Arch.  Zeit.  19,1861 

aber   scheint   insbesondere   als  Schwurgott  zu  S.     167);     vgl.     die    brennenden    Lampen    auf 

gelten  (Macrob.  sat.  3,  9,  11  f.).  Gräbern  (C.  L.  L.  10,  633.    Mwrquardt,  Staats- 

, .    _.          ,  .                  -   .      ,.   .     .  verw.  3  S.  300,  8). 

b)   Devotion  von  Prrvatfemden.  Zuweilen  scheinen  auch  besondere  geheime 

Aus   der  Devotion   der  Feinde    des   Staats  Zauberzeichen   verwendet  worden    zu    sein 

hat    sich  später,  jedenfalls  unter    Mitwirkung  (Tacit.  ann.  2,  30;  vgl.  die  Verwünschungstafel 

eines  ähnlichen  griechischen  Brauchs,  die  De-  aus  Karthago,  Epiliein.  epigr.  5,  317  =  Schreiber, 

votion   von    Privatfeinden    entwickelt,    deren  Kulturhist.   Bilderati.   1    Tf.   91,    9),    und    da 

häufiges  Vorkommen   in   der  Kaiserzeit  neben  natürlich   auch    sonst   dabei  viele  nicht  allge- 

den  Nachrichten   der  Schriftsteller   (Seneca  de  50  meiu  bekannte  Vorschriften  beobachtet  werden 

benef.  6,  35.    Herc.  (Jet.  456  f.    Plin.  n.  h.  28,  unufsten,   so   finden  sich  später  Leute,   welche 

2,  19.    Tacit.  ann.  2,  69.   3,   13.   4,  52.   12,  65.  dieses  Geschäft  ebenso  wie  die  Totenbeschwö- 

16,  31.   Dio  Cass.  57,  18,  9.    Paul.  rec.  sent.  5,  rung  für  Bezahlung  ausübten  (Tacit.  ann.  2,  28. 

23,  15)  besonders  durch  eine  Anzahl  inschrift-  Apul.  mei.  9,  29  S.  649). 

licher  Funde  erwiesen  wird.     Vgl.  Wachsmuth  Die  auf  Metalltafeln   geschriebenen  und  in 

im  Bh.  M.  IS,  1863  S.  560ff.  Bächeier,  osle.  Blei-  Gräbern   gefundenen  Verfluchungen  sind  wohl 

tafel,  ebenda  33,  1878  S.  1  ff .    Marquardt,  Beim.  stets  an  eine   unterirdische  Gottheit   gerichtet 

Staatsverw.  3,  109,  6.    C.  I.  L.  1,  818  f.  =  6,  {Wachsmuth,    Bh.    M.   18,  1863    S.  565.  568), 

140  f.    1,  820.    2,  462.   7,  140.    10,  511.   1604.  wenn  dieselbe  auch  nicht  immer  genannt  wird 
3824.  8249.  12,5367?  Orelli-Henzen  3726.  6115.  60  (C.  I.  L.  10,  511.  1604.  3842),    dagegen  wird 

7408  f.  Hermes  4, 1869  S.  302.  15,1880  S.  588  ff.  auf  Grabsteinen  zuweilen  auch  Sol  zur  Rache 

Bull.  d.  Instit.  1880  S.  6  fl'.  188  —  191.  Kotizie  für  ein  Vergehen  aufgefordert   (Ber.   d.   Sachs. 

d.  seeeoi  d.  accad.  d.  Lincei  1880  S.  147.  Arch.  G.  d.    W.  Phil.-hist.  Kl.  7,  1855  S.  54  f.). 

Zeit.  19,  1861  S.  167.  39,  1881  S.  309  ff.  Bonner  Nur   auf  einer   einzigen,   aber   freilich   der 

Jahrb.  24,  1882  S.  181  ff.  Ephem.  epigr.  2,  1881  interessantesten   Bleitafel   dieser   Art  (C.  Z  L. 

S.  158.  5,  1884  S.  317  ff.  441  tf.  10,    8249    aus   Minturnae),   welche   als    Muster 

Abweichend  von  der  älteren  Form  bedient  ihrer  Gattung  ganz  wiedergegeben  zu  werden 

sich  diese  Art  der  Devotion  stets  schriftlicher  verdient,  werden  die  dii  inferi  im  allgemeinen 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Hythol.  II.  9 


259                 Inferi  ^Consecratio)  Inferi  (spätere  Vorstellungen')        260 

angeredet:  DU  i(n)feri,  vobis  com(m)e(n)do,  si  Füm.  Staatsverw.  3  S.  266.  Dareniberg  et  Saglio, 

quic(q)ua(m)  sactitates  (=  sanctitatis)  h[a]betes  Dict.    des   antiqu.   gr.    et   rom.    s.    v.   Devotio 

(=  liabetis),  ac  tadro  (==  tvaäo)  Tieene  (=  Ty-  S.  114  f.),   wenn   dieselben  dabei  auch  oft  in 

dienern  oder  Tychen)  Carisi,  quodqu[o]d  agat,  Betracht    kommen    mögen    (Dion.  Hai.  2,  10 

quod  incida(n)t  omnia  in  adversa.    DU  i(n)feri,  S.  258);  besonders  verfielen  aberKiuder,  -welche 

vobis  com(m)e(n)do  ihljius  mem(b)ra  colore(m)  die  Hand   gegen  ihre   Eltern   erhoben  hatten, 

figura(m)   Caput  eapilla  (==  capülos)  umbra(m)  sowie  derjenige,   der  ein  Grab  schädigte,   den 

cerebru(m)  fru(n)te(m)  supefrciljia  os  nasu(m)  divi    parentum    (lex  regia   bei  Fest.  S.  230b, 

me(n)tu(m)    bucas    la[bra    vejrba     (h)alitu(ni)  Z.    14    u.    16.     C.  I.D.  1,  1241   =  10,   4255; 

col(l)u(m)  iocur  umeros  cor  pulmonesiimtestinas  10  vgl.  o.  Sp.  244),  der  Mann,  welcher  seine  Frau 

('=  intestina)  ve(n)treim)  brac(li)ia  digitos  manus  verkaufte,  den  Unterirdischen  (Flut.  Born.  22;, 

u(m)b(ijlicu(m)  visica  (— vesicam)  f ernenn  f=  fe-  und     ähnlich     waren    Patrone    und    Klienten, 

mina)  genua  crura  talos  planta(s)  tigitos  (=  cli-  welche  ihre  Pflicht  gegeneinander  schwer  ver- 

gitos).    DU  i(n)feri,  si  iUa(m)  videro  tabesce(n)-  letzten,  dem  Dis  pater  geweiht  (Dion.  Hai.  2, 

te(m) ,  vobis  sacrificiu(m)  lubens  ob  anfnhwer-  10   S.   258.     Serv.  V.  A.   6,    609;     vgl.    oben 

sariu(m)    facere    dibus    (=    diis)    parentibus  Sp.  1186,  50  ff.). 
il(l)iu[s]  voveo  (?)  ....  peculiul'm?)  tafbejscas. 

Bemerkenswert  ist  hier  die  den  alten  De-  xv.  Spätere  Entwicklung  der  Vorstellung 

votionsformeln   ähnliche   Genauigkeit   der  Be-  „_—,  t  qkq„   „„„\,   j™,  rn„jQ  u„i  jqt, 
.  ,                      ....       .     6      ,      :  vom  .beben  nach,  dem  Tode  bei  den 
Zeichnung  und  die  dreifach  wiederholte  Anrede  20  _  .. 
(vgl.   die  Tafel  von  Pozzuoli  in  der  Arch.  Z.  üomern. 
39,  1881   S.  309  ff.);  abweichend  vom  gewöhn-  Wahrscheinlich  infolge  der  Einführung  oder 
liehen  Gebrauch   wird   aber  hier  für  den  Fall  Verallgemeinerung     des     Brauches     der     eine 
der  Erfüllung  des  Fluches  den  Inferi  ein  jähr-  schnellere  Trennung  der  Seele  vom  Leichnam 
liehes    Opfer    versprochen.     Letztere    werden  bezweckenden    (Serv.    V.  A.   3,   68)    Leichen- 
dabei  zugleich   als   die   dii  parentes  der  Ver-  Verbrennung  (s.  o.  Sp.  2351  einerseits,  anderer- 
fluchten bezeichnet,  so  dafs  es  diesen  also  be-  seits  durch  die  Einwirkung  der  Anschauungen 
sonders    zukam,    ihre    devovierten    Familien-  griechischer  Philosophen  (Cic.  Tusc.  1,  17,  40. 
mitglieder    in    die    Unterwelt    hinabzuziehen.  18,  42.    26,   65    und   sonst   oft;    vgl.   Foscher, 
Aus  ähnlichem  Grunde  werden  die  Manes  einer  30  Hermes    der    Windgott    S.    54  ff.     Marquardt, 
Verstorbenen  gebeten,  die  hinterlassenen  Ver-  Staatsverw.  3  S.  56  ff.)  verbreitete  sich  in  Rom, 
wandten    zu    verschonen    (C.  /.  L.   0,  13101;  wie  es  scheint,  schon  seit  der  Zeit  des  Plautus 
vgl.  Apul.  met.  9,  29  S.  649).  und  Ennins  die  allerdings  an  sich  auch  schon 

In    anderer  Beziehung    zeigt  sich    die   bei  uralte  (s.  o.  Sp.  205S  f.)  Ansicht  von  dem  feurig- 

solchen  Verfluchungen   gebrauchte   ängstliche  luftartigen     "Wesen     der     Seele     (scintillulam 

Vorsicht  auf  einer  oskischen  Bleitafel  (Bücheier  animae,  Flaut   Trin.  2,  4,  91.492.    Verg.  Aen. 

im  Fh.  M.  33,  1878  S.  37),  indem  ausdrück-  6,  726.  747.    Cic.  somn.  Scip.  3,  7.    Serv.  V.  A. 

lieh  die  Möglichkeit  ausgeschlossen  wird,  dafs  6,    340;    seni    animam    exstinguerem,    Terent. 

der  Verfluchte  durch  Versöhnung  der  unteren  Adelph.  3,  2,  16;    vgl.   die   brennende  Lampe 
oder    oberen  Götter    das  Verderben  von  sich  40  als  Symbol  des   Lebenslichtes ,  oben  Sp.  258), 

abwende    (vgl.    die    an    die  Manes   inferi    ge-  wobei    die   Beobachtung    des   Schwindens   der 

richtete    Devotion    auf    der    oben    erwähnten  Lebenswärme    nach    dem    Tode    unterstützend 

Lampe  bei  Preller,  Arch.  Z.  19,  1861  S.  167:  mitwirken  mochte.     Schon  in  der  letzten  Zeit 

.  .  .  .  ne  quis  eum  solcat  nisi  nos  qui  ligamus .  der    Republik    ist    der    alte    Glaube    an    das 

und    Horat.  epod.  5,  89),    doch   gab    es    auch  Vorhandensein    der   Inferi    und    eines    unter- 

Zaubermittel,   welche  gegen  die  Wirkung  der  irdischen  Aufenthaltsortes   der  Seelen  in  wei- 

Devotion  schützten  (Ovid.  fast.  2,  581).  teren   Kreisen    des   Volkes   geschwunden   (Lu- 

Zweck    dieser  privaten  Devotion  ist  nicht  cret.  3,  36  ff.     Cic.  pro   Cluent.  61,  171.     Tusc. 

immer    der  Tod,    sondern   oft  nur    Krankheit  1,  5,   10.   16,  37.    Horat.  epist.  2,  2,  208.    Ovid. 

(Ovid.  amor.  3,  7,  27  ff.    Dio  Cass.  77,  15,  2  f.  50  met.    15,    153  f.     Iuvenal    2,    149  ff.    13,   49  ff. 

C.  I.  L.  7,   140.    8,  2756.    10,  8249.     Unglück.  Seneca   cons.   ad  Marc.  19;    vgl.   Flut.  Dio  2. 

im  allgemeinen  (C.  I.  L.  10,  8249;  vgl.  o.  Sp.  C.  I.  L.  2,  1434.    8,  3463),   und  so  weist  man 

1185,36)  oder  Festbannung  und  Fesselung  (vgl.  den  abgeschiedenen  Geistern,   der  neuen  Auf- 

die     oben     augeführte     Lampeninschrift    und  fassung    ihres    Wesens     entsprechend,     ihren 

Grimm,  D.  Myth.4  1  S.  9S2  f.)   durch  die  an-  Aufenthaltsort    im   Luftraum    (in    coelo,    Cic. 

gerufenen  Gottheiten   (.  .  .  demon  .  qui  lh)ic  ■  somn.   Scip.   3,  5.   8.    7,  17.     Tusc.  1,  11,   24. 

conver  sans  .  (=  saris)  trado  .  tibi  (h)os  \  quos  .  34,  82.  12,  27  f.  und  Ennius  ebenda,  sowie  bei 

(scripsi)  ut  deteneas  \  illos  .  et .  inplicentur  ]  (n)ec  Serv.    V.  A.   6,  764;    vgl.    Verg.  Aen.  5,   722. 

se  movere  possint,  Ephem.  epigr.  5,  1884  S.  317.  Arnob.  2,  62.  Macrob.comm    1,  12,  2.  2,  17,  14) 

Schreiber,  Kulturh.  Bilderati.  1  Tf.  91,  9;  vgl.  60  oder   auf  den   der  Seele   wesensverwandt   ge- 

Mommsen,  Arch.  Z.  40,  1882  S.  178).  dachten    Gestirnen   an   (Cic.  somn.  Scip.   3,  8. 

Tusc.  1,  19,  43.    Platonici  bei  Macrob.  comm. 

c)    tonsecratio.  h  ^  l7    11;  4ff))    w0    sie   ak    Götter  oder 

Der  Devotion  nahe  verwandt  ist  die  conse-  wenigstens  in  Gemeinschaft  mit  den  Göttern 
oratio,  welcher  sowohl  Menschen  und  Tiere,  ewig  fortleben  (Cic.  Tusc.  1,  31,  76)  oder, 
als  auch  Sachen  verfallen  können,  doch  wird  wie  man  im  Anschlufs  an  griechische  An- 
der Konsekrierte  nicht  notwendig  Eigentum  schauung  meinte,  auch  selbst  zu  Gestirnen 
gerade  der  unterirdischen  Götter  (Marquardt,  werden  (Ovid.  met.  15,  749.  840f.    Augustus  bei 


261                     Ingeniculus  Inuus                          262 

Plin.  n.  h.  2,  25,  93f.    Iitl.  Obsequ.  68.    Sero.  gefundenen   Musenmosaik,    Wochenschr.  f.   Tel. 

V.  A.S,  681.  cd.  9,  46;   vgl.  Cohen  med.  imp.'1  2  PMoZ.   1889    Sp.  82.     Jahrb.  d.  arch.  Inst.  5 

S.  246,  Adrien  Trojan  et  l'lotinel  —  3).  Übrigens  (1890)  8.1.     [Drexler.] 

berührte  sich  diese  Ansicht  mit  der  alten  Lehre,  Iiiiochcurius  (?)  E/ihem.  epigr.  4  S.  196  nr.  665 

dafs   der  Genius  dem   Menschen    von   Iuppiter  ausGloucester:  Deo\  Iniochcurio\ .  .orivendus*  ai. 

gegeben  werde  und   nach   dem   Tode  zu  ihm  Dazu  Hübner:   'v.  2   latet  fortasse  Mercurio' . 

zurückkehre   (antiqui  bei   Maerdb.  sat.   1,  10,  [R.  Peter.] 

16;  vgl.  o.  Sp.  1614,  35  ff.).  Ino  s.  Leukothea. 

Endlich    suchte    man    beide   Vorstellungen  Insania,   der  personificierte  Wahnsinn,  mit 

zu  vermitteln,   so  dafs  man  meinte,  die  Men-  10  Luctus,    Pavor   und    Terror    im    Gefolge    der 

sehen    gewöhnlichen   Schlages    kämen    in    die  Tisiphone;   Ov.   Meiam.  4,  485.     [Höfer.] 

Unterwelt,    die   vorzüglichen   und   ausgezeich-  Insidiae,  personificiert  und  mit  dem  Grausen 

neten   aber    in   den   Himmel    (Cic.  somit.  Scip.  (Formido)    und    den   Zorngöttinnen   (Irae)    zu- 

3,  5.  5,  10.  9,  21.    Tusc.  1,  12,  27;    vergleiche  sammen  im  Gefolge  des  Mars;   Verg.  Aen.  12, 

30,  72.    Tacit.  Agr.  46.    Flut.  Moni.  28),   oder  336,  vgl.  Stat.   Hieb.  7,  50.     [Höfer.] 

die    bewufste    Seele    lebe    in    der    Luft,    die  Insitor  s.  Indigitamenta. 

Schatten    in    der  Unterwelt   fort   (Plin.  n.  h.  Intarabus  deus  auf  einer  Inschrift  aus  der 

7,  55,  190).  Gegeud    von   Trier  bei    OrelU  2015   (—  C.  I. 

Hierauf   beruht   jedenfalls    auch    die    oben  Riten.   855):    deo   Intarabo   \   ex    imperio    Q.  \ 

Sp.  245   erwähnte   Scheidung    zwischen    sedes  20  Solimabius    Bitus  ■  aedem  .  .  .  consa'cravit .  I.  m. 

piorum    und    impiorum,   so   dafs   ersteren   die  [Röscher.] 

Wohnung    im  Himmel,    letzteren    die    in  der  Lutercidona  s.  Indigitamenta. 

Unterwelt    zukam    (Propert.   4,    11,   101;    vgl.  Inuus,  ein  altlatinischer  Gott  der  tierischen 

jedoch    auch    sedes  beatae  =  Etysium,    Verg.  Begattung,   eine   Neben-   oder   Lokalform   des 

Aen.  6,  639).     Zuweilen   wird    dann   die   neue  Faunus  (s.  o.  Bd.l  Sp.  1455,39ff).   Dielatinische 

Anschauung    ohne    weiteres    mit    den    älteren  Herkunft  des  Inuus  wird  einerseits   durch  die 

mythischen   Bildern  in   Verbindung   gebracht,  rein  lateinische  Namensform  (Gorssen,  Ausspr.- 

so   dafs  Charon  die  Seelen  in    seinem  Nachen  1  S.  313;  vgl.  besonders  Fatuus  und  Februus), 

auf    die    Gestirne     führt    (Propertius    3,    18,  andererseits    durch   einen    alten   Kultort,    den 

31  ff.).                                                                            30  Flecken  Castrnm  Inui   im   Gebiet   der  Rutuler 

Ganz    vereinzelt    findet    sich    endlich    die  an   der  Küste  nahe  bei  Ardea  ( Verg.  Aen.  6, 

griechische  Vorstellung  (s.  o.  Sp.  2470,  28  ff.)  775  u.  Serv.  dazu)  erwiesen.     Dagegen  beruht 

von    einem  Aufenthalt    der  Verstorbenen   auf  die  Anführung  eines  Castrum  Inui  in  Etrnrien 

den  Inseln  der  Seligen  (Plaut.  Trin.  2,  4,  148.  (Servias  V.  A.  6,  775.    Butil.  Kamat.  1,  227) 

549;  vgl.  Cic.  Tusc.  1,  19,  44.  41,  98.   Hortens.  jedenfalls    auf  Verwechselung    mit    dem    dort 

fr.  40.    Plin.  n.  h.  4,  22,  119.  6,  32,  202],  sowie  gelegenen  Castrum  novum,  da  der  Flecken  der 

von    dem    ruhelosen,     trabantenartigen     Um-  Rutuler    öfter    auch    blofs    Castrum    genannt 

treiben    der   Geister   der  Bösen   um    die   Erde  wird    (Ovid.    mct.    15,    727.     Sil.    lt.    8,    361. 

(Cic.  somn.  Scip.  9,  21),  während  die  vom  Ely-  Martial.  4,  60);  vgl.  JDeecke  bei  Müller,  Etr.1 
sium  öfter  vorkommt  (Verg.  Aen.  5,735.  6,542.  40  2  S.  63.    Bonnann  im  C.  I.  L.  11  S.  531. 

637  ff.  u.  s.w.).  Seiren   Namen    führt    er    ab  ineundo,   be- 

Aber  auch  die  Ansicht,  dafs  die  Seele  über-  springen  (Serv.  V.  A.  6,  775 ;  vgl.  Paul.  Diac. 

haupt  nicht  fortlebe,    ist   schon  zur   Zeit   des  S.  110  s.  v.  mit),  und  diesem  Grundzug  seines 

Cicero    stark    verbreitet,    wie    abgesehen   von  Wesens   entsprechend   erscheint   er  neben  der 

Lucret.  3,  417  —  827  besonders  die  Bekämpfung  altlatinischeu  und  überhaupt  altitalischen  Pales 

derselben  z.  B.  im  1.  Buch  der  Tusculanen  und  als   Schützer  des  Viehstandes   (Aruob.  3,  23). 

später   selbst  manche   Grabschriften   erkennen  Gewöhnlich  wird  er  dem  Faunus,  Fatuus  oder 

lassen  (Orelli-Henzen  4809  ff.  7346.  7382.    C.  I.  Fatnclus    und    dessen   griechischem  Vertreter, 

L.  11,  1616),    während    allerdings    die    grofse  dem  lykäischen  Pan  völlig  gleichgesetzt  (Liv. 
Masse   der    letzteren    die   auf   den    alten    An-  so  1,  5,  2.   Serv.  V.  A.  6,  775.    Aurel.  Vict.  or.  4. 

schauungen    beruhenden    Formeln    bis    in    die  Maerdb.    sat.    1,   22,   2  ff.),    und    nach    Livius 

christliche  Zeit  hinein  beibehält.  Vgl.  E.  Spiefs,  a.   a.   0.    galt    die    römische    Luperealienfeier 

Entwicklungsgesch.  d.  Vorstellungen  v.  Zustande  (s.   o.   Sp.  1457)    geradezu    dem    Inuus.     Sind 

nach    d.    Tode    auf   Grund    vergl.    Religions-  aber    nun    auch,    wie    aus    Mannhardts    mi/th. 

forschung.  Jena  1877.    Schröter,  d.  Totenreich  d.  Forsch.  S.  72  ff.  hervorgeht,  die  in  Bocksfelle 

Indogerm.  Wongrowitz  1888.    W.  Caland,  über  gehüllten  Luperoi   eigentlich  Vertreter  der  in 

Totenverehrung  bei  einigen   indogerm.   Völlcern.  Bocksgestalt    vorgestellten    Wachstumsgeister 

Amsterdam    1888.     B.   Hirsch,    de    animaruin  der  neu  erwachenden  Natur  (Mannhardt,  Ant. 

apud  antiquos  imaginibus.     Leipzig  1889. *)  Wald-  u.  Fehlk.  S.  200.  Myth.  Forsch.  S.  96f.), 

[Steuding  ]    60  so  wird  doch  diesen  der  Einfiufs   auf  den  Er- 

•    Ingeniculus  s.  Sternbilder.  trag  des  Getreides  selbstverständlich  erst  wegen 

P   Ingenium,    mit   Homer    und    Calliope    zu-  der    Bedeutung   des    Bocks    für    die   tierische 

sammen    dargestellt    auf   dem    1884    in   Trier  Fruchtbarkeit  beigelegt,  und  leicht  kann  also 

der  Gott   der  tierischen   Zeugungskraft   selbst 

t,  .,.,_,,  ,                   _  ..  .     .         ,    ..    ,  in  den  Vegetationsgeist  übergehen;  jedenfalls 

*)  Viele  l'arullelen  aus  dem  Gebiete  der  griechischen  •    t     i                     ■•       1  •   1    l    •  i     T     -n      ,            ±    i, 

Mythologie   bietet   E.  RoMes   Psyche,  welches  Werk    der  wlrd  *beI  Ursprünglich  beiden  die  Bocksgestalt 

Verfasser  dieses  Artikels  leider  nicht  mehr  hat  benutzen  gemein     sein,     wenn     auch    die    Spaten    Belege 

können.  dafür  (Diomed.  3  S.  472  Putsche.    Maerdb.  sat. 

9* 


263                           Invictus  lo  (Genealogie;  Mythus)              264 

1,  22,  2  ff.)    ib&n   nur   auf  der   Gleichsetzung      112,  21.  Arat.  179,  wo  das  Schol.  thöriehte  Er- 

des  Inuus  mit  Pari  beruhen  mögen.  klärung   dafür  abgiebt,   dafs  Eepheus  als  'la- 

Mit  ähnlicher  Übertragung  auf  die  mensch-  aiärjg    bezeichnet  wird.      Val.  Fl.  Arg.  4,  356 

liehe  Fortpflanzung  dürfte  demnach  unter  dem  nennt  sie  Iasia  virgo  und  Inachis  gleiehmäfsig 

sacer   hircus    in    der    alten    Formel:    Italidas  neben  einander.  Oder  lo  ist  T.  des  Ares  tor,  der 

matres,  inquit,  sacer  hircus  inito  (Ovid.  fast.  2,  sonst  als  Vater  des  Argos  genannt  wird,  Myth. 

441)  Inuus   zu  verstehen,  und  die  befruchten-  ed.  Westerm.  S. 324.  Anonym. de inered.  15.  Dafs 

den  Schlage,  welche  die  Luperci  mit  den  aus  sie  bei  Istros   (Giern.  Alex,  ström.  1  S.  322  C) 

dem  Bocksfell  geschnittenen  Riemen  den  Frauen  als   Tochter   des   Prometheus,  und  im  Et.  m. 

auf  den  Rücken  gaben   (Ovid.  f.  2,  445),  ahn-  10  205,   35   als  Tochter   des   Kadmos   bezeichnet 

lieh  aufzufassen  sein,  wie  der  symbolische  wird,  sei  nebenbei  erwähnt.  Als  Mutter  gilt 
Brauch,  nach  welchem  die  Neuvermählte   auf      gewöhnlich    Melia,    die    Gattin    des    Inachos 

das  fascinum  des  Mutunus  Tutunus  (s.  d.)  ge-  (s.  d.),  oder  Argia,  Hygin.  f.  145,  doch  wird 

setzt  wurde.     Vgl.  Mannhardt,  Myth.  Forsch.  von  Pherekydes  auch  Peitho  ffr.  40),  nach  Für. 

5.  93.  140.  154.  Ür.  930  schol.    auch    Asvv.avsr\    genannt.     Sie 
Über  die   Zusammenstellung  mit   dem   ur-  war    Priesterin    der   Hera,    Aesch.   suppl.  291 

sprünglich  nicht  verwandten  Ephialtes  und  In-  -ulySoviov  "Hgag.    Apollod.  2,  1,  3.    Jiesych.  lex. 

cubo  siehe  letzteren.     [Steuding.]  S.  380  s.  v.  'Im  xaXXi&vsoaa  (xaXliaTvioBa  ina- 

Invictus,    verschiedenen    Gottheiten    beige-  l'dzo  r\  ngmzn  Ugna  zr]g  'A&rjväg,  wofür  jeden- 

legter  Beiname,  wofür  besonders  die  Register  ao  falls    zi]g  "Hgag  zu   schreiben   ist;    vgl.   dem. 

zum   C.   I.   Fat.    zu    vergleichen    sind.      Ohne  Alex,  ström.  1   S.  418.    Aristid.   schol.  2,  3,  8. 

Zusatz  des  Namens  des  Gottes  findet  sich  In-  Mythogr.  ed.  Westerm.  S.  324  'im  r\  'Agsazogog 

victus    als    Bezeichnung   des   Sol    auf  Münzen  hgäzo  zy  "Hga.    Flut.  Daed.  fr.  10.    Euseb.  2, 

des  Gällienus,  Coh^yi  5  -,  378,  337,  338.    Victo-  20  Seh.)'.     Wegen    ihrer    Schönheit    entbrennt 

rinus  Pater  6 2,  73,  44 — 50.    Tetricus  Pater  62,  Zeus   in  Liebe  zu  ihr;    als   er   sich   ihr   naht, 

98,  60 — 62.     Tetricus  iun.  6 ",  121,  19.     Quin-  wird  Hera  aufmerksam;  um  nicht  von  ihr  auf 

tillus  6 s,  168,  35.    Auch  inschriftlieh  begegnet  frischer  That  ertappt  zu  werden,  verwandelt 

invictus  allein  ohne  Beifügung  des  bestimmten  er  die  Jungfrau  in  eine  Kuh,  welche  Hera  für 

Gottesnamens,   z.  B.  C.  1.  F.  3,  S79;    ebenda  sich  als  Geschenk  fordert  und   von  Argos  be- 

4802  invictus  patrius;  ebenda  1955.  3478.  3479.  80  wachen  läfst,  Apollod.  2,  1,  3.   Hygin.  f.  145. 

4417.  4419  deus  invictus ;  3477  d.  i  ;  3476.  3921.  Eibbeck,    fr.    tr.    lat.    386     (Attius)    custodem 

4538.  4540  invictus  deus;  1788.  4296  i.  d.     Es  adsiduum   Ioni    adposuit    virgini.      Dafs    Zeus 

bezeichnet  dann  meist  den  Mithras,   vgl.  Mi-  sich   durch   einen  Eid  gegen   die   Verbindung 

ville,  Die  Religion  zu  Rom  unter  den  Severern  mit   der  neugeschaffenen  Kuh  verwahrt,  geht 

p.  287  Anm.  3.     [Drexler.]  auf   Hesiodos    zurück    (Apollod.    2 ,    1 ,   3    Siö 

Invidia,    Mifsgunst,    Eifer,    blinde   Leiden-  qn/joiv  'Haioäog,   owt  inioncto&cii   zijv  und  zäv 

Schaft,  Personifikation,  Ov.  Met.  2,  760.    Nach  9säv  6gyr\v  zovg  ytvouivovg  ogtiovg  vnsg  i'gco- 

Hyg.  praef.  (p.  30  Bunte)  ist  sie  Tochter  des  tos.  Schol.  Fiat,  sytnp.  45  [374  Bekk.].  Hesych. 

Giganten  Pallas  und  der  Stj'X,   Schwester  der  s.  v.   acpgoSiatog   ogxog).     Die  Kuh  wird  meist 

Vis,  Potestas,  Victoria.  —  Fies.  Thcog.  383  und  40  als  weifs  bezeichnet  (ßoüs  XftwjJ   bei  Apollod. 

Apollod.  1,  2',  4  nennen  als  Kinder  der  Styx  2,  1,  3.    nitens  iuvenca  Ov.  met.  1,  610.    nivea 

und  des  Pallas:   Zi^og,  Ninrj,  Ägdtog  und  Biet,  652.    743.     Val.  Fl.  i,_  380.     Verg.  Am.  7,  8), 

wonach    Invidia   und   Zfjkog   sich   entsprechen.  doch  vgl.  Suid.  s.  v.  lag'    Zsis  —  ^isrißaXi v 

Vgl.   &&6vog.     [Stoll.]  avzrjv   nozi  fiiv  sig  livxrjv    ßovv,    böte  os  slg 

Involuti  Dii,  Gottheiten  der  Etrusker,  iSe»e«!,  psluivciv,    nozi   d«   lägovoav.     Die   Liebe   des 

Q.  Not.  2,  41:  adhibitis  in  consüium  diis,  quos  Zeus   zur  lo   soll   vonlynx,   der  Tochter  der 

superiores  et  involutos  voeavit.    Gerhard,   Ges.  Echo   oder  Peitho,   durch  Bezauberung  erregt 

A%.  Abh.  1  p.  287  u.  Anm.  17  auf  p.  30S.  sein;   sie  wird   zur  Strafe   dafür  von  Hera  in 

[Drexler.]  Stein   oder  in  einen  Vogel  verwandelt,    Phot. 

Io  ('icö),  Tochter  des  Inachos,  nach  Aesch.  50  ed.   Pors.   118,  11.    Schol.  Pind.  Nem.  4,  56. 

Prom.  589    zqg   olazgoSi-vrizov   -nogiqg   zrjg   'Iva-  Schol.   Theokr.  2,  17.     Nach  Aesch.   Prom.  640 

plag.    Sqp/>.  El.  4.    fr.  248  ff.;  vgl.  Fco:   1,  1.  wird   Io    durch   nächtliche   Traumgebilde    auf- 

Kallim.   h.    3,   254.     ep.   57.  58.    Diod.   Sic.  3,  gefordert  zum  lernäischen   Wasser   zu   gehen, 

74,  1.  5,  60,  4.   Lue.  de  sedt.  43.   Aristid.  1,  3S.  um    dort   in  den  Armen  des   Zeus  zu  ruhen; 

Fhilostr.  vit.  Ap.  T.  1,  19.   Et.  m.  206,  25  s.  v.  als  sie  dies  dem  Vater  erzählt,  sendet  Inachos 

Bovßaozig.  Suid.  s.y. 'icö.  Paus. 1,25,1.  3,18,13.  Boten   nach  Delphi   und  Dodona,   um   zu  er- 

Steph.  Byz.  ethn.  178.    Schol.  Apoll.  Eh.  2,  168.  fahren,  was  zu  thuu  sei;   die  Orakel  befehlen 

Pseudoplut.  de  fluv.   18   (1032).    Parth.   er.   1.  dem  König,  seine  Tochter  aus  dem  Hause  und 

Nonn.  Dion.  3,  261  u.  a.    Ov.  met.  1,  584.    art.  dem  Lande  zu  treiben,   wenn   er  nicht  durch 

am.  3,  464.    fast.   1,  464.    3,  658.    Fuc.  Phars.  60  Blitzstrahl   vernichtet   werden   wolle;    und   er, 

6,  362.  Verg.  Georg.  3,  153.  Martial.  ep.  11,  wenn  auch  widerwillig,  gehorcht  dem  Befehle. 
47,4.2,14,8.  Val.  Fl.  4,  350.  Hygin.  /'.155.  Nach  Io  ist  sofort  verwandelt"  und  bald  in  der  Be- 
Hesiodos  und  Akusilaos  dagegen  ist  sie  Tochter  wachung  des  Argos.  Was  ihre  jungfräuliche 
des  Feiren,  Apollod.  2,1,3.  Herodian.  techn.  Schadhaftigkeit  vei-schweigt,  wird  deutlicher 
rel.  1,  17,  10.  2,  923,  7;  vgl.  Maafs,  comm.  de  in  den  Suppl.  291  ff.  bezeichnet.  Danach  wird 
Aesch.  Sujtyl.  (Greifswald  1890)  S.  31.  Andere  sie  von  Hera  in  eine  Kuh  verwandelt  (ßovv 
nennen  den  Iasos  als  ihren  Vater,  Plut.  de  zi]v  yvvaC-K.'  t&rjKsv  'Agyst'a  fl'fo's),  und  Zeus 
mal.Ser.  14  (857F).  Puws.2,16.  Steph  Byz. ethn.  naht    Bich    ihr    als    Stier   (irgt-novza    ßov&ogm 


265                          Io  (Mythus)  Io  (Mythus)                          266 

ravga  Sifiag;  vgl.  Mart.  ep.  11,  47,  4  mtctari  Tochter  Io,  in  die  sich  Zeus  verliehte.  Sein 
melius  tauro,  pater  optime  divum,  tunc  poteras,  Diener  Hermes  erschien  in  Argoa  und  unter- 
Io  cum  tibi  vacca  fuit.  Die  Übereinstimmung  hielt  König  und  Volk,  während  der  Herr  mit 
ist  wohl  nur  scheinbar  und  zufällig),  Norm.  Io  koste;  Plutos  selbst  sollte  eingezogen  sein. 
Dion.  1,  335;  erst  dann  stellt  Hera  als  Wächter  Das  Wasser  des  Inachos  schwoll,  befruchtete 
xbv  7iuv&'  bgmvxa  Argos  hin.  Auch  Luc.  deor.  die  Ebene,  sie  trug  hundertfältige  Frucht,  alle 
dial.  3  läfst  durch  Hera  die  Verwandlung  vor-  Scheuern  füllten  sich,  jedes  Haus  bot  jedem 
nehmen  (^rjlozvnriaaaa  [LSxzßaXsv  avxrjv;  Ovid  gedeckten  Tisch,  es  war  eitel  Herrlichkeit  wie 
met.  1,  590  benutzt  die  Dichtung  des  Aeschylos,  im  Schlaraffenland.  Aber  die  eigentliche  Landes- 
insofern  Zeus  bei  ihm  die  Io  auffordert  in  den  io  herrin  Hera  ward  mit  Zorn  der  bösen  Dinge 
Wald  zu  kommen,  schliefst  sich  aber  sonst  der  inne,  die  ihr  Gatte  trieb,  sie  sandte  ihre  Dienerin 
gewöhnlichen  Sage  an.  Auf  die  Verwandlung  Iris,  die  die  Eindringlinge  vertrieb,  und  es  kam 
durch  Hera  scheint  auch  das  Relief  am  Thron  eine  schlimme  Zeit.  Die  belebenden  Gewässer 
des  arnykläischen  Apollo  hinzuweisen  (Paus.  blieben  aus,  die  Felder  verdorrten,  Inachos 
3,  18,  13  "Hga  äl  äcpogä  ngbg  'la  zrjv  'lvä%ov  selbst  ward  fast  zu  einer  trockenen  Mumie, 
ßovv  ovaav  r\Sri).  Argos  läfst  die  Io  in  der  Spinneweben  füllten  die  leeren  Scheuern.  Io 
Nähe  von  Mykene  weiden  (nach  Schal.  Hom.  ß  ward  zur  Kuh  und  ein  schauerlicher  Wächter 
120  ist  die  Stätte  nach  Mykene ,  der  T.  des  safs  neben  ihr  und  blies  die  Schalmei,  während 
Inachos,  Gemahlin  des  Arestor,  benannt,  nach  die  Menschen  die  gute  alte  Zeit  feierten.  — 
Steph.  Byz.  aber  hat  es  vom  Brüllen  der  Io  20  Dafs  ein  glückliches  Ende  kam,  indem  Argos 
seinen  Namen),  wo  noch  in  späterer  Zeit  der  durch  Hermes  erschlagen  ward  und  Hera  sich 
Hain,  ja  der  Baum  gezeigt  wurde,  an  welchen  versöhnte,  ist  selbstverständlich."  Von  Mit- 
der  Hirt  die  Kuh  angebunden  hatte  (vgl.  Soph.  leid  für  Io  ergriffen  sendet  Zeus  den  Hermes 
El.  4  T/js  oiexgoxXrjyog  aXcog  'lva%ov  nögrig.  ab,  um  den  Argos  zu  töten  und  die  Geliebte 
Plin.  n.  h.  16,  239  Argis  olea  etiamnum  du-  zu  befreien.  Hermes  tötet  denselben  (im  Prom. 
rare  dicitur  ad  quam  Io  in  taurum  mutatam  680  wird  Hermes  nicht  genannt),  Aesch.  suppl. 
Argus  adligaverit ;  vgl.  Steffen,  Karte  von  My-  290.  Ov.  am.  2,  2,  45,  nach  Et.  m.  136,  53 
kenae  S.  39  [oder  in  Nemea]  nach  Luc.  deor.  Xi&cp  ßaXcöv,  oder  mit  der  Harpe  (Ov.  met.  1, 
dial.  3).  Von  andern  wird  der  Weideplatz  nach  718.  Yaler.  Flacc.  Arg.  4,  350  f.  Lucan.  Phars. 
der  Insel  Euboia  versetzt,  Hesiod  fr.  47  die  30  9,  663  harpen  alterius  monstri  iam  caede  ru- 
Insel  sei  früher  Abantis  genannt  und  habe  den  buntem);  über  Argos  s.  Bd.  1  Sp.  537;  nach 
Namen  erst  durch  die  Io  erhalten  (Lobeck,  Et.  Guä.  ed.  Sturz  72,  54  war  Argos  ein  mit 
Aglaoph.  1131),  oder  weil  xf/  "Iolöi.  sig  ßovv  vielen  Augen  versehener  Hund,  den  Hermes 
fitzttßlri&tiori  iy.Eias  nollug  ßotavag  r\  yrj  tötete  (davon  der  Name  'Agysicpöwris),  offenbar 
ißldotrjGi  Et.  m.  s.  v.  Evßoia  u.  äipsaiog  durch  Annäherung  an  Hom.  g  292.  Hera  ver- 
Zeus.  Vgl.  Steph.  Byz.  ethn.  114,  1  tönog  wandelt  den  Argos  in  einen  Pfau,  oder  schmückt 
rijs  Evßoiag'Agyovga  öitov  Soxsi  xbv  Ilavoiixrjv  den  Schwanz  des  Pfau  mit  den  vielen  Augen 
'Ep/xijs  iiztpovsvKhvcti.  Strabo  10,  1,  3  erwähnt  desselben,  Schal.  Aristoph.  av.  102.  Oppian 
dort  Bobg  avXrj ,  so  genannt,  weil  dort  Io  ixeut.  1,  24.  Mosch,  rel.  1,  55.  Westermann, 
Mutter  des  Epaphos  geworden  sei;  vgl.  Eustath.  40  myth.  S.  347  Anonym,  misc.  6.  Ov.  met.  1,  722. 
ad  Hom.  278,  30.  Maafs,  Comm.de  Aesch.  suppl.  Nach  Ov.  met.  1,  690  schläfert  Hermes  den 
Greifswald  1890  S.  21.  28.  Auch  nach  Afrika  Argos  durch  seine  Erzählung  von  der  Syrinx 
wird  der  Weideplatz  verlegt,  Lycoph.r.  835  Schal.  ein.  Durch  den  Tod  des  Argos  erhält  Io 
qiaal  Ss  ort  iv  Al&ioniu  'Egfiijj  cpvXdxxoiv  v.ctxd  noch  nicht  die  ersehnte  Freiheit;  Hera  sendet 
ßovlrfiiv  diog  xriv  'Ico,  Iva  (irj  ßXctßy  vno  xrjg  nämlich  den  olaxqog,  eine  Bremse,  welche  die 
"Hgag,  Kai  Sitpi^aag  iXänxias  xr/v  yt[v  xai  ävi-  Kuh  über  Länder  und  Meere  treibt  (Aesch. 
Somtv  vScog'  6&ev  xal  'Egfj,ov  nxigva  -naXsixai.  Prom.  589  olaxgoSiviqxog,  681  OLaxgo-nXrj^.  Suppl. 
Dafs  die  Erde  Blumen  und  Gräser  für  die  Ge-  541  oi'oxga  igseaotiiva,  572  olaxgoSovrjxog. 
liebte  des  Zeus  emporspriefsen  läfst,  wird  aufser  Verg.  Georg.  3,  153;  vgl.  Arcli.  Zeit.  1873 
im  Et.  m.  auch  bei  Westermann,  myth.  S.  373  50  S.  87.  Nach  Vol.  Fl.  Arg.  4,  350  wird  Io 
append.  narr.  33  erwähnt,  und  zwar  la  mit  von  der  Tisiphone  über  das  Meer  gescheucht. 
Anspielung  auf  den  Namen.  Mit  der  von  Argos  Auch  bei  Pseudoplut  de  fluv.  18  (1032)  ist 
bewachten  in  eine  Kuh  verwandelten  Io  läfst  Tisiphone  die  Scheuchende;  sie  wird  aber 
Vergil  Aen.  7,  789  den  Schild  des  Turnus  nicht  gegen  Io,  sondern  gegen  den  Inachos  ge- 
verziert sein;  auffällig  ist  dabei  die  Gegenwart  sandt,  weil  er  den  Zeus  mit  seinen  Schmähungen 
des  Flufsgottes  Inachos  (caelataque  amnem  verfolgt;  s.  0.  'Inachos'.  Nach  Aesch.  Prom.  829 
fundens  pater  Inachus  urna).  Eigentümlich  kommt  sie  auf  ihren  Irrfahrten  zuerst  nach 
ist  die  Gestaltung  der  Sage,  welche  Sop>holcles  Dodona,  wo  sie  als  Gattin  des  Zeus  begrüfst 
in  seinem  Inachos  vorgenommen  hat.  Nach  wird,  und  geht  darauf  durch  das  Meer,  welches 
v.  Wilamowitz ,  Euripides  Heroldes  1,  88,  53  60  nach  ihr  'ioviov  genannt  wird.  Weiterkommt 
war  das  Stück,  welches  von  andern  (s.  Nauclc,  sie  zu  dem  angeschmiedeten  Prometheus, 
fr.  Soph.  248  ff.)  als  Satyrdrama  betrachtet  welcher  ihr  die  weiteren  Irrfahrten  und  Schick- 
wird, vielmehr  eine  an  Stelle  des  Satyrspiels  sale  verkündet  (703—734.  790—815).  Auch 
gegebene  Tragödie  mit  folgender  Hypothesis:  in  den  Suppl.  538  ff.  werden  ihre  Irrfahrten 
,,In  Argos  herrschte  König  Inachos,  der  Gott  aufgezählt,  vgl.  Schütz  zu  dessen  Ausgabe  des 
des  Flusses,  dessen  Gewässer  vom  fernen  Acschylus  1  S.  170  — 178.  Vgl.  Eur.  Iph  Taur. 
Pindus  stammen,  und  soweit  reichte  denn  auch  394  i'v'  olaxgog  6  Ttoxtifievog  'Agyo&ev  a'gtvov 
des  Königs  Herrschaft.     Er  hatte  eine  schöne  ht '  oiS/j.a  ÖLinsgaai  'Aetrjxiäa  yaiav  Ei  gwnag 


267                        Io  (Mythus-)  Io  (Mythus)                         268 

Sictß si'ip ctg.  Athen.  14,  619  zovg  Xiyonivovg  'iovg  Entschädigung    für    sie    habe   der   König   von 

ägöuovg;  vgl.  Eoschcr,  Lex.  1,  2817.    Von  den  Ägypten  dem  Inaehos  einen  Stier  gesandt;  da 

Irrfahrten    der    Io    soll    den    Namen    erhalten  Inaehos   inzwischen   gestorben  sei,   hätten  die 

haben   zb  'iöviov  nelnyog   (Aesch.   Prcm.  839.  Boten   des   ägyptischen  Eönigs  den   Stier  im 

Schol.  Apoll.  Eh.  4,  308\  ferner  der  Bosporos,  Lande  umhergeführt  und  den  Einwohnern  ge- 

Acsch.   Prom.  732,    Schul.   Apoll.  Eh.   1,  1114.  zeigt.     Palaiph.   de  incred.   43   läfst  sie,   weil 

2,  168.  Et.  m.  205,  35.  Steph.  Bf/z.  ethn.  177,  8.  sie  während  ihres  Priesteramtes  die  Keuseh- 
Appian.  de  hello  Mithr.  101.    Müller ,  fr.  hist.  heit  verletzt  hat,  mit  Kaufleuten  nach  Ägypten 

3,  593,  35.  Eustoth.  ad  Dion.  140  vctl  nvrj/ia  fliehen  und  dort  Mutter  werden;  Argiver, 
rov  nögav  zovzov  riczrjii£  ßovg  xaXv.ij,  vozigm  io  welche  nach  ihr  ausgesandt  sind,  fesseln  sie 
nozs  iQÖvrp  v-nb  Xahtrj&ovtmv  iSgv9ltea,  vgl.  und  sagen  ciicnig  ßovg  olezgfjcaaa  äiacpsvysi 
dagegen  Steph.  Byz.  ethn.  178.  Dort  wird  auch  tlg  Ai'yvnzov.  Ahnlich  bei  Mythogr.  ed. 
ein  Ort  JcifiaXig  erwähnt,  in  Bezug  auf  welchen  Westerm.  324  (Anonym,  de  incred.  15),  wo  sie 
Niatas  Clwn.  Man.  Com.  S.  140  A.  Leo  gramm.  T.  des  Arestor  genannt  wird;  als  Priesterin 
S.  490  A.  Cinnamus  S.  58  A.  Tzitzes  Chil.  1,  der  Hera  wird  sie  schwanger,  vnb  zfjg  etepgo- 
829  zu  vergleichen  sind.  Polyh.  4,  43.  44  nennt  Siaiov  äxiir]g  fisCi.cov  aal  -AaXXicov  avzijg  scpai- 
den  Ort  Bovv,  vgl.  Anth.  Pal.  7.  169.  G-illius  vszo,  d>g  v.ai  (3oü<;  vnb  zäv  'Agysicov  Inovofid- 
de  Bosp.  Thrac.  3,  9.  Forbiger,  Gecgr.  S.  390.  ff  Girat.  Arestor  läfst  sie  bewachen,  cpvXctv.a 
Müller,  fr.  hist.  4,  148,  6  avzi]  äi  Trgbg  zb  iniazr^aag  ctvzfj  zbv  rfjg  finzgbg  äSfXcpbv  "Agyov. 
y.aXovfiivov  Kfgag  fnavfX9ovca,  zoig  ivoiy.ovai  20  Ein  t7itywgiog,  'Egficicov,  tötet  ihn.  Io  steigt 
7rQo&soitt'£ovea  zd  ieb/ifva  naget  zbv  Zsusorgrjg  zu  Schiff,  wird  vom  Sturm  durch  das  ionische 
ßwnbv  zr)v _  Xsyoiisvrjv  Kfgöfaactv  eins y.vrjas  Meer  getrieben  und  nach  'Aiglct  gebracht,  wo 
■ungrjv ,  ff  rg  y.al  Kfgag  b  zönog  wvr'uctBrai.  sie  wegen  ihrer  Schönheit  als  Göttin  verehrt 
Von  dieser  Krgoeßoa  oder  Kgsovca  und  Poseidon  wird. 

entstammt  dann  Bvtag,  von  welchem  Byzanz  Eine  abweichende  Sage  findet  sich  bei  Suid. 
den  Namen  hat,  vgl.  Et.  m.  217,  27.  Norm.  s.  v.  'im.  Danach  wird  Io,  T.  des  Inaehos,  von 
Dion.  3,  366.  Steph  Byz.  ethn.  189,  20.  Andere  LTrjyog  b  y.a\  Zfü?  geraubt  und  wird  von  ihm 
lassen  Io  sofort  nach  dem  Tode  des  Argos  Mutter  der  Aißvn;  Xvitrftslea  snl  zfj  ätacpogä 
nach  Ägypten  gelangen,  Luc.  deor.  dial.  3  (Her-  f'cpvysv  sie  tö  SiXnwv  bgog  Kctv.sC  zfXfvzä. 
mes  soll  die  Io  Sid  zov  nfXayovg  nach  30  Ihr  zu  Ehren  wird  von  ihrem  Vater  und  ihren 
Ägypten  führen,  vgl.  dial.  mar.  7);  dafs  Poseidon  Brüdern  in  Syrien  'lomoXig  gegründet,  zu  ihrem 
bei  der  Liebschaft  des  Zeus  hülfreiche  Hand  Andenken  schlagen  sie  dort  jährlich  an  die 
bietet,  sagt  auch  Aristid.  1.  38.  Nach  Suid.  Thüren  und  rufen  'Im,  'icö,  oder  'iovg  tyvxb, 
s.  v.  'Iaig  begleitet  Zeus  selbst  die  in  eine  Kuh  owt,io9m;  vgl.  Malala  28.  Müller,  fr.  hist.  3, 
verwandelte  Io  auf  ihren  Wanderungen.  Die  640.  Chron.  Pasch,  ed.  Par.  41.  Cedren.  21. 
Ankunft  derselben  in  Ägypten  wird  bei  Mosch.  Liban.  287.  Dafs  Io  nach  ihrem  Verschwinden 
rel.  1,  44  geschildert.  Tisiphone,  welche  ihr  gesucht  wird,  berichten  auch  andere;  vgl. 
voraneilt,  um  ihr  das  Land  zu  verschliefsen,  Maller,  fr.  hist.  4,  313;  so  wird  Kvgvog  aus- 
wird vom  Nil  fortgetrieben,  Val.  Fl.  Arg.  i,  gesandt,  nach  Diod.  Sic.  5,  60,  4,  welcher 
409.  In  Ägypten  wird  sie  freundlieh  auf-  io  nach  langem  vergeblichen  Suchen  in  Karien 
genommen,  von  Zeus  durch  Auflegen  der  Hand  die  Stadt  seines  Namens  gründet,  ferner  Tripto- 
geheilt  und  wird  Mutter  des  Epaphos  (mit  lemos  nach  Strabo  16,  2,  5,  dessen  Begleiter 
falscher  Deutung  des  Namens),  Aesch.  Prom.  Tarsos  gründen  (ebend.  14,  5,  12),  während  er 
846.  Suppl.  1065.  Nonn.  3,  285  u.  a.  St.,  vgl.  selbst  bis  nach  Antiochia  geht;  von  seinem 
Maafs,  de  Aesch.  supplieibus  commentatio,  Sohn  Gordys  soll  bei  dieser  Gelegenheit  Gor- 
Greifswald  1890.  Mcsch.  rcl.  1,  50,  nachdem  dyaia  gegründet  sein  (vgl.  Steph.  Byz.  ethn. 
Hera  versöhnt  ist,  Ov.  inet.  1,  738.  am.  2,  19,  211,  17).  Auch  nach  Gaza  soll  Io  gekommen 
29.  Luc.  dial.  mar.  7  dagegen  läfst  die  Heilung  sein,  vgl.  Steph.  Byz.  ethn.  194,  1.  333,  11 
durch  Hermes  vornehmen.  Et.  m.  206,  25  s.  V.  'imvrj  yctg  nal  fj  rd£a  iyaXfizo  etnb  'Iovg,  ßovv 
Bovßaeig  wird  erzählt,  dafs  bei  der  Landung  50  f%ovaa  nXnowv  iv  zfj  elxovi.  Selbst  in  Ninos 
der  Io  in  Ägypten  der  König  von  den  Spuren,  wollte  man  wegen  eines  mit  Hörnern  ver- 
die  sie  im  Sande  zurückliefs,  ihr  den  Namen  sehenen  Frauenbildes  Spuren  der  Io  finden, 
Io  gegeben  und  den  Ort  änb  zfjg  zov  ßobg  Phil.  vit.  Apoll.  Tyan.  1,  19. 
ßaofcog  Boiißaots  genannt  habe.  Nach  diesen  Orten  soll  Io  übrigens  auf 
Frühzeitig  ist  der  Mythus  pragmatisch  ge-  einer  zweiten  Wanderung  gekommen  sein,  auf 
deutet  worden;  schon  Ilerod.  1,  1  erzählt,  dafs  der  Suche  nach  Epaphos,  vgl.  Hygin.  f.  150 
nach  der  Behauptung  der  Perser  die  Tochter  postquam  Ltino  vidit  Epapho  ex  pellice  nato 
des  Königs  Inaehos  von  phönizischen  See-  tantam  regni  potestatem  esse,  curat  in  venaiu 
räubern  auf  ihr  Schiff  gelockt  und  nach  Ägypten  ut  Epapihus  necaretur  Titanesque  hortatur  Lo- 
weggefübrt  worden  sei;  dagegen  (5)  werde  von  60  rem  ut  regno  pellant.  Apollod.  2,  1,  3  zovzov 
den  Phöniziern  erzählt,  dafs  Io,  weil  sie  eine  (zbv  "Enatpov)  "Hgct  Sflzcti  Kovgi]zmv  ctcpavrj 
unerlaubte  Verbindung  mit  dem  Führer  des  itoifjaaf  ot  äs  r)q>ävtoav  avzbv  y.al  Ztt>?  ai'o&6- 
Schiffes  eingegangen  war  und  die  Folgen  fiti'og  xrftVft  Kovgnzag,  'la>  ds  snl  £rirnatv 
fürchtete,  freiwillig  mit  den  Phöniziern  wegge-  izgcinizo;  vgl.  Lobeck,  Aglaoph.  1131.  Nach- 
segelt sei;  vgl.  Plut.  de  mal.  Her.  11  (856  E).  dem  sie  den  Epaphos  in  Syrien  gefunden 
Ahnlich  lautet  die  Sage  bei  Ephoros  (Schol.  hatte,  vermählte  sie  sich  mit  Telegonos,  dem 
Apoll.  Eh.  2,  168,  sie  sei  von  Phöniziern  ge-  König  von  Ägypten  (Apollod.  2,  1,  3);  erst  aus 
raubt  und  nach  Ägypten  geführt  worden;    als  dieser  Ehe   soll  nach  Euseb.  chron.  ad  a,  481 


269              Io  (Mythus;  Deutung)  Io  (Deutung)                       270 

Epaphos   geboren    sein,    s.  Burmann   ad   Ov.  Die  ursprünglich  in  Argos  heimische  Sage  ist 

mit.  1,  747;  vgl.  Pott,  Stucl.  zur  griech.  Myth.  frühzeitig  mit  Euboia  in  Verbindung  gebracht 

Jahns    Jahrb.  Suppl.   3,    293.     Heyne,  obscrv.  worden,   so   dafs  Io   dort  selbst  den  Sohn  ge- 

ad  Apoll.   S.  103.     Nach   Sehol.  Eur.  Or.  932  boren  und  ihre  Gestalt  wieder  erlangt    haben 

dagegen  ist  Telegonos  der  Sohn  des  Epaphos.  soll;  erst  als  nach  der  Ersehliefsung  Ägyptens 

Erwähnt  sei  noch,  dafs  nach  Schol.  Arat.  161  die    Griechen    in    Ägypten    die    Isis    kennen 

Io   als  Priesterin   der  Hera   den  Trochilos   ge-  lernten,  glaubten  sie  in  dieser  ihre  heimische 

biert,    qui    aurigandi    arte    inventa   in   caelo  Io    wieder    zu    finden,    und    so    entstand    die 

Aurigae  sidus  fattus.     Auch  Dionysos  soll  von  Meinung,    dafs    Io    auch    nach    Ägypten    ge- 

Io   geboren  sein,   vgl.  Diod.  Sic.  3,  74,  1   xov  io  kommen  sei  und  dort  ihre  menschliche  Gestalt 

äsvzsgov   diovvaöv   q>aaiv  j£  'Iovg   xrjg  'Iväxov  wieder  gewonnen  habe.    Dafs  sie  geradezu  mit 

Jii    ysvig,svov    ßcxaiXsvocu    fiiv   xrjg  Aiyinxov,  ,der  Isis  gleichgesetzt   und  dafs  sie  als  Göttin 

y.uxct§si%ai    Ss    rag   xsXsxag,  jedenfalls    indem  verehrt  wurde,  scheint  aber  erst  das  Werk  der 

man  Io„der  Isis  gleichsetzte,  Diod.  Sic.  1,  24,  alexandrinischen  Zeit  zu  sein,    wo  der  Kultus 

8;  vgl.  Io.  Lyd.  de  mensura  S.  78.   Kallim.  ep.  der  Isis  sich  auch  über  Griechenland  verbrei- 

58.    Et.  m.  476,  50.  tete  {E.  View,  Neue  Jahrb.  102  S.  669).     Dafs 

Durch  Epaphos    wird  Io  Stammmutter  des  Ägypten  an  Stelle   von  Euboia    getreten   sei, 

Danaos  u.  s.  w.,  Aesch.  suppl.  17.  Pollux  onoin.  ist   auch  die  Ansicht  von  Maafs,  de  Aeschyli 

3,  60,   daher  heifst  sie  ngöyovog  ßovg  (Aesch.  suppl.  comment.  Greifswald  1890.    Die  weitere 

suppl.  42),  TTQOiiäxcoQ   (Eur.   Phoen.  677.  829),  20  Hineinziehung    von    Iones  Iopolis,    Antiochia, 

TzaXcttojiärcoQ  (Eur.  suppl.  628).     Als  ansQfiax'  Gaza  u.  s.  w.    ist   offenbar   gleichfalls   in    der 

svxsxvov   ßoog  bezeichnen   sich   die   Danaiden  Zeit  entstanden,  wo  griechischer  Einflufs  sich 

bei  Aesch.  suppl.  275.  über  den  Orient  verbreitete   und  die  Griechen 

Io   wird   schliefslich   als   Sternbild  an   den  überall  bemüht  waren, _  auch  bei  fremdartigen 

Himmel  versetzt,  vgl.  Hygin.  astr.  2,  21  non-  Völkern  in  zufälligen  Übereinstimmungen  An- 

nulli  ahmt,  cum  Io  in  bovem  sit  conversa,  itt  klänge    an    ihre    eigene    Religion    zu    finden. 

Iupiter   ei   satisfacere    videretur,    inter  sidera  Dafs  man  bei  diesen  neuen  Wanderungen  der 

constituisse ,  quod  eins  prior  pars  appareat  ut  Io  sich  bewufst   an  die  Wanderungen  der  Isis 

tauri,  sed  reliquum  corpus  obscurius  vidcatur.  anlehnte,  liegt  deutlich  zu  Tage. 

Eratoith.  catast.  14  sxsooi  äs  qpa«  ßovv  slvai  30        Dafs    der   Mythus    der   Io   von  Argos   sieh 

xr)g  'Iovg  fii'firjfia.     Bei    den  Römern   wird  sie  über  ganz  Griechenland  verbreitet  hat  und  ein 

für    Anna    Perenna    erklärt    (Ov.  fast.  3,   658  einigermafsen  volkstümlicher  geworden  war,  das 

sunt  quibus  haec  luna  est,   quia  mensibus  im-  zeigt  der  Umstand,  dafs  Tragiker  und  Komödien- 

pleat    annum,    Pars    Tliemin,    Inachiam  pars  dichter  ihn  öfter  bearbeitet  haben;  des  Aschylus 

putat  esse  bovem).  Prometheus  und  die  Supplices  sind  vielfach  oben 

Dafs  Io  den  Mond  bedeutet,  der  von  Argos  erwähnt,    ebenso    der  Inachos  des   Sophokles; 

dem    gestirnten    Himmel    bewacht    wird,    ist  auch  Euripides   nimmt    vielfach    auf  den  Io- 

vielfach  angenommen;  es  heifst  geradezu,  dafs  mythns    Bezug;    vgl.    aufser    den   angeführten 

in   der  Sprache  der  Argiver  das  Wort  £ü  den  Stellen  Phoen.  247  rag  xsQaecpögov  'iovg,  ebd. 

Mond  bezeichnet  habe,  vgl.  Herod.  techn.  rel.  40  1115  Argos  als  Schildzeichen  des  Hippomedon, 

1,  347,  30    lea    rrzoi  asXr]vr],   im   yo>Q    r\  asXr\vr\  ferner  wird   erwähnt   eine  Tragödie  des  Ghai- 

■hutu  xr\v  xäv  'Aqyslav  SiccXskxov;   vgl.  Suidas  remon  'ld>  (Athen.  13,  608D);  von  den  Komödien- 

s.  v.  'Im.  Eustath.  zu  Dionys.  92  (S.  23).    Auch  dichtem   hat  Aristophanes    häufig    auf   diesen 

koptisch  soll  ioh  =  Mond  sein  (Eofs,  Italiker  Mythus   angespielt,   andere,    wie  Plato  (Corp. 

u.    Gräben    S.   84    nimmt    den    Mondgott    loh  I.  Gr.  1,  230),  Anaxilas,  Sannyrion  scheinen, 

weiblich  als  die  gehörnte  Io  an).  wenn    anders    Meinekes    Vermutungen    richtig 

Doch  hat  Pleiv  wohl  recht,  wenn  er  (Neue  sind  (com.  fr.  674),  ganze  Stücke  daraus  ge- 
Jahrb.  1870,  Bd.  102  S.  665)  behauptet,  dafs  nommen  zu  haben.  Von  den  lateinischen 
diese  Bedeutung  des  Wortes  lä  eine  falsche  Tragödiendichtern  hat  Attius  die  Fabel  be- 
Annahme sei,  und  sich  gegen  die  Beziehung  50  handelt  (Bibbeck,  fr.  tr.  386).  Dafs  noch  zu 
der  Io  auf  den  Mond  und  des  Argos  auf  den  seiner  Zeit  der  Stoff  für  Tragödien  üblich 
gestirnten  Himmel  erklärt.  Auch  Ovtrbeck  war,  beweist  Horaz,  indem  er  unter  anderen 
(commentatio  de  Ione  telluris  non  lunae  deo.  Stoffen  auch  die  losage  anführt  (ep.  2,  3,  123, 
Progr.  der  Univers.  Leipzig  1872)  weist  die  vgl.  Ov.  am.  1,  3,  21  Carmine  nomen  habent 
Zurückführung  auf  den  Mond  zurück;  seine  exterrita  cornibus  Io) ,  und  auch  der  Mimus 
eigene  Deutung  als  Erdgöttin  wird  aber  von  liefs  sich  die  vom  Ärgos  bewachte  Io  nicht 
E.  Pleiv  (Neue  Jahrb.  107,  1873  S.  697)  mit  entgehen  (Lucian.  de  salt.  43).  Nicht  weniger 
Erfolg  bekämpft;  neuerdings  ist  von  Stecke  im  zahlreich  sind  die  Behandlungen  des  Stoffes 
Progr.  des  Friedrichsgymn.  zu  Berlin  1885  bei  den  Alexandrinern  (Kcdlimachos  dichtete 
(Beiträge  zur  genaueren  Erkenntnis  der  Mond- w'fovg  aqu'^tg,  Moschus  läfst  den  Korb  der 
gottheit  bei  den  Griechen)  die  Deutung  auf  den  Europa  mit  dem  Mythus  der  Io  verziert  sein, 
Mond  wieder  aufgenommen,  aber  nicht  be-  auch  bei  Nonnus  wird  auf  den  Mythus  viel- 
wiesen worden.  Man  wird  gut  thun,  mit  fach  angespielt,  u.  a.  m.,  und  von  den  Lateinern 
E.  Plew  zu  behaupten,  dafs  die  Naturbedeutung  haben  Vergil ,  Ovid,  Valer.  Flacc.  u.  a.  die 
des  Mythus  noch  nicht  mit  Sicherheit  auf-  Sage  vielfach  erwähnt,  ja  ausführlicher  er- 
gefunden worden  ist.  zählt. 

In  Bezug  auf  die  allmähliche  Entwickelung  Über   die  Art,   wie  Io    von  den  Alten  dar- 

des  Mythus  scheint  folgendes  sich  zu  ergeben.  gestellt    wurde,    habe    ich    in   meiner  Disser- 


271 


Io  (Bildwerke') 


Io  (Bildwerke1) 


272 


tation  de  Tone  dissertatio  archaeologica ,  Halle 
1868,  nachgewiesen,  dafs  drei  Perioden  zu 
scheiden  sind;  in  der  ältesten  Zeit  stellte  man 
sie  als  Kuh  dar;  darin  ist  wohl  durch  den 
Einflufs  der  Tragödiendichter,  welche  eine  Kuh 
nicht  auf  die  Bühne  bringen  konnten  (vgl.  de 
Ione  S.  33)  ein  Wandel  eingetreten,  man  hat 
an  Stelle  der  Kuh  eine  kuhgehörnte  Jungfrau 
gesetzt,  ßovnsgmg  nag&svog,  wie  Aesch.  Prom. 
588  sagt,  vgl.  suppl.  569  ßozbv  SGogävzsg 
Sv6%iQtq  u(|öfi(3poToi',  zav  jiej'  ßoog,  zav  8'  av 
yvvai-nög.  Ob  Aschylus  zuerst  dies  gethan 
hat,  kann  fraglich  erscheinen,  es  hängt  zum 
Teil  davon  ab,  welcher  Zeit  der  Prometheus 
angehört.  Da  nämlich  iu  den  Suppl.  die 
Person  der  Io  nur  erwähnt,  nicht  auf  die 
Bühne  gebracht  wurde,  lag  für  dies  Stück 
keine  Nötigung  vor,  von  der  alten  Form  der 
Kuh  für  Io  abzugehen;  für  den  Prometheus 
dagegen,  wo  Io  selbst  auftrat,  war  die  Änderung 
nötig;   demnach   wäre   nur  unter   der  Voraus- 


Hermes,  Argos,  Io,  Vasenbild  (nach  Mon.  d.  I.  2  Taf.  59  Fig.  1);  vgl.  Ocerbeck, 
Runstm.  Zeus  S.  137. 

setzung,  dafs  der  Prometheus  früher  aufgeführt 
wurde  als  die  Supplices,  die  Schilderung  der 
Gestalt  der  Io  in  den  Supplices  erklärlich. 
Sind  aber  die  Supplices  älter  als  der  Pro- 
metheus, dann  würde  die  Einführung  der  neuen 
Gestalt  wohl  einem  Vorgänger  des  Aschylus 
zuzuschreiben  sein.  Zu  der  angegebenen  Zeit 
gelangt  man  auch  durch  die  Betrachtung  der 
Vasengemälde;  während  nämlich  die  schwarz- 
flgurigen  und  die  frühesten  der  rotfigurigen 
die  Io  als  Kuh  dargestellt  zeigen,  erscheint 
sie  auf  den  späteren  Denkmälern  als  kuh- 
gehörnte Jungfrau.  Eine  Schwierigkeit  bleibt 
allerdings  bestehen.  Wie  oben  ausgeführt, 
ist  es  wahrscheinlich,  dafs  die  Ausdehnung 
der  Irrfahrten  auf  Ägypten  erst  angenommen 
werden  konnte,  nachdem  Ägypten  erschlossen 
war:  dadurch,  dafs  die  Griechen  ihre  Io  in 
der  dort  vorgefundenen  Isis  wiederfanden. 
Dann  mufste  Io  aber  schon  als  kuhgehörnte 
Jungfrau  gebildet  worden  sein,  da  man  zwischen 
der  Iokuh  und  der  bis  auf  die  Mondsichel 
menschlich  gebildeten  Isis  (vgl.  Herod.  2,  41 
zo  yäg  rijg  Ioiog  ciyt(Xi.ia  iov  ywaturiiov  ßov- 
negmv    tezi,    Kcizäriig  "EXXrjvsg    zrjv  'Iovv    ygd- 


cpovai)  keine  Ähnlichkeit  finden  konnte.  Man 
darf  in  diesem  Punkt  wohl  auf  Grund  der 
Denkmäler,  die  eine  ziemlich  sichere  Datierung 
gestatten,  auf  den  mythologischen  Vorgang 
zurückschliefsen  und  annehmen,  dafs  die  Ver- 
knüpfung der  Io  mit  Ägypten  ungefähr  am 
Anfang  des  fünften  Jahrhunderts  zur  Zeit  der 
Perserkriege  stattgefunden  hat,  nachdem  einer 
der  frühesten  Tragiker  zum  Zweck  scenischer 
io  Vorführung  die  Kuhgestalt  der  Io  aufgegeben 
und  durch  die  einer  kuhgehörnten  Jungfrau 
ersetzt  hatte.  Sollte  eine  verhältnismäfsig  so 
junge  Verbindung  der  Io  mit  Isis  nicht  für 
möglich  gelten,  würde  man  zu  der  Vermutung 
geführt  werden,  die  Furtivängler ,  Jahrb.  ä. 
Inst.  3  S.  223  in  Bezug  auf  die  berühmte 
Dioskuridesgemme  in  Florenz  ausspricht;  an 
Stelle  der  bis  dahin  üblichen  Benennung  als 
Io  möchte  er  die  der  Artemis  Tauropolos 
20  setzen,  indem  er  meint,  dafs  „die  entsprechende 
Bildung  der  Io,  die  man  als  Andeutung  der 
Verwandlung  fafst,  vielmehr 
eigentlich  die  eines  Kult- 
bildes gewesen  sein  wird, 
aus  welchem  ätiologisch  erst 
die  Verwandlungssage  ent- 
stand. Die  zur  Heroine  herab- 
gedrückte Io  wird  im  Wesen 
der  Tauropolos  gleich  ge- 
wesen sein".  Bei  dieser  An- 
nahme würden  die  oben  an- 
gedeuteten Schwierigkeiten 
verschwinden,  aber  gegen  die 
Richtigkeit  derselben  spricht 
doch  entschieden  der  Um- 
stand, dafs  die  ßovxsgcog  7cag- 
fi-hog  in  Wort  und  Bild  erst 
mit  Beginn  des  fünften  Jahr- 
hunderts auftaucht,  während 
sie  vorher  immer  als  Kuh 
erscheint.  —  In  der  dritten 
Periode  endlich,  derjenigen 
der  schwindenden  Kunst, 
kehrt  man  wieder  zu  der  alten  Form  zurück 
und  stellt  die  Io  als  Kuh  dar. 

Aus  dem  Altertum  werden  folgende  Dar- 
stellungen der  Io  erwähnt:  Die  älteste  fand 
sich  am  Thron  des  amykläischen  Apollo,  Paus. 
3,  18,  7  Hga  ät  icpogü  itgog  'ld>  ttjv  'lvct%ov 
50  ßovv  oveav  rjäij.  Ob  nur  die  beiden  erwähnten 
Figuren  zugegen  waren,  oder  ob  auch  Argos 
anwesend  war,  läfst  sich  nach  der  dürftigen 
Notiz  nicht  mit  Bestimmtheit  sagen;  es  wird 
die  Entscheidung  hierüber  erst  dann  möglich 
sein,  wenn  es  gelingen  sollte,  zu  bestimmen, 
welches  Bild  dem  der  Io  genau  entsprach. 
An  die  zweite  Stelle  dürfte  das  von  Plin.  n.  h. 
35,  32  erwähnte  Bild  des  Nicias  gehören  (fecit 
et  grandis  picturas  in  quibus  sunt  Calypso  et 
60  Io  et  Andromeda),  an  dritter  die  von  Paus. 
1,  25,  1  erwähnte  Statue  des  Deinomenes  auf 
der  Akropolis  yvvaixctg  öi  nXr\oiov  Ast,vo^Bvrjg 
'ia  zr\v  'Iva%ov  v.ai  KctXXiozri  zf]v  Avxciovog 
ntTToirjxEv,  txig  autpoztguig  sGzlv  eg  aTtav  Ofiota 
bii]yrifittza'  i'gcog  Aibg  hk!  "Hgctg  ögyi]  xai  äX- 
Xaxh,  z>j  iiiv  Ig  ßovv,  zfi  Ss  ig  ag-nzov.  Aus 
den  Worten  aXXu%h,  zfj  fiiv  ig  ßovv,  zfj  Ss  ig 
dg-nzov  darf  man  nicht  schliefsen,  dafs  Io  und 


273 


Io  (Bildwerke) 


Io  (Bildwerke) 


274 


Kallisto  als  Kuh  bez.  Bärin 
dargestellt  seien,  sondern 
da  es  sich  um  Einzel- 
statuen handelt,  ist  es 
ohne  weiteres  klar,  dafs 
Frauengestalten  darge- 
stellt sein  rnufsten,  denen 
nur  durch  Hinzufiigung 
besonderer  Kennzeichen, 
also  der  Hörner  bei  Io,  des 
Bärenfelles  bei  Kallisto, 
der  individuelle  Name  ge- 
sichert war.  Zu  diesen 
ehemals  wirklich  vorhan- 
denen Denkmälern  kom- 
men noch  mehrere  von 
Dichtern  erwähnte ,  bei 
denen  es  fraglich  bleiben 
mufs,  wie  weit  die  Dich- 
ter sieh  an  wirklich  vor- 
handene Kunstwerke  an- 
geschlossen haben,  1)  das 
Schildzeichen  des  Hippo- 
medon  bei  Ew.  Phoen. 
1115  gtixtois  navonzr\v 
'6fX(iaaiv  SiSoQxoTa,  xa 
usv  avv  aatQmv  tmxolui- 
etv  ofiiiaxa  ßlinovxa,  rä 

Ss        KQV11XOVXU      SwOVXlOV 

fiixu.  Dafs  die  Beweglich- 
keit der  Augen  jedenfalls 
dichterische  Zuthat  ist, 
braucht  nicht  erst  beson- 
ders hervorgehoben  zu 
werden.  2)  Der  Mythus 
der  Io  wird  von  Mosch. 
\el.  1,  44  als  Schmuck 
des  Korbes  der  Europa 
benutzt;  man  unterschei- 
det drei  Scenen,  a)  Io 
setzt  über  das  Meer ,  b)  sie 
erlangt  ihre  frühere  Ge- 
stalt wieder,  c)  Tötung 
des  Argos  durch  Hermes 
und  Verwandlung  des  er- 
steren  in  den  Pfau.  3  >  Vera. 
J.ew.7,789  läfst  den  Schild 
des  Turnus  mit  einer  Dar- 
stellung d.  Io  geschmückt 
sein :  at  levem  clipeum 
sublatis  comibus  Io  auro 
insignibat,  iam  setis  obsita, 
iam  bos,  argumentum  in- 
gens,  et  eustos  virginis  Ar- 
gus caelataque  amnem  futi- 
dens  patcr  Inachus  urna. 
4)  Quint.  Smyrn.  10,  190 
läfst  einen  Köcher  ver- 
ziert sein  mit  der  Tötung 
des  Argos :  'Epftfüjs  'ivä- 
%ov  äficpl  git&Qct  nuxa- 
■nxfivtov  (iiyav  "ÄQyov,  oq 
ocpftctliiolciv       afioißad'ov 

V71VCÖ£GK£V. 

Die  uns  erhaltenen 
Denkmäler  können  am 
besten  in  drei  Klassen 
eingeteilt     werden ,     die 


275 


Io  (erhalt.  Bildwerke) 


Io  (erhalt.  Bildwerk  ei 


276 


erste  enthält  die  auf  die  Brautwerbung  des 
Zeus  bezüglichen,  die  zweite  die  Bewachung 
durch  Argos  und  dessen  Tod,  die  dritte  die 
Ankunft  in  Ägypten. 
Mit  Rücksicht  auf  mein 
Verzeichnis  der  bekann- 
ten Denkmäler  in  der 
oben  erwähnten  Disserf. 
de    lone    (Halle   1868), 


einen  Kranz:  vor  ihr  steht,  mit  ihr  im  Ge- 
spräch begriffen,  Zeus  mit  Scepter,  hinter  ihm 
eine  Frau,  welche  einen  Vogel  in  der  Hand 
hält.  Links  vom  Eultbild  steht  Argos  mit 
Keule  und  Diptychon,  weiter  zurück  Hera,  im 
Hintergrund  wird  Eros  mit  Reifen  und  Stab 
und  ein  Satyr  sichtbar.  Es  handelt  sich  offen- 
bar um  das  Liebeswerben  des  Zeus;  Io  sucht 
Zuflucht  bei  dem  Bild   der  Hera,   diese  selbst 


a      ein  Verzeichnis,  welches  io  kommt  überraschend  hinzu,    und   die   Gegen- 


Hermes    (als    Argostoter), 

Argos   und   Io    (als    Kuh), 

Gemme   (nach  ihn.  d.  Inst. 

2,  59,  9). 


von  Overbeck  in  seiner 
Gr.Kunstmythol.  2  S.  465 
wesentlich  vervollstän- 
digt ist,  und  auf  die  von 
mir  gegebenen  Nach- 
träge Arch.  Zeit.  1870 
S.  37.  1873  S.  1-24,  vgl. 
noch  Arch.  Zeit.  1868 
S.  112.  1874  S.  112,  kann 


ziehten,  ein  vollständiges  Verzeichnis  zu  gebeu, 
sondern  kann  mich  damit  begnügen,  diejenigen 
Denkmäler,  welche  hier  abgebildet  oder  be- 
sonders wichtig   sind,  zu  besprechen. 


wart  des  Argos  deutet  auf  die  bevorstehende 
Verwandlung  der  Io  und  ihre  Bewachung 
durch  den  Jüngling  bin.  In  Bezug  auf  das 
Diptychon  mufs  ich  trotz  Overbecks  Wider- 
spruch an  dem,  was  ich  de  lone  S.  8  ausgeführt 
habe,  festhalten,  dafs  uns  darin  ein  dem  Drama 
entlehnter  Zug  erhalten  ist. 

Für    den    zweiten    Teil,    die    Bewachung 
durch  Argos  und  die  Tötung  desselben  durch 
ich    hier     darauf    ver-  20  Hermes,  ist  vor  allem  das  palatinische  Iobild 
wichtig  (Overbeck,  Atlas  T.  7, 11).  Io  mit  kleinen 
Hörnern    auf   der   Stirn  (das   eine  wenigstens 
ist    deutlich    zu    erkennen)    sitzt  in   trauriger 
Haltung    vor    einer    Säule,    auf   welcher    ein 
Bild  jedenfalls  der  Hera  steht; 
neben  ihr  steht,  sie  aufmerk- 
sam betrachtend,  der  jugend- 
liche Argos,  einen  Speer  auf- 
stützend ;     hinter     der    Säule 
kommt    mit   Kerykeion ,    was 
in     eine     Spitze     auszugehen 
scheint,  versehen,  Hermes  her- 
vor.    Dem    letzteren    ist   der 
Name  beigeschrieben.  Ein  ähn- 
liches Bild  (s.  Sp.  271)  scheint 
Propert.   1,  3,  19    vor  Augen 
gehabt  zu  haben    (sed  sie  in- 
tentis    haerebam    fixus    ocellis, 
Argus  ut  igtwtis  cornibtis  Ina- 
chidos),  und   es  ist  nicht  un- 
wahrscheinlich,    dafs    Heibig 
recht   hat,    wenn    er    (Unter- 
such,   über  die  camp.    'Wand- 
malerei S.  140)  dieses  Bild  auf 
ein  Original  des  Nicias  zurück- 
führt (s.  o.). 

An  Zahl  der  Figuren  über- 
legen ist  diesem  Bilde  das 
von  Gargallo  Grimaldi,  Mon. 
d.  Imt.  2  T.  59  veröffentlichte 
Ruveser  Vasenbild  (s.  Sp.  274). 
Io  (hier  mit  Hörnern  und  Tier- 
ohren  gebildet),  als  Tochter 
des  Flufsgottes  durch  den 
Schilfstengel  bezeichnet,  sitzt, 
man  könnte  sagen,  in  erstarrter 
Haltung  da,  hinter  ihr  sitzt 
der  mit  mehrfachen  Augen 
ausgerüstete  und  mit  einer 
Keule  bewaffnete  Argos,  im 
Gespräch  mit  der  Hera  be- 
ihn    zu   immer   reger  Wach- 


Io,   vom   Neilos   getragen,   wird  von   der  Göttin  des  Landes  (neben  derselben 
Harpokrates)  bewillkommnet,  im  Hintergrunde  zwei  Isispriesterilinen  (?),  Wand- 
gemälde (nach  Mus.  Borb.  10  T.  2). 


Vase  bei  Overbeck,  Atl.  zur  Eunstmyth.  T.  7, 
8,  im  Berliner  Museum.  Auf  einem  Altar  unter 
einem  altertümlichen  Tempelbild  sitzt  lo  als  kuh- 
gehörnte Jungfrau  (der  Deutlichkeit  wegen  hat 
der  Maler  auch  schon  vor  der  Verwandlung 
die  Kuhhörner  zugefügt);  sie  hält  in  der  L. 
ein    Schmuckkästchen,    in    der    gesenkten    R. 


griffen ,    welche 

samkeit  antreibt.  Von  links  her  eilt  Hermes, 
vor  dem  Satyrn  erschreckt  beiseite  eilen,  um 
mit  dem  Schwert  dem  Wächter  der  Io  das 
Leben  zu  nehmen.  Als  Zeugen  des  Vorganges 
sind  Götter  zugegen.  Zeus  selbst  und  seine 
Gemahlin,  neben  Zeus  Aphrodite,  neben  Hera 


277 


Io  (erhalt.  Bildwerke) 


Io  (erhalt.  Bildwerke) 


278 


vielleicht  Iris  oder  Demeter,  die  Figur  hinter 
Argos,  welche  dem  anstürmenden  Hermes  die 
Siegerbinde  entgegenhält,  kann  vielleicht  als 
Peitho,  jedenfalls  als  eine  der  Aphrodite  sehr 
nahe  stehende  Göttin  bezeichnet  werden. 

Gleichfalls  mit  dem  Schwert  greift  Hermes 
(bävtig)  den  mit  vielen  Augen  gebildeten 
Argos  auf  einer  Vase  der  Sammlung  Castel- 
lani  (jetzt  wohl  in  London,  Ann.  d.  Inst.  1865 
T.  d'agg.  JK;  siehe  Sp.  279/80)  an;  Argos  ist  zu 
Boden  gestürzt  und  verteidigt  sich  nur  noch 
schwach  mit  der  r.  Hand.  R.  davon  sitzt 
Zeus  mit  Scepter.  Hinter  Argos  steht  ein 
Stier.    Maafs  (comm.  de^Aesch.  suppl.  S.  29,  2) 


sehen  des  Vasenmalers  beruht,  welcher  eine 
Kuh  zeichnen  wollte  oder  seine  Vorlage  nicht 
verstand ,  festgehalten  werden. 

Die  Tötung  des  Argos  und  seine  Verwand- 
lung in  einen  Pfau  sind  auf  einer  Gemme 
(Mo»,  d.  Inst.  2,  59,  9;  s.  Sp.  275)  dargestellt; 
Hermes  hat  mit  der  Harpe  dem  vieläugigen 
Argos  das  Haupt  abgeschnitten;  die  Iokuh 
sprengt,  wohl  schon  vom  oiOTQog  getrieben, 
io  in  eiligem  Laufe  nach  r.  davon;  auf  dem 
Baum  über  Argos  sitzt  ein  Pfau  zur  An- 
deutung der  Verwandlung. 

Der  dritte  Teil  (Aufnahme  in  Ägypten)  wird 
durch  zwei  pompejanische  Wandgemälde  (Milbig 


Io  auf  einem  von  Aj  abeskeu  umgebenen  Palmenstamm  sitzend,  unediertes  Vasenl  ild  in  Neapel  (nach  Originalzeichnung). £ 


glaubt,  dafs  der  Vasenmaler  sich  an  die  von 
Äschylus  in  den  Svpplices  vorgebrachte  Ab- 
weichung vom  Mythus,  wonach  Zeus  in  einen 
Stier  verwandelt  der  Iokuh  sich  naht  (v.  301 
nuinovza  (JoutröpM  TKtSp«  Sejiag),  angeschlossen 
hat,  d.  b.  den  Zeus  und  zugleich  den  Stier, 
in  den  er  sich  verwandelte,  dargestellt  hat. 
Doch  spricht  dagegen  (abgesehen  von  dem 
Umstand,  dafs  Zt-us  doppelt  vorhanden  wäre, 
einmal  als  Gott  und  zweitens  als  Stier)  schon 
die  ganze  Situation:  in  dem  Augenblick,  wo 
Argos  getötet  wird,  verlangt  man  die  Gegen- 
wart der  Io,  dagegen  würde  die  Gegenwart 
des  Zeusstieres  unbegreiflich  sein.  Es  mufs 
deshalb  an  der  von  Hchöne  (Ann.  1365  S.  145) 
aufgestellten  und  von  mir  (de  Ione  S.  18)  und 
Overbeck  (Kunstmyth.  2  S.  478)  angenommenen 
Erklärung,  dafs  der  Stier  nur  auf  einem  Ver- 


nr.  138 — 139)  vertreten.  Das  hier  abgebildete 
(Mus.  Borb.  10  T.  2;  s.  Sp.  275)  zeigt  Io,  die 
nach  langem  Umherirren  vom  Nil  aufgenommen 
und  ans  Ufer  getragen  wird,  wo  die  Göttin 
des  Landes,  welche  die  Uräosschlange  in  der 
Hand  hält,  während  sie  den  r.  Fufs  auf  ein 
Krokodil  setzt,  sie  durch  Handschlag  bewill- 
kommnet. Die  beiden  Gestalten  im  Hinter- 
grund mit  dem  Sistrum,  dem  im  Isisdienst 
60  verwendeten  Klapperinstrument,  deuten  wohl 
auf  die  zukünftige  Verehrung  der  Io  als  Isis. 
Neben  der  Landesgöttin  sitzt  Harpokrates, 
welcher  mit  dem  an  den  Mund  gelegten 
Finger  die  Gebärde  des  Schweigens  macht; 
das  Henkelgefäfs,  das  die  Person  mit  dem 
Heroldstab  am  Arme  trägt,  sowie  das  rechts 
stehende  Gefäfs  mit  Schlangenhenkel  spielen 
beide  imfclsisdienst  eine  Rolle. 


279 


To  (erhalt.  Bildwerke') 


Iobakchos 


280 


Von  Einzeldarstellungen  der  lo  geben  wir 
das  noch  nicht  veröffentlichte  Neapler  Vasen- 
bild (Heydemann  nr.  2922;  s.  Sp.  277/278). 
Auf  einem  weifsen  Palmenstamm  sitzt  eine 
weifsgenialte  gehörnte  Frau,  mit  einem  Hals- 
band   geschmückt    und    unterwärts    mit    rot- 


Sicil.  T.  49,  1  S.  77;  s.  oben),  dafs  der  antike 
Teil  am  besten  als  lo  erklärt  werden  kann. 
Vgl.  noch  'Etp.  KQx.  1889  S.  69  ff.  [Engelmann.] 
Iobakchos  ('iößaKxog),  Beiname  des  Diony- 
sos von  dem  lärmenden  Festjubel  seiner  Ver- 
ehrer,  Hcsych.    b  Jiövvaog   cjrö   xfjg  ßaK%ttag. 


Ilermcs  tötet  den  Argos  in  Gegenwart  des  Zeus,  Vase  in  London  (?)  nach  Annali  d.  1. 1865  Tav.  d'agg.  IK;  s.  Sp.  277,6ff. 


braunem  Mantel  verhüllt.  Aus  dem  Palui- 
stamm  lösen  sich  Arabesken ;  r.  u.  1.  vom 
Stamm  springt  je  ein  Tiger  davon.  Ferner 
sei  noch  das  von  L.  Stepliani  im  Gompte 
rendu  de  St.  Pctersbourg  1869  T.  IV,  21  veröffent- 
lichte kleine  Relief  einer  Schale  (man  erblickt 


lo,  Tcrracotta  (nach  Kekule,  Terrae,  o.  Sicil.  Taf.  10  Fig.  1). 

die  wie  gewöhnlich  mit  Kuhhörnern  gebildete 
lo,  über  welcher  zur  Hindeutung  auf  Zeus  ein 
Adler  angebracht  ist)  und  die  Terracottafigur 
von  Karlsruhe  erwähnt  (de  Ione  S.  32.  AreJi. 
Zeit.  1868  S.  112),  welche  neuerdings  in  ihre 
Bestandteile,  eine  moderne  Kuh  und  eine 
antike  Terracottabüste ,  aufgelöst  ist.  Man 
mufs    Kekule    recht     geben    (Terracotten    von 


Komutos  30  (p.  175  Osann)  BQÖjiiog  Ss  Kai 
"iaKjjos  xal  Evtog  Kai  Baßdxxrjg   Kai  'IößaKxog 

30  Haleirai  (Dionysos)  Sia  zo  Ttolld  xoiavxag 
epcovag  xovg  itaxovvxag  ctvtov  .  .  .  cttpisvai. 
Lcontios  in  Anth.  Plan.  289;  oft  findet  sich 
der  Name  Iobakchos  bei  Nonnos  Dionys.  9, 
182.  11,  64.  14,  2S6.  19,  116.  29,  22.  319.  30, 
137.  247.  47,  587.  657.  Ihm  zu  Ehren  wurde 
das  Fest  der  loßaKxsta  geleiert;  in  der  un- 
echten Rede  gegen  Neaira  (Demosth.  59,  78 
p.  1371  ist  uns  der  Eid,  den  die  vierzehn 
Geraren  (Gerairen),   attische  zum  Dienste  des 

■lo  Gottes  bestimmte  Frauen  (Hesysch.  BelcJcer, 
Anccd.  231),  der  Gemahlin  des  Archon  Basileus 
in  Gegenwart  des  Hierokerys  ablegten,  er- 
halten: äyiaxsvco  Kai  si'fil  Ka&aQ<x  Kai  üyvr} 
dnö  tüv  ulXmv  xiov  ov  Ka&agivövxcov  Kai  an' 
avdqhg  ovvovoCag  Kai  xä  &ioyvia  (v.  1.  $■£  olvia, 
was  Gerhard,  Alcad.  Abh.  2,  166  vorzieht)  %al 
xä  loßaKxzia  yfpapä  (Dindorf  für  ysQaigm) 
reo  ^Jtovvocp  v.axa.  xa  ndxQia  Kai  sv  xoig  Ka&)]- 
kovoi  jcpoi'oi?.    Die  Ansichten  über  Bedeutung 

50  und  Zweck  der  loßäxxtia  sind  verschieden; 
gegen  Einclc,  Sei  d.  Hell.  2,  82,  der  »sot'via 
uud  toßdxxBta  als  allgemeine  Bezeichnung  der 
Dionysien  annimmt,  siehe  Gerhard  a.  a.  Ü.  und 
übend.  204,  der  unter  loßÜKxna  das  Schwärmen 
der  Thyiaden  auf  dem  Pavnafs  und  den  Zug 
der  bakchischen  Frauen  nach  Delphoi  versteht 
und  die  Feier  der  &8oivt.a  und  ioßuxxsict  auf 
der  Vase  Vivenzio  des  Neapler  Museums  dar- 
gestellt sieht.    Mommsen,  Heortdl.  359  erklärt 

60  Theognia  (vgl.  a.  a.  0.  327)  als  das  Fest  der 
Wiedererzeugung  des  Bakchos  durch  Zeus  und 
vermutet,  dafs  'die  loßaKytia  die  groföen  My- 
sterien und  zunächst  die  von  den  Geraren  am 
Iakcbostage  zu  erfüllenden  Pflichten  bezeich- 
nen'. Ein  Gedicht  des  Archilochos  zu  Ehren 
des  Gottes  hiefs  'Ioßanx01 ,  Hephaist.  de  metr. 
15,  9  p.  98  Gaisford  edit.  2;  wahrscheinlich 
ward    er   in    demselben    neben    Demeter    und 


281 


Iobas 


lobes 


282 


Köre  (vgl.  den  von  Hephaistion  angeführten 
Vers  /dTjiarjtQOg  ayvr,g  nal  KÖQrjg  rqv  navr]~ 
yvQLV  asßcov)  als  lakekos  (?  vgl.  auch  oben 
Sp.  10  Z.  55)  gefeiert;  hierdurch  würde  Momm- 
sens  obige  Vermutung  unterstützt  werden ; 
vgl.  ferner  Menand.  bei  Wals  Bhet.  9,  129: 
öi&VQcifißovg  v.al  'loßav.%ovg  -neu  oau  Toiuvra 
siQTjzaLzliovvaov.  Proklos  Chrestom.  2  ( We&tphal, 
Script.  Metr.  1  p.246,  vgl.  243)  rjdtzo  b  toßatixog 
tv  soQTttig  ucil  &v6Lcag  -1lovv6ox>,  ßtßcaiTiGß&vog 
nollcö  cpqväyficczi'  also  auch  hier  ist  wie  bei 
Iakchos  (Sp.  7  Z.  26  ff.)  für  den  Gott  und  den 
ihn  preisenden  Gesang  die  gleiche  Bezeichnung 
angewendet.     [Höfer.] 

&   Iobas  (?)  s.  lobes. 

v.  Iobates  ('loßaziqq),  König  von  Lykien,  Vater 
der  Anteia  oder  Stheneboia.  Als  Akrisios 
den  Proitos  aus  Argos  vertrieben  hat,  flieht 
dieser  nach  Lykien  zu  Iobates,  wird  von  diesem 
als  Eidam  angenommen  und  mit  Heeresgewalt 


Hygin.  astr.  2,  18.  Hygin.  f.  57;  bei  Apollodor 
heifst  sie  Philonoe'  (vgl.  Schol.  Lyk.  17),  sonst 
Kasaudra  (Schol.  Hom.  Z  155  fj  Se  lgtoqi'(x  tzuqü 
'Aat.'kri'HiaSrj  iv  Tgctycodoviiivotg),  auch  Alci- 
mene  bei  SchoL  Stat.' Theo.  4,  689  oder  Anti- 
kleia  im  Schol.  Find.  Ol.  13,  61.  Nach  Plut. 
de  miil.  virt.  9  (248  A)  zeigt  sich  Iobates  auch 
nach  Lösung  der  Aufgaben  dem  Bellerophon 
gegenüber   als   üätHoirctTog,   darauf  geht   Bell. 

10  an  das  Meer  und  fleht  Poseidon  um  Strafe 
für  das  Land  an.  An  Stelle  des  Iobates  wird 
auch  Amphianax  genannt  (Apollod.  2,  2,  1. 
Schol.  Hom.  Z  200),  eine  Abänderung,  die, 
ebenso  wie  die  Benennung  Stheneboia,  wohl 
auf  Euripides  zurückzuführen  ist.  Die  Fabel 
des  Iobates  war  auch  von  Sophokles  in  dem 
gleichnamigen  Stücke  behandelt  (Nauck,  fr. 
tr.  275  —  276;  vgl.  Schol.  Hom.  Z  155).  Die 
auf  die  Ankunft  des  Bellerophon  bei  Iobates 

20  gedeuteten  Monumente   sind   meist    fälschlich 


Bellerophon  überreicht  dem  Iobates  den  Brief,  hinter  Iobates  dessen  Tochter  (Vasenbild  nach   Wiener   Vorlege- 

Blätter  8  Taf.  9  nr.  1). 


nach  Tiryns  zurückgeführt;  von  da  an  herrscht 
Akrisios  in  Argos  und  Proitos  in  Tiryns 
(Apollod.  2,  2,  2).  Infolge  der  Verleumdung 
seiner  Gattin  schickt  dieser  den  Bellerophon 
mit  einem  in  geheimnisvollen  Zeichen  ge- 
schriebenen Briefe  (Hom.  Z  169  yQuipug  iv 
nivav.i  Tfivxrä  &vij,oq>&6Qa  noXXa)  zu  seinem 
»Schwiegervater  nach  Lykien,  damit  er  dort 
den  Tod  finde;  allein  Iobates  nimmt  ihn 
gastfreundlich  auf  und  erfährt  erst  am  zehnten 
Tage  den  Auftrag  seines  Schwiegersohnes.  Er 
schickt  nun  den  Bellerophon  auf  gefährliche 
Abenteuer  aus,  zum  Kampf  mit  der  Chimaira, 
den  Solymern  und  den  Amazonen;  als  der 
Held  aus  allen  diesen  Abenteuern  als  Sieger 
hervorgegangen  und  auch  dem  ihm  gelegten 
Hinterhalt  entgangen  ist,  erkennt  Iobates  die 
Unschuld  des  Bellerophon,  giebt  ihm  seine 
andere  Tochter  zur  Frau  und  teilt  mit  ihm 
das  Reich.  Diese  Tochter  ist,  ebenso  wie  der 
Vater,  bei  Homer  Z  namenlos,  ebenso  bei  Diod. 
Sie.  6,  7,  8.  Apollod.  2,  2,  3.  Snid.  s.  v.  'Ioßdzrig. 


so  gedeutet  worden,  sie  stellen  fast  regel- 
rnäfsig  den  Abschied  des  Helden  von  Proitos 
dar; "eine  unzweifelhafte  Darstellung  des  lyki- 

50  sehen  Königs,  wie  er  den  von  Bellerophon 
überbrachten  Brief  liest,  findet  sich  dagegen 
auf  der  Wien.  Vorl.  8.  Ser.  T.  9,  1  abgebildeten 
Vase  (vgl.  ob.  Abbildg.).  Hinter  dem  Stuhle 
des  voller  Erstaunen  von  dem  Inhalt  des  Briefes 
Kenntnis  nehmenden  Königs  steht  die  Tochter 
(Philonoe  oder  Kasandra),  deren  Gegenwart 
auf  die  schliefsliche  Lösung  der  Schwierig- 
keiten hindeutet.  Vgl.  'Anteia',  'Bellero- 
phon', 'Stheneboia'.     [Engelmann.] 

60  lobes  (Icßrjg),  Sohn  des  Herakles  und  der 
Thespiade  Kerthe,  Apollod.  2,  7,  8,  wo  BeTiker 
Jtioßrjg  schreibt.  [Auf  einer  Vase  in  Neapel, 
Fiorelli,  Notiz,  dei  vasi  del  Conte  di  Siracusn 
Tav.  8;  Bull.  Kapol.  N.  S.  4  Tav.  8;  Mus. 
Borb.  4  Tav.  18;  C.  I.  Gr.  4  p.  XVIII,  ist  The- 
seus  zusammen  mit  6  Genossen  im  Kampf  gegen 
7  Amazonen  dargestellt.  Die  Namen  der  Mit- 
streiter  des  Theseus  sind:  0AAHPOS,   MONI- 


283 


Iobolehoseth 


lokaste 


284 


+OZ,  OYAAKOS,  ACTYO+OS.  Über  den  6. 
bemerkt.  Stephani,  Compte-rendn  p.  V  a.  1866 
p.  170:  ,,Der  sechste  Hellene  nimmt  bereits 
keinen  Anteil  mehr  an  dem  Kampfe,  sondern 
hat  sich,  schwer  verwundet,  auf  einem  Fels- 
block niedergelassen.  Ihm  ist  der  Name  IOPAS 
beigeschrieben,  den  man  wohl  'Ioßag  zu  lesen 
haben  wird,  und  nicht  unmöglich  wäre  es, 
dafs  der  Künstler  den  bekannten  Sohn  des 
Herakles   loßrjg    im    Sinne    hatte."     Drexler.] 

[Stoll.] 

Iobolehoseth  ('Itoßolxoafft),  Name  des  Set 
in  den  Zauberpapyri,  so  im  Leidener  Papyrus 
V.  11,  20  [Pap.  Gr.  Mits.  ant.  Lugd.-Bat.  ed. 
Leemans  Vol.  II)  =  Wessely,  Ephesia  Ghram- 
mata  nr.  241.  Col.  14,  18.  Col  16,  9  (?)  =  Wes- 
sely, Eph.  Gr.  234  =  Papyrus  magica  Mitsei 
Lugd.-Bat.  V  denuo  ed.  Dieterich  p.  817—818; 
ferner  Beuvens,  Lettres  ä  M.  Letronne  sur  les 
pap.  bilingues  et  grecs  du  muse'e  d'ant.  de 
l'univ.  de  Leide  1  p.  39.  Liegte,  La  Religion 
des  Pre-Israe'lites.  Pecherches  sur  le  dieu  Seth 
p.  114;  im  grofsen  Pariser  Papyrus  {Wessely, 
Griech.  Zauberpapyri  von  Paris  und  London) 
Z.  279  =  Wessely,  Eph.  Gr.  232;  2223  =  Eph. 
Gr.  236;  3261;  3266  =  Eph.  Gr.  238;  im 
Pap.  nr.  2391  des  Louvre  Z.  115;  in  der  Form 
'itoßoXoat'ft  im  grofsen  Pariser  Papyrus  Z.  279; 
als  Bollxootfö  im  Leidener  Pap.  V,  Col.  11, 
22.  Col.  14  Z.  8,  22.  Das  IQ  erklärt  Leemans 
2  p.  71  für  das  koptische  JCI)  oder  6ICÜ  „Esel", 
und  beruft  sich  dafür  auf  die  Unterschrift 
IQEPBH6  und  BOAXOCH0  unter  einer  esels- 
köpflgen  als  ZH0  bezeichneten  Figur  am  Ende 
der  Col.  14  des  Pap.  V;  in  BOAXOCH0  vermutet 
er  koptisch  S^JS-^tUOT-CHO,  ägyptisch 
Bai  „Baal",  Xau  „schlecht",  Set  „Seth-Typhon". 
Wirklich  ist  seit  der  Hyksosperiode  Set  dem 
Baal  nicht  selten  gleichgestellt  worden,  Ed. 
Meyer,  Set- Typhon.  Leipzig  1875  p.  54  ff. 
Derselbe  s.  v.  Ba'al  in  diesem  Lexikon  Bd.  1 
Sp.  2873-  Brugsch,  Bei  u.  Myth.  d.  alt.  Ag. 
p.  7 IG.      [Drexler.] 

Iocheaira  ('lozecugu),  epischer  Beiname  der 
Artemis,  seit  Homer  bald  mit  dem  Haupt- 
namen verbunden  (It.  5,  53.  0(7.  6,  102.  Res. 
Theog.  14,  918.  Cert.  Hes.  et  Hom.  p.  317,  9  ed. 
Götti,),  bald  alleinstehend  (II.  21,  480  [einge- 
schobener Vers];  Od.  11,198  ivay.onoe'loxBctiga ; 
Find.  Pytlt.  2, 16  (9)  loxiatga  nag&ivog.  Kaibel, 
epigr.  gr.  1046,  53  iv&govog  'Ioxtatgct.  Nonn. 
U.  5,  343  u.  öfter).  Die  Alten  erklärten  den 
Namen  als  zo^oepogog.  rj  lovg  yjovoa.  r)  la%ijqa. 
i)  fJf'ÄEct  ictigovctt  (Hesych.).  Vgl  auch  Apoll. 
Soph.  p.  92,  2  Bekk.  iotg  yaigovaa  v.ai  cpiqovaa. 
Et.  M.  473,  4  r\  Ttzgl  lovg  v.ctl  xö^a  %algovoa. 
r]  naget  t'o  %&siv  tovg  lovg.  Gegenwärtig  hält 
man  'loysaiga  für  ein  Kompositum  aus  log 
(Pfeil)  und  ^fLi^to,  entstanden  aus  loyJ{J-)aiga 
•=  sagittas  fundens,  indem  man  sich  dafür  auf 
Redensarten  wie  ßslea  erovÖBvza  %bovto  O590; 
iii%svat'  oioroi'g  ^  3.  co  178.  E  618  u.  s.  w.  be- 
ruft. Vgl.  Lobeck,  Proll.  p.  259.  Döderlein, 
Hom.  Gloss.  §  2065.  Dürdzer ,  Kuhns  Ztschr. 
12,8.  Curtius,  Grdz.  d.  gr.  Etym.b  S.  204  f. 
Ameis.  Anhang  z.  Od.  J  102.    [Koscher.] 

locus,  der  Gott  des  Scherzes,  der  mit  Cupido 


zusammen  die  Venus  umflattert  (vgl.  Hesiod. 
theog.  201:  xfj  6'  "Egog  coacigTr/OB  Kai  'lusgog 
iartiTO  v.aXög).  locus  trauert  mit  Risus  und 
Ludus  über  den  Tod  des  PJautus  Epigr.  bei 
Gell.  1,  24,  3  Vgl.  Hör.  od.  1,  2,  34  und  Stat. 
Silr.  1,  6,  6:  rideits  locus.     [Höfer.] 

Imbun;!  i'lodäua),  Tochter  des  Itonos,  Sohnes 
des  Amphiktyon,  gebar  von  Zeus  die  Thebe; 
diese    heiratete    den    Ogygos,    nach    welchem 

10  Theben  Ogygia  genannt  ward,  Tzelz.  Lyk.  1206. 
lodama  und  ihre  Schwester  Athene  kamen  bei 
ihren  Waffenübungen  aus  Eifersucht  in  Streit, 
und  Athene  tötete  die  Schwester,  Tzetz.  Lyk. 
355.  Et.  M.  'Iravig.  Nach  böotischer  Sage 
war  lodama  Priesterin  der  Athene  Itonia  an 
ihrem  Tempel  im  Gebiet  von  Koroneia.  Als 
sie  einst  des  Nachts  in  den  Tempel  ging,  er- 
schien ihr  die  Göttin  mit  dem  Gorgoneion  vor 
der  Brust,   wodurch    sie    in   Stein   verwandelt 

20  wurde.  [Vgl.  die  Münzen  von  Koroneia  bei 
Head,  Hist.  num.  292.  R.]  Sie  hatte  in  dem 
Tempel  einen  Altar,  auf  welchem  beständig 
Feuer  brannte,  und  ein  Weib  sprach  dabei 
dreimal  des  Tages:  lodama  lebt  und  ver- 
langt Feuer.  Paus.  9,  34,  1.  Forchhammer. 
Hellen.  143 ff.  Gerhard,  Gr.  Myth.  1  §  266,  4. 
Bursian,  Geogr.  1,  235.  —  Welcker,  Tiil.  128 
erklärt  lodama  als  Mond,  Biickirt ,  Athene 
74  f.  als  „Volkspriesterin";  wahrscheinlich  war 

30  es  eine  Nebengestalt  der  Athene.  [Vgl.  die 
Nolaner  Vase  im  Brit.  Mus.  nr.  857:  Iod.  vor 
Athena  fliehend.  Elite  ce'ram.  1  pl.  75.  Arch. 
Z.  10,  183*R.]_  [Stoll] 

Iodoke  ('loböv.rf),  Amazone  im  Gefolge  der 
Penthesileia,  vor  Troja  erschlagen,  Tzetz.  Posth. 
17S.     [Stoll.] 

Ioerbeth  ('Ions eßr,&),  Name  des  Set,  Leidener 
Pap.  V,  Col.  11,  20.  Col.  14,  8  (?).  22  =  TT'es- 
sely,   Eph.   Gr.  233.    Grofser  Pariser  Papyrus 

40  (II  essely,  Griech.  Zauberpapyri  von  Paris  u. 
London)  Z.  185  (icosgßtjx).  279.  3261.  3266. 
Pap.  nr.  2391  des  Louvre  Z.  71.  115.  Beuvens 
a.  a,  O.  Pleyte  a.  a.  O.;  als  'Icoitotgßrft,  Wessely, 
Eph.  Gr.  242  aus  Parthey,  Zwei  griech.  Zauber- 
papyri des  Berliner  Museums  (aus  d.  Abh.  d. 
Ak.  d.  W.  1865)  nr.  2  Z.  110,  wo  Parthey 
ia  .  tco  .  igßr,&  abteilt.  Auch  auf  einer  zu 
Karthago  gefundenen  Bleitafel  mit  Verwün- 
schung gegen   einen  Wagenlenker  und  Renn- 

50  pferde,  Bull,  de  Corr.  Hell,  12  p.  300  Z.  2, 
wo  Delattre  p.  301,  Note  1  irrig  punische 
Worte  zu  erkennen  meinte,  kommt  'lmigßi)& 
vor.  Leemans  2  p.  71  erklärt  den  Namen  mit 
„asinus  maleficus",  vom  ägyptischen  aa  „Esel", 
er,  ar  „thun",  bt,  betu  ,, schlecht",  „ver- 
abscheuungs  würdig".     [Drexler.] 

Iokallis  ('lo-xaV.ig),  eine  auf  der  Insel  Leros 
göttlich  verehrte  Jungfrau,  Suid.  und  Phot. 
s.  v.  MiXiaygiSig;  ('n  den  Handschriften  steht 

GO  nicht  iv  Asgco,  sondern  sv  Aigin,  doch  ist 
iv  Aigia  zu  lesen,  da,  wie  Suidas  und  Plwtius 
berichten,  die  Meleagrides,  die  sich  bekannt- 
lich auf  Leros  befanden,  Genossinnen  der  Io- 
kallis gewesen  seien,  vgl.  Bernhardt/  zu  Suid. 
a.  a,  O.).     [Höfer.] 

lokaste  {'IoKciarrj),  1)  Tochter  des  Thebaners 
Menoikeus,  Schwester  des  Kreon,  Gemahlin  de3 
Laios  und  Mutter  und  Gemahlin  des  Oidipus. 


285                      Iotastos  Iolaos                          286 

lokaste  heifst  sie  bei  den  attischen  Tragikern,  eingesetzten    olympischen    Spielen    (Paus.    5, 

dagegen  bei  Homer  und  den  älteren  Dichtern  8,  1)    und    bei    den    Leichenspielen    des    Pe- 

Epikaste;  vgl.  Oidipus,  Epikaste,  Euryganeia.  lias  (ib.  5,  17,  4;   Hyg.  f.  273)  und  war  über- 

Nach    Fherekydes    b.    Schol.   Eur.    Phoen.    53  haupt    einer    der   berühmtesten    Wagenlenker 

zeugte  Oidipus   mit  seiner  Mutter  lokaste  die  der  Vorzeit,    Find.   Isthm.    1,   14.     Iolaos    zu 

Söhne    Phrastor    und    Laonytos,     welche    im  Wagen,   Athene  ihm  zusprechend,   auf  Vasen, 

Kriege    mit    den    Minyem    von    Orchomenos  Roulez,  choix  t.  9  p.  35.     Er   wird  aufgeführt 

fielen.     Nach  dem  Tode  der  lokaste  heiratete  unter  den  Argonauten,  Hyg.  f.  14  (p.  39  Bunte), 

er  die  Euryganeia,    welche  von  manchen  ihre  unter  den  kalydonisehen  Jägern,  Hyg.  f.  173. 

Schwester  genannt  wird,  und  diese  gebar  ihm  io  Paus.  8,  45,  4.    Ov.  Met.  8,  310.     Als  Herakles 

Antigone  und  Ismene,   Eteokles  und  Polynei-  die  Absicht  hatte,  um  Iole  zu  werben,  gab  er 

kes.    [Bildwerke  bei  Overbeck,  Bildic.  z.  theb.  seine  bisherige  Gattin  Megara  dem  Iolaos  zum 

u.  troj.  Sagerikr.  S.  64 ff.     Baumeister,  Benkm.  Weibe,  Apollod.   2,  6,  1.    Biod.  4,  31.     Eine 

d.  kl.  AH.  S.  1052  f.     Vgl.  den  Art.  Oidipus  u.  Tochter  des  Iolaos  war  Leipephile,   Gemahlin 

Brunn,  Kiinstlergesch.  1,  394  ff.  R.]  —  2)  Von  des  Phylas,  Hesiod.  b.  Paus.  9, 40,  3.    Er  beglei- 

Zeus  Mutter  des    Agamedes,    der    auch   Sohn  tete  den  Herakles,  Iphikles  und  die  Alkmene, 

des  Apollon   und   der   Epikaste   heifst,    Scliol.  als  sie   von  Eurystheus   aus  Tiryns   vertrieben 

Aristoph.  Nub.  508.  Schneidewin,  Sage  v.  Oidi-  wurden,  nach  Pheneos  in  Arkadien,  I)iod.  4, 33, 

pus  20.     [Stoll.]  er  begleitete  den  Herakles  auf  seinem  letzten 

Iokastos   ('loy.aatog),  Sohn  des  Aiolos,  des  20  Gange  zum  Scheiterhaufen  auf  dem  Oeta,  Biod. 

Sohnes  des  Hippotes,  König  an  der  italischen  4,  38.     Nach  Sardinien,  wo  das  Barbarenvolk 

Küste  in  der  Gegend  von  Rhegion,  das  er  ge-  derlolaier  wohnte,  sollte  Iolaos  den  gröfsten  Teil 

gründet  haben  soll,  Kallimachos  (fr.  202  Bentl.)  der  Kinder  des  Herakles  und   der  Thespiaden 

bei  Tzetz.  Byk.  45.  738.    Eustath.   zu  Bionys.  und  eine  Zahl  von  Athenern  (Thespiai  ward  zu 

P.  462.    Biod.  5,  8.    Schol.   Od.  10,  2.  6.     Er  Attika  gerechnet)  als  Kolonisten  geführt  haben; 

starb  durch  den  Bifs  eines  Drachen,  HerakUd.  er    wurde    dort   verehrt,   Biod.  4,   29.    5,   15. 

Pont.  fr.  25  [Mütter,  fr.  liist.  gr.  H  p.  219).  Paus.  7,  2,  2.  10,  17,  4.   Strab.  5,  225.   Preller, 

[StolL]  Gr.  31.  2,  284.     Auch   soll   er   dort  gestorben 

Ioke  ('lcox»j),  die  Verfolgung,  Personifikation  sein,  Paus.  9,  23,  1.    Solin.  p.  19,  1  ff.  M.    An 

auf  der  Aigis  der  Athene,  11.  5,  740.    [Stoll.]  30  der  Stelle  der  Stadt  Oibia,  die  eine  Gründung 

Iokles  ('IoKXfjg),  des  Amphiaraos  Vater,  der  des  Iolaos   hiefs,   soll  ein  Bild   desselben  ge- 

sonst  Oikles  (s.  d.)  heifst;  schol.  Hom.  11,  326.  funden  sein,  Maltzan,  Sardinien  p.  115  f.  388. 

[Vgl.  Scliol.  Eur.  Phoen.  133  u.  173  Bind.  R.]  Rhode,  Rhein.  Mus.  35,  157  ff.  37,  465.     Nach 

[Höfer.]  anderer  Angabe  jedoch   kehrte   er  von  Sardi- 

Ioklos  Cloxlog) ,    Sohn    des   Demoleon    von  nien   zurück  und  verweilte  auf  der  Heimkehr 

Argos,  führte  eine  Kolonistenschar  nach  Kar-  lange    Zeit    in   Sicilien,    wo    er  wie  Herakles 

pathos;  Biod.b,bi.    Vgl.  Tümpel,  Jahrb.  f.  kl.  in   vielen   Städten   Heiligtümer  und  heroische 

Philol.  Supplementbd.  16  (1887)  S.  158  u.  162.  Ehren  hatte,  Biod.  4,  24.  30.     [Fragweise  be- 

[PbOscher.]  zeichnet  Head,  H.  N.  p.  109  ein  jugendliches 

Iokritos    ('Iokqltos),    Sohn    des    Lykurgos,  40  männliches  Haupt  auf  dem  Obvers  von  Münzen 

Vater  des  Botachos,  nach  welchem  der  tegea-  von  Agyrium  als  das  des  Iolaos.    Auf  Münzen 

tische  Gau  Botachidai  (oder  Potachidai,  Paus.  derselben  Stadt  erscheint  er  in  ganzer  Gestalt, 

8,  45,  1)    benannt    sein    sollte,    Steph.   B.    v.  entweder  in  Jägertracht,  mit  Hörn  und  Peium, 

B w Ttt%i$ui.     [Stoll.]  zu   seinen  Füfsen  ein  Hund,   oben  Nike,  oder 

Iolaos  ('löXaog,  dor.  'loXag,  ion.  'löXiag),  mit  einem  heifsen  Eisen  den  Hydranacken 
1)  tapferer  Sohn  des  Iphikle3  und  der  Auto-  brennend,  Head  a.  a.  O.  Drexler.]  Auch  in  den 
medusa,  der  T.  des  Alkathoos,  Bruderssohn,  Mythus  des  phönikisch-karthagischen  Herakles 
treuer  Freund  und  Kampfgenosse  des  Herakles,  ward  Iolaos  eingeführt.  Er  soll  den  von  Typhon 
dessen  Wagenlenker  er  war,  Apollod.  2,  4,  11.  getöteten  Herakles  durch  den  Geruch  der 
Patts.  8,  14,  6.  1,  19,  3.  8,  45,  4.  Hesiod.  Scut.  50  Wachtel,  eines  dem  Herakles  besonders  lieben 
74  ff.  Tzetz.  Byk.  830.  Preller,  Gr.  M.  2,  182.  Tieres,  wieder  zum  Leben  zurückgerufen  haben, 
Als  innigst  verbundener  Waffenbruder  des  He-  weshalb  die  Phöniker  dem  Herakles  Wachteln 
rakles  wurde  I.  auch  in  dem  Hymnus  des  Archi-  opferten,  Eudoxos  b.  Athen.  9,  392  e.  Eustath. 
lochos  auf  Herakles  Kallinikos  neben  diesem  ge-  II.  1702,  50.  Müller,  Bor.  1,  453.  —  [Vgl. 
feiert,  Schol.  Aristoph.  Av.  1764  (fr.  118  Bergk1).  Starck,  Mythol.  Parallelen,  Bie  Wachtel,  Sternen- 
Preller,  Gr.  M.  2,  262.  Er  wird  genannt  als  insel  und  der  Ölbaum  im  Bereiche  phünikischer 
Wagenlenker  und  Helfer  des  Herakles  beim  u.  griech.  Mythen,  Ber.  üb.  d.  Verh.  d.  Kgl. 
Kampf  mit  der  Hydra  (Hesiod.  Theog.  317.  Sachs.  Ges.  d.  W.  h.  ph.  Kl  1856  p.  32  —  120; 
Apollod.  2,  5,  2.  Qaint.  Sm.  6,  216.  Herodoros  Movers,  Phoen.  1  p.  536—538;  386;  Holm,  Ge- 
rt. Hellanikos  b.  Schol.  Fiat,  (ad  Phaedon.  60  schichte  Siciliens  im  Altert.  1  p.  93 ;  Baethgen, 
p.  89c)  p.  381.  PreTler,  Gr.  M.  2, 192.  Welcher,  Beitr.  z.  semit.  Religionsgesch  p.  46.  Letzterer 
A.  B.  3,  260.  264,  s.  Hydra);  beim  Kampf  hält  den  im  Vertrag  Philipps  von  Make- 
gegen  Kyknos,  Hesiod.  Sc.  74  ff.  (siehe  unten  donien  mit  den  Karthagern  bei  Pulyb.  7,  9, 
Sp.  288).  Er  begleitet  den  Herakles  auf  der  2 — 3  zusammen  mit  Scilfioiv  KaqirtSoviav  (Ta- 
Fahrt  nach  den  Rindern  des  Geryones,  Biod.  nit)  und  'Hguy.Xrjg  (Baal  Chamman)  angeführten 
4,  24,  im  Kriegszug  gegen  Troja,  Pind.  Nem.  'lolaog  für  Eschmun.  Dresler.]  Als  nach 
3,  36.  Er  siegte  als  Wagenlenker  mit  dem  dem  Tode  des  Herakles  Eurystheus  dessen 
Gespann    des    Herakles    bei    den    von    diesem  Kinder    verfolgte    und    ihre  Auslieferung  von 


287 


Iolaos 


Iolaos 


288 


den  Athenern  forderte,  worauf  es  zu  einem 
Kriege  des  Eurystheus  gegen  die  Athener  und 
Herakliden  kam,  war  Iolaos  ein  treuer  Be- 
schützer der  Herakliden  und  that  in  der  Sehlacht 
Wunder  der  Tapferkeit;  er  tötete  den  besiegten 
und  fliehenden  Eurystheus,  Paus.  1,44, 13.  Strdb. 
8,  377.  Preller,  Gr.  M.  2,  280,  s.  Eurystheus. 
In  den  Herakliden  des  Euripides  (v.  S43  ff.) 
fleht  der  Greis  Iolaos  bei  der  Verfolgung  des 


sammen  mit  Alkmene  neben  einem  Altar  des 
Herakles  und  der  Hebe,  Paus.  1,  19,  3.  .Vgl. 
*C.  I.  Alt.  1  nr.  210  fr.  K. 

[Bildwerke.  Sehr  häufig  erscheint  Iolaos 
als  Begleiter  des  Herakles  (s.  d.)  bei  dessen 
Abenteuern  auf  älteren  Bildwerken,  insbeson- 
dere auf  Vasen.  Die  betreffenden  Scenen  sind 
folgende: 

a)  Der  Kampf  mit  dem  nein  eischen  Löwen: 


Eurystheus   zu  Zeus   und  Hebe,   dafs   ihm  nur  10  vgl.  die  Münehener  Vasen  nr.  44(?).  64.  69.  134 


auf  einen  Tag  die  alte  Jugendkraft  geschenkt 
werde,  damit  er  Rache  an  dem  Feinde  nehmen 
könne;  da  deckten  zwei  Sterne  den  Wagen 
des  Iolaos  mit  einer  finsteren  Wolke,  aus  der 
er  selbst  in  jugendlicher  Gestalt  hervortrat, 
um  den  Feind  zu  erjagen.  Vgl.  Ov.  Met.  9, 
399.  430.  Schol.  Find.  Pyth.  9,  137.  Welcher. 
Gr.  Trag.  2,  711.    Bei  Find.  Pyth.  9, 79  (137)  und 


u.  s.  w.;  die  Berliner  Vasen  (nach  Fuiticäng- 
lers  Katalog)  nr.  1693.  1713.  1717.  1720.  1725. 
1800.  1841.  1890.  1895.  1905.  2004;  die  Peters- 
burger Vasen  nr.  25.  50.  65.  184.  219.  282. 
291;  die  Neapler  Vasen  (nach  Heydemanns 
Katal.)  nr.  2503.  2516.  2614.  2745.  Santangelo 
126;  die  Vasen  des  Britischen  Museums  (nach 
dem  Katalog  von  Birch  a.  Newton)  nr.  449. 
450.   454.   458    u.  s.  w.;    die   Athenische   Vase 


Schol.  findet  sich  die   thebanische  Sage,  dafs 

Iolaos,  schon  gestorben,   aus  dem  Grabe  auf-  20  nr.  269  (nach  Collignons  Katalog), 
erstand,  um  den  Herakliden  gegen  Eurystheus  b)   Der   Kampf  mit   der  Hydra:     Berliner 

beizustehen,    und    dann   wieder,    nachdem    er       Vase  nr.  1854;  vgl.  ob.  Bd.  1  Sp.  2198  u.  2224. 

==3         c)     Das     Abenteuer     des     eryrnantni- 

:|jP2  sehen  Ebers:    Münchener  Vase  nr.  1219. 

S  13l'5.    Berliner  Vase  nr.  1860.  1855.  2034. 

Petersburger  Vase  nr.  49.     Vase  des  Brit. 

Mus.    nr.   5S7.     Vergleiche     oben    Band  1 

Sp.  2199. 

d)  Der  Kentau  renkam  pf  auf  der 
Pholoe:  Athen.  Vase  nr.  403. 

e)  Die  Ereilung  d.  Hirschkuh:  Peters- 
burger Vase  nr.  1926. 

f)  Die  Erlegung  der  stymphalisehen 
Vögel:  vgl.  oben  Bd.  1  Sp.  2201. 

g)  Die  Bändigung  des  Stieres:  Mün- 
chener Vase  nr.  614.  Petersburger  Vase 
nr.  184.    Vasen  d.  Brit.  Mus.  nr.  464.  819. 

h)Amazonenkampf  (Hippolyte):  Vase 
in  München  nr.  567;  in  Berlin  nr.  2263; 
im  Brit.  Mus.  nr.  624.  614. 

i)    Kampf   mit   Geryoneus:    Vase   in 
'  München  nr.  337. 

k)  Kampf  mit  Alkyoneus:  Schale  in 
Corneto:  Arch.  Ztg.  42,  46. 
1)  Kampf  mit  Eryx:  Vase   des   Brit.  Mus. 
603. 
m)    Hesperidenabenteuer:     Vasen     in 


'"■T» 


Lipara,  Herakles  und  loleos  auf  der  Meidiasvase  (nach  Gerhard 
Ges.  ak.  Ab/,.  Taf.  U  ;  Tgl.  oben  Bd.  1  Sp.  2G02). 


diesen  getötet,  starb,  worauf  er  in  dem  Grabe 

seines  Ahnen  Amphitryon  zu  Theben  bestattet 

wurde.     Zu  Theben  versicherten  Freunde  und 

Liebende   an    dem   Grabe   des  Iolaos,    als   des       Neapel   nr.  2893;   im  Brit.  Mus.  nr.  1264;   vgl. 

treuen  Freundes  und  Kampfgenossen   des  He-       oben  Bd.  1  Sp.  2600  und  2602. 

rakles,  einander  ihre  Treue,  Aristoteles  b.  Plut.  50        n)   Kampf   mit  Antaios:    Vase    des  Brit. 

Pelop.  18.     Er   wurde   oft  neben  Herakles  als       Mus.  nr.  471. 


sein  Beistand  (na^aarcirris)  verehrt  und  an- 
gerufen, Plut.  de  frat.  am.  21.  Zu  Theben 
hatte  er  vor  dem  proitidischen  Thore  iu  der 
Nähe  des  Hauses  des  Amphitryon  ein  Heroon, 
daneben  war  ihm  ein  nach  ihm  genanntes 
Gymnasium,  das  Iolaeion,  und  eine  Rennbahn 
geweiht,  und  man  feierte  ihm  dort  ein  Fest 
loküsia  mit  Kampfspielen,  das  auch  'H$<ixX£ia 
hiefs,  „so  dafs  also  auch  im  Kultus  und  in  go 
den  Erinnerungen  der  Jugend  die  beiden 
Freunde  verbunden  .  blieben"  (Preller,  Gr.  M. 
2,  184).  Paus.  9,  23,  1.  Arr.  An.  1,  7,  7. 
Schol.  Find.  Ol.  7,  153.  13,  148.  Pyth.  9,  156. 
New.  4,  32.  Istlim.  1,  11  u.  79.  C.  I.  G.  nr. 
1068.  Schol.  Aristoph.  Ach.  867.  Said.  v. 
'folaog.  Zu  Athen  hatte  Iolaos  im  Kynosarges, 
dem  Heiligtum  des  Herakles,   einen  Altar  zu- 


o)  Heraufholung  des  Kerberos:  Vase  in 
Athen  nr.  271. 

p)  Kampf  mit  den  Hippokoontiden:  Vase 
des  Brit.  Mus.  nr.  4SI. 

q)  Mit  Herakles  bei  Oineus  u.Deianeira: 
Neapler  Vase  nr.  3359;  beim  Nessosaben- 
teuer:  Neapler  Vase,  Sammlung  Santangelo 
nr.  144. 

r)  Argonautenzug:  Petersburger  Vase 
nr.  422. 

s)  Mit  Herakles  beim  Kentanren  Eury- 
tiou:  Münchener  Vase  nr.  772. 

t)  Kampf  mit  Kyknos:  Berliner  Vase 
nr.  1732;  vgl.  oben  Bd.  1  Sp.  2210  und  Heyde- 
mann,  Gr.  Vasenb.  1,  4. 

n)  Die  ä&Xa  InlTlslia  auf  dem  Kypselos- 
kasten:  Paus.  5,  17,  11  'lökaog  äs,  og  s&sXovrrig 


289 


Iolas 


Ion 


290 


fi£x(t%iv  'HqaxXiL  |  tüv  tgytov,  saziv  injicov 
cIqiiuii  avrjQTjfievog  vi"M\v.  Vgl.  Roulez,  Choix 
de  vases  peints  pl.  IX  S.  35  ff. 

v)  Gigantomachie:  Vase  des  Brit.  Mus. 
nr.  560. 

w)  Herakles'  Auszug:  Tgl.  die  Neapler 
Vase  nr.  3359  und  oben  Bd.  1  Sp.  2215. 

x)  Iolaos  als  Wagenlenker  des  Herakles: 
Mü'nchener  Vase  nr.  373.  379;  vielleicht  gehört 
hierher  (nach  Robert,  Arch.  Z.  42  S.  54)  auch 
eine  Parthenonmetope  (vgl.  auch  Bd.  1  Sp.2219). 

y)  Herakles  und  Athena:  Münchener 
Vase  nr.  145.  159.  Berliner  Vase  nr.  1689;  vgl. 
oben  Bd.  1  Sp.  2216. 

z)  Bekränzung  des  Her.  durch  Nike: 
Petersburger  Vase  nr.  845.  Vase  in  Athen  nr.  553. 

aa)  Der  ausruhende  Herakles:  Vase  in 
Athen  nr.  202. 

bb)  Der  rasende  Herakles:  Vase  des 
Assteas  aus  Paestum:  Mon.  d.  I.  8,  10  =  Bau- 
meister, D.  d.  Id.  AU.  S.  665  Fig.  732. 

cc)  Apotheose  des  Herakles:  oben  Bd.  1 
S.  2240. 

dd)  I.  u.  Herakles  neben  dem  palaistritischen 
Eros  an  den  Füfsen  der  Ficoronisehen  Cista; 
vgl.  Baumeister,  D.  d.  kl.  AH.  Fig.  500  S.  453  f. 

Iolaos  erscheint  in  diesen  Darstellungen 
bald  als  bärtiger  Mann ,  bald  als  unbärtiger 
Jüngling,  bald  nackt,  bald  bekleidet,  bald  voll- 
gerüstet.   Vgl.  Herakles  u.  Ioleos.     [Röscher.] 

2)  Bei  Hyg.  f.  103  heilst  es,  dafs  Iolaos,  der 
Sohn  des  Iphikles  (Iphiklos)  und  der  Diome- 
deia,  bei  der  Landung  der  Griechen  an  der 
trojanischen  Küste  zuerst  von  allen  ans  Land 
gesprungen  und  von  Hektor  getötet  worden 
sei,  weshalb  ihn  alle  Protesilaos  nannten. 
Protesilaos  (s.  d.)  bat  mit  Iolaos  das  gemein, 
dafs  er  nach  seinem  Tode  auf  kurze  Zeit  wie- 
_der  ins  Leben  zurückkehrte.  [Stoll.] 
'-'  Iolas,  ein  Trojaner,  Gefährte  des  Aeneas, 
Verg.  Aen.  11,  640.  [Stoll.] 
i  Iole  ('ioXrf)  [auf  der  altertümlichen  Vase  von 
Caere,  Mon.  d.  Inst.  6,  33  J-ioXet.  Bei  Hesiodos 
(in  Schal.  Soph.  Track.  263)  fr.  70  Gocttl.  und 
Kallimachos,  epigr.  6  heifst  sie  'folsta,  beide- 
male  mit  dem  Epitheton  ^av&r'i,  d.  i.  die  blonde; 
daher  der  Name  ,,(Gelb,veigelein",  Viola.  We- 
niger.]. Iole,  des  Königs  Eurytos  schöne 
Tochter,  lies,  bei  Schol.  Soph.  Track.  263. 
Pherek.  bei  Schol.  Soph.  Track.  354  und  Sclwl. 
Od.  21,  23.  Herodor  bei  Schol.  Hur.  Hippol. 
545.  Apollod.  2,  6,  1.  Biod.  Sic.  4,  31,  37. 
Athen.  13,  560 c.  Zenob.  1,  33.  Schol.  II.  5, 
392.  Nachdem  sie  Herakles  gewaltsamer- 
weise entführt  hat  (s.  Eurytos  und  Herakles), 
wird  sie  nachmals  die  unschuldige  Ursache 
zu  dem  Tode  des  Helden,  indem  Deianeira  dem 
Her.  das  tödliche  Giftgewand  zuschickt,  um 
seine  Liebe  wiederzugewinnen.  Her.  übergab 
der  Iole  bei  seinem  Tode  den  Hyllos.  Nach 
Hggin  65,  24.  67,  7  sträubte  sich  Iole  anfangs 
wider  des  Herakles  Liebe  und  liefs  lieber  ihren 
Vater  durch  Herakles  töten,  als  dafs  sie  sich 
ihm  ergeben  hätte.  Nach  Plut.  Barall.  308, 
48  stürzt  Bie  sich  bei  der  Zerstörung  Oicha- 
lias  von  der  Mauer  der  Stadt,  bleibt  aber, 
durch  ihr  bauschendes  Gewand  gehalten,  bei 
dem  Falle  unversehrt.    Das  übrige,  sowie  die 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rom.  Mythol.  II. 


Belegstellen  s.  unter  Eurytos,  Herakles,  Iphitos. 
Eine  Darstellung  des  Kampfes  um  Oichalia  auf 
einer  Vase  bei  Minervini,  Nap.  1851.  Preller, 
Gr.  31.  2,  254,  3.  [Vgl.  auch  Cat.  of  the  greeh 
vases  in  the  Brit.  Mits.  nr.  920*  =  C.  I.  Gr.  8037 
u.  ob.  Bd.  1  Sp.  2206.  Heibig,  Wandgemälde 
nr.  1142.]  Derselbe  Kampfliegt  der  Tragödie 
des  Ion  EvQitiäai  zu  Grunde.  [Bernhard.] 
Ioleos  (fioXsmg  C.  I.  Gr.  7559)  =  I  ol  ao  s  (s.  d.). 

10  Iolkia  ('imXxia),  Beiname  der  Artemis  auf 
der  Halbinsel  Magnesia,  inschriftlich  vorkom- 
mend in  Zeile  6  der  von  Lolling,  Mut.  d.  D. 
Arch.  Inst,  in  Athen  7  p.  73  nr.  II  mitgeteilten 
Inschrift.  Gustave  Fougeres,  La  confe'deration 
des  Magnetes,  Bull,  de  Gorr.  Hell.  1889  p.  277 
bezeichnet  als  Iolkia  die  einen  Bogen  haltende, 
auf  einem  Schiffsvorderteil  sitzende  Artemis 
auf  dem  Revers  von  Silbermünzen  der  Magneten, 
Cat.  of  Greeli  Coins  in  the  Brit.  Mus.  Thcssah/ 

20  p.  34  nr.  1,  2,  PI.  VH,  2,  3.  Auch  das  Haupt  der 
Artemis  erscheint  auf  dem  Obv.  von  Münzen  der 
Magneten,  Head,  H.  N.  p.  256.    [Drexler.] 

Iolkos  ('icaXxög),  Sohn  des  Amyros,  eines 
Flusses,  der,  im  dotischen  Gefilde  entspringend, 
das  amyrische  Feld  der  Larissäer  durchfliefst, 
Heros  Eponymos  der  Stadt  Iolkos,  Steph.  B. 
s.  t.    Müller,  Orckom.  249.     [Stoll.] 

Iolmos  ("toXuog),  Sohn  des  Menelaos  und 
der  Helena,   Bruder   des   Sosiphanes  und  des 

ao  Nikostratos  (schol.  Theolr.  18,  45;  doch  ist 
vielleicht  mit  Berglc  für  Iolmos  Aithiolas  zu 
schreiben;  vgl.  sckol.  Hom.  II.  3,  175);  auch 
Sosiphanes  als  Sohn  des  Menelaos  ist  höchst 
zweifelhaft;  es  wird  im  schol.  Iheolcr.  a.  a.  O. 
mit  Uiibner  statt  avayQciqjovTai  nuL§£g  £aoi- 
tfcivriq  NixooTQcetog  k.  t.  X.  zu  lesen  sein  o:.  n. 
Staoicpävei  (d.h.  von  Sosiphanes)  Nlxootq.x.t.X., 
vgl.  Nauck,  trag.  Gr.  frgm.1  p.  638.  [Höfer.] 
Ion   ('Iwv,  avog),  1)   Sohn   des  Xuthos  und 

40  der  Kreüsa,  Tochter  des  attischen  Erechtheus, 
Stammvater  der  Ionier,  nach  welchem  diese 
benannt  waren  und  ihre  Wohnsitze,  Attika 
und  die  Nordküste  der  Peloponnes ,  Ionia 
hiefsen,  Herodot  7,  94.  9,  44.  Apollod.  1,  7,  3. 
Stcpk.  B.  'Imvicc.  Strab.  8,  383.  9,  397.  Sckol. 
II.  1,  2.  —  Xuthos,  Sohn  des  Hellen,  Bruder 
des  Aiolos  und  Doros,  nach  des  Vaters  Tode 
von  seinen  Brüdern  aus  Thessalien  vertrieben, 
floh   nach   Athen,   heiratete  die   Tochter    des 

so  Erechtheus  (Kreüsa)  und  zeugte  mit  ihr  den 
Ion  und  Achaios.  Nach  des  Erechtheus'  Tode 
wurde  Xuthos,  weil  er  dem  ältesten  Sohn  des- 
selben, Kekrops,  als  Schiedsrichter  die  Herr- 
schaft zugesprochen,  von  den  übrigen  Söhnen 
des  Erechtheus  aus  dem  Lande  gejagt.  Er 
liefs  sich  in  Aigialos,  der  Nordküste  des  Pelo- 
ponnes, nieder;  nach  seinem  Tode  zog  Achaios 
nach  Thessalien  zurück,  und  als  Ion  sich  zum 
Heereszuge   gegen   die  Aigialeer  rüstete,  gab 

go  ihm  Selinus,  der  König  derselben,  seine  einzige 
Tochter  Helike  zum  Weibe  und  ernannte  ihn 
zu  seinem  Nachfolger.  Als  König  der  Aigialeer 
gründete  er  eine  Stadt,  die  er  nach  seinem  Weibe 
Helike  nannte,  und  die  Aigialeer  erhielten  den 
Namen  Ionier.  Die  Athener,  damals  im  Kriege 
mit  Eleusis,  riefen  den  Ion  zu  Hülfe  und 
machten  ihn  zu  ihrem  Anführer.  Er  starb  in 
Attika,  und   sein  Grab  wurde  gezeigt  in  dem 

10 


291 


Ion 


Iopakerbeth 


292 


Demos  Potanios ,  in  der  Gegend  von  Prasiai 
und  Thorikos  (vgl.  Paus.  1,31,2.  Schoemann, 
Opusc.  Ac.  1,  177;  siehe  auch  C.  I.  Alt. 
1,  210  fr.  K).  Die  Nachkommen  des  Ion 
erhielten  die  Herrschaft  in  Aigialos,  wurden 
aber  später  von  den  Achäern  vertrieben,  nach 
denen  das  Land  Achaia  benannt  ward,  Paus. 
7,  1,  2.  Xuthos,  aus  Thessalien  kommend, 
heiratete  die  Tochter  des  Erechtheus  und 
siedelte  sich  in  der  attischen  Tetrapolis  an; 
von  da  floh  sein  Sohn  Achaios  wegen  eines 
Mordes  in  die  Peloponnes,  Ion  aber  besiegte 
die  Thraker  des  Eumolpos  in  Eleusis  und  ge- 
wann solchen  Ruhm,  dafs  die  Athener  ihm 
die  Herrschaft  übertrugen.  Von  Attika  aus 
zog  er  nach  Aigialos,  das  nun  Ionien  genannt 
ward,  Strdb.  8,  383.  In  Attika  soll  er  zuerst 
das  Volk  in  4  Pkylen  geteilt  und  nach  seinen 
vier  Söhnen  Geleon,  Aigikores,  Argades  und 
Hoples  benannt  haben,  Herodot  5,  66.  Strab. 
a.  a.  0.  Er  unterrichtete  die  Athener  in  reli- 
giösen Dingen,  wie  Deukalion  die  Hellenen, 
Lykurg  die  Lakedaimonier,  Numa  die  Römer, 
Phd.  adv.  Colot.  31.  Wie  im  europäischen 
Griechenland  da,  wo  Ionier  gesessen,  Ion  ein- 
mal gewohnt  haben  soll,  so  ist  er  von  manchen 
auch  für  den  Anführer  der  ionischen  Ansied- 
lungen  in  Asien  erklärt  worden,  Vell.  Pal.  1,  4. 
Vitr.  6,  1.  Eurip.  Ion  74  "iatvct,  xtiotoq' 
'AciaSoq  yßovog.  —  Die  attische  Sage,  welche 
nach  des  Sophokles  Kreusa  {Welcher,  Gr.  Trag. 
1,  391.  Nauch,  trag.  gr.  fr.  p.  164)  von  Euripi- 
des  im  Ion  behandelt  wird,  hat  den  Ion  aus 
einem  Sohn  des  Xuthos  zu  einem  Sohn  des 
Apollon  (des  ionischen  Apollon  Patroos,  Schol. 
Aristoph.  Nub.  1468.  Av.  1527)  und  der  Kreusa, 
der  jüngsten  Tochter  des  Erechtheus,  gemacht, 
so  dafs  Ion  nicht  als  fremder  Eindringling, 
sondern  als  einziger  Sprofs  des  Ereckthiden- 
stammes  weiblicher  Linie  erscheint  und  somit 
die  Autochthonie  der  Athener  gerettet  wird. 
Der  Inhalt  des  Ion  des  Euripidcs  ist  folgen- 
der: Apollon  zeugte  mit  des  Erechtheus 
Tochter  Kreusa  einen  Sohn  in  einer  im  athe- 
nischen Burgfelsen  befindlichen  Grotte ,  in 
welcher  auch  der  Knabe  geboren  ward.  Die 
Mutter  läfst  ihr  Kind  in  der  Grotte  in  einem 
geflochtenen  Körbchen  ausgesetzt  zurück,  in 
der  Hoffnung,  dafs  Apoll  seinen  Sohn  nicht 
werde  untergehen  lassen  [vgl.  Arcli.  Ztg.  11 
(1853)  S.  346  f.  R.].  Hermes  trug  noch  in 
derselben  Nacht  das  Kind  in  dem  Körbchen 
auf  Apollons  Bitten  nach  Delphi,  wo  es  von 
der  Priesterin  zum  Tempeldiener  aufgezogen 
wurde.  Erechtheus  gab  später  seine  Tochter 
Kreusa  dem  eingewanderten  Xuthos  zur  Frau, 
zum  Dank  für  die  im  Krieg  mit  den  Chalko- 
dontiden  auf  Euboia  geleistete  Hülfe.  Da 
die  Ehe  kinderlos  bleibt,  so  gehen  Xuthos 
und  Kreusa  nach  Delphi,  um  den  Gott  zu  be- 
fragen, und  dieser  befiehlt  dem  Xuthos  den  als 
Sohn  anzuerkennen,  der  ihm  beim  Austritt  aus 
dem  Heiligtum  zuerst  entgegentreten  werde. 
Der  zum  blühenden  Jüngling  herangewachsene 
Sohn  der  Kreusa,  der  dem  Xuthos  begegnet, 
wird  von  diesem  als  Sohn  angenommen  und 
Ion  genannt  weil  er  iövti  avvr\v%ito  (v.  661. 
831).    Kreusa,  die  anfangs  den  aufgedrungenen 


Erben  vergiften  wollte,  erkannte  zuletzt  nach 
manchen  Verwickelungen  mit  Hülfe  des  von 
der  Priesterin  herbeigebrachten  Körbchens  den 
eigenen  Sohn;  doch  hielten  Mutter  und  Sohn 
die  Entdeckung  vor  Xuthos  geheim.  Zu- 
letzt verkündet  Athene  die  neue  Blüte  des 
alten  in  Ion  wieder  auflebenden  Erechthiden- 
stammes  und  die  einstige  Gröfse  der  Ionier 
und  Athener.     Welcher,  Gr.  Tr.  2,  725.    Tri- 

10  log.  296.  Arcli.  Ztg.  10,  401.  Buttmann,  My- 
thol.  2,  323.  Müller,  Bor.  1,  237.  244  uud 
Götting.  Ans.  1828  S.  1074  ff.  Preller,  Gr. 
31.  2,  154.  Gerhard,  Gr.  M.  2  §  752.  769. 
[Milchhüfer,  Üb.d.  att.  Apollon.  München  1873, 
S.  47 ff.  Arch.  Ztg.  10  (1S52)  401  f.  Taf.  37,  1. 
11  (1853)  S.  13  f.  G.  Kirchner,  Attica  et  Pelo- 
ponnesiaca.  Greifswalder  Diss.  1890  S.  13  ff. 
R.]  —  2)  Sohn  des  Gargettos,  siehe  Ionides. — 
3)  siehe  Ionios.     [Stoll.  1 

20  Ione  ('lovr]),  1)  eine  Nereide,  Apollod.  1, 
2,  7.  —  2)  'Itovn,  eine  Bakchantin,  JS'onn.  Dion. 
14,221,  wo  G.  Hermann  'irjvcö  vermutet.  [Stoll.] 
lonides  ('Icovi'äss),  Heilnymphen,  die  bei 
Herakleia  in  Elis  (einer  Ortschaft  der  Pisaier), 
an  der  Quelle  des  Kytheros  (oder  Kytherios), 
welche  eine  Heilquelle  war,  ein  Heiligtum 
hatten.  Sie  sollten  ihren  Namen  von  Ion,  dem 
Sohne  des  Gargettos,  der  aus  Athen  dorthin 
übergesiedelt  war,  erhalten  haben  und  hiefsen 

so  Kalliphaeia,  Synallaxis,  Pegaia,  Iasis.  Paus. 
6,22,4.  Strdb.  8, 356. —  Meinehe  vermutet,  dafs 
der  Kytherios  auch  den  Namen  'idcov  geführt 
habe,  Diatr.  in  Callimach.  S.  in  Iov.  22 
(p.  125).  Exercit.  philol.  in  Athen.  2,  40.  Cur- 
tius,  Peloponn.  2,  72.  Eursian,  Geogr.  2,  288. 
Gerhard,  Gr.  Myth.  1  §  545.  —  Kihandros  bei 
Athen.  15,  681  d  u.  683  a  u.  b  sagt,  dafs  die 
'icoviäSsg  Nvficpca  oder  'laoridig  oder  'iuäsg  N. 
in  den  Feldern  von  Pisa  dem  Ion,  als  er  sich 

10  nach  der  Erlegung  eines  Ebers  im  Aipheios 
(in  welchen  der  Kytherios  fliefst)  badete,  in 
sehnsüchtiger  Liebe  zuerst  das  Veilchen  (tov) 
als  Kranzblume  geschenkt  hätten.  Vgl.  Iatroi. 

[Stoll] 
Ionios  (Jloviog),  ein  illyrischer  König,  Sohn 
des  Adrias,  nach  welchem  das  ionische  Meer 
benannt  war,  Theopomp.  b.  Schol.  Ap.  Eh.  4, 
308  (anders  App.  bell.  civ.  2,  39).  Tzetz.  Lyh.  630. 
Schol.  Find.  Pyth.  3,120.     Steigt.  B.  v.''loviov. 

50  Eustath.  zu  Dionys.  Perieg.  v.  92.  Strab.  7, 
317.  Serv.  Verg.  Aen.  3,  211.  Neben  Ionios 
nennt  Steph.  B.  a.  a.  0.  als  Epouymos  des 
ionischen  Meeres  den  Italer  Ion  (jj  dno  "Iovog 
'izaXov),  welcher  bei  Eustath.  a.  a.  0.  'Iäcov 
heifst,  Vater  des  Adrias.  [Sein  bärtiges  Haupt 
erscheint  mit  der  Beischrift  loNloS  auf  dem 
Rs.  einer  Münze  von  Issa  oder  Pharos,  Cat. 
of  Greeh  Coins  in  the  Brit.  Mus.  Thessaly  to 
Actolia  y.Sim.  1,P1. 15,9.  Drexler.]  [Stoll.]  — 

co  Oder  S.  des  Dyrrhachos.  Als  dieser  von  seinen 
Brüdern  bekriegt  wurde,  kam  ihm  Herakles, 
der  gerade  aus  Erytheia  zurückkehrte,  zu  Hülfe, 
tötete  aber  im  Kampfe  unabsichtlich  seinen 
Sohn  Ionios.  Den  Leichnam  warf  er  in  das 
Meer,  das  seinen  Namen  .  von  ihm  erhielt, 
Appian,   bell.  civ.  2,  39.     [Schultz.] 

Iopakerbeth  ('lio7ra%£Qßrj&),  Name  des  Set, 
Leidener  Pap.  V,  Col.  11,  20.  Col.  14,  9  (?  ['la>- 


293                        Iopas  Iope                          294 

iza]-/jQßri%f\.  15.   Grofser  Pariser  Pap.  Z.  3261.  aber  zuerst  bei  Euripides  erscheint,  statt  der 

3266.   Pap.  des  Louvre  irr.  2391  Z.  71  =  Tl'es-  Stadt  foppe  vielmehr  Aithiopia,  und  statt  der 

sely,  Eph.  Gr.  237  (hier  'latoßrft  'iiaitav.iQßrfi  Aiolidin  Iope  die  Kassiepeia  als  Kepheusgattin 

'iauTtofiip),  115  (bier,   wie   im  Grofsen  Pariser  und    Mutter    der    Andromeda    genannt    ward; 

Pap.  2223 ff.   3261.  3266    und  im   Leidener   V.  ferner  darin,  dafs  der  Opfertod  der  Andromeda 

11,  20  'lco£gßri&  'iaitaxtQßrjfy  und  'laßoXxoorjd-  nicht  durch  den  Wettstreit  einer  Mutter  Kassie- 

zusammen);     vgl.     Eeuvens    a.   a.    0.;     Pleyte  peia   mit   den   Nereiden   verschuldet    und   von 

a.a.O.;  vielleicht  auch  auf  dem  Bleiplättchen  Poseidon,   Amphitrite   und   den   Nereiden   ge- 

aus  Karthago,  wo  Delattre.  B.  C.  H.  12  p.  300  heischt  wird,  sondern  im  Rahmen  einer  Opfer- 

Z.  3  IO3TTAIC6PBH0  hat.    [Drexler.]                     10  bandlung  an  'Aphrodite'  bez.  Derketo  (=  Atar- 

Iopas   t'lcöitag),    ein   karthagischer   Sänger,  gatis;  Tgl.  Stark,  Gaza  S.  257)  erscheint.    Auch 

der    zu    Karthago    bei    dem   von    Dido    dem  ist  das  Lokal  der  ioppensischen  Version  eine 

Aeneas  zu  Ehren  veranstalteten  Gelage   seine  Insel  (Paria),  wovon  in  der  hellenischen  Ver- 

von    Atlas    gelernte   Weisheit    vortrug,    Verg.  sion  nichts   zu  merken  ist;  Konon:  uqhu^tui 

Aen.  1,  740.     [Stoll.]  äitö  nvog  vrjcCdog  igrjuov  r\  'AvbqouiSu  =  Plin. 

Iope  ('Iöirn).  1)  T.  des  Iphikles,  G.  des  The-  N.  E.  5,  31  (34),  129:  In  phoenicio  mari  et  ante 

seus  (Flut.  Ihes.  29,   offenbar  nach  den  hesio-  Iopen  Paria  (insula)  toti  oppidum,  in  qua  ob- 

dischen    Eoien)  *),    aus     denen    Athenaios    13  iectam  behtae  Andromedam  ferunt:  dazu  5,  14: 

p.  557  a."lititnv  (Sclnceiyli.  animadv.  7,  9 :  'loitnv)  insides  collem  piraeiacente  saxo,  in  quo  vincu- 
%al  JiyXnv   nennt.     Ihr   Mythos    ist  nicht  be-  20  lorum  Andromedae    vestigia    ostendunt.     Auch 

kannt.    Als  Heroine  der  'thessalisehen'  (?)  Stadt  wird    Iope    nicht,    wie    Kassiepeia,    verstirnt 

Iope  (ßteph.  Byz.  s.  v.)  wird  man  sie  nicht  an-  worden     sein,     da     in     dieser     ioppensischen 

zusehen  haben.     Denn   bis  auf  die  Kretafahrt  Form  der  Sage  weder   Kepheus  noch  And.ro- 

spielt  sich  Theseus'  ganzes  Leben  im  nächsten  meda,  noch  das  y.ijros  verstirnt  wird,    wie   in 

Umkreis   des   saronischen  Meerbusens  ab,  und  dem   'hellenischen'   Mythos  von  'Kepheus   in 

gegen  den  praktischen  Euhemerismus  der  Py-  Aithiopia'.     Mit   diesem    suchte   eine   spätere 

thia,   welche  Theseus'  Gebeine  aus  Skyros  zu  ki'instliche  Etymologie  von  Aifi-wnn  aus  'löitij 

holen  riet,  und  Kimons  Ausgrabungsexpedition  Fühlung  zu  gewinnen  {Et.  M.  p.  473,  14.   Steph. 

fällt  Roberts  Beobachtung  ins  Gewicht,  dafs  Byz.  'loitr\;  vgl.  Tzetzes  zu  Byk.  836),  welche  zn- 
hinter  dem  'Skyrios'   als  Grofsvater  des  The-  30  erst    auftritt    bei   Konon:    Al^ionia    (cod.   öi' 

seus,   Vater  des   Aigeus   (ps.-apollod.   Bibl.  3,  oitu)aiib:'ldititr]g;vg\.cA.ithioperiländer'S.  139f.). 

15,  1,  5),    sich    ein    Skirios    (=  Skiros,    -on,  Die  ioppensische  Tradition,  deren  Abweichungen 

Eponym  von  Salamis-Skiras)  birgt  (Hermes  20,  von  der  griechischen  man  wohl  beachten  inufs, 

18S5,  S.  354).    Auch  ihr  Vater  Iphikles  ist  von  wurde   in   Griechenland    bekannt   durch   Theo- 

dem    thessalisehen    Iphiklos    verschieden    und  pompös  (bei  Stiabon  1  p.  43,  vgl.  'AithiopenV 

erscheint  blofs  in    der   Peloponnes   (vgl.   auch  S.  134ff.),   bekämpft   durch  Apollodoros   (tisqi 

des  Unterzeichneten '  Aithiopenländer'  etc.  Fleck-  viäv  II,  ebda),  verteidigt  aufser  den  oben  Ge- 

eisens   Suppl.  16,  1887,  S.    145),    und   so   wird  nannten  durch  Aristonikos  (it.  MtvtXüov  iiXavrfi, 

sie  eine  argolische  oder  megarische  Ortshero'ine  bei  Strab.  1  p.  38,  vgl.  42  f.),  aus  dem  Strdbon 
sein,  zumal  ihr  Bruder  Iolaos  Gatte  der  Megara  40  und    die  Vorlage    des    Steph.  B.    abschrieben 

ist  (apollod.Bibl. 2,6,1)  — 2)  T.  des  Aiolos.G.des  (letzterer  den  von  Schubart  gestrichenen,  von 

Kepheus,  nach  welcher  die  philistäisehe  Stadt  Meineke  eingeklammerten  Passus  -.Krjcptmg.  .tot; 

benannt    sein    soll:    Steph.    B.    'Ioitr[.    Dionys.  Y.aTuaziQia&'cVTog  y.xL  oi"EXXr]vt gnctY-äg  cpaaiv). 

Per.  910  =  Geogr.  G.  M.  2,  375.     Diese  Notiz  Vgl.  überhaupt  ' 'AithiopenV   S.  147   u.   sonst; 

ist  das  ergänzende  Fragment  zn  der  aus  Ps.-  daselbst  ist   im   Anschlufs   an   FL.  I).   Müller 

Shylax  (104  =  Geogr.  Gr.  M.  1,  79),   Strabon  (Mythol.  1,  56)   der  Nachweis   versucht,    dafs 

(16  p.  759,  1,  42.  43  C),  Iosepihos  (B.  1.  3,  9,  5),  schon  vor  Theopompos  der  griechische  Mythos 

Konon   (c.  40),   Plinius  (N.   H.  5,  14.    6,  35),  durch  argivisch-rhodische  Ostfahrer  auf  Joppe 

Pausanias  (4,  35,  5),  Pomp.  Mela  (1,  11),  übertragen  und  dortigem  Astartekult  ange- 
Tacitus    (Hist.  5,  2)**)    bekannten    Tradition  50  pafst  ward.     Dann  würde  schon  in   der  argo- 

von  der  Opferung  der  Andromeda  an  das  -drjzog  lischen  Heimat  des  Mythos  (entsprechend  dem 

in  Ioppe.     Wenn  nach  Photios  (zu  Konon,  s.  oben  unter   1.   über   die  argolisch- megarische 

Westermann,  Mv&oyg.  p.  193,  5)  Konon  (also  Iope   Ausgeführten)    eine  Kepheusstadt   'loitn, 

doch   wohl  auch   die   anderen  Parallelzeugen;  ähnlich  der  thessalisehen  des  Steph.  Byz.  und 

latoQSt  i-.xEQiog  rj  ag  6  'EXXrivcov  iiv&og,  so  lag  der   lakonischen    jbok   'icoitlg    oder  'loitlg   des 

der  Unterschied  hauptsächlich  darin,   dafs  in  Heros  "ioip,   vorauszusetzen  sein,  deren  Name 

jener    'hellenischen'    Vulgata,    welche    schon  im  Anschlufs  an  den  obigen  Mythos  die  grie- 

von    den   hesiodischen   Katalogen,    Pherekydes  chische  Umnennung    der    alten    philistäischen 

und  Stesichoros  behandelt  sein  mufs,   für  uns  Iapho    (j.  Iaffa)   in  'löii(ii)r\  veranlafste;    und 

co  während  die  sog.  „hellenische"  Vulgata,  welche 

',  Flui.  The).  29:  yrjfiai  (Sj  [0i;<jsa]  xui . . .  TÖÄij»  statt  Iope    die    Kassiepeia    nennt,  .nach    dem 

r'itv  'Iyt/Mov;,  xa'i  ...  t'uv  A'iy'/.ii;  ioürta  ti,i  Haroitiej;  vom  Unterz.  geführten  Beweis   (Aithiopenlünd. 

(zu  Theseus)  xri.  fehlt  his  jetzt  im  Htsiodfrgm.  125  m.,  S.  158 ff.,  vgl.  Artikel  'Kassiepeia')  den  Argeier- 

obgieich  auch  c.  20  inm;  navomjtöos  AXyli$  aus  He-  kolonieen  auf  Rhodos  angehört,   würde  Theo- 

HodlL  ci'ieu  Z"'         r  ,   o„„       ,     ■  ■             .  ■    ■ ,  pompös    bei    seiner    späten    Übertragung    des 

**)  Nach  Tzetzes  zn  Lyk.  8S6  auch  citiert  von  Aristeida  ir    ,4               c    T„    ,        Tr                          .  °     .?.. 

(dem  Milesier?  f.  h.  G  4,  325,  27),  Kto»«»  (?  vgl.  des  }lJtho%T  au.f    ^pho  -  Ioppe     nur    eine    a  teste 

Unterz.  •  Aithiopeniän.kr'  etc.  S.  133 ■-),  Fnkopim  C?  Tgl.  /owr;  -  Version    des     argolischen     Mutterlands 

ebda  s.  117 '').  wieder  zu  Ehren  gebracht  haben.     Da  nun  bei 

10* 


295                      Iophossa  Iovos                         296 

Eustath.  zu  Dionys.  Perieg.  910  der  Namen  Jahrbb.  d.  Ver.  von  Altertimmsfreund,  im  Skid. 
der   Stadt  Iope   auch   auf  Io,    die    argivische       49,  1870  S.  187f.  nr.  11.     [R.Peter.] 

Heroine,   zurückgeführt  wird,  was  Tzetzes  (zu  Iovis  =  Iuppiter  (s.  d.). 

Lyh.  836)  mit  dem  Zusatz  wiederholt,  dafs  Io  Iovis  Axur   s.  Iuppiter  u.  Anxurus,   wo 

daselbst    "Agyov    viY.ricctaa     £v&gco7tog    ytyovs  Babelon,  Monn.  de  la  re'p.  2,  541  u.  546  nach- 

(doch   vgl.   'AithiopenV    S.   148 49),    so   wagte  zutragen  ist.     [Röscher.] 

der  Unterz.   mit  E.  Maafs  (de  Eratosth.  Sri-  Iovis  eiistos,  Name  einer  geflügelten  Jüng- 

gona  p.  130),  'Ionn  als  den  Vollnamen  für  das  liugsfigur,  die  Speer  und  Schild  trägt,  auf 
Hypokorisma  'Im  zu  erklären,  im  Gegensatz  einer  Münze  des  Septimius  Severus,  Haver- 
zu  0.  Crusias  ('Beiträge''  etc.  S.  21 3),  der  im  io  camp,  num.  reg.  Christ.  27,  3.    Gerhard,  Ant. 

Anschlufs  an  H.  D.  Müller  (Myth.  2,  350)  die  Bildu:   Tat.  302,  9.     Letzterer,  Gottheiten  der 

Demeter- 'im  als  Gattin  des  Hermes-7a<x(oi'  aus  Etrusker  (Alcadem.  Abh.  1,  300.  338.),   identi- 

der  Demeter-'EjuaGco:  (Hesych.   s.  v.)   erklärt.  ficiert  den  Iovis  custos  mit  dem  etruskiscken 

Umgekehrt  hält  O.  Gruppe  (Piniol.  N.  F.  1,92  ff.)  Tages,  dem  Sohn  des  Hercules  und  Enkel  des 

an    der  Auffassung    der  Alten  fest,    dafs   die  Iuppiter,   der  auch  Epeur  (Epiur)  =  sniovgog 

Heroine  'lönn  wirklich  nichts  weiter  bedeute,  (=  custos)   heifst,   vgl.   Gerhard,   Akad.   Abh. 

als  die  gräcisierte  Namensform  der  persönlich  1,  338.  2,  55.  [Höfer.]    [Wie  Havercamp  selbst 

gedachten  philistäischen   Stadt  Iapho-\Zo'jrjt?j,  p.  183 — 1S4  zu  der  Münze  des  Caracalla,  nicht 

also  einer  thatsächlichen  Unterlage  auf  grie-  des  Septimius  Severus  bemerkt,  hat  schon 
chischem  Boden   entbehre.     Phönizisch  Iapho  20  Vaillant,   Kum.   Imp.   Born,  praest.   1   p.   121 

=  „Schönheit"   ist  ihm  das   Original  zu   der  den   Typus   als   Iupiter   iu   einem  Tempel   auf 

griechischen  KceGBLExiiu'    fj   ■nalloviq   (Suidas),  einem  Cippus  in  der  R.  den  Blitzstrahl,  in  der 

und  der  griechische  Kassiepeianrythos  nur  die  L.   die  Lanze  beschrieben.     Ebenso  giebt  ihn 

Übersetzung    eines    älteren    Iaphomythos    der  Cohen  42,  155,  112   aus  Vaillant  als  „IOVIS 

Philistäer.   Vgl.  d.  Art.  Eassiepeia.  —  [3)  Eine  CVSTOS  C.  V.    Temple  ä  huit  colonnes;   au 

Lesart  statt  Antiope    oder    Iole    bei   Propert.  milieu,  Iupiter  sur  un  tippe,  tenant  im  foudre 

2,  28,  51.    Stoll.]      [K.  Tümpel.]  et   une   haste".     Gold-    und   Silbermünzen   des 

Iophossa  (locpmaca),  Tochter  des  Aietes,  die  Vespasian  mit  der  Aufschrift  IOVIS  .  CVSTOS 

dem  Phrixos  vier  Söhne  gebar,  identisch  mit  zeigen  Iupiter  nackt  vor  einem  Altar  stehend, 
Chalkiope,  Hesiod,  Akusilaos  u.  Pherekydes  b.  30  in  der  R.  eine  Schale,  in  der  L.  das  Scepter, 

Schol.   Ap.  Eh.  2,   1122.  1149.    Hesych.  s.    v.  Eckhtl,  D.  Ar.   V.  6  p.  337;   Grofsbronzen  des 

Müller,  Urchom.  172.   Schoemann,  Opusc.  Ac.  2,  Domitian  mit  der  Aufschrift  IOVI  .  CVSTODI 

247,  67.    Preller,  Gr.  Myth.  2,  319.     Gerhard,  oder   IVPP1TER  .  CVSTOS  .  S  .  C  führen  ihn 

Gr.  Myth.  2  §  688,  1.  690,  2.     [Stoll.]  vor  sitzend,  in   der  R.   den  Blitzstrahl,   oder 

Iops   ("ioi/>),    ein  Heros  der  Lakedaimonier,  eine    Victoria,    Eckhel,    D.  N.    V.    6    p.  393. 

der    zur  Zeit    des    Lelex    gelebt  haben   sollte  S.  Iuppiter.     Drexler.] 

und  zu  Sparta  ein  Heroon  hatte,  Paus.  3,  12,  4.  Iovius  Coinpagns (y).  In  der  Inschrift  CLL. 

Gerhard,  Gr.  Myth.  2  §  835.    Curtius,  Pelop.  2,  1,  571  =  10,  3772    (Recale    bei   Caserta;    aus 

231.     Vgl.  Iope  2.    [Stoll.]  dem  Jahre  660/94):    Pagus  Herculaneus  scivit 

Iopsaphos  ('ioipacpog),  Beiname  des  Apollon,  .10  a(nte)  diiemj  X  Ttrminaflia].    conlegium,  seive 

Hesych.    Der  Name,  wenn  richtig  überliefert,  magistrei  Iovei  Compagei  s[untj,  utei  in  porti- 

bezeichnet  den  Apollon  als  Orakelgott  (s.  Bd.  1  cumpaganam  reficiendam  pequniam  consumerent 

Sp.  434),  speziell  als  solchen,  dessen  Wille  durch  ex  lege  pagana,  arbitratu   Cn.  Laetori  Cn.  f. 

dunkelfarbige  Steinchen  (i/)Jjijpoi)  erforscht  wurde  magistrei  pageiei   [lies  pagei];  uteique  ei  coti- 

(vgl.  auch  Thriai).     Schmidt  liest   dafür  'iaö-  legio,  seive  magistri  sunt  Iovei  Compagei,  locus 

<I>ucpog,  andere  'lötyotpog,  d.   h.   rder  mit   den  in  teatro  esset  tarn  quasei  sei  lu[d]os  fecissent 

Pfeilen  Rasselnde'.     [Höfer.]  u.  s.  w.    nimmt   Mommsen  (C.  I.  L.  1    S.  159 

Iorios  Theos.     6GC0  ICOPICO   soll  auf  einer  und  im  Index   S.  617   s.   v.   Iovius  compagus) 

Gemme  der  Sammlung  Capello  nr.  215  stehen,  einen  'Iovius  compagus  collegii  pagi  Campani 
welche    den    Zeus    auf    dem    Rücken    zweier  50  deus  tutelaris'    an.     Später  zweifelte   er  aber 

Schafe   sitzend   darstellt,   Sycophantia  mugica  daran,  dafs  hier  ein  Iovius  Compagus  genannt 

nr.  172  in  Gorius,   Thes.  gemm.   ant.  aitrif.  2  sei  (CLL.  10  im  Index  S.  1133:  'Iovius  com- 

p.  278.     Kopp,    Palaeogr.   crit.   §   843,   vol.  4  pagus  [si  recte  sie  aeeipitur]').  Vielleicht  haben 

p.  326 — 327.     Letzterer    übersetzt  „Leo   mon-  wir  in  der  Inschrift  einen  Iuppiter  Compagus 

tano",  indem   er  an  das  Wort  (topos  bei  He-  als  Schutzgott   des  pagus  Herculaneus   zu  er- 

sychios  =  „Berg"  erinnert.     [Drexler.]  kennen  (vgl.  den  Nominativ  Iovos  auf  der  prae- 

Iovantucarus,  Beiname    des  Mercurius    auf  nestmischen  Cista  Ephem.  epngr.  1  S.  14  nr.  21 

einer  zwischen  Tholey  (Kreis  Ottweiler,  Reg.-  =  Garrucci,  Syll.  inser.  lat.  nr.  528.    C  I.  L. 

Bez.  Trier)  und  Osenbach  (Kreis  St.  Wendel,  14,  4105;  abgebildet  Monum.  d.  inst.  9,  1873 
Reg.-Bez.  Trier)  i.  J.  1755  gefundenen  Inschrift:  c.o  Taf.  58/59,    besprochen    von  A.   3Iichaelis   in 

Leo  Mercurio  lovantucaro  pro  salute  Eomaniac  Ann.  d.   inst.   45,   1873    S.  221  ff.,    über   Iovos 

Eomanae   et   Eomani   Severi  Iulius  Bomamis  S.  237).     [R.  Peter.] 

pater  vissu  [sie]  monitus  v  s  l  l  m.    Die  In-  Iovos,  ^OVOI,  Name  des  Iuppiter  (s.d.)  auf 

schritt  stand  nach  dem  Fundbericht  auf  einem  einer  Bronzekiste  von  Praeneste,  welche    den 

viereckigen  metallenen   'Kästgen,    so    in    der  Gott  sitzend,  die  R.  auf  die  Schulter  der  Iuno 

mitten,  auf  welchen  beyden  seythen  ohngefähr  legend  und  einen  Blitzstrahl  haltend,  umgeben 

ändert     halben    schuhe    von    einander    zwey  von  Apollo,  Liber,  Mercurius,  Hercules,  Mars, 

kleiner   Statuen  oder  Götzenbilder  gefunden.'  Minerva,    Diana,    Victoria    und   Fortuna    dar- 


297                          Ioxeia  Iphigeneia                      298 

stellt,  Eph.  epigr.  1  p.  14  nr.  21.   Garruccius,  n.  Veno.  S.  2  Anm.  3.   —    2)   Euadne   als   die 

Syllogc  Inscr.  Lat.  nr.  528  („In  Iovos Tochter  des  Ipbis,  Ov.  ep.  ex  P.  3,  1,  111. 

metapilasmus  est  declinationis  tertiae  in  seeun-  [Stoll.] 

dam").     Vgl.  Iuppiter  u.  Iovius.     [Drexler.]  Iphidamas  ('IcpiSäfiag),  1)  Sohn  des  Antenor 

Ioxeia  ('lö^na?),  Amazone  im  Gefolge  der  (daher  'JvzrjvoQiSijg,  Hom.  IL  11,  221.    Eust. 

Penthesileia,  vor  Troja  erschlagen,  Tzetz.  Posth,  840, 1.  Paus.  4,  36,  4.  5,  19,  4)  und  der  Theano, 

179.     [Stoll.]  der  Tochter  des  Kisseu's  (IL  11,  224.  scJwl.  IL 

Ioxippe  (la'ghntri)  =  Dioxippe  (s.  d.),  vgl.  11,   226.    Eust.    Tl.   840,   10.   59),    Bruder    des 

iWfj  und  äuov.ri;  Etym.  M.  426,  47.     [Höfer.]  Koon,  27.  11,  250.  257.    Schon  als  zarter  Knabe 

Ioxos  ("Ia^og),  Sohn  des  Melanippos,  Enkel  10  ward  er  seinem  Grofsvater  Kisseus,  der  König 

des  Theseus  und  der  Perigune,  der  mit  Orny-  in  Thrakien   war,    zur   Erziehung    übergeben, 

tos  eine  Kolonie  in  Karien  gründete.    Da  Peri-  27.  11,  223.    Strabo  7  p.  330  fr.  21;   ebendas. 

gune,  die  Tochter  des  Sinis,  nach  der  Erlegung  fr.  24;    später    heiratete    er    die   Tochter  des 

ihres  Vaters  durch  Theseus,  vor  diesem  fliehend,  Kissens,  also  die  Schwester  seiner  Mutter  (II. 

sich    an    einem    dicht   mit  Pimpernellen    und  11,  226  und  schol.),  die  er  durch  reiche  Eraut- 

Spargeln  bewachsenen  Orte  verborgen  und  in  geschenke  gewann,  27.  11,  244.  Paus.  4,  36,  4. 

kindlicher   Unschuld    diesen    Sträuchern    mit  Kurz   nach   der  Hochzeit  (77.  11,  243)    zog  er 

Schwüren  gelobt  hatte,  sie   nie  zu  verletzen  mit  zwölf  Schiffen    (II.  11,   228)   nach   Troia 

und   zu  verbrennen,  wenn  sie  von  ihnen  ver-  und  fiel  hier  von  der  Hand   des  Agamemnon, 
deckt  und  gerettet  würde,  so  war  es  bei  den  20  IL  11,  240.  250.  Paus.  5,  19,  4.   Hygin.  f.  113. 

Nachkommen  des  Ioxos  Sitte,  weder  Spargel-  Der  Kampf  des  Koon  mit  Agamemnon  um  die 

stengel    noch    Pimpernellen    zu     verbrennen,  Leiche  seines  Bruders  Iphidamas  (27.  11, 248ff.) 

sondern  sie  als  heilig  zu  verehren,  Flut.  Thes.  8.  war  auf  dem  Kasten  des  Kypselos  dargestellt, 

[Stoll.]  Paus.   a.   a.  0.    —   2)   Sohn   des   Busiris,   der 

Ipheus  ('iqnvg),  ein  Lykier,   vor  Troja  von  auch  Amphidamas  (Apollod.  2,  5,  11,  9)  heifst, 

Patroklos  erlegt,  27.  16,  417.     [Stoll.]  samt   seinem  Vater    am   Altar    des   Zeus   von 

Iphialos   ('iyCaXog),   ein  anderer  Name  für  Herakles   getötet,    Pherehjd.  im  sc7(0?.   Apoll. 

'Etfidlzrjg,    den  Alp,   den   italischen  Incubus,  Rhod.  4,  1396.     [Höfer.] 

Hesych.  s.  v.  vgl.  Eidymos  b.  Schol.  Aristoph.  Iphigeneia  ('icpr/ivEict,  auch  'Icpr/ovr],  Eurip. 
Vesp.  1038.   Er  heifst  auch  'EitiaX^g,  'EniäUrjg,  so  El.  1023;  abgekürzt  '2915,  Tzetz.  L.  323.  324. 

'EtpiXrjg  (äol.),  'Eit(ü(pilr]g ,  Hesych.  v.  imulrjg.  Et.   712.  v.   "Aiitfig),    Tochter   des   Agamemnon 

Preller,  Gr.  Myth.  1,  617,  4.     [Stoll.]  und  der  Klytairnnestra,  vgl.  Iphianassa.    Als 

Iphianassa  ('Iquävacaa),  1)  eine  von  den  das  nach  Troja  ziehende  Heer  der  Griechen 
Töchtern  des  argivischen  Königs Proitos  (s.  d.),  durch  eine  Windstille,  welche  die  von  Aga- 
welche  von  Melampus  von  ihrer  Raserei  ge-  memnon  oder  Menelaos  erzürnte  Artemis  ge- 
heilt und  ihm  zum  Weibe  gegeben  ward,  sandt  hatte,  in  dem  Hafen  von  Aulis  zurück- 
Apollod.  2,  2,  2.  Pherelcyd.  bei  Schol.  Od.  15,  gehalten  wurde  und  Kalchas  erklärte,  dafs  Iphi- 
225.  —  2)  Tochter  des, Agamemnon  und  der  geneia  der  Göttin  geopfert  werden  müsse,  liefs 
Klytaimnestra,  Schwester  der  Chrysothemis  und  Agamemnon,  von  Menelaos  und  dem  ungeduldi- 
Laodike,  27.  9,  145.  287.  Zu  diesen  dem  Homer  40  gen  Heere  bedrängt,  die  Tochter  unter  dem  Vor- 
bekannten Töchtern  des  Agamemnon  fügten  wand,  dafs  sie  mit  Achilleus  vermählt  werden 
die  Kyprien  (fr.  12  Kinkel)  noch  als  vierte  die  sollte,  vom  Elternhause  ins  Lager  kommen 
Iphigeneia,  welche  auch  bei  SophoJcles  von  und  bereitete  mit  schwerem  Herzen  das  Opfer. 
Iphianassa  verschieden  ist.  Wie  aber  bei  den  Artemis  aber,  der  Jungfrau  sich  erbarmend, 
Tragikern  Elektra  an  die  Stelle  der  Laodike  schob  während  des  Opfers  eine  Hirschkuh  an 
getreten  ist,  so  bei  Euripides  Iphigeneia  an  die  Stelle  der  Jungfrau  und  entführte  diese  in 
die  der  Iphianassa,  Soph.  El.  157  u.  Schol.  einer  Wolke  nach  Taurien,  damit  sie  dort  ihre 
Schol.  IL  a.  a.  0.  Preller,  Gr.  Myth.  2,  419,  4.  —  Priesterin  werde,  Kypria  (p.  19  Kinkel).  Eurip. 
3)  Gemahlin  des  Endymion,  Mutter  des  Aitolos,  Iph.  Aul.  1540.  Iph.  T.  1.  20.  30.  783,  vgl.  Aeschyl. 
Apollod.  1,  7, 6.  [Hinsichtlich  der  Beziehungen  50  Ag.  1534.  Soph.  El.  565.  Find.  Fyth,  11,  23.  Ov. 
dieser  I.  ebenso  wie  der  unter  1)  und  2)  an-  Met.  12,  24  ff.  Paus.  9,  19,  5.  Schol.  Eur.  Or. 
geführten  zur  Selene  vgl.  Poscher,  Selene  u.  647.  Hyg.  f.  98.  238.  261.  DiM.  1,  17.  Schol. 
Verwandtes  S.  2  Anm.  3.  S.  71  Anm.  274.  S.  Ü9^  27.  1,  108.  Ant.  Lib.  27.  Sero.  Verg.  A.  2,  116. 
A.  396ff.  R.]  —  4)  Von  Medon  Mutter  des  Tzetz.  Lyk.  183.  Anteil,  191.  loann.  Antioch. 
Troers  Menalkes,  der  vor  Troja  von  Neopto-  fr.  25  (Müller  hist.  gr.  fr.  4  p.  551).  Lucret. 
lemos  erlegt  ward,  Quint.  Sm.  8,  295.  —  1,  85  ff.  Cic.  off.  3,  25.  Verg.  A.  2,  116.  Hör. 
5)  Nereide,  LuMan.  Dial.  D.  Mar.  14.  [Stoll.]  sat.  2,  3,  199.    Propert.  3,   5,   64.     Der  Dar- 

Iphianeira  ('icptdvstQa),  1)  Tochter  des  ar-  Stellung  der  Kyprien  (nach  Prolcl.  Chrest.)  folgte 

givischen  Königs  Megapenthes,  vermählt  mit  die   Iphigeneia  des  Aischylos,    diesem  wieder 
Melampus,  dem  sie  den  Antiphates  und  Bias,  60  die    Iphigeneia    des    SoplwMes,    deren    Inhalt 

die  Manto    und  Pronoe'    gebiert   (Diod.  4,  68;  vielleicht  bei  Hyg.  f.  98  erhalten  ist,   Welcher, 

vgl.  Iphianassa  1).  —  2)  Tochter  des  Oikles,  Gr.  Trag.  1,  107.    Nauch,  trag.  gr.  fr.  p.  23. 

eines    Sohnes    des    ebengenannten  Antiphates  156.   Die  Iphigeneia  des  Ennius  (Vahlen,  Enn. 

und  der  Hypermnestra,  Schwester  des  Amphia-  poes.  rel.-p.  119)  folgte  dem  Einendes,  Welcher, 

raos  und  der  Polyboia,  Diod.  4,  68.    [Stoll.]  a.  a.  0.  1,  110.     Bibbeck,  Rom.  Trag.  S.  94  ff. 

Iphias  ('lepidg),  1)  eine  alte  Priesterin  der  Bildwerke:  Overbeck,  Pompeji  527  (pompe- 
Artemis  zu  Iolkos,  in  der  Argonautensage  ge-  janisches  Wandgemälde,  Nachbildung  des  be- 
nannt, Ap.  Rh,  1,  312.     Vgl.  Röscher,  Selene  rühmten  Bildes   des  Timanthes  von  Kythnos). 


299 


Iphigeneia 


Müller,  Handb.  d.  Arch.  §  415,  1.  0.  Jahn, 
Arch.  Beitr.  378  ff.  Overbech,  Galt.  314  ff. 
Brunn,  Urne  Etr.  t.  35  ff.  Schlie,  Troischer 
Sagenkreis  60  ff.  Prellet;  Gr.  Myth.  2,  419  f. 
Baumeister,  D.  d.  hl.  Altert.  S.  754ff.  Manche 
behaupteten,  Iphigeneia  sei  nicht  in  Aulis, 
sondern  zu  Brauron  in  Attika  von  Agamemnon 
geopfert  worden,  und  ein  Bär,  nicht  ein  Hirsch, 
sei  statt  ihrer  getötet  worden.  Schal.  Aristoph. 


Iphigeneia  300 

ant.  Sarkophagrel.  2,  Berlin  1890,  S.  177  ff., 
Taf.  57 ff.,  s.  Orestes.  Sophokles  hat  die  Ge- 
schichte der  Flucht  der  Iphigeneia  in  eigentüm- 
licher Umbildung  behandelt  in  seinem  Chryses, 
den  Pacuvius  überarbeitete,  Naeke,  Opusc.  1,  91. 
Welcher,  Gr.  Tr.  1,  210.  Bibbeck.  trag.  lat.  rel. 
p.  71.  284.  TJeis.,  Böm.  Trag.  248 ff  Den  Inhalt 
giebt  Hyg.  f.  121 :  Orestes  kommtmit  Iphigeneia 
und    dem    geraubten   Bilde    der   Artemis   von 


' Lysistr.  645.  Iphigeneia  ward  bei  dem  Opfer  10  Taurien  zu  der  troischen  Insel  Sminthos  (oder 
von  Artemis  in  einen  Bären  oder  einen  Stier,  Stadt  Sminthe)  zu  dem  Apollonpriester  Chryses, 
oder    ein  Rind,   oder  in   ein  altes  Weib  ver-       dem  Sohn  des  Agamemnon  und  der  Chryse'is 

(Astynome),  also 
Enkel  des  homeri- 
schen Chryses  (vgl. 
Hyg.  f.  120).  Der 
beraubte  taurische 
König  Thoas  ist 
den  Flüchtigen  ge- 
folgt und  verlangt 
von  Chryses  ihre 
Auslieferung.  Als 
Chryses  dazu  be- 
reit ist,  offenbart 
der  ältere  Chryses, 
dafs  Iphigeneia  u. 
Orestes  Kinder  des 
Agamemnon  u.  Ge- 
schwister des  Chry- 
ses sind ,  worauf 
dieser  mit  Orestes 
den  Thoas  tötet. 
Orest  und  Iphige- 
neia kommen  mit 
demBilde  der  Arte- 
mis glücklich  nach 
Mykenai.  Nach 
Tzetz. £.183  waren 
Iphigeneia  u.  Chry- 
ses Kinder  d.  Aga- 
memnon und  der 
Chryse'is.  Auf  der 
Rückfahrt  d.  Grie- 
chen nach  Trojas 
Zerstörung  starb 
Chryses  zu  Chryso- 
polis  in  Bithynien, 
Byzanz  gegenüber; 
Iphig.  aber  wurde 
von  Tauroskythen 
geraubt  u.  in  Tau- 
rien zur  Priesterin 
der   Artemis    oder 


Iphigeneias  Opferung;  anwesend  Agamemnon  und  Kalchas,  pompej.  Wandgemälde  (nach  Mus 
Horb.  4,  3  =  Baumeister.  Denkm.  S.  755  Fig.  S07). 


wandelt  nach  Ant.  Lib.  27.  Tzetz.  L.  183.  194. 
—  In  Taurien  versah  Iphigeneia  viele  Jahre 
lang  "den  grausamen  Dienst  der  Artemis,  in- 
dem sie  die  Fremden,  die  an  der  Küste  Schiff- 
bruch gelitten,  der  Göttin  opfern  mufste  {Tzetz. 
L.  194.  Diod.  4,  44),  bis  sie  endlich  mit  ihrem 


Selene  gemacht.  Die  Chrysopoliten  leiteten 
von  diesem  Chryses  den  Namen  ihrer  Stadt 
her,  Steph.  B.  v.  XQvaonoln;,  oder  von  Chryse, 
der  Tochter  des  Agamemnon  und  der  Chry- 
se'is, der  Schwester  der  Iphigeneia,  Et.  M. 
v.   Ä'QvconoXig.     Müller,   Dorier  1,  384  f.    Ger- 


Bruder  Orestes,  der  im  Auftrag  des  delphischen  60  liard,  Gr.  Myth.  1  §  345,  8.    —  Das  Bild  der 


Gottes  das  dort  vom  Himmel  gefallene  Bild 
der  Artemis  holen  sollte,  entfloh  und  mit  dem 
geraubten  Bilde  nach  Griechenland  zurück- 
kehrte, Eurip.  Iph.  Taur.  vgl.  Hyg.  f.  120-  122. 
Kaevius,  Iphig.  vgl.  Bibbeck  a.  a.  O.  S.  50  f. 
Tzetz.  L.  1374.  Bildwerke:  Müller,  Handb.  d. 
Arch.  416,  2.  Ocerbeck  u.  Baumeister  a.  a.  0. 
Die   Sarkophagreliefs  jetzt  bei  C.  Bobert,  D. 


Artemis  brachten  Iphigeneia  und  Orestes  nach 
Lakonieu,  wo  es  zu  Sparta  im  Tempel  der  Ar- 
temis Orthia  oder  Orthosia  stand,  Paus.  3, 16,  6. 
Nach  Servius  war  Orestes  König  in  Sparta  und 
heiratete,  ein  Sohn  des  Menelaos  und  der 
Helena,  die  Iphigeneia,  Serr.  V.  A.  11,  267. 
Auch  nach  Argos,  wo  ebenfalls  ein  solches 
Bild  der  Artemis  war,  soll  Iphigeneia  gekommen 


301 


Iplrigeneia 


Ipkigeneia 


302 


sein,  Paus.  1,  33,  1.  Zu  Megara  soll  sie  ge- 
storben sein,  auch  sie  hatte  dort  ein  Heroon, 
Paus.  1, 43, 1.  Die  Athener  behaupteten,  dafs 
Orest  und  Iphigeneia  nach  Halai  Araphenides 


Euphorion,  Alexander  Aitolos  b.  Paus.  2,  22,  7 
zeugte  Theseus  mit  der  von  ihm  geraubten 
Helena  die  Iphigeneia;  nachdem  Helena  von 
ihren    Brüdern    aus    Aphidna    befreit   worden 


Bruchstück  eines  Sarkophagreliefs  iu  Yüla  Albani:  Iphigeneia,  Orestes  und  Pylades  (vgl.  C.Robert,  Die 
ant.  Sarkophagreliefs  2  Tal  57  nr.  1CS  und  Text  S.  179  ff.,  sowie  Zoega,  Bass-iril.  2  tav.  56). 


bei  Brauron  an  der  attischen  Ostküste  gekommen 
und  dort  einen  Tempel  der  Artemis  Taurike 
oder  Tauropolos  gestiftet  hätten,  in  welchem 
das  taurische  Bild  derselben  aufgestellt  ward  u. 
Iphigeneia  Priester- 
dienste verrichtete ; 
dort  sei  sie  gestorben 
und  begraben,  und 
man  brachte  ihr  als 
Weihgeschenke  die 
Gewänder  der  in  Ein- 
desnöten verstorbe- 
nen Frauen  dar,  Eur. 
Iph.  T.  1446  ff.  Strab. 
8,  399.  Eallim.  Bian. 
173.  Paus.  1,  23,  9. 
1,  33,  1.  Ptol  3,  15, 
8.  Hermann,  Gottes- 
dienstl.  Altert.  §  62, 
9  ff.  Bursian,  Geogr. 
1,  349.  Pretter,  Gr. 
Myth.  1,251,2.  —  Eu- 
phorion nannte  Brau- 
ron ein  leeres  Grab 
der  Iphigeneia,  Schot. 
Aristoph.  Bys.  645, 
vgl.  Nonn.  Bion.  186. 
Auch  an  Orten  aufser- 
halb  Griechenlands, 
wo  sich  Kulte  von 
Göttinnen  fanatischen 
Charakters  fanden, 
wurden  diese  auf  Stif- 
tungen der  Iphigeneia  und  des  Orestes  zurück- 
geführt, wie  in  Kappadokien  zu  Komana  der  der 
syrischen  Enyo,  Strab.  12,  535.  Müller,  Bor.  1, 
385,5.  Preller,Gr.  Myt7l.l,2hl.  —  Von  Brauron 
aus  wurde  Iphigeneia  in  die  attische  Genealogie 
eingereiht,  indem  man  sie  zur  Tochter  d.  Theseus 
machte,  Müller,  Bor.  1,  382.    Nach  Stesiclwros, 


war,  gebar  sie  das  Kind  in  Argos  und  übergab 

lo  es    der    schon    mit    Agamemnon    vermählten 

Klytaimnestra,    die    es    wie    ihr    eignes    Kind 

aufzog,  vgl.  Buris  b.  Tzetz.  B.  103.  143.  183. 


Iphigeneia  (iu  Tauris)  ühergiebt  dem  Pylades  den  Brief;  anwesend  Orestes,  ein  Satyr, 

Artemis  und  eine  Opferdienerin,  apulisches  Vasengemälde  (nach  Arch.  Zeit.  1849  Tat.  12 

=  Baumeister,  D.  S.  757  Fig.  808). 

851.  Ant.  Eib.  27.  Schol.  IL  13,  626.  Et.  M. 
v.  'Itpig.  Helena  baute  wegen  ihrer  glücklichen 
Entbindung  zu  Argos  einen  Tempel,  der  in  der 
Nähe  des  Tempels  der  Dioskuren  und  des  der 
Hekate  stand,  Paus.  a.  a.  0.  —  Hesiod  sagte,  dafs 
Iphigeneia  nicht  gestorben,  sondern  nach  dem 
Willen  der  Artemis  zur  Hekate  geworden  sei, 


303 


Iphigeneia 


Ipbigeneia 


304 


und  damit  stimmten  die  Kyprien  a.  a.  0.  über- 
ein;  auch  Herodot,  nach  welchem  die  Taurier 
die    Schiffbrüchigen    einer  Jungfrau  '  opferten, 
welche  für  die  vergötterte  Ipbigeneia  gehalten 
wurde,  Paus.  1,  43,  1.  Herodot  4,  103.    Philod. 
n.  £va.  52  a.     Nach  Ant.  Lib.  27    wurde  Iphi- 
geneia von  Artemis  mit   Unsterblichkeit  und 
ewiger  Jugend  begabt  und  unter  dem  Namen 
'OQ6ilo%ia    ('OgaiXixr]    Weitermann,     Mythogr. 
10  p.  201,  9)  nach  der  Insel  Leuke  im  Pontus  ge- 
bracht, wo  sie  Gemahlin  des  Achilleus  wurde, 
s.  d.  Art.  Achilleus,  Ammian  22,  8,  34f.   Maoß, 
Index  Scliol  GryjihiswalJ.  1890  S.  19,  Preller, 
Gr.  Mytli.    2,  438,  3.     Gerhard,    Gr.  Myth.  2 
§  8S9.     Auch    während    ihres    irdischen    Le- 
bens  war  Iphigeneia  schon  mit  Achilleus  zu- 
sammengebracht worden.    Nach  des  Euripides 
Iph.  Aul.  war  sie  unter  dem  Vorwande,   mit 
Achilleus  vermählt  zu  werden,  nach  Aulis  ge- 
20  bracht    worden.      Dunach    erzählten    manche, 
Achilleus    habe    mit    Ipbigeneia    den  Neopto- 
lemos  erzeugt;  nach  Duris  hatte  er  die  Iphige- 
neia (von  Aulis^   nach   Skyros   entführt,   oder 
er     brachte     den     mit     Iphigeneia     erzeugten 
Neoptolemos  nach   der  Opferung   der  Iphige- 
neia nach  Skvros  und  übergab  ihn  der  De'ida- 
meia,    Tzete.   L.    183,   vgl.    323.      Schol.   und 
Eustath.   zu  IL   19,   326.     Achilleus    soll    der 
ihm  verlobten  Ipbigeneia,   als   sie    von  Aulis 
30  nach  Skythien  gebracht  worden  war,   dorthin 
gefolgt   sein  und  lange   dort  verweilt  haben; 
der  'A%CXXcios  dgotiog   (Laufbahn  des  A.),    eine 
Landzunge    am    kimmerischen    Bosporos,    um 
welche   er,   die  Ipbigeneia  suchend,   gelaufen, 
hatte  davon  den  Namen,  Eustath.  zu  Dionys. 
P.  306.  —  Ipbigeneia  war  ursprünglich  Arte- 
mis selbst,  die  den  Beinamen  Iphigeneia  hatte, 
wie  z.  B.  zu  Hermione,  Paus.  2,  25,  2.  Hesych. 
v.  'itptysvsta,   zu  Aigeira  in  Achaia,    Paus.  7, 
40  26,    3.      Diese     uralte    Mondgöttin     ist    die- 
selbe,   welche    zu  Sparta    unter    dem   Namen 
Orthia,     Orthosia,     zu   Brauron    als    Aithopia 
(Mondgöttin,   Kallim.  fr.  417  Bentl.    Welcher, 
Gr.    Götterl.    1,    571,    Selene    Tzetz.    L.   183. 
Anteil.  201)  und  an  den  genannten  Orten,  die 
von  dem  Mythus  der  Iphigeneia  berührt  wer- 
den,  zu  Argos,  Megara,   Aulis  verehrt  wurde 
und    auch    mit   ausländischen   Göttinnen   ähn- 
lichen    Charakters     identificiert    worden    ist, 
50  namentlich  mit  der  von  den  Skythen  in  Tauiis 
verehrteu  Göttin,  welche  Tavgiy.rj,  Tcivgoi,  auch 
TavQonöXos    und    Hekate    genannt    ward,    ur- 
sprünglich   aber    den    einfachen   Namen   Tlag- 
divog   hatte,    Herodot  4,  103.     Strab.  7,  308. 
Dies  Tauris  wurde,  seitdem  die  in  Byzanz  und 
an  den  pontischen  Küsten  angesiedelten  Hel- 
lenen den  Kult  jener  skythischen  Göttin  kennen 
gelernt,   angesehen  als  der  Ort,   wohin  Ipbi- 
geneia entrückt  ward,  während  man  in  ältester 
60  Zeit   an  Lemnos,   wo   ein  ähnlicher  Kult  be- 
stand (Müller,  Orch.  311.  Bor.  1,  3S4),  oder  nur 
ganz  allgemein  an  den  hyperboreischen  Norden 
(Preller,  Gr.  31.  1,  251)  gedacht  haben  mag. 
Die  Artemis  Iphigeneia  oder   Orthia  hatte  in 
alter   Zeit,    wo   die  humane   Sitte   noch  nicht 
mildernd  eingewirkt,   einen  wild   aufgeregten, 
mit  Menschenopfern    verbundenen   Kult,    und 
als  nun  Iphigeneia  als  Heroine  von  der  Göttin 


305 


Iphigone 


Iphiklos 


306 


getrennt  wurde,  ward  sie  einerseits  eine  Jung- 
frau, die  man  der  Göttin  opferte,  andererseits 
eine  ihr  dienende  Priesterin,  die  ihr  Menschen- 
opfer schlachtete;  vgl.  d.  Art.  Artemis;  Müller, 
Bor.  1,  381  ff.  Orch.  310ff.  Boeclch,  G.  I.  2  p.  89. 
Deimling,  Beleger  160  ff-    Welcher,  Gr.  Götterl. 

1,  571  ff.  587  f.  Lauer,  System  293.  296.  Preller, 
Gr.  Myth.  1,  250  ff.  Gerhard,  Gr.  Myth.  1 
§  330,  4.  342,  2—4.  345,  7.  8.  Wilamcwitz  im 
Hermes  18.  Bd.  2.  Hft.  (1883)  p.  249  —  263. 
Riegel,  Beil.  z.  Allg.  Ztg.  1890  Nr.  105/6.  S. 
auch  d.  Art.  Iphias.     [Stoll.] 

Iphigone  =  Iphigeneia  (s.  d.). 

Iphikles  ('icpiy.Xfig,  bisweilen  auch  "icpmlos, 
Apollod.  2,  7,  3.  Biod.  4,  33  f.):  1)  Sohn  der 
Alkmene  und  des  Amphitryon,  in 
Theben  geboren,  Zwillingsbruder  des 
Herakles,  Apollod.  2,  4,  8.  Pherekyd. 
b.  Schol.  Od.  11,  266.  Schol.  II.  14, 
323.  Tzetz.  L.  33,  s.  Alkmene  und 
Herakles.  Dem  Herakles,  dem  Zeus- 
sohn, stand  er  sehr  nach  an  Kraft 
und  Mut,  Hesiod.  Sc.  48  ff.  87  ff.  Der 
Unterschied  der  Brüder  zeigte  sich 
schon,  als  Hera  die  Schlangen  ins 
Lager  der  Knaben  schickte,  um  den 
Herakles  zu  verderben;  während 
dieser  die  Schlangen  mutig  erwürgte, 
floh  Iphikles  furchtsam  davon,  Apol- 
lod. 2,  4,  8.  Theökrit.  Id.  24,  s.  Hera- 
kles.  Bildwerke:  Preller,  Gr.  Myth. 

2,  178,  2    [Goldstater   von   Kyzikos, 
Waddington,  Bev.  num.  1863  p.  234 
bis  235,  PL  10,  6.     Drexler].     Aber 
Iphikles  war  doch  ein  tapferer  Krie- 
ger;   er    zeichnete    sich   ans   in  der 
Schlacht  des  Herakles  und  der  The- 
baner  gegen  Erginos  und  die  Orcho- 
menier,  weshalb  ihm  der  thebanische 
König  Kreon  seine  jüngere  Tochter 
zum  Weibe  gab,  während  Herakles 
die  ältere,  Megara,  erhielt.     Vorher 
hatte  Iphikles  die  Tochter  des  Alka- 
thoos,  Automedusa,  zum  Weibe  ge- 
habt, die  ihm  den  Iolaos,  den  tapferen 
Freund  und  Genossen  des  Herakles, 
geboren,  Apollod.  2,  4,  11  f.    Als  He- 
rakles   im    Wahnsinn    seine    eignen 
Kinder  tötete,  mordete  er  auch  zwei 
Kinder   des  Iphikles;  aber  den  älte- 
sten,   Iolaos,    und  die  Megara,    rettete  Iphi- 
kles,   der    selbst   von  Athene    gerettet   ward, 
Apollod.  2,  4,  12.    Tzetz.  L.  38.  Schol  Od.  11, 
269.    Nikol  Dam.  fr.  20  (Müller,  fr.  hist.  gr. 
3   p.  369).     Darauf   trat    er    mit  Herakles    in 
den   Dienst    des    Eurystheus,    der    ihn   selbst 
freundlich   aufnahm,   dem   Herakles   aber  von 
vornherein  feindselig  gesinnt  war,  Nikol.  Dam. 
a.  a.  0.     Nach   Hesiod.    Scut.   89  ff.    dagegen 
verliefs  er,   während  Herakles  und  Iolao 


er  fiel,  Diod.  4,  33  f.  Apollod.  2,  7,  3.  Oder 
er  wurde  in  der  Schlacht  gegen  die  fürAugeias 
kämpfenden  Molioniden  verwundet,  nach  Phe- 
neos  gebracht,  von  Buphagos  und  Promne  ge- 
pflegt, starb  aber  daselbst  und  erhielt  Heroon 
und  Verehrung,  Paus.  8,  14,  6.  [Stoll.]  — 
2)  Vater  der  lope  (s.  d.). 

Iphiklos  ("/qpijdos),  1)  Sohn  des  Phylakos 
aus  Phylake  in  Thessalien,  als  Vater  des 
lo  Protesilaos  und  Podarkes  genannt  bei  Hom. 
B  704  ff.  N  698  (Herod.  9,  116).  Seine  Mutter 
ist  Klymene,  die  Tochter  des  Minyas,  nach 
Schol  Od.  I  326  (vgl.  Eustath.  z.  d.  St.  p.  1689), 
Apoll.  Eh.  1,  45  f.  und  Schol,  Hyg.  f.  14  p.  44, 
18  Seh.  (Clymene  für  Periclymene  coni.).     Bei 


Herakles  und  IphiUles  als  Kinder;  anwesend:  Alkmene,  Amphitryon  u. 
Padagog,  Wandgemälde  (vgl.  Roitx  u.  Barn: ,  Hercul.  u.  Fomp.  2  Taf.  9). 


Theben  aus  gegen  Kyknos  zogen,  seine  Familie 
und  seine  Eltern,  um  dem  Eurystheus  zu 
dienen,  was  er  seufzend  bereute.  Iphikles 
war  kalyd.oni8ch.er  Jäger,  Apollod.  1,  8,  2  und 
zog  mit  Herakles  gegen  Troja,  Diod.  4,  48.  Er 
zog  mit  dem  aus  Tiryns  vertriebenen  Herakles 
nachj  Pheneos  in  Arkadien,  von  da  in  den 
Kampf  gegen  die  Hippokoontiden,  in  welchem 


Paus.  10, 29, 6  (Fragment  der Nosten  4)  wird  Iphi- 
klos der  Sohn  der  Klymene  und  des  Kepha- 
los,  des  Sohnes  des  Dion,  genannt:  hier  ist 
Kephalos  mit  Phylakos,  der  ebenfalls  ein  Sohn 
des  Deion  heilst,  verwechselt;  nur  an  dieser 
Stelle  ist  überliefert,  dafs  Kephalos,  der  Gatte 
der  Prokris  in  zweiter  Ehe  mit  Klymene  ver- 
mählt gewesen  sei.  Bei  Eustath.  zu  Hom. 
B  693  p.  323,  41  werden  zwischen  Phylakos, 
von  60  dem  Gründer  von  Phylake,  und  Iphiklos,  dem 


Vater  des  Protesilaos  und  Podarkes,  ein  erster 
Iphiklos  und  ein  zweiter  Phylakos  einge- 
schoben. Schol  Q  zu  Od.  I  290  (Dind.):  Iphi- 
klos, Sohn  des  Herakles (?).  —  Seine  Gemahlin 
war  Astyoche  nach  Eust.  zu  Hom.  B  693 
p.  323  (Hyg.  f.  103  p.  95,  5:  Diomedeae  ver- 
dorben und  irrtümlich).  Als  Bruder  der  Alki- 
mede  ist  Iphiklos  Oheim  des  Argonauten  Iason 


307  Iphiklos  Iphiniedeia  308 

nach  Apollon.  Rh.  1,  46.  —  Bei  Hom.  B  705  den  Eber  zuerst  getroffen  habe.  —  Zu  den 
heifst  er  nolvfirjXog;  die  Rinder  des  Iphiklos  Ai-gonauten  wird  Iphiklos  gezählt  von  Ap. 
oder  seines  Vaters  Phylakos  bilden  den  Gegen-  Rh.  1,  201  (aus  ihm  Orph.  161.  Hyg.  f.  14 
stand  einer  Sage,  die  sich  bei  Hom.  X  289  ff.  p.  47,  9.  Vdl.  Fl.  1,  370,  wenn  nicht  Iphitus 
angedeutet  findet,  in  der  hesiodischen  Melam-  et  frater  zu  lesen  ist)  und  Apollod.  1,  9, 16.  — 
podie  ausgeführt  war  (ein  Fragm.  daraus  bei  3)  Iphiklos  für  Iphikles  (Bruder  des  Herakles) 
Athen.  9  p.  498  b  nr.  194  Rz.,  auch  in  den  bei  Biod.  4,  33,  6.  Apollod.  2,  7,  3.  Diod.  4, 
grofsen  Eoien,  fr.  168  aus  Schol,  Ap.  Eh.  1, 118)  :  34,  1.  49,  3.  [Seeliger.]  —  4)  Ein  Sohn  des 
und  nach  Pherelcydes  (fr.  75)  mit  kleinen  Va-  Idomeneus  von  Kreta,  welchen  Leukos,  der 
rianten  erzählt  wird  von  Schol.  Od.  I  287.  290  10  Sohn  des  Talos,  während  Idomeneus  vor  Troja 
(Eustath.  p.  1685).  Schol.  Theokr.  3, 43.  Apollod.  abwesend  war,  tötete,  um  sich  der  Herr- 
1,  9,  12  (vgl.  Eobert,  de  Apollodori  bibl.  p.  39 f.)  schaft  zu  bemächtigen,  Tzetz.  L.  1218.  — 
und  von  Paus.  4, 26,  2  ff.  10,  31, 10.  Danach  wird  1  5)  Ein  griechischer  (dorischer)  Anführer,  der, 
die  durch  einen  unglücklichen  Zufall  bewirkte  nachdem  die  Phöniker  schon  die  ganze  Insel 
Unfruchtbarkeit  des  Iphiklos  durch  den  Rat  Rhodos  verloren,  den  noch  in  der  Burg  von 
des  beim  Rinderdiebstahl  ertappten  und  ge-  lalysos,  Achaia,  sitzenden  Phöniker  Phalan- 
fangen gehaltenen  Melampus  (s.  daselbst)  ge-  thos  belagerte.  Phalanthos  hatte  den  Orakel- 
heilt. Über  diese  eigentümliche  Sage ,  in  spruch,  er  werde  im  Besitz  der  Festung  bleiben, 
welcher  der  Eichbaum  den  Doppelgänger  des  solange  nicht  die  Raben  weifs  geworden  und 
Iphiklos  spielt,  siehe  W.  Mannhardt ,  Antike  20  in  dem  Wasser  der  Mischkrüge  der  Belagerten 
Wald-  und  Feldkulte  S.  30 f.  Sprichwörtlich  sich  nicht  Fische  zeigten,  und  war  guten 
war  ferner  die  Schnelligkeit  des  Iphiklos  (vgl.  Mutes.  Iphiklos  aber,  der  das  Orakel  erfahren, 
den  Namen  seines  Sohnes  Podarkes  und  Hom.  veranlafste  den  ungetreuen  Diener  des  Phalan- 
W  636);  es  hiefs,  dafs  er  über  ein  Ährenfeld  thos,  Fische  in  den  Mischkrug  desselben  zu 
laufen  könne,  ohne  die  Halme  zu  knicken,  bringen,  und  liefs  Raben  fliegen,  die  er  mit 
Hesiod,  bei  Eustath.  zu  11.  B  693  p.  323  (fr.  143  Gips  weifs  angestrichen  hatte.  Jetzt  verlor 
Bz.);  vgl.  Schol.  Od.  11,  325.  Eust.  zu  II.  T  227  Phalanthos  das  Vertrauen  und  bat  um  freien 
p.  1281  und  zu  Od.  I  325  p.  1689.  Schol.  Ap.  Abzug.  Beim  Abzug  verhinderte  Iphiklos  die 
Eh.  1,  45  (mit  einem  Citat  des  Demaratos,  fr.  5  Phöniker  auch,  List  gegen  List  setzend,  ihre 
ed.  Müller,  wonach  er  auf  dem  Meere  laufen  30  Schätze  mitzunehmen.  So  ging  die  Herrschaft 
konnte;  vgl.  Norm.  Hionys.  28,  284 f.;  dasselbe  der  Insel  an  die  Griechen  über,  Ergias  v.  Eho- 
gilt  von  dem  Argonauten  Euphemos  Apollon.  dos  b.  Athen.  8,  360  e.  Nach  der  ebendaselbst 
Rh.  1,1 82  ff.).  Auf  der  sog.  Kypseloslade  war  mitgeteilten  Sage  des  Rhodiers  Polyzelos  hiefs 
Iphiklos  unter  den  Wettläufern  bei  den  Leichen-  der  Phöniker  Phakas  (Phalas?),  und  seine 
spielen  des  Pelias  dargestellt,  wie  ihm  Akastos  Tochter  Dorkia  schaffte  aus  Liebe  zu  Iphiklos 
den  Siegerkranz  darreicht,  Paus.  5,  17,  10.  die  Fische  in  den  Miscbkrug  des  Vaters  und 
Vielleicht  ist  es  derselbe  Iphiklos,  den  die  liefs  weifs  angestrichene  Raben  fliegen,  Movers, 
schnelle  Läuferin  Harpalyke  (siehe  Harpalyke  Phönizier  2,  2,  219  ff.  Huncker,  Gesch.  d. 
nr.  3)  liebte  (Athen.  14,  619e).    Als  Enkel  des  Altert.  3,  225  *      [StolL] 

Minyas  zählt  er  zu   den  Argonauten  bei  Ap.  40      Iphiloche  ('lq}ilö%rj),  Tochter  des  Spartaners 

Eh.  1,  45   (aus  ihm  Orph.  140.    Val.  Flacc.  1,  Alektor,    welche    dem    Sohne    des    Menelaos 

473.    Hyg.  f.  14  p.  44,  12  Seh.),  dagegen  fehlt  Megapenthes    zur    Gemahlin    gegeben    ward, 

sein  Name  im  Verzeichnis  des  Apollod.  1,  9,  Andre  naunten  sie  Echemela,  Schol.  Od.  4,  10. 
16,  wozu  vergl.  Schol.  Ap.  Eh.  1,  45,   wonach  [StolL] 

weder    Homer   noch   Hesiod  noch   Pherekydes  Ipliimachos  (ltf(ya%os),  Hirte  des  lemnischen 

Iphiklos  einen  Argonauten  genannt  habe;  über  Königs  Aktor,  Sohn  des  Dolopion;  er  ernährte 

diese   Stelle   vgl.  Hiller  im  Rhein.  Mus.  1887  den  auf  Lemnos  ausgesetzten  Philoktetes,  Hyg. 

S.  344  und  Jessen.  Prolegomena  in  Catalogum  f.  102.     [StolL] 

Argonautarum  (Berl.  Diss.  1889)  p.  7  f.  —  Iphimedeia  ('Icpiusäsia ,  auch  'Icpifieäri), 
2)  Sohn  des  Thestios  aus  dem  aitolischen  so  Tochter  des  Triops,  Gemahlin  des  Aloeus,  von 
Pleuron,  Bruder  der  Althaia  und  Oheim  des  Aloeus  oder  Poseidon  Mutter  de3  Otos  und 
Meleagros:  Ap.  Rh.  1,  201.  199.  Schol.  Ap.  Eh.  Ephialtes,  der  Aloaden.  Sie  liebte  den  Posei- 
1,  201,  wo  Deiadameia,  die  Tochter  des  Pe-  don,  wandelte  deshalb  oft  zum  Meere  und 
rieres,  als  Mutter  genannt  wird,  während  nach  schöpfte  die  Wogen  in  ihren  Busen.  So  er- 
Schol.  Ap.  Eh.  1,  146  Pherekydes  (fr.  29)  die  zeugte  Poseidon  mit  ihr  die  Aloaden,  Od.  11, 
Mutter  der  Althaia  Laophonte*  die  Tochter  des  304.  Find.  Pyth.  4,  89  (156)  u.  Schol.  Apollod. 
Pleuron  (Apollod,  1,  7,  7),  nannte;  bei  Apollod,  1,  7,  4.  Schol.  Ap.  Eh.  1,  482.  Schol.  II.  5, 
1,  7,  10  heifst  sie  Eurythemis,  bei  Hyg.  f.  14  385.  Hyg.  f.  28.  Nach  Eratosthenes  b.  Schol. 
p.  47, 9  Sch.  Leucippe.  Nur  im  Schol.  IL  9, 567  Ap.  Rh.  a.  a.  O.  waren  die  Aloaden  Erd- 
wird er  namentlich  als  einer  der  vom  Melea-  60  geborene  und  wurden  von  Iphimedeia  aufge- 
gros  getöteten  Brüder  bezeichnet  (Diod.  4,  34  zogen.  Als  Iphimedeia  mit  ihrer  Tochter  Pan- 
und  Apollod.  1,  S,  2  sagen  allgemein  naCäsg  kratis  (Pankratö)  auf  dem  Berge  Drios  im 
f)tGTi'ov;  andere,  nicht  Iphiklos,  werden  nament-  phthiotischen  Achaia  die  Orgien  des  Dionysos 
lieh  aufgeführt  bei  Ov.  Met.  8, 440 f.  Hyg.  f.  173  feierte,  wurden  beide  von  thrakischen  See- 
p.  28,  18  Sch.  f.  244  p.  136,  20).  In  einer  ab-  räubern  der  Insel  Strongyle  (später  Naxos) 
weichenden  Überlieferung  bei  Apollod,  1,  8,  3  (ot  geraubt  und  nach  Strongyle  gebracht,  wo  der 
äs  rpaeiv)  wird  er  als  derjenige  Thestiade  be-  Köuig  Agassamenos  die  Iphimedeia  eiuem 
zeichnet,  der  nach  der  Behauptung  der  Brüder  Freunde  zur  Ehe  gab  und  selbst  die  Pankratis 


309                       Iphiniedon  Iphitos                          310 

heiratete.      Die    beiden    Räuber    (Skellis    und  (mit  anderen  Namen  dieselbe   Geschichte  bei 

Kassamenos  oder  Sikelos  und  Heketoros)  hatten  Nikander,  Ant.  Lib.  17).  [Seeliger.]  —  [4)  Ein 

sich    vorher    im   Streit    um    Pankratis    gegen-  Jüngling    in    Kypros    von    niederer    Herkunft, 

seitig  getötet.     Die  Aloaden,  von  Aloeus  aus-  dessen  Liebe  zu  einer  vornehmen  Jungfrau  aus 

geschickt,    die    Geraubte    zu    suchen,    kamen  dem  Geschlecht  des  Tenkros,  Anaxarete  (s.d.), 

nach  Naxos,   besiegten   die   dortigen  Thraker  zurückgewiesen  wurde.     Er  erhängte  sich  an 

und   bemächtigten  sich  der  Herrschaft,    Diod.  ihrer  Thür.     Als  Anaxarete   aus   dem   Fenster 

5,  50  f.  Parthen.  19.  Das  Grab  der  Iphimedeia  ihres  Hauses  auf  die  vorübergetragene  Leiche 
und  ihrer  Söhne  wurde  in  Anthedon  gezeigt,  des  Iphis  mit  kaltem  Stolze  herabsah,  ward 
Paus.  9,  22,  5.  Verehrt  wurde  sie  zu  My-  10  sie  von  Aphrodite  in  Stein  verwandelt.  Ihr 
lasia  in  Karien.  In  der  Lesche  zu  Delphi  war  Bild  stand  in  Salamis  auf  Kypros  im  Tempel 
sie  von  Polygnot  gemalt,  Paus.  10,  28,  4.  [StolL]  der    vorschauenden    Aphrodite,    Ov.    Met.    14, 

Iphimedon  ('itpipidav),  Sohn  des  Eurystheus,  698  ff.    Vgl.  Anton.  Lib.  39,  wo  der  Jüngling 

in  dem  Krieg  seines  Vaters  gegen  die  Athener  Arkeophon,  die  Jungfrau  Arsinoe  heifst.  [StolL] 

gefallen,  Apollod.  2,  8,  1.     [StolL]  Iphis,  iilis,   fem.   ('itpig ,   tos),    1)  eine  der 

Iphimediisa    (Icpifitäovaa) ,    eine    Danaide,  Töchter   des   Thespios,    von  Herakles   Mutter 

verlobt  mit  dem  Aigyptiden  Euchenor,  Apollod.  des  Keleustanor,   Apollod.  2,  7,  8.   —   2)   Ge- 

2,  1,  5.     [StolL]  liebte  des  Patroklos  vor  Troja,  eine  Gefangene 

Iphinoe  ('lepivorj),  1)  Tochter  des  Proitos,  aus    Skyros;    in    der    Lesche    zu    Delphi    von 

Apollod.  2,  2,  2,  s.  Proitos.  —  2)  Gemahlin  des  20  Polygnot  gemalt,  11.  9,  667.    Paus.  10,  25,  2. 

Metion,   Mutter  des  Daidalos,  Schol.  Sopll.  Philostr.    Her.    10,    10.      Arch.   Ztg.    39,   141. 

Oed.  Col.  468.  —   3)  Gemahlin  des  Antaios,  Neapler  Vase  nr.  3254.  —  3)  Tochter  des  Pe- 

Pherck.fr.  33 6  im  Etym.  M.  679,51  und  Tzetz.  neios,   Gemahlin  des  Aiolos,  Mutter  des  Sal- 

Lyk.  663.     Nachdem    Herakles   den   Antaios  moueus,   Hellanikos  b.  Schol.  Plat.  p.  376.  — 

niedergerungen,  zeugt  er  mit  Iphinoe  den  Po-  4)  Tochter  des  Ligdos  und  der  Telethusa,  aus 

lemon  (Palaimon  Tzetz.).    Vgl.  auch  Apollod.  Phaistos  in  Kreta,  von  der  Mutter  als  Knabe 

2,  7,  8.   Arch.  Ztg.  7,  79,  4.  —  4)  Tochter  des  aufgezogen,    weil    der  Vater   vor  der  Geburt 

Niso6,  Gemahlin  des  Megareus,  des  Sohnes  befohlen  hatte,  das  Kind,  wenn  es  ein  Mädchen 

des  Poseidon,  Paus.  1,  39,  6.  —  5)  Tochter  des  sei,  zu  töten.  Der  Ianthe  verlobt,  wird  sie  durch 

Aktor,   Schwester   des  Eetion,   Schol.  II.  1,  30  die  Huld  der  Isis  m  einen  Jüngling  verwandelt, 

18    u.    366.    —    (>)   Tochter    des   Alkathoos  Ov.  Met.  9,  666  ff.     Vgl.  Galateia.  —  5)  Iphis, 

(s.  d.),   Paus.  1,  43,  4.    —    7)    Eine    von    den  abgekürzter  Name  für  Iphigeneia,  Iphianassa, 

lemnischen  Frauen,  welche  die  Argonauten  in  Tzetz.  L.  323.  324.  Et.  M.  v.  "Jficpig.   [StolL] 

Lemnos  aufnahmen,  nachdem  sie  ihre  eigenen  Iphistios  (Ycptorios) ,  ein  athenischer  Heros, 

Männer  gemordet  (s.  Argonauten  Bd.  1  Sp.  503  ff.  nach    welchem    der  Demos   'Itpiauddai    (auch 

und  Thoas).     [Bernhard.]  'HtpaiGriddai)  benannt  war,  Hesych.  s.v.  [StolL] 

Iphinome  ('Icpivourj),  Amazone,  Hygin.  fab.  Iphitides   ('icpiziSrjg)    heifst   Archeptolemos 

163.     [Klügmann.]  (nach  Zenodot    im  schol.   II.  8,    158   Erasipto- 

Iphinoos    ('icpivoog),    1)    Sohn    des    Dexios,  lemos),  der  Wagenlenker  des  Hektor,  Hom.  IL 

vor  Troja  von  Glaukos  erlegt,  IL  7,  14,   vgl.  40  8,  128.     [Höfer.] 

Schol.    Tzetz.  Hom.  133.    —    2)   Ein   Kentaur,  Iphition   ('Itpixiiov),   1)  Sohn  des  Otrynteus 

von   Peleus   auf  der   Hochzeit   des  Peirithoos  und   einer  Najade,  aus  Hyde   am   Tmolos  in 

erlegt,  Ov.  Met.  12,  379.     [StolL]  Lydien,  von  Achilleus  erlegt,  II.  20,  382  ff.  — 

l\)hi$  ('Iipig;  Hesych.  lepig-  xa%vg), ma.se. ,  1)S.  2)    Ein    Trojaner,    von    Neoptolemos    getötet, 

desAlektor,  ein  argivischer  König  (Aras.  2, 18,  4)  Quint.  Sm.  11,  36.     [StolL] 

dessen  Sohn  Eteoklos  vor  Theben  fiel  (Aischyl.  Iphitos  ("icpixog;  auf  der  altertümlichen  Vase 

Sept.  457.    Apollod.  3,  6,  3.    Paus.  10,  10,  3),  von    Caere,   3Ion.  d.  Inst.  6,  33  (Welckcr ,  A. 

und  '  dessen    Tochter    Euadne    (laneira)    sich  D.  5  Tafel  15)  inschriftlich  fitpixog;  C.  I.  Gr.  3, 

auf    den   Scheiterhaufen    ihres    Gemahls    Ka-  4248.  4,  7077  Eiq,ixog). 

paneus  (Bruder   des  Iphis)  warf  (Schol.  Pind.  so        1)  Iphitos,  der  Sohn  des  Naubolos  (II.  2, 

Ol.  6,  46.     Apollod.  3,  7,  1.     Sern.   Verg.  Aen.  518.  Apd.  1,  9,  16),  des  Herrschers  von  Phokis 

6,  447);  daher  tritt  er  als /verwaister  Vater  und  Tanagra  (Orph.  Ära.  146),  und  der  Peri- 
in  des  Euripides  'iv-ixiStg:  (v.  1031  ff.)  auf.  neike,  der  Tochter  des  Hippomachos  (Ap.  Rh. 
(Bei  Stat.  Theb.  8,  445  ff.  fällt  ein  Iphis  auf  1,  207  und  dazu  Schol.),  Enkel  des  Ornytos 
argivischer  Seite.)  Sein  Unglück  erscheint  als  (Ap.  Rh.  a.  O.)  oder  Ornytion  (Schol.  Hom.  IL 
Strafe  dafür,  dafs  er  dem  Polyneikes  geraten,  2,  517),  Gemahl  der  Hippolyte  (Hygin.  f.  97), 
die  Eriphyle  durch  das  Geschenk  des  Halsbandes  Vater  des  Schedios  und  Epistrophos,  welche 
zu  bestechen  (Apollod.  3,  6,  2).  Bei  seinem  Tode  vor  Troia  die  Phoker  führten  (IL  2,  517  ff.  17, 
hinterliefs  er  die  Herrschaft  seinem  Neffen  306.  Paus.  10,  4,  1.  36,  4),  und  der  Eurynome, 
(wenn  nicht  a.d£\tpov  ncaöi  durch  ävtipiov  itaiSi  60  der  Mutter  des  Adrastos  (Hygin.  f.  69.  70). 
zu  verbessern  ist)  Sthenelos  (Paus.  2,  18,  5).  —  Er  war   ein  Gastfreund   des   lason   und   nahm 

2)  Sohn  des  Sthenelos,  Bruder  des  Eurystheus,  am  Argonautenzuge  teil  (Ap.  Eh.  a.  a.  0.  Apd. 
aus  Argos,  der  unter  den  Argonauten  im  Kampf  a.  a.  0.  Valer.  Fl.  1,  363.  3,  480.  Hygin.  f.  14). 
gegen  Aietes  gefallen  sein  soll  nach  Hionysios  Von  andern  wird  dieser  Iphitos  als  Sohn  des 
Skytobr.  bei  Schol.  Ap.  Uli.  4,  223.  228  (Diod.  Hippasosaus  demPeloponnesbezeichnet(Hj/<7i)i. 
4,48  ["/qpitov  irrtümlich].   Val.  Flacc.  1,441).  —  f.  14;   s.  oben   Bd.  1  Sp.  2665   s.  v.  Hippasos). 

3)  Grofsvater  der  Iphis,  der  Tochter  des  2)  Iphitos,  älterer  (Apd.  2,  6,  1)  Sohn 
Ligdus    und    der    Telethusa,    Ov.  Met.  9,  709  des   Eurytos   von  Oichalia  und   der  Antioche 

C 


311                        Iphitos  Iphitos                        312 

oder  Antiope,  der  Tochter  des  Nauboliden  schmählich  versagt  wird,  zerstört  er  Oichalia; 
Pylon.  Er  hatte  mehrere  Brüder  und  eine  Sehöl.  Eur.  Hippol.  545.  —  Menekrales,  verruut- 
jüngere  Schwester  Iole  (Ioleia,  Viola,  Welcher,  lieh  der  Nysaier,  ein  Schüler  des  Aristarch 
A.  TD.  5,  263),  auch  eigene  Kinder  (Diod.  4,  31).  (Strabo  14  p.  650),  giebt  als  Grund  der  Zurück- 
Näheres  über  Eurytos  und  die  Eurytiden  und  Weisung  an,  Eurytos  habe  die  Tochter  selbst 
über  die  Lage  von  Oichalia  s.  unter  Eurytos  geliebt  und  sich  mit  ihr  vereinigen  wollen, 
Bd.  1,  1434  ff.  Iphitos  soll  mit  seinem  Bruder  Schol.  Soph.  Trach.  354.  Nach  Pherelydes  {ebd.) 
Klytios  am  Argonautenzuge  teilgenommen  haben  hätte  sie  Herakles  für  seinen  Sohn  Hyllos  be- 
(Ap.  Rh.  1,  86  ff.  2,  114.  Hygin.  f.  14).  Ton  gehrt  und,  als  er  sie  nicht  erhielt,  Oichalia 
Eurytos,  der,  wie  sein  Vater  Melaneus,  ein  10  eingenommen  und  die  Söhne  des  Eurytos  ge- 
trefflicher Bogenschütze  war  und  von  Apollon  tötet;  nur  Iphitos  sei  nach  Euboia  geflohen, 
selbst  den  Bogen  erhalten  hatte,  erbte  Iphitos  Nach  anderer  Darstellung  soll  der  grofseBogen- 
diese  Waffe;  es  ist  derselbe  Bogen,  mit  welchem  schütz  einen  "Wettkampf  im  Schiefsen  veran- 
später  Odysseus  die  Freier  erlegt  hat.  Denn  staltet  und  die  Tochter  als  Preis  ausgesetzt 
Odysseus  war  ein  Gastfreund  des  Iphitos  ge-  haben;  Herakles  gewann  den  Sieg,  wurde  aber 
wesen,  und  dieser  hatte  ihm  in  Lakedaimon  schmählich  abgewiesen,  und  nun  eroberte  er 
Bogen  und  Köcher  geschenkt.  In  Mes-jene,  im  Oichalia  und  tötete  die  Brüder  der  Iole;  Eu- 
Hause  des  Orsilochos,  hatten  sie  einander  ge-  rytos  entkam  nach  Euboia:  so  Herodoros  von 
troffen,  als  der  junge  Odysseus  dorthin  abge-  Berakleia,  derMytholog,  in  seinem  Werke  über 
sandt  war,  um  eine  Schuld  einzutreiben,  Iphitos  20  die  Thaten  des  Herakles  bei  Schol.  Eur.  Hippol. 
aber  verlorene  Rosse  und  Maultiere  suchte.  545  (Müller,  fr.  h.  Gr.  2  p.  36);  vgl.  Schol. 
Odysseus  gab  dem  Iphitos  als  Gegengeschenk  Soph.  Trach.  266.  Über  die  Abbildung  des 
Schwert  und  Lanze  und  bewahrte  den  Bogen  Wettkampfes  auf  einer  schwarzfigurigen  at- 
als  wertes  Andenken;  Hom.  Od.  21,  11  ff.  —  tischen  Amphora  s.  Bd.  1  Sp.  2206;  Iphitos  und 
Vielberühmt  ist  die  Erzählung  von  dem  Tode  einer  der  Brüder  liegt  besiegt  am  Boden,  Eu- 
des  Iphitos  durch  Herakles.  Nach  Od.  8,  226 f.  rytos  und  einer  der  Söhne  naht  bittend  dem 
war  Eurytos  in  seinem  Hause  gestorben,  und  Herakles.  Bei  Diodor  4,  37  wird  von  Eurytos 
zwar  hatte  Apollon  ihn  erschossen,  weil  er  selbst  nichts  gesagt;  getötet  werden  die  Söhne 
vermessen  den  Gott  zum  Wettkampfe  im  Bogen-  desselben,  Toxeus,  Molion  und  Pytios;  Iole 
schiefsen  herauszufordern  gewagt  hatte.  Dem  30  wird  gefangen;  Iphitos  ist  nicht  erwähnt. 
Iphitos  aber  sollten,  wie  Odyssee  21,  24  ff.  Apollodoros  2,  7.  7  läfst  Eurytos  samt  seinen 
weiter  berichtet,  die  gesuchten  Bosse  zum  Kindern  durch  Herakles  getötet  werden.  — 
Todesverhängnis  werden;  denn  er  kam  auf  der  Endlich  finden  sich  beide  Sagenzüge,  nämlich 
Suche  auch  zu  Herakles,  und  dieser,  im  Be-  die  Geschichte  von  dem  zurückgewiesenen  An- 
wufstsein  des  unrechten  Erwerbs  (ytyalwv  spruche  des  Herakles  an  Iole  und  die  heim- 
t7ia'aroQct  t'oycov  — ;  nach  den  Schollen  hatte  tückische  Ermordung  des  Iphitos,  als  dieser 
Autolykos  sie  gestohlen  und  an  Herakles  ver-  kam,    um    die  Herden  zu   suchen,    vereinigt 


o"» 


kauft),  tötete  ihn,  den  Gast,  in  seinem  Hause  zugleich    wird    daran    die   nach   vergeblichen 

ohne  Scheu  vor  der  Götter  Gerichte  und  ohne  Versuchen    erlangte  Reinigung    und   Sühnung 

Rücksicht    auf  den  gastlichen  Tisch,    den  er  40  des  Herakles  angeknüpft.     So  bei  PhereJci/des, 

selbst  ihm  vorgesetzt  hatte;    die  Rosse   aber  der  im  3.  Buche  seines  mythologischen  Werks 

behielt    er    (vgl.  C.  I.  Gr.  5984  B:    [rjX&s   6i  die  Thaten  des  Herakles  behandelt  hatte,  nach 

dfrififvog]  "icpitog  [Evqvzov  tnbg  iig]   Tigvv&a  Schol.  Hom.  Od.  21,  20,  und  damit  im  wesent- 

noliv,    [6v    'Hga-xlfig    ävslmv    vn~\    oXs&Qictg  liehen     übereinstimmend     Sophokles     in     den 

[A?/qDtr£is]  vöo\ov  imo  Jrj^irpoßov  ixa&ag&ri  iv  Trachi  nierinnen   (vv.   38.   74.   244.    248  ff. ,  be- 

'JyvxXaig]).    Dies  ist  die  einfachste  und,  wie  sonders  262  ff.,   353  ff.),   ausführlich  auch  bei 

es  scheint,  älteste  Überlieferung  vom  Tode  des  Apollodoros  2,  6,  1 ,  Diodoros  4,  31,  Schol.  II. 

Iphitos.  Nach  der  Erzählung  des  Alexandriners  5,  392.    Danach  stellt  also  Eurytos  die  schöne 

Lysimachos  in   den  Paradoxa  Thebana  sollen  Iole   als  Preis  im  Bogenkampf  auf.     Herakles 

die  Angehörigen    des  Iphitos   30  Talente  als  50  siegt  und  wird  schimpflich  abgewiesen,  sei  es 

Bufsgeld   für  den  Totschlag  gefordert  haben  wegen    seiner   Dienstbarkeit    bei    Eurystheus, 

und   darauf  Herakles   gegen   sie   zu  Felde  ge-  oder  weil  Eurytos  und  dessen  Söhne  fürchteten, 

zogen  sein;   Schol.  Eur.  Hippol.  545.     Anders  er   möchte,    wenn   Iole   Kinder    bekäme,    mit 

berichtet  Skythinos  von  Teos  in  seinem  igzoqiyj  diesen    ähnlich    verfahren,     wie    mit    seinen 

betitelten  Buche  den  Tod  des  Iphitos.    Eurytos  Kindern  von  der  Megara;  nur  Iphitos,  der  ältere 

und  sein  Sohn  —  unter  diesem  ist  ohne  Zweifel  der  Söhne,  rät  bei  Apollodoros  dazu,  die  Iole 

Iphitos  gemeint  —  hätten  Abgaben  von  den  dem  Herakles  zu  geben,  aber  vergebens.    Bei 

Euboiern  eingetrieben,  da  habe  Herakles  beide  Schol.   II.    5,    392    schliefst   sich    unmittelbar 

gefangen   genommen  und  getötet;    Athen.   11  hieran  die  Zerstörung  von  Oichalia  durch  den 

p.  461.  —  In  der  gewöhnlichen  Erzählung  vom  60  erzürnten  Herakles  und  die  Gefangennehmung 

Schicksal   der  Eurytiden   tritt   Iphitos   in   den  der  Iole;   damit   noch   nicht  zufrieden  begeht 

Hintergrund;  es  ist  die  Form  der  Sage,  welche,  er  dann  erst  den  Frevel  gegen  Iphitos,    als 

wie    es    scheint,    den   Hauptinhalt  des   durch  dieser,    die  Rosse    suchend,    zu   ihm  kommt. 

Kreophylos   von   Sainos   gedichteten  Epos  Ol-  Nach    den    andern  Berichten  treibt  der  über 

%ulCaq  ciXacig  gebildet  hat  (Callimach.  epigr.  6;  seine  Zurückweisung  erbitterte  Held  die  Stuten 

ausführlich  darüber  Welcher,  Ep.  Kyll.  2.  Aufl.  des  Eurytos  davon,  so  Diodoros;  nach  Apollo- 

1,  214 ff.).    Herakles  wirbt  um  Eurytos1  Tochter  doros  handelt  es  sich  um  Rinder;   der  durch 

Iole,  und  als  ihm  diese  von  Vater  und  Brüdern  seine  Listen  bekannte  Autolykos  hatte  sie  ge- 


313 


Iphitos 


Ipliitos 


314 


stöhlen,  Eurytos  aber  glaubte,  Herakles  sei  der 
Dieb  (vgl.  Schal.  Rom.  Od.  21,  23;  eben  darauf 
bezieht  sieh  auch  Plutarch.  de  sera  num.  vind, 
7  p.  553).  Iphitos  zieht  nun  aus  die  Herden 
zu  suchen.  Der  Seher  Polyidos  warnt  ihn  nach 
Tiryns  zu  ziehen,  aber  Iphitos  hört  nicht  auf 
den  guten  Rat  und  kommt  zu  Herakles,  der 
dort  wohnte.  Dieser  lockt  ihn  mit  List  auf 
eine  hohe  Mauer,  um  von  dort  nach  den  Herden 
auszuschauen,  und  stürzt  ihn  von  oben  hinab,  10 
sei  es  aus  Rache  für  den  erlittenen  Schimpf,  . 
oder,  nach  Apollodoros  (vgl.  dazu  Anacreonteia 
8,  10  f.  Bergk)  von  Wahnsinn  ergriffen.  Über 
diese  Frevelthat  ergrimmt  selbst  Zeus  und  be- 
fiehlt dem  Hermes  den  Herakles  zur  Strafe  in 
die  Knechtschaft  zu  verkaufen.  Hermes  bringt 
ihn  nach  Lydien,  wo  die  Königin  Omphale  den 
Helden  für  drei  Talente  erwirbt.  So  Pherc- 
Jcydes;  nach  andern  ward  Herakles  infolge 
seiner  Übelthat  von  schwerer  Krankheit  be-  20 
fallen  (hierauf  bezieht  sich  Rerodors  Bemer- 
kung, dafs  Herakles  zweimal  vom  Wahnsinn 
ergriffen  wurde,  Schol.  Find.  Isthm.  3,  104;  das 
erste  mal  geschah  es  nach  der  Ermordung 
seiner  Kinder)  und  zog  nun  ans,  um  von  dem 
Morde  gereinigt  zu  werden;  zunächst  nach 
Pylos,  wo  Neleus  wegen  seines  eigenen  Freund- 
schaftsverhältnisses zu  Iphitos  ihn  zurückwies. 
Auch  in  Sparta,  im  Hause  des  Hippokoon,  er- 
reicht er  seine  Absicht  nicht;  Paus.  3, 15, 3.  Erst  30 
in  Amyklai  wird  er  durch  Deiphobos,  den  Sohn 
des  Hippoly tos,  gereinigt  (s.Sp.  311,42).  Indes  ist 
er  dadurch  noch  nicht  von  der  Krankheit  befreit 
und  wendet  sich  nun  nach  Delphi;  dort  zu- 
nächst nicht  angenommen,  sucht  er  den  Drei- 
fufs  zu  entführen ;  endlich  wird  durch  das 
Orakel  bestimmt,  dafs  er  verkauft  und  das 
Geld  den  Kindern  des  Iphitos  gegeben  werden 
soll  (Diod.);  so  kommt  er  in  den  Dienst  der 
Omphale,  nach  dessen  Vollendung  er  schliefs-  40 
lieh  gegen  Oichalia  zieht,  die  Stadt  zerstört. 
Eurytos  und  dessen  Söhne  tötet,  Iole  gefangen 
davonführt.  So  Sophokles  in  den  Trachinierinnen. 
Im  einzelnen  vgl.  noch  Schol.  II.  2,  336.  Paus. 
10,  13,  4.  Plut.  Thes.  6,  sowie  oben  Bd.  1  Sp.  1435 
und  2206  unter  Eurytos  und  Herakles.  —  Prüft 
man  die  im  Vorstehenden  zusammengestellten 
Überlieferungen ,  so  lassen  sich  zwei  unter- 
schiedene Züge  aus  dem  Sagengewirr  heraus- 
lösen ;  nämlich  erstens  das  Suchen  der  abhanden-  50 
gekommenen  Herden  und  die  dabei  erfolgte 
Ermordung  des  Iphitos,  dann  aber  das  viel- 
besungene Geschick  von  Oichalia  und  seinem 
Königshause;  beide,  zunächst  für  sich  bestehen- 
den Überlieferungen  sind  später  verbunden 
worden.  Für  Iphitos  ist  das  wohlwollend 
freundliche  Wesen  bezeichnend,  das  sich  in 
dem  Verhältnis  zu  Odysseus,  wie  auch  zu 
Herakles,  äufsert,  und  dem  gegenüber  das 
Frevelhafte  des  Mordes  um  so  stärker  hervor-  co 
tritt.  Dieses  freundliche  Verhältnis  zu  Herakles 
läfst  sich  auch  auf  dem  merkwürdigen  caere- 
taner  Vasenbilde  erkennen,  welches  unter  Bei- 
fügung der  Narnensinschriften  den  Eurytos  und 
seine  Kinder  beim  Zechgelage  mit  Herakles 
darstellt;  Mon.  d~.  Inst.  6,  33.  Welcher,  A.  D.  5 
Taf.  15.  Vgl.  oben  Bd.  1  Sp.  2206.  Während 
Eurytos   (inachriftl.   Evqvtws)  und   seine   drei 


anderen  Söhne  auf  zwei  Speiselagern  gepaart 
beisammen  ruhen,  bilden  Iphitos  und  Herakles 
mit  Iole  in  der  Mitte  eine  Gruppe  für  sich, 
Iphitos (ficptrog)  und  Herakles(7/f paxJUs)  liegen 
je  auf  einer  Kline  neben  einander,  die  Gesichter 
freundlich  sich  zuwendend,  zwischen  ihnen 
steht  Iole  (ßioXa)  mit  dem  Körper  nach  He- 
rakles hin,  das  Antlitz  dem  Bruder  zugewandt, 
entsprechend  der  bei  Apollodoros  erhaltenen 
Überlieferung,  nach  der  Iphitos  der  Werbung 
des  Helden  um  die  Schwester  günstig  ist.  Vgl. 
O.  Müller,  Bor.  1,  418.  448.  B.  Matthiae  in 
Ersch  u.  Grubers  Encyld.  s.  v.  Iphitos.  Preller, 
MythoU  2,  224  ff. 

3)  Iphitos,  bei  Diodoros  4,  48  der  sonst 
Iphis  (Iqiig)  genannte  Bruder  des  Eurystheus 
(s.  d.  u.  Iphis),  Teilnehmer  am  Argonautenzuge, 
von  Aietes  getötet.     Vgl.  Iphitos  4. 

4)  Iphitos,  wurde  von  Kopreus,  dem 
Sohne  des  Eleiers  Pelops  und  Vater  des  Peri- 
phetes,  getötet  Apd.  2,  5,  1.  Der  Mörder  floh 
nach  Mykene  und  ward  von  Eurystheus  ge- 
reinigt, dem  er  als  Herold  diente,  vgl.  Rom. 
11.  15,  640.  Vielleicht  war  dieser  Iphitos  mit 
dem  sonst  Iphis  genannten  Bruder  des  Eury- 
stheus identisch.  Vgl.  B.  Matthiae  in  Ersch 
und  Gräbers  Encyld.  s.  v.  Iphitos. 

5)  Iphitos,  Vater  des  Archeptolemos, 
eines  Wagenlenkers   des  Hektor.     II.  8,    128. 

C)  Iphitos  von  Elis,  nach  Ansicht  der 
meisten  Griechen  Sohn  des  Praxonides,  nach 
den  yquiifiata  äp^oria  der  Eleier  des  Iphitos, 
nach  der  Inschrift  seines  in  Olympia  aufge- 
stellten Standbildes  des  Haimon  (Paus.  5,  4,  4. 
Phlegon  Ol.  1  bei  Müller,  fr.  Mst.  Gr.  3  S.  602). 
Bei  Eusebios  (xqovoyq.  avvr.  Schoene  1  app. 
p.  64)  steht  statt  Iphitos  Hephaistos,  sein 
Vater  Praxonides  aber  heifst  ein  Sohn  des 
Haimon.  —  Iphitos  stammte  in  gerader  Linie 
von  dem  elischen  Eönige  Oxylos  ab;  Pausa- 
nias  kannte  die  Reihe  der  Ahnen,  verschweigt 
sie  aber  absichtlich,  da  keiner  von  Bedeutung 
war.  A.ls  Nachkomme  des  Oxylos  war  I.  dem 
Geschlechte  des  Herakles  verwandt  (s.  unter 
Oxylos);  geradezu  ein  Heraklide  heifst  er  Schol. 
Plat.  resp.  5,  465  D ;  vgl.  Phlegon  a.  a.  O.  — 
Iphitos  soll  das  grofse  Fest  des  Zeus  in  Olym- 
pia neubegründet  und  fest  geordnet  haben, 
und  zwar  nach  den  drei  Seiten  des  Agon,  der 
Panegyris  und  der  Ekecheiria  (Paus.  a.  a.  0. 
Ephoros  bei  Strabon  8,  358.  Vellej.  Paterc.  1, 
8,  wo  mercatus  gleich  navi'iyvqig  ist).  Seit 
dem  Tode  des  Oxylos  waren  nämlich  die 
Olympien  nicht  mehr  begangen  worden  (Paus. 
5,  8,  2);  nach  Schal,  Pind.  Ol,  3,  20  sogar 
seit  Herakles  nicht.  Über  den  Hergang  der 
Stiftung  wird  folgendes  Einzelne  berichtet: 
Ganz  Hellas,  insbesondere  die  Peloponnes,  war 
zu  jenen  Zeiten  von  inneren  Unruhen  zerrüttet 
und  überdies  von  einer  pestartigen  Krankheit 
heimgesucht.  Daher  wandte  sich  Iphitos  an 
den  delphischen  Gott  um  Hülfe,  und  die  Pythia 
befahl,  er  selbst  und  die  Eleier  sollten  den 
olympischen  Agon  erneuern  (Paus,  und  Phle- 
gon a.  a.  0.  Euseb._chron.  1  p.  192  ff.  Schoene). 
Nach  allgemeiner  Überlieferung  hat  Lykurgos, 
als  Heraklide  dem  Geschlechte  de3  Iphitos 
verwandt,    an    der  Einrichtung  sich   beteiligt 


315                       Iphitos  .                     Iphitos                        316 

und  mit  I.  zusammen  die  erste  gezählte  Feier  Agonotliet  und  auch  nach  ihm  verblieh  diese 
der  Olympien  veranstaltet  (Athenaios  14,  635.  Würde  lange  Zeit  den  Nachkommen  des  Oxylos 
Euseb.  cliron.  1  p.  19-2).  Insbesondere  wird  (Paus.  5,  9,  4).  Der  Agon  war  damals  noch 
beiden  die  Ekecheiria  zugeschrieben,  so  von  auf  den  Lauf  im  Stadion  beschränkt  (Paus. 
Aristoteles  nach  Plutarch  Lycurg.  1  (vgl.  über  5,  8,  3.  8,  26,  3.  Euseb.  cliron.  1  p.  192).  Nach 
Lykurgos  Heraclidcs  Pont,  de  reb.  publ.  2  bei  Phlegon  a.  a.  0.  wurde  in  den  ersten  fünf 
Müller,  fr.  last.  Gr.  2  p.  210).  Der  Geschieht-  Olympiaden  niemand  bekränzt.  In  der  sechsten 
Schreiber  Hermippos  erzählte  nach  Plutarch  beschlofs  man  dieserhalb  das  Orakel  zu  be- 
Lyc.  23,  dafs,  wie  manche  berichteten,  Lykurgos  fragen  und  sandte  König  Iphitos  zu  dem  Gotte; 
anfangs  mit  Iphitos  keine  Gemeinschaft  gehabt  10  dieser  befahl  fortan  als  Preis  für  den  Sieger 
habe.  Als  er  aber  einst  in  Olympia  war  und  das  Reis  eines  wilden  Ölbaums  zum  Kranze 
den  Spielen  zusah,  vernahm  er  hinter  sich  eine  zn  winden,  den  man,  von  dünnem  Spinngewebe 
Stimme,  die  ihn  rügte,  dafs  er  seine  Bürger  überzogen,  unter  vielen  herausfinden  werde, 
nicht  zur  Teilnahme  an  der  Panegyris  veran-  Es  geschah,  und  von  diesem  Baume  wurde 
lasse,  und  da  niemand  zu  sehen  war,  erkannte  seitdem  der  Siegeskranz  entnommen.  Der  erste, 
er  einen  Wink  der  Gottheit,  schlofs  sich  nun-  der  den  Kranz  erhielt,  war  Ol.  7  der  Messenier 
mehr  an  Iphitos  an  und  sorgte  gleich  diesem  Da'ikles  (Phlegon  a.a.O.  Dion.  Hai. H.A.  1,71). 
für  Steigerung  des  Festglanzes  und  dessen  —  Von  Iphitos  bis  zu  der  ersten  gezählten 
Sicherung.  Bei  Phlegon  a.  a.  0.  u.  Schal.  Piaton.  Olympiade,  in  welcher  Koroibos  im  Stadion 
resp.  5,  465  D,  die  beide  aus  derselben  Quelle  20  siegte,  rechnete  Aristodcmos  von  Elis  28  Olym- 
schöpfen,  wird  neben  Lykurgos  von  Sparta  piaden,  Kallimachos  nur  14  (Euseb.  chron.  1 
und  Iphitos  von  Elis  auch  Kleosthenes,  des  p.  192.  Phlegon  a.  a.  0.,  vgl.  Clem.  Alex.  Str. 
Kleonikos  Sohn,  von  Pisa  als  Erneuerer  der  1,  145  Sglb.).  Vermutlich  hatte  Kallimachos 
Panegyris  nach  den  alten  Satzungen  und  als  Oktaeteriden  im  Sinne,  deren  14  gleich  2S 
Veranstalter  des  gymnischen  Agons  genannt.  tetraeterischen  Olympiaden  sind.  Dafs  in  der 
Auf  deren  Anfrage  in  Delphi  erklärte  der  Gott  gezählten  Ol.  6,  also  34  Olympiaden  nach  seiner 
seine  Zustimmung  und  fügte  den  Befehl  hinzu,  Einsetzung  des  Agons,  Iphitos  noch  gelebt 
dafs  man  den  Staaten,  welche  an  dem  Agone  habe,  ist  nicht  möglich.  Schrieb  man  ihm 
teilnehmen  wollten,  eine  Ekecheiria  ansagen  daher  die  Einführung  des  Kranzes  Ol.  7  zu, 
solle;  Phlegon  a.  a.  0.  Nach  Eusebios  chron.  1  so  so  erklärt  sich  das  entweder  aus  dem  Ansehen 
p.  192  f.  hatte  Iphitos  aus  der  ganzen  Pelo-  seines  Namens,  welches  wohl  bewirken  konnte, 
ponnes  Theoren  nach  Delphi  geschickt,  und  dafs  ohne  Rücksicht  auf  die  Zeitrechnung  eine 
der  Gott  hatte  sowohl  den  Peloponnesiern  als  derartige  Neuerung  auf  den  berühmten  Her- 
den Eleiern  insbesondere  seine  Weisung  er-  steller  des  alten  Festes  zurückgeführt  wurde, 
teilt,  deren  Wortlaut  angeführt  wird.  Phlegon,  oder  es  mufs  ein  jüngerer  Iphitos  arge- 
dessen  Darstellung  auf  eine  alte  Quelle  zurück-  nommen  werden,  der  diese  Einrichtung  traf, 
geht,  die  unverkennbar  den  Einflufs  des  olym-  M.  P)uucl;er  (nach  Car.  Müller,  Chronogr.  130) 
pischen  Sehergeschlechtes  der  Iamiden  verrät,  beseitigt  die  Schwierigkeit  dadurch ,  dafs  er 
giebt  die  Orakel  ebenfalls;  er  weifs  überdies  die  Olympiadenfeier  des  Iphitos  mit  der  ersten 
von  mehreren  wiederholten  Befragungen  und  40  von  776  v.  Chr.,  in  welcher  Koroibos  siegte, 
führt  den  Wortlaut  einer  dem  Lykurg  erteilten  identificiert  (vgl.  Paus.  8,  26,  4).  Ihm  folgen 
Antwort  in  14  Hexametern  an.  —  Die  Ein-  Unger,  Philo!.  29,  247  ff.  u.  andere,  schwer- 
richtung  der  Ekecheiria  galt  als  das  Hauptver-  lieh  mit  Recht,  siehe  Curtius ,  Gr.  C?.6  1 
dienst  des  Iphitos.  Ihr  Inhalt  war  in  kreis-  S.  658,  58.  —  Iphitos  ist  eine  jener  halb  ge- 
förmig herumlaufender  Schrift  auf  einem  Dis-  schichtlichen,  halb  sagenhaften  Gestalten,  an 
kos  verzeichnet,  den  Aristoteles  als  Zeugnis  welche  die  Überlieferung  von  den  Anfängen  der 
der  Teilnahme  des  Lykurg,  dessen  Name  noch  Olympienfeier  anknüpft,  ein  elischer.  Heros  aus 
darauf  zu  lesen  war,  anführt  (Plut.  Lyk.  1.  ätolischem  Stamm,  und  als  solcher  der  Ver- 
Phlegon  a.  a.  0.  Paus.  5,  20,  1).  Dieser  Diskos  treter  von  Koile  Elis,  während  Kleosthenes  für 
galt  als  uraltes  Stück  aus  des  Iphitos  Zeit  50  die  Pisatis  und  Lykurgos  für  Lakedaimon  ein- 
und  wurde  im  Heraion  zu  Olympia  aufbewahrt,  tritt.  Die  Vereinbarung  der  drei  Landschaften 
wo  ihn  noch  Pausanias  sah.  Wie  hoch  man  geschah  unter  delphischem  Einflufs.  Auch  die 
dies  Verdienst  des  I.  schätzte,  geht  aus  der  bedeutsame  Überlieferung,  dafs  durch  Iphitos 
Bildergruppe  hervor,  welche  im  olympischen  der  Dienst  des  Herakles  in  Elis  eingeführt 
Zeustempel  nahe  dem  Eingange  stand  und  wurde,  scheint  die  Verbrüderung  der  ätolischen 
den  Iphitos  darstellte,  welcher  von  der  Frauen-  und  dorischen  Stammgenossen,  das  ist  Elis 
gestalt  der  Ekecheiria  bekränzt  wird,  wie  dies  und  Sparta,  durch  die  Feier  am  gemeinsamen 
die  angebrachte  Inschrift  in  Versen  bezeugte  Bundesheiligtume  des  pisäischen  Zeus  zu  be- 
(Paus.  5,  10,  3.  26,  2;  [vgl.  Michaelis,  Arch.  deuten.  Die  Vereinigung  wurde  durch  den 
Z.  34  S.  172  f.  R.]).  —  Ein  anderes  Ver- co  Gottesfrieden  befestigt,  welcher  zur  wieder- 
dienst des  I.  bestand  darin,  dafs  er,  selbst  ein  kehrenden  Festzeit  allen  Peloponnesiern  auf- 
Heraklide,  die  Eleier  mit  dem  einst  feindlich  erlegt  ward,  für  Elis  aber  dauernd  währte. 
gewesenen  Herakles  aussöhnte  und  sie  über-  Diese  folgereiehen  Stiftungen  sind  es,  welche 
redete,  dem  Heros  Opfer  zu  bringen  (Paus.  5,  von  der  Überlieferung  an  Iphitos  den  Eleier 
3,1  f.  4,4).  —  Als  Iphitos  den  Agon  erneuerte,  geknüpft  werden.  —  Vgl.  0.  Müller,  Dorier 
waren  die  alten  Gebräuche  bei  den  Menschen  1,  129  ff.  449.  M.  H.  E.  Meyer  bei  Ersch  u. 
vergessen  und  kamen  erst  allmählich  wieder  Gruber,  „Olymp.  Spiele"  3,  3,  296  ff.  Krause, 
in  Erinnerung  (Paus.  5,  8,  2).     Er  war  allein  Olympia  S.  31  ff.     E.  Curlius,  Griech.  Gesch.6 


317                            Iphthe  Irene  (=  Eirene)                   318 

1,212  f.  658,  58;  derselbe,  Sparta  und  Olympia,  dem  Datuni  LE  (Mi.  6,65  —  66,  179.  Feuardent, 

Hermes  14  S.  129 ff.  Duncker,  Gesch.  des  Altert. 6  Egypte  anc.  2,  27,  684.  PI.  XIV,  und  L?,  Mi. 

5  S.  281  ff.   Unger, Philologus  1885  B.  44  S.183f.  6,  66,  184.    Feuardent  27,  687),  auf  denen  die 

Busolt,  Griech.  Gesch.  1    S.  130  ff.     [Weniger.]  Göttin  stehend,  das  Kerykeion  in  der  R.,  einen 

Iphthe  ("Icp&rf),  eine  der  sechs  Töchter  des  Helm  auf  der  L.  dargestellt  ist.  —  Ich  gebe  bei 

Aiolos  und  der  Telepora,  Apostol.  1,  83;  beim  dieser   Gelegenheit  einige  Notizen  über   oben 

schol.   Hom.   Od.    10.  6    heifst    sie    Iphe    (v.  1.  nicht  verzeichnete  Münztypen  der  Eirene.    Mit 

"Ecptj)  und  ihre  Mutter  Telepatra.     [Höfer.]  der  Beischrift  EIPHNH   erscheint  sie   ganz   in 

Iphthime  ('Icpdt'jiTi),  1)  Tochter  des  Ikarios  der  eben  beschriebenen  Weise  auf  alexandri- 
und  der  Asterodia,  welche  T.  des  Eurypylos,  10  nischen  Silbermünzen  des  Nero  mit  dem  Datum 
Sohnes  des  Telestor,  war,  Schwester  der  Pene-  l_r  (Mi.  6,  64,  165  =  Zoega,  Numi  Aeg.  Imp. 
lope,  Gemahlin  des  Eumelos,  Herrschers  im  p.  23  nr.  8.  Feuardent  25,  670);  den  Helm  in 
messenischen  Pherai.  Die  Schwester  der  Pene-  der  R. ,  den  Caduceus  in  der  L.  auf  einer 
lope  hiefs  auch  Mede,  Hypsipyle,  Laodameia,  alexandrinischen  Potinmünze  des  Vespasian 
Od.  4,  797  n.  Schol.  [Stephani,  Compte-rendu  aus  dem  2.  Jahr,  RH.  6,  80,  304  =  Mus. 
p.  l'a.  1860  p.  51  ist  geneigt,  Iphthime  zu  Thewpöli  p.  1107,  Auf  alexandrinischen  Kaiser- 
erkennen auf  einer  von  ihm  a.  a.  0.  p.  39 — 53  münzen  kommt  sie  ferner,  durch  die  Beischrift 
Tafel  2  besprochenen  Amphora.  Drexler.]  —  EIPHNH  kenntlich  gemacht,  in  folgenden  Dar- 
2)  Tochter  des  Doros;  sie  gebar  dem  Hermes  Stellungen  vor:  stehend,  eineu  Olivenzweig  in 
mehrere  Satyrn,  Nonn.  Dion.  14,  114.   18,  315.  20  der  R.,  das  Kerykeion  in   der  L. ,   auf  Potin- 

[Stoll.]  münzen  des   Vespasian  aus   dem   ersten   (Mi. 

Iphys    (lepvg)  hiefs  in  dem  Argo  betitelten  6,  79,  300.  301),  zweiten  (Mi.  6,  80,  303.  Zoega 

Stücke  des  Aischylos  der  sonst  Tiphys   (s.  d.)  p.  42  nr.  11.    Feuardent  36,  777)  und   dritten 

genannte  Steuermann  der  Argo,  Schol.  Apoll.  Regierungsjahr  (Mi.  6,  81,  311.    Feuardent  36, 

Rhod.  1,  105  =  frgm.  Aesch.  22  Nauck.  782);    sowie   auf  solchen   des   Titus    aus   dem 

[Höfer.]  ersten  (Mi.  6,  85,  351)  und  zweiten  Jahr  (Mi. 

Ipta  (MtJvtiq  "lata).    Eine  der  MHTPI   ITTTA  6,  80,  357.    Tristan,   Gomment.  Tust.  1  p.  299); 

KAI    AIEI   2[aßa't;i'm]   gewidmete   Inschrift  aus  stehend,   in   der  R.   eine  Ähre,   in   der  L.  das 

Göldis  ist  verzeichnet  Movaeiov   v.al  ßißl.  rf/g  Kerykeion  auf  einer  Potinmünze  des  Vespasian 

ivayy.  c%olrjg  3,  1/2  p.  169  nr.  rfiß',  vgl.  Bochl  30  aus  dem  ersten  oder  vierten  Jahr  (Mi.,  Suppl. 

in  Bursians  Jahresber.   36.  Bd.    11.  Jg.    3.  Abt.  9,  35,  63  nach  G.  di  S.  Quintino,  Med.  Aless. 

p.    86    und    Voigt   in    diesem    Lexikon   Bd.    1  ined.  del   Mus.  Egis.  di  Torino  p.  8  nr.  19); 

Sp.  1085,  der  in  ITTTA  eine  Verschreibung  für  in  der  R.  Ähren,  in  der  L.  das  Kerykeion  auf 

"liina,   den  Namen   der  Amme  des   Dionysos,  einer    Bronzemünze    des   Vespasian    aus    dem 

sieht.     [Drexler.]  neunten  Jahr  (Mi.  6,  84,  345  =  Mus.  Theupoli 

Ira,    Personifikation    des    Zorns,    ein  Kind  p.  1109)   nnd  auf  einer  Bronzemünze  der  Do- 

des  Äthers   nnd   der   Erde,   Hyg.  praef.     Vgl.  mitia    mit    der    Aufschrift    6IPHNH  •  C6BAT 

Stat.  Theb.  3,  424   u.   9,  832.     Arch.  Z.  33,  69  (wohl    C6BACT[H]   =   Pax    Augusta),    L    IA, 

Anm.  28.     [Stoll.]  Mi.  S.  9,  39—40,  90  (Cab.  de  Lagoy);  stehend, 

Irbos  ('Igpog),  Sohn  des  Amphisthenes  (s.  d.),  40  der  Homonoia  die  Hand  reichend,   mit  Ähren 

Vater    des    Astrabakos    (s.    d.)    und    Alopekos  in  der  R.   auf  alexandrinischen  Kaisermünzen 

(Paus.  3,  16,  9).    Ist  auch  die  Bd.  1  Sp.  659,  9  des    Trajan,    s.    oben    unter   Homonoia   Bd.  1 

angeführte  Zusammenstellung  des  Namens  Irbos  Sp.  2703;  sitzend  1.  h.,  in  der  R.  eine  Schale, 

mit  hircus  sprachlich  sehr  zweifelhaft,  so  deuten  zu  Füfsen  ein  Füllhorn  auf  Alexandrinern  des 
doch  die  übrigen  Elemente  der  Erzählung  auf       L.  Veras  mit  dem  Datum  LA  (Mi.  6,  320,  2216. 

den  Kreis  der  Vegetationsdämonen,  da  Fuchs  Feuardent  156,  2173);  sitzend  1.  h.,  eine  Schale 

und  Esel  neben   dem  Bock   häufig   als   solche  in  der  R. ,    die  L.   gestützt   auf  ein  Füllhorn, 

erscheinen  (Mannhardt,  Myth.  Forsch.  S.  '93  ff.  welches    auf  den   Stuhl   gelegt  ist,    auf  einer 

108  ff.   170   und    sonst),    Artemis    Orthia    zur  Silbermünze  des  Marc  Aurel  und  L.  Verus  mit 

Befruchtung  in  naher  Beziehung  steht  (s.  Bd.  1  50  dem  Datum  LA  (Feuardent  148,  2098,  PI.  XXV); 

Sp.  586,  57  ff.),  nnd   die  in  ihrem  Kulte    dar-  sitzend  1.  h.,  im  Doppelchiton  und  Mantel,  das 

gebrachten  Menschenopfer  dem  Töten  der  Ge-  Haupt  bekränzt,  in  der  R.  eine  Schale,  den  1. 

treidedämonen    und    ihrer   menschlichen  Ver-  Arm  gelegt  auf  die  Lehne  eines  Stuhles,   die 

treter  (Mannhardt  a.  a.  0.   S.  29  ff.  u.   öfter)  von   einem  Adler  mit  ausgebreiteten   Flügeln 

entsprechen    könnten.     Auch    der    Wahnsinn,  gebildet  wird,   vor   einem   flammenden  Altar, 

welcher    nach    Auffindung    ihres    Bildes    den  unter  dem  Sessel  das  Füllhorn  auf  einer  Grofs- 

Astrabakos  und  Alopekos  befallen,  dürfte  viel-  bronze    des    L.   Verus    mit    dem    Datum    Lr 

leicht  als   eine  der  Begeisterung  der  Luperei  (Kenner,  Die  Münzsammlung  des  Stifts  St.  Flo- 

und   der   ihnen    ähnlichen    Umbildungen    von  rian  p.  193—194,   Tfl.  VIII,   8);    sitzend   1.  h., 

Getreidedämonen  (Mannhardt  a.  a.  0.  S.  154;  eo  opfernd  mit  der  R.   vor  einem  Altar,   in  der 

vgl.  den  in  der  Gestalt  eines   tollen  Hundes  L.  ein  Füllhorn  auf  einer  Grofsbronze  des  M. 

vorgestellten  Vegetationsgeist,  S.  103)  analoge  Aurel  mit  dem  Datum  Lr  (Mi.  6,  297,  2038) ; 

Erscheinung  aufzufassen  sein.     [Steudiug.]  sitzend,   einen  Olivenzweig  haltend  auf  einer 

Irene  (IPHNH)  ist  der  Eirene  beigeschrieben  Grofsbronze  des  L.  Verus  mit  dem  Datum  LH, 

auf  einigen  alexandrinischen  Silbermünzen  des  (Mi.  6,  331,  2292  nach  Harduin'Op.  sei.  p.  781 

Claudius  mit  dem  Datum  Lr  (Eckhel,  Cat.  N.  ex  museo  Foucault);   sitzend,   die  R.  erhoben 

V.   Mus.    Caes.    Vind.    1    p.   265.    I).  N.    V.  4  auf  einer  Grofsbronze  der  Lucilla,  Mi.  6, 

p.  51.    Mionnet  G,  56,  98)    und  des  Nero  mit  2316  (Ccdj.  Töchon). 


?.?.?. 


319                               Iria  Iris  (=  Göttin  d.  Regenbogens)       320 

Die  Büste  der  Göttin  erscheint  auf  Bronze-  lesen  Iriae,  so  dafs  in  beiden  Inschriften  eine 

münzen  der  Agrippina  jun.  mit  dem  Datum  LIB  Göttin  Iria  genannt  wäre.     [R.  Peter.] 

(Mi.  6,  62,   149   MorelJ.   Imp.);    verschleiert,  Iris  (igig,  etrusk.  Irisis  [s.  d.]  1)  Fem. 
mit  Ölbaumzweig  bekräuzt,  dahinter  ein  Kerj-- 

keion    auf  Potinmünzen    des  Galba   aus   dem  A>    Der  Regenbogen, 

ersten    Jahr  (Mi.   6,   74,   255.    Feuardent  32,  1.    i\    Igig    kommt   in    der    Ilias    an   zwei 

740.  Cohen,  Cat.  Greau  249,  2958);  ebenso  auf  Stellen  vor,   beidemal  in  Vergleichen.     P  544 

solchen  des  Otho   aus   dem   ersten   Jahr   (Mi.  stürmt  Athene  auf  Zeus'  Geheifs  vom  Himmel 

6,76 — 77,  277);  verschleiert,  mit  dem  Lorbeer-  herab,    um    neuen  Streit    zu    erwecken:    „wie 

kränz,   davor   ein  Stern   auf  Potinmünzen  aus  10  ein  purpurner  Regenbogen,  den  Zeus  am  Him- 

Galbas  zweitem  Jahr,  Feuardent  33,  749;  vgl.  mel  ausspannt  vor  den  Menschen,  einSchreckens- 

Mi.  S.  9,  33 — 34,  53  aus  Sestini,  Mus.  Hederv.  zeichen  (rtgag)  zu  sein  von  Krieg  oder  kaltem 

3.   Cont.  p.  16  nr.  5;   ebenso  mit  eiuem  Sim-  Regensturm   u.   s.   w. :    also    tauchte    umhüllt 

puluin    statt    des    Sterns ,    Feuardent  nr.   750.  mit  purpurner  Wolke  Athene   unter  das  Volk 

Auch  auf  Bronzemünzen  des  L.  Verus  mit  dem  der    Achäer    u.   s.   w."      Der    Vei-gleich,    für 

Datum    Ls  (?)    kommt    die   Büste    der    Eirene  welchen  auch  der  Scholiast  nur  das  frsiöztgoi' 

vor,  Cat.  Greau  269,  3216.  Feuardent  160,  2233.  als   Berührungspunkt  linden   kann,   i>t  keiner 

Auf  Silbermünzen  der  epizephyrischen  der  sinnlich  ansprechendsten  im  Homer  und 
L  okrer  sieht  man  sie,  begleitet  von  der  Bei-  läfst  nur  an  das  Aufleuchten  einer  Götter- 
schrift   EIPHNH   AOKPRN,    ein    Kerykeion   in  20  erscheinung  in  der  Höhe   denken.     A  26  wird 

der  R.,  auf  einem  Cippus  sitzend,  Carelli,  Num.  der   Brustschmuck   vom    Panzer  Agamemnon«, 

Ital.   Vet.  T.  CLXXXIX,  13.  Cat.  of.  Gr.  Coins  einem  Geschenk  des  Königs   von  Kypros,  wie 

in  the  Brit.  Mus.  Italy  p.  364  nr.  1.     Gardner,  folgt  beschrieben:  xvüvtoi  äi  ägdxovTf g  ögeogi- 

Types  of  Greel;  Coins  p.   122  PL  V,  11.    Head,  xaT0    ngorl    dsigriv    |   rgsig    £xdrig&'  igiaaiv 

H.  N.   p.  86.     Nach  Head   a.  a.  0.   p.  98    er-  iomortg,    ag    xi    Kgovicov  |  ir    »f'qpfi'    crrjpijf, 

scheint   sie   möglicherweise   auch   auf  Münzen  rigeeg    (itgönav    ctvirgcSncov.     Die    Ähnlichkeit 

von  Terina.  liegt    nicht    in    cden   schillernden   Farben   der 

Stehend,  bekleidet  mit  Chiton  und  Peplos,  Drachen'    (Welcher,  Gr.  Götterl.  1,  690),   son- 

in   der   R.   das  Kerykeion,    mit   der  Beischrift  dem    in    der  Wölbung    (to3    y.vgrcafiari    Schal. 

EIPHNH  kommt  sie  vor  auf  Münzen  des  Augustus  30  schwankend,  bestimmter  Hesych.  ig.  echx.]  ov  ra> 

von   Nikornedeia  (Eclchel ,   D.  N.    V.  2   p.  400  xgcofiaTL   äXXa  zä  ejjrjuar;.     o'Aot  yäg  eiei  avv- 

aus   Fellerin,   Mel.    2.    Mi.  2,   466,   303.     Cat.  (argaa^ivoi)   der  auf  den  Brustwarzen  liegen- 

of  Greel:    Coins  [in  the  Brit.   Mus.]   Pontus,  den,   mit  ihren  Enden  sich  in   der  Mitte  be- 
Puphlagonia ,   Bithynia    and    the  Kingdom,  of      gegnenden  oder  ineinander  laufenden  Spiralen, 

Bosporus    p.   179    nr.  5);    stehend,    in    der    R.  sei  es,  dafs  wirklich  Schlangen  gemeint  waren 

Ähren,  in  der  L.  das  Kerykeion,   mit  der  Bei-  oder    der    Beschreiber    sie    nur    dafür    hielt; 

schrift   6IPHNH  .  KAAZOMGNK2N    auf  solchen  darauf   kommt    nicht    soviel   an    wie    auf  die 

des  Vespasian   (Mi.  3,  71,  86)   und  des   Titus  Parallelität   der   drei    Linien    (rj    icgog    -cijv 

und  Domitian  (Mi.  3,  72,  87  nach  Wise,  Num.  didctaoiv  <xvto>i>  rj  ofioiaaig  Schöl.),  welche  au 

Bodlej.  Tab.  XIII  Fig.  4  p.  61   von  Klazome-  40  die  Farbenstreifen  der  Iris  erinnerten.*)     Be- 

nai);   stehend,   mit  dem  Schleier,  mit   der  R.  kanntlich   sind   derartige   Ornamente   auf   den 

aus  einer  Schale  über  einem  flammenden  Altar  Metallgegenständen  der   mykenischen   Gräber, 

libierend,  mit  der  L.  ihr  Gewand  haltend,  mit  wo  die  Spirale  überhaupt  vorherrscht,  durch- 

der  Beischrift    6IPHNH  ■  e^ECIQN   auf   einer  aus    nichts  Ungewöhnliches;    man    vergleiche 

Münze  des  Gordianus  Pius  von  Ephesos   (Mi.  aufser    dem    Brustschild    aus    dem    5.   Grabe, 

S.  6,  183,  681);  stehend,  Ähren  in  der  R.,  ein  abg.  bei Schuchhardt,SchHemamis  Ausgrabungen 

Füllhorn    in    der   L.,    mit    der   Beischrift   C6-  1890,  nr.  256,  namentlich  nr.  252  (S.  285)  und 

BACTH  •  6IPHNH  (=Pax Angusta)  ■  MArNHTQN  •  (dasselbe  umgekehrt)  nr.  170  (S.  220).   Die  Her- 

ATTO   ■    CITTY    auf   einer    des    Vespasian    von  kunft  dieses  Waffenstückes  verweist  der  Dichter, 

Magnesia    ad    Sipylnm,    Mi.    4,    73,    396    aus  50  wie   alle   wertvollere   Metall-   und   Textilware, 

Gab.  Cousine'ry;  vgl.  Head,  H.  N.  p.  551.  in   den  phönizischen  Kulturkreis   (vgl.  Heibig, 

Ihr  Haupt  mit  der  Beischrift  6IPHNH  •  NY-  Hom.  Ep°s'~  19)>  "wobei  zu  berücksichtigen  ist, 

CA6QN  findet  sich  auf  dem  Obv.  autonomer  M.  dafs    die    homerische    Tradition    ja    nur    den 

von   Nysa   (Liebe,   Gotha  num.  p.  336,   woher  Namen  Sidonier  kennt,   nicht  den  der  Tyrier, 

bei  Eckhcl,  F).  N.  V.  2    p.  586    und  bei   Mi.  der  bei  den  historischen  Schriftstellern  über- 

3,  363,  348.    T.  Combe,   Vet.  pop.  et  reg.  numi  wiegt,   sich  also   vor  dem  Aufkommen  dieser 

qui  in  Mus.  Brit.   adseroantur  p.  178   nr.  1);  Macht,    d.   h.   vor   Schlufs    des  zweiten  Jahr- 

auch    verzeichnet    Mi.    365,   361    eine    Münze  tausends  festgesetzt  haben  mufs.    Zcnodot,  der 

des    Domitian    von   dieser   Stadt   mit  der   an-  offenbar  an  dem  Plural  i'gieaiv  Anstofs  nahm, 

geblichen    Obvers-Urnschrift    EIPHNH  ■  AOMI-  go  vielleicht    auch    das   Bild  nicht  ganz    begriff, 

TIANOY  ■  AYTOKPATOPOI.     [Dresler.]  schrieb   igi'äsaaiv,    vielleicht   ohne    darum    — 

Iria(y)     Auf  Grund   der   Inschrift   C.  I.  L.  was    ihm    seine   Gegner,    s.   Schol.  z.  H.,    in- 
3,  3033  (aus  Fianone)  Irie  .  Veneri  \  C  .  Vale  . 

Uptati  .  f\  Felicula  I  V.   S.   7.   m  will  Mommsen  *>   Die   Auffassung   einiger  Seholien,  welche  i  sich 

in  der   folgendermafsen   überlieferten  Inschrift  ™^™^  und  2  darüber  sich  aufbäumende .Schlangen- 

-.           f,/\n«    /    i        r  n                tt               \     -r/  •            4          '  köpfe  unterscnemi'ii,    sclu-mt.  soweit  man  urteilen  kann, 

das.  3032  (ebenfalls  aus  Fianone)  Ikiae .  Aug  \  ohne  dle  erkläl.ende'  Zeiclmung  im  Tu,,ni<nan,ls  geseheu 

m  .  memonam  |  Vfijbiae  .   Portiae  \  matns  \  zu  habeil]  auf  eine  i-orm  äblliiCh  der  Schuchharm,  SchUe- 

Aquilia    .  Q   .    f  .     Colatina   \   d    .    d    für'  Ikiae  manm  Ausgr.  nr.  169.  170  hinzuführen. 


321   Iris  (Beziebg.  z.  Regen  u.  Flufswasser)  Iris  (aus  der  Styx  schöpfend)         322 

sinuieren  —  beides  für  identisch  zu  halten,  nien,  mochte  dies  auch  vielleicht  nur  griechi- 
wie  es  einer  späteren  Etymologie  beliebte.  sehe  Umformung  eines  barbarischen  Namens 
2.  Iris  und  die  Feuchtigkeit.  (der  frühere  klang  angeblich  'EgCSiog  Arrian 
a)  So  einfach  die  Naturvorstellung  be-  b.  Eust.  z.  Dion.  Per.  783)  sein;  sowie  die 
schaffen  ist,  'Zeus  spanne  den  Bogen  am  Inder-Mythologie  des  Hellenismus,  wo  Iris  und 
Himmel  aus',  oder,  wie  es  bei  den  LXX  Mos.  Hydaspes  zu  Kindern  des  hesiodischen  Paares 
1,9,13  heifst,  'siehe,  meinen  Bogen  habe  ich  Thaurnas  und  Elektra  gemacht  sind:  fjg  <xnb 
gesetzt  (vgl.  exr/gt^i)  in  die  Wolken',  so  haben  Xiv.xgiov  \  v.al  jtoxaubg  ßXctGxrjOS  y.al  äyysXog 
sich  doch  beide  eine  Umdeutung  gefallen  Ovgavtcövcov,  j  Igig  atlh)scocc  -nal  iöy.vgh9gog 
lassen  müssen:  die  homerische  als  ein  Kriegs-  10  'Täctonyg,  Norm.  26,  359.  Vgl.  noch  die  sonder- 
bogen der  Göttin  Iris  (El.  H.  Meyer, Gandharven-  bare  Etymologie  (Etym.  Qua.  'Igig)  von  §siv 
Kentauren  161),  die  hebräische  als  ein  solcher  v.cel  v.ivsiv  xbv  bfißgov  (die  La.  des  Etym.  M.: 
des  alten  'Regengottes  Joseph'  (Goldziher,Mytli.  nagü  xb  xngtiv  ■/..  x.  r.  o.  ist  für  Dittographie 
bei  d.  Hebr.  157).  Ohne  darauf  einzugehen,  des  xb  zu  erachten).  Vgl.  auch  Suid.  s.  v.  xrjg 
notieren  wir  blofs  den  verschiedenen  Eindruck  i'giSog  xb  %Xoigbv  äigog  aqu.uvxiv.6v  xb  nvggbv 
des  Phänomens  bei  den  zwei  Völkern  selbst.  nv^vauxeov  xb  äi  fiiXavi^ov  vSäxcov.  —  Zu 
Für  das  heitere  Farbenspiel,  welches  etwa  dem  Wassersaugen  aus  den  Flüssen  vgl.  He- 
nach  schwerem  Gewitter  'der  unter  Thränen  siod.  O.etD.  545  ff.,  wo  die  Winde  dies  thun, 
lächelnde'  Himmel  entfaltet,  für  'das  Zeichen  und  die  ziemlich  alten  Münzen  von  Mallos 
des  Bundes' oder  der  Versöhnung  zwischen  Gott  20  mit  Iris  und  Winden,  letztere  über  einen 
und  Menschen,  hatte,  wie  es  scheint,  der  stierleibigen  Flufsgott  dahinjagend  (Svoronos, 
Grieche  kein  Gefühl.  Es  war  und  blieb  ihm  Ztschr.  f.  Num.  1888  Taf.  10  p.  231).  Damit 
ein  xigctg,  eine  Unruhe  erweckende  Monstrosi-  hängt  vielleicht  die  seltsame  Vorstellung  bei 
tat.  Die  ganz  einseitige  Auffassung  als  ein  Aetius  zusammen,  deren  Vertreter  übrigens- 
Vorzeichen  von  Regenwetter  (über  deren  nicht  mit  Lobeck,  Agl.  895°  unter  den  Pytha- 
etwaige  klimatische  Berechtigung  vgl.  Cor-  goreern  zu  suchen  sind  (vgl.  Aelian,  V.  H. 
nelius,  Meteorologie  §  311  S.  647  f.)  beherrscht  4,  17.  Diels,  Doxogr.  Gr.  372). 
das  ganze  griechisch-römische  Altertum.  ''Igig  b)  Au  einer  jüngeren  Stelle  der  hesio- 
ä'  ix  TciXdyovg  avtyov  cpsgfi  r]  tityuv  bußgov  dischen  Theogonie  775  ff.  wird  die  in  den  Re- 
sagt  'Eji7rErVo>di]s  ti'xe  xig  xeov  ixigcov  beiTzetzes  30  gionen  der  Nacht  und  des  Hades  gelegene 
(Allegor.  Hom.  II.  15,  82,  vgl.  24,' 71),  der  nur  Behausung  der  Styx  beschrieben,  welche 
diesen  Anfangsvers  in  seiner^  Quelle  vorfand*)  letztere  dort  eigentlich  eine  Quelle  und  nur 
(Matranga,  Anecd.  gr.  1).  Ähnlich  behauptet  oberflächlich  mit  der  Hülle  der  Personifikation 
Anaxagoras  von  der  Iris:  y^nicovog  oiv  iaxi  umkleidet  ist.  Wenn  einer  der  Götter  lügt, 
cviißoXov  xb  yag  nigiyiofiivov  väcog  reo  vtcpsi  heifst  es  da  (v.  785),  sendet  Zeus  die  Iris  iiiyuv 
üvifiov  InoirjOtv  r)  i£s%ssv  bu.ßgov  (Schol.  Hom.  og%ov  ivslxui,  xrjXo&tv  iv  %gvairj  iigo%6co, 
P  647;  das  vollständige  Citat  intakt  nur  im  noXvcovvuov  väcog  x.  x.  X.,  ein  Wasser,  welches 
Townleianus  ed.  Maafs).  Schol.  Hom.  W  199  den  Meineidigen  in  einen  todesähnlichen  Schlaf 
lag  rj  Igig  cpavtica  noXXdv.ig  uviticov  v-ivveiv  versetzt,  dem  Unschuldigen  aber  offenbar  nicht 
örjXoi  v.xX.  Schon  am  Altar  des  amykläischen  40  schadet.  So  unrichtig  es  wäre,  Bildwerke  des 
Apoll  war  die  Figur  der  Iris  mit  Meergott-  5.  Jahrhunderts,  welche  die  schwebende  Iris 
heiten  verbunden,  wie  sie  es  auch  auf  er-  mit  Kanne  in  der  Hand  darzustellen  scheinen, 
haltenen  Monumenten  des  5.  Jahrhunderts  ist  auf  die  Theogonie  und  das  Styx -Wasser  zu 
(s.  unten  Sp.  340).  Später  macht  sich  die  beziehen,  so  erwägenswert  ist  die  Meinung, 
Idee  geltend,  dafs  Iris  die  Feuchtigkeit  zu  dafs  der  Dichter  dieser  Episode  solche  Dar- 
den  Wolken  heraufziehe:  Plaut.  Cure.  1,  2,  41  Stellungen  der  Feuchtigkeit  sammelnden  oder 
ecce  autem  bibit  arcus;  hercle  credo  hodie  pluet.  spendenden  Göttin  bereits  gekannt  habe  (wenn 
Verg.  G.  1,  380  bibit  ingens  arcus.  Ovid  Met.  auch  nicht  die  von  Müchhöfer,  Anf.  d.  Kunst  69 
1,  270  coneipit  Iris  aauas  alimentaque  nubibus  auf  Iris  bezogenen  Mischgestalten  der  Insel- 
adfert.  Senec.  trag.  Oed.  319  imbrifera  iris.  50  steine,  s.  Bildwerke  §  7).  Vgl.  Welcher,  Götterl. 
Stat.  Theb.  9,  405  beschreibt  den  Flufsgott  in  3,  43,  dessen  Warnung  vor  einer  Verwechse- 
seiner Grotte,  unde  aurae  nubesque  bibunt  atque  lung  der  beiden  Vorstellungen  auch  auf  seine 
imbrifer  arcus  pascitur.  Aetius  (Pseudo-Plut.)  Ausgabe  von  O.  Mißlers  Handb.d.  Arch.ip.6bl,  6 
plac.phil.  3,5  (vgl.  Diels,  Doxogr.  Gr.  371  ff.)  Sib  auszudehnen  ist.  Übrigens  sind  gegenüber  dem 
v.al  iuv&^vaavxö  xtvig,  avxrjv  xavgov  y.scpaX.rjv  neuesten  Herausgeber  der  Theogonie  (Bzach) 
txovaav  cevaggocpiiv  xoig  noxay,ovg.  Tzetz.  die  vv.  780  —  782  mit  älteren  Kritikern  als 
Allegor.  Hom.  II.  24,  51  r\  d'  'Igig  üvtggocfiriesv  Interpolation  zu  verwerfen;  sie  unterbrechen 
iygbv  £k  xov  nsXäyovg.  Nur  bei  dem  späten  die  Beschreibung  der  Styx  und  ihrer  Bedeu- 
Quintus  Smyrnaeus,  in  einer  sonst  ganz  home-  tung  für  die  Götterwelt  und  nehmen  das  aus- 
risch  gehaltenen  Stelle  1,  64,  freuen  sich  die  60  führlich  zu  beschreibende  Mysterium  sum- 
Landleute  wenigstens  beim  Anblick  des  Regen  inarisch  vorweg,  indem  sie  zugleich  die 
verheifsenden  Zeichens.  —  Wie  weit  sich  die  Person  der  Iris  ungeschickt  in  den  Vorder- 
Verwandtschaft    der    Iris    mit    dem    feuchten  grund  stellen. 

Element   erstreckte,    zeigt  der    Name    Iris   (s.  3.    Iris    und    Zephyros.     Auf   Grund   jener 

Iris  2)   eines   reifsenden  Flusses   in  Paphlago-  weitreichenden    Vorstellung,    für    welche    Iris 

und  der  Regenwind  unzertrennlich  sind,  dichtet 

*)   15,   87   ist   statt   ifiol   ßißZto9jxn  zu  lesen  i,u,  Alkaios  (oder  berichtet  wenigstens  als  der  erste), 

fiifiXio»ijx>).  Iris  habe  sich  dem  Zephyros  vermählt  und  den 

Koscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol     II.  11 


323                   Iris  (und  Zephyros)  Iris  (und  die  Winde)                 324 

Eros  geboren  (BergJc,  fr.  *13B,  4.  Aufl.).  Mit  Sinn  der  hesiodischen  Genealogie  trifft  Cic. 
Zephyros  ist  der  befruchtende,  nach  manchen  not.  deor.  S,  20,  51  und  Aetius  (Ps.-Plut.)  plac. 
heftige,  nach  anderen  sanfte,  im  Elysium  phil.  3,  5,  der  nur  nicht  hatte  den  Plato  dafür 
wehende  Regenbringer  gemeint,  mit  dem  Sohne  anführen  sollen.  Was  die  Mutter  anlangt,  so 
vielleicht  der  'Trieb  des  Wachstums'  (Welcher,  können  bei  der  Wahl  eines  so  verbreiteten 
Götterl.  3,  43),  doch  gewifs  nicht  ohne  den  Ge-  Namens  wie  Elektra,  hinter  der  sich  immer 
danken  an  die  schillernden  Farben  und  goldenen  Gestirnglanz  verbirgt  (s.  Wilamowite ,  Herrn. 
Flügel  der  Mutter,  die  man  später  kuf  Gemmen  14,  457  ff.),  die  verschiedensten  Traditionen 
auch  mit  Scbmetterlingsfiügeln  sieht  {Bild-  mafsgebend  gewesen  sein,  vielleicht  gar  die 
werke  §  7;  vgl.  Fleckeisens  Jahrb.  1875  S.  605ff.).  10  samotbrakische  Mutter  der  windebeherrschen- 
Eine  so  zarte  Dichtung  war  ganz  nach  dem  den,  Schiffe  errettenden  Göttin;  vergleiche 
Geschmack  der  Alexandriner,  die  ihr  denn  Sp.  335 f.  Da  aber  das  hesiodische  Elternpaar 
auch  zu  weitester  Verbreitung  verhalfen  (IVieocr.  nur  zur  Iris,  nicht  zu  den  Harpyien  erkenn- 
Id.  17,  134.  Nonnus  Dion.  31,  106  ff.  47,  341  f.  bare  Beziehung  hat,  so  müssen  die  Geschwister 
Flut.  Amat.  20.  Etym.  Gud.  278,  17.  Schol.  unter  einander  um  so  enger  verknüpft  sein. 
Tmvnlei.  Hom.  W  203.  Eustath.  II.  391,  24.  Alles  Gewicht  fällt  hier  also  auf  die  Sehnellig- 
555,  30,  wo  'einige'  ■ — aus  diesem  Grunde  und  keit,  welche  Iris  schon  nach  den  homerischen 
weil  Iris  bei  Homer  die  Venus  rettet  —  sogar  Beiworten  der  Götterbotin  mit  den  Sturm- 
einen erotischen  Charakter  bei  ihr  heraus-  dämoninnen  teilt.  Unter  anderem  ist  Iris 
geklügelt  haben).  Noch  Marianus,  Anth.  Pal.  9,  20  äsXXönog  in  &  und  ß,  die  leibliche  Schwester 
668  benutzt  diese  anmutigen  Motive:  H  v.albv  der  hesiodischen  Agllo;  vgl.  Norm.  31,  111 
äXaog  "Egoazog,  oirof  xaXä  SsvSgsa  zavza  |  Igig  —  äeXXr)ivzi  tziSlXco.  26,  359  üiXXr]£OGu. 
7iQ7}vg  inmvtiwv  äiAcptdovei  Ztyvgog  .  . .  biiTio&i  Wenn  die  Harpyien  sich  fit zct%göviui  bewegen, 
äi vSgiqsvza  -\ysga>v  nagctvri%tzai  lote*)  |  %S>-  d.  i.  zwischen  Himmel  und  Erde  (fiszecogoi, 
gov  *.  z.  X.  Ich  glaube  das  weitbekannte  Ge-  wie  man  nach  Schol.  z.  St.,  Apoll.  Rh.  2,  300. 
dicht  auch  bei  lohatines  Lydus  de  mens.  p.  117,  587  Scholl,  und  Nonn.  20,289.  42,  1.  Suid.  s.  v. 
16  Beide,  citiert  zu  sehen:  "Egazi.,  6v  01  fiv&i-  wohl  allgemein  versteht;  s.  Schömann,  Op.Ac.2 
nol  Zsrpvgov  zov  yiyavzog  slvai  naiSct  a|ioD-  p.  150),  so  möchte  sich  damit  vergleichen 
aiv,  äg  cprjGLV  fEvgvzog  b  AAK[iSai(ioviog  fi\s-  lassen,  was  Hom.  hymn.  in  Cer.  317  von  Iris 
konoiög'  äg%szai  <5f  ovrcog'  dyaXuoeiSlg  "Egag,  30  selbst  gesagt  wird:  xul  tb  jiser/yv  Si.fSgai.iev 
wo  der  apokryphe  Dichtername  doch  wohl  das  cohck  ttoSs ootv.  Vielleicht  ist  es  hier  am  Platze, 
aus  der  vorigen  Zeile  eingedrungene  -neu  Ei'gi-  an  den  Namen  Aiolos  des  Windebeherrschers 
d'og**)  verbirgt  und  der  wahre,  b  AAKutog,  gar  zu  erinnern  und  daneben  das  Citat  aus  Achaios, 
nicht  zu  verkennen  ist;  sollte  die  Lücke,  wie  es  dem  Dichter  der  Iris,  zu  stellen:  ctiöXr]'  r)  za- 
nach  dem  Text  des  Herausgebers  scheint,  für  #£?<*.  ovzcog  'A%aiog  (fr.  46  Nauck,  Trag.  Frgm.1 
einige  Buchstaben  mehr  Baum  bieten,  so  p.  587;  -fr.  48  p.  757);  leider  ist  der  Name 
würde  ein  Adjektiv  kein  Bedenken  haben.  Das  des  Stückes  nicht  angegeben ;  vgl.  aber  Ari- 
neugewonnene  Citat  ist  natürlich  zusammen-  ttoph.  Av.  1204  'Igig  ta%iia.  Es  ist  dies  die 
gezogen  und  ist  so:  'Ay.  _  u  ^  _  "Egmg  oder:  einzige  Göttin,  welcher  Homer  Flügel  giebt,  mag 
'Ay.  _  ^  "Egcog  u  _  zu  ergänzen.  Da  jene  Ver-  40  auch  eine  veraltete  Theorie  (von  Vofs,  wieder- 
sion,  wie  Eustathios  und  das  Tlieokrit-Scholion  auflebend  in  langbthris  Flügelgestalten  1881) 
z.  St.  zeigt,  in  die  Kommentare  aufgenommen  dieses  Attribut  zum  symbolischen  Ausdruck 
und  durch  die  verschiedensten  Hände  gegangen  verflüchtigen.  Dafs  die  Utas  ein  paar  Mal 
war,  so  hat  es  nichts  Befremdliches,  dafs  bei  'fliegen'  in  dem  Sinne  gebraucht  wie  wir 
Lydus  eine  bekannte  und  in  den  Lexicis  glos-  von  Bedienten,  verschlägt  nichts  gegenüber 
sierte  Tragikeratelle  Zeyvgov  yiyavzog  avga  einem  xgvoönzzgog  (vgl.  C  §  1);  ebensowenig 
(Aesch.  Ag.  669,  vgl.  Hesych.  v.  yiyavzog)  sich  die  Vergleichung  der  Bewegung  zweier  eilen- 
angesetzt hat.  den  Göttinnen  mit  dem  Schritte  der  Tauben, 
i.  Iris  und  die  Winde.  Anstatt  des  home-  E  778,  ein  Vers,  der  hymn.  in  Apoll.  Del.  114 
rischen  zigag  betont  in  uns  sympathischerer  50  für  Iris  und  ihre  dortige  Begleiterin  be- 
weise das  ftctvfia  Hcsiod  Theog.  265,  indem  nutzt  ist  und  im  letzteren  Sinne  von  Ari- 
er von  dem  Elternpaare  Thaumas  und  Elektra  Stoph.  Av.  575  verwertet  wird.  —  Sehr  merk- 
ausgeht: r;  ä'  ärnsiav  ziiiiv  'Igiv  \  gvxofiovg  &'  würdig  ist  eine  Scene  der  Ilias  W  198  ff.,  also 
'Agnviag  'AfXXco  z'  'SlHvnizrjv  ze,  |  ai  g'  ävifuav  aus  einer  alten  und  wertvollen  Partie,  wo 
nvoiijei  iiul  olcovoig  aft  inovzai  \  üxit'yg  nzsgii-  Achill  zu  den  Winden  Boreas  und  Zephyros 
yicef  (Ltzuxgoviai  yag  i'aXXov.  Vgl.  Apollod.  fleht,  sie  möchten  kommen,  Patroklos' Scheiter- 
bibl.  1,  2,  6.  —  Plato  (Theact.  135 D)  spielt  häufen  anzufachen,  und  Iris  in  etwas  anderer 
mit  dieser  Genealogie,  um  vom  Q-av^d^iv  den  Funktion  als  sonst  bei  Homer  dieses  Gebet  hört 
Ursprung  der  Himmelsbotin  Philosophie  ab-  und  den  Winden  überbringt.  Sie  findet  die 
zuleiten    (vgl.    weiter    unten).     Den    richtigen  (io  Winde   im   Hause    des   Zephyros    schmausend, 

widersteht  aber  deren  Drängen  zum  Verweilen 

*)  [Hier  ist  offenbar  nicht  die  Göttin,   sondorn  der  mit   der  Ausrede,    sie    müsse   fort  zum   Gölter- 

Fiufs  Iria  gemeint,  der  an  Amaseia  vorüberfliefst,  wo  mahle    ins   Aithiopenland;    aber    Achill    flehe 

sieb    das    von    llarmnos   besungene    ittao;  "Eguno;    be-  u.  s.  w.     Darauf  kehrt  sie  um,   und  die  wilden 

fand.    Gewifs  mit  Kocht  hat  deshalb  Scaüffer  statt  des  C;esellen  stürmen  ihr  nach,  dichte  Wolken  vor 

unverständlichen  y^v  vermutet:  $«im  E]  ;  h  nertreibemi    Wiv  werden  sehen,  dafs  die 

**)    Dies    die    spater   gewöhnliche    Schreibung;    z,  B.  ...         T,.         ,    ,,                      T   ■                j.           i     m     1 

miojem.  de  piet.  p.  30  o.  und  die  unten   Sp.  337   an-  beiden  Ihasstellen,   wo  Ins  sonst  noch  Sterb- 

gefübrten  Beispiele.  liehe  aus  eigenem  Antrieb  aufsucht  und  unter- 


325        Iris  (d.  Götterbotin  in  d.  Ilias) 

stützt,  wie  hier  den  Achill,  viel  jüngeren  Ur- 
sprungs und  mit  dieser  nicht  auf  eine  Linie 
zu  stellen  sind.  Hier  möchte  man  wirklich 
mit  den  antiken  Kommentatoren  jene  weit- 
verbreitete physikalische  Idee  erkennen ,  dafs 
Iris  die  Winde  herbeiführe.  Ihre  Verbindung 
mit  diesen  Elementen  ist  so  weitverzweigt, 
dafs  Alkaios  nicht  einmal  nötig  hatte,  sich 
gerade  auf  W  zu  stützen.  Spätere  haben 
jedenfalls  den  Homer  in  diesem  Sinne  ver- 
standen; nicht  erst  Quint.  Smyrnaeus,  bei  dem 
12,  193  Iris  die  Winde  an  den  Wagen  des 
Zeus  spannt  und  14,  466  dieselben  vom  Aiolos 
herbeiholen  mufs;  schon  Apollonios  Mliod.  Arg. 
2,  764  ff.  schickt  sie  zu  solchem  Zwecke  zum 
Aiolos,  wie  er  sie  ebenda  nach  dem  Vorbild 
von  Sl  78  zur  Thetis  gehen  läfst.  —  Wollte 
man  eine  besondere  Beziehung  der  Iris  zum 
Achill  und  seiner  Familie  betonen  (s.  unten), 
so  würde  sich  damit  nicht  viel  ändern;  denn 
dieser  wird  auch  sonst  von  Windgöttern  be- 
dient, wie  seine  Bosse,  die  Geburten  der 
Harpyie ,  zeigen.  Wenn  Ptolem.  Heph.  N. 
H.  6  p.  195,  25  Westerm.  behauptet,  Achill 
habe  rcoädg-ung  nach  einer  gewissen  "4pxij  ge- 
heifsen,  einer  Tochter  des  Thaumas  und 
Schwester  der  Iris,  so  spielt  diese  späte 
Fiktion  zwar  mit  dem  lateinischen  Worte  für 
Regenbogen  (arcus,  rö'gov),  braucht  aber  ihrem 
Kerne  nach  (d.  i.  der  Verbindung  Achills  mit 
Iris)  ebensowenig  von  dem  Fälscher  herzu- 
rühren wie  die  Geschichte  von  Achills  Rossen 
5  p.  192,  2,  die  sich  zum  Teil  schon  bei 
Diodor  6  fr.  3  Dindf.  Eustath.  II.  p.  1190,  55 
findet. 

E.    Die  Götterbotin. 

1.  Ilias.  O  143:  Als  Zeus  sieht,  dafs  die 
Achäer  mit  Poseidons  Hülfe  die  Troer  zurück- 
drängen, läfst  er  durch  Hera  eiligst  Iris  und 
Apollon  herbeirufen,  jene,  dafs  sie  dem  Posei- 
don Einhalt  gebiete,  diesen,  um  Hektor  zu 
neuem  Kampfe  anzustacheln.  So  geschieht 
es:  H.Q7]  ä  'AtiÖWowcl  v.aX^GGaxo  dcoatxtog 
txrij  |  'Igi'v  &',  fjrf  &10101  pstäyyilog  cc&ctvd- 
ioieiv.  Die  beiden  finden  Zeus  auf  dem  Gargaros 
in  einer  Wolke  thronend.  Iris,  die  zuerst  die 
Befehle  empfängt,  eilt  herab,  170:  d\g  S'  oV 
dv  EX  VS(pi(OV  TtTTjTtti  vitpctg  iji  ydla^a  |  ^'VXQfj 
vno  girtfjg  ciL&gnysvsog  Boghto,  |  cog  Hgumväg 
titjiaviu  Siintazo  cöxia  *Igig.  0  397 — 425 
werden  ihre  Funktionen  als  bekannt  voraus- 
gesetzt. Zeus  sendet  sie  aus,  der  Athena  und 
indirekt  auch  der  Hera  Einhalt  zu  gebieten, 
aber  das  Ganze  ist  kürzer  gehalten  und  erinnert 
in  der  Ausdrucksweise  an  O,  welches  Buch 
sich  überhaupt  mehr  in  die  Götterverhältnisse 
vertieft.  Übrigens  sind  die  Verse  0  420 — 424 
teils  als  zu  schroff  im  Munde  der  Botin  (Sehol.), 
teils  als  Übertreibung  von  Zeus'  Worten  (vgl. 
Kayser,  Homer.  Ahhandl.  p.  50)  längst  als  Inter- 
polation erkannt.  Farblos  ist  A  285,  wo  Zeus  sie 
entsendet,  um  Hektor  zum  Kampf  gegen  Aga- 
memnon anzutreiben.  Dahingegen  wird  Iris 
E  166,  nach  dem  Tode  des  Patroklos,  heimlich 
(■ngvßSa  Jtbg)  von  Hera  zum  Achill  gesandt,  der 
sie  fragt,  wer  von  den  Göttern  sie  schicke.  Sonst 
tritt  sie  als  Botin,  und  zwar  des  Zeus,  noch  in  £1 


Iris  (d.  Götterbotin  in  d.  Ilias)        32G 

mehrmals  auf,  aber  sie  teilt  in  jenem  ganz 
späten  Buche  ihre  Rolle  bereits  mit  Hermes, 
den  —  dahin  ist  Boschers  Darstellung  Bd.  1 
Sp.  2388,  38  ff.  zu  modificieren  —  die  Hias 
sonst  überhaupt  nicht,  sondern  erst  die  Odyssee 
als  Götterboten  kennt,  Schal.  Od.  s  29.  Die 
antiken  Erklärer  bemerken  zu  den  Worten  des 
Zeus  Sl  334  'Egfitia,  aol  ydg  ts  fidliatd  ye 
cpUzaröv  iexiv   dvSgl  itctigCaaai.  —  folgendes: 

10  'Der  Dichter  überhebt  uns  der  Frage,  warum 
Hermes  und  nicht  wie  sonst  Iris  als  Bote  der 
Götter  auftritt.'  Wir  werden  dies  heute  viel- 
mehr so  ausdrücken:  der  Dichter  dieser  Partie 
empfindet  die  Notwendigkeit  gegenüber  dem 
Gebrauch  der  Ilias,  die  Einführung  des  seiner 
Zeit  bereits  vertrauten  Boten  zu  motivieren; 
die  ganze  Beschreibung  seiner  Person,  Attri- 
bute und  Potenzen  340-348  trägt  dieser  Neu- 
heit Rechnung.     Die  Erwägung,   dafs  es   sich 

20  um  Entfernung  eines  Leichnams  handelt  (der 
Diebstahl  nach  Muster  von  E  390),  darf  uns 
über  die  veränderten  Anschauungen  nicht 
täuschen:  bei  einem  mit  Hermes'  Botenamt 
nicht  vertrauten  Dichter  würde  Iris  den  Leich- 
nam des  Hektor  ebenso  unbedenklich  auf- 
gehoben haben,  wie  Eos  den  ihres  Sohnes. 
Auf  die  Rolle  der  Iris  in  fl  kommen  wir  noch 
zu  sprechen.  —  Selbständig,  auf  niemandes 
Geheifs,  greift  sie,   aufser  in  dem  bereits  be- 

30  sprochenen  ^F,  an  drei  Stellen  ein,  die  sich 
aber  meines  Erachtens  auf  eine  reducieren. 
E  353—369  führt  sie  die  verwundete  Aphro- 
dite aus  dem  Kampf  und  fährt  dieselbe  auf 
Ares'  Wagen  zum  Olymp,  wo  sie  die  Pferde 
ausspannt  und  füttert.  In  einer  weit  jüngeren 
und  nebenbei  aus  der  Kleinen  Ilias  ungeschickt 
interpolierten  (143.  144)  Partie  T  121  tritt 
Iris  in  Gestalt  von  Antenors  Gattin  zu  Helena 
ins  Zimmer  und  ruft  sie,  sich  den  Kampf  ihrer 

40  beiden  Gatten  Menelaos  und  Paris  anzusehen, 
der  über  ihr  eigenes  Schicksal  entscheiden 
werde.  Keiner  der  Götter  hat  an  dieser  rein 
weiblichen  Angelegenheit  ein  Interesse  aufser 
etwa  Aphrodite;  und  es  seheint,  dafs  der 
jüngere  Dichter  die  Dienstleistungen,  welche 
Iris  in  E  der  Göttin  erweist,  hier  auf  deren 
Schützling  übertragen  hat;  es  ist  aber  etwas 
sehr  Verschiedenes,  ob  die  Göttin  eiue  andere 
Göttin  durch  die  Luft  trägt  oder  einer  sterb- 

50  liehen  Frau  eine  derartige  Boudoirmitteilung 
macht.  Von  r  wiederum  ist,  wie  Hüntzer,  Homer. 
Ahhandl.  207  erkannt  hat,  die  ganz  schlechte 
Iris -Partie  in  B  abhängig  (wegen  des  in 
die  Ratsversammlung  nicht  passenden  Verses 
790  =  T  129);  es  ist  dies  (v.  786  —  806)  die 
Meldung  von  dem  Anrücken  des  Griechen- 
heeres, welche  Iris  den  versammelten  Troer- 
fürsten bringt  und  zwar,  wie  die  interpolierten 
Verse  791 — 794  besagen,  indem  sie  die  Stimme 

CO  des  schnellfüfsigen  Prianiossohnes  Polites  an- 
nimmt, der  als  Späher  auf  hoher  Warte  sitzt. 
Eine  Schilderung  des  überwältigenden  Ein- 
druckes ,  den  das  anrückende  Heer  auf  die 
Troer  resp.  den  Kundschafter  machte  (beson- 
ders 798  ff.),  im  Munde  der  Göttin  auffallend 
ungeeignet,  kann  in  einem  troischen  Epos 
nicht  gefehlt  haben,  wenn  sie  auch  nicht  erst 
im  zehnten  Jahre  vorkam :  die  hier  so  schlecht 

11* 


327       Iris  (d.  Götterbotin  im  alt.  Epos) 

verwendeten  Bestandteile  werden  um  so  eher 
in  einem  alten  Gedicht  von  der  Art  der  Kyprien 
gestanden  haben,  als  wir  durch  die  Troilos- 
scene  der  Francoisvase  wissen,  dafs  die  Bolle 
des  Polites  dort  eine  ganz  ähnliche  war 
{Robert,  Bild  u.  Lied  17).  Iris  ist  in  B  und 
V  nicht  viel  mehr  als  sonst  eine  tprjiir)  oder 
oaca  (Tgcoaiv  ö'  ciyytXog  rfi&s  it.  tu.  'Igig  nag' 
Jiog  aiyiöxoio.  —  '[gig  ö'  .  .  ayyiXog  rfidsv), 
und  so  scheinen  einige  Grammatiker  die 
Stellen  aufgefafst  zu  haben:  vgl.  Etym.  M.  und 
Hesych.  s.  v.  ""Igig  =  <j>r}ft7j  (unter  anderen 
Erklärungen).  Ob  dies  aber  im  Sinne  der 
alten  Dichter  war,  darf  man  sehr  bezweifeln. 
Die  alten  und  echten  Irisscenen  trafen  einen 
ganz  anderen  Charakter,  so  auch  in  Sl,  wohin 
wir  uns  zurückwenden.  —  Die  Sendung  an 
Priarnos,  wo  Iris  obenein  nur  das  Kommen 
des  Hermes  anmeldet  (182),  ist  unbedeutend. 
Aber  voraus  geht  eine  Episode,  wo  Hera  ein- 
gehend der  Hochzeit  von  Peleus  und  Thetis 
gedenkt:  60 ff. ,  wo  auf  Zeus'  Anregung,  ob 
nicht  jemand    die  Thetis    herbeiholen    wolle, 


Fig.  1:  Iris  in  dem  Hochzeitszuge  den  Güttern  voran- 
achreitend,Scene  d.  Francoisvase  (n.  Wiener  Vorl.-Bl.\SSS,2). 

Iris  sich  ins  Meer  stürzt,  wie  ein  losgeschnellter 
Schlenderstein  unter  die  Fische,  und  Thetis 
gramerfüllt  in  ihrer  Grotte  findet,  tief  in  ihren 
dunkeln  Schleier  gehüllt,  über  den  man  in 
den  Scholien  vergebens  eine  genügende  Er- 
klärung sucht;  denn  so  trauert  nur  eine  Mutter, 
die  ihr  Kind  verloren.  Deutet  hier  alles  auf 
Benutzung  eines  besonderen  Gedichtes  vom 
ytiuog  flrjXhog  Kai  ftiTidog  {M'ilamoieits,  Hermes 
14,  201),  die  tiefe  Trauer  auf  die  ehemals  an 
Sl  704  angeschlossene  Aithiopis  {Kinkel,  fr. 
ep.  p.  34,  vgl.  Sehol.  Townl.  z.  St.),  wo  die 
Mu.-en  den  dgtjvog  sangen,  wie  dort  das  Hoch- 
zeitslied, so  bringt  die  Francoisvase  noch 
weiteres  Licht  in  die  Scene.  Iris,  nicht  Her- 
mes, ist  es,  die  auf  dem  Hochzeitszuge  den 
Göttern  voranschreitet  (s.  ob.  Abbildg.),  an  der 
Seite  Cheirons ,  dessen  hesiod  ische  Gattin 
Chariklo  nebst  Dionysos,  Demeter  und  Hestia 
den  weiteren  Vortrab  bilden.  Der  Zug  holt, 
wie  gegenüber  anderen  Auffassungen  zu  be- 
tonen ist,  die  Braut  aus  ihrer  Wohnung  ab 
und  wird  sie  schliefslich  nach  dem  Pelion 
hinaufgeleiten,  wo  nach  der  altepischen,  auch 
anfderKypselosladebenutztenVersion(iosc/(cA;e, 
Borpat.  Programm  1880.  6)  in  Cheirons  Höhle 
das    Beilager    stattfindet.      Was    ist   hier    die 


Iris  (d.  Götterbotin  im  alt.  Epos)      328 

Bedeutung  der  Iris?  Erscheint  sie  nur  als 
Heroldin,  wie  in  einem  anderen  Berichte  Her- 
mes (s.  MarJcseheffel ,  Hesiod.  cett.  Fragm. 
p.  157,  2)?*)  Das  ist  möglich,  läfst  aber  noch 
Baum  für  eine  weitere  Vermutung.  Theokrit 
13,  131  beruft  sich,  um  die  Ehe  eines  fürst- 
lichen Geschwisterpaares  zu  beschönigen,  auf 
das  Beispiel  der  Rheakinder:  ;'i»  di  Xixog 
GTOQVvsiv  lavtiv  Zr]vl  Kai  "Hgn,  \  %eiQctg  qpo<(3rj- 

10  aaaa  (.Lvgoig  i'zi  nag&ivog  Igtg.**)  Man  wird, 
absehend  von  der  in  letzten  Worten  ent- 
haltenen Anspielung  auf  Älkaios'  Gedicht  (ob. 
A  §  3),  eine  möglichst  ehrwürdige  Quelle  anzu- 
nehmen haben,  welche  bei  diesem  starken 
politischen  Anlafs  wieder  zu  Ehren  kam.  Auch 
ein  pompejanisches  Gemälde  zeigt  Iris  als 
Brautführerin  der  Hera  bei  jenem  Beilager 
(gewöhnlich  sagt  man  bei  der  änäzrj  auf  dem 
Ida  a).     Das   Motiv,   welches   sich   bei  einem 

20  jüngeren  Moment  aus  dem  Botendienst  un- 
schwer erklären  würde,  scheint  hier  nicht  der 
mythologischen  Bedeutsamkeit  zu  entbehren, 
wo  mit  einer  in  der  Kunst  seltenen  Be- 
wufstheit  und  Absichtlichkeit  die  Götter  nach 
ihrer  Bedeutung  (Brot,  Wein,  häuslicher 
Herd;  vgl.  Eurip.  fr.  8841  =  892-)  ausgewählt 
sind.  Sollte  sich  darin  nicht  etwas  Ahn- 
liches aussprechen  wie  in  3  346  'H  ga  nal 
ccynctg  zuagnzs  Kgovov  nalg  r\v  TtagaKOiziv^  \ 
total  8'  vno  x&mv  Sia  cpviv  vto&rjXtu  noirjv,  | 
Xcozöv  &'  sgarjEvra  CSi  KgoKOV  rjä'  vuy.iv&ov  \ 
itvKvbv  Kai  ^laXaKÖv ,  os  änb  x&ovog  vrpöa' 
ssgysv.  \  zä  ivi  Xih,äo%i)v ,  stA  äs  vscpsXriv  i'a- 
oavzo  |  HaXr/v  %Qvosirtv'  eziXnval  S'  ävinnrzov 
iigoai?  Mau  könnte  hier  an  die  Nais,  Chei- 
rons Gattin  (Hesiod  fr.  104  Kinkel)  oder 
Mutter  (Xenoph.  Gyn,  1,  4),  oder  die  Najaden 
in  seiner  Behausung  (Ap.  Rh.  4,  812,  vgl. 
Gatull.  64,  287),  an  seine  Tochter  'SlKvggöij 
(Ovid  Met.  6,  637)  erinnern,  sowie  an  das 
Kommen  der  Götter  iisz'  ofißgov  Kai  £E<jl«3j>os 
zur  Peieushoehzeit  {Schol.  Ap.  Rh.  4,  816 
p.  507,  19).  Die  Vermählung  des  Zeus,  welche 
zuerst  mit  der  Thetis  stattfinden  sollte,  hing 
auch  litterarisch  mit  den  Dichtungen  von 
Peleus'  Hochzeit  eng  zusammen.  Jedenfalls 
würde  ich  Iris  als  Bereiterin  des  Brantlagers 
auf  der  feuchten  Berghöhe,  sei  es  des  Ida, 
oder  de3  Pelion,  oder  beider,  festhalten,  wenn 

50  wir  auch  zu  einem  litterarischen  Ergebnis 
nicht  gelangen.  Iris  und  die  Kentauren  stellt 
z.  B.  Cicero  (oben  Sp.  324,  1)  zusammen;  vgl. 
auch  Colvin,  Journ.  of  hell.  stud.  1,  140  und 
unten  Bildwerke  §  4.  Nebenbei  bemerke  man, 
für  den  Zusammenhang  der  Theogonie  und  der 
Peieushoehzeit,  den  Okeanos  der  Francoisvase, 
welcher  in  der  von  Aeschylos  benutzten  Titano- 
maehie   vorkam,   in   der   späten  Nachdichtung 

60  *)    Berglc,   Jahrb.  f.    Phil.   Sl   (1SC10),   311,   42   veufste, 

dafs  in  dem  Becher,  der  {einfach  zur  Spende)  auf  dem 
Altar  steht,  sich  Styxwasser  befinde,  mit  welchem  Iris 
bei  der  Trauung  dem  Bräutigam  den  hesiodischen  Götter- 
eid abnehmen  werde ;  Iris  mit  dem  entliehenen  Fell  der 
Athene  etc.  Eine  ernsthafte  Widerlegung  giebt  Weizsäcker, 
Rhein.  Mus.   32,  35. 

**)  Meinehe  uud  Röscher  (in  Fleckeisens  Jahrb.  f.  cl. 
PltilOl.  Ed.  111  (1875)  S.  G05  ff.)  lesen  hier  ivitttQ&evos:  vgl. 
Verg.  A.  5,  G10  virgo.  Kallim.  hg.  a.  Delos  233  ff. 


329 


Iris  (im  jung.  Epos) 


Iris  (in  den  horuer.  Hymnen) 


330 


wenigstens  vor  Eleusis'  Vereinigung  mit  Athen 
entstand  (o.  Wilamowits,  Aus  Kydath.  125;  Hom. 
Untersuch.),  entsendet  Zeus  314  erst  die  Iris  zur 
Erde,  uud  gleich  darauf  334  Hermes  zum  Hades; 
dies  mit  nicht  unfeiner  Unterscheidung.  Im  li. 
in  Apoll.  Del.  103,  wo  es  sich  um  Herbeiholung 
der  Geburtshelferin  handelt,  ergab  sich  für  diu 


Hom.  T  7  tendenziös*)  von  der  Götterversamm- 
lung ausgeschlossen  ist,  während  sich  alle 
Flüsse  einstellen  wie  in  der  Peleushochzeit  des 
Catull.  G4,  281,  wo  gleich  dahinter  Prometheus 
folgt:  dies  alles  unter  dem  Einflüsse  der  Titano- 
machie.  Dafs  Aeschylos  den  Okeanos  dem  guten 
Geschmack  und  den  zeitgemäfsen^uiußffTrfia  zu- 
liebe auf  einem  Greif, 
statt  auf  einem  The- 
aterlindwurm reiten 
liefs,  bedarf  keines 
Wortes.  —  2.  Das 
jüngere  Epos  lehrt 
uns  wenig  Neues.  In 
der  Odyssee  kommt  Iris 
nicht  vor,  nur  Hermes. 
Die  lyypricu  kennen 
schon  Hermes,  z.  ß.  im 
Parisurteil,  als  Boten 
des  Zeus  und  scheinen 
auch  darin  mit  IliasSl 
auf  einem  Niveau  zu 
stehen,  dafs  sie  ihn 
mit  Iris  abwechseln 
lassen.  Unmittelbar 
nach  Paris'  und  He- 
lenasAnkunftinTroja  jjfß 
heilst  es  bei  Prolclos  : 
'  Währenddessen  wur- 
den Kastor  und  Poly- 
deukes  bei  dem  Dieb- 
stahl der  Kinder  u.s.w. 
(das  verhängnisvolle 
Abenteuer  war  aus- 
führlich erzählt),  und 
Zeus  gewährte  ihnen 
einen  Tag  um  den 
andern  Unsterblich- 
keit. Darauf  meldet 
Iris  dem  Menelaos 
das  zu  Hause  Vor- 
gefallene. '  Der  Zu- 
sammenhang in  die- 
sem Bericht  ist  enger 
als  es  aussieht.  Von 
Troja  wendete  der 
Dichter  seinen  Blick 
zum  Hause  des  alten 
Tyndareos  zurück,  der 
damals  auch  noch  an- 
deres Leid  erfuhr.  So 
mag  auch  der  Schlufs 
inneren  Zusammen- 
hang haben  und 
Iris'  Botschaft  von 
Zeus  ausgehen.  Zeus 
wünscht  ja  den  Krieg, 
während  von  Iris,  die 

in  r  die  Helena  mit  den  Worten  vvaqxx  cpp.r]       Göttinnen  leicht  die  Wahl  des  weiblichen  Boten, 
anredet,  kaum  anzunehmen  ist,  dafs  sie  die  frei-  go  Die  Bildwerke  dieser  Epoche  werden  ein  ähn- 


willige Angeberin  machte.— Die  sog. homerischen 
Hymnen  zeigen  dieselbe  Praxis.  Im  h.  in  Cer.,  der 

*)  Mit  Rücksicht  auf  seine  geographische  Fixierung 
und  die  Theorie  vom  Okeanos  als  $tüiv  yivtaiz;  .E*  201. 
302.  Der  Schot.  Laur.  z.  Aesch.  Prüm.  287  K.  notiert  den 
Unterschied,  aber  ohne  des  Tragikers  Quelle  zu  kennen; 
über  diese  s.  Welcher,  Ep.  Cykl.  und  v.  Wilamowits,  Rom. 
Unters.  345,  22,  der  ihm  beizustimmen  scheint. 


liches  Alternieren  erkennen  lassen,  und  verraten 
nur  noch  hin  und  wieder  die  Neigung,  Iris  den 
Meergöttern  beizugesellen.  Vielleicht  werden 
dieselben  (namentlich  die  des  6.U.5.  Jahrh.)noch 
einige  Rückschlüsse  auf  die  Litteratur  zulassen. 
Aber  der  mythologische  Etwickelungsprozefs  ist 
abgeschlossen.  —  3.  Die  Zeit  seit  der  Mitte  des 
5.Jalirh.  Ganz  von  selbst  verteilen  sich  nunmehr 


331   Iris  (in  d.  spät.  Poesie  d.  Griech.  u.  Röru.)  Iris  (Verhältn.  d.  Götterbotin  z.  RegenbogO   332 

die  Botenrollen  so,  dafs  Hermes  dem  Zeus,  Iris  Dichter  beruft:  nam  praeter  Homerum  et  Her- 
der Hera  dient  (s.  Abbildg.  Sp.  330),  wenn  auch  gilius  hoc  probat,  dicem  (2,  800)  ac'riam  Caelo 
jener  häufiger  zur  Verwendung  kommt:  Es  nam  luppiter  Irim  |  dimisit,  germemae  haud 
seheint,  dafs  sich  diese  Teilung,  die  der  Töpfer  mollia  iussa  ferentem,  so  übersieht  er,  dafs 
Brygos,  auch  der  Maler  des  grofsen  Pandora-  die  letzten  Worte  einfach  eine  Übersetzung 
kraters  (s.  B  §  1)  noch  nicht  kennen,  gegen  von  ovv  äyysXhj  älsysivij  B  787  sind,  so  gut 
Ende  des  5.  Jabrh.  vollzogen  hat.  Zuerst  läfst,  wie  supra  Caput  astitit  4,  702  von  JS  20  und 
soviel  ich  sehe,  Euripides  Herc.  823  Iris  im  die  Verwandlung  der  Iris  in  eine  befreundete 
Auftrage  der  Hera  auftreten  und  durch  sie  die  Sterbliche  4,  620  eine  Nachahmung  der  Iris- 
Lyssa  hereinführen.  T5eiKaTlimaeh.il.  in  Del  67  10  episoden  in  B  und  V  ist.  Eher  hätte  er  sich, 
mufs  im  gleichen  Dienste  Iris  auf  hoher  Berg-  wie  in  neueren  Zeiten  geschehen  ist,  auf  5,  618 
warte  aufpassen,  dafs  der  kreifsenden  Alkmene  haud  ißnara  nocendi  berufen  können,  obwohl 
keine  Hülfe  werde;  schon  auf  einer  rf.  Le-  es,  sachlich  genommen,  lediglich  im  Charakter 
kytkos  steht  sie  {Brit.  3Ius.  nr.  1535  [des  alten  ihrer  Herrin  liegt,  wenn  Iris  bei  Eurip.  oder 
Katalogs] ,  Memorie  della  acad.  Ercolan.  6)  Kallim.  (und  dergleichen  schwebte  doch  wohl 
hinter  der  das  Herakleskind  säugenden  Hera  dem  Verg.  vor)  zu  keinen  freundlichen  Sen- 
und  spricht  mit  Alkmene.  Derselbe  Dichter  düngen  verwendet  wird.  Übrigens  aus  Aen.  4, 
schildert,  wie  die  stets  dienstbereite  Jung-  wo  Iris  —  immer  nur  im  Dienst  der  Göttin  — 
frau  am  Thron  der  Gebieterin  kauert  und  den  Todeskampf  der  Dido  sanft  beenden  hilft, 
die  Müdigkeit  bezwingt,  indem  er  nach  Euri-  20  unterweltliche  Beziehungen  zu  folgern,  ist  den 
indes'  Vorbild  {Herc.  860)  den  Vergleich  mit  Alten  nicht  eingefallen,  wie  Tölken,  Iris 
einem  Jagdhund  gebraucht  (v.  228ff.).  Ebenso  (Berlin  1845)  behauptet,  sondern  erst  ein  Mifs- 
wird  sie  bei  Apollon.  Bh.  4,  753ff.  von  Hera  mit  Verständnis  der  Neueren.  Vgl.  II.  Bergstedt, 
den  verschiedensten  Sendungen  betraut  — wo-  Studia  archaeol.  Upsala  1881  p.  8.  15. 
neben  sie  2, 284 ff.  ihre  hesiodischen  Schwestern, 

die  Harpyien,  vor  den  verfolgenden  Boreaden  c-  Verhältnis  des  Regenbogens  und  der 
schützt  (vgl.  Serv.  Verg.  A.  3,  209),  was,  wie  Götterbotin  zu  einander, 
wir  bei  dieser  Gelegenheit  aus  den  Kommen-  1.  Beide  untrennbar.  Vergil  ist  für  uns 
taren  ersehen,  bei  llesiod,  natürlich  nicht  dem  derjenige,  welcher  die  Naturerscheinung  des 
Theogoniedichter,  Hermes  gethan  hatte:  Schal.  30  Regenbogens  wieder  in  ihr  Recht  einsetzt  und 
286.  297.  Dem  Apollonios  war  übrigens  die  mit  der  Funktion  der  Himmelsbotin  äufserlich 
Ungeschicklichkeit  vorbehalten,  die  Himmels-  verbindet,  was  von  da  an  das  Übliche  bleibt, 
botin  Kunde  von  der  Erde  an  die  Götter  Sehr  wirkungsvoll  wird  der  Iris  Kommen  und 
bringen  zu  lassen.  In  diese  Epoche  oder  Gehen  stets  von  dem  Phänomen  begleitet,  das 
etwas  früher  fällt  die  Ruveser  Vase  (Fig.  2),  ihren  Pfad  andeutet.  Sie  schwirrt,  den 
während  die  Petersburger  Vase  mit  Iris  auf  Menschen  als  Person  unsichtbar,  an  dieser 
dem  Wagen  der  Hera  (Sp.  327)  in  den  Anfang  Brücke  gewissermafsen  auf  und  nieder,  ohne 
des  4.  Jahrh.  gehören  mag.  Am  Parthenonfries  übrigens  darum  ihre  Flügel  abzulegen.  Der 
(Fig.  5)  steht  Iris  an  der  Seite  Heras,  anders  in  Vergil- Kommentator  hat  vollkommen  recht  in 
den  Giebelfeldern.  —  i. Die  römischen  Dichter  io  Bezug  auf  arcus  quem  non  Irim,  sed  viam 
halten  sich  in  denselben  Geleisen.  Fast  immer  Iridis  dixit  (Serv.  A.  5,  610).*)  Aber  man 
ist  Iuno  Gebieterin  der  Thaumastochter,  die  kann  dies  unmöglich  mit  Baumeister,  JDenkm. 
darum  selbst  bisweilen  Iunonia  heifst  {Verg.  S.  760  zum  Ausgangspunkt  mythologischer 
A.  4,  693  ff.  5,  606—659.  9,  2—23.  Ovid  Met.  Erklärung  nehmen  und  daraufhin  eine  Son- 
1,  270.  11,  585.  14,  85.  S30.  Stat.  Hieb.  10,  derung  von  Person  und  Sache  verlangen.  Es 
70.  Val.  Elaec.  4,  75.  SU.  Itäl.  passim.  An-  ist  nicht  zu  erkennen,  inwiefern  für  diese 
thol.  lat.  rec.  Biese  (1879)  550),  weit  seltener  Auffassung  Hom.  P  547  bezeichnend  sein 
luppiter  {Verg.  A.  9,  S03.  Sil.  Ital.  9,  470.  soll,  wo  Athenas  plötzliche  Erscheinung  mit 
551).  Es  war  also  damals  nicht  so  falsch,  wie  dem  Phänomen  verglichen  aber  doch  nicht 
bei  Serv.  A.  5,  606  behauptet  wird:  quod  dici-  50  von  einem  solchen  begleitet  ist.  Die  römische 
tu/r  ministra  esse  tantum  dearnm:  wer  weifs,  Dichtuug  zieht  das  Facit  der  gesamten  grie- 
ob  das  tantum  in  dem  dort  bekämpften  cbischen  Mythologie,  und  wenn  ihr  oft  genug 
Scholion  überhaupt  stand  und  nicht  eher  das  echte  Gefühl  für  dieselbe  mangelt,  so  hat 
plerumque  lautete.  Denn  die  Quelle,  die  offen-  sie  doch  auch  bisweilen  Mythen,  die  uns  nur 
bar  unter  dem  Einflufs  der  soeben  betrachteten  in  trümmerhaften  und  disparaten  Resten  vor- 
Periode steht,  ist  gut  und  läfst  sich  bis  zu  liegen,  mit  richtigem  Instinkt  oder  mit  Hülle 
den  alexandrinischen  Kommentaren  zurück-  besserer  Quellen  vervollständigt  und  berichtigt, 
verfolgen;  Servius  (vgl.  Mythogr.  Vat.  2,  6.  3,  Z.  B.  bezog  sich  die  Umkehr  der  Sonne  aus 
4.  6).-  ex  magna  parte  servatur,  ut  Mercurius  ad  Abscheu  über  die  Atridengreuel  auf  das  Mahl 
concordiam ,  Iris  ad  discordiam  mittatur  (vgl.  60  des  Thyest,  was  aber  erst  von  den  Römern 
zu  9,  2) :  unde  et  Iris  dieta  est  quasi"Egig.  Schol.  ausgesprochen  wird;  die  hundertarmigen  Riesen 
Hom.  s  29  ev  fiiv  'HidSi  t»;  "Iqlöi  jjjpjjrat  dict-  kämpften  ursprünglich  nicht  für,  sondern  gegen 
xdito"  Y.azaitXrnizi%T\  ydg,  Kai  roig  7io?.8ßixoig  den  Olymp;  hier  läfst  sich  der  Vorzug  der 
ioiKviof  r\  6h  OSvaact'a  fiv&coäng  IotIv,  ms  v.ccl  lateinischen  Darstellungen  vor  der  hesiodischen 
b  'Egutjg.  Schol.  A  27  ovk  i'ort  Sa  }j  avrrj"Egig  noch  erweisen.  Ein  ähnliches  Verhältnis  finden 
Htxl  'Igig  y.ctir'  Ofiijgov,  tög  vnsXaßsv  (seil.  Z/j-  wir  hier;  auf  der  einen  Seite  die  unzweifel- 
voSozog).  —  Wenn  freilich  der  Vergil-Kommen- 
tator  a.  a.  0.  und  9,  2  sich  für  beides  auf  seinen  *;  vgi.  a,ü/wI.  tat.  5«  R.  1879 per  ruMia  dnoiat arcu  Iris. 


333   Iris  (Verhältn.  d.  Götterbotin  z.  Regenbog.)  Iris  (Kult;  Verhältn.  z.  Ino-Leukothea)   334 

haften  Merkmale  einer  Naturkraft ,  speziell  Merkwürdig  genug  blickt  solche  Natur- 
einer Hegen-  und  Windgöttin,  auf  der  andern  bedeutung  in  O  durch,  ohne  im  übrigen,  ja 
Seite  die  homerische ,  in  die  üblichen  Götter-  auch  nur  in  derselben  Scene,  der  Anmut  ihres 
formen  gekleidete  Abstraktion,  welche  in  der  Charakters  irgendwie  Abbruch  zu  thun.  Ihr 
Dichter- Tradition  die  erstere  auf  lange  Zeit  bescheidenes  und  zugleich  kluges  Verhalten 
verdrängt,  bis  ein  fähiger  Römer  den  im  in  der  schönen  Scene  mit  Poseidon  hat  die 
Volksmunde  schwerlich  je  vergessenen  Zu-  Bewunderung  der  Alten  erregt,  Dionys.  Hai. 
sammenhang  wieder  betont. —  Man  hat  wieder-  rhct.  9,  3.  Die  Teilnahme  für  Helena  in  V  ist 
holt  bezweifelt,  dafs  die  homerische  Iris  als  durchaus  weiblich,  und  zu  dem  trauernden  Pria- 
Regenbogen  zu  fassen  sei  {Welcher,  Götterl.  1,  10  mos  ß  170  tritt  sie  leise  redend  heran,  damit 
690.  Matz,  Arch.  Ztg.  1875  S.  20),  und  sich  auf  der  Greis  nicht  erschrecke;  qxiae  ei  proprio, 
das  zweimalige  Vorkommen  des  Appellativs  Igig  est  mornm  lenitas  bemerkt  Lehrs  z.  Herodian 
berufen.  Schon  El.  H.  Meyer,  Gandharven-  S.  480.  Die  Charakteristik,  welche  der  Odyssee- 
Kentawen  197  hat  gegen  diese  Begründung  scholiast  giebt  (B  §  4),  war  also  verkehrt 
eingewendet,  dafs  auch  Eos  bald  als  Person  und  widerlegt  sich  durch  den  Hinweis,  dafs 
bald  als  Himmelserscheinung  auftrete.  Nur  ist  die  Ilias  nur  Kämpfe  schildere.  Es  ist  auch 
das  Problem  von  vornherein  anders  zu  stellen:  nicht  zuzugeben,  dafs  'Iris  regelmäfsig  erwähnt 
nicht  ob  Iris  bei  Homer  als  Regenbogen  werde,  wo  stürmische  Vereinigungen  (?)  des 
zu  fassen  sei  —  das  ist  sie  gewifs  nicht  — ,  Zeus  und  der  Hera  oder  ihre  und  anderer 
sondern  ob  der  Dichter  noch  von  ihrer  ehe-  20  Götterkämpfe  (?)  meist  ganz  deutlich  als  Ab- 
maligen  Naturbedeutung  Kenntnis  hatte,  wird  bilder  des  Unwetters  geschildert  werden'  (El. 
die  Frage  lauten  müssen.  Wir  bejahen  dieselbe  H.  Meyer,  Gandharven  197).  Diese  obenein 
mit  Rücksicht  auf  die  Beiworte  ätXlonog,  na-  mit  der  interpolierten  Hesiodstelle  Tlieog.  780 ff. 
dtjvifiog,  ojKf'a,  Ta%iia,  vor  allem  %Qva6-itTfQog,  operierende  Auffassung  konnte  nur  aus  einer 
da  bei  Homer  keine  andeie  der  zwischen  Himmel  Theorie  entspringen,  welche  hinter  den  epi- 
und  Erde  hin-  und  herwandernden  Göttinnen  sehen  Heroenkämpfen  Naturmythen  wittert. 
Flügel  hat.  Die  sehr  weitgehende  Vermensch-  Uns  mufs  es  genügen,  den  im  weitesten  um- 
lichung  seiner  Götter  hält  den  Dichter  nicht  kreis  nichthomerischer  Traditionen  erkennbaren 
ab,  der  künstlerischen  Zeichnung  ihrer  Gestalten  Elementar-Charakter  auch  unter  der  homeri- 
gewisse  Merkmale  beizufügen,  zu  welchen  Ob-  30  sehen  Hülle  der  sanften  Götterbotin  wieder- 
servanz  oder  Erinnerung  ihn  nötigt,  wenngleich  gefundeu  zu  haben.  —  Welckers  Meinung 
sie  in  den  Grundton  nicht  mehr  passen.  Da  (Götterl.  1,  690),  von  der  Botin  sei  der  Name 
hat  der  genasführte  Ehemann  Zeus  eine  Wolke  erst  auf  die  Sache  übergegangen,  ist  damit 
ums  Haupt,  da  wird  Artemis  als  ein  würgender  von  vornherein  ausgeschlossen.  Sie  stützt  sich 
'Löwe  für  die  Menschheit'  gekennzeichnet  in  auf  die  Herleitung  des  Namens  von  e?qco,  über 
derselben  Scene,  wo  sie  von  Hera  Ohrfeigen  die  das  Folgende  Licht  verbreiten  mufs. 
erhält;  da  ist  die  malitiöse  Haustyrannin  des  2.  Kult  der  Iris.  Cicero  a.  a.  0.  wun- 
Olympos  selbst  ßoäntg  in  dem  halbvergessenen  dert  sich,  dafs  nicht  auch  der  Regenbogen 
Sinne  der  argivischen  Io.  So  widerstrebt  es  so  gut  wie  das  Meer  und  andere  Natur- 
dem  Dichter  nicht,  der  Iris  Schwingen  zu  40  kräfte  und  Erscheinungen  göttlich  verehrt 
geben;  aber  sie  dieselben  entfalten  und  dem  werde.  Athenaeus  14,  645b  jedoch  berichtet 
Gebrauche  ihrer  Füfse  entsagen  zu  lassen,  uns  ausdrücklich  aus  dem  Lokalschriftsteller 
wird  ihm  schwer.  Nur  ein  einziges  Mal  Semos  ( siehe  Müller ,  Fr.  H.  G.  4 ,  492 ), 
fliegt  sie,  statt  zu  'gehen',  und  das  ist  in  dafs  die  Delier  auf  der  kleinen  Nachbar- 
O,  der  auch  sonst  wichtigsten  Iris -Partie  insel  Hekatesnesos  der  Iris  opferten.  'Des 
der  llias  (siehe  oben  B  §  1).  In  dem  dorti-  bösen  rsgag  wegen'  bemerkt  Welcher,  Götterl. 
gen  Vergleich  mit  Boreas  und  Schneesturm  1 ,  692  hierzu.  Damit  fafst  man  aber  den 
glaubten  die  antiken  Erklärer  eine  Andeutung  Begriff  der  Iris  zu  eng.  Man  opferte  nicht 
dessen  zu  finden,  was  Iris  eigentlich  bedeute.  einem  blofsen  Phänomen,  sondern  der  darin 
Nach  reiflicher  Erwägung  werden  wir  dieser  50  vermuteten  Kraft,  einer  Göttin,  die  sich  da- 
Auffassung  ihr  Recht  einräumen  müssen,  ob-  hinter  zu  verbergen  schien,  und  die,  wenn 
wohl  oder  gerade  weil  die  Vergleichung  in  sie  Regen  brachte,  auch  ihre  wohlthätigen 
schiefer  Weise  auf  die  Schnelligkeit  zugespitzt  Seiten  hatte.  Galt  sie  doch  auch  als  Gattin 
und  mehr  dunkel  gefühlt  als  klar  gedacht  ist.  des  Zephyros  (s.  oben  A  3),  des  niözaxog 
Es  würde  uns  schwer  fallen,  bei  der  Iris,  selbst  ävifitav,  der  gleichfalls  seiner  Opfer  nicht  ent- 
der  als  Regengöttin  gedachten  oder  geahnten,  behrte.  Es  würde  zudem  ganz  gegen  griechische 
gerade  an  Schnee  und  Hagel  zu  deuken,  wenn  Gewohnheit  sein,  wenn  nicht  auch  diese  Gottheit 
nicht  Homer  selbst  eine  Kontrolle  für  die  Rieh-  sich  irgendwo  und  -wie  mit  einer  anderen  be- 
tigkeit  böte:  dies  nicht  sowohl  in  der  Scene  rührte  und  vermischte.  Eine  solche  Nachbarin 
der  Winde  (?f),  die  wie  eine  selbständige  so  glauben  wir  in  Ino-Leukothea  zu  finden. 
Parallele  betrachtet  sein  will,  als  darin,  dafs  Es  ist  wahrscheinlich,  wenn  auch  nicht  sicher, 
er  den  Regenbogen  für  ein  Anzeichen  des  dafs  am  amykläischen  Altar  sich  beide  ein- 
nahen xsifiävog  övo%aXitiog  nimmt  (A  §  1).  ander  gegenüber  befanden,  obwohl  auch  dann 
Oft  genug  wird  man  die  Iris  selbst  als  eine  noch  die  Beziehung  der  Ino  auf  eine  andere 
Wolke  bezeichnet  haben:  Xenophanes  r]v  z'^Iqlv  Nachbarfigur  (Semele)  ebenso  möglich  ist  (s. 
■aaXsovci,  vEtpog  -Aal  zovto  itscpvxs  |  noQ<pvQ£ov  unten  Sp.  314);  um  so  wichtiger  bleibt  dort 
h<x!  tpoivUsov  v.al  ilcagbv  ISicd-ai  (Schal.  Hom.  die  Verbindung  der  Iris  mit  Poseidon  und 
A  27);  vgl.  Cic.  Nat.  D.  3,  20,  öl.  Araphitrite.     Die    delische   Huldigung    an    die 


335     Iris  (Verhältnis  zu  Ino-Leukothea)  Iris  (und  Iros)                      336 

Regengöttin  sieht  nun  ganz  aus  wie  ein  Über-  suchen,  da  ja  auch  das  Meer  'purpurn'  ist*); 

bleibsel    oder   Parallelkult    eines    lno- Kultes.  seltsam    genug    ist   freilich    eine    Vorstellung 

Wenn  auch   nicht  lno  - Leukothea  selbst  dort  des  Pseudo- Plutarch  de  fluv.  18,  4,  wo  (nach 

angetroffen  wird,  so  doch  der  längst  als  namens-  einem   fingierten  Dichter)   die   Iris   zaig   tSiaig 

verwandt   erkannte   Inopos,   ein  Flufs   wie  In-  gcovctig  einen  fremden  Körper  umschlingt  (liti- 

achos  (vgl.   Weinher,  Götterl.  1,  644),   und  der  ccpt^aaa)  und  zur  Erde  trägt  —  gleichviel  ob 

mit   jener    Göttin    eng   verbundene   Odysseus,  dies    zu    den    eingestreuten    Wahrheiten    des 

welcher  an  eben  jener  Stätte  (vgl.  Prcller,  Gr.  Fälschers  gehören  mag  oder  nicht.   Ebenso  sei 

Myth.  ls,  193,  2  =  4238,  1)  geweilt  hat  (Hom.  davor  gewarnt,  etwa  mit  dem  zot,ov,  d.  i.  der 
J  164  u.  Schol.),  was  spätere  Dichtung  zu  moti-  10  prosaischen  Bezeichnung  des  Regenbogens,  den 

vieren    suchte.      lno    wurde    ferner    als    Bvvrj  bei  Hesych.  erwähnten  sikyonis,chen  zoI,iov  ßov- 

(Etym.    M.  217,  5.    564,  44)     oder    Bovvrj    in  vög  zusammenzubringen.   Mit  ßovvig,  der  Hügel, 

Dodona,    sowie   in    Odysseus'   uralter    Heimat  hat  Bovvrj,  Bvvrj  nichts  zu  thun.    Für  letzteres 

Thesprotien  ( Wüamowits,   Hom.  Vnt.  189,  30)  könnte  man  eher  das  makedonische  'Tvia  (lang 

und   Unteritalien  verehrt  (Lylophr.  107.  757;  v   vorausgesetzt)   in   Betracht  ziehen.     Dahin- 

vgl.  Schol.  800.  Steph.  B.  Tgtxpnva),  und  zwar,  gegen  führen  die  samothrakischen  Götternamen, 

wie  aus   den  Zeuguissen   deutlich  hervorgeht,  welche  Aristoteles  (Schol.  Ap.  a.  0.)  und  Diodor 

an  denselben  Orten,  wie  Odysseus  selbst.     Dafs  6,  48  statt  des  Hermessohnes  Kasmilos  und  der 

sie    eine   Regengöttin   war,   folgt  aus  Eupho-  Leukosia  überliefern,  der  Hermessohn  Saos  oder 
rion  fr.  dl  Mein.*)  nolvzgorpa  (lies  etwa:  rtolv-  20  Saon  und  'Prjvrj,  um  so  bestimmter  nach  dem 

zgocpa?)    ätixgvct    Bvvrjg    in    Verbindung    mit  Kultbereich   der  Iris,    d.   i.   Delos    mit    seiner 

dem,    was  ein   Schriftsteller    gleicher  Epoche  Kheneia,  zurück.     Und  man  wünschte  wohl  zu 

aus    orphischer    Quelle    anführt   ädxgva   Jto?  wissen,   durch  welche  jetzt   fehlenden  Mittel- 

«o»  ofißgov  SijXovv  (Loh.,  Agl.  836).    In  Mittel-  slieder   das    Etym.   31.  und   Gud.   dazu   kam, 

italien   begegnet    dieselbe    Göttin    unter    dem  Iris  von  gstv  herzuleiten.  —  Sao  kommt  auch 

Namen    der    weissagenden    Quellnymphe    AI-  weiblich    vor,    vielleicht    als    eine   thrakische 

hunea  (Prcller- Jordan,  Rom.  Myth.  1,  383.   2,  Göttin   des   Thamyris  gedacht,   wenn  die   In- 

139.  145;  besonders  Serv.  Verg.  A.  7,  83).     Dafs  schritt  vorn  vollständig  ist,  auf  einer  rf.  Vase, 

diese,   den   Römern   durchaus    nicht    sehr  be-  Böm.  Mitt.  d.  Inst.  3  Tafel  9;   und  sicher   als 
kannte  Identifikation   erst  nachträglich  vorge-  so  Nereide  Hes.  Theog.  243.     Schliefslich  notiere 

nommen  sei,   ist  nicht  anzunehmen;  die  Ahn-  ich,   dafs   Iris   bei  Hom.  Sl  77    die   Thetis   im 

liebkeit  der  beiden   war  nicht  mehr  deutlich  Meere  bei  Samothrake  findet  (Aristarch.  Schol. 

genug,  um  zu  einer  Fiktion  einzuladen.     Um-  z.  St.)  und  der  dunkle  Schleier  auch  dort  (92) 

gekehrt  nötigt  uns  vielmehr  alle  mythologische  betont  wird,  aber  in  anderer  Verwendung. 

Analogie   zu    dem    Schlüsse,    bei  Ausprägung  Die  ganze  Irisfrage  läfst  sich  unseres  Er- 

jenes    Namens   habe    der  aus   Leukothea  und  achtens  nicht  sondern  von  der  nach  dem  Iros 

dem  Quellnamen  Leukosia  herausklingende  Be-  der  Odyssee.     Der  Name  ist  in  Nordgriechen- 

griff  mitgewirkt  und  etwas  an  Alburnus,   AI-  land    zu    Hause   (siehe  Steph.  B.   'Ellüg,  "iga; 

bula    u.    dgl.    Erinnerndes    zuwege    gebracht.  vgl.    Lykophr.   905)  und   von   da  in  verschie- 
Eine  Mittelform  'Aßvvrj  mit  Vorschlags-«,  wie  40  dene  Heroengeschlechter  eingedrungen.  In  der 

sie    sich    im.   Griechischen    bekanntlich   leicht  Odyssee  c  5  wird  der  Bettler  Arneios  darum  [gog 

einstellt,    fehlt    uns    leider.     Aber    sollte    sie  genannt,    ovvsy.'   änctyyii.).saxs  xtcöv,  ozt   tcov 

nicht  etwa  in  dem  Namen  der  delischen  Opfer-  zig  avayoi.    Man  glaubte  also  aus  dem  Worte 

gaben  an  Iris  stecken,  welche  die  Vulgata  des  Igog    etwas  wie    si'gsiv    im   Sinne    von   Xsytiv 

Athenäustextes  als  zovg  ßacvvCag  xaXovfnvovg  (s.  Schol.)  herauszuhören,  eine  Volksetymologie, 

(seil,  ■nlaxovvzctg)  bezeichnet,  und  statt  dieses  die  früher  oder  später  auch  bei  Iris  Platz  ge- 

sonst  unbezeugten  Wortes   vielmehr   zovc'o  c>-  griffen   hat.     Unmöglich   kann   der   gefräfsige, 

ßvvCctg   zu   schreiben  sein?   —    Bleibt  dies  nur  betrunkene   Proletarier    von   Ithaka,    wie    der 

eine  Vermutung,   der  man  etwa  eine  dorische  Scholiast   sich    zu    denken    scheint,    von    der 
Bildung  von  ßa&vg  entgegenstellen  könnte,  so  50  Götterbotin  hergeleitet  sein.    Der  Gedanke  an 

ist    doch    damit    der    Zusammenhang    beider  sie  hat  höchstens  insofern  mitgewirkt,   als  er 

Göttinnen    mit   Delos    einer-    und    Nordhellas  dazu  führte ,  sie,   die  in   der  Odyssee  ebenso- 

andererseits  nicht  erschöpft.     Zunächst  einige  gut  neben  Hermes  Platz  gehabt  hätte  wie  in  Sl 

Präklusivbemerkungen.  und  den  Kypriet],  vollkommen  auszuschliefsen. 

Man   weifs  heute,    dafs   der  Schleier   oder  Beide  haben  eben   ihre   gesonderte  Entwicke- 

Gürtel,  welchen  die  'Kadmostochter'    (s  333)  lung   gehabt.     Die    Differenzierung    ist    stark, 

dem    ertrinkenden   Odysseus  reicht,    aus   dem  nichtsdestoweniger  mag  der  Bote  Arneios-Iros 

samothrakischen  Kult   des  Kasinos   oder  Kad-  einst   ebenso   respektabel    gewesen    sein,    wie 

milos  und  der  Leukosia,  d.  i.  dorisch  =  Leu-  der  Stammvater  der  Epeer,  Epeios,  der  in  der 
kothea,   stammt:    Schol.   Apollon.    1,   917.     In  go  Ilias  Sl  664  noch  an  ritterlichen  Künsten  ber- 

jenem,   von   seiner  Farbe  nogtpvQi'g  genannten  vorragend  beteiligt,   dann  aus   einem  Herolde 

KQijäffivov  wird   aber  wohl   niemand   eine  Be-  der  Atriden   zu  einem  Handwerker  und  Feig- 
ziehung  auf  die   nocpvgsrj   igig  Homers   P  547 

*)   Bei  Ausdrücken   wie  Anthol.  tat.  rec.  Riese  (1S7D) 

*)  Vielleicht  gehört  demselben  Dichter  Ueineke,  An.  545  picturafo  caelum  velamine  cingit,   vgl.  548,  3.     Sense. 

Alex.  p.  153   ßiivtjs  /ata  Xetctp'  Yev  aud^föaijZi  so  G.  Diu-  trag.  Oedip.  320  parte  quac  magna  poli  eurvata.  picto  nuntiat 

dorf  statt  des  überlieferten  nud  verdorbenen  aatatextpia  nimbos  sinn  schwebten  vielleicht  Kunatdarstellungen  der 

z.  Henr.  Stephan,    s.  v.     Man    denkt   am    ehesten    an    eine  Göttin   mit   halbkreisförmig   geblähtem    Gewände    vor  (s. 

Farallelsage  zur  Kalypso.  unten  Sp.  339,  53  ff.  u.  349). 


337                  Iris  (Etymologie)  Iris  (Etymologie)                     338 

ling  geworden  und  bei  Stesichoros  schon  zu  erfunden,  sondern  klingt  schon  in  der  Hesiod- 
einem  Knechte  herabgesunken  ist,  welcher  Interpolation  Theog.  782  an,  in  einer  Manier, 
die  niedrigsten  Arbeiten  verrichten  mufs.  Es  die  sich  in  jenem  Gedicht  öfter  beobachten 
scheint  sogar,  dafs  der  Iris  selber  ein  gleiches  läfst.  —  G.  Curtius  bekennt,  zu  keinem  Er- 
Schicksal nicht  erspart  geblieben,  wenn  wir  gebnis  gelangt  zu  sein,  will  aber,  dafs  man 
den  Plato,  wie  billig,  zu  den  Dichtern  rechnen:  von  'der  bei  Homer  wahrscheinlichen  Form 
er  giebt  seinem  Eros  anstatt  der  bekannten  Ftpts'  ausgehe,  die  er  auch  in  Bigig  (Paus.  3, 
Iris  (ob.  A  §  3)  die  Armut  zur  Mutter,  indem  19,  4)  am  amykläisehen  Altar  zu  erkennen 
er  zwar  an  Iros  denkt,  aber  die  Femininform  glaubt.  Es  ist  richtig,  dafs  jene  Schreibung 
vermeidet,  für  die  er  anderwärts  -eine  passen-  10  direkt  aus  der  Inschrift  des  Altars  zu  erklären 
dere  und  edlere  Verwendung  hat  (oben  A  §  4),  ist,  nicht  etwa  aus  einer  Verderbnis  unseres 
ähnlich  wie  er  bei  dem  Vater  an  Plutos  Textes.  Allein  paläographisch  führt  die  Trans- 
denkt,  aber  statt  dessen  den  abstrakteren  skription  B  nicht  auf  ein  F,  sondern  auf  ein 
Porös  einsetzt.  —  Einen  wichtigen  Finger-  p,  wenn  der  Verfertiger  ein  Lakone,  oder  auf 
zeig  giebt  für  die  hier  vorliegenden  Fragen  13,  wenn  er  ein  Korinther  war,  oder  aber  auf 
der  Name  'Agviiog  selbst.  Allgemein  und  mit  Q,  d.  h.  im  einen  Falle  auf  Elgtg,  im  andern 
gutem  Grund  wird  das  delische  'Prjvsia  aus  auf  higig.  Ist  somit  dem  B  der  Boden  ent- 
(nqv,  vgl.  noXvQgr]v  und  dgvtiog,  erklärt  (Curtius,  zogen  und  das  homerische  F  nur  eine  'Wahr- 
JUtym.*  347).  .  Was  für  P^veia  gilt,  mufs  na-  scheinlichkeit',  so  eröffnet  sich  der  weite  Aus- 
türlich  auch  für  die  samothrakische  'Pr\vr\  gel-  20  blick  auf  die  Gruppe  Stgtg,  Z(t)igiog,  Zsigrjv. 
ten,  'die  Göttin  der  Schafherde'  (Preller  Robert,  Für  diesen  Zusammenhang  scheint  sich  ein 
Gr.  M.  1,  398),  die  Gattin  des  Hermessohnes.  wichtiger  Anhaltspunkt  darzubieten.  Die  sebö- 
Hier  hätten  wir  denn  also  die  oben  vermu-  nen  Münztypen  von  Terina  in  Brnttium  zeigen 
teten  Spuren  der  Iris  —  in  einem  männlichen  ein  geflügeltes  Mädchen,  welches  bald  auf  einer 
Korrelat,  unter  welchem  sich  Bevmes-KaSfiijlog  Hydria  oder  einem  Altar  oder  bei  einer  Säule 
d.i.  HuTtxn>iXiog  selbst  verbergen  mag.  und  Stufenbasis  sitzend,  einen  flatternden  Vogel 

O.  Müller,  Aegin.  170   wollte   Iris   mit  der  auf  der  Hand   hält,   bald  aufrecht  steht  oder 

Uekate,  auf  deren  Insel  sie  verehrt  ward,  iden-  aus  einer  Quelle  schöpft,  immer  aber  ein  Kery- 

tificieren,  doch  sprechen  die  Zeugnisse,  die  er  keion    mit    sich   führt.     (Vgl.  Poole,  Numism. 

anführt,    namentlich  eines    des   Semos  selber  30  Chron.  1883,  11.)     Nur  die  älteren,  halbarchai- 

eher  dagegen.    Bergstedt  p.  9.    Vgl.  Kap.  B  4.  sehen  Münzen  weisen,  statt  dessen  eine  flügel- 
lose, aufrecht  stehende  Göttin  mit  einem  Zweig 

Etymologie.  in   del.  Ruhten  und   der  Beischrift  NChu  auf. 

Wie    aus    allem     Vorangehenden     ersieht-  Nicht   ohne  Grund  haben   die   englischen  Nu- 

lich,  ist  die  Herleitung  von  itgeiv  =  leynv  mismatiker  gezögert,   diese  Bezeichnung  auch 

nicht     erst     durch    die    Grammatiker    aufge-  auf  den  jüngeren  Typus  zu  übertragen,  welcher 

bracht  worden     (Schol.  Od.  a  6.    Iuterpolator  handgreiflich  mehr  enthält  als  eine  blofse  Um- 

von    Plat.    Cratyl.  408.     Hesycli.   v.   s i'gv   und  bildung  im  Stil  der  athenischen  Nikebalustrade, 

'Jgog.  Etym.  M.  'Igig;  vgl.    Welcher,  Götterl.  1,  und   unverkennbar    auf   das   feuchte   Element, 

690),   sondern  wird  bereits  von    dem  homeri-  40  vielleicht  auch   auf  einen  Singvogel  anspielt; 

sehen  Epos   vertreten.     Aber    sie   hat   keinen  vgl.  Hcad,  Hist.  num.  97.     Das    ergiebt    sich 

sprachlichen  Wert  und   nur   den   einer  Volks-  aus   der   Lylcophr.  726   und   Schol.  722    vorlie- 

etymologie,  welche  die  Ausprägung  der  Regen-  genden  Lok-alsage   von  Terina  (vgl.  Steph.  B. 

wind-    und   Seegöttin    zur    Götterbotin    befür-  s.   v.),    wonach    'die   Sirene   Ligeia'    dort   aus 

derte.    Sie  ist  auch  von  G.  Curtius,  dem  ein-  dem  Meere  ans  Land  gespült  wurde.*)    Diese 

zigen  Sprachforscher,  der  sich  unseres  Wissens  eigentümliche ,     deutlich     als     Wassernymphe 

über  die  Frage  geäussert  (Arch.  Ztg.  1880,  133,  bezeichnete   'Sirene'    führte    dort  den  Namen 

5),  verworfen  worden,  ebenso  wie  die  Hermann-  Leukosia,   das   ist  also  Leukothea:   eine  Orts- 

sche  von  Eigoi,  scro  und  die  eines  Andern  von  tradition,  die  noch  eine  weitere  Stütze  in  der 

ilfii.     Antik   ist    auch    die   Gleichsetzung    mit  50  nur  zu  Terina  und  dem  benachbarten  Hipponeion 

"Egig,    bei    welcher    noch    die    nachklassische  vorkommenden  Göttin  des  Strudels,  Tlaväiva, 

Schreibung  Elgig  für  'Igig*)  und  dadurch  ver-  findet,  einer  schlichten  Gestalt,  aber  mit  Kery- 

anlafste  Verschreibuug  (z.  B.  Are/um.    Theolcr.  keion.     Hier  also,   im  Bereich  des  Siris  (oder 

13.  Athen.  14,  646d;  vgl.  ob.  Sp.  323,32)  mit-  Zigivl   vgl.'  d.  Münzen  u.  Steph.  B.  s.  v.;   ein 

wirkte;    s.  Elym.  M.   und  Gud.,    sowie  Suicl.  Flufs  Iris  A  §  1),  scheint  in  der  That  eine  Spur 

v.   'Igig.     Hesychs   sonderbare   Glosse  "Egiäag'  vorzuliegen,    welche    auf   die   Verwandtschaft 

Tag  sv  ovgctvä  i'giäctg '  'Azziv-üsg  würde  erst  etwa  von  Elgtg  und  Ziignv  hinführt:  beide  hängen 

in  folgender  Fassung  Sinn   bekommen:    Ei'gi-  mit  Lichterscheinungen  (vgl.  Zsigtog)  zusammen 

Sag'  zeig  iv  ovgavä  ^dvcig'  'Azttiiäg  di  i'gidag,  und   beide   doch  auch  mit  dem  Feuchten   (die 

vgl.  das  vorhergehende  Lemma;  auch  in  igi-  60  Sirenen  sind  ja  von  jeher  Töchter  des  Aoheloos: 
onnnTcc    isga  ßozävn,    E^g  tjv  dv  tgig  (1.   sigig) 

E7llGH'nty7]     möchte     man     £Lgiav.n7tra     erwarten,  *)  Die  Beischrift  auf  dieser  Seite  der  Münzen  lautet 

wenn  die  Erklärung  zutrifft.   Übrigens  ist  auch  bald  TE  bald  TEPINAinx  bald  TEPINA  (s.  d.  engl. 

diese  Etymologie  nicht  von  den  Alexandrinern,  Zata'.og  Itaiy  p.  3S6ff.).    Mag  die  Figur  damit  immerbin 

WO    sie  unter   Zenodots  Namen  berichtet  wird,  zurA  Vertreterin  d«  Stadt  gestempelt  sein  [Imhoof-Blumer 

'  U.A.;  s.  Wie/t.  Num.  Ztschr.  3, 19  f.) :  die  Charakteristik  hebt 

sie  über  eine  so  gewöhnliche  Rolle  hinaus,  und  das  uvtjfia 

*}   Aufscr    den   im  Text  angeführten  Stellen  Hesych.  der    Seireu,    ein   Wahrzeichen  der   Stadt   (Schol.    z.   Lyk.), 

v.  eif}}]  (1.  ewig?)  und  oben  A  g  3.  fiudet  Imhoof  selbst    häutig   auf  den  Miiuzen  augedeutet. 


339       Iris  (in  d.  Kunst;  Allgemeines)  Iris  (am  amykl.  Altar;  in  episch.  Scenen^    340 

Stepita  ni,  Campte  Bendu  1866).  Es  ist  seltsam  hervorgegangener  Einwand,  dafs  die  Reprä- 
genug,  dafs  erst  die  jüngere  Münzprägung  sich  sentantin  des  letzteren  ruhig  stehen  müsse, 
auf  jene  alten,  zur  Bereicherung  des  Typus  Man  vergleiche  übrigens  die  sogen.  Iris  des  öst- 
wohl  geeigneten  Traditionen  besann,  und  diese  liehen  Parthenongiebels  (unten  §  5). 
der  älteren,  wahrscheinlich  aus  Olympia  über-  1.  Am  amykläischen  Altar,  über  oder 
nommeiien  Nike  anheftete.  Die  verwandte,  aus  dem  sich  das  unterhalb  formlose  Idol  er- 
Kerykeion  führende  Elgr]vn  auf  den  Münzen  hob,  und  den  man  sich,  wie  andere  altgrie- 
der  lokrischen  Nachbarschaft  legt  zugleich  den  chische  Altäre,  oblong  vorzustellen  hat,  läfst 
Gedanken  nahe,  dafs  hier  auf  Grund  der  alten  Pausanias'  Beschreibung  3,  19  vier  Relief- 
populären Herleitung  von  si'ga  jene  Ter-  10  streifen  erkennen  (Trendelenburg,  Bull.  d.  Inst. 
wechsehmg  von  Ei'qtjvt]  und  Efpis  wirklieh  1871,  124,  besser  als  Klein.  Osten:  Epigr.-Arch. 
stattgefunden,  welche  man  seit  Welcher  und  Mut.  1885,  161);  an  den  Längsseiten  Herakles' 
Luynes  auf  den  Vasen  ohne  Grund  und  Methode  Einführung  in  den  Olymp  und  Hyakinthos' 
angenommen  hat.  Vgl.  unt  die  Bildwerke  §  3.  Emporführung  aus  der  Unterwelt,  an  der  rech- 
ten Schmalseite  mehrere  Frauengruppen,  an 
.Bildwerke.  ,jer  linken,  wo  sich  die  Grabesthür  hefand  und 
Die  geflügelte  Botin  (über  deren  Darstel-  die  Beschreibung  anhebt,  folgendes:  Zeus,  vor 
lung  Ar.  Av.  1213  ScJwJ.  s.  unten  Sp.  346  und  Hermes,  Dionysos,  Semele  und  Ino,  also,  was 
Porphyr,  de  dbst.  3,  16),  von  Nike  meist  nur  ich  nirgends  ausgesprochen  finde,  die  Herauf- 
dureh  das  Kerykeion,  seltener  durch  kurze  Ge-  20  führung  der  Semele  durch  ihren  Sohn  unter 
wandung,  unterschieden,  hat  in  der  bildenden  Leitung  des  Psychopompos.  Hinter  Zeus  stan- 
Kunst,  wo  das  Wort  weniger  gilt  als  die  That,  den  Iris,  Poseidon  und  Amphitrite  in  nicht 
nicht  entfernt  die  Bedeutung  erlangt  wie  jene,  mehr  bestimmbarer  Eeihenfolge  —  wenngleich 
ist  aber  andererseits  auch  von  der  Trivialität  Iris  den  Anfang  zu  machen  und  der  Eckfigur 
verschont  gehlieben,  zu  welcher,  wenigstens  lno  zu  entsprechen  seheint  — ,  immerhin  aher 
in  der  Vasenmalerei,  die  Figur  ihres  mann-  vergleichbar  der  schon  dem  5.  Jahrh.  ange- 
lichen  Amtsnachfolgers  herabsank.  Sie  gesellt  hörigen  Pandoravase,  Brit.  Mus.  1265  (d.  alt. 
sich  nicht  wie  jener  den  Menschen  zu,  und  ihr  Katalogs),  wo  sich  um  die  lehlose  Mittelfigur 
Erscheinen  verkündet  mehr  die  unmittelbare  von  rechts  her  Ares,  Hermes,  Hera,  von  links 
Nähe  oder  das  Eingreifen  der  Götter.  Nicht  30  Zeus,  Iris,  Poseidon  versammeln.  Auf  der  viel 
wenige  Scenen,  in  denen  sie  auftritt,  zeichnen  strengeren  rf.  Hesperidenvase  Ann.  d.  Inst. 
sich  durch  eine  gewisse  Gewähltheit  aus.  —  1859  tav.  GH  ist  das  bei  I  sich  begegnende  Per- 
AViederum  die  Göttin  des  Lichtphänomens  hätte  sonal  folgendes,  von  links  nach  rechts  aufge- 
die  Malerei  auf  entwickelter  Stufe  nur  allenfalls  zählt:  Poseidon,  königliches  Paar  j  Herakles, 
in  der  Weise  Virgils  zur  Anschauung  bringen  Athena,  (Baum),  Atlas.  Hesperide,  Iris  (letz- 
können, durch  eine  vor  dem  Bogen  schwe-  tere  herbeieilend).  —  Den  Zephyrosmythus, 
bende  Gestalt,  wie  etwa  auf  den  Lykurgos-  welchen  Welcher,  A.  D.  4,  211  mit  dargestellt 
vasen  (z.B.  Müller-  Wieseler,  A.  JD.  2.  38,  442.  glaubte,  erwähnt  Paus,  im  Anschlufs  an  die 
Welcher,  A.  D.  2,  104.  Baumeister,  Denkm.  2  Reliefs  nur,  weil  er  denselben,  gleichwie  die  kurz 
S.  834)  Lyssa  vor  dem  Sonnenkreise  schwebt.*)  40  vorangehenden  Notizen  über  Hyakinthos,  in 
Das  scheint  nicht  geschehen  zu  sein,  soweit  seiner  Quelle  fand;  aus  der  Benutzung  solcher 
wir  sehen  können,  und  von  dem  unvollendeten  Hülfsmittel  macht  er  gerade  beim  amykläischen 
Bild  des  Aristides  (Plin.  35,  145)  weifs  man  Thron  kein  Hehl,  wiewohl  er  daneben  seine 
nichts.  Der  bisweilen  buntfarbige  Halbkreis,  Autopsie  betont;  vgl.  aufser  den  von  Kalk- 
welcher  auf  einigen  jüngeren  Vasen  den  Horizont  mann,  Paus.  S.  121  herausgehobenen  Stellen, 
umrahmt,  dient  einem  rein  formalen  Zwecke.  Kap.  18  §  6  (9)  ozov  Ss  —  7iagtr,ui.  Vermut- 
Ein  Versuch,  diese  Seite  der  L-is  zu  erfassen,  lieh  lagen  ihm  auch  hier  zwei  Quellen  vor 
scheint  nur  in  dem  Relief  Colonna  (Matz-Duhn,  und  erklären  sich  daraus  die  Verwirrungen 
Aid.  Bildw.  3562.  Arch.  Ztg.  1875,  Taf.  4)  vor-  und  evidenten  Wiederholungen,  auch  die  über- 
zuliegen,  wenn  man  nicht  gelegentliche  Attri-  so  schüssigen  Slgat  in  Kap.  19,  die  man  deshalb 
bute  wie  Kanne  oder  später  vielleicht  Schmet-  nicht  notwendig  mit  ^iebelis  aus  dem  Text  zu 
terlingsflügel  dahin  rechnen  will.  Dort  ist  eine  entfernen  braucht,  über  die  Inschrift  Btgig 
lebhaft  bewegte  Göttin  mit  halbkreisförmig  über  s.  Sp.  338. 

dem  Haupte  geblähtem  Gewände  dargestellt,  zu  '2.  Iris  in  epischen  Scenen.    Die  Vase 

ihren  Füfsen  als  Andeutung  der  Elemente  Adler,  des    Klitias    und   Ergotimos    mit    der   Peleus- 

Schildkröte,    Schilf  und  Sumpfvogel,   und  auf  hochzeit  wurde  schon  besprochen.   Iris  ist  aus- 

sie   zukommend  von  jeder  Seite  ein  Windgott  nahmsweise  (aber  nicht  nur  dort)  flügellos,  in 

mit  Wolkenandentungen   am  Reliefgrund    und  Stiefeln  und  Fell  über  dem  (langen)  Gewand, 

gewissen  unerklärlichen  Lanzenspuren.    Matz's  wie  Hermes.  Auf  der  Schale  des  Oltos  und  Euxi- 

Gedanke  (Arch.  Ztg.  1S75,  S.  20)  an  eine  Per-  60  theos,  Berlin  2264  (s.  die  dort  angeführten  Abb.'i 

Bonifikation  des  Nebels,  der  'Opizlrj,  ist  ebenso  mit  dem  Tode  des  Patroklos  ist  auf  der  andern 

ausgeschlossen,  wie  sein  nur  aus  prinzipieller  Seite,    wo   Achill   zum   Kampf   auszieht,    Iris, 

Scheidung   der   schnellen  Botin   und  des  Phä-  wieder    inschriftlich    bezeichnet,    teilnehmend 

nomens,    sowie  Verkennung  der  Mittelglieder  zugegen;   sie  hält  aufser   dem  Kerykeion   eine 

Blume  in  der  Hand,   ein  archaisches  Zieriich- 

..  T..          ,.,    u,         ,  ,              ,      ,           ..  keitsattribut,  welchem  man  zur  Zeit  Gerhards 

)   Diese    selbst,    hinter  welcher   manchmal   nur   die  ,  .           ,.        _.'               .         ,                                     .     ,      .     -,, 

untere  Hälfte  eines  Strahlenkreises  sichtbar  wird,  hat  (d^     die     Figur     einzeln  _  ungenau     wiederholt 

man  seltsamerweise  als  Iris^geäeutet;  s.  WelckerjL.  a.  O.  Ges.   Abh.    11,   4,)    noch  eine  besondere  Bedeu- 


341             Iris  (in  epischen  Scenen)  Iris  (in  epischen  Scenen)             342 

tung  beimafs.  Mag  man  den  Moment  aus  den  Oltos  und  Euxitheos  findet.  Ist  auf  diesem 
nachfolgenden  Epen  mit  Luckenbach ,  Verh.  d.  Revers  Iris  durch  eine  kredenzende  Frau 
Vas.  Z.  Ep.  Cgkl.  547  zu  fixieren  suchen,  oder  und  aufserdem  durch  Hermes  mit  Absicht 
allgemeiner  mit  daher  entlehntem  Personal  als  ersetzt,  so  wird  sich  daraus  die  Einschiebung 
Rachezug  für  Patroklos' Tod  auffassen:  Iris  war  der  Iris  auf  der  sonst  von  Euphronios  ab- 
es  jedenfalls,  die  den  Achill  zuerst  aus  seinem  hiingigen  Vorderseite  erklären.  Noch  flüch- 
Zelte  in  den  Kampf  hinauslockte  (2  166).  tigere  Wiederholungen  der  Memnonscene  fügen 
Ihre  eindringliche  Rede  hatte  doch  wohl  auch  den  Hermes  hinzu.  Alles,  ohne  dafs  der 
Du/ris  im  Auge  bei  dem  schönen  Rundbild  Mythus  der  Aithiopis  für  einen  Götterbefehl 
Berlin  2283  =  Arch.  Ztg.  1883,  1  (vgl.  auch  10  Raum  böte.  Vollends  die  absurde  sf.  Vase 
Vorl.-Bl.  C  7,  2  b  uud  Ann.  d.  I.  1844,  tav.  G),  Berlin  1895,  Jahn,  Tcleph.  u.  Troil.  III,  welche 
wo  der  Herausgeber  P.  J.  Meier  trotz  des  weg-  den  drei  Göttinnen  auf  dem  Wege  zum  Paris 
gebrochenen  Kerykeions  die  Götterbotin,  die  aufser  Hermes  noch  eine  flügellose  Iris  {Jahn 
Aufforderung  zum  Kampf  und  den  Charakter  S.  79,  96)  vorausmarschieren  läfst,  wie  sie  bei 
des  Helden,  vor  dem  sie  steht,  richtig  be-  Herakles  und  dem  Löwen  einen  kauernden 
stimmt  und  diesen  dennoch  unbenannt  lassen  Hermes  beifügt,  verdient  kaum  die  ernsthaften 
will:  aber  zu  sogen,  heroischen  Genrescenen  Erwägungen  Trendelenburgs ,  Arch.  Ztg.  1880, 
stellt  sich  Iris,  wenigstens  in  dieser  Stilperiode,  130  A.,  der  für  die  Bezeichnung  der  flügellosen 
so  leicht  nicht  ein.  Wenn  sie  auf  einer  spä-  Figur  Anahjgieen  aufser  auf  der  Francoisvase 
teren  Vase  Tischbein,  V.  P.  3/4  einem  Jugend-  20  vermifst.  Ahnlich  mag  die  Pariser  Vase  Arch. 
liehen  Helden  Waffen  reicht,  so  ist  der  einzige,  Ztg.  1853  p.  400,  9  sein.  Vgl.  auch  Ann.  d.  I. 
auf  den  sich  das  beziehen  läfst,  immer  nur  Achill,  1845  p.  158,  41.  Merkwürdigerweise  erscheint 
mag  der  einzelne  Töpfer  dies  gewufst  und  be-  gerade  beim  Parisurteil  zur  Seite  der  Hera 
dacht  habeu  oder  nicht.  Selbst  wo  in  diesem  eine  geflügelte  Gefährtin,  die  sich  nicht  wohl 
jüngeren  Stil,  der  die  Fühlung  mit  dem  Epos  anders  denn  als  Iris  erklären  läfst;  so  auf  der  rf. 
immer  mehr  verliert,  dem  Helden  ein  beliebiger  Pyxis  Berlin  4043,  Samml.  Sabnroff'  Taf.  61, 
Name,  der  kredenzenden  Flügelgöttin  mit  Kery-  wo  sie  der  Hera  eine  Tänie  reicht  (zu  den 
keion  'Nike'  beigeschrieben  ist  (Nolanische  schweren  Goldplättchen  dieses  Colliers  vgl. 
Pelike  Brit.  Mus.  721.  Gerhard,  Auserl.  V.  150),  das  für  das  Haar  bestimmte  Geschmeide  bei 
würde  ich  den  Gedanken  an  Iris  und  Achill  noch  30  Dumont  et  Chaplain  1  pl.  9;  zu  dem,  welches 
nicht  ganz  aufgeben  (vgl.  §  7).  —  Zu  beachten  Hera  in  der  Hand  hält,  damit  es  aufgezogen 
ist  noch  Laborde,  Vas.  L.  1  p.  6,  4  Vignette  werde,  ebenda  8),  und  hinter  ihr,  von  einer 
(nicht  in  Wien  befindlich);  vgl.  Roulez,  Choix  4.  Terrainwelle  halb  bedeckt,  auf  der  rf.  Pelike 
Auch  bei  der  Schleifung  Hektors  auf  den  sf.  Collignon,  Vases  d'Athenes  522;  ferner  auf  den 
attischen  Vasen  wird  die  in  andern  Mythen-  apulischen  Vasen  Berlin  3240.  3290  (s.  a.  a.  O. 
kreisen  so  selten  erscheinende  Iris  gern  hin-  die  Abbildd).  Auf  dem  berühmten  Parisurteil 
zugesetzt  (s.  A.  Schneider,  Troisch.  Sagenkr.  des  Kraters  Petersburg  1807,  Vorl.-Bl.  A  11, 
28),  offenbar  um  ihres  häufigen  Auftretens  in  1,  Stephani,  Gompte  liendu  1861,  III,  vgl.  S.  44, 
den  Büchern  2  WH  willen,  gerade  wie  in  dem  wo  im  Hintergrunde  Themis  und  Eris  beraten, 
daneben  fliegenden  Schattenbild  des  Patroklos  .10  konnte  man  die  seitwärts  haltenden  Gespanne 
die  nazQoxJ.ua  nachwirkt.  mit  einer  beschwingten  und  einer  flügellosen 
Sonst  begegnet  Iris  auf  troischen  Scenen  so  Lenkerin  nur  darum  auf  jene  beiden,  doch  nur 
gut  wie  gar  nicht.  Bei  der  Wegschaffung  des  im  Hintergrunde  der  Ereignisse  gedachten  Göt- 
gefallenen  Memnon  durch  die  Winde,  die  hesio-  tinnen  beziehen  (Brunn,  Troisch.  Miscetl.  52), 
dischen  Söhne  der  Eos  (Theog.  379),  hat  der  weil  jene  Lenkerinnen  im  Profil  gezeichnet  sind 
Töpfer  Pamphaios  {Wien.  Vorl.-Bl.  D  3;  im-  und  nach  der  Mittelgruppe  hinzublicken  schei- 
genügend  Gerhard,  Auserl.  Vas.  3,  221)  ein-  nen,  während  eine  teilweise  Enfacestellung  und 
mal  Iris  d.  h.  eine  Frau  mit  Kerykeion  links  Senkung  des  Hauptes  zu  ihren  wahren  Gebie- 
hinzugesetzt  als  Pendant  zu  der  hier  gleichfalls  terinnen  der  eleganten,  etwas  abgeschliffenen 
flügellosen  Eos.  Doch  erwartet  man  an  ihrer  50  Manier  dieses  Schwierigkeiten  gern  vermeiden- 
stelle vielmehr  Thetis,  die  übrigens  einmal  den  Stiles  entgegen  gewesen  wäre.  Nike  gehört 
(Brit.  Mus.  811,  Gerhard,  A.  V.-B.  Taf.  D)  der  zu  der  darunter  sitzenden  Aphrodite  (wahr- 
Eos  zu  liebe  Flügel  erhalten  hat  (Kekule,  scheinlicher  als  zu  der  in  der  Mitte  stehenden 
Hebe  29,  1).  Wohl  nach  Vorbild  der  Memnon-  Athene),  die  andere  Lenkerin,  Iris,  welcher  um 
bilder  ist  das  Grundschema  einer  Kampfscene  Überladung  zu  vermeiden,  keine  Schwingen 
durch  zwei  lebhaft  gestikulierende  Frauen  er-  gegeben  sind,  zu  der  darunter  sitzenden  Hera, 
weitert  auf  der  Schale  Gerhard,  Auserl.  V.-B.  Die  Beobachtung,  dafs  diese  schon  eine  Be- 
2,  84,  die  im  Stil  wie  hinsichtlich  der  flankie-  gleiterin  in  Hebe  hat,  und  die  Frage,  wie  diese 
renden  Pferde  der  andern  Seite  ganz  wie  frei  eingefügte  Person  nach  Hause  kommen 
eine  Nachahmung  nach  Pamphaios  aussieht.  60  wird,  wäre  ebenso  überflüssig,  wie  die  gleiche 
Dieser  letzteren  wiederum  ähnelt  durch  die  Frage  bei  dem  seitwärts  stehenden  Zeus  und 
um  die  Kämpfer  gruppierten  Frauen  (links  der  rüstigen  Athena.  Man  beachte  im  Gegen- 
Athena  und  Iris,  flügellos  mit  ausgestrecktem  satz  zur  Nike  das  lang  wallende  Haar  der  Iris 
Arm,  rechts  eine  ähnlich  gestikulierende  Frau)  hier  wie  auf  dem  neugefundenen  Stück  des  Par- 
die  Schale  Koel  des  Vergers  38,  Klein,  Ektphron.-  thenonfrieses  (Sp.  348).  Vgl.  auch  Knapp, 
81,  welche  Klein  an  Pamphaios  erinnerte,  Nike  in  der  Vasenmalerei  45,  der  in  den  Belegen 
während  er  in  dem  Revers  richtig  Anklänge  für  die  ungeflügelte  Iris  allerdings  fehlgreift, 
an    den   oben   erwähnten  Auszug  Achills   von  Als    Dienerin    der  Hera   steht   sie    mit  einem 


343 


Iris  (im  Satyrspiel) 


Iris  (im  Satyrspiel) 


344 


(nach  dem  alten  Katalog)  als  Knotenstab  ge- 
ratenen oder  mifs  verstandenen  Kerykeion  *) 
auf  dem  rf.  Gefafs  Brit.  Mus.  1535,  Memorie 
d.  Acad.  Ercölcm.  6,  wo  die  Göttin  in  Alkme- 
nens  Gegenwart  das  Herakleskind  säugt.  Es 
empfiehlt  sieh  dabei  eine  Vergleichung  der 
beiden  stilistisch  nah  verwandten  rf.  Gefäfse 
Gerhard,  A.  V.-B.  3,  174  —  Parisurteil  — 
und  Gazette  arch.  1875  pl.  15  —  Herakles' 
Kindheit  — ;  Rev.  dort  Nike  oder  Iris  kre-  10 
denzend  zwischen  Poseidon  und  Dionysos,  hier 
Zeus  zwischen  Hermes  und  Iris,  indem  jener 
einen  Auftrag  des  Z.  vollführend  nach  links, 
Iris,   ihrer  Herrin  nach,  rechtshin  eilt. 

Bedeutend  und  ausdrucksvoll  ist  die  Er- 
scheinung der  Götterbotin  auf  der  noch  ziem- 
lich strengen  rf.  Amphora,  Gerhard,  Austrl. 
Vas.  1,  46  (vgl.  Baumeister,  Denkm.  S.  760, 
oben  Sp.  103),  wo  sie  den  Schiedsspruch  des 
Zeus  überbringt,  infolge  dessen  links  Apollon  20 
entweicht  und  rechts  Idas  die  Braut  heim- 
führt. In  kurzem,  doppelt  geschürztem  Chiton 
und  Flügelstiefeln  steht  sie  da,  den  Arm  in 
die  Seite  gestemmt**),  mit  energischer  Kopf- 
wendung gegen  Apollon.  Nach  dem  Bericht 
Schot.  Hom.  I  559,  welchen  die  Subscriptio 
in  mehreren  Hss.  dem  Simonides  zuteilt,  war 
es  Hermes,  welcher  den  Befehl  überbrachte. 
In  ähnlicher  und  vielleicht  nicht  willkürlicher 
Variation  erscheint  Iris  statt  Hermes  bei  der  30 
Bestrafung  Ixions  (als  entsprechende  Eckfigur 
zu  Zeus)  auf  dem  Schulterbild  der  Unterwelts- 
vase  Petersburg  424,  abg.  z.  B.  Arch.  Ztg. 
1844,  13,  Müller-Wieseler 2,  863,  hier  allerdings 
in  einer  Epoche,  wo  der  bezügliche  Stoff  be- 
reits durch  das  Drama  hindurchgegangen. 

3.  Iris  im  Satyrspiel.  Drei  höchst  er- 
götzliche Vasen  des  5.  Jahrh.  schildern  die 
Verlegenheit,  in  welche  die  jungfräuliche  Botin 
gerät,  wenn  ihr  Beruf  sie  unter  das  lüsterne  40 
Volk  der  Satyrn  führt,  a)  Schale  des  Brygos, 
Brit.  Mus.,  abg.  Mon.  d.  I.  9,46,  Wien.  Vorl.- 
Bl.  8,  6;  vgl.  Matz,  Ann.  d.  I.  1872,  294. 
b)  rf.  Skyphos,  Berlin  2591;  Gerhard,  Ant. 
Bildiv.  48;  Welcher,  A.  D.  3,  Taf.  16,  2,..  wo 
aber  nur  die  Hauptseite  abgebildet  ist.  c)  Ähn- 
liches Gefafs,  abg.  bei  Luyncs,  V.  P.  30,  die 
eine  Seite  bei  Welclcer,  Taf.  16,  1.  Auf  Nr.  a, 
dem  weitaus  umfangreichsten-  Bild ,  wird  die 
dort  inschriftlich  bezeichnete  Botin ,  die  eine  50 
Rolle  in  der  Hand  trägt  (offenbar  die  Bot- 
schaft des  Zeus,  wie  sie  auf  der  Pariser, 
&p.  350  abg.  Lekythos  ein  Diptychon  über- 
bringt), von  einer  ganzen  Horde  Satyrn  an- 
gefallen, während  Dionysos  würdevoll  am  Altar 
steht  und  zusieht;  auf  der  andern  Seite  gilt 
der  Angriff  der  ebenso  erschreckten  Hera; 
Hermes  erscheint  begütigend,  Herakles  in  sky- 
thischem,  also  Polizeikostüm,  in  grofser  Hast 
einschreitend.  Den  evidenten  Einflufs  des  Sa-  oo 
tyrspiels    betont    der    Herausgeber,    nachdem 

i  Ein  Stab  ist  ihr  aus  Unverständnis  gegeben  Arch. 
Ztg.  1853  p.  -100,  9. 

**)  Vgl.  die  viel  spätere,  in  Gerhards  Hljperb.  Rvut. 
Straf.  1,  175  nr.  11  beschriebene  Vase:  Iris  in  kurzem 
Chiton,  die  Linke  in  die  Seite  gestützt,  in  der 
Beehten  den  Caduceus  und  auf  dem  Kopfe  vielleicht 
eine  Lotosblume.     Eev.  Herakles  im  Phlyakenkostüm, 


schon  O.Jahn,  Tcleph.  u.  Troil.  91,  angesichts 
der  zwei  andern,  inschriftslosen  Vasen,  wo  die 
Göttin  nur  von  je  einem  Satyr  bestürmt  wird, 
an  die  Iris  des  Achaios  (Nauch,  Trag,  fr.1 
p.  582,  8p.  751)  erinnert  hatte,  und  zwar  ohne 
noch  das  Fragm.  220  (Philodem,  de  piet.  p.  36  G.) 
zu  kennen ,  wonach  Dionysos  dort  eine  wenig 
göttliche  Rolle  gespielt  zu  haben  scheint. 
Nr.  b  hat  als  Revers  Dionysos  zwischen  zwei 
Satyrn,  Nr.  c  eine  erschreckte,  von  zwei  Sa- 
tyrn belästigte  Nymphe,  die  zu  ihrer  Ver- 
teidigung einen  Thyrsos  ganz  von  der  Form 
führt,  wie  er  auf  b  erscheint  (kurzer  Stamm 
mit  Zweig,  dicke  buschige  Krone).  Es  geht 
nicht  wohl  an,  b  und  c  zu  trennen,  obwohl 
die  Flügelfigur  in  c  keinerlei  Attribut  führt 
und  nur  ihre  Rockschöfse  ausbreitet,  wie  es 
Sehet.  Arist.  Av.  1203  von  der  Iris  sagt  (s. 
Sp.  346).  Die  auf  b  führt  aufser  dem  Kerykeion 
eiil  umgekehrtes  Stier-  oder  Bockshorn,  welches 
als  Gefafs  zu  fassen  ist,  wie  auf  dem  Revers 
der  Schlauch  des  Satyrn.  Ein  Ochsenschwanz, 
den   Furtwängler  hier  erkennen  will,  müfste 


Fig.  3:  Iris,  von  einer  Lekythos  iu  Athen  (nach  Original- 
zeichnung). 

schlaff  herunterfallen,  statt  aufgebogen  zu  sein, 
und  mindestens  an  dem  Ende  Haare  zeigen.  Es  ist 
eines  der  gewöhnliehen  Trinkhörnerbakckischer 
Scenen;  vgl.  die  Mainade  bei  Laborde  1,  35.  51. 
65  (letztere  fackeltragend  und  als  Eirene  be- 
zeichnet). Man  hat  um  dieses  Attributs  willen 
die  Göttin  früher  Eirene  benannt  (Politi,  Luy- 
ncs, Welcher),  während  gerade  die  Eigrjvr]  Ao- 
Y.oäv  der  bruttischen  Münzen,  auf  die  man  sich 
berief,  keine  Flügel  hat,  wie  dies  auch  das 
einzig  Passende  für  eine  solche  Gestalt  ist  und 
es  die  inschriftlich  bezeichneten  Eirenefiguren 
der  Vasen  oben  Bd.  1  Sp.  1222  nr.  3  bestätigen. 
(Vgl.  O.  Jahn.  Arch.  Beitr.  11 1,62.)  Welche  Vasen 
hiernach  Trendelenburg,  Arch.  Ztg.  1880,  130,  1 
noch  im  Sinne  haben  kann,  ist  nicht  zu  er- 
kennen. Wenn  das  umgekehrte  Schöpfgefäfs 
nicht  etwa  irgend  eine  spezielle,  im  Drama 
gegebene  Beziehung  hatte,  die  wir  nicht  mehr 
erraten,  so  könnte  es  nur  ein  Substitut  für 
die  Kanne  sein,  welches  die  Regengöttin  auf 
einer  andern  Vase,  nach  einer  allerdings  nicht 
zweifelsfreien  Auffassung,  kennzeichnet.  —  Mit 
b)  und  e)  sind  übrigens  zwei  weifsgrundige 
Lekythen  im  Athen.  Central-Muscum  zu  ver- 
gleichen. Auf  der  einen  hier  abgebildeten 
fliegt    ein    geflügeltes    Mädchen    mit    Haube, 


345 


Iris  (im  Satyrspiel) 


Iris  (im  Satyrspiel) 


346 


sich  ängstlich  umblickend,  davon,  indem  sie 
die  Rocksehöfse  mit  den  Händen  seitwärts 
symmetrisch  ausbreitet.  Man  vergleiche  Jl'eZ- 
clcers  Tafel  und  unsere  Figur.  Auf  der  andern, 
wo  die  Entleh- 
nung aus  einer 
vollständigeren 
Scene  unver- 
kennbar, stehen 
Hermes  (bärtig) 
und  ein  Flügel- 
mädchen mit 
Haube  wie  Sta- 
tisten neben- 
einander, nach 
1.  hin  blickend, 
wo  aber  nichts 
mehr  folgt,  die- 
ser (en  face)  das 
Kerykeiou,  jene 
(im  Profil)  ein 
Trinkhorn  dort- 
hin präsentie- 
rend. Das  erste 
Bild  kann  man 
wohl  sicher,  das 
zweite  mit  eini- 
ger Wahr- 
scheinlichkeit 
auf  Iris  bezie- 
hen. —  Ob  ge- 
rade die  Iris 
des  Achaios 
jene  Bilder  in- 
spiriert hat, 
läfst  sich  nicht 
unbedingt  ent- 
scheiden. Die 
burlesken  Büh- 
nenmotive wie- 
derholten sich 
nicht  selten,  wie 
man  zur  Genüge 
weifs  und  hier 
beispielsweise 
an  der  hübschen 
Irisscene       der 

aristophani- 
schen Vögel 
1207  erproben 
kann,  die  jeder 
für  höchst  ori- 
ginell halten 
würde ,  wenn 
er  von  Achaios 
und  den  Vasen 

nichts  wüfste.  Viele  vou  den  Scherzen,  äieAristo- 
phanes  selbst  als  banal  zu  verschmähen  be- 
kennt, sind  ihm  aus  seinen  eigenen  Stücken 
nachgewiesen  worden.  Dafs  er  gerade  den  60 
gleichaltrigen  Achaios  benutzte,  dessen.  Satyr- 
dramen sich  nächst  denen  des  Pratinas  wohl 
der  meisten  Beliebtheit  erfreuten,  darauf 
scheint  (aufser  dem  bekannten  Citat,  Frö.  184 
=  fr.  11  bei  Nauck,  Tr.  Fr.),  Frö.  847  ver- 
glichen mit  den  Wutausbrüchen  des  rasenden 
Alkmaion  (Ach.  fr.   14)  hinzuweisen.' 

Es  ist  hier  nötig,  ein  Stück  des  Sophokles 


ausdrücklich  auszuschliefsen,  da  die  fehlerhafte 
Überlieferung  schon  nach  mehreren  Richtungen 
hin  irregeführt  hat.  Wer  bist  du,  ein  Schiff 
oder  eine  Klappenmütze  (tiXoiov  r\  jcwjj),  fragt 
Ar.  Vöij.  1203  Peithetairos 
die  mit  ausgebreiteten  Flü- 
geln  und  Kleidern  herab- 
schwebende Figur.  Zu  jenen 
Worten  bemerken  die  Scho- 
llen:        IllOLOV        flSV,        MßlTO 

c7rrt£corß:i  xtu  e^cöyKCO^LEvov 
(vgl.  das  ■/.M.olnwcfrat.  des 
and.  Schob)  £%£*  tov  %iTtäva, 
■Hai  rä  TiTfQix  öunzinruzcu  dg 
tucncn.  Diese  Erklärung  mufs 
auch  für  y.vvii  vollkommen 
ausreichen,  wenn  auch  in 
dem  Athen  des  5  Jahrh. 
solche  Kopfbedeckung  nicht 
üblich  war.  Es  ist  vollkom- 
men schief  und  zerstört  den 
von  dem  Gesamtbild  der  Iris 
hergenommenen  Witz,  wenn 
der  Schol.  fortfährt:  v.vvfi  äs, 
ort  £%ei  niQiHicpaXaLav  xhv 
TciraGov  (Frauen  tragen  üb- 
rigens keinen  solchen  Hut.) 
dg  b  'Equ-fig  üyyilog  äv  tckqcc 


-  - 
5  .=  ra 


Hocponlei:  ev  'lvd%q)  inl  xr)q  Y'lgtdog  fyvvr\  zig 
i}ÖE  ■favlrjvttg  'AouaSog  v.vvrig'' .  <&ao\  da  %al 
HWECtv  xov  nixo.Gov  XäySG&cci  iv  Tlt:Xo7rovvr>Go).*) 


*)  Bei  Btümncr  z.  Sermanns  Privatalter  thümern  §  21 
S.  ISO,  3  steht  die  seinem  Texte  -widersprechende  Ver- 
weisung auf  das  Scholion  unhthelligt  in  der  Anmerkung 


347 


Iris  (bei  den  Kentauren) 


Iris  (am  Parthenon) 


348 


Gedacht  ist  nicht  an  einen  Petasos,  sondern  an 
eine  hohe  Mütze,  einen  Pilos  wie  HesycJi  s.  v. 
'AQxrig  y.vv>]  richtig  erklärt,  mit  aufgebogenen 
Seitenklappen.  Worauf  es  uns  ankommt  ist 
lediglich  das  Citat.  Gewöhnlieh  wird  das  im, 
trotzdem  sowohl  Hiibner  p.  491  und  noch  be- 
stimmter Martin,  Schol.  Ar.  p.  106  es  aus  dem 
Bavennas  bezeugt,  völlig  ignoriert  und  dadurch 
die  ohnehin  schon  vorhandene  Verwirrung 
noch  vergröfsert.  Allein  auch  der  Name  ist  10 
fehlerhaft.  Hermes  wird  doch  wohl  die  Iris 
kennen.  Es  mufs  heifsen  'iovg.  Hermes  von 
Zeus  abgesandt  den  Argos  zu  töten,  findet  eine 
Frau,  welche  nach  der  allgemeinen  Bühnen- 
sitte des  5.  Jahrhunderts  (schon  der  1.  Hälfte) 
mit  Hörnern  (nicht  mit  Kuhhaupt)  dargestellt 
war.  (Vgl.  die  Belege  bei  Balte,  De  monu- 
mentis  ad  Odyss.  pert.,  Berol.  1882,  44.)  Alle 
Versuche,  das  korrekte  Citat  herzustellen  (s. 
Nanck,  Tr.  Fr.  Soph.  fr.  '251,  2250,  auch  Wi-  20 
lamouitz,  Herald.  1,  89)  mufsten  scheitern, 
solange  die  Person  nicht  richtig  erkannt  war. 
Dem  Sinne  nach  steckt  in  dem  Vers  wohl  dies: 
yvvrjri'g  i/cVf;  a^X-^vrj  (oder  oslnvig);  (j  (?)'AQ-xäg 
Y.vvrj;  wenn  es  mir  auch  nicht  gelingen  will, 
die  Verbindung  der  beiden  Fragen  prosodisch 
korrekt  herzustellen.  Jedenfalls  hat  das  So- 
pholäeische  Stück  nichts  mit  der  Iris  zu  thun. 
Etwas  anderes  wäre  es,  wenn  man  die  Eris 
desselben  Dichters,  welche  nach  Fr.  190,  2189  30 
ebenfalls  ein  Satyrspiel  war,  Eiqis  lesen  wollte, 
da  unter  3  Fragmenten  wenigstens  eines  (190) 
die  Variante  7p<s  aufweist.  Doch  bleibt  dies 
ganz  unsicher. 

4.  Iris  bei  den  Kentauren.  Von  der  Be- 
liebtheit des  Motivs,  die  Götterbotin  in  rohe 
Gesellschaft  geraten  zu  lassen,  zeugt  auch  die 
Vase,  welche  hier  nach  Joum.  of.  hell.  Sind.  1, 
pl.  3  (Atlas)  wiederholt  ist.  Der  Kopf  mit  der 
Haube,  seine  Haltung  wie  die  des  ganzen  40 
Oberkörpers  erinnert  an  den  Berliner  Skypbos. 
Achaios  selbst,  der  sich  so  gut  wie  seine  Be- 
rufsgenossen wiederholt  haben  könnte,  schrieb 
einen  Peirithoos,  wie  es  scheint  eine  Burleske, 
worin  dem  Hochzeits-Essen  und  -Trinken  (vgl. 
das  erhaltene  Fragment)  mit  den  Kentauren 
von  selbst  die  Hauptrolle  zufiel,  und  Iris  neben 
der  Braut  so  gut  figurieren  konnte,  wie  bei 
Brygos  neben  der  Hera.  Es  ist  schwer  zu  ent- 
scheiden, ob  die  ernsthafte  Dichtung,  beispiels-  r.o 
weise  das  Epos,  wagen  konnte,  die  Götterbotin 
solcher  Behandlung  auszusetzen,  ohne  Zeus 
selber,  der  sie  entsendete,  der  Lächerlichkeit 
preiszugeben.  Jedenfalls  lassen  sich  nicht  wohl 
an  solche  Darstellungen  mythologische  Be- 
trachtungen knüpfen,  wie  sie  S.  Colvin,  Joum. 
of  hell.  Stud.  1,  140  anstellt  über  den  an  und 
für  sich  nicht  uninteressanten  Zusammenhang 
der  Iris  mit  den  wie  immer  verstandenen 
Kentauren  des  Pelion  und  wiederum  der  Ken-  co 
tauren  mit  den  Satyrn.  Immerhin  ist  es 
Petersen  {Osten:  Epigr.-Arch.-Mitt.  1885,  85)  zu- 
zugeben, dafs  der  erste  litterarische  Anstofs 
von  der  Iliasscene  >F  ausging,  welche  beiläufig 
auch  Konnos  veranlafat  hat,  eine  Scene  cIris 
bei  den  Kureten'  in  verwandtem  Stile  Zu 
dichten.  Die  Vermutung  des  Homer- Schol 'tasten, 
dafs    die   Winde    vielleicht    betrunken    waren 


und  deshalb  iqäaiv  avrrjg,  ist  schon  mehr 
durch  die  Analogieen  der  komischen  Bühne  als 
durch  die  Scene  selbst  gerechtfertigt. 

5.  Parthenon.  Die  Pointe  solcher  Scherze 
lag  in  dem  Kontrast  einer  halbtierischen  Horde 
und  dem  ausgesprochen  jungfräulichen  Charak- 
ter der  Iris,  welchen  nach  Homer  vielleicht 
niemand  mit  größerer  Zartheit  erfafst  hat  als 
die  Künstler  des  Parthenon,  wenn  wir  das 
anmutige  Flügelmädchen  richtig  verstehen, 
welches  am  Götterfriese  der  Hera  zur  Seite 
steht  und  beistehend  in  anspruchsloser  Skizze 
nach  dem  Berliner  Gipsabgufs  wiedergegeben 
ist.  Ihre  Charakteristik,  von  Flach-  zuerst  auf 
die  Iris  bezogen,  hat  neuerdings  in  dem  dazu 
gefundenen  Kopf  mit  dem  freiwallenden  Haar, 


Fig.  5:  Iris  und  Hera  vom  Farthenonfriesc  (nach  Original- 
Zeichnung). 

dem  Kennzeichen  eines  zarten  Mädchenalters 
(s.  Waldstein,  Americ.  Journal  of  Arcli.  1889, 
p.  5  uivd  die  vorzügliche  Publikation  Taf.  2), 
eine  Vervollkommnung  und  Vertiefung  er- 
fahren, angesichts  deren  der  Gedanke  an  das 
alter  ego  der  Stadtgöttin,  an  die  Schlachten 
schlagende,  Tropaia  errichtende,  Stiere  opfernde 
Nike  kaum  noch  aufkommen  kann.  Wahr- 
scheinlich ist  die  1.  Hand  nicht  rnüfsig  er- 
hoben, wie  der  amerikanische  Herausgeber  an- 
zunehmen geneigt  ist,  sondern  ihre  Bewegung 
im  Zusammenhang  mit  der  im  Handgelenk  ge- 
beugten Rechten  zu  verstehen,  so  dafs  sie  etwa 
eine  gemalte  Tänie  gehalten  haben  wird(ll'o?r<TS 
z.  Friederichs  Bausteine  S.  275),  ähnlich  wie  wir 
dies  bei  der  Dienerin  der  Hera  auf  der  Pyxis 
Saburoff  §  2  Sp.  342  beobachten  konnten. 
Auf  der  Sosias-  Schale  Berlin  2278  hiefs  die 
geflügelte  Götterdienerin  Nike  oder  Hebe;  aber 
sie  bedient  dort  den   Zeus,   die   unsrige  hin- 


349        Iris  (allein  fliegend  od.  laufend) 

gegen  blos  die  Hera;  vgl.  B  §  3.  —  Über  die  drei 
Giebelfiguren,  welche  abwechselnd  den  Namen 
Iris  führen,  ist  es  schwer  in  ihrem  jetzigen 
Zustand  ein  Urteil  abzugeben.  Am  bestän- 
digsten hat  diesen  Kamen  trotz  mancher 
Einwände  das  nach  1. 
hineilende  Mädchen  des 
Ostgiebels  behauptet  (Mi- 
chaelis ,  Parthenon  -Atlas, 
Taf.  6G),  welches  ohne 
Flügel ,  nur  durch  den 
mächtigen  Gewandbausch 
ihre  Windeseile  bekun- 
dend, zwischen  dem  Er- 
eignis der  Mitte  und 
der  harrenden  Zuschauer- 
gruppe links  vermittelt. 
Sie  ist  vielleicht  nicht  ab- 
sichtslos an  eine  Stelle  des 
Giebels  placiert,  wo  nur 
eine  nicht  ausgewachsene 
Person  in  voller  Höhe  ge- 
zeigt werden  konnte.  Da- 
hingegen würde  die  ro- 
bustere, ganz  anders  aus- 
schreitende Göttin  mit 
dem  entblöfsten  Bein, 
welche  schon  darin  an  be- 
kannte statuarische  Nike- 
Typen  erinnert  (vgl.  Pe- 
tersen, Ath.  Mitt.  1886 
p.  395),  als  Iris  aufgefafst, 
mit  dem  Charakter  der 
schwerlich  anders  zu  be- 
nennenden Friesfigur  in  empfindlichem  Wider- 
spruch stehen.  Diese  hatte  allerdings  einst 
grofse  Schwingen.  Wenn  man  wegen  des 
heraustretenden  Beines,  wofür  sich  uähere 
Analogieen  bieten,  das  Relief  Colonna  ver- 
glichen hat  {Trendelenburg ,  Arch.  Ztg. 
1880,  p.  132),  so  liefse  sich  die  dortige 
Figur  mit  gleichem  Rechte  neben  die 
sogen.  Iris  stellen,  nämlich  um  des 
bogenförmig  hinter  ihr  geblähten  Ge- 
wandes willen,  welches  in  beiden  Fällen 
die  Flügel  zu  ersetzen  scheint.  Be- 
denken mufs  es  allerdings  erregen,  dafs 
die  '  Nike '  des  Pheidias  kurzen  Chiton 
trug  {Newton,  Guide  to  tlie  sculptures  of 
the  Petrth.  p.  16,  2.  edit. ,  Petersen  a.  a. 
0.),  obwohl  man  auch  diese  Freiheit 
dem  grofsen  Künstler  zutrauen  kann, 
während  die  Einzelstatuen  fliegender  Ni- 
ken  schon  aus  technischen  Gründen  das 
lange  schwere  Kleid  behielten.  Endlich 
sind  an  der  Wagenlenkerin  Poseidons 
im  Westgiebel  die  Flügelspuren  der  Car- 
reyschen  Zeichnung  viel  zu  unsicher,  um 
daraufhin  mit  Brunn,  Trendelenburg  und 
Loeschcke  (Dorpat.  Prgr.  1884  p.  11)  Iris  zu 
erkennen.  Der  Versuch,  an  einer  Metope 
Iris  als  Wagenlenkerin  des  Zeus  zu  er- 
kennen, ist  wohl  jetzt  allgemein  aufgegeben. 
6.  Iris  allein  fliegend  oder  laufend. 
Vorausgeschickt  sei  Fig.  6:  die  Dr.  Wolters 
verdankte  Zeichnung  einer  an  den  Seiten 
schwach  umgebogenen  Bronzeplatte,  vielleicht 
eines  Rüstungsstückes   (Br.  0,20,  H.  0,156)   in 


Iris  (allein  fliegend  od.  laufend)         350 

der  Sammlung  Santangelo  zu  Neapel;  eines 
Werks,  das  ich  trotz  gewisser  Eigentümlich- 
keiten an  der  sorgfältig  eingravierten  Frauen- 
iigur  nicht  für  etruskisch  zu  erklären  wagen 
würde.      An   den  Fufsflügeln,   dem  Kerykeion, 


Jris  auf  e.  Bronzeplatte  in  Neapel  (nach  einer  Originalzeichnung  von  Wolters). 


der  sprechenden  Gebärde  und  dem  eiligen 
Schritt  läfst  dieses  noch  heimatslose  und 
nur  aus  sich  selbst  zu  beurteilende  Stück  die 
Götterbotin  deutlicher  erkennen,  als  manches 
anspruchsvollere  Monument.  —  Die  hier  Fig.  7 


Fig.  7 :    Iris   von   einer   polychromen  Lekythos    auf   schwarzem 
Grund  in  Paris  (nach  Originalzeichnimg). 


zum  erstenmale  abgebildete  Lekythos  mit  po- 
lychromem Bilde  auf  schwarzem  Grunde  (aus 
Athen,  jetzt  im  Louvre,  beschr.  von  Six,  Gaz. 
arch.  1888,  p.  204,  nr.  17,  6),  wo  die  Götter- 
botin die  Befehle  des  Zeus  in  einem  Diptychon 
überbringt,  gehört  gleich  der  in  diesem  Punkt 


351       Iris  (allein  fliegend  od.  laufend) 

verwandten  Biygossckale  und  der  des  Oltos 
und  Euxitheos  einer  Epoche  an,  wo  die  be- 
flügelte Nike  in  Athen  zwar  schon  bekannt 
war,  aber  diese  Lieblingsfigur  der  reiferen  und 
überreifen  Gefäfsmalerei  die  niemals  sehr  po- 
puläre Iris  noch  nicht  völlig  verdrängt  und 
selbst  ihr  Heroldsattribut  an  sich  gerissen 
hatte.  (Vgl.  §  7.)  Leider  läfst  sieh  dies  von 
der  schönen  rf.  Hydria  Gerhard,  Auserl.  V.-B. 
2,  82  nicht  sagen.  En  face  gestellt,  in 
ruhiger  Schwebe-Bewegung,  die  bereits  mit 
hoher  Sicherheit  erfafst  ist,  hält  sie  in  der 
einen  Hand  das  Kerj-keion,  in  der  andern  eine 
Kanne  und  schaut  nach  der  einen  Seite  um. 
Dieses  Bild  ist  aber  doch  in  dem  ganzen  Motiv 
und  der  Sorgfalt  der  Durchführung  recht  ver- 
schieden von  den  mehr  und  mehr  aufkom- 
menden  Kredenz-,  Kranz-,  Fackel -Niken  und 


Fig.  8:  Iris,  ein  Kind  tragend,  rf.  Vasenbild   (nacli  Ger- 
hard, Auserl.   V.-B.  2  nr.  S3). 

wie  ihie  Funktionen  alle  heifsen  mögen.  Die 
in  ihrer  Zierlichkeit  auch  sorgfältig  gemalte 
Figur  der  nolanisehen  viel  jüngeren  Amphora 
De  Wüte,  Elite  1,  72,  welche  mit  gleichen 
Attributen  aber  in  kurzem  Chiton  und  Fufs- 
flügelu  zur  Athena  heranschwebt,  ist  trotz 
dieser  beiden  unterscheidenden  Merkmale  vor 
der  Verwechselung  mit  Nike  nicht  so  ge- 
schützt —  weil  sie  in  dieselbe  Reihe  wie 
Elite  68 — 70  gehört  —  wie  die  einsam  schwe- 
bende jener  strengeren  Zeichnung.  Der  Dichter 
von  Hesiod  Thcog.  775  ff.,  oben  Sp  322  seheint 
derartige  Darstellungen  bereits  gekannt  zu 
haben;  und  auf  zwei  Vasen  des  5.  Jahrh. 
glaubten  wir  (s.  §  3)  Iris  mit  Trinkhorn  zu 
erkennen.  Man  möchte  also  trotz  der  nahe- 
liegenden Bedenken,  die  Knapp,  Nike  in  d. 
Yasennt.  p.  25  und  Kieseritzky ,  N.  i.  d.  V. 
p.  13  äufsern,  die  Möglichkeit,  dafs  hier 
(wie  sich  die  älteren  Erklärer  dachten)  die 
Regengöttin  charakterisiert  sei ,  nicht  gänz- 
lich ausschliefsen,  mögen  auch,  was  bisher 
nicht  eingewendet  ist,  die  Gefäfse,  aus  denen 


Iris  (allein  fliegend  od.  laufend)       352 

Eos,  Hyaden  und  Winde  ihre  Feuchtigkeit 
ergiefsen,  umfangreicher,  meist  urnenartig, 
gestaltet  sein.*)  Etwas  mehr  Sicherheit  bie- 
tet wohl  die  hier  Fig.  8  nach  Gerhard, 
Auserl.  Vasen-Bilder  2,  83  wiederholte  Ge- 
stalt einer  rf.  Hydria,  wo  Iris  —  die  z.B.  nach 
einer  apokryphen  Erzählung  ob.  Sp.  336,  6  den 
nemeischen  Löwen  vom  Monde  herabtrug  i— 
ein  Kind,  wie  es  scheint  einen  Knaben,  in  ihren 
10  Armen  trägt.  Der  nicht  sehr  geschickte,  noch 
fast  archaische  Maler,  dem  schon  die  Zeich- 
nung der  Flügel  beträchtliche  Schwierigkeit 
bereitete,  verschmäht  zwar,  den  archaischen 
Laufschritt,  der  auf  der  polychromen  Lekytbos 
nur  schwach  verhüllt  ist,  in  der  Weise  wie 
diese  zu  einer  Pseudo-Flugbewegung  zu  ver- 
wenden; er  ist,  dünkt  mich,  auf  dem  besten 
Wege  zum  Schweben.  Aber  er  hat  es  noch 
nicht  gewagt,  die  Figur  von  dem  Boden 
zu  lösen  und  läfst  sie  wie  Homer  seine 
XQvooTiTtQog  nur  eilig  schreiten,  was 
aber  wohl  im  Sinne  beider  zu  einer 
Reise  zwischen  Himmel  und  Erde  völlig 
genügt.  Von  dieser  Auffassung,  über 
die  man  streiten  kann,  hängt  zum 
Teil  die  Benennung  des  Kindes  ab.  Mit 
der  Eirene  der  Satyrvasen,  an  welche 
Frühere  dachten,  ist  auch  Plutos  be- 
seitigt; vgl.  Jahn,  Arch.  Beiir.  111,  62. 
Zur  Vergleichung  bietet  sieh  vielmehr 
die  sf.  Vase  München  611,  Arch.  Ztg. 
1876,  Taf.  17,  wo  Hermes  im  Fluge 
das  inschriftl.  bezeichnete  Herakleskind 
dakerträgt,  um  es  dem  auch  littera- 
risch bezeugten  Erzieher  Cheiron  zu 
übergeben,  welcher  auf  dem  Revers  dar- 
gestellt ist.  Aber  ein  solcher  Flug  pafst 
in  dem  engen  Rahmen  eines  archaischen 
Bildes  nicht  zusammen  mit  einer  ruhig 
stehenden  Figur  und  jener  Typus  ist, 
wie  Klein  bemerkt  (Oster r.  Epigr.  Mitt. 
1885,  154),  nur  äufserlich  kombiniert 
mit  dem  des  Cheiron,  welcher  aus  der 
Scene  der  Übergabe  des  kleinen  Achilles 
stammt.  Möglicherweise  war  der  ur- 
sprüngliche Sinn  der,  dafs  einer  bekannten 
Sage  entsprechend  das  von  Alkmene  geborene 
Kind  zu  seiner  göttlichen  Halbmutter  herauf- 
gebracht wurde,  die  ihn  auch  auf  der  oben 
50  Sp.  343  erwähnten  Vase  in  Gegenwart  der  Iris 
und  Alkmene  nährt  und,  wiederum  mit  Iris 
im  Gefolge,  bei  der  Scene  aus  Herakles'  Kind- 
heit Gag.  arch.  1875  pl.  15  (streng  rf.  Vase) 
erscheint.  Nur  hat  die  umgekehrte  Richtung 
des  Fluges  a  priori  mehr  für  sich,  und  be- 
zog sich  das  älteste  bekannte  Beispiel  solcher 
Gruppe,  am  amykläiseben  Thron,  vielmehr 
geradezu  auf  Dionysos,  der  seinen  irdischen 
Ammen  zugeführt  ward.  Die  bei  Pausanias 
CO  stehende  Erklärung  des  Reliefs,  Hermes  trage 
das  Dionysos -Kind  zum  Himmel,  hat  Brunn 
mit  Recht  abgewiesen.  Auch  im  vorliegenden 
Falle  möchte  man  am  liebsten  an  ein  zur 
Erde,  nicht  in  den  Himmel  gebrachtes  Kind 
denken,   wenn   nicht  als  Träger   des  Bakchos- 

Ä)  Dagegen  klein  und  kannenfürmig  auf  dem  Panzer 
des  Augustus    von    Prima  Porta ,    Mon.  d.   I.   G.  7    Taf.  84. 


353       Iris  (allein  fliegend  od.  laufend)  Iris  (mit  Nike  verwechselt)          354 

kindes  die  alte  Kunstüberlief'erung  den  Hermes  die  Bezeichnung  als  'Nike'  unsicher  und  die 
gar  zu  bestimmt  fixiert  hätte,  wohingegen  Erwägung  wenigstens  ebenso  statthaft,  ob  nicht 
bei  der  selteneren  Sage  vom  Herakleskinde  vielmehr  Iris  gemeint  sei,  die  bekanntlich  von 
sich  eine  so  konstante  Tradition  nicht  ge-  den  Deliern  und  zwar  nur  von  ihnen  verehrt 
bildet  zu  haben  scheint.  Es  ist  schwer  zu  wurde (s.  ob.  C§  2).  Yg\. Brunn,  Sitz.  d.Münclt.Ak. 
einem  Resultat  zu  gelangen.  —  Die  oben  (A  §  2a)  1884  p.  522.  In  welchem  Verhältnis  dazu  kunst- 
erwähnten Münzen  von  Mallos  in  Kilikien  bei  geschichtlich  die  altattischen  Niken  stehen  und 
Imhoof-  Blumer,  Annuaire  d.  1.  Soc.  d.  Num.  et  wie  sich  die  Personifikation  der  Nike  dort  und 
d'Arch.  1883  p.  89  pl.  5.  Svoronos,  Ztsehr.  f.  anders  gestaltet  (s.  zuletzt  Robert,  Hermes  1890 
Num.  1888  p.  219  Taf.  10  zeigen  nach  des  10  p.  449)  ist  eine  besondere  Frage.  Was  die  Vasen 
letzteren  evidenter  Erklärung  Windgötter  mit  anlangt,  so  steht  thatsächlich  den  zahlreichen 
dem  Sonnendiscus  (wahrscheinlich  des  Hya-  rotfig.  Niken  mit  Beischrift  bis  heute  noch 
kinthosniythos),  manchmal  über  einen  Flufs  keine  schwarzfigurige  als  solche  bezeichnete 
hinsausend,  sodann  das  Sternbild  des  Schwa-  gegenüber;  dariu  hat  sich  seit  den  Arbeiten 
nes,  ferner  die  Symbole  des  Zeus-(3ai'rt4os  Knapps  und  Kieseritzlcys  nichts  geändert.  Die 
und  der  Plejaden,  dazu  als  ßev.  ein  nach  1.  einzigen  Beischriften,  welche  die  ältere  Technik 
laufendes  Mädchen  mit  Kerykeion  in  der  R.  bei  rennenden  Flügelwesen,  soweit  es  nicht  Gor- 
und  Kranz  in  der  L.  Trotz  des  entwickelten  gonen  sind,  aufweist,  siud  EPIS  (Bd.  1  Sp.  1338) 
Stils  der  Körper-  und  Gesichtsformen,  der  und  minder  deutlich  IPIS  (Gerhard,  Auserl.  Vas. 
Gewand-  und  Haar -Behandlung  erkennt  mau  20  1,  20;  beide  Gerhard,  Ges.  Abh.  Taf.  10,  5.  6; 
ohne  weiteres,  dafs  ein  alter  Typus  ver-  vgl.  Studniczka,  Jahrb.  d.  Inst.  1890  p.  144,  9. 
wertet  ist.  Man  kann  Svoronos  in  der  Be-  Vgl.  noch  die  ßjpig  oben  §  1).  Im  allgemeinen 
nennung  Iris  beistimmen,  obwohl  sich  in  dem  wird  man  unter  den  vielfachen  Bedeutungen, 
Kranz,  über  welchen  er  keine  Auskunft  giebt,  welche  jener  hocharchaische  Typus  angenom- 
bereits  der  Einflufs  der  immer  dominierender  men,  auch  Iris  erwarten  dürfen, 
auftretenden  Nike  geltend  macht.  Es  lassen  7.  Iris  und  Nike  verwechselt.  Die  Un- 
sich  für  Iris  noch  Umstände  anführen,  welche  in  Sicherheit,  welche  schon  am  Parthenonfries 
jenem  Artikel  übersehen  sind.  Die  allerältesten  hervortrat,  weil  Iris  in  dieser  Periode  aus  einer 
Münzen  der  Stadt  bei  Imhoof  Taf.  5,  1  (3  ge-  Heroldiu  des  Zeus  zur  häuslichen  Dienerin  der 
hört  nicht  nach  Mallos),  geben  den  Typus  der  30  Hera  wurde,  macht  sich  auf  den  Vasen  dop- 
rennenclen  Figur  in  seiner  primitiven  Gestalt,  pelt  fühlbar,  da  hier  der  Heroldsstab  nicht 
ohne  Attribute,  die  r.  Hand  erhoben,  die  Linke  nur  der  Iris  genommen,  sondern  zugleich  der 
an  die  Hüfte  gelegt,  die  Brust  von  vom,  den  Nike  (nicht  Eirene)  zugeteilt  wird,  während 
Unterkörper  im  Profil.  Diese  Figur  ist  aber  deren  Funktionen,  wie  Kranzreichen  und  Kre- 
sicher  männlich,  nackt  und  langgelockt.  Zu-  denzen,  nicht  selten  auf  die  Botin  übergehen, 
gleich  erscheint  in  diesen  frühesten  Prägungen  Negativ  besitzen  wir  zwar  ein  gewisses  Ünter- 
(welche  als  Rev.  einfaches  quadratum  iueusum  seheidungszeichen  in  dem  kurzem  Gewand  und 
haben)  eine  weibliche  Figur  mit  kurzem  Chiton  den  Fufsflügeln,  mit  welchen  nur  Iris,  selten 
und  Fufsflügeln  ( Imhoof  Taf.  5,2),  welche  nach  Nike  ausgestattet  wird.  Jedoch  um  eine  lang- 
der  andern  Seite  hinläuft  und  als  Pendant  zu  40  bekleidete  Flügelfrau  mit  Kerykeion,  wie  sie 
jener  geprägt  ist;  vgl.  die  andern  Typen  von  uns  auf  den  Vasen  des  5.  Jahrb.  einzeln  oder 
Mallos  mit  einander  und  zahlreiche  Beispiele  in  blofs  dienender  oder  begleitender  Rolle 
anderer  Städte  (Sroronos/AQx.'Etprjii.  1890  p. 99).  wiederholt  entgegentritt,  bestimmt  als  die 
Äufserlich  schliefst  sich  nun  die  'Iris '-Figur  eine  oder  andere  zu  bezeichnen,  fehlt  uns  jeder 
an  jenen  männlichen  Typus  an,  nicht  an  Anhaltspuukt.  Vasen  wie  etwa  die  sf.  Amph. 
den  minderwertigen  weiblichen,  welcher  ver-  München  351  (mir  des  näheren  nicht  erinner- 
schwindet, während  der  Windgott  sich  differen-  lieh),  die  rf.  HydriaBi*??.  d.  I.  1866,  186,  die  rf. 
ziert  und  neue  Typen  erhält.  Es  ist  aber  höchst  Pelike  Athen  Polytechn.  2065,  die  rf.  Amph. 
wahrscheinlich,  dafs  jenes  älteste  Paar  aus  den  Berlin  2163,  die  nolauischen  Gefäfse  Karls- 
verjüngten  Typen  zu  erklären  sei,  also  einen  50  ruhe  203,  Neapel  3122,  die  solche  Gestalt 
Windgott  und  Iris  bedeute;  vgl.  A  §  3  u.  4.  für  sich  allein  oder  als  Revers  zu  Zeus  oder 
In  Mallos  wurde  der  Boreas  unter  dem  Namen  zu  Zeus  und  der  ihn  bedienenden  Athene  vor- 
Pagreus  verehrt,  und  man  erinnert  sich  dabei,  führen,  mag  man  noch,  weun  man  will,  auf 
dafs  Homer  die  Iris  mit  dem  Boreas  vergleicht.  Iris  beziehen.  Aber  es  ist  damit  wenig  ge- 
—  Statuarisch  wird  der  hier  zu  Grunde  lie-  holfeu.  Steht  doch  genau  dieselbe  Figur  ein- 
gende  Typus  bekanntlich  durch  die  archaische  schenkend  vor  Apollon  auf  der  rf.  Pariser 
Nike  aus  Delos  repräsentiert  {Bull.  hell.  1879  Hydria  Luynes  pl.  26,  De  Witte,  Elite  2,  47, 
pl.  6  u.  7,  Furtic.,  Arch.  Ztg.  1882,  324),  und  Gerhard,  Ant.  Bildw.  58,  Welcher,  A.  D.  3,  8, 
etwas  weiter  entwickelt  namentlich  hinsichtlich  und  wird  geradezu  als  NC%r]  bezeichnet  auf  den 
der  Gewandplastik  in  mehreren  archaischen  go  beiden  zusammengehörigen  Peliken  i>erK«  2166. 
Niken  von  der  Akropolis  (wovon  zwei,  die  eine  u.  2167  (Arch.  Ztg.  1875,  10),  jedesmal  zwischen 
noch  ohne  den  zugehörigen  Kopf,  bei  Sophu-  den  thronenden  Göttern  Zeus  und  Poseidon, 
lis,  'Aq%.  'E<prifi.  1888  p.  90f.  abg.),  abgesehen  ersterem  einschenkend,  und  gleichfalls  in  der 
von  den  kleinen  altattischen  Bronzen  bei  Götterversammlung  auf  dem  rf.  Stamnos  Peters- 
Petersen,  Ath.  MM.  1886  Taf.  11.  Nachdem  bürg  1641,  ferner  kredenzend  vor  einem  kriegs- 
durch  Sauers  Beobachtungen  (ib.  1891)  fest-  bereiten,  von  dem  Vater  begleiteten  Helden  (als 
gestellt  ist,  dafs  die  delische  Archermos-In-  Lykaon  u.  Antandros  inschr.  bezeichnet)  auf  dem 
schrift  nicht   zur  Statue   gehören  kann,   wird  nolanischen  Gefäfs  Brit.  Mus.  721  (d.  alt.  Kat.), 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  JNIythoL    II.  12 


355          Iris  (mit  Nike  verwechselt)  Iris  (in  der  jüngeren  Kunst)          356 

Gerhard,  Aus.  V.-B.  2,  150,  daraus  Ges.  Abh.  keion  bewirkt,  wurde  schon  bei  der  Sosias- 
11,  3  (vgl.  die  ähnlichen  Gruppen  ohne  Kery-  Schale  §  5  wahrgenommen.  So  wird  es  unmög- 
keion  und  ohne  Inschr.  bei  Kieseritzky ,  Nike  lieh  auf  der  Triptolemos- Schale  des  Brygos 
in  d.  Vasemn.  p.  12  f.).  Andererseits  wird  man  (abg.  z.  B.  Welcher,  A.  D.  3,  12.  Wien.  Vorl.- 
bei  eurer  thronenden,  Hera- ähnlichen  Göttin  Bl.  8,  2)  oder  bei  Gerhard,  Trinkseh.  Taf.  D*) 
wie  Elite  1,  32  und  verschlechtert  3,  38  =  Ger-  oder  Boulez,  Clwix  d.  Vas.  4  oder  Gerhard, 
hard,  Ant.  Bildw.  50  (Berlin  2317)  oder  Ger-  Auserl.  V.  1,  7)  die  geflügelte  Mundschenkin 
hard,  Ant.  Bildiv.  49  (Berlin  2381)  eher  an-  zu  benennen,  obwohl  gerade  die  an  letzter 
nehmen,  dafs  sie  von  Iris  als  dafs  sie  von  Stelle  genannte,  welche  der  Hera,  nicht  dem 
Nike  bedient  werde,  auch  wenn  die  Dienerin  10  daneben  thronenden  Zeus  einschenkt,  mit  ihren 
kein  Kerykeion  führt.  Wenn  auf  den  zwei  Fufsflügeln,  dem  ganz  kurzen  Chiton  und  frei- 
zusammengehörigen  rf.  Gefäfsen  (Staninos)ibToM.  wallendem  Haar  wohl  den  Gedanken  an  Iris 
d.  I.  G,  5S  die  Mundschenkin  des  Zeus  ein  erwecken  kann,  der  bei  all  solchen  Bildern 
solches  Abzeichen  führt,  die  der  Hera  (wo-  mit  mehr  oder  weniger  Bestimmtheit  geäufsert 
zwischen  hier  störend  ein  stehender  Apollon  ein-  worden  ist. 

geschoben  ist)  dasselbe  entbehrt,  und  statt  8.  Jüngere  Kunst.  In  der  unterita- 
dessen  ihren  Rockzipfel  fafst,  so  erkennen  wir  lischen  Vasenmalerei,  die  an  geflügelten  Fi- 
lediglich  das  Streben  nach  Abwechselung,  zu-  guren  überhaupt  Gefallen  hat,  tritt  Iris  wieder 
gleich  auch  wohl  den  Umstand,  dafs  bei  der  etwas  hervor,  wenn  auch  mehr  und  mehr  mit 
zweiten,  en  face  gestellten  Figur  die  Anbrin-  20  anderen  bedeutungslosen  Dämoninnen  dieses 
gung  des  Kerykeions  diesem  Stile  minder  leicht  Stils  vermischt.  Sie  trägt  den  kurzen  Chiton, 
gefallen  wäre.  Auf  der  flüchtigen  rf.  Lekythos  auch  wohl  das  Kerykeion,  obschon  sie  sieh 
Berlin  2248  (Abb.  s.  dort)  läuft  eine  kurzge-  häufiger  mit  Thymiaterion  oder  Salbgerät  zu 
kleidete,  sogar  an  den  Füfsen  beflügelte,  also  schaffen  macht.  Erwähnt  sei  Arcli.Ztg.  1  Taf.  13 
doch  gewifs  der  Iris  sehr  ähnliche  Flügelfrau  S.  199,  Gerhard,  Mysterienbilder  2  (Bestrafung 
auf  einen  roh  gezeichneten  altarähnlichen  Ixions),  wo  Jahn, Ber.el.  Sachs. Ges.  1856,282  ihre 
Gegenstand  zu,  wo  man  wie  vor  Apoll  viel-  Anwesenheit  (statt  der  des  Heimes)  aus  dem 
mehr  Nike  erwartet;  und  wie  manches  fackel-  Vergehen  an  Hera  erklären  will;  ich  würde 
tragende  Flügelmädchen  liefse  sich ,  wie  auch  hierin  wie  in  der  anwesenden  Furie  mehr  die 
geschieht,  einfach  als  Nike  registrieren,  wenn  30  Vorliebe  für  Figuren  der  oben  bezeichneten 
nicht  eine  derartige  Person  (sehr  verschiedent-  Art  erkennen:  so  ist  bei  Gerhard,  Apul.  Vas.  13 
lieh  gedeutet,  s.  Kieseritzky  p.  23)  schon  auf  (Parisurteil)  wohl  eine  der  beiden  gt  Bügelten 
dem  Luynesschea  Gefäfs,  ohne  ersichtlichen  Frauen  aus  der  in  dieser  Scene  öfter  an- 
Grund von  Nike  und  Apoll  hinwegliefe  und  den  getroffenen  Iris  entstanden.  Mit  Hermes  zu- 
gleichberechtigten Einflufs  eines  jetzt  nicht  sammen  oder  als  Pendant  erscheint  sie  oben 
mehr  so  vereinzelten  Artemis- Typus  geltend  Fig.  2,  Gerhard,  Apul.  V.  11.  Mon.  d.  I.  6,  66. 
machte.  Ein  ähnliches  Abwechseln  zwischen  Stark,  Niobe  2.  Berlin  3240  u.  ö.  Auch  hier  läfst 
Kerykeion  und  Fackel  findet  sichBull.  d.  1. 1869,  sich  beobachten,  wie  sie  mit  Nike  abwechselt: 
nr.  252.  253.  Es  bestätigen  sich  hier  eben  nur  z.  B.  auf  der  Amphora  Keapel  3256.  Mon.  d. 
—  und  auch  die  vollständigste  Sammlung  des  40  I.  2,  30.  31  (stark  ergänzt,  vgl.  Gerhard,  Ges. 
undankbaren  Materials  könnte  hieran  nichts  Abh.  Taf.  6,  2)  ist  einmal  (30)  Nike  zwischen 
ändern  —  die  alten  Erfahrungen  von  der  Sorg-  Zeus  und  Hera  dargestellt,  hinter  welcher 
losigkeit  der  einmal  in  Schwung  gekommenen  letzteren  vielleicht  noch  mit  dem  Ergänzer 
Produktion  und  der  Vergeblichkeit,  solche  Hermes  anzunehmen  ist,  das  andre  Mal  (31)  Zens 
Neben-  oder  gar  blofse  Ürnamentfignren  zu  mit  Ganymed  und  Hera  mit  Iris,  welche  aber 
interpretieren  oder  aus  evident  willkürlichen  aus  Raummangel  unterhalb  placiert  ist,  wo  sie 
Beischriften  historische  Schlüsse  zu  ziehen  —  nun  keinen  Anschlufs  findet.  Dem  Wagen  des 
es  sei  denn  der,  dafs  der  Name  Iris  bei  den  durch  Athene  zum  Olymp  geführten  Herakles 
att.  Vasenmalern  des  5.  Jahrb.  in  Vergessenheit  scheint  auf  der  etwas  älteren  Vase  Millingen, 
gerät,  was  eigentlich  in  solchem  Mafse  doch  50  Feint,  d.  F.  36  Iris  voraus-,  Nike  nachzufliegen, 
nur  möglich  war,  wenn  Nike  als  Botin  gedacht  vgl.  Trendelenburg,  Arch.  Ztg.  18S0,  132,  4. 
wurde:  eine  Vermischung,  die  nicht  wohl  aus  Von  den  darauf  bezüglichen  Notizen  Cat.  Cam- 
■  dem  mythologischen  Gedanken  heraus,  sondern  pana  Serie  4ff.  793.  Kieseritzky  p.  25,  45.  La- 
cher durch  die  Plastik  entstanden  sein  kann,  borde  1,  85  (Sacken  u.  Kenner  184).  Bull.  d.  I. 
als  diese  der  Lieblingsgöttin  der  Agonistik  1868,  184  kann  ich  gegenwärtig  nur  die  letzte 
Flügel  verlieh.    Die  Verwechselung  schien  sich  kontrollieren. 

nicht    nur    in   Athen    sondern   auch   in  Grofs-  Auf  pompejanischen   Gemälden    liefs 

griechenland   (vgl.  C  am  Schlüsse),   in  Mallos  sich   Iris    nur    einmal    (Heibig  114;   vgl.   oben 

und  vielleicht  auch  in  Delos  geltend  zu  machen.  Sp.  328)  mit  Wahrscheinlichkeit  erkennen  (lang- 

Erst  in  nachklassischer  Zeit  wird  auf  den  Münzen  co  bekleidet).     Das  von  Trendelenburg,  Arch.  Ztg. 

das  Kerykeion  auch  andern  Personen  als  Iris,  1880  p.  133,  6  erwähnte  Gemälde  läfst  sich  nach 

Eirene,  Nike  gegeben,  s.  Imhoof-Blumer  in  der  der  Beschreibung  und  Deutung  Panofkas  allein 

Wiener  Num.  Ztschr.  1871  und  Otto  Jahn,  Tele-  nicht  beurteilen.    Entschieden  unrichtig  wurde 

phos  u.  Troilos  p.  79,  96.  Dafs  nebenbei  auf  den  Heibig  1227  von  Welcker .  A.  D.  4,  97  hierher 
streng  rf.  Vasen  auch  die  Mundschenkin  Hebe 

durch  eine  ihrem  Wesen  völlig  widersprechende  ,S)  Vgl  ^^  mbe  p  2S  f  und  ^  wie  mir  scheUl^ 

beflugelung   die  Ins   überflüssig   macht,   wie  es  millieI  befriedigende  Deutung  Be,i„dor/s,Jal,rb.  der  Kaveri. 

die  geflügelte  Nike  durch  Annahme  des  Kery-  Osterr.  Kumt-Sammig.  Bd.  11  p.  1:;. 


357          Iris  (in  der  jüngeren  Kunst)  Isckenos                          358 

gezogen.    Dagegen  scheint  für  die  Gemmen,  Schal.  Hyg.  7.   14   (p.  40  Bunte).    Tsetz.  Lyk. 

die  eine  ruhig  stehende,  langbekleidete  Frauen-  175  (p.  447  Müller).  Sehol.  Tl.  23,  88.   Heyne, 

gestalt   darstellen  mit  kurzen  Schmetterlings-  Apolloä.  Observ.  p.  311.    Als  Peleus  den  Eury- 

flügeln    am   Rücken    (Iris   multicoloribus   alis,  tion,  welcher  ihn  von  dem  Morde  des  Phokos 

Anth.  lat.  554  Biese  1879),  mit  Kerykeion  und  gereinigt,  auf  der  Jagd  wider  Willen  getötet 

Mohn  in  den  Händen,   sich  keine  bessere  Er-  hatte,    brachte   er  später   dem  Iros  als  Sühne 

klärung  zu   bieten:    Tölken,  Berlin.  Progr.  z.  des    Mordes    viele    Schafe    und    Rinder.      Iros 

Eckhelfeier  1845.    Ar  eh.  Ztg.  1851,94*.    C'ades  nahm   sie   nicht   an;    deshalb   liefs   Peleus   sie 

Bd.  27/28.  auf   Geheifs    des    Orakels    frei    davon    laufen. 

Von  den  römischen  Sarkophagreliefs  10  Ein   Wolf,    der    nachher   in   einen  Stein   ver- 

scheinen    nur    die   mit   dem   Raub   der  Perse-  wandelt  ward,  frafs  sie  auf  der  Grenze  zwischen 

phone   (s.  Förster)  eine  Iris  zu   enthalten:   so  Lokria  und  Pnokis,  Anton.  Lib.  38.  —  2)  Iros 

erklärt   man    die    über    (bezügl.   neben)    dem  (der    Botengänger,    vgl.    'Iqis),    Beiname     des 

Wagen  schwebende  FlügelgeBtalt,    nicht  aber  unverschämten    Bettlers    Arnaios    in    Ithaka, 

die    Endymion-    (s.    Matz- Huhn,   Amt.  Bildw.  vom     zurückgekehlten    Odysseus     im     Faust- 

2715f.)   und  die  Phaethonsarkophage   (s.  Ann.  kämpf  überwunden,   Od.    18,  1  ff .    239.     Hyg. 

ä.  I.  1869  F  p.  130).  f.  12G.     Preller,   Gr.  Myth.  2,  457,   1.      [Bild- 

Milchhöfer ,  Anf.  d.  Kunst   p.  68    hat  be-  liehe    Darstellung    auf   einer   Vase    in   Wien : 

kanntlich   gewisse  kannentragende  Tierfiguren  Arcli  Ztg.  12,  495*.  R.]  —  3)  Ein  Heros,  nach 

auf    Inselsteinen    als    Iris    deuten    wollen    im  20  welchem  Ira,   eine  Stadt  der  Malier,   benannt 

Sinne   von  Hesiod   (vgl.  A  3),   indem   er   einen  war,  Steph.  B.  v.  'Iqu.    —   4)  Vater  des  lesbi- 

Pferdekopf   zu   erkennen   und    darin   die   Ver-  sehen  Heros  LampetO;:,  Steph.  B.  Aa^itizsiov.  — 

wandtschaft  mit  den  Harpyien  zu  finden  glaubte.  5)  Nach  Schal.  Od.  1,  259  schrieben  in  dieser 

Widerspruch   hat  0.  Boßbach    erhoben,  Arch.  hom.  Stelle   manche  Iros  statt  Ilos,   wie  auch 

Ztg.  1883,  173.    Ann.  1885,  GH,  8  p.  188,  zu-  Proxenos  in  seinen  Epiroticis  Iros  einen  Sohn 

letzt  Tzuntas,  'Aq%.  'Etprjfi.  1889  Tat.  10  nr.  35.  des  Mermeros  nannte.     [Stoll.] 

36.    Die  fraglichen  Figuren  sind,  wie  sich  aus  Isaia    ('leaia),    Tochter    des    phönikischen 

einem  kyprischen  Gefäfs  ergiebt  (Ann.  a.  a.  0.  Königs  Agenor  und  der  Damno,  einer  Tochter 

p.  197),  aufrecht  stehende  Löwen,  und  die  eigen-  des  Belos.     Sie  ward  Gemahlin  des  Aigyptos, 

tümliche  Rückenbedeckung  ist  wahrscheinlich  30  während    ihre    Schwester    Melia    den    Danaos 

als  mifsverstandene  Mähne  zu  betrachten.  heiratete;   ihr  Bruder  war  Phoinix,   ihr  Stief- 

Litteratur.     Töllcen,  Berl.  Progr.  Eclhel-  bruder  Kadmos,  Pherelydes  b.  Schol.  Ap.  Bh. 

feier  1845.  Programm.  •  Hugo  Bergstedt,  Studio,  3,  1 186.     [Stoll.] 

archaeologica.  comm.  acad.  Upsalae  1881.  Isaiakos  ('iaaictKÖs)  nach  den  „Phrygischen 

[Maxim.  Mayer.]  Schriften",     deren    Glaubwürdigkeit    Plutarch. 

Iris  2  (mascul.).  Der  Flufsgott  Iris  in  Pontos  bestreitet,   Sohn   des  Herakles   und  Vater  des 

erscheint  auf  Münzen  von  Amaseia  gelagert,  mit  Typhon,    Plut.   De   Is.   et   Os.  c.  29   p.  48  ed. 

Barke  und  Schilfstengel,  unter  Faustina  jun.  Parthey.     [Drexler.] 

Mi.  2,  335,  7.     S.  4,  420,  12   (nach   Vaillant,  lsandros  ("lactvSgos),  Sohn  des  Bellerophon- 

N.  Gr.  p.  59).      Zusammen    mit    dem    Skylax  40  tes;  er  fiel  in  einem  Krieg  gegen  die  Solymer, 

zeigen  ihn  Münzen  des  Commodus,   Mi.  S.  4,  II.  6,  197.  203.   Strab.  12,  673.   13,  630,  wo  er 

421,  17   (nach   Vaillant  p.  67).    Head,  H.  N.  Peisandros  genannt  wird.     [Stoll.] 

p.  424.     [Drexler.]  Isaras    ('Iccigag),    lykischer   Name    des   von 

Irisia  (IPISIA  =  ElgiGictl),  beigeschriebener  Bellerophontes  getöteten  Amisodaros,  Plut.  de 

Name   einer  Nereide,   welche   der  Entführung  mul.  virt.  9.     [Höfer.] 

und  Bändigung   der  Thetis   durch  Peleus  bei-  Isanria    nebst   Lykaonia   und    einer  dritten 

wohnt,    auf   einer    rotfig.   Vase    in    München:  Provinz,  die  gewöhnlich  für  Karia,  von  Wadding- 

0.  Jahn,Beschr.d.Vasens.  König  Ludwigs  u.s.  w.  ton  aber  für  Kilikia  erklärt   wird,    erscheint, 

nr.  331.     C.  I.  Gr.  7398.     [Röscher]    "  gekennzeichnet  durch   die   Beischrift   ICAYPIA 

Irisis    (irisis),    etruskischer  Name    der  Iris  50  etc.,  als  Frauengestalt  mit  der  Mauerkrone  auf 

(s.  d.)  auf  einem  Bronzespiegel  von  Praeneste  Münzen    des    Septimius    Severus    von   Tarsos. 

(Sammlung  Barberini),  zwischen  teecrun  (Teu-  Isauria    und   (nach    Waddington)   Kilikia   sind 

kros,  d.  i.  Paris,  nach  Bugge,  Etr.  Fo.  u.  St.  dargestellt    der   Tyche   von   Tarsos    (mit    dem 

4,  27)   und  crisi&a    (Chryseis);    daneben  noch  Kydnos  zu  Füfsen)  einen  Kranz  reichend,  Ly- 

■menle  (Menelaos),   turan  (Aphrodite)  und  eine  kaonia  hinter  ihr   stehend,   einen  Kranz  über 

dritte    Figur    ohne    Namen    (Helena?);    s.    P.  ihr  Haupt  haltend,  Mionnet  3,  630,  451  (nach 

Cicerchia,  Bull.  1859,  37;  Garrucci,  Ciste  Pre-  Vaillant,  N.  Gr.).  S.  7,  265,  429  (nach  Sestini,  B. 

nestine  163.     Gerhard,   Etr.  Sp.  4,  24,  t.  378.  N.  V.  p.  409  nr.  5).   Kenner,  Die  Münzsammlung 

Fabr.,   C.   I.    I.    2726   bis;    und    vgl.    Deecke,  d.  Stifts  St.  Florian  p.  153  — 155,Taf.  V,  12.  Wad- 

Bezz.  Beür.  2,  164  nr.  14.     [Deecke]                  60  dington,  Bull,  de  Corr.  Hell.  7,  1883  p.  283— 285. 

Iros   (~Iqos),    1)    Sohn  des  Aktor  in   Opus,  Siehe  auch  Not.  Dign.  1  p.  55.     [Drexler.] 

Bruder  der  Polymele,   welche   Peleus   vor   der  Isclienos    ("Ioxtvog),     ein   Erdgeborener    zu 

Thetis   zum  Weibe  hatte,   und  des  Menoitios,  Olympia,  oder  der  Sohn  des  Gigas,  eines  Sohnes 

des    Vaters    des    Patroklos.      Mit    Demonassa  des   Heimes   und    der   Hiereia.     Als    während 

zeugte    er    die    Argonauten    Eurydamas    und  einer  Hungersnot  ein  Orakelspruch  kundthat, 

Eurytion  (nach  Apollod.  1,  8,  2  ist  dieser  ein  dafs   zur  Abwendung  derselben  ein  Edler  des 

Sohn  des  Aktor,  nach  Ap.  Bh.   1,  67  Euryda-  Landes  geopfert  werden  müfste,  bot  sich  Tschenos 

mas    S.    des   Ktimenos);    Ap.   Bh.    1,    72    und  freiwillig  zum  Opfer  dar-.    Man  erwies  ihm  da- 

12* 


359                         Isehepolis  Isis  ( Wesen  d.  ägypt.  Göttin)          360 

her  hohe  Ehren  und   setzte  ihm  Wettklimpfe  [vgl.  De  Witte,  Le  ge'ant  Valens.  Extr.  de  la 

ein.    Sein  Grab  wurde  zu  Olympia  am  Kronion  Mev.num.18i9.  Paris  1850,  bes.  p.  8 ff.  Drexler. 

in  der  Nähe  der  Rennbahn  gezeigt,  und  er  galt  Crusius,    Pltilol.  49,   2    S.   120.    R.];    ebenso 

als  Taraxippos,  der  die  wettkärnpfenden  Rosse  steht  bei   Anton.  Lib.  20   extr.    der   gleiehbe- 

scheu    machte,    Lykopin.   43   und    Tzetz.  LyJc,  deutende   Alkyoneus.     —     2)   'Igxvs,   Bia   und 

38.    42  —  43;    vgl.    Paus.    6,    20,    8;    den    Art.  Mri%avrj,  bei  Äs.  Theog.  146  genannt,  werden 

Taraxippos  [ferner  Max.  Mayer,  Giganten  u.  von  Braun,   Gr.  Gülterl.   §  59   persönlich   ge- 

Tit.  S.  138f.  u.  410,  wo  Ischecos  (Taraxippos)  fafst  und  für  die  Weiber  und  Gehülfinnen  der 

als  Hypostase  des  Poseidon  gefafst  wird.    Öru-  Kyklopen  Brontes,  Steropes  und  Arges  erklärt, 

sius,   Piniol.  49,  2  S.  120.    R.].     [Stoll.]  10  vgl.  Ischys,  Phronesis,  Sophrosyne  und  Themis 

Isehepolis  (lo%inolig),  Sohn  des  Alkathoos  bei    Eustath.    Erot.  2,  3   u.  6.    Erot.    gr.    ed. 

ans  Megara,  kam   auf  der   Jagd   des  kalydo-  Herclier  2,  171  u.  173.     [Stoll.] 

nischen  Ebers  um,  Paus.  1,  42,  6.  43,  2.  [Stoll.]  Iseitlns,    ibero  aquitanische    Gottheit,    be- 

Isehoniache  —  Hippodameia  (s.  d.).  kannt  durch  zwei  früher  über  dem  Portal  der 

Isehylla  ('loivlla),   Tochter  des  Myrmidon,  zerstörten  Kirche  Unserer  Lieben  Frau  in  der 

Gemahlin  des  Triopas  und  Mutter  des  Phorbas,  Gemeinde    Garin,    8    Kilometer    westlich    von 

Hi/g.  poet.  astr.  2,  14.     Ischylla  ist  eine  Kon-  Bagneres    de   Luchon,   jetzt    im   Museum  von 

jektuv  Sehneideicins;  in  den  Handschriften  steht  Toulouse  (nr.  170,  171)  befindliche  Altare  mit 

Hiscilla,  Hyocla,  Hysocla  oder Hischela.  [Höfer.]  den    Inschriften:    ISC1TTO    DEO   |   HVNNV 

Ischvros    {&sog   !oXvq6q),    1)    wahrschein- 20  VL0H05IS  FIL  VSLM und  ISC1TTO  DE////// 

lieh   eine  Bezeichnung   des    deus   invictus   Mi-  SAB1NVS   |   MANDATI  /////  |   Y.  S.  L.  ////,    E. 

thras    auf   einer  Weihinschrift    aus  Dulgheru  Desjardvm ,    Geographie  hist.   et  admin.  de  la 

bei    Hirschova,   jetzt    in    Bukarest    (Toiilescu,  Gaule    rom.   2    p.   393  —  394,    jedenfalls    auch 

Arih  -epigr.    Mitt.    11,   1887    S.    64    nr.    134).  besprochen     von    Julien    Sacaze,    Epigraphie 

[2)   Als    &eo\    fiiyäl.oi   |    &sol   äviarol    [   laxv-  de    Luchon.    Paris    1880,    vgl.    Bull,    epigr.    1 

goi   werden    die   Kabiren  bezeichnet   in   einer  p.  87.     [Drexler.] 

Inschrift   von  Imbros,   Conze ,   Eeise   auf  den  Isis      ägyptiSch    geschrieben       [j 

Inseln    des  thrakischen   Meeres  p.  91,  Tfl.  XV,  '       6J1             °                       JJ      O 

9.    K.  Keil,  Zur  Sylloge  Inscr.  Boeot.  4.   Sujp-  'st,  gesprochen  etwa  'es?  t,  die  Hauptgottheit 

pltbd.  der  Jahrbb.  für  class.  Philo!,  p.  616.  —  30  Ägyptens   in    der   letzten  Epoche   seiner  reli- 

3)    Der   Gott  Zavigyrjg    erhält    den   Beinamen  giösen  Entwickelung. 

iaxvQüi  in  einer  Inschrift  aus  der  Nähe  von  Isis  gehört  zu  denjenigen  Göttergestalteu 
Phanagoria,  C.  I.  Gr.  2119;  Stephani,  Ant.  du  Ägyptens,  die  ausschliel'slich  dem  Mythus  ihren 
Bosph.  Cimm.  nr.  5.  K.Keil  a.a.O.  p.  615 — 616.  Ursprung  verdanken  und  erst  von  hier  aus  zu 
Dittenberger,  S.  I.  Gr.  104.  —  4)  Typhon  wird  einem  Kult  gelangt  sind.  In  dem  Pantheon 
angerufen  im  Leidener  Papyrus  V,  Col.  11  des  alten  Reichs,  der  Pyramidenzeit,  hat  sie 
Z.  24.  Pap.  Graeci  Musei  ant.  publ.  Lugd.-  keine  Stelle,  während  andere  Göttiunen,  wie 
Bat.  ed.  Leemanns  2  p.  37  (oxvQs  Tvcpcov.  Hathor,  die  grofse  Göttin  von  Dendera,  und 
Dieses  Beiwort  entspricht  der  ägyptischen  Be-  Neit,  die  grofse  Göttin  von  Sais,  eifrig  Ver- 
zeichnung des  Set  als  ä  pahuti  „starker",  40  ehrt  werden.  Auch  im  mittleren  Reich  ist, 
Biugsch,  Bei.  11.  Myth.  d.  alt.  Äg.  p.  541.  soweit  ich  sehe,  von  einer  Verehrung  der  Isis 
705,  vgl.  714  „Seth,  der  starke  von  Theben",  nirgends  die  Rede.  Erst  mit  dem  neuen  Reich 
ein  Titel,  den  auch  Horuer,  Aroeris  führt.  —  tritt  sie  uns  im  Kultus  entgegen,  und  von  da 
5)  Im  Grofsen  Pariser  Zauberpapyrus  v.  2031  an  ist  ihr  Ansehen  ständig  gewachsen,  bis 
— 2033  lautet  ein  Exorcismus:  £|opx[J&>  ce  sie  zu  der  grofsen,  allumfassenden  Göttin  des 
vstvdaifiov  ««ta  tod  ioxvqov  v.ai  ßjraprvttijrou  Landes  geworden  ist,  als  welche  sie  die  Grie- 
&sov  «.  t.  X.  —   6)  Im   Leidener  Papyrus   W,  chen  kennen  lernten. 

Col.  24  Z.  6 — 9    heifst    es:    'Eni-nalovp.cfi    zöv  Es  ist  ein  fundamentaler,  aber  in  den  bis- 

iv  reo  ©  (=  ovgavä)    fiiyiarov  □  (=  ovofia),  herigen  Darstellungen  der  ägyptischen  Religion 

y.vQiov  loxvqÖv,  /isyao&svri,  iixa,  oveo,  lco,  auo,  50  völlig   übersehener  Unterschied,   den  wir  hier 

ovai,  ocov.    Drexler.]     [Steuding.]  berühren    (vgl.    meine    „Geschichte    des    alten 

Ischys  ('lexvg),  1)  nach  der  Sage  der  Phle-  Ägyptens"  in  den  Abschnitten  über  die  Re- 
gyer  Sohn  des  Elatos,  mit  welchem  sich  Ko-  ligion).  Die  Gottheiten,  welche  das  Volk  ver- 
ronis,  die  Tochter  des  Phlegyas,  vermählte,  ehrt,  sind  lokale  Mächte,  welche  an  einer 
als  sie  schon  von  Apollon  den  Asklepios  unter  Kultusstätte  hausen,  ihre  Verehrer  beschirmen 
dem  Herzen  trug,  wofür  Korouis  von  Apollon  und  dafür  die  Opfergaben  empfangen.  Sie  mani- 
(oder  Artemis)  und  Ischys  von  Apollon  (oder  testieren  sich  in  den  verschiedensten  Natur- 
Zeus)  mit  dem  Tode  bestraft  wurden,  Pind.  Objekten,  vor  allem  in  Tieren  und  Bäumen, 
l'yth.  3,  8  ff.  und  Schol.  zu  v.  14ff.  60.  Paus.  2,  aber  auch  in  Steinen,  Pfählen  n.  ä. ;  durch  das 
26,  5.  8,  4,  3.  Hyg.  f.  202.  Poet.  Astr.  2,  40.  60  Ritual  des  Kultus  vermag  der  Mensch  auf  sie  ein- 
Apollod.  3,  10,  3.  Od.  Met.  2,  542  ff.  Hom.  H.  zuwirken.  Wohl  mögen  sich  ihre  Verehrer  auch 
in  Ap.  Pyth.  32.  Hesiod,  fr.  b.  Schol.  Pind.  von  ihren  Thaten  und  Schicksalen  mancherlei  er- 
Pyth.  3,  14  und  Strab.  9,  442.  Müller,  Orch.  zählt  haben,  aber  das  ist  durchaus  nebensächlich; 
195  f.  199  ff.  Völcker ,  lapet.  Gcsihl.  176.  180.  die  Gottheiten  der  Volksreligion  bedürfen  eines 
Preller,  Gr.  M.  1,  424,  s.  Asklepios.  —  Bei  Mythus  so  wenig  wie  einer  bestimmten  ihnen 
Cic.  d.  nat.  I).  3,  22  ist  für  Ischys  der  gleich-  zustehenden  und  sie  von  anderen  unterscheiden- 
bedeutende Valens  gesetzt,  der  mit  Koronis  den  Funktion:  dafs  sie  lebendige  Mächte  sind, 
den   zweiten  Hermes   oder    Trophonios  zeugte  welche  ihre  Freunde  beschützen  und  ihre  Feinde 


361         Isis  (Wesen  d.  ägypt.  Göttin) 

bestrafen,  darin  besteht  ihr  Wesen.  Neben 
ihnen  kennt  man  die  Mächte,  welche  im  grofsen 
Getriebe  der  Welt  wirken,  welche  den  Wechsel 
von  Licht  und  Finsternis,  die  Folge  der  Jahres- 
zeiten, das  Anwachsen  des  Nils  u.  s.  w.  her- 
beiführen, die  daher  eine  bestimmte  Funktion 
haben  und  einen  Mythus  entwickeln.  Diese 
Gottheiten  sind  daher  universell;  weder  haften 
sie  an  einer  bestimmten  Lokalität,  noch  sind 
sie  lediglich  auf  einen  engbegrenzten  und  mit 
ihnen  unmittelbar  verwachsenen  Kreis  von  Ver- 
ehrern beschränkt.  Aber  eben  deshalb  stehen 
sie  dem  Menschen,  dem  Geweinwesen  wie  dem 
Einzelnen,  fern,  um  seine  Geschicke  haben  sie 
sich  nicht  zu  kümmern,  und  vor  allem,  sie 
sind  seinem  Einflufs  unzugänglich:  den  Lauf 
der  Sonne   kann  kein   Gebet  und   kein   Opfer 


Isis  (ägypt.  Himmelsgöttin)  362 

abmüht.  Das  Ende  ist  die  Ausbildung  eines 
mystischen,  in  der  Geheimlehre  überlieferten 
Pantheismus;  alle  Götter  sind  nur  Erscheinungs- 
formen des  Einen,  des  allein  wirklich  existie- 
renden Sonnengottes. 

Isis  ist  ihrem  Wesen  nach  eine  der  zahl- 
reichen Himmelsgottheiten  Ägyptens.  Rein 
abstrakt  betrachtet  ist  der  Himmel  für  die 
Ägypter  das  Urwasser,  aus  dem  alle  Di^ge 
10  hervorgegangen  sind,  und  als  solches  der  kos- 
mogonische  Urgott  Nunu,  ,,der  Vater  aller 
Götter",  d.  i.  der  Himmelsocean,  in  dem  der 
Sonnengott  in  einer  Barke  einherfährt.  [Daneben 
ist  der  Himmel  den  Ägyptern  auch  ein  ehernes 
Gewölbe  (ba),  über  das  der  Schlitten  des  Sonnen- 
gottes von  Schakalen  gezogen  wird;  nach  einer 
anderen  Auffassung  sind  die  Lichtsterne  Vögel, 


Himmelskuh  (nach  Erman,  Ägypten  2  S.  365). 


ändern.  Daher  sind  sie  ursprünglich  nicht 
Gegenstände  des  Kultus.  Über  der  ganzen 
Götterwelt  steht  als  der  Herrscher  der  Welt 
der  grofse  Gott  Re',  der  sich  in  der  Sonne 
manifestiert. 

Die  ursprünglichen  Verhältnisse,  wie  sie 
bisher  geschildert  sind,  haben  sich  im  Lauf 
der  Entwickelung  mannigfach  geändert.  Die 
Lokalgötter  assimilieren  sich  den  mythischen 
Göttergestalten  und  erhalten  zum  Teil  gleiche 
Funktionen  wie  diese,  die  letzteren  werden  in 
ähnlicher  Weise  gedacht  wie  die  Lokalgötter. 
Allmählich  entwickelt  sich  daraus  eine  voll- 
ständige Verschmelzung  der  verschiedenen 
Gottheiten  zu  einer  mystischen  Einheit.  Teils 
die  Rivalität  der  einzelnen  Kultusstätten,  die 
Verbreitung  angesehener  Götter  über  weite 
Gebiete,  "ja  über  das  ganze  Land,  teils  das 
fortschreitende  religiöse  und  spekulative  Be- 
dürfnis hat  diese  Entwickelung  immer  wieder 
gefördert,  aber  auch  immer  neue  Probleme 
geschaffen,  welche  die  Theologie  zu  lösen  sich 


oder  die  Augen  des  Horus.]  Sonst  aber  wird 
der  Himmel  immer  als  weibliches  Wesen  auf- 
gefafst,     im    Gegensatz    zu    dem    männlichen 

U>  Sonnengott;  sie  ist  dessen  Mutter  oder  Ge- 
mahlin und  in  der  Regel  beides  zugleich.  Da- 
her erklären  sich  auch  die  Namen  dieser 
Göttinnen:  Isis  bedeutet  „der  Sitz"  (oder 
Thron),  nämlich  des  Sonnengottes,  ihre  Schwe- 
ster Nebthat(Nephthys) „die  Herrin  des  Hauses", 
Hathor  die  Gemahlin  oder  Mutter  des  Horus 
,, das  Haus  des  Horus".  Sie  alle  werden  ständig 
—  wie  in  späterer  Zeit  überhaupt  jede  ägyp- 
tische Göttin  —  als  „Herrin  des  Himmels"  be- 

60  zeichnet.  [Eine  andere  Himmelsgöttin  ist  Nut, 
das  dem  eben  erwähnten  Nunu  entsprechende 
Femininum,  die  Gemahlin  des  Erdgottes  Qeb 
(Ki]ß  bei  Joh.  Antioch.  fr.  1,  21  Müller)  und 
Mutter  des  Osiris,  der  Isis  und  ihrer  Ge- 
schwister; daher  wird  das  Paar  Qeb  und  Nut  von 
den  Griechen  als  Kronos  und  Rhea  bezeichnet.] 
Andrerseits  werden  Isis  und  Hathor  als 
Kühe   dargestellt,   und  unendlich   oft  ist  von 


363 


Isis  (in  Ägypten  als  Kuh) 


der  grofsen  Himmelskuh  (s.  Abbild.  Sp.  361/62) 
die  Rede,  aus  deren  Schenkeln  der  grofse 
Sonnengott  geboren  wird,  und  auf  deren 
Rücken  sich  der  Weltenherr  Re'  zurück- 
gezogen hat,  während  sein  Sohn  Schu  (bei 
Joh.  Antioch.  2<äg),  der  löwenköpfige  Luft- 
gott, sie  mit  seinen  Armen  oder  mit  vier  an 
den  Enden  der  Erde  aufgerichteten  Pfählen 
stützt.  Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  beruht 
dies  nicht  auf  einer  mythischen  Apperception,  : 
sondern  darauf,  dafs  bei  den  Ägyptern  wie  bei 
allen  Ackerbauvölkern  die  Rinder  und  ganz 
besonders  die  Kühe  heilige,  göttlicher  Natur 
teilhafte  Tiere  sind  (vgl.  Inder,  Iranier,  Kaffern 
u.  a.;  die  gleiche  Anschauung  bildet  meiner 
Meinung  nach  den  Ausgang  der  Sage  von  Io  [= 
Hera]),  und  es  war  daher  etwas  ganz  Natürliches, 
sich  eine  Göttin  in  Kuhgestalt  zu  denken 
—  ebenso  wie  zahlreiche  ägyptische  Götter 
als  Stiere  dargestellt  werden.  Im 
Kultus  der  Hathor  von  Dendera 
tritt  diese  Verbindung  ganz  be- 
sonders hervor;  hier  ist  offenbar 
schon  in  sehr  früher  Zeit  eine  in 
Kuhgestalt  verehrte  anonyme  Lo- 
kalgöttin mit  der  Himmelsgöttin 
Hathor  verschmolzen  worden.  Nur 
so   ist   es  zu  erklären,    dafs   diese 


Heilige  Kuh  (nach  Ebers,  Ayypten  in  Bild  und 
S.  iüt). 

mythische  Gestalt  schon  in  der  ältesten  Zeit 
zu  den  angesehensten  Verehrungswesen  Ägyp- 
tens gehört  (vgl.  das  Bd.  1  Sp.  2744  über 
Horos  Bemerkte).  Die  Gestalt  der  Isis  ist  so 
deutlich  von  der  der  Hathor  abhängig.  Li 
der  bildlichen  Darstellung  sind  beide  nicht 
von  einander  geschieden. 

Wenn  auch  Hathor  und  Isis  sehr  oft  als 
Kühe,  oder  nach  ägyptischer  Art  als  Frauen  mit 
Kuhkopf  (s.  Abbild.  Sp.  363  u.  366)  abgebildet 
werden,  so  ist  es  doch  weitaus  gewöhnlicher, 
sie  in  voller  menschlicher  Gestalt  darzu- 
stellen, mit  einem  Kopfschmuck,  der  aus  den 
Kuhhörnern  mit  der  Sonnenscheibe  dazwischen  60 
(s  Abbild.  Sp.  366)  besteht  —  eine  Vor- 
stellung, die  dann  von  den  Phönikern  auf  ihre 
Göttinnen  übertragen  und  vielleicht  gelegent- 
lich auf  den  Mond  bezogen  ist  (Bd.  1  Sp.  652). 
Es  ist  aber  ein  arger,  wenn  auch  noch  immer 
weit  verbreiteter  Irrtum,  wenn  man  meint,  die 
ägyptischen  Göttinnen  oder  ihre  Hörner  hätten 
mit  dem  Monde  irgend  etwas  zu   thun  —  der 


Isis  (in  Ägypten:  Mutter  d.  Horus)      364 

Mond  ist  bei  den  Ägyptern  wie  bei  den  meisten 
andern  und  uamentlich  bei  allen  vorderasia- 
tischen "Völkern  immer  ein  männliches  Wesen. 
Wenden  wir  uns  jetzt  zu  den  mythologischen 
Funktionen  der  Isis.  Ihre  Hauptbedeutung  be- 
steht darin,  dafs  sie  die  Mutter  des  Sonnen- 
gottes Horus  ist,  des  eigentlichen  ägyptischen 
Nationalgottes  (s.  Horus).  Ihr  Gemahl  ist  Osiris, 
der  Sonnengott  von  Abydos,  der  den  Mächten 
der  Finsternis,  seinem  bösen  Bruder  Set,  er- 
liegt, und  den  sein  Sohn  Horus  am  nächsten 
Tage  rächt.  Dafs  Horus  daneben  auch  noch 
in  zahlreichen  anderen  mythologischen  Be- 
ziehungen erscheint  und  z.  B.  als  Haruer 
auch  der  Bruder  der  Isis  und  des  Osiris 
ist,  dafs  Horus  und  Set  als  Zwillingspaar  auf- 
gefafst  werden  u.  ä. ,  ist  im  Artikel  Horus 
ausgeführt.  Die  solaren  Erscheinungen  lassen 
sich  ebeu  mythisch  auf  die  verschiedenste  Weise 
auffassen.  Für  Isis  ist  die  Hauptsache, 
dafs  sie  wohl  überall,  wo  sie  vorkommt, 
die  Mutter  des  Horus  ist,  während  sie 
nicht  notwendig  als  Gemahlin  des  Osiris 
gedacht  zu  werden  braucht. 

Die  Himmelsgöttin,  welche  die  Sonne 
gebiert,  übt  ihre  Thätigkeit  vor  allem 
des  Morgens  heim  Sonnenaufgang.  Da 
wird  der  junge  Gott  geboren,  seine 
Mutter  umfafst  ihn  beschirmend  und  zieht 
ihn  auf  (s.  Abbild.  Sp.  368),  bis  er  zum 
Manue,  zum  „kräftigen  Stier",  herange- 
wachsen ist  und  nun  siegreich  und  trium- 
phierend über  seine  Feinde  über  den 
Himmel  zieht.  So  wird  Isis  speziell  zur 
Göttin  des  östlichen  Horizontes.  Als 
solche  hat  sie  ein  Gegenstück  in  ihrer 
Schwester  Nebthat,  griech.  Nephthys,  d.  i. 
die  „Hausherrin",  der  Göttin  des  west- 
lichen Horizontes,  welche  ihr  helfend  zur 
Seite  steht,  indem  sie  bei  der  Geburt 
des  Horus  die  Funktion  der  Amme  ver- 
richtet und  das  Horuskind,  den  Harpo- 
krates,  säugt  —  denn  natürlich  werden 
die  himmlischen  Vorgänge  ganz  nach  irdi- 
schem Vorbilde  gestaltet.  Und  wenn  Osiris  der 
Tücke  seiner  Feinde  erlegen  ist  und  auf  der 
Bahre  liegt,  treten  sie  an  die  beiden  Enden  der 
Leiche  und  stimmen  die  Totenklage  an  —  ein 
Vorgang,  der  bei  den  Osirismysterien  alljährlich 
dargestellt  wird  (hierher  gehört  wohl  Piatos 
Angabe  de  legg.  2,  657,  dafs  die  alten  ägypti- 
schen Melodieen  als  Lieder  der  Isis  gälten). 
Die  Rolle  der  beiden  Göttinnen  spielen  dabei 
zwei  Mädchen;  die  Klagegesänge,  die  sie  zu 
recitieren  haben,  sind  uns  noch  erhalten  (de 
Horrack,  lamentations  d'Isis  et  de  Neph- 
thys 1866,  vergleiche  Herodots  Angaben  über 
das  in  Busiris  zu  Ehren  der  Isis  gefeierte 
Trauerfest  um  den  toten  Osiris  2,  61).  Im 
genealogischen  Göttersystem  ist  Nephthys  die 
Gemahlin  des  Set,  des  bösen  Gottes  der 
Finsternis;  eine  uns  nur  in  späterer  Fassung 
(Bd.  1  Sp.  386)  bekannte  Sage  erzählt,  Osiris 
habe  in  heimlicher  Ehe  mit  Nephthys  den 
Anubis,  den  schakalköpflgen  Gott  der  Toten- 
welt, gezeugt.  Beide  Erzählungen  sind  mytho- 
logisch ganz  korrekt,  siebestätigen,  dafs  Neph- 
thys die  Göttin  des  Westhorizontes  ist. 


365 


Isis  (in  d.  Osirissage) 


Aus  diesen  Elementen  setzen  sich  die  Sagen 
zusammen,  in  denen  Isis  eine  Rolle  spielt.  Vor 
allem  die  Osirissage,  die  im  Artikel  Osiris 
ausführlicher  besprochen  werden  soll  und  die 
uns  durch  zahllose  Anspielungen  in  allen 
ägyptischen  Texten  von  der  Pyramidenzeit  an 
sowie  durch  Plutarchs  Schrift  de  Is.  et  Osir. 
bekannt  ist.  Schon  in  den  ältesten  Testen 
wird  die  Geschichte  des  grofsen  Gottes  durch- 
aus als  ein  historisches  Ereignis  der  Vorzeit 
aufgefafst:  seine  segenbringende  Herrschaft 
über  Ägypten,  seine  Ermordung  durch  Set,  die 
Zerstückelung  und  Ausstreuung  seiner  Leiche, 
die  Aufsuchung  und  Bestattung  der  Stücke 
durch  Isis  und  ihre  Totenklage  mit  Nephthys, 
die  Geburt  des  Horus  und  seine  Aufziehung 
im  Verborgenen,  „in  den  Sümpfen"  des  Delta 
(bei  Buto,  wo  die  Göttin  üazit  [bei  Hero- 
dot  2,  155  f.  Leto,  sonst  Buto  genannt]  den 
Knaben  vor  den  Nachstellungen  des  Set  be- 
schützt) —  die  beiden  Göttinnen  werden  hier 
auch  oft  als  zwei  schützende  Vögel  betrachtet, 
die  den  Knaben  in  ihrem  Nest  aufziehen  — 
der  Kampf  des  Horus  mit  Set,  der  grofse 
Prozefs,  den  er  gegen  ihn  vor  dem  Gerichtshof 
der  grofsen  Götter  der  einzelnen  Hauptstädte 
des  Landes  führt  und  in  dem  er  unter  dem 
Beistande  des  Thoth  „Recht"  erhält,  die  Ge- 
winnung der  Doppelkrone  und  des  Throns 
seines  Vaters,  und  die  Vereinigung  der  beiden 
Lande  unter  seinem  Scepter.  Überall  ist  die 
Erzählung  mit  Anspielungen  auf  lokale  Ver- 
hältnisse, Kulte  und  Festgebräuche,  die  häufig 
im  Widerspruch  mit  einander  stehen,  durch- 
setzt. Danebenher  geht  aber  überall  die  Be- 
ziehung auf  die  tägliche  Laufbahn  der  Sonne. 
Man  kann  schwanken,  ob  der  Mythus  wirklich 
aus  einem  primitiven  Versuch,  die  Schicksale 
der  Sonne  zu  begreifen,  erwachsen  ist,  oder 
ob  nicht  vielleicht  die  Osirissage  in  ihrer 
ältesten  Gestalt  einen  ganz  anderen  Ursprung 
hat  und  einem  Kultusmärchen  der  Osirisstadt 
Abydos  entstammt,  das  dann  von  der  Theo- 
logie auf  die  Sonnenlaufbahn  gedeutet  wurde 
und  so  erst  seinen  eigentlich  mythischen  Cha- 
rakter erhielt.  Jedenfalls  ist  im  Lauf  der  Ent- 
wickelung  die  Beziehung  auf  die  Sonne  immer 
mehr  in  den  Vordergrund  getreten;  für  die  ge- 
bildeten Kreise  des  neuen  Reichs  ist  der  Usiris- 
mythus  nichts  anderes  als  eine  Einkleidung  der 
täglichen  Schicksale  der  Sonne.  Dafs  daneben 
die  rein  euhemeristische  Auffassung  immer 
krasser  ausgebildet  ward,  ist  begreiflich  genug. 
Der  Widerspruch,  der  zwischen  beiden  An- 
schauungen liegt,  ist  nicht  empfunden  worden. 

Auf  der  Osirissage  beruht  die  Stellung, 
welche  Isis  im  offiziellen  Göttersysteme  ein- 
nimmt. Qeb  und  Nut  haben  fünf  Kinder,  die 
der  Reihe  nach  an  den  fünf  Epagomenen  ge- 
boren sind,  Osiris,  Haruer  (Horus  der  ältere), 
Set,  Isis,  Nephthys.  Osiris  heiratet  die  Isis, 
Set  die  Nephthys.  Das  Kind  der  beiden 
ersteren  ist  der  junge  Horus,  der  Rächer  seines 
Vaters.  Man  denkt  sich  dieselben  durchaus 
als  eine  Dynastie  alter  Herrscher,  deren  jeder 
nach  Jahrhunderte  langer  Herrschaft  (der  Tu- 
riner Papyrus  giebt  dem  Set  200  J,  dem  Horus 


m 


Isis  (Sage  v.  Kampfe  d.  Horus  u.  Set)    366 

Wie  in  der  Osirissage  greift  Isis  auch  in 
der  Sage  von  dem  „grausigen"  Kampfe  des 
Horus  und  Set  am  Tage  der  Sonnenfinsternis 
(Bd.  1  Sp.  2745)  helfend  ein;  sie  heilt  die 
Wunden,  welche  die  beiden  Götter  sich  bei- 
gebracht haben,  die  Ho- 
den des  Set  und  das 
Ange  des  Horus.  Nach 
einer  Sage,   welche  in 

10  einem  mythologischen 
Papyrus  des  neuen 
Reichs,  dem  Kalender 
der  Glück  und  Unheil 
bringenden  Tage,  auf- 
gezeichnet ist ,  rettet 
Isis  ihren  Bruder  Set, 
als  er  sie  um  Gnade 
anfleht,  vor  der  Ver- 
nichtung durch    Horus, 

20  und  darüber  wird  dieser 
„  zornig  gegen  seine 
Mutter  wie  ein  Panther 
des  Südens.  Da  floh 
sie  vor  ihm.  Da,  an 
diesem  Tage  (26.  Thoth), 
trat  ein  ein  grausiger 
Kampf:  siehe  er  schlug 
der  Isis  das  Haupt  ab. 
Thoth  bildete  seine  Ge- 

30  stalt  durch  Zauber,  er 
setzte  es  ihr  wieder  auf 
als  Haupt  einer  Kuh". 
Diese  Sage  kennt  auch 
Plutarch  dels.  19  in  spä- 
terer Abschwächung: 
Horus  reifst  der  Isis, 
weil  sie  den  gefesselten 
Typhon  entlassen  hat, 
die     Königskrone      ab, 

40  Hermes  setzt  ihr  einen 
kuhköpfigen  Helm  auf; 
und  im  nächsten  Ka- 
pitel sagt  Plutarch,  er 
habe  in  seiner  Erzäh- 
lung tec  §vOfpri^.6zaxa 
übergangen,  darunter 
zov  "loiöog  anoy.ecpu- 
liOjiov.  Der  zweite  Teil 
dieser    Erzählung    ent- 

60  hält  einen  sehr 

interessanten  .  .    1 

Versuch ,      die 
der  späteren 
Zeit  völlig  un- 
verständliche 
Tiergestalt  der 
Götter    zu    er- 
klären   (vgl. 
auch      Philo 

60  Bybl  fr.  2,  24 
über     Astartes 

Kopfschmuck).  Dafs  aber  Set  gerettet  wird, 
ist  eine  religiöse  Notwendigkeit.  Denn  er  ist 
ja  noch  immer  der  mächtige  Gott,  der  Horus 
die  Wage  hält,  der  Herrscher  über  das  Wüsten- 
land, über  die  Landesfeinde,  über  alle  Mächte 
des  Bösen  und  der  Finsternis,  und  nach  einer 
Auffassung  auch  der  König  von  Uuterägypten. 


Uli 


3^ 


MStm 


w 


Ibis  in  Menschengestalt  mit  Kuhkopf 

(nach  Perrot-Chipiez,  Bist,  de  l  'art  etc.  1 

p.  G0  Fig.  40). 


367     Isis  (grofse  Naturgöttin  d.  Ägypter) 

Wie  nach  einer  in  den  Pyramidentexten 
vorkommenden  Anschauung  die  Seelen  der  Ver- 
storbenen in  den  Sternen  wohnen,  so  auch  die 
der  Götter.  Der  Stein  des  Horus  ist  der  Orion, 
der  der  Isis  der  Sirius,  die  Sothis  (Sopdet)  der 
Ägypter  (vgl.  Plut.  de  Is.  21).  Dieser  Stern 
hat  für  die  Ägypter  eine  besondere  Bedeutung, 
weil  sein  Frühaufgang  den  Eintritt  der  Über- 
schwemmung verkündet,  als  deren  Bringer  er 
daher  betrachtet  wird.  10 

Es  beruht  auf  der  Stellung,  welche  Isis  im 
Mythus  einnimmt,  dafs  sie  allmählich  zu  der 
grofsen  Göttin  der  Natur  erwachsen  ist. 
Der  Osirismvthus  durchsetzt  seit  derPyramiden- 


Isis  (Göttin  d.  Magie) 


368 


Isis  (.nach  Ebers,  Ägijjjten  in  Bild  und   Wort  2  S.  61). 

zeit  mehr  und  mehr  alle  Anschauungen  der 
Ägypter:  beruht  doch  auf  ihm  die  Möglich- 
keit der  Auferstehung  und  der  ganze  unend- 
liche Zauberap parat,  der  die  Unsterblichkeit 
sichert.  In  ihm  ist  Isis  die  schützende,  hel- 
fende, rettende  Göttin,  die  „Gottesmutter", 
welcher  der  lebenspendende  siegreiche  Gott 
entstammt.  In  dieser  Gestalt  lebt  sie  im 
Glauben  des  Volkes  und  greift  als  solche  tag- 
täglich ein  in  die  Schicksale  der  Menschen. 
So  erzählt  ein  Märchenpapyrus  (Westcar- 
Lejisius),  welcher  die  Sage  von  der  Thron- 
besteigung der  fünften  Dynastie  behandelt,  wie 
Isis,  begleitet  von  Nephthys  und  anderen  Göt- 
tinnen, der  Mutter  der  drei  zu  Königen  be- 
stimmten Knaben  bei  der  Entbindung  hilft  und 
bei    der   Geburt  eines  jeden    ein  paar   Worte 


spricht,  nach  denen  sie  ihren  Namen  erhalten. 
Vor  allem  aber  ist  sie  die  grofse  Herrscherin 
über  die  geheimnisvollen  Kräfte  der  Natur, 
die  zaubermächtige  Göttin  der  Magie.  Denn 
durch  Zauber  hat  sie  alle  ihre  Grofsthaten 
vollbracht,  den  Leichnam  des  Osiris  gerettet, 
den  Horus  beschützt,  die  Wunden  des  Horus  und 
Set  geheilt.  So  ist  „die  grofse  Zauberin" 
ihr  gewöhnlichster  Beiname;  sie  ist  „klüger 
als  alle  Götter".  Natürlich  hat  sie  von  ihrer 
Kraft  auch  sonst  Gebrauch  gemacht.  Eine 
Sage  erzählt,  wie  der  Gott  Re',  da  er  alt 
und  gebrechlich  war,  auf  ihre  Veranstaltung 
durch  einen  giftigen  Wurm  gebissen  und,  um 
die  Heilung  zu  gewinnen,  gezwungen  wird, 
seinen  geheimnisvollen,  verborgenen  Namen 
zu  nennen,  den  niemand  wufste  (s.  Erman, 
Ägypten  und  ägypt.  Leben  im  Altertum  359  ff.). 


Isis  mit  dem  Horuskind  (nach  Ebers  a.  a.  O.  1  S.36). 

Dieser  geheimnisvolle  Name  ist  das  mächtigste 
aller  Zaubermittel,  den  herauszufinden  die 
ägyptische  „Wissenschaft",  je  mehr  sie  aus- 
schliefslich  in  krasse  Magie  ausartet,  um  so 
mehr  sich  abgemüht  hat  —  ohne  doch  je  zum 
Ziele  zu  gelangen:  denn  jede  neue  Erfindung 
konnte  natürlich  immer  wieder  durch  eine 
noch  absurdere  übertrumpft  werden. 

Wesentlich  dem  Ansehen,  das  sie  als  die 
grofse  Göttin  der  Magie  genofs,  verdankt  es 
Isis,  dafs  sie  zu  immer  größerer  Bedeutung  ge- 
langt ist.  Schon  im  Papyru s  Ebers  (geschrieben 
eu  1553  v.  Chr.)  ruft  der  Arzt  ihre  Hülfe  für  seine 
Kuren  an,  wie  sie  dem  Horus  und  Set  geholfen 
hat.  Als  dann  mit  dem  fortschreitenden  Verfall 
des  ägyptischen  Geisteslebens  seit  der  Rames- 
sidenzeit  die  Magie  immer  mehr  die  absolute 
Herrschaft  gewinnt,  tritt  auch  Isis,  die  grofse 
Zauberin,  mit  deren  Hülfe  die  Magier  ihre 
Künste  ausführen,  immer  mächtiger  hervor 
und  gewinnt  ein  stets  steigendes  Ansehen. 


369      Isis  (spät.  Auffassung  d.  Ägypter) 

In  den  anderthalb  Jahrtausenden,  die  von 
der  Pyramidenzeit  bis  auf  die  Blütezeit  des 
neuen  Reichs  verlaufen  sind,  hat  die  ägyp- 
tische Religion  innerlich  wie  äufserlich  tief- 
gehende Wandlungen  durchgemacht.  Die  alten 
Naturrnächte,  die  gewaltigen,  launischen  und 
durchaus  nicht  menschenfreundlichen  Götter 
der  ältesten  Zeit,  die  als  solche  in  den  Sagen, 
z.  B.  in  der  von  der  Vernichtung  des  Menschen- 
geschlechts durch  Re!  und  die  in  Strömen  10 
Blutes  watende  Hathor,  fortleben,  setzen  sich 
um  in  ethische  Wesen,  die  dem  Menschen 
wohlwollen  und  ihm  alle  Segnungen  der  Natur 
wie  der  Kultur  spenden.  Andrerseits  führt 
die  Entwiekelung  der  Theologie,  deren  Wur- 
zeln   früher  angedeutet   sind,    zur  Lehre   von 


Isis  (spät.  Auffassung  d.  Ägypter)      370 

Griechen,  namentlich  bei  Diodor  1,  13  ff.  (der 
auf  Hekataios  von  Abdera,  den  Zeitgenossen 
des  ersten  Ptolemaios,  zurückgeht)  und  bei 
I'lutarch.  „Die  Grofse",  „die  Gottesmutter", 
„die  grofse  Mutter'"  sind  neben  der  „Zauber- 
mächtigen" die  Hauptepitheta  der  Isis.  Es  ist 
begreiflich,  dafs  Isis  jetzt  auch  beginnt,  einen 
Kult  zu  entwickeln,  dafs  sie  in  den  Inschriften 
der  Tempel  des  neuen  Reichs  immer  häufiger 
angerufen  wird,  zunächst  zusammen  mit  den 
Göttern  ihres  Kreises,  im  Gefolge  des  Osiris 
(z.  B.  in  Abydos),  dann  auch  allein,  dafs  sie 
eigene  Kultusstätten  erhält  —  wie  wir  seit  der 
21.  Dynastie  einen  Tempel  der  Isis,  „der 
Pyramidenherrin"  bei  Gize  kennen,  den  man 
früher  fälschlich  für  uralt  gehalten  hat. 


Horus,  Isis  und  Osiris,  denen  der  König  Seti  I.  Opfer  darbringt  (nach  Erman,  Ägypten  2  S.  367). 


der  Wesenseinheit  aller  Gottheiten.  Sie  alle 
sind  nur  Erscheinungsformen  des  einen  leben- 
digen Sonnengottes  (vgl.  Art.  Amnion).  Beide 
Richtungen  haben  auch  die  Gottheiten  des 
Osiriskreises  und  besonders  die  Isis  umge- 
staltet. Isis  wird  —  ebenso  wie  Hathor,  die 
ganz  die  gleiche  Entwiekelung  durchmacht  — 
die  grofse  Göttin  der  Natur,  das  Prototyp 
aller  weiblichen  Göttinnen,  was  von  diesen 
gilt,  gilt  auch  von  ihr,  und  umgekehrt:  jedes 
ihrer  Attribute  wird  an  den  einzelnen  Kultus- 
stätten auf  die  lokalen  Göttinnen  übertragen, 
so  dafs  die  spätere  Gestalt  der  Religion  einen 
unterschied  zwischen  den  einzelnen  Gottheiten 
nicht  mehr  in  der  Idee,  sondern  nur  noch  im 
Namen  kennt  —  das  ist  ja  aber  auch  das  fin- 
den Kultus  allein  Wesentliche.  Zugleich  aber 
ist  Isis  die  wohlthätige,  segenspendende,  mütter- 
liche   Göttin    —    vgl.    die    Ausführungen    der 


50  Und  nun  tritt  der  grofse  Wendepunkt  in 
der  ägyptischen  Religionsgeschichte  ein,  der 
den  Beginn  ihres  Niederganges  bezeichnet.  In 
der  Theorie  hat  der  mystische  Pantheismus 
gesiegt,  aber  der  Versuch  Chuenatens  (Ende  der 
18.  Dyn.),  Ernst  damit  zu  machen,  alle  Götter 
zu  Gunsten  des  einen  wahren  Sonnengottes 
zu  beseitigen,  scheitert,  die  orthodoxe  Priester- 
lehre  siegt  über  die  Reformation;  die  Folge 
ist,  dafs  sie  vollständig  erstarrt.     Solange  die 

60  thebanischen  Könige  herrschen,  gilt  Aniun  von 
Theben  wenigstens  offiziell  für  die  wahre  Form 
des  Einen  (wenn  auch  seine  Ansprüche  von 
Ptah  von  Memphis  und  Aturn  von  Heliopolis 
nie  anerkannt  sind).  Aber  mit  dem  Untergang 
der  Grofsmacht  und  der  Auflösung  des  Reichs 
sinkt  er  von  seiner  Höhe  herab,  und  nun 
können  die  lokalen  Gottheiten,  die  für  die 
Masse   des  Volkes   immer   die  Hauptsache  ge- 


371 


Isis  (griech.  Auffassung') 


Isis  fgriech.  Auffassung) 


372 


blieben  waren,  wieder  frei  ihr  Haupt  erheben 
und  samt  und  sonders  das  Erbe  der  theo- 
logischen Entwickelung  antreten,  jede  für  sich 
den  Anspruch  erheben,  die  wahre  Gestalt  des 
geheimnisvollen  Urgottes  zu  sein.  Zu  Gunsten 
gekommen  ist  diese  Entwickelung  vor  allem 
auf  der  einen  Seite  den  rohesten,  konkretesten 
Formen  der  Gottheiten,  den  heiligen  Tieren, 
deren  Dienst  jetzt  erst  die  krasse  Gestalt  an- 
nimmt, in  der  er  uns  in  den  Berichten  der  10 
Griechen  entgegentritt  —  obenan  steht  jetzt 
der  Apisstier  von  Memphis  — ,  andererseits 
den  Gottheiten  des 
Osiriskreises ,  die 
überall  im  Lande 
anerkannt  und  ver- 
ehrt werden ,  und 
in  deren  Dienst  die 
universaleren  Be- 
dürfnisse der  Reli-  20 
giou  theoretisch  und 
praktisch  befriedigt 
werden.  Erst  jetzt 
sind  dieselben  die 
eigentlich  allgemei- 
nen und  —  wenn  man 
davon  bei  dem  wir- 
ren Pantheon  Ägyp- 
tens überhaupt  re- 
den darf  —  höchsten  30 
Gottheiten  Ägyptens 
geworden,  als  wel- 
che sie  uns  bei  den 
Griechen  entgegen- 
treten (Herodot.  2, 
44).  Obenan  steht 
unter  ihnen  jetzt 
Isis,  und  wie  an 
sie  die  weiteren  re- 
ligiösen Spekulatio-  40 
nen  anknüpfen,  wel- 
che nun  nicht  mehr 
von  den  Ägyptern 
selbst  aus  innerem 
Triebe,  sondern  von 
den  Fremden  aus- 
gehen, die  ins  Land 
lais  od.  Isispriesterin,  Statue  in    kommen  ,     um     hier 

Wion  (Ciarac,  pi.  991  nr.  2577;   die     geheimnisvolle 

vgl.  Friederic/is-  Wolters  nr.  1550).    Weisheit     der    Vor-  50 

zeit  zu  suchen  und 
zu  finden,  so  entwickelt  sich  auch  ihr  Kult 
zu  immer  gröfseren  Dimensionen.  Die  erste 
Stelle  unter  den  ihr  errichteten  Heiligtümern 
nimmt  in  der  späteren  Zeit  der  Tempel  auf 
der  Insel  Philae,  an  der  Südgrenze  Ägyptens, 
ein,  begründet  von  Amasis,  ausgebaut  von 
Nuktanebos,  dem  letzten  einheimischen  Pha- 
rao (360—342).  Ebenso  hat  Amasis  der  Isis 
in  Memphis  ein  grofses  Heiligtum  gebaut  00 
{Her.  2,  176). 

In  eine  neue  Phase  ist  die  ägyptische  Re- 
ligion nicht  mehr  getreten,  wenn  man  nicht 
den  Sarapiskult  als  eine.,  solche  ansehen  will. 
Der  Isisdienst  hat  in  Ägypten  geblüht  bis 
zum  Siege  des  Christentums,  ja  in  Philae  hat 
er  sich  noch  weit  länger  behauptet.  Denn  aus 
Rücksicht    auf    den    wilden   nubischen   Volks- 


stamm  der  Blemmyer,  für  den  der  Tempel 
von  Philae  das  gröfste  Heiligtum  war,  haben 
die  Kaiser  nicht  gewagt,  diese  Stätte  anzu- 
tasten; sie  haben  hier  den  heidnischen  Kult 
nicht  nur  geduldet,  sondern  beschützt,  bis 
endlich  Justinian  um  560  n.  Chr.  ihm  auch 
hier  ein  Ende  gemacht  hat. 

Während  andere  ägyptische  Götter,  nament- 
lich Osiris,  Horus,  Thoth,  von  den  semitischen 
Nachbarn  adoptiert  und  in  Phönizien  und  Sy- 
rien vielfach  verehrt  sind,  begegnen  wir  dem 
Namen  der  Isis  hier  nicht.  Dagegen  sind 
nach  ihrem  Bilde  oder  wohl  mehr  noch  nach 
dem  der  Hathor  mehrere  phönikische  und 
syrische  Göttinnen  (Bd.  1  Sp.  652  f.)  gestaltet. 
Um  so  mehr  wissen  die  Griechen  von  ihr.  Als 
sie  zuerst  ins  Land  kamen,  glaubten  sie  in  der 
Isis  die  argivische  Sagengestalt  der  Io  wieder 
zu  erkennen,  und  stellen  diese  seitdem  nicht 
mehr  als  Kuh,  sondern  nach  dem  Bilde  der  Isis 
als  ßovxtQios  nceg&svos  dar  (Aesch.  Prom.  588. 
Herod.  2,  41  to  yap  rijs  "ieioq  äyaXfia  ibv 
yvvafAT]iov  ßovK£Qcov  eGrl  war«  7t£p  EXXrjvzg 
zr\v  'Iovv  yQciqiovoi).  Im  übrigen  wird  Isis  der 
grofsen  griechischen  Mysterien-  und  Natur- 
göttin Demeter  gleichgesetzt,  wie  Osiris  aus 
denselben  Gründen  dem  Dionysos,  während 
ihr  Sohn  Horos  mit  Apollon  identificiert 
wird  (Her.  2,  42.  59.  156).  Frühzeitig  ist 
dann  auch  der  Name  Isis  den  Griechen  ganz 
geläufig  geworden.  Die  enge  Verbindung  des 
aufständischen  Ägyptens  mit  der  griechischen 
Welt,  namentlich  mit  Athen,  hat  dazu  wesent- 
lich beigetragen.  Zuerst  durch  ägyptische 
Kaufleute  sind  ihr  auf  griechischem  Boden 
Heiligtümer  errichtet  worden.  Im  Peiraieus 
besteht  ein  vom  Staate  konzessioniertes  Isis- 
heiligtum der  Ägypter  schon  im  Jahre  333 
(O.  I.  A.  2,  168).  Unter  den  Ptolemäern 
verbreitete  sich  dann  der  Isiskult  durch 
die  ganze  griechisch-orientalische  Welt.  An 
die  grofse  Göttin  schliefsen  sich  die  an- 
deren Götter  ihres  Kreises  an,  Osiris,  Anubis, 
Horus  (Harpokrates  [Amon  dagegen  ist  auf 
ganz  anderem  Wege,  über  Kyrene  —  wo  natür- 
lich auch  Isis  verehrt  wurde,  Herod.  4,  186  — ■ 
in  die  griechische  Welt  gelangt,  s.  das.];  aber 
durchaus  steht  sie  im  Vordergrund;  nur  der 
neue  ptolemäische  Gott  Sarapis  gewinnt  ein 
gleiches  Ansehen  wie  sie,  während  die  übrigen 
Götter  nur  Fremdlinge  in  der  griechischen 
Welt  geblieben  sind.  Dagegen  erlangt  Isis  das 
Bürgerrecht  hier  so  sehr,  dafs  Personennamen 
wie  Isidoros,  Isidotos,  Isidike,  Isias  ganz  ge- 
wöhnlich werden,  und  dafs  Plutarch  (de  Is.  2) 
allen  Ernstes  glauben  kann,  Kult  und  Namen 
der  Isis  seien  griechischen  Ursprungs.  Durch 
den  Handel  gelangt  Isis  früh  auch  nach 
Italien,  zuerst  nach  Campanien,  dann  seit  der 
Zeit  Sullas  nach  Rom.  Es  ist  bekannt,  wie 
vielfach  und  wie  vergeblich  die  römische  Re- 
gierung gegen  die  ägyptischen  oder  isischen 
sacra,  deren  Mysterien  Anlafs  zu  den  ärgsten 
Unsittlichkeiten,  Betrügereien  und  Verbrechen 
gaben,  einzuschreiten  versucht  hat. 

Ein  näheres  Eingehen  auf  die  Verbreitung 
des  Isiskults  in  der  griechisch  römischen  Welt 
und  die  Versuche,  die  ägyptische  Überlieferung 


373                 Isis  (Kult  in  Byblos)  Isis  (Kult  in  Tyrus  etc.)             374 

alä  theologische   und   philosophische  Weisheit       117;    Reichardt,    Num.    Zeitschr.    2    p.    9  —  10; 

zu   deuten,   ist  mir  zur   Zeit  unmöglich;   vgl.  M.  Aurel,  Sestini,  Mus.  Hed.  3,  82,  2  =  Mi. 
einstweilen  die  zusammenfassende  Darstellung       S.  8,  254,  68;  Comiuodus,  Mus.  Theupoli  p.  920 

von    Lafaye,    histoire    du    cultc   des   divinites  =  Mi.  S.  8,  252,  71;  Noris,  De  epoeh.  Syroma- 

d'Altxandrie  hors  de  l'JEgypte  {BibJ.  des  ecoles  ced.  p.  468;  Slg.  Lübbecke;  Septimius  Severus, 

fraug.  d'Athenes  et  de  Borne  fasc.  33,  1884)   u.  Vaülant  p.  81  =  Mi.  5,  353,  122;    Caracalla, 

den  folgenden  Artikel  Drexlers.  Mi.  5,  354,  127;  Geta,  M.  Theup.  p.  994=  Mi. 

[Eduard  Meyer.]  S.  8,  252,  73;  Elagabal,  Bev.  Num.  1861  p.  97, 

....         ..     .      „   ,.  11,  PI.  4,  11;  Maerinus,  Mi.  5,  355,  128,  8.  8, 

Aufseragyptxsche  Kulte.  10  253,  76;    Cot.  Greau  215,  2589;    Gab.  Greppo 

Über  die  Grenzen  Ägyptens   hinaus   nahm  199,  1426;  Slg.  Lübbecke;  Diadumenian,  Mi.  5 

iler  Isiskultus  seinen  Siegeszug  im  grofsen  und  355,  129;  <S7<7.  Imhoof;  Isis  und  Horus  stehend 

ganzen    erst   in    der    hellenistischen    Zeit.  unter  Tiberius,  Sest.,  M.  Hed.  3,  82,  1  =  Mi. 

Zu   den  Phönikern   war   er  aber,   wie  über-  S.  8,  256,  67;    Imhoof,  M.  Gr.  444,  26a.;  Slg. 

baupt  die  ägyptische  Religion  (s.  Drexler,  Mi/-  Lübbecke;  angeblich  auch  unter  Augustus,  Kckhel 

thol.  Beiträge  1  p.  8  Anm.  1),  bedeutend  früher  3,  360;  Mi.  5,  352,  116;  Boutkowski  1,  928  und 

gedrungen,  sodafs  Darstellungen  der  Isis  bereits  M.  Aurel,  Sest.  a.  a.  0.  3,  82,  3  =  Mi.  S.  8, 251,  69 ; 

auf   phönikischen    Metallschalen    des    7.   oder  Horus  allein,  autonom,  Imh.  443,24,  PI.  J,  4; 

6.  Jh.  v.  Chr.  vorkommen.    Besonders  die  Stadt  Kopfputz  der  Isis,  autonom,  Imh.  443,  25,  PI.  J,  5. 

Byblos  stand  seit  alten  Zeiten  in  Verbindung  20        Tyrus  zeigt  auf  seinen  Münzen  den  stehen- 

mit   Ägypten,    worüber    einiges    bereits    oben  den  Harpokrates    mit    flammendem  Altar    zur 

s.  v.   Halhor  1    Sp.  1866  f.  bemerkt  ist;    ein-  Seite  unter  Caracalla,    Vaülant,  Num.  Col.  2, 

gehend  handelt  darüber  Krall,  Sitzungsber.  d.  48,  2,  vgl.  Mi.  5,  430,  628  oder  Elagabal,  Mi. 

Wiener   Ahad.    Ph.  H.  Gl.   vol.  116   p.  633  ff.  5,  434,  562  =  Cohen  42,  366,  434;  ferner  unter 

Unter  „der  Hatkor,_  der  Herrin  von  Byblos,  der  Plaütilla,  Imh.  M.  Gr.  446,  41,  nach  dem  auch 

Herrscherin    von    Äthiopien "    eines    oben    er-  die   den   Horus   säugende  Isis   des    Gat.   Greau 

wähnten    thebanischen"  Testes    ist    allerdings  2627  und  Cat.  de  Moustier  2383  einfach  diesen 

nach    Wiedemann,    Herodots  2.   Buch    p.   588  Typus  darstellt;    sowie  unter  Gordianus  Pius, 

nicht  die  Göttin  des  phönikischen,  sondern  die  Sammlung  Lübbecke.     Sehr  fraglich  ist  es,  ob 

eines  ägyptischen  Byblos  zu  verstehen.     Über  so  Ledrain,  Notice  des  monum.  phenic-  du  Muse'e 

das  ganz  ägyptische  Gepräge  der  Baalat  Gebal  du  Louvre  p.  19  nr.  33  mit  Recht  in  einer  nur 

vgl.  auch  Büthgen,  Beitr.  z.  semit.  Bei.  p.  31,  teilweise   erhaltenen   Flügelfigur   eines   Sarko- 

62.   Die  Verschmelzung  des  Osiris- und  Adonis-  phags   der  römischen  Periode   aus  Eneifedh 

kultus  in   Byblos   behandeln   auch  Baudissin,  bei  Tyrus  bei  Renan,  Miss,  de  Phe'n.  p.  670, 

Stucl.  1  p.  302  Anm.  1;  2  p.  214;  Benan,  Miss.  842   nr.  30,   PI.  57,    4   die  Isis  erkennt.     Sehr 

de  Phe'n.   p.  215;    Movers  1   p.  62,   235 — 238;  wenig   wahrscheinlich  ist  es  auch,    dafs  nach 

Paul  Scholz,   Gützendienst  u.  Zauberwesen  bei  Benan,  M.  de  Ph.  p.  428  Isis  auf  einem  Blei- 

den  alten  Hebräern  p.  226,  231  —  232;    Mann-  Sarkophag  aus  Sidon  dargestellt  sein  soll,  ob- 

hardt,  Ant.  Wald-  u.  Feldkulte  p.  274;  Greve,  wohl  daselbst  zahlreiche  ägyptische  Altertümer 

De  Adonide  p.  36— 37,  52;  Stark,  Gaza  p.  301 ;  io  gefunden    worden    sind,    vgl.    Bäthgen   p.   63. 

Maury,  Hist.des  rel.  delaGrece  an*.  3  p.  284,  6;  Auch  Movers'  2,  2  p.  66  u.  Anm.  29  Deutung 

de  Ste-Croix ,  Rech.  s.  les  myst.  du  paganisme  einer  Münze   des  Elagabal  von  Sidon,   Eckhel 

1  p.  104  ff.;  Gh.  Lenormant,  Chefs -d' Oeuvre  de  3,  371;  Pellerin.  Ltttres  1  PI.  1,  8  p.  16;  Mi. 

l'art  ant.  2e  ser.  4  p.  17;   Wiedemann  a.  a.  0.  5,  387,  343;    Cohen  42,  364,  409;    Gat.  Greau 

p.  588.     Zur  Erzählung  der  Klassiker  von  der  216,  2599;  Sest.,  M.  Hed.  3,  88,  33  auf  Isis  mit 

Reise   der  Isis   nach  Byblos   vgl.  man  Eckhel,  Horus   auf  der  Flucht   vor  Set   ist   wenig   an- 

I).  N.   V.    3   p.  359;    G.  Ebers,    Durch  Gasen  nehmbar.    Die  Büste  des  Harpokrates  erscheint 

zum  Sinai  p.  474,  Äg.  u.  d.  B.  M.  p.  238 — 239  auf  einer  Tessera  aus  Berytos,  Blanchet,  Bev. 

u.  E.  äg.  Königstochter  Sp.  294— 295  Anm.  134;  Arch.  3.  ser.  13,  1889  p.  237  nr.  9. 

Brugsch,  D.  Adonisklage  u.  d.  Linoslied  p.  12  50        Wenig    ist    speziell   vom   Kultus   der  Isis 

u.  Die  Ägyptologie  p.  310;  G.  Colonna  Ceccaldi,  in   Palästina   zu   berichten.     Auf  Philä  ver- 

Rev.  Arch.  1872.  24  p.  312,  1878.  35  p.  15— 18;  ehrt    ein   Mann    aus    Caesarea   Panias    die 

Erman,  Äg.   1  p.  367;    V.  v.  Straufs,  D.  altäg.  Göttin,    C.  I.  Gr.  4921.     Eine  Isisstatue  wird 

Götterglaube  1  p.  78—80;   Wiedemann  a.  a.  Ö.  in  Phaena  geweiht,  C.  I.  Gr.  4546  =   U'ad- 

p.  587—588  und  Die  Bei.  d.  alt.  Äg.  p.  110  f.  dington,   Syrie  2527.     Ob  das  säugende  Weib 

Dafs  diese  Sage,  wie  Zoega,  Numi  Aeg.  Imp.  auf  sphinsgeschmücktem  Thron  eines  aus  Pa- 

p.  136  annimmt,   nur  auf  dem  Wortspiel,  der  lästina  stammenden  Silberrings  Isis  zu  benennen 

Leichnam   des  Osiris   sei    im   Byblosschilf  {iv  ist,  erscheint  fraglich,  Arch.  Zeit.  1882  p.  282, 

ßvßla)    der   Nilmündungen   gefunden   worden,  vgl.   aber   Furtwänglcr ,    Jahrb.    d.   d.  a.  I.   4 

beruhe,    oder,    wie  Dinicker,    Gesch.  d.  Ä.  I1  co  p.  83  Anm.  29.     Die  von  de  Saulcy ,  Num.  de 

p._48  behauptet,   eine  Erfindung  der  Griechen  la  Tcrre  Sainte  p.  208   nr.  2.  3  frageweise  so 

sei,  ist  nicht  wahrscheinlich.  bezeichnete  Büste  einer  Münze  des  Maximinus 

Für    den    Fortbestand    des   Kultus    in    der  von   Askalon,    aus   welcher   Stadt   Clermont- 

Kaiserzeit    zeugen    die   Münzen.     Auf   ihnen  Ganneau,  Arch.  d.  miss.  scientif.  et  litt.  3.  ser. 

erscheint  Isis    ein   Segel    entfaltend,    wie    auf  9,  1885  p.  164  nr.  1    den  Fund   einer  ehernen 

autonomen,  Imhoof,  31.  Gr.  p.  443  nr.  23,  PI.  Osirisstatuette    angiebt,    stellt,    obwohl   auch 

J,  3,  so  auf  solchen  unter  Claudius,  Sammlung  Sestini,  M.  Hed.  3,  74,  2;  Mi.  S.  8,  225,  5  u. 

Lübbecke;  Vaülant,  N.  Gr.  p.  13  =  Mi.  5,  353,  Cavedoni,   Spie.  num.   p.  274    auf  einem   von 


375      Isisf-  u.  Sarapiskult  in  Gaza  etc.)  ■    Isis(-  u.  Sarapiskult  in  Bostra  etc.)     376 

ihnen  fälschlich  unter  Canatha  verzeichneten  Auf   den   Münzen    von    Bostra  in  Arabia 

Ex.  die  Büste  der  Isis  erkennen  wollen,  diese  soll  das  Haupt  des  Sarapis  vorkommen  unter 

Göttin   sicher   nicht   dar.     Gegen   Mionnets  5,  Coinuiodus,  de  Saulcy  363,  4;  Annia  Faustina, 

513,  154   Bezeichnung   der  weiblichen  Gestalt  Lcake,   N.   11.  p.  35;    Severus  Alexander  (?), 

einer  Münze   des  M.  Aurel  von  Gaza  als  Isis  de  Saulcy  368,  4  und  Iulia  Maruaea  (?)  a.  a.  0. 

erklären  sich  mit  Recht  de  Saulcy  222,  5  und  368,  3   (auf  letzteren  angezweifelt  von  de  S.); 

Stark,  Gaza  p.  585.  der  Gott   in   ganzer  Gestalt  in  einem  Tempel 

Weit  häufiger  ist  auf  den  Münzen  der  pa-  stehend   unter  Elagabal,    Cat.    d'Enmry   606, 

lästinensischen  Städte  Sarapis  anzutreffeu,   so  4261;  Bamus  1,  346,  5;   Mi.  5,  581,  19,   aber 

sitzend  unter  Gordianus  Pius  auf  Münzen  von  10  von    de  Saulcy  366,  1    für  Dusares    gehalten. 

Gaza    (Beichardt,    Num.   Chron.   1862   p.   122  In  Teimä   kommt  der  Personenname  PetoBiris 

nr.  87,   de  Saulcy  233,  2),  wie  denn  auch  eine  vor  in  einer  nach  Euting  noch  vor  500  v.  Chr., 

bei   Gaza   gefundene   Kolossalstatue   im   Arch.  nach  Hale'vy  dagegen  in  der  Zeit  nach  Alexander 

Am.   1879   p.   198   für   Sarapis,    dagegen   von  dem  Gr.  gesetzten  Inschrift,  Nöldeke,  Sitsungs- 

Beinach,  Bev.  crit.  1880,  2  p.  460  u.  Premier,  her.  d.  Preufs.  Alcad.  1884,  2  p.  813—820,  ffl. 

Bursians  Jahresber.    25.  Bd.    Spplt.-Bd.  p.  144  6,  7,  Zeile  11;  Bei:  arch.  1884,  4  p.  176.    Wie 

für  Marnas  erklärt  wird.     Ferner  erscheint  er  einzelne  Inseln  und  Örtlichkeiten  au  der  afri- 

auf  den  Münzen  von  Aelia  Capitolina  von  kanischen  Küste  und  binneuwärts,  südlich  von 

Antoninns  Pius   bis  Decius,   Eckhel  3   p.  443,  Ägypten,    so    Isius    Mons    (Ras    Roway    nach 

und   zwar   sein  Haupt  bis  Severus  Alexander:  20  Sprenger,  D.  alte  Geogr.  Arabiens  p.  41  §  21; 

de  Saulcy   p.  88   nr.  7    u.  8;    p.  91  nr.  4  u.  6;  vgl.    6'pog    iiqov    bxov    xfjg  "Iaidos   Zsacöcrgiog 

p.  92  nr.  1;  p.  94  PL  5,  6;  p.  95,  3;  97,  1;  98,  dcpiäQvua.  Strabo  16,  770);  Isidis  portus  (Plin. 

2,  3;    100,  4;    101,  6,   8,   7;    103,   1;    Madden,  n.  h.  6,  cap.   9,   sect.  34,  §   174)    noraui'a  rijs 

Coins  of  the  Jews  =  Tlie  international  Numis-  "iaiäog  Xtyoij.hr]  (Droysen,  Gesch.  d.  Epig.  2S 

mata  Orientalia  2,  1881  p.  254,  7,  9;  255,  70,  p.  346),  die  Insel  Menuthias  (Forbiger  in Paulys 

71;  257,  4,  5;  258,  6;  259,  1;  261;  262,3;  264,  B.-E.  4  p.  1837,  so  benannt  nach  der  in  Me- 

1;  266,  4;  268,  5 — 7;  270;  stehend  unter  Dia-  nuthis   bei    Canopus   verehrten   Isis,   Letronne, 

dumenian   (de  Saulcy  100,  7;    Madden  267,  6  Bec.  de  Inscr.  de  l'Eg.  1  p.  434 — 437  zu  nr.  45, 

u.  7)    und   Elagabal",    Cab.   Greppo   209,   1488;  Frans  zu  C.  I.  Gr.  4683  b,  tom.  3  p.  331)  bei 

sitzend  unter  Decius,  de  Saulcy  106,  3;  Madden  30  Gelegenheit  des  Handelsverkehrs  der  Ptolemäer 

272,  3;   ferner  auf  denen  von  Caesarea  sein  mit  Arabien  und  Indien  nach  der  Isis  benannt 

Haupt  von  Domitian  bis  Gordianus  Pius,  Eckhel  wurden,  so  erhielt  auch  eine  Insel  an  derWest- 

3  p.  431;   de  Saulcy  120,  1;    122,  3;  123,  3  u.  küste  Arabiens  (nach  Sprenger  p.  22  §  15  das 

4;  124,  1,  4,  5;   125,  0  u.  7 ;  126,  1;  127;  128,  heutige    Barahkän)   als  "IaiSoi,    isgä   (Agathar- 

5;  129,  6,  7;  129,  3;   130,  1;  132,  1;  er  selbst  chides   in   den    Geogr.    Gr.  Min.   ed.  Müller  1 

stehend  unter  Decius,   de  Saulcy  134,  13  und  p.  ISOf.,  Diod.  3,  44,  vgl.  Droysen  a.a.O.  p.  350, 

Hostilian  a.  a.  0.  137,  7.     Desgleichen  ist  sein  Bitter,  Erdkunde  14  p.  222)  von  der  Isis,  und 

Kult   zu   belegen   durch    die  Münzen  in  Dora  eine    andere   an   der   Ostküste    (nach  Sprenger 

unter    Elagabal    (Haupt),    de   Saulcy    147,    2;  p.  102  §  135;  p.  253  Anm.  1  §383  das  beutige 

Ptolemais,   Eckhel   3,  424;   unter  Septirnius  40  Macyra)  als  vfjaog  Zagämöog  Isyo/iEVTj  (Piripl. 

Severus,  de  Saulcy  161,  6,  vgl.  161,  4  PL  8,  8;  Mar.    Erythr.   in    Geogr.    Gr.   Min.    1   p.    283, 

Caracalla,   de  Saulcy    162,  4,   wohl  =  163,  2  Piol.  §  33,  Amin.  Marc.  1.  23  cap.  6  §  47  [„in 

Elagabal  (Haupt),  vgl.  auch  Eckhel,  Cat.  N.  V.  qua  Serapidis  maximum  esse  dicitur  templum"~\\ 

Mus.  Caes.  Vind.   1,  241,  3  =  de  Saulcy  167,  1  vgl.  Forbiger,  Hdbuch.  2  p.  762)  ihren  Namen 

Philippus  jun,  Frau  und  angeblich  Harpokrates,  von    Sarapis.     Das    Grab    der   Isis    war    nach 

nach  de  Saulcy  aber  Asklepios;  ferner  inDios-  Diod.  1,  27  zu  Nysa  in  Arabien,    Wiedemann, 

polis   unter  Iulia  Domna,    de  Saulcy   170,   1  Herod.  2.  Buch  p.  19;    iTesscly,  Zu  d.  griech. 

und  Caracalla  a.  a.  0.  171,  1   (Haupt);  in  Nea-  Papyri  des  Louvre  p.  7  ff . 

polis   und  zwar  das   Haupt  von  Marc  Aurel  Die   Seleukiden  in   Syrien,    die  Rivalen 

bis  Elagabal,  Eckhel  3,  435;  de  Saulcy  249,  1,  50  der  Ptolemäer,   zeigen  auf  ihren  Münzen  ver- 

Pl.  13,    2;    2  —  4;    259,  1,   PL  13,  6;    260,  4;  schiedene   Spuren   des   ägyptischen   Einflusses. 

261,  5;  in  ganzer  Gestalt  stehend  unter  Cara-  Die   Isis  Pelagia  auf   einem  Stück   des  Anti- 

calla  a.a.O.  257,  3;  Maximinus  (?)  265,  1;  Vo-  ochos  IV.  Epiphanes,   Sest.,  M.  Hed.  3,  7,  7 

lu-ian  274,  3,  PL  14,  3;  thronend  unter  Cara-  =  Mi.  S.  8,  27,  143  =  Lenormant,  Kam.  des 

calla  {de  Saulcy)  oder  Elagabal  (Mi.)  de  Saulcy  rois  grccs  PI.  42,  3  p.  94  verdient  freilich  hin- 

257,  5  =  Mi.  5,  505,  10S;   de  Saulcy   258,  6.  sichtlich  der  richtigen  Zuteilung  wohl  nähere 

Der   angebliche  Harpokrates   auf  einer  Münze  Prüfung.    Auch  darf  man  nicht  mit  Eckhel  3, 

des  Trebonianus  Gallus,  Eckhel,  Cat.  Mus.  Caes.  225,    Scstini,   D.  N.   V.  493,  14,    Barthelemy, 

Vind.   1,  247,  3  =  de  Saulcy  271,  4  ist  nach  Kouv.  manuel  de  num.  ant.  p.  275  eine  sitzende 

einer    des    Philippus  jun.    de   Saulcy   270,    14  60  weibliche   Gottheit   mit   Nike   auf  der  R.  und 

vielmehr  eine  Frau;  auf  einer  Münze  des  Com-  einem  von  Fundi,  Mus.  Theupoli  p.  1228  und 

modus  von  Tiberias  (Huber,  Num.  Zeitschr.  1  Sanclemente,  Num.  sei.   1  p.  77,  Tab.  3,  49  für 

p.  401;    Beichardt,  Num.  Chron.   1876   p.  315)  einen    Ibis    gehaltenen   Vogel    zu    Füfsen    auf 

erscheint  das  Haupt  des  Gottes,  dagegen  der  Münzen  desselben  Königs  für  Isis  erklären;  im 

in   einem  Tempel   stehende   Sarapis   auf  einer  Cat.  Thomsen  1,  137,  1616   wird   sie  als  Hera 

des    h.   Verus   bei    Vaillant,   N.  Gr.  p.  63  =  mit  dem  Pfau,  von  Percy  Gardner,  A  Cat.  of 

Mi.  S.  8,  229,  20;   de  Saulcy  300,  2  ist  nach  the  gr.  c.  in  the  Brit.  Mus.  The  Seleucid  Kings 

des  letzteren  Ansicht  299,  1 'vielmehr  Zeus.  of  Syria  36,  23—30,  PL  12,  1—4   als   Kybele 


377                Isis  (Kult  in  Syrien)  Isis  (Kult  in  Syrien)                378 

oder  Stadtgöttin  gedeutet.  Auch  die  stehende  erscheinen  auf  Münzen  des  Caracalla  und  des 
Frau  mit  Schleier  auf  dem  Haupt  und  Lanze  Elagabal  (oder  nur  des  einen  von  beiden?) 
in  der  R.  wird  fälschlich  von  Eckhel,  D.N.  V.  von  Gabala  (Mi.  5,  238,  652;  S.  8,  165,  194); 
3,  225  und  Cat.  Mus.  Caes.  Vinci.  1,  212,  4,  das  Haupt  des  Sarapis  auf  autonomen  Münzen 
Bamus  1,  297,  6  und  Barthelemy  275  für  Isis  von  Laodikeia  ad  mare,  Pelkrin,  Bec.  2 
gehalten,  während  Mi.  5,  35,  306,  307  sich  PI.  79,  55  p.  198;  Mi.  5,  241,  677;  678  = 
einer  näheren  Bezeichnung  enthält,  Lenonnant  Sestini,  D.  N  V.  518,  10;  Mus.  Num.  Lavy 
PI.  41,  13,  14  an  Aphrodite  Urania  und  Gardner  1,  275,  2921;  Dumersan,  Cab.'Allier  de  Haute- 
38,  41,  PI.  12,  10  frageweise  an  Hera  denkt.  röche  p.  109;  Cat.Northwick  1,  143,1426,1427; 
Dagegen  haben  wir  auf  in  Ägypten  geprägten  10  ebendaher  kennen  wir  einen  aQxiicinoQog  des 
Bronzemünzen  dieses  Königs  das  Haupt  des  Sarapis,  C.  I.  Gr.  4470.  Vgl.  B.  C.  H.  6  p.  335. 
Sarapis  mit  Lorbeerkranz  und  Kopfputz  des  In  Antiocheia  errichtete  Seleukos  Kalli- 
Osiris  (Gardner  38,  42,  PI.  12,  11;  43 — 44;  nikos  ein  Iseion  und  erhielt  dazu  von  Ptole- 
St.  Poole,  Coins  of  the  Ptol.  N.  Chron.  1866  maios  III.  Euergetes  ein  besonders  heiliges 
p.  15 — 16  nr.  34—38  und  Cat.  Brit.  Mus.  The  Isisbild  aus  Memphis  gestiftet,  Libanius  1 
Ptolemies,  Kings  of  Egypt.  p.  81;  Feuardent,  p.  136  ed.  Baske,  Mittler,  Hdb.  d.  A.  d.  K.s 
Eg.  anc.  1,  74,  274,  PI.  11,  275;  Imhoof,  M.  p.  150  und  Antiquitates  Antiochenae  1  p.  51. 
Gr.  431,  77)  und  auf  anderen  die  Büste  der  Anm.  3  p.  70;  Droysen,  Gesch.  d.  Bell.  32  p.  14. 
Isis  oder  (Feuardent,  St.  Poole  im  N.  Chr.)  Der  Sage  der  Antiochener  von  der  Io,  die,  aus 
der  Kleopatra,  _d er  Schwester  des  Antiochos  IV.,  20  Ägypten  verjagt,  nach  dem  Gau  Ione  oder  Io- 
als  Isis  mit  Ährenkranz,  über  dem  sich  der  polis  auf  dem  Berge  Silpios  gekommen  sei, 
Kopfputz  der  Göttin  erhebt,  Eckhel  3,  224,  um  dort  zu  sterben  (Preller,  Gr.  M.  23  p.  44f.) 
Duane,  Coins  of  the  Seleucidae  Tb.  8,  13;  Mi.  möchte  Müller,  Antig.  Antioch.  p.  18—19  aus 
5,  33,  291;  S.  8,  29,  153;  Lenonnant  PI.  41,  6  gewissen  Riten  der  Isisverehrung  erklären. 
p.  93;  St.  Poole,  N.  Chr.  1866  p.  16  nr.  39 — 42,  Als  Beizeichen  erscheint  der  Lotos,  d.  i.  doch 
The  Ptol.  p.  81,  cfr.  p.  LXIIIf.;  Gardner  38,  45,  wohl  der  Isiskopfputz,  auf  einigen  Münzen 
-46,  PI.  12,  12,  47;  Feuardent  1,  74,  276,  PL  11,  dieser  Stadt,  Mus.  Hunter  28,  1,  Mi.  5,  154,  58. 
vgl.  p.  69  —  70.  —  Zahllose  Münzen  des  An-  In  einer  von  Böckh  jedenfalls  mit  Recht 
tiochos  VII.  Sidetes  vom  Jahr  139  v.  Chr.  an  nach  Delos  gewiesenen  Inschrift  weiht  ein 
haben  im  Rs.  den  Isishauptschmuck  mit  ver-  30  Otoqjilog  @toq>ilov  'Avxio%svq  fisXavrjcpogog  ver- 
schiedenen Daten  und  Beizeichen,  Mi.  5,  75,  schiedene  Gegenstände  an  Sarapis,  Isis,  Anubis 
654—656,  S.  8,  57,  289;  5,  75,  657—660;  S.  8,  57,  und  Harpokrates  (vgl.  Georgii  in  Paulys  B.-E. 
290;  5,  75,  661—664;  76,  665;  666;  667,  668;  4  p.  289),  nur  ist  es  gerade  wie  bei  den  zahl- 
669;  670;  S.  8,  57,  292;  5,  76,  674;  S.  8,  57,  293;  reichen  von  Isis  und  Sarapis  abgeleiteten 
5,  76,  675;  Gardner  p.  73  nr.  50,  49,  PI.  20,  Personennamen  von  Antiochenern  zweifelhaft, 
11,  51;  52 — 54;  55,  56;  57;  58;  59;  60;  61;  welches  Antiocheia  gemeint  ist,  wenn  nicht 
Duane  Tb.  15,  2;  14;  18,  3;  7;  11.  Dasselbe  wie  bei  dem  Olympioniken  'Iaicov  (Arch.  Zeit. 
Symbol  erscheint  auf  den  Münzen  des  Anti-  1880  p.  164  nr.  366a)  ein  ä-nb  dayvnq  oder 
ochos  VIII.  und  seiner  Mutter  Kleopatra,  wie  bei  der  Niv.-n  2[£]Qctnt'iavos  (Le  Bas  et 
Mi.  5,  86.  759;  87,  760;  761;  762;  763;  Le-  40  Waddington,  Asie-Min.  461)  ein  'Avzioxr\ag  tjjs 
normant  PI.  51,  4;  5;  Gardner  86,  9,  PL  23,  6.  itqög  Jcitfivn  zum  Ethnikon  hinzutritt.  An- 
Dagegen  eine  von  Eckhel,  Cat.  1,  217, 1,  D.  N.  V.  gebliche  Münzen  von  Antiochia  mit  Sarapis- 
3,  241  der  Kleopatra  Selene,  der  Gemahlin  köpf  gehören  nach  Hierapolis  und  führen  das 
des  Antiochos  VIII.  zugewiesene  Münze  mit  Haupt  des  Hadad,  s_.#  Zeitschr.  f.  Num.  15 
Isissymbol  im  Rs.  wird  von  von  Sollet,  Num.  p.  89  —  91.  Über  die  Überlieferung,  der  Sara- 
Zeitschr.  3  p.  91 — 96  mit  Hubers  Anm.  2  p.  94f.  pisdienst  sei  in  Ägypten  aus  Seleukeia  ein- 
für  nicht  sicher  bestimmbar  erklärt,  wie  auch  geführt  (Tac.  h.  4,  84;  Clem.  AI.  Protr.  p.  14 
schon  Sestini,  D.  N.  V.  p.  500  Eckhels  Zutei-  ed.  Sylb.)  vgl.  Pleic,  De  Sarapide  p.  9,  Krall, 
lung  bezweifelt  hatte.  Die  angebliche  „Isis  Tacitus  u.  d.  Orient  1  p.  21  ff.  Die  von  Mi. 
adv.  tutulata  stans  d.  hastam"  auf  einer  Münze  50  S.  8,  117,  35  =  Pellerin,  Bec.  2  PL  75,  5, 
des  Demetrios  I.  Soter  bei  Bamus  1,  298,  7  Eckhel  3,  251  unter  Samosata  verzeichnete 
wird  von  Mi.  5,  47,  413  einfach  als  Frau,  Münze  mit  Ammonhaupt  im  Obv.  und  Isis- 
von  Lenonnant  PL  43,  14  p.  96  als  Aphrodite  Symbol  im  Rs.  ist  von  ihm  selbst  bereits  im 
Urania  bezeichnet;  das  unbärtige  Haupt  mit  Bec.  des  Fl.  Nouv.  Ed.  p.  101  dieser  Stadt 
Diadem  auf  dem  Obv.  einer  Münze  des  De-  wieder  abgesprochen  worden;  Imhoof,  M.Gr. 
metrios  IL  Nikator,  das  Fundi,  M.  Theup.  457,  sub  12  giebt  sie  einem  der  späteren  Pto- 
p.  1231  und  Mi.  S.  8,  47,  243  für  das  der  Isis  lemäer.  Die  von  Mi.  5,  146,  1  für  Sarapis 
halten  möchten,  ist  nach  Gardner  60,  23,  PL  18,  angesehene  Büste  auf  Münzen  von  Palmyra 
5  das  des  Königs.  Auffallend  ist  es,  dafs  Mi.  (vgl.  Mordtmann  im  Anhang  zu  den  Sitzungs- 
5,  107,  933,  934,  Lenonnant  PL  55,  6  p.  113,  60  her.  d.  K.  Bayr.  Äk.  1875.  2.  Heft  3  p.  73  ff.) 
Visconti,  Iconografia  gr.  2  Tay.  23,  9  p.  491— 494,  stellt  jedenfalls  eine  einheimische  syrische 
Cohen,  Cat.  Greau  199,  2443  eine  Palmzweig  Gottheit  dar,  s.  de  Sauley,  Bev.  Arch.  1870/71, 
und  Füllhorn  haltende  Frau  auf  Münzen  des  N.  S.  22  p.  291—303,  speziell  p.  294—295  u. 
Antiochos  XII.  Epiphanes  Dionysos  als  Kopf-  Num.  de  la  T.  S.  p.  64  ff.  —  Unter  6  Bronze- 
putz den  ,, Lotos"  tragen  lassen,  wovon  indes  Statuetten  der  Coli.  Fejeroary-Pulszky  Paris  1868 
Gardner  102,  4,  PL  27,  2,  der  die  Figur  Tyche  p.  22  nr.  352  ä  357  vom  Libanon  befindet  sich 
nennt,  nichts  bemerkt.  auch  ein  Osiris;  über  Bronzefigürchen  aus 
Isis  sitzend,  den  Harpokrates  säugend,  soll  Syrien,  die  mit  dem  Typus  der  Aphrodite  den 


379      Isis  (Kult  in  Kleinasien  u.  Kypros)  Isis  (Kult  auf  Rhodos  etc.)           380 

Kopfputz  der  Isis  verbinden,  s.  Num.  Zeitschr.  rion,  Dumont  et  Chaplain,  Les  ceramiques  de 

21   p.  71,  Anm.  7  zu  p.  70;  über  eine  eherne  la   Grece  propre   p.  119  nr.  33,  p.  120  nr.  34; 

aufgerichtete     Uräusschlange     mit     Isishaupt-  Heibig,  Ann.  d.  Inst.  1876  p.  199  nr.  3,  p.  200 

schmuck    Clcrmont-  Ganneau,    Arch.    d.  Miss.  nr.  4. —  AI.  Emnan,  Kypros  u.  d.  Urspr.  des 

scient.   et   litt.    3.  ser.    tome  11,    1885    p.  233  Aphroditekultus,    Mein,   de  l'Ac.  des  sc.  de  St. 

nr.  107,  Schreiber,  Z.  d.  H.  Paläst.  Ver.  10,  1887  Petersbourg,  7e  ser.  34,  1886  p.  29  Anm.  3  will 

p.    191;    über    einen    Ohrring    in   Gestalt    des  für  ägyptisierende  Statuen,  wie  sie  besonders 

Isiskopfputzes  Coli.  H.  Hoffmann.    Paris  1886  von  Cesnola  bei  Athienu  zahlreich  gefunden 

p.  54  nr.  211,  über  einen  Karneol  mit  den  ver-  wurden,   die  Namen  Osiris,  Isis  und  Horos  in 

einigten  Büsten  des  Sarapis  und  der  Isis  Cha-  10  Anspruch  nehmen;  auch  unter  den  Kalkstein- 

bouillet  261,    2016;    über    den  Chalcedon    des  und  Terracottafiguren  kyprischer  Gräber  läfst 

Lykomedes  mit  der  Büste  einer  ptolemäischen  er    zahlreiche    Bilder    dieser    Gottheiten    vor- 

Herrscherin,   nach  Furtirängler   vielleicht   der  kommen.    Eine  Gruppe  der  Isis  und  des  Horos 

Berenike   I.  mit    Isisattribut,    Jahrb.  d.  H.  A.  im  ägyptischen  Stil  aus  Bronze  von  Dali  wird 

Inst,  3  p.  206;  4  p.  80—84,  Tfl.  2,  2.  verzeichnet    Arch.    Zeit.  1871   p.   122    nr.  29a. 

Über  das  Vorkommen  des  Sarapis  auf  Münzen  In    epichorischer    Schrift    sind    erhalten   Wid- 

von   Fars   unter   Orodes  I.  u.   I'hraates  IV.  mungen  an  Osiris  aus  Kourion  und  Athienu, 

und  auf  solchen  des  indoskythischen  Herrschers  II".  Heecke,    Hie    griech.    Inschr.    in    epichor. 

Ooerki  s.  Hrexler,Myth.Bexbr.  1  p.4  Anm.  3,4.  Schrift  =  Collits ,    Slg.   d.   gr.    I) iah- Inschr.  1 

Ob  Gardner,  Parthian  Coinage  p.  21  mit  Recht  20  p.  24  nr.  45,  p.  34  nr.  72  und,  freilich  aus  make- 

den  Harpokrates  auf  einer  Münze  des  Parther-  donischer  Zeit,  an  Horos  aus  Paphos  a.a.O. 

königs  Vardanes  I.  erkennt,  lasse  ich  dahin  1  p.._20  nr.  41. 

gestellt    sein.     Ein    in    Teheran    gefundener  Über    phönikische    von   den  Namen   ägyp- 

Onyx  griechischer  Arbeit  später  Zeit  zeigt  die  tischer  Gottheiten   abgeleitete  Personennamen 

Isis,   Per.   Arch.  1874  p.  247  nr.  76;   Intailles  auf  Cypern  siehe  Bätligen  p.  63.    Aus  der  Zeit 

asiat.  Coli,  de  M.  le  Comte  de  Gobineau.    Paris  nach  Alexander  M.  haben  wir  Widmungen  an 

1882  p.  9   nr.  76;    desgleichen    ein   Onyx    aus  Sarapis,  Isis  und  Anubis  aus  Arsos,  1  Stunde 

Ekbatana,  Bev.  Arch.  a.a.O.  p.  385  nr.  294,  von  Golgos,   Arch.  Zeit.  1863,  Am.  p.  7*,  le 

im    Katalog    v.  1882   p.  18  nr.  249    als   Sard-  Bas  it  Waddington  3,  2837,  2838;  an  Sarapis 

onyx   mit   dem   Haupt   der  Osiris   verzeichnet.  30  und  Ptolemaios  III.  nebst  Berenike  aus  Sala- 

Der  Name   Isidoros   in   der   Form  Isiduru  be-  mis,  Bev.  arch.  3e  ser.  6  1885  p.  351,  Gas.  arch. 

gegnet  sogar  in  Keilschrift,  beigegeben  einem  1883  p.  107  nr.  3,   Arch.  Zeit.  1883  p.  1S5,   The 

Männerkopf  von  griechischer  Arbeit  auf  einem  Greck  Inscr.  in  the  Brit.  3Ius.  2  p.  152  nr.  383. 

unter  Demetrios  Soter  (162 — 151)   abgeschlos-  Eine  Bronzestatuette   der  Isis   aus   später  Zeit 

senen  Vertrag    aus   Orchoe   (Erech,   Warka),  ist  verzeichnet  Coli.  I.  Greau.  Cat.  des  bronzes 

I.    Menant,    Arch.    d.    Miss.    3e    se"r.   9    1882  ant.  Paris  1885.  4°.  p.  169  nr.  840;  eine  Gemme 

p.  411 — 412  Fig.  106;    aus   viel  früherer  Zeit  mit  Sarapiskopf  bei  Cesnola,  Salaminia  p.  143 

stammt   ein   assyrisch -ägyptisches  Siegel   mit  Fig.  156. 

dem  Harpokrates  auf  der  Lotosblume,  Menant  Auch    auf  Rhodos    lassen    sich    schon   in 

a.  a.  0.  p.  396  Fig.  53.                                              40  voralexandrinischer  Zeit  Spuren  des  ägyptischen 

Über    den    ägyptischen   Kultus    in    Klein-  Einflusses  nachweisen;  es  wird  verzgjchnet  aus 

asien  vgl.  man  meine  Abhandlung  'Her  Isis-  dieser    Periode    'Isis    with   Osiris    in  her   lap, 

u.  Sarapis-Kultus  in  Kleinasien',  Num.  Zeitschr.  egyptian  porcellain7   Brit.  Mus.     Guide  to  the 

21  p.  1—234  Taf.  1.  2,  p.  385—392;  sowie  7m-  first  vase  room.   London  1883  p.  18   und   eine 

hoof-Bluiucr,Abhdl.d.K. Bayer. Ak.dAY.plülos.-  Isis  mit  Horos,  ägyptisch,  aus  Jade  gefertigt, 

philol.  Cl.  18,  1890  p.587,  592,  668,  711,  712,  720,  aus  Kameiros  im  Bull.  arch.  du  3Iuse'e  Parent 

733,  740,  741,  748,  771.  B.  C  H.  14  p   61ö'f.  nr.  1.  Paris  1867.   2°.  p.  34;    dagegen   stammt 

Die  Inseln  des  ägäischeu  Meeres,  von  denen  eine  Bronzebüste  der  Isis  auf  dem  Phönix  bei 
eine  Anzahl  eine  Zeitlang  unter  der  Herrschaft  Fr.  Lenormant,  Coli,  d'ant.  gr.  rec.  par  31.  Eng. 
der  Ptolemäer  stand,  nahmen  gröfstenteils  in  50  Pfiot.J  Paris  1870  p.  45  nr.  143  aus  der  Zeit 
der  Zeit  nach  Alexander  den  fremden  Gottes-  nach  Alexander.  Ein  Tempel  der  Isis  in 
dienst  an.  Kypros  aber,  schon  unter  Thnt-  Rhodos  wird  erwähnt  von  Appian,  Be  b. 
mes  III.  (1600  v.  Chr.)  Ägypten  tributpflichtig  Mithr.  27,  M.  II".  Heffter,  H.  Götterdienste  auf 
(Brugsch,  Gesch.  Äg.  p.  320—322),  später  von  Bhodus  3  p.  83 f.,  Xenoph.  Eph.  de  Anthia  et 
Amasis  erobert  (Hunclcer,  Gesch.  d.  Ä.  4  p.  393,  Habrocomc  ed.  Peerlkamp  p.  41;  ein  Priester 
Maspero,  Gesch.  d.  Morgenl.  p.  507),  unterlag  ZctgdmSog  v.ul  Ei'aiSog  iv  'PoSco  in  einer  In- 
in  Religion  und  Kunst  schon  früh  dem  Ein-  schritt  von  Lindos,  Foucart,  Bev.  arch.  1867, 
flufs  des  Nillandes,  vgl.  Perrot,  H.  de  l'art  n.s.  16  p.  30f.  nr.  71  Z.  12— 13,  Pleic,  De  Sara- 
dans  Vant.  3  p.  522,  523,  526,  527,  529,  530,31,  pide  p.  34;  ein  Kollegium  von  'Ioiaozui  Iqcc- 
33—35,  554,  675ff.  862 f. ;  Heueey,  Cat.  des  fig.  eo  vigzcü  in  der  Inschrift  Bull,  de  Corr.  Hell.  13, 
ant.de  terre  cuite  du  Muse'e  du  Lourrc  1  p.  119,  1889  p.  363—366;  eine  Widmung  an  Sarapis 
125,  126f.,130ff.  —  Movers  1  p.  62  läfst  in  der  und  Isis  im  Wiener  Kabinett,  vom  Sacken  u. 
saitischen  Periode  einen  Isistempel  in  Soloi  Kenner  p.  61,  C.  I.  Gr.  6842,  wird  von  K.  Keil, 
(Strabo  14,  6  p.  245)  errichtet  werden  und  den  Philol.  16  p.  32—33  ohne  genügenden  Grund 
Adonis  in  Amathus  den  Charakter  des  Osiris  nach  Rhodos  gewiesen.  Der  Kopfputz  der  Isis 
annehmen  (vgl.  2,  2  p.  221  Anm.  36;  241).  Mög-  erscheint  als  Beizeichen  auf  Silbermünzen  mit 
licherweise  ist  Isis  (geflügelt)  zu  erkennen  auf  dem  Namen :  ArAöAPXOZ,  Cat.  Welü  de  Wetten- 
den  Silberschalen    von   Amathus    und   Kou-  heim  1,  271,  6057;  ATTOAAQNIOI,  Friedländer, 


381     Isis  (Kult  auf  Samos ,  Chios  etc.)  Isis  (Kult  auf  Lesbos,  Delos  etc.)     382 

Ztsehr.f.  Num.  7,1880p.  214— 215;  APTEMQN,  G.  I.  Gr.  2294:    auf  Münzen   mit   den  Namen 

Beyer,  Thes.  Brandeb.  1  p.  412,  8;  Thes.  exthes.  des  AIOAQPOX,  Mi.  3,  269,  40  =  Whitte  94, 

Pal.  sei.  p.  230,  8;   JEcM.  Cat.  1,  181,   14;  Mi.  164  u.  MHNO  4>IAO[s],  Whitte  90,  128  erscheint 

3,  414,  113,  PL  52,  1;  114;  Brandis  p.  482—3;  als  Beizeichen   der  'Lotos'  d.  i.    der  Isiskopf- 

EY0ANHI,  Eclch.Cat.  1,   181,  17;  Sestini,  M.  putz.  In  Methymna  auf  Lesbos  wird  inschrift- 

_EM.  2  243,  4;  Mi.  3  415,  120;  Brandis p.  482 ,  lieh   erwähnt  die  evvoSog  zmv  itsyulcov  Zagct- 

ire/rf271,6O65;ZHNßN-EÄ18;0PAXYME*riS,  nteitov,  Kaibel,  Eph.  ep.  2  p.  7.  29  nr.  29,  vgl. 

Mus.  Hunter  249,  17  =  Mi.  415,  134  u.  Bran-  p. 17,  und  in  Mi tylene  werden Dankinschriften 

dis  a.a.O.;  MAHI,  Hunter  249,  40;  Combe,  Mus.  errichtet  der  Eloig  ntlayiu  svä-noog,  C.  I.  Gr. 

Brit.  181,  12;    Mi.  415,  129;    Sest.,  M.  Hed.  2,  10  2174,  und  (von  einem  Alexandriner)  dem  grolsen 

243,  6;  ohne  Namen  Mi.  3,  422,  219;  ein  Sis-  Zeus  Helios  Sarapis  und  der  Herrin  Isis,  Lol- 
trum    soll    vorkommen    auf   einem  Stück  mit      ling ,  Mitt.  d.  H.  Ar eh.  Inst  in  Athen  11,  1886 

ATTOAAßNIOI,  Ämter  250,  54;  Brandis  p.  484.  p.  265  nr.  3;  eine  Münze  mit  Tyche  und  Sara- 

Das  Haupt  des  Sarapis,  oft  mit  dem  Strahlen-  pis  giebt  Dumersan,  Cab.  AUier  de  Hauteroclie 

kränz,  zeigen  Bronzemünzen,   Mi.  3  427,  274,  p.  82,    PL  14,  4,   Mi.  6,    63,  77.     Auf  Silber- 

275;    Combe,    Mus.  Brit.   182,  26,  Tab.  14,  20;  münzen  von  Tenedos,  die  Head,  H.  N.p.  476 

Mus.  Hunter  252,  91,  Tab.  45,  20;  92.    Sarapis-  etwa  nach  200  v.  Chr.  ansetzt,  erscheint  Har- 

priester   von   Lindos   begegnen   in  mehreren  pokrates   als   Beizeichen,    Mi.  3,  672,273,    de 

Inschriften,  1)  Bofs,  Arch.  Aufs.  2  p.  603  nr.  12;  Dominicas,  Bepert.  num.  p.  1,    SIg.  Lübbecke. 

Keil,  Phil.    16   p.  33;    Plew   p.  34;     2)   Lötvy,  so  Für   Thasos   s.   M.  Beitr.  1   p.  122,  152;    auf 

AEMl,  1883  p.  136  nr.  72  Z.  6.  7;  3)  Holleaux,  einer  Münze  des  Geta  von  Aigina  sieht  man 

Diehl,  B.  C.  H.  9,  18S5  p.  103/4  nr.  8  [b]  Z.  4  die  Isis,    Imhoof,    Gardner,    Num.  Comm.    on 

=    Löwy,    Künstlerinschr.    p.    390    nr.    174b;  Pausanias,    Supplt.,    Journ.    of  hell.    stud.  7, 

4)  (aus  der  rhodischen  Peraia)  Durrbach,  Badet,  1887   p.  57,  7.     Hinsichtlich    des    Hauptsitzes 
B.  O.  H.  10  p.  248f.  nr.  1  Z.  14/15;  SsQctniaazai      des    ägyptischen   Kultus    im    ägäischen   Meer, 

in  Kameiros,  Greeh  Inscr.  in  the  Brit.  Mies.  Delos,  s.  die.  in  M.  Beitr.  1  p.  4  Anm.  5  ver- 

2  p.   129f.    nr.  353    Z.  10  —  11;    die  Widmung  zeichnete  Litteratur. 

eines    Solensers    an    Hekate    und    Sarapis    in  In    Astypalaia    werden    ein    Naos    und 

Kastellos,   AEM  7,  134,  7;   Journ.  of  hell.  Götterbilder  dem  Sarapis  und  der  Isis  geweiht, 

stud.  4,  138,  2.  30  Dubois,    B.  C.  H.    7,    1883    p.  478    nr.  3;    in 

Auf  Syme  fand  sich  eine  Weihinschrift  an  Anaphe  kennen  wir  einen  Priester  des  Sara- 

Sarapis  und  Isis,  Aristarchis, 'O  iv  Kcovav.'EXl.  pis   und  der  Isis,    Biemann,  B.  C.  H.  I,  1877 

<&ilol.  Svll.  IJaqa.Qzrip.cc  xov   iy'    Tofiov.    1881  p.  286  nr.  62  Z.  5 — 7;  auf  los  wurde  ein  Isis- 

p.  78  nr.  r";   auf  Kos    wird    inschriftlich    er-  Hymnus  gefunden,    Weil,  Mitt.  d.  T).  A.  Inst. 

wähnt  ein   %oivbv  zäv   SsQuniaozäv ,    Lüders,  i.  Athen  1877,2  p.  80  u.  189,  U.  Kühler  ebenda 

Die  dionys.  Künstler  p.  199,  vgl.  Num.  Ztschr.  1878,  3  p.  162,   M.  Fränkel,  Arch.  Zeit.  1878 

21   p.  125;  in  Samos  ein  Lsgevg  zf,g"laLog,  auf  p.  131 — 132,  Kaibel,   Epigr.   Gr.   p.  XX[    sub 

dessen  Antrag  man  beschliefst  tfji  9scöl  y.u&6zi  nr.  1028;    ebenso   schon   früher   auf  Andros, 

«ai  irpoTf  gov  äysigtiv),  Eittenberger,  Syll.  I.  Gr.  Bofs,  Inscr.  Gr.  ined.  2  p.  3 — 6  nr.  96,  Sauppe, 

nr.  393;   ebenda   erhalten   Sarapis  u.  Isis  eine  40  Hymnus   in  Isim.   Turici  1842;    Welcher,   Bli. 

Weihinschrift,    Bev.  arch.  1872,  n.  s.  24  p.  37  Mus.  N.  F.  2,  1843  p.  326—334,  3,  1845  p.  133— 

nr.  3;  und  auf  den  Homonoia-Münzen  von  Sa-  138,  Kl.  Sehr.  3  p.  27lff. ,  Bergk,  Z.  f.  A.  W. 

mos  und  Alexandria  unter  Gordianus  Pius  er-  1,  1843  p.  36 — 46,  49 — 52  ,  G.  Hermann,  Z.  f. 

scheint  Isis  Pelagia,    Pellerin,  Me'l.  2   p.  308;  A.  W.  1843  p.  377—383,  Schmitz,  Class.  Journ. 

Mi.  3,  293,  236;  Gardner,  Num.  Chr.  1882  p.  287  1843  p.  34ff,  Le  Bas  2  nr.  1796,  Kaibel  1028 

nr.  137;  Eckhel  2  p.  570;  Isis  mit  Harpokrates  u.  p.  XXI,  Orphica  rec.  Abel  p.  295 — 302;  eben- 

ist  nach  Gardner  möglicherweise  zu  sehen  in  dort  zeigt  ein  Relief  einen  gewissen  JoiQÖ&tog 

einer     der     beiden     nemesisartig    gekleideten  als  Isisdiener  ('iuvenis  Isiacus')  C.  I.  Gr.  2348 

Frauengestalten  auf  Münzen  des  Decius,  Gard-  u.  eine  Bleitessera  den  Anubis,  Ann.  d.  Inst, 

ner,    PI.  6,  9   p.  287   nr.  33,    Mi.  3   298,  269,  50  1868  p.  281  nr.  266.     Sagani^Ca,  in  den  April 

270;  Valerianus  sen.,  Banduri  1  p.  116,  Anm.  2,  fallende  Festlichkeiten   zu  Ehren   des  Sarapis, 

vgl.  Musellius  3  Tab.  220,  8,  1  p.  276,   Vaillant,  sind  inschriftlich  für  Naxos  bezeugt,  E.  Cur- 

N.  Gr.  p.  178,  Mi.  3,  300,  296;  Gallienus,  Mus.  tius,   Eh.   Mus.  2   p.  95,    C.  I.  Gr.  2416b,   Le 

Tlteupoli  p.  815  ('Diana  et  Isis'),  Mi.  3,  301,  Bas  2,  2155,  Fritz  Bechtel,  D.  Inschr.  d.  ion. 

303  ('Iunon  =  Pronuba  et  Nemesis').  —  Head,  Dial.     Abh.  d.  h.  ph.  Cl.  d.  K.  Ges.  d.   W.  z. 

H.  N.  p.  518  u.  Gardner,  Types  of  greeh  coins  Güttingen  34.  Bd.  p.  40  nr.  28,   Lafaye  p.  128. 

PI.  15,  5    (auf   einer    des    Commodus)    nennen  Auf  Syros    wurde    der  Isis    ein  Tempel   von 

die  Figur   Nemesis;    vielleicht   ist   es   die   in-  Claudius  Secundus  Viator  errichtet,  'Aftijvcaov 

schriftlich  erwähnte  EvayyBlig,  Foucart,  Mim.  3,   1873    p.  647f.    nr.   11.     Münzen    zeigen   die 

de    l'Ac.    Sav.   Etr.  le  ser.   Tome  9,  1  p.  3S9;  60  Büste   der  Göttin  unter  Domitian,    Dumersan, 

Sarapis   stehend   vor   dem  Kaiser   zu  Rofs   er-  Cab.  AUier  p.  60;  Leake,  N.  H.  Swppl.  p.  173; 

scheint  unter  Decius,   Mi.  3,  297,  266;  Gardner  Trajan,  C.  G.  C.  B.  M.  Crete  and  the  aegean 

p.  286  nr.  35;  Head,  H.  N.  p.  518.  islands  p.  125  nr.  23;  Hadrian,  Leake,  N.  H.  S. 

Von  Chios  kennt  man  eine  Weihinschrift  p.  173,  Finder,  Num.  ant.  ined.  p.  34f.  Tab.  2, 

an    Isis,     Sarapis,    Anubis    und    Harpokrates,  8,   vgl.  Dumersan  p.  60;  Marc  Aurel  (zweifel- 

C.I.Gr.  2230,  K.Keil,  Philol.  16  p.  33,  Whitte,  haft),  Cohen,  Cat.  Greau  134,   1586;  M.  Aurel 

De  rebus  Quorum  publ.  p.  65,  und  auf  Delos  und  L.  Verus,  Cat.   Welzl  de   Wellenheim  195, 

huldigt    ein   ^elavqrföqog   aus   Chios   der  Isis,  4615,  Mi.  S.  4,  408,  300,  301,  302  =  Wiczay  1 


383            Isis  (Kult  auf  Kreta  etc.)  Isis  (Kult  in  Athen)                  384 

Tab.  30,  658,  7412  u.  Sestini,  M.  Hed.  2,  173,  4;  auf  religiösem  Gebiet  zeigten  sieb  bald.    Zwar 

Caracalla  und  Geta,  Sest.,  M  Hed.  2,  174,  7  =  war  die  Einführung  fremder  Kulte  dem  Gesetz 

Wiegay  7412  =  Mi.  8.  4,  409,  306;    Mi.  S.  4,  nach  bei  Todesstrafe   verboten    (A.  Maury  3 

409,  307,  vgl.  Le  Bas,  Hin.  p.  28  Note  15,  und  p.  71  Note  2,  Foucart,  Des  assoc.  rel.  p.  136— 

die  ganze  Gestalt  unter  Commodus,    C.  G.  C.  137,  Lafaye  p.  13),   aber  den  Fremden  war  es 

Br.  M.  126,  28,  PL  38,  9,  und  Severus  Alexan-  erlaubt    ihre    heimischen    Götter  zu    verehren, 

der,    Wiegay  345,  7451  Tab.  30,  660,  Mi.  S.  4  Schümann,    Opusc.   acad.  3   p.  433—434,  Fou- 

409,  308,    Sest,  M.  Hed.  2,  174,  8.     Über  ein  cart    p.   137,    Lafaye   p.   14.     Schon    vor    dem 

Relief  mit  Sistrum  und  lotosumwundenem  Ge-  Jahre  333    v.  Chr.    war,    nach   Vermutung    U. 

fäfs  s.  'A&r)v.  a.a.O.  p.  649,  Exp.  sc.  en  Moree  10  Köhlers,  Hermes  5  p.  352,  Pleu-s,  Die  Griechen 

PI.  15,  F.  V. ;   Wieseler,  Abh.  d.  K.  Ges.  d.  17'.  in  ihrem    Verhältnis  zu  d.   Gottheiten  fremder 

z.  Gott.  19,  1874  p.  79  Anm.  5,    der  noch   von  Völker.  Danzig  1876.   4°.  p.   11,    Dittenbergers, 

einem  ähnlichen  spricht.     Die  'A&r)v.  p.  649—  Syll.  I.  Gr.  p.  494  Anm.  5  auf  Antrag  des  von 

650  erwähnte  Figur  mit  einem  Füllhorn  in  der  denKomikernalsÄgypterverspotteten(jimfop/j. 

L.  stellt  jedenfalls   Isis   nicht   dar.     Seefahrer  Av.    1292,    F.   G.   Gr.  2    p.  257,    2    p.  31    sq.) 

verewigten  sich  '-nugäzm  Zegum  v.ccl  zfj  okojt?)'  älteren  Lykurgos,  des  Grofsvaters  des  Redners, 

'A&r'/v.  4  p.  16  nr.  17.     Ein  Sarapiasten-Dekret  den  ägyptischen  Kaufleuten  gestattet  worden, 

ist   erhalten  aus  Keos,  'Eq>.  'Ag%.  2629,3003,  im  Peiraieus  ein  Heiligtum  der  Isis  zu  errichten, 

Foucart,  Des  assoc.  rel.  p.  222f.  nr.  42;  Luders,  Kumanuclis,     IJciXiyysvsBia    1870,     10.    Sept., 

D.    dionys.    Künstler    p.    160    nr.   27;     Hicks,  20  'A&fyaiov  5,   1876  p.  330,  6,  1877    p.  488,     U. 

The  Coli,   of  anc.   gr.  inscr.  in  the  Brit.   Mus.  Köhler,  Hermes  5    1871  p.  351  ff. ,    G.  I.  A.  2, 

1  p.  42.  1,  168,  Foucart,  Des  assoc  rel.  p.  187,  Ditten- 

In   Kreta,    welches   den   Ptolemäern   zahl-  berger,    S.  I.  Gr.    p.   493 — 494    nr.    355,    vgl. 

reiche  Söldner  lieferte  (Luvibroso,Mech.s.  l'econ.  Bull.    d.   Inst.   1872   p.  103—104,    Schümann, 

pol.   de  VEg.   p.  151)   mufs    nach    G.   Doubltts  Griech.  Altert.  23  p.  407  Anm.  1,  Lafaye  p.  14, 

Ergänzung    der    Inschrift    B.  G.  H.    13,    1889  Curt   Wachsmuth,  D.  Stadt  Athen  im  Altert.  2, 

p.  74  f.   nr.  10    zu    EioiSl  ....    ['Avo-ißi    oder  1  p.   152  f.  Anm.  4.     Dies  war  ein  Privatbeilig- 

'Ooi'qlSl]    'AqzsjiiSi   I    %agiGzijov     Isis     in     der  tum  von  Ausländern.    Von  den  Athenern  selbst 

Nähe  des  heutigen  Tibaki  verehrt  worden  sein,  wurde    der    ägyptische    Kultus    angenommen 

doch   ist   vielleicht   das  61CIAI   zu  6ICIAC0POC  30  unter  dem  Einflufs  der Ptolemäer,  die  mit  Athen 

zu  ergänzen;  für  Phaistos  vgl.   Ocid  Mtt.  9,  freundschaftliche     Beziehungen      unterhielten. 

666  —  797,  Lact.  Placid.  narr.  fabb.  9,  10  p.855  —  Paus.  1,  18,  4   berichtet:     svtsv&sv   lovaiv   ig 

856  ed.  Staveren;    für   Sarapiskult    in   Poiki-  za   xärco   zftg   nolicag,   ZagcmiSog   iaziv  [tgov, 

lassos  s.  Sprait,  Trav.  and  Researches  in  Creta  ov  'A&rivctLoi  Ttagä  Tlzolifictiov  %-iov  iorjydyovzo. 

2  p.  244,  428,  429  nr.  16,  PI.  2,  Conze,  Arch.  Ob  der  erste  oder  zweite  der  Ptolemäer  ge- 
Z.  1864.  Anz.  p.  169*  nr.  2,  Bursian  2  p.  548  meint  ist,  steht  nicht  ganz  fest:  Welcher,  Kl. 
Anm.  2;  in  Phönice  (Lutro)  C.  I.  L.  3,  3.  Re-  Sehr.  3  p.  100,  Droysen,  Gesch.  d.  Hell.  32,  1 
liefbildchen  des  thronenden  Sarapis  aus  ge-  p.  48  Anm.  2,  Lüders,  D.  dionys.  Künstler  p.  15, 
brannten!  Thon  aus  der  Idäischen  Zeusgrotte  Lenormant,  Rech,  ä  Eleusis  p.  216,  Letronne, 
verzeichnet  E.  Fabricius ,  Milt.  d.  D.  A.  Inst.  40  Mein,  de  V Inst.  (Ac.  d.  I.  et  B.  L.)  19,  1851 
i.  Athen  11  1885  p.  69.  Der  Lyktier  Menoitas  p.  94  —  95  sind  für  Soter,  dagegen  Boeckh,  C. 
weiht  dem  Sarapis  Bogen  und  Köcher  bei  I.  Gr.  1  p.  120,  p.  162,  Rathgeber,  Ann.  d.  Inst. 
Kallimachos,  Anth.  Gr.  1  p.  216  nr.  18,  Pleic,  1838  p.  43,  Meier,  Comm.  epigr.  1  p.  34  zu 
De  Sarapide  p.  92;  den  Kreter  Basilis  heilt  nr.  29,  Plew ,  De  Sarapide  p.  32 — 33,  Rhan- 
der  Gott  von  der  Schwindsucht,  Ael.  de  n.  a.  gäbe,  Ant.  hell.  p.  433  zu  nr.  811,  Preller,  Ber. 
11,  35.  —  Auf  Bronzemünzen  von  Leukas  mit  d.  Sachs.  Ges.  1854  p.  196,  Hicks,  The  coli,  of 
dem  Beamtennamen  TIMO06OC  erscheint  der  anc.  greek  inscr.  in  the  Brit.  Mus.  1  p.  41  zu 
Isiskopfputz  als  Beizeichen,  Mus.  Theupoli  p.  nr.  21,  Curt  Wachsmuth,  D.  Stadt  Athen  i. 
1276,  Mi.  S.  3,  468,  110,  111,  Leake,  N.  H.  Eur.  Altert.  1  p.  625,  ü.  Köhler,  Mitt.  d.  D.  A. 
Gr.  p.  63,  Postolakas,  Kar.  zäiv  äg%.  vr]catv  50  Inst.  i.  Athen  6,  1881  __p.  370  und  Lafaye 
Kegxvgug,  Aiv-ndSog  k.z.I.  p.  85  nr.  862,  863;  p.  311  für  Philadelphos.  Über  die  Lage  dieses 
desgleichen  auf  einer  Silbermünze  mit  AAMO-  Heiligtums  stellen  Vermutungen  an  Rofs,  De- 
KPATHI,  Postolakas  65,  676,  Pinax  F.  Eine  men  p.  84  nr.  127,  p.  95,  164  u.  Arch.  Aufs.  2 
Widmung  an  Sarapis  und  Isis  auf  Corcyra  p.  654  zu  nr.  7,  Rhangabe,  Ant.  hell.  p.  749 
teilt  mit  Curt  Wachsmuth,  Rh.  Mus.  N.  F.  18,  nr.  1097, Pi eller u.&.O., Dyer,Anc.Athensrj. 268  — 
1863  p.  550;  eine  Gemme  der  Sammlung  Wood-  269,  C.  Wachsmuth  a.a.O.  1  p.  223 — 224,  Bur- 
house  mit  Sarapis-Helios-Ammonkopf  Vischer,  sian,  Geogr.  d.  a.  Gr.  1  p.  295,  vgl.  Anm.  3, 
Kl.  Sehr.  2  p.  6,  O.  Riemann,  Rech.  arch.  s.  les  iles  Cwrtius,  Att.  Stud.  2  p.  52,  J.  A.  Murdtmann, 
ioniennes  1.  Corfou.  Bibl.  d.  ecoles  fr.  d'Ath.  et  Rtv.  arch.  1879,  37  p.  261  —  262,  L.  Petit  de 
de  Rome  fasc.  8  p.  55,  §  14  nr.  3,  vgl.  p.  58  über  eo  Juleville,  Archivcs  d.  Miss,  seient.  et  litt.  2e  ser. 
kleine  ägyptische  Statuetten  der  Sammlung  Tome  5.  Paris  1868  p.  483—484. 
Panayotis  Patrikios.    Jilz.  üg%.  4,  43,  20.  Ein   Isisheiligtum    setzt    man   an    auf  dem 

Für   das   griechische   Festland   vgl.   die    in  Südabhang   der  Akropolis ,     ü.  Köhler,   Mitt. 

M.  Beitr.  1    p.  4  Anm.  2    verzeichnete    Litte-  d,  D.  A.  Inst.   i.  Athen  2,    1877   p.  246-249, 

ratur.     Hier  ist  natürlich  Athen   ein  Haupt-  256 — 258,  C.  I.  Att.  2,  3,  1671;    Kovu.avovdi]g, 

sitz    des    ägyptischen    Kultus.     Im    4.    Jahrh.  'A&rjvatov  5,  1876  p.  330  nr.  11,  i\  Sybel,  Kat. 

v.  Chr.  stand  es  durch  Politik  und  Handel  in  d.  Skulpt.  z.  Athen  p.  335  nr.  4979,  P.  Girard, 

lebhaftem  Verkehr  mit  Ägypten.     Die  Folgen  L' Asclepieion  d'Athenes  p.  8 — 10,  19.     Auf  die 


385                Isis  (Kult  in  Athen)  Isis  (Kult  in  Athen)                 386 

Restauration  dieses  Tempels,  in  dem  ein  Bild  nete  ant.  di  Atene  p.  17,  21  u.  Bull.  arch.  nap. 
der  Aphrodite  aufgestellt  gewesen  sei,  bezieht  n.  s.  1859  p.  125,  128,  Grotefend,  Chronol.  An- 
Köhler,   Mitt.  2   p.  256-257   die  In.-chrift   C.  Ordnung  der  ath.  Silbermünzen  p..  8,  18,  20,  Pa- 

1.  A.  3,  1,  162  =  G.  I.  Gr.  481,  Keil,  Rh.  Mus.  nofka,  V.  e.  Anzahl  ant.  Weihgeschenke.  Berlin 
19  p.  216_,  E.  L.  Hicks,  The  Coli,  of  Gr.  Inscr.  1842.  p.  52.  Als  Typen  der  meist  iu  der  Um- 
in  the  Brit.  Mus.  1  p.  126  ff.  nr.  57,  die  von  gegend  von  Athen  gefundenen  Bleitesseren 
anderen  so  gedeutet  wird,  als  habe  die  Stifte-  der  athenischen  Sammlungen  werden  verzeich- 
rin  ein  Bild  der  Aphrodite  in  einer  Nische  bei  net:  Haupt  des  Sarapis,  Postolakas,  Aun.d.  Inst. 
dem  Isistempel  geweiht.  Ein  Isistempel  wird  1866  p.  354  nr.  283,  344,  75;  1868  p.  303,  5; 
auch  erwähnt  C.  I.  A.  3,  896  (£is"loiSos) ;  in-  10  Synopsis  n.  v.  qui  in  Mus.  Num.  Athen,  publ. 
schriftliche  Widmungen  haben  wir  an  Isis  adservantur  p.  38  nr.  7;  p.  86  nr.  3;  Engel,  B. 
C.  I.  A.  3,  905;  an  Isis-Dikaiosyne  C.  I.  A.  3,  C.  H.  8  p.  13  nr.  98,  PI  3;  Akerblad,  Iscriz. 
203  =  K.  Keil,  Philol.  16  p.  33  Anm.  33  u.  Rh.  greca  sopra  una  lamina  dipiombo  trorata  inun 
Mus.  N.  F.  19  p.  261,  Lenormant,  Rech.  arch.  sepolcro  neue  vicinanze  di  Atene.  Roma  1813. 
ä  Elcusis  p.  217;  an  dieselbe  nach  Ditienberger,  p.  24  =  C.  I.  Gr.  7042  (mit  der  Aufschrift 
G.  I.A.  3,  204;  an  Sarapis  und  Isis,  G.  I.  A.  Etg  Zeus  2Jigunis);  Sarapis  in  ganzer  Gestalt, 

2,  3,  1612;  an  Isis  und  die  ägyptischen  Götter  Postolakas,  Synopsis  p.  88  nr.  2;  Haupt  der  Isis, 
C.I.A.  3,  204  =  K  Keil,  Rh.  Mus.  N.  F.  19,  Engel  a.a.O.  p.  10  nr.  64,  PI.  3;  Isiskopfputz, 
1864  p.  261-  262;  u.  (nach  JDütenberger)  C.  I.  A.  Postolakas,  Ann.  1868  p.  299  nr.  704,  Synopsis 
3  233;  an  Sarapis  allein  C.  I.  A.  3  145a  20  p.  93,  6,  36,  Engel,  B.  C.  H.  8  p.  10  nr.  64, 
p.  487.     Von  Priestern  begegnen  Stolibten,  so  PI.  3;  Sistrum,  Engel  p.  21  nr.  221. 

ein   teQ£v(g)  CToki6zi)g    "Iaidos    v-al    EtqontiSog  Zahlreich   sind  die  Reliefdarstellungen  der 

C.  I   A.    3,    140   =   Arch.    Zeit.    1875    p.    105  attischen  Damen  im  Typus  der  Isis  (s.  v.  Sybel, 

Anm.  4,   Wieselet;  Gott.  Nachr.  1874  p.  U—  1 5 ;  Mitt.   d.  D.  A.  Inst.  i.  Athen  8,    1883   p.   26, 

ferner   C.  I.  A.   3   163  =  K.  Keil,  Rh.  Mus.  Milchhiifer,  I).  Museen  Athens  p.  26),  welche 

1864  p.  257,  261,    C.   I.  A.  3   162;    C.   I.  A.  3  beide  sich  gegen  die  übliche  Bezeichnung  der- 

699  =  K.  Keil  a.a.O.  p.  259  —  260,  C.  I.  Gr.  394,  selben    als  Isispriesterinnen   erklären;   es   sind 

und  Kanephoren,  so  des  Sarapis  und  der  Isis,  zu  verzeichnen  Rev.  Arch.  1883,  3e  seV.  1  p.  247 

C.  I.  A.  3,  923  =  K  Keil  a.  a.  0.  p.  261  und  der  (Patissia);  Chirac  5,  295,  2590;  v.  Sybel,  Kat. 

Isis  allein,    C.  I.  A.  2,  3,  1355  =  Milchhiifer,  30  d.  Skulpt.   l.   Athen   94,  530;    124,    876;    142, 

M.  d.  D.  A.  I.  i.  Ath.  12,   1887  p.  328   nr.  487.  111S;    148,   1307;    152,   1468;    156,   1549;   157, 

—    Ein    %r,ivbv     x]üv    Saganiaazoiv    erscheint  1571;   168,  2008(?);   183,2295;  248,3395;   252, 

G.  I.  A.  2,   1,   617  =  C.    I.  Gr.   120,    Foucart  3480;   256,  3535;  266,  3685;  331,  4835(9);  389, 

p.  207  nr  24,  Hicks  a  a.O.  p.  40—42  nr.  21;  es  6262;  390,  6275;  395,  6398  (?);  396,  6414;  398, 

wird  von  Plew  p  33  und  Flicks  p.  42  fälschlich  6443;   402,  6552;   413,  6717;    433,  7007;   437, 

mit  dem  Sarapieion  in  Athen,  das,  wie  C.  Wachs-  7067;  444,  7170;  81,  447  =  Milchhiifer  p.  26  = 

muth,  D.  Stadt  Athen  2,1  p.  163  Anm.  1  be-  Lafaye  298,  114  =  C.  I.  A.  3,  1898;  82,  451  = 

merkt,  ein  öffentliches  Heiligtum  war,  in  Zu-  C.   I.  A.  3,  2199;  83,  456  =  C.  I.  A.  3,  2723 

sammenhang  gebracht;  von  Foucart  p.  101  wird  (Milesierin);    84,    461    =   C.    I.    A.    3,  1557; 

es  ohne  Grund  in  den  Peiraieus  verlegt;  Keil,  40  85,  467  =  G.  I.  A.    3,    1752;    85,   468   =  C. 

Schedae  epigr.  p.39— iO  und  Lüders  p.  159  nr.  26  I.  A.  3,   1340;    Rev.   Arch.  1876  p.  346   nr.  6 

Anm.  1,  vgl.  Wachsmntha,.  a.O.  sprechen  Zweifel  =  G.  I.  A.  3,  1740;  Rev.  Arch.  3e  ser.  6,  1885 

hinsichtlich  der  attischen  Herkunft  des  Steines  p.  108  =  Michaelis,  I.  H.  Stud.  5,  1884  p.  153  f. 

aus.     Die  von  Lafaye  p.  14  Note  2  für  Horos-  nr.  19  (Sülammierin).   Ein  Architekturfragment 

kult  in  Laurion  citierte  Inschrift  Rh.  Mus.  N.  F.  mit  angeblich  Isis   und  Sarapis  in  Schlangen- 

24, 1869  p. 476 — 477  ist  eine  Grenzstein-Inschrift.  form  verzeichnet  Lafaye  270,  18;  Sarapisköpfe 

Eine    Opferliste   erwähnt   Gaben   an  Nephthys  v.  Sybel  268,  3715  =  Milchh.  p.  44  u.  Heyde- 

und    Osiris,    C.I.A.    3,   77   =  C.  I.  Gr.    523  mann,  Die  ant.  Marmorbildwerke  z.  Athen -p.  293 

Z.  4— 6;    das   von   Hesychios   angeführte  athe-  nr.  794;  v.  Sybel  254,  3512;  Harpokrates  v.  Sybel 

nische   Fest  XaQyoovva  bezieht    Waddington,  50  267,  3713,    einen  Pastophor  v.  Sybel  7,  38  = 

As.  Min.  zu  nr.  1143  auf  den  Isiskult.     Unter  Milchh.  p.  3.     Einen    Elfenbeingriff    mit    der 

den  Münzen   führt  Reihe  58   des   Cot.  of.  Gr.  sitzenden,  den  Harpokrates  säugenden  Isis  auf 

Coins  in  the  Brit.  Mus.  Attica-Megaris-  Aeyina ,  der  einen  und  einem  Uräus  auf  Altar  in  einem 

Demeas-Hermokles  den  Hauptschmuck  der  Isis,  Tempel   auf  der  andern   Seite    s.   in   Coli.  H. 

p.  XL  VII,  p.  44  nr.  360,  361,  Beule,  Les  monnaies  Hoffmann.   Vol.  2.   Paris  1888   p.  151   nr.  572, 

d'Athenes   p.  245 — 246;    Reihe  77    Architimos-  abgeb.  p.  152;  ein  goldnes  Leichendiadem  mit 

Demetri    Isis    stehend   in   langem   Chiton   und  Harpokrates    und   Isis    neben    zahlreichen    an- 

Peplos,    eine  Lotosblume  haltend,   p.  L,  p.  40  deren  Götterügürchen  Coli  H.  Hoffmann.  Paris 

nr.  339,  PI.  12,  6;  nr.  340;  Imlioof  and  Card-  1886  p.  52  nr.  196.    Einen  Sims  mit  Sistrum  am 

ner,  Num.  Comtn.  on  Paus.  3,  I.  H-  Stud.  8,  60  Schaft    verzeichnet   v.   Sybel   448,   7233;    den 

1887  p.  47,  22,  PI.  EE   9;   Reihe  79  Derneas-  Fund  eines  Sistrums  in  einem  Grab  aus  später 

Kallikratides__  Isis    oder    Demeter   im    langen  Zeit  Rofs,  Arch.  Aufs.  1  p.  37  —  39;  Sistra  im 

Chiton   und  Überkleid,   Kornähren   und   lange  Varvakeion   Wieseler,  Abhcll.  d.  K.  Ges.  d.  W. 

Fackel  oder  Scepter  haltend,  mit  dem  Haupt-  2.  Gott.   19,   1874  p.  119  Anm.  31,   Revue  arch. 

schmuck  der  Isis,  p.  L;  Imhoof- Gardner  p.  47 —  17    1868  p.  467— 68.     Die  zahlreichen  mit  den 

48,  22,    PL    EE  10,    Beule  p.  248;    vgl.   noch  Namen  der  ägyptischen  Gottheiten  zusammen- 

über    die   Münzen    Hase,   Ann.    d.    Inst.  1839  gesetzten  Personennamen   findet   man  becpjem 

p.  276,  Cacedoni,  Kuovi  studi  intorno  alle  mo  verzeichnet  im  Register  zum  C.  I.  A. 

Koscher,  Lexikon  d.  gr.  u.  röm.  Mythol.   II.  13 


387     Isis  (Kult  in  Thessalien,  Epirus  etc.)  Isis  (Kult  zu  Tithora,  Chaironeia  etc.)   388 

Ferner  sind   zu  nennen   als   Stätten  ägyp-  Perlhühner  opferten,   Paus.  10   c.  32  §  9   mit 

tischer  Gottesverehrung  in  Thessalien  Hypata,  der    Note    von    Siebeiis   4    p.    288 — 299,    vgl. 

das  auf  den  Münzen  der  Aiuiauen  aus  der  Zeit  Gcorgii   in    I'aulys   R.-F.   4    p.  293,    Preller, 

von  168—146  v.  Chr.  (NIKAPXOX)  den  Isiskopf-  Bei:  d.  Sachs.  Ges.  1854  p.  196—197,  Sauppc, 

putz  prägt,  0.  G.  C.  Br.  Mus.  Thessäly  p.  11  Hymnus  in  Isim  p.  8,  Reiche!,  De  Isidis  apud 

nr.  12,  Sestini,  Bescr.  d'alc   med.  gr.  del  Mus.  Romanos  cultu  p.  22—25,    Gerhard,  Gr.  M.  2 

del  sig.  Fontana  2  p.  15,  Tav.  3,  3,  und  auch  p.  320-  321  §  999,  A.  Maury,  Hut.  des  rel.  de 

ein  Zeichen  von  Sarapisverehrung  hinterlassen  la  Gr.  ant.  3  p.  276 — 277,  Büchsenschütz,  Bc- 

hat,  Rofs,  Arch.  Aufs.  2  p.  475  nr.  5;  Deme-  sitz  und  Erwerb  im  gr.  A.  p.  475;    Bursian, 

trias   auf  der  Halbinsel  Magnesia  mit  einem  10  Geogr.  v.   Gr.   1  p.  167,  Schotmann,  Gr.  A.  23 

Sarapieion  nach   Lolling,   Mitt.  d.  B.  A.  Inst.  p.  407;   Hertzberg,  Gesch.  Griechenlands  unter 

i.  Atli.  7  1882  p.  335 ff.,  wogegen  J.  H.  Mordt-  d.  Herrsch,  d.  Römer  2  p.  272-273;  L.  P.  A. 

mann   ebenda  14  p.  198;   Larissa,   wo  Apul.  Gaulhier,  Rech.  hist.  s.  Vexercice  de  la  me'decine 

Met.  2  p.  143  ed.  Hildtbr.   einen   ägyptischen  dans  les  temples  chez  les  peuples  de  l'ant.  Paris 

propheta  primarius  erwähnt  (vgl.  Lafaye  p.  77—  1844  p.  95;    Panofka ,    Asldepios  u.  die  Askle- 

78),  Sarapis,  Isis  und  Anubis  eine  Weihinschrift  piaden  p.  297—298.     Über  eine  Weihinschrift 

erhalten  (G.  Fougires,  B.  C.  H.  13,  1889  p.  392  aus  dieser  Stadt  s,  oben  Bd.  1  Sp.2305  =Bechlel 

nr.  8),  die  Grabplatte  einer  Frau  Sistrum  und  nr.  1554.     Ebendaher   stammen   sechs  Freilas- 

Situla  (Lolling,  Mitt.  d.  D.  A.  I.  i.  Alh.  11,  1886  sungs Urkunden  (Bcchtel  p.  83—89  nr.  1555  a— f, 

p.  125  f.  nr.  70),  die  Grabstele  eines  Mannes  ein  20  vgl.  Curtius  a  a.  0  p.  21)  in  Form  des  Verkaufs 

Sistrum  zeigt,  Lolling  ebenda  11  p.  53,  Blümiur  an   Sarapis,    über    welchen   Brauch    man   vgl. 

ebenda  14  p.  158 f.;   wo   aufserdem  zahlreiche  Wdllon,  Hist.  de  V esclavage  1*  p.  193  n.  Note  4; 

Personennamen   von  Isis   abgeleitet   sind  (vgl.  p.  337 — 346,  349—350;   Boissicr,  La  rel.  rom. 

auch  Ztschr.  f.  äg.  Spr.  1890  p.  60).  a" Auguste  aux  Antonins  2-  p.  319  f.   Note  3; 

In  Epirus  haben  wir  eine  Widmung  des  Scltocmann  ls  p.  145;  2  p.  219;  Henzcn,  Bull, 
■xoivbv  xäv  Si.aY.6vav  an  Sarapis,  Isis,  Anubis,  d.  Inst,  1844  p.  31 — 32;  Beule,  Fouilles  et  de- 
Harpokrates,  aber  wohl  nicht  Kanopos,  wie  com:  1  p.  113 — 192;  Weil,  Mittig.  d.  B.  A. 
Boeckh  will  (G.I.Gr.  2, 180,  X Keil, 4. Suppltbd.  Inst.  1879,  4  p.  26—29;  Rangale,  Ant.  hell. 
d.Jahrbb.  f.  cl.  Phil.  1864,  p.  653  Anm,  72,  le  p.  642—644;  Foucart,  Mein.  s.  l'aff'runchisse- 
Bas  2,1060)  in  Ambrakia.  Auf  den  Münzen  30  ment  des  esclaves  d'apres  les  inscr.  de  Delphes. 
von  Neikopolis  erscheint  Isis  stehend  mit  Paris  1867  u.  s.  v.  Apeleuthcroi  in  Barembergs 
Scepter  und  Situla  unter  Augustus  (unter  dem  et  Saglios  Biet,  des  ant.  —  Besonders  in  Böotien 
Namen  MYPKONYMOC),  L.  Müller,  Mus.  Thor-  trifft  man  derartige  Sklavenverkäufe  an  Sarapis 
veddsen  p.  251  nr.  36,  PL  3,  Cavedoni,  Bull.  häufig  an,  so  in  Koroneia,  Rofs,  Inscr.  Incd. 
arch.  nap.  6,  1358,  p.  93;  vgl.  Mus.  Sandern.  1  p.  38  nr.  86;  Curtius,  Anecd.  Bclph.-p.  21 — 22; 
N.  Sei.  1,  p.  21,  Tab.  13,  12,  Mi.  S.  3,  372,  87,  K.  Keil,  S.  I.  Boeot.  p.  88-  89  nr.  21;  Le  Bas 
Boutkoicski  1298,  2219;  Hadrian,  Vaillant,  N.  2  p.  148  nr.  666;  in  Chaironeia,  1)  G.I.  Gr. 
Gr.  p.  35,  Mi.  2,  57,85;  Seslini,  Mus.  Fontana  1608,  a— h  =  Le  Bas  2  p.  164  nr.  797,  a,  b, 
1,  38,  9  =  Mi.  S.  3,  378,  133;  Cat.  Knobelsdorff  c,  e,  f,  g,  n  =  Leakc ,  Travels  in  Northern 
p.  89;  Aelius,  Vaillant  p.  38  =  Mi  S.  3,  380,  40  Greece  2  p.  62S— 629  nr.  1  —  7;  Keil,  S.  I.  B. 
151;  C.  G.  C.  Br.  Mus.  Thess.  p.  104  nr.  21,  p.  107—108  nr.  1608,  a— h;  2)  Preller,  Bei:  d. 
PI.  19,  6;  Sarapis  thronend  unter  Plautilla,  Sachs.  Ges.  6,  1854  p.  198—202,  Tf'l.  9,  10  = 
Cat.  Northwick  1,  70,  746;  ein  silbernes  Figur-  Conzeu.  Michaelis,  Ann.  d.  Inst.  1861  p.  77  —  78 
eben  dieses  Gottes  wurde  zu  Paramythia  ge-  nr.  1 — 3  =  Larfeld,  S.  I.  B.  p.  51 — 52  nr.  54, 
funden,  Spec.  of  anc.  sc.  1  pl.  63,  Müller,  Hdb.  55  A.  B;  Latischew,  B.  C.  H.  8,  1884  p.  56—57 
d.A.d.K3.  p.  671,  §408  Anm.  2;  Michaelis.  J.  nr.  2,  a— c  =  Meister,  B.  boot.  Inschr.  Slg. 
IL  Stud.  6,  1885  p.  303-304.  In  einem  zwei-  d.  gr.  Bial.  Inschr.  ed.  Collitz  1  p.  153  —  154 
säuligen  Tempel  erscheint  Sarapis  auf  einer  nr.  400—404;  3)  Stamatakis,  'A9i]venov  9  p.  320 
Münze  des  Septimius  Severus  von  Kalydon  =  Larfeld 53  c  =  Meister 382;  Stamatakis  a.a.O. 
(M.  2, 189,  Mi.  2, 89, 23)  in  Aitolien,  dessen  50  p.  353  —  360  =  Larfeld  53  d  A.  B.  C.  D.  E; 
Bewohner  ein  Hauptkontingent  der  Söldner  der  53  e;  53  f.  A.  B.  C;  53  g.  A.  B;  53  h.  B;  53  i. 
Ptolemäer  stellten  (vgl.  den  "Iaiog  bei  Polyb.  A.  E.  K  =  Meister  383—389,  391—399;  4)  Be- 
ll, 3).  Für  Ambryssos  in  Phokis  s.  oben  charme,  Rec.  d'inscr.  ine'd.  de  Bc'otie  (S.A.  aus 
1  Sp.2305,  desgl.  für  Hyampolis  oder  Opus.  Arch.  d.  Miss,  scientif  1867)  p.  32  nr.  17,  18 
Ein  Sarapistempel  stand  in  Daulis,  Rofs,  =  Larfeld  nr.  56-  57  =  Meister  nr.  405  —  406; 
Inscr.  Incd.  1  p.  35-36  nr.  81  Z.  24—25;  Cur-  5)  Latischew,  B.C.H.  8,  1884  p.53— 63  nr.  1-8, 
Mus,  Anecdota  Belphica  p.  23—25,  le  Bas  2  wovon  la;  2a,  b,  c;  3a,  b;  4;  6,  Cotö  A,  nr. 
p.  168  nr.  812,  Bechtel,  Die  loh:  u.phok.  Inschr.  c  u.  f;  Cote  B,  nr.  1,  m,  n;  7,  Cote  a  =  Meister 
Slg.  cl.  gr.  Bial.  Inseln:  2,  1  p.  66—67  nr.  1523.  406  c;   400  a,  401,  402;  406  a,  b;  406  d;  406  f, 

In  Delphi  war  jene   Klea,    der   Plutarch  60  g;  406  h,  i,  k;  4061;  sowie  in  Orchomenos, 

seine    Schrift    über    Isis    und    Osiris    widmet,  Meister   nr.   497 — 501;    Becharme  p.  494  —  497 

schon  von  den  Eltern  her  xoiq  'OaigictKoig  «a-  nr.  4  =  Latischew,   B.  C.  H.  1884   p.  71  —  73 

aJ-coeicofifj'jj    tBQOis,   Plut.  de  ls.  et  Os.  c.  2  u.  nr.  4.   Aufserdem  kennen  wir  aus  Chaironeia 

35.     Tithora    besafs    in    einiger    Entfernung  eine  äyvozätn  isgacpögog  zijg  äyi'ag  Ei'atöog,  ti- 

von  seinen  Mauern  den  heiligsten  von  Griechen  pf  ta  8ta  ßiov  zijg  ano  aiiQiäSog  Ei'aiäog.  Hennen, 

der   Isis   errichteten  Tempel   mit   2  Festen  im  Ann.  d.  Inst.   1866  p.  139 — 149;  Bull.  d.  Inst. 

Frühling  und  Sommer,  andenen  die  Reicheren  1866  p.  103;  Arch.  Anz.  1866  p.  233*;  G.  Wölff, 

Kühe    und   Hirsche,    die  Ärmeren   Gänse   und  Arch.  Zeit.  1867   p    55 — 56;    E.  Pleic ,  Johrbb. 


389     Isis  (Kult  in  Böotien,  Megara,  Korinth)  Isis  (Kult  in  Sikyon,  Argos  etc.)      390 

f.  Ja.  Phil.  14.  Jahrg.  1868  p.  839— 840  nr.  109;  Mi.  2,  139,226;  Coli.  22,  98,  15;  I.-G.  1,  17, 
Deckarme,  Arch.  d.  miss.  sc.  et  litt.  2e  s.  t.  4,  11;  Antoninua  Pius,  Mi.  S.  4,  88,  592;  Cat. 
1867  p  509—513  nr.  16,  und  Weihinschriften  Wehl  1,  173,  4164;  von  Kenner,  D.  Münzs.  d. 
an  Sarapis,  Isis  und  Anubis,  Meister  p.  149  Stifts  St.  Florian  p.  95  für  Aphrodite  Euploia 
nr.  381;  p.  150—151  nr.  390;  p.  391  nr.  406e;  gehalten,  nach  Cvh.  2-,  400,  1213  auf  einem 
aus  Orchomenos  einen  früheren  Priester  des  Schiffsvorderteil  stehend;  L.  Verus,  Sestini,  M. 
Savapis,  der  Isis  und  des  Anubis,  s.  oben  Bd.  1  Hed.  2,  102,  212;  I.-G.  1  p.  17,  12,  PL  D,  64; 
Sp.  2305;  indessen  mit  Deckarme  a.  a  0.  p.  497  Plautilla,  Coh.  42,  250,  40.  Irrig  will  Wieseler, 
— 498  nr.  5  das  reo  deiner  Weihinschrift  (ülmfer  Gott.  Nachr.  1871  p.  656  Isis  Pelagia  in  der 
505)  zu  T«  £[iQtt7T£io>  zu  ergänzen  ist  zu  kühn.  10  Leukothea  Imh.,  M.  Gr.  159,  15;  Choix  PI.  2, 
Dagegen  ist  ein  Sarapistempel  in  Kopai  durch  50;  Comm.  1,  12,  2,  PI.  B,  18;  Scstini,  C.  N.  V. 
Paus.  9,  24,  2,  vgl.  Plew,  De  Sarapide  p.  34;  Mus.  Arig.  Gast.  p.  38  auf  Münzen  des  Ant. 
Ledke  a.  a.  0.  2  p.  307  bezeugt,  u.  in  Tanagra  Pius  und  L.  Verus  sehen;  irrig  auch  erkennt 
ein  üymv  r[äv]  ZagaTiiit'cov ,  Haussoullier ,  B.  Caronni  den  Sarapis  auf  einer  Münze  des 
CM.  2,  1878  p.  590  nr.  22;  ebendort  fand  Commodus,  Wicmy  1,  157,  3956,  s.  Seit.,  M. 
sich  ein  Relief,  darstellend  eine  Isisdienerin,  Med.  P.  Eur.  2,  103,  222;  und  Mi.  S.  4,  119, 
G.  Körte,  Mitt.d.  D.  A.  Inst.  i.  Ath.  1878,  3  815  und  Cohen  (42,  129,  281)  auf  einer  der  Iulia 
p.  342  nr.  54;  in  Plataiai  huldigt  man  in-  Domna,  Mus.  Arig.  2  Co].  10,  100.  Eine  an- 
schriftlich dem  Sarapis ,  der  Isis  und  dem  geblich  aus  Korinth  stammende  Inschrift  auf 
Anubis,  Hermes  7  p.  424  nr.  22;  in  Theben  20  Isis  Pelagia  verzeichnet  Villoison,  Hist.  de 
der  Isis,  Bangabc',  Ant.  Meli.  p.  778  nr.  1213;  V Acad.  1809  p.  306,  Curtius,  Pelop.  2  p.  593, 
K.  Keil,  4.  Suppltbd.  d.  Jnlirbb.  f.  kl.  Phil.  Anm.  83;  einen  Scarabäus  mit  Sistrum,  Pappa- 
1864  p.  583  nr.  1.  Ebendort  droht  eine  Uqa-  dopjmdos ,  üsgiyg.  tv.xvn.  kq%.  GcpQuyiSoli&mv 
yoQOs  für  etwaige  Verletzung  des  Sarges  mit  uvty.d.  Athen  1855  p.  26  nr.  505. 
einer  an  Isis  zu  zahlenden  Strafsumme,  Lealce  Sikyon  prägt  Isis  stehend  auf  seinen 
2  p.  225  Anm.  2  PI.  10,  43;  K  Keil,  S.  I.  B.  Münzen  unter  Geta,  Imk.-Gardner  N.  C.  Suppl. 
p.  151 — 152  nr.  36;  Le Bas  2  p.  115  nr.548.  Über  p.  158,  Sarapis  sitzend  unter  Plautilla,  Eckh. 
eine  Isis-  und  Anubispriesterin  in  Thespiai  2,  263,  Mi.  S.  4,  171,  1137,  Cat.  Korthwick  1, 
siehe  oben  Bd.  1  Sp.  2305,  wo  fälschlich  80,  848,  IG.  p.  31.  Ein  itgov  der  Isis  in 
Plataiai  steht.  30  Phlius  kennt  man  aus  Paus.  2,  13,  7,  Curtius 
In  der  Megaris  ist  ein  vaog  der  Isis  be-  2  p.  475,  Sauppe  a.  a.  0.  p.  8,  Mertsberg  2 
kannt  in  Megara  aus  Paus.  1,  41,  4;  Hertz-  p.  272  Anm.  49.  Auf  den  Münzen  von  Kleonai 
berg,  Gesch.  Gr.  u.  d.  Rom.  2  p.  272,  49  a;  erscheint  Isis  stehend  mit  Sistrum  und  Situla 
Sauppe,  Hgmn.  in  Isim  p.  8,  und  zu  Pagai  unter  Plautilla,  I.-G.  p.  32,  C.  G.  C.  Brit. 
durch  eine  Münze  des  Commodus,  die  sie  in  Mus.  Peloponnesus  115,  15,  PL  29,  10,  Isis 
einem  Tempel  stehend  zeigt,  Mus  Arigoni  1.  Pelagia  mit  dem  Segel  unter  Caracalla,  Kenner 
N.  Gr.  Impp.  al.  Tb.  6  fig.  94;  Mi.  2,  144,  a.  a.  0.  p.  95  Tfl.  III,  9  („Aphrodite  Euploia"), 
336;  Sest.,  M.  Hed.  P.  Eur.  2,  78,  1;  Wiczay  Imh.,  M.  Gr.  p.  159  zu  nr.  16,  I.-G.  p.  32. 
1,  149,  3786;  Sest.,  L.  X.  8  p.  46;  Musellius  InArgolis  prägt  Argos  Isis  stehend  unter 
Tb.  142,  5;  Imhoof-Blumer  and  P.  Gardner,  40  Hadrian,  l.-G.  p.  42,  Antoninus  Pius,  Vaill., 
Num.  Comm.  on  Pausanias  p.  154,  1,  PL  FF,  4,  N.  Gr.  p.  41,  Mi.  2,  234,  41,  vgl.  S.  4,  243,  45, 
während  sie  auf  einer  Münze  des  Septimius  leake,  N.  H.  Enr.  Gr.  p.  14;  Commodus,  Mus. 
Severus  von  dieser  Stadt  dem  Asklepios  gegen-  Arig.  2,  17,  209,  Sestini,  C.  N.  V.  M.  Arig. 
über  steht,  I.-G.  a.  a.  0.  Cast.  p.  49,  Mi.  S.  4,  246,  70;  Septimius  Se- 
in Korinth  gab  es  2  Tempel  der  Isis,  verus,  Mus.  Fontana  65,  17,  Mi.  S.i,  247,  45; 
nämlich  der  nsXctyi'u  und  der  Alymixia  und  Maesa,  Sestini  a.  a.  0.  p.  50,  Mus.  Arig.  1  al. 
2  des  Serapis,  wovon  der  eine  den  Beinamen  2,  186,  Mi.  S.  4,  254,  118;  Mamaea,  IG.  p-42; 
sv  Kav<aßov  (vgl.  Guigniaut ,  Le  dieic  Serapis  sitzend,  den  Horos  säugend  (?)  unter  Hadrian, 
p.  25;  Jablonski,  Panth  Aeg.  3  p.  136;  Visconti,  I.  G.  p.  42  PI  50,  12,  C.  G.  C.  Br.  Mus.  Pelop. 
Musee  Pie-Clementin  6  p.  111  Note  2  zu  p.  109;  50  148,  151  PL  28,  13.  In  Epidauros  errichtet 
Plew  p.  33 — 34)  führte,  Paus.  2,  4,  7;  Curtius,  nach  Paus.  2,  27,  7  Antoninus  (nach  Eckh.  7 
Peloponnesos  2  p.  532f.,  p.  593,  Anm.  83;  Hertz-  p.  33,  Buttiger,  Kl.  Sehr.  2  p.  121,  Cavcdoni, 
berg,  Gesch.  Griechenl.  unt.  d.  Römern  2  p.  269  Spie.  num.  p.  105,  Panofka,  Asklepios  und  die 
Anm  40;  Sauppe,  Hymnus  in  Isim  p.  8;  Pauhjs  Asklepiaden  p.  286,  Hertzberg  2  p.  358  f.,  Bur- 
R.-E.  2  p.  648.  Das  uqov  der  Isis  im  Hafen-  sian  2  p.  15,  Friedländer  23  p.  117  im  Wider- 
ort Kenchreai  (Paus.  2,  2,  3;  Curtius  2  p.  53S)  sprach  gegen  Sievers,  Stud.  z.  Gesell,  d.  röm. 
ist  bekannt  durch  die  Schilderung  des  Apul.  Kaiser  p.  182  Anm.  45  der  spätere  Kaiser  A. 
Met.  10.  11,  vgl.  Jablonski ,  Panth.  Aeg.  3  Pius)  der  Hygieia,  dem  Asklepios  und  Apollon 
p.  114,  197,  und  Münzen  des  Antoninus  Pius,  mit  Beinamen  der  ägyptischen,  in  denen  Pa- 
Millingen,  Bec.  de  quelques  med.  gr.  ined.  p.  46  60  nofka  p.  286  und  TT.  Furtwängler,  D.  Idee  d. 
nr.  2,  PL  2,  19;  Imhoof- Gardner ,  Numismatic  Todes  in  den  Mythen  u.  Kunstdenkmälern  d. 
Commentarg  on  Pausanias  1  p.  17,  PL  D,  60.  Gr.  p.  148  Anm.  3  Isis,  Sarapis  uud  Horos  er- 
Aut  den  Münzen  erscheint  Isis  stehend  mit  kennen,  einen  Naos.  Hermione  hatte  einen 
Sistrum  und  Situla  unter  Hadrian,  Mus.  Arig.  Tempel  der  Isis  und  des  Sarapis,  worin  man 
1  col.  al.  4,  39;  Mi.  S.  4,  81,  546;  Collen  22,  Mysterien  der  Demeter  beging,  Paus.  2,  34, 
237,  1536;  Imh.-Gardn.  1  p.  25  nr.  31,  PL  F,  10,  Silvestre  de  Sacy  zu  St.  Croix ,  Beck.  s.  I. 
119,  und  Isis  Pelagia,  ein  Segel  ausbreitend  myst.  du  paganisme  2  p.  35,  Curtius  2  p.  458, 
unter   Plotina,     Vaill.   CA.   1  p.   151  ed.   1695;  Bursian   2    p.  96,    Sauppe   p.  8,    Plew   p.  34, 

13* 


391           Isis  (Kult  in  Latonien  etc.)  Isis  i  Kult  in  Sardinien;  I.  geflügelt)     392 

Hertzberg  2  p.  267  Anm.  33,  p.  271  Anm.  44;  1495,  Boutkoicski  1,  197,  470,  Feuardent,  Eg. 

Methana  hatte  ein  Hieron  der  Isia,  Paus  2,  anc.  1,  127,  443,   I.-G.  p.  82,  15,    C.  Gr.  C. 

34,  1,  Sauppe  p.  8,  Curtius  2  p.  442,  Hertzberg  2  Pelop.  23,  14  PI.  5,  9;  auf  Philai  brachte  ein 

p.  271,  A.  45;   ebenso  Troizen,  Paus.  2,  32,  6,  Patrenser   bei   der   Isis   sein   ngoay.vvriua   dar, 

Sauppe  a.  a.  0.,  Curtius  2  p.  437,  Hertzberg  2  C.  ,1.  Gr.  4899,  Letronne,  Rech.  p.  s.  ä  l'h.  de 

p.  272  A.  46;  desgl.  in  Lakonien  Boiai,  das  VEg.  p.  134  ff. 

auf  eine  Münze  der  Iulia  Domna  die  stehende  Gehen  wir  hinüber  in  das  westliche  Becken 
Isis  setzt  {Vaill.,  K.  Gr.  p.  90,  App.  alt.  4,  3,  des  mittelländischen  Meeres,  so  finden  wir 
Mi.  S.  4,  229,  51,  I.  G.  Num.  Comm.  p.  67  lange  vor  der  hellenistischen  Zeit  auf  Sar- 
Pl.  0,  14),  einen  Xaos  des  Sarapis  und  der  Isis,  10  dinien,  besonders  in  den  Nekropolen  von 
Paus.  3,  22,  9,  Bursian  2  p.  139,  Curtius  2  Tharros,  Sulci  und  Cagliari  neben  echt  ägyp- 
p.  296.  Pleiv  p.  34,  Hertzberg  2  p.  272  A.  47,  tischen  Denkmälern  eine  Unzahl  nach  ägyp- 
Sauppe  a.  a.  0.;  Oitylos  ein  Hieron  des  Sa-  tischen  Mustern  gefertigter  Gegenstände.  Mit 
rapis,  Paus.  3,  25,  7,  Curtius  2  p.  283,  Bur-  den  Schardana,  die  unter  _pamses  IL,  Mene- 
sian  2  p.  152  f.,  Hertzberg  2  p.  267  A.  32,  Plew  ptah  I.  und  Rarnses  III.  teils  Ägypten  bekriegten, 
p.  34;  desgleichen  Sparta,  Paus.  3,  14,  5,  teils  als  Söldner  in  den  Heeren  des  Pharao 
Curtius  2  p.  234,  For biger  in  Pauh/s  E.-E.  6  standen,  haben  diese  Darstellungen,  auch  wenn, 
p.  1360,  Hertzberg  2  p.  267  A.  32,  Picw  p.  34,  was  kaum  anzunehmen  ist,  ein  Zusammenhang 
von  wo  auch  eine  Marmorstatuette  im  Isis-  des  Namens  dieses  Volkes  und  der  Insel  Sar- 
kostüm (Dressel  u.  Milchhöfer,  D.  a  Kunstw.  20  dinien  bestünde,  nichts  zu  thun;  an  ägyptische 
aus  Sjjarta  u.  Umgebung ,  M.  D.  A.  Inst,  in  Kolonieen  in  Sardinien  ist  nicht  zu  denken. 
Ath.  1877  p.  349  nr.  99)  und  ein  Sistrum  Es  stammen  diese  Altertümer  von  Phönikern 
(W'eidner  zu  Juvenal  13,  93  p.  265)  verzeichnet  und  zwar  lassen  sie  Heibig,  Ann.  d.  Inst.  1S76 
wird,  ein  Hieron  des  Sarapis,  Paus.  3,  14,  5,  p.  219  ff.,  235  ff. ,  Ed.  Meyer,  Gesch.  d.  A  1 
Curtius  2  p.  234,  Farbiger  in  Pauh/s  B.-E.  6,  p.  339,  Perrot,  H.  de  l'art.  3  p.  659  f.,  Beule, 
1360,  Hertzberg  2  p.  267  Anm.  32,  Plew  p.  34;  Fuuilles  et  De'couvertes  1  p.  215—221,  235  f. 
desgl.  in  Messenien  Messene  ein  Hieron  von  den  Karthagern  zur  Zeit  ihrer  Herrschaft 
des  Sarapis  und  der  Isis,  Paus.  4,  32,  5,  Cur-  über  Sardinien  eingeführt  sein.  Ebers,  Ann. 
tius  2  p.  146,  Bursian  2  p.  167,  Hertzberg  2  d.  Inst.  1883  p.  132  läfst,  ohne  diese  Annahme 
p.  267  Anm.  36,  p.  272  Anm.  43,  Plew  p.  34,  30  zurückzuweisen,  doch  einen  Teil  schon  aus 
Sauppe  p.  8.  Ferner  prägt  die  Isis  in  Mes-  früherer  Zeit  von  den  Phönikern  des  Ostens 
senien  Asine  unter  Septimius  Severus,  Cat.  stammen,  Sihiaparelli ,  Xot.  d.  seavi  di  ant. 
Huber  39,  437;  Mothone  unter  Iulia  Domna,  1887  p.  126  läfst  die  echt  ägyptischen  Alter- 
I.-G.  p.  69,  4  und  unter  Plautilla  I.-G.  a.  a.  0.  türuer  von  den  Phönikern  des  Ostens  und  den 
und  C.  G.  C  Br.  Mus  Pelop.  117,  5,  PI.  23,  Karthagern  während  eines  ziemlich  langen 
19;  in  Arkadien  Thelpusa  unter  Septimius  Zeitraums,  dessen  Höhepunkt  er  nicht  lange 
Severus  (mit  Altar  zu  Füfsen),  Mus.  Sand.  JV.  vor  dem  7.  Jahrh.  ansetzt,  eingeführt,  die 
S.  2  p.  285  Tb.  24,  215,  Mi.  S.  4,  295,  124,  ägyptisierenden  Gegenstände  gleichfalls  von  den 
I.-G.  p.  102;  den  Sarapis  in  Arkadien  Ph  eneos  Phönikern  und  Karthagern  gebracht  oder  wahr- 
unter Caracalla,  Mus.  Theupoli  p.  969,  Mi.  40  scheinlicher  in  den  Kolonieen  derselben  auf  der 
S.  4,  286,  82  und  Plautilla,  Mi.  3,  252,  55,  Insel  selbst  und  zwar  in  einer  sehr  ansge- 
Spanhanius ,  De  V.  et  Pr.  N.  V.  lä  p.  264,  dehnten  bis  auf  die  Römerzeit  herabgehenden 
wohl  =  Vaillant,  K.  Gr.  p.  116  u.  Mi.  S.  4,  Periode  gefertigt  sein.  Unter  den  rein  ägyp- 
287,  86;  Cavidoni,  Spie.  p.  110,  I.-G.  p.  98  tischen  Typen  verzeichnet  Ebers  a.  a.  0.  p.  79 
(beide  „Hades").  den  Horos,  Tav.  52,  2,  3;  Tav.  C  4.  5,  der 
In  Achaia  zeigt  eine  Münze  des  M.  Aurel  auch  auf  den  ägyptisierenden  Gemmen  wieder- 
von  Aigeion  Sarapis  und  Tyche  neben  ein-  kehrt,  Ebers  p.  87 — 88  nr.  1 — 3  Tav.  F  1,  2,  3; 
ander  stehend,  Kenner  a,  a,  Ö.  p.  59  PI.  2,  8  p.  88—89  nr.  5  Tav.  F,  9;  p.  90  nr.  12  Tav.  F, 
(„Isis-Tyche"  Aigai  Ciliciae),  IG.  p.  88;  in  15;  Heibig,  Ann.  d.  Inst.  1S76  p.  218.  Aufser- 
Aigeira  waren  Statuen  des  Sarapis  und  der  50  ordentlich  häufig  erscheint  auf  diesen  phöniko- 
lsis  aus  pentelischem  Marmor  in  Gesellschaft  ägyptischen  Gemmen  Isis  den  Horos  säugend, 
des  Asklepiosbildes  im  Apollontempel  aufge-  Ebers  p.  89  nr.  6,  Heibig  p.  218.  Coli.  Fejer- 
stellt,  Paus.  7,  26,  3,  Bursian  2  p.  339,  der  varg-Pulszky  p.  52.  S41,  Bull.  areh.  sardo  5 
irrig  von  einem  Tempel  der  I.  u.  des  S.  redet,  p.  185,  der  bald  vor  ihr  steht  (G.  Cara,  Mon. 
Plew  p.  34,  Panofka,  Askl.  p.  293;  ein  Hieron  d'ant.  di  reeente  trovati  in  Tharros  e  Comus 
der  Isis  stand  in  Boura,  Paus.  7,  25,  5,  Bur-  p.  21  nr.  11,  Cat.  of  engr.  gems  in  the  Brit. 
sian  2,  337,  Curtius  1  p.  470,  Hertzberg  2  p.  271  Mus.  p.  54  nr  192  PI.  C  [geflügelt];  Bull.  sard. 
Anm.  43,  Sauppe  p.  8;  zwei  des  Sarapis,  das  7  p.  77  [gefl.]),  bald  auf  ihrem  Schofse  sitzt, 
eine  mit  dem  Denkmal  des  Aigyptos,  des  Sohnes  Spano,  Cat.  della  raecolta  sarela  p.  12  f.  nr.  2, 
des  Belos,  in  Patrai,  Paus.  7,  21,  6,  Cuitius  1  60  p.  14  nr.  4;  Cara  a.  a.  0.  p.  19—20  nr.  1,  2, 
p.  442,  454  Anm.  20,  Bursian  2  p.  328—329,  p.  23  nr.  22;  Cat.  Brit.  Mus.  p.  56  nr.  219. 
Hertzberg  2  p.  267  Anm.  35,  Plew  p.  34.  Als  Ferner  kommt  vor  Isis  die  Flügel  breitend 
Antonius  und  Kleopatra  dort  im  Winterquar-  über  den  stehenden  Horos,  A.  della  Mar- 
tier  lagen,  wurden  Münzen  mit  dem  Haupt  der  mora,  Sopra  alc.  ant.  sarde  Tav.  A  38,  39,  vgl. 
letzteren  und  dem  Isiskopiputz  geschlagen,  31,  33,  wo  sie,  gleichfalls  geflügelt,  die  Brust 
Scfoültr,  Gesch.  d.  r.  Kaisirzeü  1  p.  126  Anm.  5,  drückt  und  Horos  neben  ihr  steht;  ferner  Isis 
Sestini,  L.  N.  Cont.  4  p.  67  Tb  5,  5,  Mi.  6,  stehend,  die  Flügel  über  Harpokrates  auf  der 
605,  56,  San  demente  1  p.  10,  Cat.  Greau  125,  Lotosblume  breitend,  Crespi,  Cat    Chessa  p.  9, 


393     Isis  (Kult  in  Sardinien;  I.  geflügelt)  Isis  (Kult  in  Melite)                  394 

5,  della  Murmora  A  43,  vgl.  41,  45  wo  zwei  Le  Bas  bei  della  Marmora,  Voyage  de  la  Sar- 
ganz  ähnliche  Gottheiten  die  Flügel  über  daigne  2  p.  585 — 586,  Crespi,  Eph.  epigr.  4 
Harpokrates  auf  der  Lotosblume  breiten,  und  (p.  484—494)  p.  485  und  Lafaye  p.  57  in  jener 
Cut.  Brit.  Mus.  p.  55  nr.  210,  wo  die  Stelle  Ätilia  PoinptiÜa,  deren  Geschick  an  den  Wän- 
der zwei  Göttinnen  durch  zwei  Geier  vertreten  den  der  „Schlangengrotte"  bei  Calaris  in 
wird;  sowie  Marmora  A  42,  wo  Isis  auf  einer  lateinischen  und  griechischen  Hexametern  be- 
Basis mit  kleiner  knieender  und  stehender  schrieben  ist  (C.  1.  L.  10,  7563  —  7578,  Kaibel, 
männlicher  Figur  die  Flügel  ausbreitet.  Wei-  Ep.  Gr.  547)  eine  Isisdienerin  zu  sehen,  kann 
tere  Beispiele  der  geflügelten  Isis  verzeichnet  ich  mich  nicht  entschliefsen.  Ob  eine  zugleich 
Heibig  p.  215,  Spano,  Bacc.  sarda  p.  16  nr.  18.  10  mit  einer  mit  lateinischer  Aufschrift  versehenen 
Geflügelt  und  zugleich  ein  Lotosscepter  in  jeder  Ceres  zusammengefundene  Isis  von  Terracotta 
Hand  erscheint  sie  bei  della  Marmora  A  55,  aus  Sassari  (Not.  d.  scavi  di  ant.  1881  p.  222) 
Bull,  sardo  8  p.  134,  Spano,  Bacc.  sarda  p.  19  wirklich  diese  Göttin  darstellt,  ist  ohne  Ab- 
nr.  75,  Cnspi,  Cat.  Chessa  p.  10  nr.  9;  geflügelt  bildung  schwer  zu  sagen.  Die  von  Spano, 
und  ein  Scepter  haltend  auch  Cut.  Brit.  Mus.  Bull,  sardo  1  p.  97 — 105  als  Sarapis  beschrie- 
p.  55  nr.  209;  geflügelt,  vor  ihr  Osiris,  Cat.  bene  Bronzestatuette  aus  G  estori  stellt  sieher 
Brit.  Mus.  p.  51  nr.  164  PI.  C,  p.  53  nr.  183,  denselben  nicht  dar.  Der  vom  Chronisten 
Spano,  Bacc.  sarda  p.  16  nr.  2S,  p.  24  nr.  40;  Dcca^tro  iu  Blubium  (Plubium,  Ploaghe)  er- 
mit  beiden  Händen  das  Scepter  haltend,  Spano,  wähnte  Sarapistempel  (Spano,  Bull,  sardo  9 
r.s.  p.  16  nr.  20;  auf  dem  Lotos,  ein  Scepter  hal-  20  p.  55)  läfst  sich  nicht  nachweisen, 
tend,  Spano,  r.s.p.  19  nr. 70;  sitzend  mit  Scepter,  Münzen  von  Melite  aus  dem  2.  oder 
vor  ihr  ein  Altar,  Spano,  r.  s.  p.  16  nr.  22,  23;  1.  Jahrb.  v.  Chr.  zeigen  im  Obv.  ein  weibliches 
knieend, in  der  Linken  einen  runden  Gegenstand,  Haupt  mit  modiüciert  ägyptischem  Kopfputz, 
Spano,  r.  S.p.  20  nr.  87 ;  knieend,  in  jeder  Hand  ein  Mi.  1,  342,  17 — 20,  worin  das  der  Isis  erkennen 
Lotosscepter,  della  Marmora  A  47,  Crespi,  Cat.  Eckliel,  I).  N.  V.  1  p  268  (oder  Iuno),  Spon, 
Chessa  p.  10  nr.  10;  stehend,  neben  ihr  Horos  Beck.  cur.  d'ant.  p.  457 — 458,  LeaJce,  N.  Hell. 
und  eine  dritte  Person,  della  Marmora  A  26;  Eni:  Gr.  p.  62  (oder  Demeter,  wohl,  weil  auf 
vgl.  Spano,  r.  s.  p.  20  nr.  90  (angeblich  Isis,  einigen  Exemplaren  z.  B.  Mi.  18,  Hunter 
Osiris,  Horos);  angeblich  kuhköpfig,  Bull,  sardo  p.  195,  1  Tab.  36,  23  dem  Kopf  eine. Ähre 
7  p.  108;  schlangenleibig  mit  ausgebreiteten  30  beigegeben  ist),  Payne  Knight,  Mus.  P.  K. 
Flügeln,  darüber  Horos,  darunter  ein  Löwe,  p.  219  nr.  3,  Böttiger,  Arch.  Ährenlese  p.  2, 
Bull.  arch.  sardo  10  p.  91.  Goldplättchen,  Caronni,  Mus.  Hedervar.  1,  68,1921,  Head,  H. 
darstellend  die  Büste  einer  Göttin  mit  langen  N.  p.  743,  Perrot,  H.  de  VA.  3  p.  292  nr.  218, 
Locken,  ägyptischem  Kopfputz  und  an  die  der  in  dem  auf  einigen  Exemplaren  dem  Haupt 
Brüste  gelegten  Händen,  die  jedenfalls  als  beigegebenen  viel  verkannten,  als  Kerykeion 
Amulette  getragen  wurden,  stellen  nach  Spano,  (Burnus  1,  94,  1,  2,  T.Combe,  Mus.  Brit.  87,  1, 
Bull,  sardo  1  p.  26-29,  4  p.  71  und  Perrot,  C.  Combe,  Mus.  Hunter  195,  4  Tab.  36,  24, 
H.  de  VA.  3  p.  S28  Fig.  582  die  Isis  dar.  Viel-  Leake  a.  a.  O.)  oder  Tropaion  (Paternö ,  Bac- 
fach,  aber  kaum  mit  Recht,  werden  für  Isis  colta  Fischer  37,  1;  Fiorelli,  Coli.  Santangelo, 
gehalten  Frauengestalten,  welche  einen  runden  40  Man.  gr.  87,  9869—9871,  Mi.  7,  Cohen,  Coli. 
scheibenförmigen  Gegenstand  an  die  Brust  Greau  79,  986)  erklärten  Gegenstand,  richtig, 
drücken,  so  von  Benan,  C.  I.  Semit.  1  p.  195  wie  schon  L.  Müller,  Arch.  An:.  1866  p.  221*, 
— 196  nr.  148  die  Figur  einer  kleinen  von  das  häufig  auf  Weihstelen  der  Tanit  zu  Kar- 
Baaljaton  geweihten  Marmorädicula  aus  Sulci,  thago  erscheinende  Symbol  erkennt.  L.  Müller 
von  Ebers  p.  100  nr.  12  Tav.  E,  1  die  Gestalt  bezeichnet  das  Haupt  als  das  der  Astarte 
in  einer  ähnlichen  mit  der  geflügelten  Sonnen-  mit  Isisattributen,  wie  auch  de  Witte,  Cat. 
Scheibe  und  acht  üräen  gezierten  Adicula,  Greppo  37,  299,  de  Longperier,  Gab.  Mutffton- 
ferner  von  Spano  Terracotten  aus  Than-os,  cour  20,  181,  Bres,  Malta  antica  p.  240  und 
Bull,  sardo  1  p.  182,  6  p.  157,  von  Crespi  eine  Creuzer,  Symbolik  22  p.  272  Anm.  334  Astarte 
Granitstatue  aus  Caralis,  Bull,  sardo  8  p.  7  50  erkennen.  Die  viergeflügelte  männliche  Ge- 
Anm.  4.  Die  von  v.  Maltzan,  Beise  auf  der  stalt  mit  Geifsel  und  Scepter  der  Rückseite 
Insel  Sardinien  für  eine  Widmung  an  Isis  ge-  wird  für  Osiris  gehalten  von  Eckhel  a.  a.  0., 
haltene  Inschrift  aus  Sulci  C.  I.  Semit.  1  Baffei,  Diss.  da  s.  di  suppl.  all'  op.  dei  monum. 
nr.  152  p.  200—202  hat  nichts  mit  dieser  ined.  di  Giov.  Winckelmann.  Roma  1821.  p.  140, 
Göttin  zu  thun.  Auch  an  Denkmälern  des  250,  Kopp,  Paläogr.  crit.  4  p.  233  §  770,  K.  0. 
Isisdienstes  aus  griechisch-römischer  Zeit  fehlt  Blüller ,  Hdbch.  d.  A.  d.  K.s  p.  302  §  241,  4, 
es  nicht.  Eine  griechische  Gemme  mit  der  Gerhard,  Ges.  Akad.  Abh.  2  p.  543  Anm.  37, 
den  Harpokrates  säugenden  Isis  verzeichnet  Leake  a.  a.  0.  (oder  Dionysos),  Ebers,  Äg.  u. 
Ebers  p.  98.  Eine  Weihinschrift  an  Isis  aus  die  B.  Moses  p.  159,  Bauch,  Cat.  Heideken 
Turris  Libisonis  kennen  wir  aus  C.  I.  L.  60  26,  630,  Payne  Knight  a.  a.  0.  (abgeb.  Culte 
10,  7948,  die  Widmung  eines  Tempels  der  Isis  de  Priape,  Brnxelles  1883,  PI.  20,2),  Caronni 
und  des  Sarapis  in  Sulci s  aus  C.  I.  L.  10,  a.  a.  0.  Durch  eine  phönikische  Inschrift  (C. 
7514;  ebendaher  eine  Lampe  mit  den  Büsten  /.  S.  1  p.  155  nr.  123  bis)  ist  der  Personen- 
beider  Gottheiten,  della  Marmora  Tav.  B,  a;  name  Malak- Osiris  bezeugt;  die  oft  citierte 
Lampen  aus  Cornus  mit  der  Büste  des  Sa-  Bilinguis  C.  I.  S.  1,  122  u.  122  bis,  C.  I.  G. 
rapis  beschreibt  Cara  a.  a.  0.  p.  57  nr.  1,  2,  5753  mit  den  Namen  Abdosir  und  Osirs'amar, 
die  mit  angeblichen  Isisbüsten,  nr.  3  und  4  griechisch  durch  Jiorvoiog  und  Zaganiav 
stellen  aber  wohl  kaum  diese  Göttin  dar.    Mit  wiedergegeben,   beweist  nichts  für  Osiriskult 


395                Isis  (Kult  in  Sicilien)  Isis  (Kult  in  Katane,  Syrakus)        396 

auf  Malta,  da  die  Träger  derselben  Tyrier  sind.  mit,  bald  ohne  Sistrurn  im  Feld,   Mi.  1,  227, 

Osirisfigürchen  von  Bronze  sind  nach  da  Witte,  158,  159,   S.  1,  380,   160,   161;   Hunter  88,  16, 

Bull. d.  Inst.  1842  p.  43  öfter  gefunden  worden;  Tab.  16,  2;   17;  18,  Tab.  16,  3;  19;    C.  B.  M. 

eine  eherne  Harpokratesstatuette  giebt  Abela,  Sic.  54,  87  —  90,  Munter  p.  154  Airm.  8,  9,  Mo- 

Descrizione  di  Malta  Isola  1647   p.  191,   wo-  vers  2,  2  p.  329  Anm.  69,   Panofha,   Dionysos 

nach    Eres   p.   125    und    Munter,    Ant.  Abh.  u.  d.  Thyiaden  Tf.  3,  1,   Stephani,  Nimbus  u. 

p.  163;  eine  andere  Ciantar  in  seiner  Ausgabe  Strahlenkranz  p.  43  nr.  18,  p.  44,  Visconti,  Mus. 

des  Abela,  Tav.  3.    Dafs  der  Sarapistempel  des  Pie-Cle'm.  4  p.  9S  Note  2,   Holm  45,  35.     Die 

Padre  Amico,  Lcxic.  topogr.  Siculum  s.  v.  Me-  stehende   Frau   mit   Vogel    auf  dem    Rs.   von 

Tita  nur  in  der  Phantasie  des  Autors  existiert  10  Münzen  mit  Apollonhaupt  im  Obv.  {Mi.  1,  229, 

zeigt  JSresp.  144-145.   Über  ein  Goldplät-tchen  174—176,  S.  1,  381  f.,  168  —  172,  Hunter  90,  33— 

(Amulett)  mit  ägyptischen  Gottheiten  in  phö-  37,  Tab.  16,  9,  10,   Torremuzza  Tab.  22,  9—11, 

nikischem  Stil,  gefunden  1693,  s.  Montfaueon,  Auct.  1,  Tab.  3,  4)  wird  nur  von  Head,  H.  N. 

L\mt,  expl.   2,   2   PI.   136,   5,   Bres  p.   122  f.,  p.  117    u.   frageweise   C.  G.  C.   Br.  Mus.  Sic. 

Mü/nter   p.  163  — 166,     Keerl,   Siziliens   vors.  51  f.,  64  —  69  als  Isis,  im  Cut.  Northicick  1,  39, 

Münzen  und  Steinschriften  aus  dem  Altert.  2  387  gleichfalls  frageweise  als  Sarapis  bezeich- 

p.  236  f.  net.    Die  Wage  u.  Füllhorn  haltende  Frau  im 

Münzen  von  Gaulos  mit  phönikischer  Auf-  Rs.    von   Münzen   mit   Ammonhaupt   im   Obv. 

schrift  aus  dem  2.  oder  1.  Jahrh.  v.Chr.  (Bres  (Torremuzza  Tab.  21,  8,  9)  nennt  nur  Fiorelli, 

p.  42—44,  49,  117,  118,  162—164,  169—172,  20  Coli.  Santangelo  Mon.  Gr.   70,  7562—7565  Isis, 

Mi.  1,  341,  8,  9;   della  Marmora,   S.  alc.  ant.  Head,  H.  N.  p.  118   u.  C.  G.  C.  Br.  Mus.  Sic. 

sarde  p.  234)    zeigen    auf  der   Rückseite   drei  53,    S5,   86    dagegen    Aequitus.      Das   bärtige 

Gottheiten   in  ägyptischer  Tracht,    von  denen  doppelköpfige    Haupt    auf   dem    Obv.    einiger 

die  mittlere  mit  Geifsel  und  Rrummstab    ver-  Bronzemünzen  (Mi.  1,  227,  156,  S.  1,  380,  159, 

sehene  JEcWiel  (D.  N.   V.  1    p.  268,  3  p.  418)  Hunter  88,  20,  Tab.  16,  4,  Torremuzza  Tab.  22, 

und  Head  (H.  N.  p.  743)  an  Osiris  erinnert.  —  4,  5,  Dorrille,  Sicula  Tab.  4,  5)  wird  nur  von 

Munter  p.  152  f.,   Taf.  1,  6,   v.  Bauch,  Cat.  v.  Head,  H.  N.  p.  118   u.  G.  G.  C  Br.  Mus.  Sic. 

Heidecken  26,  626,   Fiorelli.  Coli.  Santangelo,  54,  91,  92  als  'Ianiform  head  of  Sarapis\  sonst 

Mon.  gr.  87,   9845 — 9846,   Postolakas,   Cat.  d.  als  Haupt  des  Ianus  verzeichnet,  vgl.  die  Doppel- 

Athen.  Münzslg.  1,  93,  700  nennen  die  Gestalt  30  herme  des  Sarapis  bei  Benndorf  u.  Schöne,  Ant. 

geradezu  Osiris,  wie  denn  auch  Ebers,  Ag.  u.  Bildw.  d.  Lateran.  Mus.  p.  279  nr.  405. 

d.  B.  Mos.  p.  159    die   Osirismumie   darin   er-  Syrakus  bezeugt  seine  Isisverehruug  durch 

kennt.  Bronzemünzen,  die  Head,  Hist.  of  the  coinage 

Auf  Sicilien  ist  ein  Hauptplatz  des  ägyp-  of  Syracuse  (S.-A.  aus  Num.  Chr.  1877,  Heft  1) 

tischen  Kultus  Katane.    Die  ägyptischen  Denk-  p.  75   u.  H.  X.    V.  p.  164    in  die  Zeit  der  rö- 

mäler  dieser  Stadt  z.  B.  die  Obelisken  sind  be-  mischen  Herrschaft  setzt,    während  Holm,  D. 

schrieben  von  Gir.  Pistoiio,  Lettera  in  cui  si  alte  Gutania  p.  11,  44  u.  Weil, Bursians  Jähres- 

assegna   ragione  per  la  quäle  sianvi  non  pochi  her.   1   p.  243    den  ägyptischen    Kultus    schon 

monumenti  egizi  nella  cittä  di  Catania,  Opusc.  unter  Agathokles  oder  (Holm,  Gesch.  Siciliens 

d'ant.  sicil.  Vol.  15.  Palermo  1774  p.  169 — 194;  40  1  p.  81)  Hieron  II.  auf  Sicilien  Eingang  finden 

Zoega,  De  or.  et  usu  obeliscorum  p.  86  -  87,  616,  lassen.     Die   Typen  sind :    Haupt  des   Sarapis 

647;  H.  Keerl  a.a.O.  2  p. 223— 224;  Bres  p.  119 —  mit  Tänie  und  Kopfputz  von  Hörnern,  Diskus 

120;   Munter  p.  176  —  178;   Bartels,  Briefe  üb.  u.  Federn,  von  Mi.  1,  312,  922,  Postolakas  89, 

Calabrien  u.  Sizilien  2  p.  307 — 309;  Ad.  Holm,  671  u.  a.    für  das  des  Zeus  gehalten;    Rs.  Isis 

D.  alte  Catania.  Lübeck  1S73  p.  28,  40;    Gius.  stehend  mit  Sistrnm,  die  R.  oben  ans  Scepter 

Bccupero,  Monumenti   ant.   inediti   della   coli.  gelegt,  Head,  Coinage  76,  6,   PL  14,  5,  C.  B. 

Bcci^eriana   descritti.    Cataua  1808.  4°.  p.  40.  M.  Sic.  227 f.,  .701  —  703;   Haupt   der  Isis   mit 

vgl.  Holm  in  Bursians  Jahresber.  1,1873  p.  71. —  langem  Haar,  Ähren  u.  ägyptischem  Kopfputz, 

Hohn,    Cat.  p.  11  u.  44   leitet   die  Einführung  Rs.   Isishauptschmuck,    Mi.   1,  315,  951,  952, 

des    ägvptischen    Kultus    von    der    Heirat   des  50  Coli.  Santangelo,  Mon.  Gr.  83,  9074 — 76,  Head, 

Agathokles   und  einer  Stieftochter   des  Ptole-  Coin.  76,  7,  PL  14,  7,  C.  G.  C.  Sic.  228,  704, 

maios  I.  her.    Ein  beredtes  Zeugnis  für  die  Ver-  705.     Ein    Götterbild    mit    Fackel    auf   einem 

ehrung    der   Götter    des   Nillandes   legen    die  Triumphal  -Viergespann    wird   nur   von   Head, 

Münzen  ab,  Head,  H.  N.  p.  117,  118.     Es  er-  Coin.  75,  1,  PL  14,  1  und  H.  N.  p.  164  frage- 

seheiuen  darauf  folgende  Darstellungen:  Obv.  weise  als  Isis  bezeichnet.    Eine  Figur  im  ägyp- 

Häupter    des   Sarapis   und   der  Isis,    Rs.    zwei  tischen  Stil  mit  Kranz  und  Zweig  (oder  nach 

Ähren,  Michaelis,  Journ.  ofhell.  stud.  6  p.  291  f,  Mi.  1,  311,  912  u.  Paternd,   Bacc.  Fischer  p. 

Anm.  1,  Ccd.Brit.3Tus.SuUy  p.  51  nr.  59,  60,  33,  39  Scepter)  wird  von  Fiorelli  als  Isis,  im 

Mus.   Hunter   90,  38,  39,   Tab.  16,  11,  Mi.  1,  O.  G.  G.  Sic.  229,  719— 721  frageweise  als  Osiris, 

227/8,  164,  165,  Holma,  a.  O.p.46,  44  oder  Apol-  60  von    Payne  Knight  p.  260   nr.  82   als   sigillum 

Ion,  Mi.  1,  227,  162,  163,  Suppl.  1,  380,  162,  cuiusdam    cornua  Isiaca   super  caput  ferentis 

Hunter  89,  26,  Tab.  16,  6,   C.  B.  Mus.  Sic.  51.  aufgeführt.    Einen  scopariuslsidis  lehrt  kennen 

62,  63,  Movers  2,  2  p.  329,  Holm  46,  43;  Obv.  C.  I.  L.  10,  7129;  einen  Sarapistempel  Cic.  in 

Haupt  des  Sarapis,  mit  Lorbeer,  Strahlen  und  Verr.  2,  56,  160;  nach  Lupus,  D.  Stadt  Syra- 

Koplputz  bestehend  aus  Diskus,   Hörnern  und  kus  im  Altertum.     Strafsb.  1887  p.  248   ist   die 

Federn,  Rs.  Isis  stehend,  verschleiert  mit  dem  Lage  desselben  unbekannt,  Schubring,  Bull.  d. 

gewöhnlichen  Kopfputz  und  Ähren,  in  der  R.  Inst.   1864  p.  205  u.  Eh.  Mus.  N.  F.  20.  1865 

langes  Scepter,   neben  ihr  Harpokrates,   bald  p.  42    sucht   ihn   in    der    Gegend   der   Agoia; 


397        Isis  (Kult  in  Tauromenion  etc.)  Isis  (Kult  in  Süditalien,  Campamen)     398 

über  eine  äg.  Granitstatue    vgl.  Holm,  D.  a.  wo  auch  Terracottafiguren  der  Göttin  gefunden 

Cat.  p.  11,  Schubring,  Philol.  23,  1865  p.  366.  sein    sollen,  Not.  d.  sc.  1884  p.  283ff.;    Lecce 

Nur  von  Head,  C.  G.  C  Sic.  93,  61,  H.  N.  V.  (C.  I.  L.  9,  17),  eine  Inschrift,   die  nach  Lan- 

p.  131  wird  eine  verschleierte  Göttin  mit  dem  ciunis    Vermutung   Süll.   d.   Inst.    1868  p.  237 

Modins    auf    dem    Haupt,    zwei    Mohnköpfen  aus  einem  megarum  der  Isis  stammt;    Brun- 

in  der  R.  u.  langer  Fackel  in  der  L.  auf  einer  disium  (C.  I.  L.  9,  6099),  wo  ein  sacerdos Ma- 

Münze    von   Leontinoi    frageweise    für    Isis  tris  Magnae  et  Suriae  deae  et  sacrorum  Isidis 

(oder  Demeter)  erklärt.     Das   von  Lafaye  319,  vorkommt;  Labellum,  C.  I.  L.  9,  649;  Aecla- 

187   als   Münze   von  Panormos   verzeichnete  num,    C.  I.  L.    9,    1153.     Das    ipvxQov    vSioq 
Stück  mit  Isishaupt  Mi.  S.  1,  416,  389  gehört  10  eines  Goldplättchens  aus  einem  Grab  vonHip- 

zu  den  von  L.  Müller,  Num.  de  l'anc.  Afrigue  ponium  ergänzt  Liaoul-Bochette,  Mem.  del'Ac. 

3  p.  176ff.   unter   die   unbestimmten    Maureta-  d.    I.    et  B.   L.    13,   1838  p.  576f.  zu  b  "Oolqis 

niens   gerechneten.     Auf  nach  Head   zur   Zeit  SoCri  aot  x.  ip.  v.   Frageweise  und  jedenfalls  mit 

der  Eömei'herrschaft  geprägten  Bronzemünzen  Unrecht  wird  im  G.  Cr.  C.  Br.  Mus.  Italy  p.  308 

von  Menainon   erkennen  in   einem  bärtigeD,  nr.  1,  2    das  Haupt   der  Isis   auf  einer  Münze 

von   den  meisten   (z.  B.    von  Mi.   1,  251,  359,  von  Copia  verzeichnet.     Eine   Thonform   mit 

360,   S.   1,  399,  267)   für  das  Haupt  des  Zeus  Sarapisbüste     aus     Tarent     wird    aufgeführt 

gehaltenen  Kopfe  T.  Comhe,  Mus.  Brit.  68,  1  Coli  IL  Hoffmann.  Paris  1886.   p    33    sab  nr. 

den  des  Osiris,  Leake ,  N.  H.  Eur.  Gr.  p.  62,  95-99;  eine  Lampe  mit  Sarapisbüste  aus  Sa- 
Postolakas  71,  585,  Head,  C.  G.  C.  Sic.  98,  8,  9,  20  lernum,  Not.  d.  sc.  1884  p.  113;   eine   Silber- 

H.  N.  V.  p.  132  den  des  Sarapis.  Statuette    des    Harpokrates    aus    Süditalien 

In  Tauromenion    ist   bei   der   Kirche   S.  Bull.  d.  Inst.  1868  p.  86;    Knochenreliefs    aus 

Panciazio   eine  Widmung   an  Dis  und  Sarapis  den  Abbruzzen,   das   eine   mit  Demeter-Isis  u. 

(0.  /.  L.  10,  6989)  zusammen  mit  der  Marmor-  Pluton-Sai  apis  (ohne  Modins)  u.  Uräusschlange 

statue    eiuer   jetzt    im    Museum    von   Palermo  auf  Altar,  das  andere  mit  Harpokrates:  Heibig, 

befindlichen     Isispriesterin    gefunden    worden,  Bull.    d.   Inst.  1870  p.  67,    Milchhöfer-Hressel, 

Schöne,  Bull.  d.  Inst.  1867  p.  173,  Arch.  Zeit.  MM.  d.  D.  A.  Inst.  Atli.  1877  p.  470.    In  wie 

1868  p.  131,  Salinas,  Brcce  guida  del  Mus.  naz.  weit  die  Behauptung  des  Giaeomo  Antonio  del 

di  Palermo  1.    Pal.   1875   p.   15    und  Del  real  Monaco  in   einem  Briefe   über  die  Geschichte 
viuseo  di  Palermo  p.  39,  Lafaye  p.  287  f.  nr.  87,  30  von  Saponara  (gedruckt  zu  Neapel  1713,  p.  15 

PI.  4;  ein  schon  früher  entdecktes  griechisches  Marangoni ,    Delle    cose   gentilesche   e   profane 

Epigramm   berichtet   von    der  Widmung  eines  trasportate  ad  uso  ed  ad  ornamento  delle  chiese 

Hestia-Altars    im     Sarapistempel ,    Schuhring,  p.  281),  dafs  in  Grumentum  ein  Sarapistempel 

Jahrbb.  f.  M.  Phil.  Swppl.  4  p.  672  nr.  10,  Ritschi,  gestanden  habe,   an  dessen  Platz  die  'Chiesa 

Uli.  Mus.  21  p.  140,  Kaibel,  Ep.  Gr.  praef.  p.  18,  Colleggiata'  getreten  sei,  begründet  ist,  ver- 

824  a,  He  Spuches,  H'una  greca  inscr.  trov.  in  mag  ich  nicht  zu  entscheiden. 

Taormina   e   d'un   tempio    di   Giove    Sarapide  In  Campanien  war  einHauptort  des  ägyp- 

lettere  illustrative.    Pal.  1863.     Dafs   aber   das  tischen   Kultus  Puteoli,   der  Haupthafen   für 

Not.  d.  sc.  1889  p.  370 f.  mitgeteilte  Fragment  den    Verkehr    mit  Ägypten    und    dem    Orient 
eine   Weihinschrift   an  Isis    enthalte,   ist  mir  40  (Lumbroso ,  Beck.   s.  l'e'con.  polit.  des  Lagides 

nicht   recht   glaublich.     Was    sonst    von    Isis-  p.  126,  157,  Mommsen,  B.  G.  2  4  p.  401).   Schon 

Statuetten   in   Sicilien    verzeichnet   wird,    ver-  in   einer   lex   vom  Jahre  649  a.  u.  c.   wird  hier 

dient  diesen  Namen  kaum;  so  wird  die  'Iside'  ein  Sarapistempel  erwähnt,   C.  I.  L.  10,  1781, 

aus  Solunt  bei Serradifälco,  Cenni sugli  avanzi  I.  5.  6;  Bauten  am  Sarapistempel  C.  I.  L.  10, 

d'ant.  Solunto.  Pal.  1831.  Tav.  6,  Ant.  di  Sicilia  1594;  eine  Widmung  an  den  Gott  0.  L.  L.  10, 

5,  Tav.  41    p.  66   von  K.   0.  Müller,   Hdb.  d.  1593;    aber   das   noch  jetzt   hin  u.  wieder  für 

A.  d.  Es.  p.  302,  §241,  4  für  ein  kai'thagisches  ein  Sarapuum  gehaltene  Gebäude  hat  mit  dem 

Idol,  von  Gerhard,  Ges.  ah.  Abh.  2  p.  8f.  Anm.  35  Kultus    dieses   Gottes    nichts   zu   thun,    s.    M. 

für  eine  Bona  Dea  italischer  Kulte  gehalten,  Beitr.  1  p.  34  Anm.  1  zu  p.  33. 
vgl.    über   sie  Salinas,  Hei  real  mus.  di  Pal.  50        In  Puteoli  ist  gefunden  eine  Sarapisstatuette 

p.  38;    und   die   geflügelte   Isis  aus  Akragas  zu   Neapel,    Lafaye  273f.,   31,    Whickelmann, 

bei  Fr.  Avolio,  Helle  ant.  fatture  di  argilla  che  Stl.  Werke  ed.  Eiselein  4   p.  127,    10   p.  543, 

si  ritrovano  in  Sicilia.  Pal.  1829,  p.  151,  Holm,  Monaco,  Guide  gen.  du  mus.  nat.  de  Naplesi 

Gesch.    Sic.   1    p.  446    verdient   diesen   Namen  p.  41  nr.  975;  eine  Büste  des  Gottes,   Matz  u. 

ebensowenig   wie   ein   bei   Kekule,  I).    Terra-  v.  Huhn,   Ant.  Bildic.  in  Born  1  p.  10  nr.  39; 

cotten  v.  Sicil.    p.  66    Taf.  21,2    im   Register  eine   Lampe   mit   Heliosarapis,    s.   oben  s.v.; 

p.  86  frageweise  als  Isis  bezeichneter  Frauen-  eine  Lampe  mit  zahlreichen  Figuren,  darunter 

köpf   aus  Kentoripa  und  eine  sitzende  Frau  Harpokrates.     Aus   Neapel    wird   verzeichnet 

mit  Kind  im  Cat.   du  Mm.  Fol.  Ant.  1  p.  97  die  Widmung  einer  Apollo-Horus-Harpokrates- 
nr.  437.     Eine    Iside   Triforme    (Hekate?)    von  60  Statue  an  Isis,  C.  I.  Gr.  5793,  Cavedoni,  Bull. 

Polizzi  behandelt  A.  Gagliarclo,  Protesta  dei  d.  Inst.  1852  p.  76f.;  Beloch,  Campanien  p.  53f. 

cittadini    di    Polizzi    Generosa    scrxtta'   Tanno  nr.  40,  der  indessen  die  Herkunft  der  Inschrift 

1775,  dopo  la  p^rduta  dell'ant.  statua  di  Iside  aus  Puteoli  nicht  für  ausgeschlossen  hält;  eine 

Triforme.  Palermo  1880.  4°.  Statue     der   Isis    auB    schwarzem    Marmor    in 

In  Süditalien  können   wir  Isiskultus   in-  Wien,  Lafaye  278,  51,  Amtth,  Beschr.  d.  zum 

schriftlich  nachweisen  in  Regium  Lepidum  k.  k.  M.  u.   A.-C.   geh.  Statuen   p.  19  nr.  158, 

(C.  L.  L.   10,  1,  Logoteta,  II  tempio  di  Iside  e  Friederichs,  Berlins  A.  Bildw.  1  p.  497  nr.  798, 

Serapide  di  Beggio  illustrato.  Napoli  1794.  8°),  Kenner  u.  v.  Sacken  p.  39  nr.  157;  aus  Capua 


399           Isis  (Kult  in  Pompeji  etc.)  Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)         400 

die  Widmung   einer  Isisstatue   an   die  Göttin,  p.  109—111;  Helbig  p.  220  nr.  1106,  Boux  1, 

welche    eine   in   Allem    ist,    C.  I.  L.  10,  3S0O;  1.  Ser.  d.  Mal.   Taf.  48  p.  37,   B.  Mus.  Borb. 

aus   dem  Ager  Falemus   eine  Weihinschrift  9.    Roma    1845.     PL    80    p.    503 — 504;     Ara- 

an  Isis,  C.  I.  L.  10,  4717;  in  Acerrae  gab  es  beske:   Harpokrates   auf  Blume,   Boux   4.  Bd. 

einen    sacerdos   pübliem    deae   Isidis   et   Sera-  Abt.  1.    Ser.  4   d.  Mal.   PI.  31   p.  30-32;    Ch. 

pidis,   C.  I.  L.   10,  3759.     Ein   Halsband    aus  Lenormant,   Chefs-  d'oeucre  de  l'art  ant.  3  PI. 

Cumae  mit  Harpokratesfigürchen,  Mon.  d.  ant.  118  p.  79;  B.  Mus.  Borb.  6.  Roma  1842.  Tab. 

e   belle   arti  Kap.    1820   p.  25  tav.  3   ist  nach  59  p.  379—382;    für   Stabiae:  Helbiq  p.  218 

Abelen,  Mittelital.  vor  d.  Zeiten  d.  röm.  Herr-  nr.  1098  =  Laf.  330,   227;    Helbig  p.  2-20  nr. 

Schaft  p   343  Anm.  von  römischer  Arbeit.           10  1101  =  Laf.  331,  228.  —  Die  Litteratur  über 

Zahlreiche   Reste    des    ägyptischen   Kultus  die  Marmorstatue  der  Isis  aus  dem  Isistempel 

finden  sich  in  Pompeji,  Herculaneuni  und  s.   M.  Beitr.  1    p.  23    Anm.  1    zu  p.  22;    eine 

Stabiae.     Pompeji  hatte  seinen  Isistempel,  Isis  von  Bronze  Giorn.  d.  seavi  di  Pomp.  nr.  25 

dessen  Gründung  Kissen,  Pompej.  Stud.  p.  671  p.  172;   die  Isis-Fortuna-Darstellungen  oben  1 

in  die  Periode  der  Blüte  der  oskischen  Kultur  Sp.   1530ff.,  1551  ff.;  Auubis  1  Sp.  2307. 

200 — 80  v.  Chr.  setzt ;  nach  der  Zerstörung  der  Eine   Bronzebüste   des  Sarapis,   angeblich 

Stadt  durch  das  Erdbeben  63  n.  Chr.  war  dies  aus  Herculaneuni,   bezeichnet   Wieseler,  D. 

der  einzige  Tempel,  der  bis  zur  völligen  Ver-  Sign.  d.  arch..-num.  Inst.  d.  Georg- Augusta-Univ. 

schüttung  79  n.  Chr.  wiederhergestellt  worden  Gott.  1859  p.  33  Anm.  51  als  nicht  nnverdäch- 

war,   Kissen  p.  170ff.     Es    handeln   über    ihn  20  tig  und  Hubo,  OriginalwerJce  hat  sie  nicht  auf- 

Lafaye  (p.  179 — 199,  mit  Grundrifs  nach  Kiceo-  genommen;  eine   testina  ad  erma  di  Serapide 

Uni,  Tempio  d'Iside)  Fiorelli,  Deser.  di  Pompei.  aus  Pompeji  ist   verzeichnet   Kot.  d.  sc.  1882 

Napoli  1875  p.  358 — 362,  Pomp.  ant.  Jiist.  1,1  p.    139;    Harpokratesstatuetten    aus    Pompeji, 

p.  164—194,   B.  Mus.  Borb.  Descr.  di  Pomp.  in  Silber:  Fiorelli,  Ant,  Pomp,  bist,  1,  2,  Add. 

racc.  da  Erasmo  Pistolesi.  Vol.  2.  Roma  1840.  1  p.  94;  Giorn.  d,  sc.  di  Pomp.  nr.  25  p.  172, 

p.  322—336,  Breton,  Pompeia  p.  41—46  (3e.  ed.  1875,  16  Aprile;  in  Bronze  Fiorelli  a.  a.  Ü.  vol. 

p.  46 ff.),  Kissen  a.a.O.  p.  170  —  175,  344—355,  1  p.  233,  1769,   15  Luglio;  Fiorelli,  Descr.  di 

Mazois-Gau,  Les  ruincs  de  Pompei.  Paris  1S18.  Pomp.  203  =  Gli  sc.  di  Pomp,  dal  1S61  al  1S72 

2°.  4p.24ff.,  P1.7—  l\,Oferbeck,Pump.3\\  lOOff.,  p.  41;  Fiorelli,  Gli  sc.  di  Pomp.  p.  161,  1S67, 

Beichel,  De  Isidis  apud  Born,  eultu  p.  42—45,  30  17   Sett. ;    Kot.   d.  sc.    di   ant.    1880  p.  231  f., 

Hamilton,  Archaeologia  Brit.  4  PL  11,  18,  D.  1    Giugno;   Muse'e  de  Bacestein,  Cat,  descr.  1 

Migliacci,  Riflessioni   sopra  il  tempio  d'Iside  p.  369f.  nr.  485;  Gebhard,  Braunschweig.  Ant. 

in  Pompei.  Nap.  1765.  4°;    C.  Justi,   Winekel-  1  p.  28  ur.  204;  Friederichs.  Berlins  Ant.  Bildu: 

mann  2,  2  p.  399 — 401,  Georgii  in  Pauly<  B.-E.  2  p.  288  nr.  1339  e;  aus  Herculaneuni  in  Bronze 

4  p.  299,  Bötliger.  Kl.  Sehr.  3  p.  24S— 250  Boux  u.  Barre  5  Taf.  97  nr.  2,3,  p.  104 f.; 
u.a.m.;  die  Inschriften  s.  C,  I  L.  10,  846ff.  Taf.  103  nr.  2.  3,  p.  107-108,  Laf.  p.  2S3  nr. 
Die  Wandgemälde  aus  den  drei  Städten  mit  69,  70;  eine  Harpokratesbüste  auf  einem  Ca- 
Scenen  des  ägyptischen  Kultus  sind,  für  Pom-  meo  aus  Pompeji  Fiorelli,  Gli  sc.  di  Pomp. 
peji:  Isistempel,  Porticus,  Helbig,  D.  Wand-  p.  155;  Sistra  aus  Silber  und  Bronze  D.  Mo- 
gem.  d.  v.  Yes.  versch.  Städte  Campaniens  p.  1 —  40  naco,  Guide  gen.  du  Mus.  nat.  de  Kaples.  4e  ed. 
2,  p.  480,  p.  218  nr.  1096,  1097.  p.  219  nr.  1099,  p.  199  nr.  25722,  p.  183  nr.  76945;  Fiorelli,  Gli 
p.  220  nr.  1103,  Ustwand  des  Porticus,  p.  3  sc.  d.  P.  p.  169;  Giorn.  d.  sc.  di  Pomp.  K.  S. 
nr.  1,  p.  481,  Raum  an  der  S.-W.-Ecke  p.  3 —  Vol.  3  nr.  22,  1S74  p.  55;   Kot.  d.  sc.  di  ant. 

5  nr.  2  —  5,  Raum  an  der  N.-W.-Ecke  p.  40  1880  p.  103,  E.  Hübner,  D.  ant.  Bildw.  in 
nr.  138,  p.  394  nr.  1571;  HaupUeite,  Wieseler,  Madrid  p.  190;  eine  Bronzehand  mit  Sistrum 
Gott.  Kachr.  1871  p.  574  nr.  20;  Casa  _delle  aus  Herculaneuni  J.  Becker,  Drei  röm.  Votiv- 
Amazoni  p  27  nr.  80  =  Lafai/e  p.  327,  217;  heimle  p.  7  nr.  3,  Piroli  et  Piranesi  4  PL  5, 
Casa  del  duca  d'Aumale  p.  40f.'nr.  139  =  Laf.  Boux  u.  Barre  6,  3.  Ser.  d.  Br.  Taf.  97  p.  102 
327,  218;  Haus  der  Eumachia  p.  218  nr.  1094c  —103,  Chefs-d' Oeuvre  de  l'art  ant.  1.  ser.  Tom. 
=  Laf.  327,  219;  Strada  d'Olconio  nr.  12  p.  50  1  PL  IS  19  p.  20—21;  B.  Mus.  Borb.  9  Tav. 
218  nr.  1095  =  Laf.  32S,  220  =  Fiorelli,  Gli  31,  32  p.  294—343. 

seavi  di  Pomp,  dal  1S61  cd  1S72  p.  131  nr.  294;  Die  Litteratur  über  die  Geschicke  des  Isis- 
Haus  nebeu  der  Casa  di  Lucrezio  nr.  78  =  Laf.  kultus  in  Rom  s.  in  M.  Beitr.  1  p.  5  Anm.  4; 
326,  215;  Haus  der  Iulia  Felix  p.  26f  nr.  79  es  kommt  noch  hinzu  Gilbert,  Gesch.  u,  Topogr. 
=  Laf.  326,  216  =  Breton  a.  a,  0.  p.  291  und  d,  Stadt  Born  im  Altert,  3.  Abt.  p.  109  u.  112 
Gell.,  Pomp.  2  p.  207;  ferner  A.  Sogliano,  Le  und  Ersilia  Caetani  Lovatelli,  H  eulto  d'Iside 
pittwe  mur.  Camp.  p.  80  nr.  487 — 490;  für  in  Bonui,  K.  Antologia  ser.  3  vol.  28  p.  37 — 51. 
Herculaneum:  Helbig  p.  27  nr.  81  =  Laf.  Vou  einigen  wird,  indem  sie  die  Angabe 
330,  224;  Helbig  p.  217  u.  458  nr.  1094  =  L.  des  Tal.  Max.  2,  3,  4  von  der  Zerstörung  der 
330,  225  =  Boux  u,  Barre,  Herc.  u,  Pomp,  uo  Isis-  und  Sarapisheiligtümer  durch  den  Konsul 
2.  Bd.  2.  Ser.  d.  Mal.  Taf.  137  p.  170-171  =  L.  Aemilius  Paullus  auf  deu  Kousul  der  Jahre 
Piroli  ei  Piranesi,  Ant,  d' Herc.  1,  PL  44;  219  und  216  (Fabricius  zu  Dio  Cass.  40,  47, 
Helbig  p.  218   nr.  1094b,    Boux  u.  B.    1.  Bd.  Not.  18S,  Burigny,  Hist.  de  l'Ac.  d.  I.  et  B.-L. 

1.  Ser.  d.  Mal.  Taf.  48  p.  34— 37;  Helbig  p.  220  32  p.  116,  Matihiae  s.  v.  Isis  in  Ersch  u. 
nr.  1104,  L.  330,  226;  Helbig  p.  221  u.  458  Grubers  Enc.  p.  432,  Guigniaut ,  Le  dicu  Se- 
rn:.  Uli,    L.    329,    223,    Boux  u.  B.    2.  Bd.  rapis  p.  26   Note  1,    Letronne,  Ann.  d.  Inst. 

2.  Ser.  d.  Mal.  Taf.  68  p.  106—109;  Helbig  1845  p  337,  Mc'm.  de  VInst.  19,  1S51  p.  106, 
p.  222  nr.  1112,    L.  328,  222,    Boux  Taf.  69  Labus   Mus.  della  r.  acc.  di  Mantova  2  p.  121, 


401         Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)  Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)         402 

Schwende,  D.  M.  d.  A.  p.  274,  Weber  in  s.  Ja-  3  p.  77  Anm.  7  des  Iseum  Campense,  anord- 
venal-  Übersetsimg  p.  421,  Gauthier,  Rech,  liist.  neten.  Erwähnen  will  ich  aber,  dafs  Caveäoni, 
s.  l'exercice  de  la  med.  dans  les  temples  p.  123,  Bull.  d.  Inst.  1853  p.  140  als  Zeichen  des 
Filon,,  Me'm.  de  l'Ac.  des  scienc.  mor.  et  pol.  Isiskultus  in  Eom  in  der  ersten  Hälfte  des  1. 
Sav.  Etr.  1  p.  781,  Brumann,  Gesch.  Roms  vorchristlichen  Jahrb.  ein  mit  den  Attributen 
2  p.  67,  cfr.  1  p.  380  Anm..  89,  T'h.  A.  Visconti  verschiedener  Gottheiten,  darunter  dem  Lotos, 
et  I.  Guattani ,  JSIon.  du  Mus.  Chiaramonti  geschmücktes  Haupt  auf  Münzen  des  curu- 
p.  38  Note  3,  Renan,  Apötres  p.  146,  Krafmer,  lischen  Ädilen  vom  Jahre  69  M.  Plaetorius 
Varronis  Cuiio  de  cirftu  deorum  p.  16)  oder  M.  F.  Cestianus  (Riccio,  Le  inmiete  d.  ant. 
182  und  168  (Becker,  Hdb.  d.  r.  A.  4  p.  85,  10  famiglie  di  Roma.  2da  ediz.  p.  170  nr.  5  Tav.  36 
Nissen,  Pump.  St.  p.  174,  Marquardt,  R.  St.-  nr.  4,  Cohen,  M.  de  la  rep.  rom.  Plaetoria  11 
V.  3  p.  76  Anm.  5,  Tit.  Keim.  Rom  und  das  PI.  32,  9,  Mommsen,  H.  de  la  monn.  rom.  2 
Christentum  p.  95  Anm.  2)  beziehen,  die  Ein-  p.  481  f.)  anführt;  doch  Lafaye  p.  240  f.  hält 
führung  des  ägyptischen  Kultus  in  Rom  schon  es  für  unmöglich,  dafs  zu  dieser  Zeit  ein  Be- 
in das  3.  oder  2.  vorchristliche  Jahrhundert  amter  Münzen  mit  dem  Bild  der  Isis  schlagen 
gesetzt.  Da  aber  jedenfalls  mit  Chifletius,  liefs,  und  kann  höchstens,  wenn  das  Haupt  ja 
Abraxas  p.  136,  Gibbon,  Gesch.  d.  Sink,  d.  r.  Isis  vorstellen  sollte,  darin  eine  Anspielung 
Weltr.  (Sporschil)  ll  p.  43  Anm.  1,  Georgii  in  etwa  auf  eine  diplomatische  Sendung  de s  Plae- 
P.  R.-E.  4  p.  289  f.,  Sauppe,  Hymn.  in  Isim  torius  nach  Ägypten  erblicken;  und  Babelon, 
p.  9  Anm.,  Reichet  p.  27,  Preller,  R.  M.2  20  Monn.  cons.  2 s  p.  310  ff.  Plaetoria  nv  4  erkennt 
p.  727  Anm.  4,  Mommsen,  R.  Gesch.  34  p.  556,  in  dem  Haupt  die  sabinische  Göttin  Vacuna. 
Lanciani,  Bull.  d.  Inst.  1868  p.  231  f.,  Lafaye  Die  Verehrung  eines  Plaetorius  PJiodo  für  Isis 
p.  42 — 4.3,  45,  Wissowa  zu  Marquardt,  R.  St.-  kennen  wir  aus  C.  I.  L.  6,  347.  Als  Beizeichen 
V.  3S  p.  77  Anm.  4,  0.  Gilbert  p.  110  Anm.  1  erscheint  der  Isiskopfputz  hinter  dem  Apollo- 
(vgl.  auch  Cuper,  Harp.  p.  150,  Zoega,  N.  Aeg.  haupt  auf  Denaren  des  L.  Calpurnius  Piso  Frugi, 
Imp.  253,  Droysen,  Gesch.  d.  Hell.  32,  1  p.  49  Triumvir  monetalis  um  89  v.  Chr.  (Rev.  num. 
Anm.  3)  die  Notiz  vom  Konsul  des  J.  50  v.  Chr.  1851  PL  15,  4  bis,  Fabretti,  Rcccc.  num.  del  r. 
zu  verstehen  ist,  so  kann  die  betreffende  Stelle  mus.  di  ant.  di  Torino.  Mon.  Consol.  p.  77 
nicht  als  Zeugnis  für  das  frühe  Bestehen  des  nr.  1268;  p.  88  nr.  1512;  Babelon,  Monn.  Cons. 
Isisdienstes  in  Rom  verwertet  werden.  Auch  30  1  p.  294  nr.  230)  und  hinter  einem  jugend- 
auf  die  angeblich  bereits  von  Ennius  erwähnten  liehen  Haupt  mit  Dreizack  an  der  Schulter 
Isiaci  coniectores  bei  Cic.  de  div.  1,  58  darf  (Apollo  Vejovis  nach  Babelon)  auf  Denaren 
man  sich  nicht,  wie  dies  noch  M'achsnuilh,  des  L.  lulius  Bursio  (nach  Lenormant,  La 
Magic,  quaestion.  Spec.  1  p.  8,  Friedländer,  monn.  dans  Vant.  3  p.  152  84,  nach  Babelon 
Sittengesch.  3  p.  447  und  Bouche-Leclercq,  Hist.  88  v.  Chr.  Münzmeister),  Babelon  2  p.  7  nr.  129; 
de  la  divination  dans  Vant.  1  p.  69  thun,  be-  Fabretti  p.  150,  2765—2767,  vgl.  152,  2815, 
rufen,  sondern  mufs  auf  die  Autorität  Bothes,  wo  an  Stelle  des  fiore  di  loto  ein  Sistrum  tritt, 
0.  Ribbecks  und  Vahlens  hin  mit  Boissier,  La  welches  nach  Fabretti  227,  4354  und  Babelon 
rel.  rom.  d' Auguste  aux  Antonius  1  p.  392  u.  2  p.  403  nr.  140  auch  auf  dem  Rs.  eines  De- 
Lafaye  p.  40  Note  3,  p.  42  diese  Worte  dem  40  nars  des  L.  Roscius  Fabius,  Münzmeisters  um 
Cicero  zuschreiben.  Man  wird,  gestützt  auf  64  v.  Chr.,  und  zwar  verbunden  mit  dem  Kopf- 
die  Angabe  des  Apul.  met.  11,  30,  dafs  zur  putz  des  Osiris  vorkommt,  sowie  denn  auch 
Zeit  Sullas  ein  Collegium  der  Pastophoren  zu  der  Isiskopfputz  hier,  nr.  123  auftritt.  Auch 
Rom  entstand,  mit  St.  Croix,  Rech.  s.  les  myst.  auf  Denaren  des  L.  Papius,  Münzmeisters  um 
du  paganisme  28  p.  170,  Heinrich  zu  Juvenal  79  v.  Chr.,  erscheint  als  Beizeichen  der  Isis- 
6,  489  vol.  2  p.  266, ./.  Burckhardt,  Die  Zeit  Kon-  und  Osiriskopfputz  (fiore  di  loto):  Fabretti  202, 
stantins  des  Gr.  p.  201,  Hoeck,  Rom.  Gesch.  1,  2  3820,  Babelon  2  p.  281  nr.  65,  und  nicht  min- 
p.  372,  v.  Besnard  in  seiner  Arnobius-Über-  der  das  Sistrum:  Babelon  2  p.  281  nr.  36, 
setsung 'p.420,  Heibig,  Unters,  üb.  d.  camp.  Wand-  Morelli  1  Papia  Tab.  2,  13,  Riccio  p.  162 
maierei  p.  138,  Lafaye  p.  44  annehmen  dürfen,  50  nr.  89,  Borghesi,  Oeuvres  compl.  1  p.  226  nr.  56; 
dafs  zur  Zeit  Sullas  der  Isisdieust  in  Rom  sich  Fabretti  203,  3844;  Carouni-TTiczay  2  p.  38 
einbürgerte,  wenn  man  auch  nicht,  wie  Reichet  nr.  863.  Ein  C.  lulius  Papius,  Legionspräfekt, 
und  Gerhard,  Gr.  M.  2  p.  320  §  999  thun,  zu  verehrt  im  Jahre  25  v.  Chr.  die  Isis  auf  Philä, 
vermuten  braucht,  die  Soldaten  des  Diktators  C.  I.  G.  4931 ,  4932.  Viel  Anklang  fand  der 
hätten  ihn  aus  Griechenland  (Tithorea)  einge-  ägyptische  Gottesdienst  bei  der  römischen 
führt.  Ich  will  hier  die  wechselnden  Geschicke  Damenwelt,  Lafaye  p.  48  —  49,  Calull  10,  26. 
des  Kultus  in  der  letzten^Zeit  der  Republik  Dagegen  die  Bewunderer  der  guten  alten  Zeit, 
nicht  näher  schildern.  Überall  kann  man  wie  besonders  Vario,  verhöhnten  ihn,  Mar- 
finden,  wie  58  v.  Chr.  die  Altäre  des  fremden  quardt,  R.St.-V.  3  p.  77  Anm.  4,  Röper,  Piniol. 
Gottesdienstes  auf  dem  Kapitol,  53  Privat-  60  17  p.  86,  Öhler  zu  Varros  Satiren  p.82f.  Anm.  27, 
kapeilen  auf  Senatsbeschlufs  zerstört,  50  u.  48  O.  Ribbeck,  Rh.  Mus.  N.  F.  14,  1859  p.  105, 
ähnliche  Mafsregeln  ergriffen  wurden,  wie  trotz-  110  f.,  Vahlen,  In  M.  Ten:  Varr.  sat.  Menipp. 
dem  aber  schon  43  die  Erscheinung  eines  Isiacus  rel.  Coniectanea.  Lipsiae  1858,  vgl.  Mercklin, 
so  wenig  auffällig  war,  dafs  sich  ein  Ädil  in  Philol.  13  p.  720,  Bücheier,  Rh.  Mus.  N.  F. 
dieser  Verkleidung  aus  Rom  retteu  konnte;  20,  1865  p.  427—430  und  14,  1859  p.  430. 
wie  endlich  die  Triumvirn  selbst  den  Bau  Noch  einmal  liefs  der  römische  Nationalstolz 
eines  Tempels,  nach  Preller,  R.  M.  23  p.  379,  die  Abneigung  gegen  die  fremden  Eindring- 
Gilbert  p.  109  Anm.  2,    Marquardt,  R.  St.-V.  linge    aufflammen,    als    im   Kampfe    zwischen 


403         Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)  Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)         404 

Octavian  und  Antonius  es  zur  Entscheidung  Comtn.  de  numo  Hadriani  plumbeo  p.  135  und 
kommen  sollte,  ob  Rom  oder  Alexandria  der  Baumgarten-Crusius  in  seiner  Sueton-Ausgabe 
TVelt  gebieten  würde.  Die  römischen  Dichter  2  p.  327  irrig  behaupten;  vgl.  noch  über  die 
f'afsten  den  Kampf  als  ein  Ringen  der  ita-  Verehrung  Domitians  für  Isis  Miglia/rini,  Ann. 
lisehen  mit  den  ägyptischen  Gottheiten,  B.  d.  Inst.  1842  p.  1S1  nach  TJngardli,  Interpr. 
Bauer ,  Vierteljahr ssehr.  für  Völkstoirtseh.  und  ohelise.  urbis;  und  für  die  seiner  Zeitgenossen 
Kulturgesch.  43  p.  133  f.,  Lafoye  p.  49  ff.  Wie  Merivale  4  p.  264  u.  Anm.  44,  Lafaye  p.  61, 
schon  Caesar  die  Collegia  der  Isisdiener  in  Friedländer  3  p.  446.  Unter  Hadrian,  der 
Rom  nicht  aufkommen  liefs  (Suet.  Iul.  Caes.  seinen  schönen  Liebling  Antinous  unter  dem 
c.  42),  so  duldete  auch  Augustus,  sorgfältig  10  Bilde  ägyptischer  Gottheiten  darstellen  liefs, 
auf  die  Herstellung  des  alten  Kultus  bedacht  (Bietrichson,  Antinoos  passim)  und  seine  Villa  in 
{Merivale,  Gesch.  d.  B.  unt.  d.  Eaisert.  2  p.  368)  Tibur  mit  ägyptischen  Denkmälern  anfüllte, 
innerhalb  des  Pomeriums  den  Isisdienst  nicht  erscheinen  zum  erstenmal  die  Gottheiten  des 
(Brumann  1  p.  3S0  Anm.  89,  Lafaye  p.  51),  Nillandes  auf  den  Münzen  eines  römischen 
mochte  er  immerhin  den  Alexandrinern  nach  Kaisers.  Seine  und  seiner  Gemahlin  Sabina 
Einnahme  der  Stadt  aus  Achtung  vor  Sarapis  (die  auf  alexandrinischen  Münzen  den  Isiskopf- 
verzeihen  (Lumbroso,  Bull  d.  Inst.  1880  p.  176 f.,  putz  führt,  Feuardent,  Fg.  anc.  2,  100,  1529, 
Jung,  B.  roman.  Bandseil,  d.  r.  Seiches  p.  XIII  Mi.  6,  203,  351 ;  vgl.  St.  Quintino,  Descr.  delle 
Anm.  1),  ja  in  Rom  selbst  den  Privatleuten  die  med.  imp>.  alcss.  ineel.  del  r.  mus.  egiz.  eli  Torino 
Unterhaltung  der  von  ihren  Vorfahren  gestif-  £0  p.  19  nr.  89  =  Mi.  S.  9,  67,  242  und  Mi.  6, 
teten  Heiligtümer  der  ägyptischen  Gottheiten  204,  1357)  Ankunft  in  Alexandria  verewigen 
anbefehlen  (Cass.  Bio  62,  2).  Agrippa  ferner  Münzen  mit  den  den  Kaiser  und  die  Kaiserin 
verbot  21  v.  Chr.  die  Errichtung  von  Kapellen  bewillkommnenden  Gottheiten  Sarapis  und  Isis, 
in  den  Vorstädten  innerhalb  eines  Umkreises  Cuhen  2S,  108,  18,  19,  Feuardent  2,  338,  2623 
von  7  ' »  Stadien,  Bio  54,  6,  1!"  A.  Schmidt,  PI.  35  bis,  Hobler,  Becords  of  roman  hist.  and 
Gesch.  d.  Denk-  u.  Glaubensfreiheit  im  1.  Jdhrh.  coinage  1  p.  374  nr.  774;  mittlere  Bronzen 
p.  159,  Marguardt  3  p.  77  f.,  Madvig,  Verf.  u.  zeigen  Isis  auf  dem  Siriushund,  Felix. ,  D.  N. 
Veno.  d.  r.  St.  2  p.  729,  Lafaye  p.  52f.  Streng  V.  6  p.  512;  8  p.  138,  Cohen  2=,  219,  1369, 
ging  Tiberius  (19  n.  Chr.)  mit  Zerstörung  der  vgl.  auch  den  von  Cohen  2?,  231,  1496  frag- 
Tempel,  Hinrichtung  der  Priester  und  Verhau-  so  weise  als  Isis  bezeichneten  Typus.  Ob  mit 
nung  der  Eingeweihten  gegen  unsittliche  Aus-  Eeeht  Garrucci,  I  piombi  ant.  raccolti  dalV 
wüchse  des  Kultus  vor,  s.  oben  s.  v.  Herma-  Alticri  p.  93  Hadrian  in  der  mit  einer  Uräus- 
nubis,  Lafaye  p.  53  ff.,  Merivcüe  3  p.  195,  5S6.  schlänge  gekrönten  Büste  einer  Teasera  er- 
Für  die  Verhältnisse  unter  Gaius,  Claudius  u.  kennt,  ist  zweifelhaft;  ebenso  fraglich  scheint 
Nero  vgl.  Lafaye  p.  58 — 59;  Otho  beging  mir  Carlo  Ludovico  Viscontis  Vermutung,  auf 
öffentlich  Opfer  im  Linnengewand,  Suet.  Otho  einem  Krater  von  schwarzem  Granit  mit  Figuren 
c.  12.  Vespasian,  dem  Sarapis  seine  Erhebung  des  ägyptischen  Kultus  aus  der  Vigna  Bonelli 
zum  Kaiser  angedeutet  hatte  und  der  durch  (Ann.  d.  Inst.  1860  p.  437  —  439  Tav.  d'agg.  Po) 
von  diesem  Gott  anbefohlene  Heilungen  zu  sei  die  Einweihung  des  Kaisers  in  die  ägyp- 
einein  übernatürlichen  Ansehen  gelangt  war  10  tischen  Mysterien  dargestellt.  Auf  Münzen  der 
(Tac.  H.  4,  81,  82,  Suet.  Vesp.  c.  7),  hatte  allen  älteren  Fanstina  sehen  wir  Isis  Sothis,  Cohen 
Grund,  dankbar  zu  sein,  C.  A.  Reumann,  De  22,  434,  273,  Eclli.  7  p.  41;  8  p.  139;  sehwer- 
miraculis  Vesp  isiani.  Jenae  1704.  4°,  Felhcl,  lieh  aber  die  Häupter  der  Isis  und  des  Sara- 
I).  N.  V.  4  p.  32,  Zoega,  N.  Aeg.  Inip.  p.  42  pis  auf  der  Münze  bei  Cohen  22,  441,  311; 
Note  zu  Vesp.  5,  Guigniaut  p.  27,  Friedländer  über  eine  grundlos  als  Faustina  sen.  gedeutete 
3  p.  428,  Merivale  4  p.  106,  Lafaye  p.  60—61,  Frauenbüste  im  Isiskostüm  s.  Lafaye  2S7,  85. 
B.  Bauer  a.  a.  O.  p.  137 — 141.  —  Julian,  Caes.  Von  Marc  Aurel  berichtet  Iul.  Capit.  31.  Ant. 
p.  310  f.  ed.  Spanh.  läfst  geradezu  den  Zeus  Philos.  c.  23:  sacra  Serapidis  a  vulgaritate 
dem  Sarapis  den  Auftrag  erteilen,  Vespasian  Pelusiae  submovit,  Mommsen  C.  I.  L.  1  p.  389, 
nach  Italien  zu  senden,  um  dort  die  Flamme  50  Preller-Jordan,  B.  M.  23  p.  377  Anm.  2.  Die 
des  Bürgerkrieges  auszulöschen.  Im  Iseurn  Müuzen  der  Faustina  jun.  zeigen  Isis  Sothis, 
Campense  brachten  er  und  Titus  die  Nacht  Burnus  2,  322,  150  Tab.  3,  11,  Gräber,  Born. 
vor  dem  Triumph  zu,  Lafaye  p.  61.  Domitian  medallions  in  the  Brit.  Mus.  p.  16  nr.  3  PI.  24, 
baute  diesen  79  n.  Chr.  verbrannten  Tempel  2,  Cohen  3",  165,  300;  Isis  stehend  mit  Sistrum 
im  J.  92  neu  auf,  Imhof,  Bomitian  p.  93—94,  (u.  Ähren?),  zu  Füfsen  Pfau  u.  Löwe,  Grüber 
Lafaye  p.  61;  er  war  im  J.  69  in  der  Ver-  16,  4  PI.  24,  3,  Cohen  32,  165,  298;  Isis  Pelagia, 
kleidung  eines  Isispriesters  den  Truppeu  des  vor  ihr  Schift,  hinter  ihr  Leuchtturm,  Frühner, 
Vitellius  entkommen,  Tac.  h.  3,  73,  74,  Sust.  Les  medaillons  de  Tempi,  rom.  p.  XIII,  p.  369, 
Domit.  c.  1,  Zoega  a.  a.  0  p.  51  Note  zu  Cohen  32,  165,  299;  über  eine  nach  Gerhard 
Dom.  6;  dafs  er  sich  aber  auf  einer  Münze  eo  und  Panofka  allenfalls  die  Faustina,  nach 
im  Gewände  eines  solchen  habe  darstellen  Finati  die  Sabina  darstellende  Büste  im  Isis- 
lassen, wie  Obrecht,  Be  nummo  Domitiani  dienerinnenkostüm  s.  G.  u.  P. ,  Neapels  ant. 
Isiaco.  Argentorat.  1675.  4°,  Patin  zu  Sueton  Bildie.  p.  17  nr.  41,  Laf.  287,  86.  Commodus, 
ed.  Graevius  1691  p.  72,  ed.  Burmann  2  p.  199f.,  dessen  Anubisverehrung  schon  oben  Bd.  1 
Cannegieter,  Be  gemma  Bentinclciaua  p.  21  und  Sp.  2311  erwähnt  ist,  hat  nach  Wietersheim, 
Imhoof  x>-  25  behaupten,  ist  ganz  haltlos;  ebenso  Gesch.  d.  Völkerwanderung  3  p.  219  u.  Burck- 
wenig  erscheint  das  heilige  Schiff  der  Isis  auf  hardt,  Bic  Zeit  Konstantins  d.  Gr.  p,  203  durch 
Denaren    dieses   Kaisers,    wie    I.   C.  Schläger,  sein  Beispiel  die  höhere  Gesellschaft  zur  Teil- 


405         Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)  Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)         406 

nähme  am  Isiskult  angelockt,  vgl.  auch  Fried-  166,  211—215;    169,  241;    175,  295,  296;   180, 

länder  3  p.  177,   Renan,  Marc-Awele  p.  491,  849;   sitzend  mit  Ähren  und  Scepter  183,  384 

Gilbert   p.  111   Anm.  3.      Auf   seinen   Münzen  —386;  mit  Cerberus  169,  240;  170,  253;    175, 

erscheinen  Isis   und   Sarapis,    an   einem  Altar  297,  auf  welcher  Münze  trotz  Cohens  Versiche- 

stehend,     dem    Ton    der    Victoria    gekränzten  rung   nicht   der  Minotaurus,   auch   nicht,   wie 

Kaiser    die   Hand    reichend,    Eckh.    7   p.   131,  ich  Ztschr.  f.  Kum.  13  p.  259  vermutete,  Apis, 

Cohen  3-,  310,  592 — 595,    Smyth ,  Descr.   Cat.  sondern  einfach  Cerberus  dargestellt  sein  wird; 

of  rom.  imp.  coins   p.   164   nr.   305,    Hobler  2  298,  299,  300;   181,  352;    183,  387.     Über  die 

p.  599   nr.  1393,    Stepliani ,    C.  r.  p.  l'a.   1861  Marmorstatue    der    angeblichen    Plautilla    als 

p.  82,  Ghabouület,  Bev.  num.  1841  p.  356;  ferner  10  Isispriesterin  s.  Chirac  5  PI.  308,  2590,  p.  295. 

Sarapis    stehend    als    Conservator   Augusti   (s.  Als   ein   Wunderzeichen  unter   der   Herrschaft 

Myth.  Beiträye  1  p.  34  Anm.  1)  oder  am  Steuer  Elagabals  führt  Dio  79,  12  an,  dafs  das  Bild 

eines    Schiffes    der   Getreideflotte,    s.   Mythol.  der  Isis-Sothis  am  Aetoma  ihres  Tempels  den 

Bcitr.  1  p.  143  f.     Nach  King,  Ant.  gems  and  Kopf  nach   innen  wendete.     Die  von  Tristan, 

rings  1  p.  229  nr.  267  u.  p.  4S  PI.  12,  5  zeigt  Comm.  hist.  2  p.  328,  Patin,  Kum.  Impp.  p.  322, 

der   Marlborough  Cornea  und   ein    'sapphirine  Vaillant,   Kum.  Col.  2  p.  106  für  Sarapisver- 

Cälcedony'  der  Sammlung  King  die  Büste  des  ehrung   dieses  Kaisers  angeführten  Inschriften 

Commodus  mit  den  Attributen  des  Zeus-Arn-  sin.l    gefäUcht   oder   beziehen   sich   auf  Cara- 

mon-Sarapis,  und  ähnlich  ein  Lapis-lazuli  der  calla,    Henzen    zu    C.  I.  L.    6,    570.     Severus 

Sammlung   Blacas    die   Büste    des   Pescennius  20  Alexander  schmückte  das  Iseum  und  Serapeum 

Niger,  welcher  auf  einem  Mosaik  in  den  Gärten  aus,   Lamprid.  AI.  Sev.  c.  26,  Zoe'ga,  K.  Aeg. 

des    Commodus    mit    anderen    Freunden     des  p.  267  zu  nr.  27,   Be'ville  p.  59,   Lafaye  p.  62. 

letzteren  der  Isis  opfernd  dargestellt  war  (Spart.  Seine  Mutter  Iulia  Mamaea  erscheint  auf  einer 

Pesc.  c.  9j,  als  Sarapis,  King  1  p.  229.     Septi-  Münze    mit    dem    Kopfputz    der    Isis    geziert, 

mius  Severus  äufserte  oft,  dafs  ihm  seine  Reise  Ztschr.  f.  Kum.    13  p.  263  ff     Von  Gordiauus 

nach  Ägypten  u.   a.   wegen  des   Sarapis  Ver-  Pius  verzeichnet  Cohen  5S,  40,  91  eine  Münze 

gnügen  bereitet  habe,  Spart.  Stpt.  Sev    c.  17,  mit  dem  st  henden  Sarapis,  desgleichen  solche 

vgl.   Letronne,    Oeuvr.  chois.  2   p.  48,    Be'ville,  von  Gallienus  52,  422,  833;  424,  839;  435,  975 

I).  Bei.  z.  Born    mit.  d.  Severern  p.   58,   Laf.  (,,comes   Aug."),    vgl.    Eckhel   7    p.   393,   400; 

p.  62   Anm.  2',    Hoefuer,    Unters,  s.  Gesch.   d.  30  sowie  von  Claudius  Gothieus,  Myth.  Beiträge 

Kaisers  L.  Septimius   Severus  p.  237  ff. ;    ~M.il-  1   p.  43  Anm.  1  (Conservator  Augusti);    Cohen 

man,   A   hist.  of  chrütianity   1   p.  350  f.     Für  62,  136,59  mit  Isis  zusammen,  die  auch  allein 

die  ihren  Fufa  auf  ein  Schiffsvorderteil  setzende,  als  SALVS  AVG  erseheint,  62,  155,  255  —  257, 

ein  Kind  haltende  Frauengestalt  auf  Münzen  der  Eckhel   7    p.   473.      Diocletian    errichtete    das 

Iulia  Domna  mit  der  Rs.-Aufschrift  SAECVLI  wieder  abgebrannte  IseumCampense  von  neuem, 

FELICITAS    wird    zwar    von    Cohen    4'-,    119,  Biichel  p.  41,    Pellcgrini,   Bull.  d.  Inst.  1870 

174—176    Caronnis  Bezeichnung   als   Isis   und  p.   118  f.     Auf  eint-m  Bronzemedaillon  Diocle- 

Horus   angenommen;    es   ist  aber,   wie   Coh°n  tians  bei   Vaillant,  Kum.  Impp.  Born.  Praest. 

selbst,    wenigstens    frageweise,  vermutet,   die  3  p.  225,   das  aber  Cohen  nicht  aufgenommen 

Felicitas  Saeculi  hier  personificiert.    Besonders  40  hat,   sitzt  Sarapis   am  Steuer,   vor  ihm   steht 

war  Caraealla   dem   fremden  Kultus   ergeben;  angeblich  Victoria;  auf  mittleren  Bronzen  des 

er  zog  vor  dem  Partherkrieg  nach  Alexandria,  Maximian  kehrt  dieser  Typus  wieder,  nur  dafs 

um  den  Sarapis  dort  zu  befragen,  weihte  ihm  hier  die  Stelle  der  Victoria  durch  Isis  ersetzt 

das  Schwert,    mit   dem    er   seinen  Bruder   er-  wird,   die  in  Wirklichkeit  vielleicht  auch  auf 

mordet  hatte,  und  nahm  im  Serapeion  Quartier,  der   Münze   bei   Vaillant   erscheint,   Cohen   62, 

Herodian  4,  8,  Cuss.  Dio  77  c.  23,  vgl.  Fried-  561,  667,  Myth.  Beiträge  1  p.  143.     Aus  dem 

länder  3  p.  740.    Er  zuerst  nahm  den  Isiskult  breviar.  Born.  3.  Kai.  Sept.  führt  Bartoli,  Mus. 

innerhalb  des  Pomeriums  auf  und  erbaute  der  Odescalcum  2  p.  81  an,  wie  der  Märtyrer  Felix, 

Göttin  überall  prachtvolle  Tempel,  Spart.  Carac.  unter   Diocletian    zum   Sarapistempel  geführt, 

9,  Gilbert  p.  111  Anm.  3,  Lafaye  p.  62  Note  3,  so  statt    dem    ehernen  Götterbild  zu   opfern,    es 

Preller -Jordan,  B.  31.   23  p.  380  u.  Anm.  1,  anspie,  worauf  dasselbe  zusammenbrach.     Die 

Parisotti,   Studi  e  doc.   di  st.  e  dir'.    9,    1888  Acta  Sinuessana,   nach  denen  Papst  Marcel- 

p.  56  f.     Seine   römischen  Münzen   stellen  ihn  linus  unter  Diocletian  im  Isis-  und  Vestatempel 

dar  auf  ein   Krokodil  tretend  gegenüber   der  geopfert  hat,   Palrol.  IM.  6  p.  11  ff. ,   werden 

ein  Sistrum  haltenden  und  ihm  Ähren  reichen-  von  Baronius,  Ann.  pol.  eccl.  2  p.  738ff.,  770ff., 

den  Isis  (Eckhel  7  p.  215,  Cohen  42,  177,  319;  Pagi,   Critica  in  ann.  Baronii  1   p.  326—327, 

179,  334),  während   die    alexandrinischen   ihn  Basnagius,   Ann.   pol.    eccl.    a    Caes.   Aug.   ad 

durch  Sarapis  bekränzt  werden  lassen,  Eckhel  Phocam  itsque  2  p.  460  -462  für  untergeschoben 

4  p.  84,  Feuardent  2,  169,  2309  PL  28,  Mi   6,  erklärt.     Hart   stiefsen   in   späterer   Zeit   auch 

356,  2490,  vgl.  S.  9,  103,  485.     Die  von  Eckhel  60  in  Rom  Christentum  und  Isiskultus  zusammen. 

7  p.  207   für  Isis   gehaltene  Frauengestalt  auf  Die   oben   citierten   christlichen   Schriftsteller, 

Münzen   mit  der  Umschrift  VICTORIAE  BRI-  welche  den  Anubis  verhöhnten  (Bd.  1  Sp.  2314), 

TANNICAE     stellt     vielmehr     Britannia    vor,  richteten    ihre    Angriffe     ebenso    gegen    Isis. 

Arneth,   Mus.  Vinci.  2,   135,  141,  Cohen  42,  210,  Nach  dem  Siege  des  Christentums  aber  waren 

639—641,    Smyth    p.    192  f.      Aufserordentlich  es  gerade  die  edelsten  und  vornehmsten  Römer, 

häufig  erscheint  Sarapis   auf  seinen  Münzen:  welche  an  den  heidnischen  Kulten  festhielten, 

stehend  mit  Ähren,    Coh.  43,   183,  381—383;  Noch  Ambrosius  bei   Baronius  2  p.  241   (ed. 

die  R.  erhoben,  in  der  L.  ein  Scepter  165,  195;  Antverpiae  1597)  sagt  von  römischen  Adligen 


407         Isis  (Gesch.  d.  Kults  in  Rom)  Isis  (Kult  in  Rom:  Widmungen)       408 

seiner  Zeit:    'Et  cum  ipsi  capita  et  supercüia  des  Hellenismus  bald  ein  Ende,  Allard-p.  143ff., 

sua  radant,  si  quando  Isidis  suscipiunt  Sacra,  de  Bossi  p.  63. 

si  forte  vir  Christianus  attentior  sacrosanctae  Widmungen  an  Isis  enthalten  C.  I.  L.  6, 
religionis  vestem  mutaverit,  indignum  facinus  344;  345  =  Fröhner,  Not.  de  la  sculpt.  ant.  du 
appellant:  equidem  doleo  tantam  esse  in  nun-  Muse'e  du  Louvre  p.  493  nr.  563;  346;  347; 
dacio  obserrantiam.'  Eine  der  würdigsten  Er-  349;  an  Isis  frugifera  851;  Isis  (?)  invicta  352; 
scheinungen  jener  späten  Zeiten  war  Vettius  I.  regina  354  =  Fröhner  1  nr.  561;  I.  trium- 
Agorius  Praetextatus ,  den  Macrob.  1,  17,  1  phalis  355;  I.  salutaris  436;  I.  Lydia  educatrix 
sacrorum  omnium  pracsul  nennt  und  der  zu-  Bull.  Gomun.  1889  p.  37;  'I.  Tv%t}  C.  I.  Gr. 
gleich  augur,  pontifex  Testete,  pontifex  Solls,  lo  6005  (6004  I.  exorata  und  6003  gefäLcht, 
XVvir  sacris  faciundis,  curialis  Herculis,  Mommsen,  Ber.  d.  Sachs.  Ges.  1852  p.  256); 
ferner  sacratus  Libero  et  Eleusiniis  hierophania,  an  Isis  u.  Osiris  (eine  mansio)  C.  I.  L.  6,  348; 
ncocorus,  „was  freilich  ein  oft  vorkommender  I.  invicta  und  Serapis  353;  Seiapis  u.  I.  3709; 
Titel,  aber  vorzugsweise  dem  Dienst  des  Sa-  invictus  deus  Serapis  u.  I.  regina  574  u.  add.; 
rapis  eigen  ist"  (Jahn),  taurobolieitus,  patcr  die  Widmung  eines  lsqsvs  xara  tiilivaiv  Ei- 
patrum  oder  patrum  sacrorum  war,  s.  0.  John,  ocimäog  C.  I.  Gr.  5994;  Widmungen  an  Sara- 
Bcr.  üb.  d.  Verh.  d.  Sachs.  Ges.  d.  W.  1851  pis  C.  I.  L.  6,  570  (von  Caracalla);  571;  572 
p.  338—342,  Beugnot,  Hist.  de  la  destruetion  =  Laf.  291,  98;  402  von  Scipio  Orfltus,  der 
du  paganisme  1  p.  442  ff.,  V.  Sehultze,  Gesch.  295  n.Chr.  sich  einem  Taurobolium  unterzieht; 
d.  Untergangs  des  griech.-röm.  Heidentums  1  so  573  (S.  conservator);  707  (nebst  anderen  Gott- 
p.  231  ff.,  252,  Henzen,  C.  I.  L.  6  p.  398  zu  heiten);  C.  I.  Gr.  5993  =  Waddington,  Fastes 
nr.  1779.  Eine  treue  Gefährtin  fand  er  in  des  prov.  asiat.  p.  218,  178;  6002,  b.  Not.  d. 
seinen  Bestrebungen  an  seiner  edlen  Ge-  seavi  1879  p.  332  =  Bull.  Comun.  8,  1880  p. 
mahlin  Aconia  Fabia  Paulina,  welche  in-  13f.  nr.  160;  5996  (freilich  Ungewisser  Her- 
schriftlich bezeichnet  wird  als  sacrata  apud  kunft,  vgl.  Dessau,  Bull.  d.  Inst.  1882  p.  155 
Eleusinam  cleo  Iaccho  Cereri  et  Corae,  sa-  Note  1);  6002  (aus  dem  Jahre  299  n.  Chr., 
crata  apud  Laernam  dio  Libero  et  Cereri  et  auch  ungewisser  Herkunft,  aber  nach  Dessau 
Corae,  sacrata  apud  Aeginam  deabus,  tauro-  a.  a.  0.  u.  C.  I.  L.  14  p.  18  wahrscheinlich 
bolitda ,  Isiaca ,  hierophantria  dcae  Heeatae,  aus  Rom;  dagegen  5999  gefälscht,  Mommsen 
C.  I.  L.  6,  1780,  vgl.  1779  d,  Jeden  p.  340-341.  30  a.  a.  0.  p.  256,  Dessau  p.  155);  an  Apollo  Har- 
Der  Freund  des  Symmachus  Virius  Nicomaehus  poerates  (?)  C.  I.  L.  6,  31.  Von  Priestern  und 
Flavianus,  Konsul  im  Jahre  394,  suchte  nach  Er-  Eingeweihten  des  Kultus  erscheinen:  sacerdos 
mordung  des  Valeutinian  IL  durch  Arbogastes  Isidis  et....  CLL.  6,466;  Isidis  Capitolinae 
unter  der  Herrschaft  des  Eugenius  den  alten  2247;  2248;  sacerdos  Isidis  reginae  megale- 
heidnischen  Kultus  wieder  in  Rom  zur  herr-  phorus  Eph.  epigr.  4  p.  302,  875;  propheta 
sehenden  Religion  zu  machen.  Das  Carmen  846;  naatocpögog  &täg  Nitliöti.Sog  Ei'atäog  uyrijg 
Codicis  Parisini  8084  (Morel,  Bev.  arch.  17,  C.  I.  Gr.  6202,  Kaibel  586,  Eph.  ep.  4  p.  301 
1868  p.  451—459;  18  p.  44-55,  de  Bossi,  Bull.  nr.  874;  sacrorum  Isidis  C.  I.  L.  6,  2224;  2245  ; 
di  archeol.  crist.  1868  p.  49—58,  61—65,  Ellis,  2246  =  Lumbroso,  Birista  di  fllol  1875  p.  18S 
Journ.  of  pliil.  2  p.  66 — 80,  Mommsen,  Hermes  40  — 189;  fanaticus  ab  Isis  et  Serapis  2234;  Gal- 
4,  1S70  p.  350 — 63,  Biese,  Anth.  Lat.  1  p.  13  Ins  Diasuriaes  ab  Isis  et  Serapis,  Bull.  Comun. 
—  17  nr.  4,  E.  Baehrens,  Bh.  Mus.  N.  F.  32,  8,  1880  p.  9  nr.  152,  A,  Bull.  d.  Inst.  1880 
1877  p.  211—225,  vgl.  Schnitze  1  p.  288  Anm.  3,  p.  65,  Eph.  ep.  6,  300,  873;  sacerdos  Bubastium 
Allard,  L'art  paien  sous  les  emp.  chictiens.  C.  I.  L.  6,  2249;  Bubastiaca  3880.  C.  I.  Gr. 
Paris  1879  p.  136 — 147)  schildert  anschaulich  5995  u.  6656  b.  mit  viaKÖgog  und  isgoxogog 
'ce  curieux  revived  paien',  wie  eine  dreimonat-  des  Sarapis  sind  gefälscht,  Mommsen  a.  a.  O. 
liehe  Lustration  angestellt  (v.  28,  29\  aus  Etru-  p.  256f. ;  zweifelhaft  ob  auf  Isis-Kult  bezüg- 
rien  Wahrsager  berufen  (v.  50),  der  Florakultus  lieh  ist  Not.  d.  sc.  1877  p.  82,  Bull.  Comun. 
erneuert  (v.  112  —  114),  die  Feste  der  Isis  mit  1877  p.  6,  1,  Eph.  ep.  6,  271,  767;jGrab- 
Pump  gefeiert  wurden  (v.  98  — 101,  Allard  50  inschriften  mit  der  Formel  8oi'[n]  col  6  "Oaigig 
p.  140),  wie  Flavianus  sich  des  Nachts  in  den  zo  U'V/gov  vdag  C.  I.  Gr.  6562;  svxpvx(^)i 
Tempel  des  Sarapis  begab  (v.  91,  Allard-p.  140),  fitra  zov'  'OasigiSog  6650;  vgl.  6256  u.  6267; 
wie  er  sich  in  deu  Mithraskult  einweihen  liefs  Altäre  mit  Sistrum  Gruter  p.  82,  3  u.  4. 
(v.  47),  dem  Taurobolium  sieh  unterzog  (v.  Über  die  Heiligtümer  in  der  2.,  3.,  5.,  6., 
57—62);  wie  ein  Teil  der  römischen  Aristo-  [8.],  9.  u.  12.  Region  s.  Lafaye  p.  200—228 
kratie  bei  den  Megalensia  dem  Löwengespann  u.  Add.,  Gilbert  p.  112,  Prcller-Jordan  23  p. 
der  Cybele  folgte  (v.  103— 109).  Nach  Sehultze  380  Anm.  3;  über  den  Kult  auf  dem  Capitol 
p.  288  gehört  in  diese  Zeit  auch  das  aus  85  auch  Bücheier,  Bh.  Mus.  N.  F.  19,  1864  p.  639 
Hexametern  bestehende  Gedicht  ad  stnedorem  nach  einem  Scholion  zu  Vergil  Am.  2,  714; 
ex  christ.  rcligione  ad  idolorum  servitutem  con-  60  über  das  Heiligtum  der  9.  Region  (Marsfeld) 
rirsum  in  den  Opp.  Cypricud  ed.  Hartcl.  Gilbert  p.  HOf.  Anm.  2,  Leenciani,  Le  recenti 
Appendix  p.  302  ff.,  welches  einen  vor  einigen  scoperte  dell' Iseo  Gampensc  deserüte edittustrate. 
Jahren  zum  Christentum  übergetretenen  Se-  Roma  1883  (Estr.  dal  Bull.  Comun.),  Barnabei, 
nator  tadelt,  dafs  er  reuig  sich  dem  Kultus  Academy  1883  July  1,  7,  Aug.  18,  Maiuechi, 
der  alten  Götter,  besonders  der  Isis  („Göttin,  Nwva  antologia.  2aa  serie  vol.  40.  1883  p.  160 
ich  habe  gesündigt,  vergieb,  ich  bin  zurück-  -  166,  494—504;  über  die  Feste  Mommsen, 
gekehrt"),  wieder  zugewendet  hatte.  Freilich  C.  1.  L.  1  p.  387  ff.  Aus  Mangel  an  Raum 
machte  der  siegreiche  Theodosius  dem  Triumph  verzeichne  ich  nicht  die  Unzahl  der  bildlichen 


409              Isis  (Kult  in  Ostia  etc.)  Isis  (Kult  in  Praeneste  etc.)         410 

Denkmäler,  welche  der  Boden  Roms  geliefert  buch ,  D.  Dianaheiligtum  in  Nemi,  Verh.  d. 
hat;  einiges  davon  findet  man  bei  Lafaye  pas-  40.  Vers,  deutscher  Piniol,  p.  147  — 164)  ent- 
sim;  die  Thonstempel  mit  Namen  von  Frei-  hält  C.  I.  L.  14,  2215.  Isispriester  kennen  wir 
gelassenen  der  Domitier  u.  Sistrum  bei  Desce-  aus  Privernum  0.  I.  L.  10,  6445;  Tuscu- 
met,  Inscr.  doliaires  latines  nr.  72,  73,  74,  87,  lum,  C.  I.  L.  14,  2589;  Tibur  C.  L  L.  14, 
103;  Bleitesseren,  meist  aus  dem  Gebiet  von  3033,  an  dessen  Heilquellen  nach  F.  Gori,  Ar  eh. 
Rom  und  den  Städten  Latiums  mit  ägyptischen  stör.  art.  e  lett.  vol.  3  p.  335  eine  Statue  der 
Darstellungen  u.  a.  bei  Garrucci,  I  piombi  Isis  gefunden  sein  soll  und  in  dessen  Nähe 
ant.  racc.  dall'Alticri  p.  66,  67,  69,  75,  79,  Hadrians  Villa  stand  mit  Canobus  (Spart,  v. 
88,  91,  92.  10  Haar.  o.  26)  und  einer  Unzahl  Nachbildungen 
Natürlich  war  Roms  Hafenstadt  Ostia  mit  ägyptischen  Stils  ( Winchelmann,  Sämtl.  Werke 
Portus  dem  ägyptischen  Gottesdienst  in  hohem  6  p.  279ff.,  Gregorovhts,  Gesch.  d.  r.  Kais. 
Mafse  ergeben.  Isis  hatte  ibr  Hauptheiligtum  Iladrian  p.  222  ff. ,  Nibby ,  Descr.  dclla  villa 
in  Ostia,  Sarapis  das  seine  in  Portus,  C.  L.  Adriana.  Roma  1827,  Bcsclir.  d-  Stadt  Rom  3, 
Visconti,  Ann.  d.  Inst.  1868  p.  381,  Dessau,  1  p.  146),  darunter  auch  Darstellungen  der 
C  I.  L.  14  p.  18,  Gatti,  Ball.  Comun.  1886  Isis,  Lafaye  p.  244,  280f.  nr.  57-60  (Statuen); 
p.  175.  L.  Valerius  Firmus  war  zugleich  Mem,  per  le  belle  arti  1788  p.  CI,  Welckers 
sacerdos  Isidis  Ostensis  et  M(atris)  D(eum)  Ztschr.  f.  Gtsvlt.  u.  Ausl.  d.  a.  Kunst  1  p.  291 
Trastib(erinae)  d.  h.  der  Cybele  in  Portus,  C.  nr.  2  (erhabene  Mosaikarbeit)  u.  des  Harpo- 
I.  L.  14,  429;  einen  anderen  sacerdos  Li(dis  20  krates,  Lafaye  p.  282,  65,  Chirac  4  PL  763, 
Ostensis)  lehrt  kennen  C.I.  L.  14,  437;  einen  1876,  Muniagnani-Mirabili  2  tav.  72  p.  14 — 16, 
sacerdos  san  tae  reginae  iudieio  maiestatis  Beschr.  d.  St.  Born  3,  1  p.  238  nr.  35,  Winckel- 
eius  electus  Anubiacus  G.  I.  L.  14,  352;  die-  mann  9  p.  312,  Fea,  Mise.  crit.  1  p.  CLX,  87. 
selbe  Inschrift  u.  C.  I.  L.  14,  343  je  einen  Cultores  Isidis  giebt  es  in  Atina  G,  I.  L.  10, 
Isiacus;  Eph.  ep.  7  p.  356,  1194  einen  Isiacus  5049;  ein  collegium  Isidis  in  Aternum  vicus 
et  Anubiacus,  der  der  Isis  regina,  der  restitu-  (Pescara)  im  Vestinergebiet,  G.  I.  L.  10,  3338. 
trix  salutis  suae  eine  Bildsäule  des  Mars  weiht.  Praeneste,  bekannt  durch  seine  phöniko- 
In  der  zu  Poi  tus  gefundenen  Inschrift  C.  1.  L.  ägyptischen  Altertümer  (Fernique,  Etüde  sur 
14,  18  errichtet  ein  sac(erdos)  deae  Isidis  und  Pre'neste  p.  170  nr.  11;  p.  174  nr.  4,  5,  7; 
die  übrigen  Isiaci  ein  magar(um)  u.  zwei  Frauen  30  p.  176  nr.  22;  p.  178,  p.  180;  Fabiani,  Bull. 
erweitern  dasselbe,  CLL.  14,  19.  Eine  Isiaca  d.  Inst.  1881  p.  83;  Not.  d.  sc.  1876  p.  40— 
tritt  uns  entgegen  302  und  nach  den  Reliefs  zu  41,  113 — 126;  Heibig,  Ann.  d.  Inst.  1879  p.  5  — 
urteilen  auch  1044;  eine  Bubastia,  die  der  Isis  18,  Fabiani  ebenda  p.  18-23),  seine  Obelisken 
Bubastis  eine  silberne  Venusstatue,  weiht  21  (Zoega,  De  orig.  et  usu  ob.  p.  83 — 84,  Not.  d. 
u.  add.  Die  Weihung  einer  ara  an  saneta  Isis,  sc.  1881  p.  247,  Maruechi,  Bull.  d.  Inst.  1881 
numen  Serapis  sanetum,  Silvanus,  Lares  meldet  p.  255 — 256,  1882  p.  248 — 252),  seine  Mosaik 
20.  Ein  Schiff  führt  nach  der  seewaltenden  mit  ägyptischen  Landschaftsscenen  (Lumbroso, 
Göttin  den  Namen  Isis  Giminiana  2028.  Die  Borna  e  V  Fgitto  cap.  2.  Bappr.  di  cose  nilo- 
auf  die  Neokoren  des  grofsen  Sarapis  in  Por-  tiche  Musaico  di  I'alestrina  p.  11  —  18),  hatte 
tus  bezüglichen  Inschriften  hat  Dessau,  Bull.  40  nach  C.  I.  Gr.  5998,  G.  I.  L.  14,  2901,  Fer- 
d.  Inst.  1882  p.  152-156  =  C.  I.  L.  14,  188,  nique  p.  118  nr.  1  einen  Tempel  des  Sarapis 
47  u.  p.  18  zusammengestellt.  Eine  griechische  und  seiner  ovvvuoi  &soC;  auch  wurde  dort  eine 
Widmung  an  dieselbe  Gottheit  u.  die  avvvaoi  Statue  der  Isityche  der  Fortuna  Prirnigenia  ge- 
ftioi  giebt  Gatti,  Bull.  Com.  14,  1886  p.  173—  weiht,  C.  I.  L.  14,  2867,  Maruechi,  Bull.  d. 
180,  1207.  Cultores  Serjapis  will  Lunciani,  Inst.  1881  p.  253.  Weihinschriften  an  Sarapis 
Bull.  d.  Inst.  1870  p.  21  in  der  von  ihm,  ab-  hat  man  auch  aus  Cercatae  Marianae  (Ca- 
weichend  von  Dessau,  für  eine  Widmung  an  samare),  C.  I.  L.  10,  5780  u.  Auximum  CLL. 
Isis  und  die  Mater  Deurn  gehaltenen  fragmen-  9,  5824.  Nach  Marangoni  p.  283  und  Lisi, 
tarischen  Inschrift  C.  I.  L.  14,  123  entdecken.  Historia  Sorae.  Roma  1728  (citiert  von  Nico- 
Ferner  haben  wir  Widmungen  an  Isis  und  50  lucci,  Not.  d.  sc.  1880  p.  391)  hatte  Serapis 
Sarapis  aus  Marino  (zwischen  Bovillae,  wo  einen  Tempel  in  Sora;  ein  Bronzeplättchen 
eine  Kolossalbüste  des  Sarapis,  Overbeck,  Zeus  mit  der  Aufschrift  HMeTePI-<t>l;AeiCe  C6PATT 
p.  307  nr.  1  u.  ein  Thongefäfs  mit  eingepräg-  ist  in  Velitrae  gefunden,  Cardinali,  Iscr.  ant. 
tem  Sistrum,  Fabrctti,  Inscr.  quae  in  aedib.  Velit.  p.  181,  Ct.  5,  115,  Frans,  Mem.  ep.  gr. 
paternis  asserv.  p.  491,  gefunden  sind,  und  p.  371,  Duc.  ined.  p.s.  a.  st.  d.  Mus.  d'Italia  3 
Castrimoenium)  C.  I.  L.  14,  2427;  Nomen-  p.  480,  Xdiv.  nr.  3  (vgl.  1  p.  350  §25  nr.  249; 
tum  (La  Mentana),  C.  I.  L.  14,  3941;  Forum  p.  380  §  52  nr.  251).  Die  von  Gruter  p.  85,  8 
Novum  (Vescovio  im  Sabinerland)  C.I.L.  9,  u.  Orelli  1887  verzeichnete  Weihinschrift  an 
4772;  an  Isis  aus  Terraeina,  C.  I.  L.  10,  Sarapis  aus  Cures  ist  gefälscht  C.  I.  L.  9, 
6303,  de  la  Blanchere ,  Terracine.  Paris  1884  60  Fah'ie  456*;  die  von  Orelli  2308  nach  Reate 
p.  116;  Aquinum  C.  I.  L  10,  5387;  Telesia  gewiesene  Inschrift  gehört  nach  Rom,  C.I.L. 
C.  I.  L.  9,  2196;  Corfinium  G.  I.  L.  9,  3144;  6,2244.  Aus  der  Sabina  stammt  eine  Lampe 
Asculum  Picenum  C.  I.  L.  9,  5179.  Bilder  mit  den  Büsten  des  Sarapis  und  der  Isis  als 
des  Sarapis  und  der  Isis  werden  gestiftet  in  AAGEIKAKOI,  Bull.  d.  Inst.  1862  p.  35;  aus 
Aequiculi  C.  I.  L.  9,  2196;  ein  Verzeichnis  Pratica  eine  grüne  Porzellanfigur  der  den 
der  in  die  Heiligtümer  der  Isis  u.  Bubastis  Horus  säugenden  Isis,  Lafaye  286,  80;  aus 
geweihten  Gegenstände  aus  dem  Dianaheilig-  Circeji  ein  Canopus  aus  grünem  Basalt, 
tum   von  Nemi   (vgl.   über  dasselbe  0.  Bofs-  Winchelmann  3  p.  218,  Beschr.  d    St.  Born  3, 


411           Isis  (Kult  in  Etrurien  etc.)  Isis  (Kult  in  Helvetien  u.  Gallien)     412 

2  p.  522,  Fea,  Inclic.  ant.  per  la  villa  suburbana  und  Eegium  Lepiduru,  sowie  im  transpada- 

dell  Em.   Casa  Albani  ed.  2a   nr.  586.     Über  nisehen  Oberitalien  habe  ich  in  meinen  Myth. 

Anubiskult  in  Antium  s.  ob.  1  Sp.  230G.  Bcitr,  1  p.  6—8  gesammelt.    Die  einschlägigen 

Etrurien,  das  besonders  in  den  Nekro-  Inschriften  von  Bononia,  wo  die  Kirche  des 
polen  vonCervetri  und  Vulci  reiche  Fund-  h.  Stephanus  nach  Massimi.  Bologna  Perlu- 
stätten  phöniko-ägyptischer  Altertümer  besitzt,  strata  p.  312  bei  Marangoni  p.  270  an  Stelle 
schlol's  sich  in  der  Kaiserzeit  von  der  Ver-  des  Iseums  stehen  soll,  sind  verzeichnet  C.  I.  L. 
ehrung  der  Isis  und  des  Sarapis  nicht  aus.  11,  693  —  695;  Orelli  2315  gehört  nach  C.L.L. 
Aus  Falerii,  wo  einst  Rutilius  Numatianus  11,  819  nach  Mutina,  wo  auch  die  an  die 
an  der  Festfeier  des  'renovatus  Osiris'  teil-  10  Auxilia  gerichtete  Weihiuschrift  G.  L.  L.  10, 
nahm  [de  reditu  suo  vs.  371  ff.),  wo  eine  Bronze-  816  (vgl.  Apul.  met.  11,  10)  gefunden  ist;  die 
Statuette  der  Isis,  De  Witte,  Descr.  de  la  coli.  Iuschrift  von  Veleia  C.  L.  L.  11,  1160. 
d'ant.  de  M.  Beugnot  p.  127  nr.  377  und  des  In  der  Schweiz  kennen  wir  die  Errichtung 
stehenden  Sarapis,  Michaelis,  Anc.  Marbles  in  eines  Isistempels  in  Aquae  aus  einer  Inschrift 
Great  Britain  p.  600  nr.  4  gefunden  wurde,  von  Wettingen,  Orelli  457  u.  lnscr.  Ltele.  nr.  264, 
ist  inschriftlich  ein  sacerdos  Lsidis  et  Matris  Mitt.  d.  ant.  Ges.  in  Zürich  2,  1844  p.  167, 
Deum  bezeugt  0. 1.  L.  11,  3123.  In  Florenz  Keller  ebenda  12  p.  300,  Momtnsen,  Lnscr.  con- 
wurden  gefunden  'nel  farsi  il  nuovo  convento  fed.  Helv.  lab.  nr.  241,  Schaaffliausen,  Bonner 
de'  paclri  delV  oratorio  diS.  Firenze'  die  Marmor-  Jalirbb.  H.  82.  1886  p.  214.  Funde  von  Sta- 
basen  G.  I.  L.  11,  1577  — 1586  mit  Weihinschrif-  20  tuetten  der  Isis  weiden  verzeichnet  aus  der 
ten  an  Isis  regina;  u.  hinter  der  Kirche  des  h.  Gegend  von  Aarau  (mit  Horos,  Bronze),  Arch. 
Blasius  ein  Marmorkopf  des  Sarapis,  Gori,  Lnscr.  Zeit.  1880  p.  39,  vgl.  Bemoulli,  Mus.  in  Basel 
ant.  quae  in  Etruriae  urbibus  extant  3  p.  312;  p.  61  zu  nr.  206;  Vindonissa,  wo  auch  ein 
in  Faesulae  zwischen  der  Kirche  des  h.  Agath  Onyx  mit  dem  Kopfe  des  Sarapis  ge- 
Alexander u.  dem  Seminar,  vermutlich  an  der  funden  wurde ,  Hcdler  v.  Königsfelden,  Hclvet. 
Stelle  des  Iseums,  die  Inschriften  C.  L  L.  11,  unt.  d.  Mömem  2  p.  385,  402;  vgl.  auch  Keller, 
1743  geweiht  dem  Dominus  Osiris  und  1544  Mitt.lb  p.  158  nr.  7,  21  Taf.  11;  Aventicum, 
geweiht  der  Domina  Isis  Taposiris;  zu  beiden  H.  Hagen,  Avcntikum  (S.-A.  aus  den  Alpen- 
gehörten  Statuen;  _die  zu  1544  gehörige  der  rosen)  Bern  1876  p.  27;  Angst  (mit  Horos, 
sitzenden  Isis  mit  Ähren  und  Situla  ist  bis  auf  30  Bronze),  Bemoulli  a.  a.  0.  p.  61,  206,  welcher 
das  Haupt  und  den  1.  Arm  vollständig  er-  von  ebendort  verzeichnet  die  Bronzestatuetten 
halten,  s.  Gamurrini,  Not.  d.  sc.  1883  p.  75—  des  Amor  mit  harpokratesartig  zum  Kinn  er- 
76,  Barnabei,  Acadcmy  1883,  March  31.  In  hobener  R  p.  52,  147,  des  Osiris  61,  204,  einer 
Perusia  scheint  sich  ein  ministerium  lsidis  Statuette  im  ägypt.  Stil  61,  208,  eiuer  mumien- 
befunden zu  haben,  C.  L.  L.  11,  1916  p.  353.  artigen  Figur  62,  209,  sowie  die  Statuetten 
Aus  anderen  Orten  sind  wenigstens  Funde  von  eines  Verstorbenen  als  Osiris  in  blauem  Thon- 
Denkmälern  zu  verzeichnen,  so  aus  Caere  schmelz  62,  213;  63,218.  Die  Bronzestatuette 
eine  Reliefplatte  mit  Isis  auf  dem  Siriushund,  der  'Isis  mit  dem  Modius  bedeckt,  in  etrus- 
Matz  u.  v.  Duhn,  Ant.  Bildw.  in  Born  3  p.  48  kischem  Stil'  auf  dem  Mont  Joux,  H.  Meyer, 
nr.  3534;  Lafaye  290,  93  u.  Mel.  d'arch.  et  10  Mitt.  13  p.  126  hat  mit  der  ägyptischen  Göt- 
d'hist.  1,  1881  p.  192—214,  PI.  6;  aus  Pisa  tin  nichts  zu  thun;  dasselbe  gilt  von  einem 
ein  Marmorkapitäl  mit  Acanthusblättern  und  von  Keller,  Mitt.  15  p.  157  Taf.  4,  6  als  'Kopf 
Victorien,  zwischen  denen  Harpokrates  her-  einer  Statue  der  Isis  aus  Sandstein' mitgeteilten 
vorragt,  mit  einem  gleichen  den  Iupiter  dar-  weiblichen  Porträtkopf  aus  Stein  egg  im  Thur- 
stellenden  im  vorigen  Jahrh.  an  der  Aufsen-  gau,  s.  Benndorf,  D.  Ant.  v.  Zürich,  Mitt.  17 
wand  der  Kirche  des  h.  Felix,  Gori  a.a.O.  2  p.  128  nr.  9.  Der  angebliche  Isistempel  auf 
p.  2,  jetzt  an  der  Facade  eines  Privathauses  dem  Isenberg  bei  Ottenbach  im  Kanton  Zü- 
angebracht,  Chanot ,  Gaz.  arch.  1877  PI.  29,30  rieh  ist  nach  F.  Keller,  Mitt.  15  p.  109 f.  eine 
p.  184 — 185,  Lafetye  p.  269,  16,  Thcdenat,  Bull.  Villa;  den  Fund  einer  Gemme  mit  Sarapiskopf 
de  la  soc.  not.  des  ant.  de  Fr.  1883,  3e  livr.,  50  zwischen  Victorien  bei  Zürich  verzeichnet 
Ben.  d.  Bev.  8  p.  207.  Nach  einer  Notiz  Thioly,  Schweiz.  Anz.  1870  p.  154,  Arch.  Zeit, 
de  Wittes  aus  dem  Jahre  1838  gab  es  an  dem  1871  p.  12*. 

Hause  noch  vier  andere  Kapitaler  mit  den  Bil-  In   Gallien   fanden   sich   zahlreiche  Reste 

dern  von  Isis,  Ceres,  Minerva  und  Venus.    Un-  des  fremden  Kultus  in  Massilia,  so  Inschrift 

weit  Cosa  wurde  ein  Sistrum,    Bull.  d.  Lnst.  eines  profeta,   C.  I.  L.  12,  400  add.,   Gamille 

1829  p.  7,    1830  p.  254;    Micali ,    Mon.    ined.  Jullian,  BvXl.  epigr.  de  la  Gaule  6, 1886  p.  117— 

p.  109  tav.   17,  10,   Dennis,   D.  Städte  u.  Be-  127,    Isisstatue,    gefunden    in   den   Trümmern 

gräbnisplätze   d.   alten   Etr.  2    p.  537  Anrn.  5;  eines  Isistempels  (?),  Jullian  p.  124,  Basrelief, 

in  Veji  eine  Votivhand  mit  Sarapisbüste  ge-  darstellend  Isis  mit  Füllhorn,  Siriushund  und 

funden,  Becker,  Drei röm.  Votivhändep.  8  nr.  11.  co  nicht   zu   deutender   Persönlichkeit    (Anubis?), 

In  Forum  Popili  in  der  Romagna  war  ein  Schiff  rettend,  p.  124,  Bronzebüste  des  Sa- 
Fullonia  Tertulla  in  den  Isisdienst  eingeweiht,  rapis  p.  124,  Bronzestatuette  des  Harpokrates, 
0.  L  L.  11,  574;  nach  Marangoni  p.  274  be-  Grivaud  de  la  Vincelle,  Bec.  de  monum.  ant. 
hauptet  Matteo  Vecchiazsani  in  der  Geschichte  decour.  dans  l'anc.  Gaule  2  p.  242  PL  30,  4, 
von  Forlimpopoli  p.  1  1.  3,  dafs  Bischof  Ruh-  'un  cornet  ä  jouer  aux  des  dont  une  face  pre- 
lius  den  Isistempel  daselbst  der  Vergine  An-  sentc  la  figure  du  dieu  cg.  Harpocrate'' ,  Jullian 
nunciata  geweiht  habe.  Die  Spuren  des  ägyp-  p.  124;  sowie  inNemausus,  wo  sich  inschrift- 
tischen Kultus  in  Bononia,  Mutina,  Veleia  lieh  ein  Tempel  der  Isis  und  des  Sarapis  mit 


413 


Isis  (Kult  in  Gallien) 


Bildern  dieser  Gottheiten,  C.  I.  L.  12,  3058, 
Widmungen  an  Isis,  3059;  3060;  4069  (u.  an 
Luna);  eine  Isispriesterin  3224  n.  add.;  und 
Anubiaci3043  nachweisen  lassen.  Weihinschrif- 
ten an  Isis  sind  auch  gefunden  in  Mons  Se- 
leucus  C.  I.  L.  12,  1532;  Dea  Augusta 
Vocontiorum  (Die),  1562;  Gratianopolis 
2217,  vgl  2215;  Sextantio  4184;  Soissons, 
Orelli  1877,  Ch.  Robert,  Epigr.  gallo  rom.  de  la 
Moselle  1  p.  29  (u.  an  Sarapis);  angeblich  auch  ro 
in  Tolosa,  Orelli- Mensen  5856  (aber  nicht  im 
C.  I.  L.);  u.  Lyon,  Lafaye  p.  162,  aber  aus 
Iteinesius  289  'ex  schedis  Langermanni' ;  sicher 
nicht  der  Isis  ist  geweiht  die  von  Lafaye  a.a.O. 
für  Langres  citierte  Inschrift  Gruter  84,  5. 

Pastophoren  und  ein  Pausarius  der  Isis  sind 
nachweisbar  in  Arelate,  C.  I.  L.  12,  714  fr. 
10  et  11,  734  (über  dessen  Obelisk  s.  Zoega, 
de  or.  et  u.  ob.  p.  87);  ein  Anubofo.  us  in 
Vienna,  C.  /.  L.  12,  1919  p.  219;  eine  mater  so 
sacroium  in  Vesontio,  Lafaye  p.  162,  nach 
Eeinesius  p.  362,  14,  Orelli  2313,  wo  auch  eine 
bronzene  Isisstatuette  gefunden  ist,  Coli.  I. 
Grcau,  Brouses  ant.  p.  237  nr.  1112.  Bronze 
Statuetten  der  Isis-Fortuna  hat  man  aus  Lyon, 
Grivaud  de  la  Vincelle  2  PI.  19,  4  p.  183,  1S5, 
in  dessen  Nähe  auch  ein  Thongefäfs  mit  den 
Büsten  des  Sarapis  und  der  Isis  gefunden  ist, 
s.  Myth.  Beitr.  1  p.  14;  eine  silberne  geflügelte 
Isis-Fortuna  aus  Südfrankreich  wird  verzeich-  30 
net  bei  Dubois,  Detcr.  des  ant.  faisant  partie 
des  coli,  de  M.  Ic  comte  de  Pourtulis-Gorgier. 
Paris  1841  p.  114  nr.  612,  Cat.  des  objets  d'art. 
compos.  hs  coli,  de  feie  le  comte  de  Pourtales- 
Gorgier.  Paris  1865  p.  122  nr.  631,  Vente 
Charvet.  Paris  18S3  p.  171  nr.  1831.  Die  an- 
gebliche Isis  aus  Bronze  von  Toulouse,  Bev. 
dreh,  1846  p.  576 — 582  stellt  wohl  ebenso 
wenig  diese  Gottheit  dar,  wie  die  bei  Bolard 
im  Flufsgebiet  der  Saone  gefundenen  Thon-  40 
figuren,  Arch.  Ans.  1866  p.  166*,  R-ev.  Arch, 
1866,  1  p.  71.  Die  Echtheit  eines  in  Toulouse 
gekauften  Bleigefäfses  mit  Harpokrates  u.  Isis- 
Hygieia  in  Basrelief  wird  von  Hirschfeld ,  0. 
I.  L.  12,  Falsae  323  nicht  anerkannt,  von 
Lebegue,  Bull,  epigr.  4,  18S4  p.  16—18,  Bev. 
Arch.  sei:  12,  1888  p.  140—143  verteidigt.  Das 
Isisbild  in  der  Abtei  St.  Germain  des  Prez 
wurde  1514  durch  Kardinal  Briconnet  zerstört, 
Spion,  Becli.  cur.  p.  302  —  306,  Patin,  Impp.  50 
Born.  num.  1671  p.  483,  Tristan,  Comm.  bist. 
3  p.  735,  Morellius  zu  Statins  Silvae  ed.  Eme- 
ricus  Cruceus.  Paris  1618.  4°.  p.  337  f,  Scliö'pflin, 
Alsatia  ill.  1  p.  498  u.  Note  k,  Piper,  Mythol, 
d.  christl.  Kunst  p.  55,  Foibiger  3  p.  219  Anm. 
36,  Reichet  p.  41;  vgl.  sontt  für  Isiskult  in 
Paris  die  bei  Lafaye  p.  163  citierten  Autoren 
u.  Deal,  Diss.  s.  les  Parisii  ou  Parikiens  it 
sur  le  eulte  d'Isis  dies  les  Gaulois.  1826;  über 
einen  Thalamaphoros  und  ägyptischen  Priester,  60 
gefunden  'dans  les  fondations  de  Tiglise  Saint- 
Euslache  ä  Paris'  Chirac  5  p.  300  f.  nr.  2553, 
2558,  3  PI.  335,  404.  Eine  eherne  Sarapis- 
statuette aus  Cernay-les-Reims  (Marne) 
wird  besprochen  Soc.  nat.  des  ant.  'de  Fr. 
seance  du  28  avril  1886,  Bev.  Arch.  1886,  7 
p.  368;  Bull.  mens,  de  l'ac.  des  inscr.  seance 
du   14  mai  1886,    Bev.  Arch,   1886,   8    p.  104. 


Isis  (Kult  in  Germanien  etc.)         414 

Harpokratesstatuetten  sind  gefunden  worden 
bei  Narbonne,  Grivaud  de  la  Vincelle  2  p.  37 
PI.  4,  3;  in  Sedan,  Grivaud  2  p.  38  nr.  4 
PI.  4,  4;  an  der  Nordwestspitze  von  Loc- 
mariaker  im  Departement  Morbihan  (über 
dessen  sonstige  angeblich  ägyptischen  Alter- 
tümer vgl.  Antiquites  egyptienncs  dans  le  depart. 
du  Morbihan,  Vannes  1812.  Fol.),  Caylus,  Bec. 
d'ant.  6   p.  378  PI   119,   Grivaud  2   p.  37,    A. 

Andre,  Cat.  rais.  du  mus.  arch.  et  de  ce'rain 

de  la  rille  de  Bcnnes.  Rennes  1876  p.  121  nr. 
531;  in  Corseul,  Andre  p.  21  nr.  14;  in  Dijon, 
Coli.  I.  Gre'au,  Bronses  ant.  p.  199  nr.  948 
PI.  20,  2.  Über  Anubis  s.  oben  1  Sp.  2307; 
über  Leichensteine  mit  Sistren  in  Lothringen 
Lafaye  p.  162;  über  ein  Relief  aus  Lorry- 
Vigneules,  das  angeblich  Isis  nebst  Horus, 
Schlange,  Ibis,  Widder  u.  Gans  darstellen  soll, 
Victor  Simon,  Notice  sur  un  monument  de  la 
dc'esse  Isis,  Extr.,  des  Mem.  de  l'Acad.  nat.  de 
Mets,  1851—52  p.  1—7  Fig.  1-3;  über  sonstige 
ägyptische  Funde  Lafaye  p.  162  — 164  u.  add.; 
Cli.  Bigarne,  Considerations  sur  le  eulte  d'Isis 
dies  les  Ecluens  Beaunel862;  Fr.  Lenormant, 
Bull.  Comun.  5,  1877  p.  10;  Noettas,  Bull.  arch. 
du  comite  des  trav.  hist.  et  scientif.  1886  nr.  3, 
Bev.desrev.  11  p.  221  (Roanne);  über  einen  an- 
geblichen Isistempel  in  Rennes  Toulmouche, 
Hut.  arch.  de  l'epoque  gallo-rom.  de  la  rille  de 
Beiines.  Rennes  1847  p.  287  Note  2  p.  296—297. 

Noch  sei  erwähnt,  dafs  auf  Münzen  des 
Postumus  Sarapis  als  Comes  Augusti  erscheint, 
Cohen  6ä,  55,  357—360,  de  Witte,  Rech.  s.  les 
empereurs  qui  ont  regne  dans  les  Gaules  au 
IIIe  siede  de  l'ere  chretienne  PI.  18  p.  71  — 72 
nr.  294—296,  und  dafs  Venantius  Fortunatus 
den  Dämon,  welcher  die  Ruhe  des  h.  Martin 
von  Tours  gefährdete,  auch  die  Gestalt  des 
Anubis  (nunc  se  mentittis  Anubem)  annehmen 
läfst,  Venant,  Fort,  de  v.  s.  Mart.  ed.  Brouve- 
verus.  Moguntiae  1617.  4".  p.  296. 

Über  die  Verehrung  der  ägyptischen  Gott- 
heiten in  Rätien,  Noricum,  Pannonien, 
Dalmatien,  Dacien,  Mösien,  Thracien 
und  Macedonien  handelt  das  1.  Heft  meiner 
Myth.  Beitr.  'Der  Kultus  d.  Äg.  Gottheiten  in  d. 
Donauländern' .  Leipzig  1890;  über  den  Isisknlt 
in  den  Rheinlanden  H. Schaaffhausen, Bonner 
Jalirbb.  Heft  76,  1883  p.  31-62  Taf.  1,  vgl. 
H.  80,  1888  p.  285,  A.  Wiedemann  ebenda  H.  78, 
1884  p.  84—125,  H.  83  p.  247— 251,  H.  88  p. 
238 — 241  (Fund  einer  Apisstatuette  in  Köln), 
über  die  Isis-Verehrung  an  der  Mosel  Arnoldi 
ebenda  H  87,  1889  p.  33—52;  erwähnt  sei 
auch  ein  Bronzesistrum  aus  Heddernheim 
im  Mainzer  Museum,  GL  Rh.  1485;  ein  Stein- 
relief des  Sarapis  in  Medaillonform  aus  einem 
der  Rheinbrückenpfeiler  zu  Mainz,  erwähnt 
von  Schaaffhausen,  Jahrbb.  H.  53/54,  1873  p.  116, 
J.  Becher,  Castellum  Mattiacorum  d.  rom.  Kastell 
p.  93  Anm.  24,  W.  Hein,  Abbild,  v.  Mainzer 
Altertümern  6  p.  6  nr.  3 ;  ein  Canobus,  Fuchs; 
Alte  Gesch.  von  Mains  1,  1771  p.  73—75, 
Kupfertafel  7  nr.  37,  J.  Clw.  Wagner,  Hdbuch 
d.  vors,  in  Deutschi.  entd.  Altert,  aus  heidn. 
Zeit  p.  414  Fig.  738  aus  Mainz;  ebendaher 
ein  angeblicher  Apis  von  Bronze,  Wagner 
p.  314  Fig.  739;  ein  Thonfigürchen  aus  einem 


415         Isis  (Kult  in  Germanien  etc.)  Isis  (Kult  in  Britann.,  Hispania  etc.)     416 

Grabe  der  Umgegend,    gegen  dessen  Bezeich-  in  Nederland,  Belgie  etc.  gevonden  romeinsche, 

nung   als   Isis   mit   Apis    bei    Wagner   p.  414  germaansche  of  gallische  oudheden.  Leyden  1845 

Fig.  740  sich  mit  Recht  J.  Freudenberg,  Jahrbb.  p.  60    mit   einem   Fragezeichen    versehen;    die 

H.  IS  p.  104,  117  erklärt;  ägyptische  Idole  in  Sarapis- Isis -Inschrift    von    Voorbnrg    Orelli 

Göttweig,  die  Dach  v.  Sacken,  Arch.  Wegweiser  1891,  Steiner  1468  ist  unecht,  C.I.Rh  p.  395,  5. 

durch  Niederüsterr.  2   p.  145,   vgl.  39   vevniut-  Die  'Isis'  an  einem  Altar  zu  Heitert,  Wilthe- 

lich  durch  den  Abt  Gottfried  Bessel  von  Mainz  »ums,   Luciliburgensia  p.  287   Fig.  363   PI.  83, 

dorthin  gebracht  sind,  ohne  dafs  freilich  sich  Engling,  Piibl.  de  la  soc.  p.  1.  rech,  et  la  cons. 

ihr   Fundort   feststellen   läfst;    eine   Statuette  d.  mon.  hist.  dans  le  Grand-  duche  de  Luxim- 

der   Isis    und    eine  des   Apis   von   Bronze   aus  10  bourg  10   p.  71  nr.  13,    16  p.  95,    Van  Dessel, 

Bingen:  L.  Lindenschinit ,  Bingen  zur  Zeit  Topogr.  des  voies  rom.  de  la  Belgique  p.  60, 
der  Römer  p.  315;  Aphroditestatuette  mit  (auf      Beuvens,  Leemans,  Janssen  a.  a.  0.  p.  38  stellt 

derTafel  freilich  nicht  sichtbarem)  Isiskopfputz  sicher  diese  Gottheit  nicht  dar;  ebeuso  wenig 

aus  Rückingen:  A.  Duncker,  D.  Boinerkastell  wie  der  'Canopus'   von  Gerouville,   Wilthe- 

u.    d.    Totenfeld    in   der    Kinzigniederung    bei  rnius   p.  310,  /.    Felsenhart,    Le   Laxembourg 

Bückingen.   Hanau  1873  p.  21  h,  p.  41  Taf.  2,  Bilge.    Bruxelles  1874   p.  307    etwas   mit   dem 

27  p.  43;  angebliche  Horas-  und  Isis^tatuetten  ägyptischen  Canopus  zu  thun  hat. 

des  Römerkastells  zu  Gengenbach  im  Einzig-  Britannien  ist  vertreten  mitWeihinschrif- 

thal :  de  Bing,  Mein.  s.  les  e'tablissements  rom.  ten  an  Sarapis  aus  Rirkby  Thore,  G.  I.  L. 

die  Bhin  et  du  Danube  1  p.  207;    Mosaik  von  »o  7,  298,   York  C.  I.  L.  7,  240,   J  Klein,  Bh. 

Trier  mit  Darstellung  der  Monatsgottheit  des  Mus.  N.  F.  32,  1878  p.  132,   Pcgge,  Archaeo- 

November  mit  Isisattributen:  Wochenschr.  f.  kl.  logia  3  p.  151;  silberner  Harpokrates-Statuette 

Plülol.  6  Sp.  82,  A.  Biegl,  AEM  13  p.  9—10".  aus  London,   C.  Boach  Smith,  Illustration  of 

AusBelgien,  Holland  u.  Luxemburg  ist  Boman  London  PI.  22,  Arch.  Zeit.   1869  p.  69; 

zu  verzeichnen  eine  Weihinschrift  an  Isis  aus  Bronze-Apis  aus  Penwyth  in  Cornwall,  Arch. 

Flandern:  de  Bast,  Bec.  d'ant.  rom.  et  gaul.  Zeit.  1850  p.  174,  Sam.  Birch,  Observations  on 

trouvees    dans     la    Flandre   proprement   dite.  a  bron:e  figure  of  bull  found  in  Cornwall,  Arch. 

Nouv.  ed.  p.  196,  Schedius,  de  diis  Germ.  p. 228;  Journ.  nr.  25;  üsirisstatue  aus  Hamden  Hill, 

bronzene  Isis-Fortuna,  Mus.  Bavestein  3  p.  486f.  Korris,  I'roceedings  of  the  Soc.  of  Antiquaries 

nr.  1778  b;  angebliche  Isisstatuette  aus  Bronze,  30  at  London  11,  1886   nr.  1,    Bev.    des   Bev.  11 

Henr.Canncgieter,  De  gemma  Bentinckiana  item  p.  227;   Ring  (Karneol)  mit  den  Häuptern  der 

de  Iside   ad    Turnacum   inventa.    Traj.   ad  Rh.  Isis,  des  Sarapis  und  Harpokrates  u.  der  Auf- 

1764  p.  19  —  36,    I.  de  Bast  p.  185—191  PI.  5,  schrift    EJg)    Z(ei>s)    Z(uQa7tiS)    aus    Castle- 

11,  A.  G.  B.  Schayes,  Les  Baijs-Bas  avant  et  steads,  Eph.  ep.  7  p.  351,  1175,  Inscr.  Gr.  Sic. 

durant   la   domination  rom.  2   p.  246   Note  4;  et  Ital.  etc.  Nr.  2573,  2;  Gemme  doch  wohl  mit 

Mus.  de  Bavestein  l  p.  42;  'Statuette  e'gyptienne' ,  Isis    oder   Isispriesterin    aus    Uriconium,    J. 

Westd.  Zcitschr.   f.    Gesch.   u.   Kunst  7,   188S  Corbet  Anderson,  The  roman  city  of  Uriconium 

p.  3i0;    sowie   eine  Bronzehand  mit  Sistrum,  at   Wroxeter,  Scdop.  London   1867;    wie    denn 

de  Bast  p.  191 — 196   PL  6,    1;   J.  Becker,    D.  auch    auf  einem  Goldring  aus  dem  römischen 

Ileddernheimcr    Votivhand   p.   14   nr.  26,   p.  19  40  Lager    zu    Silchester    der    Abbildung    nach 

aus   Tournay;    Gufsforrnen    angeblicher    Isis-  eher  Isis  mit  Sistrum  und  Situla,  als  (wie  es  in 

Statuetten   aus   Arrangy    zwischen   Germigny  der  Beschreibung  Illustrirte  Zeitung  72.  Band, 

u.  Romany,  Mus.  de  Bavestein  1  p.  42;  angeb-  1879  p.  285  heifst)  eine  weibliche  Figur,  welche 

liehe   Isisstatuen   u.    andere   ägyptische   Alter-  Früchte  und  Getreide  trägt,  dargestellt  zu  sein 

tümer    aus    Antwerpen,    de   Bast   p.   390  ff.  scheint;  Ring  (Karneol)  mit  Anubis  aus  einem 

PL  15,  15,    Mus.   de  Bavestein  l  p  42  (sicher  Grab  auf  der  Insel  Mona,  M us.  Münterianum  3 

falsch   benannt);    M.    Schuermans,    Dicouverte  p.  105  nr.  73. 

d'ant.  egypt.  ä  Anvers,  S.-A.  aus  Bull,  de  VInst.  Spanien  u.  Portugal  mit  Weihinschriften 
arch.  de  Liegeois  1872,  15  Octobre;  Anubis  an  Isis  aug(usta)  aus  Bracara  Augusta 
von  Tronchiennes  s.  oben  1  Sp.  2307;  sil-  50  (Braga),  C  I.L.  2,2416  u.  Tarraco  4080;  Isis 
bernes  Harpokratesfigürchen,  Io.  Smetius,  Anti-  puel^aris)  aus  Acci  (Guadix)  3386,  Hübner, 
guitates  Neomagenses.  Noviomagi  Bat.  1678.  4°.  Bull.  d.  Inst.  1862  p.  101,  Arch.  Ans.  1861 
p.  127 — 137,  Öuperus,  Harpocrates  p.  1,  2  und  p.  185*,  A.  Bildw.  in  Madrid  p.  323  nr.  870, 
de  Mercurü  Harpocratis  alisque  Bomanorum  Friedländer,  Sittengesch.  3  p.  501,  Lafaye  291, 
sigillis  ad  Neomagum  erutis.  Neomagi  1783;  97,  A.  de  Longpcrier,  Oeuvres  2  p.  457 — 460; 
Gemmen  mit  thronendem  Sarapis,  Janssen,  Isis  ohne  Beiwort  ebenda  3287;  Isis  Domina 
Nederlandisch-BomeinscheDactyliothceklpAnT.'2,  aus  Torre  del  Conde  de  Feria  981  u.  Sa- 
Büste  des  Sarapis  Ammon,  Janssen  a.  a.  0.  lste  lacia  (Alacer  do  Sal)  33;  Weihinschrift  an 
Suppl.  p.  5  nr.  4,  Herme,  Sistrum  und  Cape-  Sarapis  aus  Valentia  3731,  wo  auch  ein  soda- 
duncula,  Smetius  p.  31  aus  Nijmegen;  ein  co  lieiwn  vernarum  colentes  Isidem  nachweisbar, 
Harpokratesbildchen  von  grüner  Paste,  Janssen,  3730;  vgl.  Augustinus  Salesius  in  Fidel  Fita, 
Bonner  Jahrbb.  H.  46,  1869  p.  117  u.  angeb-  Estudios  histeirieos  —  Colecciön  de  articulos. 
liehe  Isispriesterin  in  Bronze,  Schayes  2  p.  403  Madrid  1884,  'Antigikdades  de  Valencia', 
aus  Vechten.  Die  angebliche  Isis-Figur  von  Schiller  iu  Bursians  Jahrcsber.  44.  Bd.  13, 
Nordwijkerhout  bei  Pars,  Katwyksche  Oud-  1885,  3  p.  103;  sowie  an  Serapis  Pantheus  aus 
heden  p.  244,  474,  507,  vgl.  de  Bast  p.  196  Pax  Inlia  (Beja)  46;  Inschrift  einer  Isiaca 
Note  4  wird  von  Beuvens,  Leemans,  Janssen,  aus  Igabrum  (Cabra)  1611;  Steintafel  mit  der 
Alphab  Nuamlijst,behoorendebij deKaartvande  Aufschrift    Elg    Zivg   Zs^amg    aus    Asturica 


417      Isis  (Knlt  in  Nordafrika,  Karthago)  Isis  (Kult  in  Nordafrika)            418 

Augusta,   Eph.  ep.  4  p.  17,  22,   von  Eaibel,  Bull.  ep.  1,  1881  p.  272,  vgl.  Cagnat,  Arch.  d. 

Inscr.  Sic.  et  Bai.  nr.  373*  allerdings   für  ge-  miss.  sc.   3e  ser.   9,  1882   p.  156  f.  nr.  3.     Den 

fälscht  gehalten;  Isisstatuen  aus  Clunia,  Hüb-  Sarapis  stellen  dar  Lampen  aus  Hadrurnetum, 

ner,  D.  mit.  Bildw.  i.  Madrid  p.  343  nr.  945  und  Vercoutre,    Rev.    arch.    3e  ser.   3,    1884   p.  25 

Italica,  Hübner  a.  a.  0.  p.  316.  PI.  2  Fig.  6  und  Thysdrus,    Cagnat  p.  156; 

Noch  einen  Blick  auf  Nordafrika.     Hier  Terracottastatuetten  eben  daher,  Cagnat  p.  155 f. 

war  der  Isiskult  schon  vor  der  hellenistischen  nr.  1,  2  PI.  8;  Münzen  von  Sabrata,  Gqsenius, 

Zeit   nach   Kyrene    gedrungen.      Die   Frauen  Monum.  Bhoen.  2   p.  322;    3   Tab.  43,   24  A, 

in  Kyrene  und  Barka  afsen  schon  zur  Zeit  Müller,  Num.  de  Vauc.  Afrique  2  p.  27  f.  nr.  49, 
Herodots  (4,  186)  infolge  ihrer  Verehrung  der  10  50,  56—60,   Suppl.  p.  36  nr.  58,   vgl.  2   p.  28 

Isis  kein  Kuhfleisch,  A.  Wiedemann,  Herodots  nr.  63,  64,  wogegen  Cavedoni,  Bull.  arch.  ita- 

2.  Buch  p.  98,  Ihrige,  Bes  Cyrenensium  p.  293.  liano  1,  1862  p.  171,  Heron  de  Villefosse,  Bull. 

Eine  Büste  der  Göttin  in  Alabaster  und  eine  ep.  1  p.  263,   Müller,  Suppl.  p.  38;   Thaena, 

Statue  derselben,  letztere  gefunden  im  Aphro-  Müller  2    p.  40   nr.  1,   Biondelli,  N.  serie  di 

ditetempel   zu  Kyrene,   verzeichnen   Murdoch  monete  e  medaglioni  greci  nel  medagliere  del  r. 

Smith  and  Borcher,  Hist.  of  discov.  in  Cyrene.  gab.  num.  di  Milano  1883  p.  21  nr.  123,  Head, 

Lond.  1864  p.  102   nr.  69,   70,   Brit.  Mus.   A  H.  N.  p.  736;  aber  nicht  von  Hadrurnetum, 

Guide   to   the  graeco-roman  sciüptures   in   the  wie  Head  p.  736,  wenigstens  fragweise,  angiebt. 

depart.  of  gr.  and  r.  ant.  2, 1876  p.  10;  vgl.  Ter-  Auch  ist  dem  Sarapis  geweiht  eine  Inschrift 
racotten    mit    ägyptischem  Kopfputz    aus   der  20  ans  Vallis,  Eph.  ep.  7  p.  73  nr.  273,  und  eine 

Cyrenaica,  Clarac  4  PI.  632  J  nr.  1449;  1  p.  371;  Örtlichkeit  in  der  Syrtica  hiefs  xo  Zegcaitiov, 

Martha,  Cat.  d.  fig.  en  t.  c.  du  mus.  de  la  soc.  arch.  Geogr.  Gr.  Min.  ed.  Müllerus  1  p.  453.   Wenig 

Bibl.  des  ec.fr. d'Ath.  et  de  Borne  16  p.  148  nr.  089.  ist    von    Numidien    zu    berichten.     In    der 

Dafs  das  handelsmächtige  Karthago  lange  Lagerstadt  Lambaesis  wurde  158  n.Chr.  der 
vor  der  Gründung  von  Alexandria  mit  Ägypten  Tempel  der  Isis  und  des  Sarapis  von  den  Sol- 
in Verkehr  trat  und  die  Einwirkungen  der  daten  vollendet,  G.  Wilmanns,  Comm.  phil.  in 
ägyptischen  Kunst  und  Religion  erfuhr,  ist  hon.  Mommseni  p.  195.  Es  bezieht  sich  auf 
von  selbst  einleuchtend,  s.  oben  unter  Sardi-  Isis  die  Inschrift  C.  I.  L.  8,  2631,  auf  Isis  u. 
nien  und  über  Funde  in  Karthago  selbst  Sarapis  2630,  auf  Iuppiter  Pluto  Serapis  2629 
M.de  Vogüe,  Bev.  arch.  3e  se"r.  13,  1889  p.  167  30  =  Hirschfeld,  Ann.  d.  Inst.  1866  p.  41  u.  51. 
—  168,  176.  Auf  seinen  Münzen  erscheint  eine  Eine  Lampe  aus  Hippo  regius  zeigt  die 
etwas  niodificierte  Darstellung  der  Sonnen-  Büsten  des  Sarapis  und  der  Isis,  Explor.  scient. 
Scheibe  mit  den  Uräen  zu  beiden  Seiten,  de  V Algerie.  Archeol.  par  Ad.  H.  AI.  Delamare 
Müller,  Num.  de  Vanc.  Afrique  2  p.  70,  85,  PI.  193  nr.  3,  eine  aus  Calama,  die  des  Sa- 
87,  88,  92,  93,  118,  119,  ebenso  wie  auf  Stelen  rapis  allein,  ebenda  PI.  182  nr.  22;  letzterem 
von  Hadrurnetum,  Berrot  et  Chipiez,  H.  de  geweiht  sind  Inschriften  von  Theveste  C.  I. 
l'a.  d.  l'ant.  3  p.  461  nr.  337,  vgl.  Ebers,  Ann.  L.  8,  1884;  Cuicul,  Eph.  ep.  7  p.  140,  454 
d.  Inst.  1883  p.  111  f.  Die  Inschriften  lehren  und  Mascula,  Eph.  ep.  7  p.  236,  740;  sein 
uns  kennen  Karthager  mit  den  Namen  „Knecht  Haupt  erscheint  auf  Münzen  von  Suthul, 
der  Isis",  „Knecht  der  Göttin  Bast",  Bäthgcu,  40  Head,  H.  N.  p.  745  nach  Müller  3  p.  59.  In 
Beitr.  z.  semit.  Beligion  p.  64.  Inschriftliche  Mauretanien  wurde  der  Isiskult  wenn  nicht 
Widmungen  aus  der  Kaiserzeit  sind  an  Sarapis  eingeführt,  so  doch  gefördert  durch  die  Ge- 
gerichtet, C.  I.  B.  8,  1002  =  de  S.  Marie,  mahlin  Iubas  IL,  Kleopatra  Selene,  die 
Miss,  ä  Carthage  p.  21 ;  1003—1005,  vgl.  1007,  Tochter  des  Antonius  und  der  Kleopatra, 
Lafaye  p.  16  Note  1;  Eph.  ep.  7,  53,  160  =  Monceaux,  Bull,  de  corr.  afric.  3,  1884  p.  346 ff., 
Bull.  ep.  4  p.  267;  161  =  Bull.  ep.  4  p.  109,  Head  p.  747.  Silbermünzen  des  Iuba  II.  zei- 
268;  102;  auch  ein  Kopf  dieses  Gottes  ist  ge-  gen  die  Uräusschlange  auf  einem  Altar,  Müller 
funden  worden,  Bev.  des  rev.  1883  p.  231;  die  3  p.  105  nr.  47 — 49;  p.  121;  Silbermünzen  des 
Büste  der  Isis  findet  sich  an  einer  Lampe,  Königs  und  der  Königin  den  Isiskopfputz, 
Janssen,  De  gr.  rom.  en  etr.  monum.  van  hei  50  Müller  3,  108,  89,  Suppl.  74,  89  a,  wozu  zu- 
mus.  van  oudheden  to  Beyden  p.  109  H  571;  weilen  noch  ein  Sistrum  tritt,  108,  90;  109, 
der  Monat  November  ist  mit  dem  Sistrum  der  91.  Auch  auf  den  Bronzemünzen  erscheint 
Isisverehrer  ausgestattet  auf  einem  Mosaik,  der  Isishauptschmuek  (3,  110,  101,  102,  Suppl. 
Brit.  Mus.  Guide  to  the  gr.-r.  sculpt.  2  p.  75  74,  102  a,  PL  3)  und  nicht  minder  auf  unter  Cn. 
nr.  78,  XLIII*,  Strzygowski,  Bie  Kalenderbilder  Atellius  und  Iuba  als  duumviri  quinquennales 
des  Chronographen  vom  Jahre  354  p.  50,  79,  in  Karthago  Nova  geschlagenen  Bronzen,  3, 
vgl.  C.  I.  L.  8-,  1072;  Osiris  (?)  soll  vorkom-  111,  108,  Heifs,  Descr.  gen.  des  monn.  ant.  de 
men  auf  einem  Goldring,  Bev.  des  rev.  1883  l'Espagne  p.  269,  5,  Boutlcowski,  Biet.  num. 
p.  231.  Eine  Weihinschrift  an  Isis  in  Mactar  1  p.  579,  1236,  1238.  Über  mehrfach  der 
erwähnt  Heron  de  Villefosse  in  der  Sitzung  der  60  Kleopatra  Selene  ohne  hinlängliche  Sicherheit 
Soc.nat.des  ant.  de  Fr.  vom  18.  Juni  1884,  Rev.  zugewiesene  Münzen  mit  der  Büste  der  Isis  s. 
arch.  3.  ser.  4  1884,  p.  113;  eine  Widmung  an  Müller  3,  176—180,  284—290,  Sitppl  p.  81, 
eine  Regina  zubenannte  Göttin  aus  der  Civi-  290a — 292,  der  sie  unter  den  unbestimmten 
tas  Zuccharitana  wird  C.  I.  B.  8,  921  auf  Mauretaniens  beschreibt.  Den  Isistempel  der 
Iuno  oder  Isis  bezogen.  Über  eine  Bronzebüste  Residenz  Caesarea  erwähnt  Blin.  8,  37,  Eried- 
in  Isistracht  s.  Reuvens,  Bettres  ä  M.  Betronne  länder,  Sittengesch.  2-  p.  165.  Über  Funde 
p.  29,  über  Lampen  mit  der  Büste  der  Isis  ägyptischer  Altertümer  daselbst  vgl.  die  bei 
aus  der  Landschaft  Tunis  Heron  de  Villefosse,  Müller  3  p.  120  Note   10  und  Heron  de  Ville- 

Roschek,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.    II.  14 


419               Isis  (ägypt.  Kultorte)  Isis  (auf  ägypt.  Nomenmünzen)      420 

fosse,  Archivcs  3e  ser.  2  p.  396  Note  1  ver-  In  Edfu,  Apollinopolis  Magna  wurde  ge- 
zeichnete Litteratur  und  Comptes  rendus  de  la  funden  eine  Weihinschrift  des  Lichas  an  Ptole- 
soc.  frang.  de  num.  et  d'arch.  2,  1870  p.  153  maios  IV.,  Sarapis  und  Isis,  Arch.  Ann.  im 
und  Cliaudruc  de  Crazannes ,  Bcv.  de  la  num.  Jahrb.  d.  D.  Arch.  Inst.  1889  p.  44.  Über 
beige  3e  ser.  2  p.  157  f.  Nach  Victor  Waille.  Isis  auf  Abaton  s.  Gl.  Gr.  4896;  adcl.  4915  c; 
Bull,  de  Corr.  afric.  5,  1S86  p.  128  sind  auch  4919;  add.  4941;  Bmgseh,  G.  J.  1  p.  156; 
Sistren  und  Isisstatuen  darunter;  Lampen,  B.  Bevillout,  Zeit  sehr.  f.  äg.  Spr.  u.  A.  1880  p.  144 

a.  1891  p.  143  nr.  39.  42.    Ob  das SIDE  —145;   Sercius  zu  Verg.  Am.  VI,   154   vol.  II 

der  in  Suik  gefundenen  Inschrift  C.  I,  L.  8,  p.  33— 34  ed.  Thilo;  in  Nubien  C.  I.  Gr.  4979; 
1047  zu  fsanetae  IJsidfi]  zu  ergänzen  ist,  ist  10  4986;  4992;  5041;  (5113?);  (5115?);  ganz  un- 
natürlich äufserst  fraglich;  eine  Sarapisinschrift       sicher   will  man   auch  in   der  <I>oißriTQCa  4987 

aus    Zuceabar    (Affreville)    findet    sich    Eph.  und  in   der  üqovtttix'S  4989;   5032;   5033,    s. 

cp.  5  p.  479,  1039,  Philol.  42,  1884  p.  574.  die  Note  zu  4980  und  Göhler,   Wochenschr.  f. 

Orte   der  Verehrung   der  Isis  in  Ägypten       M.  Phil.  1885  Sp.  264  Isis  erkennen, 

führt    an    Brugsch ,     Geogr.    Inschr.    altägypt.  Auf  den  Nomen m  ünzen  erscheint  Isis  ver- 

Denkmälcr   I  passim,    so    p.    70 — 71;    77 — 78;  hältnismäfsig    selten.     Man  will   sie   erkennen 

100  ff.;    133;    137;    142;    151—152;    155—156;  in  einer  stehenden  Gestalt  mit  Federn  auf  dem 

159;  176;  176—177;  179;  186;  190;  195;  198;  Haupt,    Scepter  in   der   R.,   Nike  (Münze   des 

200;  201  —  203;  207;  209;  210;  213—214;  215;  Trajan)    oder    Krokodil    (Hadrian)    auf  der  L. 

220;  223;  226;  227;  230;  232;  233;  234—235;  20  auf  Münzen  des  Nomos  Antaiopolites,  J.  de 

237;  238;  244;  245-246;  249;  253;  255  —  256;  Bouge,  Monn.  des  nomes  de  VEg.,    Bei:   num. 

271;  274;   276;  281;   283;  284;   287;   289;  290;  n.   s.    15  p.   19  nr.  2,   PI.   1,   10    =    Feuaräent, 

291;  296;  298;  299  und  bei  .Bn/#sc7t,  Biet,  geogr.  L'Eg.   anc.    2    p.  301    nr.  3514;    nr.  3;    Head 

passim,    so   p.    19;    34;    57;    59—60;    89—92;  p.  723;    nach  W.  Golenischeff ,   Zeitschr.  f.  äg. 

98-99;    103—104;    106—108;    166—167;    178;  Spr.  u.  A.  20,   1882  p.  136,   137,    Taf.  III,   IV 

181;  183;  208—209;  214—216;  225—226;  229;  erscheint  aber  auf  zwei  Gemälden  einer  Hohle 

242;  282—283;  286;  293;  296;  298;  311;  328;  bei  Gau-el-Kebir,    Autaiopolis   als  Begleiterin 

342-343;  366—367;  378—379;  444;  456—457;  des  Antaios  Nephthys,  und  dieser  selbst  trägt 

464—466;  489;  507;  513—514;  519;  568—571;  auf  dem  Haupte  2  Federn  —  die  Doppelfeder 

609;  653— 659;  660;  661;  666;  719  — 720;  727—  30  des    Schu    —    (auf   III;    auf  IV    den    Strablen- 

729;  779;  790;  791;  794;  795  —  796;  S03;  810;  kränz),   breites   Schwert,   mit  2   Bändern   ge- 

818— 819;  828;  829- 831;  841— 844;  856;  864—  schmückten  Speer  und  Stiefel.     Brugsch.  Bei. 

866;    901-902;    933—934;    940;    1092;   1100;  d.  a.  Äg.  p.  378  bemerkt  über  diese 'Gottheit: 

1117  —  1118;    1284;    1321—1322;    1345.     Nach  „Es  läfst   sich   schwer  angebm,   aus   welchen 

den   ägyptischen    Denkmälern   verzeichnet   sie  Gründen   und    zu   welchen   Zeiten    der   fremde 

Lanzone,  Dizionario  di  mitologia  egizia  p.  829  Ba'al-Antäus   in   die   ägyptische    Göttergesell- 

—  833,   nach  den  klassischen  Autoren  und  In-  schaft   von  Antäopolis   eingeführt   worden  ist, 

Schriften  Parthey  in  seiner  Ausgabe  von  Plut.  -    nur    seine    Gleichstellung    mit    dem    lokalen 

De  Is.  et  Os.  p.  152 — 153  und  A.  Wiedemami  Hör- Schu  ist  zweifellos."     Nach   Brugsch   ist 

in  seiner  Ausgabe  von  Herodots  2.  Buch  p.  190.  40  seine   Mutter  Bast,   die   zugleich  Anta.   Cher- 

Zu  nennen  ist  u.  a.  Menuthis,  12  Miglien  sekit  und  Heqit  hiefs,  vgl.  p.  665 — 666.  Isis 
von  Alesandria  mit  einem  Tempel  der  Heil-  oder  Hathor  sieht  man  in  einer  stehenden  Göttin 
göttin  Isis,  G.  I.  Gr.  4683b,  Lumbroso,  L'Egitto  mit  der  Sonnenscheine  zwischen  den  Hörnern 
cd  tempo  clei  Grcci  et  clei  Bomani  p.  114 — 120;  auf  dem  Haupte,  einem  Sistrum  in  der  R. 
vgl.  Brugsch,  Biet,  geogr.  p.  151,  p.  654 — 657  und  einem  Widder  auf  der  L.  (Trajan)  oder 
und  Geogr.  Inschr.  I  p.  290.  In  der  Bev.  arch.  Scepter  in  der  L.  und  Widder  mit  Sonnen- 
3e  ser.  15,  1890  p.  268  und  in  The  american  seheibe  in  der  B.  (Hadrian)  des  N.  Hypselites, 
Journal  of  archaeology  II  1886  p.  151  nr.  2  J.  de  Bouge  p.  20  nr.  1;  Feuardent  a.  a.  O. 
wird  verzeichnet  eine  Inschrift  zu  Ehren  302,  3516;  de  Bouge  nr.  2;  Head  p.  723.  Ihre 
eines  Ptolemäers,  gewidmet  der  Isis,  dem  Sara-  50  Büste  mit  langen  Locken  und  Geierbalg,  dar- 
pis  und  Apollon  von  einem  ohovöi-iog  zäv  kcik  über  2  Federn  und  Sonnenscheibe,  erscheint 
NavxQotTiv;  aus  Taposiris  parva  stammt  auf  Münzen  des  N.  Memphites  (Hadrian1),  J.  de 
die  Inschrift  vittQ  ßaailiag  \  Tlzolifiaiov  -aal  |  Bouge  p.  36  nr.  6;  Feuardint  310,  3538.  Auf 
ßaoiliaarig  KitonazQag  dsäv  ixicpctväv  xori  Münzen  desselben  Nomos  (Hadrian)  wird  sie 
£ v  ictQioTav  'Oaogcp  Tf  j  xctl  SctQtinidi  y.al  "taiSi  '  abgebildet  stehend  mit  gleichem  Kopfputz,  in 
*at  'ArovßcSt ,  aTfofs  |  Tiüoi  Hai  mioetts,  t6u  t  der  R.  eine  Schlange,  auf  der  L.  eine  kleine 
ßm/ibv  mcm  rag  JtfpofVj  |  Ärapjg  Kai  of  Kmfis-  Figur,  die  de  Bouge  und  Feuardent  fragweise 
y\izai  nai  of  ftiaotixai ,  Ne'routsos-Bey,  Bev.  als  Phthah  bezeichnen,  J.  de  Bouge  p.  36  nr.  5; 
Arch.  1887,  2  p.  214  nr.  56.  Eine  Isis  Ta-  Feuardent  310,  3539;  desgl.  in  der  L.  das 
posiria  kennen  wir  aus  einer  Inschrift  von  co  Scepter,  in  der  R.  eine  Schlange,  zu  Füfsen 
Faesulae  (s.  oben).  Für  Ptolemais  s.  die  In-  den  Apis  mit  der  Sonnenscheibe  zwischen  den 
schrift  Bec.  arch.  3°  ser.  1883  2,  p.  174  nr.  1.  Hörnern  (Head  p.  723),  wohl  schon  unter  Do- 
Aus  Gebelein,  welches  Gcorgts  Daressy,  mitian,  J.  de  Bouge  p.  36  nr.  4;  unter  Trajan 
Becueil  de  trav.  rel.  ä  la  phü.  et  ä  l'arch.  p.  34  nr.  1.  2;  Antoninus  Pius  nr.  3  PI.  2,  15; 
cg.  et  ass.  10,  1888  p.  140  mit  Phathyris  Feuardent  311,  3541.  Auch  auf  Bleimünzen, 
identificiert,  teilt  er  mit  die  Inschrift  Ntxovxrrjg  die  nach  Adrien  de  Longpe'rier  dem  Sarapeion 
/7fTtKpoti(Joig  «i'fihjxfv  azr'jlrjv  "Iaido?  dtüg  |  von  Memphis  angehören,  erscheint  Isis.  Da- 
(isyiarrjs  nä&VQig  L  iß  Tgaiavov  zov  kvqiov  Tz.  von  sind  folgende  Typen  bekannt:  1)  Apis  auf 


421       Isis  (auf  ägypt.  Nomenmünzen)  Isis  (u.  Horos  auf  Nomenrnünzen.i     422 

Baris  zwischen  zwei  Hernien,  vor  ihm  ein  Altar;  Brugsch,  Bei.  p.  674—078;  HPAKAGOTTOAITHC. 
darüber  ein  Blumengewinde  und  ein  Halbmond,  Herakles  iu  Tempel;  Harpokrates-Herakles  mit 
im  Feld  einUräus.  Rs.  OBOAOI  B.  Isis  stehend,  Keule,  worauf  ein  Sperber  sitzt;  Herakles  mit 
mit  der  Schlange  in  der  R. ,  in  der  L.  einen  Keule  und  Greif;  6TTTAKC0M.  Horos-Supt-achom 
undeutlichen  Gegenstand,  vor  dem  sitzenden  mit Speeru. Sperber;  Sperber;  CEOPOGITHCoder 
Nil,  de  Longperier,  Oeuvres  II  p.  508—9,  PL  11, 1 ;  C60PWITHC  NOMOC.  Horos  sperberköpfig  mit 
2)  M6M0IC.  Göttin  stehend  vor  Apis.  Rs.  Isis  Scepter  oder  mit  Scepter  und  Sperber;  Sperber, 
stehend  vor  dem  sitzenden  Nil,  de  Longperier  Wie  die  Abbildungen  von  nr.  3548,  3549  bei 
a.  a.  0.  2  p.  510  PL  11,  2,  vgl.  Sestini,  Museo  Feuardent  p.  314/5  zeigen,  ist  der  Gott  dar- 
Fontana  2  Tav.  1 1,  22  p.  67  nr.  22  und  Feuardent  10  gestellt  in  römischer  Kriegertracht,  wie  in  der 
334,  3596,  die  wohl  denselben  Typus  geben  und  schönen  Bronzestatuette  der  Coli.  Gre'au  PL  17 
nach  deren  Abbildung  der  Nil  auf  einem  Flufs-  p.  170  nr.  848  ('  Empereur  romain  Auguste  ou 
pferd  sitzt;  3)  angeblich  'Scrapis  in  throno  ad  Hadrien  en  Horus'1)  und  im  Brit.  Mus.  A 
s.  sedens  d.  demissa,  s.  hastam:  ex  adverso  stat  guide  to  tl\e  first  and  second  egyptian  rooms 
Isis  d.  sceptrum ,  s.  duas  spieas.  Bs.  Cymba,  p.  104 — 105,  sowie  auf  einem  bei  Lanzone, 
in  qua  ad  s.  stat  Anubis,  ante  quem  Bos  Apis  Dis.  dimit.  egis.  p.  582  abgebildeten  Sandstein- 
basi  quadratae  impositus,  in  area  supeme  hinc  relief  in  Turin;  ähnliche  Typen  zeigen  die 
astrum,  inde  lunula' ,  Sestini  2  p.  68  nr.  24,  Münzen  desTANITHC:  Horos  mit  Pschent,  Lanze 
Tab.  11,  24,  vgl.  de  Longperier  p.  511,  C.  Auch  in  der  R.,  Sperber  auf  der  L.;  Horos  in  Krieger- 
eine Glasmünze  mit  der  Büste  der  Isis  mit  20  tracht  mit  Pschent,  Lanze  in  der  L.  und 
Sonnenscheibe  zwischen  den  Hörnern,  in  der  Sperber  auf  der  R.;  Sperber  mit  Pschent,  J.  de 
R.  ein  Gefäfs,  im  übv.  und  dem  Haupte  des  Bouge  p.  44  nr.  1 — 3,  PL  2,  10;  vgl.  Brugsch, 
Nils  im  Rs.  weist  de  Longperier  p.  512—513  Bei.  p.  390 — 391.  Ferner  verzeichnet  Head: 
PL  11,  3  dem  Sarapeion  von  Memphis  zu;  A60N  r[OTTOAITHC],  Horos  mit  Scepter  und 
vgl.  über  Isiskult  in  Memphis  Brugsch,  G.  I.  Löwen;  Löwe;  A0PIBITHC.  Hathor  mit  dem 
1  p.  234 — 235;  237—238;  Wiedemann,  Her.  2.  Sperber  des  Horos  und  Scepter;  Sperber; 
B.  p.  190;  Anth  .Lat.  ed.  Biese  1,  395;  Hijm-  TTPOCM[niTHC].  Büste  oder  ganze  Gestalt  des 
nus  von  Andros  vs.  3.  Auf  Münzen  mit  der  Harpokrates  mit  zum  Munde  erhobenem  Finger; 
Aufschrift  06OY  TTANOC  und  weiblichem  Haupt  Harpokrates-Herakles  mit  Keule,  worauf  ein 
mit  Hörnern,  Sonnenscheibe  und  Federn  im  30  Sperber  sitzt;  (p.  724)  OOEM0OEY  NOMOI. 
Obv.  und  Sistrum  im  Revers,  die  vielleicht  Hathor  mit  Lotosblume,  worauf  Harpokrates; 
von  dem  Heiligtume  des  Min  (Chem)  in  Pano-  Harpokrates-Herakles  auf  der  Lotosblume; 
polis  geprägt  worden  sind,  wird  man  sieher  CGBe[NNYTHC]  oder  NOMOC  C6BeNNYTHC. 
besser  mit  Mionnet,  Suppl.  IX  153,  22  das  Horos  mit  Schwert  und  Speer,  ,,Anhur,  der  Speer- 
Haupt  der  Isis,  die  dort  unter  dem  Namen  träger,  Schu,  Sohn  Rä's,  der  grofse  Gott  in 
Apersit  einen  bedeutenden  Kultus  hatte,  Sebennytus,  der  gutthätige  Sprofs  als  Bahudti", 
Brugsch,  Bei.  p.  674—679,  als  mit  Feuardent  Brugsch,  Bei.  p.  488—492;  <J)Q6N£OY[THC]. 
332,  3595  das  des  Pan  erkennen.  Ferner  Horos  nackt  mit  Sperber  und  Widder;  zwei 
sieht  man  Isis  in  einem  lockigen  Haupt  mit  Sperber;  Harpokrates  auf  der  Lotosblume.  Über 
Binde  und  ägyptischem  Kopfputz  (de  Bouge:  40  den  Kultus  des  Horos  im  Phtheneotes  (Peto  en 
diademe  atef)  auf  Münzen  Hadrians  von  Pelu-  uati,  rLand  der  Göttin  Uati',  mit  der  Haupt- 
sium,  das  als  eine  Gründung  der  Isis  galt,  stadt  Buto,  Pa-uati, 'Wohnung  der  Göttin  Uati') 
J.  de  Bouge  p.  41  nr.  1;  Feuardent  314,  3545;  und  seine  Aufziehung  daselbst  durch  Isis  und 
Head  p.  723;  sowie  in  einer  stehenden  Frau  Uati  (Ouadj,  Utit,  Leto),  die  selbst  nur  eine 
mit  Krokodil  auf  der  R.  auf  Münzen  des  N.  Onu-  Form  der  Isis  ist  —  Msis  ist  dort  unter  der 
phites  (Hadrian),  de  Bouge  p.  60  nr.  1,  PL  6, 16;  Form  der  Buto,  der  Herrin  von  AM',  heifst  es 
Head  p,  724;  Isis  oder  Hathor  in  einer  stehen-  im  grofsen  geographischen  Texte  von  Edfu, 
den  Göttin  mit  Sperber  auf  der  L.  und  Sistrum  in  Brugsch,  Dict.  ge'ogr.  p.  25,  p.  178,  p.  940  — 
der  R.  auf  Münzen  des  N.  Metelites  (Hadrian),  vgl.  man  A.  Wiedemann,  Herodots  zweites 
J.  de  Bouge  p.  65  nr.  1;  Head  p.  724;  desgl.  so  Buch  p.  557  —  558  und  Bec.  de  trav.  rel.  ä  la 
Isis  (de  Bouge,  Head)  oder  Hathor  (Feuardent)  phil.  et  ä  l'arch.  eg.  et  ass.  6  p.  23;  Lauth, 
in  einer  stehenden,  das  Gewand  mit  der  L.  Sitzungsber.  d.  philos.  u.  philol.  u.  hist.  Kl.  d. 
raffenden  Göttin  mit  Widder  auf  der  R.  auf  k.  b.  Ak.  d.  W.  z.  München  1881.  2.  Bd.  p.  279  ff., 
Münzen  des  N.  Gynaikopolites  (Hadrian),  speziell  p.  284 — 285;  Ebers,  Abh.  d.  k.  sächs. 
de  Bouge  p.  67  nr.  1;  Head  p.  724;  Feuardent  Ak.  d.  W.  z.  Leipzig,  phil.-hist.  Kl.  9,  1884 
328,  3584.  Viel  häufiger  als  Isis  erscheint  ihr  p.  232  f.;  Brugsch,  Biet,  ge'ogr.  p.  89— 92,  p.  214, 
Sohn  Horos  auf  den  Nomenmünzen.  Headver-  p.  568—571,  p.  810,  p.  901  —  902;  in  Schlie- 
zeichnet  (p.722):  ATTOAAG)NOTTOAITHC.  Hör-  manns  Ilios  p.  818;  Bei.  u.  Myth.  der  alten 
Hut,  der  Horos  von  Hut  oder  Apollinopolis  M.  Äg.  p.  327  —  330,  391  ff.;  Eine  geogr.  Studie, 
stellend  mit  Scepter  und  Sperber;  KOTTT[ITHC].  60  Vier  Texte  der  Metternichstele,  Ztschr.  f.  äg. 
Horos-Chem,  als  verhüllte  Figur  mit  Antilope  Spr.  u.  Altertumside.  1879  p.  1 — 29;  Goleni- 
und  Harpa;  vgl.  Brugsch,  Bei.  p.  678— 679  und  scheff',  Die  Metternichstele.  Leipzig  1877.  2° 
für  Isiskult  in  Koptos  aufser  Wiedemann,  Her.  p.  15  Anm.  7;  Ztschr.  f.  äg.  Spr.  20,  1882 
2.  B.  p.  190  die  Inschriften  Bev.  Arch.  3B  ser.  p.  133.  Ferner  führt  Head  noch  auf:  KABA- 
1883,  2  p.  176-178  nr.  1.  2.  T£-NTYP[ITHC].  G[THC].  Horos  halb  bekleidet,  mit  Speer  und 
Hathor  mit  dem  Sperber  des  Horo3  und  Scepter;  Sperber;  Sperber;  AHTOTT[OAITHC].  Horos  mit 
Sperber;  (p.  723)  TTANO[TTOAITHC].  Gestalt  mit  Ichneumon  oder  vielmehr  mit  Spitzmaus,  vgl. 
Ichneumon  und  Statuette  des  Horos-Chem;  vgl.  Wiedemann,  Die  Bei.  d.  a.  Ag.  p.  16:  „Hor-^ent- 

14* 


423 


Isis  (Kult  in  Alexandria) 


Isis  (Kult  in  Alexandria) 


424 


nen-ma,  „Horua,  der  Herr  des  nicht  Sehens," 
eine  in  Letopolis  auftretende,  als  blind  ge- 
dachte und  die  Sonnenfinsternis  symbolisierende 
Gottheit,  der  die  Spitzmaus  heilig  waru  welche 
man  nach  Plutarchs  Behauptung  in  Ägypten 
göttlich  verehrte,  weil  sie  als  blind  galt  und 
die  Finsternis  älter  war  als  das  Licht";  MGN6- 
AAITHC.  Nil  stehend  mit  Schilf  und  Harpo- 
krates, dessen  Unterkörper  in  einen  Krokodil- 
schwanz endet;  Harpokrates  mit  Krokodil- 
schwanz vor  einem  Altar,  wie  er  auch  auf 
römischen  Kaisermünzen  von  Alexandria  mit 
Krokodilschwanz,  die  R.  an  den  Mund  gelegt, 
in  der  L.  eiu  Füllhorn,  Trajan  L.  IT,  Mionnet 
6  nr.  628,  Feuardent  57,  995,  996,  Trajan  L  .  IE, 
Mionnet  6  nr.  675;  Feuardent  59,  1035  uns  ent- 
gegentritt. [Vgl.  hinsichtlich  der  Darstellungen 
auf  ägyptischen  Nomenmünzen  jetzt  W.Fröh- 
ner,  Le  nome  sur  les  monnaies  d'Fgypte. 
Extr.  de  Vannuaire  de  la  Soc.  de  Numism. 
1890  S.  6  ff.  Fröhner  erkennt  in  den  bald 
männlichen  bald  weiblichen  Gestalten  „le  nome 
devenu  dieu,  le  nome  pcrsonnific  comme  on 
persownifi.au  les  provinccs,  les  villes  etc.  II 
s'appuie  sur  un  sccptre,  et  sa  main  tendue  en 
avant  portc  le  Symbole  religieux,  qui  caracte- 
rise  le  nome  et  son  culte  special  etc."  Röscher.] 

In  Alexandria  hatte  schon  Alexander  M, 
das  Vorbild  der  Ptolemäer  hinsichtlich  eines 
ehrerbietigen  Verhaltens  gegenüber  den  Landes- 
gottheiten, die  Stelle  bezeichnet,  an  der  sich 
der  Tempel  der  Isis  in  der  nach  ihm  benannten 
Stadt  erheben  sollte,  Droysen,  Gesch.  Alexan- 
ders d.  Gr.3  p.  164;  Grote,  Gesch.  Griechenlands 62 
p.  484;  F.  I'leiv,  Die  Griechen  in  ihrem  Verhält- 
nis zu  den  Gottheiten  fremder  Völker.  Danzig 
1876.  4°  p.  12;  G.  W.  Göttimg,  Ges.Abh.  aus  d. 
Mass.  Altert.  1  p.  219— 221;  2  p.  270;  Letronne, 
Pech,  p.  s.  ä  Vhist.  de  VFgypte  p.  337;  Oeuvres 
choisies  1.  ser.  2  p.  289,  357;  Becueil  des  Inscr. 
gr.  et  lat.  de  VEg.  1  p.  270;  Lumbroso,  liech.  sur 
Veconomie  politiquc  de  VFgypte  sous  les  Lagides 
p.265;  Pierret,  Dict.  d'arch.  ig.  p.  18 — 19  u.a.m. 
Es  gab  hier  in  der  Kaiserzeit  einen  Tempel 
der  %iu  fisyLOtr)  Iaiq  nXovaCa  (Neroutsos,  'A&rj- 
vaiov  2,  1873  p. 88-89,  Bull,  de V Inst. egyptien 
12  p.  77,  L'ancienne  Alexandrie.  Paris' 1888. 
p.  5 — 6;  Lumbroso,  Ann.  dell'  Inst,  di  Corr. 
arch.  1875  p.  14—15,  L'Fgitto  al  tempo  dei 
Greci  e  dei  Romani  p.  135)  am  Kreuzungs- 
punkte der  Strafse  Nebi-Daniel  mit  der  Strafse 
des  giiechischen  Hospitals.  Ferner,  an  der 
Stelle  der  neuen  Börse  lag  nach  einem  1885 
gefundenen  bilinguen  Goldplätteheu,  dessen 
griechische  Inschrift  lautet  Saqäni Sog  xul  "lai- 
öog  xcä  ßaaiXscog  Ilrolfficiiov  x«i  ßcteiXiaong 
'Agaivong  &säv  cpiXonatoQcov,  ein  dem  Sarapis, 
der  Isis,  dem  Ptolemaios  IV.  und  der  Arsinoe 
Philopator  (222—204  v.  Chr.)  geweibtes  Heilig- 
tum, Maspero,  Itee.  de  trav.  rel.  ä  la  phil.  et 
ä  Varch.  e'g.  et  ass.  7  p.  140 — 141;  Neroirfsos- 
Bey ,  ljcinc.  Alexandrie  p.  21  —  22.  Ein  Altar 
der  Isis,  des  Amnion  und  des  Harpokrates 
(F.  Miller,  JRev.  arch.  1874,  n.  s.  27  p.  51—52; 
Lumbroso,  Bull.  delV  Inst,  di  Corr.  arch.  1878 
p.  54—59;  Kautel,  Epigr.  Gr.  833;  Drexler, 
Wochinschr.  f.  kl.  Phil.  1886  Sp.  1082—1084) 
trägt  die  metrische  Inschrift: 


"latSog  iVTcXondfioio  «ort  'Ayiuavog  «fpaioto 
K'AQnoKQtttov  zs  SiTtXolg  £i'<5[?o]i  cpaivopsvov 
ßa>[iög  iyci.    aiv  Ttaiei  ä'  B&rj^sv  KXCvog  'Avov- 

ßicov, 
avysXov  ivasßtng  rjSi  QvnJtoXCrjg. 
Die  alexandrinischen  Kaisermünzen  zeigen  die 
Göttin  in  mannigfaltigen  Bildungen,  z.  B.  ihr 
Haupt,    Zocga,    Numi   Aegyptii   Imperatorii 
Tab.  3,  12;  10,  5.  8;   16,  3;  Feuardent  PI.  15, 

10  769;  17,  933;  23,  1574;  28,  2337;  31,  2872; 
33,  3153;  Wange  an  Wange  mit  dem  des 
Sarapis,  Zocga  8,  13;  gegenüber  dem  des 
Sarapis,  zwischen  beiden  Harpokrates  stehend, 
darunter  ein  Adler  mit  ausgebreiteten  Flügeln, 
Nicasius,  De  nummo  pantheo  Hadriani  im- 
peratoris.  Lugduni  1690.  4°;  Wange  an  Wange 
mit  dem  des  Nils,  Zoega  19,  11;  Feuardent 
PI.  19,  2393;  Isis  in  ganzer  Gestalt,  thronend, 
in  der  R.   das   Sistrum,    Feuardent  20,  1431; 

so  thronend,  in  der  L.  das  Scepter,  die  R.  über 
den  vor  ihr  stehenden  Harpokrates  haltend, 
Zoega  5,  7;  sitzend,  den  Horos  säugend,  Zocga 
10,  1;  12,  2.  9;  13,  1.  7.  10;  Feuardent  20, 
1371;  ein  Segel  entfaltend,  Zoega  6,  9;  7,  16; 
19,  1409;  Feuardent  19,  1409;  auf  einem  Schiff 
ein  Segel  entfaltend,  mit  Sarapis  und  Demeter, 
Kenner,  Die  ant.  Münzen  des  Stifts  St.  Florian 
Taf.  8,  2;  als  Sothis  auf  dem  Siriushund  sitzend, 
Fckhel,  D.  N.  V.  4  p.  66;  Zoega  p.  207  nr.  140; 

30  Mi. 6,275, 1892 ;  Feuardent  131, 1906 ;  Cat. Huber 
108,  1095;  u.  a.  m. 

Noch  im  4.  Jahrh.  n.  Chr.,  nachdem  schon 
das  Christentum  zur  Staatsreligion  erhoben 
war,  erscheint  sie  auf  (in  Alexandria  geprägten) 
Vota -Publica -Münzen  (mit  lateinischer  Auf- 
schrift) in  einem  überraschenden  Reichtum  der 
Darstellungen,  so  stehend  mit  Sistrum  und 
Situla  unter  Constantinus  M.,  Cohen,  Med.  imp. 
6  nr.  553,  554;  Crispus  145;  Julian  99,  PI.  11, 

40  99,  Suppl.  (vol.  7)  8;  Julian  und  Helena  4.  5, 
PI.  12,  5;  Helena  7.  8.  9;  Valens  77;  Gratian  65; 
ferner,  wenn  den  Beschreibungen  zu  trauen  ist, 
mit  Sistrum  und  Discus,  Constantinus  IL  200; 
die  R.  ausgestreckt,  in  der  L.  einen  Globus  (?) 
Julian  11.  102,  vgl.  aber  Julian  und  Helena  8 
'Femme  debout  avec  le  modius,  levant  la  m.  dr. 
et  tenant  un  globe'  und  Helena  23  'Se'rapis 
radie  avec  le  modius  sur  la  t.,  levant  la  m.  dr. 
et  tenant  un  globe'' ;  die  R.  erhoben,  die  L.  in 

50  die  Stola  gehüllt,  Helena  21.  22  aus  Tanini; 
mit  Zweig  (wenn  nicht  Sistrum?)  und  Gefäfs, 
Julian  103  aus  Tanini;  mit 
Sistrum  und  Lotosblume,  He- 
lena Suppl.  2;  schreitend,  über 
der  Schulter  ein  Stab  mit  Nil- 
pferd, Julian  110  aus  Tanini; 
das  r.  Knie  auf  der  Erde,  um  et- 
was aufzunehmen(?),  Julian  111 
aus  Tanini;  stehend  mit  Sistrum 

CO  auf  einem  Maultiergespann,  Ju- 
lian 106,  107,  PI.  11,  107;  108; 
Suppl.  9;  Helena  10;  Jovian 
24;  Gratian  66  aus  Tanini;  ebenso,  dabei 
Anubis ,  Julian  109  aus  Tanini;  Jovian  25; 
ohne  das  Gespann,  mit  Anubis,  Helena  Suppl.  5; 
sitzend  auf  Nilpferdgespann  mit  Sistrum  (?), 
Helena  12.  13,  wenn  hier  wirklich  Isis  und 
nicht    etwa    der    Nil    dargestellt    sein    sollte; 


Isis  auf  einem 
Maultiergespann. 

Cohen  n,  PI.  11,  107. 


425 


Isis  (Kult  in  Alexandria) 


Sarapis  und  Isis 

schlangenleibig. 

Cohen  6,  PI.  11, 

117. 


auf  einem  von  zwei  Flügelsphinxen  über  die 
Fluten  gezogenen  Wagen  mit  Harpokrates  und 
dem  Siriushund,  Julian  133  aus  Tanini;  134; 
Berliner  El.  f.  Münz-,  Siegel-  u.  Wappen- 
kunde 1  Taf.  6,  8;  auf  dem  Siriushund 
sitzend,  Julian  104.  105;  Julian  und  Helena  6; 
Helenall,  PL  12,  11;  Valetitinian  I.  60;  Valens 
76;  zu  Schiff  ein  Segel  entfaltend  (s.  unten); 
den  Horos  säugend  (s.  unten). 
Interessant  ist  der  Typus:  Isis  und 
Sarapis  mit  in  einen  Schlangen- 
schwanz auslaufendem  Unter- 
körper, ein  heiliges  Gefäfs  hal- 
tend, Julian  117,  PL  11 ,  117; 
Supph  11,  PI.  8,  11;  Jovian  23 
aus  Wicz.ay;  sowie  angeblich 
'Detix  prctresses  drapees  et 
coiffees  d'aspics  agitent  des  sistres 
en  relevant  leurs  manteaux  de 
fagon  ä  ce  qu'ils  forment  wie  espece  de  rideau', 
Fröhner,  Choix  de  monn.  anciennes.  Paris  1869. 
p.  48  nr.  80,  PI.  13  Coli.  Greau  4487,  Julian 
und  Helena;  Cohen,  Julian  und  Helena  9, 
PI.  12,  9;  Supph  1;  Julian  119.  120,  ein  Typus, 
der  in  Wirklichkeit  Isis  und  Nephthys  mit  aus- 
gebreiteten Flügeln  darstellt. 

Erst  unter  Theodosius  M.  wurde  von  dem 
herrschsüchtigen  Bischof  Theophilos  durch  Zer- 
störung des  Sarapeions,  des  Hauptbollwerks  des 
Heidentums  {caput  ipsum  idololatriae,  Bufinus 
2,  24),  dessen  Fall  der  eifrige  Heide  Eunapios 
mit  dem  Sturz  der  Giganten  verglich,  der 
offenen  Verehrung  der  Landesgottheiten  in 
Alexandria  ein  Ende  gemacht,  Gibbon,  Gesch. 
des  allmähl.  Sinkens  —  des  röm.  Weltreichs 
5  p.  262  —  266  (SporschiT) ;  Keander,  Gesch.  d. 
ehr.  Bei.  34  p.  121  —  123;  Mihnan,  The  history 
of  christianity  2  p.  173—178;  J.  H.  Stu/f'ken, 
De  Theodosii  M.  in  rem  christianam  meritis. 
Lugd.  Bat.  1828.  p.  57  —  63;  Lasaidx ,  Der 
Untergang  des  Hellenismus  p.  103 — 105;  Chastel, 
Bist,  de  la  destruetion  du  paganisme  dans 
Tempire  d' 'Orient  p.  195 — 198;  Sharpe,  Gesch. 
Ägyptens  2  p.  243—246;  P.  Allard ,  L'art 
pa'ien  sous  les  empereurs  chre'tiens.  Paris  1879. 
15.  104  — 111;  V.  Schultee,  Gesch.  des  Untergangs 
des  gr.-röm.  Heidentums  2  p.  261 — 266  u.  a.  m. 
Auch  die  Tempel  in  Kanopos  fielen  dem  Fana- 
tismus des  Theophilos  zum  Opfer,  Allard, 
p.  110—111;  Schultze-p.  266—208.  Jetzt  konnte 
es  scheinen,  als  sei  erfüllt  die  sibyllinische 
Weissagung  5,  484  ff.  ed.  Friedlieb: 
[ai&ia  zqizdXaiva,  ftEVftg  8  snl  %ivficzci  NiiXov 
Movvri,[iuivu<s  äzuxzos,i7iL  tyttuü&oiq'A%£QOVzo$, 
Kovhszl  oov  [ivEta  ys  [itvti  ncczcc  yaiav  anaoav 
Kai  av,  EtQctm,  li'ftoig  imxit'iifvs,  noXXä  fioyjjcf  <s' 
Ksiorj  jrrcöfi«  uiyiazov  iv  Alyvnzm  zgizaXaivr/' 
OaaoL  8'  Alyvnzov  no&ov  rjyayov  ilg  Ol  cmavztq 
KXavGovzaC  oe  höäwj. 

Doch  nicht  so  leicht  liel's  sich  ein  nach 
Jahrtausenden  zählender  Götterdienst  an  allen 
Orten  des  Nillandes  vernichten.  Claudian,  der 
Zeitgenosse  Stilichos,  schildert  noch  lebhaft 
die  Prozession  der  Götterbilder  in  Memphis, 
de  cons.  Hon.  4,  570  ff. : 

—  Sic  numma  Memphis 
In  vulgus  proferre  solet,  penetralibus  exit 
Effigies,  brevis  illa  cjuidem,  sed  plurima  infra 


Isis  (Ende  d.  ägypt.  Kultes)  426 

Liniger  imposita  suspirans  veste  sacerdos 
Tcstatur  sudore  deum.     Nilotica  sistris 
Bipa  sonat,  variosgue  modos  Aegyptia  ducit 
Ttbia.     Submissus  admugit  cornibus  Apis. 
Und  am  südlichen  Ende  des  Reiches,  auf  der 
kleinen  Insel  Philae  (nach  pumiehen,  Gesch.  d. 
alt.  Ag.  p.  31  entstanden  aus  Äa-lak,  Hak,  mit  vor- 
gesetztem männlichen  Artikel  p  Päalak,  Pilak 
'die  am  Ende  liegende  Insel,   die  Grenzinsel') 

10  wird  noch  in  einem  Vertrag,  den  der  Feldherr 
Maximinus  451  mit  denBlemmyem  schlofs,  den- 
selben zugestanden,  dafs  sie  zu  gewissen  Zeiten 
die  heiligen  Isisbilder  aus  dem  dortigen  Tempel 
nach  ihrem  Lande  führen  dürfen,  um  sie  zu 
Erteilung  von  Orakeln  zu  benutzen.  Erst  um 
560  liefs  Justinian  durch  Narses  die  Tempel 
schliefsen,  die  Priester  gefangen  setzen  und  die 
Isisbilder  nach  Konstantinopel  schaffen,  worauf 
nicht  lange  nachher  durch  Bisehof  Theodoros 

20  das  Heiligtum  in  eine  Kirche  des  h.  Stephanus 
umgewandelt  wurde,  vgl.  über  den  Dienst  der 
Isis  und  seine  Schicksale  auf  Philae:  Döllinger, 
Heidentum  u.  Judentum  p.  413;  Sharpe,  Gesch. 
Ag.  1  p.  197;  G.  Parthey,  De  Philis  insida 
eiusepte  monumentis  commentatio  und  dazu 
Letronne,  Oeuvres  choisies  1.  ser.  1  p.  352 
—  364;  G.  Parthey,  Wanderungen  durch  Siei- 
lien  u.  die  Levante  2  p.  354,  368  —  373;  Lttronne, 
Bec.  des  inscr.  gr.  et  lat.  de  VJEg.   2  p.  1  ff., 

30  speziell  über  die  Inschriften  der  letzten  Zeiten 
p.  198  —  217  nr.  149—151;  Letronne,  Obser- 
vation sur  l'epoejue  oü  le  paganisme  a  ete  de- 
finitivement  aboli  ä  Philes  dans  la  Haute- Egypte, 
Mem.  de  TInst.  Boy.  de  France,  Ac.  des  Inscr. 
et  B.-L.  10,  1833  p.  168— 217  =  Oeuvres  choisies 
1.  ser.  1  p.  55—99;  Chastel  a.  a.  ü.  p.  291-293; 
Ch.  Lenormant,  Muice  des  antiquitc's  egyptiennes. 
Paris  1841.  2°.  p.  57;  Carle  Wescher,  Bev.  arcli. 
n.  s.  10  p.  223—224;   Bevillout,   Mem.   sur   les 

40  Blemmyes  etc.,  Comptes-rendus  de  T Ac.  des 
Inscr.  et  B.-L.  1871,  n.  s.  7  p.  30—43,  speziell 
p.  42 — 43  und  Mem.  s.  les  Blemmyes  ä  propos 
d'une  inscr.  copte  trouve'e  ä  Denbur.  Paris  1874. 
4°;  Lepsius,  Briefe  aus  Ägypten,  Äthiopien  u. 
der  Halbinsel  Sinai  p.  108,  111;  Ebers,  Cicerone 
durch  d.  cüte  u.  neue  Äg.  2  p.  332 — 341 ;  Brugsch, 
Ztsclir.  f.  äg.  Spr.  u.  Altertumskde.  26,  1888 
p.  57  —  69;  Theod.  Harten,  Philä  u.  s.  Um- 
gebung, Westermanns  Illustr.  Monatshefte  34.  Jg. 

50  1890  p.  245 — 266.  Nach  einer  Ankündigung 
von  Maspero,  Compites-rendus  de  l'Acad.  des 
Inscr.  4«  ser.,  t.  XIV,  Mars—Avril  1888,  vgl. 
Bev.  des  rev.  13  p.  258  hat  Baillet  die  grie- 
chischen auf  den  Isiskult  in  Philä  bezüglichen 
Inschriften  von  neuem  kopiert. 

Übrigens  waren  die  Beziehungen  zwischen 
dem  Christentum  und  dem  ägyptischen  Heiden- 
tum nicht  ausschliefslich  feindlicher  Natur.  In 
den  griechischen  und  demotischen  in  Ägypten 

60  entstandenen  Zauberpapyri  treten  neben  den 
hellenischen  und  ägyptischen  Götternamen  auch 
biblisch-christliche  auf,  Wessely,  Exposit. 
3  p.  194ff.,  Wiener  Studien  8  p.  183  und  Griech. 
Zauberpapyrus  von  Paris  u.  London  p.  27, 
35 — 36;  Dieterich,  Papyrus  magica  Musei  Lug- 
dunensis  Bat.  V.  p.  765  ff.;  E.  Bevillout,  Me- 
langes  d'arch.  ig.  et  ass.  3,  1875  p.  36  —  40; 
vgl.   Benan,    Les   origines   du  christianisme  7 


427     Isis  (im  Gnosticismus  u.  Christentum)  .                     Isis  (in  christl.  Legenden")           428 

p.  142  Note  2  u.  3,  p.  143 ;  Crusius,  Wochenschr.  f.  Ferner  erkennt  Ludwig  Conrady,  Die  ägyptische 

Tel.  Phil.  1888  Sp.  1092.  Über  die  Beziehungen  des  Göttersage  in  der  christliehen  Legende.    Beilage 

ägyptischen  Gnosticismus  zur  alten  Landes-  zu  'Vier  rheinische  Palästina- Pilgerfahrten  des 

religion  giebt  interessante  Belehrungen  M.  E.  XIV.  XV.  u.  XVI.  Jahrhunderts'.  Wiesbaden 

Amelineau,   Essai  sur  le  gnosticisme  egyptien,  1S82,  in  den  Legenden  der  Heiligen:  Onuphrius, 

ses   developpements    et   son   angine   e'gyptienne.  Paulus   von  Theben  und  Katerina  eine  christ- 

Paris  1887.    4°.    Deuxieme  partie,  chapitre  111  liehe    Modiflcierung    ägyptischer    Mythen;    so 

Sources    egyptiennes    du    Systeme    de    Basilide  sieht    er    in    Onuphrius    Un-nofer    'das    gute 

p.  139  —  152,   speziell  p.  141  —  146;   Troisieme  Wesen'  d.  i.  Osiris,  p.  4.    Wenn  die  vita  Unu- 

partie,  chap.  V  Des  rapports  du  Valentinianisme  iu  plirü,  wie  sie  sich  in  dem  nach  ihm  genannten 

avec   les  doctrines  de  la  vieille  Egypte  p.  281  Kloster  auf  dem  Ianiculum  in  Rom  fand,  Onu- 

— 322;  Amelineau,  Les  traites  gnostiques  d'Ox-  phrius  den  Sohn  eines  Perserkönigs  sein,  ihn 

ford,   Revue  de  Vhist.   des  religions   21,   1890  wegen  Verdachts  unedler  Abkunft  bald  nach 

(p.  176—215,  p.  261—294)  p.  203  ff.;  E.  Beeil-  der  Geburt  ins  Feuer  geworfen,  aber  nach  Zer- 

lout  a.  a.  0.  p.  40  —  44  und  Mcl.  d'arch.  ig.  et  Streuung  des  väterlichen  Argwohns  durch  einen 

ass.  nr.  5.  1874  p.  166  — 167,  sowie  über  ägyp-  Engel  unversehrt  herausgezogen,  nach  der  Taufe 

tische     Götternamen    als    Namen    christlicher  vom    Vater   nach  Ägypten    gebracht   und   von 

Kopten  p.  186;   vgl.  auch   den  Brief  Hadrians  einer  Hirschkuh  gesäugt  werden  läfst,   so  er- 

an  Servianus,   Vopiscus,  v.  Saturnini  c.  8,  der  klärt  Jacoby  p.  11  — 12  diese  Version  für  eine 

ob  echt  oder  unecht,  jedenfalls   für  die  Reli-  20  geschickte  Benutzung  des  in  Byblos  spielenden 

gionsmischung    zeugt.      Epiphanios    hat     uns  Teils   der   Isissage.     Vollends   in   der  Legende 

einen   interessanten   Bericht   hinterlassen,   wie  der  h.  Katharina  hält  er  schon  den  Namen  der 

die   Gnostiker  in   Alexandria  —  er  glaubt  in-  Heiligen    für    eine    Nachbildung    des    Namens 

dessen    von   Heiden    zu   sprechen   —   die   Epi-  ihres  angeblichen  Urmusters  der  Hathor  p.  25  f. 

phanie  in  der  Nacht  vom  5./6.  Januar,  die  Ge-  Wenn  Katerina,   führt  Jacoby  aus,  als  Pliilo- 

burt  des  Aion  durch  Köre,  d.  h.  die  Jungfrau,  im  sophin  bezeichnet  wird,  so  nennt  Plutarch  de  Is. 

Korion  begingen,   0  eider ,  Philologus  16  p.  354  c.  2   die   Isis   i$ai@Ezüig   eocpijv  Kai  qnlöaoqpov, 

— 355,  Corp.  hacreseol.  2,  3  p.  632,  Epiphanios  p.  26  —  27;    wenn  Katerina   enthauptet  wurde, 

ed.  Dind.  3  p.  483.  —  Usoier,  Bei  igionsgeschichtl .  so   wird  nach   Plut.  de  Is.   cap.  19  und   Pap. 

Untersuchungen!.  DasW'eihnachisfestKenß.l — 3.  80  Sallier    der   Isis    von   Horos    der    Kopf  abge- 

Bonn    1889.    p.  27  ff.    hebt    die   Mischung   von  schlagen,   p.  27 — 28;   wenn   der  Leichnam  der 

Christlichem  und  Heidnischem  darin  als  echt  Heiligen    nach   dem   Sinai  gebracht  wird,    so 

gnostisch   hervor;    Gustav  Bosch,   Das  synlcre-  wurde    im    nahen   Sarbut  el   Chädem    und   im 

tistische  Weihnachtsfest  zu  Petra  ZDMG.  1884,  Wadi  Magkära  Hathor,  die  Herrin  von  Mafkat, 

38   [p.  643  —  654]   p.  643,   vgl.   p.  651,    deutet  verehrt,  p.  28—29;  fällt  endlich  der  Todestag 

diese    Erzählung    auf   die    Geburt    des    Horos  der  Heiligen   auf  den  25.  November,   so   ent- 

durch  Isis.  spricht  dieser  Tag  dem  17.  Athyr,  dem  Todes- 

Aus   Hippolyti  Befutationis   omnium  haere-  tag   des   Osiris,    p.  29  —  30.     Freilich   dürften 

siuin     lihrorum     decetn     qtiae    siqjersunt    rec.  diese  Ausführungen  wenig  Zustimmung  finden. 

Duncler  et  Schneidewin  lib.  V   cap.  7   p.  142  in  t_    Vielfach  hat  man  auch  hingewiesen  auf  die 

(vgl.   Dieterich  a.  a.  0.    p.  772)    erfahren    wir  Ähnlichkeit  zwischen  der  Isis  und  der  h.  Jung- 

von  den  Naassenern:   Aiyovoiv  ovv,   ort  Alyv-  ff  au   in  Beinamen,   Kultus  und  Darstellungen, 

nzioi,    ndvzmv   äv9gc6no3v    /iszä    zovg   ^gvyag  s.  besonders  Trede,  Das  Heidentum  in  der  röm. 

äg%ai6zigoi    k(x&8gto)t£s   Kai   näoi   zoig   aXXoig  Kirche  1  p.  17,  110,  283;  2  p.  45,  367;  3  p.  142, 

äv&gumoig    bjioXoyovyiviag    zsXszdg    Kai   bgyia  145, 146,  158,  408;  4  p.  295,  445;  B.  T.  Hampson, 

ftsäv    navzcov    öfioü     pszadovzsg    ngäzoi    Kai  Medii  Aevi  Kalendarium  p.  16 — 17,  145  —  146. 

KaznyyiXKÖztg    idsag    Kai    ivsgytiag,    fegä   v.al  Eine  Reihe  ähnlicher,  zum  Teil  freilich  falsch 

eißda/xca   x«l  ävs^ayogavza  zoig  afj  ztzsXsofii-  gedeuteter  Beinamen  der  Isis  und  der  Madonna 

voig   zu  "laidog    "i%ovoi  (iveziJQicf    za   d'   slelv  stellt    zusammen    Beauregard,     Les    divinites 

ovx  aXXo  zi  r;  Jigitaauivov  Kai  ^zovfiivov  vnb  50  egyptiennes   p.  174,    175,   341.      Es    entspricht 

zrjg  tnzaoxuXov  Kai  fiskaveiiiovog  aidoCov 'Ooigi-  z.  B.   Isis   Regina  der  Sovrana,   Sovrana  dell' 

äog.     Oeigiv    äe    liyovciv   vdoig.    'H   <Je   cpvaig  Universo,    Regina,    Trede   2   p.  45,   2   cap.  15 

Inzdozolog  -nsgl  avzrjv   'iiovaa  Kai  zozoliGfiivi]  '  die    Himmelskönigin'    p.  338  —  371,    speziell 

iTtza     azoläg    afösgi'ovg    (zovg    nXavrjzas    ydg  p.  367 — 369;  3  p.  142;  der  cRrigina  di  lu  celu 

äazigag    ovzco    ngoeayogivovoiv   äkljjyogovvzig  terra  e  inari',  Vigo,  Baccolta  di  canti  popolari 

Kai   al&igiovg   KaXovvzt g)  Kaz'  avzovg  t]  (isza-  siciliani*  p.  518  nr.  3409  vs.  2;  vgl.  Hampson 

ßXnzr]   yivtaig  Kai   vnb  zov  dggrizov  v.al  ävi%-  p.   40;    ferner    Isis    mater,    Isis    pnellaris    der 

iiKoviazov   kkI   ävsvvorjzov  Kai  äfiögyov  fisza-  Mater  Domini,   Trede  2  p.  108,  380;  4  p.  177; 

liogqiovfiivrj  Kziaig  ävadtiKvvzaf  Kai  zovzo  iazl  Madonna  del  Parto,  Trede  3  p.  162;  Isis  furva 

zb    iignfiivov,    qprjBi'v,    iv    zy    ygarpy    iTtzaKig  60  der  Madonna  Addolorata,  Trede  2  p.  384,  3  p.  162, 

ntcsizai  b  StKawg  Kai  dvaeziJBEzat,  vgl.  p.  144.  383;   Isis  pelagia  der  Regina  Maris,  Madonna 

Auch    die    Gestalten    einiger    christlichen  del  porto  salvo,   Trede  1  p.  283,  Maris  Stella, 

Heiligenlegenden     glaubt    man    auf    Isis    zu-  Trede   3   p.   144  — 145,    Jlavayia    {ralaoengia, 

rückführen    zu   können;    so   will    Usencr    (Die  B.  Schmidt,    Das    Volhsleben  der  Neugriechen 

Legende  der  h.  Pelagia.  Bonn  1879)  die  h.  Pe-  u.  d.  hellen.  Altert.   1    p.  39;    vgl.    auch   Fr. 

lagia  als  eine  ins  Christliche  übersetzte  Aphro-  Lenormant,    Monographie    de    la    voie    sacree 

dite  Pelagia,  zu   deren  Bild  auch  die  Isis  Pe-  cleusinien-ne  p.  217 — 218;   Isis  Dikaiosyne  dem 

lagia   (p.  XXIV)    einige    Züge    lieh,    erklären.  Miroir  de  justice,  Beauregard  p.  341 ;  Isis  Nike 


429     Isis  (mit  Jungfr.  Maria  identificiert)  Isis  (mit  Jungfr.  Maria  identificiert)     430 

der  Madonna  della    vittoria,    Trede  2   p.  370;  Isisbilder  (vgl.  auch   den   der  Hathor,    die   in 

die  Dea  potens,  praepotens,  omnipotens  {Apul.  Karnak  heilst  „die  Ilerrin  des  Silbers,  die  Be- 

Met.  11,  22;  1;    16)   der  Maria  della  Potenza,  herrscherin  des  Goldes,  sie  hält  [in  ihrer  Hand] 

Trede  2  p.  394;  Isis  Soteira,  sancta  et  humani  alles   kostbare   Geschmeide",   Brugsch,   Hicr.- 

generis  sospitatrix  perpctua,  Apul.  11,  25,  der  Demot.  Wörterb.  1    p.  208,    C.  I.D.  2,    3386, 

Madonna  del!   ajuto,   Trede  2  p.  370,  Notre-  Friedländer,  Sittengesch.  38  p.  603)  ist  oft  mit 

Dame  de  Bon-Secours,  Beauregard  p.  341;  die  dem   der   Madonnenbilder    verglichen  worden, 

dea  providens  {Apul.  Met.  11,  18,  vgl.  11,  10  Boissier,  La  rel.  rom.  d' Auguste  aux  Antonius 

dcae  summatis  auxiliaris  Providentia)  der  Divina  ls  p.  362;  Beville,  I).  Bei.  zu  Born  unter  den 

Providenza  u  s.  w.     So  kann  Beauregard  p.  148  10  Severern  p.  54;  Benan,  Lcs  origines  du  christia- 

erklären:  'Isis  enfin  serait,  par  ses perfedions,  nisme  7  p.  581;  Ch.  Lenormant,  Musee  des  ant. 

une  copie  exacte  et  fidele  de  la  vierge  Marie  ig.   p.  57    sagt:    'La  dccoration  inte'rieure  du 

des   croyances    chrc'tiennes   si   la  vierge  Marie  temple  d'Isis  ä  Philae  porte  encore  aujourd'hui 

l'eüt  precedce'  und  A.  Maury,  Les  religions  de  les  traces  des  clous  au  moyen  desquels  on  fixait 

la  Grece  ant.  3  p.  280:   'Le  portrait  cpie  nous  des  vetements   sur  cliacune  des  figures   d'Isis. 

eu   a    tracc    l'auteur   du    traite   sur   son   culte  Beaucoup  d'imagcs  de  la  Vierge,  dans  les  eglises 

attribue  ä  Blutarguc,  est  certaincment  une  des  catholiques  out  ainsi  des  demi-robes  adhcrentcs 

conceptions   les   plus   elcvees   que  nous  offre  le  ä  Ja  muraille,   et  qui  figurent  un  habillcment 

polytheisme   antique,    et   Von  est  frappe  de  la  complef;  s.  die  Gewiinder  der  Isis  in  Nerni,  C.  I. 

ressemblance  qu'il  präsente  arec  celui  de  la  Vierge  20  L.  14,  2215 ;  vgl.  ferner  auch  Trede,  Piedigrotta. 

Marie'',    etc.     Und    welche    Ähnlichkeiten    im  Flugschriften  des  evang.  Bundes  16,  Halle  1888, 

Kultus!     'Im    gesamten    Madonnakultus    ver-  p.  16  f.;    Buttiger,    Die  Isisvesper  nach  einem 

nehmen    wir    das   Echo    des   Isiskultus',    sagt  Herculan.  Gemälde,  Kleine  Schriften  2  p.  210 — 

Trede  3  p.  146;  'Weihungen,  Gelübde,  Tonsur  230;  3  p.  259;  Böttiger,  Arch.  Ährenlese  1  p.  1; 
der  Geistlichen,  Fasten,  Büfsungen  finden  auf       Meester  de  Bavestcin,  Musee  Bavestein  3  p.  366 

beiden  Seiten  statt',  Trede  3  p.  143  —  144;  'Der  — 367;  Boßmann,  Vom  Gestade  der  CyMopenu. 

Isiskult  kannte  schon  die  Elevation,  das  weifse  Sirenen   p.  55  ff. ;   Lafaye  p.  138;   Note  4;    E. 

Priesterkleid,  das  Weihwasser,  den  Weihrauch,  Benan,  Lcs  oi'igines  die  ehristianismc  7  p.  572 

die     brennenden    Lampen    und    die    „glatzige  — 573,   u.  a.   „apres  V Initiation ,  on   äprouvait 

Herde''   der   tonsierten   Geistlichen',    Trede  3  30  une  vive   devotion   comme  celle  du  mögen  dge 

p.  146;    Jean  Beville,   Die   Beligion   zu   Born  envers  la  Vierge",  p.  580 — 581;    Boissier,    La 

unter  den  Severern  p.  58  Anm.  1  bemerkt:  'Die  rel.  rom.  d' Auguste  aux  Antonius  1-  p.  365  1'., 

Analogieen    zwischen    den    katholischen    Pro-  374,  383.     Zuweilen  gingen   auch  Heiligtümer 

Zessionen  und  denen  der  Isiaci  sind  zahlreich.  der  Isis  an  die  h.  Jungfrau  über,   so   das   auf 

Man    denke    an    die    oft    reich    geschmückten  der  Halbinsel  Methana,  Curlius,  l'cloponncsos  2 

pausae   oder  Ruheplätze,   an  den   Weihrauch,  p.  442. 

das  Einherführen  der  Gottheit  u.  s.  w.'  Nach  Mehrfach  wird  behauptet,  dafs  die  Dar- 
"Welcker,  Griech.  Götterlehre  2  p.  493  verläfst  Stellungen  der  Madorjna  durch  die  der  Isis 
in  Rom  eine  Madonna  ihre  Kirche  und  macht  beeinflufst  sind,  s.  z.  B.  Lecky ,  Geschichte  des 
in  einer  andern  einer  andern  Madonna  einen  10  Geistes  der  Aufklärung  in  Europa  p.  138  Anm. 
Besuch;  ähnlich  stattet  nach  IL  Brugsch-Bey,  Hugo  von  Lomnitz,  Solidarität  des  Madonna- 
Drei  Fest-Kalender  des  Tempels  von  Apollino-  u.  Astarte- Kultus  p.  73  —  74.  Wenn  aber 
polis  3Iagna  in  Ober -Ägypten.  Leipzig  1877.  Sharpe,  Gesch.  Ägyptens  p.  246  meint,  dafs 
p.  4,  7,  17  Hathor  von  Tentyra  Besuche  ab  im  die  Figuren  der  h.  Jungfrau  auf  der  Mond- 
Heiligtum  der  sieben  Hathoren  in  Pechi  und  scheibe  Isisdarstellungen  nachgeahmt  seien, 
beim  Horus  von  Hud.  Mackenzie  Wallace,  so  irrt  er;  es  beruht  vielmehr  diese  Dar- 
Bufsland  2  p.  122  erzählt,  dafs  das  Heiligen-  Stellung  auf  Offenbarung  Joh.  12,  1,  wonach 
bild  der  Iberischen  Madonna  von  einigen  der  der  Mond  zu  Füfsen  der  Madonna  ist,  Munter, 
reichen  Einwohner  Moskaus  von  Zeit  zu  Zeit  Sinnbilder  und  Kunstvorstcllungen  der  alten 
in  ihr  Haus  eingeladen  wird;  in  einer  Inschrift  50  Christen  2  p.  28;  Steitz  s.  v.  Maria  in  Herzog- 
von  Kios  ehren  die  Thiasoten  den  Anubion,  Plitts  B.-E.  f.  prot.  Theol.  u.  Kirche  9  2  p.  318; 
den  Sohn  des  Nikostratos  '  {yäi^dpsvov  rec  Joh.  Christian  Willi.  Augusti ,  Beiträge  zur 
XccQuoavva  xfis  "Iaidos',  was  nach  Foucarts  christl.  Kunstgeschichte  u.  Liturgik  1  p.  97. 
Deutung  heifst:  weil  er  am  Freudenfeste  der  Besonders  werden  die  schwarzen  Marienbilder 
Göttin  ihr  in  Prozession  urnhergetragenes  Bild  (vgl.  über  diese  besonders  Nork,  Mythologie 
in  seine  Wohnung  aufgenommen  hatte,  s.  Kum.  der  Volkssageu  ?t.  Volksmärchen.  Stuttgart  1848. 
Zeitschr.  21  p.  26  —  27.  Den  Gebrauch  des  =  Scheible,  Das  Kloster  9.  Bd.  p.  872—880), 
Schellenkranzes,  dessen  Geklingel  in  mehreren  wie  das  zu  Einsiedcln,  von  einigen  (so  von 
süditalischen  Kirchen  die  einzelnen  Akte  des  Sauppe ,  Hymnus  in  I&im  p.  13,  Böttiger,  Kl. 
Madonnakultus  ankündigt,  vergleicht  Trede  3  60  Schriften  3  p.  271  Anm.,  Klemm,  Die  Frauen 
p.  146  der  Verwendung  des  Sistrums  im  Isis-  4  p.  91;  Trede  2  p.  94 — 95)  für  Isisbilder  oder 
dienst;  Joseph  Bonomi,  Cat.  of  the  coli,  of  Kopieen  derselben  gehalten.  Doch  fehlt  es  auch 
egyptian  antiquitics  belonging  to  the  late  Bobert  nicht  an  anderen  Deutungen ;  Steitz  a.  a.  0. 
Hay.  London  1869  p.  8  zu  nr.  78  behauptet  p.  316  erklärt  die  schwarze  Farbe  aus  dem 
geradezu  von  dem  Sistrum:  „This  Instrument  Hohenlied  1,  4  'Ich  bin  schwarz,  aber  schön'; 
is  still  used  in  Abyssinia  in  religious  cere-  Menzel,  Christi.  Symbolik  2  p.  95  mit  Martens, 
monies,"  vgl.  Ch.  Cournault,  Bev.  arch.  n.  s.  18  Itcdien  3  p.  27  aus  dem  Umstände,  dafs  die 
1868  p.  56  —  57.    Der  reiche  Schmuck  mancher  Statuen  aus  dunklem  Holze  geschnitzt  sind  und 


431     Isis  (=  Jungfr.  Maria;  Horos  =  Christus)  Isis  (=  Jungfr.  Maria;  Horos  =  Christus")     432 

die  Gemälde  von  dunkler  Farbe  sich  teils  als  zu  lesen  ist.  Ncroutsos-Bey,  L'anc.  Alexandrie 
Kopieen  solcher  altern  dunklen  Holzbilder,  teils  p.  45  —  49  sieht  darin  eine  Nachahmung  der 
aus  der  Nationalität  der  Maler  oder  der  Ge-  Darstellung  der  bekannten  Horosstelen:  „voilä 
meinden,  für  welche  sie  bestimmt  waren,  ver-  donc,  dans  les  catacombes  chrc'tiennes  d'Alexan- 
stehen  lassen;  vgl.  Th.  Mundt,  Völkerschau  auf  drie,  la  reproduction  de  la  figure  d'Horus,  fite 
Meisen  1,  p.  227,  bei  Nork  p.  873.  —  Grimm,  d'Isis  marchant  sur  les  crocodiles  et  maitrisant 
Deutsche  Mythologie  1*,  p.  260,  Anm.  1  und  les  serpents  et  le  Hon,  sous  la  forme  de  Jesus- 
Piper,  Myth.  u.  Symb.  d.  ehr.  Kunst  1  p.  157  Christ,  fils  de  Dieu  et  de  la  Vierge,  marchant 
sind  der  Ansicht,  dafs  die  h.  Jungfrau  durch  au  milieu  de  ccs  memes  animaux  malfaisants, 
die  dunkle  Farbe  als  trauernde  Erd-  oder  Nacht-  10  faisant  taire  le  Hon  et  rompant  le  cou  aux 
göttin  charakterisiert  werden  soll.  Piper  a.  a.  crocodiles."  Vgl.  Arcli.  An».  1S52  p.  223 :  „Lon- 
0.  erinnern  sie  an  das  Bild  der  Artemis  von  don  Museum,  nr.  5.  Ein  kleines  glattes  zwei- 
Ephesos,  von  dessen  Farbe  sie  auch  G.  Bosch  henkliges  Gefäfs  von  blasser  Erde  zeigt  einer- 
( Astarte- Maria,  Theol.  Stud.u.Krit.  1888  p.  296;  seits  eine  stehende  Figur  des  Harpokrates, 
vgl.  H.  Schaaffhausen,  Bonner  Jahrbb. .Heft  89  welcher  vierfüfsige  Tiere  an  ihren  Schwänzen 
p.  145)  herleitet.  Wie  dem  auch  sei,  die  Ahnlich-  gefafst  hält;  daneben  ist  ein  kreuzförmiges 
keit  zwischen  den  Madonna-  und  Isisbildern  ist  Abzeichen  und  als  Revers  die  Inschrift  Evlo- 
trotz  Cr.  Kinkels  (Über  den  verschied.  Charakter  yia  rov-ayiov  M-nva  f  zu  bemerken",  sowie 
der  antiken  u.  der  modernen  Kunst,  Bonner  John  Lee,  Catal.  of  the  egyptian  antiquities 
Jahrbb.  10,  1847  p.  123)  Behauptung,  den  Unter-  20  in  the  Museum  of  Hartwell  House.  1858.  4°. 
schied  zwischen  einem  antiken  Isisbild  und  p.  65,  nr.  473  „Budely - executed  vase,  of  a 
einer  Maria  des  Mittelalters  nehme  auch  das  liyht-buff  colour,  bewring  the  same  device  in  low 
ungeübte  Auge  wahr,  eine  so  bedeutende,  dafs  relief,  on  both  sides.  A  man  in  ample  robes 
nicht  selten  ein  Isisbild  aus  Unkenntnis  als  Standing,  and  Holding  in  both  hands  something 
Madonna  verehrt  wurde,  so  das  von  Kardinal  {hat  appears  like  a  scoipion:  over  each  Shoulder 
Brieonnet  zerstörte  in  St.  Germain  des  Prez.  is  a  cross.  Tliis  device  is  very  analogous  to 
Chr.  TFa?;,  Das  Antiken- Kabinett  der  Univer-  the  Egyptian  tablets  described  at  Nos.  20  and 
sität  Tübingen,  Bonner  Jahrbb.  10,  1847  p.  79  21  [Horus-Stclai],  and  is  not  improbably  the 
verzeichnet  ein  in  einem  Grabe  zu  Pfullingeu  Christian  Interpretation  of  the  same  idca.  Such 
gefundenes  Isiabildchen  mit  dem  Horos  auf  30  rases  have  been  made  to  contain  a  remedy, 
dem  Arme,  „das  der  Finder,  in  der  Meinung,  fancied  or  real,  for  the  bite  of  a  snake  or  the 
es  sei  eine  heilige  Jungfrau  mit  dem  Kinde,  sting  of  a  scoipion''.  Auf  einem  Jaspis  (bei 
in  Silber  fassen  liefs";  vgl.  auch  Leemans,  Keusch,  Capita  deorum  et  illustrium  hominum 
Description  rais.  des  monum.  egypt.  du  musee  in  gemmis  quas  coli.  I.  31.  ab  Ebermayer.  1727. 
d'ant.  des  Pays-Bas.  Leide  1840  p.  21  nr.  1437;  2  ".  Tab.  16,  420  p.  204-5,  Montfaucon,  Kant. 
Kopp,  Palaeogr.  crit.  3  p.  651  §  545;  Baronius,  cxpl.  2  p.  292,  sowie  bei  Pignorius,  Vetustissimae 
Annales  politico-ecclesiastici  4  p.  125;  King,  tabulae  aeneae  sacris  Aegyptiorum  siniulachris 
l'he  Gnostics  p.  149.  coelatae  aecurata  explicatio.  Venetiis  1605.  4. 
Ahnlich  wie  Isis  mit  der  Madonna,  berührte  Tab.  I,  2  und  im  British  Museum,  Imhoof- 
sich  Horos  mit  Christus.  Ebers,  Zeitschr.  f.  40  Blumer  u.  0.  Keller,  Tier-  u.  Pflanzenbilder 
äg.  Spr.  u.  A.  1877  p.  48  teilt  aus  einem  kopti-  auf  Münzen  u.  Gemmen  des  kl.  Altertums  Tfl.  22, 
sehen  Manuskript  der  Pariser  Bibliothek  folgen-  48  p.  13S)  sieht  man  Christus,  gleichfalls  mit 
den  Vers  eines  in  vierzeiligen  Strophen  abge-  dem  Nimbus,  auf  einem  Krokodil  stehend, 
fafsten  Gedichtes,  mit,  welches  die  Fahrt  dos  in  der  L.  einen  Fisch  haltend.  Auf  einer 
Heilands  durch  Ägypten  schildert :  'pietra  di  paragone  stata  una  volta  in  possesso 
„Drauf  ist  er  fortgefahren  di  madama  Mertens  Schafhausen''  bei  Garrucci, 
Nach  Schinun,  der  Doppelstadt,  Storia  delV  arte  cristiana  6  Tav.  492  nr.  14 
Und  seiner  Feinde  Scharen  p.  169  und  auf  einem  grünen  Jaspis  in  Würz- 
Er  dort  vernichtet  hat."  bürg  (/>.  Urlichs ,  Vers.  d.  Antikensammlung 
Er  weist  darauf  hin,  dafs  in  gleicher  Weise  50  der  Univ.  Würzburg.  2.  Heft.  Würzburg  1868. 
die  Inschriften  von  Edfu  den  Rä  Harmachis  p.  39  nr.  42)  erblickt  man  auf  der  einen  Seite  Har- 
und  Hör -Hut  (s.  Naville,  Textes  relatifs  au  pokrates  auf  der  Lotosblume  mit  der  Peitsche 
mythe  d'Horus  rccueillis  dans  letemple  d'Edfou.  und  darum  die  Inschrift  XPICTOC,  auf  der 
Ueneve  1870.  2°;  Brugsch,  Die  Sage  von  der  andern  den  guten  Hirten  zwischen  [4]  Sternen 
geflügelten  Sonnenscheibe  nach  altäg.  Quellen  und  2  Lämmern  [darunter  nach  Garrucci  noch 
dargestellt.  Göttingen  1870.  4°,  Wiedemann,  c.  Anker  mit  2  Fischen  zur  Seite]  und  darum  die 
D.  Bei.  d.  a.  Ag.  p.  38  —  45)  siegreich  das  Inschrift  IHCOYC.  Über  Denkmäler,  welche 
Nilthal  durchziehen  lassen.  An  der  AVand  des  den  Horos  zu  liofs,  ein  Krokodil  mit  der 
Arcosoliums  einer  Krypta  in  Alexandria  ist  Lanze  tötend,  vorführen,  und  die  Ähnlichkeit 
dargestellt  Christus,  jugendlich  unbärtig,  mit  60  derselben  mit  Darstellungen  des  den  Drachen 
dem  Nimbus,  (nach  der  Abbildung)  mit  dem  erlegenden  h.  Georg  s.  E.  Meyer  oben  1  Sp. 
einen  Fufs  auf  einen  Löwen,  mit  dem  andern  2748,  2749;  Premier,  Ber.  üb.  d.  auf  d.  gr.  u. 
auf  einen  Drachen  tretend,  während  zu  beiden  r.  Myth.  bez.  Litt,  der  J.  1S76 — 1SS3  =  Jahres- 
zeiten mit  nach  unten  gerichteten  Köpfen  eine  ber.  üb.  d.  Fortschr.  d.  kl.  A.-W.  Suppltbd. 
Schlange  und  ein  anderes  Tier  (Ichneumon?)  (25.  Bd.)  p.  54;  vgl.  auch  M.  Mayer,  Über  die 
angebracht  sind  und  darunter  Ps.  90,  13:  Verioandtschaft  heidnischer  u.  christl.  Drachen- 
XC  :  €17  ACTTIAA  KAI  BACIAICKON  eniBHCH  toter,  Verh.  d.  40.  Vers,  deutscher  Piniol,  u. 
KAI  KATATTATHCeiC  AGONTA  KAI  APAKONTA  Schulmänner  1889  p.  336,  337;  und  A.  v.  Gut- 


433 


Isis  (Herrin  cl.  Himmelst 


Isis  ("Göttin  d.  Hundssterns'» 


434 


schmid,  Ber.  iib.  d.  Verh.  d.  Kgl.  sächs.  Ah.  d. 
W.  1861  p.  192;  Brugsch,  Bei.  p.  490;  so- 
wie Amelineatt,  Le  christianisme  chez  les  an- 
dern Coptes,  Bev.  de  l'hist.  des  religions  8e 
annee,  t.  15.  18.87  p.  52  ff. ,  der  die  Verwandt- 
schaft des  Horos  nicht  mit  St.  Georg,  sondern 
mit  St.  Michael  betont,  während  Barzillai, 
Gli  Ahraxas.  Trieste  1873  p.  10  f.  Harpokrates 
aar  mit  Moses  zusammenstellt.  Sarapis  und 
Joseph  endlich  sind  schon  von  den  Kirchen- 
vätern und  der  jüdischen  Legende  identifi eiert 
worden,  Baronius,  Ann.  pol.-eccl.  4.  Antv.  1601 
p.  611  f.;  Petrus  Sehr  der ,  Diss.  hist.  de  Sera- 
pide  .  .  .  contra  seriptores  in  daemonis  illius 
eultu  ä-no&iaGiv  Iosephi  propugnantes.  Witteb. 
1666.  4";  Bertoli,  Le  antichitä  di  Aejuileja 
p.  45;  Marangoni,  Delle  cose  gentilesche  .  .  . 
trasportate  ad  uso  .  .  .  delle  chiese  cap.  24 
p.  86  —  87;  F.  Piper,  Einleitung  in  die  monu- 
mentale Theologie  p.  121;  Benan,  Mein,  de  l'Ac. 
d.  I.  et  B.-L.  23,  2  p.  322;  B.  Schröter,  Z.  D. 
M.  G.  24.  1870  p.  535  f.  Anm.  47;  vgl.  auch 
/.  IL  Bondi,  Dem  hebr.-phön.  Spraclizweicie.  an- 
gehörige  Lehnwörter  in  hierogl.  u.  hierat.  Texten 
p.  119—128. 

Nach  ägyptischer  Auffassung  ist  Isis  eine 
der  Himmelsgottheiten,  s.  Ed.  Meyer  oben  s.  v. 
Isis.  Wie  sie  in  ägyptischen  Texten  als  , .Herrin 
des  Himmels"  (Brugsch,  Bei.  p.  646)  bezeichnet 
wird,  so  heilst  sie  auch  bei  Apul.  Met.  11,  2 
regina  coeli.  Bei  Apul.  11,5  nennt  sie  sich  u.  a. 
prima  coelitum  —  quae  coeli  luminosa  culmina 
—  mitibus  meis  dispenso.  Im  Hymnus  von 
Andros  sagt  sie  in  einer  sehr  verderbten  Stelle 
vs.  22 ff.  nach  Saujypes  Übersetzung:  „in  pelaao 
fvasto  et  in  terra  animantium  altrice  et  in  coeli] 
sideriferis [plagis  certis  legibus  omnia  ordinavij", 
vgl.  Kaibel,  Epigr.  Gr.  p.  441,  u.  vs.  28  ff.  „Isis 
ego  consiliosa  [aerem  temperavi]  et  tellurem 
humidam  fatque  temporum  anni  aecuratum]  in 
discrimen  coelestibus  [sideribus  sedes  fixi  aliis, 
aliis]  errabundum  iter  [praescripsi  utque  mo- 
veatur  per  circulum]  obliquum  splendor  eorum 
perfeci,  et  igneorum  rectorem  equorum  solein  in 
lucentem  circulorum  rotationem  direxi,  ut  bene 
ordinatis  cursibus  axes  vertieibus  suis  in  curri- 
culo  circumsono  noctem  discernant  a  die."  Im 
Hymnus  von  los  Z.  13  ff.  erklärt  sie  „iyd> 
cc[oTQaßi]v  öSovg  fdft|K'  iyco  rjkiov  y.al  I  aslr/vris 
■rtoQiiccv  ovviza£a".  Entsprechend  dieser  ihrer 
Bedeutung  als  Beherrscherin  und  Ordnerin  des 
Himmelsgewölbes  sind  auf  ihrer  Stola  Sterne 
und  Halbmond  zu  sehen,  s.  Apul.  Met.  11,  4: 
„per  intextam  extremitatem  et  in  ipsa  eius 
planitie  stellae  dispersae  coruscabant,  earumque 
media  semestris  luna  flammeos  spirabat  ignes." 
Eine  Illustration  zu  dieser  Stelle  giebt  ein 
Relief  im  Vatikan,  worauf  eine  Anhängerin  des 
Isiskultus,  Galatea,  dargestellt  in  der  Tracht 
der  Göttin,  die  Stola  mit  zwei  Sternen  zwischen 
je  zwei  Halbmonden  verziert  trägt,  Visconti, 
Musee  Pie-  Clementin  7  PI.  19  Tp-  112—118] 
p.  114—116,  Lafaye  p.  299  nr.  115.  (Sonnen-) 
stern  und  Halbmond  befinden  sich  im  Feld  auf 
einer  Gemme  mit  Darstellung  des  Hermes  und 
der  Isis,  Visconti,  Opere  varie  2  p.  239 — 240, 
Coli.  Cliigi  ser.  2  §  1  nr.  271.  Ein  Karneol 
der  Sammlung  Stosch  zeigt  Sarapis  und  Isis 


stehend  neben  einem  Altar,  worunter  sich  ein 
Halbmond  befindet;  und  hinter  jeder  der  beiden 
Gottheiten  einen  Stern,  Winclcelmann ,  Descr. 
des  p.  gr.  du  feit  baron  de  Stosch,  2.  cl. 
3.  sect.  §  4  nr.  66  p.  43  =  Stl.  TVerlce  ed. 
Eiselein  9  p.  330. 

Wenn  auf  einer  Anzahl  von  Gemmen  der  Isis 

ein  oder  mehrere  Sterne  ohne  den  Halbmond 

beigegeben  sind,  so  kann  man  zweifeln,  ob  sie 

10  dadurch  als  Herrin  des  Himmels,  oder  speziell 

als   Göttin    des    Hundssterns    in   (welcher 

Eigenschaft 


Isis-Sothis      Cohen  6 


sie  von  der 
griechischen 
Kunst  ge- 
wöhnlich auf 
einem  Hunde 
reitend  dar- 
gestellt wird) 

20  charakteri- 
siert werden  soll.  Über  die  ägyptische  Auffassung 
der  Isis  als  Sothis  s.  u.  a.  Lanzone,  Dizionario 
di  mitologia  egizia  p.  825—827,  p.  842,  tav.  313 
fig.  1;  p.  1058— 1063,  tav.  359,  1.  2;  v.  Straufsu. 
Torney,  Der  altäg.  Götterglaubc  1  p.  119—120; 
Erman,  Ägypten  u.  äg.  Leben  im  Altertum  2 
p.368  u.  Anm. 2;  Brugsch,  Die  Ägyptologie  p.  317, 
339,  352;  Bei.  u.  Myth.  d.  a.  Äg.  p.  42—48, 
646,    648 — 649;    Chabas,   Le  papyrus  magique 

30  Harris  p.  85  Note  1 ;  und  besonders  auch 
Gr.  Maspero  in  der  ausführlichen  Besprechung 
von  Lefebure,  Les  hypogecs  royaux  de  Thebes. 
Bevue.  de  l'hist.  des  religions  IX.  annee.  Tome 
17.  Paris  1888  p.  263  ff.,  der  gegen  Plutarchs 
(de  Is.  et  Os.  c.  21)  Behauptung,  dafs  die  Seele 
der  Isis  am  Himmel  als  Sothis-Stern  glänze, 
polemisiert,  indem  er  nachweist,  dafs  nach 
ägyptischer  Vorstellung  die  Sterne  als  Lampen 
(Khabisou)   am  Firmament  betrachtet  werden, 

40  in  denen  keine  Seele  oder  Gottheit  wohnen 
könne.  Die  Stellen  der  klassischen  Autoren 
hat  gesammelt  Jablonslci,  Panth.  Aeg.  2  p.  34  — 
54  (vgl.  Bolle,  Myst.  de  Bacchus  2  p.  136—140 
und  Andre,  Cat.  du  musee  de  Bewies  -  p.  40—41 
zu  nr.  73;  Letronne,  Mem.  de  l'Inst.  Imp.  de 
Fr.  Ac.  d.  I.  et  B.-L.  T.  24,  2  p.  10  f.;  40; 
128  ff.);  hinsichtlich  der  griechisch-römischen 
Denkmäler  s.  G.  Lafaye,  Un  monument  romain 
de   l'ctoüe  d'Lsis.     Bas-relief  inedit  ätt  Musee 

so  Kircher,  Melanqes  d'arch.  et  d'hist.  Ecole  fr. 
de  Borne  1,  1881  p.  192  —  214,  PI.  6;  Ger- 
hard, A.  Z.  1849  p.  149  Anm.  1  und  Drexler, 
Über  eine  Münze  Julians  des  Apostaten  mit 
der  Isis  u.  dem  Siriushund  u.  einige  andere 
Isis-Sothis  betr.  Denkmäler,  Zeitschr.  f.  Num. 
13  p.  299  —  313.  Der  Siriushund  ist  Isis 
auch  beigegeben  auf  einem  Relief  von  Mar- 
seille, Camille  Jullian,  Bull,  epigr.  de  Ja 
Gaule    6,    1886   p.    124.      Die    auf   einem    mit 

G0  Strahlen  versehenen  Hunde  reitende  Frauen- 
gestalt auf  Münzen  von  Stratonikeia,  die  Head, 
H.  N.  p.  530  als  Isis  Sothis  oder  als  Hekate 
deutet,  ist,  da  Stratonikeia,  bezüglich  Lagina, 
eine  Hauptkultusstätte  der  letzteren  war,  jeden 
falls  als  Hekate  zu  fassen,  s.  Num.  Zeitschr. 
21  p.  138. 

Von  den  Gemmen  nun,  die  Isis  unter  Bei- 
fügung   eines    oder    mehrerer    Sterne    zeigen, 


435          Isis  (Beziehung  zu  Sternen')  Isis  (Beziehung  zu  Sternen)          436 

gehören  die  von  Lafaye  p.  202  aus  Gori,  melsgewölbe,  nach  ägyptischer  Auffassung  als 
Thes.  g.  astrif.  1  Tab.  25,  27,  42  als  Dar-  Wasserfläche  gedacht  (Le  Page  Renouf,  Vor- 
stellungen  der  Isis  -  Sothis  angeführten  gar  lesungen  über  Urspr.  u.  Entwickelung  der  Re- 
nicht  hierher ;  denn  auf  nr.  25  sind  die  Sterne  ligion  p.  103)  andeuteu;  Raspe  p.  28  nr.  305: 
die  der  Dioskuren,  aufserdem  ist  wohl  eher  „Soufre  de  Stoseh.  Isis  le  sistre  dans  Ja  g.  et 
Harpokrates  als  Isis  hier  zu  erkennen;  ferner  un  sceptre  dans  la  dr.,  descendant  d'en  haut  et 
erinnert  der  Kopf  mit  sternbesätem  Schleier  adoree  par  Anubis,  ä  tele  du  chien,  qui  est  ä 
auf  nr.  27  vielmehr  an  Darstellungen  des  Attis,  genoux  devant  eile,  et  lui  prcsente  son  caducee. 
als  an  Isis,  und  auf  nr.  42  gehören  die  Sterne  .  ,  ,.  .,  BA  ,, 
nicht  zur  Isis  allein;  man  sieht  hier  die  fünf  10  Aw  chamP  Cm1  et0ÜeS  et  NA" 
Planeten,  Halbmond,  Helios,  Isis,  Demeter  u.  Merkwürdig  ist  ein  grüner  Jaspis  äev  Datti- 
Triptolemos.  Isis  mit  Beifügung  eines  Sterns  lioteca  de  la  Turbie  nr.  106,  Visconti,  Op.  var. 
erscheint  auf  einem  Sarder  des  Brit.  Mus.,  3,  p.  416,  welcher  das  Sistruni  der  Isis  mit 
A  Cat.  of  engr.  gems  in  tlie  Brit.  Mus.  p.  145  dem  Zeichen  des  Wassermanns  in  Verbindung 
nr.  1221:  „Isis  Standing  to  1.  having  sceptre  in  setzt:  „Sur  le  devant  le  signe  du  Verseau,  avee 
1.  liand,  sistrum  in  r.;  tcears  feathers;  crested  un  bonnet  semblable  ä  celui  de  Castor  et  d'Isis, 
serpent  at  her  side ;  star  in  fiele!.  Inscribed  un  sistre  et  un  vase;  au  revers,  les  sept  voyelles 
TPYOCONA"  und  auf  einem  Stein  des  Mus.  grecques,  avec  d'autres  caracteres  et  signes  ex- 
Francianum,  Mus.  Franc.  Descr.  1  p.  252  primant  des  parolcs  superstitieuses." 
nr.  806  „Prasius.  Isis  capite  velato  et  duobus  20  Unter  dem  Namen  Hesmut  oder  Berit  hält 
Ivti  floribw  ornato,  gestans  d.  baculum,  s.  vas  Isis  nach  Brugsch,  Bei.  p.  203,  211,  649,  711, 
aheneum.  Pone  caput  magna  Stella.  Bs.  <J)MIIA  |  712  in  Nilpferdgestalt  den  „Vorderschenkel  des 
N<DHI  IHN  |  XTCAMT  |  TKNHAA  |  IAC0ITPC";  Set  am  nördlichen  Himmel",  d.i.  den  grofsen 
vgl.  auch  die  sitzende  weibliche  bekränzte  Bär,  an  einer  Kette  gefesselt.  Grieehiscb-rö- 
Gottheit,  mit  Kind  im  Arm  und  drei  Ähren,  mische  Darstellungen  der  Isis  in  Nilpferd- 
Stern  _vor  dem  Haupt,  vor  der  ein  Modius  mit  gestalt  sind  mir  unbekannt;  in  ägyptischen 
drei  Ähren  steht  und  die  von  der  Beischrift  Denkmälern  erscheint  auch  Isis-Apet,  „Isis,  die 
IAC0  (rückläufig)  begleitet  ist,  Montfaucon  2,  Nilpferdgöttin,  die  göttliche  Mutter  in  der 
158  aus  Capello  nr.  102,  Kopp  Pal.  crit.  3,  Metropole  des  Tentyritischen  Nornos''  so  ge- 
p.  648 — 650,  §  545;  Isis  stehend,  von  Sternen  30  bildet,  Höh.  Dümichen,  Bauurkunde  der  Tempel- 
umgeben,  auf  einem  Lasurstein  in  Wien,  anlagen  von  Dtndera.  Leipzig  1865.  4".  p.  3 — 4; 
v.  Sacken  u.  Kenner,  I).  K.  K.  Münz-  u.  Ant.-  Lanzone,  Die.  p.  21 — 23,  Tav.  8,  2;  9,  2.  Auf 
Kab.  in  MTkn  p.  431  nr.  134;  Isis  ganz  von  einem  Nilpferdgespann  soll  Isis  auf  späten 
einem  Sternenschleier  umgeben,  beide  Hände  Vota -Publica- Münzen  vorkommen  (s.  oben); 
auf  die  Schulter  des  Sarapis  legend  auf  einem  aber  auch  Harpokrates  erscheint  auf  einem 
roten  Jaspis  in  Berlin,  Tölken  p.  21,  1,  2,  77.  von  zwei  Nilpferden  gezogenen  Wagen  auf 
Interessante  Darstellungen  haben  wir  auf  den  einer  Marmorbasis  des  British  Museum,  Museum 
geschnittenen  Steinen  des  Museo  Denh  bei  Odescalchum  2  Tab.  48  p.  114;  Anc.  Marbles 
Dolce,  Descr.  istor.  del  museo  di  Cristiano  Denh.  of  the  Brit.  Mus.  Part  10,  PI.  52;  Lafaye 
A  nr.  17  p.  5:  „Iside  in  piedi  con  —  diverse  stelle  10  p.  295  nr.  106. 

nel  campo  tenendo  con  una  mano  un  Asta,  sovra  Auch  in  dem  Sternbild  der  Jungfrau,  die 

della  cquale  vi  c  il  Bue  Apis,  c  con  l'altra  mano  Hesiod  für   Dike    erklärte,    sahen    eiuige    die 

tiene  il  suo  Figlio  Ovo  in  piedi.    Intaglio  an-  Isis,   s.   Eratosthenis  catasterismorum  reliquiae 

tico  di  stile  Fgizio  in  Viaspro  negro  originale  ree.   Carolas  Robert   p.  84:    01    uav   yag   avnjv. 

nel  Museo"    u.  des  Museo  Borgia,   Documenti  rpaoiv  ilvctt,  JrjfititQa  diä  rö  i%£iv  azdxvv,   of 

inediti   p.   s.    alla    storia    dei    Musci    d'Italia.  äi  'law,  01  S\  'Axagyaziv,  01  81  Tv%r]v,  S16  xat 

Vol.  III  p.  425,  3.  Cl.  1.  div.  nr.  14:   „Diasqtro  ä-uhcpaXov  avtrjv  ox'jfiazi^ovaiv  u.  Avienus  reo. 

verde.  Iside  in  piedi  — .  Ella  colla  destra  alsata  Alfred  Holder  2,  282  ff. 

s'apipoggia  a  un  bastone  lungo,  sulla  cui  eima  Aut  Pelusiaci  magis  es  dca  litoris  Isis, 

cvvi  un piecolo  simulacro  d'Apidea  lei  cohverso;  50  Digna  poli,  consors  et  cura  latrantis  Anubis. 

sulla    sinistra    avanti    se  porretta  porta   una  Scu  tu  diva  Ceres,  sie  nam  tibi  flagrat  arista 

aspide  a  lei  rivolta  — .     Nel  campo  alla  sua  Et,  ceu  Siriaco,  torretur  spica  calore 

dtstra    sono    cinque   Stella,   alla   sinistra   tre;  Protentata  manu,  scu  quae  pernieibus  alis, 

tutt'   attorno  come  un   soleo    ovato,   con  varie  .     Nee  sat-certa  gradum,  viduataque  vertice  summo 

oudulazioni  irregulari";  nr.  15:  „Diaspro  verde.  Flu.ca  pilae  vertis  vestigia,  lubricum  ut  acvwn 

Iside  nel.  costume  di  num.  li  in  piedi,  la  destra  tiors  agat  et  subitis  obrepat  mobile  fatum 

appoggiata  ad  una  asta,  nella  sinistra  un  pic-  Temporibus. 

colo  serpe;  nel  campo  alla  sua  destra  tre  stelle,  Vgl.  E.  Maa/'s,  Analecta  Eratosthenica  =  Philol. 

alla  sinistra   cinque.     11  tutto   circondato  d'un  Unters.    Berlin  1883.     6.  Heft.    p.  86;    p.  136 

soleo  ovato,  con  varie  ondulazioni  irregolari'1 ;  CO  Anm.  120;  Gaedechens,  Der  marmorne  Himmels- 

nr.  16:  „Ematite.  Mezza  fignra  di  Iside,  vestita  globus    des    F.   Waldeckischen   Antike nkabinets 

ed  ornata  come  in  num.  14,  l'alzata  destra  ap-  zu  Arolsen  p.  20,  21  Anm.  1.     Eine  Darstellung 

poggiata  ad  una  asta  lunga  con  un  pomolo  in  der  mit  Isis  identifizierten  Jungfrau  haben  wir 

eima,  sulla  sinistra  una  aspide  col  qictto  cretto  wohl  auf  einem  roten  Karneol  der  Coli,  de  M. 

ed  a  lei  conversa,  di  qua  e  di  la  della  testa  un  de  Montigny.    Picrres  gr.  p.  37  nr.  508:  „üeesse 

astro  a  otto  raggi:  in  arco  attorno  la  figura  drap.ee,  coiffec  d'une  tteur  de  lotus,  un  dpi  ä  la 

corre  un  soleo  ondulato",   vgl.  p.  426  f.  nr.  19;  m.  dr.,  uue  come  d'abond.   au  bras  g.  Elle  est 

die  wellenförmige  Furche   soll  wohl  das  Hirn-  assise  sur   un   monstre  forme  d'une  protome  de 


437  Isis  (mit  Selene  identificiert)  Isis  (mit  Selene  identificiert)         438 

taurcau  et  d'une  protome  de  chevre;"  denn  das  Schleier  den  Halbmond,  0.  L.  Visconti,  Bull. 
ist,  abgesehen  von  dem  Kopfputz,  genau  der  dclla  commiss.  arch.  comun.  15  p.  133  nr.  3 
Typus,  den  King,  The  Gnostics2  PI.  M.,  5,  u.  4;  eine  Terracottabüste  des  Museums  in  Aix 
p.  445  so  beschreibt:  „Astrological  Trine,  or  wird  von  H.  Gibert,  Le  Musee  d'Aix  1  p.  471 
figure  produced  by  dividing  tJie  circle  of  the  nr.  1539  beschrieben:  „Isis.  Tunique.  Cheveux 
Zodiae  into  equilateral  triangles.  Here  Virgo  en  boueles.  Croissant  et  fleuron  sur  le  front"  ; 
(Astruea)  at  the  Apex  of  a  triangle,  is  borne  eine  Bronzebüste  des  Museo  Borgiano  §  55 
v/p  by  Taurus  and  Capricorn",  vgl.  Müller,  nr.  516,  Doc.  ined.  1,  p.  399  hat  „in  testa 
Mus.  Thorvaldsen  p.  91  nr.  723;  Tölken  3,  1429.  i  soliti  cincinni ,  un  diademo.  ossia  una 
Von  den  Griechen  wurde  Isis  mehrfach  mit  10  Stefane,  sul  cui  margine  sopra  la  fronte  della 
Selene  identificiert.  Dafs  diese  Auffassung  dea  posa  una  mezza  luna  fra  due  spighe. 
nicht  ägyptisch  war,  ist  schon  von  verschie-  In  mezzo  alle  spighe  sollevansi  due  corna 
denen  Seiten,  so  vonEd.  Meyer  (s.  oben)  u.  Wiede-  spiralmente  vergüte,  includendo  un  globo  fregi- 
mann,  Herodots  2.  Buch  p.  192  hervorgehoben  ato  di  un  aspide  annodato  e  dictro  questo  globo 
worden.  Zwar  wollen  nach  Lanzone,  Diz.  si  alzassero  due  penne  ora  corrose".  Eine 
p.  818,  p.  845,  Anm.  18  immerhin  einige  Ägypto-  Bronze  der  Sammlung  Greau,  Coli.  J.  Gre'au. 
logen  (S.  Birch  in  Wilkinsons  31.  a.  C.  vol.  3;  Bronzes  antiques  p.  237  nr.  1112  zeigt  Isis  mit 
W.  Pleyte,  Chapitres  suppl.  du  Livre  des  Morts  Diadem,  darüber  den  Halbmond  und  inmitten 
162,  162*,  163  p.  24;  A.  Mariette,  Denderah  desselben  ein  Blatt.  Auf  einer  Bleitessera  bei 
Texte  p.  208  und  Bev.  arch.  1884  3e  ser.  4  20  Ficoroni,  De  plumbeis  ant.  numismatibus  p.  102 
p.  347,  vgl.  auch  Naville,  La  litanie  du  Soleil  cap.  29  nr.  13  erscheint  „Isis  cum  luna  falcata 
p.  37)  eine  lunare  Bedeutung  der  Isis  gelten  supra  eaput,  sistrum  dexteratenens."  Auf  einem 
lassen,  doch  scheint  mir  das  von  ihnen  Vor-  Karneol  in  Coli.  Schaaffhausen  p.  4  nr.  79  soll 
gebrachte,  soweit  ich  es  beurteilen  kann,  allzu  dargestellt  sein  „Isis  sur  son  träne  allaite  le 
unsicher  zu  sein.  Auch  den  Beinamen  der  Cynoce'phalos,  devant  eile  se  tient  un  gargon 
Isis  von  Apollinopolis  Hatit  „die  weifse,  nie,  les  mains  elevees.  En  bas  ä  dr.  le  crois- 
leuchtende"  erklärt  Brugsch,  Bei.  p.  663  nur  saut".  Der  Kynokephalos  war  dem  Thot  ge- 
frageweise aus  einer  etwaigen  Auffassung  der-  weiht,  welcher  lunare  Bedeutung  hatte;  in- 
selben  als  Luna.  Die  Stellen  der  klassischen  dessen  de  Murr,  Descr.  du  cab.  de  Mr.  Paul  de 
Autoren  findet  man  bei  Boscher,  Selene  p.  14  30  Praun  p.  296  nr.  355  bezeichnet  die  Figuren  als 
Anm.  40,  p.  76  Anm.  293,  p.  77  Anm.  297,  p.  78  Aphrodite  den  Anteros  [?]  säugend  nebst  Eros. 
Anm.  306,  p.  125  Anm.  532,  p.  168,  vgl.  Wiede-  Ein  Karneol  des  Museum  Meadianum  p.  247 
mann,  Her.  2.  B.  p.  189,  Jablonski,  Panth.  zeigt  die  einander  ansehenden  Häupter  des  Sa- 
Aeg.  lib.  3  cap.  1 ,  Georgii  in  Paulys  B.-E.  4  rapis  u.  der  Isis  über  einem  Adler  und  über  dem 
p  281 — 282,  297 — 298;  Kopp,  Palaeogr.  crit.  4  Haupte  der  Isis  einen  Halbmond;  ein  Chalcedon 
§  614  p.  35,  Suidas  s.  v.  Jöyfiara;  Law.  der  Sammlung  Stosch,  Winckelmann,  Descr. 
Lydus  de  mensibus  4,  32:  rj  äs  Iais  xfj  Alyv-  des  p.  gr.  de  feu  baron  de  Stosch  p.  43,  II,  4,  67 
itziiav  cpcovji  nalaiu  crjuaivsTai,  rovrianv  r\  =  Sil.  Werke  9  p.  330  Sarapis  und  Isis  über 
etXrivn  Hai  ngoariKÖvrcag  avrqv  rifiäoiv  ivctQxö-  einer  Art  Dreifufs  libierend,  zwischen  ihnen 
fisvoi  bSäv;  Scriptorum  mythic.  Lat.  tres  ed.  40  die  Köpfe  der  Diana  [Selene?]  u.  des  Apollon 
Bode  3,  7,  Proserpina  c.  4  p.  199:  Dicitur  et  mit  Strahlen  umgeben;  ein  Lampengriff  bei 
Luna  sistrum  habere  propter  primum  mundanae  Santi  Bartoli  Parte  2  Tav.  34,  Lafaye  p.  304 
harmoniae  tonum,  qui  a  terra  usque  ad  lunam  nr.  133  vereinigt  auf  einem  Lectisternium 
<?sf,etc;  zu  Diog.  Laert.  1,  10  und  Euseb.  Praep.  Sarapis,  Isis,  Sol  und  Luna;  auf  einem  Bronze- 
ev.  3,  2  vgl.  Lepsius,  Über  die  Götter  der  vier  plättchen  bei  Caylus ,  Bec.  d'ant.  1,  PL  86,  1 
Elemente  bei  d.  Äg.  (Abh.  d.  Kgl.  AJc.  d.  W.  zu  p.  213  —  214  sieht  man  neben  einander  die 
Berlin  1856)  p.  213  ff.  Von  der  _Scheibe  ihres  Büsten  des  Helios  und  der  Isis;  auf  einem 
Hauptschmuckes,  die  bei  den  Ägyptern  die  Sardonyx  des  Cat.  du  musee  Fol.  2  p.  87  nr.  1598: 
Sonnenscheibe  repräsentiert,  sagt  Äpul.  met.  11  „Tetes  d' Apollon  et  de  Diane  (He'cate),  la  tele 
c.  3:  cuius  media  quidem  super  frontem  plana  50  d' 'Apollon  est  entoure'e  de  rayons  et  celle  de 
rotunditasinmodumspeculivelimmo argumentum  Diane  surmontee  d'une  fleur  de  lotus(?);"  auf 
{Haupt,  Opuscula  3,  1  p.  620:  argenteae)  lunae  einem  Stein  bei  Papipadopoulos  p.  17  nr.  269: 
candidumlumenemicabat,Yg\.Petschenig,Wiener  ,','Avcoftiv  nqotog.ri  Jiog  Higaniog,  ftoftocpopoD, 
Studien  4,  1S82  p.  140;  u.  Ovid,  Met.  9,  687  ngbg  äigukv  ■clvxi.-k.qv  olvtov  irpoTOfiij  Ssh]vi]g 
singt:  inerant  lunaria  fronti  \  Cornua,  cum  kq.  <x.,  cpoQovaqg  aotsQa  nal  podiov  ■  Hdrco&tv 
spicis  nitida  flaventibus  auro.  Eine  Anzahl  atzbg  bg&iog  tiq.  ä.  avan'cnza^ivag  i'xav  rag 
Denkmäler  habe  ich  verzeichnet  Zeitschr.  f.  iiTSQvyas."  Ein  Altar  in  Apulum  ist  ge- 
Num.  14  p.  101 — 105.  Mit  dem  Halbmond  an  weiht  Sarapidi  Iovi  Soli  Isidi  Lunae  Dianae 
den  Schultern  erscheint  Isis  auf  Münzen  von  dis  deabusq(iie)  conservatorib(us) ,  Arch.  Epigr. 
Aphrodisias,  Herakleia  Salbake,  Bagis,  Hyr-  <io  Mut.  aus  Österr.  9  p.  246,  Drexler,  Myth. 
galeia,  Themisonion,  Tripolis,  Num.  Zeitschr.  Beitr.  1  p.  55;  die  Widmung  an  Luna  und 
21  p.  122,  130,  143,  171,  180,  Tfl.  2,  10,  181,  Isis  Aug(usta)  Herzog,  Galliae  Narb.  hist.  n. 
Tfl.  2,  11.  Die  von  mir  Zeitschr.  f.  Num.  14  207  s.  jetzt  C.  I.  L.  12,  4069;  der  Leichenstein 
p.  103  citierte  Münze  des  Antoninus  Pius  eines  pausarius  der  Isis  in  Arelate  zeigt  über 
von  Argos  stellt  dagegen  schwerlich  Isis  dar.  der  Inschrift  einen  Halbmond,  Henzen  5835  = 
Eine    nur   im   obern  Teil    erhaltene   Marmor-  C.  I.  L.  12,  734. 

statue  u.  ein  gleichfalls  von  einer  Statue  ab-  Da  von  einigen,   wie  z.  B.   von  Siccke  (s. 

gebrochener  Kopf   in  Rom    haben  über    dem  oben  2  Sp.  269)  u.   G.  Secchi,  Ann.  delV  Inst. 


439             Isis  (identificiert  mit  Iol  Isis  (identificiert  mit  Io)             440 

di  Corr.  arch.  1838  p.  322—324  auf  Grund  der  tronne,  Bec.  nr.  120  =  C.  I.  Gr.  add,  4943  = 

oben  a.  a.  0.  und  Ann.  a.  a.  0.   p.  323    ange-  Kaibel  981 ;  Callimachea  ed.  Schneider  1  p.  95 

führten  Notizen,   dafs   Iw   in   der  Sprache  der  nr.  58;    römische   Dichter    bezeichnen    sie   als 

Argiver  den    Mond   bezeichne,   Io   als   Mond-  Inachis,  Ovid  Fasti  1,  454;  Met.  9,  686;  Martlal 

göttin  erklärt  wird,  soll  an  dieser  Stelle  einiges  11,  47,4;  Properz  2,  24,4.  Aufserdem  bezeugen 

über  die  Identificierung  von  Isis  und  Io  unzahlige    Stellen    die    Identifikation    beider, 

bemerkt  werden,  obwohl  der  Gleichklang  von  Prop.  2,  21,  19  —  20,  61;   2,  24,  13—16;  Ovid, 

Io  mit  dem  koptischen  loh  „Mond",  worauf  sich  de  a.  a.    1,  77—78;   Am.  2,  46;   Met.  1,  747; 

Sccchi  a.  a.  0.  und  Hofs  (s.  oben)  berufen,  nur  5,  619 ff.;  Trist.  2,  297—298:  Heroid.  14,  107 f.; 
ein  ganz  zufälliger  ist  u.  Io  u.  Isis  Ursprung-  10  Lucan.  6,  362 — 363;   luv.  6,  524 — 526,    wozu 

lieh  gar  nichts   mit  einander   zu   thun   haben,  vgl.  das  Scholion   mit  Schopens   Konjektur  in 

s.   Wiedemann,  Her.  2.  B.  p.  192  —  193.     Die  Heinrichs  Atisgabe  1  p.  227,  387;    Val.  Flacc. 

Ähnlichkeit  der  Io  u.  Isis  in  dem  Punkte,  dafs  4,  346f.,  416—420;   Statins,  Silvae  3,  2,  101; 

beide  Hörner  trugen,  war  schon  Herodot  2,  41  Anthol.  Bat.  3,  323  Burmann  =  2,  997  Meyer 

(vgl.  Betronne,  Bec.   des  Inscr.  gr.  et  lat.  de  =  2,  732,  10  Biese;  Butatius  zu  Stativs  Theb. 

l'Eg.  anc.  2  p.  167)  aufgefallen.     In  Ägypten,  1,  265;   vgl.  Jablonski,    Panth.  Aeg.  2   p.   11; 

so  sangen  seit  Aischylos  u.  Pindar  die  griechi-  Servius  zu  Verg.  Aen.  7,  790  ed.  Bion  1  p.  444; 

sehen  Dichter,  habe  Io  ihre  natürliche  Gestalt  zu  Georg.  3,  152  ed.  Bion  2  p.  273 — 274;  Phi- 

zurückerhalten  u.,  vom  Zeus  berührt,  den  Epa-  largyrius  zu  Georg.  3 ,  153  ed.  Bion  2  p.  336 ; 
phos  geboren,  Preller,  Griech.  Myth.  23  p.  43;  20  Augustinus  De  civ.  Bei  1.  IS,  3;  37;  Mythogr. 

Gerhard,  Gr.  Myth.  2  p.  133,  §  793,  6;  K.  H.  lat.'l  nr.  18,  p.  6  ed.  Bode;  3  nr.  7,  Proserpina 

W.  Völker,  Mythische  Geographie  der  Griechen  c.  4  p,  199;  Hyginus  c.  145  p.  24  ed.  M.Schmidt 

u.   Bömer   1   p.  2,   p.  231.     Die   verschiedenen  und  in  Mythoar.  lat.  ed.  A.  van  Staveren  1742 

Versionen  der  Sage,  wie  sie  nach  Ägypten  ge-  p.  254 — 255;  Charax  Pergamenus  in  F.  H.  Gr.  3 

langt,    stellt    zusammen    Engelmann    oben    2  nr.  12  =  Mythogr.  ed.  Westermann  p.  324;  Etym. 

Sp.  267—268,   vgl.   auch  Syncellus  p.  237  und  M.  s.  v.  'Iaig;  Evßoia;  äcpiaiog  Zsvg;  Suidas  s.  v. 

Anth.  Gr.  ed.  Jacobs  4  p.  155  nr.  183  =  Anthol.  rIaig;  Apollodor  lib.  2  c.  1  §  3  in  Mythogr.  ed. 

Pal.  ed.   Hühner   1    p.  305   nr.  169,   vs.  3— 4;  M'estermann  p.  36  =  F.  H.  Gr.  1  p.  126;  Biodor 

über  die  beiden  ihre  Ankunft  in  Ägypten  dar-  1  c.  24  =  Euseb.  praep.  ev.  2,  1,  tom.  1  p.  56 
stellenden  Wandgemälde  s.  Engelmann  oben  2  30  ed.  Heinichen;  Clem.Alex.  Strom.  Lib.  1  p.  322  C, 

Sp.  278  u.  de  Ionc  p.  27 — 28;   Heibig ,   Wand-  Paris  1644;  Epiphanius  adv.  haereses  1.  1  c.  9, 

gemälde   p.  40 — 41   nr.   138  u.  139   u.   die   von  Corpus  haereseol.  2,   1   p.  44  ed.  ( fehler;   Plut. 

ihm  citierten  Autoren;   ferner  Hclbig.   Unters.  de  malign.   Herod.    Op.   ed.    Beiske  9   p.  400; 

üb.  d.  camp.  Wandmalerei  p.  138;  Winckclmann,  Bucian,  Bial.   deor.   3;   Dial.   deor.  marin.  7; 

Sil.    Werke    11    p.   211 — 213;    Overbeck,    Zeus  vgl.    JS'onnus,    Hionys.   3,  275    (AiyvnrCri   dr\- 

p.  484—485  nr.  22.  23;  A'.   0.  Müller,  Hdb.  d.  mttiq)   u.  31,  37.     Auch   wenn   Isis   bei   Plut. 

Arch.  d.  Kunst2  p.  519  §351,4;  Fiorelli,  Hescr.  de  Is.  3,  37   als  Tochter  des  Prometheus  be- 

di  Pompei  p.  361;    1).  3Ionaco,  Guide  gc'neral  zeichnet  wird,  so  zeigt  dies  ihre  Identificierung 

du  musce  national  de  Naples  1884.  p.  25  nr.  9558;  mit  Io,   da  auch  diese  nach  Istr.  fr.  40   eine 
Stephani,  C.  r.p.  l'a.  1SG1  p.  93;  Bafaye  p.  188,  10  Tochter  desselben  heifst. 

p.  327  nr.  218.  Vgl.  auch  Bipperts.  Bactyl.  Von  Bildwerken,  die  eine  Vermischung  von 
nniv.  Chilias  3  p.  4,  1  nr.  26  freilich  sehr  Io  u.  Isis  darstellen  könnten,  ist  zu  bemerken 
unsichere  Deutung  eines  roten  Jaspis:  „Io,  ein  Marmorkopf  im  Louvre  „mit  den  Zeichen 
a  Ioce  in  vaccam  conversa,  it  a  lunone  in  eines  Mondes  und  einer  platten,  kleinen  Schlange 
fugam  conieeta  errorem  ad  Nili  ripas  sistens.  —  in  der  Mitte  des  Diadems ,  Mohnköpfen  der 
Hie,  ad  ripam  fluvii,  templum  Bianae  in  col-  Ceres  an  demselben  und  Hörnern  der  Io  an  der 
liculopositum,  et  infra  illud,  canis  conspicitur.''  Stirne",  Bafaye  p.  275/6  nr.  39  („Isis-Lune"); 
Identificiert  mit  Isis  wurde  Io  aber  erst  in  der  Clarac,  Mus.  de  sc.  1087,  2733  B;  Fröhner, 
alexandrinischen  Periode,  s.  Betronne,  Bec.  2  Notice  nr.  559 ;  Welcher,!),  akad.  Kunstmuseum 
p.  167;  E.  Plew,  N.  Jahrb.  f.  Phil.  1870  50  zu  Bonn  nr.  173;  Kekule ,  D.  akad.  Kunst- 
p.  669 ff. ;  Engelmann  oben  2  Sp.  270;  denn  die  muscum  su  Bonn  p.  101 — 102  nr.  404.  0.  Betin- 
iron Brugsch  in  Schliemanns  Ilios  p.  817 — 821  dorf  11.  B.  Schöne,  Bie  antiken  Bildwerke  des 
u.  Bei.  d.  a.  Aeg.  p.  404 — 405  behauptete  Ver-  Bateranensischen  Museums  p.  83  nr.  13  Ver- 
wandtschaft der  vor  Set  geflüchteten,  an  einigen  zeichnen:  „Isiskopf.  Ital.  Marmor.  Durch  das 
Orten  Libyens  als  Kuh  u.  junger  Apisstier  ver-  Haar,  das  in  langen  steifen  Locken  rings  um 
ehrten  Gottheiten  Isis  und  Horos  (vgl.  'W'iede-  den  Kopf  fällt,  geht  ein  Band.  Über  der  Stirn 
mann,  B.  Bei.  d.  a.  Äg.  p.  114)  mit  Io  und  in  der  Mitte  ergänzt  eine  Lotosblume,  wozu 
Epaphos,  die  beruhen  soll  „auf  einer  gemein-  wahrscheinlich  ein  Ausatz  vorhanden  war. 
samen  Quelle,  die  auf  dem  Boden  der  liby-  Auf  der  Stirn  zwei  kleine  Hörner." 
sehen  Seite  des  ägyptischen  Deltalandes  ent-  60  Das  „Caput  mvliebre  velatum  cum  Buna 
sprang,  auf  jenem  Gebiete,  welches  bereits  in  bicorni  supra  verticem"  einer  alexandrinischen 
den  älteren  Zeiten  der  Geschichte  der  Pharao-  Kaisermünze  (Zoega  p.  169  Antoninus  Pius 
nen  einen  regen  Fremdenverkehr  zu  Wasser  u.  nr.  50,  Mi.  6,  1460),  von  dem  Zoega  behauptet: 
zu  Lande  sich  entwickeln  sah",  ist  doch  recht  „sistit  Isidem  Ionem  quae  Buna,"  ist  wohl  ein- 
unwahrscheinlich, s.  Premier,  Suppltbd.  zum  fach  als  Selene  zu  bezeichnen.  Eine  cylindrische 
Jahresbcr.  über  die  Fortschr.  d.  kl.  A.-W.  Basis  zeigt  angeblich  Isis  auf  dem  Thron, 
Bd.  p.  145.  in  der  R.  das  Füllhorn,  in  der  L.  Ähren,  das 
Nun  führt  Isis  den  Beinamen  7va^ü;,   Be-  Haupt  verschleiert  und  daraus  sich   erhebend 


9fi 


441      Isis  (=  Göttin  d.  Morgenröte??)  Isis  (=  Göttin  d.  Erde)              442 

zwei  Höruer,  Lafaye  p.  295  nr.  107;  Amadutius,  der  Isis  wegen  dieser  Auffassung  als  Morgen- 

Vet.    monum.    in    hortis    Caelimontanis    3,  25;  röte  erteilt  worden  ist,  lasse  ich  dahingestellt 

Winckelmann,  Monum.  ined.  2,  1  cap.  7  p.  26;  sein,   da  sie  doch  wohl   auch   als   „Königin" 

Visconti,  Musee  Pie-Clem.  7,  14,  14a  [p.  76—83]  dieses  Epitheton  führen  kann,  wie  ja  auch  die 

p.  82;  aber  nach  Welcher,  Zeitschr.  f.  Gesch.  u.  Königin  der  Götter  Hera  in   der  Ilias  1,   611 

Auslegung  der   a.   Kunst  1,   p.  466   Anm.  137  (vgl.  Tredc  2,  p.  363)  xgvoö&govog  genannt  wird; 

sieht  man  in   der   Abbildung   „nicht   deutlich  dal's  ihr  Name  hieroglyphisch  durch  einen  Thron 

genug  die  Hörner  mit  dem  Rund  dazwischen";  oder  .Sitz  ausgedrückt  wird  (Parthey  in  seiner 

es  ist  demnach  einfach  Isis  mit  der  Sonnen-  Ausgabe  von  Plut.  De  Is.  et  Os.  p.  150 — 151) 

Scheibe  zwischen  den  Hörnern  hier  dargestellt.  10  kommt  hier  wohl  nicht  in  Betracht.     Auch  die 

Kaum    an    Isis-Io    ist   zu    denken   bei   einem  Bezeichnung  als   xvqlcc  qoäöazsQvog  (C.  I.  Gr. 

in    Coli.    H.   Hoffmann    1.     Paris   1886.    p.    71  5115),    worunter   man  Isis   verstanden    wissen 

nr.  312  unter   der  Abteilung  Poterie  romaine  will,  wage  ich  nicht  mit  Bestimmtheit  aus  einer 

so  beschriebenem  Gefäfs :  „Beau  lecythe,  faconne  etwaigen    Auffassung    als    Morgenröte    zu    er- 

en  Ute  d'Isis.     La  deesse  porte  au  front  une  klären;  wenn   sie  in   Inschriften  von   Tentyra 

parure   de   quatre   feuilles   de   lierre    qui   sont  als  „dunkelrotes,  süfsliebes  Mädchen"  bezeich- 

disposees  en  croix  autour  d'un  korymbe.    Les  net  wird,  Brugseh,  Bei.  p.  606,  so  bezieht  sich 

cheveux   ondules   et  ornc's  de  deux  autres  ko-  dies  wohl  nur  auf  die  braune  Hautfarbe. 

rymbes,  descendcnt  en  boucles  (trois  de  chaque  In   ägyptischen   Texten  wird  Isis  als   „der 

cöte)  le  long  du  cou.  Mais  ce  qui  donne  un  re'el  20  angebaute  Erdboden  (sochit)",  „die  Schöpferin 

inte'ret  ä  cette  tete,  c'est  son  identification  avee  der    grünen    Saat,    die    allen    Menschen    das 

lo,  car  eile  a  des  oreilles  de  vache  pare'es  de  Leben    spendet",    „die    Grüne,     deren    Grün 

pendentifs.    Trouvc  ä   Vintimille."    Eine  merk-  der    Erde     gleicht"    (Brugseh,     Bei.    p.    647, 

würdige  Vase  beschreibt   Fröhner,  Cut.  cl'une  649  —  651)    „die    welche    schafft    die    grünen 

coli,  d'ant.  [du  prince  Napoleon].    Paris  1868.  Kräuter"  (Brugseh,  Hierogl.-demot.  Wörterbuch 

p.   74 — 75   nr.  106:    „Vase   spheroidal   ä   deux  2  p.  360;  Ebers,  Aeg.  it.  d.  B.  M.  p.  358)  be- 

anses.    Une  tete  d'Io  reconnaissable  ä  ses  cornes  zeichnet.     Plutarch  c.  38  berichtet,   dafs   man 

et  ä  ses  oreilles  de  vache,   est   appliquee  sur  le  die  Erde,  soweit  sie  vom  Nil  befruchtet  wird, 

devant  de  la  panse.     Elle  sort  d'un  fleuron  de  für  den  Körper  der  Isis  hält.    Sero,  zu  Vergil 

cinq  feuilles;   de   chaque  cöte,    an   apereoit  un  30  Aen.  8,  696  vol.  2  p.  302  ed.  Thilo,  vgl.  Mythogr. 

petit  alabastron.    Cette  tete  Supporte  une  Scylla  Lab.  2,  90  p.  106;   3,  17  p.  199  erklärt  sie  tür 

ailee  representee  au  moment   de  sa  transforma-  den   genius  Aegypti    u.    behauptet   —   freilich 

tion  ■ .    Sur  le  revers:  tete  d'Isis,  surmontee  grundlos   —   der    Name    Isis    bedeute    in    der 

d'un  disque  et  d'une  coiffure  de  plumes."  Sprache   der   Ägypter   die    Erde.     Pherekydes 

Auch   als  Morgenröte   wird  Isis   erklärt,  verbindet  mit  der  Deutung  auf  die  Erde  eine 

nämlich  von  Le  Page  Eenouf  p.  104,  150,  vgl.  philosophische    Erklärung    des   Namens:    ilz' 

Lansone  p.  814;  Brugseh,  Bei.  p.  137.   Ähnlich  int^ictot   cpveixcöztpov   zoj    Xoya    Xiyovztg    latv 

deutet  JS'aDille,  La  litanie  du  Soleil  p.  38   bei  usToivofiacarai  zr\v  yijv,  dnb  zr}g  7zeqI  zi)v  &ioiv 

Erklärung  der  Bezeichnungen  des  Ra  als  „celui  zr\v  %aza  y,£oov  laöznzog.     Nach  Macrob.  Sat. 

qui  va  toujours  vers  celui  qui  le  pre'cede,  V Image  40  1,  20  p.  323  ist  Isis  „rel  terra  vel  natura  rerum 

du  corps  d'Isis"  und  „celui  dont  la  tete  britle  subiaecns    Soli".      Auch    bei   Iulius   Firmicus 

plus  que  celui  qui  est   devant  lui,   l'image  du  Maternus  de  err.  prof.   rel.   vol.  12   p.  986  ed. 

Corps  de  Nephtliys"  (p.  37,  vs.  17  u.  18)  Isis  u.  Migne   wird    Isis    als   Erde   gedeutet  und   bei 

Nephthys  „comme  personnifiant  des  etres,  dont  Matranga,  Anecdota  Graeca  p.  365  aus  'Icaävvov 

chaeun  caracterisait  plus  particulierement  Tun  ygafiiic/zuiov    TJf'rJou    nsQt    zäv    arjusiav   rijs 

des  horizons;  peut-etre  Vctoile  du  matin  et  Celle  yijs  unter  den  Namen  der  Erde  Iaig  verzeich- 

du  soir ,  ou  encore  le  cre'puscule  du  mutin  et  net;  vgl.  Georgii  s.  v.  Isis  in  Paulys  B.-E.  4 

celui  du  soir",  nur  dafs  er  der  Isis  den  Westen  p.  276  u.  die  von  ihm  citierten  Autoren.    Leon 

und  der  Nephthys  den  Osten  zuweist,  Le  Page  von    Pella    erzählt,    Isis    habe,    als    sie    ihren 

Benouf  p.  116.   Beide  Göttinnen  gleichen  ein-  5u  Eltern,  die  Könige  gewesen  seien,  opferte,  den 

ander  übrigens  in  der  Auffassung  aufserordent-  Anbau   der   Getreidefrucht    erfunden   u.   ihrem 

lieh,  so  dafs  es  nicht  unmöglich  ist,  dafs  die  Gemahl,  dem  König  üsiris  u.  seinem  Minister 

'Hasvicpvg  >)  xctlovuivr]  lag  in  Papyrus  magica  Hermes  gezeigt,  weshalb  sie  auch  am  Haupte 

Musei  Lugd.-Bat.  V  p.  VII,  24,  Dieterich  p.  773,  Ähren  trage,  Leo  Pellaeus  fr.  4  u.  3,  F.  H.  Gr. 

807    aus   dem   ägyptischen   Doppelnamen   Ise-  2  p.  331 — 332;  Aug.  De  Civ.  Dei  8,  27 ;  Tertull. 

Nebthi,  Isis  -Nephthys  entstanden  ist,  s.  Brugseh,  de  eoron.  milit.  7.     Auf  der  von  Diodor  1,  14 

Bei.  p.  734.    Eine  ägyptische  Darstellung  zeigt  erwähnten   Isisstele   wird   sie   als   tvQovoa  r/js 

nach  Brugseh,  Bei.  p.  137    „die   rote  Sonnen-  KQt&ijg   xapnoV    bezeichnet.     Im   Hymnus  von 

Scheibe  des  Morgenaufganges  getragen  auf  den  Andros  vs.  47  ff.  (Orphica  ed.  Abel  p.  289,  H. 

Händen  des  Schwesterpaares  Isis  (rechtsseitig)  co  in  Isim  ed.  Saujype  p.  19 — 20)  sagt  sie  von  sich: 

u.   Nephthys    (linksseitig)    d.  h.    der    Morgen-  spul    S'    ÜQOvQug   |   nvQozoiiai    fitdtoiou,    da'C 

röte".    Wenn  im  Leidener  Pap.  V  p.  VII,  23  ed.  t,avSqa>v    anö   %eiqoiv    |  Itfropivcc    ßqdtfiav,    in 

Dieterich  p.  772,  807  'laig  r\  xaXovutvr]  öoöaog  dem  von  los  (Fränkel,  Arch.  Zeit.  1878  p.  130, 

genannt  wird,  so  deutet  dies  Brugseh  a.  a.  0.  /.  21 — 22):  syco  (isxä  |  zov  ädiXcpov  Oßsi[g]sog 

auf  den  Morgentau.     Ob   das   Beiwort  %qvgo-  zag  üv9Qm7iocpayiag  inavaa;   Papyrus  U.  Col.  2 

9qovos,  welches  Isis   im  Hymnus  von  Andros,  Z.  9 — 10  bei  C.  Leemans,  Papyri  Graeci  Musei 

Kaibel,  Epigr.  Gr.  1028,  vs.  7  führt,  und  welches  ant.    publ.    Lugduni-Batavi    1,     1843    p.   123 

bekanntlich    der    griechischen   Eos   eigen    ist,  bezeichnet  sie  als  zrtv  fiiyaXcääo^ov  svsqyszsiav 


443       Isis  (identificiert  mit  Demeter)  .       Isis  (identifleiert  mit  Demeter)       444 

KctQnäv   |   svsQyirtav    kki    &tä>v    uvuoov    [sie]  Lateranens.  Mus.  p.  52 — 54  nr.  80;  neben  einer 

'Ißiv.  kleinen  Silberstatue  mit  „Lotosblume  und  Cyni- 

„Isi  o  fruge  nova  quae  nunc  dignata  videri  bium",    Hübner,   D,    ant.  Bildw.    in    Madrid 

Pleno,  nee  ad  Cereris  munera  poscis  opem"  p.  203   nr.  437;    Friesstück  (?)   des   P.  Mattei, 

wird    sie    in    einem    Gedicht    der    lateinischen  Matz  u.  v.  Buhn  3,   p.  11  nr.  3478;   Wandge- 

Anthologie  2,  743,  p.  215  ed.  Riese  angeredet.  mälde    (Medaillons    mit    den    Attributen    ver- 

Das   Beiwort  -nagno-tonog   führt   sie    in    einem  schiedener  Gottheiten)  nach  Gerhard,  A.  Am. 

Epigramm   von   Philae    (C.  I.  Gr.   4925,    vgl.  1863   p.  51—52    „Sphinx,    Sistrum    und    Cista 

add.  3  p.   1227;    Kaibel,   Epigr.  Gr.  982)    und  mystica",  aber  nach  Kiefsling,  Bull.  d'Inst.  1862 

in   einem   der   Anthologie  4  p.  173  nr.  271  ed.  10  p.  95  und  Heibig,   Wandgemälde  p.  221,   1108 

Jacobs;  Epigr.  Anthol.  Pal.  ed.  Bübner  2,  p.  581,  Situla  oder  Korb;   Münze  von  Laodicea  Phry- 

App.  Plan.  264,  in  letzterem  auch  aza%vjifjzcog,  giae,  Num.  Zeitschr.  21  p.  173f. ;  s.  auch  0.  Jahn, 

Murr,  Bie  Pflanzenwelt  in  der  griech.  Mythol.  Bie  Cista  mystica,  Hermes  3,  1869  p.  332  f.  und 

p.  160;   das  Beiwort  frugifera  C.  I.  B.  6,  351;  die  Gemme  des  Museo  Borgiano  3,  1,  12,  Boc. 

die    von    Fdbretti ,   Inscr.   pat.    p.   471,    493;  ined.  3    p.  424,    Visconti,    Mus.  Pie-Clem.  2 

Schläger,  Comment.  de  numo  Hadriani  plumbeo  Tav.  a.  VI,  10  p.  360  f.,  C.  I.  Gr.  7040,  wo  Isis 

p.  141 — 144;  Kopp  zu  Martianus  Gapella  p.  213  sitzen  soll   „sopra  una  cista   tonda   tessuta   di 

§  158;    Palacogr.    crit.   3   p.  649  §  545;    Hilde-  vinchi,  e  fornito  d'un  coperchio  poco  convesso11; 

brand  zu  Apuleius  1  p.  990  angeführte  Inschrift  eben  so  ist  der  h.  Korb  beiden  Diensten  gemein- 

von  Voorburg  (Orelli  1894),   die   ihr  dasselbe  20  sam,   s.  Kanephoren   im  Isisdienst  oben  unter 

Beiwort   giebt,  ist  unecht,    Brambach,  C.   I.  Athen;  Friesplatte  bei  Benndorf  u.  Schöne,  B. 

Riten,   p.  359   nr.  5.      Die   Griechen   erkannten  Bateranens.  Mus.  p.  386  nr.  556  — 559.    Für  die 

deshalb  in  Isis  ihre  Demeter  wieder,  Herod.  Analogie  der  Mysterien  beider  citiert  A.  Maury, 

2,  59,  vgl.  156;  Beo  Peltaeus  fr.  2,  F.  H.  Gr.  Hist.  des  religions  dela  Grece  ant.  3  p.  286— 287 

2  p.  331  =  Giern.  Alex.  1,  21   p.  139   Sylb.  u.  Eactanthis   Bist.    1,    21:    Sacra   vero    Cereris 

aus    Clemens  Eusehius  Praep.  ev.   10,  12;   vgl.  Eleusiniae  non  sunt  his  dissimilia.    Nam  sicut 

Euseb.  2,  1,  4;    Biodor   1,  13;   Apollod.   2,  1  ibi   Osiris  piier  planctu  matris  conquiritur,  ita 

p.  116;  Steph.  Byz.  s.  v.  Bovßipig;  Apul.  Met.  hie    ad    incesium   patrui   matrimonium   rapta 

11,  2;   Preller,  Demeter   u.   Persephone  p.  36;  Proserpina;  vgl.  auch  Reichel  p.  46  —  49,  sowie 

~\\riedemann,  Herodots  2.  B.  p.  189;  Baneiani,  30  die  Notiz  des  Theodoretus  Graeear.  äfftet,  cu- 

Bull.  delF  Inst,  di  Corr.  arch.  186S  p.  230.  —  rat.  I.   de  fide,   Patr.  Gr.  Tom.  83.   Sp.  820  — 

Himerius,  Or.  14  §  8,  p.  618 — 620  ed.  Werns-  821    ed.    Migne:    ruvra    ex    -rjjs    Alyimzov    zu 

dorf  nennt  das  Isisfest  Jrjur'jZQia.   Beide  führen  ogyiu    [zijg  " Iaidos    kuI  'OaigtSog^    u.cc&g>v    [ö] 

gemeinsame    Beinamen   wie    uyvrj    (s.    oben   1  'Od'gvorjg  'Ogcpsvg  s(g   zf]v  'EXXüd'a    fi£r»jj<syxE, 

Sp.  1814);  EujriöitKfios  (Demeter:  Gerhard,  Gr.  Kai    zrjv    zätv    diowoicov    topzfjv    Siionsvueev, 

M.  1,   §  416,   2,  a;   Isis  s.  unten);    vgl.  auch  Spanhemius   zu   Callimachus,   h.    in  Cer.   vs.  1, 

Demeter:   fteGuocpögog,   Gerhard  2  p.  384,   Re-  ed.  Ernesti   2   p.  735.     Nach   Paus.  2,  34,  10 

gister;  C.  I.  Gr.  2106,  2907,  3194,  3211,  5799,  wurden  im  Tempel   der  Isis   zu  Hermione  die 

5865;    und    Isis:    &ieuo&£zig    fiEgöncov,    H.  v.  Mysterien  der  Demeter  begangen,  Silvestre  de 

Andros  vs.  21,    denn   ■9,fc(l(ioqpdpos)   C.  I.  Gr.  40  Sacy  zu  St.  Croix,  Recherclies  sur  les  mysteres 

7040   ist   eine  zu  unsichere  Ergänzung.     Auch  du  paganisme  2,2  p.  35,  Note.     Im  Temenos 

die  Kultusriten  beider  Göttinnen  zeigten  Ahn-  der  Demeter  zu   Knidos   fanden   sich   Lampen 

lichkeiten.      Wie    es    im    Dienste    der    Ceres  mit  den  Bildern  ägyptischer  Gottheiten,  Num. 

Fasten  gab,  so  auch  in  dem  der  Isis,  Chivohon,  Zfschr.  Bd.  21  p.  125f.    Ein  Athymbrianer  setzt 

Bie   Ssabier   2  p.  72;   Georgii   a.  a.  0.   p.  295;  im  Heiligtum   der  ägyptischen  Gottheiten  auf 

Tertull.  de  ieiuniis   c.  2  u.   16;   Megara,  worin  Delos  eine  Weihinschrift  dem  Pluton  und  der 

man  schlief,  um  Träume  zu  erhalten,  pervigilia  Kora,   der  Demeter,   dem  Hermes  u.   Anubis, 

feierte    u.   zu   [ivozma    lsqÜ    niederlegte,    sind  Bull,    de    corr.    hell.    11,    1887    p.  274  nr.  37. 

bekannt    wie    aus    dem   Kultus    der    Demeter  Aus  Jader  ist  eine  Weihinschrift  an  Isis,   Se- 

(W.  Schwende,   Rhein.    Mus.   K.  F.   19,    1864  50  rapis,    Liber  und  Libera  erhalten,    C.  I.  B.  3, 

p.  128—129;   Baneiani,   a.  a.  0.   p.  229—230;  2903;  Brexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  38  f.;  Aconia 

Newton  and  Pullan,   A  history  of  discoveries  Fabia  Paulina  ist  Isiaca  und  Eingeweihte  der 

in  Cnidus  etc.  2,  2  p.  391  f.),   so  aus  dem  der  Mysterien  des  Dionysos,  der  Demeter  und  Kora, 

Isis,  Baneiani  p.  228  ff.,  p.  237.     Wie  im  De-  G.  I.  X.  6,  1780;  eine  Münze  des  Maximinus  von 

meterdienst  spielt  im  Isiskult  die  cista  secre-  Tarsos   zeigt    Sarapis    umgeben   von   Isis   und 

torum  capax,  penitus  Celans  operta  magnificae  Demeter,  Num.  Ztschr.  Bd.  21  p.  216;  eine  des 

religionis,  Apul.  11,   11,   levis  occidtis   conscia  Philippus  sen.  von  Bizya  Sarapis  inmitten  von 

cista  saeris,  Tibull  1,  7,  45,  Röscher,  Jahrbb.  f.  Isis  mit  dem  Füllhorn,  Harpokrates,  Demeter 

kl.  Phil.  1886  p.  614   eine  Rolle  und  wird  oft  und  Anubis,  Brexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  103f.  Auf 

auf  den  Bildwerken  dargestellt,  s. :  Weihinschrift  60  einem  Lapis  Lazuli  erscheint  Sarapis  auf  einem 

an  Isis,  G.  I.  B.  6,  1,  344  u.  add.  3962,  Bafaye  Schiff,  zwischen  Abundantia,  Ceres  oder  Pro- 

p.  256,  p.  293  nr.  103;  Altar  der  Villa  Mattei,  serpina,    und    am    Steuer    Isis,    Raspe  p.  122 

Bafaye,   p.  296  nr.  108;   Grabstein   einer  Isis-  nr.  1499;  auf  einem  roten  Jaspis  im  Ccd.  Mertens- 

dienerin,    Mommsen,  I.  R.   Neap.  6944,    Boc.  Schaaffhausen   2   p.  5   nr.  8   Sarapis,   Demeter 

ined.  4,   p.  203  nr.  58,  Bafaye,   p.  298  nr.  113  und  Isis-Tyche;   auf  einem  Karneol   in   Berlin 

und   des   L.   Valerius   Fyrmus   Sacerdos   Isidis  Kora,  Sarapis,  Demeter?,  A.  Z.  1878  p.  165; 

Ostens(is)  et  M.  D.  Trastib(erinae),  C.  I.  B.  14,  ein  Knochenrelief  zeigt  neben  einauder  stehend 

429,    Benndorf  u.  Schöne,    B.   ant.   Bilche.   d.  „Demeter-Isis   und  Pluton-Serapis   (doch   ohne 


445       Isis  (identificiert  mit  Demeter)  Isis  (identificiert  mit  Demeter)       446 

Modius,  mit  Schale),  r.  Altar  mit  Uräus",  z.  München  1880  p.  8)  singt:  Hie  denique  sem- 
Milehhofer  u.  Dressel,  Mut.  d.  D.  A.  Inst,  in  ptr  |  Fit  fera  fitque  canis,  fit  putre  cadaver 
Athen  1877  p.  470,  Heibig,  Bull.  d'Inst.  1870  aselli,  was  freilich  JBwsiom  aus  einer  Verwechs- 
p.  67  („Plutone  e  Proserpina");  die  Wände  lung  des  Sarapis  mit  Set  erklärt.  Die  der  Isis 
eines  Larariums  der  Vigna  Guidi  Harpokrates,  und  Demeter  gemeinsamen  Attribute  Cista 
Anubis,  Ceres  und  eine  vierte  Gottheit,  die  mystica,  Korb,  Schlange  erscheinen  in  mehr- 
Pellegrini  fragweise  Neptun,  Lafaye  Sarapis  fachen  Darstellungen  auf  den  alexandrinischen 
nennt,  Pellegrini,  Bull.  d.  Inst.  1867  p.  115 —  Kaisermünzen:  die  Cista  mystica  auf  einem 
116,  Lafaye  p.  331  nr.  229;  Münzen  von  Sestos  Thron  unter  Commodus  LKH,  Cohen,  Cat.  Gre'au 
haben  neben  Demeter  den  Kopfputz  der  Isis,  10  270,  3227,  Feuardent  165,  2277,  PI.  27,  von 
•Drexler  a.  a.  0.  p.  112.  —  Interessant  ist  die  beiden  fälschlich  als  „pressoir"  bezeichnet; 
Frage,  ob  sich  in  Alexandria  eine  Vermischung  ebenso  unter  Beifügung  von  zwei  Vögeln 
des  von  Ptolemaios  Philadelphos  daselbst  ein-  (Sperbern?)  unter  Marc  Aurel  LIB,  Zoe'ga  p.  223 
geführten  attischen  Demeterkultus  (Preller,  nr.  121,  Mi.  6,  306,  2108;  der  ährengefällte 
Demeter  ti.  Persephone  p.  42  Anm.  22;  Schreiber,  Korb  zwischen  zwei  schlangenumwundenen 
Verh.  d.  40.  Vers,  deutscher  Piniol,  p.  310)  Fackeln,  von  Lafaye,  p.  256  auf  den  Isisdienst 
mit  dem  Isiskult  vollzogen  hat.  Leider  geben  bezogen,  unter  Livia  LA0,  Zoe'ga  p.  9  nr.  1, 
uns  die  Autoren  und  Inschriften  darüber  Tb.  I,  9;  Mi.  6,  50,  47;  Feuardent  16,  574, 
keine  Auskunft;  Puchstein,  Lit.-Zeitung  1884  PI.  13  und  Antoninus  Pius  LIA,  Mi.  S.  9,  78, 
Sp.  1537  erklärt  daher,  dafs  die  Mysterien  der  20  304;  ohne  die  Schlangen  unter  Domitian  LIA, 
Demeter  in  Alexandria  nichts  mit  denen  der  Mi.  6,  99,  482;  Hadrian  LA,  Mi.  6,  144,  828; 
Isis  gemein  hatten.  Auf  alexandrinischen  LIA,  Mi.  6,  174,  1100;  LKA,  Mi.  6,  200,  1329; 
Kaisermünzen  erscheint  Isis  mit  den  Attributen  Marc  Aurel  LIA,  Mi.  S.  9,  69,  368  =  Sestini, 
der  Demeter,  oder  Demeter  mit  denen  der  Mus.  Hed.  3  Cont.  p.  40  nr.  4;  Fauttina  jun. 
Isis,  aber  auch  anderswo  sind  solche  Dar-  LKB,  Mi.  6,  317,  2198  =  Mus.  Theupoli  p.  1157; 
Stellungen  nachweisbar;  eine  Bleitessera  von  auf  einer  Münze  Hadrians,  LKA  sieht  man  „ä 
Alexandria  führt  auf  der  einen  Seite  Isis,  auf  l'e.rergue,  corbeille  remplie  de  fruits,  sur  1a  quelle 
der  anderen  Demeter,  Krosch,  Bonner  Jahrbb.  on  voit  le  char  de  Ceres  traine  par  trois  ehe- 
2  p.  80  nr.  44.  —  Julian  Epiist.  p.  432 — 433  ed.  vaux,  ä  dr.;  de  chaque  cötc,  un  flambeau  en- 
Spanhemius  bezeichnet  als  Parhedros  des  Sara-  30  veloppje  par  un  serpent",  Mi.  S.  9,  65,  235  und 
pis  in  Alexandria  die  Kora,  und  auf  alexandri-  auf  einer  ähnlichen  „a  Vextrgue,  corbeille  rem- 
nischen  Kaisermünzen  erscheint  Sarapis  sitzend,  plie  de  fruits,  sur  laquelle  on  voit  Venlivement 
ihm  gegenüber  Demeter  stehend,  Antoninus  de  Proserpine;  de  chaque  cöte ,  un  flambeau 
Pius  L6,  Mi.S.S,  70,  257.  258;  Sarapis  sitzend,  enveloppe  par  un  serpent",  Mi.  nr.  236;  den 
ihm  gegenüber  „Ceres  debout  le  lotus  en  Ute,  Korb  allein  unter  Antoninus  Pius  LI,  Mi.  S.  9, 
tenant  des  epis  de  la  m.  dr.  et  un  long  flambeau  77,  299  =  di  S.  Quintino,  Med.  alessandrine 
de  la  </.",  Hadrian  LGNNGAKA,  Mi.  S.  9,  63,  221  ined.  del  museo  egiziano  di  Torino  p.  22  nr.  107; 
=  Sestini,  Mus.  Hed.  3  Cont.  30,  85,  Wiegay  den  Korb  auf  einem  von  zwei  Rindern  ge- 
6651 ;  Sarapia  in  einem  Tempel  in  Mitten  von  zogenen  Wagen  unter  Trajan  (Mus.  Theupoli 
Demeter  und  einer  weiblichen  Gottheit  mit  40  p.  1120,  Zoe'ga  p.  92  nr.  222,  Mi.  6,  141,  811), 
Scepter  und  Füllhorn,  Trajan,  Mi.  139,  801;  in  welchem  Typus  Zoe'ga  die  „Tarda^que"} 
Sarapis,  Hermanubis  ('?),  Demeter,  Trajan,  Mi.  6,  Eleusinae  matris  volrentia  plaustra"  (Verg. 
139,  798;  Sarapis  zwischen  Demeter  und  Tyche,  Georg.  1,  163)  erkennt;  eine  Varietät  dieser 
Marc  Aurel  LI",  Zoega  p.  218  nr.  67  =  Mi.  6,  Münze  beschreibt  Zoe'ga  nr.  223:  „Canistrum 
296,2033;  Faustina  jun.  Lr,  Zoe'ga  p.  226  nr.  4  frugum  impositum  currai,  cuius  summus  am- 
=  Mi.  6,  309,  2132;  L.  Verus  Lr,  Zoe'ga  p.  230  bitus  Caput  Serapielis  (Nili  domini  omnium 
nr.  15  =  Mi.  6,  321,  2232;  Commodus,  Mi.  6,  bonorum  elaloris)  sustinet,  vehitur  a  boum  biga 
344,  2409;  Sarapis  auf  einem  Schiff  zwischen  lenta" ,  Mi.  810:  „Corbeille  remplie  d'e'pis  elans 
einem  Tropaion  (?)  und  einer  Göttin  mit  Mo-  un  char  traine  par  deux  boeufs,  marchant  aar.; 
dius  und  Scepter  (Demeter?)  Trajan,  Mi.  6,  50  devant  la  corbeille,  un  Canopc  ou  simulacre 
139,  799;  Sarapis,  Isis,  Demeter  auf  einem  d'une  divinite  avec  le  modius";  eine  Münze 
Schiff,  Trajan  LIE,  Kenner,  Die  Münzsammlung  Trajans  LIT  zeigt  nach  Zoe'ga  p.  71  nr.  84: 
des  Stifts  St.  Florian  p.  188,  Tfl.  7,  2;  Zoega  ,,Daae  figurae,  quarum  altera  canistrum  prae- 
p.  133  nr.  309  =  Mi.  6,  174,  1105;  ähnlich  gründe  frugibus  refertum  gerit,  stant  in  qua- 
Hadrian  LIE,  Mi.  6,  174,  1105  =  Zoega  p.  132  drigis  lentis" ;  Zoe'ga  bemerkt  dazu:  „Cereris 
nr.  309;  Hadrian  L-6NN6AKA,  Mi.  S.  9,  63,  sacra.  Forte  ad  pompam  Isiacam  pertinent" ; 
220;  doch  ähnliche  Verbindungen  kommen,  vgl.  Dioel.  1,  14:  „■naq  iviaig  di  zmv  nöXswv 
wie  wir  sahen,  auch  sonst  vor.  Die  Notiz  des  -xal  rofg  'iOBi'oig  iv  ry  nofiity  fiszä  zäv  alltov 
Minucius  Felix  Oct.  28,  man  habe  die  Esel  (pigzofrai  Kai  nv9g.evag  nvQäv  y.al  kqi&cov, 
zugleich  mit  Isis  verehrt,  bezieht  Wiedemeenn,  uo  änonviq(i6v(vu.a  räv  e|  ccqxVS  rV  ß'S'P  <piA.o- 
Her.  2.  B.  p.  450  auf  die  Sitte,  dafs  bei  den  tixviog  fvQt&svTiov;  Stephani,  C.  r.  p.  l'a.  1SG5 
eleusinischen  Mysterien  ein  Esel  die  heiligen  p.  26  Anm.  4  bezieht  die  Darstellung  mit  Hin- 
Geräte  von  Athen  nach  Eleusis  trug.  Viel-  weis  auf  Callimachus,  H.  in  Ctr.  vs.  121  be- 
leicht bezieht  sich  diese  Notiz  aber  auf  den  stimmt  auf  die  Demeter-Prozession;  auf  einer 
Sarapis,  von  dem  Paulinus  Nolanus  (im  sog.  Münze  Hadrians  LIZ  steht  der  Korb  auf  einer 
Poema  ultimum  vs.  123  f.,  Zechmeister,  Wiener  Säule,  zu  deren  beiden  Seiten  sich  eine  ge- 
Studien  2,  1880  p.  118 , - Bwsian,  Süzungsber.  flügelte  Schlange  erhebt  (Zoega  p.  139  nr.  359, 
d.  philos.-philol.  u.  bist.  Kl.  d.  k.  b.  Ak.  d.  W.  Tb.  7,  22,  Mi.  6,  129,  731.  732);  ebenso  zwischen 


447        Isis  (identificiert  mit  Demeter) 

ungeflügelten  Schlangen  auf  einer  Säule  auf 
einer  Hadrians  LKA,  Zoega  p.  154  nr.  472; 
Mi.  6,  200,  1328;  auf  einer  Trajans  LIE  steht 
zu  beiden  Seiten  des  auf  eine  Säule  gestellten 
Korbes  eine  Frau  mit  Scepter  oder  Fackel, 
Mus.  Theupoli  2  p.  1116,  Zoega  p.  82  nr.  137, 
Mi.  6,  124,  691.  Unter  Trajan  LIZ  befindet 
sich  nach  Mionnet  der  Korb  auf  blumenum- 
wundener Säule  zwischen  zwei  Schlaugen 
zwischen  der  verschleierten  sitzenden  Demeter,  xo 
welche  ihre  Hand  auf  das  Haupt  des  vor  ihr 
stehenden  Harpokrates  legt,  und  einer  Frau 
mit  Modius  auf  dem  Haupt  und  langer  Fackel, 
während  Zoega  p.  85  nr.  163  den  Typus  so 
beschreibt:  „Ceres  stat  ante  sedentem  Aegypti 
genium  manum  imponentem  capiti  parvae  figurae 
stolatae  ad  genu  eins  adnixae  (unwahrscheinlich 
als  „Italia  vel  Europa,  quam  Aegyptus  Pareii- 
tis instar  suis  opibus  alebat'  oder  auch  als 
„Harpocrates  frugum  genius"  gedeutet);  pone  20 
parram  figuram  adest  columna  sustinens  cctni- 
sirum".  Auf  einer  Münze  Trajans  LIZ  steht 
der  Korb  auf  einem  von  zwei  Schlangen  ge- 
zogenen Wagen,  Zoega  p.  85  nr.  161  {„Ctre- 
ris  dona  a  serpentibus  äeae  sacris  per  orbem 
terrarum  vecta  mortalibus  distribuenda'');  Mi.  6, 
129,  730;  auf  einer  Trajans  LIH  sind  diese 
Schlangen  geflügelt,  Mi.  6,  133,  755.  Die 
Schlange  kommt  mit  cerealischen  Attributen 
oder  Sistrum  vielfach  auf  den  alexandrinisehen  30 
Kaisermiinzen  vor.  Beispielsweise  erscheint 
eine  dicke  weibliche  Schlange  mit  Sonnen- 
scheibe zwischen  Hörnern  auf  dem  Haupt  und 
Ähren  in  den  Windungen  L.  Verus  LI",  Zoega 
p.  230  nr.  19  Tab.  14,  4;  Plautilla  LIA,  Feuar- 
dent  169,  2312,  PI.  28;  mit  einem  Sistrum  in 
den  Windungen  unter  Hadrian  L  ENAEKATOY, 
Zoega  122,  147  Tab.  6,  22 ;  mit  Kopfputz,  Sistrum 
und   Mohnkopf  [nach  Zof'ga]   gegenüber   einer 

männlichen  mit  Ca-  &o 
duceus  unterHadrian 
LIH,  Zoegap.  139  nr. 
360;  Feuardent  91, 
U21,P1.20.  —  Sp'an- 
hemius,  De  praest.  et 
usu  num.  2  p.  306 
erkennt  in  ihnen  Isis 
und  Üsiris;  Fr.  Le- 
normant,  Gaz.  arcli. 
3  p.  150  f.  Note  1  in  50 
der  weiblichen  die 
Göttin  Utit  (Ouadj, 
Buto),  die  man  mit 
der  Erntegöttin  Ban- 
nu  identificiert  habe.  Lafaye  p.  256  sagt:  „Le 
serpentjouait,  comme  on  sait,  un  grand  röle  dans 
les  mysteres  d'Eleusis.  II  le  devint  plus  encore 
dans  ceux  d'Alexandrie.  Peut-etre  est-ce  parce 
qu'en  Egypte  il  etait propre  ä  Rannou,  de'esse  des 
moissons  et  de  l'abondance.  Tantöt  ces  serpents  eo 
d' Isis-Demeter  ne  se  distinguent  pas  de  l'uraeus, 
tantöt  ils  ressemblent  ä  de  grosses  couleuvres, 
tantöt  leur  corps  est  surmonte  d'une  tele  d'Isis 
ou  de  Serapis.  Souvent  ils  se  confondcnt  arec 
Vagathoclemon,  surlout  lorsque  au  mite  alexan- 
drin se  joint,  sous  Hadrien.  ctlui  d'Antmoüs 
repre'sente  comme  le  bon  ge'nie.  II  arrire  meine 
que  toutes  les  distinctions  s'eff'acent,  gue  l'uraeus 


Schlangen  mit  Attributen  der 
ägyptischen  Gottheiten. 
Feuardent  PI.  20,  1421. 


Isis  (identificiert  mit  Demeter)       448 

devient  un  agathodemon,  et  ainsi  de  suite" ;  vgl. 
auch  Beichel  p.  62.  Ähnlich  wie  auf  den 
Münzen  ist  auf  einem  Monument  des  ägyp- 
tischen Museums  in  Berlin,  nr.  8164,  1.  von 
zwei  Uräusschlangen  in  einem  Naos  ein  Sistrum, 
r.  Ähren  und  ein  Mohnkopf  angebracht,  wäh- 
rend zwischen  den  Schlangen  ein  kleiner  kannen- 
förmiger  Krug  steht,  Boscher,  Jahrbb.  f.  kl. 
Phil.   1886  p.  233—234. 

Eine  ägyptische  Färbung  nahm  die  Tripto- 
lemossage  in  Alexandria  an.  Nach  Diodor  1,  18 
(vgl.  Preller,  Demeter  u.  Persephonep.  42,  Anm.20 ; 
p.  302,  Anm.  55;  Fr.  Lenormant,  Gazette  arch. 
4,  1878  p.  99)  nahm  Osiris  den  Triptolemos 
mit  auf  seinem  Zuge  über  den  Erdball.  Nach 
Analogie  des  Osiris  tritt  in  alexandrinischer 
Zeit  Triptolemos  als  Pflüger  auf,  Otto  Kern, 
De  Triptolemo  aratore,  Geruthliacon  Gottingense. 
Halis  Sax.  188S.  p.  102—105.  —  Schreiber  a.  a.  O. 
p.  310 — 311  hat  darauf  aufmerksam  gemacht, 
dafs  wir  für  diese  Vermischung  des  Tripto- 
lemos mit  Osiris  noch  Zeugnisse  in  einigen 
Denkmälern  erhalten  haben,  so  in  der  Tripto- 
lemosvase  in  St.  Petersburg  nr.  351,  O.  r.  p.  Va. 
1S62,  pl.4.5;  Overbeck,Kunstmyth.  Demeter  u. 
Kora.Tfl.  16,  Fig.  lSp.böiVL.öGS;Strube,Stu<lien 
über  den  Bilderkreis  von  Eleusis  p.  19,  worauf 
Triptolemos  in  Ägypten  im  orientalischen 
Kostüm  erscheint;  in  der  farnesischen  Onyx- 
schale in  Neapel,  Lafaye  p.  316  nr.  178,  wo 
Litteraturangaben;  Monaco,Guide  gen.duMusee 
ant.  de  Kaples4,  p.  202  nr.  27611;  A.  Miliin,  In- 
troduktion ä  l'e'tude  des  pierres  grave'es*  p.  85 — 
86;  A".  O.  Müller,  Hdbuch  d.  A.  d.  A".3  p.  443 
§  315,  5;  Kern  p.  103;  Brunn,  Sitzungsber.  d. 
plülos.-phüol.  u.  h.  Kl.  d.  k.  b.  Ak.  d.  W.  in 
München  1875  p.  337  ff.,  wo  Triptolemos  über 
der  auf  einer  Sphinx  sitzenden  Isis  zu  sehen 
ist.  Auch  auf  der  Goldschale  von  Pietraossa 
{Matz,  Arch.  Zeit.  1871  p.  135—137,  Tfl.  52)  ist 
wahrscheinlich  Isis  {Kern  p.  104)  verbunden 
mit  den  eleusinischen  Gottheiten  (Triptolemos) 
dargestellt.  Auf  einem  Sarder  der  Sammlung 
Stosch  erscheinen  nach  der  Abbildung  bei  Gori, 
Thes.  gemm.  astrif.  1  Tab.  42  p.  89 — 90  u.  a. 
Triptolemos,  Demeter  und  Isis. 

Zahlreiche  Bildwerke  bestätigen  die  Auf- 
fassung der  Isis  als  Göttin  des  Getreidesegens. 
Sehr  oft  trägt  sie  am  Haupte  Ähren,  wie  Apul. 
met.  11,  3  ihreu  Kopfputz  als  spicis  etiam  Ceri- 
alibus  cksuper  porrectis  versehen  schildert,  vgl. 
Ocid  Mit.  9,  687  und  TertuUian  de  cor.  mit.  7. 
Einzeldarstellungen  dieses  aus  Hörnern,  Sonnen- 
scheibe u.  Federn  bestehenden  Hauptschmuckes 
erscheinen  nicht  selten  unter  Beifügung  von 
Ähren  auf  geschnittenen  Steinen,  z.  B.  Baspe, 
p.  30  nr.  332,  PI.  2;  Tölken  1,  2,  163.  165;  Mus. 
lhorraldsen  p.  S4  nr.  675;  Museo  Borgiano 
3.  cl.  1.  div.  nr.  31,  31b  u.  32,  Doc.  incd.  p.  s. 
alla  st.  dei  Musei  d' Itcdia  3  p.  429;  und  auf 
Münzen,  z.  B.  auf  Cistophoren  von  Ephesos, 
Num.  Zeitschr.  Bd.  21  p.  80—81;  auf  Münzen 
von  Myndos,  ebenda  p.  134 ff. ;  Perinth,  ebenda 
p.  231  u.  Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  110;  Syracus, 
s.  oben;  Alexandria  (Hadrian),  Feuarclent  p.  78 
nr.  1256,  PI.  19.  B'erner  siebt  man  Ähren  an 
Bronzebüsten  der  Göttin  in  Berlin,  Friederichs 
2  p.  341  nr.  1558f.  3;  im  Museo  Borgiano  §  55 


449    Isis  (Göttin  d.  Getreidesegens  mit  Ähren)  Isis  (Göttin  d.  Getreidesegens  mit  Ähren)    450 

nr.  516,  Boc.  ined.  p.  s.  a.  st.  dei  Mus.  d'Italia  auf  einer  Bleimünze  der  Sammlung  Fontana, 
1  p.  399;  in  Wien,  v.  Sacken  u.  Kenner  p.  309  Sestini,  Descr.  d'alc.  med.  gr.  del  Museo  Fon- 
nr.  1322;  in  Sammlung  Piot,  Coli.  P.  Paris  1870  tana  p.  68  nr.  24,  Tab.  11  Fig.  24.  Ein  Karneol 
p.  45  nr.  143  (hier  ruht  die  Büste  auf  einem  mit  der  sitzenden,  den  Horos  säugenden  Isis 
Phönix);  auf  einer  Lampe,  welche  die  Büste  zeigt  im  Felde  zwei  Ähreu,  Raspe  p.  30  nr.  326; 
der  Isis  zusammen  mit  der  des  Sarapis  zeigt,  ein  Karneol  des  Museo  Borgiano  3.  Cl.  1.  div. 
Arcli.  Zeit.  1877  p.  87  nr.  10;  auf  Gemmen  mit  nr.  6  p.  423  mit  derselben  Darstellung  im  Feld 
dem  Haupte  der  Göttin  allein,  Tölken  1,  2,  29  einen  Halm  mit  Ähre;  ebenso  ein  gelber  Jaspis 
p.  15  (ob  aber  wirklich  Isis?);  Müller,  Mus.  desselben  Museums  nr.  7  mit  gleicher,  Dar- 
Thorvaldsen  p.  195  nr.  71  oder  mit  dem  der  10  Stellung,  vor  ihr  einen  Halm  mit  zwei  Ähren, 
Isis  und  des  Sarapis,  Kenner  u.  v.  Sacken  hinter  ihr  „tre  frutti  di  colocassia",  womit 
p.  412,  Kasten  1  nr.  8;  Lafaye  p.  312  nr.  161  wahrscheinlich  die  Fruchtkapseln  (v.ißuiQiov) 
=  Raspe  1446,  PL  24;  Andre,  Musee  de  Renues  der  Nelumbo  -  Seerose  (y.vajiog  Aiyvittiog, 
p.  30  nr.  59  (Haupt  des  Sarapis  zwischen  dem  Nymphaea  Nelumbo  L.)  gemeint  sind ,  deren 
der  Isis  u.  Harpokrates);  auf  Münzen,  z.B.  von  Wurzel  xoloxdaiov  hiefs  und  welche  nach  Jos. 
Syracus,  C.  G.  C.  Br.  Mus.  Sic.  p.  228  nr.  704  u.  Murr  (Die  Pßansemeelt  in  der  griechischen 
705  PI.  14,  7,  Head,  Hist.  of  the  coinage  of  Syra-  Mythologie  p.  282,  vgl.  Bierbach,  Flora  myth. 
cuse  p.  76  nr.  7,  PI.  14,  1;  auf  einer  des  Anto-  p.  76)  in  besonderem  Grade  ein  Symbol  der 
ninus  Pins  von  Alexandria  (LG) ,  vor  dem  Fruchtbarkeit  u.  Unsterblichkeit  war.  Zuweilen 
Haupte  der  Isis  ein  Durrahhalm,  Zoega  p.  173  20  tritt  an  Stelle  der  Ähren  der  Mohnkopf;  so 
nr.  93.  Auch  in  Darstellungen  in  ganzer  Ge-  befinden  sich  Mohnköpfe  am  Isiskopfputz  auf 
stalt  erscheint  sie  mit  Ähren  am  Haupte;  so  einer  Gemme  bei  Tölken  1,  2,  164  p.  36  und 
zeigt  eine  Stutue  des  Palazzo  Borghese  über  am  Diadem  einer  Isisbüste  im  Louvre,  Lafaye 
der  Stirn  eine  Doppelähre,  die  aus  einem  Halb-  p.  275  nr.  39  =  Chirac  1087,  2733b  =  Fröhner, 
mond,  in  dem  die  Sonnenscheibe  ruht,  hervor-  Notice  nr.  559;  auf  einer  alexandriniscben 
spriefst,  Matz  und  v.  Bahn,  Ant.  Bildwerke  in  Kaisermünze  der  Sabina  mit  der  den  Horos 
Born  1  p.  451  nr.  1581  („Isispriesterin");  an  der  säugenden  Isis  soll  sich  hinter  der  Göttin 
1.  hin  schreitenden  Isisstatue  der  Villa  Borghese  (Sestini,  Mus.  Hed.  Parte  3,  Continuazione  p.  32 
Chirac  III  433,  787  p.  127 — 128  („Ceres')  sind  nr.  3);  und  auf  einer  des  Hadrian  mit  dem  Datum 
der  Kopf  mit  den  zwei  glatt  ans  Haar  ange-  30  LKB  vor  der  Büste  der  Isis  ein  Mohnkopf  be- 
legten Ähren  und  die  Arme  mit  kurzem  Scepter  finden,  Ftuardent  99,  1519;  Sestini  a.  a.  O.  p.  31 
und  Ähren  ergänzt;  auch  auf  Gemmen  mit  der  nr.  104.  Beide  Attribute,  Ähren  und  Mohnköpfe, 
den  Horos  säugenden  Isis  ist  ihr  Haupt  mit  sind  verbunden  an  dem  verschleierten  Kopf 
Ähren  geziert,  Pappadopoulos  p.  18  nr.  280,  einer  nur  im  Oberteil  erhaltenen  Marmorstatue 
281,  282.  Oder  sie  trägt  Ähren  in  der  Hand.  in  Rom,  C.  L.Visconti,  Bull,  della  commiss.  arch. 
Bei  den  hier  in  Frage  kommenden  Statuen  comun.  di  Roma  15  p.  133  nr.  2  u.  an  dem 
beruhen  die  Ähren  freilich  meist  auf  liestau-  von  Wieseler,  Über  einige  beachtenswerte  geschn. 
ration,  so  wohl  an  der  „Isis,  confonchie  arec  Steine  2,  1  p.  24ff.  für  Helena,  die  Gemahlin 
Ceres"  bei  Chirac  5  PI.  988,  2574  E,  wo  Clarac  Julians  II.,  erklärten  weiblichen  Brustbild  auf 
bemerkt,  dafs  man  nicht  weifs,  welche  Teile  40  dem  Sardonyxcameo  des  Mr.  Bromilow,  b.d.43; 
ergänzt  sind;  2574  B  p.  289  („hs  bras  sont  einen  Mohnkopf  und  (nach  Montfaucon)  Ähren 
dus  «  la  restauration")-  2574  C  p.  289  („Mus.  hält  in  der  L.  die  Römerin  im  Isiskostüm  bei 
Brit.  —  probablement  une  Ceres  restauree  en  Montfaucon  3,  1,  16,  2  p.  39,  Suppl.  1,  .42,  2 
Isis";  vgl.  A  guide  to  the  greek  sculptures  of  =  Lafaye  p.  288  nr.  88;  mit  Sistrum,  Ähren 
the  Brit.  Mus.  I2  p.  53 — 54  nr.  133,  wo  die  r.  und  Mohnköpfen  erscheint  Isis  stehend  neben 
Hand  mit  den  Ähren  als  Ergänzung  bezeichnet  dem  sitzenden  Sarapis  auf  den  Gemmen  im 
wird);  dagegen  gehören  die  Ähren  und  das  Nov.  thes.  gemm.  vet.  1  Tab.  19  p.  22  u.  bei  King, 
Scepter  in  den  Händen  der  Statue  in  Isistracht  The  Gnostics"  p.  438,  PI.  E  1;  ein  Mohnkopf, 
Chirac  III  422,  746  p.  91  („Iunon?")  nach  Clarac  umgeben  von  Ähren  und  ein  praefericulum 
wirklich  zu  derselben;  Ähren  oder  eine  Art  so  sieht  man  zwischen  den  Büsten  der  Isis  u.  des 
Frucht  hält  an  die  Brust  eine  Statue  in  InceBlun-  Sarapis  an  einem  Thongefäfs  zu  Lyon,  Lafaye 
dell  Hall,  Michaelis,  Ancient  Marbles  in  Great  p.303  nr.  131,  Brexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  13— 14. 
Britain  p.  358  nr.  76;  Ähren  in  der  R.  die  Isis  Auf  einem  pompejanischen  Wandgemälde  hält 
Taposiris  an  dem  zur  Inschrift  C.  I.L.  11,  1544  Isis  mit  der  L.  eine  Schüssel  mit  Früchten,  in 
gehörigen  Relief  in  Fiesole;  stehend,  mit  Ähren  der  R.  eine  Schale,  woraus  eine  Schlange  trinkt, 
in  der  L.,  in  der  R.  das  Scepter  erscheint  Isis  Lafaye  p.  327  f.  nr.  219;  Heibig  1094  c.  Eine 
auf  einer  Münze  des  Hadrian  von  Alexandria  Bronze  der  Sammlung  Paravey  stellt  Isis  dar 
mit  dem  Datum  L'IA  (Mi.  6,  167,  1032)  und  auf  Früchte  haltend,  am  1.  Arm  eine  Situla, 
einer  freilich  nur  aus  Cousinery  bekannten  de  Witte,  Cot.  d'une  coli,  de  vionum.  ant. 
Münze  von  Aigai  (Num.  Ztschr.  Bd.  21  p.  62  60  [de  M.  Paravey.]  Paris  1879.  p.  84  nr.  305  = 
=  Mi.  3,  5,  23);  ferner  auf  einem  Goldring  in  Cat.  Pulsky  nr.  157;  eine  Bronze  in  Arolsen 
Paris,  Chabouillet,  Cat.  gen.  des  c.  et  p.  gr.  de  mit  fehlender  R.  hält  in  der  L.  eine  Frucht, 
la  bibl.  imp.  p.  383  nr.  2605;  mit  einer  Ähre  Gädechens,  Bie  Antiken  in  Arolsen  p.  80  nr.  205; 
in  der  R.  u.  dem  Scepter  in  der  L.  auf  einer  eine  Büste  der  Isis  zwischen  zwei  Sphinxen 
Gemme  in  Berlin,  Tölken  1,  2,  32  p.  16;  sitzend  auf  einem  Terracottarelief  in  der  L.  eine  Schüs- 
mit  Ähren  in  der  Hand  auf  einer  Gemme  bei  sei,  worauf  zwischen  zwei  Ähren  ein  Pinien- 
PappadopoulosyAS  nr.279;  stehend  mitScepter  apfel  und  zwei  runde  Früchte  liegen,  in  der  R. 
u.    zwei   Ähren   neben   dem    sitzenden   Sarapis  ein  Sistrum,  Lafaye  p.  290  nr.  94;  Mus.  Cain- 

RosCHElt,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mytliol.    II.  '  15 


451        Isis  (=  Demeter,  mit  Fackel) 

pana,  Ant.  op.  in  plastica  Tav.  93:  Combe, 
Anc.  terracottas  in  the  Brit.  Mus.  p.  23  Anm.  3. 
Die  Münze  der  Helena,  Gemahlin  Julians  II., 
bei  Oisäius,  Thes.  num.  ant.  Tb.  47,  5  p.  269, 

Banduri'2  p. 
427;  Kopp  3, 
§545,  welche 
die  Büste  der 
Kaiserin  als 
Isis  rn.it  Sis- 
trnm  in  der 
R.  u.  Frucht- 
schale  in  der 

L.   zeigt, 
finde  ich  in 
den  neueren 
Münzver- 
zeichnissen 
nirgends;  sie 
ist  wohl  als 
Fälschung 
zu    betrach- 
ten.       Eine 
patera     cum 
frugibus  be- 
findet     sich 
unter       den 
Weihge- 
schenken 
des    Isishei- 
ligtums     in 
Nemi,  C.  I. 
L.  14,  2215. 
Zuweilen 
vereinigen 
Figuren  mit 
dem     Kopf- 
putz der  Isis 
und     Ähren 
oder     Mohn 

noch  die 
Fackel, man 
hat  darin 
Darstellun- 
gen der  mit 
Demeterver- 
sehmolzenen 
Isis  zu  sehen. 
So  hat  eine 
Terracotta- 
statuette  bei 
B.  Fabrelti, 
Inscr.     ant. 
quae  in  aedi- 
bus  paternis 
asservantur 
explicatio  p. 
493 ,     Mont- 
faucon  1,  PI. 
45,   6    p.  93 

über  dem 
schleierartig 
über  das  Hinterhaupt  emporgezogenen  Gewände 
den  Kopfschmuck  der  Isis,  in  der  gesenkten  L. 
drei  Mohnköpfe,  die  R.  an  grofser  aufgestützter 
Fackel.  Ganz  ähnlich,  nur  mit  anderem  Falten- 
wurf ist  die  Figur  am  Bauche  einer  Lampe 
bei  Passeri,  Luc.  fict.  1,  22  p.  29—31.     Auch 


Isis  mit  Demeter  verschmolzen.    Passeri, 
Luc.  fict.  1,  22. 


Isis  (=  Demeter,  mit  Fackel)        452 

die  angeblichen  Ähren  auf  dem  Haupt  einer 
demeterartigen  Figur  auf  einer  Goldplatte  aus 
Naukratis  scheinen  der  Abbildung  nach  eher 
Reste  des  ägyptischen  Hauptschmuckes  der 
Isis  zu  sein,  Third  Memoir  of  the  Egypt  Ex- 
ploration Fand.  Naukratis.  Part  1  PL  27, 
p.  43 — 44;  vielleicht  ist  dieselbe  Kopfzier  auch 
zu  erkennen  an  der  Göttin  der  Vorderseite 
eines    grünen  Jaspis   „Figure  feminine  voilee, 

10  ie  tutulus  sur  le  front,  debout,  porte  d'une  main 
un  long  flambeau,  de  l'autre  des  e'pis",  dessen 
Rückseite  die  Aufschrift  NIKA  0  CEPAHIC  TON 
*0ONON  trägt,  Coli.  Mertens-Schaaffliausen  p.  67 
nr.  1631.  Ferner  wird  im  Museo  Borgiano  3. 
Cl.  1.  div.  nr.  13  p.  424  unter  der  Abteilung 
„Iside  ed  Oiiride"  ein  roter  Jaspis  verzeichnet, 
worauf  „Una  dca  vestita  di  tunica  e  peplo  c 
velata,  sopra  la  testa  un  modio  avanti  cui  una 
luna  falcata,  sta  dritla  in  piedi  äppoggiando 

20  la  deslra  ad  una  torcia  grande  ardente  e  te- 
nendo  nella  s.  avanti  se  abbassata  un  fascio  di 
spiglie",  (vgl.  die  Bronze  des  Herrn  Julius 
Meifsner,  Jahrb.  d.  D.  A.  Inst.  1890,  Arch.  Ans. 
p.  156  nr.  6),  eine  Gestalt,  die  freilich  kein  sie 
bestimmt  als  Isis  charakterisierendes  Attribut 
trägt.  Ein  dunkelgrünes  Plasma  in  Göttingen 
zeigt  eine  stehende  nackte  Person  mit  einem 
schmalen  hohen  Kopfauf satze,  der  an  Isis 
erinnert,  in  der  ausgestreckten  1.  Hand  einen 

so  teilweise  weggebrochenen  Gegenstand,  in  der 
r.  anseheinend  eine  Fackel  mit  kreuzweisen 
Kienhölzern,  Hubo,  Original  werke  i.  d.  arch.- 
num.  Abteilung  des  arch.-num.  Inst,  der  Georg- 
Augusts  -  Universität  p.  143  nr.  837;  ein  Karneol 
im  Haag  Sarapis  sitzend  zwischen  Isis  mit 
Fackel  und  Ähre  und  Harpokrates,  Visconti, 
Opere  varie  2  p.  243,  Impf.  Chigi  nr.  285. 
Auf  Münzen  von  Athen  erscheint  Isis  oder  De- 
meter mit  dem  Hauptschmuck  der  Isis  in  langem 

40  Chiton  und  Überkleid,  Kornähren  und  lange 
Fackel  oder  Scepter  haltend  (s.  oben  Sp.  385); 
auf  alexandrinischen  Kaisermünzen  stehend  mit 
Kopfputz,  in  der  R.  die  Fackel,  in  der  L.  Ähren 
und  Mohn  unter  Domitiau  LI,  Sestini,  Mus. 
Hed.  3  Cont.  p.  19  nr.  11;  Hadrian  L-AGÜAGK, 
Sestini  a,  a.  0.  p.  26  nr.  38.  39;  LKA,  Zoega 
p.  154  nr.  469;  Sabina  L  GNN6AK  (ohne  Mohn), 
Zoega  p.  159  nr.  9  =  Mi.  203,  1353;  sitzend, 
in  der  R.  Ähren,  in  der  L.  eine  kurze  Fackel,  vor 

50  ihr  eine  kleine  Figur  unter  Trajan  L-IA,  Sestini, 
Mus.  Hed.  3.  Cont.  p.  21  nr.  4  =  Mi.  S.  9, 
42,  106.  Die  ,,Dea  Isis  stans  indicem  manus 
dextrae  ad  os  attollens ,  tenet  faccm  ardentem" 
einer  alesandrinischen  Kaisermünze  des  Ha- 
drian (L-K)  im  Cat.  n.  ant.  Casp.  de  Pfau. 
p.  313,  vgl.  Mi.  6,  194,  1281  stellt  eher  Harpo- 
krates mit  der  Keule,  vgl.  Zoega,  N.  Aeg.  Tb.  9, 
1  (L  KA),  dar;  auch  die  Figur  der  Münze  des 
Trajan  (L  IA)  bei  Sestini,   Mus.  Hed.  3.  Cont. 

go  p.  21  nr.  13:  „Porta  Aegyptia  ...  in  medio 
stat  Isis  e  fronte  velata,  et  loto  capite  ornato, 
d.  demissa,  s.  magnam  taedam,  ad  cuius  imum 
crocodilus,  omnia  intra  circulum"  ist  nicht  mit 
Sicherheit  als  Isis  zu  bezeichnen,  vgl.  Mi.  6, 
110,  620  bis;  Feuardent  p.  54  nr.  981,  PL  18. 
Auf  einer  alexandrinischen  Kaisermünze  des 
Antoninus  Pius  (LA)  ist  dem  verschleierten 
mit    ägyptischem    Kopfputz    gezierten    Haupt 


453          Isis  (Beziehungen  zur  Kuh)  Isis  (^Beziehungen  zur  Kuh)          454 

der  Göttin  eine  Fackel  beigegehen,  Zoega  Sp.SG'i?.;  BrugschmSchliemanns Ilios p.817 f.), 
p.  169,  51.  52  (,,sisttt  Isidem-Gererem ,  wysie-  und  oft  kann  man  schwanken,  ob  diese  oder 
riorum  praesidem");  =  Mi.  C,  217,  1459,  vgl.  jene  Göttin  gemeint  ist,  s.  z.  B.  Raspe  p.  23 
1458;  Feuardent  104,  1574,  PI.  23;  Tgl.  1573  u.  nr.  248:  „Onyx  Camco  du  Comte  Maurice  de 
mit  Feuardents  Abbildung  die  Demeterbüste  Brti/d  ä  ßresde.  Büste  d' Isis,  avec  des  oreil- 
eines  Goldplättchens  aus  Zagdzig  in  Dresden,  les  de  vacke,  et  une  coiffure  brode'e  cn  fleurs. 
Jahrb.  d.  I).  A.  Inst.  1890,  Arcli.Anz.  p.  95  nr.  G.  PI.  7";  Gat.  Fejervary  de  Pulslcy  p.  27  nr.  435: 
Ein  roter  Jaspis  der  Coli,  de  M.  Montigny  „Tete  d'Isis  de  face  avec  oreilles  de  vache. 
p.  19  nr.  239  zeigt  eine  bekleidete  Büste  der  Sardoine  ä  trois  couches" ;  Chabouület  p.  26 
Isis  und  davor  eine  Fackel;  ein  viereckiger  10  nr.  176:  „Hathor;  tele  de  face  avec  le  modius, 
Altar  in  Ince  Blundell  Hall  vom  Amnions-  deux  cornes  de  vache  et  deux  tresses  rapproelie'es 
Maske;  hinten  lsispriesterin  mit  Sistrum  und  sur  cliague  joue  (wohl  die  zwei  schnecken- 
„inverted  cantharus"  (SitulaV)  und  Mann  mit  förmig  gewundenen,  für  Hathor  charakteristi- 
Speer  und  Schlange;  an  den  Seiten  Schale  sehen  Flechten,  also  wirklich  diese  Göttin), 
und  Nilometer  oder  Sistmm  zwischen  Fackeln,  Sardoine" ;  de  Witte,  Gat.  Durand  p.  434  nr. 
Michaelis,  Arch.  Zeit.  1875  p.  393  =  Anc.  2094:  „Tete  de  la  deesse  AlJior  ü  oreilles  de 
Marbles  in  Grcat  Britain  p.  412  nr.  395.  vache,  de  face,  et  surmontee  d'un  modius.  Plaque 
Der  Isis  heilig  war  die  Kuh,  Wiedemann,  en  terre  emaillee"  (aus  einem  Grabe  in  Etru- 
77er.  2.  B.  p.  187  ff.  Dieselbe  wird  von  Giern.  rien);  Coli.  Drovctti,  Monumens  nr.  4  —  6,  Uoc. 
AI.  Str.  L.  5  c.  7  p.  611  ein  avfißoXov  yr/g  ts  20  ined.  p.  s.  a.  st.  dei  mus.  d'Italia  3  p.  290: 
avzrjg  xcei  ytoiQyiag  Kai  tQotprjs  genannt;  Ma-  „Chapiteaux  de  colonne  d'ordre  egyplien,  ayant 
crob.  Sat.  1  c.  19  sagt,  die  Ägypter  hätten  die  sur  les  guatre  faces  la  figure  d'Xsis  ä  oreilles 
Erde  durch  die  Hieroglyphe  des  Rindes  be-  de  belette,  deux  de  la  meine  forme,  et  le  troi- 
zeichnet;  l'lut.  de  7s.  et  Us.  c.  39  erklart:  ßovv  sii-me  plus  long  que  les  autres"  (wohl  „Hathor 
yÜQ"faidog  diiova  xctl  yf]v  vo[.t,!t,ovßiv  u.  Apul.  die  viergesichtige",  Lex.  1  Sp.  1867).  „Isis 
Met.  11  c.  11  erzählt,  dafs  bei  der  Isisprozession  mit  einem  Kuhkopfe",  ein  Sistiuni  von  unge- 
erschien  „bos,  omnia  parentis  dcac  feeundum  wohnlicher  Form  in  der  einen  und  eine  Schale 
simulacrum,  quod  residens  humeris  suis  pro-  mit  Früchten  in  der  anderen  Hand,"  davor 
ferebat  unus  c  ministcrio  beato  gressu  gestuoso" ;  eine  Gans  erkennen  Iioux  u.  Barre,  Herc.  u. 
vgl.  Montfaucon  2,  2  PI.  115  nr.  5  aus  lipon;  so  Pomp.  1.  Bd.  1.  Ser.  der  Mal.  Taf.  48  p.  37 
PI.  116  nr.  2  aus  Kircher;,  Ed.  Meyer  oben  auf  einem  Wandgemälde  von  Herculaneum, 
Sp.  363  erklärt,  dafs  den  Ägyptern  als  einem  Pitt.  d'Frc.  2  p.  99,  Real  Museo  Borbonico. 
Ackerbauvolk  die  Kuh  heiliger  Natur  zu  sein  Vol.  9.  Roma  1845  PI.  53  unten,  p.  503 — 504, 
schien  und  dafs  sie  sich  deshalb  Isis  in  Kuh-  während  Stephani,  C.  r.  p.  l'a.  1S63  p.  93  und 
gestalt  dachten;  dagegen  äufsert  Wiedemann,  frageweise  auch  Helbig  p.  220  m\  1106  die 
Her.  ä.  B.  p.  188  die  Ansicht:  „Im  alten  Figur  vielmehr  als  Osiris  bezeichnen.  Ins 
Ägypten  hat  die  Nützlichkeit  freilich  kaum  Museo  Capitolino  gelangte  aus  Hadriaus  Villa 
zur  Verbindung  der  Kuh  mit  Isis  geführt,  in  Tivoli  „buslo  a  due  teste,  da  una  parte 
sondern  ähnlich  wie  der  Stier  die  zeugende  donna,  daW  cdtra  bue,  in  marmonero,  molto  ben 
Kraft  der  Gottheit  repräsentierte,  so  stellt  die  40  lavorato,  e  rappressnta  Iside,  che  da  uomo  fu 
Kuh  ihre  gebärende  und  ernährende  dar";  convertita  in  bue  e  da  bue  in  dea  (eine  Auf- 
ähnlich  sagt  Arnoldi,  Bonner  Jahrbb.  H.  87  fassung,  die  dem  Verfertiger  kaum  vorge- 
p.  42  von  Isis:  „Dieser  nährenden  Thätigkeit  schwebt  hat).  Posa  sopra  un  ftore  di  lolo  come 
wegen  gilt  die  Kuh  als  ihr  heiliges  Tier";  per  base",  Cirlo  Fca,  Miscellanea  fdologica 
auch  Pierret,  I'anth.  eg.  p.  35  und  Uict.  d'arch.  crit.  e  ant.  1.  Roma  1790  p.  CLXV,  98;  Bottari, 
ig.  p.  556  sieht  in  der  Kuh  „un  embleme  de  Mus.  Capit.  3,  83;  11  Mus.  Capitolino  2.  Roma 
maternite" ;  Ebers,  Ag.  u.  d.  B.  Moses  erklärt  sie  1820  Tav.  114  p.  92  („Erma  d' Iside  e  di  Api", 
p.  117  für  ein  Symbol  der  Mütterlichkeit,  p.356  eher  wohl  der  Isis  und  Hathor).  Gregorutli, 
— 359  für  ein  Sinnbild  der  Fruchtbarkeit.  Über  Archeografo  Triestino  Vol.  13,  1887  p.  162  be- 
hes,  hesa,  eine  der  heiligen  Kühe  der  Isis  in  50  richtet:  „Nel  cortile  della  preindicata  casa  Fi- 
ihrer  besonderen  Auffassung  als  Milchspenderin  netti  in  Tapogliano  csistono  due  busli  antichi, 
s.  Brugsch,  liier. -Uemot.  Wörterbuch  p.  849 —  di  cui  Vwno  rappresenta  Giano  Bifronte  barbato 
851.  Bei  dem  Trauerfeste  des  Osiris  im  Monat  m  grandezza  naturale,  c  Valtro  una  Dea,  forse 
Atbyr  trug  man  eine  vergoldete,  von  einem  Iside  coronata  di  rose  e  con  una  ghirlanda 
schwarzen  Byssosgewande  umhüllte  Kuh  als  simile  attorno  il  collo  in  grandezza  maggiore 
Symbol  der  Isis  „siebenmal  um  den  Sonnen-  del  naturale  avente  a  tergo  la  parte  anteriore 
tempel  und  auch  sonst  herum,  um  das  Suchen  di  im  bue  Ap>is  ginocchioni  nella  proporzione 
der  Göttin  nach  dem  toten  Gemahl  zu  sym-  di  '/5  del  vero."  „La  statua  di  una  vacca  isi- 
bolisieren",  Wiedemann,  Her.  2.  B.  p.  261,  aca,  o  veramente  del  bue  Api"  erwähnt  G.  L. 
482;  Flut,  de  Is.  et  Us.  c.  39  p.  68  und  234,  r,o  Visconti  unter  den  Funden  auf  dem  Esquilin, 
e.  52  p.  93,  vgl.  Gaylus,  Bec.  d'ant.  1  PI.  7,  2  Bull,  della  commiss.  arch.  comun.  di  Borna.  14, 
p.  26—27;  Zoega,  De  or.  et  us.  obel.  p.  414 —  1886  p.  208.  Mehrere  Bildwerke  zeigen  Isis 
416;  Lauth,  Sitzungsber.  d.  pltilos.-philol.  u.  in  Gesellschaft  eines  Rindes,  doch  läfst  es 
last.  Kl.  d.  k.  b.  Ak.  d.  W.  z.  München  4,  1.  meist  sich  schwer  feststellen,  ob  letzteres  als 
1874  p.  101;  Dümichen,  Gesch.  d.  a.  Äg.  heiliges  Tier  der  Göttin  oder  als  Apis  aufzu- 
p.  212  Anrn.*  Wie  Hathor  wurde  auch  Isis  fassen  ist.  Die  Münzen  des  Nomos  Memphites 
nicht  selten  mit  Kuhohren  oder  kuhköpfig  und  die  Bleimünzen  von  Memphis,  wo  am 
oder   als    Kuh    dargestellt   {Ed.   Meyer ,    oben  ersten  an  Apis  zu  denken  ist,  sind  schon  oben 

15* 


455          Isis  (Beziehungen  zum  Nil)  Isis  (Beziehungen  zum  Nil)          456 

verzeichnet  worden.  Auch  eine  alexandrinische  p.  254  rec.  Bekker;  Lefebure,  Le  mylhe  osirien 

Kaisermünze   zeigt  Isis   sitzend   in   der  R.  das  2   p.   178  ff.),    und   Isis   mit   dem    ägyptischen 

Sistrum,   in   der  L.   das  Scepter,   vor  ihr   ein  Lande,   vgl.  oben  Sp.  442,  Phit.  De  Is.  et  Os. 

Rind   („le   boeuf  Apis"),  „derriere  wie  figure  c.  32,  38;  Io.  Lydus  ed.  Bekker  p.  70;  Himerius 

debout  e'rigeantun  trophe'e",  Feuardent  nr.  1198;  Or.  1   §  8  p.  336   ed.    Wernsdorf;   Or.  8  §   5 

ein  Scarabäus  bei  Caylus,  Bec.  d'ant.  4,   10,  1  p.  548   (t'yvcog    ■nal    zovzov    [rov    NslIov]    xr\v 

p.  28 — 29  Isis  sitzend,  die  Hand  auf  das  Haupt  avvsvvov,   xaQTiwv  tzoiy.iIcov   tpogäv  xvocpoQov- 

eines  vor  ihr   stehenden  Rindes   legend;   ahn-  actv   %ai  rmrovaav);    Notinas,  Dionys.   3    277, 

lieh  ist  der  Göttin  zugewendet  ein  Rind  („Apis")  der   den  Nil   vyqbv  ä-nohnv  nennt;   Lumbroso, 

auf  der  von  Lafaye  p.  296   nr.  108   beschrie-  io  L'Egitto    al   tempo    dei   Greci   e   dei  Bomani 

benen  Basis;  auf  der  ähnlichen,  Lafaye  p.  295  p.  9;    Fialin  de  Persigny ,  De  la  destination 

nr.  107  steht  es,   geführt  von  einem  Priester,  des  pyramides  d'JSgypte  et  de  Nubie  contre  les 

bei    ihr.     Eine   Thonlampe    aus   Tarsos   zeigt  irruptions  sablonneuses  du  de'sert.     Paris  1848 

nach   Birch   bei   Barker,    Lares   and   Penates  p.  195— 221;  Ebers,  Ag.  u.  d.  B.  Mose's  p.  353ff., 

p.  201  „Isis — liolding  a  situla,  on  her  head  tlie  weshalb   sie   heifst   die  „deren  Gatte   die  Nil- 

usual  Ornament,   before  her  Apis  as  a  buffalo,  schwelle  ist ',  Brugsch,  Bei.  p.  648.    Sie  selbst 

having  in  his  head  a  star,  advancing  to  a  lighted  führte  den  Beinamen  Mu  „das  Wasser",  Qobhe 

altar  beliind  a  temple".    Ein  Relief  im  Lateran  nofrit  „die  gute  Nilflut",  Brugsch,  Bei.  p.  653  — 

wird  von  Matz  %i.  von  Dahn,   Ant.  Bildw.  in  654,  vgl.  p.  641,  642.   Als  Sothis  wurde  ihr  die 

Born  3   p.  216   nr.  4003    so    beschrieben:    „R.  20  Herbeiführung  der  Nilüberschwemmung  zuge- 

gewahrt  man  noch   den  vorderen  Teil    einer  schrieben,   s.  Ztschr.  f.  Num.  13  p.  303-304; 

gemessen    schreitenden    weiblichen  E.     Maafs,     Analecta    Eratosthenica    p.    122 

Gestalt,   die  r.  Hand  wie   anbetend   erhoben,  Anm.   102.  —  Servius   zu   Fergil.  Aen.  8,   696 

über   dem   Kopfe   den    Schmuck    des    Sonnen-  (vgl.  Schläger,  Comm.  de  numo  Hadriani  plum- 

diskos  mit  der  TJräusschlange  (Hathor?).    Von  beo  p.  109)  sagt  von  ihr:  „ Isis  per  sistri  motum, 

1.   ihr   entgegen  kommt  ein  Stier  (Apis),   von  quod  gerit  in  dextra,  Nili  accessus  recessusque 

ihm   ist   noch   der   Kopf   erhalten,   über   dem  significat;  per   situlam,   quam    sinistra   manu 

Reste  eines  hohen  Aufsatzes  sichtbar  werden.  retinet,  ostendit  af/luentiam  omnium  lacunarum 

Vor    dem    Stiere    am    Boden    wachsen    hohe  id  est  fossarum,  in   quas   Nilus  stagnans  re- 

schwerreife    Getreideähren    aus    dem    Boden."  30  cipiebatur."     Auch   der  in   den   Nil   fallenden 

Auf  dem  Postamente  der  Widmung  C.  I.  L.  3,  Thräne,    die   sie   um   den  Gatten   oder   wegen 

4234  =  Myth.  Beitr.  1  p.  28  an  Isis  und  Bu-  einer  ihr  von  Horos   widerfahrenen  Mifshand- 

bastis  ist  eine  Kuh  mit  Halbmond  an  der  Seite  lung    weint,    wurde    das   Steigen    des   Fluides 

dargestellt.    Auch  auf  einem  Rind  sitzend  soll  zugeschrieben,  Ebers,  Duich  Gasen  zum  Sinai 

Isis   vorkommen,     v.  Sacken  u.  Kenner  p.  431  p.  476.     Die  Dämme,   welche  die  Kanäle  ein- 

nr.  137  verzeichnen  eine  Gemme  mit  „Isis  auf  schlössen,  hiefsen  nach  TJlpian  {Leg.  10.  n.  de 

dem    geschmückten    Apis    sitzend";    vgl.    den  extraordinariis  criminibus,  s.  Schläger  a.  a.  0.) 

Schwefel abdruck  bei  Winckelmann,  Descr.  p.  57  Chomata.   Eine  Inschrift  von  Koptos,  E.  Miller, 

nr.  157  =  Raspe  nr.  1153,  auf  welchem  diese  Bev.   arch.   3e  ser.    1883.   2  p.  178   ist  geweiht 

Europa,  dagegen   Wie  seier ,  Gott.  Nachr.  1871  la'IaiSi  t?)  #co,uaros  &eä  (isyi'ezy.    Eine  alexandri- 

p.  656  —  unwahrscheinlich  genug  —  Isis  Pharia  nische  Glasmünze  hat  im  Obv.    die  Büste  des 

=   Astarte   und    Stephani,    C.  r.  p.   Fa.  1SG6  Nil,  im  Rs.  die  der  Isis,  Feuardent  336,  360S  bis, 

p.  105 — 106   Isis  Pharia  erkennen;   auch   eine  vgl.  Friedländer,  Bep.  p.  367:  Biippel,  Beise  in 

Gemme   bei   Gori,    Thes.  g.  astrif.   1   Tb.  23,  Abysiinien  2  p.  428,  Tfl.  8  nr.  5.    Oft  sind  die 

2   p.  70 — 71,    worauf  „Apis   et   Serapis"   dar-  Häupter   des  Nils,   nicht   selten   mit  Füllhorn 

gestellt  sein  sollen,  zeigt  nach  der  Abbildung  über  der  Schulter,  und  der  Isis  neben  einander 

eher   eine   weibliche  Gottheit  mit  Modius  auf  auf  alesandrinischen  Kaisermünzen  dargestellt, 

dem  Rind  sitzend,  die  erhobene  L.  am  Scepter,  z.  B.   unter   Elagabal,    L6,   Mi.   6,  361,  2526; 

die  R.  auf  das  Tier  gestützt,  auf  welchem  ein  Feuardent    173,    2344;    Annia    Faustina     L£, 

Vogel  sitzt,  während  vor  ihm  ein  Stern,  hinter  50  Feuardent   176,  2373;    Iulia   Maesa,    Mi.  368, 

ihm  die  Büste  des  Helios  und  zwischen  seinen  2577;   Severus  Alexander  LG,   Mi.  369,  2581; 

Beinen    Schlange    und   Halbmond    angebracht  Feuardent  178,  2393;  LZ,  Feuardent  184,  2460; 

sind,   doch   ist   die  Figur  nicht   genügend  als  LIA,  Mi.  6,  38S,_2730;  Iulia  Mamaea,  Mi.  395, 

Isis  charakterisiert,  um  wagen  zu  können,  ihr  2799   (Isis  mit  Ähren  geziert);  Philippus  sen. 

diese  Benennung  zu  geben.    Dagegen  verbirgt  LA,   Mi.  6,  423.  3041;   Feuardent  215,  2S09; 

sich  unter  der  leider   allzu  knappen  Beschrei-  Salonina,   Ll€,  Mi.  463,  3381;  Feuardent  250, 

bung   einer   Thonlampe   aus    Benha   el    Assal:  3158;  Claudius  IL,  LB,  Mi.  469,  3424;  Feuar- 

„Lamp,   on   it  Serapis  and  Europa",  A  guide  dent  255,   2302.     Eine   Münze   Hadrians    zeigt 

to  the  first  and  seeond  egyptian  rooms  [of  the  „Büste  d'Isis  de  face,  ä  mi  corps,  avec  le  latus 

Brit.  Mus.']  p.  5529  k  möglicherweise  Isis  auf  60  sur  la  tete,  tenant  le  sistre  et  se  toumant  ä 

dem  Rind  neben  Sarapis.  dr.  pour  regarder  le  Nil,   egalement  en  huste 

Auch  zu  dem  Nil,  welchem  Ägypten  seine  ä  mi-corps  tonnte"  ä  g.,   avec  le  lotus?   sur   la 

Fruchtbarkeit  verdankt,    stand  Isis,   die   Dea  tete  et   tenant  un  roseau",   Cohen,   Cat.  Greau 

Nilotis  (Kaibel,  Inscr.  Gr.  Sic.  et  Italiae  1366,  3107;   Pedrusi,  Museo  Farnese  6,  Tav.  37,   7; 

oben  Sp.  408;  vgl.  r\  ätiö  SsiqiüSog  Eloig,  Zeit-  eine   Münze   Trajans   LIZ   „Nile  seated  to  left, 

sehr.  f.  Num.  13  p.  303,  oben  Sp.  388),  in  nahen  Isis  in  front",    Cat.  Huber  p.  103   nr.  1056; 

Beziehungen.     Ihr   Gemahl   Osiris    wurde    mit  eine    Münze    Hadrians    mit    dem   Datum    Lls 

dem   Nil   identificiert  (vgl.  Heliod.  Aeth.  9,   9  soll     zeigen     den    Nil     auf    einem     Krokodil 


457                 Isis  (mit  Füllhorn)  Isis  (mit  Füllhorn)                  458 

sitzend  mit  Füllhorn  und  Rohrbüsche],  vor  ihm  2  p.  189  mit  Recht  als  Isis  bezeichnet  wird, 
Isis  in  der  erhobenen  R.  das  Sistrum,  mit  der  ist  mir  sehr  fraglich.  Ein  Marmorrelief  der 
L.  den  Zipfel  des  Gewandes  hebend,  Museo  Sammlung  Borgia  §  14  nr.  188,  Doc.  ined.  1 
Num.  Lary  1,  347,  3712;  vgl.  Patin,  Thes.  p.  338  zeigt  sie  mit  dem  Gewandknoten,  Flech- 
Maurocenus  p.  118,  Zoega  p.  134  nr.  325  „Ni-  ten,  „Lotus",  Scepter  in  der  R.  und  Füllhorn 
lus  coram  Iside  gereute  sistrum  et  papaver";  in  der  L. ,  eine  Ära  C.  I.  L.  6,  347,  und  ein 
auch  in  der  weibliehen  Gestalt  mit  Füllhorn  Wandgemälde,  Heibig  p.  27  nr.  180  =  Lafayc 
in  der  L.,  welche  dem  neben  einem  Krokodil  p.  327  nr.  217  mit  Sistrum  in  der  R.  und  Füll- 
sitzenden Nil  auf  Münzen  des  Marc  Aurel  mit  hörn  in  der  L.  Mit  dem  Füllhorn  in  der  L., 
dem  Datum  L6  einen  Kranz  entgegenhält  10  und  gegen  das  Haupt  des  Helioserapis  er- 
(Zoega,  Num.  Aeg.  p.  219  nr.  82;  Mi.  6,  299,  hobener  R.  erscheint  sie  auf  der  oben  1  Sp.  2026 
2051;  Feuardcnt  142  —  143,  2036,  PL  25;  2037)  =  Kaibel,  Inscr.  Gr.  Sic.  et  It.  2405,  48  ver- 
ist  nicht  mit  letzterem  eine  Nike,  sondern  zeichneten  Lampe,  stehend  zwischen  zwei  Al- 
wohl  eher  Isis  zu  erkennen;  vgl.  auch  oben  tären,  im  1.  Arm  das  Füllhorn  auf  einer  Lampe 
Sp.  421.  Eine  Bleitessera  der  Sammlung  Luvy  bei  l'asseri,  Luc.  fict.  1  Tab.  2.  Ein  Topas 
führt  im  Ubv.  das  Haupt  des  Helios ,  im  Rs.  im  Cat.  du  muse'e  Fol.  Antiquites  2  p.  04  nr. 
„II  Kilo  ed  Iside  seminudi  abbracciati  a  s.",  1529  =  Muse'e  Fol.  Glyptique,  t.  1  pl.  5  nr.  6 
Mus.  Num.  Lavy  1,  409,  4598;  Bleitesseren  des  und  Lafaye  p.  310  nr.  152  zeigt  eine  Göttin 
Prof.  Scholz  haben  im  Obv.  Isis  stehend,  im  mit  Uräus  auf  der  Stirn,  sitzend,  ein  Füllhorn 
Rs.  den  Nil  gelagert,  Bonner  Jalirbb.  2  p.  80  20  im  1.  Arm,  Mohnköpfe  in  der  R.,  vor  ihr  zwei 
nr.  27;  Isis  auf  dem  Lectiaternium,  Rs.  Nil,  Rinder,  hinter  ihr  ein  Hund;  dieselbe  wird 
p.  81  nr.  49;  Haupt  des  Nils,  Rs.  Isis  stehend,  im  Cat.  als  Isis,  von  Lafaye  grundlos  „Isis- 
p.  81  nr.  50;  Nil  gelagert,  daneben  ein  Füll-  Panthee"  genannt;  stehend  innerhalb  einer 
hörn,  Rs.  Isis  stehend,  p.  81  nr.  65;  Isis  Pelagia  kreisförmigen  Rebeneinfassung  mit  Füllhorn  ist 
stehend,  Rs.  Haupt  des  Nils,  p.  81  nr.  46;  Isis  sie  dargestellt  auf  einem  geschnittenen  Stein 
Pelagia  stehend,  Rs.  Nil  gelagert,  p.81nr.  47,48;  bei Steinbüchel,GescJtn.  Edelsteine  p.65;  stehend, 
eine  Bleites-sera  iu  Athen  im  Obv.  Isis  den  Horos  an  eine  Säule  gelehnt,  mit  Füllhorn  im  Arm 
säugend,  im  Rs.  den  Nil,  Ann.  d.  Inst.  1868  und  Gewandknoten  auf  der  Brust  auf  einem 
p.  281  nr.  265.  Ein  roter  Jaspis  in  Berlin  zeigt  Amethyst  in  Berlin,  Tölken  1,  2,  31  p.  15  —  16; 
die  Köpfe  des  Sarapis  und  der  Isis  über  dem  ge-  30  „stehend  mit  lotosartigem  Kopfaufsatz,  den 
lagerten  Nil,  Winckelmann,  Descr.  2,  4,  61  p.  42,  1.  Arm  etwas  erhoben,  im  r.  Arm  Füllhorn, 
Tölken  1,  2,  73,  p.  21.  Auf  der  bereits  erwähnten  mit  Früchten,  von  der  r.  Hand  ein  kleines 
Basis  Lafaye  p.  295  6  nr.  107  sitzt  Isis  hinter  dem  Gewand  herabhängend,  anscheinend  nackt", 
halbgelagerten  Nil.  auf  einem  Achat  in  Göttingen,  Hubo  p.  143 
Als  eine  Göttin,  die  Fruchtsegen  und  nr.  838;  stehend  mit  Schale  und  Füllhorn 
Überflufs  verbreitet,  führt  sie  den  Beinamen  auf  einem  Onyx  H.  Collen,  Coli.  Badeigts  de 
TiXovoiu  (s.  die  oben  angeführte  Inschrift  von  Laborde  p.  8  sub.  nr.  59;  stehend  mit  Füll- 
Alexandria)  und  als  Attribut  das  Füllhorn.  hörn  im  r.  Arm,  Ahrenbüschel  in  der  gesenk- 
Dieses  Attribut  in  der  L.  hat  eine  Statue  ten  L.  gegenüber  dem  stehenden  Sarapis  auf 
der  Göttin  im  Museo  Obiziano  nr.  1833,  Doc.  tu  einem  Karneol  in  Göttingen,  Hubo  p.  143 
ined.  p.  s.  alla  st.  dei  Musei  d'Italia  3,  p.  64;  nr.  835;  stehend  mit  Füllhorn  in  der  R.  und 
eine  Basaltstatue  im  Kapitol,  Bighetti,  Campi-  Scepter  in  der  L.  gegenüber  Sarapis  auf  einer 
doglio  1,  121,  Clarac  986,  2572,  Lafaye  p.  281  Gemme  im  Novus  Thes.  gemm.  vet.  ex  insignio- 
nr.  60  (die  R.  bei  beiden  gesenkt);  eine  Bronze  ribus  daetyliothecis  selectarum  1.  Romae  1781. 
der  Sammlung  Janze,  Arch.  Ans.  1857  p.  80*  2°.  Tab.  18  p.  21  f.;  ebenso,  mit  Apollon  dem 
(„Priesterin  der  Isis");  desgl.  eine  in  Boulaq,  sitzenden  Sarapis  zur  Seite  auf  einer  Gemme 
welcher  der  r.  Arm  fehlt,  G.  Maspero ,  Guide  bei  Montfaucon,  Ant.  expl.  Suppl.  2.  PI.  apres 
du  visiteur  au  Musee  de  Boulaq.  Paris  1884  la  42  du  Tome  2  nr.  3  p.  156 — 157  =  Lafaye 
p.  403  nr.  5850;  ferner  eine  mit  Modius  der  p.  315  nr.  173.  Stehend  mit  Sistrum  und  Füllhorn 
Coli.  H.  Hoffmann,  Vol.  2  p.  126  nr.  477,  hier  50  in  Gesellschaft  von  Harpokrates,  Anubis  und 
als  „Isityche"  bezeichnet;  eine  Bronze  aus  Zeus  erscheint  sie  auf  einem  Scarabäus  in  den 
Herculaneum,  Monaco,  Guide  gen.  du  musee  Collectanea  ant.  Born,  quae  a  Iiodulphino  Venuti 
not.  de  Naples  4e  ed.  p.  94  nr.  5313  {„L'Abon-  notis  illustrata  exhibet  Ant.  Burioni  Tab.  28 
dance.  Charmante  statuttte  ayant  la  fleur  de  p.  20—21,  wohl  =  Baspe  204;  sitzend,  mit 
lotus  sur  la  tete  et  la  corne  d' ab.  dans  lamain");  dem  Füllhorn  in  der  L. ,  vor  ihr  Hermes  „in 
ebenso  eine  Silberstatuette  aus  Stabiä,  ebenda  alto  di  presentare  ad  Iside  un  suppl ichcvole 
p.  200  nr.  25382.  Eine  Statuette  der  Sammlung  genuflesso"  auf  einer  Gemme  bei  Visconti,  Op. 
(Jh.  Fontaine  mit  geknotetem  Gewand  hält  in  varie  2  p.  239,  Coli.  Chigi  sez.  2  §  1  nr.  271.  Mit 
derR.  das  Sistrum,  in  derL.  das  Füllhorn,  Moni-  Sistrum  und  Füllhorn  soll  sie  auch  vorkommen 
faueon 2,  2  PI.  94,  2  p. 283.  Eine  Bronzestatuette  60  auf  Münzen  von  Saettai,  H.  P.  Borell,  Num. 
der  Sammlung  Castellani  trägt  im  1.  Arm  das  Chron.  1845  p.  10  nr.  3;  auf  dem  Siriushund  mit 
Füllhorn,  in  derR.  ein  in  einen  Hirschkopf  I'üllhorn  und  Scepter  auf  einer  alexandrinischen 
endigendes  Rhyton,  Cut.  des  objets  d'art  de'pen-  Kaisermünze  des  Antoninus  Pius  mit  LKA  Mi. 
dant  de  la  sucecssion  AI.  Castellani  1884.  4°.  6,  275,  1892;  auf  einer  des  Hadrian  mit  dem 
p.  45  nr.  269.  Ob  „una  ftguiina  di  mctallo  tutta  Datum  l_s  soll  erscheinen  „Donna  stolata,  in 
ceslita,  una  Iside  col  modio  i)i  testa,  con  corno-  piedi,  col  fior  di  loto  sul  capo;  un  lembo  dcl 
copia  nella  s.  e  la  destra  rotta"  des  Museo  suo  vianto  cade  sino  a  terra;  ha  nella  destra 
Carpegna,  Doc.  inä.  p.  s.  a.  st.  d.  Musei  d'Italia  aleune  spighe,  e  nella  sinistra  un  corno  d'ab- 


459     Tsis  (Göttin  d.  Spinnens  u.  Webens)  Isis  (dtetio&hig  =  Jixcaoovnj)      460 

lionäanza.  Nel  campo  sotto  Je  spighe,  ccrta  cosa  fitra&eivai"  im   Hymnus  v.  los  Z.  4  —  7.     Im 

somigliante  ad  un  serpente  ritto",  Giulio  di  S.  Hymnus  v.  Andros  vs.  21  heifst  sie  fthOfjiO&zTtq 

Quintino,    Descr.   dclle   med.    imp.    äless.    ined.  u.igtina>v,    während    die    Ergänzung    der    Bei- 

del  r.  mus.  egiz.  di  Torino  p.  15  nr.  58  =  Mi.  schrift    0GCI    zu   &sotiorp6gog  'Iais    auf   einem 

5.  9,  55,  172.  Derselbe  beschreibt  p.  33  nr.  176  Karneol  des  Mxiseo  Borgiano  3,  1,  12)  hier 
=  Mi.  S.  9,  98,  428  den  Typus  einer  Münze  ganz  unwahrscheinlich  zu  &ik  eiyrjXn  ergänzt) 
der  Fanstina  jun.  mit  L-IG  als  „L'Abbondanza  durch  Visconti,  Mus.  Pic-Clc'm.  2  p.  98  Note  1 
in  piedi  col  fior  di  loto  sul  capo,  con  alcune  p.  360,  361  PI.  A.  VI,  10  und  im  C.I.  Gr.  7040, 
spighe  nella  clestra,  cd  il  caducco  nella  sinistra" ;  nicht  sicher  ist;  ferner  rühmt  sie  sich  im  II. 
freilich  ist  mir   aufgefallen,   dafs  S.  Quintino  10  v.  Andros  vs.  68 — 70: 

in    seinem    kurzen    Verzeichnis    den    „Lotos"  ,,'Ißis  sya>  nolifiav  v.gvtgbv  vscpog  tQY.tGi  g6%$i»v 

nicht  selten  Gottheiten   tragen   läfst,   die   ihn  äucptßaXov  xkr^goioi  noXvKziavov  ßaaiXsiav 

nach   anderen  viel    reichhaltigeren  Katalogen  dsouoyogov." 

nicht   führen.     Auch   Mi.  S.   9,   73  —  74,   280  Sie  bat  zerstört  die  Herrschaft  der  Tyrannen, 

giebt   der_  auf  einem  Felsen  sitzenden,   in  der  H.  v.  los  Z.  25:  tya  [T}vQa\yv~\ta[v~\  dg%d.g  kox- 

R.   zwei  Ähren  und   zwei  Mohnköpfe,   in   der  i-Xvoa",   und   dem  Recht  zur  Stärke  verholten, 

auf   eine    Sphinx    gestützten    L.    das    Sistrarn  ,Jyio   xo   Sikcciov   iaxvgöv   inotrjoa"    und   „Jyiö 

haltenden  GY0HNIA  auf  einer  Müuze  des  An-  xo    Si'kuiov   elayvgöxigov  xqvowv  kul  ägyvgi'ov 

toninus  Pius  rnit  L- H  als  Kopfputz  den  ,. Lotus".  citoCr/oa",  H.  v.  los  Z.  16  — 17  und  26 — 28, 
Ein   Sanier  bei  Lippert  3   p.  40   nr.  356    soll  20  „aSl  Si-arotioIIk  goijiav  irögov",   H.  v.  Andros 

zeigen  „Abundantiae,  Isidis  et  Anubidis  sima" ;  vs.  36.     In  griechischen   Inschriften   wird   sie 

eine  alexandrinische  Kaisermünze  des  L.  Veras  deshalb  mit  Jiy.aioavvrj  verschmolzen,  C.I. Gr. 

den  Sarapis  bekränzt  von  einer  Frau  mit  Lotos  2295,  C.  I.  A.  3,  203,  205  (?),  B.  C.  H.  6  p.  336 

auf  dem  Haupt  und  Füllhorn   in  der  L. ,    Mi.  nr.  37.     Flut,  de  Is.  ct.   Os.  c.  3  sagt  von  einer 

6,  331,  2303;  ebenso  eine  des  Marc  Aurel  Mi.  in  Hermupolis  verehrten  Göttin:  „<Siö  um  xäv 
6,  295,  2026.  sv    Eggov   iioXsi   Moveäv    xgv    ngozigav    Iaiv 

Mit  dem  Ackerbau  brachte  Isis  den  Menschen  äua  xctl  Jiy.aioavvrjv  KaXoioi,   ooyiar,  <aojrfo 

zugleich     die     Anfänge     eines     civilisierteren  ti'gijzai,  Kai  dstxvvoveav  zu  9cia  zoig  ctXg&äg 

Lebens.  Wie  sie  selbst,  der  XivoninXnq  Scttucov  kcii  SiKai'cog  isgarpögoig  v.ctl  LfgoeznXotg  jrpoo- 
(Philippus  Thessal.  epigr.  10,  1,  Axth.  Pal.  1  30  ayogsvojisvoig",   worin   Brugsch,  Bei.  p.  475, 

p.  200  nr.  231,  vs.  1  ed.  Llübner),  die  Aiyvnzov  wie   schon   Lauth,    Über   altäg.   Musik   p.  580, 

ßaaiXua  XnoazoXog   (H.  v.  Andros  vs.  1)   die  vgl.  Dümichen,  Gesch.  d.  a.  Äg.  1  p.  211ff.  und 

linigera  iuvcnca  {Ovid,  ars  am.  1,  77  und  da-  Lex.  1  Sp.  1S59  die  Safchit-äbu,  andere  (Lex. 

zu    Heinsms;    vgl.     Knigera     Isis,     amor.    2,  a.  a.  0.)  die  Maat  erkennen,  wie  Isis  denn  im 

2,  25;  Epist.  ex  Ponto  1,  1,  51;  Philost  rat.  H.  v.  los  Z.  28—29  erklärt:  Jyco  zo  aXn&lg 
Epist.  nr.  23  (Boissonadc)  b  Xwovg  %izu>v  cog  v.aXöv  h'Ofio&ixnaa  vofti&tofrcci".  Nach  Le  Page 
b  zfig"lai3og;  Tcrtull.  de  testim.  anim.  c.  2  dcae  Benouf,  Vorlesungen  p.  113  f.  bedeutet  das 
Isidis  [jmllio]  linteata)  und  die  Priester  und  ägyptische  maät  ., nicht  nur  Wahrheit  und 
Anhänger  ihres  Dienstes,  der  grex  Kniger  (luv.  6,  Gerechtigkeit,  sondern  auch  Ordnung  und  Ge- 
533),  die  linigeri  calci  (Mart.  12,  29;  vgl.  .10  setz,  in  der  physischen  ebenso  wohl  als  in  der 
Sueton,  Otho  c.  12,  mit  Buhnlcens,  Apvil.  Met.  sittlichen  Welt",  „Maät  ist  Gesetz,  nicht  im 
11,  10,  I  p.  1019   mit  Hildebrandt's ,  Tiliull  1,  gerichtlichen  Sinne  einer  Verordnung,  — ,  son- 

3,  30  p.  61  mit  Broukhusius'  Anmerkung;  Phit.  dem  im  Sinne  jener  unfehlbaren  Ordnung,  die 
De  Is.  tt  Os.  c.  3;  das  Gedicht  auf  den  No-  das  Weltall,  mag  man  es  nur  vom  rein  phy- 
vember  „Garbaseos  postgue  Itunc  actus  indutus  sischen  oder  auch  vom  moralischen  Stand- 
amictus  |  Memphidos  antiguae  sacra  deamque  punkte  betrachten,  regiert",  vgl.  über  Maät 
colit",  Anth.  Lat.  rec.  Biese  p.  261  nr.  395,  2  auch  Wiedemann,  Mda,  dc'esse  de  la  vc'rite,  son 
p.  366  ed.  Burmann  ;  Georgii  in  Paulus  B.-E.  4  rüle  dans  le  pantlieon  ig.,  Ann.  du  Musce  Guimet 
p.  282;  Wiedemann,  Her.  2.  B.  p.  167;  Reichet  10  p.  559  —  574;  Bei.  'd.  a.  Äg.  p.  78;  Bobiou, 
p.  57;  de  Schmidt,  I)iss.  de  sacerdoiibus  et  sacri-  50  Le  Museon  1887  p.  200 — 201.  Ebenso  wie  Isis 
jiciis  Aegyptiorum  p.  25ff.)  linnene  Gewänder  wird  übrigens  auch  Selene  als  Dike  bezeichnet, 
trägt,  so  lehrte  sie  den  Anbau  und  den  Gebrauch  ,, -Jnn;  xnl  vtfßcizu  Moigüv,  KXa&cö  xctl  Aä%eois 
des  Leines,  Martianus  Gapella  2  §  158  p.  213  ))S'  Azgoirog  s<"  und  ,,Gt>  yag  SvadXv/.zog  ai'cyxij 
ed.  Kopp.  Nach  den  ägyptischen  Texten  haben  jj.oigd  x  sq>vg,  av  z'  'Egivvg  (Meineke  f'pi«),  ßd- 
Isis  und  Nephthys  für  Ösiris  gesponnen,  ge-  cuvog,  öXszig  av,  Sixrj  ov"  heifst  es  in  der 
woben  und  Kleider  gebleicht,  Ertnan,  Aijypt.  «7')  ngbg  HiXrjvriv  vs.  7 — 8  und  49 — 50  (Or- 
Leben  im  Altert,  p.  595,  Wiedemann,  Her.  2.  B.  phica  rec.  Abtl  p.  292);  und  im  Sternbild  der 
p.  148,  Brugsch,  Hier.-Demot.  Wö'rterh.  Suppl.  Jungfrau,  in  dem  einige  Demeter,  andere  Atar- 
p.  637;  sie  heifsen  ,,die  beiden  Weberinnen";  gatis,  andere  Tyehe  erkannten,  sah  man  nach 
„Isis  hat  dein  Festkleid  gewoben  und  Neph-  eo  Ilesiod  und  Aratos  die  Dike ,  Eratosthenes, 
thys  deine  Linnen  gespounen"  wird  der  mit  Gatasterismoi  9,  Mythographi  ed.  Westcrmann. 
Osiris  identifizierte  Tote  angeredet,  Brugsch,  p.  244;  Inschrift  von  Carvoran  C.  I.  L.  7,  759: 
Bei.  p.  737 — 738.  ..Spicifera,  iusti  inventrix,  urbium  conditrix, 

Ferner  hat  sie  Gesetze  gegeben  und  waltet        Ex  auis  mwneribus  nasse  contigit  cleos. 

über   die  Gerechtigkeit:    „Kai   oacc  iya   evo/to-  Ergo  eadem  mater  dicum,  Pax,  Virtus,  Ceres, 

dhijaa,    oiSslg  avzd  Svvazai   Xvsocl"  sagt   sie  Dea  Syria,  lance  vitam  et  iura  pensitans" ; 
bei    Biod.    1    c.    27,    „lyco    vofiovg    dvd-go'i7toig       ebenso    liefs   man   die   Zweizahl   zugleich   Isis 

z&itxrjv  xal  ivo[fi,o]9hg<ja   [a]    oiStlg  ävvazai  und  Dike  bedeuten,  Nicolaus  Gerascnus,  Arith- 


461    Isis  (Stifterin  d.  Götterkult.  u.d.  Mysterien)  Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)  4CW 

metica    Theologumena   bei   Photius,    Bibl.    ed.  gedeckt  würden,   sondern   sie  verwebte  in  die 

BekJcer  vol.  1  p.  143  b:  „cük  xal  i'aov  Jiaxrjv  geheimsten  Weihen   die  Bilder,   Andeutungen 

dvdäa  i]  fiv&onlaaxia  ftioloysi,  xal  SCtrpi,  v.al  und  die  Nachahmung  der  früheren  Leiden,  und 

Iblv,  xal  cpvotv,   y.al  ätoiidztgct  (Mater  Deüm)  stiftete  eine  Lehre   der  Frömmigkeit  und  eine 

xal    nriyi]v    äiavoixfig."     in    der    Isisprozession  Tröstung  für  Männer  und  Frauen,  die  sich  in 

tragt  ein   Priester   eine   linke   Hand   mit  aus-  gleichem    Unglück    befinden."      Ob    aber    auf 

gestreckten  Fingern    als   Sinnbild   der   Billig-  einem   viereckigen   Prisma  mit  dem  Abraxas, 

keit,    Apul.   Met.   11    c.  10,    vgl.    de  Schmidt  der    Hekate,    einem    löwenköpfigen    Gott    mit 

p.  132 — 133,   Wieseler,  Gommentatio  de  tesseris  Strahlenkranz    und    einer    „dioinite    feminine 
eburneis  osseisque  theatralibus  quae  feruntur.  1.  10 portant  un  vase  (?)  dans  la  m.  g.  et  levant  la 

Gott.  1866  p.  15,  0.  Jahn,  Ber.  d.  Sachs.  Ges.  dr.  vers  la   ttte",    Midier,    Mus.   Tftorvaldsen 

ä.  W.  1855  p.  53  und  Anm.  95,  Düthey,  AEM.  p.  183  nr.  1683,  Müller  in  letzterer  Gottheit  mit 

2  p.  60  Anm.  35,  Lafaye  p.  123  Note  4,  Bach-  Recht  „Isis  comme  dc'esse  des  mystires"  erkennt, 

ofen,  Ann.   d.  Inst.  1861   p.  265—267,    dessen  wage  ich  nicht  zu  entscheiden;   vielleicht  ge- 

Phantasieen  ich  nicht  zu  folgen  vermag.    Auf  hört  hierher  die  oben  erwähnte  Vota-Publica- 

einer  alexandrinischen  Kaisermünze  des  Anto-  Münze    mit    den   als    Schlangen    mit   mensch- 

ninus    Pius    mit   dem   Datum   LKr   erscheinen  lichem    Oberkörper     dargestellten    Gottheiten 

nach   Feuardent   134,    1944    „Isis   et   l'JEquite  Isis  und  Sarapis,   die   ein  heiliges  Gefäfs  mit 

debout,  se  regardant".  Schlangenhenkel  halten,  Bescher,  Juhrbb.  f.  Id. 

Ferner  errichtet  Isis  mit  Osiris  die  ersten  20  Phil.  1886   p.  613;   über   die   cista  mystica  s. 

Tempel   und   Götterbilder,    Wiedemann,    Her.  oben.    Heilige  Gesänge  der  Isis  erwähnt  Plato, 

2.  B.  p.  55 — 57,  Diod.  1,  15:  „xaxaoy.tvdaai  äs  Legg.  L.  2  Tom.  2  p.  657:  „v.a&dmg  iy.sC  cpaci 

["Oatgtv    xal    Iaiv\    xal    xäv    a)J.cov    &£(öv    xäv  xo    xov    no).vv   xovzov    esacoauiva    %gövov    iiiXri 

mgougnuivcov  vaovg  %gveovg,  äv  iy.dozco  xiiidg  xf\g  "laiäog  uoir)aaxa  ytyovivui",  Zoega,  De  or. 

dnovsijiai  xal  y.axuoxrioai  xovg  iniiitloviiivovq  et  us.  ob.  p.  508  ff.  Note  22.     Dafs  sie  in  Her- 

LSQsi~g'    nQ0XLLiä69ai   Si  nagd    xä    OaCgiäi  xal  mupolis   als    erste  der  Musen    galt,   ist   schon 

xij  "laiSi   zovg  zag  xi%vag  dvtvgiaxovxag  7)  (je-  erwähnt;   beiläufig   sei  bemerkt,   dafs    die  im 

ftoSzvovxdg    xi    xäv     xg^eiuoiv   ■Sionsg    iv    xfj  Förtelcning  öfter  Statt/er,   Byster   och  Antiker, 

fi)rißa{'öL  %aX-x.ovQy£ iaiv  svgE&ivxcov  y.al  %gvotCu>v  hoilka  förvaras  a  Iiongl.  Museum  i  Stockholm 

Znia  xe  xazaaxsvdoaa&ai,  Si  tivxd  drjQi'a  xzsi-  so  p.  25   nr.  131    al3  Kalliope   bezeichnete  Statue 

vovxag    xal   xrjv    yr\v    igya^ouivovg    ipiloxluiog  Clarac  3,  536,  1114  auf  Grund  der  mit  Franzen 

i'^njisgäoai  xr\v  %ägav,  dydluaxdxs  xal  %Qvoovg  besetzten,    auf  der  Brust  geknoteten  Kalasiris 

vaovg     xaxaaxsvdaaa&ai     xäv    &säv     diangs-  von  Heydemanu,  Arch.  Am.  1865  p.  149*  nr.  2 

Ttsig",  vgl.  II.  v.  los  Z.  23—25  „iyä  [&'\v(a)iag  als    „Isispriesterin"   und  von   Wieseler ,   Philo/. 

(Kaibcl    7tv[gov]g)    dviSti^a   •  iyä    dydliiaza  \  27,  1868  p.  219  als  „Isis"  erkannt  worden  ist. 

&eäv    (xi)fidv    id[iöa'£}a    •  iyä    zstiivn    ariäv  Auch  die  Schrift,  hieratische  und  demotische, 

tiögvad'  firjv,    A.   Z.    1878    p.   131.     Ob    sich  erfand    sie    oder    liefs    sie    sich    von   Hermes 

hierauf  eine  Glasschale   der   Sammlung  Beur-  (Thoth)  mitteilen,  H.  v.  Andros  vs.  10  ff. : 

delay  (Mowat,  Rev.  arch.  1882  n    s.  44  p.  289)  „dtiyalico  d''Egiidvogd7z6xgvcpa  ovfißola  diXzcov 

mit  „une  femme  assise  pres  d'un  tcmple  et  agi-  4,0  ivgofiiva  ygarpiüiaai  xazit,vaa,  xaiai  xdga^a 

tant  un  cistre  (sie!  Isis?);  plus  loin,  im  homme  cpgixaXiov   fivezaig  isgbv  löyov  oaaa  xi  Öäuog 

gravant  wie  stcle   ä   l'aide  d'un  ciscau  et  d'un  dzganöv  ig  xoivdv  xaxs&rixaxo,  ndvxa  ßatfitag 

maulet"  (vgl.  C.  I.  Gr.  5922  =  Kaibel,  Epigr.  ix  qjgsvög  vtvdvaoa  diaxQtäöv1'; 

Gr.  920,  Z.  7  „jiagiiagiiov  xii  yivog  ßöi'Qi  Zigani'1)  H.  v.  los    Z.  1 — 4,    A.  Z.    1878   p.   131:    „iydi 

und    der    oben    Sp.   438    erwähnte    Chalcedon  i(it)atS[£v]dTiv  v\n]6  'Eq^lov  [ygduua^xa  StjjjlÖ- 

der  Sammlung  StoscJi  (Winckelmann,  Descr.  2,  o[(ß,  l']va  firi  xoi(g)  avzoi(g)  ndvza  y\^\d\jf\>\- 

4,  67  p.  43;  vgl.  den  Karneol  nr.  66  und  Mus.  rat",    vgl.    für    ihre   Verbindung   mit   Hermes 

Borgiano  3  cl.  2.  div.  nr.  29.    Sarapis  und  Isis  den  Karneol   bei   de  Murr,   Descr.   du  cab.  de 

zur  Seite  eines  flammenden  Altars,  die  Lampe  bei  M.  Paul   de   Praun  p.  288   nr.  216   „Mercurc 

Passeri  1,  2,  Lafaye  p.  302  nr.  125  Isis  zwischen  50  debout   devant  Isis  qui  est  assise,  dont  il  ctoit 

zwei  flammenden  Altären)  beziehen,  lasse  ich  le  conseiller  pendant  son  gouvernement  en  Egyjite 

dahingestellt  sein,   da  man  besonders  für  die  (Diod.).     Mr.  Lippert   (Suppl.  p.  44)    la  prend 

letzteren   Darstellungen    auch    an    andere   Er-  pour  Junon;"  Tölken  1,  2,  42  p.  17. 
klärungen  denken  kann;  auf  Münzen,  wie  auf  Eine  Hauptrolle  spielt  Isis  als  Göttin  der 

einer  des  Claudius  von  Perinth,  Imhoof-Blumer,  Unterwelt;     unzählig  sind    die    ägyptischen 

Nutn.  Zeitschr.  16,   1884  p.  233  nr.  5  bedeutet  Texte,  welche  ihre  Bemühung   um  Sammlung, 

ein  der  Isis  beigegebener  Altar  wohl  nur,  dafs  Bestattung,  Beschützung  und  Wiederbelebung 

sie    in   der  betreffenden   Stadt   einen    Tempel  der  Glieder  des  Osiris  erwähnen;  und  was  von 

besafs.  Osiris  galt,  wurde  auf  jeden  Toten  übertragen; 

Auch   die  Mysterien   stiftete  sie  [Georgii  60  vgl.  über  diese  funeräre  Solle  der  Isis  Beinisch, 

a.  a.  0.  p.  287) ;  Plutarch  (de  Is.  et  Os.  c.  27  p.  45  Die    äg.    Denkmäler    in    Miramar    p.   60 — 61, 

ed.  Parthey)  sagt:  „Nachdem  nun  die  Schwester  131,    132,  138;    Birch   in    Arundale   and   Bo- 

und  Gemahlin   des  Osiris,   als   seine  Rächerin  nomi ,   Galery  of  ant.  sei.   from  the  Brit.  Mus. 

die   Wut  und   Bosheit  des   Typhon    gedämpft  p.  31  f.;   Wilkinson,    M.   a.   C.  2,    1  p.  383  f.; 

und  ausgelöscht,  so  wollte  sie  nicht,  dafs  die  Pierret,  Le  livre  des  morts.   Paris  1882.    Index 

von   ihr   bestandenen   Kämpfe,    Gefahren   und  p.  616;    Pantheon  eg.  p.  56,  102;   Dict.  d'arch. 

Irrfahrten,   dafs  so  viele  Thaten  der  Weisheit  6g.  p.  280;  Lanzone,  Diz.  di  mitol.  eg.  p.  817  — 

und   Tapferkeit  von  schweigendem  Vergessen  825;   Brugsch,  Bei.  u.  M.  el.  a.  Ag.  p.  616  ff., 


463            Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)  Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)            464 

623—633,  647,  651  —  653;  Erman,  Äg.  u.  äg.  Vary  de  Pulsky.  Paris  1868  p.  47  nr.  753; 
Leben  i.  A.  2  p.  416;  TU.  Deve'ria,  Ztschr.  f.  „Grüner  Jaspis.  Osiris  als  Mumie  mit  Geifsel 
äg.  Spr.  u.  Altertumskunde  1870  p.  59;  A.  und  Krummstab,  ihm  zur  R.  Isis,  zur  L. 
Wiedemann,  D.  Bei.  d.  a.  Äg.  p.  58,  157;  Nephthys,  beide  mit  gesenkten  Fittichen  ihm 
Her.  2.  B.  p.  590;  besonders  auch  die  „Klagen  huldigend  [vielmehr  ihn  schützend  D.],  unten 
der  Isis  und  Nephthys",  veröffentlicht  von  ein  Käfer  mit  ausgebreiteten  Flügeln  [jedenfalls 
de  Horrack,  Les  lamentations  d'Isis  et  de  der  Scarabäus,  das  Symbol  der  Auferstehung, 
Keplithys.  Paris  1866,  auch  in  den  JRecords  of  s.W'iedemann,  Bonner  Jahrbb.  Heft  78  p.  114  ff; 
tlie  past  2  p.  117  —  126;  Le  Page  Benouf,  Vor-  vgl.  den  Scarabäus  zwischen  Isis  u.  Nephthys 
lesungen  üb.  Urspr.  u.  Entw.  d.  Bei.  p.  190 —  10  auf  einer  Scarabäengemme  bei  Montfaucon  2, 
192;  Brugsch,  Bei.  p.  631-633;  ferner  „das  1  p.  322  PL  135,  3;  PI.  155,  7,  der  freilich 
Buch  der  Verherrlichimg  des  Osiris"  von  Isis  mit  seinen  vier  Beinen  auf  der  Abbildung  sich 
und  Nephthys  zu  sprechen,  Le  Page  Benouf  eher  wie  ein  Frosch  ausnimmt].  Auf  der  Rück- 
p.  192—193;  Brugsch,  Bei.  p.  623 — 630  nach  seite  des  Steins  der  griechische  Helios  aufvier- 
Pierret,  Etudcs  e'g.  Paris  1873,  23ff.;  das  spännigem  Sonnenwagen",  Tölken  p.  18,  I,  2, 
„Schält  en  Sensen"  „Buch  des  Lebensodem  von  49;  vgl.  Baspe  243  Soufre  de  Stosch;  „Gelbe 
Isis  für  ihren  Bruder  Osiris  verfafst,  um  seinem  antike  Paste.  Osiris  als  Mumie  mit  strahlendem 
Leibe  und  seiner  Seele  neues  Leben  einzu-  Haupte,  in  der  L.  zwei  Ähren  emporhaltend, 
flöfsen",  Le  Page  Benouf  p.  194 — 195.  Und  in  der  R.  eine  Geifsel,  zu  seinen  Füfsen  zwei 
diese  Auffassung  erhielt  sich  in  der  Ptolemäer-  2«  Stiere,  symmetrisch  r.  und  1.  vortretend  (Apis 
und  Römerzeit.  In  den  beiden  Zwillings-  und  Mnevis);  neben  ihm  Isis  auf  einem  Throne 
Schwestern  Thaues  und  Taus,  welche  im  Sara-  sitzend,  in  ihrer  L.  ruht  ein  Bündel  Ähren, 
peion  von  Memphis  dem  Sarapis  Spenden  während  sie  ihre  R.  anbetend  ['?]  gegen  Osiris 
bringen,  Brunei  de  Presle,  Me'm.  s.  le  Se'rapeum  erhebt,  unten  an  jeder  Seite  ihres  Throns  eine 
de  Memphis  p.  558,  561—562;  Weingarten,  Der  Sphinx",  Tölken  nr.  50.  Jedenfalls  den  Osiris 
Ursprung  des  Mönehtums  p.  33  hat  man  ir-  auf  seinem  Löwenbett,  Anubis  und  zu  beiden 
dische  Repräsentantinnen  der  beiden  „pleu-  Seiten  Isis  und  Nephthys  geflügelt  haben  wir 
reuses"  und  „couveuses"  Isis  und  Nephthys  auf  einer  Gemme  bei  Montfaucon,  L'ant.  expl. 
erkannt,  Bouche- Leclerq,  Eist,  de  la  divination  2,  2  PL  76,  2  (aus  Gapello,  Prodromus  iconicus 
dans  l'ant.  3  p.  385;  Lumbroso,  Beck.  s.  l'econ.  30  gemmarum  Basilidiani  gencris  nr.  103)  und  auf 
pol.  de  l Egypte  sous  les  Lagides  p.  268.  Unter  einem  grünen  Basalt  des  Museo  Borgiano  3  cl. 
den  Denkmälern  der  griechisch-römischen  1.  div.  nr.  24,  Doc.  ined.  3  p.  428  und  De  or. 
Periode,  welche  sie  als  Schützerin  des  Toten  et  usu  obel.  p.  329  Note  37;  vgl.  den  Heliotrop 
darstellen,  mögen  beispielsweise  angeführt  nr.  21  und  den  braunen  Jaspis  nr.  22,  auf  denen 
werden  die  zweisprachigen  Stelen  des  Anu-  gleichfalls  zwei  Frauen  neben  dem  „Östriole 
barion,  E.  de  Bouge,  Not.  des  monum.  exp.  mumiaco"  stehen,  und  die  Gemme  in  Florenz 
dans  la  gal.  d'ant.  ig.  au  musee  du  Louvre,  (Rs.  IAWAIC  |  AEAW^A  |  AWNAI)  bei  Blatter, 
7C  6d.  p.  124  nr.  125,  des  Arnerys,  Sohnes  des  Une  excursion  gnostique  en  Italic  p.  15,  PL  2, 
Bes[arion],  p.  125  nr.  127;  des  Apollonius,  4;  mit  ausgebreiteten  Flügeln,  aber  nicht  den 
Sohnes  des  Cl.  Postumus,  p.  125  nr.  130;  vgl.  40  Osiris  schützend,  sondern  unter  ihn  gestellt, 
auch  die  nach  der  Zeit  der  26.  Dynastie  erscheint  sie  auf  einem  viereckigen  Stein- 
gefertigte Grabstele  mit  archaischer  grie-  täfeichen,  das  aufser  den  zwei  genannten  Gott- 
chischer  Inschrift  bei  Fröhner,  Cat.  d'une  heilen  im  Obv.  noch  fünf  andere,  im  Rs. 
coli,  d'ant.  Paris  186S  p.  207  nr.  520;  die  Aphrodite  zeigt,  Du  Molinet,  Gab.  de  la  bibl. 
Mumie  des  Apion,  genannt  Chairis,  Sohnes  des  de  Ste  Genevieve  p.  130,  PL  30,  1.  2,  Mont- 
Pimai's,  Neroutsos,  'Ecprifi.  dgX.  1884  p.  178  f.  faueon  2,  2  PL  168,  5,  Matter  PI.  7,  4  p.  86—87. 
nr.  10;  s.  auch  p.  171 — 173  nr.  1;  die  der  Nicht  hierher  gehört  ein  Karneol  bei  Chifletius 
Tochter  des  Dioskoros  mit  der  Aufschrift  11,  45  und  Gorlaeus,  Dactyl.  2  nr.  396,  den 
AIOCKOPOY  |  €YTYXI,  die  im  ersten  Felde  Haspe  nr.  325  nach  Gi-onovius  so  beschreibt: 
darstellt  den  Toten  auf  seinem  Bette,  neben  50  „Le  champ  de  la  pitrre  divisc  en  troits  partics, 
ihm  Anubis  und  zu  beiden  Seiten  Isis  und  represente  dans  l'inferieure  Isis  en  pleurs  sur 
Nephthys;  im  zweiten  Isis  ihre  Brust  dem  la  perte  d' Osiris,  s'adressant  ä  Anubis  jjour  le 
als  Kalb  dargestellten  Horos  reichend;  im  recouvrir;  dans  la  deuxiime  un  triclinium  aeec 
dritten  Isis  auf  einer  Barke  inmitten  eines  trois  Dicux,  la  boete  dans  laquelle  Osiris  fut 
Lotosgebüsches  den  Horos  säugend,  nahe  dabei  jete  dans  la  rivicre,  im  poisson,  Hon,  aspic  et 
die  beiden  Leichengenien  Hapi  und  Amset;  im  eoq;  dans  la  troisiime  Isis  iriomphante  de 
vierten  die  Seele  in  Sperbergestalt  über  dem  Typhon  avec  deux  cavaliers  des  deux  cotes." 
Leichnam  schwebend;  endlich  zwischen  den  Hier  haben  wir  es  wohl  eher  mit  einer  Dar- 
Füfsen ein Gefäfs  (vielleicht  „imreste de  V Osiris  Stellung  aus  dem  Kabirenkult  zu  thun;  ganz 
germant")  nebst  zwei  Uräen  (vielleicht  Isis  und  oo  ähnlich  ist  offenbar  der  Karneol  in  Wien, 
Nephthys),  Ledrain,  Gazette  arch.  3,  1S77  v.  Sacken  u.  Kenner  p.  432  nr.  167,  wo  die 
p.  132—136.  Dafs  die  bei  Caylus,  Bec.  cTant.  1  Verfasser  ebenfalls  mit  Unrecht  Isis  erkennen; 
PL  32  abgebildete  Vase  Isis  („Isis-Lune")  neben  der  Heliotrop  des  Museo  Borgiano  3  cl.  9  div. 
der  Bahre  des  Osiris  darstelle,  wird  niemand  nr.  9,  Doc.  ined.  3  p.  471;  die  blaue  Glaspaste 
mit  Fr.  Lenormant,  Monographie  sur  la  voie  in  Berlin,  Tölken  3,  239  p.  114  f.  =  Gerhard, 
saerce  eleusinienne  1  p.  346  annehmen.  Von  A.  Z.  1849  Sp.  60—64,  Tfl.  6,  9;  vgl.  die  ver- 
Gemmcndarstellungen  wird  verzeichnet  „Osiris  wandten  Steine  mit  der  obersten  Scene  ebenda 
entre  Iais  et  Nephtis.  Sardoine",  Cat.  de  Feger-  nr.  7.  8;  Museum  Udescalchum  2,  31  p.  71—73; 


465  Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)  Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)  -4G6 

die  Bleitafel  des  Museo  Borgiano  a.  a.  0.  nr.  10  Koehler)  mit  dem  Modius  auf  dem  Haupt, 
u.  die  von  mir  Myth.  Beitr.  1  p.  37 — 38  citierten  Scepter  in  der  11.,  undeutlichem  Gegenstand 
Monumente.  Ähnlich  wie  Osiris  (SoC  eoi  b  "Oai-  (Füllhorn  nach  Müller  u.  Zocga)  in  der  L. 
pis  to  ipvxQov  vScop,  Zoega,  De  orig.  et  usu  gegenüber  einer  mumienartig  dargestellten 
obdisc.  p.  305  u.  Anm.  25;  Nwmi  Aeg.  p.  38,  Anubisfigur,  Koehler  Fig.  10  p.  8,  Ksl.  Samml. 
Anm.;  View,  De  Sarapide  p.  31;  C.  I.  Gr.  6562,  in  St.  Petersb.,  mit  Umschrift  um  die  Schlange  ; 
6717;  Nerovtsos-Bey,  Bev.  arch.  3B  sei\  9,  ohne  diese  Umschrift  Müller,  Musee  Thor- 
1887  p.  201  nr.  5;  Lefebure,  Le  mythe  osirien.  valdsen  p.  181  nr.  1690  und  Museo  Borgiano  3, 
Seconde  partie  p.  177;  Wescher,  Bevue  arch.  7,  18  p.  462,  auf  letzterem  Stein  im  Rs.  statt 
1864  p.  222),  Hathor,  Nut  (Stern,  Ztschr.  /'.  10  des  sonst  üblichen  OPIOPIOY0  die  Aufschrift 
äg.  Spr.  1884  p.  102  oder  nach  Wiedemann,  OPfO  PIOY0  OP0)P  IPIOT  OM^  |  H;  2)  Isis 
Bei.  d.  a.  Ag.  p.  122  Nu-t,  Maat,  Lex.  1  (mit  Modius,  Scepter  und  Füllhorn?),  1.  (vom 
Sp.  1854)  spendet  auch  sie  dem  Toten  das  Standpunkt  des  Beschauers)  Besä,  r.  ein  un- 
kühle Wasser;  aol  äi  'Oafi'uiäog  äyvöv  tid'Mo  deutliches  Tier,  Koehler  Fig.  11  p.  9,  Kaiserl. 
Einig  xuoiacato  wird  in  einer  Inschrift  von  Samml.  in  St.  Petersb.;  ebenso,  innerhalb  und 
Alexandria  dem  Toten  gewünscht,  Neroutsos-  aufserhalb  der  Schlange  Reste  von  Inschrift, 
Bey,  Bev.  arch.  a.  a.  0.  p.  199  nr.  2;  Tgl.  Bierret,  Rs.  vierzeilige  Inschrift,  deren  erste  zwei 
Mel.  d'arch.  e'g.  et  ass.  nr.  3.  1873  p.  116;  ahn-  Zeilen  opoiqlov&  enthielten,  Fig.  15  p.  10,  Ksl. 
lieh  werden  in  den  christlichen  Grabschriften  Samml.  in  St.  Petenb.;  3)  in  der  Mitte  Chnu- 
Christus  und  die  Märtyrer  um  Kühlung  der  20  bis -Schlange  mit  strahlenumgebenem  Löwen- 
abgeschiedenen Seelen  angefleht,  Baoul-Bo-  köpf,  r.  Isis,  1.  Besä,  im  Feld  WIE,  um  Schlange 
cliette,  Prem.  mein.  s.  les  ant.  ehret.,  Mein,  de  teilweise  erhaltene  Umschrift,  Fig.  12  p.  9, 
l'Inst.  de  Fr.,  Ac.  d.  I.  et  B.-L.  13  p.  190,  vormals  Sammlung  Blair;  4)  Isis  und  Nepkthys 
Note  4;  Martigny,  Biet,  des  ant.  ehret,  p.  690  f.  geflügelt,  Chnubis  umgebend,  im  Rs.  hinter 
s.  v.  refrigerium;  Garrucci,  Vetri  ornati  di  oqoiqio  |  ouö1  die  auf  Gemmen  mit  Chnubis- 
jigure  in  uro-  p.  127 — 128;  de  Bossi,  Bull.  d.  Darstellungen  nicht  seltenen  drei  wagerechten 
arch-  ciist.  1  p.  2  ff. ;  Friedländer,  Sittengesch.  von  einer  senkrechten  Linie  durchkreuzten 
3  p.  (3:59;  Boissier ,  J.a  rel.  rom.  1  p.  366;  Striche,  Fig.  13  p.  9,  vormals  Sammlung  Town- 
Lafaye  p.  96  Note  2.  Vielleicht  hängt  irgend-  leg,  jetzt  Brit.  Mus.;  ebenso,  ohne  das  er- 
wie  mit  den  Hoffnungen,  die  man  auf  Isis  als  30  wähnte  Zeichen,  oqcüq  ioq&,  Fig.  14  p.  10,  vor- 
Herrin der  Unterwelt  setzte,  möglicherweise  mala  Sammlung  Stosch,  jetzt  in  Berlin,  Tölkenl, 
sogar  mit  der  Vorstellung  der  Erquickung  2,  130  p.  32;  ebenso,  im  Felde  IAW,  um  Schlange 
durch  die  Wasserspende,  zusammen  ein  Teil  Umschrift,  Rs.  nna>Qiov&  dreizeilig  rückläufig, 
der  zahlreichen  Gemmen,  welche  im  Rs.  die  Matter,  PI.  2  C,  5  p.  53,  Gab.  Durand;  5)  Isis 
von  Benan ,  Mission  de  Phcnicie  p.  839  und  Nephthys  geflügelt,  umgebend  Chnubis 
„Auferstehung"  (nl"1~1~)  gedeutete  Aufschrift  und  rnnmienförmigen  Anubis ,  im  Feld  die 
OPWPIOT0  führen.  Dieselben  zeigen  auf  der  sieben  Vokale,  um  Schlange  Umschrift,  Matter 
Vorderseite  einen  Gegenstand,  den  Blatter,  PI.  2  C,  9  p.  53,  Gab.  Eclcel;  6)  in  der  Mitte 
Mist.  crit.  du  gnost.  Expl.  des  PI.  p.  51  —  53  Chnubis,  r.  mumienfürmiger  Anubis,  1.  Isis 
ganz  phantastisch  als  eine  Wage  mit  dem  40  (ungeflügelt),  um  die  Schlange  Schriftreste,  in 
Gefäfs  der  Sünden  der  über  dem  Gegenstand  den  beiden  untern  Ecken  ein  Stern,  Fig.  16 
stehenden  Personen,  Vincent,  Mim.  de  la  soc.  p.  10 — 11  =  Museo  Borgiano  3,  7,  23  p.  463; 
des  ant.  de  Fr.  1850,  T.  20,  p.  2  ff.  u.  445,  vgl.  ebenso,  um  die  Schlange  Umschrift,  ohne  die 
Andre,  Musee  de  Bennes-  p.  51 — 52  zu  nr.  87  Sterne,  Rs.  oqioq  \  wvS,  Mus.  Borgiano  nr.  22; 
—  88,  als  eine  Art  tragbarer  Orgel,  dagegen  ebenso  Chnubis  in  der  Mitte,  Anubismumie  1., 
mit  gröfserer  Wahrscheinlichkeit  Köhler,  Fr-  Isis  r.,  um  Schlange  Umschrift,  Fig.  17  p.  11, 
läuterung  eines  von  Peter  Paul  Bubens  an  Abdrucksammlung  Cades;  ebenso,  im  Felde  die 
Nicolas  Claude  Fabri  de  Peiresc  gerichteten  sieben  Vokale,  um  Schlange  Umschrift,  auf  Rs. 
Dankschreibens,  S. -A.  aus  Mein,  de  l'ac.  de  die  nach  Koehler  p.  12  —  13,  23  von  Ghauduc 
St.  Pctersboura  6.  Ser.  Sc.  pol.  3,  1834  p.  18  50  gefälschte  Inschrift  TACCONT  |  HNMHTPAN 
und  im  Anschlufs  an  ihn  Müller,  Mus.  Thor-  THC  AEINAEIC  IT^N  IAI<>NTO  nONOTONKYKj 
valdsen,  Int.  et  cam.  ant.  p.  184  Note  2  und  AONT<>YHAEI  |  0^.  Pig.  18  p.  11,  Du  Molinet, 
lleydemann  (in  einer  handschriftlichen  Be-  Gab.  de  la  bibl.  de  S"  Genevieve  p.  126—127, 
merkung  mit  Hinweis  auf  Ebers,  Ägypten  in  PI.  29,  1.  2;  Montfaucon  2,  2  PI.  168,  3; 
Wort  u.  Bild  2  p.  262)  als  Krug  eines  ägyp-  Matter  2  C,  4  p.  52;  ebenso,  im  Felde  die 
tischen  Schöpfrades  (ipo^ot,  «o^ltai,  Strabo  sieben  Vokale,  um  Schlange  Umschrift;  auf 
p.  807,  819)  erklären.  Eine  Reihe  dieser  Steine,  Rs.  vermutlich  das  gewöhnliche  oqo]qiov&, 
die  Koehler  am  vollständigsten  zusammen-  Fig.  19  p.  12,  vormals  Sammlung  Dominic 
gestellt  hat,  zeigen  diesen  Gegenstand  allein,  Badzivil;  ebenso,  ohne  Obvers-Aufschrift,  Mits. 
Koehler  Fig.  1—8,  p.  4  —  7;  einer  stellt  auf  60  Borgiano  nr.  19  p.  462 — 463;  ebenso,  um  die 
dem  Gefäfs  stehend  vermutlich  Anubis  (oder  Schlange  die  Vokale  mehrfach  wiederholt,  Rs. 
Seth?),  von  Koehler  irrig  für  Amnion  gehalten,  OPOJP  |  IOYO  |  OPWP  |  ICOOT0  |  SSS  =,  Mm. 
dar,  Fig.  9,  p.  7  — 8;  ein  anderer  Chnubis  Borgiano  nr.  20;  ebenso  um  Schlange  undeut- 
z wischen  zwei  undeutlichen  Figuren,  Fig.  20  liehe  meist  aus  Vokalen  bestehende  Umschrift, 
p.  13;  die  meisten  aber  Isis  in  Verbindung  mit  Rs.  OP01P  [  IOY0,  Mus.  Borgiano  nr.  21;  eine 
anderen  Gottheiten ,  die  ganze  Darstellung  Gemme  mit  Chnubis  zwischen  zwei  nicht 
umschlossen  von  der  sieh  in  den  Schwanz  näher  angegebenen  Gottheiten  und  doppeltem 
beifsenden  Schlange.  Es  erscheint:  1)  Isis  (nach  OPMPIOYO    auf   Rs.   giebt   Chabouillet   p.  294 


467            Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)  Isis  (Göttin  d.  Unterwelt)            468 

nr.   2199;    7)    Chnubis    inmitten    von    1.    zwei  nemo;   secus  qui  fecerit,  mitem  Lsielcm   iratam 

Anubismurnien  und  r.  undeutlicher  Figur  (Isis?),  sentiat  et  suorum  ossa  erntetet  dispersa  vicleat. 

am   Eand   undeutliche  Aufschrift;   Rs.  AOOC  |  Sichert  sie   doch,   welche   der  zügellosen   Be- 

PHGTIMA  |   P<t>EPrAPI    |   APTIA0O   I   HVPl  **,  gierde  ihren  Zorn  droht  „pvitüpovos  ä%Qtg  hn 

Mus.  Borgiano  nr.  24  p.  464  =  Koelüer  Fig.  21  f  vväi;'AiSosu  und  den  Lieblosen  ,,fislcefiq>a[ico]v 

p.  13  f.;  8)  in  der  Mitte  Anubismumie,  wie  es  ßigidgeov   cpvXcmüv"   {Hymnus  von  Andros  vs. 

scheint,  in  Schlangenschwanz  auslaufend,  und  41  ff.  nach  Kaibels  Erklärung),   ihren  frommen 

Chnubis,   umgeben  1.   von  Isis  mit  Modius,  r.  Verehrern  ihre  Gnade  auch  für  die  Unterwelt 

von  mumienartiger  Gestalt  mit  Modius,  Matter  zu:   ,,et  cum  spedium  saeculi  tui  permensus  ael 
PL  2  C,  8  p.  53,  Abdruck  genommen  bei  einem  10  inferos  demearis,  ibi  quoque  in  ipso  siibterranco 

Pariser  Antikenhändler;   ebenso,  um  Schlange  semirotundo  nie  quam  vides  Acherontis  tenebris 

Umschrift,  Kochler  Fig.  24  p.  15 — 16,  Abdruck-  interlucentem  Siygiisque  penetredibus  regnantem, 

Sammlung    Cades ;    9)    in    der   Mitte    Anubis-  campos   Elysios   incolens    ipse    tibi  propitieim 

mumie    und    angebliche    Osirismumie ,     nach  frequens    adorabis"    sagt    sie    zu   Lucius    bei 

Koelders    Abbildung    eine   Mumiengestalt    mit  Apul.  Met.  11  c.  6;  vgl.  11  c.  21   „nam  et  in- 

Modius,  1.  Isis  mit  Kopfputz  und  Füllhorn  im  ferum  claustra  et  salutis  tutelam  in  deae  manu 

r.  Arm,  r.  Nephthys  mit  Modius  und  Füllhorn  (?)  posita;    11  c.  25  Te  superi   colunt   observant 

im  1.  Arm,   im  Felde   die   sieben  Vokale,  um  inferi,  luminas  solem,  regis  mundum,  calcas 

Schiauge  Umschrift,  Müller,  Mus.  Thorvahlsen  Tartarum" ;  wie  denn  auch  die  in  ihre  My- 

p.  185  nr.  1691;   ganz  ähnlich  Koelüer  Fig.  25  i!ü  sterien  Einzuweihenden  die  Schrecken  der  Unter- 

p .  16,  Abdrucksammlung  Cades;   eine   Gemme  weit  zu  sehen  bekamen,  „accessi  confinium  mortis 

mit  vier  Personen,  von  denen  eine  Anubis  ist  et  calcato  Proserpinac  limine  per  omnia  victus 

verzeichnet  Chabouillct  p.  295  nr.  2201;  10)  in  elcmenta  remeavi"  sagt  Lucius  11,  23.     Leicht 

der  Mitte  Harpokrates  mit  Sonnenscheibe  und  konnte  sie  in  ihrer  funerären  Auffassung   mit 

Geifsel    kauernd    1.   h. ,    1.    Isis    mit   Kopfputz  Persephone  identineiert  werden,  so  von  Arclte- 

(„figurina   muliebre   in  piedi   col   fiore    isiaco  machos  bei    Plut.    de    1s.    et    Os.    e.   27,    vgl. 

sopra  la  testa,  la  s.  alzat.a  la  d.  abbassata"),  die  Tsetzes    in   Lycophr.    p.    116    ed.    Steph.    und 

r.  Seite  des  Steins  verloren,  Spuren  von  Buch-  Euseb.  praep.  evang.   3,  11;   Cupcrus,  Harpo- 

staben  im  Feld  und  um  Schlange,  Rs.  OPODP  |  crates  p.   125.     Lucius    ruft   sie,    die  Königin 

IOYA,   Mus.  Borgiano  nr.  25   p.  464,   Koelüer  30  der  Manen  (Apul.  met.  11  c.  5),  11,  2  an:  „seu 

Fig.  22  p.  14;  vgl.  Chabouillet  p.  294  nr.  2199:  nocturitis  uhdatibus  horrendet  Proserpina,  tri- 

Horos   zwischen  zwei  Gottheiten,    von   denen  formi   fade   larvalcs   impetus  comprimens  ter- 

die   eine  Anubis  ist,    Rs.  Phönix  und   Spuren  raeque  claustra  cohibens,  htcos  diversos  inerraus 

von  Inschrift;  11)  in  der  Mitte  Besä  mit  grofsem  vario  cultu  propitiaris"  ;  ebenda  cap.  5,  wo  sie 

Modius,  auf  welchem  Harpokrates  mit  Sonnen-  von    sich    erklärt:    „infer  um  deploreda  silentia 

scheibe  und  Geifsel  r.  h.  kauernd,   1.  Isis  mit  nutibus  meis  dispenso"  giebt  sie  als  einen  ihrer 

hohem   Kopfputz,   Gefäl's   im   1.   Arm   und   er-  Namen  Hekate  an,  wozu  vgl.  die  AnmerkuDg 

hobener    R.    mit    undeutlichem    Attribut,    r.  in  Hüdebrandts  Ausgabe  1  p.  999,  s.  auch  Braun, 

wohl  Thot  mit  Cynocephalushaupt  mit  Mond-  Ann.  d.  Inst.  1841   p.  110 — 113.     In   der   von 

Scheibe,    sitzend,    unten    im   Feld   die    sieben  40  Diod.    1,   96     erwähnten    'Endzn    a-Aotia    von 

Vokale,    um   Schlange   undeutliche  Umschrift,  Memphis,   über   welche   vgl.  Lex.  1  Sp.  1855, 

Koelüer  Fig.  23  p.  14—15,  vormals  Sammlung  wollen  Georgii  in  Paulys  B.-E.  4  p.  283   und 

Townley ,  jetzt  Brit.  Mus.    Endlich  wird  im  Zoc'ga,  De  or.  et  usu  obeliscorum  p.  307   die 

Mitsco  Borgiano  noch  verzeichnet  nr.  26  p.  464  Isis    erkennen.      Denkmäler    und    Inschriften, 

„Diaspro  (agatedo)  verde  con  macchie  bionde  e  welche  Hekate  mit  Isis  und  ihrem  Kreise  ver- 

nericce":   in   der  Mitte  menschliche  Figur  mit  bunden  zeigen,   habe  ich  zusammengestellt  in 

zwei  Hunde-  oder  Schakalköpfen  und  starkem  der  Num.  Zeitschr.  Bd.  21  p.  139,  Anm.  17,  vgl. 

Glied,  1.  knieende  gepanzerte  männliche  Figur,  p.  215.     Die  Paste   mit   Sarapis,   Isis  und  He- 

r.  „una  clonna  veslita,  parimente  inginocchiata,  kate  QVinclcelmann,  Descr.  2,  344  p.  82,  Tölken 

con   ambe   le   mani   sollevate   verso   il   mostro."  50  1,  2,  78  p.  21,  Lafaye  p.  315  nr.  176)  und  die 

Im' Feld  IAO).   Das  ist  genau  der  Typus  des  von  Gemme    mit   Harpokrates  auf  der    einen    und 

Koelüer  Fig.  26  p.  16  —  18  als  unecht  bezeich-  Hekate   auf  der   anderen   Seite    bei   Cliifletius, 

neten  Steines  bei  Pignorius,  Mensa  Isiaca  p.  93,  Abraxas  14,  56,  Gorlaeus  2,  398 — 399,  Bcusch, 

Tab.  3,  10,  Kircher,  Oedipus  Aeg.  2,  2  p.  464  Capita  deorum  et  illustrium  lionünum  in  gemmis 

Fig.  9,    Cliifletius,  Abreixas  Tab.  12,  49  p.  100  epias  tollegit  ab  Kbermayer  Tab.  17,  44S;  Pig- 

— 101,  Gorlaeus  2,  242,  529,  Bayer,  Gemmeirum  norius,  Vetustissimae  tahulae  aeneae  explicatio. 

ei/f'abre  sculpt.  quas  coli,  ab  Ebermayer  Tliesau-  Venetiis  1605.    Tab.  3,2;    Matter,  Hist.  crit. 

rus  Tab.  27,  435  p.  212,  Matter  PL  2  C,  3  p.  51.  du  gnost.  PL  3,  3,  Baudissin,  Studien  s.  sentit. 

Ferner  waltet  Isis  über  dem  Frieden  des  Grabes  Beligionsgesch.    1   p.  191    nr.  17    sind    ein   und 

und  straft  die  Entweihung  desselben,  vgl.   die  GO  dasselbe   Exemplar;    ein   anderes  Montfaucon, 

oben  erwähnte  Inschrift  der  tipctcpogog  Newaim  Suppl.  2,  55,  3.     Hekate  zwischen  Harpokrates 

'jQi'atoivog  in  Theben.    In  von  Zoega,  De  or.  et  und  Chnubis   sieht  man  auf  einem  schwarzen 

usu  obel.  p.  303  Anm.  20  citierten  lateinischen  Jaspis  der  Sammlung  des  Herrn  Peter  Leven  in 

Inschriften    (Gruter   p.  917,  1  =   Orelli   1879,  Köln,  Fiedler,  Bonner  Jahrbb.  H.  14  p.  22  nr.  35; 

vgl.  Lafaye  p.  98;  p.  304,  1)   wird   den  Grab-  Hekate  gegenüber  dem  Anubis  auf  eiuem  grünen 

Schändern    gedroht:    quod    si    quis    ossa    eius  und  roten  Jaspis  in  Berlin,  Tölken  9.  Cl.  3.  Abt. 

preieecrit    aut    hanc    aram    apshderit    habebit  nr.  101  p.  449—450,  vgl.  Baspc  p.  53  nr.  579; 

sacra  Isidis  ülius  quieta  irata  und:   inferatur  s.  auch  Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  48  (Anm.  1 


469       Isis  (ptXuvöoToXos ,  furva  etc.)  Isis  i'Beziehg.  zur  Schwalbe  u.  z.  Skorpion)    470 

zu  p.  44):    Isis,    Hekate   und  Hermanubis  (?).  weihten  Inschrift  auf  Delos  {Bull,  de  Corr.  Hell. 

Natürlich  wird  sie  nicht  selten  auch  in  Gesell-  6  p.  344  nr.  61)  das  doppelte  X  ein  Versehen  des 
schaft  des  Anubis,  des  superüm  commeator  et  Herstellers  der  Inschrift  ist,  so  ist  es  vielleicht 
inferum  (Apul.  Met.  11,  11;  vgl.  Plut.  De  Is.  nicht  allzukühn,  in  der  unbekannten  Gottheit  die 
et  Os.  c.  44  yßovioq  av  buov  kul  öXimmog;  c.  61),  Isis  zu  sehen,  wie  es  ja  auch  eine  JrifiritrjQ  Ms- 
ibres  qptU«|  xorl  ÖTtuSög  (Plut.  De  Is.  et  Os.  Xaiva  gab,  Foerster,  Raub  u.  Rückkehr  der  Perse- 
c.  14;  vgl.  Diod.  1,  c.  87  =  Euseb.,  Pracp.  plionej). Zi8;  gerade  von  Delos  stammen  auch  die 
co.  2,  c.  1  GaficiToqivXa^  xoiv  itsoi  zov  'Ogiqiv  Inschriften,  welche  die  y.^Xavr]epoQoi  erwähnen. 
v.ai'lGiv  und  Proclus  zu  Piatons  Politia  p.  417  ,_  Nach  Lanzone,  Diz.  p.  291  verehrten  die 
cpQovQug  'OaiQiSog,  Zoega,  De  orig.  et  us.  oh.  io  Ägypter  eine  funeräre  Isis  in  Gestalt  der 
p.  320,  Note  37)  dargestellt,  z.  ß.  auf  den  Schwalbe  (Ment).  Plutarch,  De  1$.  et.  Os. 
Gemmen:  Winckelmann,  Descr.  1,  117  p.  27,  c.  16  erzählt,  dafs  Isis  in  Byblos,  in  eine 
Tölken  1,  2,  144  p.  17,  Schlichtegroll,  PI.  11  Schwalbe  verwandelt,  die  Säule,  welche  die 
p.  31 — 32;  Raspe  p.  19  nr.  215,  Brit.  Mus.;  Lade  mit  dem  Leichnam  des  Osiris  umschlofs, 
p.  29  nr.  321,  PL  6  =  A  cat.  of  engr.  gems  in  klagend  umflattert  habe.  Im  86.  Kapitel  des 
the  Brit.  Mus.  p.  145  nr.  1222;  Coli.  Mertens-  Totenbuchs,  welches  den  Titel  führt  „Kapitel 
Schaaffhausen  p.  4  nr.  80  (Isis  eine  vor  ihr  zu  machen  die  Umwandlung  in  eine  Schwalbe" 
knieende  Figur  aufhebend,  hinter  ihr  Ami-  und  welches  begleitet  ist  von  der  Figur  einer 
bis);  Raspe  p.  28  nr.  305  =  Totken  1,  2.  79  Schwalbe  auf  einem  Kreissegment,  heilst  es 
p.  22,  s.  oben  Sp.  436  (Obv.  Horos.  Rs.  „Isis,  20  L.  1:  „Ich  bin  die  Schwalbe,  ich  bin  die 
in  raschem  Laufe  und  mit  geschwungeuem  Skorpion-Göttin  (Selk),  die  Tochter  der  Sonne", 
Sistrum  den  Osiris  suchend,  vor  ihr  Ann-  Pierret,  Le  livre  des  morts.  Paris  1882.  p.  267, 
bis  knieend,  mit  gesenktem  Haupte  und  vgl.  p.  269,  Lanzone  p.  290 — 291;  im  Kap.  146, 
dem  Hermesstab");  vgl.  ferner  Cab.  Durand  3 — 4  „ich  bezaubere  die  Schwalbe  des  Osiris" 
p.  504  nr.  2G83  (Obv.  Isis.  Rs.  Anubis);  Mus.  und  Kap.  147,  5.  6.  13  „ich  habe  besänftigt  die 
Munter  3  p.  105  nr.  70  (Isis,  Harpokrates,  Schwalbe  des  Osiris";  vgl.  auch  Lefebure,  Le 
Anubis);  Dolce  A.  38,  p.  6  (Anubis,  Isis,  Sara-  mythe  osirien.  2°  partie  p.  194  — 195.  Auf  diese 
pis);  Lippert,  Chilias  3  p.  40  nr.  356  („Abun-  Beziehung  der  Isis  zur  Schwalbe  spielt  Minucius 
dantiae,  Isitlis  et  Anubidis  Signa");  Mus.  Felix  in  einer  korrupten  Stelle  im  Octavius  cap.  2, 
Worsleyanum,  6.  Lief.  Tfl.  4,  5  (Harpokrates,  30  rec.  Gelder  p. 28  an:  et  despiee  sis  Isidis  adhirun- 
Sarapia,  Isis,  Anubis);  Cat.  Hertz  p.  71  nr.  1505  dinem,  sistrum,  et  ad  sparsis  membris  inanem 
(C.ylinder,  Nephrit,  mit  zahlreichen  Gottheiten,  tui  Serapidis  sire  Osiris  tumulum  oder  nach 
I.  Isis  mit  dem  Zeichen  des  Lebens  und  Schlange,  Baehrcns,  der  die  Stelle  als  Randglosse  eines 
Osiris  in  Muiniengestalt,  Horos  auf  Boot,  Anu-  Lesers  aus  einem  anderen  Schriftsteller  zum 
bis  etc.);  auf  Lampen:  Lex.  1  Sp.  2308,  Drex-  Folgenden  hält:  Isidis  ad  hirundinem  et  de 
ler,  Mytli.  Beitr.  1  p.  48,  Anm.  1  zu  p.  44,  spicis  sistrum  et  ad  sparsis  membris  inanem, 
Winnefcld,  Beschreibung  der  Vasensammlung  sive  S.  sive  O.  tumulum.  Auch  bei  den  Griechen 
in  Karlsruhe  p.  175  nr.  940  (Isis  zwischen  und  Römern  hatte  die  Schwalbe,  offenbar  wegen 
Harpokrates  und  Anubis)  u.  a.  m.  ihres  als  Wehklage  gedeuteten  Gezwitschers, 
Als  trauernde  Göttin  führt  sie  den  Bei-  40  funeräre  Bedeutung  und  wurde  an  Grabdenk- 
namen furva,  Arnob.  adv.  g.  1,36;  u-tXuvooxoXog,  malern  angebracht,  O.  Keller,  Tiere  des  Mass. 
vielleicht  C.  I.  Gr.  5039  =  Kaibel  1023  vs.  3,  Altertums  p.315.  Über  eine  Kalkateintafel,  auf 
wo  aber  Puchstein,  Epigr.  Gr.  in  Aegypto  re-  der  Zoega,  schwerlich  mit  Recht,  die  Schwalbe 
pirta  p.  69  —  70  o  vr\v  ptXavaaxoXov  ß\a\oiXCo(o)ri  der  Isis  dargestellt  glaubt,  s.  Museo  Borgiano 

"IaaSi liest;  fizXeivnipoqog,  Orphica,  hijmn.  11  Gl.  §  10  nr.  173,   Doc.  iued.  1  p.  336;   vgl. 

nr.  42  vs.  9  p.  81  ed.  Abel;  vgl.  Parthey  zu  Plut.  auch  Piroli  et  Piranesi,  Ant  d'IIcrc.  1,  44  = 

de  Is.  et  Os.  c.  39  p.  234;  an  einer  bei  Neapel  llelbig  1094. 

gefundenen  Isisstatue  in  Wien,  Lafaye  p.  278  Auch  die  Skorpiongöttin  Serk  oder  Selk 
nr.  51  ist  die  Kleidung  aus  schwarzem,  da-  ist  eine  Form  der  Isis,  Lanzone,  Diz.  p.  1083, 
gegen  Kopf,  Arme  und  Füfse  aus  weifsem  60  die  u.  a.  auch  eine  funeräre  Rolle  hat,  wie  sie 
Marmor  gefertigt;  vgl  die  schwarze  Basalt-  beispielsweise  klagend  an  den  Füfsen  des  Bettes 
statue  der  Isis  aus  Hadrians  Villa  im  Kapito-  des  Osiris  dargestellt  wird,  Lanzone  a.  a.  O. 
linischen  Museum,  Lafaye  p.  280  nr.  57;  die  Wir  dürfen  sie  vielleicht  erkennen  in  der  von 
schwarze  Granitstatne  in  München,  H.  Brunn,  Mriesdcr  als  „trauernde  Isis"  bezeichneten 
Bcschr.  der  Glyptothek  4.  Aufl.  p.  28  nr.  17;  den  Figur,  welche  auf  einem  Marmorrelief  römischer 
schwarzen  Basaltkopf  der  Göttin  im  Museuni  Kunstausübung  im  herzogl.  Museum  zu  Braun- 
zu  Basel,  W.  Viseher,  Kl.  Sehr.  2  p.  448;  auch  schweig  auf  einem  Skorpion  sitzend,  in  der  R. 
werden  in  ihrem  Dienste  die  n^XavrjcfOQOi  nicht  eine  Schlange,  auf  der  Brust  den  Isisknoten, 
selten  erwähnt  8.  G.  I.  G.  2293,  2294,  2296,  mit  ziemlich  wehmütigem  Gesichtsausdruck 
2297;  'A&rivaiav  2  p.  194  und  4  p.  460,  461;  60  dargestellt  ist,  Arcli.  Zeit.  1861  p.  209;  viel- 
Bull.  de  Corr.  Hell.  6  p.  318 — 319  nr.  3  u.  4;  leicht  auch  auf  einem  Agat  der  Sammlung  Correr, 
Nenz,  Quaestiones  Deliacaey.  37;  Cuper  us,  Har-  der  von  Vicenzio  Lazari,  Notizia  delle  operc 
poerates  p.  128  und  Le  Moyne  im  Anhang  dazu  d'arte  c  d'antichitä  della  raccolta  Correr  p.  126 
p.  255—282 ;  de  Schmidt,  Diss.  de  sacerdotibus  et  nr.  570  so  beschrieben  wird :  „Gsiride  (vielmehr 
sacrifieiis  Aeg.  p.  208 — 211 ;  vgl.  Schaaffhausen,  Ba  oder  Tum)  con  eapo  di  sparviero  e  croce  an- 
Bonner Jahrbb.  Heft  89  p.  147 ;  Georgii  in  Paulys  sata  nelle  mani  soprastata  da  un  astro,  ha  dietro 
R.-E.  4  p.  285,  297 ;  Lafaye  p.  147.  Wollen  sc  due  stelle  e  un  fwr  di  loto,  e  all'  intorno  la 
wir  annehmen,  dafs  in  der  der  MEAAANH  ge-  scritta:  OENTTYN  OHAA  ATAOM  IYTTAIATTEY. 


471           Isis  (Canobus  mit  Isiskopf)  Isis  (Canobns  mit  Isiskopf)          472 

Nclla  parte  rovescio,  uno  scorpione  con  faccia  ausführlich  behandelt  von  Selilaeger,  Oommen- 

umana,  e  le  ehrte  foggiata  a  braccia,  l'una  drtle  tatio    de   nutno   Hadriani  plunibeo    et   gemma 

quali  tiene  per  la  coda  un  seipe  col  venire  aglobo,  isioca   in    funcre   Aegyptii   medicato    repertis. 

e  l'altra  un  sistro;  a'fianchi  drtla  coda,i  simboli  Helmaestadii  1742.   4°.;   de  Longperier,  Descr. 

della  luna  e  del  sole;  enelgiro  l<t>NEYAEITTA<t>";  des  med.  du  cab.  de  M.  de  Magnoncour  p.  98 

stellt   sie   doch   auch    eine   ägyptische   Bronze  nr.  765;  L.  Müller,  Mus.  Thorvaldsen  296,  294. 

in  Paris  dar  als  Skorpion  gebildet,  mit  mensch-  Unter    Marc    Aurel,     l_s     erscheint    „Portique 

liehen  Armen  und  Kopf,  worauf  sich  eine  Art  de  l'avenue  d'un  temple  (probablement  le  minie 

Modius   mit   Uräen  und   darüber   die   Sonnen-  que  sous   Trojan);   au   milieu  du  fronton,  un 

scheibe    zwischen     zwei    Kuhhörnern    erhebt,  10  aigle   cploye,    au   centre   des   trois  entrees   die 

Lanzone,  Dis.  p.  1086,  Tav.  362,  1,   Pierret,  portique,  un  canope  ä  Ute  d'Isis",  Feuardent 

I'anth.  e'g.  p.  17,   desgleichen   eine   Bronze    in  143,   2052;    vgl.    den    ähnlichen   Typus    unter 

London,    die    am   Sockel    die  Aufschrift  Eest  Trajan  L-1B,  Mi.  6,   116,  620;  Mus.  Sandern. 

führt,  Lanzone  a.  a.  0.;  vgl.  auch  Montfaucon  num.  sei.  2,  Tb.  19, 119;  „Canopi  on  eagle"  ver- 

2,  1  IT.  127,  5.  zeichnet  Cat.  Huber  p.  106  nr.  10S3,  Antoninus 

Aus  der  Auffassung  der  Isis  als  Göttin  der  Pius  LG;  ebenso  Mi.  6,  282,  1941,  Antoninus 

Unterwelt    erklären    sich    wohl    die    auf    den  Pms  mit  verwischtem  Datum.     Interessant  ist 

alexandrinischen   Kaisermünzen   und   Gemmen  die   Münze    des   Marc    Aurel,    Feuardent   146, 

häufigen  Darstellungen  von  sog.  Canoben  mit  2084,  PI.  25  (Datum  Llg),   die  ein  auf  Rädern 

dem  Haupte   der   Isis.     Nach   ägyptischem  20  ruhendes   Schiff    zeigt,    auf  welchem   sich   ein 

Glauben  freilich  sind  diese  Canoben  nicht  Dar-  Pastos  mit  fünf  Sperbern  auf  der  oberen  Seite 

Stellungen  der  Isis,  sondern  es  sind  die  vier  ersten  erhebt,   in  welchem  ein  Canobus  —  leider  ist 

Lichtgeister,  die  Söhne  des  Horos  uud  der  Isis,  nicht  sicher  zu  bestimmen  ob  mit  männlichem 

die  Totengenien  Arnseth  mit  Menschen-,  Hapi  oder  weiblichem  Haupte  versehen  —  sichtbar 

mit  Affen-,  Tuamutef  mit  Schakal- u.  Kebhsenuf  ist,  während  rechts  und  links  von  dem  Pastos 

mit  Sperberkopf,  bestimmt,  den  Verstorbenen,  je  eine  Figur  (Priester?)  steht;  hinsichtlich  der 

resp.  seine  Eingeweide  zu  beschützen  und  selbst  über  einen  Greif  stehenden  Canoben  s.  unten 

unter  dem  Schutze  von  Isis,  Nephthys,  Neith  unter  Isis-Nemesis.    Auf  Gemmen  erscheint  der 

und  Selk  stehend,  s.  Pierret,  Dict.  p.  115  s.  v.  Typus    des    Canobus    mit   Isishaupt   z.  B.    auf 

canopes,  p.  236  s.  v.  genies  funeraires  und  be-  so  einer  von  Schläger  a.  a.  0.  p.  187  abgebildeten, 

sonders  G.  Ebers,  Der  geschnitzte  Holssarg  des  die  zusammen  mit  der  erwähnten  Bleimünze 

Hatbastru,  Abh.  d.  Kgl.  Sachs.  Ges.  d.  TU.  in  des  Hadrian   (diese    bei,    die    Gemme   in    der 

Leipzig.   Bd.  21  p.  229  —  238;  vgl.  Golenischcff,  Mumie)  in  einem  ägyptischen  Grabe  gefunden 

Die   Mettemichstele   p.  14   Anm.  9.     Auf   den  worden  ist;   ferner  auf  den  Steinen  bei  Fing, 

alexandrinischen  Kaisermünzen  findet  sich  der  Ant.  gems  and  rings  2,    PL  7  p.  46  „Canopus, 

Typus  unter   Galba,  Zoega  p.  34  nr.  16  Tb.  3,  with  the  head  of  Athor ,   flanlced  by  tuo  Asps; 

3;   Mi.  6,  76,  273—275;   Feuardent  34,  761;  on  the  vase  is  the  solar  dislc" ;  de  Murr,  Descr. 

Otho,  Zoega  p.  40  nr.  17  Tb.  3,  8;  Mi.  77,  287,  du    cab.    de    Paul    de    Praun  p.  257    nr.   115; 

288;  Feuardent  35,  772;  Vitellius,  Mi.  78,  296;  Pappadopoulos   p.  18  nr.  278;    Baspe  409;    in 

Vespasian,  Feuardent  37,  792 ;  Mi.  Suppl.  9,61;  40  Cat.  Hertz  p.  8  nr.  118,    119;    Coli,   de   M.   de 

Titus,  Feuardent  41,  882;  Domitian,  Mi.  6,  89,  Montigny  p.  29  nr.  367;   Novus  thes.  g.  vett.  1 

381;   Trajan,  Feuardent  54,  976;  59,  1028  (?);  Tab.  22.  23  p.  23;    Caylus  2   PL  6,  2;   ebenda 

Hadrian,  Zoega  p.  105,  7  Tb.  6,  7;   Mi.  6,  153,  nr.  3  sind  zwei  Canoben  mit  anscheinend  weib- 

895;  159,  949;  160,  962;  165,  1000;   178,  1141;  liehen    Häuptern    neben   einander    dargestellt, 

182,1778;  188,1229;   196,1299,1300;   Feuar-  p.  26-27;    desgl.   zwei   Canoben  mit  mensch- 

dent  69,  1131;   70,  1146;   71,  1160;    72,  1175;  liehen  Häuptern,  einander  ansehend,  aufUnter- 

73,    1186;    75,   1207;    1211;    76,    1233   PL  19,  sätzen  bei  Montfaucon,  Suppl.  2,  PL  50,  1  p.  168. 

wo    indessen    der  Abbildung   nach    die   BiUte  Das  unbärtige  Antlitz  des  von  Miliotti,  Descrip- 

eher  männlich  zu   sein   scheint;    79,  1265;   Sl,  tion  d'une  coli,  de  p.  gr.  qui  se  trouvent  au  cab. 

1294;  87,  1373;  90.  1402;  92,  1431  bis;  94,  1455;  50  imp.  «  St.  Petersbourg.    Vienne  1803.   2°  p.  90 

Antoninus  Pius,  Mi.  6,  208,  1383/S4;  Feuardent  als    Nephthys    bezeichneten   Canobus    erinnert 

102,  1544/45;  Gallienus,  Mi.  6,  450,  3262;  vgl.  wie   das   des  bei  Schlichtegroll  1   PL  12   abge- 

457,   3326;    Feuardent   240,  3059;    245,  3109.  bildeten   an  Antinoos.     Auf  einem  Syenit  der 

Zuweilen    erscheint    dem    Canobus    mit    Kopf  Sammlung  Biehler  sieht  man   nach   Wieseler, 

der  Isis  gegenüber  einer  mit  dem  Kopfe   des  Götting.  Nachrichten  1882  p.  251,  Vllnr.  2  „Isis. 

Osiris,  so  unter  Hadrian,  GT-  GNAT,  Mi.  6,  159,  Brustbild  nach  links,  mit  Sistrum  an  der  Achsel, 

950  (auf  einer  Basis);    LIH,  Mi.  6,  182,  1178.  darunter  Canobus";  auf  einem  roten  Jaspis  der 

1179;  Antoninus  Pius,  LB,  Mi.  6,208,  13S5;  Coli,  de  M.  de  Montigny  p.  42  nr.  564  Isis-Tyche 

Marc   Aurel,    LS,   Zoega  p.  221,  97  Tb.  13,  2;  mit   Sistrum    und   Steuer,    davor   Sperber   mit 

und  diese  stehen   ein  Mal   zwischen  zwei  Py-  CO  Pschent  und  einen  kleinen  Canobus  mit  weib- 

lonen  unter   Trajan   LIB,    Feuardent   54,  982,  liebem  mit  deniAtef  gezierten  Haupte.  Aneinem 

PL  18;   vgl.  auch  Scstini,  Mus.  Hed.  3.  Cont.  im  Iseum  Campense  zu  Korn  gefundenen  Säulen- 

Tav.  33,  4  p.  70   nr.  3,   L.  Veras  (M.  Aurel?)  stumpf   mit    acht    auf  Untersätzen    stehenden 

LH,  eine  Münze,   die  sicher  nieht  zum  Nomos  Priesterfiguren    halten    drei    der    letzteren   je 

Sebennytes,  sondern  nach  Alexandria  gehört,  einen  Cauobus,  von  denen  der  eine  das  Haupt 

oder  in  einem  Tempel  Hadrian  L-G  {„sous  une  des    Osiris,   der   andere    das    des  Anubis,   der 

voutc    ciutrce    souteuue    par    deux    colonnes");  dritte  das  der  Isis,  das  letztere  mit  Kuhhornern, 

LIH,  Zoega  p.  115  nr.  36s  Tb.  8,  4,  Bleimünze,  Sonnenscheibe  und  Federn  geziert,  zeigen  soll, 


473     Isis  (als  Mumie  (?);  mit  Flügeln)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)              474 

Le  recenti  scoperte  delV  Isco  Campense  descritte  eisme,  PI.  I.  E,  6  p.  10 — 12;  ein  Diaspro  misto 

ed.  illustrate.  Koma  1883.  p.  100  Tav.  6.    Eben-  di  bruno  e  verde  im  Musco  Borgiano  3  Gl.  1 

so  trägt   einer  der  Priester  an  dem  Altar  des  div.  nr.  17,  Doo.  ined.  3  p.  426  =  Zoi;fja,   De 

Museum  Odescalchum   2   Tab.  49   einen    Cano-  orig.  et  usu  obeliscorum  p.  61,  abgeb.  p.  64,  stellt 

bus    mit    weiblichem    Haupt.      An    einem    auf  dar:  „Iside  vcstita  di  tunica,  sta  in  piedi  vol- 

dem   Vorgebirge    Circeo    gefundenen   Canobus  fata  alla  destra,  le  braccia  confvse  colle  ali  che 

mit    Osiriskopf    aus    grünem    Basalt    in    der  sporgono  avanti  la  persona,  l'una  alzata  V ultra 

Villa  Albani  aus   der  Kaiserzeit  bemerkt  man  abbassata.     Incontro  ad  essa  evvi  un  obelüco, 

aufser     verschiedenen    anderen    Figuren     Isis  poco  piü   alto   di   lei,   nella   di   cui  facciata   le 

in    dicht    anschliefsendem   Gewand,    mit    ent-  10  lettere  I  A  CO."    Ein  Basrelief,  welches  eine  rö- 

blöfstem  Oberkörper,  Hörner  mit  zwei  Federn  mische    Familie    als   Osiris,    Harpokrates    und 

über    der   Kalantika   und    Scepter,    Venuti  et  Isis    darstellt,    zeigt    die    letztere   mit  langen 

Borioni,  Collectanea  ant.  rom.  Tb.  3.  4,  Winckel-  dicht    an     den    Körpern    angelegteu    Flügeln, 

mann,  Stl.  W.  3  p.  218;  7  p.  73;  Morcelli-Fea-  Montfaucon  2,  2  PL  100  p.  291,   Winckelmann, 

Visconti,    Descr.    de    la    Villa    Albani   p.   104  Man.   ined.    1    PI.  75;   Lafaye   p.  292   nr.  101. 

nr.  691;  vgl.  de  la  Chausse,  Born.  Mus.  1  sect.  2  Siehe  ferner  die  oben  angeführte  Vota-Publica- 

tab.  40 — 43  p.  82 — 93,   Card.  Chigi;   desgl.  ist  Münze,  auf  der  schon  Baronius,  Ann.  politico- 

Isis  nebst  anderen  Figuren  in  Basrelief  zu  er-  eccl.   4.    Antv.    1601    p.   18  f.    u.    72,     Oiselius, 

blicken  an  einem  auf  dem  Esquilin  gefundenen  TItes.  num.  ant.  p.  269  f.  Tb.  47  nr.  6  und   Ph. 

Canobus    von    weifsem    Marmor,    Bull,    della  20  a'Turre,  Monumenta  veteris  Antii  p.  186  die 

commiss.  areh.  eomun.  di  Borna  10.   1882  p.  244  Beflügelung   richtig   erkannt   haben.      Flügel 

— 245,  Bassorilievi  nr.  2.  am  Haupte  finden  sich  bei  Isis  auf  der  Gemme 

Dafs  Isis  auch  in  Mumiengestalt  in  grie-  des  Museo  Borgiano  3.   cl.  1  div.  nr.  2,  Doc. 

chisch -römischen   Werken    dargestellt    wurde,  ined.  3   p.  422;   vgl.   auch   nr.   12    p.  424,  bei 

scheint  mir  nicht  sicher,  auch  Zoeya,  De  or.  et  der  aber  Visconti's  Abbildimg,  Mus.  Pie-Clcin. 

us.  ob.  p.  303  Note  18  verneint  es;  zwar  wird  2  PI.  A.  VI,  10  nicht  für  Beflügelung  spricht; 

von  Francis Pulszhy,  Cat.  ofthe  Fqjdrvci/ry  ivories,  an  der  Büste   der  als   Isis   dargestellten  Iulia 

in  the  Museum  of  Joseph  Mayer.  Liverpool  1856.  Mamaea  auf  der  Münze  bei  Cohen  i-  491,  15, 

p.  34  nr.  3  verzeichnet:  „A   figure  of  Isis  in  Friihner,  Les  medaillons  de  l'emp.  p.  176,    1, 

the   shape  of  a  mummy,   with  the  crescent  on  30  Grüber,    Born,   medallions   in   the    Brit.   Mus. 

the   head    and    an   unintelligible    imitation   of  PL  40,  3,  Zeitschr.  f.  Num.  13  p.  263 — 265;  an 

hieroglyphics  on  the  bordtra",  zugleich  aber  der  der  zwischen  zwei  Altären  stehenden  Isis  der 

Verdacht  dafs  es  eine  moderne  Fälschung  sein  Lampe  bei  Passeri  1,  2,  Lafaye  p.  302  nr.  125; 

möge,    ausgesprochen.     Die   Gemmen,   welche  an  der  Isis   (Büste  nebst   der   des  Sarapis)    in 

sie  so  gebildet  darstellen  sollen  (s.  Chabouillet  einer  Silberädicula,  Bull.  d.  Inst.  1852  p.  161, 

p.  297  nr.  2209:  „Isis  debout  ewec  une  coiffure  Lafaye  p.  292  nr.  100;   vgl.   auch   die  Iironze- 

qui   rappelle    le   diad'eme   atef  des  Egyptiens;  Statuette  bei  Gerhard  u.  Panofka,  Neapels  ant. 

deux  fleurs  de  lotus  partent  des  cpaules.     Le  Bildw.  p.  233 ;  den  weiblichen  Marmorkopf  aus 

Corps  tt  les  jambes  sont  serrecs  dans  des  ban-  der    Umgegend    von    Athen,    mitgeteilt    von 

delettes  comme  les  membres  d'une  momie.    Bs.  40  Schneider,  AFM  1,  Tfl.  3,   2  p.  14,   Anm.  1; 

BAIN  ßft,NX.      He'matite";    Baspe    nr.   217  18;  den    sicilianischen    Tcrracottakopf    mit    zwei 

282 — 292;  375;   vgl.  auch   Gori,   Thes.  g.  ant.  Flügeln   und   zwei   kleinen  Hörnchen,   Briind- 

astrif.  1  Tab.  26;  3  p.  111,  wo  die  angeblichen  sted,   Beisen  u.  Unters,  in  Griechenland   2.  B. 

Schlangen,  die  den  Körper  der  Göttin  umwinden,  p.  133  nr.  39,   p.  295  —  296,    Creuzer ,   Deutsche 

eher  Binden  zu  sein  scheinen),  mögen   in  den  Sehr.  2,  2  p.  68 — 70,  Engelmann,  De  Ione  p.  33, 

meisten  Fällen  wohl  eher  den  Usiris  darstellen.  den   Bröndsted   p.  295   Anm.  4   als  Io-Isis    be- 

Noch  sei  bemerkt,  dafs  die  Flügel,  welche  zeichnet. 

Isis    in    ägyptischen    und    phönikischen   Dar-  Eine  bedeutende  Rolle  spielt  sie  als  meer- 

stellungen  besonders  als  Schutzgöttin  des  Osiris  waltende    Göttin.     Dieselbe    lassen    ihr    die 

und  des  Horos  führt  und  die  ihr  auch  in  einigen  50  meisten  (wie  Georgii  in  Paulys  B.-F.  4  p.  285; 

griechisch-römischen  Darstellungen,    in  denen  Lersch,    Bonner    Jahrbb.    9    p.    108;     Creuzer, 

sie  den  Osiris  schirmend  erscheint,  beigegeben  Symbolik  l2  p.  320,  Anm.  64;    Guigniaut ,  Les 

sind,  auch  einige  Bildwerke  der  letzteren  Kunst-  rel.  de  Vant.  1,2  p.  847;    J.  Burckhardt,   Die 

Übung  zeigen,   in   denen   sie  allein,   ohne  die  Zeit  Constantins  d.  Gr.  p.  205;  Hertzberg,  Gesch. 

Mumie  des  Osiris,  uns  entgegen  tritt.    So  wird  Griechenlands  unter  der  Herrschaft  der  Bömer 

verzeichnet    im   Museo    Borgiano    7.    cl.   terre  2  p.  268 — 269)  erst  in  der  hellenistischen  Pe- 

cotte  nr.  33,  Doc.  ined.  1  p.  309:   „Frammento  riode    erteilt    werden,    während    Mocers,    Die 

con  figura    alata  che  sembra  isiaca,    di   buon  Phönizier    2,  2   p.  64 — 75,    vgl.    3,   1   p.  155; 

lavori,  fra  varj  ornamenti";  in  Coli.  Drovetti.  Stark,  Gaza  p.  282—  283,  ja  selbst  Preller,  B.  M. 

Objets  en  t.  c.  nr.  395,  Doc.  ined.  3  p.  271  „Isis  CO  2.  Aufl.  p.  723  und  Kenner,  Die  Münzsammlung 

grecciue  drape'e,  et  ailes  derricre" ;   ferner   eine  des   Stifts   St.    Florian  p.  137   in   Isis   Pelagia 

Basaltstatue  des  Louvre,  Chirac  Mus.  de  sc.  PI.  ein  Produkt  der  Vermischung  mit  semitischen 

306,  2574  =  Lafaye  281,  62;  auch  eine  Gemme  Kulten  sehen  und  sie  mithin  ihre  meerwaltende 

des  Gab.  Durand  mit  fiinfzeiliger  Reversunter-  Funktionschonvielfrüheransübenlassen.  Sicher 

schrift,  von  der  Zeile  2  AOMPI  vielleicht  den  darf  man  nicht  aus  Stellen,  wie  Hygin.  Fab. 

Namen    der    Hathor    enthält,    zeigt    eine    ge-  277  p.  153  ed.  M.  Schmidt:  „Velificia  primam 

flügelto  Göttin,   in  der  man  Isis  oder  Hathor  invenit    Isis,    nam  dum    quaerit  Harpocratem 

erkennen  darf,   Matter,  Bist.  crit.  du  gnosti-  fdium  suum  rate  velifieavit"  und  Cussiodorius 


475              Isis  (Göttin  d.  Meeres)  Isis  (G-öttin  d.  Meeres)              476 

Var.  5,  17  (nach  Knaaclc,  Hermes  16  p.  586,  que  nutu").     Im  Hymnus  von  los  sagt  sie  von 

588,  600  aus  einem  besseren  Texte  des  Hygin)  sich,   Kaibel,   Epigr.  Gr.    1028   vs.  5  —  6:    iym 

„hoc  (sc.  velum)  Isis  rati  prima  suspendit,  cum  0AAA1  |  EIAEPr.E...    (Weil)    oder    OAAAC 

per   maria   Harpocratem    filium   suum   audaci  CIAEPTAEYIA  (Smyrlis),  wofür   Weil,  Mitt.  d. 

femina  pietate  perquireret"  schliefsen,  dafs  Isis  d.  arch.  Inst,  in  Athen  2  p.  190  xtjv  %-dXu.GOKv 

schon  in   früher  Zeit   als  Seegöttin  angesehen  Sjt^äxov    imsgaeccj,     WilamovoitB    bei    Kaibel, 

worden   sei.     Zunächst  nun   werde   betrachtet  Epigr.  p.  XXII   ftülucactv    icxogiaa,   Frünhel, 

ihre  Herrschaft  über  die  Winde,  vgl.   Gcorgii,  Arch.  Z.  1878  p.  131  vs.  15  —  16:  iym  9aXdaGia 

Ii.-E.  4  p.  286.     In   einem   ägyptischen  Texte  l'gyu  ev[ö]ut  —  lircuijcra  vorschlägt.  Im  Hymnus 

von   Philä   aus    der    Zeit    des   Ptolemaios   IX.  10  von  Andros  ed.  Abel  p.  301  vs.  34—35   rühmt 

wird  sie  geradezu  als  „Isis  der  Nordwind"  be-  sie  von  sich:  aSi  fraXäceag  \  ngäxov  s v  dv&gcö- 

zeichnet.  ßrugsch,  Eel.  p.633,  647,  und  O.Engel,  itoioi  tizqugiuov  rjvvGa   fiöx&ov   und   vs.  143 — 

Isis  u.   Osiris.  Nordhausen  1866,  dem  Isis  die  155  =  Kaibel  1028  Col.  4  vs.  55  —  67: 

Luft  ist,  leitet  gerade  daraus  ihre  Eigenschait  —  nXcoxd  S\  cp/Xtvdiog  'Aficpixgixci. 

als  Seegöttin  ab,  p.  8.  „Maris  salubria  jlamina  rrjvci  fisXauTtgcogoiGiv  vital  nctxvtoätog  av%fiäi, 

—  nutibus  meis  dispenso"  sagt  sie   zu  Lucius,  avixa  psiädyav,  iXagdv  igv&oiGa  TtagtLÜv, 

Apul.  Met.  11,  5;  „tuo   nutu  Spirant  flamina"  äfmizdaai  Tt]di>v  yXavxdXtvov  iv  ä'  dnsgdxoig 

Lucius  zu  ihr,   cap.  25;   namque  tibi  Zephyrus  ßiv&seiv  aarißfcr  nXayxxdv  öSöv,  evxi  fis  &v[ibg 

favet  ac  Cyllenius  ales  heilst  es  in  dem  Gedicht  xogxrvarj,  xXovsm-  navxä  ä?  [isXav&h  qol^co 

De  Isidis  narigio,  Anthol.  lat.    fasc.  2  nr.  743,  20  eitsgxofiEvog  ßagv  itovxog  ivl  GTt/ßvy^i  ßctd-tiaig 

v.  5  p.  205  ed.  Kiese;  bei  Lucian,  deor.  dial.  4  uvkux'  e£  dövxcov  ngäxa  ä'.inl  GsXjian  Sovgav 

befiehlt   Zeus   dem  Hermes   die   Io   durch   das  v.oXnu>xdv  6%-ovaiai  ftouv  xgoitiv  Iüvvegy.ov, 

Meer  nach  Ägypten  zu  führen  und  zur  Isis  zu  oläpa  v.a&i7tn£voiGcc  Sapa'Qo(isvag  öi  &aldaaa:g 

machen,    dann    fährt    er   fort   „v.al   xö    Xombv  orAvnogoig  iXdxctig  tXixdv  icxace  %ogsiav 

igxcü  öteos  xoig    &%si  hc«  xbv  NsiXov  dvayixm,  zJongiSog  avXoxicf  irsgnzdXXsxo  d'  t  v  (pgEGl&djißog 

y.al  xovg  avif.iovg  eitiirafiitirbi,  Y.al  ctojf'rco  xovg  tlgeGiav  dödijxov  iv  o^fiUGi  TtanxaivoiGcag. 

nXiovxug",   ebenda  Dial.  deor.  mar.   c.  7   sagt  Auch  die  Inseln  hat  sie  aus  der  Tiefe  hervor- 

Zephyros  von  der  nach  Ägypten  gelangten  und  gehoben;  vs.  158  — 159: 

zur  Göttin  gewordenen  lo  „««1  äg^st  yäg,  äg  vüocag  öl   ßa&vvoatvag  dnb  gigäv 

Egfif/g    t'cprj,    xäv    TtXtöi'tav ,    Kai    i'jucov    tGxai  30  f's  (pdog  Ik  ßv&iag  itoxavdyayov  iXvog  avxd. 

dianoivu,  bvxiva  dv  rjiimv  i&zXriGoi  ix-ntfiipui,  Natürlich  schützt  sie  die  Seefahrer.    In  einem 

i]  y.oiXvGcit  inmvtiv."     Bei   Val.  Flacc.  Argon.  Epigramme     des     Fhilippus    Thessalonicensis, 

4,  420f.  wird  mit  der  Erzählung  der  Geschichte  Anthol.  Gr.  ed.  Jacobs  2  p.  197  nr.  10,  vgl.  9 

der  Io  die  Bitte  verbunden  „iuvet  nostros  nunc  p.  150  —  151 ;  Anthol.  Palat.  ed.  Diibner  1  p.  200 

ipsa   labores  |  inmissisque  ratein    sua  per  freta  nr.  231  redet  sie  ein  gewisser  Damis  an: 

provehat  auris",  und  sofort  (vs.  422)  schwellen  Alyvnxov  fisSiovca  psXaußcoXov,  XtvüntnXs 

sanfte    Winde    die    Segel.      Im    Hymnus    von  Sac/iov,  in'  sv'Cegovg  ßi/ti-L  &vn7roXiag. 

Kios  (C.  I.  Gr.  3724;  Kaibel,  Epigr.  Gr.  1029;  col    yäg    vnlg    G%iSdw.rov    Xayagbv    nonärsvpa 

Erühner,    Les   inscr.    gr.   [du  Louvre]    nr.   1;  irgbYtixai, 

E.    Kobiou,    Mel.    Graux    p.   601 — 607    nr.    1  40  Mal  noXibv  £(jjw  £tvyog  ivvSgoßioiv, 

vs.  6ff.)  wird  sie   von  Uranos,  dem  Sohne  der  uul  vdgSog  ipacptxgri  v.iy%gixiGiv  iG^äaiv  ducpl 

Nacht  (in  der  ägyptischen  Mythologie  ist  ihre  nal  GxuyvXr]  ygain,  %u>  {isXixvovg  Xißavog. 

Mutter  Nut,  Brugsch,  Mel.  p.  606ff.;   Kobiou  sl  S'  cög  i-x  TitXdyovg  iggvaao  ddp.iv,  avaGGa, 

p.  605;   Wiedemann,  Die  Bei.  d.  a.  Ag.  p.  122,  v.r\v.  nsvt'ng,  frvGsi  ^pTOo'xfocov  xifidda. 

die    in    einem     gnostischen    Papyrus    erklärt:  ,Statius    im    Propempticon    für   Metius    Celer, 

iyii  ttyi  rj  fi)']xr}g  ■9'fcöj'  r;  v.a[Xov}fiivn  Ovgctvog,  Silvae   3,  2   vs.  101  ff.    ruft  Isis   an,   denselben 

Brugsch,  Bei.  p.  603  —  604)  auf  den  Fluten  des  gnädig  zu  führen: 

Meeres  erzeugt,   wobei  Kobiou  p.  006   an  das  Isi,  l'lioroneis  quondam  stabulata  sub  antris, 

ägyptische  Nun,  das  Urwasser  (vgl.  Brugsch,  Nunc  regina  Pliari,  numenque  Orientis  anheli, 

Bei.  p.  107,  Lepsius,  Über  die  Götter  der  vier  50  Excipe  multisono  puppern  Mareotida  sisiro; 

Elemente  bei  den  Ägyptern  [Abh.  d.  K.  Ale.  d.  Ac  iuvenem  egregium,  Latius  cui  duetor  Eoa 

W.  zu  Berlin  1S56]  p.  184 ff.,   Wiedemann,  I).  Kigna,  Palaestinasque  dedit  frenare  cohortes, 

Bei.  d.  a.  Ag.  p.  122)  erinnert:  Ipsa  manu  placida  per  limina  festa,  sacrosque 

2i)  te,  fior'xajore  &id,  ui,zrig  noXvcöviifiog  iGig,  Uue  portus,  urbesque  tuas. 

r]v   xixtv    Ovgavbg   Evtpgoviärig   inl  nvfictGi  Die  vorwurfsvolle  Krage  des  während  einer  Reise 

Ttövxov  auf  Corcyra  erkrankten  I'ibull  1,  3,  23—26: 

liagu.cigiois,&gi\ptv  d'"Egtßog  cpws  7rä<ji  ßgoxoiGi,  Quid  tua  nunc  Isis  mihi ,Dilia,  quid  mihi prosutd 

■ngtaßiGxriv   ftctxdgcov   tv  OXvpncp   GKrjiiT.gov  lila  tua  toties  aera  repulsa  manu? 

i'xovouv  Quidve  pie  dum  saora  colis  pureque  lavari 

na!  yaing  ndarjg  xol  xbvxov  tiiav  dvuGGüv.  co       Tc,  memini,  et  puro  seeubuisse  toro? 

Bei  Apulejus,  Met.  11  c.  3    erscheint  sie  dem  wollen  Tarnebus,  Adv.  L.  16  c.  4  und  BrouJ;- 

Lucius    aus    dem    Meere    hervor  tauchend;    vor  Imsius  p.  59  a  seiner  Ausgabe  daraus  erklären, 

ihrer  Majestät  erschrecken  die  Ungeheuer  der  dafs  Delia  der  seewaltenden  Isis  für  den  nach 

Salzflut;  sie  schützt  zu  Wasser  und  zu  Lande  dem  Orient   reisenden   Geliebten   ihren  Dienst 

die  Menschen,  c.  25;  vgl.  c.  1  „ipsa  ctiam  cor-  geweiht    habe,    während    iicaliger    meint,    sie 

pora    terra    coelo    marique    nunc    incrementis  habe   wegen   der   Krankheit  des   Dichters   die 

consequenter  augeri,  nunc  detrimentis  obsequen-  Fasten   beobachtet;   doch   dies  scheint   beides 

ter  imminui  (sc.  divino  eius  himinis  numinis-  zu    weit   hergeholt  zu   sein;    Tibull   will    nur 


477               Isis  (Göttin  d.  Meeres)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)               478 

seinem  Unmut  Ausdruck  verleihen,  dafs  die  De  annis  dimacicriis  p.  2G8  in  TTAOIOYA<t>E?IS 
glühende  Verehrung  der  Delia  für  ihre  Lieblings-  oder  TTAOYAOESIS,  dann  von  Mommsen,  C.  I. 
göttin,  welche  ihn  um  manche  Nacht  betrogen  L.  1  p.  387  in  nXowcpioia,  unter  Zustimmung 
hat,  ihn  nicht  vor  seinem  Mißgeschick  bewahrt  von  Moritz  Haupt,  Hermes  G  p.  262  =  Opuseula 
hat.  Die  welche  Schiffbruch  litten,  aber  durch  3  p.  559  u.  Marquardt,  Rom.  Staatsverwaltung  3 
die  Gnade  der  Göttin  dem  Tode  in  den  Wellen  p.  70  Anm.  2  =  3*  p.  80  Anm.  1  verbessert 
entkamen,  brachten  ex  voto  Gemälde  ihres  Un-  worden  ist,  während  L.  Spengel,  Rh.  Mas. 
glucks  in  ihrem  Tempel  an;  Juvencd  12,  22ff.  1861  p.  34— 35  ganz  unpassend  in  a  ola'Ecptaia 
singt:  ändern  wollte  und  die  meisten  neueren  Dar- 
Genus  ecce  aliud  discriminis:  audi  10  steller  der  von  Apulejus  geschilderten  Isis- 
Et  miserere  Herum:  quamciuam  sint  cetera  sortis  Prozession,  wie  auch  treller,  R.  M.  23  p.  382 
Eiusdem:  pars  dira  epiidem  sed  cognita  multis  (aber  Jordan  Note  1  citiert  Mommsen)  und 
Et  quam  votiva  testantur  fana  tabella  Jean  Reville,  Hie  Iteligion  zu  Rom  unter  den 
Plurima.  l'ictores  quis  nescit  ab  Iside  pasci?  Severern  p.  57  Xctoig  tiqisatg  lesen);  natalis  ratis 
wozu  der  Scholiast  (p.  347  ed.  0.  Jahn)  bemerkt:  Isiacae,  Ausonius  de  feriis  Romanis  23 ;  natalis 
[TABELLA]  quam  naufragis  liberati  ponunt,  navigationis ,  Vegclius  5,  9;  navigium  Isidis, 
antiquitus  enim  solebant,  qui  naufragio  liberati  (Anthol.  Lat.  ed.  Riese  2,  743  p.  205;  vgl. 
essent,pro  voto pingere  tabellas  et  in  templo  Isidis  Jahrbb.  f.  Id.  Phil.  1868  p.  701,  Herines  1  p.  412, 
ponere.  Auch  die  kleinen  Marmorschitte,  die  bei  Mommsen,  C.  I.  1j.  1  p.  412;  die  Kaleudarien 
der  Kirche  S.  Maria  in  Navicella  in  Rom  aus-  20  der  Kaiserzeit,  Mommsen,  G.  I.  L.  1  p.  387), 
gegraben  worden  sind,  erklären  Friihner,  Kotice  welches  späte  Gelehrsamkeit  (Fulgentii  Mijtho- 
de  1a  sculpture  ant.  du  muse'e  nat.  du  Louvre  1  logicon  nr.  25,  Ganymedes ,  Mythogr.  Lat.  ed. 
13.  490 — 491  zu  nr.  561  und  Lafaye  p.  200  f.  für  van  Stavercn  p.  054 — 655,  Mythographus  2,  89, 
Weihgaben  an  die  Seegöttin  Isis,  während  Io  p.  10G  ed.  Rode,  Mythographus  3,  3,  Jupiter 
Becker,  Topographie  p.  504  f.  Anm.  1052  in  c.  5  p.  162  ed.  Rode,  vgl.  Lactantius,  Inst.  1, 
ihnen  dem  luppiter  redux  von  den  auf  dem  11,  24)  zum  Andenken  an  die  Überfahrt  der  Io 
Caelius  lagernden  Peregrini  dargebrachte  Wid-  in  einem  Schiffe  mit  dem  Gemälde  eines  Rindes 
mungen  sieht.  Natürlich  weihen  sich  Schiffer  gestiftet  glaubte;  vgl.  auch  Manfrin,  GUEbrei 
ihrem  Dienst,  C.  I.  L.  14,  352;  auf  Dolos  bringt  sötte  la  dominus,  rom.  2  p.  42.  Es  fiel  nach  Me- 
ein  gewisser  Eutychos  für  sich  und  seinen  Sohn  30  nologium  Rusticum  Colotianum  Z.  15  und  Meno- 
Eubolos  und  für  alle  Seefahrer  dem  Zeus  Urios,  logium  Rusticum  VaUense  Z.  17  — 18,  CLL.  1 
Sarapis,  Isis,  Anubis  und  Harpokrates  seine  p.  358  — 359,  XXII  u.  XXII B,  C.  I.  L.  G,  1 
Widmung  dar,  Rull.  de  Corr.  Hell.  6,  1882  p.  328  p.  637—639  in  den  März,  nach  den  Fasten  des 
nr.  22;  aber  die  pausarii  der  Inschrift  C.  I.  L.  Philocalus,  C.  I.  L.  1  p.  332,  p.  387  und  Laur. 
G,  1, 348 :  PRO  SAL  VTE  ■  DOM  VS  •  AVGVSTAE  j  Lydtis  a.  a.  O.  bestimm!  er  auf  den  5.  dieses  Monats, 
EX  CORPORE  PAVSARIORVM- ET  |  ARGEN-  Ei'nefarbenreicheSchilderungdesselbenentwirft 
TARIORVM-ISID^ET-OSIRI-MANSIONEM  Apul.  Met.  11  c.  8—17,  der  cap.  5  die  Göttin 
AEDIFICAVIMVS  sind  nicht  mit  Reichet,  He  sich  über  die  Bedeutung  desselben  aussprechen 
Isidis  apud  Romanos  eultu  p.  37  Anm.  2  unter  läfst.  Die  Darstellung  des  Apidejus  ist  oft 
Berufung  auf  Seneca  ep.  5G  und  Pauly,  R.-E.  5  40  wiedergegeben  worden,  so  von  de  Sainte-Croix, 
p.  1265  als  ein  „collegium  nautarum  quoddam,  Recherches  historiques  et  critiques  sur  les  mysteres 
qui  remigio  praefairunt  moderatores" ,  sondern  du  paganisme  2'-  p.  154  — 161;  Rolle,  Rech. 
mit  Salmanus  zu  Scriptores  hist.  aug.  v.  Ant.  sur  le  culte  de  Bacchus  2  p.  1G9  ff.  Note  2; 
Carac.  c.  9,  vgl.  v.  Pesc.  Nigri  c.  6,  vol.  1  p.  729  Lerseh,  Isis  u.  ihr  heiliges  Schiff,  Bonner  Jahr- 
u.  6Gla,  ed.  Lugd.,  Henzen  zu  G.  I.  L  6,  348  biieher  9  p.  268  —  271;  Georgii,  Pauly  R.-E. 
und  Lanciani,  Bull.  d.  Inst,  di  corr.  arch.  1868  4  p.  293 — 294;  J.  Burckhardt,  Hie  Zeit  Gm- 
p.  232 — 233  als  „qui  pausas  Utas  explerent  in  stantins  des  Grofsen  p.  204 — 205;  G.  Fr.Herls- 
sacris  Isidis  et  Anubim  portarent"  zu  erklären.  berg ,  Hie  Geschichte  Griechenlands  unter  der 
Schiffe  erhielten  den  Namen  Isis,  so  ein  alexan-  Herrschaft  der  Römer  2  p.  268—271;  Reichet, 
drinisches  Kornschiff,  Lucian,  Las  Schiff  oder  50  De  Isidis  apud  Romanos  eultu  p.  67 — 68; 
die  Wünsche  c.  5;  ein  Kornschiff  in  Ostia  die  G.  F.  Schoemann,  Griech.  Altert.  2;!  p.  529  — 
Isis  Giminiana,  C.  I.  L.  14,  2028;  römische  530;  Preller,  R.  M.  23  p.  381—382;  Lafaye 
Kriegsschiffe,  Asciibach,  Hie  beiden pralorischen  p.  120 — 126;  J.  Reville  a.  a.  O.  p.  5G — 57, 
Flotten  zu  Misenum  u.  Ravenna,  Sitzungsber.  /Anzow,  Psyche  u.  Eros  p.  96.  Das  inschriftlich 
d.  Wiener  Ale.  Phil.-Hist.  Kl.  1875  p.  182,  183,  erwähnte  Tptijpap^ftV  eines  gewissen  Annbion 
jedenfalls  auch  bei  E.  Ferrero,  L'ordinamento  in  Kios,  welcher  Mitglied  eines  Vereins  von 
delle  armate  romane.  Torino  1878;  die  Iso-  Isisverehrern  war,  wird  von  Foucart,  Hes  as- 
pharia,  G.  Spratt,  Travels  and  researches  in  sociations  relig.  chez  les  Grecs  p.  218,  240,  nr. 
Greta  2  p.  254,  G.  I.  L.  3,  3,  deren  Namen  66  =  Waddington,  As.-Min.  1143,  so  erklärt, 
Friihner,  Melanges  d'epigraphie  et  d'histoire.  CO  dafs  Anubion  das  heilige  Schiff  der  Isis  ge- 
Paris 1875  p.  72 — 73  irrig  als  loorpooia  „le  weiht  oder  befehligt  habe;  auch  die  vavßa- 
concours,  la  pre'ention  de  marcher  aussi  vitc  toottej  einer  Inschrift  von  Ephesos  (C.  I.  Gr. 
qu'un  autre"  erklärt.  Glänzend  war  das  Fest,  2955)  hat  man  versucht  mit  diesem  Schiff  der 
an  welchem  Anfang  März  der  Isis  ein  Schilf  seewaltenden  Göttin  in  Zusammenhang  zu 
zur  Wiedereröffnung  der  Schiffahrt  geweiht  bringen,  indessen  mit  Unrecht,  s.  Num.  Zeitschr. 
wurde,  TtlouMftoicx,  Lydus  de  mensibus  4,  32  Bd.  21  p.  91.  Ferner  erklären  Scioppius  und 
(vgl.  Apul.  Met.  11  c.  17,  wo  das  dOldOECIcl  Gimsalius  de  Salas  in  Burmanns  Ausgabe  des 
des   Codex   Florentinus    schon   von   Salmasius,  Petron  p.  523,  527  das  von  diesem  c.  113,  114 


479               Isis  (Göttin  d.  Meeres)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)              480 

p.  77— 7S  ed.  Bücheier  1871  (ed.  min.)  erwähnte  vs.  99,  Rev.  arch.  Ar.  S.  17,  1868  p.  456,  Hermes 

Schiff  (vestem   illam  divinum  sistrumque  redde  4  p.  357,  Rh.  Mus.  1877  p.  220,  224;  Commodian 

navigio)  für  ein  der  Isis  zu  Ehren  den  Fluten  Instr.  adv.  gentium. deos  pro  Christiana  diseiplina 

übergebenes  Fahrzeug.  Irrig  ist  es,  wenn  in  Mignes  Patrol.  Lat.  5  p.  213,  denn  sicher  ist 
Crusius,  Wochenschrift  f.  Mass.  Philo!.  1S88  hier  nicht  mit  Oehler  Furiam,  oder  gar  mit 
Sp.  1095  die  Beschwörungsformel  des  Pap.  Dombart  (Wien  1888)  p.  21  Furinam  zu  lesen; 
Minumt  Col.  4  vs.  98-99,  Wessely,  Griech.  vgl.  dea  Pharia  {Flavia  et  ipsa  cultrix  deae 
Zauberpapyri  von  Paris  u.  London  p.  143,  Phariaes  casta)  in  der  von  Stephani,  Der  aus- 
Wessely ,  Ephesia  Grammata  nr.  539:  cti/Okts  ruhende  Herakles  p.  58f.  Note  1  und  0.  Jahn, 
KvßEpvrjzai  rot'  lsqov  nloiov  auf  die  Tiloiarpsoia  10  Ber.d. Sachs.  Ges.d.  TT.  1851p.  178 — 179citierten 
beziehen  will;  es  ist  hier  vielmehr  von  dem  Inschrift,  wofür  freilich  in  der  von.  Mengen  7410 
Sonnenschiff  die  Rede,  das  in  den  "ägyptischen  gegebenenVersion  Lyaeiculiri.r steht,  vgl.  Fried- 
Texten  eine  so  grofse  Rolle  spielt,  (vgl.  z.  B.  länder,  Sittengesch.  3  p.  618.  In  einigen  nieht- 
Pierret,  Le  Pantheon  Egyptien  p.  29;  Pierret,  metrischen  Inschriften  aber  bezieht  sich  der 
Le  livre  des  morts,  eh.  99,  s.  das  Register  das.  Beiname  jedenfalls  auf  eine  speziell  auf  Pharos 
p.  596 ;  Meinisch,  Die  ägypt.  Denkmäler  in  Mira-  verehrte  Isis,  C.  I.  Gr.  4683b,  5119,  Add. 
mar  p.  49,  73,  74;  Duncker,  Gesch.  d.  Altert.  I1  4944b,  wie  denn  auch  Ovid  Amor.  2,  13,  9 
p.  36 — 37 ;  Le  Page-Rcnouf,  Vorlesungen -p.  102;  unter  den  Kultusstätten  der  Isis  die  palmen- 
Erman, Ägypten  p.  351,  365,  366,  522;  Maspcro,  tragende  Pharos  nennt  und  Minutiös  Felix 
Gesch.  der  morgen!.  Völker  im  Altertum  p.  30 —  20  c.  21  neben  einem  Dictaeus  Iupiter,  Apollo 
34),  auf  dem  neben  Ra  verschiedene  andere  Delphicus,  Ceres  Eleusinia  eine  Isis  Pharia  er- 
Gottheiten stehen,  welche  ihn  gegen  seine  wähnt.  Die  Notiz  des  Syncellus  p.  237,  Isis 
Feinde  verteidigen  und  das  Schiff  lenken,  Pharia  sei  Io  von  den  Ägyptern  genannt  worden 
Wiedemann,  D.  Bei.  d.  alten  Ag.  p.  13 — 14;  diu  rö  ngmzcog  iv  <J>äpco  t?;  vi]aui  TrupctyivEG&ui 
Gkabas,  Pap.  magique  LIarris  p.  51;  im  Lei-  ist  jedenfalls  die  Erklärung  eines  späten  Grarn- 
dener  Papyrus  II".  p.  4  vs.  25/26  und  p.  11  matikers.  Viel  umstritten  ist  die  Ceres  Pharia 
vs.  19 — 20,  Papyri  Graeci  Musei  ant.  Lugd.-  (quae  sine  effigie  rudi  palo  et  informi  ligno 
Bat.  ed.  L^ccmans  2  p.  92,  111,  173  =  Wcssely,  prostat)  des  Tertullian,  Apol.  c.  16  und  ad  nat. 
Eph.  Gr.  p.  26  nr.  278  bezeichnet  sich  Helios  1  c.  12.  Die  Codices  geben  Faria ,  Fariam, 
selbst  als  ö  litt  rrjg  ßäpiiog  üvuzillav;  vgl.  so  Farina.  Rhenanus,  Heraus  und  Semler  wollen, 
auch  Dieterich,  Pap.  mag.  Musei  Lug.  Bat.  V  wie  bei  Migne  1  p.  566  bemerkt  wird,  in  farrea 
p.  774  Note  1.  Auch  in  dem  Schiff  auf  einer  ändern,  wie  auch  O.  Schneider,  Callimachca  2 
alexandrinischen  Kaisermünze  des  Commodus  p.  368  frg.  105  liest.  0.  Müller,  Hdb.  d,  A. 
bei  Zoega,  Numi  Aeg.  imp.  p.  241  nr.  54  mit  d.  K.3  p.  45  §  66,  1  und  Zoega,  De  origine  et 
diesem  das  heilige  Schiff  der  Isis  zu  erkennen  usu  obel.  p.  227,  Anm.  12  schlagen  Baria  vor, 
liegt  kein  Grund  vor,  es  ist  vielmehr  nach  was  Besnard,  Des  Afrikaners  Arnobius  7  Bücher 
v.  Sallet,  Zeitschr.  f.  Num.  2  p.  249  das  kaiser-  wider  die  Heiden  p.  579  und  zuerst  auch  Over- 
liche  Schiff  {Etßuczortooog);  ebenso  wenig  beck,  Berichte  über  die  Verh.  d.  Kgl.  Sachs. 
haben  wir  es  auf  der  Vota-Publica-Münze  Cat.  Ges.  1864  p.  150  aufgenommen  haben,  während 
d'Ennery  p.  643  nr.  4751  zu  erblicken.  40  letzterer  in  der  Griech.  Kunstmyih :• ,  Demeter  u. 
Hinsichtlich  der  Beinamen,  welche  Isis  als  Jiora  p.  409  in  Übereinstimmung  mit  Preller, 
Seegöttin  führt,  so  ist  es  nicht  durch  den  Demeter  u.  Persephone  p.  372  sich  wider  Müllers 
Sprachgebranch  der  Alten  zu  stützen,  wenn  Änderung  erklärt.  Die  meisten  lesen  mit  Bigal- 
die  Neueren  (z.  B.  Creuzer,  Symbolik  l8  p.  320,  tius,  Havercamp,  Le  Kourry,  Oehler  Pharia,  so 
Anm.  64;  Müller,  Hdb.  d.  A.  d.  K.s  p.  671  z.  B.  Spanliemius,  Callimachus  ed.  Emesti  2 
§408,3,  Eclchel  8,  140,  18;  Zoega,  N.  Aeg.  p.  340  u.  734  und  Sainte-Croix,  Pech,  hist  etcrit. 
])  .135  zu  Hadrinn  nr.  339)  sie  in  dieser  Eigen-  sur  les  mysteres  du  paganisme  2"  p.  226  nebst 
schaff  als  Isis  Pharia  bezeichnen.  Diesen  auf  Note  2.  Unter  denen,  welche  Pharia  lesen  er- 
unzähligen Vota-Publica-Münzen  des  4.  Jhdts.  kennen  in  ihr  Isis  Pharia  Morers,  Die  Phönizier 
und  auch  in  einem  Orakel  des  Didymäischen  50  2,  2  p.  70  nebst  Anm.  51,  der  sogar  aus  Ter- 
Apollon,  Euseb.  Praep.  Evang.  5,  7;  Porphyrii  tullians  Beschreibung  herauslesen  will,  dafs 
de  pjhilosophia  ex  oraculis  haurienda  librorum  sie  phönikische  Ascherenbildung  hatte,  Stark, 
relirpiiae  ed.  G.  Wolff  p.  124  vs.  46  der  Isis  Gaza  p.  283,  Preller,  Gr.  M.  23  p.  44,  Demeter 
gegebenen  Beinamen  darf  man  nicht  mit  ?<..  Persephone  j).  372,  Ocerbeck,  Demeter  u.  Koro 
Reiche!,  De  Lsidis  apvd  Romanos  eultu  p.  17  p.  409,  Reiche!  p.  48—49.  Immerhin  ist  es 
und  Tertullian  ad  nat.  2  c.  8  (vgl.  Piper,  Ein-  nicht  unmöglich,  dafs  der  Beiname  der  Ceres 
leitung  in  die  monumentale  Theologie  p.  121)  von  einer  griechischen  Clrtlichkeit  mit  Demeter- 
von  Pharao  ableiten.  In  den  meisten  Autoren-  dienst  hergenommen  worden  ist,  wie  wir  solchen 
stellen  bedeutet  er  nichts  als  „ägyptisch",  wie  beispielsweise  auf  der  kleinen  Insel  Pharos  im 
denn  Tibull  1,  3,  32  anch  die  Schar  der  Isis-  co  adriatischen  Meer,  einer  Kolonie  der  sich  durch 
Verehrerinnen  turba  Pharia  nennt  und  Oeid,  ihren  Demeterdienst  auszeichnenden  Parier, 
Epist.  ex  Ponto  1,  37—38  singt:  Holm,  Gesch.  Sicil.  2  p.  135,  MnUciQav.r^, 
Ecquis  ita  est  audax,  ut  limine  cogat  abire  Kvy.laSixd  p.  83,  Bursian,  Geogr.  ».  Gr.  2 
lactantem  Pharia  tinnula  sistra  manu?  p.  485,  Anm.  5,  voraussetzen  dürfen. 
Nicht  selten  tritt  Pharia  absolut  geradezu  für  Sicher  auf  die  meerwaltende  Funktion  der 
Isis  ein:  JCal.  rust.  Farnes.,  C.  L.  L.  6,  1  Isis  weist  der  Beiname  pelagia,  der  ihr  in 
p.  637  nr.  2305,  Z.  15,  18  =  C.  L  L.  1  p.  358,  Korinth,  Paus.  2,  4,  7,  vgl.  Curtius,  Pelop.  2 
359,  XXII,  A;  im  Carmen  Codicis  Parisini  8084  p.  593  Anm.  83,  in  einer  Inschrift  von  Mitylene, 


481              Isis  (Göttin  d.  Meeres)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)              482 

G.  I.  Gr.  2174,  Villoison,  Mim.  de  l'Ac.  des  nicht  auf  den  Namen  der  Isis  Pelagia  Anspruch 
/.  et  B.-L.  47  p.  306,  und  in  der  Grabschrift  erheben.  Vollends  phantastisch  ist  es,  wenn 
eines  aedituus  ab  Isim  pelagiam  in  Rom  C.  L.  Visconti  [Bull,  della  commiss.  arch.  munic. 
[Gruter  p.  312,  5,  Schläger,  De  numo  Hadriani  1,  1872/73  p.  33  —  41,  Tav.  1,  vgl.  Gilbert,  Gesch. 
plumbeo  p.  131,  Tristan,  Comment.hist.  1  p.  342,  u.  Topogr.  der  Stadt  Rom  3  p.  112  Anm.  1) 
l'hes.  Morellianus  2  p.  495,  Siccama in  Graevius,  einen  1872  nahe  bei  der  Kirche  S.  Cesario  an 
Thcs.  Ant.  Born.  8  p.  65,  C.  I.  L.  6,  8707,  der  Via  Appia  gefundenen  kolossalen  Marmor- 
Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  der  Stadt  Rom  3  fufs  mit  Darstellungen  von  auf  Tritonen  und 
p.  112  Anm.  1)  beigelegt  wird.  Sie  teilt  den-  Delphinen  reitenden  Amorinen  von  einer  Isis- 
seiben mit  Aphrodite  [Preller,  Griech.  Myth.  10  statue  stammen  läfst,  während  F.Gori,  Archivio 
l8  p.  281;  Stephanus  Thes.  Gr.  L.  6  p.  7409  stör.  arch.  e  lett.  della  cittä  e  provincia  di  Roma 
der  Londoner  Ausgabe;  M.  F.  Lajard,  Rech.  3,  1878/79  p.  44—45  ihn  ebenso  grundlos  der 
s.  le  culte  de  Venus  p.  44;  C.  I.  L.  3,  3066)  Venus  zuweist,  vgl.  Stark,  Bursians  Jahrcsber. 
mit  Selene  [Wessehj,  Gr.  Zaubcrpap.  v.  Paris  1,  1873.  2.  Bd.  p.  1572.  Die  von  Foucart,  Les 
u.  London  p.  101  vs.  2272)  und  mit  Artemis,  assoc.  rel.  ches  les  Grecs  p.  117  und  von  Fröhner, 
wenn  anders  Tollem,  p.  174,  3.  El.  2.  Abt.  nr.  814  Coli.  I.  Grc'au,  Cat.  des  bronzes  ant.  Paris  1885. 
die  Beischrift  TTGAAn  einer  als  Jägerin  dar-  4°  p.  169  nr.  843  als  „Isis  Pharia"  bezeichneten 
gestellten  Artemis  richtig  deutet  und  nicht  Bronzestatuetten  stellen  Isis-Tyche  dar.  Unter 
etwa  TTGAAriou,  als  Namen  des  Besitzers  der  den  Basreliefs  ist  anzuführen  ein  1614  in 
Gemme  zu  ergänzen,  oder  gar  die  Inschrift  20  Marseille  gefundenes:  „Isis,  tenant  une  corne 
mit  Panofka,  Gemmen  mit  Inschriften  in  den  d'abondance ,  ayant  pres  d'elle  le  chien  Sirius 
legi.  Museen  zu  Berlin,  Haag,  Kopenhagen,  Lon-  et  un  personnage  inconnu,  peut-etre  Anubis, 
don,  Paris,  Petersburg  u.  Wien.  Berlin  1852.  apaise  les  Jlots  tt  sauve  du  naufrage  une  barque 
4°  p.  92  für  gefälscht  anzusehen  ist.  qui  renferme  eleuxnavigateurs",  Gamille  Jullian, 

Ganz  irrig    ist  von  Rolle,  Rech.  s.  le  culte  Bull,  epigr.  de  la  Garde  6,   1886  p.  124.    Eine 

de  Bacchus  2  p.  172  Note  1,  Hildebrandt,  Apul.  merkwürdige    Bildung   zeigt    die   von    Lcrsch, 

1  p.  1044,  Georgii,  R.-E.  4  p.  286  die  inschrift-  Bonner  Jaltrbb.  H.  9  p.  101  —  115,  Tfl.  7,  Ernst 

lieh  zusammen  mit  der  Mater  Deum  vorkom-  aus'm     Weerth,     Kunstdenkmäler    des    christl. 

inende  Navisalvia  [C.  I.  L.  6,  1,  492 — 494)  für  Mittelalters  in  den  Rheinlanden.  1.  Abt.  Süd- 

die  seewaltende  Isis  erklärt  worden,  während  30  nerei.   2.  Bd.   Leipzig  1860.   4°   [p.  80 — 89   Tfl. 

dieselbe  nach   Burmann  zu  Properz   2,  21,  21  33,  3  —  9]   p.  85—87   und  Lafaye  p.  293—294 

p.  414;  Braun,  Ruinen  u.  Museen  Roms  p.  150  nr.  104  für  Isis  erklärte  Hauptfigur  eines  (nr.  4) 

nr.  29;  Borghesi,  Oeuvres  compl.  2  p.  183;  Asch-  der  sechs  mit  Elfenbeinschnitzereien  verzierten 

bach,  Sitzungsber.  der  Wiener  Ale.  Ph.-H.  Kl.  Seitenfelder  einer  von  Heinrich  II.  gestifteten 

1875  p.  200  Anm.  1;    Preller,   R.  M.  23  p.  58  Eanzel   im   gotischen   Chore   des   Münsters  zu 

Anm.  1   als   die   zur   Schutzgöttin    der   Tiber-  Aachen.    Sie  hat  den  Polos  auf  dem  lockigen 

Schiffer  erhobene  Vestalin  Claudia  Quinta,  nach  Haar,  in  der  L.  eine  Rundkapelle,  in  welcher 

Maff'ei,   Mus.    Veronense  p.  90;    Orelli   zu   nr.  ein   für  Horos   erklärtes   Kind   und   auf  deren 

1906;  Cardinali,  Jscrizioni  Veliterne  p.  7 ;  G.  L.  Spitze   ein   als   Sperber  gedeuteter  Vogel    er- 

Visconti,   Ann.   d.  Inst.  1867   p.  301  —  302   als  40  scheint.     In  der  R.  hält  sie  ein  Schiff  mit  drei 

das   unter   dem   Namen   navis   salvia   verehrte  Figuren.    I.ersch  hält  das  Werk  für  eine  mittel- 

Schiff,    welches    die   Göttermutter    nach   Rom  alterliche   Nachbildung   einer   römischen   Isis- 

brachte,  oder  nach  Sensen,  C.  I.  L.  6,  1  p.  92  darstelluog,    Schcia/f  hausen  bezeichnet  es   als 

als  die  Iuno  dieses  Schiffes  aufzufassen  ist.  Produkt   einer  Zeit,    wo   man   wohl  noch  das 

Von  Statuen,  welche  Isis  Pelagia  darstellen,  Erbteil  allgemeiner  mythologischer  Vorstel- 
ist  zu  nennen  eine  kleine  Marmorfigur  der  lungen  besafs,  aber  deren  sicheres  Wissen  ver- 
Villa Ludovisi,  welche  den  1.  Fufs  auf  ein  loren  hatte.  Von  Lampen  ist  die  mit  der 
Schiffsvorderteil  setzt,  Winckelmann,  Sämtl.  Aufschrift  EvnXoia'  kaßs  gs  xöv  'Hliooiouitiv 
Werke  ed.  Eiselein  3  p.  183 — 184;  4  p.  357;  versehene  zu  nennen,  s.  oben  Bd.  I  s.  v.  Helio- 
6  p.  296;  7  p.  331;  Schreiber,  Die  ant.  Bild-  so  serapis,  Kaibel,  I.  Gr.  Ital.  et  Sic.  2405,  48, 
werke  der  Villa  Ludovisi  p.  240  nr.  303.  Wenn  welche,  als  Schiff  geformt,  auf  dem  Vorderteil 
Winckelmann  7  p.  331  „eine  kleine  Figur  in  Isis  und  Sarapis  zeigt.  Von  geschnittenen 
einem  Schiffchen  auf  einem  runden  Fufsgestelle  Steinen  führt  sie  uns  vor  mit  beiden  Händen 
in  der  Villa  Mattei,  wo  man  einen  ägyptischen  ein  ausgebreitetes  Segel  haltend  ein  Stein  der 
Gottesdienst  abgebildet  sieht"  zur  Vergleichung  Sammlung  Borgia  3.  Cl.  1.  div.  nr.  10,  Hoc. 
anführt,  so  ist  dies  schon  aus  dem  Grunde  un-  inecl.  3  p.  424;  ein  Karneol  der  Sammlung 
zulässig,  weil,  wie  die  Abbildung  bei  Visconti,  Stoscli,  Winckelmann,  Descr.  p.  16,  1.  Kl.  2.  Abt. 
Musee  Pie-Clementin  7  PI.  14,  vgl.  Amadulius,  nr.  62  =  Sämtl.  Werke  9  p.  305;  Tölken  1.  Kl. 
Monumenta  Matthaeiana  2  p.  46  Tb.  25  Fig.  1.  2;  2.  Abt.  nr.  38  p.  16;  ebenso,  neben  ihr  Har- 
Zoega  in  Welckers  Ztschr.  f.  Gesch.  u.  Auslegung  m  pokrates,  unten  die  Aufschrift  EPMEA  ein 
(/.  alten  Kunst  1,  1818  p.  466—  468;  Beschreibung  Karneol  in  Wien,  v.  Sacken  u.  Kenner,  Die 
dir  Stadt  Rom  2,2  p.  249,  zeigt,  die  Gestalt  Sammlungen  des  K.  K.  Münz-  u,  Ant.-Kab. 
sich  am  Ufer  befindet,  während  der  Kahn  leer  p.  431  nr.  138;  ebenso,  in  der  R.  noch  ein 
auf  dem  Wasser  ruht.  Ferner  kann  die  von  Sistrum  haltend  auf  dem  Vorderteil  eines 
Lafaye  p.  279  nr.  50  wenigstens  fragweise  Isis  Schiffes,  in  dessen  Mitte  Sarapis  thronend 
Pharia  benannte  Marmor;tatue  in  Holkham  und  hinter  ihm  Tyche  zu  sehen  ist,  ein 
Hall,  Chirac  5,  992,  2575  A;  Michaelis,  Anc.  Chalcedon  des  Museo  Borgiano  3.  Cl.  2.  div. 
Marbles  in   Great   Britain  p.  312  —  313   nr.  33  nr.  30,    Doc.  ined.  3   p.  434  und  Titelvignette 

Horcher  ,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.   LT.  16 


483              Isis  (Göttin  cl.  Meeres)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)              484 

zu  Zoegas  Numi  Aeg.  Imp.;  auf  einem  Schiff      de  Stoseh  p.  71  zu  PI.  28;  Doc.  ined.  3  p.  479, 

ein     Segel     ausspannend ,     Sarapis    thronend,  Mus.  Borgiano  3.  Cl.  9.  div.  nr.  46  =  Io.  Chr. 

Fortuna    das    Steuer    lenkend    ein    Stein    aus  Amadutii   ad   Io.    Paul.    Borgiam   de   gemma 

Aquileja,  Steinbüchcl,  Geschn.  Edelsteine  p.  65;  navim    cum    Dioscuris    desuper    coruscantibus 

ebenso,  mit  vorgestreckten  Händen,  aber  ohne  referente  epistola,  Nov.    Tlies.  g.  v.  3  p.  III — 

dafs  ein  Segel  sichtbar  ist,  auf  dem  Vorderteil  XV;    ähnliche    Schiffsdarstellungen    mit    den 

eines  Schiffes  mit  Sarapis  in  der  Witte,  Tyche  Hüten    der  Dioskuren   und   Sternen   oder  mit 

am  Hinterteil  und  einem  Pallaskopf  im  Felde,  zwei   Sternen   allein   auch    bei    Tölken  p.  379, 

ein   Jaspis  des   Museum  Florentinum,   Gori  1  7.  Kl.  124. 125 ;  Gor i,  Thes. g.  a.  astrif.  1  Tb.  165, 
Tb.  57   nr.  6,    David  et  Mulot,  Le  Musee   de  io  2  p.  194—  1V6;   King,  Ant.  gems  and  rings  2 

Florence   1   PI.  92   nr.  1   p.  224—225 ,   Lafai/e  PI.  39  nr.  1  p.  62 ;  auf  Münzen  mit  den  Häuptern 

p.  314  nr.  171,  und  eine   Glaspaste  davon  in  des  Antonius  und  der  Oetavia,  Mommsen,  Hist. 

Sammlung  Stoseh,  Winckelmann,  Descr.  p.  43,  de  la   monnaie   rom.   4  PI.  33  nr.  5   p.  78  = 

2.  Cl.  3.  sect.  nr.  65  =  Werke  9  p.  330.    Ahn-  Cohen,  Med.  Imp.  la  p.  55  nr.  12  =  Babclon, 

lieh  auf  einer  Gemme  bei  Montfaucon,  L'ant.  Monn.  consul.  2  p.  278,  Oppia  nr.  5;  des  An- 

expl.  Suppl.  2  PI.  apres  la  43  du  Tome  2  flg.  1  tiochos  VII.  von  Syrien,  Tresor  de  num.  et  de 

p.  155 — 156;   Lippert,  Dactyl.   univ.  chil.  alt.  glypt.  Numismatique  des  rois  grecs.  Paris  1849. 

p.  39  I  nr.  376   („Sarda");   Hettner ,  Die  Bild-  2°  PI.  49   nr.  12;   Liebe,   Gotha  num.   p.  114; 

werke  der  Zgl.  Antikensammlung  zu  Dresden  Museums  1  Tb.  7,  5;  des  Alesander  II.  Zebina, 
1856  p.  99,  8  nr.  13  („Karneol")  mit  Situla  in  20  Num.  des  rois  grecs  PI.  4  nr.  17;  Pellerin,  Bec. 

der  R.  auf  einem  Schiff  zusammen  mit  Sarapis  de  med.   des   rois  PI.  11;   A   Cat.   of  the  greek 

und  Tyche  und  darüber  die  Sterne  der  Dios-  coins  in  the  Brit.  Mus.  The  Sdeucid  Kings  of 

kureu,  welche  als  Helfer  zur  See  eine  wichtige  Syria  PI.  22,  14;   von  Phokaia,   Patin,  Num. 

Rolle  spielen  [vgl.  oben  Bd.  I  Sp.  1163  —  1164,  Imp.  p.  207   nr.  1;    Pellerin,  Bec.  de  med.  2 

Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  146-147;    Preller,  PI.  59,  72;  Schläger  Tb.  2  nr.  29;  Müller,  Descr. 

Griech.  Myth.   23  p.  105—108;   B.  M."  p.  662  des  monn.  ant.  du  Musee   Thorvaldsen  p.  263 

und  Ber.  d.  Sachs.  Ges.  1849  p.  24  Anm.  124;  nr.  119  nebst  Note  5;  A.  Lübbecke,  Ztschr.  f.  N.  7 

Welcher,  Gr.    Götterhhre  2   p.  429—433,    der  1880  p.  55  —  56  nr.  5   (vor  der  Prora   ein  See- 

p.  430  Anm.  2  citiert:  I  H.  Linck,  De  stellis  tier    mit   langen    Ohren    und    Fischschwanz); 
marinis  Hb.  sing.  1733.  2°,    F.  Piper,  Das  S.  so  T.  Combe,  Vet.pop.  et  reg.  numi  qui  in  Museo 

Elmsfeuer  in  Poggendorfs  Annalen  der  Physik  Brit.  adservantur  Tab.  12,  24;   28,  271,  284, 

28,  1851  p.  317—  326,  Tril.  Prometheus  p.  229;  285   p.  36;    Leukas,   TloaroXanag,   Kaxcik.   räv 

ferner   Piper,   Mythol.    d.   christl.   Kunst   1,  2  olq%.  vog,.   KiQxvgug,  AsvxdSog  x.t.X.  p.  67  nr. 

p.  412 — 416;  C.  A.  Büttiger,  Ideen  zur  Kunst-  684,  687  Pinax  l~;  auf  einer  Bronzemünze  von 

mythol.  1  p.  362;    Creuzer,   Symb.   2e  p.  338 —  Tyndaris    im    Obv.    eine    Prora,    im    Rs.    die 

339;  Schoemann,  Gr.  Altert.  23  p.  633;  Haakh,  Uioskurenmützen  mit  Sternen,  Imhoof-Blumer, 

Paulys  B.-E.  2  p.  1324;  Bitschi,  Bonner  Jahrbb.  Berl.  Bl.  f.  Münz-,  Siegel-  u.  Wappenkunde  5, 

1864,'  H.  37  p.  73—74  Anm.  4;  Midier,  Hdb.  d.  1870   p.  60,  3;   F.   v.   Duhn,   Ztschr.   f.  N.  3, 

A.  d.  K.  p.  706  §  414,  5   mit  Anführung   von  1876   p.  32   nr.  20;    auf  Münzen    des   Severus 
Com.  Cam.  Silvestrii  Bhodigini  in  anaglyphum  io  Alexander  von  Sidon  auf  einer  Erhöhung  des 

Gr.  interpretatio  posthuma.  Roma  1720;  Moni-  Kastells    der    Argo    (Beischrift    APrO|NAYT) 

faueon,  L'ant.  expl.  Suppl.  1  PI.  73;    Tomasi-  die  Dioskuren  mit  Sternen  sitzend,  Beichardt, 

nus,  De  donariis  veterum,  Graevius,  Thes.  ant.  Num.  Zeitschr.   1,    1869   p.  385  —  386   Tfl.  11, 

Rom.   12   p.  844;  J.  C.  Schläger,   Commcntatio  2;  auf  Münzen  von  Berytos  delphinumwundener 

de  diis  hominibusque  serratoribus.   Helmestadii  Dreizack    zwischen    den    Dioskurenhüten    mit 

1737.  4°  p.  39—40;   Mailrice  Albert,   Le   eulte  Sternen,  Pellerin,  Bec.  2  PL  81,  3;  auf  Münzen 

de  Castor  et  Pollux  en  Italie.  Paris  1883  p.  54 —  von    Olbia    ein    Delphin    zwischen    den    Dios- 

66;  Friedländer,  Sittengesch.  3  p.  434;  Trede  2  knrenhüten    mit    Sternen,    unten    eine    Ähre, 

p.  312 — 313;  Spavhemius  zu  Callim.  h.  in  Fall.  de  Kähne,  Descr.   du  Musee  du  feu  le  prince 
vs.  24,  ed.  Ernesti  2  p.  631;  Bergk,  Poetae  Lyr.  50  Basilc  Kotchoubey  1  p.  59  nr.  93];  endlich,  um 

Gr.  3:l  p.  1317  =  Stob.  Ecl.  Phys.  1,  2,  31  (vuvoC  wieder   auf  die  Verbindung   der   Isis   mit  den 

x'  in'  b>y.v7i6qoigi  Jioohovqcov   STiicpctvTiov);    3  Dioskuren   zu   kommen,   auf  einer  Bleitessera 

p.  1342  nr.  91  =  Plut.  an  seni  sit  ger.  resp.  12  in  Athen  der  Kopfschmuck  der  Göttin  (Sonneu- 

(utf  TvvSaqiSäv  adiXqxöv  aliov  vuviuv  nu9og  Scheibe    zwischen   Hörnern   mit   zwei   Federn) 

ßüXXti);  3  p. 1351  nr.  183;  Simeriusor.  1  §10p.40  zwischen    den    beiden    Mützen    mit    Sternen, 

in  I'hüostrati  et  Callistrati  op.  ed.  Dübner  1849  Engel,  Bull,  de  Corr.  hell.  8  PI.  3  nr.  64  p.  10; 

(xvßiQväoi  tag  iv%ug  zäv  ra  -izsläyr)  öiaßaivöv-  sowie  auf  einer  des  Herrn  Scholz  Isis  im  Obv., 

rcov   /tioo-AovQOi);    C.   I.    Gr.   1824 — 27;   1874;  ein  Dioskur  mit  seinem  Rofs  im  Rs. ,  Kroseh, 

1949;    6860  b,    vs.   5     (7rX&>r[iy]gcoi<    owrijQaiv,  Bonner  Jahrbb.  H.  2.  1843  p.  80  nr.  17.   Ferner 
'AfivKluloiGi  [&]jo[t']Gt»>;  auch  489,  1261,  1421,  co  erscheint    Isis    mit   Sarapis    und    Hermes    auf 

4042,    4458    ßcozfjQfg);     LT.     Boehl ,    Bursians  einem   Schiff  auf  einem   roten  Jaspis,    Descr. 

Jahresber.  32.  Bd.  10,  2.  1882  p.  64  =  Petrides,  Musei   Franciani   1    p.  249   nr.  787;   auf  dem 

Pamassos  1881   p.  905   (JlÖbxovqoi  £vni.£ictv);  Vorderteil  des  Schiffs,  in  der  R.  das  Sistrum, 

ferner  Tristan,  Comment.  hist.  2  p.  447;  Zoega,  in    der  L.    vielleicht    die   Situla,    zugewendet 

Numi,    Aeg.   Imp.    Note    zu    Traianus   nr.  55  dem  Sarapis  mit  Schlange  zu  Füfsen  und  Stern 

p.  66  —  67;    Eckhel,    Clioix   de  p.    gr.   dti   cab.  vor  sich  auf  dem  Hinterteil  auf  einem  Lapis- 

imp.   des  ant.  p.  58 — 59   zu   PI.  28;   Schlichte-  Lazuli  des  Museo  Borgiano  3.  Cl.  2.  div.  nr.  31, 

groll,   Choix  des  principales  p.  gr.  de  la  coli.  Doc.  ined.  3  p.  435;  am  Steuer  eines  Schiffes, 


485 


Isis  (Göttin  d.  Meeres) 


Isis  (Göttin  d.  Meeres) 


486 


Isis  Polagia.     Kenner,  Slift 
St.  Florian  7,  20. 


auf  welchem  Sarapis  zwischen  der  Göttin  des 
Überflusses  und  Demeter  sitzt,  auf  eiuern 
Lapis-Lazuli  bei  Raspe  p.  122  nr.  1499.  Die 
Büste  der  Isis  soll  zu  sehen  sein  auf  Vorder- 
und  Hinterteil  eines  Nilbootes,  auf  dem  Sara- 
pis zwischen  einem  Sperber  und  Harpokrates 
sitzt,  auf  einem  Lapis-Lazuli  der  Sammlung 
Stosch,  Winckelmann,  Descr.  p.  43,  2.  Kl.  3.  Abt. 
nr.  64  =  Werke  9  p.  330,  Raspe  p.  122 
nr.  1501,  Tolken  p.  21,  1.  Kl.  2.  Abt.  nr.  74.  10 
Von  Kontorniaten  ist  zu  nennen  der  in  Cat. 
of  the  second  portion  of  the  North  wick  Coli. 
London  1800  p.  4  nr.  34  verzeichnete:  „Serapis. 
Rs.  Isis  with  floating  sail  to  left",  vielleicht 
dieselbe  Darstellung  wie  die  des  bei  Kenner, 
Die  Münzsammlung  des  Stifts  St.  Florian  Tfl. 
7,  20  p.  201  beschriebenen:  DEO  SARAPIDI. 
Büste  des  Sarapis 
von  1.  Rs.  Isis  Pha- 
ria  auf  dem  Schifte  20 
von  links  — ;  et- 
was vorschreitend 
hält  sie  die  beiden 
oberen  Enden  des 
geblähten  Segels 
in  den  erhobenen 
Händen  u.  s.  w.  Da 
Götterbilder  auf 
Kontorniaten  nicht 
allzuhäufig  sind,  30 
Fr.  Lenormant,  La 
monnaie  claus  l'an- 
liquite  1  p.  50,  ist,  zumal  da  nach  der  Ab- 
bildung der  Revers  vollständig  verwischt  ist, 
vielleicht  wiederum  dieser  Typus  zu  erkennen 
auf  dem  von  Cohen  6  p.  548  nr.  1  aus  Gab. 
Charvet  so  beschriebenen:  „DEO  SAHAPIDI. 
Büste  de  Serapis  ä  g.,  barbu,  le  modius  sur 
la  t.  et  vetu  du  paludament.  Rs.  Tres-fruste. 
On  distingue  un  aigle  et  un  arbre."  Hin-  40 
sichtlich  der  Bleitesseren  verzeichnet  Krosch 
a.  a.  0.  p.  81  nr.  46,  47  u.  48  Isis  Pharia  im 
Obv. ,  Haupt  des  Nils  oder  gelagerter  Nil  im 
Rs. ;  Ficoroni,  De  plumbeis  ant.  num.  p.  102 
cap.  29  nr.  13  und  E.  de  Rüg  gier  0 ,  Cat.  del 
Museo  Kircheriano  1  p.  181  nr.  945  Isis  mit 
Sistrum  auf  der  einen  und  ein  Schiff  mit 
schwellenden  Segeln  auf  der  anderen  Seite; 
Cornaglia,  Mus.  num.  Lavg  1  p.  407  nr.  4583 
Isis  sitzend,  den  Harpokrates  säugend  im  Obv.,  50 
Poseidon  mit  einem  Fufs  auf  ein  Schiffsvorder- 
teil tretend  im  Rs.;  dagegen  die  Beschreibung 
de  Murrs,  Descr.  du  cab.  de  Monsieur  Paul 
de  Praun  p.  301  nr.  432:  „Neptune  couche  ä 
terre  tient  un  poisson.  Au  revers  de  la  pierre 
on  voit  Harpor-rate  avec  les  mots  gnostiques  ä 
rebours:  lAra AAAOANA1AA"  (offenbar  ußictva- 
&av<xi.ß<x)  flöfst  mir  hinsichtlich  des  Poseidon 
wenig  Vertrauen  ein. 

Auch  zahlreiche  Münzen  zeigen  uns  Isis  co 
Pelagia.  Cohen  2'2,  231,  1496  beschreibt  den 
Typus  einer  Münze  Hadrians  so:  „Isis?  debout 
ä  g.,  cn  aeant  d'un  vaisscau  qui  est  sur  le 
second  pilan;  ä  g.,  un  temple?,  ä  dr.  une  chouelte 
sur  un  rocher.  Petit  Medaillon  ou  M.  R." 
Sicher  erscheint  sie  auf  der  schon  oben  er- 
wähnten Münze  der  Faustina  jun.  bei  Fröhner 
a.  a.  O.   p.  13,    Cohen   3'!  nr.  299,   Mionnet   1 


p.  236,  Akerman  1  p.  291  nr.  14,  deren  Typus 
Cohen  beschreibt  als:  „Isis  Pharia  marchant 
ä  dr.  avec  son  volle  flottant  au-clessits  de  sa 
tete,  et  tenant  un  sistre;  derriere  un  phare; 
devant  un  vaisseau  avec  un  mdt  sur  lequel  est 
une  volle  deployee."  Fröhners  im  wesentlichen 
mit  dieser  Beschreibung  übereinstimmende  Ab- 
bildung zeigt  nichts  von  einem  Sistrum.  Isis 
ist  bekleidet  mit  einem  nur  die  Arme  frei- 
lassenden Gewände.  Mit  der  etwas  gesenkten 
L.  hält  sie  das  von  dem  Gipfel  des  Mastes 
rückwärts  flatternde  Segel  an  seinem  unteren 
Zipfel,  mit  der  vorgestreckten  R.  das  vordere 
Ende  eines  schleierartigen  Gewandstücks,  das 
im  anmutigen  Bogen  über  dem  Haupte  der 
Göttin  wallt,  und,  über  die  rechte  Schulter 
geschlagen,  mit  dem  hinteren  Ende  rückwärts 
in  der  Luft  flattert.  Auf  den  alexandrinischen 
Kaisermünzen  geht  dieses  Gewandstück  nicht 
über  das  Haupt  der  Göttin,  sondern  bildet 
einen  Bausch  auf  dem  Rücken,  auch  hält  sie 
hier  keines  der  beiden  Enden  desselben,  da 
sie  beide  Hände  zum  Festhalten  des  Segels 
braucht.  Visconti,  Musc'e  Pie-C/e'mentin  7  p.  86, 
Note  2  zu  PI.  15  bemerkt:  „Cette  draperie 
volonte  des  divinites  de  l'air  et  de  Celles  de  la 
mer  convient  a  Isis  dispensalrice  Selon  l'opinion 
de  cette  theologie  physique."  Auch  0.  Jahn, 
Die  Entführung  der  Europa  auf  antiken 
Kunstwerken ,  Denkschr.  der  Wiener  Akademie, 
Ph.-H.  Kl.  19  p.  15  —  IG  schreibt  sie  be- 
sonders den  Luft-  und  Seegottheiten  zu,  letz- 
teren auch  Kopp,  Palaeogr.  crit.  4  p.  328  ff. 
§  845  und  Ritschi,  Bonner  Jahrbb.  H.  37,  1864 
p.  90  Anm.  65;  vgl.  auch  F.  Lajarcl,  Rech.  s. 
le  culle,  les  symboles,  les  altributs  et  les  monu- 
ments  figures  de  Venus  en  Orient  et  eu  Occident. 
Paris  1837.  4"  p.  236  u.  Note  4,  sowie  Memoire 
sur  un  bas-relief  mithriaque  qui  a  e'te  clecouvcrt 
ä  Vienne  (Isere),  Mein,  de  VInst.  Roy.  de  France, 
Ac.  des  Inscr.  et  B.-L.  15,  2,  1845  p.  290—292, 
Note  2  („je  dois  faire  remarquer  ici  que  la 
volle  enflee  par  les  vents  et  placee  sur  la  tete 
d' Astarte,  d  Artemis,  de  Diane  et  d'Isis,  pouvait 
rappeler  que  ces  divinites,  comme  Hera  ou  Iunon, 
etaient  cosmologiquement  parlant,  assimilees  ä 
l'air");  Cavedoni,  Bull.  arch.  napol.  N.  S.  2, 
1853  p.90,  der  an  PI  in.  36,  4, 17  „velificantes  veste 
sua"  erinnert;  weniger  ansprechend  will  Tölken, 
Über  die  Darstellung  der  Vorsehung  u.  der 
Ewigkeit  auf  römischen  Kaisermünzen.  Berlin 
1844  p.  15  sie  als  „gleichsam  in  Anspielung  auf 
das  Himmelsgewölbe"  den  der  Natur  gebieten- 
den Gottheiten  beilegen  und  Welcher,  Zeitschr. 
f.  Gesch.  u.  Auslegung  der  alten  Kunst  1  p.  467 
Anm.  141  sie  von  Selene  auf  Isis  übertragen 
sein  lassen.  Auf  Vota-  Publica- Münzen  mitt- 
lerer Gröfse  Diocletians  soll  Isis  vorkommen 
stehend  am  Steuer  eines  Zweimasters,  an  dessen 
Vorderteil  eine  andere  Figur  das  Segel  ein- 
zieht, Banduri  2  p.  25  (De  C[amps']),  wonach 
Cohen  62  p.  474  nr.  528,  Eckhel  8  p.  15,  Rasehe 
6,  1  p.  776;  nach  Vaillant,  Num.  Imp.  Rom. 
Praest.  1  p.  254  steht  sie  dagegen  am  Vorder- 
teil; nach  de  Fontenu,  Mein,  de  V Ac.  des  Inscr. 
et  B.-L.  5  p.  92,  vgl.  Griselini,  Raccolta  d'opuscoli 
scientifici  e  fdologici.  39  p.  343  richtet  sie  auf 
einem  Stücke  des  Herrn  de  Surbeck  das  eine 

16* 


487              Isis  (Göttin  d.  Meeres)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)              488 

der  Segel,   während  Sarapis   am  Steuer   sitzt;  FARIA  Büste  mit  Sistrum  in  der  R.,  Banduri 

über  eine  ähnliche  Darstellung  auf  einer  Münze  2  p.  442;   Akerman  2   p.  301   nr.  2;    Tanini  p. 

Maximians  s.  oben  Sp.  406.  Am  Steuer  eines  mit  321  =  Hasche  p.  786;  Ramus  2,  2  p.  296  nr.  63; 

noch  einigen  Figuren  besetzten  Einmasters,  und  Wiczay  2  p.  380  nr.  4282.  —  Tanini  p.  322  = 

zwar  nach  Ramus  stehend,  nach  den  anderen  Hasche  a.  a.  0.;  Mi.  2  p.  299;  Akerman  nr.  3; 

sitzend,  erscheint  sie  auf  Vota-Publica-Münzen  Iovianus,  Tanini  p.  324  =  Rasche  p.  787  u. 

(Kleinbronzen)  des  Constantinus  M.,  Ramus  2,  Eckhel ,  T).  N.   V.  S  p.  148;  Cohen  6,  26;  Mi. 

2  p.  249  nr.  331,  wonach  Cohen  6,  55;  Haller,  2  p.  307;  Akerman  2  p.  309  nr.  4.     Ein  Segel 

Cat.  Mus.  Bernensis  p.  373  nr.  58;  Banduri  2  ausbreitend,   bald   mit  Angabe   des   Sistrums, 
p.  292 — 293,   wonach   Rasche   6,1p.  778   und  10  was  durch  ein  Sternchen   ausgedrückt  werden 

Cohen  6,  552;    Tanini  p.  275,   wonach  Rasche  soll,    bald    ohne  Angabe    desselben   wird    sie 

a.  a.  0.;    Wiczay  2  p.  367   nr.  4009;   und    des  verzeichnet  auf  alexandrinischen  Kaisermünzen 

Crispus,  Tanini  p.  284,  wonach  Rasche  a.  a.  0.  unter  Domitian  LA,  Mi.  87,  372;  LI,  Eckhel. 

und  Cohen  6,  146.    Auf  einem  Schiffe  stehend  Cat.    Mus.    Caes.  Vind.   1   p.  267  nr.  5  =  Mi. 

und  ein  schwellendes  Segel  haltend  sieht  man  96,  447;  LIA,  Thes.  Morellianus  3,  Dom.  Tb.  24 

sie  auf  zahlreichen  Vota-Publica-Münzen  (Klein-  nr.  7  =  Zoega  p.  56   nr.  92   und   Mi.  97,  460; 

bronzen)    des    Constantinus   M. ,    Eckhel,   Cat.  Trajan  LIA,  *Mi.  6,  119,  646  =  Sestini,  C.  N. 

Mus.  Caes.  Vindob.  2  p.  479  nr.  274,  D.  N.  V.  V.   Mus.  Arig.   Cast.    p.  106;    Hadrian   LA, 

8  p.  91,  Arneth,  Synopsis  Num.  Rom.  qui  in  Zoega  p.  103   nr.  30  a  =  Mi.   149,  S70;    LZ, 
Mus.    Caes.   Vind.  adservantur  p.  196  nr.  106;  20  *Zoega  106,  64  Tb.  6,9  =  Mi.  155,  917;    LH, 

Banduri  2  p.  293,  Cohen  7,  41;  Tanini  p.  227;  *Mi.  S.  9,  56,  179;    LAEKATOT,  Mi.  6,  162, 

Ramus    2,2   p.  249    nr.  332;     Cohen   6,   550;  978;     LIA,    Zoega  129,  233;    Cat.   Rapp  p.  50 

Mionnet  2  p.  236;  J.  T.  Akerman  2  p.  243,  37;  nr.  613;   *Mi.  6,  172,  1083;  1084;   '*  Feuardent 

Cat.  d'Ennery  p.  638  nr.  4690;  Crispus,  Tanini  84,  1334;  LIE,  *Feuardent  86, 1360;  LIZ,  Zoega 

p.  284;  Cat.  d'Enntry  p.  639  nr.  4705  =  Rasche  136,  340  =  Eckhel,  Cat.  Mus.  C.  Vind.  1  p.  270 

6,  1  p.  778,    Cohen  6,  147,    Mionnet  2  p.  241;  nr.  28;  A.  de  Longperier,  Cab.  de  Magnoncour 

Constantinus  II.  nur  durch  Rasche  6,  1  p.  779  be-  p.  98  nr.  763;  Gefsner,  Num.  ant.  Impp.  Tb.  90, 

legt,  also  sehr  zweifelhaft;  Magnentius,  Tanini  23;  *Mi.  178,  1143;  *Feuardent  87, 1376;  *Coll. 

p.  312  =  Rasche  a.  a.  0.  p.  779,  Cohen  6,  63;  Santangelo  135  nr.  11880;  LIH,  Wiczay  1,  312, 
Constantius   Gallus,   Ramus  2,  2  p.  292  nr.  26  30  66S3  =  Sestini,    Mus.    Hed.   3   Cont,   29,  74; 

=  Cohen  6,  49;  Julian  Apostata  (DN  IVLIANVS  Feuardent   90,  1408;   Cohen,   Cat.   Greau  258, 

P  F  AVG.  Rs.  VOTA  PVBLICA),  Tanini  p.  321  3071;    Mus.    Theupoli   p.  1129;    Fatin,   Thcs. 

=  Rasche   782  und   Cohen  114;    (DN   FL   CL  num.    a    Mauroceno   reipubl.    legutus   p.    IIS; 

IVLIANVS  AVG.  Rs.  VOTA  PVBLICA)  Ban-  ■"Feuardent  90,  1407;  *  Cohen,  Cat.  Greau  3070; 

duri   2   p.  440  =  Rasche   a,  a.  0.    —   (VOTA  *Coll.  Santangelo  135,  11888;  *Mi.  183,  1182; 

PVBLICA.    Rs.  ebenso)    Cohen  7,  10.  —  (DEO  1183;  "Sestini,  C.N.  V.  M.  Arig.  C.  p.  108;  *Cat. 

SARAPIDI.    Rs.  VOTA  PVBLICA)   Tanini  p.  Thomsen  1,  1,194,2140;   2141;    Sabina   LIS, 

321  =  Rasche  a.  a.  0.;    Cohen  6,  112;  'Mi.  2  Sestini,  Mus.  Hed.  3  Cont,  32,  2;  LS  bei  Zoega 

p.  297;  Akerman  2  p.  300,  10;  Eckhel,  Cat.  Mus.  152,  2  =  Mi.  203,  1350;   *Mi.  S.   9,  66,  240, 
C.  Vindob.  2  p.  505  nr.  70  =  D.  N.  V.  8  p.  136  40  was  nach  von  Salht,   Die  Daten  der  alexan- 

u.  Tanini  p.  320  =  Rasche  a,  a,  0.,  Mi.  a.  a.  0.,  clrinischen  Kaisermünzen  p.  32  in   LIs   zu  be- 

Akerman    nr.    11.     —    DEO    SARAPIDI     oder  richtigen  ist;   Antoninus  Pius  LB,  "Eckhel, 

SERAPIDI,   Büste    mit   Strahlen.     Rs.   VOTA  Cat.  31.  C.   Vind.  1,  270,  1  =  Zoega  165,  18; 

PVBLICA,  Cohen  6,  113.  —  Banduri  2  p.  440  Wiczay  1,  313,  6677  =  Sestini,  Mus.  Hed.  3 

=  Rasche  a.  a.  0.;    Musellius  3  Tb.  253  nr.  3,  Cont.  32,  3;   Mi.  6,  221,  1410;  Feuardent  103, 

1    p.  316.   —   Cut.  Welzl  de  Wellenheim,   Med.  1554;    L6,    Mi.    223,  1506;    "Zoega    172,  90; 

rom.   p.  256  nr.  15397;    Cat.   d'Ennery   p.  643  *Eckhel,  Cat.  1,  271,  10;  vgl.  *Mi.  S.  9,  70,  261; 

nr.  4749;  Julian  und  Helena,   DEO  SARA-  "Schläger,  Conim.  de   n.  Hadr.  pl.  p.  137,  2  = 

P1DI  oder  SERAPIDI,  Cohen  6,  7;  Mi.  2  p.  302;  Baudelot.  Rist,  de  Ptolemee  Auleies  p.  XXXVIII; 
Akerman  2  p.  304,  2;    Arneth   p.  203  nr.  31;  50  L  eNATOT,    "Mi,  6,  245,  1667;   L  A6KATOY, 

Banduri  2  p.  235  Tb.  14,  14;  p.  435 f.;  Ducange  Zoega   193,255;    Itamus    1,   371,   24;    Patin, 

Tb.  14  p.  39  =  Rasche  a.  a.  0.;    Patin  p.  481  Thes.  Mauroc.  p.  122;  *Mus.  Theupoli  p.  1142; 

nr.   6;    Mus.   Num.   Lavy    2   p.  406    nr.  5169;  *Mi.  249, 1693;  *Feuardent  116, 1710;  L6NA6- 

Cat.    Campana.     London   1846    p.  7   nr.  23.  S;  KATOY,  *Mi.  254,  1727;  ^Feuardent  118,  1730; 

Helena,  VOTA  PVBLICA.  Rs.VOTA  PVBLICA,  *Cat.  Thomsen  1, 1, 195,  2154;  L  AC0A6KATOY, 

Tanini  p.  321   Tb.  6   nr.  12  =  Rasche  6,1   p.  Zoega  196,  285  =  Mi.  257,  1572;   Feuardent 

785,  Mi.  2  p.  301;  Akerman  2  p.  303  nr.  28.  —  120,  1752;    LIZ,   Zoega   201,  351  =  Mi.  267, 

DE  1SIDI,   Tanini  a.  a.  0.  =  Rasche  p.  786  u.  1825;    Cat.  De  Moustier  97,  1511;   Feuardent 

Coh.  6,  18.  —  DEA  ISIS  FARIA,  Tanini  p.  322  125,   1825.  1826;    LKA,   Feuardent   131,  1904. 
Tb.  6   nr.  13  =  Rasche  a.  a.  0.,   Coh.    6,  19,  60  1905;  verwischt,  Coli..    Cat.  Greau  268,  3196; 

Mi.  2   p.  298,   Akerman   2   p.  301,  1.   —  ISIS  Marc    Aurel    L  TPICKAIA,    Zoega   223,   122; 

FARIA  Büste  von  vorn,  Museo  Num.  Lavy  2  LIZ,  Feuardent  139,  1986;  Faustina  jun.  LZ, 

p.  406   nr.  5170;    Cohen  6,  17;   Mi.   2  p.  298;  Cat.  De  Moustier  113,  1780;  LI,  Mi.  311,  2151; 

Akerman  2  p.  302  nr.  4;    Cat.   Campana  p.  7 f.  LIZ,    Feuardent    151,   2122;     *Mus.    Theupoli 

nr.  2.  —  ISIS  FARIA  Büste  mit  Diadem  r.  h.  p.  1157  =  Zoega  228,  46  und   Mi.  315,  2180; 

Cohen   6,   14.   15;    Banduri   2   p.  235   Tb.   14,  L.  Verus  LA,  *Mi.  323,  2246;  Commodus  LKZ, 

24;   p.  442   =   Rasche   p.  786;    Cat.   D.-G.   de  Zoega  239,  36  =  Sestini,  C.  N.  V.  M.  Arig.  C. 

A***.    Paris   1867   p.  87   nr.  826  bis.    —    ISIS  p.  112. 


489  Isis  (Göttin  d.  Meeres)  Isis  (Göttin  d.  Meeres)  490 

Um  den  Pharos  vermehrt  erscheint  der  die  alexandrinischen  Münzen  im  Sinne  hat, 
Typus  unter  Trajan  LIE,  Zoega  78,  130  =  für  Venus,  von  Donaldson  p.  346  für  Ptole- 
EcKhel,  C.  M.  V.  1,  268,  4;  Mi.  6,  121,  665;  maios  Soter,  von  Cohen,  Cat.  Griau  257,  3063 bis 
LIS,  Hobler,  Becords  of  roman  Mst.  and  coinage  und  Cornaglia ,  Museo  num.  Lavy  1,349  nr. 
1,  295,  592;  LIH,  Zoega  89,  184;  Hadrian  L£,  3735  für  Poseidon  gehalten,  ist  nach  Feuardents 
Mus.  Theupoli  p.  1122  =  Zoega  105,  59  und  Abbildungen  und  Sestini.  M.  Hed.  3  Cont.  p.  29 
Mi.  153,  896;  LZ,  *Mi.  S.  9,  56,  178;  LI,  nr.  75  Zeus,  worauf  vielleicht  das  Epigramm 
*Mamus  1,  366,  3,  doch  vielleicht  hinter  I  noch  des  Poseidippos  (Mon.  grecs  p.  p.  l'ass.  p. 
ein  Zeichen;  LIZ,  "Zoega  135,  339  mit  Anm.,  Vencourag.  d.  et.  gr.  en  Fr.  nr.  8,  1879  p.  33, 
Tb.  7,  16  =  Creuzer,  Symb.  I2  p.  320,  Ab-  10  Mnemosyne  8,  1880,  Bh.  Mus.  N.  F.  35-,  1880 
bildungen  1,  4  p.  5  rir.  13  und  Guigniaut,  Les  p.  90,  'A&rivaiov  8  p.  350)  anspielt: 
rel.  de  l'cmt.  1  p.  847  nebst  Note  1,  Expl.  des  —  nuvvv%io$  81  &ia>v  avv  v.vfiaxi  vavrrjg 
pl.  p.  49  nr.  160  a  PI.  52;  Gefsner  Tb.  90,  24;  otpstai  i-/.  xogvcprig  ttvq  /xiya  v.aioafvov. 
"Mi.  6,  178,  1144;  "Cohen,  Cat.  Greau  257,  v.al  v.ev  In  avro  Sgüuoi  Tavgov  -liigccg,  ovä 
3063  bis;  "Feuardent  87,  1377.  1378;  Pedrusi  av  aaaQroi 
6  Tav.  38,  6  p.  364 — 366  =  Gefsner  90,  26;  oorzrigo;,  TJgaivBv,  Zrjvbg  b  tf/Se  itliav; 
*Haym,  TItes.  Brit.  1  Tb.  24,  7  p.  249 — 252  =  vgl.  die  oben  angeführte  Inschrift  von  Delos 
Gefsner  87,  *6;  Cat.d'Ennery  462,  2707;  Tristan  (B.  C.  H.  6,  328,  22)  für  die  Verbindung  des 
1,  507,  24,  von  Zoega  133,  311  falsch  LIE  ge-  Zeus  mit  den  ägyptischen  Gottheiten  als 
lesen;  Bamus  1,  369,  37;  Mus.  N.  Lavy  1,  20  Schirmer  der  Seefahrer;  doch  wage  ich  bei 
3735,  3736;  Wiczay  1,  312,  6646  =  Sestini,  M.  der  Kleinheit  der  Figur,  ohne  selbst  die  Münzen 
Hed.  3  Cont.  29,  75 ;  Coli  Santangelo  135,  11889;  gesehen  zu  haben,  nicht  sicher  zu  behaupten, 
Cat.  De  Mousticr  83,  1270;  Cat.  Tliomsen  1,  1,  dafs  Sestini  recht  hat.  Über  die  alexandri- 
194,  2142;  Mi.  6,  183,  1184.  1185;  Feuardent  nischen  Kaisermünzen,  welche  Isis  bald  ohne 
90,  1409,  PI.  20;  1410;  Sestini,  C.  K.  V.  M.  das  Kennzeichen  der  Seegöttin,  bald  ein  Segel 
Arig.  C.  p.  108;  Cat.  Bapp  50,  614,  Cat.  Hei-  entfaltend  (wie  unter  Trajan,  Kenner,  Die 
deken  125,  2765  u.  a.  m. ;  LKA,  *Mi.  6,  197,  1310 ;  Münzsammlung  des  Stifts  St.  Florian,  Tfl.  7,  2 
"Feuardent  97,  1500;  Antoninus  Pius  p.  188;  und  Hadrian,  Zoega  133,  309  Tb.  7,  2, 
LTPITOY,  Zoega  167,  45;  Mus.  Münterianum  Musellius  2  Tb.  87,  3)  zusammen  mit  Sarapis 
1,  189,  2917;  LC,  St.  Quintino  21,  98  =  Mi.  S.  30  und  einer  anderen  Gottheit  auf  einem  Schiff 
9,70,262;  LH,  Feuardent  113,1673;  "Mi.  6,  darstellen,  s.  Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  141;  über 
241,1632;  L  A6KATOY,  Bamus  1,371,25;  Isis  Pelagia  auf  Homono'ia-Münzen  von  Ephesos 
"Mus.  Theupoli  p.  1141  =  Zoega  193,  254  und  und  Alexandria,  Kum.  ZeiUchr.  Bd.  21  p.87— 88 
Mi.  6,  249,  1694;  "Feuardent  116,  1711;  Tfl.  2,  6;  auf  einer  von  Samos  und  Alexandra 
L  AC0AGKATOY,  Havereamp,Numoph.B.Clirif:t.  oben  Sp.  381;  auf  Münzen  von  Anchialos, 
Tb.  17,  11;  Zoega  196,  286;  Museo  N.  Lavy  1,  Byzanz,  Perinth,  hier  ein  Segel  ausspannend 
359,  3883;  Mus.  Munter  1,  189,  2925;  Sestini,  am  Vorderteil  eines  Schiffes  mit  dem  von 
C.  N.  V.  Mus.  Arig.  C.  p.  110;  Feuardent  119,  Sarapis  bekränzten  Kaiser  Severus  Alexander, 
1749;  120,  1750.  1751;  Wiczay  1,  315,  6713  =  Philippopolis,  Drexler,  M.  Beitr.  1  p.  101,  105, 
"Sestini,  M.  Hed,  3  C.  37,  57;  *Mi.  6,  257,  1750.  io  109,  116;  auf  Münzen  von  Korinth  und  Kleonai, 
1751;  vgl.  "Müller,  Descr.  d.  in,  a.  du  mus.  oben  Sp.  3S9 f.;  von  Amastris,  Nicomedia,  Kyme, 
Thorvaldsen  297,302;  Cat.  Heideken  127,2815;  Phokaia  Iasos,  Philadelphia  Lydiae,  Aspendos, 
Cat.  Greau  265,'3162;  266,  3166;  LIH,  Tristan  Num.  Zeitschr.  Bd.  21  p.21— 22  Tfl.  2,  14;  p.  41; 
1,  606,  26  =  Gefsner  100,  39,  Zoega  203,  368  p.  66  Tfl.  2,  15;  p.  67;  p.  105— 106;  p.  132;  p.  148; 
und  Mi.  6,  269,  1843;  Musellius  1,  156,  2  Tb.  p.  191;  von  Byblos  und  auf  einem  Stück  des 
105,  2;  Patin,  Thes.  Mauroc.  p.  122;  Cat.  Bapp  Antiochos  IV.  oben  Sp.  373  f.  376.  Unter  den 
53,  701;  Marc  Aurel  L  AG3A6KATOY,  "Zoega  unbestimmten  verzeichnet  Cornaglia,  Mus.  num. 
215,  15  =  Mi.  6,  290,  1988;  "Sestini,  M.  Hed.  Lavy  1  p.  418  nr.  4690  eine  Münze  mit  dem 
3  C.  40,  2  {„clubius")  =  JViczay  1,  316,  6760;  Strahlenhaupt  des  Helios  im  Obv.  und  der  ein 
Faustina  jun.  L  A6KATOY,  Sestini,  C.  N.  Y.  50  Segel  haltenden  Isis  im  Rs.  Das  Sistrnm  an 
M.  Arig.  C.  p.  111,  wohl  eher  L  ACOAGKATOY,  dem  Terracotta-Basrelief  des  Museo  Campana 
wie  Patin,  Thes.  Mauroc.  p.  125;  Mus.  N.  Leivy  {Ant.  Opere  in  plastica,  tav.  7,  Cedaloglii  del 
1,  365,  3953;  Feuardent  149,  2102;  Cat.  Greau  Museo  Campana  Cl.  4,  Ser.  4  nr.  7  p.  7:  „Ma- 
269,  3210;  *Mus.  Theupoli  p.  1155  =  Zoega  schere  di  Kettuno  alternate  da  delfini  accoppiati 
227,  23;  *Sestini,  M.  Hed.  a.a.O.  42,  1  =  con  remi,  aneore  e  sistri",  Lafuye  p.  296  nr.  109, 
Wiczay  1,  317,  6780,  "Cat.d'Ennery  472,  2832;  E.  Gerhard,  A.  Z.  1846  p.  71)  deutet  nach 
"Mi.  6,312,2154.  Die  Göttergeatalt  zwischen  letzterem  nur  „auf  ägyptisietenden  Verzierungs- 
zwei Tritonen  auf  dem  obersten  Absätze  des  geschmack  hadrianischer  Zeit";  ähnlich  finden 
oft  auch  allein  (z.  B.  Donaldson,  Architectura  sich  zusammengestellt  an  Terracottareliefs  „ein 
nuvi.nr.  92;  ZocgaT&b.  10,  14;  Feuardent  P\.  21,  60  Dreizack  von  einem  Delphin  umwunden,  da- 
1530)  dargestellten  Pharos,  desWunderbaues  des  neben  Reste  von  rundem  Geräte,  wie  von 
Knidiers Sostratos,  Lumbroso, L'Egitto dl tempo  Schildern,  und  ein  Sistrum",  Beschr.  d.  St. 
dei  Greci  e  Bomani  p.  168—175,  von  Panoßa,  Born,  2,  2.  Buch:  Das  Vaticanische  Museum. 
Gemmen  mit  Inschriften  p.  63—64  zu  Tfl.  2,  21  A.  Appartamcnto  Borgia,  4.  Z.  Sehr.  11  nr.  25, 
für  Artemis  Charmantes,  von  F.  Lajard,  Man.  p.  24;  „zwei  Delphine,  um  den  Stab  eines  Drei- 
de  l'Inst.  des  I.  et  B.-L.  15,  2  p.  291  für  Isis,  zacks  schwungvoll  gekreuzt,  daneben  Spuren 
von  Maurice  Albert  (Le  eulte  de  Castor  et  anderer  Figuren,  links  ein  Sistrum",  v.  Sacken 
Pollux  en  Itcdie  p.  61  Note  4),  der  doch  wohl  u.  Kenner  p.  251  nr.  15. 


491      Isis  (Sckutzgöttin  weibl.  Funktionen)  Isis  (Göttin  d.  Frauen)              492 

„Keine  ihrer  Eigenschaften  aber  hat  ihr  heilen  -wird  ihr  Name  benutzt;  in  den  ägyp- 
eine  solche  Bedeutung  verschafft  wie  die  der  tiscbenBeschwörungendesgrofsenPariserPapy- 
Schutzgöttin  weiblicher  Funktionen"  rus  will  der  Magier  eine  Frau  dadurch  zur  Liebe 
sagt  Re'ville,  Die  Religion  zu  Rom  unter  den  zwingen,  dafs  er  den  Zauber  spricht,  welchen 
Severem  p.  53;  „Isis  gilt  als  das  Muster  einer  Isis,  von  Thoth  belehrt,  gegen  den  ihr  un- 
Gattin und  Mutter",  Wicdemann,  Die  Reh  d.  treu  gewordenen  Osiris  angewendet,  hat,  Erman, 
a.  Äg.  p.  116.  Noch  auf  Denkmälern  der  rö-  Zeilschi:  f.  äg.  Spr.  u.  A.  1883  p.  100-104,  L 
mischen  Periode  ist  ihre  Liebe  zum  Gemahl  (33  — 54  u. lila.  1 — 7),  vgl. 0(22— 27), P  (28— 30), 
verherrlicht,  so  stellt  ein  Gefäfshenkel  bei  p.  104 — 105.  Natürlich  war  sie  deshalb  so  recht 
Caylus,  Rec.  d'ant.  6  PL  75  nr.  3.  4  p.  249  —  250  10  eine  Lieblingsgöttin  der  Frauen  {Böttigtr, 
und  eine  Terracotta  des  Museo  Borgiano  §  52  Kl  Sehr.  3  p.  243 — 301  |,Sabina  an  der  Küste 
nr.  156,  Doe.  ined.  1  p.  380  die  Büsten  beider  von  Neapel";  Boissier  1  p.  360ff.;  Friedländer, 
mit  zum  Kufs  aufeinander  geprefsten  Lippen  Sittengesch.  1*  p.  486  ff. ;  Marquardt,  R.  St.-V. 
dar.  Sie  betont:  iyio  slfiL  yvvr\  xtü  ädfiqpi)  3  p.  78  Anm.  2  (=  Anm.  9  der  2.  Ausg.);  Mar- 
Öfffi'e(f)os  ßaailiog,  Hymn.  v.  los  Z.  8  —  9,  cjuardt,  Privatleben  d.  Römer  1  p.  63  Änm.  4), 
A.  Z.  1878  p.  131;  sie  erklärt:  clvSqI  yvraVxa  die  schon  ohnehin  in  stärkerem  Mafse  als  die 
avväyuyov ,  H  v.  Andros  v.  37;  iya  yvvaCxa  Männer  den  fremden  Kulten  zuneigten,  vgl. 
«bi  ctväQa  avvrjyaya,  H.  v.  los  Z.  17,  fyä  Merivale  3  p.  585  ff,  Mulle)',  De  hierarehia 
GTEQyae&a[i]  yvv[<xt7i]ag  vn  uv6[$]ä)v  Tjiävy.aaa,  et  studio  vitae  eisceticae  in  sacris  et  mysteriis 
ibid.  Z.  25.  26,  iya>  evvygaepcig  yafiiHa\g . . . .,  20  Graecorum  Romunorumve  latentibus.  Havniae 
ibid.  Z.  11,  cyti  slui  r\  [nu^ga  yvvaitX  &ibg  1803  p.  34,  Doellinger,  Heidentum  u.  Judentum 
KaXovixt[v]rj,  ibid.  Z.  11.  „Die  Herrin  der  p.  630  f.  —  Juienal  (,6,  522  ff.,  vgl.  Trede  4 
Liebe"  (Brugsch,  Reh  p.  647)  „die  süfse  in  der  p.  295ff.)  schildert,  wie  sie  auf  Geheifs  der  Göttin 
Liebe"  (Brugsch.  Dich  ge'ogr.  p.  1133)  nennen  mitten  im  Winter  dreimal  in  den  eisigen  Fluten 
sie  ägyptische  Teste;  y.al  rjjv  'Iaiv  Evdo^öe  des  Tiber  untertauchen,  auf  blutigen  Knieen 
cprjoi  ßgctßsviiv  ra  igcoriy-ä  heilst  es  bei  Plut.  das  Marsfeld  entlang  ratschen,  ja  wohl  gar 
de  Is.  et  Os.  c.  52,  p.  94  ed.  Parthey.  Sie  er-  eine  Wallfahrt  bis  Meroe  (zum  Zwecke  der 
barmt  sich  der  Liebenden;  die  als  Mädchen  Pönitenz,  wie  Trede  p.  296  richtig  erkennt! 
mit  Ianthe  verlobte  Iphis  verwandelt  sie  in  unternehmen  und  Nilwasser  zur  Besprengung 
einen  Jüngling,  Ovid,  Met.  9,  665ffi;  Anthia,  30  des  Tempels  mitbringen;  auch  wie  sie  den 
welche  sie  angefleht  hat,  sie  unberührt  dem  durch  Nichtbeachtung  des  Keuschheitsgesetzes 
Habrokomas  zu  erhalten,  führt  sie  unversehrt  an  den  heiligen  Tagen  erregten  Zorn  der  Gott- 
dem  Geliebten  zu  (Xcnoph.  Eph.,  Erotici  Script.  heit  zu  besänftigen  suchen  durch  die  Spende 
Gr.  rec.  Hcrcher  1  p.  384,  vgl.  372  und  376)  eines  Kuchens  oder  einer  Gans,  des  beliebten 
wofür  ihr  beide  im  Isistempel  zu  Rhodos  Opfertiers  der  Götter  des  Nillands  (s.  Cupcrus, 
danken,  p.  397;  bei  Achilles  Tatius  wird  sie  Harpocrates  p.  54,  Frid.  Sam.  de  Schmidt, 
in  ihrem  Tempel  als  Zeugin  der  Schwüre  ewiger  Diss  de  sactrd.  et  saerifieiis  Aeg.  p.  306  — 311, 
Treue  angerufen,  c.  14  §2,  1  p.  140.  Wenn  Wölff  zu  Porphyrius  de  philos.  ex  orac.  huu- 
aber  Georgii  4  p.  2S7  aus  Ovid  Amor.  1,8,74  rierula  p.  191,  Chicolson,  Die  Ssabier  2  p.  85, 
schliefsen  will,  dafs  sie  als  Beraterin  in  Liebes-  io  Wilhinson  5  p.  379  u.  533,  Keller,  Tiere  des 
intriguen  gedient  habe,  so  versteht  er  den  Sinn  Ich  A.  p.  286,  p.  454  Anm.  6,  Stephani,  C.  r. 
falsch;  der  Dichter  läfst  hier  eine  alte  Hexe  p.  l'a.  1S63  p.  22,  Anm.  6.  7,  p.  93,  Wiede- 
der  Geliebten  raten,  sie  solle  Fasten  und  An-  mann,  Herodots  2.  B.  p.  311,  Brugsch,  Dich 
dachten  im  Dienste  der  Isis  zum  Vorwand  geogr.  p.  659;  vgl.  auch  Heibig,  Wandgemälde 
nehmen,  sich  ihm  zu  versagen;  dafs  freilich  p.  220  f.  nr.  1106.  1107),  auf  welcher  Isis  selbst 
ihre  Tempel  in  Korn  Gelegenheit  zu  Liebes-  mit  Harpokrates  zusammen  (Coli.  Drovetti,  Obj. 
abenteuern  boten,  kann  nach  den  Stellen  der  en  t.  c.  nr.  24,  Doc.  ined.  3  p.  262)  oder  letz- 
Autoren  nicht  geleugnet  werden.  Ovid,  A.  a.  terer  allein  (Kum.  Zeitschr.  21  p.  221 — 222,  A 
1,  77 — 78  rät  dem  Neuling,  die  Tempel  der  guide  to  the  first  and  second  eg.  rooms  of  the 
Göttin,  die  viele  dazu  macht,  was  sie  selbst  50  Brit.  Mus.  p.  107;  p.  108  nr.  2432 bb,  Zeitschr. 
dem  Iupiter  gewesen,  aufzusuchen,  am.  2,  2,  25  f.  äg.  Spr.  1889  p.  55)  reitend  dargestellt  wird, 
warnt  er  schalkhaft,  nicht  zu  erforschen,  was  Nicht  selten  liefsen  sich  die  Verehrerinnen 
sich  bei  der  linnentragenden  Isis  begeben  der  Göttin  in  deren  Tracht  darstellen  (Böttiger, 
könne;  der  sittenstrenge  Juvenal  6,  488  nennt  Kl.  Sehr.  3  p.  255  Anm.**,  A".  O.  Müller, 
die  Göttin  wenig  respektvoll  geradezu  eine  Handb.  d.  A.  d.  K.3  p.  670,  §  408,  Mar- 
Kupplerin;  doch  fällt,  was  hier  in  poetischer  quardt,  R.  St.-V.  32  p.  SO  Anm.  4"),  dem 
Ausdrucksweise  der  Göttin  vorgeworfen  wird,  linnenen  Untergewand  und  dem  meist  ge- 
nicht  ihr  selbst,  sondern,  wie  in  dem  von  franzten  und  fast  immer  auf  der  Brust  ge- 
Ioscphus,  Antiqg.  IS,  3,  4  erzählten  Falle,  un-  knoteten  Mantel  (Wincktlmann,  Sth  Werke  4 
würdigen  Priestern  derselben  zur  Last;  auch  co  p.  356— 357,  7,  p.  67  —  68,  Lafaye  p.  253  —  254\ 
waren  die  Tempel  überhaupt,  nicht  nur  die  von  dem  Zoega,  N.  Aeg.  p.  167,  4S,  Anm.  die 
der  Isis,  als  Orte  der  Verführung  bekannt,  Erklärung  giebt:  „conicio  equidem  innui  habi- 
Fricdländer ,  Sittengesch.  I4  p.  488—489;  vgl.  tum  mulierum  lactantium,  ut  nodo  qui  festem 
über  die  Vorgänge  bei  heutigen  religiösen  retinebat,  facili  negotio  soleendo,  nunquam  non 
Xaehtfesten  in  Süditalien  die  Andeutung  Tredes,  essent  paratae  ad  ubera  infauti  praebenda", 
Das  Heidentum. in  dir  kathol.  Kirche  4  p.  176  ferner  dem  Sistrum  (über  welches  s.  Bcne- 
u.  p.  178.  dietus  Bacchinus,  De  sistris  ecrumque  figuris 

Auch  zur  Zauberei  in  Liebesangelegen-  ac  difj'erentia,  wieder  abgedruckt  in  Graevius, 


493     Isis  (Tsiskostüm  v.  Frauen  getragen)  Isis  (Schönheit;  =  Ilathor  u.  Aphrodite)     494 

Thcs.   Ant.   Born.   6   p.  409—415    von  Jacobus  natürlich  auch  durch  Schönheit  und  Anmut 

Tollius  nebst  des  letzteren  ,,Uc  sistrorum  varia  aus.     „Von   schönem   Anblick",  „die   liebens- 

figura  dissertatnincula" ;  Hieronymus  Bossms,  würdige   in   allen  Ländern",   „die    liebenswür- 

Isiaius   siue   de  sistro   opusculum.     Mediolani  digste  unter  allen  Gottheiten",  „die  Holdselige", 

1622.  12°,  abgedruckt  in  Sallengres  Nov.  Thes.  „die  Schöngesiehtige  in  Theben,  die  Hehre  in 

Ant.  Born.  2  p.  1378  —  1392,  Tgl.  praef.  p.  V —  Heliopolis,  die  Guttbätige  in  Memphis",   „die 

VI;    Anonymi  Epistola   de  sistro    in   Ioannes  Herrin  der  Wonne   und  Freude"  heilst  sie  in 

Clericus,   Bibliothcca  selecta.     Tom.  16  p.  163;  den  ägyptischen  Texten,  Brugsch,  Bei.  p.  646 

de    la   Chausse,  Born.   Mus.    Romae  1746.    2".  —647;   ndyv.aXog   C.  I.  Gr.  5113.     Als  Haupt- 
Sect.  3  Tab.  15 — 17*  p.  9 — 13;  Sect.  4  Tab.  8,  10  Schönheit  allerdings  rühmen  die  Griechen  ihre 

12,    p.  48 — 49;    Jablonski,    Voces   Acgyptiacae  Locken,  weshalb  sie  Beinamen  wie  iinX6v.aii.og, 

p.  309  mit  De  Waters  Anm.;  Amaduzzi,  Ko-  Kaibel,  Epigr.  Gr.  833  und  svi&eiga,  Puchstein, 

velle  letierarie  di  Firenze  1773;   Böttiyer ,   Kl.  Epigr.  Gr.  in  Aeg.  rep.  34  C  vs  7  =  Lepsius, 

Sehr.  3  p.  262  Anm.**;    Villoteau,  Für  les  diff.  6,    Tab.  97.    Gr.   455    erhält,    vgl.    Puchstein, 

Instruments  de  musique,  Descr.de  V Mg.  6  p.  460;  p.  74,  Drexler ,   Wochenscltr.  f.  kl.  Phil.  1886 

Musee  de  Bacestein  1   p.  69 — 70;  Aug.  Andre,  Sp.   1082 — 1084,    Wieseler,    Üb.   einige  beach- 

Cut.  rais.  du  musee  d'arch.  et  de  ce'r.  de  Bennis-  tensw.  gesehn.  St.  2,  1  p.  41—43  (Gott.  Abli.  30), 

p.  32  zu  nr.  65;  Parthey  zu  Phä.  De  Is.  et  Os.  Furtivängler ,   Jahrb.  f.  d.  D.  A.  Inst.  4  p.  82 

c.  63  p.  256 — 257;  Wilkinson,  M.  a.  C.  1  p.  69  — 83.     Und  wie   sie   selbst  anmutreich  ist,  so 
— 70,    2    p.  323,    325;    Brugt-ch,    Dict.    ge'ogr.  20  verleiht  sie  auch  die  ;£«pis;  diooiooi  b  Zäganig 

p.   742;    Pierret,   Dict.  d'arch.   eg.    p.  514;    E.  %at  i\  'laig    tnacpgoöiciav    %ägiv,    u-ogcprjv   ngög 

Lefcbure ,  Bites  egyptietis  Constitution  et  pro-  rbv  ßaailsa  Kai  rijv   ßaalXiaaav  wünscht  Pto- 

teclion   des   c'difices  =  Publications   de  l'ecole  lemaios  der  Sohn  des  Glaukias  dem  vnodioiKr]- 

des  littrcs  d' Alger,  Bull,  de  Coir.  Afric.  4.  1890  rjjs  Sarapion,  s.   WochenscJir.  f.  kl.  Phil.  1886 

p.  68;   vgl.   das  abessinische  Kirchengerät  Sa-  Sp.  1245. 

na>el   bei   Batzel,    Völkerkunde   3   p.  249)   und  ISTahe  berührt  sie  sich  mit  Hathor,  s.  oben 

der  Situla;  man  vgl.   die  Büsten   bei  Lafaye  Bd.  1  Sp.  1855 — 56  u.  2  Sp. 453f.,  Brugsch,  Geogr. 

1>.  287  nr.  85;   p.  287  nr.  86;  Matz  u.  v.  Duhn  Inschr.  1  p.  202,  203,  229,  276;  3  p.  22,  24,  30,  in 

2,    p.   512    nr.   2006;     Museo    Boryiano    §   14  welcher  die  Griechen  ihre  Aphrodite  wieder- 
nr.  15,  Doc.   inecl.   1   p.  338;   die   Statuen  bei  30  erkannten.    Bei  einer  von  0.  Puchstein,  Mitt.  d. 

Lafaye    p.   287    nr.   87,    PL   4    (vgl.   88.    89);  D.  A.  I.  i.  Athen  7,  1882  p.  14—15  nr.  348  so 

Drossel    u.    Milchhöfer,    Mitt.    d.   D.   A.  I.    i.  beschriebenen  Figur  der  SammluDg  Dewefno  in 

Athen  1877   p.  349  nr.  99;    Michaelis,   Ancient  Athen:  „Weibliche  vierköpfige  Bronzestatuette 

Marlies  in  Great  Britain  p.  355,   Ince  Blun-  (etwa  0,35  h.),  bis  auf  die  Arme,  den  1.  Fufs  und 

dell  Hall  55;  Visconti,  Monum.  du  mus.  Chia-  eine   Beschädigung   am   1.   Knie   gut   erhalten. 

ramonti  p.  36 — 45,  PI.  3  (ohne  Knoten,  in  der  Die   Figur    im    ägyptischen    Schema    stehend, 

R.    statt    des    Sistrum    „une    brauche    d'arbre  scheint   den   1.  Arm   gesenkt,   den   r.    vor   der 

cn  forme  d' aspersoir" ,  aber  ergänzt);   Matz  u.  Brust  gehalten  zu  haben.   Das  faltenreiche  Ge- 

v.  Duhn  2  p.  451  nr.  1581;  p.  452  nr.  1589  =  wand   mit  dem  sog.  Isisknoten  auf  der  Brust, 
Lafaye  p.  275  nr.  36  („Isis");  nr.  1583  („Torso  u>  sowie  das  Profil  der  vier  Köpfe  mit  dachziegel- 

einer  Isispriesterin") ;  Bull,  della  commiss.  arch.  förmig     angeordneten    Löckchen    und    langen 

munic.  4.  1876,  p.  110,  p.  215,  sez.  2,  1  nr.  13;  jederseits   herabhängenden  Flechten  ist  gräci- 

11.  1883  p.  261,  sez.  2,  1  nr.  2;  P.  E.Visconti,  sierend.    Auf  dem  viergesichtigen  Kopfe  trägt 

Catalogo  del  museo  Torlonia  di  sculture  antiche.  die  Figur  einen  grofsen.  auf  einem  Rund  von 

Roma  1876  p.  93  nr.  178;   auch  die  „Isis"  bei  Uräusschlangen  stehenden  Aufsatz,  welcher  aus 

Lafaye  p.  277  nr.  45  ist  wohl  eher  eine  Isiaca;  der  Isiskrone,  den  Widderhörnern  und  Doppel- 

die  attischen  Grabstelen,  Lafaye  p.  298  nr.  114,  federn    besteht"    könnte    man    sieh    versucht 

von  denen  die  der  Socpia  'Ayanrßov  (C.  L.  A.  3,  fühlen,  die  Deutung,  welche  in  Cramers  Anec- 

2199    abgebildet   ist   bei   Le  Bas,    Voyage  in  dota  Parisiensia  1  p.  321  von  der  Vierköpfig- 
Gr'cce   et   cn   As.    Min.    Planches  publiees  pjar  50  keit  der  Hekate  gegeben  wird:  b&tv  -/.al  rtzQa- 

S.  Beinach,  Monum.  fig.  75  p.  83;   den  Grab-  xztpetlov   xr\v  ' Ey.atrjv   6    fivcziy.bg  ncigctdidcooi 

stein  von  Tanagra,   G.  Kurte,   Mitt.  d.  D.  A.  i-öyog  8ia  tä  tieaaga  ötoi^e'"«  auf  Isis,  elemen- 

Inst.  i.  Ath.  3,  1878  p.  342  nr.  54;  den  Grab-  torutn  omnium   domina  (Apul.  Met.  11,  5),  zu 

stein  der  Babullia  Varilla,  Lafaye  p.  298  nr.  1 13,  übertragen,  doch  wird  man   besser  thun,   sich 

PI.    5,    die   bei    Matz    u.   v.    Duhn   3    p.    177  an  „Hathor  die  viergesichtige"  (oben  1  Sp.  1867) 

nr.  3881;  p.  202  nr.  3950  u.a.m.;  auch  Büsten  zu  erinnern.     Vielfach   wurde  Isis  mit  Aphro- 

mit    Sistrum    auf   geschnittenen    Steinen,    La  dite   verschmolzen   oder  zu   ihr   in   Beziehung 

Cltausse,  Born.  Mus.  1  sect.  1,  2,  p.  2  —  3  =  gesetzt,  vgl.  Schwenck,  D.  Mythol.  der  Semiten 

Montfaucon    2,   2  PI.  115,    1   (Cameo);    Buspe  p.  210,  D.  Mythol.  d.  Äg.  p.  219,  Engel,  Kypros 

p.  25  nr.  262;    p.  26   nr.  277,   PI.  7   (Cameo);  60  2  p.  514.  —  Heibig,    Untersuchungen  über  die 

Maffei,    Gemme    ant.    fig.  2,    3    p.  9  — 11    =  campanische  Wandmalerei  p.  8   läfst   den  Isis- 

Augustinus,  Gemmae  et  sculpt.  ant.  1,  68  p.  21  typus  der  griechischen  Kunst  „aus  Elementen 

— 22,  Montfaucon  2,  i,  118,  2,  Baponi,  PI.  50,  des  Hera-  und  Aphroditeideales  zusammenge- 

1  (Gewand  an  den  Ärmeln  geknöpft.    Cameo);  arbeitet"   sein.     Bei  Apulejus  Biet.  11,  2   wird 

David  et  Mulot,  Le  Mus.  de  Flor.  1  PI.  85,  5  sie  von  Lucius  angeredet:  „seu  tu  caelestis  Venus 

p.  228— 229,  Baponi   PI.   17,   1;   Böttiger,   Kl.  quae  primis  rcrum  exordiis  sexuum  diversitatem 

Sehr.  3  p.  255  Anm.**  gener ato  amore  sociasti  et  aeterna  subole  humano 

Als  Vorbild   des  Weibes   zeichnet  sie  sich  genere   propagato  nunc   circumfluo  Paphi   sa- 


495 


Isis  (-=-  Aphrodite) 


Isis  (=  Aphrodite) 


496 


crario  colcris"  und  Kap.  5  erklärt  sie,  dafs  sie 
die  „  fluctuantes  Oyprii  Paphiam  Venerem" 
nennen.  Heurey ,  Cat.  des  fig.  en  t.  c.  du 
musee  du  Louvre  p.  199  nr.  247,  PI.  10,  7  be- 
schreibt eine  Terraeotta-Statuette  aus  Lara  ata: 
„Femine  nue  coiffce  ä  l'cgyptienne  et  caracte- 
risee  ä  la  fois  comme  deesse  nowriee  et  gc'ne- 
ratrice.  L'ancienne  attilude  de  V Aphrodite  Orien- 
tale et  cypriote,  portant  la  main  ä  sa  poitrine 
se  complique  d'un  autre  geste  qui  rappelle 
V Aphrodite  de  Cnide."  Eine  Kaltsteinfigur 
der  cyprischen  Aphrodite,  ägypto-phönicischer 
Kunstübung  entstammend,  mit  Chiton  und 
Himation,  das  Haupt  geziert 
mit  dem  Polos  und  grofsen 
Ohrringen,  trägt  in  der  R. 
eine  Blume,  von  ■welcher 
E.  Babelon,  Venus  cypriote 


Aphrodite  mit  Isis  verschmolzen.     (Hagcmans,  Un  caö. 
d'amaleur.    PI.  5,  1.  S.) 

de  la  coli.  De  Luynes,  Gaz.  Anh.  1883,  PL  56 
p.  333  sagt:  „La  fleur  de  lotus  que  la  deesse 
tient  de  sa  main  dr.  ramenee  sur  la  poitrine, 
c'est  la  fleur  d'Isis";  vgl.  hiermit  Chabouillet, 
Cat.  gen.  des  c.  et  p.  gr.  de  la  bibl.  imp.  p.  551 
nr.  3206:  „Divinite  feminine  (Venus  Orientale?) 
tenant  deux  fleurs  de  lotus.  H.  Scent.  Manche 
en  os  d'un  ustensile  de  travail  phe'nicien,  trouve 
en  Syrie."  Eine  Anzahl  vonDenkmälern,  welche 
Aphrodite  mit  Isis  verschmolzen  zeigen,  habe 
ich  in  der  Num.  Zeitschrift  Bd.  21  p  70—73 
Anm.  7  zusammengestellt,  darunter  die  hier 
abgebildeten  Bronzen  G.  Hagemans ,  Un  cab. 
d'amatcur  PL  5,  1.  2.  Ich  füge  hierzu  noch 
folgende.  In  der  Coli,  de  M.  Gustave  Posno, 
Ant.  eg.,  greco-rom.  et  rom.  Paris  1883  werden 
unter  den  griechisch-römischen  Bronzen  ver- 
zeichnet p.  130  nr.  556  Isis,  in  der  L.  eine 
Lotosblume  haltend,  auf  welcher  floros  sitzt; 
p.  130  nr.  557,  p.  131  nr.  558  „Venus  asiatique 
nue,  debout"  mit  Diadem  gebildet  aus  5  Palmet- 
ten,' in  der  R.  einen  Spiegel,  in  der  erhobenen 
L.   die   Lotosblume   mit  Horos;   p.  132  nr.  561 


„Venus  de  Naulratis"  in  der  erhobenen  R. 
einen  Uriius  mit  Diskus  auf  dem  Haupt,  in  der 
L.  die  Lotosblume  mit  dem  Horos ;  p.  133 
nr.  5G2  „Venus"  mit  dem  Diadem  der  Hera, 
in  der  erhobenen  Hand  die  Lotosblume  mit 
Horos.  Die  „Aphrodite"  der  Sammlung  Theod. 
Graf}',  Th.  Schreiber,  Arch.  Ans.  d.  Jahrb.  d. 
D.  A.  I.  5,  1890  p.  158  nr.  10  mit  Isiskopf- 
putz, Halsband,  Ohrringen,  Armband,  trug  in 

10  der  R.  ein  abgebrochenes  Attribut,  in  der  L. 
„eine  hockende  Figur",  in  welcher  wir  wohl 
unbedenklich  nach  den  eben  angeführten  Typen 
Harpokrates  auf  dem  Lotos  erkennen  dürfen; 
auch  der  Harpokrates  mit  der  Sonnenscheibe 
auf  der  Lotosblume,  deren  Stengel  „era  ine- 
rente  ad  un'  altra  figura,  dclla-  quäle  rimane 
il  braccio  sinistro  nndo"  bei  Panofha,  II  Museo 
Bartoldiano  p.  5  nr.  7  und  Coli.  Greau.  Cat. 
des  br.  ant.  p.  169  nr.  864  stammen  wohl  von 

so  einer  ähnlichen  Bronzestatuette  der  Aphrodite. 
Aphrodite  selbst  dem  Lotos  entsteigend  soll 
zeigen  eine  Elfenbeinarbeit  der  Sammlung  S. 
Mertens-Scliaaf hausen  (E.  aus'm  Weerth,  Bonn. 
Jahrb.  H.  27  p.  96)  und  ein  Bleimonument  des 
Museo  Bartoldiano,  Panofka,  II  Museo  Bartoldi- 
ano p.  61  nr.  3:  „Un  fiore  di  loto,  da  euiesee  la 
parte  superiorc  di  una  donna,  forse  Venere." 
Ferner  verzeichnet  Adrien  de  Longperier,  Kotice 
des  bronnes  ant.  exposes  dans  les  galeries  du  musee 

so  nat.  du  Louvre  p.  35  nr.  163  eine  nackte  Aphro- 
dite mit  in  Palmetten  zerteiltem  gewaltigen 
Kopfputz:  „eile  porte  un  grand  Collier,  au  centre 
duquel pendun  croissant  renversc  au-dessus  d'un 
globe  de  verre  bleu,  surmontant  un  groupe  composc 
d'un  canope  entre  un  Harpocrate  et  une  Venus. 
Le  collier  porte  encore  un  buste  de  Serapis,  et 
un  buste  d'Isis";  nr.  154  Aphrodite  mit  pal- 
meugezierter  grofser  Stephane,  „sa  poitrine 
ornce   d'un  collier  au  centre  duquel  pend   un 

■10  buste  d'Isis  (?)".  Ein  Karneolfragment  bei 
Dolce,  Descri.z.  istor.  del.  museo  di  Cristiano 
Denh.  A  nr.  23  p.  4  zeigt  „Iside  la  stessa  che 
Venere";  eiu  Heliotrop  in  Berlin,  Tölken  1, 
26,  104  =  Winckelmann,  Descr.  2,  10  nr.  576 
p.  120  „Venus  mit  dem  ägyptischen  Götter- 
zeichen auf  dem  Scheitel,  neben  ihr  ein  Eros 
Bogen  schiel'send,  einer  fliegend,  ihr  Spiegel 
vorhaltend";  vgl.  auch  die  einen  Eros  mit 
Bogen   in   der   Luft   haltende  und   von    einem 

so  anderen  Ero's  mit  Fackel  begleitete  Aphrodite, 
die  nach  Montfaucon,  L' Ant.  expl.  2,  2  PL  179, 
2  (aus  La  Chuusse)  p.  387  „une  fleur  de  lotus" 
auf  dem  Haupte  hat  und  Coli.  Badeigts  de 
Laborde  p,  18  nr.  193:  „Venus,  le  haut  du 
corps  nu,  appuyee  sur  une  haste,  la  tete  sur- 
montee  d'une  fleur.  Sept  etoiles  dans  le  champ. 
Le  tont  dans  un  coueercle  forme  par  le  ser- 
pentovQoßÖQog.  l\s.  Abraxas.\Atö.  Jaspenoir"; 
vgl.  p.  8  nr.  59  Zusammenstellung   von  Mars, 

60  Venus  und  Sarapis.  Bernoulli ,  Aphrodite 
p.  261  nr.  22  führt  an  „die  merkwürdig  her- 
menartig gebildete  Aphrodite  auf  der  Gemme 
bei  Codes,  Impr.  7  K.  56,  mit  „Amor,  der  ihr 
einen  Spiegel  vorhält.  Auf  dem  Kopfe  die 
Lotosblume".  Auf  einem  roten  Jaspis  in  Berlin 
erscheint  nach  Tölken  1,  2  nr.  36  p.  16  „Isis- 
Aphrodite,  stehend  mit  Sistrum  und  Wasser- 
krag, eine  Patera  haltend,  worauf  eine  sitzende 


497      Isis  (=  Aphrodite;  Horos  =  Eros)  Isis  (=  Aphrodite;  Horos  =  Eros)      498 

Spitzmaus    (nach    Winckelmeinn ,    Descr.    1,    2  Lafaye  p. 284, 73  (Gold);  C.Leemans,  Descr.  rais.. 

nr.  56  p.  14  „im  lievre  cjui  paroit  se  dresser"),  des  monum.  eg.  du  musee  d'ant.  d  Leide  p.  21 

ein  der  Venus  Athor  als  Nachtgöttin  geweih-  nr.  1440  (Gold);  nr.  1441  (Silber);  Jo.  Smelius, 

tes  Tier".    Mehrere  geschnittene  Steine  zeigen  Antiquität  es  Neomagenses,  Noviomagi  Bat.  1678 

Aphrodite  auf  der  einen  und  Harpokrates  auf  p.  127 — 137  =  Guperus,  Harp.  p.  1 — 2  (Silber); 

der  anderen  Seite,  de  Murr,  Descr.  du  eab.  de  Mus.  Meadianum,  Londini  1755  p.  215  (Silber); 

Paul  de  Praun  p.  349  nr.  1050,   Urlichs,  Drei-  Kircher, Oed.  Aeg.  3p. 520;  Spon, Rech. cur.  j>.  130 

sehn  Gemmen  der  Sammlung  der  Frau  Sibylla  n.  35  =  Cuperus  p.  32  u.  Baudelot  de  Dairved  1 

Merlens-Sehaaffhaiiscn  p.  14—15  nr.  13,  King,  PI.  16  fig. 2  [a] ;  nr.  37  =  Baudelot  a. a.  0. flg. 2  [bj ; 

TheGnosticsPl.  5,  1,  Stephani,  C7.r.p.l870 — 1871  10  nr.  38  =  Cuperus  p.  32  und  Baudelot  hg.  2  [cj 

p.  89  nr.  120  immer  ders.  St.;  Stephani, a.  a. O.  (letztere  Figur  ohne  Flügel  am  Rücken,  dafür 

p.  87  nr.   101;   p.  225  nr.  30,   PI.  6,  30;   oder  mit  Flügeln  an  eleu  Füfsen;  ohne  Flügel,  aber 

beide   neben   einander,  Brit.  Mus.  A  Guide  to  mit  Köcher,   von   Baillet   irrig   für  „une  Sorte 

tbe    ftrst  and    second   egyptian    rooms    p.    116,  de  hotte  employe'e  ä  faire  la  vendange"  gehalten, 

G.  139,    Hämatit;   ein   Chalcedon   der  Coli,   de  erscheint    auch    eine    Bronze     der    Sammlung 

M.  Montigny   p.  44  nr.  5S0   Harpokrates    auf  Desnogers  in  Orleans,  Zcitschr.  f.  äg.  Spr.  1878 

einem  Cippus,  davor  Aphrodite,  hinter  ihr  Eros  p.  106  —  108,  Tfl.  6  Fig.  1);   Baudelot  a.  a.  0. 

mit  Fackel;  eine  Bronzegruppe  in  Turin  stellt  PI.  2    fig.  1    p.  234,   263   =    Cuptrus   p.   118; 

dar   Aphrodite    mit    vergoldetem  Kranze    auf  lo.  Bapt.  Donii  Inscriptionts  aut.  cum  notis  ed. 

dem  Haupte   und  zwei  goldenen  Bändern   an  20  A.    F.    Gorius.    Flor.    1731.    2".    p.   19    („quo 

beiden  Armen,  „vor  ihr  ein  Tritt  [Doc.  ined.:  olim \  ornabatur  Museum  loh.  Ciampinv');  Zocgu, 

,xdtarino,r\    mit  einigen  Stufen  und  daneben  Numi  Aeg.  p.  130,  Note  zu  Hadrianus  nr.  285 

zwei    kleine     Harpokratesfiguren",     Wieseler,  (Mus.  Borgia,  „ad  humeros  arewm");  B.  gal. 

Gott.  Nachr.  1877   p.  684—685,   Doc.  ined.  p.  di  Firenze  ser.  4  t.  1  tav.  47  =  Lafaye  p.  284 

s.  a.  st.d.  Mus.  eVItedia  1  p.  439.     Terracotten  sub   nr.  70;   Heibig,    Bull.    d.    Inst.    1874  p.  4 

aus    Südrufsland    zeigen    Aphrodite    zwischen  nr.  2    aus    Sammlung   Castellaiti;    Gull.    Herta 

Harpokrates  und  einem  als  Herme  gebildeten  p.  134  nr.  74;  Coli.  J.  Gre'au,  Cat.  des  bronses 

Priapos,  Stephani,  C.  r.  p.  l'a.  1877,  PI.  5  nr.  7  ant.  Paris  1885.4".  p.  168  nr.  837;  p.  199  nr.  948; 

p.  254—255;    259—260;    p.   l'a.   1S70  et  1S71  Gaedechens,  Die  Ant.  zu  Arolsen  p.  67  nr.  132; 

PI.  3,  5  p-  174—175;  p.  l'a.  1S7.3  PI.  1   nr.  1  30  Friederichs  2  p.  433  nr.  2005  ;v.  Sacken  u.  Kenner 

p.  5 — 6.     Isis-Fortuna   und  einen  kleinen  Eros  p.  302  nr.  1173a   =   v.  Sacken,  Bronzen  p.  91, 

sieht   man  an   einem   Elfenbeinkästchen  spät-  Tfl.  31,9;  Hübner,  Die  ant.  Bildwerke  in  Madrid 

römischen   Stils,    Michaelis   in   Great   Britcän  p.  203  nr.  435.   Cupers  Erklärung  p.  32  —  45,  dal's 

p.  620,  Bichmond  nr.  1.  Harpokrates   beide    Attribute    als    Sonnengott 

Auch  wurde,  wie  Isis  mit  Aphrodite,  so  ihr  führt,  ist  unnötig;  wird  doch  inschriftlich  die 

Sohn  Harpokrates   mit  Eros  verschmolzen.  Verschmelzung    von    Eros,    Harpokrates    und 

Eine  Unzahl    kleiner  Metallfiguren,   meist  von  Apollon   bezeugt,  'A&qv.    5   p.   458   nr.  7.      In 

Bronze,    zuweilen    aber   auch   von  Silber  oder  Marmor    verzeichnet    einen   „Harpokrates   mit 

Gold,    zeigen    ihn    ausgestattet    mit    Flügeln,  den  Attributen  des  Amor  und  Bacchus"  Fritz 

Cuperus.  Harp.  p.  36   aus  Mus.  Moscardi  1.  1  40  Pichler,  D.  bist.  Museum  im  Joanneum.   Gratz 

c.  13;   Baudelot   de  Dairval,    De  Vidilite   des  1876  p.  9;  in  „terre  bleue  mate"  einen  „Harpo- 

voyages  1  PI.  7,  1  p.  262;   de  la  Chaussc,  Born.  crate  ailc"  Meester  de  Bewestein,   Mus.   Bave- 

3Ius.  1  sect.  2  Tb.  33  (Bellori);   Tb.  34  (de  la  stein  2  p.  81   nr.  1102;    ferner    in    Terracotta 

Chausse),  wonach  bei  Montfaucon  2,  2  PI.  124,  Coli.   H.   Hoffmann.   Paris    1886   p.   12  nr.  24: 

1.  2;  Montfaucon  a.a.O.  nr.  11  (Mr.  Foucaiüt);  „Amour-Harpocrate  aecoude  sur  un  cippe,  les 
PI.  125,  4  (B.  P.  Mini);  vgl.  nr.  3  (Mr.  Bigord,  edles  eployees,  V index  de  la  m.  dr.  sur  la  bouche, 
viereckiges  Plättchen);  Musei  Franciani  De-  une  come  d'abond.  au  bras  g.  Figurine  elorce, 
scriptio  2  p.  14  nr.  119,  120  (beide  von  Silber);  de  la  fabrique  dite  d'Fphese";  Coli,  de  M.  le 
E.  v.  Sacken  u.  Fr.  Kenner,  Die  Samml.  d.  K.  K.  Comte  de  Gobineau.  Paris  1882.  p.  31  nr.  69: 
Mang-  u.  Ant.-Kab.  p.  333  nr.  26  (Silber);  p.  299  50  „Büste  d'Amour  (fragment  de  figurinej.  II  est 
nr.  1145  =  Sacken,  Die  ant.  Bronzen  d.  K.  K.  ailc,  couronne  de  lierre  et  de  corymbes  et  sa 
M. u.  A.-K.  p.  91, Tfl.  32,  9 ;  Friederichs,  Berlins  m.  dr.  est  rapproche'e  du  menton.  Asie  min."; 
ant.BOdw.  2  p. 433  nr.  2003, 2004;  Bromid'Erc.  auch   die   Terracottafigur  des  auf  einer  Gans 

2,  86.  87,  Boux  u.  Barre  5  Tfl.  97  nr.  2  u.  3  reitenden  Harpokrates  von  Tarsos  trägt  Flügel 
p.  104—105;  Tfl.  103  nr.  2.  3  p.  107  —  108,  Ger-  am  Rücken,  Lafaye  p.  285  nr.  75,  PI.  3;  ferner 
hctrel  u.  Panofka,  Neapels  ant.  Bildw.  p.  174,  Ceirlo  Kirne,  II  Museo  civico  di  ant.  di  Tricste 
Mus.  Borb.  12,  30;  Lafaye  p.  283  nr.  69,  70;  1879  p.  60  verzeichnet  aus  Aquileja  stammend: 
Mau,  Scavi  di  Pompei,  Bull  el.  Inst.  1876  „bassorilievo  con  piecolo  amorino  in  atteggia- 
p.  48  (Silber);  Grivaud  de  la  Vincclle,  Bec.  de  mento  di  Arpocrate,  presso  una  urna".  Ge- 
monum.  ant.,  la  plupart  inedits  et  decouverts  eo  flügelt  erscheint  Harpokrates  auch  auf  der 
dans  l'anc.  Gaule  PI.  4  nr.  4  p.  38 — 40;  A.  Glaslampe  bei  Passeri  1,  1,  Lafaye  p.  302 
Comarmond,  Descr.  des  ant.  et  obj.  d'art  con-  nr.  127,  Drexler ,  M.  Beitr.  1  p.  47,  Anm.  1 
tenus  dans  les  salles  du  piduis-des-arts  de  la  zu  p.  44  und  auf  einer  Bleitessera  (vor  einem 
rille  de  lyon  p.  201  nr.  19;  de  Longpcrier,  Altar  stehend  und  mit  Keule  in  der  L.),  Mus. 
Notice  des  bronzes  ant.  du Louvn '  p.  117  nr.  522;  Num.  Lavy  1  p.  407  nr.  4580;  und  auf  einer 
Coli.  H.  Hoffmann,  Paris  1886  p.  12  n.  24.  Gemme  (zwischen  Isis  und  Sarapis),  Chiflet 
Häufig  gesellt  sich  hierzu  noch  der  Köcher,  27,  113  =  Montfaucon  2,  2,  160,  10  u.  170,  6; 
Longpcrier  p.  116  nr.  520  =  Ceaj.  Tersan  320  =  vgl.   auch   Montfaucon  2,  2   PI.  124.  125.     In 


409      Isis  (Beziehungen  zu  Aphrodite)  Isis  (Beziehungen  zur  Dea  Syria)      500 

den  Gemme  Estmsi  nr.  372,  Doc.  ined.  p.  s.  et.  schäftlichen  Kapellen  mit  derselben;  auf  erate- 

st.  d.  Mus.  d'It.  2  p.  306  wird  verzeichnet  ein  res    weist    der  Umstand  hin,    dafs    die  Wid- 

,,Amorino  con  sistro  in  mono",  wie  auch  den  mungen  an  die  syrische  Aphrodite  und  an  die 

Bronzen  bei  Friederichs  2  p.  433  nr.  2005  und  Götter   des   Nillandes   mit  einander  vermengt 

bei   Baudelot  1   PI.  2,  1  =   Cuper  p.   118   das  gefunden    wurden,    auf   letzteres    müssen    wir 

Sistrum   beigegeben   ist.     Nach  de  Longpe'rier  daraus  schliefsen,  dafs  die  Inschriften  jene  nie 

p.  43  nr.  183   ist  in  einer  Bronze   des   Louvre  als  ovußafiog   oder  avvvaog   dieser  bezeichnen 

Eros    nach   dem   Vorbild   des   aus   dem  Lotos  und  dafs  beide  besondere  Priester  haben.    Nur 

sich  erhebenden  Harpokrates  aus  einer  Blume  einmal  kommt  es  vor.  dafs  ein  gewisser  Apol- 
hervorgehend     dargestellt;     vgl.     den    gebän-  10  lonius,  der  Sohn  des  Asklepiodoros  xaza  hqoo- 

derten  Achat  der  Sammlung  Demidoff  „Amore  rayua   ZaQcimog,  "Iaiog,  'Jvovßiog,  'AqiQoSicTjg, 

che  germoglia  dal  fior  di  loto",    Cades,   Impr.  B.  C.  H.  6  p.  330  nr.  25  eine  Mauer  errichtet, 

gemm.  II  Cent.  nr.  44  p.  11  und  die  nackte  ans  die  nach  Hauvette-Besnaults  Vermutung,  dessen 

einem  Akanthusblätterbündel  hervorkommende  Ausführungen,  B.  C.  H.  6  p.  471 — 473,  ich  hier 

Knabenfigur  einer  Bronze  in  Lyon,  Comarmond  ebenso   wie   Nenz ,  Quaestiones  Beliacae   p.  35 

p.  253  nr.  169.  — 36  folge,  vielleicht  ein  der  syrischen  Aphro- 

Zuweilen  treten  Isis  und  Aphrodite,   wenn  dite  geweihtes  Gebäude  mit  Baulichkeiten  des 

sie    auch    nicht    einander    assimiliert   werden,  Tempels  der  ägyptischen  Gottheiten  verbinden 

doch  in  Beziehung   zu  einander.     Die  Göttin,  sollte.    Einmal  kommt  auch  eine  völlige  Iden- 

welcher  nach   C.  I.  A.  3,  162   in    Athen  eine  20  tifikation    der  Isis    und   der   syrischen    Aphro- 

Aphroditestatue  geweiht  wird,  halten  Boeclch,  dite  unter  Mithereinziehung   der  Astarte   vor, 

C.  I.  Gr.  481,    Dittcnberger ,  Keil,  Bh.   Mus.  in  der   schon  oben   angeführten  Inschrift  'A9. 

N.   F.  Bd.  19    p.  256,   vgl.  Köhler,   Mitt.  d.  D.  4  p.  458  nr.  7:  "I01S1  Saxsigixt  'JgxÜqxsl  'Jcpgo- 

A.  I.  i.  Atli.  2,  1877  p.  256ff.   für  Isis,   wäh-  Slxtji  k.'E.'A.'A.   Auch  auf  italischem  Boden  ist 

rend  Stephani,  C.  r.  p.  l'a.  1S60  p.  114  weniger  es  nicht  unerhört,  dafs  ein  und  dieselbe  Person 

wahrscheinlich   an   Demeter   denkt.     Eine  sil-  zugleich   dem   Kultus    der   phrygischen  Mater 

berne  Venus   wird  der   Isis  Bubastis    in  Ostia  Magna,  der  Suria  Dea  und  der  Isis  sich  geweiht 

geweiht,  C.  I.  L.   14,  21  u.  add.     Auch  in  der  hat,  CLL.  9,  6099,  Inschrift  von  Bnmdisium. 

Porticus  des  Isistempels  in  Pompeji,  wo  Ger-  Ob    die  in   Syrien  gefundenen  von   Glermont- 
hard,  A.  Ana.  1863  p,  51*— 52*  allerdings  ohne  30  Ganneau,  Arclx.  des  miss.  sc.  et  litt.  3e  ser.  11 

Begründung    sie    der    Venus   Fisica    gleichge-  1885  p.  232 — 233  nr.  106,  PI.  6,  c  =  Schreiber, 

setzt  werden   läfst,    wurde   eine  Marmorstatue  Zeitschr.  d.  D.  Palüstina-Ver.  10,  1S87  p.  191 

der  Isis   gefunden,  Georgii  in  Paulys  B.-E.  4  und  Perrot,  H.  de  l'a.  dans  Vant.  3  p.  77  nr.  26; 

p    229,    C.   Justi,   Winchelmann   2/2   p.   400,  sowie   von   F.  Lajard ,   A.  Z.  1851   p.  54—55 

Otterbeck,  Pompeji  p.  371,  F'iorelli,  Pomp.  ant.  =  Fr.  Lenormard,  Bev.  num.  1853  p.  339  not.  2 

hist.  vol.  1,  1  p.  165;  1,  2  p.  149,  Nissen,  Pomp.  verzeichneten  Bronzestatuetten   der  Aphrodite 

Stud.  p.  347,  Lafaye  p.  190.  mit   Isiskopfputz    als  Verschmelzung   der   Isis 

Umgekehrt  fand  man  im  Aphroditetem-  mit  der  syrischen  Aphrodite  aufzufassen  sind, 
pel  zu  Kyrene  eine  Isisstatue,  A  guide  to  the  wage  ich  nicht  mit  Bestimmtheit  zu  behaupten, 
gr.-rom.  sc.  in  the  dep.  of  gr.  and  rom  ant.  40  doch  ist  die  Wahrscheinlichkeit  nicht  abzu- 
[of  the  Brit.  Mus.]  2,  1876  p.  10  (nr.  20),  Smith  leugnen.  Interessant,  wenn  richtig  gelesen,  ist 
and  Porchcr,  Bist,  of  diso,  in  Cyr.  p.  103  auch  die  dem  Haupte  der  Isis  beigegebene 
nr.  70.  Ein  Basrelieffragment  aus  Deruta  zeigt  Beischrift  A4>POA.  (litt,  fug.)  6ICIC  •  CYPIQN 
die  Aufschriften  VE  NEPJ  MARTI  ALI;  /TO-  einer  Münze  des  Caracalla  und  Geta  von  Syros, 
RIAE;  ISIDI,  Gammurini,  Kot.  d.  sc.  di  ant.  Mi.  S.  4,  409,  307.  Eigentümlich  tritt  die 
1884  p.  145;  in  Athen  finden  sich  an  einer  Basis  Verschmelzung  der  Isis  und  der  Dea  Syria  zu 
vom  Südabhang  der  Burg,  C.  I.  A.  2,  3,  1671  Tage  auf  einer  zu  Heddernheim  gefundenen 
die  Aufschriften  'Eqiiov  \  'JqjeoSi'xrji;  |  TTori'os;  j  Bronzetafel;  wie  in  einer  von  Ed.  Meyer, 
Nu/.icpäv;  |  "letSog;  U.  Koehler ,  Mitt.  d.  L>.  oben  Bd.  1  Sp.  653  mitgeteilten  Abbildung  die 
A.  I.  i.  Atli.  2  p.  249  vermutet  darnach,  es  50  Stadtgöttin  von  Qadesch,  ganz  ägyptisch  ge- 
habe sich  beim  Tempel  der  Aphrodite  Pande-  bildet,  aber  nach  babylonischer  Anschauungs- 
mos  oder  innerhalb  des  dazu  gehörigen  Teme-  weise  auf  einem  Löwen  stehend,  dargestellt 
nos  ein  Heiligtum  der  Isis  befunden.  Wenn  wird,  so  tritt  uns  hier,  einer  Hera  ähnlieh, 
aber  Gerhard,  A.  Z.  1861  p.  135  Anm.  20  er-  mit  dem  Sistrum  in  der  R,  die  syrische  Göttin 
klärt:  „Die  anderweitig  bekannte  Vermischung  anf  einer  Hirschkuh  oder  einem  Reh  stehend 
von  Isis  und  Aphrodite  wird  aus  Aphroditens  entgegen,  Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  26  Anm.  1. 
Hauptsitz  Korinth  durch  Tempel  von  Sarapis  IJt|£r  die  Isisähnlichkeit  der  Baälät-Gebal  s. 
und  Isis  auf  der  dortigen  Burg  bestätigt,  oben  1  Sp.  652;  1866  f.;  2  Sp.  373;  über  die 
Paus.  2,  4,  6",  so  ist  das  ungenau,  da  die  xs-  Deutung  des  Sternbildes  der  Jungfrau  als  Isis 
[izvr]  "Iaidos  auf  dem  Aufgang  nach  Akrokorinth,  CO  und  Atargatis  oben  Sp.  460;  über  die  Be- 
nicht  aber  auf  der  Burg  selbst  beim  Naos  der  nennung  der  beiden  als  xo-rrog  &säv  Simplicius, 
Aphrodite  lageu.  Commentarii  in  octo  Aristotelis  physicae  aus- 

Interessant  ist  ihre  Stellung  auf  Delos  zu  cultationis  libros.    Venetiis.   L.  IV  p.  150:   «al 

der  dort  als  syrische  Aphrodite  verehrten  Dea  ?';  Htgioxi)  äf  tojios  iv.si  Xiystai  itollönus'  Sto 

Syria.      Die    ägyptischen    Gottheiten    fanden  y.ctl   xr)v    ov$lav    äraQÜzrjv    [lege:   'Aragyäz-qv] 

dort     ihre    Anbetung     in    demselben    grofsen  xinov  &säv  xctXovoiv,  v.cd  rr}v  i'atv  of  aiyvnxioi, 

Heiligtum     der   fremden    Götterwesen    wie    die  tue    noXXäv    frsäv    idiöxijxctg    jrEp/a^orea'S,    vt?'- 

syrische   Aphrodite,   jedoch  nicht  in   gemein-  Phil.  Aur.  Visconti  et  los.  Guattani,  Monu- 


501      Isis  (Schützerin  d.  Gebär,  u.  Kinder)  Isis  (Schätzerin  d.  Gebar,  u.  Kinder)      502 

mens  du  musc'e  Chiaramonti  p.  15,  Anm.  1  und  Vaters  Osiris  zu  übernehmen",  „die  Herrin  der 

Jablonslci,  Panth.  Aeg.  2  p.  24.  Geburtskammer"  und  ähnlich  heifst  sie  in  den 

Vor   allem   ist   sie   auch  eine  Schützerin  ägyptischen  Texten,  Brugsch,  Rel.  p.  647;  svtb 

der  Gebärenden  und  der  Kinder.     Sie  ist  fff [iä]j/ag    tg  ätv.uzuv  ätpiäa  zt&aXorog  ugmov 

ja   „die   das  Leben   spendet",   „die  Herrin  des  [uqziov  Sauppe  und  Kaibcl]  tgyov  |  cpiyyog  zn 

Lebens"  (Brugsch,  Bei.  p.  047),  und  auch  in  Dar-  ägzi'yovov  ßgicpog  ayuyov  sagt  sie  im  Hymnus 

Stellungen  der  griechisch-römischen  Zeit  führt  von  Andros,  vs.  37  —  39  ed.  Abel;   iym  yvvai'gi 

sie  noch  zuweilen  das  Zeichen  des  Lebens  öixci[gri~\vov   ßgicpog   ivicaßa    im   Hymnus  von 

(in  den  Beschreibungen  irrtümlich  als  Tau,  Nil-  los,  vs.  18,  A.  Z.  1878  p.  131.  —  Letronne,  Inscr. 

Schlüssel  etc.  bezeichnet,  s.  Böttiger,  Kl.  Sehr.  3  10  Gr.  et  Lat.  de  l'£g.   1  p.  377 — 380   nr.  28  will 

p.204,  Anm.**;  Visconti,  Muse'e  Pie-Cle'm.  2  p.  36  ihr  deshalb  in  einer  Inschrift  von  Tehneh  den 

—  39;  Georgii  a.  a.  0.  p.  294— 295);  es  zeigen  sie  Beinamen  Ao%iäg  „qui  pre'side   aux  aecouche- 

mit  demselben  ausgerüstet  z.  B.  Basaltstatuen  ments"  erteilt  wissen,  doch  zeigen  die  Majus- 

ausHadrians  Villa  in  Tivoli  (Lafayc\>.  280  nr.57;  kein  MOXIAAI,  s.  C.  I.  Gr.  4703c,  was  als  „die 

58 ;    Statue   aus   schwarzem   Stein  mit   gelben  Wohlthätige"  erklärt  wird ,   s.  Hrcxler,  Mgth. 

Flecken  aus  den  Gärten  des  Sallust,  Bcttari,  Beitr.  1  p.  35  Anm.  1  zu  p.  34. 

Mus.  Cap.  3.  76,  Righetti,   Campidoglio  1,115,  In  einem  ägyptischen  Zauberspruch  identi- 

II  Museo  Cap.  2,  105  p.  77 — 78,  Clarac  984  A,  ficiert   sich  eine  gebärende  Frau  mit  Isis  und 

2547,  Bcschr.  Borns  3,  1  p.  141  nr.  17;  „Figura  fordert  die  Götter  auf,   ihr  das  Lager  für  die 

dalV  ombellico  ingiü,  con  pilastro  d'appogcjiato  2ü  Niederkunft  zu  bereiten.    „Nicht  ich  sage  dies, 

ornaio  di  geroglifici.     Donna  reslita  di  sottile  nicht   ich    wiederhole    es;    Isis    sagt    es,    Isis 

sindone,  che  stretta  cdla  persona  e  composta  di  wiederholt  es"   schliefst  der  von  furchtbaren 

pieghe  sottili  alla  greca;  laseia  travedere  quasi  Drohungen  für  den  Fall  einer  Weigerung  be- 

tutti  i  contorni  del  nudo,  e  resta  ornala  di  un  gleitete  Spruch,  Le  Page  Renouf,  Vorlesungen 

conlorno  di  frangic,  che  cadono  lungola  schiena  über    Urspr.    u.    Entw.    d.    Rel.    p.  198  — 199. 

aecompagnando  il  pilastro  d'appoggio.  La  figura  Zusammen  mit  Ilithyia   ruft   sie  Ovid,   Amor, 

e  svelta  e  gracile  fuor  del  naturale,  sta  dritta  2,  13  an,  Corinna  vor  den  üblen  Folgen  eines 

avanzando  un  poco  il  piede  s.,  laseia  vedere  le  Abtreibeversuchs     zu     schützen.      Unter    den 

braccia  lunghe  e  i  fianchi,  tenendo  nella  serraia  Votivgaben   des  Isistempels  von  Pompeji   be- 

destrala  chiave  niliar.a,  edapplicando  l'apertas.  30  findet  sieh  nach  Trede,  D.  Heidentum  in  der 

alla  coscia;  il  vestito  arriva  sino  alla  cavicchia  röm.  Kirche   4    p.   313    die    Figur    eines    mit 

di   piedi,    il    tuito    insieme    e    somigliantissimo  Windeln  umwickelten  Säuglings.   Ist  das  Kind 

ad  una  figura  grande  di  basedte  del  Mus.  Capi-  aber  zur  Welt  gebracht,  so  schützt  sie  es  und 

tolino,  mamacquista  un  merito  parlicolare  per  i  ernährt  es  wie  ihren  Sohn  Horos.    „Die  Mutter 

geroglifici  che  in  lavori  di  simile  maniera  non  des    Gottes",    „die    Gottesmutter    des    Horus 

facilmente   si   rincontrano",    Museo  Borgiano,  Ka-nacht",   „die  Mutter  des  goldenen  Horus", 

Giunta  al  §  30  (Pittra  nera  con  macchie  verdi,  „die    Amme    und    Beschützerin    ihres    Kindes 

dolee,  o  serpentino  tenero),  Docum.  ined.  1  p.  410  Horus",   „welche   mit  ihrer  Milch   das  Horus- 

nr.  263;    schwarze   Granitstatue    in    München,  kind  ernährt"  heifst  sie  in  den  Texten.    Mut 

H.  Brunn,  Beschr.  d.  Glyptothek  4.  Aufl.  p.  28  io  (Mov9),  wie  sie  nach  Plut.  de  Is.  et  Os.  c.  56 

— 29   nr.  17;    Statue    aus   Pompeji,    Overbcck,  benannt  war,  bedeutet  Mutter;  auch  ihr  Name 

Pompeji  p.  370,   Fig.  259a;   Bronze:    „Piccola  Me&vtQ  (Plut.  c.  56)  wird  nach  Heverias  Vor- 

figura.    Iside  greca  col  solito  costume,  con  un  gang   von   Ebers,   Ag.  u.  d.  B.  Moses  p.  116 

fiore  dito  in  testa,  sopra  basetta  ossia  piecolo  und  Wiedemann,  Hcrodots  2.  Buch  p.  116   als 

sostegno,  essendo  ncl  medesimo  ieinp>o  velata  alla  Mut  ur  „die  grofse  Mutter",   anders  indessen 

greca  ed  oruata  di  ricci  pendenti  di  qua  e  di  von  Brugsch,  Hier.-dem.  Wörterbuch  6  p.  635 

lä  verso  il  petto,  soliti  darsi  alle  Isidi  greche.  und  Hümichcn,  Gesch.  d.  alten  Ag.  p.212 — 213, 

Sta  in  piedi,  avanzando  il  piede  s.  poco  avanti  erklärt.   Mater  heifst  sie  G.  I.  L.  12,  2217  und 

l'altro,  tiene  sopra  la  testa  quel  serpente  grosso  mit  der  phrygischen  Mater  Magna  hatte  sie 

e  tutulato,  che  sogliono  vedersi  sulle  fronti  delle  50  im   Wesen    und    Kultus    manches    gemein,    s. 

figure  egizie;  nella  s.  che  pende  dl  fianco,  una  Num.Zcitschr.  Bd.  21  p.  163,  Anm.  14,  Göhler, 

cosa  che  pare  possa  essere  l'avanzo  della  chi-  Wochensehr.  f.  Id.  Phil.  2,  1885  Sp.  264—265. 

ave  niliaca",    Mus.  Borgiano,  Giunta  cd  §  55  Als  Schützerin  und  Erzieherin  der  Kinder  hat 

nr.  575,  Hoc.  ined.  1  p.  413;  Gemmen:  Dubois,  sie   die  Beinamen  puellaris,    C.  I.  L.  2,   3386 

Hcscr.  des  ant.  comp,  la  coli,  de  feu  M.  I.-F.  und  educatrix  Bull,  della  commiss.  arch.  comun. 

Mimaut   p.  89   nr.  561    (in   der  andern  Hand  1889  p.  37. 

Scepter);  Cat.  Hertz  p.  71  nr.  1505  („Isis  hol-  Als  Symbol  der  mütterlichen  Göttin  wurde 

ding  'life'  and  sndke");    wohl   auch   Museum  in  der  Isisprozession   ein  goldenes  Gefäfs  von 

Münterianum  3  p.  105   nr.  71  („Isis  stans,  d.  der  Form  einer  weiblichen  Brust,  aus  welchem 

baculum  T,   s.  incertum  quid;  in  aversa  varia  GO  Milch    träufelte,    einh ergetragen,    Apul.    Met. 

sig.    hicrogl.",    doch    vielleicht    altägyptisch);  11   c.  10;    mit    Unrecht    will    aber    Chaudruc 

„Fragment  d'un  tase  bleu,   double  de  blanc:  de  Crazanncs ,  Rcv.  arch.   1846  p.  581   in  der 

Isis  ä  gauche,  tenant  la  croix  ansee.     Hevant  Hand    einer    von    ihm    grundlos    für   Isis    er- 

elle,  oiseau  perche  sur  une  couronnt",  Cat.  des  klärten    Brouzestatuette    aus    der    Umgegend 

obj.  d'art  dependant  de  la  succession  Alessandro  von  Toulouse   dieses   Symbol  erkennen;    auch 

Castellani.    Rom  1884  p.  59  nr.  406.  die  von   ihm   p.  578   citierte  „Isis"  mit  weib- 

Die,  „welche  ihren  Sohn  Horus  in  der  Geburts-  licher  Brust  in  der  R.  bei  Martin,  Explication 

kammer  zur  Welt  bringt,  um  das  Amt  seines  de    divers    monumens    singuliers    p.  319    wird 


503           Isis  'Beziehungen  z.  Geier1  Isis  (mit  d.  Meinen  Horos  im  Schofs)     504 

schwerlich    unsere    Göttin   und    das    in    Rede  Winekelmamn,   Monum.   ined.  nr.  73.  74,    Sil. 

stehende    Sinnbild    darstellen.      Erwähnt    sei  Werke   ed.  Eiselein  7   p.  522  —  524,    der  den 

noch,  dafs  an  den  Festen  der  mit  Isis  ziemlich  Vogel    als    „numidische    Henne"    bezeichnet; 

wesensgleichen    Hathor    am     30.    Athyr    und  und  die  Bronzebüste  in  Florenz,   Zannoni,  B. 

1.  Choiak  ,,das  Zeichen   der  schönen  Weiber-  geil,   di   Firenze ,   ser.   4,    tom.   3,    tav.   141, 

brüste"  stattfand,  Brugsch,  Hier.-dem.  Wörter-  Böttiger,  Amalfhea  3  p.  266  Anm.  6,  Beuvens, 

buch  2  p.  380.  Ldtres  ä  M.  Läronne  sur  les  papyrus  bilingues 

Als    Symbol    der   Mütterlichkeit    galt    der  et  grecs  et  sur  quelques  autres  monum.  gre'co-e'g. 

Geier,    der  nur  weiblichen   Geschlechts   sein  du  musee  d'ant.  de  l'iinh:  de  Leide,  2e  lettre, 

sollte,     von    dessen    Liebe    zu    den    Jungen  10  Art.  I  p.  28—29  nr.  5,   Lafaye  p.  277  nr.  44, 

Wunderdinge    berichtet    wurden,    mit    dessen  deren  Kopfzier  Lafaye  als  numidische  Henne, 

Bilde  das    Wort  „Mutter"   geschrieben  wurde  Böttiger   und    Beuvens    als   Eule    bezeichnen; 

und     der    fast    allen    weiblichen    Gottheiten,  Terracottakopf,    Caylus    1,    10,   3    p.   37  —  38 

besonders    aber    der    Mut    von    Theben    und  („je  crois  y  reconnaitre  1c  goüt  romain'');  vgl. 

der  Necheb   von  Eileithyia  geweiht  war,    P.  1,  15,  4    p.  50    Terracottatafel   und    Böitiger, 

Pierret,  Biet,  cl'arch.  e'g.  p.  528,   Wiedemann,  Arch.  Ährenlese  1.  Sammlung  1811,   Tfl.  2,    1 

Herodots  2.  Buch  p.  231.  Leemans  zu  Horapollo  p.  2,    Thonbüste.     Auch    Gemmen,    die    aber 

Hicrogl.    1,  11   p.  171  — 183.      Natürlich    trägt  ebensogut  Königinnen  darstellen  können,  zei- 

Isis,    wie    andere    Göttinnen    und    auch    die  gen  sie  mit  dem  Geierkopfputz,  Pullini,  Saggio 

Königinnen,    nicht    selten    den  Geierbalg    als  20  di  ant.  gemme  incise  1,  1   p.  1 — 3  „in  Kicolo 

Kopfputz,   vgl.  Ael.  de  n.  ei.  10,  22:   v.ocuovci  sardonico"  (über  dem  Geierbalg  Sonnenscheibe 

öf   %r\v   "Iaidos   xfcraÄ)}»'   yvnbg    nrigoig,    Wil-  zwischen    Hörnern);    Iusti  Fontanini  Achates 

länson,    M.  a.  C.   2,  1    p.  384    nr.  455.     Von  Lsiacus  anularis  in  Gori,  Symb.  litt.  JDec.  2,  10 

Denkmälern,    welche    sie    damit    ausgestattet  p.  153 — 175,  „ex  3Iuseo  Mar  eh.  Alexand.  Gre- 

zeigen,  siehe  die  Bronzestatuette  mit  geknotetem  gorii  Capponii"  =  Baponi  PI.  21,  12;   Baspc 

Gewand,   Schlange  um   r.  Arm,   Situla  in  der  p.  23    nr.  157,    PI.  7,    Story  -  Mashelyne ,    The 

L.,    Geierbalg    und   darüber  Hörner,    Sonnen-  Marlborough   Gems    p.  8    nr.  46;    der    gleiche 

scheibe  und  Federn  bei  Pignorius  Tab.  IV  =  Typus  bei  Baspe  p.  25  nr.  258—259,    Gam.ee, 

Cuperus,  Harpocrates  p.  46;  ferner  mit  Chiton  au  Gab.  de  Mr.  Marmaduhe  Tunstall;  nr.  260; 

und  geknotetem  Himation,  Perücke,  die  Hände  so  ferner  Lmpr.  Chigi  nr.  270,   Visconti,  Op.  rar. 

abgebrochen,     von    Zoega    in    die    Zeit    der  2   p.  239  nr.  270,   „Cammeo  di  stile  veramente 

letzten  Ptolemäer  gesetzt  „Bronzo  alto.  on  15,  cgizio  nel  3Tuseo  Eireheriano,  di  cui  si  descrive 

maniera   greca   cgizia ,   lavoro  andante.     Lside  una  pasta   nella   coli.   Stoschiana   Cl.  1.  37"; 

vestita  di  camicia  ossia  di  tunica  sottile,  c  di  eine   andere   gleiche  Paste  bei   Winchelmann, 

manto  ovvero  peplo  frangiato,  il  quäle  cssendo  Descr.  1    nr.  38    und   Sämil.   TTerhc  7   p.  423; 

avvolto  attorno  il  corpo  sotto  il  petto,  i  due  Museo  Borgiano  1,  5,  11  p.  413,  „Onice  a  due 

pizzi  di  epiesto,  uno  jiassa  sotto  l'ascella  sini-  strati,  nero  sopra  bianco.  Cameo  di  gusto  egizio. 

stra,  l'altro  sopra  la  spalla  destra .  e  rengc.no  ma  forse  lavorato  a  Borna";  Gesicht  von  vorn, 

ad   incontrarsi    in   mezzo   alle   mammelle,   ove  Be  la  Cliau  et  Lc  Blond.  Bescr.  des  pr.  p.  gr. 

formano    il   solito    nodo   della    teste    isiaca;    i  40  du   cab.  de  Mons.  le  Buc  d'Oi-lc'ans  1.  1780. 

pieeli  sono  midi,   il  sinistro  piantato  aranti  il  PI.  1    p.  1 — 6,    I.  G.  Lacobi,  Versuch    einiger 

destro...;  ilvertice  el'occipite  sono  coperti  dille  der  vornehmsten  geschn.  St.  myth.  Lnh.  aus  d. 

spoglie  di  avvoltoio,  di  cui  il  rostro  sorge  sopra  Kab.   des  Herzogs   von   Orleans.    Zürich   1796. 

la  fronte  della  elea;  sopra  queste  in  Sulla  eima  p.  21  —  26,   Cameo,   Malachit,  =  Köhler,  Be- 

dclla  testa,  pianta  un'  imposta  tonda,  fregiata  merkungen   über   die    ksl.    russ.    Sammlung    v. 

attorno  di  piume  e  di  foglie,  sulla  quäle  posa  geschn.   Steinen,    Ges.  Sehr.   4    p.  6,    der  den 

un   ornamento   isiaco  molto  cdto,    composto  di  Stein    für   altägyptische   Arbeit    erklärt;    vgl. 

due  piwme   con  globo,    due   corna  bovine,    cd,  auch  Gorläus  2,  675;   Mitsei  Franciani  Descr. 

ancora   come   sembra   due   orecchie  di  bove.     II  1  p.  249  nr.  785. 

volto   di   questa   figura    e   grosso   e   ottuso;   le  50        Unzählige   Bildwerke   stellen  Isis    in  Aus- 

fatture  non  sono   nc  greche,  ne  veramente  egi-  Übung  ihrer  Mutterpflichten  mit  dem  kleinen 

zianc;  la  testet  c  grande;  e  la  figura  resta  piü  Horos  (Hör  pe  %rnt  „Horos  das  Kind",  Wiede- 

rozza    di   quello    che   sogliono  essere    le   fgure  mann,  Bei.  d.  a.  Äg.  p.  112,  von  den  Griechen 

egizic"  etc.,  Museo  Borgiano  §55  nr.  563,  Boc.  meist  'Jgnoy.gätrig,   aber  in  den  delischen  In- 

ined.  1  p.  405;    ferner  Bronze  des  Louvre,   de  schritten    richtiger  'Aoitoyauzri*;   oder  mit    der 

Longperier,    Notice   sur   les   bronzes  du   Musc'e  memphitischen    Dialektform    des    männlichen 

du  Louvre    nr.  512  =  Lafaye   p.  280   nr.  56;  Artikels   ph    statt    [thebaiseh]    p   'Jgepoy.gärrig 

der  Coli.  Posno  p.  129   nr.  554  „Sa.  coiffure  sc  genannt,   B.  C.  H.   6   p.  316,    Bev.   arch.  1879 

compose  de  longues  tresses,  qui  lui    retombent  3S  p.  128)  auf  dem  Schofs  dar.    Heuzcy,  Cat. 

sur   les  cpaules,   et  de  petita  boueles  qui  ornent  co  des  fgurines  en  t.  c.  eint,  du  Musee  du  Louvre 

so»  front.   Lc  rautour.  Symbole  de  la  maternitc,  p.  9  und  Pattier,   Bevue  arch.   3e  ser.  2,  18S7 

repose  sur  sa  tete,  qu'il  couvre  de  ses  ailes ;  au-  p.  134    glauben,    dafs   auf  dieses  Vorbild   die 

dessus    de    l'oiseau    sacre,    le    disepue    orne    de  &scci  y.ovgorgofoi   der  griechischen  Kunst   zu- 

l'uraeus  et  de  deux  plwnes  droites,   est  place  rückgehen,    wie   auch   Ernest  Gardner,   Xau- 

entre   deux  cornes",    ebenso    nr.  555;    ähulich  hratis    Part.    2     p.    55    bei    Besprechung    der 

nr.  556  mit  Lotosblume,   worauf  Harpokrates  Terracottastatuette  einer  weiblichen  Göttin  mit 

sitzt,   in   der  Hand;   vgl.  die  Bronze   der  den  Kind    aus    dem    Temenos    der    Aphrodite    zu 

Horos  säugenden  Isis   in  ägyptischem  Stil  bei  Naukratis    erklärt:    „The  Egyptian    oriyin   of 


505     Isis  (mit  d.  kleinen  Horos  im  Sckofs)  Isis  (mit  d.  kleinen  Horos  im  Schofs)      506 

the  type  is,  hoicever,  leyond  dispute."  Dagegen  inetl.  1  p.  381 — 382  wird  so  beschrieben:  „Den- 
erklärt  Furtwängler,  /Sammlung  Sabouroff  1,  tro  un  fiore  di  loio  vcdesi  una  mezza  figura 
Tfl.  71,  3  [p.  2],  dafs  die  griechische  Kunst  d'Iside  greca,  vcstita,  con  tutulo  piatto  sopra 
erst  um  das  Ende  des  5.  Jahrh.  das  Motiv  des  la  tetta,  e  con  delle  treccie  pendenti  sul  collo. 
Säugens  bei  Menschen-  und  Göttergestalten  Quetta  sta  a  sedcre,  colla  sinistra  stringe  il 
verwendet  habe,  wodurch  Heuzeys  Behauptung  figlio  al  seno,  e  colla  destra  gli  porge  la  mam- 
widerlegt  werde  [p.  4].  Übrigens  sind  auch  mella.  II  putto  e  nudo,  e  semlra  che  abbia  la 
die  ägyptischen  Darstellungen  der  säugenden  dcstra  alla  bocca;  dietro  la  figura  evvi  un  pic- 
isis  nach  Furtwängler  [p.  2]  verhältnismäfsig  colo  manico.  Frammcnto  di  terracotta  ordi- 
jung,  sie  sollen  erst  der  saitischen  Periode  10  naria,  fina  perö  e  di  un  bei  rosso  di  mattone, 
angehören  und  sich  besonderer  Beliebtheit  in  forse  manico  di  una  lucerna ,  o  altra  cosa 
der  Ptolemäerzeit  erfreut  haben.  Etwa  zur  simile,  lavoro  molto  trascurato." 
Zeit  der  saitischen  Dynastie  mag  entstanden  Von  den  Gemmen  sind  die  auf  Sardinien 
sein  eine  in  Olympia  gefundene  phönicische  gefundenen  phömkischen  Darstellungen  der  dem 
Bronzeschale,  Futing,  Fun.  Steine,  Mim.  de  vor  ihr  stehenden  oder  auf  ihrem  Schofs  sitzen- 
l'Ac.  de  St.  Petersbourg  7  ser.  t.  7  1872  pl.  40  den  Horos  die  Brust  reichenden  Isis  bereits  oben 
p.  33;  C.  I.  Sem.  1  p.  106  nr.  112,  welche  zeigt  Sp.  392  verzeichnet  worden.  Ein  im  Mus.  Wors- 
nach  Perrot,  Hist.  de  l'art  3  p.  783  ff.  550  leyanum  deutseh  von  H.  W.  Fbeihard  und  IL 
„Isis-Hathor  gui  allaite  le  jeune  Horus",  auch  Schaefer,  6.  Lief.  Tfl.  4  nr. 3  abgebildeter  Stein: 
nach  Dumont  et  Chaplain,  Les  ceramicpi.es  de  20  Isis  stehend,  den  vor  ihr  stehenden  Horos  säu- 
la  Grece  propre  1  p.  125  — 126  nr.  48  „De'csse  gend,  beide  auf  Baris,  darüber  die  geflügelte 
assise  (Isis)  allaitant  un  enfant",  während  Sonnenscheibe,  ist  gleichfalls  phönikischer 
Furtwängler,  Olympia  4,  Tfl.  52  p.  141  vor-  Arbeit.  Gemmen  griech.-röm.  Kunstübung  ver- 
sichtiger sagt:  „Von  den  Gottheiten  ist  die  zeichnen  H.  K.  F.  Kühler,  Ges.  Sehr.  4  p.  7 
eine  mit  dem  Kinde  nach  dem  "Vorbilde  von  „Isis  den  Horus  mit  dem  Finger  säugend",  vgl. 
Isis  und  Horus  gestaltet."  In  grofser  Menge  Fr.  Lenormant,  Monogr.  sur  la  voie  saeree 
sind  in  den  Sammlungen  besonders  die  alt-  e'leusinienne  p.  345,  Note  1;  Flut,  de  Is.  et  Os. 
ägyptischen  Bronzestatuetten  mit  diesem  Typus  c.  16,  wie  sie  auch  auf  dem  Stein  bei  Winekel- 
vertreten,  so  werden  allein  im  Masco  Borgiano  mann,  Descr.  p.  16,  I  nr.  63,  vgl.  Sämtl.  Werke 
verzeichnet  §55  nr.  105,  106—109,  110,  Doc.ined.  30  4  p.  87  =  Raspe  nr.  330,  Tölken  1,  2,  40  p.  17, 
1  p.  383;  nr.  199,  200  p.  387;  nr.  260,  282,  329  Krause,  Pyrgoteles  p.  131,  Anm.  2,  Tfl.  1,  2, 
p.  389;  nr.  353,  363  p.  390;  nr.  454,  458—460  Schi ichteg roll,  1  PI.  2  p.  12—14  dargestellt  sein 
p.  393f.;  nr.  573  p.  400.  An  verschiedenen  soll,  wofür  aber  dieAbbildungnichtsehrspricht; 
Stellen  des  römischen  Weltreiches  sind  deren  ferner  Raspe  p.  30  nr.  326,  327  PI.  7  =  Lafaye 
gefunden  worden,  z.  B.  in  Ephesos,  Stark,  Nach  p.  313  nr.  164;  328  =  Winckelmann  p.  16  nr.  64 
(/.  griech.  Orient  p.  390,  in  Pherai,  Ztschr.  f.  äg.  und  Tölken  1,  2,  41  p.  17;  329;  Caylus,  Rec. 
Spr.  1890  p.  60,  bei  Reggio,  Bull.  d.  Inst.  1863  d'ant.  3  PI.  9,  3  p.  41—42.;  6  PI.  22,  1,  2 
p.  57,  in  Bertrich,  Bonner  Jahrbb.  H.  87  p.  40 ff.  p.  71  —  72;  Raponi  PI.  18,  20;  80,  2;  Chabouillet 
nr.  274;  doch  ist  die  Echtheit  der  letzteren  wie  p.  298  nr.  2211;  3Iuseo  Borgiano  3.  Cl.  1.  div. 
die  der  übrigen  dort  gefundenen  Gegenstände  40  nr.  3 — 7b,  Hoc.  ined.  3  p.  422 — 423;  Dolce, 
nicht  sicher,  s.  Bonner  Jahrbb.  H.  89  p.  259,  Descr.  istor.  del  museo  di  Cristiano  Denh ,  A, 
H.  90  p.  188;  andere  s.  oben  passim.  19  p.  4  =  Visconti,  Op.  rar.  2  p.  240  nr.  272; 
Als  Bronzestatuetten  der  griech.-röm.  Colt,  de  la  Turbie  nr.  98:  Visconti,  Op.  rar.  3 
Zeit  sind  zu  verzeichnen  z.  B.  Gädechens,  Die  p.  414;  Gemme  Fstensi  nr.  876,  Doc.  ined.  2 
Antiken  in  Arolsen  p.  80  nr.  206;  Gull,  de  M.  p.  327;  Museo  Borbonico  nr.  1429,  Doc.  ined. 
Posno  p.  139  nr.  586.  Auch  gelagert  kommt  sie  3  p.  122  nr.  1429  (daneben  eine  Frauengestalt); 
in  dieser  Zeit  in  einer  Bronze  vor  „Isis  couche'e,  Pappadopoitlos,  nsQiyoaap^  p.  18  nr.  279 — 282; 
vetue  d\tne  tunique  talaire  et  d'un  pjcplus,  allai-  Nevil  Story-Maskehjnc,  The  Marlborough  gems 
tant  Horus;  derriere  la  deesse,  un  grand  ser-  1870  p.  8  nr.  451;  Gatty,  Cat.  of  the  engr.  gems 
pent  (Agathodaemon)  rampe  en  dressant  la  Ute.  50  and  rings  in  the  coli,  of  Joseph  Mayer.  Lond. 
Sur  le  devant  de  la  cline,  sont  ranges  neuf  1879  p.  11  nr.  54;  Gut.  Hertz  p.  8  nr.  117; 
disaucs,  peut-etre  des  fleurs  de  lotus  epanouis;  Aug.  Andre,  Cat.  rais.  du  musee  d'arch.  et  de 
au-dessous,  une  grenouille,  un  e'pervier,  un  cro-  ceram.  de  la  ville  de  Rennes  2  &d.  p.  31"nr.  61 
codile  et  une  tortue",  de  Longperier,  Notice  des  (davor  „laForty/nerepandant sacorned'abond."); 
bronzes  ant.  du  naisce  du  Louvre  p.  115  nr.  514.  nr.  62;  v.  Sacken  u.  Kenner  p.  431  nr.  135,  136; 
Unter  den  Goldkleinodien  der  Coli.  Posno  wird  wohl  auch  Ovtrbeck ,  Bonner  Jahrbb.  H.  17 
p.  167  nr.  761  aufgeführt:  „Plaipie  en  repousse.  p.  127  nr.  13  (,,Ino  mit  dem  Bacchuskinde"); 
Isis  allaitant  Horus,  travaildel epoque  de  l'emp.  Museum  Worsleyanum  6.  Lief.  Tfl.  4  nr.  4; 
Julien";  eine  Elfenbeinarbeit  der  Coli.  Hoff'-  vgl.  auch  Montfaucon,  Ant.  cxpl.  2  PI.  158,  11 
mann  2  p.  151  nr.  572  aus  Attika  ist  schon  oben  60  aus  Capello. 

Sp.  386  verzeichnet.   Unter  den  Terracotten  der  Häufig    erscheint   sie    mit  Horos    auf   dem 

Coli.  Drovetti  nr.  398,  Doc.  ined.  3  p.  271  befindet  Schofs   auf  den  alexandrinischen  Kaiser- 

sich:    „Isis  grecque   allaitant  Horus,    groupe'e  münzen,    zuweilen    in    einem    Tempel,    was 

sur  un  chapiteau  d acanthus" ,  vgl.  Orcurti,  Cat.  durch  ein  Sternchen   bemerkt  werden  soll,    so 

ill.   dei  monum.   egiz.   del  r.  Museo  di    Torino  unter  Trajan  LIA,  Mi.  6  nr.  647;  Llb  Feuar- 

1852  p.  188  nr.  6  „Donna  ehe  esce  da  un  calice  dent    nr.   1060  ;     Müller ,    Musee    Thorvaldscn 

di  fiore,  et  allatta  un  bambino,  Iside."  EineTerra-  p.   294    nr.   278;      Hadrian    LZ,     Feuardent 

cotta  des  Museo  Borgiano  §  52   nr.  423,  Doc.  1200,  LI,  Mi.  970  =  Pedrusi,  Mus.  Farnese  0, 


507      Isis  (mit  d.  kleinen  Horos  im  Schofs) 


Isis  (mit  d.  kleinen  Horos  im  Schofs)      508 


360,  5;  LAC0A6KATOY,  *Mi.  1052;  *  Mus. 
Lavy  1  p.  345  nr.  3670;  *MulUr,  Mus.  Thor- 
valdsen  p.  297  nr.  301;  LIS,  Zoega  p.  134 
nr.  326a;  Mi.  1136  (Harpokrates  hält  angeb- 
lich den  Lotos  [wohl  Mohn?]);  Feuardent 
1371,  PI.  20,  Cohen,  Cat. 
Greau  3058;  Mus.  Lary 
p.  347  nr.  3708.  3709;  ein 
Pulrnzweig  davor,  ibid.  nr. 
3710;  Sammlung  Imhoof- 
Blumcr  (hier  hält  Harpo- 
krates deutlich  einen  Mohn- 
kopf in  der  L.)  und  Zoega 
p.  134nr.326b;  davor  Palm- 
Horos  säugend,  zweig,  dahinter  Canopus, 
Feuardent  PI.  20,  1371.  Zoega  nr.  327  =  Mi.  1137, 
der  statt  des  Canopus  ein 
praefericulum  angiebt  und  aufserdem  zwei 
Sperber  auf  der  Stuhllehne  sitzen  läfst;  LIZ, 
Feuardent  1389;  Cat.  Gre'au  3064;  LIH,  Feuar- 
dent 1430;  L6NN6AKA,  Mi.  1259;  *125S; 
Feuardent  *1400;  I_K,  Mi.  1290;  Datum  ver- 
wischt, Cat.  Thomsen  1,  194,  2137;  *  Midier, 
Mus.  Thorvaldsen  p.  293  nr.  309;  Sabina 
LK,  Mi.  1354  =  Zoega  p.  159  nr.  12;  Anto- 
ninus  Pius  LB,  Zoega  p.  165  nr.  17,  Tb.  10, 
1  „Isis  solito  more  sedens  lac  praebet  parvulo 
filio:  sellae  insident  upupae  (vielmehr  Sperber), 
et  ante  deam  adest  mensa,  cid  impositum 
cernitur  vas  cum  labro  ad  instar  rostri  porrecto, 
et  ansa  in  serpentis  modum  efformata",  H. 
hat  wie  es  scheint  in  der  Hand  die  Keule; 
derselbe  Typus  Mi.  1416;  l_€,  Mi.  1543;  LZ, 
*Mi.  1583;  Feuardent  1650  (ohne  Angabe  des 
Tempels,  aber  mit  Verweis  auf  Mi.  1583);  *de 
Lonqpcricr ,  Gab.  Magnoncour  p.  99  nr.  774; 
LH,  *Mus.  Lavg  1,  359,  3882,  davor  Palmzweig  ; 
LI0  ,  *Mi.  S.  9,  295  =  Sestini ,  Mus.  Hed.  3 
Cont.  p.  35  nr.  41;  L  A6KATOY,  Zoi:qa  p.  193 
nr.  256  Tab.  12,  2  (H.  mit  Füllhorn  in  der  L.); 
257;  *258  =  *Mi.  6,  1696;  Mi.  1695;  1697 
mit  Palme  davor;  *  Feuardent  17 13 ;  Mus.  Num. 
Lavy  358,  3861;  *3860  mit  Palme  davor; 
L  6NAGKATOY,  Mi.  1731  =  Mus.  Sancle- 
ment.  num.  sei.  2  p.  234;  Feuardent  1732;  *Mi. 
S.  9,  306  =  Scstini  a.  a.  O.p.  36  nr.  51  =  Wiczay 
nr.  6744;  L  AGJA6KATOY,  *Zocga  p.  196,  287; 
*p.  197,  288  Tab.  12,  9  (davor  ein  Palmzweig); 
*Mi.  6,  1753  (Palmzweig);  1754;  *Fexwrdent 
1753;  *Mus.  Lavy  1,  359,  38S2  (Palmzweig). 
LKI~,  Zoega  p.  208  nr.  425%  Tab.  13,  1  „Isis 
sedens  filium  flore  in  capite  ornatum  et  s.  c.  c. 
tenentem  lactat ;  sellae  in  piarte  superiori  insi- 
stit  avicula"  (Sperber),  =  Mi.  1927;  ebenso 
Mus.Lavy  1,  363,  3924;  Feuardent  1934—1936  ; 
LKA,  Mi.  1932;  Feuardent  1950,  1951;  Mus. 
Lavg  1,  3925;  Zoega  p.  209  nr.  437;  Datum 
verwischt,  Cat.  Gre'au  nr.  3195;  Mark  Aurel, 
als  Caesar  L.  A(0A€KATOY-,  *Mi.  1989;  als 
Augustus  LA,  Zoega  p.  218  nr.  75,  Tab.  13,  10 
=  Mi.  2043  „Isis  cum  flore  in  capite  sellae 
insidens  ubera  praebet  infanti  d.  efferenti,  s. 
cornueopiae  tenenti  et  capite  florem  gestanti:  stat 
ante  eam  supra  basin  idolum  velut  in  cippum 
desiuens  et  infula  ornatum  (nach  der  Abbil- 
dung Üsiris),  cui  adstilutus  palmae  ramus; 
ponc  est  Canopus  mensae  sive  basi  impositus; 
sellae   ad    humeros    a   dexteris    insistit   avicula 


(Sperber),  a  sinistris  vero  imminet  caput  Sera- 
pidis";  L.6NATOY,  Mi.  2084;  LI,  Zoega  p.  222 
nr.  111;  Mi.  2099  =  Mus.  Theupoli  p.  1153; 
Mus.  Lavy  1,  365,  3946;  Datum  verwischt, 
Zoega  p.  223  nr.  132;  Faustina  jun.  L  AC0- 
A(€KATOY),  *Cat.  Gre'au  3209;  .  L.  Verus 
LA  Mi.  2247  (H.  mit  Mohnköpfen  in  der  Hand; 
Palmzweig);  LZ,  Mi.  S.  9,  439,  dahinter  Paloi- 
zweig;   Lucilla  L  AWAGKATOY,  *Mi  6,  2315 

10  =  Mus.  Theupoli  p.  1160;  Feuardent  2247.  Auf 
den  Vota  Publiea-Münzen  sehen  wir  den  Typus 
unter  Julian  II.,  Cohen  6  nr.  96,  97,  PI.  11; 
98  aus  Tanini;  Suppl.  7  nr.  7;  Helena,  Coli.  6 
nr.  6;  Jovian  nr.  22;  Valentinian  1  nr.  59;  Valens 
nr.  78.  Auch  auf  den  Münzen  von  Gabala  soll 
sie  sitzend,  den  H.  säugend  vorkommen,  s.  o. 
Sp.  377 — 378.  „Isis  standig  or  seated  with  Infant 
llarpocrntes  on  her  arm"  erscheint  auf  Münzen 
von  Philadelphia  Lydiae,  Head.  Hist.  N.  p.  552. 

20  Stehend,  die  eine  Hand  oben  am  Scepter,  auf 
dem  andern  Arm  den  H.  ist  sie  zu  sehen  auf 
Münzen  der  Sabina  von  Kyme,  Num.  Zeitschr. 
21  p.  65  —  66,  Tfl.  2,  12,  13  und  von  Tralles, 
ebenda  p.  156;  Sestini,  Mus.  Hed.  2  p.  329 
nr.  23;  ähnlich  auf  einer  Gemme  bei  Haspe 
p.  28  nr.  303. 

In  ägyptischen  Darstellungen  begegnet  nicht 
selten  die  säugende  Isis  im  Papyrusdickicht 
von  Chemmis,  am  Boden  sitzend  mit  unter- 

30  geschlagenen  Beinen  (Lanzone,  Diz.  di  mitol. 
egiz.  Tav.  61,  4;  p.  372  nr.  5),  oder  auf  einem 
Throne,  Golenisclieff,  Die  Melternichstele  Tfl.  3, 
14.  Stehend  in  einem  derartigen  Papyrus- 
dickicht und  dem  vor  ihr  stehenden  Horos 
die  Brust  reichend  sieht  man  sie  in  viermaliger 
Wiederholung  auf  der  phönikischen  Silberschale 
von  Praeneste,  Perrot  3  p.  97  Fig.  36,  p.  773 
—  774,  C.I.  Sem.  1  nr.  164,  Tab.  36  p.  214—216, 
Heibig,  I).  Immer.  Epos  -  p.  23  Fig.  2,  TJumont 

40  et  Chaplain,  p.  125  nr.  45;  Gaz.  arch.  1877 
p.  15  PI.  5,  Mon.  ined.  deW  Inst,  di  Corr. 
arch.  10,  32,  1;  vgl.  Ftirtwängler  a.  a.  O., 
Anna.  23,  der  sie  auf  ein  ägyptisches  Original 
der  Saitischen  Periode  zurückgehen  läfst.  Auch 
ein  „Plasma  scarab:  Isis  and  Horus  in  et  field 
of  flotcers  convcutionally  arranged  around  them" 
aus  Chiusi,  Classical  Review  3  p.  286  nr.  8a 
zeigt  wohl  einen  ähnlichen  Typus.  In  Varianten 
solcher   Darstellungen    säugt    Isis    den    Horos 

50  nicht  in  seiner  menschlichen  Gestalt,  sondern 
als  Sperber  dargestellt,  Golenisclieff,  Die  Met- 
ternichstclc,  Tfl.  6 ,  38  p.  15  Anm.  7;  Lanzone 
Tav.  310,  2,  p.  838-839  (beide  Male  am  Boden 
sitzend  mit  untergeschlagenen  Beinen).  Wieder 
eine  andere  Variation  zeigt  den  Horos  als 
Kalb.  Ein  Text  in  Edfu  sagt  von  Isis:  „Sie 
irrte  umher  mit  ihrem  Sohne,  dem  Knäblein, 
um  ihn  zu  verbergen  vor  Set.  Es  verwan- 
delte sich  diese  Göttin  in  die  heilige  Kuh  Hor- 

oo  secha  und  dieses  Knäblein  in  den  heiligen 
Stier  Hapi.  Sie  begab  sich  mit  ihm  nach 
dieser  Stadt  Hapi  (Apis  im  libyschen  Nomos 
Unterägyptens),  um  zu  schauen  seinen  Vater 
Osiris ,  welcher  sich  in  derselben  befindet" 
Brugsch  in  Sehliemanns  Ilios  p.  818 — 819; 
vgl.  über  die  Darstellung  der  ihr  Kalb  säugen- 
den Kuh  Adrien  de  Longpe'rier,  Oeuvres  1 
p.  166  —  169,  PI.  2;    de    Vogüe,  Journ.  as.    6" 


509 


Isis  (und  Härpokrates) 


Isis  (und  Härpokrates) 


510 


ser.  tome  10,  1867  p.  108.  Auf  der  Mumie  der 
Tochter  des  Dibskoros  ist  in  der  2.  Scene  Isis 
dargestellt,  auf  einem  Stuhl  sitzend ,  dem  als 
Kalb  gebildeten  Horos  die  Brust  reichend, 
während  sie  in  der  3.  Scene,  wo  sie  auf  einem 
Boot  inmitten  von  Lotospflauzen  sitzt,  ihn  in 
seiner  menschlichen  Gestalt  säugt ,  Ledrain, 
Gaz.  arch.  3  p.  135 — 136.  Eine  Elfenbein- 
arbeit zeigt  Isis  in  einem  Boot  auf  einem 
Thron  sitzend,  mit  dem  Geierkopfputz  und 
darüber  der  Sonnenscheibe  zwischen  zwei  Hör- 
nern, säugend  einen  vor  ihr  stehenden  Stier 
mit  Sonnenscheibe  zwischen  den  Hörnern  und 
einem  Ibis  auf  dem  Rücken,  Buonarruoti,  Os- 
servazioni  istoriche  sopra  alcune  medaglioni  ant. 
p.  70,  p.  425;  Museo  Carpegna,  Doc.  ined,  2 
p.  192  f;  Winckelmann,  Sämtl.  Werke  3  p.  102, 
Lafayc  p.  253,  Ledrain,  Gaz.  arch.  3  p.  135, 
Note  3,  der  die  Arbeit  für  phönikisch  hält. 
Auf  einem  grünen  Jaspis  in  Berlin  reicht  Isis 
gleichfalls  einem  Rind  die  Brust,  Winckel- 
mann, Cat.  de  Stosch  p.  17,  1,  2  m\  70,  Tölken 
1,  2,  42  p.  17,  Easpe  p.  29  nr.  323,  PI.  6.  Um- 
gekehrt wurde  im  Iseum  Campense  zu  Rom 
gefunden  „Parte  posteriore  di  una  statua  della 
vacca  Hathor,  simbolo  vivente  di  Iside  .... 
nell'  atteggiamento  di  allattare  un  Faraone", 
s.  oben  1  Sp.  1851.  Interessant  ist  auch  die 
Bronze  des  Louvre,  de  Longpe'rier  p.  119  nr.  535 
„La  de'esse  Neith,  entierement  nue,  allaitant 
un  petit  crocodile  qu'elle  tient  de  la  m.  g.  C'ette 
figure  d'ancien  style,  a  servi  d'anse  ä  un  vase". 
Da  Horus  zuweilen  mit  einem  Krokodilleib 
dargestellt  wird ,  so  meint  de  Longpe'rier  „On 
pourrait  donc  voir  ici  une  forme  secondaire  du 
groupe  bien  connu  d'Isis  allaitant  son  fils", 
Brugsch,  Eel.  p.  351  bemerkt:  „Das  Krokodil 
spielte  überhaupt  in  dem  Tempel  des  Chnum 
und  der  ihm  zugesellten  Göttin  Menhit-Nebuut- 
Neit  eine  auffallende  Rolle  und  wird  u.  a.  als 
eine  symbolische  Form  des  dritten  Härpokrates 
in  Latopolis ,  des  Hika-Kindes ,  Sohnes  der 
Gottheiten  Chnum  und  Nebuut,  aufgeführt"; 
vgl.  über  das  Krokodil  bei  Neit  ebenda  p.  339, 
352  f.,  über  die  Identifikation  von  Neit  und 
Isis,  p.  347,  Lansone  p.  440,  Plut. ,  De  Is.  et 
Os.  c.  9 ;  vgl.  auch  Lafaye  p.  275  nr.  37  „Isis 
Athene'',  sowie  die  merkwürdige  unten  in  eine 
Herme  auslaufende  Frauengestalt  mit  Haube 
und  Krokodilklauen,  an  der  ein  Krokodil  em- 
porkriecht auf  einer  Gemme  in  Florenz,  Gori, 
Thes.  g.  astrif.  3  p.  99,  David  et  Mulot  1  PL 
87,  4  p.  231,  Eaponi  PI.  67,  8 ;  Lippert,  Suppl. 
p.  96  nr.  490. 

Zahlreiche  andere  Denkmäler  zeigen  Isis 
zwar  nicht  den  Härpokrates  säugend ,  aber 
doch  in  der  Gesellschaft  desselben,  wie 
denn  auch  Isis  zuweilen  eine  Statue  des  Härpo- 
krates gestiftet  erhält,  C.  I.  L.  5,  2796;  Kaibel, 
Inscr.  Gr.  Sic.  et  It.  719,  aber  nicht  915,  wo 
Gatti,  Bull,  comun.  14,  1886  p.  173  —  180, 
Z.  4 — 5  xöv  ar£oq>il£OTaTov  ■Ka{i6)iov  lesen  und 
darunter  den  Härpokrates  verstanden  wissen 
wollte  (p.  177),  während  Kaibel  na\7t7t\ov  er- 
gänzt. Beide  nebeneinander  stehend  zeigt  die 
schöne  Statue  in  München,  Lafaye  p.  285  nr.  78, 
ferner  Reliefs :  drei  bekleidete  römische  Per- 
sonen (nach  Lafayes  Deutung)  mit   den  Attri- 


buten von  Sarapis  (der  Kopf  verloren),  Härpo- 
krates mit  Keule  in  der  L.  und  Isis  Pterophoros 
nebeneinander  stehend,  Lafaye  p.  292  nr.  101; 
Votivstein  an  Isis,  Härpokrates  und  Sarapis 
in  Turin:  Schlange  in  Nische,  von  Dütschke 
für  Isis,  von  Drovetti  für  Osiris  gehalten,  in 
dem  halbrunden  Abschlufs  darüber  Härpo- 
krates mit  Keule  in  der  L.,  in  einer  halb- 
kreisförmigen   Nische    darüber    Isis    wie    auf 

10  einer  Kline  mit  Seitenlehnen  ruhend;  auf  der 
entgegengesetzten  Seite  des  Steines  in  einer 
Aedicula  Sarapis  mit  Kästchen  in  der  ges.  L. 
und  erhobener  R.,  Dütschke,  Die  ant.  BUdw.  in 
Oberital.  4  p.  66  nr.  102  =  Coli.  Drovetti,  Mo- 
num.  nr.  8,  Doc.  ined.  3  p.  291;  kolossaler 
Marmorfufs,  70  cm  lang:  „le  brodequin  est  orne 
sur  les  cöte's  par  les  figures  de  Serapis  et  d'Isis 
ä  Corps  de  scrpent ,  et  sur  le  derriere  par  Celle 
d'Harpocrate" ,    Coli.   Drovetti,   Mon.    nr.  27, 

20  a.  a.  O.  p.  291  =  Dütschke  a.  a.  0.  p.  66—67 
nr.  103;  „Base  trianguläre  di  candelabro"  mit 
Isis  auf  der  einen,  auf  einen  Pfeiler  gelehntem 
Härpokrates  mit  Füllhorn  auf  der  2.  und  Anu- 
bis  mit  Palmzweig  auf  der  3.  Seite,  Lafaye 
p.  293  nr.  102;  vgl.  auch  die  Basis  Lafaye  295, 
107.  —  Terracotten:  „Horus  et  Isis  assis 
sur  une  oie",  Coli.  Drovetti,  Obj.  en  t.  c.  nr.  24 
p.  262;  Lampen:  Isis  stehend  zwischen  Anubis 
und  Härpokrates  (s.  oben  Sp.  469).  —  Wand- 

30  gemälde:  Isis  sitzend,  1.  Anubis  und  r,  (nach 
Lafaye)  Härpokrates,  Lafaye  p.  326  nr.  216  = 
Heibig  nr.  79 ;  H.  stehend  zwischen  Isis  und  Sara- 
pis, Lafaye  p.  327,  217;  vgl.  p.  338  nr.  220.  — 
Gemmen:  Isis  sitzend  mit  Kopfzier,  Situla  am 
1.  Arm,  in  dessen  Hand  sie  eine  Schale  hält,  vor 
ihr  H.  mit  Füllhorn  stehend,  Le  gemme  ant.  /ig. 
di  Michel  Angelo  de  La  Chausse  Tav.  52  = 
Montfaucon  2,  2,  110,  2,  Eaponi  88,  6,  Lafaye 
313,  163  ;  Isis  sitzend  auf  einer  einfachen  Basis, 

lo  die  Hände  ausbreitend  gegen  den  ihr  gegen- 
überstehenden und  seine  Hände  gegen  ihre 
Knie  ausstreckenden  H.,  Mus.  Borgiano  3,  1,  8, 
Doc.  ined.  3  p.  423 f.;  „Isis  seated  on  Sphinx; 
lotus  on  head,  seeptre  in  r.  hand,  crown  of  the 
South  and  the  North  in  l.;  before  her,  Statuette 
of  Harpocrates.  Sard.  Fould  and  Caslellani 
Coli*.,  aber  „authenticity  doubtful",  Cat.  of 
the  engr.  gcms  in  the  Brit.  Mus.  p.  144  nr.  1219  ; 
„Iside   vestita  di  tunica  cinta ,   con  un  peplo 

so  svolazzante  dietro  le  spalle,  gonfato  ad  uso  di 
velo,  sul  capto  il  fiore  deseritto  num.  4.  [pic- 
colo  fiore].  Sta  inginocchiata  sur  un  pezzo  di 
terreno ,  voltata  alla  destra,  stcndendo  innanzi 
ambedue  le  mani,  e  ponendone  la  destra  sull' 
occipite ,  la  sinistra  sulla  spalla  sinistra  d'Ar- 
pocrate,  assiso  avanti  lei  in  terra,  le  ginocchia 
ritirate  in  su,  le  mani  appoggiate  sulle  ginoc- 
chia, la  schiena  tornata  alla  madre.  Egli  e 
nudo  al  solito,    con  un  tutuletto   conico  sopra 

60  la  testa",  Mus.  Borgiano  3,  1,  9  p.  424;  Isis 
stehend  mit  Sistrum  und  Situla,  neben  ihr 
auf  der  einen  Seite  H.  mit  Füllhorn,  auf  der 
andern  ein  Palmzweig,  Winekelmann  1,  2,  60 
p.  15  =  Tölken  1,  2,  43,  Smaragd-Plasma, 
Easpe  p.  28  nr.  316,  Amethyst;  „Isis  stehend, 
vor  ihr  Härpokrates",  Steinbilchel,  Geschn.  Edel- 
steine p.  65  (aus  Aquileja);  „Isis  mit  Scepter 
und  Sistrum,  Härpokrates  halb  bekleidet  neben 


511  Isis  (und  Harpokrates)  Isis  (als  Königin)  512 

ihr",  v.  Sacken  u.  Kenner  p.  431  nr.  139,  vgl.  Büsten    von    S.  I.  H.    und    Anubis    auf    dem 

138  Isis  Pelagia  und  H.  nebeu  ihr;     Isis,    Sa-  Lectisterniurn ,  Lafaye  p.  314  nr.  168  =  Cay- 

rapis   und  Harpokrates:   Isis   mit  Sistrnm  und  lus  4,  23,  1;  „Isis,   Harpokrates  und  Anubis", 

Situla,  neben  ihr  Schlange,  Harpokrates,  Sara-  „in  vetro  viridi",  Mus.  Münterianum  3  p.  105 

pis    mit    Modius    und    Strahlenkranz,    die    R.  nr.  70;  Harpokrates  1.  h.  mit  Chlamys  über  dem 

oben   am   Scepter,    alle    drei    stehend,    David  r.  Arm,   die   L.  an   den  Mund  gelegt,   Sarapis 

et  Mulot  1  PL  91,   5   p.  225;    ebenso  Winckel-  1.  h.  mit  Scepter  in  der  R.,  Isis  r.  h.  mit  schwer 

mann   1,   3,    101   p.  25    =    Tolken    1,    2,    100  zu    bestimmendem   Attribut    (etwa    z.  T.    ver- 

p.  25;  Isis  stehend  mit  Situla  und  Sistrum,  H.  wischtem  Sistrum?)  in  der  R.  und  Situla  in  der 

geflügelt,    S.    stehend    mit   erhobener   R.   und  10  L.,    Anubis    r.   h.    mit    undeutlichem   Attribut 

Scepter  in  L.,  Chifletius  27,  113;    Gorlaeus  2,  (gesenktem  Schwert?)  in  der  R.  und  Palmzweig 

4G8;  Isis  stehend,  mit  Modius  auf  Haupt  (nach  in  der  L.,  alle  vier  stehend,  unten  CAD,  Mus. 

der  unzuverlässigen  Abbildung),  Schale  (?)  und  Worsleyanum,  G.  Lief.  Tfl.  4,  Fig.  5.  —  Münzen 

Situla,  H.,  S.  stehend  mit  Situla  und  Scepter,  von  Alexandria:    Isis   sitzend,    ein   Scepter   in 

Chifletius  27,  114;  Gorlaeus  2,  470;  Isis  und  H.  der   L.,    die   R.   auf   dem   Haupt    des   vor  ihr 

stehend,    umgebend    den    thronenden    Sarapis  stehenden  H.,  Trajan  LIZ,  Feuardent  1078,  vgl. 

mit  Cerberus   und  Adler   zu   Füfsen,    Lippert,  Zoega  p.  80   nr.  168;    ebenso,   auf  der  Lehne 

Dact.  unio.  Chil.  1,  44,  397;    Isis   mit   Fackel  des   Stuhls   zwei    Sperber,   Trajan  LIZ,   Zoega 

und    Ähren,    Sarapis    sitzend    mit    Adler    und  p.  86  nr.  167,  Mi.  6,  726 ;  ebenso,  auf  der  Lehne 

Cerberus,  H.  stehend,    „sembra  appoggiarsi  ad  20  des  Stuhls  Vogel  (Sperber)  und  Hirsch,  Trajan 

uri   erma  di  Bacco   barbato   confuso   con    Osi-  LI?,  Zoi'ga  p.  83  nr.  146,  Tb.  5,  7  =  Iß.  697; 

ride "  (woran  nicht  zu  denken  ist),  wie  er  ahn-  „Karpoerate   debout   entre  Astarte'  (schwerlich) 

lieh    in    einer    südrussischen    Terracotta    bei  et  Isis  egalement  debout',  Trajan,  ÜB,  Feuar- 

Stephani,  C.  r.  p.  Va.  1868  p.  68  sich  „an  eine  dent  9S4;   IL  stehend  zwischen  den  Büsten  der 

unbärtig   und  ithyphallisch   gebildete   Herme,  Isis   und    des   Sarapis   über   einem   Adler   mit 

wahrscheinlich  des  jugendlichen  Dionysos"  an-  ausgebreiteten  Flügeln,  Hadrian  LIH,  Nicasms, 

lehnt    und    auf   einem    blauen    Glase    bei   de  De  numo  pantheo  Hadriani  imperatoris.  Lugd. 

Witte,  Cut.  d'une  coli,   de  monum.  ant.   de  M.  1690  4",  Titelblatt  und  p.  1;  Cuperus,  Karpo- 

Pararty.  1879  p.  SO   nr.  287    eine   Herme   des  crates  p.  70   aus   Choul;    Maffei,    Verona  ill.  3 

Priapos   vor  sich   stehen  bat,   Impr.  Chigi  nr.  30  p.  436  nr.  15  (Sammlung  Giusti);  Zoega  p.  146 

285:     Visconti,    Op.  var.    2   p.  243f,    Corniola  nr.  385;  Mi.  6,  1174;  Zoega  nr.  386 ;  Mus.Lavy 

del  Museo  Statolderiano,  Dolce  B,  32;  „Harpo-  1  p.  349  nr.  3733;  Mus.  SanclemeiU.  num.  sei.  2 

crate  avec  Serapis  et  Isis",  Lafaye  p.  313  nr.  Tab.  20,  138;    Antoninus   Pius   LKA,   Pedrusi, 

166  =  Mus.   Fol   pl.  26,   8;    H.   stehend   mit  Musco  Farnese  7  Tav.  10,  5  p.  99  =  Zoega  p.  207 

Füllhorn  und  kurzer  Keule  zwischen  den  Büsten  nr.  405  und  3li.  1900  (hinter  dem  Haupte  des 

von  Sarapis  und  Isis,     Winckelmann  1,  3,  102  Sarapis  ein  kleiner  Kreis  [Sonne?J,  hinter  dem 

p.  25,    Tölken   1,   2,    101  p.  25;    Sc/diehtegrol!  der  Isis   Halbmond);    Ant.   Pius,   Datum    ver- 

Pl.  8  p.  27 — 28;    Haupt   des  Sarapis  zwischen  wischt   Mi.  6,   1938.     H.   neben    Isis    stehend 

dem  ährenbekränzten  Kopfe  der  Isis  und  Hat-  auf    Münzen    von    Katana,    Byblos    und    viel- 

pokrates,  Andre,  Mus.  de  Rennes-  p.  30  nr.  59;  40  leicht  Ptolemais,    s.   oben  Sp.  395,   374,   375; 

„Capita    Isidis    Scrapidis    Hori ,    €(ig)    Z(Et's)  Sarapis  thronend  umgeben  von  Isis  und  Harpo- 

C(ctQci7iig),  „a  corndian  intaglio  set  in  a  ring",  krates  auf  der  einen,  Demeter  und  Anubis  auf 

Fph.  epigr.  7  p.  351,  1175,  gefunden  in  Castle-  der   andern   Seite,    Münze   des   Philippus  Jim. 

steads;    Metallringe:     Gold:     „Ihree    busts  of  von    Bizya,    lJrexler ,   Myth.   Beitr.    1   p.  103 f. 

Osiris,    Isis  and   the   little   Horus,    admirably  nr.  3;  dagegen  zeigt  die  von  Lafaye  322,  200 

inodelled    in  füll  rclief  in  gold" ,   King,    Anc.  nach  Mi.  3,   639,  509  verzeichnete  Münze  von 

gems   and   rings  1  p.  368;  „Bague   ä   trois  an-  Tarsos  (mit  angebl.  Sarapis,  Isis,  Harpokrates 

neaux ,    orne's    des    bustes    de    Jupiter- Scrapis,  und    Stadtgottheit    von    Tarsos)    Sarapis    mit 

d' llarpocrate  et  d' Isis,  Or",  C.  Leemans,  Descr.  Cerberus  zwischen  Isis  und  Demeter  (?),  Num. 

rais.  des  monum.  ig.  du  mus.  d'ant.  des  Pays-  50  Zeitschr.  Bd.  21p.  216 — 217,  Tfl.  1,  16;  H.  bei 

Bas,   ä  Leide.  1841.   p.  73,    G.  294;    „Anneau  Isis  auf  Flngelsphinxwagen  mit  dem  Siriushund, 

en  or:  bustes  d'Isis,  d 'Karpoerate  et  de  Serapis  s.  oben  Sp.  425;    Büste   der  Isis  im  Ubv.  mit 

en  relief",  W.  Heibig,  Empr.  de  c.  et  d'  i.  a.  Beischrift  EICIC,  Harpokrates  vor  Altar  im  Rs., 

publ.  par  M.  Odelli  7.  Cent.  nr.  55  p.  9  =  Ant.  Münzen  von  AegaeAeoL,  Imhoof-Blumer,  Monn. 

du   Bosph.   ciiiiin.   1   pl.  18,   5,   Lafaye   p.  313  gr.  p.  270  nr.  210,    N.  Z.  21  p.  62  nr.  2,   Tfl. 

nr.   166;    „Triade   composee  de:    Isis- Demeter,  2,  6;  vereinigte  Häupter  des  Sarapis  und  der 

coiffee   du   calcdhos,  llarpocrate- Iacchos,   coiffe  Isis  im  Obv.,   H.  im  Rs. ,  Münze  von  Perinth, 

du   pschent,   et  Bubastis-Arte'mis   diademee    et  Drcxler,  M.  Beitr.  1  p.  106. 
portant  deux  plumes  sur  la  Ute.     Trois  bustes  Auch  als   Königin    spielt    sie    eine   nicht 

eoules  et  cisele's  en  relief,  qui  decorent,  au  Heu  iio  unbedeutende  Rolle,   sowohl  als  Königin    des 

de  chatonune  bague  d'or  massif",  Lafaye  p.  314  Himmels  und  der  Erde,  als  auch  speziell  Ägyp- 

nr.  169  =  Caylus  6,88,  1.  2  p.  288,  Chabouillet  tens.  ngtoßiornv  ua-nciomv  iv'OXv[imp  a-AfjTtrQov 

nr.  2632;  wohl  auch  Dubois,  Coli.  Mimaut.  Paris  i-'xovaavüaiyairjg7io.ar,g->ial  itövrov  öiav  avaaaav 

1837    p.  91    nr.  573    „Bronze.     Trois    bagues:  nennt  sie  der  Hymnus  ton  Kios,  C.  I.  Gr.  3724, 

deux   d'entre   ellcs  portent   sur  leur  eliaton  le  Kaibel,  Epigr.  Gr.  1029  nr.  8 — 9,  &£viv  avetcov 

buste   de  Sarapis   [die    eine    doch    wohl   Isis];  (statt  uvaoaav)  leiv,  Pap.  U  zu  Leyden,  Pap. 

la    troisieme   est    ornee    d'une   figure   d'Korus  Gr.  Mus.  Lugd.  Bat.  ed.   Leemans   1   p.   123, 

Karpoerate" ;    vgl.    auch    die    Bronze    mit   den  Col.  2  Z.  10,  vgl.  Z.  17—18   p.  124  &sä  &smv 


513                   Isis  (als  Königin)  Isis  (mit  Hera  u.  Iuno  vermischt)      514 

■AQaToq  i%ovea  fiiyiatov  v.cd  zäv  iv  zä  -Aooficp  weilen  ist  aber  an  den  Statuen  die  Ähnlichkeit 
äq^ovaa;  als  f)  ßaoiXioou  -näeqg  %oiQug  wird  sie  durch  Ergänzungen  entstanden,  so  wird  eine 
bei  Diod.  1,  27,  6  und  als  i\  z\yqavv\og  7td(a)rjg  stark  restaurierte  Gewandstatue  in  Holkham 
%[ojQas  im  Hymnos  v.  los  Z.  2  (nach  Fränkel)  Hall  {Michaelis,  A.  Z.  1875  p.  19  m\  21,  Anc. 
bezeichnet;  „die  Königin  der  Göttinnen  und  M.  in  Gr.  Br.  p.  312  nr.  33)  von  Dallaway 
Frauen",  „die  Königin  der  Erde",  „die  Königin  nr.  12  als  Iuno,  von  Waagen  p.  501  und  Chirac 
IäH,  die  Grofse,  die  Mutter  des  Gottes",  „die  987,  2569 B  als  Isis  bezeichnet,  der  Kopf  aber 
Königin  von  Süd  und  Nord",  „die  Königin  des  gehörte  nach  7l//c7<«e?is  ursprünglich  einer  Venus- 
Südens",  „die  Königin  und  Herrin  der  Länder  statue  an;  ebenso  gehört  der  Herakopf  an  der 
des  Südens",  „die  Fürstin  im  Norden"  heilst  10  Isisstatue  bei  Clarac  3  PL  422,  746  p.  91  nicht 
sie  in  den  ägyptischen  Testen,  Brugsch,  Bei.  zu  dieser.  Die  „Protome  muliebris  diademata 
p.  646  —  647;  ferner  Aiyvnzov  ßaaii.iia,  H.  v.  cum  pectore  nudato  et  veste  circum  humeros 
Andros  vs.  1,  ßaaMg  zr}g  Alyvizzov  nüaqg,  Ja-  sinuata  atque  volitante"  einer  alexandrinischen 
lian,  Epistologr.  Gr.  (Didot)  p.  369  nr.  50  §  1 ;  Kaisermünze  des  Antoninus  Pius  (Zoega,  N. 
vgl.  äianoiva  Aiyvittov,  Erotici  Script.  Gr.  1  A?g.  p.  168  nr.  49,  von  der  dieser  erklärt: 
p.  384  ed.  BTercher,  Alyvitzov  fisdiovou,  Anlh.  „sistit  Isidem  Iunonem  quae  aer  est'')  wird  von 
Pal.  1  p.  200  ed.  Dübner,  Philippi  Thess.  nr. 231;  Mi.  6,  1453  einfach  als  Iuno  bezeichnet.  Wie 
ävaaaa  <3>iXäv  C.  I.  Gr.  add.  4943  =  Knibel  Iuno  erhält  Isis  den  Pfau  und  aufserdem  einen 
981,  vs.  5;  regina  Phari,  Statuts,  Silvae  3,  2,  Löwen  beigegeben  auf  dem  oben  Sp.  404  er- 
102;  regina  Memphitica,  Martianus  Capella  1  20  wähntenrömischeuMedaillonderFaustinajun. — 
§  4  p.  20  ed.  Kopp;  einfach  ßaadiaBu,  C.  I.  II'. Christ  u.  J.  Lauth,  Führer  durch  d.  K.  Anti- 
Gr.  5039,  Kaibcl  1021,  Puchstein,  Epigr.  Gr.  quariam  in  Manchen  1870  p.  22  verzeichnen: 
in  Aeg.  rep.  nr.  34A  p.  69;  gatuulia  oxÜtzzqoi-  „Büste  des  Iuppiter- Serapis  und  der  Iuno-Isis  auf 
av,  II.  v.  Andros  vs.  8;  tvqkvvwv  ngicßa,  einem  muschelartig  geformten  Serpentinstein"; 
H.  v.  Andros  vs.  14  —  15;  Hoigavog  nach  Bei-  eine  Münze  von  Perinth  zeigt  nach  v.  Sollet, 
nach*  nicht  sicherer  Änderung  von  IAI  MEPANQ  Bekehr,  d.  ant.  M.  (des  Kgl.  Mus.  zu  Berlin)  1 
zu  "Fai~\äi  xotQiivm  in  der  Inschrift  von  Myko-  p.  207  nr.  10,  Tfl.  5,  53  „die  Köpfe  des  Zeus  mit 
nos,  Rnv.  arch.  3e  ser.  9,  1887  p.  366,  B.  C.  IL  Lorbeerkranz  und  der  Hera  mit  hohem  Diadem 
1887  p.  275;  die  zahlreichen  Inschriften  aus  r.";  „ob  die  Köpfe  aufser  dem  beschriebenen 
Ägypten,  in  denen  sie  xvQia  heifst,  entsprechend  30  Schmucke  noch  ägyptische  Attribute  haben, 
dem  lateinischen  domina,  C.  I.  L  2,  33,  981;  ist  nicht  sicher  zu  erkennen",  nach  der  Ab- 
10,  603;  11,  695;  1594;  Archcogr.  Priest.  13,  bildung  bei  Fox,  Engravings  of  unpubl.  or 
1887  p.  175  nr.  263  und  A.  E.  M.  3,  1879  p.  177  rare  gr.  coins  1,  52  p.  18  scheint  es  aber  so, 
nr.  1  (Domna),  vgl.  Goehler,  Wochenschr.  f.  Id.  weshalb  sie  Friedländer ,  Bep.  p.  124  Sarapis 
Phil.  2  Sp.  264,  siehe  im  Register  zum  C.  I.  und  Isis  nennt.  Ebenso  zweifelhaft  ist  der 
Gr.  s.  v.  'Iaig  und  bei  Goehler  a.  a.  0.;  auch  Beschreiber  der  Coli.  Drovetti,  Doc.  ined.  3 
in  einer  von  Lesbos  wird  sie  so  bezeichnet,  p.  285  nr.  197  bei  einer  „Bague  en  or  surmonte'e 
Mitt.  d.  I).  A.  I.  i.  Ath.  11,  1886  p.  265  nr.  3,  des  bustes  d'Osiris  et  Isis,  soit  Jupiter  et  Junon". 
The  american  Journal  of  arch.  1,  1885  p.  304  Ein  grüner  Jaspis  des  Museo  Borbonico  nr.  640, 
nr.  2  (xup(5).  Bei  Apul.  Met.  11,  5  giebt  sie  40  Doc.  ined.  3  p.  99  zeigt  das  Haupt  des  Iup- 
als  ihren  wahren  Namen  Regina  Isis  an;  ebenso  piter-Sarapis  und  der  Iuno,  eine  Paste  bei 
wird  sie  bezeichnet  c.  26  und  auf  einer  Gemme  Chabouillet  p.  599  nr.  3372  Iuppiter,  Iuno  und 
bei  Brouekhusius  zu  Properz  p.  366;  dea  Isis  Isis-Fortuna;  ein  Chalcedon  in  Wien  (v.  Sacktn 
regina  heifst  sie  C.  I.  L.  3,  1342  und  Isis  re-  u.  Kenner  p.  434  nr.  273)  Iuppiter  thronend,  auf 
gina  5,2109,2797,  3231,  3232,3241,8228,8229;  der  Hand  Minerva,  vor  ihm  Isis;  ein  Karneol 
6,  354  =  Frohner,  Not.  de  la  sc.  ant.  da  musee  bei  Cades,  Impr.  gemm.  Cent.  4  nr.  3,  Ball.  d. 
im/p.  du  Louvrc  nr.  561;  6,  574  und  add.;  Eph.  Inst.  1834  p.  123  Sarapis,  Iuno  und  Isis  auf 
cp.  4,  875;  C.  I.  L  11,  1577,  1581,  1582,  1584,  der  Klioe.  Auf  einem  Amethyst  des  Museo 
1585;  12,  1562,  Henzen  5856;  Eph.  ep.  7,  356,  di  Capo-di-Monte  mit  drei  Reihen  von  Gott- 
1194;  saneta  regfinaj  ohne  Zusatz  von  Isis,  50  heit  n  erscheinen  in  der  1.  Reihe  Isis,  Iuno, 
aber  sicher  diese  Göttin,  C.  I.  L.  14,  352;  da-  Iuppiter,  Minerva  und  Bacchus,  in  der  2.  Vic- 
gegen  fraglich,  ob  Isis  placida  regina  CLL.  toria,  Mars,  Fortuna,  Salus,  Aesculap,  Venus, 
3,  1590a.  Mercur  und   Anubis,    in   der   3.  Vesta,    Diana 

Als  Himmelskönigin  und  Gemahlin  des  Lucifera,  Ceres  und  eine  unbestimmbare  Gott- 
Zeus  Helios  Sarapis  tritt  sie  in  Beziehungen  heit,  Impr.  Chigi  nr.  290,  Visconti,  Op.  vor.  2 
zu  Hera.  Eine  freilich  nicht  auf  sicherem  p.  245  =  Dolce  B,  62;  auf  einer  Lampe  der 
Grund  ruhende  Parallele  zwischen  beiden  zieht  Sammlung  Cardaillac  aus  Caesarea  (Cherchel) 
O.Engel,  Isis  u,  Osirisp.lB.  —  Hirt,  Bilderbuch  ,,Jupiter  coiffe  du  modius"  d.i.  Sarapis,  um- 
f.  Myth.,  Arch.  und  Kunst.  1.  lieft  p.  90  zu  geben  von  Venus  und  Iuno  mit  dem  Pfau, 
Taf.  11,  10  (anläfslich  der  Isis  aus  Palast  Bar-  60  Waille  et  Gauckler,  Bev.  Arch.  3e  ser.  17,  1891 
berini  Clarac  5,  992,  2598,  «'.  Klenze  u.  Schorn,  p.  143  nr.  39.  Die  Verbindung  des  Zeus  Urios  mit 
Besclir.  d.  Glypt.  p.  119  nr.  135,  Brunn,  Beschr.  den  ägyptischen  Gottheiten  in  einer  Inschrift 
d.  Glypt.*  p.  159  nr.  126)  sagt:  „Die  Göttin  von  Delos  ist  schon  Sp.  477  erwähnt  worden; 
erhielt  einen  junonischen  Charakter  in  Ge-  in  Stratonikeia  wird  dem  Zeus  Panamaros  und 
sichtsbildung  und  Gestalt,  zugleich  mit  einer  der  Hera  eine  Statue  des  Sarapis  und  der  Isis 
ähnlichen  langen  Tunica",  vgl.  Heibig,  Unters.  mit  Kapelle  und  Altar  geweiht,  B.  C.  H.  11, 
üb.  d.  camp.  Wandin.  p.  8  und  Bavaisson-  1887  p.  389  nr.  6;  die  Weihinschrift  eines 
Mulien,  Bev.  arch.  1876  n.  s.   32  p.   324;    zu-  Priesters  der  Isis  an  Iuppiter,   Iuno,  Hercules 

Rosciier,  Lesikou  der  gr.  u.  röm.  MyLhol.   II.  17 


515       Isis  (mit  königl.  Kopfschmuck)  Isis  (Verleiherin  d.  Königswürde)      516 

bei  Gruter  p.  6  nr.  1  ist  gefälscht,  s.  C.  I.  L.  vure  du  temps  des  Antonius'1.  Das  ist  vielleicht 
6,  5,  466*;  eine  römische  Widmung  dargebracht  eine  Modifikation  der  Krone  Hemhem,  „le  groupe 
I-S-I-P-D-M  |  ISIDI  •  SALVTARI  löst  Hcnzen,  des  trois  faisceaux  de  Iotas  ou  de  papyrus  re- 
C.I.L,  6,  1,  436  auf:  lovi,  Soli  Invicto  Prae-  posant  sur  les  cornes  et  accoles  par  des  plumes 
senti  Digno  Magno  Isidi  Sahitari,  doch  mit  d'autniche  et  des  uraeus",  Bochemonteix,  See. 
dem  Zusatz  „sed  incerta  omnia" ,  Fabretti,  Inscr.  de  trav.  rel.  ä  Varch.  ig.  et  ass.  7  p.  32,  PI.  2 
pat.  p.  470,  111  dagegen  lovi  Sereno  Iunoni  nr.  41 — 44.  Das  ßaoiketov  erkennt  Fröhner, 
Plaeidae  Diis  Magnis  etc.  In  der  Inschrift  Not.  de  la  scidpt.  ant.  du  mus.  imp.  du  Louvre  1 
C.  I.  L  9,  5179  =  Orelli  1882  Isidi  victricis  p.  48S  nr.  559  auch  an  dem  mit  Halbmond, 
Inno  fafst  Preller-Jordan,  B.  M.  I3,  p.  85  Iuno  10  Uräus,  Mohn,  Schlange  und  kleinen  Hörnchen 
als  Genius,  als  Schutzgöttin  der  Isis  victrix.  gezierten  Kopf  der  Isis  Clarac  1087,  2733b 
Nicht  selten  ist  die  Rede  von  dem  könig-  und  „le  diademe  royal,  surmonte  du  psehent" 
liehen  Kopfputz,  regale  decus  Ovid  Met.  9,  p.  493  nr.  563  an  der  Isis  des  Altars  Clarac 
689,  ßacäBia,  ßaaü.siov,  basilium  der  Isis,  Hüb-  199,  4,  wo  aber  die  Abbildung  kaum  die  Be- 
ner, Hermes  1  p.  348 — 349,  Hercher,  Hermes  2  Zeichnung  des  über  der  Stephane  befindliehen 
p.  153,  vgl.  Letronne,  Inscr.  gr.  et  lat.de  V Fg.  1  Zierats  als  Psehent  rechtfertigt.  Wieseler, 
p.  309  ff.  Noch  in  den  griechischen  Zauber-  Über  einige  beachtenswerte  gesehn.  Steine  2,  1 
papyri  spielt  er  eine  Rolle,  Wessely,  Gr.  Zau-  p.  44—46  stimmt  ihm  bei  und  giebt  weitere 
berpap.  v.  Paris  u.  London  p.  98  vs.  2134,  Beispiele  der, Stephane,  die  sich  nebst  Mohn- 
p.  123,  vs.  3141.  In  Cadis  wird  ihr  ein  basi-  20  köpfen  und  Ähren  auch  an  dem  von  ihm  ab- 
linm  geweiht,  das  geschmückt  war  mit  einer  bildlich  mitgeteilten  Cameo  der  Sammlung 
grofsen  Perle  und  6  kleinen,  2  Smaragden,  Bromilow  findet.  Den  von  ihm  verzeichneten 
7  „cylmdri",  1  Rubin,  1  Hyacinth  und  2  „gern-  Darstellungen  kann  Doch  zugefügt  werden  die 
mae  eerauniae"  C.  I.  L.  2,  3386  =  Hübner  oben  bereits  angeführte  Bronze  nr.  516  des 
a.  a.  0.  p.  345—360;  in  Nemi  befand  sich  unter  Museo  Borgiano,  Poe.  med.  1  p.  399;  ferner 
den  Schätzen  ihres  Heiligtums  ein  „basileum  „Busto  di  una  Iside".  „La  sua  testa  e  omata  di 
ornatum  ex  gemmis",  C.  I.  L.  14,  2215.  Man  un  diadema  Giunonio  ed  un  soggetto  come  una 
kann  sich  unter  dem  ßccctlnov  übrigens  ver-  serpe  e  attaccato  sopra  per  ogni  lato",  Bronze 
schiedene  Arten  des  Hauptschmuckes  denken.  bei  Panoß-a,  11  Museo  Bartoldiano  p.  5  nr.  74; 
Die  bekannteste  ägyptische  Königskrone,  das  so  „Isis  drapee  et  eliade'mee.  Son  chiton,  dont  les 
Psehent,  zusammengesetzt  aus  der  weifsen  manches  fendues  et  boutonnees,  descendent  ä 
Krone  des  Südens  und  der  roten  des  Nordens,  mi-bras,  est  recouvert  d'un  hipiation.  Le  dia- 
führt  sie,  mannigfach  variiert,  in  den  ägyp-  deine  est  surmonte  d'un  croissant  au  milieu 
tischen  Darstellungen  bei  Lanzone  Tav.  307,  4;  einerlei  se  dresse  une  feuille,  probablement  la 
308,  1 — 4,  p.  836 — 837.  —  Plutarcli,  De  Is.  et  coiffure  de  plumes  degeneree",  Bronze,  gefunden 
Os.  c.  19  mag  diese  Doppelkrone  unter  dem  bei  Besancon,  in  Coli.  J  Greau.  Bronzes  ant. 
ßaijüsiov  verstehen,  welche  Horos  seiner  Mutter  p.  237  nr.  1112;  weibliche  Figur  mit  Isis- 
ini Zorn  über  die  Freilassung  des  überwundenen  gewand  („beide  Arme  falsch  ergänzt,  Kopf  mit 
Set  vom  Kopfe  gerissen  hat.  Geziert  mit  dem  Stephane")  im  Museo  Torlonia,  Schreiber,  Die 
Psehent  soll  sie  vorkommen  auf  einer  Gemme  40  ant.  Bildwerke  der  Villa  Ludovisi  p.  246  zu 
bei  Cohen,  Cat.  Badeigts  de  Laborde  p.  8  nr.  59,  nr.  303. 

wenn  anders  dieser  nicht  etwa  die  Sonnen-  Und  wie  sie  selbst  Königin  ist,  so  ist  sie  die, 
Scheibe  zwischen  den  Hörnern  irrtümlich  mit  „welche  dem  Könige  sein  Amt  über- 
diesem  Namen  belegt.  Anscheinend  mit  der  liefert",  „ohne  welche  niemand  König  wird", 
weifsen  Krone  des  Südens,  vielleicht  aber  auch  Brugsch,  Bei.  p.  647,  die  „no7.vx.xicxvov  ßaoi- 
mit  einem  undeutlich  dargestellten  Psehent,  liiuv  dsauocpogov"  festgesetzt  hat,  H.  v.  Andros 
erscheint  eine  Bronzestatuette  mit  eng  anliegen-  vs.  68 — 70.  In  Edfu  führt  ein  Ptolemäer  unter 
dem,  die  Büste  freilassenden,  geknoteten  Ge-  vielen  andern  den  Titel  „der  Freund  der  Isis", 
wand  bei  Caylus,  Bec.  d'ant.  3  PI.  9,  3.  Wenn  Brugsch,  Hierogl.-demot.  Wörterbuch  6  p.  730; 
die  weifse  Krone  von  zwei  Straufsfedern  ein-  50  in  Dendera  heilst  Tiberius  „der  von  der  Isis- 
geschlossen und  auf  Widderhörner,  über  denen  Hathor  mit  Leben  beschenkte  herrliche  Gott, 
sich  Uräen  erheben,  gestellt  ist,  so  wird  der  das  Kind  der  Hathor,  der  jugendliche  Spröfs- 
Kopfputz  Atef  genannt,  Pierret,  Dict.  d'arch.  ling  des  Strahlenschleuderers  Horus,  der  Herr 
eg.  p.  75.  Nach  Cat.  des  objets  d'art  dependant  von  Ober-  und  Unterägypten  [Autokrator] ,  der 
de  la  succession  AI.  Castellani.  Rome  1884.  4°  Sohn  der  Sonne,  der  Herr  des  Diadems  [der 
p.  45  nr.  269  soll  eine  Bronzestatuette  der  Isis  von  Ptah  und  Isis  geliebte,  ewig  lebende  Cäsar], 
mit  Rhyton  und  Füllhorn  zeigen  „le  front  sur-  der  von  der  Hathor,  der  Schutzgöttin  Denderas, 
monte  de  la  coiffure  atef";  vgl.  die  beiden  Gemmen  dem  Auge  der  Sonne,  der  Herrin  des  Himmels 
bei  Cohen,  Coli.  Badeigts  de  Laborde  p.  8  und  Gebieterin  über  alle  Götter  und  Göttinnen, 
nr.  58  und  60  „Bustes  de  Sarapis  et  d'Isis,  l'un  go  der  mit  der  Doppelschlange  geschmückten  Be- 
coiffe  du  modius,  l'autre  de  l'atef.  Jaspe  rouge"  schützerin  in  der  Hauptstadt  des  tentyritischen 
und  „Büste  d'Isis  ä  dr.  avec  la  coiffure  Atef.  Gaues  und  von  dem  Kä-Sanitaui  in  der  Stadt 
Sardoine";  nur  tritt  hier  wieder  das  Bedenken  Dendera  geliebt  wird",  Bümichen,  Ztschr.  f. 
ein,  ob  die  Beschreiber  wirklich  die  Krone  äg.  Spr.  1876  p.  33.  Dem  entsprechend  ist  in 
Atef  im  Auge  haben.  Ein  Nicolo  der  Saruni-  der  von  F.  Müler,  Bev.  arch.  3B  ser.  2,  1883 
lung  Beugnot,  de  Witte,  Bescr.  de  la  coli,  d'ant.  p.  181  nr.  4  mitgeteilten  Inschrift  BcteiXiu 
de  m.  le  vicomte  Beugnot  p.  135  nr.  404  soll  nzolsfxalov  &tov  \  SiAouijTOga  Jffts  v.cxl  Slgog 
zeigen:  „Tete  d'Isis  coiffee  de  trois  vases.   Gra-  der  ungewöhnlich  im  AccusativstehendeKönigs- 


517      Isis  (Königinnen  m.  Isisattributen)  Isis  (Königinnen  m.  Isisattributen)      518 

name  vielleicht  durch  ein  folgendes  (ptXoiet-v  gekränzt  mit  der  Osiriskrone  und  ein  ähren- 
zu  erklären.  „Wir  geben  dir  dein  Wachstum  gekränztes  weibliches  Haupt  mit  der  Sonnen- 
wie  das  der  Binsen"  sagt  Isis  auf  Philä  zu  Scheibe  zwischen  zwei  Hörcern,  das  von  Poole, 
einem  Kaiser  (Brugsch,  H.-I).  Wörterb.  1  p.  115);  Head,  H.  K.  p.  716  und  Wieseler,  Über  einige 
auch  „Säugling  der  Sothis ,  Wartekind  der  geschn.  St.  2,  1  p.  41 — 42  als  das  der  Kleo- 
Isis"  kommt  vor  als  Titel  eines  Königs  (Brugsch  patra  I.  als  Isis,  von  Payne  Knight,  Cat.  n.  v. 
a.  a.  0.  6  p.  942),  und  eine  Darstellung  bei  qui  in  Museo  Payne  Knight  asservantur  p.  211 
Lanzone,  Diz.  di  mit.  eg.  Tav.  300,  3  p.  835  als  das  der  Gemahlin  des  Ptolemaios  XI.  als 
zeigt  sie  einen  vor  ihr  stehenden  König  säu-  Isis,  gewöhnlich  aber,  so  auch  von  Imhoof- 
gend  mit  der  Beischrift:  „Ich  bin  deine  Mutter  10  Blumer,  Z.  f.  Kum.  3,  187G  p.  351  f.,  Tfl.  9,  15 
Hest  die  Herrin  von  Ta^ont",  vgl.  für  die  und  L.  Müller,  Mus.  Thorvaldsen  p.  236,  nr. 
Gleichstellung  des  Königs  mit  Horos  auch  1747  (unter  den  unbestimmten  Ptolemäer- 
Brugsch,  Bei.  p.  368 — 370,  386 — 387.  Auch  ist  münzen)  als  das  der  Isis  bezeichnet  wird, 
zu  bemerken,  dafs  sie  wie  andere  Penaten  des  Endlich  auf  Bronzemünzen  der  Kleopatra  I. 
Kaiserhauses ,  beispielsweise  Iuno  Augusta  erscheint  begleitet  von  der  Aufschrift  BAZI- 
{Preller- Jordan,  It.  M.  I3  p.  289)  und  Fortuna  AIZZHZ  KAEoTTATPAZ  ein  mit  langen  Locken 
Augusta  (ib.  23  p.  186  Anm.  1)  häufig  als  Schutz-  und  Ähren  geziertes  Haupt,  Poole  p.  78  nr.  1, 
göttin  der  kaiserlichen  Familie  mit  dem  Bei-  PI.  18,  7;  Feuardent  1  p.  70  nr.  258,  PL  5,  258; 
namen  Augusta  erscheint,  s.  Gühler ,  Wochen-  Mus.  Kum.  Lavy  1  p>.  315  nr.  3236 — 3241  bis, 
sehr.  f.  kl.  Phil.  2  Sp.  264.  so  wo  auf  Barucchi,  Discorso  sopra  una  moneta 
Nicht  selten  liefsen  sich  ägyptische  Koni-  Greco-Egizia  verwiesen  wird;  M.  Schiedehaus 
ginnen  mit  den  Attributen  der  Isis  dar-  in  Grotes  Münzstudien  1  p.  333,  343f.  Ganz 
stellen,  Wilkinson  4  p.  385  bei  Parthey  zu  Plut.  dasselbe  Haupt,  aber  ohne  Aufschrift,  begegnet 
De  Is.  et  Os.  p,  151.  Auf  einer  Anzahl  Ptole-  auf  dem  Obv.  zahlreicher  Bronzemünzen,  die 
mäermünzen  allerdings  hat  man  mit  Unrecht  früher  meist  unter  den  unbestimmten  Ptole- 
Herrscherionen  mit  den  Abzeichen  der  Isis  mäermünzen  aufgezählt  wurden  (Mi.  6,  44, 
finden  wollen.  So  bezeichnen  Mi.  6,  7—8,  389  —  395;  Ch.  Lenormant  PI.  88,  7  —  10,  p.  169 
65  —  80;  S.  9,  4,  24,  Ch.  Lenormant,  Tresor  de  nr.  1-6;  Cat.  Welzl  de  Wellenheim  1  p.  346 
num.  et  de  glypt.  Mann,  des  rois  grecs/P\.  82,  nr.  7313 — 7316;  Cat.  Thomsen  1  p.  186  nr.  2036), 
6 — 12.  14  p.  162 — 163,  Feuardent,  IS  Kg.  anc.  so  von  Sestini ,  Mus.  Hedervar.  3.  Cont.  p.  2 
1  p.  21 — 22,  81 — 91,  C.  W.  Huber,  Zur  alten  nr.  1 — 6  der  Berenike  L,  von  Leahe,  Kum.  Hell., 
Numismatik  Ägyptens  p.  38  —  39,  165,  166,  Egypt  p.  61  der  Arsinoe  Philad.,  von  Fcuar- 
Cornaglia,  Mus.  num.  Lavy  1,  313f.,  3216,  dent  1  p.  70  nr.  258,  PL  5;  259—266;  267, 
3220 — 3225  ein  weibliches  Haupt  mit  Binde  PL  5 ;  268  der  Kleopatra  L,  von  Poole  letzterer 
und  vier  Reihen  von  Locken  als  „tete  de  Be-  als  Regentin,  p.  78  nr.  2  —  6,  9  —  12,  PL  8,  9 
renice  coiffee  comme  Isis",  „huste  de  Berenice  und  dem  Ptolemaios  VIII.  Euergetes  IL  (146 
en  Isis"  und  ähnlich.  Indessen,  wie  Furt-  — 117),  p.  89,  nr.  6 — 12,  PL  21,  3;  p.  93  nr.  67, 
wängler,  Jahrbrich  d.D.A.  Inst.  4  p.  83  richtig  68,  PL  22,  5;  p.  94  nr.  70,  71,  72,  PL  22,  6; 
bemerkt,  hat  der  Kopf  „keine  Porträt-,  son-  nr.  73 — 77  zugewiesen  werden.  Auch  dieses 
dern  ganz  allgemein  ideale  Züge";  weshalb  40  Haupt  wird  von  Poole  und  Feuardent  als  das 
denn  auch  die  Bezeichnungen  so  weit  ausein-  der  Kleopatra  als  Isis  angesehen;  Sehledehaus 
ander  gehen  können,  dafs  Kckhcl,  D.  N.  V.  4  a.  a.  0.  p.  343  f.  erkennt  nur  in  dem  von  der 
p.  7,  124f.  darin  das  Haupt  der  Arsinoe,  der  Umschrift  BAZIAIZZHZ  KAEoTTATPAZ  beglei- 
Gemahlin  des  Ptolemaios  IL  Philadelphos,  da-  teten,  ebenso  wie  auch  Cornaglia ,  das  der 
gegen  Poole,  Cat.  of  Greek  Coins  in  the  Brit.  Kleopatra  „als  Isis  coiffiert",  Leahe  schwankt, 
Mus.  The  Ptolemies  p.  38  nr.  13,  14,  p.  39  ob  er  „Isis  or  Arsinoe  in  the  character  of  Isis" 
nr.  17,  21;  p.  76 — 77,  nr.  83 — 100,  PL  18,  4,5;  erkennen  soll.  Die  meisten  aber,  wie  auch 
p.  83  nr.  28,  PL  19,  4;  29,  30  das  Haupt  der  Furticängler  a.  a.  0.  p.  83  sehen  darin  das 
Libya  erkennt.  Ferner  Goldmünzen  der  Ar-  Haupt  der  Isis;  L.  Müller,  Mus.  Thorvaldsen 
sinoe,  Gemahlin  des  Ptolemaios  IL,  die  nach  50  p.  238  nr.  1766  —  1768  und  der  Verfasser  des 
Grässe,  Hdbch.  d.  a.  Kum.  2  p.  150  „ihren  Cat.  Thomsen  1,  1  p.  184  (beide  unter  den  un- 
Kopf mit  Diadem  und  Schleier,  über  demselben  bestimmten  Ptolemäermünzen)  das  der  Demeter, 
eine  Lotosblume,  welche  die  Königin  als  Isis  Von  der  berühmten  Kleopatra  wissen  wir,  dafs 
bezeichnet",  darstellen  sollen,  lassen  sich  des-  sie,  wenn  sie  sich  dem  Volke  zeigte,  das  heilige 
halb  hier  nicht  anführen,  weil  der  Lotos  nicht  Gewand  der  Isis  trug  und  als  „neue  Isis"  ihre 
das  Haupt  der  Königin  ziert,  sondern  den  Audienzen  erteilte,  Plut.  Ant.  c.  54.  Antonius 
Knauf  eines  Scepters  bildet,  wie  dies  Feuar-  liefs  sich  mit  ihr  malen  und  plastisch  dar- 
dent  1  p.  41 — 50  nrs.  183 — 203,  PL  3,  183,  186,  stellen,  indem  er  sich  als  Osiris  und  Dionysos, 
189,  198  und  Poole  p.  2—6,  p.  42 — 44  nrs.  2  Kleopatra  sich  als  Isis  und  Selene  bezeichnete, 
— 40,  PL  8,  2 — 10  richtig  erkannt  haben.  Ferner  co  Cass.  LJio  50,  5,  II  p.  770  ed.  Sturz,  was  ihm 
sind  während  der  Regentschaft  der  Kleopatra L,  Octavian  zum  bittern  Vorwurf  machte,  Dio 
der  Witwe  des  Ptolemaios  V.  Epiphanes  und  50,  25,  II  p.  810,  vgl.  Sharpe ,  Gesch.  Aeg.'s  2 
Mutter  des  Ptolemaios  VI.  Philometor,  nach  p.  63,  Drwnann,  Gesch.  Roms  1  p.  465,  Meri- 
Poole,  The  Ptolemies,  Introd.  p.  IX  und  p.  79,  vale,  Gesch.  d.  Köm.  unt.  d.  Kaisern  2  p.  207, 
7,  PL  8,  8;  nr.  8  und  Feuardent  1  p.  68  nr.  Preller-Jordan,  R.  M.  23  p.  428  Anm.  3,  Cham- 
257,  PL  5,  p.  69  nr.  257 l,i8  Silbermünzen  pollion-Figeac ,  Annales  des  Lagides  2  p.  367, 
geprägt  worden,  welche  im  Obv.  neben  ein-  Lumbroso,  KEgitto  dl  tempo  deiGreci  e  dei  Ro- 
ander  zeigen  das  Haupt  des  Sarapis,  Lorbeer-  mani\>.  110.  Silbermünzen  zeigen  die  Aufschriften 

17* 


519      Isis  (Königinnen  m.  Isisattributen)  Isis  (Königinnen  m.  Isisattributen)      520 

BACIAICCA   KAEOTTATPA   0GA  NGMTEPA   und  p.  1  nr.  3,  p.  4,    King,  Ant.  gems  and  rings  1 

ANTC0NIOCAYTOKPATWP  TPITON  TPICON  AN-  p.  337  Note  *;  den  unbestimmter  Herrscherin- 

APCON,  Eckhel,  D.  N.    V.  4  p.  23;    Mi.  6,  33,  nen   der  Ptolernäerdynastie   auf  einem    Cameo 

266;    Feuurdent    1   p.   133  nr.  445,    PI.  8;     T.  im  Haag,    1.  C.  de  Jonge,    Notice  sur  le   cab. 

Combe,  Mus.  Brit.  p.  237  nr.  1 ;  Leake,  N.  LT.,  de  med.  et  p.  gr.  de  Sa  Maj.  le  Boi  des  Pays- 

Egypt  p.  62;    de  Witte,  Cab.   Durand  p.  465  Bas  ä  la  Hage  1823   p.  119  —  120,   Montre  1 

nr.  2345;    Mus.  Payne  Knight  p.   212;    Fried-  nr.  2;  einem  „Vetro"  des  Museo  Borgiano  3.cl. 

länder   und    v.  Sollet,   D.   Kgl.    Münzkabinett  1.  div.    nr.   1,    Doc.  inccl.    3    p.   421  f.;    einem 

p.  115  nr.  361,   Mus.  num.  Lavy  1  p.  318   nr.  schwarz    und    weifsen    Onyx    der    Sammlung 

3283;    Cat.  Subhy  Pacha.  London   1878  p.  83  10  Muirhead,   King,  Ant.  g.   and  r.   1   p.  XVII, 

nr.  1108,  1109,  Cat.  des  objets  d'art  dependant  p.  369;    einem   „beautifid  hyacinthine  garnet" 

de   la   succession    Castellani   p.  151    nr.    1286;  der  Sammlung  Marlborough,  Story-  Maskelyne, 

Cohen,  Cat.  Greau  p.  243  nr.  2862;  Boutlcoieski,  The   Marlborough    gcms   p.  7   nr.  43.     Ebenso 

Dict.   num.   p.  193  f.    nr.   462  ;     Bronzemünzen  wurden  römische  Kaiserinnen  nicht   selten  als 

BACIAICCHC    KAEOTTATPAC    und    ETOYC  •  KA  •  Isis  dargestellt,  s.  oben  Sp.  404—406.    An  dem 

TOY-KAIC   GEA  NECOTEPA,    Eckhel  4  p.  24,  von    Platner,   Beschr.  der   Stadt   Rom   3.  Bd. 

Feuardent  1  p.  135  nr.  448,  PI.  8,  vgl.  Lauth,  2.vAbt,  p.  588   „Villa  Ludovisi"  nr.  45   so   be- 

Aus  Ägyptens  Vorzeit  p.  497,    sowie   BACIA  j  schriebeuen  Kopf:  „Weiblicher  Kopf  mit  einer 

GEA  |  NE-    und  ANTOO  |  TITA  |  T,    Mi.  6,   33,  Stirnkrone,    wahrscheinlich    eine   Kaiserin   als 

268;    Sestini,   Mus.  Med.    3.  Cont.   p.  8   nr.  4;  20  Inno    vorgestellt;    auf    der    Brust    mit    einem 

Cat.  Northwick  1  p.  155  nr.  1545;    Ch.  Lenor-  geknüpften,   der  Isis   und  ihren  Priesterinnen 

inant  PI.  87,   lettre  N;   Boutkoicski  p.  195   nr.  eigentümlichen     Franzengewande"     ist    nach 

467.     Die  „Statua   corpore   muliebriter  vestito,  Schreiber,  T).  ant.   Bildw.  der   Villa  Ludovisi 

facie  d.  sp.  (eiusdem  Beginae  [CleopatraeJ  sub  p.  IIS  nr.  95  die  mit  Untergewand  und  unter 

Isidis  persona)  s.  seeptro  innixae,   d.  e  lagena  der  Brust  zusammengeknotetem  Franzenmantel 

libantis,   et  cistae  mysticae  inter  duos  serpentes  bekleidete  Büste  neu,  weshalb  er  für  die  hier 

insistentis"  einer  Silberniünze  des  Mus.  Payne  uns    beschäftigenden   Bildwerke   nicht    in   Be- 

Knight    p.  213  A    nr.  3     stellt    vielmehr    eine  tracht  kommt.     Ein  „sardoine"  der  Sammlung 

Bacchusstatue  dar,  auch  zeigt  die  Vorderseite  King  soll   nach  King,  Ant.  gems  and  rings  1 

dieser    Münze    nicht   wie    Knight   meint,    die  30  p.  69  PI.  49,  7  darstellen  „Lady  uith  lotus,  on 

Häupter    des    Antonius    und    der    Kleopatra,  her  brow,  in  ihe  character  of  Lsis.    Apparently 

sondern    das    des    ersteren   und    der    Octavia,  a   Portrait   of  Lulia,    daughter    of  Augustus". 

Babelon,  Monn.  cons.   1    p.  179,    Antonia   61.  Zu    dem    oben    Sp.  405,    Z.  14ff.    angeführten 

Unter  den  Antiken  zu  Stockholm  zählt  E.  Ger-  Marlborough  Cameo,   der   1875   in    den  Besitz 

hard,  Arch.  Z.  1853  p.  395  nr.  63  eine  „Kleo-  des  Mr.  Bromilow  überging,   ist  zu  bemerken, 

patra  mit  dem  Kopfputz  der  Isis  des  Vatikans  ('?)"  dafs  darauf  im  Choix  de  pierres  ant.  grav.  du 

auf;    „ein  Bildnis  der  Kleopatra  als  Isis"  will  cab.  du  Duc  de  Marlborough  2  PI.  33    Didius 

Herr  v.  Korff  in   einer  Bronze  der  Sammlung  Iulianus  und   Manlia   Scantilla,   von   N.  Nevil 

des    Generalkonsuls    Thiremin    in    Alexandria  Story- Maskelyne,    The  Marlborough  gems  1870 

sehen,  A.  Z.  1871  p.  21.     Mehrfach   will   man  40  p.  80 — 81   nr.  482    Marc  Aurel  und   Fauttina, 

auf  geschnittenen  Steinen,  Bingen  und   Glas-  von  Thompson ,   Photographs  front  the   coli,  of 

pasten    weibliche    Mitglieder    der    Herrscher-  the  Brit.  Mus.  1.  Ser.  pl.  868   p.  81    „Bust  of 

faniilie  der  Ptolemäer  mit  den  Abzeichen  der  Iulian  IL  in  the  character  of  Iupiter  Ammon, 

Isis  erkennen,  so  den  Kopf  der  Berenike  I.  auf  and  of  Egypt   in  the  character  of  Ceres",  von 

einem    „camee    cn   grenat    oriental ,    trouve    ä  Wieseler,     Über   einige  beachtenswerte  gesehn. 

Boubastis ,  ayant  appartenu   ä  M.  Spanopulos  Steine  des  vierten  Jalnhunderts  n.  Chr.  2,  1,  B 

consiü  grec  au  Caire" ,  Empr.  de  cam.  et  d'int.  p.  24ff.    (S.-A.   aus   d.  31.  Bde.  d.  Abh.  d.  K. 

ant.    par     M.    Odelli ,    7.    Cent.    Borne     1868  Ges.  d.   W.  zu   Güttingen)  Julian   als   Sarapis- 

nr.  84  p.  12 ;    auf  einem  konvexen  Chalcedon  Ammon  und   seine   Gemahlin  Helena   als   Isis 

aus   Syrien  im   Besitz    des   Grafen   Tyskietoicz  50  erkannt  werden,  wie  denn  auch  bei  dem  ebenda 

in  Paris,   Heibig,  Bull.  d.  Inst.  1885   p.  21  f.,  Z.  16 ff.   erwähnten,  jetzt  im  Metrop.  Mus.  of 

Furticängler,  Jahrb.  d.  Ks.  Arch.  Inst.  3  p.  206,  art  in  New- York  (King,  The  Johnston  Coli,  of 

4  p.  80 — 84,  Tfl.  2,  2;    auf  einem   „transparent  engr.   gems    p.  41    nr.  67)    befindlichen    Steine 

glass  of  a  violet  colour",  Brit.  Mus.  Guide  to  Wieseler  (2,  2  p.  55  Anm.  1)  an  Julian  H  denken 

the  first  and  second  egyptian  rooms  p.  121  nr.  möchte.    In  der  Inschrift  von  Athribis  aber  bei 

6273;   den  der  Berenike,  Gemahlin  des  Ptole-  Letronnc,   Bec.   1  p.  228  ff.  =  C.  I.  Gr.  4711, 

inaios  III.  Euergetes  auf  zwei  Steinen  in  Paris,  auf  die   man   sieh  für  den  Beinamen  via  lots 

Chabouillit  p.  24  nr.  160,  161  (Sardonyx) ;    den  der  lulia  Augusta,  d.  i.  Livia,  der  Mutter  des 

der  Berenike,   ohne  nähere  Angabe  auf  einem  Tiberius  beruft  (Prelltr-Jordan,  B.  M.  23  p.  450, 

„sardoine"  in  Coli,  de  M.  de  Montigny,  P.  gr.  60  Anm.  4),  ist  der  Name  der  Göttin  nur  Ergänzung 

Paris  1887  p.  32  nr.  411,  PI.  4;   vielleicht  den  Letronncs.    Auch  dafs  der  Kopf  der  EYGHMA 

der  Arsinoe,  der  Gemahlin  des  Ptolemaios  IV.  der  alexandrinischen  Kaisermünze   bei  Eckhel, 

Philopator  auf  einem  Karneol  in  Paris,    Cha-  D.  K.   V.  4    p.  45   Livia    als    Isis    kostümiert 

bouillet  p.  617  nr.  3507,   den  der  Kleopatra  I.  zeigt,  wie  Aschbach,  Livia,  Denkschr.  der  Kais. 

neben  dem  des  Sarapis,  wie  auf  den  oben  ver-  Ak.  d.  W.  zu  Wien.  Phil.-Hist.  Kl.  13.  Bd.  1864 

zeichneten  Münzen,    auf  einem  durch  Newton  p.  81  Anm.  3  annimmt,  ist  irrig, 
von  Castellani  für   das  Brit.  Mus.  erworbenen  Als   Schutzgöttin    der   Könige    und    Kaiser 

Goldring,    Poole,    Num.  Chron.  N.  S.  6,  1866  ist  sie  natürlich   auch   eine  Sieg  verleihende 


521      Isis  (verleiht  Sieg  u.  Gesundheit)  Isis  (Heilgöttin)                    522 

Göttin,    wie    sie   denn  in  einer  Inschrift  von  Pap.  Ebers  p.  1 — 2,  Erman,  Äg.  u.  äg.  Leben 

Delos  geradezu  'laig  Nh.n  heilst,  Bull,  de  Corr.  i.  A.  p.  368,   Wiedemann ,   Die  Sei.   d.  a.  Äg. 

Hell.  6   p.  338   nr.  44.     Ihre   siegreiche   Macht  p.  147 — 148,    Woenig,    Die  Pflanzen  im  alten 

bewährt  sie   aber  nicht  nur  gegen  Feinde  im  Ag.   p.  368.     Nach   Pap.  Dem.  65   in  Leyden 

Felde,   sondern  auch   gegen   böse    dämonische  lehrt   sie   den   in  Syrien   durch   eine   Schlange 

Wirkungen  aller  Art.   Das  über  Isis  als  Göttin  gestochenen  Horos,  den  Stich  zu  heilen,  Wricde- 

des   Sieges   zu   Sagende    habe    ich    zusammen-  mann,  Herodots  2.  B.  p.  557;  durch  magische 

gestellt  in   der   Wochenschrift  f.  Mass.  Philo}.  Sprüche  weifs  sie  Skorpionen-  und  Schlangen- 

1886  Sp.  1432  —  1434,  vgl.  für  Sarapis  Wieseler,  bisse   zu  heilen,    Golenischeff,   Die  Mettemich- 

Uber  einige  beachtenswerte  geschn.  Steine  2,  1  10  stele  Z.  79,  4;  Z.  83,  27  ff.,  Wiedemann,  Sero* 

p.  37 ff.    Zu  den  dort  verzeichneten  Inschriften,  dots  2.  B.  p.  233.    Im  Pap.  Ebers,  Tfl.  47,  5—10 

welche    der   Isis    das   Beiwort   invieta   geben,  wird  ein  Mittel  verzeichnet  „bereitet  von  Isis 

C.  I.  L.  6,  352  ('?),  353,  kommt  noch  eine  von  selbst  für  Ra,  um  zu  vertreiben  die  Schmerzen 
Köln  (Schaaff hausen,  Bonner  Jahrbb.  Heft  76  in  seinem  Kopf",  Joachim  p.  61,  Ebers,  Ztschr. 
p.  31— 62,  speziell  p.  38,  Tfl.  1;    Jahrb.  d.  K.  f.  äg    Spr.    1873   p.  43,    Woenig  p.  368.     Im 

D.  A.  Inst.  Arch.  Anz.  4,  1889  p.  182;  West-  Pap.  Eb.  XCV,  Joachim  p.  173—174  wird  ver- 
deutsches  Korrespondenz-Blatt  7,  81),  wie  denn  zeichnet:  „Beschwörung  für  die  Brust.  Die 
auch  Apul.  Met.  11,  7  sie  numen  invictum  Brust  ist  dieselbe  kranke  (Brust)  der  Isis,  die 
nennt;  zu  denen,  die  sie  als  victrix  bezeichnen  in  der  Stadt  ^ebt  die  Götter  Su  und  Tefnet 
(Orelli-Senzen  5856;  I.  B.  N.  5352  =  C.  I.  L.  20  gebar.  Sie  hat  für  sie  ihre  Beschwörung  ge- 
9,  3144),  eine  aus  Asculum  Picenum  (Orelli  1882  than  über  aat-Pfianze,  Gesundheitskörner,  über 
=  G.  I.  L.  9,  5179,  vgl.  PreUer-Jordan,  B.  31.  beqat  des  Rohres,  über  Haare  der  abt-Pflanze, 
ls  p.  84 — 85)  und  eine  aus  Bononia,  Sensen  die  herbeigeführt  sind,  um  alle  möglichen 
5832  =  C.  I.  L.  11,  695;  unter  denen,  die  ihr  Krankheiten,  soviel  ihrer  sind,  zu  vertreiben"; 
das  Beiwort  triuinphalis  geben,  C.  I.  L.  6,  355;  ebenda  69,  6  wird,  um  eine  Brandwunde  zu 
Herzog,  Galliae  Narbon.  prov.  rom.  hist.  p.  73  kühlen  und  zu  heilen,  die  R,ede  der  Isis  an 
nr.  351  =  Orelli-Hensen  5835,  ist  letztere  zu  Horos  in  einer  uns  unbekannten  Sage  über 
streichen,  da  nach  Hirschfeld,  C.  I.  L.  12,  734  dem  Heilmittel,  der  Milch  einer  Frau,  die  einen 
derSteinzeigtlSIDIS  gJT-  PAREL  COLLEGAE.  Knaben  geboren  hat,  gesprochen,  Erman  p.472. 
Das  Amulett  mit  der  Inschrift  Nemci  j\  Eloig  30  Auf  der  Grabstele  der  Isis  steht,  sie  sei  von 
auf  beiden  Seiten  (Bull.  delV  Inst.  1873  p.  34,  Hermes  in  der  Medizin  unterwiesen  worden, 
1874  p.  50)  s.  jetzt  bei  Kaibel,  Inscr.  Gr.  Ital.  Diod.  1,  27.  Wenn  nach  Diodor  ein  von  der 
et  Sicil.  2413,  5.  Isis  erfundenes  Heilmittel  c'i&avaaia  hiefs,   so 

Ebenso  wie  Sieg  verleiht  Isis  (nicht  minder  führte  nach  Galenus  de  compos.  med.  sec.  gen. 
wie  Sarapis)  auchGesundheit,  und  A.  Maury  Hb.  5  cap.  2,  Zoega,  De  or.  et  usu  obel.  p.  654 
(Eist,  des  rel.  de  la  Gr.  3  p.  279,  vgl.  Dö'llinger,  ein  anderes  Pharmakon  den  Namen  Isis,  vgl. 
Heidentum  und  Judentum  p.  624)  dürfte  nicht  über  Erfindung  von  Heilmitteln  durch  Isis  die 
irren,  wenn  er  meint,  dafs  besonders  dadurch  von  v.  Bittershain,  Der  medisinische  Witnder- 
beide  Gottheiten  aufserhalb  Ägyptens  populär  glaube  u.  die  Inkubation  im  Altertum.  Berlin 
wurden.  Die  Ägypter  erzählten  nach  Diod.  1  10  1878  p.  5  und  Anm.  7  angeführten  Stellen. 
c.  25  (vgl.  Sprengel,  Vers,  einer  pragmat.  Gesch.  Als  Curiosum  sei  erwähnt  die  Ableitung  des 
der  Arsneikunde  l3  p.  66 — 67)  Isis  habe  viele  Namens  Isis  von  Hebr.  iasa  =  salvavit,  serva- 
Heilmittel  erfunden  und  besäfse  grofse  Erfah-  vit,  Dan.  Willi.  Triller,  Opuscula  medica  ac 
rung  in  der  Arzneikunde,  weshalb  sie  auch  die  medico-philologica  2  p.  340. 
Unsterblichkeit  erlangt  habe;  sie  freue  sich  Besonders  als  Heilgöttin  führt  sie  Bei- 
arn meisten  der  Heilungen  der  Menschen  und  namen  wie  odzsiQa,  navGiozBiqa,  sospitatrix, 
gäbe  im  Schlafe  denen,  die  darum  bäten,  Heil-  sedutaris  (Dreo.ler,  Myth.  Beitr.  1  p.  34  Anm.  1) 
mittel  an.  Deshalb  eifere  der  ganze  Erdkreis  auch  XQrlaz'l  znrjv.oog,  C.  I.  Gr.  2300,  sva-/.oog 
in  ihrer  Verehrung.  Viele,  die  von  den  Ärzten  C.  I.  Gr.  2174,  restitutrix  salutis,  Eph.  epigr. 
wegen   der   Schwierigkeit   der  Krankheit   auf-  50  7  p.  356  nr.  1194. 

gegeben  würden,   erlangten  von  ihr  Rettung,  Verbreitet  war  im  Altertum  die  Sitte,  dafs 

wie  sie  denn  häufig  Leuten  die  Sehkraft  zurück-  Kranke,  um  ihre  Gesundheit  wieder  zu  erlangen, 

gegeben  habe.     Sie  habe  das  Heilmittel  ä&a-  sich  nach  Darbringung  eines  Opfers  in  einem 

raaia   erfunden  und  damit  ihrem  Sohn  Horos  Tempel  niederlegten,  um  im  Traume  von  der 

das  Leben  wiedergegeben,  ja  die  Unsterblich-  Gottheit  Ratschläge  zu  erhalten,  Vinck,  Amoe- 

keit  verschafft;    auch  habe   sie  ihn   die  Heil-  nita'es  philol.-medicae  cap.  5  p.  61 — 73;   Mei- 

kunde  gelehrt.     Welcher,  Kl.  Sehr.  3  p.  97,  99  bomius,  De  uicubationibus  in  fanis  deorum  me- 

hält  diesen  Bericht   des   Diodor  für   eine  Er-  dicinae  causa  f actis.    Helmstadii  1659   und  in 

dichtung  der  ägyptischen  Priester,  die  dadurch  Sehlaegers  Fasciculus  dissertationum  rariorum 

ihren  Göttern  den  Vorrang  vor  den  griechischen  60  de    antiquitatibus  sacris  et  pro  fanis.     Heimst, 

hätten  geben  wollen,  und  meiut,  erst  unter  den  1741;    Frederik    Munter,    Otn    en    Votivgemme 

Ptolemäern  seien  Isis  und  Sarapis  zu  Heilgott-  meden  Aesculapisk  Slange,    Viel.   Sei.  hist.   og 

heiten  geworden.     Aber  schon  im  Pap.  Ebers  phil.  Skr.  IV.  Deel;   Gauthier,  Bech.  hist.  sur 

(verf.  um   1700   v.  Chr.)    weiden    die    Rezepte  l'exercice  de  la  medecine  dans  les  temples  ches 

durch  eine  Gebetsformel  eingeleitet,  in  welcher  les  peuples  de  Yantiepuite.    Lyon  1844;   Welckcr, 

Isis  angerufen  wird,   den  Kranken  zu  erlösen,  Zu  den  Altertümern  der  Seilkunde.    Bonn  1850 

wie  sie  Horos  erlöst  hat,  Pap.  Ebers  1,  12  ff.,  p.  S9— 156  =  Kl.  Sehr.  Bd.  3;  Wolff,  De  no- 

Ebcrs,  ZtscJir.  f.  äg.  Spr.  1873  p.  43,  Joachim,  vissima  oraculorum  aetate  p.  28  ff.;  Marfjiiardt, 


523 


Isis  (Heilgöttin') 


Isis  (Heilgöttin) 


524 


B.  St.-V.  3  p.  97;  P.  Girard,  L'Asclepieion 
d'Athenes  p.  65—78;  Preller-Jordan,  B.  31.  I3 
p.  429;  A.  3Iaury,  Eev.  arch.  6,  1849  p.  151— 
158;  Lafaye  p.  103;  Trcde  4  p.  176;  weitere 
Litteratur  s.  bei  Bouche-Leclercq ,  Hist.  de  la 
divination  3  p.  271  Anrn.  Wenn  v.  Biitershuin 
p.  15  diesen  unter  dem  Namen  der  Inkubation 
bekannten  Brauch  für  die  Tempel  der  Isis  in 
Abrede  stellt  und  nur  für  die  des  Sarapis  gel- 
ten läfst,  so  ist  dies  sicher  irrig.  Wohl  haben 
wir  gerade  für  Sarapis  interessante  Belege  aus 
dem  Sarapeion  von  Memphis  in  der  von  E. 
Egger,  Bev.  arch.  1860  p.  111 — 125  erläuterten 
Inschrift:  'AgiazvJXXog  zö  Xv%vdnztov  dv t'[-97)Kff , 
V7IO  XaßtOV  v]ti6  zov  %iov  mkxcüs  8taK£i[G%at, 
1 71  ft  Kai  laz\gttatg  xQ°>ti£v0S  iots  7tf[gi  vabv  j 
övtigotg,  o]vk  rjävviifirjv  iytiiag  [tv%eiv\  '  nag 
av%d\v,  anders  dagegen  Fröhner,  Inscr.  gr.  du 
muse'e  du  Louvre  p.  32  nr.  21  (vgl.  die  Stele 
mit   Apis   vor  einem   Altar  und   der   Inschrift 

Ivvnvta  HQLVCO  |  ZOV  &£OV  TTQOÖZCCy  fld  £%G)V  TV%& 

dya  9äf  Kgfjg  loxtv  6  j  Kgtvwv  xdäs  ebendaher, 
A.  Mariettc,  C.  r.  de  l'ac.  des  inscr.  et  b.-l. 
1879,  4e  ser.  t.  7.  p.  130  —  131  nr.  3);  in  den  von 
Artemidor ,  Oneirocrit.  2,  44  citierten  Büchern 
des  Geminos  von  Tyros,  (Pseudo)-Demetrios 
und  Artemon  aus  Milet  mit  „vorzüglich  von 
Sarapis  angegebenen  Vorschriften  und  Heilun- 
gen" (Susemihl,  Gesch.  d.  griech.  Litteratur  in 
der  Alexandriner  zeit  1  p.  873,  Bouche'-LecJercq, 
3  p.  383;  in  Varro,  Eumcnides  fr.  18  ed.  Gehler 
[=  io  Vahlen,  32  Bibbecl-,  Bit.  Mus.  N.  P.  14, 
1859  p.  111,  28  Biese,  vgl.  Boeper,  Philologus 
17  p.  86,  Bücheier,  Bit.  Mus.  N.  P.  20,  1865 
p.  428,  Ellts,  A  commentary  on  Catullus  p.  28]), 
aber  der  Kultus  der  ■frfoi  Gvvvaot  Sarapis  und 
Isis  ist  so  innig  verbunden,  dafs  die  von 
v.  Bittershain  angenommene  Beschränkung  der 
Inkubation  auf  die  Sarapistempel  schon  an  und 
für  sich  nicht  glaublich  ist.  Aufserdem  sagt 
Diodor  1,  25  gerade  von  Isis:  Kaxd  ydg  zovg 
vitvovg  iq)tczct(itvr)v  ötdövat  xoig  KafivovGi 
ßorför\g,axu  Tigög  t«s  vößovg.  Aristides  1  p  500t'. 
ed.  Dind.  erzählt,  dafs  ihm  im  Tempel  zu 
Smyrna  „syivsro  äs  Kai  cpmg  7iagd  zrig"latäog 
y.ai  ixiga  dfiv9ttxa  cpigovxa  ilg  acoxrjgiav 
itvdvn  ö's  Kai  o  Ztdgantg  xrjg  avxrjs  WKxbg, 
äjia  avxog  x£  Kai  ö  'AOKXnntug,  9av(iaGxol  xo 
s.dXXog  y.ai  xo  utyt&og  Kai  xtva  xgbnov  dXXt]- 
Xotg  ijiqieQBis",  und  beim  Verlassen  des  Heilig- 
tums redet  er  nsgi  xrjg  zov  fttov  yogyozijzog 
Hai  ävvaaeag-  noorj  ztg  sin  Kcti  Kaza  epr)iiag 
Kai  Kaza  GvfißoXovg ,  Kai  ozi  TzoXXaKtg  r/än  fiot 
tnl  zf\g  £v%rig  rjX&sv  -jj  dnÖKgtotg.  In  Tithoreia 
war  es  nur  denen  erlaubt,  das  Advton  zu  be- 
treten ovg  av  avzr]  ngozignoaGa  ij  iGig  KaXeGij 
atpäg  8t  ivvnviav,  Baus.  10,  32,  9.  Beiläufig 
sei  erwähnt,  dass  G.  Wulff,  De  nov.  orac.  aet. 
p.  31—33  bei  Paus.  3,  26,  1,  der  von  dem  Heilig- 
tum der  Ino  zwischen  Thalamai  und  Oitylos 
berichtet:  „isgov  ßaziv  'Ivovg  Kai  fiavzitov. 
Mavxtvovxai  ythv  ovv  Ka&tvdovxsg'  bnöaa  d  av 
nv&tG*rat  dstföäotv  övzigaxa  öiikvvoC  atptoiv 
?;  &£ 6g'1,  'ivovg  in  'Iovg  ändern  und  in  letzterer 
Io-Isis  erkennen  will.  Auch  wo  es  sich  nicht 
um  Heilungen  handelt,  wird  das  Erscheinen 
der  Isis  im  Traume  erwähnt,  Apul.  Met.  11,  3, 
vgl.   luv.   6,  529   (Credit  enim  ipsius  domiitae 


se  voce  moneri).  Zahlreiche  Inschriften  be- 
ziehen sich  auf  durch  Erscheinungen  während 
der  Inkubation  oder  durch  gewöhnliche  Träume 
erhaltene  Weisungen  der  Götter  mit  den  For- 
meln: nQOGxa^avxog  xov  freov,  Kaza  Ttgoozayfia, 
Kazct  ijttzayriv,  Kaz'  Iwirayfia,  f|  tntzdyfiaTog, 
fi;  i yv.eXsvOEiog,  Kaxd  v.iXsvotv,  v.ax  üviiqov, 
Ka&  opaua,  v.ax  ovag,  cvag  IScov ,  v.ax  sm- 
cpavtav  (vgl.  auch  Kuzä  igruiaxiGfiöv  und  Kaxd 

io  fiavxhtav);  iussu,  iussu  dei,  ex  iussu  (dei,  deae, 
deorum,  numinis),  iussu  imperiove,  imperio,  ex 
imperio,  ex  praecepto,  ex  monitu,  somnio  ad- 
moiiitus ,  somnio  monitus,  visu  monitus,  visu 
(viso)  ittssits,  iusstis  in  visu,  viso,  ex  visu  (s.  d. 
Gemme  des  Major  v.  Sommer  mit  Schlange  mit 
Situla  im  Rachen  und  der  Beischrift  EX  V1SV, 
Fred.  Munter,  Om  en  Votivgemme);  instinctu 
(vgl.  auch  ex  oraculo  und  ex  responso  (EX-R), 
Marini,    Atti   dei  Frutelli  Arvali   p.  25 — 26, 

20  Fred.  Munter  a.  a.  0.  p.  14 — 15,  Marquardt, 
B.  St.-V.  3  p.  98  Anm.  8,   A.  Bouche-Leclercq 

1  p.  324  Note  1,  M.  Beaudouin  et  E.  Pottier, 
B.  C.  H.  3,  1879  p.  168,  P.  Girard,  L' Ascle- 
pieion d'Athenes.  Paris  1881  p.  75,  Beinach, 
Traite  d'c'pigr.  grecque  p.  384,  Latus,  Marini 
ant.  Bresciani  p.  8  Note  7,  Cagnat,  Cours  d'cpi- 
graphie  lat.°  p.  221.  Auf  Isis  bezügliche  In- 
schriften mit  derartigen  Formeln  verzeichnet 
Lafaye  p.  102  Note  4;   p.  103  Note  1;   es  be- 

30  gegnet:  v.a&'  ogaucc,  B.  C.  H.  6  p.  330  nr.  30; 
Kaza  TtQOGzayiia,  C.  L.  Gr.  2304;  2305;  Keil, 
Bh.  Mus.  1864  p.  255  f.;  B.  C.  H.  6  p.  323  nr.  13; 
327  nr.  21;  329  nr.  23.  24;  336  nr.  37;  339nr.44; 

B.  G.  E.  7,  367  nr.  16;  vgl.  für  Gottheiten  ihres 
Kreises:  B.  G.  H.  6,  340  nr.  45  u.  47;  'A%f]vatav 
4,  457  nr.  4;  460  nr.  1;  B.C.  H.  11,  274  nr.  37; 
auch  Kazd  ksXevgiv  dtoit  Sigdntäog  C,  I.  Gr. 
5994;   ferner  kommt  vor  ex  monit(u)  eius,  C. 

I.  i.  5,  484,  vgl.  Vinccnzo  de -Vit,  Ädria  e  le 
40  Site  ant.  cpigraß  2  p.  144f.  nr.  107,  p.  336 — 338; 

(I)sidis  inperio,  C.  I.  L.  5,  10  =  AEM  1,  1877 
p.  45;   ex   impierio),  C.  I.  L.  9,  3144;   ex  viso, 

C.  I.  L.  6,  1,  346;  ex  visu,  C.  I.  L.  6,  1,  353, 
vgl.  572  Widmung  an  Sarapis;  C.  L.  L.  9,  5179; 
iussu,  C.  I.  X.   2,  3386;    vgl.  auch  Apul.  Met. 

II,  14  divino  monitu;  11,  19  Nee  fuit  nox  una 
vcl  quies  aliqua  visu  deaeque  monitu  ieiuna,  sed 
crebris  imperiis  sacris  suis  me  iamdudum  desti- 
natum,  nunc  saltem   censebat  initiari ;    11,   22 

50  sed  noctis  obscurae  rton  obscuris  imperiis  evi- 
denter monuit; quis  et  ceteris  benevolis 

praeeeptis  summatis  deae  recreatus  animi;  11, 
26  deae  potentis  instinctu;  11,  29  me  .  .  .  sie 
instruxit  nocturna  dirinationc  clemens  imago. 
Die  Träume  wurden  ausgelegt  durch  den 
övUQOxoizrig,  B.  C.  E.  6,  324  f.  nr.  16.  17.  18; 
339  nr.  43  oder  svirnvioiigiz^g,  Pap.  Gr.  Mus. 
Lugd.-Bat.  ed.  Leemans  1  p.  117  f.,  Notices  et 
Extr.  des  manuscrits  de  la  bibl.  imp.  18  p.  334, 

60  Pap.  nr.  54,  35  Col.  3,  Z.  78  u.  Note  1.  Dafs 
dagegen  (wie  Egger,  Bev.  arch.  1860,  1  p.  115 
und  Brunet  de  Presle,  Kot.  et  Extr.  1865,  18, 

2  p.  265;  Mem.  sur  le  Scrapeum  de  Memphis, 
Mem.  pres.  par  div.  sav.  ä  l'ac.  1.  ser.,  t.  2, 
Paris  1859  p.  566,  676  und  Beuvens,  Lettres  ä 
Letronne  p.  105  [vgl.  die  Note  zu  C.  I.  Gr.  3163 
„f  yxaTO^r/öKt  est  tyxotuäe&at,  quia  ineubatione 
homines  ftunt  xce'ro^ot"]  annehmen),   auch   die 


525                   Isis  (Heilgüttin)  Isis  (die  Füfse  ihr  geheiligt)        52(3 

■AÜxoyoi,  tynttzo%oi,  of  sv  xaxoxf]  mit  Erklärung  Stellung  der  Gesundheit  sind  ihr  gewidmet  die 

von  Träumen  etwas  zu  thun  hatten,  weist  Pkw,  Inschriften  Le  Bas  et  Waddington,  Asie  Min. 

De  Sarapide  p.  39  mit  Recht  zurück.     In  der  511:  2ctQi'nri\Si],  "lei[ßi\,  @soig  itäai,  &squ7civ- 

ägyptischen  Litteratur  spielen  beiläufig  bemerkt  öras  'AjioM.o}iidag'Al£E,av$g£vg  ^KptGtEiß,  ferner 

die  Träume   eine  grofse  Rolle   (Pierret,  Dict.  Lolling ,  Mitt.  d.  D.  A.  I.   i.  Athen  11  p.  265 

d'arch.  e'g.  s.  v.  Songes  p.  519,  Ebers,  Ag.  u.  d.  nr.  3   und  American  Journal  of  archaelogy  1, 

B.  31.  p.  320—322),   und   es   werden   die  seit-  1885  p.  304  nr.  2,  s.  oben  Sp.  382:  J]u  'HKt'tp 

samsten  Mittel  angewendet,  um  Träume  zu  er-  [iiydlm  ZaguniSi    xjai  xr\  xvQä"l6iäi'loi'§a>gog\ 

halten;  so  soll  man  nach  einem  Papyrus  aus  der  'A]y>Qo8ioiov   'Als'gavÜQtvg,  |  öJtoiHg    tv.    voaov, 
Sammlung   Anastnsy   auf  ein  Byssusstück  mit  10  svxfjv  |  avi&r^s,   vgl.   für   Sarapis  Aelian,  De 

Wachtelblut  die  Figur  eines  stehenden  Gottes  nat.  anim.  11,  31.  32.  34.  35.     Ihren  Dank  be- 

mit    Ibiskopf    zeichnen    und    ihn    anrufen    im  zeugten  die  Geheilten  sehr  häufig  durch  Wid- 

Namen  seines  Vaters  Osiris  und  seiner  Mutter  mung  von  Fachbildungen  der  geheilten 

Isis,  Beuvens,  Lettre  prem.  p.  9,  Pap.  bilingue  Gliedmafsen.  Von  abbildlichen  Darstellungen 

nr.  75,  6.  sect.  Col.  5.     'OvsCqov   a'ixnaig.     Ein  der  kranken  Körperteile  versteht  Broukhusius 

griechischer  Papyrus  des  Brit.  Mus.  [Goodivin,  die  pieta  tabella  in  den  Versen   des    Tibull  1, 

Public,  of  the  Cambridge  Society ,  Graeco-egyptian  3,  27—28: 

fragment  on  magic.   Cambridge  1852;  vgl.  Gha-  Nunc  dea,  nunc  suecurre  mihi,  nam  posse 

bas,  Pap.  magiejue  Harris  p.  181—182)  enthält  mederi 

unter    10   magischen  Anweisungen:    „1.   Divi-  20  Pieta  docet  templis  multa  tabella  tuis. 

nation  par  Serapis.    2.  Formule  magique  pour  Votivgliedmafsen  mit  öfterer  Wiederholung 

obtenir   une    vision.     8.    Pour   obtenir  une  re-  der    Inschrift  "laiäi   EsqutiiSi   'Avovßtäi.    sv%rjv 

ponse  d' Sennes  dans  un  songe."    Als  Verfasser  fand  man  in  Arsos,  s.  oben  Sp.  380.    Zahlreiche 

eines  Buches  ekstatischer  Visionen  galt  Horos,  Votivkörperteile  aus  Thon  und  Metall  aus  dem 

Bio  Chrysost.  1  p.  205  ed.  Dind.:  h  yaq  zoig  Isistempel  in  Pompeji  befinden  sich  nach  Trede 

"ilgoi   yFypßfififVois  Övslquoiv  oi  äv&Qionoi  zoi-  4  p.  313  im  National-Museuni  zu  Neapel. 

avxag    oipsig    opcäct,    vvv   g,av   äoxovvxeg   ano-  Bei   einem    Glied,   dem  Fufs,   können   wir 

&vr\e-Aiiv  v.ctl  oxvlsvsG&ai,  tidliv  dl  ävt'axaad-ai  zweifelhaft  sein,   ob   es   der   Isis   wegen  ihrer 

v.a.1  (idxsa&ctL  yvfivol  ovzzg,  ivi'ozs  äh  olofisvoi  Eigenschaft    als   Heilgöttin   oder   aus   anderen 
SidniLv  %al  zoig  ftioig  Siuliyze&ai  v.ai  avzovg  30  Gründen    geweiht   wird.     In    der    ägyptischen 

dnoacpäzzsiv    v.al    [irjdtvoq    äsivov    övzog    xcci  Mythologie  hat,  wie  es  scheint,  Nephthys  im 

ovzoig,   fl  zvypi  itozs,   ntxtc&ai   Kai   ßadi&iv  Totenkultus    eine    Beziehung    zu    den   Füfseu. 

inl  xfjg  &ctläzzrjg,  Susemihl,  Gesch.  der  griech.  Es  wird  nach  Totenbuch  125,  59  u.  60  ed.  Lep- 

Litt.  in  der  Alexandrinerzeit  1  p.  876  Anm.  191,  sius    der  Verstorbene,    ehe    er   die   Halle   der 

von   dem   auch   ai   ßi'ßXoi   al  "SIqov  Hai.  "latäog  doppelten    Wahrheit    betritt,    vom    Fufsboden 

bei  Lucian,  Galt.  18  herbeigezogen  werden.  derselben   so   angeredet:   „Tritt  nicht  hin  auf 

Mehrfach  wurden  im  Altertum   geschnit-  mich,  redet  ihn  an  das  Steingetäfel  des  Fufs- 

tene  Steine  mit  den  Bildnissen  der  Götter  oder  bodens  von   dieser  Halle.     Ich  bin  ganz  rein, 

mit  Anrufungen  an  dieselben  als  Amulette  zur  Da  ich  nun   den  Namen  deiner  beiden  Füfse 
Bewahrung    und    Herstellung    der    Gesundheit  40  nicht  kenne,   mit  denen   du   auf  mich  trittst, 

getragen,  und  man  darf  annehmen,  dafs  Isis  auf  so   nenne   da   ihn  mir."     „„Fufssohle  am  ver- 

ihnen  eine  nicht  geringe  Rolle  spielte.    Wenn  schlossenen   Orte    ist   der  Name  von   meinem 

aber  Kaibel,  Inscriptiones  Gr.  Sic.  et  Ital.  2413,  rechten  Fufse,   Eahlfufs  der  Nephthys  ist  der 

15    auf  einer  bei   Rom   gefundenen  „pietra   a  Name  von  meinem  linken  Fufse.""     Auf  diese 

forma    di  piastra   rotonda"   mit    der   Formel  Stelle  und  den  Umstand  hin,  dafs  von  CzermaJc 

dndllalov  Hgianov  ano  xov  tzovov  zov  rjTiazog  und  Mariette  in  Mumien  die  abgezogene  Epi- 

den  Namen  der  Isis  &t[ä  'I \ai[g]  aus  dem  ganz  dermis    der   Fufssohle    gefunden    worden   ist, 

undeutlichen    Anfange    BAAAAOY      CHMINAC  vermutet  Ebers,  Ztschr.  f.  äg.  Spr.  1871  p.  48 

G6  |  NCI6  herauslesen  will,   so  kann  ich  ihm  — 49,  dafs  Nephthys  den  Fufs  wieder  mit  der 
hierin  nicht  beistimmen.                                        50  ihr  gewidmeten  Sohle  zu  bekleiden  hatte.    Der 

Bei  der  grofsen  Bedeutung,  welche  bei  den  Isis-Hathor  kam  es  nach  dem  Mumisierungs- 
Alten  die  Bäder  für  die  Gesundheitspflege  ritual  zu  „die  Beine  des  Verstorbenen  unter 
hatten,  ist  es  nicht  zu  varwundern,  dafs  öfters  den  Göttinnen  zu  kräftigen  und  ihnen  die  Be- 
Bilder der  ägyptischen  Gottheiten  oder  Weih-  wegungsfähigkeit  im  Jenseits  zurückzugeben", 
inschriften  an  dieselben  in  Bädern  gefunden  Ebers,  Ztschr.  f.  äg.  Spr.  1880  p.  63.  Hieraus 
wurden.  Einiges  hierauf  bezügliche  Material  erklärt  Ebers,  dafs  auf  dem  römischen  Stein 
habe  ich  zusammengestellt  Myfh.  Beiir.  1  p.  33  mit  der  Widmung  Isidi  fruetiferae  posuit  bei 
Anm.  1.  Auch  aus  den  Thermen  von  Cherchell  Gruter  p.  LXXX11I,  10  zwei  Sohlen  abgebildet 
verzeichnet  Waiile,  G.  r.  de  l'ac.  inscr.  et  b.-l.,  sind,  während  Zoe'ga,  Num.  Aeg.  Imp.  p.  224 
mai-juin  1888,  vgl.  Ben.  des  rev.  13  p.  259  den  60  zu  Marcus  134  die  Erklärung  dafür  in  Apul. 
Fund  von  „Ute  de  femmc  voilee  (Isis?)",  wie  Met.  11,  17  zu  finden  meint.  Zoe'gas  Erklärung 
auch  „torse  de  femme  drapee  (Hygiee?)".  ist  hinfällig,   weil  bei  Apul.  nach  den  besten 

Natürlich  sind  der  Isis  pro  sohlte,  ob  salutem  Ausgaben  die  in  Frage  kommende  Stelle  ein- 
geweihte Inschriften,  bei  denen  aber  salus  auch  osciüatis  vestigiis  deae,  qitae  gradibus  haerebat, 
das  Wohlergehen  überhaupt  bedeuten  kann,  nicht  haerebant  wie  Zoe'ga  las,  argento  for- 
nieht  selten,  z.  B.  G.  I.  L.  -3,  2903;  6,  1,  436  mata  lautet.  Es  ist  darin  also  nicht  von  dem 
(Widmung  an  Isis  salutaris),  C.  I.  L.  3,  2903;  Küssen  der  getrennt  von  der  Göttin  aufge- 
4809;   5,  779;  8229;  8255;   bestimmt   für  Her-  hängten  Sohlen,  sondern  von  den  zum  Zeichen 


527         Isis  (die  Füfse  ihr  geheiligt)  Isis  (die  Füfse  ihr  geheiligt)         528 

tiefster  Devotion  geküfsten  Füfsen  ihrer  Statue,  Bildw.    in    Oberital.  2  p.  242  nr.  542,    Lafaye 

(vgl.  11  c.  24,  den  Fufskufs,  den  Diocletian  ver-  p.  273  nr.  27;    2)  Marmorfufs    mit  Sandale   in 

langte,  Treue  4  p.  381,  den  Fufskufs  der  eiser-  Turin    mit    sarapisküpfiger    Schlange    an    der 

nen  Petrusstatue  in  Rom,    Trede  2  p.  38,   den  linken,   isisköpfiger   Schlange   an  der  rechten 

Fufskufs  des  Papstes,  Trede  1  p.  303,  4  p.  381)  Seite,  Knabenfigur,  wohl  Harpokrates,  hinter 

die  Rede.   Aber  auch  Ebers'  Erklärung  ist  nicht  den  Hacken,   Coli.  Drovetti,  Monumens  nr.  27, 

stichhaltig.     In    den  bei  weitem   am   meisten  Doc.   ined.   3   p.  291,    Orcurti ,    Catall.   ill.   dei 

Fällen  nämlich,  wo  wir  Fufssohlen  auf  Steinen  monum.  egiz.  1  nr.  67;   Diitsclike,  Ant.  Bildw. 

abgebildet    sehen,    haben    wir    dieselben    als  in  Oberital.  4  p.  66 — 67  nr.  103;  Wieseler,  Gott. 

Zeichen  der  Anwesenheit  von  Pilgern  an  Wall-  10  Nachr.    1877    p.  655;    Heydeinann,    3.    Hall. 

fahrtsorteD,  an  denen  natürlich  Heilungen  nicht  Winckelmanns-  Programm    p.  38,  3,    Gtrhard, 

selten    stattfanden,    zu    fassen    {K.  0.  Müller,  Prodromus  p.  146,  8;  s.  oben  Sp.  510;  3)  Mar- 

Hdb.  d.  A.  d.  K.  p.  766  §  436,  2;   O.Jahn,  Her.  morfufs    mit   Sandale    der   Sammlung   Harris, 

d.  Kgl.  Sachs.  Ges.  d.  II*.  7,  1851  p.  103  Anm.  310,  gefunden  im  Kaisareion  zu  Alexandreia;   über 

Conze,   Heise  auf  der   Insel  Lcsbos  p.  31 — 34,  ihm  erhebt  sich  eine  thronende  Gottheit,  deren 

TS.  13;  Hcthier  u.  Mordtmann,  Zur  Epigraphilc  Kopf  abgebrochen  ist  (Sarapis)  mit  Schlange 

von  Byzantion   !(.  Konstantinopolis ,  Denkschr.  oder  Adler  und  Delphin  zur  Seite,  Prisse,  Pev. 

d.  ph.-'h.  Kl.  d.K.E.Ak.d.  W.  zu  Wim.  Bd.  13,  arch.  2  p.  752,   A.  Maury ,   Eev.  arch.  1850,  7 

1864  p.  73ff.,  Tfl.7.  8),  und  es  ist  nicht  unmög-  p.  600—602  PL  152;  Panofka,  Asklepios  u.  die 

lieh,  dafs  dieser  Gebrauch,  seine  Anwesenheit  20  Asklepiaden  p.  344.     Auf  dem  Altar   C.  I.  L. 

an   einer  heiligen  Stätte  durch  Eingravierung  6,  1,  572    sieht  man   über   der  Inschrilt   DEO 

von   zwei  Fufssohlen    zu   bezeugen,    sich  von  SERAPI  :  M  -VIBIVS  •    OXESMYS    -EXVISV 

Ägypten  aus  verbreitet  hat,   0.  Jahn  a.  a.  0.,  einen     schlangenumwundenen    Fufs    zwischen 

vgl.  Pitrret,  Dict.  d'arch.  e'g.  p.  439  s.  v.  Pieds.  zwei   Sphinxen,    auf  der  einen   Seite   Sarapis, 

Besonders  von  dem  Heiligtum  der  Isis  in  Philä  auf   der    anderen    Isis;     Fabretti ,    Inscr.    pat. 

sind  uns  solche  Inschriften  mit  Fufstapfen  er-  p.  467,   20    fafst   dieses  Denkmal    als    ex-voto 

halten,  C.  I.  Gr.  4946;  Letronne,  Mater,  p.  70  ff. ;  eines  am  Podagra  Leidenden  auf.    Auch  in  der 

Hist.  die  christianisme  en  Egypte,  Mein,  de  l'Ac.  Deutung  des  Sarapishauptes  über  einem  Fufse 

des   Inscr.   et   B.-L,   10  p.  179  — 180;     Oeuvres  auf  alexandiinischen  Kaisermünzen   des  Anto- 

choisies  1  p.  63—65;    Hecueil  des  Inscr.  (fr.  et  so  ninus  Pius,  Zoega  p.  167  nr.  44,  Eckhel,  jD.  N. 

lat.    de  VEg.  p.  198  ff.;    204—205;   A.  Mawry,  V.  4   p.  66,    Mi.   6,   214,   1431;    Marc    Aurel, 

Eev.  arch.    1850,  7  p.  601;    G.  Maspcro ,   Eev.  Zoega  p.  223  nr.  127;  224  nr.  134,  Mi.  6,  307, 

arch.  1882  n.  s.  43  p.  37—39;  Brugsch,  Ztschr.  2114;   Commodus.   Feuardent  p.  162   nr.  2248. 

f.  äg.  Spr.  1888  p.  67.     Auch  die   mit  Abbil-  PL  27,     Cohen,    Cat.    Gre'au  p.  270   nr.   3219; 

düngen  versehenen  Widmungen  von  „to  ßrjua"  Zoega  p.  23S  nr.  27  und  auf  einigen  Gemmen, 

an  Isis   und  Anubis   und   ,,rä  ß^ftara"  au  Isis  Chabonillct  p.  262  nr.  2027;  Gori,  Thcs.  g.  astrif. 

Dikaiosyne  auf  Delos  (B.  C.  H.  6  p.  327  nr.  21,  1  Tab.  18,  2  p.  62—64,    Gori,   Mus.   Flor.  1, 

p.  336  nr.  37)  erklärt  Am.  Hauvttte-Besnault  für  53,  6,   Lippert,  JDaktyliothck   Suppl.  1,  9  p.  6, 

Geschenke  von  Wallfahrern.     So  wendet  denn  David  et  Mitlot,  Le  Mus.  de  Florence  1  p.  2 1 9 f., 

0.  Jahn   diese  Erklärung  auch  auf  die  Weih-  10  PL  87,  1,    Ovcrbcek,  Zeus  p.  517,  i   gehen   die 

inschrift   an  Isis   fruetifera    (die   auch  bei  To-  Ansichten  auseinander.     Zoega  p.  224  Anm.  zu 

masinus,  De   donariis  in  Graevius,   Thes.  ant.  3[arcus  134  u.  p.  404  identifieiert  Sarapis  hier 

Bom.  12  p.  787,    Fubrelti,   Inscr.  pat.  p.  471,  mit  Asklepios  und  meint,  man  könne  aufserdem 

114,  C.  I.  L.  6,  1,  351   verzeichnet  wird)   an.  denken  „de  pede  velut  totius  corpioris  basi,  qua 

Derartige    Abdrücke    von    Füfsen    finden    sich  incolume    totus    hämo    salvus    videri   potuerit', 

übrigens  auch  auf  Steinen,   die  anderen  Gott-  ebenso  Panofka,  Asklepios  u.  die  Asklepiaden 

heiten  geweiht  sind,  so  dem  I.iber  (Arch.  Anz.  p.  344  und  Gori;  David  und  Mitlot  und  Passeri 

1864  p.  199*,    Conze  a,  a.  0.  p.  32  Tfl.  13,  7),  in    Goris    Thes.   g.   astrif.   denken   an   Heilung 

der  Invic(iyta  Celestis  (Muratori,  X.  Thes.  Vet.  eines  Fufsleidens  oder  an  glückliche  Rückkehr 

Inscr.  Lat.   1  p.  17,  9,  Conze  p.  32  Tfl.  13,  4);  50  von  einer  Reise.     Die  Erklärung,  dafs  Sarapis 

der  B(ona)  D(ea)   Quietanaf?)   (C.  I.  L.  6,  1,  hier  als  Heilgott   zu  fassen  sei,   ist  nicht  un- 

825);  dem  Satarnus  Aug.  (C.  I.  L.  8,  9016);  der  möglich;  in  ähnlicher  Weise  kommt  das  Haupt 

Victoria  victr ix  (C.  I.  L.  8, 8446) ;  der  Bttelfona)  des    Asklepios    über    einem   mit    Sandale    be- 

Aug.,  C.  I.  L.  8,  7958.     Aufser  den  Abdrücken  kleideten  und  von  einer  Schlange  umringelten 

von    Fufssohlen    auf    Steinen    mit    Inschriften  Fufs  auf  einer  Münze  des  cilicischen  Aigai  vor, 

giebt    es    auch    selbständig    gearbeitete  Füfse  Mi.  3,  p.  544  nr.  33,  Panofka  p.  343,  vgl.  Tfl.  7,  7 

mit  Darstellungen  der  ägyptischen  Gottheiten.  p.  35S;  anders  fafst  King,  The  Gnostics-  p.  189 

Auch  diesen  legt  0.  Jahn  eine  ähnliche  Be-  die  Bedeutung,  wenn  er  den  Fufs  „as  conoeying 

deutung  wie  jenen  bei,  „so  dafs  der  Dank  für  most   spedkingly   the   notion   of  departure"  za 

die    glückliche    Heilung    und  Wallfahit    wohl  60  einem    Emblem    der    chthonischen    Gottheiten 

mitunter    zusammenfliefsen,    aber   die   letztere  macht  und   in   einem   dem   Sarapis  geweihten 

doch  vorzuwiegen  scheint".    Es  sind  folgende:  in    Stein    geschnittenen    Fufs    sieht    „ex    voto 

1)  Marmorfufs  in  Florenz,  nackt,  auf  oblonger  commemorating    the    donor's    cscape   from    the 

Basis,   darüber   sich   erhebend   das  Haupt  des  very   threthold  of  his   dark  domain"   [vgl.    die 

Sarapis,  Zannoni,  Galleria  di  Firenze,  ser.  4,  Erklärung   der  Fufstapfen   in   der   christlichen 

1  tav.  38,   H.  Meyer  in   Bottigers  Amalthea  1  Kunst    als    „Symbol    des    Übergangs    in    die 

p.  288,  von  beiden  für  ein  ex-voto  wegen  glück-  bessere  Welt",  Munter,  Sinnbilder  1  p.  54,  als 

lieh  vollbrachter  Reise  erklärt,  Dätschke,  Ant.  „Symbol  der  glücklich  beendeten  Lebensweise 


529                    Isis  (Heilgöttin)  Isis  (Heilgöttin)                    530 

und    der   Freude    „„daheim   zu   sein   bei   dem  funden  worden  sind;  sowie  die  von  S.  Beinach, 

Herrn""  (2.  Kor.  5,  8)",  Kraus,  Die  christliche  Iiev.  Arch.  3e  se'r.  9,  1887  p.  366  "Ie]i3i  [hol-] 

Kunst  in  ihren  frühesten  Anfängen  p.  98].  qavm    xai    &iai"g    Nvvipaig    ergänzte   Inschrift 

Ein  interessantes  Basrelief  mit  der  Inschrift  von  Mykonos,  Bull,  de  Corr.  Hell.  1887  p.  275, 

Evvota  Ei'aiSi  sv%rjv  aus  Theben  (Bangabe,  Ant.  die   dort  freilich   Tä]i  dl  Msquvöii  xal  diaig 

hell.  p.  778  nr.  1213,  Ä".  Keil,  Zur  Sylloge  Inscr.  Nvvrpcag    gelesen   wird.      Auch   sei   daran   er- 

Boeot.,  4.  Supplemcntbd.  d.  Jahrb.  f.  Id.  Phil.  innert,  dafs  eine  Statue  der  Isis  bei  den  Heil- 

1864  p.  583  nr.  1)   dürfen  wir  wohl   als  Dank  quellen  von  Tibur  gefunden  sein  soll,  s.  oben 

für   eine   der  Isis  zugeschriebene  Heiluug  auf-  Sp.  410. 

fassen.  Bangabe  beschreibt  dasselbe  so:  „Petit  10  Wohl  als  Weihgesehenk  an  die  Heilgöttin 
bas-relief  du  plus  beau  style,  rcpresentant  un  Isis  ist  auch  zu  fassen  das  nach  der  Vermutung 
jeune  homme  nu,  couche  sur  un  lit.  Une  tete  Conzes,  Sitzungsber.  d.  pliil.  hist.  Kl.  d.  K.  K. 
ä  barbe,  de  plus  grandes  dimensions,  et  iraitee  Ali.  d.  W.  zu  Wien  Bd.  98,  1881  p.  554  aus 
en  me'plat,  est  repr.  de  face  derriere  cette  fgure,  Athen,  richtiger  nach  Boecldi,  C.  I.  Gr.  2300 
et  devant  eile  trois  jeunes  fdles,  se  tenant  par  und  Furtwängler ,  Die  Sammhing  Sabouroff  1 
la  main,  executent  une  danse.  Au-dessus  de  p.  30  von  Delos  stammende  Relief  in  Florenz 
l'homme  couche  il  y  a  un  enfoncement  circulaire  mit  der  Inschrift  "iaiSi  xQ^arr^i  inriKoon  Ei- 
de 0,05m  de  diametre  et  portant  dans  son  Xiv/.og  EomguTov  iv%r[V  ini  itgtiag  dioyik&ovs 
champ  trois  plus  petits  trous."  Bangabe'  fafst  zov  Jio-nliovg  Tvgfisäov  und  Darstellung  des 
das  Haupt  als  das  des  Zens  Ammon,  den  20  sog.  Toteumahls,  Dätschkc,  Ant.  Bildiv.  in 
Jüngling  als  Osiris.  Dies  ist  sicher  irrig.  Man  Obcrital.  2  nr.  193.  Conze  erklärt  dasselbe  im 
wird  die  Darstellung  aufzufassen  haben  als  allgemeinen  wohl  richtig,  wenn  er  sagt:  „Man 
Dank  für  eine  Heilung  durch  die  Nymphen  kann  sich  fragen,  ob  etwa  aus  Lebensgefahr 
auf  Eingebung  der  Isis.  Der  Gelagerte  ist  ver-  gerettete  Kranke  einen  bequemen  Gebrauch 
mutlich  der  Sohn  der  Stifterin.  Die  tanzenden  vom  Typus  des  Totenmahlreliefs  zu  Weihungen 
Gestalten,  bei  denen  man  zunächst  an  Chariten  an  die  rettende  Gottheit  machten,  an  Asklepios 
denken  möchte,  kann  man  immerhin  als  Nyrn-  sowohl  als  an  Isis,  derart,  dafs  bei  der  ge- 
phen  erklären,  da  auch  diese  tanzend  gedacht  lagerten  Figur  des  Reliefs  an  den  Kranken 
werden,  wofür  man  nur  sich  an  das  Horazische  selbst  gedacht  wäre."  Denelcen  oben  1  Sp.2581 
„Gratia  cum  Nymphis  geminisque  sororibus  30  scheint  eher  der  Ansicht  zu  sein,  dafs  es  als 
audet  Ducere  nuda  choros"  zu  erinnern  braucht,  wirkliches  Totenmahl  aufzufassen  und  der  Isis 
vgl.  übrigens  für  die  nahe  Verwandtschaft  als  chthonischer  Göttin  in  ihrem  Heiligtum 
beider  und  für  ihre  Beziehungen  zu  Asklepios  aufgestellt  war;  Furtwängler  fafst  die  Beiworte 
Furtwängler,  Mitt.  d.  D.  A.  Inst,  in  Athen  3  igrfir.g  und  s'w/jxoos  als  „recht  charakteristisch 
p.  190— 191.  198.  200.  202.  Der  Kopf  ist  das  für  das  gnädige  gute  Wesen  der  Unterirdischen", 
auf  Nymphenreliefs  so  häufige  (Panofka,  Über  aber  er  ist  wohl  im  Irrtum,  wenn  er  die  Ge- 
den  bärtigen  oft  hermenähnlich  gestützten  Kopf  stalten  als  Sarapis  und  Isis  selbst  ansieht. 
der  Nymphenreliefs,  Abh.  d.  Ale.  d.  W.  zu  Berlin,  („Wer  der  nicht  genannte  Mann  ist,  kann  keinen 
1846)  von  Michaelis,  Ann.  d.  Inst.  35  p.  333,  Augenblick  zweifelhaft  sein,  es  ist  Sarapis. 
Friederichs,  Berlins  Ant.  Bildw.  1  nr.  392,  40  Wir  sehen  deutlich,  wie  das  Paar  Sarapis  und 
Kekule,  Thescion  p.  80  nr.  192  „als  Andeutung  Isis  sich  an  die  Stelle  des  alten  chthonischen 
der  Quelle",  von  Wieseler,  Über  ein  Votivrelief  Götterpaares  der  Griechen  setzt  und  auch  die 
aus  Megara  (aus  d.  20.  Bande  der  Abh.  d.  für  dieses  geschaffenen  Kunsttypen  usurpiert. 
Kgl.  Ges.  d.  W.  zu  Göttingen,  abgeb.  bei  Furt-  Sarapis  war  die  Hauptperson  in  jenem  Heilig- 
wängler,  Sammlung  Sabouroff  Tfl.  27)  p.  6  —  7,  tum,  er  ward  hier  als  acatiig  und  Isis  als  au>- 
p.  23  Anni.  15  „als  Kultusbild  des  Acheloos,  xnga  verehrt,  beide  also  als  Heilsgottheiten; 
der  als  höchster  Schalter  und  Walter  über  auch  befanden  sich  Orakel  und  Traumwahr- 
das  süfse,  Gedeihen  verleihende  Wasser  in  sager  hier  ganz  wie  in  den  analogen  Heilig- 
den  Nymphengrotten  verehrt  wurde",  erklärte  tümern  griechischer  Unterweltsgottheiten.") 
Haupt.  Die  Heilkraft,  die  man  den  Quellen  50  Bekanntlich  hatten  Lc  Bas,  Exp.  scientif.  de 
beilegte,  ist  bekannt.  Wir  können  annehmen,  Morc'e  2,  Paris  1833  p.  109  ff.,  PL  62,  Welcher, 
dafs  Isis  die  Benutzung  der  diesen  Nymphen  Ant.  Denlcm.  2  p.  232—285,  PI.  13,  23.  24.  25, 
geheiligten  Quelle  angeraten  hat,  oder  umge-  bes.  p.  271  ff.  und  Girard,  L' Asclepieion  d'Athi- 
kehrt,  wenn  dieselbe  etwa  betäubende  und  nes  p.  103 ff.  die  Totenmahle  als  Weihgeschenke 
Hallucinationen  hervorrufende  Dämpfe  ent-  au  Asklepios,  bezügl.  Sarapis  und  Isis  gedeutet; 
wickelte  (vgl.  A.  Maury ,  Bev.  arch.  6,  1849  besonders  die  Darstellungen,  in  denen  der  Tote 
p.  158 ff.),  dafs  der  Kranke  während  des  Schlafes  den  Polos  trägt,  erklärt  Welcher  p.  275  f.  als 
in  der  Nymphengrotte  die  Weisung  empfing,  solche  des  „Pluton- Sarapis";  selbst  Lafaye 
sich  der  Isis  anzuvertrauen.  Für  die  Ver-  p.  289  nr.  90  folgt  noch  dieser  Auffassung,  in- 
bindung  der  Isis  mit  den  Nymphen  vgl.  die  «0  dem  er  die  betreffende  Gestalt  als  „Serapis- 
Inschrift  (C.  I.  Att.  2,  3,  1671,  oben  Sp.  384)  Esculape"  bezeichnet.  Jetzt  ist  man  fast  all- 
'Egfiov  A(pQoSsiz7]g  Ilavog'  Nvuqjäv  "laiäog  vom  gemein  mit  Recht  von  dieser  Ansicht  abge- 
Südabhang  der  Akropolis  in  Athen,  wo  sich  kommen,  vgl.  oben  1  Sp.  2571  ff. ;  doch  sieht 
bekanntlich  ein  grofses  Heiligtum  des  Askle-  unter  Zustimmung  von  Dinehcn  1  Sp.  2581  ff. 
pios  befand  und  ein  Weihrelief  an  die  Nym-  Milchhifer,  Jahrb.  d.  Arch.  Inst.  2,  1887  p.  30 
phen  (f.  Duhn,  Arch.  Zeit.  1877  p.  157  nr.  50)  „in  der  jaolosartigen  Kopfbedeckung  des  ge- 
und  verschiedene  an  die  Chariten  {Furtwängler,  lagerten  Mannes  einen  Hinweis  auf  den  von 
Mitt,  d.  D.  A.  Inst,  in  Athen  3  p.  lSlff.)  ge-  vielen   Genossenschaften    gepflegten  Kult    des 


531     Isis  (u.  Sarapis  =  Asklepios  u.  Hygieia)  Isis  (u.  Sarapis  =  Asklepios  u.  H3Tgieia)     532 

Sarapis",  und  Sp.  2588   nennt  Denehen  diesen  Mond  und  5  Sterne;    im  Felde  vor  dein  Son- 

Koptputz  geradezu  den  „Polos  des  Sarapis",  nengespann  der  Kopf  des  Jupiter  Serapis,  und 
warnt  aber  mit  Recht,   „derartige  Reliefs  auf      unten  Isis   in  ganzer  Gestalt  mit  Sistrum  und 

die  Götter,  deren  Habitus  der  Gelagerte  zeigt,  Situla,    Hygiea    (nach    Winekelmann,    Descr. 

zu  beziehen".  2.  Cl:    14.  Sect.    nr.  1191    p.  200  Horos)    und 

Dafs  übrigens  Isis  und  Sarapis  ebenso  wie  Äseulap";    indessen   dürfte   dies   keine   andere 

andere     chthonische     Gottheiten     (s.    oben    1  Darstellung  seiu  als  die  des  Sarders  der  Sto- 

Sp.  2508)  nicht  selten  durch  Herrichtung  von  schischen  Sammlung  bei  Gori,  Thes.  gemm.  astrif. 

TQcinf^a  und  vlivr\  geehrt  wurden ,   soll   nicht  I  Tab.  42    (s.    oben  Sp.  435  und  448),    wo   die 

in  Abrede  gestellt  werden;    so   erscheint  Isis  10  Abbildung  Isis,  Demeter  und  Triptolemos  zeigt, 

auf  dem  Lectisternium   auf   der   oben  Sp.  457  An  einem  bleiernen  Arzneibüchsehen  mit  der 

erwähnten  Bleitessera   der   Sammlung  Scholz;  von   Hirschfeld ,    C.  I.  L.  12.    Falsae  nr.  323 

ferner  sind  zu  verzeichnen  „Sarapis,  witli  mo-  für  eine  Fälschung  erklärten,  von  Lebigue  aber 

dius,  at  a  Symposion  tvith  Isis  on  l.,  and  veiled  verteidigten  Inschrift:  Ex  ofßnina  L(ucii)  Oc- 

female  figure  on  r.  Sard,    fragment.    Towriley  tavi(i)  ad  calfiginem)  stellt  das  eine  Basrelief 

Coli.",  A  Cat.  of  enqr.  gems  in  the  Brit.  Mus.  Harpokrates  dar,  das  andere  „um  femme  vue  de 

p.  144  nr.  1214;    „Triclinio  di  Giove  Serapide  face,  viiue  d'une  rohe  quila  couvre  completement. 

con  Giunone  ed  Iside,   Corniola  d'ignoto  pos-  La  Ute  est  peu  distinetc.    Elle  tient  de  la  in.  g. 

sessore",   Cades,  Impr.  gemm.  Cent.  4,  3,   Bull.  un  objet  arrondi,  un  vasc,  et  de  la  m.  dr.  une 

dclV  Inst,  di  corr.  arcli.  1834  p.  123;  die  oben  20  couronne.   A  cöte  d'elle,  ädroite,  se  dresse  un  ser- 

Sp.  511  f.  erwähnte  Bronze  mit  Sarapis,   Har-  pent.    C'est  une  de'essc  Hygiie",  lebigue,  Bull. 

pokrates,  Isis  und  Bast,  Gaylus,  Bec.  d'ant.  4  epigr.  4.  1884  p.  16  — 18,"  Bcv.  Aren.  3e  ser.  12. 

PI.  23, 1  p.  68,  Baponi  PI.  21,  17,  Lafaye  p.  314  lSS8p.  140—144.  In  Strawberry  Hill  verzeichnet 

nr.  168;    der   Lampengriff  mit   Sarapis,    Isis,  Michaelis,  Arch. Zeit.  1875  p.  62  nr.  16  „Gruppe 

Helios  und  Selene,  Lafaye  p.  304  nr.  133,  Lieh,  des  Harpokrates  und  Telesphoros".    Ein  roter 

Dieb,  des  ant.  rom.  et  gr.  Paris  1859  p.  356,  oben  Jaspis   des   Musco  Carpeqna,   Doc.  ined.  p.  s. 

Sp.  43S;  Münze  von  Älexandreia,  Wiczay  1  nr.  alla   storia   dei   Musei   d'Italia  2   p.  211   zeigt 

6814,  Tab.  28.  597  =  Sestini,  Mus.  Hed.  3  Cont.  Sarapis  und  Hygieia.     Zwei  als   Gegenstücke 

p.  46  nr.  3;   Münzen   von   Sinope   mit  Sarapis  zusammengehörige    Elfenbein -Medaillons    der 

auf  der  Kline,  Num.  Zeitschr.  Bd.  21  p.  8 — 9,  so  vatikanischen  Bibliothek  „sind  mit  den  grofs- 
Tafel  1,  8,  Furtwänqltr,   Sammlung   Sabouroff      artig  gehaltenen  Brustbildern  des  Serapis  und 

p.  30;  vgl.  die  Inschriften  Soli  Serapi  cum  sua  Asklepios  geschmückt",  E.Braun,  Die  Ruinen 

cline,    II  Düntzcr,   Bonner   Jahrbb.   1    p.  88,  und  Museen  Borns  p.  837.     Münzen  von  Teos 

C.  I.  Bit.  330  und  S]aQaniSi  r.ai"latSi  tgeine Sfav,  und   Prymnessos   zeigen    im    Obv.    das   Haupt 

Le  Bas  et  Waddington,  Asie  Min.  395,  1.  17.  des  Sarapis,   im  Rs.  den  stehenden  Asklepios, 

Natürlich  traten  Isis  und  ihr  Kreis  auch  zu  Num.  Zeitschr.  21  p.  117  — 118,  p.  176.  Ein 
den  griechischen  Heilgottheiten  in  Be-  roter  Jaspis  mit  den  Figuren  des  Asklepios  und 
ziehung.  In  Lambaesis  befanden  sich  neben  der  Hygieia  trägt  die  Aufschrift  CGPATTI  AKCOI 
einander  der  Asculaptempel  und  das  Heiligtum  IA6C0C  (id  est  IA600C),  Baspc  p.  258  nr.  4107, 
der  Isis  und  des  Sarapis,  Wilmanns._  Comment.  40  Kopp,  Pdlaeogr.  crit.  4  p.  277  ff.  §  804,  805. 
philol.  in  hon.  Mommsini  p.  195.  In  Ageira  um-  Die  von  Pausanias  2,27,7  erwähnten  Gott- 
gaben im  Apollontempel  das  Bild  des  Asklepios  heiten  Hygieia,  Asklepios  und  Apollon  mit 
die  Statuen  des  Sarapis  und  der  Isis,  s.  oben  Beinamen  der  ägyptischen  in  Epidauros  er- 
Sp.  391.  Auf  Delos  wurde  im  Heiligtum  der  klären  einige  geradezu  für  Isis,  Sarapis  und 
ägyptischen  Gottheiten  eine  Weihinschrift  an  Horos,  s.  oben  1  Sp.  2787,  2  Sp.  390.  Isis- 
Hygieia  gefunden,  Bull,  de  Corr.  Hell.  6  p.  339  Hygieia  kommt  inschriftlich  auf  Delos  vor, 
nr.  42.  Ein  ebendaselbst  gefundenes  Bruch-  Bull,  de  Corr.  Hell.  6  p.  339  nr.  42,  s.  oben  1 
stück  zeigt  die  Widmung  KAI  AIKAuTriw,  .S'.  Sp.  2787.  Auf  Münzen  des  Claudius  Gothicus 
Beinach,  Bull,  de  Corr.  Hell.  7  p.  36G  nr.  15,  erscheint  Isis  mit  Sistrum  und  Situla  und  der 
doch  kommt  ebenda  die  Verbindung  von  Hadad,  50  Beischrift  SALVS  AVG,  Pignorius,  Mensa 
Atargatis  und  Asklepios  vor  (Bull,  de  Corr.  Isiaca  p.  10,  Griselini,  Diss.  mitöl.  e  stör,  sopra 
Hell.  6  p.  498),  so  dafs  Reinach  vielleicht  nicht  la  dca  Iside  in  Baccolta  d'opusc.  scientif.  e  fdo- 
mit  Unrecht  in  Asklepios  eine  dem  griechischen  logici  39.  Venezia  1748  p.  340,  Mead,  Diss.  de 
Heilgott  assimilierte  orientalische  Gottheit  nummis  quibusdam  a  Smyrnaeis  in  medicorum 
sieht.  In  Athen  wurde  beim  Asklepieion  am  honorem  percussis  p.  20  Tab.  3  nr.  20,  Baschc 
Südabhang  der  Akropolis  eine  Weihinschrift  4.  1  p.  1635,  Eckhel,  D.  N.  V.  7  p.  473,  Gaylus, 
an  Sarapis  gefunden,  C.  I.  Att.  3,  1,  145,  a,  Bec.  d'ant.  6  p.  247  f.,  PI.  74  nr.  5,  Hobler, 
v.  Sybel,  Eat.  d.  Slculpt.  zu  Athen-p.  300  nr.  4091,  Becords  of  roman  history  2  p.  788  nr.  1921, 
P.  Girard,  L'Asclepieion  ä'Athenes  p.  19  Note  4.  Maria,  Num.  Zeitschr.  16,  1884  p.  457,  Cohen 
In  Apulum  bringt  dem  Sarapis  eine  Weih-  co  6-  p.  155  nr.  255 — 257,  s.  oben  Sp.  406;  vgl. 
inschrift  ein  Priester  des  Äseulap,  C.  I.  L.  Münzen  desselben  Kaisers  mit  Isis  und  Sarapis 
3,  973  und  in  Gratianopolis  dem  Äseulap  eine  (Baschc  1,  2  p.  818,  Suppl.  2  p.  24,  Banduri  1 
Widmung  ein  aedituus  der  Isis  dar,  C.  I.  L.  p.  340,  Cohen  62  p.  136  nr.  59)  oder  mit  Sarapis 
12,  2215.  Gegenüber  dem  Asklepios  erscheint  allein  und  der  Beischrift  CONSERvator  AVGusti, 
Isis  auf  einer  Münze  von  Pagai,  Journ.  of  Hell.  Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  34  Anm.  1.  Ein 
Stitd.  8  p.  50.  Auf  einem  Karneol  in  Berlin  dunkler  Sarder  im  Eataloq  der  Gemmen- 
soll  nach  Töllcen  3,  1,  31  p.  90  zu  sehen  sein:  Sammlung  des  Tobias  Biehlcr.  Wien  1871  p.  30 
,, Helios    auf   dem    Sonnenwagen      umher    der  nr.  178  zeigt  „Hygieia  mit  dem  Sistrum".  Auch 


533          Isis  (u.  ihre  heil.  Sehlange)  Isis  (u.  ihre  heil.  Schlange)          534 

auf  einer  Münze  von  Chersonesos  soll  im  Obv.  sichert  wird,  sie  schone  die  Guten,  beifse  aber 

Hygieia  mit  dem  Sistrmn,  im  Rs.  Asklepios  zu  die  Taugenichtse  tot,    so  ist  das  reine  Wind- 

sehen  sein  (Vers,  altgriecli.  und  röm.  Münzen  beutelei.  Manche  setzen  auch  hinzu,  Isis  schicke 

aus  dem  Nachlasse  des  Dr.  plril.  Paul  Becker  sie    zu    den    schlimmsten    Verbrechern.     Die 

p.  13  nr.  204),  doch  scheint  mir  die  Richtigkeit  Ägyptier  sagen,  diese  Art  von  Aspis  sei  allein 

der  Beischreibung   nicht  hinlänglich  gesichert  unsterblich,    zählen  übrigens   16  verschiedene 

zu    sein.      Unbegründet    ist    die    Behauptung  Aspisarten  auf.     In  jedem  Winkel  der  Tempel 

Brizios,  Giom.  degli  scavi  di  Pompei  N.  S.  1  sollen  sie  eine  Wohnung  für  eine  Thermuthis 

nr.  8,  1869   p.  196,    die  Griechen  hätten,   den  bauen  und  sie  mit  Kälbertalg  füttern",   Lenz, 

Kult   der  Isis   hellenisierend,    sie   mit  Hygieia  10  Zoologie  der  alten  Griechen  und  Römer  p.  471. 

verschmolzen  „poiche  si  trova  spesso  congiunta  Bei  Epiplianius  Panar.  L.  3  c.  12  p.  1094  ed.  Pe- 

con  Serapide  nelV   attitudine  proprio,  ad  Igia  tavius  =  Corpus  haereseologicum  2,  3  p.  510  ed. 

con  Esculapio   (v.  p.  es.   Schlichtegroll .    P.  gr.  Gehler  ist  Thermuthis  eine  besondere  Gottheit: 

de  Stosch  tv.  3),   ed  una  volta  eome  Igiea  CÖl,  alloi  ds  xgv  Ti&Qug,ßm,'Ev.axriv  SQUtjvivopivnv 

serpe  attorcigliato  intomo  albraccio  (3Ius.  Borh.  (.Jegendum ,   uti  videtur  xg   Ti.&gagßcp,  'Ey.dxg 

10,2.  Helbig,   Wandgemälde  nr.  138)."  sgtigvsvofiivg),    txsgoi  irijs  'Evicp&v  (rescriben- 

Nieht  als  Isis-Hygieia  darf  man  erklären  dum  suspicor  tg  'Evscpftv  vel  'Eviqj&vi  \li.  e. 
die  Statue  des  Museo  Pio-Clementino  (Visconti,  Nsqp&vi.]",  oder  wohl  xg  'Hasvicp&vi.T),  alloi  8s 
Mus.  Pie-Clem.  7  PL  5  p.  22 — 26,  Chirac  PL  ig  Qsgfiov&i  xsli'ay.ovxat,  alloi  äs  ry  "loiäi. 
987,  2576)  mit  Diadem,  woran  das  Medusen-  20  Nun  hat  JablonsJci,  Panth.  Aeg.  1  cap.  5  p.  103 
haupt  zwischen  zwei  Schlangen  zu  sehen  ist,  — 121  auf  diese  Stelle  hin  angenommen,  die 
und  um  den  rechten  Arm  gewundener  und  aus  Ägypter  hätten  eine  Isis-Hekate  unter  dem 
einer  Schale  in  der  L.  trinkender  Schlange,  da  Namen  Tithrambo  oder  Thermuthis  verehrt, 
die  in  Betracht  kommenden  Attribute  auf  Er-  Ihm  folgt  Zoega,  Numi  Aeg.  Imp.  p.  214  nr.  9, 
gänzung  beruhen,  s.  Lafaye  p.  256.  Aber  auch  Anm.,  von  dem  eine  von  I.  de  Rouge  p.  64 
die  von  Tollten  und  Lafaye  als  Isis-Hygieia  einfach  als  „Personnage  feminin"  bezeichnete 
bezeichnete  Figur  einer  Berliner  Gemme:  Isis  Gestalt  mit  Schlange  in  der  R.  und  Scepter 
mit  Sistrum  in  der  R.,  Situla  am  linken  Arm,  in  der  L.  auf  einer  Münze  des  M.  Aurel  von 
Schale,  in  der  sich  eine  Schlange  emporrichtet,  Naukratis  als  „Isis  Termuthis  sive  Nemesis  r\ 
in  der  L.  (Tölken  p.  16,  1.  Kl.  2.  Abt.  nr.  35,  30  Siäovaa  &dvaxovu  erklärt  wird.  Auch  Gcorgii 
Haspe  nr.  318,  Winclcelmann ,  Descr.  p.  14,  1  p.  285  steht  noch  unter  dem  Einflufs  von  Ja- 
Nr.  55,  Lafaye  p.  256  f.,  p.  309  nr.  149)  stellt  hlonshis  Ausführungen,  wenn  er  sagt:  „Als 
kaum  Isis-Hygieia  dar,  da  ja  Isis  die  Schlange  Nemesis  fällt  sie  (Isis)  mit  der  Tithrambo  zu- 
hier  nicht  in  der  Art  der  Hygieia  tränkt.  sammen,  und  ihr  auszeichnendes  Attribut  ist 
Noch  weniger  gehört  hierher  die  angebliche  auch  hier  die  Sehlange,  besonders  die  Schlange 
Isis-Hygieia  einer  Gemme  des  Cat.  Hertz  p.  8  Thermuthis,  die  sie  als  Kopfschmuck  trägt  und 
nr.  118,  welche  Isis  mit  Sistrum  und  Situla  gegen  die  Übelthäter  schickt."  Nach  Wiede- 
gegenüber  einem  Alter  mit  zwei  sich  auf-  mann,  Sei:  2.  B.  p.  316  ist  die  Thermuthis  die 
richtenden  Schlangen  zeigt.  Wohl  will  Trede  Uräusschlange.  Brugsch,  D.  G.  p.  1313f.  meint, 
2  p.  53 — 54  die  Schlange  der  Isis  als  Heil-  40  der  ägyptische  Name  der  Thermuthis  habe 
göttin  beigegeben  wissen,  auch  IJasseri  in  ia-rmu-t  gelautet,  und  sie  sei  die  Erntegöttin 
Goris  Thes.  g.  astrif.  3  p.  103 — 104  und  Georgii  Renen-t.  Ebers,  Durch  Gosen  zum  Sinai  p.  83 
in  Paulys  B.-E.  4  p.  283  weisen  sie  ihr  teils  und  p.  525,  Anm.  55  leitet  den  gleichlautenden 
wegen  anderen  Eigenschaften,  teils  wegen  ihrer  Namen  der  Retterin  des  Moses  Thermuthis  ab 
Punktion  als  Heilgöttin  zu.  Aber  das  viel-  von  mer  en  mut  oder  mer  mwt  mit  weiblichem 
deutige  Tier  läfst  sich  sehr  verschieden  er-  Artikel  t-mer  mut  „geliebt  von  der  Göttin  Mut". 
klären.  Der  Schlangen  mit  cerealischen  Attri-  Lefebure,  Sites  e'g.  p.  50  vergleicht  mit  dem 
buten  ist  schon  oben  Sp.  447  gedacht  worden.  Namen  den  Titel  der  Isis  Netermut  „die  göttliche 
Weidner  zu  Juv.  6,  538  p.  160  legt  die  Schlange  Mutter".  Maspero  sieht  Isis  Termuthis,  identifi- 
der  Isis  als  Uuterweltsgottheit  bei,  vgl.  über  50  eiert  mit  der  Göttin  Miritskro,  auf  der  Stele 
den  funerären  Charakter  des  Tieres  in  der  nr.  296  von  Turin,  die  er,  Becueil  de  travaux 
ägyptischen  Mythologie  Lefebure,  Le  mytlie  relatifsälaphilologicetäl'archeologieegyptiennes 
osirien  2e  partie  p.  175 — 177,  Chabas,  Pap.  et  assyriennes  2  p.  112  so  beschreibt:  „Elle  est 
magique  Harris  p.  63,  Lanzone,  Diz.  di  mitol.  carree,  et  repre'sente,  selon  les  Conventions  ordi- 
egiz.  p.  144.  Vor  allem  war  sie  bei  den  Ägyp-  nahes  du  dessin  egyptien,  deux  versants  de 
tern  „l'un  des  animaux  gardienspar  excellence";  montagne  qui  descendent  de  droite  et  de  gauche 
jeder  Nomos  besafs  in  seinem  Tempel  eine  et  embrassent  vers  le  haut  une  sorte  de  pared- 
heilige  Schlange,  welcher  der  Schutz  der  Ort-  lelogramme,  sur  lequel  s'en  levent  en  fort  relief 
lichkeit  anvertraut  war,  Lefebure,  Bites  egyp-  quatre  serpenis  love's  formant  corniche.  Le  cdte 
tiens.    Paris  1890  p.  49 — 52.                                 60  gauche  est  tout  entier  vide.     Sur  le  penchant 

Viel  Verwirrung  hat  der  sonst  so  nüchterne  droit,  ä  mi-stele,   une  deesse  est  debout,  eoiffee 

Jablonski  hinsichtlich  der  Schlange  Thermu-  de  cornes  de  vache  embrassant  le  äisque  solaire, 

this  angerichtet.   Aelian,  de  n.  a.  10,  31  erzählt  etc.     Une  legende  en  cinq   colonnes   verticedes 

von  dieser:  „Die  Aspisart,  welche  die  Ägyptier  grave'e  sous  les  uraeus  nous   apprend  que  c'est 

Thermuthis  nennen,  wirdvon  ihnen  als  heilig ver-  „Isis  Termuthis    (aber  Lanzone,    Diz.   p.  307, 

ehrt  und  wie  ein  Diadem  um  das  Haupt  der  Isis  Tav.  124,  2  übersetzt  „Isis,  die  grofae  göttliche 

gelegt.  Sie  behaupten, dafs  sie  nicht  zum  Schaden  Mutter"),   la   dame  du  ciel,   la  regente  de  tous 

der  Menschheit  geschaffen  sei;  wenn  aber  ver-  les  dieux,  la  dame  des  naissances,  la  multiple 


535          Isis  (u.  ihre  heil.  Schlange)  Isis  (u.  ihre  heil.  Schlange)          536 

des  formes",  etc.  Diese  in  der  thebaniscben  rere;  mit  einem  Uräus:  Büste  der  Io-lsis,  Lafaye 
Totenstadt  verehrte  Göttin  Miritskro,  oder  wie  p.  275  nr.  39,  s.  oben  Sp.  440  („eine  kleine 
andere  den  Namen  lesen,  Merseker,  eine  Form  platte  Scblange  in  der  Mitte  des  Diadems"); 
der  Isis-Hatbor  (Lansone  p.  306,  Pierret,  Biet.  Bronzefigur  der  „Iside  greca"  im  Museo  Bor- 
d'arch.  c'g.  p.  340)  erscheint  teils  in  Menschen-  giano  „con  un  fiore^alto  in  testa",  „ticne  sopra 
gestalt  mit  Schlangenkopf,  teils  als  Schlange  la  testa  quel  scrpente  grosso  e  tutulato,  che  so- 
mit kleinem,  modiusähnlichem  Aufsatz  und  gliono  redersi  sulle  fronti  delle  figure  egizie", 
Diskus  zwischen  zwei  langen  Federn  darüber,  Ginnta  cd  §  55.  Bronzo  nr.  278,  Boc.  ined.  1 
Lansone  p.  306—314,  Tav.  124—129.  p.  413;   Onyx-Cameo  in  Wien  mit  den  Büsten 

Im  Hathortempel  von Dendera  wurden  aufser  10  des  Sarapis  und  der  Isis,   letztere   „couronnee 

zahlreichen  anderen  Schlangen  ein  Uräus  mit  d'e'pis  que  snrmonte  un  serpent",  Lafaye  p.  312 

Kuhkopf    (vgl.   Montfaitcon,  L'ant.  expl.   2,  2  nr.  160;  Topas  des  Musee  Fol  („un  uraeus  se 

PI.  136,  3)  Neb  Ant   die  Herrin   von  Dendera  drcsse  au-dessus  de  son  front"),  s.  oben  Sp.  458, 

und  ein  anderer  Uräus  Arar  verehrt,  in  denen  Lafaye  p.  310  nr.  152;  mit  zwei  :  Bronzebüste 

man  nach  Lefcbure  „representants  de  la  dc'csse  des  Cab.  Burand  p.  409  nr.  1920   {„large  pal- 

(Hathor)    considerce    comme    divinite   des   deux  mette  ornce  die  globc,  entoure  du  croissant  lu- 

parties  de  VLgypte"  zu   sehen  hat,   Lefebure  naire  et  aecompagne  de  deux  uraeus"),  Lafaye 

a.  a.  0.  p.  50.  52.  p.  276  nr.  43;    verschleierte  Büste,    mit  zwei 

Als    geflügelter    Uräus   mit    der   roten  eine    kleine   Scheibe    umgebenden   Schlangen, 
Krone  des  Nordens  wirdButo  (Ouadj,Uat',Utit),  20  Visconti,  Musee  Pie-Clcm.  6  PL  17,  1,  p.  115  f.; 

eine   Lokalform   der  Isis    dargestellt,    Pierret,  La/aye  p.  276  ni.  43;  Marmorstatue  („diademe 

Pantheon  e'g.  p.  32,  Brugsch,  Bei.  p.  327,  Lan-  que  decore  sur   le   devant  le  disque   de  la  lune 

zone    Tav.    58,  4,    Tav.  60,  p.  181.     Vielleicht  surmontee  de  plumes  et  flanquee  de  deux  ser- 

haben    Abbildungen    dieser    Göttin    die    von  pents"),    Chirac   958,   2574,  c,    Lafaye    p.  278 

Herodot  2,  75   erwähnte  Sage   von  den  geflü-  nr.  48;    vgl.   Apul.  Met.   11,  3,  oben  Sp.  437 

gelten    aus    Arabien    kommenden    Schlangen  „cuius  media  quidem  super  frontem  plana  ro- 

veranlafst.     Dafs  bildliche  Darstellungen  nicht  iunditas  —  clextra  laevaque  sulcis  insurgentium 

selten  fabelhafte  Erklärungen  veranlafst  haben,  viperarum    cohibita" ;    Vol.    Flacc.    Arg.   1,  4 

dafür  geben  die  Wappensagen  des  Mittelalters  aspide  cineta  comas,  Georgii  p.  283.  Als  am 
zahlreiche  Beispiele,  und  bekanntlich  hat  Cler-  30  Kopfe    der    Göttin    befindlich    fafst    Visconti, 

niont-Ganncau  mehrfach  sich  zu  zeigen  bemüht,  Musee  Pie-Clcm.  6  p.  116,   Anm.  1    auch    die 

„dafs    die    bildliche   Darstellung,    welche    ein  von  Juvenal  6,  537  erwähnte  silberne  Schlange 

Mythus  gefunden,   auch  ihrerseits   auf  dessen  der  Göttin  (Et  movisse  caput  visa  est  argentea 

Um-   und  Weiterbildung   nun  Einflufs   habe",  serpens)  auf,   während   Weidner  annimmt,   sie 

s.  Premier,   Jahresber.   üb.   cl.    Fortschr.   d.  M.  habe   sich   in   der  R.   der  Isis   befunden,    und 

A.-W.  Suppltbd.  25.  Bd.  p.  52 ff.    Dafs  gerade  Trecle  2  p.  53  sie  sich  von  der  Göttin  getrennt 

in  einer  Buto  genannten  Ortschaft,  die  Wiede-  denkt,  für  welche  Erklärungsart  man  sich  ver- 

mann   (Herodots  2.  B.   p.  31S)    für  Am,    eine  gleichsweise  auf  die  eherne  Schlange  im  Teni- 

Hauptkultusstätte  der  Buto  hält,  Herodot  seine  pel  eiuer  Heilgottheit  auf  Kerkyra  (B.  Schmidt, 
Erkundigungen  über  die  geflügelten  Schlangen  40  Kerfa/räiselic   Studien    p.  31,   p.  89  Anm.  103, 

einzog  und  daselbst  Knochenhaufen  derselben  C.  I.  Gr.  1838  a.  9.  Z.  10,  vielleicht  auch  Z.  8) 

vorfand,  dürfte  vielleicht  etwas  für  diese  Ver-  berufen  könnte. 

mutung  (andere  Erklärungen  s.  bei  Wicdemann  Wenn  bei  der  Sonnenfahrt  in  der  Unterwelt 
p.  319)  ins  Gewicht  fallen.  Ne^eb,  die  Göttin  „die  letzte  Thür,  die  das  Ende  der  12.  Stunde 
von  Eileithyiapolis  und  Südägypten  erscheint  bildet,  zugefallen  ist,  sitzen  Nephthys  und 
zuweilen  als  Uräus  mit  der  weifsen  Krone  des  Isis  in  Gestalt  zweier  Uräusschlangen  an 
Südens,  Lansone  Tav.  349,  4,  p.  1024.  In  der  Thür,  um  den  jungen  Sonnengott  zu 
Sehlangensrestalt  befinden  sich  Buto  und  Ne^eb  schützen",  Wiedemann,  Bie  Beligion  der  alten 
an  der  geflügelten  Sonnenscheibe  Hor-Bahudti  Ägypter  p.  58.  Auf  eiuer  ägyptischen  Toten- 
[Biugscli.  Bei.  p.  273,  vgl.  Pierret,  Le  Pantheon  60  kiste  in  Paris  schützen  in  der  2.  Reihe  Isis 
ig.  p.  30 ff.),  und  nach  Brugsch,  Bei.  p.  328  f.  und  Nephthys  den  Toten  in  ihrer  gewöhnlichen 
bezeichnet  der  Geier  der  Ne^eb  mit  der  Süd-  Gestalt,  in  der  3.  Reihe  dagegen  in  Gestalt 
kröne  am  Haupte  der  ägyptischen  Götter  und  von  zwei  geflügelten  Uriien  mit  der  Sonnen- 
Könige  die  Herrschaft  über  die  Südgegenden,  Scheibe  zwischen  Hörnern  auf  dem  Haupt, 
die  Schlange  der  Buto  die  über  die  nördlichen  E.  Ledrain,  Gas.  circh.  4  p.  191  — 192.  Isis 
Gebiete.  Auch  eine  einfache  Uräusschlange  erkennt  Ledrain,  Gas.  arch.  4  p.  191  ferner  in 
wird  an  die  Sonnenscheibe  gesetzt  und  dient  der  geflügelten  Schlange  mit  Sonnenscheibe 
als  Kopfputz  der  Hauptgottheiten,  welche  zwischen  dem  Halbmond  auf  phönicischen 
die  Sonne  repräsentieren,  und  der  Könige,  Gemmen  von  Sardinien  (Sammlung  Sjiano)  und 
welche  Söhne  der  Sonne  genannt  wurden,  go  Curium,  Cesnola,  Cyprus  PI.  38,  24.  25. 
Lansone  p.  142  f.  Nach  Aelian  6,  38  (vgl.  Wie  Nephthys  in  Schlangengestalt  mit 
Lens  p.  469)  deutet  die  Aspis  des  Diadems  der  menschlichem  Antlitz  vorkommt,  Lansone 
Könige  die  Unüberwindlichkeit  ihrer  Herr-  p.  367,  so  werden  auch  Isis  und  Sarapis  nicht 
schaft  an;  nach  Horapollon  (Hierogl.  1,  1,  selten  als  Schlangen  mit  menschlichem 
vgl.  Wiedemann,  Herodots  2.  Buch  p.  316)  die  Kopf  dargestellt,  s.  oben  Sp.  425  u.  510  und  die 
Herrschaft  über  Leben  und  Tod.  Darstellungen  in  der  Num.  Zeitschr.  Bd.  21  p.  51 — 53  u.  Anm.  6 
der  Isis  mit  einem  oder  zweiUräen  am  Diadem  verzeichneten  Denkmäler,  von  denen  die  von 
oder  unmittelbar  am  Haupte  finden  sich  meh-  A.  Mordtmann,  Bev.  Arch.  N.  S.  37, 1879  p.  260 


537 


Isis  (u.  ihre  heil.  Soblange) 


Isis  (u.  ihre  heil.  Schlange) 


538 


PI.  9,  2   =   Lafaye  p.  285   nr.  77   mitgeteilte 
Bronze  hier  wiedergegeben  wird. 

Auch  ein  paar  silberne  Armbänder  aus  Nau- 
kratis  zeigen  Isis  und  Sarapis  in  Schlangen- 
gestalt mit  menschlichen  Köpfen ,  Third  me- 
moir  of  the  Egypt  exploration  fund.  Naukratis 
part  1  (1884— 1885).  Second.  edit.  London  1888, 
PI.  28  p.  43  nr.  54,  vgl.  Coli.  Drovetti,  Hoc. 
ined.  3  p.  285  nr.  205  „Bracelet  en  or,  finissant 


nr.  52  und  Isis-Fortuna  mit  schlangenumwun- 
denem Füllborn  Lafaye  p.  279  nr.  53.  Zuweilen 
erscheint  die  Schlange  auf  einer  von  der  Göttin 
gehaltenen  Schale;  so  hält  in  einem  pompeja- 
nischeu  Wandgemälde  „eine  an  Isis  erinnernde 
Figur  auf  der  L.  eine  Frucbtschale,  auf  der  R. 
wie  es  scheint  eine  Schale  mit  Schlange", 
Heibig  p.  218  nr.  1094c,  ungenau  von  Lafaye 
p.  327   nr.  219   als  „Isis  —   dans   la  dr.  une 


par  les  figures  d'Osiris  et  Isis";  und  unter  den  10  patere  oü  boit  im  serpent"  beschrieben;  auf 
Bronzen  in  Turin  verzeichnet  Orcurti,  Catal.  einem  anderen  hält  eine  ägyptische  Priesterin 
ill.  dei  monum.  egiz.  del  r.  mus.  di  Torino  p.  157  „auf  der  L.  eine  Schale  mit  Schlange",  Heibig 
nr.  22,  vgl.  Drovetti  p.  213  nr.  72  „Urens  col  p.  218  nr.  1095,  Lafaye  p.  328  nr.  220;  auch 
modio  e  le  due  penne,  e  con  testa  di 
donna.  E  emblema  della  dea  Hathor". 
Aufserdem  sieht  man  die  Schlange 
auf  die  mannigfaltigste  Art  mit  Isis  ver- 
bunden. Sie  hält  die  Schlange  in  oder 
auf  der  Hand;  in  der  L. :  L.  Müller, 
Muse'e  Thorvaldsen  p.  83  nr.  667:  „Isis 
sous  la  forme  la  plus  egyptienne  au  visage 
de  negre,  ayant  l'ornement  place  sur  un 
volle,  et  une  longue  robe  collante.  Elle 
s'avanee,  un  vase  (vSqsiov,  situla)  dans 
la  m.  dr.  abaisse'e  et  im  serpent  dans  la 
g.  etendue.  Calcc'doine" ;  ferner  Mutet) 
Borgiano  3,  1,  14—16,  s.  oben  Sp.  435; 
nr.  13b  (hier  ringelt  sich  die  Schlange 
mit  dem  Schwanz  um  den  Arm  der 
Göttin) ;  in  derR. :  Marmorrelief  in  Braun- 
schweig, s.  oben  Sp.  470;  Coli.  Gre'au, 
Cat.  des  bronzes  ant.  p.  169  nr.  842;  Bronze 
der  Coli,  de  M.  Bammcville  p.  7  nr.  4; 
Bronze  in  Dresden,  Jahrb.  d.  K.  Deutsch. 
Anh.  Inst.  4,  A.  Ans.  p.  105  („auf  der 
R.");  Bronze  bei  Pignorius,  Vetust.  tob. 
aen.  sacris  Aegyptiorum  simul.  coelatae 
explicatio  Tab.  4  =  Cuperus,  Harpo- 
crates  p.  46  (hier  ist  die  Schlange  zu- 
gleich um  den  r.  Arm  der  Göttin  ge- 
schlungen); Empfang  der  Io  durch  Isis, 
Heibig  p.  40  nr.  138  =  R.  Mus.  Borb. 
3,  1839,  Tav.  19  p.  255  —  259,  Gerhard, 
Ges.  Ale.  Abh.  2  p.  35  Anm.  3;  dagegen 
ist  die  von  Roux  u.  Barre,  Hercul.  u. 
Pomp.  2.  Bd.  2.  Ser.  der  Mal.  p.  170 
Tfl.  137  für  Isis  erklärte  Figur  mit 
Schlange  in  der  R.  nicht  auf  diese 
Göttin  zu  deuten,  sie  wird  von  Piroli  et 
Piranesi,  Ant.  d'Herc.  1  PI.  44  als  Isis- 
priester, von  Heibig  p.  217  nr.  1094  als 
bärtige  männliche  Figur  bezeichnet;  vgl. 
die  Priester  der  Göttin  mit  der  Schlange  in 
der  Hand,  Heibig  p. 219  m:  1099;  ferner  Gemmen: 
Raspe p.29  nr.320;  Winclcelmann  1,2,  51  p.l4  = 
Tölken  1,  2,  81  („Bubastis");  Münzen  des  Nomos 
Memphites  und  Bleimünzen  des  Sarapeions 
von  Memphis  s.  oben  Sp.  420—421 ;  Tesseren 
des  Museo  num.  Lavy  1  p.  406  nr.  4561;  p.  407 
nr.  4579 


Isis  und  Sarapis  als  menschenkopfige  Schlangen,  Bronze  (nach 
Rec.  arch.  N.  S.  37,  PI.  9,  2;  vgl.  ob.  Sp.  536,  62  ff.). 

das  Symbol  des  Monats  November,  der  Isis- 
priester, in  einem  Mskr.  des  Calend.  Philoccd. 
hält  in  der  R.  eine  Schüssel,  worauf  sieh  eine 
Schlange  emporrichtet,  Lafaye  p.  267  nr.  13. 
Auch  den  Körper  von  einer  Schlange  umwunden 


kommt  Isis  vor:  Statue  bei  Montfaucon,  L'ant. 
Oder  die  Schlange  ist  um  den  Arm  60  expl.   Suppl.  2  PL  43  p.  154   aus    Maffei;    die 


gewunden;  um  den  1.  bei  der  Isiaca  des  Reliefs 
in  den  Admiranda  Rom.  Antiq.  PL  16,  Mont- 
faucon 2,  2,  116,  1  p.  286,  Amadutius,  Monum. 
Matthaejana  3  pl.  26,  2  p.  49;  Phil.  Aur.  Vis- 
conti et  Jos.  Guattani,  Monum.  du  muse'e  Chia- 
ramonti  PI.  2  p.  23—36,  Lafaye  p.  300  nr.  118; 
bei  Isis-Fortuna  Cup>erus  p.  38 ;  vgl.  Isis-For- 
tuna   mit     Schlangenarmband    Lafaye    p.  278 


Erzstatue  bei  Gori,  Thes.  g.  astrif.  3  p.  97- 
111  stellt  aber  eher  Osiris  als  Isis  dar;  auch 
die  Gemmen  bei  Raspe  p.  27  nr.  291  —  295 
lassen  sich  nicht  mit  Sicherheit  als  Isisdar- 
stellungen erklären,  wie  denn  der  Typus  von 
nr.  295  von  King,  The  Gnostics1  PL  F,  3 
p.  440  als  „Mummy,  enveloped  in  the  folds  oftlie 
guardian  Agathodaemon"  bezeichnet  wird.  Von 


543          Isis  (zauberkräftige  Göttin)  Isis  (strafend,  =  Nemesis)           544 

„Büste  d'Isis  en  applique  provenant  de  la  de-  Blindheit,  auch  Schwellen  des  Körpers  (Georgii 
coration  d'une  patere"  bei  de  Longpe'rier,  No-  in  Paulys  B.-E.  4  p.  285,  Tgl.  ähnliche  Be- 
tice  des  bronzes  ant.  du  muse'e  du  Louvre  p.  115  strafungen  der  Frevler  durch  Anaitis  Fried- 
nr.  516;  ebenda  „Patere  orne'e  de  filets  circu-  länder,  Sittengesch.  3  p.  448;  S.  Beinach,  Bev. 
laircs  en  relief  et  de'coree  des  bustes  de  Serapis  arch.  3e  ser.  6,  1885  p.  107,  vgl.  p.  109).  Den 
et  d'Isis  en  applique  de  haut  relief"  und  „Autre.  Übermütigen  droht  sie  mit  dem  Blitzstrahl, 
Les  bustes  d'un  style  fort  grossier  ont  ete  fixe's  Hymn.  v.  Andres  vs.  167  f.:  imigfidloig  äi 
sur  le  cöte  plan  ou  exterieur  de  la  patere",  y.£qolvvö>  \  [uotoaittoica  ß]oi.aig  arißagäv  &vu- 
p.  114  nr.  510  und  511,  nach  handschriftlicher  toio[iv]  cxnsiXciv  .  .  .  .;  ihr  Bild  in  Rhodos  über- 
Notiz des  Prof.  Friederichs  Spiegeldecke  (510)  10  schüttet  die  Schiffe  des  Mithradates  mit  Feuer, 
nebst  Spiegelfläche  (511);  ferner  „Petite  patere  App.  b.  Mithr.  12  c.  27,  Georgii  p.  285._  In 
ä  Ubations.  Dans  Vinte'rieur,  les  bustes  juxta-  dieser  Eigenschaft  als  Bestraferin  des  Über- 
pose's  de  Sarapis  et  d'Isis  en  relief"  in  Coli.  ruuts  berührt  sie  sich  mit  Nemesis.  Bei 
J.  Gre'au.  Cat.  des  bronzes  ant.  p.  6  nr.  171;  Apul.  Met.  11,  5  giebt  sie  als  einen  ihrer 
ferner  eine  Schale  im  Leidener  Museum  mit  Namen  Rhamnusia  an.  Auf  Delos  wird  in  drei 
dem  Brustbild  des  Harpokrates  am  Boden  bei  Inschriften  eine  'ifftg  NspsBLg  erwähnt,  Bull. 
leemans,  Monum.  egypt.  du  muse'e  d'ant.  ä  de  Corr.  Hell.  6  p.  336 — 338  nr.  38 — 40;  vgl. 
I.eyde  PI.  70  nr.  490,  Dilthey,  Bonner  Jahrbb.  Bull,  de  Corr.  Hell.  8  p.  104;  nach  nr.  39  weiht 
1873  Heft  53/54  p.  4;  Isis,  „manche  de  patere"  Sosion,  der  Sohn  des  Eumenes,  der  Isis  Nemesis 
aus  Cypern  in  Coli.  J.  Greuu.  Cat.  des  bronzes  20  einen  Naos  und  ein  Agalma,  von  welchem 
ant.  p.  169  nr.  840;  Schreibgrifiel :  „unc  figurine  Hauvette-  Bisnault  ein  Bruchstück  erhalten 
de  Se'rapis  et  d'Isis  addosse's  forment  l'extremitc  glaubt.  In  Rom  führt  Isis  nach  ihrem  Tempel 
de  cet  ustensile",  Chabouillet,  Descr.  des  ant.  et  auf  dem  Marsfeld  den  Beinamen  Campensis, 
objets  d'art  composant  lecab.de  31.  Louis  Fould.  Apul.  Met.  11,  26.  Hildebrand  will  in  der  An- 
Paris 1861.  2°  p.  67  nr.  1303;  Haarnadel  mit  merkung  zu  dieser  Stelle  1  p.  1082  Isis  auch 
Isis  als  Verzierung,  Caylus,  Bec.  d'ant.  4  PI.  80,5  in  der  Nemesis  saneta  campestris  bei  Gruter 
p.  264,  s.  oben  1  Sp.  1551;  „e'pingle  romaine  en  p.  80,  2  =  C.  I.  L.  6,  1,  533  erkennen,  was 
urgent.  La  tirje  est  surmontee  d'un  chapiteau  0.  Gilbert,  Gesch.  u.  l'opogr.  d.  Stadt  Born  im 
qui  porte  une  figurine  ä" Harpocratt" ,  Cat.  des  Altertum  3  Abt.  p.  111,  Anm.  2  zu  p.  110  da- 
bijoux  du  musee  Napoleon  III.  Paris  1862  30  hingestellt  sein  läfst.  Von  Bildwerken  ist  zu 
p.  18  nr.  43;  „tete  d'epingle  en  urgent  repre'sen-  verzeichnen  ein  Relief  von  Thasos,  das  Isis 
tant  une  figurine  d ' Harpocrate" ',  ebenda  nr.  50;  mit  den  Attributen  der  Nemesis  (Flügel,  Wage 
Ohrringe  mit  Harpokratesfigürchen:  Cat.  Pour-  in  der  R.,  in  der  L.  einem  undeutlichen  Gegen- 
tales-Gorgier.  Paris  1865  p.  192  nr.  1322;  Chi-  stand,  zu  ihren  Füfsen  ein  Greif)  nebst  zwei 
bouillet,  Cab.  de  M.  Louis  Fould  p.  56  nr.  1155;  anderen  Nemesisfiguren  darstellt,  J.  Thcod.Bcnt, 
Fr.  Lenormant,  Coli.  A.  Baife  p.  101  nr.  743;  Athenaeum  1S87  nr.  3113  p.  839,  Posnatisky, 
Gewichte  mit  Isisbüsten:  Coli.  J.  Gre'au.  Cat.  Nemesis  u.  Adrasteia,  Breslauer  Pliilol.  Abk. 
des  bronzes  ant.  p.  63  nr.  314.  315,  u.  a.  m.  5,  2  p.  123.  Auf  einem  Karneol  erscheint  eine 
Auch  das  Sistrum  fand  als  Apotropaion  Ver-  Göttin  mit  den  Attributen  der  Isis,  Nemesis 
wendung,  Lcfe'bure  p.  68,  Bruzza,  Ann.  delV  40  und  Hygieia:  Kopfputz  der  ersteren,  in  der  R. 
Inst,  di  Corr.  arch.  1875  p.  58  zu  Martial  Schlange,  welche  aus  einer  Schale  in  der  L. 
14,  54;  es  kommt  vor  an  den  sog.  Votivhänden  trinkt,  Rad  zu  Füfsen,  Zeitschr.  f.  Num.  14 
z.  B.  an  der  des  Museum  Meadiueum  p. 216.  Und  p.  127  —  128,  vgl.  p.  125  ff.,  Posnansky  p.  167, 
wenn  nicht  selten  zur  Abwehr  des  Zaubers  die  vgl.  p.  166,  170.  Ein  gewöhnliches  Attribut 
Kräfte  der  verschiedenen  Gottheiten  auf  eine  der  Nemesis  ist  der  Greif,  Pusncuislcy  p.  101. 
einzige  Göttergestalt,  ein  sog.  Signum  pan-  109.  124.  125.  127.  163,  Furtieängler  oben  1 
iheum,  konzentriert  wurden,  s.  O.  Jahn  a.a.O.  Sp.  1771  f.  Auch  zu  Isis  scheint  derselbe  in 
p.  50  f.,  so  diente  demselben  Zwecke  jedenfalls  Beziehung  gebracht  worden  zu  sein.  Visconti, 
auch  die  Vereinigung  der  verschiedenen  Attri-  Op.  var.  3  p.  415  nr.  102  beschreibt  aus  der 
bute  der  Gottheiten  zu  einem  Bildwerke.  In  50  Sammlung  de  la  Turbie  und  King,  Arch.  Jour- 
einigen  dieser  Zusammenstellungen  ist  auch  nul  24  p.  306  aus  der  Sammlung  Blacas  wohl 
das  Sistrum  vertreten,  so  in  einer  Bronze  in  denselben  geschnittenen  Stein  (grünen  Jaspis 
Wien,  ii.  Sachen,  Die  ant.  Bronzen  des  K.K.  nach  Visconti),  der  auf  der  einen  Seite  zeigt 
Münz-  w.  Antilcen-Kab.  in  Wien  p.  92,  Tfl.  46;  Isis  stehend  mit  ägyptischem  Scepter  in  der 
v.  Sacken  und  Kenner,  Die  Sammlungen  des  einen,  Schlange  in  der  andern  Hand,  Krokodil 
K.  K.  Münz  und  Ant.-Kab.  Wien  1866  p.  312  zu  Füfsen  nebst  verschiedenen  Zeichen  und 
nr.  1367:  „Symplegma,  zusammengesetzt  aus  Monogrammen  im  Felde;  auf  der  anderen  Seite 
Keule,  Steuerruder,  Harpa,  Syrinx,  Köcher,  erscheint  nach  Visconti  „le  griffon  sur  la  roue 
Äsculap-Stab,  Schlange,  Stern,  Hammer,  zwei  de  Nemesis  avec  une  balance  au  bec;  dans  le 
Cymbeln,  Palmzweig,  Patera,  Bipennis,  Thyrsus,  co  cliamp  un  ibis,  un  musque  et  les  signes  du  soleil 
Lagobolon,  Fackel,  Blitz,  Geifsel,  Spiegel,  Si-  et  de  la  lune;  sous  ses  2>>eds  un  grand  fiam- 
strum,  Lanze,  Lunula;  die  Spitze  bildet  eine  beau",  nach  King  „a  gryphon  resting  his  paw 
Lyra",  und  in  einer  Bronze  der  Sammlung  on  a  icheel,  the  usual  symbol  of  the  sun-god, 
Fejervary,  Bull.  delV  Inst,  di  Corr.  arch.  1851  the  talisman  ihus  uniting  the  ideas  of  the  Isiac 
p.  126 — 127,  Arch.  Am.  1851  p.  74.  and  the  Mithraic  creeds.  Its  composition  dis- 
Zeigt  sich  Isis  meist  als  eine  gütige  hilf-  plays  an  uncommon  richness  of  symbolism,  the 
reiche  Göttin,  so  verfehlt  sie  doch  nicht  den  gryphon's  tail  terminntes  in  a  Serapis-head, 
Frevler   zu   strafen;    besonders   verhängt   sie  his  whecl  squeezes  out   of  the   chrysalis  a  tiny 


545            Isis  (Nemesis  u.  Fortuna)  Isis  (Panthea)                      546 

human  soul  tuith  ontstretched  hands,  in  front  Die  Billonstatuette  der  Sammlung  Charvet  (s. 
stand  Thots  ibis  holding  Libra,  the  horoscope  oben  1  Sp.  1551)  scheint  identisch  zu  sein  mit 
of  the  native  oivning  the  gem."  Bleitesseren  der  von  Dubais,  Descr.  des  ant.  de  Pourtales- 
des  Museo  nurn.  Lavy  1  p.  407  nr.  4577.  4578  Gorgier  1841  p.  114  nr.  612  und  Cat.  des  objits 
haben  im  Obv.  das  Haupt  der  Isis,  im  Rs.  d'art  de  Pourtales-Gorgier  1865  p.  171  nr.  1831 
„Grifone  alato  aecosciato  a  d."  In  Coli,  de  verzeichneten.  Auf  einem  rotgelben  Karneol 
M.  Montigny ,  Pierres  gr.  Paris  1887  p.  29  in  Göttingen  erscheint  nach  Hubo,  Original- 
er. 867  wird  verzeichnet  ein  Bergkrystall  mit  werke  in  d.  arch.  Abt.  des  arch.-num.  Inst,  der 
„Canope  d'Isis,  place  sur  un  grrffon  femelle" ;  Georg- Augusts-Univ.  p.  157  f.  nr.  979  „Fortuna 
dieselbe  Darstellung  erscheint  auf  einer  Gemme  10  auf  ihrem  Steuernder  sitzend,  n.  1.  v.  B.  ge- 
bei  Augustinus  1,  205  und  Rossi  e  Maffei  2,  gewendet,  ganz  bekleidet,  modiusartiger  Auf- 
15  =  Montfaucon  2,  2  PI.  134,  4,  sowie  bei  satz  (an  die  Tracht  der  Isis  erinnernd).  Im 
David,  et  Mulot ,  Le  Museum  de  Florence.  1.  Arm  Füllhorn.  Mit  der  r.  Hand  an  den  Griff 
Pierres  gr.  1,  94,  4,  Gori,  Gemm.  Mus.  Flor.  des  Puuders  fassend";  auf  einem  Sarder  des 
1,  58,  9,  Haspe  nr.  148,  PI.  5,  Stephani,  C.  r.  Brit.  Mus.  aus  Sammlung  Castellani  „Fortune 
p.  l'a.  1864  p.  118  Note  7.  Ein  Sistrum  zwi-  Standing  to  front,  with  cornucopia  in  l.  hand, 
sehen  zwei  Greifen  ist  abgebildet  bei  L.  v.  rudder  in  r.,  and  ivearing  feather  of  Isis",  Cat. 
Kieme,  Die  schönsten  Überbleibsel  griechischer  of  engr.  gems  of  the  Brit.  Mus.  p.  218  nr.  2207. 
Ornamente  der  Glyptilc,  Plastik  und  Malerei.  Über  eine  Münze  von  Pautalia  s.  Drexler,  MyiJi. 
Heft  1.  2.  München  1823.  2°.  Tfl.  3,  3.  Dafs  20  Beitr.  1  p.  120.  Die  Widmung  der  Statue  der 
die  stola  Olympiaea,  welche  Lucius  bei  seiner  Isityche  (s.  d.)  an  die  Fortuna  Primigenia  von 
Einweihung  in  die  Isismysterien  trug,  Apul.  Praeneste  (oben  1  Sp.  1533)  s.  jetzt  CLL.  14, 
Met.  11  c.  24  indische  Drachen  und  hyperbo-  2867.  Neben  einander  finden  sich  Isis  und 
räische  Greife  zeigte,  läfst  sieh  hier  nicht  ver-  Fortuna  an  einem  im  Guide  to  the  first  and 
weiten,  da  Lucius  auf  diese  Weise  „ad  instar  second  egyptian  rooms  [ofthe  Brit.  Mus.]  London 
Solis"  geschmückt  wird.  Auch  der  Parhe-  1874  p.  111  nr.  2393b  verzeichneten  Bronzewerk: 
dros  der  Isis  Sarapis,  dem  auf  Gemmen  zu-  „Bronze;  emblema;  Isis  Fortuna,  in  distyle 
weilen  der  Greif,  indessen  wohl  als  solarisches  shrine."  Für  die  Zusammenstellung  der  For- 
Attnbut,  beigegeben  wird  (Sammlung  Leven  tuna  mit  Sarapis  habe  ich  einige  Beispiele 
in  Köln,  Bonner  Jahrbb.  H.  14  p.  23 — 24  nr.  51;  30  angeführt  in  Zeitschr.  f.  Num.  14  p.  108—109 
v.  Sacken  u.  Kenner  p.  434  nr.  291)  scheint  in  und  Myth.  Beitr.  1  a.  a.  0.  Auch  auf  einer 
Btziehungen  zu  Nemesis  getreten  zu  sein,  siehe  Münze  von  Mitylene  kommen  beide  neben  ein- 
C.  I.  Gr.  3163,  Posnansky  p.  66 — 67,  wo  der  ander  vor,  Mi.  S.  6,  63,  77,  Du  Mersan,  Cab. 
Philosoph  Papinius  in  Smyrna  tyv.uzo%i\aag  Allier  de  Hauteroche  PL  14,  4. 
toi  KVQiro  ZciQuniäi  tzuqu  zalg  Nifisaseiv  das  Wie  Fortuna  schliefslich  zur  Panthea 
an  den  Tempel  der  beiden  Nemesis  anstofsende  wurde,  so  auch  Isis.  Die  Fortuna  Panthea 
Gebäude  ihnen  weiht,  und  C.  I.  L.  14  p.  18,  darstellenden  Bildwerke  sind  oben  1  Sp.  1534 
wo  ein  Neokoros  des  grofsen  Sarapis  zrjv  — 1536,  1556 — 1558  verzeichnet,  s.  auch  Bulic, 
'ASqaarCav  avv  zä>  mql  avrrjv  hÖguoi  widmet.  Le  gemme  del  museo  di  Spalato,  Bull,  di  arch. 
Über  die  Bedeutung  der  Fünfzahl  als  Nemesis  40  e  storia  dalmata  9,  1886  p.  150  nr.  187.  190; 
und  Bast,  welche  mit  Isis  wesensgleich  ist,  Steinbüchel,  Gesehn.  Edelsteine  p.  68,  Luigi 
siehe  Nicomachus  von  Gerasa  bei  Pliotius,  Milani,  Dattilioteca  Lunese  nr.  15  u.  17,  Museo 
Bibl.  p.  141  B,  Posnansky  p.  57 — 58;  von  der  italiano  di  ant.  classica  1,  1885  p.  133.  Einige 
Dea  Syria,  die  mit  Isis  so  manches  gemeinsam  darunter  haben  auch  Attribute  der  Isis,  so  die 
hat,  heilst  es  bei  Pseudo-Lucian,  De  Dea  Syria  Gemme  bei  Raspe  nr.  8158  (1  Sp.  1557)  = 
32,  wo  dieselbe  für  Hera  erklärt  wird:  l'^st  äs  n  Cat.  of  engr.  gems  in  the  Brit.  Mus.  p.  142 
Kai  'A9rjVccLrlg  Kai  'AcpQoShrig  kcu  SsXnvatrig  Kai  nr.  1190,  sowie  ein  „Vetro  antico  del  dott. Braun" 
'Psrjs  Kal'AQtifiid'og  ytal  Nijisoiog  Kai  Moiqiav.  bei   Cades,   Impr.   gemm.    Cent.  5  nr.  95  p.  11 

Mit  Nemesis  fiel  vielfach  Fortuna  zusam-  „Vittoria  pantea  slante  sopra  timone,    tenente 
inen,  Posnansky  p.  35,  38  Anm.  1,  53 — 59,  166,  50  cornucopia    e    scettro   con   Stella   e  fior   di  loto 

171  —  172.   Ebenso  wurde  Isis  mit  Fortuna  ver-  sul  capo  ed  attorniata  da  lira  e  caduceo,  clava 

schmolzen,  s.  oben  1  Sp.  1530 — 1533  und  1549  d' Ercole  e  tridente."    Das  Sistrum  in  der  Hand 

— 1555,    sowie   Drexler ,   Myth.   Beitr.  1  p.   10  der    pantheistischen    Figur    auf   Münzen    des 

Anm.  1.    Nur  weniges  habe  ich  hinzuzufügen.  Valerianus  sen.   und   Gallienus  von  Tarsos  (1 

Eine  Bronzestatuette  der  Isis  Fortuna  (mit  Füll-  Sp.  1557  f.)  habe  ich  mit  Unrecht  angezweifelt, 

hörn  in  der  L.,  gesenkter  R.,  die  ehemals  jeden-  s.  Num.  Zeitschr.  21  p.  217  f.  Tfl.  2,  22. 

falls   das   Steuer  hielt,    Chiton  und   Himation  Über  Isis  als  allumfassende  Göttin  mit 

mit  Isisknoten,  ohne  Kopfputz  auf  dem  in  fünf  Beinamen  wie  nolvoivvfiog,  iivpiümviiog,  ixvqio- 

Flechten    herabfallenden    Haar),    gefunden   in  uogcpog    habe    ich    gehandelt    Myth.    Beitr.    1 
Castelfranco  delT  Emilia,  wird  besprochen  von  00  p.  125 — 127.      Bei  Apuhjus   Mct._  11,  22   wird 

Ed.  Brizio,  Not.  degli  seavi  di  ant.  1883  p.  418;  sie  dea  multinominis  genannt;  „Isis,  welche  sie 

eine    andere    mit   Steuer   und   Doppelfüllhorn,  die   Natur   der   Zeit,   aus  der  alles  entstanden 

auf  dem  Haupt  ein  Diadem  und  darüber  Halb-  ist    und    durch   die    alles    existierte,    nennen" 

mond  und  Isiskopfputz,  ist  abgebildet  in  Anti-  heilst   es   von  ihr  bei  Athenagoras  22,  Sämtl. 

eruitatis  reliquiae  a  marchione  lacobo  Muscllio  Werke  der  Kirchenväter  2  p.  232.     Als  rerum 

collectae.    Verona  1756,  2°.  Tab.  17  p.  16;  vgl.  naturae  parens,  elementorum   omnium  domina, 

auch  die   Figur  „ex  Museo  Magni  Ducis  He-  (vgl.  die  von  Kopp,  Palaeogr.  crit.  3  p.  617  ff. 

truriae"   bei   Kircher,    Oedipus   Aeg.  3  p.  527.  §  525  angeführte,  freilich  hinsichtlich  der  Echt- 

Roscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rom.  Mythol.  H,  18 


547                     Isis  (Litteratur)  Isis  II  (Göttin  der  Germanen)        548 

heit   und    Benennung    unsichere  Darstellung),  tum  2   p.  391  —  403;    Ebers,  Ägypten  und  die 

seculorum  progenies  initialis,  summa  numinum,  Bücher  Moses  p.  342 — 349;   Franz,  C.  I.  Gr. 

regina  Manium,  prima  coelitum,  deorum  dea-  3  p.  305  sqq.;   Lumbrosp,  Becherehes  sur  Veco- 

rumque  facies  uniformis,   quae  codi  luminosa  nomie   pölitique   de   VEgypte  sous  les  Lagides 

culmina,  maris  salubria  flamina,  inferum  de-  p.  265  —  274;   Fried.  Sam.  de  Schmidt,  Disser- 

plorata   silentia  nutibus   meis  dispenso:    ciiius  tatio  de  sacerdoiibus  et  sacrificiis  Aegyptioram. 

numen  unicum,  multiformi  specie,  ritu  vario,  Tubingae  1768;  Zoega,  De  origine  et  usu  obe- 

nomine    multiiugo    totus    veneratur    orbis    be-  Kseorum   p.   506  —  515;    Georgii  p.   295  —  297; 

zeichnet  sie  sich  bei  Apul. 11, §\  und  begeistert  Eeichel  p.  51 — 59,  Lafaye.  p.  131  — 155;  Bcville, 

betet   das   omnipotentis  deae  numen  augustum  10  Die  Beligion  zu  Born  unter  den  Severern  p.  54; 

(11,  16),  die  summas  dea  (11,  22)  Lucius  an  11,  Eauvette-Besnault,  Bull,  de  Corr.  Hell.  6  p.  473 

25:  Te  superi  colunt,  observant  inferi,  tu  rotas  — -479;     Patdus   Nenz,    Guaestiones   Deliacae. 

orbem,    luminas  solem,    regis  mundum,  calcas  Halis   Sax.    1885   p.   36  —  38;    Lanciani,   Bull. 

Tartarum.      Tibi    respondent    sidera,    redeunt  dell'  Eist,  di  Corr.  arch.  1868  p.  237;    Camille 

tempora,   gaudent  numina,    serviunt  elementa;  Jullian,  Un  prophete  marseillais ,  Bull,  cpigr. 

tuo    nutu    Spirant    flamina,    nutriunt    nubila,  de  la  Gaule  6,  1886  (p.  117 — 127)  p.  122 — 124; 

germinant  semina,   crescunt  germina.     Wegen  speziell  über  die  Pastophoren  A.  Miliin,  Aegyp- 

dieser    allumfassenden    Eigenschaften    ist    ihr  tiaques  ou  recueil  de  quelques  monumcnts  aegyp- 

Kleid   vielfarbig,    multicolor,   bysso   tenui  per-  tiens   ine'dits.   A  Paris  1816,   4°  p.  7 — 14;   De- 

texta,   nunc   albo   candore  lucida  nunc  croceo  20  ve'ria,  L'hic'roglyphique  1,  41  d'ELorapollon,  et 

flore  lutea,  nunc  roseo  rubore  flammida,  Apul.  le  titre  de  pastophore  dans  les  textes  e'gyptiens, 

Met.  11,  3,   wie   auch  Elutarch  de  Is.  et   Os.  Mel.   d'arcli.   ig.  et  ass.  nr.  2,  1873  p.  61 — 63 

c.  78  bemerkt:  „Die  Anzüge  der  Isis  sind  bunt-  und  Pierret,  Les  pastophores  ebenda  p.  64—66. 

farbig:  denn  der  Isis  Bedeutung  bezieht  sich  auf  [W.  Drexler.] 

den  Stoff,  der  alles  wird  und  alles  aufnimmt,  Isis  II)  (die  Isis  der  Sueven). 

Licht  und  Dunkel,  Tag  und  Nacht,  Feuer  und  Zu  unzähligen  Vermutungen  hat  die  Notiz 

Wasser,   Leben  und  Tod,   Anfang  und  Ende."  des  Tacitus  in  der  Germania  cap.  9:  „Pars  Sue- 

Über  den  Namen  der  Göttin  siehe  Georgii  vorum  et  Lsidi  sacrificat"  etc.  Anlafs  gegeben, 

in   Paulys  B.-E.  4  p.  300;    Parthey   in   seiner  Eine  reichhaltige  Übersicht  der  verschiedenen 

Ausgabe  von  Plut.  De  Ls.  et  Os.  p.  150 — 151;  30  Erklärungen    findet   man    bei   L.  Curtze,  Die 

Lanzone,    Die.  di  mitol.  egiz.  p.  813;    W'iede-  Germania    von     Tacitus     ausführlich    erklärt 

mann,Heroclots2.Buchv).lSS—18d;Lefebu,re,  Cap.  1  —  10.    Leipzig  186S.    p.  328— 338. 

Le  mythe  osirien.    2°  partie  Osiris.   1.   Etymo-  Die   einen  meinen,    es   sei  von   der  wirk- 

logie  du  nom  d'Lsis  et  du  nom  d'Osiris  p.  129  liehen    ägyptischen,    bezügl.    griechisch- 

— 150;   Le  Page  Benouf,    Tlie  names   of  Lsis  römischen    Isis    die   Rede,    so    die    von  Jo. 

and  Osiris,  Proceedings  of  the  society  of  bibli-  Gottlob  Boehme,  De  Iside  Sucvis  olim  eulta  1. 

cal  archaeology.  Vol.  12,  1890  p.  343—346;  La  Lipsiae  1748  p.  26  verzeichneten  Schriftsteller 

Civiltä  Cattolica  Anno  41.  Ser.  14  Vol.  8.    Roma  Huetius,  Gronovius,  Colerus,  Schedius,  Struvius, 

1890  p.  199 — 205.  de  Fontenu  (Diverses  conjeetures   sur  le  eulte 

Die  Bildwerke  siehe  bei  Lafaye  p.  235 —  40  d'Lsis  en  Germanie  ä  l'occasion  des  paroles  de 

335„und  Georgii  p.  297 — 300.  Corneille-Tacite:  ,,Pars  Suevorum  et  Lsidi  sacri- 

Über  die  Feste  vgl.  Brugsch,  Das  Osiris-  ficat",  Mein,  de  VAcad.  des  Lnscr.  et  B.-L.  5 

Mysterium  in   Tentyra,    Zeitschr.   f.  äg.  Spr.  p.  63ff.),  Wächter,  Mascovius,  deren  Ansicht 

19.  1881  p.  77 — 111,  V.  Loret,  Les  fites  e£ Osiris  Boehme  selbst  teilt;   ferner  Brotier  in   seiner 

au  moi  de  Ehoiah,  Becueil  de  travaux  relatifs  Ausgabe     des     Tacitus    Tom.   6.    Paris    1776. 

ä  la  pliilol.  e'g.  et  assyr.     3e  annee  p,  43 — 57,  p.  198 — 199,  Triller,  Opusc.  medica  et  medico- 

Lafaye  p.  119  —  129   und    Georgii  p.  291 — 294  philölogica  2  p.  342,  Fr.  Griselini,  Diss.  mitol. 

und  über  Kultushandlungen  C.  A.  Böttiger,  e  stör.   s.  la   dea  Lside  in  der  Baccolta  d'op. 

Kl.  Schriften  2   p.  210  —  230  ,,Die   Isisvesper";  scientifici  e  fdologici  39  p.  334. 

Georgii  p.  294 — 295,  Lafaye  p.  113  —  119.  60        Andere   sind    der   Ansicht,    Tacitus  meine 

Hinsichtlich  der  Mysterien  siehe  Brugsch  mit  der  von  ihm  als  Isis  bezeichneten  Göttin 

Bey,  Die  3Iysterien  der  alten  Ägypter,  Deutsche  eine  germanischeGottheit;  undzwar  hat  man 

Bevue  1878,  2.  Jg.  3.  Bd.  p.  28 — 43;  J.  J.  Jaegle,  hin  und  wieder  an  ein  im  Namen  einige  Ähn- 

De  L.  Apuleio   Aegyptiorum  mysteriis  ter  ini-  lichkeit  mit  Isis  aufweisendes  göttliches  Wesen 

tiato.  Argentorati  1786.  4°;  T.  B.  Boulage,  Des  gedacht,   so   an  eine  zuerst  im  12.  Jahrh.  er- 

myslires  d'Lsis.  Paris  1820.  8°;  Beichel,  De •  Lsidis  wähnte,   zu   Augsburg  verehrte   Göttin   Zisa, 

apud  Romanos  cultu  p.  59—67;  Lafaye  p.  108  Cisa,  s.  .J.Grimm,  Deutsche  Myth.  I4  p.247  (vgl. 

— 113;  Zinzow,  Psyche  u.  Eros  p.  91 — 102;  Carl  0.  Schade,  Die  Sage  von  der  h.  Ursula  u.  den 

Dilthey,  Festrede  im  Namen  der  Georg-Augusts-  11 000  Jungfrauen  p.  73  u.  Hcnr.  Eud.  Goehler, 

Universität  am  11.  Juni  1S79  p.  15 — 18.  60  De  Matris  Magnae  apud  Bomanos  cultu.  Mis- 

Die  religiösen  Genossenschaften  be-  uiae  1886.  p.  28).  Doch  ist  Grimm  selbst  ge- 
handelt E"oucart,  Des  associations  religieuscs  neigter,  beide  für  verschiedene  Gottheiten  zu 
chczjes  Ch-ecs  p.  83.  101  —  102.  117  f.  halten;  Güttinger,  Ausland  1865  p.946f.  möchte 

Über    die    Priester    siehe    Pierret,   Dict.  in  Cisa  die  römische  Ceres  erblicken,  und  Orelli 

d'arcli.  e'g.  s.  v.  Canephore  p.  Ulf.;   Colchytes  (s.  Curtze  a.a.O.  p.  333  Anm.**)  hält  dieselbe 

p.  137  f.;  Pcülacides p.  408;  Pastophores p. 424 f.;  überhaupt  für   erdichtet.     Auch  eine  Gottheit 

Prelrcs  p.  452  f. ;  Prophetes  p.  454  f. ;  Pterophores  Eise  (bei  Aventin  Frau  Eisen,  s.  Grimm.  Deutsche 

p.  460;  Erman,  Ägypten  u.  äg.  Leben  im  Alter-  Myth.  1  '  p.  220),  Isa  wird  herbeigezogen,   so 


549                         Isityche  Ismenios                        550 

von  Simrock,  Bertha,  die  Spinnerin  p.  105  und  Fortunae    Primigeniae    dono    dedit   cum   ara. 

Mythol.  p.  401,  2.  Ausg.  p.  387,  Bonner  Jahrbb.  Vgl.  zu  der  Inschrift  Bd.  1  Sp.  1533,  7ff.  1543, 

10,  1847,  p.  80—81,  Zacher,  Gotli.  Alf  ab.  p.  85,  63  ff.  und  über  das  Wesen  und  die  Bedeutung 

86,  Vorr.  p.  IX   (Isa  =  „glänzendes  Wesen");  der  Isityche  das.  Sp.  1530  ff.  1549  ff.    (Isityche 

J.  G.  Halm,  Sagwisseiischaftl.  Studien   p.  286,  als    weiblicher   Beiname    C.  I.  L.    10,    2197). 

Anm.  174;    A.  Üuitzmann,   Die  heidn.  Bei.   ä.  [ß.  Peter.] 

Baiwaren  p.  117— 124,  295—296;   Falch,  Neo-  !     Ismandes  {'iafiävSrjg),    Name    des  Meninon 

thus,  Isis  und  Nehalennia,  Blätter  f.  d.  Bayer.  (s.  d.)   bei  den  Aigyptern;    Strabo   17,   1,   42 

Gymn.-  «.  Bealschulwesen  16, 1880,  p.  407—413;  p.  813.    [Höfer.] 

Zehetmayr  ebenda  17,  1881,  p.  170 — 172  (von  10  Ismaros   ("iBfiagog),    1)   Thebauer,    tapferer 

is  „gleiten");  anfänglich  auch  von  Mannhardt,  Sohn   des  Astakos,   tötet   in  der  Schlacht  vor 

Ztschr.  f.  d.  Myth.  2  p.  317,  der  aber  im  Baum-  Theben  den  Argiver  Hippomedon,  Apollod.  3,  6, 

kultus   der   Germanen  p.  559   Anm.  2   erklärt:  8.  —  2)  =  Immarados  (s.  d.).  —  Apollod.  3,  15,  4 

„Frau  Eisen,  das  gemeinsame  Machwerk  des  erzählt   von  ihm ,    dafs   er   mit  seinem    Vater 

Kleeblatts  Pseudoberosus  (Annius  von  Viterbo),  Eurnolpos,  aus  Aithiopien  flüchtend,   zu    dem 

Aventin  und  Simrock  möge  endlich  für  immer  Thrakerkönig  Tegyrios    (in  Daulis)    kam   und 

in  ihr  schattenhaftes  Nichts  zurücksinken."   Die  dessen  Tochter  heiratete.     [Stoll.] 

meisten  lassen  den  Gedanken  an  eine  Namens-  Isinene   {'Iefirivrj),    1)   Tochter   des   Asopos, 

ähnlichkeit  fallen  und  erkennen  in  der  Isis  eine  Gemahlin    des   Argos,    Mutter   des   Iasos   (des 

der  grofsen  mütterlichen  germanischen  20  Vaters  der  Io)   und  (nach  Kerkops)  des  Argos 

Göttinnen,  deren  festlicher  Umzug  auf  einem  Panoptes,  Apollod.  2,  1,  3.  Gerhard,  Gr.  Myth. 

mit  Rädern  versehenen  Schiff  Tacitus  an  den  2  p.  234,   2.     [Vgl.  das  die  drei  Chariten  und 

in  Rom  eingebürgerten  ägyptischen  Kultus  er-  vier    Nymphen    {'Ia^vn,    Kvxatg,    'Egavv[_ci], 

innert    habe,     etwa    die    Holda,     Grimm  1 4  T\rf\l6vvri<jo$)    darstellende   Relief   in   Neapel 

p.  164  —  169,  Beckstein,  Mythe,  Sage,  Märe  u.  bei  Gerhard  u.  Panofka,  Neap.  ant.  Bildw.  1 

Fabel   im  Leben  u.  Beicufstsein   des  deutschen  p.  82  f.    nr.  276   =    O.  I.  Gr.  6854°.     R.].  — 

Volkes  1  p.  47  oder  Frey  a,  Willi.  Müller,  My-  2)    Eine    böotische    Heroine,    wohl    Eponyme 

thol.   d.  deutschen  Heldensage    p.  120    Anm.  2.  einer     v.dpr\     Boiariag,     vielleicht     identisch 

122;  vgl.    Wüh.  Müller,  Gesch.   u.  System  der  mit  nr.  3;  Stcph.  B.  v.  'la\ir\vg.  —  3)  Tochter 

altdeutschen    Religion    p.    273    und     die     bei  30  des    Oidipus    und    der    lokaste     {Soph.  Antig. 

Curtse    p.    332  —  333    verzeichneten    Autoren;  Eurip.    Phoen.  Apollod.  3,   5,   8.     Hyg.  f.  67. 

oder  die  nordische  Frigg,  die  deutsche  Fria,  Tzeiz.   L.  437),   oder    der  Euryganeia  (Phere- 

Karl  Meyer,  Germania  17,  1872,  p.  198f.;  oder  kyd.    b.    Schol.    Für.    Phoen.    53,    vgl.    1760. 

Nerthus,  Georgii  in  Paulys  B.-E.  4  p. 30— 301 ;  Paus.  9,  5,  5.     Preller,  Gr.  M.  2,  344  ff.).  — 

Hahn,  Urgesch.  d.  german.  u.  roman.  Völker  1  Mimnermos  erzählte  nach  Argum.  Soph.  Ant., 

p.  133,    W.  Smith,  Dictionary  of  greek  and  ro-  dafs    Ismene   von  Theoklymenos   (wahrsehein- 

man    biography   and  mythology   2   p.  631   und  lieh   dem   thebanischen  Helden  Periklymenos) 

andere  bei  Ourtze  p.  333;  oder  Nehalennia,  geliebt    und    bei    einer    Zusammenkunft   mit 

Holtzmann,  Deutsche  Mythol.  p.  126 — 127  und  ihm    von    Tydeus     auf    Antrieb    der    Athene 

German.  Altertümer  p.  175;  J.  W.  Wolf,  Bei-  40  getötet    worden    sei,     was    nach    Pherekydes 

träge  z.  deutschen  Mythol.  1  p.  199  und  Bonner  a.  a.  O.  an  einer  Quelle  geschah,  die  nach  ihr 

Jahrhb.  H.  12,  1848,  p.  27  ff.,  vgl.  Schaaffliauscn  benannt  ward.    Bildw.:  Müller,  Handb.  d.  Arch. 

ebenda  H.  76  p.  47  ff.     [s.    auch  unten  Kauff-  §412,3.    Welcker,  A.D.b  T.  14  S.  253  ff.  Over- 

manns  Zusatz].  beck,  Galerie  1,  122.   Baumeister,  Denkm.  S.  84 

Lafaye  p.  165    glaubt  jede    Schwierigkeit  Fig.  88.  Petersburger  Vase  nr.  1588  [?].    Preller, 

gehoben  durch  die  Annahme,  es  sei  eine  aus  Gr.  M.  2,  363,  2.    [Vogd,  Scenen  Furipideischcr 

der  Verschmelzung  der  durch   die  römischen  Tragödien  in  griechischen  Vasengemälden  p.  47 

Soldaten  und  Kaufleute  eingeführten  alesandri-  bis  55 ;  Catal.  de  la  Coli,  d'ant.  de  M.  Alexandre 

nischen    Isis    mit    einer    der    grofsen    mütter-  Castellani,  Paris  1866,  p.  12  no.  34;  Bull.  delV 
liehen     Göttinnen     der    Germanen    hervorge-  50  Inst,    di    Corr.    Arch.   1864    p.  34.     Drexler.] 

gangene    Mischgottheit,    etwa   nach   Art    der  Winnefcld,    Beschr.    d.   Vasens.    in  Karlsruhe 

Isis  Noreia  in  Steiermark,  gemeint.  nr.  186  =  Arch.  Z.  9,  54*.     Münchener  Vase 

W.  Zeufs,  Die  Deutschen  und  ihre  Nachbar-  nr.  233.     Arch.    Z.  3,  54   =   G.   I.   Gr.   8428. 

stamme   p.  40    möchte    gar    eine    Göttin    der  In    den  Dithyramben   des   Ion  hiefs   es,    dafs 

Wenden  unter  der  Isis  des  Tacitus  verstanden  Antigone    und    Ismene    von    Laodamas,    dem 

wissen.                                           [W.  Drexler.]  Sohne  des  Eteokles,  im  Tempel  der  Hera  ent- 

Höchst  wahrscheinlich  ist  diese  Isis  mit  der  ehrt  wurden   {Argum.  Soph.  Ant.,  wo  jedoch 

batavischen  Nehalennia  identisch,  deren  Dar-  manche  für  naxangoia^rivui.  lesen  iiazcazQiqc&>i- 

stellung  Zug  um  Zug  dem  Isiskult  entlehnt  ist;  vcti).    [Stoll.] 

vgl.  Janssen,  De  Bomeinsche  beeiden  en  gesent-  B8  Ismenios  ('Iefirjviog),  1)  Beiname  des  Apollon 

steenen  van  Zeeland.   Middelburg  1845  (Met  19  in  Theben  (Herod.  1,  52.  5,  59.  Paus.  4,  27,  6. 

Platen).    Vgl.  Nehalennia.    [Fr.  Kauffmann.]  Flut.  Sol.  4,  5.     Nonn.  Dionys.  5,  101.    schol. 

Isityche.    Eine  Göttin  dieses  Namens  nennt  Apoll.   Bhod.   1,   537.    Aristid.  or.   38,   vol.  1 

die  Inschrift  G.  I.  L.  14,  2867  =  Ann.  d.  inst.  p.  730  [Dinäorf].   Hesyeh,),    von   dem  Flusse 

1855  S.  85  (Praeneste)   L.  Sariolenus  Naevius  Ismenos  {Paus.  9, 10,  2;  vgl.  schol.  Apoll.  Bhod. 

Fastus  consularis  ut  Triviam  in  Iunonario  ut  a.  a.  0.).     In  seinem  Tempel,   dem    Ismenion 

in  pronao    aedis   statuam  Antonini  August(i)  {Paus.  9, 10,  5.  KaUisthcnes  bei  Stcph.  Byz.  s.  v. 

Apollinis  Isityches  Spei  ita  et  hanc  Minervam  Ttyvqa,  Flut.  Lys.  29),  fand  Orakeldienst  statt, 

18* 


551  Ismenos  Isthmios  552 

Find.  Pyth.  11,  10.  Her  od.  8,  134.  Paus.  4,  (vgl.  Curtius,  Etym."  950)  leitet  'laoSaCzng 
32,  5;  der  Gott  selbst  ward  durch  Daphue-  ebenso  wie  Öaifimv  von  der  Wurzel  da  teilen 
phorien  gefeiert,  Paus.  9,  10,  4.  Proklos  ehrest.  ab;  Isodaites  würde  also  bedeuten:  der  gleich- 
st ( Westphal,  Script.  Metr.  1  p.  248;  vgl.  Norm.  mäfsig  Austeilende,  s.  o.  nr.  4.  [Höfer.] 
Dionys.  45,  72);  das  Standbild  des  Gottes,  von  Isodrome  ('laoögopt]),  Beiname  der  Kybele 
Cedernholz  verfertigt,  war  ein  Werk  des  Si-  (laoSgöfir]  MrjzrjQ);  ihr  Tempel  lag  in  der 
kyoniers  Kanachos  (Peius.  2,  10,  5;  vgl.  mit  Kaystrosebene  in  der  Nähe  der  lydischen  Stadt 
9*  10,  2).  Nach  Plut.  de  st  ap.  Delph.  2  be-  Laiisa,  Strabo  9,  5,  19  p.  440.  [Höfer.] 
deutet  Ismenios  s.  v.  a.  z%a>%>  zr\v  iniazrifiriv.  Isokrateia  ('lco-aqäxna) ,  eine  der  ausge- 
Eine  Weihinschrift,  die  nach  Kölder,  Mitt.  d.  10  zeichnetsten  von  Herakles  getöteten  Amazonen, 
arch.  Inst.  1,  97  aus  den  Fundamenten  des  Eponyme  einer  Ortschaft  in  Bithynien,  ArHan. 
Kastells  von  Chalkis,  nach  Foueart,  Bull,  de  jS'ikom.  bei  Eustath.  in  Dionys.  828  (fr.  58  bei 
corr.  3,   139  aus  Theben  stammt,   lautet  nach  Müller,  lüst.  gr.  fr.  3  p.  697).     [Stoll.] 

B.  Meister  in  Bezzenbergers  Beiträgen  5,  187:  'iöoy.Qaxia,  Aufschrift  eines  Onyx  mit  den 
üxcoicov,  Mväazog  zoi  'Ioftuvioi  üvt&sav,  vgl.  Symbolen  der  drei  Weltregionen (?):  Adler, 
Collitz,  Samml.  d.  griecli.  Dial.-Inschr.  1,  1132;  Delphin  und  Eule,  auf  Mohnköpfen  sitzend: 
Moehl,  I.  Gr.  ant.  129;  zum  Heiligtum  des  C.  1.  Gr.  7045b  =  Arch.  Z.  9,  97*.  [Röscher.] 
Apollo  Ismenios  vgl.  auch  Schol.  Soph.  Oed.  Isoples  (laoTilrjg),  ein  von  Herakles  getöteter 
.B.  21.  Nach  Sclwl.  Soph.  a.  a.  0.  befand  sich  Kentaur,  Diod.  4,  12.  Gerhard,  Gr.  Myth.  2 
in  Theben  auch  ein  Tempel  der  A&rjvä  'la^invia.  »o  §  666,  2  f.;   s.  Kentauren.     [Stoll.] 

■ —  2)  s.  Ismenos  1.  [Stoll.]  Isos    (Icog) ,    unechter    Sohn    des    Priamos, 

Ismenos    (lafinvog),    1)    der    Flufsgott    des  fällt   durch  Agamemnon,    IL  11,   101.     [Über 

Flusses  Ismenos  bei  Theben,  Sohn  des  Okeanos  Isos  (Issos)  als  Eponymos  von  Issa  auf  Lesbos 

und    der  Tethys,    Hygin.  praef.  p.  28  Bunte.  vgl.  Maafs  im  Hermes  1889  S.  645ff.    R.] 
[Otto  Schulz,  die  Ortsgottheiten  in  der  gr.  und  [Stoll.] 

r.  Kunst,   Berlin  18S9  =  Berl.  Stud.  f.  Mass.  Issa  ('Iaaa),  1)  Nymphe  auf  Lesbos,  Tochter 

Phil.  u.  Arch.     8.  Bd.    3.  Heft  p.  34  —  35,  62.  des  Makar  oder  Makareus,  nach  welcher  Lesbos 

Gardner,  Joum.  of  hell.  stud.  9,  1888,   p.  68.  (oder  eine  Stadt  auf  Lesbos,  Steph.  B.)  Issa  be- 

C.  I.  Gr.  8481.  Baumeister ,  D.  d.  kl.  Alt.  nannt  war.  Sie  gebar  dem  Hermes  (Kadmilos) 
S.  770,  Fig.  822.  Arch.  Z.  29,  36.  Drexler.]  —  30  den  lesbischen  Seher  Prylis,  Steph.  B.  v.  "Iaaa. 
Er  hiefs  auch  Sohn  des  Asopos  und  der  l'setz. L.  219 ;  vgl.  Strab.  1, 60.  Apollon  berückte 
Metope,  Bruder  des  Pelagon  oder  Pelasgos,  sie  in  der  Gestalt  eines  Hirten,  Ov.  Met.  6, 
Apollod.  3,  12,  6.  Diod.  4,  72.  —  Oder  Sohn  124.  [Stoll.]  —  2)  Name  des  Achilleus,  als  er 
des  Apollon  und  der  Melia  (Quellnymphe  am  sich  auf  Skyros  in  Weiberkleidung  unter  den 
Ismenion  zu  Theben),  einer  Tochter  des  Okea-  Töchtern  des  Lykomedes  aufhielt;  auch  Kerky- 
nos,  Bruder  des  Sehers  Teneros  (Repräsentant  sera  oder  Pyrrha  wurde  er  hier  genannt  (s. 
des  Tenerischen  Gefildes),  Paus.  9,  10,  5,  wo  ge-  Bd.  1  Sp.  28,  46),  Ariston.  in  Hephaest.  nov. 
wohnlich  Ismenios  gelesen  wird.  Die  Töchter  liist.  1  (p.  183  Westermann  =  Phot.  bibl.  147, 
des  Ismenos  sind  Dirke  und  Stropkie,  Kallim.  20).  Der  Kaiser  Tiberius  beschäftigte  sich  mit 
H.  in  Del.  76.  Nonn.  44,  9.  Mehr  bei  Unger,  io  der  Frage  'epiod  Aehilli  nomen  inter  virgines 
'flieb.  P.  483.  —  2)  Ältester  Sohn  des  Amphion  fuisset',  Suet.  Tib.  70.     [Höfer.] 

und  der  Niobe,  von  Apollon  erschossen,  Apollod.  Issoria  ('laaoiQtcc  oder  I  ssor  a  'Iaacaqu,  Paus. 

3,  5,  6.    Otrid.  Met.  6,  224.    Hyg.  f.  11.  Tzetz.  3,  14,  2),  Beiname  der  Artemis  von  dem  Berg 

Chil.  4,  141.    Vom  Pfeil  des  Apollon  getroffen,  Issorion  in  Lakonien,  Steph.  Byz.  Hesych.  Eine 

stürzt  er  sich  in  seinem  Sehmerz  in  den  Flufs  Hauptstätte  des  Kultus  der  Artemis  Issoria  war 

Ismenos,    der   nach   ihm   benannt  wird,   Plut.  Teutkrone   im  südwestlichen  Lakonien,   Paus, 

de  fluv.  2.    Stark,  Kiobe  96.  383  f.        [Stoll.]  3,  25,  4;  ein  in  der  Nähe  von  Pitane  gelegenes 

Isuiinthians  (ismin&ians),  etruskischer  Bei-  Heiligtum   dieser  Göttin   erwähnt  Polyaen.  2, 

name  eines  Maris  (maris,  maris),  s.  d.  [Deecke.J  14,  vgl.  Plut.  Ages.  32,  4;  ihr  zu  Ehren  wurde 

Isodailes  ('Iaoäaizrig),  1)  eine  fremde  Gott-  50  ein  Fest,   die  Issorien,   gefeiert,  Hesydli.     Die 

heit,  der  die  gewöhnlichen  und  leichtfertigen  von  Paus.  3,  14,  2    erwähnte   Artemis   Issora, 

Frauen  opferten:  livixogzig  äciijA,cov,o}  zä  druxoiätj  deren  Heiligtum  in  Sparta  stand  und  die  auch 

yviaia  y.ai  [ii]  ndvv  onovdaia  t'rt'Afi,  Hyperid.  At^vaCu  hiefs,  war  keine  Artemis,  sondern  die 

in   der  Bede   für  Phryne  bei  Harpokrat. ;  vgl.  kretische  Britomartis,  Paus.  a.  a.  0.    [Höfer.] 
Phot.  Said.  —  2)  Pluton,  Htsych.  —  8)  Sohn  des  Issos  s.  Isos. 

Pluton. —  4)  Helios  (Apollon)  6  zbv  iaov  txdozm  Istar  s.  Astarte  u.  Izdubar. 

&ävcczov    diaisiLcov    (Bekker ,    Anecd.  267,   3),  Istliniiades  ('la^fi.iäät]g),  Gemahl  der Pelarge, 

oder  ApoUon   als  Todesgott,  Gerhard,  Griech.  der  Tochter  des  Potneus;  er  führte  mit  seiner 

Myth.  310, 8. —  5) Dionysos, Plut.  de  si  ap.DelpiJi.  Gattin  den  Kabeirendienst,  der  durch  die  Ar- 
9  Aiovvaov  äs   Kai  Zaygsa    xai  Nvnzsliov   «at  co  giver    während    des   Zuges    der    Sieben   gegen 

'laodaizijV  övofiaQovatv.    Diesen  Beinamen  des  Theben  gestört  worden  war,  in  Boiotien  wieder 

Dionysos  bezieht  man  entweder  auf  die  Sitte,  ein;   daher  wurde  seine  Gemahlin  nach  ihrem 

beim    Choengelage    (Mommsen,    Heortol.   364)  Tode  infolge  eines  Orakelspruches  von  Dodona 

gesondert  zu  sitzen  und  zu  trinken  (vgl.  Ger-  hoch  geehrt  und  ihr  tragende  Sauen  geopfert, 

liord,   Akad.  Abh.  2,  199),    oder   Dionysos-Iso-  Paus.  9,  25,  7.  8.     [Höfer.] 
daites  ist  chthonisch  aufzufassen  und  als  solcher  Isthmios  ("Ia&fitog),    1)   Beiname   des   Zeus 

dem  Pluton  (Hades)  gleichzusetzen,    Gerhard,  auf  Kos,    inschriftlich    belegt  Joum.   of  hell. 

Griech.  Myth.  457,  4,  vgl.  433,  2.  —  Polt2  950  stud.  9,  1888  p.  326.  —  2)  Beiname  des  Posei- 


553                        Isthmos  Istor                           554 

don  auf  alexandrinischen  Kaiserrnünzen  des  Mus.  Corinth  p.  91  nr.  682,  PI.  23,  5;  Mi.  2, 
Nero,  welche  seine  Büste  mit  dem  Diadem  167,  139;  Melikertes,  Mi.  S.  4,  50,  338;  Haupt 
geziert,  dahinter  den  Dreizack,  davor  zuweilen  des  Poseidon,  Mi.  S.  4,  53,  361;  54,  362;  sowie 
einen  Stern,  nebst  der  Beischrift  TTOXEIARN  unter  Domitian,  C.  G.  G.  Br.  M.  Cor.  p.  73 
IIOMIOI  im  Rev.,  führen,  Mionnet  6,  68,  206.  nr.  584,  PI.  19,  5;  G.  u.  I.  1  p.  14,  PI.  C  35:  Mi. 
70,  220.  72,  236.  Feuardent,  Eg.  anc.  2  p.  29,  .5.  4,  77,  517;  Marc  Aurel,  Ztschr.  f.  Nun.  Bd.  10, 
710.  30,  721;  in  einer  Inschrift  von  Halikarnafs,  1883,  p.  75  nr.  18  (mit  der  oben  besprochenen 
C.  I.  Gr.  2655  =  Dittenberger,  S.  I.  Gr.  372,  Beischrift  CORINTHVS);  Mi.  S.  4,  99,  671 :  Mus. 
Z.  3;  ö  "/oö-fuos  ohne  Zusatz  von  IIoasLäoiv,  Arig.  1  Col.  al.  5,  66  =  Sestini,  G.  N.  V.  Mus. 
Fhilostr.  Op.  2  p.  286  ed.  Kayser.  [Drexler.]  10  Arig.  Gast.  p.  39  (ohne  die  Beischrift,  angeblich 
Istliiiios  ('io&fiög),  die  Personifikation  der  nur  mit  Einern  Ruder);  Septimius  Severus,  G.  u. 
Landenge  von  Korinth,  erscheint  auf  den  I.  1  p.  14  PI.  C  36;  Geta,  Mi.  S.  4,  126,  867. 
Münzen  dieser  Stadt:  sitzend  auf  einem  Felsen,  Stehend  vor  einem  unter  einer  Pinie  befind- 
in  der  R.  ein  umgewendetes  Ruder  haltend,  liehen  Altar  mit  dem  Delphin  und  Melikertes 
die  L.  auf  den  Felä  gestützt,  mit  der  Bei-  auf  dessen  Rücken,  in  der  L.  ein  Ruder,  mit 
schrift  1STHMVS  unter  Hadrian,  Gardner  and  der  R.  einen  Zweig  des  Baumes  berührend, 
Imhoof '-Blumer ,  Numismatic  commentary  on  erscheint  Isthmos  unter  Marc  Aurel,  G.  G.  C. 
Pciusanias  1  p.  14,  PI.  C  39;  Mi.  S.  4.  82,  553  =  Br.  Mus.  Cor.  p.  78  nr.  612,  PI.  20,  12;  G.  u. 
Arigonil  Col.  al.  4,  44;  ebenso  ohne  Beischrift  I.  1  p.  11,  PL  B  4;  Mi.  S.  4,  98,  668  nach  Se- 
C.  G.  C.  Br.  Mus.  Corinth  p.  74  nr.  590,  PI.  19,  20  stini,  Mus.  Benlcotoitz  p.  11,  Tb.  1,  5.  —  Auf 
10;  ebenso  mit  Beischrift  ISTHMVS  beide  dem  von  Philostratos,  Imag.  2,  16  =  Fhilostr. 
Hände  auf  umgekehrten  Rudern,  Milhngen,  Op.  ed.  Kayser  2  p. 363  beschriebenen  Gemälde 
Anc.  coins  of  gree~k  cities  and  längs  p.  61  „Palaimon"  war  Isthmos  dargestellt  iv  ti'Su 
PI.  4  nr.  15  =  Mi.  8.  4,  S2,  552;  sitzend  auf  Saiuovog  h'vnria'Qav  tavxbv  xy  yfj  zwischen 
einem  Felsen,  die  R.  an  den  Kopf  gelegt,  den  den  gleichfalls  durch  Personifikationen  wieder- 
1.  Arm  auf  einem  Ruder  unter  Hadrian,  C.  G.  gegebenen  Häfen  Lechaion  und  Eenchreai, 
C.  Br.  M.  Cor.  p.  74  nr.  591,  PI.  19,  11  und  vgl.  dazu  die  Anm.  in  der  Ausg.  von  Jacobs 
Septimius  Severus,  ebenda  p.  84  nr.  646,  PI.  21,  u.  Welcher  p.  481—85,  Müller,  Hdb.  d.  A.  d.  K. 
10,  Gardner -Imhoof  a.  a.  O.  1  p.  14  PI.  C  38;  3.  Aufl.,  p.  663,  §  405,  1,  Adolf  Gerber,  Natur- 
ebenso ,  in  einem  Tempel  unter  Hadrian,  30  Personifikation  in  Poesie  u.  Kunst  der  Alten 
Gardner-Imhoof  p.  14  PI.  C  37,  nach  G.  u.  I.  (S.-A.  aus  Suppltbd.  13  der  Jalirbb.  f.  Tel  Phil.) 
die  Abbildung  einer  korinthischen  Kultus-  Leipzig  1883  p.  310,  Percy  Gardner,  Countries 
Statue;  sitzend  mit  Schale  u.  Ruder  in  einem  and  cities  in  ancient  art,  Journ.  of  hell.  stud. 
von  dem  eben  erwähnten  verschiedenen  runden  9  p.  69,  K.  Friederichs,  Die  Philostratischen 
Tempel,  zu  dessen  beiden  Seiten  sich  ein  Baum  Bilder  p.  167  — 173,  der  die  Möglichkeit  der 
erhebt,  unter  Iulia  Domna,  G.u.I.  Suppl.  Existenz  eines  derartigen  Bildes  bestreitet,  und 
p.  154  PI.  FF  5;  sitzend,  1.  h.  mit  Ruder  und  Brunn,  Die  Philostrat.  Gemälde  gegen  K.  Fricde- 
angeblich  Palmzweig  (Pinien-  oder  Meer-  richs  verteidigt,  4.  Sppltbd.  d .  Jahrbb.  f.  Id.  Phil. 
strandkieferzweig?,  vgl.  Murr,  Die  Pflanzen-  p.  287—289,  der  ihn  widerlegt.  [W.  Drexler.] 
weit  in  der  griech.  Mythol.  p  117),  vor  ihm  40  [Auf  dem  Wiener  Cameo  bei  Overbech,  Kunst- 
Ina  und  Melikertes  unter  Septimius  Severus,  myth.  Poseidon  S.  300  und  402,  Gemmentafel 
G.  u.  I.  1  p.  14  u.  12,  PL  B22;  sitzend  auf  2,  8,  ist  Isthmos  als  eine  Modifikation  des 
einem  Felsen,  auf  den  er  die  eine  Hand  Poseidon  aufgefaßt.  Steuding.] 
stützt,  zu  Füfsen  die  See  und  einen  Delphin,  Istoiie  ('7ct[<j)]j<i]),  Name  eines  Berges  auf 
ihm  gegenüber  Ino  mit  Melikertes  unter  Do-  Corcyra,  vielleicht  auch  der  zum  Berge  ge- 
mitian,  G.  u.  I.  p.  14  u.  12,  PL  B  21;  Mi.  2,  hörigen  Nymphe;  C.  I.  Gr.  1874b;  vgl.  nr.  1874. 
177,  218;  Mdlin,  Gal.  Myth.  110,  400;  Imhoof-  [Röscher.] 
Blumer,  Monn.  Gr.  p.  160  nr.  18;  sitzend  auf  Istor  lautet  auf  einer  praenestinischen  Cista 
einem  Felsen,  die  eine  Hand  auf  dem  Ruder,  (Epliem.  epigr.  1  S.  13  nr.  19.  Garrucci,  Syll. 
vor  ihm  Ino  und  Melikertes,  unten  die  See  50  inscr.  lat.  nr.  525.  C.  I.  L.  14,  4108,  abgebildet 
und  ein  Delphin  unter  Septimius  Severus,  G.  Monum.  d.  inst.  9,  1870  Taf.  22/23,  besprochen 
u.  I.  1  p.  14  u.  12  PL  B22;  Imhoof,  Monn.  von  E.  Schoene  in  Ann.  d.  inst.  42,  1870  S.  335ff.) 
Gr.  p.  160  nr.  20;  C.  G.  C.  Br.  M.  Cor.  p.  84  der  einer  jugendlichen  männlichen  Figur, 
nr.  647,  PL  21,  11;  Mi.  S.  4,  115,  786;  sitzend,  welche  die  rechte  Hand  zum  Gesicht  führt, 
dabei  Palaimon  stehend  auf  einem  Delphin  beigeschriebene  Name.  Wie  für  die  ganze 
unter  Septimius  Severus,  G.  u.  I  1  p.  11  Darstellung  des  Bildwerkes  der  Cista  (mit  bei- 
Pl.  B  10;  Mus.  Arig.  4  PL  7,  35;  Sestini,  Cat.  gefügten  Namen  sind  abgebildet:  Silanus  [d.i. 
TV.  V.  Mus.  Arig.  Cast.  p.  41.  Silenus,  in  einer  erotischen  Scene  mit  einer 
Auch  in  einer  stehenden  nackten,  in  jeder  weiblichen  Figur  begriffen];  Doxa  [Frau  mit 
Hand  ein  Ruder  haltenden  männlichen  Figur  go  einer  Taube  in  der  Hand;  Corssen  bei  Schoene 
sehen  Gardner  und  Imhoof,  sowie  Head,  H.  S.  338:  'Doxa  che  si  legge  al  disotto  del  co- 
N.  p.  340  Isthmos.  Doch  ist  auf  einer  Münze  lombo,  dal  lato  linguistico  non  bisogna  di 
des  Marc  Aurel  dieser  Gestalt  CORINTHVS  spiegazione' ;  G.  Wilmanns  in  Fphem.  epigr. 
beigeschrieben,  wodurch  doch  wohl  der  Ep-  a.  a.  O.:  'Doxa  ad  nornen  certe  intellegitur', 
onymos  der  Stadt  bezeichnet  werden  soll.  also  als  Personifikation  von  äü£a  aufgefafst] ; 
Diese  stehenden  Figuren  erscheinen  auf  auto-  Laoumeda  oder  Ladumeda  [die  Übersetzung 
nomen  Münzen  der  römischen  Periode  mit  eines  vorauszusetzenden  Aao^iäa  oder  ylaofit- 
verschiedenen  Übversen:  Pegasos,  C.  G.  C.  Br.  Ssia;    Frau    auf   eine  Herme    gestützt,    einen 


555                        Istros  Istros                        556 

Hirsch   an  einem  Seile  haltend];    Aiax  Ilios  vomenti  [jedenfalls  ein  Gefäfs  und  kein  Löwen- 
[oder  Oilios,  d.  i.  Aiax  S.  d.  Oileus,  zwei  Pferde  haupt]  innititur"  unter  Elagabal,  Sestini,  Mus. 
haltend;    er   bildet   offenbar  den  Mittelpunkt  Hedervar.  1  p.  38  nr.  61;  „Ister  beardless,  Sta- 
des Bildes,  auf  den  die  Blicke  der  drei  folgenden  ted  l.,  on  um,  naked  to  waist,  r.  hand  rests  on 
männlichen  Personen  gerichtet  sind] ;  auf  einer  prow  of  ship;   in  1.  is  a  reed"   unter  Diadu- 
an  einer  Säule   befestigten  Tafel:  Leces  [d.  i.  menian,    Cat.  Brit.  Mus.    Thrace  p.  49  nr.  53, 
leges];   Soresios  [männliche  bewaffnete  Figur;  wohl   derselbe   Typus,   den  Mi.  S.  2,  161,  610 
uugedeutet];   Acmemeno  [d.  i.  Agamemno,  als  ans  Cabinet  Allier  de  Hauteroclie  so  beschreibt: 
Greis  dargestellt];  zwei  in  einer  fensterartigen  „Ulster  assis,  ä  g.,  sur  des  rochers,   le  coude 
Öffnung   sichtbare  Pferdeköpfe;    Istor;    Lavis  10  appuye  sur  une  urne  renversee,    tenant  de  la 
[d.   i.    wahrscheinlich    Aatg;    weibliche    Figur  m.  g.  un  roseau,  la  dr.  etendue  sur  un  aplu- 
ohne  charakteristische  Merkmale];  'cerchiamo  strum",  (vgl.  aber  Dumersan,  Descr.  des  med. 
invano  un  tratto  caratteristico  che  ci  permette  ant.   du  cab.  de  feu  M.  AUier  de  Hauteroclie 
indovinarne  l'azione'   Sclwene  S.  336),    so   ist  p.  21  „Fleuve  Ister  tenant  un  gouvernaü  et  un 
auch  für  die  mit  Istor  bezeichnete  Figur  noch  roseau");    ferner   ganz   nackt,    gehörnt,   links- 
keine   sichere  Deutung  gefunden;   Corssen  bei  hin,     das     Haupt    rechtshin    wendend,      die 
Schoene   S.  339:   'Istor  accanto  a  quell'  uomo  Reckte  auf  einem  Schiffsvorderteil,  die  Linke 
ehe   con  un  gesto   da  pensieroso  ha  messo  il  auf  einem  Gefäfs,  dem  Wasser  entströmt,  unter 
dito   al  naso,   corrisponde  al  greco  lotcoq  de-  Macrinus,  Cat.  Brit.  Mus.   Thrace  p.  48  nr.  48, 
rivato   dalla  medesima  radice   come  le  forme  20  Gardner,  Greek  Biver-Worship,   Transactions 
greche  i'au£v  iats  läsiv  ed  il  latino  videre,   e  of  the  Boy.   Soc.  of  Bit.   of  the  united  King- 
significa  probabilmente  il  fia^Tt?  ossia  profeta' ;  dorn.  2d  Ser.  vol.  9.  1878  p.  213,  PI.  2,  8;   und 
Wilmanns  in   Epihem.   epigr.   a.   a.    0.:    'Istor  ähnlich  unter  Gordianus  Pius,   Vaülant,  Kumi 
rursus  obscurum,  quamquam  Graeca  radix  per-  Graeci    p.  154,    Basche  3,  1   Sp.  1507   nr.  18. 
spicua  est.'     [R.  Peter.]  In  der  Rechten  einen  Schilfstengel,  die  Linke 
Istros    ("fffrpos),    1)    Stromgott,    Sohn   des  auf  einem  Gefäfs  zeigen  ihn  Münzen  des  An- 
Okeanos    und    der    Tethys,    Hes.   Theog.    339.  toninus  Pius,  Arneth,  Sendschreiben  an  Herrn 
Söhne  des  Istros  hiefsen  Heloros  und  Aktaios,  Tedcschi,  Sitzungsber.  d.  Kais.  Ak.  d.  TP",  [zu 
welche  in  Mysien  mit  Telephos  gegen  Achilleus  Wien],    Phil.  hist.  Kl.  9,   1852  p.  897  nr.  2; 
und   die  Achäer  kämpften,  Tzetz.  Anteh.  274,  30  Commodus,  Sestini,  Descr.  Xum.  Vet.  p.  39  nr. 4, 
Philostr.  Opp.  ed.  Kayser  2  p.  157  [vgl.  Bobert,  Mi.  S.  2,  118,  362;  Septimius  Severus,  Sestini, 
Bergamenischer  Telephos-Fries,  Jahrb.  d.Ksl.D.  Mus.  Hedervar.  1  p.  32  nr.  6,  Wiczay  nr.  2191; 
A.  Inst.  2,  1887  p   256 ff.].    Das  bärtige  Haupt  Macrinus,  Arneth  p.  904  nr.  98;   Wise,  Num. 
des    Istros    mit   Hörnern    erscheint    auf   dem  ant.  scriniis  Bodleianis  reconditorum  Catalogus 
Obv.   autonomer  Münzen    von  Istros,    Sestini,  Tab.  13,  12  (Mi.  S.  2,  147,  537);   Diadumenian 
Dcscriz.   di  molte  med.   ant.  greche  esistenti  in  („Ister  beardless,  seated  to  l.,  naked  to  waist, 
piü  musei  p.  21  nr.  1  und  Lettere  e  diss.  num.  head  turned  to  r.;  he  holds  in  r.  reed,  in   l. 
cont.  2  p.  42  nr.  1 ;   Cat.  of  the  greek  coins  in  um"),    Cat.  Brit.  Mus.    Thrace  p.  49  nr.  52 ; 
the  Brit.  Mus.   The  Tauric  Cliersonese  —  Thrace  Gordianus  Pius,   Mi.  S.  2,  181—182,  722;   die 
p.  216  nr.  15;  Head,  Hist.  num.  p.  235.     Eine  40  Rechte    auf   dem   Gefäfs,    in   der  Linken  den 
Münze   Elagabals  von  Istros   zeigt  den  Flufs-  Schilfstengel,  Münzen  des  Septimius  Severus, 
gott  gelagert,  bärtig   (und  bekränzt'?),   unten  Vaülant,     Kitmi    Gr.     p.    85,     Basche   3,    1 
bekleidet,    den    linken  Arm,    worin    er   einen  Sp.  1494  nr.  40,   Mi.  S.  2,  124,  394;   v.  Sallet 
Schilfzweig  hält,  auf  ein  Gefäfs,  dem  Wasser  ent-  p.  73  nr.  4;  wohl  auch  Arneth  p.  898  nr.  12a; 
strömt,  stützend,  mit  der  Rechten  einen  Fisch  in    der   Rechten    einen    Baum,    unter    seinem 
emporhaltend;    im    Hintergrunde   ein    Leucht-  liuken    Ellenbogen    ein    Gefäfs,    Münzen    des 
türm,  v.  Sallet,  Beschreibung  der  ant.  Münzen.  Septimius  Severus,  Mi.  S.  2,  123,  389;  .Arneth 
Taur.  Cliersones  —  Thracische  Könige.     Berlin  p.  898  nr.  11    und  der  Iulia  Domna  („Ister  re- 
1888  p.  54  nr.  22;  eine  der  Tranquillina  stellt  preseided  as  a  youth,  naked  to  ivaist,  reclining 
ihn  dar  gelagert  linkshin,  bekränzt  mit  Schilf,  50  1.;    his    head,    turned    to    r.,    is    croicmd    loith 
uuten  bekleidet,   gelehnt  auf  ein   Gefäfs  und  reeds;  in  his  r.  hand  he  grasps  a  tree;  under 
ein  Schiffsvorderteil  haltend,   Cat.  Brit.  Mus.  his  l.  elbow  is  an  um,  out  of  ivhich  a  stream 
Thrace  p.  27  nr.  21.     In   mannigfaltigen    Dar-  floivs"),  Cat.  Brit.  Mus.  p.  44  nr.  20,   Gardner 
Stellungen   erscheint   er   auf  den   Münzen   von  p.  213,  PI.  2,  9.    In  der  Rechten  ein  Füllhoru, 
Nicopolis  ad  Istrum:  In  der  Rechten  ein  Ruder,  den  linken  Ellenbogen  auf  einem  Gefäfs,  dem 
die  Linke  auf  einem  Gefäfs,  zu  seinen  Füfsen  Wasser  entströmt,  erscheint  er  auf  einer  Münze 
ein    Schiff  unter    Septimius   Severus,    Eckhel,  des  Septimius  Severus,  Mi.  S.  2,  122,  387;  die 
Cat.  num.  vet.  Mus.  Cacs.  Vindob.  1  p.  57  nr.  4,  Rechte  erhoben,  in  der  auf  eiu  gleiches  Gefäfs 
Froelich  4.  Tent.  p.  239  nr.  1,  Gefsner,  Impp.  gestützten    Linken    ein    Füllhorn,    auf    einer 
Tab.  133,   28,    Basche   3,1    Sp.  1493   nr.  30,  CO  Münze  desselben  Kaisers,  Eckhel,  Cat.  1  _p.  58 
Mionnet,   Suppl.  2,  123,  388;   in   der  Rechten  nr.  15,   Froelich   4.  Tent.  p.  242—243,   Fig.  2, 
einen  Schilfstengel,   die  Linke   auf  einem  Ge-  Gefsner   Tab.  136,    71,    Basche  3,    1    Sp.  1491 
fäfs,    zu    Füfsen    ein    Schiff   unter    Macrinus,  nr.  8,  Mi.  S.  2,  131,438,  Arneth  p.  900  nr.  35; 
Eckhel,   Cat.  1  p.  59  nr.  40,    Froelich  4.    Tent.  bärtig,   in  der  Rechten  vier  Ähren  auf  einem 
p.  292  Fig.  1,  Gefsner  Tab.  155,  45,   Basche  3,  Stück  des  Caracalla  und  Geta,  Sestini,  Bett,  c 
1  Sp.  1499  nr.  8;  „Fluvius  Ister  cymbae  ad  s.  diss.  mim.  6  p.  15  nr.  2,  v.  Sallet  p.  80  nr.  39; 
insidens,    quam    d.    tangit,    s.    arundinem    et  ähnlich    („Fluvius    imberbis   decumbens    ad  s. 
simul   umae,    vel   capiti  leonis  aquam  ex  ore  supra  aquas,  d.  data  fasciculum  trium  spjicarum 


557                          Istros  Italia                          558 

cum  papavere  tenet")   auf  einem  dea  ersteren  inaehriftlichen  Widmungen  an  Danuvius  kommt 

Kaisers,  Sestini,  Mus.  Hed.  1  p.  34  nr.  26.  noch  Eph.  epigr.  2,  676.   [Drexler.]  —  2)  Sohn 

Auch  auf  einigen  römischen  Kaisermünzen  des   Aigyptos  und  der  Arabia,    vermählt  mit 

kommt  der  Flufsgott,  hier  Danuvius  genannt,  der  Danaide  Hippodameia,  Apollod.  2,  1,  5.  — 

vor.   Auf  Silbermünzen  Trajans  init  der  Revers-  3)   Istros    oder    Oistros,    ein   Satyr,    der    dem 

aufschrift  DANVV1VS  (unten),  COS-V-P-P-S-  Dionysos  nach  Indien  folgte,  Norm.  Bion.  14, 

P-Q-R-OPTIMO  PRINC  erscheint  „Le  Banube  111.   JStolL] 

couronne  de  roseaux,  entoure  de  Jones  et  d'unc  ltaios   ('Ixaiog),  Name   des  Adonis  bei  den 

voile  enflc'e  par  le  vent,  couche  ä  g.  et  regar-  Tyriern,  Hesycli.,  in  deren  Sprache  'ASa  s.  v.  a. 

dant   ä  dr.     Son   bras  g.   est   appuye  sur  une  10  hia  bedeutet;   Kesych.  s.  v.   A JA   und  'Itaia. 

urne,  et  de  sa  m.  dr.  il  tauche  un  navire  dont  [Höfer.] 

on  ne  voit  que  la  moitie",   Cohen  22,  32,  136.  Italae  matres   s.  Matres. 

137.    Auf  Grofsbronzen  desselben  Kaisers  sieht  Italia,  die  Personifikation  des  Landes  Italia, 

man    einen   Flufsgott    in    aufrechter   Stellung,  erscheint    mehrfach    auf  Münzen.     Ihr   Haupt 

den  Oberkörper   unbekleidet,   das  Gewand  im  ist    dargestellt    auf   dem    Obvers    zahlreicher 

Winde   wallend,   in   der  Linken   einen  Schilf-  Silbermünzen    der   von   Rom   abgefallenen   sa- 

stengel,   das  rechte  Knie   auf  eine  am  Boden  beilischen  Völkerschaften.   Diese  Münzen  findet 

sitzende  Frauengestalt  stemmend,   die  Rechte  man  bei  Eckhel ,  B.  N.  V.  1  p.  103 — 107,  Mi- 

auf  ihre  Schulter  legend.     Cohen  (2-  71,  7-25.  ounet   1    p.  108—109,    Suppl.    1    p.  226—228; 

726  u.  Note  1)    erkennt   den   Tiber,    welcher  20  P.  Merimee,  Medailles  itediotes  de  la  guerre  so- 

Dacia   zu   Boden   wirft;    doch   scheint   Eekhels  ciale,  Revue  nun.    1845.    p.  77 — 111,  PI.  3  —  5: 

(B.  N.  V.  6  p.  418)  Deutung  auf  den  Danuvius,  Carellii  Numorum  Italiae  veteris  tabulas  CCII 

der  „violentas  prostratae  Baciae  manus  inferendo  ed.   Cavcdonius.    Lipsiae  1850.    2°;    J.  Fried- 

indicare  videtur,  eius  quoquein  subigenda  Bacia  landtr ,  Bie  oskischen  Münzen.    Leipzig  1850. 

aliquod  fuisse  meritum",   den  Vorzug   zu   ver-  p.  68  ff.    „Die    Münzen    des    Bnndesgenossen- 

dienen.    Ein  Medaillon  des  Marc  Aurel  mit  der  Krieges";    J.  Sambon,   JRecherches  sur  les  an- 

Reversaufschrift  IMP  X  COS  III  zeigt  im   Re-  ciennes  monnaies  de  l'Italie  meridiondle  p.  65 

vers  unterhalb  einer  Holzbrücke  einen  bärtigen  — 67   und  Les  Monnaies  de  la  presqu'ile  ita- 

gelagerten  Flufsgott  linkshin,  den  Oberkörper  lique  p.  190  —  192,  PI.  13;    wohl   auch  in   dem 

unbekleidet,    die   Rechte   auf  ein   Schiff,    den  30  mir  unzugänglichen  Werke  von  Garrucci,  Le 

linken    Arm    auf    ein    Gefäfs,     dem    Wasser  monete  delV  Italia  antica;  ferner  bei  Bompois, 

entströmt,  legend.     Cohen  32,  39 — 40,  384  be-  Les  types  monetaires  de  la  guerre  sociale.  1S73. 

zeichnet  ihn  frageweise   als  Tiber,   Froehner,  4°;  viele  derselben  auch  in  Coli.  Ferd.  Bompois. 

Les    me'dailtons    de    Vemp.    rom.    p.    114 — 115  Medailles grecques  autonomes.  Paris  1882.  p.  3 — 4; 

sicher  mit  Recht   als  Danuvius.     Das  Bronze-  Coll.Billoin.  Medailles grecques  autonomes.  Paris 

medaillon  Constantins  mit  der  Reversaufschrift  1886.    p.  4 — 5;    Cohen,  Bescr.  des  med.  grecques 

SALVS  REIF;  DANVBIVS  und  einer  Brücke,  composant  la  coli,  de  M.J.Greau  p.  15;  Catalogo 

auf  der  Victoria  sich  umblickend  dem  Kaiser  del  museo  Borghesi.    Monete  greche  e  bizantine 

voranschreitet,  während  vor  ihnen  ein  Barbar  p.  19 — 21;     Catalogo    del    museo    nationale    di 

auf  die  Kniee  fällt,   und  unten  der  Flufsgott,  40  Napoli.     Coli.   Santangelo   p.  8 — 9;    Millingen, 

sowie  zwei  Schiffe  sichtbar  sind  (Pellerin,  Mel.  Becueil     de     quelques    med.    grecques    inedites 

1  p.  215),  wird  sowohl  von  Eckhel  8  p.  85  ff.  p.  28 — 32  und  Sylloge  of  ancient  unedited  coins 

als   auch   von    Cohen  l'\  285,  483,  Note  1   für  of  greek  eitles  and  kings  p.  1  —  8. 

eine  Fälschung  erklärt.  Der  Kopf  wird  verschieden  dargestellt,  bald 

Auf  der  Trajanssäule  sieht  man  den  Istros  lorbeerbekränzt  und  gewöhnlich  mit  Ohrringr 
in  einer  Grotte,  mit  dem  Oberkörper  aus  den  und  Halsband  geziert,  bald  mit  hinten  in  einen 
Fluten  hervorragend,  das  bärtige  Haupt  mit  Knoten  gestecktem  Haar,  Diadem,  Halsband 
Wasserpflanzen  bekränzt,  verwundert  dem  und  Ohrring  (vgl.  Merimee  p.  92  zu  nr.  6),  bald 
Brückenübergange  der  Römer  zuschauend,  mit  Flügelhelm  und  Halsband,  bald  mit  ge- 
Froehner ,  La  colonne  Trajane  p.  68  Fig.  3.  50  wohnlichem  Helm.  Man  hat  deshalb  vielfach 
Zu  der  Inschrift  C.  L.  L.  3,  1609,  die  sich  auf  in  derBenennung  geschwankt:  so  wird beispiels- 
den  Bau  der  via  Traiana,  einer  am  rechten  weise  das  lorbeerbekränzte  Haupt  von  Adrien 
Donauufer  in  der  ganzen  Ausdehnung  der  de  Longperier ,  Cab.  de  Magnoncour  p.  15 
Stromenge  entlang  laufenden  Galerie  bezieht  nr.  142  u.  143  und  in  Cut.  Borghesi  p.  19  nr. 
und  wohl  am  Ende  des  Baues  angebracht  war,  224—227  als  Apollo,  von  Cohen,  Cat.  Greau 
bemerkt  Beundorf  in  Hirschfelds  Epigra-  p.  15  nr.  126  u.  127  als  Venus,  das  Haupt  mit 
phischer  Nachlese  zum  C.  I.  B.  vol.  3.  Wien  dem  Helm  von  Mionnet  und  das  Haupt  mit" 
1874.  p.  58  =  Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  Kl.  d.  dem  Flügelhelm  von  Merimee  p.  107  als  Pallns 
Kais.  Ak.  d.  W.  Bd.  77  p.  418:  „Ungefähr  2  m  bezeichnet.  Wir  dürfen  wohl  Friedländer  bei- 
tief unter  dem  untersten  Rande  der  Inschrift  00  stimmen,  wenn  er  p.  70  bemerkt:  „Man  hat 
springt  eine  wagerecht  abgemeifselte ,  7,75  m  Anstand  genommen,  den  weiblichen  Kopf  für 
lange  Terrasse  1,70  m  weit  vor  .  .  .  Auf  ihr  die  Italia  zu  halten,  weil  er  bald  behelmt, 
in  der  Mitte  kniet  eine  männliche  unbekleidete  bald  bekränzt  ist,  allein  auch  der  Kopf  der 
Figur,  ohne  Zweifel  der  Ister  (vgl.  Froehner,  Koma  auf  den  Familienmünzen  ist  bald  be- 
La  colonne  Trajane  p.  68),  welche  mit  er-  kränzt,  bald  behelmt",  vgl.  p.  71:  „Die  am 
hobenen  Händen  den  Rahmen  der  Inschrift  häufigstenwiederkehrendeAufschriftist'viteliü' 
hält;  sie  ist  bis  zur  Unkenntlichkeit  verstüm-  und  ITALIA.  Corfinium,  die  Hauptstadt,  erhielt 
rnelt."     Zu  den  oben  1  Sp.  954  verzeichneten  den  Namen  'Izaliu  nach  Biod.  37,  'tiaXvM\  nach 


559                          Italia  Italia                          560 

Strabo,  Italieuni  nach  Vell.  Fat.  Jene  Auf-  „Sed  nudata  Caput;  pro  crine  racemifer  exit 
schrift  der  Münzen  aber  ist  wohl  nicht  der  Plurima  per  frontem  constringens  oppida 
neue  Stadtname,  sondern  bezieht  sich  auf  den  palmes", 
Kopf  oder  die  Figur,  welche  die  Italia  dar-  (Karl  Purgold,  Archäol.  Bemerkungen  zu  Clau- 
stellt,  also  auf  das  zu  gründende  italische  dian  und  Sidonius  p.  11 — 12),  so  dürfte  die 
Reich,  denn  nicht  eine  andere  Stadt  wollte  Vermutung  vielleicht  nicht  allzukühn  er- 
man  dem  herrschenden  Rom  entgegenstellen,  scheinen,  dafs  das  in  Rede  stehende  Haupt 
sondern  das  ganze  gleichberechtigte  Land."  gleichfalls  die  Italia  darstellt. 
Die  Benennung  Italia  findet  sich  angewendet  Ganz  unwahrscheinlich  ist  Avellino's  (Op.  2, 
auch  im  Cat.  of  the  first  portion  of  the  North-  10  p.  17  nr.  21)  Deutung  des  weiblichen  behelmten 
wich  Coli,  of  coins  and  medals  p.  5  nr.  30  ff.,  Kopfes  mit  Flügeln  an  den  Schultern  auf  einer 
Coli.  Bompois  p.  3  nrs.  24—34,  Coli.  Billoiu  von  ihm  den  Bundesgenossen  zugewiesenen 
p.  4—5  nr.  39  u.  40  und  wenigstens  für  das  Bronzemünze  als  Italia,  s.  Friedländer  p.  89. 
lorbeerbekränzte  Haupt  auch  von  Millingen,  Ahnlich  wie  Aitolia  auf  einem  Haufen  von 
Syll.  p.  1 ,  Merimee  p.  89  zu  nr.  1 ,  de  Witte,  Schilden  sitzend  dargestellt  wird  (Head,  Bist. 
Descr.  des  med.  du  cab.  de  m.  l'abbe  H.  GJ-eppt,)  Kum.  p.  284,  Cat.  of  greek  coins  in  the  Brit. 
p.  13  nr.  91,  L.  Müller,  Descr.  des  monn.  ant.  Mus.  Thessaly  to  Aetolia  p.  194  —  195  nr.  1  — 8. 
du  imise'e  Thorvaldsen  p.  329  f.  nr.  55  u.  56,  12 — 15,  PL  30,  3.  4.  5.  7),  erscheint  als  Revers- 
Iloaroldy.cig,  Rectal,  xäv  ägx-  vouioyuTcov  zov  darstellung  Italia  auf  Schilden  sitzend,  links- 
'Adr'i-vrjGiv  i&vixov  vouiauari-aov  [tovosCov  1  20  hin,  eine  Lanze  in  der  Rechten,  ein  Schwert 
p.  18  nr.  110  u.  111.  in  der  Linken,  bekränzt  von  der  hinter  ihr 
Mit  aller  Reserve  sei  hier  eine  Vermutung  stehenden  Victoria.  Den  Obvers  nimmt  ein 
geänfsert  hinsichtlich  des  weiblichen  epheu-  das  lorbeeibekränzte,  mit  Ohrring  und  Hals- 
bekränzten Kopfes  auf  dem  mit  der  Aufschrift  band  gezierte,  wohl  ebenfalls  die  Italia  dar- 
O VTAO  9  PH  3  v'  hT V  \W  (mutil  embra-  stellende  weibliche  Haupt,  Die  Münze  tritt  in 
tur)  versehenen  Obvers  einer  Münze,  die  im  mehreren  Spielarten  auf:  1)  Obvers  vor  dem 
Revers  den  italischen  Stier,  der  die  zu  Boden  Haupte  X,  Revers  ITALIA,  Friedländer  p.  85 
geworfene  römische  Wölfin  mit  den  Hörnern  m"-  14<  Taf-  10.  14i  Sambon,  Rech.  p.  191,  19, 
stufst,  und  die  Aufschrift  inplFin  7  (g.  paapi)  £(,f-  Borghesi  p.  20  nr.  234;  dazu  im  Felde  des 
ü.-i.  j.  Tir  -n  7  7  n  ti  i  ot  ri  ,  x*i  30  Reverses  kj,  Merimee  p.  91  nr.  4,  PI.  3,  3: 
fuhrt,  Mus.  Pembroke  2  Tab.  87  =  Cat.  of  the  -,r  ,  7  T-  -  ■  7  •  j  -n  \  t\  >u, 
4-  t>  7,  7  n  n  er  ooe  n  7-1  4  Mereoacher,  I  erzeicnms  der  von  Prof.  Dr.  Otto 
entire  Pembroke  Coli.  p.  66  nr.  2S5,  2;  Dutens,  c  ,,,  ■  'c.  .,  ,  ,  .  .  ,  '„  , 
Evnlication  de  auelaues  medaiiles  13  222  beytfer  ln  Stutt9art  unterlassenen  Sammlung 
uxpucanon  ae  quelques  meamues  p  iji,  .,  -  Münzen.  München  1891.  1  p.  20 
Eckhel  1  p.  103  nr.  6;  Mionnet  Suppl.  1,  227,  "  ,D1  .-  T,  „  .  0  ,  „  t,,  „  „  ,/, ,  -, 
203;  Merimee  p.  104  nr.  18;  M.  D  de  Luynes,  f ■  131j  Cn'r  ^'"mSi  See  isnt 
Choix  de  med.  grecques.  PL  17;  Millingen,  Mf-  og  •  öarelli  TihAoi,l'p  114;  Coli. 
Consideratwns  sur  la  numismatique  de  l  an-  c,  .'  „■,'  ,  '„  _  .,„  n  „  WC  .'  „ 
T.  t  ,  „_  _  o  7  t>i  n  in  Santangelo  p.  9  nr.  o43;  Co«.  Bompois  p.  3 
Mime  ltalie  p.  I80  nr.  *,  üuppl.  PL  2,  16;  „,  »,  J  7->„f„_„  •„  r  m  1  n  n  n  -ort  ■ 
n  77-  -.-•,.  rr  i  nno  nn  t  7  Tvr  7_r  77  nr.  2i  =  Bompois,  1  ipes  rl.  1,  7;  Call.  Billoin 
Carelh  p.  116,  lab.  202,  27;  Leake,  JS  um.  Hell.  ,  ,,  A7  JA  .  r,  ■ '  '  ,.  ,,. 
-r-,  t  .-,'  ,„'.  n  „  j '  „r  -r,  p.  5  nr.  41;  Cohen.  Cat.  Greau  p.  lo  nr.  127; 
European  Greece  p.  12o;  Coli,  de  M.  Prosper  {-  -&  ■  ,7..  7  '  n  -  „  7  r  n  *  n  • 
-r,  '■  .  a  t  i  t,  -d  7  :„„  40  E,  i riedlander  a  a,  O.;  F,  Cohen,  Cat.  Greau 
Duprc  p.  1  nr.  2:  L.  bambon,  Rech.  p.  190  „  '  n  n  t  r>  i  ■  ™  aM  r-  n  ,i 
c  -ni  i  o  -.t  V>  .»  t  7  o  7  t  i  &.i\.V.\  Cat.  Boiqliesi  \>.  20  nr.  233;  I,  Coli. 
nr.  5,  PL  13,  17;  Cat.  Jules  bambon.  London  c.  .  '  T„  .,/  .  *  .  7  „  .'. ..'  n  77 
,„-„'  _  '  „'  n -n  *  *  7  o  mi  bantangelo  nr.  o44;  ..innansi  lett.  %nc",  Coli. 
1S.0  p.  7  nr.  69;  Coli.  Santangelo  p.  8  nr.  507  Santanielo  nr  545-2.  Obvers  hinter  dem 
u.  503;  Friedländer  p.  79  nr.  6,  Taf.  9,  6;  n  Äni  t  %  b  ■  aI  i,  ■« 
-r,  ',  r,  j  ■■  j  7ir-  7  i  no  Haupte  11AL1A,  davor  X;  Revers  im  Abschnitt 
Dannenberq,  (jrrundzuqe  der  Münzkunde  p.  38.  A  x>  •  77- ■  j  **  m  c  m  *e  iüh  ■_  ■ 
it.-  -rr  •  *•■<.  j-„  Tvr-  j  iu  A,  i rielhnulcr  nr.  15,  Tat.  10,  lo;  Merimee 
Eine  Varietät  dieser  Münze  zeigt  dasselbe  '  ,,.  .  n  ,  -r,  ,  ■  .-,'„  „.,„  D 
tt  •  t  v  1  1.  p.  91  nr.  0;  Cat.  Borqhesi  p.  20  nr.  236;  B, 
Haupt  umgeben  von  einem  Lorbeerkranze  ohne  V  ■  „■■  7  n  1  « .  1  j  td  1 
tt  1  •«.  ■  Ai  „  :_  x>„  „  j-  (  f  1  -ci  ± riedlander  a.  a.  O.;  ohne  Angabe  des  Buch- 
Umschntt  im  Oovers,  im  Revers  die  Aufschrift  .   ,          ■     t,             c!      ,        -n  a,        ,„<         „„ 

....  ,_,-,-.  _  ,  .,  ,...'„     ,        -r,    ,       , stabens  im  Revers,  bambon,  Rech.  p.  191  nr.20; 

VN3ThD(viteliu),Sam6o«,2fec7i.p.l90nr.6;  Cat    Borghesi  p.  20  nr.  235.   3)    Qbvers   hinter 

Coli.  Santangelo  p.  8  nr.  509  (VN\l3ThD)  50  dem  Haupt  ITALIA,  davor  XVI;  Revers  im 
Das  Haupt  wird  von  Leake  als  Bacchus,  von  Abschnitt  F,  Mi.  S.  1,  22S,  20S;  Jle'rime'e  p.  91 
Caredoni  als  Liber  oder  Libera,  von  Merimee  nr.  3;  Coli.  Bompois  p.  3  nr.  26  =  Bompois, 
und  Fiorelli  als  Libera,  von  Sambon  als  Bac-  Types  PL  1,  6;  Coli.  Billoin  p.  5  nr.  40;  G, 
chantin  bezeichnet.  Wenn  wir  uns  nun  er-  Friedländer  nr.  16,  Taf.  10,  16;  Cohen,  Coli. 
innern,  dafs  der  bei  den  Dichtern  gebrauch-  Greau  p.  15  nr.  127;  ohne  Angabe  des  Buch- 
liche Name  Italiens  (ursprünglich  der  Gegend  stabens  im  Revers,  Sambon,  Rech.  p.  191  nr.  21; 
•  zwischen  Paestum  und  Tarent)  Oenotria  mehr-  Cat.  Borghesi  p.  21  nr.  237  u.  238. 
fach  (Pisand.  fr.  nr.  7  bei  Ste})h.  Byz.,  Dionys.  Der  Revers  mehrerer  Münzen  zeigt  eine 
Halic.  1,  11,  Servius  zu  Yerg.  Aen.  1,  530  sqq.),  bewaffnete  Figur  rechtsliin  stehend,  mit  der 
wiewohl  irrig,  als  „Wein lan d"  gedeutet  wurde  60  Rechten  sich  auf  eine  Lanze  stützend,  in  der 
[Kiepert,  Lehrbuch  der  alten  Geographie  p.  455,  Linken  das  Schwert,  den  linken  Fufs  auf 
g  392,  1),  und  dafs  Oenotria  bei  Claudian,  De  einen  undeutlichen  Gegenstand  (nach  Fried- 
eons. Stilich.  lib.  2  (22)  vs.  262  sqq.  persona-  lancier  ein  am  Boden  liegendes  Feldzeichen) 
ficiert  erscheint:  setzend,  rechts  neben  ihr  das  Vorderteil  eines 

.., —  lentis  liegenden  Stiers.    Den  Obvers  bildet  bald  ein 

Vitibus  inlorquens  hederas  et  palmite  largo  lorbeerbekränztes  weibliches  Haupt  mit  Hals- 

Vina  flucns"  band    und   Ohrring   nebst  der   oskischen  Auf- 

und  bei  Sidonius  Garm.  2,  321  sqq.:  schrift  viteliü,   während  der  Revers  entweder 


561  Italia  Italia  562 

keine     Aufschrift     aufser    einem     Buchstaben  vers  Italia  im  langen  Gewand,  ein  Füllhorn  in 

(Eekhel  1  p.  103  nr.  2;  Mülingen,  Becueil  p.  28  der   Linken,   der   lorbeerbekränzten   den   Fufs 

nr.  2,   Fl.  1,  9;    Leake  p.  125;    Merimee  p.  99  auf  die   Erdkugel   setzenden  und   das  Scepter 

nr.  15,  PL  5,  1;  Friedländer  p.  75 — 77  nr.  1,  in    der    Linken    haltenden    Roma    die   Rechte 

Taf.  9,  1;    de   Mitte,    Cab.   E.    Greppo    p.  13  reichend,  mit  den  Beischriften  RO  und  ITAL, 

nr.  91;  Sanibon,  Sech.  p.  190  nr.  1;  Coli.  Sant-  einen    Caduceus    über    letzterer,     sowie    den 

angelo   p.  9    nrs.  520—532;    Postolakas  p.  18  Namen   des   anderen   Triumvir  monetalis   Mu- 

nr.  110;  Coli.  Bompois  p.  3  nr.  28  =  Bompois,  cius    Cordus    CORD1,    Eekhel   5    p.   220—221; 

TypesVl.  2,1;  Merzbacher,  Sammlung  O.Seyffer  256—257;    Friedländer   p.  89—90;    Ariodante 

1  p.  20  nr.  130)    oder  Q\\\  ■  |})3V\I  ■  -\V\  (m  10  Fabretti,  Raccolta  numismatica  del  r.  museo  di 

lüvki-mr)   zeigt  (Eekhel  1   p.  103   nr.  4;    Mi-  antichitä    di    Torino    p.  139   nr.  2513;    p.  191 

rime'e    p.  100    nr.  16;     Sambon,    Bech.    p.  190  nr.  3550  u.  3551 ;  Babelon,  Descr.  hist.  des  monn. 

nr.  2;    Coli.  Santangelo  p.  9   nr.  519;    Fried-  de  la  ripubligue  rom.  1  p.-512 — 513,  Fufia  nr.  1 ; 

länder  p.  77   nr.  2,    Taf.  9,  2;   Cat.  Northwick  2  p.  236—237,  Mucia. 

p.  5  nr.  30*;   Coli.  Bompois  p.  3  nr.  34  =  Born-  Mehrfach  erscheint  Italia  auf  den  römischen 

pois,  Types  PI.  2,  9);   bald  ein  weiblicher   be-  Kaisermünzen:  stehend  mit  Scepter  und  Füll- 

helmter    Kopf   mit  Halsband    nebst    der  Um-  hörn,  begleitet  von  der  Beischrift  ITALIA,  auf 

schrift  nJITVHH  D   (g.  mutil)  und  im  Revers  Silbermünzen  Hadrians,  Eekhel  6  p.  495;  Cohen 

WIHI8R£  tsafinini)  (Eekhel  1  p.  103  nr.  1;  2.2  178,868.869;  auf einer (Cohen  179 ,870) führt 

Carelli  p.  116,   Tab.  201,  25;    Merimie  p.  99  20  n*d*a  Belnamen  FELIX      Auf  Gold-,  Silber- 

1  <      tt  ■   77"   j  fjo        ö    rr  c  n  o     o  und  bronzemunzen   desselben  Kaisers   mit  der 

nr.  14;   l'riedlander  p.  78  nr.  3,  Iaf.9,3;  Sam=  .    e    ,    ■,..      inrcviri    att/-'    itattat?      -„i,t 

7,„„    x>„„7,         mn         o    01   1  o  1 1-     n  I   ö      7.  Autschrilt    ADV  EM  VI   AHi    11ALIAE    sieht 
bon,  Bech.  i).  190  nr.  3,  Fl.  13,16;   Cat.  Sambon  -        -i  o  i_   i  i  r-m  -i. 

rj  «      /u     i!»  .t.  •         on  mo  man  sie  mit  Schale  und  ÜuILnorn   gegenuber- 

p.    7     nr.    68;     Cat.    Borqliesi     p.    20    nr.    22S;         ,   ,        ,     ■,  .        D  n      t_   ii„   j        -u  v. 

n„..   „.  7,„..„        oo\     i  „i  i   „,-      „„-i,!-  i        r-     c  stehend   dem   eine  Rolle   haltenden  Herrscher, 
Dannenberq  p.  38);    bald  ein  weiblicher   Kopf  j        •    t.        -i  ■         a  j        au... 

•i.  ml,-     Vi  „i        ni,     ■  i   tr  i  i       j       i.i  und   zwischen   ihnen   einen  nammenaen  Altar, 

mit  Mugplnelm,  Ohrring  und  Halsband  nebst  -n,,,   ln        ,.,r     tt -li        -n         i  i- 

i  a    r    i    •/■/     ii  -t-wijj  -7  i  innnn    -r  Fdcliel  6  p.  495,  Hobler.  Itccords  of  roman  In- 

der      Aufschrift     vi  hTVW  7-hinnnn    7  story  oncohmgelv.  322  m:6il,  Cohen  V;  110, 

(g.  paapn-  g.  mutil)  und  im  Rev.  VNBThD  42—50.    Auch  in  der  stehenden  Frau,  welcher 

(viteliü),  Fiorelli,  Mon.  ined.  p.  18,  Tav.  3,  4 ;  der  auf  der   sella  curulis   sitzende  Nerva   auf 

Sambon,  Bech.   p.  190   nr.  4;    Coli.  Santangelo  30  Grofsbronzen     mit     der    Aufschrift    TVTELA 

p.  8  nr.  610;  Friedländer  p.  77  nr. 4,  Taf.  9,4.  ITALIAE   S-C    die    Rechte    entgegenstreckt, 

Vermehrt    um    einen   Baumstamm,    an   dessen  während   zwischen   beiden  ein  Knabe  und  ein 

Ästen  vier  Schilde  hängen,  erscheint  der  Typus  Mädchen  stehen  (ein  Typus,  der  erläutert  wird 

auf  dem   Revers   einer  Münze,    deren   Obvers  durch  die  Notiz  des  Aurelius  Victor:  „puellas 

ein  weiblicher  behelmter  Kopf  mit  Schuppen-  puerosque  natos  parentibus  egestosis  sumptu  pu- 

panzer  und  dahinter  eine  kleine  stehende,  einen  blico  per  Italiae   oppicla   ali  inssit',   Eekhel  6 

Kranz    erhebende  Victoria    einnimmt    (Cartlli  p.  408),  sieht  Cohen  2 2,  12, 142  Italia.   Knieeud, 

p.  117,    Tab.  202,  37;    Sambon,  Bech.  p.  192  die    Erdkugel    haltend,    von    Trojan    empor- 

nr.  26,  PI.  13,  18;  Merimee  p.  100  nr.  17,  PI.  4,  gehoben   und   zwischen  beiden  zwei  die  Hand 

1;  Coli.  Sa>itangeio  p.  9  nr.  518;  Cat.  Borghesi  40  ausstreckende    Kinder    zeigen    sie    Gold-    und 

p.  21  nr.  240;  Friedländer  p.  79  nr.  5,  Taf.  9,  5).  Rronzemünzen   Trajans    mit    den   Aufschriften 

-  Mülingen  [Bec.  p.  28  nr.  2,  p.  31)  und  ihm  REST(ituta)  •  ITAL(ia)  •  COS  •  V  ■  P  •  P  •  S  •  P  • 

folgend  K.  O.  Müller,   Hdb.    d.  Aren.  d.  K.3  Q  •  R  -  OPTIMO  PRINC;  REST  •  ITALIA  S  •  P  ■ 

p.  662,   §  405,  1    sieht   in    der   Figur    Italia;  Q  ■  R  •  OPTIMO  PRINCIPI  S  •  C;  ITALIA  REST  • 

Bannenberg    p.   38    erkennt    „den    Stier,    das  S  ■  P  ■  Q  ■  R  •  OPTIMO  PRINCIPI  S-C,    Cohen 

Sinnbild  Italiens,   neben   einer  das  Land  dar-  22,  51,  326;  52,  327;  37,  179,  die  von  Eekhel  6 

stellenden    bewaffneten     Figur",     Friedländer  p.  427  mit  den  Worten:  „dubium  non  est,  hoc 

p.   76    „den    kriegerischen    Genius    Italiens".  typo    innui  alimenta  suboli  Baliae  adsignata, 

Andere,  wie  Eekhel  1  p.  106,  Cavedoni  zu  Ca-  eamque    hac   liberalitate   restilutam"    erläutert 

relli  202,  37  p.  117,   Merimee  p.  101   sind   der  50  werden;    knieend,    die    Mauerkrone    auf    dem 

Ansicht,    dafs    der  Typus   Bezug   hat  auf  die  Haupt,   den  Erdball  haltend,   aufgehoben  von 

von  Strabo  5  p.  250   berichtete  Auswanderung  Marc  Anrel,    Grofsbronzen   dieses  Kaisers  mit 

der  sabellischen  Jugend,    welche,   von   einem  der     Aufschrift     RESTITVTORI  •  ITALIAE  • 

Stier  geführt,  das  spätere  Samnium,   wo  sich  IMP  •  VI  •  COS  ■  III  •  S  •  C,    Eekhel    7    p.  56, 

der  Stier  niederliefs,  besetzte.     Dabei   deutet  Cohen  3'-',  55,  538—540;  ebenfalls  knieend,  ein 

Eekhel  die  Figur  als  Mars,    Cavedoni  sieht  in  Füllhorn    haltend,    aufgehoben    von    Hadrian, 

ihr  „Comium  Castronium  ducem  iuventutis  Sa-  Gold-    und   Bronzemünzen   dieses   Kaisers   mit 

bellae  et  Samnii  olKiazrjv",   und   Merime'e  er-  der  Aufschrift  RESTITVTORI  ITALIAE,  Eekhel 

klärt:  „le  guerrier  personnifie  ces  e'migre's prenant  6  p.  495,    Cohen  22,  212,  1274— 1277.     Sitzend 

possession  de  la  terre  Opique  au  moment  oü  ils  eo  auf  der  mit  Sternen  bedeckten  Weltkugel,  mit 

voient s'abaltrel'animal quileur servait de guide."  Füllhorn    und    Scepter,    auf   dem    Haupt    die 

Die   Versöhnung    der   Bundesgenossen    mit  Mauerkrone,  erscheint  sie  auf  Münzen  des  An- 

Rom   sieht  man   dargestellt   auf  einem  Denar  toninus  Pius  mit  der  Aufschrift  ITALIA   oder 

der  römischen  Familien  Fufia  und  Mucia.    Der  ITALIA  TR  •  POT  ■  COS  •  II   (bezügl.  III   oder 

Obvers  zeigt  die  einander  deckenden  Häupter  IV),  Henry  Smyth,  Eescription  of  a  cabinet  of 

des  Honos  und  der  Virtus  mit  den  Beischriften  roman   imperial   large-brass  medals  p.  121   nr. 

-HO.  und  V1RT  und  den  Namen  des  Triumvir  210,  Cohen  2",  314—315,  463—472;  ebenso  auf 

monetalis  L.  Fufius  Calenus  KALENI,  der  Re-  Grofs-  und  mittleren  Bronzen   des  Commodus 


563                         Italos  Ite                           564 

mit    der    Aufschrift    ITALTA  P  ■  M  ■  TR  •  P  ■  der  Penelope  und  des  Telegonos,  eines  Sohnes 

Villi  (bezügl.  X)  IMP  ■  VII  ■  COS  •  IUI  ■  P  .  der  Kirke  und  des  Odysseus,   Preller,  Gr.  M. 

P  •  S  ■  C  (Eckhel  7  p.  113;    Cohen  32,  264,  266  2,  469.    Niebuhr,  B.  (?.4  1,  16.  60.    Schwegler, 

—  268),  sowie  auf  Silbermünzen  des  Septimius  Bö'm.  G.  1,  400.    [Stoll.]     Vgl.  auch  Ariodante 

Severus  (Cohen  4S,  27,  228)  und  des  Caraealla,  Fabretti,    Corpus   inscriptionum   italicarum  et 

Cohen  42,  153,  102  mit  der  Aufschrift  INDVL-  glossarium  itedicum  Sp.  688 — 6S9  und  besonders 

GENTIA  AVGG  •  IN  ITALIAM.  auch    Servius    in    Verg.    Aen.   1,    533    (vol.  1 

Italia  will  ferner  Froehner,  Les  medaülons  p.  163  sq.  reo.  Thilo  et  Hagen):  Haitis  rex  Si- 
ele l'empire  romain  p.  64 — 65  erkennen  auf  ciliae  ad  eam  partein  venu  in  qua  regnavit 
einem  Medaillon  des  Antoninus  Pins  in  der  be-  10  Turnus,   quam   a  suo  nomine   appellavit  Ita- 

helmten,  mit  einem  Schwert  bewaffneten  Frau,       liam alii  Italiam  a  bubus  quibus  est  Italia 

die,    auf   einem    Felsen    unter    einem  Baume  fertilis,  quia  Graeci  boves  halovg,  nos  vitulos 

sitzend,  dem  von Iulus  und  einer  verschleierten  dieimus;   alii  a  rege  Ligurum  Italo;   alii  ab 

Frau  mit  einem  Kasten  auf  dem  Haupt  (nach  advena  Molossio;  alii  aCorcyreo;  alii  a  Vcneris 

Froehner    Vesta    mit    den   troischen    Penaten)  filio,  rege  Eucanorum;  alii  aquodam  augure  qui 

begleiteten  Aeneas   die  Rechte   reicht.     Cohen  cum  Siculis  in  haec  loca  venerit  f  quamque  his 

22,  369,  1029    sieht    auf   dieser   Münze   Roma,  regionern  inauguraverit;  plures  f   atare   tenari 

Antoninus  Pins,  Kybele  und  Attis.     Froehners  nepote  desaturaMinois,regisCretensium,filia  Ita- 

Deutung    auf  Aeneas    scheint   mir   treffender;  liam  dictum."    [W.  Dresler.]  —  2)  Beigeschrie- 

doch  dürfte  die  sitzende  Frau  eher  Roma  sein;  20  bener  Name  eines  Satyrs,  der  zusammen  mit  drei 

vielleicht  bezieht  sich  die  Darstellung  auf  die  anderen  Satyrn  und  zwei  Bakchantinuen  neben 

oben  1  Sp.  182   verzeichneten  Sagen,   wonach  dem   ausruhenden  Herakles  auf  der  sog.  Apo- 

Aeneas  Rom  gründet  oder  die  schon  bestehende  theose   des   Herakles  (Relieftafel   in  der  Villa 

Kolonie  Valentia  Ronie  nennt;  in  der  stehen-  Albani  zu  Rom)  erscheint.    Vgl.  die  Abbildung 

den  Frau  mit  dem  Kasten  hatten  wir  in  diesem  bei  Zoega,  Bassiril.  70.  Stephani,  Ausruh.  He- 

Falle  Rome,  die  Gemahlin  des  Aeneas,  zu  er-  raM.  Taf.  1  S.  lff.  u.  S.  206ff.  Jahn- Michaelis, 

kennen.  Griech.  Bilderchron.   Taf.  5   S.  39 ff.  u.  S.  68  ff'. 

„Italia,  aecompagnata  da  due  fanciulli,  che  Zu  den  Inschriften  s.  Jahn  a.  a.  0.  Anm.267ff. 

da  Traiano  riceve  la  tessera  per  gli  alimenti  in  u.  S.  68.  Heydemann,  Satyr-  u.  Bakehennamen, 

bassorilievo   mann.   Ann.   72,  309—30,    Mon.  30  Halle    1880,    S.  34   u.    37,    der   mit    Stephani 

IX,  47"   wird   verzeichnet  im  Bepertorio  uni-  a.  a.  0.  S.  218f.  u.  240  auf  Timaios  bei  Varro 

versah  delle  opere  delV  Inst.  arch.  doli'  anno  d.  r.  r.  2,  5,  3:  'Graecia  antiqua  tauros  vocabat 

1SG4—73.    Roma  1875  p.  58;   doch   wird   von  halovg'.    Colum.  6  praef.  7.    Tzetz.  Chil.  2,  36, 

Brizio,    dem  Verfasser   der   betreffenden   Ab-  345  und  Tzetz.  zu  Byk.  1232  verweist,   Inscr. 

handlung  (Due   bassirilievi  in  marmo   rappre-  Gr.  Sicil.  et  Italiae  1293.    Andere  lasen  statt 

sentanti  scene  del  Foro  Bomano)  der  von  ihm  'iraXog  "I'^alog  (s.  d.).     [Röscher.] 

p.  319,  320,  323  — 324,  328  besprochenen  Frauen-  Itanos  ('Itavög),  1)  ein  Phöniker  oder  einer 

gestalt,    die    ein  Kind   auf  dem  linken  Arm,  der  Kureten,  nach  welchem  die  kretische  Stadt 

~bei    einem    sitzenden    Herrscher    steht,    keine  Itanos  benannt  war,   Steph.  B.  v.   Itavög.   — 

Benennung  gegeben.  40  2)  Ein  Samniter,  der  zuerst  den  grofsen,  thür- 

Nicht    von     den    übrigen    Provinzen    ab-  förmigen  Schild  erfunden,   Giern.  Alex.  Strom. 

weichend    dargestellt   ist   Italia   in    der   Kot.  1,  75.     [Stoll.] 

Dign.  2  p.  9.  Itas    (itas ,    das    s    von    der    Gestalt  f  eines 

Über     die    Ableitung     des    Namens     siehe  griech.  w),   etruskischer  Name  des  Idas  (s.  d.) 

Ariodante  Fabretti,  Corpus  inscriptionum  itali-  auf   einem   Bronzespiegel   der  Sammlung  Du- 

carwm  antiquioris  aevi  et  glossarium  italicum  rand,    unbekannter    Herkunft,     neben    castur 

Sp.  686— 687.     [Drexler.]  (Kastor)  und  (pultuce)  (Polydeukes) ;  s.  de  Witte, 

Italos  J'ltctlög),  1)  alter  König  der  Sikeler  Catal.  Durand  nr.  1960.    Gerhard,  Etr.  Sp.  3, 

oder  der  Onotrer  im  südlichsten  Italien,  nach  57  c.  58.  Conest.  Bull.  1863,  152.  Fabr.,  C.  I.  I. 

welchem   zuerst   diese   Gegend  Italia  und   die  50  2504;    und    vgl.    Beecke,    Bezz.    Beitr.   2,    167 

Einwohner  Italer  genannt  wurden,  Thuk.  6,  2.  nr.  57;  s.  Ite  (ite).     [Deecke.] 

Steph.  B.  v.  'italia.   Tzetz.  L.  1232;  vgl.  Serv.  Ite  ("Irrf),  zusammen  mit  Adrasteia  als  Amme 

V.  Aen.  1,  2.     Als  ein  mächtiger,  weiser  und  des  Zeus  genannt  bei  Blut,  quaest.  conv.  3,  9,  2. 

heldenmütiger  Mann  hatte   er  sich  durch  Ge-  [Hier  ist  wohl  Ide  zu  lesen.     Röscher.] 

walt  und  auf  gütlichem  Wege  zum  Herrn  über  [Höfer.] 

das   Land    zwischen    dem   Napetinischen    und  Ite  (ite),  etruskische  Bezeichnung  des  Idas, 

Skyletinischen   Busen   gemacht,    das   zunächst  stärker  etruskisiert  als  Itas  (s.  d.)  und  eigent- 

den  Namen  Italia  erhielt;  er  machte  sein  Volk  lieh  einer  Form  *"lSog   oder  ISatog  (s.  u.)  ent- 

aus  Hirten  zu  Ackerbauern,    gab  ihm  Gesetze  sprechend:  auf  einem  Bronzespiegel,  einst  bei 

und    führte    auch   die   Syssitien   ein,    Antioch.  co  Ant.  Bianchi  in  Rimini,  unbekannter  Herkunft, 

Syrac.    b.    Dionys.   Hai.   A.   B.  1,  12.  35.   73.  neben  marnüs  (Marpessa)  und  apulu  (Apollon); 

Aristot.  Bolit.  7,  9,  2.    Sein  Sohn  war  Sikelos,  s.  Caict.  Beminicis,  Congett.  sopra  uno  sp.  etr. 

Dion.  Hai.  A.  B.  1,  22.     Nach   Tzetz.  L.  702  (Giorn.   scient.    htter.   de    Perugia   1838;    auch 

war  Auson  Sohn   des  Italos   und   der  Leutaria  Giorn.  acad.  75,  381) ;  Braun  und  Jahn,  Bull. 

(wahrscheinlich  Leukania).  Leukania  und  Italos  1838,  128.    1840,  90.    Gerhard,  Etr.  Sp.  3,  82, 

heifsen  die  Eltern  der  Rome,  Blut.  Bomul.  2.  t.  80  (Inschr.  inkorrekt).  Fabr.,  C.  I.  I.  2479; 

Nach  Dion.  Hai.  A.  B.  1,  72  ist  Romos  Sohn  und  vgl.  Deecke,  Bezz.  Beitr.  2,  167,   nr.  57; 

des  Italos.    Bei  Hyg.  f.  127  heilst  Italos  Sohn  auch    Corssen,    Etr.   1,   825.    —    Auf    einem 


565                           Itea  Ithyone                        566 

anderen    Bronzespiegel,   von    Cetona,    in    der  Lakedaimoniern  verehrt  -worden  sei,  Paus. 

Sammlung  Terrosi,  erseheint  ite  als  Name  des  3,  26,  6.    Das  Fest  des  Gottes,  'l&o>iiuici  (Paus. 

Paris    =    'iduZog,    verkürzt     aus     *itae     (wie  4,  33,  2.    Steph.  Byz.  a.  a.  0.),  fand  alljährlich 

partinipe  neben  par%anapae  =  ncxQ^svo-rcaiog),  statt  und   war,    -wie   Pausanias    aus   den  von 

neben   puri%    =    &qvyCa;    %ais   (aus    *  a%ais)  ihm   a.   a.   0.    citierten    Versen    des    Eumelos 

=  'A%aiig  i.  e.  Helena,  und  talmi&e  ;=  Tlala-  sehliefst,  mit  einem  musischen  Wettkampf  ver- 

fi?jtf?js;    s.  Gerh.,  Etr.  Sp.  3,  336,   t.  275  A  2.  bunden.    Von  Menschenopfern,  dem  Zeus  Itho- 

Fabr.,    C.  I.   I.    1014    cpiat.    (eigene    Kopie);  matas  von  Aristomenes  dargebracht,  berichtet 

und  vgl.  Bugge,  Etr.  Fo.  u.  St.  4, 24.  [Deeeke.]  Eusebios  a.  a.  0.  [Höfer.]   [Beim  Zeus  Ithomatas 

Itea    ('i-cia),    wohl    verderbter  Name   einer  10  schwören  die  Messenier  in  einer  zu  Phigaleia 

der    Danaiden,    die    ihren    Gemahl   Antiochos  gefundenen  Inschrift,  Le  Bas  et  Foucart,  Me- 

mordete,  Hyg.  f.  170.     [Höfer.]  garide   et  Pe'lop.  328  a.    Dittenberger ,  Syll.  I. 

Iterduca   s.  Iuno  u.  Indigitamenta.  Gr.    181    Z.   23    öiljvvco    dia    'L%m\x&Tav.      In- 

Ithaimenes   ('I&aifiivrjg),    1)   Vater  des  von  schriften  aus   Messene,    auf  die  'I9a>iictta  be- 

Patroklos  getöteten  Troers  Sthenelaos,  II.  16,  züglich,  sind  datiert:  inl  isgicog  rov  zliog  rov 

586.  —  2)  Ein  Grieche  auf  dem  Gemälde  des  'Ifi-coadtov,  Bull,  de  Corr.  Hell.  5  p.  155  nr.  6; 

Polygnot  in  der  Lesche  zu  Delphi,   Paus.  10,  vgl.   Le  Bas  et  Foucart  309.   310.  314.  314  a 

25,  2.     [StolL]  und   zu  328  a.     Münzen   der  Messenier   zeigen 

Itliake    ('I&d-nr])    will    Lehrs,   Rhein.    Mus.  einen    stehenden    Zeus,    in   der  erhobenen   E. 

N.F.  24  1869  p.  617  den  Namen  der  Schwester  20  den  Blitzstrahl,   auf  der  L.  den  Adler,  nicht 

des  Odysseus  bei  Athen.  4  p.  158  C  =  Müller  selten    mit   der    Beifügung    von    I0QM,    z.   B. 

F.  H.  Gr.  3  p.  152  statt  Q^a-nrj,  wie  überliefert  Lealie,  N.  H.  p.  174.    Sestini ,   Motte  med.  gr. 

ist,  lesen.     [Drexler.]  in   piü  Musei  p.   90,   Tav.   12,  6.    Mülingen, 

Ithakos  ("id-auog),  Stammheros  der  Insel  Ane.  coins  of  cit.  and  längs  p.  63,  PI.  IV 
Ithaka;  er  hatte  mit  Neritos  und  Polyktor  nr.  20.  Overbeck,  Zeus  p.  12  Fig.  3.  Head,  IL 
bei  der  Stadt  Ithaka  den  Brunnen  gestiftet,  K.  p.  361 — 362  Fig.  239,  was  Sestini,  Mil- 
ans welchem  die  Bürger  ihr  Wasser  holten,  lingen,  Baoul-Bochette,  Mem.  num.  p.  29  f. 
Od.  17,  207.  Die  Schol.  z.  d.  St.  und  Eustath.  137.  Lettre  ä  Schorn  p.  184.  Jahn,  Nuove  Mem. 
1817,  43  sagen  (nach  Akusilaos),  dafs  die  ge-  delT  Inst,  di  Corr.  arcli.  p.  17  und  Curtius, 
nannten  drei  Brüder,  Söhne  des  Pterelaos  und  30  Ztsehr.  f.  Num.  2  p.  268  zu  'i&aiixaiog  oder 
der  Amphimede  und  aus  dem  Geschlechte  des  'I&copdrag  ergänzen  möchten,  während  Üver- 
Zeus,  von  Kephallenia  aus  nach  Ithaka  zogen  heck,  Bhein.  Mus.  N.  F.  22,  1867  p.  125  und 
und  die  Stadt  Ithaka  gründeten,  die  nach  Zeus  p.  12 — 13  vielmehr  IQQMkjW,  als  nähere 
Ithakos  den  Namen  erhielt;  nach  Neritos  Bestimmung  von  MEZZANIQN,  lesen  will. 
wurde  der  Berg  Neriton  benannt,  nach  Po-  Meist  erkennt  man  in  der  Figur  das  von 
lyktor  die  Örtlichkeit  Polyktorion.  Vgl.  Steph.  Ageladas  gefertigte  Zeusbikl,  z.  B.  Percy 
B.  v.  'I&ä-Arj.     [Stoll.]  Gardner,  Cat.  of  gr.  Coins  (in  the  Brit.  Mus.) 

Ithas  ('i&dg),  der  Herold  der  Titanen,  Pro-  Pelop.  p.  109  Note  *  zu  nr.  1,  PL  XXII,  1;  vgl. 

metheus.    Andere  schrieben "l&a£,  Hesych.  s.  v.  p.  110,10.    PI.  XXII.  5;    11,   PL  XXII,  6;  12, 

[Vgl.  M.  Mayer,  Gig.  u.  Tit.  188  A.  67.    R.]  40  PL  XXII,  7;  p.  111-112  nr.  21—38,  PL  XXII, 

[StolL]  10—12;    p.    112    nr.   43,    PL   XXII,  15.    Head, 

Ithax  s.  Ithas.  H.  N.  p.  361;   vgl.  p.  361   dieselbe  Figur  auf 

Ithomatas  ('f&cofidrag   [auch  'l&m\iriTag   (r\g)  einer    Münze    von    Thuria.      Indessen    Brunn, 

Thue.  1,103.  ihtseb.  praep.  ev.  i,  16, 11  p.  157  c.  Gesch.  d.  gr.  Künstler  1   p.  73   und   Overbeck, 

Suid.J),    Beiname   des   Zeus   von   der   messeui-  Bh.   Mus.    1867   p.  122—127,    Zeus   p.  11 — 14 

sehen  Stadt  Ithome  und  deren  Burg  Ithomatas,  vermuten ,    der  von  Ageladas   für   die   Messe- 

Paus.  3,  26,  6.     Orakel  ebend.  4,  12,  7.  8.  10.  nier  gefertigte  Zeus   sei  in  kindlicher  Gestalt 

4,  24,  7.    4,  27,  6.     Steph.   By.:.    s.   v.  'I&a>jj,n.  gebildet  gewesen.     Drexler.] 

Der  vonPolykaonund  seiner  Gemahlin  Messene  Ithome  ('l&dfir]),  eine  Nymphe,  nach  welcher 

geweihte  Tempel  des  Zeus  Ithomatas   lag  auf  50  der   messenische   Berg   Ithome    benannt   war. 

dem  Gipfel  des  Berges  Ithome,  Paus.  4,  3,  9,  Mit  der  Flufsnymphe  Neda  badete   sie    nach 

vgl.  Phd.  Arat.  50,  2;  hier  war  Zeus  nach  der  messenischer  Sage  den  jungen,  von  den  Eureten 

Sage   der  Messenier  von  seinen  Ammen  Neda  entwendeten    (v.lcuibvza)    Zeus    in    der  Quelle 

und  Ithome   (nach  welcher   der  Berg  benannt  Klepsydra  auf  dem  Berge  Ithome  und  zog  ihn 

ist)  aufgezogen  und  in  der  nahen  Quelle  Kiep-  auf,  Paus.  4,  33,  2.    Sclioemann,  Opusc.  ac.  2, 

sydra  gebadet  worden,   Paus.  4,  33,  2;    daher  255.  Curtius,  Peloponn.  2,  147  f.  191,  20.    Bur- 

trugen    die   Messenier    alltäglich  Wasser    aus  sian,  Geogr.  2,  167,  1.  [StolL] 

dieser  Quelle  in  sein  Heiligtum,  Paus.  a.  a.  0.  3.  Ithomos  ("l&a>nog),  ein  König  von  Messenien, 

Das  Standbild  des  Zeus  Ithomatas,  ein  Werk  nach  welchem  Ithome  benannt  war,  Steph.  B. 
des   Ageladas,    ward   von    einem  jährlich   ge-  c,o  v.  'Irrcöfirj.     [StolL] 

wählten  Priester  in  dessen  Hause  aufbewahrt,  Ithyone  (IOVQNH),  Name  einer  Mainade  auf 

Paus.  a.  a.  0.     Zur   Zeit   des  Pausanias   fand  einem  Vasenbilde.     Sie  sitzt  auf  einem  Felseu, 

man    bei    Leuktra   in    Lakonien    nach    einem  hält  einen  Thyrsos  und  schaut  sich  nach  dem 

Waldbrande   eine  Statue   des  Zeus  Ithomatas,  gleichfalls    auf   einem   Felsen    sitzenden  Dio- 

woraus  die  Messenier  schlössen,   dafs  Leuktra  nysos,  AIONVZO  .  .  .  .,  um,  welcher  aufserdem 

früher  zu   Messenien    gehört   habe;    doch    ist  umgeben     ist    von     zwei    anderen    Mainaden 

es  dem  Pausanias  wahrscheinlicher,   dafs  der  ....  INAZ,  MAINAZ,  und  zwei  Satyrn  HIAVME- 

Zeus  Ithomatas   von   alters   her  auch  bei  den  AHZ  und  HIMOZ.    De  Witte  macht  darauf  auf- 


567                        Ithyphallos  Itonia  (Itonis,  -ias  etc.-1              568 

merksam,  dafs  der  Nanie  an  Thyone  =  Semele  Bundesgöttin  geworden  {Strabo  a.  a.  0.    Paus. 

{Biod.  3,  62)  erinnert,   de  Witte,  Descr.  d'une  9,   34,    1.     Plut.   narr.    amat.   4,   5,   vgl.  Liv. 

coli,   de  vases  peints  et  bronges  antiques  prove-  a.  a.  O.-);  über  den  mit  dem  Kultus  der  Athena 

nant 'des  fouüles  de  TEtrurie.  Paris  1837  p.  20  Itonia  im  Zusammenhang  stetenden  Feuerdienst 

nr.  43.     [Heydemann ,   Sab-  u.  Bal;chennamen  der  Iodama  s.  d.   —  2)   Beiname   der  Artemis 

S.  29  liest  Thyone ;  s.  Thyone.     Röscher.]  nach  Suidas;  da   er  aber  sonst  nirgends  be- 

[Drexler.]  zeugt  -wird,  so  ist  wohl  ein  Irrtum  des  Suidas 

Ithyphallos  {'l&vq>aU.og),  Name  des  Priapos,  anzunehmen.     [Höfer.] 

der  auch  Tychon  genannt  wird,  Biod.  Sic.  4,  6.  [Unter  den  zu  Hinoa  auf  Amorgos  gefundenen 

[Höfer.]  10  Inschr.  verzeichnet  Gaston  Beschamps,  Bull,  de 

Itone    Cltuvjj),    Tochter    des  Lyktios,    Ge-  Corr.  Hell  12. 18S8  p.  326  ein  Dekret  der  ff  govg- 

mahlin  des  Hinos,    dem  sie  den  Lykastos  ge-  yoi  der  Athena  Itonia  Jirl  Srtui6gyov  Tlayxgizov, 

bar,  Biod.  4,  60.     [Stoll.]  fiTjvog   Kgori'mi-og,    zu    Ehren   des    Eunomides, 

Itonia.     Die  Form  'Lravia  findet  sich  bei  Sohnes  des  Theagenes;  unter  den  Funden  von 

Strabo  9,2,  29  p.  411.  9,  5,  14  p.  435.    Paus.  1,  Arkesine  p.  327  das  Fragment  eines  durch  Senat 

13, 2,  3, 9, 13.  9,  34, 1.  10, 1, 10.  Bdkehyl.  mJBergks  und  Volk  zu  Ehren  einer  Person,  die  den  Yor- 

Anth.  Lyr.  p.  373.  fr.  23.    Plut.  Ages.  19.  narr.  sitz    iv   t?/    gvvoSco   rcüv  'Itutviav    haben    soll, 

amat.  4,  5.  Polyaen.  7,  43.  Hesycli.  Suid.  Etym.  erlassenen  Beschlusses.     In  einem  Dekret   des 

Magn.  479,  47.   Steph.  Byz.  schol.  Apoll.  Bhod.  Rats  und  Volks  von  Amorgos  {Beinach,  Bull 

1,  551.  Eust.  II  324,  26."  Liv.  36,  20.    'itmrig  20  de  Corr.  Bell.  8  p.  450.   1.  27 ff.    Burrbach  et 

bei Apoll.  Bhod.  1,551.  721,  vgl.  Tzetz.  Bylcophr.  Badet,  Bull,  de  Corr.  Hell  10  p.  261)   erhält 

355.    Etym.  21.  479,  53.    Armenidas  im  schol.  Kleophantos  für  sich  und  seine  Familie  Frei- 

Apoll,   Bliod.   1,   551.    Tgl.    721.     Plut.  Pyrrli.  heit  von  den  Beiträgen  für  die  Itonien:  [<Joü]- 

26,  8  und  Epigramm  ebendas.  =  Paus.  1,  13,  2.  vai  di  avrtäi  äzitetav  .  .  .  itacäv  zäv  ovußo- 

Aitth.  Pal.  6,  130.  Etym.  31.  479,  47.  Steph.  Byz.  Imv  -xogtvouhoig  sla  re  'irmvia. 

Festus  (Itonida).     Ttovic'c  bei  Callitn.  hymn.  Die  Stätte  des  Heiligtums  der  Athena  Itonia 

6,75.  Theodoridas  in  Anth.  Pal.  9,743.  'It6vtj  im  Gebiet  Ton  Koroneia   setzt  Foucart,   Bull. 

bei  Steph. Byz.  Suid.  Etym.  31.  519,  3.  'iTavaia  de  Corr.  Hell  9  p.  427 — 433  im  Dorfe  ilamoura 

bei  Steph.  Byz.  —  1)  Beiname  der  Athena.    Die  an.     Ein  Dekret   der  Boioter  ordnete  an,  das 

Hauptkultstätte    der   Itonia   war   ursprünglich  so  Bild  eines  Wohlthäters  aufzustellen  iv  tä  vaä 

Thessalien    {schol.  Apoll.  Bhod.  1,  721:   daher  r)];  "Ekmviaq  U&nvüg,  Beil.  Syll.  Inscr.  Boeot. 

A&rjrä  'Ireoviu  auch  Feldgeschrei  der  Thessaler,  p.  118:   Tgl.   Foucart,   Bull,   de   Corr.   Hell.  4 

Baus.  10,  1,  10);  hier  hatte  sie  zwischen  Pherai  p.  15    Note  1 ,    9   p.  430.  432.     Zur    Zeit    der 

und    Larissa    ein    Heiligtum  {Paus.  1,   13,  2);  Antonine    ernannte    der    böotisehe   Bund   eine 

ebenso   in   der   Stadt  Iton   {Strabo  a.  aa.  OO.  grofse  Priesterin  der  Athena  Itonia,  Becharme, 

schol.  Callim.  hymn.  6,  75);  Ton  letzterer  Stadt  Inscr.  de  Beotie  nr.  16.  Foucart,  Bull,  de  Corr. 

soll  sie  ihren  Namen  haben,  Tgl.  Etym.  31.  479,  Hell  4   p.    15   Note  1.     Auf   Grund    Ton   Z.  9 

47.  Eilst,  II  324,  26.  Fesius  (andere  Ableitung       und   11:    inn[<a]   noila toi'  'Agitog   und 

Tonltonos,  dem  Sohne  des  Amphiktyon,beiP(7»s.  i'n-xa  Tt!jm  top  . . .  TOÜ'Jpf'os  eines  Verzeichnisses 

9,  34,  1.  Steph.  Byz.   schol.  Apoll  Bhod.  1,551.  40  der  Sieger  bei   den  Pamboiotia  aus  Mamonra 

721);   ein  Fest  der  Athena  Itonia  in  der  thes-  {Bull  de  Cor.  Hell.  9  p,  431)  nimmt  Foucart 

salischen  Stadt  Krannon   gefeiert,  'Irco'rta  ge-  p.  433  an,  es  habe  ein  Zusammenhang  zwischen 

nannt,  bei  Polyaen.  2,  34  (so  C.  Fr.  Hermann  für  dem  Kult  des  Ares  und  der  Athena  Itonia  be- 

Tai'via).    Ton  Thessalien  gelangte  der  Kultus  standen  und  so  sei  bei  Strabon  9.2,29  ovy/M&- 

der  Itonia  mit  den  nach  Süden  auswandernden  iSgvtat    6h   rf]  'Jfr^rä  statt   o  ~'Jidr;s   vielmehr 

Aiolern  auch  nach  Boiotien,  wo  wir  zwischen  6  "Agrjg   zu  lesen.     Bekanntlich  wollten  E.  0. 

Alalkomenai  und  Koroneia  {Paus.  9,  34,  1),  in  Müller,   Handb.  d.   Arch.   d.  Kunst  §  371,  8. 

der  Nähe    letzterer  Stadt,    einen   dem  thessa-  Benlm.  d.  a.  K.  2,  Tfl.  XXI  nr.  226.    Welcher, 

lisehen  Iton  gleichnamigen  Ort,  einen  Tempel  Gr.   Götterlehre  1   p.  313    Athena    Itonia    und 

und    Kult   der   Athena    Itonia    finden,    Strabo  50  Hades  auf einerGemmedesFlorenriner Kabinetts 

a.    aa.   00.    Paus.    3,    9,   13.    Plut.    Ages.    19.  erblicken;    Overbeek,  Zeus  p.  46—49  Fig.  6  er- 

Hesych.    Catull   64,    228.     Stat.    Hieb.    2,    721.  keimt    darauf  die   Ton  Agorakritos  Ton  Paros 

7.  330.     Im  Tempel  selbst  standen  die  ehernen  gefertigten  Statuen  der  Athena  Itonia  und  des 

Bildsäulen   der   Athena  Itonia  und    des   Zeus,  Zeus  {Paus.  9,  34,  1),  indem  er  Strabons  Hades 

Werke    des    Agorakritos,    eines    Schülers    des  mit    dem    Zeus    des    Pausanias    für    identisch 

Pheidias,  denen  zur  Zeit  des  Pausanias  auch  hält.     Hit  Recht  spricht  sich  Wieseler  bereits 

noch  die  Standbilder  der  Chariten  hinzugesellt  in    der    2.   Ausgabe   der  Bcnhmäler   der   alten 

wurden,  Baus.  9,  34,  1;  ferner  befand  sich  in  Kunst    gegen    eine    solche    Deutung    der    be- 

dem  Tempel  eine  Statue  des  Königs  Antiochos  treffenden  Figuren  aus  und  erklärt  sie  Tielmehr 

(Biv.  36,  20)  und  Tor  demselben  ein  Denkmal  60  für    Athena     und     Sarapis     als     Gesundheits- 

zur  Erinnerung  an  den  Sieg  der  Boioter  über  gottheiten:   in   der  3.  Ausgabe  2  p.   161  ff.  er- 

die    Athener    unter   Tolmides,  Plut.  Ages.  19.  kennt  er  statt  des  Sarapis  den  Pluton. 

Auch     sonst     wurde    der    Göttin    nach    sieg-  Auf  Silbermünzen   Ton   Koroneia  erscheint 

reicher   Schlacht   Ton   den  Boiotern   geopfert,  das  Haupt  der  Athena  Itonia  mit  einem  Helm 

Polyaen.    7,    43;    denn   Athena    Itonia,    deren  mit  drei  Büschen  (Cat.  of  Greek  Coins  [in  the 

Kultus  in  engem  Zusammenhang  mit  dem  des  Bi  it.  Mws.]  Central  Greece  p.  47  nr.  12,  PI.  VII, 

Hades  steht,   y.axa  tiva  jivGTiv.riv   ulzlav ,   wie  10)    oder    mit    einbuschigem    attischen    Helm. 

Strabo  9  p.  411  sagt,  war  bald  pamboiotisehe  a.  a.  0.  nr.  13,  PI.  VII,  11;  oder  als-ihr  Symbol 


569      Itonos  —  Itys  (b.  Homer  u.  Hesiod)  Itys  oder  Itylos  (bei  d.  Dramatikern)     570 

das  Gorgonenhaupt,  bald  mit,  bald  ohne  vor-  Kleothera  und  Merope  gebar.    Aus  Neid  gegen 

gestreckte  Zunge,  a.  a.  0.  p.  46 — 47  nr.  6 — -11,  ihre  viel  reicher  mit  Kindern  gesegnete  Schwä- 

Pl.  VII,  6—9;  vgl.  Head,  H.  N.  p.  292.    Auch  gerin   Niobe   (oder  Hippomedusa),    die   Gattin 

den  sogenannten  böotischen  Schild,  das  Münz-  des  Amphion,  beschlofs  Aedon,  da  sie  nur  zwei 

abzeichen  einer  „Amphictyonic  Confederation"  Kinder  (Itylos   und  Neis)   hatte, -■  den   ältesten 

der  böotischen  Städte  hält  Head,  H.  JV.  p.291  Sohn  der  Niobe  (Amaleus),  der  mit  Itylos  zu- 

für  den  der  Athena  Itonia.  sammenschlief,   in  der  Nacht  zu  morden,  traf 

Die    thessalische    Athena    Itonia    erblickt  aber   aus  Versehen  ihr   eigenes  Kind  (nach  . 

man,  die  Lanze  zum  Kampfe  erhoben,  auf  dem  einer  anderen  Version  des  Schol.  B  tötete  sie 

Revers  von  Münzen  des  von  196 — 146  v.  Chr.  10  nach  der  Ermordung  des  Amaleus  ihren  eigenen 

bestehenden    thessalischen    Bundes    und     des  Sohn  absichtlich  aus  Furcht  vor  der  Rache 

KOINON    0ECCAAQN    der   Kaiserzeit,    Cat.   of  ihrer    SchwägerinV     Hierauf   wurde    sie    von 

Greek   Coins  in   the  Brit.    Mus.    Thessaly   to  Zethos  verfolgt,  abw.  von  Zeus  in  eine  Naehti- 

Aetolia   p.    1  —  9,    nr.    1  —  42,    44—46,    49 — 61,  gall  verwandelt.    Gran z  anders  scheint  Hesiod 

77—81,   86—87,   89,    PI.   I,  1—3,  5,  7,  12,  14.  den    Mythus    erzählt    zu    haben.      Nach    s-gya 

Head,  H.  N.  p.  264.     Das   Haupt   der   Göttin  568ff.  (zbv  <5e  jibt:'  ög&oyor]  [og&goyojj^  üav- 

erscheint mit helmbuschgeziertem  korinthischen  dtovlg    <agzo    %£lio<bv    ig    cpuog    ävirgcÖTtoLg, 

Helm  auf  dem  Obv.  der  erstgenannten  Bundes-  e  <xgog  viav  lazafiivoio)  war  die  .Schwalbe  (die 

münzen,  Cat.  Gr.  C.  Brit.  Mus.  Thessaly  p.  4  Schwester    der   Nachtigall)    eine   Tochter    des 

nr.  43,  PL  I,  4;  nr.  47 — 48,   PI   I,  6;   p.  5 — 6  20  Pandion  (s.  u.);  ihr  Gesang  scheint   als  eine 

nr.  62 — 67.    Head   a.  a.  0.     Der  Monatsname  Klage  um  eigenes  Leid  oder  das  ihrer  Schwester 

'Izmviog    kommt    inschriftlich    z.    B.    Bull,    de  aufgefafst  zu  werden  (vgl.  Schol.  Sicc  zrjv  lvmrp> 

Corr.  Hell.  7  p.  44,  52  vor.     [Drexler.]  a&ai   zt)v    <&ilopriluv;   s.    d.  Stellen  b.    Breuer, 

Itonos  ('Izcovog) ,   1)   Sohn  des  Arnphiktyon,  Gr.  M.-  2,  141,4).     Nach   einem  bei  Ael.  v.  h. 

Gemahl    der    Nymphe   Melanippe ,    Vater    des  12,  20    erhaltenen    Fragment   (120  ed.  Kinkel) 

Boiotos  und  der  Chromia,   nach  welchem  die  hatte  Hesiod  gesagt,  die  Nachtigall (A.nSüv)  sei 

Athena  Itonia  der  Böotier  benannt  war,  Paus.  der  einzige  Vogel,  welcher  völlig  schlaflos  sei, 

9,  1,  1.  34,  1.  5,  1,  2.  Steph.  B.  v.  "Izcov.  Schol.  während  die  Schwalbe  die  Hälfte  des  Schlafes 
Ap.  Eh.  1,  551.  721.  Vater  der  Ioclama,  Tgets,  eingebüfst  habe  (vgl.  auch  Hesych.  s.  v.  oltiSö- 
L.  1206,  s.  Iodama.  Müller,  Orch.  391  Anm.  4.  30  vnog.  Suid.  ar}äav.  Bekk.  an.  349,  8).  Dass  die 
392.  Unger,  Theo.  Paradoxa  p.  455.  —  2)  Sohn  darauf  folgenden  (in  direkter  Rede  stehenden) 
des  Boiotos,  Vater  des  Hippalkinios,  Elektryon,  Worte  des  Aelian  rifimgiav  6h  dgu  xavzr^v 
Archilykos,  Alegenor,  Diod.  4,  67;  vgl.  Schol.  Iv.zivovai  bik  zb  nct&og  zu  iv  @Quv.rj  v.azctzol- 
II.  2,  494  p.  80  a,  38  Bekker.     [Stoll.J  jirj&hv,  zo  ig  zö  Silnvov  i%£ivo  zb  äfisofiov  auch 

Itovia  (1TOVIA)  ist  als  Beisehrift  beigegeben  aus  Hesiod  stammen,  ist  zwar  nicht  ganz  sicher, 

einer   stehenden,   eine  Weintraube   und   einen  aber   doch  nicht  unwahrscheinlich.     Sind   sie, 

Knotenstock  haltenden  Frauengestalt  auf  einer  wie  ich  annehme,  iiesiodisch,   so  wäre  Hesiod 

Münze    der    älteren    Faustina,    Cohen,    Mann.  der  älteste  Zeuge  für  die  namentlich  in  Attika 

imp.  2  -  429,  207.     [Drexler.]  heimische  und  von  den  Tragikern  behandelte, 

Itylos  =  Itys  (s.  d.).  40  wie  es  scheint,  teilweise  im  phokischen  Daulia 

Itymoiieus  {'Izvfiovavg),  1)  Sohn  des  Hypei-  (Thuk.2,'29)  spielendeTereusfabel(s. Tereus).*) 

rochos  aus  Elis,  von  dem  jugendlichen  Kestor  Wie  bei  Hesiod,  so  ist  übrigens  auch  bei  Sappho 

im  Kampfe  um  weggetriebene  Rinder  erschla-  (/>.  87B.)  die  Schwalbe  eine  Tochter  des  Pandion, 

gen,  II.  11,  672.    Strab.  8,  352.  —  2)  Dolione,  nicht  des  Pandareos. 

im  nächtlichen  Kampf  von  Meleagros  getötet,  b)    I.    bei    den    Dramatikern.      Einzelne 

Ap.  Uli.  1,  1046.  —  3)  Bebryker,  von  Kastor  Anspielungen    auf   die   Itylossage    finden    sich 

nach  Überwältigung   des  Amykos   erlegt,   Ap.  zunächst   bei  Aischylos  {Suppl.  57 ff.  u.  Agam. 

Bh.  2,  105.  —  4)  Miiesier,  vor  Troja  von  Meges  141  ff.).      Hier  tritt   uns    zuerst  der  für  Hesiod 

getötet,  Quint.  Sm.  1,  279.     [Stoll.]  nur   vermutete  Name   des  Tereus  als  Gatten 

Itys   oder   Itylos   ("irus,  "izvlog).  50  der  Nachtigall  und  die  Namensform  Itys  statt 

a)  I.  bei  Homer  und  Hesiod.     Nach  Od.  Itylos    entgegen;    und    der    dem    Dichter   vor- 

t  518  ff.  ist  Itylos  der  Sohn  des  thebanischen  schwebende  Mythus  scheint  mit  dem  für  Hesiod 

Fürsten    Zethos    und    der    Aedon    (s.  d.),    der  vorausgesetzten    und    später    namentlich    von 

Tochter  des  Pandareos.    Seine  eigene  Mutter  Soplwkles  behandelten  fast  identisch  gewesen 

tötet    ihn    aus   Versehen    mit    einem    ehernen  zu    sein.      Beachtenswert     erscheint    übrigens 

Schwerte  (%alK(ö  [Schol.  fiarä  i«pous]  v-zsivt  die  Variante  (Aischyl.  Suppl.  62),  dafs  Tereus 
äi'  aaioctÖLag  v.  522 f.)    und    singt    darauf    (in 

eine  Nachtigall  verwandelt)   gegen  Frühlings-  t  *>  Ganz  ^ers  faftt  Ä7fc,-  von  Gaertringen  in  somer 

n            , -.<                 i          f             t          i                i          o?  unten    zu    erwähnenden  Dissertation,  to.  4d    die    hesiodtsc/ie 

anfang    (tagog    VIOV    IGza^vaio)    um    den    Sohn  Fassung  der  Sage  auf,  indem  er  annimmt,  in  den  %•/«  seien 

ein   schönes    Klagelied.      Die  Ergänzung   hierzu  60  Nachtigall  und  Schwalbe  mit  einander  verwechselt  worden, 

liefern    die  Schollen    ZU    der    Stelle    (vgl.    auch  Hiertür  Heise  sich  vielleicht  der  Umstand  geltend  machen, 

Eustath.    p.    1875,    15.      Paus.    9,5,9),     welche  dafs  römische  Schriftsteller  ( Vergil.  Ed.  6,  79.    Geo.  4,  15. 

sich    auf    Phertkydes     (fragm.    102)     berufen  511.  Borat,  ca.  4,  13,  3— s  messt.   Ov.  am.  2,  6,  7.  Fast.  2, 

(siehe     oben    unfe-r    Aedon).      Hiernach    war  629-  855-  MeL  6>  412£  E^"./.  lö;  mehr  b.  Ribbeck,  R.  Trg. 

Pandareos,    ein  Kreter  von  Milet   (vgl.  Paus.  37'  45>  <^.1>r°tae  in  f*>  Schwalbe,  die  Phib.meia  in 

,n      _„      _.  '                     i          r,    ,            ,          T.rx    °               ,  eine  Nachtigall  verwandelt  werden  lassen.     Jb  re liicn  .kann 

10,  30,  2),  entweder  Sohn  des  MeropS  oder  di8  spätere  Variante  der  Sage  recht  wohl  auch  auf  einem 
des   Hermes   und   der  Merope   und   Gemahl   der  Ton   irgend   einem  Alexandriner   verschuldeten  Mifsver- 

Harmothoe,    welche  ihm  drei  Töchter  Aedon,  ständnis  der  Hesioästetu  beruhen. 


571     Itys  oder  Itylos  (bei  d.  Dramatikern) 

nicht  in  einen  Wiedehopf,  sondern  in  einen 
Habicht  (ja'pitos;  vgl.  v.  62  HigxrjXdzov  r'  ccrr 
Sövog)  verwandelt  wnrde  (vgl.  auch  Aesch. 
fr.  297  N.  u.  Hyg.  fab.  45:  Tereum  autein  accipi- 
trem  factum  dicunt).  Am  meisten  scheint  zur 
Popularisierung  und  Gestaltung  der  Tereus- 
fabel  jedoch  Sophokles  beigetragen  zu  haben, 
von  dessen  Drama  Tereus  uns  mehrere  Frag- 
mente erhalten  sind  (Nauck  fr.  519 —  535. 
Welcher,  Gr.  Trag.  1  S.  374  1t'.;  vgl.  auch  10 
Electra  107.  147  f.  1077).  Der  wesentliche 
Inhalt  des  Stückes  läfst  sich  einerseits  aus 
den  erhaltenen  Fragmenten,  anderseits  aus 
den  mehr  oder  weniger  übereinstimmenden 
Angaben  anderer  Schriftsteller  erkennen,  die 
alle,  wie  es  scheint,  den  Inhalt  des  sophoklei- 
schen  Stückes  im  Auge  haben  (Thucyd.  2,  29. 


Prokne,  den  Itya  haltend,  und  Philomela,  Yasenbild  (nach 
Amiali  180:!  tav.  C  =  Baumeister,  DenJcm.  S.  1330  Fig.  1184. 

Ovid  Met.  6,  411  ff.  Apollod.  3,  14,  8.  Conon 
narr.  31.  Schöl.  zu  Verg.  Ed.  6,  78.  Schol. 
Ar.  av.  212.  Achill.  Tat.  5,  3,  5.  Mythogr.. 
Lat.  ed.  Bode  1,  4.  2,  217.  Teetees  zu  Hes. 
i'Qya  5GG.  Chil.  7,  459  ff.);  über  die  vielleicht 
auf  das  Drama  des  Philoltfes  zurückgehende, 
von  Sophokles  stark  abweichende  Fabel  bei  Ey-  so 
gin.  45  s.  Eibbeck,  Rom.  Tr.  38  f.  Der  drama- 
tische Inhalt  des  sophokl  eischen  Tereus  scheint 
folgender  gewesen  zu  sein.  Der  thrakische 
König  Tereus  hatte  wahrscheinlich  zum  Lohne 
dafür,  dafs  er  den  attischen  König  Pandion 
im  Kampfe  gegen  den  Labdakos  unterstützt 
hatte  (Apd.  3,  14,  8.  Ov.  Met.  a.  a.  0.  423 ff.; 
vgl.  Thuc.  2,  29),  dessen  Tochter  Prokne  zur 
Frau  erhalten  und  mit  ihr  einen  Sohn,  Itys, 
gezeugt.  Später  verliebte  er  sich  in  die  zweite  co 
Tochter  des  Pandion,  Philomela,  lockte  sie 
unter  dem  Vorgeben,  sie  solle  ihre  Schwester 
Prokne  besuchen  (so  Tsetses  a.  a.  0.;  nach 
Apollod.,  Servius.  Dan.,  Prob,  und  Hygin. 
a.  a.  O.  gab  er  vor,  Prokne  sei  tot  und  be- 
gehrte daher  die  Philomela  zum  Weibe ; 
nach  Ovid  a.  a.  0.  Mythogr.  Gr.  ed.  Westertn. 
p,  382.     Myth.   Lat.   ed.   Bode   1,  4.     Tsetses, 


Itys  oder  Itylos  (Bildwerke)         572 

Cliil.  a.  a.  0.  veranlafste  Prokne  ihren  Ge- 
mahl ,  nach  Athen  zu  reisen  und  ihre  ge- 
liebte Schwester  mitzubringen;  vgl.  Bibbeck, 
Beim.  Tr.  35  Anm.  34),  nach  Aulis  in  Böotien 
und  schändete  sie  daselbst,  worauf  er  ihr,  da- 
mit sie  nichts  verriete,  die  Zunge  ausschnitt. 
Aber  Philomela  machte  durch  Worte,  welche 
sie  in  einen  Peplos  webte  (anders  die  von  Bib- 
beck, Büm.  Tr.  36  Anm.  39  angeführten  lat. 
Quellen),  der  Schwester  ihr  Schicksal  bekannt 
(vgl.  Aristot.  poet.  16).  An  einem  Dionysos- 
feste (Ovid  Met.  6,  586  ff.  tricterica  Bacchi; 
vgl.  Bibbeck.  S.  581),  an  welchem  es  nach 
Mythogr.  gr.  ed.  IVest.  p.  382  Brauch  war,  dafs 
die  thrakischen  Frauen  der  Königin  Geschenke 
sandten,  nahm  Prokne  furchtbare  ßache  an 
dem  treulosen  Tereus.  Sie  tötete  den  eigenen 
Sohn  Itys,  setzte  ihn  dem  Vater  (nach  Ovid 
648  unter  dem  Vorwande  heiligen  Festbrauchs) 
als  Braten  vor  und  entfloh  mit  ihrer  Schwester. 
Tereus  verfolgte  beide  mit  blanker  Waffe  (vgl. 
Arist.  Lys.  563),  wurde  aber,  ehe  er  sie  er- 
reichen konnte,  in  einen  Wiedehopf  (i7torp) 
verwandelt,  während  Prokne  zu  einer  Nachti- 
gall, Philomela  zu  einer  Schwalbe  wurde.  Der 
Mythogr.  lat.  läfst  den  Itys  in  einen  phasianus, 
der  Servius  Dan.  in  eine  phassa  {phasianus  ?) 
verwandelt  werden.  Anspielungen  auf  den  In- 
halt des  sophokleischtn  Tereus  oder  den  ihm 
zu  Grunde  liegenden  Mythus  finden  sich  bei 
Aristoph.  av.  100.  209  ff.  Em.  Hei.  1110.  Blies. 
550.  Bahr.  f.  12.  Luc.  Tragodop.  52.  Nonn.  44, 
265  ff.  47,  30.  Anacreont.  9  (12).  Nach  Sophokles 
behandelten  Philokles  (p.  589  Nauck  =  Hygin. 
f.  45?),  Livius  Andr.  und  Accius  denselben  Stoff 
{Bibbeck,  Beim.   Trag.   35  ff;   vgl.   39.   577  ff.). 

Bildliche  Darstellungen  des  Jtys- 
rnordes,  wie  es  scheint,  in  wesentlicher  Über- 
einstimmung mit  dem  attischen  Drama  und  mit 
Hesiod  finden  sich  auf  zwei  Vasen:  1)  Ann. 
d.  Inst.  1863  tav.  C  (vgl.  Welcker,  A.  DenJcm. 
3,  365 ff.  Baumeister,  Denkm.  d.  kl.  Alt.  $.  1330 
Fig.  1484  und  Bibbeck  S.  583,  6:  Prokne  hat 
den  kleinen  Itys  unter  den  Armen  gefafst  und 
bereits  vom  Boden  erhoben,  den  Blick  fragend 
und  schmerzlich  auf  die  stumme  Schwester 
gerichtet,  welche,  ein  Schwert  an  der  Seite, 
mit  erhobenen  Armen  und  beredter  Finger- 
sprache ihr  die  grausame  Anweisung  giebt).  — 
2)  Kylix  d.  Panaitios :  Bull,  d,  I.  1878  p.  204f. 
Journ.  of  Hell.  Stud.  8  (1887)  S.  440.  Klein, 
Euphronios"  282 f.  Meistersign .-  145  (hier  sind 
Itys  und  Aedon  beigeschrieben;  vgl.  Hiller 
a.  a.  0.  47  f.).  —  3)  Vgl.  auch  die  Gemme  bei 
Chabouillet ,  Cat.  des  camc'es  etc.  nr.  1806; 
vgl.  Annali  1865  S.  33.  Bibbeck  a.  a.  0.  S.  583 
A.  8:  „Prokne  und  Philomela  bringen  dem 
unter  einem  Baume  vor  einem  Dreifufs  sitzen- 
den Tereus  den  Kopf  des  Itys.  Auf  dem 
Baum  sitzen  eine  Schwalbe,  eine  Nachtigall, 
ein  Wiedehopf  und  ein  Stieglitz  (Itys)."  Ein 
Bildwerk  von  Alkamenes'  Hand  (HQo-nvnv  rec 
ig  rov  itaidu  ßsßovleviisvvv  ctvrqv  ri  kcü  rbv 
"Irvv  dve&r]K£v  AXuccpivTig)  befand  sich  nach 
Paus.  1,  24,  3   auf  der  athenischen  Akropolis. 

c)  Das  teils  aus  homerischen  (vgl.  die 
Namensform  Pandareos)  teils  aus  hesiodischen 
oder  attischen  Elementen   (vgl.   die  Namens- 


573 


Iubar 


form  Itys  und  das  Motiv  der  Zerstückelung 
und  Kochung  des  Itys)  zusammengesetzte  Tier- 
märchen  des  Boios  bei  Anton.  Lib.  11s.  oben 
unter  Aedon  (Bd.  1  Sp.  84).  Ebendaselbst 
findet  man  auch  die  Deutung  der  Sage  und 
die  Erklärung  des  Namens  Itys  oder  Itylos; 
vgl.  Hesych.  s.  v.  i'zvXog  ....  vioe,  analog 
und  C.  I.  G.  8368,  wo  'Itvlog  =  "Egag  ist. 

Litteratur:  Welcher,  Gr.  Trag.  1  S.  374  ff. 
Pibbech,  Böm.  Tr.   a.  a.  0.    Preller,  Gr.  31." 

2,  140  ff.  Hiller  de  Gaertringen,  de  Gracc. 
fabidis  ad  Thraces  pertinentibus.  Diss.  Berolini 
1886   S.  35  ff.     0.  Keller,   Tiere  d.  Mass.  Alt. 

5.  316ff.  Vgl.  auch  die  Artikel  Aedon,  Panda- 
reos,  Philomela,  Prokne,  Tereus.  —  2)  ITYAOX, 
Beischrift  des  Eros,  welcher  eine  Jungfrau 
verfolgt,  auf  einer  Vase  der  Sammlung  Barone; 
vgl.  C.  I.  Gr.  8368  und  die  daselbst  angeführte 
Litteratur,  sowie  oben  Zeile  7  f.       [Röscher.] 

Iubar,  der  lateinische  Name  des  Morgen- 
sterns (Ennius  und  Pacuvhts  bei  Varro  de  l.  1. 

6,  6;  vgl.  7,  7,  76.  Ennius  ann.  fr.  326  bei 
Prise.  5  S.  658.  Paul.  JDiac.  S.  104  s.  v.  Serv. 
V.  A.  4,  130.   Placid.  gl.  S.  474.    Isidor.  orig. 

3,  70,  18),  welcher  sonst,  dem  griech.  $coeqpö- 
Qog  entsprechend,  gewöhnlich  Lucifer  ge- 
nannt wird.  Das  Wort  iubar,  wohl  mit 
div ,  leuchten,  zusammenhangend,  bezeichnet 
ursprünglich  das  Strahlende,  Glänzende  über- 
haupt, so  dafs  es  auch  von  der  Sonne,  dem 
Monde,  den  Sternen,  der  Morgenröte,  dem 
Feuer,  dem  Golde,  dem  strahlenden  Antlitz 
der  Helden  oder  Fürsten  und  endlich  vom 
Glänze  des  Morgensterns  selbst  gebraucht 
wird  (vgl.  nitidum  iubar  extulit  undis  Lucifer, 
Ovid.  fast.  2,  149).     Siehe  Lucifer.  [Steuding.] 

lucunditas  Ang'.,  die  in  Gestalt  einer  sitzen- 
den Frau  mit  Erdkugel  und  Scepter  persönlich 
vorgestellte  Liebenswürdigkeit  des  Kaisers 
(Cohen,  med.  imp.2  4  S.  412,  Alexandre  Se- 
vere 105),  eine  den  auf  Kaisermünzen  sehr  oft 
vorkommenden  Begriffsverkörperungen  wie  Hi- 
laritas,  Laetitia  und  Indulgentia  ähnliche,  aber 
ganz  vereinzelt  auftretende  Personifikation. 

[Steuding.] 

Iudaea,  die  Personifikation  des  jüdischen 
Landes  erscheint  öfters  auf  Münzen  des  Vespa- 
sianus  entweder  vor  einem  Palmbaum  oder 
vor  einem  Tropaion  oder  auf  einer  Lorica 
oder  zwischen  Waffen  sitzend  und  weinend 
(Cohen,  Med.  imper.-  1  S.  384  ff.  nr.  224ff.\ 
Ähnliche  Darstellungen  siehe  auf  Münzen  des 
Titus  {Cohen  a.  a.  0.  S.  438ff.  nr.  112ff.). 

[Röscher.] 

Indaios  ClovSatog),  1)  Sohn  des  Typhon, 
Bruder  des  Hierosolymos,  nach  dem  die  Juden 
benannt  sind,  Plut.  Is.  et  Osir.  31.  —  2)  Einer 
der  Sparten,  der  sonst  Udaios  (s.  d.)  heifst 
und  dem  Lande  Judaia  seinen  Namen  gegeben 
daben  soll  (Steph.  Byz.  s.  v.  'Iovdai'a);  doch 
siehe  Meinche  z.  d.  Stelle,  der  auch  hier  Oidaiog 
schreibt.     [Höfer.] 

Iuga,  Iugalis   s.  Iuno. 

Iugatinus   s.  Indigitamenta. 

Iuguila  s.  Orion. 

Iiilineikiae,  Beiname  der  Matronae  auf 
einer  bei  Jülich  gefundenen  Inschrift,  Korre- 
spondenzblatt  der  Westdeutschen  Zeitscltr.  1886 


Iuno  (Alter  u.  Verbreitg.  d.-  Kultes)      574 

p.  170;   vgl.  Bonner  Jahrb.  83   p.  23   (s.  Ma- 
tronae).    [M.  Ihm.] 

Iuliopolis,  die  Tyche  von  Iuliopolis  er- 
scheint auf  Münzen  dieser  Stadt  mit  der  Bei- 
schrift IOYAIOTTOAIC  als  weibliche  Büste  mit 
dem  Schleier  unter  Commodus,  Mionnet  2, 
446,  187.  S.  5,  72,  363  (nach  Vaillard).  Cat. 
of  Grcelc  Coins  [in  the  Brit.  Mus.]  Pontus,  Pa- 
plüagonia,  Bithynia  etc.  p.  149  nr.  4  PL  XXXI,  6; 

10  mit  der  Beischrift  lOYAlOnOAGIC  als  stehende 
Frau  im  Chiton  mit  Diplois  und  Peplos,  auf 
dem   Haupt    die   Mauerkrone,    in    der  L.    ein 

-  Scepter,  auf  flammendem  Altar  opfernd,  unter 
Geta,  Cat.  of  Gr.  C.  Pontus  etc.  p.  150  nr.  8, 
PL  XXXL  7.     [Drexler.] 

Iulo  ('iovXmj,  Beiname  der  Demeter  als 
Erntegöttin  von  den  Garben  (i'ovlot),  Semos 
von  Delos  bei  Athen.  14,  618  d;  im  schal.  Apoll. 
Phod.  1,  972  heifst  sie  Ulo  (Ovl<6),  denn  ovlog 

■20  ist  =  i'ovlog,  Hesych.  Der  der  Demeter  Iulo  zu 
Ehren  gesungene  Hymnos  hiefs  selbst  i'ovlog,  s. 
Athen,  und  schol.  Apoll.  Phod.  a.  a.  0.  Phot.  Suid. 
Etym.  M.  472,  36.  Tzetz.  Lykopin:  23.  [Höfer.] 

Iulus  oder  Iullus  (Mommsen  im  Hermes  24, 
1889  S.  155  f.;  vgl.  d.  römische  Inschr.  in 
den  Notizie  d.  seavi,  April  1888  S.  224;  in 
betreff  der  Formen  Diovilus,  Iovilus,  Iohilus, 
Ioilus,  Iulus  vgl.  Bücheier  im  Ph.  Mus.  44, 
1889  S.  323),  der  eponyme  Stammvater  der  gens 

30  Iulia,  welcher  dem  Askanios  (s.  Bd.  1  Sp.  613, 
61  ff.)  gleichgesetzt  wurde.  So  auch:  Verg. 
Aen.  4,  274.  6,  364.  Ovid.  her.  7,  75.  83.  137. 
153.  am.  3,  9,  14.  met.  15,  767.  ex  Pont.  2, 
11,  15.  Propert.  4,  1,  48.  Sil.  It.  8,  71.  13,  863. 
Aur.  Vict.  or.  g.  B.  9,  3.  Mythogr.  Vat.  1,  204. 
Stammvater  der  Iulier:  Verg.  Aen.  1,  288.  6, 
789.  Ovid.  fast.  4,  39.  Suet.  Caes.  81.  Mart. 
6,3,1.  luven.  8,  42.  Erbauer  von  Alba  Longa: 
luven.  12, 70.  Schol.  Flor.  1,  1,4.  Vgl.  Schwegler, 

40  P.  Gesch.  1,  337  ff.  E.  Schulze  in  der  Arch. 
Zeit.  1873  S.  3  u.  7.  Jordan,  Top.  d.  St.  Born 
1,  2  S.  101.  Später  wurde  Iulus  von  Askanios 
getrennt  und  als  dessen  ältester  Sohn  bezeich- 
net (Dion.  Hai.  1,  70,  4.  Festus  S.  340  s.  v.  Silvi. 
Bio  Cass.  fr.  4,  10.  lib.  41,  34,  2.  43,  43,  2. 
Serv.  V.  G.  3,  35.  Aur.  Vict.  or.  g.  P.  17,  4; 
vgl.  Strabo  13,  1,  27  S.  595),  welcher  nach  dem 
Tode  seines  Vaters  von  seinem  Oheim  Silvius 
aus  der  Königswürde  verdrängt  und  zum  Ober- 

50  priester  gemacht  worden  sein  sollte  (Dion.  Hai. 
1,  70,  4  f.  Diodor  bei  Euseb.  1  S.  389.  Hiero- 
nym.  chron.  z.  Jahr  870);  siehe  auch  Bd.  1 
Sp.  190,  46  ff.  613,  36  ff.     [Steuding.] 

Iuuios  (Iovviog),  1)  Sohn  des  Daunos.  Er 
oder  sein  Vater  tötete  den  nach  Daunien  in 
Italien  (am  joviog  xolTtog)  gekommenen  Dio- 
medes  (s.  d.)  auf  der  Jagd;  Schol.  II.  5,  412. 
Vgl.  Ionios.  [Stoll.]  —  [2)  Begleiter  des 
Aineias,  Urahn  d.  Iunier;  Dion.  H.  4,  68.    R.] 

1511      Inno. 

I.  Alter,  Verbreitung  und  Bedeutung  des 
Iunokultes  der  italischen  Stämme. 

Dafs  der  Kult  der  Iuno  zu  den  ältesten 
und  wichtigsten  Italiens  gehörte,  ist  eine  wohl- 
bezeugte Thatsache.  Vgl.  Tertull.  ad  not.  2,  12  : 
Varro  antiquissimos  deos  Iovem,  Iunonem 
et  Minervam  refert.    Der  älteste  römische  Kult 


575     Iuno  (Alter  u.  Verbreitg.  d.  Kultes)  Iuno  (Alter  u.  Verbreitg.  d.  Kultes)      576 

war  wohl  der  (sabinische?)  der  Lucina,  einge-  I.  Sospita  blühte  (Oc.  f.  6,  60),  einen  Iunonalis 

führt  von  dem  sabinischen  König  T.  Tatius,  in  Praeneste  (Ovid.  f.  6,  62.  Macrob.  a.  a.  0.), 

welcher  nach  dem  Zeugnis  der  Annales  b.  Varro  und  dürfen  bei  der  auch  sonst  nachweisbaren 

dieser  Göttin  einen  Altar  gründete  (Varro  l.  I.  Übereinstimmung    der    sämtlichen    latinischen 

5,  74:  et  arae  Sabinum  Knguam  olent,  quae  Kalender  denselben  Monat  wohl  auch  in  Gabii, 
Tati  regis  voto  sunt  Bomae  dedicatae,  natu,  ut  Alba,  Tibur,  Ardea,  Faleiii  voraussetzen,  zu- 
Annales  dieunt,  vovit  Opi,  FJorae,  Vedio,  Iovi  mal  da  auch  in  diesen  Städten  berühmte  luno- 
....  Dianae  Lucinaeque).  Wahrscheinlich  kulte  bestanden  (Genaueres  darüber  s.  unten 
befand  sich  dieser  Altar  des  Tatius  in  dem  Sp.  604  f.).  Es  ist  aufserdern  nicht  unwahr- 
bekannten, seit  dem  J.  379  d.  St.  mit  einem  10  scheinlich,  dafs  ein  Iunomonat  auch  in  der 
Tempel  (Fest  am  1.  März)  geschmückten  lucus  Gruppe  der  bei  Mommsen  a.  a.  0.  aufgezählten 
I.  Luciuae  auf  dem  Cispius  mons  genannten  sabellischen  Kalender  vorkam,  da  dieselben 
Teile  des  Esquilinus  (vgl.  Varro  1.  I.  5,  49 — 50.  fast  alle  einen  Monat  Martius  aufzuweisen 
Becker,  Hdb.  d.  r.  Alt.  1,  536  f.  unten  Sp.  583  u.  haben  und  somit  in  der  Hauptsache  mit  dem 
602).  Einen  anderen,  ebenfalls  uralten  Kult  latinischen  Kalender  übereingestimmt  zu  haben 
hatte  die  Iuno,  wie  es  scheint,  gemeinschaftlich  scheinen.  Aber  nicht  blofs  in  Latium  und  bei 
mit  Iuppiter  und  Minerva  in  einem  sacellum  des  den  sabinischen  und  sabellischen  Stämmen, 
sogen.  Capitolium  vetus,  einem  Teile  des  in  sondern  auch  ebenso  bei  den  Cmbrern  und 
ältester  Zeit  von  den  S  abinern  besiedelten  Oskern  (Samnitern),  sowie  in  dem  mit  sabini- 
Quirinalis  (Varro  l.  1.  5,  158:  Capitolium  vetus,  so  scher  Bevölkerung  stark  durchsetzten  südlichen 
quod  ibi  sacellum  locis,  Iunonis,  Mvnervae,  Teile  Etruriens  (Veji,  Falerii;  vgl.  Müller- 
et id  antiquius  quam  aedis  quae  in  Capitolio  Deccke,  JStrusker-  2,  43  ff.  64)  war  der  Iuno- 
faeta ;  vgl.  Schivegier.  B.  G.  1,  480.  Ambrosvh,  kult  seit  ältester  Zeit  stark  verbreitet.  So 
Stud.  1,  172  f.;  anders  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  kennen  wir  aus  umbrischem  Gebiete  die  Kulte 
d.  St.  Born  2,  84  ff.).  Auch  der  Kult  der  I.  Moneta  der  Iuno  Lucina  und  der  Regina  von  Pisau- 
(Fest  am  1.  Iunius)  auf  der  arx  des  kapitolin.  rum  (C.  1.  L.  1,  171  ff.  s.  unten  Sp.  605), 
Hügels,  an  welcher  Stelle  der  sabinische  aus  samnitischem  und  kampanischem  Gebiete 
König  Tatius  residiert  haben  sollte  (Flut.  Born.  die  Kulte  von  Beneventum  (Iuno  Regina, 
20.  Solin  p.  10,  2  Mo.),  scheint  sehr  alt  zu  sein  nicht  Veridica,  s.  unten  Sp.  600),  Aesernia  (I. 
(s.  u.  Sp.  593  f.  u.  vgl.  Jordan,  Topogr.  1,  2,  109).  so  Populona;  s.  unten  Sp.  598),  Terventum,  Cales 
Für  die  Beurteilung  des  Alters  und  der  Ver-  (Iuno  Lucina),  Capua  (I.  Lucina  Tuscolana; 
breitung  des  Iunokultus  ist  ferner  die  That-  I.  Gaura),  Teanum  Sidicinum  (I.  Populona) 
sache  wichtig,  dafs  ein  der  Iuno  heiliger  und  u.  s.  w.  (Genaueres  darüber  in  Absehn.  VI), 
nach  ihr  benannter  Monat  in  mehreren  lati-  so  dafs  mit  Recht  die  Iuno  als  eine  von  jeher 
nischen  Kalendern  vorkam,  die  offenbar  auf  bei  den  Latinern  und  den  mit  diesen  ver- 
einen latinischen  Urkalender  deuten  (vgl.  wandten  Umbrern  und  Oskern  einheimische 
Mommsen,  Büm.  Chron.-  219  ff.).  Wir  finden  Göttin  bezeichnet  werden  kann.  Eine  noch 
nämlich  einen  Iunius  (=  Iunonius*)  in  Rom,  weitere  Perspektive  hinsichtlich  des  Alters  des 
einen  Iunonius  bei  den  Latinern  in  Aricia  (Ov.  lunokultes  gewinnen  wir  durch  die  Ver- 
f.  6,  59.  Macrob.  1,  12,  30),  Laurentum  und  in  40  gleichung  der  Iuno  mit  der  in  allen  wesent- 
Lanuvium,  wo  bekanntlich  der  uralte  Kult  der  liehen  Funktionen  mit  ihr  übereinstimmenden 

Hera-Dione   der  Griechen.     Wir  dürfen  aus 

_    *)  Wenn  Mommsen,  Rom.  Chron.--  S.  222  und  Ro/stach,  dieser  gchon  oben  ß(j    1  g      o087   angedeuteten 

Rom.    Ehe   S.    26S    nauh    dein    Vorgänge    des    Varro   u.    a.  fTU               .-                              i_i       i           o    i  i     o          ■    i_ 

,  r.        .  ,  c  „„    ,,  ,  .     „  ,    .   .  ,r      ,   ,  1(,  1C   n  ubereinstiinmuncr    wohl    den    bchluis    ziehen, 

(  Varro  l.  I.  6,  d3.   hulcius  Aob.  bei  Macrob.  1,  12,  16.  Censor.  .    „      ..                     .°  .       TT         _..                        .        , .     ' 

d.   n.  48,  13  a.   Flut.  Numa  19.   Q.  R.  86.    Ooid  f.  l,  41.  da.rs  dle   griechische  Hera-Dione   ursprunglich 

6,  SS  Io.  L,jd.  de  mens.  p.  246  R.)  den  Namen  des  Iunius  mit  der  italischen  Iuno  identisch  war  und 
von  iueenis  (oder  iueare)  ableiten  wollen,  so  ist  diese  beide  Göttinnen  aus  einer  in  der  sogenannten 
Deutung  nicht  blofs  deshalb  unwahrscheinlich,  -weil  man  gräcoitalisehen  Epoche  bereits  vorhandenen 
keinen  rechten  sachlichen  Grund  dafür  anzugeben   ver-  Einheit  hervorgegangen   sind.     Als   die   Haupt- 


mag   (vgl.  Fuldas  N.    bei  Macrob.    a.    a.  0.    liomulus  post- 


;o  punkte,  in  welchen  sich  bei  methodischer  Ver- 


quam  vopuhim  in  minores  ainiorcsque  divisit .  .  .  in  honorem  ..  i-a-j. 

.  -  ,.    ,         „  ■  ,       r  gleichung    diese    ursprüngliche    Identität    der 

utrmsqw:  partis   nunc   Jlaium,    sequentem    Juniuin    mensem  ?  ,    tt  ■    l        •    j    /•  i  ii 

tocaiili,   sondern   wird  auch   durch  die  Existenz  des  In-  lun°   uud    Hera  zeigt.    Sind  folgende   hervOl'ZU- 

uonius  oder  Iunonalis  in  den  verwandten  Kalendern  und  heben.     Beide  Gottheiten,    Iuno    wie   Hera,    sind 

durch    den    Hinweis    auf    das   gerade   auf  die   Kaienden  ursprünglich    Mondgöttinnen,     wurden     als 

des  Juni  fallende  wichtige  lunofest  (Censor.  p.  48,  2ü  solche    vorzugsweise    an    Neumonden    ver- 

ed.  ii.)  widerlegt.    Vgl.  Cincius  bei  Macrobius  l,  12,  30:  enrt;  und  führen  die  gleichbedeutenden  Namen 

Iunius  . .  .  nominatus  .  .  ut  Cincius  arbitrato,  quod  Iunonius  j  un0  m(lj1(J,„  (von  Wurzel  div  leuchten),  von 

apud   Latinos   ante    vocitutm    diuque    apud   Aricinos    Prac-  ^^   letzterer  ,      ob    ßd    %    g      2088)   der  ^fc 
nestinosque   luic   appellatione   in    fastos  rclatus  sit,    adeo  ut,  ,.     _       _-_      ^      -        _  L  '  _. 

sicut  Nisus  i„  commentarüs  jastorum  dicit,  apud  maiores  epirotische  Name  der  Hera  gewesen  ist.     Em 
quoquc  nostros  haec  appellaüo  mensis  diu  manserit,  sed  post  60  zweiter  synonymer  Name  der  italischen  Göttin 

detritis  quibusdam  luteris   ex  lunonio  iunius   dktus  sit.  war  Lucma  oder  Lucetia  (von  Wurzel  lue; 

s.   auch  Varro  b.   Censor.  48,  24.    Sero.  v.   Geo.  1,  43.  vgl.    lu(c)na  =  Mond),    welcher   ebenfalls   die 

Hut.  Numa  19.    Röscher,  Jahrb. /.  kiass.  Phil,  in  s.  307  ff.  Leuchtende  bedeutet.    Da  der  Mond  nach  der 

Hinsichtlich  der  Ausstofsung  der  einen  Silbe  in  Iu(no)-  Anschauung  der  Alten  die  für  den  weiblichen 

nius  vgl  Leo  Meyer   Vgl  Gr.  1, 281.    Fick  in  Kuhns  Zisehr  Organismus   so    wichtigen  Katamenien    und, 
22,  ys.     Kühner,    Aus/.    Gr.    d.  lat.  Si>r.    1,  1311     Corssen,  i         -,  °  i  ..       ±        j-        t-<     l 

Ausspr.  etc.  "-2,  581  f.-  Corssen  a.a.O.  1,  218^01  Iunius  w.as    damlt     eng    zusammenhangt,    die     Lnt- 

direkt  von  Wurzel  dir  glänzen,  leuchten  ableiten,  schwer-  bindung     ZU     bewirken     schien,     SO     ist    Inno 

lieh  richtig.  ebenso  wie  Hera  zunächst  Göttin  der  Men- 


577      Iuno  (Übersicht  d.  Hauptfunktionen)  Inno  (G.  d.  Mondes,  d.Menstr.  u.Entbindg.)   578 

struation  und  weiterhin,  ebenso  wie  Artemis,  rateten     Priesterinnen     versehen     wurde. 

Selene  und  Diana,  der  Entbindung  geworden  Wahrscheinlich  waren  endlich   die  Lilie   und 

(Iuno  Fluvionia,  Lucina,  Ossipago  etc.  ="Hqu  Granate   beiden  Göttinnen  geheiligt  (Genau- 

EilsC&via).    Mehrfach  finden  sich  Berührun-  eres  s.  bei  Röscher,  Iuno  u.  Hera  S.  4  ff.). 

gen   mit   anderen  evidenten  Mondgöttin-  TT 

neu,  wie  z.  B.  der  Iuno  mit  Diana  und  Luna  £■  Iuno  als  G°ttln  de^  Mondes,  der 
und  der  Hera  mit  Artemis,  Hekate  und  Se-  Menstruation  und  Entbindung  (Fluvionia, 
lene  (Ausführliches  darüber  siehe  bei  Röscher,  Lucina  etc.). 
Selene  und  Verwandtes,  Leipzig  1890).  So  Dafs  Iuno,  deren  Kult,  wie  wir  gesehen 
werden  Iuno  und  Hera,  wie  auch  Artemis,  10  haben,  seit  den  ältesten  Zeiten  bei  Latinern, 
Hekate  und  Selene,  auf  einem  Wagen  Oskern  und  Umbrern  verbreitet  gewesen  zu 
fahrend  und  fackeltragend  oder  be-  sein  seheint,  ursprünglich  die  Bedeutung  einer 
waffuet  gedacht  (vgl.  die  bewaffnete  und  Mondgöttin  hatte,  ist  verhältnisniäfsig  leicht 
auf  einem  Wagen  fahrende  Iuno  von  Lanu-  zu  erweisen.  Schon  die  Alten  selbst  erkannten 
vium  und  von  Tibur  einerseits  mit  der  eben-  dies  klar,  indem  sie  die  Funktion  der  Iuno  als 
falls  fahrenden  Artemis,  Selene  und  Hera,  Göttin  der  Entbindung  und  Geburt,  sowie  ihre 
anderseits  mit  der  wohl  bewaffnet  zu  denken-  Verehrung  an  den  Kaienden  oder  Neumonds- 
den  Hera  Hoplosmia  Bd.  1  Sp.  2098);  auch  tagen  auf  den  Mond  bezogeD,  oder  ihren  Bei- 
spielt die  Ziege  im  Kult  der  Iuno  eine  ganz  namen  Lucina,  den  sie  vorzugsweise  als  Ent- 
ähnliche Rolle  wie  in  dem  der  Hera  und  Arte-  20  bindungsgüttin  führt,  durchaus  richtig  mit 
mia  (Bosclier,  Iuno  und  Hera  S. .34  ff.).  Wenn  Luna  in  etymologischen  Zusammenhang  brach- 
ferner Iuno  und  Hera,  wie  auch  die  Mond-  ten.  So  sagt  Yarro  de  l.  I.  5,  69:  Quae  (luna) 
göttinnen  anderer  Völker,  als  Ehe- und  Hoch-  ideo  quoque  videtur  ab  Latinis  Inno  Lucina 
zeitsgöttinnen  verehrt  wurden  (Iuno  Iuga,  dicta  ...  quod  ab  luce  eius,  qua  quis  conceptus 
Matrona,  Pronuba  =  "Hga  Zvyict  und  TiIslu),  est,  usque  ad  eam,  qua  partus  quis  in  lucem, 
so  erklärt  sich  auch  diese  Funktion  aus  der  luna  iuvat,  donec  mensibus  actis  produxit  in 
Vorstellung  des  Mondes  als  einer  die  Kata-  lucem,  ficta  a  iuvando  et  luce  Iuno  Lucina:  a  quo 
menien  und  Entbiudungen  und  somit  ehe-  parientes  cam  invocant,  luna  enim  nascentium 
liehe  Fruchtbarkeit  bewirkenden  Göttin.  So  (lux,  quod  menses  (Monate  oder  Monatsflufs?) 
entstand  auch  der  Mythus  von  der  Hoch-  30  huius.  Ähnlich  heifst  es  bei  Cicero  de  n.  d. 
zeit  und  Ehe  der  Iuno  und  Hera  mit  dem  2,  27,  69:  Luna  a  lucendo  nominata  .  .  .  eadem 
höchsten  und  ältesten  Himmelsgott  (Iuppiter,  est  eyüm  Lucina;  itaque  ut  apucl  Graecos  Dia- 
Zeus),  sowie  die  Vorstellung,  dafs  diese  Hochzeit  nam  eamque  Luciferam  sie  apud  nostros  Luci- 
und  Ehe  das  ideale  Prototyp  sämtlicher  nam  in  pariendo  invocant.  Ungefähr  dieselben 
menschlichen  Hochzeiten  und  Ehen  sei.  Anschauungen  vertritt  auch  Plutarch  (Q.  Gr. 
Wahrscheinlich  wurde  auch  in  Italien  ebenso  77),  wenn  er  fragt:  Jia  zi  .  .  .  vofiC^ovai  .  .  . 
wie  in  Griechenland  ein  Hierosgamosfest  mit  zovg  .  .  .  fiiivag  zrjg  'Hgag;  und  sodann  anf- 
allen Cerimonieen,  welche  bei  menschlichen  wortet:  ort  .  .  noiti .  .  .  rj  ash'ivrj  zovg  firjvug. 
Hochzeiten  üblich  waren,  gefeiert  (z.  B.  in  ...  z/iö  v-ui  "iovvov  iizovoud'Qovei.  zi\v  "Hgav, 
Falerii;  vgl.  unten  Sp.  591).  Ferner  leitete  40  zb  vtov  r]  zb  vicözzgov  £jj,cpaivovzog  zov  6vo- 
man  in  Italien  ebenso  wie  in  Hellas  die  ein-  fiaros  emb  zrjg  otl-qv^g,  v.cü  Aov/.ivav  "Hgctv 
zelnen  Akte  der  Hochzeit,  welche  im  wesent-  v.a}.ovoiv  oiov  tpcozuvrjv  rj  cpcoxi'zovoav,  Kai  vo- 
lichen  den  Griechen  und  Italikern  gemeinsam  ui'Qovoiv  inl  zaeg  loiiiccig  -/.cd  töäCoi  ßorj&tiv, 
sind  und  aus  der  gemeinsamen  Urzeit  stam-  cocmEQ  y.al  z:)v  aehjvrjv  „Sici  v.vdvsov  nolov 
men,  von  jener  idealen  göttlichen  Hochzeit  üazgcav  Siü  z'  co-A.vzoy.oio  os?.ävctg"  (vgl.  Hergk, 
ab  (z.  B.  den  Hochzeitszug  vom  Hause  der  P.  L.-  S.  1001).  svzcmsiv  ycig  iv  zaig  tiolv- 
Braut  nach  dem  des  Bräutigams,  die  Salbung  ßtUjvoig  (idXioza  Sov.ovoi  (vgl.  Chrysippos  b. 
der  Thürpfosten  und  die  Anlegung  des  braut-  Schol.  s.  II.  $483).—  lo.  Lydus  (p.  9S.  186  B.) 
liehen  Gürtels)  und  verehrte  demgemäfs  die  und  Macrobius  (1, 15, 20)  endlich  wollen  die  Feier 
Iuno  als  Domiduca  (Iterduca),  Unxia,  Cinxia  50  der  Iuno  an  den  Kaienden  von  ihrer  Mond- 
und  Pronuba  gerade  ebenso  wie  Hera  bei  der  bedeutung  ableiten.  Vgl.  auch  die  interessante 
Feier  des  sogen,  isgbg  yußog  als  die  göttliche  Inschrift  C.  I.  L.  5,  3233  (Verona):  Iun(oni) 
Stifterin  der  sämtlichen  Hochzeitsbräuche  ver-  Luwae)  Reg(inae)  sacr.,  welche  zu  beweisen 
ehrt  wurde.  Ferner  galten  beide  für  himni-  scheint,  dafs  die  Identificierung  von  Iuno  und 
lische  Königinnen  (Iuno  Regina  =  "Hga  ßaat'-  Luna  sogar  volkstümlich  geworden  ist  (oder 
Xsiu),  was  sich  entweder  aus  ihrer  Vermählung  sollte  hier  an  eine  1uno'  Lunae  [s.  Iunones]  zu 
mit  dem  König  der  Götter  oder  aus  der  Vor-  denken  sein'?).  Unter  den  neueren  Mythologen 
Stellung  des  Mondes  als  der  ,,jegina  siderum"  vertritt  Preller  mit  Entschiedenheit  die  Mond- 
erklärt. Was  endlich  die  Übereinstimmung  bedeutung  der  Iuno  (Preller- Jordan,  R.  31."  1, 
des  Kultus  betrifft,  so  ist  aufser  der  Feier  am  60  271  ff.).  Wenn  wir  jetzt  die  Gründe  erwägen, 
Neumonde  und  dem  in  ähnlicher  Weise  von  welche  sich  dafür  anführen  lassen ,  so  ist 
Griechen    und   Italikern    gefeierten  Feste    des  folgendes  hervorzuheben: 

ff gbg  fcifiog  hervorzuheben,  dafs  beide  Göttinnen  Zunächst  kann   es  kaum   zweifelhaft   sein, 

vorzugsweise  mit  Kuhopfern  verehrt  wurden,  dafs  Iuno  eine  Lichtgottheit  war,  denn  nur 
dafs    beiden    ein    nach    ihnen    benannter       aus   ihrer   Beziehung  zum  Lichte   erklärt  sich 

Monat  (Iunius,   Iunonius,   Iunonalis,  "Hgaiog,  ihr  Hauptname  Iuno,  insofern  er  auf  dieselbe 

'Hgaacog)  heilig  war,  und  ihr  Tempeldienst,  so-  Wurzel   div    (glänzen,    leuchten)    zurückgeht, 

viel  wir  wissen,    in   der  Regel   von   verhei-  welche    von    verschiedenen    indogermanischen 

RosCHr.it,  Lexikou  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.    n.  19 


579              Iuno  (Lucina,  Lucetia)  Iuno  (Lucina,  Fluvionia,  Fluonia)     580 

Völkern    auch    zur  Bezeichnung    der   Gottheit  nungen  urjvsg,  Kataa^vict,  saurjvicc,  v.a&dQOBig 

des  lichten  Hinmieläthers  Djaüs,  Zhvg,  Diovis  i'fifii^voi,  menses,  menstrua  purgatio  hervorgeht, 

(lovis),  Zio   und   von   den  Italikeru   zur   Be-  insofern  diese  Ausdrücke  mit  urju  Monat,  fir'ivrl 

nennung   einer   andern   ganz   evidenten   Licht-  Mond,  lat.  mensis  Monat,   kirchenslav.  mese-ci 

oder  Mondgöttin,  der  Diana,  verwendet  wor-  Mond,   Monat  etc.    zusammenhängen   (Curtius, 

den  ist   (Corssen,  Ausspr.  etc.2  1    S.  212.  365.  Grds.b  333).    Den  Grund  für  die  angegebenen 

668.  Krit.  Nachtr.  S.  142).    Iuno  steht  also  für  Benennungen  haben   wir  unzweifelhaft  in  der 

Diou-n-on  (vom  Stamm  Dioii-e)  und  bildet  Regelrnäisigkeit   der  Erscheinung    zu    suchen, 

folglich  gewissermafsen  eine  feminine  Parallele  welche  bekanntlich  meist  mit  dem  abnehmen- 

zu   Diovis   oder  lovis,    ebenso    wie   Jicovn  zu  10  den  Monde   oder  monatlich,   oft  mit  dem 

ZftSs  (Stamm  z/ij-;  vgL  Preller-Jordan,  II.  M.s  Tage,    wiederkehrt  und  folglich  als  eine  Wir- 

1,  271).    Die  Alten  selbst  leiteten  den  Namen  kung  des  Mondes  angesehen  wird  (s.  die  Steilen 

mehrfach  falsch  von  iuvare  oder  iuvenis  ab  bei    Röscher,   Iuno   u.   Hera  S.  2t   und  oben 

(Varro    1.  I.  5,  67  u.  69.     Cic.  n.  d.   2,  26,  66.  Bd.  1  Sp.  2089 ff.).    Als  Göttin  der  Menstruation 

Plut.  Q.  B.  77.    Hart.  Cap.  2,  149).  führte    Iuno     den    Beinamen    Fluonia    (Flu- 

Auf   denselben  Begriff  des  Leuehtens  be-  vionia;  oben   Sp.  198 f.),    und   die   von  Augu- 

ziehen     sich     aber     auch     die     noch     durch-  stinus   (de   civ.   d.  7,  2)   aus    Varro   angeführte 

sichtigeren    Beinamen    Lucina    (altlateinisch  Dta   Mena   [■—  Mqvrj],    quae   menstruis  fluo- 

Loucina)   und   Lucetia   (Hart.   Cup.  2,  149  ribus    praeest,     lovis    filia,     kann    ursprüng- 

sire    te    Lucinam    quod     lucein     nuscentibus  20  lieh     kaum     von     ihr     verschieden     gewesen 

tribuas    ac    Lucet iam    eonvenit    nuneupare),  sein.     S.  August,  c.  d.  7,  2:  Hanc  provinciam 

welche   wahrscheinlich  erst  dann  dem  Haupt-  fluorum   menstruorum   in   libro   selectorum 

namen   Iuno   zugefügt  wurden,    als   man   sich  deorum  ipsi  Iunoni   idem  auetor  (Varro)  ad- 

seiner    ursprünglichen   Bedeutung  nicht  mehr  signat,  quae  in  diis  selectis  etiam  regina  est  et 

klar  bewufst  war  und  den  Sinn  des  zum  bloi'sen  lue  tamguam  Iuno  Lucina  cum  eadem  Mena 

nomen  proprium   herabgesunkenen  oder  mifs-  privigna   sua  eidem   cruori  praesidet.      Faul. 

verstandenen     Appellativums      durch     Hinzu-  ep.  Fest.  p.  92,  15:  Fluoniam  Iunonem  mu- 

setzung   eines  bedeutungsvollen  Beinamens  zu  liercs  colebant,  quod  eam  sanguinis  fluorem 

erneuern  suchte  (vgl.  z.  B.  Zeus  -lvv.aiog,  Iup-  in   coneeptu  retinere  putabant.     Mart.  Cap.  2, 

jnter  Lucetius,   Diana  Lucina,   Fors  Fortuna,  30  149:  nam  Fluoniam  Februalemque  ac  Februam 

Aius    Locutius   u.  s.   w.).     Ohne    Zweifel    ist  mihi  poscere  non  neecsse  est,   cum  nihil  conta- 

Luc-ina    oder    Luc-etia    von    der     bekannten  gionis    corporeae    sexu    inte-merata    pertulerim. 

Wurzel  lue  leuchten  abzuleiten,  welche  nicht  Tert.  ad  nat.  2,  11:   Fluvionia,  quae  infantem 

selten    gerade    zur    Bezeichnung    des    Mondes  in    utero    [alitf].     August,   c.   d.    7,   3   p.  243, 

und    der    Mondgöttin    gebraucht    wird;     denn  17  Domb.    Mytliogr.   3,  3.    Amob.  ado.  nat.  3, 

lat.   lü-na  steht  für  luc-na,  im   Kirchenslav.  30    (Fluvionia).     Vgl.    auch    die   Stellen,    wo 

bedeutet  luca  und  luna :  den  Mond,  und  die  in  von    der    befruchtenden   Wirkung    des    Mond- 

der  Regel  für  eine  Mondgöttin  gehaltene  und  lichts  die  Rede  ist:  Fhä.  Q.  Com».  3,  10,  3,  9. 

darum  auch  z.  B.  von  Catull  34,  13  mit  Iuno  Macrob.  7,  16,  21  ff.   Io.  Lydus  p.   166  ed.  F. 

identiücierte  Diana  führt  ebenso  wie  Iuno  den  40  Mehr   bei  Röscher ,  Iuno  u.  Hera   S.  17  A.   12 

Beinamen  Lucina  (s.  Bd.  1    Sp.   1007),  Luna  und  im  Artikel  Selene. 

aber  heifst  Noctiluca  (Varro  l.  I.  5,  68.  Hör.  Aus  dieser  deutlichen  Beziehung  des  Mondes 

ca.  4,  6,  38),   was   an   die   von   Pausanias  (2,  zur  Menstruation,  welche  bekanntlich  bei  eiu- 

31,  4)    erwähnte    Artemis   Avhilci    zu    Troizen  tretender  Schwangerschaft  völlig  verschwindet 

erinnert  (vgl.   Curtius.    G-rdz.h  160  f.     Corssen,  und    sich   erst  nach   Beendigung   des  Säugens 

Ausspr.  etc.2  1,35.  Fiele,  Vgl.  Wörterb."  394).  wieder  einstellt,   ist  es  nun  ohne  Zweifel   zu 

Auch    in    diesem    Falle   begegnen   wir   wieder  erklären,    dafs    Iuno    ebenso    wie    andere    au- 

einer  falschen   Etymologie    der  Alten,    indem  erkannte  Mondgöttinnen  (z.  B.  Artemis,  Selene, 

Phnius  (h.  n.  16,  235)   den   Beinamen  Lucina  Diana)  zu  einer  Göttin  der  Entbindungen  und 

von  dem   uralten   Hain  (lucus)   dieser   Göttin  so  Geburten  geworden  ist   (vgl.  Cic.  nat.  deor.  2, 

auf  dem  Esquilinus  ableiten  wollte  (vgl.  unten  46,  119:  Luna...  grariditates  et  partus  afferat 

Sp.  602),  während  andere  (z.  B.  Cicero,  Varro,  maturitatesque  gignendi.   Arislot.  de  an.  gen.  4, 

Plutanh    an    den    oben   Sp.  578     angeführten  10   (ed.  Didot  3,  413,  38):    avupdUsTai   (17  os- 

Stellen)   Lucina  richtig  mit  lux  und  luna  in  Irrvn)    ttg    itdaag    zäg  yavtosig   -Hai   zslsicoasig 

Zusammenhang  brachten.  und    die   übrigen  oben  Bd.  1   Sp.  2089  ff.    und 

Müssen    wir    also    schon    auf    Grund    der  bei  Soscher,  Iuno  und  Hera  S.  40  und  Selene  u. 

beideu  Hauptbenennungen  der  Iuno  annehmen,  Verwandtes  S.  55  ff.  angef.  Stellen).  Erstens  näm- 

dafs   dieselbe   im   allgemeinen   zu   den   licht-  lieh  liegt  es  in  der  Natur  der  Sache,  das  Blut, 

spendenden   Gottheiten   gehört,    so   ersehen  welches  vor   der  Schwangerschaft  regelmäfsig 

wir  aus   ihrer  Funktion    als  Göttin   der  Men-  ßo  abgesondert  wird   und    nach    der   Empfängnis 

struation   und   Entbindung,    dafs  sie  spe-  im    weiblichen   Körper   zurückbleibt,   für   den 

ziell    eine   Göttin    des  Mondes  ist.     Menstrua-  zur  Ausbildung  und  Entwickelung   des   Fötus 

tion     und    Entbindung     nämlich    hielten    die  notwendigen    Ernährungsstoff   zu    halten    und 

Griechen     und    Römer     und     andere     Völker  anzunehmen,    dafs   dieselbe  Macht   des  Mond- 

(vgl.    die    bei   lioscher ,    Iuno    u.   Hera    S.   19  lichts,  welche  jene  Erscheinung  hervorzurufen 

Amu.    19    und   oben  Bd.  1    Sp.  2089  ff    ange-  scheint,    auch   das    allmähliche   Wachsen   und 

führten   Stellen)   für  eine  naturliche   Wirkung  Reifen  des  Kindes  im  Mutterleibe  bis  zur  Ge- 

des  Mondlichts,   wie   schon   aus   den  Bezeich-  hurt   bewirke.     In    der  That   läfst   sich   diese 


581              Iuno  (Lucina,  Lueetia)  Iuno  (Lucina,  Lueetia)              582 

einfache  und  natürliche  Voraussetzung  durch  Veränderung  des  Namens  Lucina  mit  der  bei 
eine  ziemliche  Anzahl  von  Stellen  aus  den  Griechen  und  Italikern  gleicherweise  ver- 
alten Schriftstellern  erweisen,  die  geradezu  breitet  gewesenen  Anschauung  zusammen, 
das  während  der  Schwangerschaft  im  Körper  dafs  die  Mondgöttin,  welche  zugleich  Ent- 
zurückbleibende Blut  für  den  Stoff,  aus  dem  binderin  ist,  das  Kind  ans  Licht  bringe, 
der  Fötus  entwickelt  wird,  erklären  (Plin.  h.  n.  So  ist  die  stehende  Redensart,  welche  Ho- 
7,  66:  haec  est  generando  homini  materia;  mar  von  der  Eileithyia  gebraucht,  il-ayaysiv 
vgl.  die  obige  Stelle  des  Fest.  p.  92;  mehr  (itupatvsiv)  ngo  cpowoön  (II.  LT  187 f.  T  103. 
bei  Röscher,  Inno  u.  Hera  S.  40  f.)  oder  die  118;  vgl.  Hy.  in  Ap.  Del.  119  und  Flut,  de 
Empfängnis  und  Geburt  von  der  Menstruation  10  JDacd.  Fiat.  5;  mehr  bei  Röscher,  Iuno  u.  Hera 
uud  somit  vom  Monde  abhängen  lassen  (s.  d.  S.  43),  und  römische  Schriftsteller  sagen  von 
Stellen  bei  Röscher  a.  a.  0.).  Viel  mochte  der  Lucina,  dafs  sie  das  Kind  ans  Licht 
zu  dieser  Auffassung  der  Mondgöttin  auch  die  fördere  oder  ihm  Licht  verleihe  (Fest. 
Erfahrung  beitragen,  dafs  die  meisten  Geburten  s.  v.  supercilia  [p.  305]:  per  quos  [oculosj  luce 
während  der  Nacht,  wenn  der  Mond  am  Himmel  fruimur,  quam  tribuat  Iuno,  imde  ipsa  dea 
steht,  zwischen  12  und  3  Uhr,  eintreten,  sowie  Lucina  quoque  dieta  videtur.  Varro  de  l.  I. 
die  Berechnung  der  Schwangerschaft  nach  5,  69:  Iuno  Lucina  dieta  .  .  .  quod  .  .  .  luna 
Monaten  (vgl.  die  Stelle  des  Varro  u.  Cicero  iuvat,  donec  mensibus  actis  produxit  in 
oben  Sp.  578  u.  Aristot.  de  an.  gen.  4,  10  lucem  .  .  .  Ov.  f.  3,  255:  dicite:  tu  nobis  lu- 
[=  ed.  IJidot  3,  413,  27]:  tvXoycog  öl  mkvzcov  20  cem,  Lucina,  dedisti.  ib.  2,  450.  Hart.  Cap. 
oi  xqovoi  v.al  xiov  %vr)G£<av  xcti  xiöv  yevs-  2,  149:  te  Lucinam  quod  lucem  nascenti- 
oicov  .  .  .  titzQEie9cu  ßovXovzat  naza  cpveiv  bus  tribuas  ac  Lucetiam  convenit  nuneu- 
Tztgiödoig,  Xiyco  öl  nigioäov  rjuioav,  xcd  vvxza  pare.  Mythogr.  3,  3).  Licht  und  Leben  sind 
v.al  (LTivcc  . . .  ixi  öl  xäg  ctli'ivqg  Tttaiööovg),  end-  ja,  wie  der  Sprachgebrauch  lehrt,  verwandte 
lieh  die  eigentümliche  Vorstellung,  dafs  der  Begriffe  (vgl.  die  Lexika  unter  lux  und  lumen); 
wachsende  oder  Vollmond  eine  leichte,  der  ebenso  aber  auch  Licht  und  Auge,  weshalb 
abnehmende  oder  Neumond  (interlunium)  eine  die  Frauen  der  Iuno  Lucina  ihre  Äugenbrauen 
schwere   Geburt  bewirke   (vgl.   Flut.  Q.  Conv.  "weihten,  weil  die  Augen  das  Licht  des  Leibes 

3,  10,  3,  9:  Xiyszai  öl  [r)  <jhXr\vrf\  ngög  svxo-  sind,  das  der  Lucina  verdankt  wurde,  die 
v.iav  ovvegy £ iv  örctv  ?;  S i%6iir]vog,  civiasi  30  Augenbrauen  (Augenwimpern?)  aber  die  Augen 
räv  vygäv  unP.arftxojTfQßg  7iaoexovoc(  rc'tg  codi-  schützen  (Fest.  u.  Faul.  p.  304  u.  305:  supercilia 
i'aj  [vgl.  Macrob.  7,  IG,  21  ff.]  .  .  .  Tifio&sog  in  Iunonis  tutela  esse  putabawt,  in  qua  dieun- 
61  ...  cpr/Of  'diu  v.va.vtov  noXov  (xgxqcov  diu  tur  mulieres  quoque,  quod  iis  protegantur  oculi, 
x'  räauiÖHOio  aeXävag'.  Schol.  zu  11.  $>  per  quos  luce  fruimur,  quam  tribuat  Iuno. 
483:  y-eexet  ulv  zag  navazXrjvovg  vvv.xug,  cog  Wide  ipsa  dea  Lucina  quoque  dieta  videtur. 
rpriei  Xctvci7i7iog,  £vzo%<izuzui  yivovzai  ai  Varro  l.  I.  5,  69:  mulieres  potissimum  super- 
ywai-usg,  ■nazä  öl  eKOzourjviag  SvatOKOi  ciyuv.  cilia  sua  attribuerunt  ei  deae;  hie  enim  debuit 
Euseb.  pr.  ev.  3,  11,  21:  Aoxia  zs  r;  "AozEutg,  maxime  collocari  Iuno  Lucina,  ubi  a  diis  lux 
r.atnsQ  ovaa  naadivog,  özi  ij  t/~s  vavurjvCag  datur  oculis).  Aus  einer  ähnlichen  Symbolik 
övvaiiig  zcQoa&Bziy.r)  fi's  xh  xr/.zuv).                      40  erklärt  sich  vielleicht  auch  die  Sitte,  bei  Ent- 

Der  gewöhnlichste   und   wohl  auch  älteste  bindungen  Kerzen  (candelae)  anzuzünden;  diese 

Beiname   der  Iuno    als  Entbinderin   ist  be-  Kerzen    sollten    ursprünglich    wohl   die    Nähe 

kanntlich    Llicina    oder    Lucetia,     der    sich,  und  Hülfe    der   Iuno   Lucina    ("Heia   cpcoecpoQog 

wie    wir     schon    oben    gesehen     haben,     ur-  Sp.  585,  15  ff.)  andeuten,  welche  ebenso  wie  die 

sprünglich    ebenso    wie    Iuno    gewifs    auf   die  Mond-  und  Geburtsgöttinnen  derGriechen  selbst 

Lichtnatur     der     Mondgöttin    bezog.       Später  mit  einer  Fackel  dargestellt  wurde  (vgl.  das 

verstand  man  freilich  unter  Iuno  Lucina  nicht  von  Oeerbeck,  Gr.  Kunstm.  2,  1   S.  153   [Atlas 

mehr   die  leuchtende   Göttin,    obwohl  die   Er-  Taf.   X  nr.  24]   und  von  Brunn,   annali  1848 

innerung  an  lucere  und  luna  nie  völlig  S.  432  besprochene  röm.  Grabrelief,  sowie  die 
verschwand     (vergleiche     die     oben     Sp.   578  50  Art.  Candelifera  u.  Indigitamenta  Sp.  193). 

angeführten    Stellen    und    aufserdem    Tib.   3,  Was  nun  die  einzelnen  Akte  im  Kultus  der 

4,  13.  Ov.  f.  2,  450.  6,  39),  sondern  in  der  I.  Lucina  anlangt,  so  ist  vor  allem  darauf 
Regel  die  entbindende  Göttin  der  Geburten  hinzuweisen,  dafs  in  der  Stunde  der  Gefahr 
(=Eileithyia;  s.  Dion.  H.  A.  R.  4, 15;  vgl.  nicht  die  Wöchnerinnen  in  der  Regel  diese  Göttin 
nur  Stellen  wie  Ter.  Ad.  3,  4,  41:  Miseram  anzurufen  pflegten  (vgl.  aufser  den  oben  Sp.  581 
nie,  differor  doloribus:  Iuno  Lucina  fer  opem.  angef.  Stellen  Varro  l.  I.  5,  69  pariertes  cam 
Plaut.  Aul.  4,  7,  11:  Uterum  dolet:  Iuno  Lu-  invocant.  Cic.  de  nat.  d.  2,  27,  09:  ut  apud 
cina  tuam  fidem.  Verg.  Ecl.  4,  8 ff.:  nascenti  Graecos  Dianam  eamque  Luciferam  sie  apud 
puero  Casta  fave  Lucina.  Hör.  epod.  5,  5.  nostros  Iunonem  Lucinam  in  pariendo  invocant. 
Macrob.  7,  10,  27:  Lucina  a  parturientibus  eo  Cut.  34,  13.  Prop.  5,  1,  99  ff.  Ov.  f.  2,  451. 
invocatur,  quia  proprium  eins  mituus  est  dis-  3,  256.  Aug.  c.  d.  4,  11.  Apul.  M.  6,  4  etc.). 
tendere  rimas  corporis  et  mcatibus  viain  dare,  Man  glaubte,  dafs  Iuno  Lucina  es  sei,  welche 
quod  est  ad  celerandos  parlus  Salutare.  Arnob.  die  Wehen  der  Schwangeren  lindere  und  durch 
adv.  nat.  3,23,  sondern  auch  den  metonymischen  eine  rasche  Geburt  abkürze  (Arnob.  adv.  nat. 
Gebrauch  von  Lucina  =  partus  bei  Verg.  Geo.  3,  21:  ut  difficiles  puerperiorum  tricas  Iuno 
4,339:  altera  virgo,  altera  tum  primos  Lu-  muleeai  corripiatque  Lucina.  Macrob.  7,  16,  27: 
cinae  ixperta  labores;  vgl.  ib.  3,  CO.  Ov.  a.  proprium  eins  nntnus  est  distendere  rimas  cor- 
a.  3,  785).     Offenbar  hängt   diese  Bedeutungs-  poris  et  meatibus  viam  dare),  eine  Anschauung, 

19* 


583     Inno  (Lucina,  Conservatrix,  Opigena)  Iuno  (Lucina;  Matronalienfeier)      584 

welche  deutlich  an  die  coxt'roxos  ZiXäva  erfolgt  (v.  441):  ' Italiäas  matres  .  .  .  sacer 
(Macrob.  a.  a.  0.  28.  Flut.  Q.  Born.  77.  Chry-  hircus  inito.'  Ein  Seher  schlachtet  nun  einen 
sipp  b.  Schol.  ZU  II.  <f>  483)  erinnert.  Hierher  Bock,  schneidet  das  Fell  in  Streifen  und 
gehört  wohl  der  auf  Errettung  aus  Kindes-  schlagt  mit  diesen  den  Rücken  der  Frauen, 
nöten  deutende  Beiname  Conservatrix  auf  ein  Brauch,  wie  er  auch  beim  Feste  der  Luper- 
Münzen  der  Iulia  Domna,  Salonina,  Mammaea  calien  zur  Erzielung  von  Fruchtbarkeit  geübt 
(vgl.  Overheek,  K.-M.  2,  1  S.  127.  Preller,  R.  wurde.*)  Das  Hauptfest  dieser  esquilinischen 
M'6  1,  274,  1),  sowie  die  Iuno  Opigena  (Fest.  Lucina  fiel  auf  den  alten  Jahresanfang,  die 
200:  ferre  eam  opem  in  partu  laborantibus  Ealenden  des  März,  denselben  Tag,  an  welchem 
credebant.  Hart.  Cap.  2,  149:  Opigenam  te  10  auch  die  Geburt  des  Mars  als  Sohnes  der  Iuno 
quas  vel  in  partus  discrimine  vel  in  hello  pro-  und  seines  Sohnes  Romulus((M  /'.  3,233)  gefeiert 
textris  precabuntur.  Vgl.  Mythogr.  3,  3,  wo  wurde.  Es  hiefs  Matronalia  oder  Matro- 
freilich  die  Hss.  ebenso  wie  b.  Martian.  a.  a.  0.  nales  (Tert.  de  idol.  14),  wie  es  scheint,  nicht 
_B  R  '  Soticenam'  bieten).  Fühlte  sich  eine  blofs  deshalb,  weil  es  von  den  matronae  ge- 
Fran  schwanger,  so  umwickelte  sie  ihren  feiert  wurde,  sondern  auch  aus  dem  Grunde, 
Leib  mit  Binden,  die  im  Tempel  der  Lucina  weil  es  dem  idealen  Vorbilde  aller  matronae, 
geweiht  waren  (Tertull.  de  an.  39:  ipsi  adhuc  der  Iuno,  die  selbst  mehrfach  Matrona  heifst 
uteri  infulis  aptid  idola  confectis  redimiti  geni-  und  an  diesem  Tage  den  Mars  geboren  haben 
mina  stia  daemoniorum  candidata  profitentur),  sollte,  galt.  Wie  streng  es  mit  dem  Begriff 
oder  sie  begab  sich  selbst  in  denselben,  um  20  matronae  gebalten  wurde,  ersieht  man  aus 
die  Hülfe  der  Göttin  zu  erflehen,  aber  immer  folgender  auf  Numa  zurückgeführten  Bestim- 
mit  aufgelöstem  Haar  und  mit  aufgelösten  mung  bei  Gell.  N.  A.  4,  3:  Pelex  aram  Iuno- 
Knoten,  um  eine  günstige  Vorbedeutung  zu  nis  ne  tangito;  si  tangit ,  lunoni  crinibus  de- 
gewinnen (Serv.  zu  Yerg.  A.  4,  518:  Iunonis  missis  agnum  feminam  caedito. 
jbucinae  Sacra  non  licet  accedere  nisi  solutis  Die  Wahl  des  Festtages  wird  sehr  ver- 
nodis.  Ov.  f.  3,  257:  Si  qua  tarnen  gravida  est,  schieden  motiviert.  Ovid  (fast.  3,  177  ff.)  giebt 
resoluto  crine  precetur,  Ut  solvat  partus  nicht  weniger  als  vier  Gründe  dafür  an:  1)  weil 
molliter  illa  suas).  Nach  glücklich  über-  an  diesem  Tage  (vgl.  v.  205)  die  Herstellung 
standener  Entbindung  wurde  der  Lucina  zum  des  Friedens  zwischen  den  Römern  und  Sa- 
Dank  für  ihre  Hülfe  eine  ganze  Woche  lang  30  binern  durch  das  Dazwischentreten  der  ältesten 
ein  Tisch  gedeckt  (Tert.  de  an.  39:  in  partu  römischen  matronae  erfolgt  sei  (vgl.  Serv.  V. 
Lucinae  et  Dianae  eiulatur  .  .  .  per  totam  lieb-  A.  8,  63S:  Sabini  soll  bella  sumpsenmt  .  .  .  sed 
domadam  lunoni  mensa  proponitur;  vgl.  Serv.  intervenientibus  postea  triginta  feminis  iam 
V.  Ecl.  4,  62).  Nach  Dion.  Hol.  A.  R.  4,  15  enixis  de  Ulis  quae  raptae  erant,  pax  facta  est, 
mufste  auf  Grund  einer  Verordnung  des  Ser-  ex  quarum  nominibus  Curiae  [Sp.  594]  appei- 
vius  Tullius  für  die  Neugeborenen  in  die  latae  sunt; in communem etiam  mulierum  honorem 
Tempelkasse  der  "Hqu  tpcoatpOQog  (=  Lucina)  Kalendae  eis  dicatae  sunt  Martiae;  vgl.  Plut. 
eine  gewisse  Summe  gezahlt  werden.  Die  Rom.  21:  v  .  .  zmv  MazQavaXicov  [ioqti]], 
Nachricht,  dafs  die  von  Zwillingen  Entbundene  Öo&iioa  ralg  yvvaiQv  eni  zij  zov  izolifiov  Ka- 
der Iuno  ein  Mutterschaf  mit  zwei  zu  beiden  40  zoXvosl).  —  2)  weil  an  diesem  Tage  Romulus, 
Seiten  angebundenen  Lämmern  (oves  cum  duo-  der  Sohn  des  Mars  und  der  llia,  geboren  sein 
bus  agnis  altrinsecus  religatis)  geopfert  habe,  sollte  (v.  231  f.).  —  3)  weil  der  März  den 
beruht  freilich  nur  auf  der  ungenügenden  Frühling,  die  fruchtbare  und  zum  Gebären 
Autorität  des  Fulgentius  (p.  389  ed.  Gerlach),  geeignetste  Zeit,  eröffnet  (v.  235  ff.).  —  4)  weil 
ist  aber  an  sich  wohl  glaublich.  In  der  spä-  an  diesem  Tage  der  Tempel  der  luuo  Lueina 
teren  Zeit  scheint  man  mehrfach  Iuno  Lucina  auf  dem  Esquilin  (im  Jahre  379/375)  de- 
mit  Diana,  welche  denselben  Beinamen  führte,  diciert  worden  sein  sollte  (vgl.  Plin.  n.  h.  16, 
identifiziert  zu  haben  (Catull  34,  13:  [Diana]  235.  Cal.  Prain.  Fest.  ep.  p.  147).  Im  übrigen 
tu  Lucina  dolentibus  |  Iuno  dieta  puerperis;  wissen  wir,  dafs  an  diesem  Tage  die  Ehe- 
vgl  auch  die  von  Preller- Jordan,  R.  il/.3  1,  50  gatten  für  das  Glück  der  Ehe  beteten  und 
274,  1  und  Overbeclc,  Kunstmyth.  2,  1  S.  154  ff.  opferten  (Hör.  ca.  3,  8,  1  u.  Schol.  Cruq.  mariti 
besprochenen  Bildwerke  und  Münzen).  pro  eonservatione  coniugii  supplicabant),  den 
Was  die  Ausbreitung  des  Kultus  der  Lu-  Frauen  von  den  Mänüern  Geschenke  darge- 
cina  betrifft,  so  scheint  derselbe  in  ganz  Italien  gebracht  (Plaut,  mil.  gl.  689.  Pompon.  b. 
geherrscht  zu  haben  (vgl.  Apul.  Met.  6,  4  Macrob.  6,  4,  13  =  Rihbech,  com.  rel.  p.  198. 
p.  389:  eunetus  oriens  Zygiam  vencratur  et  Tib.  3,  1  ff.  Pompon.  Big.  24,  1,  31,  S.  Suet. 
omnis  oeeidens  Lucinam  appeüat).  In  Rom,  Vesp.  19)  und  den  Sklaven  von  den  Haus- 
wo  ihr  Kult  bereits  von  T.  Tatius  eingeführt  frauen,  wie  an  den  Saturnalien  von  den  Haus- 
worden sein  sollte  (Yarro  1.  1.  5,  74;  oben  herren,  ein  Festmahl  gegeben  wurde  {Macröb. 
Sp.  575),  hatte  sie  einen  ivralten  heiligen  Hain  60  1,  12,  7.  Lyd.  de  mens.  3,  15;  vgl.  Preller- 
auf  dem  Esquilinus  (Oc.  f.  2,  435  ff.:  mo\ite  Jordan,  R.  'ü/.3  1,  274  ff.  Marquardt,  Staats- 
sub  EsquiUo  nivltis  incaeduus  annis  \  Iunonis  rerw.  3,  548.  Grilbert,  Gesch.  u.  Topogr.  der 
magnae  nomine  lucus  erat;  vgl.  Plin.  h.  n.  16,  St.  Rom  1,  174  f.).  Vgl.  auch  die  römischen 
235),  an  welche  Stätte  die  von  Ov.  f.  2,  427  ff.  der  Lucina  geltenden  Inschriften  C.  I.  L. 
berichtete  Sage  geknüpft  ist.    Nach  Ov.  a.  a  0.  „  _  ,    .,,        ,.     ._  .    ,         .      T           ,.           , 

,.      .. ,,"      o      _.. '         .                   n       .,          „.  *)    Vul.    über    die    Bedeutung    der   Lupercahen   und 

beten  die  ältesten  Römerinnen,   da  ihre  Ehen  über   aeren  Zusammonhang   mit   dem  Kulte  der  Iuno 

unfruchtbar  sind,  zur  Lucina  um  Kindersegen,  Ed.  x  Sp  u57  f   und  TOr  aUem  Mannimrdt,  Mythoi.  For- 

worauf  aus  dem  Haine  die  göttliche  Weisung  schungen  S.  72fl\,  bes.  s.  85  u.  113  ff. 


585           Iuno  (Lucina,  Kalendaris)  Iuno(Covella, Ossipago, Romina?, Martialis)586 

1,  189    (=  6,  3694).    1,  812.     813  (=6,357).  Tag    fallen    sollten   {Macroh.  1,  15,  9    u.    19). 

C.   I.   L.    6,  1    nr.    357 — 361.     3695.     Jordan  Ähnlich   sagt   Yarro  de  l.  I.  6,  27:  primi  dies 

zu  Preller,  II.   i)/. 3  1,  271,  2.     Andere   Kulte  mensium   nominati   Kalendae    ab    co    quod    liis 

der    Iuno    Lucina    bestanden    zu   Pisaurum  in  diebus  calantur  eius  mensis  Nonae  a  pontifici- 

Umbrien  (C  /.  L.  1,  171  ff.;  vgl.  ib.  173:  Iuno  bus ,  quintanae  an  sepHmanae  sint  futurae,  in 

RefgiuaJ),  zu  Capua  (Iuno  Lucina  Tuscolana  Capitolio  in  curia  Calabra  sie:    'Dies  te  quin- 

C.  I.L.  1,  1200  =  10,  3807),  zu  Tnsculum  (?)  qtie  cälo,   Iuno  Covella.     Septem  dies  te  cdlo, 

(vgl.  C.  I.  L.  1,  1200),  zu  Ulubrae  (ib.  10,  6484),  Iünö  Covella.     Vgl.  Io.  Lgd.   de  mens.  3,  7. 

zu  Cales  in  Campanien  (C.  I.  L.  10,  4660).  Kai.  Praen.  z.  1.  Jan.  Sern.  V.  A.  8,  654.   Iuba 

Auf  Bildwerken,   die  am  vollständigsten  io  b.  Plut.  Q.  R.  24.    Mit  Recht  haben  schon  die 

von    Ocerbeck,   K.-M.  2,   1,153  ff.    behandelt  Alten  (z. B.  Macrob.  1, 15,  20.  Lijd.  a.  a.O.u.  4,29) 

worden    sind,    erscheint    Iuno   Lucina    in    der  aus  diesem  Brauche  auf  die  Mondbedeutung  der 

Regel    mit   einem   Wickelkind   im   Arm,    bald  Iuno  geschlossen.    3läller-I)eecke,  Etr.*  2,  305 

stehend,   bald   sitzend.      Von   sonstigen   Attri-  halten  den  Brauch  für  tuskiseh  und  lesen  Iuno 

buten    dieser  Göttin    scheint   nur    die    Fackel  Novella   statt   Covella.     Ist   die   Form  Covella 

(vgl.  "Hga    <pa>6<poQog   =    Lucina  bei   Dionys.  richtig  überliefert,   so  wird  man  kaum  umhin 

Hai.  4,  15)  und  'eine  grofse,   lilien-   oder  iris-  können,   sie   mit   Preller   (R.  M?  1,  272)  von 

förmige  Blume'  (vgl.  Overb.,  Münztaf.  3  nr.  13)  cavus    (vgl.   v.oC7.og,   cous)   abzuleiten    und   auf 

bedeutungsvoll  zu  sein.     Das  Wickelkind  auf  den   'ausgehöhlten'    d.   i.    zunehmenden   Mond 

dem  Arme  bezeichnet  ohne  Zweifel  die  Göttin  20  zu  beziehen  (vgl.  Cava  luna  im  Gegensatz  zu 

der  Geburten,  welche  zugleich  für  das  weitere  plena  luna  b.  Plin.  h.  n.  8,  215).     Vgl.  aufser 

Wachsen    und    Gedeihen    der    Kinder    sorgt,  Preller  a.  a.  0.  Marquardt, Rom.  Staatsv.  3, 271f. 

daher   auf   einigen  Münzen  noch   andere   ent-  An  die  Funktion   der  Entbindung   schliefst 

wickeitere  Kinder  neben  ihr  stehend  erscheinen  sich    naturgem'äfs    die    Idee    mütterlicher   Er- 

(vgl.  d.  Art.  Fecunditas  u.  Cohen,  Med.  imper."  nährung   und  Erziehung   an,   wie  sie  sich  un- 

3,  147).  Man  ersieht  daraus  deutlich,  dafs  zweifelhaft  in  dem  Beinamen  Ossipago  (-ina), 
Iuno  als  Entbindungsgöttin  zu  einer  v.ovgo-  vielleicht  auch  in  dem  der  Romina  (?)  und 
TQoepog  geworden  ist,  eine  Thatsache,  die  Martialis  ausgeprägt  haben.  Auch  hier  lassen 
sich  auch  für  Artemis  und  Hekate  nach-  sich  leicht  allerlei  Beziehungen  zum  Monde 
weisen  läfst  {Röscher,  Inno  u.  Hera  S.  46).  30  denken,  von  dem  man  Wohl  und  Wehe  der 
Die  Blume,  welche  Lucina  auf  Münzen  der  neugeborenen  Kinder  abhängig  glaubte  (vgl. 
Kaiserinnen  trägt  (z.  B.  Cohen  a.  a.  0.  3,  218.  die    Stellen    b.    Röscher,    Iuno  u.  Hera   S.  46 

4,  113.  493),  erklärt  sich  wohl  am  besten  als  Anm.  112  und  Macrob.  7,  16,  25).  Was  die  Ossi- 
eine Lilie,  welche  nach  Bd.  1  Sp.  2090  auch  der  pago  (s.  ob.  Sp  172  ff.  20S)  anlangt,  so  ist  sie 
Hera  als  Göttin  der  Menstruation  geheiligt  nach  Arnob.  4,  7  f.  diejenige  Göttin  quae  dural 
war  (vgl.  Müller -Wieseler ,  I).  a.  K.  2,  64  c).  et  solidat  infantibus  parvis  ossa,  worunter  kaum 
Hinsichtlich  der'  wohl  auch  in  diesen  Zu-  mit  Preller.  R.  M.3  1,  275  die  Kinder  im  Mutter- 
sammenhang gehörigen  Herie  Iunonis ,  die  leibe,  sondern  wohl  die  schon  geborenen  zu 
vielleicht  eine  als  Tochter  der  I.  gedachte,  verstehen  sind.  Eine  andere  Form  desselben 
der  griechischen  Hebe  oder  Ganymeda  ver-  40  Namens  scheint  nach  Arnob.  3,  30  Ossipagina 
gleichbare  Liebesgöttin  war,  s.  d.  Art.  und  (wofür  Preller  a.  a.  0.  Opigena  schreiben  will) 
Preller,  R.  31. 3  1,  275.  gewesen   zu   sein   (ob.  Sp.  209).     Wir  erhalten 

Eine  weitere  deutliche  Beziehung  zum  somit  eine  neue  Parallele  zu  der  soeben  be- 
Monde erblicken  wir  ferner  in  dem  Umstände,  sprochenen  Lucina  y.ovgoTQoqios.  Der  Beiname 
dafs  sämtliche  Kaienden  der  Monate  der  Iuno  Romina  oder  Rumina  (vgl.  Corssen,  Ausspr.  etc.2 
heilig  waren,  weshalb  sie  bei  den  Laurentern  1,  279  u.  364)  beruht  zwar  nur  auf  einer  Kon- 
geradezu  Kalendaris.  genannt  wurde  (vgl.  jektur  statt  des  bei  Arnobius  3,  30  über- 
31acrob.  1,  15,  18 f. :  ut  .  .  .  Idus  omnes  Iovi  ita  lieferten  Pomana,  hat  aber  eine  gewisse  Pro- 
omnes  Kalendas  Iunoni  tributas  et  Varronis  et  Labilität,  insofern  wirklich  Iuno  hie  und  da 
pontificalis  affirmat  auetoritas.  quod  etiam  50  säugend  dargestellt  ist  (vgl.  Ooerbeck,  Kunstm. 
Laurentes  patriis  religionibus  servant,  qui  et  2,  1,  153.  Preller,  R.  31.  1,  274,  1;  ob.  Sp.  220.) 
cognomen  deae  ex  caerimoniis  addiderunt,  Ka-  Ob  die  Iuno  Martialis  der  zwischen  251  u.  254 
lenclarem  Iunonem  vocantes,  sed  et  Omnibus  geprägten  Münzen  des  Trebonianus  und  Volu- 
Kalendis  a  mense  Martio  ad  Deeembrem  huic  sianus  zu  den  Entbindungsgöttinnen  gehört, 
deae  Kalendarum  die  supplicant.  Plut.  Q.  R.  hängt  wesentlich  davon  ab,  ob  das  Attribut  der 
77.  Io.  Lyd.  mens.  3",  7  p.  36.  4,  29  p.  76).  Göttin  eine  Hebammenschere  ist  oder  nicht 
Xach  Macrobius,  der  wahrscheinlich  aus  guten  (vgl.  Overbeck  a.  a.  0.  S.  155  ff.  Preller,  R.3I.3 
Quellen  (Vurrol)  schöpfte,  hatte  der  pontifes  1,  289,  2.  —  Cohen,  Med.  imper."  5,  243f.,  vgl. 
minor  die  Aufgabe,  das  erste  Wiedererscheinen  270f. ,  deutet  das  Attribut  der  rechten  Hand 
des  Mondes  zu  beobachten  und  sofort  dem  60  als  'e'pis');  zu  den  xovQozQocpoi  scheint  sie 
rex  sacrificulus  anzuzeigen.  Darauf  wurde  in  aber  jedenfalls  gerechnet  werden  zu  müsseu, 
der  sogen,  curia  Calabra  vom  pontifex  minor,  da  sie  auf  einer  Münze  des  Volusianus  (Collen  - 
in  der  regia  aber  von  der  Gattin  des  rex  5,  271;  s.  Sp.  611)  in  ihrem  Tempel  zwischen 
sacrif.,  der  regina  sacrorum,  der  Iuno  ein  Opfer  zwei  Kindern  sitzend  dargestellt  ist.  Der  Bei- 
(porca  vel  agna)  dargebracht,  und  dem  auf  name  Martialis  bezeichnet  sie  wohl  als  Mutter 
das  Kapitol  berufenen  Volke  ('plebe  in  Capi-  des  Mars,  dessen  Geburtstag  mit  der  Feier  der 
tolium  calata')  mitgeteilt,  ob  die  Konen  des  Matronalien  (1.  März)  zusammenfiel,  ebenso 
betr.   Monats   auf  den  fünften   oder   siebenten  wie    auch    die   Kaienden    des   Juni   dem   Mars 


587      Inno  (Beziehg.  ■/,.  Ziege;  Februlis  etc.)  Iuno  (Caprotina,  Curritis)           588 

und  der  Iuno  zugleich  heilig  waren  (Oc.  f.  6,  «IIa  -/.al  $>tßgovüzog  Xtyszai,  äia  zr\v  zoinov 
191).  Da  nun  diese  beiden  Tage  genau  9  Mo-  tcpooov  v.al  <frtßoovazav  v.al  QtßQovültu,  roig 
nate  auseinander  liegen,  so  ist  zu  vermuten,  dafs  tsgoig  cerctcpsQ?c9cti).  Schliefslich  erinnern  an 
die  Kaienden  des  Iunius  der  Zeugung,  die  des  das  Symbol  der  Ziege  die  Nonae  Caprotinae, 
Martius  der  Geburt  des  Mars  als  Sohnes  der  die  Iuno  Caprotina,  die  caprae  palus  auf 
Iuno  galten  (vgl.  Gardthausen,  Aug.  2.  1,  18  f.).  dem  Marsfelde  als  Stätte  jener  Feier,  der 
Mit  Wahrscheinlichkeit  dürfen  wir  die  Ziege  heilige  caprificus,  unter  dem  das  Opfer  darge- 
als  ein  in  Hellas  übliches  Opfertier  der  Mond-  bracht  wurde,  zu  welchem  man  sich  der  Milch 
göttin  ansehen  (s.  Selene).  Denn  wir  wissen  des  Baumes  bediente,  während  unter  Ziegen- 
bestimmt,  dafs  in  den  Kulten  der  Artemis  zu  10  feigenbäumen  die  Frauen  und  Mägde  festlich 
Brauron,  Agrai  und  Sparta  Ziegenopfer  üblich  bewirtet  wurden.  Schwegler,  R.  G.  1,  532  ff., 
waren  (s.  oben  1  Sp.  2096).  Ebenso  war  die  der  alle  Belege  gesammelt  hat,  vergleicht 
Ziege  das  hergebrachte  Opfer  der  Hera  in  dieses  Fest  der  Iuno  Caprotina  gewifs  passend 
Sparta  (wovon  sie  den  Beinamen  aiyocpiyog  mit  der  Luperealienfeier.  Hinsichtlich  der 
erhielt)  und  in  Korinth  (vgl.  hinsichtlich  Rolle,  welche  die  Ziege  bei  der  Heilung  von 
der  Selene  Hesycli.  s.  v.  oigetvia  ai%\  mehr  Frauenkrankheiten,  namentlich  im  Zustande 
bei  Hotelier,  Iuno  u.  Hera  35  und  Sehne  der  Schwangerschaft  spielte,  s.  Plin.  n.  h.  28, 
u.  Verwandtes  S.  43  ff.).  Ganz  ähnliche  Be-  255  ff.  JRoscher.  Selene  43,  106. 
Ziehungen  zur  Zieje  und  zum  Bocke  gewahren  Endlich  ist  in  diesem  Kapitel  noch  zu  er- 
wir  nun  auch  bei  der  italischen  Iuno.  So  20  wähnen,  dafs  sich  wie  in  Griechenland  so  auch 
wissen  wir,  dafs  an  dem  Feste  der  faustischen  in  Italien  die  Vorstellung  einer  bewaffneten 
Iuno  eine  Art  Ziegenopfer  in  der  Weise  dar-  und  auf  einem  Wagen  stehenden  Mondgöttin 
gebracht  wurde,  dafs  Jünglinge  mit  Wurf-  Iuno  findet.  Vou  der  tiburtinischen  Iuno  Cur- 
spiefsen  nach  einer  aufgestellten  Ziege  warfen  ritis  heifst  es  bei  Serv.  Fuld.  zu  Aen.  1,  17: 
(Ol),  am.  3,  13,  18 — 22),  ferner,  dafs  die  Iuno  in  sacris  Tiburtibus  .  .  .  sie  precantur:  Iuno 
Sospita  zu  Lanuvinm  mit  einem  Ziegenfell  Curritis,  tuo  curru  el  ipeoque  tuere  meos 
bekleidet  war,  das  zugleich  als  Panzer  und  curiae  vernulas  sane.  Dasselbe  gilt  auch  von 
Helm  diente  (vgl.  Orerbeclc,  K.-3L  a.  a.  0.  der  lanuvinischen  Sospita,  welche  nicht  blofs 
S.  160).  Ganz  ähnlich  wurde  auch  Artemis-  auf  Münzen  der  Mettia  und  Procilia  fahrend, 
Selene  und  die  argivische  Hera  mit  einem  30  sondern  auch  regelmäfsig  mit  Schild,  ge- 
Ziegenfelle  dargestellt  (vgl.  Müller,  Hdb.  d.  schwungenem  Speer  und  einem  Panzer  und 
Arch.  400,  2.  Passeri,  lue.  1,  94.  Imhoof  and  Helm  aus  Ziegenfell  auf  vieltn  Bildwerken 
Gardner.  Num.  Comm.  on  Pausan.  S.  41;  in  dargestellt  erscheint  (vgl.  Orcrbeek,  K.-M. 
diesem  Falle  wäre  freilich  auch  eine  spätere  Hera  S.  160  ff.  Babelon,  Mann,  de  la  rc'p. 
Identificierung  der  Hera  mit  Iuno  Lanuvina  Rom.  2,  20.  224.  386.  434f.  unten  Sp.  608).  Ge- 
möglich). Drittens  erfahren  wir  aus  Ovid  f.  naueres  siehe  b.  Röscher ,  Iuno  u.  Hera  S.  48. 
2,  427  ff.,  dafs  der  eigentümliche  Brauch  der  TTT  T  ,  „..ii.  „  ,  (i  ,  ,_,, 
Luperci,  sich  mit  einem  Ziegenfelle  (Iunon  is  m-  Iuno  als  Gottm  der  Hochzeit  und  Ehe. 
amiculum)  zu  umgürten,  mit  den  aus  den  I  Pronuba,  Inga  ^tc. 
Fellen  der  geopferten  Böcke  geschnittenen  40  Über  die  Frage,  wie  es  kommt,  dafs  Hera 
februa  (Scrv.  V.  A.  8,  343)  die  begegnenden  und  Iuno  als  Mondgöttinnen  zugleich  zu  Vor- 
Frauen zu  schlagen  und  so  deren  Fruchtbar-  steherinnen  der  Hochzeiten  und  Eben  geworden 
keit  zu  bewirken,  mit  dem  Kultus  der  Lucina  sind,  habe  ich  bereits  in  meiner  Schrift  Iuno 
zusammenhing,  welche  den  Bitus  der  Luper-  u.  Hera  (vgl.  oben  Bd.  1  Sp.  2098  ff.)  ausführlich 
calien  anempfohlen  und  dadurch  Fruchtbarkeit  gehandelt.  Vor  allem  kommt  hier  in  Be- 
verliehen haben  sollte.  Wahrscheinlich  hängen  tracht,  dafs  der  wichtigste  Zweck  der  Ehe  die 
mit  diesen  februa  die  Beinamen  Februlis,  Zeugung  oder  Fortpflanzung  des  Geschlechtes 
Februa,  Februalis,  Februata  zusammen,  ist  (yaiiov  ztXog  ysvtat'g  iezi  Plut.  de  Daed.  Plat. 
durch  die  offenbar  eine  zum  Februarins  und  zu  5),  daher  eine  Göttin  der  Geburt  und  Zeugung 
der  Luperealienfeier  dieses  Monats  in  Beziehung  50  leicht  eine  Ehegöttin  werden  konnte,  insofern 
stehende  Iuno  als  Göttin  weiblicher  Fruchtbar-  die  Fruchtbarkeit  der  Weiber  von  ihr  ab- 
keit  und  Reinigung  (purgatio)  bezeichnet  hängt.  Sodann  ist  hinsichtlich  des  hohen 
werden  sollte  (Fest.  ep.  85:  Februarius  ....  Alters  der  auf  die  Ehe  und  Hochzeit  bezüg- 
dictus  .  .  .  vcl  a  Iunon e  Februata,  quam  alii  liehen  Cerimonieen  auf  die  wichtige  Thatsache 
Februalem ,  Romani  Februlim  vocant,  quod  aufmerksam  zu  machen,  dafs  die  italischen 
ipsi  eo  mense  Sacra  fiebant  eiusque  feriae  erant  Hochzeitsgebräuche  mit  den  ihnen  zu  Grunde 
Lupercalia,  quo  die  midieres  februabantur  a  liegenden  Ideen  den  griechischen  Hochzeits- 
lupercis  amiculo  Iunonis  id  est  pelle  ca-  riten  überaus  ähnlich  sind,  daher  wir  mit 
prina.  Mart.  Cap.  2,  149.  Amol).  3,  30.  Be-  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  sowohl  für  die 
achtenswert  erscheint  Mythogr.  3,  3 :  Februalis  60  beiderseitiges  Hochzeitsbräuche  als  auch  für 
rcl  Februa,  quod  eas  (feminas)  post  partum  die  beiderseitigen  Hochzeitsgöttinnen  ursprüng- 
seeundis  egredientibus  purget;  februo  liehe  Identität  oder  mindestens  nahe  Ver- 
enim  Graece,  Latine  purgo.  Lydias  de  mens.  wandtschaft  anzunehmen  haben  (vgl.  Röscher, 
4,    20:     T»    <I?8ßQovaQt'io    [iwvi    äno    <3>sßQOvctg  Iuno  u.  H.  S.  59  ff.). 

orsää  .  .  .  .  zö    6vO[iu    ytyovsv.      <I>f-ßgovav    6t  Derjenige  Beiname,  welcher  Iuno  am  deut- 

tqiogov  xa&uQziY.riv  zäv  ■nqoiyiia.zmv  ol  Pwuaioi  liebsten  als  Ehe-  und  Hochzeitsgöttin  charak- 

■jtaQilaßov   .   .  .  zbv    0tßQovaQiov    ul/vct    "Hga  terisiert,   ist  Iuga  =  ("Hga  Zvyiu)   oder   Iu- 

<xvKz£di]vai  ü^iovGi  ...  ov  fiövov  St  <Ptßgoi<c<Qiog  galis   (Serv.  V.  Aen.  4,  16.    Mart.  Cap.  1,  31 


589     Inno  (Iuga,  Pronuba,  Domiduca  etc.)  Iuno  (Ehegöttin:   Matrona)          590 

u.  39).  Vgl.  Paul.  p.  104:  Iugarius  vicus  der  im  kapitolinischen  Iuppitertempel  neben 
dictus  Romue,  quia  ibi  fucrat  ara  Iunonis  Iuppiter  und  Minerva  verehrten  Iuno:  Si  torus 
Iugae,  quam  putabant  matrimonia  lungere.  in pretio  est,  äicor  matrona  Tonantis,  iuw.ta- 
Placid.  476.  Ziemlich  dieselbe  Bedeutung  que  Tarpeio  sunt  mca  templa  lovi.  Die  In- 
hatte die  Iuno  Pronuba,  welcher  Ausdruck  schritt  des  Iunotempels  von  Ardea  b.  lJlin. 
bei  Vergil  (Aen.  4,  166  und  Serv.  dazu  und  h.  n.  35,  115  enthält  die  Worte  Reginae  Iu- 
ra v.  45),  Ovid  (Met.  6,  428.  9,  762.  Her.  6,  noni(s)  supremi  coniugi(s)  templum.  Serv.  zu 
43)  und  MuH.  Gapella  (p.  245,  23.  332,  10  ed.  Verg.  Ecl.  8,  30:  Varro  spargendarum  nucum 
Eyss.)  der  griechischen  Bezeichnung  rafirjJua,  haue  dicit  esse  rationem,  ut  Iovis  omine 
Zvyi'ce,  TsXsta  entspricht.  Der  Name  be-  10  matrimonium  celebretur,  ut  nitpta  ma- 
zeichnete  eigentlich  die  Brautführerin,  welche  trona  sit,  sicut  Iuno.  Bei  Plaut  Cos.  2,  3, 
die  Eheleute  zusammengiebt,  die  dann  an  den  14  sagt  ein  Ehemann  zu  seiner  Frau:  heia  mea 
Altar  treten,  um  selbst  das  Opfer  darzubringen  Iuno,  non  decet  ted  esse  tarn  tristem  tuo  lovi, 
(vgl.  Marquardt,  R.  Privatalt.  1,  47  f. ,  sowie  vergleicht  also  seine  Ehe  mit  der  des  Iuppiter 
die  bei  Rofsbach,  Unters,  üb.  d.  r.  Ehe  S.  378  ff.  und  der  Inno.  Überhaupt  können  wir  überall 
vgl.  S.  329  u.  274.  Overbeck,  K.M.  2, 1  S.  57  u.  da  eine  Verehrung  der  Iuno  als  Matrona  vor- 
131  ff.  angeführten  Bildwerke).  Ferner  gehören  aussetzen,  wo  sie,  wie  auf  dem  Kapitol  in  Rom 
hierher  vier  echtrömische  B-inameu,  welche  in  und  in  Etrurien,  unmittelbar  neben  Iuppiter 
den  Indigitamenta  (ob.  Sp.  172  ff.)  vorkommen  und  Miuerva  (als  Regina)  verehrt  wurde  (Serv. 
und  die  Iuno  als  Vorsteherin  gewisser  einzelner  20  V.  Aen.  1,  422.  C.  I.  I.  1  p.  330  u.  410. 
Akte  der  Hochzeiten  bezeichnen  (vgl.  Plut.  Müller-Deecke,  Etr.  ■  2,  44). 
Q.  R.  87:  T«  Ttlstara  täv  yaur/.äv  ilg  tt\v  Ganz  eigentümlich  ist  nun  der  Gedanke 
"Hgav  uvrimov).  So  bezieht  sich  Domiduca  einer  heiligen  und  prototypischen  Götterehe 
oder  Iterduca  auf  die  domum  deduetio,  d.  i.  (ifpog  yduog)  in  den  überaus  strengen  und 
den  Hochzeitszng  vom  Hause  der  Braut  nach  vom  Hauche  des  ältesten  italischen  Volkstums 
dem  des  Bräutigams  (vgl.  Rofsbach,  Unters.  erfüllten  Vorschriften  ausgeprägt  worden, 
üb.  d.  röm.  Ehe  S.  334  ff.),  Unxia  auf  die  welche  sich  auf  die  Ehe  des  Samen  und  der 
Salbung  der  Thürpfosten  am  Hause  der  jungen  flaminica  Dialis  bezogen.  Ersterer  war  be- 
Eheleute (Rofsbach  a.  a.  0.  356  ff.),  Cinxia  kanntlich  der  Priester  des  Iuppiter,  während 
endlich  auf  die  Anlegung  und  Lösung  des  30  seine  Gemahlin,  die  flamiuica,  den  Opferdienst 
bräutlichen  Gürtels  (Rofsbach  277  f.).  Vgl.  der  Iuno  zu  versehen  hatte  (Plut.  Q.  R.  86: 
Augustin  c.  d.  7,  3:  Iuno  .  .  .  Iterduca  est  et  &luuiviv.av  hgctv  [itpftov?]  ri/g  "Hang  Soy.ov- 
Domiduca.  Mart.  Cap.  2,  149:  Iterducam  et  aar).  Beide  sollten,  wie  Preller,  R.  M.3  1,  201 
Domiducam  Unxiam  Cinxiam  mortales  puellae  richtig  erkannt  hat,  gewissermafsen  als  lebende 
debent  in  nuptias  convocare  ut  earum  et  itinera  Bilder  der  beiden  Gottheiten,  denen  sie  dienten, 
protegas  et  in  optaias  domos  ducas  tt  cum  vor  dem  Volke  wandeln,  daher  wir  aus  den 
postes  unguent  faustum  omen  adßigas  et  cingu-  strengen  Vorschriften,  welche  das  Verhalten 
lum  ponentes  in,  thalamis  non  relinquas.  Paul.  der  beiden  regelten,  auf  die  dem  Kultus  des 
p.  63,  9:  Cinxiae  Iunonis  nomen  sanetum  habe-  Iuppiter  und  der  Iuno  zu  Grunde  liegenden 
batur  in  nuptiis  quod  initio  coniugii  solutio  erat  in  Ideen  schliefsen  dürfen.  Nun  ist  es  in  hohem 
cinguli,  quo  nova  nupta  erat  cineta.  Vgl.  ib.  63,  Grade  beachtenswert,  da.fs  jene  Vorschriften 
5.  Non.  p.  47,  25.  Arnob.  3,  115:  Unctionibus...  entschieden  auf  die  Verehrung  des  Iuppiter 
superest  Unxia,  cingulorum  Cinxia  replicationi.  und  der  Inno  als  Ehegötter  hindeuten.  Das 
Mythogr.  3,  3.  Dieselbe  Funktion  wie  die  Cinxia  erhellt  namentlich  aus  einer  Verordnung,  nach 
hatte  nach  Aug.  c.  d.  4,  11  auch  die  Dea  Vir-  welcher  der  flamen  D.  stets  verheiratet 
gin(i)ensis;  diese  entspricht  also  genau  der  grie-  sein  mufste,  und  zwar  wurde  streng  darauf  ge- 
chischen  Artemis  Ivci'Qcavog  (vgl.  ob.  Sp.  231  f.).  sehen,  dafs  er  mit  seiner  Gattin  in  der  alter- 
Aus  dieser  Vorstellung  der  Iuno  als  der  tümlichen  und  feierlichen  Form  der  confarreatio 
idealen  Vorsteherin  (pronuba)  der  Hochzeiten  verbunden  war.  Ferner  wissen  wir,  dafs  er, 
und  Ehen  ergab  sich  nun  ebenso  wie  bei  der  60  sobald  die  flaminica  starb,  sein  Amt  nieder- 
Hera  der  Griechen  der  Gedanke,  dafs  Iuno  legen  mufste  und  dafs  beide  vorher  keine 
selbst  als  Ehefrau  (matrona,  mnter)  und  ihre  andere  Ehe  geschlossen  haben  durften.  Auch 
Hochzeit  und  Ehe  mit  dem  altitalischen  Iup-  konnte  ihre  Ehe  nicht  durch  Scheidung  ge- 
piter  als  das  Ideal  sämtlicher  Hochzeiten  und  trennt  werden,  und  um  jeden  Verdacht  eines 
Ehen  aufzufassen  sei.*)  Vgl.  Plaut.  Amph.  Ehebruches  zu  vermeiden,  durfte  der  flamen 
832:  iuro  [per]  matrem  familias  Iunonem.  ursprünglich  keine  Nacht  aufserhalb  seines 
Nach  Serv.  V.  A.  8,  84  war  Matrona  ein  Bei-  Hauses  zubringen  (s.  d.  Belege  b.  Marquardt, 
name  der  Iuno;  vgl.  die  Inschrift  v.  Lanuvium  R.  Staatsr.  3,  315  ff.  Röscher,  Iuno  u.  Hera 
C.  I.  L.  1,  1110:  Iunone  Seispitei  Matri  S.  63  f.).  Endlich  scheinen  der  Dialis  und 
Reginae  und  ib.  175  (Pisaurum):  Iunone  Re  60  seine  Frau  (als  pronuba?)  bei  allen  Hochzeiten 
Matrona  Pisaurese  dono  dedrot ,  wo  es  frei-  fungiert  zu  haben,  welche  in  der  Form  der 
lieh  zweifelhaft  ist,  ob  Matrona  Dativ  sing,  oder  confarreatio  gefeiert  wurden  (Serv.  V.  Georg. 
Nom.  plur.  sein  soll.    Ovid  fast.  6,  33  sagt  von  1,  31:    Favre  nuptiae  fiebant,    cum   per 


*)    DaTs    es    sich   hierbei   nicht   um    eioe   Konsequenz 


Dialem  flaminem  per  fruges  et  molam  sal- 
sam  coniungebantur,  unde  confarreatio  appelia- 


der  späteren  Identiricierung  der  Iuno  mit  Hera,    sondern  ',     .      .        r..J     A  '     -,      .,      -,  n         .    .      "-K    . 

um    alt-   und  echtitalische  Anschauungen  handelt,    ist  in  ba*\l.'%      Dlf    Anwesenheit    der    flaminica    dabei 

meiner  Schrift  Iuno  u.  Hera  S.  62  iralrrscheinlich  gemacht  schliefse    ich    aus    Ov.    f.    6,  226  ff.,   WO    sie    nach 

worden.  der  besten  Heiratszeit  gefragt  wird. 


591       Iuno  (Ehegöttin :  Hierosgamos)  Iuno  (Moneta)                     592 

Was  speziell  das  Verhalten  der  flaminiea  Hierosgarnosfeier  verglichen,  sondern  auch 
angeht,  so  mufste  sie  stets  wie  eine  Neu-  geradezu  von  Argos  abgeleitet  haben  (vgl.  die 
vermählte  oder  Braut  gekleidet  sein,  d.  h.  den  Iuno  Argeia  v.  Tibur  C.  I.  L.  14,  3556),  obwohl 
Brautschleier  und  das  Kopftuch  (flammeum,  in  diesem  Falle  direkte  Entlehnung  von  Hellas 
rica)  tragen,  woran  ein  Granatzweig  befestigt  weder  nachweisbar  (Müller-Deeckc ,  JEtr.1  2, 
war  (Belege  bei  Marquardt  a.  a.  0.  S.  318.  45)  noch  anch  wahrscheinlich  ist,  zumal  da 
Moscher  a.  a.  0.  S.  64.  Bofsbach,  Böm.  Ehe  282),  Ovicl  das  hohe  Altertum  des  Kultus  ausdrück- 
gegürtet (cincta),  d.  h.  wie  eine  Braut  mit  dem  lieh  bezeugt  und  sieh  gewisse  Besonderheiten 
cingulmn  versehen  sein  (Paul.  p.  65),  und  das  nachweisen  lassen,  die  schwerlieh  dem  griechi- 
Haar  mit  einer  vitta  purpurea  durchflochten  10  sehen  Ritus  entstammen  (vgl.  Koscher,  Inno 
haben  (vgl.  Bofsbach  a.  a.  0.  287  f.).  Der  u.  Hera  88  ff.).  Möglicherweise  war  übrigens 
Granatzweig  war  wie  ein  Kranz  (ineurvata  auch  das  von  Vergil  Geo.  3,  531  erwähnte  luno- 
quasi  corona)  gebogen  und  sollte  wahrschein-  fest  (Oberitaliens)  ein  Hierosgamos,  da  er  aus- 
lich den  Brautkranz  (corolla)  vorstellen,  welcher  drücklich  sagt,  man  habe,  da  alle  Binder  infolge 
bei  allen  römischen  Hochzeiten  üblich  war  einer  Pest  gefallen  seien,  am  Feste  der  Göttin 
(Bofsbach  S.  292).  Dafs  man  hierzu  bei  der  Büffelkühe  (mW)  vor  den  Wagen  spannen  müssen, 
Iunopriesterin  einen  Granatzweig  nahm,  dürfte  um  (das  Bild  oder  die  Priesterin  der  Göttin?) 
sich  wohl  aus  der  symbolischen  Beziehung  der  nach  dem  hochgelegenen  Tempel  hinaufzu- 
Granate  zur  Hochzeit  und  Ehe  erklären,  da-  fahren.  Das  erinnert  auffallend  an  die  Ge- 
her sie  auch  der  Hera  geheiligt  war  (s.  oben  20  schichte  von  Kleobis  und  Biton,  doch  läfst  es 
Bd.  1  Sp.  2090).  sich  leider  nicht  mit  Sicherheit  sagen,  ob  der 

Mit  grofser  Wahrscheinlichkeit  dürfen  wir  von    Vergil   erwähnte    Kult    echtitalisch    oder 

ferner  annehmen,   dafs  auch  in  Italien  wie  in  barbarisch  war. 

Griechenland  (vgl.  Bd.  1  Sp.  2098  ff.)  ursprüug-  Fragen  wir  jetzt,  welches  der  bekannten 
lieh  ein  Fest  des  hgog  yäfiog,  bestehend  in  Iunofeste  Roms  sich  wohl  am  besten  für  die 
einer  Nachahmung  der  heiligen  Hochzeit  des  von  uns  wahrscheinlich  gemachte  Feier  eines 
luppiter  und  der  Iuno,  gefeiert  wurde,  wobei  hgög  yäfiog  eignete,  so  läfst  sich  dieselbe 
wohl  der  Dialis  und  seine  Gattin  fungierten.  mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  an 
Gewifs  war  das  von  Ovicl  (am.  3,  13)  be-  den  Kaienden  des  der  Iuno  heiligen  und 
sehriebene  Iunofest  zu  Falerii  ein  isgög  yäfiog,  30  nach  ihr  benannten  Monats  Iunius  (Iunonius, 
wenigstens  bezeugt  derselbe  ausdrücklich,  dafs  Iunonalis)  denken,  womit  auch,  wie  schon 
die  daselbst  stattfindende  Pompa  dem  am  oben  gezeigt,  die  Ansetzung  der  Matronalia, 
Heraienfeste  zu  Argos  dargestellten  Brautzuge  also  desjenigen  Festes,  welches  der  Iuno  als 
sehr  ähnlich  war  (v.  31:  Argiva  est  pompac  Lucina  und  als  Mutter  des  Mars  galt,  wohl 
facies),  indem  das  Bild  der  Göttin  (wie  zu  übereinstimmt.  Denn  da  die  Kaienden  des 
Plataiai)  in  feierlicher  Prozession,  begleitet  Juni  und  die  des  März  genau  9  Monate  aus- 
von  Priesterinnen  (und  %uqoi  nruQ&ivwv  vuvov-  einander  liegen  und  dies  die  ungefähre  Dauer 
aäv  tj',5'  &tov  coäcxig  nocrgioig  Dion.  H.  1,  21)  der  Schwangerschaft  ist,  so  dürfen  wir  ver- 
nach  einem  einsamen,  schwer  erreichbaren  •  muten,  dafs,  wenn  überhaupt  ein  innerer  Zu- 
uralten Altar  mitten  im  Walde  (v.  6  ff.  stat  40  sammenhang  zwischen  den  beiden  wichtigsten 
retus  et  clensa  praenubilis  arbore  lucus  \  ara  Iunofesten  (Sp.  587,  2 ff.)  bestand,  auf  die  Kalen- 
der antiquas  facta  sine  arte  metnus)  getragen  den  des  Iunius  die  Hochzeit  der  Göttin  fiel  (vgl. 
wurde.  Dabei  gingen  wie  bei  Hochzeiten  auch  die  Analogie  des  "Hgaiog  und  raiivliav, 
(Bofsbach  a.  a.  0.  342)  Flötenspieler  voran  d.  i.  des  Monats,  welcher  nach  dem  griech.  hgbg 
(v.  11);  als  Opfertiere  werden  ein  Schwein  yäfiog,  dem  Feste  der  "Hgaia.  benannt  war), 
und  Schaf  (Widder)  genannt  (v.  16);  also  die-  Hierzu  kommt  noch,  dafs  der  Juni  (abgesehen 
selben  Tiere,  welche  auch  als  Hochzeitsopfer  von  der  ersten  Hälfte)  ebenso  wie  der  griech. 
üblich  waren  (Bofsbach  a.  a.  0.  340  f.  Mar-  rccurjlicov  für  die  günstigste  Zeit  zur  Ehe- 
quardt,  B.  Privatalt.  S.  48,  34  f.).  An  diese  schliefsung  galt,  wie  Ovid  (f.  6,  223)  und 
Feier  knüpfte  sich  die  für  einen  hgog  yäixog  50  Plutarch  (Q.  B.  86)  ausdrücklich  bezeugen, 
höchst  bezeichnende  Legende,  dafs  Iuno  [vor  welche  Thatsache  dann  leicht  begreiflich  ist, 
luppiter?]  geflohen  und  auf  ihrer  Flucht  von  wenn  man  annimmt,  dafs  auch  das  Prototyp 
einer  Ziege,  dem  Symbol  weiblicher  Frucht-  aller  Hochzeiten,  der  isgög  yäfiog  des  luppiter 
barkeit  und  Geilheit  (vgl.  schol.  Luciani  ed.  und  der  Iuno,  in  dieselbe  Zeit  fallend  gedacht 
Jac.  p.  244)  verraten  worden  sei  (v.  19),  wo-  wurde.  In  Rom  waren  die  Kaienden  des 
mit  sich  einerseits  der  in  Hellas  und  Italien  Iunius  speziell  der  auf  der  kapitolinischen  arx 
gleicherweise  übliche  Brauch,  die  Braut  zu  verehrten  Iuno  Moneta  geheiligt  (vgl.  Solin. 
rauben,  anderseits  die  griechische  Sage  von  p.  10,  2  31.  Tutius  in  arce  fliabitavitl ',  ubi 
der  vor  Zeus  sich  flüchtenden  Hera  vergleichen  nunc  aedes  est  lunonis  Monetae),  deren  Tempel 
läfst  (vgl.  Boscher  a.  a.  0.  S.  65.  76 ff.  90).  End-  co  an  diesem  Tage  dediciert  wurde  (vgl.  Liv.  7, 
lieh  erfahren  wir  (v.  12),  dafs  das  faliskische  28,  7.  Ov.  f.  6,  183.  Macrob.  1,  12,  30.  Cal. 
Herafest  ebenso  wie  der  griechische  Hieros-  Venus.  C.  1.  L.  1  S.  394.  Io.  Lyd.  4,  57. 
yamos  alljährlich  gefeiert  wurde.  Auch  der  Jordan,  B.  Top.  1,  2,  108  ff.).  Der  volle  Titel 
Umstand  spricht  sehr  für  einen  Hierosgamos  dieser  Iuno  war,  wie  die  Inschrift  bei  Orelli 
in  Falerii,  dafs  die  Alten  selbst  (s.  Ov.  1299  =  C.  I.  L.  6,  362  lehrt,  Iuno  Moneta 
a.  a.  0.  v.  31  f.  u.  vgl.  Dion.  E.  1,  21  und  den  Regina,  und  schon  dieser  Zusatz  Regina 
Art.  Halesus)  das  Fest  nicht  blofs  der  griechi-  (ebenso  wie,  das  Diadem  auf  der  Münze  bei 
sehen     und     zwar     speziell     der     argivischen       Overbecl;  K.-3I.  2,  1.  Münzt.  2,  49),  zeigt,  dafs 


593     Iuno   (Moneta:   heil.  G-änse  auf  d.  arx)  Inno  (Moneta;  Iuno  u.  Hercules)      594 

es  sich  um  die  Ehegattin  des  ebenfalls  auf  u.  s.  w.*)  (Curtius,  Grdz.b  312)  und  bei  seiner 
dem  kapitolinischen  Hügel  hochverehrten  Iup-  an  ein  Part.  Perf.  Pass.  erinnernden  Bildung 
piter  Rex  (Preller3  1,  205)  handelt,  deren  eigentlich  die  Braut  oder  junge  Ehegattin  des 
Kultus  hier  seit  uralter  Zeit  d.  i.  lange  vor  Iuppiter  bedeutete.  Allenfalls  könnte  man 
Gründung  des  bekannten  im  J.  410  =  344  dedi-  auch  an  die  Mahnungen  und  Unterweisungen 
eierten  Tempels  bestanden  haben  mufs  (Jordan  denken,  welche  die  Pronuba  dem  jungen  Ehe- 
a.  a.  0.  S.  109).  Sicher  ist,  dafs  die  Iunonischen  paare,  namentlich  aber  der  Braut,  zu  teil  wer- 
Gänse,  welche  im  J.  390  das  Kapitol  retteten,  den  liel's  (Claudian  31,  129  ff.  Rofsbach,  Rom. 
den  Kultus  der  Moneta  bereits  voraussetzen  Ehe  274).  Die  von  Jordan,  Topogr.  1,  2 
(vgl.  Poet.  Tat.  min.  ed.  Wernsd.  3,  490  f.),  da  10  108  ff.  aufgezählten,  übrigens  stark  von  ein- 
sie  nicht  (wie  Preller,  R.  3I.S  1,  284  f.  Over-  ander  abweichenden  Tempellegenden  wollen 
becJc,  K.-M.  2,  1  S.  158  und  Jordan,  Top.  1,  den  Namen  Moneta  wenig  glaublich  von  ge- 
2,  37  f.  meinen')  der  andern  in  einer  Neben-  wissen  für  den  Staat  bedeutungsvollen  Mah- 
cella  des  Iuppitertempels  verehrten  kapitol.  nungen  oder  Ratschlägen  (monitiones)  ableiten, 
Regina,  sondern  eben  der  Moneta  angehörten.  wobei  nur  merkwürdig  ist,  dafs  die  wichtigste 
Dies  erhellt  ans  folgenden  Gründen:  1)  Redet  aller  in  Betracht  kommenden  Mahnungen, 
Plutarch  Cam.  27  und  de  fort.  Rom.  12  (vgl.  nämlich  die  durch  die  Gänse  den  Römern  zu 
Liv.  5,  47  und  Dion.  II.  13,  7  %.  zptqiotiivoi  teil  gewordene,  nur  vom  Schol.  zu  Lucan.  1, 
iv  xm  t£ij,ivEi)  von  xvv£s  tfpoi  itegl  zov  vswv  380  berücksichtigt  worden  ist,  und  dafs  Cicero 
rjjs  "Hqocs,  womit  natürlich  nur  ein  selb-  20  (d.  diu.  2,  69)  nur  von  einer  einzigen  bei  Ge- 
ständiger Iunotempel,  nicht  aber  die  Iunocella  legenhe.it  eines  Erdbebens  erfolgten  Mahnung, 
des  Iuppitertempels  auf  dem  Kapitol  gemeint  eine  trächtige  Sau  zu  opfern,  weifs.  Gewifs 
sein  kann;  vgl.  Jordan,  Topogr.  1,  2,  33.  —  ist,  dafs  Kult  und  Name  der  Moneta  viel  älter 
2)  Stand  der  im  J.  344  errichtete  Moneta-  sind  als  alle  in  den  genannten  Tempellegendeu 
tempel  nach  Liv.  7,  28,  5  (vgl.  5,  47,  8).  Ov.  (Gic.  div.  1,  45,  101;  vgl.  2,  69.  Said.  s.  v. 
f.  6,  183  ff.  Val  Fl.  6,  2.  Ext.  3,  3,  1  an  der-  Movfjta;  vgl.  Schol.  Lucan.  1,  379)  ange- 
selben  Stelle  (der  carx'),  wo  einst  das  Haus  führten  Ereignisse  (Jordan  a.  a.  0.\  älter  auch 
des  Retters  des  Kapitols,  des  Manlius  Capito-  als  die  Einrichtung  der  Prägstätte  neben 
linus,  desselben,  den  die  Gänse  beim  Einfall  dem  Tempel,  daher  Corssens  Deutung  des 
der  Gallier  zuerst  weckten  (Serv.  V.  A.  8,  652),  30  Namens  verfehlt  scheint  (Ausspr.  etc.2  1,  438: 
gestanden  hatte,  so  dafs  zu  vermuten  ist,  sein  Moneta  =  die 'Denkzeichengebende'**).  Auch 
Haus  sei  dem  der  Moneta  heiligen  Bezirke  be-  auf  dem  Albaner  Berge  neben  dem  Tempel  des 
nachbart  gewesen.  —  3)  Das  Attribut  der  Iuppiter  Latiaris  (s.  d.)  gab  es  wohl  einen  solchen 
kapitolinischen  Piegina  ist  nicht  die  Gans,  der  Moneta,  gelobt  nach  Liv.  42,  7  im  J.  173 
sondern  der  Pfau  (OverbecJc,  K.-M.  2,  1,  126  f.  und  geweiht  im  J.  167  nach  Liv.  45,  15  (aedem 
158.  Müller  -Wieseler,  D.  d.  a.  K.  2,  64  b).  —  Monetae('!)in  inonte  Albano  (?);  cod.  adem  möet 
4)  Serv.  V.  A.  8,  652  sagt:  tunc  Manlius,  custos  albano).  Eine  Münze  von  Paestum  (?)  mit  dem 
Capitolii,  Gcülos  detrusit  ex  arce,  clangore  Kopf  der  Moneta  s.  im  Catal.  of  gr.  coins  in 
anseris  excitatus  (vgl.  Lucan.  1,  380:  castrensis  the  Brit.  Mus.  Itaig  S.  282.  —  Val.  Maximus 
Moneta  =  M  in  Castro  =  in  arce).  Da  nun -io  1,  8,  3  nennt  auch  die  von  Veji  nach  dem  Aventin 
die  Gans  im  Altertum  als  Lieblingstier  der  verpflanzte  Iuno  Moneta.  Über  die  später  (seit 
Matronen  und  als  Symbol  der  Sittsamkeit  485/269?)  mit  dem  Tempel  vereinigte  Präg- 
und  Züchtigkeit  (Aristot.  ed.  Didot  3,  4,  85.  statte  vgl.  Jordan  a.  a.  0.  S.  110.  Hinsichtlich 
Plin.  h.  n.  10,  44  vereeundum  animal.  Petrou.  der  Darstellungen  der  Moneta  auf  röm.  Münzen 
137  unserem  Omnibus  matronis  aeeeptissimum.  s.  OverbecJc,  K.-M.  2,  1  S.  159.  Rabeion,  Mon. 
A.  Ztg.  16,  231*),  also  derjenigen  Tugenden  de  la  rcp.  1,  309.  314  und  unten  Sp.  612. 
galt,  welche  der  Römer  vorzugsweise  von  den  Aus  den  Funktionen  der  Iuno  als  Göttin 
matronae  verlangte  (vgl.  Senec.  fr.  78  ed.  Haase.  der  Entbindungen  und  Hochzeiten  (Ehen)  hat 
Tac.  dial.  28.  Dio  Cass.  56,  3  {olxovqöq  etc.],  sich  offenbar  die  Idee  von  weiblichen  Genii 
Macrob.  1,  15,  22),  so  ist  kaum  zu  bezweifeln,  50  oder  Iunones  entwickelt,  die,  einheitlich  zu- 
dafs  man  die  Moneta  als  höchstes  Ideal  weib-  sammengefafst  und  den  in  der  Gestalt  des 
licher  Sittsanikeit  und  Häuslichkeit  verehrte,  Hercules  ebenso  einheitlich  gefafsten  Genii 
was  ebenfalls  entschieden  auf  eine  Braut  oder  virorum  gegenübergestellt,  in  dem  oben  Bd.  1 
jugendliche  Ehegattin  des  Iuppiter  führt  (vgl.  Sp.  2258 ff.  behandelten  eigentümlichen  Mythus 
die  sehr  jugendlichen  Köpfe  der  Moneta  von  einem  ehelichen  Verhältnis  zwischen  Her- 
bei OverbecJc,  K.-M.  2,  1.  Münzt.  2,  48  u.  49).  eules  (=  Genius Iovis)  und  Iuno  (=  Iuno Iunonis?) 
Suchen  wir  jetzt  diese  Erwägungen  für  den  eine  so  wesentliche  Rolle  zu  spielen  scheinen 
bisher  noch  unerklärten  Namen  Moneta  zu  (s.  die  Artikel  Hercules,  Iunones  und  Genius), 
verwerten,  so  ist  es  mir  nicht  unwahrschein- 
lich, dafs  derselbe  bei  seiner  unverkennbaren  60  4)  Beachtenswert  ist,  dafs  Liv.  Andrm.  b.  Prise.  6, 
und    alicemein     anerkannten     etymologischen  5,  (;  die  griechische  Mvrmoouvy   mit  Moneta  übersetzt 

Verwandtschaft     mit      flväc9c.L     in     Liebe      ge-  hat,  was  ebenfalls  auf  Verwandtschaft  mit  firäa&at  =  (in 

denken,  freien,  fijTjflrr;  (&Xo%oq)  Ehefrau,  ybvvaxri  Liebe)  gedenken,  minnen  deutet.    Tgl.   Uloss.  FMlox. 

Braut,  althochd.  minnia,  minna  Minne,  Liebe  Mni/iooky  Moneta  u.  Byg.  /.  pratf. 

**)  Gilbert,  Gesch.  u.  Top.  d.  Sl.  Rom  1,  33-1  bezieht  da- 
gegen   den    Namen    Moneta    auf   die    Verkündigung    der 

*)  Vgl.  auch  Slephani  CR.  1S63,    21  f.  u.  Brinkmann.  Monatsfeste,  „weil   die    Erinnerung    an    diese   von  Seiten 

L.  Metaphern  1    S.  551  f.,   wro   nachgewiesen   ist,    dafs    die  des  rtex  im  Namen  und  anstatt  der  Iuno  selbst  erfolgte, 

männliche  Gans    für    ein   besonders  verliebtes    Tier   galt.  die  demnach  hier  in  eminentem  Sinne  die  Mahnerin  wTar". 


595                  Iuno  (Sospita  etc.)  Iuno  (Sospita,  Cur(r)itis,  Quiritis)     596 

ttt    cj        4--        -ui      i  ♦•             a       t  46 ;   vgl-  C-  ^-  £•  1 4,  2092),  und  der  Diktator 

IV.    Sonstige  Funktionen  der  Iuno.  ,',    ,Brn.             ,r-,   '       ._■",                „.,  ,-, 

selbst  (Cic.  pro  Md.  17,  45.  Ascon.  p.  32  O.  = 

a)  Iuno  Sospita  (Sospes),   oder  Sispita  (so  p. 27  KiefsL);  Prodigien,  welche  in  dem  lanuvin. 

Münzen  des  Anton.  PiusundCornrnodusb.  Echhel,  Tempel  vorfallen,  werden  nach  Rom  berichtet 

d.  n.  v.  7, 14 u.  107  [gefälscht  ist  Orelli  nr.  1309  und   von   Rom    aus    gesühnt    (um.   21,  62,  4. 

=  CLL.  14, 99*], auch Sispes,  Seispes bedeutete  22,   1,   17.    23,   31,   15.    24,   10,   6.    29,   14,  3. 

unzweifelhaft   die   'Heilsehützerin',   Erretterin.  31,    12,   6.    40,    19,   1).      Ein    Kollegium    von 

Der  Name   ist   einerseits   von  Wurzel  sa   (vgl.  sacerdotes   Lanuvini,    aus    römischen    Rittern 

gr.  eäos,  oao'co),  anderseits  von  pati  Schützer,  gebildet,  beteiligt  sich  im  Namen  des  Staates 

Herr  (vgl.  skr.  pami  schütze)  abzuleiten;   vgl.  10  an    dem   Dienst    (Dessau   C.  I.  L.   14,   p.  192, 

Gorssen,  Ausspr.  etc.5  1,  425  f.  2,  365.   Preller-  CLL.  5,  6992.  7814,  9,  4206ff.  4399.  10,  4590. 

Jordan3  1,  276.    Fest.  p.  343:  Sispitem  Iuno-  Marquardt,  B.  Staatsv.  3,   456).     Nach  Cicero 

nein,   quam  vulgo  sospitem    appellant,    antiqui  (pro    Mur.    41,    90)    hatten    auch    die    rönii- 

usurpabant,    cum   ea   vox   ex   Graceo   rideatur  sehen    Konsuln    die   Verpflichtung,    der    lanu- 

sumpta,   quod  est  atofeiv.     Apul.  M.  6,  4:    sis  viuischen     Sospita     (alljährlich?)     ein     Opfer 

meis    extremis    casibus   Iuno    Sospita.      Wahr-  darzubringen    (I.    Sospitae,    cui    omnes    consu- 

scheiulich  bezog  sich  der  Beiname  Sospita  ur-  les    facere    necesse    est).     Über    die    Lage    des 

sprünglich   auf  die   Hülfe,   welche   die   Göttin  älteren     Tempels     und     seine    Ausstattung    s. 

deu    Frauen    bei    der    Entbiudung    gewährte  Abeken,  Mittelitalien  215  u.  Plin.  lt.  n.  35,  17. 

(vgl.  Preller- Jordan s  1,  276),  doch  scheint  sie  20  Besondere  Ehre  erwies  der  Göttin  in  späterer 

daneben  auch,  wie  die  Opigena,  die  Bedeutung  Zeit   Antoninus    Pius    durch    Erbauung    neuer 

einer   Erretterin     aus    Kriegsgefahren    gehabt  Tempel;    Iid.    Capit.    Amt.    P.   S.      Der    voll- 

zu  haben  (Liv.  32,  30,  10),  zumal  da  sie  (wie  ständige  Titel  der  Göttin  war  nach  Inschriften 

auch  gewisse   griechische  Mondgöttinnen  und  Inno  Sospita  (Seispes)  Mater  Segina  (CLL. 

die  Cur(r)itis  von  Tibur;  s.  oben  Sp.  588)  be-  14,  2088  IT.,  2090:  I.  Seispitei  Matri  Reginae; 

waffnet    und    auf   einem   Wagen    fahrend    ge-  2091:    lunöni  S.  M.  R.  ||  Q.  Olius  etc.;   vgl. 

dacht  wurde   (vgl.  Fest.  p.  200  u.  Mart.  Cap.  Babelon,  Mann,  de  la  rep.  P.    i,  488).     Auch 

2,  149:  Opigenam  te  quas  vel  in  partus  dis-  in  Rom  selbst  hatte  die  lanuvinische  Iuno  oder 

crimine   vel   in  hello  protexeris  precabuntur).  Sospes  zwei  Tempel.     Der  eine  von  ihnen  be- 

Die  Hauptstelle    über  die   äufsere  Gestalt   der  30  fand  sich  auf  dem  Forum   Olitorium   und  war 

Sospita  findet   sich    bei   Cicero,   de  nat.   deor.  voviert  vom  Konsul  Cornelius  im  Insubrerkriege 

1,  29,  83:    illam   vestram    Sospitam,    quam   tu,  (a.  1971;  vgl.  Liv.  32,  30,  10  u.  34,  53  (S.Gilbert, 

mtmquam  .  .  .  vieles  nisi  cum  pelle  caprina  (s.  Gesch.  u.  Topogr.  d.  St.  Rom.  3,  82);  der  andere 

oben   Sp.  587),    cum    hasta,   cum  scutulo,   cum  auf  dem  Palatinus   in   unmittelbarer  Nachbar- 

calceolis    repandis.     Hiermit   stimmen   die    er-  schaft  des  Tempels  der  Magna  Mater  (vgl.  Ovid. 

haltenen  ziemlich  zahlreichen  Monumente  (teils  /.  2,  55:  prineipio  inensis  Phrygiae  contermina 

Münzen,  teils  Statuen  und  Reliefs,  besprochen  Matri  |  Sospita    deluhris    dicitur    aueta   novis). 

von   Overbeck,  K.-M.  2,  1,  160 ff.  Peter   oben  Auf  einen  der  beiden  Tempel  scheint  sieh  die 

Bd.  1    Sp.  2261  ff.     Babelon,  Mann,  de  la  rep.  Nachricht    von     einer    Wiederherstellung    im 

Romaine  2,  20.  224.  280.  283.  386.  402.  434f.;  40  J.  663  u.  c.  (Cic.  de  divin.  1,  2,  4.  44,  99.    Iul. 

vgl.  auch  die  Münze  von  Nikomedeia  bei  Im-  Obs.  115)    zu    beziehen    (vgl.    Becher,    Topogr. 

Jwof-Blunier,  Gruch.  Münzen  S.  604(80)  =Taf.6  602).     Das  Fest  der  Sospita  zu  Rom  fiel  nach 

nr.  12  [HPA  AANOIA];  Sp.  606  ff.)  vollkommen  Ovid.  f.  2.  55   auf  die  Kaleuden   des  Februar, 

überein,   nur   dafs   einige    Münzen   die   Göttin  daher    Preller3    1,    27S    wohl    mit    Recht    den 

auf    einem    Zweigespann    fahrend    darstellen.  gleichen  Festtag  auch  für  Lanuvium  vermutet. 

Attribut    der  Sospita   ist   entweder   ein  Vogel  (Weitere   Kombinationen   s.  b.  Gilbert  a.  a.  0. 

(Krähe?  vgl.  Paul.  epit.  p.  64,  7.    C.  I.  L.  1,  814),  1,  22S  ff.  3,  430.1 

welche  auf  Münzen  der  gens  Cornuficia  (Over-  b)  Iuno  ('ur(r)itis.  Quiritis  u.  s.  w.    Diese 

bech  a.  a.  0.  S.  160.  Münzt.  III  nr.  18.   Babelon,  Iuno  scheint  der  Sospita  nahe  verwandt  gewesen 

Mann,  de  la  rep.  B.  2,  434ff.)   erscheint,  oder  50  zu   sein,   da   sie  ebenso   wie   diese  mit  Schild 

eine  Schlange  (Münzen  d.gens  Roscia  b.  Overb.  und  Speer  ausgerüstet  und  auf  einem  Wagen 

a.a.O.  Babelon  a.  a.  0.  2,  402  und  Mettia,  Ba-  fahrend    gedacht,    auch,    wie    diese,    oft    in 

bclon  a.  a.  0.  2,  224).     Diese  Schlange   erklärt  Kriegsnöten  angerufen  wurde.    Vgl.  das  tibur- 

sich   aus  einem  von  Propertius  (5,  8,  3  ff.)  und  timsehe  Gebet  bei  Serv.  Fxdd.  zu  Aen.  1,   17: 

Aelian   (h.  ct.  11,  16)  erwähnten   Brauche,   wo-  Iuno    Curritis    (sie!),    tuo    curru    clipeoque 

nach  einer  im  Haine  der  lanuvinischen  Sospita  tuere  mcos  curiae  vernulas  (s.  Jordan  zu  Prel- 

hausenden     Schlange     alljährlich     von     einer  Irr3   1,   279,   3).    Serr.    zu   V.  A.  1,  8:    utitur 

Jungfrau  ein  Opfevkuchcn  dargebracht  wurde.  curru  et  hasta.    ib.  2,  612:   ipsa  est  curritis 

Genofs   die  Schlange   davon,   so  galt   dies   als  et  sub  hoc  nomine  inhrest   bellis.     Die  Lanze 

Beweis    der    Keuschheit    des    Mädchens,    ver-  00  bezeugt    Plut.    Rom.    29    u.    Q.   B.   87.     Fest. 

schmähte  sie  es,  so  war  dasselbe  nicht  tilgend-  p.  49.  ib.  254:  Quiritis  Iuno  Dea  Sabinoru m , 

haft    gewesen.      Der    älteste    und    wichtigste  cui   bellantes   aqua  et  vino   libabant.     Mart. 

Kult  dieser  Sospita  bestand  zu  Lanuvium;  ihr  Cap.  2,  149:  Curitim  debent  memorare  bellan- 

Tempel   und   Hain   (aedes   lucusque)   war    seit  tes.    Was  den  Namen  betrifft,  so  ist  es  ziern- 

416  =  338  gemeinsames  Eigentum  der  Lanu-  lieh   schwer,    darüber  ins   Reine   zu  kommen. 

viner  und  Römer   (Liv.  8,  14,  2);  ihren  Dienst  Die    Schreibung    schwankt    zwischen    Curritis 

versahen  ein  Samen,  welchen  der  Diktator  von  (ArvaTkal.  7.  Okt.  C.  I.  L.  11,  3126  [Falerii]. 

Lanuvium   ernannte  (Cic.  pro  Mil.  10,  27.    17,  Sem.  Fuld.  a.a.O.).  Curitis  (Mart.  Cap. 2,  149), 


597      Iuno  (Sospita,  Cur(r)itis,  Quiritis)  Iuno  (.Populona,  Sororia,  Caprotina)      598 

Curis  (Fest.  p.  64),  Quiritis  oder  Quirls  (C.  I.  S)  zu  Beneventurn;    vgl.  die  Inschrift  C. 

L.   9,    1547,     ßenevent:    Iunonei.     Quiritei.  I.  L.  9,  1547. 

Sacra.  Kai.  v.  Ostia  7.  Okt.    C  I.  L.  11,  3125:  e)  I.   Populona   (-onia).     Hinsichtlich  der 

.  .  .  pontifex  sacrarius  I.   Quiritis),    Quiritia  sprachlichen  Form  s.  Jordan  z.  Preller,  B.  M.3 

(Kvgt,zCa  Dion.  Hai.  2,  50  [Schoemann  Kvql-  1,  279  u.  vgl.  C.  I.  L.  3,  1075  (Apulum,  Da- 
ziSi].  Steph.  Bys.  s.  v.  Kvgi'g,  urjzgonoJ.tg  Sa-  cia):  I.  Reginae  Populoniae  Deae  Patriae, 
ßivmv  . . .  KvqizCu  "Hqu).  Ebenso  schwankend  Die  Deutung  des  Namens  ist  nicht  ganz 
ist  die  Deutung  des  Namens.  Die  Alten  dachten  sicher.  Mart.  Cap.  2,  149  will  den  Namen 
an  Ableitung  bald  von  der  sabinischen  Stadt  offenbar  von  populus  im  Sinne  von  plebes  ab- 
Cures (Steph.  Bys.  a.  a.  0.;  ebenso  Corssen,  10  leiten  (Populonam  plebes,  Curitim  debent  me- 
Ausspr.  etc.5  2,  357,  der  sich  auf  Fest.  p.  254  morare  bellantes).  Nach  dem  Mythogr,  3,  3 
Quiritis  Iuno  dea  Sabinor  um  beruft;  vgl.  ib.  hiefs  sie  Populonia,  quod  populos  multiplicet, 
p.  49  s.  v.  Curis  [Sabine  hastaj  u.  Curitim),  und  diese  Deutung  hat  dies  für  sich,  dafs  sie 
bald  von  curis,  dem  sabinischen  Ausdruck  für  sich  sehr  gut  mit  der  Funktion  einer  Ent- 
basta  (Fest.  p.  49  u.  254.  Ov.  f.  2,  477.  Serv.  bindungsgöttin  vereinigen  läfst.  Seneca  (fr. 
V.  A.  1,  8;  vgl.  Flut.  Rom.  29.  Q.  E.  87),  39)  bei  Augustinus  c.  d.  6,  10  rechnet  die 
wofür  allerdings  ihre  ständige  Ausrüstung  mit  Populonia  ebenso  wie  die  Fulgora  und  Rumina 
einer  Lanze  (Plut.  a.  a.  Ö.;  hinsichtlich  der  zu  den  deae  viduae,  d.  i.  caelibes.  Aus  einem 
auf  die  Quir.  [mit  Recht  V]  bezogenen  hasta  Fragmente  des  sog.  ius  Papirianum  bei  Macroo. 
caelibaris  s.  Fett.  62.  Plut.  Q.  R.  87.  Ov.  f.  20  3,  11,  5  erfahren  wir,  dafs  im  Tempel  der  Iuno 
2,  559.  Arnob.  2,  67,  sowie  Preller3  1,  279.  Populonia  (zu  Rom V)  sich  eine  augusta  mensa 
Rofsbach ,  R.  Fite  289  ff.  Peter  oben  Bd.  1  befunden  habe.  Kulte  dieser  Iuno  sind  aufser- 
Sp.   2262  ff.)      und     die     Deutung     des     Qui-  dem  bezeugt  für: 

rinus  als  Lanzenträger  (siehe  jedoch  Preller-  et)  Aesernia  in  Samnium:  Iuiioui  Reg.  Pop. 
Jordan3  1,  369)  sprechen  würde,  bald  von  etc.  Orelli  1306  =  C.  I.  L.  9,  2630. 
currus  (Serv.  z.  V.  A.  1,  17  u.  1,  8),  bald  an  ß)  Teanum  Sidic.  in  Campanien:  Nouiae 
Zusammenbang  mit  curia  (vgl.  Dion.  H.  2,  60:  Priseale)  sacerd.  Lunou.  Popnlon.  Henzen  5660 
Tciziog]  iv  Kiraaaig  zaig  -xovpictig  "Hoa  zga-  =  I.  R.  N.  3985  =  C.  1.  L.  10,  4790.  Fla- 
jrf'Jas  i'&szo  KvQizia  Xiyofisvtj.  Fest.  p.  64:  viae  etc.  sacerd.  Iunonis  Populonae .  .  Hen~en 
Curiales  mensae,  in  quibus  immolabatur  Iunoni,  30  5661  =  /.  R.  N.  3984  =  C.  I.  L.  10,  4789. 
quae  Curis  appellata  est;  vgl.  auch  Fest.  254.  Hensen  6103  =  i\  R.  N.  3986  =  C.  I.  L.  10,  4791. 
Serv.  V.  A.  1,  17:  tuere  meos  curiae  vernu-  d)  Iuno  Sororia  (Fest.  p.  297.  Schal.  Bob. 
las.  Gilbert,  Gesch.  it.  Topogr.  d.  St.  Rom  2,  ad  C'ic.  p.  27  7  Or.  Dion.  IL  3,  22  "Hqk  r) 
127).  Die  Entscheidung  ist  schwierig,  am  liloy%tv  imaxoneiv  adtlrpctg)  hatte  in  der 
meisten  scheinen  jedoch  die  Ableitungen  von  4.  Region  unweit  des  colossus  Neronis  einen 
cüris  Lanze  und  von  Cures  für  sich  zu  haben,  Altar  neben  dem  des  lanus  Curiatius  (Becker, 
zumal  da  der  Zusammenhang  der  Göttin  mit  Topogr.  527  ff.  Jordan,  Top.  2,  100).  Über 
den  Sabinern  sich  nicht  leugnen  läfst;  ob  beiden  Altären  befand  sich  das  sogen,  tigillum 
ein  Zusammenhang  mit  currus  besteht,  hängt  sororimn.  Das  am  1.  Okt.  (nach  den  fasti 
von  der  (ungelösten)  Frage  ab,  ob  die  Schrei-  40  Arval.)  regelmäfsig  stattfindende  Opfer  galt 
bung  Cunitis  echt  und  ursprünglich  ist.  Sollte  der  Sühne  des  Schwestermordes,  den  Horatius 
dies  der  Fall  sein,  so  könnte  man  sogar  an  eine  begangen  haben  sollte.  Mehr  bei  Marquardt, 
Trennung  der  Curritis  von  der  Quiritis  denken.  Staatsv.  3,  560  u.  oben  Sp.  21.  Es  ist  klar, 
Kulte  dieser  Iuno  bestanden:  dafs  diese  Iuno  eigentlich  die  Bedeutung  einer 
«)  zu  Rom,  wo  ihr  seit  ältester  Zeit  in  Beschützerin  der(lnäutlichen)Schwesternhatte. 
allen  Curien  als  Beschützerin  derselben  Opfer-  Müller-DeecLe,  Ftr."  2,  92,  30  deuten  diese  I. 
tische  errichtet  waren;  Dion.  Hai.  2,  50.  Fest.  als  Iuno  (=  genius)  sororis;  vgl.  Iunones. 
p.  64  s.  v.  atriales  mensae.  p.  62  curionia  Sacra.  e)  I.  C'aprötiua  (Capratina  C.  I.  L.  4, 
p.  49  curionium  aes;  ob.  Sp.  584,  32  ff.  Auch  1555).  Nach  Vairo  1.  I.  6,  18  wurde  an  den 
wurde  nach  dem  Arvalkalender  und  dem  von  50  sogen.  Nonae  Caprotinae  (7.  Juli)  rin  Latio' 
Ostia  am  7.  Okt.  dem  Iuppiter  Fulgur  und  der  dieser  Iuno  ein  Frauenfest  mit  einem  unter 
Iuno  Curritis  in  Campo  ein  Fest  gefeiert  (Mar-  einer  caprificus  stattfindenden  Opfer  gefeiert. 
quardt,  R.  Staatsv.  3,  22,  4  u.  560).  Ausführlich  erzählt  Macrob.  1,  11,  36  ff.:  In- 
fi) zu  Tibur;  Serv.  z.  V.A.  1,  17;  vgl.  auch  noni  Capr.  die  Mo  liberae  pariter  ancillaeque 
Orelli  1289  =  C.  I.  L.  14,  3556  (/.  Argeia).  sacrificant  sub  arbore  caprifico  in  memoriam, 
y)  zu  Falerii:  Tert.  apoiog.  24:  Faliscorum  benignae  virtutis,  quae  in  anciliarum  animis 
in  honorem  Patris  Curis  [patriae  Curitis:  Gar-  pro  conservatione  publicae  dignitatis  apparv.it; 
ruccij  et  aeeepit  eognomen  Iuno.  C.  IL.  11,  nam  post  urbem  eaptam  cum  sedatus  esset  Gal- 
3125  u.3100  (vgl. 3152),  wo  ein pontif'.sacr(arius)  licus  motus,  res  publica  rero  esset  ad  tenue  de- 
lun.  Cu(ritis)  erwähnt  wird;  CLL.  11,  3126:  go  dueta,  finitimi  oportunitatem  invadendi  Romani 
lucum  L.  Curritis.  Vgl.  Miiller-Dcecke,  Ftr.2  2,  nominis  aueupati  praefecerunt  sibi  Postumium 
44,  12.  Übrigens  scheint  diejenige  Inno,  wel-  Livium  Fidenatium  dietatorem ,  rpä  .  .  .  »lau- 
dier das  Fest  des  ffpog  yßuos  galt,  nicht  die  Qui-  dornt,  nt mcttresfamilifs  sibi  et  virgines 

ritis  gewesen  zu  sein,  zumal  da  wir  aus  Dion.  dederentur  .  .  .  ancilla  nomine  Tutela  (Tutula?) 

Hai.  1,21  wissen,  dafs  jenenurvonPriesterinnen,  seil  Philotis  (0iXwztg  =  die  Liebende  bezeichnet 

ebenso  wie  die  argivische  Hera,  bedient  wurde,  wohl  das  aphrodisische  Wesen  dieserTutula; 

und  weil  die  kriegerische  Ausrüstung  einer  Qui-  vgl.    rptlozgg   =   Beischlaf  etc.    und    Polyaen. 

ritis   nicht  recht  zur  Feier   des  isqug  y.  pafst.  8,   30    oi   Aazlvoi    cvvsy.d&ivöov   zotig    xöpatg) 


599                   Iuno  (Gaprotina)  Iuno  (Regina)                     600 

pollicita  est  se  cum  eeteris  ancillis  sub  nomine  Vgl.  Preller3  1,  286f.   (der  auch  auf  die  Zeit 

dominarum  ad  hostes  ituram  habituque  matrum-  der  sogen,  caprifieatio   hinweist).     Marquardt, 

familias  et  virginum  sumpto  hostibus  cum  pro-  Staatsv.  3,312.  555  ff.  Scluceqler,  R.  G.  1,  532  ff. 

sequentium   lacrimis   ad  fidem   doloris    ingestae  (wo   die   antike  Litteratur  über   das   Fest   am 

sunt,     quae  cum  a  Livio  in  castris  distributae  vollständigsten    gesammelt    ist).     Mannhardt 

fuissent,  viros  plurimo  vino  provocaverunt  diem  a.  a.  0. 

festum  apud  sese  esse  simulantes.  quibus  sopo-  f)  Die  Iuno  Veridica(?)  einer  \onHenzen, 
ratis  ex  arbore  caprifico,  quae  castris  erat  Sup/il.  Or.  III  135  für  unecht  gehaltenen  In- 
proxima,  Signum  Romanis  dederunt.  qui  cum  schritt  {Orelli  1311)  von  Benevent,  von  Preller3 
rcpentina  incursione  superasscnt ,  memor  be>ie-  10  1,  283,  2  mit  der  Moneta  verglichen,  beruht  auf 
ficii  solutus  omncs  ancillas  manu  iussit  mitti  falscher  Lesung  statt  Regin  a;  s.  C  7.Z.9,  2110. 
dotemque  eis  ex  publico  fecit  et  ornatum,  quo  g)  Regina.  So  hiefs  Iuno  als  Gemahlin  des 
ttinc  emnt  usae ,  gestare  concessit  diemque  Iuppiter  Kex  (Prellcr3  1,  205;  vgl.  Zft>s  ßaai- 
ipsum  Nonas  Caprotinas  nuncuparit  ab  illa  ?uvg  u.  "Hga  ßacilaa,  ßaaiXic:),  vielleicht  auch 
caprifico  ex  qua  Signum  victoriae  ceperunt,  als  Göttin  des  Mondes,  welcher  bekanntlich 
sacrificiumquc  statuit  annua  solleunitate  ccle-  öfters  als  rregina  sidernm'  oder  'eaeli'  aufgefafst 
brandum,  cui  lac  quod  ex  caprifico  manat  wurde  {Hör.  ca.  sacc.  35;  mehr  bei  Röscher, 
jiropter  memoriam  facti  praecedentis  adhibetur.  Iuno  u.  Hera  20,  201.  Dieser  lunokult  ist 
Ziemlich  dieselbe  Legende  erzählt  Plutareh  wohl  der  berühmteste  und  verbreitetste  ge- 
{Rom.  29  und  Camül.  33,  vgl.  Polyaen.  8,  30),  20  worden,  was  zweifellos  mit  der  Bedeutung  des 
doch  weicht  dieser  darin  von  Maerobius  ab,  kapitolinischen  Tempels  zusammenhängt.  Das 
dafs  er  hinzufügt,  die  bräutlich  geschmückten  Kapitolium  mit  seiner  Göttertrias  Iuppiter,  Iuno, 
Mägde  hätten  alle  ihnen  Begegnenden  ver-  Minerva  war  nach  Jordan  {Rom.  Top.  1,2.35; 
spottet  (nai&iv  Sia  öxojfifiäTooi»)  und  alsdann  vgl.  Preller,  R  M.3  1,  65),  keine  den  Italikern 
sich  gegenseitig  geschlagen  und  mit  gemeinsame  Einrichtung,  sondern  die  eigenste 
Steinen  geworfen  ,  auch  nennt  er  nicht  die  Schöpfung  des  römischen  Staats,  der  römischen 
Fidenaten,  sondern  die  Latiner  als  Gegner  der  Staatsreligion  (vgl  jedoch  Serv.  V.  A.  1,  422),  es 
Kömer,  welche  eine  Anzahl  von  römischen  war  von  beiden  unzertrennlich  und  ist  mit 
.Jungfrauen  (und  Witwen)  zu  Ehegattinnen  beiden  durch  die  Welt  gewandert.  Und  zwar 
verlangt  hätten,  um  das  frühere  in  Vergessen-  30  ist  sein  vorzüglichster  Träger  die  Kolonie  der 
heit  geratene  connubium  mit  den  Römern  zu  römischen  Bürger,  das  Abbild  des  röm.  Staats 
erneuern.  Statt  der  Fidenaten  nannte  man  im  Kleinen:  in  den  Kolonieen  Italiens  und  den 
auch  die  Tusci  (Macrob.  3,  2,  14),  oder  die  Provinzen  steht,  wie  in  Rom.  an  der  Spitze 
Galli  {Ovid  a.  a.  2,  257),  während  andere  des  Kultus  der  des  Iuppiter  mit  der  Iuno  und 
das  Fest  der  caprotinischen  Nonen  und  die  Minerva.  So  kommt  es,  dafs  wir  in  Italien 
damit  in  Verbindung  stehenden  Poplifugia  mit  und  in  den  Provinzen  (vgl.  die  Indices  des 
dem  Verschwinden  des  Romulus  am  Ziegen-  C.  I.  L.)  keinem  Beinamen  der  Iuno  häufiger 
sumpf  (caprae  palus)  auf  dem  Marsfelde  in  begegnen,  in  der  Regel  in  Verbindung  mit 
Zusammenhang  bringen  wollten  {Plut.  Rom.  Iuppiter  0.  M.  und  Minerva. 
21)  u.  Cum.  33.  THon.  H.  2,  56).  Bei  diesem  40  1)  Die  kapitolinische  Regina.  Der  kapi- 
Schwanken  der  Überlieferung  ist  es  natürlich  tolinische  Tempel  war  nach  glaubwürdiger  Über- 
schwer, über  die  eigentliche  Bedeutung  des  lieferung  ebenso  wie  der  auf  dem  Albaner 
Festes  ins  Reine  zu  kommen.  Sicher  scheint  Berge  von  den  Tarquiniern  erbaut  {Jordan, 
nur,  dafs  auch  hier  Iuno  die  Bedeutung  einer  Top.  1,  2,  Stf.).  Genaueres  über  die  Ein- 
Göttin der  Ehe  und  weiblichen  Fruchtbarkeit  richtung  des  Tempels  s.  bei  Jordan,  Top. 
hatte,  welche  letztere  hauptsächlich  durch  a.  a.  0.  Der  mittlere  Baum  gehörte  dem 
Lustration  bewirkt  werden  sollte,  daher  auch  Iuppiter,  die  beiden  Nebencellen  der  Inno  R. 
hier,  wie  am  Feste  der  Luperealien,  die  Ziege  (links)  und  der  Minerva  (rechts  vom  hipp.); 
(capra;  vgl.  caprificus,  caprae  palus,  Capro-  vgl.  Jordan  a.  a.  0.  S.  71.  88  ff.  Daremberg- 
tina),  gegenseitiges  Schlagen  (mit  Feigenzwei-  50  Snglio,  Dict.  d.  antiq.  1  p.  901  ff.  Rahclon, 
gen?)  und  eine  symbolische  Flucht  eine  Rolle  Monn.  de  la  re'p.  1,  396.  Hinsichtlich  der 
spielte.  In  dem  Brauche  der  Spottreden  und  bildlichen  Darstellungen  der  kapitolinischen 
des  Steinwerfens  hat  Mannhardt,  Mythol.  R.  verweise  ich  auf  Overbeck,  K.-M.  2,  1,  158; 
Forsch.  122  mit.  grofser  Wahrscheinlichkeit  vgl.  ib.  126  (wo  jedoch  die  3  Kulte  der  Regina 
einen  bekannteu  Ernteritus  erkannt,  womit  das  in  Rom  nicht  gehörig  unterschieden  werden) 
Datum  des  Festes  (7.  Juli,  zugleich  Tag  des  u.  Jordan  a.  a.  0.  S.  89  ff.  Wie  es  scheint, 
ersten  der  beiden  dem  Consns,  d.  h.  dem  Gotte  war  sie  mit  Schleier,  Scepter  (in  d.  L.)  und 
der  Fruehtbergung,  im  Circus  begangenen  Schale  (in  d.  R.)  ausgestattet,  auch  ist  ihr 
Erntefeste)*),  sowie  der  Name  Tutula  =  Tu-  mehrfach,  aber  nicht  ständig,  der  Pfau  bei- 
tulina  oder  Tutilina  (d.  i.  Göttin,  welche  dem  60  gegeben;  der  Eiehenkrauz  war  der  Iuno  und 
Einfahren  oder  Einheimsen  des  geschnittenen  dem  Iuppiter  als  7ToXiovj[Oig  geheiligt  nach 
Getreides  vorstand;  Tertull.  de  spect.  8.  Aug.  Flut.  Q.  R.  92.  Dafs  die  kapitolinischen 
C.  (/.  4,  8;  ob.  Sp.  228)  wohl  übereinstimmt.  Gänse  wahrscheinlich  nicht  der  Kegina,  son- 
Eine  Darstellung  der  Caprotina  will  Mommsen,  dem  der  Moneta  zugehörten,  haben  wir 
Münziv.  519  auf  einem  Denar  des  C.  Renius  schon  oben  gesehen.  Nach  Liv.  22,  1,  17 
(Babelon,  Monn.  de  la  re'p.  2,  399)    erkennen.  wurden   im  J.  217  v.  Chr.  der  kapitolinischen 

Trias   drei  Blitze  aus  edlem  Metall,  dem  Iup- 

j  Vgl.  wissen,  n.  Landesh  i,  loo.  piter    aus    Gold,    den    beiden    Göttinnen    aus 


601 


Inno  (Regina,  Victrix) 


Iuno  (Opfer  u.  Attribute) 


602 


Silber  geweiht,  woraus  hervorzugehen  scheint, 
dafs  man  sich  die  Regina  ebenso  wie  Iuppiter 
und  Minerva  blitzend  dachte  (vgl.  Serv.  V.  A. 
1,  42  u.  8,  430),  was,  wie  es  scheint,  mit 
etruskischer  Blitzlehre  zusammenhängt  (vgl. 
MülLer-Deeclce,  Etr.-  2,  S6.  168),  wie  denn  über- 
haupt die  kapitolinische  Göttertrias  etruski- 
scheu  Ursprungs  zu  sein  scheint  (Serv.  V.  A. 
1,  422:  prudentes  Etruscae  disciplinae  ahmt 
apud  conditores  Elruscarum  urbium  non  puta- 
tas  iustas  urbes  fuisse,  in  quibus  non  tres 
poriae  cssent  dedicatae  et  votivae  et  tot  templa, 
Iovis,  Iunonis,  Minervae).  Was  die  Opfer  be- 
trifft, so  erwähnt  Juvenal  6,  48  eine  awrata 
iuvenca,  nach  den  Acta  Arvaliwm  (S.  57.  91 
Henzeu)  wird  ihr  ebenso  wie  der  Minerva  eine 
b(osl  f(emina),  dem  Iuppiter  aber  ein  b(os)  m'as) 
dargebracht.  Stadtrömische  auf  die  Regina 
bezügliche  Inschr.  s.  C.  I.  L.  6,  364f. ;  vgl.  auch 
die  Acta  fr.  Arval.  ed.  Henzen  p.  211  (index). 
Hinsichtlich  der  sonstigen  Kulte  der  Regina 
vgl.  die  Indices  zu  den  Bänden  des  C.  I.  L. 

2)  Auch  die  Moneta  führte  bisweilen  den 
Titel  Regina:  G.  I.  L.  6,  362  (s.  oben  Sp.  592), 
ebenso  die  lanuvinische  Seispes  (C.  I.  L.  14, 2090). 

3)  Der  Kult  der  aventinischen  R.  stammte 
von  der  arx  in  Veji  und  wurde  nach  der 
Eroberung  dieser  Stadt  im  J.  396  v.  Chr. 
intolge  eines  Gelübdes  des  Camillus  samt 
dem  alten  Holzbilde  (%6avov)  nach  Rom  ver- 
pflanzt (vgl.  Dion.  Hai  13,  3.  Li».  5,  21  u. 
22.  31.  Lact.  I.  2,  16.  —  Valerius  Max.  1,  S3 
nennt  die  vejentische  Iuno  Moneta,  woraus 
vielleicht  zu  schliefsen  ist,  dafs  sie  ursprüng- 
lich ebenso  wie  die  kapitolinische  Moneta  mit 
vollständigem  Titel  I.  Moneta  Reg.  hiefs).  Auch 
diese  Iuno  wurde  vorzugsweise  von  Matronen 
verehrt  (üb.  5,  31.  21,62.  27,  37);  bei  Gelegen- 
heit eines  friedlichen  Sühnopfers  im  J.  207  v.  Chr. 
werden  boves  feminae  albae  duae  und  2  Bilder 
der  Göttin  von  Cypressenholz  erwähnt,  welche 
in  feierlicher  Prozession,  begleitet  von  27  Jung- 
frauen und  den  Decemvirn,  von  der  porta  Car- 
mentalis  durch  den  vicus  Iugarius  u.  s.  w.  nach 
dem  Aventin  gebracht  wurden  (Liv.  27,  37; 
vgl.  31,  12;  mehr  bei  Becker,  Top.  452  u.  Gil- 
bert, Gesch.  u.  Topogr.  d.  St.  liom.  3,  77f.  444 f.). 
Der  Festtag  fiel  auf  den  1.  Sept.,  Marquardt, 
Staatsv.  3,  558. 

4)  Ein  dritter  röm.  Kult  der  Regina  be- 
stand in  einem  Tempel  am  Circus  Flami- 
nius;  unmittelbar  daneben  befand  sich  ein 
Tempel  der  Diana  (Becker,  Top.  S.  618;  anders 
Richter  bei  Baumeister ,  Denlcm.  S.  1506;  Gil- 
bert, Gesch.  u.  Topogr.  d.  St.  Rom  3,  81  ff.).  Ge- 
lobt wurde  der  Tempel  vom  Konsul  Aemilius 
Lepidus  im  Ligurerkriege  (a.  Chr.  187),  dedi- 
ciert  im  J.  179  v.  Chr.  (Liv.  39,  2.  40,  52).  Der 
Stiftungstag  ist  leider  unbekannt  (vgl.  d.  Kai. 
Urbin.  im  C.  I.  L.  1  p.  330  u.  410). 

5— 8)  Aufserhalb  Roms  finden  wir  alte  Kulte 
der  Regina  in  Veji,  Pisaurum,  Ardea,  Tereven- 
tum;  vgl.  darüber  Abschn.  VI  Sp.  604  ff.  Über 
die   vermeintliche  I.  Albana  s.  unten   Sp.  604. 

9)  Eine  Iuno  Regina  Pop(ulona)  oder  Iuno 
Regina  Populonia  dea  patria  s.  C.  I.  L.  9,  2630 
und  3,  1075. 

h)  Eine  Iuno  Victrix  erscheint  auf  Münzen 


der  Salonina  (s.  Cohen,  Med.  imp.  4,  4G8,  49. 
Uverbecl-,  K.-M.  2,  1,  127). 

i)  Hinsichtlich  der  karthagischen  Iuno  Ca e- 
lestis  s.  d.  Art.  Sp.  612  ff.). 

Über  die  Rolle,  welche  Iuno  in  der  Acneide 
des    Yergil  spielt  s.  Pauli/,  Realenc.  4,  580. 

Über  die  rIuno  virgo,  craae  Feronia  di- 
cebatur'  (Serv.  V.  A.  7,  799),  oder  die  Feronia 
s.  den  Art.  Feronia  (oben  Bd.  1  Sp.  1480). 

10 

V.  Opfer  und  Attribute. 
Das  gewöhnliche  Opfertier  der  Iuno  war 
(wie  bei  der  Hera)  die  weifse  Kuh,  deren 
Hörner,  wie  es  scheint,  oft  vergoldet  waren 
(vgl.  luv.  6,  48.  Henzen,  Acta  fr.  Arv.  57.  91  f. 
Liv.  27,  37.  Oc.  am.  3,  13,  4.  13),  aufserdem 
werden  erwähnt  vituli  (Ov.  a.  a.  0.  15),  porcus 
oder  porca  (Ov.  a.  a.  0.  16.  Macrob.  1,  15,  9 
u.  19),  agna  (Gell.  N.  A.  4,  3.  Macrob.  a.  a.  0.), 
üü  Widder  (Ov.  am.  3,  13,  18),  lae  caprifici  (Macrob. 

1,  11,  4o),  ein  Mutterschaf  nebst  zwei  Lämmern 
(?  Eulgent,  p.  389  Geil.),  Blumeu  am  März- 
feste der  Lucina  (Ov.  f.  3,  253).  Den  Dienst 
der  Inno  versahen  in  der  Regel  (verheiratete?) 
Priesterinnen,  in  Rom  insbesondere  die  flaini- 
nica  Dialis  (vgl.  Ov.  am.  3,  13,  30.  Henzen 
5660.  5661),  doch  kommen  zu  Lanuvium  auch 
flamines  und  sacerdotes  (masc.)  vor  (s.  oben 
Sp.  595 f.).     Attribute   der   Iuno    waren    die 

30  Gans  (I.  Moneta),  der  Pfau  (I.  Regina  auf  dem 
Kapitol),  die  Schlange  (zu  Lanuvium  s.  oben 
Sp.  595),  die  Krähe  (Festus  p.  64:  Corniscarum 
divarum  locus  erat  trans  Tiberim  cornicibus 
dicatus,  qiiod  in  Iunonis  tutela  esse  pntaban- 
tur;  vgl.  C.  I.  L.  1,  814  und  die  Münzen  der 
Cornuficia  b.  Babelon,  monn.  cons.  1,  434  f.).  Dafs 
die  Krähen  Symbole  der  Gattentreue  waren, 
bezeugt  Ael.  h.  an.  3,  9.  Hinsichtlich  der  Ziege 
vgl.  Ov.  am.  3,  13,  21,    sowie   das   Ziegenfell 

40  der  Sospita  und  den  Namen  Caprotina.  Attri- 
bute der  kapitolin.  Regina  waren:  Schleier, 
Scepter,  Schale,  Blitz  (s.  ob.  Sp.  600f.;  vgl. 
auch  Mali.  Cap.  1,  67),  der  Sospes:  Schild, 
Lanze,  Ziegenfell,  Wagen;  der  Martialis  die 
Hebammenschere  ('?  ob.  Sp.  586);  der  Lucina 
und  Martialis  ein  Wickelkind  und  andere 
kleine  Kinder  (ob.  Sp.  585),  sowie  die  Lilie  (?) 
und  Fackel  (Lucina),  die  Granate  (als  Attribut 
der   flaminica    Dialis),    der    caprificus   eignete 

50  der  Caprotina.  Die  Feste  der  Iuno  fielen  sämt- 
lich auf  Kaienden,  mit  Ausnahme  des  Festes 
der  Caprotina  (Non.  lul.)  und  der  Curritis  in 
campo  (7.  Okt.). 

VI.  Kurze  Übersicht  über  die  wichtigeren 
Kultstätten  der  Iuno  in  ItaUen. 

a)  Rom. 

1)    Kult  der  Iuno  Lucina  auf  dem  Esqui- 

linus,    nach   Varro   l.   I.  5,  74    von   T.   Tatius 

60  gegründet.     An  die  Stelle   des   ursprünglichen 

Altars  trat  im  J.  379  d.  St.  ein  Tempel  (Plin. 

n.  h.   16,  235).      Einen    lacus    bezeugt    Ov.    f. 

2,  433  f.  Von  einem  ■ör/caupös  "Hgag  <t>coorpo- 
pow,  der  schon  in  Servius  Tullius'  Zeit  existiert 
haben  soll,  berichtet  Dion.  Hai.  4,  15.  In- 
schriften s.  C.  I.  L.  1,  189  (=  6,  3694).  1, 
813  (=  6,  357).  6,  358  (=  Or.  l->94).  6,  360 
(=    Or.   874).    6,   359    (=  Or.    1297).     6,  361. 


603                Inno  (Kulte  in  Rom)  Iuno  (Kulte  in  Latium,  Etruria  etc.)      604 

3695.     Das   Fest  der  Göttin  hiefs   Matronalia  b)   Das  übrige  Latium. 

und  fiel   auf  die  Kai.  Mart.    S.  ob.  Sp.  584  u.  1)    Gabii  (Kolonie  von  Alba  1.):    Verg.  A. 

vgl.  Becker,  Topogr.  636  f.  7,  682  (arva  Gabinae  lunonis)  u.  Serv.  z.  d.  St. 

2)  I.    (Regina?)    auf   dem    sogen.    Capito-  Sil,  It.  12,  537. 

liuni  vetus,  in  einem  sacellum  daselbst  neben  2)  Jlons  Albanus.  Preller  glaubt,  es  habe 

Iuppiter  und  Minerva  verehrt,  nach  Varro  1.  I.  hierzwei(/?)  Kulte  gegeben,  einen  in  dem  von  den 

5,  158  vor  der  Gründung  des   kapit.  Tempels.  Tarquiniern  gestifteten  T.  des  Iuppiter  Latiaris, 

Yg\.Schicegler,R.G.  1,480  u.  unt.  Sp.  639  u.  653.  welcher  im  Grundplane   merkwürdig  mit  dem 

3)  I.  Regina  in  der  Nebencella  des  kapito-  ebenfalls  von  den  Tarquiniern  gegründeten  ka- 
linischen  Iuppitertempels,  einer  Gründling  der  10  pitolin.  Iui^pitertempel  übereinstimmt  (Jordan, 
Tarquinier.  S.  oben  Sp.  600  f.  u.  vgl.  Jordan,  Topogr.  1,  2,  9)  und  (nach  Preller)  derselben 
R.  Top.  1,  2,  8  ff.  Becker,  Top.  395  ff.  Preller-  Göttertrias  (und  Vesta)  geweiht  war  (vgl.  jedoch 
Jordan,  B.  M.'6  1,  216  ff.  die  höchst  verdächtigen  Inschriften  C.  I.  L.  14, 

4)  I.  Moneta,  uralter  Kult  auf  der  kapi-  125*und  129*  sowie  unter  Iuppiter  Latiaris),  und 
toi.  arx;  Tempel  (geweiht  am  1.  Juni)  seit  einen  zweiten  wohl  der  Moneta  gehörigen  T., 
410/344.  Später,  vielleicht  485/269,  wurde  die  der  im  J.  173  gelobt  und  167  geweiht  wurde 
Münze  damit  verbunden.  Jordan  a.  a.  0.  108  ff.  (Liv.  42,  7  u.  45,  15:  vgl.  auch  Cass.  Bio  39,  20  u. 
Becker,  Topogr.  392  f.  Pachter  bei  Baumeister,  Liv.  Vi,  21).  Nur  der  letztere  steht  also  sicher. 
1).  d.  kl.  Altert.  1476.  3)   Laurentum:   Kult  d.  Iuno  Kalendaris, 

5)  I.  Iuga;  Altar  am  vicus  lugarius,  Fest.  20  nach  Macrob.  1,  15,  18  an  allen  Kalenden  vom 
p.  104.  Plac.  p.  476.  Becker,  Topogr.  487.  Gil-  März  bis  Dez.  gefeiert.  Monat  Iunonius  nach 
bert,  Gesch.  u.  Topoar.  d.  St.  Born  1   S.  257  u.  Od.  f.  6,  .60  f. 

3  S.  416f.,  der  die  Existenz  dieses  Kultes  (mit  4)   Ardea:     Tempel   der  Iuno   Regina  Su- 

Recht?)  bezweifelt.  premi  coniux;   vgl.    die  Inschrift  aus  der  Zeit 

6)  I.  Sororia;  Altar  seit  der  Königszeit  (?)  nach  dem  2.  punischen  Kriege  bei  Plin.  35, 
bei  dem  tigillum  sororium,  s.  ob.  Sp.  598,  115.  Müller-  Deccke,  Etr."  2,  269.  Brunn,  K.  G. 
Becker,   Top.  527  ff.    Siebter  a.  a.  0.  1528.  2,  303.    Preller-Jordan3  1,  2S4,  3.    Verg.  A.  7, 

7)  1.  Lanuvina  od.  Sospita.    a)  T.  auf  d.  415ff. 

Forum    Ülitorium,    voviert    im    ,T.  197,   s.   ob.  5)    Lanuvium.     Mehrere   T.    der   Sospita, 

Sp.  596.    Richter  a.  a.  0.  1505.   Gilbert  a.  a.  0.  30  die  jüngeren  erbaut   von  Antoninus  P.  (s.  ob. 

3,  82.   —    b)    T.   auf  dem    Palatinus;   Becker,  Sp.  596).      Inschriften    von    Lanuvium     s.   im 

Top.  602;  ob.  Sp.  596.   Gilbert  a.  a.  0.1,  228ff.  C.  I.  L.  14,   nr.  2088.  2089.  2090.  2091.  2121 

8)  I.  Regina  auf  d.  Aventinus;  Tempel  u.  vgl.  G.  I.  L.  1,  1110  (liinone  Seispitei 
von  Camillus  nach  der  Eroberung  Vejis  ge-  Matri.  Reginac).  Diomedes  sollte  Gründer  der 
lobt  und  dediciert;  darin  das  alte  t,6uvov  Stadt  und  wohl  auch  des  lunokultes  sein 
der  I.  von  Veji  (Moneta  Regina?);  s.  oben  {App.  b.  c.  2,  201  Monat  Iunonius  nach  Ov.  f. 
Sp.601.  Becker,  Topogr.  452.  Richter  a.a.O.  1503.  6,  60. 

9)  Tempel  der  Iuno  Regina  am  Circus  6)  Aricia.  Monat  Iunonius  nach  Od.  f.  6, 
Flaminius   neben   e.    Dianatempel;    vgl.    ob.  59  ff.  u.   Macrob.   1,   12,  30. 

Sp.  601.     Beckir,    Top.  018.     Richter   a.  a.  0.  .111  7)  Tusculum;  vgl.  C.  I.  L.  1,  1200  (von 

1506.     Gilbert  a.  a.  0.  3,  81  ff.  Capua):  Iuiionc  Loucina  Tuscolana  sacra, 

10)  Tempel  der  Iuno  am  Circus  Flami-  8)  Praeneste.  Monat  Iunonalis  nach 
nius  neben  dem  Tempel  des  Iuppiter  Stator  Ob.  f.  6,  62  u.  Macrob.  1,  12,  30.  Hier  wurde 
(s.  d.),  errichtet  605/149  v.  Metellus:  Beehr,  Iuno  in  einer  Nebencella  des  Fortunatempels, 
Top.  608  ff.  Richter  a.  a.  0.  1506.  Gilbert  a.  a  0.  lunonarium  genannt,  verehrt;  vgl.  die  Inschr. 
3,  85  ff.  in  Annali  d.  Inst.  1885  p.  85.    Preller- Jordan3 

11)  Kult  der  Iuno  Curritis  in  canipo  2,  191,  1.  Oben  Bd.  1  Sp.  1543  f.  u.  Isity che. 
nach  d.  Arvalkalemler  am  7.  Okt.;  Marquardt,  9)  Tibnr.  Kult  der  I.  Curritis  u.  Argeia, 
Staatso.  3,  560;  vgl.  22,  4.  s.  oben  Sp.  596  f.  CLL.  14,  3556.  Monat  Iuno- 

12)  Templum  I.  Populoniae  (zu  Rom?),  50  nalisnach  Oc.f.  6,6lft.  Vgl.  auch  unt.  Sp.  G50,60f. 
erwähnt  in   e.  Fragrn.  aus  dem   ins  Papir.  b.  c)   Sabini. 

Macrob.,  3,  11,  5.  1)  Eretum.    Vgl.  Serv.  s.  Verg.  A.  7,  711: 

13)  Über  die  I.  Caprotina  s.  ob.  Sp.  598 f.  oppidum  est  dictum  a  lunone  i.  e.  ano  rijs 
Vielleicht  hatte  sie  einen  Altar  und  heil.  Baum  "Hqas,  quae  illic  coliinr. 

(caprificus)  an  der  palus  Caprae  auf  d.  campus  2)     Cures    (?);    vgl.    die    I.    Curitis    oder 

M.     Gilbert  a.  a.  ü.  1,  290  ff.     Vgl.  auch  Fest.  Quiritis. 

p.    65    Capralia    (Müller  Oupralia)   appellatur  d)  Etruria.   Vgl.  im  allgem.  Müllcr-Beecke, 

ager,  qui  vulgo  ad  caprae  paludes  dici  solct. —  Ftr. 2   2,   44  ff.    Pauly,  Bediene.  4,  572.     Die 

Die  nur  auf  Münzen  vorkommenden  Beinamen  kapitolinische    Göttertrias    bezeugt     für     alle 
Conservatrix  und  Victrix  (Overbcck,  K.-M.  i;o  etruskisehen  Städte  Serv.    V.  A.  1,  422,  Iuno- 

1,  2,  127  u.   156  ff.     Cohen,  Med.  imp"  4,  113.  kult  speziell   App.  b.  c.  5,  49;  vgl.  CLL.  11, 

474.    5,  145.    5,  503)    scheinen  keine  Kulte   zu  3078  u.  Sp.  632.     Aus  dem  stark  mit  Sabinem 

bedeuten.  bevölkerten  Südetrurien  (Müller-Beecl;e°  2,44. 

14)  I.  Martialis  scheint  seit  Trebonianus  64  1,103.  Preller- Jord.'l, li)  sind  zu  erwähnen: 
Gallus  und  Volusianus  in  einem  viersäuligen  l)  Falerii;  vgl.  Iunonieolae  Falisci  Ov.  /'. 
Rundtempel  verehrt  worden  zu  sein:  vgl.  die  6,  49.  IHon.  II.  1,  21  (55).  Falerii  hiefs  auch 
Münzen  bei  Collen,  Mal.  in/per."  5,  243  f.  Colonia  Iunonia  (vgl.  Müller-Deeclte  2,  44,  12). 
und  270f.,  unten  Sp.  011.  Über  das  Fest  des  hqbg  yduog  s.  oben  Sp.  691. 


605 


Iuno  (Kulte  im  übr.  Italien.) 


Iuno  (in  d.  Kunst:  Sospita) 


606 


AufserJem  scheint  es  einen  Kult  der  Quiritis, 
die  fast  allgemein  für  sabiuisch  gilt,  gegeben 
zu  haben  (s.  ob.  Sp.  597).  Hinsichtlich  der 
Legende  von  dem  Jungfrauenopfet  der  Valeria 
Luperca  s.  Phit.  Parall.  35  u.  Babelon,  Monn. 


de   la 


rep. 


515  ff.     Boschcr ,  Selene  u.   Ver- 


wandtes'^. 170  ff.  C.  I.  L.  11,  351*  =  Orelli 
1291  (civ.  Castellana):  Iunoni  Cuelesti  ist  ge- 
fälscht! Preller-Jordan*  1,  282,  3  hält 
Falerii  und  seine  Kulte  für  italisch, 
nicht  für  etruskisch;    vgl.  ib.  S.  14. 

2)  Veji.  Kult  der  Iuno  Moneta  (?) 
Regina  auf  der  von  Camillus  eroberten 
arx;  s.  oben  Sp.  594. 

3)  Perusia:  App.  b.  c.  5,  49.  Cass. 
JDio  48,  14. 

4)  Ob  das  angeblich  von  Iason  ge- 
gründete Heiligtum  der  Iuno  Argoa  oder 
Argiva  im  picentinischen  Gebiete  am 
Silarus  etruskisch,  griechisch  oder  ita- 
lisch sei,  ist  wohl  nicht  sicher  auszu- 
machen. Müller-Deecke,  Eir.'  1,  163  hält  es  für 
etruskisch.    Vgl.  Plin.  It.  n.  3,  70.    Strab.  252. 

e)  Umbria.  Kulte  der  Iuno  Lucina  und 
Regina  zuPisaurum;  C.I.L.l,  171  ff;  s.  Sp.t>37. 

f)  Venetia:  ,,vetus  aedes"  Iunonis  zu  Pa- 
tavium:  Liv.  10,  2,  14.  Vgl.  Vertj.  Geo.  3,  531  ff. 

ü'i  Sauiniuui. 

1)  Beneventum;  s.  die Inschr. bei Momm- 
sen,  I.  B.  N.  1381  =  G.  I.  L.  9,  1547  (= 
Orelli  1305.  Kernen  3  p.  135)  und  I.  B.  JST. 
1384  (=   Or.   1311  =  C.  I.   L.  9,  2110). 

2)  Aesemia.  Kult  der  Regina  Populona. 
Or.   1306  =   0.  I.  L.  9,  2630. 

3)  Terventum.    C.  I.  L.  9,  2587. 

4)  Cubulteria  (Compulteria  Lic):  C.I.  L. 
10,  4620. 

li)  Campania. 

1)  Celenna  (Celemna),  locus  est  Campaniae, 
sacer  Iunoni  Sero.   V.  A.  7,  739. 

2)  Cales:  'Iuno  Lucina''  Mommsen,  I.  N. 
3953   =   C.  /.  L.   10,   4660. 

3)  Capua:  'Iuno  Loucina  Tascolnna'  C.I. 
L.  1,  1200. 

4)  Teanum  Sidic:  Iuno  Populona,  Benzen 
5660/1  =  0.  I.  L.  10,  4790  f.     C.  I.  L.   1,  1198. 

5)  Nuceria:  Plin.  n.  lt.  10,  132. 

6)  Mons  Gaurus:  G.  I.  L  1,  573  =  C.I. 
L.  10,  3783  'servom  Iunonis  Gaurae'. 

i)  Lucania.  Münze  von  Paestum  (?)  mit  dem 
Kopfe  der  Moneta  s.  ob.  Sp.  594.     [Röscher 

VII.   Iuno  in  der  Kunst. 

Die  monumentalen  Überlieferungen  sind 
äufserst  dürftig.  Die  meisten  der  in  den 
Museen  erhaltenen  Statuen  und  Köpfe  der 
Göttin  sind,  soweit  sie  Arbeiten  römischer 
Bildhauer  sind,  Kopieen  nach  griechischen 
Originalen.  Um  die  Gestalt  der  Göttin,  so  wie 
sie  ihr  in  den  verschiedenen  Kulten  zu  eigen 
war,  verfolgen  zu  können,  sind  wir  aufser  auf 
die  in  Betracht  kommenden  litterarischen  Zeug- 
nisse vorzugsweise  auf  Münzen  angewiesen. 
Nur  für  einen  Kult  können  wir  in  dem  er- 
haltenen Denkmälervorrat  statuarische  Bild- 
werke nachweisen,  für  den  Kult  der  Iuno 
Sospita  (Sispita)  oder  Lanuvina.  Von 
dem    ältesten    und    gefeiertsten    Kulte    dieser 


Göttin,  dem  zu  Lanuvium,  wird  das  Kultbild 
jedoch  ohne  alle  Beschreibung  erwähnt  von 
Iul.  Obsequens  p.  113,  2:  Lanuvii  simuloerum 
Iunonis  Sospitae  larrimavit.  In  Rom  hat  der 
Kult  schon  sehr  früh  Eingang  gefunden  und 
unter  dem  Einflüsse  und  dem  Ansehen,  dessen 
er  sich  zu  erfreuen  gehabt  hat,  eine  Reihe 
interessanter  Daistellungen  hervorgerufen,  die 


Inno  Lanuvina,   Kolossalstatue   im  Vatikan   (nach  Cunzu, 
Griech.  Götter-  und  Eeroengestalten  Taf.  5). 

in  ihrer  Art  vielleicht  zu  den  eigentümlichsten 
Erscheinungen  gehören,  welche  die  römische 
Kunst  gezeitiot  hat.  Die  Vorstellung,  welche 
co  man  sich  von  der  äufseren  Erscheinung  der 
Göttin  machte,  waren  so  eigenartig,  dafs  die 
bildende  Kunst  ihr  Ideal  in  bezeichnenden 
Zügen  ausdrücken  konnte.  Diese  äufsere  Er- 
scheinung fafst  Cicero  de  nat.  deor.  1,  29,  83 
in  die  bekannten  Worte  zusammen:  illam 
vestram  Sospitam ,  (piain  tu  nunquam  ne  in 
somniis  cptidem  vieles  nisi  cum  pelle  capiiiut, 
cum  Jiasta,  cum  scnhilo ,   cum  calccolis  repan- 


607 


Iuno  (in  d.  Kunst:  Sospita) 


Iuno  (in  d.  Kunst:  Sospita  i 


608 


dis.  Die  erhaltenen  Darstellungen  stimmen 
hiermit  überein;  an  der  Spitze  der  statua- 
rischen Bildwerke,  deren  Existenz  an  und  für 
sich  schon  für  die  Bedeutung  des  Kultus  in 
Rom  zu  sprechen  geeignet  ist,  steht  die  Ko- 
lossalstatue in  der  Rotunde  des  Vatikans  nr.  552 ; 
abgeb.  bei  Overbeck,  Kunstmytli.  Atlas  10,  36, 
Chirac,  Mus.  d.  sc.  418,  731,  B.  a.  K.  2,  63  a, 
Baumeister ,  Benkm.  1  S.  764,  Conze,  Gritch. 
Götter-  u.  Heroengest.  Tat.  5  (s.  d.  Abb.).  Die 
Göttin  ist  mit  einem  feinen  Dntergewande  und 
einem  an  dem  Körper  enganliegenden  Peplos 
bekleidet;  darüber  trägt  sie  als  charakteri- 
stisches Kultbekleidungsstück  das  Ziegenfell, 
dessen  Kopf  das  mit  der  Stephane  geschmückte 
Haupt  bedeckt,  'während  es  im  übrigen  auf 
den  Schultern  aufliegt,  seine  Vorderfüfse  zwi- 
schen den  Brüsten  zusammengebunden  sind, 
sodann  über  den  Hüften  gegürtet  ist  und  an 
beiden  Seiten  des  Körpers  bis  an  die  Kniee 
herabfällt.  Das  Haar  ist  wellenförmig  über 
der  Stiru  zurückgestrichen;  der  Leib  tritt  stark 
hervor.  Ergänzt  sind,  und  zwar  auf  Grund 
der  Münztypen  (s.  u.)  richtig,  beide  Arme, 
beide  Füfse  mit  einem  Teile  der  Unterschenkel 
und  der  Schlange,  ferner  die  untere  Partie  des 
Gesichtes,  einiges  an  Gewand  und  Fell.  Der  un- 
verkennbare hieratische  Charakter  der  Statue, 
der  in  verschiedenen  nachgeahmt- archaischen 
Motiven,  der  Stellung  der  Beine,  der  Anord- 
nung der  Gewandfalten  am  Peplos,  zum  Aus- 
druck kommt,  weist  auf  eine  ursprüngliche 
Bestimmung  als  Tempelstatue  hin.  Für  Eom 
sind  zwei  Tempel  der  Iuno  Sospita  bezeugt: 
der  eine  von  C.  Cornelius  Cethegus  197  v.  Chr. 
erbaut  auf  dem  Forum  olitorium,  der  andere 
am  Palatin;  s.  ob.  (Aufserhalb  Roms  liefs  der 
in  der  Nähe  von  Lanuvium  geborene  Antoninus 
Pius  Tempel  der  Iuno  Sospita  erbauen:  Bd. 
Capitol.  Ant.  P.  8.)  Wäre  die  Vermutung  zu 
begründen,  dafs  die  vatikanische  Statue  auf 
dem  Palatin  gefunden  sei,  so  könnte  man  sie 
mit  hinreichendem  Grunde  als  die  Kultstatue 
des  am  Fufse  des  Palatins  errichteten  Tempels 
betrachten.  Der  Stilcharakter  der  Statue  (s. 
Overbeck  S.  162)  weist  ihre  Entstehung  in  das 
zweite  nachchristliche  Jahrhundert,  in  die  Zeit 
der  Antonine.  Es  ist  wahrscheinlich,  dafs  sie 
dem  um  den  Kult  der  Göttin  verdienten  An- 
toninus Pius  ihre  Entstehung  verdankt.  Für 
diese  Annahme  spricht  auch  die  Thatsaehe,  dafs 
die  Statue  auffallend  getreu  wiederholt  ist  in 
dem  Relief  einer  Basis  mit  acht  Figuren,  Kaiser 
Antoninus  Pius  mit  verschiedenen  Gottheiten 
darstellend,  in  der  Villa  Doria  Pamfili  in  Rom : 
abgeb.  M.  d.  I.  6  7  76.  1;  vgl.  Annali  1863, 
195ff,  Matz-Buhn,  Ant.  Bildw.  3  nr.  3684.  — 
Von  statuarischen  Exemplaren  ist  ferner  noch 
bekannt  die  in  der  Auffassung  durchaus  ab- 
weichende Figur  im  Treppenhause  des  capi- 
tolinisehen  Museums:  abgeb.  llighetti,  Bcscr. 
del  Campid.  Taf.  163,  Mus.  Capitol.  3,  5,  Clä- 
ren: 41S,  732  (vgl.  Nuova  descriz.  del  mus.  Ca- 
pit.  p.  82).  Bekleidet  ist  hier  die  Göttin  mit 
einem  langen  Untergewande  und  mit  dem 
Ziegenfell,  das,  auf  der  linken  Schulter  be- 
festigt, ähnlich  wie  die  Aegis  bei  Athena- 
statuen,    quer   über   die   Brust  hängt  und   zu 


beiden  Seiten  des  Körpers  lang  herabfällt.  Die 
Vorderarme  mit  Attribut  sind  ergänzt.  Das 
Haupt  ist  mit  einer  Stephane  geschmückt,  von 
der  nach  hinten  ein  Schleier  herabfällt;  an 
den  Füf^en  Schnabelschuhe.  Die  Statue  stammt 
ans  der  Nähe  des  alten  Lanuvium.  Eine  ähn- 
liche, nach  ihrem  Aufoewahrungsorte  nicht 
mehr  nachweisbare  Statue  aus  der  Vescova- 
liscben  Sammlung  bei  Clarac  419,  733.     Eine 

10  Bronze,  ,.wohl  von  allen  auf  uns  gekommenen 
Bildern  dieser  Göttin  das  roheste",  in  Arolsen 
ist  noch  nicht  veröffentlicht.  Die  Göttin,  die 
mit  Untergewand  bekleidet  ist,  über  das  vom 
Haupte  herab  über  den  Rücken  das  Ziegenfell 
fällt,  schreitet  aus.  in  der  Linken  hält  sie  einen 
halbmondförmigen  Schild.  (Vgl.  Gädechens, 
Antiken  von  Arolsen  S.  39  nr.  34.)  —  In  Re- 
liefs findet  sich  die  lanuvinische  Inno  (aufser 
dem  oben  genanntem :   auf  einem  dreiseitigen 

20  Kandelaberfufse  in  der  Münchener  Glyptothek 
(Brunn  nr.  44,  abgeb.  bei  Micali,  Ant.  monum. 
29,  8  u.  B.  a.  K.  1.  299);  die  Göttin  ist  nach 
rechts  gewendet,  mit  Untergewand  und  Ziegen- 
fell bekleidet,  die  Rechte  liegt  an  der  Brust, 
in  der  Linken  trägt  sie  den  ovalen,  mit  zwei 
halbkreisartigen  Einschnitten  versehenenSchild, 
an  den  Pulsen  Schnabelschuhe ;  etruskische 
Arbeit.  Ferner  (der  Kopf  allein)  auf  einem 
bemalten    Terrakottastirnziegel    des    Berliner 

30  Antiquariums,  abgeb.  bei  Panofka,  Terrakotten 
des  Kgl.  Museums  zu  Berlin  Taf.  10.  Die  Ar- 
beit ist  durchaus  altertümlich.  Der  jugend- 
liche Kopf  mit  seinen  schräg  stehenden  Augen 
und  hochsitzenden  Ohren  ist  mit  dem  Ziegen- 
fell mit  zwei  langen  Hörnern  helmartig  be- 
deckt, zu  beiden  Seiten  des  Gesichtes  fallen 
je  vier  lange  Locken  auf  die  Schultern  herab; 
über  dem  Fell  ein  stejjhaneartiges ,  ornamen- 
tiertes Schmuckstück,  um  den  Hals  ein  Hals- 

40  band  (vgl.  Overbeck  S.  164).  —  Der  äufseren 
Auffassung  der  bekannten  Kultdarstellung,  wie 
sie  Cicero  giebt,  sowie  der  vatikanischen  Statue 
entsprechend 

C 


tritt  uns  das 
Bild  der  Göttin 
in  den  Münzen 
verschiedener 
römischer  gen- 
tes  entgegen.  In 

50  ganzer  Figur.  T,mo  LanuTina  auf  Münzen  der  I>ro- 
Kopf  und  Ouer-    0ä]ia  (nach  Babelon, Mann. cons.  S  S. 386 

körper,    der  nr.  i  n.  2. 

etwas  zurückge- 
beugt mit  dem  Ziegenfell  bekleidet  ist,  in  der 
Rechten  den  Speer  schwingend,  an  den  Füfsen 
Sehnabelsehuhe  tragend,  vor  ihr  eine  sich  auf- 
bäumende Schlange,  erscheint  sie  auf  Münzen 
der  gens  Procilia:  Babelon  2  p.  386,  Overbeck. 
Münztafel  3.  16.     Dieselbe  Gestalt  auf  einem 

eo  Zweigespann  fahrend,  ebenfalls  auf  Münzen 
der  gens  Procilia  (Babelon  2  p.  386),  der  gens 
Mettia:  Babelon  2  p.  20,  Overbeck.  Münztaf. 
3,  17.  Auf  Münzen  der  gens  Cornuficia  ist  sie 
nach  links  gewendet  und  bekränzt  den  vor  ihr 
stehenden  Augur  Q.  Cornuficius,  auf  der  linken 
Schulter  flattert  ein  Rabe:  Babelon  1  p.  434 
u.  435,  Overbeck,  Munztaf.  3,  IS.  Die  stehende 
Gestalt    auf  den   Münzen   der   Procilier   kehrt 


609      Iuno  (in  d.  Kunst:  Caprotina,  Curitis)  Inno  (in  d.  Kunst:   Regina,  Pronuba)      610 


Iuno  Lanuvina  auf  Münzen  der  Cor 

nuficia  und  Tboria  (Babelon  a.  a.   0 

1  S.  434  n.  2  S.  488). 


Inno  Lanuvina  auf  einer   Münze    der 
Eosoia  (Babelon  a.  a.  0.  2  S.  402). 


im  wesentlichen  wieder  auf  Münzen  der  Kaiser 
Antoninus  Pius  und  Commodus:  JEclchel,  D.  N. 
7  p.  14  u.  107.  Der  mit  einem  Ziegenfell  be- 
deckte,   nach    rechts    gewendete   Kopf  findet 

sich  auf  Münzen 
der  gens  Tboria 
(mit  der  Bei- 
schrift LS.  M.R. 
=  Iuno  Sospita 
Mater  Regina): 
Babelon  2  p.  488, 
der  gens  Mettia: 
Babelon  2  p.  223, 
der  gens  Papia: 
Babelon  2  p.280 
u.  283,  der  gens  Procilia:  Babelon  2  p.  386, 
der  gens  Roscia :__.Baöf Zok  2  p.  402  (Qverbeck, 
Münztaf.  3,  19).   Über  die  eigentümlichen,  vorn 

umgebogenen, 

^c?,ih  r\      sog.  Schnabel- 

r.  4%*.~£l        schuhe,  welche 

,  IprS'SQ,'  );  sehen  Brauch 
'-..  FÄsSÄTl'y'  hinweisen,  vgl. 
Müller,  Etrus- 
1;er  l2  p.  257; 
über  die  attri- 
butive (auf  der 
Münze  der  gens  Roscia  von  einer  Jungfrau 
oder  Priesterin  gefütterte)  Schlange  vgl.  Preller, 
Beim.  Myth.  I3  p.  276.  Zur  Erklärung  des 
Raben  auf  Münzen  der  Cornuficier  vgl.  Liv. 
24,  10:  Lanuvii  in  aede  Sospitae  lunonis  cor- 
vos  nidum  fecisse  (sc.  prodigia  nuntiabantur). 
Iuno  Caprotina.  Nach 
Mommsen,  Born.  Münsio.  S.  519, 
nr.  95  ist  sie  zu  erkennen  auf  einer 
Münze  der  gens  Renia:  Babelon  2 
p.  399.  Auf  einem  nach  links 
hinfahrenden,  mit  zwei  Ziegen- 
böcken bespannten  Wagen  steht 
die  Göttin,  in  der  Linken  ein 
Scepter,  in  der  Rechten  eine 
Geifsel  (?)  haltend. 
Iuno  Curitis.  Die  bestimmten  Vorstel- 
lungen, welche  man  sieh  von  den  Attributen 
dieser  kriegerischen  Göttin  machte,  lassen, 
wenn  auch  die  sonstigen  Zeugnisse,  z.  B.  auf 
Münzen,  fehlen,  die  Annahme  einer  Kultdar- 
stellung für  die  älteren  Zeiten  und  wenigstens 
für  die  aufserrömischen  Kulte  (Tibur)  gerecht- 
fertigt erscheinen.  Die  Auffassung  erinnert  an 
die  üblichen  Darstellungen  der  Iuno  Sospita. 
Sie  fährt  auf  einem  Wagen,  als  Attribute  wer- 
den Schild  und  Lanze  genannt:  Serv.  Aen.  1,8: 
utitur  curru  et  hasta,  1,  17  (Anruf  in  dem 
tiburtinischen  Gebete):  tuo  curru  clipeoque 
tuere  meos  curiae  vernulas.  Vgl.  Detlefsen,  De 
arte  Born.  ant.  1  p.  16. 

Iuno  R-egina.  a)  Auf  dem  Aventin.  Der 
Kult  der  Göttin  war  von  Camillus  samt  dem 
alten  Holzbilde  (erwähnt  von  Liv.  5,  22,  Val. 
Max.l,  8,  3.  Ph.it.  Cam.  6,  Dionys.  Hai.  13,3, 
von  letzterem  als  £6avov;  vgl.  Detlefsen  a.  a.  0. 
1  p.  14)  nach  der  Eroberung  von  Veji  nach 
Rom  verpflanzt  worden.  Andere  Bilder  der 
Göttin  werden,  jedoch  ohne  alle  Beschreibung, 
mehrfach  erwähnt;  so  ein  Signum  aeneum,  quod 

Koscher,  Lexikon  d.  gr.  u.  rijm.  Mytliol.    LT. 


Iuno  Caprotina, 
Münze  der  Eenia 
(Babelon?  S.  399). 


matronae  lunoni  in  Aventino  dedieaverunt 
(i.  J.  536,  Liv.  21,  62);  duo  signa  cupressea 
lunonis  Beginae  .  .  .  in  aedem  illata  (i.  J.  546, 
Liv.  27,  37),  „signa  cupressea  duo  lunoni  Be- 
ginae posita"  unter  dem  Consulate  des  M.  An- 
tonius und  A.  Postumius  {Lul.  Obsequ.  p.  127,  2), 
„cupressea  simulacra  lunonis  Beginae  posita 
per  virgincs  viginti  Septem"  unter  dem  Con- 
sulate des  Cn.  Cornelius  Lentulus  und  P.  Lici- 

10  nius  {Lul.  Obsequ.  p.  127,  17).  Über  die  Kult- 
auffassung fehlen 
sonst  alle  Zeugnisse, 
b)  Auf  dein  Capitol, 
als  Glied  der  capito- 
linischen  Trias.  Die 
mittelste  der  drei 
eellae  des  capitoli- 
nischen  Iuppiter- 
tempels    bildet    das 

2u  Heiligtum  des  Iup- 
piter,  die  zu  seiner 
Rechten      das      der 

Minerva,  die  zur  Die  capitol.  Trias,  Münze  des 
Linken  das  der  Iuno    Trajan  (nach  Baumeister,  Benl-m. 

{Jordan,  Topogr.  1,  S.  766  Kg.  819). 

2  S.  71).    Aus  litte- 
rarischen  Quellen   erfahren   wir  nur,   dafs  die 
Göttin  als  Attribut  ein  goldenes  Scepter  führt. 
(Ov.  Fast.  6,  37  .  .  .  aurea  cur  dextrae  seeptra 

so  dedere  meae.)  Die  bildlichen  Darstellungen 
schwanken  in  der  Auffassung 
der  Göttin,  insofern  sie  sie 
bald  thronend,  bald  stehend 
vergegenwärtigen.  In  dem 
Giebelfelde  des  eapitolinisehen 
Iuppitertempels  in  einem  der 
vier  Reliefs  mit  Darstellungen 
aus  dem  Leben  Marc  Aureis 
im  Treppenhause  des  Conser- 

40  vatorenpalastes  in  Rom  (ab- 
geb.  M.  d.  I.  o,  36,  Bau- 
meisler,  Denkm.  1  S.  765),  ein 
Relief,  in  dem  wir  vielleicht  am  ehesten  eine 
wenigstens  im  allgemeinen  zutreffende  Wieder- 
gabe des  Tempelbildes  vermuten  dürfen,  er- 
scheint die  Göttin  sitzend  (aber  zur  Rechten 
des  Iuppiter);  ihr  Hinterhaupt  ist  verschleiert, 
in  der  Linken  hält  sie  das  Scepter,  in  der 
Rechten  vermutlich  eine  Schale.     Links  neben 

50  Iuppiter  sitzend,  in  der  Linken  das  Scepter 
haltend,  das  Haupt  verschleiert,  auf  einem 
ebenfalls  den  Giebel  des  eapitolinisehen  Iup- 
pitertempels darstellenden  Reliefbruchstück  in 
einer  Zeichnung  des  Codex  Coburgensis:  D.  et.  K. 
2,  13, ,Arch.Ztg.  1873,Taf.57.  Weitere  Beispiele, 
die  indessen  für  das  Tempelbild  alle  wenig 
beweisen,  bei  Jahn,  Arch.  Beitr.  S.  81ff.,  Arcli. 
Ztg.  1873,  S.lff.,  Overbeck  S.15S  u.  Sp.  622,  19. 
Iuno  Pronuba.     Ein  Heiligtum  und  dem- 

60  entsprechend  eine  Kultstatue  sind  für  diese  Göt- 
tin nicht  bezeugt,  sondern  nur  ein  Altar  in 
dem  vicus  iugarius  in  Rom.  Als  Ehegöttin 
{„cui  vincla  iugalia  curae1'  Verg.  Aen.  4,  59) 
erscheint  sie  in  den  verschiedenen  Hochzeits- 
und Ehemonumenten  (gesammelt  und  erläutert 
von  Boßbach,  Beimische  Hochzeits-  und  Ehe- 
äerikmäler,  Leipzig  1871):  1)  bei  der  dextrarum 
iunetio,   in  Reliefs,  meist  mit  Hyinenaeus  zu- 

20 


Die  capitol.  Trias. 
Münze  der   Corne- 
lia (nach  Babelon  1 
S.  396). 


611     Inno  (in  der  Kunst:   Lucina,  Martialis) 

sammen;  sie  steht  zwischen  den  die  Hände  sich 
reichenden  Verlobten,  denen  sie  ihre  Hände 
auf  die  Schultern  legt,  ihnen  gleichsam  die 
göttliche  Weihe  verleihend;  sie  ist  lang- 
gewaodet  und  trägt  die  Stephane.  Z.  B.  Re- 
lief in  Palazzo  Giustiniani  in  Rom,  Matz-Buhn 
2,  3098,  Sarkophag  in  San  Lorenzo  fuori  Matz- 
Buhn  2,  3090  {Boßbach  S.  40 ff.,  Jahn,  Ärch. 
Bedr.  S.  79  ff.),  Sarkophagrelief  in  der  sala 
delle  muse  im  Vatikan  (hier  abweichend  von 
den  sonstigen  Typen  mit  entblöfsten  Armen, 
aber  mit  Stephane)  Boßbach  S.  94ff.  In  einer 
zweiten,  selteneren  Typenreihe  schiebt  die  Göt- 
tin, nach  rückwärts  blickend  (Andeutung  einer 
nachfolgenden  ponrpa?)  die  verschämte  Braut 
dem  Bräutigam  zu:  in  Münzen  erst  seit  Au- 
toninus  Pius,  Boßbach •  S.  22 ff ,  auf  einer  Thon- 
lampe  bei  Passeri,  Luc.  fiet.  mus.  Taf.  37. 
2)  bei  dem  sacrificium  nnptiale:  Sarkophag  im 
Vatikan  {Gerhard,  Ant.  Bildw.  Taf.  74),  Sarko- 
phag aus  Monticelli  M.  d.  I.  4,  9  u.  s.  w.  Vgl. 
überhaupt  auch  OvcrbcckS.  131  u.AtlasTafi.  10,19. 
Über  Iunos  Verbindung  mit  Hercules  s.d. 
Iuno  Lucina.  Ihr  charakteristisches  Attri- 
but als  Göttin  der  Geburt  ist  das  Wickelkind ; 
daneben  kommt  ihr  in  gleicher  Eigenschaft 
(als  cpaßcpögos)  die  Fackel  zu:  Relief  eines 
Grabcippus  im  Vatikan  (abgeb.  Annal.  184S, 
tav.  N,  Overbeck,  Atlas  10,  24);  in  der  Linken 
hält  sie  hier  die  Fackel,  im  rechten  Arm  ein 
Kind,  das  an  ihrer  Brust  saugt;  ein  hinter  der 
Figur  stehender  Baum  bezeichnet  den  Hain 
der  Lucina  neben  ihrem  Tempel  auf  dem  Es- 
quilin.  Auf  den  Münzen  können  wir  zwei 
Typenreihen  unterscheiden ;  in  der  einen  ist 
sie  sitzend,  in  der  andern  stehend  dargestellt. 
Im  ersteren  Fall  führt  sie  als  Attribute  Scepter 
oder  eine  Blume  (wohl  eine  Lilie,  vgl.  Boscher, 
Inno  und  Hera  p.  46),  im  andern  ein  einge- 
wickeltes Kind  oder  mehrere  Kinder,  die  neben 
ihr  stehen.  Beide  Typenreihen  laufen  neben- 
einander her.  Auf  Münzen  der  jüngeren  Fau- 
stina:  Cohen  3Jp.l47,129, 131,  133,  134.136;  der 
Lucilla  p.  219,  36ff. ;  der  Iulia  Domna  Collen 
i"  p.  113,  93;  der  Salonina  (mit  der  Bezeich- 
nung als  Iuno  Augusta)  Cohen  55  p.  502,  55; 
der  Mammaea  ('Iuno  Augusta')  Cohen  42 
p.  493,  32.     Vgl.  bes.  Overbeck  p.  153ff. 

Iuno  Martialis.  Ebenfalls  Entbindungs- 
falls das  Attribut,  das 
sie  in  der  Rechten  führt 
(wie  bei  dem  alten 
Herabilde  in  Argos)  mit 

Sicherheit  als  Heb- 
ammenschere nachge- 
wiesen werden  kann. 
{Boscher,  Iuno  u.  Hera 
S.  49.)  Sie  kommt  nur 
vor  auf  Münzen  des 
Tiebonianus  G-allus  und 
Volusianns ,     aus     den 

Iuno  Martialis,  Münze  des     T    t     „        ~.  ,       ~el         o* 

.„:,,  n.  .„,.,.„„  Jahren  2ot— 254.  Sie 
ist  sitzend  dargestellt, 
entweder  nach  links 
aufser  jener   sog.   Heb 


Iuno   (Moneta,   Caelestis) 


612 


Iuno  Moneta, Münze 
der  Carisia  (nach 
Babelon  1  S.  S14). 


göttin   wie  I.  Lucina, 


Volusianus  (nach  Donaldson, 
Archit.  mint.). 


gewendet,    und   führt 

ammenschere  noch  das  Scepter  als  Attribut 
{Ocerbeck,  Münztaf.  3,  15),  oder  sie  sitzt  inner- 
halb eines  Kundtempels  auf  einem  Thron,  rechts 


und  links  neben  ihr  steht  ein  Kind.  (Münze 
des  Volusianns,  Abb.  nach  Doneddson,  Archit. 
num.) 

Iuno  Moneta.  Kopf  der  IunoM.  mit  alter- 
tümlicher, dem  farnesischen 
Herakopf  ähnlich  er  Haartracht, 
jedoch  ohne  Stephane,  aber 
mit  Halsband,  auf  Münzen  der 
gens  Carisia  {Babelon  1  p.  314, 

10  B.  a.  E.  2,  64),  mit  die  Stirne 
schmückendem  Diadem  und 
Ohrgehänge  auf  Münzen  der 
gens  Plaetoria :  Babelon  2 
p. 309,  Mommsen,  Born.  Miinzw. 
p.  623,  262.       [Jul.  Vogel.] 

Iuno  Averna  b.  Ovid  Met.  14,  114.  Sil.  It. 
13,  601  =  Persephone  oder  Proserpina  (s.  d.). 
Vgl.  Iuno  infera.  [Röscher.] 

Iuno   Caelestis.     So  nennt  Preller,  B.  M.s 

20  2,  406  f.  die  Hauptgöttin  von  Karthago,  deren 
Dienst  von  Diclo  hierher  verpflanzt  sein  sollte 
{Herodian  5,  6,  4\  obwohl  sich  diese  Bezeich- 
nung sehr  selten,  höchstens  auf  Inschriften, 
nachweisen  läfst  (C.  I.  L.  8,  1424  Iuno  Cae- 
lestis Aug.).  Die  alten  Schriftsteller  nennen 
sie  entweder  schlechtweg  Iuno  und  Hera(C7c. 
Verr.  4,  103;  vgl.  Val  Max.  1,  1  ext.  2.  Verg. 
Aen.  1,  15.  446.  Hör.  ca.  2,  1,  25;  vgl.  Iuno 
Poena   b.  Minuc.  Fei.  Oct.  25,    9;   nach  Solin 

30  p.  182,  12  M.  nannte  C.  Gracchus  die  von 
ihm  nach  Karthago  geführte  Kolonie  Iunonia 
colonia;  vgl.  Strab.  168  u.  170)  oder  einfach 
Caelestis  und  Ovgavia  (s.  d.Art.  Caelestis  u. 
vgl.  August,  c.  d.  2,  26.  Tert.  ad  nat.  2,  8. 
apol.  24.  IuL  Capit.  Pert,  4.  Opil.  Maar.  3.  Bio 
C.  79, 12.  C.  I.  L.  8,  8433 :  Deae  sancte  Caelestis. 
Orelli  1944:  invicite  Celesti  Uranie.  1943  = 
C.  I.  L.  6,  80;  vgl.  6,  78.  C.  I.  L.  8,  2226. 
1360.  2592.  4673  f.:  Caelestis.  —  ib.  993:  Cue- 

io  leMBeae.  CLL. 8,  S59.  131S.  1837.  6351.6939. 
8241f.  Cael.  Aug.),  auch  Virgo  Caelestis 
{Aug.  c.f7.2,  4;  vgl.  26.  Tert.  apol.  23.  Apul.MG, 
4;  vgl.  C.  I.L.  8,  9796:  Bea  magna  virgo  Cae- 
lestis), Dea  Caelestis  {Treb.  Poll.  30  tyr.  29. 
Ammian  22,  13,  3.  C.  I.  L.  8,  18S7.  " Orelli 
1942.  Henzen  5859  =  C.  I.  L.  8,  8433:  Beae 
Sancte  Caelestis;  vgl.  C.  I.  L.  S,  1887.  Henzen 
5860  =  CLL.  6,  77:  Bominae  Caelesti),  Diana 
Caelestis  Augusta  (C.  I.  L.  8,  999).     Schon 

50  die  Alten  selbst  identificierten  die  Göttin  gewifs 
richtig  mit  der  phönicischen  Astarte  (vgl. 
Herodian  5,  6,  4:  Ai'ßvig  .  .  avzr.v  Oigaviuv  »ß- 
Xovol,  <PoLvrA£g  <5e  AcTeo<xQyj{V  övofiufcovoi,  ei- 
lr]vr}v  sivca  &£Iovtbq.  Paus.  1,  14,  7:  jrpra'rots 
Ss  dv&Qamaiv  'AoavQLOig  nttziexr]  csßtod'cti  rrjv 
OvQctvLtxv,  jufro:  de  AcovQiovg  Kvttqicov  üacpiotg 
xal  <£>o iv itiiöv  toCg  Aoy.ülcovcc  eyovGiv),  womit 
übereinstimmt,  dafs  Plalastrius  de  haeres.  15 
sie  der  in  Palästina  verehrten  Regina  und 
60  Fortuna  caeli  (vgl.  lerem.  44,  17  f.  25  und  d. 
Art.  Astarte)  gleichsetzt  und  dafs  sie  ander- 
wärts Venus  genannt  wird  {Val.  Max.  2,  6, 
15;  vgl.  Orelli  1361).  Auch  was  wir  -sonst 
von  dem  Kultus  und  der  Auffassung  dieser 
Göttin  erfahren,  deutet  auf  eine  Astarte  hin. 
So  berichtet  Augustinus  c.  d.  2,  4  u.  26  von 
ludi  turpif-simi  und  einer  pompa  meretricia, 
Valerius   Max.   2,   6,   15    von    einem    fanum 


613 


Iuno  (Caelestis) 


Veneris  zu  Cirta,  in  quod  se  matronae  eon- 
ferebant  atque  inde  procedentes  ad  quaestum 
dotem  corporis  iniuria  contrahebant ,  honesta 
nimirum  tarn  inhonesto  vinculo  coniugia  iunctu- 
rae,  was  entschieden  an 
das  nach  Herod.  1,  199 
der  babylonischen  My- 
litta  dargebrachte  Opfer 
der  Jungf'rauschaft  er- 
innert (s.  Bd.  1  Sp.  649), 
das  auch  bei  den  West- 
semiten  vorkam  (Bd.  1 
Sp.  654;  vgl.  Aug.  c.  d. 
4,  10).  Wenn  ferner 
Cassius  Bio  79,  12  und 
Apul.  Met.  6,  4  der  kar- 
thagischen Urania  das 
Attribut  des  Löwen  bei- 
legen (vgl.  auch  die 
karthagischen  Kaiser- 
münzen des  Sept.  Severus  und  Caracalla  b. 
Eekhel,  B.  n.  v.  7,  183  ff.  Gerhard,  Ges.  AI;. 
Abh.  2,  540  Taf.  43  nr.  18  u. 
24),  so  ist  damit  die  oben  (s.Bd.  1 
Sp.  653)  abgebildete,  auf  einem 
Löwen  stehende  babylonische 
Astarte  zu  vergleichen  (s.  auch 
Luc.  dea  Syr.  31).  Vielleicht  ist 
unter  dem  'currus'  der  kartha- 
DieCaeiestis  von  gisohen  Iuno,  von  dem  Vergil 
(A.  1,  17)  redet,  ein  von  Löwen 
gezogener  Wagen  zu  verstehen, 
auf  welchem  die  Göttin  (wie 
Kybele)  fahrend  gedacht  wurde, 
während  sie  sonst  (ebenfalls  wie 
Kybele)  auf  dem  Löwen  reitet  (vgl.  Apul.  M.  6,  4 : 
Virginem  vectura  leonis  caelo  commeantem  u. 


Iuno   (Caelestis;   Kultstätten')         614 

meister,  Denkm.  d.  Kl.  AU.  S.  800ff.  Auch  be- 
waffnet kommt  sie  vor  (vgl.  Verg.  A.  1,  15  ff. 
hie  illius  arma  hie  currits  fuit  etc.  Ov.  f.  6,  46; 
vgl.  C.  I.  L.  8,  993,  wo  von  der  Weihung 
eines  thorax  an  die  Caelestis 
Aug.  die  Rede  ist);  auf  den  an- 
geführten Münzen  erscheint  sie 
mit  einer  Lanze  in  der  L.  und 
dem  Blitz  in  der  R.  Man  ver- 
10  gleiche  mit  dieser  Vorstellung 
das  oben  Bd.  l  Sp.  653  über  die 


Wagen  d.  Astarte 

(Caelestis? )  ,    si- 

don.  Münze. 


Tempel  der  Caelestis  (?)  mit 
Cypressen  im  Innern,  Kaiser- 
inünze  von  Karthago  (nacll 
Gerhard,  Ges.  dk.  Abh.  Taf  13 
nr.  19). 


G 


'j-esenius. 


Karthago,  Kaiser 
münze  von  Kar- 
thago (nach  Ger- 
hard, Ges.  ah.  Abh. 
Taf.  43  nr.  24). 


auf  einer 
nordafrikan.  Münze. 


Astarte  (Caelestis)    auf  dem  Löwen  stehend   (s.  ob.  Bd.  1 
Sp.  653). 

die  Münzen  b.  Eclchel  a.  a.  0.).    Vgl.  aufser  d. 
Art.  Kybele  Müller,  Helb.d.  Arch.  §  395,  3.    Bau- 


und  das  Sp.  650  über  die  assy- 
rische   Istar    (vgl.  Sp.  394)  Ge- 
sagte.   Auch  die  Taube  scheint 
ihr,  wie  der  Astarte  und  Aphro- 
dite  geheiligt  gewesen  zu  sein   (v.  Baudissin, 
Stud.  z.  sentit.  Bei.  2,  191  u.  210,  2 
Mon.  Taf.  16  c.  Ger- 
20  liard  a.  a.  0.  S.  540 
Taf.    43,    19),     was 
namentlich    für    die 
erycinische       Venus 
(=  Astarte)  bezeugt 
ist  (s.  d.  Stellen   b. 
Klausen,    Aeneas  1, 
488  A.  744).  Als  weis- 
sagende Göttin  tritt 
sie  auf  bei  Iid.  Capit. 
30  Opil.    Macr.    3    und 
Bert.  4;    vgl.    auch 

TeHull.  apol.  23,  WO     Astarte  (Caelesti 

sie  pluviarum  polli 
citatrix  genannt 
wird.  Die  Rolle,  welche  Iuno  in  Vergils  Aeneide 
als  Feindin  Roms  und  des  Aeneas  ipielt  (vgl. 
Pauly,  Bealenc.  4,  580),  erklärt  sich  gewifs  teil- 
weise aus  ihrer  Identificierung  mit  der  kartha- 
gischen Stadtgöttin  Caelestis. 

40 

Kultstätten  der  Caelestis. 

1)  Karthago.  Hier  soll  ihr  Kult  schon 
von  Dido  eingeführt  sein  (Herodian.  5,  6,  4). 
Aus  Vergils  Aeneis  1,  15  ff.  scheint  hervor- 
zugehen, dafs  die  Caelestis  die  Hauptgottheit 
Karthagos  war,  sie  besafs  daselbst  (auf  der 
arx?  s.  Ovid  f.  6,  45)  einen  lucus  in  urbe  me- 
dia (ib.  1,  441)  und  Tempel  (Aug.  c.  d.  2,  26. 
V.  A.  1,446;  vgl.  Mythogr.  Tat.  1,  215),  worin 

50  sich  allerlei  Weihgeschenke  befanden  (Xenoph. 
Lamps.  b.  Blin.  h.  n.  6,  200  u.  Solin.  p.  230 
Mo.),  und  wurde  wohl  als  Beschützerin  der 
Stadt  gedacht  (s.  d.  nordafrikan.  Münze  oben 
Bd.  1  Sp.  651).  Bei  der  Zerstörung  Karthagos 
wurde  die  karthagische  Göttin  von  Scipio 
feierlich  evociert  und  ihr  Kult  nach  Rom  ge- 
bracht (Serv.  V.  A.  12,  841.  Macrob.  S.  3, 
9,  7).  Später  wurde  Tempel  und  Bild  (simu- 
lacrum)   von   neuem   errichtet  (vgl.  Aug.  c.  d. 

60  2,  16  u.  Auct.  libri  de  praedicat.  3,  38.  Migne 
Patrol.  Bat.  51,  835.  De  Vit,  onom.  1  p.  597 
s.  v.  Aurelius  XII)  und  letzteres  von  Elagaba- 
lus  nach  Rom  gebracht  (Herodian.  5,  6,  4. 
Bio  C.  79,  12;  vgl.  d.  Art.  Elagabal).  Von 
einem  peplus  deae  Caelestis  redet  Treb.  Bollio 
30  tyr.  29.  Ein  vielleicht  karthagischer  Mythus 
findet  sich  beim  Mythogr.   Vat.   1,  215. 

2)  Cirta,  wo  ein  fanum  Veneris  (=  Astarte) 

20* 


615           Iunones  I  !  Frauengenien)  Iunones  I  (Frauengenien)           616 

erwähnt  wird  von  Ted.  Max.  2,   6,   15.     Tgl.  steht  aber  der  Genius  Virtutis  CLL.  2,  2407 

C.  I.  L.  S,  6939.  und  sogar  der  Genius  Iunonis  bei  Mart.  Cap. 

3)  An  anderen  Orten  der  röm.  Provinz  1 ,  53.  Sehr  gewöhnlich  in  römischer  An- 
Africa;  vgl.  C  I.  L.  8,  9796  .  .  .  eqtiites  |  I)eae  schauung  war  die  Verallgemeinerung  des 
Magnat  Virgini  J  Caelesti  restituerunt  |  templum.  Geniusbegriffes  auf  Familie  und  Staat.  Der 
Sacerdotes  Cael.  werden  erwähnt  in  den  In-  Genms  wurde  der  Beschützer  der  menschlichen 
schritten  C.  I.  L.  8,  1360.  4673.  4674;  eine  Gesellschaft  im  weiteren  und  engeren  Sinne: 
aedes  ib.  nr.  993  (Inschr.  v.  Karpis  =  El  Me-  daher  die  vielen  Genien  von  Städten,  Kolonieen, 
rissa):  Aedem  quam  Cassia  Maximula  flaminica  Provinzen.  Eine  analoge  Erscheinung,  die  aber 
JJirae  Plotinae  Caelesti  Deae  voverat  .  .  .  10  bis  jetzt  vereinzelt  dasteht,  ist  die  luno  pagi 
Martialis  .  .  .  aedificatam  D.  D.  ,  .  .  et  statua  Fortunensis  C.  I.  L.  5,  5112  (Genius  pagi  z.  B. 
Pudicitiae  Aug.etthorace  Caelestis  Augustae  C  I.  L.  3,  1405.  2,  2194).  Die  sehriftstelle- 
ornaverunt  .  .  .  rischen    und   inschriftlichen   Beispiele   für   die 

4)  Melite:  Cic.  Verr.  4,  103  =  Tal.  Max.  Iunones  als  Fraoengenien  sind  verhältnismäfsig 
1,  1  ext.  2.  selten.      Von    der    luno     eines    Mannes    reden 

5)  Bei  Gades  befand  sich  nach  Artemidoros  kann  nur  die  Satire,  so  bei  luven.  2,  98  et 
b.  atrab.llO  eine  Insel  und  Tempel  der  Hera;  per  Iunonem  domini  iurante  ministro,  wo  der 
vgl.  ib.  168.    Pomp.  Mela  3,  4.  Scholiast  nicht  richtig  erklärt  'non  per  Torem. 

6)  Rom.  Serv.  T.  A.  12,  841:  constat  hello  sed  per  Iunonem'.  Denn  nicht  per  Iorem 
Punico  secundo  exoratam  Iunonem,  tertio  vero  20  schwört  der  Mann,  sondern  per  Genium ,  und 
a  Scipione  sacris  quibusdam  etiam  Bomam  in  diesem  Fall  ist  der  Genius  wohl  identisch 
esse  translatam.  Vgl.  die  Evokationsforinel  mit  Hercules,  dem  Gott  der  Männer,  von  dessen 
bei  Macrob.  3,  9,  7  f.  Einen  princeps  saeer-  Kult  die  Frauen  ausgeschlossen  waren,  wie 
dotium  Daeae  Caelestis  erwähnt  die  römische  etwa  die  Männer  von  dem  Kult  der  Bona  dea. 
Inschr.  b.  Orelli  1942  =  C.  I.  L.  6,  2242.  Über  die  Verbindung  der  luno  mit  Hercules 
Vgl.  Ortlli  1944  =  C.  I.  L.  6,  80.  Hennen  vgl.  Bei  ff  er  scheid,  Annali  delV  Inst.  1867  p.  352 
5860  =  C.  I.  L.  6,  77;  vgl.  78.  und  B.Peter  in  diesem  Lex.  Bd.  1  Sp.225S.  Sonst 

Sonstige  auf  die  Caelestis  bezügl.  Inschriften  gilt  von   der  luno   dasselbe   wie   vom  Genius. 

s.  in  den  Indices  zum  C  I.  L.  Bd.  8.  Frauen  und  Mädchen   opfern  ihr  am  Geburts- 

Bildliche  Darstellungen  der  Caelestis  30  tage  (Tibull.  3,  12),   schwören  bei  ihr  (Tibull. 

von  Karthago  s.  auch  in  der  Gazette  arche'ol.  1880  3,  6,  47.    3,  19,  15.     Petron.  25,  hier  thut   es 

p.  IS  ff.  pl.  3  u.  im  Journal  Asiat.  1877  p.  147.  die  liederliche  Quartilla  in  einer  ganz  heiklen 

Neuere     Litteratur:     Munter,    Bei.     d.  Sache)  u.  s.  w.     Charisius  (p.  19S  Keil)  nennt 

Karth.    S.  62.    Morers,  Phoen.   1,  604  ff.    2,  1,  neben   eeastor  und   edepol   als  spezifisch  weib- 

362.   2,  92.     Pauly,  Bealene.  4,  570.     Klausen,  liehen    Schwur    auch    eiuno    (vgl.    Tarro    bei 

Aeneas  u.  d.  Pen.  1,  506.    Preller,  B.  MJ  2,  Gellius  11,  6).    Der  Scholiast  zu  luv.  2,  9S  be- 

406  f.     [Röscher.]  richtet,  dafs  die  Dienerinnen,  uni  ihrenHerrinnen 

Inno    infera,    inferua    (Terg.   A     6,    138.  zu  schmeicheln,  perlunonem  derselben  zu  schwö- 

Stat.  Silr.  2,  1,  147.  C.  I.L.iO,  7576)  =  Pro-  ren  pflegten.    Die  Inschriften,  die  dem  Genius 

serpina  oder  Persephone  (s.  d.).     [Röscher.]  40  eines  Mannes  oder  der  luno  einer  Frau  gelten, 

Inno  Stygia=Proserpma;  Stat.Theb.i,  526f.  sind  in   den   meisten  Fällen  als  Grabschriften 

Vgl    Inno  Averna  u.  infera.      [Röscher.]  zu    fassen.     Es    sind    Bezeichnungen    für    die 

I.  Iunones  (Frauengenien,  vgl.  den  Artikel  Seelen  der  Verstorbenen,  gerade  wie  die  dii 
Genius).  Wie  der  Mann  bei  den  Römern  Manes.  Auf  einer  grofsen  Ära  aus  Pola  C.  I.  L. 
seinen  Genius  hat,  so  hat  die  Frau  ihre  Inno  5,  160  heifst  es:  C.  Fannius  Psalmus  sibi  et 
(Plin.  not.  bist.  2,  16:  quamobrem  maior  caeli-  Fanniae  C.  lib.  Xoe  Iunoni  eius.  Das  Iunoni 
tum  populus  etiam.  quam  bominum  intellegi  eius  ist  wohl  nur  deshalb  hinzugesetzt,  um  zu 
potest,  cum  singuli  quoque  ex  semetipsis  totidem  bezeichnen,  dafs  die  Fannia  Xoe  damals  schon 
deos  faciant  Iunones  Geniosque  adoptando  sibi.  tot  war  (vgl.  C.  I.  L.  10,  7541).  Auf  der  afri- 
Senec.  Fpiist.  110:  singulis  enim  et  Genium  et  30  kanischen  Inschrift  8,  3695  wendet  sieh  die 
Iunonem  dederunt;  vgl.  Censorin.  de  die  nat.  Frau  an  den  Genius  ihres  Gatten  und  an  ihre 
3,  3).  Die  Bezeichnung  Genius  ist  die  ur-  eigene  luno.  Freigelassene  thun  es  öfter  zur  Ehre 
sprüngliche,  allgemeinere,  beide  Geschlechter  ihrer  Herren  und  Herrinnen,  z.  B.  5.  6954.  12, 
umfassende.  Es  lag  nahe,  den  weiblichen  Per-  3063 — 3066.  Bemerkenswert  ist  das  Akrostichon 
sonalgenius  auch  geschlechtlich  zu  difieren-  der  Pompeia  Galla  8,  251.  Andere  Inschriften 
zieren,  und  so  nannten  die  Frauen  und  Mädchen  sind  kürzer  gefafst  und  enthalten  nichts  Be- 
ihren  Genius  eben  ihre  luno.  Auch  Göttinnen  sonderes  (5,  7472.  6407.  8,  1140.  10,  1009.  1023. 
konnten  mit  ihrer  luno  ausgestattet  gedacht  6597.  12,  4317\  Deutlieh  eine  Grabschrift  ist 
werden.  Wie  der  Genius  eines  Gottes  ange-  der  Stein  von  Ostia  14,  1792:  ein  Freigelassener 
rufen  wird  (das  älteste  Beispiel  auf  der  In-  co  setzt  seiner  früh  gestorbenen  Tochter  das  Denk- 
schrift von  Furfo  C.  I.  L.  1,  603),  ebenso  mal  und  zwar  Iunoni  et  Verecundiae  derselben. 
kann  die  luno  einer  Göttin  verehrt  werden.  Damit  zu  vergleichen  ist  die  Inschrift  bei  Orelli 
Die  Belege  hierfür  sind  allerdings  seltener.  4577,  wo  die  Überreste  der  Verstorbenen  Pietati 
Zu  der  luno  Deae  Diae  in  den  Arralakten  et  Genio  irtferno,  femer  der  Mailänder  Grabstein 
(C  I.  L.  6,  2099  u.  ö.)  und  der  Inno  Isidis  5,  5869,  wo  sie  Gen'ioi  et  Howori)  konsekriert 
victricis  G.  I.  L.  9,  5179  ist  unlängst  auf  einer  werden.  Auf  dem  letzteren  ist  gleichzeitig  der 
Kölner  Inschrift  die  luno  Virtutis  gekommen  luno  der  Frau  ihr  Recht  gezollt  (vgl.  5,  6950. 
{Klein,    Bonn.   Jahrb.   87   p.   214).      Daneben  7593X    Den  Stein  von  Susa  5,  7237  widmet  ein 


617              Iuncraes  II  (Matronae)  Iuppiter  (Litteratur)                618 

Sklave  dem  Genius  seines  Herrn,  der  Iuno  gefunden  (G.  /.  L.  14,  4176).  Der  Dedikant 
seiner  Herrin,  dem  Genius  des  Sohnes  und  der  der  letzteren  nimmt  eine  höhere  Stellung  ein, 
Iuno  der  Tochter  der  beiden.  Also  jedes  er  ist  u.  a.  flamen  Dialis.  Die  Inschrift  fällt 
Familienglied  hat  einzeln  seinen  Genius  oder  unter  Tiberius,  ist  also  eine  der  ältesten  dieser 
seine  Iuno;  es  heifst  nicht  zusammenfassend  Gattung.  Von  den  übrigen  Iunonesinschriften 
Geniis  der  beiden  männlichen,  oder  Iunonibus  läfst  sich  keine  genauer  datieren.  In  den 
der  beiden  weiblichen  Familienglieder.  Gleich-  gallischen  Provinzen  sind  lunones  selten  (Nimes, 
wohl  aber  werden  auf  der  Inschrift  von  Bordeaux  Aigues-Mortes,  Neris-les-Bains,  Agen,  Trier, 
(Grut.  25,  11  Iunonibus  Juliae  et  Sextiliae)  die  Köln,  Jülich,  s.  Bonn.  Jahrb.  a.  a.  0.).  Der 
lunones  als  Frauengenien  zu  fassen  sein.  Dem  10  nördlichste  Punkt  ist  Marquise  (Pas  de  Calais), 
entgegen  sieht  Siebourg  (Westdeutsche  Zeitschr.  In  Britannien  und  Spanien  sind  sie  unbekannt, 
1887  p.  281)  in  der  Inschrift  eine  Widmung  dagegen  kommen  sie  auf  2  Inschriften  Nori- 
an  die  lunones  (=  Matronae),  gemacht  von  cums  vor  (C  /.  L.  3,  4766.  Arch.  epigr.  Mit- 
den  Schwestern  oder  Freigelassenen  Iuliae  und  teil,  aus  Ost.  5  p.  223).  Bisweilen  werden 
Sextiliae.  [M.  Ihm  ]  sie  in  Verbindung  mit  anderen  Gottheiten  ver- 
II.  lunones  (=  Matronae).  Zu  scheiden  von  ehrt,  so  mit  den  Kumina  Avgustorum  von  den 
den  lunones  als  Franengenien  sind  die  Inno-  vicani  Neriomagienses  (Bevue  arche'ol.  1878  1 
nes,  welche  auf  zahlreichen  Votivinsehriften  p.  188),  mit  dem  dexis  sanetus  Hercules  am 
(besonders  Oberitaliens)  genannt  werden.  Drei  Gardasee  (C.  I.  L.  5,  4854),  mit  dem  Genius 
Inschriften  der  Po-Ebene  (C.  I.  L.  5,  3237.  20  in  Trier  (Korr.-Bl.  d.  Westd.  Zeitschr.  5,  1886 
5249.  5450)  bezeichnen  sie  geradezu  als  Ma-  nr.  140;  auf  dem  an  der  Römerstrafse  bei 
fronen.  Der  Stein,  welchen  C.  Virius  Maximus  Asberg  ausgegrabenen  i-äulenförmigen  Altar 
in  Como  (C.  I.  L.  5,  5249)  den  lunones  Matro-  IVN  ■  ET  ||  GEN10  •  LOCI  ist  wohl  eher  Iu- 
nae  weiht  (rex  visu'),  enthält  auf  jeder  der  nfonij  als  Iun'onibus)  zu  ergänzen;  vgl.  ebend. 
Seitenflächen  noch  die  Widmung  Iun(onibus)  7,  1888  p.  100).  Die  Laacher  Inschrift  bei 
ohne  weiteren  Zusatz,  woraus  hervorgeht,  dafs  Bramb.,  C.  I.  Bh.  687  ist  wahrscheinlich  eine 
für  den  italischen  Dedikanten  die  Bezeichnung  Fälschung ,  wie  es  die  3  oberitalischen  In- 
Iunones  die  geläufigere  war  (vgl.  matrona  Schriften  C.  I.L.  5, 514*.  515*.  726*  sind.  Was 
Iuno  bei  Hör.  Carm.  3,  4,  59).  Beinamen  sind  die  Fassung  der  Inschriften  anlangt,  so  unter- 
bei  ihnen  nicht  so  häufig  wie  bei  den  Matres  30  scheiden  sie  sich  nicht  von  den  Matronen- 
und  Matronae.  Sie  werden  wie  die  letzteren  Inschriften.  Reliefdarstellungen  der  lunones 
domesticae  {Brambach,  C.  I.  Bh.  547.  Hettner,  sind  nicht  bekannt  geworden.  Besonders  be- 
Katalog  des  Bonner  Mus.  nr.  59)  und  Gabiae  merkenswert  ist  die  Inschrift  von  Aquileja 
genannt  (Bonn.  Jahrb.  83  p.  77.  78),  einmal  C.  I.  L.  5,  781.  Die  Dedikanten  weihen  den 
auch  montanae  (C.  I.  L.  12,  3067),  womit  die  Göttinnen  aedem,  signa  tria,  porticum  cum 
Suleviae  montanae  (C.  1.  L.  3,  1601)  zu  ver-  maceris  et  culinam  et  locum  in  quo  ea  sunt 
gleichen  sind,  die  ihrerseits  auch  wieder  mit  loco  privato.  Die  signa  tria  beweisen,  dafs 
den  lunones  identificiert  erscheinen  auf  einer  auch  die  lunones  in  der  Dreizahl  verehrt 
Inschrift  aus  Marquise  (Pas  de  Calais,  Bull.  wurden.  Die  Freigelassene  Aninia  Ge  giebt 
epigr.  de  la  Gaule  4  p.  141.  198.  Bonn.  Jahrb.  w  auf  der  Marmortafel  von  Carpi  C.  I.  L.  11, 
83  p.  78).  Weitere  Beinamen  der  lunones  sind  944  eine  förmliche  lex  dedicationis:  sie  hat 
Augustae  (C.  I.  L.  5,  323S — 3240.  12,  4101)  und  ihren  Göttinnen  ein  Fleckchen  Land  mit  einem 
eleae  (Bevue  arche'ol.  1877  II  p.  132).  Die  Zahl  Altar  zugedacht.  Dafs  auf  dem  Stein  C.  I.  L. 
der  bis  jetzt  gefundenen  Inschriften  dieser  Göt-  5,  4854  Hercules  neben  den  lunones  angerufen 
tinnen  beträgt  etwa  40.  Das  bis  1887  bekannte  wird,  scheint  nicht  ganz  bedeutungslos.  Her- 
Material  ist  gesammelt  und  besprochen  in  den  eules  und  Iuno  erscheinen  öfter  vereinigt,  jener 
Bonn.  Jahrb.  Heft  83  p.  76 ff.  (vgl.  dazu  M.  Sie-  als  der  männliche,  diese  als  der  weibliche 
bourg,  Westd. Zeitschr.  1888  p. 99 — 116).  Hierzu  Genius:  sie  sind  dei  coniugales  (Peter  in  diesem 
kommenlnschriften  vonMarzana(b. Verona), A'o-  Lex.  Bd.  1  Sp.  2258).  Vielleicht  schwebte  diese 
tizie  d.scavi  1883  p.  320,  u.  von  Agen  (I.augusta-  50  römische  Vorstellung  auch  den  beiden  ober- 
les):Rev.epigr.dumidil89l,  108.  Dievon  J. Klein  italischen  Dedikanten  vor:  der  Mann  mag  sich 
(Bonn.  Jahrb.  84  p.  70)  veröffentlichte  Inschrift  mit  seinem  Gelübde  an  Hercules  wenden,  die 
läfst  auch  andere  Ergänzungen  zu  (z.  ß.  Uigeni-  Frau  an  die  lunones  (vgl  auch  Gellius,  Noct. 
bus,  DisManibus,  letzteres  wahrscheinlich).  Das  Att.  11,  6,  1.  2).  Auch  die  Zusammenstellung 
Hauptfundgebiet  ist  Gallia  transpadana  mit  den  mit  dem  Genius  auf  der  Trierer  Inschrift  (s.  o.) 
Städten  Aquileja.  Verona,  Brescia.  Hier  ist  kann  man  hier  anführen  Die  fremden  Göttinnen 
die  Bezeichnung  Matronae  nicht  vorhanden  oder  als  lunones  zu  bezeichnen  lag  für  römische 
doch  selten.  Marzana  kennt  jetzt  Matronae  Anschauungsweise  nahe  genug,  und  in  Ober- 
und  lunones  (C.  I.  L.  5,  3264  s.  o.).  Einer  der  italien,  wo  diese  Bezeichnung  ihre  eigentliche 
veronesischen  Steine  enthält  die  Widmung  60  Heimat  hat,  war  der  Einflufs  der  römischen 
Iunonibus  Matronis.  Weiter  nach  Westen  hin  Sprache  und  Anschauung  klävlich  ein  gröfserer 
nimmt  die  Bezeichnung  lunones  immer  mehr  als  in  entfernteren  Gegenden.  Vergleiche  des 
ab;  in  Como  erscheinen  lunones  Matronae  und  Weiteren  den  Artikel  Matronae.  [M.  Ihm] 
lunones,  in  der  Umgegend  meist  Matronae.  Iupater  s.  Iuppiter  Sp.  625,  54. 
Mailand  kennt  nur  die  letztere  Bezeichnung.  Iuppiter.  Litteratur.  Sclnvenck,  Mythol.2 
Aus  Gallia  cispadana  sind  bis  jetzt  nur  zwei  S.  ltf.  Härtung,  Beligion  der  Bömer  2  S.  7  ff. 
Widmungen  au  die  lunones  bekannt  (C.  I.  L.  Gerhard,  Mythol.  2  S.  247 ff.  Preller  inPauhjs 
11,  944.  1048);  eine  wurde  im  alten  Laurentuni  Becdencyklopädie  Bd.  4  S.  587ff.     Hers.,  Böm. 


619 


Iuppiter  (Etymologie^ 


Mythol.  ed.  Jordan  l3  S.  lS4ff.  Herr  Prof.  Wis- 
soica  hatte  die  Güte,  mir  seine  Vorlesung  über 
römische  Mythologie  und  Kultusaltertümer  zur 
Verfügung  zu  stellen. 

Etymologie.  Grafsmann,  Ztschr.  f.  vergl. 
Sprachforschg.  16  S.  101  ff.,  161  ff.  Curtivs, 
Grundz.  d.  gr.  Etym. 5  S.  236.  Vanibek,  Etymol. 
Wörterbuch  d.  Ich.  Spr.  S  24.  Collitz,  Bezzenb. 
Beitr.  z.  Kunde  d.  indog.  Spr.  10  (1885),  S.  47  ff. 
Die  zu  Grunde  liegende  Wurzel  di,  div, 
' glänzen,  leuchten'  ist  Gemeingut  aller  indo- 
germanischen Völker  und  mythologischen 
Systeme  (vgl.  Curtius  a.  a.  0.).  Die  Etymologie 
Ciceros  n.  et.  2,  64:  Iuppiter  est  iuvans  patcr, 
quem  conversis  casibus  aiuvando  lovem  appella- 
mus  (vgl.  Enn.  frg.  507  Baehrens.  Gell.  n.  ct. 
5,  12,8)  bedarf,  um  richtig  zu  sein,  nur  der 
Umkehrung,  doch  kannten  schou  die  Alten 
die  Verwandtschaft  mit  dius,  dialis  (Yarro  l.  I. 
5,  66,  Fest.  p.  185,  Paul.  p.  71.  87).  Wir  finden 
die  Grundbedeutung  noch  bei  folgenden  itali- 
schen Gottheiten  Ianus-Di(v)anus,  etr.  ani  (s. 
indes  Der  de.  Etr.  Forsche/.  2S.  125  nndvsl.  dazu 
Koscher,  Myth.  Lexikon' '2  Sp.  29 ff.),  Di(v)ana 
etr.  tiv,  Iuno-Diovino  etr.  uni,  Iuturna-Diuturua. 
Die  Vergleichung  mit  den  andern  indogerma- 
nischen Sprachen  ergiebt  die  italische  Urform 
Dious  gen.  Diouis;  das  durch  Eontraktion  hier- 
aus entstandene  Dius  hat  sich  in  den  Götter- 
namen Dius  Fidius,  Vedius,  dea  Dia,  in  den 
lokalen  Bestimmungen  sub  dio  (diu)  interdiu 
und  adjektivisch  in  der  Verbindung:  fulgur 
dium  (vgl.  Summanus — fulgur  summanum)  bis 
in  die  historische  Zeit  erhalten.  Die  Gleich- 
heit der  obliquen  Easus  Diovis,  Diovi  mit 
denen  der  i- Stämme  mag  Veranlassung  ge- 
wesen sein,  dafs  der  ursprünglich  konsonan- 
tische Nominativ  Dious  in  die  Deklination  der 
i-Stämme  übertrat  (Grafsmann  a.  a.  0.  S.  161). 
Während  die  eben  besprochenen  Bildungen,  zu 
denen  noch  Dialis  hinzukommt,  anlautendes  d 
treu  bewahrt  haben,  ging  es  bei  Weiterent- 
wicklung der  Sprache  durch  Verdichtung  von 
i  zu  j  allmählich  verloren,  und  es  entstand  die 
übliche  Fiesionsweise  Iovis,  Iovi,  lovem,  Iove, 
zu  der  das  von  Schriftstellern  nicht  selten  ge- 
nannte Uüd  inschriftlich  mehrfach  erhaltene 
Iovis  (s.  unten)  als  Nominativ  hinzutrat.  Pauli, 
Altital.  Stud.  1  S.  12  leugnet  die  Existenz  eines 
alten  Nominatives  Iovis  (demnach  doch  auch 
Diovis)  und  hält  ihn  für  bewufste  und  absicht- 
liche Analogiebildung  der  Grammatiker;  doch 
bietet  die  Sprache  so  viele  Beispiele  für  den 
Übergang  konsonantischer  Stämme  in  die 
i-Deklination,  dafs  wir  in  die  Worte  Varros 
(l.  I.  5,  66  [Iuppiter]  olim  Diovis  et  Diespitcr  dic- 
tus),  dem  doch  reiches  Material  aus  der  frühe- 
ren Zeit  in  ganz  anderem  Mafse  als  uns  zur 
Verfügung  stand,  keiuen  Zweifel  zu  setzen 
brauchen.  Alle  drei  Namen  Dius,  Diovis,  Iovis 
sind  bei  dem  Gotte  zu  erkennen,  der  den  di- 
rekten Gegensatz  zu  Iuppiter  bildet,  Vedius, 
Vediovis,  Veiovis.  Mit  Iovis  verschmolz  das 
anfangs  appositioneil  angefügte  pater  zu  einem 
Worte,  wobei  nach  lateinischem  Lautgesetz 
das  tonlos  gewordene  pater  sein  a  in  i  um- 
wandelte und  Iovis  wie  alle  derartigen  Eom- 
posita  das  Noruinativzeichen  s  verlor.    Wahr- 


Iuppiter     Orthographie;   Diespiter)   620 

scheinlicher  noch  ist  die  Ansicht  Paulis 
a.  a.  0.,  dafs  pater  bereits  an  die  italische 
Form  Dious-Ious  getreten  ist,  der  weitere  Ent- 
wicklungsgang bleibt  derselbe.  Thurneysen 
(Bezzenb.  Beitr.  8  (,1884)  S.  281  A.  2)  läfst  den 
Nominativ  Iuppiter  durch  Angleichung  an  den 
Vokativ  entstehen.  Analoge  Bildungen  sind 
Marspiter  (Maspiter),  Diespiter,  Dispiter,  Opiter 
(Prise.  1  p.  229  Hertz);    überhaupt    war    dem 

10  römischen  Volke  die  Hinzufügung  eines  das 
Schutzverhältnis  zwischen  Gott  und  Mensch- 
heit andeutenden  Wortes  pater,  mater  eigen- 
tümlich (Zinzow,  Der  Vaterbegriff  bei  den 
römischen  Gottheiten,  Pyritz  1887,  S.  6.  Dafs 
auch  andern  Religionen  diese  Verbindungen 
nicht  fremd  waren,  zeigen  Djauspita,  Zf  vg  hkti\q 
Jri-in'jrrjQ  etc.).  Strenge  Durchführung  hat  die 
Zusammensetzung  nur  im  Nominativ  und  Vo- 
kativ erfahren,  während  in  den  übrigen  Easus 

20  die  beiden  Bestandteile  bis  auf  verschwindend 
geringe  Ausnahmen  ihre  Selbständigkeit  be- 
wahrten. Nimmt  man  das  Umbrische  zu  Hülfe, 
so  lassen  sich  in  dem  Zusammentreten  von 
Beziehungswort  und  Apposition  drei  verschie- 
dene Behandlungsweisen  erkennen,  die  sich 
jedoch  nicht  zeitlich  auseinander  entwickeln : 
1)  Beziehungswort  und  Apposition  habeu  ge- 
sonderte Existenz,  ihre  Freiheit  bekundet  sich 
in  dem  Dazwischentreten  anderer  Satzteile  (per 

30  lovem  aiiurg  patrem  Plaut.  Jlen.  1025)  oder 
in  der  getrennten  Schreibung  love  patre  (tab. 
Iguv.  2  B,  7),  Iove  patre  (Trag.  ine.  fr.  101 
Eibbecl-).  —  2)  Der  zweite  Bestandteil  schliefst 
sich  enklitisch  dem  eisten  an,  aber  beide  be- 
sitzen noch  volle  Flexion.  Invepatre  (tab.  Iguv. 
s.  unten);  hierher  können  auch  die  Vokative 
Inpater  (tab.  Iguv.)  und  Iuppiter  gerechnet  wer- 
den. —  3)  Der  erste  Stamm  hat  seine  Biegnugs- 
fähigkeit  verloren:  Iuppiter,  Iuppitris,  Iuppitri, 

40  Iuppitrem  (s.  unten),  wofern  die  obliquen  Ea- 
sus nicht  erst  jüngeren  Grammatikern  ihren 
Ursprung  verdanken.  (Grafsmann  a.  a.  Ö. 
S.  114.) 

Orthographie.  Der  Schreibweise  Iuppiter, 
die  bis  zum  Beginn  der  Eaiserzeit  ebenso 
häufig  war  wie  die  mit  einfachem  p,  von  da 
an  fast  ausschliefslich  Geltung  erlangte  (vgl. 
besonders  die  Arralakten),  ist  als  der  am  besten 
bezeugten  der  Vorzug  zu  geben  (Jordan,  Herrn. 

50  16  (1881)  S.  51);  das  erste  p  kann  weder  durch 
Assimilation  des  nominativischen  s,  welches 
bei  Zusammensetzungen  wegfällt  (Corssen,  Aus- 
sprache 1-  S.  211,  Krit.  Beitr.  S.  391),  noch  des 
stammhaften  v,  das  mit  o  zu  ü  =  ou  wurde, 
entstanden  sein;  da  sich  also  etymologisch  die 
Doppelung  des  p  nicht  rechtfertigen  läfst, 
bleibt  nur  die  Annahme  übrig,  dafs  sie  nach 
langem  u  zur  Schärfung  der  Aussprache  diente 
( Pauli,  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprachforschg.  18  (1869) 

60  S.  8,  ausführlicher  Jordan  a.  a.  0.). 

Diespiter.  Im  Altertum  erklärte  man 
diese  Bildung  durch  diei  pater;  Tgl.Serv.  aJAen. 
9,  567,  Macrob.  Sat.  1,  15,  14,  Priscian  2  p.  515 
H.  (Danach  ist  wohl  auch  bei  Yarro  l.  I.  5, 66, 
Diespiter  id  est  dies  pater  dies  als  Genitiv 
aufzufassen.)  Der  Ansicht  der  Alten  trat  bei 
Grafsmann  a.  a.  0.  S.  116  ff.  Dagegen  fafst 
Corssen,  Ausspir.  I2  S.  233   Dies-piter  richtig 


621    Iuppiter  (lat.  Namensformen:   Diovis)  Iuppiter   '=  Iovos,  Iovis)          622 

als  eine  Zusammensetzung  von  pater  mit  dem  Cista  (Venös  Diovem  Proserpnais),  zuerst  ver- 

s-Stamme  dies;    die  Bildung  mit  dem  Genitiv  öffentlicht    von   Brunn    in   ann.   d.   inst.    1858 

ist   darum    unmöglich,    weil    im    Latein    kein  S.  383.     Abbildung   in    mon.   ined.  vol.  6   Taf. 

Kompositum  als  ersten  Bestandteil  einen  Geni-  24,  1.    C.  I.  L.  1,  57.   Schneider  53;  für  die  Er- 

tiv   aufweist    (Fick,   Vergl.   Wörterb.   I3,  308.  klärung   vgl.    Chölodnidk,  Bh.  Mus.  42  (1887) 

/.  Schmidt,    Ztschr.   f.   vergl.   Sprachforschung  S.  486.     An  derselben  Stelle,  aber  ca.  10  Fufs 

25  [1876]  S.  58).  —  Corssen,  Krit.  Beitr.  S.  391  tiefer,    wurden   etruskische   Spiegel   gefunden, 

zeigt    die    Unmöglichkeit    Diespiter    als    eine  die  lateinische  Schrift  der  Cista  und  die  dünnere 

Zusammensetzung    mit    dem   Nominative   dies  darüber  lagernde  Erdschicht  weisen  auf  naeh- 
zu  betrachten.                                                              10  etruskische  Zeit.  J2e«,ren  hielt  M  für  das  s-Zeichen 

Italische   Namensformen.     Litteratur:  der   Etrusker,    die   Form   selbst   aber   für  den 

Neue,  Formenlehre  1°,  S.  167.  189ff.  281  ff.  383.  Genitiv,    indes    ist    nicht    daran   zu    zweifeln, 

394.  483.  Bücheler,  lex.  ital.  S.  7.  11.  Fabretti,  dafs   wir  hier   einen  wirkliehen  Accusativ  vor 

gloss-  ital.  S.  310—313.  702.    Corssen,   Ausspr.  uns  haben. 

I2  S.  211.  365;  2S  S.  63.  Eine  einzig  dastehende  Bildung  ist  das  be- 

Lateinisch.     Deu    altertümlichen   Nomi-  reits  oben  erwähnte  Iovos  auf  der  zu  Praeneste 

nativ  Diovis  bezeugt  Varrol  1.5,  66  hoc  idem  gefundenen,  jetzt  im  Berliner  iMuseum  befind- 

magis  ostendit  amtiquius  Iovis  nomen;  neun  olim  liehen  Cista  aus    dem   6.  Jahrb.,   welche  Iup- 

Diovis   et  Diespiter    dictus   id   est   dies  pater.  piter,  die  Rechte  auf  Iunos  Schulter  gestützt, 
Gell.  n.  a.  5,  12,  1.  6    simili    nomine    Dioois  20  in  der  Linken  den  Blitz  tragend,  zur  Darstel- 

(nicht  Diiovis  siehe  Jordan,  comm.  phil.  in  hon.  lung  bringt:   8   andere  Gottheiten  reihen  sich 

Momms.,   S.  366  ff.)    dictus    est.     Gen.   Diovis  dem  Paare  an;    s.  Mon.  ined.  9  Taf.  58  u.  59, 

auf  der   dem    6.  Jahrh.   angehörigen   Inschrift  besprochen   von  Michaelis,  ann.   d.   inst.  1873 

Iunonc Lucinai  |  Diovis  castud  facitud.  CLL.  S.  221,  vgl.  Marx,  Arch.Ztg.  43  (1885)  S.  169, 

1,  813  =  6,  357.    Garrucci,  syll.  inscr.  lat.  aev.  Eph.  epigr.   1  nr.  21,    Fabrttti,  Suppl.  1,  474, 

Born.  reip.  547.    F.  Schneider,   dial.   ital.  aev.  C.  I.  L.   14,    4105b,    Schneider  43.     Dafs    alle 

V et.  ex  sei  1,111.    Gegen  Ritschl,  op.  4  S.  519 ff.  Namen   den  Göttern  im  Nominative  beigefügt 

727  ff.  und  Mommsen,  C.  I.  L.  1  p.  561,  die,  zu  sind,  spricht  gegen  die  Ansicht  Iovos  für  einen 

Diovis coniugi  ergänzend,  castud  durch  ieiunium  andern   Kasus    als   den  Nominativ  zu  halten, 
wiedergeben,  siehe  die  richtige'  Interpretation  30  Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  7   glaubt  an  ein  Ver- 

castud  Iovis  =  sacrificium  Iovis  rel  epulum  bei  sehen,  weil  kein  anderes  Beispiel  einer  latei- 

Jordan,  Quaestiones  umbricae,  ind.  Itct.  Begim.  nischen  Stammbildung  auf  o  bei  Iuppiter  ge- 

1882/83  p.  14.     Den  Dativ  Diovei  finden  wir  funden  werde  und  aufserdem  noch  ein  zweiter 

inschriftlieh  zweimal  beglaubigt:     a)  [DJiovei  Fehler  Diama  =  Diaua  vorhanden  sei;  an  eine 

(so  richtig  Mommsen,  C  I.  L.  1,  638,  ihm  folgt  Trübung  von   Iovis   zu   deuken   ist  gleichfalls 

Schneider  105;    C.  I  L.  6,  438    Garrucci  1125  gewagt,  für  den  Genitiv  lassen  sich  Analogieen 

noch    OIOVE1)    Victore   \    T.  Aebufti]  31.  f.  beibringen  (siehe  oben),  keine  einzige  aber  für 

III   vir   [restijtuit    (am    Quirinal    gefunden).  den  Nominativ. 

Hinsichtlich  der  Zeit  denkt  Mommsen  an  den  Nominativ    Iovis:      Für   Naevius,    Accius, 
Triumvirn  T.  Aebutius  Carus,   der  a.  571  u.  c.  40  Pacuvius    bezeugt    den    Gebrauch    dieses    No- 

Kolonieen  nach  Mutina  und  Parma  führte  (Li-  minativs     Pompeius    comm.    p.   187    Keil:    le- 

vius  39,  55,8).  b)  Tampiae  (feminae  gentis  Tarn-  gimus  in  Capro  'hie  Iovis  huius  Iovis''.   Etietm 

piae,  Mommsen)  Diovei  CLL.  1,  1435  =  5.2799  Naevius  Accius  Pacuvius,    omnes  isti  utuntur 

(Pataviuni',  Schneider  106:   Garrucci  2155  hält  hoc  exemplo  (vgl.  Exe.  ex  anon.  gramm.  b.  A. 

Diovei  für  den  Genitiv.     Dat.  Diove  auf  einer  Mai,  auet.  class.  5,  151),  Priscian  1  p.  SS  Hertz: 

Weihinschrift   (6/7.  Jahrb.)    [M.  Aimjilio   M.  vetustissimi  nominedivum  epioque  Iovis  profere- 

f.  Anfio  ...{]  |  [praijtoris  pro  po[plod  \  dijti  baut.     Caecilius  und  Aerius  bei  dems.  1  p.  229: 

Diove    dedefre]    C   I.   L.    1,    188    =   6,  136,  Iovis  nominativo  quoque  casu  invenitur.     Cae- 

Schneider  104. —  Quint.  1,4,17  Diove  Victore,  non  cilius  in   epistola   'nam  novus  quidem  deus  re- 
Diovi  victori  will  beweisen,  dafs  e  für  i  stehen  50  pertus   est    Iovis';    Aerius    in    Fpinausimache 

kann.    Diovo  (C.  I.L.  14,  2863),  das  eine  alte  (trag.    frg.    373    Bibbecl;):     'lucifera    lampade 

Praenestiner  Bronze  bietet,  ist  verschieden  ge-  dbietem  exurdt  Iovis'.     Aerius  b.  Non.  325,  7, 

deutet   worden.     Mommsen,   Herrn.    19    (1884)  ilico   inquam  [ubi]  häbitat  Iovis  (wahrschein- 

S.  455  u.  Jordan,  Sgmbolae  ad  Mstoriam  reli-  liehe  Konjektur  für  handschriftlich  überliefertes 

gionum  Italicarum  alterae,  ind.  lat.  Begim.  1885  Ovis)  quam  pröpitius  [trag.  frg.  331/2  Bibbeck). 

p.  11    halten  es   für   einen    Genitiv   mit  abge-  Ennius   b.  Apul.   de    deo   Socr.  2    p.  6   Golelb 

fallenem  s,  dessen  o  durch  eine  dem  praenesti-  (frg.  79  Baehrens) ,   vgl.  Mari.  Cap.  1,  42;  die 

nisehen  Dialekt  nicht  ungewöhnliche  Trübung  Worte  der  schal.  Bernens.  ad   Verg.  Georg.   1, 

des  i  (vgl.  in   derselben  Inschrift  den  zweifei-  502     Aerius   docet:   Iuppiter  Dardanus  genuit, 
los  sicheren  Genitiv  nationu's))  entstanden  sei.  60  Dardanus  Troum   hat  Bibbcclc  (trag.  frg.  653) 

DefSau,  Herrn.  19  (1884)  S.  453  meint,  die  Mög-  in  einen  Senar  gebracht:  Iovis  Dtirdanum  pro- 

lichkeit  sei  nicht  ausgeschlossen,  dafs  hier  ein  genuit  Iroum  Dardanus.     Varro  1.  1.  8,  Ununc 

Dativ    des   o-Stammes   vorliege,    und   sieht  in  in  consuetudine  editer  dicere  pro  Iovis  Iuppiter 

der    gleichfalls    praenestinischen    Form    Iovos  kann    nicht     als    Belegstelle    gelten,    da    der 

(siehe   unten)   den    Nominativ   dazu;   indes  ist  Sinn   des  Satzes  nur  ist,    die  Analogie  würde 

Iovos  selbst  zu  unsicher,  als  dafs  sieb  weitere  einen  Nominativ  Iovis  verlangen.     Petron.  47. 

Vermutungen  darauf  stützen  Heften.    Der  Acc.  58.    Hygin.  fab.  31.  54  etc.  (vgl.  Neue  a.  a.  0. 

Diovem  findet  sieh  nur  auf  der  Cosanischen  S.  189 ä'.).    Gell.  5,  12,  5.    Apul.  Metam.  4,  32 


623        Iuppiter  (lat.  Formen:   Iovis>  Iuppiter  (falisk.  u.  oskiscke  Formen"!    624 

Eyssenhardt '■■:  quem  tremit  ipse  Iovis.  Aug.  c.  d.  S.  481;    Ioveis    {c'est    le    nominatif  faisant   le 
7,  14.  15.  16.    Epit.  Iliad.  653.     Insehriftliehe  fonclion  de  vocatif)  Bre'al,  Melanges  d'Archeölo- 
Belege:   C.  I.  L.  3,  6443.     Acta  fratr.  Areal.  gie  et  d'Histoire  de    l'eeole    etc.   1882   S.  153. 
p.  124  Benzen.   C  I.  L.  6,  371;  8,  6981.    Iovis  Pauli,  Altital.  Stud.  1  S.  7  ff.  40  beseitigt,  an 
Axur  auf  Münzen  der  gens  Vibia  [Cohen,  cons.  der  Form  Iovei  für  älteres  Diovei  an  der  Ab- 
Taf.  41,    Vib.  13.     Babelon,  descript.  des  mon-  kürzung  Sat  für  Sa(v)eturno  und  einem  Dative 
naks  de  Ja  republ.  Rom.  Paris  1S85  86,  2  S.  546  deivos  Anstofs  nehmend,  die  Götternamen  durch 
nr.  18.  Stevenson,  a  Dictionary  of  Roman  coins,  die  Trennung  io  veisat  deivos  (=  io  visat  <vi- 
London  1889,  S.  117.      Iovis    Conservator    auf  deat)  dem).  Schneidtr  19.     Dat.  Iovi  inschrift- 
einer  Münze  des  Maximianus  Hercules  (Cohen,  io  lieh    zum    erstenmal    in   der  lex  Vicana  Fur- 
Med.  imp.  5  nr.  71)  und  des  Flavius  Valerius  fensis    vom    Jahre   696    u.  c.     0.  I.  L.  1,  603 
Severus  [Cohen  5  nr.  13).  Iovis  Custos  (s.  d.)  auf  =  9,  3513,   Schneider  310.     Ioves  Norn.   plur. 
Münzen  des  Vespasian  (Cohen  1  nr.  105.  106),  Plaut.   Cas.    v.    230    humani    Ioves  =  freund- 
desTitus  (Cohen  1  nr.  44,  Stevenson  S.  486),  des  liehe  Herren.    Cic.   nat.   deor.  3,  42.    Varro  b. 
Caracalla  (Cohen  3  nr.  412),  Iovis  Propugnator  Tertull.   ad  nat.  1,  10    trecenti   Ioves   (wegen 
auf  Münzen    des  Alexander   Severus   [Cohen  4  der  Beinamen);  ders.  b.Non.  162,  Ioves  =  Iup- 
nr.  43.  265).    Iovis  Stator  auf  Münzen  Gordians  piterbilder  Arnob.  4,  14;  gen.  Ioum  Varro  1.  I. 
(Cohen  4    nr.  45 — 47.   238 — 239)    und   Galliens  8,74.    Probus  inst.  art.  4,  122  Keil:  numeri  plu- 
(Cohen  4    nr.  230 — 232).     Ob   Iovis    auf   einer  ralis:  h,i  Ioves,  horum  Iovium,  his  Iovibus,  hos 
britannischen    lamella    (C.  I.  L.  7,  12S9)    als  20  Ioves,   o  Ioves,  ah  his  Iovibus   hat  von  dem 
Nominativ    zu   betrachten   ist,   bleibt   zweifei-  vorhandenen    Nominative    Ioves    die    anderen 
haft.     Neue  S.  191  führt  Iovi'  als  Genitiv  mit  Kasus  nach  Analogie   der  i-Stämme  gebildet, 
abgefallenem  s  an,  /'.  Ennius  b.  Apul.  de  mag.  Iovispater  (Gell.  5,  12,  5)  war  in  der  Sprache 
c.  39,    indes    ist    Iovis    zu   schreiben    (frg.  529  nicht  vorhanden,  sondern  ist  nur  eine  etymo- 
Baehrens).     Iobis  im  Curiosum  itrbis  regionum  logische   Deutung   des   ßellius.     Darnach   sind 
XIV  reg.  4.  7.  10.   11     (Jordan,  Top.  2  S.  546.  die   unten    angeführten  S.iturnier   von   Bitschi 
550.    557.   558),    deo   Iobi   prestabili    (C.  I.  L.  und  Baehrens  zu  beurteilen.  Das  älteste  Beispiel 
9,    149S)     sind     auf    die    fehlerhafte     Ortho-  in  der  Litteratur  für  Iuppiter  findet  sich  in  der 
graphie     der     späteren    Kaiserzeit     zurückzu-  Andromache  des  Naevius  b.  Kon.  p.  124  quam 
lühren.      Dativ     Iovei     hat     ein    etruskischer  30  quondam  fülmine   icit  Iuppiter  u.  ibid.  p.  110 
Spiegel    mit    lateinischer    Inschrift    (älter    als  suo   sönitu   claro  fulgorivit  Iuppiter  (trag.  frg. 
das  Jahr  536  u.  c.)  C.  I.  L.  1,  56  =  14,  4097.  11.  13  Bibbeck).     Die  Inschrift  auf  der  Tabula 
Schneider   52,    andere   Litteratur    in   der   aus-  des  Quinctius  a.  374  u.  c.  (Liv.  6,  29,  9)  ' Iuppiter 
iührlichen  Besprechung  des  Spiegels  Bd.  1  Sp.  atque  divi  omnes  hoc  dederunt,  ut  T.  Quinctius 
2259,  60.  —  Lanzi,  saggio  di  liugua  Etrusca  2  dietator   oppida  novem  caperef  und  die  Naeh- 
S.  198  schöpfte  wegen  dieses  neben  den  Norm-  rieht  bei  Fest.  p.  363    Hrientem  tertium  pondo 
nativen   Iuno    und    Hercele    schwer   verstand-  coronam  auream  dedisse  se  Iovi  donum  scripsit 
liehen   Datives   Verdacht   gegen    die  Echtheit  T.   Quinctius    dietator   cum   post    novem   [dies 
der  Inschrift.     Jahn,  Ficoron.  Cista  S.  58  er-  totidem]   urbes  et  decumam  Praenette  cepisset' 
klärt,  die  Zeichnung  des  Namens  auf  der  Basis  iu  vereinigt  Baehrens    (nach    dem   Vorgang    von 
habe  Veranlassung  gegeben,    die  Inschrift  als  Eitschl,  op.  4  S.  204)  zu  einem  Weihgedicht  in 
Weihinschrift  an  Iuppiter  zu  betrachten.  Sichere  saturnischem   Versmafs   und   läfst   es   mit   den 
Dative   geben  die  Inschriften  Iovei  Leibero  S.  'Worten   Iovis  pater    (Bilschl  a.  a.  0.  Diovis- 
(Jordan,  Analeeta  epigrapihica  latina,  ind.  Itct.  piter)    beginnen   (ad    Quinctii    tabulam   p.   34"> 
Begim.  18S6/87  p.  3),    Iovei  sacrum  (auf  einem  vgl.    oben.      Den     obliquen     Kasus      der     zu- 
Altar  im  Capuaner  Gebiet    aus   dem  7.  Jahrb.  sammengesetzten  Form  Iuppiter  begegnen  wir 
CLL.  1,574  =  10,3785.  Schneide!'  303),  Iovei  nur  in  den  Büchern  der  Grammatiker:    Varro 
Capitolino  (CLL.  1,  589  =  6,  372  von  Momm-  1,1.   8,   33    Iuppitri;    Pomp.    comm.  5    p.  172 
sen  c.  a.  673  gesetzt;   Schneider  337),   Iovei  in  Keil:    nam    'hie    Iuppiter,    huius    Lippitris'' 
der  lex  Spoletina  (Bormann,  bullet,  d.  inst.  1879  so  invenimus     in    antiquis    declinatum    et    cribro 
S.  67.    Jordan,  quaestiones  umbricae,   ind.  lect.  invenimus  sed  hoc  hodie  abolevit.     p.  187  apud 
Begim,  1882/3  p.  16ff.),    in    derselben  Inschrift  antiquos   libros   invenimus  plenas  declinationes 
4  Zeilen  vorher  der  Dat.  Iove;  Iove  iutori  auf      'hie  Iuppiter,   huius  Iuppitris,  huic  Iuppitri'. 
einem   Dachziegel    mit    Reliefs    zu   Urbisaglia  Priscian  1  p.  229   Hertz:    Sic  etiam   Iuppiter, 
(Bullet,  d.  ind.  1861  S.  86;   1879  S.  44.  CLL.  Iupiteris  et  Iuppitris,  ut  Caesellio  Vindici  placet, 
9,    5531).      Der   Anfang    der   Duennosinschrift  debuit  declinari.     Tertull.  ad  nat.  1,  10  luppi- 
Iove  sat  deivos  hat  sehr  verschiedenartige  Inter-  tercs;  apol.  14  Iuppitros. 

pretation    erfahren.     Iove   Dat.   lesen  Dressel,  Faliscisch.     Iovei   auf   der  Erztafel  aus 

ann.  d.  inst.  52  S.  158fl'.,  Taf.  50;  Bücheier,  Bit.  S.    Maria    di   Fallen.      Zvetajeff ,    Lnscr.    Ltal. 

Mus.  36  (1881)    S.  235ff.;  Bing,  Altlat.   Stud.  so  med.  dialect.   70".  inscr.  Ital  inf.  dialect.  72b. 

S.  2;  nach  ihnen  ist  der  Strich  hinter  Iove  ein  C.  I.  L.  11,  3078.    Schneider  30.    Leecke,  Die 

diakritisches  Zeichen.  Iovei  Dat.  Jordan,  bullet.  Faliscer  nr.  62 b. 

d,  inst.  1881  S.  S4;   Hermes  16  (1881)   S.  225;  Oskisch.     Den   Dativ    diovei  bietet  vier- 

cindiciae  sermonis  laiini  antiquissimi,  ind.  lect.  mal    die   Tafel   von   Agnone.     Mommsen,   Die 

Begim.  1882  p.  5;    observationes  Bomanae  sub-  unteritalischen  Dialekte  S.  12S  Taf.  7.   Huschke, 

sieivae,    ind.    lect.  Begim.  1883/4  p.  9;    lovem  Die  sabellisch-oshischen  Sprachdenkmäler  S. 210. 

Acc. mit  abgefallenem  m  in  lokaler  Kraft,  gleich  Fabretti  2875.  Zvetajeff,  Süll,  inscr.   Usc.  nr.  9 

späterem  ad  lovem  OstJwff,  Bh.  Mus.  a.  a,  0.  Taf.  2,  II ID  nr.  86  A  11.  12.  B  14.  15.    Grie- 


625  Iuppiter  (marxuc,  mars.,  pic,  umbr.  F.)  Iuppiter  (b.  d.  Etruskern:   Tinia")      626 

chische  Buchstaben  zeigt  eine  zu  Vibo  in  Brut-  fassen.  Bedenken  erregt  nur  das  i  in  Iuvip, 
tium  gefundene  Weihinschrift  JlovJ-bi  J-sqooqzi  da  die  andern  8  Dative  sämtlich  e  zeigen. 
zavQofi.  Mommsen  a.  a.  0.  Taf.  12,  57.  Huschke  Etruskisch.  Nom.  tinia  Gerhard,  Etrus- 
a.  a.  0.  S.  213.  Fabretti  3034.  Zvetajeff  SIO  cischeSpie(jel(fQrtges.Y.Klügmannu.Ed'rte)nv.li 
nr.  146  Taf.  18, 11,  IIID  nr.  238  (vgl.  sivai  auf  (vgl.3S.75);  nr.75(3S.77);  nr.82(3S.  85);  nr.181 
der  tyrrhenisehen  Inschrift  von  Lemnos.  Deecke,  (3  S.  174) ;  nr.284,  1  u.2  (4  S.  12);  nr.396(5  S.  44) 
Eh.  Mus.  41  (1886)  S.  460.  —  Pauli,  Eine  vor-  =  Fdbretti  2471.2139.2470.  2500.  2478.  2471  bis. 
griechische  Inschrift  von  Lemnos  S.  34  bringt  2477.  Gerhard  nr.  282  (4  S.  10);  nr.  346(4S,91). 
es  mit  zivas  (Fabretti  2335)  in  Verbindung).  Fabretti,  Suppl.  1  nr.  395;  Suppl.  3  nr.  394  = 
Gen.  Ioveis  Lofreis,  Unterschrift  eines  ehernen  10  mon.  ined.  vol.  9  tav.  56  nr.  3  =  Etr.  Sp.  5  t.  6. 
Iuppiterkopfes  aus  dem  Frentanergebiet  (a.  15  Gamumni,  appendice  nr.  832  =  Etr.Sp.  5  t.  1 ; 
p.  C.)  Mommsen  S.  170  Taf.  7,  2.  Huschke  S.  142.  bullet,  d.  inst.  1880  S.  134;  Etr.  Sp.  5  t.  59.  98. 
Fabretti  2844.  Zvetajeff  SIO  nr.  3  Taf.  1,  2,  Nom.  tina  ist  nur  einmal  bezeugt  auf  dem 
III D  nr.  82.  Gen.  Ioveis  Meeleläieis  auf  einer  Spiegel  von  Arezzo  (Minervengeburt):  Gerhard 
pompejanischen  Steininschrift  HuschJce  S.  180.  nr.  66  (3  S.  67)  =  Fabretti  459.  Für  den  Genitiv 
Fabretti  2785.  Zvetajeff'  SIO  nr.  62  Taf.  10  u.  sind  verschiedene  Formen  überliefert:  tinas 
10a,  IIID  nr.  142.  Dat.  Iavei  Flagiui  zwei-  auf  der  Graffitoinschrift  einer  Thonschale  von 
mal  auf  einer  campanischen  Inschrift  Fabretti,  Corneto:  itun  turuce  venela  telinas  tinas  cli- 
Suppl.  3  nr.  418;  Eph.ep.  2  p.  162  nr.  13.  Zve-  nii  aras.  Fabretti,  Suppl.  3  nr.  356  Taf.  11 
tajeff  SIO  nr.  34  Taf.  6,  2  a  u.  b,  IIID  nr.  112.  20  (vgl.  S.  131)  macht  tinas  von  aras  abhängig 
Marrucinisch.  Gen.  Ioves  patres  auf  der  und  übersetzt  ara  di  Girjve;  ihm  schliefst  sich 
Erztafel  von  Rapino  (in  lateinischem  Alphabet  Pauli  an  {Etr.  Stud.  3  S.  79).  —  Corssen,  Spr.  d. 
mit  wenig  eigenen  Formen,  Dialekt  sabellisch)  Etr.  2  S.  627  hält  tinas  für  den  Nominativ 
Mommsen  S.  336ff.,  14.  HuschJce  S.  247.  Fabretti  eines  männlichen  Vornamens,  während  Deecke, 
2741.  Zvetajeff II MDnv.6Ta,i.2,2,  IIIDnr.S,ö.  Etr.  Forschg.  3  S.  336  einen  Beinamen,  wahr- 
Marsisch.  Dat.  Iove  giebt  die  Inschrift  scheinlich  verwandt  mit  dem  Familiennamen 
CDIMI  |  IOV1I  |  SACFJ  |  COSTD  |  FURT.  tinstini,  Gen.  tin(i)s  {Fabretti  1341— 55),  darin 
Mommsen  C.  I.  L.  1  ad  n.  1170.  Fabretti  erkennen  will,  vgl.  jedoch  Heft  4  S.  87  'cli- 
2742  ter,  Zvetajeff'  II MB  nr.  40  Taf.  6,  5.  niiaras  Gen.  Beiuame  Iuppiters  (?)'.  —Die  In- 
Sehneider  42  und  auf  dem  Steinfragment  im  so  schrift  einer  ehemals  im  Museo  Burgia  zu 
marruvischen  Gebiet  der  Marser  PII  VII  s  Velitrae  befindlichen  Erztafel  (Fabretti  2610 
0  TO  I  ^  |  IOVII.  I  m  OVI  IIS  TVCLI  Notiz.  Taf.  44)  hat  Pauli,  Etr.  Stud.  3  S.  85  in  fol- 
degli  scavi  1878  S.  254;  1881  S.  194.  C.  I.  L.  9,  gender  Weise  wiederhergestellt:  mi  tinas  Jcaril 
p.  349.  681.  Zvetajeff'  IIMD  nr.  38  Taf.  6,  7.  8.  siansl  =  hoc  Iovi  ..  monumentum  (tinas  ist 
Schneider  40.  [lue  =  luve:  Eph.  epigr.  8  p.  43  Genitiv,  da  nach  etruskischem  Sprachgebrauch 
nr.  174.  Hälsen,  M.  d.  Rö.  I.  1890  p.  297.  Ihm.]  die  Gottheit,  der  etwas  geweiht  wird,  im  Ge- 
Pieenisch.  Dat.  iuve  auf  einer  Bronze-  nitiv  steht).  Deecke,  Etr.  Forschg.  b  (=  Deecke- 
statue  (gefunden  in  Staffolo  bei  Osimo  (Auxi-  Pauli,  Etr.  Forschg.  u.  Stud.  2)  S.  48  stimmt 
mim)  im  nördlichen  Pieenuru):  Mommsen  S.  362.  ihm  bei  mit  der  Übersetzung  hoc  Iovi..  con- 
Huschke  S.  242  nr.  4.  Aufrtcht-Kirchhoff",  Die  io  cilium.  Die  Vermutung  Paulis,  Etr.  Stud.  1 
umbrischen  Sprachdenkmäler  2  S.  400.  Bergk,  S.  105  lar&.  lautni  tinas  Larth  der  Sklave 
Ztschr.  f.  Altertumsw.  1856  nr.  18.  Fabretti  2680.  (jetzt  'Freigelassner')  des  Tina  für  lar&.  lautni 
Deecke,  Rh.  Mus.  41  (1886)  S.  194.  ;3«'»as  hat  wenig  Wahrscheinliches.  Synkopierter 
Umbrisch.  Die  iguvinischen  Taf.  bieten  Gen.  Uns:  a)  in  der  Maglianoinschrift  (zuerst 
eine  Anzahl  von  Formen.  Dat.  iuve  krapuvi  Taf.  veröffentlicht  von  E.  Tesa,  Rivista  di  Filologia 
lk^:  Bücheier,  ^m&riea  S.l  (vgl.  d.  Text  noch  b.  10  S.  530-34;  Deecke,  Rh.  Mus.  39  (1884) 
Aufrecht-Kirchhoff  a.  a.  0.  S.  4 ff.  Huschke,  Die  S.  141;  ders.,  Etr.  Forschg.  7,  Vorwort  S.  6; 
iguv'schen  Tafeln  S.  17—40.  Fabretti,  C.I.It.  ders..  Die  etruskische  Bleiplatte  von  Magliano, 
p.XII — XVIII.  Bre'al,tables Eugubines  p. XXXIV  Buchsweiler  Gymnasi alprogr .  1885  S.  31 ;  Bugge , 
—  LXVII);vgl.lMceGr)-a6ocej'Taf.6A,22(inlatei-  öo  Etr.  Forschg.  u.  Stud.  4  S.  113,  vgl.  die  ge- 
nischer  Schrift) :  Bücheier  S.  13 ;  luve  patre  (ge-  wichtigen  Bedenken  Paulis  gegen  die  Inter- 
trenntgeschrieben)Taf.2B,  7  BüchelerS.l ;Iuve-  pretation  der  letztgenannten  Altital.  Stud.  3 
patre  (in  einem  Wort)  Taf.  2  A,  5;  2  B,  17  22.  S.  104ff).  —  b)  auf  dem  templum  vonPiaeenza 
26;  3,  22.  Bücheier  S.  4.  7.  Vok.  lupater  Taf.  reg.  I1:  Deecke,  Etr.  Frschg.  4  Taf.  1,  dazu 
■2  B,  24.  Bücheier  S.  7;  ahtu  Iuvip.  Taf.  2  A,  S.  2 8 ff.  —  Zu  tin  abgekürzt  findet  sich  der  Ge- 
10.  Huschke  S.  10.  355.  Bücheier  S.  7.  126;  nitiv  ebendaselbst  reg.  15  u.  16  (reg.  151  ti  viel- 
ahtu  luvie  Aufrecht-Kirchhoff  S.  7;  2  S.  381.  leicht  eine  weitere  Abkürzung?).  Ein  Genitiv 
Bre'al  S.LXII.  277;  die  letzteren  lesen  Iuvie,  weil  von  Tinia  ist  wohl  gleichfalls  zu  sehen  in, 
sie  p  für  ein  unvollendetes  e  halten;  gemeint  Tins  (Gamurrini,  app.  88)  und  in  tintcvü  (Weih- 
sei  eine  Gottheit,  die  in  den  Kreis  der  jovia-  60  geschenk  für  Iuppiter.  Deecke,  Etr.  Forschg. 
lischen  gehöre.  Wenn  man  mit  Huschke  und  4  S.  29;  vgl.  Pauli,  Etr.  Stud.  3  S.  114;  Alt- 
Bücheler  Iuvip  im  Texte  stehen  läfst,  so  kann  üal.  Stud.  3  S.  49).  Corssen  a.  a.  0.  2  S.  8.  16 
es  nur  als  abgekürzter  Dativ  gelten  für  luvi-  übersetzt  tinscvil  durch  opus  caelatum  (Werk 
patre,  das  wollen  auch  die  erklärenden  Worte  des  Bronzeschlägers);  doch  erscheint  obige 
Büchelers  zu  Z.  10  S.  126  besagen,  'supra  Iovi  Auffassung  gesichert  durch  die  zu  Orvieto  ge- 
patri  bove,  hoc  loco  actui  Iovi  patri  ove  fit';  fundene  Inschrift  'tinia  tinscviV  (bullet,  d.  inst. 
dann  ist  auch  Marti  in  der  korrespondierenden  1880  S.  134);  vgl.  noch  Deecke,  Etr.  Forschg.  5 
Vorschrift    (2  A ,  11)    als    Dativ    von   Mars    zu  (==  Deecke-Pauli,    Etr.   Forschg.    u.  Stud.  2) 


627      Iuppiter  (Diespiter,   Tina,   Tinia)  Inppiter  (=   Tina,   Tinia)  628 

S.  49   und  Bugge  in  Bezzenb.  Beitr.  11  (1886)  kannt.     Abgesehen    nämlich   davon,    dafs   die 

S.  19.     Mit  der   etruskischen   Benennung  Iup-  Bildung  des  Patronymikons  Tinia  in  der  etrus- 

piters   Tinia  bringt    Whiiley  Stokes,    The  in-  kischen  Sprache  ohne  Beispiel  dastehen  würde 

seription  of  Völtino  in  Bezzenb.  Beitr.  11  (1886)  (die  Analogie  des  lateinischen  Iovis-Veiovis  ist 

S.  118  TINV   auf  einer  am  Gardasee  gefunde-  in  jeder  Weise  unzutreffend),   so  sind  jugend- 

nen  Inschrift  in  Verbindung.  liehe  Darstellungen  Iuppiters,   die  Ähnlichkeit 

Diespiter.     Das  Alter   dieser  Bildung   be-  mit    denen    des   Bacchus    oder   Apollo   haben, 

zeugt    Varro  l.  I.  5,  66:    nam    olim    (Iuppiter)  durchaus  nicht  ungewöhnlich  (siehe  Iovis  Axur 

Diovis   et  Diespiter   dictus;   Priscian  1   p.  229  auf  Münzen   der  gens  Vibia,    Babelon,  monn. 

Hertz:  Diespiter  . .  .  apud  anti  quissimos  inveni-  io  de  la  republ.   Rom.  2   p.  546  nr.  18  =  Cohen, 

imts.    Noru.  Dicsptr  auf  eiuem  praenestinischen  Cons.  T.  41    Vib.  13.     Gerhard,    Etr.   Sp.  Tat". 

Spiegel  des  5.  oder  6.  Jahrb..  mon.  ined.  vol.  6  74.  81,2.  281),   es   ist  ferner  auf  einer  Anzahl 

Taf.  54,  besprochen  von  Garrucci,  ann.  d.  inst.  von  Spiegeln  und  Trinkgefäfsen,  sowie  auf  der 

1861  S.  151  ff.   Ritschi,  enarr.  tabul.  p.  98;  op.  4  Bronzeleber  von  Piacenza  der  etruskische  Name 

p.  730.    C.   I.  L.   1,    1500    p.  553  =  14,  4106.  für  Bacchus  (Dionysos,  Liber)  nämlich  fuflun(u)s 

Schneider  46.  —  Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  6  erklärt  gefunden  worden  (vgl.  Deecke  oben   s.  v.  Fu- 

die   nichtlateinische   Orthographie    durch  Ein-  ftuns).    Am  wenigsten  aber  stimmen  obige  Er- 

flufs  praenestinischer  Schreibweise.     Diespiter  klärungen   zu   der  inschriftlichen  Verwendung 

b.  Fest.  s.  v.  lapidem  p.  115.  Casus  obliqui:  Prise.  der  Namen  Tina  und  Tinia;   ersterer  existiert 

a.  a.  0.    'Diespiter''  '  Diespiteris'  et  'Diespitris'  20  überhaupt  nur  einmal  (Gerhard,  Etr.  Sp.  nr.  66 

npud    antiquissimos    invenimus.     Varro  1.1.  9,  =  Fabretti  459),  und  Tinia  wird  für  den  seepter- 

75.  77    Diespitri ,   Diespitrem    (er    erkennt  an,  tragenden  Herrscher  sowohl  wie  für  deu  epheu- 

dafs   diese  Formen  weniger  üblich   seien   wie  bekränzten    Jüngling     ohne     Unterschied    ge- 

Diespitcr).  Macrob.  Sat.  1,  15,  14  Romani  Dies-  braucht.     Nur  soviel  kann  zugegeben  werden, 

pitrem   appellant.    Arnob.  2,  70.    G.  I.  L.  11,  dafs  bei  der  Flüssigkeit  der  italischen  Gottes- 

3269  Diespitris.  Vorstellungen  gewisse  Seiten  des  Bacchus  wie 

Wenn  Deecke,  Eh.  Mus.  42  (1887)  S.  227  ff.  auch  des  Sol  und  Apollo  Aufnahme  in  den 
zespa  auf  einem  Steinfragment  von  Colonne  bei  Begriff  des  etruskischen  Tinia  gefunden  haben. 
Ugento  mit  Recht  zu  Zespa(tras)  ergänzt,  so  Das  Wesen  desselben  klar  erkannt  und  inner- 
liegt hier  der  Genitiv  einer  messapischen  Bil-  30  halb  des  theologischen  Systems  ihm  seine 
düng  vor.  Stellung  gegenüber   den  andern  Göttern  nach 

Etrusker.     Gerhard,    Über  die   Gottheiten  Möglichkeit  abgegrenzt  zu  haben,  ist  das  un- 

der    Etrusker.      Abhdlg.    der    Berl.    Al\    1845  bestrittene  Verdienst  Gerhards  und  namentlich 

S.  517  =  Ges.  akad.   Abhdlg.  1   S.  285.     Ders.,  Otfried  Müllers.    Noch  einmal  wurden  die  ge- 

JJber  etruskische  Götternamen.    Ztsehr.  f.  Alter-  sicherten   Resultate    durch    Corssen   in   Frage 

tumsios.   1847   S.  673.     Müller,    Die    Etrusker  gestellt;  vom  sprachvergleichenden  Standpunkt 

ed.   Deecke  22   S.  42.  134.  155.  169.  252.  Kocl  ausgehend,  leugnete  er  die  Gleichheit  von  Iup- 

des  Vergers ,  VEtrurie  et  les  Etrusques  1  S.  176.  piter  und  Tina  und  identificierte  den  letzteren 

285  ff.  mit  Ianus  (Spr.  d.  Etr.  2  S.  57),  wobei  er  fol- 

Es  hat  langer  Zeit  und  vieler  Kontroversen  40  gende  Entwickelungsweise  der  Form  annahm : 
bedurft,  ehe  die  Ansicht,  dafs  der  etruskische  Divanus,  Dianus,  Dienus,  Dinus  (2  S.  243  u.  319) 
Tinia  (Tina)  mit  dem  italischen  Inppiter  zu  mit  Übergang  des  d  in  t  und  Abfall  von  s 
identificieren  sei,  allgemeine  Geltung  erlangte.  i2  S.  396)  tina.  Nachdem  sich  gegen  solches 
Erschwert  waren  die  Untersuchungen  über  das  Etymologisieren,  das  auf  die  lautgesetzliche 
Wesen  dieses  Gottes  einmal  durch  die  verschie-  Entwickelung  und  die  mit  einer  einzigen  Aus- 
denen  Namensformen  Tina  und  Tinia,  sodann  nähme  gebrauchte  Bildung  Tinia  so  wenig 
durch  die  stark  von  einander  abweichenden  Rücksicht  nimmt,  Deeike  bereits  in  der  Kritik 
Darstellungen  (er  erscheint  bald  als  bärtiger  des  Corssenschen  Werkes  iS.  36)  gewendet  hatte, 
Mann  mit  Scepter  und  Blitz,  bald  ohne  Bart  erklärte  er  sich  in  der  Neuausgabe  von  Mül- 
als  Jüngling  mit  Epheu-  oder  Lorbeerkranz.  50  lers  Etruskern  mit  den  Ausführungen  dieses 
Nicht  minder  hinderlich  für  eine  richtige  Auf-  Gelehrten,  der  Ianus  allein  im  etruskischen 
fassung  war  das  geringfügige  Material  und  der  ani  erkannte,  (vgl.  die  Namen  auf  dem  templum 
Mangel  an  festen  Prinzipien  in  der  Behand-  von  Piacenza  bei  Dee cke ,  Etr.  Forschg.  4  Taf.  1 
lung  der  sprachlichen  Form.  Jene  differieren-  reg.  1 ,  dazu  S.  24ff.  und  Darstellungen  auf 
den  Punkte  suchten  Schwende,  Myth.  d.  Rom.  Münzen  Deecke  a.  a.  0.  2  ser.  9  S.  3lff.;  nr.  60 
S.  455  und  Rückert,  Troia  S.  113  in  der  Weise  S.  43),  durchaus  einverstanden,  und  die  weite- 
zu  vereinigen,  dafs  sie  Tina  dem  Iuppiter  ren  Forschungen  haben  diese  Meinung  nur  be- 
gleichsetzten und  hieraus  durch  Erweiterung  stätigt;  die  bedeutendsten  neueren  Etrusko- 
das  Deminutivum  Tinia  mit  der  Bedeutung  logen  stehen  hierin  auf  seiner  Seite.  In  der 
Sohn  des  Tina  entstehen  liefsen,  einen  Gott,  der  60  schon  erwähnten  Interpretation  der  Magliano- 
seinem  Wesen  nach  volle  Übereinstimmung  mit  inschrift  (Biiehsweiler  Progr.  1885  S.  31;  gegen 
Dionysos  zeige.  Vgl  Lanzi,  Saggio  di  lingua  diese  sowie  Bugges  [Deecke,  Etr.  Forschg.  u. 
Etrusca  2  S.  202.  Hierzu  schien  die  Stelle  b.  Stud.  4  S.  7911'.]  Interpretation  Pauli ,  Altital. 
Paul.  p.  365  'tinia  =  vasa  vinaria''  und  das  Stud.  3  S.  104ff.)  führt  Deecke  Tin(i)a  auf  alt- 
Bild  des  bacchusähnlichen  bartlosen  Tinia  treff-  italisches  deivino  (vgl.  osk.  deivin.  Fabretti, 
lieh  zu  passen;  allein  die  viel  gewichtigeren  Sitppl.  1  nr.  496)  *teivinu  —  *tinu  zurück  und 
Gründe,  die  gegen  solche  Deutung  sprachen,  vergleicht  altlateinisches  deivinus  —  deinus  — 
wurden  übersehen  oder  waren  noch  nicht  be-  dinus  i,siehe  auch  Jordan,  Herrn.  16  (1881)  S.  246 


629               Iuppiter  (Tina,  Tinia)  Iuppiter  (Tina,  Tinia)              630 

und  guaestiones  Urnbricae, ind.  lecl.XLegim.  1882/3  Vogelfluges,  erstere  nach  Süden,  letztere  nach 
p.  19).  —  Bugge  (Bexzenbergers  Beitr.  11  (1886)  Osten  orientiert).  Die  Etrusker  hatten  eine 
S.  19)  erklärt  Tinia  entweder  als  Weiterbildung  augurale  Einteilung  in  16  Bezirke  (Plin.  n.h. 
vom  Stamme  div  mit  Suffix  nia,  na  oder  vom  2,  143.  Serv.  ad  Aen.  8,  427.  Mart.  Cap.  1, 
Acc.  tin  =  gr.  Jia,  kret.  Jrjv  (Curt.,  Etym.b  45 — 61;  vgl.  Acro  ad  Hör.  c.  1,  12,  18).  Die  litte- 
S.  620).  Wie  in  Ianus  der  Himmel  als  Bogen,  rarischen  Nachrichten  (die  Angaben  Martiam 
Gewölbesich  verkörpert  (ianus  gewölbter  Durch-  von  Nissen  a.  a.  0.  S.  184  ff',  [vgl.  Wissowa, 
gang,  s.  jedoch  ob.  Sp.  49\  so  ist  Iuppiter  die  Hermes  22  [1887]  S.  55]  auf  Rom  bezogen, 
Personifikation  des  Himmels  als  der  Quelle  des  von  Schmeißer  a.  a.  0.  als  späte  Erfindung  ver- 
Lichtes,  der  strahlenden  Helle;  darum  war  die  10  worfen,  von  Müller  für  einen  Rest  echt  etrus- 
Mitte  des  Monats,  das  volle  Licht  ihm  heilig;  kischer  Lehre  aus  den  Fulguralbüchern  erklärt) 
für  lat.  Idus  gebrauchten  die  Tusker  itus  (Varr.  haben  eine  interessante  Bestätigung  erhalten 
l.  I.  6,  59)  oder  üis  (Macrob.  Sat.  1,  15,  14);  durch  den  Fund  der  bekannten  als  templum 
die  Erklärung  des  letzteren,  es  bedeute  Iovis  eingerichteten  Bronzeleber  von  Piacenza  (Fund- 
fiducin,  weil  an  diesem  Tage  Iuppiter  bei  Tag  bericht  von  G.  A.  Tononi  (lo  Spcttatore ,  Oa- 
und  Nacht  Licht  spende,  ist  natürlich  nicht  setta  di  Lombardia.  Milano  1879,  8 — 9  Gennaio, 
richtig  (Corssen,  Ausspr.  1"  S.  683  führt  idus  Annoönr.  651),  zuerst  veröffentlicht  von  V.  Poggi 
alt  eidus  auf  die  indogermanische  Wurzel  'id'  (Atti  e  Memorie  delle  deputasiwii  di  storia  pa- 
breunen,  leuchten  zurück,  vgl.  Vanicek,  Lat.  tria  delV  Emilia.  Nuove  Serie  vol.  4,  Modena, 
Etym.  p.  23  Bücheier,  Uli.  Mus.  34  (1889)  20  Vincenzi  1878),  ausführlich  besprochen  von 
S.  327  ff.),  läfst  aber  doch  zur  Genüge  er-  Deecke,  Etr.  Forschg.  4,  beigefügt  sind  5  Ta- 
kennen,  dafs  jener  Tag,  die  Zeit  des  Voll-  fein  mit  Abbildungen,  einzelne  Bemerkungen 
mondes,  dem  Iuppiter  geheiligt  war.  Dafs  auch  bei  Bing,  Altlatein.  Stnd.  S.  122  ff,  s.  Sp.  626,  48). 
die  Römer,  die  ihren  Kalender  wahrscheinlich  Die  Bronze  stammt  nach  Deecke  a.  a.  0.  S  22 
von  den  Etruskern  entlehnten,  die  Idus  dem  wegen  der  abgerundeten  Buchstabenformen  und 
Iuppiter  geweiht  hatten  (siehe  unten),  recht-  der  entwickelten  Mythologie  aus  den  letzten 
fertigt  jene  Vermutung.  Das  Wesen  des  Licht-  Jahren  der  Republik  oder  dem  Beginne  der 
gottes  offenbart  er  am  reinsten  im  Schleudern  Kaiserzeit.  Die  Übereinstimmung  ihrer  An- 
der flammenden  Blitze;  treten  ohnehin  in  Ita-  gaben  mit  dem  ausführlichen  Bericht  bei  Mar- 
lien  die  Gewitter  weit  heftiger  und  stärker  30  tiau  unterstützt  die  Ansicht  Müllers,  dafs  wir 
auf  als  bei  uns  (Nissen,  Italische  Landeskunde  hier  ein  Stück  der  in  den  libri  fulgurales  (Cic. 
1  S.  392),  so  ist  gerade  Etrurien  besonders  reich  de  div.  1,  72.  Serv.  ad  Aen.  1,  42.  Plin.  n.  h. 
an  außerordentlichen  Erscheinungen  des  Hirn-  2,  138)  niedergelegten  echt  etruskischen  Lehre 
rnels;  nirgends  wurde  der  Beobachtung  der  von  der  Einteilung  des  Himmelsgewölbes  vor 
Blitze  eine  so  abergläubische  Sorgfalt  gewidmet  uns  haben,  wenn  auch  zugegeben  werden  mufs, 
als  in  jenem  Lande.  Die  Deutung,  Beschwörung  dafs  die  ursprüngliche  Reinheit  derselben,  auf 
und  Sühne  der  Blitze  bildet  einen  äufserst  der  Bronze  bereits  getrübt,  bis  zu  den  Zeiten 
wichtigen  Teil  der  von  Varro  als  recondita  et  Martians  noch  weitere  Entstellungen  erfahren 
abstrusa  bezeichneten  Disziplin  der  Etrusker.  hat.  Widerlegt  wird  durch  den  Fund  die 
Der  Blitz  ist  gewissermafsen  die  Sprache  lup-  40  Meinung  Nissens,  dafs  die  Bezirke  gleich  grofs 
piters,  in  der  er  seinen  unabänderlichen  Willen  seien  und  radienförmig  bis  zum  Mittelpunkte 
verkündigt,  und  in  der  Kunst  sein  ständiges  liefen.  Iuppiter  spielt  in  der  ars  fulguritorum 
Attribut;  er  mahnt  und  warnt  damit,  billigt  die  Hauptrolle,  er  ist  der  mächtigste  und  gc- 
oder  tadelt,  gewährt  oder  versagt.  Die  Aufgabe  fürchtetste  unter  den  Insassen  der  16  Regionen, 
der  Fulguratoren  war  es,  nach  gewissen  Ge-  Zwar  ist  der  Gebrauch  des  Blitzes  nicht  wie 
sichtspunkten  (Farbe,  Wirkung,  Himmelsrich-  beim  griechischen  Zeus  sein  ausschließliches 
tung  [woher,  wohin?],  Jahreszeit)  die  Blitze  zu  Recht  (Plin.  n.  h.  2,  238  spricht  von  9  blitz- 
prüfen und  zu  deuten  und  sie  nach  dem  zu  schleudernden  Gottheiten,  aufser  Iuppiter  sind 
erwartenden  Erfolge  in  bestimmte  Klassen  ein-  noch  bekannt  Iuuo,  Minerva,  Veiovis,  Summanus, 
zureihen;  zu  ihren  weiteren  Obliegenheiten  ge-  50  Vulcanus,  Saturnus,  Mars;  vgl.  Müller  2-S.  86; 
hörte  die  Sühnung  derselben,  das  Abhalten  Manilius  bei  Amob.  3,  38  novensiles  putat ..  . 
oder  Herabziehen  (vgl.  darüber  Müller,  Etr.  deos  novem  Manilius,  quibus  svlis  Iuppiter 
2 s  S.  166ff.);  Weissagung  aus  dem  Donner  potestatem  iaciendi  sui  permiscrit  fulminis 
allein  (Lyd.  de  ost.  c.  27.  39)  ist  spätere  zeigt  die  griechische  Auffassung),  aber  seine 
Fälschung  (Müller  a.  a.  0.  22  S.  177).  bevorzugte  Stellung  gegenüber  den  anderen 
Die  Hauptbedingung  für  die  Beobachtung  Göttern  tritt  in  mehrfacher  Beziehung  hervor, 
der  himmlischen  Zeichen  wardieEinrichtungdes  Zunächst  war  er  nicht  beschränkt  auf  einzelne 
templum  (grundlegende  Arbeit  Nissen,  Das  Begionen,  seine  Wohnung  lief  durch  alle  Be- 
templum  1869,  abweichende  Ansichten  Deeckcs,  zirke  (Mart.  1,  47  in  seeundo  ibidem  mansi- 
der  templum  als  gemeinsames  Besitztum  der  60  tabant  praeter  domum  Iovis,  quae  ibi  cjuoque 
italischen  Stämme  mit  dem  ursprünglichen  Be-  sublimis  est,  ut  est  in  Omnibus),  aus  allen 
griff  der  Begrenzung  nicht  anerkennt  und  mit  Teilen  des  Himmels  schlendert  er  die  Blitze 
0.  Muller  an  der  Orientierung  nach  Süden  fest-  (Serv.  ad  Aen.  8,  427  fulmina  Iuppiter  iacit 
hält  in  Müllers  Etruskern  22  S.  130ft';  T.  Be-  toto  caelo,  hoc  est  de  diversis  partibus  caeli  sci- 
gell,  Jahrb.  f.  Pliilol.  u.  Pädag.  123  [1881]  licet  sedeeim).  aufserdem  waren  ihm  im  Norden 
S.  593  ff.  unterscheidet  zwischen  den  für  3  Hauptsitze  eingeräumt  nach  der  Bronzeleber, 
Blitzschau  bestimmten  templa  in  caelo  und  der  wir  als  der  altern  und  bessern  Quelle 
den    templa   in    terra    zur    Beobachtung    des  folgen,  nr.  15.  16.  1  (Deecke,  Etr.  Forschg.  i 


631  Iuppiter   (,=  Tina,   Tinia"!  Iuppiter   (Tina,  Tinia)  632 

Tf.  1  reg.  15.  16.  1).  Martian  a.  a.  0.  und  auf  die  Produkte  der  Erde.  Von  der  Verehrung 
Acro  ad  Hör.  c.  1,  12,  18  geben  reg.  1.  2.  3.  eines  das  Wachstum  der  Pflanzen,  speziell  des 
Die  Blitze  Iuppiters  waren  durch  besondere  Weines,  fördernden  Gottes  giebt  uns  vielleicht 
Farbe  gekennzeichnet  (Acro  ad  Hör.  c.  1,  2,  2  die  Nachricht  des  Plinius  («.  7).  14,  2)  von 
nennt  sie  rubeae  et  sanguineae,  die  andern  dem  alten  aus  einer  Weinrebe  geschnitzten 
albae  et  nigrae).  Während  ferner  die  übrigen  Holzbilde  Iuppiters  zu  Populonia  eine  dürftige 
Götter  nur  eine  Art  von  Blitzen  entsenden  Kunde  (vgl.  die  dionysischen  Darstellungen  auf 
konnten,  standen  dem  Iuppiter  3  manubiae  etruskischen  Spiegeln  und  das  Fest  der  Vinalia 
(dies  der  termimis  der  Fulguratoren)  zur  Ver-  zu  Rom).  Es  war  natürlich,  dafs  man  in  dem 
lügung  (Sen.  q.  n.  2,  41  tres  Uli  (Ion')  manu-  10  höchsten  und  mächtigsten  der  in  der  Natur 
bias  dant;  Hauptstelle:  Plin.  n.  h.  2,  138  Tu-  waltenden  Götter  (vgl.  Sen.  q.  n.  2,  45  idem 
scorum  literae  novem  deos  emittere  fulmina  exi-  [Iovem  esse  rectorem  custodemque  universij 
stimant  eaque  esse  undecim  generum,  Iovem  Etruscis  quoque  Visum  est  et  ideo  fulmina  a 
enim  trina  iaculari;  vgl.  Sero,  ad  Aen.  1,  42,  Iore  mitti  dixerunt,  quia  sine  illo  nil  geritur) 
wo  wahrscheinlich  mit  Müller  [2S  S.  86]  nicht  auch  den  obersten  Leiter  der  menschlichen 
XII  sondern  XI  genera  fulminum  zu  schreiben  Geschicke,  insbesondere  den  Lenker  aller  staat- 
ist. Fest.  p.  129  s.v.  Manubiae.  Mart.  9,  896).  liehen  Ordnung  erkannte,  und  diese  abstrakt 
Über  die  Verwendung  der  dreierlei  Blitze  (vgl.  politische  Auffassung  hat  sich  bei  den  Tuskern 
Schmeifser ,  comment.  in  hon.  Beifferscheidii  in  sehr  früher  Zeit  entwickelt.  Für  jede  Stadt, 
p.  29  sq.)  hat  uns  Sen.  q.  n.  2,  40.  41,  der  aus  20  die  als  solche  gelten  wollte,  war  der  Bau  eines 
dem  Werke  de  Etrusca  diseiplina  des  Vola-  Iuppitertempels  unerläfsliche  Bedingung  (Sen. 
terraners  Caecina,  eines  Zeitgenossen  von  Cicero,  ad  Aen.  1,  422  quoniam  prudentes  Etruscae 
schöpft,  ein  schätzbares  Fragment  erhalten;  diseiplinae  ahmt  apud  conditores  Etruscarum 
darnach  entsendet  Iuppiter  die  ersten  ohne  urbium  non  putatos  iustas  wbes  fuisse,  in  qui- 
fremden  Beirat,  sie  gehören  dem  genus  subtile  bus  non  tres  portae  essent  dedicatae  et  votivae 
et  Üammcum  an,  schädigen  nicht,  sondern  ü  tot  templa  Iovis,  Iunonis,  Minervae).  In 
dienen  nur  zur  Erinnerung.  Die  zweite  Art  allen  Städten  Etruriens  also  krönte  den  Burg- 
(genus,  quod  dissipat  conglobatum  est  et  habet  hügel  (s.  Yitr.  1,  7,  1  u.  vgl.  4,  8,  7)  ein  Tempel 
admixtam  vim  Spiritus  coacti  ac  procellosi,  Iuppiters  mit  seinen  ovvvaoi  der  Iuno  zur 
rumpit  non  perforat)  bringt  zuweilen  noch  30  Linken,  der  Minerva  zur  Rechten,  die  Giebel- 
etwas Gutes,  doch  nicht  ohne  Schaden  zuzu-  leider  waren  tuscanico  more  geschmückt  mit 
fügen.  Iuppiter  darf  sie  nur  entsenden,  nach-  Statuen  aus  Erz  und  Thon  (Vitr.  8, 3,  5) ;  von  hier 
dem  er  mit  den  12  dii  consentes  (auch  com-  aus  drang  unter  den  Tarquiniern  der  Kult  der 
plices  genannt)  sich  beraten  hat  (vgl.  aul'ser  capitolinischen  Trias  nach  Rom  und  eroberte 
Sen.  a.  a.  0.  noch  Fest.  s.  v.  manubiae  p.  129  dann  die  ganze  Welt.  Die  Interpretation  von 
' consilio  deorum'  und  Aug.  c.  d.  4,  23),  sie  Kidifeldt,  de  cnpitoliis  imperii  Romani,  Berlin 
beziehen  sich  auf  minder  wichtige  Angelegen-  1883  p.  80:  (Serviles)  nil  aliud  affirmat  nisi 
heiten.  Die  dritte  Art  (igneum  magis  quam  tribus  summis  deis  templa  aedificata  esse  unum 
flammeum)  war  die  furchtbarste,  sie  zündeten  loci,  unum  Iunoni,  unum  Minervae  ist  nicht 
und  entstellten  auf  jede  Weise;  ehe  Iuppiter  40  notwendig.  Mit  Recht  hat  er  allerdings  darauf 
die  verheerende  Änderung  eines  Znstandes  ver-  hingewiesen  (p.  82),  dafs  die  Verehrung  der 
kündete,  befragte  er  die  namenlosen  geheim-  Göttertrias  aus  Griechenland  stammt,  aber 
nisvollen  Wesen,  die  Seneca  a.  a.  0.  als  dii  daraus,  dafs  die  Dreizahl  nicht  tuskischen  Ur- 
superiores  et  involuti  bezeichnet  (bei  Arnvb.  3,  sprungs  ist,  folgt  noch  nicht,  dafs  sie  in 
40  scheint  eine  Verwechselung  der  dii  consentes  Etrurien  überhaupt  nicht  vorhanden  war; 
et  involuti  vorzuliegen,  auch  sind  etruskische  denn  eher  als  in  Rom  hat  sich  bei  den 
und  römische  Vorstellungen  nicht  unterschie-  Etruskern  der  griechische  Einflufs  geltend  ge- 
den).  Als  regenspendender  Gott  wurde  Iuppiter  macht,  die  ja  im  6.  vorchristlichen  Jahr- 
beim  aquaelicium  (s.  das  Wort  bei  Fest.  p.  2)  hundert,  über  Latium  hinaus  nach  Campanien 
angerufen  und  seine  Gnade  mit  Opfern  erfleht  so  vordringend,  direkte  Nachbarn  der  hellenischen 
(Tcrtull.  apol.  c.  40)  Dafs  der  Brauch,  durch  Städte  wurden  und  vorher  schon  durch  ihre 
das  'verrere  manales  lapides'  an  den  Grenz-  Handelsinteressen  in  mannigfache  Berührung 
rainen  Regen  herbeizuzaubern  zur  etruskischen  zu  ihnen  getreten  waren.  Die  eminent  poli- 
Disziplin  gehörte,  bezeugt  Labeo  bei  Fulgeu-  tische  Bedeutung  als  Vertreter  der  Staats- 
tius  exp.  serm.  antig.  s.  v.  manales  p.  388  G.  idee  und  höchstes  Oberhaupt  des  Staates 
Labeo  qui  disciplitias  Etruscas  Tagetis  et  JBa-  gewann  der  capitolinische  Iuppiter  freilich 
eidis,  quintlcciin  voluminibus  explanaoit  ita  ait:  erst  bei  den  Römern.  Über  die  Einzelheiten 
fibrae  iecoris  sandaracei  coloris  dum  fuerint  der  Verehrung  in  Etrurien  selbst  fehlen  uns 
manales  tunc  verrere  opus  est  j)etras  etc.,  (über  zwar  ausführliche  Angaben  der  Alten,  indessen 
Tages  s.  unten).  Jedoch  vgl.  Lei  seh,  Fulgen-  tio  sei  hier  auf  den  Abschnitt  über  den  capitoli- 
tius  de  abstrusis  sermonibus  (1844)  p.  30  ff.  nischen  Iuppiterkult  verwiesen,  der,  wenn  auch 
Auch  zu  Rom,  wo  der  lapis  manalis  beim  fremde  Religionen  nicht  ohne  Einflufs  auf  ihn 
Tempel  des  Mars  vor  der  Porta  Capena  lag  geblieben  sind,  doch  in  seinen  Hauptzügen  die 
(Fest.  s.  v.  Manalem  p.  128,  Xo>i.  s.  v.  trulleum  charakteristischen  Merkmale  seiner  Heimat 
p.  547),  wurde  die  Feierlichkeit  durch  tuskische  treu  bewahrte  und  manchen  interessanten  Rück- 
aquilices  vorgenommen  ( Vurro  b  Non.s.v.aqui-  blick  gestattet.  Die  Beschreibung  eines  toska- 
le.e  p.  69),  vgl.  darüber  Malier  28  S.  184.  318.  nischen  Tempels  bei  Vitr.  4,  7,  1  pafst  genau 
Sonnenstrahlen  und  Regen  wirken  befruchtend  zu     der    Anlage     und    Einrichtung     des     von 


G33              Tnppiter  (Tina,  Tinia)  Iuppiter   (b.  d.  Umbrern")              634 

etruskischen  Künstlern  erbauten  Göttersitzes  Die  Gleichsetzung  Gerhards  (Ztschr.  f.  Alter- 
auf  dem  Capitol  (Litteratur  über  toskanischen  tunmcs.  1847  p.  673  ff.)  von  dem  etruskischen 
Tempelbau  bei  Müller,  Etr.  22  S.  231  ff.).  Von  Penaten  Pales  (Ärnob.  3,  40.  Mart.  Cap.  1,  50) 
den  Tuskern  hatte  Rom  die  Sitte  entlehnt,  seine  mit  Terminus,  der  unter  dem  Phallussyrnbo)  auf 
Obrigkeiten  auch  äufserlich  mit  einem  Schein  Grenz-  und  Grabsäulen  mit  etruskischer  Schrift 
von  Hoheit  zu  umgeben  (Sali.  Cat.  51.  3S;  sich  zeige,  mufs  als  sprachlich  ungerechtfertigte 
andere  Nachrichten  hei  Müller  1-  S.  344).  Die  Spielerei  (Pales -Phallus)  zurückgewiesen  wer- 
Abzeichen  der  Majestät  und  Macht  des  himm-  den  (vgl.  Jordan,  Top.  1,  1  S.  182.  Prellcr,  R. 
lischen  Herrsehers  wurden  auf  die  Gebietenden  M.  1  S.  415).  Zum  Schlufs  braucht  nur  kurz 
der  Erde  übertragen:  so  wurden  die  höchsten  10  auf  die  Bedeutung  Iuppiters  als  „des  ewig 
Magistrate  der  Etrusker  mit  den  Gewändern  unerschöpflichen  Lebensgebers  für  die  wandel- 
Iuppiters  bekleidet,  mit  der  tunica  palmata  baren  Geschlechter  der  Menschen"  aufmerksam 
und  toga  picta  (Macrob.  Sat.  1,  6,  7  togam  gemacht  zu  weiden  (vgl.  die  Genienlehre).  Die 
pictam  atque  praetextam  quae  insignia  magi-  Tusker  hatten  diese  Lehre  nicht  von  aufsen 
stratuum  Etruscorum  erant.  Serv.  ad  Ecl.  10,  erhalten,  denn  der  echt  etruskische  Tages,  der 
27  unde  etiam  triunvphantes  habent  omnia  in-  Sohn  eines  genius  Iovis,  also  Enkel  Iuppiters, 
signia  Iovis,  sceptrum,  palmatam,  togam;  vgl.  gilt  als  Urheber  derselben  (Fest.  s.  v.  Tages 
Flor.  1,  5,  5.  luv.  10,  38);  sie  führten  das  p.  359,  eine  Abbildung  desselben  bei  Gerhard, 
elfenbeinerne  Scepter  mit  dem  Adler  an  der  Etr.  Sp.  Taf.  165).  Es  ist  absichtlich  unterlassen 
Spitze  (Dion.  3,  61.  Verg.  Aen.  8,  505.  Sil.  It(ü.  80  worden,  an  dieser  Stelle  die  Darstellungen 
10,  41,  vgl.  die  Bronzemünze  des  Commodus  Iuppiters  auf  Münzen  und  in  der  Kunst  zur 
bei  Fröhner,  Medaill.  de  l'emp.  Rom.  p.  132)  Betrachtung  heranzuziehen,  um  allein  von  den 
und  thronten  auf  der  sella  curulis  (Liv.  1,  8,  3.  Nachrichten  über  deu  Kult  und  Ceremonieen- 
Dion.  3,  61.  Diod.  5,  40.  iS'j7.  8,  484.  Macrob.  dienst  ausgehen  zu  können,  der,  in  sehr  früher 
Sat.  1,  6,  7).  Die  angeführten  Gewänder  und  Zeit  ausgebildet  und  festgestellt,  dem  Ein- 
Zierden gehören  gleichfalls  zur  Tracht  des  dringen  fremder  Elemente  weit  stärkeren  Wi- 
siegreichen  Feldherrn  (Strabo  5,  22.  Flor.  1,  derstand  geleistet  hat,  als  die  unklare  An- 
5,  5.  luv.  u.  Serv.  a.  a.  0.),  hierzu  kam  noch  schauung  von  der  Individualität  der  einzelnen 
die  Corona  Etrusca,  die  von  einem  Sklaven  Götter.  Ob  die  Etrusker  vor  der  Berührung 
über  dem  Haupte  des  Triumphators  festge-  ao  mit  den  Griechen  die  symbolische  Verehrung 
halten  wurde  (Dion.  3,  61  ff.  Plin.  n.  li.  21,  6;  bereits  aufgegeben  und  die  religiösen  Vorstel- 
33,11.  Tertull.  de  coron.  13),  und  das  Bestreichen  lungen  zu  bestimmten  Persönlichkeiten  kry- 
des  Gesichtes  oder  ganzen  Körpers  mit  Men-  stalliert  hatten,  oder  ob  sie  erst  den  Hellenen 
nig  (Plin.  n.  h.  33,  111.  Serv.  ad  Ecl.  6,  22);  die  bildliche  Darstellung  ihrer  Götterwelt  ver- 
vgl.  hierzu  die  Triumphzüge  auf  etruskischen  dankten,  läfst  sich  mit  Sicherheit  nicht  ent- 
Alabasterurnen  von  Volaterrae  (Gori,  M.  E.  scheiden,  das  aber  steht  fest,  dafs  schon  die 
T.  1  Taf.  179,  Dennis,  Etruria  2  p.  436.  ältesten  uns  erhaltenen  Abbildungen  unver- 
485  ff.  600).  Unter  den  Geschenken  des  rö-  kennbar  auf  griechische  Muster  zurückgehen, 
mischen  Senates  an  den  Sieger  Porsena  befand  Tinia  ist  von  den  etruskischen  Künstlern  in 
sich  ein  elfenbeinener  Stuhl,  Scepter,  goldner  40  Kostüm  und  Attributen  völlig  mit  dem  grie- 
Kranz  und  Triumphkleid  (Dion.  5,  35).  Es  chischen  Zeus  identifiziert  worden  Auf  Münzen 
entspricht  vollkommen  den  Anschauungen  einer  ist  das  Bild  des  höchsten  Gottes  nicht  selten, 
ursprünglich  auf  den  Ackerbau  angewiesenen  Deecke,  Etr.  Forschg.  2  Münztabellen  S.  9 
Bevölkerung,  wenn  sie  den  höchsten  Herrscher  nr.  5  a.  b,  vgl.  Müller,  Etrusker  l2  S.  385 
selbst  bei  der  Landesteilung,  bei  der  Abgren-  (500 — 450  a.  Chr.);  S.  52  nr.  77  b.  C;  S.  53 
zung  des  Gemeinde-  und  Privatbesitzes  sich  nr.  80  a  — c  (p.  a.  200);  nicht  ganz  sicher  ist 
thätig  dachte,  schwere  Strafen  über  die  Frevler  es,  ob  folgende  Münzen  einen  luppiterkopf 
am  Eigentumsrechte  verhängend,  vgl.  Vegoia  zeigen:  S.  17  nr.  23  (4u0 — 269;;  S.  15  nr.  17  a.  c 
b.  Goes,  grom.  vett.  p.  349  ff.  Lachmann:  cum  d.  g.  h.  k.  1.  m  (269 — -200;  bei  Müller,  Etrusker 
autein  ttrram  Etruriae  Iuppiter  sibi  vindieavit,  50  l2  S.  404  werden  sie  in  die  4.  Periode  gesetzt, 
constituit  iussitque  metiri  eampos  significarique  d.  i.  zwischen  400—269);  S.  15  nr.  17  b.  e.  f.  i 
ugros  etc.  wie  in  dem  liber  terrae  ruris  (iuris  (269 — 200;;  S  .44  nr.  61.  62  (p.  a.  200;  letztere 
cod.  Cass.)  Etruriae  des  Tages  zu  lesen   war  sehr  unsicher). 

(vgl.  Nissen,  Das   ttmplum  S.  10,   doch   siehe  Umbrer.      Ältere    Litteratur    bei    lepsius 

Prellet;  Römische  Mythologie  1  S.  256  u.  A.  1).  de   tabulis  Eugubinis.     Berl.  Diss.    1833.     Die 

Durch   das   Setzen   der  unverrückbaren  Mark-  Citate  beziehen  sich  noch  auf  folgende  Werke: 

steine  beseitigte  er  jeden  Aulafs  zu  Streit  und  Aufrecht-Kirchlioff]  Die  umbrischen  Sprachdenk- 

Zank  und  wurde  ein  Hüter  und  Schirmer  des  mäler   1849.     Huschke,   Die   iguvischen  Tafeln 

friedlichen  Grenzverkehres.     Wenn  aber  diese  1859.     Gorssen,  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprachforschg. 

Seite    seiner  Thätigkeit  sich  im   Bewufstsein  eo  9  S.  133  ff.     Breäl,  tables  Eugubines  (Biblioth. 

der  Etrusker  nie  so  stark  entwickelte,  dafs  sie,  de  l'ecole  etc.  1875).     Bücheier,   Umbrica  1883. 

aus    dem    Begriffsumtange    Iuppiters    heraus-  Aus  der  lex  Spolctina  (im  lateinischen  Al- 

tretend,  zu  einer  selbständigen  Gottheit  wurde,  phabet,  zuerst  veröffentlicht  von  E.  Bormann, 

wie  der  Terminus  in  Rom  (es  hat  sich  wenigstens  bullet,  d.  inst.  1879  S.  67  und  Misceil.  Capitol. 

bisher  kein  besonderer  etruskischer  Name  ge-  z.  öujähr.  Jubil.  d.  arch.  Inst,   zu   Rum   S.  5. 

fanden),  so  mag  der  Grund  hierzu  darin  liegen,  Fiorelli,  Notiz,  degli  seavi  IST d  S.  30.   Bücheier, 

dafs  frühzeitig  die  Bewohner  sich  vom  Acker-  Rh.  Mus.   35   (1880)  S.  627.     Breal,  man.  soc. 

bau   zum  Handel  und   zur   Seefahrt  wandten,  lingu.  1881   S.  403.     Jordan,  quaestiones  Um- 


635            Iuppiter  (b.  d.  Umbrern)  Iuppiter   (b.  d.  Umbrern)           636 

bricae,  ind.  lect.  Regim.  1882  3  p.  16)  scheint  die  höchste  Stellung  ein;  er  gehört  zu  den  dii 
hervorzugehen,  dafs  Iuppiter  in  eiuem  Haine  Grabovii  (die  verschiedenen  Mutrnafsungen  über 
bei  Spoletium  seit  alten  Zeiten  verehrt  wurde.  den  Sinn  des  Wortes  siehe  s.  v.  Grabovius  Bd.  1 
Da  nämlich  nach  den  Bestimmungen  der  In-  Sp.  1728,  den  dort  angegebenen  Erklärungen  ist 
schritt  (vgl.  dazu  Varro  1.  1.  6,  30  u.  Macrob.  noch  die  Ansicht  Rüchelers  p.  52  beizufügen: 
Seit.  1,  16, 10")  die  Sühnemittel  für  eine  Scbädi-  Graboviis  diis  operantur ,  quos  eam  ob  causam 
gung  des  Haines  dem  Iuppiter  dargebracht  ommunem  quandam  cum  moenibus  originem 
werden  mufsten,  so  ist  es  höchst  wahrschein-  habere  suspiceris  ygaßciv:  ßv&gov  Hesychius). 
lieh,  dafs  derselbe  ihm  geheiligt  war.  Die  Da  derselbe  Name  auch  dem  Mars  (tab.  1  a.  11 
Existenz  eines  Iuppiter  Clitumnus  (=  divus  10  =  6b.  1)  und  Vofionus  (1  a.  20  =  6  b.  19)  bei- 
pater  Clitumnus  Preller  1  S.  57,  dagegen  gelegt  wird,  so  mufs  der  Begriffsiuhalt  für  alle 
Meifferscheid,  ann.d.inst.  1866  S.  216)  ist  durch  drei  passen  und  jede  Interpretation  ist  falsch, 
Vibhts  Sequester  de  fluni,  p.  148  Riese  (Clitumnus  die  ihm  eine  nur  dem  Wesen  des  Iuppiter 
Umbriae,  ubi  Iuppiter  eodem  nomine  est)  nur  entsprechende  Deutung  giebt.  Als  deus  Gra- 
unsicher  bezeugt  (Jordanbe\Prellcr2S.  140  A. 3).  bovius  weiden  letzterem  vor  der  porta  Tre- 
Unser  sonstiges  Wissen  von  den  religiösen  blana  (abgeleitet  von  der  Göttin  Treba  Iovia 
Anschauungen  und  gottesdienstlichen  Formen  bei  Huschke  S.  104,  richtig  von  einer  Stadt  Tre- 
der  Umbrer  beruht  fast  ausschliefslich  auf  den  bula  b.  Breal  S.  58,  Rächeier  p.  52;  vielleicht 
1444  gefundenen  7  Erztafeln  von  Iguvium;  im  Norden  befindlich,  wo  nach  der  auguralen 
nach  dem  Fundbericht  Conciolis  (Statuta  civi-  20  Einteilung  der  Sitz  Iuppiters  war)  3  Stiere 
tatis  Eugubii-Maceratae  1673),  dem  Aufrecht-  geopfert  (tab.  1  a.  3  =  6  a.  22),  und  seine  Gnade 
Kirchhoff'  S.  2  und  Breal  S.  209  introd.  2.  8.  wird  angefleht  pro  arce  Fisia  (Burghügel  der 
Glauben  schenken,  wurden  sie  apud  theatrum  Stadt),  pro  urbe  Igucina,  pro  arcis  nomine, 
hoc  est  in  planitie  ubi  antiquitus  sedebat  Eu-  pro  urbis  nomine  (6  a.  23  ff.).  Dem  Brauche, 
gitbium  entdeckt;  ob  sie  einem  Tempel  Iup-  die  Opfer  vor  den  Thoren  darzubringen, 
piters  angehören,  läfst  sich  beim  Fehlen  son-  liegt  wohl  die  Anschauung  zu  Grunde,  dafs 
xtiger  Nachrichten  nicht  bestimmen.  Gegen  der  Empfänger  seine  Macht  nach  aufsen  be- 
die  Mitteilungen  Üunciolis  wendet  sich  Passeri  thätigen  und  die  Stadt  vor  äufseren  Fein- 
in  Tit.  Dempsteri  libr.  de  Etrur.  reg.  Paralip.  den  bewahren  solle  (Corssen  a.  a.  O.).  Wir 
Luc.  1767  p.  241  ff.  mit  der  Behauptung,  jene  30  haben  also  hier  vielleicht  eine  gemeinde- 
Urkunden  seien  etwa  7000  Schritt  vom  heu-  beschirmende  Trias  wie  in  Etrurien,  doch 
tigen  Gubbio  entfernt  in  der  Nähe  der  noch  mit  dem  Unterschiede,  dafs  dem  Himmels- 
jetzt  erhaltenen  Überreste  eines  Iuppitertempels  vater  anstatt  Iuno  und  Minerva,  Mars  und 
von  einem  Bewohner  des  Dorfes  Schigia  ge-  Vofionus  zur  Seite  stehen.  Die  Entwicklung 
fanden  worden.  Ihm  folgend  hat  sich  Huschke  von  der  Naturgottheit  zur  politischen  ist  be- 
S.  1  für  die  Identität  des  Tempels,  in  welchem  reits  vollzogen.  Tritt  Iuppiter  in  Verbindung 
die  Brouzetafeln  aufgestellt  waren,  mit  jenem  mit  anderen  Göttern  auf,  so  wird  er  durch  die 
im  Altertume  durch  seine  Orakel  berühmten  Art  des  Opfers  vor  ihnen  ausgezeichnet;  tab. 
Heiligtume  des  Iuppiter  Apeninus  (Orelli  1220;  2  a.  5  erhält  er  einen  bos  sollemnis,  während 
tab.  Peuting;  Vopisc.  Firm.  3  vgl.  Trebdl.  Poll.  40  Veiticius  Sancius  (irrtümlich  bezogen  Aufrecht 
Claud.  10;  Glaud.  de  sexto  consul.  Honorii  und  Kirchhoff'  Sancius  auf  den  folgenden  lup- 
v.  500  ff.)  entschieden  und  in  ihm  das  Bundes-  piter)  und  Spector  sich  mit  einem  sacrum  und 
heiligtum  der  uuter  den  Vororten  Iguvium  und  sollemne  (über  die  Bedeutung  s.  Rücheier  p.  125) 
Attidium  vereinigten  20  Städte  Umbriens  begnügen  müssen.  Als  Opfertiere  für  Iuppiter 
sehen  wollen,  das  als  solches  aufserhalb  werden  noch  genannt  Ovis  (2  a.  10)  und  vitulus 
des  Pomeriums  erbaut  worden  sei  (vgl.  den  (2  b.  22.  24),  vgl.  Marquardt,  Rom.  Staatsver- 
Kult  der  Diana  auf  dem  Aventin,  des  Iuppiter  iraltg.3-  S.173A.  1;  zu  der  Vorschrift  tureSancio 
Latiaris  auf  dem  mons  Albanus  etc.).  Gegen-  loci  praefamino  (2  b.  17)  vgl.  Cato  de  re  rust. 
über  den  oskischen  und  latinischen  Stämmen,  134  ture  vino  Iano  Iovi  Iunoni  praefato;  141 
deren  religiöses  Bewufstsein  durch  das  Ein-  50  Icmum  lovemque  vino  praefamino.  Den  Ver- 
dringen fremder  Kulte  starke  Umwandlungen  treter  der  sittlichen  Idee  des  Rechts  und  der 
und  Veränderungen  erlitten  hat,  zeigen  die  Treue  erkennen  wir  in  den  Attributen  admune 
umbrischen  Sprachdenkmäler  ein  zähes  Fest-  und  sase  (tab.  2  b.  7.  17.  24);  admune  hielten 
halten  an  dem  überlieferten  Götterglauben.  Aufrecht  u.  Kirchhoff  2  S.  341  ff.  noch  für 
Gemein  haben  sie  mit  den  anderen  Völker-  gleichbedeutend  mit  sacrum,  libamen,  Huschke 
schaffen  Italiens  die  eigentümliche  Vorstellung,  S.  322  brachte  es  mit  agixcov,  ccgfioviu  in  Ver- 
durch  genaue  Befolgung  des  Rituals,  die  Un-  bindung  und  übersetzte  foederale  =  Bundes- 
sterblichen zur  Erfüllung  ihrer  Wünsche  ver-  opfertier;  ein  Attribut  Iuppiters  mit  dem  Be- 
pflichten  zu  können,  und  als  Folge  davon  bei  griff  der  Reinheit  und  Heiligkeit  (castus)  sah 
aller  Einfachheit  des  Opferapparats  die  gröfste  co  darin  bereits  Rrc'al  S.  265;  von  der  Gleich- 
Kompliziertheit  der  liturgischen  Vorschriften  setzung  admor  =  &i[iiatiq  ausgehend  entschied 
und  Bestimmungen  (vgl.  Cic.  de  rcpubl.  2,  27  sich  Bücheier  p.  142  für  die  Deutung  iuris  serva- 
Sacrortim  ipsorum  diligentiam  dif feilem,  appa-  tor  rituumquesacrorum  custos.  Wenn  die  Umbrer 
ratum perfacilem  esse  voluit  [Numa],  nam  quae  zum  Iuppiter  Sancius  flehten,  so  dachten  sie 
perdiscendu  quaeque  observanda.  essent,  multa  ihn  sich,  wie  schon  der  Name  sagt  (Sancius 
coustituit,  sed  ea  sine  impensa).  Unter  dem  =  gui  foedera  fulmine  sancit,  Bücheier  a.  a.  0.), 
Götterkreise,  den  wir  aus  den  ig'uvinischen  als  den  höchsten  Gott  des  Lichtes  und  der 
Gebetsurkunden  keimen  lernen,  nimmt  Iuppiter  Treue,  als  den  Beschützer  der  Bündnisse  und 


637  Iuppiter  (b.  d.  Sabellem)  Iuppiter   (b.  d.  Sabellern)  G3S 

Verträge,  als  den  Regler  des  internationalen  scheinlich  auch  der  Iuppiter  Cacunus  der  Sa- 
Verkehrs  (vgl.  zu  Rom  Diespiter  und  den  Kult  biner;  die  Widmung  [I]ovi  Camino  F  C  zeigt 
der  Fetialen);  es  ist  dies  eine  Seite  im  Wesen  eine  auf  dem  Berge  Moretta  im  Gebiete  von 
des  Himmelsvaters,  die  im  Fisus  Sancius  (=  Trebula  Mutuesca  gefundene  Inschrift,  den 
Dius  Fidius  =  Senco  Sancus)  eigene  Gestalt  Buchstaben  nach  aus  der  Zeit  des  Augustus 
gewonnen  hatte;  die  religiösen  Bräuche  bei  stammend:  C.  I.  L.  9,  4876.  (Analogieen  für 
der  Verehrung  stimmen  bei  ihnen  genau  über-  die  Verehrung  auf  Bergen  bieten  der  Iuppiter 
ein.  Wie  im  sacellum  des  Sancus  zu  Rom  Apeninus  Orelli  1220,  Cacunus  in  Rom  C.  I.  L. 
'orbes  ahenei'  niedergelegt  wurden  (Liv. 8, 20, 8),  6,  371,  Caelius  C.  I.  L.  6,  334,  Latiaris  C.  I.  L. 
so  war  jeder,  der  dem  Iuppiter  Sancius  ein  10  6,  2022  =  14,  2227,  Poeninus  sehr  häufig  auf 
Opfer  darbringen  wollte,  verpflichtet,  eine  or-  Inschriften,  Vesuvius  0.  I.  L.  10,  3806,  Virui- 
bita  (Rad  mit  Felgen,  vgl.  Zeyfs,  Ztschr.  f.  vgl.  nalis  Varru  1.  1.  5,  51,  vgl.  noch  die  capito- 
Sprachforschg.  20  S.  129  und  Bücheier  p.  148)  linischen  Kulte.)  Dem  Iuppiter  Liber  weihen 
in  der  Hand  zu  halten  (tab.  2  b.  23),  das  Sinn-  a.  696  u.  c.  zu  Furfo  im  Gebiete  der  Vestiner 
bild  des  Bundes  mehrerer  Völkerschaften  (das-  die  Duumvirn  L.  Alienus  und  Q.  Baebatius 
selbe  Symbol  auf  etruskischen  und  umbrischen  einen  Tempel  (lex  Furfensis,  inschiiftlich  er- 
Münzen: Mommsen,  B.  M.  S.  222.  Abbil-  halten,  s.  oben  Sp.  624,9;  besprochen  vonHuscltlce, 
düngen  bei  Deecke,  EU.  Forschg.  2  Taf.  1,  6  c;  Jahrb.  f.  Piniol.  Suppl.  5  (1872)  S.  856  und 
Tat.  2,  5  f.  9.  15  d;  Taf.  4,90  a.  16);  im  Gebet  Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  250;  interessant,  weil 
tritt  das  sonst  voranstellende  Sancius  (tab.  2  b.  20  zum  Gebrauche  eiserner  Utensilien  besondere 
17)  hinter  Iuppiter  (2  b.  24),  vgl.  Mncrob.  1,  Erlaubnis  erteilt  wird).  Wenn  auch  die  späte 
17,  15,  wo  die  vestalischen  Jungfrauen  den  Zeit  sowie  der  Hinweis  auf  die  'leges  arae 
Apollo  anrufen  'Apollo  medice,  Apollo  Paean' .  Diaiiae  in  Aventino'  die  sakrale  Abhängigkeit 
Sabeller.  Von  einem  auf  Höhen  verehrten  vom  römischen  Pontifikalkolleginm  (Jordan, 
Iuppiter  der  Manuciner  giebt  uns  die  Inschrift  Top.  1,  1  S.  42)  genügend  beweisen  und  an  eine 
der  Erztafel  von  Rapino  Kunde  (vgl.  oben  Übertragung  dieses  Kultes  von  Rom  aus  (vgl. 
Sp.  625,21;  aus  der  Zeit  nach  dem  Jahre  486,  unten  I.  Libertas)  denken  lassen,  so  weist 
weil  im  lateinischen  Alphabet  geschrieben,  doch  die  Thatsache,  dafs  derselbe  uns  auch 
das  wahrscheinlich  infolge  des  damals  an  bei  den  Oskern  und  Latinern  (s.  unten)  wieder- 
die  Sabiner  verliehenen  Bürgerrechtes  ein- 30  begegnet,  rnit  Sicherheit  daranf  hin,  in  Iuppiter 
drang;  von  Mammaen,  Unterital.  Dial.  S.  341  Liber  eine  aus  der  uritalischen  Religion  er- 
c.  500  Ti.  c.  gesetzt).  Die  Bestimmungen  und  erbte  sabellisehe  Gottheit  zu  sehen ,  ganz  ab- 
Angaben der  Inschrift  beziehen  sich  auf  gesehen  davon,  dafs  es  sich  in  jenem  Gesetze 
eine  Feier  zu  Ehren  der  'lovia  Ioves  patres  nur  um  die  Restitution  eines  bereits  be.-tehen- 
ocres  Tarincris'  (=  luno  Iovis  patris  montis  den  Heiligtumes  handelt.  Für  Amiternum,  die 
Tarincris);  die  beiden  letzten  Worte  sind  Hauptstadt  der  Sabiuer,  bezeugt  die  Verehrung 
Genitive  abhängig  von  Ioves  patres,  das  desselben  Gottes  freilich  schon  mit  dem  Zu- 
seinerseits  wieder  von  lovia  regiert  wird;  der  satze  Optimus  Maximum  die  Inschrift  C.  I.  L. 
Name  Tarincris  scheint  auf  einen  im  Mittel-  9,  4513  pro  Salute  |  F.-  Betuleni  \  Apri  liberis-  \ 
alter  erwähnten  mons  de  turino  in  den  Abruzzen  40  aue  eius  lovi  0.  M.  Libero  Lib  |  Niceforus 
zu  weisen  (so  Mommsen  a.  a.  0.  Corssen,  act(or)  \  v.s.  Berechtigte  Zweifel  gegen  Momm- 
Zeitschr.  f.  vergl.  Sprach  forschg.  9  S.  133  ff. ;  sras  Trennung  lovi  O(ptimo)  M(aximo),  IAbero, 
Huschice,  Die  sabellischosläsihen  Spiachdenk-  Lib(erae?)  äufsert  Jordan,  Anal,  epigr.  lat.,  ind. 
maier  S.  247  bezweifelt  es);  hier  mufs  sich  lect.  Begim.  1886/7  p.  4.  Die  Etymologie  von 
ein  Heiligtum  —  ob  Opferstätte  oder  Tempel  Liber  s.  bei  Preller,  B.  M.  2  S.  47  Anm.  3  und 
bleibt  nngewifs  —  befunden  haben,  wo  Iup-  JJanielsson  bei  Paiüi ,  Altital.  Stud.  4  S.  156. 
piter  gemeinsam  mit  'lovia  Regena'  (=  luno  Er  verkörpert  die  schöpferische  Kraft  in  der 
Regina)  gefeiert  wurde.  Die  Vorschriften  auf  Natur;  auf  die  Fruchtbarkeit  von  Menschen 
der  Bronzetafel  gelten  der  luno,  da  aber  die  und  Tieren,  auf  das  Gedeihen  der  Saaten  und 
Förmlichkeiten  bei  der  Anrufung  Iuppiters  50  Felder  erstreckt  sich  sein  Wirken.  Da  im 
ebenso  oder  doch  ähnlich  gedacht  werden  Sabinerlande  der  Weinbau  schon  in  früher 
müssen,  so  seien  sie  hier  kurz  erwähnt.  So  oft  Zeit  zu  den  Hauptbeschäftigungen  gehörte  (die 
man  nötig  fand  die  Gnade  der  Gottheit  zu  Bewohner  feierten  in  ihrem  Stammheros  Sabus 
erflehen,  zogen  die  Priester  mit  den  Symbolen  oder  Sabinus  den  ersten  Winzer:  Verg.  Aen.  7, 
derselben  und  heiligen  Gerätschaften  in  feier-  179,  vgl.  lo.  Lyd.  de  mens.  1,  5,  Sero,  ad  Aen. 
lieber  Prozession  um  die  Grenze  der  Gemeinde,  1,  532),  so  mag  dies  zur  Angleichung  an  den 
brachten  an  verschiedenen  Stellen  auf  trag-  griechischen  Dionysos  mitbeigetragen  haben, 
baren  Altären  Opfer  dar  und  verrichteten  Ge-  Ob  die  Inschriften  C.  I.  L.  9,  3923,  wo  ein 
bete.  Die  Ceremonie  des  Umzuges,  der  wir  curator  apud  lovem  Statorem  zu  Alba  Fucentia 
bei  den  ältesten  römischen  Priesterschaften  60  und  C.  I.  L.  9,  4534  Corymbus  |  (voran  geht 
den  fratres  Arvales,  Luperci  und  Salii  wieder  ein  im  oberen  Teile  verstümmeltes  Gentile) 
begegnen,  und  die  Verehrung  der  zwei  Gott-  lovi  Statori  |  sacrum  posuit  |  /.  m.  (Nwrsia) 
heiten  (die  paarweise  Zusammenstellung  ist  auf  einen  altsabinischen  Kult  zurückgehen  oder 
echtitalisch,  vgl.  die  Beispiele  bei  Gellius  n.  a.  römischen  Einflufs  zeigen,  läfst  sich  nicht  mit 
13,22,  1.  Mommsen,  Chronol.  S.  15.  Kuhfeldt,  Sicherheit  entscheiden.  So  wenig  auch  die Nach- 
de  capiloliis  impirii  Bomani,  Berlin  1883  p.  82)  richten  über  die  sakrale  Gesetzgebung  des  T. 
legen  beredtes  Zeugnis  ab  von  dem  hohen  Tatius  und  Numa,  nach  denen  bei  den  Sabi- 
Alter  dieses  Kultus.    Ein  Höhengott  ist  wahr-  nern  eine  Vergeistigung  des  ursprünglich  den 


639 


Iuppiter    b.  d.  Sabellern 


Himmel,  seine  Erscheinungen  und  Wirkungen 
personifieierenden  Iuppiter  in  sehr  früher  Zeit 
eingetreten  ist,  Anspruch  auf  geschichtliche 
Wahrheit  erheben  dürfen,  so  müssen  doch, 
meint  noch  Preller,  F.  M.  1  S.  20ff.,  250,  da 
die  gesamte  Überlieferung  jene  Könige  als  die 
Repräsentanten  des  sabinischen  Elementes  be- 
zeichnet, die  gottesdienstlichen  Einrichtungen, 
die  ihren  Narnen  tragen,  im  Kern  wenigstens 
als  den  Sabinern  zugehörig  betrachtet  werden. 
Indes  hat  man  aus  den  für  uns  in  Frage  kom- 
menden Neuerungen  der  beiden  sagenhaften 
Kegenten — zu  nennen  sind  die  Gründung  des 
uralten  Heiligtums  für  Iuppiter,  Iuno  und  Mi- 
nerva auf  dem  Capitolium  vetus  des  Quirinals 
{Varro  1.  1.  5,  158,  Euseb.  Chron.  Ol.  18,  vgl. 
Tertull.  ad  nat.  2,  12),  die  mit  vielen  Reinigun- 
gen und  Heiligungen  verbundenen  Vorschriften 
für  das  Verhalten  des  Flamen  Dialis  und  seiner 
Gemahlin,  der  Flaminica  {Idv  .1,  20,1),  die  Ein- 
führung einer  Reihe  von  Göttern,  die  zum 
Wesen  des  Iuppiter  in  naher  Beziehung  stehen 
oder  richtiger  als  Emanationen  desselben  an- 
zusehen sind;  so  wird  der  Kult  des  eapitoli- 
nischen  Terminus  und  des  Dius  Fidius  auf  dem 
Quirinal  dem  T.  Tatius  (Liv.  1,  55,  2 — 4,  vgl. 
Varro  1.  1.  5,  71.  Oo.  fast.  6,  213  i.  die  Feier  der 
Termiualia  am  23.  Februar  und  die  Verehrung 
der  Fides  dem  Numa  zugeschrieben  (Dion.  2, 
74.  Plut.Xum.  16;  Q.  B.  15.  Varro  a.a.O.)  — 
mit  Unrecht  auf  die  politische  Bedeutung  des 
höchsten  Gottes  und  auf  ein  starkes  Hervor- 
treten des  ethischen  Momentes  geschlossen; 
denn  die  Nachricht  von  dem  sabinischen  Ur- 
sprünge ist  eine  Fabel  (vgl.  Gilbert.  Gesch.  und 
Top.  der  Stadt  Born  1  S.  367  ff.),  die,  vermut- 
lich erst  zu  einer  Zeit  entstanden,  als  infolge 
der  Erlangung  des  Bürgerrechts  a.  4S6  u.  c. 
die  Sabiner  Einflufs  in  Kom  gewannen,  durch 
den  Sabiner  Varro  ihre  Sanktion  erhalten  hat. 
Die  Belege  dafür,  dafs  die  Auspicienlehre,  in 
der  die  Augurn  als  Dolmetscher  des  unab- 
änderlichen Willens  der  Götter,  besonders  des 
Iuppiter,  gelten  (Cie.  de  leg.  2,  21)  in  ganz 
Mittelitalien  ihre  Heimat  hatte,  sind  von  Mar- 
quardt.Böm.Staatsverivaltg.3-  S  397  zusammen- 
gestellt. Im  Gebiete  der  Picenter  (s.  oben 
Sp.  625,  37)  hat  man  eine  Bronzestatuette  ge- 
funden mit  der  Aufschrift  Gaispaizvariens- 
iuvez als e eure,  die  den  Interpreten  viel 
Schwierigkeiten  bereitet.  Es  übersetzt  Momm- 
sen,  Unterital.  Dial.  S.  362:  Caius  P .  .  .  .  filius 
Varienus  Iovi . .  .  ovi;  Huschte  a.a.O.  S.  242 
n.  4:  ('aius  Kaesonis  f.  Varienus  Iovi  Talasio, 
mit  äufserst  künstlicher  Erklärung.  Deecke, 
Rh.  Mus.  41  (1886)  S.  194:  Gai(us)  Sp(urii  filius) 
Anis  Varienus  loci  tria  sinnulacrai  curavit 
(sc.  ponenda).  Der  jugendliche  Typus  der  halb- 
bekleideten Bronzefisjur  im  Strahlenkranz  (an 
Iuppiter  Axur  erinnernd)  und  die  sichere  Lesart 
luve  =  Iovi  dürften  die  Annahme  rechtfertigen, 
dafs  es  sich  um  ein  Bild  des  himmlischen 
Herrschers  handelt,  bei  dem,  wie  die  Strahlen- 
krone andeutet,  die  Natur  des  Sonnengottes 
vorherrschend  geworden  ist.  Die  Inschriften 
aus  dem  Gebiet  der  Marser  (s.  oben  Sp.  625.  27) 
geben  uns  über  den  luppiterkult  keinen  näheren 
Aufschlufs. 


Iuppiter  L.  d.Volskern  [Axur]  u.  Oskern    640 

Volsker.  Zu  Terraeina,  dem  volskischen 
Auxur  [Plin.  n.  h.  3,  59,  vgl.  Diod.  14,  16.  Liv. 
27,  38,  4.  Hygin.  de  lim  p.  179:  auf  italischen 
Ursprung  des  Namens  deuten  nach  Preller,  B. 
M.  1  S.  267  Bildungen  mit  demselben  Stamme 
bei  Marsern  und  Pelignern:  Anxanum,  Anxas, 
Angitia  oder  Ancitia  —  Stadt,  Gentile,  Göttin 
der  Marser  — und  Anxa,  Stadt  im  Gebiete  der 
Peligner),  wurde  neben  der  Feronia  Iuppiter 

10  Anxurus  (Verg.  Aen.  7,  799  (pc's  Iuppiter 
Anxurus  arvis  |  praesidet  et  viridi  gaudens 
Feronia  luco,  Serv.  z.  ds.  St.  giebt  die  Ety- 
mologie quasi  avsv  |rgoü  id  est  sine  no-vacula, 
quia  barbam  nunquam  rasisset:  eine  Quelle  bei 
Terraeina  soll  nach  ihm  einst  den  Namen 
Anxur  geführt  habend  oder  Anxuris  (Porpk, 
ad  Hör.  C.  1,  5,  26)  oder  Axur  (s.  die 
folgende  Münze)  oder  Axoranus  (auf  einer 
Inschrift   zu  Ulubrae  C.  I.  L.  10,  6483,  wenn 

20  Mommsen  nach  G.  I.  L.  10,  6331,  2,  19,  wo 
ein  Ti.  Claudius  Axoranus  genannt  wird, 
richtig  Iovis  Axo[rani . .  .]  ergänzt)  als  Haupt- 
gottheit verehrt  (vgl.  Bd.  1  Sp.  3S7  s.  v.  Anxu- 
rus). Wir  besitzen  von  ihm  Darstellungen 
auf  Münzen  der  gens  Vibia  (Cohen,  Gons.  1, 
41,  Vib.  13.  Babelon  2  S.  544.  546  nr.  18. 
Stevenson  S.  117).  Die  beigefügte  Zeichnung 
nach  Babelon  2 
S.  546  zeigt  ihn  als 

30  bartlosen  Jüng- 
ling im  Blätter- 
kranz i[Stephani, 
Nimbus  a.  Strah- 
lenkranz S.  18) 
mit  gekreuzten 
Beinen  auf  dem 
Throne  sitzend, 
in  der  Linken  das  Scepter,  in  der  Rechten  eioe 
Schale.     Umschrift  IOVIS.  AXVR.  C.  V1BIVS. 

40  C.  F.  C.  N.;  der  Avers  mit  dem  Kopfe  des  Pan 
und  darunter  PANSA.  Das  Haupt  ähnelt  dem 
des  Veiovis  (vgl.  Babelon  1  S.  506  ff.  nr.  9 — 13). 
Serttius  bemerkt  zu  den  oben  angeführten 
Versen  Vergils  circa  hunc  traetum  Campaniae 
colebatur  puer  Iuppiter  .  .  .  et  Iuno  Virgo,  quae 
Feronia  dicebatur.  Die  Zusammenstellung  mit 
Inno  ist  also  die  ursprüngliche  und  die  Ver- 
bindung mit  der  ländlichen  Segensgöttin  Fe- 
ronia ist  so  zu  erklären,    dafs  die  Iuno  Virgo 

50  später  mit  dieser  identificiert  wurde ,  vgl. 
Deecke,  Faliscer  S.  102. 

Osker.  Am  reinsten  tritt  uns  die  ur- 
sprüngliche Bedeutung  einer  lichtspendenden 
Gottheit  entgegen  in  der  Verehrung  des 
Iuppiter  als  Lucetius,  ja  der  Name  Lucetius 
galt  in  der  oskischen  Sprache  geradezu  als 
gleichbedeutend  mit  Iuppiter.  Serv.  ad  Aen. 
9,  567  solum  hoc  nomen  est,  quod  dictum  a  Vir- 
gilio  a  nullo  alio  reperitur  auetore;  sa»e  lingua 

60  osca  Lucetius  est  Iuppiter  dictus  a  luce  quam 
■praestare  hominibxs  dicitur.  Für  die  weite 
Verbreitung  des  Kultes  scheint  das  Vorkom- 
men desselben  Namens  in  den  Worten  Lucani 
iO^k.  Luvkanateis)  und  Luceria  zu  sprechen. 
Luceria,  das  439  zur  römischen  Kolonie  wurde, 
wäre  dann  die  samnitische  Benennung;  nach 
Mommsen ,  Die  unteritalischen  Dialekte  S.  274 
würde  sich  für  Lucetius  ein  ursprüngliches  Lu- 


Iovis  Axur.  Münze  der  Vibia  (nach 
Babelon  i  S.  54fi). 


641              Iuppiter  (b.  d.  Oskern)  Iuppiter  (b.  d.  Faliskem)            642 

cesius  vermuten  lassen,  das  sich  noch  im  alten  zur  angeführten  Inschrift).  Vom  Kulte  des 
Salierliede  (Terent.  Scaur.  7,  28  Keil)  erhalten  Iuppiter  Liber  berichten  uns  2  Inschriften,  die 
habe  (gegen  die  lateinische  Form  Leucesius  siehe  eine  im  oskischen  Alphabet  Ioceis  Lofreis  (s. 
Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  219).  Lichtgottheiten,  oben  Sp.  C25, 10)  'auf  der  Sohle  eines  bronzenen 
'weil  den  Genien  des  Morgens  folgend',  schei-  Gewichtes  (wie  es  scheint)  oben  mit  einer  Ose 
nen  auch  die  beiden  Iores  auf  der  Erztafel  von  zum  Anhängen  in  der  Form  eines  archaischen, 
Agnone  (Husehke,  Die  sabellisch  -  oskischen  bärtigen  Iuppiterkopfes  mit  12  Locken  und  der 
Sprachdenkmäler  S.  10  ff.  setzt  sie  ins  4.  Jahr-  Hauptbind«'  (zuerst  herausgegeben  von  Avellino, 
hundert  der  Stadt  Rom,  Henzen,  der  erste  congh. soprauna iscr.stmnitica  1841 S. 2;  Guarini 
Editor,  arm.  d.  inst.  1S48  S.  382,  der  in  der  10  comm.  18  [18431;  Mommsen,  TJ.D.  S.  170),  die 
Sprache  römischen  Einflufs  erkennen  will,  hält  andere  mit  lateinischer  Schrift,  von  6  Magistri 
sie  für  bedeutend  jünger).  Unweit  von  dem  zu  Capua  a.  15  p.  Chr.  gewidmet,  loci  liber- 
Fundorte  sind  Mauerreste  eines  Tempels  ent-  (tatij  Mommsen  C.  I.  L.  10,  3786;  ebenso- 
deckt worden;  dafs  sie  zu  der  Weihinschrift  gut  könnte  man  Liber(o)  ergänzen  (vgl.  C. 
in  Beziehung  stehen,  scheint  aufser  Zweifel,  I.  L.  1,  603  =  9,  3513);  nach  Nissen,  Das 
ob  sie  jedoch  mit  Husehke  a.  a.  0.  für  die  templum  S.  131.  209  stellte  er  zu  Pompei 
Trümmer  eines  Bundesheiligtums  samnitischer  den  höchsten  Gott  dar.  Verschiedenheit  der 
Stämme  zu  Bovianum  anzusehen  sind,  mag  Stämme  in  lufreis  und  liber  nimmt  Danielsson 
dahingestellt  bleiben.  Schwierigkeiten  macht  an  {Pauli  a.  a.  0).  Ein  Gegenstück  zu  dem 
die  Erklärung  der  beiden  Attribute  verehasioi  20  römischen  Iuppiter  Stator  bildet  der  oskische 
und  regaturei.  Mommsen  und  Husehke,  der  An-  Versor  (=  gr.  xQonuiog)  qui  hostes  vertu  in 
sieht  zuneigend,  es  spiegle  sich  in  ibnen  die  fugam,  dem  auf  einer  bruttischen  Inschrift  in 
politische  Bedeutung  wieder,  bringen  verehasioi  griechischem  Alphabet  ein  Stier  geopfert  wird: 
mit  riria  (M.  S.  135,  vereia  H.  S.  10 ff.)  in  Zu-  JiovJ-n  fsgaonei  Tavgofi.  Mommsen  S.  143 
sammenhang  und  erklären  'Gott  der  Gemeinde',  glaubt  mit  Berufung  auf  ein  Dictum  des  Ateius 
in  Diocei  regaturei  kommt  der  gebietende  Carito  b.  Macrob.  3,  10,  3  (vgl.  Serv.  ad  Aen. 
Herrscher,  der  Lenker  der  Tagesarbeit  und  3,  21;  9,  624),  wonach  dem  Iuppiter  keine 
häuslichen  Geschäfte  (M.  a.  a.  0.)  zum  Ausdruck,  Stiere  geopfert  werden  dürfen,  es  sei  nur  von 
ähnlich  Corssen,  Ztschr.  f.  vergl.  Sprachforschg.  der  Weihungeines  Stierbildes  die  Kede.  Husehke 
5  S.  98  =  I.  rector  und  Husehke  a.  a.  0.  =  30  S.  213  hat  angenommen,  dafs  der  Grundsatz 
regnatori.  Aufrecht  (ibid.  2,  S.  5öff.)  und  Grafs-  des  Ateius  nicht  überall  Geltung  besessen  habe. 
mann  ibid.  16  S.  119  ff.)  sehen  in  den  Bei-  Indes  liegt  wohl  nur  eine  Ungenauigkeit  des 
namen  Verkörperungen  bestimmter  Vorgänge  in  Ausdrucks  vor  (taurus  für  iuveneus),  die  uns 
der  Natur,  vor  allem  deshalb,  weil  die  Urkunde  auch  an  anderen  Stellen  entgegentritt,  Verg. 
besondersGötterdesLandbauesnenne;  verehasioi  Aen.  3,  21;  Ovid.  fast.  1,  579;  Sil.  Ital.  6,  647; 
wäre  demnach  gleich  lat.  virgario  'wachsend  Arnob.  2,  68;  vgl.  ferner  den  Abschnitt  über 
machend'  und  regaturei  =  rigatori  also  ein  Iuppiter  lnventor.  Den  Ioveis  Mcelekieis  der 
Iuppiter  Pluvius;  piihioi  =  pio  sonst  nur  von  pompejanischen  Steininschrift  haben  Aufrecht 
Heroen  und  Manen  gebraucht,  bleibt  auffällig  und  Grafsmann  (Ztschr.  f.  vergl.  Sprachforschg. 
(Mommsen  a.  a.  0).  40  2  S.  55;  16  S.  101  ff.)  mit  dem  griechischen 
Eine  dem  blitzschleudernden  Tinia  und  dem  Zjüg  usüJ'/iog  identificiert.  Als  Schwurgott, 
römischen  Iuppiter  Fulgurator  verwandte  dem  das  Haupt  des  Meineidigen  geweiht  ist, 
Gottheit  haben  die  meisten  Gelehrten  auf  einer  erscheint  Iuppiter  bei  Livius  70,  38,  3.  Einen 
zu  Capua  gefundenen,  auf  beiden  Seiten  mit  dem-  sonst  nicht  bekannten  Iuppiter  Vicilinus  zu 
selben  Texte  beschriebenen  Thonschale  erkennen  Compsa,  einer  Stadt  der  Hirpiner,  erwähnt 
wollen:  Minieis  (Minnieis  auf  der  andern  Seite)  Liv.  24,  44,  8  unter  den  Prodigien  des  Jahres 
Knisillieis  Minateis  ner  |  ekas  iuvilas  iuvei  541:  et  in  lovis  Vicilini  templo,  quod  in  Comp- 
flagiui  stahiid  (zuerst  veröffentlicht  von  Miner-  sano  (nicht  Cosano)  agro  est,  arma  concrepuisse. 
vini,  Bullet,  d.  inst.  1873  S.  39).  Es  übersetzt  Dafs  zu  Capua  ein  Thor  nach  Iuppiter  seinen 
Corssen  (Eph.  Epigr.  2  S.  163  nr.  13):  Minii,  50  Namen  führte,  teilt  uns  derselbe  Schriftsteller 
Caisülii,  Minatis  nobilium  (er  ergänzt  ner(um))  mit,  wo  er  von  der  Belagerung  dieser  Stadt 
hae  iueantes  res  (=  deliciae)  loci  Fulguratori  (a.  543)  berichtet  (26,  14,  6  porta  lovis  quae 
Stent  (sc.  sacraej;  Bücheier:  Minii  Caisülii  Mi-  adeersus  castra  Tiomana  erat).  Den  Iuppiter- 
natis  prineipis  hae  iovilae  Icvi  Flagio  stent  typus  weisen  auf  die  vor  dem  Bundesgenossen- 
(Jenaer  Litt.-Zeitg.  1874  S.  609);  er  sieht  richtig,  kriege  geprägten  oskischen  Münzeu  folgender 
dafs  es  sich  nur  um  einen  Dedikanten  handelt  Städte:  Capua  (Friedländer,  Oskische  Münzen 
und  dafs  iovilas,  weil  mit  diakritischem  Punkt  nr.  1.  4.  8  —  14),  Atella  (nr.  1 — 3),  Calatia  (nr. 
versehen,  res  ad  Iocem  pertinentes  bedeutet.  1 — 4),  Aesernia  (nr.  5),  Larinum  (nr.  3),  Teate 
Es  gab  also  Geschenke,  die  man  zur  Weihung  (nr.  4.  14)  und  lukanische  Münzen  (nr.  2.  3.  6.  7). 
für  Iuppiter  besonders  geeignet  hielt.  Der  60  Falisker.  Sind  auch  unter  den  Trümmern 
Identificierung  mit  Iuppiter  Fulgurator  stimmt  der  Überlieferung  für  die  den  Latinern  am 
er  bei;  Jordan  (Prellcr,  Rom.  Myth.  1,  191  nächsten  verwandten  Falisker  die  Nachrichten 
Amn.  3)  hält  sie  für  unsicher;  auch  den  Iup-  über  die  auf  den  Kult  bezüglichen  Fragen 
piter  Flazius  oder  Flazzus  (G'./.Z.10,1571)  verhältnismäfsig  noch  die  häufigsten  und  besten, 
auf  einer  Basis  zu  Puteoli  (s.  Bd.  1  Sp.  1483  so  sind  sie  doch  nicht  hinreichend,  um  uns 
s.  v.  Flazzus)  hat  man  hierher  ziehen  wollen  einen  klaren  Einblick  in  die  Art  ihrer  Gottes- 
(Mimrvini,  act.  Casert.  Gct.  1873)  mit  geringer  Verehrung,  in  die  Stellung  und  Bedeutung  der 
Wahrscheinlichkeit  (s.  Mommsens  Bemerkungen  einzelnen  Gottheiten  zu  jener  Zeit  zu  gewähren 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  II.  21 


643  Iuppiter  (b.  d.  Faliskern:  Imperator) 

als  Roms  Machtstellung  noch  nicht  ihren  ni- 
vellierenden Einflufs  auf  die  Entwicklung  der 
religiösen  Vorstellungen  bei  den  andern  ita- 
lischen Stämmen  geübt  hatte.  Besonders  spär- 
lich fliefst  die  Quelle,  aus  der  wir  unsere 
Kenntnis  über  Iuppiter  schöpfen.  Das  geringe 
Material  ist  von  Deeclce,  Die  Faluker  S.  82  ff. 
sorgfältig  zusammengestellt.  Die  einzig  sichere 
Nachricht  über  den  Iuppiterkult  der  Falisker 
verdanken  wir  der  oben  Sp.  624,  58  erwähnten  10 
Inschrift  einer  Erztafel  in  lateinisch-faliskischer 
Sprache,  die  ich  ihrer  Wichtigkeit  wegen  voll- 
ständig wiedergebe,  und  zwar  setze  ich,  dem 
Beispiele  Bormanns  {CLL.  11,  3078)  und 
Schneiders  (dial.  ital.  aiv.  vet.  ex.  sei.  p.  107 
nr.  30)  folgend,  den  sonst  mit  6  bezeichneten 
Teil  der  Inschrift  vtran  (Deecke  a,  a.  0.  S.  193 
erkennt  die  Ausführungen  Bormanns  als  richtig 
an.  ohne  indes  die  Umstellung  der  beiden 
Seiten  vorzunehmen).  20 

a  a 

iouei  ■  iunonei  ■  miner-  Iovi  Iunoni  Minervae] 
vai  |  falesce  ■  quei  ■  in  Falisci  gui  in  Sardinia 
sardinia  ■  sunt  donum-  sunt  donum  dedcrunt; 
dederunt  ■  magistreis  l.  magistri'  L.  Latrius  K. 
latrius  .  k  ■  f  ■  c  ■  salu-  f_  c  Saluga  yoUae  f_  i 
[e  ?der  ^na-uoltai-1  cumvemnt 
coiraueront. 

b  b 

gonlegium  ■  quod  ■  est  ■  collegium  quod  est  ac- 
aciptum  aetatei  agc(n)-  ceptum  aitati  agendae' 
d[ai]  ■  |  opiparum  ■  ad  opiparum  ad  vitam  co- 
ueitnm  quolundam  fe-  hndam  festosque  dies  \ 
stosque  dies  \  quei  ■  so-  rg 

ueis'-a[st oder rg]utieis-  Zui  suis  acutus  opique 
opidque  ■  uolgani  |  gon-  volgani  |  condecorunt 
dccorant  saifpij  ■  sume  saepissime  convtna  lu- 
comuiuia  loidosqur  \  äosque\coci  (vgl. Plaut 
ququei-huc-dederun[t-  Aul  359)  hoc  dederunt  ^ 
ijnperato-ribus  sum-  tmperatoribus  stim- 
met* |  utei  ■  scsed  ■  lu-  mis  I  utl  sese  lubentes 
bent[es-b]eneiottentop-  bene  iuloent  optantes. 
tantes. 

Der  Teil  a  ist  zuerst  veröffentlicht  von  Gar- 
rueci,  Acta  Soc.  Antiquar.  Lond.  (s.  Archaeol. 
vol.  43  (1871)  S.  259 ;  de'  can.  epigr.  di  F.  Bitschi 
S.  35;  t.  nr.  2  =  Civiltä  cattol.  sei-  7  vol.  10 
S.  166;  die  andere  Litteratur  s.  oben  Sp. 624, 59). 

Die  lateinisch-faliskiscbe  Sprache  deutet  50 
auf  die  Zeit  nach  der  Zerstörung  Faleiiis  (513 
u.  c.),  die  Schrift  weist  auf  das  6.  Jahrb.. 
der  Stadt,  danach  ist  die  Vermutung  Gar- 
ruccis  (Syll,  S.  170)  sehr  wahrscheinlich,  unter 
Falesce  gui  in  Sardinia  sind  sei  ein  Teil  der 
Bewohner  Faleiiis  zu  verstehen,  die  nach  Zer- 
störung ihrer  Vaterstadt  von  den  Römern  auf 
Sardinien  augesiedelt  worden  seien.  Die  In- 
schrift wäre  also  nicht  viel  später  anzusetzen 
als  das  Jahr  541.  Welche  Aufschlüsse  giebt  60 
sie  uns  über  den  Iuppiterkult?  Im  zweiten 
Teil  Z.  10  erfahren  wir,  dals  die  Widmung  den 
imperatoribus  summis  gilt,  eine  Benennung,  die 
zur  Genüge  zeigt,  dafs  es  sich  nicht  um  einen 
echtrömischen  Kult  handelt,  da  an  der  ein- 
zigen Stelle,  in  der  wir  jenen  Titel  wieder- 
finden, von  einer  praenestinischen  Gottheit  die 
Rede  ist  (Sp.  649).  Livius (6, 29, 8) berichtet  näm- 


Iuppiter   (b.  d.  Faliskern:  Imperator)   644 

lieh  zum  Jahre  374  u.  c. :  T.  Quinctius  semel  acte 
viefor  binis  castris  hostitim  novem  oppidis  vi 
captis  Praeneste  in  diditionem  aeeepto  Romam 
revertit  triumphansque  Signum  Praeneste  de- 
vectum  Lovis  Imperatoris  in  Capitolium  tulit; 
dedicatam  est  inter  cellam  lovis  ac  Minervae 
tabulaque  sub  eo  fixa  monttmentum  verum  ge- 
starum  his  ferme  incisa  litteris  fuit:  Iuppiter 
atque  divi  omnes  hoc  dederunt,  ut  T.  Quinctius 
didator  oppida  novem  caperet  (vgl.  .Fest.  p.363). 
Darstellungen  des  Iuppiter  Imperator  sind  nicht 
erhalten  [wenn  Deeclce  a.  a.  0.  S.  83  sagt: 
„Münzen  zeigen  ihn  stehend,  mit  Scepter  und 
Blitz,  das  linke  Bein  auf  erhöhter  Basis",  ao 
scheint  er  ihn  auf  einigen  Bronzemedaillons 
des  Commodus  (Pedrusi,  Mttseo  Farnesiano 
5  Taf.  17  nr.  2;  Jahn,  Arclt.  Aufs.  Taf.  1  nr.  2 
u.  1)  zu  erkennen,  jene  Münzen  aber  zeigen 
den  Poseidon,  in  der  Linken  den  Delphin, 
den  linken  Fufs  auf  eine  Schiffsprora  stellend, 
(Overbeck,  Griechische  Kunstmijthologie'2  S.221)]. 
wir  wissen  jedoch,  dals  er  in  srätrepublika- 
nischer  Zeit  wegen  gleicher  Haltung  und  Ge- 
stalt mit  dem  griechischen  Zsvq  ovgtog  (Gott 
der  günstigen  Fahrwinde)  identificiert  wurde. 
Cic.  Verr.  4,  128  ff.  Quid?  ex  aede  lovis  reli- 
giosissimum  simulacruni  lovis  Imperatoris,  quem 
Graeci  ovgiov  nominant,  pidcherrime  factum 
nonne  abstulit?  Iovem  auttm  Imperatorem 
quanto  honore  in  suo  templo  fuisse  arbitromini? 
Conieere  potestis  si  recordari  rolueritis,  quanta 
religionc  fuerit  eadem  specie  ac  forma  Signum 
illud,  quod  ex  Maccdonia  cuptum  posuvrat  Fla- 
mininiis.  (Was  die  letztere  Behauptung  anlangt, 
so  hat  Cicero,  getäuscht  durch  die  Gleichheit 
des  Gentile  Quinctius,  die  von  Cincinnatus  gel- 
tende Erzählung  Js.  oben)  irrtümlich  mit  der 
entsprechenden  Änderung  auf  Flamininus  über- 
tragen (mit  Unrecht  zweifelt  Jahn  a.  a.  0.  S.  34 
die  Glaubwürdigkeit  des  Livius  an),  und  es 
waren  die  simulacra  des  Ztt>g  ovqioq,  von  denen 
Cicero  weiterhin  berichtet,  Verres  habe  das 
eine  den  Syrakusanern  geraubt,  das  andere 
stehe  am  Eingange  des  thrakischen  Bosporus. 
Es  würden  uns  die  Abbildungen  des  Zfi'g  oii- 
giog  einen  Kückschlufs  auf  die  des  Iuppiter 
Imperator  gestatten,  wenn  nicht  die  Frage 
nach  dem  T}'pus  jenes  griechischen  Gottes 
noch  eine  offene  wäre  (vgl.  die  Ansichten  von 
Abeken,  ann.  d.  inst.  1839  S.  67;  Jahn  a.  a.  0. 
S.  31  ff.;  on».  d.  inst.  1842  S.  203;  Wieseler, 
Apollo  Stroqanoff  und  Apollo  vom  Belvedere 
S.  10  u.  17;  Överbecka,.  a.  0.  S.  219ff.).—  Deecke, 
auf  die  von  ihm  angenommene  Darstellung 
sich  stützend,  vermutet  im  Iuppiter  Imperator 
einen  latinischen  Kriegsgott,  der  den  Faliskern, 
sofern  sie  die  nächsten  Verwandteu  der  La- 
tiner waren,  aus  ältester  Zeit  überkommen 
gewesen  sei.  Man  könnte  vielleicht  noch 
einen  Schritt  weiter  gehen.  Die  Trias  Iuppiter, 
Iuno,  Minerva  läfst  nur  zwei  Möglichkeiten 
zu:  entweder  ist  der  Kult  des  capitolinischen 
Iuppiters,  wie  in  viele  andere  Städte  Italiens, 
so  auch  nach  Falerii  gedrungen  (dagegen  spricht 
die  zu  Rom  nicht  übliche  Benennung  impera- 
tor),  oder  es  hat  direkte  Beeinflussung  von 
Etrurien  her  stattgefunden,  wo  wir  bereits  jene 
Dreizahl    tinia   uni   menrva    kennen    lernten. 


645   Iuppiter  tb.  d.  Paliskern:  Iniper. ;   Curis)  Iuppiter  (in  Latium:  Lavinium:  Indiges)   646 

Vergegenwärtigen  wir  uns  ferner,  dafs  der  und  der  Beginn  dea  Kultes  vor  die  Gründung 
Iuppiter,  als  dessen  Abbild  der  siegreiche  Roms  gesetzt.  Da  die  Sage  von  der  Einwande- 
Feldherr  bei  Triumphen,  bekleidet  mit  den  rung  des  Aeneas  erst  in  weit  späterer  Zeit  in 
In9ignien  des  höchsten  Gottes,  dem  Festzuge  Latium  Eingang  fand  [Schwegler,  Röm.  Gtsch. 
voranfuhr  (über  den  tuskischen  Ursprung  der  1,287  Anm. 21;  i 09  Anm. 5;  328.  Hild,  la  legende 
Sitte  s.  Sp.  632),  kaum  passender  als  imperator  d' Fn.ee  avuut  Virg.  Paris  1883  p.  40ff.  Fr.  Cauer, 
genannt  werden  konnte,  so  scheint  der  Schlufs  Die  röm.  Aeneassage  von  Naevms  bis  Vergil 
nicht  ungehörig,  dafs  wir  keinen  ursprünglich  (K.  Jahrb.  f.  Phil.  Suppl.  15  (1887),  120ff.],  so 
latinischen  Kult  vor  uns  haben,  sondern  eine  unterliegt  es  keinem  Zweifel,  dafs  der  Name 
Übertragung  der etruskischen  Trias,  wobei  Inppi-  10  des  Aeneas  im  Kulte  gar  nicht  genannt  war, 
ter  den  Titel  imperator  vielleicht  erst  den  Lati-  sondern  dafs  die  Verehrung  ursprünglich  nur 
nern verdankt. (buxsummusimperatordivomatque  dem  Iuppiter  Indiges  galt.  Bestärkt  wird 
hominum luppiterbci Plaut.  Amph.1120  istnatür-  diese  Annahme  dadurch,  dafs  mit  der  Feier 
lieh  nur  eine  Übertragung  aus  d.  Griechischen.)  des  Iuppiter  Indiges  die  der  Vesta  und  der 
Die  Bezeichnung  imperator,  die  anfangs  nur  dem  Penaten  auf  das  innigste  verknüpft  ist  (Varro 
Iuppiter  zukam,  ist  in  unserer  Inschrift  auch  a.a.O.  Dion.  1,  67 ;  2,52.  Lio.l,  14,  3.  Ascon. 
auf  seine  ovwaoi  übergegangen.  Dafs  gerade  in  Cie.  Scanr.  p.  18  K.  et  S.  Serv.  ad  Aen.  3, 
zu  Praeneste  derselbe  Kult  sich  findet,  kann  12.  Vol.  Max.  1,  6,  7.  Macrob.  Sat.  3,  4, 
unsere  Vermutung  nur  bestätigen;  denn  unter  11),  eine  Vereinigung,  der  wir  zu  Rom  in 
allen  latinischen  Städten  ist,  wie  die  zahl-  20  dem  uralten  Kultlokal  der  Regia  mit  dum 
reichen  Funde  beweisen,  keine  so  sehr  wie  Vestatempel  wieder  begegnen  (s.  unten).  Als 
Praeneste  dem  etruskischen Einflufs  unterworfen  Vermittler  der  sakralen  Beziehungen  zwischen 
gewesen.  So  hatte  also  zu  Falerii  Iuppiter  Lavinium  und  Rom  nennt  Luean.  Phars.  7,  394 
seinen  Sitz  erhalten  und  mit  ihm  genossen  den  Numa.  Vermutungen  über  den  Zusammen- 
in  gemeinsamem  Tempel  Iuno  und  Minerva  hang  von  Numicius,  Nurnitor,  Nnma,  welche 
hohe  Verehrung;  vgl.  Kuhfeldt,  de  Capitoliis  die  von  dem  höchsten  Gott  ausgehende  Ord- 
imperii  Somani,  Berl.  1883,  p.  27  ff.  Die  Esi-  nung  und  Gesetzlichkeit  als  irdische  Repräsen- 
stenz  eines  Iuppiter  Curis  wird  zwar  nur  durch  tanten  zum  Ausdruck  bringen,  s.  bei  Gilbert, 
eiue  Stelle  Tertullians  bezeugt  (apol.  24  Fa-  Gesell,  u.  Topogr.  d.  Stadt  Born  1,  356;  365 
liscorum  in  honorem  patris  Curis  et  aeeepit  so  Anm.  1.  Den  Herrscher  des  Himmels,  sein 
cognomen  Inno),  aber  es  liegt  durchaus  keine  schaffendes  und  belebendes  Wirken  in  der  Na- 
Veranlassung  vor  für  patris  Curis  mit  Gar-  tur  sehen  die  Lavinienser  konkret  vor  sich  in 
rucci  patriae  Citritis  zu  konjicieren.  Iuppiter  den  Gewässern  des  Numicius,  der  wie  die  Sage 
Curis  bildet  das  Pendant  zu  der  bekannten  ging  (Verg.  Aen.  7,  150  und  Serv.  zu  d.  Stelle), 
faliskischen  Kriegsgöttin  Iuno  Curitis,  demnach  in  älterer  Zeit  in  weit  höherem  Mafse  als 
wäre  (im  Gegensatze  zu  Deeclce)  in  ihm,  nicht  später  die  Gefilde  der  Stadt  befruchtend  durch- 
im  Iuppiter  Imperator  der  spezifische  Kriegs-  strömte;  und  insofern  sein  Walten  und  seine 
gott  der  Fali>ker  zu  sehen  Den  Iuppiter  C  im  i-  Thätigkeit  an  jenen  Flufs  gebunden  zur  Er- 
nius  (C.  I.  L.  11,  2688),  dpr  von  Jordan  im  scheinung  kam,  hiefs  er  Iuppiter  Indiges  [Peter 
Index  zu  Prellers  Röm.  Myth.  2  S.  473  für  1  40  Bd.  2  Sp.137,  24ff.).  Alsabei^eitBeginn  desdrit- 
S.  241  Anm.  1  citiert  wird  und  in  den  Nach-  ten  vorchristlichen  Jahrhunderts  griechische  Er- 
trägen (2  p.  V)  zu  der  erwähnten  Stelle  zu  Zahlungen  auf  den  einheimisch  latinischen 
finden  ist,  scheint  Deecke  a.  a.  0.  S.  83  für  Sagenkreis  umgestaltend  wirkten  und  ihnen 
eine  faliskische  Gottheit  zu  halten,  indes  der  zufolge  Aeneas  im  Kampfe  mit  Mezentius  oder 
Fundort  Volsinii  liegt  schon  aufserhalb  des  Turnus  in  der  Nähe  des  Numicius  ver.-chwun- 
faliskischen  Gebietes.  Auf  dem  Schlufsstein  den  war  oder  in  seinen  Wellen  den  Tod  ge- 
eines  Thores  zu  Falerii  ist  ein  jugendlicher  fundpn  hatte  (Bd.  1  Sp.  1798'.),  wurde  auf  ihn 
bartloser  Kopf  gefunden  worden;  da  man  in  als  divus  pater  indiges  die  göttliche  Würde 
ihm  eine  Darstellung  luppiters  ei  kennen  wollte,  übertragen,  Dion.  1,  64  Kai  av-ccö  Karucxtv- 
gab  man  dem  Thore  den  Namen  porta  di  Giove;  50  cjouciv  of  AaxCvoi  rjpcäov  sjn.ygaqpi)  xoiüSs 
es  ist  wohl  eher  an  Apollo  zu  denken  (vgl.  v.oaaovuivov,  nargög  arsov  x^oviov,  og  norcfiov 
die  Abbildungen  desselben  auf  etruskischen  Novu.tv.tov  qtvua  diinu.  Wenn  wir  die  Worte 
Münzen  b.  Deecke,  Flr.  Forschg.  2  Taf.  1,  8;  2,  des  Schriftstellers  narnös  ■Stoü  jSim'oii  ög  .  .  . ., 
32),  vor  allem  wegen  der  Analogieen  anderer  die,  wie  schon  Burmann,  Alllatin.  Clinrogr.S.  112 
Thore;  s.  Deecke,  Falisker  S.  40).  Anm.245sah,nichtwiediewörtlicheÜbersetzung 
Latin  er;  Zu  Lavinium  der  alten  geist-  einer  Inschrift  klingen,  und  die  Übersetzung 
liehen  Metropole  von  Latium  und  Rom  (Varro  divi  putris  indigetis  (vgl.  Solin  2,  15;  de  orig. 
1.1.  5,144.  Dion.  5,12.  it'u.5,52,8.  Plut.  Cor.W)  gent.  Rom.  14,  4)  als  sicher  beglaubigt  anneh- 
wurde  in  einem  Heiligtume  am  Flusse  Nurni-  men,  so  kann  unter  dieser  Bezeichnung  nur 
cus  (C.  I.  L.  14,  2065)  odtr  Numicius  eine  bott-  oo  der  fremde  Stammheros  verstanden  werden, 
heit  verehrt,  die  bald  als  Iuppiter  Indiges  Denn  abgesehen  von  den  Gründen,  die  Reiffer- 
(Lio.  1,2,  6.  Plin.n.h.3,5G.  Serv.  ad  Aen.  1,259;  scheid  {ann.  delV  inst.  1866  S.  216)  gegen  die 
4,  620)  bald  als  Aeneas  Indiges  (zu  den  Stellen  von  Preller  (Röm.  Myth.  1  S.  57)  vertretene  Mei- 
Bd.  2  Sp.  133,  39,  vgl.  noch  luv.  11,  63),  ein-  nung,  aus  divus  pater  indiges  sei  im  allgernei- 
mal  als  natrig  debg  %&6vLog  (=  divus  pater  nen  Sprachgebrauche  Iuppiter  indiges  hervor- 
Indiget;?)  bezeichnet  wird  [Dion.  1,  64).  über-  gegangen,  mit  Recht  geltend  gemacht  hat, 
einstimmend  wird  von  allen  Quellen  der  Zu-  liegt  in  der  eben  angeführten  Ansicht  Prellers, 
sammenhang  mit  dem  Numicius  hervorgehoben  wonach  divus  pater  indiges  die  ältere  Benen- 

21* 


647    Iuppiter  (in  Latium:  Lavinium:  Indiges)  Iuppiter  (in  Latium:  Praeneste :  Puer)     648 


nung  war,  und  der  ferneren  Vermutung,  Iup- 
piter indiges  seheine  der  wirkliebe  Kultusname 
gewesen  zu  sein  (ebend.  2, 142  Anm.  t),  ein  offener 
Widerspruch,  da  die  mit  zäher  Festigkeit 
an  den  überkommenen  Formeln  hängenden 
Kömer  den  Wortlaut  der  Gebete  selbst  dann 
beibehielten,  wenn  ihnen  der  Sinn  nicht 
mehr  verständlich  war  (vgl.  die  Lieder  der 
Salier  und  Arvalen).  Es  erzählt  nun  Dion. 
a.  a.  0.  (vgl.  Strdbo  5,  229.  de  orig.  gent. 
Rom.  10.  11)  aufser  der  schou  bekannten 
Version:  Aeneas  habe  seinem  Vater  Ancbises 
ein  Jahr  nach  dessen  Tode  ein  Heroon  ge- 
weiht; die  Widmung  des  Ascanius  an  Aeneas 
finden  wir  im  Schol.  Veron.  ad  Aen.  1 ,  260 
Ascanius  hostibus  devictis  in  loco  quo  (pater) 
apparuerat,  Aeneae  indigtti  templum  äieavit, 
ad  quod  pontifices  quotannis  cum  consulibus 
veniunt  sacrificaturi;  vgl.  Paul.  p.  10G  s.  v. 
indiges:  hoc  nomine  Aeneas  ab  Ascanio  appella- 
tus  est,  cum  pugnans  cum  Me:entio  nusquam 
apparuisset.  Demnach  könnte  man  auch  ver- 
muten, dafs  erst  nach  dem  Bekanntwerden 
obiger  Sagen  an  Stelle  des  ursprünglichen 
Heiligtumes  ein  neuer  Tempel  erbaut  wurde, 
der,  als  Restitution  des  alten  Kultlokales  gefafst, 
der  inzwischen  eingedrungenen  Sage,  nach 
welcher  durch  Aeneas  oder  Ascanius  dem  zum 
Gotte  erhöhten  Yatf-r  ein  Heroon  gestiftet 
wurde ,  in  seiner  Aufschrift  Ausdruck  verlieh, 
und  nctzQog  &sov  wäre  ganz  wörtlich  im 
Sinne  der  mythischen  Dedikanten  zu  verstehen. 
Auch  der  einheimische  Ahnherr  Latiums  Lati- 
nus  wurde  mit  dem  Numicius  in  Verbindung 
gesetzt;  Fest.  p.  194  (weiteres  s.  unter  Iuppiter 
Latiaris).  'Bis  in  die  späte  Kaiserzeit  blieb 
der  sakrale  Zusammenhang  zwischen  Lavinium 
und  Rom  ein  so  inniger,  dafs  jährlich  die 
Pontifices  mit  den  Konsuln  sich  zum  Numieius 
begaben,  um  hier  im  Heiligtume  des  Iuppiter 
Indiges  ein  Opfer  darzubringen;  Schal.  Veron. 
ad  Aen.  a.  a.  0.  Eine  aus  der  Regierungszeit 
des  Claudius  (zwisch.  47  u.  54  p.  C.)  stammende 
Inschrift  aus  dt-m  Iuppitertempel  auf  dem 
Forum  von  Pompei  (C.  I.  L.  10,  797)  nennt 
einen  flauten  Dialis  zu  Lavinium;  Servius  ad 
Aen.  8,  664  berichtet  von  einem  Opfer  der 
ftamines  an  demselben  Orte;  da  aber  hier 
offenbar  die  römischen  Priester  zu  verstehen 
sind,  so  wird  man  über  die  auf  der  Inschrift 
erwähnten  (lamines  ebenso  urteilen;  vgl.  in- 
des Marquardt,  Hörn.  Staatsverw.  3  '-'  S.  334  A.  4. 
Die  Frage  über  den  Iuppiterkult  zu  Prae- 
neste und  sein  Verhältnis  zur  Fortuna  Primige- 
nia  ist  schoD  von  Peter  mit  Angabe  der  einschlä- 
gigen Litteratur  Bd.  1  Sp.  1542 ff.  ausführlicher 
behandelt  worden,  ich  kann  mich  daher  kurz 
fassen;  die  wichtigste  Stelle  findet  sich  bei 
Cic.  de  diu.  2,  85  etc  :  Kumcrium  Suffustium, 
Praenestinorum  monumenta  declarant,  honestum 
hominem  et  nobilem  somniis  crebris  ad  extre- 
mian  etiam  minaeibus ,  cum  iuberetur  certo  in 
loco  silicem  caedere  perterritum  visis,  irrideidi- 
bus  suis  civibus  id  agere  coepisse;  itaque  per- 
fracto  saxo  sortes  erupisse  in  robore  insculptas 
priscarum  litterarum  notis.  Is  est  hodie  locus 
saeptus  religiöse  propter  lovis  pueri  (sc.  tem- 
plum vel  saceltum)  qui  lactens  cum  Iunone  For- 


tunae in  gremio  sedens  mammae  adpetens  ca- 
stissime  colitur  a  matribus.  Eodemque  tempore 
in  eo  loco,  ubi  Fortunae  nunc  sita  est  aedes, 
mel  ex  olea  fluxisse  dieunt  haruspicesque  dixisse 
summa  nobditate  Mas  sortes  futuras  eorumque 
iussu  ex  üla  olea  arcam  esse  factum  eoque  con- 
ditas  soites,  quae  hodie  Fortunae  monitu  tollun- 
tur.  Quid  igitur  in  his  polest  esse  certi,  quae 
Fortunae  monitu  pueri  manu  miscentur  atque 

10  dueuntur Fani  pulehritudo   et   vetustas 

Praerustinarum  etiam  nunc  retinet  sortium 
nomen  atque  id  in  volgus.  Deutlich  weiden  in 
dieser  Stelle  die  Heiligtümer  des  Iuppiter  Puer 
und  der  Fortuna  Primigenia  unterschieden; 
auf  letzteres,  dessen  Giebeldach  Babelon,  monn. 
de  la  re'publ.  Korn.  2  S.  315  auf  Münzen  des  M. 
PlaetoriusCestiauus  erkennen  will,  beziehen  sich 
folgende  wegen  der  Erwähnung  luppiters  hier 
nennenswerte    Inschriften:     (Jrcevia.    Numeri. 

20  nationu.  cratia  |  Fortuna.  Diovo.  filei  |  Primo- 
cenia  |  donom  dedi  =  Orcevia  Kumerii  (uxor) 
nationis  gratia  (nach  Mommsen  =  propter  fetu- 
ram  pecorum,  vgl.  Fest.  s.  v.  natio  p.  167: .... 
in  pecoris  quoque  bonus  proventus  feturae  bona 
natio  dicilur)  Fortunae  Diovis  filiae  Primi- 
geniae  donum  dedi  (aufser  den  von  Peter  a.a.O. 
citierten  Stellen  vgl.  noch  Motcat,  comptes 
rendus  de  l'acad.  des  inscr.  et  b.-l.  ser.  4  vol. 
12  (1884)  p.  366ff.  C.  I.  L.  14,  2863).     Fortu- 

so  nae  lovi  puero  (verschrieben  für  lovis  puero 
oder  gleich  Iovipuero  nach  Jordan  a.  a.  0. 
p.  4)  ex  testamento  Treboniae  Sympherusae  P. 
Annius  Herma  heres  l.  d.  d.  d.  (6.  I.  L,  14, 
2868).  Fortunae  lovis  puero  (sie)  Primigeniae 
d(onum)  d('edit)  ex  sorte  compos  factus  Nolhus 
Ruficanae  L.  f.  Plotillae  (C.  I.  L  14,  2862), 
beidemal  puero  =  filiae  nach  altem  Sprach- 
gebrauch {Charis.  1  p.  84  Keil.  Prise.  1  p.  231 
Hertz).    Mommsen  (Heim.  19  (1884)  p.  455)  will 

40  in  der  Hinzufügung  der  sonst  ungewöhnlichen 
Verwandtschaftsbenennung  eine  Erinnerung 
daran  sehen  fwie  lebendig  und  sinnlich  diese 
Göttergestalt  einst  den  Latinein  vorgeschwebt 
hat'.  Da  der  abstrakte  Charakter  der  alt- 
italischen Religion  M}rtben  von  Ehen  der  Un- 
sterblichen nur  wenig  aufkommen  liefs,  von 
Kindererzeugung  überhaupt  keine  Spur  aufzu- 
weisen hat,  da  ferner  die  Bezeichnungen  pater 
und  mater,  wie  wir  im  ersten  Abschnitt  sahen, 

50  nicht  für  verwandtschaftliche  Beziehungen  ge- 
braucht werden,  so  müssen  wir  der  Ansicht 
Jordans  a.  a.  0.  p.  12  beipflichten,  dafs  filia 
lovis  nicht  gleich  prognata  Iore  sei,  sondern 
nur  das  nahe  Verhältnis  bezeichne,  in  dem 
die  durch  ihre  Orakel  in  ganz  Italien  berühmte 
Fortuna  (C.  I.  L.  14,  2989.  Fast.  Praen.  C.  I.  L. 
1  p.  316.  Val.  Max.  1,3,1;  weitere  Stellen 
Bd.  1  Sp.  1545  ff.)  zu  dem  höchsten  und  mäch- 
tigsten   Gotte    steht.     Der    Anfang    eines    in- 

co  schriftlich  erhaltenen  Widmuugsgedichtes  des 
Praenestiners  T.  Caesius  Taurinus:  Tu  quae 
Tarpeio  coleris  vicina  Tonanti  \  Votorum  vin- 
dex  semper  Fortuna  meorum  (Anth.  lat.  1  nr. 
622  Meyer  =  C.  I.  L.  14,  2852)  wird  von  Dessau 
(zur  angegebenen  Stelle  des  Corpus)  auf  die 
römische  Fortuna  Primigenia  bezogen,  die 
nach  Plut.  de  fort.  Rom.  10  auf  dem  Capitol 
ihren  Sitz  hatte.    Dafs  daselbst  der  von  Augu- 


649   Iuppiter  (in  Latium:  Praeneste:  Puer)  Iupp.(i.  Tibur  [Praestes],Tusciilum[Maius])  650 

stus  a.  22  dedicierte  Tempel  des  Iuppiter  To-  Iunonarium  [Ann.  d.  inst.  1885  S.  85.  C.  I.  L. 
nans  (mon.  Anc.  4,  5.  Bio.  54,  4)  sich  befand  14,  2867;  die  von  Peter  Bd.  1  Sp.  1543,  17  an- 
und  die  Anspielung  auf  den  mons  Tarpeius  gelührte  Inschrift  Iovi  O(ptimo)  M(aximo)  et 
spricht  für  jene  Ansicht,  doch  der  Fundort  Fortunae  Primigeniae  etc.,  sowie  eine  ähnliche 
Praeneste  und  die  Erwähnung  ausschliefslich  Iovi  et  Fortunae  Primigeniae,  die  hier  zu  er- 
praenestinischer  Gottheiten,  vor  allem  des  Iup-  wähnen  wären,  sind  nicht  echt  (C.  I.  L.  14, 
piter  Arcanus  (v.  16  Fortunae  simulacra  colens  272*.  271*)].  Mit  dem  loosziehenden  Knaben 
et  Apollinis  aras  |  Arcanumque  Iovem  nicht  im  Tempel  der  Primigenia  (Cic.  a.  a.  0.  vgl. 
Arkanum  Jordan,  Top.  1,  2,  64  Anm.  64),  ebend.  1,  34;  ist  etwa  der  Iuppiter  Sortifer  bei 
machen  es  sehr  wahrscheinlich,  dafs  die  For-  io  Lucan,  Pliars.  9,  512  vgl.  2,  193  hierher  ge- 
tuna  Primigenia  zu  Praeneste  gemeint  ist.  To-  hörig?)  hat  man  das  jugendliche,  bartlose  über 
nans  ist  ein  sehr  gebräuchliches  Attribut  des  einer  Lade  "oder  Tafel  mit  drr  Aufschrift  sors 
höchsten  Gottes,  und  die  Übertragung  des  Na-  befindliche  Haupt  einer  Münze  des  M.  Plaeto- 
mens  Tarpeius  auf  den  Burghügel  einer  andern  rius  Cestianus  (Mommsen.  R.  M.  p.  622  nr.  261g. 
Stadt  hat  nichts  Anstöfsiges.  Haben  wir  so  den  =  Bdbelon  a.  a.  0.  2  p.  315  nr.  10)  identifiziert. 
Kult  eines  capitolinischen  Iuppiter  zu  Praeneste  Da  das  Bild  des  Iuppiter  Puer  in  der  Nähe  des 
bezeugt  gesehen,  so  liegt  es  nahe,  mit  ihm  Ortes  aufgestellt  Bei,  wo  Numerius  Suffustius 
den  von  Liv.  6, 29,  8  genannten  Iuppiter  Impe-  die  Loose  mit  den  altertümlichen  Schriftzeichen 
rator  zu  identifizieren,  dessen  Bild  der Dictator  gefunden  habe,  und  so  auf  eine  Beziehung 
T.  Quinctius  nach  einem  glänzenden  Sieg  über  so  zu  dem  grofsen  Tempel  hingedeutet  werde, 
die  Aequer  von  Praeneste  nach  lioni  schaffen  so  könne  man,  wie  Jordan  a.  a.  0.  p.  13  meint, 
und  hier  mit  einer  Widmung  auf  dem  Capitol  den  Knaben  auf  der  Münze  für  eine  Gottheit 
aufstellen  Hefa  (vgl.  den  Abschnitt  über  die  Fa-  halten;  doch  vermutet  Bdbelon  a.  a.  0.  wohl 
lisker  Sp.643ff).  In  dem  zweiten  von  Cic.  a.a.O.  mit  Recht,  dafs  es  sich  um  eine  Darstellung 
genannten  Heiligtume  befand  sich  das  Bild  der  freilich  sonst  wenig  bekannten  Göttin  Sors 
der  Fortuna;  in  ihrem  Schofse  waren  Iuppiter  handle.  Das  Kalbsopfer  in  den  Fast.  Praen. 
und  Iuno  als  Säuglinge  dargestellt.  (Über  die  ad  Apr.  11  0.  I.  L.  1  p.  316  bezieht  Preller, 
Zugehörigkeit  ähnlicher  Terracotten  zu  diesem  B.  M.  2  S.  191  Anm.  2  ohne  genügenden  Grund 
Kulte  siehe  Bd.  1  Sp.  1543,  36ff.).  An  ein  ver-  auf  den  Iuppiter  Puer.  Dafs  der  letztere  in- 
wandtschaftliches  Verhältnis  ist  hier  ebenso- 30  folge  des  schon  mehrfach  erwähnten  Zusammen- 
wenig zu  denken,  wie  oben  bei  lovis  filia;  in  hanges  mit  dem  Orakel  auch  als  Arcanus  oder 
der  säugenden  Fortuna  sieht  Jordan  (symbolae  Arkanus  verehrt  wurde,  ist  eine  ansprechende 
ad  ldstoriam  rd'igionum  Italicarum  alterae  ind.  Vermutung  Prellers  a.  a.  0.,  doch  keineswegs 
lect.  Regim.  1885  p.  12)  Spuren  des  Glaubens  sicher  trotz  der  Verbindung  mit  Apollo  'als 
an  eine  uralte  Gottheit,  die  Schöpferin  aller  Gott  aller  Weissagung'  (C.  I.  L.  14,  2852). 
Götter  und  Menschen.  Marucchi,  bullet,  d.inst.  Amatores  regionis  macelli  cultores  lovis  Arkani 
1881  S.  251  will  auch  dieser  Fortuna  den  Na-  (C.  I.  L.  14,  2937)  oder  cultores  lovis  Arkani 
men  Primigenia  geben  (...  si  venerava  la  For-  regio  macelli  (C.  I.  L.  14,  2972)  werden  auf 
tuna  che  teneva  in  grembo  Giove  lattante  e  praenestinischen  Inschriften  der  spätem  Kaiser- 
Giunone  gruppo  che  ben  si  addice  dl  titolo  de  40  zeit  genannt,  doch  weist  die  Verbindung  mit 
Primigenia  dato  alla  Fortuna  venerata  in  Pre-  der  regio  macelli  im  Gegensatz  zu  den  auf 
neste),  Cicero  erwähnt  ihn  nicht.  Dafs  als  der  der  Burg  gelegenen  anderen  Tempeln  Iuppiters 
eigentliche  Besitzer  des  Tempels  Iuppiter  Puer  eher  auf  die  Niederung. 

galt  und  Fortuna   sowie  Iuno  nur  als  avvvaoi  Die  ganze  Frage  nach  dem  Iuppiterkult  und 

betrachtet  wurden,  ergeben  einmal  die  Worte  seinen    Beziehungen    zur    Fortuna    Primigenia 

propter  lovis  pueri,  zu  denen  nach  lateinischem  bedarf  noch  einer  eingehenden  Untersuchung. 

Sprachgebrauche  nur  ein  Begriff  wie  sacellum  Zu  Tibur  gab  es  einen  alten  Altar  des  Iup- 

oder    aedes    ergänzt    werden    kann   (über   Be-  piter  Praestes   (Gott   der   sichern   Erfüllung, 

nennungen  der  Tempel,  in  denen  mehrere  Gott-  Preller,  B.  II.  1   S.  207,  od.  Schützer  d.  Mauern, 

heiten  verehrt  wurden,  vgl.  Ausl,   de   aedibus  50  vgl.    Ov.  f.  5,  135),    der    ihm    von   dem   sieg- 

sacris  populi   Boinani   etc.    Marbg.  Diss.   1889  reichen  Hercules  geweiht  sein  soll  (s.  unten  den 

p.  40),    sodann    die   Hinzufügung    'gui   lactens  Altar  des  Iuppiter  Inventor  an  der  Porta  Trige- 

cum  lunone  Fortunae   in  grernio  sedens  mam-  mina  in  Rom).     Der  römische  Prätor  Blandus, 

mam    appetens   castissime    colitur  a  matribus'  aus  Tibur  gebürtig,   stellte  ihn  zu  den  Zeiten 

(=  von   den   mit  Kindern  gesegneten  Müttern  des  Kaisers  Tiberius  (Tac.  ann.  6,  27)  wieder 

Preller,  B.  M.  2  S.  190  Anm.  1).     Neben  dem  her  (C.  /.  L.  14,  3555  Iovi.  Praeititi  |  Hercules. 

wegen  seiner  Pracht  und  Schönheit  gefeierten  Victor,    dicavit  \  Blandus.  prlaetorj.   restituit). 

Tempel  der  Fortuna  kann  diese  Kultstätte  nur  Vermutungen  über   den   Zusammenhang  jener 

von   untergeordneter  Bedeutung  gewesen  sein.  Widmung    mit    einem    zu    Tibur    bestehenden 

Für  die  engen  Beziehungen  zwischen  Fortuna  co  Hercules-Cacusiuytrjus  und  einer  Dedikationdes- 

Iuppiter  und  Iuno   haben  wir  eine  Reihe  von  selbenBlaudus  an  Iuno  giebt  PtterBä.  1  Sp.  2278. 

Anhaltepunkten:    das   Kultbild,   die   Nachbar-  3003.     Die   Beinamen   Custos   und  Territor 

schaft    der    einzelnen   Heiligtümer    (Bormann  (CLL.  14,  3557.  3559)  sind  nicht  altlateinisch, 

a.  a.  0.    p.  207 ff.     Marucchi  a.  a.  0.    p.  248 ff.  sondern  stammen  erst  aus  späterer  Zeit. 

Blondel  in  Melanges  d'arche'ol.  et  d'hist.  2[1882]  Dafs   die   Tusculaner    Iuppiter   als   deus 

S.  168ff.),  den  Spiegel  von  Palestrina  (C.  I.  L.  Maius  verehrten,  berichtet  Macrot.  Sat.  1,  12,17 

14,  4105),  wo  Fortuna  neben  Diesp(i)t(e)r  und  sunt  gui  hunc  mensem  (Maium)  ad  nostros  fastos 

Iuno    steht,    schliefsHch    die    Erwähnung    des  a  Tusculanis  transisse  commemorent,  apud  quos 


651   Itippiter  (physikaL  Wesen d.  ital. Iuppiter)  Iuppiter  ^  ethisch.  "Wesen  d.  ital.  Iuppiter  <   652 

nunc  quoque  vocatur  deus  Maius  qxä  est  Iup-  allen  Dialekten  gemeinsamen  Stamme  diov  be- 
piter  a  mognitudine  sdlicet  et  maiestate  dictus  reits  deutlich  ausgesprochen,  findet  eine  weitere 
(.die  Inschrift  Iori  maio  saerum  Sensen  5637,  Bestätigung  in  dem  Namen  Lucetius  und  in 
mit  dem  Zusatz  P.Muciuspater[s.G-arrueci,Sytt.  der  Weihe  der  Idus,  d.  h.  der  Zeiten,  an  denen 
564]  ist  gefälscht,  vgl.  C.  I.  L.  14,  216*).  Die  bei  Tage  der  Glanz  der  Sonne,  bei  Nacht  das 
Zusammenstellung  mit  der  Erdgöttin  Maia  und  Leuchten  des  Vollmondes  die  eigenartige  Natur 
die  Verwandtschaft  des  Stammes  in  maius  mit  Iuppiters  ununterbrochen  offenbaren.  Neben 
denen  von  magis,  maior,  macte  (Preller,  B.  31.  der  täglichen  und  nächtlichen  Helle  wurden 
1  S.  398")  zeigen  deutlich,  dafs  die  Ursprung-  auch  die  anderen  Erscheinungen  und  Wirkungen 
liehe  Bedeutung  einer  Naturgottheit  hier  noch  10  des  himmlischen  Lichtes,  alle  Veränderungen 
in  vollem  Umfange  gewahrt  ist.  AD  Personi-  der  Luft  auf  ihn  als  Urheber  zurückgeführt; 
fikation  der  Kraft,  welche  auf  das' Wachstum  im  Regen,  der  befruchtend  zur  Erde  nieder- 
und  die  Vermehrung  der  Produkte  der  Erde  strömt,  im  leuchtenden  Blitz  und  rollenden 
fördernd  wirkt,  steht  der  deus  Maius  dem  Iup-  Donner  erkannte  man  sein  göttliches  Walten, 
piter  Liber  am  nächsten,  und  dafs  der  Kult  und  achtete  früh  auf  die  himmlischen  Zeichen 
des  höchsten  Gottes  unter  diesem  Namen  zu  als  Äußerungen  des  göttlichen  Willens.  DieBe- 
Tusculum  nicht  fremd  war,  ersehen  wir  aus  deutung  des  Wetters  für  alle  Arten  des  Land- 
der  daselbst  gefundenen  Inschrift  [IJovi  Über-  baues  machte  ihn  zum  Beschützer  aller  Acker, 
ta[ti]  j  saerum  posilum  aedil  I.  Yaleri.  Bassi  Weideplätze  und  Weinberge,  den  man  im  Ge- 
praef.  fabrum  (C.  I.  L.  1 ,  11-24  =  14,  2579'.  20  bet  um  Hülfe  gegen  schädliche  Einflüsse  und 
Über  die  verschiedene  Benennungsweise  Liber,  Segen  für  das  Gedeihen  der  Früchte  und  Saaten 
Liberator,  Libertas  siehe  unten.  Nach  Liv.  27,  anflehte.  Wie  seine  Macht  im  Erdboden  die 
4,  11  schlug  a.  544  u.  c.  ein  Blitzstrahl  in  den  Keime  neuen  Lebens  entfaltet,  so  wirkt  er 
Giebel  eines Tusculan.  Iuppitertempels.  Die/hsf.  schaffend  und  zeugend  auch  in  den  höheren 
Tusc.  (C.  I.L.l  p.  300=14,  2575)  bestimmen  an  Organismen  und  wird  zum  U7rahn  des  Menschen- 
den Iden  des  Juni  ein  Fest  für  den  Himmels-  geschlechts.  Infrüher  Zeit  bereits  ist  eine  Ver- 
vater.  Dunkel  bleibt  das  Wesen  des  Iuppiter  geistigüng  im  Begriffe  Iuppiters  eingetreten, 
Beonus  zu  Lanuvium  (so  heifst  er  auf  einer  die  natürlichen  Vorstellungen  des  Lichtes  und 
kreisförmigen  Marmorplatte  C.  I.  L.  14,  4177).  der  Reinheit  werden  übertragen  auf  die  sittliche 
Ob  der  Tempel  daselbst,  der  a.  536  u.  c.  zu-  so  Welt.  TVo  Licht  ist,  da  ist  Wahrheit;  darum 
gleich  mit  dem  Markte  vom  Blitz  getroffen  gilt  der  Gott  des  strahlenden,  alles  beleuch- 
wurde,  in  Beziehung  zu  dem  auf  Inschriften  tenden  Himmels  zugleich  als  Verkörperung  der 
genannten  Iuppiter  Optimus  Maximus  Conser-  moralischen  Ideen  der  Treue  und  Heiligkeit, 
vator  oder  Sispes  (der  Inno  Sospita  entspre-  der  Gesetzlichkeit  und  Ordnung;  werden  sie 
chend,  siehe  diese)  zu  setzen  sei,  wie  Bonnann  verletzt,  dann  rächt  er  selbst  den  Frevel  oder 
(Altlatin.  Chorogr.  S.  216)  meint,  mufs  ebenso  leiht  den  Geschädigten  im  Kampfe  gegen  die 
unentschieden  gelassen  werden,  wie  die  Frage,  Missethäter  seinen  Beistand;  er  schirmt  das 
ob  das  unter  den  Prodigien  des  Jahres  541  u.  c.  Recht  und  das  Eigentum  nicht  nur  des  Ein- 
erwähnte Heiligtum  desselben  Gottes  zu  Aricia  zelnen,  sondern  auch  der  Gemeinde,  und  hierin 
(Liv.  24.  44,  8)  zu  einem  einheimischen  Kulte  40  liegt  der  Ausgangspunkt  für  seine  politische 
gehört  habe.  Bedeutung,  die,  gehoben  durch  die  im  Sehleu- 
Ehe  wir  nun  zur  Betrachtung  des  Iuppiter-  dem  der  Blitze  sich  kundthuende  Macht, 
kultes  im  alten  Rom  übergehen,  wird  es  an-  ihn  schliefslich  als  das  himmlische  Abbild 
gebracht  sein  noch  einmal  uns  zu  vergegen-  der  obrigkeitlichen  (königlichen)  Gewalt,  der 
wärtigen,  welche  Richtungen  im  Wesen  dieses  Macht  und  Hoheit  des  Staates  zeigt.  Indem 
Gottes  bei  den  verschiedenen  italischen  Stäin-  er  die  Majestät  des  irdischen  Staatsober- 
men  hervorgetreten  sind,  um  aus  der  Gemein-  hauptes  widerspiegelt,  wurde  er  selbst  zum 
eamkeit  oder  Verwandtschaft  bestimmterEinzel-  höchsten  Herrscher  unter  den  übrigen  Göttern. 
Vorstellungen  den  allgemeinen  Begriff  zu  Diese  kurz  berührten  Grundzüge  fiuden  wir 
gewinnen,  der  vor__  dem  Eindringen  fremder  50  auch  in  der  altrömischen  Religion  bis  zur  Er- 
Elemente und  dem  Übergewicht  des  römischen  baunng  des  capitolini.-chen  Tempels  haupt- 
Staatskultes  sich  in  dem  religiösen  Bewufst-  sächlich  vertreten,  und  dank  den  genaueren 
sein  der  Völker  Italiens  herausgebildet  hatte.  Nachrichten  sind  wir  im  stände  jenes  Bild  zu 
Welche  Prinzipien  man  sich  auch  als  wirksam  erweitern  und  zu  vervollständigen, 
denken    mag    bei    der  Erzeugung    bestimmter 

Gottesideen,   so  unterliegt  es  gerade  bei  Iup-  Altester  Kult  in  Rom. 

piter    keinem   Zweifel,    dafs    für    die   Bildung  In   die   eisten  Anfänge  Roms,   als   die  Be- 

seines  Begriffes  in  erster  Linie  physikalische  wohner    der    einzelnen   Hügel    noch    nicht   zu 

Vorgänge  mafsgebend  gewesen   sind.     Denn  einem  politischen  Ganzen  geeint  waren,  führen 

je  weiter  wir  die  Spuren  seines  Dienstes  zurück-  eo  uns  die  Nachrichten  von  der  Verehrung  Iuppiters 

verfolgen,   um   so   schärfer  treten  die  auf  die  (wir  verdanken  sie  meist  den  Argeerurkunden 

Natur   bezüglichen  Seiten   seines  Wesens  her-  bei    Varro)    auf    den    hochgelegenen  Punkten 

vor,    um   so   ungetrübter  und  reiner  wird  das  der  Stadt,  wo  ein  Baum  oder  einfacher  A  tar 

Bild  der  Naturgottheit,  die  in  heiligen  Hainen  den    Mittelpunkt   der   religiösen  Feier   bildete 

und   auf  lichten   Höhen,   wo   der  Mensch   den  (vgl.  Verg.Aen.  3,  679.   Sern,  ad  Georg.  3,332). 

Unsterblichen  näher  zu  sein  glaubte,  in  bilder-  So   gab   es   ein  Heiligtum    von  ihm   in   einem 

losem  Kulte  gefeiert  wurde.    Der  Charakter  des  Buchenhaine    auf    dem    Esquilin,     dem    soge- 

lichtspendenden  Himmelsgottes,  in  dem  nannten  Fagutal  (Fett.  p.  348),  in  engerem 


653   Iuppiter  (altröm.  Kulte:  Fagutalis  etc.)  ■  Iuppiter (altröm. Kulte :  Caelius, Lueet. etc.)  654 

Sinne  dient  der  Name  zur  Bezeichnung  der  falls  an  den  Kult  auf  dem  Quirinal  zu  denken 
Kultstätte  selbst.  Varro  1.  I.  5,  152  Fagutal  sein  wird).  An  der  Stelle,  wo  dem  Iuppiter 
a  fago  unde  etiam  Iovis  Fagutalis,  quod  ibi  Feretrius  ein  Tempel  errichtet  wurde,  soll 
sacettum.  Paul.  p.  87  Fagutal  sacellum  Iovis,  eine  alte,  den  Hirten  heilige  Eiche  gestanden 
in  quo  fuit  fagus  arbor,  guae  Iovis  sacra  ha-  haben  (Liv.  1,  10,  5).  Iuppiter  Caelius  und 
bebatur ,  vgl.  Varro  l.  I.  5,  49.  50.  Solin  1,  26.  Cacunus,  obwohl  erst  für  spätere  Zeit  bezeugt 
Zu  den  Zeiten  des  älteren  Plinius  war  der  (C.  I.  L.  6,  334  Hcrculi  Iuliano,  lovi  Caelio, 
Hain  bereits  verschwunden  (».  h.  16,  37  Sil-  Genio  Caelimontis  Anna  sacrum,  vgl.  Jordan, 
varum  certe  distinguebatur  (sc.  Roma)  insigni-  Top.  2  S.  259.  Bullet,  comm.  1887  S.  214; 
bus:  Fagutali  lovi  etiam  nunc,  ubi  lucus  fa-  10  Bd.  1  Sp.  2957.  Iovis  Cacunus  C.  I.  L.  6, 
geus  fuit);  die  verschiedenen  Ansichten  über  371  auf  einer  Bronzeplatte  gefunden,  vgl. 
die  Lage  desselben  sind  zusammengestellt  von  C.  I.  L.  9,  4876)  scheinen  auch  dem  Kreise 
Jordan, Top. 2S.2Ö3.  —  Gilbert,  Gesch.u. Topogr.  der  bisher  genannten  Kulte  anzugehören.  Eine 
1  S.  162  entscheidet  sich  für  den  Südabhang  des  Erinnerung  an  jene  Zeit,  wo  der  Differen- 
Üppius.  Auf  dem  Quirinal  hat  sich  eine  hier-  zierungsprozefs  iru  Wesen  des  höchsten  Gottes 
her  verschleppte  Dedikationsinschrift  vom  Jahre  noch  nicht  begonnen  hatte,  liegt  vor  uns  in 
109/110  v.  Chr.  gefunden,  worin  ein  vicus  Iovis  der  Anrufungsformel  der  Fetialen  (Liv.  1,  32, 
Fagutalis  genannt  wird.  C.  I.L.  6,  452  [Laribus  6.  9),  in  der  kein  Attribut  eine  bestimmte  Seite 
AJitgustfisJ  vici  Iovis  Fagutal [is]  .  .  —  Ein  Altar  seiner  Thätigkeit  hervorhebt.  Wir  gelangen 
war  dem  Iuppiter  auf  dem  Viminal  erbaut  20  zu  demselben  Resultate  noch  auf  anderem 
Varro  l.  I.  5,  51  Viminali  a  Iove  Vimino,  quod  Wege.  So  verschieden  auch  die  Ansichten 
(von  Jordan,  Top.  2,  261  in  quoius  ohne  Grund  der  Gelehrten  sein  mögen  über  die  Bevölke- 
geändert,  vgl.  Varro  5,  152)  ibi  ara  (Jordan  rungselemente  im  alten  Rom,  an  derThatsache 
a.  a.  0.;  arae  cod.  Flor.);  vgl.  Fest.  p.  376  selbst,  dafs  es  seine  politische  Stellung  einem 
Viminalis  et  porta  et  collis  appellantur,  quod  Synoikismos  verdankte,  besteht  kaum  noch 
ibi  viminum  fuisse  videtur  silva,  ubi  est  et  ara  ein  Zweifel.  Findet  sich  nun  bei  eiuer  Prüfung 
lovi  Viminio  consecrata;  eine  Abbildung  des  der  oben  angeführten  Beinamen  das  bemerkens- 
Altares  giebt  uns  eine  Marmorplatte  vom  vi-  werte  Faktum,  dafs  sie  sämtlich  nicht  einer 
minalisehen  Thore  (Fiorelli,  Notizie  degl.  seav.  besonders  stark  hervortretenden  Richtung  im 
1877  S.  82,  Bruzza,  comm.  philol.  in  hon.Momms.  30  Begriffe  Iuppiters,  sondern  lokalen  Rücksichten 
p.  557  ff.,  Jordan,  Top.  1,  1  S.  223).  Aus  der  Er-  ihren  Ursprung  verdanken,  so  führt  uns  das 
wähnung  des  collis  Latiaris  (Varrol.l.ö,  52)  zu  dem  Schlüsse,  dafs  die  Auffassung  vom 
und  der  Bemerkung  desselben  Schriftstellers,  Wesen  jenes  Gottes  bei  den  Sondergemeinden 
die  5  colles  (Viminalis,  Latiaris,  Mucialis,  vor  der  politischen  Einigung  in  der  Hauptsache 
Salutaris,  Quirinalis)  seien  ab  deorum  fanis  ein  und  dieselbe  war,  und  hieraus  ergiebt  sich 
benanut,  hat  Jordan  2  S.  263  ff.  mit  Recht  ge-  die  weitere  Folgerung,  dafs  die  Veranlassung 
schlössen,  dafs  ein  Iuppiter  Latiaris  auf  jenem  die  einzelnen  Kulte  durch  Zufügung  der  Orts- 
Hügel  verehrt  worden  sei,  zumal  da  gleich-  bestimmungen  von  einander  zu  unterscheiden 
zeitig  mit  den  feriae  latinae  auf  dem  mons  sich  erst  dann  herausgestellt  haben  kann,  als 
Albanus  in  Rom  Feierlichkeiten  zu  Ehren  des  40  in  dem  geeinten  Staate  eine  Mehrheit  von 
Iuppiter  Latiaris  stattfanden  (vgl.  Chr.  Werner,  Kulten  desselben  Gottes  sich  vorfand.  Hiermit 
de  feriis  latinis  diss.  Tips.  1888  p.  35  ff.  und  steht  es  nicht  im  Widerspruch,  wenn  nach 
den  Abschnitt  über  Iuppiter  Latiaris).  Da  dem  übereinstimmenden  Zeugnis  der  Alten 
das  Capitolium  vetus  (vgl.  liiehter  in  Iw.  Iuppiter  in  sehr  früher  Zeit  Luc etius  (über  die 
Müllers  Handhch.  3  S.  906  =  Baumeister,  Etymologie  vgl.  Corssen,  Krit.  Beitr.  S.  471  ff.) 
Denkm.  3  S.  1532)  mit)  dem  sacellum  Iovis  oder  Diespiter  genannt  wurde,  da  diese  Bezeich- 
Iunonis,  Minervae  (Varro  1.  I.  5,  158)  sehr  nungen  keine  Beinamen  sind,  sondern  andere 
wahrscheinlich  identisch  ist  mit  dem  auf  der  Benennungen,  welche  die  in  Iuppiter  schon  vor- 
Südseite des  Quirinals  befindlichen  collis  La-  liegende  Grundbedeutung  einer  himmlischen 
tiaris,  so  liegt  die  Vermutung  nahe,  dafs  der  50  LichtgottheitumsoklarerzumAusdruckbringen. 
ursprünglich  dem  Himmelsvater  allein  gel-  Gell.  5,  12,  6 ff.  Iovis.  ..dictus  est  Lucctius,  Lucc- 
tende  Kult  unter  griechischem  (etrusk.)  Einnufs  tium  autem  Iovem  Cn.Naevius  in  libro  belli  Poe- 
i  Kuhfeldt ,  de  capitoliis  tmperii  Bomani  p.  82)  nici  appellat.  Paul.  \>.lliLucetium  Iovem  appel- 
durch  Eintritt  der  Iuno  und  Minerva  zu  der  labant,  quod  eum  lucis  esse  causam  credebant. 
bekannten  Dreizahl  erweitert  worden  ist.  Für  Verg.  Aen.  9,  567,  dazu  Servius,  Gloss.  Tabb. 
das  hohe  Alter  unseres  Kultes  spricht  die  Lucerius  =  Ztvg.  Unter  diesem  Namen  wurde 
von  Jordan,  Top.  1 ,  1  S.  282  und  Kuhfeldt  Iuppiter  im  alten  Salierliede  angerufen  (Macrob. 
p.  80  ff.  ohne  Grund  angezweifelte  Nachricht  Sat.  1,  15,  14);  den  Text  giebt  uns  Terentius 
Varros  von  dem  genannten  Heiligtume  der  Scaurus  7,  28  Keil:  quome  tonas  Leucesie  |  prae 
Trias  (antiquius  quam  aedes  in  Capitolio  facta),  co  led  tremonti,  quod  ibit  hemunis  devi  (frg.  2 
Noch  zu  den  Zeiten  Martials  mufs  Iuppiter  p.  29  Baeftrens,  vgl.  BergJc,  de  carm.  Sal.  S.  12; 
daselbst  verehrt  worden  sein,  vgl.  Martial.  5,  eulne  ponas  leucesiae  practexere  monti  (prae 
22,  8  ff.  sed  Tiburtinae  sum  proximus  aecola  tet  tremonti  Fest.  p.  205)  quod  ibet  ctinei  de  is 
Hilae  (vgl.  Jordan,  Archäol.  Zeitg.  4  (1S71)  cum  tonarem  codd.).  Zander,  carm.  sal.  rell. 
p.  71)  qua  videt  antiquwm  rustica  Flora  (Bd.  1  Lund  1888.  —  Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  211.  219 
Sp.  1484,  35)  Iovem  (von  Gilbert  a.  a.  0.  S.  274  vermutet  Leucetie  oder  Loucetie;  letztere  Form 
A.  1  wird  irrtümlich  Martial.  7,  73  angegeben,  nennt  Marius  Victor.  6,  12  Keil.  Dem  Licht- 
wo  bei  dem  Iuppiter  vetus  in  der  4.  Zeile  gleich-  gotte  waren  die  Iden,  an  denen  er,  Tag  und 


655     Iuppiter  (altröm.  Kult:  Idusfeier)  Iuppiter    altröm.  Kulte:  Fulgur,  Elicius)   656 

Nacht  (Dion.  10,  59,  vgl.  Plut.  Brut.  14)  er-  das  Gedicht  insehriftlich  erhalten  Eph.  ep.  4 
hellend,  eine  stete  Bürgschaft  seiner  himm-  n.  752;  vgl.  sub  diu  bei  Vitr.  1,  2,  5.  Claudia)}. 
lischen  Gegenwart  gab,  von  alters  her  geweiht;  i>i  Eutrop.  1,  4  nimboque  minacem  '  sanguineo 
3Iacrob.  a.  a.  0.;  Lyd.  de  mens  3,  7;  darum  rubuisse  lovem;  es  werden  ihm  metaphorisch 
fielen  auf  sie  die  Stiftungstage  seiner  Tempel  Eigenschaften  beigelegt,  die  dem  Himmel, 
[Plut.  Popl.  14.  Oi:  fast.  4,  621;  6,  649.  Fast.  seinen  Erscheinungen  uud  Wirkungen  zukoin- 
Tusc.  ad  Lun.  13.  C  I.  L.  1  p.  300  =  14.  2575.  men:  hilarus  [Sero,  ad  Aen.  1,  256),  sertnus 
Fast.  PhiVic.  ad  lan.  13.  C.  I.  L.  1  p.  334.  (C.  I.  L.  6,  431.  433\  siccus  {Aetna  333),  uvidus 
In  den  Fasten  sind  aufserdeni  noch  folgende  ( Verg.  Georg.  1,  41S),  madidus  [Alartial.  6, 
Festtage  an  den  Iden  verzeichnet:  zum  15.  Mai  10  36,  1),  malus  (von  der  Witterung,  Hör.  e.  1, 
und  13.  Juni  ferfiaei  Iovi  fast.  Venus.  CLL.  22,  20),  vernus  [luv.  5,  79),  hibernus  (Flacc. 
1  p.  301  =  9,  421;  zum  13.  Aug.  fer(iae)  Iovi  Argon.  3,  578.  Stat.  Theb.  3,  26),  oder  er  wird 
fast.  Allif.  Eph.  Ep.  3  p.  85  =  0. 1.  L.  9,  2320.  als' Ursache  derselben  betrachtet;  Furius  Bi- 
Fust.  Amit.  C  I.  L.  1  p.  324  =  9,  4192;  zum  bacuhts  bei  Poiphyrio  und  Acro  zu  Hör.  Sat. 
13.  Sept.  feriae  Iovi  fast.  Arv.  Eph.  Ep.  p.  35  sq.  2,  5,  40  Iuppiter  hibernas  cana  nive  conspuit 
H nzcnp.  237  =  C.I.L. 6, 2295 ;  Iovi  epulum  oder  Alpes,  vgl.  Quint.  8,  6,  17.  Verg.  Ed.  7,  60 
epuli indictio  fast. Sab. G.  I.L.l-p. 302  =9, 4769.  Iuppiter  et  laeto  descendet  plurimus  imbri. 
Fast.  Ant.  G.  I.  L.  1  p.  328  =  10.6638.  Fast.  Aen.  1,  256  Voltu,  quo  caelum  tempestatesque 
Philoc.  C.  1.  L.  1  p  354;  IOVIN  fast.  Vall.  serenat.  Hort.  c.  3,  10,  7  audis  .  .  .  positai 
C.  I.  L.  1  p.  320  =  C.  I.  L.  6,  2298:  zum  20  ut  glacitt  nives  |  puro  numine  Iuppiter.  Martial. 
15.  Okt.  feriae  Iovi  fast.  Arv.  Henzen  p.  239;  9,  18,  8  Iovis  imber  etc.  Die  Kaiserzeit  ist 
zum  13.  November  feriae  Iovi  fast.  Arv.  Heu-  mit  Beinamen  für  diese  Seite  seiner  Thätigkeit 
gen  p.  240  epulum  indicitur  fast.  2Iaff.  CLL.  sehr  freigebig  gewesen,  wie  die  unten  anzu- 
1  p.  307.  I^ast.  Ant.  1  p.  329.  Die  Vermutung  führenden  Inschriften  zeigen  werden, 
liegt  also  nahe,  dafs  ein  ähnlicher  Zusatz  in  im  Campus  Martius  lag  ein  Heiligtum  des 
den  vollständigen  Fasten  sieh  bei  allen  Iden  Iuppiter  Fulgur  (über  die  Beschaffenheit 
befunden  habe,  und  mit  Recht  weist  Gilbert,  desselben  s.  Vitr.  1,  2,  5  cum  Lovi  Fulguri  .  .  . 
Gesch.  u.  Topogr.  Borns  S.  235  darauf  hm,  dafs  aedifieia  sub  diu  hypaethra  constituentur).  vgl. 
Iuppiter  und  Iuno  (s.  diese)  die  den  Monat  die  fast.  Ost.  zum  7.  Okt.  Iovi  Fulg(uri)  in 
bestimmenden  Götter  sind,  „welche  die  Mond-  30  Campo  C  I.  L.  1  p.  322.  Diese  Lesung  wird 
phasen  zur  Erscheinung  brmgeu ,  die  das  ge-  gesichert  durch  die  fast.  An:  zu  demselben 
samte  Leben  ordnen  und  regeln".  Im  Zu-  Datum  Iovi  Fulguri  in  campo  oct.  fratr.  Arv. 
sammenhange  damit  steht  das  monatliche  p.  CCXXNVIII  Henzen ;  vgl.  Mommsen,  Eph. 
Opfer  der  ovis  ldnlis,  Macrob.  Sat.  1,  15,  16  ep.  ■<  p.  39,  Der  konkrete  Zusatz  fulgur,  der 
sunt  qui  aestiment  ab  ove  Iduli  dietas  (natür-  den  Gott  mit  der  Himmelserscheinung  identi- 
lich  ist  es  gerade  umgekehrt)  quam  hoc  nomine  ficiert,  bürgt  für  das  hohe  Alter  des  Kul- 
vocant  Tusci  et  Omnibus  idibus  immolatur  a  tes;  Iuppiter  Fulgur  ist  die  Personifikation 
flamine,  vgl.  Paul.  p.  104.  Dafs  dem  Licht-  des  fulgur  dium.  Im  Zusammenhange  damit 
gotte  nur  ein  Lamm  von  weifser  Farbe  dar-  steht  die  Prokuration  der  einschlagenden 
gebracht  werden  konnte,  wäre  klar  auch  ohne  10  Blitze;  Festus  p.  229  itaque  loci  Fulguri  et 
das  ausdrückliche  Zeugnis  des  Ovidfast.  1,  56:  Summano  fit  quod  diurna  Iovis,  nocturna 
Idibus  alba  Iovi  grandior  agna  cadit.  In  feier-  Summani  fulgura  habentur.  Vgl.  Marquardt. 
hcher  Prozession  bewegte  sich  der  Zug  durch  R,m.  Staatsveru:  3'  S.  702  ff.;  zu  den  von 
die  sacra  via  idie  ihm  wohl  ihren  Namen  ver-  Wissowa  aus  den  Inschriften  gesammelten 
dankt)  aufs  Capitol  (Fan-o  U.  5,47.  Fest.p.  290),  Stellen  sind  von  den  später  erschienenen 
wo  im  Tempel  des  höchsten  Gottes  der  flamen  Bänden  des  Corpus  noch  hinzuzufügen  CLL.  12, 
Dialis  (Ol',  fast.  1,  588  'castus  sacerdos' ;  nach  10i7_  2769.  2888.  2970.  3023.  4100.  3048.  3049; 
Fest.  a.  a.  0.  waren  es  sacerdotes)  die  heilige  e 
Handlung  vornahm.  Klausen,  Aeneas  und  die  u.  -i5-  Dle  Beinamen  Fulgurahs,  Fulgu- 
Penaten  S.  930  bezieht  hierauf  die  bekannten  50  rator,  Fulmen,  Fulmmans,  Fulminator 
Verse  des  Horaz  c.  3,  30,  8  Crescam  laude  sind  jüngeren  Ursprungs  (s.  unten),  ebenso  die 
recens,  dum  Capitolium  |  scandet  cum  tacita  Attribute,  die  den  Donnerer  bezeichnen  (vgl. 
virgine  pontifex.  Abweichend  von  der  allge-  den  Abschnitt  über  die  Augurnl 
meinen  Ansicht  hat  Gilbei  t  a.  a.  0.  1  S.  236  ff.  Aus  früher  Zeit  gehört  ferner  in  diesen  Kreis 
angenommen,  dafs  das  Opfer  ursprünglich  in  der  Kult  des  Inppiter  Elicins,  dessen  Begrün- 
der Regia  auf  der  Höhe  der  sacra  via  dar-  düng  dem  Numa  zugeschrieben  wird.  Die  Fabe- 
gebracht und  von  hier  nach  dem  Tempel  des  leien  der  Alten,  die  ihn  übereinstimmend  mit  der 
Iuppiter  Stator  (s.  unten)  verlegt  sei,  während  Fulguraldisciplin  in  Zusammenhang  bringen, 
die  Ausdehnung  der  Prozession  selbst  bis  zur  haben  die  richtige  Deutung  sehr  erschwert.    Es 

arx   ihre    Veranlassung   habe   in   dem  Beitritt  60  berichtet  Livius  1,  20,  7  Xuma quaeprodigia 

der   quiriualischen   Gemeinde.     Dafs   die  Vor-  fulminibus   aliove  quo  visu  miss.r  suseiperentur 

Stellung  von  dem  Himmelsgotte  im  Bewufstsein  atque   curarentur,   ad  ea  elicienda  ex  mentibus 

der  Römer  lebendig  geblieben  ist,   zeigen  am  divinis  Iovi  Elicio  aram  in  Aventino  dedieavit 

klarsten  Wendungen,  in  denen  Iuppiter  gerade-  deumque    cousuluit   auguriis    quae    suseipienda 

zu   caelum   vertritt:    sub  Iove  {=  sub   caelo)  essent.     Weiter    ausgeschmückt    ist    die    Sage 

Hör.  c.  1,   1,  25.   Ov.  ars  antat.  1,  726;  2,  623  bei  Ovid  fast.  3,  285  —  348,  vgl.  Plut.  Xum.  15. 

metam.  4,  260.    Fast.  2,  138.  299;   3,   527;   4,  Arnob.  5,    1.     Verheerende   Blitze    haben    die 

505,  Priapea  n.  14  in  Büchelers  Pttronausgabe;  Bürgerschaft  Roms  in  Schrecken  gesetzt;    auf 


657       Iuppiter  (altröm.  Eult:  Elioius)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  Pecunia,  Ruminus)  658 

den  Rat  der  Nymphe  Egeria  nimmt  Numa  die  ersehnten  Regen  dem  Himmel  zu  entlocken, 
auf  dem  Aventin  hausenden  Waldgottheiten  Paul. p.  128,4 manalem  vocabantlapidem  etiam 
Faunus  und  Picus  durch  eine  List  gefangen,  petram  quandam  quae  est  extra  portam  Cape- 
um  von  ihnen  ein  Mittel  zur  Abwehr  des  Un-  nam  iuxta  aedem  Mortis,  quam  cum  propter 
heils  zu  erfahren;  mit  ihrer  Hülfe  wird  Iuppiter  nimiam  siccitatem  in  urbetn  pertralierent  inse- 
herbeigerufen  (Eliciunt  caelo  te,  Iuppiter,  unde  quebatur  pluvia  statim  eumque  quod  aquas  ma- 
minores  |  nunc  quoque  te  celebrant  Eliciumque  narent,  manalem  lapidem  dixcrunt.  Der  echt- 
■cocant,  |  constat  Acentinae  tremuisse  cacumina  römische  Ritus  der  Prozession  spricht  für  ihr 
silvae  |  terraque  subsedit  pondere  pressa  Iocis),  hohes  Alter.  Die  Pontifices  besorgen  die  Opfer- 
und  um  Bettung  angefleht,  fordert  er  mit  10  handlungen  (Varro  b.  Non.  p.  547)  und  ziehen 
doppelsinnigen  Worten  '  caede  Caput'  'hominis  selber  den  Stein  (Serv.  ad  Aen.  3,  175),  es 
(sc.  Caput)',  'animam' ;  als  der  König  anstatt  folgen  ihnen  barfüfsig  mit  aufgelöstem  Haar 
eines  Hauptes  eine  Zwiebel  (cepa  (Je,  caipi-  die  Matronen  (Petron.  41)  und  die  Magistrate 
tium  Arnob.,  v.gouveg  Flut),  anstatt  des  Men-  ohne  die  Abzeichen  ihres  Amtes  iTertull.  de 
schenhauptes  die  Haare  auf  demselben  (capilli  ieiun.  16).  Der  Stein  sei,  schliefst  Gilbert, 
0.  u.  A.,  TQi%eg  PL)  und  anstatt  des  lebenden  Gesell,  u.  Top.  Roms  2  S.  154  A.  1  aus  Nonius 
Wesens  einen  Fisch  (piscis  0.,  maena  A.,  uai-  und  Paulus  a.  a.  0.,  in  Form  eines  ureeolus, 
viäsg  PL)  darzubringen  verspricht,  erklärt  der  eines  Kruges,  ausgehöhlt  gewesen  und  aus 
Himmelsvater  sich  auch  damit  zufrieden.  Plu-  dieser  Höhlung  sei  Wasser  vergossen  worden, 
tarch  und  Arnobius  erzählen  die  Fabel  nur  20  „offenbar  zu  dem  Zwecke,  um  durch  diese 
mit  der  kleinen  Abweichung,  dafs  Iuppiter  den  dramatische  Wiedergabe  des  Regens  diesen 
Numa  nicht  auf  die  Probe  stellen  will,  son-  selbst  in  natura  gleichsam  aus  dem  Himmel 
dem  von  ihm  überlistet  wird;  Arnobius  nennt  d.  i.  Iuppiter  herauszulocken".  Mit  Recht  ist 
uns  gleichzeitig  den  Gewährsmann  für  seine  von  ihm  der  Zusammenbang  des  aquaelicium 
Nachricht:  Vahrius Antias.  Übrigens  war  schon  (Paul.  p.  2,  12}  oder  aquilicium  (Teitull.  apol. 
um  die  Mitte  des  zweiten  Jahrhunderts  a.  Chr.  40)  mit  dem  Kulte  des  Iuppiter  Elicius  her- 
Numa  als  Begründer  der  ars  fulguritorum  be-  vorgehoben,  er  hätte  dafür  aufser  der  Gleich- 
kannt,  vgl.  Plin.  n.  h.  2,  140  extat  annalium  heit  der  Namen  noch  zwei  direkte  Zeugnisse 
memoria  sacris  quibustlam  et  precationibus  vel  anführen  können:  Petron.  a.  a.  0.  .  .  Iovem 
cogi  fulmina  vel  impetrari  .  .  .  ■;  a  Numa  sae-  30  aquam  exorabant  und  Tertull.  a.a.O.  aquilicia 
pius  hoc  factitatum  in  primo  annalium  suorum  loci  immolatis,  nudipedalia  popido  denuntiatis. 
tradidit  L  Piso;  diese  vielleicht  durch  die  Dafs  aber  das  aquaelicium  nicht  nur  einen 
tuskische  Lehre  vom  Herabziehen  der  Blitze  „we.-entliehen  Bestandteil"  (Gilbert  a.  a.  0.), 
(Müller,  Etrusker"  2,  176)  veranlafste  Version  sondern  den  ganzen  Inhalt  des  Dienstes  ge- 
kann Antias  zu  seiner  Deutung  benutzt  haben.  bildet  habe,  hoffe  ich  oben  klar  gestellt  zu 
Nehmen  wir  nun  an,   dafs  auch  Livius  unter  haben. 

Fortlassung  der  scherzhaften  Unterredung  dem  Die  Anschauung  von  der  befruchtenden 
Valerius  gefolgt  sei  —  die  sonstige  starke  Be-  und  ernährenden  Kraft  des  höchsten  Gottes 
nutzung  besonders  in  den  ersten  Dekaden  ist  immer  lebendig  geblieben  (almus  wird  er 
macht  es  sehr  wahrscheinlich  — ,  so  hätten  40  von  Aug.  c.  d.  7,  11  genannt,  quod  dleret  omnia, 
wir  alle  Berichte,  die  den  Iuppiter  Elicius  zur  feeundus  von  Yul.  Flacc.  Argon.  5,  204,  fru- 
Blitzsühne  in  Beziehung  setzen,  auf  eine  Quelle  gifer  von  Apul.  de  mund.  c.  37  und  in  einer 
zurückgeführt,  der  wir  bei  ihrer  bekannten  Inschrift  C.  I.  L.  12,  336),  sie  scheint  auch 
Unzuverlässigkeit  um  so  weniger  Glauben  vorzuwalten  in  den  Beinamen  Pecunia  (Aug. 
schenken  werden,  als  andere  Zeugnisse  uns  c.  d.  7,  12  Pecunia  vocatur ,  quod  eius  sint 
eines  Besseren  belehren.  (In  den  Kreis  dieser  omnia;  es  wird  vielmehr  den  Mehrer  und  Be- 
Überlieferung  gehört  auch  die  Livianische  Er-  Schützer  des  Viehstandes  bezeichnen)  und 
Zählung  vom  Tode  des  Tullus  Hostilius  1,  Ruminus  (Aug.  c.  d.  7,  11  quod  ritma  i.  e. 
31,  8  ipsum  regem  tradunt  volcentem  commtn-  mamma  aleret;  vgl.  Varro  de  re  rust.  2,  11,  5 
tarios  Numae,  cum  ibi  quaedam  oeculta  sollem-  50  Mammae  enim  rumes  sive  rumae,  ut  ante  clice- 
nia  loci  Elicio  facta  invenisset  operaium  iis  baut,  a  rumi  et  inde  dieuntur  subrumi  agni, 
sacris  se  abdidisse ,  sed  non  rite  initum  aut  ähnl.  ders.  bei  Non.  Marc.  p.  167;  Paul.  p.  271, 
curatum  id  sacrum  esse  nee  solum  nullam  ei  Plin.  n.  h.  15,  77,  während  Fettus  p.  270  und 
oblutam  caelestium  speciem,  sed  ira  locis  solli-  Plut.  Rom.  4  die  Ableitung  von  rumen,  rumi- 
citati  praca  religione  fulmine  ietam  cum  nari  [wiederkäuen]  geben).  Die  schon  beim 
domo  conflagrasse.J  Denn  dafs  die  Worte  Iuppiter  Indiges  (Sp.645ff.)  angeführten  Gründe 
Varros  l.  I.  6,  94  'sie  Elicii  Iovis  ara  in  Aven-  gelten  auch  hier  gegen  die  von  Preller,  R.  31.  1 
Uno  ab  eliciendd' ,  bisher  zur  Stütze  der  obigen  S.  57  ausgesprochene  Ansicht,  Iuppiter  Rumi- 
Ansicht  benutzt,  mit  der  wahren  Bedeutung  nus  habe  sich  entwickelt  aus  dicus  pater  Rü- 
des Gottes  durchaus  im  Einklänge  stehen,  wird  60  minus,  neben  welchem  Rumina  als  diva  mater 
aus  den  weiteren  Ausführungen  genügend  er-  angerufen  wurde  (vgl.  Preller  a.a.O.  S.  419) ;  letz- 
hellen. Fest  steht  zunächst  nur  die  Thatsache,  tere  besafs  ein  sacellum  bei  der  ficus  ruminalis 
dafs  auf  dem  Aventin  ein  Altar  des  Iuppiter  in  der  Tiefe  des  Westabhanges  vom  Palatiu 
Elicius  sich  befand,  vgl.  noch  Plin.  a.  a.  0.  (Becker,  Rom.  Altert.  1  S.  293.  419.  Gilbert, 
Es  bestand  nun  zu  Rom,  wo  infolge  langan-  Gesch.  u.  Top.  Roms  1  S.  55);  nicht  weit 
haltender  Dürre  (Nissen,  Italische  Landeskunde  entfernt  an  der  Einmündung  der  uova  via  in 
1  S.  375.  379)  nicht  selten  Wassermangel  das  Velabrum  lag  ein  Altar  der  Acca  Larentia, 
herrschte,    ein   eigenartiger  Brauch,    um   den  nach    der    Sage  gleichzeitig  deren  Grabstätte 


659      Iuppiter  (altröm.  Kult:  Rummus)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  Silvanus)      660 

(Varro  l.l.  5,  43;  6,  23.  Macrdb.  Sat.  1,  10,  15.  auch  dem  Feigenbaum  beim  Tempel  des  Sa- 
Mommsen,  Bö'm.  Foi'schg.  2  S.  1  ff.) ;  hier  wurden  turnus  diesen  Beinamen):  e  probabile  che  il 
alljährlich  am  23.  Dezember  (fast.  Praen.  Muff.  Silvano  Capüolino  in  fondo  non  fosse  altro 
C.  I.  L.  1  p.  409  vgl.  Ov.  fast.  3,  58)  die  che  Iupiter  Buminus,  specie  de  Fauno.  Er 
Larentalia  (Varro  l.  I.  6,  23  Ov.  fast.  3,  57.  ist  zu  seiner  Vermutung  geführt  worden  durch 
Fest.  p.  119)  gefeiert  (weniger  gut  bezeugt  ist  eine  vorhergehende  Erörterung  über  das  Ver- 
die  Form  Larentinalia  Lact.  1,  20,  4.  Mucrob.l,  h'ältnis  des  Iuppiter  und  Silvanus  ungefähr 
10,  11).  Der  Zusatz  feriae  Iovi  in  den  Fasten  folgenden  Inhalts:  Seinem  Ursprünge  nach  ist 
beweist,  dafs  jenes  Fest  gleichzeitig  dem  Iup-  Silvanus  mit  Faunus  und  Mars  identisch,  wenn 
jiiter  galt  (über  das  hohe  Alter  der  Beischriften  10  nun  aber  auf  Abbildungen  seine  Züge  eine 
des  Kalenders  zu  den  genannten  Festtagen  der  unverkennbare  Ähnlichkeit  haben  mit  denen 
Gottheiten  s.  Mummsen,  C.  I.  L.  1  p.  375);  vgl.  der  höchsten  Gottheit  (s.  tavv.  d'agg.  I — AT), 
aufserdem  Macröb.  1,  10,  11  feriae  Iovis  quae  wie  schon  Helbig  bei  der  Beschreibung  einer 
appellantur  Larentinalia.  Bei  Aug.  a.  a.  O.  Silvanusbronze  (bull,  d'inst.  1864  S.  173)  nicht 
wird  Iuppiter  Buminus  in  enge  Beziehung  ge-  entgangen  war,  so  kann  diese  Erscheinung 
setzt  zur  diva  Rumina,  deren  Heiligtum,  wie  ihre  Erklärung  nur  in  folgender  Eigenheit  der 
wir  oben  sahen,  dem  Altare  der  Acca  Larentia  italischen  Religion  finden.  Wir  sehen  den 
benachbart  ist;  weil  nun  am  Kult  der  letzteren  Kamen  Iuppiters  mit  dem  einer  andern  Gott- 
Iuppiter  beteiligt  scheint,  hat  Gilberts,,  a.  O.  1  heit  in  der  Weise  verbunden,  dafs  der  Name 
S.  57  ff.  die  Vermutung  ausgesprochen,  dafs  20  derselben  der  seine  wird,  und  es  ist  natürlich, 
gerade  ihm  der  Beiname  Ruminus  zukomme  dafs  eine  solche  Verbindung  sich  nicht  auf 
und  dafs  auf  diese  Weise  nicht  nur  eine  lokale,  den  Namen  beschränkt,  sondern  auch  in  die 
sondern  auch  eine  innerliche  Verbindung  Substanz  eindringt,  z.  B.  bei  Iuppiter  Liber 
zwischen  dem  sacellum  Ruminae  und  der  ara  oder  Libertas,  Iuppiter  Iuventus,  Iuppiter  Cli- 
in  Velabro  hergestellt  sei.  Indes  die  am  tumnus,  Iuppiter  Kuminus,  Iuppiter  Terminus; 
Grabe  der  Göttin  dargebrachten  Gaben  waren  daraus  ergiebt  sich  die  Folgerung,  dafs  Silva- 
Totenspenden  (Flut.  Q.  B.  34),  die  Gebräuche  nus  au  der  Natur  Iuppiters  Anteil  hatte, 
die  eines  Totenfestes  (Macrob.  1,  10,  12  annua  wenngleich  wir  dafür  aufser  der  Identität  der 
parentatio;  Varro  l.  1.  6,  23  dies  parentes  Accas  Typen  kein  anderes  Zeugnis  besitzen,  und  be- 
Larenbinas  vgl.  C.  I.  L.  1,  1241  deis  inferum  so  zugnehmend  auf  den  sakralen  Sprachgebrauch 
parentum  saerum.  Mommsen  a.  a.  0.  S.  3  A.  4),  der  Italiker  dürfen  wir  den  Gott,  welchen  die 
und  die  Hineinziehung  gerade  des  zeugenden  Bilder  des  Silvanus  darstellen,  als  Iuppiter 
und  nährenden  Iuppiter  Rumiuus  in  eine  Silvanus  bezeichnen.  In  der  That  sind  zwei 
solche  Feier  wäre  ein  offener  Widerspruch.  Inschriften  mit  diesem  Titel  gefunden  worden 
Seltsam  bleibt  auch  so  noch  die  Verbindung  und  haben  die  scharfsinnigen  Folgerungen 
„des  Gottes  des  Lichtes  und  Lebens"  mit  dem  "  jenes  Gelehrten  glänzend  bestätigt  (die  eine 
Totenfeste  (die  Worte  des  Macrobius  1,  10,  15:  stammt  aus  Afrika  C.  I.  L.  8,  5933,  die  andre 
Iovi  feriae  const Cratae,  quod  aestimaverunt  anti-  aus  Rom  selbst  luv ioi.lv  lv[uj  |  [VOTO] 
qui  animas  a  Iove  dari  et  rursus  post  mortem  SVSCEPTO  SELE[V]CV[S];  zuerst  veröffent- 
eidem  reddi  beruhen  nicht  auf  den  Anschau-  40  licht  Notig.  degl.  scav.  1877  p.  111  u.  Bull,  arclx. 
ungen  der  alten  Zeit,  sondern  sind  nur  ein  municip.  1877  p.  7;  Fph.  ep. 4n.  741);  G.  I.  L.  6, 
Versuch  des  Schrifstellers,  jene  auffällige  Er-  707.  3697;  S,  9195.  2579  sind  Iuppiter  und 
scheinung  zu  erklären),  seltsam  ferner  der  Silvanus  mit  andern  Göttern  zusammengestellt. 
Umstand,  dafs  an  einem  Festtage  Iuppiters  Unsere  Auffassung  weicht  in  einigen  Punkten 
neben  den  poutifices  (Cic.  ad  Brut.  1,  15,  8)  von  den  Ausführungen  Beiff'erscheids  ab:  nicht 
nicht  der  flamen  Dialis,  sondern  der  flamen  aus  der  Zusammensetzung  der  Namen  ging 
Quirinalis  (Antias  b.  Gell.  7,  7,  7  a  flamine  eine  WTesensähnlichkeit  hervor,  sondern  weil 
Quirinali  sacrificium  ei  publice  fit;  Macrob.l,  jene  Gottheiten  in  manchen  Beziehungen  eine 
10,  15  allgemein  per  flaminem;  Varro  1.  I.  6,  23  innere  Verwandtschaft  zeigten,  trat  der  Name 
sacerdotes  nostri;  irrtümlich  hei  Flut.  q.  B.  4  50  der  einen  als  cognomen  zu  dem  der  andern, 
b  zov  "jQSog  lsqsvs)  das  Opfer  verrichtet.  Es  um  bei  ihnen  gerade  die  Seite  der  Thätigkeit 
bleibt  für  die  Lösung  der  Schwierigkeiten  wohl  zu  betonen,  wo  die  Übereinstimmung  lag; 
nur  die  Annahme  übrig,  dafs  am  23.  Dezember  sodann  ist  hervorzuheben,  dafs  derartige  Zu- 
zwei  ihrem  Wesen  nach  durchaus  verschiedene  sammenstellungen  erst  jüngeren  Datums  sind 
Feste  gefeiert  wurden,  das  eine  zu  Ehren  des  (die  einzelnen  s.  unten),  wir  müssen  also  in 
himmlischen  Herrschers,  das  andere  zu  Ehren  allen  diesen  Fällen  scheiden  zwischen  der 
der  Todesgöttin  Acca  Larentia,  und  dafs,  ver-  späteren  Benennung  und  der  zu  Grunde  liegen- 
anlafst  durch  das  zeitliche  Zusammenfallen,  den  Anschauung.  Es  kommt  uns  hier  weniger 
später  beide  in  Beziehung  zu  einander  gesetzt  darauf  an  aus  der  Ähnlichkeit  der  Gesichts- 
wurden.  —  Aus  der  Stelle  des  Pliniusn.  h.  15,  78  60  züge  auf  das  Vorhandensein  eines  Namens 
fttit  et  ante  Salurni  aedem  urbis  anno  CCLX  Iuppiter  Silvanus  zu  schliefsen  (wiewohl  wir 
sublata  (sc.  ficus)  saero  a  Vestalibits  facto,  cum  denselben  zugeben  können)  als  darauf,  dafs 
Siivani  simulacrum  subvtrteret  (vgl.  Lion.  3,  71.  eine  Reihe  von  Funktionen,  natürlich  doch  die 
Fest.  p.  169.  Cunon  narr.  48)  schlofs  Beiffer-  auf  das  Walten  im  Hain  und  auf,  den  Fluren 
scheid, Imagini  deldio  Siloano  et  del  dio  Fauno,  bezüglichen,  beiden  Gottheiten  gemeinsam 
ann.  d.  inst.  1866  S.  221  A.  1:  ü  fico,  di  cid  waren,  wie  dies  für  den  Genius  Iovis  Hercules 
non  c'c  altro  esempio  nel  culto  di  Silvano,  ei  und  Silvanus  durch  nicht  wenige  Denkmäler 
porta  al  ficus  Buminalis  (Tac.  ann.  13,  58  giebt  ausdrücklich     bezeugt     wird     (Peter,    Bd.    1 


661     Iuppiter  (altröm.  Kult:  Arborator)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  Liber  u.  Liberias)   662 

Sp.  2950  if.).     Die  weiterhin  zu  besprechenden  und    habe   sich    als    Liber    zur    selbständigen 

ländlichen  Kulte  dienen  zur  Bestätigung  dieser  Gottheit  weiter  entwickelt.     Gilbert  a.  a.  0.  2 

Ansicht.  S.  209  Anm.  1  (vgl.  244  Anra.  2)    stimmt   ihm 

Die  notitia  regionum  urbis  XIV,  geschrieben  bei;  zwar  giebt  er  zu,  dais  „immerhin  schou 
zwischen  334  und  357  (vgl.  Jordan,  Top.  2  früher  ein  latinischer  Gott  unter  dem  Namen 
S.  55S),  berichtet  von  der  11.  Region  (Circus  Liber  bekannt  gewesen  sein  mag",  aber  gleich- 
Maximus)  continet. ..  aedem  Matris  deum  et Iovis  zeitig  zieht  er  aus  der  Feier  des  Umher- 
Arboratoris(im  Curivsum  zwischen  357  n.403,  tragens  undBekränzens  der  pudenda  virilia  zu 
das  auf  dieselbe  Originalurkunde  zwischen 312  Lavinium  (Varro  b.  Aug.  c.  d.  7,21)  einen 
und  315  zurückgeht  wie  die  Notitia,  fehlt  der  10  Schlufs  auf  das  (hohe)  Alter  des  Liber-Dio- 
Beiname;  für  Arboratoris  ist  durch  den  Ana-  nysos;  wenn  aber  diese  Sitte  überhaupt  etwas 
nymus  Magliabecchianus  (14.  Jahrh  )  und  den  beweisen  soll,  so  ist  es  eher  das  Gegenteil, 
C'dex  Sessoriauus  (15.  Jahrb.)  Arbitratoris  über-  nämlich  die  italische  Herkunft  des  genannten 
liefert,  indes  die  erstere  Lesung  ist  durch  Gottes  (Plin.  n.  h.  28,  39  Farcinus  .  .  .  qui 
ältere  Handschriften  gut  beglaubigt,  und  es  deus  intcr  sac/a  Humana  a  Vestalibus  colitur, 
liegt  daher  auch  kein  Grund  vor  sie  mit  Preller,  vgl.  Jahn,  Über  den  Aberglauben  des  bösen 
Regionen  der  Stadt  Korn  S.  192  in  liberatoris  Blickes  bei  den  Alten  in  den  Ber.  d.  säejis.  Gesch. 
zu  ändern);  es  sind  zwei  getrennte  Heiligtümer:  d.  Wiss.  Phil.  Hut.  Kl.  1855  S.  68  ff.);  die 
vgl.  reg.  8  templum  Goncordiae  (t  |  Saturni  weiteren  Ausführungen  Gilberts,  wonach  das 
et  |  Vespasiani  et  Tai  und  reg.  13  templum  20  Fest  der  Liberalia  (s.  die  Fasten)  und  die 
Dianae  et  |  Minervae,  wo  sicher  verschiedene  Widmung  Libero  in  Gnp(itolio)  zum  17.  März 
Tempel  in  derselben  Weise  bezeichnet  werden.  (fast.  Farnes.  C.  I.  L.  1  p.  388)  gleichfalls  auf 
Gilbert  (a.  a.  0.  3  S.436  Anm.  1),  von  der  Nach-  den  griechischen  Gott  Bezug  haben,  sind  eben- 
barsehaft  der  Kultstätten  ausgehend,  sucht  sowenig  überzeugend,  denn  die  Angabe  Libero 
unsern  Gott  in  Zusammenhang  zu  bringen  Lib(erae)  der  fast.  Caeret.  (Ejih.  ep.  3  p.  6)  zu 
mit  dem  unter  den  Kaisern  eingeführten  orgi-  demselben  Datum  bezieht  sich,  wie  die  paar- 
astischen  Ritus  der  Magna  Mater  Idaea:  weise  Zusammenstellung  zeigt,  mit  gröfserm 
„Es  ist  zu  seiner  Erklärung  darauf  hinzu-  Recht  auf  den  römischen  Liber.  Ist  so  desseu 
weisen,  dafs  der  heilige  Baum  (die  Fichte)  eine  Existenz  noch  für  spätere  Zeit  erwiesen,  so 
sehr  bedeutende  Rolle  spielt  im  späteren  30  wird  damit  auch  die  auf  das  frühe  Ver- 
Cybelekult;  der  22.  März  wird  durch  das  schwinden  des  italischen  Liber  sich  stützende 
arbor  intrat  bezeichnet;  die  dendrophori  er-  Gleichsetzung  von  Dionysos  und  Iuppiter  Liber 
scheinen  speziell  der  Bedienung  der  arbor  hinfällig;  die  Annahme,  dafs  jener  bei  seinem 
überwiesen;  ein  Iuppiter  Arborator  wird  sich  scharf  ausgeprägten  Charakter  sich  zu  einem 
aus  diesem  Gesichtspunkte  allein  erklären  Attribute  des  Himmelsvaters  verflüchtigt,  um 
lassen."  Wiewohl  wir  über  die  Gebräuche  dann  wieder  eine  selbständige  Gottheit  zu 
bei  der  Feier  der  phrygischen  Göttin  Verhältnis-  werden,  hat  ohnehin  sehr  geringe  Wahrschein- 
mäfsig  genau  unterrichtet  sind,  so  ist  uns  lichkeit;  es  hat  vielmehr  Dionysos  seit  den 
doch  von  einer  Beziehung  zum  himmlischen  ersten  Jahren  der  Republik  als  Liber  neben 
Herrscher  nichts  bekannt;  dafs  aber  derselbe  40  Ceres-J/jfirJtTjo  und  Libera-77f(j<jsg)oVj)  beson- 
seinen  Beinamen  erhalten  haben  soll,  weil  in  dere  Gestalt  gewonnen  (I)ion.  6,  17.  94.  Tac. 
das  nahe  Heiligtum  der  Magna  Mater  ein  ann.  2,  49),  ohne  dafs  dadurch,  wie  wir  oben 
Baum  getragen  wird,  wäre  sonderbar,  selbst  sahen,  der  Kult  des  einheimischen  Liber  ver- 
wenn  jene  Ceremonie  nicht  durch  lAjd.  de  drängt  wurde  (vgl.  den  römischen  und  grie- 
inens.  4,  41  (vfi  ngö  c?fKaf«äs  KalavSäv  'Jngi-  einsehen  Ritus  in  der  Verehrung  des  Hercules), 
Xicov  divSgov  nCTvg  naga  zäv  äevdpoqjopwv  und  Jordan  bat  recht,  wenn  er  die  Ansicht 
iepioero  cv  ra  nuluxuo)  für  eleu  palatinischen  Helms  als  falsch  bezeichnet  (Preller,  B.  M.  2 
Tempel  bezeugt  würde.  Mit  mehr  Recht  S.  48  Anm.).  Vom  Kulte  des  Iuppiter  Liber 
weist  Jordan  a.  a.  0.  auf  eine  Verwandtschaft  erfahren  wir  nichts,  doch  werden  wir  von 
mit  dem  von  Beifftrsclieid  aus  den  Bildwerken  50  jener  Gleichsetzung  um  so  eher  Abstand 
erschlossenen  Iuppiter  Silvanus.  Silvanus  selbst  nehmen,  als  die  Benennung  Liber  sich  sehr 
wurde  zu  Rom  als  Park-  und  Gartengott  ver-  wohl  mit  der  Richtung  im  Wesen  des  höchsten 
ehrt  (G.  I.  L.  6,  575  —  698).  Aus  der  Bildung  Gottes  vereinigen  läfst,  wie  wir  sie  für  die 
Arborator  ergiebt  sich,  dafs  die  Loslösung  älteste  Zeit  klarzulegen  versucht  haben.  Es 
dieser  speziellen  Funktion  aus  dem  allgemeinen  liegt  darin  der  Begriff  des  Schöpferischen, 
Begriffe  der  Naturgottheit  erst  in  die  Kaiser-  Ergiebigen  (vgl.  überaus),'  „der  üppigen  Fülle 
zeit  fällt;  denn  alle  von  Nominalverben  ab-  und  Kraft,  von  der  reichlicher  Segen  der 
geleiteten  Cognomina  (Fulgurator,  Serenator,  Felder  und  das  dadurch  bedingte  Glück  eines 
Sospitator,  Tonibrator,  Tutator)  sind  nicht  heitern  und  sorgenlosen  Lebensgenusses  aus- 
früher nachweisbar.                                                    eo  geht",  ein  Begriff,   der  im  Bilde  der  Libertas 

Die  Frage,  ob  Iuppiter  Liber  zu  den  alt-  sich  verkörpert  und  mit  dem  Gotte  des 
italischen  Gottheiten  gehöre,  ist  in  verneinen-  Himmels,  von  dem  das  Gedeihen  aller  Er- 
dem  Sinne  beantwortet  worden  von  Behn,  Zeugnisse  der  Erde  abhängt,  durchaus  über- 
Kulturpflanzen  und  Haustiere3  S.  70  ff.  Indem  einstimmt.  Ob  man  den  Iuppiter  Liber  in 
Beinamen  Liber  nur  die  Übersetzung  des  grie-  Beziehung  zu  den  ViDalia  (s.  unten)  setzen 
chischen  Xveiog,  ilev&soiog  sehend,  erklärt  Sehn,  darf,  kann  nicht  entschieden  werden,  aus- 
Iuppiter  Liber  sei  niemand  anders  als  der  mit  geschlossen  ist  es  nicht,  da  ja  der  Wein  zu 
dem  Weinbau  nach  Italien  gelangte  Dionysos  den  Produkten  gehört,   welche   die  Gunst  des 


663    Iuppiter  (altröm.  Kult:  Liberator)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  Libertas)      664 

Himmels  in  erster  Linie  nötig  haben;  und  da  nach  der  avwaog  (weil  an  zweiter  Stelle 
hierin  lag  der  Ausgangspunkt  iür  die  Annähe-  stehend)  Libertas  der  Tempel  nicht  genannt 
vung  von  Iuppiter  Liber  und  Dionysos,  wenn  werden  kann.  Es  ist  also  das  Distylon  auf 
wir  annehmen  wollen,  dafs  sich  zwischen  Denaren  der  gens  Egnatia  nicht  ein  Tempel 
ihnen  ein  ähnlicher  Ausgleich  vollzog  wie  dt  s  Iuppiter  und  der  Libertas,  wie  Babelon 
zwischen  Dionysos  und  Liber;  direkte  Zeug-  a.  a.  0.1  S.  473  behauptet:  sur  le  denier  nr.  3 
nisse  dafür  giebt  es  nicht.  Mit  dem  Zsvq  (S.  474)  on  voit,  comme  l'a  remarque  Cuvedoni 
sXiv&sgiog,  dem  Urheber  der  nationalen  und  (Bipostigli  p.81),  le  temple  de  Jupiter  et  de  la 
persönlichen  Freiheit,  hat  unser  Gott  nichts  Liberte,  appele  aedes  Iovis  Libertatis ,  und 
zu  schaffen;  die  Wiedergabe  von  Iovis  Liber-  10  demnach  bleibt  es  zweifelhaft,  ob  die  im 
tatis  durch  z/ios  'EXsv&cgiov  (Mon.  Anc.^i,  6)  Innern  des  Heiligtums  befindlichen  Bilder  jene 
ist  nur  eine  rein  sprachliche  ungenaue  Über-  Gottheiten  zur  Darstellung  bringen.  Seitdem 
tragung;  dagegen  ist  der  Ztüs  acozrJQ  „dem  ferner  durch  Mommsens  sichere  Ergänzung 
man  beim  Mahle  den  letzten  Becher  zu  trinken  Iovi  Libertafti]  der  schon  genannten  Inschrift 
pflegte"  {Preller,  Griech.  MythJ  1  S.  121)  zum  zu  Tuseulum  C.  I.  L.  1,  1124  =  14,  2579 
Iuppiter  Liberator  geworden  (27ac.aw».i5,64;  (weniger  gewifs  loci  Liber  [tati]  C.  I  L.  10, 3786) 
Bio  Cass.  62,  26,  4  (@QU6sas)  svxsyuhv  ovv  rr)v  und  durch  die  Widmung  Guratores  I  IoviLiber- 
eplißav  dvä-üsivs  ztjv  %slqu  h«1  t<ffi\ '  col  toüto  tati,  G.  I.  L.  11,  657  (Faventia)  der  Beiname 
zb  alfia,  (o  Zsü  iXsv&iQLi,  ansvSco  folgt  wört-  Libertas  aufser  Zweifel  gestellt  ist,  soliegtkein 
lieh  seiner  lateinischen  Quelle  Tac.  ann.  16,  35  20  Anlafs  mehr  vor  zu  Deutungsversuchen  im 
porrectisque  utriusque  bracchii  venis,  postquam  Sinne  obiger  Gelehrten.  Dafs  es  auf  dem 
cruorem  effudit  .  .  .  libamus,  inquit,  Iovi  libe-  Aventin  keinen  Kult  des  Iuppiter,  der  Iuno 
ratori).  Wir  finden  ihn  auf  Münzen  dieser  und  Minerva,  dem  auf  dem  Capitol  und  Qui- 
Zeit,  so  des  Nero  (Cohen  nr.  17)  und  Galba  rinal  entsprechend,  gegeben  hat,  erkannte  be- 
{Culien  nr.  257),  ludi  Iovis  Liberatoiis  ver-  reits  Jordan,  Eph.  ep.  1  p  237  ;  der  Plur.  aedes, 
zeichnen  die  Fasten  des  Philocalus  zum  13. —  die  Reihenfolge  der  Namen  und  die  Ver- 
18.  Okt.  (C.  I.  L.  1  p.  304);  aber  auch  die  schiedenheit  der  Dedikationstage  (Minerva  am 
griechische  Form  ist  übernommen  worden,  19.  März,  später  19.  Juni,  Iuppiter  und  Iuno 
vgl.  Serv.  ad  Aen.  8,  651  hodieque  ara  in  Capi-  am  1.  September  s.  unten)  fordern  drei  einzelne 
tolio  est  Iovis  Soteris.  Im  Monum.  Anc.  a.  a.  0.  30  Tempel.  Mommsen,  Res  gest.  d.  Aug.  p.  81  giebt 
berichtet  Augustus:  aedes  Minervae  et  Iunonis  dies  zu,  sieht  aber  in  dem  Zusammentreffen  der 
Beginae  et  Iovis  Libertatis  in  Aventino  .  .  . .  drei  capitolinischen  Gottheiten  keine  Zufällig- 
feci.  Ehe  der  griechische  Text  bekannt  war,  keit  und  hält  es  für  möglich,  dafs  Camillus, 
wurde  die  Stelle  so  interpretiert,  dafs  Liber-  für  den  die  Dedikation  des  Iunotempels 
tatis  von  Iovis  zu  trennen  und  auf  den  a.  362  u.  c.  durch  Liv.  5,  31,  3  bezeugt  ist, 
von  Ti.  Sempronius  Gracchus  vermutlich  im  auch  der  Gründer  der  beiden  andern  Götter- 
Jahre  516  u.  c.  dedicierten  Tempel  der  Liber-  sitze  sei.  Ausgehend  von  der  Voraussetzung 
tas  (Liv.  24,  16,  19)  zu  beziehen  sei,  dessen  Mommsens,  dafs  Augustus  die  Restitutionen 
noch  bei  Cassius  Dio  43,  44,  1  zum  Jahre  708  und  Neubauten  zeitlich  geordnet  habe  (die 
und  bei  Paulus  p.  121  Erwähnung  geschieht.  40  Richtigkeit  derselben  und  die  daraus  resultie- 
(Das  fehlende  et  wäre  bei  der  vorhergehenden  renden  Ergebnisse  für  die  Fasten  werden  an 
Verknüpfung  durch  et  sehr  auffällig.)  Die  andrer  Stelle  erörtert  werden  mit  der  Ab- 
griechische Fassung  zltbs  'Elsv&tgiov  bewog  weichung,  dafs  für  die  Jahre  nach  den  Bürger- 
Franz  in  Gerhards  arch.  Zeitg.  nr.  2  S.  25  zu  kriegen  zwischen  dem  Termin  der  Fertig- 
der  Konjektur  Liberatoris.  Becker  (Handbuch  Stellung  und  feierlichen  Übergabe  kein  erheb- 
t/er röm.  Altert.)  anfangs  zweifelnd  (S.  457)  ent-  lieber  Zeitunterschied  mehr  besteht),  gelangen 
scheidet  sich  im  Nachtrag  (S.  721)  für  Bei-  wir  zu  einer  annähernden  Bestimmung  der 
behaltung  der  Lesung  Iovis -Libertatis  und  Dedikationszeit  jener  drei  Tempel  unter 
führt  als  Parallelen  an  Honoris-  Virtutis,  Her-  Augustus.  Da  der  ihnen  vorangehende  des 
culis-Musaritm  (sc.  aedes  S.  612) ;  dazu  ist  zu-  50  Quirinus  a.  738  u.  c.  geweiht  wurde  (Dio  54, 
nächst  zu  bemerken,  dafs  beide  Titel  un-  19,  4),  so  ist  hiermit  der  terminus  post  quem 
richtig  sind,  denn:  erstens  sind,  wo  beide  gefunden;  als  terminus  ante  quem  gilt  für 
Namen  genannt  werden,  diese  durch  et  oder  ac  Minerva  das  Jahr  4  p.  C.  (vgl.  Aust,  He  aedi- 
(atque)  verbunden  (Cic.  n.  d.  2,  23,  Verr.  4,  121.  bus  sacris  etc.  Marbg.  Diss.  1889  p.  42  ff.),  für 
Ascon.  in  Pis.  19.  Liv.  27,  25,  7.  Val.  Max:  1,  Iuno  und  Iuppiter  das  Todesjahr  des  Octavian. 
1,  8.  Plin.  n.  h.  35,  120.  Serv.  ad  Aen.  1,  8.  Das  zum  1.  September  angemerkte  Opfer  'Iovi 
Symm.  ep.  1,21),  zweitens  sind  die  beiden  Ge-  Libero,  Iuuoni  Reginae  in  Aventino''  der  Arval- 
nitive  nicht  koordiniert,  sondern  Mwarmn  hängt  fasten  (Henzen,  act.  fratr.  Arv.  p.  CCXXXVI; 
von  Hercules  ab;  vgl.  die  Aufschrift  Hercules  zwischen  742  —  767)  ergiebt  keine  schärfere 
Musarum  auf  einem  Denare  des  Q.  Pomponius  60  Umgrenzung,  doch  ist  es  darum  von  Interesse, 
Musa  (Babelon,  Deseript.  des  monn.  de  la  re'p.  weil  auch  für  Rom  darin  die  Benennung  Liber 
rom.  2  S.  361  nr.  8;  s.  Bd.  1  Sp.  2972).  Ver-  sicher  gestellt  ist.  Denn  die  Identität  des 
bietet  also  der  Sprachgebrauch  an  eine  Ver-  Iuppiter  Liber  und  Iuppiter  Libertas  (Mar- 
einignng  der  beiden  Tempel  wie  bei  Honos  quardt,  Rom.  Staatsvenv.  3Z  S.  23  Anm.  2  will 
und  Virtus  zu  denken,  so  spricht  gegen  die  in  den  Formeln  bei  Gellius  13,  23  auch  die 
Annahme  einer  Verehrung  beider  Gottheiten  Ausdrucksweise  Iovis  Libertas  finden')  macht 
im  gemeinschaftlichen  Heiligturne  aufserdem  die  Zusammenstellung  mit  Iuno  Regina  (vgl. 
noch  die  Bezeichnung  aedes  Libertatis  (s.  oben),  Mon.  Anc.  a.  a.  0.)  und  der  Zusatz   in  Aven- 


665      Iuppiter  (Dapalis,  Herceus,  Penetralis)  Iuppiter  (altröm.  Ehegott:  Farreus)    666 

Uno     durchaus    wahrscheinlich.     Der  Beiname  Machte  es  die  Anwesenheit   des  flamen  Dialis 

Libertas   bleibt   auffällig,    die   konkreten   Be-  schon    sehr    wahrscheinlich,    dafs    das    Opfer 

nennungen    Lapis    und    Fulgur    können   nicht  dem    Iuppiter    galt,     so     besteht    jetzt    kein 

zur  Vergleichung  herangezogen  werden,  hoch-  Zweifel  mehr   darüber,  seitdem   es  Studemund 

stens  Iuventus  (s.  unten).  gelang    die    Stelle    bei    Gaius    1,    112    voll- 

Es  lassen  sichhieram  besten  einige  Privat-  ständig    zu    entziffern,     sie   lautet:    farreo    in 

kulte  anreihen,  in  denen  die  Beziehungendes  manum  conveniunt  per  quoddam   genus   sacri- 

Himmelsvaters    zum    Ackerbau   klar  hervor-  ficii ,    quod  Iovi  Farreo    fit:   in    quo    farreus 

treten.      Bei    Beginn     der    Aussaat    für    den  panis  adhibttwr ,  unde  etiam  confarreatio  dici- 

Sornmer    sowohl    wie    für    den   Winter    (Fest  10  tur ;   complura  praeUrea  huivs  iuris  ordinandi 

p.    51    daps    apud    antiquos    dicebatur  res    di-  gratia  cum  certis  et  sollemnibus  verbis,  praesen- 

vina,  quae  fiebert  aut  hiberna  semente  aut  verna)  tibus  decem  iestibus,  aguntur  et  fiunt  (vgl.  Stude- 

opferte  der  Landmann  dem  Iuppiter  Dapalis.  mund,   Verhandlungen   der   Würzburger  Philo- 

Ein    schätzbarer  Bericht    über   die  Art   dieser  logenversammlung  1869  S.  125).    Während  aber 

Feier  ist   uns    bei    Cato    de   agrkult.    132    er-  der  letztere  und  Marquardt  a.  a.  0.   in   farreo 

halten:     Iovi    dapali    culignam    vini   quantam  hinter   Iovi  einen    substantivischen   Ausdruck 

vis  polluctto.  eo  die  feriae  bubus  et  bubulcis  et  erkennen,    zu    dem    der   Satz    in   quo    farreus 

qui  dapem  facient;  cum  polhicere  iporlebit,  sie  jjanis  habetur   „gleichsam   glossierend"    hinzu- 

facies:  'Iuppiter  dapalis,  quod  tibi  ficri  oportet  gefügt  wird,   sieht  Jordan  (Preller,  B.  M.  I3 

in  domo  familia  mea   culignam  vini  clapi,  eius  20  S.  197  Anm.  2)   darin   einen  neuen   Beinamen 

rei  ergo  macte  hac  illace  dape  pollucenda  esto.''  Iuppiters.     Vergleicht  man  zu  dem  genannten 

manus  interluito,  postea  vinum  sumito:  'Iuppiter  Opfer  die  Darstellung  des  etruskischen  Spiegels 

dapalis  macte  istace  dape  pullucenda  esto,  macte  (Bd.  1  Sp.  2259/60),  wo  der  Himmelsvater  die 

vino  inferio  esto.'      Vestae,  si  voles,  dato,  daps  dii  ooniugales  Hercules   und  Iuno   zusammen- 

Iovi  assaria,  peeunia ,   urna   vini.     Iovi  caste  führt  (Rei  ff  er  scheid,  De  Hercule  et  Iunoue  diis 

profanaio    sua    contagione    postea    dape    facta  ltalorumconiugalibus,  ann.d'inst.  1867  S.  352  ff.), 

serito    milium,   panicum,    alium ,   lentim    (vgl.  so  kann  man  ohne  Bedenken  der  Behauptung 

Iuno  als  dea  dapalis).    Bevor  die  reifen  Früchte  Studemunds    beistimmen,     dafs     der     höchste 

in    der  Scheuer   geborgen  winden,    ging   dem  Gott     als     Vorstand     und     Beschützer    jeder 

Opfer     einer    porcus    femina     für     Ceres    die  30  sakralen    Ehe    zu    gelten    hat;    daher    wurde 

Spende    von  Wein    und   Kuchen    (fertum)   für  auch  durch  seinen  bei  der  Ceremonie  ertönen- 

Ianus  und  Iuppiter  voraus,  wobei  man  ihn  um  den  Donner  die  confarreatio  getrennt  (Serv.  ad 

Schutz    des     gesamten     Hausstandes     anflehte  Aen.  4,  339  .  .  tonuisse    quae  res    dirimit   con- 

(Cato  a.  a.  0.   134).     Auf  den  Beschirmer  des  farreationes). 

Hauses  scheinen    auch  die  Epitheta  Herceus  Im  capitolinischen  Tempel  befand  sich   in 

und  Penetralis  zu  deuten:  Paul.  p.  101  Her-  delubro  Minervae  eine  aedicula  der  Iuventas 

ctus  Iuppiter  inter  consaeptum  domus  cuiusque  (Plin.  n.  h.  35,  108   pinxit   i Nicomachus)    hie 

colebotur   quem   etiam   deum  penetralem   appel-  raptum  Proserpinae,  quae  tabula  fuit  in  Capi- 

labant.      Serv.   ad  Aen,  2,  469    singula    enim,  tolio    in    Minervae    delubro    super    aediculam 

domus    S'icrata    sunt    diis:    ut    maceries    quae  40  Iuventatis.     Uion.  3,  69  Kai.  vvv  b  jxsv  itsqös 

ambit  domum  Herceo  Iovi,  vgl.  ibid.  506.    Ver-  (gesprochen  wird  vorher  von  den  Altären  der 

wandt  mit  der  dapes  ist  das  epulum,  das  all-  Iuventas  und  des  Terminus)  iativ  iv  zät  rtgo- 

jährlich  die  plebeische  Gemeinde  dem  Iuppiter  väm  zf/g  'A&riväg  .  .).     Weil  die  Göttin,  so  er- 

Capitolinus  darbrachte  (s.  diesen).  zählt  die  Sage,  beim  Bau  nicht  habe  weichen 

Hat  sich  das  Wirken   des   höchsten  Gottes  wollen,  sei  ihr  eine  eigene  Kapelle  eingeräumt 

für   das   Gedeihen  und    den   Segen   des   Land-  worden  (aufser  d.  a.  St.  Liv.  5,  54,  7.  -D/o  54, 19); 

banes  im  religiösen  Bewußtsein  des  Volkes  deut-  die   Erzählung    scheint   ursprünglich   nur   von 

lieh  erhalten,   so  ist  seine  Bedeutung  für  die  Terminus    gegolten    zu   haben    (Cato  b.  Fest. 

Fruchtbarkeit  und  Vermehrung  des  Menschen-  p.  162.  Liv.  1,  55,  3.  Ov.  fast.  2,  665.  Dion.  2,  74. 

geschlechtes  hinter  der  seines  Genius  Hercules  50  Paul.  p.  368.   Serv.  ad  Aen.  8,  448.   lact.  1,  20) 

weit  zurückgetreten.     Weil  Iuppiter  an  allem,  und    von    ihm    auf  Iuventas    und   Mars  (Aug. 

was    den  Acker,    das   Haus    und    die   Familie  c.  d.  4,  23)  übertragen  zu  sein  (Jordan,  Top.  1,  2 

betrifft,  regen  Anteil  nimmt,  weihen  ihm  Mann  S.  11).     Es  war  eine   alte  Sitte,   dafs   für  die, 

und  Weib,    wenn  sie  die  Ehe  eingehen,    den  welche    die    männliche   Reife    erlangt    hatten, 

Spelt,     das     Sinnbild    des    täglichen    Brotes,  eine  Gabe  in  den  Schatz  der  Iuventas  nieder- 

Jordan,  Herrn.  16  (1881)  S.  240.     Es  war  dies  gelegt    werden    mufste   (Pisa  b.    Dion.  4,  15). 

bekanntlich    die     feierlichste    Art     der    Ehe-  Am  Tage  der  Bekleidung  mit  der  toga  virilis 

schhefsung,  in  Gegenwart  von  10  Zeugen  vom  wurde    zum    Schlufs    der    Feierlichkeiten    ein 

pontifex  maximus  und  dem  flamen  Dialis  voll-  Opfer    dargebracht  (Appian  b.  c.  4,  30),    und 

zogen,    und   von   dem   dargebrachten  farrenm  60  zwar  auf  dem  Capitol  (Vol.  Max.  5,  44.    Suet. 

libum  (Paul.  p.  88)  confarreatio  genannt  (Ulp.  Claud.  2.    Serv.  ad  Ecl.  4,  50).    Die  Notiz  der 

fr.  9,  1.  Serv.  ad  Georg.  1,  &L  Boethius  ad  Cic.  fast.  Farnes,  ad  Mart.  17,  Libero  in  Cap(itolio) 

Top.  p.  299  Gr.,  vgl.  Boßbach,   Untersuchungen  0.  I.  L.  I  p.  388  (vgl.  fast.  Caeret.  Fph.  ep.  3 

über  die  rom.  Ehe  S.  95  ff.  Earlowa,  Die  Formen  p.  6)  veranlafste  Marquardt,  Beim.  Staatsveriv.  42 

der  römischen  Ehe  und  Manus   S.  5  ff .     Mar-  S.  124  Anm.  4    zu    der  Annahme,    dafs   jenes 

quardt,  Köm.  Staatsvenvaltg.  3°  S.  304  Anm.  10.  Opfer   an   der   ara  Liberi   stattgefunden  habe. 

42  S.  32.  50.  Gamurrini,  il  matrimonio  italico,  Da  jedoch  alle  im  Dativ  den  einzelnen  Tagen 

Mitteilungen  d.   arch.   Inst.    4    (1889)    S.   92).  beigefügten  Namen  der  Götter  die  Dedikations- 


667    Iuppiter  (altröm.  K.:  Iuventus,  Iuvenis)  luppiter  .(altröm.  K :  Terminus,  Inventur)   668 

tage  ihrer  Tempel  angeben,  so  werden  wir  um  scharfer  Umgrenzung  dem  Auge  sich  präsentiere 
so  weniger  Bedenken  tragen,  den  sakralen  Akt  (Serv.  ad  Aen.  9,  448  unde  in  CapitoHo  prona 
an  den  Altar  der  Iuventas  zu  verlegen,  als  pars  tecti  patet,  qiiae  lapidem  ipsum  Termini 
auch  der  oben  erwähnte  Brauch  der  Geld-  spectat,  nam  Termino  non  nisi  sub  divo  sacri- 
spende  darauf  hinzuweisen  scheint  (anders  ficabatur,  vgl.  Ov.  fast.  2,  672).  luppiter  wachte 
Jordan,  Top.  1,  2  S.  39  Anm.  38).  Enthält  nun  gleichsam  über  die  Unverrückbarkeit  desselben 
schon  die  Lage  der  aedicula  eine  Beziehung  und  damit  auch  aller  andern,  die  in  jenem 
zu  luppiter  als  dem  eigentlichen  Besitzer  des  sinnbildlich  dargestellt  waren,  und  es  ist 
Tempels,  so  liegen  aufserdem  bestimmte  Zeug-  natürlich,  dafs  man  denselben  Gott,  zu  dem 
nisse  der  Alten  vor,  dafs  auch  ihm  die  gottes-  10  man  um  das  Wachstum  der  Saaten  und 
dienstliche  Handlung  bei  Eintritt  der  Knaben  Früchte  flehte,  sich  auch  als  Beschützer  des 
in  die  Pubertät  gegolten  hat.  Serv.  a.  a.  0.  Bodens  dachte,  dem  die  Erträge  des  Land- 
lovem  tnerito  puerorum  dicunt  incrementa  baues  entspriefsen.  (Fabeln  über  die  Ein- 
curare,  quia  cum  pueri  togam  virilem  sumpse-  führung  des  Terminuskultes  s.  im  Abschnitt 
rint  ad  Capitolium  eunt,  vgl.  Aug.  c.  d.  4,  11.  über  die  Sabiner  Sp.  639,  24.)  Das  Bekannt- 
So  war  er  der  Schirmer  und  Hort  der  heran-  werden  mit  den  griechischen  Sagen  gab  Ver- 
wachsenden männlichen  Jugend.  Die  In-  anlassung,  den  Stein  in  der  cella  Iuppiters 
schritten,  welche  einen  luppiter  Iuventus  für  denjenigen  zu  erklären,  den  Saturnus  durch 
verzeichnen  (C.  I.  L.  9,  5574  Iovi  Iuentuti  aus  ßhea  getäuscht,  anstatt  seines  Kindes  ver- 
Septempeda  und  C.  I.  L.  11,  3245  Iovi  luven-  20  schluckt  haben  soll  (Lactant.  1,20,  38).  Die  Zu- 
tuti  sacrum  aus  Sutrium),  gehören  der  Kaiser-  sammenstellung  luppiter  Terminus  begeg- 
zeit  und  sind  nicht  stadtrömisch.  Commodus  net  uns  am  frühesten  auf  Münzen  des  berühmten 
liefs  Münzen  prägen  mit  der  Umschrift  Iovi  Grammatikers  M.  Terentius  Varro  (er  schlug 
Iuveni  (s.  Cohen nr.  370.  371,  vgl. Fröhner,  Les  sie  als  Proquästor  des  Pompeius,  also  ver- 
medaillons  de  l'empire  Romain  p.  133 :  luppiter  mutlich  um  das  Jahr  678,  vgl.  Roth,  Leben 
mit  Scepter  und  Blitz,  links  zu  seinen  Füfsen  des  Varro,  Basel  1857,  S.  12;  c.  a.  705  nach 
ein  Adler,  rechts  ein  Altar,  eine  Scene  aus  Babelon  a.  a.  0.  2  S.  485  ff.;  der  Gott  geborte 
dem  Gigantenkampfe  darstellend;  Cohen  562 —  wohl  zu  seinen  Penaten),  Cohen,  Cons.  T.  39, 
572,  es  fehlt  der  Altar),  und  darnach  wird  auch  Ter.  5,  6,  vgl.  Mommsen,  M.  W.  S.654  Anm.  553; 
Iov.  luven  auf  Münzen  desselben  Herrschers  30  es  scheint,  dafs  der  griechische  Ztig  ögtog, 
{Cohen  nr.  81.  82)  zu  Iuveni  zu  ergänzen  sein,  mit  dem  der  Kopf  grofse  Ähnlichkeit  zeigt, 
doch  vermutet  Ovcrbeck,  Griech.  Kunstmythol.  2  auf  den  Typus  sowohl  wie  auf  den  Namen 
S.  201  ff.,  dafs  hier  nicht  der  als  jugendlich  nicht  ohne  Einflufs  geblieben  ist  (OverbecJc 
gedachte  Gott  dargestellt  sei,  sondern  der  a.  a.  0.  S.  5).  Bezüglich  der  im  ager  Ravennas 
junge  Kaiser  im  Iuppiterkostüm  und  dafs  es  gefundenen  Herme  mit  der  Inschrift  Iov(i) 
sonach  einen  wirklichen  Kult  des  luppiter  Ter(mimiW>)  31(arcus)  |  Val((rius)  Ant(iochus) 
Iuvenis  nicht  gegeben  habe.  An(nii)  Ti(beriani)  cormes)  (Mommsen  C.  I.  L. 
Wenn  ein  Volk  sein  nomadisierendes  Leben  11,  351)  gehen  die  Ansichten  auseinander; 
aufgegeben  und  sefshaft  geworden  sich  der  während  Gerhard,  Ann.  d.  inst.  1847  S.  327 
Bestellung  der  auf  friedliche  Weise  oder  im  40  Taf.  S.  T.  ein  Bild  des  Gottes  selbst  erkennen 
Wege  der  Gewalt  gewonnenen  Acker  zu-  will,  glaubt  Semen  zu  Or.  nr.  5648,  es  handle 
gewendet  hat,  so  ist  ein  Beharren  und  Fort-  sich  nur  um  eine  Widmung  der  Herme  an 
schreiten  in  diesem  Anfangsstadinm  der  Kultur  luppiter  Terminalis,  nicht  um  eine  Darstellung 
nur  denkbar,  wenn  nach  Verteidigung  des  desselben.  (Genaueres  über  Kult  und  Feste 
Landes   der  Bestand   des   durch   den   Gesamt-  s.  v.  Terminus.) 

willen   festgesetzten   Eigentumes    nicht   durch  Am   Fufse   des   Aventin,   in   der  Nähe   der 

die  willkürlichen  Eingriffe   des  Einzelnen   ge-  porta    trigemina    (s.    die    unten     angeführten 

fährdet    werden    kann.      Darum    hat    sich    in  Stellen),    befand    sich    ein    uralter    Altar    des 

früher    Zeit     der    Brauch     entwickelt     durch  luppiter.  Die  Nachbarschaft  der  Kultstätten  des 

Pfähle   oder  Steine  die    Grenzen    des  Besitz- 50  Hercules  ad  eircummax., inforo  boario.  besonders 

tums    abzustecken    und    man    begnügte    sich  ad  portam  trigeminam   (vgl.  Bd.  1   Sp.  2901  ff. 

nicht  durch  harte  Strafen  jeden  Frevel  gegen  2916.  2940)    gab    Veranlassung,    ihn    in    den 

die  Heiligkeit  und  Unantastbarkeit  des  Eigen-  Sagenkreis  hineinzuziehen,  der  die  Entstehung 

tums  aufs  strengste  zu  ahnden  (Rudorff,  Gromat.  jener  Heiligtümer  auf  den  siegreichen  Kampf 

Institutionen  in  Schriften  der  röm.  Feldmesser  2  des  Hercules  gegen  Cacus  zurückführte.  Dafsria- 

p.  236  f.;  J.  Grimm,  Deutsche  Grenzaltertümer  bei  der  schon  vorhandene  Kultname  Inventor 

in  denAbhdlg.  der  Beil.  Ak.  1843  S.  109  ff.),  son-  die  Direktive  gab  für  die  Art  der  Verwendui  g, 

dem  es  wurden  auch  die  Symbole  der  Unverletz-  ist  wahrscheinlicher,    als   dafs   das   cognomen 

lichkeit  unter  den  besondi  ren  Schutz  der  Gott-  erst  der  Fabel  seinen  Ursprung  verdankt.    Der 

heit  gestellt.    Ein  solcher  Grenzstein  (der  Re-  60  erste  und  ausführlichste  Bericht  liegt  vor  bei 

Präsentant  des  Gottes  selbst;  Overbeck,  Griech.  Dion.  1,  39   ccyvi'aag   (sc.  'HgaxXfis)   öh   zä>  ico- 

Kunstmgthol.  2  S.  554  Anm.  9),  gewissermafsen  rajirä   zbv   tpovov   idgvszai  Tilrfiiov   zov   zonov 

das   Prototyp    aller   existierenden   Grenzsteine  zJtog  Evgtaiov  ßcopov  og  iaxi  rijg  'Pcoung  vtagee 

lag   in  der  Cella  des  capitolinischen  luppiter,  rfj   Tgiäofico   TtiXn   v.al  dvii.   xä>   &eö>    Sä[ia?.iv 

und  über,  ihm   im  Dache  .war   nach   den  Vor-  £W  riji;  avgiosag  züsv  ßoäv  %agiair)giov   zav- 

schriften  des  Kultus  eine  Öffnung  angebracht,  xrtv   in    tat    E^g   ifie    zry   &vaictv   f}  'Poojiatav 

doch  wohl  damit  im  Lichte  des  hellen  Tages  nöXig  gvvszUsl  voiii'/iois  'EV.nviv.OLg  a-naciv  kv 

jede   Unklarheit    schwände    und   der   Stein   in  avzfj   jj^cofiEVr/   xa&aTisg    ixiivog   v.azzoxrjGUTo. 


669      Iuppiter  (altröm.  Kulte:  Inventor^  Iuppiter  ''altröm.  Kulte:  Inventorj      670 

EvQtoiog  ist  die  Übertragung  des  lateinischen  SIO.  nr.  146),  ja  selbst  der  offizielle  Ausdruck 
Inventor;  denn  die  griechische  Mythologie  nennt  boes  {Fest.  p.  189  Iovi  Feretrio  .  .  . 
kennt  keinen  Zfvg  Evgioiog.  Ooiä  fast.  1,  579  bovem  coedito  in  der  lex  opimorum  spoliorum, 
widmet  der  Sage  nur  das  Distichon:  Immolat  Acta  fratr.  Arval.  bovem  marem,  bores  mores 
ex  Ulis  taurum  tibi,  Iuppiter  unum  \  Victor  ad  S.  71—73.  84—87.  91.  92.  95.  96  ff.  Eenzen, 
Euandrum  ruricolasque  vocat.  Eine  genauere  lote  bovid  piaelum  datod  in  der  lex  Spoletina 
topographische  Bestimmung  fügt  noch  Solin  1,  7  Jordan  ind.  Icct.  Eegim.  1882/3  p.  16,  vgl. 
bei:  aram  Hercules  quam  voverat  si  amissas  noch  Liv.  41,  14).  Die  Farbe  des  Rindes  war 
boves  repperisset ,  punito  Caco  patri  inverdori  weifs  (Liv.  22,  10,  7.  Ovid.  ep.  ex  P.  4,  4,  31. 
dicavit  gut  Cacus  habitavit  locum,  cid  Salinae  10  Arnob.  2  68),  gefleckte  wurden  mit  Kreide 
nomen  est,  ubi  trigemirta  nunc  porta,  während  angestrichen  {luv.  10,  66  und  Schöl.  dazu,  wo 
die  Schrift  de  origine  gcrttis  Eomanae  c.  6  schon  Lu'jilius  diesen  Brauch  erwähnt),  im 
tum  Eecaranus  sub  Aventino  Inventori  patri  Notfall  begnügte  man  sich  mit  boes  calidi 
aram  dedicavit  appellavitgue  maximam  et  apud  (=  qui  frontem  albam  habent  Isidor  or.  12, 
eam  decimam  sui  pecoris  profanavit  (vgl.  cp.  8)  1,  52.  Philox.  gloss.  p.  207  Labb.),  vgl.  Mar- 
die  drei  Altäre  des  Iuppiter,  des  Hercules  ad  quardt,  Köm.  Staaisvtrwältg.  32S.  172  Anm.  7.  8, 
portam  trigeminam  und  in  foro  boario  durch  S.  173  Anm.  1.  Gilbert,  Gesch.  u.  Top.  Borns  2 
einander  mengt.  Wenn  Pete r  Bd.  1  Sp.  2917.  60  S.  422  A.  1.  Der  Ritus  am  Altar  des  Iuppiter 
„aus  der  innigen  Verbindung,  in  welcher  die  Inventor  war  der  griechische  (Dion.  voui'uoig 
Sage  den  Altar  zu  Hercules  setzt",  auf  einen  20  'Ell^viv.oig).  Wenn  die  ansprechenden  Ver- 
sakralen Zusammenhang  der  Altäre  des  Iup-  mutungen  von  Peter  Bd.  1  Sp.  2928 ff.,  dafs  der 
piter  Inventor  und  Hercules  (Plut.  q.  P.  60,  sogenannte  graecus  ritus  an  der  aia  maxima 
vgl.  Gilbert  2  S.  158  Anm.  3;  3  S.  434)  schliefst,  des  Hercules  und  am  Tempel  des  Suturnus 
so  kann  man  ihm  beistimmen,  wenn  er  aber  uralte  römische  Opfersitte  sei,  sicher  begründet 
(Sp.  2940)  für  seine  Ansicht  eine  Stütze  in  den  werden  könnten,  so  würden  sie  auch  für  den 
Fasten  finden  will  —  es  geben  zum  13.  August  Kult  des  Iuppiter  Inventor  Geltung  behalten, 
die  fast.  Allif.  F.  Iovi.  IHanae  Vortumno  in  Ebenso  ist  von  Peter  Sp.  2289,  10  mit  Recht 
Aventino.  Herculi  Invicto  ad  port.  trigeminam.  darauf  hingewiesen  worden,  dafs  das  Medaillon 
Castori  Polluci  in  circo  Flam.  Florae  ad  cir  des  Antonimis  Pius  (Eckhel,  Doctr.  numm.  p.  29. 
maximiim  (Eph.  ep.  3  p.  85  =  C.  I  L.  9,2320),  30  Cohen,  Med.  imp.  2  nr.  484.  Fröhner,  Les  me'dail- 
die  fast.  Am.it.  Feriae  Iovi  Dianae  Vortumno  Ions  de  l'empire  Eomain  S.  57),  auf  welchem 
in  Aventino  Castori  Polluci  in  circo  Flaminio  Hercules,  die  Linke  mit  der  Keule  bewaffnet, 
C.I.L.l  p.  324  =  9,  4192)  —  so  ist  dem  ent-  über  den  Arm  die  Löwenhaut  gehangen,  mit 
gegenzuhalten,  dafs  die  Worte  feriae  Iovi  von  der  Rechten  über  einem  brennenden  Altare  die 
den  folgenden  getreunt  werden  müssen ;  denn  patera  entleert,  während  von  der  andern 
es  ist  ein  Unterschied  zwischen  dem  im  Dativ  Seite  ein  Opferdiener  ihm  ein  Rind  zuführt, 
"stehenden  Zusätze  einer  Gottheit  und  der  Ver-  den  Heros  darstelle,  wie  er  nach  dem  Siege 
bindung  derselben  mit  dem  terminus  'feriae'' ;  über  Cacus  am  Altare  des  Iuppiter  Inventor 
erstere  beziehen  sich  auf  die  Stiftungstage  das  Dankesopfer  darbringe.  Abbildg.  Bd.  1 
der  Tempel,    letztere   bezeichnen   nicht   einen  40  a.  a.  O. 

bestimmten  lokalen  Einzelkult,  sondern  gelten  Vereinzelt  und  dürftig  sind  die  Zeug- 
dem  Gotte  schlechthin;  und  darum  waren  die  nisse,  die  uns  von  der  Verehrung  des  Natur- 
Tage  der  feriae  aus  der  Zahl  der  dies  fasti  gotte s  Kunde  geben,  eine  Thatsache,  die  ihre 
ausgeschlossen  (Mommsen,  C.  I.  I..  1  p.  375),  Erklärung  in  dem  Umstände  findet,  dafs  die 
darum  wurden  auch  feriae  und  Opfer  am  Feier  der  in  Feld  und  Hain  wirksam  ge- 
Dedikationsfeste  im  Kalender  gesondert  an-  dachten  Gottheiten  von  jeher  mehr  Gegen- 
gemerkt,  wenn  beide  auf  denselben  Tag  fielen  stand  des  Privatkultes  gewesen  ist,  und  in 
(Aust  a.  a.  O.  p.  38  ff.).  Dafs  Dionys  a.  a.  O.  dem  Charakter  der  antiken  Litteratur,  die  ihre 
den  H»  rcules  an  dem  neugegründeten  Altare  Aufmerksamkeit  in  erster  Linie  dem  öffent- 
einen  6cty.a7.Lg  (i.  e.  iuveneus)  darbringen  läfst,  50  liehen  Leben  zuwandte.  Es  ist  ferner  sehr 
ent-prichtnur  den  Bestimmungen  des  Pontifikal-  begreiflich,  dafs  bei  einem  Volke,  das  anfangs 
rechtes  (vgl.  &rw«s  ad  J.em.3, 21.  Verg.Aen.  9, 627  zur  Behauptung  seiner  Existenz,  sodann  im 
Ovid.  fast.  \,  83):  unter  den  vier  Klassen  vituli  Ringen  um  die  führende  Stellung  in  Italien 
iuvenci,  boes  novelli,  boes  vetuli,  in  welche  die  und  am  Mittelmeere  von  einem  Kriege  zum 
Rinder  bei  Varro  de  rc  rast.  2,  5,  6  nach  dem  andern  gefühlt  wurde,  die  auf  die  Natur  be- 
Alter  geteilt  werden,  gehörten  die  iuvenci  der  züglichen  Seiten  eines  so  pantheistisch  an- 
zweiten  an.  Tauri  dem  Iuppiter  zu  opfern  gelegten  Gottes  wie  Iuppiter  allmählich  zu- 
lasse 3  und  4)  war  verboten,  vgl.  Ateius  mektreten  mufsteu  hinter  der  kriegerischen 
Ca/'ito  bei  Macrob.  3,  10,  3  Iovi  tuuro  verre  und  politischen  Bedeutung;  von  diesen  beiden 
ariete  immolari  non  licet,  3,  10,  7  si  quis  forte  60  ist  die  erste  wieder  die  ursprünglichere;  denn 
tauro  Iovi  fecerit  piaculum  dato.  Da  iuvenci  der  Gedanke  an  ein  ideales  Staatsoberhaupt 
und  tauri  nur  dem  Alter  nach  geschieden  (Iuppiter  Gapitolmus)  kann  bei  einem  Volke 
waren,  so  ist  es  begreiflich,  dafs  der  Sprach-  nicht  eher  ausgebildet  sein,  als  bis  eine  staat- 
gebrauch sie  nicht  scharf  auseinander  hielt(vgl.  liehe  Einigung  im  bewufsten  Gegensatz  zu 
Ovid.  fast.  1,579.  Verg.  Aen.  3,  21  Carlicolum  allen,  die  keinen  Anteil  an  ihr  haben,  voll- 
regi  maetabam  in  litore  taurum.  Sil.  Ital.  6,  647  zogen  ist. 

ingentem  taurinn  dona  Iovi.    diovj-st.  ^sgeog^i.  Den  Kult  des  Iuppiter  Feretrius  führt  die 

Tuvgoii  auf  einer  oskischen  Inschrift  Zuetajeff,  antike  Überlieferung  eiustimmig  auf  Romulus 


()71      Iuppiter  laltröm.  Kult:  Feretrius) 

zurück  und  erklärt  ihn  damit  für  einen  der 
ältesten  Roms.  Im  siegreichen  Kampfe  gegen 
die  Caeninenser  (Eph.  ep.  1  p.  157)  hatte  Ro 
mulus  mit  eigner  Hand  den  feindlichen  König 
Acron  (Livius  und  Uionys  kennen  den  Namen 
noch  nicht)  getötet  und  ihm  die  Rüstung  ab- 
genommen {Liv.  1,  10,  4.  Dion.  2,  33).  Livius 
§  5  ff.  fährt  fort:  Inde  exercitu  Victore  reducto 
ipse  .  .  .  spolia  ducis  hostium  caesi  susjiensa 
fabrieato  ad  id  apte  ferculo  gerens  in  Capito- 
lium  escendit  ibique  ea  cum  ad  quer  cum  pasto- 
ribus  sacram  deposuisset,  simul  cum  do)io  de- 
signavit  templo  Iovis  finis  cognomenque  addidit 
dto.  'Iuppiter  Feretri',  inquit,  'haec  tibi  victor 
JS.om.ulus  rex  regia  arma  fero  templumque  hs 
regionibus,  guas  modo  animo  metatus  sum, 
dedico  sedem  opimis  spoliis,  quae  regibus  duci- 
busque  hostium  cacsis  me  auctorem  scquentes 
postcri  ferent.'  Haec  templi  est  origo,  quod 
jirimum  omnium  Homae  sacratum  est.  Der 
Akt  der  Inauguration  und  die  Dedikations- 
foimel,  die  nur  am  fertigen  Bau  gesprochen 
werden  konnte,  folgen  unmittelbar  nach  ein- 
ander, vgl.  Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  254 ;  Dion  2,34 
(dieser  läfst  den  König  vor  der  Weihung  noch  die 
Antemnaten  unterwerfen).  Plut.Eom.  16.  Prop.b, 

10,  7.  46.  Vol.  Max.  3,  2,  3.  Flor.  1,  1,  16. 
Ampel.  21.  Bio  44,  4.  Sero,  ad  Aen.  6,  859. 
Elogium  des  Romulus  C.  I.  L.  1  p.  283  elog.  22 
=  10,  809  isque  |  primus  dux  duce  hostium 
Acrone  rege  Cacninensium  |  interfeeto  spolia 
opifma]  1  Iovi  Feretrio  consecrafvitj.  Der 
Stiftung  gab  Nunia  die  gesetzliche  Weihe 
durch  die  lex  opimorum  spoliorum,  Fest.  p.  189: 
cuius  auspicio  classe  producta  opima  spolia 
capiuntur,  Iovi  Feretrio  darier  oporteat  (Jordan, 
Herrn.  7  S.  206  liest  oportet)  et  bovem  cuedito, 
gut  cepit  acris  C.  C.  secunda  spolia  in  Mortis 
aram  in  campo  solitaurilia  (über  die  Formen 
suovetaurilia  und  solitaurilia  vgl.  Marquardt 
'S-  S.  173  Anm.  13)  utra  voluerit  caedito  tertia 
spolia  Ianui  Q^ärino  agnum  marem  catdito, 
C.  qiti  ceperit  ex  aere  dato  cuius  auspicio 
capta ,  dis  piaculum  dato.  Die  Fortsetzung 
Ituius  aedis  lex  nulla  exstat  neque  iemplum 
habeat  (habeaHir  Jordan)  neque  (necnc  J)  scitur 
geht  nach  Jordan  a.  a.  0.  auf  den  Ianus 
Geminus;  zum  Verständnis  des  vielfach  ver- 
dorbenen Textes  vgl.  P!ut.  Marc.  8.  Scrvius  ad 
Aen.  6,  859;  die  ganze  lex  wird  behandelt  von 
M.  Voigt,  Abhdlg  der  Leipz.  Ges.  der  )}"iss. 
Bd.  17  S.  561  ff.  AncusMarcius  erweiterte  den 
Tempel  (Liv.  1,  33,  9  rebus  bello  gestis  aedis 
Iovis  Feretri  amplificata).  Soweit  die  Fabel. 
In  der  Geschichte  hören  wir  zuerst  von  dem 
Heiligtume  bei  der  Weihung  der  im  Kampfe 
mit  dem  Veienterkönig  Tolumnius  gewonnenen 
spolia  opima  des  A.  Cornelius  Cossus  a.  328  u.  c. 
nach  Biodor  12,  80.   Val.  Max.  3,  2,  4.  Flor.  1, 

11,  3.  Aurel.  Vict.  de  viris  illustribus  25.  Flut. 
Born.  16.  Serv.  ad  Aen.  6,  855,  a.  317  nach 
Liv.  4,  20.  Bion.  12,  5;  in  Wirklichkeit  im 
Jahre  326,  in  welchem  Cossus  das  Konsulat 
bekleidete,  denn  nur  die  spolia  opima,  die 
der  Führer  dem  Führer  abgenommen,  konnten 
im  Tempel  des  Iuppiter  Feretrius  niedergelegt 
werden,  daher  mufsten  T.  Manlius  Torquatus, 
Valerius  Corvinus  und  Scipio  Africanus  minor 


Iuppiter  laltröm.  Kult:  Feretrius)      672 

auf  die  gleiche  Ehre  verzichten,  weil  sie  unter 
höherem  Kommando  stehend  die  feindlichen 
Feldherrn  im  Zweikampf  getötet  hatten,  vgl. 
Preller,  E.  M.  1  S.  200  n.  Anm.  ■>.  Augnstus 
selbst  hatte  auf  dem  zu  seiner  Zeit  noch  er- 
haltenen linnenen  Panzer  des  Tolumnius  ge- 
lesen, dafs  Cossus  ihn  als  Konsul  geweiht  (Liv. 
4,  20,  7,  vgl.  Fest.  p.  189;  s.  über  die  chronolo- 
gische Fiage  JN7(se,  Herrn.  13  S.412  und  Momm- 

10  sen,  Bö'm.Forschg.2  S.236,  die  nur  darin  uneins 
sind,  ob  die  Einreihung  der  zeitlos  umlaufen- 
den Erzählung  in  die  Annalen  vor  oder  nach 
Beginn  der  römischen  Geschichtsschreibung 
zu  setzen  ist).  Der  nächste,  dem  das  Glück 
die  hohe  Auszeichnung gewährte,warM.  Claudius 
Marcellus,  der  Konsul  des  Jahres  532;  in  einer 
Schlacht  gegen  die  gallischen  Insubrer  er- 
schlug er  ihren  Führer  Viridomarus  (Liv.  ep.  X5. 
Verg.  Aen.  6,  869,  dazu  Servius,  fast,  triumph. 

20  C  I.  L.  1  p.  458.  M.  Claudius  M.  f.  M.  n. 
Marcellus  anno  BXfXXI]  |  cos.  de  Galleis 
Insubribus  et  Ger  [man.]  |  K.Mait.  isque  spolia 
[opima  rjettfulit  \  djuce  hostium  Tfiridomnro 
ad  Cljastidfiiim  |  interfeeto],  s.  auch  die  bei 
Romulus  und  Cossus  angeführten  Stellen). 
Denare  des  P.  Cornelius  P.  f.  Lentulus  Mar- 
cellinus (c.  706  Brumann  4,  S.206,  c.  709  Babelon 


Der  Konsul  C.  Claudius  Marcellus,  die  spolia    opima  im 

Tempel  des   Iuppiter   Feretrius    darbringend,  auf   einem 

Denare    des   P.    Cornelius    Marcellinus    (nach    Babelon   1 

S.  352). 

40  s.  unten)  zeigen  ihn  auf  dem  Revers,  die  spolia 
opima  im  Tempel  des  Iuppiter  Feretrius 
darbringend  (Cohen,  T.  12  Claudia  4  dazu 
Mommscn,  E.  M.  nr.  303  S.  648.  Bonaldson, 
Arch.  nitm.  nr.  11  S.  45.  Babelon,  Bescr.  des 
monn.  de  la  re'publ.  rom.  1  S.  352  nr.  11,  vgl. 
S.  427  n.  69.  2  S.  534.  Stevenson,  A  dietionary 
of  Roman  coins  S.  209;  die  Münze  restituiert 
von  Traian).  Als  vierter  Fall  konnte,  wie 
Gilbert,  Top.  3  S.  399  Anm.  1  anführt,  Caesar 

50  gelten,  Bio  44,  4,  vgl.  Bio  51,  24;  55,  5.  Die 
Jahrhunderte  gingen  an  dem  Heiligtume  nicht 
spurlos  vorüber;  zur  Zeit  des  Augnstus  war 
es  verfallen  und  gehörte  zu  den  vielen,  die 
dem  Kaiser  ihre  Wiederherstellung  verdankten, 
vgl.  Mon.  Anc.  4,  5  aedes  in  Capitulio  Iovis 
feretri  .  .  .  feci.  6,  31  zgya  v.aiva  iyivszo  in' 
avzov  vaol  fiiv  .  .  .  dibg  .  .  Tpo^caoqröpoi». 
Liv.  4,  20,  7.  '  Cornel.  Xepos  Atlic.  20  aeeidit, 
cum  aedis  Iovis  feretrii  in  Capitolio  ab  Eomulo 

60  constituta  vetustate  atque  ineuria  delecta  pro- 
laberetur,  ut  Attici  admonitu  Caisar  eam  refi- 
ciendam  curaret.  Da  Atticus  722  gestorben 
ist  und  Nepos  den  Schlufs  der  vita  seines 
Freundes  nach  der  Niederlage  des  Antonius 
bei  Actium  (c.  20,  5),  aber  nicht  nach  dem 
Jahre  725  schrieb,  so  setzt  Mommsen,  B.  g.  d.  A. 
p.  81  die  Restitution  mit  grofser  Wahrschein- 
lichkeit   noch    in    das    Jahr    723.      Über    die 


673   Iuppiter  (altröm.  Kult :  I.  Feretrius')  Iuppiter  ('altröm.  Kult:   I.  Feretrius)   674 

architektonische    Beschaffenheit    des   Tempels  fabricato  ad  id  apte  ferculo  gerens  und    Verg. 

liegen     die     widersprechendsten    Nachrichten  Aen.  11,  83  indutosgue  iubet  truneos  hostilibus 

vor.     Dio  54,  8   erzählt,    Augustus    habe    ihn  armis  \  ipsos  ferre  duces  inimicaque  nomina  figi. 

zum  Muster  genommen,  als  er  zur  vorläufigen  Die  Ableitung   von  einem    so  nebensächlichen 

Unterbringung  der  von   den  Parthern  wieder-  Gerät    bei    einer    geschichtlich    nur    zweimal 

gewonnenen  römischen  Feldzeichen  dem  Mars  nachweisbaren   Feier   hat   wenig   Wahrschein- 

Ultor  auf  dem  Capitole  eine  Kapelle  errichtete  lichkeit,   besonders  da,   nach   dem  Schweigen 

(y.arä  tö  rov  diög  &£Q£tqi'ov   'c,i'iXu>(ia);  da  die-  des   Varro ,    Livius    und    Diortys    zu    urteilen, 

selbe  auf  Münzen  sich  als  aedis  rotunda  dar-  feretrnm   gar   nicht   die  offizielle  Bezeichnung 

stellt  (vgl.  Finder,  Abhdlg.  der  Berl.  Ah.  1855  to  der  Tragbahre  war,  die  Kultgebräuche  weisen 

phil.  hist.  Kl.  S.  611 — 613  u.  Tf.  4,  3.  Donaldson  vielmehr  auf  einen  Zusammenhang  mit  ferire 

a.  a.  0.  S.  26  ff.  Stecenson  S.  541),  so  würden  hin  (vgl. Härtung,  Bei.  d.  Rom. 2  S.16).  Iuppiter 

wir   für  unser   Heiligtum    die   gleiche  Bauart  Feretrius   und  Iuppiter  Lapis   ist  derselbe, 

anzunehmen  haben,  hiermit  lassen  sich  jedoch  Im    Heiligtume    des   Gottes   wurden    ein   lapis 

die    Abbildungen    auf    den    oben    angeführten  silex  und  ein  sceptrum  aufbewahrt,  Paul.  p.  92 

Denaren  nicht  vereinigen.    Wir  erblicken  einen  Feretrius  Iuppiter  .  .  .  ex   cuius   templo   sume- 

viereckigen  Tempel  als  tetrastylon,  die  Säulen  baut  sceptrum,  per   quod  iurarent  et  lapidem 

von   hoher    Basis    emporsteigend    tragen    ein  silieem,  quo  foedus  ferirent.  Serv.  ad  Aen.  12 ,  206 

Dach,  dessen  Giebelfläche  keinen  ornamentalen  ut  autcm  sceptrum  adhibeatur   ad  foedera  haec 

Schmuck  zeigt;  auf  der  zum  Eingang  führen-  20  ratio    est:    quia    maiores    semper   simulacrum 

den    Treppe    steigt   Marcellus    (nicht    Marcel-  Iovis    adhibebant;    quod  cum    taediosum   esset 

linus,    wie  Gilbert   schreibt)   mit  den   Spolien  praecipue    quando   fiebant   foedera    cum    lotige 

des  besiegten  Gegners  empor ;  die  Beschreibung  positis    geutibus    inventum    est,     ut    sceptrum 

des  Dionys  2,  34  hi  atö^txai  zb  äg^aiov  i'%vog  tenentes,    quasi    imaginem    simulacri   redderent 

iXatzovag  r\  it&vts  noSäv  Hat  Siv.oc  rag  (isifcovg  Iovis;     sceptrum    enim    ipsius    est    proprium. 

TiXsvQctg  £%ov  (der,  wie  es  hiernach  scheint,  die  Neben    dem   Steine   ist   das   Seepter  jüngeren 

Kapelle  mit  eignen  Augen  gesehen),  entspricht  Ursprungs ;  es  zeigt  Iuppiter  bereits  in  seiner 

genau    dem    Bilde.     Wer    die    Zeugnisse    der  Herrscherstellung,    wenn  man  nicht  vorziehen 

Münzen  und  eines  glaubwürdigen  Zeitgenossen  will ,    in   dem    sceptrum    die    Darstellung    des 

vergleicht  mit  der  Angabe  eines  um  mehr  als  3u  Blitzes  zu  sehen ;  Marquardt  3'-  S.  426  vermutet 

zwei     Jahrhunderte     jüngeren     Schriftstellers,  in   dem   Schwüre    des   Königs    oder  Feldherrn 

wird   sich   kaum    mit  Preller,  R.  31.  1  S.  200  (Liv.  1,  24,  8;  39,  38,  1.  Dionys.  4,  58)  beim 

und  Heibig,  Die  Italiker  in  der  Poebene  S.  54  Abschlufs  von  Verträgen  den  Grund   für  seine 

für    einen    Rundtempel    entscheiden,    sondern  Verwendung. 

wird  die  Nachricht  des  Dio  entweder  für  einen  Darüber,  dafs  wir  in  dem  'lapis'  ein  ur- 
Irrtum halten  (Gilbert,  Top.  1  S.  253  Anm.  1)  altes  Kultsymbol  zu  sehen  haben,  besteht  kein 
oder  in  ihr  wenigstens  keinen  Hinweis  auf  Zweifel,  aber  über  die  äufsere  Gestalt  des- 
eine  Nachahmung  in  der  äufseren  Gestalt  er-  selben  sind  die  Meinungen  geteilt;  31.  S.  de 
kennen  (vgl.  Richter  in  Iw.  Müllers  Handbeil.  Rossi  (anit.  d.  inst.  1867  S.  24ff. ;  terzo  rapporto 
d.  klass.  Altivs.  3  S.820  =  Baumeister,  Denkm.'S  du  sugli  studi  e  sullc  scoperte  paleottnologiehe  nell' 
S.  1480).  So  erledigt  sich  auch  die  Bemerkung  Italia  media  2.  ed.  Koma  1871)  denkt  an  eine 
Helbigs  a.  a.  0.  „eine  runde  Kapelle  des  Iup-  steinerne  Axt;  Preller,  R.  M.  1  S.  247  ver- 
piter  (Feretrius?)  findet  sich  auf  einem  Medaillon  gleicht  den  Flins  des  Donar  und  Miölnir  des 
des  Philippus  und  der  Otacilia;  Cohen,  Monn.  Thor  aus  der  deutschen  uud  nordischen  Mytho- 
de  Vempire  4T  8,  4  =  Donaldson  nr.  15."  Die  logie  (s.  Grimm,  Deutsche  3Iytliol.  163.  1171. 
irrige  Ansicht  über  die  Lage  in  arce,  d.  h.  auf  Kuhn,  Herabkunft  des  Feuers  S.  226);  Gilbert, 
dem  nördlichen  Hügel  des  Capitolinus,  der  Top.  2  S.  225  Anm.  2  erkennt  darin  ein  den 
heutigen  Höhe  von  Araceli,  ist  durch  Becker,  Blitz  darstellendes  spitzes  und  scharfes  Stein- 
Röm.  Altert.  1  S.  402  ff.  und  Jordan,  Top.  2  rnesser;  Heibig  a.  a.  0.  S.  92  entscheidet  sich 
S.  498  ff.  endgültig  widerlegt  worden.  Über  60  für  einen  unbearbeiteten  Feuerstein,  und  ihm 
die  Ableitung  des  Namens  Feretrius  gehen  scheint  sich  Marquardt,  Rom.  Staatsvcrwaltg.  3 
schon  die  Ansichten  der  Alten  weit  auseinander:  S.  426  anzuschliefsen.  Die  Stellen  der  antiken 
Dionys.  2,  34  läfst  die  Wahl  zwischen  den  drei  Litteratur,  welche  über  die  Verwendung  des 
Übersetzungen  rgo-naiovxog,  aKvXoq}ÖQog  und  'lapis'  handeln,  sind  folgende:  Liv.  1,  24,8 
vnspcpsQhng;  mit  ferire  bringen  ihn  in  Zu-  'Diespiter  populum  Romanum  sie  ferito,  ut  ego 
sammenhang  Prop.  5,  10,  46  nunc  spolia  in  hunc  porcum  hie  hoelie  feriam  tantoque  magis 
templo  tria  condita:  causa  Ferctri  \  omine  quod  ferito  quanto  magis  potes  pollesque' ;  id  ubi 
certo  dux  ferit  ense  ducem.  Plut.  Rom.  16.  dixit  porcum  saxo  silice  percussit.  Liv.  9,  5,  3 
Marc.  8.  Paul.  p.  92  epio  foedus  ferirent,  vgl.  eum  ita  Iuppiter  feriat ,  quemadmodum  a 
die  Anmerkung  von  0.  Müller;  mit  ferre  Paul.  60  fetialibus  porcus  feriatur.  Serv.  ad  Aen.  8,  641 
a.a.O.  aferendo  c/aod  pacem  ferre putaretur,  vgl.  cum  ante  gladio  configeretur  (porcus),  a  Fetia- 
Liv.  1,  10,  6;  mit  feretrum  dem  Holzgestell,  libus  inventum,  ut  silice  feriretur  ea  causa 
auf  welchem  die  erbeutete  Rüstung  getragen  quod  antiquum  Iovis  Signum  lapidis  silieem 
und  aufgestellt  wurde,  Plut.  3Iarc.  8;  ihm  putaverunt  esse.  Liv.  30,  43,  9  senatus  con- 
schliefsen  sich  nach  dem  Vorgange  von  Peri-  sultum  factum  est  in  haec  verba,  ut  (Fetiales) 
zonius  ,Animadv.  hist.  c.  7  p.  248  ff.  an  Schwegler.  privos  lapides  silices  privaseque  verbenas  seeuni 
Rom.  Gesch.  1  S. 461  u. Preller,  R.  31. 1  S.  199  mit  ferrent.  Polyb.  3,  25  Xaßwv  sig  xrjv  %itQa  U&ov 
Berufung  auf  Liv.  1,  10,  5  spolia  .  .  .  suspensa  6  noiovutvog  xa  oqkkx  . . .  Xsfii  zaSs '  „  .  .  .  iyca 
Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  II.  22 


675     Iuppiter  (altröm.  Eult:  I.  Feretrius)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Feretrius)     676 

(lövog  i-x.it sdoifu.  äg  'öäs  Xtöog  vvv"--  «ai  nr.  9 — 12;  10  nr.  18.  19)  einen  Beweis  für  die 
xuvx'  ilnäv  QLittsi  xöv  XC&ov  Ix  tijs  X£lQ°St  Benutzung  eines  schwertartigen  Instrumentes 
vgl.  Paul.  p.  115.  Plut.  Sulla  10.  Es  liegt  sehen  zu  wollen,  wäre  verfehlt,  denn  sie 
durchaus  kein  Grund  vor  bei  einer  dieser  zeigen  nicht  den  alten  Fetialritus  (vgl.  Beibig 
Ceremonieen  den  Gebranch  eines  steinernen  S.  92  Anm.  3,  Preller,  S.  M.  2  S.  325  Anm.  3. 
Werkzeuges  vorauszusetzen;  dies  hat  be-  Marquardt,  Rom.  Staatsvenu.  3a  S. 415  Anm.  6), 
reits  Helbig  a.  a.  0.  mit  Hecht  betont  und  sondern  stellen  nach  meinem  Dafürhalten  nur 
die  Gründe  für  seine  abweichende  Meinung  die  Ceremonie  des  Bündnisschwures  dar,  wie 
angeführt:  „Die  Erzeugnisse  der  primitiven  sie  seit  Beginn  des  zweiten  vorchristlichen 
Steinmanufaktur  erregten  schon  die  Aufmerk-  10  Jahrhunderts  ohne  Fetialen  vollzogen  werden 
samkeit  der  Alten,  hätte  sich  daher  ein  der-  konnte  (Liv.  38,  39,  1,  vgl.  Marquardt  S.  426). 
artiger  Rest  in  dem  Fetialritus  erhalten,  dann  Wäre  also,  wie  wir  darzulegen  suchten,  der 
würden  die  Schriftsteller,  wenn  sie  von  lapis  ein  einfacher  Kiesel,  so  kann  seine 
Cerauniae  nigrae  rubentisque  ac  similes  sec-u-  Gröfse  und  Schwere  nicht  sehr  beträchtlich 
ribus  (Plin.  37,  135)  sprechen,  gewifs  darauf  gewesen  sein,  da  er  nur  mit  einer  Hand  ge- 
hinweisen,  dafs  der  Pater  patratus  mit  einem  führt  wurde  (Polyb.  eis  ^hv  X£<-Qa  ~~  fK  T*JS 
ähnlichen  Gegenstande  das  Opfertier  tötete,  Z"?os);  demnach  hat  der  pater  patratus  das 
und  die  Berichte  über  den  Ritus  nicht  einfach  Schwein  nicht  getötet,  sondern  nur  den  ersten 
den  silex  oder  lapis  namhaft  machen,  sondern  Schlag  geführt,  die  Tötung  hiermit  symbolisch 
irgendwelche  Andeutung  enthalten,  dafs  der  20  bezeichnend;  das  Schlachten  selber  besorgten 
betreuende  Stein  bearbeitet  war,  vgl.  noch  —  es  wird  für  Staatsopfer  öfter  bezeugt  (vgl. 
Aug.  c.  d.  2,  29."  (Über  die  Entstehung  des  Marguardt  a.  a.  0.  S.  181)  —  die  ministri. 
Glaubens,  dafs  die  Blitze  zu  den  steinernen  Helbig  folgert  aus  der  Beschaffenheit  des 
Waffen  Beziehung  hätten,  s.  Helbig  S.  93.  94.)  Steines,  dafs  man  unter  den  römischen  Kultus- 
Mehr  noch  als  Helbigs  Beweis  ex  silentio  altertümern  vergeblich  nach  einem  Ritus  suche, 
spricht  gegen  die  bekämpfte  Auffassung  der  der  ein  Unbekanntsein  mit  der  Verwertung  der 
Umstand,  dafs  die  a.  553  u.  c.  nach  Afrika  Bronze  ergebe,  vgl.  Petersen,  Spuren  des  Stein- 
zum  Absehlufs  des  Bündnisses  reisenden  Fe-  alters,  welche  sich  bis  in  die  Zeit  der  beglau- 
tialen  mehrere  (privoa  i.  e.  singulos)  lapides  bigten  Geschichte  erhalten  haben,  Festprogr.  des 
silices  von  Rom  mitführen  mnfsten.  Es  wäre  30  akad.  Gymn.  zu  Hamburg  1869  S.  8;  jeden- 
doch  seltsam,  wenn  eine  Anzahl  Steinäxte  falls  aber  führt  uns  der  Kult  in  die  latinische 
oder  Steinmesser  vorhanden  gewesen  oder  zum  Urzeit  zurück,  in  eine  Epoche,  wo  neben  der 
jedesmaligen  Gebrauche  fertiggestellt  wäre;  Bekanntschaft  mit  der  Bronze  das  Stein- 
ebensowenig  wird  man  hier  den  lapides  material  noch  volle  Geltung  besafs  (Fehlen 
silices  eine  von  den  anderen  Stellen  ver-  von  bronzenen  Schalen  und  Nägeln,  Helbig 
schiedene  Deutung  geben  können,  da  sie  S.  77  ff.).  Die  Überlieferung  weifs  uns  nur 
ja  im  Zusammenhange  mit  dem  gleichfalls  von  der  Verwendung  des  lapis  im  Dienste  der 
zum  Opferritus  gehörigen  verbenae  genannt  Fetialen  zu  berichten;  der  Stein  selber  aber 
werden.  Vertreten  wir  dagegen  die  An-  ist  ein  beredtes  Zeugnis  dafür,  dafs  der  Epoche, 
sient,  dafs  „der  Funken  sprühende  Stein  40  in  welcher  er  im  völkerrechtlichen  Verkehr 
das  Symbol  des  Blitze  schleudernden  Donner-  benutzt  wurde  als  das  Symbol  eines  nach 
gottes"  war,  so  läfst  sich  damit  jener  Brauch  sittlichen  Gesetzen  waltenden,  die  Verletzung 
sehr  gut  vereinigen,  insofern  nämlich  jeder  des  Eidschwures  strafenden  Gottheit,  eine 
Stein  von  denselben  Eigenschaften  zum  Sym-  andere  voraufging,  wo  er  den  Mittelpunkt  des 
hole  des  höchsten  Gottes  werden  konnte.  Da  Kultes  in  ähnlicher  Weise  bildete  wie  die 
die  Vorschrift  bestand,  die  silices  aus  Rom  Lanze  des  Mars  in  der  Regia  (Rubino ,  Beitr. 
mitzunehmen,  so  wird  daselbst  ein  sakraler  zur  Vorgeschichte  Italiens  S.  230ff.  Marquardt 
Akt  sie  ihrem  Zwecke  dienlich  gemacht  haben.  a.  a.  0.  S.  5)  und  das  Feuer  im  Tempel  der 
Zu  diesem  Auskunftsmittel  war  man  verinut-  Vesta  noch  zu  den  Zeiten  des  Ovid  (Ov.  fast. 
lieh  genötigt,  weil  die  Fetialen  nicht  selten  50  6,  295  ff.,  vgl.  Preuner,  Hestia  -Vesta  S.  321; 
an  mehreren  Orten  zur  selben  Zeit  thätig  andere  Symbole  bei  Härtung,  Ret.  d.  Römer  2 
waren  und  weil  man  den  ursprünglichen  S.  10  und  Ambrosch,  Studien  und  Andeutungen 
Stein  nicht  der  Gefahr  weiter  Reisen  aus-  im  Gebiet  des  altrömischen  Bodens  und  Kultus  1 
setzen  wollte;  seine  Verwendung  blieb  wohl  S.  6).  Wir  erkennen  die  primitiven  Formen 
auf  Rom  und  die  benachbarten  Stämme  be-  eines  Naturkultes,  in  dem  ein  einfacher  Kiesel 
schränkt.  In  den  bildlichen  Darstellungen  auf  genügte,  um  die  Vorstellung  der  donnernden 
Denaren  des  Ti.  Veturius  (Mommsen,  R.  M.  und  blitzenden  Himmelsmacht  im  mensch- 
S.  555  nr.  19  „zwei  Gepanzerte,  der  eine  hart-  liehen  Gemüte  hervorzurufen.  Zu  welcher  Zeit 
los,  der  andere  bärtig,  mit  Speeren  und  sich  mit  dem  Wesen  des  Naturgottes  die 
blofsen  Schwertern  in  den  Händen,  berühren  60  moralischen  Begriffe  der  Treue  und  Gewissen- 
mit  den  Schwertspitzen  ein  Schwein,  das  ein  haftigkeit  vereinigt  haben,  entzieht  sich  einer 
knieender  Knabe  hält."  Cohen,  Med.  consul.  genauen  Bestimmung;  doch  dürfte  nach  dem 
T.  41  Veturia;  vgl.  Münzen  des  C.  Sulpicius,  Vorkommen  von  Bräuchen,  die  Ähnlichkeit 
Mommsen  a.  a.  0.  203  S.  576,  Babelon  2  S.  471)  mit  denen  des  Fetialritus  haben,  bei  inter- 
und  ähnlichen  auf  oskischen  Münzen  der  nationalen  Abmachungen  fremder  Nationen 
Städte  Capua  und  Atella  {Friedländer ,  Die  jene  Phase  der  Entwicklung  vor  die  Ein- 
osläschen  Münzen  T.  2  nr.  10;  4  nr.  2)  und  Wanderung  der  Italer  in  die  apenninische 
des  Bundesgenossenkrieges  (Friedländer  T.  9  Halbinsel  zu  setzen  sein  (s.  Nissen,  Das  Tan- 


677   Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Feretrius)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Feretrius)    678 

plum  S.  103).  Sicher  ist  die  Institution  der  auf  der  praenestinischen  Ciste  (Muh.  ined.  6 
Fetialen  allgemein  italisch  (Fetialen  bei  den  T.  54  besprochen  von  Garrucci,  Ann.  d.inst.  1861 
Latinern  Liv.  1,  24,  4.  C.  I.  L.  10,  797;  bei  S.  151  ff.),  wo  die  als  Diesp(i)t(e)r  bezeichnete 
den  Aequiculern  =  Aecmern  Liv.  1,  32,  5.  Figur  (G.  I.  L.  1,  1500  =  14,  4106)  durch  ihre 
Dion.  2,  72;  in  Falerii,  Fascennium,  Ardea  Stellung  zwischen  Iuno  und  Hercules  sich 
Dioih  a.  a.  0.  u.  1,  21;  bei  den  Samniten  Liv.  8,  deutlich  als  den  altitalischeu  Iuppiter  zu  er- 
39,  14;  9,  1,  3;  App.  b.  Samn.  frg.  4,  1,  vgl.  kennen  giebt  (vgl.  Beifferscheid,  Ann.  d.  inst. 
Schioegler,  Rom.  Gesch.  1  S.  554  Anm.  9.  Mar-  1867  S.  352).  Bei  Plautus  wird  Diespiter  in 
quardt  S.  416  Anm.  7),  und  es  ist  daher  wahr-  Verwünschungs-  und  Beteuerungsformeln  (Capt. 
scheinlich ,  dafs  die  Einrichtungen  bei  den  10  v.  909  Diespiter  te  dique,  Ergasile  perdant . .  . 
einzelnen  Stämmen  im  wesentlichen  dieselben  Poen.  v.  740  Diespiter  ros  perduit.  Poen. 
waren.  Die  Fetialen  sind  die  Priester,  welche  v.  869  Diespiter  me  sie  amabit,  ut  ego  hanc 
hei  der  Regelung  der  völkerrechtlichen  Be-  familiam  interire  cupio)  in  gleicher  Weise  wie 
Ziehungen  auf  die  Beobachtung  des  „iustum  Iuppiter  angerufen  (vgl.  Hubrich,  De  diis  Plau- 
und  pium"  zu  sehen  haben;  wo  immer  sie  auf-  tinisTerentianisque,  Königsbg.  üiss.  1883  p.  26); 
traten,  bei  Abschlufs  und  Aulkündigung  von  in  ähnlichem  Sinne  erwähnt  ihn  Horaz  c.  1,34, 5; 
Bündnissen  und  Verträgen,  bei  der  Genug-  3,2,29.  Die  Grammatiker  sehen  in  den  beiden 
thuungsforderung  und  Kriegserklärung  (Ge-  Namen  auch  nur  eine  verschiedene  Ausdrucks- 
naueres  über  ihre  Obliegenheiten  siehe  im  weise  für  dieselbe  Person  (Gell.  5, 12,6.  Maerob. 
Abschnitt  über  die  Fetialen),  überall  handeln  ao  1,  15,  14).  Insehriftlich  ist  der  Name  nur  noch 
sie  im  Namen  und  Auftrage  Iuppiters ;  sie  erhalten  auf  einem  zu  Sutrium  gefundenen 
sind  also  seine  Diener,  er  selber  der  höchste  Marmorstück  d.  m.  \  Trastinae  Frontonis  | 
Schutzpatron  der  durch  jenes  Kollegium  ver-  scribae  aedil.  Diespitris  C.  I.  L.  11,  3259  (die 
tretenen  Ideen  des  Rechtes  und  der  Treue,  Echtheit  angezweifelt  von  Jordan  bei  Preller, 
und  es  ist,  wie  Helbig  S.  93  richtig  bemerkt,  B.  M.  1  S.  248  Anm.  2).  Abgesehen  davon, 
der  ursprüngliche  Sinn  des  Fetialritus  der,  dafs  es  ungereimt  ist,  eine  männliche  Gottheit 
,,dafs  der  Donnergott  selbst  das  den  Vertrag  mit  dem  Akt  der  Geburt  in  Verbindung  zu 
bekräftigende  Opfer  vollzieht,  eine  Vorstellung,  bringen,  so  weist  einmal  die  Etymologie 
welche  deutlich  durchklingt  in  den  Worten,  (*Dieus  neben  *Dious?  vgl.  griech.  Z/Jg,  Zfjva) 
die  Vergil  dem  das  Bündnis  mit  den  Tro-  30  auf  ein  nahes  Verhältnis  zu  Iuppiter  hin, 
janern  beschwörenden  Latinus  in  den  Mund  sodann  entspricht  gerade  die  Verwendung  des 
legt  (Aen.  12,  200  audiat  haec  genitor ,  gm  Namens  in  der  alten  Schwurforrael  einer  Rieh- 
foedera  fulmine  sancit)";  damit  übernimmt  er  tung  im  Wesen  des  höchsten  Gottes,  die 
zugleich  die  Garantie  für  die  Aufrechterhaltung  sogar  Ennius  veranlafste,  ius  iurandutn  durch 
des  Bundes  und  die  Bestrafung  derer,  die  den  Iovis  iurandum  zu  erklären  (Apul.  de  deo  Socr.  5, 
geschworenen  Eid  verletzen.  Dafs  der  Gott  vgl.  Ennius  trag.  frg.  37,  trag.  ine.  frg.  121 
selber  unter  dem  Kiesel  gedacht  wurde,  er-  Bibbeck),  so  augenscheinlich,  dafs  die  ur- 
giebt  die  Zusammensetzung  Iuppiter  lapis  sprüngliche  Identität  beider  kaum  zu  be- 
(=  Iuppiter  in  der  Steingestalt).  Die  Be-  zweifeln  ist.  Aus  der  Rechtspraxis  der  Fetialen 
Zeichnung  entstammt  natürlich  einer  späteren  40  ist  die  Bedeutung  Iuppiters  als  Schwurgottes 
Zeit,  in  deren  entwickelteren  religiösen  An-  in  den  privaten  Rechtsverkehr  übergegangen, 
schauungen  Iuppiter  nicht  mehr  ohne  weiteres  Gell.  1,  21.  4  Lovem  lapidem  quod  sanetissimum 
im  Feuerstein  sich  verkörperte  und  die  daher  iusnirandum  est  habitum,  paratus  ego  iurare 
das  Bedürfnis  fühlte,  ihn  mit  diesem  Zusätze  sum,  vgl.  Cic.  ad  fam.  7,  12,  2.  Apul.  a.  a.  0., 
anderen  Ioves  gegenüberzustellen;  dagegen  ist  vgl.  Dam,  Der  sakrale  Schuts  im  römischen 
uns  der  alteKultname  Diespiter  inderSchwur-  Rechtsverkehr  S.  13 — 23.  Iovem  lapidem  iurare 
formel  erhalten  (Paul.  p.  115  lapidem  silicem  ist  kein  sprichwörtlicher  Ausdruck,  sondern 
tenebant  iuraturi  per  Lovem  haec  verba  dicentes:  im  eigentlichen  Sinne  zu  nehmen,  Otto,  Sprich- 
st sciens  fallo,  tum  me  Dispiter  sedva  urbe  Wörter  der  Bömer  S.  179  Anm.  **;  natürlich 
arceque  bonis  eiieiat,  uti  ego  hunc  lapidem,  5o  kam  dabei  der  Brauch,  den  lapis  silex  aus 
vgl.  Liv.  1,24,8).  Bewogen  durch  die  Lesart  dem  Tempel  in  der  Hand  zu  halten,  iu 
der  guten  Codices  hat  0.  Müller  ihn  mit  Wegfall;  ebenso  werden  Mars  und  Quirinus, 
Dispater  identificiert  und  einen  „Iuppiter  in-  die  bei  staatlichen  Verträgen  neben  Iuppiter 
fernus"  irrtümlich  angenommen;  es  ist  viel-  angerufen  werden  (Polyb.  3, 25),  aus  der  Schwur- 
mehr  in  Diespiter,  dem  Gotte  der  lichten  formel  verschwunden  sein.  In  dem  Iuppiter 
Tagesklarheit,  ein  neuer  Beweis  gegeben  für  Iurarius  auf  der  Inschrift  von  der  Tiberinsel 
den  Zusammenhang  des  Fetialdienstes  mit  dem  C.  Volcaci(us)  C.  f.  har(uspex)  de  stipe  Lovi 
Naturkult.  Aus  der  Angabe  des  TertuUian  ad  hirario  aram  [cummJonimentom(erito)G.L.L.l, 
nat.  2,  11  dehinc  Diespiter  qui  puerum  perducat  1105  =  6,  379  ist  nur  eine  Übersetzung  des 
ad  partum  hat  Ambrosch,  Beligionsbücher  der  60  griechischen  Zeus  ögitiog  zu  erkennen.  Jordan 
Bömer  S.  13  den  Schlufs  gezogen,  Diespiter  (b.  Preller,  B.  M.  1  S.  267  Anm.  1),  dem  die 
sei  ein  vom  Himmelsvater  wesentlich  ver-  Ergänzung  Mommsens  weder  sprachlich  noch 
schiedener  Gott  gewesen ,  der  die  Geburten  sachlich  überzeugend  erscheint,  denkt  an  den 
ans  Licht  bringe,  am  nächsten  verwandt  mit  auf  der  Insel  verehrten  Dius  Fidius.  Als 
der  Geburtsgöttin  Lucina.  Angenommen  die  drittes  und  jüngstes  Moment  tritt  zu  dem 
Folgerung  wäre  berechtigt,  so  mufs  doch  in  Kulte  die  Weihung  der  spolia  opima,  wobei 
sehr  früher  Zeit  eine  Verschmelzung  beider  das  Opfer  eines  Rindes  vorgeschrieben  war 
Gottheiten    eingetreten   sein,    so  z.  B.   bereits  (Fest.  p.  189),    und  auch  hier   sind   in   einem 

22* 


679  Iuppiter  (altxöm.  Kult:  I.Feretrius,Victor)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Victor)     680 

alten  Gesetze   (s.  oben)   die  Namen   des  Mars  Iovis  Victoris'  (Jordan,  Top.  2,  557);    für   die 

und  Quirinus    mit    dem   des   höchsten   Gottes  Ansicht,  dafs  ein  drittes  auf  dem  Capitol  sich 

verbunden.    Der  Tempel  des  Iuppiter  Feretrius  befunden    habe,    führt   mau    folgende   Stellen 

gilt  allgemein    als   einer   der  ältesten  Roms;  des    Cassius   Bio   au:    45,  17,  2    kiqcci)vo£  xs 

man  mufs   sich  jedoch   hüten,    die   religiösen  yüg   srafinstojirsts   sntoov  v.aC  xivsg   ctixäv   xal 

Anschauungen,  die  sich  in  der  Verehrung  und  ig  xov  vsmv  xov   xä  Au  xä  KamxaiXia)   iv  xä 

dem  Gebrauche  des  lapis  silex  wiederspiegeln,  viv.aim  bvxa  y.axioxrjiptxv  (a.  711).   47,  40,  2  v.al 

mit    der    Erbauung    des    Heiligtums    zeitlich  -xigawol   alloai   rs    TtoXXa^oai  r.ai  ig  xhv  xov 

gleichzusetzen.     Es    ist   ja    selbstverständlich,  vir.uCov  Aibg  ßcoubv  itpiQovxo  (a.  712).    60,35,1 

dafs   von   Anfang   an  Vorkehrungen    getroffen  10  f]   avxöuaxog   xov   vaov   xov  dibg  xov   viv.aiov 

waren,     dem     Feuerstein,     als     Symbol     des  avoih,ig  (a.  54  p.  C).    Eine  lokale  Bestimmung 

Donnerers,     einen    bestimmten,     durch    einen  enthält  nur  die  erste  Stelle,  eine  Vergleichung 

sakralen    Akt    geheiligten   Platz    anzuweisen,  derselben  aber  mit  den  beiden  anderen  zeigt. 


o1» 


dafs  also  eine  Kultstätte  primitiver  Art  vor-  dafs  in  ihnen  kaum  von  einem  und  demselben 
banden  war;  über  ihre  Beschaffenheit  Ver-  Heiligtume  die  Rede  ist  (es  liegt  vielmehr 
mutungen  aufzustellen,  hat  wenig  Zweck.  nahe,  an  eine  sonst  freilich  unbekannte  aedes 
Dafs  sie  aber  nicht  dem  Bilde  glich,  welches  Victoriae  mit  einem  Bilde  des  capitolinischen 
uns  die  Denare  der  Republik  (s.  oben)  zeigen,  Iuppiter  zu  denken,  Jordan  a.  a.  G.  1,  2  S.  50 
unterliegt  wohl  keinem  Zweifel;  ich  trage  Anm.  511;  somit  fällt  jeder  Beweis  weg  für 
daher  kein  Bedenken,  den  tetrastylischen  Bau  20  das  Vorhandensein  einer  Kultstätte  auf  dem 
der  Münzen  für  bedeutend  jünger  zu  halten  Capitole;  denn  daselbst  einen  Tempel  oder 
als  z.  B.  die  Rundtempel  der  Vesta  und  des  Altar  des  Iuppiter  Victor  darum  annehmen  zu 
Hercules:  man  wird  seine  Gründung  nicht  wollen,  weil  auf  der  Burg  von  Cirta  die  Bild- 
weit von  der  des  Sitzes  der  capitolinischen  säule  eines  Iuppiter  Victor  argenteus  (C.  I.  L. 
Trias  entfernen  dürfen,  ja  es  ist  bei  dem  8,  6981)  stand  (Preller,  E.  M.  1  S.  199. 
Charakter  der  Überlieferung  gar  nicht  aus-  Jordan  a.  a.  0.  Fröhner,  Les  medaillons  de 
geschlossen,  dafs  die  uns  bekannte  Gestalt  l'empire  Romain  p.  27),  mufs  solange  als  eine 
des  Heiligtumes  von  Cossus  herrührt,  dem  haltlose  Behauptung  gelten,  bis  stichhaltigere 
ersten,  der  die  spolia  opima  dem  Gotte  dar-  Gründe  für  ihre  Richtigkeit  erbracht  sind, 
brachte,  die  Annahme  gewinnt  an  Wahrschein-  30  Alle  andern  auf  Iuppiter  Victor  bezüglichen 
lichkeit  durch  die  Erwägung,  dafs  der  Anlafs  Kachrichten  geben  keinen  Anhalt  für  eine  be- 
zu  einer  Vergröfserung  des  ursprünglichen  stimmte  Örtlichkeit.  Wir  wissen,  dafs  der 
sacellums  sich  dann  eingestellt  haben  wird,  Konsul  Q.  Fabius  Masimus  während  des  Sam- 
als  zum  Aufbewahren  der  erbeuteten  Rüstung,  niterkrieges  im  Jahre  459  u.  c.  einen  Tempel 
zu  der,  wie  man  doch  erwartete,  noch  andere  gelobte  (Liv.  10,  29,  14  ipse  (sc.  Fabius)  aedem 
hinzukommen  würden,  ein  erweiterter  Kaum  Iovi  Victori  spoliaque  hostium  cum  vovisset,  ad 
geschaffen  werden  mufste.  Als  die  legenden-  castra  Samnitium  perrexit  .  .);  während  aber 
hafte  Geschichtsschreibung  die  Weihung  der  Livius  einige  Zeilen  weiter  (§  18)  von  Fabius 
ersten  spolia  opima  auf  Romulus  zurück-  berichtet:  spolia  hostium  coniecta  in  acervum 
gelührt  hatte,-  da  war  es  natnrgemäfs,  dafs  40  Iovi  Victori  cremavit,  geschieht  des  ersten 
sie  gleichzeitig  auch  die  Erbauung  des  Tempels  Teiles  des  Gelübdes  keine  Erwähnung  mehr, 
auf  ihn  übertrug,  und  so  mufste  der  historische  sei  es,  dafs  der  Schriftsteller  diese  vergessen, 
Gründer  dem  mythischen  den  Platz  räumen.  sei  es,  dafs  die  Dedikation  in  den  verlorenen 
Den  älteren  Kulten  dürfen  wir  ferner  die  Büchern,  also  nach  461,  erzählt  wurde.  Denn 
des  Iuppiter  Victor  und  Stator  (qui  sistit  ob  aus  der  Notiz  bei  Liv.  10,  42,  7  iC.  Papi- 
aciem)  beizählen,  da  bei  einer  mit  den  Nach-  rius)  in  ipso  discrimine  (ad  Aquiloniam) ,  quo 
barvölkern  stets  im  Kampfe  liegenden  Nation  templa  diis  immortalibus  voveri,  Iovi  Victori, 
ein  frühes  Hervortreten  der  auf  Kampf  und  si  legiones  hostium  ficdisset,  pocillum  mulsi, 
Sieg  bezüglichen  Seiten  im  Wesen  der  höchsten  priusquam  temttum  biberet  sese  facturum  (a.  461) 
Gottheit  nahe  liegt  und  in  der  That  jene  50  auf  die  Vollendung  des  Baues  geschlossen 
Beinamen  in  den  Annalen  uns  zuerst  begegnen.  werden  kann,  bleibt  mindestens  fraglich;  vgl. 
Bisher  hat  man  zu  Rom  drei  Heiligtümer  des  Gilbert  3  S.  427  Anm.  1.  Ovid  kennt  die  Ge- 
siegverleihenden Iuppiter  angenommen.  Die  burtstage  zweier  Heiligtümer  des  Gottes, 
Lage  des  einen  wird  bestimmt  durch  eine  auf  fast.  4,  621  Occupat  Apirilis  idus  cognomine 
dem  Quirinal  gefundene  Inschrift:  [DJiovei  Victor  |  Iuppiter,  hac  Uli  sunt  data  templa  die; 
Victore  |  T.  AebuftiJ  M.  f.  \  III  vir  [restijtuit  6,  650  idibus  (sc.  luniis)  Invicto  sunt  data 
(so  liest  Schneider,  Dial.  ital.  aev.  vet.  ex.  sei.  1  templo  Iovi,  vgl.  den  Zusatz  Iovi  zum  13.  Juni 
nr.  105,  der  sie  dem  6.  oder  7.  Jahrhundert  in  den  fast.  Tusc.  G.  I.  L.  1  p.  300  =  14,  2575 
zuweist)  C.  I.  L.  1,  638  =  6,  438,  vgl.  die  (die  Bemerkung  feriae  Iovi  der  fast.  Venus,  zu 
Widmung  bei  Quint.  1,4,  17.  Zu  dem  Charakter  oo  demselben  Datum  C.  I.  I.  1  p.  301  =  9,  421 
der  Schrift  pafst  die  Vermutung  Mommsens,  bezieht  sich  nicht  auf  eine  bestimmte  Loka- 
es  sei  T.  Aebutius  Carus  gemeint,  der  a.  571  lität,  s.  den  Abschnitt  über  Iuppiter  Inventur), 
triumvir  coloniae  deducendae  (Liv.  39,  55,  8)  Das  Zusammenfallen  der  Dedikationstage  mit 
und  10  Jahre  später  deeemvir  agro  dividendo  den  Iden  spricht  für  ein  höheres  Alter, 
war  (Liv.  42,  4,  4);  ein  zweites  stand  auf  Zwischen  den  beiden  Beinamen  Victor  und 
dem  Palatin;  die  Angabe  des  Curiosums  in  Invictus  scheint  nur  ein  nomineller,  kein 
der  zehnten  Region  (Palatium),  raedem  Iobis'  sachlicher  Unterschied  zu  bestehen  wie  bei 
wird    durch    die    Notitia    ergänzt    zu    raedem  Hercules;    während  aber   bei  diesem   die   Be- 


681     Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Victor)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Victor,  Stator)   682 

Zeichnung  Invictua  im  offiziellen  Sprach-  monte  iuxta  aedes  imperatorias  consecravit  eique 
gebrauch  die  andere  allmählich  verdrängte  templum  fecit  studens  et  Matris  typum  et  Vestae 
(s.  Bd.  1  Sp.  2993  ff.),  ist  bei  Iuppiter  das  ignem  et  Palladium  et  ancilia  et  omnia  Roma- 
ursprüngliehe  cognomen  Victor  stets  vor-  nis  veneranda  in  illud  transferre  templum) 
herrschend  geblieben:  0. 1.  L.  1,  638  =  6,  438  und  17  (quem  solern  alii,  alii  Iovem  dicunt) 
(Quint.  1,  4,  17).  6,  2051.  2086;  5,  *3413.  5063;  ist  es  wahrscheinlich,  dafs  Elagabal  das  Heilig- 
11,  2616;  8,  4577.  *4584.  6981.  7045,  auf  Münzen  tum  des  Iuppiter  zu  einem  Sonnentempel  um- 
des  Vitellius  (Cohen  18 — 21),  des  Domitian  wandelte,  da  jedoch  die  Regionenbeschreibung 
(Cohen  363 — 371),  des  Hadrian  (Cohen  284,  vgl.  nur  die  aedis  Iovis  Victoris  erwähnt,  so  wird 
Fröhner,  Les  medaillons  de  l'empire  Romain  10  nach  dem  Tode  des  Kaisers  der  ursprüngliche 
p.  27),  des  Albin  (Cohen  23.  24),  des  Septimius  Zustand  wiederhergestellt  worden  sein;  vgl. 
Severus  (Cohen  150.  151),  des  Caracalla  0.  Richter  in  I.  Müllers  Handbuch  3  S.  826 
(Cohen  73),  des  Elagabal  (Cohen  42)  u.  s.  w.  =  Baumeister,  Denkm.  3  S.  1484. 
bis  zu  Carausius  (Cohen  112);  Invictus  zuerst  Die  Erbauungder  aedis  Iovis  Statoris  wird 
bei  Cicero  de  leg.  2,  28;  Sorot,  c.  3,  27,  73.  auf  Romulus  zurückgeführt,  Dion.  2,  50  isgü 
Ov.  fast.  6,  650;  5,  126.  Aug.  c.  d.  7,  11;  nur  te  iSgvßavzo  .  .  .  'PwijLvlog  filv  og&coaiw  Ali 
eine  einzige  Münze  trägt  die  Umschrift  Iovi  izagd  zaig  v.aXoviisvaig  Movytaviai  nvlctig  cü 
Invicto  (Cohen,  Septimius  Severus  nr.  144).  cpsgovoiv  ilg  zo  Iluluziov  iy.  rijs  iigäg  oSov, 
Im  Anfange  der  60er  Jahre  sind  etwa  50  m.  vgl.  Cic.  in  Cat.  1,  13,  33.  Ovid  fast.  6,  793; 
von  der  Süd -Westecke  des  Palatins  entfernt  20  gelobt  soll  er  ihn  haben  im  heifsen,  zwischen 
Trümmer  eines  Tempels  aufgedeckt  und  von  Capitolin  und  Palatin  tobenden  Kampfe  mit 
P.  Rosa  (Mon.  ineel.  8  tav.  23)  mit  dem  Namen  den  Sabinern ,  als  die  Seinen  zur  Flucht  ge- 
aedis  Iovis  Victoris  getauft  worden  (vgl.  drängt  wurden  in  der  Richtung  auf  die  porta 
Nissen,  Das  templum  S.  215).  Der  Bau  ist  dem  vetus  Palatii;  Liv.  1,  12,  3  Romulus  .  .  arma 
circus  zugewendet;  vor  ihm  breitet  sich,  mit  ad  caelum  tollens  „.  .  .  hie  ego  tibi  templum 
dem  Eingange,  wie  es  scheint,  durch  einen  Iovi  Statori,  quod  monumentum  sit  posteris 
terrassenförmigen  Aufstieg  verbunden,  nach  tua  praesenti  ope  servatam  urbem  esse,  voveo." 
dem  Rande  des  Palatin  zu,  eine  area  aus,  Die  historisch  bezeugte  Gründung  des  Tempels 
deren  Grenzen  nicht  bestimmt  werden  können.  durch  den  Konsul  M.  Atilius  Regulus  fällt 
Reste  gewaltiger  Säulen  in  der  Nachbarschaft  30  nach  Fabius  Pictor  in  das  Jahr  460  u.  c. , 
erweisen  sich  als  zum  Bereiche  des  Tempels  Liv.  10,  37,  14  Fabius  .  .  .  scribit  .  .  ad  Lu- 
gehörig  (Mon.ined.  12  tav.  8a);  nach  den  Eigen-  cerictm  utrimcjue  multos  occisos  inque  ea  pugna 
tümlichkeiten  der  Bauart  zu  urteilen,  haben  Iovis  Statoris  aedem  votam  (vgl.  10,  36,  11 
wir  ein  Werk  der  republikanischen  Zeit  vor  M.  Atilius  Regulus  .  .  .  templum  Iovi  Statori 
uns  (vgl.  Richter,  Ann.  d.  inst.  1884  S.  193  Tetä  vovet,  si  constitisset  a  fuga  Romana  acies  red- 
di  questo  tempio,  il  quäle  ha  dimensioni  assai  inteejreitoque  proelio  cecidisset  vicissetque  legio- 
considerevoli ,  e  nella  sua  costruzione  ha  varie  nes  Samnitium).  Livius  erinnert  sich  dabei, 
particolaritä  che  si  discostano  dallo  Schema  dafs  er  die  Gelobung  bereits  dem  Romulus 
consueto,  tum  puö  determinarsi  con  esatezza;  in  zugeschrieben,  und  fügt  hinzu  ut  Romulus  ante 
ogni  modo  e  dell'  epoca  republicana).  Aus  einer  40  voverat,  sed  fanum  tantum  id  est  locus  tempio 
Angabe  des  Conon.  narr.  48,  wonach  die  Hütte  effatus  fuerat.  Die  Möglichkeit,  dafs  die  'aedis' 
des  Faustulus  iv  %ä>  zov  Ji6g  isgo)  lag,  kann  an  Stelle  eines  früheren  rfanuni'  getreten  ist, 
man  schliefsen,  dafs  es  zur  Zeit  Caesars  in  kann  zugegeben  werden.  Als  Dedikationstag 
dem  südwestlichen  Teile  des  Palatin  ein  nennt  Ovid  den  27.  Juni  (fast.  6,  793  Tempus 
Heiligtum  des  Iuppiter  gegeben  hat  (Crilbert  3  idein  Stator  aedis  habet,  quam  Romulus  olim  | 
S.  427  Anm.  2),  und  da  einerseits,  abgesehen  ante  Ralatini  coneidit  ora  iugi);  doch  bezieht 
von  der  topographisch  genau  tixierbaren  aedis  sich  dieses  Datum  vielleicht  erst  auf  einen 
Iovis  Statoris  (s.  unten),  von  einer  andern  nach  726  geweihten  Restaurationsbau  des 
Kultstätte  des  Gottes  auf  dem  Palatin  nichts  Augustus,  vgl.  Aust  a.  a.  O.  p.  45.  Hinsichtlich 
verlautet  und  andererseits  bestimmte  Gründe  50  der  Lage  sind  die  Angaben  der  Alten  durch- 
vorhanden sind,  dem  Apollo  Rhamnusius,  der  aus  übereinstimmend;  sie  fuhren  uns  sämtlich 
Magna  mater  oder  Fortuna  Respieiens,  an  die  auf  die  Stelle,  wo  nach  den  Ergebnissen  neuerer 
man  nach  der  Regionenbeschreibung  denken  Ausgrabungen  (1879  — 1882,  vgl.  Lanciani, Notiz. 
könnte,  die  Trümmer  nicht  zuzusprechen  1882  S.  233  ff.)  die  um  den  West- und  Nord- 
(Nissen  a.  a.  0.),  so  hat  die  Vermutung  Rosa's  abhang  des  Palatin  laufende  nova  via  in 
grofse  Wahrscheinlichkeit  für  sich  und  hätte  die  summa  sacra  via  mündet,  also  in  die 
es  noch  mehr,  wenn  die  von  der  Notitia  vor  Nähe  des  Titusbogens,  vgl.  aufser  den  oben 
der  aedis  Iovis  Victoris  genannte  area  Pala-  erwähnten  Stellen  des  Dionys  und  Livius  noch 
tina  (vgl.  Gell.  20,  1,  1;  4,  1,  2)  identisch  Ovid.  trist.  3,  1,  33  porta  est,  ait,  ista  Palati,  j 
wäre  mit  dem  vor  der  Ruine  befindlichen  60  hie  Stator,  hoc  primum  condita  Roma  loco  est. 
Platze,  dessen  Grenzen,  wie  wir  oben  sahen,  Plut.  Cic.  16  6  Kiy-sgav  inctlsi  zrjv  evyY.lr}xov 
sich  nicht  sicher  erkennen  lassen.  Auf  diesen  sig  %6  zov  Sz-qoiov  Jtog  ieqov  ov  Szdzcaga 
Tempel  können  die  Stellen  des  Livius,  der  'Pcog.aioi  xalovaiv  iS^vftivov  iv  ägxfl  z?js  tfpäg 
eine  Stiftungstag  bei  Ovid  (der  andere  fällt  bSov  itgcg  zo  TJaläziov  ccviovzcov.  Liv.  1,  41,  4 
somit  dem  Quirinal  zu)  und  vielleicht  die  ex  superiore  parte  aedium  per  fenestras  in 
beiden  letzten  Angaben  des  Cassius  L)io  be-  novam  viam  versus  —  habitabat  enim  rex  ad 
zogen  werden.  Nach  dem  Berichte  des  Iovis  Statoris  —  populum  Tanaquil  adloquitur. 
Lampridius  Hei.  3  < Heliogabalum   in  Palatino  Plin.  34,  13  quae  (statua  equestris)  fuerit  contra 


683      Iuppiter  (altiöm.  Kult:  I.  Stator)  Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Stator)     684 

Iovis  Statoris  aedem  in  vestibulo  Superbi  domus  pitertempels  vor  sich  zu  sehen  (Lanciani,  Guida 
(zu  diesem  Standbild  vgl.  noch  Lio.  2,  13,  11.  del  Palatino  S.  24.  HO.  Nissen,  Das  templum 
Diou.  5,  35.  Flut.  Popl.  19.  Serv.  ad  Aen.  8,  646).  S.  207.  Jordan  bei  Preller,  R.  M.  1  S.  198  Anm.  2. 
Solin.  1,  24  Tarquinius  Priscus  ad  Mugoniam  Gilbert,  Top.  1  S.  226  Anm.  1).  Allein,  ab- 
hörte»» supra  summam  novam  viam).  Der  gesehen  von  den  unerklärlichen  Anführungen 
Tempel  lag  also  gegenüber  dem  supra  novam  der  Schriftsteller,  ergeben  sich  bei  solcher 
viam  befindlichen  Palast  des  Tarquinius  Priscus,  Annahme  noch  andere  Widersprüche,  denn 
d.  h.  auf  der  Nordseite  der  Strafse,  aber  nicht  einümal  lag  der  von  der- vierten  Region  zwischen 
nördlich  der  sacra  via  (wie  Gilbert  3  S.  426  dem  templum  Romae  et  Veneris  und  der  Sacra 
Anm.  1  meint),  sondern  südlich  von  derselben  io  via  genannte  Tempel  mitten  im  Gebiet  der 
(über  den  technisch  sowohl  wie  allgemein  zehnten ,  sodann  wäre  in  das  Haterierrelief, 
üblichen  Namen  sacra  via  vgl.  Jordan,  Top.  1,  2  das  doch  ohne  Zweifel  die  beim  Aufstieg  zur 
S.  274),  vor  dem  Eingang  zur  palatinischen  summa  sacra  via  dem  Auge  sichtbaren  Bau- 
Stadt,  an  einem  Platze  also,  „der  im  Verein  lichkeiten  zur  Darstellung  bringt,  ein  Tempel 
mit  dem  Namen  Stator  sehr  geeignet  war,  aufgenommen  worden,  der  zu  einer  Zeit,  als 
die  Sage  von  dem  plötzlichen  Aufhalten  der  die  Kaiserpaläste  noch  erhalten  waren,  von 
Fliehenden  unmittelbar  vor  dem  Thore  der  jener  Strafse  aus  gar  nicht  erblickt  werden 
palatinischen  Stadt  hervorzubringen".  Die  konnte.  Diese  Widersprüche  aufgefunden  und 
Angabe  der  Notitia,  nach  welcher  die  aedis  dem  Heiligtume  den  schon  von  Brunn  an- 
Iovis  Statoris  der  4.  Region  angehört  (Jordan,  20  gewiesenen  Platz  gesichert  zu  haben,  bleibt 
Top.  2  S.  546;  das  Curiosum  läfst  den  Bei-  das  Verdienst  Richters  a.  a.  0.  S.  425  ff. ;  vgl. 
namen  wieder  weg),  steht  mit  dieser  topogra-  Jordan,  Top.  1,2  S.  277.  Gilbert  3  S.  426  Anm.  1. 
phischen  Fixierung  in  keinem  Widerspruch,  Dafs  Senatsversammlungen  in  ihm  gehalten 
wenn  man  mit  0.  Richter,  Hermes  20  (1885)  wurden  (Cic.  in  Gat.  1,  5,  11;  2,  6,  12;  vgl. 
S.  427  annimmt,  dafs  die  Grenze  zwischen  der  Plut.  Cic.  16),  setzt  eine  ziemliche  Gröfse  vor- 

4.  und  10.  Region  vom  Titusbogen  an  ein  aus.  Eine  Zeitlang  wurde  daselbst  auch  von 
Stück  der  nova  via  gefolgt  sei,  um,  den  Vesta-  der  Brüderschaft  der  Arvalen  die  Wahl  neuer 
tempel  zur  Linken,  das  Forum  wieder  zu  er  Mitglieder  vorgenommen,  Hernien,  Act.  fratr. 
reichen,  eine  Annahme,  die  um  so  weniger  Arv.  p.  115;  vgl.  CLL.  6, 2028  c.  32.  z.J.  38p.  C. 
bedenklich  ist,  als  nach  der  Notitia  der  30  Ein  zweiter  Tempel  des  Iuppiter  Stator  lag 
zwischen  der  höchsten  Erhebung  und  dem  im  circus  Flaminius  (Varro  b.  Macrob.  3,4,2 
Forum  laufende  Teil  der  sacra  via  innerhalb  Varro  libro  octavo  rerum  divinarum  delubrum 
der  4.  Region  gelegen  war.  Eine  weitere  ait  alios  aestimare  in  quo  praeter  aedem  sit 
Bestätigung  für  die  angegebene  Lage  liefert  area  adsumpta  deum  causa  ut  est  in  circo 
der  Reliefstreifen  von  der  Grabstätte  der  Flaminio  Iovis  Statoris.  Fast.  Urb.  G.  I.  L.  1 
Haterii  (gefunden  1848  an  der  via  Labicana,  p.  330  Iovi  Stator(i)  Iun(oni)  Rcg(iriae)  ad 
3  Miglien  von  Rom,  jetzt  im  Lateran,  Ab-  cir(cum)  Flam(inium).  Die  Notitia  (Jordan, 
bildung  Mon.ined.  5,  7,  dazu  Brunn,  Ann.  d.  inst.  Top.  2  S.  554)  verzeichnet  in  der  9.  Region 
1849  S.  370  ff.  Benndorf-  Schöne,  Die  an-  (circus  Flaminius)  aedes,  worunter  die  des 
tiken  Bildwerke  des  Lateranensischen  Museums  10  Iuppiter,  der  Iuno  und  des  Hercules  Musarum 

5.  230  ff.;  Jordan,  Top.  1,  2  S.  277;  Richter  zu  verstehen  sind  (Jordan  a.  a.  0.  S.  135), 
a.  a.  0.  S.  410  Gilbert,  Top.  1  S.  220  Anm.  1).  innerhalb  der  poiticus  Metelli  (Vitr.  3,  2,  5 
Die  auf  ihm  dargestellten  Gebäude,  fünf  an  quemadmodum  est  in  porticu  Metelli  Iovis 
der  Zahl,  folgen  von  links  nach  rechts  be-  Statoris  (aedis)),  die  von  Augustus  nach  dem 
trachtet  der  Richtung  der  Strafse,  die  vom  Feldzuge  des  Jahres  731  restauriert  (Suet. 
Caelius  her  zur  Höhe  der  sacra  via  hinauf-  Aug.  29.  Bio  49,  43),  nach  der  Abfassung  von 
führte;  hinter  dem  vierten  Bauwerk,  durch  Vitruvs  Werke,  d.  i.  nach  740  u.  c.  der 
seine  Aufschrift  arcus  in  sacra  via  summa  Schwester  des  Kaisers  zu  Ehren  den  Namen 
deutlich  als  der  Titusbogen  gekennzeichnet,  porticus  üctaviae  führte  (Vellei.  1,  11,  3. 
erblicken  wir  als  letztes  in  der  Reihe  einen  so  Plin.  34,  31).  Der  Besieger  Macedoniens 
Tempel  mit  doppelter  Attika  über  dem  Giebel  Q.  Caecilius  Metellus  hatte  ihn  jedenfalls  nach 
und  sechs  Säulen  in  der  Front,  zwischen  den  seinem  Triumphe  a.  60S  (vgl.  Fischer,  Rom. 
beiden  mittleren  in  geöffneter  Thür  eine  Statue  Zeittafeln  z.  ds.  J.  S.  129)  aufführen  und  ihn 
Iuppiters,  dessen  Linke  ein  Scepter  aufstützt,  sowie  den  benachbarten  Tempel  der  Iuno  (s.  ob. 
während  die  Rechte  den  Blitz  führt.  Das  Bild  Sp.  603)  mit  einer  porticus  umgeben  lassen; 
erweist  das  Heiligtum  als  dem  himmlischen  es  war  der  erste  marmorne  Tempel,  den  Rom 
Herrscher  zugehörig  und  darum  hat  bereits  in  seinen  Mauern  sah,  mit  Werken  der  bilden- 
Brunn  a  a.  0.,  gestützt  auf  die  Zeugnisse  des  den  Kunst,  die  Metellus  aus  Macedonien  als 
Altertumes,  darin  die  aedis  Iovis  Statoris  er-  Beute  weggeführt  hatte,  aufs  glänzendste  aus- 
kannt.  Als  jedoch  im  Jahre  1867  in  beträcht-  i>0  gestattet;  vor  der  Front,  den  Blick  ihr  zu- 
licher  Entfernung  (ca.  100  m)  vom  Titusbogen  gewendet,  standen  die  Reiterstatuen  der  'turma 
auf  dem  Palatin  selber  der  Unterbau  eines  Alexandra  von  Ljsipps  Künstlerhänden  ge- 
Tempels durch  Rosa's  Ausgrabungen  blofs-  fertigt  (Vellei.  a.  a.  0.  hie  est  Metellus  Mace- 
gelegt  wurde,  da  änderten  sich  die  Ansichten;  donicus  qui  porticus  quae  fuere  circumdatae 
im  Hinblick  auf  diese  augenfällige  Ent-  duabus  aedibus  sine  inscriptione  positis,  quae 
deckung  glaubte  man  die  Nachrichten  der  nunc  Octaviae  portieibus  ambiuntur ,  fecerat 
Alten  verwerfen  zu  können  und  zweifelte  nicht  quique  hanc  turmam  statuarum  equestrium 
mehr,   in    den  Trümmern  die  Ruine   des  Iup-  quae  fronten  aedium  speetant  hodieque  maxi- 


685     Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Stator) 

mum  ornamentum  eins  loci  ex  Maecdonia  cle- 
tulit.  hie  idem  primus  omnium  Romae  aedem 
ex  marmore  in  iis  ipsis  monumentis  mölitus  vel 
magnificentiae  vel  luxuriae  prineeps  fuit,  vgl. 
Plin.  34,  64.  Brunn,  Geschichte  der  griechischen 
Künstler  l2  S.  255).  Andere  Statuen  und  Ge- 
mälde schmückten  das  Innere  des  Tempels 
(Plin.  36,  35.  40.  43.  Fest.  p.  363).  Die  um- 
gebende Säulenreihe  schildert  Vitruv  a.  a.  0. 
peripteros  autem  erit  quae  habebit  in  fronte  et 
postico  senas  columnas  in  lateribus  cum  angu- 
laribus  undenas.  ita  autem  sunt  hae  columnae 
conlocatae ,  ut  intercolumnii  latitudinis  inter- 
vallum sit  a  parietibus  circum  ad  extremum 
ordines  columnarum ,  habeatgue  ambulationem 
circa  cellam  aedis,  quemadmoduup  est  in  porticu 
Metelli  levis  Statoris  Hermodori  et  aedis  Ma- 
riana Honoris  et  Virtutis  sine  postico  a  Mucio 
facta.  Da  wir  aber  in  den  Fragmenten  des 
capitolinischen  Stadtplanes  (Jordan,  Forma 
TJrbis  t.  37),  durch  welchen  uns  ein  Stück  der 
porticus  Octaviae  mit  den  aedes  Iunonis  et 
Iovis  erhalten  ist,  auf  der  Rückseite  keine 
Säulen  erblicken,  so  ist  anzunehmen,  dafs  ent- 
weder Vitruvs  Bemerkung  sine  postico  facta 
auch  auf  unsern  Bau  sich  bezieht  oder  dafs 
der  ursprünglich  vollständige  Peripteros  Um- 
gestaltungen erfahren  hat  durch  die  Restaura- 
tion   des    Augustus    (vgl.   Brunn    a.   a.  0.   22 

5.  241).  Inwieweit  der  Tempel  bei  den  Un- 
fällen, welche  späterhin  die  porticus  Octaviae 
trafen  (Bio  66,  24  z.  J.  80  p.  C. ;  C.  I.  L.  6, 
1034  unter  Septimius  Severus  a.  203;  C.  I.  L. 

6,  1676  zwischen  408  und  423),  in  Mitleiden- 
schaft gezogen  wurde,  läfst  sich  nicht  kon- 
statieren (vgl.  über  die  Säulenhalle  die  sorg- 
fältigen Zusammenstellungen  Gilberts  3  S.  85 ff. 
249  Anm.).  Wenn  Plin.  36,  42  erzählt,  Sauros 
und  Batrachos  seien  die  Erbauer  des  Heilig- 
tums und  hätten,  um  ihr  Andenken  bei  der 
Nachwelt  zu  sichern,  auf  die  Säulenbasen  mit 
Hinweis  auf  ihre  Namen  eine  Eidechse  und 
einen  Frosch  eingehauen,  so  liegt  es  klar  zu 
Tage,  dafs  das  Vorhandensein  der  beiden  Tiere 
(es  waren  übelabwebrende  Symbole;  vgl.  Friin- 
l-el,  Jahrbch.  d.  areh.  Inst.  1  (1886)  S.  52)  den 
Anlafs  bot  zu  dieser  Fabel;  der  Baumeister 
war  vielmehr  der  von  Vitruv  genannte  Her- 
modoros,  derselbe  welcher  den  Tempel  des 
Mars  im  Circus  Flaminius  errichtete  (Prise.  8 
P.792  Hertz),  vermutlich  den  a.  618  vonD.Iunius 
Brutus  im  Kampfe  mit  den  Gallaecern  ge- 
lobten. Es  fehlt  uns  zwar  an  bestimmten 
Nachrichten  über  die  Art  des  Kultes,  aber 
auch  hier  wird  wie  bei  den  übrigen  Göttern 
des  Circus  Flaminius  (Gilbert  3  S.  66  f.)  die 
griechische  Auffassung  durchgedrungen  sein 
und  der  Kult  unter  der  Aufsicht  der  deeem- 
viri  sacris  faciundis  gestanden  haben  (s.  unten). 
In  der  Notiz  der  fasti  Philocali  zum  13.  Januar 
(lovi  Statori  c(ircenses)  m(issus)  XXIV  C.  I.  L. 
1  p.  335)  ist  vielleicht  eine  Hindeutung  auf  den 
Stiftungstag  enthalten.  Ein  aedituus  de  aede 
Iovis  porticus  Octavia  wird  erwähnt  C.  /.  L. 
6,  8708;  Widmungen  an  Iuppiter  stator  sind 
bekannt  aus  der  Zeit  des  Caracalla  (vgl.  Eckhel 
7  p.  206),  G.  I.  L.  6,  434;  6,  435  lovi  statori 
suo  I  ordo   lictorum  III  decuriarum  cos  |  Aur. 


Iuppiter  (altröm.  Kult:  I.  Stator,  Latiaris)   686 

Gaetulicus  cus(tos)  a(edis)  s(acrae)  basem  d.  d., 
so  von  Mommsen  ergänzt ,  der  sie  anfangs 
(Rh.  Mus.  6  (1851)  S.  141  für  unecht  hielt  (die 
nichtstadtrömischen  Inschriften  folgen  später). 
Seit  Antonin  erscheint  der  Gott  häufig  auf 
Münzen,  und  zwar  fast  durchgängig  in  gleichem 
Typus  (Genaueres  s.  im  kunstmythologischen 
Teile). 

Iuppiter  Latiaris.     Dafs  nach  der  guten 

10  handschriftlichen  Überlieferung  Latiaris  die 
allgemein  übliche  Schreibweise  war,  ist  bereits 
von  Jordan  in  Prellers  R,  M.  1  S.  210  Anm  1 
hervorgehoben  worden,  die  griechischen  Schrift- 
steller kennen  nur  die  Form  Aariüoiog;  eine 
Bestätigung  durch  Inschriften  fehlt,  da  in  der 
einzigen,  welche  eine  Widmung  an  unsern  Gott 
erhalten  hat,  die  beiden  letzten  Buchstaben  des 
Beinamens  nicht  mehr  erkennbar  sind:  L.Ru- 
bellius  |  Gern  cfos]  |  lovi  Latiafri  |  vojtum   C. 

20  I.  L.  6,  2022  =  14,  2227  (iovi  latiari  optimo 
maximo  gehört  zu  den  inscriptiones  falsae 
C.  I.  L.  14,  126*).  Latialis  bietet  Liicun. 
Pharsal.  1,  198.  Lact.  1,  21,  3,  Latius  Prop. 
4,  4,  6.  Ov.  trist.  3,  12,  46.  Lucan  Pharsal. 
8,  219.  Martial.  9,  65,  1.  Tertull,  Scorpiac.  7 
vgl.  Priscian  2  p.  515  Hertz,  ein  Gedicht  aus 
dem  4.  Jahrhundert  (Hermes  4  (1869)  S.  351 
vs.  122)  und  eine  Inschrift  von  Pisaurum  Orelli- 
Henzen    7415.     Nach    einigen    Berichten   war 

30  Iuppiter  Latiaris  der  zum  Gott  gewordene 
Latinus  Fest.  p.  194  Latinus  rex  qui  proelio 
quod  ei  fuit  adversus  Mezentium  Caeritum 
regem  nusquam  apparuerit  iudicatusque  sit  Iup- 
piter f actus  Latiaris;  vgl.  schol.  Bob.  in  Cic. 
Plane,  p.  256  (die  anderen  Schriftsteller,  die 
den  Tod  des  Latinus  erzählen,  schweigen  von 
der  Apotheose:  Dio  1,  64.  Liv.  1,  2,  2.  lustin. 
43,  1,  11.  Cass.  Bio  frg.  4,  7.  Zonaras  7  p.  313b. 
Serv.  ad  Aen.  1,  5    vgl.    7,  158).     Vermutlich 

40  ist  das  Gegenteil  der  Fall:  der  himmlische 
Herrscher  wurde  als  Stammesgott  der  Latiner 
im  Mythos  zum  ersten  Könige  des  Landes. 
Wenn  Rubino,  Beiträge  zur  Vorgeschichte  Ita- 
liens S.  169  ff.  Lavinium  für  den  ursprünglichen 
Sitz  des  Kultes  erklärt  (ähnlich  Hild,  La  legende 
d'Ene'e  S.  42)  und  ihn  von  hier  aus  der  Sage 
folgend  mit  den  Gründern  Albas  nach  dem 
mons  Albanus  wandern  läfst,  so  ist  dagegen 
einzuwenden,    dafs    mit   demselben   Recht   die 

so  GründungLaviniums  durch  Alba  Longa  (Klausen, 
Aeneas  und  die  Penaten  2  S.  676.  Sehxeegler, 
Rom.  Gesch.  1  S.  319  ff.  Preller ,  R.  M.  2  S.  162. 
322)  oder  eine  von  einander  unabhängige  Ent- 
wickelung  der  beiden  Städte  (Seecl; ,  Rhein. 
Mus.  37  (1882)  S.  15  behauptet  werden  kann, 
sodann  bleibt  es  durchaus  unerfindlich,  wie  in 
der  sakralen  Metropole  Latiums  die  Erinnerung 
an  einen  so  bedeutsamen  Kult  spurlos  ver- 
schwinden konnte,  während  doch  z.  B.  die  Iuno 

60  Sospita  von  Lanuvium  und  zu  Praeneste  die 
Fortuna  Primigenia  bis  in  späte  Zeit  hochan- 
gesehen blieben,  obwohl  sie  in  den  Kreis  der 
zu  Rom  verehrten  Gottheiten  aufgenommen 
waren.  Die  Überlieferung  kennt  nur  den  mons 
Albanus  als  Mittelpunkt  der  Feier,  und  wir 
haben  um  so  weniger  Veranlassung  von  ihr 
abzuweichen  ,  als  ja,  wie  wir  sahen,  das  reli- 
giöse Gefühl   des   der  Natur  näher   stehenden 


687     Iuppiter  (Latiaris:  feriae  latinae")  Iuppiter  (Latiaris:  feriae  latinae)      688 

Menschen  gerade  Höhen  sich  erwählte,  um  da-  R.  M.  1  S.  211  Anm.  1.    Werner  p.  23;    Mar- 

selbst  zu  den  Himmlischen  zu  beten.  quardt  S.  296  folgt  dem   Plutarch) ;    mehrere 

Mit   dem  Kulte   des  Iuppiter  Latiaris   sind  Tage  nennt  Suet.  Claud.  4.  Cassius  Bio  53,  33. 

die  feriae  Latinae  auf  das  engste  verknüpft,  Fest.   p.  194.    schol.   Bob.  in    Cic.  pro  Plane. 

zu  seiner  Ehre   wurden   sie  gefeiert  und   ihre  p.    256    (an   den    beiden   letzten    Stellen    hat 

Geschichte   ist   die   gleiche;     ehe    wir  aber  zu  Niebuhr,    Rum.   Gesch.   2   S.  41    Anm.  67    mit 

der  historischen  Betrachtung  übergehen,  wird  Unrecht    sex  dies  oder  diebus  konjiciert).     Da 

es    angemessen    sein   unter  Heranziehung    der  an  der  Feier  alle  Magistrate  und  Stellvertreter 

litterarischen  und  inschriftlichen  Zeugnisse  ein  der  beteiligten  Gemeinden  zugegen  sein  mufsten 

Bild    der    Feier    in    der    geschichtlich    hellen  10  (Strabo  5   p.  229    ivrav&a  'Pcouaiot    cvv    tofs 

Zeit  zu   geben,   um   von  dieser    sicheren  Basis  Aativoig  Jil  frvovciv,  anaoa  77  ovvccqxiu  cc&qol- 

aus   Rückblicke    auf   die   entfernter   liegenden  o&siact,  vgl.  Dion.  8,  87),  so  wurde  alljährlich 

Epochen  werfen  zu  können.    Das  Fest  gehörte  für   die   Zeit  ihrer  Abwesenheit  zu  Rom    und 

zu   den  feriae   coneeptivae,   quae  quotannis  a  vielleicht    auch    in    den   anderen   Städten    ein 

magistratibus  vel  sacerdotibus  coneipiuntur   in  praefectus   urbi   feriaruui  latinarum  causa   er- 

dies  vel  certos   vel    etiam   incertos,   Macrob.  1,  nannt,  ne  urbs&sine  imperio  esset  (Gell.  14,8,1; 

16,  6;    da  es   also   an   einen    bestimmten  Tag  eine    Liste    der    uns    bekannten    bei    Werner 

nicht  gebunden  war,  konnte  es  in  den  Kalender  p.  56).     Waren  die  Konsuln  an  der  Teilnahme 

nicht  aufgenommen  werden.   Es  war  die  Pflicht  verhindert,  so  übernahm  ein  ad  hoc  gewählter 

der  Konsuln  sofort  nach  ihrem  Amtsantritt  die  20  dietator  feriarum  Latinarum  causa  die  Leitung 

Ferien  zu  indicieren  (Liv.  21,  63,  8)  und  später  des  Festes  (Liv.  7,  28,  7.   fast.  Cap.  C.  I.  L. 

die  Leitung  der  Feier  zu  übernehmen,  die  noch  1  p.  434  z.  J.  497.    Cassius  Bio  47,  40,  wo  eine 

vor  ihrer  Abreise  in  die  Provinz  stattzufinden  Verwechslung  von  praefectus  urbi  und  dietator 

hatte  (Liv.  21,  63,  5;   22,  1,  6;  25,  12,  1;  38,  vorzuliegen  scheint;  ibid.  39,  30  ist  vitö  rivog 

44,  8;  42,  35,  3;  44,  17,  8;  19,  4;  22,  16.    Cic.  ovv.  öqQ-äg  7CQa%&tvzog  neutral  zu  fassen).   Die 

ad  fam.  8,   6,  3.     Nie.  Bamasc.  v.  Caesar.   5.  feriae  Latinae  sind,  wie  die  Widmung  der  zu 

Cassius  Bio  46,  3;  54,  29);  beide  Akte  waren  ihnen   in  Beziehung  stehenden   sacerdotes  Ca- 

mindestens     durch    ein    trinundinum    getrennt  benses  an  den  Kaiser  Tacitus  275 — 276  p.  Chr. 

(Mommsen,  Rom.  Forschg.  2  S.  105    Anm.  17,  beweist  (C.  I.  L.  6,  2173),  bis  ins  dritte  Jahr- 

Cltr.  Werner,  Be  feriis  Latinis,  Diss.  Lips.  1888  30  hundert    bestehen    geblieben,    vielleicht  sogar 

p.  21    Adn.  6;  'einzige   Ausnahme   bei    Caesar  bis  zum  Ende  des  vierten,  vgl.  das  Verzeichnis 

bell.  civ.  3,   2).      Die    abweichenden    Angaben  aller  überlieferten   Feste   bei    Werner  p.  57  ff. 

über   den  Termin   des  Festes    bei  den  Schrift-  Unter   den   drei    Bezeichnungen    Latiar   (Cic. 

stellern   und   in   den   durch  die  Ausgrabungen  ad  Q.  fr.  2,  4,  2.  Macrob.  1,  IG,   16,  vgl.  Cass. 

auf  dem  Monte  Cavo   gefundnen    Fastenüber-  Bio  47,  40),    Latinae,  feriae  Latinae  (vgl. 

resten  (CLL.  6  p.  455  nr.  2011—2022,  p.  863 ff.  Werner  p.  5.  29)  ist  die  erste  wohl  die  älteste 

nr.  3874;     14,    2227 — 2250,   4210  a.  b.  0.;     die  und  bezieht  sich  speziell  auf  das  dargebrachte 

Aufzeichnungen ,   die   bis   zum   Decemvirat   zu-  Opfer    (s.    die    gleiche    Bildung    Palatuar    bei 

rückreichen,  stammenausderKaiserzeit,  Renzcn,  Fest.  p.  348    Palatio    cui  sacrificium    quod   fit 

Bullet,  d.  inst.   1870  S. 129  ff.  Mommsen  a.a.O.  10  Palatuar  dicitur),  während  die  letzte  der  vollen 

5.  102ff.  de  Rossi,  Eph.  ep.  2  S.  93 ff.)  erklären  Dauer  des  Festes  galt  (Preller,  R.  M.  1  S.  212), 
sich  einmal  aus  dem  lange  Zeit  hindurch  und  Latinae  sowohl  für  den  Tag  des  Opfers 
wandelbaren  Anfang  des  Amtsjahres,  sodann  wie  für  die  ganze  Feier  gebraucht  wurde, 
daraus,  dafs  die  Feier  in  demselben  Jahre  auf  Wenn  wir  in  den  Tagen  der  feriae  Latinae 
Beschlufs  der  pontifices  (Liv.  32.  1,  9;  40,45,2;  von  festlichen  Veranstaltungen  zu  Rom  selbst 
41,  16,  2)  wiederholt  werden  konnte  (ferias  hören,  so  unterliegt  es  keinem  Zweifel,  dafs 
instaurare)  entweder  als  Dankfest  bei  beson-  sie  nicht  nach  denen  auf  dem  Albanerberge 
derem  Anlafs  (Liv.  45,  3,  2.  Bio  55,  2;  vgl.  begangen  wurden,  da  ja  nach  Linus  25,  12,  1 
Mommsen  a.  a.  O.  S.  106  ff.)  oder  bei  einge-  die  Konsuln  sogleich  nach  dem  sacrum  in  monte 
tretener  Störung  (Liv.  40,  45,  2)  oder  wegen  50  in  ihre  Provinz  abgehen  mufsten,  sie  ging  viel- 
begangener Fehler  (Genaueres  s.  unten),  vgl.  mehr  denselben  voran,  denn  die  Gleichzeitig- 
Werner  a.  a.  0.  S.  38 ff.  Seitdem  die  Konsuln  keit  ist  bei  der  Abwesenheit  aller  Magistrate 
ihr  Amt  an  den  Iden  des  März  antraten,  fiel  nicht  wahrscheinlich  (vgl.  Marquardt  s  S.  297 
der  Termin  ziemlich  regelmäfsig  in  die  erste  Anm.  3).  Es  fand  auf  dem  Capitole  ein  Wagen- 
Häfte  des  April  und  wurde  auch  nicht  ge-  rennen  statt,  wobei  der  Sieger  mit  Absynth 
lindert,  als  später  (Mitte  des  2.  Jahrhunderts)  bewirtet  wurde,  Plin.  27,  45  latinarum  feriis 
der  1.  Januar  das  Amtsjahr  eröffnete.  Die  quadrigae  certant  in  Capitolio  victorque  apsin- 
Dauer  betrug  ursprünglich  einen  Tag;  im  Jahre  thium  bibit,  credo ,  Sanitätern  in  praemio  dari 
586  u.  c.  waren  es  bereits  drei  (Liv.  45,  3,  2  honorifice  arbitratis  maioribus.  Diese  Spiele 
iudietae  a  consule  sunt  in  ante  fdiem]  quartum  60  sind  bei  Livius  zu  verstehen :  ludi  Latinaequ 
et  tertium  et  pridie  idus  Novembres) ;  nach  instauratae  sunt  5,  19,  1,  vgl.  15,  17,  2.  Die 
Cic.  ad  Q.  fr.  2,  4,  2  galten  die  beiden  den  Kirchenväter  wissen  uns  auch  zu  berichten, 
feriae  Latinae  folgenden  Tage  für  religiosi :  dafs  das  Blut  eines  zum  Tode  verurteilten 
die  Angabe  der  Gründe  für  die  Hinzufügung  Verbrechers  (bestiarius)  dem  Iuppiter  Latiaris 
eines    dritten    und    vierten    Tages   bei    Bion.  zu  Ehren  flofs  (Stellen  gesammelt  von  Roeper, 

6,  95  und  Plut.  Cam.  42  beruht  auf  einer  Quaest.  pontif  p.  38ff.);  da  uns  jedoch  Profan- 
Verwechselung  mit  den  ludi  Romani  (vgl.  schriftsteiler  nichts  von  diesem  Opfer  erzählen, 
Schwegler,  Rom.  Gesch.  2  S.  232  Anm.  5.  Preller.  so    mag    es    eine    tendenziöse    Erfindung    der 


689     Iuppiter  (Latiaris:  feriae  latinae)  Iuppiter  (Latiaris:  feriae  latinae)      690 

Christen    sein,    vgl.    noch    den   Kult   auf  dem  nannt   nach    einer  alten   auf  dem    Berge    ge- 

collis  Latiaris  zu  Rom  Sp.  653,  30.  legenen  Stadt  Caba  oder  Cabum  (Dion.  5,  61. 

Die  Hauptfeier  geschah  auf  dem  Mons  AI-  Plin.  3,  64),  vgl.  Marquardt  3  S.  479.  Jordan, 
banus;  hier  strömten  die  Abgesandten  und  Die  Könige  im  alten  Italien,  Berlin  1887  S.  45. 
Prozessionen  der  latinischen  Städte  zusammen,  Werner  p.  27  ff. ;  die  Instanderhaltung  der  fiau- 
um  auf  der  schönen  Höhe,  von  der  der  Blick  lichkeiten  scheint  dem  Curator  aedis  sacrae  s. 
über  welliges  Hügelland  und  die  Campagna  bis  aedium  sacrarum  obgelegen  zu  haben  (M.  St. 
hin  zum  Meere  schweift,  geeint  zur  Verehrung  de  Rossi  a.  a.  0.  S.  320.  C.  I.  L.  14,  2233); 
des  höchsten  Gottes,  die  Festzeit  in  Friede  und  unsicher  ist  die  Existenz  von  quattuorviri 
Eintracht  mit  einander  zu  verbringen.  Die  10  montis  Albani  und  eines  flamen  Iovis  Latiaris, 
älteste  Eultstätte  scheint  auch  hier  ein  heiliger  die  Werner  p.  26  auf  einer  Inschrift  aus  Pi- 
Hain  gewesen  zu  sein  (Liv.  1,  31,  3  visi  etiam  saurum  (Orelli-Hensen  7415)  erkennen  will. 
audire  tocem  ingentem  ex  summt  cacuminis  Die  Ferien  selbst  zerfielen  in  den  eigent- 
luco,  ut  patrio  ritu  Sacra  Albani  facerent);  lieh  sakralen  Akt,  bestehend  in  Opfern,  Gebeten 
aber  bereits  in  sehr  früher  Zeit  ist  ein  Tempel  und  Opfermahl,  wobei  jedenfalls  nur  die  ex 
errichtet  worden;  Tarquinius  Superbus  wird  officio  Beteiligten  vertreten  waren,  und  die 
als  Gründer  genannt  von  Dionys.  4,  49  und  in  Belustigungen  und  Spiele  der  versammelten 
der  Schrift  de  viris  illustr.  3,  2,  Tarquinins  Menge.  Zu  den  Kosten  steuerten  die  einzelnen 
Priscus  von  Dionys.  6,  95  (vgl.  3,57,  Flor.  1,1,  5)  Gemeinden  bei  (Dionys.  4,  49  (piaovGiv  ilg  ctvxug 
und  dem  schal.  Bob.  in  Cic.  Plane,  p.  255,  das  20  ai  ijlszixovoui.  zäv  leoäv  noXiig  ai  fiiv  cigvccg 
auch  noch  aridere  Namen  giebt,  vgl.  Fest.  (vgl.  Cic.  ad  Att.  1,  3,  1),  cti  äi  zvoovg,  al  ä\ 
p.  194.  Die  Überlieferung  hat  sehr  an  Wahr-  ya7.av.Tog  zi  \xizqav ,  ai  äs  oiiolov  zi  zovzoig. 
scheinlichkeit  gewonnen  durch  die  Ausgra-  Eine  lustratio  leitete  die  religiöse  Handlung 
bungen  der  Gebrüder  de  Rossi  auf  dem  Monte  ein,  der  Konsul  brachte  eine  Milchspende  dar 
Cavo  und  die  Vergleichung  der  Überreste  mit  (Cic.  de  div.  1,  11,  18  tu  quoque  cum  tumulos 
älteren  Plauen,  unter  denen  der  in  einem  Codex  Albano  in  monte  nivales  |  lustrasti  et  laeto  mac- 
Barberinianus  des  17.  Jahrhunderts  gefundene  tasti  lade  latinas;  vgl.  die  lactata  potio  im 
der  wichtigste  ist,  vgl.  G.  B.  de  Rossi,  Ann.  d.  schol.  Bob.  in  Cic.  pr.  Plane.  9 ,  23  und  Fest, 
inst.  1873  S.  162  ff.  M.  St.  de  Rossi,  Ann.  d.  p.  194).  Als  Bundesopfertier  (sacrificium  lati- 
inst.  1876  S.  314  ff.  dazu  tav.d'agg.  Q.  Letzterer  30  num  Suet.  Caes.  79)  wurde  ein  junger  Stier 
berichtet  S.  322:  Varea  recinta  dai  grandi  von  weifser  Farbe  geschlachtet  (Arnob.  2,  68 
massi  di  lava  sptrone  era  elevata  alquanto  in  Albano  antiquitus  monte  mdlos  alias  licebat 
al  desopra  della  spianata  stessa  della  sommitä  quam  nivei  tauros  immolare  candoris)  wie  dies 
del  monte  ed  oltre  l'ingresso  meridionale  al  quäle  ja  bei  Opfern  an  Iuppiter  allgemein  üblich 
metteva  la  via  lastricata  a  poligoni,  dalle  parte  war  (vgl.  den  Abschnitt  über  Iuppiter  Inventor); 
d'oriente  era  aperta  con  una  gradinata  lunga  dafs  auch  der  andern  Bedingung,  wonach  noch 
quanto  Tintiero  lato  Orientale.  L'ara  poi  col-  kein  Joch  seinen  Nacken  berührt  haben  durfte, 
locata  nel  etntro,  rivolta  alla  scalinata,  trova-  genügt  war,  ist  selbstverständlich;  es  handelt 
vasi  cosi  esattamente  anche  rivolta  all'  Oriente.  sich  an  den  jedesmaligen  feriae  latinae  immer 
Der  Tempel  selbst,  von  dessen  Fundamenten  40  nur  um  einen  iuveneus,  der  von  allen  Städten 
eine  Strecke  aufgedeckt  worden  ist,  lag  im  gemeinschaftlich  gestellt  wurde  ,  das  Opfer 
nordwestlichen  Teile  der  in  ihrer  Längsrichtung  selbst  vollzog  der  leitende  römische  Beamte 
von  Nord  nach  Süd  sich  hinziehenden  Area  mit  und  es  galt  für  die  Gesamtheit  (Dion.  a.  a.  0. 
der  Front  gegen  Mittag  gewendet;  wenn  auch  tvbg  Ss  zcivqov  v.oiv&g  vnb  naaäv  &vofitvov 
der  Grundplan  des  heiligen  Bezirkes  (ein  Recht-  [itpog  iy.dazrj  (sc.  nolig)  zizaygivov  Xajxßävei. 
eck  von  48x65  oder  53x69  m.;  vgl.  Jordan,  Top.  &vovai  S'  imEQ  andvxav  v.al  zr\v  r,yigovt'av 
1,  2  S.  9)  nicht  dieselben  Verhältnisse  zeigt  wie  zäv  isqäv  i%ovai  'Pcofiaioi).  Unter  Berufung 
der  des  capitolinischen  Göttersitzes  (51x55),  so  auf  Livius  41,  16,  1  ff .  (Latinae  feriae  fuere 
sind  doch,  abgesehen  von  der  Tradition,  die  den  ante  diem  tertium  nonas  Maias  in  quibus  quia 
Tarquinius  als  gemeinsamen  Stifter  nennt,  die  50  in  una  Jiostia  magistratus  Lanuvinus  pyrecatus 
Ähnlichkeiten  in  der  Bauart  so  bedeutende,  dass  non  erat  populo  Romano  Quiritium  religioni 
man  berechtigt  ist,  für  beide  Gebäude  ungefähr  fuit.  id  cum  ad  senatum  relatum  esset  senatusque 
dasgleicheAlter  anzusetzen,  d.h.  die  erste  Hälfte  ad  pontificum  collegium  reiecisset ,  pontifieibus 
des  3.  Jahrh.  der  Stadt.  Im  Innern  befand  sich  quia  non  rede  faetae  Latinae  essent,  instau- 
ein  Bild  des  Gottes  (Cassius  Dio  39,  15;  47,  40;  randis  Latinis  placuit  Lanuvinos,  quorum  opera 
vgl.  Lucan.  Phars.  1,  533;  ein  signum  Iovis  instaurandae  essent,  hostias  praebere)  hat  Mar- 
in monte  Albano  erwähnt  Liv.  27,  11,  2).  quardt  S.  296  Anm.  4  behauptet,  „dafs  es  nicht 
Eine  Beziehung  zwischen  den  Inschriften  C.  I.  L.  ein  Stier  war,  sondern  mehrere",  indes  mit 
14,  2228.  2229.  2231.  2232  annehmend,  glaubt  Unrecht,  wie  das  ausdrückliche  Zeugnis  (ivog 
Werner  p.  26  Anm.  1  auf  eine  Restitution  des  co  zuvqov)  des  auf  die  dvaicu  zäv  v.u&'  fjiiäg 
Heiligtums  in  der  Kaiserzeit  schliefsen  zu  yoovwv  sich  berufenden  Dionys  beweist.  Li- 
können.  Wo  die  oiv.ia  ig  'f]v  oi  v7tazoi.  iv  zotig  vius  spricht  nur  ganz  allgemein  von  hostiae 
iSQovQyi'ctig  v.azalvovaiv  (Caisius  Dio  54,  29)  zu  und  es  läfst  sich  dabei  mit  Preller,  R.  M.  1 
suchen  ist,  läfst  sich  nicht  mehr  feststellen.  S.  214  Anm.  2  sehr  wohl  an  die  oben  erwähnten 

Als  Priester  fungierten  bei  den  feriae  Lati-  ciaveg  denken;  da  andererseits  aber  die  Livius- 

nae  dieCabenses  sacerdotes  feriarum  Lati-  stelle  unzweifelhaft  eine  Mehrheit   von  Opfer- 

narum  montis  Albani  (C.  I.L.  6,  2021  =  2073  =  handlungen  voraussetzt,   so   wird  angenommen 

14,  2228;   6,  2174.  2175;   14,  2230.   4210),  ge-  werden   müssen,   dafs   nach  dem    für  die   Ge- 


691     Iuppiter  (Latiaris:  feriae  latinae)  Iuppiter  (Latiaris:   feriae  latinae)     692 

samtheit  verrichteten  sacrificiurn  latinum  jede  tinosque  firmatac  sunt,  inchoari  bellum  decebat. 
Stadt  ein  besonderes  Opfer  darbrachte,  bei  Das  Bündnis  mit  den  Laurentern  wurde  auch 
dem  der  abgesandte  Magistrat  für  die  übrigen  nach  der  Unterwerfung  der  Latiner  a.  416  u.  c. 
Gemeinden,  sie  mit  Namen  nennend,  um  Heil  alljährlich  10  Tage  nach  der  Feier  erneuert, 
und  Segen  zum  Iuppiter  Latiaris  flehte.  Ver-  Liv.  8,  11,  15.  Da  bei  dem  Opferakt  Rück- 
mutlich  nach  einer  offiziellen  Liste  aufgerufen,  sieht  auf  so  viel  Mitglieder  genommen  werden 
forderten  die  legitimierten  Vertreter  ein  Stück  mufste  und  die  Handlung  nur  bei  genauer  Be- 
Fleisch vom  Bundesstiere;  der  terminus  lautet  folgung  aller  Vorschriften  Gültigkeit  besafs, 
„carnem  petere"  (Gic.  pro  Plancio  9 ,  23  nisi  so  gehört  eine  Wiederholung  der  Feier  nicht 
forte  te  Labicana  aut  Gabina  aut  Bovillana  10  zu  den  Seltenheiten;  bekannt  sind  uns  folgende 
vicinitas  adiuvabat,  quibus  e  munieipiis  vix  Fälle:  Plut.  Garn,  4.  Cassius  Dio  39,  30,  wo 
iam  qui  carnem  Latinis  petant  reperiuntur.  das  Versehen  nicht  näher  bezeichnet  wird; 
Varro  l.  I.  6,  25  Latinae  feriae  dies  conceplivus  Liv.  5,  17,  2  weil  bei  der  Konzeption  ein  Fehler 
dictus  a  Latinis  populis,  quibus  ex  Albano  vorgekommen;  Liv.  32,  1,  9;  37,  3,  4  weil  den 
vionte  ex  sacris  carnem  petere  fuit  ius  cum  Ardeaten  und  Laurentern  das  ihnen  gebührende 
Romanis)  und  erhielten  den  ihnen  zugewiesenen  Fleisch  vorenthalten  war;  Liv.il,  16,  1  weil 
Anteil  (Dionys.  a.  a.  0.  Fun.  3,  69;  für  die  vielen  der  Magistrat  von  Lanuvium  bei  dem  einen 
im  Laufe  der  Jahrhunderte  politisch  unter-  Opfer  nicht  für  das  römische  Volk  gebetet 
gegangenen  Gemeinden  wurden  fiktive  Ver-  hatte ;  der  Schuldige  war  verpflichtet  die  Opfer- 
treter  ernannt,  vgl.  Mnmmsen,  Hermes  17  (18821  so  tiere  bei  der  Instauration  zu  stellen,  ibid.  §  2. 
S.  54).  Es  folgte  die  Opfermahlzeit  Dionys.  a.  a.  0 .  Dafs  die  Auffassung  Iuppiters  als  des  höchsten 
Tva  avvfQyoßSvoi.  y.ctfr'  tWcrof  itnavrov  sig  Beschützers  der  latinischen  Gemeinden, 
zov  UTtaSiiyftivza  xonov  navnyvQi'QaGi  Kai  avv-  wie  sie  uns  in  seinem  Namen  und  in  der  Feier 
laruovtai;  es  zeugt  ferner  dafür  der  Ausdruck  der  feriae  Latinae  entgegentritt,  den  Höhepunkt 
visceratio  bei  Servius  ad  Aen.  1,211  „viscera"  non  einer  langen  Entwickelung  in  den  religiösen 
tanium  intestina  dieimus  sed  quidquid  sub  corio  Anschauungen  bildete  und  dafs  ihr  eine  Epoche 
est,  ut  in  Albano  Latinis  visceratio  dabntur.  voraufging,  in  der  die  Verehrung  der  Natur- 
Mit  Scherzen  und  Spielen  wurde  die  übrige  gottheit  überwog,  braucht  hier  nur  angedeutet 
Zeit  verbracht;  unter  den  Belustigungen,  bei  zu  werden.  Auf  ein  sehrhohes  Alt  er  des  Kultus 
denen  die  Festgenossen  sich  vergnügten,  wer-  30  (Serv.  ad  Aen.  12, 135  Iuppiter  Latiaris  antiquissi- 
den  besonders  hervorgehoben  die  oscilla,  d.  h.  mus  est)  weisen  eine  Reihe  von  Votivgegen- 
kleine  Puppen  von  Wachs  oder  Wolle,  die  man  ständen  hin,  welche diejüngsten  Ausgrabungen 
an  den  Beinen  aufhängte  und  schaukelte;  die  ans  Licht  gefördert  haben,  so  das  zahlreich 
Sage  führte  den  Brauch  auf  Latinus  oder  Aeneas  vorhandene  aes  rüde  (vgl.il/.  St.  de  Bossi,  Ann. 
zurück;  vgl.  Schot. Bob. p.256  itaque  ipsisdiebus  d.  inst.  1871  S.  239 ff.),  roh  gearbeitete  primi- 
ideo  oscillare  instituerunt,  ut  pendulis  machinis  tive  Gefäfse  ähnlich  den  im  Haine  der  Ar- 
ay-itiirentur,  quoniam  eorum  (Latini  et  Aeneae)  valen  gefundenen  (vgl.  Henzen,  Act.  fratr.  Arval. 
corpus  in  terris  non  esset  repertum  ut  animae  S.  60),  und  besonders  ein  vollständig  erhaltener 
velut  in  aere  quaererentur  und  die  nicht  völlig  Cylinder  in  Terracotta,  wie  er  sich  aufserhalb 
sichere  Stelle  des  Fest.  p.  194  oscillantes  ait  40  der  Poebpne  und  der  Emilia  höchst  selten  ge 
Cornificius  ab  eo  quod  os  caelare  (celare  Midier)  funden  hat,  vgl.  M.  St.  de  Bossi,  Ann.  d.  inst, 
sint  solit i  personis  propter  vereeundiam,  qui  eo  1876  S.  323 ff.  abgebildet  tav.  d'agg.  Q.  n.  3. 
genere  lusus  utebantur.  Causa  autem  eius  iac-  Manche  Bräuche  bei  den  feriae  Latinae  führen 
tationis  proditur  Latinus  rex.  .  .  Der  Ritus,  uns  gleichfalls  auf  sehr  primitive  Zustände 
welcher  auch  anderweitig  bezeugt  wird  (Lo-  zurück ,  so  die  oscilla  und  die  Festgaben. 
becic,  Aglaoph.  S.  585.  Klausen,  Aeneas  und  die  Heibig  (Die  Italikerin  der  Poebene  S.  71)  macht 
Penaten  S.  801.  Marquardt  S.  192.  200,  vgl.  darauf  aufmerksam,  dafs  unter  den  Geschenken 
J.  Grimm,  Deutsche  Myth.  S.  67.  Bötticher,  neben  Vieh,  Käse,  Milch  und  Mehl  der  Wein 
L'aumkidtus  S.  80)  soll  symbolisch  an  die  Stelle  nicht  genannt  werde,  es  sei  also  möglich,  dafs 
früherer  Menschenopfer  getreten  sein  (Preller,  50  der  Ursprung  der  Feier  vor  der  Zeit  liege,  in 
B.  M.  1  S.  1 1 8 ff . ,  vgl.  jedoch  Jordan,  in  d.  der  die  Latiner  die  Most-  und  Weinbereitung 
Anm.).  Die  Erinnerung  daran  war  jedenfalls  kennen  lernten.  Den  Grundstock  der  Fest- 
früh verblafst,  und  die  feriae  latinae  galten  genossen  scheinen  die  von  Plinius  3,  69  in 
als  ein  Fest  des  Friedens  und  der  Eintracht,  alphabetischer  Reihenfolge  aufgezählten  jeden- 
dessen  Grundstimmung  Heiterkeit  und  Froh-  falls  aus  Varro's  antiquitates  humanae  und  in- 
sinn  bildete.  Wie  schon  aus  der  Erwähnung  direkt  aus  einer  offiziellen  Liste  entlehnten 
der  oscilla  eine  Ähnlichkeit  mit  den  Satur-  populi  gebildet  zu  haben  (behandelt  wird  die 
nalien  (Macrob.  1,  10,  1;  11,  1)  sich  ergab,  Stelle  von  Schwegler,  Büm.  Gesch.  2  S.  298. 
so  tritt  sie  noch  mehr  hervor  in  der  Aufhebung  Beloch,  Der  italische  Bund  unter  Borns  Hege- 
des  Unterschiedes  der  Stände  (Fest.  a.  a.  0.).  eo  monie  S.  178  ff.  Mommsen ,  Büm.  Gesch.  1' 
Ein  Frevel  war  es  in  dieser  Zeit,  in  der  die  S.  346  Anm.  Hermes  17  (1882)  S.  42  ff.  Seeck, 
Verträge  zwischen  Latium  und  Rom  von  fri-  Bhein.  Mus.  37  (1882)  S.  1  ff .  S.  598  ff.),  d.  h. 
schem  bekräftigt  wurden,  einen  Krieg  zu  be-  die  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  der  Kult- 
ginnen oder  eine  Schlacht  zu  liefern:  Macrob.  statte  liegenden  Gemeinden.  Es  war  dies  wohl 
1,  16,  16  cum  Latiar  hoc  est  Latinarum  sol-  ursprünglich  eine  Vereinigung  rein  sakraler 
lemne  coneipitur  ...  nefas  est  proelium  sumere :  Natur;  dafs  Alba  Longa  darin  die  Vorstand- 
quia  nee  Latinarum  tempore,  quo  publice  quon-  schaft  bekleidete  ,  macht  seine  Lage  wahr- 
dam    indutiae   inter   populum    Bomanum   La-  scheinlich ;    die  Frage  aber,   ob   es   dip   durch 


693     Iuppiter  (Latiaris:  feriae  latinae)  Iuppiter  (Latiaris :  albanischer  Triumph)   694 

eine  religiöse  Feier  geeinten  Orte  auch  politisch  Carbo,   dem   Sieger    über   die   Corsen,    der  in 

zu   einem  Ganzen   unter   seiner   Führung  ver-  ihm  eine  Entschädigung  suchte,  nachdem  seine 

band,  kann  hier  aufser  acht  gelassen  werden.  Bitte,  in  Rom  triumphieren  zu  dürfen  vom  Se- 

Zu  der  Zeit  als  eine  Neugestaltung  der  feriae  nate   abschlägig  beschieden    war,    G.  I.  L.    1 

Latinae  unter  Tarquinius  erfolgte  (s.  oben  die  p.  458.    Vol.   Max.  3,  6,  5.  PHn.  15,  126,  vgl. 

Bemerkungen  über  den  Tempel),  soll  die  Zahl  Cic.  de  deor.  nat.  3,  52 ;  das  Beispiel  fand  Nach- 

der  Mitglieder  47  betragen  haben  (DlOWJ/S.  4,  49).  ahmung;     die  Annalen   berichten    von  solchen 

Mommsen  und  Seeck  suchen  sie  auf  verschiedene  Triumphen    zu    den   Jahren   543   (M.  Claudius 

Weise  zu  rekonstruieren;  jener  (a.  a.  ü.  S.  50 ff.),  Marcellus,   Liv.  26,  21,  6),    557  (M.  Minucius, 

die   Herniker    und   Volsker,    „deneu   nur    eine  10  C.  I.  L.  1  p.  459.  Liv.  33,  23,  3),  582  (C.  Ci- 

gewisse  Gemeinschaft  eingeräumt  worden  sei",  cereius,  C.  I.  L.  1  p.  459.  Liv.  42,  21,  4) ;  dafs 

von     den    anteilberechtigten    Gemeinden    des  sie  aber  weit  häufiger  stattfanden,  ergeben  die 

Latium   antiquum   ausschliefsend,   gewinnt  die  Worte   des   Q.  Minucius,    der   sich  bereits   im 

Zahl  annähernd  durch  Kombinierung  der  Listen  Jahre  557  auf  den  Vorgang  vieler  berühmten 

bei  Dionys.  5,  61  und  Plin.  3,  69  (zu  den  31  ver-  Männer   (nudtorum  clarorum  virorwm  exemplo) 

schwundenen  Ortschaften  des  Plinius  treten  14  beziehen  konnte  {Liv.  33,  23,  3  vgl.  45,  38,  4). 

in   späterer   Zeit  noch   bestehende    und   3  mit  Im  Unterschiede  vom  capitolinischen  Triumphe 

zweifelhaftem   Namen   hinzu),    dieser  (a.  a.  0.  feierte   der    Sieger  ihn  iure  consularis   imperi 

S.  606)  durch  die  Verbiudung  von  15  Herniker-  (Liv.  33,  23,  3)   sine   publica  auctoritate  (Liv. 

und   2  Volskergemeinden  mit  den   auf  30   re-20  42,  21,  4),    und    die   Kosten    fielen    nicht   der 

ducierten  Völkern  bei  Plinius.    Sei  es  nun  dass  Staatskasse,  sondern  ihm  selber  zur  Last  (Liv. 

bereits    zu  jener  Zeit  die  religiöse   Feier   auf  33,  23,  8).   Zwar  war  er  darum  weniger  rühm- 

dem  Albaner-Berge  ganz  Latium  vereinigte,  sei  lieh ,     doch    unterschied    er    sich    im    äufsern 

es  dafs    die   gröfseren   Städte    erst    nach   dem  Prunke  kaum  von  jenem  (Liv.  33,  23,  8).    Plu- 

Cassischen  Vertrage   vom  Jahre   261  u.  c.  bei-  tarch  (Mure.  22)  giebt  beiden  dieselben  Attri- 

traten,  so  bedarf  doch  die  Behauptung  Prellers,  bute    ivzsXris    ««<•    /J-iyccg;    aus   den   negativen 

B.  31.  1  S.  210  „Iuppiter  Latiaris  ist  das  höchste  Bestimmungen    der     ovatio    ebendaselbst    im 

Oberhaupt  des  latinischen  Bundes,  in  demselben  Gegensatze    zum    albanischen    Triumphe    (ovk 

Sinne  wie  der  capitolinische  Iuppiter  das  höchste  (nl  zov  zsdQÜtnov  ßsßrjxdig  oväs  ddcpvng  t%wv 

Oberhaupt   des  römischen  Staates  und  Staats-  3u  azstpavov  oväe  Tifgioaliti^ofisvog)  wird  das  po- 

kultes  sein  sollte"  in  mehrfacher  Hinsicht  der  sitive  Ergebnis  gewonnen,  dafs  der  siegreiche 

Einschränkung  und  Berichtigung.     Die    feriae  Feldherr,  auf  der  Quadriga  stehend,  das  Haupt 

Latinae  sind,  soweit  die  Überlieferung  zurück-  geschmückt  mit  der  Lorbeerkrone,  unter  dem 

reicht,  stets  unter  dem  Vorsitze  Roms  begangen  Schalle  der  Trompeten  zur  Höhe  des  Iuppiter- 

worden.     Nach   dem  Untergänge  Alba  Longas  tempels  hinaufzog.     Wohl   mit   Rücksicht   auf 

war  mit  dem  Gebiete  der  Stadt  auch  die  Lei-  die  Erzählung  des   Valerius  Maximus  a.  a.  0. 

tung  der  Feier  an  die  Römer  gekommen,  darum  (31.  Papirius   quidtm  31aso  .  .  .   et   in   Albano 

konnte    eine    Regelung    des   Festes    von    den  morde  triumphandi   et  ipse  initium  feeit  et  ce- 

Tarquiniern  ausgehen,  und   darum  nennen  die  teris  postea   exemplum  praebuit  proque    laurea 

Annalen  sowohl  wie  die  Fragmente  der  Jahres-  40  Corona  cum  alicui  speetaculo  interesset,   myrtea 

tafeln  nur  römische  Magistrate  als  seine  Leiter.  usus   est)  und   Plinius  a.  a.  0.    (L.   Piso  tradit 

Von   dem   Augenblicke   an,  wo    die    Feier   zu  Papirhim  Masonem,   qui  primus  in  monte  Al- 

einer  römischen  geworden,  war  die  Entwicke-  bano   triumphavit   de  Corsis,   myrto   coronatum 

lung    eines    spezifisch   latini»ehen    Gottes    ge-  ludos  circenses speetaresolitum) behauptet  Preller, 

hemmt;  denn  das  nomen  Romanum  fühlte  sich  Li.  31.  1  S.  216,  nicht  der  Lorbeer  sondern  die 

nicht  als  einen  Teil  des  nomen  Latinum,  son-  Myrte  sei  zum  Ehrenkranze  verwendet  worden; 

dern    trat    ihm    selbständig    gegenüber;     eine  doch  spricht  gegen  ihn  sowohl  die  Stelle  des 

hervorragend  politische    Bedeutung    im   Sinne  Plutarch  wie  die  Worte  pro  laurea  Corona  bei 

des   capitolinischen  Iuppiter  hat  der  Kult   des  Valerius,   die  ihre  Berechtigung  nur  haben  in 
Iuppiter  Latiaris  nie  besessen,  sondern  immer  50  der  Beziehungauf  den  vorher  genannten  Triumph 

nur  den  sakralen  Mittelpunkt  für  die  latinischen  (vgl.  Michaelis,  Ann.d.  inst.  1876  S.  115  Anm.  2). 

Gemeinden  gebildet    Ebenso  läfst  sich  die  An-  Ebensowenig  haltbar  ist  seine  Vermutung,  es 

nähme  Prellers  (Li.  3L.  1  S.  285),  dafs  der  Gott  sei  die  ovatio  ursprünglich  nur  der  letzte  Akt 

später  wie  auf  dem  Capitol  als  Optimus  Maxi-  der  Feier  auf  dem  Albanerberge  gewesen;  denn 

mus  im  Verein  mit  Iuno  und  Minerva  verehrt  die  annalistische  Überlieferung   kennt  Ovatio- 

worden   sei,   nicht  mehr   verteidigen,    seitdem  nen  lange  vor   den  Zeiten   des   Papirius   Maso 

die    Inschriften,    auf   welchen    jene   Annahme  (vgl.  C.  L.  L.  1  p.  454  ad  a.  251.  291 ;  p.  455 

basierte,  sich  als  falsch  erwiesen  haben  C  L.L.  ad  a.  394.    Dionys.  5,  47.     Liv.  3,  10,  4).     Uie 

14,  126*— 129*.  132*.  133*  B.    Nur  ein  Heilig-  Zugordnung  war  die  sonst  übliche:  dem  Vier- 

tum  derluno  Moneta  daselbst  darf  als  sicher  eo  gespann  vorauf  wurden   die  Opferstiere  (Plut. 

betrachtet  werden  (Liv.  42,  7,  1 ;  45,15,10.  Cass.  a.  a.  0.  enl  ulv  tä  (isyalco  argiceußco  ßov&vzeiv 

Dio  39,  20,   dagegen  gehört  die  Widmung  an  näzgiov  ijv  zoig  czQaz-nyoig),  die  Beute  und  die 

die  Iuno  Albana  C.  L.  L.  14,  125*  gleichfalls  Gefangenen  geführt  (Liv.  33,  23,  8),  es  folgten 

zu  den  inscriptiones  falsae).  ihm  die  Soldaten ,   deren  Tapferkeit  den  Sieg 

Anden  Kult  des  Iuppiter  Latiaris  schlofs  sich  errungen  hatte.     Da  bei  einem  Triumphe  sine 

noch   eine   andere  Feier,   der  triumphua  in  publica  auctoritate   die    städtischen   Behörden 

monte  Albano;  er  wurde  hier  zum  ersten  Male  natürlich    offiziell    nicht    vertreten    waren,    so 

a.  523  u.  c.  begangen  vom  Konsul  M.  Papirius  hatte     er     einen    ausschliefslich    militärischen 


695    Iuppiter  (Latiaris:  albanischer  Triumph')  Iuppiter  (Latiaris:  albanischer  Triumph)    696 

Charakter   und    gleichzeitig    auch,    weil   ohne  lenker  Athene  fungierte,  vgl.  Jahrbeh.  d.  arch. 

die  Bevollmächtigung   des   Senates  begangen,  Inst,  4  (1889)  S.  84. 

eine  volkstümliche  Färbung;  ein  sakral  an-  Niebuhr  {Rom.  Gesch.  2;  S.  42),  von  der 
gehauchtes  Volksfest  nennt  es  Ad.  Nissen,  Bei-  Voraussetzung  ausgehend,  dafs  eine  von  Pa- 
träge  zum  römischen  Staatsrecht,  Strafsburg  1885,  pirius  Maso  selbst  erfundene  Auszeichnung 
S.  124.  Soweit  reichen  die  litterarischen  Nach-  -weniger  Wahrscheinlichkeit  besitze  als  das 
lichten ;  nähern  Aufschlufs  giebt  uns  die  Ab-  Anknüpfen  an  einen  früher  bestehenden  Brauch, 
bildung  einer  jetzt  im  Berliner  Museum  be-  hat  die  Behauptung  aufgestellt,  dafs  in  den 
ländlichen  praenestinischen  Cista  {Mon.  ined.  Zeiten  nach  dem  Cassischen  Bündnis  bis  zur 
10  t.  29)  besprochen  von  Michaelis  a.  a.  0.  10  Unterwerfung  Latiums,  in  denen  vertrags- 
S.  105  ff.;  mit  dem  überzeugenden  Nachweis,  gemäfs  die  Eidgenossenschaft  abwechselnd  mit 
dafs  der  triumphus  in  monte  Albano  Gegen-  Korn  die  Führer  des  Bundesheeres  stellte,  die 
stand  der  Zeichnung  sei  (Jordan,  krit.  Beitr.  latinischen  Feldherrn  Triumphzüge  auf  den 
S.  14),  die  aus  stilistischen  Gründen  nicht  Albanerberg  geführt  hätten,  wenn  unter  ihrer 
über  das  Jahr  414  u.  c.  hinausgerückt  werden  Leitung  und  ihren  Auspicien  glückliche  Er- 
darf (Michaelis  S.  119).  Im  Mittelpunkt  der  folge  im  Kriege  errungen  worden  seien.  Durch 
unter  freiem  Himmel  sich  abspielenden  Scene  die  oben  beschriebene  Abbildung  sah  sich 
steht  ein  Mann,  das  Haupt  geschmückt  mit  Michaelis  veranlafst  (a.  a.  0.  S.  117  ff.),  ein  Wei- 
einer  Lorbeerkrone,  bekleidet  mit  schön  ver-  terbestehen  jener  latinischen  Feier  in  den  ein- 
ziertem  Bemharnisch  und  kurzem  ,  auf  der  20  zelnen  Städten  über  das  Jahr  416  hinaus  an- 
rechten  Achsel  zugeknöpftem  Mantel,  durch  zunehmen,  womit  zugleich  die  Lücke  zwischen 
reiche  verbrämte  Garnierung  als  Festgewand  416  und  523  ausgefüllt  und  der  römische 
gekennzeichnet  (ohne  Zweifel  ein  paludamen-  Oppositionatriumph  dem  latinischen  zeitlich 
tum),  die  Linke  trägt  ein  Scepter  mit  Adler  nahe  gerückt  wäre.  Da  nämlich  die  Zeichnung 
an  der  Spitze ,  während  er  mit  der  Rechten  aus  einer  Epoche  stamme,  wo  Siege  unter  den 
aus  einer  patera  über  einem  brennenden  Rauch-  Auspicien  latinischer  Feldherrn  nicht  mehr  er- 
gefäfse  zu  opfern  im  Begriff  ist;  links  reihen  fochten  werden  konnten  (s.  oben)  und  da  ein 
sich  an  ein  junger  Diener ,  ein  Priester  und  Zurückgreifen  des  Künstlers  auf  antiquierte 
ein  Sklave,  alle  drei  heiliges  Opfergerät  tra-  Sitten  wenig  glaubwürdig  sei,  so  müsse  in 
gend ;  auf  der  rechten  Seite  hält,  gelenkt  von  30  Hinsicht  auf  die  Livianische  Erzählung  (23, 
einem  bärtigen  Manne  im  Mantel  mit  breiter  19,  18),  wonach  dem  praenestinischen  Prätor 
Binde  und  Stock,  eine  Quadriga,  deren  linkes  M.  Anicius  wegen  der  tapfern  Verteidigung 
Beipferd  ein  halbnackter  Jüngling  am  Zügel  Casilinums  a.  538  von  seiner  Vaterstadt  ein 
fafst;  auf  beiden  Beipferden  sitzen  zwei.  Jung-  Standbild  errichtet  worden,  die  Möglichkeit 
linge  mit  Metallgürtel ;  die  dürftige  Kleidung  zugegeben  werden,  dafs  die  Senate  der  Muni- 
hindert,  sie  für  Verwandte  des  Feldherrn  zu  zipien  verdienten  Männern  den  Triumphzug 
halten,  qui  in  equis  trmmphantium  sedere  solc-  zum  heimischen  luppitertempel  bewilligten,  und 
bant,  Cic.  pro  Mar.  11;  hinter  dem  Wagen  dieser  könne  vom  alten  latinischen  kaum  ver- 
folgt ein  Trompeter.  Das  Ganze  macht  den  schieden  gewesen  sein.  Preller,  R.  M.  1  S.  216 
Eindruck  einer  Triumphalfeierlichkeit;  doch  40  denkt  an  eine  von  Latium  und  Rom  zugleich 
stellt  das  Bild  weder  eine  ovatio  dar  (der  begangene  Feier  auf  der  alten  gemeinsamen 
Feldherr  würde  keinen  Lorbeer-,  sondern  einen  und  heiligen  Höhe  des  Iuppiter  Latiaris.  Es 
Myrtenkranz,  keinen  Mantel,  sondern  eine  kann  all  diesen  Hj'pothesen  eine  innere  Be- 
toga  tragen ,  er  würde  kein  Scepter  führen  rechtigung  nicht  zuerkannt  werden.  Niebuhrs 
und  sich  nicht  einer  Quadriga  bedienen,  son-  Annahme  ist  nur  verständlich,  wenn  der  mons 
dern  zu  Fufs  gehen  oder  ein  Rofs  besteigen,  Albanus  mit  seinem  Kulte  im  Gegensatze  zu 
sehliefslich  wäre  kein  Trompeter  zugegen,  son-  Rom  speziell  latinischen  Interessen  diente;  da 
dern  ein  Flötenbläser;  vgl.  das  mehrfach  citierte  nun  aber,  wie  wir  oben  sahen,  bereits  die 
Kapitel  des  Plutareh^,  noch  einen  capitoliuischen  Organisation  des  Tarquinius  Superbus  Roms 
Triumph,  da  der  charakteristische  Schmuck  50  Einflufs  daselbst  als _  bestimmend  erscheinen 
desselben  fehlt:  die  aurea  Corona,  toga  picta  läfst,  da  ferner  die  Überlieferung  auch  nicht 
und  tunica  palmata,  Stücke,  die  auf  jeder  Ab-  die  leiseste  Hindeutung  auf  eine  derartige 
bildung  deutlich  erkennbar  sind  (s.  unten).  Feier  enthält  (dies  spricht  besonders  gegen 
So  bleibt  nur  die  dritte  Feierlichkeit  übrig,  Preller;  denn  wären  Römer  beteiligt  gewesen, 
der  Triumph  auf  dem  Albanerberge;  wir  wer-  so  wäre  in  den  Annalen  sicher  eine  diesbe- 
den  um  so  geneigter  sein  uns  dafür  zu  ent-  zügliche  Notiz  zu  finden),  so  ist  einmal  nie 
scheiden,  da  die  litterarisch  überlieferten  Merk-  ein  latinischer  Triumph  Vorbild  für  den  ca- 
male  (Quadriga,  Lorbeerkrone,  Trompeter)  pitolinischen  gewesen,  wie  Michaelis  meint 
sämtlich  zutreffen  und  das  paludamentum  zu  (S.  120),  sodann  ist  der  Triumph  des  Papinus 
dem  vorwiegend  militärischen  Charakter  vor-  60  Maso  und  seiner  Nachfolger  keine  Nachahmung 
trefflich  pafst.  Furtwängler,  Jahrbeh.  d.  arch.  des  latinischen ,  sondern  des  capitolinischen, 
Inst.  3  (1888)  S.  113  ff.  215  ff.  glaubte  auf  natürlich  mit  den  Abweichungen,  die  durch 
einer  antiken  Glaspaste  der  Berliner  Sammlung  die  verschiedene  Lokalität  und  Natur  der  Feier 
einen  albanischen  Triumph  dargestellt  zu  sehen,  bedingt  waren.  Wenn  nun  nach  M^ichaelis 
doch  überzeugte  ihn  die  Ergänzung  zu  dem  (S.  112)  das  paludamentum  des  Libierenden 
Glascameo  in  der  Gemmeusammlung  des  Briti-  auf  der  Cista  die  Annahme  ausschliefst,  dafs 
sehen  Museums,  dafs  der  vermutete  Triumpha-  die  Handlung  in  den  Grenzen  des  römischen 
tor  ein  griechischer  König  sei  und  als  Wagen-  Pomeriums  vollzogen  worden  sei ,  so  bleibt  es 


697     Inppiter  (Priester:  flamen  Dialis) 

mindestens  bedenklieh,  den  Vorgang,  welchen 
unsere  Zeichnung  veranschaulicht,  innerhalb  des 
Pomeriums  von  Praeneste  suchen  zu  wollen. 
Solange  kein  bestimmteres  Zeugnis  für  das 
Vorhandensein  einer  solchen  Feier  in  den 
Städten  Latiums  vorliegt,  wird  man  gut  thun 
in  dem  Bilde  die  Darstellung  eines  albanischen 
Oppositionstriumphes  zu  sehen. 

Priester.  10 

Flamen  Dialis.  Die  Einsetzung  eines  be- 
sonderen Priesters  für  den  himmlischen  Herr- 
scher schreibt  die  Überlieferung  dem  Numa 
zu  (Liv.  1,  20,  1  fi.).  Wie  die  Namensform 
Dialis,  so  tragen  eine  Reihe  von  sakralen  Be- 
stimmungen und  Kultgebräuchen,  die  speziell 
an  dieses  Priesterturn  sich  angeschlossen  haben, 
in  sich  selbst  die  beste  Gewähr  für  ihr  hohes 
Alter.  Wiewohl  in  der  offiziellen  Reihenfolge 
dem  rex  sacrorum  nachstehend  (Fest.  p.  18B  20 
maximus  ridetur  rex,  dein  Dialis,  post  hunc 
Martialis,  quarto  loco  Quirinalis,  quinto  Pontifex 
maximus),  war  er  doch  diesem  sowohl  wie  den 
flamines  des  Mars  und  Quirinus  an  Würde  und 
Bedeutung  überlegen.  Ihr  Verhältnis  ist  das- 
selbe wie  das  der  Götter,  denen  sie  dienen 
(Aug.  c.  d.  7,  9  penes  lanum  sunt  prima,  penes 
Iovem  summa),  dagegen  war  er  als  Einzel- 
priester dem  Pontifex  maximus  als  dem  Ver- 
treter der  gesamten  Staatsgottheiten  in  seinen  30 
geistlichen  Funktionen  untergeben.  Die  Würde 
ist  stets  in  den  Händen  der  Patrizier  geblieben. 
Da  sie  vom  Kriegsdienst  und  allen  öffentlichen 
Ämtern  ausschlofs  (Liv.  4,  54,  7.  Gell.  10,  15,  4. 
Fest.  p.  249.  Plut.  q.  R.  113),  so  wurde  sie  bei 
der  steigenden  politischen  Entwickelung  des 
römischen  Staates  für  ihre  Träger  allmählich 
eine  lästige  Bürde.  Zwar  war  schon  a.  554  u.  c. 
die  Ädilität  (Liv.  31,  50,  7,  32;  7,  14)  und  a.  571 
die  städtische  Prätur  (Liv.  39,  39,  2;  45,  2,  22)  40 
dem  flamen  Dialis  zugänglich  gemacht  worden, 
doch  blieben  auch  jetzt  die  Beschränkungen  so 
bedeutende,  dafs  nach  dem  Selbstmorde  des  L. 
Cornelius  Merula  a.  667  die  Stelle  wegen  Mangel 
an  Bewerbern  über  70  Jahre  lang  nicht  besetzt 
werden  konnte,  bis  Augustus  sie  a.  743  erneuerte 
(Vell.Paterc.  2,22.  Lac.  ann.  3,58.  Suet.Aug.  31. 
Cass.Dio  54,46.  GW.  1,136).  Inschriftlich  erwähnt 
finden  sich  flamines  des  höchsten  Gottes  zu  Rom 
(C.  I.  L.  1,  33),  zu  Lanuvium  (G.  L.  L.  14,  2089),  50 
zu  Lavinium  (C.  /.  L.  14,  4176)  und  zu  Tibur 
(C.  L.  L.  14,  3586).  Unter  den  Bewerbern,  die 
den  patrizischen  Geschlechtern  angehören  und 
in  einer  unter  den  feierlichen  Formen  der 
confarreatio  (Marguardt,  Rom.  Privataltert.  4" 
S.  32)  geschlossenen  Ehe  leben  müssen  (Serv. 
ad  Aen.  4,  103.  374),  werden  von  den  Pontifices 
drei  vorgeschlagen  (Tae.  arm.  4,  16),  und  unter 
ihnen  hat  der  Pontifex  maximus  die  engere 
Wahl  zu  treffen  (Liv.  27,  8,  5;  29,  38,  6.  Val.  60 
Max.  6,  9,  3.  Gell.  1,  12,  15).  Der  Neugewählte 
bezieht  die  Amtswohnung  des  Iuppiterpriesters, 
die  sogenannte  flaminia  (Fest.  p.  89.  Serv. 
ad  Aen.  2,  57).  Diese  lag  auf  dem  Palatin  (Cas- 
sius  Dio  54,  24),  vermutlich  nahe  beim  Tempel 
des  Iuppiter  Stator  (Gilbert,  Gesch.  u.  Top. 
Roms  1  S.  233  Anm.  2;  die  Hypothese  dieses 
Gelehrten  über  die  Entwickelung  und  das  Ver- 


luppiter  (Priester:  flamen  Dialis;      698 

hältnis  des  rex  sacrorum ,  flamen  Dialis  und 
pontifex  maximus,  sowie  über  den  Wechsel 
ihrer  Lokalitäten  [a.  a.  O.  S.  231  ff.]  leidet  an 
vielen  UnWahrscheinlichkeiten).  Wie  für  die 
Regia,  so  gilt  auch  für  sie  die  Bestimmung, 
dafs  das  Feuer  von  ihrem  Herde  nur  zu  hei- 
ligen Zwecken  hinausgetragen  werden  darf 
(Gell.  10,  15,  7.  Fest.  p.  106).  Es  ist  dem 
flamen  Dialis  ursprünglich  nicht  gestattet,  auch 
nur  eine  Nacht  von  seiner  Wohnung  fern  zu 
bleiben,  eine  Vorschrift,  die  unter  Augustus 
insoweit  gemildert  wird,  dafs  er  zweimal  im 
Jahre  zwei  Nächte,  doch  nur  mit  Erlaubnis 
des  Pontifex  maximus,  von  Rom  abwesend  sein 
darf  (Liv.  5,  52,  13.  Tac.  ann.  3,  71.  Gell.  10, 
15,  14).  Wie  die  höchsten  Beamten  des  Staates 
erhält  er  einen  Sitz  im  Senate,  die  sella  cu- 
rulisundtogapraetexta(iu:.l,20,3;27,8,8.  Plut. 
q.  R.  113),  sowie  einen  lictor  (Fest.  p.  93;  vgl. 
Ov.  fast.  2,  23);  er  erscheint  stets  im  vollen 
priesterlichen  Ornate  mit  den  Abzeichen  seines 
Amtes.  Über  der  tunica,  die  er  im  Freien  nie 
ablegen  darf,  damit  Iuppiter  seinen  Diener 
nicht  entblöfst  sehe  (Gell.  10,  15,  20),  trägt  er 
die  sogenannte  laena,  eine  toga  duplex,  die 
nach  einer  alten  pontifikalen  Bestimmung  von 
seiner  Frau  gewebt  sein  mufste  (Serv.  ad  Aen. 

4,  262).  Sein  Haupt  bedeckt  der  pileus  s. 
albogalerus  (Fest.  p.  10  fiebat  ex  hostia  alba 
Iovi  caesa.  Gell.  10,  15,  32.  Serv.  ad  Aen.  2, 
683.  Fronte  ep.  ad  M.  Cacs.  4,  4  p.  67  Naber), 
nach  oben  spitz  in  einen  Stab  auslaufend 
(apex;  virga  =  Ölzweig;  Hehn,  Kulturpflanzen3 

5.  99  will  darin  Entlehnung  griechischer  Sitte 
sehen);  die  Stelle,  wo  der  stabartige  Aufsatz 
aus  dem  Hute  herauswächst,  ist  mit  einem 
wollenen  Bande  (filum)  umgeben  (Fest.  p.  10. 
23),  ein  Schmuck,  der  so  charakteristisch  war, 
dafs  die  Alten  von  ihm  den  Namen  flamines 
(=  filamines)  herleiteten  (Varro  l.  I.  5,  84. 
Fest.  p.  87.  Serv.  ad  Aen.  8,  664;  10,  270. 
Dion.  Hai.  2,  64.  Plut.  Num.  7).  Vorbild  für 
den  pileus  war  eine  Kopfbedeckung,  wie  sie 
uns  auf  den  ältesten  Cornetaner  Wandgemälden 
begegnet  (vgl.  Heibig,  Über  den  Pileus  der 
alten  Italiker  Sitz.-Ber.  d.  bayr.  Ah.  1880 
S.  492  ff.  509  ff.  und  die  Abbildungen  Tf.  2 
nr.  14.  16.  26).  Die  Heiligkeit  dieses  flamen 
spricht  sich  noch  besonders  in  folgenden  Be- 
stimmungen aus.  Jede  profane  Thätigkeit 
mufs  in  seiner  Nähe  aufhören,  es  schreiten 
ihm  daher  auf  der  Strafse  die  praeciae  oder 
praeeimiatores  voraus,  um  jedermann  zum 
Niederlegen  der  Arbeit  zu  veranlassen  (Ma- 
crob.  1,  16,  9.  Fest.  p.  224.  249).  Er  darf  keinen 
Eid  schwören  (Liv.  31,  50,  7.  Gell.  10,  15,  5. 
Fest.  p.  104.  Plut.  q.  R.  44),  nichts  Unreines 
anrühren  (Gell.  10.  15,  9.  12.  19.  24.  Plin.  n.h. 
18,  119;  28,  146.'  Fest.  p.  87.  Serv.  ad  Aen. 
1,  179.  Macrob.  1,  16,  9.  Plut.  q.  R.  109— 111). 
Zu  dem  Verbote  gesäuertes  Brot  anzufassen 
vgl.  Heibig,  Die  Italiker  in  der  Poebene  S.  72), 
keinen  Knoten  an  seinem  Leibe  tragen  (Gell. 
10,  15,  6.  9.  12.  13.  Fest.  p.  82.  113.  Serv.  ad 
Aen.  4,  262.  Plut.  q.  R.  112).  Gelang  es  einem 
zur  Hinrichtung  Geführten  seine  Kniee  zu  um- 
schlingen, so  konnte  an  diesem  Tage  die  Strafe 
nicht  vollzogen  werden  (Gell.  10,  15,  10.    Serv. 


699      Iuppiter  (Priester:  flamen  Dialis1)  luppiter  (Priester:  Fetiales)          700 

ad  Aen.  3,  607);  ein  Gefesselter,  der  sein  Haus  flamini  dliam  ducere  licebat  vxorem  nisi  post 
betrat,  wurde  von  den  Fesseln  befreit  (Gell.  mortem  flaminicae  nxoris).  Ähnlichen  Vor- 
10,  15,  8.  Serv.  ad  Aen.  2,  571;  nur  ein  freier  schritten  hinsichtlich  der  Kleidung  und  des 
Mann  durfte  ihm  Haar  und  Bart  scheren  {Gell.  sonstigen  Verhaltens  ist  seine  Gattin,  die  fia- 
10,  15,  11),  und  zwar  mit  einem  kupfernen  minica,  unterworfen;  an  allen  Xundinen 
Messer  (Serv.  ad  Aen.  1,  44S.  Macrob.  5,  19, 13.  schlachtet  sie  dem  Iuppiter  einen  Widder  in 
Lyd.  de  mens.  1,  31),  ein  Brauch,  der  uns  in  der  Regia  (3Iacrob.  1,  16,  30);  sie  ist  in  erster 
eine  Zeit  zurückführt,  wo  man  in  Latium  das  Linie  Priesterin  der  Iuno  [Plut.  q.  S.  86;  Ge- 
Eisen noch  nicht  kannte  (vgl.  Htlbig  a.  a.  0.  naueres  s.  v.  Iuno);  die  Heiligkeit  und  Rein- 
S.  82);  die  Abfälle  der  Haare  und  Nägel  müssen  xo  heit  des  himmlischen  Götterpaares  spiegelt 
unter  einem  fruchttragenden  Baume  vergraben  sich  in  ihren  Dienern  wieder,  und  diese  selbst 
werden  (Gell.  10,  15,  15).  Die  Hauptthätigkeit  sind  das  Muster  einer  römischen  Ehe  der 
des  flamen  Dialis  besteht  in  dem  täglichen  alten  Zeit.  Die  altertümliche  Institution  des 
Opferdienste  (Serv.  ad  Aen.  8,  552  more  enim  flamen  und  der  flaminica  beweist  auch,  dafs 
retere  saernrum  neque  Martialis  neque  Quirl-  die  paarweise  Götterverehrung  in  Italien  eine 
nalis    flamen    omnibus   caerimonüs   tenebantur      ursprüngliche  war. 

quibus  flamen  Dialis  neque  diurnis  sacrifieiis  Fetiales.  Der  Stamm  des  Wortes  scheint 
distinebantur.  Gell.  10,  15,  16);  am  Fufse  seines  auf  fari,  fateri  hinzuweisen  vgl.  Marquardt, 
Bettes  mufs  sich  stets  ein  Gefäfs  mit  den  ge-  Eöm.  Staatsverir.  3'-  S.  417  Aum.  9.  Johansson, 
wohnlichen  Opfergaben  befinden  (Capsula  cum  20  Bezzenberg.  Beitr.  15  (1889)  S.  307.  Als  Be- 
strue  atque  ferto.  Gell.  10,  15,  14).  Wenn  er  zu  gründer  der  Priesterschaft  werden  die  ersten 
einem  Opfer  ausserhalb  des  Hauses  sich  be-  Könige  genannt:  Xuma  (Dion.  2,  72.  Plut. 
giebt,  so  trägt  er  in  den  Händen  das  comme-  Kum.  12.  Cam.  18),  Tullus  Hostilius  (Cic.  de 
taculum  (virga),  um  jede  Berührung  mit  re  publ.  2.,  17,  31  vgl.  Liv.  1,  24,  6),  Ancus 
anderen  zu  verhüten  (Fest.  p.  56.  64).  Wie  er  Marcius  (Liv.  1,32,  5.  Aurel.  Vict.de  vir.  illustr. 
an  allen  Iden  die  Ovis  idulis  (Ov.  f.  1.  588;  s.  5,  4.  elog.  C.  I.  L.  1  p.  564  =  6,  1302.  Sertor 
oben  Sp.  655.  32)  darbringt,  so  ist  er  jedenfalls  Sesius  über  de  praenom.  1  im  Tai.  Max.  p.  743 
an  allen  regelmäfsigen  und  aufsergewöhnlichen  Kempf;  vgl.  Dion.  2,  72.  Sero,  ad  Aen.  10.  14). 
Opfern  an  Iuppiter  beteiligt.  Als  Opfermesser  Ihre  Funktionen  übten  die  Fetialen  teils  als  Ge- 
dient ihm  die  secespita  (Fest.  p.  348.  Serv.  ad  30  samtkollegium  (20,  vgl.  Yarro  b.  Kon.  p.  529), 
Aen.  4,  262).  Zusammen  mit  dem  rex  sacrorum  teils  in  kleineren  Abteilungen  (Liv.  1,24,6; 
verteilt  er  im  Februar  als  Sühnemittel,  Gegen-  3,  25,  6;  9,  5,  4;  31,  18,  1:  42,  25,  1.  Yarro 
stände  von  Wolle  (februa\  wie  sie  zu  heiligen  a.  a.  0.):  zu  den  ursprünglichen  Aufgaben  ge- 
Vorrichtungen vielfach  verwendet  werden  (Ov.  hören  die  Geuugthuungsforderung,  die  Kriegs- 
/'.  2,  21  pontifices  a  rege  petunt  et  flamme  lanas  ankündigung,  der  Absehlufs  und  die  Auf- 
quis  veterum  lingua  februa  nomen  erat).  An  hebung  von  Bündnissen  und  Verträgen;  hier- 
den  Luperealien  (15.  Febr.)  opfert  er  am  aus  entwickelt  sich  allmählich  eine  in  allen 
Lupercal  (Ov.  f.  2,  282;  vgl.  Yarro  1.1.  5,  85\  Fragen  des  internationalen  Rechtes  ihr  Gut- 
und  bei  Beginn  der  Weinlese  fällt  ihm  die  achten  abgebende  Körperschaft,  bis  sehliefs- 
feierliche  Einweihung  zu  (Yarro  1.  1.  6,  16).  40  lieh  die  völkerrechtlichen  Abmachungen  den 
Auf  einem  verdeckten,  zweispännigen  Wagen  priesterlichen  Charakter  vollständig  verlieren, 
fahren  am  1.  Okt.  (fast.Arv.Henzen  CCXXXV1II.  Die  Würde  selbst  finden  wir  noch  bis  zum 
fast.  Amit.  C.  I.  L.  1  p.  325  =  9,  4192)  die  Anfange  des  3.  Jahrhunderts  n.  Chr.  inschrift- 
drei  grofsen  Flamines  zum  Tempel  der  Fides  lieh  erwähnt  (Marquardt  3a  S.  41S  Anm.  1, 
Publica  auf  dem  CapitoL  um  hier,  die  Rechte  dazu  C.  I.D.  2,  2705;  3,  248:  8,  7058.  7060: 
bis  auf  die  Fingerspitzen  in  ein  weifses  Tuch  10,  6663.  6764;  14.  2405.  4238.  3595.  2941  i?  ). 
gehüllt,  das  Opfer  darzubringen  (Liv.  1,  21,  4;  Aufser  den  silices  und  dem  seeptrum,  die  aus 
vgl.  Dionys.  2,  75.  Serv.  ad  Aen.  1,  292;  8,  636).  dem  Tempel  des  Iuppiter  Feretrius  genommen 
Da  die  Göttin  die  Personifikation  der  in  dem  wurden  (vgl.  Sp.  674,  11  ff.),  bedienten  sich  die 
Wesen  Iuppiters  liegenden  Begriffe  der  Zuver-  50  Fetialen  bei  ihren  amtliehen  Verrichtungen 
lässigkeit  und  Treue  darstellt,  so  spielt  er  bei  der  sagmina  oder  verbenae;  es  sind  dies 
dem  Akte  wohl  die  Hauptrolle.  Unterstützt  wird  Büschel  eines  heiligen  Krautes  (icga  ßorävrj 
er  in  den  priesterlichen  Handlungen  durch  s.  verbenaca  Plin.  11.  h.  25,  105),  die  samt  der 
seine  eigenen  Kinder  (Dionys.  3,  22)  oder,  wenn  Wurzel  und  der  daran  hängenden  Erde  auf 
diese  fehlen,  durch  camilli,  die  aus  einer  kon-  der  ais,  d.  h.  dem  Nordhügel  des  mons  Capito- 
farreierten  Ehe  stammen  und  beide  Eltern  linus,  ausgehoben  wurden  (Plin.  22,  5  sagmina 
noch  am  Leben  haben  (Fest.  p.  93.  Serv.  ad  in  remediis  publicis  fuere  et  in  sacris  legatio- 
Aen.  11,  543.  Macrob.  3,  8,  7.  Plut.  Kum.  7).  nibusque  verbenae;  certe  utroque  nomine  idem 
Fällt  ihm  beim  Opfern  der  Pileus  vom  Kopfe  significatur,  hoc  est  gramen  ex  arce  cum  sua 
oder  zeigt  er  sich  lässig  im  Dienst,  so  wird  60  terra  evulsum.  Fest.  p.  321.  Serv.  ad  Aen.  12, 
er  gezwungen,  sein  Amt  niederzulegen  (Liv.  120);  sie  wurden  von  dem  amtierenden  Konsul 
26,  23,  8.  Yal.  Max.  1,  1,  4.  Plut.  Marc.  5),  oder' Prätor  gefordert  (Liv.  1,  24,  4;  30,  43.  9) 
ebenso  kann  er  nach  dem  Tode  der  Gattin  und  durch  ein  Mitglied,  das  von  ihnen  den 
nicht  länger  fungieren  (Gell.  10,  15,  22.  Pris-  Namen  verbeuarius  führte,  dem  Kollegium 
cian  1  p.  149  Hertz.  Plut.  q.  R.  50),  denn  er  vorangetragen  als  eine  Bürgschaft  des  Frie- 
darf  sich  nicht  wieder  vermählen  (Tertull.  de  dens  und  ein  Zeichen  der  Unverletzlichkeit 
exhortat.  castit.  13.  Hieron.  ep.  123,  8.  adv.  der  Gesandtschaft  (Plin.  22,  5.  Yarro  b.  Kon. 
Iovin.  1,  49;   dagegen  Serv.  ad  Aen.  1,  29  nee  p.  528.  Marcian.  Dig.  1,  8,  8).    Der  verbenarius 


701          Iuppiter  (Priester:  Fetiales)  Iuppiter  (Priester:  Fetiales,  Augures)    702 

bestimmte   wieder   durch    Berührung  mit   den  Amm.   Marc.    19,   2,   6.     Cassius   Dio   71,   33. 

sagmina    ein    Mitglied    der    Deputation    zum  Tzttzes  Chil.  5,  15.    Dafs  am  33.  Tage  nicht  die 

pater  patratus  (Liv.  1,24,6  fetialis  erat  M.Va-  testatio  [Liv.  1,  32,  9],  sondern  bereits  die  in- 

lerius;    is  patrem  patratum  Sp.  Fusium   fecit,  dictio  belli  stattfand,  hat  Fusinato  wahrschein- 

verbena  Caput  capillosque  tangens),  eine  Würde,  lieh  gemacht:  dei  Fesiali  e  clel  diritto  feziale, 

durch    die    dem   Inhaber    in   jedem    einzelnen  contributo  alla  storia  del  diritto  publico  esterno 

Falle    die    Leitung    der    heiligen   Handlungen  in  Borna.     Rom.  1884.     S.  54  ff.)     Die  Ausfüh- 

übertragen  wurde  (Cic.  de  or.  1,  40,  181;  2,  32,  rang   dieser  Ceremonieen   wurde   um  so  mehr 

137.  pro  Caec.  34,  98.  Liv.  a.  a.  0.  Dion.  2,  72).  erschwert,  je  weiter  Rom  seine  Grenzen  hin- 
Die  Eigentümlichkeit,  dafs  die  Grasbüschel  ge-  10  ausschob;  doch  fand  man  ein  Auskunftsmittel: 

rade  von  der  nördlichen  Erhebung  des  capito-  im  tarentinischen  Kriege  liefs  man  durch  einen 

linischen  Hügels  entnommen  wurden,  während  gefangenen  Soldaten  aufserhalb  des  Pomeriums 

man   doch   die   anderen   Symbole,    silices   und  am   Tempel   der  Bellona  im  Circos  Flaminius 

seeptrum,  im  Tempel  des  Iuppiter  Feretrius  auf  ein  Stück  Land   kaufen  und  erklärte  dasselbe 

der  Südkuppe  aufbewahrte,  vermögen  wir  nicht  für   feindliches   Gebiet;    als   Grenzstein   wurde 

zu     erklären.      Von     einem     Heiligtume     des  die   columna   bellica   errichtet,   über   sie   warf 

Himmelsgottes    auf   der    arx    wird   nichts   be-  der  pater  patratus  die  LaDze  und  eröffnete  mit 

richtet,    die   einzige   Schöpfung   daselbst,    die  dieser  symbolischen  Handlung  den  Erieg  (Po- 

man  zu  ihm  in  Beziehung  setzen  könnte,  ist  lyb.  13,  3.  Ov.  fast.  6,  205.  Fest.  p.  33.  Serv. 
der  alte  Sitz  der  Augurn,   das  Auguraculum.  20  ad  Aen. 9, 52.  Placid.B.Y.  bellica  Columna.  Cass. 

In   den  Ceremonieen   und  Formeln   der  ur-  Diu  50,  4;  71,  33),   während  die  thatsächliche 

sprünglichen  Funktionen  tritt  der  Zusammen-  Kriegserklärung   durch    den   Oberbefehlshaber 

hang    der    Priesterschaft    mit    Iuppiter,     dem  erfolgte   (Liv.  31,  8,  3;  36,  3,  7).     3j  Die  Mit- 

Schützer  der  Wahrheit  und  Treue,  dem  Rächer  Wirkung  der  Fetialen  bei  Abschlufs  von 

des  verletzten  Eidschwures,  am  stärksten  hervor.  Bündnissen  und  Verträgen.    Nachdem  sie 

1)    Genugthuungsforderung      (clarigatio,  auf  dem  vorschriftsmäfsigen  Wege  die  sagmina, 

Liv.  8,  14,  5.    Plin.  n.  h.  22,  5.    Quint.  7,  3,  13.  silices   und   seeptrum   erhalten  hatten  (Liv.  1, 

Arnob.  2,  67;  vgl.  Serv.  ad  Aen.  9,  52;  10,  14).  24,  5;  30,  43,  9.    Fest.  p.  92.  321),   traten   sie 

Ausgerüstet  mit  den  heiligen  Symbolen  zog  ihre  Reise  an.  Die  Handlung  begann  mit  dem 
die   auserwählte   Deputation  nach   dem   feind-  30  Vorlesen  des  Vertragswortlautes,  sodann  nahm 

liehen    Lande;    beim    Passieren    der    Grenze,  der  pater   patratus   den  Iuppiter  zum  Zeugen 

beim  ersten  Zusammentreffen  mit  einem  Bürger  der    redlichen    Gesinnung    seines    Volkes    und 

des   feindlichen   Landes,   beim   Durchschreiten  schlofs   mit  einer  Verwünschung  für  den  Fall 

des  Stadtthores  und  bei  der  Ankunft  auf  dem  eines    treulosen   Vertragsbruches:    audi,    Iup- 

Forum  nahm  der  pater  patratus  das  Wort  und  piter,  audi,  pater  patrate,  audi  tu,  popuhis  Al- 

flehte  verhüllten  Hauptes  (mit  den  entsprechen-  banus.     Ut  illa  palam  prima  postrema  ex  Ulis 

den  geringfügigen  Abweichungen):  audi,  lup-  tabulis  cerave  recitata  sunt  sine  dolo  malo,  uti- 

piter ,   audite  fines  —  euiuseunque  gentis  sunt,  que  ea  hie  hodie  rectissime  intellecta  sunt,  Ulis 

nominat  —  audiat  fas;  ego  sum  puhlieus  nun-  legibus  populus  Romanus  prior  non  deficiet;  si 
tius  populi  Romani;  iuste  pieque  legatus  venio  40  prior  dejexit  publica  consilio  dolo  malo,  tum 

verbisque    meis    fides    sit.      Nach    Aufzählung  ille  dies,  Iuppiter,  populum  Romanum  sie  ferito, 

seiner  Forderungen  ruft   er   den  Iuppiter  zum  ut  ego  hunc  poreum  hie  hodie  feriam;  tantoque 

Zeugen    an:    si   ego   iniuste  impieque  Mos  ho-  magis  ferito,  quanto  magis  potes  pollesque  (Liv. 

mines  illasque  res  dedier  mihi  exposco,  tum  pa-  1,  24,  7;  vgl.  Polyb.  3,  25,  wo  in  der  Schwur- 

triae  compotem  me  nunquam  siris  esse  (Liv.  1,  formel  auch  Mars  und  Quirinus  genannt  sind). 

32,  6  sq.).     Wurde    innerhalb    von    30    Tagen  (Die  Bezeichnung  Carmina  für  alle  diese  For- 

(Dion.  2,  72)   eine   befriedigende  Antwort  von  mein    veranlafste   Ribbeck,  Jahns  Jahrbch.  77 

der  feindlichen  Seite  nicht  gegeben,  so  erfolgte  (1858)    S.  206    zur   Annahme    von    Saturniern, 

zum  zweitenmale  durch  den  pater  patratus  ein  s.  dagegen  Peter,  Comment.  in.  hon.  Reifferscheid. 
feierlicher  Protest,  in  dem  Iuppiter  wiederum  50  S.  67  ff.)     Bei   den  letzten  Worten   schlug   er 

an  erster  Stelle  genannt  wird:  audi,  Iuppiter  mit  dem  lapis  das  Opferschwein  (Suet.  Claud. 

et  tu  Iane  Quirine   diique  omnes  caelestes  vos-  25  vgl.  Sp.  676).    Die  beteiligten  Fetialen  unter- 

que    terrestres    vosque    inferni    audite;    ego  vos  zeichnen  die  Vertragsurkunde  (Liv.  9,  5,  4)  und 

testor ,  populum  illum  —  quieunque  est,  nomi-  sind    verpflichtet,    über   die  Beobachtung   der 

nat  —  iniustum  esse  neque  ins  persolvere.    Sed  einzelnen    Bestimmungen    zu    wachen    (Dion. 

de   istis  rebus   in  patria  maiores  natu  consule-  2,  72)  und  über  ihre  Verletzung  zu  entscheiden 

mus,  quo  pacto  ius  nostrum  adipiscamur  (Liv.  (Marquardt  32   S.  424   A.  1—6);   sie   sind  also 

1,32,  9;  vgl. Dion.  15,9).  2)  Kriegserklärung.  in    jeder    Beziehung    die    Vertreter    Iuppiters 

Nachdem  auf  den  Bericht  der  Fetialen  zu  Rom  (vgl.  Mommsen,  Rom.  Staatsr.  I3  S.  238  ff.  Jfar- 
der   Krieg    beschlossen    war    (Liv.  1,  32,  11),  co  quardt  3'2  S.  415 — 427. 

erschien  nach  Ablauf  von  3  Tagen  der  pater  Augurn.  Wenn  die  Augurn  auch  nicht  in 
patratus  abermals  an  der  feindlichen  Grenze,  dem  eminenten  Sinne  wie  die  eben  besproche- 
kündigte  in  Gegenwart  von  mindestens  drei  nen  Priester  als  spezielle  Diener  Iuppiters  be- 
zeugen dem  Sühne  verweigernden  Staate  trachtet  werden  können,  so  hat  doch  ihre 
förmlich  den  Krieg  an  und  eröffnete  ihn,  in-  ganze  Wissenschaft  von  dem  Himmelsgotte 
dem  er  eine  hasta  ferrata  aut  sanguinea  prae-  ihren  Ausgang  genommen,  und  das  Bewufst- 
usta  ins  feindliche  Gebiet  warf.  (Liv.  1,  32,  sein  dieses  ursprünglichen  Zusammenhanges 
12 — 14.    Gell.  16,  4,  1.    Serv.  ad  Aen.  10,  14.  ist  immer  lebendig  geblieben.     Bei  wichtigen 


703          Iuppiter  (Feste:  Poplifugia)  Iuppiter  (Feste:   Vinalia)            704 

Unternehmungen,  bei  der  Wahl  von  Beamten      wird    bestätigt   durch   eine   Notiz  bei   Cassius 

und   der  Inauguration   von  Priestern  und  Ort-  Dio  47,  18,  wonach  der  Senat  für  den  5.  Juli 

Henkelten,    in    denen    Staatshandlungen    vor-  die    Geburtstagsfeier    des    Caesar    angeordnet 

genommen  werden,  kurz  in  allen  Fragen,  bei  und    alle    Zuwiderhandelnden    als    inaQäTovg 

denen  dem  Staate  die  Einholung  der  göttlichen  reo   du    erklärt    hatte.      Dafür    scheint    ferner 

Genehmiguug  geboten  erscheint,  stehen  sie  als  auch  zu  sprechen  die  aus  der  Ähnlichkeit  der 

Sachverständige  dem  vollziehenden  Magistrate  Ceremonieen  (Lustrationsriten)  sich  ergebende 

oder  Pontifex   zuredend   oder   abmahnend   zur  Beziehung    auf   das    zwei   Tage    später    statt- 

Seite.     Ihre  Hauptaufgabe  besteht  dabei  nach  findende  Fest   der  nonae  Caprotinae  zu  Ehren 

der    Einrichtung    des    templum    (vgl.   darüber  10  der  Iuno  (s.  d.),  in  der  die  Zusammengehörigkeit 

P.  Eegell,  Die  Schautempla  der  Augurn  in  N.  der  beiden    italischen  Lichtgottheiten  wieder 

Jahrb.  f.  Phil.  u.  Pädag.  123  [1881]  S.  593 ff.),  hervortritt. 

in    der    Beobachtung    der    Blitz-    und    Vögel-  Die  Reihe  der  mit  der  Ernte  und  Zuberei- 

zeichen,  und  hieraus  ergeben  sich  unzweideutig  tung    des    Weines    in    Verbindung    stehenden 

die   Beziehungen   zu   Iuppiter;   vgl.  Enn.  ann.  Feierlichkeiten   eröffneten   am   19.  August   die 

frg.  310 Baehrens:  contremuit  magnum  templum  Vinalia  rustica,  die  von  Festus  ausdrücklich 

Iovis  altitonantis.   Terent.  JEun.  590  gui  templa  als   Festtag    des    Iuppiter    bezeichnet   werden 

caeli  summa  sonitu  coneutit.   Cic.  de  div.  2,  34,  (p.  265  Mustiea  vinalia  appellantur  mense  Au- 

72  aves  internuntiae  lovis.    ibid.  2,  3G,  78.    In  gusto  XIV  Kai.  Sept.  Iovis   dies  festus);   man 

den  commentarii  augurum  findet  sich  die  Vor-  20  flehte   in  dieser  kritischen  Zeit,   die  über  den 

schritt  love  tonante  fulgurante  comitia  populi  Ausfall  der  Ernte  entschied,  um  das  Gedeihen 

habere  nefas  (vgl.  Cic.de  div.  2,  18,  42);  m  der  der  reifenden  Trauben  (Plin.  n.  h.  18,  284  tria 

Gebetsformel  bei  der  Inauguration  des  Nurna,  namque  tempora  fructibus  metuebant ,  propter 

die   Livius  (1,  18,  9;   vgl.  Plut.  Num.  7)   aus  quod  instituerunt  ferias  diesque  festos  Robigalia, 

den  Gebräuchen  seiner  eigenen  Zeit  entnommen  Floralia,  Vinalia).    Wenn  der  Epitomator  des 

hat,    wird   Iuppiter    um   die   Gewährung  gün-  Festus  p.  264  berichtet:  Rustica  Vinalia  XIV 

stiger  Zeichen  angefleht  (Iuppiter  pater  si  est  Kai.  Septembris  celebrabant,   quo  die  primum 

fas  hunc  Numam  Pompilium ,  cuius  ego  caput  vina   in   urbem  deferebant,  so   beruht  die  An- 

teneo,  regem  Romae  esse  uti  tu  Signa  nobis  certa  gäbe  wahrscheinlich  auf  einer  Verwechselung 

adclarassis  inter  eos  fines  quos  feci),  und  Cicero  30  mit   den  Vinalia  priora  (s.  unten) ,   vgl.  Mar- 

de  leg.  2,  8,  20  bezeichnet  die  Augurn  geradezu  quardt,    Rom.   Staatsverwaltg.   3    S.  333    A.  7. 

als  die  Dolmetscher  des  höchsten  Gottes  (inier-  Der  Beginn  der  Weinlese   selbst,  von  Witte- 

pretes  Iovis  optumi  maxumi,  publici   augures,  rungsverhältnissen  abhängend,  konnte  natürlich 

signis  et  auspieiis  postea  vidento).     Aus  dieser  nicht   genau   fixiert  werden,   man  legte  daher 

Stelle  ist  übrigens  nicht  der  Schlufs  zu  ziehen,  die  einleitenden  religiösen  Ceremonieen  auf  den 

dafs  die  Stiftung  des  Kollegiums  mit  der  Er-  Tag  der  Vinalien.     Die  Vornahme  der  Weihe 

bauung  des  capitolinischen  Tempels  zusammen-  lag  in  den  Händen  des  flamen  Dialis.    Einige 

fällt,   dagegen   spricht  nicht   sowohl  der  Um-  Trauben  abschneidend,  forderte  er  zum  Beginne 

stand,    dafs    die  Berichte   der   Alten  überein-  der  Weinlese   auf;   es   folgte   das   Opfer   eines 

stimmend   die   Institution  in   deu   Anfang   der  40  Lammes    an    Iuppiter,     während    dessen    Zu- 

Königszeit   verlegen    (Cic.  de  republ.  2,  9,  16.  bereitung     die     auspicierende    Handlung    des 

de  div.  1,2,3;   17,  30,  40,  89;  48,  107.   Liv.  1.  Einsammelus  der  Trauben  von  ihm  wiederholt 

18,  6;  4,  4,  2;  6,  41,  4),  sondern  vor  allem  ihre  wurde   (Varro   l.  I.  6,  16    Vinalia   a  vino,   hie 

Verbreitung  über  ganz  Mittelitalien  (Varro  1. 1.  dies  Iovis,   non  Veneris;    huius  rei  cura  non 

5,  33.    Cic.  de  div.  2,  83,  70;  1,  41,  92.   Bücheier,  levis  in  Lotio,  nam  aliquot  locis  vindemiae  pri- 

Umbrica  p.  42  sq.).     Über   andere   Fragen  be-  mum  ab  sacerdotibus  publice  fiebant,  ut  Romae 

züglich     des     Kollegiums     der     Augurn     vgl.  etiam    nunc;    nam    flamen   Dialis    auspicatur 

Mommsen,  Rom.  Staatsr.  1"  S.  73 — 114.   Mar-  vindemiam  et  ut  iussit  vinum  legere,  agna  Iovi 

quardt,  Rom.  Staatsverwaltg.  3"  S.  397 — 409.  facit  inter  quoius  exta  cacsa  et  porreeta  flamen 

üo  prorsus  vinum  legit).     War  diu  Ernte  beendet 

Feste,  und  der  Most  fertig  gestellt,  so  wurde  an  den 

Zu  den  Iuppiterfesten,  die,  wie  die  Schrei-  Meditrinalien  am  11.  Oktober  der  neue,  noch 

bung  mit  grofsen  Buchstaben  im  Kalender  be-  ungeklärte  Wein  gekostet  und  zum  Vergleiche 

weist,   über   den  Anfang  der  republikanischen  der  alte   Wein  vom   vergangenen  Jahre   dazu 

Zeit   hinausreichen,  gehören  die  Poplifugia  getrunken,  wobei  man  die  Worte  sprach:  no- 

und  Vinalia.     Die  ersten  wurden  am  5.  Juli  Wim  vetus  vinum  bibo,   novo  veter i  vino  morbo 

gefeiert.    Nach  den  Berichten  der  Alten  sollen  medeor    (Varro   l.   I.   6,   21;    bei    Fest.   p.   123 

sie    eingesetzt    sein    infolge    einer   Niederlage  lautet    die  Formel:    vetus  novum  vinum  bibo, 

der   Römer    durch    die   Fidenäten   (Varro  l.  I.  veteri  novo   morbo   medeor),    voraus   ging   eine 

6,18;   vgl.  Macrob.  1 ,  11 ,  37.    Plut.  Cam.  33),  go  Libation,    wahrscheinlich    für    Iuppiter,    denn 

Tuscer  (Macrob.  3,  2,  14),    Gallier   (Ovid.  de  die   Fasten   von   Amiternnm  (C.  I.  L.  1  p.  325 

arte  amat.  2,  257)  oder  nach  dem  Verschwinden  =  9,  4192)  verzeichnen  zum  11.  Oktober  feriae 

des  Romulus  (Dion.  2,  56.   Plut.  Rom.  29).    In-  lovi.    Die   Göttin  Meditrina  (Fest.  p.  123)   ist 

des  sind  dies  nur  Versuche  zur  Erklärung  des  also  erst  eine  Erfindung  der  Grammatiker,  her- 

Namens;  der  wahre  Ursprung  ist  uns  nicht  be-  vorgegangen   aus   dem  Bedürfnis,   den  Namen 

kannt.     Dafs    der  Tag   dem  Iuppiter  geheiligt  Meditrinalia   zu   erklären;   vgl.   Wissoma,  ind. 

war,    ergiebt    der  ZuBatz    feriae  Iovi   in   den  lect.  Marpurg.  1891  p.  15  a.  16.    Die  Vinalien 

fast.  Amit.  (C.  I.  L.  1   p.  324  =  9,  4192)  und  am  23.  April  des  nächsten  Frühjahres  bildeten 


705            Iuppiter  (Feste:  Vinalia)  Iuppiter  (Capitolinus :  Kultlokal)     706 

den  Abschluß  der  Feier;  erst  an  diesem  Tage  beiden  Hügeln  der  eapitolinisehe  Tempel  ge- 
durfte der  ausgegorene  Wein  in  die  Stadt  ge-  standen  habe,  war  bis  in  die  neueste  Zeit  sehr 
fahren  werden  (Varro  1.  I.  6,  16  in  Tu&culanis  umstritten.  Nachdem  die  Topographen  etwa 
sortis  [hortis  Mommsen  C.  I.  L.  1  p.  392.  sacris  bis  zur  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  das  Heilig- 
Jordan  Herrn.  8  (1873)  S.  220]  est  scriptum:  tum  auf  der  Südhälfte  des  Berges  gesucht 
vinum  novum  ne  vehatur  in  urbem  antequam  hatten,  überwog  seit  dem  Erscheinen  von 
vinalia  kalentur);  die  Fässer  wurden  jetzt  NurdinVs  Borna  antica,  Rom.  1660  (S.  296  ff.), 
zum  erstenmale  geöffnet.  Bevor  man  den  die  Ansicht  von  der  nördlichen  Lage  (vgl. 
neuen  Wein  kostete,  wurde  dem  Himmelsgotte  Venuti ,  accurata  e  succinta  descrizione  topo- 
eine  Dankesspende  für  das  Gedeihen  der  10  grafica  delle  antichitä  di  Borna,  Rom.  1763, 
edelsten  Frucht  dargebracht  (Fest.  p.  65  Calpar  2  S.  290  ff.  Zoega,  Abhandln.  S.  331.  Nibby, 
vinum  novum,  quod  ex  dolio  demitur  sacrificii  del  foro  Bomano  etc.,  Rom.  1819,  S.  47  ff. 
causa,  antequam  gustetur.  Tori  enim  prius  sua  Piale,  parte  seltentrionali  p.  3.  Canina,  Indi- 
vina libabant,  quae  appellabant  festa  Vinalia;  cazione  topografica  di  Borna  antica,  Rom.  1831, 
vgl.  p.  374.  Ovid.  fast.  4,  898.  Plin.  n.  h.  18,  S.  146  ff.  Braun,  Ruinen  und  Museen  S.  25. 
287).  Iuppiter  ist  also  bei  allen  drei  Festen  Nissen,  Das  Templum  S.  142  ff.  211  ff.),  wurde 
Mittelpunkt  der  Verehrung,  und  ihm  allein  aber  mit  steigendem  Erfolge  bekämpft  von 
galt  ursprünglich  die  Feier.  Später  wurde  der  l'iranesi,  antichitä  Bomane,  Rom.  1784.  Hirt, 
Kult  der  Venus  mit  den  Vinalien  in  Verbin-  Der  eapitolinisehe  Iuppitertempel,  Abhdlg.  der 
düng  gebracht,  und  zwar  nahm  diese  An-  20  Berl.  Ale.  1813  S.  18  —  39.  Bunsen,  Beschreibung 
schauung  ihren  Ausgang  von  den  Vinalia  ru-  der  Stadt  Born  3,  1  S.  14  ff.  Becker,  Handbuch 
stica.  Auf  den  19.  August  fielen  nämlich  die  der  römischen  Altertümer  1  S.  385  ff.  Abelcen, 
Stiftungstage  zweier  Heiligtümer  der  Venus  Mittelitalien  S.  221  ff.  Preller ,  Philol.  1  S.  72 
(Fest.  p.  265  eodem  .  .  die  Vencri  templa  simt  =  Ausgew.  Aufsätze  S.  471.  Die  Verschieden- 
consecruta,  alterum  ad  cirewn  maximum  alterum  heit  der  lokalen  Fixierung  hat  ihren  Grund 
in  luco  Libitinensi;  vgl.  p.  289.  Varro  1.  1.  darin,  dafs  alle  früheren  topographischen 
6,  20.  Plut.  q.  B.  45).  Ob  hieraus  die  Be-  Untersuchungen  fast  ausschliefslich  auf  die 
ziehung  der  Göttin  zu  dem  Feste  entsprang,  litterarischen  Nachrichten  aus  dem  Altertume 
oder  ob  der  Dedikationstermin  in  dieser  Be-  angewiesen  waren,  und  in  diesen  wurde  der 
ziehung  bereits  seine  Veranlassung  hatte,  das  30  Name  des  Gesamtberges  und  die  Sonder- 
entzieht sich  unserer  Kenntnis;  sicherlich  aber  bezeichnung  der  beiden  einzelnen  Erhebungen 
wurde  der  dies  natalis  des  vor  der  porta  Col-  so  wenig  scharf  geschieden,  dafs  noch  im  ver- 
lina  erbauten  Tempels  der  Venus  Erucina  flossenen  Jahrzehnte  darüber  gestritten  werden 
nach  Analogie  der  obengenannten  Kultstätten  konnte,  ob  der  Begriff  Capitolium,  ursprünglich 
auf  den  23.  April,  den  Tag  der  Vinalia  priora,  nur  den  Tempelbezirk  bedeutend,  im  Laufe  der 
gelegt  {fast.  Arv.  Henzen  CCXXKV.  fast.  Caeret.  Zeitsich  zur  Benennung  des  Gesamthügels  erwei- 
Eph.  ep.  3  p.  7.  fast.  Praen.  C.  I.  L.  1  p.  317.  tert  habe  (Jordan,  Top.  1,  2  S  7  A.  1.  S.  34ff. 
Ovid.  fast.  4,  877),  doch  war  noch  in  der  Zeit  Kuhfeldt  p.  10  f.)  oder  umgekehrt  (Bichter,  Herrn. 
des  Varro  die  Bedeutung  dieses  Tages  als  18  [1883]  S.  17  ff.  114.  Gilbert,  Gesch.  u.  Top. 
eines  ausschließlichen  Iuppiterfestes  lebendig  10  Borns  2  S.  423  ff.  448;  vgl.  Bichter  in  Iw.  Müllers 
(l.  1.6,  16  Vinalia  a  vino,  hie  dies  Iovis  non  Handb.  d.Jdass.  Altert.  3S.  814).  Durch  die  Aus- 
Veneris).  Zurückzuweisen  ist  demnach  die  grabungen  der  letzten  Decennien  (Bosa,  arm.  d. 
Auffassung  Prellers  (B.  M.  1  S.  197.  441),  dafs  inst.  1865  S.  382  ff.  Lanciani,  bullet,  munic.  1875 
die  Vinalien  von  Anfang  an  beiden  Gottheiten  S.  165 ff.  1876  S.31  ff.  Dressel,  bullet,  d.  inst.  1882 
gemeinsam  galten,  und  die  Ansicht  Gilberts  S.  226.  Notiz,  d.  seav.  1882  S.  433.  1883  S.  371) 
(Gesch.  u.  Top.  Borns  1  S.  152  A  3),  „dafs  sie  sind  alle  Zweifel  über  die  Lage  des  Heilig- 
von  Hause  aus  mit  dem  Kulte  der  Venus  (Murcia)  tums  gelöst,  und  die  Frage  ist  endgültig  zu 
verbunden  waren,  wenn  sie  vielleicht  auch  Gunsten  der  Südhöhe  entschieden  worden, 
später  erst  ihre  spezielle  Beziehung  zum  Wein  Die  antike  Tradition  führt  die  Erbauung  des 
erhalten  haben".  Venus  gehörte  überhaupt  50  Tempels  fast  einstimmig  auf  die  Dynastie  der 
nicht  der  ältesten  Sakralverfassung  Roms  an  Tarquinier  zurück  (der  abweichende  Bericht 
(vgl.  Marquardt ,  Eöm.  Staatsvericaltg.  3'2  bei  Euscbius  p.  82  Schöne  Novjiüg  .  .  z6  KaitE- 
S.  374  ff.).  Dafs  die  Larentalia  am  23.  Dez.  zäXiov  ä-/.  &EfiilCav  ay.oööurioev ,  vgl.  Hieron. 
trotz  des  Zusatzes  feriae  Iovi  (fast.  Praen.  p.  83  =  Cassiodor  p.  593  Mommsen  charakte- 
C.  1.  L.  1  p._  319.  Macrob.  1,  10,  11)  kein  risiert  sich  demnach  als  spätere  Erfindung); 
Iuppiterfest  gewesen  sind,  ist  bereits  Sp.  659  Tarquinius  Priscus  soll  ihn  in  einem  Kriege 
ausgesprochen  worden;  vgl.  Th.  Zielinshi,  mit  den  Sabinern  gelobt  und  bereits  den  ge- 
quaest.  com.  p.  119  adn.  1.  eigneten  Platz  für  die  Anlage  geschaffen  haben 

(Cic.  de  republ.  2,  20,  36.  Liv.  1,  38,  7;  55,  1. 
Der  eapitolinisehe  Kult.  eo  Plin.  n.  h.  12,  157.  Tac.  hist.  3,  72.  Auson. 
Von  Südwesten  nach  Nordosten  sich  hin-  ord.  nob.  urb.  121  Schenk!.  Dion.  3,  69;  4,  69. 
ziehend,  wird  der  Capitolinus  mons  durch  eine  Plut.  Popl.  14).  Unter  dem  jüngeren  Tar- 
beträchtliche Einsenkung  (inter  duos  montes)  quinius  wurde  der  Bau  begonnen  und  voll- 
in  zwei  Gipfel  geschieden,  einen  südwestlichen,  endet  (Cic.  de  republ.  2,  24,  44;  in  Verrem  6,  19, 
auf  dem  jetzt  die  Gebäude  der  deutschen  Bot-  48.  Liv.  1,  55.  56.  Plin.  n.  h.  3,  70.  Tac.  1.  c). 
schaft  liegen,  und  einen  nordöstlichen,  mit  der  Die  feierliche  Dedikation  fiel  in  das  Jahr  245 
Kirche  und  dem  Kloster  von  S.  Maria  in  Ära-  u.  c.  und  wurde  vom  Konsul  M.  Horatius  voll- 
celi.      Die    Frage,    auf    welchem    von    diesen  zogen    (Polyb.   3,  22    xarä    Asvkwv   'lovviov 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  II.  23 


707     Iuppiter  (Capitolinus :  Kultlokal)  luppiter  (Capitolinus:  Kultlokal)     708 

Bqovzov  Kai  MäqKov  'Oquxiov  xoig  TtQcotovg  Gotteshause  behauptet  (ältester  Gewährsmann 
Kazaoza&ivzug  vTtdzovg  pizä  zrjv  zäv  ßaai-  ist  Cato  b.  Fest.  p.  162  fana  in  eo  loco  com- 
Iecov  Kazälvoiv,  vcp'  äv  avvißrj  Kadi£Qm&?ivat  pluria  fuere;  ea  exauguravit,  praeterquam  quod 
Kai  zo  zov  Ji.bg  isqov  zov  Kaizszcoliov.  Liv.  Termino  fanum  fuit;  id  nequitum  exaugurari. 
2,  8,  5—8;  7,  3,  8.  Val.  Max.  5,  10,  1.  Phit.  Liv.  1,  55,2—5.  Ovid.  fast.  2,  665  sq.  Serv.  ad 
Popl.  14.  —  Tac.  bist.  3,  72  und  Dion.  5,  33  Aen.  9,  446  =  Lactant.  inst.  1,  20,  38).  Später 
nennen  irrtümlich  das  zweite  Konsulat  des  wird  diese  Erzählung  auch  auf  die  luventas 
Horatius  a.  247).  Eine  Aufschrift  verkündete  übertragen  (Liv.  5,  54,  7.  ep.  1.  Plin.  n.  h. 
den  kommenden  C4eschleehtern  den  Namen  35,  108.  Dion.  3,  69.  Flor.  1,  1,  7.  9;  Aug. 
des  ersten  Dedikanten  (Dion.  5,  35  zr)v  ä'  äv-  10  c.  d.  4,  23  fügt  sogar  den  Mars  hinzu;  vgl. 
i'cQwaiv  avzov  Kai  zi)v  imyQctcpTjv  i'Xaße  Mccq-  Cassius  Dio  41,  14).  Die  Sage  enthält  den 
mos  'Oqätiog).  Wir  haben  keinen  Grund,  mit  Versuch,  das  Vorhandensein  der  Kultstätten 
Jordan,  Top.  1,  2  S.  10  A.  4  an  der  Richtig-  jener  beiden  Götter  im  capitolinischen  Tempel 
keit  dieser  Angabe  zu  zweifeln,  da  sie  die  (s.  oben)  zu  erklären.  Beim  Ausschachten  des 
beste  Erklärung  dafür  giebt,  dafs  die  Legende  Grundes  fand  man  in  der  Tiefe  ein  caput  hu- 
es  nicht  wagte,  die  Ehre  der  Einweihung  einem  manum  integra  facie,  das  nach  der  Versiche- 
ihrer  gefeierten  Helden,  dem  Brutus  oder  rung  der  aus  Etrurien  herbeigerufenen  Seher 
Poplicola,  zuzusprechen,  und  da  auch  der  ein  Wahrzeichen  war  für  die  künftige  Weltherr- 
Name  des  Q.  Lutatius  Catulus  auf  dem  Giebel  schaff  des  römischen  Staates  (Liv.  1,  51,  5.  6; 
des  restaurierten  Tempels  prangte  (Plut.  Popl.  20  5,  54,  7.  Varro  l.  I.  5,  41.  Plin.  n.  h.  28,  15. 
15.     Cassius   Dio   37,  44;    vgl.   Cic.  in  Verrem  Serv.  ad  Aen.  8,  345.   Arnob.  6,  7.    Isidor.  15,  2 

4,  31,  69.  mon.  Anc.  4,  9.  Cassius  Dio  41,  13).  Mommsen.  Dion.  4,  59  —  61.  Cassius  Dio  frg. 
Die  Dedikation  des  capitolinischen  Tempels  11,8;  25,  9  Bekker).  Es  ist  selbstverständlich, 
ist  das  erste  chronologisch  bestimmbare  Fak-  dal's  die  Fabel,  welche  das  Capitol  als  das 
tum  der  römischen  Geschichte,  der  feste  Punkt  caput  rerum  deutete,  erst  zu  einer  Zeit  ent- 
für  die  Datierung  früherer  und  späterer  Er-  standen  ist,  als  Rom  den  Gedanken  an  eine 
eignisse  (Plin.  n.  h.  33,  19  vovit  aedem  Con-  dominierende  Stellung  ernsthaft  ins  Auge 
cordiae  —  inciditque  in  tabella  aerea  factum  fassen  konnte,  also  nicht  vor  der  zweiten 
eam  aedem  CGI  11  [Mommsen,  JRöm.  Chrono!.-  Hälfte  des  dritten  vorchristlichen  Jahrhunderts. 

5.  198,  CCIII  vulg.]  annis  post  Capitolinam  30  Fr.  Marx,  Lektionslcatal.  v.  Rostock  1888/89 
dedicatam).  Von  hier  begann  die  Aufzeichnung  S.  7  ff.  sieht  in  dem  Caput  das  Symbol  einer  Quelle, 
der  Konsulnamen,  eine  Thatsache,  die  Ver-  Das  Terrain,  auf  dem  der  neue  Tempel 
anlassung  gab,  das  Jahr  245  u.  c.  als  das  An-  seine  Stätte  gefunden  hatte,  war  ursprünglich 
fangsjahr  der  Republik  zu  bezeichnen.  Der  zur  Anlage  eines  so  grofsartigen  Unternehmens 
Stiftungstag  waren  die  Iden  des  September;  wenig  geeignet;  über  dem  tarpejischen  Fels  er- 
sie  werden  uns  zwar  nur  von  Plutarch  Popl.  hob  sich,  kegelförmig  zulaufend,  noch  eine 
14  genannt,  doch  finden  wir  eine  Bestätigung  Kuppe;  mit  gewaltiger  Anstrengung  und  be- 
der  Nachricht  in  dem  Umstände,  dafs  an  dem-  deutenden  Kosten  wurde  durch  Untermauerung 
selben  Tage  in  der  ältesten  Zeit  die  Konsuln  des  Kegels  und  Zuschüttung  der  Lücken  das 
ihr  Amt  antraten  (Mommsen  a.  a.  O.  S.  86  ff.),  40  ungleichmäfsige  Niveau  der  Südhöhe  zu  einer 
und  in  dem  Brauche,  nach  welchem  alle  100  ebenen  Höhe  (area)  umgeschaffen  (Dion.  3,  69 
Jahre  am  13.  September  von  den  höchsten  zbv  \Civ  ovv  iocpov  scp'  oii  zo  isqov  £ji£XXiv 
Beamten  des  Staates  ein  Nagel  in  die  rechte  £$(>vs<i&at,  7iolh)g  äio/isvov  Ttgayuazeiag  (ovzs 
Seite  der  cella  lovis  eingeschlagen  werden  yog  sviiQoeodog  r]v  ovzs  ofialog  all'  änözofiog 
mufste  (Liv.  7,  3,  5  lex  vetusta  est  priscis  litteris  Kai  ilg  KOQvyrjv  ovvayöfiivog  L&iav)  ävalr'ifi- 
verbisquc  scripta,  ut  qui  praetor  maximus  sit  paatv  vip>[i.otg  ■nolla%6&iv  nsQilaßmv  Kai  tzo- 
idibus  Septembribits  darum  pangat;  fixa  fuit  Xvv  %ovv  zig  zb  ii£za£v  zäv  zs  ävalrifip.äzcov 
dextro  lateri  aedis  lovis  optimi  maximi,  ex  qua  Kai  r?js  KOQvyrjg  EjxcjpopTjffag  bpalbv  ysvio&ai 
parte  Minervae  templam  est;  vgl.  CLL.  1  p. 351.  nuQhOKivaoe  Kai  ngog  v7iodox>)v  isgäv  siti- 
Mommsena. a. O.S.  176).  Wahrscheinliehnahmen  50  z^änorazov  sc.Tarquiitius Priscus).  Wirkennen 
auch  die  nach  demSturzeder Republik  vom4. bis  noch  zwei  Fälle  von  Untermauerungen  des 
19.  September  währenden  ludi  Romani  von  dem  Capitols  aus  den  Jahren  366  u.  c.  (Liv.  6,4,  12) 
Stiftungstage  ihren  Ausgang  (l^est.  p.  122  und  565  (Liv.  38,  28,  3);  solche  Vervollstän- 
Magnos  ludos  Romanos  ludos  appellabant,  quos  digungen  und  Reparaturen  waren  nötig,  um 
in  honorem  lovis,  quam  principem  deorum  Abbröckelungeu  der  Felsmasse  (Liv.  35,  21,  6 
putabant,  faciebanf).  Noch  in  der  Kaiserzeit  saxum  ingens  .  .  .  in  vicum  lugarium  ex  capi- 
zeigte  das  epulurn  lovis  (fast.  Sab.  C.  I.  L.  1  iolio  procidit  et  miütos  oppressit)  zu  verhüten, 
p.  302  =  9,  4769.  Ant.  C.  I.  L.  1  p.  328  Eine  Umfassungsmauer  der  area  bezeugen  die 
=  10,  6638.  Anal.  C.  I.  L.  6,  2295)  die  Be-  Militärdiplome  C.  1.  L.  3  p.  917  sq.  nr.  9,  16— 58. 
deutung  des  Tages;  vgl.  Preller, Bö'in.  Mythol.  1  60  Eph.  epigr.  2  p.  454_sq.  nr.  59  —  62,  4  p.  185 
S.  220.  Die  spätere  Zeit  hat  die  Gründung  nr.  66.  Es  sind  nun  Überreste  einer  aus  Tuff- 
des  Tempels  mit  mannigfachen  Sagen  um-  quadern  bestehenden,  in  den  Felsen  einge- 
woben:  Um  Raum  für  die  neue  Kultstätte  zu  betteten  Mauer,  in  Material  und  Schichtungs- 
gewirmen,  hätten  eine  Anzahl  fana  und  sacella,  weise  mit  dem  Material  des  Tempels  überein- 
die  T.  Tatius  auf  der  Höhe  erbaut,  esauguriert  stimmend  (s.  unten),  in  neuerer  Zeit  aufgedeckt 
werden  müssen;  willig  seien  die  anderen  worden  an  der  salita  di  monte  Caprino  am 
Götter  gewichen,  nur  Terminus  habe  Wider-  arco  di  Vignola,  am  Nordabhange  des  Berges 
stand  geleistet  und  seinen  Platz  in  dem  neuen  vor  dem  Palazzo  Caffarelli  (Lanciani,  ann.  d. 


709    Iuppiter   (Capitolinus:   Kultlokal)  Iuppiter  (Capitolinus :   Enltlokal)     71U 

inst.  1871  S.  49,  1875  S.  184)  und  sul  morde  S.  160  A.  1).  Unter  der  area  befanden  sich  die 
Caprino  a  destra  di  cid  esce  dal  portico  di  Vig-  sogenannten  favissae  (id  esse  cellas  quasdam 
nola  13, SO  metri  prima  di  giungere  cd  limite  et  cisternas  —  sagt  Varro  bei  Gell.  2,  10,  2, 
fra  le  rimesse  del  pcdazzo  Caffarelli  et  l'ala  del  nach  ihm  Fest.  p.  88.  Placidus  Glussae  p.  43. 
palagzo  dei  Conservatori  (Dressel,  bullet,  d.  inst.  Heuerling.  Non.  Marc.  s.  v.  flavissae  p.  112  = 
1882  S.  226).  Hieraus  zog  Jordan  (Top.  1,2  1  p.  158  L.  Müller;  über  den  etruskischen  Ur- 
S.  76),  der  den  letzten  Mauerzug  noch  nicht  sprung  des  Wortes  vgl.  Jordan,  Krit.  Beitr. 
kannte,  den  Sehluis,  dafs  die  area  ostwärts  S.  88);  sie  waren  dazu  bestimmt  die  Schätze 
bis  zum  arco  di  Vignola,  nördlich  über  den  und  Geräte  des  Tempels  aufzunehmen  und  im 
Abhang  bei  Tor  de'  Specchi  hinaus  sich  er-  10  Falle  einer  Belagerung  die  Eingeschlossenen 
streckte  und  dafs  sie  nach  den  beiden  anderen  mit  Trinkwasser  zu  versorgen;  nach  Richter 
Richtungen  in  dem  terrassenförmigen  Abstieg  (a.  a.  0.  S.  819)  waren  sie  stollenartig  in  den 
des  Berges  im  Süden  und  dem  jähen  Absturz  Berg  getrieben  und  hatten  ihren  Zugang  nur 
im  Westen  ihre  natürliche  Begrenzung  hätte.  von  den  Kellern  des  Tempels  aus.  Verschieden 
Dafs  die  von  Jordan  in  den  Bereich  des  Tem-  von  ihnen  sind  die  euniculi  (Cic.  pro  Caec. 
pels  gezogenen  Quadermauern  im  Norden  des  30,  88.  Phil.  3,  8,  20.  Serv.  ad  Aen.  8,  652. 
Hügels  zur  Substruktion  der  area  gehörten,  658),  vertikal  den  Berg  durchziehende  Schachte, 
ist  überzeugend  nachgewiesen  von  Richter  wahrscheinlich  Steinbrüche  (Jordan  a.  a.  0. 
(flenn. 18[1883]S.112ff.),  der,  in  den  inzwischen  S.  83  A.  79.  Richter  a.  a.  0.  S.  820).  —  Gilbert 
aufgefundenen  Resten  am  Konservatorenpalaste  20  (a.  a.  0.  2  S.  435;  3  S.  398  ff.)  scheidet  zwischen 
den  östlichen  Teil  der  Umfassungsmauer  er-  einer  area  Capitolina  im  erjgeren  und  weite- 
kennend, mit  Beziehung  auf  Tac.  hist.  3,  71  (e.  ren  Sinne,  zwischen  einer  unmittelbaren 
unten)  eine  erhebliche  Begrenzung  des  Be-  Umgebung  des  Gotteshauses  mit  all  den 
zirkes  zu  beiden  Seiten  des  Tempels  für  nötig  Geschenken,  die  der  fromme  Sinn  der  Bürger- 
erachtete (a.  a.  0.  u.  S.  618)  und  eine  weitere  schaft  im  Laufe  der  Jahrhunderte  hier  auf- 
Ausdehnung nur  nach  dem  Süden  hin  annahm.  gehäuft  hatte,  und  einem  südlich  daran  an- 
Da  jedoch  jener  Mauerzug  mit  der  Front  des  greuzenden  Räume,  auf  dem  die  militärischen 
Tempels  parallel  läuft  (Kotig,  d.  seav.  1882  und  politischen  Akte  der  Aushebungen,  Kon- 
S.  433  la  sua  direzione  e  parallela  a  quclla  zilien  und  Komitien  sich  abwickelten  (s.  unten), 
dclla  fronte  del  tempio),  so  werden  wir  in  ihm  30  und  der,  wie  aus  den  Berichten  über  die  Er- 
eher  mit  Gilbert  (a.  a.  0.  2  S.  447  ff.)  eine  Be-  mordung  des  C.  Gracchus  (App.  b.  c.  1,  15.16. 
festigung  des  Thoreinganges  erblicken  (vgl.  das  Cornific.  ad  Herenn.  4,  55.  Oros.  5,  9)  hervor- 
Militärdiplom  C.I.L.  3  p.  846  nr.  3)undbezüg-  gehe,  mit  dem  eigentlichen  Tempelhofe  durch 
lieh  der  östlichen  Substruktion  an  der  Ansicht  Stufen  und  einen  Eingangsbogen  verbunden 
Jordans  festhalten.  Dafs  die  vielen  Heiligtümer,  gewesen  sei.  Über  den  Gesamtumfang  des 
die  als  in  Capitolio  befindlich  bezeichnet  werden  Heiligtumes  selber  und  seine  spezielleren  Mafs- 
(aedes  Iovis  Feretrii,  Fidei,  Mentis,  Veneris  Verhältnisse  liegt  uns  eine  genaue  Beschrei- 
Erucinae,  Üpis  Opiferae,  Liberi,  Iovis  Tonantis,  bung  aus  dem  Altertume  vor,  die  um  so  gröfse 
Martis  Ultoris,  Felicitatis,  Veneris  Victricis,  ren  Wert  für  uns  besitzt,  da  bei  allen  Un- 
Veneris  Capitolinae  (?),  Fortunae  (?))  aufserhalb  40  fällen,  die  den  Tempel  betroffen  haben,  der 
der  area  Capitolina  gelegen  haben,  ist  bereits  Unterbau  stets  unversehrt  geblieben  ist.  Dionys. 
von  Jordan  (a.  a.  0.  S.  41  ff.)  behauptet  wor-  4,  61  berichtet  nämlich;  titotrfön  öe  inl  xpn- 
den,  aber  ohne  nähere  Begründung;  erst  seit-  niäog  v^rjXrjg  ßtßrinmg,  6Kza7iXt&QOg  zr\v  mqi- 
clem  von  Richter  (a.  a.  0.  S.  llöff.)  für  die  oSov  dicty.oeicov  noSäv  iyyicza  zrjv  itlivoäv 
aedes  Fidei  eiue  solche  Lage  nachgewiesen  £%cov  s-ndazrjv  oliyov  di  zl  zb  ättxXXüxzov  tvQoi 
wurde,  ist  der  vollgültige  Beweis  geliefert,  zig  äv  zrjg  vn£Q0%rjg  zov  \ir\v.ovg  noega  to  nXctzog 
„dafs  man  kein  Recht  hat,  Tempel  etc.,  die  in  ovä'  olcav  ■jiBvzsv.aiSsY.a  noämv.  Ini  ydg  xoig 
Capitolio  lagen,  allein  dieser  Bezeichnung  avxolg  9sfisXioig  b  fitzä  zijv  i'finQrjaiv  oiy.odo- 
wegen  auf  die  area  Capitolina  zu  legen";  vgl.  fujS'fts  v.uxä  zovg  mxztQag  rjfiäv  Lägv&Tj.  So 
Richter  in  Iio.  Müllers  Handb.  f.  Jilass.  Altert.  3  50  lange   nur   einzelne  Trümmer  bekanut  waren, 

5.  840  =  Baumeister,  Denkm.  3  S.  1480.  Inner-  die  man  aufserdem  noch  irrtümlich  zum  Ober- 
halb des  Bezirkes  lagen  nur  folgende  Baulich-  bau  in  Beziehung  setzte  (Bimsen,  Beschreibung 
keiten:  die  curia  Calabra  (Varro  l.  I.  6,  27.  der  Stadt  Rom  3,  1  S.  21ff.  651  ff.  Äbeken, 
Macrob.  1,15,10.  fast. Praen.  z.  1.  Jan.  C.  I.  LA  Mittelitalien  S.  223),  war  an  eine  Oberein- 
p.  312.  Verg.  Aen.  8,654.655;  dazu  Serv.)  mit  Stimmung  der  gefundenen  Reste  mit  der  Be- 
der  benachbarten  casa  Romuli  (Vitruv.  2,  1,  5.  Schreibung  bei  Dionys  nicht  zu  denken.  Als 
Sen.  Gontrov.  2,  1,  4.  Co}ion.  narr.  48),  die  jedoch  die  Ausgrabungen  des  Jahres  1865  im 
Wohnung  des  aedituus  (Suet.  Dow.  1.  Tac.  Garten  des  Palazzo  Caffarelli  eine  etwa  15  m 
hist.  3,  74.    Gell.  6,  1,  6;  die  Inschrift  C.  I.  L.  lange  Mauerflucht  zu  Tage  förderten  (von  Rosa, 

6,  479,  in  der  ein  aedituus  Capitoli  erwähnt  60  ann.  d.  inst.  1865  S.  382ff.  einem  nach  Westen 
wird,  gehört  nach  Ostia:  vgl.  C.  I.  L.  14,  32),  orientierten  Tempel  zugewiesen)  und  als  zehn 
das  Temenoa,  in  welchem  die  Gänse  der  Iuno  Jahre  später,  den  Garten  im  Osten  begrenzend 
gehalten  wurden  (Dion.  13,  7  Kiefsling.  Petron.  und  im  schiefen  Winkel  auf  die  via  di  monte 
136.  Cic.  pro  Rosc.Amer.  20,56;  s.  jedoch  Sp.  593),  Caprino  aufsetzend,  eine  Parallelmauer  von 
die  aedes  thensarum  (C.  I.  L.  3  p.  845  nr.  2),  das  noch  gröfserer  Ausdehnung  aufgedeckt  wurde 
atriurn  publicum  (Liv.  24, 10, 9)  und  das  vielleicht  (Lanciani,  bullet,  munic.  1875  S.  165ff.),  da  war 
mit  diesem  identische  &yoQKv6j.i.u>v  zafiLitov  die  Möglichkeit  gegeben,  unter  Heranziehung 
(Pohjb.  3,  26) ;    doch    vgl.    Gilbert  a.   a.  0.   3  der  Mafsangaben  des  Dionys  und  Berücksich- 

23* 


711     Iuppiter  (Capitolinus:  Eultlokal)  Iuppiter  (Capitolinus:  Kultlokal)     712 

tigung  der  übrigen  Trümmer  eine  Rekonstruk-  ferner  dem  ursprünglichen  Baue  angeboren, 
tion  des  antiken  Baues  vorzunehmen.  Gestützt  dessen  Dedikation  die  Chronik  ins  Jahr  24,5 
auf  den  technischen  Beirat  des  Architekten  u.  c.  setzt,  dazu  führen  folgende  Erwägungen. 
Schupmann  und  die  genannte  grundlegende  Einmal  versichern  die  Nachrichten  ans  dem 
Abhandlung  von  Lanciani ,  der  zuerst  die  er-  Altertume  übereinstimmend,  nur  der  Oberbau 
haltenen  Quadermauern  mit  richtigem  Urteil  sei  durch  die  verschiedenen  Brände  eingeäschert 
als  zum  Unterbau  gehörig  erkannt  hatte,  und  der  Tempel  immer  wieder  auf  denselben 
machte  Jordan  diesen  Versuch  (ann.  d.  inst.  Grundmauern  errichtet  worden  {Dion.  4,  61 
1876  S.  145 ff.,  dazu  die  Pläne  mon.  ined.  lOTaf.  inl  yäg  tols  uvzoig  9i[Lilioi.g.  Tac.  hist.  3,  72; 
30  a.  Top.  1,  2  S.  64 ff.);  er  ist  in  der  Haupt-  io  4,  53  iisdem  rcstigiis;  vgl.  Gell.  2,  10,  2);  die 
sache  als  gelungen  anzusehen  und  bedarf  nur  Schichtung  der  Quadersteine  ohne  Mörtel,  die 
insofern  der  Berichtigung,  als  die  nördlich  ausschliefsliche  Verwendung  des  lokalen  Tuff 
vor  der  Front  des  Palastes  gefundenen  Beste  sprechen  für  die  republikanische  Zeit  (Jordan 
nicht  dem  Tempel,  sondern,  wie  wir  oben  sahen,  a.a.O.  S.  79fi.).  Nach  Richter  (Ivi.  Müllers 
der  Umfassungsmauer  der  area  zugeschrieben  Handb.  d.Jclass.  Altert.  3  S.  8l5  =  Baumeister, 
werden  müssen  (Lanciani,  ann.  d.  inst.  1871  DewJsm.  3  S.  1476)  „sind  die  beiden  sichersten 
S.  49.  Richter,  Hermes  IS  [1883]  S.  I09ff.).  Denn  Mafse,  das  der  Aufsenmauern  von  5,60  m  und 
Jordan  erhielt  nicht  nur  ein  Schema,  das  von  das  der  inneren  Parallelrnauern  von  4,20  m, 
der  durch  IJionys  bezeugten  beinah  quadrati-  höchst  wahrscheinlich  auf  einen  Fufs  von 
sehen  Form  erheblich  abwich  (51  :  74  anstatt  20  0,278  m  zurückzuführen  und  entsprechen  20 
185  :  200  =  51  :  55),  sondern  er  rnufste  auch  die  und  15  Fufs".  Da  der  italische  Fufs  (0,278  m) 
Rückseite  des  Gebäudes  weiter  nördlich  fast  von  dem  griechischen  (0,296m)  erst  im  3.  Jahrh. 
unmittelbar  an  den  steilen  Abhang  bei  Tor  v.  Chr.  verdrängt  wurde  (Dörpfeld,  Mitteüg. 
de'  Specchi  verlegen,  während  uns  doch  be-  d.  deutsehen  archäol.  Inst.  Athen  1882  S.  27S. 
stimmt  versichert  wird,  dafs  der  Tempel  voll-  Hermes  22  [1887]  S.  84)  und  da  der  Tempel 
ständig  umfahren  werden  konnte  (Plin.  n.  h.  bis  zum  Jahre  671  u.  c.  sich  intakt  erhalten 
8,  161  j  27,45;  nach  ihm  Solin.  45,  15;  vgl.  das  hat,  so  kann  die  Annahme,  dafs  die  vorhan- 
Militärdiplom  vom  Jahre  64  0.  1.  L.  3  p.  846),  denen  Trümmer  auf  das  Werk  des  ersten  Er- 
eine Schwierigkeit,  für  welche  die  Annahme,  bauers  zurückgehen,  als  gesichert  gelten.  Auf 
der  ursprünglich  gröfsere  Umfang  des  Berges  30  der  Nordhälfte  des  heiligen  Bezirkes  erhob 
sei  hier  durch  einen  Felsabbturz  verringert  sich  der  Tempel,  im  Osten,  Süden  und  Westen 
worden  (Jordan,  Top.  1,  2  S.  75),  nur  eine  ge-  ziemlich  gleichweit  von  der  Umfassungsmauer 
zwungene  Lösung  giebt  (Richter  a.  a.  0.  S.  110).  entfernt,  im  Norden  in  geringerem  Abstand 
Die  Breite  der  Vorderflucht,  die  infolge  der  (ca.  15  m),  doch  weit  genug,  um  noch  den 
Erhaltung  der  beiden  südlichen  Ecken  allein  quadrigae  bequeme  Durchfahrt  zu  gestatten 
vollständig  gemessen  werden  kann,  beträgt  (s.  oben).  Die  Orientierung  ist  eine  südliche, 
52,50  m  =  117,40  römische  Fufs  (der  Fufs  mit  einer  Abweichung  von  24  Grad  nach  Osten. 
=  0,296  m;  vgl.  Richteria  Ire.  Miilhrs  Handb.  Der  Grundrifs  der  Aufsenmauern  ergiebt  ein 
d.  Mass.  Altert.  3  S.  814  =  Baumeister,  Derikm  3  dem  Quadrate  sich  näherndes  Rechteck,  dessen 
S.  1476  und  über  die  Streitfrage  der  Mafs-  io  Langseiten  nach  Osten  und  Westen  liegen. 
Verhältnisse  Richter,  Hermes  18  [1883]  S.  107tf.  Bis  zu  einer  Tiefe  von  etwa  7  m  in  eine  Creta- 
616ff.  Alommsen ,  Herrn.  21  [1886]  S.  411  ff.  Schicht  und  den  Tuff  des  Berges  eingebettet, 
Richter,  Herrn.  22  [1887]  S.  17 ff.  Holzapfel,  ragte  das  Fundament  mit  dem  Stylobaten  noch 
Herrn.  23  [1888]  S.  417  ff.  Hülsen,  Müteüg.  d.  5  m  über  den  Boden  hervor.  Diese  Höhe  wird 
arch.  Inst.  4  [1889]  S.  249).  Es  fehlen  also  zu  nach  dem  Urteil  der  Sachverständigen  bezeugt 
der  von  IJionys  angegebenen  Breite  (200—15  durch  ein  Stück  Betonwerk,  das  sich  auf  der 
=  185)  etwa  8  Fufs,  die  wir  auf  die  jetzt  ge-  Oberfläche  der  Ostmauer  fand  und  dem  über 
schwundene  Verkleidung  des  Stylobaten  rech-  dem  Unterbau  liegenden  Fufsboden  des  Pronaos 
nen  müssen.  Die  Front  des  Postamentes  be-  angehört  haben  mufs.  In  der  Südhälfte  des 
steht  nicht  aus  einer  zusammenhängenden,  r,o  Stylobaten  liefen  zwischen  den  Aufsenwänden 
kompakten  Masse,  es  laufen  vielmehr  in  der  4  parallele  Mauerzüge,  um  mit  jenen  vereint 
Südhälfte  4  Mauerzüge  in  der  Stärke  von  die  Säulenreihen  des  Pronaos  zu  tragen.  Die 
ca.  4  m  mit  den  beiden  seitlichen  Aufsen-  älteste  vor  dem  Brande  des  Jahres  671  u.  c. 
mauern  parallel.  Wenn  wir  die  Angaben  des  erfolgte  Darstellung  des  Tempels  auf  einem 
Diunys,  von  denen  ohne  zwingende  Gründe  Denare  der  gens  Volteia  (s.  Sp.  7141  zeigt  ihn 
nicht  abgewichen  werden  darf,  zum  Ausgangs-  nur  als  Tetrastylos  mit  Säulen  dorischer  (tus- 
punkte  nehmen  für  die  Berechnung  der  Längs-  kanischer)  Ordnung,  es  ist  aber  nach  der  Be- 
seiten, die  aus  den  ausgegrabenen  Trümmern  schaflenheit  des  Fundamentes  wie  nach  spä- 
nur  ihrer  Richtung  nach  bestimmt  werden  teren  Abbildungen  (s.  unten)  wahrscheinlich, 
können,  so  ergiebt  sich  im  Verhältnis  zu  der  60  dafs  bereits  der  ursprüngliche  Bau  ein  drei- 
jetzt  fixierbaren  Breite  von  52,50  m  eine  Tiefe  reihiger  Hexastylos  war  und  dafs  auf  jener 
von  66,80  m,  und  demnach  würde  die  hintere  Münze  nur  die  vier  mittleren  Säulen  zur  Dar- 
Mauer  des  alten  Baues  mit  der  Stirnseite  des  Stellung  gekommen  sind,  sowie  ferner  dafs 
Palazzo  Caffarelli  zusammenfallen  (vgl.  Richter  auch  an  den  beiden  Seiten  je  eine  Säulenreihe 
a.  a.  0,).  Dafs  die  zum  Vorschein  gekommenen  sich  hinzog.  Erwähnt  wird  der  Pronaos  uach 
Quaderreste  einen  Teil  des  Fundamentes  ge-  einer  sicheren  Vermutung  Henzens  in  den 
bildet  haben,  ist  bereits  von  Lanciani  a.  a.  0.  Arvalakten  zum  3.  Januar  87  in  Capitolio  in 
richtig  erkannt  und  bewiesen  worden;  dafs  sie  p rofnao Iovis optimi maxijm i  (p.  CXVI Menzen) ; 


713      Iuppiter  (Capitolinus :  Kultlokal) 

bei  Dionys.  3,  69  iv  rä  7zgovdm  rijs  A&rjväg 
ist  der  Teil  des  ganzen  Pronaos  gemeint,  der 
vor  der  Zelle  der  Minerva  liegt.  Andeutungen 
finden  sich  in  den  "Worten  ante  cellam  Iovis 
(Sen.  ep.  95,  72),  Minervae  (Fest.  p.  177.  Iul. 
Obs.  68),  Iunnnis  [Act.  fratr.  Anal,  zum  3.  Jan. 
231  p.  CCXVI  Henzen;  vgl.  Vitr.  4,  7,  2),  wäh- 
rend die  Gleichsetzung  von  veslibulum  (de- 
in Yerrem  2,  66,  160.  Liv.  8,  6,  2.  PUn.  Paneg. 
52)  und  pronaos  zweifelhaft  erscheint  (vgl. 
Liv.  24,  3,  7;  dazu  PUn.  n.  lt.  2,  240).  Von 
dem  eigentlichen  Tempelhause  sagt  Richter 
(Iw:  Müller,  Eandb.  d.  Mass.  Altert.  3  S.  S15 
=  Baumeister,  Denkm.  3  S.  1477  mit  Grundrifs): 
„Es  war  annähernd  quadratisch  30,5  x  28,75  m 
giofs  und  durch  parallele  Wände  in  3  Zellen 
eingeteilt,  von  denen  die  mittlere  25  x  9  m, 
die  beiden  an  der  Seite  25  x  7,5  m  im  Lichten 
mafsen.  Die  Hinterwand  des  Tempelhauses  er- 
streckte sich  über  die  äufsere  Cellawand  hin- 
aus bis  an  den  Rand  der  Stylobaten  und  schlofs 
den  Tempel  nach  hinten  zu  vollständig  ab." 
Die  Angabe  des  Dionys  über  den  Tempel  des 
Catulus  (tv  de  avtea  Tgeeg  orjv.ol  irtxoalXrjloi 
xoLvc'ig  i'xovrig  nXsvgctg  utaog  /liv  6  roi  jdioe 
nag'  jxa'rfooi'  Ss  xo  fiigog  o  rf  rrjg  Hgag  v.al 
b  trjg  'yl&i]räg  vep  evog  elerov  neel  yiag  Gxiyrjg 
KalvittöfLivoi,  vgl.  Gic.  pro  Scaur.  47.  Sirv.  ad 
Aen.  2,  296)  gilt  natürlich  auch  für  den  altera. 
Die  mittlere  Zelle  also  gehörte  dem  Iuppiter, 
die  rechte  nach  Westen  gelegene  der  Minerva 
(Liv.  7,  3,  5.  Hör.  c.  1,  12,  19;  vgl.  die  Stellung 
der  Göttin  auf  den  Münzen),  die  linke,  an  der 
Ostseite  liegende,  der  Iuno.  Vom  Pronaos  aus 
führte,  wie  man  aus  den  besseren  Abbildungen 
ersieht,  zwischen  den  mittleren  Interkolumnien 
je  eine  Thür  in  das  Innere  der  Zellen.  Es  läfst 
sich  mit  Sicherheit  nicht  entscheiden,  ob  die 
letzteren  durch  die  xoivul  nXsvgal  räumlich 
vollständig  getrennt  waren  oder  ob  die  Scheide- 
wände nur  einen  Teil  des  Tempels  durchliefen; 
für  diese  Ansicht  (Abelen,  Mittelitalien  S.  224 
A.  2.  Gilbert  a.  a.  0.  2  S.  421  A.  2)  scheinen 
2  Zimesstellen  zu  sprechen  f6,  4,  3  in  Iovis 
cella  ante  pedes  Iunonis;  6,  29,  9  Signum  inter 
cellam  Iovis  ac  Minervae;  vgl.  PUn.  n.  h.  10,  35 
bulo  Capitoli  cellam  ipsam  intravit),  für  jene 
(Jordan  a.  a.  0.  S.  92 ff.)  die  Erwägung,  dafs 
bei  einer  im  Innern  bestehenden  Verbindung 
kaum  3  Eingangsthüren  (vgl.  Gell.  6,  1,  6*1  an- 
gebracht worden  wären.  Jede  Gottheit  hatte 
in  ihrer  Zelle  einen  Altar  (Varro  b.  Serv.  ad 
Aen.  3,  134);  ein  Kultbild  daselbst,  wenngleich 
für  alle  drei  wahrscheinlich,  ist  nur  für  Iuppiter 
bezeugt;  es  war  von  Thon  und  stellte  den 
Gott  stehend  dar  mit  dem  Blitze  in  der  Rech- 
ten; als  Schöpfer  des  Werkes  galt  der  ve- 
jentische  Künstler  Vulca  (Ovid.  fast.  1,  201. 
PUn.  n.  h.  35,  157),  derselbe  der  auch  die 
quaelrigac  fictihs  in  fastie/io  templi  gefertigt 
haben  sollte  (PZiw.a.a.O.u.28,16.  Plut.Popl.13. 
Fest.  p.  274\  an  deren  Stelle  man  a.  458  u.  c. 
Iovem  in  eulmine  cum  queidrigis,  vermutlich 
eine  Bronzearbeit,  setzte  (Liv.  10,  23,  12). 
Einen  fictilis  Summanus  in  fastiyio  Iovis  o.  m. 
vor  dem  Jahre  479  u.  c.  bezeugt  Cicero  de 
div.  1,  10,  16 ;  vgl.  Liv.  ep.  14,  wo  irrig  Iovis 
Signum   für  Summani   Signum   steht;    Plautus 


Iuppiter  (Capitolinus:  Kultlokal)     714 

(trin.  84)  kennt  einen  Iuppiter  mit  Kranz 
m  Capitolio  in  columine.  Sicherlich  waren 
Giebel  und  Dach  reich  mit  Thonfiguren  ge- 
schmückt, doch  nur  jene  dürftigen  Nach- 
richten sind  auf  uns  gekommen,  und  auch  das 
älteste  Münzbild  giebt  keine  weitere  Aufklä- 
rung (vgl.  Wieseler,  Götting.  gel.  Am.  1872,  1 
S.  723  fi.  Jordan  a.  a.  0.  S.*98ff.).  Vor  der 
Treppe,   die   zum   Pronaos   führte,   stand    der 

10  Altar,  an  dem  die  weiter  unten  zu  erwähnen- 
den Opferhandlungen  stattfanden  (Suet.  Aug. 
94.  Zonar.  8,  1  p.  170  Bindorf.  Fest.  p.  285, 
vgl.   PUn.  n.  h,   17,  244). 

Die  Imstanderhaltung  des  Tempels  war  wie 
die  der  übrigen  Staatsgebäude  Sache  der  Cen- 
soren,  welche  die  Ausführung  der  nötigen 
Reparaturen  an  Unternehmer  verdangen  (PUn. 
n.  h.  35,  14).  Dafs  die  gewöhnlichen  Aus- 
besserungsarbeiten unerwähnt  bleiben,  ist  natür- 

20  lieh;  eine  Restauration  in  giöfserem  Umfange 
wurde  im  Jahre  575  u.  c.  vorgenommen,  die 
Wände  und  Säulen  erhielten  jetzt  zum  ersten- 
mal einen  Stucküberzug  (Liv.  40 ,  51 ,  3  M. 
Aemiliits  Lepidus  .  .  aedem  Iovis  in  Capitolio 
columnasque  circa  poliendas  locavit);  die  Cen- 
soren  des  nächsten  Lustrums  liefsen  den  zum 
Heiligtume  führenden  clivus  Capitolinus 
pflastern  (Liv.  41,  27,  7),  und  Scipio  Nasica 
errichtete  in   seiner  Censur  (a.  595  u.  c.)   auf 

30  der  area  zu  beiden  Seiten  des  Tempels  präch- 
tige Säulenhallen  (Vell.  Paterc.  2,  3,  1;  2,  1,  1. 
vgl.  Tac.  hist.  3,  71).  Nachdem  so  das 
Aufsere  und  die  Umgebung  des  Baues  eine 
der  Erweiterung  der  römischen  Herrschaft 
würdige  Umgestaltung  erfahren  hatte,  be- 
schlofs  man  auch  das  Innere  in  entsprechen- 
der Weise  zu  verschönern;  nach  Beginn  des 
dritten  punischen  Krieges  trat  ein  Mosaikfuß- 
boden (scutulatum)  an  die  Stelle  des  früheren 

■10  Ziegelstrichs  (PUn.  n.  h.  36,  185)  und  während 
der  Censur  des  L.  Mummius  (a.  612  u.  c.)  wurde 
das  Deckengebälk  (laquearia)  vergoldet  (PUn. 
n.  h.  33,  57).  Auf 
einem  Denare  des 
M.Volteius  (Cohen, 
Med.  cons.  t.  42 
Volt.  1;  Babelon, 
monn.  de  la  rep. 
Born.  2  S.  565;  vgl. 

50  Mommsen,  Born. 
Münzivesen  S.  619 
A.259),geprägtvor 
685  u.  c,  hat  sich 
ein  Bild  des  älte- 
sten Tempels  erhalten;  wir  bemerken  einen  dori- 
schen (tnskanischen)  Tetrastylos,  im  Hinter- 
grunde drei  Thüreu,  zwischen  je  zwei  der 
mittleren  Säulen  auf  dem  Giebelfelde  einen 
geflügelten  Blitz.      Nicht  viel  länger   als   ein 

60  halbes  Jahrhundert  sollte  der  so  glänzend  aus- 
gestattete Tempel  bestehen  bleiben.  Es  war 
am  6.  Juli  (Plut.  Süll.  27)  des  Jahres  671  u.  c. 
(Cic.  in  Cat.  3,  4,  9.  Sali.  Cat,  47,  2.  Dion. 
4,  62.  Tac.  hist.  3,  72.  App.  b.  c.  1 ,  83.  86. 
lul.  Obs.  57.  Hieron.  p.  133  Schöne  =  Cassiod. 
p.622  Momms  ),  als  eine  Feuersbrunst  den  stolzen 
Bau  der  Tarquinier  samt  dem  alten  Kultbilde 
(Plut.  de  Is.  et  Osir.  71.    Ovid.  fast.  1,  201)  bis 


Iuppiterkopf  u.  capitolinischer 
Tempel  auf  einem  Denare  des 
M.  Yolteius  vor  dem  Jahre  6S5 
u.  c.  (nach  Cohen,  Med.  cons. 
t.  12  Volt.  1.) 


715    Iuppiter  (Capitolinus :   Kultlokal) 

auf  die  Fundamente  so  vollständig  in  Asche 
legte,  dai's  selbst  die  in  den  Kellern  iv  li&ivy 
XagvcrKi  (Dion.  a.  a.  0.)  aufbewahrten  sibylli- 
nischen  Bücher  mitverbrannten  (Cassius  Dio 
frg.  106,  3  Beklier).  Der  Tempelschatz  wurde 
gerettet  und  von  dem  jungen  Marius  nach 
Praeneste  gebracht  (Plin.  n.  h.  33,  16),  unbe- 
schädigt blieben  auch  die  am  Eingange  zum 
Tempel  befindlichen  Statuen  der  römischen 
Könige  und  des  Brutus  {App.  b.  c.  1,  16). 
Die  Wiederherstellung  des  Tempels  nahm  der 
siegreich  aus  dem  Bürgerkrieg  hervorgegangene 
Sulla  mit  Eifer  in  Angriff  ( Vol.  Max.  9,  3,  8), 
er  liefs  sogar  vom  Olympieion  in  Athen  Säulen 
nach  Rom  schaffen  (Plin.  n.  h.  36,  45),  doch 
nicht  ihm,  sondern  dem  Q.  Lutatius  Catulus 
hatte  das  Glück  beschieden  den  Bau  zu  voll- 
enden und  die  feierliche  Dedikation  zu  voll- 
ziehen (Tac.  a.  a.  0.  Plin.  n.  h.  7,  138.  Plut. 
Popl.  15).  Durch  offiziellen  Senats-  und  Volks- 
beschlufs  (vgl.  Mommsen  C.  I.  L.  1  p.  171. 
Eiim.  Staats):  2*  S.  651;  die  abweichenden 
Ansichten  Jordans  [a.  a.  0.  S.  22]  sind  nicht 
überzeugend)  wurde  er  mit  der  cura  reficiendi 
Capitolii  beauftragt  (Oic.  in  Verrem  4,  31,  69. 
Tac.  a.  a.  0.  Varro  b.  Gell.  2,  10,  2),  und  im 
Jahre  685  u.  c.  (Zu',  ep.  98.  Cassiod.  p.  622 
Mommsen.  Flüeijon  frg.  Jiist.  graec.  3  p.  606 
Midier;  Lactant.  de  ira  clei  22, 6  nennt  irrtümlich 
das  Jahr  678)  war  das  Werk  soweit  gediehen, 
dafs  die  Übergabe  an  den  Gott  erfolgen  konnte. 
Glänzende  Schauspiele  verherrlichten  den  be- 
deutungsvollen Akt  (Val.  Max.  2,  4,  6.  Plin. 
n.  h.  19,  23.  Suet.  Aug.  94),  der  Name  des 
Dedikanten  strahlte  über  dem  Eingange  bis 
zu  den  Zeiten  des  Vitellius  (Tac.  a.  a.  0.;  der 
Senatsbeschlufs  vom  Jahre  708  u.  c,  Caesars 
Namen  an  die  Stelle  desselben  zu  setzen  [Cass.Dio 
43,  14;  vgl.  37,  44.  Suet.  Caes.  15],  ist  also  nicht 
in  Kraft  getreten).  Da  man  für  die  Restitu- 
tion höhere  Säulen  als  vorher  verwendet  hatte 
{Val.  Max.  4,  4,  11),  so  ergab  sich  sogleich 
nach  Beendigung  des  Werkes  eine  Disharmonie 
in  dem  Höhenverhältnis  des  Ober-  und  Unter- 
baues; Catulus  hätte  sie  gern  durch  Tiefer- 
legung der  area  beseitigt,  indes  die  unter  der 
area  befindlichen  favisae  hinderten  die  Aus- 
führung des  Planes  (Varro  b.  Gell.  2,  10,  2). 
Die  Bauthätigkeit  war  mit  der  Einweihung 
noch  nicht  abgeschlossen,  wir  hören  wenig- 
stens, dafs  Catulus  die  cura  noch  bis  zum 
Jahre  692  behalten  hat  (Sueton  a.  a.  0.  Cassüis 
Dio  37,  44,  doch  s.  Jordan  a.  a.  0.  S.  23  A.  21). 
Der  neue  Tempel  auf  dem  Fundamente  des 
alten  errichtet  (s.  oben)  mufste  sich  allerdings 
den  Raumverhältnissen  desselben  anschliefsen, 
übertraf  ihn  aber  wahrscheinlich  durch  den 
gröfseren  Wert  des  verwendeten  Materials 
(Dion.  4,  61  zfj  nokizsia  zijs  vXrjs  fiovov  Siullüz- 
zav  zov  uqxkiov;  also  noch  Stuckaufputz,  keine 
Marmorbekleidung),  und  sicher  durch  den  Glanz 
und  die  Pracht  der  dekorativen  Ausstattung. 
Das  Dach,  von  hölzernen  Adlern  getragen  (Tac. 
bist.  3,  71),  war  mit  vergoldeten  ßronzeplatten 
gedeckt  (Plin.  n.  h.  33,  57) ;  in  der  Front  durch- 
lief den  Pronaos  eine  dreifache  Säulenreihe, 
je  eine  flankierte  die  Seiten  des  Tempels  (Dion. 
a.  a.   0.;    der   Rückseite   geschieht   keine   Er- 


Iuppiter  (Capitolinus:  Kultlokal)     716 

wähnung),  den  Vitruv  zu  der  Gattung  der 
araeostyli  rechnet,  bei  denen  infolge  des  wei- 
ten Abstandes  der  Säulen  das  Epistyl  aus 
Balken  von  Holz  besteht  (3,  2,  5  in  araeostylis 
autem  nee  lapideis  nee  marmoreis  epistyliis  uti 
datur,  sed  imponendae  de  materia  trabes  per- 
petuae  et  ipsarum  aedium  specüs  barycae,  bary- 
cephalae  liumiles  latae  ornantque  signis  fictili- 
bus  aut   aereis   inauratis   earum    fastigia   tu- 

10  scanico  more,  uti  est  .  .  .  Capitolii).  An  Stelle 
des  thönernen  Kultbildes  (Iuppiter  fictilis)  in 
der  cella  des  Iuppiter,  das  in  den  Flammen 
seinen  Untergang  gefunden  hatte  (s.  oben), 
war  ein  neues  griechisches  Kunstwerk  getreten, 
von  Apollodor  nach  dem  Vorbilde  des  olym- 
pischen Zeus  in  sitzender  Stellung  aus  Gold 
und  Elfenbein  gefertigt  (Chalcidius  in  Plat. 
Tim.  338  C,  p.  361  Wrobel.  Varro  b.  Non. 
Marc.  p.    162   =    1  p.  237   L.   Müller.     Suet. 

20  Calig.  52.  loseph.  Arch.  19,  1,  2.  Brunn, 
Griech.  Künstlergesch.  1 ''  S.  379  ff.  Overbecl;, 
Griech.  Plast.  S.  61  ff.),  wie  denn  überhaupt 
die  alten  figurae  fictiles  den  moderneren  Wer- 
ken der  Plastik  gewichen  sein  werden.  Die 
Aufstellung  einer  Statue  der  Minerva  erwähnt 
Plin.  11.  li.  34,  57.  Eine  Bestätigung  und  Er- 
weiterung der  litterarischen  Angaben  bieten 
uns  Darstellungen  des  neuen  Tempels  auf 
Deuaren  des  Petillius  Capitolinus  vom  Jahre  711 

30  u.  c.  (Cohen, 
Med.  cons. 
t.  30.  Pet.l, 
2.  Babelon, 
monn.  de  la 
repl.  Rom.  2 
S.291.Steven- 
son ,  dictio- 
naryof  Rom. 
coins  S.  171 ; 

40  vgl.  Momms., 

Rom.  Münziü.  658  A.  651;  die  Münze  resti- 
tuiert von  Trajan,  Cohen,  Med.  imp.  2  t.  46 
nr.  16,  vergröfsert  und  schärfer  bei  i:  Koehne, 
Revue  num.  Beige  5.  se'r.  2  [1870]  t.  3  =  Berl. 
Blätter  für  Münz-,  Siegel-  und  Wappenhunde  5 
[1870]  S.  257  ff.  t.  62).  Auf  der  Spitze  des 
Giebels,  an  dessen  Ecken  2  Adler  sitzen,  lenkt 
der  blitzschleudernde  Iuppiter  eine  Quadriga, 
auf  den  Giebelabfällen  steht  zur  Rechten  Iuno, 

50  zur  Linken  Minerva  (Cohen  t.  30  nr.  1  zeigt 
anstatt  ihrer  aufrecht  stehende  Spitzen);  die 
Mitte  des  Giebelfeldes  nimmt  zwischen  zwei 
Vögeln  die  auf  Schilden  stehende  Roma  ein 
(Cassius  Dio  45,  1.  Suet.  Calig.  94;  vgl.  Klueg- 
mann,  Veffigie  di  Roma,  Rom  1879  S.  lff.), 
rechts  von  der  Göttin  die  Wölfin  mit  den 
Zwillingen,  links  ein  undeutlicher  Gegenstand 
(nach  Koehne  „Schilde");  die  Säulen  sind 
dorisch  (tuskanisch)  (demnach  sind  die  durch 

60  Sulla  vom  Ülympieion  entnommenen  korinthi- 
schen Stiles  nicht  verwendet  worden)  und  bilden 
einen  Hesasty  los ;  in  den  drei  mittleren  Zwischen- 
räumen hängen  runde  Gegenstände,  von  Koehne 
(a.  a.  0.  S.  56)  und  Gilbert^,  a.  0.  3  S.  394  A.  7)  für 
die  tintinnabula  des  Suet.  Aug.  91,  von  Jordan 
(a.  a.  0.  S.  88  A.  86),  der  jene  Schellen  mit 
Recht  dem  Tempel  des  Iuppiter  Tonans  zuweist 
(s.  unten),   für   Schilde   oder  Disken  gehalten. 


Iuppiterkopf  u.  cjipitolinischer  Tempel 
auf  einem  Deuare  des  Petillius  Capito- 
linus v.  J.   711  u.  c.   (nach  Stevenson, 
dictionary  of  Roman  coins  S.  171). 


717     luppiter  (Capitolinus :  Eultlokal)  Tnppiter  (Capitolinus:  Kultlokal)     718 

Beschädigungen,  die  der  Tempel  durch  Blitz-  Born.  Münzw.  189.  195),  die  Dedikation  durch 
schlage  und  andere  Unfälle  erlitten  hatte  (Cic.  Domitian  (Suet.  Flut.  a.  a.  0.  Eutrop.  7,  23. 
in  Cat.  3,  8,  19.  de  dir.  1,  12,  20;  2,  20,  45.  Mst.  miscell.  9,  12;  Hieronymus  nennt  willkür- 
Cassius  Bio  37,  34;  41, 14;  42,26.27.  32;  45,  2;  lieh  das  Jahr  91)  schon'hu  Jahre  82  statt- 
47,  40),  veranlafsten  den  Octavian  eine  Reno-  finden  konnte  (die  Stellen  des  Mart.  13,  74; 
vation  in  gröfserem  Umfange  vorzunehmen  9,  3,  7.  a.  84/85,  94  95,  des  Stat.  Silv.  4,  1,  20; 
(mon.  Anc.  4,  9  Capüolium  .  .  .  impensa  grandi  3,  16  a.  94  95  und  des  Sil.  Ital.  3,  623  setzen 
refeci  sine  ulla  inscriptione  nominis  mei),  ver-  die  Einweihung  voraus).  An  Glanz  und  Pracht 
mutlich  im  Jahre  726  u.  C;  vgl.  Mommsen,  überstrahlte  der  neue  Tempel  noch  seine  Vor- 
Ees  ciest.  d.  Aug.  p.  55.  Die  Unfälle  wiederhol-  10  ganger;  es  war  ein  korinthischer  Hexastylos 
ten  sich  a.  745  u.  c.  und  56  p.  Chr.  (Cassius  Bio  (s.  unten  die  Darstellungen  auf  Münzen)  mit 
55,  1.  Tac.  arm.  13,  24).  Im  Jahre  69  p.  Chr.  Säulen  von  pentelischem  Marmor  (Plut.  a.a.O.), 
beim  Sturme  der  Vitellianer  gegen  die  auf  einem  für  römische  Bauten  bis  dabin  unge- 
dem  Capitole  verschanzten  Anhänger  des  Ves-  bräuchlichen  Materiale.  Hülsen,  (MitteiJg.  d. 
pasian  wurde  der  Tempel  zum  zweitenmale  weh.  Inst.  4  [1889]  S.  250)  macht  darauf  auf- 
ein Raub  der  Flammen  (Tac.  Mst.  3,  71.  Suet.  rnerksain,  dafs  auch  dieser  Tempel  waurschein- 
Vitell.  15.  Cassius  Bio  65,  17.  Stat.  silv.  5,  3,  lieh  ein  hölzernes  Epistyl  getragen  hat,  es 
195  sq. ;  Hieron  p.  158  Schöne  setzt  ungenau  hätten  sich  sonst  bei  einem  Hauptgesims  von 
den  Brand  in  das  Jahr  72  und  den  Beginn  der  so  riesigen  Dimensionen  (7  m  freitragender 
Restitution  auf  75).  Yespasian  nahm  an  dem  20  Architrav)  irgend  welche  Spuren  finden  müssen ; 
Wiederaufbau  reges  Interesse.  Bei  der  Grund-  zwei  kleine  Bruchstücke  von  einem  Säulenschaft 
steinlegung,  die  schon  im  folgenden  Jahre  vor  (Lamciani,  oullet. munic.  1875.  S. 85.  Sclmpmann, 
sich  ging,  war  er  persönlich  zugegen  (Tac.  hist.  ann.  d.  inst.  1876  S.  151)  und  einer  Basis  (Jordan, 
4,  4.  9.  53.  Cassius  Bio  66,  10.  Suet.  Vesp.  8\  er  Top.  1,  2  S.  72  A.  69.  S.  75  A.  70a)  sind  die  ein- 
konnte noch  die  Vollendung  des  Werkes  sehen  zigen  auf  uns  gekommenen  Reste.  In  reichem 
(Aurel.  Vict.Caes.  9. 7.  Ep.  9,8. Zonar.  11,17.  Flut.  Goldschmuck  prangten  die  Thüren  (Zosim.  5, 
Fopl.  15);  der  Termin  der  Dedikation  ist  nicht  39  p.  302  Beklier)  und  das  hochragende  Dach 
bekannt;  vgl.  Mommsen  a.  a.  0.  p.  128;  der  Bau  (Frocop.  Vand.  1,  5,  Bd.  1  p.  332  Bindorf. 
erhob  sich  auf  demselben  Fundamente  (s.  oben)  Auson.  dar.  urb.  12,17».  Vier  Säulen,  aus 
zu  gröfserer  Höhe  (Tac.  a.  a.  0.  altüudo  aedibus  30  dem  Metall  der  bei  Actium  erbeuteten  Schiffs- 
ndieeta).  Münzen  aus  der  Zeit  des  Ves  pasian,  schnäbel  gefertigt,  erinnerten  an  die  Ruhmes- 
Titus  und  Domitian  (71 — 80)  zeigen  übereinstim-  thaten  des  Augustus  (Serv.  ad  Georg.  3,  29); 
mend  den  neuen  Tempel  als  korinthischen Hesa-  im  Giebelfelde  erfreute  das  Auge  der  Figuren- 
stylos,indessenmittlerendreilnterkolumnienauf  reichtum  von  Schöpfungen  der  Plastik  (vgl. 
hoher  Basis  der  thronende  luppiter  mit  seinen  die  Handzeichnungen  von  einem  1540  gefun- 
beiden  Kultgenossinnen  erscheint:  links  Iuno,  denen  Säulenstumpf  und  einem  Gesimsfragment 
rechts  Minerva  mit  Helm  und  Lanze,  beide  bei  Hülsen.  Osservazioni  sull'  architettura  del 
stehend;  der  ornamentale  Schmuck  des  Giebels  tempio  di  Giove  Capitolino ,  Mitteilg.  d.  arch. 
dagegen  ist  wesentlich  verschieden.  Die  eine  Inst.  3  [1888]  S.  150 — 155).  Den  Restaurations- 
Grup-pe(Cohen,Med.imp.l  Vesp.nr. 407 — 410t.l5  10  bau  Domitians  sehen  wir  auf  drei  seiner  Silber- 
nr.409,s.untenSp.737,ingröfseremMafsstabebei  medaillons  aus  den  Jahren  80,  82  und  84,  als 
Bonaldson,  Arch.  Num.  6,  3;  Tit.  nr.  270.  271)  Tetrastylos  auf  den  beiden  ersten  (Darstellung 
mit  Quadriga(?)  auf  dem  Dachfirst  und  Adler  der  vier  mittleren  Säulen),  auf  dem  letzten  als 
an  den  Ecken,  mit  je  einer  stehenden  Figur  Hexastylos  Cohen,  Med.  imp.  1.  Bomit.  71.  1 
und  unkenntlichen  Bildungen  (Cohen:  ./les  en-  (abgebildet  bei  Finder,  Abhandl.  d.  Berl.  AI: 
seignes,  des  guerriers".  Schulze,  Arch.  Zeitg.  1855  t.  6,  7  und  Stevenson,  dictionary  of  Roman 
30  [1872]  S.  2:  „die  Köpfe  und  Hälse  von  zwei  coins  S.  170).  69;  zwischen  den  mittleren  Säulen 
Paaren  von  Pferden,  sowie  die  Oberkörper  thronte  wieder  luppiter,  zu  beiden  Seiten  in 
ihrer  Lenker'')  auf  den  Giebelabfällen;  bei  der  den  nächsten  Interkolumnien  standen  rechts  Mi- 
zweiten  Gruppe  (Cohen  a.  a.  0.  Vesp.  nr.  403  50  nerva  mit  Helm,  links  Iuno  mit  langem  Speer(Ab- 
— 406.  Tit.  nr.  269.  272.  Bomit.  nr.  466)  fehlen  bilduugen  der  capitolinischen  Trias  s.  v.  Iuno 
die  Adler,  dafür  krönen  die  Giebelspitze  zwei  Sp.  610  und  unten);  auch  der  Dachfirst  zeigt 
Quadrigae  und  zwei  Bigae  (Vesp.)  oder  zwei  dasselbeBild wiederTempelVespasians, luppiter 
Quadrigae  (Tit.)  oder  eine  Quadriga  mit  zwei  ein  Viergespann  lenkend,  die  Figuren  an  den 
stehenden  Figuren  anf  jeder  Seite;  im  Giebel-  Dachabfällen  sind  nichtnäher  zubestimmen;  aut 
felde  nach  Cohen  'une  figure  dtbout  entre  deux  einem  verlorenen  Relief  (s.  unten)  sind  Mars  und 
fignres  couche'es'  vgl.  Jordan,  Top.  1,  2  S.  89  eine  weibliche  Figur  erkennbar;  an  den  Ecken 
A.  86.  Die  Verschiedenheit  in  der  Darstellung  waren  Bigae  an  die  Stelle  der  früheren  Adler 
erklärt  sich  vielleicht  daraus,  dafs  ein  Teil  getreten.  Aufser  den  Münzbildern  besitzen 
der  Münzen  bereits  vor  der  Fertigstellung  des  60  wir  noch  einige  Reliefdarstellungen;  gemein- 
Tempels  geprägt  war.  Nur  kurze  Zeit  hatte  sam  zeigen  sie  einen  Kaiser  mit  Priestergefolge 
der  Neubau  gestanden,  als  ihn  die  Feuers-  opfernd  vor  einem  Tempel  mit  korinthischen 
brunst  des  Jahres  80  abermals  zerstörte  (Cass.  Säulen,  in  dessen  Frontmauer  in  den  Inter- 
Bio  66,  24.  Suet.  Bomit.  5.  Flut.  Fopl.  15).  kolumnien  drei  gleich  grofse  Thüren  sichtbar 
Die  Restitution,  noch  unter  Titus  begonnen  werden.  Während  aber  auf  dem  einen  früher 
(Act.  fratr.  Arv.  CVI.  188  sq.  Henzcn),  wurde  in  der  Villa  Borghese,  jetzt  im  Louvre  befind- 
so  rasch  gefördert,  dafs,  wie  die  Münzen  an-  liehen  (Chirac,  Mus.  d.  sculp.  2  t.  151  nr.  300) 
deuten   (Cohen,  Bomit.  69.  70.   vgl.  Mommsen,  der  Giebel  fehlt,   der  Tempel  sich   als  Hexa- 


719     Inppitei"  (Capitolinus:  Kultlokal)  Iuppiter  (Capitolixms:  Kultgenossinnen')     720 

stylos  erweist  und  eine  Säule  der  Seitenflucht  Relief  der  Villa  Medici  {mon.  ined.ht.  40);  vgl. 
erscheint,  zeigt  das  andere  {Matz,  Monatsber.  Jordan  a.  a.  0.  S.  90  A.  86.    Von  Blitzschlägen 
d.  Beil.  Äk.  1871  S.  464,  25  nach  einer  Zeich-  und   Bränden  hatte   der  Tempel   auch  ferner- 
nung   der  Coburger  Sammlung  nr.  68),  das  im  hin   zu  leiden   {Euseb.   p.   174    Schöne   a.  189. 
16.  Jahrb.  nach  dem  Konservatorenpalaste  ge-  Hieron.  u.  Sync.  a.  190.  temporibus  Macrini  et 
bracht    wurde,    einen    Tetrastylos    und    giebt  Alexandri   acta    SS.   Calepodii  et  al.   10.   Mai 
uns  vor  allem  die  auf  den  Denaren  nur  schwer  p.  499;  vgl.   Jordan  a.  a.  O.  S.  30  A.  31.  1,  1 
erkennbaren  Figuren   des  Giebels   in  gröfserer  S.   31),     ohne    indes    erheblichen    Schaden   zu 
Deutlichkeit.    Der  Giebel  dieses  Reliefs  allein  nehmen;  er  blieb  in  seiner  Pracht  ein  Gegen- 
ist abgebildet  in  der  Coburger  Samml.  nr.  122,  10  stand  der   Bewunderung   für  die  ganze  Welt 
in  den  mon.  ined.  5  t.  36  nach  einer  Zeichnung  (Auson.  a.   a.  0.    Amin.  Marc.  16,  10,  14;   22, 
von  Brunn  (vgl.  ann.  d.  inst.  1851  S.  259)  =  16,  12);  die  Plünderungen  desselben  begannen 
Baumeister,   Denhm.  1    S.  765   und  von    Tren-  mit  dem  siegreichen  Vordringen  germanischer 
delenburg;  vgl.  Schulze,  Arch.  Zeitg.  30  (1872)  Volksstämme;    Stilicho    raubte     ihm    die   ver- 
S.  2;  nur  die  Giebeldarstellungen  bot  ein  jetzt  goldeten  Thüren    (Zosim.   a.  a.  0.),   Geiserich 
verloren  gegangenes  Relief,  das  uns  durch  zwei  die     vergoldeten    Bronzeplatten     des     Daches 
Zeichnungen  bekannt   geworden  ist  {Piranesi,  {Procop.   a.  a.  0);    doch    überdauerte    er   den 
della  magnificenza  ed  architectura  d^  Bomani  Untergang    des   weströmischen    Reiches,    und 
p.   198   =  Müller -Wieseler ,    JDenlcm.   d.    alten  noch    Cassiodor  (Vor.  7,  6)    konnte    von   ihm 
Kunst  2  nr.  13  und  in  der  Coburger  Sammlung  20  rühmen  Capitolia   cclsa  conscendere  hoc  est  in- 
nr.  156  =  Arch.  Zeitg.  a.  a.  0.  t.  57).     Schulze  genta    humana    superata   vidisse.      Mit    dieser 
a.  a.  0.  hat  wahrscheinlich  gemacht,  dafs  die  Nachricht  schliefst  seine  Geschichte  im  Alter- 
im    wesentlichen    übereinstimmenden    Reliefs  turne.     Über  den  Gang  des  Zerstörungswerkes 
Kopieen   desselben   Originales    sind    und   sich  im   Mittelalter    sind    wir  nur  unsicher  unter- 
gegenseitig ergänzen,  und  seine  Vermutung  ist  richtet   (Nibby,   Born.    ant.    1    S.  505 ff.).     Um 
znr  Gewifsheit  erhoben  worden  durch  Atcdollent  die   Wende    des    11.  Jahrhunderts    wurde    die 
(Mel.  de  Vecole  fr.  de  Borne  9  [1889]  S.  120ff.),  Ruine    zu    einer    Festung    umgewandelt    und 
dem  es  gelang  an  der  Hand  der  Skizze  eines  mehrfach  erstürmt,  iu  der  Mitte  des  15.  Säku- 
dem    16.   Jahrhundert    angehörigen    Künstlers  lums   scheint   der    Oberbau   bereits   geschwun- 
aus    Rheims,     der    das    Giebelfeld    nach    dem  so  den.    (Über  die  im  Innern  des  Tempels  betind- 
Relief  gezeichnet  hatte,  das  Original  für  den  liehen,   noch  nachweisbaren   Kunstwerke  vgl. 
Stich  Piranesi' s  in  einer  das  vollständige  Relief  Jacobi,  Museogr.  S.  96ff.)     Der  Platz,  auf  dem 
darstellenden  Zeichnung   des  Ursinianus  Vati-  er    stand,    führt    den  Namen   Monte   Caprino, 
canus    3439  f.   83    überzeugend    nachzuweisen.  die    Fundamente    blieben    auch    nicht    intakt. 
Die    Opferhandlung    ist   dieselbe   wie    sie   das  Der    Einsturz    der    den    Berg    durchziehenden 
Relief  im  Louvre  zeigt.     Eine  Abbildung  des  Cunieuli   rifs   Teile   der  Mauern  in  die   Tiefe, 
Reliefs    giebt    Hülsen,  Mitteilg.  d.  arch.  Inst.  sodafs  noch  heute  im  Innern   des  Berges  zwi- 
4  [1889]    S.  251.      In    der  Mitte    des   Giebel-  sehen    Schutt    und    Geröll    zum   antiken    Bau 
feldes     thronte     demnach     auf    hohem    Sitze  gehörige  Steine  aufgefunden  werden.     Als  im 
Iuppiter,    den    Oberkörper    entblöfst,    in    der  40  16.   Jahrhundert    die    Caffarelli    ihren    Palast 
Linken  den   Blitz  tragend;   in  seinem  Schofse  auf  den   vorhandenen   Trümmern    errichteten, 
ruhte  das  Scepter,  zu  seinen  Füfsen  breitete  ein  war  die  Linienflucht  des  Unterbaues  schon  so- 
Adler  die  Schwingen  aus,  neben  ihm  thronten  weit  verblafst,  dafs  der  neue  Pdlast  in  seiner 
rechts  Iuno  verschleiert  und  links  Minerva  im  Richtung  um   8  Grad   von   dem  Tempel  diffe- 
Helm  mit  Aegis   und  Lanze  (im  Gegensatz  zu  rierte  und  mit  seiner  Nordwestecke  über  den- 
der  gewöhnlichen  Stellung;  s.  oben);  an  letztere  selben   hinausreichte   {Jordan  a.  a.  0.  S.  31  ff. 
schlössen  sich  an  Mercurius  mit  dem  caduceus  Bichter  in  Iic.  Müllers  Handb.  d.  Mass.  Altert. 
in  der  Hand,   Sol   sein   Gespann   am   Himmel  3  S.  818  =  Baumeister,  Denlcm.  3   S.  1479). 
herauff ühren d,  Vulcan   in   der  Schmiede  und,  Gemeinsam  mit  Iuppiter  werden  in  dem  neuen 
den  spitzen  Winkel  des  Feldes  ausfüllend,  ein  50  Tempel    Iuno    und    Minerva    verehrt,    doch 
liegender  Flufsgott;  an  Iuno  reihten  sich  Luna  gilt  jener  als  der  eigentliche  Besitzer;   in  der 
zumOceanus  hinabfahrend,  die  nämliche  Gruppe  technischen  Sprache  führt  das  Heiligtum  seinen 
der  Schmiedenden  und  Tellus(?).    In  kleinerer  Namen  aedes   Iovis  Optimi  Maximi  {Liv. 
Bildung  erscheinen  zur  linken  Seite  des  Adlers  7,  3,  5.  40,  51,  3.  40,  52,  7.  CLL.  3    p.  846; 
vor  Mercur    stehend  Vesta  und  Aesculap,  zur  über    andere    Bezeichnungen    des    Tempels    s. 
rechten    eine   jugendliche   Figur,    welche    die  Jordan,    Top.  1,2    S.  33  ff.);    ihm    gehört  der 
verschiedensten  Deutungen  erfahren  hat  (Gany-  Opferaltar  vor  dem  Tempel  {Zonar.  S,  1)  und 
ruedes   bei   Zoega ,  Arch.    Zeitg.  a.   a.   0.    und  der  Schatz  von  ungemünztem  Golde  im  Innern 
Brunn  a.  a.  0.;'  Iuventas  bei  Cavedoni,  bullet.  (er   befand    sich   in    der   mittleren   Zelle    sub 
d.  inst.  1852  S.  158;  Iulus  (s.  d.),  der  Stammvater  60  Iovis  sella;  Camillus  sollte  ihn  angelegt  haben; 
der   Cäsaren  bei  Schulze  a.  a.  0.;    Genius  des  während   der   Bürgerkriege    mehrfach   geplün- 
römischen  Volkes  bei  Jordan,  Top.  1,  2  S.  101).  dert,    wurde    er    durch    Augustus    wiederher- 
Fraglich  bleibt  es,  ob  die  Darstellungen  eines  gestellt  und  vergröfsert  [Liv.  5,  50,  6.    Plin. 
Distylos     mit     der    Inschrift    Iovi    Capitolino  n.  h.  33,  14.   Appian.  b.  c.  1,  S7.    Cassius  Bio 
{Clarac  a.  a.  0.   t.  216  nr.  323.  Cohen,Vitell.  1  41,  39.  Suet.  Caes.  54.  Octav.  30];  vgl.  Momm- 
nr.  16.  17;  7  nr.  16)  und  eines  Sarkophages (Gon,  sen,  Böm.  Münzw.  S.  400  ff.);  ihm  werden  alle 
inscr.  ant.  3  t.  34)  auf  das  Capitol  zu  beziehen  Geschenke  dargebracht,    nach   ihm   führt   das 
sind,  abzuweisen  ist  solche  Beziehung  bei  dem  Opfermahl  den  Namen  epulum  Iovis  (s.  mit.); 


721    Iuppiter  (Capitolinns:  Kultgenossinnen)  Iuppiter  (Capitolinus:  polit.  Bedeutung)    722 

sein  Name  steht  auf  den  zahlreichen  Weih-  kämen  die  Hauptphasen  der  politischen  wie 
inschriften  an  die  drei  capitolinischen  Götter  religiösen  Entwicklung  der  Stadt  zum  Aus- 
stets  voran.  Iuno  und  Minerva  sind  als  Kult-  druck,  eine  Annahme,  die  sich  ohnedies  auf 
genossinnen  (evvvuoi)  von  dem  Hausherrn  die  kaum  haltbare  Voraussetzung  gründet,  die 
gastlich  aufgenommen  (s.  die  gleiche  Stellung  Ramnes  Tities  Lueeres  seien  römische  Stamm- 
des  Pollux  in  der  aedes  Castoris  ad  forum  tribus__  gewesen,  während  sie  doch  durch  die 
und  des  Liber  und  der  Libera  in  der  aedes  gute  Überlieferung  nur  als  Rittercenturien  be- 
Cereris  ad  circum  rnaximuru).  Hatte  bisher  zeugt  werden  (Liv.  1,  13,  8.  1,  36,  2).  —  Am- 
der  Entwickelungsgang  im  Wesen  des  höchsten  brosch  {Studien  und  Andeutungen  auf  dem 
Gottes  sich  im  Rahmen  der  religiösen  An-  10  Gebiet  des  altrömischen  Bodens  und  Kultus  1 
schauung  der  Italiker  gehalten,  so  tritt  mit  S.  223 ff.)  und  ihm  folgend  Marquarät  (Böm. 
der  Einführung  des  capitolinischen  Kultes  zu  Stciatseerw.  3  -  S.  39  ff.)  sehen  in  dem  neuen 
dem  vorhandenen  Vorstellungskreise  ein  neues,  Kulte  den  Zweck,  die  politisch  gespaltenen 
fremdes  Element  hinzu,  das,  in  seinem  Ur-  Parteien  Roms  wenigstens  äufserlich  durch 
Sprunge  auf  griechische  Einwirkung  zurück-  ein  gemeinsames  religiöses  Band  zu  einigen, 
gehend,  eine  weitere  Ausbildung  in  spezifisch  doch  es  liegen  mancherlei  Anzeichen  dafür 
römischem  Sinne  erfahren  hat.  Die  Vereh-  vor,  dafs  in  der  Zeit,  die  dem  sogenannten 
rung  einer  Göttertrias  in  gemeinsamem  Ständekampf  vorausging,  eine  so  scharfe  poli- 
Tempel  ist  den  italischen  Religionen  durchaus  tische  Scheidung  gar  nicht  bestand.  Die  Ver- 
fremd, dagegen  sicher  nachweisbar  bei  den  20  ehrung  der  capitolinischen  Trias  hat  nicht 
Griechen  (unsere  Trias  bezeugt  für  Phokis  erst  eine  äufserliche  Einheit  der  politisch  und 
Paus.  10,  5,  1,  vgl.  Kuhfeldt,  De  Capitoliis  rechtlich  getrennten  Einwohner  geschaffen,  sie 
imperii  Bomnni  p.  82  f.,  dazu  Lactant.  1,  war  vielmehr  der  Ausdruck  der  in  gewissen 
11,  39  über  das  Verhältnis  der  3  Gottheiten  Grenzen  bereits  vollzogenen  bürgerlichen  Eini- 
Iupiter  enim  sine  contitbernio  coniugis  frtiacque  gung.  Der  neue  Kult  nahm  von  vornherein 
coli  non  solet*));  etwa  um  dieselbe  Zeit,  als  gegenüber  den  bisher  vorhandenen  Kulten  eine 
der  capitolinische  Tempel  erstand,  finden  hervorragende  Stellung  ein;  dafür  zeugen  die 
sich  auch  andere  Beweise  für  die  Beeinflussung  gewaltigen  Substruktionen  für  die  Anlage  des 
des  iömischen  Kultes  durch  die  südlichen  Tempels  und  die  Dimensionen  eines  in  so 
Nachbarn,  z.B.  die  Einführung  der  sibyllini-  30  früher  Zeit  entstandenen  Baues,  mit  dem 
sehen  Orakel  aus  Cumae  und  die  Gründung  selbst  nur  wenige  Prachttempel  der  Kaiser 
der  aedes  Cereris  ad  circum  maximum.  Ob  sich  an  Umfang  messen  können.  Das  Vor- 
nun  jene  Dreiheit  auf  geradem  Wege  von  den  herrschen  des  weltlich -politischen  Elementes 
Griechen  oder  durch  Vermittlung  der  Etrusker  geht  vielleicht  auf  tuskischen  Einflufs  zurück, 
nach  Rom  gelangt  ist,  das  läfst  sich  mit  doch  zur  vollen  Entfaltung  kam  es  erst  zu 
Sicherheit  nicht  entscheiden.  Die  Stelle  des  Rom ,  wo  unter  der  Einwirkung  der  Staats- 
Servius  ad  Aen.  1,  422  prudentes  Etruscae  religion  der  Begriff  des  gemeindebeschirmenden 
diseiplinae  ahmt  aptid  conditores  Etruscarum  Iuppiter  mit  dem  Wachstum  der  römischen 
urbium  non  putatas  iustas  urbes,  in  quibus  Macht  sich  immer  mehr  zu  dem  Gedanken 
non  tres  portae  cssent  dedicatae  et  votivae  et  40  der  einen,  weltbeherrschenden  Gottheit  erwei- 
tot  templa  Iovis  Iunonis  Minervae  kann  freilich  terte,  deren  Heiligtum  in  politischer  Beziehung 
für  eine  so  entlegene  Zeit  nicht  als  beweis-  ebensogut  wie  in  religiöser  der  Mittelpunkt 
kräftig  zu  Gunsten  der  Etrusker  angesehen  für  die  Stadt  und  den  gesamten  Staat  war. 
werden,  doch  spricht,  abgesehen  von  der  In  den  Attributen  optimus  inaximus, 
ganzen  Anlage  des  Baues  und  seiner  dekora-  die  den  Gott  als  den  angesehensten  und  mäch- 
tiven  Ausstattung  (Müller -Deecle,  Etrusker  2  tigsten  unter  den  seither  verehrten  Ioves  be- 
S.  231  ff),  für  den  tuskischen  Ursprung  be-  zeichnen,  spiegelt  sich  die  ganze  Fülle  seiner 
sonders  der  Umstand,  dafs  die  gesamte  Tra-  Macht  und  seine  Stellung  als  Vertreter  der 
dition  gerade  auf  die  historisch  nachweisbare  römischen  Staatsidee.  In  den  Gebeten  für  die 
Dynastie  der  Tarquinier  die  Gründung  des  50  Wohlfahrt  des  Staates  werden  die  drei  Götter- 
Heiligtums  übertrug,  und  die  Ausbreitung  der  des  Capitols  angerufen  (Tac.  hist.  4,  53  als 
Tuskerherrschaft  zur  Zeit  der  Erbauung  des  praesides  imperii;  Tita  Prob.  12  Iuppiter 
Tempels  (vgl.  Sp.  632).  Der  Gedanke  an  die  0.  31.,  Iuno  regina,  tuque  virtutum  praesul 
Verehrung  einer  Dreizahl  von  Göttern  und  die  Minerva  .  .  date  hoc  senat ui  populoa/ue  So- 
Verbindung  derselben  zu  einer  geschlossenen  memo  etc.),  sie  gelten  als  die  Schützer  des  römi- 
Gruppe  verdankt  also  die  Entstehung  nicht  sehen  Staates,  darum  fleht  der  Retter  Roms 
der  Vereinigung  von  Kulten  verschiedener  im  Gallierkriege  Manlius  Capitolinus  in  seiner 
Einzelgemeinden,  sondern  ist  zu  den  Römern  Bedrängnis  ihre  Hülfe  an  (Liv.  6,  20,  9),  durum 
von  auswärts  gekommen;  schon  dieser  Grund  dankt  ihnen  der  ältere  Scipio  Africanus,  weil 
spricht  gegen  die  Annahme  Gilberts  (Gesch.  CO  sie  ihm  Verstand  und  Fähigkeiten  für  die 
und  Top.  Borns  2  S.  449),  Iuppiter,  Iuno,  glückliche  Leitung  der  Staatsgeschäfte  ver- 
Minerva seien  die  Hauptgottheiten  der  ur-  liehen  hätten  (Liv.  38,  51,  9;  vgl.  26,  19,  5. 
sprünglichen  Bevölkerungselemente  Roms,  der  Gell.  6,  1,  6.  Cassius  Dio  fr.  57,  40  Beider). 
Latini  Sabini  Tusci,  und  in  ihrem  Bunde  Dafs  von  Anfang  an  neben  dem  sakralen  Cha- 
.,  „         .    ,  .    ,      „              ,     _  .          .  ,         ,  rakter   der   politische  in  den  Vordergrund  ge- 

*)  rur  griechischen  LrsprunL!:   der  Inas  spricht  auch  .  •    ,        i         ,..  .    .       ■   ,  -  ^    *i 

,„  „_        ;   .mjv  ,,  -i.  v  •    1      t        ■    n  treten  ist,   das  lalst  sich  aus  einer  Keine  von 

der  Pfau  als  Attribut  der  capitolinischen  Iuno  im  Gegen-  m,  l  l  i  »         r,i-rj. 

satz  zur  iuno  Moneta,  der  die  Gans  geheiligt  war.    s.  Thatsachen  klar  erkennen.     Am  Stiftungstage 

iuno  Sp.  593.    [Röscher.]  des  Tempels  (13.  Sept.;  s.  oben  Sp.  707,34)  traten 


723   Iuppiter  (Capitolinus :   polit.  Bedeutung)  Iuppiter  (Capitolinus:  polit.  Bedeutung)    724 

die  ersten  Magistrate  des  Staates,  die  Konsuln,  33,  9.  Ioseph.  Areh.  14,  8,  5.  10,  3.  C.  I.  L. 
ursprünglich  ihr  Amt  an  (Bion.  5,  1;  6,  49;  1,  203.  204,  1,  588  =  6,  373,  1,  589  =  6,  372 
vgl.  Mommsen,  Rom.  Chrono!.  S.  86 ff.),  und  =  C.  I.  Gr.  5880.  C.  I.  L.  1,  587  =  6,  374 
als  später  dieser  Termin  verlegt  wurde,  blieb  =  0.  I.  Gr.  5881.  G.  I.  G.  2485.  Bullet. 
doch,  die  Anschauung  bestehen,  dafs  in  jedem  comm.  14  S.  241.  403;  15  S.  14.  241;  16  S.  138. 
neuen  Jahre  die  ersten  Amtshandlungen  der  Notiz,  d.  seav.  1887  S.  110.  1888  S.  139. 
höchsten  Beamten  und  die  Thätigkeit  des  Mommsen,  Ann.  d.  inst.  185S  S.  198  ff.  Gilbert 
Senates  von  dem  capitolinischen  Inppiter  ihren  3  S.  289  Anm.  1;  Jordan,  Top.  1,  2  S.  55  ver- 
Ausgang nehmen  müfsten;  es  zogen  daher  so-  mutet,  die  früher  im  Aedilenarchiv  befind- 
gleich nach  ihrem  Amtsantritt  die  Konsuln  in  10  liehen  Originale  seien  noch  dem  erwähnten 
festlichem  Gewände ,  begleitet  vom  Senate,  Brande  wie  die  sibyllinischen  Bücher  in  den 
den  staatlichen  Beamten  und  Priestern  und  unterirdischen  Räumen  geborgen  worden);  Auf- 
einer zahlreichen  Menge,  Volkes  hinauf  zum  Stellung  von  Gesetzestafeln  auf  dem  Capitole 
Capitole,  um  dem  Iuppiter,  als  dem  höchsten  erwähnt  Cassius  Bio  39,  21;  vgl.  Flut.  Cat. 
Schirmherrn  des  Staates,  den  Dank  für  den  min.  40.  Cic.  34  und  Cicero  Phil.  2,  36,  92. 
Schutz  der  Gemeinde  im  vergangenen  Jahre  5,  4,  12;  hierzu  kamen  noch  eine  Anzahl 
auszusprechen ,  um  ihm  das  von  dem  Vor-  Militärdiplome  aus  dem  ersten  Jahrhundert 
ganger  gelobte  Opfer  eines  weifsen  Stieres  der  Kaiserzeit  (etwa  bis  96  C.  I.  L.  3  p,  917  ff. 
darzubringen  und  für  das  eigene  Amtsjahr  Eph.  epigr.  2 p.  454ff.  4  p.  181  ff.  496 ff.  5  p.  93 ff., 
dasselbe  Gelübde  in  der  vorschriftsrnäfsigen  20  während  die  späteren  post  templum  divi  Augusti 
Weise  zu  wiederholen  (Liv.  22,  1,  6.  41,  14,  7.  adMinervam  erscheinen);überßeschädiguugund 
Ooid.  fast.  1,  75.  ep.  ex  P.  4,  4,  25  ff.  4,  9,  7;  teilweise  Vernichtung  aller  dieser  Bronzetafeln 
vgl.  Mommsen,  Eöm.  Staatsr.  1"  S.  594),  ein  vgl.  Cic.  in  Cat.  3,  S,  19.  Cassius  Bio  45,  17. 
Brauch,  der  in  der  Kaiserzeit  von  dem  neu  Suet.  Fcsjjcis.  8.  Auf  das  Capitol  wurden  an 
erwählten  Imperator  selbst  ausgeübt  wird  jedem  ersten  des  Monats  die  Versammlung 
(Plin.  Paneg.  5,  23.  Vita  Beliog.  15;  vgl.  vit.  der  curiae  (Geschlechterverbände)  gerufen,  um 
Pertin.  5).  Nach  dem  feierlichen  Staatsopfer  hier  an  der  curia  Calabra  nach  vorangegan- 
trat  während  der  republikanischen  Zeit  der  genem  Opfer,  das  der  rex  saerificulus  und 
Senat  im  capitolinischen  Tempel  (Biv.  23,  31,  pontifex  minor  darbrachten,  die  Verkündigung 
1.  26,  1,  1.  30,  27,  1.  32,  8,  1.  Cic.  de  leg.  30  der  wandelbaren  heiligen  Festzeiten  zu  ver- 
agr.  1,  6,  18;  vor  dem  Tempel  schliefst  nehmen  (Varro  l.  I.  6,  27.  fast.  Praen.  ad 
Gilbert  2  S.  450  Anm.  2  ans  Suet.  Aug.  26  die  Ion,  1.  C.  I.  B.  1  p.  312.  Macrob.  Sat.  1,  15, 
K.  Ian.  [Anguslus  cos.  II]  cum  mane  prae  9  ff.  Fest.  p.  49.  Serv.  ad  Aen.  8,  654.  Plut. 
aede  Capitolivi  lovis  paululum  curuli  sella  q.  R.  24.  lyd.  de  mens.  3,  7;  vgl.  Iuno 
praesedisset ,  honore  abiit)  zu  einer  ersten  Sp.585).  Die  alljährlichen  Tribusversammlungen 
Beratung  zusammen;  sie  trug  stets  den  Cha-  zur  Feststellung  der  Heerespfliehtigkeit  für  die 
rakter  einer  Festsitzung  (Jordan,  Top.  1,  2  Bürger  (Folyb.  6,  19.  Liv.  26,  31,  11.  34,  56, 
S.  94  A.  92),  insofern  in  erster  Linie  religiöse  5.  Kon.  p.  19  =  Yarro  Sat.  Menipp.  p.  140 
Fragen  zur  Besprechung  kamen  (Liv.  9,  8,  1.  Biese)  fanden  wohl  darum  auf  dem  Teuipel- 
22,  1,  6.  28,  39,  1.  37,  1,  1).  An  den  Iden  40  hof  statt,  weil  die  Neuausgehobenen  im  An- 
des  September  empfängt  Augustus  vom  Senate  gesiebte  des  idealen  Staatsoberhauptes  sich 
die  hohe  Auszeichnung  der  Corona  graminea  eidlich  verpflichteten ,-  für  Roms  Macht  und 
(Plin.  22,  13),  und  auf  denselben  Tag  fällt  Gröise  ihre  Waffen  tapfer  zu  führen.  Aus  dem 
unter  Tiberius  das  Dankfest  für  das  Mifslingen  Wächteramt  Iuppiters  über  den  ungefährdeten 
der  Verschwörung  des  Libo  (Tac.  ann.  2,  32.  Bestand  des  Staates  erklärt  es  sich  auch,  dafs 
fast.  Amit.  C.  I.  L.  1  p.  324  =  9,  4192).  Die  der  Senat  zum  Zwecke  der  Kriegserklärung 
Feierlichkeiten  daselbst  zur  Zeit  des  Latiner-  an  demselben  Orte  zusammentrat  (Appian. 
festes  sind  oben  Sp.  688,  44  behandelt.  Bei  b  c.  7,  5  r]  ßovlrj  ....  ig  rb  KaniiioXiov 
allen  politischen  Veranlassungen  brachten  der  oinzsg  siw&aGt.  71sqI  7iolifiov  Guontiv  gvveX- 
Trias  die  Arvalen  auf  dem  Capitol  ein  Opfer  dar  50  ftovea  lipncpiGazo  KctQi>]äoiu'oig  -rtoXtfieLv;  vgl. 
(Henzcn,  act.  fratr.  Arval.  p.  57.  72.  82.  90.  91).  Biv.  33,  25,  7),  uud  dafs  der  Feldherr  vor  dem 
Die  sibyllinischen  Bücher,  die  man  bei  allen  wich-  Abgang  zum  Heere  auf  dem  Capitole  feier- 
tigen  Angelegenheiten  des  Staates  um  Rat  zu  liehe  Gelübde  für  den  Sieg  der  römischen 
fragen  pflegte,  wurden  in  den  Kellerräumen  Warleu  aussprach  (Liv.  21,  63,  9.  42,  49,  1. 
des  Tempels  aufbewahrt  (Bion.  4,  62  ovzoi  45,39,11).  Dieselbe  Anschauung  lag  zu  Grunde, 
(tijfimmv  of  %gi]Ouol  uixQ<  rov  Muqgihov  «iij-  wenn  von  der  Höhe  des  tarpejischen  Felsens, 
trtVros  noXifiov  %el(if voi  yiara  yijs  iv  tä  vam  der  auf  der  Südostseite  des  Berges  (Bion.  8,  7S; 
KaititalCvov  z/iog  ev  liQ-Cvr]  lagvcfu);  als  sie  vgl.  Bichttr  in  Iw.  Müllers  Handbeil.  3  S.  812 
bei  dem  grofse.n  Brande  des  Jahres  671  u.  c.  =  Baumeister,  Denkm.  3  S.  1475),  also  vor 
von  den  Flammen  verzehrt  waren  (Cassius  so  der  Front  des  Tempels  gelegen  war,  die  ruein- 
Bio  frg.  106,  3  Belcker),  wurden  aus  Erythrai  eidigen  Hochverräter  in  die  Tiefe  gestürzt 
sowie  andern  Städten  neue  geholt  und  an  dem-  wurden;  vgl.  Mommsen,  Rom.  Staatsr.  I2 
selben  Orte  niedergelegt  (Bnct.  1,  6,  11. 14.  Tac.  S.  141  ff.  Rom.  Forschg.  2  S.  175  ff.  Waren 
ann. 6,12.  Bion.  4,  62  de iraDeiG,  22).  Die  inter-  bei  den  genannten  Vorgängen  für  die  Wahl 
nationalen  Urkunden  oder  wenigstens  ihre  des  Capitols  immer  noch  sakrale  Satzungen 
Kopieen  waren  im  Tempel  selbst  oder  in  seiner  mitbestimmend  gewesen,  so  werden,  ohne  dafs 
Umgebung  innerhalb  der  area  öffentlich  ausge-  ein  solcher  Beweggrund  erkennbar  wäre,  seit 
hängt(Poty&.3,26.  Appian.  Syr.  39;  vgl.  Liv.  38,  dem   zweiten   punischeu  Kriege  Komitien   und 


725     Iuppiter  (Capitolinua :  Triumph)  Iuppiter  (Capitolinus :  Triumph)     726 

Konzilien,  die  gewöhnlich  auf  dem  Forum  im  allgemeinen  Liv.  3,  29,  4.  31,  49,  3.  34, 
tagten,  zuweilen  auf  der  capitolinischen  area  52,  4.  39,  7,  2.  45,  38,  12.  45,  39,  11.  45, 
abgehalten,  und  von  den  Stufen  des  Tempels  40,  4.  Dion.  2,  34.  Vell.  Paterc.  2,  56.  Tac. 
aus  erfolgen  Ansprachen  an  die  versammelte  ann.  2,  41.  Flut.  Flam.  14.  Aemil.  Paul. 
Menge  (Liv.  25,3,  14.  33,  25,  7.  34,1,4.  34,  53,2.  32  ff.  Luculi.  36.  Suet.Gaes.S7.  Vespas.  8. 
43,  16,9.  45,  36,  1  Cornif.  ad  Herenn.  4,  55.  Cic.  12.  Ioseph.  b.  Lud.  7,  5,  4  Appian.  Fun.  66. 
ad  Brut.  1,3.  Appian  b.c.  1,  15.  16.  Oros.  5,  9),  Mithr.  116.  Gassius  Dio  43,  19;  über  die 
wie  denn  überhaupt  etwa  seit  der  Mitte  des  Lage  der  villa  publica  s.  Becker,  Handbch.  d. 
6.  Jahrhunderts  d.  St.  ein  Umschwung  in  den  röm.  Altert.  1  S.  624.  Richter  in  Lw.  Müllers 
religiösen  Bräuchen  und  Anschauungen  sich  io  Handbch.  3  S.  864).  An  der  Spitze  des  Zuges 
bemerkbar  macht.  Wenn  nach  glücklich  be-  schritten  die  Behörden  und  der  Senat  (Dion. 
endigtem  Kriege  der  siegreiche  Feldherr  einen  a.  a.  0.  Ioseph.  a.  a.  0.  Cassius  L)io  51,  21),  hinter 
goldenen  Kranz ,  wahrscheinlich  eine  Nach-  ihnen  eine  Anzahl  von  Musikern  (Plut.  Aem. 
bildung  der  aurea  Corona  triumphantinm,  im  Paul.  33.  Appian.  Pun.  66),  es  folgte  auf 
capitolinischen  Tempel  niederlegt  und  einen  langer  Wagenreihe  die  Kriegsbeute,  bildliche 
Teil  vom  Erlöse  der  Beute  zur  Verschönerung  Darstellungen  aus  dem  Feldzuge,  Kränze  von 
und  Bereicherung  des  irdischen  Wohnsitzes  Lorbeer,  später  von  Gold  (Liv.  34,  52,  8.  [Gell. 
Iuppiters  verwendet,  so  handelt  er  in  dem  5,  6,  7.]  Plut.  Aem.  Paul.  34),  Ehrengaben 
frommen  Glauben,  dafs  nicht  eigene  Kraft,  der  Provinzialstädte  an  die  Sieger.  Sodann 
sondern  der  Beistand  des  höchsten  und  besten  20  geleiteten  Jünglinge  und  Knaben,  mit  Opfer- 
Gottes  ihm  den  Sieg  über  Roms  Widersacher  schalen  in  den  Händen ,  die  zum  Opfer  be- 
verliehen; die  Statuen  verdienter  Heerführer  stimmten,  mit  Binden  und  Kränzen  geschmück- 
und  Staatsmänner  werden  auf  Befehl  des  ten  weifsen  Stiere,  deren  Hörner  vergoldet 
Senates  auf  dem  Capitole  aufgestellt,  um  an-  waren  (Serv.  ad  Georg.  2,  146.  Comment.  Crug. 
zudeuten,  dafs  eine  Wechselbeziehung  zwischen  ad  Horat.  epod.  9,  22.  Liv.  34,  52,  9.  45,  39, 
ihnen  und  dem  höchsten  Gotte  bestehe,  dafs  12;  vgl.  40,  38,  9.  Plut.  Marc.  22.  Aem. 
sie  ihre  Thaten  unter  seinem  Schutze  aus-  Paul.  33);  die  nächste  Abteilung  bildeten  die 
geführt  haben;  wenn  verbündete  oder  über-  vornehmen  Gefangenen  und  Geiseln,  an  sie 
wundene  Könige  und  Nationen  den  Gefühlen  schlössen  sich  Liktoren  in  Purpurtunika  mit 
der  Freundschaft  oder  ihrer  Anerkennung  von  30  lorbeerumkränzten  fasces  und  ein  zweites 
Roms  Oberhoheit  Ausdruck  geben  wollen,  so  Musikchoran;nunmehrerschienderTriumphator 
bringen  sie  dem  capitolinischen  Iuppiter,  als  selbst,  als  ein  lebendiges  Abbild  des  capitoli- 
dem  obersten  Schirmherrn  des  gesamten  Volkes  nischen  Iuppiter,  ausgestattet  mit  dessen  At- 
huldigend,  ihre  Geschenke  dar;  in  allen  diesen  tributen  und  Gewandung  (Liv.  10,  7,  10.  Suet. 
Fällen  also  gilt  er  als  der  Urheber  aller  Er-  Aug.  94.  Luv.  10,  38),  die  für  den  jedes- 
folge  der  römischen  Staatsgewalt.  maligen  Gebrauch  aus  dem  Tempel  entnommen 
Triumph.  (Gull,  de  triumphi  Bomani  ori-  wurde  (Tertull.  de  coron.  13.  vit.  Alex.  40. 
gine,  permissu,  apparatu,  via.  Schleiz  1854.  Gordian.  4.  Prob.  7);  er  fuhr  im  Viergespann 
Philip}»,  Über  die  römischen  Triumphalreliefe.  (Dion.  9,  71.  Flor.  1,  1,  5.  Ovid.  ep.  ex  Pont. 
Abhdlg.  d.  Sachs.  Ges.  d.  M'iss.  phil.-hist.  Kl.  6  «  2,  1,  58.  Zonar.  7,  8;  seit  dem  Triumphe 
(1872)  S.  247  ff.  Wieseler,  3  Cameen  mit  Tri-  des  Camillus  scheint  man  ausschliefslich 
umphdarstellunr/en,  Abhdlg.  d.  Göttg.  Ges.  d.  weifse  Rosse  verwendet  zu  haben,  vgl.  Liv. 
Wtss.  30  (1883)  S.  1  ff.  Mommsen,  Rom.  5,  23,  6.  Plut.  Cam.  7.  Cassius  Dio  43,  14. 
Staatsr.  I2  S.  124 ff.  Marcpuardt,  Röm.  Staats-  52,  13.  Suet.  Ner.  25.  Plin.  paneg.  22. 
altert.  22  S.  582  ff.  Am  stärksten  kam  der  hervor-  Propert.  5,  1,  32.  Ovid.  a.  amat.  1,  214),  auf 
ragend  politische  Charakter  des  Iuppiter  0.  M.  vergoldetem  Wagen  (Liv.  10,  7,  10.  Horat. 
zur  Geltung  in  der  Siegesfeier  der  Triumphe,  epod.  9,  21.  Florus  a.  a.  0.;  vgl.  Appian.  Pun. 
der  höchsten  Auszeichnung,  die  der  römische  66.  Mithr.  117.  Zonen-.  7,  21  und  die  Dar- 
Staat  seinen  Bürgern  verleihen  konnte.  Wenn  Stellungen  der  quadriga  auf  alten  römischen 
auch  dabei  in  der  späteren  Zeit  mit  dem  50  Münzen  [zwischen  412  u.  543  u.  c]  b.  Babelon, 
Schwinden  des  religiösen  Sinnes  die  Schau-  Descr.  d.  mon.  de  la  repl.  Born.  1  nr.  23  —  26). 
Stellung  der  Beute  und  die  Entfaltung  grofs-  Bekleidet  ist  er  mit  purpurnem  (Fest.  p.  209; 
artigen  Prunkes  immer  mehr  zur  Hauptsache  vgl.  Liv.  27,  4,  8.  31,  11,  12),  später  gold- 
wurde, so  ist  doch  von  den  ersten  Jahren  der  durchwirktem  (Pohjb.  6,  53.  Dion.  3,  61.  62; 
Republik  bis  in  die  späte  Kaiserzeit  in  dem  vgl.  4,  74.  Appian.  Pun.  66)  Unter-  und  Ober- 
ganzen Ceremoniell  die  ursprüngliche  Beden-  gewand,  der  tunica  palmata  (Marquardt,  Söm. 
tung  des  Festes  deutlich  erkennbar;  er  galt  Privatalttrt.  22  S.  542  ff.)  und  toga  pieta 
als  eine  Erfüllung  der  Gelübde,  die  der  zum  (Fest.  a.  a.  0.  Liv.  10,  7,  9.  30,15,11.12;  später 
Heere  abgehende  Feldherr  auf  dem  Capitole  auch  palmata  genannt;  vgl.  Martial.  7,  2. 
ausgesprochen  hatte  (Liv.  45,  39,  11;  vgl.  38,  60  Apul.  eipol.  22.  Tertull.  de  coron.  13.  Serv. 
18,  16.  42,  49,  1),  als  eine  Dankesfeier  an  ad  Aen.  11,  334.  Isidor.  19,  24,  5)  und  Ver- 
den capitolinischen  Iuppiter  für  die  Errettung  goldeten  Schuhen  (Cassiod.  rar.  6,1),  in  der 
und  Machterweiterung  des  römischen  Staates.  Rechten  hält  er  einen  Lorbeerzweig  (Plin.n.h. 
Nachdem  dem  siegreichen  Feldherrn  in  einer  15,  137.  Plut.  Aem.  Paid.  34.  Appian.  Pun. 
Senatssitzung  der  Triumph  bewilligt  war,  66.  Mon.  d.  inst.  3  t.  10.  11),  in  der  Linken 
ordnete  sich  der  Festzug  aufserhalb  des  Po-  ein  Scepter  von  Elfenbein,  dessen  Spitze  ein 
meriums  auf  dem  Marsfelde,  in  der  Nähe  Adler  krönt  (Dion.  3,  61.  Vol.  Max.  4,  4,  5. 
der  Villa  publica  (vgl.  über  die  Zugordnung  luv.  10,  43.    Lyd.  de  mag.  1,  7;  vgl.  Prudent. 


727      Iuppiter  (Capitolinus:  Triumph)  luppiter  (Capitolinus:  Weihgeschenke)   728 

peristcph.  10,  146  und  Darstellungen  auf  Münzen  Hülfe  Iuppiters  den  Sieg  errungen  habe,    den 

Eckhel ,    Doctr.  num.    6    p.  114.    Fröhner ,  Les  Lorbeer   der    fasoea   und   den  Lorbeerzweig  in 

medaill.  de  Vampire  Romain  S.  132).    Ein  Lor-  seiner    Rechten     dem     Gotte    in     den    Schofs 

beerkranz  ziert  sein  Haupt  (Plin.  a.  a.  0.)  und  (Plin.    15,    134.     Iul.    Obs.    61.     Sil.   Bai.    15, 

über  demselben  hält  ein  hinter  ihm  stehender  118.     Pacatus  paneg.    in   Theodos.   9,  5.     Tac. 

Staatssklave  eine  schwere  goldene  Krone  (Plin.  ann.  2,  46.    Cassius  Bio  54,  25).    Griechischen 

33,   11.    luv.  10,  39.    Zonar.  7,  211,   wobei  er  Einflufs  zeigt  die  Sitte,  eine  Palme  als  Sieges- 

ihm   zurief:  respice  post  te,   hominem  te  me-  zeichen  zu  weihen,    vgl.   Triumphalfasten   von 

mento  (Tertull.  apol.  33;  vgl.  Plin.  28,39.  711— 788  O.  I.L.  1  p.  477  "und  Maerob.  2,  7;  8; 
Hieron.    ad    Paulain   4    p.    55     ed.    Benedict.  10  seit    August    begnügten    sich    die    Kaiser    zu- 

Arrian.  diss.  Epict.  3,    24,   85.     luv.   10, __  41).  weilen  statt  eines  Triumphes  mit  der  Nieder- 

Sollte   er  selbst   durch  diese  Worte  vor  Über-  legung    des  Lorbeers    (mon.  Anc.  1,   22,   dazu 

hebung  in  seinem  Glücke  gewarnt  werden,  so  Mommsen,  E.  g.  d.  A.  p.  19).     Sodann  wurden 

diente   ihm   als   Schutzmittel   gegen   den  Neid  die  reichen  Dankesopfer   dargebracht  ( loseph. 

und  bösen  Blick  der  Teilnehmer  und  Zuschauer  b.    lud.  7,    5,   6)    und   hieran   schlofs  sich  ein 

ein  Amulett  (fascinus),   das  er  entweder  selbst  Festmahl    für    die    Behörden    und    den    Senat 

trug  (Maerob.  1,  6,  9)  oder  unter  dem  Wagen  (Liv.  45,  39,  13.    Val.  Max.  2,  8,  6;  vgl.  Gell. 

befestigen    liefs    (Plin.    28,    39;     vgl.     Jahn,  10,   2,  7).      Nach  Beendigung   des    Triumphes 

Über  den  Aberglauben  des  bö>en  Blickes,  Ber.  werden  die-  entliehenen  Gegenstände  wieder 
d.  Sachs.  Ges.  d.  Wiss.  1855  S.  70).    Nach  dem  20  im  Tempel  geborgen  (Liv.  ep.  67.   Flut.  Mar. 

Vorbilde  Iuppiters  (Cic.  ad  (am.  9,  16,  8.    Plin.  12.     Cassius   Bio    C7,    4.     Elog.    C    I.   L.    1 

35,  157)  war  das  Antlitz  des  Triumphierenden  p.  290). 

mit  Mennig  rot  gefärbt  (Plin.  33,  111.    Serr.  Weihgeschenke.   Die  erste  Weihung,  von 

ad  Ed.  6,  22.  10,  27.    Amob.  6,  10;   vgl.  Plut.  der  uns  die  Annalen  berichten,  war  die  Spende 

q.  M.  98);  auf  dem  Wagen  stehend  oder  ihn  zu  eines  goldenen  Kranzes  durch  die  Latiner  a.  295 

Pferde   begleitend,  nahmen   die  Kinder  Anteil  u.  c.  (Liv.  2,  22,  6).  Dasselbe  Geschenk  stiften  sie 

an  der  Auszeichnung  des  Vaters   (Liv.  45,  40,  gemeinsam    mit    den   Hernikern   a.    305    u.    c, 

4.  8.    Cic.  pro  Mur.  5,  11.    Val.  Max.  5,  7,  1.  veranlafst    durch    die    politische    Aussöhnung 

5,  10,  2.  Tac.  ann.  2,  41.  Suet.  Tib.  6.  Appian.  zwischen  Patriciern  und  Plebejern  (Liv.  3, 
Fun.  66.  vit.  31.  Ant.  philos.  12,  10.  Zonar.  30  57,  7),  doch  hält  Jordan,  Top.  1,  2  S.  15 
7,  21).  Darstellungen  des  Triumpbators  auf  A.  11  diese  Erzählung  für  eine  Erfindung,  zu 
der  Quadriga  zeigen  Münzen  der  Fundania  der  die  später  erfolgte  Schenkung  eines 
(Babelon  1  S.  512),  der  Pompeia  (Babelon  2  Kranzes  durch  die  Karthager  a.  411  (Liv.  7, 
S.  342,  6;  vgl.  Aemilia  1  S.  122),  des  M.  Aurel  38,  2)  den  Anlafs  gegeben  habe.  Zwölf  Jahre 
und  L.  Verus  (Frijhner  S.  91),  des  Commodus  später,  a.  317,  hören  wir  von  einer  gleichen 
(Fröhner  S.  113.  Baumeister,  Benkm.  1  Abb.  430)  Gabe  an  luppiter,  die  der  Diktator  Mamercus 
des  Probus  (Friihner  S.  239,  1),  des  Numerian  Aemilius  auf  Geheifs  des  Volkes  auf  dem 
(Fröhner  S.  248,  3.  Baumeister  a.a.O. Abb. 4081.  Capitole  niederlegte  (Liv.  4,  20,  4).  Den  gol- 
Am  Schlüsse  des  Zuges  marschierten  die  denen  Kranz  werden  wir  uns  wohl  bei  allen 
Soldaten  im  Schmuck  ihrer  militärischen  Ab-  40  Widmungen  siegreicher  Heerführer  hinzuzu- 
zeichen,  sangen  Spott-  und  Loblieder  auf  denken  haben,  wenn  er  auch  als  selbstver- 
den  Feldherrn  (Liv.  4,  20,  2.  5,  49,  7.  39,  7,  ständliche  Gabe  nicht  ausdrücklich  erwähnt 
3.  45,  38,  12.  Dion.  2,  "4.  7,  72.  Plin.  19,  wird.  Auch  für  auswärtige  Fürsten  und  Völker- 
144.  Plut.  Marc.  8.  Suct.  Caes.  49.  Vell.  Paterc.  schaffen  war  die  Darbringung  einer  Corona 
2,  67.  Maitial.  1,  5.  Vit.  Aurel.  6,  5)  und  aurea  die  gewöhnlichste  Art  der  Huldigung 
riefen,  wie  die  Zuschauer,  ihr  fröhliches  io  (Karthager  s.  oben;  Attalus  a.  556,  Liv.  32, 
triumphe  (Varro  1.  1.  6,  68.  Horat.  epod.  9,  27,  1;  Philipp  von  Macedonien  a.  563,  Lir. 
21  c.  4,  2,  49.  Ovid.  trist.  4,  2,  48).  Vom  36,  35,  12;  Alabanda  und  Lampsacus  a.  584, 
Marsfelde  aus  nahm  der  Zug  seinen  Weg  in  Liv.  43,  6,  6;  Thiabe ,  Eph.  epigr.  1,  278 
die  festlich  geschmückte  Stadt  (Ovid.  trist.  4,  50  Z.  32  ff.  Arch.  des  miss.  scient.  1872 ,  63). 
2,  4.  L'lut.  Aem.  Paul.  32).  Durch  die  porta  Andere  Weihgeschenke:  Victoria  aurea  des 
triumphalis  (Cic.  in  Pison.  23,  55.  Tac.  ann.  Hiero  a.  538  (IAr.  22,  37,  5.  12),  Nlkui  tqo- 
1,  8.  Suet.  Aug.  100.  Cassius  Bio  56,  42.  ncaotpoqoi  des  Bocchus  a.  662  (Plut.  Mar.  32), 
Joseph,  b.  lud.  7,  5,  4)  erreichte  er  zunächst  Victoria  quadrigam  in  sublime  rapiens  des 
den  circus  Flaminius  (Plut.  Luculi.  37;  vgl.  Plancus,  imperator  a.  712  (Plin.  n.li.  35,  108), 
Aem.  Faul.  32.  loseph.  a.  a.  O.),  passierte  die  clipeus  cum  imagine  Hasdrubalis  supra  foris 
porta  Carmentalis  und  schlug  über  vicus  iu-  Capitolinae  aedis  von  L.  Marcius  a.  212  (Liv. 
garius,  forum,  vicus  Tuscus  und  Velabrum  25,  39,  17.  Plin.  35,  14),  eherne,  silberne, 
(Suet.  Caes.  37.  Cassius  Bio  43,  21)  die  Rieh-  vergoldete  Schilde  (Plin.  a.  a.  O.  Liv.  35,  10, 
fung  nach  dem  circus  maximus  ein  (Cic.  in  60  12.  38,  35,  4),  aenea  in  Capitolio  limina  et 
Verr.  1,  59,  154),  von  hier  umschritt  er  die  trium  mensarum  argentea  vasa  in  cella  Iovis 
Ostseite  des  Palatm  bis  zur  sacra  via  und  zog  (Liv.  10,  23,  12),  quadrigae  aureae  (Liv.  29, 
dann  auf  dieser  über  Forum  und  Clivus  Capi-  38,  8.  35,  41,  10),  seiuges  aurati  (Liv.  38,  35, 
tolinus  hinauf  zum  Tempel  des  luppiter  (Horat.  4),  signa  (Liv.  30,  39,  8.  38,  35,  4),  Samm- 
epod.  7,  8.  c.  4.  2,  35).  Hier  verliefs  der  Im-  lung  geschnittener  Steine  von  Pompeins  (Plin. 
perator  den  Wagen,  stieg  die  Stufen  des  37,  11),  in  cella  Iunonis  canis  ex  aere  volnus 
Heiligtumes  empor  (Cassius  Bio  43,  21.  60,  suum  lambens  (Plin.  34,  38),  Werke  des  Cae- 
23)   und   legte   zum  Zeichen,    dafs  er  nur  mit  lators   Mentor    (Plin.  33,    154;    vgl.    7,    127), 


729    Iuppiter  (Capitolinns :  Weihgeschenke)  Iuppiter  (Capitolinus :  Weihgesehenke)    730 

zwei  Kolossalköpfe  aus  Erz,  Werke  des  Chares  beigefügtes  Verzeichnis  den  nötigen  Aufschlufs 

und  Decius,  von  P.  Lentulus  Spinther,  Konsul  gab.     Sp.  Carvilius  Maximus,  der  Sieger  über 

a.  607    {Plin.  34,   44;    vgl.   Brunn,    Gesch.  d.  die    Samniten    (a.    461),    errichtete     aus    den 

gr.  Künstler  1!  S.  420),  Statue  eines  Epheben  Rüstungen    der    gefallenen    Feinde    eine    Ko- 

aus  Bithynien,  von  Pompeius  Bithynicus  {Fest.  lossalstatue    des   Iuppiter    von    solcher   Höhe, 

p.    262),     Theseus,     Gemälde    des    Parrhasios  dafs    sie    vom    Tempel    des    Iuppiter   Latiaris 

{Plin.  35,    69;    vgl.    Brunn  a.  a.  0.  2    S.  99),  auf  dem  Albanerberge  deutlich  bemerkt  werdeü 

2  Gemälde  {Plin.  35,  108),  zqIiuq  ig  gcp<xlqlov  konnte;     aus     den    Abfällen     der    Feile    gofs 

zi  iqvoovv  ifißaläv   üviftwiis   rrä  dii  Kanizco-  man   eine  Statue  des  Carvilius  selbst,    die  zu 

lim  sc.  Nero  {Cassius  Dio  61,  19);    Antiochos  io  den  Füfsen   des  Götterbildes  Aufstellung  fand 

wollte  a.  684  einen  goldenen  Leuchter  weihen  {Plin.  34,   43).     Bei   der  Verheerung,    die   ein 

{Gic.  in   Verr.  4,   28,   64  ff.).     Schon  im  Jahre  Gewitter  des  Jahres  689  auf  dem  Capitole  an- 

575  hatten  sich  die  Geschenke,  die  von  Bürgern  richtete,  stürzte  ein  auf  einer  Säule  stehendes 

und  Fremden  dem  Tempel   zugingen,   in  dem  Bild   des  Iuppiter   zu  Boden    {Cassius  Dio  37, 

Mal'se  gehäuft,    dafs   der  Censor  Aemilius  Le-  9;  vgl.  Cic.  in  Cat.  3,  8,  19);  nach  Anordnung 

pidus   die   Entfernung   vieler  Gegenstände   für  der  Haruspices   erfolgte   die  Aufstellung  einer 

nötig    erachtete    {Liv.  40,  51,  3    Lepidus  .   .  .  gröfseren  Statue,  die  contra  atque  antea  fuerat 

ab    columnis   quae    incommode    oppusita    vide-  mit  dem  Gesicht  nach  dem  Forum  und  Comi- 

bantur,   signa   amovit   cliptaque  de  columnis  et  tium  zugewendet  war    {Cic.  in  Cat.    3,   8,   20. 

signa  militaria  adfixa  omnis   generis   dempsit).  20  Cassius  Dio  37,  34).     Eine  Bildsäule  des  Iup- 

Einen   Iuppiter   Imperator    nebst   einer  Votiv-  piter  Africuä    erwähnen    die    Militärdiplome 

tafel    mit    der    Inschrift    Tuppiter   atque    divi  der  Jahre  76  und  85  p.   C.    C.  I.  L.  3   p.  853. 

omnes  hoc  dederunt,   ut  T.  Quinctius  dietator  855,  andere  Iuppiterbilder  s.  Sp.  713,  54.    Den 

oppida  noveru  caperet' stellte  T.  Quinctius  nach  Darstellungen  luppiters   reihen   sich   die  Bild- 

der  Überwindung   vou   Praeneote   a.  374    u.  c.  msse  anderer  Gottheiten  an:  Herculis  magnum 

intra    cellam  Iovis    ac  Minervae    auf   {Liv.    6,  simulacrum    a.  449    {IAv.  9,  44,  16),   Kolossal- 

29,  8),    die   übliche  Kranzspende   fehlte  nicht  statue  desselben  Gottes,  ein  Werk  des  Lysipp, 

( Fest.  p.  363),  wahrscheinlich  ist  hierher  auch  das   Q.    Fabius   a.    545   den  Tarentinern  nahm 

die  Stelle  des  Cicero  in  Verr.  4,  58,  128ff.  zu  {Plut.    Fab.    22.      Plin.     34,    41.     Strab.     6 

ziehen,  vgl.  Sp.  644.    Die  Überlieferung  weifs  30  p.    278;     vgl.    Cassius   Dio   42,    26.     Brunn, 

noch    von    anderen    Fällen    zu    berichten,    in  Gesch.  d.  griecli.  Künstler  1  S.  252);  drei  knie- 

denen  siegreiche  Feldherm  ihre  Ruhmesthaten  ende  Gottheiten  von  M'.  Acilius  a.  575  {Fest. 

durch    eine    Weihinschrift    auf   dem    Capitole  p.  174.    177),   Kolossalstatue   des  Apollo  aus 

verewigten.     L.   Aemilius    Regillus    befestigte  Apollonia  am  Fontus  von  L.  Licinius  Lucullus 

seinen    Bericht   über    den    Seesieg   gegen   An-  {Plin.  4,   92.    34,  39.      Strab.   7    p.  319;     vgl. 

tiochos    (a.  564)    in    aedo.  Iovis    supra   valvas  Brunn  a.  a.  0.  1  S.  90),  Statue  der  Minerva 

{Liv.  40,  52,  7;  den  ersten  Vers  giebt  Caesius  von  Cicero   a.  696    {Cassius  Dio   38,    17;    vgl. 

Bassus  grammat.  lut.   6,   265    Keil);    Ti.  Sem-  45,  17.    Iul.  Obs.  68)  Romulus  quem  inaura- 

pronius    Gracchus    fügte     der    Erzählung    von  tum     in    Capitolio    parvum     atque    lactanlem, 

seinen    Erfolgen    in    Sardinien    (a.    580)    noch  40  uberibus  lupinis  inhiantem  esse  meministis   .  . 

die  bildliche  Darstellung  der  Schlachten  hinzu  {Cic.  in  Cat.  3,  8,  19;    vgl.  de  div.  2,  20,  45. 

{Liv.  41,   28,   8    in    aide    matris  Blatutae  be-  2,21,47,1,12,20.    Cass.  Dw  '61,  9.   Baumeister, 

Endlich,  doch  schlofs  die  Inschrift  hunc  tabulam  Denkm.  1  Abb.  552),  Roma,  von  den  Lykiern 

Iovi  donum  dedit;  vgl.  C.  I.L.W,  8416);  eine  geweiht    {C.   I.  L.    1,    589    =    6,    372;     vgl. 

tabula  victoriae  Asiaticae  des  L.  Scipio  (a.  564)  Kluegmann,    Deffigie    di    Roma.    Rom     1879 

erwähnt  Plinius  n.  h.  35,  22  und  Verse  ex  Actlii  S.    8.  57),  signu(in)    Lib(eri)   patris   (Militär- 

Glabrionis  tabula  Caesius  Bassusa..  a.O.    Es  war  diplom  v.  J.  70  p.  C.  C.  I.  L.  3  p.  849),  sirnu- 

überhaupt   allgemeine   Sitte,    dafs    die   Sieger  lacra    Boni  Eventus   et  Bonae  Fortunae 

vor  dem  Triumphe  ein  Verzeichnis  ihrer  Thaten  {Plin.  36,  23),  Nemesis  {Plin.  11,  251.  28,  22), 

in     Saturniern     abgefafst    auf     dem    Capitole  50  Martis  {Cat-s.Dioil,  14),  Valetudinis  {Petron. 

niederlegten     {Caesius    Bassus    a.  a.  0.    apud  Sat.  88).     Servius  ad  Aen.   2,   319    hatte   also 

nostros  autem  in  tubulis  antiquis,    quas  trium-  ein    gewisses   Recht    zu    seiner  Äufserung:   in 

phaturi  duces  in  Capitolio  figebant  victoriaeque  Capitolio  deorum  omnium  simulucra  colebantur. 

suae  titulum  Saturmis  versibus  prosequebantur,  Die  allgemeine  Bestimmung  'in  Capitolio'  läfst 

talia  repperi  exempla  .  .  .).    Ein  Bild  mit  der  es  freilich  für  manche  Bilder  fraglich  erscheinen, 

Darstellung  der  Gefangennahme  lugurthas  durch  ob  sie  im  eigentlichen  Tempelbezirk  zu  suchen 

Sulla   weihte   König  ßoechus    {Plut.  Mar.  22.  sind.     Das   Beispiel   des   Carvilius,   die  eigene 

Süll.  6;  dieselbe  Abbildung  auf  eiuein  Siegel-  Statue  dem  Gotte  zu  weihen,  fand  Nachahmer  an 

ringe  Sullas   Val.  Max.  8,  14,  4.    Plut.  Sult.  3  Caecilius  Metellus,   dem  Sieger  von  Panormos 

und  auf  den  Denaren  seines  Sohnes;  Mommsen,  00  a.  254  {Dion.   2,  66),    an  Q    Fabius   Maximus 

Rom.  Münzw.  S.  654.  Babelon  1  S.  421  nr.  59).  Cunctator  {Plut.  Fab.  22  itfinnov  tl-AOva),  an 

Auch     auf    den    tropaea    des     Marius     {Plut.  dem    älteren    Scipio   Africanus    {Val.  Max.  8, 

Caes.    6.    Suet.    Caes.    11.     Vell.  Patcrc.  2,  43;  15,   1    imaginem   in  cella  Iovis  0.  M.  positam 

vgl.    Propert.    3,    11,   46.     Cassius  Dio  50,  4)  habtt.  Appian.  Hisp.  23.    Sen.  ep.  45,  72;   Liv. 

und   Germanicus    {C.   I.   L.    3   p.    856.      Eph.  38,  56,  12  spricht  nicht  dagegen)   und  seinem 

epigr.  4  p.  499  f.;  vgl.  ibid.  848  f.     C.  I.  L.  6,  Bruder  Lucius    {Val.  Max.  3,    6,   2.     Cic.  pro 

912)    wird    man  die   ruhmvollen   Kämpfe    der  Rabir.  Post.    10,   27).     Von    dem    Konsul    des 

beiden  Helden   erblickt  haben,    über  die   ein  Jahres  702,  Q.  Metellus  Pius,  wurde  eine  turma 


731    Iuppiter  (Capitolinus :  Weihgeschenke)  Iuppiter(Capitolmus:lucümagni,Romani)  732 

inauratarurn  equestvium,  vermutlich  Mitglieder  später  auch  die  scenisehen  hinzutraten;  ferner 
der  gens  Cornelia  darstellend,  auf  dem  Capi-  dafs  der  Hauptfeiertag,  also  namentlich  das 
tole  aufgestellt  (Cic.  ad  Attk.  6,  1,  17).  Hier  Opfer  mit  dem  dazu  gehörigen  Gebete  und 
sah  man  auch  die  Standbilder  der  sieben  dem  epulum,  immer  auf  den  Tag  der  Idus,  den 
römischen  Könige  und  des  Brutus  (Plin.  34,  alten  Festtag  des  Iuppiter,  gefallen  sein  wird." 
22.  23.  33,  9.  10.  24.  Ascon.  in  Scaur.  p.  25  Gestützt  auf  einige  Stellen  der  Alten  (Liv. 
K.  et  S.  Cassius  Bio  43,  45.  Appian  b.  e.  1,  1,  35,  9  sollemnes  deinde  anniti  mausere  hidi 
16).  Als  eine  besondere  Auszeichnung  galt  es,  Bomani  magnique  varie  appellaii.  Cic.  derepubl. 
wenn  Bürgern  noch  zu  ihren  Lebzeiten  oder  2,  20^  35  eundem  primum  ludos  maximos  qui 
nach  dem  Tode  eine  Statue  beim  Tempel  des  10  Romani  dicti  sunt  fecisse  accepimus.  Paul. 
Iuppiter  von  Staats  wegen  errichtet  wurde.  Diese  p.  112  magnos  ludos  Romanos  ludos  appella- 
Ehre  genossen:  M.  Aemilius  Lepidus  (Val.  Mao:.  bunt,  quos  in  honorem  lot^is,  quem  principem 
3,  1,  1;  vgl.  Mommsen,  Böm.  Münzte,  nr.  275).  deorum  putabant,  faciebant)  hat  man  die  ludi 
Q.  Marcius  Rex,  praetor  a.  608  (Militärdiplom  magni  und  Romani  so  lange  für  identisch  ge- 
v.  J.  64  p.  C.  C.  I.  L.  3  p.  846;  Tgl.  Mommsen  halten,  bis  eine  genauere  Untersuchung  Momm- 
a.  a.  0.  nr.290.  Bäbelon  2  S.  197  nr. 28),  T.  Seius  sens  (Mein.  Mus.  14  [1859]  S.  7 9 ff.  =  Böm. 
(Plin.  18,  16),  Pinarius  Natta  {Cic.  de  div.  2,  Forschg.  2  S.  42  ff.;  Tgl.  Böm.  Chrono!.  ! 
20,  45.  2,  21,  47),  Caesar  (Cic.  i>ro  Bciot.  S.  167.  324)  einen  Unterschied  hinsichtlich 
12.  33.  Cassius  Bio  43,  45).  Die  Feuersbrunst  der  Zeit  ihrer  Aufführung  ergab.  Die  grofsen 
des  Jahres  671  scheint  den  aufserhalb  des  20  Spiele,  die  vom  Heiligtum  der  capitolinischeu 
Tempelgebäudes  befindlichen  Statuen  keinen  Trias  ihren  Ausgang  nahmen,  gehörten  in 
Schaden  zugefügt  zu  haben  {Appian  a.  a.  O.);  ältester  Zeit  zu  deu  ludi  votivi,  sie  wurden 
a.  689  stürzten  Blitzschläge  eine  Anzahl  von  also  nicht  regelmäfsig  in  jedem  Jahre,  sondern 
ihren  Postamenten  (Cic.  in  Cat.  3,  8,  19);  nur  infolge  einer  besonderen  Veranlassung  auf 
Augustus  hat  wegen  Raummangels  einen  gro-  ein  Gelübde  hin  gefeiert,  nach  der  Ähnlichkeit 
fsen  Teil  der  Standbilder  von  der  capitoli-  der  Feier  zu  urteilen  ursprünglich  wohl  immer 
nischen  area  nach  dem  Marsfelde  schaffen  im  Anschlufs  an  den  Triumph.  Häufige  Kriege 
lassen  (Suit.  Calig.  34.  Cassius  Bio  51,  22).  gaben  Anlafs  zu  einer  öfteren  Wiederholung. 
In  der  Kaiserzeit  war  die  Ehre,  in  der  Käue  Nachdem  so  die  äufseren  Verhältnisse  eine 
des  höchsten  Gottes  eine  Statue  zu  empfangen,  so  fast  alljährlich  wiederkehrende  Feier  herbei- 
soweit  es  die  Überlieferung  erkennen  läfst,  geführt  hatten,  wurde  schliefslich  der  that- 
dem  Imperator  (ev.  dem  Thronerben,  vgl.  sächliche  Zustand  auch  rechtlich  fixiert,  d.  h. 
Mommsen,  Eph.  epigr.  4  p.  499 f.)  Torbehalten.  die  aufserordentlicheu  Spiele  verwandelten  sich 
Genannt  werden  Statuen  des  Augustus  (Ja-  zu  einem  stehenden  Jahresfeste,  dem  der  neue 
cobi,  Museogr.  S.  79),  Domitian  (Suit.  Borna.  Name  ludi  Romani  beigelegt  wurde,  während 
13),  Trajan  (Plin.  Paneg.  52),  Claudius  Gothi-  jenen  auch  noch  in.  späterer  Zeit  gefeierten 
cus  (Trebell.  Poll.  3),  Aurelian  (Vita  Tac.  9,  ludi  Totiri  die  Bezeichnung  magni  erhalten 
neben  anderen  reichen  Gaben).  Wie  um  die  blieb.  Die  ludi  Romani  fielen  in  den  September; 
Tempel  der  Fortuna,  des  Hercules  und  Qui-  als  Termin  für  den  religiösen  Akt  des  Opfers  und 
rinus  gruppieren  sich  auch  um  das  capitoli- -io  Opfermahles  wurdenjedenfalls  schon  Ton  Anfang 
nische  Heiligtum  eiue  Anzahl  kleinerer  Kult-  an  dielden  des  September  bestimmt;  zwar  finden 
statten.  Wir  kennen  daselbst  einen  Altar  wir  ein  epulum  IoTis  für  den  13.  September 
des  Iuppiter  Pistor  (Ovid.  fast.  6,  349.  Lac-  erst  in  den  Augusteischen  Kalendern  Terzeichuet 
/«hM, 20,33;  vgl.P/-(7/£)-S.194  A.ö),  des  Iuppiter  (fast.  Sab.  C.  I.  L.  1  p.  302  =  9,  4192;  vgl. 
Soter  (Serv.  ad  Aen.  8,  651),  des  Zsvg  äXs£i-  fast.  Ant.  C  I.  L.  1  p.  328  =  10,  663S.  fast. 
y.axog,  TOm  Kaiser  Claudius  errichtet  (Phlegon.  Voll.  C.  I.  L.  1  p.  320  =  6,  2298  ;  epulum  Miner- 
Jl/('rofe.6),undeineni'fti(7xoj,denAugustusfürden  vae  fast.  Eust.  C.  1.  L.  1  p.  401),  doch  aufser 
aus  Samos  stammenden  Zeus  des  Myron  er-  der  Analogie  der  ludi  Plebei  (s.  unten)  spricht 
baute(Siro6.14p.637;  Tgl.Bnoma.a.0. 1  S.  102);  für  ein  früheres  Vorhandensem  derselben  an 
zweifelhaft  dagegen  ist  die  Existenz  eines  Altars  so  dem  gleichen  Datum  der  Umstand,  dafs  dem 
des  Iuppiter  Victor,  Tgl.  Sp. 680.  DieaufdenTem-  ursprünglichen  Feste  die  Dankesbezeugung  au 
pel  bezüglichen  Prodigien  sind  zusammengestellt  den  Iuppiter  0.  M.  für  die  Rettung  des  Staates 
von  Gilbert  a.  a.  0.  3  S.  390  A.  2.  S.  395  A.  2.  aus  gefahrvoller  Lage  zu  Grunde  lag  und  dafs 
Ludi.  Gewichtiger  noch  als  in  der  Aus-  hierfür  doch  kaum  ein  passenderer  Tag  ge- 
schmückung des  Tempels  und  seiner  Um-  wählt  werden  konnte,  als  der  dies  natalis 
gebung  tritt  die  Bedeutung  des  capitolinischen  seines  Tempels.  Die  ludi,  von  dem  epulum 
Kultes  für  das  öffentliche  Leben  hervor  in  durch  die  equorum  probatio  getrennt,  fanden 
seiner  Stellung  innerhalb  der  alten,  hochan-  am  15.  September  statt,  und  im  engeren  Sinne 
gesehenen  römischen  Spiele,  der  ludi  magni,  rechnete  man  diesen  Tag  als  den  ersten  der 
Romani  uDdPlebei.  Die  gemeinsamen  Eigen-  go  Spiele  (Liv.  45,  1,  6).  Nach  2Iommsen  a.  a.  0. 
tümlichkeiten  derselben  sind  bis  auf  die  equo-  hängt  die  Fixierung  der  ludi  Romani  zusammen 
rum  probatio  bereits  von  Preller,  Böm.  Mytli.  mit  der  Einführung  der  curulischen  Aedilität 
1  S.  219  richtig  betont  worden:  „Bei  allen  a.  387  u.  c.  (mit  Ausnahme  Ton  Liv.  1,  35,  9, 
wird  festzuhalten  sein,  dafs  sie  sowohl  aus  dem  wo  die  Einrichtung  der  Spiele  durch  Tarqui- 
religiösen  Akte  eines  Opfers  und  Opfermahles,  nius  Priscus  gemeldet  wird,  tritt  der  Name 
des  epulum  Iovis,  als  aus  dem  festlichen  der  ludi  Romani  zum  erstenmale  auf  Liv.  8,  40, 
Prozession  und  der  Spiele  bestanden,  welche  2  a.  432;  nach  Fabius  Pictor  b.  Bion.  7,  71, 
letztere   anfangs  blofs  circensische  waren,  bis  vgl.    Pseudo- Ascon.  in   Verr.  p.  142    Or.    und 


733  Iuppiter  (Capitolinus: ludi magni, Romani)  Iuppiter  (Capitolinus:  ludi  Plebei)    734 

Cicero  de  die.  1,  26,  55,  wird  das  Fest  ständig  7,   11,4.    22,  9,  10.    22,  10,  7.    28,  39,  1.    28, 

nach  dem  Siege  über  die  Latiner  am  See  Re-  45,  12.    31,  49,  4  dazu  Polyb.  16,  23,  7.  Liv.  34, 

gillus;  nach  Holzapfel  (Piniol.  48  [1889]  S.  369  44,  6.  35,  1,  8.  39,  22,  1.    Suet.Aug.  23.  Nero 

wurde   die  Fixierung  im  September   erst  zwi-  11.    Cassius  Dio  55,  8.  31.   60,  25.    Plin.  n.  h. 

sehen    557    und    536     vorgenommen!;    gleich-  7,  158j.    Neben  den  Spielen  oder  anstatt  ihrer 

zeitig     wird     die     anfangs     eintägige     Dauer  wurden    zuweilen    grofse    Stieropfer    oder    ein 

[Mommsen,   C.  I.  L.   1   p.  401),  die  nach   der  ver  sacrum   gelobt   (Liv.  22,  9,  10.    22,  10,  3. 

Vertreibung    der   Könige    a.   245    und   der  se-  7.    28,  38,  8.    33,  44,  1.    34,  44,   1).     Der  Ur- 

cessio  plebis  um  je  einen  Tag  gestiegen    sein  sprung  der  ludi  Plebei  ist  in  Dunkel  gehüllt, 

soll    (t)ion.    6,    95),    infolge    der   Versöhnung  10  Nach  Cicero  (de  or.  3,   19,   73)    bestanden  sie 

zwischen  Patriziern  und  Plebejern  auf  4  Tage  schon    zur    Zeit    des    Numa ,    während    nach 

ausgedehnt  (Liv.  6,  42,  12),  eine  Verlängerung,  Pseudo-Asconius  in   Verr.    p.  1430c.  die  Ver- 

mit  der  wohl  auch  die  Einreihung  der  Bühnen-  treibuug   der  Könige   oder   die  secessio  plebis 

spiele    in    das    Festprogramm    sogleich    nach  in  Aventinum  den  Anlafs  zu  ihrer  Entstehung 

ihrem  Aufkommen  in  Rom   a.  390    in  Zusam-  gab.     Diese   Berichte   haben   natürlich   keinen 

menhang  gestanden  hat  (Mommsen,  Rom.  Gesch.  Wert.     Der   Name   Plebei    sowie    die    Leitung 

l7   S.  457).      Zwischen    563    und    583    dauerte  der    Spiele    durch    die    plebejischen    Aedilen 

das  Fest  schon  10,  zur  Zeit  Ciceros  15  (in  Verr.  (Liv.  27,  36,  9.  28,  10,  7.  30,  39,  8.  32,  7,  13. 

act.  1,  10,  31)  und  nach  Caesars  Tode  16  Tage  Didasc.  b.  Ritsclü,  Parerg.  p.  261)  deuten  auf 

(Cic.  Phil.  2,  43,  110;  4. — 19.  September,    fast.  20  eine  Zeit,  in  der  die  politische  Scheidung  der 

C.  I.  L.  1    p.  401) ,     um    im    4.    Jahrhundert  beiden  Stände  noch  nicht  aufgehoben  war.   Zu 

wieder    auf   4    (12.  —  15.    September;    herab-  einer     die     Gesamtbevölkerung     umfassende«, 

zusinken    (fast.   Philoc.    1     p.    350).      Auf   den  offiziellen    Jahresfeier    wurde    die    Sonderfest- 

gemeinschaftlichen  Ursprung    der    ludi  magni  lichkeit     der     Plebs     (vgl.     Mommsen,     Rom. 

und    Romani    weisen    hin    die    Gleichartigkeit  Staatsr.  1-  S.  235  A.  ö)  wahrscheinlich  erst  im 

der   Feier    und    die    sich    stets    entsprechende  Jahre  534  u.  c;    der  Platz  nämlich,    auf  dem 

Erweiterung  der  Zeitdauer  (Liv.  30,  2,  8.    36,  man  die  Spiele  nachweislich  beging,  der  circus 

36,  2;  vgl.  Cic.  in  Verr.  act.   1,  10,  31.    3Iomm-  Flaminius  (Val.  Max.  1,  7,  4),  wurde  damals 

sen,   Rh.  Mus.  14    (1859)    S.  86  ff.).     Das  Ge-  neu     erbaut     (Liv.    ep.    20.      Cassiod.     Chron. 

lübde   der  grofsen  Spiele  geschah  auf  Senats-  30  p.  610  Mommsen),  und  die  Spiele  selbst  werden 

besehlufs  oder  aus  der  Initiative  des  geloben-  4  Jahre  später  zum  erstenmale  erwähnt    (Liv. 

den     Magistrates    (Diktator,    Konsul,   Prätor,  23,  30,  17);  sie  fielen  in  den  Monat  November 

später    der    Kaiser)    bei    schweren    Gefahren,  und   währten   wohl  schon  bei  ihrer  Fixierung, 

die    dem    Staate    von    aufsen   oder  im   Innern  übereinstimnend  mit  den  ludi  Romani,  länger 

drohten,    oder   zu   dem   Zwecke,    für    den   un-  als    einen    Tag;    bezeugt    ist    die    mehrtägige 

veränderten    Bestand    der    Republik    in    quin-  Dauer  bereits  für  das  Jahr  547  (Liv.  28,  10,  7), 

quennium  (Liv.  27,  33,  8.  30,  2,  8.  30,  27,  11.  eine    instauratio    per    biduum    schon    a.    541 

31,  9,  9)    oder  in  decem  annos    (Liv.  42,  28,  (Liv.  25,  2,  10).     Auch   der  Verlauf  der  Feier 

8)    den    Schutz    des    höchsten    Gottes    zu    ge-  (eine    pompa    nennt    nur    die    auf   einer    Ver- 

winnen;    der    pontifex    maximus    sprach    die  40  wechselung  mit  Liv.  2,   36    beruhende   Stelle 

Formel  vor;    wir  besitzen  noch  den  Wortlaut  des    Valerius  Maximus    1,   7,   4;    indes    wenn 

eines    Gelübdes,    das    der   Konsul   M\  Acilius  eine  solche  an  den  ludi  Apollinares,  Megalenses 

praeeunte  P.  Licinio  pontifice  maximo  auf  Ge-  Aiigustales  (vgl.  Marquardt ,  Rom.  Ütaatsverw. 

heifs  des  Senates  a.  563   vor  Beginn  des  syri-  32   S.  308  A.  3)   stattfand,    wird   sie  auch  hier 

sehen  Krieges  ablegte:  Liv.  36,  2,  3  si  duellum  nicht   gefehlt   haben;    ihr   Ziel   war   natürlich 

quod   cum   rege   Antiocho   sumi   populus   iussit  der   circus  Flaminius,    s.  oben)    und    die  Ver- 

id  ex  sententia  senatus  populiquc  Romani  con-  mehrung    der    Festtage    entsprach    im    allge- 

fectum  erit,    tum  tibi,  Luppiter,  populus  Ro-  meinen  jenen   älteren   Spielen.     An  den   Iden 

memus  ludos  magnos  dies  decem  contiwuos  faciet  des   November  fand   das  epulum  Iovis  statt 

donaque  ad  omnia  pulvinaria  dabuntur  de  pe-  50  (fast.   Maff.    C.  1.   L.    1    p.   307.      fast.    Ant. 

eunia,    quantam    senatus    decreverit;    quisquis  C.  I.  L.   1  p.  329  =  10,  6638.    Arnob.  7,  32; 

magistratus  eos  ludos   quartdo  ubique   faxit,  lü  dazu   Mommsen,    C.  I.  L.   1    p.  407;    die    erste 

ludi  rede  facti  donaque  data  rede  sunto.  Vor  der  Erwähnung  a.  541  bei  Livius  25,  2,  10;  Biichelcr, 

Festsetzung   der   ludi  Romani   sind  uns  durch  Rhein.   Mus.   45   [1890]   S.   164  vergleicht  mit 

die    Annalen    drei    Aufführungen    der    grofsen  diesem  epulum  am  Ende  des  Amtsjahres  eine 

Spiele  bekannt  (Liv.  2,  37,  1.   4,  27,  1.  5,  31,  ähnlieheFeier  an  denlden  desMärz  zu Capua);es 

2;   vgl.  5,  19,  6),    die  erste  von  der  Legende  folgte  am  14.  November  die  probatio  eqno- 

wunderlich   ausgeschmückt  (Liv.  2,  18,  1.    2,  rum  (fast.  Arv.  p.  240  Henzen)  und  am  15.  No- 

36ff.    Dum.  7,  68.    Cic.  de  div.  1,  26.    Macrob.  vernber  begannen  die  ludi  in  circo.    Im  Jahre 

1,    11,   3.     Aug.   de   civ.   dei    4,    26.      Ritschi,  CO  200   wurden  bereits  Bühnenspiele  gegeben, 

Parerg.  praef.    p.  23).     Republik   und  Kaiser-  wie  die  Aufführung  des  Plautinischen  Stichus 

zeit    sah    noch    oft    die    Wiederholung    dieser  beweist    (Studemund ,    Comment.  phil.    in  hon. 

ehrwürdigen  Feier  mit  immer  steigender  Zahl  Th.  Momms.  p.  782).    Die  Fasten  der  Auguste- 

der    Festtage    und    immer    glänzenderer    Aus-  isehen    Zeit    verzeichnen  ludi   Plebei   vom   4. 

stattung,    zumal    da   seit    dem   Jahre  554    die  — 17.  November  (Mommsen,  C.  1.  Lj.  1  p.  406), 

alte  Sitte   de   certa  peeunia  vovere  nicht  mehr  im    4.    Jahrhundert    beträgt    ihre    Dauer    nur 

beobachtet  ward  (Liv.  31,  9,  9;  zu  den  bereits  noch  5  Tage,  12. — 16.  November  (fast.  Philoc. 

genannten  Stellen  des  Livius   vgl.   noch  Liv.  C.  L.  L.  1   p.  354). 


735      Iuppiter  (Capitolinus :  epulum)  Iuppiter  (Capitolinus:  epulum,  pompa)   736 

Mit  einer  förmlichen  Einladimg  (epulum  Ordnung  der  sibyllinischen  Bücher  (Liv.  5,  13, 
indictum  fast.  CLL.  1  p.  401.  406.  Paul.  5  etc.  Tac.  ann.  15,  44),  während  derartige  Be- 
p.  78.  Amob.  7,  32)  nahm  die  Feier  ihren  Stimmungen  für  den  altrömischen  Kult  nicht 
Anfang.  Das  epulum  (nach  Casshis  Dio  51,  1  nachweisbar  sind;  hat  doch  Marquardt  selbst 
für  den  ayäva  ieqov  im  engeren  Sinne  er-  die  von  Preller  {Böm.  Myth.  I3  S.  150  A.  1)  ge- 
forderlieh) setzt  eine  Opferhandlung  voraus,  sammelten  Beispiele  treffend  widerlegt  (32  S. 48 
und  da  es  ausdrücklich  als  epulum  Iovis  be-  A.  1).  Aus  der  Angabe  des  Livius  a.  a.  0., 
zeichnet  wird  (Liv.  25,  2,  10.  27,  36,  9.  29,  38,  dafs  a.  355  das  erste  Lectisternium  zu  Rom 
8.  30,  39,  8.  31,  4,  7,  32,  7,  13.  33,  42,  11.  Lucilius  abgehalten  worden  sei,  ergiebt  sich  kein  Wider- 
b.  Non.  p.  204.  frg.  13,  10  Malier.  Cic.  de  or.  10  sprach,  denn  einmal  läfst  sich  das  Vorhanden- 
3,  19,  73.  Tertull.  apol.  13.  vit.  Ahx.  Sev.  37),  sein  des  epulum  Iovis  vor  jener  Zeit  nicht 
so  sind  wir  bei  dem  Fehlen  widersprechender  beweisen,  sodann  besteht  vielleicht  der  Unter- 
Nachrichten zu  dem  Schlüsse  berechtigt,  dafs,  schied  von  lectisternium  und  epulum  nur  darin, 
wie  gewöhnlich,  dem  Iuppiter  weifse  Rinder  dafs  jenes  bei  besonderem  Anlafs  dekretiert 
dargebracht  wurden  (s.  Sp.  670,  8).  An  das  wurde,  dieses  aber  die  ständige  Einrichtung 
Opfer  schlofs  sich  die  Festmahlzeit  ante  cel-  bezeichnete  (hiernach  Sp.  665,  41  zu  berich- 
lam  Iovis  (vgl.  das  epulum  funebre  des  älteren  tigen).  Da  der  Tag  nach  den  Iden  als  dies 
Scipio  Sen.  ep.  95,  72.  98,  13.  Vol.  Max.  7,  5,  postridianus  zur  Vornahme  religiöser  Hand- 
1.  Cic.  pro  Mur.  36,  75;  die  Üppigkeit  der  hingen  nicht  geeignet  war  ( Marquardt  a.  a.  0. 
dapes  Capitolinae  war  in  späterer  Zeit  be-  20  S.  295),  so  begnügte  man  sich  an  ihm  mit  der 
rüchtigt  Martial  12,  48,  11);  der  ganze  Senat  Musterung  der  zum  Rennen  angemeldeten  Pferde 
nahm  daran  teil  (Gell.  12,  8,  2.  Liv.  38,' 57,  (equorum  probatio  fast.  C.  l.L.l  p.  401.  406. 
5.  45,  39,  13  Cassius  Dio  39,  30.  48,  52);  die  Cassius  Dio  55,  10).  Der  folgende  Tag  brachte 
eapitolinischen  Götter  werden  zu  dem  Schmause  den  wichtigsten  und  von  der  ganzen  Bevölke- 
eingeladen,  nachdem  man  zuvor  ihr  Bild,  als  ruug  ersehnten  Teil  der  Feier,  den  ältesten 
wären  es  menschliche  Wesen,  dem  Feste  ent-  Kern  des  ganzen  Festes.  Der  Zusammenhang 
sprechend  geschmückt  hatte  (Seneca  b.  Aug.  mit  dem  eapitolinischen  Kulte  tritt  auch  hier 
de  civ.  dei  60.  Plin.  n.  h.  33,  111.  Amob.  6,  klar  hervor,  denn  die  pompa  circensis,  die  in 
10;  vgl.  Plut.  q.  B.  98);  für  Iuppiter  setzte  religiöser  Beziehung  den  Hauptbestandteil  der 
man  einen  lectulus  hin,  für  Iuno  und  Minerva  30  Feier  bildete,  nahm  nicht  blofs  ihren  Ausgang 
je  eine  sella  (Val.  Max.  2,1,  2).  Von  dem  vom  Capitole,  sondern  hatte  auch  in  ihrer 
epulum  hat  Iuppiter  den  Namen  Epulo  em-  ganzen  Einrichtung  das  Gepräge  einer  zu 
pfangen  (Val.  Max.  a.  a.  0.  C  I.  L.  6,  3696  Ehren  des  höchsten  und  besten  Gottes  veran- 
[magistri]  quinqfuennäles)  [collegij  teibf'ici-  stalteten  Festlichkeit.  Zur  Vervollständigung 
num)  Bowanorum)  qui  [s(aeris)  p(ublicis)  des  Bildes  von  der  pompa,  speziell  an  den 
p(raesto)  s(unt)]  Iov(i)  Ep(uloni)  sac(rum),  ludi  Komani,  sind  auch  die  Berichte  heranzu- 
auf  dem  Forum  gefunden).  Die  Zurüstung  der  ziehen,  die  uns  über  die  Aufzüge  an  den  an- 
epula  lag  anfangs  in  den  Händen  der  ponti-  deren  statarischen  Circusspielen  Aufsehlufs 
fices;  da  sich  aber  deren  Amtsgeschäfte  ständig  geben,  scheint  es  doch,  als  hätten  sie  alle 
häuften,  so  wurde  a.  558  für  diesen  Teil  des  40  erst  jene  Prozession  von  den  ältesten  römischen 
Kultes  eiue  besondere  priesterliche  Behörde  Spielen  fc erübergenommen.  Die  Aufstellung 
geschaffen,  die  tresviri  epulones  (Liv.  33,  der  pompa  erfolgte  auf  dem  Capitole;  eröffnet 
42,  1;  vgl.  40,  42,  7.  Cic  de  or.  3,  19,  73).  Das  wurde  der  Zug  in  republikanischer  Zeit  durch 
Kollegium  stieg,  man  weifs  nicht  wann,  auf  den  höchsten  Beamten  des  Staates  (Konsul, 
7  Mitglieder  und  behielt  den  Namen  Septem-  Prätor,  Diktator,  Liv.  8,  40,  2;  wir  wissen, 
viriepulones  auch  dann  bei,  als  es  unter  Caesar  dafs  in  der  Kaiserzeit  an  den  ludi  Apollinares 
noch  um  weitere  3  Mitglieder  verstärkt  wurde  der  Stadtprätor  auf  einer  biga  voranfuhr; 
(Cassius  Dio  43,51);  die  Zahl  der  epula  wuchs,  Plin.  n.  h.  34,  20.  luv.  10,  36 ff.;  vgl.  Momm- 
doch  blieb  die  Herrichtung  des  epulum  Iovis  sen,  Böm.  Gesch.  1  2  S.  397  A.  7);  er  trug  die 
stets  ihre  vornehmste  Aufgabe  (Cic.  de  harusp.  50  Triumphaltracht  (Liv.  5,  41,  2  quae  augustis- 
resp.  10,  21.  Fest.  p.  78.  Aug.  de  civ.  dei  6,  7).  sima  vestis  est  tensas  ducentibus  triumphanti- 
Im  Gegensatz  zu  der  Behauptung  Marquardts  busve.  Tertull.  de  coron.  13  quas  (Coronas) 
(Rom.  Staaisverw.  'S"  S.  348),  das  epulum  Iovis  gemmis  et  folio  ex  auro  quereeis  ab  Love  in- 
habe  mit  den  Lectisternien  nichts  gemein,  son-  signts  ad  deducendas  tensas  cum  palmatis  togis 
dem  stehe  in  Beziehung  zu  der  altrömischen  sumunt;  vgl,  Martial.  8,  33,  1.  Plin.  u.  luv. 
Sitte  des  Speiseopfers,  wie  es  in  der  Spende  an  a.  a.  0.)  und  lenkte  einen  Wagen  (Dion.  b,  57), 
Iuppiter  Dapalis,  Furreus  und  die  Laren  er-  ohne  Zweifel  eine  Quadriga;  darauf  weist  der 
halten  sei ,  rnuss  wohl  in  der  Placierung  der  Zusammenhang  dieser  Spiele  mit  dem  Triumph- 
Götter  auf  lectus  und  sellae  der  ritus  graecus  zug  (s.  oben).  Die  Zugehörigkeit  der  quadriga 
erkannt  werden ,  der  uns  um  so  weniger  in  co  zu  den  Attributen  des  Iuppiter  0.  M.  kennt 
Verwunderung  setzen  darf,  als  ja,  wie  wir  die  Sage  (Plut.  Popl.  13.  West.  p.  274.  Serv. 
oben  sahen,  die  Verehrung  der  eapitolinischen  ad  Aen.  7,  188;  vgl.  Jordan,  Top.  1,  1  S.  210) 
Trias  auf  griechischen  Einüufs  zurückgeht  und  wie  die  Geschichte  (Liv.  10,  23,  12.  29,  38,  8. 
das  starke  Hervortreten  der  Persönlichkeit  der  35,  41,  10);  der  voranziehende  Beamte  gilt 
Götter  Zeugnis  für  jenen  Einflufs  ablegt.  So  demnach  als  Stellvertreter  Iuppiters.  Eine 
erklärt  sich  auch  die  supplicatio  im  Tempel  ausführliche  Schilderung  der  weiteren  Zug- 
des  Iuppiter  Capitolinus  (Macrob.  1,  6,  13);  Ordnung  findet  sich  bei  Dionys  v.  Mal.  (7,  72), 
Lectisternien  und  Sellisternien  erfolgen  auf  An-  der  sich  auf  Fabius  Pictor  als   Gewährsmann 


737      Iuppiter  (Capitolinus :  thensae) 

beruft.  Als  die  eigentliche  Aufgabe  (Liv.  5, 
41,  2.  Suet.  Aug.  43.  TertuU.  de  coron.  13) 
des  führenden  Magistrates  wird  das  Geleit  der 
thensae  bezeichnet  .(der  Schreibart  tensae  in 
derhandschriftlichenÜberlieferung  und  auf  den 
Inschriften  Henzen  6137  adn.  2.  C.  I.  L.  10,  6102 
steht  zwar  nur  einmal  die  Orthographie  thensa 
gegenüber,  aber  auf  einer  offiziellen  Urkunde, 
dem  Militärdiplom  v.  J.  60  C.  I.  L.  3  p.  845), 
d.  h.  der  besonderen,  aus  kostbaren  Metallen  10 
gearbeiteten  Wagen,  auf  denen  man  die  At- 
tribute der  Götter  (exuviae)  fährt  (Fest.  p.  364; 
Terentius  Varro  liefs  als  Aedil  einen  Knaben 
von  wunderbarer  Schönheit  auf  der  thensa 
Iuppiters  die  Attribute  des  Gottes  tragen;  der 
Zorn  der  Iuno  strafte  ihn  mit  der  Niederlage 
von  Cannae;  Val.  Max.  1,  1,  16.  Lactant.  1, 
6,  16).  Zur  Aufbewahrung  der  thensae  dient  ein 
besonderes  Heiligtum  auf  dem  Capitole  neben 
dem  Tempel  (aedis  thensarum  auf  dem  eben  20 
erwähnten  Militärdiplom;  vgl.  Suet.  Vespas.  5. 
Cassius  Dio  66,  1).  Über  das  Aussehen  der 
thensae  für  die  3  capitolinischen  Götter  geben 
uns  Denare  der  gens  Rubria  Aufschlufs  (2?a- 
belon,  Monn.  de  la  re'pl.  Born.  2  S.  40  nr.  1 — 3). 
Wir  erblicken  2rädrige,  mit  4  Pferden  bespannte 
Wagen  mit  hohem ,  viereckigem  Kasten ,  an 
dessen  Seiten  Blitz  und  Adler  angebracht  sind; 
die  offene  Vorderseite  zeigt  bei  Iuppiter  und 
Iuno  fliegende  Victoria ,  bei  Minerva  eine  auf  so 
einer  Biga  stehende  Nike.  Andere  Abbildungen 
von  thensae  geben  Ann.  d.  inst.  1839  tav. 
d'agg.  0. 1870.  tav.  d'agg.  L.  M.  =  Baumeister, 
Denlcm.  3  Abb.  2340.  Mus.  Piocl.  6,  43.  Cadel- 
lani,  Bullet,  munic.  Bom.  1877  S.  119ff.  tav. 
11  —  15  =  Baumeister,  Denfon.  3  Abb.  2325; 
Medaillons  des  Tiberius  und  Antoninus  Pius  b. 
Fröhner  a.  a.  0.  S.  7.  62,  1.  Pueri  patrimi  et 
matrimi  führten  die  einzelnen  Wagen  (Cic.  de 
harusp.  resp.  11,  23).  Vom  Capitole  aus  setzte  sich  40 
der  geordnete  Festzug  (ein  anschauliches  Bild 
desselben  giebt  Tertull.de  speet.l)  in  Bewegung; 
unter  dem  Jubel  des  zuschauenden  Menge  (Ovid, 
am.  3,  2,  43)  zog  er  den  clivus  Capitolinus  (vgl. 
Bichter  in  Iw.  Müllers  Handbeil.  3  S.  809  ff.) 
hinab,  überschritt  das  Forum  und  nahm  dann 
durch  den  vicus  Tuseus,  das  Velabrum  und 
forum  boarium  seinen  Weg  nach  dem  circus, 
den  er  in  seiner  ganzen  Länge  durchmafs 
(Varro  1.  I.  5,  153).  Die  exuviae  wurden  da-  50 
selbst  von  den  thensae  herabgenommen  und  auf 
ein  pulvinar  gelegt  (Fest.  p.  364.  C.  I.  L.  6, 
490;  das  mon.  Ana.  4,  4  nennt  unter  den 
Bauten  des  Augustus  ein  pulvinar  ad  circum, 
die  Lage  ist  nicht  bekannt;  Mommsen,  B.  g. 
d.  A.  p.  80);  sie  deuteten  an,  dafs  die  Spiele 
gewissermaisen  in  Gegenwart  der  Götter  statt- 
fänden, und  gleichsam  im  Auftrage  Iuppiters 
eröffnete  der  leitende  Beamte,  mit  der  Ge- 
wandung des  höchsten  Gottes  angethan,  durch  60 
das  Zeichen  zur  Abfahrt  der  Wagen  feierlich 
die  Spiele  (Liv.  8,  45,  3.  40,  1,  7.  Henzen, 
Act.  fratr.  Arv.  p.  36  ff.).  Wie  bei  allen 
sakralen  Handlungen  war  die  gröfste  Sorgfalt 
geboten,  da  der  geringste  Verstofs  gegen  das 
Ritual  eine  teilweise  oder  vollständige  Wieder- 
holung der  Feier  nötig  machte  (Cic.  de  harusp. 
resp.  11,  23;    vgl.   Bitschi,   Parerg.  p.  309 ff.; 

Koschek,  Lexikon  der  gr.  u.  rum.  Mytbol.  II. 


Iuppiter  (Capitolinus:  ludi)  738 

die  thensa  des  Iuppiter  bricht:  Cassius  Dio 
50,  8,  die  der  Minerva :  ibid.  47,  40).  Die  Kaiser- 
zeit änderte  wenig  an  der  durch  ihr  Alter 
ehrwürdigen  Feier,  sie  gestaltete  sie  noch  glän- 
zender; dem  Iul.  Caesar  hatte  man  bereits  zu 
seinen  Lebzeiten  tensam  et  ferculum  pompa 
circensi  bewilligt  (Suet.  Caes.  76.  Cic.  ad  Att. 
13,  44,  1.  Appian.  b.  c.  3,  54.  Cassius  Dio 
43,  45.  44,  6.  47,  18);  die  Bilder  verstorbener 
Kaiser,  ihrer  Gemahlinnen  und  Anverwandten 
des  kaiserlichen  Hauses  wurden  im  Zuge  ge- 
fahren oder  getragen  (Plin.  n.  h.  34,  19.  Tac. 
ann.  2,  83.  C.  I.  L.  6,  911;  vgl.  Tac.  ann.  4, 
9.  C.  I.  L.  6,  912.  Suet.  Claud.  11.  Calig.  15. 
Tit.  2.  Cassius  Dio  59,  13.  74,  4.  vit.  Anton, 
P.  6.  vit.  M.  Anton.  21  und  zahlreiche  Münzen, 
Borghesi,  Oeuvres  2  S.  100;  vgl.  Antli.  Pdlat. 
9,  285;  Darstellung  einer  pompa  auf  einem 
Sarkophagdeckel  Gerhard,  Ant.  Bildw.  Tf.  120, 
1  =  ann.  d.  inst.  11  (1839).  tav.  d'agg.  N.  1: 
Quadriga  von  Elefanten,  auf  einem  ferculum 
die  Victoria,  unter  den  Begleitern  ein  Bläser); 
über  die  speziellen  ludi  vgl.  Friedländer  b. 
Marguardt,  Böm.  Staatsvenv.  3°  S.  498.  511  ff. 
Sehr  dürftig  und  widersprechend  sind  die  Be- 
richte über  die  Entstehung  und  Einrichtung  der 
ludi  Capitolini.  Die  einen  (Enniush.  Serv. 
ad  Georg.  2,  384.  Varro  b.  Tcrtull,  de  spect.  5; 
vgl.  Ovid.  fast.  6,  34.  Ulpian.  22,  6)  erzählen, 
ßomulus  habe  im  Anschlufs  an  die  Dedikation 
des  Tempels  für  Iuppiter  Feretrius  Spiele  ver- 
anstaltet im  Faustkampf  und  Wettlauf,  wobei 
die  Teilnehmer  auf  geölte  Felle  traten ,  die 
anderen  (Flut.  Bom.  25;  vgl.  q.  B.  53.  Fest. 
p.  322)  nennen  zwar  auch  den  Romulus  als 
Begründer  der  Spiele,  knüpfen  aber  ihre  Ein- 
führung an  seinen  Triumph  über  Veji  und  den 
hiermit  zusammenhängenden  Brauch  an  den 
Iden  des  Oktober,  dem  Jahrestage  jenes  Trium- 
phes, einen  alten  Mann  im  königlichen  Ornate 
mit  der  Kinderbulla  über  das  Forum  nach  dem 
Capitole  zu  führen  und  zugleich  durch  einen 
Herold  zum  Kaufe  der  Sarder  einzuladen 
(Mommsen,  Böm.  Gesch.  I7  S.  329  sieht  in  der 
Eroberung  Vejis  durch  Camillus  den  Anlafs 
zu  diesem  Brauche).  Eine  dritte  Version  giebt 
Livius  5,  50,  4.  5,  52,  11;  danach- seien  die 
capitolinischen  Spiele  a.  364  nach  dem  Abzüge 
der  Gallier  auf  Senatsbeschlufs  gestiftet  wordeu, 
quod  Iuppiter  optimus  maximus  suam  sedem 
atqiie  arcem  populi  Bomani  in  re  trepida  tuta- 
tus  esset,  und  der  Diktator  M.  Furius  Camillus 
habe  den  Auftrag  erhalten,  zu  diesem  Zwecke 
ein  Kollegium  aus  den  Bewohnern  des  Capitols 
und  der  Burg  zu  bilden.  Mit  Recht  vermutet 
Jordan  (Top.  1,  1  S.  278),  dafs  es  sich  um 
Spiele  des  pagus  Capitolinus  handelt.  Der 
Umstand,  dafs  die  pagi  zu  den  ältesten  Ge- 
meindeverbänden Italiens  gehören  (vgl.  Mar- 
guardt, Böm.  Staatsvenv.  3~  S.  198ff.)  im  Ver- 
ein mit  der  schlichten  Einfalt  der  Spiele  und 
ihrer  Feier  an  den  Iden,  dem  alten  Festtage 
Iuppiters ,  läfst  es  nicht  ausgeschlossen  er- 
scheinen ,  dafs  jene  ludi  wirklich  schon  vor 
der  Erbauung  des  grofseu  Tempels  bestanden 
und  das  älteste  Heiligtum  des  Gottes,  das  des 
Iuppiter  Feretrius,  zu  ihrem  Mittelpunkte  hatten; 
die  Einrichtung  durch  Camillus  wäre  demnach 

2-1 


730   Iuppiter  (Capit. :  Capitole  i.  röm.  Reiche")         Iuppiter  (Capit.:  Capitole  i.  röm.  Reiche)   740 


nur  die  Wiederherstellung  oder  Neuordnung 
eines  bereits  vorhandenen  Festes  gewesen. 
Nach  dem  gallischen  Brande  werden  die  capi- 
tolinischen  Spiele  nicht  mehr  erwähnt  (vgl.  Liv. 
6,  20,  3.  Mommsen,  Röm.  Forschg.  2  S.  182  ff.), 
dagegen  ist  ein  collegium  Capitolinorum  noch 
in  der  Zeit  des  Augustus  bekannt  (C.  I.  I.  1, 
805.  10,  6488.  14,  2105.  Cic.  ad  Q.  fr.  2,  52; 
über  die  ludi  Capitolini  des  Douiitian  s.  unten). 


Capitolinischer   Tempel  auf  einer  Münze  des  Yespasian 
(nach  Cohen,  Med.  imp.   1  pl.  15  nr.  409);  vgl.  Sp.  717,  40  f. 

Capitole  aufserhalb  Roms.  Die  poli- 
tische Bedeutung  Iuppiters  als  römisches  Staats- 
oberhaupt zeigt  sich  sehliefslich  neben  den  zahl- 
losen Weihinschriften  in  der  steigenden  Ver- 
breitung der  Capitole  im  römischen  Reiche. 
Möglich  ist  es,  dafs  die  Verehrung  der  capi-  so 
tolinischen  Trias  bereits  in  früher  Zeit  aufser- 
halb Roms  Verbreitung  gefunden  hat,  nämlich 
im  Anschlufs  an  die  Gründung  der  Kolonieen, 
die  ja  im  Kleinen  ein  Abbild  der  Mutterstadt 
selbst  sein  sollten  (Gell.  16,  13,  8.  Cic.  de  leg. 
agr.  2,  27,  73.  pro  Font.  1,  3);  sicher  nachweis- 
bar ist  der  Kult  nach  dem  Bundesgenossen- 
kriege, als  mit  der  Erteilung  des  Bürgerrechts 
an  alle  Italiker  in  den  Landstädten  immer 
stärker  das  Bestreben  hervortrat ,  alle  Ein-  40 
richtungen  nach  dem  Muster  der  Hauptstadt 
zu  gestalten  und  an  Glanz  und  Pracht  mit 
ihr  zu  wetteifern  (vgl.  Friedländer,  Rom. 
Sittengesch.  35  S.  169).  Unter  den  Kaisern  hielt 
der  Kult  seinen  Einzug  in  die  Provinzen  und 
drang  bis  in  die  entferntesten  Teile  des 
Reiches.  -Die  Frage  nach  dem  Vorhandensein 
von  Capitolen  aufserhalb  Roms  ist  eingehend 
behandelt  worden  von  Kuhfeldt,  De  Capitoliis 
imperii  Romani  Berlin  1883;  danach  lassen  50 
sich  Capitole  noch  in  folgenden  Städten  kon- 
statieren: 

Capua.  Die  Dedikation  vollzieht  Tiberius 
a.  26  p.  C.  (Tac.  ann.  4,  57.  Suct.  Tib.  40). 
Kuhfeldt  p.  16  glaubt  an  die  Restitution  eines 
schon  vohandeneu  Tempels ,  der  jedoch  erst 
nach  der  Unterwerfung  Capuas  a.  543,  erbaut 
sei.  Blitzschlag  trifft  den  Tempel  a.  40  p.  C. 
(Suet.  Calig.  57)  und  zerstört  ihn  zur  Zeit 
Diocletians  (acta  Sanctorum  Bd.  6  p.  18 f.  60 
Bolland).  Für  die  Lage  des  Tempels  in  Capua 
spricht  der  Fund  eines  Bildwerkes  unweit 
des  Theaters;  es  zeigt  in  der  Mitte  den  Iuppiter 
sitzend ,  stehend  zu  seiner  Rechten  Minerva 
mit  Helm  und  Aegis,  einen  Speer  haltend,  zu 
seiner  Linken  Diana  mit  Köcher  und  Speer 
(über  die  Bedeutung  der  Diana  vgl.  Kuh- 
feldt p.  18). 


Nola.  Me  ad  Capit oliuvi  ire  iubete,  ut 
ipsum  Iovem  principem  daemoniorum  vestrorum 
ruere  faciam  in  der  Legende  vom  hlg.  Felix, 
der  zu  Nola  lebte  und  starb  (acta  SS.  2 
p.  233,  1). 

Pompeji.  Auf  der  nördlichen  Seite  des 
Forums  sind  die  Trümmer  eines  bedeutenden 
Baues  freigelegt  worden;  er  ruht  auf  gewal- 
tigen Substruktionen  und  ist  nach  der  tuski- 
schen  Auguraldisziplin  orientiert;  die  Säulenhalle 
(dreireihiger  Hexastvlos)  mit  Pronaos  und  da- 
hinterliegender  Cella  sind  deutlich  erkenn- 
bar, unter  dem  hinteren  Teile  der  Cella 
waren  favisae  angelegt.  Zeigt  schon  die 
iiufsere  Anlage  in  mancher  Hinsicht  Ähn- 
lichkeit mit  dem  capitolinischen  Tempel  in 
Rom,  so  wird  die  Vermutung,  dafs  es  sich  um 
ein  Heiligtum  der  Göttertrias  Iuppiter,  Iuno, 
Minerva  handle,  bestätigt  durch  eine  im  Innern 
der  Cella  entdeckte,  au  Iuppiter  0.  M.  gerich- 
tete Weihinschrift  aus  dem  Jahre  37  38  p.  C. 
(C.  I.  L.  10,  796)  und  eine  an  derselben  Stelle 
gefundene  Bildsäule  des  höchsten  Gottes  (vgl. 
Overbcch,  Pomp.  S.  62.  65.  89 ff.  Kissen,  Pomp. 
Stud.  S.  320  ff.  Templum  S.  142.  209.  Mau, 
Pomp.  Beitr.  S.  204  ff.  Mazois  et  Gau,  Ruines 
de  Pomp.  3  S.  48  ff.).  Da  das  Forum  seiner 
Anlage  nach  jünger  ist.  als  die  übrigen  Teile 
der  Stadt,  so  dürfte  der  darauf  stehende 
Tempel  der  Zeit  nach  dem  Marserkriege  an- 
gehören, wo  Pompeji  römische  Kolonie  wurde 
(Cic.  pro  Süll.  21,  62). 

Histonium  (im  Frentanergebiet).  [GJapi- 
toliufm]  |  [FJabius  MaximfusJ  |  rfirj  cflaris- 
simusj  [i] nstauravit.  4.  Jahrh.  (CXi.9,2842; 
vgl.  die  Widmung  an  I.  Capitolinus  ibid.  2860). 

Marruvium  (im  Marsergebiet).  .  .  .  Ocia- 
vius  Laenafs]  \  .  .  .  Cervarius  P.  f.  \  IUI  vir 
quinq.  |  viam  post  Gapitoliufm]  \  silicc  sternen- 
da[m]  |  ex  d.  d.  p.  p.  \  locarunt  idemqfue] 
probafrunt]  (C.  I.  L.  9,  3688). 

Abellinum  (im  Hirpinergebiet).  Vom  hlg. 
Hypolit  wird  erzählt  .  .  .  Iovis  pontifices 
....  vulneribiis  plagaverunt ;  qui  .  .  .  ad  mon- 
tem  Capitolinum  perductus  in  forum  deici- 
tur  .  .  .  interea  pontifex  ....  thuribulum  ei 
porrexit,  ut  Iovis  simulacro  thus  adhiberct 
(acta  SS.  2    p.  43,  2    Bolland). 

Beneventum.  Statua  eius  (Orbüii  gram- 
matici)  Beneventi  ostenditur  in  Capitolio  ad 
sinistrum  latus  marmorea  (Suet.  de  gramm.  9). 

Ostia.  A.  Oiticnsis  Äsclepiades  \  aeditus 
Capitoli  signum  Martis  \  corpori  familiae  \  pu- 
blice libertorum  et  servorum  d.  d.  (C.  I.  L.  6, 
479  =  14,  32). 

Faesulae.  lovi  o(ptimo)  m(aximo)  \  lu- 
noni  reg(inae)  |  Minervae  |  ob  restitutio\nem 
Capitoli  |  ordo  spl(endidissimus)  Flor(entino- 
rum)  |  d(ecreto)  d(ecurionum) ;  1.  od.  2.  Jahrh. 
(CLL.  11,  1545). 

Florentia.  Eine  Kirche  S.  Mariae  in 
Campidoglio  ist  vom  11.  Jahrhundert  an  nach- 
weisbar (Kuhfeldt  p.  32  f.). 

Ravenna.  Beatissimus  Apollinaris  (epi- 
scopus  c.  a.  75)  ...in  carccrem  missus  est  non 
longe  ad  Capitolium  istius  Ravennae  civitatis 
(acta  SS.  5  p.  353  Bolland,  die  Erzählung 
weiter  ausgeführt  ibid.  p.  444 ff.). 


741   Iuppiter  (Capit. :  Capitole  i.  röm.  Reiche)      Iuppiter  (Capit.:  Capitole  i.  röm.  Reiche)   742 

Verona.     .  .  .  statuam  in  Capitolio  \   diu  Constantinopolis    (Thracien).       Chron. 

iaceiitem  in  |  cereberrimo  fori  \  loco  constitui  \  Pasch.  1  p.  570  cd.  Bonn.  Gledon.  Gramm,  lat.  5 

iussit  Val.   Paladins  |  v.  c.  cons.  Venet.  et  Bist.  p.  14    Keil.    Corp.  Iust.  2  p.  334.  336.     Coripp. 

zw.  379  u.  383  (C.  I.  L.  5,  3332;  vgl.  die  Weih-  in  laud.  Iust.  Aug.  3,  121  f. 

inschrift  an  die  Trias  ibid.  3242).  Nysa  (Karlen).    Ein  isgsvg  Jibg  Kanszcoli'ov 

Aquileia.      Vom    Präfekten    Apollinarius  äia  ßi'ov  wird  genannt  G.  I.  Gr.  2943  a.  753  u.  o. 

unter   Diocletian   berichten   die    acta    SS.   (22  Antiochia.   Zfig-  KamtmliBvg'  'Avxioxtmv 

p.  456 ff.):  Cumque  venisset  apud  civitatem  Aqui-  (Münze  des  M.  Aurel,  Mionnet  3  nr.  83)  Ztig- 

leiensem  in  templum  Iovis  ingressus  immundas  Kernst  .  .  .  .  g-   'Airti6%smv  (Münze  des  Antoni- 
hostias  obtulit;  praeco .  .  .  .  proclamabat,  ut  om-  10  nus  Pius,  Mionnet  3  nr.  82:  Iuppiter  in  einem 

nes  venirent  cum  hostiis  ad  Capitolium  Iovis.  Tetrastylos  sitzend,  in  der  Rechten  eine  kleine 

Brixia.    Als  Hadrian  in  Brixia  weilt,  giebt  Victoria,    in   der   Linken   einen   Speer),    Zsvg 

er  Befehl   sibi  in  Capitolio  sedem  parari;    quo  Kamz.Xi.g  'Avzi6%ta>v  (Mionnet  nr.  61). 

cum  Sanctos  Dei  adduci  praeeepisset,  compella-  Teos  (Lydien).    z/tög  Kznaiov  \  Jtbg  Kutce- 

bat  cos  Iovi  thura  imponere  (acta  SS.  5  p.  812,  zoiUov  |  'Päfiiqg  \   äya&ov  duiuovog  (C.  I.  Gr. 

ausführlicher  p.  816  Bolland).  3074). 

Hispalis  (Spanien).  M .  .  .  P .  .  .  \  (st)atuam  Smyrna.     Ein    £f<jfüs   <Jtög    Kant[zu>i.iov] 

in  Capit(olio)  |  .  . .  f. . .  c.  loco  |  IV. . .  titu. . .  wird  erwähnt  C.  I.  Gr.  3153. 

C.  C.  R...  I).  (CLL.  2,  1194).  Antiochia  (Syrien).   (Antiochus  Epiphanes 

Carthago.     ...  cum  sigmentis  Mercu  . . .    20  rex    intra    a.   579    et    590)     Antiochiae    Joris 

et  Marte  plagulas  d .  .  .   |    ...  atias  puras  .  .  .  Capitolini  magnificum  templum  non  laquealum 

Capilolii  ...    |    ...  (p)rasina  colore  ciarat  . . .  |  auro  tantum  sed  parietibus  totis  lamina  inau- 

(C.  L.  L.  8,  1013;    vgl.  1141,    wo  ein  sacerdos  ratum  et  alia  multa  aliis  locis  pollicitus  non 

Lovis  0.  M.  genannt  wird),  Cyprian.  de  lapsis  perfecit    (Liv.   41,  20,  9;    vgl.   Gran.  Licinian. 

p.  242.    ep.   ad   Cornel.   fr.   13  p.  681     Harte!.  p.  9.    ed.  Bonn.    Polyb.   26,  10,  11     Bindorf). 

Pacian.   contr.  Koratian.  2,  3   vol.  13    Migne.  Tiberius  restauriert  derj  Tempel    (Ioan.  Mala- 

Cod.  Theod.  11,  1,  34.  lae  bist,  chron.  p.  302  ed.  Oxon.;  vgl.  acta  SS. 

Bibae    (Africa   procons.).      [Iovi    Lunoni]  1  p.  571   Bolland). 

reginae  Minerfvae]  I  . .  .m  re...   augg.  Capito-  Aelia    Capitolina    (Palästina).      Cassius 
lifum]    |     dedieavit    curante    rem    pubflicam]  30  Bio  69,  12;    vgl.  Paulin.  Nol.  in  patrol.  lat. 

(C.  L.  L.  8,  906).  61    p.   326  D     Migne.      Sulpic.   Sev.   chron.    2, 

Aelium   Sua  (?).     Ex  s(enatus)  c(onsulto)  31,  3.     Auf  Münzen   des  Hadrian   und  Diadu- 

quod    supter    in    (cjellis    Cap(itolii)     zw.    388  menian  (Mionnet  5  nr.  2.  25)  erscheint  Iuppiter 

und  392  (C.  I.  L.  8,  928).  in   einem  Distylos  resp.  Tetrastylos,  umgeben 

Thugga.     Zwar  weifs  uns    die  Überliefe-  von   Iuno    und   Minerva,    vgl.   Knhfeldt  p.  60 

rung  von  einem  Capitole   nichts  zu  berichten,  A.  227.    Die  Juden  hatten  bereits  unter  Vespa- 

indes  die  aufgedeckten  Trümmer  eines  Baues,  sian  und  Titus  eine  jährliche  Abgabe  an  den 

die    an   den  Tempel  zu  Pompeji   (s.  oben)    er-  capitolinischen    Iuppiter    zu    Rom     äntrichten 

innern  (Gue'rin,   Voyage  2  S.  125ff.),  und   eine  müssen,  Cassius  Bio  66,  7;   vgl.  Ioseph.  b.  lud. 
in  der  Wand  des  Pronaos  befindliche  Inschrift  40  7,  6,  6.     Sulpic.  See.  2,  30,  7. 

mit  der  Widmung  an  die  Göttertrias   (CLL.  Narbo    (Gallien).      Ausonius    rühmt    das 

8,  1471.  1472)    lassen   an  dem  Vorhandensein  Capitol   dieser  Stadt  als  einen  Prachtbau   von 

eines  Capitoles  daseibat  keinen  Zweifel.  parischem  Marmor   (de  dar.  urb.    13,  14;    vgl. 

Theveste  (Numidien).    Batasque  ad  Capi-  Sidon.  Apoll,   c.  23.    act.   SS.   9   p.  373;;    der 

tolium   argenti   libras    CLXX  etc.     (C.  I.  L.  Name  Capitolium  hat  sich  bis  in  das  14.  Jahrh. 

8,  1858).  erhalten  (Kxdifeldt  p.  61  A.  232). 

Thamugadi.      .  .  .    fquat]  tuor  porticus  Tolosa.     Act.   martyr.  sine,   et  sei.,  Veron. 

Capitoli  seriae  vetustatis  absumptas  et  usque  ad  1731  p.  109f.   Sidon.  Apoll,  epist.  9, 16.  Gregor. 

ima  fundamenta  cfollapsasj  |  novo  (o)pere  per-  Turon.lib.miracul.  1,48.  Hist.  Franc,  in  patrol. 
feetas  exornatasque  dedieavit   Publilius  Caeco-  so  lat.  71,  23    Migne. 

nius  Caecinfa  etc.  (C.  I.  L.  8,  2388).    Trümmer  Nemausus.  Der  Name  derKirche  S.Etienne 

des  auf  einem  Hügel   gelegenen  Tempels  sind  de  Capdueil  (S.  Stephani  de  Capitolio,  Kuhfeldt 

noch  erbalten;  vgl.  Benier  b.  Caitan,  Le  Capi-  p.  64  A.  239)  und  Ausgrabungen  an  jener  Stelle 

tole  de  Vesontio  et  les  capitoles  provinciaux  du  machen  die  Existenz  eines  Capitols  wabrsebein- 

monde  Romain  (Memoires  Ins   ä  la  Sorbonne).  lieh  (Stark,    Städteleben,  Kumt  und  Altertum 

Paris  1869   S.  64.                                               . "  in  Frankreich  S.  101). 

Lambaesis.     CLL.  8,  2611.  2612;   über  Augustodunum.     Der   Rhetor  Eumcnius 

Tempeltrümmer  vgl.  Wilmanns,  Comm.  in  hon.  (pro  restaur.  schol.    10)    beschreibt    die    Lage 

Mommseni  p.  199  C  L.  L.  8  p.  283.  der   schola   Maeniana  inter  Apollinis  templum 

Uzelis.   Dem  Iuppiter  O.  M.  wird  auf  dem  60  atque  Capitolium  . .  .  ubi  ante  aras  quodammodo 

Capitole  eine  Statue  geweiht  (C.L.L.  8,  6339).  suas  Iovios  Uerculiosque  audiant praedicari  Iup- 

Cirta.    Ein  Iovis  Victor  argenteus  in  Capi-  piter  pater  et  Minerva  socia  et  Iuno  placnta. 

Mio  wird  erwähnt  C  I.  L.  8,  6981 ;  vgl.  6983.  Ausgrabungen  bestätigen  diese  Nachricht  (Buf- 

6984.   7014.      Beschreibung   des   Tempels    von  Hot,  Observations  hist.  et  archeol.  sur  les  fouilles 

Renier  a.  a.  Ü.  d' Augustodunum  [Memoires  Jus  ä  la  Sorbonne] 

^Corinthus  (Griechenland).     Paus.  2,  4,  5  Paris  1877  S.  13lff.). 

iniQ   äi    to   fttarQÖv   laziv   hgbv   Jibg  Kam-  Vesontio.     Das  Vorkommen   des  Namens 

zaki'ov  .  .  .  Capitolium  läfst  sich  bis  in  das  7.  Jahrhundert 

24* 


743  Iuppiter  (Capit. :  Capitole  i.  röm.  Reiche) 

zurück  verfolgen,  es  führte  ihn  ein  Platz,  der 
zwischen  der  Kirche  von  S.  Pauli  und  der  porta 
Nigra  gelegen  war;  die  Aufdeckung  bedeuten- 
der Tempelreste  daselbst  beseitigt  jeden  Zweifel 
(Castan  a.  a.  0.  S.  47 ff.     Kukfeldt  p.  66.  67). 

Augusta  Tre virorurn.  Ausonius  {Mos. 
420 f.)  erwähnt  einen  Triumph  des  Valentinian 
und  Gratian  zu  Trier  a.  368;  das  Capitol  nennen 
die  acta  SS.  3  p.  534  f.  2  p.  55  Bolland  und  die 
gest.  Trevir.  (mon.  Germ.  Script.  8  p.  132.  150); 
doch  legt  Kultfeldt  p.  69  auf  den  Analogie- 
schJufs  vou  anderen  Städten  mehr  Nachdruck 
als  auf  diese  unsicheren  Berichte.  Die  Lage 
des  Capitols  ist  nicht  bekannt. 

Colonia  Agrippina.  Zwar  ist  die  Be- 
nennung der  Marienkirche  als  ecclesia  S.Mariae 
in  Capitolio  nicht  die  älteste,  doch  macht  die 
Bedeutung  der  Stadt,  wie  bei  Trier,  ein  Capi- 
tolium  wahrscheinlich,  wenn  auch  die  Aus- 
grabungen über  die  Lage  desselben  kein  Re- 
sultat ergeben  haben  (Kultfeldt  p.  74f.). 

Aus  den  Bünden  des  Corpus,  die  Kukfeldt  noch 
nicht  einsehen  konnte,  dürften  hinzukommen : 

Lanuvium:  mag.  colleg.  Capit olinor.  C  I. 
L.  14,  2105. 

Fabrateria  nova:  afedejm  Iov(is)  Iu- 
n[(onis)  Min(ervae)  f(aciendam)  c(uraverunt)] 
auf  einem  Epistylfragment  C.  I  L.  10,  5575. 

Formiae:  magisterit um)  I(ovis)  O(ptimi) 
M(aximi),  C  I.  L.  10,  6073. 

Suessula:  cultor  I.  O.M.S.,  C  1. L.  10, 3764. 

Puteoli:  Iovi  0.  M  et  genio  coloniae 
Udos  fec(erunt)  p.  C.  a.  56.  C.  I.  L.  10,  1574 
(cultores  sacerdotes  I.  0.  M.  Damasceni  s.  Helio- 
politan.  erwähnen  die  Inschriften  C.  I.  L.  10, 
1575.    1576.    1578.    1579.   1634). 

TJlubrae:  magister  Capiftjtolinorum)  C. 
I.  L.  10,'  6488. 

Pagus  Veianus:  Iovi  Opt.  Max.  |  L. 
Trebonius  primus  |  aedem  cum  por\[ticu  . . . 
C.  I.  L.  9,  1496  vgl.  1497. 

Aquae  Catiliae:  1.0.31.  aedem ..  .  CIL. 
9,  4663. 

Furf  o  :  ex  collegio  I.  0.  M.   C.  I  L.  9,  3519. 

Saepinum.  [tJempluml.O.M.  CIL. 9,2241. 

Über  Falerii  vgl.  Sp.  643  ff. 

Zweifeln  begegnet  die  Überlieferung  von 
den  Capitolen  zu  Mediolanum,  Pola,  Tergeste, 
Caesarea  (Kappadocien) ,  Durocortorum  und 
Sanctona  (Gallien);  vgl.  Kultfeldt  p.  41  —  44. 
60.  67.  Wir  dürfen  annehmen ,  dafs  in  der 
späteren  Kaiserzeit  fast  jede  Stadt  in  dem 
weiten  römischen  Reiche  ihr  Capitol  besessen 
hat,  das,  soweit  die  Verhältnisse  es  erlaubten, 
dem  glänzenden  Vorbilde  in  seiner  ganzen 
Anlage  entsprach  und  die  Eigentümlichkeit 
des  Kultes  getreulich  nachahmte.  Wie  zu 
Rom  für  das  Gesamtreich,  so  war  auf  allen 
diesen  Capitolen  Iuppiter  optimus  maximus 
der  Gegenstand  der  höchsten  Verehrung  fin- 
den engeren  Kreis  des  Stadtgebietes;  das 
Opfer  an  ihn  bedeutete  die  Anerkennung  der 
bestehenden  Staatsreligion;  so  galt  er  als  der 
Repräsentant  des  Heidentümer  überhaupt  und 
sein  Sitz,  das  Capitol,  als  der  Sammelpunkt 
aller  heidnischen  Götter  (Tertull.  de  spectac. 
12  Capüolium  omnium  dacmonum  templum; 
vgl.  Serv.  ad  Aen.  2,  319.   Amol).  1,  34.   4,  16. 


Iuppiter  (Begriffserweiterung")        744 

5,  9.    Lactant.  1,  11,  39   und   die  angeführten 
Stellen  der  ad.  SS.). 

Im  eigentlichen  Kulte  haben  sich  altertüm- 
liche Formen  und  Gebräuche  Jahrhunderte  lang 
unverändert  erhalten,  doch  die  immer  stärker 
hervortretende  Bedeutung  des  capitolinischen 
Iuppiter  stellte  allmählich  die  Kulte  der  an- 
deren Ioves  in  Schatten.  Als  sodann  seit 
Beginn  des  6.  Jahrhunderts  der  Stadt  mit 
in  dem  Aufblühen  der  Litteratur  der  reiche  Strom 
griechischer  Sagenbildnng  nach  Rom  sich  er- 
gofs,  und  als  unter  dem  Einflufs  der  späteren 
griechischen  Philosophie  die  rationalistische 
Deutung  der  Göttergestalten  auch  in  Rom 
ihre  Vertreter  fand,  da  schwand  mehr  und 
mehr  die  klare  Anschauung  von  dem  ursprüng- 
lichenWesen  des  römischen  Iuppiter.  Ausgehend 
von  den  Kreisen  der  Gebildeten  und  in  immer 
weitere  Schichten  des  Volkes  dringend,  voll- 
2o  zog  sich  etwa  um  die  Zeit,  da  die  römischen 
Heere  siegreich  gegen  ihre  östlichen  Nachbarn 
vordrangen,  die  Gleichsetzung  des  römischen 
Iuppiter  und  des  griechischen  Zeus.  In  den 
Werken  der  älteren  Schriftsteller,  des  Naetius 
und  Plautus,  Cato  und  Ennius  ist  dieser  Um- 
wandlungsprozefs  deutlich  zu  bemerken.  Nach- 
dem ferner  die  Ausdehnung  des  Reiches  die 
Bekanntschaft  mit  den  Kulten  der  orienta- 
lischen Völker  und  der  barbarischen  Stämme 
so  des  Nordens  vermittelt  hatte,  verlor  der  Begriff 
des  römischen  Iuppiter  vollends  seine  charakte- 
ristischen Merkmale,  so  dafs  mit  seinem  Namen 
die  Hauptgötter  aller  jenerfremden  Nationen  be- 
zeichnet werden  konnten.  Iuppiter  wurde  der 
allgemeine  Gattungsbegriff",  zu  dem  die  Namen 
der  ausländischen  Gottheiten  zur  Bezeichnung 
der  Art  hinzutraten.  Es  scheint,  als  ob  neben 
dem  Iuppiter  0.  M.  andere  Richtungen  im 
Wesen  des  höchsten  Gottes,  die  zu  Rom  Ver- 
de ehrung  genossen,  von  hier  aus  in  Italien  und 
den  Provinzen  nur  sehr  geringe  Verbreitung 
gefunden  haben;  der  capitolinische  Kult  drängte 
eben  alle  anderen  in  den  Hintergrund.  Wei- 
hungen an  Iuppiter  unter  einem  der  römischen 
Kultbernamen  genügen  nicht  zum  Beweise  für 
den  Kult  des  Gottes  an  der  Fundstelle;  es 
müssen  noch  andere  Zeugnisse  hinzukommen, 
z.  B.  die  Nennung  eines  Tempels  oder  einer 
Priesterschaft  des  Gottes.  In  den  wenigen 
50  beweiskräftigen  Stellen  kann  man  mit  ebenso 
grofsem  Recht  auf  einen  allgemein  italischen 
Kult  als  auf  römischen  Einflufs  schliefsen  (vgl. 
Sp.  638.  642.  651,  dazu  eine  Inschrift  aus 
Anagnia  [aedem  Iojvis  Statoris  C.  I.  L.  10, 
5904  und  Signum  Iovis  Statoris  ad  Arretium. 
Cic.  de  dir.  1,  35,  77).  Tempel  Iuppiters  ohne 
weitere  Beinamen  werden  erwähnt  zu  Tusculum 
(Liv.  27,  4,  11),  Lanuvium  {Liv.  32,  9,  2), 
Aricia  {Liv.  24,  44,  8),  Satricum,  Tarracina 
SO  (Liv.  2S,  11,  2),  Minturnae  (Liv.  27,  37,  2. 
36,  37,  3),  Formiae  (Liv.  32,  1,  10),  Cumae 
(Liv.  27,  32,  2),  Caere  (Liv.  27,  32,  2)  und  in- 
schriftlich zu  Pompeji  (PIUS.  M.  F.  |  AEDEM 
IOVIS  CIL.  10,  925),  Alvito  (aedem  fecit. 
Iovem  marmoreum  posuit  a.  144  p.  C.  C.  I.  L. 
10,  5142),  Casinum  (aedem  Iovis  a  solo  et  por- 
ticum  cum  aedifieiis  faciendam  curaverunt  C.  I.  L. 
10,  5160a).    Cultores  Iovis  nennt  eine  Inschrift 


745  Iuppiter  (Beziehung  zu  den  Kaisern) 

von  Abella  (C.  I.  L.  10,  1216).  Kulte  Iup- 
piters  unter  einem  zu  Rom  nicht  bekannten 
Beinamen  finden  sich  zu  Capua  (C.  /.  L.  10, 
3772  a.  660  u.  e.,  wo  wir  von  einem  conlegium 
und  viagistrei  Iövei  Compagei  hören;  etwa 
gleich  Iovii  Compagi?),  zu  Cereate  Mariana 
(C.  /.  L.  10,  5779  a.  750  Iovi  Aer(i)s  et  disin- 
digetibus  cum  aedicula  et  base  et  [acjdi  et  porticu) 
und  zu  Ostia  (C.  I.  L.  14,  25  Iovi  Tutor i 
Q.  Veturius  Secundus  |  A.  Libius  Hilarianus  |  10 
quaglator  et  curator  |  donu  daeder  cidtoribus). 
Iuppiter  in  seiner  Beziehung  zu  den 
Kaisern.  Als  mit  der  Einführung  des  Prin- 
zipats   ein    gemeinsames    Oberhaupt    für    den 


Opfernder    Feldherr  beim  albanischen  Triumph 
(nach  Hon.  d.  inst.  10  t.  2fl) ;  vgl.  Sp.  695. 

römischen  Staat  geschaffen  war,  da  ergab  sich 
von  selbst  eine  enge  Beziehung  des  himm- 
lischen Repräsentanten  der  Römermacht  zu  so 
seinem  Stellvertreter  auf  Erden.  Von  der 
Person  des  Kaisers  hing  das  Wohl  und  Wehe 
des  Staates  ab;  beschirmte  also  Iuppiter  den 
Fürsten,  so  schützte  er  das  gesamte  Volk;  in 
dem  Gedanken  einer  obersten  Schutzgottheit 
des  Kaisers,  seiner  Angehörigen  und  des  unter 
seiner  Leitung  stehenden  Weltreiches  findet  der 
luppiterkult  der  Kaiserzeit  seiuen  charakteristi- 
schen Ausdruck.  Inschriften  feiern  den  Gott  als 
Conservator  Augustorum  (C.  IL.  8,  6353.  uo 
Eph.  epigr.  5,  1193),  dcorum  Caes(arum)  (Eph. 
epigr.  5,  691),  imperatoris  totiusque  domus 
divinae  (C.  I.  L.  8,  2620),  sanctissimorum 
prineipwm  (C.  I.  L.  8,  1628),  imperii  (C.  I.  L. 
6,  423),  totius  poli  (C.  I.L.  6,  406).  Münzen 
bezeichnen  ihn  als  Sponsor  securitatis  oder 
saeculi  Augusti  (Cohen,  Domit.  77.  555.  Postum. 
241),    defensor  salniis  Augusti  (Cohen,  Domit. 


Iuppiter  (Beziehung  zu  den  Kaisern)   746 

78.  557),  propugnator  sospitator  tutator  cu- 
stos  conservator  Aug.  Caes.  Augg.,  als  praeses 
orbis  (Cohen,  Pescenn.  Nig.  22.  Sept.  Sev.  145 
—  147)  ,  conservator  orbis  (Cohen  7,  Diocl.  6) 
propagator  orbis  terrarum  (Cohen,  Maximin. 
IL  126).  Je  unumschränkter  die  Macht 
der  Kaiser  sich  gestaltete,  um  so  schärfer 
tritt  die  Bedeutung  einer  Schutzgottheit  des 
kaiserlichen  Hauses  hervor.  Während  auf  den 
Münzen  der  ersten  Regenten  neben  den  ge- 
nannten Beinamen  noch  eine  Reihe  anderer 
(Stator,  Victor,  Liberator,  Iuvenis)  im  Gebrauche 
ist,  wird  seit  Diocletian  fast  ausschliefslich 
die  Bezeichnung  Conservator  gewählt.  Die 
letzten  Münzen  mit  der  Legende  Iovi  Conser- 
vatori  prägt  Constantin  IL  (Cohen  142 — 144). 
Auf  Münzen  gelangt  der  Imperator,  ausgestattet 
mit  den  Attributen  des  höchsten  Gottes,  immer 
häufiger  zur  Darstellung  (Fröliner  S.  91.  129 f. 
355  f.  Cohen,  Elagab.  42);  auch  Statuen  zeigen 
ihn  nicht  selten  als  irdischen  Iuppiter  (Over- 
beck  a.  a.  0.  S.  119f.  122.  571  A.  90).  Gelübde, 
Gebete  und  Opfer  für  den  Kaiser  und  seine  Anver- 
wandten finden  statt  am  Anfang  jedes  neuen 
Jahres  (3.  Jan.),  an  seinem  Geburtstage,  am 
Tage  des  Regierungsantritts,  für  seine  Rück- 
kehr und  Gesundheit  und  bei  vielen  anderen 
Veranlassungen    (Henzen,    Act.    fratr.    Arval. 

5.  51  ff.  89ff.  Mommsen,  Eph.  epigr.  4  p.  225. 
Jordan,  Krit.  Beitr.  S.  290.  Marquardt,  Hörn. 
Staatsvenv.  32  S.  266  ff.);  der  Ort  der  Feier 
war  das  Capitol,  und  darin  liegt  bereits  aus- 
gesprochen, dafs  jene  Gebete  an  Iuppiter  ge- 
richtet waren.  Die  Formel  eines  Gelübdes 
unter  der  Regierung  des  Titus  a.  81  p.  C. 
lautet:  Iuppiter  0.  M.  si  imp(erator)  Titus 
Caesar  Vespasianus  Aug(ustus)  .  .  .  et  Caesar 
divi  f(ilius)  Uomitianus,  cptos  nos  sentimus 
dicere,  vivent  domusque  eorum  incolumis  erit 
a.  d.  III  non(as)  lanfuarias),  quae  proximae 
p(opulo)  Pv(omano)  Q(uiritium)  rei  p(ublicae) 
p(opidi)  S(omani)  Q(uiritium)  [erunt  fuerjint, 
et  eum  diem  eosque  salvos  servaveris  ex  pericu- 
Ks,  si  qua  sunt  [eruntve  ante]  eum  diem,  eventum- 
que  bonum  ita  uti  nos  sentimus  dicere  [dederis 
eosque  in  eo  stjatu  quo  nunc  sunt  mit  eo  me- 
liore  servaveris,  ast  tu  fea  ita  faxis,  tunc  tibi 
nomjine  collegi  fratrum  bubus  aufrcdis  II  vo- 
vemus  esse  futurjum  C.  I.  L.  6,  2059;  vgl. 
Tertull.  de  coron.  milit.  12.  Widmungen  an 
Iuppiter  pro  reditu,  pro  salute,  ob  victoriain 
der  Kaiser  sind  uns  inschriftlich  in  ziemlicher 
Anzahl  erhalten;  sie  gelten  zumeist  dem  Iup- 
piter 0.  M. :  I.  0.  M.  Judi  votivi  pro  reditu, 
imperatoris  Caesaris  divi  Augusti  a.  747  und 
741  u.  c.  C.  I.  L.  6,  385.  386;  vgl.  die  Münze 
des  Augustus  mit  der  Lesung  Iovi  vot.  susc. 
pro  sal.  Caes.  Aug.  s.  p.  Q.  B.  (Cohen  162; 
vgl.  350) ,  [pro  salute]  Ca(e)sar[is]  von  einem 
Freigelassenen  des  Augustus  zu  Forum  novum 
(C.  I.  L.  14,  4773),  Iovi  Treblulano?)  pro  sa- 
lute Hadriani  (C.  I.  L.  9,  2833),  Iovi  Statori 
et  Conservatori  ob  victoriam  Elagabali  (C.  I.  L. 

6,  434;  vgl.  Eckhel,  Doctr.  numm.  7  p.  206), 
Iovi  Monitori  pro  salute  atquc  incolumitate 
d(omini)  n(ostri)  ßallieni  Augfusti)  (C.  I.  L.  3, 
3228);  vgl.  ferner  C  I.  L.  11,  1331.  6,  410.  414. 
419.  8,  1628.  3,  3233.  11,  1322.  596.  7,  496.  8, 


747   Iuppiter  'Beziehung  zu  den  Kaisern) 

2619.  2620.  2626.  6,  428.  3,  3231.  5,  2475.  Die 
Kaiser  unterliefsen  es  nie,  vor  ihrem  Weg- 
gang aus  der  Stadt  auf  dem  Capitole  zu 
opfern,  und  bei  ihrer  Rückkehr  war  ihr  erster 
Gang  wieder  dorthin  gerichtet,  dann  erst  be 
gaben  sie  sich  nach  der  kaiserlichen  Burg 
auf  dem  Palatin  (Her od.  2,  14,  2.  3,  8,  4.  Vit. 
Alex.  Sev.  57.  Gallien.  8).  Die  volle  Trium- 
phaltracht, d.  i.  den  Ornat  des  capitolinischen 
Iuppiter,  zu  tragen  ward  ein  Reservatrecht  der 
Kaiser  (Mommsen,  Rom.  Staatsr.  1°  S.  132. 
401  ff.").  Als  Schutzgott  des  kaiserlichen  Hauses 
erhielt  Iuppiter  den  Beinamen  Augustus 
CLL.  2,  2008.  5,  4014.  6955.  7,  371.  8,  1327. 
1839.  6353.  6953.  10624.  10677.  10841.  10, 
7237.  Eph.  epigr.  4,  533.  679  (vgl.  die  Wid- 
mungen an  Iuppiter  et  numen  Augusti  0.  I.  L. 
7,  638  —  640.  882)  Münzen  des  Antoninus  Pins 
(Cohen  638),  des  Carausius  (Cohen  107.  108), 
des  Diocletian  (Cohen  115.  123.  124.  203—224. 
254),  des  Maximiamis  Hercules  (Cohen  126. 
132.  133.  282—290),  des  Diocletian  und  Maxi- 
mianus Hercules  (Cohen  4),  des  Constantius 
Chlorus  (Cohen  170). 

Augustus.  Über  die  Wiederherstellung 
und  Ausschmückung  der  Heiligtümer  des  Iup- 
piter Feretrius ,  Liberias,  Stator,  Optimus 
Maximus  s.  Sp.  672.  663.  682.  717.  Als  der 
Kaiser  im  Jahre  728  während  eines  Krieges 
gegen  die  Cantabrer  der  Tötung  durch  Blitz- 
schlag wie  durch  ein  Wunder  entgangen  war, 
gelobte  er  zum  Dank  für  seine  Rettimg  dem 
Iuppiter  Tonans  einen  Tempel  (Suet.  Aug.  29); 
derselbe  wurde  auf  dem  Südhügel  des  Capi- 
tolinus  mons,  hart  an  der  Stelle,  wo  der  clivus 
iu  die  area  einmündet,  mit  Wänden  aus  Mar- 
morquadern  erbaut  (Plin.  n.  h.  36,  10.  mon. 
Anc.  4,  5)  und  mit  Statuen  reich  geziert 
(Plin.  34,  78).  Die  Einweihung  geschah  am 
1.  September  732  (Cassius  Dio  54,  4.  fast. 
Arv.  p.  CCXXXVI  Benzen  =  C  1.  L.  6,  2295. 
fast.  Amit.  C.  I.  L.  1  p.  324  =  9,  4192.  fast. 
Ant.  C.L.L.  1  p.  328  =  10,  6638).  Der  pracht- 
volle Bau  lockte  Andächtige  und  Neugierige 
in  grofser  Menge  herbei,  auch  Augustus  selbst 
besuchte  ihn  oft  und  gern;  als  er  einst  träumte, 
der  capitolinische  Iuppiter  beklage  sich  über 
die  Vernachlässigung  seines  Kultes,  da  gab  er 
ihm  zur  Antwort,  Iuppiter  Tonans  solle  nur 
der  Pförtner  an  seiner  Thürschwelle  sein,  und 
versah,  um  dies  Verhältnis  kenntlich  zu  machen, 
den  Giebel  des  neuen  Tempels  mit  Schellen 
(tintinnabula ,  Suet.  Aug.  91).  Vielleicht  ge- 
hören die  südlich  vom  grofsen  Tempel  gefun- 
denen Mauertrümmer  zur  Substruktion  des 
Heiligtums  (Richter  in  Iw.  Müllers  Handbch. 
d.  Iclass.  Altert.  3  S.  821).  Der  Name  Iuppiter 
Tonans  hat  mit  dem  altrömischen  Kulte  des 
Iuppiter  Fulgur  nichts  zu  schaffen;  er  ist  nur 
eine  Übertragung  des  griechischen  Ze-vs  Bqov- 
T<äv;  vgl.  die  Widmung  Iovi  Sancto  Brontonti 
Aur.  l'oplius  C  I.  L.  6,  432  und  einen  «S'a- 
cerdos  dei  Brontontis  C.  I.  L.  6,  2241.  Weih- 
inschriften an  Iuppiter  Tonans  fand  man  zu 
Gaudium  (C.  I.  L.  9,  2162),  Veji  (C.  1.  L.  11, 
3778  vgl.  3773)  und  in  den  Trümmern  eines  römi- 
schen Tempels  zuAcpiaeSextiae  (CLL.  12,  501). 
Auf  Münzen    des  Augustus   (Collen  1    nr.  158. 


Iuppiter  (Beziehung  zu  den  Kaisern)   748 

161;  7  nr.  28.  29;  vgl.  1  nr.  159.  160)  mit  der 
Beischrift  (I)ov(i)  Toinanti)  oder  Iovis  Tonant. 
erscheint  der  Gott  in  ruhiger  Stellung  stehend 
in  einem  sechssäuligon  Tempel,  die  Linke 
hoch  erhohen,  sich  auf  das  Scepter  stützend, 
die  Rechte  gesenkt  vorgestreckt  (Over- 
beck.,  Griecli.  Kunstmythol.  II.  Münzt.  2  nr.  42. 
Duriiy-Hertzberg,  Gesch.  d.  röm.  Kaiserreichs 
1  S.  296);    vgl.    die   Marmorstatue    b.    Clarac, 

iu  Mus.  de  sculpt.  pl.  396  D  nr.  681  A;  dazu 
vol.  3  S.  39  und  Conse,  Arch.  Zeitg.  22  (1864) 
S.  221*.  Vielleicht  war  das  Bild  auf  den 
Münzen  eine  Nachahmung 
der  Statue  des  Leochares 
(Plin.  34,  79),  s.  Over- 
beck  a.  a.  O.  S.  55.  Die 
von  einem  Iuppiter  Tonans 
redenden  Stellen  der  Dieh- 
tev(Horat. c. 3,5, 1.  Lucan. 

20  Phars.  8,  219.    Vol.  Flacc. 
Arg.  2,  560.    Sil.  Ltal.  1, 
133.   4,  450.     Stat.   3,    16. 
Marlial.  7,  60,  2.  9,   3,  9.   Iuppiter  Tonans  in  einem 
9,  65,  1.    9,  86,  7.    11,  94,  7.    ^1'^^»        Tempel 
, '     _  .     .    ri,       t  .         ,       T   ,     Münzedes  Augustus  (nach 
13,  ,4  1.  Claudxan.desext    0m.bKk<   GriKh     A„„s(. 

cons.  Hon.  44 ff.)  sind  mit  ,„,,;,,„,.  Zeus  Münzt.  2 
grofser     Wahrscheinlich-  nr.  ü). 

keit  auf  den  capitolini- 
schen Tempel  zu  beziehen  (Jeep,  Rh.  Mus.  17 
30  (1872)  S.  269.  Jord.  Top.  1,  2  S.49).  Auf  Münzen 
des  Augustus  begegnet  uns  zum  erstenmale  der 
Iuppiter  Conservator,  nach  links  stehend, 
Blitz  und  Scepter  haltend  (Cohen  1  nr.  19) ;  andere 
Münzen  geben  die  Umschrift  Iovi  Olym(pio) 
mit  der  Darstellung  eines  sechssäuligen  Tempels 
(Cohen  157)  oder  einen  viersäuligen  Tempel 
mit  der  Legende  Iovi  deo  s.  c.  (Cohen  266). 
Augustus  selbst  wird  als  Zfig  i Xtv&SQios  ge- 
feiert (Letronne,  Inscr.  de  l'Egypte  2  p.  143). 
io  Von  Tiberius  ist  nur  die  Einweihung 
des  Capitols  zu  Capua  bekannt  (Tac.  ann.  4, 
57.    Suet.  Tib.  40). 

Caligula  läfst  zuerst  die  Beinamen  Op- 
timus Maximus  auf  sich  übertragen  (Marini, 
Atti    e  monumenti   de'  fratelli  Arvali   S.  359). 

Die  unter  Nero  geprägten  Münzen  nennen 
den  Gott  bald  Custos  (Cohen  1  nr.  12  —  16. 
7  nr.  3),  bald  Liberator  (Cohen  1  nr.  17),  ohne 
dal's  in  den  Bildern  selbst  (Iuppiter  sitzt  nach 
so  links  und  trägt  Scepter  und  Blitz)  ein  Unter- 
schied erkennbar  wäre. 

Die  gleiche  Darstellung  mit  demselben 
Beinamen  oder  dem  Attribute  Conservator 
wiederholt  sich  auf  Münzen  des  Galba  (Cohen 
1   nr.  256  —  258;   7  nr.  74). 

Eine  Münze  Othos  (Cohen  1  nr.  6)  zeigt 
den  Gott  in  derselben  Auffassung,  aber  nach 
rechts  gewendet.     Umschrift  Pont.  max. 

Vitellius  liefs  Münzen  prägen,  auf  deren 
co  Revers  Iuppiter  in  einem  zweisäuligen  Tempel 
stehend  mit  Scepter  und  Blitz  abgebildet  war. 
Umschrift  I.  O.  Max.  Capitolinus  (Cohen  1 
nr.  16.  17.  103.  104;  7  nr.  16);  auf  seinen 
Münzen  erscheint  zuerst  Iuppiter  Victor  nach 
liuks  sitzend,  eine  kleine  Victoria  und  ein 
Scepter  haltend  (Cohen  1  nr.  18 — 21). 

Über  die  Restauration  des  capitolinischen 
Tempels   durch   die  Fla  vi  er    und   die   darauf 


749   Iuppiter  (Beziehung  zu  den  Kaisern)  Iuppiter  (Beinamen)  750 

bezüglichen  Münzen  vgl.  Sp.  717,  20  ff.  VonVes-  erhielten  sich  bis  zum  Ausgang  des  Alter- 
pasian  ist  uns  eine  Weihinschrift  erhalten;  tums  (Friedländer  a.  a.  0.  S.  578 ff.),  und  die 
die  Vorderseite  bietet  Iovi,  die  Rückseite  Erinnerung  an  die  Dichterkrönung  auf  dem 
Imp.  Caesar  Vespasianus  Aug  |  per  collegium  Capitole  blieb  im  Mittelalter  (Gregorotius, 
ponti\ficum  fecit  (G  I.  L.  6,  369).  Auf  Münzen  Gesch.  d.  Stadt  JRom  6  S.  207  ff.)  und  darüber 
von  ihm  und  Titus  ist  der  Gott  unbekleidet,  hinaus  bis  auf  unsere  Tage  lebendig  (Fried- 
in aufrechter  Stellung,  Scepter  und  Schale  länder  25  S.  437 ff.  3S  S.  379 ff.), 
haltend  zu  sehen,  zu  seinen  Füfsen  steht  ein  Trajan  hatte  ein  besonders  nahes  Ver- 
Altar, Umschrift  lovis  Gustos  (Cohen,  Vespas.  hältnis  zu  den  Göttern  des  Capitoles,  denn 
105.  Tit.  44).  10  im  Angesichte  des  höchsten  Gottes  war  er  von 
Domitian  hatte  beim  Sturme  der  Vitel-  Nerva  an  Kindesstatt  angenommen  und  mit 
lianer  auf  das  Capitol  a.  69  im  Häuschen  des  dem  Caesartitel  geehrt  worden;  derselbe  Kaiser 
Thürhüters  Schutz  und  Rettung  gefunden;  für  war  es  auch,  der  den  seit  Augustus  üblichen 
die  Befreiung  aus  Lebensgefahr  errichtete  er  Schwur  beim  Genius  des  Herrschers  nicht  zu- 
noch  zu  Lebzeiten  seines  Vaters  an  Stelle  der  liefs,  sondern  ihn  durch  den  Schwur  beim 
Küsterwohnnng  ein  sacellum  des  Iuppiter  Con-  numen  lovis  0.  M.  ersetzt  wissen  wollte  (Plin. 
servator  mit  einem  Altare,  auf  dem  die  Ge-  Paneg.  1,  8.  Cassius  Dio  68,  3).  Dem  Ge- 
schichte seiner  Rettung  in  Marmorreliefs  ab-  danken,  dafs  der  Princeps  unter  dem  spezi- 
gebildet war.  Später,  als  er  selbst  die  Regierung  eilen  Schutze  Iuppiters  stehe,  giebt  er  zuerst 
übernommen  hatte,  weihte  er  dem  Iuppiter  20  auf  Münzen  Ausdruck  (Cohen  167,  s.  oben); 
Custos  einen  grofsen  Tempel  und  stellte  sich  andere  Münzen  zeigen  die  capitolinische  Trias 
auf  einem  Bildwerk  als  Schützling  des  Gottes  (Cohen291.  FröhnerS.%1;  unt.  Sp.  758) odereinen 
dar  (seque  in  sinu  dei  sacravit  Tac.  last.  3,74.  Tempel  Iuppiters  (Cohen  495  —  499;  7  nr.  47). 
Suet.  TJomit.  5;  vereint  sind  die  Epitheta  Die  Beziehungen  der  folgenden  Kaiser  zu 
Custos  und  Conservator  auf  einer  Inschrift  aus  Iuppiter  sind  fast  ausschlielslich  durch  die 
Tuder,  Orelli  1228).  Fröhner  (Medaill.  de  von  ihnen  geprägten  Münzen  bekannt  ge- 
l'emp.  Rom,  S.  29)  macht  darauf  aufmerksam,  worden;  die  häufigsten  Beinamen  sind  oben 
dafs  auf  einer  grofsen  Bronze  Trajans  (Cohen  erwähnt;  über  die  wechselnden  Typen  s.  den 
167)  und  einem  Medaillon  Hadrians  (Cohen  letzten  Abschnitt.  Das  bedeutsame  Verhältnis 
571.  Fröhner  S.  28),  wo  Iuppiter  den  Kaiser  30  Diocletians  und  seiner  Nachfolger  zu  Iuppiter 
schützend  in  die  Falten  seines  Mantels  hüllt,  hat  Peter  s.  v.  Hercules  1  Sp.  3001  ff.  bereits 
eine  Nachahmung  des  von  Domitian  gestifteten  mitbehandelt. 

Bildes  zu  erkennen  sein  wird  (s.  Sp.  760).    Der  Beinamen   Iuppiters.      Zum    Schlüsse 

Kaiser   selbst   schlug   zu  Ehren  seines  Schutz-  seien  noch  kurz  die  Beinamen  zusammengestellt, 

patrons  Münzen  mit  der  Legende  Iovi  Conser-  die  die  oben  entwickelten  Grundzüge  im  Wesen 

vatori ,    die    entweder    den    Gott    selbst    nach  Iuppiters  weiter  ausführen,  ohne  dafs  wir  über 

links    stehend   mit   Scepter    und  Blitz  (Cohen  die  Art  des  Kultes  genauer  unterrichtet  werden, 

1  nr.  359 — 362;  7  nr.  68)  oder  seine  Attribute  sowie    diejenigen,     die    aus    der    Vereinigung 

Adler    und   Blitz  (Cohen  180)   zur   Darstellung  Iuppiters  mit  orientalischen   und  barbarischen 

bringen.     Im  Jahre  86  stiftete  Domitian  nach  10  Gottheiten   hervorgegangen    sind.     Unerwähnt 

dem  Muster  der  olympischen  Spiele  den  agon  bleiben  die  Beinamen  griechischen  Ursprungs 

Capitolinus  (Suet.  Domit.  4)  und  bestimmte  z.  B.  Acraeus,  Bronton,  Hospitalis.  Prodigialis 

alle    4   Jahre    eine    Wiederholung    der    Feier  etc.      Es    bedeutet  f  Beinamen   des    Iuppiter 

(Censorin.  de  die  natali  18,  11.    Eckhel,  Doctr.  0.  M.,  *  Beinamen   des  Iuppiter  und   des  Iup- 

numni.  4,  437).     Sie  bestand  in  Wagenrennen,  piter  0.  M. 

gymnastischen    und    musischen   Wettkämpfen  Adventus  f  (?):  Gl.  F.  3,6340  Dalmatia. 

(Friedländer,  Sittengesch.    25    S.    575  ff.).    Den  Aetetusf  (=cut7jt<b'?):  C.  I.L.  3,  1352  Dacia. 

Vorsitz  führte  der  Kaiser,  angethan  mit  einem  Amaranus:  C.  I.  L.  9,  1074  Ager  Compsinus. 

Purpurmantel,  auf  dem  Haupte  einen  goldenen  Apenninns  (Appenniuus)*:  vgl.  Sp.  635,  30 f. 

Kranz  mit  den  Bildern  der  drei  capitolinischen  00  Orelli-Henzen  5613.    G  I.  L.  8,  7961. 
Gottheiten;  zu  den  Kampfrichtern  gehörte  der  Beonus:  C.  I.  L.  14,  4177.     Lanuvium  vgl. 

flamen  Dialis  in  gleicher  Tracht  (Suet.  a.  a.  0.).  Sp.  651,  27. 

Der  Preis  für  die  beste  Leistung  in  lateinischer  Caounus:    C.  I.  L.    6,   371  Roma.     9,    4876 

und    griechischer   Poesie    war    ein  Kranz    aus  Trebula  Mutuesca. 

Eichenlaub   (Stab   Silv.  5,  3,  231.    Martial,  4,  Caelusf:C.  J.i  6,81  Roma;  vgl.  Bd.  1  Sp.844. 

54,  4.    9,   23,   5.     Iuvenal.  6,  387)   und  wurde  Chortalisf:  G.  I.  L.  3,  1782  Dalmatia. 

vom   Kaiser   dem   Sieger   überreicht   (Martial.  Ciminius:  CLL.  11,  2688  Volsinii. 

4,   1,6).      Das    gewöhnliche    Thema    für    die  Conservator*:  vgl.  Sp. 745, 60.  748,32.749, 16. 

Dichter  und  Redner  (nicht  lange  nach  Domi-  Consul  s.  Consulens:  vit.  Firm.  3. 

tians  Tode  kam  die  Bewerbung  um  den  Preis  eo        Custos:  C.  I.  L. 6,  376  Roma.  14,3557  Tibur. 

in   lateinischer  und  griechischer  Beredsamkeit  5,  8795  Verona;  seit  Nero  häufig  auf  Münzen, 
wieder  zum  Wegfall)  war  neben  der  Verherr-  Defensorf:  C.  I.  L.  3,  1590.     Eph.  epigr.  2, 

lichung    des    Kaisers    das    Lob    des    mit   Zeus  446   Dacia.     vgl.  Sp.  746,  1. 
völlig    identificierten    Iuppiter    Capitolinus  Depulsor*:   G.  I.  L.  2,  2414.    Hisp.   Tarrac. 

(Suet.  a.  a.  0.   Quint.  3,  7,  4.    C.  I.  L.  9,  2860);  3,895.    1679.    3269.    4018.    4033.    4034.    4111. 

galt   der  Gott   doch    auch   als   der  eigentliche  4760.    4786.    5160.   5460.  5494.     Eph.  epigr.  2, 

Spender  des  Kranzes  (Florus  frg.  p.  41  Jahn.  401.  443  Donauländer,  C.  I.  L.  5,  2473  (Ateste) 

Martial.  11,  9.   Stat.  Silv.  3,  5,  31).    Die  Spiele  8,  2621.  6043  Africa.     14,  2562  (?)  ager  Tusc. 


751                Iuppiter  (Beinamen)  Iuppiter  (Beinamen)                752 

Depulsorius*:   C  I.  L,  12,  315.    1067.  1287.  Restitutorf:  C.  I.  L.  3,  569   Achaia. 

1288  Gall.  Narb.  Salutarisf:   G.  I.  L.   6,   82.   425   Roma.  3, 

Dianus:  C.  I.  L.  5,  783  Aquileia  Iovi  |  Di-  6456  Pannonia. 

and   |   0.  Herre\nnius  Candidas  \   v.  s.   I.   m.  Sempiternua:  C  I.  L.  10,  8375   Cumae. 

Gegenüber   der  Behauptung  Linde' s  (de  Iano  Serenator:  Apul.  a.  a.  0. 

summo   Romanorum   deo.     Lund  1891    S.   40),  Serenus:  C.  I.  L.  6,  431.  433  Roma, 

die    Inschrift    zeuge    für    einen    Himmelsgott  Servatorf:  C.  I.  L.  9,   4852   inter  Forum 

Ianus,  hat  Röscher  (Berliner  Philol.  Wochenschr.  novum  et  Cures. 

(1891)  Nr.  29/30  S.  933)  mit  Recht  geltend  ge-  Sospitator:  auf  Münzen  des  Septimius  Seve- 

macht,  dafs die  Voranstellung des Beiuamens  Iovi  10  rus  und  seiner  Söhne, 

allen  Regeln  lateinischer  Wortstellung   wider-  Sponsor:  vgl.  Sp.  745,  67. 

streiten  würde,  vgl.  Bd.  1  Sp.  1003.  1011.  Striganus:  C  I.  L.  10,  3337  Misenum. 

Dornesticus*:  Brambach,  C.  I.  Tili.  115  do-  Summanus:   C.  I.  L.  5,  3256  Verona;  5600 

m(esticus?)  C  I.  L.  12,  2387.     Gall.  Narb.  ager  Mediol. 

Dom(i)nus:  C.  I.  L.    2,   4442.    4501    (ohne  Terminalis:  C.  I.  L.  11,  351  ager  Ravennas. 

Hinzusetzung  von  Iuppiter,  dafür  ein  Bild  des  Territorr  C.  I.  L.  14,  3559  Tibur. 

Gottes  mit  dem  Adler)  Hisp.  Tarrac;  vgl.  6,  82.  Tigillus:  Aug.  c.  d.  7,  11. 

Exoriens:  Cohen,  Salonine  68.  Tonitrator:    C.  I.  L.    3,    2766  a    Dalmatia. 

Frugifer:    C.  I.  L.  12,   336;    vgl.   Apul.  de  Tonitrualis:  Apul.  a.  a.  0. 

mund.  37  p.  371  (Goldb.).  20        Taunus  (?):  0.  I.  L.  11,  1593  Florentia. 

i?ie    j-„*    n   t  t    a    onn  v>           1    „„  Tutator*:    C.  I.  L.   9,    1549    Beneventum. 

Fulgurator*:  C.  I.  L.  6,  377  Roma.  3,  821.  E  ,                      D     . 

1596.  1677.  6342  Donauliinder;  seit  Claudius  IL  J  %  \p\  "' %  \   T .  '      ,„  „  •   • 

,       „n.               tu.                    '  lutela:  C  I.  L.  o,  4243  Bnxia. 

des  öfteren  aut  Münzen.  TT1,         ,  ..   c           A  ,.-..             ,        . ,          , 

„  ,         v   ,     n   T  t    „    ,AO„  t-,     •  Ultor:   hauhg    aut   Münzen    des   Alexander 

Fulguralisf:    C.  I.  L.  3,  1086  Dada.  c                    1   n.1,. 

■ü  i         -n  i            <«     o„-      n  11    jvt    1,  beverus  und  Gallien. 

Fulgur  Fulmen:  12,  1807.     Gall.  Narb.  Vindex-  Tae    arm    15    74 

Fulminaris*:    C.  I.  L.   5,  2474    Ateste.     8,  u  1           ^  r  r  a   ok™  w      ■*         1   o   =™ 

SfiSfi  m  Nnmid  Valens:   CLL.  8,  2o79  Numid;   vgl.  6,  370. 

p  i,T;ti/       +    \±      n     t     t      *  Vesuvius:  C.  I.  L.  10,3806  Capua. 

Fulm(inator)    JHÜg(urator)  f :     G.    I.   L.    3,  '                 L 

3593.  3954  Pannonia;  vgl.  Apul.  a.  a.  O.  so        Beinamen  von  Orient alis  chen  Gottheiten: 

SäSSj^JoS' l3ortemL:  Orelli  2396  .     A™nf   (Aezaniticus):    nach   Aezani    in 

matalonia.  Angelust :    C.   J.  L.  14,  24    Ostia;   vgl.  G. 

lmbncitor:  Apul.  a.  a.  0.  TT-  ,„"  .     ,'    „  ..     „.   ,..,,,;„*   o   --      '      ° 

Imnulsor-  ^«T,   r   d    7    9  ]1  °Z/?'  A'CÄ'   Ze'^-  25  (1867)   S' 55' 

lmpulsoi .  Aug.  c.  a.  7   9  Balmarcodes:  C.  /.  L.  3,  155.  159  Berytus, 

Iurarius;  C.  J.  -L.   1,  1105  =  6,  379  Roma.  1    bj    i    o      r,,A 

,    •        '    t-.  ,    ,    ,;,,„  d  ■  ■  vgl.  IIa.  1   bp.  749. 

suinu.  vnscr.  ltal.  1,  1272  hrixia.  a  D    ■,„»      x             ,   .     ,  .„„.  c  „„„  T . 

t  a        n   t  t    n    croi   c„i   ■„       i  Beeletarus :  onw.  a.  inst.  188o  S. 288  Liqnana , 

lutor:  C.  I.  L.  9,  5531  balvia  urbs.  ■         ,     ,.   ,,,  ,         ,         H   0    „„r    ,„ACc           ' 

c  -n/r-            j„     n            j            1  gioniale  dl  hloloq.  class.  1  S.  98f.   161  fl. 

luvenis:    aut   Münzen    des   Oommodus    vgl.  J     t,  ,             1    t>j    ■■   o      nnn 

«      fi«7    ooff  Belus:  vgl.  Bd.  1   Sp.  779. 

mV*      n     J     r     *      ioqo  n     •        al„o  "        Caelestis*:     C.   J.   L.    10,   4852   Venafrum; 

Monitor*:    C.    I.   L.  3,    1032  Dacia;    3228  „     ,n,0   n  1      i-         -u-  7          ■        «     r.«     -7-7 

p  '  '3,    1948   Dalmatia;     Lpli.   epigr.   2,   519    tbid. 

•kt      i-'„  •      .     n   t  t    1    »nor       o.,o       r.  Caelestinus  6, 404  (Pendant  zu  luno  Caelestis'?). 

JNunchnariusT:  C.  i.  X.  3,  3936  a.  238  p.  C.  n     ■         /-!   r   T ■    „    »_.    .-_   /-,                     i 

■ri-          1     d    7!       73-       Tir  i7     ,  3  q  c,n.   »    „  Casius:  C.  I.  L.  3,  576.  o77   Corcyra,    vgl. 

Dacia,  vgl.  Jtreuer,  Rom.  Myth.  1JS.  20oA.  3.  djioojc       ja                »-< 

n           »     *     n    t   t    n  na   d         j.-      ^<n  Bd.  1.  Sp.  845  und  unten  s.  v.  Kaaiog. 

Opsequens*:  CLL.  11,  608  Faventia.  619  r>           „       j.     n    t   t    a    .r,=    r>            <« 

c      i.  t— „    (im  Damascenusf:    C.  7.  i.    b,  405    Roma;    10, 

Forum  Livmm  a.  170.  , ._.    <__.  ,,.    '                        '                     '       ' 

n   •,   i   ,         „   ■.,  i          t,     7           ,0,        (  1575.  1576  Misenum. 

Opitulator,   opitulus:   Paul.    p.   184.     Aug.  „   ,.  ,          s        ,  ,     .  .       T      ,    ...               , 

(   j    j   j  Dohchenus1-    zahlreiche    Inschriften,     vgl. 

n    Vv'         r»    r    r    o    „mo  rr-       t»     i        i  Kettner,  JDe  love  Dolicheno.    Bonn.  Diss.  1877. 

Pantheus:  C.  7.  7.  2,  2008  Hisp.  Baet.  vgl.  „,         '   ,.     „..       a,     .              „ .,    „    n,     .    „ 

u    i         tj„  ai,„,   ni    ■<   c„   ,.,,,                   °  Marquardt,  Rom.  otaatsverw.    3-    S.  84  A.  2. 

Fortuna  Panthea  Bd.  1  Sp   1534t.  50  -n,1   ■'j,,           1     dj    <    o      ,,r,o/x 

Patronusf:  C.  7.  L.  3    1948   Dalmatia.  ^/fl"   S^V      P" 

Pluvialis:  C.  7.  7.  9,  324   Canusium  vgl.  8,  ._  Hammon*:  0.2  7.6,378.  2,3729.  3,  3463-75 

"609  Numidia  (Hammon  Chnubis);  8,  9018.  jE^>7*..  epi</»\  4,  521. 

Pnedator:' Ar«,  ad  Aen,  3,  22.  _   Heliopolitanus*:  vgl  Marguardt  S.  84  A.  1. 

Prestabilis:  C  I.  L.  9,  1498  pagus  Veiamis.  lJrexler  ob-  Bd-  1  SP-  1991ff- 

Praestitus:  C  I.  L.  3,  4037   Pannonia.  Sabazius:  C  I.  L.  6,  429.   430   Roma;     14, 

Propagator*:  C.  I.  7.8,4291;  vgl.  Sp.  746, 6.  289i    Praeneste.     11,  1323   Luna.      Yal.    Max. 

Propitius*:  C  I.  L.  12,  5687.  404  add.  (?).  1-  3,  3  (Gn.  Cornelius  Hispalus  praetor  a.  615) 

Propugnator:    ein  Tempel    des   Gottes   auf  Iudaeos  qui  Sabazi  Ioi-is  eultu  Romanos  infieere 

dem   Palatin    C   I.    L.   6,  2004.    2009;     seit  so  mores  conati  erant  repetere  domos  suas  coegit;  zu 

Septimius  Severus  nicht  selten  auf  Münzen.  clem  Feste  Sabazia  vgl.  Marquardt  S.  82  A.  1. 

Purgator:  C  I.  L.  10,  6641    Antium.  Sarapis*:  C  I.  L.   3,  3.  4560.    4561.    6164 

Purpuriof:  C.  I.  L.  6,  424  Roma,  genannt  Donauländer.  7,  298  Brit  6,402  Roma.  8,  2629 

nach    einer   Dedikantin    Licinia   Purpuris;    14,  Numidia.  9,  5824  Auximum.   14,  188  Ostia.  Vgl. 

3469  (?)  Agosta.  (?.  Lafaye,  Bibl.   des  ecol.  fr.  f.  23  S.  16  ff. 

Quirinus:  C.  I.  L.  9,  3303  n  u.  &  Superae-  Sol*:  C.7.7.3,3020  Dalmatia  Eph.ep. i,lil; 

quum  707"7  CYltirj-h   QVIRLNL/.  verbunden  mit  Serapis  C  I.  L.  6,  402.  9,  5824. 

Redux*:  CLL.  10,57  Vibo.  6,  428  Roma.  Barbarische,     grösstenteils     keltische 


753                Iuppiter  (Beinamen^  Iuppiter  (in  der  Kunst)              754 

Gottheiten  verbergen  sich  unter  folgenden  Bei-  taris  C.  I.  L.  6,  82;  I.  0.  M.  pientissimo  ex- 

namen  (meist  einer  Örtlichkeit  entlehnt)  [vgl.  auditori  restitutori  C.  I.  L.  10,  4553;  /.   0.  M. 

Gaidoz ,   Etudes  de  mythol.    Gauloise  I.  Paris  summo    exsuperantissimo    divinarum    humana- 

1886  S.  101  ff.  R.]:  rumque  rerum  rcctori  fatorumque  arbitro  C.  I.  L. 
Accio  patrius:  0.  I.  L.  3,  3428  Pann.,    vgl.  3,  1090.      Auch    die    alteu   Kultnamen   Stator 

Epli.  epigr.  1  p.  142.  und  Victor  gingen  ihrer  Eigenart  verlustig  und 

Erusenusf:  C.  I.  L.  3,  859    nach  der  Stadt  sanken  zu  Epitheta  des  Iuppiter  0.  M.  herab. 

Eriza  in  Dacia.  G.   I.  I.   3,  895.  1087.   5937.  8,  5142.  2,  1358. 

Bussumarusf:  C.  I.  L.  3,   1033  Apulurn  in 

Dacia,  vgl.  ob.  Bd.  1  Sp.  837.                               10  Iuppiter  in  der  Kunst. 

Tavianus:   C.  I.  L.  3,  860.  1088  Dacia,  ge-  Die  älteste  römische  Zeit  kannte  keine  bild- 

nannt   nach    einem    Emporium    der    Trokmer  liehe  Darstellung  Iuppiters.   In  heiligen  Hainen 

Strab.  12, 5, 2;  vgl. Mionnet,  Suppl.  1  p.  654nr. 98.  und  auf  lichten  Höhen  betete  der  Mensch  zu 

Cernenus:  C.  I  L.  3   p.  925,  Siebenbürgen  der  mächtigen  Himmelsgottheit;  ein  schlichter 

a.  167  p.  C.  es  wird  ein  cdllegiwm  Iovis  Cerneni  Stein  genügte  seinem  gläubigen  Sinne,  um  in 

erwähnt,  vgl.   Bd.  1    Sp.   866.     Marquardt  3-  ihm  die  Vorstellung  von  dem  höchsten  Gotte 

S.  141  A.  3.  wachzurufen  und  sein  Herz  mit  Verehrung  für 

Arubianus*:   genannt  nach  der   Stadt  Aru-  denselben  zu  erfüllen.    Die  früheste  menschen  - 

bium  in  Moesia  inferior;    vgl.   Bd.  1   Sp.  608,  ähnliche  Darstellung  unseres  Gottes  war   das 
dazu  C.  I.  L.  3,  5185  a.  215  p.  C.    5532.   5443  ao  Kultbild  des  Iuppiter  O.  M.  im  capitolinischen 

(Arubinus).  Tempel.    Der  vejentische  Künstler  Vulca  sollte 

Taranucus:  C.  I.  L.  3,  2S04  Dalmatia;  tituli  es   gefertigt  haben  (Varro   b.    Plin.  n.  h.  35, 

Dei  Taranucni  fanden  sich  in  Germania  supe-  157    Vulcam  Veiis  accititm,    cui    locaret   Tar- 

rior    Orelli  2055.  2057.  quinius  Priscus  Iovis  effigiem  in  Capitolio  di- 

Culminalis  (Culminaris)t:  C.  I.  L    3,  3328.  candam);  es  war  aus  Thon  geformt  und  zeigte 

4032.  4115.  5186.    Epli.  epigr.  2,  595.  S54.  965.  den  Gott  stehend,  mit  einem  Mantel  bekleidet; 

967  Koricum,   Pannonia;  auf    den   Höhen   der  die   Rechte   hielt   einen   gleichfalls    aus    Thon 

heutigen  Steiermark  verehrt.  gefertigten  Blitz;   das  Gesicht  war  bärtig  und 

Adeeneicusf:  C.  I.  L.  5,  5783  Mediolanum.  wurde    an    festlichen   Tagen    mit  Mennig    rot 

Agganaicusf:  C.  I.  L.  5,  6409  Ticinum,  vgl.  30  gefärbt,   um  die   Freude   des  Gottes   über  die 

Bd.  1  Sp.  104.  zu   seiner  Ehre   veranstaltete  Feier   zu   veran- 

Ambisagrusf:    C.    I.   L.   5,   790.    Aquileia,  schaulichen  (Ovid.  fast.  1,  201  Iuppiter  angusta 

vgl.   Bd.  1  Sp.-279.  vix  totus  stabat  in  aede  |  inque   Iovis  dextra 

Feluennis:  C.  I.  L.  5,   3904   ad   Veronam,  fictile  fulmen  trat.    Arnob.  6,25  riciniatus  Iup- 

vgl.  ob.  Bd.  1  Sp.  1475.  piter  atque  barbatus  dextra  fomitem  sustinens 

Poeninus  (Peoeninus  Puoeninus)*:   C.  I.  L.  perdölatum  in  fulminis  morem.    Plin.  33,   111 

5,  6865.  6867  —  6869.  6871.  6875.  6878  —  6881.  enumerat   auetorts  Verrius   quibus  credere  ne- 

6885.  6887.  6888;  der  Gott  hatte  einen  Tempel  cesse   sit   Iovis   ipsüts   simulacri  faciem   diebus 

auf  dem  Passe  des  gr.  St.  Bernhard;  die  Über-  festis    minio   Mini  solitam.      35,    157     fictilcm 
reste  nebst  mancherlei  Weihgeschenken  wurden  40  eum  (Iovem)  fuisse  et  miniari  solitum).     Aus 

vor  einigen  Jahren  aufgedeckt;  Notiz,  d.  seav.  den    Versen    Tibulls    (1,    10,   20)    tunc    melius 

1887  S.  467  ff.  1890  S.  273.  1891  S.  75  ff.  fernere  fidein  cum  paupere  eultu  |  stabat  in 
Cingiduus (?) :  Orelli  1207  Genava.  exigua  ligneus  aede  deus  hat  Böttiger  (Kunst- 
Baginas:  C.  I.  L.  12,  2383  Gall.  Narb.  mythol.  2  S.  192)  ohne  genügenden  Grund  auf 
Andero  (s.  Anderonus)t:    C.  IL.   2,  2698  ein   noch   älteres   Holzbild   in    der    cella  Iovis 

Hisp.  Tarrac;  vgl.  Bd.  1  Sp.  341.  geschlossen,  vgl.  Overbcck,  Griech.  Kunstmythol. 
Candamius:  CLL.  2,  2695  ibid.,  vgl.  Bd.  1  2  bes.  Teil  1,  1  S.  555  A.  19.    Auf  dem  Dach- 
Sp.  844.  first  der  Tempelfront  standen  quadrigae  fictiles 
Candiedof:  G.  I.  L.  2,  2599  ibid.,  vgl.  Bd.  1  gleichfalls  vejentischen  Ursprungs  (Plin.  a.  a.  0. 
Sp.  844.                                                                         50  und  28,  16.    Fest.  p.  274.  Plut.  Popl.  13).    Data 
Ladicus:  C.  I.  L.  2,  2525  ibid.  wir  uns  das  Viergespann  trotz  des  Schweigens 
Iovi  Cantab(ro?):  Cohen,  Gallien  203.  der  Berichte  nicht  ohne  den  lenkenden  Iuppiter 
Solutorius:  C.  I.  L.  2,661.  675  (?).  728.  742.  denken  können,  darauf  hat  Jordan   {Top.  1,  2 
744.   745.   944.    Eph.  epigr.  3,  4.   5   Lusitania,  S.  98  A.  95)  entgegen  der  Ansicht  0.  Müllers 
vgl.  Keller,  Jahrb.  f.  Piniol.    133   S.  698.  (Etr.  22  S.  256 ff.)  mit  Recht  hingewiesen.     An 
Olbius:  Brambach,  Glühen.  1454  Frankfurt;  die  Stelle  des   thönernen  Kunstwerkes  setzten 
vgl.  C.  I.  Gr.  2017    und   Latychev,  Inscr.  orae  die    Ogulnier    a.   458   u.  c.    Iovem   in   culmine 
septentr.   Ponti  Euxini  p.  63.  cum  quadrigis   (Liv.  10,  23,  12),    wahrschein- 
Formanus  Colegi  (?)  G  J.  Bhen.  346   Köln.  lieh  eine  Bronzearbeit,   die,   wie  das  Kultbild 
Saranicus;   O.  I.  Ehen.  972.                                60  in   der  Cella,   den  grofsen  Brand  zur  Zeit  des 
Tanarusf:  G.  I.  L.  7,  168  a.  154  p.  C.  Bri-  Sulla  nicht  überdauert  hat  (vgl.  Sp.  714,  59ff.). 
tannia,  vgl.  Lucan.  Pharsal.  1,446.  Zu  einem  Urteil  über  die  Komposition  des  Giebel- 
Die  schwülstige  Sprache  der  späteren  Zeit  schmuckes  fehlt  uns  jeder  Anhalt;  denn  frag- 
gefiel   sich    in    einer   Häufung    der    Beinamen  lieh  ist  es   auch,    ob    die  Verse   des    I'lautus 
und  Attribute;  vgl.  z.   B.  I.  0.  M,  summo  ex-  (Trin.  83 ff.  si  te  surripuisse  suspicer  Iovi  coro- 
superemtissimo  C.  I.  L.  6,  426.  9,784.11,2600;  nain   de   eapite   ex   Capitolio   qui  in   columine 
I.    O.   M.   summo   cxeellentissiino   G.   I.  L.    10,  astat  summo;  vgl.  Mm.  941)  auf  den  Iuppiter 
3805;  dominus  sanetus  optimus  maximus  saht-  der    Ogulnier    zu    beziehen    sind.     Bei    dem 


755 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


756 


Fehlen  einer  monumentalen  Überlieferung  aus 
der  republikanischen  Zeit  und  bei  der  Dürftig- 
keit der  litterarischen  Zeugnisse  sind  wir  für 
die  älteste  Epoche  auf  die  Abbildungen  der 
Münzen  beschränkt.  Die  bärtigen  Iuppiter- 
köpfe  dienten  von  Anfang  an  dazu,  das  zweit- 
gröfste  Kupferstück  (Semis)  zu  kennzeichnen; 
sie  erscheinen  ferner  auf  dem  Avers  der  so- 
genannten Victoriaten  (Plin.  33,  13),  der  älte- 
ren (emittiert  a.  526  u.  e.1,  wie  der  jüngeren 
(nach  650),  und  auf  den  Denaren,  vco  sie  zu- 
weilen mit  jugendlichen  Köpfen  abwechseln. 
'Klügmann,  Die  luppiterküpfe  auf  den  Denaren 
der  Republik  (Arch.  Zeug.  36  T1S7S]  S.  105  ff) 
hat  seine  Betrachtungen  wie  folgt  zusammen- 
gefafst:  ,,Der  Iuppiterkopf  ist  von  solchen 
Monetären,  die  beide  Seiten  des  Denars  in  Be- 
ziehung zu  einander  setzen  wollten,  oft  in 
dem  Typus  dargestellt,  der  bereits  durch  den 
konstanten  Gebrauch  auf  den  Semissen  und 
Victoriaten  allgemein  bekannt  war,  doch 
sind  die  betreffenden  Denare  weder  die  frü- 
hesten noch  die  jüngsten  in  ihrer  Reihe;  für 
die  beiden  ältesten  Denare  sind  vielmehr  ganz 
abweichende  Typen  des  jugendlichen  Iuppiter 
vorgezogen  [um  auch  durch  Unterschiede  im 
Typus  Verwechselungen  mit  dem  Kupfergelde 
zu  vermeiden],  und  dieselben  oder  ihnen  ana- 
loge sind  auch  später  noch  mehrfach  ver- 
wendet. Zuletzt  hat  man  auch  Änderungen 
in  der  Darstellung  des  bärtigen  Iuppiter  vor- 
genommen, und  zwar  indem  man  Typen  wählte, 
welche  Merkmale  einer  älteren  Kunstentwicke- 
lung an  sieh  tragen  [vgl.  Overbech ,  Münzt.  1 
or.  51.  52].  Der  Einflufs  der  griechischen 
Kunst  und  des  griechischen  Mythos  ist  über- 
all zu  erkennen  [vgl.  Babelon,  Monn.  de  la 
rcpubl.  Rom.  2  S.  568.  Revers:  L.  Volfteius?) 
L.  f.  Strab(o)  mit  der  Abbildung  des  Raubes 
der  Europa];  aber  die  Ansicht,  dafs  auch 
Kultusideen  zur  Darstellung  gelangt  sind,  die 
die  römisch -italische  Religion  an  Iuppiter  an- 
schlofs,  hat  sich  nicht  bestätigt."  Sehen  wir 
von  künstlerischen  Gesichtspunkten  ab,  so  sind 
die  bärtigen  Iuppiterköpfe  im  wesentlichen 
gleicher   Art,    und  nur  in   Einzelheiten   treten 

Unterschiede 
hervor  (Nor- 
malkopf eines 
Semis  Over- 
beclc  a.  a.  0. 
nr.  49,    eines 

Victoriaten 
ibid.  nr.  50). 
Das  älteste 
Bild  d.  Gottes 
erblicken  wir 
auf  dem  bei- 
gefügten, vor 
486  u.  c.  ge- 
prägtenSemis 
{Cohen,   Med. 

cons.  t.  75 
nr.  2.  Babelon 
1  S.  34).  Das 
Gesicht,  nach 
linkB  gewendet,  mit  griechischem  Profil  und 
vollem,  krausem  Bart  trägt  die  Züge  eines  be- 


jahrteren Mannes;  der  Lorbeerkranz,  der  das 
Haupt  umgiebt  und  mit  einer  gewissen 
künstlerischen  Geschicklichkeit  gearbeitet  ist, 
erinnert  an  griechische  Vorbilder  (vgl.  Babelon, 
Tntrod.  S.  12).  Während  das  Haar  vor  dem 
Kranze  in  einigen  starken  Locken  sich  windet, 
legt  es  sich  hinter  demselben  glatt  über  das 
Haupt.  Unter  dem  Bilde  liegt  wagerecht  der 
Buchstabe  co  (Semis).     Der  .  Name   des  Gottes 

H)  fehlt,  wie  gewöhnlich;  die  Beschaffenheit  des 
Kopfes  benimmt  jeden  Zweifel  über  die  Per- 
sönlichkeit. Auch  das  jugendliche  Haupt  (s. 
unten  die  Münze  der  Cornelia-Claudia)  zeigt 
einen  energischen,  auf  die  Herrscherstellung 
des  Gottes  hindeutenden  Ausdruck.  Neben 
den  zahlreichen  Köpfen  sind  auf  den  Münzen 
der  Republik  nur  noch  2  Ty- 
pen häufiger  vertreten:  1) 
quadrigati:    Iuppiter,    halb- 

20  nackt  auf  einer  nach  rechts 
fahrenden  Quadriga  stehend, 
von  Victoria  geleitet,  hält  in 
der  linken  Hand  das  Scepter 
und  schleudert  mit  der  Rech- 
ten den  Blitz  (Babelon  1 
nr.  23.  24.  26);  Varianten: 
Iuppiter  ist  unbekleidet,  hält 
statt  des  Seepters  einen  Lorbeerzweig  oder  eine 
Palme,  dieVictoria  fehlt,  die  Quadriga  fährt  uach 

so  links ,  unter  dem  Gespann  liegt  ein  Skorpion, 
2)  Iuppiter  unbekleidet,  aufrecht  stehend,  trägt 


Iuppiter  auf  der 
Quadriga  (nach  Ba- 
belon 1  S.  21  nr.  23). 


Bärtiger  Iuppiterkopf  auf  einem  vor 
486  u.  c.  gep riigten  Semis  (nach  Momms., 
I/ist.  de  la  monn.  rom.  trad.  par  le  duc 
de  Blacas  pl.  0  nr.  1  =  Baumeister, 
Denkm.  2  Abb.  1150). 


Avers:  jugendlicher  Iuppiterkopf:  Rovers:  Iuppiter 

mit  Blitz   und  Adler,  Münze   der   Cornelia-Claudia 

(nach  Babelon  1  S.  426). 

in  der  einen  Hand  den  Blitz,  in  der  anderen 
einen  Adler;  zu  seinen  Füßen  meist  ein  Altar 
(Babelon  1  S.  350.  351.  425;  2  S.  264).  Sin- 
gular ist  der  Denar  der  Caecilia  (Babelon  1 
S.  263  c.  a.  620  u.  c.) ,  der  Iuppiter  auf  einer 
nach  rechts  gehenden  Elefantenbiga  dar- 
steUt,    während  über  ihm  Victoria  mit  einer 

50  Krone  fliegt,  und  der  Denar  der  Cornelia,  auf 
dem  Iuppiter  (nach  Overbecl;  S.  387  Scipio  Asia- 
genes  im  Kostüm  Iuppiters),  umgeben  von  Sonne, 
Mond  und  einem  Sterne  mit  geschwungenem 
Blitz  in  einer  Quadriga  über  einen  schlangen- 
füfsigen  Giganten  dahinsprengt  (Cohen ,  Med. 
cons.  t.  14.  Cornel.  1.  Overbeck,  Münzt.  5 
nr.  9.  Babelon  1  S.  394).  Iuppiter  als  Giganten- 
kämpfer kehrt  wieder  auf  dem  Medaillon  des 
Antoninus  Pius  (Overbeclc  a.  a.  O.  nr.  10.  Fröh- 

60  ner,  Medaill.  de  l'empire  Born.  S.  68;  vgl.  64. 
Stevenson,  Dictionary  of  Roman  coins  S.  483, 
der  Gott,  völlig  unbekleidet,  im  Begriff  auf 
den  Wagen  zu  steigen),  auf  einer  Münze  des 
Septimius  Severus  (Cohen  7  t.  6  nr.  13.  Fröhncr 
S.  157)  und  einer  Anzahl  Münzen  mit  der  Bei- 
sehrift  Iovi  Fvlgeratori  (Cohen,  Dioclet.  60 
—  62.  Max.  Herc.  69.  Const.  Chlor.  28).  Der 
Einflufs  des  capitolinischen  Kultes  macht  sich 


757 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


758 


Die  capitolinische 

Trias,   Münze  der 

[  Cornelia  (nach  ßa- 

belon  1  S.  396). 


deutlich  bemerkbar;  denn  einmal  ist  auf 
mehreren  Denaren  dem  Kopfe  luppiters  ein 
Scepter,  das  Zeichen  der  Herrschaft,  beigefügt 
{Babelon  1  S.  430.  441;  2  S.  406;  in  den  beiden 
ersten  Fällen  will  Babelon  Köpfe  des  Bonus 
Eventus  und  Apollo  erkennen,  vgl.  dagegen 
Klügmann  a.  a.  0.  S.  107),  sodann  erscheint 
auf  den  Münzen  in  sehr  früher  Zeit  das 
charakteristische  Attribut  des  Iuppiter  0.  M., 
die  Quadriga  (s.  oben).  Diese  Einwirkung 
führte  indes  nicht  zu  einer  Nachahmung  des 
Kultbildes  in  der  Cella;  denn  das  älteste  Bild 
der  capitolinischen  Gottheiten  auf  den  Denaren 
des  Cn.  Cornelius  Blasio  Cn.  f.  (geprägt  c.  a. 
655  u.  c,  also  vor  dem  ersten  Tempelbrande) 
dessen  Avers  den  Kopf  des  älteren  Scipio 
Africanus  bietet,  zeigt  auf  dem 
Revers  Iuppiter  stehend,  un- 
bekleidet, anscheinend  ohne 
Bart,  wie  er  sich  mit  erhobe- 
ner Rechten  oben  auf  das 
Scepter  stützt,  während  die 
gesenkte  Linke  den  Blitz  hält, 
zu  seiner  Linken  Minerva,  im 
Begriff  ihm  einen  Kranz  auf- 
zusetzen ,  rechts  Iuno.  Die 
Unterschiede  von  dem  Werke 
des  Vulca  (s.  oben)  hinsicht- 
lich des  Bartes ,  der  Gewandung  und  der 
Haltung  der  Attribute  liegen  klar  zu  Tage, 
eine  deutliche  Mahnung,  dafs  man  nur  mit 
gröfster  Vorsicht  von  den  Münzdarstellungen 
auf  die  Kultbilder  in  den  Tempeln  Rück- 
schlüsse machen  darf.  Auch  für  die  Qua- 
drigati bleibt  es  zweifelhaft,  ob  sie  eine  genaue 
Nachahmung  jenes  Iuppiter  sind,  der  auf  dem 
Dacht!  rstdes  Heiligtums  sein  Viergespann  lenkte. 
An  die  Stelle  des  alten  Thonbildes  trat  nach 
der  Restauration  des  Tempels  durch  Catulus 
ein  aus  Gold  und  Elfenbein  gefertigtes  grie- 
chisches Kunstwerk  des  Atheners  Apollonios 
{Chalcidius  in  Fiat.  Tim.  c.  338  S.  361  ed. 
Wrobel:  ut  enim  in  simulaero  Capitolini  Iovis 
est  una  spccies  cboris,  (St  item  alia  quam  Apol- 
lonius  artifex  liausit  animo  ad  quam  directa 
mentis  acie  speciem  eboris  poliebat;  vgl.  Brunn, 
Grieeh.  Künstlergesch.  1-  S.  379.  Varrob.Non. 
Marc.  p.  162  quid  inter  hos  Ioves  intersit  et 
eos  qui  ex  marmore  ebore  auro  nunc  fluni)  in 
thronender  Stellung  nach  dem  Vorbilde  des 
olympischen  Zeus,  und  die  Göttin  Roma  auf 
der  vorgestreckten  Rechten  tragend  {Suet. 
Aug.  94;  vgl.  Cassius  Dio  45,  1.  Ioseph.  Arcli. 
19,  1,  2).  Auch  dieser  Typus  ist  auf  Münzen 
nicht  nachweisbar.  Der  capitolinische  Iuppiter 
begegnet  uns  noch  im  Verein  mit  seinen  Kult- 
genossinnen auf  Medaillons  des  Trajan,  Hadrian 
und  Antoninus  Pius.  Die  Prägung  der  beiden 
ersten  Kaiser  hat  grofse  Ähnlichkeit.  Die 
linke  Schulter  und  den  Oberarm  des  Gottes 
bedeckend ,  zieht  sich  das  Gewandstück  in 
seinem  Falle  so  eng  zusammen,  dafs  der 
Körper  fast  nackt  erscheint;  die  Linke  fafst  den 
oberen  Teil  des  Scepters,  am  Boden  sitzt  ein 
Adler.  Gegen  die  Münze  Trajans  (s.  ob.  Sp.  610 
Abb.  1)  zeigt  die  seines  Nachfolgers  nur  darin 
einen  Unterschied,  dafs  der  Gott  sich  in  einer 
kleinen  Wendung  nach   links   präsentiert,  die 


Rechte   mit  dem  Blitze  ein  wenig  erhebt  und 
den  Adler  statt  zur  Rechten   zur  Linken   hat. 
Anders   ist   die  Darstellung  luppiters  auf  dem 
Medaillon   des  Antoninus;    er  sitzt,   wie   seine 
Begleiterinnen 
auf  einem  Sessel 
mit   hoher 
Lehne;    der 
Mantel  läfst  die 
10  Brust  frei,  ver- 
hüllt aber  den 
unteren  Teil  des 

Körpers ,    die 

blitzführende 
Rechte  ruhtauf 

dem    Schofse, 

während    die 
Linke,  wie  vor- 
hin,  sich  oben 
20  auf  das  Scepter 
stützt.  Dieselbe 


Die  capitolinische  Trias,  Medaillun 

des    Hadrian     (nach    Fröhner .     les 

rnedaill.  de  l'emp.  Rom.  S.  26.) 


Darstellung  des  Gottes  sehen  wir  auf  dem  Gie- 
belfelde des  Reliefs  im  Conservatorenpalaste 
(vgl.  die  Abbildung  b.  Baumeister  S.  765).  In 
fast    zahllosen  ^— — — — _ 


Exemplaren  und 
mit  den  verschie- 
densten Benen- 
nungen tritt  uns 

30  die  Gestalt  lup- 
piters auf  den 
Münzen  der  Kai- 
serzeit entgegen; 
doch  führt  eine 
Musterung  der- 
selben zu  dem 
Ergebnis,  dafs  in 
der  Mehrzahl  der 
Fälle    weder    im 

40    Ausdruck    des 
Kopfes    noch    in 


Die  capitolinische  Trias,  Medaillon 

des  Antoninus  Pius  (nach  Fröhner 

S.  49). 


der  Gestalt  und  Haltung  des  Körpers,  weder  in 
der  Gewandung  noch  in  den  Attributen  eine  Be- 
ziehung zum  Kultus  oder  bestimmten  Beinamen 
zum  Ausdruck  gekommen  ist.  Zu  den  wenigen 
Ausnahmen  gehört  der  Iuppiter  Stator,  Victor 
uud  Conservator,  und  unter  ihnen  hat  wieder 
der  erstgenannte  den  festesten  Typus.  Von 
Antoninus  Pius  {Cohen  167)  bis  auf  Carausius 

öo  {Cohen  111)  ist  er  sehr  häufig  vertreten,  und  zwar 
erscheint  er  bärtig  (bartlos  auf  Bronzen  des  Anto- 
ninus Cohen 2  nr.  639.  640 ;  7  nr.  74.  Fröhner  S.  50  ; 
Overbeck  S.  203  vermutet  den  Kaiser  im  Iup- 
piterkostüm),  unbekleidet  {tlcpliryc  le  manteau 
derriere  lui  nur  bei  Cohen,  Aurelion.  112), 
stehend  mit  Scepter  und  Blitz  in  den  Händen, 
zumeist  in  der  geraden  Vorderansicht,  selten 
nach  der  Seite  gewendet.  Eine  stärkere  Ab- 
weichung zeigt  nur  die  Münze  des  Vabalathus 

60  {Cohen  3:  I.  debout  tenant  un  globe  et  une 
haste,  ä  ses_pieds  une  aigle,  dans  le  champ 
une  e'toile).  Übereinstimmend  mit  den  Münzen 
ist  die  Darstellung  des  Gottes  auf  dem  Hate- 
rierrelief  (vgl.  ob.  Sp.  683).  Die  Münzen  mit 
der  Legende  Iovi  Victori  zeigen  bis  auf  Com- 
modus  den  Gott  sämtlich  in  der  gleichen 
Stellung  und  mit  denselben  Attributen;  wir 
erkennen  ihn  auf  dem  beigefügten  Medaillon 


759 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


760 


Hadrians  trotz  der  fehlenden  Beisehrift:  er 
sitzt  nach  links  auf  einem  Sitz  mit  geraden 
Beinen  ohne  Lehne,  von  der  linken  Schulter 
fällt  ein  Gewand  herab,  das  die  Brust  frei 
läfst  und  die  Beine  verhüllt,  die  rechte  vor- 
gestreckte Hand  trägt  eine  kranzspendende 
Victoria,  während 
die  Linke  sich  auf 
das  ohen  festgehal- 
tene Scepter  stützt 
(Cohen,  Vüell.  IS— 
21.  Damit.  1  nr.  363 
—371;  7  nr.  69.  Ha- 
drian  284.    Frölmer 


Iuppiter  Victor,  Medaillon 

des  Hadrian  (nach  Frölmer 

S.  27). 


S.  28.  M.  Aurel  332 
ohne  Legende.  Com- 
modus3m:b6Q— 568; 
7  nr.  25).  Erst  seit 
dem  3.  Jahrhundert, 
wo  auch  sonst  eine 
gröfsere  Wilkür  in 
der  Gestaltung  der 
Typen  um  sich  greift,  begegnen  wir  neben 
jenem  ursprünglichen  Typus  Varianten  von  der 
Art,  dafs  Iuppiter  stehend  dargestellt  wird 
oder  anstatt  des  Scepters  einen  Blitz  trägt, 
oder  dafs  zu  seinen  Füfsen  ein  Altar  oder  ein 
cippus  sichtbar  wird.  In  allen  diesen  Fällen 
aber  ist  an  der  Victoria  als  dem  charakteristi- 
schen Kennzeichen  festgehalten  worden.  Mün- 
zen, auf  denen  sie  fehlt  (zuerst  bei  Posturnus, 
Cohen  81),  stehen  zu  den  anderen  im  Verhältnis 
von  10  zu  43;  von  statuarischen  Bildungen  vgl. 
die  Statue  des  Iuppiter  Victor  argenteus  auf 
dem  Capitole  zu  Cirta  CLL.  8,  6981.  Lovis 
Victor  argenteus  \  in  Kapitolio  habens'in  capite 
cojronam  argenteam querqueam  \folior(um)  XXX 
in  qua  glandes  n(umero)  XV  fefrejns  in  manu 
dextra  orbem  argen  [team]  et  Victor iam  pal- 
mam  fercntcm  [spinarum]  XX  et  coronam  fo- 
lior(um)  XXXX  [in  manu  sjinistra  hastam 
arg(ent'eam)  tenens.  Die  bei  weitem  gröfste  An- 
zahl der  Münzen,  die  die  Umschrift  Iovi  Conser- 
vatori  tragen,  zeigt  den  Gott  in  stehender  Haltung, 
Blitz  und  Scepter  haltend,  mit  einem  Mantel  be- 
kleidet, nicht  selten  mit  Adler  zu  seinen  Füfsen ; 
nach  der  Art  der  Bekleidung  lassen  sich  zwei 
Gruppen  scheiden;  während  bei  der  einen  das 
Gewandstück  über  den  linken  Arm  und  Rücken 
ausgebreitet  ist,  zieht  es  sich  bei  der  anderen 
eng  zusammen,  wird  nur  von  der  Schulter  ge- 
tragen und  fällt  von  hier  in  schmalem  Streifen 
nach  hinten  hinab  (Overbeck,  Münzt.  2  er.  37; 
erstes  Beispiel  für  I.  Conservator  Cohen,  Macrin 
80—82;  99.  100  ohne  Beischrift).  Der  eigen- 
tümliche Wurf  der  Gewandung  der  letzteren 
Gruppe  ist  in  der  griechischen  Kunst  nicht 
nachweisbar ,  das  Fehlen  eines  griechischen 
Vorbildes  deutet  auf  spezifisch  römischen 
Charakter  (Overbeck  S.  166*.  In  einer  anderen 
Hiüsicht  ist  die  Klasse  von  Münzen  mit  der 
Legende  Iovi  Conservatori  dadurch  von  Inter- 
esse ,  dafs  nur  auf  ihnen  Abbildungen  zum 
Vorschein  kommen,  die  den  Gott  in  seinem 
Verhältnis  zum  Kaiser  zur  Darstellung  bringen 
und  so  den  Iuppiter  Conservator  als  die  Schutz- 
gottheit des  Kaisers  %ax  iio%rtv  bezeichnen. 
Stets  in  übermenschlicher  Gröfse  gedacht  und 


Iuppiter  den   Kaiser   be- 
schirmend, Medaillon  des 
Hadrian    (nach     Frohncr 
S.  28). 


mit  der  gehobenen  oder  gesenkten  Linken  das 
Scepter  haltend,  breitet  er  entweder,  wie  das 
beigefügte  Bronzemedaillon  Hadrians  veran- 
schaulicht, mit  der  vorgestreckten  blitztragen- 
den Rechten  über  den  mit  der  Geste  eines 
Schutzflehenden  ihm  zur  Seite  stehenden  Kaiser 
schirmend  den  Mantel 
aus  (Cohen,  Hadrian 
t.  4  nr.  571.    Overbeck, 

10  Münzt.  2  nr.  34.  Com- 
mod.  b.  FröhnerS.  113; 
vgl.  die  ähnliche  Stel- 
lung des  M.  Aurel  und 
L.  Verus  b.  Frölmer 
S.91f.  StevensoitSASi), 
oder  ist  im  Begriff, 
dem  jungen  Herrscher 
die  Krone  aufs  Haupt 
zu  setzen  (Cohen,  Ha- 

20  drian  283,';  aureus  des 
Licinius  abg  .b.  Frölmer 
S.  274),  oder  er  über- 
reicht demselben  die  Erdkugel  (Medaillon  des 
Commodus  b.  Frölmer  S.  118.,.  119. ;  vgl.  Cohen, 
Gallien  225.  Aurelian  107—111.  Probus  295 ff. 
Carin  73;  ohne  Umschrift  Aurelian  79.  Ca- 
rus  S7.  Alex.  Sev.  231),  auf  der  zuweilen 
Victoria  steht  (Cohen.  Diocletian  3.  59;  ohne 
Umschrift   Frobus  164.  165.    Diocl.  133-135), 

30  oder  er  bewahrt  eine  ruhige  Haltung,  uDd  der 
Kaiser  streckt  ihm  die  Hand  entgegen  (Me- 
daillon des  Alexander  Severus  und  der  Iulia 
Mamaea  bei  Frölmer  S.  174;  vgl.  Cohen, 
Claudius  II  97.  (Über  die  Münzen  des  Com- 
modus mit  der  Legende  Iovi  Iuveni,  die  den 
Kaiser  als  prineeps  luventutis  im  Iuppiterkostüm 
aufweisen  vgl.  ob.  Sp.  667.)  Dies  sind  die  einzigen 
Typen ,  die  in  Kostüm  und  Attributen  oder 
iu  der  zu  Grunde  liegenden  Idee  eine  gewisse 

40  Stetigkeit  bewahrt  haben;  im  übrigen  mufs  man 
durchaus  der  Ansicht  Overbecks  (a.  a.  0.  S.  230) 
beistimmen,  der  sich  über  die  Gestalten  des  Iup- 
piter auf  römischen  Münzen  in  folgender  Weise 
ausspricht:  „Sie  zeigen  mit  ganz  wenig  Aus- 
nahmen, zu  denen  z.  B.  der  Iuppiter  Stator 
gehört ,  keinerlei  Beständigkeit  der  Darstel- 
lung; hier  sitzend,  dort  stehend,  in  wechseln- 
der Bekleidung,  hier  halb-,  dort  ganz  nackt, 
endlich  mit  wechselnden  Attributen.    Und  an- 

50  dererseits:  dieselbe,  gleich  komponierte,  gleich 
gekleidete,  mit  gleichen  Attributen  ausge- 
stattete Iuppitergestalt  ist  bald  so,  bald  so 
benannt,  folglich  sind  diese  Typen  kunstmytho- 
logisch bedeutungslos." 

Diejenigen  statuarischen  Darstellungen,  deren 
Typus  auf  anderen  Erzeugnissen  der  griechi- 
schen Kunst  nicht  wiederkehrt  und  die  infolge 
ihrer  Übereinstimmung  mit  Abbildungen  römi- 
scher Münzen  als  eigentümlich  römische  Schöp- 

co  fung  zu  betrachten  sind,  finden  sich  aufgezählt 
bei  Overbeck  S.  144ff.  Gruppe  6  u.  7;  S.  147f. 
Gruppe  9.  Am  meisten  in  die  Augen  fallend 
ist  5ie  Gleichartigkeit  in  der  Komposition  mit 
den  entsprechenden  Münztypen  bei  zwei  Mar- 
morstatuen (die  eine  im  Louvie  Abb.  b.  Bouillon, 
Musee  des  antiques  vol.  3  Stat.  Taf.  1  nr.  3. 
Clarac,  Mus.  de  scidpt.  t.  311  nr.  681;  dazu 
vol.   3    S.  3Sff.    Overbeck   S.    144   nr.  16),    die 


761 


Iuppiter  (in  der  Kunst) 


Iuturna 


762 


andere  im  Museum  von  Madrid,  Abb.  b.  Clarac 
a.  a.  0.  t.  410G  nr.  684E;  dazu  vol.  3  S.  308). 
Die  erstere  hat  trotz  starker  Beschädigungen 
(ergänzt  nach  Fröhner,  Notice  de  la  sculpt. 
ant.  S.  64:  Kopf,  linker  Arm  mit  einem  Teil 
des  Gewandes,  zwei  Finger  der  rechten  Hand 
und  ein  Stück  des  rechten  Armes,  die  beiden 
Enden  des  Blitzes,  der  linke  Fufs  mit  einem 
Stück  des  Beines,  der  Adler  bis  _auf  ein 
Stück  des  linken  Flügels)  überraschende  Ähnlich- 


Iuppiterstatue  im  Louvre  (nach  Overbeck,  Kunstmythol. 
Zeus  S.  144  Fig.  16). 

keitmitMünzbildern,  wie  sie  uns  aurei  des  Gale- 
rius  Maxinnanus  und  Diocletian  vor  Augen  füh- 
ren (abgeb.  b.  Overbeek,  Münzt.  2 
nr.  33.  33a);  diese  geben  zu- 
gleich Gelegenheit,  die  Statue 
in  richtiger  Weise  zu  ergänzen; 
auf  der  linken  Schulter  auf- 
liegend zieht  sich  in  reichem 
Faltenwurf  der  rundgeschnit- 
tene Mantel  hinter  dem  nackten 
Körper  des  Gottes  bis  zur  rech- 
ten Hand,  die  erhobene  Linke 
stützt  sich  auf  das  Scepter, 
rechts  seitwärts  sitzt  ein  Adler; 
die  Ergänzung  des  rechten 
Armes  der  Statue  wird  dahin  zu  ändern 
sein,  dafs  nach  dem  Beispiel  der  Münze  die 
rechte  Hand  mit  dem  Blitze  sich  etwas  erhebt: 
so  kommt  auch  erst  die  Gewandhaltung  auf  der 


Münze  des  Gale- 
rias  Maximianus 

(nach  Ocerbeck, 
Kunstmythol.  Zeus 
Münzt.  2  nr.  33). 


rechten  Seite  zur  vollen  Wirkung.  Die  Ma- 
drider Marmorstatue  entspricht  bis  ins  ein- 
zelnste einer  Bronze  des  Antoninus  Pius  (Over- 
beek,  Münzt.  2  nr.  36.  Fröhner  S.  502;  aufser 
der  Abbildung  der  Statue  vgl.  noch  die  Be- 
schreibung b.  Hühner,  Die  antiken  Bildwerke 
in  Madrid  S.  36  nr.  4  und  eine  ähnliche  Dar- 
stellung auf  einem  Carneol  b.  Lippert,  Daetyl. 
Suppl.  nr.  22.  Overbeek,  Gemment.  2  nr.  8). 
10  War  es  bereits  bei  den  Münzbildern  nur  iu 
wenigen  Fällen  möglich  für  die  verschiedenen 
Kulte  und  Beinamen  Iuppiters  einen  einiger- 
mafsen  festen  Typus  nachzuweisen ,  so  niufs 
man  bei  statuarischen  Darstellungen  von  einer 
Einreihung  der  einzelnen  Exemplare  in  inner- 
liche, im  Wesen  des  Gottes  begründete  Kate- 
gorieen  gänzlich  Abstand  nehmen;  und  ebenso 
wenig  lassen  sich  unter  solchen  Gesichts- 
punkten in  Gruppen  zusammenfassen  die  Dar- 
20  Stellungen  Iuppiters  auf  Reliefs  (Overbeck 
S.  172  —  174.  180.  181.  Saug,  Viergöttersteine, 
Westdeutsche  ZUehr.  9(1890)  S.  17ff.,  10(1891) 
S.  9  ff.  125  ff.  296  ff.)  und  Wandgemälden  {Over- 
beck S.  192).  —  Zu  den  Abbildungen  des  jugend- 
lichen Iuppiters  mit  der  Ziege  vgl.  s.v.  Veiovis; 
zu  dem  keltischen  Iuppiter  mit  dem  Rade  s. 
Bettner,  Westdeutsche  Zeitschr.  3  (1884)  S.  27  ff. 
[Gaidoz,  Et.  de  myth.  Gaul.  I.  Le  Dien  Gaulots 
du  soleil  Paris  1886.  R.]  [Aust.] 
30  Iuppiter  Anxurus  [Axur]  s.  Anxurus  und 
vgl.  Bd.  2  Sp.  640. 

Iuppiter  Dolichenus  s.  Dolichenus. 

Iuppiter  Elagabalus  s.  Elagabal. 

Iuppiter  Heliopolitanus   s.  Heliopolitanus. 

Iuppiter  Sabazius,  Serapis  u.  s.  w.  s.  in 
dem  Verzeichnis  der  Iuppiterbeinamen  oben 
Bd.  2  Sp.  750  ff. 

Iustitia,  römische  Personifikation  der  Ge- 
rechtigkeit, nahe  verwandt  der  Aequitas,  der 
40  Billigkeit,  und  ihr  ähnlich  dargestellt,  s. 
Aequitas.  Entsprechend  der  griechischen  Dike 
(Astraia)  verliefs  sie  zuletzt  von  den  Himm- 
lischen im  eisernen  Zeitalter  die  von  Ver- 
brechen erfüUte  Erde  (Ov.  Fast.  1,  249.    Met. 

1 ,  150.  Verg.  Georg.  2 ,  474)  und  glänzt  als 
Jungfrau  am  Himmel,  Hyg.  f.  130.    Poet.  Astr. 

2,  25.  [Einen  sacerdos  Iustitiae  nennt  die 
Inschrift  bei  Orelli-Henzen  nr.  2164,  ein  Signum 
Iustitiae    Augusftae     dedicatum     PlancoJ    et 

so  Siiio  cos.  (766/13)  das  Cal.  Praen.  unter 
d.  8.  Januar;  vgl.  auch  Kaibel,  Epigr.  gr.  837 
und  Catai.  of  engrav.  gems  in  the  Brit. 
Mus.  nr.  1198.  Röscher.]  Vgl.  Dike  u.  Dikaio- 
syne.     [Stoll.] 

Iuturna  oder  in  der  älteren  Namensform 
Diutnrna  [s.  die  Inschrift  eines  römischen  Weih- 
wasserbeckens C.  I.  L.  6,  3700:  Ti(berius)  Ti- 
iberius)  Iulii  Staphylus  et  Nymphius  p(ater) 
et  ffilius)  df'e)  s(ua)  pfecuniai  DiuturnfaeJ  und 

go  vgl.  Mommsen,  Eph.  epigr.  1,  36 f.,  der  darauf 
hinweist,  dafs  auch  bei  Cic.  Cluent.  101  und 
Florus  1,  28  die  beste  Überlieferung  Diuturnae 
giebt]  ist  der  Name  einer  altlatinischen  Quell- 
göttin ,  die  ursprünglich  am  Numicius  in  der 
Sähe  von  Lavinium  zu  Hause  ist  {Sem.  Aen. 
12,  139,  vgl.  Bormann,  Altlatin.  Chorogr.  S.  58, 
Desjardins,  Essai  sur  la  topographie  du  Latium 
p.  72  ff.).    In  ähnlicher  Weise,  wie  es  bei  Egeria 


763 


Iuturna 


Iuventas 


Ißi 


(s.  d.)  der  Fall  gewesen  ist,  ist  dann  Name 
und  Verehrung  dieser  Gottheit  nach  Rom  über- 
tragen 'worden  (Klausen,  Aeneas  u.  d.  Penaten 
S.  707  fF.) ,  wo  ein  auf  dem  unteren  Forum  in 
der  Nähe  des  Vestatempels  gelegner  Quell,  an 
den  die  Sage  die  Epiphanie  der  Dioskuren 
nach  der  Schlacht  am  See  Regillus  verlegte, 
den  Namen  lacus  Iuturnae  führte  (Jordan, 
Topogr.  1,  2  S.  370;  Gilbert,  Gesch.  u.  Topogr. 
d.  Stadt  Born  1,  363  f.).  Einen  öffentlichen 
Kult  scheint  die  Göttin  jedoch  erst  am  Aus- 
gange des  ersten  punisehen  Krieges  erhalten 
zu  haben,  wo  ihr  Q.  Lutatius  Catulus  einen 
Tempel  gelobte  und  im  Marsfelde  in  der  Nähe 
der  Saepta,  dort  wo  später  der  Endpunkt  der 
Aqua  Virgo  war,  erbaute  (Serv.  Aen.  12 ,  139. 
Ovid.  fast.  1,  463 f.).  Über  die  Lage  des  Tem- 
pels s.  Becker,  Topogr.  S.  630,  Gilbert  a.  a.  0. 
3,  163;  über  das  mutmafsliche  Jahr  der  Grün- 
dung E.  Aust,  de  aedibus  sacris  populi  Bomani 
inde  a  primis  liberae  reipublicae  temporibus 
usqve  ad  Augusti  imperatoris  aetatem  Bomae 
conditis,  Marpurgi  1889  p.  17,  der  auch  p.  29 
die  von  Mommsen  ,  JEpih.  epigr.  1,  36  u.  a.  ver- 
tretene Ansicht,  dafs  dieser  Tempel  mit  der 
aedes  Nympharum  in  campo  identisch  gewesen 
sei,  mit  Recht  zurückweist;  der  Tempel  er- 
fuhr wahrscheinlich  durch  Augustus  nach  dem 
Jahre  2  v.  Chr.  eine  Restauration  (vgl.  Aust 
a.  a.  0.  p.  46),  und  auf  diese  Neueinweihung 
bezieht  sich  das  von  Ovid  a.  a.  0.  erwähnte, 
alljährlich  am  11.  Jan.  gefeierte  Stiftungsfest, 
die  Iuturnalia.  Dieser  Tag  wurde  nament- 
lich von  allen  denjenigen  Handwerkern  festlich 
begangen,  die  zu  der  Ausübung  ihres  Berufes 
des  Quellwassers  benötigten  {Serv.  Aen.  12, 139), 
während  bei  einer  andern  Gelegenheit  im  Kulte 
derselben  Göttin  eine  andere  segensreiche  Kraft 
des  Wassers  gefeiert  wurde:  am  23.  August 
nämlich,  dem  Tage  der  Volcanalia,  fand,  wie 
uns  der  Kalender  der  Arvalbrüder  lehrt,  in 
Rom  ein  feierliches  Opfer  bei  den  Tempeln 
aller  derjenigen  Gottheiten  statt,  deren  Schutz 
man  gegen  Feuersgefahr  anflehte,  und  hier 
fanden  hinter  Yolcanus,  dem  Gotte  des  feu- 
rigenElementes,  sofort  Iuturna  und  die  Nymphen 
ihre  Stelle  (Jordan,  Ephem.  epigr.  1,  229  ff.). 
Auch  eine  besondere  Heilkraft  schrieb  man 
dem  Wasser  jener  Quelle  zu  und  leitete  den 
Namen  der  Göttin  von  iuvare  ab,  'quae  labo- 
rantes  iuvare  consuevif  (Serv.  Aen.  12 ,  139. 
Varro  de  l.  h  5,  71).  Die  Dichter  der  auguste- 
ischen Zeit  haben  die  Göttin  auf  verschiedene 
Weise  in  das  von  ihnen  entworfene  Bild  ita- 
lischer Götter-  und  Heldensage  einzufügen  ge- 
sucht. Bei  Yergil  (Aen.  12,  134ff.  222 ff.  446 ff. 
843  ff )  ist  sie  Tochter  des  Daunus  und  Schwester 
des  Rutulerfürsten  Turnus  (hierfür  gab  wohl 
die  Namensähnlichkeit  den  Anhalt),  dem  sie, 
von  Inno  angestachelt,  in  seinem  Kampfe  gegen 
Aeneas  aufs  eifrigste  beisteht;  sie  heifst  dort 
'  dea  quue  stagnis  fluminibusque  sonoris  prae- 
sidef  und  ist  Geliebte  des  Iuppiter  gewesen, 
der  sie  dafür  mit  der  Unsterblichkeit  und  der 
Herrschaft  über  die  Quellen  und  Flüsse  Latiums 
belohnt  hat.  Ovid  (fast.  2,  583  ff.)  hat  die 
Sage  von  Iuppiters  Liebe  zu  Iuturna  aufge- 
nommen  und   weiter  ausgesponnen,   indem  er 


erzählt,  wie  die  spröde  Nymphe  vor  den  Be- 
werbungen des  Gottes  in  ihr  feuchtes  Element 
flieht,  bis  Iuppiter  alle  übrigen  Nymphen  La- 
tiums bittet,  ihm  zu  helfen  und  die  Flüchtige 
aufzuhalten.  Eine  andere  Version,  von  der 
wir  nur  durch  Arnobius  (3,  29)  Kunde  haben, 
machte  sie  zur  Tochter  des  Volturnus,  Gemah- 
lin des  Ianus  (s.  d.)  und  Mutter  des  Fontus. 
Einen  tieferen  mythologischen  Gehalt  darf  man 

10  in  diesen  willkürlichen  Kombinationen  nicht 
suchen;  Natur  und  Wesenheit  der  Göttin  sind 
von  Tarro  im  14.  Buche  der  cmtiqu.  rer.  divin. 
(bei  Serv.  Aen.  12,  139)  richtig  bezeichnet  wor- 
den mit  den  Worten:  'Iuturna  inter  proprios 
deos  nymphasgue  ponitur.'     [Wissowa.J 

Inraiites?  Ephem.  epigr.  2  S.  440  irr.  965 
(Berichtigung  der  Lesung  von  C.  I.  L.  3, 
5118;  Atrans  in  Noricum)  Iuvantib(us)  \  Be- 
g  aliusi   j  Begalis  Iulia    Aquilin(a)    ex  vot(o). 

20  [R,  Peter.] 

Iuventas,  jünger  Iuventus,  die  Göttin  der 
Jugend,  hat  schon  von  alters  her  in  Rom  Ver- 
ehrung genossen.  Eine  Kapelle  derselben  be- 
fand sich  eingeschlossen  in  den  capitolinischen 
Tempel  in  der  Cella  der  Minerva  (Dion.  Hai. 
3,  69.  Plin.  n.  h.  35,  108;  vgl.  Jordan.  Topogr. 
1 ,  2  S.  11.  91),  und  man  erklärte  das  damit, 
dafs  bei  der  Erbauung  dieses  Tempels  Iuventas 
ebensowenig   wie   der   Gott  Terminus  geneigt 

30  gewesen  sei  ihren  Platz  zu  räumen  und  darum 
in  das  nene  Heiligtum  habe  aufgenommen 
werden  müssen  (l)ion.  Hai.  3,  69.  Liv.  5,  54, 
7.  Flor.  1,  1.  Augustin.  c.  d.  4,  23).  Man 
darf  jedoch  daraus  nicht  sehliefsen,  dafs  Kult 
und  Heiligtum  der  Iuventas  älter  gewesen 
seien  als  der  capitolinische  Tempel,  weil  die 
älteste  Form  dieser  Erzählung  (z.  B.  Liv.  1, 
55,  3;  die  übrigen  Stellen  siehe  bei  Schwegler, 
Böm.  Gesch.  1,  771,  2;  nur  des  Terminus  ge- 

40  denkt,  während  IuveDtas  (und  bei  Augustin 
auch  Mars)  erst  später  hinzugefügt  wurde,  um 
der  daran  geknüpften  Weissagung  der  römi- 
schen Gröfse  willen  (ort  zfjs  'Pcoucciav  ttoAems 
ovts  toi's  OQOvg  iLZTUv.ivrfiii  v.uigös  ov&iiq 
oute  ttjv  uy.uTjv  usraßalsL  Dion.  Hai.  3,  69, 
vgl.  August,  cd.  4,  29).  Aber  Schwegler  a. 
a.  0.  1,  794  geht  zu  weit,  wenn  er  jede  ein- 
heimische Verehrung  der  Iuventas  vor  der 
Einführung  des  griechischen  Kultes  (s.  unten) 

50  ganz  leugnet;  es  gab  eine  von  der  Überliefe- 
rung auf  Servius  Tullius  zurückgeführte  Be- 
stimmung, wonach  für  jeden  Jüngling,  der  die 
Toga  virilis  anlegte,  eine  Münze  in  die  Kasse 
der  Iuventas  entrichtet  werden  mufste,  ebenso 
wie  für  die  Geborenen  an  die  der  Inno  Lucina 
und  für  die  Gestorbenen  an  die  der  Libitiüa 
(Piso  bei  Dion.  Hai.  4,  15).  An  dem  hohen 
Alter  dieses  Brauches  [vgl.  über  denselben  auch 
A.  Bofsbach,  Unters,  über  d.  röm.  Ehe  S.  374 f. 

co  zu  zweifelu  haben  wir  um  so  weniger  Veran- 
lassung, als  sich  im  Kult  der  griechischen  Hebe 
oder  verwandter  Gottheiten  keiuerlei  Ana- 
logieen  finden,  die  uns  berechtigten  die  Ein- 
richtung für  eine  hellenisierende  zu  halten. 
Es  geht  aus  derselben  hervor,  dafs  Iuventas 
die  Schutzgöttin  der  heranreifenden  männ- 
lichen Jugend  war,  die  'dea  novorum  togato- 
rum',  wie  Tertullian  (ad  nat.  2,  11,  vgl.  August. 


765  Iuventas  Ixion  766 

c.  d.  4,  11)  sie  nennt,  und  wir  verstehen  es,  gelten  jedoch  wohl  der  alten  Schutzgottheit  der 
wenn  das  Festverzeichnis  von  Cumae  (C.  I.  L.  mannbar  werdenden  Jugend  (vgl.  auch  Augustin. 
10,  8375)  zum  18.  Oktober,  dem  Tage  an  wel-  c.  d.  6,  1),  besonders  auch  dann,  wenn  mit 
ehern  Augustus  die  Toga  virilis  anlegte,  eine  Beziehung  auf  das  kaiserliche  Haus  von  der 
' supplicatio  Spei  et  Iuveintati)'  verzeichnet.  Ob  Iuventus  Augusta  die  Rede  ist  (C.  I.  L.  2,  1935, 
das  Opfer,  welches  die  mannbar  gewordenen  auch  auf  Münzen  des  Claudius  Oothicus,  Cohen 
Jünglinge  am  Tage  ihrer  Mündigsprechung  auf  5  nr.  107.  108);  in  Vienna  begegnet  uns  sogar 
dem  Capitole  darbrachten  (der  Ausdruck  'in  ein  eigner  flarnen  Iuventutis  {CLL.  12,  1783. 
Capitolium  ire'  u.  ähnl.  wird  häufig  geradezu  1869.  1870.  1902.  1903.  1906.  2238.  2245). 
für  Hogam  virilem  sumere'  gebraucht:  Val.  10  Dargestellt  findet  sich  die  Göttin  auf  Bronze- 
Ufa«.  5,  4,  4.  Suet.  Cland.  2.  Petron.  88;  münzen  Marc  Aureis  (Cohen  2  nr.  561 — 563) 
vgl.  auch  Roßbach  a.  a.  0.  S.  408),  der  Iuventas  als  langbekleidete  Frau,  die  in  der  linken 
galt,  liifst  sich  nicht  mit  Sicherheit  ausmachen.  Hand  eine  Schale  hält  und  mit  der  Rechten 
JMarquardt  (Hörn.  Staatsverw.  3,  363,  1.  Privat-  Räucherwerk  auf  ein  an  ihrer  Seite  stehendes 
leben  der  Romer  S.  124,  4)  denkt  aus  dem  turibulum  streut.  Über  den  Iuppiter  Iuventus 
Grunde,  weil  die  Anlegung  der  Toga  virilis  der  Inschriften  C  I.  L.  9,  5574  und  11,  3245 
in  der  Regel  am  Feste  der  Liberalia  statt-  s.  d.  Art.  Iuppiter  Sp.  667.  [Wissowa.] 
fand,  an  den  Altar  des  Liber  auf  dem  Ca-  Ivaos  (oder  Ivavus)  heilst  ein  gallischer 
pitol  (vgl.  Mommsen,  C.  I.  L.  1  p.  388),  Gott,  dem  eine  in  Evaux  (Creuse)  gefundene 
Jordan  ('Topogr.  1,  2  S.  39  Anm.  38)  mit  20  Bronzeschüssel  geweiht  ist:  Vimpuro  Firmi 
gröfserer  Wahrscheinlichkeit  an  Iuppiter  Opti-  lib(eitus)  Ivau  v(otum)  s(olvit)  l(ibens)  m('erito). 
nius  Maximus,  worauf  die  Worte  des  Servias  Die  Endung  -u  erscheint  auch  sonst  auf  gallo- 
Ecl.  4,  50  ('sane  Iovem  merito  puerorum  di-  römischen  Inschriften  (vgl.  die  Votivinschrift 
eunt  incrtmtnta  curare,  quia  cum  paeri  togam  an  Taranos  C.  I.  L.  12  p.  820.  Revue  celti- 
virilem  sumpserint,  ad  Capitolium  eunt')  direkt  que  7  p.  450.).  Ivaos  scheint  der  Schutzgott 
hinweisen.  Wohl  aber  wissen  wir,  dafs  -der  der  Quellen  von  Evaux  zu  sein,  Bull,  epigr. 
Iuventas  alle  Ja.hre  Opfer  (sacra  anniversaria)  1  p,  40  (pl.  IV)  und  3  p.  265.  Revue  celtique 
für  das  Wohl  der  heranwachsenden  Jünglinge  6  p.  118.  260.  Merimee,  De  antiq.  aquarum 
gebracht  wurden  (Paul.  p.  104),  die  nach  Cicero  religionibus  (Paris  1886)  p.  69.  [M.  Ihm.] 
(ad  Alt.  1,    18,   3)    am  Jahresanfang   stattge- 30      Ivavus  s.  Ivaos. 

funden  zu  haben  scheinen;    diese   Opfer  sind  Ivn  (ivn),  unsichere  Abkürzung  eines  etruski- 

in  der   älteren  Zeit  jedenfalls  bei  der  capito-  sehen  Götternamens  im  Genetiv  auf  der  Bronze- 

linischen  Kapelle  begangen  worden.    Seit  der  leber    von    Piacenza,    Reg.   8.     An  Iuno    (etr. 

Zeit  des  zweiten  punischen  Krieges  erfuhr  aber  uni)  ist  nicht  zu  denken;   ich  vermute   Ivn(sl) 

der  gesamte  Kult  der  Iuventas  eine  Urngestal-  Ivsl  Reg.  II1,  d.  i.  Lynsae  (s.  d.):  vgl.  Deecke, 

tung  duich  Aufnahme  griechischer  Elemente.  Etr.  Fo.  4,  52.    [Deecke.] 
Im  Jahre  218   wurde   auf  Anordnung  der  De-  Ixalos?  ("ii^aXog?) ,  wofür  Forchhammer  und 

cemviri   s.   f.   der  Iuventas   ein   Lectisternium  O.  Jahn   iTAAOZ    (Italos)    lesen   wollen,    auf 

bereitet  und  zugleich  beim  Tempel   des  Her-  einer  die  Thaten  des  Herakles  behandelnden, 
eules  eine  Supplicatio  abgehalten  (Liv.  21,62,  40  der  Tabula  Iliaca  ähnlichen  Tafel:   G.  I.  Gr. 

9);  hier  zeigt  schon  die  Verbindung  mit  Hei--  5984  A.     Vgl.  Hesijch.  s.  v.  i^äXov,   C.  I.  Gr. 

eules,  dafs  wir  es  mit  der  griechischen  Hebe  3  p.  811  u.  d.  Artikel  Italos.  [Röscher.] 

zu   thun    haben.     Dieser    griechischen    Göttin  Ixion,     -öuis     ('l£i'a>v,   -oros).      Wichtigste 

galt  auch  der  Tempel   der  Iuventas,   den  M.  Stellen:    1)  Pindar  Pyth.  2,   21—89.    —   Vgl. 

Livius   Salinator    im   J.   207    in   der   Schlacht  das  Schol.  dazu  p.  316  Boeckh:  Tbv  'I^i'ova  01 

bei  Sena  gelobte  und  während  seiner  Censur  p.\v    'Avxiovog    ysviaXoyovaiv ,     tag    Aia%vXog, 

204  im  Circusthale  zu  bauen  begann;  die  Ein-  &£QsxvSrjg   dl   Iliiatavog,    'ivioi    Sl  "Agiog, 

weihung   desselben   erfolgte   im  J.    191   durch  ot  Si  $Xeyva  %xX. 

C.  Licinius  Lucullus  (Liv.  36,  36,  5);  nachher  2)  a:  Aeschyl.  Eum.  440  oijivög  itqotsUxtiig 

ist  der  Tempel  im  J.  16  v.  Chr.  niedergebrannt  50  iv  xgcnoigT^Covog.  —  b:  Eum.  718.  ■ —  c:  Ixion, 

(Cass.  Dio  54,  19)  und  von  Augustus  wieder-  Nauck,  fr  gm.  tr.  gr.  p.  22. 
hergestellt    worden    (Mon.    Anc.    4,    8;    vgl.  3)   Soph.  Phil.  679 ff. 

Mommsen,  Res  gestae  D.  Aug.-  p.  82,  der  mit  4)    a:  Eurip.  Ixion  frg.   4:   &Xiyvov  vis 

Recht  Prellers  irrige  Annahme  eines  Tempels  Sianox'  'I&av.  —  b:  Schot  Eur.  Phoen.  1185: 

der  Iuventas  auf  dem  Palatin  abweist;  erwähnt  öpy«r#£is  <5f  6  Ze-us  vnonriqco  (tizsqoevti  Pind.) 

wird   das  Heiligtum   auch   von  Plin.  n.  h.  29,  zqo%ä  (navä  SgouäSa  avrvya  Soph.)  xhv  'i^t'ova 

57;  vgl.  Becker,  Topogr.  S.  473;  Gilbert,  Gesch.  drjeag   tx<j>ijy.E   xä   ütQi   qiioso&ai  jiaGriJouEi>oj> 

U.   Topogr.  d.  Stadt  Rom   3,   93).      Seit  dieser  xui  Xiyovta'   %9V  xljiüv  xovg  svigyirctg'   0!  äs 

Zeit  denken  die  römischen  Schriftsteller,  wenn  oxi  ixagzägcuasv  avxöv,   oi  81  ort  nal  iruQivog 
sie    von    Iuventas   reden,    gemeinhin    an    die  60  rjv  xqo%6s  q>uot.v. 

griechische   Hebe    (Cic.  de  nat.   deor.   1,   112.  5)    Apollon.  Rhod.  Arg.  3,  62.    Schol.  (vgl. 

Hör.  c.  1,   30,   7.     Ovid  ex   Ponto  1,   10,  12;  Tzetz.  Chil.  9,  273):  $Xsyvov  viög 'l^i'cov,  tag  Kai 

vgl.  auch  Ovid  fast.  6,  65  ff. ,  wo  der  Dichter  Evgim'örjg'  <&Xeyvov  vis  dsoizox'  'l^iiov.    (hsge- 

von  'Herculis  uxor'  spricht,  während  Ausonius  %vSr}g  de  Ai'xavos-   <prjßl  Si,  mg  ya/irjcag  J Cav 

5,  3,  12  Seh.,    der    diese    Stelle    wiedergiebt,  xrjv  'Htovscog  &vyaxiqa   ■noXXu   vnsa%£xo  3ä- 

dafür  schlechthin  Iuventa  einsetzt).    Die  nicht  csiv   Sägoc.     tX96vxog  öi   inl  xavxa  xov  'Hio- 

zahlveichen  Weihinschriften   an   Iuventus    aus  vicog   ßtgz&QOv   itoirjaag  zal  itvQuv.xviGctg,   oy.s- 

der  Kaiserzeit  (C.  I.  L.  2,  45.    5,  4088.  4244)  nä&i    avxu   Xsnxoig    ^vXoig    y.al    xoi<fi    Xsnxf/. 


767  Ixion  Ixion  768 

i/MFcäv   öl  b  'Hiovsvg  ÜtcoV.vtui.     Xvaoa  öl  teus  nachHygin,  endlich  auch  Ares.  SeineMutter 

zm  'i'giovi  ivirrsas  öid  zovzo  Kai   ovöslg  avzov  hiefs  Perimela  (Diodor).    Ixion  selbst  erscheint 

jj&tlsv    dyviaai    ovzs    &säv    ovzs    äv9g<o7imv.  als  König  der  Lapithen  in  Gyrton,  gilt  als  Vater 

ngoizog  ydg  s  fjepvXiov  uvöga  aTziy.zsivsv,  des  Peirithoos,  der  auch  ein  Sohn  des  Zeus 
(vgl.  Pind.  a.  a.  0.).     sXsrjaag  öl  avzov  b  Zsig       genannt    wird,    und    als    erster    Verwandten- 

dyvi^si  y.al  dyvia&slg  iJQaa&r]  zrjg  "Hgag.  mörder,  indem  er  den  Vater  seiner  Braut  Dia, 
b  öl  Zsig  vscpsXr/v  byoiäoag  'Hga  (ßovXoysvog       der     gewöhnlich     Deioneus     (der     Feindliche, 

öoKLudcai  slys  alrfösg  iazi  Schol.  Eur.  Phoen.  Kriegerische   Preller,   Gr.    Myth.  2ä,  12)    oder 

1192,  wo  übrigens  Hera  selbst  das  Bild  macht,  Eioneus  (nr.  5),  bei  Diodor  Hesioneus  (was 
wie  anch  Schul.  Od.  21,  303)  nagaKoiiii^si  10  offenbar  dasselbe  ist),  auch  Oioneus  genannt 
avzä  -/.cd  vczsgov  jro/r/ffag  „TSTQdv.vrjjj.ov  wird  (nr.  S),  hinterlistig  umbringt.  Allgemein 
zgo  x'o  v"  (ös'ayov,  Pind.  a.  a.  0.)  y.al  ösoytvoag      wird    die    Gröfse    seines  Verbrechens    hervor- 

avzbv  ziuagsizai.  gehoben,  welches  so  grofs  erscheint,  dafs  kein 

6)  Diodor  4,  69.  Mensch  und  kein  Gott  ihn  davon  reinigen  will. 

7)  Hygin.  f.  14.    f.  62.  Nur  Zeus   erbarmt  sich  seiner,    als  er  wahn- 

8)  Lucian.  d.  d.  6  p.  216— 219  Post  Hemster-  sinnig  geworden  um  Schutz  fleht,  nicht  ohne 
huysium  et  Eeitzium  cum  rar.  lect.,  Schol.  Widerspruch  (Aeschylos  oben  nr.  2  a  u.  b.  Luc. 
graec,  adnot.  et  ind.  edidit  I.  Th.  Lehmann  d.  d.  6),  als  Zeus  Lusciog,  der  sich  der  Sehutz- 
1822.  Schol.:  'i'gCav  A a tt i'-fr r\ g  zb  ysvog  a)v  flehenden  annimmt.  Ja  er  nimmt  ihn  sogar 
fflüyiTO  Aiav  t^v  Olovicog.  t'ov  öl  nsv&sgbv  20  zum  Tischgenossen,  und  verleiht  ihm  Unsterb- 
avTov  sXiiövza  snl  zd  löva  avvsey.sväaazo.  lichkeit  (S).  Aber  der  Undankbare  kann  sein 
ogvyya  ydg  Ttonqeag  Kai  ysyCeag  nvgbg  i'r&a  Glück  nicht  ertragen,  er  erhebt  seine  Angen 
avzov  svsßaXsv  scp'  a>  oi  &sol  dyavay.zi\aavzsg  zur  Gattin  seines  Wohlthäters,  so  sehr  hat 
s'usXXov  avzov  zifiagstv  6  dl  Zc-ig  fiovog  ihn  der  Nektar  berauscht  (Lucian).  Doch 
rjXsrjasv  avzov  v.al  Xaßäv  töica  isgä  (oder  dieser  neue  Wahnsinn  stürzt  ihn  ins  Verderben. 
[dorn,  die  Stelle  scheint  verderbt)  dcpijys  fisza-  Um  den  Frevelmütigen,  der  nach  des  höchsten 
öiöovg  zi,g  ä&avuoiag  (Schol.  Od.  21,  304:  Gottes  Bette  trachtet,  auf  die  Probe  zu  stellen, 
ysvad^isvov  ydg  avzov  jrjg  dyßgoaiag  ovy.  r;v  schafft  Zeus  (oder  Hera  selbst)  ein  der  Hera 
avTov  ano&ctvetv).  Ovzog  öl  dnoXaczog  cov  ähnliches  Wolkengebilde  (KscpsXrj)  und  legt 
iigüc&rj  'Hgag,  r)  avijyyEiX-s  zä  Air  b  31  dorn.-  30  es  dem  Unverbesserlichen  (äv.olaczog,  nr.  8) 
l^d^cov  avzov  dnsiy.aas  vscpsXnv  zij  "Hga,  j]  bei.  Aus  dieser  Vereinigung  entspringt  Ken- 
\xiyvvzai  'lt,iiav,  Kai  noisl  TiatSa  zu  fihv  dv&gä-  tauros  (8.  9),  ein  wilder,  wunderseltsamer  Mann 
7tov  s'xovza,  zd  öl  LTtTtov  (Ksvzavgog  s.  d.  (9  a),  ein  übermütiger  Sprofs  „ohne  Chariten" 
nächste  Nummer)  dcp'  ov  'iTznoKsvzavgoi.  (1  a)  (nach  Diodor  [9  b]  nicht  blofs  einer, 
O  öl  Zsvg  ögyia&tlg  —  svsgyszäg,  fast  wört-  sondern  die  Kentauren,  und  zwar  in  Menschen- 
lich  =  oben  4  b.  gestalt).     Von   diesem    sodann    stammen    aus 

9)  a:  Pind.  Pyth.  2,  42 — 44.  Schol.  p.  317:  seinem  Verkehr  mit  den  magnetischen  Stuten 
dygtog  zig  xal  zigazcoöng  dvfjg  ov  Kivzavgov  auf  dem  Pelion  die  Hippokentauren,  halb 
avbuaouv.  —  b:  Diodor  4,  69:  zbv  öl  'i^iova  Menschen,  halb  Pferde  {dycpozsgoig  byoioi 
zy  vscpsXrj  ytysvza  ytvvijeai.  vovg  övoya^ousvovg  40  zor.tvoi,  zd  uazgö&sv  iilv  kÜzco,  zd  ö'  vTteg&i 
Ksvzavgovg  äv9ga>7tocpv i ig.  4,  70:  zivlg  öl  nazgög  1  a.  8,  wo  schon  dem  Vater  die  Miseh- 
l.iyovai  xovg  ix  Ntcpiir/g  y.al  'I^i'ovog  yhvvq-  gestalt  beigelegt  wird,  9  b).  Die  Sage,  dafs 
&ivzag  Ksvzavgovg  ngwzovg  Irnisvsiv  inixtig-q-  Ixion  und  Pegasos  in  einer  Nacht  einer  Sklavin 
aavzag  ' InitoKSvzavgovg  cavoudaQ-ai  Kai  sig  beigewohnt  haben,  und  hieraus  Kentauros  ent- 
TtXdcua  fiv&ov  KazazaxTTf/vai  mg  öicpvsig  bvzag.  standen  sei  (9  c),  verdient  als  späte  Erfindung 
—    c:    Schol.    Venet.   ad   II.    1,   266:    zivlg    öl  keine  weitere  Beachtung. 

öovXi'Si  'l^t'ova   fiiyrivai,   dpa   öl  y.al  TL^yaaov  Die  Strafe  des  Ixion  besteht  darin,  dafs  er 

zbv   nzsgcozbv   y.azd   zr\v   avzrjv   vvkzw    l|   cov  auf  Zeus'  Befehl  von  Hermes  (Hygin  fab.  62) 

yivio&ai  Kivzavgov ,  dcp'  ov  tloXv  nXf^og  auf  ein  geflügeltes  feuriges  Rad  mit  vier 
yivizai.                                                                         50  Speichen,  das  sich  unaufhörlich  dreht  (ögoudg), 

10)  Schol.  Find.  Pyth.  2  p.  316:  yal  zijv  mit  Schlangen  (Vergil  s.  u.)  gefesselt  und 
tnl  zov  zqo%ov  v.oXaeiv  avzm  nagsyK£%£igriKa-  unter  Geifselhieben  und  dem  Ausrufe:  „Wohl- 
oiv  vnb  ydg  ötvng  y.al  arvsXXng  avzov  lh,ag-  thäter  soll  man  ehren",  durch  die  Lüfte 
Ttao&lvza  tp&aorjvat  cpaaiv.  dahingerollt  wird  (zä  dsgi  nr.  4b.  8,   uszscogog, 

11)  Philostr.  vit.  Ap.  Lyon.  6,  40:  dXX'  zgo%m  sly.aofisvog  [?]  11).  Doppelt  schwer  er- 
tKsh'og  fiiv  zgoyjo  ity.aay.hog  [siXiyfiivog'i  synsi-  scheint  die  Strafe  für  Ixion,  sofern  er  unsterblich 
(i£vos?B.]  öi'  ovgavov  y.vdunzszai.  7,  12:  Igt'cov  ist.  Nüchtern  rationalistisch  wird  vom  Schol. 
yszcaigog  inl  zgo%ov.  zu  Pind.  Pyth.  2   (nr.  10)   diese  Strafe  in  Ab- 

Die  Sage  vom  Ixion  ist  jünger  als  Homer  rede  gestellt  und  erzählt,  Ixion  sei  von  einem 
und    Hesiod ,    und    schwankt    hinsichtlich    der  60  Wirbelsturm    entrafft    worden    und    so    umge- 

Genealogie   und    des    Orts    seiner   Bestrafung,  kommen.    Darin,  da/s  Ixion  seine  Strafe  nicht 

während  über  seinen  Charakter  und  seine  Frevel  in   der  Unterwelt,   sondern   in   der  Luft  büfst 

Übereinstimmung  herrscht.    Sechs  Namen  wer-  (ziavzih   y.vXivöbytvog   Pind.)   sind   alle   älteren 

den  genannt  von  Königen  und  Göttern,  deren  und  manche  späte  Nachrichten  (z.B.  ob.  nr.  11) 

Sohn    er  sein   soll,   am   häufigsten  Phlegyas  einig    (auch  Üdysseus    erwähnt  ihn  nicht   bei 

(lb;  4  a;  5),  den  jedoch  Straho  seinen  Bruder  seinem   Besuch    in  der   Unterwelt);    erst    spät 

iH-niit  (p.  442),  daneben  Aiton  oder  Peision,  beide  wird  derselbe  in  den  Tartaros  versetzt,  zuerst 

nach  Pherclydes,  Antion  nach  Aeschylos,  Leon-  von  Apollonios  Rhodios  2,  62,  dessen  Scholiott 


769 


Ixion 


Ixion 


770 


(nr.  5)  übrigens  den  Ort  im  Ungewissen  läfst, 
dann  von  Tibull  1,  3,  73.  Vergil.  Georg.  3,  38. 
Aen.  6,  601.  Sero,  z.  beid.  St.  Ov.  Met.  4,  460. 
Eine  besonders  raffinierte  Auffassung  spricht 
aus  Stellen  wie  Verg.  Georg.  4,  484.  Sen. 
Apocoloc.  p.  361,  woraus  geschlossen  wurde, 
dafs  die  Strafe  zeitweilige  Unterbrechung  er- 
litt, „ut  animum  reficeret  Ixion"  (Staveren  zu 
Ilygin.  f.  62).  Wenn  aber  einige  das  Rad  des 
Ixion  unter  die  Sterne  versetzen,  so  beruht 
dies  offenbar  auf  Mifsverständnis  der  Stellen 
des  Philostrat  und  Unkenntnis  der  ursprüng- 
lichen Fassung  der  Sage.  Nach  Strabo  439 
verdrängte  Ixion  und  sein  Sohn  Peirithoos  die 
Perrhäber  und  nahm  ihre  Stadt  Gyrton  in  Be- 
sitz,   ebenso   verjagte   er    die   Kentauren   vom 


von  der  Wurzel  l*.-  (Atftag  Feuchtigkeit).  Die 
meisten  neueren  Erklärer  fassen  den  Ixion  auf 
dem  Rad  als  Symbol  der  Sonne,  so  schon 
Panofka,  Zufluchtsgottheiten,  S.  286  der  Ab- 
handlungen der  Berl.  AJcad.  1863.  A.  Kuhn, 
Ztschr.  f.  vergl.  Spr.  1,  535;  Herabholung  des 
Feuers  48  ff.  69.  95  ff.  Gaidoz,  Et.  de  mythol. 
Gauloisel.  Paris  1886  S.  48.  Preller,  Gr.  Myth. 
23,  13:  „Ursprünglich  bedeutete  dieser  aufs  be- 
10  flügelte  Rad  geflochtene  und  in  ewigem  Wirbel 
durch  die  Luft  getriebene  Ixion  vielleicht  nur 
das  Rad  der  Sonne,  welches  von  Indien  bis 
Deutschland  den  Sagen  und  Gebräuchen  der 
Völker  bekannt  ist,  in  welchem  Falle  erst 
dieses  mifs verstandene  Bild  der  Vorzeit  zu  dem 
Glauben  an  Frevel  und  Bufse   geführt   hätte  " 


Ixion  auf  dem  Rade,  daneben  2  weibl.  Hügelgestalten,  unten  Hermes,  Erinys,  Hephaistos,  Vaaenbild  in  Berlin 
nr.  3023  (nach  Baumeister,  Denkm.  d.  klass.  Altert.  S.  767  Fig.  821  =  Annali  d.  Inst.  1873  Taf.  IK). 


Pelion  und  trieb  sie  ins  Land  der  Aithiker 
(Hom.  II.  2,  738),  die  Ebenen  aber  übergab  er 
den  Lapithen. 

Die  Erklärung  des  Namens  Ixion  und  seiner 
Väter  hängt  aufs  engste  mit  der  der  Sage  zu- 
sammen. Das  Et.  M.  leitet  den  Namen  nach 
der  Erzählung  bei  Pindar  her  von  inw,  vom 
Nahen  zum  Bette  der  Hera,  eine  offenbar  viel 
zu  einseitige  Auffassung;  Welcher,  Aeschyl. 
Tril.  S.  549  von  iv.ui  —  ixettjs  der  Schutzflehende 
(Aesch.  Eum.  440,  oben  2  a),  worauf  auch  der 
Name  seines  Vaters  Antion  (von  avtidco  bitten) 
undPeision  (nii&-a>  durch  Bitten  bewegen)  hin- 
weise. Allein  der  Charakter  Ixions  ist  zu  vor- 
herrschend der  des  dxöXueios,  des  unbezähm- 
bar Trotzigen,  als  dafs  ihm  von  seinem  Schutz- 
flehen der  Name  hätte  beigelegt  werden  können. 
Pott,  Zeitschr.  f.  vgl.  Spr.  7,  86  und  Curlius, 
Gr.  Etymol.3   S.   132   leiten    den   Namen   her 

Röscher,  Lexikon  d.  gr.  u.  röro.  Mythol.   II. 


50  „Phoebi  rota"  Stat.  Silv.  5,  1,  17  (Grimm,  D. 
Myth.  578).  Bre'al,  le  mythe  d'Oedipe  p.  10 
führt  Ixion  auf  ein  vorausgesetztes  Akshivan  zu- 
rück, das  Wagenmann,  Radmann,  d.  i.  Sonnen- 
gott bedeuten  würde  {Klügmann,  Ann.  d.  Inst. 
45  S.  93—98).  Für  diese  Auffassung  der  my- 
tholog.  Grundidee  des  Ixion  lassen  sich  auch 
die  Namen  seines  Vaters  Phlegyas  und  Aiton 
oder  Aithon  (von  ai&co)  „der  Strahlende", 
sowie  vielleicht  der   seines  Sohnes   Peirithoos 

60  (s.d.),  dernach  Pott  a.a.  0.  „Umläufer"  bedeutet 
in  die  Wagschale  werfen  [vgl.  auch  den  assy- 
rischen Mann  auf  dem  geflügelten  Sonnenrade 
bei  Perrot-Chipüz,  Bist,  de  l'art  2,  89  Fig.  19. 
Max.  Mayer].  Der  Name  Ixion  ist  jedoch 
mit  alledem  noch  nicht  genügend  erklärt. 
[Mannhardt,  Ant.  Wald-  u.  Feldkulte  83 ff. 
und  El.  H.  Meyer,  Gandharvcn-Ktntauren  40 ff. 
1 90  ff.  fassen  Ixion  als  Repräsentanten  des  Wirbel- 


771  Ixion  Iynx  772 

windes  und   erklären   seinen  Namen  als   eine  wohl  an  seinem  Platze,   wenn   er  auch  in  der 

Verkürzung  aus   ä^iazQorpog.     Doch  läfst  sich  Überlieferung  nicht  genannt  wird.    Unten  eine 

für   eine   solche  Deutung  aus   dem  Kreise  der  Flügelgestalt  mit  Schlangen  in  den  Haaren  und 

übrigen  Lapithen  (s.  d.)  keine  einzige  Analogie  Fackel  in  der  Rechten:  eine  Furie.  Vgl.  aufser- 

beibringen.    Sehr  ansprechend  ist  dagegen  die  dem  eine  Ruveser  Vase   [jetzt  in  Petersburg 

neuerdings   von  Laistner  (D.  Bätsei  d.  Sphinx  nr.  424  R.]   R.  Eochette,    Mon.   ined.  t.   XIV 

Berlin  1889  I  S.  293 ff.)  aus  der  Vergleichung  mit  p.  179  nr.  3.    Gerhard,    Mysterienbilder  t.  II. 

verschiedenen,   ähnliche   Motive   enthaltenden,  Ar  eh.  Ztg.  1843  p.  199.    1844  p.  225  t.  13  und 

deutschen  Alpsagen  gewonnene  Deutung  der  d.  Artikel  Iris  (ob.  Sp.  343)  und  Ichsiun. 
Sage   von   Ixion.     Danach  wäre  Ixion  eigent-  10  [Weizsäcker.] 

lieh  ein  böser  Mensch,  dessen  Strafe  darin  be-  Ixionides  ("l&oviäns),  Sohn  des  Ixion  (Suidas), 

stand,   als  „Alp"  an  ein  Rad  (oder  Sieb)   ge-  heilst  Peirithoos,    Ov.   Met.  8,  567.    Prop.  2, 

fesselt,    im   Wirbelwinde   durch    die  Lüfte    zu  1,  38.     [Höfer.] 

fahren  und  dabei  einen  bestimmten  Ruf  aus-  Ixios  ("lt,Log),  Beiname  des  Apollon  von  dem 
zustofsen,  Vorstellungen,  die  sich  auch  in  un-  Ort  Ixiai  oder  dem  Hafen  Ixos  auf  Rhodos 
zweifelhaften  von  Laistner  a.  a.  0.  besproche-  Artemidor  bei  Steph.  Byz.  s.  v.  'lf  An.  [Höfer.] 
nen  Alpsagen  nachweisen  lassen.  Ist  diese  Iyugies  ('ivyyirjg)  oder  IyngyiJ  ('Ivyyvi?), 
Deutung  richtig,  so  könnte  der  Name  des  Beiname  des  Dionysos,  Hesych.  Schmidt  ver- 
'l'gicov  von  W.  h.  oder  Im  (vgl.  Inovo&cu  =  mutet,  dafs  an  beiden  Stellen  'ivyv.zrjg  =  eiu- 
aizo&i.ißto&ai,  nisgso&ai,  i'n-zofxai  schädige  20  lator  (Schreier)  zu  lesen  sei.  [Höfer.] 
u.s.w.  Curtius,  Greiz.'"  S.  461)  abgeleitet  wer-  Iynx  ("luyi),  1)  Tochter  des  Pan  und  der 
den  und  den  rdrückenden'  schädlichen  Echo  (so  Kallimaclios)  oder  der  Peitho  (Phot. 
Alp  bezeichnen.  Röscher.]  Der  Grundzug  lex.  ed.  Pors.  118,  11  =  ed.  Kaber  1,  300.  Suid. 
seines  Charakters  ist  nach  unseren  griechi-  s.  v.  Fi>y§.  Sehol.  Theohr.  id.  2,  17.  Schol.  Find. 
sehen  Quellen  der  des  rücksichtslosesten  Über-  Nem.  4,  56),  nach  Anth.  ed.  Jac.  4,  140,  113 
mutes  gepaart  mit  List.  Der  Name  seines  T.  der  Niko  (dasselbe  steckt  wohi  in  dem 
Vaters  Phlegyas  kann  nach  phokischer  Be-  ifpä  NiKrjg  Met  'AqiQodizrjg  bei  Suid.  u.  Phot.). 
deutung  des  Wortes  cpltyv&v  ^ißgigziv  (Eust.  Sie  wurde  nach  Zenodotos  von  einigen  Miv&a 
IL  13  S.  904)  auch  den  Übermütigen  bedeuten,  genannt  und  als  Ncits  vvy.cp7]  bezeichnet  (Phot. 
ganz  dasselbe,  was  Lapithes  von  lani&iv  im  30  lex.  ed.  Pors.  271,  1).  Sie  habe  den  Zeus 
allgemein  Hellenischen  (Müller,  Orchomenos  durch  einen  Zaubertrank  zur  Liebe  der  Io  oder 
S.  190);  es  liegt  nahe,  auch  für  Ixion  eine  ahn-  zu  sich  selbst  verleitet  und  sei  deswegen  von 
liehe  Bedeutung  anzunehmen  und  den  Namen  Hera  versteinert  oder  in  den  Vogel  gleichen 
mit  lo%vs  in  Verbindung  zu  bringen ,  ^wonach  Namens  verwandelt  worden  (Suid.  s.  v.  Phot. 
er  der  Gewaltige  wäre.  Ähnlichen  Übermut  lex.  118,  11.  Schol.  Theohr.  2,  17).  Als  Vogel 
legt  auch  ein  Verwandter  des  Ixion,  Isehys,  wird  sie  zu  Liebeszauber  verwendet  und  an 
an  den  Tag,  der  gleichfalls  Nebenbuhler  eines  das  Zauberrädchen  gebunden  (Suid.  u.  Phot. 
Gottes  ist,  Hymn.  Hom.  Apoll.  Pyth.  31.  Sozi  äs  Kai  oqviöv  n  q>  kqooxeltcci  ztjv  avzfjv 
Müller  a.  a.  0.  S.  197.  Mit  der  Deutung  der  övvafiiv  z'xliv:  o&iv  äsafisvovai  zols  zqoxIgkois, 
Sage  auf  das  Sonnenrad  ist  diese  Ableitung  40  vgl.  Schol.  Find.  Pyth.  4,  380).  Der  Vogel 
des  Namens  nicht  unvereinbar;  Benscler  leitet  führt  auch  den  Namen  ctioonvyig  (Sia  zo 
denselben  von  l£vg  her,  das  wohl  mit  lo%vg  navza%ov  oz^iepav  Kai  XvyL&Lv  zbv  av%iva  i\ 
verwandt  ist;  und  in  der  That  die  Bedeutung  zr\v  nvyrjv),  oder  ntvaiäog  und  soll  nach  Aristo- 
der  ungeschwächten  Manneskraft  und  Geilheit  teles  ^.ikqov  jis<£a>»  <?juJ;js  sein  (Schol.  Theohr.  2, 
würde  auf  das,  was  von  Ixion  „Geiling"  über-  171.  Et.  m.  479,  55.  Hesych.  lex.  s.  v.).  Auch 
liefert  wird,  ganz  wohl  passen.  Beachtens-  Gzieovqa  oder  KiQvaiog  wird  der  Vogel  ge- 
wert ist  auch  der  Name  der  Gemahlin  Ixions,  nannt  und  als  Jräoi'  ädiKiazazov  bezeichnet  bei 
der  Dia,  der  Mutter  des  Peirithoos,  welcher  Sehol.  Upp.  Hai.  1,  565;  nach  Plin.  n.  h.  11, 
nach  II.  2,  741  ein  Sohn  des  Zeus  ist.  Auf-  256  iynx  (avis)  sola  utrimque  binos  habet  (di- 
fallend  bleibt  immer  das  späte  Auftauchen  dieses  50  gitos).  Auch  Aphrodite  soll  den  Liebeszauber 
Mythos,  der  sich  dann  in  der  Poesie  so  grofser  verwenden  (Hesych.  lex.  s.  v.),  ja  sie  soll  den- 
Beliebtheit  erfreute.  Alle  drei  grofsen  Tra-  selben  zuerst  vom  Olymp  geholt  und  dem 
giker  haben  ihn  bearbeitet,  und  Aristoteles,  Iason  gegeben  haben,  damit  dieser  das  Herz 
poct.  18  __nennt  ihn  unter  den  pathetischen  der  Medeia  gewinnen  könne  (Pind.  Pyth.  4, 
Stoffen.  Über  bildliche  Darstellungen  der  380  noiniXav  i'vyya  zszQccKvafxov  OvXvfinb&sv 
Sage  vgl.  Müller,  D.  a.  K.  2,  863.  Klügmann,  N.  iv  aXvzco  gtv^aioa  kvkXgi  jicavdä'  oqviv  Kvttqo- 
Memor.  delV  Inst.  2,  388  ff.  Annali  45  (1873)  yivsia  epigsv).  Von  dem  Vogel  haben  auch 
S.  93  ff.  Tav.  d'agg.  1.  K.,  kumanisches  Vasen-  andere  zum  Liebeszauber  gebrauchte  Gegen- 
bild in  Berlin  nr.  3023,  wonach  unsere  Ab-  stände  den  Namen  foyij,  bekommen,  wie  bei 
bildung:  Ixion  auf  das  feurige  Rad  geflochten,  co  Find.  Pyth,  4,  215.  Hesych.  lex.  s.  v.  anb  rov 
in  den  Lüften  schwebend;  das  deuten  sowohl  oqvbov  Kai  zä  KazaaKsva^bfisva  slg  i'ficozag 
die  weiblichen  Flügelgestalten  zu  beiden  Seiten,  i'vyyag  KaXoveiv,  so  das  Zauberrädchen  (Suid. 
die  wohl  als  Erinyen  (oder  Wolken?)  zu  er-  s.  v.),  ferner  eine  Art  Sj'rinx  (aveiy^  iiovoxü- 
klären  sind,  als  auch  die  aufwärts  gerichteten  Xafiog,  Becker,  aneed.  gr.  265,  21).  Der  Liebes- 
Blicke  des  Hermes  und  des  Hephaistos  an;  der  zauber  der  Iynx  vermag  viel,  vgl.  Anth.  gr. 
letztere,  kenntlich  an  Hammer  und  Mütze,  ist  ed.  Jac.  4,  113  r)  xal  Sianbvziov  ZXksiv  ävägu 
hier  als  Gehülfe  des  Hermes  bei  der  Voll-  Kai  ix  &aXä(uov  jratSas  imozufihn.  Theohr. 
Streckung  der  Strafe  und  Verfertiger  des  Rades  id.  2,  17  fuyg,  ?Ak«  tv  zfvov  £[ibv  nozi  däiia 


773       Izdubar  (Name  und  Bedeutung)  Izdubar  (Name  und  Bedeutung)      774 

■zbv  aväga.    Infolgedessen  wird  das  "Wort  auch  merkwürdigerweise     in     der     Besehwörungs- 

von  dem  Liebesreiz  und  der  Gewalt  der  Rede  legende  von  der  „Höllenfahrt  der  Istar"  einen 

gebraucht    (rj    KXiondTQu    outo    raig    avtaig  Götterboten.     Erweisen   läfst   sich   die  Lesung 

i'vy^iv  —  Y.ctl   toü  Ssßctatov  iigatrjGiLv  rpttof,  Namrüdu  nicht.     Die  Erklärung   des    Namens 

oder   roLcevzrj   Tis  ngoar^v   i'vy£  Jioyivovg   toi?  als  Nu-Marad  (=  Nimrod),   „Mann  von  Ma- 

Xoyoig,  Suid.  s.  v.    Ken.  mem.  Socr.  3,  11,  17.  radu    (seine    mutmafsliche    Vaterstadt)   bleibt 

Nach  Phüostr.  vit.  Apoll.  6,  11,  247  hat  Apollo  geistreiche    „sumerische   Hypothese";    ebenso 

in   seinem   Tempel    in   Delphi    ;jpi>öäs  "ivyyctg  Lenormant's  ana  Amar-utu  (=Marduk).    Auch 

SiiQrjViav   ziva    iiir\%oveag   ntiftm    aufgehängt,  andere   assyrische   Lesungen   sind   aufzugeben, 

womit    die    im    persischen    Königspalast    auf-  10  So  Delitzsch 's  Sama's-ussir ,  Paradies  S.  155  f.; 

gehängten    %gveui    i'vyyig    äno-ngsfiavTai    rov  Hommel's  Namrasit  (Proc.   of  the   S.   uf  Bibl. 

OQoepov   TETiKofs,    ttjv  'Aägaars lav  avtä   nag-  Arch.   1885/6   p.  119  ff.)  ist  IV  R  2,  22b*)   ent- 

syyväoat,   Kai    xb    aij    vnig    toÜs    av&gcoizovg  nommen,  s.  Jensen,  Kosmologie  S.  104f.  Andere 

ai'gfo&ai   (sie   werden  &iä>v   yläaoai,  genannt)  ideographische  Lesungen,  wie  Dubar,  Gistubar 

verglichen  werden;  vgl.  Lobeck,  Aglaoph.  906.  sind  um  nichts  besser,  als  die  von  dem  geni- 

Pitid.  fr.  25  ed.  Böckh.   expl.  277  (zu  Pißh.  4,  alen   Auffinder  des  Epos,    G.  Smith,    geprägte 

211).  Hemsterhuys.  ad  Lucian.  1,  172.  Bottiger,  konventionelle  Lesung  Izdubar.    Die  von  Theo. 

kl.  Sehr.  1,  183.   Kunst m.  2,  261.     Von  einem  G.  Pinches  auf  einem  neuentdeckten  Fragment 

&y|  t6£(ov  spricht  Lykophr.  310.    Man  hat  die  gefundene  Gleichung  ilu  Iz-dubar  |  ilu  Gi-il-ga- 

Iynx  vielfach  auf  Vasen  in  einer  Frau,  welche  20  nies    enthält   kaum    eine   phonetische    Lesung, 

einen  Vogel  auf  der  Hand  trägt,  oder  in  dem  Es   scheint   vielmehr,    als   ob  hier  ein  Rätsel 

Vogel   selbst   erkennen  wollen,   z.  B.  Ann.  d.  durch  das  andere  erklärt  ist.  Keinesfalls  möchte 

Inst.  1866  S.  367;  vgl.  Catal.  of  the  greek  and  ich   wagen,  weitere  Schlüsse  aus  der  Lesung 

etr.  vases  in  the  Brit.  Mus.  nr.  1293.  1356.  1429.  Gilgames  zu  ziehen,  wie  A.  H.  Sayce,  der  den 

1536.   1574  u.  a.  m. ,   doch  fehlt  es   dafür  an  Helden    mit    dem    bei  Aelian,  hist.  anim.  12, 

jedem    Anhalt.     Vgl.    noch    Journ.    of   Hell.  21   erwähnten  babylonischen  Sagenkönig  Gil- 

Stud.  7,1    S.  157.    Von    der    Weihung    einer  gamos  zusammenbringt. 

aus    durchsichtigem    Amethyst    geschnittenen  Sachlich  scheint  die  Gleichstellung  von  Izdu- 

und  vergoldeten,  in  der  Mitte  mit  purpurnem  bar  und  Nimrod  gut  begründet.    Dafs  es  einen 

Wollfaden  gebundenen  lynx   durch   eine  <pag-  30  alten   babylonischen  Helden   Nimrod  gegeben 

[luxic    an    Aphrodite    handelt    das    Epigramm  hat,  zeigt  Gen.  10,  8 — 12,  wo  von  dem  „grofsen 

Anth.   gr.  ed.    Jac.    4,  140,  113.    —    2)    Nach  Jäger   vor   dem  Herrn"   aus   einer  wohl  spezi- 

Nikandros  heilst  einer   der  Vögel,   in   welche  fisch  babylonischen  Quelle  berichtet  wird:  „Der 

die   von    den    Musen    besiegten    Töchter    des  Anfang  seines  Königreichs  war  Babel  und  Erech 

Pieros  verwandelt  werden,  i'vy'E,,  Myth.  gr.  ed.  und  Kalneh  im  Lande  Sinear;  von  diesem  zog 

Westerm.  209,  29.     [Engelmann.]  er  aus  nach  Assur  und  gründete  Nineveh  u.  s.  w." 

Izdubar*),  der  babylonische  Herakles-Simson,  (zur  letzteren  Aussage  vgl.  Micha  5,  5  und  die 

der  Held  des  altbabylonischen  Zwölftafelepos  spätere  Überlieferung  bei  Clemens,  Becognit.  1, 

(„Nimrodepos").  30.**)     Die  Keilschriftlitteratur  aber  kennt  nur 

10  einen  Nationalhelden,  den  Izdubar,  der  als 
I.  Name  und  religiöse  Bedeutung  des  Izdnbar.  Löwentöter  dargestellt  und  im  Epos  als  gewal- 
Izdubar  ist  die  konventionelle  Lesung  einer  tiger  Jäger  geschildert  wird,  welcher  durch  einen 
babylonischen  Zeichengruppe,  mit  welcher  der  Heldenkampf  Babylonien  von  der  elamitischen 
Held  eines  altbabylonischen  Nationalepos  be-  Herrschaft  befreit  (Erech,  Babel  und  Nippur 
zeichnet  wird.  Die  eigentliche  Aussprache  ist  werden  in  den  Fragmenten  genannt)  und  zum 
noch  dunkel.  Ein  Thontafelfragment,  das  viel-  Lohne  dafür  den  Königstuhl  der  Stad  Erech 
leicht  die  Lesung  enthalten  hat,  ist  auf  der  rech-  besteigt,  in  der  er  schon  früher  als  Held  be- 
ten, erklärenden  Hälfte  abgebrochen.     Einige  rühmt  geworden  war. 

Assyriologen  haben  versuchsweise  die  Lesung  Der  Held  Izdubar  hat  im  Epos  vor  seinem 

Namrüdu  (=  Nimrod)  aufgestellt.    Die  sprach-  50  Namen  das  Götterdeterminativ.  Er  ist  entweder 

liehe  Möglichkeit  steht  aufser  Zweifel :  Namra-  ein  in  der  Sage  zum  Helden  gewordener  Gott, 

uddu,  „hellglänzendes  Licht",  wäre  ein  Name  von  wie  Siegfried  bei  den  Germanen,  oder,  wofür  der 

gleicher  Bedeutung  und  Bildung  wie  Namra-  Schlufs  des  Epos  spricht,  ein  zum  Gott  gewor- 

sit.**)     Die  Umkehrung  des  Namens  Uddu-su  dener  Held.    Als  Gott  ist  Izdubar  dem  Sonnen- 

namir,  d.  h.  „sein  Licht  leuchtet",  bezeichnet  gott    beigesellt.     Ein   Fragment    (Smith   1371; 

Text    veröffentlicht    bei    Haupt,    Nimrodepos 

*)  Tom  Verfasser  des  vorliegenden  Artikels  werden  Heft   2    g    93)    enthä1t    e;n    schematisch    einge- 

teils   im  Nachtrag  zu  Bd.   I  und  n,   teils  in   den   fort-  richtetes     ßesch WÖrungSgebet     an     den     „Gott 

laufenden   Heften    folgende    Artikel    aus    der    assyrisch-  ,.  ,m  n  „„    n„  rc   r?          j       t>        i       -            \ 

babyionischen    Mythologie    erscheinen:    Adar,    Ann,  Izdubar"  (IV  R  56,  37 ff.  Herr  der  Beschworung), 

Anunnaki,    Arallu,    Asur,    Cherub,    Ea,    Et  ana,  60 

Marduk    (Meiodacb),    Moloch,    Nabu    (Nebo),  *)  Mit  I  R,  U R  etc.  wird  im  folgenden  nach  assyrio- 

Nergal,   Samas,    Sin,    Tamniuz.      Die    Eigenart    des  logischer  Gewohnheit    das  assyrische  corpus  inscriptionum 

Stoffes  hat  es  verursacht,    dafs    der  Artikel  Izdubar  aus-  citiert:  II.  Rawlinson,   The  euneiform  inscriptions  of  Western 

nahmsweise  einigermafsen  aus  dem  Bahmen  der  Lexikon-  Asia,  vol.  2 — 5. 

Arbeiten  heraustritt.                                                   D.  Red.  **)  Auch    die  Bedeutung,    die  heute    noch  der  Käme 

**)  Diese  babylonische  Etymologie  würde  nicht    aus-  ,      Nimrods  in  Mesopotamien  hat,  wie  die  Namen  von  Trümmer- 

schliefsen,    daf3  der  Name   hebraisiert   mit    ntdräd,   „em-  hügeln,    der  Turm   von  Borsippa,    Birs  Niiurud   u.  a.   be- 

pören", zusammengebracht  werden  könnte;  vgl,  auch  Franz  weisen,   dürfte  kaum  allein   auf  den  Einflufs   des  Koran 

Delitzsch,  Genesis  18S7  p.  213.  zurückzuführen  sein. 

25* 


Izdubar  (Name  und  Bedeutung')       776 


775       Izdubar  (Name  und  Bedeutung) 

den  Unter-Richter  des  Sonnengottes.  Die  er  will  dir  bringen  ein  Feierkleid  [ ], 

Situation  des  Beschwörungshymnus*),  der  hier  Holz,  Cedernholz  [ ], 

znnierstennialebesproehenwird,  ist  die  folgende:  Gold  [ ]." 

EinKranker  bittet  unter  der  Assistenz  eines  Prie-       ungefähr  die  Hälfte  der  Tafel  ist  abgebrochen, 
sters  um  Heilung  von  seinem  Leiden  und  wendet       die  Bückseite  enthielt  nur  die  Unterschrift  der 
sich  an  Izdubar,  den  gewaltigen  Richter,  „dessen      königlichen  Bibliothek  Asurbanipals). 
Hand  der  Sonnengott  Scepter  und  Entscheidung  Dafs  der  siderische  Charakter  des  Helden 

anvertraut  hat".  Auf  das  kurze,  hymnenartige  Izdubar  zur  Zeit  der  Entstehung  des  Epos  dem 
Gebet  folgt,  wie  es  scheint  (die  untere  Hälfte  Volksbewufstsein  entsprach,  beweist  das  Gottes- 
ist nur  in  Spuren  erhalten),  ein  Trostwort  des  10  determinativ,  das  Verhältnis  des  Helden  zum 
Priesters  an  den  Kranken  und  dann  eine  An-  Sonnengotte  im  Laufe  der  Erzählung,  und  die 
rede  des  Priesters  an  den  Gott  Izdubar,  in  Beziehung  einiger  Tierkreisbilder  auf  den  In- 
der ein  glänzendes  Opfer  (Reinigungsopfer!)  halt  der  epischen  Gesänge  (s.  Zusatz  II  Sp.  817). 
für  die  bewilligte  Hilfleistung  zugesagt  wird.  Da  Izdubar  Sonnengott,  bez.  Unter-Riehter 

Die  wörtliche  Übersetzung  lautet: 

„0  Izdubar,  gewaltiger  König,  Richter  der 

Erdgeister, 
du    Erhabener,     grofser     Entscheider     der 

Menschen, 
der   du  schaust  auf  die  Weltgegenden,  du  so 

Verwalter  der  Erde,  Herr  des  Irdischen, 
du  Richter,   der  du  gleich   einem  Gotte   er- 
gründest, 
du  trittst  hin  auf  dieErde,vollziehstdasGericht, 
dein  Recht  wird  nicht  gebeugt,  dein  [Befehl] 

wird  nicht , 

du  forderst  vor,  du   erkennst,   richtest,   er- 
gründest, leit[est.  recht], 
der  Sonnengott  hat  Scepter  und  Ent- 
scheidung deiner  Hand  vertraut,      80 
Könige,  Fürsten  und  Machthaber  beugen  sich 

vor  dir**), 
du  schaust  auf  ihre  Befehle,  du  entscheidest 

ihre  Entscheidungen: 
ich  bin  NN,  der  Sohn  des  NN,  dessen  Gott 

NN,  dessen  Göttin  NN  — , 
Krankheit  hat  mich  erfafst,  Bufse  mufs  ich 

zahlen, 
ich  beuge  mich  vor  dir,  dafs  du  meine  Ent- 
scheidung treffen  mögest,      40 
sprich  das  Urteil  [vgl.  IV  R  56,  14  a] , 
reifse  heraus  meine  Krankheit  [aus  meinem] 

Leibe, 

besiege  alles  Üb[el] 

das  Übel,  das  in  meinem  Leibe " 

(der  Priester  zu  dem  Kranken):    „An  diesem 
Tage  [hat  sich  der  Gott  deiner  erbarmt(?)]. 

Er  hat  [dich]  stark  gemacht  [ ], 

reineB    ubuntu    [wird    er    deinem    Munde 

geben?].    .    .    ."    50 
(der  Prieser  zur  Gottheit):    „Er  will  opfern 
vor  dir  ein  Opfer  [ ] , 

*)  Es  giebt  in  der  religiösen  Keilschriftlitteratur  Be- 
schwörungslegenden,  wie  die  „Höllenfahrt  der  Istar", 
Beschwörungshyinnen,  wie  der  vorliegende  Text  (auch 
der   unten   übersetzte    Istar- Psalm)   und   Beschwörungs-        desselben   ist,    wage    ich    im  Anschlufs    hieran 

bufspsalmen.  folgende  Lösung  des  Rebus:  AN-IZ-DU-BAM 

**)  Merkwürdig  ist,  dala  die Midraschim  dem Nimrod  =   ^göttlicher   Richter   der   irdischen    Dinge" 

in  ähnlichem  Sinne  solarischen  Charakter  beilegen  ImBrtA  ,      ,     dje  Zeije   dgg   H  u£a     cm  =     Gott", 

ha-midrasch   1,  25.  2,  ISf.;  5,  40  (ed.  Adolf  Jelhnek,  Wien  \S .  Mann"*)     rf,/,r„)  fc„r  nnrln    TT  R  R2 

1873)  heilst  es,   dafs  365  Könige   (die  Tage   des   Sonnen-  CO  lg  (CJ1S)  -  „Mann      )    du  (  tu)-ba, I    nach  11  K  62, 

jährest)    dienend    vor    Nimrod    erseheinen;     vgl.     auch  69  ab    =    saptu    iaplltum ,     „Richter    des    Irdl- 

Schwartz,  Sonne,  Moni  und  Sterne,   ein  Beitrag  zur  Mythe-  sehen"    (zu    sapatll   =   danu   S.  V  R   28,   89  e  f). 

looie   und  Kulturgeschichte  S.  6,  wo   Nimrod  als    Sturm-  —  Die  Deutung  als  „Gott  mit  der  brennenden 

juger,  also  eine  Art  Wuotcm,  aufgefaßt  wird.    (Dieselben  Fackel",  die   einem    zu    postulierenden   Kam- 

:JG5  Könige  huldigen  dem   Abraham,    der   unversehrt  aus         ffäfa      „glänzendes    Lieht",    entsprechen   würde 
dem  Glutofen,   in    den  Nimrod   ihn  stecken  liefs,  hervor- 
Eegangen  war,  errichten  ihm  eine  Lehrkanzel  und  führen 
ihre  Kinder  zum  Unterricht  in  der  wahren  Gotteserkennt- 
nis zu  ihm.) 


Izdubar-Ninirod  einen  Löwen  und  eine  Schlange  tra- 
gend.   (Aus  George  Smiths  Chaldaean  Genesis,  DeutBche 
Ausgabe,    Leipzig,  Hinrichs,    1876,    S.  168.     Skulptur 
aus  Khorsabad  im  Louvre.) 


*)  Die  Bezeichnung  des  Izdubar  als  „Gott"  und 
„Mann"  entspricht  dem  avljß  &eöz  als  Bezeichnung  des 
Herakles  bei  Pindur  und  Sophokles. 


777       Izdubar  (Name  und  Bedeutung) 

(iz-bar  =  „Feuer,  Fackel",  du  bez.  tu  als  in- 
figiertes  Determinativ  =  „Handhabe"),  scheitert 
an  dem  letztgenannten  Ideogramm,  das  ver- 
schiedene Derivate  von  ahäzu,  („fassen")  be- 
deutet, nirgends  aber  dem  Begriff  „Handhabe" 
entspricht;  auch  wäre  eine  Gottesbezeiehnung, 
vom  Emblem  hergenommen,  ohne  Analogie, 
nachdem  man  von  falschen  Deutungen,  z.  B.  des 
Gottesnamens  Nabu  („Gott  mit  dem  Scepter"), 
zurückgekommen  ist. 

Über  die  Persönlichkeit  des  Helden  Izdubar 
ist  wenig  zu  sagen.  Da  der  Stadtgott  von  Ma- 
rad  gelegentlich  als  „Gott  des  Izdubar"  fun- 
giert (Taf.  VI),  so  könnte  man  (mit  G.Smüh)Marad 
als  Vaterstadt  des  Izdubar  ansehen.  Ist  er  wirk- 
lich „Sohn  der  Mondgöttin  Ningul"  (Hommel,  Ge- 
schichteBabyloniens- Assyriens  S. 395)'?  Derziem- 
lich  unbekannte  Gott  Nin-gul  erscheint  Taf'.XII 
als   „Herr  des  Eabani",  ist  also  wohl  Ea  (s. 


Izdubar  (Auffindung  d.  Epos  v.  I.)    778 

banipal  (668 — 626)  hat  das  Epos,  wie  alle 
grofsen  Litteraturwerke  seines  Volkes,  die  zum 
Teil  schriftlich,  zum  Teil  mündlich  von  Jahr- 
hundert zu  Jahrhundert  vererbt  waren,  in 
babylonischer  und  assyrischer  Schriftart  nieder- 
schreiben lassen  und  in  seiner  Bibliothek  de- 
poniert. Leider  ist  noch  kein  vollständiges 
Exemplar  aufgefunden  worden.  Da  aber  bis- 
her zum  Schaden  für  die  Altertumsforschung 
10  nur  ein  Teil  der  grofsartigen  Bibliothek,  ca. 
30  000  Fragmente  umfassend ,  ins  Britische 
Museum  gerettet  wurde  (politische  Umstände 
haben  s.  Z.  die  Arbeit  unterbrochen),  so  ist 
die  Aussicht  auf  eine  Vervollständigung  der 
Fragmente  nicht  ausgeschlossen  Die  ersten 
Stücke  entdeckte  George  Smith  (f  1876)  1872 
unter  den  Tafelschätzen  des  Britischen  Museums, 
deren  Anordnung  er  mit  erstaunlichem  Scharf- 
sinn vollzog.    Auf  zwei  Reisen  im  Auftrage  des 


die  Spuren  im  Ea- Verzeichnis  II  R  68,  73  und  20  Daily  Telegraph  fand  er  in  den  folgenden  Jahren 


zahlreiche  neue  Bruchstücke  der  altbabylo- 
nischen Urgeschichten.  Nach  seinem  Tode 
wurde  das  Werk  der  Fragmentenanordnung 
fortgesetzt  von  dem  verdienstvollen  Th.  Pinches, 
speziell  in  Bezug  auf  das  Izdubar-Epos  soweit 
als  möglich  vervollständigt  durch  Paul  Haupt, 
der  die  Texte  im  3.  Bande  der  Assyrio- 
logischen  Bibliothek  von  Delitzsch  und 
Haupt  herausgab  unter  dem  Titel:  Das  baby- 

1     1884,    Abt.   2, 


vgl.  Sb  339).  Nach  Taf.  II  ist  seine  Mutter 
die  Göttin  Aruru.  Jedenfalls  stammt  er  aus 
einem  alten  Geschlecht  der  Stadt  Surippal, 
das  mit  den  Göttern  im  Verkehr  stand.  Sein 
Ahn  (s.  Taf.  IX,  Kol.  III)  Sit-napiitim,  der  Xisu- 
thros  des  Berossos,  ist  der  babylonische  Noah, 
der  aus  der  Sintflut  gerettet  und  auf  die  Insel 
der  Seligen  entrückt  ward  („an  der  Mündung 
der  Ströme"  im  persischen  Meerbusen  gelegen, 

jenseits  des  Totenflusses).  Als  Izdubar  vom  30  Ionische  Nimrodepos  (Abt 
Aussatz  geplagt  ist,  macht  er  sich 
auf  ana  let  Sit-napistim  apal  Kidin- 
Mardulc  (TJbara-tutu),  „zur  Kraft 
(vgl.  hom.  lg  Trjlsfiaxoio)  des  Sit- 
napistim,  des  Sohnes  des  Kidin- 
Marduk".  Eine  Vorstellung  vom 
Aussehen  des  Helden  geben  die  bei- 
stehenden Bilder.  Die  typische  Kopf- 
form dieser  Heldengestalt  mit  dem 
künstlich  gelockten  Haupt-  und 
Barthaar  und  den  hervorstehenden 
Backenknochen,  die  in  den  Palast- 
Skulpturen  von  Nineveh  sehr  häufig 
wiederkehrt,  bietet  ein  ethnologi- 
sches Problem  (s.  Hommel,  a.  a.  0. 
S.292).  Auf  der  X.  Tafel  erscheint  er 
gelegentlich  „mit  einem  Fell  bekleidet' 


Izdubar   als   Götterdiener,  Cylinder  (nach  Perrot-Cliipiez,  Hist. 
dans  Vaniiquitc  Fig.  17). 


Wich- 
tig für  die  Vorstellung  von  der  Beschaffenheit  des 
Helden  ist  das  Gespräch  des  Skorpionmenschen 


Lief.  1  1891).  Wie  Haupt's  textkritische  Be- 
merkungen in  den  Beiträgen  zur  Assyriologic 
1    1889,    S.   48  ff.   und  S.  94  ff.    (hier    ist    auch 


bei  seiner  Ankunft  am  il/rfsw-Gebirge  auf  der  IX.  50  die  XII.  Tafel  veröffentlicht)  beweisen,  ist  die 


Tafel:  „Er,  der  zu  uns  kommt,  ein  Wahrzeichen 
der  Götter  ist  sein  Leib"  (oder  auf  den  Aus- 
satz zu  beziehen?);  „seinem  laktu  nach  ist  er 
ein  Gott,  seinem  sulultu  nach  ein  Mensch". 
Der  abgebildete  Siegel  cylinder  zeigt  Izdubar 
wahrscheinlich  in  seiner  Thätigkeit  als  Götter- 
diener hinter  dem  Ricbter(?)stuhl  (des  Sonnen- 
gottes?) stehend. 

II.  Auffindung  und  Textausgaben  der  Keil- 
schriftfragmente des  Epos  von  Izdubar. 

Die  uns  erhaltenen  Thontafelfragmente  des 
Epos  (12  Tafeln,  von  denen  jede  ursprünglich 
ca.  250  Zeilen  umfafste)  sind  Bruchstücke  von 
ca.  vier  Bibliothekexemplaren  aus  der  grofsen 
Litteratursammlung  des  Königs  Asurbanipal, 
die  1854  von  Hormuzd  Bassum  in  den  Trüm- 
mern von  Nineveh  aufgefunden  wurde.    Asur- 


Kopie  der  Texte,  die  der  folgenden  Übersetzung 
zu  Grunde  Hegt,  aufserordentlich  sorgfältig  und 
zuverlässig.*)  —  Besonderes  Interesse  wandte 
man  natürlich  von  Anfang  an  der  11.  Tafel 
zu  (Sintfluterzählung),  deren  Fragmente  von 
Delitzsch  zusammengestellt  und  in  den  Assyri- 
schen Lesestiiclcen  besonders  veröffentlicht  _wor- 
den  sind.  Diese  Tafel  fand  gediegene  Über- 
setzer   in    Haupt    (Der   keilinschiiftliche    Sint- 

*)  Leider  haben  dem  unermüdlichen  Sammler  der 
Izdubar-Texte  noch  immer  nicht  alle  im  Britischen  Mu- 
seum bekannten  Texte  vorgelegen.  Doch  steht  zu  hoffen, 
dafs  die  von  Dr.  C.  ßezold  längst  in  Aussicht  gestellte 
Veröffentlichung  derselben  baldigst  erfolgen  wird.  Für 
den  Gedankenzusammenhang  des  Epos  werden  sie  jedoch 
kaum  irgendwelche  neue  Aufschlüsse  bieten.  Einige  der 
bisher  unveröffentlichten  Texte  sind  in  Autographie  der 
erweiterten  Separat-Ausgabe  dieses  Artikels  (Leipzig, 
Teubner)  von  Prof.  Dr.  Haupt  beigegehen  worden. 


779  Izdubar (bist. u. myth. Hintergrund d. Epos)  Izdubar  (hist.u.myth.  Hintergrund  d.  Epos)  780 

flutbericht,  erweitert  als  Beigabe  zu  Schrader,  wie  sie  sieb  in  einem  geschlossenen  Epos  dar- 
Keili »Schriften  und  das  Alte  Testament,  2.  Aufl.  stellt.  Wie  in  den  2000  Jahre  später  geschrie- 
1881  —  83)  und  in  Jensen  (Kosmol.  S.  365 ff.  1890).  benen  Inschriften  des  babylonischen  Königs 
Die  Reste  einiger  Tafeln  sind  bis  jetzt  ganz  ver-  Ndbonid,  so  finden  wir  hier  schon  die  beiden 
nachlässigt  worden.  Die  Übersetzungen  von  grofsen  Göttertriaden:  Ann,  Bei,  Ea,  welche 
Smith  und  Lenormant  können  bei  aller  Geniali-  die  drei  Teile  der  Welt  nach  babylonischer 
tat  nur  als  tastende  Versuche  gelten  (s.  Cyrus  Anschauung  repräsentieren  (dem  entsprechend 
Adler,  John  Hopkins  University  drculars  Nr. 55,  das  dreiteilige  Götzenverbot  _E.r.  20,  4  gegen- 
Jan.  1887),  und  doch  basieren  auf  ihnen  nicht  über  der  sonstigen v hebräischen  Weltanschau- 
nur  die  Inhaltsangaben  in  populären  Schriften,  10  ung  Gen.  1, 1),  und  Samai,  Sin,  Iitar,  die  Ver- 
sondern auch  eine  dichterische  Bearbeitung,  treter  der  hervorragendsten  Himmelskörper.*) 
zu  der  Leonidas  le  Cenci  Hamilton  begeistert  Amt  ist  der  eigentliche  Himmelsherr,  der 
worden  ist  in  seinem  Werke  Ishtar  and  Izdu-  Göttervater  (seine  Gemahlin  Antu),  Bei  ist  der 
bar,  the  Epic  of  Babylon,  restored  in  modern  Gott  der  Erde,  der  Regen  und  Fruchtbarkeit 
verse,  vol.  1,  New  York  1884  (mit  wunderbaren,  giebt,  aber  auch  Unheil  anstiftet  zur  Strafe 
modernisierten  Illustrationen!).  für  die   Sünden   der  Menschen,  Ea  der  Gott 

der  Wassertiefe,  der  Gott  der  unergründlichen 
III.  Der  historische  und  der  mythologische  Weisheit,  dessen  Rat  auch  die  Götter  nicht 
Hintergrund.  verschmähen.  Samai  ist  der  besondere  Schutz- 
Das  Epos,  das  im  7.  Jahrhundert  als  kost-  20  gott  Izdubar's  und  spielt  eine  grofse  Rolle  bei 
barer  Volksbesitz  in  der  königlichen  Bibliothek  der  Besiegung  Hambaba's,  dessen  Vernichtung 
zu  Nineveh  verewigt  wurde,  läfst  uns  einen  ja  auch  der  Herrschaft  elamitischer  Götter  ein 
Blick  thun  in  endlose  Fernen  babylonischer  Ende  machen  soll;  Sin  ist  der  Mondgott,  zu 
Geschichte.  Es  ist  gelegentlich  hier  die  Rede  dem  man  in  den  Gefahren  der  Nacht  betet; 
von  „Königen,  die  in  vergangenen  Zeiten  das  Iitar,  die  Tochter  des  Anu  und  der  Antu,  ist 
Land  beherrschten"  und  von  einer  Stadt,  „die  Kriegsgöttin  und  Venus  fecunda  zugleich  (über 
alt  war",  als  die  Sintflut  hereinbrach.  Und  doch  diese  Göttin  s.  Zusatz  I).  Erech  insbesondere 
reicht  das  Epos  selbst  in  uralte  Zeiten  zurück.  heifst  die  Stadt  des  Anu  und  der  Istar,  aber 
Sein  Schauplatz  sind  Städte  im  Euphratgebiet:  aufserdem  werden  in  dieser  Stadt  auch  Bei, 
Uruk  (Erech),  Nippur,  die  „Schiffsstadt"  Su-  00  Ea,  Sin  und  Samas  in  besonderen  Tempeln 
rippak  und  vielleicht  Babel.  Der  geographische  verehrt,  vielleicht  auch  Nin-azu  (auch  Ninkigal 
Gesichtskreis  geht  über  diese  Städte  hinaus  bis  genannt),  die  Göttin  der  Arzneikunst  (?)  und 
zum  Berge  Nisir  östlich  vom  Tigris  und  süd-  „Königin  der  Unterwelt",  die  Gemahlin  des 
lieh  über  das  Gebirgsland  Mdsu  hinaus  ein  Nergal.  —  Bei  der  Sintflut  erscheinen  die 
Stück  in  den  persischen  Meerbusen  (tdmtum,  „grofsen  Götter",  die  in  der  Ratsversammlung 
'Meer'  kkt  t£,o%riv  genannt)  hinein.  Im  Mittel-  sitzen,  vielleicht  zufällig  in  der  Zwölfzahl, 
punkte  des  Interesses  steht  Uruk  (s.  Delitzsch,  Von  den  beiden  Göttertriaden  fehlt  Sin.  An 
Paradies  S.  221  ff.;  Schrader,  Keilinschriften  und  seiner  Stelle  stehen  Ninib  und  Nergal  (En- 
das  Alte  Testament  S.  94),  als  feste  Stadt  Uruk  nugi,  d.  i.  „Herr  des  Landes  ohne  Heimkehr"). 
supüri,  „das  wohlverwahrte",  genannt,  aber  auch  10  Aufserdem  werden  genannt  Bamman  (der  in 
ein  weites  Landgebiet  (Uruk  mätum)  umfassend.  den  Göttertriaden  zumeist  an  Stelle  der  Istar 
Aus  der  Heldenaristokratie  dieser  Stadt  ragt  auftritt),  Nabu  (NeboJ,  Uragal  (Pestgott)  und 
Izdubar  hervor,  „vollendet  an  Kraft,  wie  ein  Marduk  (samt,  „Götterkönig"  genannt,  wie 
Bergstier  die  Helden  an  Kraft  überragend".  auf  der  IV.  Tafel),  und  die  Anunnaki,  die  „Fackel- 
Durch  eine  grofse  Heldenthat  bezwingt  er  die  träger"  der  Götter.  Marduk,  der  hier  als 
Eifersucht  der  Stadtgenossen  und  festigt  die  verderbenbringender  Gott  erscheint,  wie  auch 
heimische  Königsherrschaft:  nämlich  durch  die  sonst  (s.  die  Stellen  bei  Delitzsch,  Wörterbuch 
Besiegung  des  Zwingherrn  Humbaba,  der  ela- 
mitischer  Abkunft  ist,    wie   sein  Name   verrät.  *)    Auch    der    assyrische   König   Salmanassar    (s.   J. 

Man    hat   diesen   geschichtlichen   Hintergrund  50  A-  Cra'9's  interessante  Schrift  The  Monolith  inscription  of 

mit    der    nationalen  Erhebung   Babyloniens    ZU  falmaneserll)  betet diese  sechs  besonders  an,  setzt  aber  den 

.  ,       ..  n    ■                           1  ,      j  •              in                      •  Gott  Asur,    den  Schutzffott    des  assvrisehen  Reiches,    als 

identihcieren  gesucht,  die  nach  Berossos  einer  ]KöDig  aller  gTO[sen  G* tt6r„  Toran>  so  datB  die  si 'bcll. 

2450  —  2250  V.   Chr.  herrschenden    elamitischen  zahl  herauskommt.   Die  sechs  erhalten  hier  folgende  Epi- 

Dyuastie  den  Untergang  bereitet  hat.     Dafs  die  theta,  die  genau  den  Göttern  des  Epos  entsprechen:  Anu, 

Sagenstoffe  wirklich  bis  in  dieses  Zeitalter  bin-  König  der  Himmelsgeister  und  der  Erdgeister,  Herr  der 

aufreichen,  beweisen  die  babylonischen  Siegel-  Länder;  Bei,  Vater  der  Götter,  der  die  Geschicke  bestimmt, 

cylinder  der  ältesten  Könige,  die  unzweideutig  del  die  Grenzen  Himmels  und  der  Erde  festsetzt  (Jemen, 

Sceneu    aus    dem    EpOS    wiedergeben,    vielleicht  Kosmologie  S.  MS:    der   äieBÜAtr   zeichnete   von  Himmel 

,      ,         rr                       i               i       -^                -j.      •    ■  und  Erde);    Ea,  der  Entscheider,  der  Kunig  der  Meeres- 

auch  der  Zusammenhang  des  Epos  mit  einigen  ^  der  grofs  iat  ^  weisen  Eat8chlagen.  Sin  (der  Gott) 

Bildern    des    Tierkreises   (s.   Zusatz  II   bp.  817).  60  Himmels  und  der  Erde,  der  Erhabene;  Samai,  der  Kichter 

Wichtiger    als    der  historische   Hintergrund  der  Weltgegenden,  der  Gesetzgeber  der  Menschheit  (vgl. 

ist    der    mythologische.      Da    die    babylonische  oben  den  Izdubarhyninus) \  Istar,  die  Herrin  des  Kampfes 

Religion   nicht   zur   „Aristokratie  der  Buchreli-  und  der  Schlacht  (die  Venus  fecunda  ist  unkriegerischen 

gionen"  gehörte,  SO  ist  es  schwer,  aus  der  Fülle  Assyrien   nicht  mit   Sicherheit  nachzuweisen).    -   Auch 

der  religiösen  Litteratur,  deren  Anschauungen  ^*ito£r1,.i a- zS^e?  7  ,f  °JaeaS!"6,r „(TgL  *"ch  7 1  *■!' 

,    °,              ,.   ,          tt   n              1                  1       ■  No.  1,  6:  in  R  SEI,  04  a) ;  die  Z-wolfzahl  herrscht  in  der  Zeit, 

von  der  beweglichen  Volksanschauung  beem-  wo  sab'8l9til5Che '  Elemente  hervortreten  (vgl.  Diotorus 
Holst  sind,  ein  System  herauszufinden.  Um  so  Siculwl  2,  so);  die  „LX  grofsen  Götter"  in  den  „Orakel- 
wichtiger   ist  die   Betrachtung   der   Götterwelt,  Sprüchen  Asarhaddons"  scheinen  fromme  Hyperbel  zu  sein. 


781   Izdubar  (hist.u.myth.  Hintergrund  d.  Epos) 

S.  86),  tritt  übrigens  in  der  Geschichte  Izdu- 
bar's  als  schützender  Gott  auf  und  verrät  in 
dem  ideographischen  Namen  Ubara  -  tutu  = 
Kidin- Marduk  den  ihm  sonst  eigenen  Charakter 
als  „Herr  der  Beschwörungen".*) 

Aufser  den  genannten  grofsen  Göttern  wer- 
den im  Epos  gelegentlich  erwähnt:  Tammuz, 
„dem  Istar  Jahr  um  Jahr  Weinen  aufnötigt", 
die  Getreidegottheit  Nirba  (?),  der  Feldgott, 
die  Göttin  Mammetu,  die  „samt  den  grofsen  10 
Göttern  und  den  Anunnaki  die  Geschicke  be- 
stimmt", insbesondere  den  Todestag  des  Men- 
schen, und  endlich  neben  der  Unterweltsgöttin 
ein  „göttlicher  Schreiber  der  Unterwelt".  Von 
den  bösen  Dämonen  (7  oder  13,  vgl.  IV  R  29,  2, 
wo  der  rdbisu  zu  ergänzen  ist,  und  IV  R  16,  1) 
ist  der  diu,  „der  die  Brust  angreift",  und 
namtaru,  der  Dämon  der  Pest,  im  Epos  zu 
finden;  der  eziz -Dämon  ist  sonst  unbekannt. 
Damit  ist  die  Schar  der  göttlichen  Gestalten  20 
aber  nicht  erschöpft.  In  Erech  befindet  sich 
neben  den  Göttertempeln  der  Palast  einer 
„grofsen  Königin,  die  alles  weifs";  am  Gebirge 
Masu  wachen  göttliche  Skorpionmenschen,  am 
Meere  versperrt  die  Burg  des  göttlichen  Mäd- 
chens Sabitu  den  Weg. 

Der  Verkehr  der  Götter  mit  den  Menschen 
ist  kindlich  naiv  gedacht,  wie  bei  Homer. 
lstar  wirbt  um  die  Liebe  des  Helden  Izdubar, 
Hamas  stiftet  die  Freundschaft  des  Helden  mit  so 
Eabani;  die  drei  grofsen  Götter  Anu,  Bei,  Ea 
flüstern  ihm  Geheimnisse  ins  Ohr.  Wie  Fstar 
gelegentlich  aus  der  Stadt  zum  Himmel  ihres 
Vaters  Ann  emporsteigt  (ein  paar  Zeilen  weiter 
schreitet  sie  fluchend  auf  der  Stadtmauer  um- 
her), so  kauern  sich  die  Götter  aus  Furcht 
vor  der  anschwellenden  Flut  „wie  Hunde  am 
Damme  des  Himmels  nieder";  zum  Opfer 
scharen  sie  sich  wie  Fliegen  und  „riechen  den 
guten  Geruch".  40 

Auf  eine  merkwürdige  Erscheinung  soll 
hier  noch  aufmerksam  gemacht  werden:  auf 
die  Bedeutung  der  Träume  im  Epos.  Die 
ganze  Handlung  wird  durch  schier  unzählige 
Träume  in  Bewegung  gesetzt,  durch  welche  die 
Götter  den  Menschen  die  Zukunft  zeigen  und 
Rat  erteilen.  Diese  Anschauung  ist  ein  cha- 
rakteristischer Bestandteil  der  religiösen  An- 
schauung der  Babylonier  und  Aseyrer.  Dem 
uralten  babylonischen  König  Gudea  wird  im  50 
Traume  der  Grundrifs  zum  Tempelbau  vor- 
gezeichnet (s.  H.  Zimmern,  Das  Traumgesicht 
Gudea's,  Zeitschr.  f.  Assyr.  3  S.  232  ff);  Asur- 
banipal  bekam  nach  seinem  Regierungsantritt 
eine  Aufmunterungsadresse  aus  Priesterkreisen, 
die  sich  auf  einen  Traum  seines  Grofsvaters 
Sanherib  bezog  (s.  Hommel,  Geschichte  Baby- 
loniens  und  Assyriens  S.  692  f.),  und  bei  seinen 
Feldzügen  werden   den   Kriegern   ermutigende 

*)  Gleichwohl  scheinen  hiernach  die  Urkunden,  die  *>0 
Marduk  in  den  Mittelpunkt  der  Gottesverehrung  stellen, 
nämlich  die  Legenden  von  der  Schlange  Tiamat  und  die 
dramatischen  Beschwörungen  an  £a,  Darnkina  und  Mar- 
duk, jünger  zu  sein.  Vielleicht  sind  sie  entstanden,  als 
Babel,  das  im  EpoB  noch  zurücktritt,  in  den  Vordergrund 
trat,  und  als  ein  Versuch  zu  betrachten,  dem  Stadtgott 
von  Babel  im  babylonischen  Reiche  die  oberste  Stelle  im 
Pantheon  zu  vindicienn;  Näheres  darüber  im  Artikel 
Marduk. 


Izdubar  ( Abfassungszeit  des  Epos)     782 

Traumbilder  von  der  Kriegsgöttin  gesandt  (vgl. 
auch  V  R  10,  70  f.).  In  einem  Eigennamen- 
verzeichnis (II  R  63)  geht  dem  Namen  Al- 
tuMä-nfse,  „vertraue  nicht  auf  Menschen",  der 
andere  voraus:  TuMä-sunätum ,  „vertraue  auf 
Träume". 

IV.  Abfassungszeit  und  Form  der  Dichtung. 

Aus  den  Angaben  über  den  historischen 
Hintergrund  folgt  nichts  über  die  Abfassungs- 
zeit des  Zwölftafelepos.  Wir  wissen  nicht  ein- 
mal, ob  die  Tafelschreiber  Asurbanipal's  schrift- 
liche babylonische  Originale  vor  sich  gehabt 
haben  (Berossos  erzählt,  der  babylonische  Noah 
habe  auf  göttlichen  Befehl  die  auf  Stein  ein- 
gegrabenen Nachrichten  über  das  Altertum 
in  der  Sonnenstadt  Sippar  vergraben);  jeden- 
falls haben  sie  seit  Jahrhunderten  fortgepflanzte 
Rhapsodieen  niedergeschrieben.  Das  Götter- 
zeichen vor  dem  Namen  Izdubar  und  die  Apo- 
theose beweisen ,  dafs  die  Dichtung  in  einer 
■Zeit  entstanden  ist,  in, welcher  der  Held  Izdubar, 
dessen  Schutzgott  Hamas  war,  im  Volksbe- 
wufstsein  bereits  göttlichen  Charakter  ange- 
nommen hatte  und  dem  Sonnengott  als  Unter- 
Richter zur  Seite  gestellt  war. 

Was  die  Abfassung  anlangt,  so  ist  vor 
allem  die  Annahme  eines  Verfassers  für 
unwahrscheinlich  zu  erklären.  Die  XI.  Tafel 
z.  B.  unterscheidet  sich  von  den  übrigen  Tafeln 
erheblich  durch  den  Reichtum  der  Sprache 
und  Phantasie.  Wenn  ein  assyrischer  Litte- 
raturkatalog  (von  Pinches. bezeichnet  als  Names 
of  Works  and  their  authors  and  Compilers,  ver- 
öffentlicht u.  a.  von  Haupt,  Nimrod-Epos  2, 
90  ff.)  die  Angabe  enthält:  „Serie"  Izdubar 
aus  dem  Munde  (ha  pi)  des  Sin-liki-unnini 
(d.  h.  „Mondgott,  nimm  an  mein  Gebet"),  so 
ist  uns  wohl  der  Name  eines  Rhapsoden,  nicht 
eines  Verfassers,  überliefert. 

Die  Sprache  wechselt  den  poetischen 
Schwung.  Von  der  einfachen,  ungekünstelten 
Erzählung,  dichterisch  gefärbt  durch  Refrains 
und  durch  parallelismvs  mernbrorum,  steigert 
sich  die  Dichtungsform  bis  zum  Hymnenton. 
In  einzelnen  Fragmenten  ist  die  Kunstform 
durch  Stichenverteilung  äufserlich  gehoben. 

V,   Übersetzung  und  Inhaltsangabe  der 
Tafelfragmente. 

Im  folgenden  wird  die  Übersetzung  ge- 
geben, soweit  sie  der  fragmentarische  Cha- 
rakter des  Gedichtes  zuläfst.  Fragezeichen 
sind  nicht  gespart  worden.  Erschwert  wird 
die  Aufgabe  durch  manche  Unsicherheit  bez. 
der  Zugehörigkeit  der  Fragmente.  Gut  er- 
halten und  laut  Original-Unterschrift  ein- 
geordnet sind  Tafel  V,  VI,  X,  XI,  XII;  außer- 
dem haben  wir  noch  eine  gut  erhaltene  Tafel 
ohne  Unterschrift,  von  Haupt  als  I. ,  im  fol- 
genden als  IL  Tafel  bezeichnet.  Der  Text  ist 
citiert  nach  Haupts  Ausgabe,  teils  mit  Angabe 
der  Tafeln  und  Kolumnen,  teils  der  Seiten- 
zahlen seiner  Edition.  Die  Sintflutgeschichte 
ist  nach  Delitzsch,  Assyr.  Lesestücke,  3.  Aufl., 

citiert.      [ ]     bedeutet     Lücke     des 

Textes, bedeutet  Stellen,  die  un- 
übersetzbar    scheinen.       Auf    Umschrift|'des 


783  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.Iü.nd.Epos)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  II  d.  Epos)     784 

ganzen    Textes    wurde    verzichtet;    schwierige       Er  der  Hirte  von   Uruk-[Supuri], er 

Stellen,  deren  Übersetzung  der  Wissenschaft-  ihr  Hirte  und ,  der  Gewaltige,  der  Ge- 
liehen Rechtfertigung  bedarf,  sind  in  den  An-       priesene,    der    Weise    [ ].     Nicht 

rnerkungen  besprochen.*)  läfst  Izdubar  eine  Jungfrau  [ihrer  Mutter],  die 

Tochter  einem  Helden,  die  Gattin  einem  Herrn.' 

Tafel  I-  Ihr  Wehklagen  hörte  [ ], 

Nur  wenig   Spuren  sind  erhalten.     Haupt  zur  Göttin  Aruru  riefen  sie  mit  lauter  Stimme: 

hat  mit  grofsem  Scharfsinn  den  Anfang1)  ent-  'Du  Aruru,  hast  ihn  erzeugt;  jetzt  schaffe  ihm 

deckt   in    einem    Fragment   (S.  1.  79),    dessen  seinen  Mann,  am  Tage  seines  Herzens7)  möge 

Inhalt  „an   den   Anfang  des   Spruchbuchs   er-  10  er  [ ],  sie  mögen  mit  einander  kämpfen, 

innert".   Folgendes  lassen  die  fragmentarischen  Uruk  [soll   Zuschauer  sein?].     Als  die  Göttin 

Zeilen    erkennen:    „Wer    die    Geschichte    (?)  AruruB)    das    gehört   hatte,    schuf   sie    einen 

Izdubars  geschaut  hat  [ ],  alles  weifs  Mann    des    Gottes    Anus)    in    ihrem    Herzen. 

[ ],    allerlei   Weisheit    [ ],  Aruru  wusch  ihre   Hände,   kniff  Lehm   ab10), 

wer  das  Geheime  schaut  und  das  Verborgene  warf  ihn    auf   die   Erde   [.  .  .],    den  Eabani 

[ ],    der   bringt  Kunde,    die    vor  die  schuf  sie,    einen  Helden11),   einen   erhabenen 

Sin[tflut?]  reicht,  fernen  Pfad  wandelt  er  und  Sprofs,   einen   Bauersmann   (?  s.  Anm.  9),  mit 

ermüdet   [ ]   auf  der  Tafel Haaren  [bedeckt?]  war  sein  ganzer  Leib,  mit 

[ 1     die     Mauer    von     TJruk-Supuri  langem  Haupthaar  wie  ein  Weib ;  das  Wallen  (?) 

[ ]     (2    Zeilen)     sein  20  seines  Haupthaares    sprofste    empor   wie   Ge- 

Schwur,  der  nicht  losläfst  [ ]."  —  Zu  treide12);  [gegen  die  Gewohnheit??]  von  Land 

dieser  Tafel  wurde  von  jeher  gernäfs  dem  Zu-,      und  Leuten  war   er  mit  einem   Gewände  be- 

sammenhang   und    der   gesicherten  geschieht-  kleidet  gleich  einer  Wiese  (?)13);  mit  den  Ga- 

lichen  Grundlage   des  Epos   ein  Fragment  ge-  zellen    frifst    er   Kräuter,    mit    dem   Vieh   des 

zählt,  das  die  Belagerung  von  Erech  erzählt.2)  Feldes  erfrischt  er  sich  an  der  Tränke  (S.  9), 

Es    lautet    so    (S.  51):    „ sein  Vieh  mit    dem   Getier14)   des  Wassers  ergötzt  sich 

liefs   er  im   Stich stieg  herab  zum  sein  Herz."    Dieses  eigentümliche  Mischwesen 

Flufs  und   versenkte  in  den  Flufs   sein  Schiff  Eabani,  d.  h.   Sohn   des  Ea,  des  Gottes   der 

in  Trauer   versunken  weinte   er  unergründlichen  Weisheit,  (entsprechend  seiner 

bitterlich:    r die   Stadt  Gangana  hat  30  im   folgenden  hervortretenden  Eigenschaft  als 

er  gänzlich  zermalmt;  die  Eselinnen  zer[treten]  Traumdeuter)  erinnert  nach  der  nun  folgenden 
ihre  Füllen,  die  Kühe  be[feinden]  ihre  Kälber;  Schilderung  an  den  römischen  Priapus,  der 
wie  das  Vieh  jammert  (?)  auch  das  Volk,  wie  ebenfalls  als  Feldgott  vorgestellt  wird  (Vofs, 
die  Tauben  wehklagen  die  Mägde3);  die  Götter  Myth.  Briefe  2,  346  ff.),  er  ist  phallisch  und 
von  Uruk-Supuri  (d.  i.  „das  wohlverwahrte  mit  der  Kunst  der  Wahrsagung  ausgestattet. 
Erech")  verwandeln  sich  in  Fliegen')  und  Dieser  Eabani  wird  durch  Vermittelung  der 
schwirren  umher  auf  den  Strafsen,  die  Da-  Götter  nach  Uruk  gelockt,  um  die  bestrickende 
monen  von  TJrulc-Supuri  verwandeln  sich  in  Gewalt  Izdubars  zu  lähmen  oder  in  andere 
Schlangen  und  schlüpfen  in  die  Löcher  (?)'.  —  Bahnen  zu  leiten.  Mit  der  Sendung  wird  der 
Drei  Jahre  belagerte  die  Stadt  TJrulc  der  Feind,  40  Götterbote  Sädu(ä.h.  Jäger)  beauftragt,  der  hier 
die  Thore  wurden  verriegelt,  der  hargidlab)  plötzlich  und  unvermittelt  auftritt.15)  Wahr- 
vorgelegt. Istar  erhob  ihr  Haupt  nicht  wider  scheinlich  ist  schon  in  der  abgebrochenen  I.  Kol. 
den  Feind  —  da  öffnete  Bei  seinen  Mund  und  von  ihm  die  Rede  gewesen.  Unmittelbar  andas 
sprach  zu  Istar,  der  Königin,  kund   zu  thun  Vorhergehende  anknüpfend  fährt  die  Erzählung 

das    Wort13) "      Das    übrige    ist    ab-  fort:  „Sddu  („der  Jäger"),  ein  7ia&j'M-Mensch16), 

gebrochen;  aus  den  Spuren  sei  noch  die  deut-  trat  ihm  am  Eingang  zur  Tränke  entgegen, 
liehe  Erwähnung  der  Stadt  Babel  hervor-  Am  1.,  2.,  3.  Tage  begegnet  er  ihm  am  Ein- 
gehoben. (Der  Tod  des  Königs  scheint  die  gang  zur  Tränke.  Er,  Eabani,  sah  ihn,  den 
Verwirrung  in  Erech  verursacht  zu  haben.  Jäger,  es  verfinsterte  sich  sein  Antlitz;  er  ging 
Der  Anfang  erinnert  an  Begräbnisse  nordischer  so  mit  seinem  Vieh  hinein  in  die  Behausung, 
Helden.)  Im  folgenden  tritt  Izdubar  als  Retter  ward  betrübt,  wehklagte,  schrie  laut  auf, 
der  Stadt,  später  als  ihr  König  auf.                         ward  sein  Herz,  sein  Antlitz  ward 

verstört,  [es  zog  eine]  Wehklage  in  sein  Ge- 
Tafel II  rnüt17) in   die  Ferne,   sein  Antlitz 

(nach  Haupt  I)  ist  bis  auf  die  I.  Kol.  ziemlich  ward   zornentbrannt  (?)."     Der  erste  Versuch 

vollständig   erhalten.     Kol.  II  (S.  8)   zeigt  uns  war  mifslungen.     Die  Situation  überspringend 

Izdubar  als  berühmten  Helden  von  Uruk.  Die  wird  sofort  der  Bericht  des  Jägers  über  den 
Eltern  jammern,  dafs  ihre  Söhne  und  Töchter       Mifserfolg    angefügt.      (Kol.   III):    „Der    Jäger 

dem  Helden  in  unsinniger  Begeisterung  zufallen.  öffnete  seinen  Mund  und  sprach  [zu  Ea{1)  oder 

„Nicht  liefs  Izdubar  einen  Sohn  seinem  Vater,  60  Samas  (?)   seinem  Vater]:   '[Mein  Va]ter,  ein 

die  Tochter  einem  Helden,   die  Gattin  einem  Held,   der  hingeht,   [ist  nicht  genug (?)],  bei 

Helden  .  .  .  ."     Die    Eltern   klagen   vor    den      dem   Himmel  ist ,  wie   ein  kisir 

Ohren  der  Stadtgöttin:   „'Keinen  Rivalen  hat  Anü  (s.  o.)  ist  seine  Kraft  .  .  .  .,  er  schreitet 

er  [ ]  deine  Bewohner  werden  [zum       umher  im  Gebirge ,  beständig  mit  dem 

Kampfe]  geführt,  nicht  läfst  Izdubar  ein  Kind  Vieh   des   Feldes   [frifst  er  Kraut] ,   beständig 

seinem  Vater,  bei  Tag  und  Nacht  [rufen  sie]:       sind  seine  Füfse  am  Eingang  zur  Tränke , 

*)  Die  Anmerkungen  folgen   am  Schlüsse  der  Über-        icu    fürchte    mich,    will    ihm    nicht  nahen.      Er- 
setzung Sp.  805 ff.  hat    zugefüllt    die    Grube,    die    ich    gegraben 


785      Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  II  d.  Epos)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  II  d.  Epos)      786 

hatte ,   rifs  weg  die  Stricke,   die  ich  ragt.'    Während  sie  so  zu  ihm  spricht,  lauscht 

[ausgelegt    hatte],    er    liefs    entwischen    aus  er    ihrer  Rede,    er,    der  weise   ist  iu   seinem 

meinen  Händen  das  Vieh   und  das  Getier  des  Herzen,   sucht  einen  Freund!     Eabani  spricht 

Feldes,   gab  mir  nicht  Erlaubnis  zum  Jagen.'  zu  ihr,   der  Hierodule:    'Komm,    Uhat,   führe 

[Der  Gott ] 18)  sprach  zu  dem  Jäger:  mich    hin,    nach    der    glänzenden   geheiligten 

'Mache    dich    auf   den   Weg   und  gehe]   nach  Wohnung  des  Anu  und  der  Istar,  nach  dem 

Uruk,  der  Stadt  des  Izdubar.''"   Weiter  lassen  Orte   des  Izdubar,  der  vollkommen  an  Kraft 

die  Spuren  erkennen,  dafs  der  Jäger  dort  eine  ist  und  wie  eiu  Bergstier  über  Helden  gewaltig 

Astarte- Dienerin   (harimtu),    Namens    Uhat n>),  herrscht.    Ich  will  mit  ihm  kämpfen,  gewaltig 
sich  ausbitten  soll,  um  mit  ihrer  Beihilfe  den  io  will     ich     [seine    Freundschaft    erringen  (?)]; 

sinnlichen  Eabani  nach  Uruk  zu  locken.     „Auf  (Kol.  V.  S.  13)   ich  will   sen[den?]   nach   Uruk 

den   Rat   seines  Vaters   macht   sich   der  Jäger       einen    Löwen    (eig.   Wildkatze)22) '" 

auf  den  Weg,  geht  nach  Uruk  [der  Stadt  des  Leider  ist  diese  wichtige  Kol.  nur  in  den 
Izdubar]."  (Kol.  IV)20):  „[Vor  das  Antlitz  des]  Zeilenschlüssen  erhalten.  Folgendes  ist  aus 
Izdubar  (trat  der  Jäger  und  sprach]."  Es  den  Spuren  zu  schliefsen:  An  dem  Kampfe  mit 
folgt  nun  wörtlich  dieselbe  Erzählung  vom  dem  Löwen,  „der  in  der  Wüste  geboren, 
Mifserfolg  seiner  Jagd  ohne  die  Anrede  „mein  Kraft  besitzt",  will  Eabani  die  Stärke  des  be- 
Vater". Hierauf:  „Es  sprach  Izdubar  a  t 
zu  ihm  dem  Jäger  (S.  10,  40  ff.) : 'Gehe,  W&4  —~  Jt$f£i 
mein  Jäger,  nimm  die  Hierodule  Uhat,  *&%P  -io,s«=JSC*  ^3  ^rri 
wenn  das  Vieh  zur  Tränke  sich  wendet,  ^JjfelijV  t~~$%^rf 
so  soll  sie  ihr  Kleid  zerreifsen,  ihre  ZKV^Tliffifß'?  TY^'  ' 
Blöfse  [enthüllen];  er  wird  sie  sehen,  *9ffiut|'  W& 
wird  sich  ihr  nähern,  sein  Vieh,  das  dCMllhX  /S/3?=^  "ffis 
sich  zu  ihm  geschart  hat,  wird  da-  cJzJii  all '.j^ßc^^^ *&*< 
vonlaufen.'  Der  Jäger  ging,  nahm  ^«^^v^^P'^ 
mit  sich  die  Hierodule  Uhat,  er  schlug  l?wä$^  "*3z.'~- ■ 
den  geraden  Weg  ein,  am  3.  Tage  "^a^&$&'//^//rf^'  ^£' 
gelangten  sie  zu  dem  bestimmten  (?)  ls|v^-'/  'S-UtSiL4''  &>■ 
Felde ,  der  Jäger  und  die  Hierodule  JssS?^^ 
liefsen  sich  nach  Belieben  nieder,  ^§T  jv'y&>- 
1  Tag,  2  Tage  weiter  liefsen  sie  sich  i7^§§<^  ■«- 
nieder  am  Eingang  der  Tränke:  mit  ßl m\  <fär 
dem  Vieh  trank  er  Wasser,  mit  dem  B  \'l i'^l'  M  /ivp 
Getier  des  Wassers  ergötzte  sich  sein  £  JJij  V'ä'  /§  I  v\VV 
Herz.  Da  [kam]  Eabani,  dessen  Heimat  esr  Wwb!1) 
das  Gebirge  war;  mit  den  Gazellen  M  y  JjJ 
frafs  er  Kräuter,  mit  dem  Vieh  trank  w\  I  $  j  /W  a^  \ '  U&Jti 
er  seinen  Trank,  mit  dem  Gewürm  des  fc_  >'--i  r  JlI  /  ».  (  l?Y  y  JW*^ 
Wassers  ergötzte  sich  sein  Herz.  Es  ^ä^1^^^-!?  ' 
sah  die   Uhat   der  ZMßa-Mensch  (d.  i.            4S     rT^ 

eig.   der  Mann  der  libido),    

'das  ist  er,   Uhat,  (sprach     ~ 

der  Jäger)  u.  s.  w.'"   Es  folgt  eine  Scene,      I!dubar  mi*  dem  LiLwen  kämpfen,\  ('"t,elwldt  2U  eJ°:?\  Smf's 

t         -x        •     i        ü      -i.     •     i  ■•   i    l        •  Gnalaaetm    Genesis.      von   einem   altbabylomschen    Gyhndcr    des 

die  mit  epischer  Breite  in  höchst  naiver  Brit  MuseuinS) 
Weise  die  Verführung  des  Eabani  schil- 
dert und  mit  den  Worten  schliefst:  „6  Tage  und  rühmton  Helden,  dessen  Freundschaft  er  be- 
7  Nächte  näherte  sich  Eabani  der  Uhat,  der  gehrt,  erproben.  S.  die  nebenstehende  Ab- 
Geliebten.  Nachdem  er  sich  gesättigt  hatte  bildung  und  die  Abbildung  Sp.  791.  Über  den 
an  ihrem  lalü,  wandte  er  sein  Antlitz  auf  sein  50  Rest  der  Tafel  läfst  sich  nur  wenig  sagen. 
Vieh  hin,  es  erblickten  ihn,  den  Eabani,  Fügt  man  die  Fragmente  zusammen,  so  ist 
lagernd  die  Gazellen,  das  Vieh  des  Feldes  folgendes  mit  Sicherheit  zu  erkennen.  Die 
wandte  sich  weg  von  ihm.  Da  erschrak  Uhat  führt  Eabani  nach  Uruk.  Dort  wird  in 
Eabani,  fiel  in  Ohnmacht,  es  starrten  (eig.  „Festgewändern"  eben  ein  „Fest  gefeiert" 
standen)    seine   Kniee,    als   weglief  sein  Vieh  (vielleicht  das  Tammuz-Fest).    Der  Schlufs  der 

(S.  12) ,  da  hörte  er ,  V.  Kol.  scheint  eine  Anrede  an  Eabani  zu  ent- 

(that  auf)  die  Sinne,  kehrte  wieder  voll  Liebe,  halten:   „Es   soll   [dich]   schauen  Izdubar,   du 

setzte    sich    nieder    zu   Füfsen   der  Hierodule,       hadi'ua-Mensch  ('?),  ich  sehe  [ ]  seiu 

schaute    der    Hierodule    ins    Antlitz21);    und  Antlitz,   von  Heldenmut  leuchtet  er,  Kraft  (?) 

während    die  Hierodule    Bpricht,    hören   seine  60  besitzt  er, ist  sein  ganzer  Leib; 

Ohren,   sie  spricht  zu  ihm,   zu  Eabani:    '[Er-  seine   Kraft    ist   gewaltiger   als   die   deine,    er 

ha]ben    bist    du  Eabani,  gleich   einem    Gott;       ruht   nicht Tag  und  Nacht.     Eabani, 

warum    lagerst    du    beim    Vieh    des    Feldes?       ändere  dein ,  den  Izdubar  hat  der 

Komm,   ich   will  dich  bringen  nach   Uruk-Su-  Sonnengott  lieb,   Anu,  Bei  und  Ea  flüstern 

puri,  nach  dem  glänzenden  Hause,  der  Woh-  ihm  (Weisheit)  ins  Ohr;  bevor  du  vom  Gebirge 

nung  des  Anu  und  der  Istar,  an  den  Ort  des  kamst,  hat  dich  Izdubar  in  Eredh  im  Traume 

Izdubar  [     ],  des  Vollkommenen  an  Kraft,  der  gesehen."     Hier  scheint  die  Rede  zu  Ende  zu 

wie  ein  Bergstier  die  Helden   an  Kraft  über-  sein  und  die  Erzählung  zu  Izdubar  zurückzu- 


787  Izdubar  (Inhalt  von  Taf.  III  d.  Epos) 

kehren.  „Es  kam  Izdubar,  den  Traum  zu 
lösen  sprach  er  zu  seiner  Mutter  (der  Göttin 
Aruru):  'Meine  Mutter,  ich  träumte  einen 
Traum  in  meinem  Nachtgesicht:  es  waren  die 
Sterne    des  Himmels,    wie    ein  Kriegsheer  (?) 

fielen  sie  über  mich  her '"    Die 

Reste  der  VI.  Kol.  fügen  einen  2.  Traum  hinzu, 
dessen  Gegenstand,  wie  beim  ersten,  Eabani 
ist,  und  zwar  in  seinem  Abenteuer  mit  dem 
Weibe.  Die  Spuren  deuten  darauf,  dafs  die 
Mutter  dem  Sohne  rät,  mit  dem  Riesen  Freund- 
schaft zu  schliefsen. 

Tafel  III. 
Die  III.  Tafel  mufs  erzählt  haben,  wie  die 
Beiden  Freunde  wurden.  Zwei  Fragmente 
(Haupt  S.  14  f.)  mögen  .  Reste  der  III.  und 
IV.  Kol.  enthalten.  Das  erste  Fragment  be- 
ginnt mit  einer  Anrede  an  ein  weibliches 
Wesen  (die    Uhat?)-3)   und   erzählt  dann:    ,,7 

war  verlassen  die  Gemahlin 

er  allein er   schüttete  aus  (?)  sein 

Herz  seinem  Freunde  [und  sprach  zu  ihm]24): 
'Einen  Traum  träumte  ich  in  meinem  Nacht- 
gesicht   des  Himmels  fiel  auf  die 

Erde,    [erschrocken?]   stand  ich  da;    

verstört  war  sein  Antlitz sein  Ant- 
litz  erglühte   j  wie  Löwenklauen  waren 

seine  Klauen   ' " 2S)     Das   2.  Fragment, 

das  sich  daran  anschliefst,  erzählt  ein  Ge- 
spräch zwischen  Samas  und  Eabani,  dessen 
Erfolg  ist,  dafs  sich  Eabani's  „zorniges  Herz 
beruhigte".  Es  scheint,  dafs  der  Sonnengott 
den  Eabani,  der  heimkehren  will  in  sein  Ge- 
birge, zum  Bleiben  verlockt;  dabei  spielt 
wieder  die  TThat  eine  Rolle,  das  Versprechen 
von  göttlichen  und  königlichen  Ehren,  die 
Freundschaft  und  Bruderschaft  Izdubar's,  wo- 
bei es  heifst:  „Auf  einem  grofsen  Lager,  auf 
einem  fein  zubereiteten  Lager  wird  er  dich 
ruhen  lassen,  er  wird  dich  setzen  auf  einen 
Ruheplatz,  einen  Sitz  zur  Linken;  die  Fürsten 
der  Erde  sollen  küssen  deine  Füfse,  die  Leute 
von  Erech  sollen  winseln  vor  dir  i  usadmamäkaj" 
—  kurz,  die  gröfsten  Ehren  sollen  ihm  er- 
wiesen werden,  wenn  er  bleibt.  Reste  von 
Kol.  V  und  VI  finde  ich  in  dem  Fragment 
Haupt  S.  87.  —  Kol.V(S.  87b)  verspricht  Izdubar 
dem  Eabani  dasselbe,  was  Kol.  IV  Samas  ver- 
heifsen  hat.  Die  Götter  haben  also  ein  Inter- 
esse an  der  Freundschaft  der  beiden  Helden. 
Die  Spuren  der  IV.  und  V.  Tafel  geben  Auf- 
schlufs  über  den  Grund.  Es  handelt  sich  im 
folgenden  um  einen  Heldenkampf  der  Stadt 
Uruk  gegen  den  elamitisehen  Zwingherrn 
Humbaba-6),  der  mit  der  Ermordung  des 
Feindes  endet  und  Isdubar  den  Königsthron 
von  Urul~  verschafft.  Die  Götter,  die  Inter- 
esse an  der  Vernichtung  Humbaba's  und  der 
Herrschaft  des  feindlichen  Gottes  Humba 
haben,  sind  selbst  am  Kampfe  beteiligt.  Es 
ist  klar,  dafs  die  poetische  Erzählung  die 
mythische  Einkleidung  einer  grofsen  nationalen 
Erhebung  darstellt,  die  eine  elamitische  Dyna- 
stie (nach  Serossos  2450 — 2250  v.  Chr.  herr- 
schend) stürzt  und  ein  babylonisches  Reich 
begründet.  Leider  ist  von  der  Schilderung 
des  Kampfes  wenig  erhalten. 


Izdubar  (Inhalt  von  Taf.  IV  d.  Epos)    788 


Tafel  IV 
ist  nur  durch  kleine  Fragmente  vertreten. 
Vom  Inhalt  ist  gewifs,  dafs  die  Erstürmung 
der  Burg  des  elamitisehen  Königs  Humbaba 
auf  der  IV.  Tafel  vorbereitet  und  auf  der  V. 
vollendet  wird;  die  V.  Tafel,  für  die  schon  der 
Anfang  der  VI.  Tafel  eine  Blutthat  fordert, 
schliefst    mit    der    Ermordung    des   Tyrannen. 

10  Die  beiden  Tafeln  enthalten  also  den  eigent- 
lichen historischen  Kern  der  Erzählung.  Mit 
aller  Reserve  geben  wir  den  ungefähren  Inhalt. 
.  Kol.  I  (S.  20)  finden  wir  Eabani  vor  dem 
(Götter- )König  (Marduk?);  er  redet,  wie  es 
scheint,  von  Humbaba,  den  die  Helden  zu  töten 
gedenken,  dessen  Leichnam  von  den  Geiern  (?) 
verzehrt  werden  soll  (vgl.  27,  41),  und  bittet  um 
die  Gunst  des  Gottes  für  den  Kampf:  „Wir 
haben  auf  dich  acht  gegeben,  o  König, 

20  gieb  du  auf  uns  acht."  Isdubar  rät  darauf 
dem  Eabani,  „zu  dem  erhabenen  Palaste,  zur 
grofsen  Königin",  zu  gehen,  „alles  weifs  sie". 
Darauf  gehen  beide  zu  der  grofsen  Wahr- 
sagerin, die  nun  im  Anfang  von  Kol.  n  (S.  20 
und  21)  geschildert  wird  (ihr  Brustschmuck 
und    ihre   Krone    werden  besonders   erwähnt). 

Dann  fährt  die  Erzählung  fort27):  „ [vor] 

Samas  brachte  er  ein  Rauchopfer  dar,  brachte 
ein  Trankopfer  dar,  erhob  vor  Samas  .  (betend) 

30  seine  Hand  (seil.  Eabani):  'Warum  hast  du 
dem  Izdubar  das  Herz  unruhig  gemacht? 
Jetzt  hast  du  ihn  gelehrt,  er  geht  einen  fernen 
Weg  zu  Humbaba,  einem  unbekannten  Kampfe 
geht  er  entgegen,  zu  einem  unbekannten 
Kriegszuge  reitet  er  aus,  bis  er  gehen  und 
zurückkommen  wird,  bis  er  zum  Cedernbain 
kommen  wird,  bis  er  den  Herrscher  Humbaba 
töten  wird,  wird  allerlei  Übel,  das  ihm  feind- 
lich   entgegentritt,    ihn  vernichten.     An   dein 

M  Tage,  da  du  .  .  .  .'"  Der  Schlufs  von  Kol.  II 
(S.  22  vgl.  S.  81)  erzählt  die  Rüstung  zum 
Kampfe  („das  Land  versammelte  sich,  es 
rüstete  sich  das  Heer,  die  Helden  machten 
sich  fertig").  Was  es  mit  dem  „Haus  der 
Gemeinschaft"  für  eine  Bewandtnis  hat,  vor 
dessen  Thor  Eabani  steht,  während  Izdubar 
den  Eintritt  verwehrt,  weifs  ich  nicht.  Kol.  III 
und  IV  [Haupt  S.  82  f.  —  Zugehörigkeit  zur 
IV.  Tafel  scheint  sicher)  nur  Spuren:  die  beiden 

c.o  Freunde  ziehen  miteinander  ans.  Kol.  V 
(S.  22.  84  f.)  beginnt  mit  folgenden  Worten: 
„Dafs  unversehrt  bliebe  der  Cedernhain,  hat 
ihn  Bei  (assyrische  Bezeichnung  für  den  ela- 
mitisehen Gott  des  Humbaba?  oder  ist  auch 
hier,  wie  Tafel  XI,  Bei  genannt  als  der  Gott, 
der  gern  Schaden  anrichtet?)  zur  Angst  der 
Leute  gemacht  (festgesetzt);  das  Gebrüll  des 
Humbaba  ist  wie  Sturm,  sein  Mund  Frevel, 
sein  Atem  Glutwiud  (?).     Er   hat  festgesetzt 

co  [ ]   Cedern;    wer    zu    seinem    Haine 

herabsteigt  —  dafs  unversehrt  bliebe  die  Ceder, 
hat  Bei  ihn  zur  Angst  der  Leute  gemacht  — , 
wer  seinen  Hain  betritt,  den  erfafst  die  Pest  (?)." 
Das  Ganze  ist  der  Teil  eines  Gesprächs  zwischen 
Izdubar  und  Eabani.  Zu  der  letzten  Kol.  von 
Tafel  IV  gehört  vielleicht  S.  57  und  58. 
Izdubar  erzählt  dem  Eabani  einen  „günstigen 
Traum,   einen  prächtigen  Traum",  in  dem  er 


789    Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  V  d.  Epos)  Tzdubar  (Inhalt  v.  Taf.  VI  d.  Epos)   700 

den  Leichnam  des  Humbaba  (auf  dem  Cedern-  seine  Waffen,  er  machte  glänzend  seine  Waffen, 

hügel?)  gesehen  hat.     Dann  machen  sie  sich  [er  zog  aus]  sein  Gewand23),  das  er  trug,  zog 

auf  den  Weg.     Nach  30  Meilen  wird  Station  aus    seine    schlechten    (blutigen?)    Gewänder, 

gemacht  und  eine  Grube  gegraben  (zum  Ver-  zog    an   seine   weifsen   Gewänder,    mit   seinen 

steck?).     Dann   schlafen  sie   ein   (S.  58).     Um  Insifgnien]  bedeckte  er  sich  und  legte  an  das 

Mitternacht  (?)  steht  Izdubar  vom  Schlafe  auf  Diadem30),   Izdubar  bedeckte  sich  mit  seiner 

(„er   vollendete   seinen   Schlaf"),    kommt  und  Krone   und  legte   an   das   Diadem.     Nach   der 

sagt  zu  seinem  Freunde:   „Mein  Freund,  hast  Gunst   des  Izdubar   erhob   die  Augen   die   ge- 

du   mich   nicht   gerufen?"     Dann  erzählte  er  wältige    Göttin   Istar:    'Komm,    Izdubar,    sei 
ihm   einen   ,,3.  Traum",   den   er  gesehen  hat:  10  mein  Gemahl,   deine  Liebe  gieb  mir  zum  Ge- 

,,'Der    Traum,     den    ich    träumte,    war    ganz  schenk;    du   sollst  mein  Mann   sein,    ich  will 

,  es  brüllte  der  Himmel,  es  erdröhnte  dein  Weib   sein;   ich  will  dich  stehen  lassen 

die  Erde,  der  Tag  war  dunkel,  Finsternis  zog.     auf   einem   Wagen    von  Edelstein    und   Gold, 

auf,   es  blitzte   ein  Blitz,  Feuer  leuchtete  auf,  dessen  Räder    von  Gold,    dessen  Hörner  von 

[mit  Verderben?]   gesättigt,    mit  Tod    erfüllt.  Sapphir  (?)  sind,  grofse  kudanu-Lövten  (?)  sollst 

Dann    verlosch    der    Glanz,    es    war   aus    das  du  anspannen,  unter  Wohlgerüchen  der  Ceder 

Feuer stürzte  nieder,  wurde  zu  Rauch  sollst  du  einziehen  in  unser   Haus;  wenn  du 

'".  Einzug  hältst  [in]  unserem  Hause  (S.  43),   so 


Tafel  V. 


sollen deine  Füfse  küssen,   es 

20  sollen  sich  [beugen]  vor  dir  Könige,  Herren 
Kol.  I  (S.  24.  27)  finden  wir  die  Helden  im  und  Fürsten,  [alles,  was  hervorbringt  (?)]  Berg 
heiligen  Hain,  der  zur  Burg  Humbaba's  gehört.  und  Land,  sollen  sie  dir  bringen  als  Tribut.'" 
Das  Thor  mufs  erbrochen  sein:  ,,Da  standen  In  den  folgenden  verstümmelten  Zeilen  fährt 
sie,  bewundernd  (?)  den  Wald,  schauten  an  Istar  zunächst  fort,  ihm  das  Geschick  an  ihrer 
die  Höhe  der  Ceder,  schauten  an  die  Grofse  (?)  Seite  verlockend  zu  schildern:  seine  Schaf- 
des  Waldes,  den  Ort,  wo  Humbaba  zu  wandeln  herden  sollen  Zwillinge  gebären,  sein  Marstall 
pflegte  erhabenen  Schrittes  —  Wege  waren  soll  ohne  gleichen  sein.  Aber  Izdubar  ver- 
angelegt, wohlgepflegte  Pfade  — :  da  schauen  schmäht  die  gefährliche  Liebe  der  Göttin, 
sie  den  Cedernhügel,  den  Wohnsitz  der  Götter,  Wohin  sind  die  anderen  geschwunden,  die  vor 
das  Allerheiligste  des  Gottes  Irnini.  Vor  dem  30  ihm  Ufa«  Gunst  genossen  haben?01)  „'Wohlan', 
Berge  stand  eine  Ceder  von  erhabener  Pracht,  so  spricht  er,  'ich  will  dir  offen  heraussagen  (?) 

prächtig     war    ihr    Schatten,     mit    Lust    er-       deine  Buhlkünste (S.  44,  Z.  40ö'.): 

füllend  .  .  .  ."  Im  folgenden  abgebröckelten  dem  Tammuz3-),  dem  Gemahl  deiner  Ju[gend], 
Stück  wird  weiter  ihre  Schönheit,  ihr  wohl-  nötigst  du  Weinen  auf  Jahr  um  Jahr.  Den 
riechendes  Holz,  ihre  imposante  Grofse  ge-  bunten  Alalla-Vogel  hast  du  geliebt,  du  zer- 
schildert. Sehr  interessant  ist  es,  dafs  wir  hier  schlugst  ihn,  zerbrachst  ihm  die  Flügel,  nun 
die  Schilderung  eines  urbabylonischen  (ela-  steht  er  im  Walde  und  schreit:  Jcappi  (d.  h. 
mitischen?)  Heiligtums  vor  uns  haben.  Ein  „meine  Flügel!").33)  Du  hast  auch  einen 
herrlicher  Garten,  drinnen  ein  heiliger  Hügel  Löwen  geliebt  von  vollendeter  Kraft,  zu  je  7 
mit  einem  Baumheiligtum,  in  dem  eine  Ceder  40  und  7  Anläufen  (?)  hast  du  ihn  überlistet, 
ausgezeichnet  ist  durch  besondere  Pracht.  Der  Du  hast  auch  geliebt  ein  Rofs,  erhaben  im 
Garten  liegt  merkwürdigerweise  in  der  Nähe  Streit,  mit  ihlahuSi)  (?),  Sporn  und  Peitsche  (?) 
der  Stelle,  der  Friedrich  Delitzsch,  Wo  lag  hast  du  es  genötigt;  obgleich  es  sieben  Meilen 
das  Paradies?  die  Lage  des  Paradieses  vindi-  Galopp  gelaufen  war,  hast  du  es  genötigt, 
eiert  hat.  Oder  ist  der  Götterhain  in  Babel  wenn  es  ermattet  war  und  trinken  wollte,  hast 
zu  denken,  das  etwa  damals  unter  elamitischer  du  es  genötigt,  seiner  Mutter,  der  Göttin  Silili 
Fremdherrschaft    stand?     Der   Name    Tin-tir,  hast    du   Weinen    aufgenötigt.     Du    gewannst 

„Lebenshain",     stimmt     zu    der    Schilderung,       auch  lieb  einen  Oberhirten ,   der 

ebenso  die  Angaben  bei  Aman  und  Strabo  dir  beständig  Weihrauch  streute  und  tag- 
(s.  Delitzsch,  Paradies  S.  141),  wonach  Alexan-  50  täglich  Zicklein  schlachtete  —  du  sehlugst  ihn 
der  Cypressen  aus  den  Götterhainen  Babel's  und  verwandeltest  ihn  in  einen  Tiger,  so  dafs 
zum  Schiffsbau  benutzte.  —  Später  folgt  eine  ihn  verjagen  seine  eigenen  Unterhirten  und 
Anrede  Izdubo.r's  an  Eabani,  in  der  wiederum  seine  Hunde  ihn  blutig  beifsen.  Du  hast  ge 
von  dem  Leichnam,  der  von  den  Geiern  ver-  liebt  einen  Riesen  (isullanu)31'),  den  Gärtner 
zehrt  werden  soll,  die  Rede  ist.  Kol.  II  und  III  deines  Vaters,  der  dir  beständig  Geschenke 
(S.  25.  28  und  viell.  74  vgl.  86)  rühmen  sich,  brachte  und  deine  Tafel  dir  täglich  freundlich 
wie  es  scheint,  die  Helden  ihrer  früheren  schmückte  (wörtlich:  deine  Schüssel  machte  er 
Thaten  (auch  ein  dumämu,  ein  Wüstenlöwe,  hell)  —  du  hast  dein  Auge  auf  ihn  geworfen, 
wird  erwähnt),  die  ein  gutes  Gelingen  des  hast  ihn  bethört  (?):  rO  mein  ihillanu  (sprachst 
Kampfes  erhoffen  lassen.-8)  Von  den  übrigen  60  du),  wohlan  dein  kissuta3'3)  wollen  wir  ge- 
Kolumnen ist  nur  der  Schlufs  der  V.  erhalten,  niefsen,  du  sollst  deine  Hand  ausstrecken37) 
der  vom  „Kopf  des  Humbaba"  redet,  also  seine  und  unsere  Schüchternheit  wenden.'  Der  Riese 
Ermordung  sicherstellt.  sprach  zu  dir:  'Was  stellst  du  an  mich  für  ein 

Begehren?      Mein    Mütterchen38),    rüste    kein 
Tafel  VI  Mahl,  ich  will  es  nicht  geniefsen;  was  ich  ge- 
erzählt  die    Siegesfeier    Izdubai's   und    seine  niefsen    soll,    ist   böse  und   verfluchte   Speise, 

Liebesabenteuer    mit  'Istar,    der    Stadtgöttin       von  verderblicher  Glut  ist  bedeckt '; 

(Haupt,  Nimrod-Ep.  S.  42).    „[Er  machte  hell]       sobald3[du    das   gehört ,    hast  du  ihn 


791    Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  VI  d.  Epos) 

zerschlagen  und  in  einen  Knirps  verwandelt, 
hast  ihn  auf  das  La[ger]  gelegt,  dafs  er  nicht 

aufstehen     konnte     auch    mich 

liebst  du  uun,  wie  jene  [willst  du  mich  ver- 
derben].' Als  Istar  dies  gehört  hatte,  ward 
sie  zornig,  stieg  zum  Himmel  empor;  es  kam 
die  Göttin  Istar  vor  Anu  [ihren  Vater],  vor 
Antu  kam  sie  und  sprach:  'Mein  Vater, 
Izdubar  hat  mich  beleidigt  (?),   Izdubar  hat 


Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  VII  u.  VTTI  d. Epos)   792 

harimäti  (d.  h.  die  Hierodulen,  ihre  Tempel- 
Dienerinnen,  s.  S.  59  f.),  über  den  ibattu  des 
Himmelsstieres  stellten  sie  eine  Wehklage  an. 
Izdubar  versammelte  die  1; iskitti- Arbeiter40) 
allzumal,  es  priesen  die  Werkmeister  die  Dicke 
der   Hörner:    30   Minen    Edelgestein    war    ihr 

,    ein    halbes    ubämt   lang   war    ihr 

,   6  Mafs  Öl  fafsten   sie   beide!     Zur 

Salbung  seines  Gottes  Lugal-Marada  (=Samai?) 


aufgezählt   meine   Schlechtigkeiten  (?),    meine  10  weihte   er   es;   er  brachte   (sie)   dar  und  hing 


Schlechtigkeiten  (?)  und  meine  Schandthaten  (,?).' 
Ana  öffnete  seinen  Mund  und  sprach  zur  ge- 
waltigen Istar:  'Nicht  sollst  du  betrübt  sein  (?), 
auch  wenn  Izdubar  aufzählt  deine  Schlechtig- 
keiten (?),  deine  Schlechtigkeiten  (?)  und  deine 
Schandthaten  (?).'  Ikar  öffnete  ihren  Mund 
und  sprach  zu  Anu,  ihrem  Vater:  cMein  Vater, 
schaffe  einen  Himmelsstier  [.  .  .  .].'"  Die 
Spuren     der     folgenden    Zeileu     erinnern    an 


(sie)  auf  am  Altar  (?)  seines  Familienheilig- 
tums (?).  Dann  wuschen  sie  am  Euphrat  ihre 
Hände41),  machten  sich  auf  den  Weg  und 
ritten  durch  die  Strafsen  von  Urük.  Da  ver- 
sammelten sich  die  Leute  von  Uruk,  staunten 
an  [ ].  Izdtibar  sprach  zu  den  Für- 
stinnen (?)  [von  Erech?]:  'Wer  ist  glänzend 
unter  den  Helden?  wer  ist  herrlich  strahlend 
unter   den   Männern?     [Izdubar]   ist  glänzend 


Kol.  I)  und  vor  allem  an  die  ähnliche  Situation 
in  der  „Höllenfahrt  der  Istar",  wo  die  ener- 
gische Göttin  bei  ihrem  Zorn  Eintritt  in  die 
Unterwelt  fordert. 30)  Wie  dort  in  der  Hölle, 
so  will  sie  hier  im  Himmel  alles  zerschlagen, 


Izdubar' s  Drohung  vor  dem  Meerpalast  (Taf.  X,  20  unter  den  Helden,  [  Izdubar]  ist  herrlich  strah- 
lend  Unter    den  Männern    (3  Zeilen  abgebröckelt).'" 

Izdubar  veranstaltete  in  seinem  Palaste  ein 
Freudenfest.  „Dann  schliefen  die  Helden,  auf  die 
Polster  gesunken,  es  schlief  Eabani,  träumte 
einen  Traum;  dann  kam  Eabani,  löste  den 
Traum  und  sprach  zu  Izdubar: 
(Tafel  VII):  „'Mein  Freund, 

beratschlagen      die 

grofsen  Götter  [ ].'" 

Zu  Tafel  VII  und  VIII 
läfst    sich    wenig    sagen.      Sie 
beginnen     mit    einer    Traumer- 
zählung des  Eabani  am  Morgen 
nach   dem   Siegesfest  in  Ercch, 
wie   der   Schlufs   der  VI.   Tafel 
zeigt,   und   schliefsen   mit   dem 
gewaltsamen  Tode  Eabani's,  der 
jedenfalls    auf  Estar's  Anstiften 
herbeigeführt  wird.     Ein  Frag- 
ment,   das    ein    Abenteuer   mit 
einem   Tiger,    der    die    Hirten 
von   Erech  bedroht (?),  erzählt,   gehört    viel- 
leicht hierher  {Haupt  S.  52).     Für  Tafel  VII 
läfst   sich   nicht   einmal   eine   Vermutung  auf- 
stellen.     Hingegen    ist    ein  Fragment    dessen 
Vorderseite    Teile    einer    I.   Kol.    und    dessen 
Rückseite    Teile   einer    VI.  Kol.    enthält,   mit 
Bestimmtheit     zur     VIII.    Tafel     zu     rechnen 
53    und    54     vgl.    55),    weil    die 
letztgenannte   Kolumne   die  Erkrankung,   bez. 
den  Tod  Eabani's  enthält.     Kol.  I  fordert  Ea- 
bani  den  Izdubar  zu  irgend  einer  Heldenthat 
auf.     Auf   den    erhaltenen   Zeilen    stehen    die 
beiden   vor  einem   „Waldthore",    das  Eabani 
anredet:  „'Du  hast  nicht  anderes  Holz  [....], 
6    Gar    beträgt    deine    Höhe,    2    Gar    deine 
Breite    etc.'"      Erwähnt    sei   noch,    dafs    das 
Thor,  von  dem  Eabani  sagt:   „ich  kenne  das 
erhob  (?)  ein  Geschrei,  stiefs  einen  Fluch  aus:  60  Thor",  in  irgend  welcher  Weise  mit  der  Stadt 


Izdubar   und    Eabani   mit    Ungeheuern   kämpfend,    Cylinder    (Chaldäische 
Genesis  S.  195;  vgl.  Cylinder  V.  A.  256  und  V.  A.  2065  im  Berliner  Museum) 

wenn  ihr  Wunsch  nicht  in  Erfüllung  geht. 
Vater  Anu  rnufs  trotz  seines  Zögerns  den 
Wunsch  der  Tochter  erfüllen  und  schafft  den 
Himmelsstier.  Der  Kampf  der  beiden  Helden 
Izdubar  und  Eabani,  der  auf  nebenstehendem 
Siegelc3dinder  abgebildet  wird,  ist  leider  fast 
gänzlich  verlören  gegangen.  Nur  so  viel  ist 
aus  den  Spuren  zu  sehen,  dafs  300  Helden  so  {Haupt  S 
dabei  eine  Rolle  spielen,  dafs  im  Entscheidungs- 
kampf Eabani  das  Ungetüm  „bei  der  Dicke 
des  Schwanzes  fafst"  (während  Izdubar  gemäfs 
der  Abbildung  ihm  den  Dolch  ins  Herz  stöfst). 
Nachdem  die  Helden  den  Himmelsstier  er- 
legt und  ihr  Herz  beruhigt  war,  brachten  sie 
dem  Gott  Samas  ein  Dankopfer  dar.  Dann 
fährt  die  Erzählung  fort  {Haupt  S.  48,  174ff.): 
„Es  stieg  Istar  auf  die  Mauer  von  Uruk-Supuri 


'Fluch  dem  Izdubar,  der  mich  gekränkt  hat, 
der  den  Himmelsstier  getötet  hat!'  Eabani 
hörte  diese  Worte  der  Istar,  rifs  den  ibattu 
des  Himmelsstieres  aus  und  warf  ihn  ihr  ins 
Gesicht:  '0  du,  ich  will  dich  besiegen,  wie  du 
ihm    gethan  hast   (d.  h.   zu  thun  gedachtest), 

sein will   ich  binden  an  deine  Seite.' 

Da  versammelte  istar  die   Jcizreti,  uhäti  und 


Nippur  in  Verbindung  gebracht  wird.  Kol.  VI 
klagt    Eabani:    „Gesund    bin    ich   ausgezogen 

[ ],  mein  Freund,  aber  der  Traum,  den 

ich  träumte,  ist  in  Erfüllung  gegangen!" 
12  Tage  liegt  er,  wie  mit  epischer  Breite  er- 
zählt wird,  auf  seinem  Lager,  dann  ruft  er  den 
Izdubar  herbei.  Aus  den  folgenden  Spuren 
kann    nur   geschlossen    werden,    dafs   Eabani 


793    Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  IX  d.  Epos) 

irgend  einem  Kampfe,  den  er  in  böser  Ahnung 
„gefürchtet  hatte",  die  Krankheit  zuschreibt. 
Freilich  zeigt  die  Totenklage  der  XII.  Tafel, 
dafs  es  kein  gewöhnlicher  Kampf  gewesen  sein 
kann.  Von  seinem  Ende,  das  hier  auf  der 
IX.  Tafel  erzählt  sein  mufs,  heifst  es  dort 
wiederholt:  „die  Erde  hat  ihn  weggerafft  (ver- 
schlungen?)." Eines  litterargeschichtlich  be- 
sonders interessanten  Fragmentes  sei  hier  noch 
Erwähnung  gethan,  das  Smith  zur  VIII.  Tafel 
zählte  (S.  56).  Es  erzählt  einen  Streit  zwischen 
zwei  Bäumen,  die  redend  eingeführt  werden. 
Die  Cypresse  ruft  dem  Lorbeer(?)baum  unter 
anderen  Schmeicheleien  zu:  „'Deine  Wurzel 
ist  nicht  stark  genug,  dein  Schatten  ist  nicht 
kühl  (?)  genug,  deine  Kinde  ist  nicht  üppig 
genug '  Zornig  antwortete  der  Lor- 
beer (?)  der  Cypresse " 

Tafel  IX 
beginnt  mit  der  Klage  Igdutar'S  um  Eabani 
und  dem  Entschlufs,  zu  seinem  Ahn  Sit- 
napistim*2)  zu  gehen,  um  das  Geheimnis  seiner 
Apotheose  zu  erfahren  und  Heilung  vom  Aus- 
satz, mit  dem  ihn  die  Götter  geschlagen,  von 
ihm  zu  erlangen.  Kol.  I  (S.  59):  „Izdubar 
weinte  um  Eabani,  seinen  Freund,  bitterlich, 
sieh  niederlegend  aufs  Feld:  'Ich  will  nicht 
wie  Eabani  sterben:  Wehklage  ist  eingekehrt 
in  mein  Gemüt,  Furcht  vor  dem  Tode  habe 
ich  bekommen ,  ich  lege  mich  nieder  auf  das 
Feld.  —  Zur  Kraft  des  Sit-napistim,  des  Sohnes 
Kidin-Marduk's  nehme  ich  den  Weg  eilenden 
Schrittes.'  "  Izdubar  machte  sich  nun  sofort 
auf  den  Weg  und  erzählt,  das  Selbstgespräch 
fortsetzend  (ergänzt  nach  dem  Fragment  Haupt 
II  S.  85):  „Zur  Gebirgsschlucht  kam  ich  des 
Nachts,  Löwen  sah  ich  und  fürchtete  mich,  ich  er- 
hob mein  Haupt  zum  Mondgott  und  betete,  zu 
dem  grofsen  [....]  der  Götter  kam  mein  Flehen, 

[ ]  be- 

schützte  mich." 
Darauf  folgt  nach 
Z.  12  ein  Traum. 
Vielleicht  zeigen 
ihm  die  Götter  im 
Traume  den  Weg. 
Z.  15  f.  nimmt  er 
die  Axt  in  seine 
Hand  und  zieht 
das  Schwert  aus 
seinem  Gürtel. 
Kol.  II  (S.  00) 
folgt  als  zweites 
Abenteuer  die  Begegnung  mit  den  Skorpion- 
menschen (s.  die  Abbildung).  Er  trifft  sie  beim 
Zugange  zu  einem  Gebirge,  als  „dessen  Name 
Mäsu  ihm  kund  wird".  ,  [Dakam  er]  zum  Gebirge 
Mahl,  dessen  Thorausgang  tagtäglich  (Wesen) 
bewachen,  deren  Rücken  bis  an  den  Damm 
des  Himmels  [reicht?]  und  deren  Brust  bis 
unter  den  Aralhi  reicht  —  die  Skorpion- 
menschen bewachen  sein  Thor;  ihr  Schrecken 
ist  gewaltig,  ihr  Anblick  Tod,  furchtbar  ihr 
Glanz,  Berge  hinschmetternd,  beim  Aufgang 
der  Sonne  und  beim  Untergang  der  Sonne  be- 
wachen sie  die  Sonne.  Es  erblickte  sie  Izdubar, 
vor  Furcht  und  Schrecken  wurde  sein  Antlitz 


Zwei    Skorpionmenechen,    Cylin- 

der    (Smith  a.  a.  0.    S.  211;    vgl. 

Berliner  Museum  V.   A.  50S  und 

V.  A.  562). 


Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  IX  u.  X  d.  Epos)   794 

verstört,  es  raubte  ihm  die  Besinnung  ihr 
wüstes  Aussehen.43)  Der  Skorpionmensch 
spricht  zn  seinem  Weibe:  'Er,  der  zu  uns 
kommt,  ein  Wahrzeichen  der  Götter  ist  sein 
Leib.'  Das  Skorpionweib  antwortete  ihm: 
'Seinem  laktu  (?)  nach  ist  er  ein  Gott, 
seinem    sulultu    (?)    nach    ein    Mensch.'      Der 

Skorpionmensch  redete  und  sprach:  '[ ] 

der  Götter   hat  Befehl    gegeben,    [er  ist  ge- 

10  zogen]  ferne  Wege,  [bis  er  gekommen  ist]  zu 
mir  [ die  Gebirge],  die  er  über- 
schritten hat,  sind  steil  u.  s.  w.'"  Das  übrige 
ist  abgebrochen.  Das  Gebirgsland  Mäsu  ist 
aus  den  Feldzügen  des  Asurbanipal  (in  seinen 
Annalen  genannt  „Ort  des  Dürstens  und  der 
Verschmachtung,  zu  dem  kein  Vogel  des 
Himmels  kommt,  wo  Wildesel  und  Gazellen 
nicht  grasen")  und  Sargon  bekannt  als  das 
Land    der    syrisch-arabischen    Wüste    an    der 

20  Süd  und  Südostgrenze  des  Euphrat-  und  Tigris- 
gebietes (vgl.  Delitzsch,  Paradies  S.  242  f.).  In 
der  Zeit  der  Entstehung  des  Epos  kannte  man 
sicherlich  nur  dunkle  Gerüchte  über  dieses 
Land  der  Verschmachtung.  Wenn  nun  in  der 
Sage  der  Weg  Izdubar's  zu  den  Gewässern  des 
Todes  führte,  so  lag  es  für  die  Phantasie  der 
Volksdichtung  nahe,  dieses  Land  als  Durch- 
gangsort zu  wählen  und  abenteuerlich  auszu- 
schmücken.    Der   Weg   führt    nun    durch   das 

30  Dunkel  des  Berges,  an  dessen  Thor  die 
Skorpionmenschen  gleich  zwei  gewaltigen 
Sphinxen  Wache  halten.  Kol.  III  (S.  61)  zeigen 
die  Spuren,  dafs  Izdubar  dem  Skorpionmenschen 
sein  Vorhaben  erzählt,  er  wolle  „zu  Sit-napistim, 
seinem  Vater,  der  versetzt  worden  ist  in  die 
Versammlung  der  Götter  und  über  Leben  und 
Tod  [entscheiden  kann]".  Der  Skorpionmensch 
schildert  dem  Helden  die  Schwierigkeit,  die 
der    Durchmarsch    durch    das    Gebirge    Mäsu 

40  bietet:  niemand  vermag  es,  zwölf  Meilen  dichte 
Finsternis  nach  allen  Himmelsrichtungen  gilt 
es  zu  durchdringen.  Kol.  IV  (S.  62)  giebt  der 
Skorpionmensch  dem  Flehen  des  Izdubar  nach, 
öffnet  das  Thor,  und  nun  beginnt  die  Wande- 
rung: „Eine  Meile  wandert  er,  dicht  ist  die 
Finsternis,  es  wird  nicht  licht,  zwei  Meilen  ist 
er  gegangen,  dicht  ist  die  Finsternis,  es  wird 
nicht  licht."  (Damit  schliefst  die  III.  Kol.,  er- 
gänzt nach  S.  61,  11  und  63,  36.)    Kol.  V  fährt 

so  fort,  die  zwölf  Meilen  in  epischer  Breite  in 
der  angegebenen  Weise  zu  schildern.  Dann 
tritt  er  hinaus  und  sieht  (am  Gestade  des 
Meeres,  wie  aus  dem  Folgenden  hervorgeht), 
einen  herrlichen  Baum:  „Da  er  ihn  sieht,  eilt 
er  darauf  los:  Edelsteine  trägt  er  als  Frucht, 
Aste  hängen  daran,  prächtig  anzuschauen, 
Krystall  tragen  die  Zweige,  Früchte  trägt  er, 
köstlich  anzuschauen."  Auch  andere  Bäume 
stehen  in   diesem   Götterpark,    der   an  Ezeeh. 

60  31,  9  erinnert.  Kol.  VI  ist  Izdubar  am  Meere 
angekommen,  denn 

Tafel  X 
beginnt  laut  Unterschrift  von  Tafel  IX:  „Das 
(göttliche)  Mädchen  Sabitu,  die  auf  dem  Thron 
des  Meeres  sitzt"  (vielleicht  poetischer  Aus- 
druck für  den  Meerpalast,  in  dem  sie  nach 
dem  Folgenden  wohnt).    Kol.  I  findet  Izdubar 


795    Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  X  d.  Epos)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XI  d.  Epos)    796 

hier  ein  neues  Hindernis,  als  er  „mit  dem  Fell  ginnen.  Kol.  IV  wird  erzählt,  wie  der  Schiffer 
bekleidet"  ankommt.  Er  bricht  von  neuem  den  Helden  mahnt,  nicht  abzulassen,  so  lange 
in  Wehklage  aus  und  ist  „erzürnt"  über  die  die  Fahrt  in  den  Gewässern  des  Todes  währt, 
„fernen  Wege",  die  ihm  zu  gehen  bestimmt  Zahlenangaben,  die  das  Bruchstück  aufweist, 
sind.  Sabitu  erblickt  ihn  von  ferne.  Der  In-  scheinen  sich  auf  die  anstrengende  Ruder- 
halt ihres  Selbstgesprächs  ist  leider  teilweise  arbeit  zu  beziehen.  Z.  9  ff.  ruht  Izdubar  aus, 
verloren.  Als  er  näher  kommt,  zieht  sie  sich  die  Gefahren  sind  hinter  ihm,  „er  löst  seinen 
in  ihr  Meerschlofs  zurück  und  „verriegelt  ihr  Gürtel".  Nun  nähern  sich  beide  den  Ufern 
Thor".     Izdubar   ruft  sie   an  und  spricht  zu  der  Seligengefilde.    SU-napistim  stellt  Betrach- 

ihr:    'Sabitu,    was   schaust  du was  10  tungen    über    den    Gast    an,    wie    oben    die 

verriegelst    du    die    Thür?    [wenn    du    nicht  Meereskönigin.    Am  Anfang  von  Kol.  V  ist  er 

öffnest],    will    ich    zerschmettern    dein    Thor  ans   Ufer    gekommen    und    klagt  vom   Schiffe 

[ ].'     Das  Folgende  fehlt.     Doch  aus    dem    Ahnen    sein    Leid:    Er    erzählt    die 

mufs  Sabitu  dem  Izdubar  die  Unmöglichkeit  Abenteuer,  die  er  mit  seinem  Freunde  Eabani 

geschildert  haben,  seinen  Weg,  der  nun  über  bestanden  habe.     Nach  den  Zeilenresten  wird 

ein  unüberschreitbares  Meer  führe,  fortzusetzen;  das  Abenteuer  mit  einem  „Panther  des  Feldes" 

denn    Izdubar    erzählt   Kol.  H    abermals    den  (Z.   6),    die    Tötung    des  Himmelsstieres    (alä 

Grund    seiner   Reise  und  jammert   um   seinen  ninäru  Z.  9),    die    Ermordung    des   Tyrannen 

„geliebten,  zu  Staub  gewordenen  Freund"  Humbaba,  „der  im  Cypressenhain  wohnte" 
Eabani,  dessen  Los  teilen  zu  müssen  ihm  un-  20  (Z.  10),  erwähnt.    Dann  klagt  er  über  den  Tod 

erträglich   erscheint  (S.  67,  12  f.  vgl.  71,  21  f.).  des  Freundes,    sagt,   wie   er   alle  Länder   und 

Dann  bittet  er  die  Halbgöttin  inständigst,  ihm  steile  Gebirge  durchwandert,  alle  Meere  dureh- 

doch  den  Weg  zu  seinem  Ahn  zu  zeigen  und  schritten  habe,  ohne  dafs  sich  „mit  fröhlichem 

schliefst  seine  Rede  mit  den  Worten:   'Wenn  Anblicke    sein  Antlitz    gesättigt   habe".     Mit 

es  möglich  ist,  will  ich  das  Meer  überschreiten,  den  Worten  des  SU-napistim,   'Izdubar  habe 

wenn    es    nicht    möglich    ist,    will    ich    mich  sein  Herz  mit  Weh   erfüllt,   aber  Götter  und 

(trauernd)    auf  die   Erde   legen.'      Sabitu   ant-  Menschen  [könnten  ihm  nicht  helfen]',  schliefst 

wortet  ihm:   „'Izdubar ,  es  hat  niemals   eine  die  Kol.  V.  ;  Die  scheinbar  sehr  lange  Gegen- 

Fähre  gegeben,  und  niemand  seit  ewiger  Zeit  rede  des  SU-napistim  endigt  gemäfs  den 
kann    das   Meer    überschreiten  —  Samas    der  30  Spuren  von  Kol.  VI  (S.  66)   mit  den  Worten: 

Held    hat   überschritten   das  Meer,    aufser  (?)       ,, 'so  lange  wir  Häuser  bauen,  so  lange 

Samas,   wer  kann   es   überschreiten?     Schwer  wir  versiegeln  (?)  (Verträge  schliefsen),  so  lange 

ist  die  Überfahrt,   gar  beschwerlich  ihr  Pfad,  Brüder   sich  zanken,   so   lange   es  Feindschaft 

und    verschlossen  (?)    sind    die   Gewässer   des       giebt  [ ],  so  lange  Flüsse  Wogen  [zum 

Todes,  die  als  Riegel  vorgeschoben  sind.    Wo,      Meere    tragen?] 4  Zeilen  (Z.  34), 

Izdubar,    willst    du    das   Meer  überschreiten?  wird  vom  Tode  kein  Bild  gezeichnet.     Wenn 

Nachdem  du  zu  den  Gewässern  des  Todes  ge-  der    aM-Dämon    und    der   m^-Dämon    [einen 

langt  —  was  willst  du  thun?  —  Izdubar,   es  Menschen]  grüfsen  (ironicel),  dann  bestimmen 

ist    Arad-Ea    der    Schiffer    des    SU-napistim,  die    Awumnaki    und    die    grofsen    Götter   und 

[ ]  Steine  mit  ihm,  er  wird  im  Walde  40  Mammetum ,    die    Schöpferin    des    Schicksals, 

eine  Ceder  fällen,  [....]  möge  dein  Antlitz  mit  ihnen   das  Geschick,   sie  bestimmen  Tod 

schauen.    Ist  es  möglich,  fahre  über  mit  ihm,  und   Leben:    des  Todes  Tage    sind    {seil,   den 

ist's  nicht  möglich,  weiche  zurück  (?).'"     Der  Menschen)  unbekannt.'" 
Held  steht  am  Zugange  zum  Totenflusse,   der 

als   ein  Wassergürtel   des  Oceaus  gedacht  ist.  lafel  XI 

Die  Seligeninsel  ist  wie  die  Unterwelt  jenseits  setzt  das  Gespräch  zwischen  SU-napistim  und 

des  Totenflusses  gedacht.    Wichtig  ist  die  Er-  Izdubar  fort:  „Izdubar  sprach  zu  SU-napistim 

wähnung  des  Mythus  vom  Sonnengott,  die  leb-  dem  Fernen:    'ich  sehe  dich  an,   SU-napistim, 

haft  an  griechische  Sagen  erinnert.  (In  einem  dein  Aussehen  ist  nicht  verändert;  wie  ich  bist 
Hymnus    an    den    Sonnengott  —  s.  Brünnow,  50  du,    und   du   bist  nicht  anders,    wie   ich   bist 

Zeitschr.  /'.  Assyr.  IV,  25  —  heifst  es:  „Du  hast  du'".  ...     In  den  folgenden  3  verstümmelten 

das  weite,  breite  Meer   überschritten,   dessen  Zeilen   scheint  er  zu   sagen,    sein  Herz  habe 

Inneres     die    Himmelsgeister    nicht    kennen.")  einen   gleichen  Lebens(kampf)   durchgekämpft 

S.  Zusatz  4,  S.  72.   —   Kol.  III  (Haupt,   S.  73  (so  dafs  er  auch  die  Seligkeit  verdiene) :  'Sage 

der  Anfang  —  kann  nicht  Kol.  H  sein  —  S.  69  mir  (wie  kommt  es),  dafs  du  erlangt  hast  das 

die  Fortsetzung)  erzählt  Izdubar  dem  Arad-Ea  Leben  in  der  Versammlung  der  Götter,  welches 

mit    den    bekannten    Worten    sein    Leid    und  du    begehrtest?'     Vom   Ufer    aus    erzählt  der 

schliefst  mit  der  Bitte,  ihn  überzusetzen.    Die  Götterliebling  dem  vom  Schiffe  aus  lauschenden 

Antwort  des  Arad-Ea  giebt  Izdubar  den  Be-  Izdubar  die  Geschichte  von  dem  grofsen 
fehl,  in  den  Wald  hinabzusteigen,  ein  5  Gar  60  Flutsturm:  „SU-napistim  sprach  zu  Izdubar: 

(Ellen?)  langes  Ruder  anzufertigen  und  andere  'Ich  will  dir,  Izdubar,  eröffnen  das  Geheimnis, 

Vorkehrungen   zur   Reise   zu  treffen.     Izdubar  und  die  Entscheidung  der  Götter  will  ich  dir 

richtet  den  Auftrag   aus,  und  beide  besteigen  sagen.    Die  Stadt  Surippak,  die  Stadt,  die  du 

das  Schiff.     Nach  45tägiger  böser  Fahrt  („das  kennst,  am  Ufer  des  Euphrat  gelegen,  selbige 

Schiff   schwankt    und   schleudert  sie  hin  und  Stadt  war  (schon)  alt,  als  die  Götter  drinnen 

her,   während   sie   fahren")   „ist  Arad-Ea   an-  einen  Flutsturm  anzurichten  ihr  Herz  antrieb, 

gelangt  in   den   Gewässern  des  Todes".     Nun  die    grofsen    Götter.      [Es    hielten    Rat?]    ihr 

scheint    die    eigentliche    Gefahr    erst    zu    be-  Vater  Anu ,   ihr  Entscheider,    der  Held  Bei, 


797   Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XI  d.  Epos)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XI  d.  Epos)   798 

ihr  Führer  (?)  Ninib,  ihr   Oberster  En-nugi.  ich  ihm).  —  Als  die  Morgenröte  anbrach,  stieg 

Der  Herr  der  Weisheit,  Ea,  redete  mit  ihnen,  auf  am  Horizont   des  Himmels  schwarzes  Ge- 

ihren  Befehl  that  er  kund  dem  Gefilde  (rufend):  wölk;  Mammän  donnerte  drin,  während  Nabu 

'Gefilde!  Gefilde!  Umhegung!  Umhegung!  Ge-  und  MarduTc  hervortraten  und  über  Berg  und 

filde,    vernimm!      Umhegung,    merke    auf!44)  Thal    schritten.      Der    Gott    Uragal    rifs    die 

Mann  von  Suruppal;  Sohn  des  Kidinu-Marduk  Anker    los,     es    schritt    Ninib    dahin,    über- 

(Ubara-tuiu),  zimmere  ein  Haus  (Arche),  baue  schwemmte  die  Ufer4S),  die  Anunnaki  erhoben 

ein   Schiff,    rette,    was    du   von  Lebenssamen  die  Fackeln,  in  ihrem  Glänze  machten  sie  das 

finden  kannst,  lafs  fahren  die  Habe,  rette  das  Land  erzittern.  Bammün's  Wogen  stiegen 
Leben,   bringe   Lebenssamen  aller  Art  hinauf  10  zum  Himmel  empor,  alles  Licht  verwandelten 

auf  das  Schiff.    Von  dem  Schiff,  das  du  bauen  sie    in    Finsternis],     [ ],    jählings 

sollst,   sollen  die  Zahlen  ausgemessen  werden  brauste    es    (das    Unwetter)    dahin,    wie    ein 

(Z.  25);    es    soll  übereinstimmen  seine  Breite  Schlachtsturm  fuhr  es   auf  die  Menschen  los. 

und    seine    Höhe   (?)45),     (dann)    lafs    es    vom  Nicht    sah    der    Bruder    seinen    Bruder,    die 

Stapel  ins  Meer.'    Ich  merkte  auf  und  sprach  Menschen   erkannten   sieh  nicht.     Im  Himmel 

zu  Ea,  meinem  Herrn:  '[ ],  mein  Herr,  die  Götter  fürchteten  sich  vor  dem  Flutsturm, 

was  du  also  geboten  hast,  will  [ich]  in  Ehren  sie  flüchteten,  stiegen  hinauf  zum  Himmel  des 

halten    und    ausführen;    [aber  was?]   soll  ich  Anu,'  die    Götter    gleich    Hundeu    waren    sie 

antworten    der    Stadt,    dem    Volke    und    den       ,  kauerten  nieder  am  Damm  (?).     Es 

Ältesten?'  Ea  that  seinen  Mund  auf  und  20  schrie  Isiar  wie  eine  Gebärende  (yar.  zorn- 
sprach zu  mir,  seinem  Knechte:  '[Als  Ant-  erfüllt),  es  rief  die  Hehre,  die  freundlich 
wort  (?)]  sollst  du  so  zu  ihnen  sprechen:  Redende:  'Dieses  Volk  (?)  ist  wieder  zu  Lehm 
[Weil  (?)]  mich  Bei  halst,  will  ich  nicht  wohnen  geworden;  was  ich  vor  den  Göttern  Böses 
bleiben  in  [eurer  Stadt] ,  will  auf  Bel's  Ort  (voraus)gesagt  habe,  wie  ich  es  (voraus)gesagt 
mein  Haupt  nicht  (mehr)  niederlegen,  zum  habe  vor  den  Göttern,  das  Böse  — ■  zur  Ver- 
Meer will  ich  [hinabsteigen],  bei  dem  Gott  nichtung  meiner  Menschen  führend  habe  ich 
[Ea~\,  der  mein  Herr  ist,  will  ich  mich  nieder-  den  Sturm  (voraus)gesagt;  was  ich  geboren 
lassen.    Er  {Bei)  läfst  auf  euch  regnen  reiche  habe,  wo  ist  es?    wie  Fiscbbrut  füllen  sie  das 

Fülle,    [ ]  Vögel,    eine  Menge  Fische,  Meer!'     Die  Götter  weinten  mit  ihr  über  die 

[ 2  Zeüen],     der    den  30  Anunnaki 49),  die  Götter  safsen  gebeugt  unter 

Sturzregen  sendet,  [in  der  Nacht  wird  er  über  Weinen,  ihre  Lippen  waren  zusammengeprefst, 

euch    regnen    lassen]    furchtbaren    Regen.'40)  insgesamt;    6    Tage    und    [6  (?)] 

Als    das    Morgenrot    erschien,    [ Nächte  wütete  fort  der  Sturmwind,   die  Flut, 

11  Zeilen]  (Z.  53),   den  Bedarf  brachte  ich  her-  Platzregen;  als  der  7.  Tag  herankam,  hörte  auf 

bei.     Am  fünften  Tage  entwarf  ich  seine  Ge-  der  Regen,   die  Flut.     Der  Sturm,   der   einen 

stalt:     In    seinem    Mittelteil   (?)    waren    seine  Kampf   gekämpft    hatte    wie    ein    Kriegsheer, 

Wände  10  Gar  (120  Ellen?)  hoch,  10  Gar  be-  ruhte.    Das  Meer  wurde  enger  (?)  (trat  in  die 

trug  auch  die  Ausdehnung  seines  Decks  ..."  Ufer  zurück),  der  Orkan,  der  Flutsturm  hatte 

Die  folgenden  19  Zeilen,  die  den  Bau  des  ein  Ende.  Da  sah  ich  auf  das  Meer  (?),  liefs 
Schiffes  erzählen,  sind  leider  sehr  verstümmelt.  40  meine  Stimme  erschallen  —  aber  alle  Menschen 

In  6   Stockwerke  (?)    wird   die   Arche   geteilt,  waren   wieder  zu  Erde  geworden,   gleich  dem 

mit  Erdpech  und  Naphtha  werden  die  Lücken  uru  war  der  usallu.b")   Ich  öffnete  die  Luke  — 

verschlossen.    (Interessant  ist,  dafs  ein  anderes  Licht  fiel  auf  mein  Antlitz,  ich  sank  (geblendet) 

Fragment    die  Erzählung   von   der   Zurüstung  zurück,    setzte    mich   und   weinte,    über  mein 

der  Arche    anders   erzählt,    s.   zuletzt  Jensen,  Antlitz  flössen  mir  Thränen.     Ich  schaute  auf: 

a.  a.  0.  S.  372  ff.).    Nach  Vollendung  des  Baues  die  Welt  ein  weites  Meer!    Zwölf  Ellen  hoch  (?) 

opfert   Sit-napütim   den   Göttern,    veranstaltet  stieg  Land  auf.     Nach  dem  Gebirgslande  Nisir 

ein  Fest  und  beginnt  dann  mit  der  Verladung:  nahm    das    Schiff   den    Lauf.     Der   Berg    des 

(Z.  77)  „Mit  allem,  was  ich  hatte,  füllte  ich  es  Landes  Nisir  hielt  das  Schiff  fest  und  liefs  es 

an,  mit  allem,  was  ich  an  Silber  hatte,  füllte  50  nicht  von  der  Stelle.    Einen  Tag,  einen  2.  Tag 

ich    es,    mit  allem,    was  ich   an   Gold  hatte,  hielt  der  Berg  Nisir  das  Schilf  fest  und  liefs 

füllte  ich  es;  mit  allem,   was  ich  an  Lebens-  es  nicht  von  der  Stelle.  Einen  3.  und  4.  Tag  etc. 

samen  aller  Art  hatte,  füllte  ich  es;  ich  brachte  Einen  5.  und  6.  Tag  etc.    Als  der  7.  Tag  heran- 

hinauf  auf  das  Schiff  meine  ganze  Familie  und  nahte,  liefs  ich  eine  Taube  hinausfliegen.    Die 

mein  Gesinde,    Vieh    des  Feldes,    Getier   des  Taube   flog  hin  und  her;   da  kein  Ruheplatz 

Feldes,  die  Handwerker,  alle  zusammen  brachte  da  war,  kehrte  sie  zurück.     Dann  liefs  ich  eine 

ich  sie  hinauf.    Ein  Zeichen  setzte  Samas  fest:  Schwalbe  hinausfliegen.    Die  Schwalbe  flog  hin 

'Wenn    der,    welcher   den   Sturzregen   sendet,  und  her;  da  kein  Ruheplatz  da  war,  kehrte  sie 

am    Abend    einen    furchtbaren  Regen    sendet,  zurück.     Einen   Raben    liefs    ich   fliegen,    der 

dann  tritt  ein  in  das  Schiff,  verschliefse  dein  60  Rabe    flog,    sah   das   Abnehmen   des    Wassers, 

Schiff  (Thor).'     Dieses  Zeichen   traf  ein.     Der  frais,   liefs   sich   nieder  (=  liefs  sich  fressend  ■ 

den  Sturzregen  sendet,  liefs  in  der  Nacht  einen  nieder?     seil,     auf    Leichen    oder    Schlamm), 

furchtbaren  Regen   regnen.     Vor   dem  Tages-  krächzte  (?),   kam  nicht  zurück.     Da  liefs  ich 

anbruch  zitterte  ich,  den  Tag  zu  schauen  hatte  nach  den  vier  Winden  (alles)  hinaus,  gofs  ein 

ich  Furcht.     Ich  trat  in  das  Schiff,  verschlofs  Opfer  aus,  veranstaltete  eine  Opferspende  auf 

mein  Thor,    die  Verwahrung  (?)   des   Schiffes  dem  Gipfel    des   Berges.     Sieben    und   sieben 

übergab   ich  dem  Puzur-Bel"),   dem  Schiffer,  Gefäfse  stellte  ich  auf,  (Z.  150)  darunter  schüt- 

die  grofse  Arche   samt  ihrem  Inhalt  (übergab  tete  ich  aus  Calmus,  Cedernholz  und  SIM-GIR. 


799     Izdubar  (Inhalt  v.  Taf  XI  d.  Epos)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XI  d.  Epos)    800 

Die  Götter  rochen  den  Duft.  Die  Götter  rochen  Berichten  ist  eine  brennende  Frage  der  alt- 
den  guten  Duft.  Die  Götter  sammelten  sich  testamentlichen  Forschung.  Gewifs  repräsen- 
wie  Fliegen  um  den  Opfernden.  Als  die  tiert  der  Inhalt  der  Erzählung  in  Bibel  und 
„Hehre"  (d.  i.  litar)  herankam,  erhob  sie  die  Keilschrift  „einen  alten  und  gemeinsamen  Be- 
grofsen  Blitze  (?),  die  Anu  nach  ihrem  Be-  sitz  der  semitischen  Stämme  des  Euphrat-  und 
gehren  (?)  gemacht  hatte:  'Diese  Götter!  Bei  Tigrislandes"  (so  mit  Duncker,  Geschichte  des 
meinem  Halsschmuck,  ich  will  es  nicht  ver-  Altertums  gegen  Goldsiher,  Der  Mythus  bei 
gessen;  diese  Tage  habe  ich  im  Gedächtuis,  den  Hebräern  S.  383,  dessen  Anschauung  vom 
■will  sie  ewig  nicht  vergessen.  Die  Götter  „Nebelkreis"  der  „uralten  und  prähistorischen 
mögen  zum  Opfer  kommen,  Bei  soll  nicht  10  Zeiten,  in  welchen  die  semitischen  Stämme 
zum  Opfer  kommen,  weil  er  unbesonnen  ungetrennt  lebten",  durch  die  Entzifferung  der 
den  Flutsturm  erregt  und  meine  Menschen  reichen  uralten  Litteratursehätze  inzwischen 
dem  Gericht  (?)  preisgegeben  hat.'  Als  Bei  widerlegt  worden  ist).  Es  fragt  sich  nur,  in 
herankam,  sah  er  das  Schiff.  Da  ergrimmte  welcher  Weise  die  uns  vorliegenden  biblischen 
Bei,  mit  Zorn  ward  er  erfüllt  über  die  Relationen  von  der  babylonischen  schriftlich 
Götter  der  Igigi:  'Wer  ist  lebendig  ent-  fixierten  Erzählung  abhängig  siud.  Dafs 
rönnen?  Kein  Mensch  soll  leben  bleiben  in  beide  Sintflutberichte  der  Genesis  (der  elo- 
dem  Gericht  (?).'  Ninib  öffnete  seinen  Mund  histische  und  der  jahvistische)  aus  der  baby- 
und  sprach  zum  Helden  Bei:  'Wer  aufser  Ea  Ionischen  Erzählung  geschöpft  haben  (wann?), 
hat  die  Sache  angerichtet,  aber  Ea,  der  kennt  20  mufs  als  sicher  gelten  (gegen  Sayce,  Tlieolog. 
jede  Beschwörung.'  Ea  öffnete  seinen  Mund  Bevi-.w  Juli  1873),  obwohl  auch  hier  das  ent- 
und  sprach  zum  Helden  Bei:  'Du  Entscheider  scheidende  Wort  erst  nach  Auffindung  der 
der  Götter,  du  Held,  wie  (?)  unbesonnen  hast  zweiten  babylonischen  Relation,  von  der  wir 
du  den  Flutsturm  angerichtet!  Dem  Sünder  nur  ein  Bruchstück  haben,  gesprochen  werden 
lege  seine  Sünde  auf!  Dem  Frevler  lege  seinen  kann.  Aber  der  Geist  des  prophetischen  und 
Frevel  auf!  Sei  nachsichtig  (eig.  lasse  nach),  priesterlichen  Erzählers  hat  in  beiden  Fällen 
er  soll  nicht  vertilgt  werden,  fasse  Liebe  (zu  die  babylonische  Sage  „gereinigt  und  vertieft" 
ihm),  er  soll  nicht  [vernichtet  (?)]  werden.  (Duncker)."3)  Unter  dieser  Voraussetzung 
Anstatt  dafs  (?)  du  einen  Flutsturin  anrichtest,  könnte  man  auch  wageD,  die  Entriiekung  des 
mögen  Löwen  kommen  und  die  Menschen  ver-  30  SU-napistim  mit  der  Geschichte  Henoch's  in 
mindern;  anstatt  dafs  du  einen  Flutsturm  an-  Verbindung  zu  setzen  (s.  Haupt,  Der  keil- 
richtest,  mögen  Leoparden  (?)  kommen  und  inschrifil.  Sintflutbericht  S.  28).  —  Besonders 
die  Menschen  vermindern;  anstatt  dafs  du  einen  hervorgehoben  sei  noch,  dafs  die  Sintflut  die 
Flutsturm  anrichtest,  mag  eine  Hungersnot  ganze  Menschheit  nach  dem  geographischen 
entstehen  und  die  [Menschen  vermindern];  an-  Horizonte  der  Babylonier  vernichtet,  und  dafs 
statt  dafs  du  eine  Sintflut  anrichtest,  möge  sie  als  Sündflut  für  nicht  näher  aus- 
eine Pest  (?)  (Urugal)  kommen  und  die  gesprochene  Frevelthaten  verhängt  ward. 
Menschen  [vermindern]. 51)  loh  habe  den  Rat-  Wir  verfolgen  nun  weiter  die  Geschicke 
schlufs  der  grofsen  Götter  nicht  eröffnet.  Den  Izdubar's,  der,  vom  Aussatz  geplagt,  auf  dem 
Adrahäsis  (d.  h.  „der  Erzgescheite") ''-)  liefs  40  Schiffe  der  Erzählung  des  SU-napistim  lauscht, 
ich  einen  Traum  schauen,  und  so  hörte  er  SU-napistim  fährt  in  direktem  Anschlufs  an 
(Sit  nnpistim  durch  Adrahäsis)  die  Entscheidung  das  Gesagte  fort:  „Nun,  was  dich  betrifft,  wer 
der  grofsen  Götter.  Da  fafste  er  (Bei)  seinen  von  den  Göttern  soll  dir  die  Kraft  verleihen  (?)? 
Entschlaft.  Es  stieg  der  Gott  Bei  hinauf  auf  Das  Leben  (auf  der  Insel  der  Seligen),  das  du 
das  Schiff,  ergriff  meine  Hand,  führte  mich  erstrebst,  sollst  du  erlangen;  wohlan,  schlafe!  — 
hinauf,  führte  mein  Weib  hinauf  und  liefs  es  (3  Tage  und  7  Nächte  glich  er  einem,  der  da 
niederknieen  an  meine  Seite,  er  umfing  uns,  sitzt  gelähmt  (eig.  in  der  Gebundenheit  seiner 
zwischen  uns  tretend,  und  seguete  uns:  'Vor-  Kraft).  Es  überfiel  (?)  ihn  ein  Schlaf  wie  ein 
mals  war  SU-napistim  Mensch ,  jetzt  soll  SU-  Sturmwind.  SU-napistim  sprach  zu  seinem 
napistim  und  sein  Weib  gleich  Göttern  er-  50  Weibe:  'Schaue  an  den  Mann,  der  Genesung 
haben  sein;  wohnen  soll  SU-napistim  in  der  (eig.  Leben)  fordert,  Schlaf,  gleich  einem  Sturm- 
Feme  an  der  Mündung  der  Ströme.'  Da  ent-  wind,  hat  ihn  überfallen  (?).'  Sein  Weib  sprach 
führten  sie  uns,  an  der  Mündung  der  Ströme  zu  ihm,  zu  Sit-napistim,  dem  „Fernen":  'Be- 
liefsen  sie  uns  wohnen."  zaubere  (wecke?)  ihn64),  der  Mann  mag  die 
Bis  hierher  geht  die  berühmte  babylonische  (Zauber)speise  essen  (?),  den  Weg,  den  er  kam, 
Sintflut-Erzählung  (soweit  auch  Übersetzung  soll  er  gesund  zurückkehren,  durch  das  grofse 
und  Erklärung  der  XI.  Tafel  bei  Jensen  und  Thor,  aus  dem  er  gezogen,  soll  er  umkehren 
Haupt).*)  DerZusammenhang  mit  den  biblischen  in  sein  Land.'     SU-napistim  sprach  zu  seinem 

Weibe:  'Das  Weh  des  Menschen  schmerzt  dich 
*)  Auch  sonst   wird  die  Flut  erwähnt.     So  in  der  00  (Z.  200;  206—207  Variante  neu  hinzugefunden), 

'  Anm.  2    erwähnten   Asurbampal-lnschriSt.      Wenn    ferner  wohlan  (?),   koche  ihm  die  Speise,    lege  sie  ihm 

in  der  von  Dr.  Pcisir  entdeckten  „babylonischen  Land-  auf  das  Haupt.'  Und  ZU  der  Zeit,  da  er  schlief 
karte"     (Z.  /.  Assyr.    4,   361  ff.)      ein    Vorgang   aus   „dem 

-Talire  der  grofsen  Schlange",  als  die  Landtiere  Babylon  sachten,  dafs  ihre  Leiber  tobten  (?):  in  Stadt  und  Land 
verliefsen,  erzählt  wird,  so  ist  damit  sicherlich  die  Flut  verursachten  sie  Wehklagen  bei  grofs  uud  klein,  Herr 
gemeint,  denn  die  Inschrift  erwähnt  ausdrücklich  Sit-  und  Magd  bannten  und  erfüllten  sie  mit  Webklage; 
mijjistiiu  als  einen  der  Könige,  die  vor  der  Flut  regiert  im  Himmel  und  auf  Erden  liefsen  sie  Hegen  nieder- 
halten.   IV  R  19  Nr.  1  ist  von  einem  Verhängnis  die  Rede,         strömen    wie ,    nach    dorn    Orte    der  ....    ihrer 

bei  dein  Dämoeeu    „den  Erdbewohnern  Sehmerzen  verur-  Gutter   flucheten  sie  sich  .  .  .  etc." 


801           Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XI)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XII)          802 

am  Bord   seines  Schiffes,   kochte   sie   ihm  die  .  .  .'"    Das  Folgende  (6  Zeilen)  ist  wieder  ver- 

Speise,  um  sie  ihm  auf  das  Haupt  zu  legen.  stümmelt.    Der  Held  hat  das  Schiff  verlassen, 

Und  zu  der  Zeit,  da  er  schlief  am  Bord  seines  schleppt  Steine  herbei  (um  seinen  Standort  zu 

Schiffes:  zum  ersten  wurde  zubereitet  (?)  seine  erhöhen?)    und    trägt    zuletzt    die    erbeutete 

Speise,   zum  andern  wurde  sie  gehäutet,  zum  Wunderpflanze   ins  Schiff.     (Z.  263:)   „Izdubar 

dritten   benetzt,   zum   vierten   reinigte   er  sein  sprach  zu  Arad-Ea,  dem  Schiffer:    'Arad-Ea, 

Gefäfs,    zum    fünften    that    er    „Greisenalter''  diese  Pflanze  ist  die  Pflanze  der  Verheifsung  (?), 

hinzu,   zum   sechsten   wurde  es  gekocht,   zum  dnrch  welche  ein  Mensch  sein  Leben  erlangt; 

siebenten   verzauberte  (weckte?)  er  ihn  plötz-  ich   will   (die  Pflanze)  mitnehmen  nach   Uruk- 
lich:    da    als   der   Mann   die   Zauberspeise  (?).  10  Supuri,  will  einen  Wald  (??)  grofs  ziehen,  will 

Izdubar  sprach  zu  Sit-napistim,  dem  „Fernen  ':  (dann)   abschneiden,   ihr  Name  soll  sein:   'als 

'Ich  war  hingesunken  (eig.  wankend  gemacht),  Greis   (noch)  wird   der  Mensch   verjüngt',  ich 

Schlaf  hatte  mich  befallen,   plötzlich  hast  du  will    davon   essen,    will   umkehren   zu   meiner 

mich  bezaubert  (geweckt?),  hast  mich '  Jugendkraft.'    Zehn  (?)  Weilen  legten  sie  stück- 

Sit-napistim   sprach  zu  Izdubar:    (es  folgt  die  weise    den    Weg    zurück;    nach    20    Meilen56) 

Wiederholung    der    7    Zauberakte,    Text    ver-  machten     sie     Station.      Izdubar     sah     einen 

stümmelt).      Z.   219  ff.     (217 — 222    durch    ein  Brunnen   mit  kühlem  Wasser,   er  stieg  hinab, 

neues  Fragment  ergänzt):  „Izdubar  sprach  zu  und  während  er  drinnen  Wasser  ausgofs,  kam 

Sit-napistim,  dem  „Fernen",  [traurig?]  redete  er  eine  Schlange  (?)  heraus.    Da  entglitt  ihm  die 

zu  ihm,  zu  Sit-napistim:  'Wohin  soll  ich  gehen?  20  Pflanze,  ein  [ ]  Dämon  stieg  hei  auf  und 

Meine  [ ]   hat   der  Totengeist  (?)  erfafst,  nahm    die   Pflanze    weg.     In    seinem   Schreck 

[auf]  meinem  Lagerort  wohnt  der  Tod,  und  der       stiefs  er  einen  Fluch  aus,  es  [ ],  Izdubar 

Urt,  [auf  den  du  mein  Schiff  (?)]  gestellt  hast,  setzte    sich    nieder    und    weinte,    über    seine 

er  bedeutet  Tod!'"    Hierauf  sorgt  Sit-napistim  Wangen  flössen  Thränen. ä7)     [Er  sprach]   zu 

dafür,  dafs  der  Kranke  aus  dem  Gewässer  des  Arad-Ea,  dem  Schiffer:  'Wozu  (?)  sind  meine 

Todes  vom  Fährmann  zum  Lebenscpiell  geführt  Kräfte    genesen,    wozu  (?)   erfreut   sich   meine 

wird.    (Z.  224:)  „Sit-napistim  sprach  zu  Arad-  Seele  (eig.  „der  Siun  meines  Herzens")  der  Be- 

Ea,  dem  Schiffer:  'Arad-Ea,  du  [ ],  lebung?    Ich  habe  mir  selbst  keine  Wohlthat 

das  Fährschiff  möge   dich  aufnehmen,   dessen  erwiesen;-  dem   Erdlöwen   (Erdgeist?)    ist    die 

am  Gestade  der  [ plur.~\  30  Wohlthat      geschehen.        Jetzt      schon      nach 

geborgen  ist.     Der  Mann,  den  du  geführt  hast,  20  Meilen  hat  ein  einziger  die  Pflanze  in  die 

ist  an   seinem   Leibe  mit  Beulen  (?)   bedeckt,  Gewalt  bekommen;  als  ich  den  Wasserbehälter 

Aussatzhäute  haben  vernichtet  die  Anmut  seines       öffnete,  en[tglitt  (mir)]  die  Pflanze, 

Leibes.    Nimm  ihn,  Arad-Ea,  zum  Reinigungs-  wer  bin  ich,  dafs  ich  sie  ergreifen  möchte  (?)?' 

ort  bringe  ihn,  seine  Eiterbeulen  möge  er  im  Und    er    liefs    das     Schiff    am    Ufer    zurück. 

Wasser  reinwaschen   wie  Schnee,   er   thue   ab  20  Meilen  legten  sie  stückweise  zurück,  nach 

seine  Häute,  das  Meer  führe  sie  fort  —  gesund  30  Meilen  machten  sie  Station.     So  kamen  sie 

werde    erschaut   sein   Leib.     Es   soll   erneuert  hin   nach    Uruk-Supuri.     Izdubar    sprach    zu 

werden  die  Binde  seines  Kopfes,  die  Hülle,  die  Arad-Ea,  dem  Schiffer:  'Steige  hinauf,  Arad- 

ihn  umkleidet  als  Schamgewand;  bis  er  kommt  w  Ea,   auf  die   Mauer  von    Cruk,    gehe   umher, 

in  sein  Land,  bis  er  gelangt  auf  seinen  Pfad,       schaue  an  den  Grundstein ' "   Der  Schlufs 

soll   die   Hülle   nicht   Falten   werfen  (?),   ganz  der  Tafel  (4  Zeilen)   ist   mir   völlig  rätselhaft. 

neu    soll   sie   sein.'      Da  nahm  ihn   Arad-Ea,  Auffällig  ist,  dafs  auch  im  Anfangsfragment  die 

führte    ihn  zum   Reinigungsort,    seine   Beulen  „Mauer  von  Erech"  eine  besondere  Rolle  spielt. 

wusch   er   im  Wasser  wie  Schnee,   er  that  ab 

seine  Häute,  das  Meer  trug  sie  fort  —  gesund  Tafel  XII, 

wurde  erschaut  sein  Leib.    Er  erneuerte  seine  Kol.  I,  beginnt  nach  der  Stichzeile  der  XI.  Tafel 

Kopfbinde,  die  Hülle,  die  ihn  als  Schamgewand  mit  den  Worten:  „Der  tammabukku  im  Hause 

umkleidete;  bis  er  käme  in  sein  Land,  bis  er      des  Zimmermanns  möge "     Sinn  völlig 

gelangte    auf   seinen  Pfad,    [sollte   die  Hülle  00  dunkel.    Der  Rest  der  I.  Kol.,  der  uns  erhalten 

nicht    Falten    werfen],    neu    sollte     sie    sein.  ist,  scheint  die  Totenklage  Izdubai  's  um  Ea- 

Izdtcbar   und    Arad-Ea   bestiegen    das   Schiff,  bani  wiederzugeben.    Nur  die  untere  Hälfte  ist 

das   Schiff   [schwankte  (?),    warf  sie  hin   und      erhalten:   „ zu   einem  Tempel  [gehst  du 

her],    während    sie    fuhren.   —    Sein    Weib55)  nicht  (mehr)?],  weifse  Kleider  [ziehst  du  nicht 

sprach  zu  ihm,  zu  Sit-napistim,  dem  „Fernen":  mehr  an?]   .......  mit  wohlriechendem  Stier- 

■' Izdubar  ist  gekommen,  beruhigt,  genesen  (?),  fett   salbst   du  dich  nicht  mehr,   dafs  sie  zum 

was   willst   du  geben,   dafs  er  zurückkehre  in  Duft  sich  um  dich  scharen;  den  Bogen  setzest 

sein  Land?'     Und  er  nahm  das  Ruder,  Izdubar  du  nicht  mehr  ein  auf  der  Erde  (d.  h.  spannst 

brachte    das   Schiff   näher    an   das   Ufer,    und  du  nicht),  die  mit  dem  Bogen  verwundet  sind, 

Sit-napistim     sprach     zu     Izdubar:     (Z.    250)  60  umgeben    dich;    das   Scepter    trägst   du   nicht 

'Izdubar,  du  gehst  hinweg  beruhigt,  genesen  (?),  mehr    in    deiner    Hand    —    die    Totengeister 

was  soll  ich  dir  geben,  dafs  du  zurückkehren  bannen  dich;   Ringe  an  deine  Füfse  ziehst  du 

kannst  in  dein  Land?    Ich  will  dir  offenbaren  nicht  mehr  an  (?),   du  erhebst  kein  (Kriegs?-) 

ein    Geheimnis,    und    das    [ ]  Geschrei  mehr  auf  Erden,  dein  Weib,  das  du 

will    ich    dir    sagen.      Es    giebt    eine    Pflanze  liebtest,   küssest   du   nicht  mehr,   dein   Weib, 

ähnlich  dem  Stechdorn  [ ],  ihr das  du  halstest,  schlägst  du  nicht  mehr,  deine 

sticht    gleich    der    Stechranke.      Wenn    deine  Tochter,  die  du  liebtest,  küssest  du  nicht  mehr, 

Hände   die  Pflanze  erreichen  können  [ |  deine   Tochter,    die   du   halstest,    schlägst   du 

Roschet*,  LexikOD  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.  II.  26 


803         Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  Sil)  Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XII)         804 

nicht  mehr.  Das  Weh  der  Unterwelt  errufst  Kol.  V  fehlt.  Kol.  VI  schliefst  das  Ganze  mit 
dich:  die  da  finster  ist,  die  da  finster  ist,  einem  rhythmischen  Wechselgesang  zwischen 
Mutter  Nin-azuäS),  die  da  finster  ist,  deren  Izdubar  und  Eabani  ab,  der  die  Walhalla- 
Leib  (eig.  Seite)  nicht  mit  glänzendem  Ge-  freuden  schildert,  die  den  im  Kampf  gefallenen 
wände   bedeckt,  ist,   deren  Brust  gleich  einem  Helden    erwarten,    und   das   unglückliche  Los 

jungen  sappati-Tieie "    Kol.  II  finden  wir  derer  beklagt,   denen  die   letzten  Totenehren 

Izdubar    mit    seiner    Klage    im    Tempel    des  versagt  sind;  es  wird  damit  die  für  die  orien- 

Gottes     Ningul    (=    Ea?)     mit     der     Klage:  .   talische  Anschauung  äufserst  wichtige  Moral 

„' . . .  [sein  Weib,  das  er- liebte,  küfste  er,  sein  aus  der  ganzen  Dichtung  gezogen:  sorgt  pie- 

Weib,  das  er  hafste,  schlug  er,  seine  Tochter,  10  tä.tvoll  für  eure  Toten! 

die  er  liebte,  küfste  er,  eeine  Tochter,  die  er  ,,Auf  einem  Ruhepolster  ist  gelagert, 

hafste,  schlug  er],  nun  hat  das  Weh  der  Erde  reines  Wasser  trinkend, 

ihn  hinweggerafft,   die  da  finster  ist,   die  da  wer  in  der  Schlacht  getötet  ward  —  du  sahst 

finster  ist,  die  Mutter  Nin-azu,  die  da  finster  es!     Ja,  ich  sah  es: 

ist,  deren  Leib  nicht  mit  glänzendem  Gewände  Sein  Vater  uud   seine   Mutter   [halten]   sein 

bedeckt  ist,  deren  Brust  gleich  einem  jungen  Haupt, 

sikkati-Tiexe  nicht  Eabani  ist  [hinab-  und  sein  Weib  [kniet?]  an  seiner  Seite.  — 

gestiegen?'?]   von  der  Erde  zur  [Finsternis??],  Wessen  Leichnam  auf  dem  Felde  liegt, 

der  Laurer  [des  Nergal],   des  schonungslosen,  du  sahst  es!     Ja,  ich  sah  es: 

hat  ihn   nicht  weggerafft,   nicht  die  Pest  hat  20      Dessen  Seele  hat  nicht  Kühe  in  der  Erde.  — 

ihn    weggerafft,    nicht   die   Schwindsucht  hat  Wessen  Seele  niemand  hat,  der  für  sie  sorgt,, 

ihn   weggerafft,    die   Erde   (=  Unterwelt)  hat  du  sahst  es!     Ja,  ich  sah  es: 

ihn   [weggerafft],  nicht  der   Ort  der  Männer-  die  Hefe  (?)  des  Bechers10),  die  Überbleibsel 

Schlacht  hat  ihn  geschlagen,  die  Erde  hat  ihn  des  Essens, 

weggerafft.'     [Während   dieser  Rede?]   weinte  was  auf  die  Strafse  geworfen  ist,  geniefst  er." 

der  Gott  Niu-gul  um  seinen  Knecht  Eabani  —  Es  folgt  die  Unterschrift  der  XII.  Tafel  und 

Zum  [ ]  Tempel  des  Bei  ging  er  (Izdubar)  damit  der  Schlufs   des  Epos.     Wie  der  letzte 

allein:  Water  [Bei],  tambukkub'J)  hat  mich  zur  Gesang    mit    der   Erzählung    zusammenhängt, 

Erde   gestürzt,    [Kol.  III]   Eabani  ist  zu   den  ob  er  vielleicht  den  Schlufsgesang  einer  Apo- 

Schatten   [hinabgesunken?],   die  Pest  hat  ihn  so  theose   Izdubar 's   enthält,  wage   ich  nicht   zu 

nicht  weggerafft   ,   der  Laurer  (Dämon)  entscheiden. 

des  Nergal,  der  schonungslose  [hat  ihn  nicht  Im  Zusammenhang  damit  ist  noch  ein  Frag- 
weggerafft] ,  der  Ort  der  Männerschlacht  [hat  ment  zu  besprechen ,  das  seinem  Inhalt  nach 
ihn  nicht  geschlagen],  Vater  Bei  konnte  nicht  nur  an  die  Stelle  der  XII.  oder  VIII.  Tafel 
helfen,  Vater  Sin,  der  tambukku  [hat  mich  zur  gehören  kann,  aber  weder  an  dieser  noch  an 
Erde  gestürzt],  die  mikke  [haben  mich  zur  jener  Stelle  in  die  Kolumnenfragmente  pafst. 
Erde  gestürzt].  Eabani,  der  zu  den  Schatten  Der  Text  steht  bei  Haupt  S.  16 — 19.  Die  Zu- 
[kinabgesunken   ist?],   die  Pest  hat  ihn  nicht  gehörigkeit  zum   Bereich   der   Izdubar-Legen- 

weggerafft ,  der  Laurer  des  Nergal,  der  deu  kann  nicht  geleugnet  werden  (s.  Haupt, 

schonungslose,  [bat  ihn  nicht  weggerafft]. . .'"  40  Beiträge  zur  Assyriologie  I  S.  105.  318 ff.).  Eine 
Am  Schlufs  der  Kolumne  finden  wir  Izdubar  andere  Frage  ist,  ob  wir  nicht  in  dem  Frag- 
im  Tempel  des  Ea  mit  derselben  Klage.  Dann  ment  ein  Stück  einer  anderen  Relation  des 
wendet  er  sich  plötzlich  an  die  Unterwelts-  Epos  vor  uns  haben.  Dafs  es  verschiedene 
gottheit  selbst,  an  den  „Helden  und  Herrn"  Erzäklungsfornien  der  Izdubar  Geschichten  ge- 
Nergal:  ,,rRüttle  (?)  an  der  Grabkammer  [öffne  geben  hat,  beweist  allein  das  oben  erwähnte 
die  Erde,  dafs  der  Geist  des  Eabani  wie  ein  Duplikat  zur  Erzählung  vom  Bau  der  Arche. 
Windhauch  aus  der  Erde  komme].'  [Als]  der  Das  interessante  Fragment,  in  zwei  Exemplaren 
Held  Nergal  [dies  vernahm],  rüttelte  (?)  er  an  erhalten,  enthält  auf  der  Vorderseite  das  Stück 
der  Grabkammer,  öffnete  die  Erde,  den  Geist  einer  111.  Kol.,  auf  der  Rückseite  das  Stück 
des  Eabani  liefs  er  gleich  einem  Windhauch  50  einer  IV.  Kol.  Die  Erwähnung  des  Jägers  und 
aus  der  Erde  hervorgehen."  Die  beiden  letzten  der  Uhat  und  die  Anrede  ,,mein  Freund"  zeigt, 
Zeilenreste  („sie  wurden  umringt  er  dafs  Eabani  redet.  Auf  der  Vorderseite  ver- 
hielt Rat "  bleiben  dunkel).     Kol."  IV  be-  flucht  er  die  Uhat,  die  ihm  samt  der  List  des 

ginnt  im  direkten,  Anschlufs  mit  einem  eksta-  Jägers  „Fluch  gebracht  hat"  (oder  die  Istar, 
tischen  Gespräch  zwischen  Izdubar  und  Ea-  in  deren  Dienst  die  Hierodulen  stehen?).  Er 
bani:  ,/Sage  mein  Freund,  sage  mein  Freund,  wünscht  ihr,  „dafs  sie  eingeschlossen  wird  in 
die  Beschaffenheit  (?)  des  Landes,  das  du  ge-  das  grofse  Gefängnis",  verwünscht  ihre  „Reize", 
sehen  hast,  sage.'  'Nicht  kann  ich  dir  sagen,  „ihre  Schwestern (?)",  „ihre  Mägde".  Wie  „das 
meiu  Freund,  nicht  kann  ich  dir  sagen,  wenn  grofse  Gefängnis",  so  erinnert  auch  ein  Teil 
ich  die  Beschaffenheit  des  Landes  dir  sagen  co  des  weiteren  Fluches  an  die  Verwünschung  in 
wollte  [ ],  setze  dich,  weine.'  f[ ]  der  „Höllenfahrt  der  Istar",  wo  dem  Götter- 
ich  will  sitzen   und   weinen   [ ],    was   du  boten  ein  schauderhafter  Wohnplatz,  der  „seine 

gethan  (?)  hast,  woran  dein  Herz  sich  gefreut  Kraft  brechen"  soll,  angewiesen  wird.     Warum 

hat    [ ],    gleich    einem    alten    Gewände  Eabani  die   Uhat  bezw.  die  Göttin  Istar  ver- 

frifst's  das  Gewürm;  [ ],  was  du  gethan  flucht,  darüber  giebt  die  IV.  Kol.  auf  der  Rück- 
hast,    woran     dein     Herz     sich     erfreut     hat  seite  Auskunft.     Eabani  ist  in   die  Unterwelt 

[ ],    ist    mit    Staub    angefüllt    [ ]  hinabgesunken   (s.  XII.  Tafel:   „die  Erde   hat 

duckt   sich  nieder  (?).  .  . .'"     (2.  Hälfte  fehlt.)  ihn  weggerafft")  und  erzählt  dem  Freunde,  der 


805         Izdubar  (Inhalt  v.  Taf.  XII)  Izdubar  (Anmerkungen  zur  Übersetzung)   806 

ihn  heraufbeschworen  hat   (entsprechend    der  Stellung   Istars    als   Stadtgöttin,   wie   auf  der 

Situation  der  XII.,   eventuell  auch   einer  be-  VI.  Tafel,    die   Zugehörigkeit    des  Fragments 

sonderen    Relation    der    VIII.   Tafel),    was    er  zum  Epos  unfraglich. 

unten  gesehen  hat:  „[ ]  hat  mich  zurück-  3.   Eine   merkwürdige   Parallele   bietet  die 

gebracht,    [ ]    gleich    dem   Ipja-Vogel  Schilderung     der     Belagerung     Ninerehs     bei 

,  nach  dem  Hause  der  Finsternis  der  Nahum  2,  8. 

Wohnung  Irkalla's,   nach  dem   Hause,  dessen  4.   Man  beachte  die    mythologische   Eigene 

Betreter  nicht  mehr  herauskommt,  nach  dem  tümlichkeit,  dafs  sich  die  Götter  zu  bestimm- 

Pfade,  dessen  Hingang  nicht  zurückführt,  nach  tem  Zweck  in  Tiere  verwandeln. 

dem  Hause,  dessen  Bewohner  dem  Licht  ent-  10        5.    Der  Anklang   des    merkwürdigen   Wor- 

rückt  sind,  dem  Orte,  da  Staub  ihre  Nahrung,  tes  an  das  hebräische  *55~n  verleitet,  -zu  über- 

ihre   Speise   Kot,   da    sie    gekleidet   sind    wie  setzen:     ,,sie     warfen     Belagerungsgeschosse" 

Vögel   in   ein  Flügelgewand,  und  Licht  nicht  od.'-dgl.    Haupt  erinnert  an  die  ideographische 

schauen,  in  Finsternis  wohnen.    [In  dem  Hause],  Zusammensetzung   des   Wortes,   nach  welcher 

mein   Freund,   das   ich  betreten,   [da  wohnen  es  „eiserner  Ring"  bedeuten  könnte. 

die     Träger  (?)]     gewaltiger  (?)     Kronen,     [da  6.  Man  beachte  den  Anklang  an  die  epische 

wohnen]  Träger  von  Kronen,  die  seit  Urzeiten  Sprache  Homers,  der  auch  sonst  bemerkbar  ist. 

das  Land  beherrschten,  welchen  Anu  und  Bei  7.  Der  Sinn  der  Redensart  ist  dunkel,  weil 

Namen  und  Gedächtnis  bereitet  haben,  kalte  (?)  das  Verbum  abgebrochen  ist. 

(ekelhafte?)  Speisen  bereitet  man  (dort),   ....  20        8.  IV  R  05,  Kol.  III,  19  erscheint  Aruru  in 

Wasser  giefst  man  aus,  [in  dem  Hause],  mein  Verbindung  mit   der  geheimnisvollen  Tochter 

Freund,  das  ich  betreten  habe,  [wohnen]  Priester-  des  Anu,  s.  Sp.  813. 

herren  und  Ehrwürdige,  [wohnen]  Beschwörer  9.  Der  Geschaffene  heifst  hier  sikru  Amin, 

und  Magier,    [da  wohnen]    die   Tempelsalber  Z.  35  kisir  Ninib  (Eigentum  Ninibs)  und  S.  9,  4 

der    grolsen   Götter,    da    wohnt  Elana61),   da  k'ana   Jcisru  An'im.      Demnach   sind   sikru  und 

wohnt  Ner,  da  wohnt  die  Königin  der  Unter-  Msru  synonym,    sikru  Ninib  bedeutet  aber  im 

weit,   die  Göttin  Ninkigal,  [da  wohnt ],  Assyrischen  den  „Bauersmann"  (Ninib  der  Gott 

die  Schreiberin  der  Unterwelt,  vor  ihr  der  Bauern  wie  Ha  z.  B.  der  Gott  der  Schmiede 
gebeugt [die  Göttin  Ninkigal  erhob]  ihr  ist);  für  kisru  Adar  wird  eine  ähnliche  Be- 
Haupt, ward  meiner  gewahr '"  30  deutung  anzunehmen  sein.     Das  Geschöpf  der 

Die     litterarische,     religionsgeschichtliche  Aruru  hat  seiner  Erscheinung  nach  vielleicht 

und  insbesondere  mythologische  Bedeutung  des  Ähnlichkeit    mit    dem    bäurischen    Thor    der 

Izdubar-E~pos    dürfte    aus    dem   Dargebotenen  Germanen.    Dazu  stimmt  das  Folgende.     Was 

klar  hervorgehen.    Höchst  bedauerlich  ist  der  sikru  bez.  kisru  Anim  bedeutet,  bleibt  dunkel; 

fragmentarische    Zustand    der  Tafeln,    um    so  doch  ist  zu  beachten,  dafs  Anu  und  Ninib  in 

bedauerlicher  als  es  feststeht,  dafs  in  den  von  der     babylonischen    Mythologie     gelegentlich 

neuem    zugeschütteten   Ausgrabungsschächten  identisch  sind. 

von  Nineveh   die   fehlenden   Stücke   zu   finden  10.  Uta  iktaris   derselbe  Ausdruck  für  die- 

sind.      Die   Wiederaufnahme    der  Ausgrabung  selbe    Sache    Hiob    33,   6.      Nach   dem    Tode 

m  Ninenh  liegt  also  im  internationalen  wissen-  40  Habanis  klagt  Izdubar:  er  ist  „zu  Lehm"  (fifis) 

schaftlichen  Interesse.  geworden. 

11.  Die  ganze  Schöpfungsscene  erinnert  an 
Anmerkungen  zur  Übersetzung. *)  ■  die  „Höllenfahrt  der  Istar",  wo  ebenfalls  zu 
1.  Gesichert  ist  die  Entdeckung  durch  die  einem  bestimmten  Zwecke  öin  Halbgott  ge- 
Eigentümlichkeit der  assyrischen  Tafelschrei-  schaffen  wird  (um  Istar  aus  der  Unterwelt  zu 
ber,  jede  Tafel  in  der  Unterschrift  mit  deu  retten):  „Da  schuf  der  Gott  Ha  in  der  Weisheit 
Anfangsworten  der  „Serie"  zu  bezeichnen;  die  seines  Herzens  ein  männliches  Wesen  u.  s.  w." 
Anfangsworte  der  Isdubar-Sevie ,  die  sich  auf  12.  Eigentlich:  „wie  der  Getreidegcrtt";  zu 
den  Tafelunterschriften  findet,  hat  Haupt  in  Nirba  (?)  s.  IV  li  16,  27  f.  a  neben  Ha;ll  R  3(5, 
den  Spuren  der  1.  Zeile  des  betreffenden  Frag-  50  nr.  1,  Z.  17  neben  Nabu  (so  zu  lesen  nach 
ments  gefunden,  s.  Beiträge  zur  Assyriologie  I  Helitzschs  Kollation).  In  ähnlichem  Zusammen- 
S.  2.  Zum  Verständnis  der  Kolumneneinteilung  hange  wie  hier,  erscheint  die  Gottheit  IV  R 
sei  noch  bemerkt,  dafs  jede  Epostafel  VI  Ko-  17,  19b. 

lumnen  enthält:  drei  auf  der  Vorderseite,  drei  13.  Beachte  die  poetischen  Bezeichnungen: 

auf  der  Rückseite  u.  zw.  Kol.  IV  hinter  Kol.  III  „gleich  dem  Getreidegott,  gleich  dem  Feldgott" 

befindlich.  (vgl.   den^  „Löwengott"  Delitzsch,   Wörterbuch 

2.  S.  Hommel,   Geschichte  Babyloniens  und  S.  375.)    Ähnlich  mögen  die  Ausdrücke  zikru, 

Assyriens  S.  293.  —  Z.  26  wird  allerdings  der  kisru  sa  Auim  zu  erklären  sein. 

Gott  Sin  offenbar   als  Vater  der  Istar  (?)  er-  14.  namasse  sa  me,  IV  R  63,  52b  namasse 

wähnt,  und  es  läge  nahe,   das  Fragment  dem  60  sa  seri;  also  bedeutet  wohl  namasse  nicht  blofs 

Mythenkreis  zuzuzählen,  dem  die  „Höllenfahrt  speziell  „Gewürm". 

der   Istar"    angehört.      Doch  wird   durch  Er-  15.  Allerdings  ist  sein  nächster  Zweck  die 

wähnung  von  Uruk-Supuri  und  durch  die  Dar-  Jagd  auf  Eabanis  Revier.     Wie  steht  das  mit 

der  Götterlist  in  Verbindung? 

*J  Erweiterte  Anmerkungeiiz.Ubeisetztrags.  beiAlfred  ,  c     t  „i  ;i,,    ...... ,;7.,      ni~        i\i",-,.™ri^„F-.«~~..a 

,      '.       ...      ...       ,     .       ,,,,,,,            T   •    ■  16-   liabilu,   atnelu,   eig.    „Mensclienlanger'-, 

Jeremtas,    Izdubar-±\tinroa,    eine  altbab.  Heldensage.  Leipzig,  ,      .     .  ~.      -,                ..      ,  ■            -i                    i           ,       -, 

B.  G.  Tetibner  1891.    Die  voretehende  Übersetomg  ent-  scheint  ein  dem  weiterhin  vorkommenden  akrabu. 

halt  im  Vergleich  zar  Separatausgabe  eine   groTsere  Au-  amelu    (Skorpionmensch)    und   dem   lulhi-amelll 

zahl  inzwischen  möglich  gewordener  Verbesserungen.  entsprechendes    Kompositum    ZU    sein. 

20* 


807   Izdubar  (Anmerkungen  z.  Übersetzung)  Izclubar  (Anmerkungen  z.  Übersetzttng]    808 

17.  ina  karsisu,  eig.   „in  seinem  Bauehe".  ■         32.   Hier    liegen   die  Keime   des   Tammuz- 

Für  d^n  Assyrer  ist  „der  Bauch"  oder  speziell  Kultus,    der    von    Babylonien    und    Phönizien 

kabittu,    „die   Leber",    der  Sitz    der  Gefühle,  namentlich  auch  nach  Palästina  kam  (vgl.  Ezech. 

wie  für  den  Hebräer  „die  Xieren"  {Stob  19,  27).  8,  14).    Er  erinnert  bekanntlich  lebhaft  an  den 

IS.  Kol.  III,  13 — 27  bei  Haupt  S.  9  f.  zu  er-  AAww-Kultus  der  Griechen  und  an  den  Balder- 

gänzen  durch  S.  2.  Kultus  der  Germanen.  —  IV  R  27,  nr.  1  findet 

19.  harimtu  und  uhätu  sind  nach  II  B  32.  sichfolgendeTotenklagefürTa)«»i«i.TeM»i6thm 
nr.  2  Ausdrücke  für  „Hure";  ersteres  wird  von  "»  Tammuz  hamer  a"  Istar  bei  arali  bei  subti 
Haupt  unter  Yergleichung  von  Koh.  6,  26  sehr  [sa  apsi)  reum,  binu  sa  ina  musare  me  la  istü, 
gut  mit  hebr.  "~  „Xetz"  zusammengebracht,  io  kimmatsu  ina  seri  aita  la  ibnü,  ildakku  sa  ina 
In  der  VI.  Tafel'  erscheinen  die  harimtu  und  ratisu  la  irisu,  ildakku  sa  isdanus  innashu, 
uhatu  als  Dienerinnen  der  Göttin  Istar,  als  gu  sa  ina  musare  me  la  istü  etc.  ,,0  Hirte 
Hierodulen.     S.  Sp.813.  und  Herr   Tammuz,   Gemahl   der  litar,  Herr 

20.  Direkt  anschliefsend  an  S.  10,  27  (er-  der  Unterwelt,  Herr  der  ^Wasseriwohnung, 
gänzt  nach  S.  2,  6).  Beste  der  ersten  12  Zeilen  Hirte,  ein  Samenkorn  bist  du,  das  in  der 
von  Kol.  IV  auf  S.  3  erhalten  [S.  3,  13  =  Furche  kein  Wasser  trank,  dessen  kimmatu 
S.  10,  39].  (s.   Anm.   29)    auf    dem   Felde    keine    Frucht 

21.  In  den  Ergänzungen  bei  Haupt  S.  12,  bringt,  ein  junges  Bäumchen,  das  nicht  an 
31  ff.  ist  ein  kleines  Versehen  untergelaufen.  einen  Bewässerungsgraben  gepflanzt  ward,  ein 
Esmufs  heifsen:  (Z.  21)  [-"■-  ha-rim-tuni\  inätala  20  junges  Bäumchen,  dessen  "Wurzel  ausgerottet 
päni'sa  (Z.  32)  [ki-ma  ha-(rim)~\-ti  ikabbü  isimmä  ward,  eine  Pflanze,  die  in  der  Furche  kein 
uznäsu  (Z.  32)  [f-  harimtum)  ana]  sasuma  izd-  Wasser  trank."  —  Auch  IV  B  30,  nr.  2  ist 
kara  ana  H"  Eabani.  ein  Klagegesang  an  Tammuz,  wie  Jensen  (Kos- 

22.   S.  13,  lff.  =  5,  2lff.  midanu  (II  R  6,  mologie     S.    197,    Anm.    3)     unabhängig    von 

6b),  Tgl.  S.  72,  31  mandinu   (neben  ailu  und  Delitzsch,  Wörterbuch  S.  153  erkannt  hat,  ge- 

turähu),  S.  74,  24  dumamu.  „der  Heuler"  (vgl.  leitet     durch    den    Namen    Am-gal-bur-an-na 

hebr.  Jes.  23,  2).     Von  wilden  Tieren  kommt  ^Bev.  42),  der  auch  IV  B  15,  64f.  b  und  II  R  54, 

noch  vor  barbaru,    der  die  Herden  gefährdet.  nr.  4,  34  =  Tammuz  ist  und  durch  den  Xamen 

der  nesu  (ur-mah),  der  die  Wüste  südlich  vom  Mutin  (Bev.  43),  der  H  B  59,  ßev.  10  in  Ver- 

Euphrat  bewohnt  (59,  9,   s.   Haupt,  Beiträgt  30  bindung    mit   Tammuz  erscheint.      Die   Über- 

zur  Assyr.  I,  183);    von  Raubvögeln  die  issur  setzung  ^vgl.  meine  ass.-bab.  Varst.  v.Leb.  u.  d. 

tappä  (Geier?),  die  Leichname  verzehren  (S.  20,       Tode  S.  77f.)  lautet:  „ er  ging  stieg  hinab  (?) 

16a;  27,  41).  entgegen  der  Unterwelt,  er  hat  sich  gesättigt, 

23.  Die  Anrede  an  ein  weihliches  Wesen  der  Sonnengott  liefs  ihn  verschwinden  (s.  Jen- 
folgt aus  Z.  9:  ildni  luieribki  käsi,  die  Götter  sen,  a.a.O.  S.  226)  zum  Lande  der  Toten,  mit 

lassen  dich  eintreten   in  [ J.     Von  Z.  1  Wehklage   ward   er   erfüllt   an   dem  Tage,  da 

— 8  lassen  manche  Redensarten,  wie  litür  ur-  er  in  grofse  Trübsal  fiel  (imkutuma  ina  idirtim, 

[ha~\   Z.  1;    rabüte  lir    amii[ki]    Z.  2   den  Zu-  vgL  V  R  4S,  Kol.  IV,  4,  wo  beim  Monatsnamen 

sammenhang  ahnen.  Tammuz  die  Bemerkung  steht:  idirtui»,  „Trüb- 

24.  Izdubar  oder  Eabani  redet.  40  Bai"),  in  dem  Monat,  der  sein  Lebensjahr  nicht 

25.  Hier  scheint  der  Traum  zu  Ende  zu  zur  Vollendung  kommen  liefs,  auf  den  Pfad,' 
sein;  „er  stärkte  mich",  sagt  die  folgende  Zeile.  da  es  aus  ist  mit  den  Menschen,  der  die  Mensch- 

26.  Humba  ist  ein  elamitischer  Gott  (die  heit  zur  Buhe  bringt,  zum  Wehegeschrei  der 
Bedeutung  des  Zusatzes  ba  ist  imbekannt,  der  Toten,  er,  der  Held  zum  fernen  unsichtbaren 
häufig  in  elamitisehen  Xamen  vorkommt,  wie  Lande." 

bei  Humbanigas,   einem  Gegner  Sargons,  TU-  33.  Vielleicht  eine  poetische  Tiersage.  Wel- 

humbi,  einer  Stadt,  die  Saitherib  erobert.  eher  Vogel  schreit  kappt'!    Xach  V  R  27,  42 ed 

27. 'S.  20,  16b  —  26   sind   nach  den   ergän-  ist  es  der  Xame  für  den  .  Hirten vogel".    Xach 

zenden   Fragmenten   S.  21  und  80   vollständig  unserer  Stelle   mufs   es   ein  besonders   starker 

erhalten.  50  Vertreter  seines   Geschlechtes  sein,  s.  VR41, 

28.  Wenn  das  Fragment  vollständig  wäre,  25  a. 

hätten  wir  vielleicht  eine  Aufzählung  der  Hei-  34.   isdahu ,  vgl.   V  R  32,   47rT.  b;    dirratu 

denthaten  Izdubars  und  Eabanis.  kann  hier  nicht  „Panzer-  bedeuten,  was  man 

29.  kimmatu,  vgl.    14,  4;   56,  26.     An  der  nach  dem  Arabischen  virmuten  könnte, 
letzteren    Stelle    btdeutet   das   Wort    „Baum-  35.  isullanu,  vielleicht  als  isu  u  lanu.  „Mann 
rinde"  (vgl.  V  R  26,  44:   kimmat  issf),   an  den  von  obenher-  vzu  isu  „Mann"  s.  HR  36,  45  cd), 
beiden    anderen   Stellen   „Panzer"    oder    dgl.  „Halbgott"  zu- erklären  ^es  ist  der  Gärtner  des 
Die  gemeinsame  Bedeutung   ist   „das  ringsum  Gottes  Ann  . 

schliefsende";    vgl.    Joh.  Jeremias,  Beitr.  zur  36.  kissuta  eine   unbestimmte   Speise.     Ist 

Assyr.  I,  284.  60  die   Übersetzung    richtig,    so    mufs    der    Test 

30.  aguha.  Haupt  erinnert  an  das  ent-  Jrissutaki  1  nikul)  korrigiert  werden  in  kissu- 
sprechende  äthiopische  Wort  für  öeguos,  ein-  taka  i  nikul  ,es  ist  leider  keine  Variante  vor- 
culum;  man  könnte  auch  an  das  talmud.  "X-  handen).  kissuta  kakkari  kann  wegen  der 
karäbu  „kämpfen"  denken  und   ein  Schlacht-  Worttrennung  nicht  gelesen  werden. 

gerät  vermuten  (so  Delitzsch).  37.  kätka  listesäma  mufs  ein  sexueller  Eu- 

31.  S.  43,  42 f.:   „wohin    ist    dein    Gemahl  phemismus  sein. 

(Tammuz),  wohin  ist  dein  allal"  (s.  Z.  48)  [ä.  h.  38.  Kosewort,   wie  im   heutigen  russischen 

„was  ist  aus  ihnen  geworden?")  Sprachgebrauche. 


809   Izdubar  (Anmerkungen  z.  Übersetzung)  Izdubar  ("Anmerkungen  z.  Übersetzung)   810 

39.  Dafs  die  „Höllenfahrt  der  Istar"  nicht  beim  Verderben  beteiligt  sind,  ist  unsicher, 
zum  „Nimrod-Epos"  gehört,  auch  nicht  in  Möglich  ist,  dafs  nur  ihr  Schrecken  über 
dem  von  Smith,  CJialdäische  Genesis  vermute-  Bammäns  Vernichtungswerk  ausgedrückt  wird, 
ten  Zusammenhang,  ist  fraglos;  gleichwohl  Ninib  mihri  usardi  könnte  auch  heifsen:  „Ninib 
drängt   sich   mir   angesichts   dieser  Stelle  und  gab  den  Kampf  auf". 

zahlreicher    anderer    Anklänge,    die    vielfach  50.    Rätselhafte    Stelle;    früher   übersetzt: 

in  den  Anmerkungen  hervorgehoben  sind,  die  „gleich  Barken   schwammen  sie   allesamt  um- 

Überzeugnngauf,  dafs  der  Rhapsode  der  „Höllen-  her".    Dafs  der  Beschauer  weder  einen  „kahlen 

fahrt"  den  Rhapsoden  des  Nimrod-Epos  nahe  Acker",  noch  ein  „Waldfeld"  sehen  oder  gar 
steht,   und   dafs    die  Dichtung   direkt   im  An-  10  von    einander   unterscheiden    konnte     (Jensen, 

schlufs  an  die  Liebesabenteuer  verfafst  wurde.  a.  a.  0.),  dürfte  aus  dem  Folgenden  zu  schliefsen 

40.  Über  die  Hskifte  Arbeiter  (Waffen-  sein:  nach  zwölf  Tagen  wurde  die  höchste 
schmiede?)  giebt  eine  interessante^  Stelle  der  Bergspitze  als  „Land"  sichtbar.  Der  Verfasser 
von  Dr.  Lehmann  veröffentlichten  Samas-sum-  sagt:  „wo  früher  uru  war,  fand  sich  jetzt 
j<£??i-Inschrift,  Auskunft  (Kol.  I,  Z.  23 ff.);  gleicherweise  usallu".  Aber  aus  dem  ange- 
vgl.  ferner  V  R  7,  3;  47,  38  vgl.  K  2518  deuteten  Grunde  kann  usallu  hier  nicht  (wie 
(PSBA  X  1887/8  hinter  p.  478),  Z.  9:  <"•'"  was-  z.  B.  Sanh.  VI,  35,  38)  „Steppe"  bedeuten. 
mas   ina  ki-kit-ti-e   kisti  ul  iptar.  51.  Zu  den  vier  Strafgerichten   vgl.  Ezech. 

41.  S.  Johannes  Jeremias,  Beitr.  z.  Assyriol.  14,  21 ;  Jer.  15,3  (s.  Delitzsch,  Paradies  S.  146); 
I  S.  285f.                                                                      20  zur  Löwenplage  besonders  vgl.  2.  Kün.  17,  25; 

42.  So   lesen  wir  mit  Jensen,   Kosmologie  Ezech.  14,  15. 

S.    384 f.    und    Delitzsch,    Wörterbuch    S.    384,  52.    Nach    dem    Gegensatz    zu    schliefsen 

Anm.  4:  „der  Gerettete".     Dafs  er  der  „Ahn"  wohl  nicht  Beiname  des  Sit-napislim,  sondern 

des  Izdubar  ist,  folgt  aus  Tafel  IX,  Kol.  III.  "Name  eines  Götterboten,  dessen  Gespräch  mit 

43.  Das  „Wahrzeichen  der  Götter"  kommt  Ea  das  kleine  Fragment  Delitzsch,  Lesest. 
auch  Taf.  X,  Kol.  I  vor.    Die  Stelle  ist  wichtig  S.  101  zu  erzählen  scheint. 

für  die  Vorstellung  vom  Aussehen  des  Helden  53.  Eine   lehrreiche  Stelle  für  diese  Reini- 

Izdubar.  gung  der  biblischen  Erzählung   vom  rnytholo- 

44.  S.  Haupt,  Beiträge  zur  Assyriologie  gischen  Beiwerk  ist  Gen.  8,  21,  wo  in  den 
S.  127,  dessen  Deutung  ich  trotz  Jensen,  a.a.O.  30  Worten:  „Gott  roch  den  lieblichen  Geruch" 
S.  391  ff.  beibehalte,  da  Jensens  Auffassung  gewissermafsen  ein  Rest  der  mythologischen 
der  Situation  (Ea  erzählt  einem  Rohrzaun  und  Schale  zurückgeblieben  ist;  vgl.  Sintfl.  151  f.: 
einer  Wand  das  Geheimnis)  unmöglich  er-  „Die  Götter  rochen  den  guten  Duft  und  sehar- 
scheint.  —  Das  Ganze  ist  nach  dem  Folgen-  ten  sich  wie  Fliegen  um  den  Opfernden." 
den  eine  Traum-Offenbarung.  54.    Eig.     „verwandle"    ihn;    das    Verbuni 

45.  Die  Stelle  ist  viel  umstritten,  da  der  lapätu  enthielt  nach  Z  20f.  210.  218  die  ent- 
Anfang der  Zeilen  leider  abgebrochen  ist.  scheidende  Zauberhandlung,  die  mit  dem  Essen 
Vgl.  Haupt,  a  a.  0.  S.  124ff.  wie  Jensen.  a.a.O.  des  Zauberkrautes  in  Verbindung  steht.  Das 
S.  396fF. ;  rupsu  „Breite"  steht  fest  nach  Nim-  Verbum  kommt  jedoch  auch  in  der  Bedeutung 
rod-Epos  53,  54.     I  R  7  F  18.  V  R  28,  47 ff.  b.  40  „wecken"   (hier   aus  dem  Zauberschlafe?)  vor. 

46.  Die  Ergänzung  der  Zeilen  39  nach  Z.  83  55.  Das  Weib  des  Sit-napistim  vollzieht 
ist  nicht  sicher.  Dafs  das  Ganze  eine  von  Ea  den  Zauber.  Auch  sonst  sind  bei  Beschwö- 
angeratene  Lüge  enthält  (Jensen),  bezweifle  rungen  Zauberinnen  thätig;  vgl.  IV  R  3, 
ich,  es  scheint  vielmehr  eine  Warnung  zu  ent-  Kol.  II,  4f.;  56,  19f. 

halten:  die  Leute  von  Surippak,  die  unbesorgt  56.  Nach  Haupt  steht  XXX  im  Text  (Beitr. 

das  Verderben  nicht  ahnten,  sollen  sich  durch  S.  144),  vgl.  jedoch  Z.  278. 

Bels    scheinbare    Segensfülle    nicht    täuschen  57.  Man   beachte   den  in  der  ganzen  seini- 

lassen.     Zu  mu'ir  kukkis  vgl.  Jensen  a.  a.  0.  tischen  und  indogermanischen  Mythologie  wie- 

47.  d.  h.  „der  da  geborgen  ist  in  dem  derkehrenden  Gedanken:  hat  der  Held  die 
grofsen  Hort"  (d.  i.  Bei  iadü  rabü,  vgl.  IV  R  50  Wunder|. flanze,  den  Zauberstein,  den  Himmel- 
18,  14b,  23,  29a).  Mit  Arad-Ea,  dem  Schiffer  Schlüssel  etc.  gefunden,  so  wird  ihm  sein  Glück 
der  Totengewässer,  ist  dieser  Steuermann  nicht  durch  einen  tückischen  Zufall  von  neuem  ent- 
ohne  weiteres  zusammenzubringen.  Jensen,  rissen.  Es  ist  schade,  dafs  der  Name  des 
a.  a.  O.S.  420  übersieht,  dafs  die  Erzählung  von  mythologischen  Wesens  abgebrochen  ist;  im 
Arad-Ea  mit  der  Sintflut  nichts  zu  thun  hat.  folgenden  wird  er  „Erdlöwe"  (oder  „Eidgeist"?) 
Oder    darf   daran   erinnert    werden,    dafs   bei  genannt. 

Berossos  der  Steuermann   des   ,.Noah"   mit  zu  58.  Gemahlin  des  Nergal,  Herrin  der  Arznei- 

den  Göttern  versetzt  worden  ist?  kunst  (a-zu)  und  Unterweltsgöttin. 

48.  targulla,  vgl.  III  R  68,  6 ff.  ef  und  II  R  59.  tambukku  und  mikkü  sind  Insekten 
57,  56f.  cd  (wo  Adar  „der  targulli  Himmels  uo  (V  R  26,  lOff.  ab;  s.  Haupt,  Beitr.  z.  Assyr. 
und  der  Erde"  heifst).  I  S.  74).     Hier  scheinen  die  Worte  übertragen 

49.  Die  Anunnaki  erscheinen  gewöhnlich  zu  sein  und  das  Leid  Izdubars  um  seinen 
als  die  bösen  Geister.  —  Nach  Z.  162  dürften  Freund  auszudrücken.  Krank  kann  er  kaum 
sie   den   Igigi  gegenübergestellt    sein.     Nicht  sein  nach  dem  Schlufs  der  XI.  Tafel. 

alle  Götter  sind  bei  der  Sintflut  beteiligt  (gegen  60.  Zur  Litteratur  über  diese  Stelle  siehe 
Jensen,  a.a.O.  S.  430).  Der  Hauptvertreter  der  Delitzsch,  Wörterbuch  384,  Anm.  23.  su-ku- 
vernichtenden  Mächte  ist  Bamman.  Ob  die  la-at  dikäri  ist  aber,  wie  Zimmern  treffend  be- 
übrigen Götter  (Nabu,  Marduk,  Vragal,  Ninib)  merkt,   gewifs  parallel   zu   kusipat   akdli  und 


811 


Izdubar  (Istar  im  Epos) 


Izdubar  (Istai  im  Epos) 


812 


bedeutet  das  im  Trfnkgefäfs  übrig  Gebliebene 
im  Gegensatz  zu  den  Speiseresten. 

61.  Etana  ist  ein  anderer  Nationalheld  der 
Babylonier.  In  der  Bibliothek  Asurbanipals 
ist  ein  Epos,  das  ihn  zum  Helden  hat,  aufbe- 
wahrt worden;  der  Epenkatalog  (Haupt,  Nimr.- 
Ep.  II  S.  92.  94]  nennt  es  neben  dem  Izdubar- 
Epos.  Ein  kleines  Fragment  K  85C3,  von  Haupt 
kopiert,   enthält  die    Spuren   eines  Gesprächs 


erscheinungen  ermutigt  und  im  Frieden  zum 
Wagnis  der  Jagd  ladet  als  Göttin  des  Bogen?, 
Pfeils  und  Köchers  (s.  die  Abbildung;  ein  be- 
sonders interessantes  Bild  der  bewaffneten 
Istar,  die  auf  einem  Throne  sitzt,  auf  einen 
Panther  tretend  und  Opfergaben  empfangend 
s.  bei  Munter,  Religion  der  Babylonier  Taf.  I, 
Fig.  5).  Diese  Doppelgestalt  entspricht  dem 
Venusstern,    der    als    Abendstern    die   Nacht 


zwischen  Etana  und  einem  weiblichen  Wesen.  10  heraufführt  und  als  Morgenstern  "den  Tag  ver- 


Einem  Schüler  des  Herrn  Prof.  Dr.  Friedrich 
Delitzsch,  Herrn  E.  T.  Harper  ist  es  gelungen, 
in  den  unveiöffentlichten  Schätzen  des  Briti- 
schen Museums  vor  kurzem  grofse  Fragmente 
der  .EVcfHa-Legenden  aufzufinden,  die  zunächst 
in  der  Academy  veröffentlicht  worden  sind. 
Die  Geschichte  erinnert  entfernt  an  die  Sage 
vom  babylonischen  Gilgamos,  der  nach  Aelian, 
hist.  anim.  XII,  21  als  heimlich  geborenes 
Kind  der  Prinzessin  von  einem  Turme  hinab- 
gestürzt, von  einem  Adler  aufgefangen  und 
gerettet  wird.  In  den  .E^mm-Legenden  trägt 
ein  Adler  den  Helden  zur  Sonne  empor.  Der 
Sonnengott  erscheint  als  Schutzgottheit,  wie 
im  Izdubar-Hpos.  Wenn  Etana  nicht  Nimr. 
17  —  19  als  alter  Volksheld  genannt  würde, 
könnte  man  denken,  es  liege  die  Jugendge- 
schichte Izduhars  vor.  Näheres  s.  in  dem  Art. 
Etana  im  Nachtrag. 

Zusätze. 
I.  Istar-Astarte  im  Izdnbar-Epos. 
Es  sei  verstattet,  an  dieser  Stelle,  über 
den  Rahmen  des  Epos  hinausgreifend,  einige 
ergänzende  Bemerkungen  zu  dem  babyl.-assyr. 
Teile  des  ausgezeichneten  Astarte  Artikels  (Ed. 
Meyer)    Bd.   I.Sp.  645 ff.    hinzuzufügen.     Wie 


Äff 


mm 


ü 


üBasaft 


Istar  als  Gottin  der  Jagd  mit  Bogen  und  Pfeilen  auf  einem 

Tiger  stehend  (British   Museum,   Menant,  Cylhtdre  de  l'Assyris 

Paris  18S6  pl.  VHI,  nr.  1). 


Ed.  Meyer  treffend  bemerkt,  hat  die  Göttin 
Istar  einen  doppelten  Charakter:  sie  ist  einer- 
seits Repräsentantin  der  üppigen,  sinnlichen 
Liebe,  tiefer  gefafst  Göttin  der  Fruchtbar- 
keit und  als  solche  hyperbolisch  Mutter  des 
Götter-  und  Menschengeschlechts  und  „Göttin"  co  mein  Antlitz.' 
schlechtbin,  andererseits  als  „stärkste  (karidtu) 
unter  den  Göttinnen"  die  Göttin,  „ohne  deren 
Willen  niemand  in  Ruhe  und  Wohlbehageu 
dahinlebt"  (IV  R  4, 13  ff.  b),  „Göttin  des  Kampfes, 
Herrin  der  Schlacht,  Entscheiderin  der  grofsen 
Götter"  (Asurb.  Smith  121,35),  eine  orientalische 
Walküvengestalt,  die  zum  Kampf  auffordert,  dem 
Könige  voranzieht,  die  Soldaten  durch  Traum  - 


kündigt,  mit  seiner  Arbeit  und  seinen  Kämpfen. 
Deshalb  wird  dieser  Stern  der  Göttin  als 
Emblem  beigegeben,  oder  gar  mit  ihr  identi- 
fiziert (schon  in  alter  Zeit,  wie  der  siderische 
Hintergrund  der  „Höllenfahrt  der  Istar11  be- 
weist).*) Im  Izdubar-~Epos  ist  Istar  als  Stadt- 
göttin von  Erech  Göttin  des  Kriegesund  Venus 
foecunda  zugleich,  ohne  dafs  ein  sideriscber 
Vorgang  zu  Grunde  liegend  gedacht  ist.  Wie 
o  aber  hier  die  letztere  Eigenschaft  vorwiegt, 
so  mag  überhaupt  im  babylonischen  Reiche 
der  sinnliche  Kultus  der  Istar  vorgeherrscht 
haben.  Hingegen  tritt  in  den  Inschriften  der 
kriegerischen  assyrischen  Könige  Istar  ledig- 
lich als  Kriegsgöttin  auf  mit  starker  Hervor- 
hebung ihres  siderischen  Charakters.  Freilich 
mag  hinter  den  geheimnisvollen  Andeutungen 
verschiedener  /.sforr-Kulte  auch  die  andere 
Seite  verborgen  sein, 
o  Als  „Mutter  der  Menschen"  erscheint  die 
Göttin  Istar  im  Pantheon  der  Sintflutgeschiehte; 
zugleich  als  „Herrin  der  Götter",  deren  Rede 
mächtig  ist  in  der  Versammlung  der  Götter. 
Dieser  Anschauung  entspricht  ein  herrlicher 
babylonischer  Psalm,  der  uns  einen  tiefen 
Blick  in  die  edelsten  Gedankenkreise  des  baby- 
lonischen Volkes  thun  läfst.  Der  Rest  der 
zerbrochenen  Tafel  (Texte  bei  Haupt,  Keil- 
schrifttexte S.  116 f.):  „0  Istar  [.  .  .  .],  du 
Gebärerin  der  Götter,  die  zum  Vollzuge  führt 
die  Befehle  Bels,  die  du  das  Gras  aufspriefsen 
lassest,  Herrin  der  Menschheit,  Schöpferin  aller 
Dinge,  Erhalterin  (eig.  Rechtleiterin)  aller 
Kreatur,  o  Mutter  Istar,  deren  Macht  kein 
Gott  nahe  kommt,  grofse  Herrin,  deren  Gebot 
mächtig  ist,  ein  Gebet  will  ich  sprechen  ■ — 
was  ihr  gut  scheint,  möge  sie  mir  thun!  — : 
r0  meine  Herrin,  seit  den  Tagen  meiner 
Kindheit  bin  ich  gar  sehr  an  das  Böse  ge- 
fesselt (wörtl.  angezäumt),  ich  habe  keine 
[Speise]  gegessen,  Weinen  ist  meine  Speise, 
[ich  habe  keinen  Trank  getrunken],  Thränen 
sind  mein  Trank,  [mein  Herz  wird  nicht 
mehr    fröhlich],    mein    Gemüt    nicht    mehr 

heiter   [ ],    unter    Schmerzen    klage 

ich,  [meiner  Sünden  (?)  sind  viel],  voll  von 
Leid  ist  mein  Herz;  meine  Herrin,  erfahre 
doch,     was    ich    gethän    habe,    schaffe     mir 

Ruhe ,    bedecke  (?)    meine    Sünde,    richte 
-    **) 


;.-C'-i 


auf 


*)  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  dafs  gerade  in  der  Ver- 
mischung der  Astronomie  und  Theologie  für  das  Ver- 
ständnis des  babylonischen  Pantheons  zur  Zeit  unüber- 
steigliche  Schwierigkeiten  liegen.  Auf  eine  „trübe  l-'e- 
sehaffenheit1,  der  babylonischen  Religion  daraus  Schlüsse 
zu  ziehen,  möchte  ich  nicht  w;igen. 

**)  ^Merkwürdig  ist,  dafs  an  solche  tief  religiöse,  an 
alttestamentlicheBufspsalmen  anklingende  Gebete  häufig, 


813             Izdubar  (Istar  im  Epos)  Izdubar  (Istar  im  Epos)             814 

Aus   der  II.  und  VI.  Tafel  'des   Epos  geht  Bestimmung  des  „bürgerlichen  Gesetzbuches" 

weiter  klar  hervor,   dafs   in   Erech   der  Istar  der  Babylonier  —  II  R  10;  vgl.  V  R  25)  erwähnt 

als  der  Venus  foecunda  zu  Ehren  Hierodulen-  den    Fall,   dafs   „jemand  eine  hadistu  auf   der 

kultus    getrieben    wurde.      Die    Priesterinnen  Gasse    aufliest    und   in    seiner  Liebe   sie    hei- 

heifsen  Teizireti  („die  Verderblichen",  vgl.  hebr.  ratet,  obwohl  sie  eine  hadistu  ist  (ga-dil-du- 

alczär  Deut.   32,  33)   oder  harimäti   („die  Be-  us-su)". 

strickenden")  oder  uhäti  (wohl  mit  ahu  „Netz"  Als  Tochter  des  Anu  erscheint  auch  sonst 

zusammenhängend;   auf  der  II.  Tafel  im  Sin-  die    Göttin   in   ihrer   Eigenschaft    als   Göttin 

gular  als  Eigenname  gebraucht),   und  werden  der  Liebe  (so  in  der  Höllenfahrt    der  Istar), 

als    Gefährtinnen    der    Göttin    gedacht.      Ein  10  während  sie  an  allen  den  Stellen,  an  welchen 

Fragment  K   261!)*)   nennt  Erech,  „die  Woh-  ihr  sideraler  Charakter  hervortritt,  als  Tochter 

nung   Anu    und   Istars,  die  Stadt   der  kizreti,  des  Mondgottes  Sin,  oder  in  rein  astrologi- 

harimdti    [und    uhätu],    deren    Händen    Istar  sehen  Beschwörungen  als  Tochter  des  BeT, 

den   Mann    übergeben  und   zugezählt    hat.**)  angerufen   wird;    z.    B.    in    dem    oben    mitge- 

Den    Hauptfesttag    scheint    der    Festtag    des  teilten  zur  Beschwörung  benutzten  Bufsgebet. 

Tammuz    zu  bilden,    an   dem    auch    Totenbe-  Es   soll    zunächst    an    einem   Beispiel    gezeigt 

schwörungen  mit  Hilfe  der  Göttin  vorgenommen  werden,     wie     in     den    religiösen    Urkunden 

wurden,  _s.   den  Schlufs    der   Höllenfahrt    der  Astrologie    und    Theologie    vermengt    worden 

litar.      Über    die    kulturhistorischen    Fragen,  ist.      IV  R  5    wird    erzählt   von   den    7  Boten 

die   hiermit  zusammenhängen,    läfst  sich  erst  20  des     Ann     (Repräsentanten     elementarer    Ge- 

dann  endgültig  urteilen,  wenn  die  geheiinnis-  walten,    wie    Südwind,   "Wolken,    Sturmwind, 

vollen  Beschwörungen  an  die  „fleischfressende  Glutwind     u.   s.   w.) ,     „die    zur    Rechten    des 

und  bluttrinkende  Tochter  des  Anu" ,    die  im  Sturmgottes  Bamman  einherziehen  und  ihrem 

im  IV.  Bande  des  Inschriftenwerkes  sich  finden,  Meister  viel  Not  machen:   'Im  weiten  Himmel, 

gelöst  sind.  Dafs  die  märata"  Anim***)  mit  dem  der  Wohnung  des  Königs  Ann  treten  sie  böse 

Hierodulen- Kultus  in  Verbindung  steht,  zeigt  auf  und  sind  ohne  Kivalen.     Da  vernahm  Bei 

IVR65,  col.  III,  37 ff.  (hadistu  mdrat  ""  Anim)  diese  Kunde  und  ersann  ein  Geheifs  in  seinem 

und   II  R  17,  11  ff.  ab  (Haupt,  Keilschrifttexte  Herzen.       Mit     Ea,     dem     erhabenen  v  Ent- 

S.  82f.).     Offenbar  ist   der  Hierodulen- Kultus  scheider  der  Götter,  hielt  er  Rat:  Sin,  Samas 

nur  ein  religiöser  Deckmantel  für  die  sittliche  30  und  Istar  bestimmte    er   zur   Herrschaft  über 

Verwilderung  der  babylonischen  Städte.    Jede  den  Damm   des   Himmels,    mit  Ann   belehnte 

Buhlerin  heilst  hadiitu  („die Geweihte"),  seil,  der  er  sie,  mit  Herrschaft  über  den  ganzen  Himmel. 

Göttin  Istar,  die  gewissermaßen  als  Göttin  der  Diesen   drei  Göttern,    seinen  Kindern,    befahl 

Preisgabe  selbst  hadistu  genannt  wird.    (Eine  er  ohne  Unterlafs  dazustehen.     Da  jagten  die 

7  bösen  Götter   auf  dem  Damm  des  Himmels 

wie  hier,  Beschwörungsformeln  geknüpft  sind.   Zur  Text-  umher,      vor     Aannafi-Sin      (den      Mondgott) 

erklärung  s.  Zimmern,  Babylonische  Bufapmimen  s.  33 ff.  gingen   sie  zornig.     Der  erhabene  Samas    und 

Vgl.     auch     den     Beschwörungshymnus     an     litar,     den  Bamman,     der     Held,      traten     auf    ihre     Seite 

Brünnow,  Zeitsc/u:  für  Assijrioiogie  IT,  Heft  Et  veröffent-  über.     Istar  schlug  ihre  glänzende  Wohnung 

licht  und  kommentiert  hat.  40  bei  .Anu>  dem  König,  auf,  und  sann" über  die 

*)  Bas  Fragment   erzählt,  wie  der   Gott  Imm   im  Herrschaft  des  Himmels"  ....     Nachdem  sie 

Auftrage  der  Dibara  verschielene  Städte  verwüstet.    Un-  ■.         ■»,.■       -i       ,,    m               j    "\t„„i  +.    u     1   ■•       i.          i 

•    ,,°           .       ...          „.  ,,    .  .                   c.  ,,  ,.  den   Alonagott    lag"   und  JNacut   bedrängt   und 

mittelbar  vor  der  oitiorten  Stelle  ist  von  einer  btadt  die  ..    -    .   ,°         ...    °  .                              .                 o. 

Eede,  deren  Mauern  wider  den  Willendes  Sonnengottes  schliefsllrfl    entthront     haben,     Sinnen     SievOn 

zerstört  wurden  (also  nicht  Erech).  neuem     Böses     und     kommen     gleich     einem 

**)  In  den  folgenden,  zum  Teil  dunklen  Zeilen  werden  Sturmwind  vom   Himmel    auf   die   Erde   herab. 

Priester   des  Hierodulen -Kultes  in  E-anua  versammelt:  Bei    sieht    die    Bedrängnis     seines    Sohnes    und 

umd  KUR-GAR-ra  und  a,,iei  i-sin-[nu]  so.  ana  Supiuh  sendet  Nushu ,  den  Boten,  in  die  Wassertiefe 

nisi  litar  likrusunu   utSru  ana   [ ]  (machte   sie  zu  zu  Ea,  dem  Gott  der  Weisheit,  der  auf  Hilfe 

Eunuchen!),  ferner  nai  patri  nai  naglabi  (Werkzeuge  zur  sinnt.   —    In    einer   AsuibanilXll-    (nicht   Asur- 

K^strierung,    s    Haupt,    Beitr.   z.    Assyr. I,  8  u.  175)      Der  ^  Mfls!>/,n?/)    Ingchrift     HR66     wird     Istar,     die 

ganze    ratselhalte    Passus    schlierst:    Istar    igugma,    Istar  .  ,-     i     ,    '  __.             ,       .....                  .               ,      ,.'  ^,... 

erzürnte!  sidensche  Himmelsgottin,  gepriesen  als  die  Oot- 

«*)  Von  den  hierher  gehörigen  Stellen  IT  E/C3,  col.  III;  tia.     "die     Gebete     erhört,     die     annimmt    das 

05,  col.  II,  32  ff.  col.  in,  13  ff.  (in  Verbindung  mit  Aruru),  29  ff.  Seutzen,   die  entgegennimmt   das  liehen,   das 

(kadiitu  mural  n«  Anim)   sei  nur  die  erstere  hier  wieder-  vollkommene  Licht  (Himmels  und  der  Erde), 

gegeben  (z.  io ff.  b):  istanatti  tiami  nisbüti  ia  ameluti  ieru  das   riesige,   das  Himmel   und   Erde   er- 

ia   la  akali   nerpadu   Sa   la,   karäsi  taltamdi  (=  taitaddi f)  .      1  eu  chtet,  deren  Name  in  aller  Lande  Gegenden 

marat  üu  Anim  akal  dimmäti  u  bikiti  taltanattl  darni  niibuti  crenannt  wird     die  Leben   verleiht    die  °"uaden- 

ia  amkuti  ieru  ia  la  akali  nhpadu  'ia  la  karäsi  liiäddiki  Uu  ^^  G,mi    '  zu  der  es      ut  iat   zu'  beteS".    Eiu 

iadaki  rukbi  uddiniti  maimaia  aüpu  «u  Marduk  .../...  liturgischer   Hymnus   in   Asurbampals    BlbllO- 

ana  pän  namaiie  ia  seri  päniki  i„kni  (sioi)  ia  paiiiti  iamni  «0  tbek,  der  trotz  der  „sumerischen     Zeilen  assy- 

mih_ri;  „sie  trinken  'sättigendes  Menschenblut"  (vgl.  die  rischen    Ursprungs    sein    mag,     besingt    litar 

„fleischfressenden  und  blutsaufenden"  bösen  Geister  IV  ■  folgendermafsen  (Text  bei  Delitzsch,  Assyrische 

E  2),  Heisch,  das  nicht  zu  essen  ist,  Knochen,  die  nicht  Lesestiichc    S.    134  ff.,     Vgl.    Haler  y ,    BevUC    des 

zu  nagen  sind;   Anus  Tochter  mag  hinwerfen  die  Speise  EtudeS  juives    IS    1884   2,    S.  173  ff.): 

des    Heulens    und   Weinens!    —    Du    trinkst    sättigendes 

Meusckenblut,  Fleisch,  das  nicht  zu  essen  ist,  Knochen,  (Der   Priester:) 

die  nicht  zu  nagen  sind     es  möge  dir's  (der  Istar?)  hin-  .         ,                                                           .                               „ 

werfen  Anu,  dato  Vater,  es  möge  dir'»  hinwerfen  Antum,  Llcht    des    Himmels,     das    wie    Feuer    auf 

deine  Mutter"  u.  s.  w.  Erden  entflammt,  bist  du, 


815            Izdubar  (Istar  im  Epos)  Izdubar  (Istar  im  Epos>             816 

Istar,  wenn  du  auf  Erden  auftrittst  (d.  h.  (Der  Sänger,    der  den  Hymnus    zum   Zwecke 

erscheinst),  einer   Beschwörung  —  in  Wechselchören?  — 

die  du  gleich  der  Erde  kostbar  (?)  bist,  recitieren  liefs ,    wendet  sich  nun  zu   der  er- 

dann   grüfsen   dich   segnend  die  Pfade  der  zürnten  Göttin  mit  den  Worten:    „Dein  Herz 

Gerechtigkeit.  *)  möge  sich  beruhigen,  dein  Gemüt  besänftigen; 

Wenn     du    eintrittst     in     das     Haus     der  der  Herr,    der  grofse   Gott  Ann,   möge  dein 

Menschen,  Herz  beruhigen,  der  Herr,  der  gewaltige  Berg, 

gleichst   du   dem   Tiger,    der    zum    Raube  der  Gott  Bei,   möge   dein   Herz    besänftigen, 

eines  Zickleins  bereit  steht,  Istar,  Herrin   des  Himmels,    dein  Herz  möge 

dem  Löwen,   der  auf  den  Gefilden  (?)  ein-  10  sich  beruhigen.") 

herschreitet**);  Einem  Mythenkreis  von  litar,  dem  Venus - 

o  Licht,  o  Magd,  Zierde**)  des  Himmels,  stern,  scheint  auch  die  Beschwörungslegende 

Magd  Istar,  Zierde  des  Himmels,  von  der  „Höllenfahrt  der  Istar11  anzugehören.*) 

die  du  in  eine  glänzende  Wohnung  gesetzt  Die  Tochter   des   Montlgottes   steigt  hinab  in 

bist,  Zierde  des  Himmels,  die    Unterwelt  jenseits    des    Ozeans.      Sobald 

Schwester    des  Sonnengottes,    Zierde  der  Pförtner  der  Unterweltsgöttin  die  Nach- 

des  Himmels.  rieht  von  Istars  Ankunft  bringt,    erschrickt 

(Istar:)  sie  gewaltig;    sie   sieht   alles  Unglück  voraus, 

Zur  Vollstreckung    der    Befehle    trete    ich  das  Istars  Abwesenheit  von  der  Erde  kervor- 

auf,   kraftvoll   trete  ich  auf,  20  rufen    wird.      „Gleich    der    Überschwemmung 

Für  meinen  Vater  Nannar  (Sin),  znrVoll-  der  Hochflut,   gleich  rauschenden;?)   Wassern 

Streckung    der   Befehle    trete    ich    auf,  einer    gewaltigen  Flut   will    ich  weinen  über 

kraftvoll  trete  ich  auf,  die  Männer,    die   ihre  Frauen  verliefsen,   will 

Für    meinen    Bruder    Samas ,     zur     Voll-  weinen  über  die  Frauen,  die  von  der  Seite  ihres 
Streckung    der    Befehle    trete    ich    auf,  Gemahls  [genommen  sind].    Die  Liebe  hört  auf 
kraftvoll  trete  ich  auf,  Erden  mit  Istar's  Verschwinden  auf,  alles  ehe- 
mein Vater  Sin  hat  mich   eingesetzt,    zur  liehe  und  soziale  Leben  ist  in  Frage  gestellt. 
Vollstreckung  der  Befehle  trete  ich  auf,  Der  Mann  verläfst  die  Gattin,  die  Sklavin  den 

am   glänzenden  Himmel  zur  Vollstreckung  Herrn ,     die    Mutter     vergifst     ihrer    Kindes- 

der   Befehle    trete    ich    auf,    kraftvoll  so  pflichten,  und  in  der  Tierwelt  hört  alle  Zeu- 

trete  ich  auf.  gung  auf  (Vorderseite  Z.  76 — 80).    Mit  einem 

Unter  Jauchzen    ob    meiner  Glorie ,    unter  Trauergewande    bekleidet  kommt  der  Götter- 

Jauchzen  ob  meiner  Glorie,  böte  zu  Istar's  Bruder,  dem  Sonnengott,   und 

unter  Jauchzen  gehe  ich,  Tstar,  erhobenen  meldet    das   Unglück.     Der   Sonnengott    fragt 

Hauptes  einher.  seinen  Vater,    den   Mondgott;    dieser   wendet 

Istar,  die  Göttin  des  Abends  bin  ich,  sich    an    Ea,    der    „in    der    Weisheit    seines 

Istar,  die  Göttin  des  Morgens  bin  ich —  Herzens  ein  Wesen  schuf",  den   Uddu'su-ndmir 

Tstar ,  welche  öffnet  das  Schlofs  des  gläu-  (d.  h.  „sein  Licht  leuchtet").    Der  Götterdiener 

zenden  Himmels,  (das  ist)  meine  Glorie!  steigt    hinab    in    die    Unterwelt,    bethört   die 

die   den  Himmel   niedertritt  und   die  Erde  40  Todesgöttin  und  „nachdem  ihr  Herz  beruhigt 

erschüttert  —  (das  ist)  meine  Glorie!  —  war    und    heiter   geworden   ihr  Gemüt",   be- 

den   Himmel    niedertretend,    die  Erde    er-  schwor  er  sie   „mit  dem  Namen   der  grofsen 

schütternd  —  (das  ist)  meine  Glorie!  —  Götter"   und  zwang  die  ohnmächtig  wütende, 

den   „ewigen  Palast"   zu   öffnen,    in    dem  die 

(Der  Priester:)  Erdgeister  das  Wasser  des  Lebens  bewachen. 

Wenn  sie  am  Damm  des  Himmels  auf-  Mit  dem  Wunderwasser  besprengt,  ward  Istar 
leuchtet,  wird  ihr  Name  gepriesen  erlöst  aus  dem  „Lande  ohne  Heimkehr".  — 
unter  den  Leuten  —  „(das  ist)  meine  Wiederholt  wurden  oben  dichterische  An- 
Glorie " !  klänge  dieser  grofsartigen  Dichtung  an  das  Epos 

Als  Königin   des  Himmels  oben  und  unten  50  von  Izdubar  aufgezeigt,  und  man  ist  unwillkür- 

soll  sie  verkündigen: —  „meine  Glorie".  lieh  versucht,  Izdubar  in  seiner  sideralen  Gestalt 

in  diesem  Mythus  (der  Venusstem  versekwin- 

(Istar:)  <-)et  jeuseits  des  Ozeans,  der  Götterbote  klagt 

Die  Berge  einzig  überwältige  ich  —  „(das  es  dem  Sonnengott  und  dieser  dem  Mondgott; 

ist)  -meine  Glorie!"  JEa  aber  erzeugt  den  Uddu'su-ndmir,  d.  h.  „sein 

Ich  bin  der  Berge  gewaltige  Burg,  ich  bin  •  Licht  leuchtet")   zu   suchen.     Sollte   etwa  der 

ihr    gewaltiger    Verschlufs:     „(das    ist)  Uddu'su-ndmir ,    dessen    Name    neckisch    die 

meine  Glorie!"  Umkehrung  von  Namir-uddu  =  Nimrod  dar- 
stellt, identisch  sein  mit  Izdubar,  dem  Sonnen- 

*)  D.  h.  die  auf  rechten  Pfaden  dahergehen,  vgl.  die-  60  keros??     Dann    würde    der    Held  Izdubar   und 

selbe  Wendung  im  Sonneuhyninus  iv  E,  17,  iia.    Man  der    Sonnengott   Izdubar    zwei    verschiedenen 

wird  unwillkürlich  an  die  1.  Sure  des  Koran  erinnert.  von     einander    abhängigen    Mythenkreisen    an- 

**)  Das  Bild  ist  nicht  ganz  klar.    Sind  die  leuchten-  gehören,    von    denen    der    eine   das    Izdubar- 

den    Augen    daB    t-rtium    comparationis':'     Es    scheint    das 

Ganze    den    Gegensatz    zum   Vorhergehenden    zu    bilden. 

Es   fürchten   sicli   vor  Istar,    die   im  Verborgenen    Böses  *)  Neu  bearbeitet  vom  Verfasser  dieses  Artikels  in  der 

thun.     Zu  beachten  ist,  dafs  der  Tiger  Symbol  der  Istar        citierten    Schrift    über    „Die     babyl.-assyr.     Vorstellungen 

ist,  s.  Abb.    Sp.  811.     Zu  ina  kirbiti    vgl.  IV  K  23,  llf.a.  com    Leben    nach    dem    Tode",     Leipzig,     Hinrichs    1887, 

Jensen.)  Kosmol.  -43S;  oder  heilst  es  „im  Innern"?  S.  4  —  -15. 


817   Izdubar  (u.  ä.  Zeichen  d.  Tierkreises) 

Epos,  der  andere  astrologische  Dichtungen,  wie 
„die  Höllenfahrt  der  Istar"  erzeugt  hat. 

Als  Göttin  des  Krieges  und  der  Jagd  wurde 
Istar,  wie  gesagt,  besonders  in  Assyrien  ver- 
ehrt. Tiglathpileser  vollendete  ihren  Praeht- 
tempel  in  [Assur.  In  den  Inschriften  der  As- 
syrerkönige  heilst  sie  belit  tcihäzi,  „Herrin  der 
Schlacht".  Ihre  Hilfe  spielt  in  den  Jagd- 
irschriften Asurbanipals  (I  R  7)  eine  grofse 
Rolle.  So  heifst  es  nach  einer  Löwenjagd:  10 
,,den  gewaltigen  Bogen  der  Iltar  von  Arbela 
stellte  ich  auf  sie ,  eine  Opferspende  brachte 
ich  auf  ihnen  dar,  indem  ich  Wein  über  sie 
ausgofs."  Interessant  ist  ihr  Auftreten  in  den 
,, Orakelsprüchen  an  Asarhaddon"  (IV  R  68), 
wo  sie  unter  den  „60  grofsen  Göttern",  die 
dem  Könige  zur  Seite  stehen ,  ihm  langes 
Leben  und  Glück  zur  Regierung  gehen,  mit 
obenan  steht.  So  spricht  sie  zu  Asarhaddon: 
„Fürchte  dich  nicht,  willst  du  gleich  ver-  20 
zagen?  Ich  komme  und  lasse  mich  nieder, 
wenn  man  ruft:  wehe!"  und  an  anderer 
Stelle:  „Asarhaddon,  treuer  Sohn,  mit  eigener 
Hand  werde  ich  deirie  Feinde  vernichten." 
Tstar  von  Arbela,  die  „Königin  in  den  hei- 
ligen Gemächern"  (vgl.  A^urbanipcd ,  col.  X, 
61  f  ;  über  das  Verhältnis  zur  Istar  von  Nineveh, 
der  „Königin  von  Kidmuru",  Lt  zur  Zeit 
nichts  zu  sagen)  erscheint  bei  Asvrbanipal  als 
Schutzgeist  des  Heeres.  Als  die  Truppen  vor  30 
einem  schwierigen  Flufsübergang  standen, 
„erschien  Istar  (col.  V,  97ff.1  gegen  Ende  der 
Nacht  meinen  Soldaten  im  Traum  und  sagte 
zu  ihnen:  'ich  schreite  einher  vor  Asurbanipal, 
dem  König,  den  meine  Hände  erschaffen 
haben!'  Auf  diesen  Traum  vertrauten  meine 
Truppen  und  überschritten  den  Flufs  wohl- 
behalten." Es  liegt  an  sich  nahe,  dafs  auch 
hier  an  die  Göttin  der  Venus,  und  zwar  des 
Morgensterns  zu  denken  ist.  Dafs  der  side-  dO 
rische  Charakter  mit  Asurbanipals  Istar  ver- 
bunden ist,  beweist  aufser  dem  oben  citierten 
Gebet  Asurbanipals  an  Istar  die  Stelle  col.  IX, 
7 9 ff.  in  den  Annalen,  wo  sie  geschildert  wird 
als  Göttin  ..im  Flammenkleid,  Glanz  tragend", 
die  Verderben  regnen  läfst  auf  das  Feindes- 
land. Col.  IX,  5  ff.  (ib.)  erscheint  übrigens  der 
Sirius,  „der  Bogenstern",  als  Emblem  der 
Göttin,  der  VR  46,  23  ab  geradezu  „die  Istar 
von  Babel"  genannt  wird.  Der  Kronschmuck  50 
auf  dem  Bilde  der  bewaffneten  Fstar  (Sp.  811) 
stellt  also  die  Venus  oder  den  Sirius  dar. 

II.   Das  Izdubar -Epos  und  die  Zeichen  des 
Tierkreises. 
Unmittelbar  mit   dem  Bekanntwerden    des 
Izdubar -Tipos  wurde  vermutet,  dafs  die  Zwölf- 
tafeldichtung   einen    Sonnenmythus    darstelle, 
und    dafs    die    Zeichen     des    Tierkreises    dem 
Epos  entnommen'  seien.  *)  ■  Zuerst  wurde   das  60 
behauptet  von  Henry  Eawlinson;  andere  Ge- 
lehrte,   wie   Lenormant ,    Sayce    (s.   besonders 
Lenormant,  Les  origmes  de  Vhistoire  S.  238  ff.) 

*)  Ist  eine  Verbindung  vorhanden,  so  sind  die  Be- 
ziehungendes Epos  auf  die  Tierkreisbilder  wahrscheinlich 
sekundärer  Natur.  Dies  ist  nach  dem  folgenden  des 
"Verfassers  Meinung  im  Gegensatz  zu  den  oben  ange- 
führten englischen  Hypothesen. 


Izdubar  (u.  d.  Zeichen  d.  Tierkreises)    818 

stimmten  zu.  Man  könnte  noch  weiter  gehen 
und  Izdubar -Kimrod  verbindend  sagen,  der 
Held  des  Epos  sei  im  letzten  Grunde  der 
Sonnengott,  der  als  „grofser  Jäger"  von  den 
zwölf  Stationen  der  Sonnenbahn  seine  Pfeile, 
die  Sonnenstrahlen,  auf  die  Erde  sendet!  — 
In  Wirklichkeit  kann  eine  Verbindung  des 
Epos  mit  den  zwölf  Zeichen  des  Tierkreises 
nur  mit  aller  Reserve  behauptet  werden.  Dafs 
die  Einteilung  des  scheinbaren  Weges,  den 
die  Sonne  im  Laufe  des  Jahres  zurücklegt, 
auf  die  Babylonier  zurückgeht,  hat  Jensen, 
Kosmoloaie  S.  310ff.  jüngst  überzeugend  nach- 
gewiesen (s.  auch  Jensen,  Ursprung  und  Ge- 
schichte des  Tierkreises,  in  der  Deutschen  Revue, 
Juni  1890).    Die  Astronomen  bezeichneten  den 


»o«**^ 


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wmmm 


Skorpion  und  Skorpionmensch  (aus  einer  Steininschriit 
von  Nebukadnezar  I,  s.  V.  B.  57). 

Ort,  an  dem  die  Sonne  zur  bestimmten  Jahres- 
zeit steht,  mit  einem  Symbol.  Da  die  Bilder 
tanrus,  leo,  scorpio,  amphora  den  vier  Haupt- 
jahreszeiten entsprechen,  mufs  —  so  schliefst 
Jensen  —  der  Tierkreis  in  der  Zeit  entstanden 
sein,  in  welcher  die  Sonne  bei  Frühlings- 
anfang im  Zeichen  des  Stieres  stand,  also  vor 
2500  v.  Chr.  (heutzutage'  im  Bild  der  Fische, 
vor  2000  Jahren  im  Bilde  des  Widders).  Der 
Stier  ist  das  Bild  des  Gottes  Merodach,  der 
am  Schöpfungsmorgen  die  Finsternis  über- 
wand und  seitdem  die  Frühsonne  und  Früh- 
lingssonne  repräsentiert,  der  Löwe  ist  das 
Bild  der  verzehrenden  Sonnenglut  im  Sommer, 
der  Skorpion,  der  Steinbock,  vielleicht  auch 
der  arcitenens  (s.  die  Abbildung;  der  darunter 


819  Izdubar  (u.  d.  Zeichen  d.  Tierkreises) 

stehende  Skorpion  zeigt,  dafs  der  Bogen  des 
arcitenens  von  den  Fangarmen  des  Tieres  her- 
genommen ist),  und  die  Fische  entsprechen 
den  Helfershelfern  der  Schlange  (?)  lihamat, 
welche  Finsternis  und  Wasser,  die  Schrecken 
des  Herbstes  und  Winters,  repräsentiert,  wäh- 
rend der  Wasserkrug  die  Hegenzeit  des  Winters 
selbst  treffend  symbolisiert.  —  Neben  diesen 
Beziehungen  der  meisten  Tierkreisbilder  auf 
kosmische  Vorgänge  läfst  sich  jedoch  ein  Zu-  10 
sammenhang  gewisser  Bilder  mit  dem  Inhalt 
der  12  epischen  Gesänge  nicht  leugnen.  Die 
vielleicht  sekundären  Beziehungen,  die  beim 
Epos  vom  Sonnenhelden  nahe  lagen,  müfsten 
entstanden  sein  in  der  Zeit,  in  der  die  Früh- 
lingssonne vom  Bilde  des  taurus  in  das  Bild 
des  aries  zu  rücken  begann  (also  um 2000  v.Chr.). 
Das  würde  dem  Inhalt  einiger  Gesänge  gut 
entsprechen.  Im  ersten  Gesänge  beginnt  die 
Heldenlaufbahn  Izdubars ,  der  nach  den  20 
Worten  des  Stuhl  „wie  ein  Bergstier"  über 
die  Helden  hervorragt.  Das  gewöhnliche  Bild 
für  Königsherrschaft  wird  bei  den  Assyrern 
vom  Widder  und  Leithammel  entnommen: 
lülimu  =  samt,  die  babylonischen  Könige 
heifsen  bei  Jesaias  die  „Leithammel"  ("*"""") 
der  Völker,  vgl.  Sach.  10,  3.  —  Das  zweite 
Bild,  taurus,  würde  der  II.  Tafel  des  Epos 
entsprechen,  in  deren  Mittelpunkt  Eabani 
steht,  der  als  Stiermen=cb  dargestellt  (s.  die  30 
Abb.  Sp.  791)  und  ideographisch  als  „aufrecht 
stehender  Stier"  bezeichnet  wird.  Das  dritte 
Bild,  gemini,  entspricht  dem  Inhalt  der 
III.  Tafel,  in  welcher  Eibani  und  Izdubar, 
nachdem  sie  miteinander  gekämpft  haben, 
enge  Freundschaft  scbliefsen.  Dafs  die  virgo 
des  6.  Monats  etwas  mit  Istar  zu  thun  hat, 
beweist  das  unten  angeführte  Monatsideo- 
gramm. Die  VI  Tafel  des  Epos  aber  erzählt 
die  Liebesabenteuer  der  Göttin  Istar,  Wenn  40 
der  arcitenens  (9.  Monat)  als  Skorpionmensch 
gedacht  werden  darf  (Abb.  auf  Sp.  818),  so 
wäre  eine  Verbindung  mit  der  IX.  Tafel,  deren 
Haupte:  eignis  die  Begegnung  mit  dem  Skorpion- 
menseben bildet,  naheliegend.  Wenn  endlich 
die  amphora  (11.  Monat)  Symbol  der  Regenzeit 
ist,  so  stimmt  auch  das  zum  Inhalt  des  Epos: 
die  XL  Tafel  erzählt  bekanntlich  den  Flutsturm. 
Im  Anschlufs  daran  sei  bemerkt,  dafs  auch 
einige  Monatschreibweisen  dem  Epos  ent-  50 
nommen  sind.  Der  2.  Monat  hat  das  Ideo- 
gramm des  Eabani,  des  „aufrecht  stehenden 
Stieres",  entsprechend  dem  Inhalt  der  IL  Tafel. 
Der  6.  Monat  hat  als  Ideogramm:  „Sendung 
der  Göttin  lhtaru,  entsprechend  der  Racbe- 
sendung  des  Himmelsstieres  auf  der  VI.  Tafel. 
Endlich  steht  fest,  dafs  ein  Ideogramm  des 
11.  Monats:  „Fluch  des  Regens"  dem  Inhalt 
des  XL,  der  Sintfluttafel,  entspricht,  wie  Le- 
normant  zuerst  erkannt  hat  (s.  Delitzsch,  eo 
Paradies  S.  146).  Die  meisten  der  übrigen 
Monatsideogramme ,  von  denen  leider  viele 
verstümmelt  sind ,  beziehen  sich  auf  die 
Jahreszeiten,  Erntearbeit  u.  s.  w.  *) 

*)  Wenn  Lriioj-mant  a.a.O.  S  143 ff.  sagt,  das  Ideogramm 
des  3.  Monats  urah  libitti  (..Monat  des  Ziegelstreichens") 
weise  auf  den  Bau  einer  Stadt,  das  entsprechende  Zeichen 
des    Tierkreises   (Zwillinge)    auf   eine    babylonische   Er- 


Izdubar  (Istar  und  Semiramis')        820 

Von  einer  kosmischen  Bedeutung  der  Stadt 
Erech  im  Epos  und  von  einer  Beziehung  des 
„Himmelsstieres"  auf  das  betr.  Sternbild,  das 
Sai/ce  (Babyl.  Religion  S.  293),  „ahnt"  und 
Jensen  (a.a.O.  S.  63  Anm.l)  „kaum  bezweifelt", 
vermag  ich  nichts  zu  entdecken.     • 

III.  Istar  nnd  Semiramis. 
Lenormant ,  La  legende  de  Semiramis  (Me- 
moire« de  l'Acade'mie  Royale,  Bruxelles,  1873) 
hat  Semiramis  und  istar  vollständig  identi- 
ticiert.  Sauce  (bei  Cyrus  Adler,  The  Legendi 
of  Semiramis  and  the  Kimrod  Epic,  John's 
Hopkins  University  Circulars,  Januar  1887) 
stimmt  dieser  Meinung  zu  auf  Grund  von  Lucian 
de  dea  Syria,  und  hält  Semiramis  für  den 
Lokalnamen  der  litar  von  Hierapolis.  Die 
Vergleichung  ist  mit  gröfster  Vorsicht  auf- 
zunehmen. Die  Gestalt  der  Semiramis  schwebt 
noch  völlig  im  Dunkel.  Auch  wenn  eine 
historische  Königin  Semiramis  (aufser  der 
I  R  35,  nr.  2,  9  auf  einer  Xebo- Statue  be- 
zeugten Gemahlin  des  Rammannirari:  Sa-am- 
mu-ra-mat,  d.  i.  Semiramis)  als  Gründerin 
von  Kineveh  inschrifilich  erwiesen  wäre*),  so 
könnte  immer  noch  die  mythische  Gestalt  der 
wollüstigen  Semiramis  so  weit  von  ihr  ver- 
schieden sein,  wie  der  historische  Asurbanipnl 
von  dem  Wüstling  Sardanapal ,  wie  ihn  die 
klassischen  Schriftsteller  schildern.  Cyrus 
Adlers  Urteil,  „die  Königin  Semiramis  als 
eine  Wiederholung  der  Jstor-Legenden  auf- 
zufassen, sei  unwahrscheinlich",  ist  zweifellos 
berechtigt.  Aber  auch  die  a.  a.  0.  gebotene 
Gegenbehauptung,  „dafs  die  Istar- Legenden 
des  Nimrod - Ejjos  e,ine  „protection"  der  Semi- 
ramis-Legenden"  darstellen,  entbehrt  des  Be- 
weises. Beide  Gestalten,  die  mythische  Semi- 
ramis und  die  Istar  von  Erech,  wie  sie  in  der 
VI.  Tafel  des  Epos  geschildert  wird  (eine  ganz 
andere  Istar  schildert,  wie  oben  ausgeführt 
wurde,  die  XI.  Tafel)  stellen  mit  orientalischer 
Anschaulichkeit  ein  Weib  dar,  in  deren  Wesen 
sich  Wollust  und  Grausamkeit  paart  —  eine 
Erscheinung,  wie  Sage  und  Märchen  sie  in 
allen  Epochen  der  Kulturgeschichte  erzeugt 
hat.  Dafs  die  Mythenbildung  beide  Gestalten 
mit  gleichen  Zügen  ausgestattet  hat,  läfst 
sich  nicht  leugnen  —  mehr  darf  jedoch  nicht 
behauptet  werden.  Der  bewaffneten,  zu  Krieg 
und  Jagd  ausziehenden  litar  entspricht  die 
Semiramis  des  Diodor  (2,  8):  ücp'  i'nnov  nccQ- 
SaXiv  äxovzi£ovcct.  (Wollte  man  eine  wirk- 
liche Parallele  aufstellen,  so  könnte  man  auch 
NinuS  und  Izdubar  zusammenstellen:  stori 
iiXrfiiov  avxifi  b  uvrjo  Nivog  aaiav  I«  ^figog 
l.iovza  Xöy%n.)    Den   Liebesabenteuern  litars, 


Zählung  von  Kain  und  Abel,  so  kann  die  letztere  rätsel- 
hafte Bemerkung  nur  auf  einem  starken  Mißverständnis 
des  einen  Istar- Abenteuers  auf  Tafel  VI  beruhen. 

*)  Zu  der  Bemerkung  des  Synceüus,  C/ironographia 
p.  96  über  die  ersten  assyrischen  Könige  Bei.  Ninus, 
Semiramis .  Ninyas .  die  im  4.  Jahrtausend  geherrscht 
haben  sollen,  ist  zu  beachten,  was  «sein  Gewährsmann 
Diodorus  (ib.  p.  166)  sagt:  olira  in  Asia  ex  indigenis  crea- 
bantur  reges,  Quorum  gesta  sei  iwmina  nutla  hominuin  me- 
moria celebrat.  Primus  autem  quorum  Jiistoriete  cel  hontinum 
wjtitiae  fama  conwiendaia  est,  fuii  Ninus  etc. 


821              Izdubar  (und  Herakles)  Izdubar  (und  Herakles)              822 

die    mit    der  Vernichtung    des    Geliebten    en-  „bodenlos",    den  griechischen  Herakles  in  alt- 

digten,    entspricht   die  Erzählung  (ib.  2,  13):  babylonischen   Sagen    zu    suchen.     Seine   An- 

imXsyofiivrj    Si    zoov    ezgctztatzmv   zovg    sv-ng?-  nähme,  dafs  Herakles  ursprünglich  nur  Dorier, 

arfi«  SictcpSQOvxag  zovzotg  ifhCeysro  hk!  ztävzog  Ideal  des  dorischen  Mannes  (&itog  dvrighez.ctvrjg 

zovg    czvzy    nXrjaiäaavtag    Ticpävifev.      (Hierzu  &i6c)  sei,  (vgl.  jedoch  auch  Tümpel,  Philoloaus 

erzählt  Georgias  Syncellus,   Chronographia   ab  N.  F.  4  S.  608  ff.)  schliefst  angesichts  der  alten 

Adamo   p.  64    nach   dem  Bericht   des  Ktesias,  von  Doriern  und  Semiten  gemeinsam  bewohnten 

Semiramis   habe    die   berühmten  Wälle    nicht  Kolonieen    die    semitische    Beeinflussung    des 

als  Schutz  gegen  die  Flut,  sondern  als  Denk-  Herakles- Mythus    nicht  aus.     Und  wenn   sich 

mäler  für  ihre  Geliebten  gebaut.)                         10  auch  nicht  leugnen  läfst,  dafs  die  typischen  My- 

Was   übrigens   den  Namen   Semiramis   an-  then  von  Istar- Astarie- Aphrodite  und  Izdubar- 

langt,    so    stehen,    abgesehen   von  der  über-  Simson- Herakles  bei  den    verschiedenen  Völ- 

geistreichen     Erklärung    Bertins     (das    Wort  kern  unabhängig  aus  nationalen  Sagengestalten 

Sumer    vorwärts    und   rückwärts    geschrieben,  entstanden   sind,    so  ist  eine  Beeinflussung 

vgl.     Jmtmtl    of    the    Boyal-  Asiatic-  Society,  ihrer  Entwickelung   ans  den  Anschauungs- 

Vol.  XVIII,    p,  434),    zwei    Erklärungen    von  kreisen  der  orientalischen  Wunderländer  durch 

Delitzsch    und    Haupt     einander     gegenüber:  orientalische    Kunst    und    Dichtung   mehr    als 

Semiramis    =    summu    rämnt ,     „die    Tauben  wahrscheinlich    Jedenfalls  sollen  im  folgenden 

liebende"  gemäfs  Diodor  2,4:    bvofict  &i(isvov  die  Parallelen  zwischen  Izdubar  und  Herakles 

Etfiigauiv    önig    iazl    xaza    zfjv    zäv    Svgmv  20  mit    allem    Vorbehalt    angedeutet    sein.      Vor 

Si.aliv.Tov   TTag(ovouiaoii,bvov   tmb   zäv    7Tsgiez£-  allem    ist    es    auffällig,    dafs   gerade   die   Be- 

gäv   (so   Haupt,    Beitr.   zur  Assyr.    I    S.  164.  standteile  der  Herakles-  Sage,  die  WilamowHz 

323,  dagegen  Hammel,  Geschichte  Babyloniens  S.  290  ff.    für    den  Urbestand   erwiesen   hat, 

und  Assyriens  S.  632,  1)   und   Semiramis   ent-  dem    babylonischen    Izdubar    eigen    sind:    1) 

sprechend     der     oben     citierten     Schreibung  die    Zugehörigkeit    zu   äioytviig,    den    adligen 

=  Sammu  rdmat  die  „Liebhaberin  von  Wohl-  mit  den  Göttern  direkt  in  Verbindung  stehen- 

gerüchen"    (so    Delitzsch    bei    Mürdter,    Ge-  den  Geschlechtern;  2)  der  Löwenkampf;  3)  der 

schichte  Babyloniens  und  Assyriens   I   S.  278).  Kampf  mit  einem  Riesen;    4)  der  Abstieg  zur 

Wenn  man  Züge  der  Semiramis  bei  Istar  von  Hölle  und  die  Überwindung  des  Todes;   5)  die 

Erccli,   sucht,    so  pafst    zur  letzteren  Deutung  30  Fahrt   zum   Göttergarten    und   die   Erwerbung 

gut  Taf.  VI,  13:    „in   unser  Haus   (sagt  Istar  der    Unsterblichkeit.-     Gerade-    diese    Stücke 

zu   Izdubar)   sollst  du   einziehen   unter  Wohl-  bilden   den  Gang  der  Ereignisse   im  Izdubar- 

gerüchen  (sammüti)  von  Cedernholz".  Epos,    sogar  der  Reihe  nach,    wenn  mau  das 

Gespräch   mit   dem   zur  Hölle  gefahrenen  und 

IV.    Izdnbar  und  Herakles.  *)  I°"  j^Ä  e*lö/*e  °  B.a*?ni  ™  d*e  mittleren 

Tatein  ( V III.  Tafel?)  einfügen  darf. 

Vergleichende  Untersuchungen  über  etwaige  Ebenso  zeigt  die  spätere  Entwickelung  der 

Zusammenhänge    des    Epos    mit    den     Sagen  griechischen   Sage    auffällig    verwandte  Züge, 

anderer  Völker    anzustellen .    fühlt    sich    der  Hier    wie   dort  schwankt   man   zwischen    dem 

Verfasser    nicht    berufen.      Doch    kann    ange-  4U  Heros   und   dem  Gott.     Die   einen  opfern  ihm 

sichts     der     herrschenden    Richtung     in     der  cos  ct&ctvdzro ,   die  anderen  erweisen  ihm  Ehre 

mythologischen  Forschung,   nach  welcher   die  wie   einem   Heros   (vgl.  Herodat   2,  44).     Hier 

alten   Göttersagen    der   Griechen    ohne    orien-  wie    dort    vollbringt    der    Held    seine    Thaten 

talische  Beeinflussung  sich  ausgebildet  haben,  aus    eigener    Kraft,    und    dennoch    sind    seine 

ein  Hinweis  auf  die  Berührungspunkte  zwischen  Angelegenheiten  zugleich  Angelegenheiten  der 

Izdubar  und  Herakles  nicht  unterdrückt  werden.  Götter.    Wenn  die  jonischen  Orte  den  Herakles 

r.  Wilamowitz-Möllendorf  hält   es   in   seinem  göttlich     verehrten,     wenn    die    Athener    ihn 

bedeutenden    Werke    Euripides'  Herakles    für  äli^UocYog    nannten    und    auf   ihre   Schwellen 

sehrieben:   6  xov  z/tös  nötig  -x.alXhiY.og  HgctYXrjg 

*)   An  Simson  (..die  kleine  Sonne-),   den  Helden  der  50  iv^gs    Kazoiy.iL-     uridlv    naizco    YaYOV    —    so 

Hichtcrzeit,    der  die  Israeliten   von  der  Zwingherrschaft  ents]iricht    das    genau    dem    Wesen    des    Gottes 

tler  Philister    netreite,    sei    nur    vnruberpeueiia    erinnert  T    ,',            i        •       i             1          n        _--         -i       ■    -u 

Er  verrichtet  zwölf  Thaten  {Rostof,  Die  Simsomage  1860),  Izdubar.  der  in  dem  oben  Sp.  775  mitgeteilten 

die   mit   der   Tötung   eines   Löwen   beginnen.    Steinihal,  schematisch    eingerichteten    Hymnus    zur    Ab- 

Zeitschri/t  für  Völkerpsychologie  und  Sprachwissenschaft  1862  Wehr    des    Übels    aufgefordert   wird. 

S.   129  — 178    begründete    zuerst    wissenschaftlich    die  Wie    steht    es    aber   mit   dem   argivischen 

Ideutificierung  der  Sagen  von  Simson  und  Herakles  (schon  Herakles,    dem    die    Spätere  Sagenbildung  Zwölf 

Kusebios    hat    an    die  Ähnlichkeit   erinnert    und    Herakles  *frX0l    ZUo-eZuhlt   hat?      Wie   im    Izdubar -EriOS, 

für  eine  ..heidnische  Nachahmung"  des  Simson  gehalten).  v       j.             l       l  ■          j         ni.         l  i.         j            • 

„  .         ,     ,..,            ..      ,           -„,,.,  "<"r«=cu*","1>-  so    liegt    auch    hier    der   Charakter   des   sieg- 

feelner    Ausfuhrung    stimmten    zu    Goldziher.    Der  Mi/thus  .    ,      °         ,  ,    .           ,  ■            -,        tt   -i  i           -   ^-i           . 

M  den  Hebräern    und    Braun,  Naiurgescläohte  der  Saae.  reichen  und  triumphierenden  Helden  zu  Grunde, 

wahrend  Wellhamm  scharf  widersprach.     Der  Versuch  co  dessen  Muhe  und  Arbeit  schliefslich  verdienten 

von  Emil  Wietzke.  Der  biblische  Simson  der  ägyptische  Horus-  Lohn     findet.       Izdubar     Und     Herakles ,     beide 

Ra,    die  Geschichte    von  Simson   (vgl.  Rankes   besonnenes  erscheinen    als    die    berühmten    Jäger,     „die    es 

Urteil,  Weltgeld*.  I  S.  « ff.)  in  einen  aus  Ägypten  stam-  wohl  selbst  mit  den  Unsterblichen  aufnehmen"' 

menden    Naturtnvthus    aufzulösen,    dürfte    wie    Steinthals  (V„J_     OdllSS.      8,    225);      bei     beiden     wechselt 
Arbeit  dem  Urteile    Wellhausens    verfallen,    ,,dafs  zu  viel 
an   einen  Nagel  gehangt   ist''.  —  Die  vorstehenden  Aus 


Kampf  und  Streit  mit  Freudenfesten  im  Kreise 
der  Helden.     Die  „Arbeiten"  der  Helden  mit- 
einander   zu    vergleichen ,     wage    ich    nicht, 
zu  liefern.  Eabani  und  Cheiron,    der  Löwe  des  Thespios 


führungen   vom   ursemitischen  Sonnenheros  Izdubar   sind         C'0r   Helden.      Die    „Arbeiten"    der    Helden   mit- 
vielleicbt  geeignet,  der  Lösung  des  Problems  neuen  Stoff        einander      ZU      vergleichen  ,       wage     ich      nicht. 


823                         Kaanthos  Kadtnos  (Litterater)               824 

und   der  Wüstenlöwe,   den  Eabcmi  mitbringt,  Kabye  (Kaßvrf),  Gemahlin  von  Lokros  I.,  dem 

—  der  Stier  von  Kreta  und  der  Himmelsstier',  Sohne   des    Physkios,  Mutter   von  Lokros  IL, 

Humbaba  und  Geryon,  das  vergiftete  Nessos-  Plut.  quaest.    graec.    15.      Vgl.   Karnbyse  und 

gewand,    der  rasende  Herakles   und   Izdübars  Lokros.     [Lorentz.] 

Aussatz    sind    kühn   konstruierte  Berührungs-  Kadineeie  (KaS/insin),  Beiname   der  Ino   in 

punkte.      Prellers     Behauptung*),     in    seiner  einem  den  Bewohnern  des  karischen  Magnesia 

Griechischen  Mythologie   lange  vor  Auffindung  erteilten  Orakelspruch.    Athen.  Mitth.  15  (1890), 

des  Izdubar -Epos  ausgesprochen,   „dafs  viele  332.     [Höfer.] 

der    zwölf   Arbeiten    ganz    offenbar    orientali-  Kadmilos  s.  K ad  mos. 

scheu  Ursprungs   seien",    geht  wohl   zu  weit.  10  Kadmogenes   ( KaSgoyivrjg)   wird    Herakles 

Wichtig    ist    auch   hier  vor  allem    die   Fahrt  genannt  Soph.  Track.  116,  weil  er  aus  Theben, 

über  den  Ozean  zu  dem  Göttergarten,  in  dem  der   Stadt   des  Kadmos,  stammt;  schol.  Soph. 

Htraldes    durch    Gewinnung    der    Hesperiden-  a.  a.  0.;  er  heifst  daher  auch  G  nßccy  £vr)g  Hesiod. 

äpfel  die   Unsterblichkeit  gewinnt,     nachdem  Theog.   530.     Bei   Attins   642   p.  218  (Bibbeek) 

ihm  Helios   den    Kahn   zur  Überfahrt  geliehen  heifst  Sem  ele  als  Tochter  des  Kadmos  Kadmo- 

hat.     Das  entspricht   gewifs  mehr  als  zufällig  gena.     [Höfer.] 

der  oben  wiedergegebenen  Erzählung:  Izdubar  Kadmos  I   (KdSyog),    eponymer   Ortsdämon 

will  den  Ozean  überschreiten,  die  Meerkönigin  des  gleichnamigen  Berges  und  Flusses  an  der 

wehrt    es    ihm    mit   der    Erklärung,    niemand  Nordgrenze  von  Karien  (Strabo  12,  578.    Ptol. 

aufser    dem    Sonnengott    habe    von    Ewigkeit  20  5,   2,    13.     Plin.    5,  31;    nach    Benndorf  und 

her  das  Meer  überschritten;    schliefslich  aber  Niemann,    Reisen   in  Lykien   1,   146   =   dem 

darf    er    auf   einer    Fähre     der    Seligengefilde  jetzigen    Chonas     Dagh).      Auf    Münzen    von 

das  „Meer  überschreiten".    Siehe  Sp.  795.  Laodicea   wird   er  abgebildet  als  jugendlicher 

[A.  Jeremias.]  Berggott,   einen  Baum  umfassend,   unter  dem 

Kaanthos  (Käav&og,  von   «<«<»?),   Sohn  des  ein   Flufs   entspringt.     In  den  Figuren,   deren 

Okeanos.    Er  wurde  von  dem  Vater  ausgesandt,  Treiben  Kadmos  zuschaut,  hat  Imhoof-Blumcr 

um  die  von  Apollonnach  dem  Ismenos  beiTheben  wohl  mit  Recht  (vgl.  den  Namen  Jiicnolig  und 

entführte  Schwester,   die   Quellnymphe  Melia,  die  unter  nr.  19   von   ihm    angeführte  Münze 

zu  sucheu.     Als  er  den  Apollon  in  ihrem  Be-  mit  Adrasteia,  Zeus  und  den  Korybanten)  Rhea 

sitze  fand,  aber  sie  ihm  nicht  entreifsen  konnte,  30  mit  dem  Zeuskinde  und  Adrasteia  erkannt  und 

wagte  er  Feuer  in  das  Heiligtum  'des  Gottes,  damit  Lokalisierung  des  Mythos  von  der  Kind- 

das  Ismenion  bei  Theben,  zu  werfen  und  wurde  heit   des  Zeus   erschlossen;   vgl.  Jahrbuch  des 

deshalb  von  diesem  erschossen.    Sein  Grabmal  d    Arch.   Instituts   3   (1887),    289    T.   IX,   18. 

befand   sich   oberhalb   des   Ismenions,    an   der  Der    Name    wird    von    den    griechischen   Be- 

Aresquelle,  Penis.  9,  10,  5.     Stark.  Niöbe  384.  wohnern  des  Vorderlandes  (Milet?)  herrühren, 

387.    Gerhard,  Gr.  M.  1  §  751.     [Stoll.]  s.  K.II  nr.  90ff.  Vielleicht  liegt  ihm  eine  Sage  zu 

Kabarnos  (Kdßapvog) ,   ein   Parier,  welcher  Grunde  nach  Art  der  'illyrischen'  unter  nr.  53 

der  Demeter    den    Raub    der   Persephone    an-  behandelten,  so  dafs.  sich  eine  Verwandtschaft 

zeigte ,    Steph.  B.   v.    ndpog.     Demeter   setzte  mit  dem  'Heros'  Kadmos  ergäbe.   Über  Kadmos 

ihn  and  seine  Nachkommen,  die  Kdßugvoi,  als  40  und  Zeuss.  Kadmos  II  nr.  37  ff.  95  ff.  [Crusius.] 

erbliche  Priester  ihres  Dienstes  zu  Paros  ein,  Kadmos  II  (KdSjiog,  auch  Kdoo^og,  KdSficav, 

Antimaeh.   (fr.  57  Stoll.  46  Dülmer)   bei  Suid.  KaSfictiiov,  s.  unten  nr.  25.  58.  SO.  85),  gr.  Heros, 

v.  Öpyftöi'fc.  Phot.  p.  251  Herrn.  (Pors.  p.  344,  Litteratur    (abgesehen    von    den    Hand- 

16):    vgl.    Ilesych.    v.   Kdßagvoi.     Paros    hiefs  büchern):  Zoega,  Bassir.  I  p.  10  ff.;   0.  Müller, 

Kctßagvi's,  Steph.  a.a.O.  Boeckh,  C.  I.  n.  2384;  Prolcgomina(i82b)li9f.;  Orchomenos2 111— 115. 

vgl.  2388.  2415,  15.   Preller.  Dem.  u.  Pers.  29.  Buttmann,  Mythol.  II  171  ff.;  Welcher,  Über  eine 

Welcher,  Tril.  221.     [Stoll.]  kretische  Kolonie  inThebenhes.S.TOl;  Kl.  Sehr. 

lia\)eiriies(Kcißsi.Qi'ä8gvv(icpai),  die  3 Töchter  5,34;  Alte  Denkm.  3,  385  ff.  B.  Unger,Thebana 

des  Hephaistos   und   der  Kabeiro,   Schwestern  Paradoxa  (1839)  p.  1  ff.  50  f.  70  ff.  385.  400  ff. 

der  Kabiren,  Strab.  10,  472.  Stephan.  Bys.  s.  v.  50  (reiche  Materialsammlung).    Movers,  Hie  Phö- 

KaßeiQLct.     [Lorentz.]  nisier  1    S.  500  ff.  652  ff.    Brandts,   Hermes  2, 

Kabeiro  (A'cßfiooj),  Tochter  des  Proteus  und  258  ff.     B.   Köhler,    Über  die  Dionysiaka  des 

derAnehinoi'',  alsThrakerinund/(?jfi,»iKsbezeich-  Konnus  S.  2  tf .  38  ff.    II.  D.  Müller,   Mythol. 

net,  Gemahlin  des  Hephaistos,  Mutter  des  Karnil-  d.  gr.  Stämme  1,  7.  235  ff.  293  ff.    2,  312-328. 

los(s.d.),derKabiren(s.d.)u.kabiridischenNym-  Giseke ,     Thrakisch  -  pelasgische     Stämme    16  f. 

phen,  Akus  u.  Phcreki/d.  b.  Strab.  10, 472.  Steph.  Hunckcr,  Gesch.  5r",  551  ff.     Tümpel,  Ares  und 

Bys.  s.  v.  KctßHQi«.    Nonn.  14,  21.  27,  121.  29,  Aphrodite  {Fleck.   Suppl.  11,  1880)  690  ff.   Be- 

194.30,61.   Preller,  Gr.  Myth.  1,501.    [Lorentz.]  merkungen   zu  einigen  Fragen  der- griechischen 

Kabeiroi  s.  Megaloi  Theoi.  Religionsgeschichte(Progr, Neustettin  1887)  18 ff. 

CO  22  f.    Heyelemann,  Arch.  Zeitung  1872,  35.    0. 

*)  Noch  vor  ihm  schrieben  über  den  ..orientalischen"  Puchstein,   das.   1881    S.  238  Taf.  12.     Spiro,  De 

Serakies:    0.  Miller,  Sandon  und  Sartlanajial,   Rheinisches  Euripidis     PhoenisSlS    (1883)    p.     8  ff.     Crusius, 

Museum   1829,    S.  22  — 89.    Movers,    Phönizier    1    S.  385ff.,  Allg.    EnCykl,     2    Sekt.    (1882)    32,     38  ff.     und 

ii  s.  109  ff.  mit  oishausens  Nachtragen,    r.  Röchelte,  Mi-  Programm    der    Thomasschule    1886     S.    14  f. 

vioires  sur  tllercule  Assyrien  et  Fhinicie.n.  Paris  1848.  BllSOlt,    Gr.    Geschichte    (1885)    49  ff.    J.    Töpffer, 

Anmerkung.    Sollten  durch  Auffindung  neuer  Frag-  ...     ^y          7      .      ,icicn\\    ßnqff       tp     TJn„c~i~..~    „.. 

,,  ...    ,       „,                   ..  ,   .      „  .,  t,,    .  Att.  Gcneiiluaie   (1889)   293  n.    Mi.  Hesselmeyer, 

meute    im  Britischen    Museum    in    nächster    Zeit   Ergan-  v; .      "  wl"M-l'wy"v    \    u      „„„,     ....   «,    .,~~    /•        o- 

zungon  des  wichtigen  Epos  möglich  werden,  so  würden  Du   Pelasgerfrage   (1890)   511t.  120  (im  Sinne 

dieselhon  unter  Nimrod  nachgetragen  werden.  von  Movers  und  Dlinckcr).     Studnicska)  KyrenC 


825      Kadmos  (in  Theben:   älteste  Zeugn.)  Kadmos  (in  Theben:  älteste  Zeugn.)      82G 

(1890)  S.  46 ff.  55ff.  71  ff.  (im  Geiste  0.  Maliers).  schaff  mit  dem  Sagenhintergrunde  des  Hesiod 
Maafs,  Gott.  gel.  Ans:  1890,  S.  348  ff.*)  beim  Hörer  voraus.  Ebenso  nennt  die  *ky- 
_.  .f.,  ..  „  klische  Thebais'  (fr.  2  p.  11  K.)  den  Helden 
f-  -uie  UDemeierung  als  a]ten  Landeskönig,  denn  Oidipus  ist  der 
I.  Kadmos  und  Harmonia  in  Theben.  Erbe  der  Schätze  Äa-d>0(0  &e6<figol0?.  _  Er. 
a.  Die  ältesten  Zeugnisse.  gebnis.  3.  Die  Beziehungen  dieser  ältesten 
Die  Tlieogonie.  1.  Die  erste  ausführliche  Zeugnisse  beschränken  sich  durchaus  auf  the- 
Nachricht  bietet  Hesiod.  theog.  935  ff.:  „Dem  bisch-boiotischen  Boden.  Kadmos  ist  1)  der 
Ares  gebar  Aphrodite  (Kv#ioEia  nach  Herr  der  yaia  Ka3fj.r]'ig',  hat  2)  Harmonia,  die 
epischem  Sprachgebrauch)  Phobos  und  Deimos  10  göttliche  Tochter  des  Landesgottes,  gefreit 
(937)  |  'jQfiovLTjV  %-'  r]v  Kädfiog  vnSQ&vfj.og  und  3)  —  nach  den  Bedürfnissen  der  lokrisch- 
&ir'  änoiziv.  Dem  Zeus  aber  gebar  Maia  boiotischen  Heroinenpoesie  —  vor  ejnem  ruhrn- 
den  Hermes:  (940)  |  KaS^eii]  3'  agcc  of  losen  Sohne  vier  Töchter  gezeugt,  deren  eine 
Sifiilrj  te'ke  qxxiSifiov  viöv  .  .  .  dimvvaav,  943  ihn  zum  Grofsvater  eines  neuen  Gottes,  des 
'Alv.\ir\vr\  3'  üq'  zzi-azs  ßiryv  'HQaxXrjtirjv.  In  Dionysos,  macht.  Von  der  folgenschweren 
dem  Kataloge  der  &tai,  welche  „mit  Sterb-  Verbindung  des  Kadmos  mit  Kreta  und  den 
liehen  göttergleiche  Kiuder  gezeugt  haben",  weitgreifenden  genealogischen  Bezügen  zu  Phoi- 
heifst  es  dementsprechend  nach  Erwähnung  nix,  Belos,  Neilos  findet  sich  keine  Spur;  auch 
von  Demeter,  lasios  und  dem  Plutoskinde:  scheint  die  Schwester  Europe,  deren  Name 
(975)  Käoficp  3'  'Agpovirj,  &vydzrjQ  %Qvoir]g  20  Theog.  357  einer  Okeanide  zugeteilt  wird,  noch 
'j4<j>qo3iti]s,  |  'Iva>  y.al  2i[i£Xr]v  xai.  'Ayavrjv  nicht  die  bewegende  Rolle  zu  spielen,  wie  in 
■nallmdorjov ,  |  Avzo  v  6  r\  v  9',  i]v  yfjfisv  der  späteren  Sage.*)  Doch  wurzelt  auch  diese 
Aoiazatog  ßa&v%aizi]g,  \  ytivazo,  nal  Ilolv-  Gestalt  auf  boiotischem  Boden.  Ihr  Name  ist 
Staqov  ivazscpdvip  ivl  -&qß]j.  V.  935  ff.  wur-  inixXr^eig  der  Demeter  in  einem  boiotischen 
zeln  gauz  in  thebisch  -  boiotischen  Verhält-  Kulte  (zu  Lebadeia,  Paus.  9,  16,  5,  Bd.  1 
nissen:  nur  in  Theben  findet  man  Ares  und  Sp.  1409,  Orusms  h.  Ersehn.  Gr.  a.  a.  O.  S.39), 
Aphrodite,  Kadmos  und  Harmonia,  Ino,  Agaue,  und  nach  Antimachos  bei  Stephanos  aus  Byzanz 
Semele  und  Dionysos,  Alkmene  und  Herakles  s.  v.  TEi'firjocös  =  fr.  3  p.  277  Kk.  (danach 
neben  einander  (vgl.  bes.  Tümpel,  Ares  und  Pausan.  9,  19,  1.  Stat.  Hieb.  9,  421  f.  und 
Aphr.  S.  690  ff.  705  ff.).  Dazu  stimmt,  dafs  30  Laetant.  z.  d.  St.)  war  die  $>oivix.og  kovqtj  in 
Theben  Op.  167  als  in  der  Kuäfirfidi  yaii]  liegend  einer  Höhle  des  teumessischen  Hügels  bei 
bezeichnet  wird  und  die  Thebaner  Theog.  326.  Theben  von  Zeus  versteckt  worden  (  Welcher, 
940.  Scut.  13  Kadmeer  heifsen.  Das  boiotische  Kret.Kol.il.  UngerpAböS.  Bursian,  Geogr.  1, 
Gedicht**)  vertritt  boiotische  Überlieferung.  —  224).**)  Und  wenn  Kadmos  nach  Pherekydes 
Kadmos  bei  Homer.  -.  In  den  homerischen  (Apollod.  3,  4,  2;  s.  unten  nr.  27)  das  Harmonia- 
Dichtungen  wird  Kadmos  nur  einmal  indirekt  Halsband  von  Europe  zum  Geschenk  empfangen 
genannt,  in  der  (zu  den  älteren  Teilen  der  hat,  so  mufs  der  Held  sie  nach  dieser  Sagen- 
Odyssee  zählenden)  Kalypso-Leukothea-Episode  Version,  wohl  in  Theben,  wiedergefunden  haben; 
s  333  f.:  xbv  dh  i'3tv  KdSjiov  &vydxriQ ,  doch  vgl.  nr.  77. 
■KuXXiayvQog  'Iva,  j  Asvaq& in,  r\  tlqiv  [ihv  tiqv  40 

ßqozbg    av3riaaaa,  |  vvv  3'    älog    h    nadyieai  *•    Die   'Üesiodisclien'   Kataloge  und 

iteäv  s|Efiftoj>£  zi^irjc.    In  der  Ilias,  wie  in  der  Verwandtes. 

Odyssee,    sind   die   Ka8y.üoi    und  Ka3y.siav£g  4.  DerHauptzugiujenenältestenNachrichten 

die  Bewohner  der  boiotischen  Thebe,  aus  der  ist  die  Vermählung  des  Heros  mit  der  Götter- 

sich    zahlreiche    ionische     Geschlechter     her-  tochter.  Mit  glänzenden  Farben  war  diese  Scene 

leiteten  (Niese,  Entw.  S.  111),   der  Dichter  hat  in  einem  alten,  in  den  Theognideis,  bei  Stesieho- 

also  an  den  thebischen  Kadmos  gedacht.    Doch  ros,  Herodot,  Pindar  und  Euripides  benutzten 

ist   die   alte   Flufsnymphe   und  Inachostockter  Epyllion   ausgemalt,    welches   man  mit  Recht 

zur    rettenden    Seegöttin    geworden,    wie    in  der   hesiodischen  Poesie   zugewiesen  hat   (vgl. 

Samothrake  (Piniol.  48  [2],  686*);   vgl.  Archi-  50  den  K))v*.og  ydfiog,   die  Peleushochzeit  im  Ai- 

lochos  11  noXXd  3'  ivirXor.duov  noXiijg  dXög  iv  gimios  und  andere  festliche  Existenzbilder  aus 

TiBldytaaiv  \  &£God[nvoi   ylv-Asqov    vöczov  .  .:  diesem  Kreise;  s.  Bergk,  P.  L.  Gr.  2  p.  119); 

Verse,  .die  man  weitaus  am  wahrscheinlichsten  am  wahrscheinlichsten  wird  man  dabei  an  die 

auf  die  Leukothea   von  Samothrake  und  Um-  Kataloge  denken,  aus  denen  die  erste  Notiz 

gegend   beziehen  wird.     Der   Dichter  schreibt  über   den   Europe-Raub    stammt   (Schol.    Yen. 

also   —   und   soweit  stimmen  wir  v.   Wilamo-  B.  II.  M  292  =  Hes.  fr.  58  p.  165  Bz. ;   vgl. 

witz,  Hom.  Unters.  129  bei  —  aus  kleinasiati-  Bd.   1    Sp.  1410  f.).     Derselben    Quelle    ist   die 

scher  Anschauung  heraus.***)    Die  andeutende  kanonische  Gestaltung  der  für  die  Genealogie 

Erwähnung   des  Kadmos   setzt   aber  Bekannt-  wichtigen  Spartensage,   wie   der   tiefe,    auf 

•3  Die  an  letzter  Stelle  genannten  Arbeiten  konnten  «o  kleinasiatisck-orientalische  Verhältnisse  Bezug 

erat  nach  Abschluft  des  Aufsatzes  benutzt  werden.  nehmende      genealogische     Hintergrund      der 

**)  Die  von   O.  Gruppe    {Gr.  Kulte  u.  Mythen   604.  611) 

empfohlene  Ansicht  setzt  an  Stelle  einer  gutgegründeten  *)   Die  Bd.  1    Sp.  1410   von  Heibig   angeführte  Ilias- 

Tradition   eine  neue  Hypothese,    die  nicht  viel   mehr  ist  stelle  -E"  321  gehört  bekanntlich    zu   den  spatesten  Inter- 

als  eine  Nachbildung  der  Peisistratos-Legende.  polationen;  vgl.  zuletzt  E.   Thrämer,  Pergamos  S.  128  f. 

***)    Das    älteste     datierbare    Zeugnis     ist    Alkman    83  **)  Anders  Kelbig  oben  Bd.  1  Sp.  1411,  dem  wir  freilich 

p.  62   B.   'Irih    oaAaooo/utdoio'    uv    unli    fiüodwv  .  .     Vgl.  auch    darin   nicht    beipflichten   können,    dafs   er   in    dem 

die  jlzw/.üSttt  in  Teos  C.  I.  Gr.  3066,  5.   Sc/ietfler,  de  rebus  Beiworte  ?.s/enoi^  eine  Anspielung  auf  das  Brautlager 

Teiorum  7.  sehen  möchte. 


827      Kadmos  (in  Theben:  b.  cHesiod'  etc.)  Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.)      828 

Vulgärüberlieferung   zuzuweisen.     Als   epische  667  äictg  auciTOQog  \  ipgadaioi  IJaXXäSog  \  yaizs- 

Konkurrenzquelle   darf  die   unter  dem  Kamen  zsig    Sv&mv    böcvzag     |    tlg  ßa&vG7tögovg   yvag 

des  '  Mvsaios'  kursierende  Titanomaclue  sowie  [so  richtig  bezogen  von  Valckenaer,  vgl.  Apollod. 

die    korinthische    Eigcänsia    (des    '  Eumelos'),  3,  4,   1   xzitvii  zäv   ägäxovza   xal  zrjg  'Afhnväg 

möglicherweise  auch  der  Aigimios  gelten.    Die  v7io&£fiivrjg  zovg  iäövzag  avzov  aitiigii  =  Schol. 

Überlieferung  unserer  Mythographen  {Apollod.  Hom.,  Hyg.fab.  175  Minerva  monstrante  sparsit. 

3,  1  ff.  Paus.  9,  5.  Sygin.  178,  6.  Schol.  Aesch.  et  aravit  =  Ovid.  3,  lOlff.  Pallas  adest  .  .  . 
Sept.  469.  Schal.  Eurip.  P hoen.  688.  Schol.  Plat.  sulcum  patefecit  aratro  etc.  Nur  ein  verdichteter 
Bep.  9,  460  p.  419  B  u.'  s.  -w.)  geht  durch  Ver-  Ausdruck  derselben  Überlieferung  ist  es,  wenn 
rnittelung  anonymer  'Handbücher'  über  Lysi-  10  nach  dem  Schol.  zu  Phoen.  670  Stesichoros 
machos' 0rjßa'ty.d  (F.  H.  G.lll336&.\  Hillanikos  iv  Evgamia  zijv  'Aftrrväv  taita.QY.ivai  rovg 
und  Pherehjdes  gleichfalls  auf  jene  epischen  öäovzag  cprjaiv  =  fr.  15  P.  L.  Gr.  vol.  3  p.  211 
Quellen  zurück.  Auch  die  römischen  Dichter,  Bgk.Y)  üv&sv  i^avfjxs  yä  \  nävonXov  oipiv  imlg 
in  erster  Linie  Ovid  (Met.  3.  4,  600),  folgen,  von  äxgcov  |  bgcav  %&ov6g-  [v.  818  i'zixeg,  tu  yä  . . . 
einzelnen  colores  abgesehen,  im  ganzen  wohl  zäv  äno  ^qgozgäcpov  qpoiviv.oXocpoio  ägdxovzog 
mythographischer  Tradition.  Im  Nachstehen-  yivvav  ääovzoapvfj,  vgl.  Pind.  Isthm.  7,  10,  13 
den  soll  eine  summarische  Scheidung  der  Über-  EnagzoZv  änuiiavzoXoyxäv ;  fr.  29  p.  379  Bgk. 
lieferungversuchtwerden,  wobei  freilich  manche  Gitagiäv  isgov  yirog  ävögäv;  Aesch.  Sept.  399 
Einzelheit  problematisch  bleiben  wird.  —  Kad-  (412),  461  (450),  Soph.  0.  C.  1539,  Ejir.  Bacch. 
mos'  Ankunft;  die  Drachen-  und  Sparten-  20  1025.  1314.  Herc.  5,  Senec.  Herc.  für.  260  ff.] 
Sage.  5.  Unmittelbar  ans  der  epischen  Quelle  oiäagocpgcov  \  äe  viv  cpövog  ndXtv  £vvf)ips  yä 
geschöpft  sind  die  einschlagenden  Stellen  der  fiXa,  |  ai'jiazog  ä'  säsvcs  yaiav,  a  viv  evsiXoiGi 
curipideischen  Phönissen  (vgl.  unten  nr.  12  ti'.),  äiigtv  aiirigog  nvoaig  [=  Ovid  Met.  3,  121 
besonders  das  Chorlied  v.  638  ff.,  von  dem  wir  non  longius  Mo  [als  sein  Gegner]  |  vixit  et 
ausgehen*):  Kääjiog  .  .  .,  a  zizgaGy.iXljg  \  eccspirat  modo  quus  acteperat  auras,  125  iu- 
fiöaxog  äääaazug  nia^ua  |  öi'xe  xtXEGtpogov  ventus  \  sanguineam  tepido  plangebat  pectore 
äiäovGu  |  xQrfBfiöv,  ov  v.azotxiGai  \  niäi'a  viv  matrem.  Apollon.  Bhod.  Argon.  3,  1186  Kää- 
zo  &ioq>azov  |  nvgocpoo'  'Aöviav  iiqt]  |  645  v.aX-  [log  . . .  yairty£vri  ti'aazo  Xaöv  I  "Agiog  äjiiäovzog 
Xin6zatj.og  vdazog  Tvu  ze  \  vozig  inigxszai  gvzäg  ogoi  vno  öovgi  Xinovzo  v.zX.  Vgl.  3,  1172  = 
Jig-xag  .  .  yvag  ....  (Schol.  Aesch.  Sept.  469  6  30  Eumel.  fr.  9  p.  191  AT;.].  —  6.  Zu  ergänzen  ist 
öl  ortös  imiv  avzüi  pszä  zä  s^sWclv  .  .  zä  Euripides  durch  Aischylos  beim  Schol.  Eur. 
eiiQi&tvzi  üv.olov&iiv,  Eustath.  p.  270, 3  ^p^oö'at  Phoen.  942  oi  TtsgiXtKf&ivztg  zäv  Xnagzäv, 
S\  ödrjyä  .  .  zä  ngazoi  naQazvxovzt;  vgl.  Schol.  ä>g  Ai6%vXog  (fr.  376  p.  110  JS'°).  cprjciv,-  ifiav 
Apoll.  3,  1178  iv  äs  xta  xgixco  zr}g  Movoaiov  X&oviog  Ovöaiog  |  TleXcogog  (falsch  ver- 
Tizaioyoatptag**)  Xiytzai,  wg  Ä'ad'fiog  iv.  zov  standener  Genetiv?)  'TTCiQr'/VcoQ  'E % i <o t: **) 
jJiXqjiv.ov  inogivtzo  TtQOv.aifrjyovtiivrig  avzcö  [Vgl.  670,  wo  hinzugefügt  wird:  v.azä  äh 
T?js  ßoog;  ebenso  Ovid  Mttam.  3,  10.  Eurip.  Tiuayögav  v.al  Kgicov,  s.  Spiro  p.  9].  Ahn- 
Phoen.  638'  p.  313,  17  Schw.  Norm.  4.  Ptndar.  lieh  aus  gleicher  Quelle  Schol.  Apollon.  3,  1178 
hymn.  fr.  (5)  29  p.  379  Bgl;.  'laiirjvdv  /j  %gv-  =  Plurekydes  fr.  44  EHG.  1  p.  83  9vr\- 
euXüXazov  MsXiov,  |  7}  Kää/iov  JJ  anagxäv  40  exovat,  nXi[V  nivzt  ävSgäv  Ovöaiov  X&oviov 
isg'ov  yivog  avSgäv,  \  .  .  .  r)  zäv  Jtoivveov  'E%iovog  DiXcogog  Titigrlvogog  v.ai  avzovg  6 
TtoXvya&ta  zt[iäv,  j  T[  yd[iov  XevkcoXevov  Äaöuog  noitizai  noXizag  nazoinioag  avzovg  iv 
Agy.ov tag  vixvrjooiisv).  657  i'v&a  cpöviog  Qqßaig:  Exe.  bei  Schol.  Pind.  Isthm.  7,  13. 
r)v  Sgäy-mv  |  "Agtog  (Ocid  Metam.  3,  32  Apollod.  3,4,  1;  kürzer  Hellanikos  [durch  lysi- 
Mtirtius  anguis;  ähnlich  Stat.  Theb.  10, -612.  machos  Tlttb.]  Schol.  Apoll.  3,  1178  (fr.  2 
2\onn.  Bioii.  4,  35S,)***),  cofiöcpQOv  cpvXa£  IHG.l  p.  45):  «ßt  EXXäviv.og  iv  a'  <I>oga>i'iöo£, 
vduaz'  z'vvdga  uai  ois&gu  |  xXotgä  dsgyiiäzwv  iazogäv  ozi  v.ai  zovg  öäovzug  i'cnngs  d'gäy.ovzog 
v.ogaici  TzoXvnXävoig  tniGY.onäiv  ov  tili  xigv  1-  *axä  "Agiog  ßovXijaiv  (abweichend).  y.ai 
ßag  u.oXu>v  \  Käöixog  mXsae  ixaguägco  [vgl.  Schol.  iyivovzo  nivzi  ävögtg  hvoitXoi,  OvSaiog, 
Phoen.  662  ißoiXszo  yäg  zfjv  ßoi'v  tfvaat  .  .,  50  X&övi  og,  TIiXcog,'T7iE  grjvwg,  E%iw  v.  Vgl. 
ort  GviißoXov  .  .  y.syovs.  ö  u.hv 'EXXävixog  das  Scliol.  zu  1185,  wo  der  Gegensatz  zu 
(/)-.  9  p.  47)  Xi&m  eprioiv  ävaigtiri,vai  zov  Plurekydes  (und  Apollonios)  betont  wird.  Hella- 
ögäy.ovza,   0  dh   &£g£xvärig   ^icpsi.    Nonnos  nikos  hat  offenbar  in  summarischer,  auf  genea- 

4,  469  verbindet  beides,  bei  Ovid  8,  60  prallt 

der    Stein    wirkungslos    ab,    S.  unten    nr.    100]  f).  XVII,  in  dev  Rede  des  Hermes  p.  47  [Flindera  Petrie  Papyri 

t.  II  p.  7]:    ötav   tlf    trämtjs   ä?.o/ov    Eig    nigar    zi&eii,   | 

*)  Vorlage  für  Seheca  Oed.  731?    Dafs  Euripides  dem  aagxüiv  a&goioag  ri,;  ta?.ain<hoov  tpüatv(?)  |  uotea  TZupwaag 

Hellanüios    folgt,   vermutet    (kaum    mit    Recht)    Pomiow  ^geog  eis  XQijVtiv  fiaZetv,  \  lu;  av  ro  J ur/.)};  vvofi   enwvvnov 

de  Xantho  et  11er.  p.  S.  '-"ftü  I  *?'!'V  '  «rtv  gnougosdiBiatraazeog  |  nidia  tu  QrtpiJS 

**)  Wenn  Hygin  den  Kadmoa  sorti  audiia  .  .  ad  Castalium  hdaoiv  igägdoiv  dei  ....     Auch  in  der  Antwort  des  Lykos 

fontem  kommen  liifst,  qwm  draco  Martisßlius  cuztodiebat,  so  ^  erscheint  die  'L-lnto;  xgrp'ij  neben  den  fcadfiuv  oxiJTtrga.'} 

hat  er  wohl  dasselbe  mythographisebe  Handbuch-  benutzt  *)  Die  Abweichung  genügt  immerhin,  um  die  Meinung 

und   mifsverstanden ,    vou  dem  Ocid  Melam.  3,  14  ff.    ( l'ix  Sjiiros'(de  Eurip.  P/ioert.  p.  9),  dafs  Euripides  ans  Stesichoros 

o?ne  Castalio    Cadmus   descenderat   antro   etc.)  abhängig  itt.  geschupft  habe,  als  zweifelhaft  erscheinen  zu  lassen. 

***)    So    ist   wohl  richtig   korrigiert;    Sciiwarlz.   Fleck.  .    **)    Nauck    vermutet,    dafs    die    Namen    nur    in    den 

Suppl.    12,   457    (=    S.   üi    der    Sonderausgabe    zu    Ehrcu  AescttyLos-Scholien  genannt   uud  durch  einen  sehr  gewöhn- 

ßüchelcrs)  setzt  freilich  ein  Kreuz.  liehen  Irrtum  dem  Dichter  zugeschoben   seien:    was  sich 

t)    [Die  Aresquelle  —  Dirke  wird  erwähnt  auf  einem  nicht    ausmachen    lafst;    noch    bestimmter    aufsert    sich 

Papyrusfragmeute  aus  der  Antiope  des  Euripides.  für  dessen  Spiro    de    Eurip.    Phoen.    p.    9:     man    denke    aber    an    die 

Mitteilung  ich  J.  P.  ilahaßy  sehr  verbunden  bin,  Sermaihena  Namenreihen  in  den  Persern 


829      Kadmos  (in  Theben:  b,  'Hesiod'  etc.; 


Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  ete.)      830 


logische  Zwecke  gerichteter  Darstellung  den 
ihm  unverständlichen  Spartenkampf  ausge- 
merzt. —  7.  Der  Schlufs  des  Abenteuers  er- 
gänzt sich  aus  Apollod.  3,  4,  2 :  KdSfiog  31 
üv&'  a>v  Hktslvsv-  ätöiov  sviavxov  (poetischer 
Ausdruck)  i&j'jxevoev  AQsy  rjv  de  6  evictvxog 
tote  oKTiii  Hxn ,  Tgl.  den  konfusen  Bericht  des 
Schol.  Hom.  II.  B  494  (Hellem,  fr.  8  FEG.  1 
p.  47)  ÖQyio&Evrog  äi  "Agsiog  ual  (isXlovzog 
Kddfiov  avuLQiiv,  sHoikvotv  b  Zsvg.  v.a\ 
'Agfioviav  avxä  GvvoWios,  xr\v  "AQsmg  xal 
'AcpQoä lxtj  g^  TTQOxtQov  äs  ixilsvasv  avxöv 
dvxl   xrjg   avaigsoecog   xov    ägd-Hovxog    sviavxbv 


nr.  3226) ,  von  dem  lucanischen  Künstler 
Assteas  (bei  Millingen  Mon.  ined.  1,  27.  Mas. 
Horb.  14,  28,  vgl.  Abb.  1)  zeigt  die  Kampf- 
scene  mit  dem  bescheidenen  Personal  des 
Euripides:  1.  A0HNH  als  Schutzgöttin  und 
Ratgeberin,  in  der  Mitte  die  Hauptperson, 
KAJMOS,  mit  dem  boiotisehen  Helm,  Schwert 
und  Speer  in  der  Linken,  in  der  Rechten  den 
hochgeschwungenen  Steinblock.  Das  Wasser- 
10  gefäfs,  das  uns  an  den  Zweck  des  Angriffs 
erinnert,  ist  der  B.  entsunken;  von  „Geführten" 
keine  Spur.  Auf  höherer  Staffel  erscheinen 
die  Ortsgottheiten :  ISMHNOE  als  weifsbärtiger 


^wgTgg  g/gWggjg  ^^(g)/pj/w<§i/cgy  ^/g)/gj/(5>  r4j^7W^r 


1)  Kadmos  mit  Hilfe  der  Athene  den  Drachen  tötend;  anwesend  Ismeno6,  Krenaie,  Thebe,  Vasenbild  des 
Assteas  (nach  Millingen,  Mon.  ined.  1,  27.) 


&x]xsvaai  v.xX.  (trotz  des  Sehlufscitats  wegen 
schol.  Apoll.  1.  916  =  Hellem.  /V.  129  nicht 
aus  Hellanikos ,  vgl.  Schwarte,  De  schol.  Hom. 
p.  45866).  Aus  den  Worten  äv&'  äv  i'nxsi- 
vtv  ist  zu  schliefsen,  dafs  Kadmos,  wie  bei 
Nonnos  4,  427  ff.,  zunächst  selbst  in  den 
Kampf  eingreift  und  nalijxcpvsmv  Htxkdfiriv 
rjfinas  yiydvxcov  (Norm.  4,  442).*)  —  8.  Von 
denselben  Vorlagen  angeregt  sind  einige  in  den 
wesentlichen  Zügen  übereinstimmende  Vasen- 
bilder   freieren    Stils.      Das    eine    (in  Neapel, 

*)  Das  späte  Schol.  Tzetz.  Lykophr.  3  p.  391  verwirrt 
Kadmos  und  Kekrops,  Sparten  und  Erechthideu  und  be- 
ruht schwerlieh  auf  antiker  Überlieferung. 


Alter  mit  dem  Skeptron ,  KPHNAIE,  ein 
diademgeschmücktes  Mädchen  —  doch  wohl 
als  Nymphe  der  umstrittenen  xgrjVTj  'Agrjxidg 
aufzufassen  (vgl.  den  nynvpha  Isuunide  natus  .  . 
Crenaeus,  Steit.  Theb.  9,  320*))  — ,  und,  mit 
60  einer  in  Mythus  und  Kunst  nicht  ungewöhnlichen 
„Prolepse",  die  Irönigliche,  an  das  Here-Ideal 
erinnernde  Ge-talt  der  0HBH.  Die  Darstellung 
geht  in  den  Versen  des  Euripides  ohne  Rest  auf. 
Die  Vase  bei  Millingen,  Mon.  ined.  2,  25  =  G.M. 
18,  395  (Inijhireimi,  Vasifitt.  239)  weicht  nur  in 
Nebenpunkten  von  der  eben  besprochenen  ab. 

*)  Der  Artikel  fehlt  Bd.  1  Sp.  930;  s.  Ärenaios.   Heijde- 
mdiui  S.  36  erkennt  ,,ein  Brustbild  des  Thors  Krenaiai  ('?)". 


831      Kadnios  (in  Theben:  b.  eHesiod'  etc.)  Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.)      832 

Kadrnos  trägt  statt  der  Waffen  das  Wasser-  zigoig,  |  v.al  Kqovov  naiSag  ßaadriag  i'dov 
gefäfs  noch  in  der  Hand;  zur  Seite  stehen  %QVCgaig  iv  Zäguig,  ZSva  zs  |  (95)  äi^avzo  • 
zwei  Frauen  (Ortsnyrnphen?),  und  auf  oberer  Jibg  äs  %ugiv  |  iv.  irgozigav  fiezau.SLTpajj.svov 
Staffel  Aphrodite,  Hermes,  Pan  und  ein  Satyr:  y.updxmv  sozuauv  og&üv  -AagSiav.  iv  d'  avzs 
unverkennbar  eine  Abweichung  von  dem  älteren  igövca  |  zbv  iisv  (Kadmos)  i'S,siaiai  irvyuzgsg 
Typus.  Verwandt  sind  endlich  auch  verschie-  sgrjtiaaav  nudcug  |  svapgoavvag  fiigog  v-xX. 
dene  abbreviierte. Darstellungen,  in  denen  der  Vgl.  Apollod.  1,  4,  2.  Schol.  II.  B  494  iv  äs 
Held  den  Stein  als  Waffe  benutzt:  eine  vul-  zip  ydfica  Movoag  äaui  xal  zmv  &stäv  sxuozoii 
center  Schale  Gatal.  Durand  nr.  19,  abgeb.  'AgaovCa  äcogov  äovvai.*)  Es  wird  der  ogu,og  der 
Abh.  d.  k.  sächs.  Gesellschaft  d.  Wft.  1875,  in  Harmonia  sein,  den  Hesiod  fr.  252 Bz.  (Suid.  s. 
T.  III  C  (Athene  giebt  KAdMog  den  Stein  zum  äyaXuu)  als  ccyaXeia  bezeichnete.  —  11.  Den  Zug, 
Kampfe);  ein  Krater  aus  S.  Agata  di  Goti  in  dafs  die  Götter  ihren  Lieblingen  Geschenke  dar- 
der  Ermitage  847  =  Gerhard,  Etr.  Camp.  Vas.  bringen,  hat  diese  Darstellung  mit  der  Peleus- 
C  6;.  (K.  mit  dem  Stein  ausholend,  vordem  sich  hochzeit  gemein**);  den  Hauptnachdruck  legte 
aufrichtenden  Drachen,  r.  Athene,  1.  o.  Pan);  sie  aber  auf  denHymenaeus,welchenApolio, 
ein  Vasenbild  bei  B.  Bochette,  Mon.ined.i,  2;  die  Musen  und  Chariten  anstimmen  zu  Ehren 
vgK Meydemcmn  S. 35 f.  u.  im  Hallenser  W inckel-  der  Braut,  die  wohl  auch  nach  epischer  Tra- 
maimsprogr.  1876,  1*.  Auch  die  einschlägigen  dition  (vgl.  Hom.  hymn.  2,  17,  195)  ihre  Ge- 
Münzen (eine  gute  Abbild,  bei Keller-Imhoof  KU,  nossin  gewesen  war  (hiernach  ist  Sp.  1831  f. 
27)  u. geschnittenen  Steine  (  Winckelmannsprogr.  20  zu  moditicieren).  Vgl.  Pindar  fr.  32  (aus 
p.  317,  Toelken,  Vers.  S.  57,  vgl.  Pervanoglu  einem  mit  Pyth.  3  auch  dem  Sinne  nach  ver- 
Ann.  1859  p.  150,  Arch. Ztg. IX 1851  S.  94*.  102?)  wandten  Hymnos)  zov  Zrsov  (Apollon)  |  äy.ovcs 
beschränken  sich  meist  auf  die  Figuren  des  Kad-  Kddfiog  tj,ovoixdv  ög&dv  imasiy.WLi.ivov ;  Eurip. 
mos  und  der  Schlange*).  Dem  Mythologen  bieten  Phoen.  7  u.  822  'Agfioviag  äi  noz'  sCg  vus- 
sie  nichts  Neues,  brauchen  daher  hier  nicht  ge-  vaCovg  \  f^.v&ov  OvgavLäai  nzl.  Eine  Remi- 
nauer  besprochen  zu  werden.  Vgl.  jedochnr.  73. —  niscenz  aus  dem  Musenliede  hat  uns,  wie  schon 
0.  Die  Hauptzüge  sind  hiermit  als  einheitliche  alt-  Bergk,  PLGr.  2  p.  119  vermutete,  der  dritte 
epische  Tradition  erwiesen.  DerheimatloseKad-  einleitende  Hymnus  der  Theognidea  bewahrt: 
mos  befragt  das  delphische  Orakel;  dieses  heilst  Movclxl  »cd  Xagitsg,  nobgcci  Jiäg,  ai  nozs 
ihn  dem  folgen,  was  er  zuerst  antrifft.  Gleich  so  Kuäuov  \  ig  ydu-ov  il&oboeu,  y.albv  äsioctz' 
in  der  Nähe  des  Tempels  sieht  er  eine  Kuh,  S7iog'  \  ozzi  y.albv  tpiXov  iozi-  xb  ä'  ov  y.uXbv 
der  er  nachwandert,  bis  sie  sich  niederlegt.  ov  tpikov  icxiv  xzX.:  ein  sprichwörtlich  ge- 
Das  geschieht  im  „aonischen  Gefilde".  L'm  wordener  Vers,  auf  welchen  Earipides  (Bakch. 
für  das  Opfer  Wasser  zu  holen,  geht  der  Held  881  o  xi  %albv  api'Xov  äsi,  Phon.  814  ov 
zur  Aresquelle,  erlegt  mit  einem  Steine  den  ydg  o  lli]  v.aXbv  ovnox'  s'cpv  qpiXov  [xceXbv 
areischen  Drachen  und  säet  seine  Zähne  auf  Hss.,  korr.  Valck.])  und  Plato  Lys.  p.  216  C 
Rat  der  Athene  (Ares  bei  tiellan.  Pherek,  Eurip.  Bezug  nehmen.  Die  rnythographische  Tra- 
Herakl.  ist,  wie  die  Übereinstimmung  der  Vasen-  dition  berichtet  kurz  bei  Apollod.  3,4,2:  Lt-txä 
bilder  und  Dichter  ergiebt,  sekundär,  s.  nr.  19);  ds  xijv  ftrizsiav  'Atti^vlx  avzä  ßctoilsLctv  y.azs- 
gewappnete  Männer  steigen  aus  der  Scholle  10  aysvaas ,  Ztis  äs  säoixsv  ccvxä  yvvaiv.a  'Aqllo- 
empor,  geraten  in  Streit  und  fallen  im  Wechtel-  viav,  'Atpgoäiztjg  ««1  "Agsog  irvyctzsga,  uul 
mord  bis  auf  fünf,  welche  Ahnherren  der  ein-  Ttdvxig  artol  ■nazaXitiovx^g  zbv  ovqavbv  iv  xy 
geborenen  Adelsgescnlechter  werden.  Für  den  KuSfisia  zbv  ydfiov  ivaiovfitvoi  y.a&vuvrjoav. 
Drauhenmord  mul's  derHeld  Blutsühne  leisten. —  säoixa  ös  avzf]  Käbfiog  ninXov  %ul  zb'v  !j(pat- 
Die  Hochzeit  mit  Harmonia  (vgl.  oben  Bd.  1  axoxtvKzov  oq^iov,  ov  vnb  'Hcpai'azov  Xiyovai 
Sp.  1830).  —  10.  Die  'hesiodische'  Überlieferung  zivsg  boüijvai  Kääfiio  .  .  .***) 
von  der  Kadmoshochzeit  läfst  sich  aus  den  Die  Genealogie  der  Kataloge;  Kadmos 
Nachbildungen  der  Lyriker  und  Dramatiker  mit  und  Europe.  —  1-.  Da  eine  Reihe  wichtiger 
Sicherheit  erschliefsen.  Den  Vergleich  mit  der  Glieder  der  Genealogie  bereits  in  Einzelartikeln 
Peleushochzeit  zieht  schon  Pindar,  Pyth.  3,  50  behandelt  sind  (s.  bes.  Apis  2  Bd.  1  Sp.  421  f., 
88  (152)  ff'.:  cticöv  ä'  äocpaXrjg  \  oiy.  iysvz'  ovz'  Agenor  Sp.  102ff.,  Argos  537ff.,  Belos  778f, 
Alay.iba  jrorpa  XlrfXti  \  ovzs  nag'  civrt&im  Epaphos  Sp.  1278,  Europe  Sp.  1410  f.),  so  be- 
Kcedfia'  Xiyovzut.  f.idv  ßgozcöv  |  olfiov  vnigxa-  schränken  wir  uns  darauf,  nach  der  nur  in 
zov  öl  0%sCv,  oi'xs  Kai  %gvGuy.Ttvy.u>v  \  ijaX-no-  wenigen  Punkten  modificierten  Rekonstruktion 
y.tväv  iv  oqei.  Moieäv  y.ct.\  iv  inzaiivXoig  i  von  Kirchhoff  (Odyssee-  p.  326  11'.),  K.  Tümpel 
ä'Cov  &ri§aig,  öirötf'  'AqiiovCav  yS.fisv  ßoäniv  (Aithiopenländer  135.  178f.)  und  Maafs  {de 
b    äs   NrjQiog    svßovXov   Qiziv    naCSa   y.lvzuv.  Aeschyli  Suppl.   p.  XXIV  sq.),    die  wichtigste, 

[Str.   f'    1651    aal   tTsoi    äaieavxo    nag'    äuqn-  .  ,„,,,          .            .  .      ... 

J                                                             s          ~ T  *)   Das    folgende    lOTooet     L/J.arty.o;  kaun    sich   nicht 

*)   [Da9  wichtigste  Stuck  ist  eiue  neuerdings  von  Furt-  auf  diese  Nachricht  beziehen,  vgl.  oben  nr.  7. 

u-ängler.Märzsilz.d.A.Ges.mi.  £.£.  Z.  1891,471besproehene  <>0         **)  Vgl.  B.  Niese,  Entw.  d.  hom.  Poesie  41. 

griechische  Schale  der  Sammlung  Branteghern,  noch  aus  ***)  Spiro  p.  7  meint,  dafs  es  lediglich  der  7.  Vers  der 

dem  5.  Jahrhundert:  Kadmos,    mit    dem  erhobenen  Stein  Phoenissen    [o;   naida    yyfiag   Kvnoiöo;   y.T?..)    sei,   welcher 

in  der   r.,    die    Cblamys   über   die    1.    geworfen,   vor   ihm,  dieser   "Überlieferung  von    der  Kadmoshochzeit  die   mafs- 

aufgerichtet,   die    Schlange       Leider  fehlt  die  Beiscbrilt:  gebende  Stellung   bei  den  Mytbographen  verschafft  habe. 

aber  an  eiuen  andern  Helden,  als  Kadmos,  kann  um  diese  Die  oben   zusammengestellten  Thatsachen   überblickte  er 

Zeit  bei  attischen  Künstlern  kaum    gedacht  werden.  Der  schwerlich.      Das    Albanische   Relief   ist    mit    Unrecht    auf 

Typus  entspricht  den  unter  nr.  89  reproducierter  Münzen  die   Kadmoshochzeit   bezogen,    vgl.  Crusiw ,    A.   E.    S.  41 

sowie  (von    dem    Gotterpersonal    abgesehen)    dem    Krater  Anm.    und    zuletzt    P.   Schmidt,    de    Hymenaeo    (Kiel    &6J 

bei  Gerhard  oben  2.]  p.  65  ff. 


833    Kadmos  (in  Theben:  b. 'Hesiod' etc.)  Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.)     834 

unmittelbar  hierhergehörige  Partie  des  Stern-  i^svio&slg   rjl&sv   sig  Asltpovg   nsgl   xijg  Evgcö- 

mas  mit  Apollodor  2,  1,  4  und   den  Fragmen-  nrjg  nw&uvopsvog.    b  äs  &sbg  slns  nsgl  Evqw- 

ten  der  Kataloge  hierher  zu  setzen.  nrjg  jmj  nolvngayiiovsiv,  xqfjO&ai  äs  Y.a&oöriyä> 

Neilos                                         Phoroneus  P??.    "*£• ,   ^S\,      ^^      ^    5 !      fa8t     WÖrtlicil 

|  gleich  Schol.  11.  B  80),   ähnlich   Schol.  Eurip. 

Eelos  ^Anchirrhoe                     Kassiope— Epaphos  Phoen.    638    p.    313    SchlV.    Kdä/iog    lr\xäv    xr\v 

ThronleiHermaon                               Libye       Neilos  ä8tl<pqv    Evganrjv  _  fiavxs lov     IXuBs ^  IWqI   Tyg 

\                                                              |  aöslrprjg  oväsv  antra  orjfiazvov,  all    mozs  avxov 

Arabos  (fr.  45)                                          Agenor^Argiope  S^sl&Övta     tnsoftai     ßoi     %xl.).       Im     folgenden 

Kassiepeia Jm^rmürThL^STmos  10  \at  nur  dje  unhesiodische  Fassung  ausgeschrie- 

|  ben,  statt  deren  die  oben  nr.  9  rl.  erschlossene 

Phineus       Europe*)                      Sarpedon  Überlieferung  einzusetzen  ist.  —  15.  Die    mit 

(fr.  79).    (fr.  55.  S  S2i)                     Minos.  Sicherheit   zu  gewinnenden  Hauptdaten  sind: 

—  13.  Die  Sage  von  den  Wanderzügen  des  Kad-  Kadmos  ist  Sohn  des  Agenor,  Oheim  {y.aoCy- 

mos   liegt  völlig  im  Gesichtskreise  dieser  zu-  vrjxog  im  alten  Sinne?)  der  Europe,  die  von 

erst  von  Kirchhoff'  für  die  Kataloge  in  Anspruch  Zeus    entführt     wird,    und    Bruder    des    Kilix 

genommenen  Genealogie,  darf  also  schon  des-  Phoinix  Thasos  (Agenor  zeugt    hier   also  vier 

halb  dem  Kataloge  zugesprochen  werden.    Zur  Söhne,    wie  Kadmos    in   der  Theogonie  umge- 

Bestätigung  dient,  bei  der  schon  oben  erhärteten  kehrt  vier  Töchter).    Der  König  schickte  Frau 

Abhängigkeit  des  Euripides  von  den  Katalogen,  20  und  Kinder  aus  mit  dem  Geheifs,  die  Verlorene 

der  Prolog   des  PItrixos  Schol.  Ar.  Hein.  1Ü5  zu  suchen  oder  die  Heimat  zu  meiden.    Als  alle 

=  fr.  819  p.  627  N."  Siäaviov  nox'  äexv  Kdäfiog  Anstrengungen  fehlschlagen,  besiedeln  die  Ge- 

sxlincov,  |  'Ayr'jvoQog  naig  r)l&s  OrjßaCav  %Qöva  |  schwister    verschiedene  Landschaften    an    den 

$olvi%  nscpvyoig,  sv.  ä'  djisißszai  ysvog  |  'Ellrj-  Küsten   des   Aigäischen   Meeres,   Phoinix  und 

vinöv,    <Jigy.aiov    ol-nriaag    nsäov.   \   y    ä'    rjl&'  Kilix  im  Süden,  Thasos  und  Kadmos  im  hohen 

dvdyy.rj    nsöia     <Poivixrig    Xmcäv    |    Isyoifi'    av.  Norden,  in  Thrakien.     Dann  zieht  Kadmos  — 

rjoav  xgsig  'Ayrjvogog  -nogoi,  |  Kili'&,  äqj'  ov  y.al  immer    auf    dem    Landwege    —    weiter    und 

Kilitiia    mxÄrjoxErai,    |    Qotvi'g    &'    b&sv    nsg  kommt  nach  Delphi. 
xovvofi'  r;    %cöga  cpsgsi,   |  y.al  ©äaog   (nicht   zu 

korrigieren,  vgl.  Her.  2,  44.  6,  47.  Paus.  5,  25,  30      Epische  Parallelquellen.— -16.  Diepoetisch- 

12.   Con.  37.  Norm.  2,684,  St.  Byz.). —  14.  Da-  mythographische  Überlieferung  baut  sich  also  im 

nach  läfst  sich  in  der  aus  verschiedenen  Quel-  ganzen  auf  nach  dem  Plan  und  dem  Material  der 

len  kontaminierten   rnythographischen  Haupt-  Kataloge.     Doch  sind  in  ihr  zahlreiche  fremd- 

urkunde    bei  Apollodor   3,    1    (Eygin   178,   6.  artige  Stücke  eingesprengt,  deren  Mehrzahl  aus 

Manilius    bei  Varro  de  ling.   lat.  5,   31    fr.  4  einem  einst  zusammenhängenden,  an  die  Argo- 

FrPB.  p.  284  u.  a.)  ein  hesiodischer  Kern  mit  nautenlieder(f£'i(me/os'?  vgl.nr.  19ff.)  angelehn- 

Sicherheit  ausscheiden:  'Ayr'jvcog  äs  nagaysvo-  tenGanzen  losgebrochen  sein  mufs.     Wir  ordnen 

fisvog    sig    Evgomrjv    (aus    dem    Morgenlande)  sie    in    der    bisher  beobachteten   Reihenfolge. 

yafiEt  Trjlicpacßav  y.ui   xsy.vot   ftvyaxsgu  (isv  Kadmos'  Ankunft;  Kämpfe  imd  Abenteuer; 

Evgiinrjv ,  naiäag  äs  KuSfiov  yal  $oiviv.a  %al  40  Hochzeit.  —  17.  Kadmos  erhält  folgenden  (Jra- 

XlIihcc  .  .  .  depavoig   äs   EvQWTtrjg  ysvoiisvrjg   b  kelspruch  bei  Schol.  Eurip.  Phoen.  638   p.  313 

■n.a.zriQ    ctixrig   'Ayr]vag    inl    grjzrjßiv    s'£snsy.ips  Seine.  =  Hendess,  orac.  fr.   1  p.  27;  von  ünger 

xovg   naCSag    ilncov    (irj    tiqoxboov    avciGXQttpiiv  und    3Iiiller   EEG.  3  p.   157    auf  die  lorfi^täv 

Ttoiv  äv  ifcivgcoBLV  Evqiimrjv   (=  Schol.  AescJi.  ovvaycoyrj    des    Mnaseas    [kaum    die    primäre 

Septem  469/473.   Eyg.  178).    evri^ffifts   dt  E7U  Quelle]  zurückgeführt:    tpQu&o   Sr)   zbv  (iv&ov 

xr[V   'Qr]xrjt>iv  avxfn  Trjlicpaßaa   17    fir]zr]Q  ...**)  'AyrjvoQog  i'yyovs  KctSfif  |  rjoig  iygcjiEvog  tcqo- 

ag    üh    nüeav   tzoiovjievoi-   £r)xr]6iv  bvqelv  ))eav  Intiav    ifti    llv&o]    Siuv  |  rföüS'    t%uiv    ia&fjza 

EvQf}>Ttr\v  aövvazoi,   xr\v    slg  oiyov  ava%OtuSrjV  v.ai    alyavsrjv    fisxa   %sqal  \  xr\v    äia  xs    (Pls- 

anoyvovzsg    allog    o)llce%ov    y.axcpxrjGuv ,  Cxaiy  yväv  y.al  <Pwy.idog,  tax'  av  Zv.r\ai  j  ßovxblov 

0OiVi|    (isv  $olvCktjv,    Klli'E,    ös    $otvi'nr)g   Tilr\-  50  rjd s  ßöag  HriQixosysog  Eslayovx og.  |  sv&a  di 

ci'ov   \_y.al~\    Tiäaav    xrjv  [vcp'   savxovl    y.sifisvr[v  noocnsläoag  avlläftßavs  ßovv  SQqtvy.ov  \  [5]  xi)v 

%agav  noxufiä  avvsyyvg  Tlvoaum  Kiliy.Cav  {äcp'  %    v.sv    vazoioiv   in    ä[itf>ozsQOi6i.v  s'%r)6i   \   Isv- 

savxoüy  sy.alsBs'*'':":)  (selbst  im  Ausdruck  ähnlich  y-bv     cr/u'     sv.Üxsq&e    nsqCzQoyov    tjvzs    fir'jvrig' 

Eygin  168  p.  34,  17:    Cilix  (ex)  suo  nomine  [6  =  E.W  455]  xi]vbs  ov  -qysfibva  6%s  (riysfibv' 

Cihciae  nomen  indidit  etc.).     Kddpog  äs  v.al  i'e^E?)  nsqizgsTizoio   xslsv&ov.    \   efjfia    Ss  xoi 

Trilscpaaoa    sv    @Qa-nrj   ■aaxäy.rlaav ,    bfioimg   äs  sqsm  jidcl'  agiygaösg,  oväs  es  lijosf  [10  =  Od. 

■Kai  Qdaog  sv  @Qicy.rj  y.ziaag  noliv  Qdoov  y.azia-  l    126]    |    sv&a    y.s    xoi    Tigcozioza    ßobg    HSQag 

■nrjßsv  .  .  .     Apollod.   1,  4,   1    Kdä^iog    äs    ana-  äygavloio    [ll2  =  2?.   V*  780]  |  i"Srjxai  yllv-n    xs 

&CCVOVGUV     aräipag     Ti]liq>aßcav     vnb     Ggayäv  nsäm  ybvv  noirjsvzi,  j  «ort  xözs  xt)v  fisv  STtsixa  (?) 

*)  Die  genealogischen  Nachweise  Bd  1,  MIOf!  sind  6"  fisUaftqJuWß)  ifovl  eiplV  |  äyväg  v.al  xa&aQÄg • 

ungenau.    Europe   als  T.  des  Phoinix  ist  die   älteste  er-  Tair]  8'  bzav   ISQa   QS^Tjg,    [141  =  hymn.  Apoll. 

reichbare  Überlieferung  (JT  321,  unten  nr.  28),    auch  bei  1,    121]   |    15    Ö'^co    Sil'    dy.QOzäzCO    HZI^SIV    Tioliv 

Euripides,  Tgl.  fr.  472  p.  506  Nz  <t>omY.oyivois  ~Eigi\,ia\;.  svgvdyviav   |  äsivbv  'Evvaliov   nsfiipag    tpvlay.' 

**)  Der  Zusatz  y.ai  0daog  o   Ilooiidmvo;  y..  r.  )..  er-  "jLSog    sieio.    |    v.al    ov    y'   in'    dvdQiönovg   6vo- 

ZTdhT  dUrCh  d',S  rraBment  aus  dem  nrixo°  al8  nioht  (idy.lvxog  saosai  av»iS    d&avdxiov  Ispcov  dvzr,- 

"  Der    Text    nach    R.   Wagner,     Commmt.   Riiteck.  CßS,   olßu   KdSjLS.  |  xaixa  dv.ovoag   0   K.   depi- 

p.  143  sq.;   ein  Hinweis   auf  Emin  hätte   die  Umstellung  V-SXO^Sig    z  0^   ßoVKollOV    zov    Ilslayovzoj 

von  irp'  iautoü  urkundlich  bestätigt.  xov  'A  {t-<f  lä  afiavxog,  nag    ov  ayogaüag  ßovv 

Koscher,  Lexikon  d.  gr.  u.  röm.  Mythol.   II.  27 


835    Kadmos  (in  Theben:  b.  cHesiod'  etc.)  Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.)    836 

y.al  ijysiiova  xavxijv  tijs  bäov  noirjoa^Bvos  v.xi'C,si  losgebrochen  sein,  der  zufolge  das  bithynische 
tag  Qri ßa s  [soweit  =  Pausan.  9,  12,  2.  9,19,4  Astakos  benannt  ist  nach  dem  thebischen 
Mvv.aXr]abv  .  .  .  cro^aaxrfjvai  Öibxi  v.al  ?j  ßovg  Astakos,  xiva  täv  Xsyofisvtov  Znagxmv,  s.  unten 
ivxav&a  ifivxiiaaxo  kxX.;  s.  Steph.  Byz.  s.  v.  und  nr.  75.  —  21.  Der  in  derlasonsage  bei  '  Eumclos^ 
Apollod.  4,  1  sixa  ßöl  6vvxv%äv  sv  xotg  TlsXä-  (fr.  9  p.  191  A'.,  oben  Sp.  506.  511.  Schol. 
yovxog*)  ßovy.oXiotg  jt-ril.]  ö (i atv v (i o v s  xäv  Apollon.  3,  1372)  und  in  dem  vielfach  über- 
AiyvTixicov  Qrjßcöv,  s itsl  to  üvsxad'sv  Aiyv -  lieferten  modernen  Märchenschwank  'vom 
nxiog  i\v  o  KäSfiog.  xai  [ij]  Boiaxia  äs  dnb  tapfern  Schneiderlein''*)  erhaltene  Zug,  dafs 
xr)g  ßoog  ixXri&ri.  (Vgl.  Ovid.  Metam.  3,  13  der  Held  die  Riesen  durch  eine  sehr  naive 
Boeotiaque  illa  vocato.) — IS.  Über  den  Drachen- 10  List  zum  Wechselkampf  veranlafst,  setzt  die 
kämpf  vermittelt  uns  eine  abweichende  Über-  bislang  (nach  der  Tradition  der  Kataloge) 
lieferung  Pherehydes  Schol.  Eurip.  Phoen.  662  recht  zusammenhangslos  erscheinende  Sage  in 
p.  318  Schw.:  6  äs  ^sgsy.värjg  (^sgsxQäxrjg  ein  ganz  neues  Licht.  In  märchenhaft  novel- 
codd.,  corr.  Valchenaer)  |«pEi  (rpiqalv  ävaigs-  listischer  Weise**)  bethätigt  der  Held,  nach- 
drjvcu  xbv  ägav.ovxa):  bei  Hesiod  bezwang  der  dem  er  seine  Kraft  und  Fechterkunst  im  Kampf 
Held  das  Ungetüm  durch  einen  Steinwurf;  mit  dem  Drachen  erprobt  hat,  nun  seine  Schlau- 
Ovid  Met.  3,  70  stimmt  zu  Pherehydes,  und  heit  und  Geistesgegenwart,  ein  Zug,  der  aus 
läfst  (wohl  nach  rnythographischer  Vorlage  alter  Poesie  und  volksmäfsiger  Öagenüber- 
beide  Kampfarten  verbindend)  den  Stein  von  lieferung  herstammen  mag,  ohne  dafs  er  des- 
den  Schuppen  des  Drachen  abprallen;  bei  20  halb  in  diesem  Zusammenhange  ursprünglich 
Nonnos  enthauptet  der  Held  den  Drachen  mit  sein  müfste.  22.  Ein  zweiter  Anhaltspunkt 
dem  Schwerte.  —19.  Derselbe  Gewährsmann  ist  die  Thatsache,  dafs  Ares  —  in  böser  Ab- 
stellte auch  die  Spartensage  anders  dar,  vgl.  sieht  —  den  Helden  die  Zähne  säen  heifst,  nicht 
Schol.  Apoll,  3,  1178  (=  fr.  44  FHG.  1  p.  83)  (wie  in  den  Katalogen)  Athene,  die  jedoch  auch 
<Psgsv.värjg  iv  xfi  7zi[i7ixv  ovxcog  q>7]oiv  STCSiärj  —  wohl  als  Schutzgöttin  —  zugegen  ist.  Ares 
KuS[iog  v.axco-Aio&rj  iv  0rjßvaiv,  "Agt]g  äiäot  ist  Vater  der  Harmonia  ***) ,  wie  Aietes 
avxä  Kai  'A&iivaix)  roü  brpiog  roig  Tjfiiosig  Vater  der  Medea.  Also  schon  hiernach  können 
öd ovxag,  rotig  äs  rjfiiosig  Aifjxrj'  y.al  b  wir  dem  Schlüsse  nicht  ausweichen,  dafs  in 
Kädfiog  civxixa  emsigst  avxovg  stg  xr\v  agov-  dieser  Sagenversion  die  Bestehung  des 
gav,  "Ags og  ysXsvaavxog  [y.axd  "Ags os  ßovXiqotv  SO  Drachen-  und  Spartenabenteuers  eine 
auch  Hellanihos,  s.  oben  nr.  6:  ein  abweichen-  der  Bedingungen  war,  unter  welchen 
der  Zug,  den  Euripides  Herald.  252  cö  yfjg  Kadmos  die  Harmonia  heimführte. 
Xo^svaa^-'  ovg'Agiqg  ansigsi  %oxs  xzX.  im  Wider-  Dasselbe  hat  H.  D.  Müller  (2  p.  322)  schon 
spruch  mit  der  Darstellung  in  den  Phönissen  ans  dem  euhemeristischen  Berichte  des  späten 
und  Bakchen  aus  der  Quelle  des  Pherehydes  über-  Berhylos  geschlossen.  Vgl.  Schol.  Eurip.  Phoen. 
nommenhat,  vgl.  v.  M'ilamowitz,  Eurip.  Herald.  7  p.  248  Schw.  [fr.  4  FHG.  4  p.  387,  Jsgy.vXog 
II  103;  nur  wird  die  Aussaat,  wie  bei  Stesicho-  @rjßaiov  xtvbg  Jgüxovxog,  "Agsag  äs  moü  q>iqaiv 
ros  ob.  nr.  5,  der  Gottheit  selbst  zugeschrieben].  slvai  xrjv  'Agpoviav  ftvyaxsga,  ov  tpovsveag 
v.a\  avxm  ävacpvovxai  ävägsg  (noXXol)  änXiafisvot.  KuSfiog  syr]fisv'Ag^.oviav.  Ahnlich  auch  Palaeph. 

0  äs  Käätiog  äiiaag  ßceXXst  avxovg  Xl&oieiv.  40  6,  7,   der  aber  Harmonia  zur  SchwTester  des 

01  de  äov.sovxsg  v  q>'  savxätv  ßaXXse&ai,  Drakon  macht.  Wir  haben  hier  offenbar  zwei 
yxsivovsi  xs  äXXrßovg  Kai  &vr\oxovBi,  nXr\v  selbständige  Versuche  vor  uns,  die  rnärchen- 
■asvxs  äväqäv  v.xX.,  s.  nr.  6.  —  20.  Ebenso  in  hafte  Überlieferung  bei  Pherehydes  (Harmonia 
kürzerer  Fassung  Schol.  Find.  Isthm.  7,  13.  durch  den  Drachen  bewacht)  ins  Menschliche 
Apollcd.  3,  4,  1,  und  aus  derselben  Quelle  umzudeuten.  —  23.  Jetzt  erst  haben  wir  die 
Apollon.  Bhod.  3,  1179:  „Aietes  gab  dem  Quelle  blofsgelegt,  aus  welcher  der  Künstler 
lason  jjaisjroig  Ig  as&Xov  oäovxag  |  'Aovioio  des  bekannten,  vor  allem  von  Welcher  (A.  D. 
ögüxovxog,  ov  'SlyvyCy  ivl  @r]ßij  |  Kdäpog,  ox'  3,  385ff.)  besprocheneu  Vasenbildes f)  aus  Vulci 

Evgconriv      Sitrjiilvog      staacniaavsv,     \     niwvsv  „,  „„„„       .  ,     TTT, 

,.    V       .i               ?  "^     .     -                *.«              1    i  a              '  tn           *)  Grimm    KHM  I,   20   p.  90  (1SS2),  siehe  III  *  p.  2Ü. 

AgriyaSy    xgnvj,     sulovqov    sovxa,    |    tv»a    *ai  50           ' ^  ■  Eultnspiegel'  mit  den  Dieben  im  Tolksbnch, 

tviaavt]    nofiTt)/    ßoog    ijv    oi    AnoXXcov  \  amaos  g  Hist 

jxavxoßvvnai      ngorjyrjxstQav      bdoio.         Athene  **)  vgl.  die  treffenden  Ausführungen  Ton  Erdmanns- 

teilte    diese   Zähne    zwischen    Aietes,     aixä    xs  darf er,  D.  Zeitalter  der  Xuselle  S.  IS  ff.  des  S.-A.   Plierckydes 

tpOVTJ'C'   (1185)  %aC  g     0  flSl'  'AoviOlOlV  STllGlteigag  überliefert  auch  sonst  märchenhafte   Züge,   Ton   welchen 

nsdioiaiv  |  Kdöuog  'Ayt]vogiörig  yairiysvfj   si'aaxo  iie  Vulgärepik  nichts  wissen  will,  Tgl.  z.  B.  fr.  50  p.  85, 

labv,    |  '^ofOS    (=   Kampf?)    äflworxog  OOOl    vnö  w0    das   ^uscherohr   und    der   Wunderstab    des   Tiresias 

v*         i    t  /              **■.          !         tt~i        t  ■     7        c      *       ho  vülliff  im  Stil  des  Murcheiis  gehalten  sind. 

SOVQI  XinOVZO**)     »d,     fVgl      AtSCh.     Sept.     412  „f  MJ/WIIäJ1W.  3,  992  stammen  die  Amazonen 

Znagxcov  an     avdgcoy   av  Agrjg   (episch?)   eepst-  TOn  Ares  und  Harmonia  ab;  als  älteren  Gewährsmann 

oaxo.  —Aus   dieser  Uberlieterungsschicht  mag  nennen  die  Schölten  S.  43S  Vherekydes;  aus  derselben  Quelle 

auch  die  Notiz  des  Memnon  bei  Phot.  bibl.  228  60  schol.  11.  T  189  "iostu,-  de  y.al  ^ig/nvia;  rdfi(f>i;  NatSos 

&uyatBQe;   sialv,    wo   kaum  'Agpoviaz  zu  korrigieren  ist, 
*)  Wenn  Schmarlz,  De  Schol.  Born.  p.  64/457  sagt:  con-        da  Harmonia  Eponyni   der  Armenioi   geworden  zu  sein 
fuse  rem  narrat  Apollodorus ,   so  kann   ich  ihm  nicht  bei-        scheint;   s.   Sp.   S56,  60ff.     Die  Legende   könnte   diesem 
stimmen.    Er  wird  hier  Apollodur  mit   dem  kurz  Torher        auch  sonst  Ton  Pherelcijdes  vertretenen  Zweige  der  Kadmos- 
erwähnten  Kygin  verwechselt  haben,  der  p.  31,  19  in  der        sage   zugehörig  sein:    Kadmos    als    Kival   des    Ares 

That  an  Deutlichkeit  zu  wünschen  übrig  läfst.  hei    Harmonia   (-Aphrodite)    pal'ste    gut    in   die    obeu 

**)  Spiro  p.  11  nimmt  Abhängigkeit  von  Euripides  an,  gewonnene  Voraussetzung.     Näheres  unter  nr.  65  Sp.  856. 

wegen  des  Anschlusses  an  die  Argönaulcnsage  kaum  mit  t)  [Oder  dessen  Vorlage;   nach  Reisch,  der  uns  seine 

lteclit.  Gründe    leider    nicht    mitteilt,    ein    grofses  Gemälde    des 


837    Kadmos  (in  Theben:  b. 'Hesiod' etc.)  Kadmos  (in  Theben:  b.  cHesiod'  etc.)    838 

IV 


839    Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.) 


Kadmos  (in  Theben:  b.  eHesiod'  etc.)    840 

geschöpft    hat 
(Vasensammlung 
im  Berliner  Anti- 
quarium  nr.  2634, 

Furtwängler , 
Katal.  2   p.  744). 
Vgl.Abb.2Sp.  837. 
Gerade    bei    den 
beiden    Haupt- 
punkten   ent- 
spricht   das    Va- 
senbild  der  eben 
erschlossenen 
dichterischen 
Überlieferung; 
1)  KAAMOZ 
(bärtig   und    lor- 
beerbekränzt) 
kämpft  mit  dem 
Schwerte,    den 
linken   Arm  vom 
Mantel  gedeckt;  2)  APMONIA 
(jugendlich,    Typus    der    2«o- 
niat)    ist  beim  Kampfe  zu- 
gegen.   Dafs  Ares  fehlt  (Wel- 
cher S.  389),  kann  ebensowenig 
überraschen,  wie  die  Abwesen- 
heit des  Akastos  und  Proitos  bei 
den    Agonen    des    Iason    und 
Bellerophon.      Wie    weit    der 
Künstler  die  göttlichen  Kampf- 
zeugen aus   der  Dichtung  ent- 
lehnt hat,  läfst  sich  nicht  mehr 
ausmachen:  sicher  Athene  als 
Beschützerin  des  Helden,  wahr- 
cheiulich  Apollon   als  Spen- 
der des  Orakels,  vielleicht  De- 
meter, Köre,  Hermes*),  die  in 
engster   mythischer  Beziehung 
zu  Kadmos  stehen,  und  Posei- 
don, einen  Hauptgott  Boiotiens. 
Auffällig  genug  stehen  Greif  und 
Hindin  ganz  im  Vordergründe. 
Der     Künstler     mag     die 
beiden  Tiere  mit  Bezug  auf 
Apollon  und   Artemis  zur 
Kaumfüllung  hinzugesetzt 
haben;  doch  wurde  er  wohl 
beeiuflufst  durch  eine  Re- 
miniscenz     an    die    unten 
nr.   25  f.    zu    behandelnde 
verschollene  Scene.  —  24. 
Derselben     Überlieferung 
folgt,  abgesehen   von  der 
attischen     Lekythos     bei 
Welcher,  A.  D.  3 

5.  Jahrhunderts,  Vgl. 
Mitteilungen  d.  A.  I., 
Eom  V,  1890,  313  f., 
343.  Die  dort  bespro- 
chene Vase  von  Cor- 
neto  würde,  "wenn  die 
Deutung  sicher  ist, 
hierher  gehören.] 

*]  Die  weibliche 
Figur  neben  Hermes 
ist  nach    Welcher 

iSS  f.  Aphrodite; 
Furtwängler  S.  715 
denkt  an  M;iia. 


841    Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.) 


Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.)    842 


aA^^^h 


S.  306  (K.  mit  dem  Schwert  im  Drachenkampf) 
und  nicht  völlig  sicher  gedeuteten  Gemmen  (vgl. 
Catal.    of  gems    of   the    Br.    M.    1343.     Mus. 
Florent.  Gems.  vol.  II,  T.  XXXV,  4  p.  32  f.),  das 
Iunenbild  einer  Vase  aus  der  Krim,  Eremitage 
nr.  2189  (abgebildet  Compte-rendu  1860  pl.  5  = 
Abb.  3  Sp.  839,  von  Stephani  falsch  auf  Orestes 
gedeutet).    Schon  Heijdemann  S.  36  hat  es  auf 
Kadmos  bezogen,  und  Stephani  hat  später  (C 
M.  1881    S.   93)   wenigstens    eingeräumt,    dafs  10  1884 
auf  dem  Bilde  „die  Bekämpfung  des  Drachens 
von  Theben   ebensogut  gemeint  sein  könne". 
Es    ist    der    Moment    vor   dem   Kampfe.     Der 
Held  trägt  zwei  Lanzen   (die  Schwertseite  ist 
nicht  sichtbar);  das  Schöpfgefäfs  steht  ihm  zu 
Füfsen.     Athene,  der 
eine  Nike  entgegen- 
flattert, spricht  ihm 
zu.     Links    von  ihm 
Ortsnymphen  und  ein 
Palmbaum,  der  ver- 
mutlich   seine    Her- 
kunft aus   Phünizien 
andeuten  soll  (anders 
Heycleinann    S.    37). 
Rechts  vom  Helden, 
durch     ein    Diadem 
ausgezeichnet,    Har- 
monia,  vom  Drachen 
bewacht  (nicht  Thebe 
[Heycleinann],  da  die 
Ortsnj'mphe    in    der 
..episch-mythischen 
Überlieferung    keine 
selbständige      Rolle 
spielt);  ihr  zuHäupten 
Hermes  und  vermut- 
lich   Aphrodite   (an- 
ders      Heydemann). 
Verstreute    Lorbeer- 
zweige    sollen     das 
Lokal  wohl  als  apolli- 
nisch  kennzeichnen. 
Auch  hier  erscheint 
Harmonia   als   Preis 
des  Drachenkarnpfes. 
—  25.  Nach  gleicher 
Richtung    führt    das 
Sp.  841  f.  aus  d.  Wien. 
Vorlegeblätt.  C,  VII, 
3   reproducierte    zu- 
letzt    von     Hersog 
( Göttervereine     1 2  f.) 


klärt  die  Einführung  solcher  Gespanne 
bei  der  Hochzeit  nicht.  Die  Bestien  sind 
kleinasiatische  Reminiscenzen  .  .  ."  v.  Wilamo- 
icils  hat  hier  die  Lücke  in  seiner  Erklärung, 
nach  welcher  das  Bestiengespann  als  unorga- 
nisches Rudiment  erscheint,  selbst  blofsgelegt. 
Eine  Ergänzung  ergiebt  sich  aus  dem  Vor- 
herigen zwanglos,  wie  sie,  ohne  Einsicht  in 
die  mythologischen  Zusammenhänge,  schon 
von  A.  Hersog  a.  a.  0.  S.  15  geahnt 
ist.  Pelias  will  die  Tochter  nur  dem  geben, 
der  Eber  und  Löwe  anschirrt:  Admetos  voll- 
bringt es  durch  Apoll  (ob.  Bd.  1,  Sp.  68).  Einen 
ähnlichen  Agon  mufs  man  auch  hier  vermuten: 
und   besonders   sinnvoll   ist  es   nun,    dafs   das 


■1)  Kassmos  und  Harmonia  auf  dem  Hochzeitswagen,  von  Apollon  geleitet 
(nach  den    Wiener    Vorlegeblättern  C,  VII,  3). 


u.  TJ.v.Wilamoivitz  (Isyllos  187  ff.)  besprochene 
schwarzfigurige  Vasenbild  aus  Rhegion.  Ganz 
neu  ist  KAZZM02  und  HAPMONIA  auf  dem 
von  Löwe  und  Eber  gezogenen  Wagen,  da- 
neben Apollon,  die  Phorminx  spielend,  v.  Wila- 
moioitz    bemerkt:    „Die   Gewalt    seines   Liedes 


bezwungene  Bestirnpaar  dann  den  Hochzeits- 
wagen zieht.*)  —  26.  Die  Richtigkeit  dieser 
Vermutung  wird  urkundlich  bestätigt  durch 
die  litterarisch  reicher  bezeugte  lasonsage, 
welche,  schon  längst  als  Dublette  des  Kadmos- 
mythos  erkannt,  zahlreiche  altertümliche  Züge 


beweist  Apollon,   wenn  er  .  .  .  die  Bestien  an  oo  allein   erhalten   bat.     Ehe   der  Held  sein  Ziel 


Admetos'  Wagen  schirrt:  Es  ist  wohl  ver- 
ständlich, dafs  er  dasselbe  für  'Apuovia  thnt, 
deren  Namen  auf  die  Macht  der  Musik  hin- 
deutet .  .  .  [vgl.  ob.  Bd.  1  Sp.  1832],  hat  doch 
die  Macht  der  Musik  auch  die  üo[ioyri  der 
Mauern  Thebens  bewirkt  .  .  .  Dafs  Apollon 
und  Artemis  .  .  .  die  wilden  Tiere  bezwingen, 
ist   natürlich   und   hellenisch:    aber    das    er- 


erringt, mufs  er  nicht  nur  einen  andern  '  Spar- 
tenkampf' bestehen,  sondern  auch  ein  Paar 
feuerschnaubende  Stiere  ins  Joch  spannen 
(ob.  Bd.  1   Sp.  505,  64;  Sp.  512,  30);  es  gelingt 

*)  Die  Helden  leisten  ääüvata ,  die  sich  vielfach 
variieren,  vgl.  z.  B.  Verg.  ed.  S,  27  iunge.ltur  iain  grypes 
>>qui*  etc.  So  konnten  Hinde  und  Greif  auf  der  Berliner 
Vase  gemeint  sein. 


843    Kadmos  (in  Theben:  b.  rHesiod'  ete.) 

ihm  unter  dämonischer  Hülfe.  An  ihrer  Stelle 
hat  sich  hier  das  alte,  noch  in  den  Schild- 
zeichen des  Tydeus  und  Polyneikes  wieder- 
kehrende Tierpaar  boiotischer  Märchenpoesie 
erhalten.  —  27.  Mit  Recht  hat  v.  Wüamowitg 
auf  der  eben  besprochenen  Vase  den  Hoch- 
zeitswagen erkannt.  Vielleicht  fügt  sich  hier, 
da  wir  Pherekydes  schon  oben  als  Vertreter 
dieser  Parallelüberlieferung  vermutet  haben,  die 
bei  Apollod.  3,  4,  2  =  Therek.  fr.  45  FHGr. 
1  p.  83  erhaltene  Notiz  ein,  dafs  der  bgfiog,  den 
Kadmos  der  Harmonia  als  Brautgabe  dar- 
brachte, i>7rö  Evgamrjg  (äo&rjvai  A"ac><icoV  ov 
naget  Jibg  avxijv  Xaßsiv.  Hiernach  hat  Kadmos 
die  Europe  (ursprünglich  in  Boiotien?)  wieder- 
gefunden, s.  oben  nr.  3.  —  Genealogisches.  — 
28.  Bei  der  meist  in  Schatten  gestellten  genea- 
logischen Überlieferung  dieser  Gruppe  gehen 
wir  von  den  Originalurkunden  aus.  Fherekydes 
(1.  4)  Scliöl.  Apollon.  3,  1186,  p.  478  K.  (fr.  40 
FEG.  1  p.  83):  'AywvcoQ  äs  6  IJoanSävog 
yatiEL  AccfLvco  xljv  BtjXov.  Toov  äs  ylvovxai 
<I>oivi%  Kai  'iactCiq  [Aairj?  'idctirj'?  s.  nr.  67. 
Siärjl  s.  Io.  Antioch.  6  FEG.  4,  544],  rjv  i'axsi 
Aiyvnxog'  %ai  MsXia,  r)v  i'g%si  Java  6  g. 
s'nsizsv  te%£l  'Ayrjvag  'Agy  i6nr\v  zh,v  N  siXov 
tov  Tzozauov.  zov  äs  yivszai  Kääyog.  Apollod. 
3,  1,  1  (fr.  42  FHG.  1  p.  83)  ovrsp'/X&s  äs  snl 
ttjv  {,ri%r\<iiv  avzx\q  TrjXscpaaaa  7]  fiijxrjg,  hui 
f)äooq  o  TJoGsiäävog,  äg  äs  <PsgSHvärjg  cprjol, 
KiXiw.og.  Auffällig  ist  in  dem  ersteren  Frag- 
mente der  Schlufs  xov  äs :  es  mufs  xäv  öh 
korrigiert  (Keil)  oder  <[xäv  äi  .  .  .)>  eingesetzt 
werden.  Nun  macht  eine  bisher  unbeachtet 
gebliebene  Notiz  den  Kadmos  zum  Sohne  des 
alten  Königs  Ogyges;  ein  anderes  Zeugnis 
rückt  diesen  aus  Boiotien  (Korinna)  nach  'Al- 
yi)7rTos'.  Vgl.  Phot.  2p. 277  n.  6  (aus  verwandter 
Quelle  bei  den  Paroemiographen  interpoliert) 
ilyvyta  v.av.ä'  snl  xäv  6%Xrigäv  inst  Gvvsßrj 
Kdäuov  xöv  Styvyov  äiä  xäq  ftvyaxsgag  xaxotg 
nsgmsasiv  dfisivov  äs  Xsysiv  Sly.  %.  xa  na- 
Xaicc  kxX.  Dem  entsprechend  scheint  Lyko- 
phron  Alex.  1106  'Qyvyov  Gnagxbg  Xsäg  die 
Sparten  über  Kadmos  mit  Ogyges  in  Zusam- 
menhang zu  bringen.  Vgl.  Tzetzes  z.  d.  St. : 
Kai  b  "Qyvyog  Bijßäv  Alyvnxiav  f\v  ßaGtXsvg, 
b&sv  b  Kdäyog  vnijgxsv  »d.,  s.  Unger,  Theb. 
Farad,  p.  266  sq.  Danach  wird  man  (xäv 
äs  yi'vsxai  .  .  .  '£lyvyrjg,y  xov  äs  y.  K.  schreiben  : 
müssen.  Auf  denselben  Pherelcydes  geht  wegen 
Strdbo  10,  472  (fr.  6  p.  71  Proteus  zeugt  Kabeiro 
und  Eioneus)  zurück:  Konon  Narr.  32*)  xa 
nsgl  Eigcöntjg  xfjg  xov  Q^oiviv.og  ftvyuzgog  .  .  . 
[vgl.  Apollod.  3,  1,  1  zivsg  äs  (d.  h.  Pherekydes 
u.  a.)  Evgamriv  .  .  .  ovv.  'Ayi)vogog  (wie  Kad- 
mos), dXXd  fPotVr/.os  XiyovGiv,  und  die  Inter- 
polation der  IL  3  36  f.  ovä'  oxs  $<hWhos 
xovgrjg  xnXsKXsixoto  \  ij  zsns  fioi  Mivav  xs  nai 
ävxL&sov'Paäduavftvv,  aus  verwandter  epischer  i 
Quelle,  ebenso  Antim.  Theb.  3  p.  277  Kk., 
Furip.  fr.  472  p.  505,  s.  oben  nr.  12  a.  E., 
»al  cos  nsuxpsts  zovg  visig  b  nazfjg  »Kt« 
'C,i)xrjGiv  .  .  .,  av  r\v  «at  Kdäfiog,  pt&  oo 
avvanai'gs i  Plgtoxsvg  J£  Alyvnxov  xi]V  BovGt'gtäog 

*)  Auf  ganz  anderem  Boden  steht  der  euhemeristische 
Bericht  Narr.  37 ;  auch  der  Anfang  von  32  scheint  keine 
reine  Überlieferung  zu  bieten.    Ygl.  Höfer,  Konon  S.  35  ff- 


Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.)    844 


äsäimg  ßuaiXst'av  xzX.  —  29.  Hiernach  läfst  sich 
folgendes  Sternrna  zusammensetzen: 

Poseidon 

I 


Belos 

i 

-Damno 


Neil  ob 
I 
Argiope^ ^  Agenors •  Damno  Kilix 

(Ogyges  ?)MeliaPhoini2tIsaie'-- '  Aigyptoa        Thasos 

i  i  i 

Kadmos  Europe  Proteus 

Der  Genealoge   scheint  sich   den  Agenor  und 

10  seine  Sippe  am  Nil  in  Aiyvnxog  ansässig  ge- 
dacht zu  haben.  Sehr  wichtig  ist  in  dieser 
Hinsicht  das  Eingreifen  des  Proteus,  der  mit 
dem  mythologischen  „Aigyptos"  der  Griechen 
ständig  verbunden  ist.  —  30.  Von  den  Spät- 
lingen, welche  dem  Mutterlande  hellenistischer 
Kultur  eine  begreifliche  Vorliebe  entgegen- 
brachten, wurde  vor  allem  diese  Oberlieferung 
in  klarer  geographisch-ethnographischer  Auf- 
fassung vertreten,    vgl.  Hekataios  (v.  Abdera) 

20  bei  Diod.  15,  3  (fr.  13  FÜG.  4,  392):  Die 
Ägypter  vertreiben  allerlei  fremde,  bei  ihnen 
angesiedelte  Elemente,  welche  sich  ihrer  Re- 
ligionsübung nicht  fügen  wollen.  Die  tüchtig- 
sten kommen  slg  xr\v  'EXXaäa  v.ui  xivag  sxsgovg 
xoTiovq,  s%ovxsq  ä^ioXoyovg  rjysfiovag,  ävrjyovvxo 
Jävaog  v.al  Kdä[iog  xäv  ctXXcov  snitpttvsoxaxoi' 
ö  äs  noXi'g  Xaog  i^insas  slg  xrtv  vvv  KaXov- 
fiivr]v  'ioväatav  %xX.  Aber  auch  der  Perga- 
mener    Charax    vertritt    diese    Ansicht,    vgl. 

30  Mythogr.  p.  324  Westerm.  (fr.  13,  FEG.  3 
p.  639  31.)  SsfieXr]  r\  KdSfiov  &vydxrtg  Xsysxai 
KvijoaL  Tzgo  xov  yduov'  roi'  c)£  7taida  ftsioxa- 
xov  ovxa  b  Kääfiog,  äioxi  in  nvgbg  sacö&r], 
nsgteins ,  nal  xi&txai  avxoj  Alyviixlov  z/ro- 
vvGov  Ticixgiov  uvofia. 

Boiotische  Lokalbezieliuiigen.  —  31.  Kad- 
mos mit  den  Sparten  erbaut  die  Kadmeia  und 
damit  Theben:  das  ist  die  Erfüllung  des  Ora- 
kels.     Die    Sage    vom    Mauerbau    durch    Am- 

40  phion  und  Zethos  ist  eine  Parallellegende, 
durch  die  Kadmos  ausdrücklich  auf  die  Burg  be- 
schränktwird, die  er  ö^arro  in'  dtigoxazca  gründet 
(vgl.  Unger  1 — III  p.  2  sqq.  26  sqq.).  Dem.  ent- 
spricht es,  wenn  Pausanias  9,  12,  3  berichtet: 
xatrort  x^g  dngonoXsüig  dyogd  GcpiGiv  stp  r^ttcöv 
nsztoL7]xai,  Kddfiov  xo  dg%aiov  olv.iav  sivai.*) 
Vgl.  9,  16,  5  xo  äs  xrjg  zlr]fir]xgog  Isgöv  zf\g 
Bsofiotpogov  Kdä(iov  -nal  xäv  dicoyovav  olv.la.li 
■iroxs    slvai    XsyovGiv:    d.   h.   Kadmos    gilt    als 

50  Demeterdiener.  In  historischer  Zeit  führte  man 
vor  allem  gewisse  Wasserleitungsanlagen  der 
Burg  (Bwrsian,  Gcogr.  1,  226;  Urlichs,  Topogr. 
v.  Theben,  Payr.  Akad.  3,  416)  auf  ihn  zurück. 
Vgl.  Ps.-Dic.  fr.  Paris.  12  (FEG.  2  p.  258  31. 
Geogr.  Gr.  31.  1,  102):  cpsgsxai  äs  Kai  änb 
xi)g  KaäfjLsiug  väag  dtpavsg  äi.d  gcoXijvcov  dyö- 
ftEj'oi»  v7ib  Kdäuov  zb  xiaXaibv  dg  XsyovGz 
xaxsoy.icaGusvov;  was  Unger  S.  111  schwer- 
lich richtig  auf  die  Aretiasquelle  bezogen  hat. 

eo  —  32.  In  diesen  Zusammenhang  fügt  sich  auch 
die  apokryphe  Legende,  dafs  Kadmos  anstatt 
der  vergifteten  Drachenquelle  mit  einem  Fufs- 
stofse  eine  Quelle  (Kdäfiov  jroig,  später  'iGyn- 
vög)  eröffnet  habe.  Vgl.  ' Sostratos''  bei  Ps.- 
Plut.    de  fluv.   2    (/V.   4   FEG.   4   p.   505  31.) 

*)  |Das  wichtigste  Zeugnis  für  diese  Fragen  ist  die 
Sp.  S2S  angeführte  Kede  des  Hermes  aus  der  Antiope 
des  Euripides.'] 


845    Kadmos  (in  Theben:  b.  'Hesiod'  etc.")  Kadrnos  (u.  Typhoeus)  846 

'/a.urjj'os..  iv.aXüxo  61  zb  ngözzgov  KdSfiov  noch  Adelsfamilien,   die   sieh   auf  die  Sparten 

novg,   an'  alxiag  xoiavxrjg'   KdSpiog  xbv   ygrj-  zurückführten  (gegen  Studniczka  S.  89  f.;  vgl. 

voyvXaya  Sgäy.ovxa  xo^tveag  v.al  ivgcov  wenig  3Iaafs,  Gott.  g.  Anz.  1890,  370  f.).  —  35.  Wenn 

mcpagg,ayivfiivov  zb  väwg  .  .  .  yzvofisvog  v.axd  dagegen  Herodot  5,  59  berichtet  itäov  öl  v.al 

zb  Kwgvv-aiov   avxgov   xaxd   ngovoiav  'A&Tqväg  avxbg  KaSfir/La  ygäftaaza  iv  zw  low  zov  'AnöX- 

zbv  Si^ibv  noSa  ßa&vzigov  sig  nrjXbv  TJgitoiv  Xcovog   zov  'laur]VLOV    iv    Qrjßrjei   zf/ct  Boiwzwv 

nozafiov  8'  dvado&ivzog  .  .  b  rjgwg  ßov&vzi\euq  .  .  .  zä    noXXd    bfioia    bvza    zoiei    Iwvty.olai  (es 

KdSfiov    noda    ngoarjyögsvaiv    avxöv.     Mag  folgen  Weih  epigram  me  mythischer  Kadmiden), 

man  über  die  Zuverlässigkeit  des  Ps.-Plutarch  so    spricht    er    wohl    nur    in    seinem    Xamen, 

noch  so  gering  denken,  so  entspricht  doch  die  10  nicht  in  dem  der  Priesterschaft:  die  Kadmiden 

Legende  der  Erzählung,  dafs  Hermes  in  Aithio-  mufsten  naturgemäfs  Kadurfia  ygdufiaza  sohrei- 

pien,  als  er  die  Io  bewachte,  iXanzici  xfjv  yr\v  ben.  —  36.  Als  Muttermal  sollten  die  Mitglieder 

y.al  äviScoy.sv  vScog'  c&cv  -nal 'Egfiov  nz sgva  der    Spartengeschlechter    eine    Lanze    tragen, 

KaXtLzai.;    ähnlich    die    Chalkonsage    von    Kos  vgl.  Trag.  Aristot.  Poet.  16  p.  1454b,  22  Xoy%gv 

Theokr.   7,    6    mit    Schal.     Vgl.    C.   Bötticher,  r\v   cpigovai  yrjyiviig  (aus  Euripides'  Antigone 

'TJirke,   die  Quelle  u.  Heroine'  Berl.    Winckel-  nach  M.  Mayer,  de  Eurip.  Mythogr.  p.  74  und 

mannsprogr.    1864,   5    und    zur    Sache    Bergk,  W.  Schilling,    ad   Trag.    Gr.    Symb.    p.  24).*) 

op.  2,  655.    E.  II.  Meyer,  Achilleis  541.     Für  Vgl.  Bio  Clnys.  4,  23   (Hagen,  Qu.  Dio».  12): 

gewöhnlich  wurde   die   Aretiasquelle  mit    der  roig   iilv   iv   Örjßaig  Znagzoig  ßnfisCov  liyszai 

Dirke  (Euripides  oben  nr.  5)  oder  Melia  (Paus.  20  ilvai    zov   yivovg  Xoyxr]  ^'S   olfiai  inl  zov  oä- 

9,    10,  5.     Bursian,  Geogr.  1,  226  Anm.)  iden-  uuxog.     Iulian  p.   81  C:    Xöy%r\    äl    Xiyizai  .. 

tificiert.  —  33.  Ebenso  lokalisierte  man  die  übri-  zoig  ZnagxoLg  ivzvnad^vui  nagd  xr)g  xiy.ovar\g 

genHauptscenendesKadmosnrythosan  bestimm-  .  .   avxovg    ßmlov    v.al    .    .   diaow&rivai    xovxo 

ten  thebischen  Örtlichkeiten.    Man  kannte  die  xo)   yivn   cviißoX.ov.     Hygin.   72    ex    draconteo 

Stelle,  tv&a  rj   ßovg  tfii7.li  y.aiiovoa  ov.Xdanv;  genere    omnes    in    corpore     insigne     habebant. 

darauf  iv  incu'd-gw  ßwubv  v.al  ayaXfia  'A&rjväg,  Möglich  wäre  es,  dafs  hier  eine  ganz  im  Geiste 

mit  dem  angeblich phönizischenBeinamen'Oyya  der  alten  Sage  (vgl.   Tümpel,  Bern.  S.  IS)  ge- 

oder  "Oy/.a ;   ein   (mit  den  bei  Herodot   nr.  35  haltene  Erfindung  der  Dramatiker  vorliegt,  um 

erhaltenem    wohl    gleichwertiges)    Epigramm  eine  dvayvwgioig  zu  vermitteln  (vgl.  W.  Schilling 

von    ihrem    vr\ög    beim    Schol.    Eurip.    Phoen.  30  a.  a.  0.).    Wenn  bei  den  Kindern  des  oben  nr.  34 

1062  p.  360  Seine,  (vgl.  Unger  p.  267.)     Dicht  erwähnten,  zum 'Spartengeschleeht' gehörenden 

beim    noXvdvSgiov ,    wo    die    im    Kampfe    mit  Python,  nach  Plut.  de  ser.  num.  vind.  21  i£av- 

den  Makedoniern  gefallenen  Krieger  bestattet  rjveyiis  Xbyyr\g  xvnov  iv  xw  owaaxi,  äia  ygovwv 

waren,     dnoajaivovai     %agiov     j-v&a     KdSfiov  xocovxav    .   .    dvaSvarjg    wenig    iv.    ßv&ov    zijg 

Xiyovci  .  .    zov     Sgdv.ovzog  .  .     rois     bSbvxug  ngbg  xb  yivog  tmoiozirtos**):  so   darf  man  aus 

Gnifgai,    ävSgag  31  .  .   dvitvai   ztjv    yfjV.   Tod  dieser  späten  Wundergeschichte    noch   keinen 

und  Urzeugung  neben  einander  (Paus.  9,  10,  1).  Schlufs   auf  Alter  und  Volkstümlichkeit  jenes 

Und  auf  der  Burg  zeigte  man  9uXäficov  .  .  zov  Zuges    ableiten.    —    Über   Tanagra    als    Aus- 

zs    'Agfioviag    igiintu    v.al    ov    StfiiXrjg     yuo'iv  gangspunkt    für    die    einwandernden    Kadmeer 

iivai  und  %<agtov  .  .  .  i'v&a   Srj  cpaai  zag   &iäg  40  des  Jüngern  Epos  vgl.  nr.  75.***) 
deai  (Paus.  9,  12,  3);   die   3   alten  Aphrodite- 

(Athene-,    Demeter-,    Erinys-)   Bilder    auf_der  II.    Kadmos  nnd  Typhoeus. 

Kadmeia   sollten   ävadraiaza    'Agfioviag    tivai,  37.    Nonnos    beginnt   sein   abenteuerliches 

igyaodfjvai   dl    änb   zäv    äv.gooxoXiwv    d    xaig  Götterepos  mit  der  Kadmos-Europe-Sage.    Vgl. 

Kdäij.ov  vavalv  r)v  'gvXov  nsnoLrjfiiva  (Paus.  9,  Köhler  S.  2  ff.     Zeus  entführt   die  Europe  von 

16,  3):  vgl.  K.  Tümpel  S.  654.  704.  —  34.  Auch  Sidon   nach  Kreta,   während  der   Kilikier  Ty- 

historische  thebische  Adelsgeschlechter  hatten  phoeus  im  Besitz  der  Blitzeswaffen  den  Olymp 

Anschlufs   an   die  Spartensage.     Vgl.   den  gut  und    die   Götter  bedroht.     Kadmos    folgt   den 

unterrichteten    (s.    Schol.  Find.   Pyth.   4,   467)  Spuren  des   Stieres    und  kommt   1,   140  (321) 

Scholiasten  zu  Pyth.  5, 101:  xivlg  dl  Aiyia,  drp'  50  xal   tig   'Agifimr    <&X6y£ov    aniog,   wo   das   Un- 

ov  r\  xcöv  AiyuSäv  iv  Qrjßaig  ygaxgta  xovvoua  geheuer  haust.   Inzwischen  erreicht  Zeus  seinen 

i'Xaßs,  Znagxbv  üvai  xäv  dnb  KdSfiov.    Tzetz.  Zweck,    verstirnt   die   Truggestalt   des   Stieres 

zu  Lykophr.  495:  Alysvg  a)  .  .  b)  xivlg  Sl  v.al  und  überläfst  Europe  dem  Asterion  (1,  350  ff.). 

zovxov  Xiyovai  xäv  dvaSo&ivxav  iv.  xäv  6&6v-  Dann    im    Arimerlande,    von    Eros    begleitet, 

xmv    xov    SgaY.ovxog    xov    iv    Q-qßaig    \mg    v.ai  yoixaXim  [laoxfigi  Sl'   ovgiog  r\vztzo  Kd$\xu>.  — 
Avägoziav,  wegen  seines   Sp.  879   angeführten 

Zeugnisses     wohl     vor    a)    umzustellen].      Noch  *>    DaB    Stemensymbol    des    Kai-Mnischen    Thyestes 

p..  .     T7    „„„•    „    j„  „1  „  „„l„i,„     TJ^ zieht  mit  Unrecht  hierher  A.   Tümpel,  Bemerkungen  IS  f. 

rar    tpameinondas    nahm    man     solche    Her-  „„   „.      ,    _       ,  „    '   '      ,.    „,„ 

1         rj_  1      „  „      .  .      _     .-.  „\  **)    Tümpel.    Bemerkungen  S.  18    hat  die  Stelle  zuerst 

kunft   an,   Vgl.    PaUS.   8,    11,   5    (ß)    ZOl   raq>m    dz  ^    die3em  Znsammenhange   verwertet,    aber    nicht    ganz 

(des  Epameinondasi  xi'av  ze  tyiozrjiis  y.al  aenig  60  richtig  verstanden. 

in      avzä     Sgdxovza    t'xovcu    inngyacuivov  ***)  Merkwürdig,    dafs  sich  auf  thebischen  Münzen 

(der  Drache   als  Schildzeichen,    wie  bei  AiscJiy-  keine    Darstellungen    aus    der    Kadmossage    nachweisen 

los)'    6  fllv    6rj    ägdnoiv    ifriXei  ariuaCvUV  yivovg  lassen.      Ein   von   Mionnet   (tob.  gen.    S.  233)    auf  Kadmos 

zäv    Zxtagzäv     laXovuivwV     thai    zbv    'Ena-  gedeutetes  Stück  bezieht  Imhoof-Blumer   einleuchtend  auf 

»    s  TT— 1  u  lr»T    x     7  -  •     7  Protesilaos.     In    Theben    selbst   scheint    die    epische  Sage 

ufivtavöav.    Vgl.  auch  Plut.  de  ser.  num.  vind.  z        ,  T_  ,  ..       .  ,         ,    .     „  . 

^T  ^         .,      J? > ~  ~        t       o'  >s  danach  weniger  Wurzel    gefafst  zu  haben,  als  im  Osten. 

21    xav    dl     nv&avog    xov    Nieißtag    naidoiv.  phaIlta8ien    ohne  Halt    sind    die    thebischen  Aressniele, 

os    ivayxog  xi9vrty.B,    Xiyouivov    xolg  Snagxolg  die  Kadmos  eingesetzt  haben  soll  nach  Pcmofka,   Anh. 

ngogr]y.civ:    also    selbst   in   jener   Zeit  gab   es  ztg.  lä  (1859),  lflo. 


847 


Kadmos  (u.  Typhoeus) 


Kadmos  (u.  Typhoeus) 


848 


SS.  Zeus  beschliei'st,  ihn  zum  Werkzeug  der  Rache 
an  Typhoeus  zu  machen.  Pan,  sein  zweiter 
Reisegeselle,  rüstet  den  Kadmos  als  Hirten 
aus;  vor  allem  äoXir/v  avgiyya  cpsgwv  siör'iyovi 
KäS fi<p  |  ää-xs  Tvcpaovioto  HvßsQvijzsiQav  oXi- 
&qqv.  Eros  soll  den  Typhoeus  verwunden  und 
so  weicheren  Gefühlen  zugänglich  machen  (1, 
400),  Kadmos  —  dem  als  Lohn  die  Hand  der 
Harmonia  in  Aussicht  gestellt  wird  (1,  396 
(je  yctp  purjjpa  tsXsgoco  |  aQflovirjg  nöofioio  xal  10 
'jQfiovt'rjg  nctga-A.oizrjv)  —  soll  ihn  durch  sein 
Syrinxspiel  anlocken  und  bezaubern.  Das  ge- 
.  schiebt;  der  DraohenfüTslei  läfst  die  Blitzwaffen 
in  der  Höhle  (410  ff.)  und  folgt  dem  Klange, 
während  Zeus  in  Stiergestalt  in  der  Nähe 
bleibt,  (409)  sv&sv  bgog  -niXs  TavQog  s-ndvv- 
(iov.  —  8!).  Kadmos  verbirgt  sich  beim  Er- 
scheinen des  Unholdes:  der  aber  spricht  ihm 
freundlich  zu  und  heifst  ihn  weiter  spielen. 
Der  Listige  fafst  sich  und  geht  darauf  ein:  noch  20 
ganz  anders,  äufsert  er  beiläufig  (487  ff.), 
klinge  seine  Phorruinx,  mit  der  er  einst  Apollon 
besiegt  habe;  nur  habe  Zeus  ihm  um  des  be- 
siegten Sohnes  willen  die  Saiten  mit  dem 
Blitze  zerstört:  st  äs  jtott'  svqco\  (493)  vsvga 
näXiv  oq>Qty6covza,  &sX£(a  äsvägsce  Tiävxu  xzX 
Typhoeus  läfst  sich  übertölpeln:  (510)  n«i 
tcixiis  sig  sbv  civxoov  snsCyszo'  hsi&sv  asigug  | 
vsvga  Jibg  äoXosvzi  nögsv  t,sivr)ia  Kääfim  |  : 
er  holt  die  Sehnen  des  Zeus,  vsvga,  30 
zdnsg  x&ovl  txitzzs  Tvcpaovi't]  nozs  %ägiin. 
(Rudiment  einer  von  Nonnos  nicht  recht  be- 
rücksichtigten und  mangelhaft  verstandenen 
Sage,  über  die  vgl.  Köhler  S.  5  f.)  Dies  „am- 
brosische Geschenk"  lobt  der  listige  Hirt:  olä  zs 
%ogäi)v  |  (515)  iaaofih'rji'  qjoguiyyt.  xazsxgvcps 
r.oiluö'L  nstgi].  Dann  spielt  er  weiter:  und 
ovaza  navza  zizahcov  |  (520)  äg^iovcrjg  i'jy.ovs 
.  .  .  Kdäum  |  (534)  &sXyoßi vrjv  fieXeieaiv  oXrjv 
cpgsva  ääxs  Tvcpiasvg.  Währenddem  kriecht  40 
Zeus  (2,  1  ff.)  in  die  Höhle  und  bewaffnet  sich 
xb  SfjJrEpof  ijtradt  nvgoto,  mit  dem  dort  ver- 
borgenen Blitzgeschosse ,  den  Kadmos  aber 
umhüllt  er  mit  einer  Wolke,  damit  ihn  Ty- 
phoeus nach  Entdeckung  des  Diebstahls  nicht 
töte.  —  40.  Typhoeus  merkt,  von  den  Zauber- 
klängen betäubt,  von  dem  allem  nichts.  Erst 
wie  sie  schweigen,  eilt  er  in  die  Höhle:  ßgov- 
xr\v  ä'  i]vsfi6(fOiTOv  säigsxo  .  .  (25)  Mai.  orEpo- 
nrjv  ä-Aiyrjzov  .  .  .  (27)  v.al  xsvsbv  aniog  svgs.  50 
Jetzt  gerät  das  Ungeheuer  in  blinde  Wut, 
stürmt  gegen  den  Himmel  und  verwüstet  und 
vernichtet  dort  alles  rings  umher,  bis  die 
Nacht  hereinbricht.  Die  übrigen  Götter  haben 
sich  zum  Teil  geflüchtet:  nur  Zeus  bleibt  am 
Tauros  und  nimmt  den  Entscheidungskampf  an, 
in  welchem  er  vor  allem  durch  das  Blitzgeschofs 
Sieger  bleibt.  Nun  erst  nimmt  Zeus  vom 
Kadmos  die  deckende  Wolke  (2,  663),  dankt 
ihm  und  wiederholt  ausführlieh  die  schon  1,  60 
395  angedeuteten  Verheifsungen.  —  41.  Dem 
Nonnos  eigentümlich  ist  dabei  die  Kombina- 
tion verschiedener  Genealogieen  2, 682 ff.  {Köhler 
S.  6),  vor  allem  aber  die  mit  der  Warnung 
vor  dem  Zorne  des  Ares  verbundene  An- 
weisung: „Nachts  den  Himmelsdrachen  vor 
Augen  (674  ff.)  gi^ov  vnlg  ßwjxoto  Xaßmv  svoä- 
fiov    ötfhrjv ,   |   yuy.Xrjav.cov    Otpiovyov  OXvumov, 


sv  itvgl  Kcticov  |  'iXXvQif.rig  iXäcpoio  noXvyXd>%iva 
ysgai'rjv,  um  das  Schicksal  abzuwenden"  — 
eine  Anweisung  ganz  im  Stil  der  hellenisti- 
schen Magie,  wie  das  Zauberwort  des  LLvext]g 
13,  485. 

Quelle  des  Nonnos;  Peisandros.  —  42.  Die 
Grundzüge  dieses  Typhoeuskampfes  sind  nicht 
neu:  aber  gerade  das  Eingreifen  des  Kadmos 
(wie  bei  ähnlicher  Gelegenheit  des  Herakles) 
ist  eine  Singularität.  Den  Typhoeus  besteht 
Zeus  in  der  älteren  Tradition  (Pindar  fr.  93,  2) 
allein;  bei  den  Mythographen  treten  ihm  Pan 
und  Hermes  zur  Seite ;  Hermes  spielt  hier  (und 
noch  mehr  dem  Argos  gegenüber)  eine  ähn- 
liche Rolle  wie  Kadmos  in  den  Dionysiaka, 
vgl.  Flut,  de  Is.  et  Os.  55:  eine  von  vielen 
Beziehungen  zwischen  dem  Heros  und  dem 
Gotte.  Erfindung  des  Nonnos  ist  die  mario- 
nettenhafte  Rolle  des  Helden  im  einzelnen: 
das  Grundmotiv  war  aus  älterer  Poesie  ent- 
lehnt. —  43.  Vgl.  Pisander  bei  Olympiodor  Plat. 
Phaed.  =  Fr.  d.  ep.  Poesie  p. '91  D.:  är/Xoi: 
&soXoycöv  xä  y.axd  KäSiwv  sv  xä  fiv&co,  Iv  co 
tprjßi  xbv  Kääyov  v7ioxid~£6&ai  xco  Jiit,  ncög  av 
HctTciycovioctizo  zbv  TvcpcZva.  Man  bezieht  das 
meist  auf  die  rjgcoiy.al  dsoyaLiiat,  des  späten 
Epikers  aus  Laranda  (Däntzer;  0.  Müller, 
Proleg.  147):  ein  durchschlagender  Grund  gegen 
den  cKamiräer'  existiert  nicht,  und  wenn  man, 
wie  Kinkel,  das  von  demselben  Olympiodor 
citierte  Fragment  über  Perseus  und  Herakles 
(fr.  10  p.  252  Kl:.)  dem  Kamiräer  zuschreibt, 
mufs  man  das  Gleiche  auch  hier  annehmen. 
Da  sich  von  dieser  Persönlichkeit  aber  wenig 
Sicheres  sagen  läfst  (v.  IVilamowitz ,  Som. 
Unters.  347,  Herakles  I  309),  würde  damit 
das  Zeugnis  nur  älterer  (vielleicht  rhodischer, 
s.  unten  nr.  85)  Tradition  gewonnen.  Die 
Titanoinacliie  des  'Mnsaios'.  —  44.  Dem  In- 
halte nach  fügt  sich  das  Fragment  in  keine 
der  bisher  rekonstruierten  Quellen  ein,  kann 
aber  ebensowenig  als  späte  willkürliche  Er- 
findung (Welcher,  Kret.  Kol.  33  u.  ö.)  auf 
Grund  einer  spielenden  Namenserklärung  bei- 
seite geschoben  werden.  In  der  That  führt 
uns,  wie  n.  a.  schon  Zoega  (Bassir il.  1  p.  12) 
gesehen  hat,  das  bereits  oben  nr.  5  Sp.  827,  34 
angeführte  Citat  aus  der  Tizavoaaxia  des 
'Musaios'  (p.  22S  K.)  in  ältere  Zeit  zurück.*) 
Wenn  im  Znsammenhang  der  Titanomachie 
von  der  Wanderung  des  Kadmos  die  Rede 
wai-,  läfst  sich  keine  bessere  Verbindung  her- 
stellen, als  die  von  Nonnos  gegebene:  durch 
die  Typhoeuslegende.  —  45.  Nun  erzählt  nicht 
nur  Hesiod'  die  Typhoeussage  zuerst,  sondern 
in  der  Aspis  heifst  es  v._32  xä%a  ä'  Z|e  (Zeus) 
Tvtpaoviov ,  ToaTE  S'  av&ig  |  <&Uiov  av.QÖza- 
zov  kzX.;  vgl.  Hesych.  4  p.  187  Tvrpiov  ögog 
Bouoziag.  Hier  also  mufs  (vor  der  'Zeugung 
des  Herakles')  der  Typhoeuskampf  lokali- 
siert gewesen  sein,  vgl.  sehol.  Find.  Olymp. 
4,  11  ivioi  äs  iv  IIi&riHovottig  cpaal  zbv  Tv- 
<p<äva  .  .,  ot  äs  iv  Alyvnxio  .  .  .,  ot  ^s  sv  x<o 
6'pEt  tä  hutci  Boiaziav.  Wir  befinden  uns 
wieder  auf  boiotischem  Boden:  boiotische 
Poesie   wird   den   Kadmos   mit  Zeus   und   Ty- 

*)  Sie  ist  aber  kaum  von  Nonnos  selbst  benutzt,  s. 
lt.  Köhler  S.  3. 


849     Kadmos  (u.  Harmonia  in  Illyrien)  Kadmos  (u.  Harmonia  in  Illyrien)     850 

phoeus  in  Zusammenhang  gebracht  haben;  acpag  etii  zu  oiv.siu,  zug  ztvXug  diu  d>v  zrjv 
selbst  das  in  unseren  Berichten  rudimentäre  y.d&oSov  iiroiovvxo  .  .  ovoud'Qovaiv  'OfioXotäug. 
Eingreifen  des  Zeus  mag  darauf  zurück-  — 48.  Den  hier  nur  skizzierten  tragischen  Aus- 
gehen. Wenn  Zeus  aber  die  Hand  der  Har-  gang  des  geprüften  Helden  wird  nach  der- 
monia  als  Preis  für  die  Bezwingung  des  selben  Quelle  Euripides  im  Kadmos  (TGFr. 
schlangenfüfsigen  Typhoeus  aussetzt,  so  liegt  p.  496  N.-)  dargestellt  haben.  Hier  wurde  nach 
darin  eine  ganz  frappante  Parallele  für  die  Valckenaers  wahrscheinlicher  Vermutung  (s. 
oben  nr.  22  ff.  wiedergewonnene  Sagenform  Hör.  En.  2 ,  3 ,  187 )  Kadmos  vor  den  Äugen 
(den  Drachenkampf  als  Bewerbungsagon).  Die-  seiner  Kinder  in  eine  Schlange  verwandelt; 
selbe  Quelle  könnte  die  „Drachensöhne"  viel-  10  vgl.  fr.  ine.  930  p.  661  ol'fioi,  Sguy.tov  fiov 
leicht,  nach  Vorgang  der  Giganten  und  Aloa-  ylyvtxui  xb  ijfiiav.  ziyvov  nignrXuyn&i  zep 
den,  als  Götterfeinde  aufgefafst  haben:  doch  Xomä  zeuzgi:  eine  Stelle,  an  die  Philostr.  Imag. 
fehlen  hierfür,  von  den  Namen  oben  Sp.  828  I  17,  der  die  Verwandlung  gleichfalls  in  Theben 
und  der  Entstehung  aus  der  Erde  abgesehen,  vor  sich  gehen  läfst,  sogar  im  Ausdruck  (tu 
feste  Anhaltspunkte.  Vgl.  -jedoch  M.  Mm/er  Xoiita  zov  Giop.uT.og)  erinnert.  Auch  Inc.  263 
a.  0.  9.  12.  23.  252  und  unten  nr.  124.  Wir  p.  890  bezieht  sich  auf  die  Kadmossage.  Diese 
begnügen  uns  damit,  diese  Probleme  hier  auf-  berühmte  Scene  iBt  es,  die  Hermor/enes  it.  IS. 
zustellen,  da  ihre  Lösung  über  die  Grenzen  II  p.  376  W.  (401  S)  als  erstes  Beispiel  für 
dieses  Artikels  hinausführt.  nagddotu  anführt.    Vgl.  Crusius.  Gott.  gel.  Awz. 

20  1890,  700.*)  —  49.  Nach  diesen  Zeugnissen  zieht 

III.   Kadmos  und  Harmonia  in  Illyrien.  Kadmos   mit  Harmonia  in   Drachengestalt 

Die  Kataloge.  —  46.  Die  ältesten  direkten  zu    den  lllyriem    und    Encheleern   und    führt 

Zeugen  sind  auch  hier  Euripides  und  Eerodot.  so  als  Schutzheros  das  Barbarenheer  wider  grie- 

Nach  der  Bestrafung  des  Pentheus  verkündet  chische  Städte  (Theben?),  bis  es  sich  schliefs- 

Diom/sos*),   Balcch.    1340  ff.     figdyoiv    ysvriosi  lieh   am   delphischen  Heiligtum   vergreift 

aszaßuXoiv,   ädfiag  te  or)  \  rjv  "Ageog  Eff^Ec  'Ag-  und   vernichtet   wird.     Nur  Kadmos  und  Har- 

fioviuv    &vrjTog    yeyoig ,    [    iy.&^gico&i:  te'    ocpiog  monia    werden    von    Ares    ins    „selige    Land" 

uXXd^£i    Tvnov.   |   byov    <i£    [toGycov    ygrjGiibg    Gig  versetzt. 

Xsysi  Jwg  I  iX.äg  usx'  aXö%ov  ßuoßdgav  fjyov-  Epische  (korinthische?)  Parallclqucllen. 

ixtvog-  |  noXläc  de  zregaeig  ccvagi&aco  cxgaxev-  30  — 50.  Eine  andere  Form  der  Sage  schliefst  sich 

;iuxi  |  nöXsig'  oznv  de  Ao£,iov  %orjGTr]oLov  |  diao-  fester  an  das  illyrische  Lokal  an;  die  älteste, 

■nuGoici  vbezov   u&Xiov  zidXiv  |  G%r)Govni-  ae  d'  hinter    den    Hellenisten    liegende   dichterische 

Agrjg  'Agixnvi'av  te  qvgbtui  I  uaxdgotv  t    ig  uluv  Quelle  für  sie  war  ein  Epos,  in  welchem,   wie 

aov   y.u&idgvGei    ßiov.      (Vgl.   Philo   Bi/bl.   bei  oben  nr.  19,   Kadmos   mit  den  Argonauten  in 

Steph.  Byz.    [fr.  15  FEG.  3  p.  574]    Bov&cirj-  Verbindung     gesetzt    wurde.      Apollon.    Iihod. 

TtöXig  'iXXvgiug,   äg  <&i'Xcov,   diu  xo  Kdduov  etil  Argon.  4,  515  berichtet:  Die  'Kolcher'  siedeln 

Zsvyovg  ßoäv  öyovixevov  zuyjwg  uvvgui  zr\v  ig  sich,   da  sie   die   fliehenden  Argonauten  nicht 

'fXXvgiovg  <  döv,  vgl.  Sophokles  unten  nr.  52.)  —  erreichen,  an  verschiedenen  Stätten  in  weiter 

47.    Zur    Interpretation    jener    dunkeln    Stelle  Ferne  an,   unter   anderem   ezt    'iXXvqiy.oio  p.eX- 

dient    vor    allem     die    Antwort    des    Kadmos  40  au.ßu&sog  aozufioio   |  zvfißog   i'v'  'Agpov Crjg 

v.  1354ff.:   „wir  werden  zuletzt  ins  Barbaren-  KuSilolÖ   xe  .  .  \  (518)   ävdgdoiv  'EyyeXeeGGiv 

land   wandern    müssen,    und    gar   clg  'EXXdd'  icpecxiot,  und   an  den   Keraunien.  —  51.  Vgl. 

nyaysiv    uiyddu    ßdgßagov    gxquxüv  ,    und    die  Phylarch     (Zeitgenosse    des    Avollonios)     bei 

Harmonia  135S  dgdv.cav  dguyuivrjg  G%rip    i'yov-  Athen.  11    p.  462  B    (fr.   40 b  FEG.  1  p.  345) 

guv  uygiag  |  ü£,a  inX  ßcoaovg  v.aX  xdcpovg  'EXXrr  noXXolg  de  v.uX  o   iv  '[XXvgioig  zotioc  diaß6r\zog 

vmovg,    |    rjyovaivoc    XöyyuiGiv    v.xX.      Auf    die  iaxiv  b  KuXovfitvog  KvXweg,  nug'  dt  Igti  zö 

gleiche    Dichtung    bezieht    sich    Herod.    9,   43  Kuduov  xal  'Ag/ioviug  uvrjfisiov,  d>g  igzo- 

(vgl.  Paus.  9,  5,  1),   wo  er  die  Verkündigung  gzi   <&vlug%og   iv  zr\  äsvziga   v.u\   shoGxij   zäiv 

erwähnt,    dafs  'IXXvgiovg  tf  y.u\  zbv  'EyysXimv  'iGxogimv.     Ebenso  Eallimaehos  fr.  104  p.  364 

Gxguxov   das    delphische    Heiligtum    plündern,  50  Sehn,  bei  Strabo  1  p.  46  (vgl.  5  p.  216)  Xiys- 

[i£xd  <$e  zi\v  Siugnuyrjv  zugrunde  gehen  würde;  xai  tioXXu  ziKfiiigtu  zfjg  'idaovog  Gxguxsi'ug  .  .  . 

über    das    Motiv,    weshalb   die   Encheleer   ihn  v.uX   zäv    iniduo^dvxcav   KbX%iav  .  .  .,    div   k'viu 

aufnehmen,  vgl.  Apollodor  unten  nr.  58.    In  ent-  v.ul  b  ' KuXX((iu%og  intiGrjaaivsxca  Xiycov  .  . :  I 

fernterem  Zusammenhang  damit  steht  Her.  5,  61  Ol  (ilv  in'  'iXXvgiv.oto  nöoov  Gy/tGGuvxsg  igtxiid  \ 

ent  zovzov  Sa  zov  AuotSdpuvxog  zov  'EzsoyXsog  Xüu  nugu  ^uvarfjg  'Aguovirig  oqiiog  \  uazv- 

uovvugyjovxog   i'gaviGxiuxui   KuSfiiioi  in'  'Ag-  gov  iv.xiGGuvxo,  zb  fiiv  ' <&vydd(ov'  zig  ivianoi  \ 

yeiav    v.ul  zgditoiixui  ig  zovg  'EyyiXeug.     Hier  Pgaixög,  dxug  y.sCvu>v  yXü>GG'  ovburjvs  'TJoXag' . 

fügt  sich   ein  Paus.    9,  8,  6:    r\vUu  imb   'Ag-  Hiernach     wird    Schot     Pind.    Pyth.    3,     167 

ysinov   fidyi]    ngbg    VXCguvxi   i-nguzfj9r]Guv,  zöz8  p.  338  B.  Kdäfxog  slgotpiv  ß ixußlri&EV  dniaraviv, 

ofiov  AuoSdaavzi  zjä   'Exso-uXiovg  v7is^iuGiv  of  60  6  Si  TlrjXsvg  .  .  .,  rac  -/.u\  KaXXip.ee/og  pugxvgsi 

■noXXoi'    xovxcüv    ovv    fioigu    zt)v    fiiv    ig    zovg  auch   das   von  den  Herausgebern  nicht  aufge- 

'llXvgCovc  TtoQEi'uv  uncoy.vrjGs,  xact7i6u,£voi  öf  ig  nommene    (fr.    372   p.  569  Sehn.)    erste    Glied 

0?gguXovq   v.uxuXuußdvovGiv  'OiiöXrjv  .  .  .  0sg-  dem  KalKmachos  gehören.  —  52.  Bei  Apollonios 

odvSgov   de   zov    IloXvvei-tiovg   uvuY.uXscufiivov  ist  von  einem  zvußog  die  Rede,  während  Ealli- 

„,„.,,,,.        .....       „.           .     ,  machos  von  den  Xuu  spricht:  das  sind  verschie- 

*)  £>ine  Propüetie,   wie  sie  hier  dem  Dionysos  m  den  L 

Mund   gelegt  wird,    könnte   in    der    epischen  Quelle  Tei-  *)    Ob    der    'Kadmos     des    Kteon    von    Sikyon   unter 

resias  (vgl.  v.  35S  ff.,  Kallira.  lavacr.  Fall.  125  f.)  gesprochen  dem  Eiudrucke  der  attischen  Tragödie  geschaffen  wurde 

haben.  (p;;Ä.  „.  ;,.  35,  140)  ? 


851     Kadmos  (u.  Harmonia  in  Illyrien)  Kadmos  (u.  Harmonia  in  Illyrien)     852 

dene  Dinge.  Auf  dieselben  Sagen  nimmt  Bezug  lieben  Darstellung  der  Sage,  die  uns  erbalten  ist, 

ein  dritter  hellenistiseber  Dicbter,  der  jüngere  der  des  Ovid,  klar  zu  Tage.     Ovid  trennt  sich, 

Sophokles  (Trag.  p.  358  2V.,  Schneider  Callim.  2,  trotz    gelegentlicher    Reminiscenzen    (v.    584 

637,    der    die   Stelle    falsch   dem   Kallimachos  =  Trag.  ine.  939),  von  Euripides   (den  Kata- 

zuschreibt:  Crusius,  Gott.  gel.  Ans.  1890,  693)  logen)  und  scheint  direkt  oder  indirekt  von  einem 

in  einer  Elegie  Et.  M.  s.  Bov&oirj-   noXig  xr)g  Hellenisten  abhängig.    Metam.  4,  563:  Kadmos 

'iXXvgiSog'  ZocpoxXijg  'OioaccKlsi'  Bov&ot'n  Jgi-  luctu  serieque  malorum  \  victus  .  ..  verläfst  seine 

Xavog    inl     ngoxoyaiv    ivda&rj.       Denn     eben  Gründung,   longisqiie   erratibus  actus  |  contigit 

hier   sollte  auch  das  Grabmal  sein,   vgl.  Era-  Illyricos  profuga  cum   coniuge  fines.   \  iamque 

tosth.  Steph.  Byz,  s.  Jvggdxiov  (=  p.  83  Bh.)  io  malis  annisque  graves,  dum  prima  retraetant  \ 

nozayol   äs  dgiliov   y.ccl  'Awog,   ntgl  ovg  KdS-  (570)  fata  domus  .  .  \  'num  sacer  ille  mea  tra- 

fiov   Kai   'Agpoviag    xdcpog    dsi'xvvzai.     Ebenso  iectits    cuspide    serpens''    Cadmus    ait     'fuerot 

Nicander  Ther.  607  (p.  254  S.,  vgl.  Schot,  p.  47)  .  .  .?  |  quem  si  cura  deum  tarn  certa  vindicat 

igiv    &',    r]v    i&giips     JgiXav     y.u\     Ndgovog  ira,  |  (575)  ipse  precor  serpens  in  longam  por- 

'6%iTtti,\Ei§ovCovKu§fioio  TTifisiXiov'Agyovirjg  zs.  rigar  alvurn^   Das  geschieht  vor  den  Augen  der 

—  53.  Auch  in  diesem  Falle  bewahrt  sich  Kalli-  Gattin   und   Genossen    (s.   oben  nr.  48),    aber 

machos    durch    treue    Erhaltung    der    Lokal-  (600)  subito  duo  sunt  iunctoque  volumine  ser- 

zeichen.   Felsen  des  Kadmos  und  der  Harmonia  punt.  \  donec  in  adpositi  nemoris  subiere  late- 

erwähnt   auch    Ps.-SIq/lax    §  24.  25   (GGM.  1  bras.  |  nunc  quoque  nee  fugiunt  hominem  nee 

p.  31  21/.):  Kai  Kdäiiov  xal  'Agfioviag  ol  XC&oi  20  vulnere  laedunt  |  quidque  prius  fuerint  placidi 

slalv  evzav&a,   r.al   isgör  <VtSx^>  &7z(o&sv  zov  meminere  dracones.    Die  Verwandlung  wird  als 

'Pit,ovvzog  Tzozayov.    dnö  Sl  'Pi^oi'vrog  nozceuov  Sühne  für  den  Drachenmord  gesetzt:   Ares  ist 

fi's  Bov&oriv  6  iiXovg***.    25.  'iXXvgiäv   faffos  unversöhnt,  vgl.  v.  100.  —  56.  In  diese  Uber- 

f lalv   of  'EyxiXsig  .  .  ir.  Bov&ong   di  sig  'Eni-  lieferung,  nach  der  Kadmos  lllyrierkönig  wird, 

Sayvov   v.xX.     Näheren   Aufschlufs    aber    giebt  pafst  die  Sage  von  seinem  Sohne  Illyrios,  den 

uns  erst  Dionysius  Perieg.  390  ff.  GGM.  vol.  2  ' Apollodor'   (unten   58)    nach   epischer   Quelle 

p.  127  31.   (=  Tzetz.   Cliil.  4,  391):    v.slvov    8'  kurz  erwähnt.    Dafs  die  Figur  poetisches  Leben 

ccv  nsgl  köXtcov  i'äoig  tgnivdia   zvyßov  |  xvfi-  hatte,  zeigen   die    vatikanischen   Yirgilscholien 

ßov  ov   Agixoving  Kdäyoio  zs  <pi][iig  ivLOniL'  |  Mais  AnA, 213  beiLion2  p.811.   Cadmus  relictis 

Kti&i    ydg    eig    ötpicov    gv.oXiov    äitiag    -qX-  30  Thebis  comiti  Harmonia  coniuge  fortunae  iniu- 

Xd'gavzo,   \  bnrtöx'    an'  'Iepiyvov   Xmagov   fiexd  rias  [sustinenst?)]  fines  Macedoniae  super- 

yrlgctg     [trotz    jener     schweren     Prüfungen?]  gressus  parvulum  filium   qui  iuxta  Illyricum 

i'xovzo.   |  i'v&a    ccpiv   zsgag    üXXo    &sol   tTsoccv  fluvium   ab  Harmonia   editus  fuerat  dereliquit. 

dyqil  ydg  aiav  |  (395)  xeivrjv  äarpozigwd'iv  tgr}-  Hüne  serpens  spiris  suis    innexuit    et   donec 

giSctxcti    ävo    nsrgat,   |    aiz'    &ucpa>    ^vvCuoi  ad  adtütos  veniret  annos  amplexu  corporis  fovit 

Sovsvtisvai,  svri  zig  ägxi]  |  yiyvszai  [Wi-  imbuitque  civibus  quibus  omnem  illam  regio- 

zrjBi    KvXivöouiroio    «anofo.*)     Diese    nizgai  nem    sibi    subdidit.     Hie    ex    vocabulo    suo 

(=    KvXixtg?)     sind    offenbar    die    Xi'&oi    des  Illyrium  denominavit.     In  dieser  Sage  scheint 

Skylax  und  Kallimachos;  man  mochte,  wie  bei  zunächst    die  'iXXvgi'a   am    Pangaion    gemeint, 

so  vielen  Steinsagen,  Menschengestalt  in  ihnen  40  vgl.  Steph.  Byz.  p.  331  bitf.  'iXXvgia  %mga  nXn- 

erkennen.  —  54.  Nonnos  endlich  44,  27  (46,364ff.  oiov  zov  TJayyaiov,  änb  'iXXvgi'ov  zov  Kd.6y.ovog 

und  4,  418)  läfst  den  Helden  und  sein  Weib  (daraus  wohl  Eust-,  Geogr.  Gr.  Min.  II  p.  289): 

zu   Drachen   versteinert    werden    (dysißo-  wo  die  falsch  wegkorrigierte  Nebenform  Kdä- 

yivoio  ngoaiinov  \  Xaivirjv   r)[ifXXov  s'xl,v  otptco-  yovog  (sc.  viög,  Hexameterschlufs?)  dafür  bürgt, 

äsa  fiögcprjv).    Aber  für  diese  Form  der  Legende  dafs  wir   es   mit   altepischer  Überlieferung  zu 

ist  kein  älteres  Zeugnis  beizubringen,  und  der  thun  haben,   vgl.  Crusius,   Fleck.  Jahrb.   143, 

Verdacht  liegt  nahe  genug,  dafs  Nonnos  oder  1891  S.  390.    Ähnliche  Traditionen  (im  Zusam- 

seine    dichterische    Vorlage    die     beiden    ge-  menhange  mit   der  Argonautensage)   brachten 

trennten  Typen  selbständig  zu  seiner  wunder-  die    Hylleer    und    Hyllos    nach    'Illyrien'    als 
liehen  Verwandlungssage  umgeformt  hat.   Aus  50  Nachbarn  (iqisazLOi)  devEnche\eev(Apoll.  Ehod. 

verwandten  Quellen  schöpfte  der  Kunstgenosse  4,  516ff.)  und  setzten  schon  sehr  frühzeitig  die 

des  Nonnos   Christodor    Anth.   Pal.   VII,    697:  'phönizischen'  Taphier-Teleboer  (unten  nr.  76) 

£(££  <5'  än'tvatßeaiv  ngoyövcov  igixvdia  Tidzgrjv,]  in  Zusammenhang  mit  Theben  und  Amphitryon 

Av%viS6v,    rjv   &olvi£    Kdd/Aog    i'ditys    itöXiv  (His.  Scut.).    Eustathios  (a.  0.)  denkt  wohl  an 

sv&sv  Xvxvog   e'tjv  'EXittaviog,  ovvExct  Kdäfiog  das   westliche  Illyrien   und   dem  entsprechend 

czoixBicoi'  Javaotg   izgwrog    län^t    zvnov.   \   eis  heilst  auch  Ehizon,  der  Eponymos  von  'Pi'fcav 

vTidzovg  ä'   dviXay.iji£    xcel  'iXXvgiotei   dixdlZaiv.  zwischen  Buthoe  und  Epidamnos,  zov  KdSy.ov 

Lychnidos,   die  Gründung   des   Kadmos,  ist  ufog   Choerob.   in  Tlieodos.  p.  76,   24.     Theogn. 

die   Stadt   der  „Sesaretbier",    im    Hinterhände  Can.    p.    33,    11;    vgl.   Beider,    An,   p.    1417. 

von  Apollonia  und  Epidamnos.  —  55.  Die  wahre,  60  Hcrodian  II  p.  737,  7.    Müller,  Geogr.  Gr.  M. 

dem     Nonnos     unverständliche     Absicht     der  1  p.  31.  —  56b.   Ebenso    kam    Agaue,   Toch- 

Legende  ist  bei  Kallimachos  und  Dionysios  kaum  ter  des  Echion  und  Mutter  des  Pentheus,  nach 

zu  verkennen  und  tritt  in  der  einzigen  ausführ-  Hyg.    184    errabunda    in    Illyriae    fines 

ad  Li/cothersen  regem,deri  sie  nach  240  und 

*)    Die    OrtaangabM    sind    sehr    aUgemein;    die    im  „-4   tgtete   M<   regnum    CadltlO  patri   dar  et, 

ersten  Bande  vorgetragene  und  im  Atta*  1.  3  zur  Geltung  1      -r»        7         4    o       .«/,        17-  1  ~„1- ,' J^ 

gebrachte    Fixierung    Leint    C.    Müller    später    (2  p.  31)  JB1- . SoScher   1    Sp     100.       Eine    konkuniereilde 

xrteder  aufgegeben  zu  haben.    Richtig  hebt  Schneider  Dublette    ist    die    Legende    der    Lpeiros ,   T7JS 

p.  364  hervor,  daft  Polai  nur  am  Harmonialelsen  liegen  soll.  'ExtOVOg    &l'yuTQÖg,    die    £•/.    BoLcrrt'ug    y£&     Ag- 


853     Kadmos  (u.  Harnaonia  in  Jllyrien)  Kadmos  (u.  Harm.  i.  Samothrake  u.  Troas)    854 

aoviccg  %a\  KdSpov  auszog  mit  den  Istyora  w    Kadmos  und  Harmollia  in  Samothrake 

des  Pentheus,  und  m  emem  Sgvfiog  des  Lhaoner-  nnd  ijroas 
landes  begraben  wurde.     Wir  kennen  sie  nur 

durch  einen  hellenistischen  Poeten  bei  Par-  Diodors  Samothracia.  —  60.  Die  ausführ- 
thenios  32:  sie  wird  also,  wie  schon  Bd.  1  lichste Darstellung  der samothrakischen Legende 
Sp.  1280  angedeutet  wurde,  schwerlich  zum  bietet  (vielleicht  nach  Apollodors  vsmv  Kazd- 
alten  Stamme  der  Überlieferung  gehören.  —  Xoyog:  Bähe,  Herrn.  24,  424  ff.*))  Diodor  5, 
57.  Die  Hauptzeugnisse  echliefsen  sich  zu  47  ff.  Mszd  Ss  zavza  [der  grofsen  Flut  in  S. 
folgender  Einheit  zusammen:  Kadmos  und  und  Umgegend]  Sdmva  ysvöfisvov ,  äs  fiiv 
Harmoniakommen  (wohl  vom  Ochsengespann  ge-  10  zivsg  cpaav,  sk  Jtbg  Kai  Nvfitprjg,  mg  Ss  zivsg 
zogen,  vgl.  nr.  52)  nach  IUyrien  und  leben  dort  J|  'Eg/iov  Kai  'P>]vng,  avvayaysiv  zovg  Xaoig 
bis  in  hohes  Greisenalter  in  der  Verbannung.  GitogdSr\v  olxovvzag  [Erklärung  der  Sparten- 
Auf  ein  unvorsichtiges  Wort  des  Kadmos  hin  sage,  vgl.  nr.  106]  Kai  vbfiovg  &susvov  avzbv 
(märchenhaft)  werden  sie  dann  (von  Ares)  in  fisv  dnb  rfjg  vfjoov  Sdmva  KXri&rjvai.  zb  Ss 
Schlangen  verwandelt.  An  ihrer  Grab-  Tilrfiog  slg  nsvzs  q>vXdg  [vgl.  die  5  Sparten] 
statte,  die  zugleich  ihr  Heiligtum  ist,  wirken  Siavsifiavza  zmv  ISüov  vimv  szimvvuovg  avzctg 
sie  fort  als  segnende  Genien.  Zwei  Felsblöcke  noirjcai  2. .  .  .  nag'  avzotg  em  Jibg  Kai  aiäg  itöv 
in  der  Nähe,  die  man  nach  ihnen  benannte,  AzXa vziSm v'HXsKzgag  ysvsafrai  AdgSa vov 
sollten,  wenn  dem  Lande  Unglück  drohte,  in  zs  Kai  'IaaCmva  Kai  'A  gfioviav  [vgl.  Kon. narr. 
Erschütterung  geraten  und  sich  aneinander  20  21  JägSavog  Kai  'laalmv  itaiSsg  iqGzwv  Aibg  sS, 
schliefsen.  —  58.  Unklar  (wahrscheinlich  durch  'HXtKxgag  =  Apollod.  3,  12,  1  'HXsKzgag  Ss 
Verkürzung  einer  vollständigeren  Vorlage)  ist  zfjg  "AzXctvzog  v.al  Aiog  'laßimv  «ßi  AagSa- 
die  Überlieferung  des  mythographischen  Hand-  vog  jctJ,.,  ebenso  Ephoros  und  Demagoras, 
buches  Apollod.  3,  5,  4  6  Ss  KdSfiog  pszd  Ag-  s.  unten  nr.  62].  3.  mv  zbv  fisv  AdgSavov  .  .  . 
fiovlag  @r]ßag  SKXi-nmv  ngög  "Ey  %sXs  ag  naga-  ngmzov  tlg  zrjv  'Aßiav  snl  ß%sSiag  Siansgaim- 
yivszai.  zovzoig  Ss  .  .  .  b  &sbg  s%gwßsv  IXXv-  &svza  .  .  .  Kzloai  AagSavov  tioXlv  Kai  zq  ßaßi- 
gimv  Kgazr\ßsiv  sdv  r]ys(i6va  K.kuVA.  s%mßiv.  Xsiov  .  .  Tgolav  cvBzrjßao&UL  Kai  zovg  Xaovg 
01  Ss  nsio9svzsg  .  .  .  Kgazovßi.  Kai  ßaßilsvsi  K.  dq>'  savxov  AagSdvovg  ovoudßai  .  .  .  Kai  tou? 
'iXXvgioiv  Kai  naig  'iXXvgiog  avrm  yivszai.  avftig  vnsg  <9pßxr/g  AagSdvovg  KazoiKißai.  4.  Dem 
<?£  fiszä  Agfiovlag  s lg  SgaKOvza  fiszaßaXmv**  slg  30  zweiten  Sohn,  Iasion,  zbv  zlia  nagaSsikai  zrtv 
'HXvßiov  nsSi'ov  vtio  Aibg  s'^STtsficp&riaav.  Schal.  zmv  iivazrigimv  zsXszrjv,  ndXai  fisv  ovaav  sv 
Tina.  Pyth. 3, 153p. 338  B.:  ...zovzov  (K.)  svdai-  zy  vrjaco  ...  5.  (iszoc  ös  zavza  KaSfiov  zbv 
fiovqaavza  sv-itscslv  s Ig'lXXvglovg  .  .  .  a7to9soi9rj  'Ayr]vogog  v.aza  'Qrjzr}6iv  zfjg  Evgmitrig 
[isza  zrjg  .  .  Agfioviag  Kai  änsX&wv  stzI  Sga-  äcptK  se&ai  ngbg  avzovg,  Kai  zrjg  zsXsrrig 
kovzcov  ag;iazog  (?)  Kttzor/.r\6sv  sv  reo  'JiXvaüo  ßszao%6vza  yr/^iai  zvv  ad sXcprjv  laß Loivog 
ttsSlco.  Wertvoll  ist  der  Eingang,  der  uns  das  A q[lovCuv  ov  Ka&äztsg  "EXXrivsg  (iv&oXoyovoiv 
Motiv  zeigt,  weshalb  die  Encheleer  den  Kad-  zriv  "Agsog.  49,  1.  zbv  äs  yafiov  zovzov 
mos  freundlich  aufnehmen.  Der  Schlufs  bei  ngmzov  öaiaai  &sovg,  Kai  Arjiirjzga  ßsv 
Apollodor  wirft  die  Überlieferung  der  Kataloge  'laoimvog  igac&siaav  zbv  Kagnbv  zov  nizov 
mit  der  'korinthischen'  zusammen;  in  den  4,0  SwgrjaaG&ai ,  'Eouf/v  Ss  Xvgav,  A&rjv&v  Ss  zbv 
Pindarscholien  wirkt  eine  Reminiscenz  an  das  Siaßsßorjusvov  oguov  Kai  nsitXov  Kai  avXovg, 
Ochsengespann  mit,  um  die  Verwirrung  voll-  'HXsKzgav  Ss  zä  zrjg  /isyäXng  KaXovfisvr]s  tnqxgbg 
ständig  zu  machen  (besser  schal,  zu  167  oben  zmv  9säv  isgd  .  .  .  (s.  ob.  Bd.  1  Sp.  1234  f.)  Kai 
Sp.  850,  59).  —  5f).  Strdbo  2  p.  326:  Hinter  Epi-  AnbXXaiva  \Av  Ki&agiaai,  zag  Ss  Movaag  avXrj- 
damnos  wohnen  die  'Ey%sXs  101,  ovg  Kai  Ssaagrj-  coit  (äaai?),  zovg  Ss  äXXovg  ftsovg  svcpj][iovvzag 
^riovg  (Heliat.  fr.  67f.)  KaXovaf  itgbg  Ss  zovzoig  ovvav^rJGai  zbv  ydfxov.  2.  fiszä  Ss  zavza  zbv 
.  .  .  r]  zginoXig  TlsXayovia  (vgl.  nr.  17)  .  .  .  v.al  jj.lv  KdS fiov  .  .  .  Kxioai  Orjßag  zag  sv  Boim- 
'EXifisia  Kai  'Egäzvgad  zavza  Ss  zigozsgov  psv  xia,  zbv  8'  'IaaCmva  yr]iiavza  KvßsXrjV  (die  als 
KazsSwaezsvszo  ..,  äv  sv  zoig  'EyxsXst'oig  ol  Heroine  angesehen  wird)  ysvvrjaat  Kogvßavza' 
KdSpiOV  Kai  Agfioviag  aTtbyovoi  rjgyov,  50  'laoimvog  Ss  slg  ftsovg  fiszaaxdvzog  AdgSavov 
v.al  zd  iiv&svou.sva  itsgl  avzmv  SsiKvvzai.  ovzol  Kai  KvßsXvv  xat  Kogvßavza  (iszaKOiu-iGai  slg 
fiiv  ovv  ov%  vtco  l&aysvmv  r]g%ovzo  kzX.  giebt  zr/v  Aaiav  zd  zr)g  firjzgbg  zmv  frsmv  tsgd  (wo- 
nichts  mythologisch  Neues,  bestätigt  uns  aber,  nach  sie  die  Göttin  selbst  Kybele  nennt)'  zbv 
dafs  man  die  Herrschergeschlechter  in  der  That  S's  Kogvßavza  (der  den  Korybanten  den 
von  Kadmos  herleitete.  Damit  steht  es  im  Namen  giebt)  yijfiai  ®r]ßrjv  zr)v  KlXixag  &vya- 
Zusammenhange,  dafs  nach  Plut.  Pyrrli.  5  eine  zsga.  4.  So  kommen  die  avXot  nach  Phrygien, 
Schwester  des  Königs  Neoptolemos  von  Epeiros  die  Lyra  des  Hermes  nach  Lyrnessos,  das 
KaSfisla  hiefs,  s.  Droysen,  Hellen.  2,  2,  260.  Achill  eroberte  (Apollod.).  e|  'Iaaimvog  Ss 
Ob  Beziehungen  zu  der  'thesprotischen'  Kafi-  Kai  Ar]fx,r]ZQog  I7Xovzov  ysvso&ai  .  .  .  Vor  allem 
liavla  vorhanden  waren,  bleibt  zweifelhaft.  60  aber  ist  die  Telete  berühmt  u.a.  w.  —  61.  Eine 
Dem  thesprotischen  Kadmos-Flufs  (St.  B.  351,  merkwürdige  Ergänzung  dieser  Andeutungen 
23)  haben  die  Griechen  des  Vorlandes  den  bieten  die  späten,  aber  in  kleinasiatischem 
Namen  gegeben;  ebenso  werden  sie  die  Sesa-  Kultbrauch  entstandenen  Orphischen  Hymnen. 
rethier  mit  ihren  mythischen  Encheleern  iderx-  Hymnus  39  p.  79  Ab.  indigitiert,  nachdem  38 
tificiert  und   damit  den  Barbaren-Königen  ihr  of  sv  £au,o&gr)K-n  avuKzsg  gepriesen  sind,  den 


Stemma  verliehen  haben,  die  sich  solche  Ehre 
gern  gefallen  liefsen  (vgl.  Bd.  1,  2829,  britan- 
nische Fürsten  als  'Hyperboreer').  i'oßff. 


)  Vgl.  besonders  5,  49,  4  (Anknüpfung  an  Lyrnessos, 

gern  gefallen  liefsen  (vgl.  Bd.  1,  2829,  bntan-       ;;v  ^/üMa .  .  ?.afiüv)  und  dazu  K.  Tümpel,  Philoi.  48  (2), 


855    Kadmos  (u.  Harmonia  in  Samothrake)  Kadmos  (u.  Harmoma  in  Samothrake)    856 

Kogvßag  oder  Kvgßag  als  &sbv  äicpvfj  .  .  <poi-  (cod.  KaxoiK.),  ov  Kai  noXväg%i]v  Xeyeo&ai  inb 
vvov,  a'ua%{revxa  Kaeiyvr\xav  vitb  Sicarov  (ein  xtov  iy^cogiav,  ytal  'HexCoiva,  ov  'laaüova 
verschollener  Mythos,  vgl.  Klein.  [EW.]  Protr.  bvoyd^ovai  .  ,  .  xgixrjv  Se  i'atev  'Agpoviav, 
p.  12,  Ontsius,  A.  E.  a.  a.  0.  p,  24),  dnovq  y)v  rjydys-co  KdSfiog-  xctl  dno  xrjg  firixgbg 
og  yvcöiiTjOLV  svr\XXdt,ag  Ssyag  dyvov  |  ftrigoxv-  aix^g  'HXeKxgtäag  nvXag  rijc.  Orjßng  övofidaai. 
Ttov  9e uevog  fiogcpf/v  Svoqie goi'o  SqÜhovt.oc  (ganz  [axogei  'EV.dvi.-nog  iv  ngmxco  TgcoiKcov  Kai 
wie  Kadmos,  s.  oben  48.  53).  —  6'2.  Ephoros  'läojisveve.  Vgl.  Schol.  Eurip.  Phoen.  1129 
und  Hcllanikos.  Eine  Staffel  weiter  zurück  p.  3G8  Schw.  —  64.  Auf  Hellanikos  gehen 
führt  uns  Ephoros,  Schol.  Eurip.  Phoen.  7  danach  zurück  die  Grundzüge  des  diodorischen 
p.  248  Sehn.  (fr.  12  FHG.  1  p.  235)  "Etpogog  w  Berichts  und  die  Anknüpfung  an  die  grofse 
de  'HXeKxgag  trjg  "AxXavxog*)  avxrjv  (Har-  Flut;  Zeus  und  die  Atlantide  Elektra- 
monia)  flucti  Xeyei-  KdSaov  de  naganXeovxa  (Elektryone)-Strategis  als  Eltern  von  Darda- 
^auo&gaKriv  dgndaai  avxrjV  xr\v  Se  ig  xi-  nos-Polyarehes,  Eetion-Iasion  und  Harmonia; 
\i,r\v  xr\g  p,r\xgbg  ovofidaai  xag  'HXeKxgag  xtiXag-  Kadmos,  anf  der  Suche  nach  Europe  bei 
y.al  vvv  sxi  iv  tfi  Xauo&gdKy  fcrjzovetv  avxi]v  Samothrake  landend;  die  Entführung  (dg- 
iv  xaig  eogxaig  (s.  den  Art,  Megaloi  Thcol  nayi.i6g)  der  Harmonia  als  aixtov  einer  Fest- 
unter Samothrake).  Vgl.  Demagoras  v.  Samos  sitte;  die  Gründung  Thebens  und  die  Be- 
Schol.  Eurip.  Phoen.  7  p.  248  Sehn.  (fr.  1  nennung  des  Elektrischen  Thores.  Durchaus 
FHG.  4  p.  378)  Jr]uay6gag  de  dnb  Atßvrjg  neu  ist  es,  dafs  Harmonia  nach  Samothrake 
(als  Atlantide)  iX&ovoav  xi]v  'HXeKxgav  ot-  20  gesetzt  wird.  Im  übrigen  fügt  sich  die  Über- 
Krjaai.  xrjv  Zafio&QOMrjV  ev&a  avyyevouevn  Jil  lieferung  in  die  bisher  behandelte  epische 
sxsks  'Hu-i&eav  J d gd avov  'Agiioviav  ein.  Das  Hochzeitsfest  in  Samothrake  wider- 
xbv  de  Kddy-ov  naganXeovxa  fiexd  @daov  streitet  jedoch  der  älteren  Tradition.  Es 
tili  tvixrjciv  xrjg  däeXcpr]g  fivrj9fjvai  xs  Kai  mufs  bei  Diodor  aus  anderer  Quelle  ein- 
lud» o  tS  m  e  k  o  v  läelv  xtjv  'Agaoviav  [wie  geschoben  sein.  Die  Hauptscene  ist  zwar  offen- 
Philipp  die  Olympia,  s.  Lobtck  12S9],  ngovoia  bar  den  Katalogen  nachgebildet*),  verrät 
8h  A&rjväg  dgndaai  avxriv.  Für  'Hiii&eav  aber  eine  genaue  Kenntnis  der  Kultverkält- 
korrigierte  Valckenaer  (Schwarte)  'Hex  Cava  nisse  von  Samothrake:  sie  mufs  aus  epiebo- 
coll.  schol.  1129  p.  358  Sehn.:  [axogeixai  de  r\  risch er  Dichtung  oder  Legende  geschöpft  sein. 
HXeKxga  xgeig  naiäag  e%siv,  Jdgdavov  'He-  30  —  65.  Ein«  sachlich  zu  Ephoros-Hellanikos 
xiiova,  bv  -aal  'lualmva  dvofiaaav ,  «ca  Aq-  stimmende  Überlieferung  (vgl.  Welhnannri.  59  9) 
fioviav  rjv  yrjuavxa  xbv  Kdb'uov  dnb  tfig  bringt  umgekehrt  Dardanos  und  Harmonia  von 
fiijTfjoj  avvrjg  'HXsHxgidctg  nvXag  ovoixdacti  xf/g  Asien  nach  Samothrake.  Vgl.  Mnaseas,  Steph. 
0rißrjS.  Ähnlich  Arrhian  bei  Eust.  17.  B  814.  Bi/z.  s.  v.  Adgäitvog  (fr.  28  FHG.  3  p.  54)  .  . 
Dion.  391  =  fr.  64.  05.  FHG.  3  p.  598.  Demetr.  Mvaaeag  Se  q>r[Civ,  oxi  Adgdavog  iij,icbv  in 
Sceps.'p.  54 85  Gaede;  vgl.  Weltmann,  Comment.  toü  »fco  xrjg'Ad-nväg  xb  nceXXdSiov  ägdaevog 
phil.  in  hon.  sodal.  Gryphisw.  p.  59.  —  63.  Das  drpixsxo  stg  Saao&gdv.riv  fifxd  Agiioviag  «ai 
alles  deckt  sich  mit  Ephoros.  Aber  Ephoros  'Iaai'covog  xeov  d$sXcpcöv  xdxzi  Sidyovxa  KdS- 
selbst  schreibt,  wie  sicher  nachzuweisen  ist,  /j.og  6  Ayr]vogog  icptXonoirjaaxo'  v.ctl  dinro&a- 
den  Hellanikos  aus  (vgl.  Wellmann,  p.  58  sqq.  40  vovarjg  TwXzcpdrig  [Nebenform,  s.  Meineke  zu 
U.Hoefer,  Kotion  S.  44 -"),  auf  dessen  Atlantis  Moschosi,  40]  yapei  xrjv'Agfiovinv  b  Kdö- 
und  Troika  vor  allem  die  genealogische  Grund-  fiog  xal  a7ToaxiXXsi  xbv  AdgSatov  ttg  rr)v'AaCav 
läge  zurückgeht.  Vgl.  fr.  58  FHG.  1  p.  53  31.  usra  xeov  ixaigav  -ngbg  Tsvy.gov  xbv  Tgcöa  axX. 
Schol.  s  125:  r)v  ös  Xgfjg  b  'Ictaicov  'EXXdviKog  Diese  mit  den  hieratischen  Ansprüchen  des 
d'f  'HXsy.xgag  nal  Aibg  aixbv  ysvsctXoysl.  svioi  historischen  Samothrake  unverträgliche  Version 
6i  cpaeiv  avxbv  yscogymcoxaxov  bvxa  do^av  gewinnt  an  Autorität  und  Bedeutung  durch 
f'^ftv  bxi  xy  Jiqiirixgi  evvcov.si.  xivsg  (d.  h.  das  Eingreifen  einer  bisher  (Stoll  ob.  1  Sn.  1832) 
Hellanikos'?  vgl.  oben  nr.  60)  de  cpaai  (isxd  unverstandenen  Legende.  Apollon.  Khod.  2, 
xbv  ■HaxaKXvefibv  (volg.  imv.X.)  netgd  fiovm  992  leitet  die  Amazonen  von  Ares  und  der 
iaoCtovi  o-ttegua  Ttvgcbv  evge&fjvai  (iv  Kgr/x-ij  50  'Nymphe'  Harmonia  ab;  die  Sage  wird  in 
nicht  in  allen  Hdss.).**)  fr.  129  p.  63  M.  den  'akmonischen  Hain'  bei  Thermo don 
Schol.  Apollon.  Eh.  1,  916  iv.eC  (in  Samothrake)  verlegt.  Als  älteren  Gewährsmann  nennen  die 
coksi  'HXiv.xga  r)  "AxXavxog,  nctl  mvou.dt;exo  vnb  Schollen  S.  438  (=  Steph.  Byz.  s.  'Axtiovi'a 
xäv  iyxcogicov  £xgaxnyig'  rr»  cprfiiv  'EXXdvmog  p.  60  M.)  Phcrekydes:  'Agupvi'ce  vvficpn  Nal'g 
'JIXeKxgveovifi'  xaXsLß&ai.  'Eyevvr,ce  de  xgeig  (als  Tochter  der  Elektra?)  ng  v.al  "Agecog  Auet- 
■neelSac,  AugSavov  xbv  ig  Tgoicev  fisxoiK-qaavxa  t,6vctg    (vgl.  2xgaxi]yig  -  Elektra   oben   nr.  63  f.) 

elvul  tpriGi  ^egeKväng  =  fr.  25  FHG.  1   p.  75; 

*)    Früher    las    man    mit    sachlichem    Widerspruch  aug     verwan(Jter    Quelle     Schol.     11.     T   189    (E. 

y.tti  li. ;   rij*  ist  die    beste  Überlieferung :    wonach   oben  -,  7                     7          7    7     t_t          —     o/in^N    /    ^  '  1 

7.1  1  o     iL,       ,     ■  7..-        ■*  Schwartz,    de  schol.  Hom.  p.  3/407)   <<u  Aßu- 

Bd.  1  Sp.  1W5  zu  berichtigen  ist.  .  ,        x      „>                     .     >.             ,         '    t      '     x    .-    .Zs 

**)  Dafs  Bellanikos  trotz  der  Terbindung  mit  Samo-  «°  Zove e)^   Agecog^  Kai    Agu-eviag    ri^qprjs    Naidog 

thrake  Iasion  als  Kreter  bezeichnet  habe,  folgert  aus  dem  &yyuxegeg    eioh,   WO    kaum    AgtXOVtag    ZU   korri- 

Zougnisse  Furtwängier  oben  i  Sp.  1281b,  52.   Bei  der  Ent-  gieren  ist,  da  Harmonia  Epoiiyme  der  benach- 

stehungsweise  des  in  den  Scltolien  benutzten  Eompai-  barten  AgueviOl  (Vgl.  Steph.  Bl/Z.  S.  XdXvßsg 
diums  -wie  der  Schotten  selbst  bleibt  das  wegen  sach-  ;_  jPft.cajJ.  fr.  195  p.  13)  geworden  sein  kann, 
lieber  TJnzuträgUchkeiten  zweifelhaft^  EmtalMos  p.  152s,        'Kadmos    als  Rival    des  Ares'    würde  sich  mit 

5«;™«„P,,«a«HÄ»-to.;«      d  b               23ff     behandeiten    Sagenform 

t/fi.    Iigij'ta   tu  yivo;,   diu;     rtov    y.cci    Jlu&Qaz    ist    kein  ° 

neuer  Zeuge,   sondern    nur  Interpret    des  una  erhaltenen  *)    Die    summarische    Darstellung    des    Yfs.    in    der 

Srftolions.  AE.  S.  41   läTst   diese    Gesichtspunkte   noch   aufser  acht. 


857      Kadmos  (u.  Harinonia  in  Troas)  Kadmos  (u.  Harmonia  in  Libyen)      858 

(vgl.   auch  die   Oinomaossage)    berühren;    mit  rühmte  Epos  zurückführen,  welches  der  Ama- 

dem   ursprünglich  böotischen  Namen   0sg^m-  zonensage    in    den    Troicis    zuerst    Bedeutung 

öiov  könnte  die  Sage  von  der  Saat  der  Drachen-  verschaffte:  der  Al&ioittg  oder  'Aixa^ovig  (Bd.  1 

zahne  in  Verbindung  stehen  (vgl.  Duris  Flut.  Sp.   268).     Bemerkenswert   ist,    dafs  für  beide 

Dem.  19  =  FH.Gr.   2   p.  471;    GsgiimScov   und  Gedichte  mit  seltener  Einstimmigkeit  ein  rni- 

XaX-ncoSiov  neben  einander  bei  Paus.  Boiaz.  [9],  lesischer  Dichter,  Arktinos,   als  Verfasser 

19,  3).    Doch  die  Einzelheiten  bleiben  vorläufig  genannt  wird.    Wenigstens  der  Ursprung  der 

dunkel,  s.  76.  20.  —  66.  Dafs  auch  das  klein-  Gedichte  in  Milet  darf  wohl  als  wahrschein- 

asiatische  Thebe  mit  Kadmos  in  Zusammenhang  lieh  gelten,   zumal  Milet  noch  andere  klarere 

gebracht  worden  sei,  macht  schon   der  Name  10  Beziehungen    zur    Kadmossage    hat,    s.    unten 

Eetion    in   den    oben    behandelten    Legenden  nr.  90 ff. 

wahrscheinlich^  den  man  von  dem  Theber-  y  K&&mQS  nnd  Hamonia  in  Libyen. 
konige  bei  Homer  wird  herleiten  müssen.  J 
Direkt  bezeugt  es  Dikaiarchos,  Schol.  Eur.  Hellenistische  Poesie.  —  69.  In  dem  Ge- 
Andr.  1:  Ainaiug%6g  cpnoiv  iv&aSs  dnb-  dichte  des_ Konnos  nehmen  die  13,  333  ff.  mit- 
OTtaafiä  zt,  <(toü)>  fisra  toü  KäSfiov  ozb-  geteilten  Überlieferungen  eine  Sonderstellung 
Xov  o£xr]Gttt :  ob  Dikaiarchos  hiermit  das  kiliki-  ein  (vgl.  Köhler  S.  39  f.).  Zum  Heere  des 
sehe  Theben  '  a  Gadmi  Thebis'  abgeleitet  hat  Bakchos  kommen  auch  die  Libyer,  dy%iv£tpri 
(Schwartz,  de  schol.  Dom.  p.  441/45)  ist  zweifei-  vaiovzeg  dX-fjfiovog  dazsa  KäSfj.ov  |  (335)  ksl&i. 
haft;  vielleicht  liefs  er  Kadmos  den  Ort  schon  20  ydg  .  .  .  nscpogriuivog  avgaig  \  slg  %govov  whee 
auf  seiner  Wanderung  von  Phönizien  her  be-  KdSfiog,  i%a>v  Zi&avCSu  vvficprjv  (die  Samo- 
rühren.  Das  scheinbar  widersprechende  Zeug-  thrakerin)  |  ov\mXoov ,  'Agfiovirjv  tri  naoftivov 
nis  der  Schol.  ADL  Z  396  ist  von  Schwartz  .  .  .  rjv  Xdgiv  i^ovöfir]v£  Aißvg  azgazbg  — 
a.  a.  0.  beseitigt.  Anders  Schol.  V  Z  396:  "ASga-  dßgozsgr)  ydg  \  (340)  Biarovlg  eßXdazrjasv  l-ni- 
fivg  zig  [ö]  TliXaaybg  dcpiuöiisvog  ilg  z'r\v  "lör/v  fftovCr}  Xdgig  äXXr],  |  zijg  ano  %ai  Aißvr\q  Xagi- 
.  .  xtiJei  itöXiv  'ASgafivzzsLOv  xaXovfiivrjv;  He-  zcav  Xötpog  . .  .  Um  ihretwillen  greifen  die  Mau- 
rakles  gewinnt  seine  Tochter  @r)ßr]  und  gründet  rusier  zu  den  Waffen:  aber  Kadmos  (345) 
und  benennt  ihr  zu  Ehren  die  Stadt  vnb  zb  zivdaamv  .  .  AißvoxCSog  ty%og  'A&i'ivrjg  \  Agfio- 
W.dxiov  etil'  (nicht  verderbt)  'Egi&rjXag  (vgl.  vir\g  TzoXij.ii'^8  TcgoaanC^av  Tiagay.oizijg,  egjte  gi'av 
die  Theliden)  Kai  Aößng  oi  Aazdxov  (also  30  d'  iqioßriosv  oXov  ysvog  Al&i07trt<av  \  avv  Ait 
Sparten,  s.  nr.  20.  79,  Bd.  1,  645)  dTtagxdg  ei?  ...  "Ags'C  -aal  Kv&igsi'y  •  l  he  i&i  «al,  cög  svinovai, 
<Polvih7]v  äiib  Qrißiqg  tpigovzsg  (^ma&rjactv  Ttctgä  Tgizaviäi  Xi'fivv  I  (350)  'Agaovi'rj  nagiXsxxo 
■/.al  OLHijGavzEg  tKxioav  avzrjv.  —  67.  Schliefs-  gobcoTtibi  Kdbuog  dXrjzrjg,  |  Nvfxcpca  b  EGirzgi- 
lich  gehört  in  diesen  Kreis  die  Eidothea,  <jfg  fiiXog  inlExov:  und  aus  ihren  Gärten  holt 
welche  die  Sophoklesscholien  Antig.  992  als  Kypris  mit  den  Eroten  die  goldenen  Früchte 
zrrv  Kdäfiov  dSsXqnjv  bezeichnen  (identisch  zum  Schmuck  des  Hochzeitsgemaehes:  >)g  dnb 
mit  der  'Idaict,  T.  Aagbdvov  zov  2%v&ä>v  cpvXXcov  \  'Agfiorin  v.ai  KdBfiog  .  .  \  ßöozgv%ov 
ßaailicog,  siehe  oben  1  Sp.  1218).  Isoliert  dqivswiciv  siiizgiaouvzo  %ogvußoig  \  dvzl  gödov 
ist  die  noch  anonyme  Notiz  des  Schol.  Eurip.  yajiioio . . .  \  v.ai  fitlog  dazgcäi]g  y.i9dgrjg  inina- 
Phoen.  5  p.  248  Schv).  sVtot  Ss  dvzl  'Agfio-  40  [iov  iyiigag  (360)  jj,rjzgo7idzcaQ  ...  ovgavbv  dfieps- 
vCag  H  X  e'  %  x  g  a  v  avzov  rpaoi  yriiiav.  war  etwa  XtXi'&  Aißvq  •x.vgzovfisvog  'AzXag\%al  [izXog  agfio- 
in  der  nr.  64  postulierten  alten  Dichtung  die  viris  ifisXi'^szo  ysizovi,  tpcovr].  Und  zum  Andenken 
einheimische  Elektra  die  echte  Braut,  die  erst  <?räns  nobeov  inlßci&gaAißvGziäi  Kddfxog  dgovgyl 
bei  einer  harmonistischen  Mythenbehandlung  (365)  dwfiriaag  nolimv  snazovzd  da,  däxs  ä 
der  Harmonia  weichen  mufste?  Auch  Europe  ixdazrj  |  Svaßaza  Xa'Cvioig  vipov/itva  zsl'xsu 
auf  Kreta  und  Atymnios  als  ihr  Bruder  scheint  nvgyoig.  Während  es  Nonnos  mit  Rücksicht 
in  diesem  Gedichte  behandelt  worden  zu  auf  die  kanonische  Hochzeit  in  Theben  ver- 
sein,  vgl.  nr.  86.  —  68.  Die  epische  (iiiile-  meidet,  ein  Verlobungsfest  in  Samothrake 
sischeJ)  Quelle.  Dafs  sich  diese  Überlieferungen  zu  schildern,  bietet  er  dem  Leser  hier  bei- 
in  vielen  Punkten  an  die  kanonischen  Epen  50  läufig  eine  voll  ausgebildete  Dublette  jenes 
anschliefsen,  ist  längst  erkannt,  vgl.  zuletzt  später  (nr.  102)  zu  besprechenden  Abschnittes.*) 
M.  Wellmann  a.  a.  0.  58  ff.  Ähnlicher  Ursprung  Er  folgt  also  blind  einer  anderen  Quelle, 
ist  auch  für  die  befremdlichen,  Kadmos  und  wahrscheinlich  direkt  (wie  nachweislich  v. 
Harmonia  angehenden  Teile  wahrscheinlich.  444ff.,  vgl.  Köhler  S.  41)  den  Bassarika  des 
In  Betracht  kommt  hier  besonders  die  'IXiov  Dionysios.  Hinter  beiden  steht  zunächst 
nsgaig,  in  der  nach  einer  (bei  Kinkel  p.  50  KalUmachos,  wie  schon  Köhler  S.  40  ange- 
nur  unvollständig  mitgeteilten)  Stelle  des  Dionijs  deutet  hat.  Vgl.  v.  529  (371):  fr.  13  p.  123 
v.  Halikarnafs  1,  68  Dardanos  mit  dem  Sehn.,  ol'v  te  Tgizavog  iq>'  vSaciv  'Aoßvazoio 
Palladium  von  Samothrake  nach  Troas  v.  340  f.  362:  /}-.  266  p.  497  Sehn.  ■?)  vnlg 
zog.  Wenn  nach  derselben  Quelle  das  echte  60  dazaXicav  Xagizcov  Xoyov,  267  ftißgijg  Kvngi- 
Palladium  in  Troas  blieb,  und  nur  eine  Nach-  Sog  dgaovi'rjg.  —  Die  epische  (milesische  J) 
bildung  in  die  Hände  der  Achaier  kam,  so  Quelle.  —  70.  DenCharitenhügelamKinypsflusse 
zeigt  sich  darin  ein  kleinasiatischer  Lokal-  erwähnt  auch  Herodot  4, 178,  ebenso  den  Triton- 
patriotismus, dem  die  Rolle  von  Samothrake  see  mit  der  Insel  <&Xd,  welche  AaxsdaiuovLoiGi 
und  Troas  in  den  oben  dargelegten  Über-  tpaai  Xoyiov  slvai  -/.ziaai.  Auch  wurde  Iason 
lieferungen  ganz  entspricht.  Die  Verknüpfung  von  Malea  aus  hierher  verschlagen:  ein  Triton 
der  Harmonia  mit  den  Amazonen  läfst  sich  erschien  ihm,  verlangte  von  ihm  eiuen  Tripus 
nicht    ohne    Wahrscheinlichkeit    auf   das    be-  *)  Vgl.  das  verwandte  Beispiel  PMioi.  48  (ä)  s.  227. 


859     Kadmos  (u.  Harmouia  in  Libyen)  Kadinos  (u.  Harmonia  in  Libyen)     860 

für  sein  Heiligtum  und  verkündete.-  imav  xbv  stehen:  Myrtilos,  Schol.  Arat.  172  b  81  Mvg- 
xpinoda  KOfiLOrtrca  xäv  xig  i%yovv>v  xäv  iv  xy  xiXog  xäg  KaSfiov  &vyaxsQug  (xäg  'Tadag  sintv 
'Agyoi  ev\ntXco6vt(ov,  xöxs  ixaxbv  nöXiag  oixi)-  sivat)  =  Schol.  Germ.  p.  75  (Eratosth.  Bob. 
aai  tciql  xrjv  TqixuivCSa  Xijivrjv'EXXrjviäag  näcav  p.  110)  Myrtüus  autem  Hyadas  quinque  filias 
stvai  avuyv.T\v  (vgl.  Nonn.  v.  365).  Wenn  man  Cadmi  esse  dicit;  falsch  erklärt  von  Welcher, 
hier  an  Stelle  des  Iason  den  Kadmos  setzt,  Ep.  Qykl.  101  (die  Töchter  des  Kadmos, 
hat  man  die  Grundzüge  von  Nonnos  v.  360  ff.  Autonoe,  Ino,  Seniele,  Agaue  und  die  Schwieger- 
—  nicht  der  einzige  Fall,  dafs  die  eine  Über-  tochter  Nykte'is  werden  wohl  verstirnt  zu 
lieferung  für  die  andere  eintreten  niufs,  s.  oben  Hyaden,  nicht  umgekehrt),  s.  ob.  1  Sp.  2753 ff.  — 
nr. 26.  Aus  derselben  Quelle  (im  Gegensatz  zur  10  73.  Vor  allem  aber  gehört  wohl  in  diese  Gruppe 
Ehoie)  scheint  Pindar  Pyth.  4,  35  ff.  (Apoll.  Bh.  das  Ende  der  Europa  im  südöstlichen  Lykien 
1,  lSl)  Enrope,  T.  des  Tityos  und  vonPoseidon  oder  in  Karien.  Denn  wenn  Herodot  6,  45 
M.  des  Eupharnos  (ob.  1  Sp.  1407),  entlehnt  zu  bemerkt  fj  Ebgcönr]  ovxs  yiviaoKSxai.  . .  okö&sv 
haben:  die  Schwester  oder  Base  des  Kadmos  xb  bvofia  i'Xctßs  xovxo  ..  tl  (lt\  anb  xfjg  Tvqi/js 
ist  hier  deutlich  mit  Kyrene-Libyen  in  Ver-  cpr]ao[t,£v  JLvqäitrjg  Xaßsiv  xb  bvofia  xrjv  %tigr]V 
bindung  gesetzt.*)  —  71.  Die  ganze  Überliefe-  tiqoxeqov  äi  jji>  äga  dvcövvfiog .  .  . äXX'  avxrj  ys 
rang  verbindet  sich  nun  durch  den  firjxgondxcoQ  Jx  t?js  'Aising  xs  yaCvsxai  iovea  Hai  ot!x  dm- 
Atlas  v.  360  und  Elektra  mit  dem  oben  xofiivTj  ig  xr\v  yijv  xavx-qv  .  .  .  ■  all'  oaov  jx 
nr.  62  ff.  dem  Hellanikos  zugewiesenen  genea-  c&oiju'xtjs  ig  Kgr'ixnv,  ex  Kgrjxrjg  äh  ig  AvKirjv 
logischen  Konstruktionen.  Der  'Göttergarten',  20  —  so  folgt  er  (oder  sein  Gewährsmann)  ver- 
in  dem  die  Hochzeit  stattfindet,  lag  Ursprung-  mutlich  demselben  ionischen  Epos,  aus  dem 
lieb  wohl  auf  Sarnothrake-Ji'ihoTri'o:  (vgl.  oben  wir  auch  andere  auf  Kadrnos-Europe  bezüg- 
Sp. 388,  Tümpel,  AithiopcnländerS.  168 ff.),  wurde  lieben  Zeugnisse  abgeleitet  haben.  Vgl.  noch 
aber  schon  früh  in  den  fernen  Südwesten  ver-  1,  173  oi  äi  Avy.101  iv.  Kgrjxrjg  xcogxaiov  ysyo- 
schoben.  Da  nun  das  oben  nr.  68  als  Quelle  vuoi  .  .  .  SLZvtix&ivxav  Ss  .  .  xäv  Eiga-nng 
angesetzte  milesische  Gedicht  bekanntlich  die  7zaCäcov  Zagnijdovog  xe  mi  MCvco  .  .  i^rjXaos 
Aithiopensage  in  die  Tgcoiy.d  gebracht  hat,  avxov  xs  Sagirrjädva  Kai  roi's  oraaicöxag  avxov, 
könnte  es  wohl  auch  den  Göttergarten  und  of  ds  ditaGirsvxEg  amteovro  xfjg  'Acirjg  slg  yrjv 
die  Kadmoshochzeit  mit  den  „westlichen  xrjv  MiXvdäa  .  .  .vbfioiai  St  Kugmoioi  xgiavxai. 
Aithiopen"  in  Verbindung  gesetzt  haben.  Das  30  So  nennt  bereits  'Hesiod'  Schol.  Yen.  M.  292 
ist  um  so  wahrscheinlicher,  als  "Memnon  nach  =  fr.  56  Bz.  Enrope  Mutter  des  Sarpedon; 
demselben  'Arktinos'  mit  dem  ägyptischen  danach  Aesch.  p.  34  JSP.  Bakchyl.  56  p.  586, 
Theben  in  Zusammenhang  steht  (Dion.  Perieg.  Eur.  Blies.  29.  Asios  von  Samos  hat  die 
249  f.).  Doch  kann  die  oben  nr.  44  als  Quelle  Heroine  als  Schwester  der  Astypalaia  nach- 
der  Kadmos-Typhoeuslegende  bei  Nonnos  er-  weislich  in  das  genealogische  System  der  Um- 
schlossene, verschiedenen  Dichtern  (darunter  gegend  gezogen,  und  Aischylos  liefs  in  seiner 
auch  dem  Arktinos)  zugeschriebene  Titanomachie  Europe  Karer  als  Chor  auftreten,  Bücheier, 
auch  hier  direkt  oder  indirekt  seine  Quelle  Bh.  Mus.  35,  94.*)  In  demselben  alten  Ge- 
gewesen  sein,  denn  nach  Philodem  nzgl  svesß.  dichte  stellten  sich  vermutlich  eine  Anzahl 
p.  43  Gomp.  sprach  b  xfjv  Tixavofiaxiav  tzoitj-  40  von  Eponymi,  wie  Seriphos  (nr.  S4),  Poikiles 
oag  von  den  hesperischen  Äpfeln  und  ihren  (nr.  83),  Itanos  (nr.  86),  Karchedon  (nr.  87), 
Wächtern  (vgl.  Nonnos  13,  350  ff.).  Dafs  die  die  rhodischen  Kadmeer  (nr.  85)  unter  den 
kyrenäischen  Gentilkulte  Anknüpfungspunkte  Schiffsgesellen  des  Helden  ein,  s.  nr.  95, 
boten,  läfst  sich  nicht  mehr  nachweisen.  Sp.  876.  Denn  dafs  der  Held  hier  als  uinher- 
Zweifelhaft  ist  es  auch,  ob  auf  der  von  Puch-  kreuzender  (phönizischer)  Schiffshauptmann**) 
stein,  Arch.  Zeitung  1881,  238  besprochenen  auftrat,  ist  zweifellos,  vgl.  unten  nr.  89  ff.  — 
kyrenäischen  Schale  der  Drachenkampf  des  74.  Diesen  veränderten  Verhältnissen  ent- 
Kadmos  gemeint  ist.**)  Es  wäre  doch  auf-  sprechend  mufs  vor  allem  der  Drachen- 
fällig, wenn  der  Vasenmaler  das  'Quellhaus'  kämpf  anders  gestaltet  gewesen  sein.  Auch 
ohne  Wasserspeier  und  Krüge  gelassen  und  50  dafür  haben  wir  unzweideutige  Zeugnisse.  Bei 
die  zweite  Schlange  (hinter  dem  Tempel)  nur  Ovid  Metam.  3,  46ff.  (vgl.  jedoch  unten  nr.  95) 
zur  Raumfüllung  angebracht  haben  sollte  (wie  tötet  der  Drache  die  ausgesandten  ministri  alle- 
die  andern  Tiere).  Möglieherweise  liegt  eine  samt:  hos  mor.su,  longis  complexibus  illos,  |  hos 
Parallellegende  nach  Art  der  rhodischen  Phor-  necat  adflati  fwnesta tobe  veneni  etc.,  und  Tzetzes 
bassage  (unten  nr.  85)  der  Darstellung  zu  zu  Lykophron  1206  =  Chil.  10,  404  p.  379  (unbe- 
Grunde:  ohne  dafs  man  gleich  ihre  Heimats-  kannte  Quelle,  vgl.  Härder,  De  Tsetz.  fontt.  p. 80, 
berechtigung  in  Kyrene  annehmen  dürfte.  —  man  könnte  an  Apollodor  denken)  nennt  als 
72.  Mit  diesem  Zweige  der  Kadmossage  Namen  der  gefallenen  Genossen  Deileon  (fehlt 
wird  ferner  (wegen  gemeinschaftlicher  Be-  ob.  1  Sp.  978)  und  Seriphos  (unten  nr.  84).  Der 
Ziehungen  zu  Atlas-Elektra)  in  Zusammenhang  60  letztere  pafst  ganz  in  die  Reihe  der  geo- 
graphischen fiponyme,  wie  sie  offenbar 
*)  Vgl.  ob.  1  Sp.  U08.   0.  Malier,  Orcitom.'1  258  setzt  schon  Herodot  in  diesen  Epen  vorgefunden 

diese  Europe   =   Demeter-Europe    (Lebadeia),    -was    auf  hat;     von    gleicher  Herkunft    (d.   h.    aus    einem 

dasselbe  herauskommt.     Über  die  Benutzung  der  ' Aithio-  Katalo  ge    der   K  adm  0  SgenOS  S  en    entlehnt) 

vw  bei  Pindar  vgl.  Lnbbert,  ind.  lect.  Bonn,  issi/2  p.  15.  sia(1  auch  p0ikiles  und  Membliares  Herod. 

IE.  Meyer   Meht   hier   lediglich    die  Vertreterin    des  euro- 
päischen  Kontinents,    die    mit   Kadmos    nichts    zu   thun  \)  [Vgl.  Seitwärts,  quaest.  Herod.  p.  1059.] 
hahe,  vgl.  aber  unter  nr.  120.]  >     Em    Stammbaume    des    Arktinos     (zum     Sternbild 
h*)  [Wie  Puchstein,  auch  Sludmcslca  S.  33.  57.]  äqxto;)  steht  an  erster  Stelle  Navttj;, 


Kadmos  (in  Boiotien  u.  Euboia)      862 

nr.  72  angedeutet;  auch  sonst  mag  er  seine 
Überlieferungen  und  Hypothesen  über  Kadmos 
und  die  Kadmeer  (vgl.  unter  nr.  75.  79.  80 f.) 
aus  diesen  Epen  abgeleitet  haben.  Doch  ist 
es  vorläufig  nicht  möglich,  die  alten  Zusam- 
menhänge wieder  herzustellen:  daher  diese 
Legendenbrnchstücke  hier  in  örtlichen  Gruppen 
zusammmengeordnet  werden  sollen. 

VI.  Isolierte  Lokalbeziehnngen. 

Der    ionisch-äolische 
;n. 
Boiotien  und  Euboia. 

trabo  10,  447 : 
Egizgia  noXig 
LGzrj  rfjs  Ev- 
)iag  u.8ia  XaX- 
iCSa  .  .  .  Kai 
ztäv     JloXecov 

dt    TLVlg  U71U 

tf;s    Ilsvd-i- 
lov      Gzga- 

Ttffff      •AOLZh- 

fxavav    iv 

rjl        Vl'jGCp, 

zb  dl  Tia- 
Xaibv  na) 
"Agaßsg(so 
wohl  erst 
nach  ge- 
lehrter eth- 
nographi- 
scher Hypo- 
these) oi  KäS- 
puo  evvSiaßäv- 
g  ■  .  .  Egizgict 
.  .  GWCOKIGE  rag 
gl  IlctXXrjvrjv  Kai 
A&co  noXtig  ktX. 
te  Epos  rnufs  in 
it  Kadmos  und 
auf  Euboia  ge- 
annt  haben,  denn  darauf 
nimmt  direkt  oder  indirekt  (vgl. 
<Jcat.fi.  89)  Bezug Herod. 5, 57  oi  81 
igccioi  ...  cos  (UV  avzo'i  liyovai, 
lEGav  e|  'EgBzgCiqg  zfjv  UQTtfV 
tag  d'f  fycö  üvttiivv&av6iJ,£VOQ  SvgiaKCO, 
ijOav  <3>oivixsg  zäv  obv  KdSficp  ani- 
xopivmv  ig  yfjv  zrpi  vvv  Boicozirjv 
■nocXioixivTjV,  oixsov  öl  zrtg  %iogrjg  zuvzijg 
ocTtoXaxövzig  zr\v  Tavaygiiirjv  (ioi- 
gav  sv&svziv  61  Kaä/iiicav  ngözigov 
i^avuezavzaiv  vtc  'Jgysiiov,  oi  Vstpv 
gaiOL  ovzoi  Ssvziga  vith  Boicozmv 
Kampfe  l'guvuGzüvztg ,  izgunovzo  In  'Ad'ij- 
vza  Sgd*ovza  Ifrqtevesv  '"Aqsi  oHTci  mit  d™  ^c^™a(D^h  vf  cov  .  .  .  Die  Gephyräer  wissen, 
i'zr].  Aber  die  rechte  Pointe  erhält  ""'  '  m'  '  '  dafs  sie  nach  Euboia  gehören  und 
der  Vergleich  für  die  Herodotstelle  erst  durch  zählen  sich  zu  den  Kadmeern:  das  ist  Thatsache; 
die  Tradition,  dafs  die  Gefährten  des  Kadmos  go  sie  stammen  nicht  aus  Euboia,  sondern  mit  Kad- 
bei  dem  Drachenkampfe  getötet  und  verwundet  mos  aus  Phönizien,  das  ist  Sage  oder  Hypothese, 
wurden;  dafs  Herodot  gerade  diesem  Über- 
lieferungsstrom gefolgt  ist,  wurde  schon  oben 

*)  E:ne  bei  Micmnet  (s.  Tables  gen.  S.  233)  auf  den  Tod 
eines  Kadmosgenossen  bezogene  korinthische  Münze 
deutet  Imhoof-Bhimer  wohl  richtiger  auf  Opheltes. 

**)  Seinen  Namen  hat  in  dem  verderbten  ^dYTO  — 
übrigens  nicht  Müller  erkannt,  wie  es  nach  FUG.  4, 
657  scheinen  konnte,  sondern  schon  Uiujer, 


861     Kadmos  (u.  Harmoma  in  Libyen) 

4,  147,    s.  unten  nr.  83.     Dafs  hier  ein   altes 
berühmtes  Gedicht  fortwirkt,  scheint  sich  durch 
einige  Bildwerke    zu   bestätigen.     Einschlägig 
ist   z.   B.    der   prächtige    etruskische    Spiegel, 
auf  dem  der  Drache  einen  Gefährten  des  Kad- 
mos  bereits  umwunden  hat,    während  ihn  ein 
zweiter  mit  der  Lanze  durchbohrt  und  Kadmos 
selbst  mit  dem  Schwerte  ausholt,  s.  d.  Abb.  5 
=  Mon.  6,   29,   2    (Pervanoglu,   Annal.    1859 
p.  146  ff.).     Auch  der  sehr  proble 
matisehe   Typus   einiger" 
zen*)    und    geschnittent 
Steine  („Tod  eines  Ka 
mosgenossen      durch 
den       Drachen" : 
Winckelmann,  P. 
gr.     de    Stosch 
p.  317   nr.   16, 
s.  Pervanoght 
a.a.OS.1491) 
könnte  hier- 
her   gehö- 
ren.    Nun 
findet  sich 
schon  bei 

Herodot 

KaSusia 
«'jij 

sprich- 
wörtlich 

für     den 

'Pyrrhus- 
sieg': 1,166 

cvjifiiayov- 
zwv     Sl     zy 
vctv[ia%iri,  KctS- 
(iiiu  zig  viv.r\  zol- 
gl   $ü}y.ca£vGL  eyE- 
vezo^  ai  jilv  ydg  Zct 
GEgä-novzä  0<pi  vtsg 
(p&ccgrjGuv,  aide  einooi  « 
TtEQLeovGai     TjGuv    ccxgrtG 
Zwar  leiten  die  meisten  Inter- 
preten (vgl.  d.  Paroemiogr.  u.  Lexi- 
kogr.  s.  v.)die  Wendung  aus  späteren 
Ereignissen  der  thebischen    Sage   ab 
(aus  dem  Epigonenkriege);  aber  natür- 
licher scheint  es,   sie  mit  Lucill  von 
Tarrhai  (unten  nr.  104)  und  dem  Verf. 
eines  Buches  nsgl  Orjßwv,  wahrschein- 
lich Lykos  v.   Ithegion  (Etym.    Gud. 
p.    693   =  Suid.   s.  v.;   vgl.   Leutseh, 
Parocm.  vol.  2  p.   75.  Müller,  FHG. 
4  p.  657),   auf  Kadmos  selbst  zu  be- 
ziehen.   Lykos**)  erinnert  daran,  dafs     5)  Kadmos  und  seine 
Kddfxog  dvsXcov  zbv  zrjv  "AgEiav  zt]gov-   Genossen 


die  nie  hätte  geglaubt  werden  sollen  (s.  v.  Wilamo- 
witz,  Hermes  21  S.  1061);  vgl.  unten  nr.  90  ff. 
104.  120.  Ein  Anklang  an  die  drachenzahn- 
entsprossenen ,  erzbewaffneten  Männer  der 
Spartensage  hat  sieh  vielleicht  in  dem  euböi- 
schen  Abantenkönige  Chalkodon  erhalten  (oben 
Sp.  870),    vgl.    nr.  79   und   //.  D.  Muller  bei 


863       Kadmos  (in  Boiotien  u.  Euboia)  Kadmos  (in  Thrakien)               864 

Tümpel,  Bemerk,   z.   gr.  Beligionsgesch.    S.  18.  zy    (irjzgi   tr/s   EvgaiTtrjg    TrjXKpdy    iTiyti    ngbg 

Als  älteren  Sitz  der  '  <$oiviK£  g  avv  Äaäfico'  —  (cod.  irtgl)  'Afri'ivag*)  Kai  iitvv&avizoEvgcöizrjv 

d.  h.     als    Sitz    der    Kadmos-Sage    —    nennt  t'xsa^ai.   iv  zij  &qä%ri,   Kai  ovzag  dyUszo  si'g 

Herodot    in    dem    angeführten    Zeugnisse    (5,  zf\v   v.az'   dvznzigav   i',7isigov '    xal    tiQX£V    *v 

57)    die    TavaygtKrj    fioigu    von    Boiotien  (vgl.  it]    %<ÖQa   zavzy    ndvzav  Evgcuitr]    zov    dv- 

Kap.  129).  Das  bestätigt  sich  durch  selbständige  ögbg    änolsicp&SLGCi**),    ov%    t)  <3?oCviKog,    dXX' 

Überlieferung  (Crusius   in   der  eiligem.  Encykl.  iiti%a>Qiu   zig    yvvjj,    da/   yg   Kai   j]  fjnngog 

S.   39 '-)    bei    Eustaih.  p.  408,   4    =    Pausan.  anaaa   t)  Tigbg  Bogsav   avsiiov  Ebgamy   KiKXrj- 

Att.    p.  45    Seine. :   oi  ösHazsv&ivzsg    .  .  .    slg  tat."    Den  Eingang  nach  demselben  Gewährs- 

Jsltpovg  in   'A&yvai'cov*)   Tscpvgaloi   laßovzig  10  mann  {Höfer  S.  55)  bietet  vollständiger  Konon 

XQrjBjibv    .  .  .     ßovaiv    ctKoXov&ovvzeg ,    icog    dv  narr.  32     .  .  .    zb    itigi    Eigamyg    zfjg    <&oivi- 

tKtivoi    Y.oniaGüjOiv     .   .   .   .  ,     äg    b     &ebg    ab-  -nag    xtvyazgbg    dcpavovg    yiyBvyfisvyg,    Kai    d>g 

zoig  sxQTjOtv,  onaig  sjtgt  Kaza^tivcoGi.,    iiti  Td-  Ä£fti/j£i£    zoyg   ytsCg  6   Tiaryg  Kazd    jrjt/jcfjj'  zyg 

vaygav    cöäsvGav ,    Sovzsg  fisv  xä>  ngoyyoviiivcp  äS^Xopyg,    äv    yv  Kai   Kddjiog,  [i£&    ob  Gvvaiz- 

KygvKSiov    cog  inl  ngiaßsia    .  .  .  ,    KaftonXiGav-  ca'ofi   Kai   Tlgcozivg    i£    Aiybnzov    .  .  .    Kai    dtg 

tf s  da  Kazoniv  zovg  vsovg  (vgl.  V.   II  ilamoicitz  Kazä    noXXrjv  TiXdvnv  fitjSiv  svgövzsg  kuzso%ov 

a.  a.  0.  S.  106f.).    Die  Beziehung  auf  Attika  hat  sig  ITaXXyvrjv,    Kai  big   Tlgcoz^bg   .  .  .   dyszai 

derLokalpatriotisrnusdesDtHJcm hineingetragen;  yvvaiKa    zrjv    ifvyattga    (des    Sithonerkönigs) 

ebenso  ist  in  nr.  77  Athen  der  Durchgangspunkt  Xgveovbnv.     Wie   sich  Proteus   mit  der   thra- 

fitr  die  Eadrueer-Gephyräer,  vgl.  die  attischen  20  kischen    Prinzessin    vermählt,     so    mufs    sich 

Hyperboreer-Legenden  Bd.  1    Sp.  2819  ff.     Die  Eadmos     mit     der     von     ihrem     Manne 

Legende  ist  eine  Dublette  zur  thebischen  Grün-  verlassenen   Thrakerkönigin  Europe    ver- 

dungssage.     Das  benachbarte  Mykalessos  wird  bunden    haben,    d.  h.    der   Mythograph,    der 

durch   eine    ähnliche   Geschichte  mit  Eadmos  der  Methode   des  iciogLy.bg  Kai  ^.egiczbg  Xoyog 

selbst  ^Zusammenhang  gebracht,  s.  Sp.  835,  1.  folgt,  verband  mit  der  Vulgärsage,  in  welcher 

76.  Über  Eadmos  in  Illyrieu  und  Epirus  die  „tyrische"  Europe  schließlich  spurlos  ver- 
s.  oben  nr.  46 ff.  56.  Doch  hat  der  ursprünglich  schwindet,  eine  seltenere  Legende,  nach  welcher 
griechische  und  mythische  Begriff  IXXvgiog  Eadmos  sich  in  Thrakien  mit  einer  —  ur- 
und  'IXXvgig  (Arist.  eiv.  1521)  keine  feste  sprünglich  wesensgleichen  —  einheimischen 
ethnographisch  -  topographische  Bedeutung,  30  Heroine  Europe  vermählte,  Tgl.  nr.  3.  —  Das 
sondern  ist  von  den  Griechen  an  verschie-  bewährt  sich  vor  allem  durch  die  Spuren 
denen  Stellen,  auch  in  Thrakien  (nr.  56.  77)  ihres  Sohnes  Sarpedon.  Der  £agm]davu]g 
und  Lykien  (unten  nr.  125)  fixiert  worden.  Die  dy.grjg  in  Thrakien  gedenkt  Herodot  7,  5S 
in  das  Eiym.  M.  versprengte  Notiz  über  die  (vgl.  Strabo  p.  331.  fr.  52)  und  die  Lexiko- 
benachbarten Taphier  (p.  148,  40):  avzoi  graphen  s.  v.  (=  Zenob.  Interpol.  486  p.  156, 
$i  zb  dvsxa&Br  <&oi'vixeg  zäv  [iszd  Kdöfiov  vgl.  p.  540),  die  aus  troischen  Fabeln  des  So- 
azaXivzav  geht  vielleicht  auf  diese  westlichen  vliokles  (fr.  43  p.  141.  fr.  580  p.  270)  eine 
Eadmossagen  zurück.  Denkbar  ist  es ,  dafs  SagTirjäwv  can)  [nizqa)  anlühren.  Die  Schöl. 
eine  alte  epische  Überlieferung  die  Basis  ist;  Apoll.  Hhod.  leiten  den  Namen  dnb  £.  xov 
Taphier  und  Teleboer  liegen  innerhalb  des  40  xrjg  OgaKrjg  fiaGLXecog  dSsXcpov  TloXzvog 
Horizontes  frühböotischer  Poesie  (vgl.  d.  Hera-  ab,  nach  Apollod.  2,  5,  9,  13  dem  Sohn  des 
Messchild).  Dafs  diese  Notiz  nicht  historisch  Poseidon:  wie  das  Schol.  zu  211  =  Plierec.  fr. 
verwertet  werden  kann,  wie  noch  Oberhummer,  104  p.  97  zeigt,  steht  dahinter  Tlierekgdes, 
Akarnanien  53  gethan  hat,  wurde  vom  Verf.  d.  h.  das  Epos.  Es  ist  ein  altes  Jenseitsbild 
schon  Phil.  Ans.  17,  658  hervorgehoben  und  der  boiotischen  Religion  (vgl.  Theog.  774  f.), 
bedarf  jetzt  keines  Beweises.  Von  hier  aus  was  hier  im  hohen  Korden  lokalisiert  ist,  wie 
erklärt  sich  die  Landschaft  Kafifiavia  und  der  sonst  im  Süden  ^n  Eilikien)  vgl.  Bd.  1  Sp.  2835. 
Eadmosflufs  in  Thesprotlen,  s.  nr.  126.  —  78.  Hierher  führt  uns  ferner  die  (aus  Htl- 

Thrakien.     7  7.     Schon   in   den  Eatalogen  leinikos?)   durch  Aristoteles   (Arist.  Pseudcpigr. 

und  bei  'Eumelos'  besiedelt  Eadmos,  der  von  50  '  p.  493  R.,  unten  nr.  105)  vermittelte  Notiz  bei 

Süden  aus  den  Landweg  einschlägt,  mit  seiner  Plin.  Kat.  hist.  7,  57,  197),  dafs  auri  metalla  et 

oder    der  Europa   Mutter   zunächst   Thrakien,  flaturam  Cadmus  Phoenix  ad  Pangaeum  montem 

s.  oben  nr.  12  ff.     In  merkwürdiger  Form  liegt  'erfunden'  habe,  =  Klein.  Alex.  Strom.  lp.307B 

diese  Legende  vor  in  den  Schol.  Eurip.  Blies.  (II  p.  54  Lips.)  KdSuog  p.haXXa_xQvoov  zd  ntgl 

28:     Aizzug    Si    ras    Evgco7iag    dvaygdipovGiv  zb  Tldyyaiov  insvörjesv  bgog.    Ähnlich.  Dtmetr. 

IVtof   piav  liiv  'SlKiaviäa  (Hesiod)  ...  tzigav  Scepis.   (nach  Keülisth.)  bei   Strabo   14    p.  680 

Ss   ^>oivi.ßGav  Kai  (ziivl)  'Ayrjvogog  .  .  .  eial  6i  =  Demetr.   Sc.   p.  42    Gaede,    Callisth.    fr.   29 

o'i    xai    xgi'zTjv    dvaygdipovGi,    Ka&dntg    Hyu-  p.  20  M.   (und  byzantinische  Aussehreiber  bei 

Ginnog   cv  zoCg  TlaXX^viaKoig  (fr.  6.  F.HAf.  Unger  p.   9).      Vgl.    Hygin    fab.    274,    unten 

4,  424)    yqdywv    ovzcog-  **)    „KdSjiog     gvv  co  nr.  105.    Diese  Legenden  werden  mit  den  eben 
*)   Das  "Wort  ist  uiclit  anzutasten.    Es   spricht  der  besprochenen    euböischen   Eadmosmythen    zu- 

AttMclograph  .ßemon, -wie  schon  wuamowit;  Herrn.  21, S. lou  sammenhängen ;  s.  auch  Steph.  Byz.  p.  331  31. 

Amn.    richtig    erkannt  hat;    weshalh    Topjfer,  AU.  Geneal. 

5.  29S   die  andere  Passung  auf  Denion  zurückführen  will,  seltener   rhodischer  Legenden  (oben    s.    Akantho)  beweist, 
weifs  ich  nicht.    [Tgl.  jetzt  Crusius,  Philol.  Suppl.  5  S.  269  ff.]  die  Götterkataloge  bei  Cicero  u.  s.  w.   zurückgehen. 

**)  Warum  JIa/l><r    das  Stück   unter    die   Incerta    setzt,  *)  Bei  dem  späten  Schriftsteller  kaum  anzutasten. 

bleibt  unverständlich.    Das  Excerpt  stammt  übrigens  aus  **)  So    ist    offenbar   zu    schreiben    nud    zu    interpun- 

Aristokles    (dessen    Namen   man   mit    Hecht   in    dem    hds-  gieren:    ., Europe    herrschte  in  dem   Lande,    da    sie    von 

jigtorozi?.7]s  erkannt  hat),  auf  den,  wie  die  Bevorzugung  ihrem  Gemahl  verlassen  yfar"  u.  s.  w, 


865  Kadmos  (in  Bithynien,  Tbasos,  Lesbos)  Kadmos  (in  Sparta)                 866 

s.  v.     'IIXvqCol'    2<Bpa    nXrfiiov    xov   Huyyuiov  mittelt,  auf  den  Zenobios-Didymos  3,70  Miü. 

und  dazu  die  Kadmos-Illyrios-Snge  nr.  56.  p.  372  =  Ps.-Phd.  40  Paroeni.  1,  p.  327   Gott. 

Bitliynien.     79.     Auf    verwandte    Quellen  zurückzufahren  ist:    6   Asoßiog   ÜQvXig'    uvttj 

haben    wir    oben    (nr.   20)    die    Angaben    des  v.u&'  bfioicooiv  Xsyszui  'cootzsq  Asoßiog  TlQvlig'' . 

Memnon  über  das   bithynische  Astakos  ver-  öozil   äs    6   IlQvXtg  'Eqjiov    -riaig   ysvsaSai 

inutungsweise   zurückgeführt,    bei   Plioi.    bibl.  xul    fidvzig.      An     dieser    Gleicbsetzung     des 

228  =   F.H.G.   3  p.   536:     zrtv    "Aaratiov    äs  lykophroneisehen     Kadmos     mit     Hermes    zu 

Msyugsav   äniauv  uttoikoi   .  .  .    'Aozuv.bv  stti-  zweifeln  ist  kein  Grund.    Bemerkenswert  ist  es 

xXrjv   vuzu  '%gr\0(ibv   difisvoi    (doch   wohl  von  aber,  dafs  Hermes  hier  mit  Harmonia  als  eng- 

Delphi)  unö  zivog  zäv  Xsyofiivwv  ZtnuQzäv  Kai  10  verwandt  hingestellt  wird   und   sich  auch  als 

ynysväv   (s.  oben  36)   xäv   [änoyuvcov  xäv]  sv  Vater  des  prophetischen  c  Waffen  tänzers '    mit 

0r'ißaig,    'Aoxa-nov    xi)v    v.Xr\aiv    v.zX.      Vgl.   M.  Kadmos,   dem  'Kureten'  und  Vater  der  streit- 

Mayer,   Die  Giganten    S.  30,    der   auch    den  baren  Sparten,  berührt,  vgl.  nr.  61  f.    Näheres 

Namen   auf  die  'Erdgeburt'  zu  beziehen  ver-  im  Artikel  Megaloi  theoi. 

sucht.     Das    benachbarte   Chalkedon,    nach  Die  mit  lesbischen  Überlieferungen  vielfach 

Charon,  F.  H.  G.   4  p.  627    die    Mutterstadt  verflochtenen   Sagen    aus   der   Troas  und   aus 

von    Astakos,    würde    sich    gleichfalls   legen-  Saniothrake   s.   oben  nr.  60ff.     Wenn   Hermes 

darisch  leicht  mit  diesem  Sagenkreise  verbin-  in   diesen  Überlieferungen  Kadmos,   oder  (mit 

den  lassen,  vgl.  nr.  20.  65.  Söhne  des  Astakos  als  üblichem    Kosesuffix  ,    s.    Fiel:    S.   LI  f.)    Kad- 

Gründer  des  kleinasiatischen  Theben  nr.  66.  20  milos  heifst,   so   soll  er  damit  nur  als  boioti- 

Thasos.  80.  Vgl.  oben  Sp.  833 f.    Dafs  die  scher  Gott   bezeichnet  werden,    vgl.    Crusius, 

Überlieferung  von  dem  vzi'ozrjg  dauernd  leben-  Beitr.    S.   14.      Ebenso    würde    der    Dionysos 

dig   blieb,    zeigt    der  Personenname   Kdoofiog,  Kadmeios  zu  erklären  sein  bei  Paus.  9,  12,  4: 

vgl.    Kuhn's    Zeitschr.    29,    429.      Vor    allem  TloXvätagov  äs   zb   h,vXov  zovzo  %aXv.ä  Xiyovoiv 

die  Anlage  der  Bergwerke  schrieb  man  (schon  snr/.oofi^aavzu    Jiövvaov     vuXsbul     Käöfisiov, 

im    milesischen   Epos?)    den   'Phoinikern'   zu  wenn   diese   Lesart  überhaupt   zu  halten  und 

(d.  h.  Kadmos  und  seinen  Leuten),  vgl.  Herod.  nicht  mit  Schubart,  Eh.  M.  5,  3471.  {Brunn, 

6,  47    zu  jisxuXXu   ...,  xd  o£  Gfoiviv.sg  dvsv-  Künstlerg.   1,   392)   für  Kdöfisiov:    Kdäaov  Si 

qov   oi   fiszu  ®daov   vzi'ouvxsg   xijv  vqoov  zuv-  (zum  Folgenden)  zu  lesen  ist.*) 

x-qv  .  .  ,     Ebenso  ein  [qov  'Hgav.Xiovg  vnb  o?oi-  30                                  .      , 

vC%cav  lägvfisvov,  o't  v.ux'  Evooinrig  &\zr\aiv  Dorische  b-ruppe. 

s-*.nXäouvxsg    Qüeov    s-nzioav    (Herod.    2,  44).  Sparta.      82.      In     der    Nähe    eines    von 

Danach  Patisan.  5,25, 12.  Kon.  37.  'Skymn.'  658.  Theras    gegründeten  Athena-iffjdi'    und   eines 

Gegen  ethnographische  Verwertung  dieser  Zeug-  vuog   für  Poseidon -Hipposthenes  befand    sich 

nisse  ist  zu  protestieren,  vgl.  A.Emnann,Kypros  ein    Heroon    des    Kadmos.     Paus.    3,    15,   68: 

S.  4.    Die  Erklärung,  „weshalb  Thasos  Bruder  iv     E-jictQz-n     äs     XsaxV     xs     saxi     v.uXoviisvn 

des  Phoinix  sei"   (v.   Wilamowitz,   Heraides  1,  Hoiv.iXn  xui  r\gäu  ngbg  uvzfj    Küäaov    xov 

271  Anm.),  scheint  im  Vorhergehenden  gegeben.  'AyrjvoQog    zäv    xs    dnoyovcov    OioXvv.ov    xov 

Lesbos.   81.    Lykophr.  Alex.  219ff.  (=  Eu-  ©rjga    xul   Alyscag  xov    OloXvxov ,    norijoui    äs 

Stath.  601,  2ff.     813,  40):    cag   firj    as  Kuäfiog  40  zu  rjQäa  Xsyovai  Malaiv  v.ai  Acciuv  xs  v.ul  Ev- 

cacpsX  sv  7zsqiqqvzo)  1  "laorj  (=  Lesbos)  cpvxsv-  gänav,    sivui   6s  uvzovg  'Tgaiov    ituiäaq   xov 

eui  ävofisväv  noSiqysxriv,    zsxuqzov  si,  "AxXav-  Alyscag  v.xl.    [Studnizcka  (Kyrene  70ff.)  nimmt 

tos  u&Xiov  otzöqov,  |  xäv  uvQ-ofiaificav  ovy-  eine   Verlesung   von*KAPKO    zu    KADMO    an, 

xuxuaKUTtxnv    IIqvIiv    \   xoilovos    itgog    zu  schwerlich   mit  Recht].     Auch  die  Namen  der 

Xäazu    vrjpscizsozazs.      Die    Schollen    erklären  'Stifter'  AuCug  —  Auiog,  Eioconag  —  Evqdmri, 

V.  219:  omag   firj  as   o  'Egfirjg-    üvxl  xov   Ka-  'Tgutog  —  'Tqulu    erinnern    an  Boiotien    [vgl. 

dfiiXog  (s.d.)-  xovzov  yüo  v[bg  sysvszo  TlQvXig;  E.  Maafs ,  Gott.  gel.  Anz.  1890,   363].     Oben- 

V.  220.  222    zäv  'EXXtjvcov   bdriyöv  .  .  diu   zov  drein  fehlt  es  nicht  an  sonstigen  legendarischen 

Sovgiov  iitnov  .  .  .  zäv   Tgoioiv    zäv    ovyysväv  Beziehungen,   vgl.    Steph.   Byz.   s.   v.    SnÜQzn- 

eov    oviinoQ&rjzfjv.      Ebenso    erklärt    mit    rei-  50  Aav.mviv.bv    imgiov ,     dito    xäv    [isxu    Kdöfiov 

cherer  mythographischer  Gelehrsamkeit  Tzetzes  Znuqxäv,    tisqI    cov    Tifiuyboug    cpt]ßi'v    (fr.  2. 

z.   d.  St.    p.  482:    .  .  TLqvXiv ,   og  r\v    fidvzig    sv  F.  H.  G.    4   p.  320)  sv.nsa6vxug  avxovg  stg  xfjv 

lacy   Tjxoi    xfj  Aioßcp,    v[bg   xov  Kdöfiov  <^xoiy  Auv.a3Viv.rjV     H-ndgzxjV     urp'     suvzäv     övofideui. 

■Aal  KuSfiiXov   (v.uzä  ovyv.onriv  .  .  .),   rjrot   toü  Dem  entsprechend  bezieht  K.  Tümpel,  Bemerk. 

'Egfiov    %ui  "leorjg    zivbg    vvficprig  .  .  .    dg   77p.  S.  18  (vgl.  O.  Müller,  Darier  l2,  S.  65-)  die  del- 

TtQOßsvsi%tiai   zoig  "EXXr\ai   zij   Asaßas  vns&szo  phische    Bezeichnung    der    Lacedämonier    als 

xov   xgonov   xf^g   zov  'lXiav   üXcißsag    Siü    fiuv-  öcpioßögoi  (Orakel  bei  Flut,  de  Pyth.  orac.  24), 

xsiag,   sins   ydo   xi)v  v.uxuov.svr\v  zov  öovqsiov  wofür   er    öcptobsigoi    (Ps.-Arist.   mirab.   ausc. 
'imcov  äcogoig  nsio&slg  vnb  nuXaprjäovg:   folgt       24/23)  setzt,  auf  das  ßrjfisiov  der  Spartensage, 

der  Stammbaum:  60  als    welches    aber   für    gewöhnlich    die  Lanze 

Okaanos  iapetos^Aäia  bezeichnet  wird.    Die  Legende  bei  Ps.-Aristo- 

.1            I  teles   läfst,    zusammengehalten  mit  der  rhodi- 

"~l  sehen   Phorbas-Sage  (nr.  83),  eher    auf    einen 

sieheu Tuditer, darunter Elektra[wZ eus] Maia  Drachenkampf    schliefsen.       Den    Namen 

,.„    .          .,         .,„.,      I      .     „       I      ,  XtiuqxoC    Etiudziüzui    scheint    man     übrigens 

[  Kadmos^llarmwnia]  Dardanos  Eotion  Hermes  Ladmoä^Isae  *                                                                                                              ° 

I    _  *)  [Ob  ilaafs  bei  seineu  Bemerkiuigeu  über  den  Bac- 

,,.„.,                                                                  Pryhs  chumKddftov  Thetanum  (i.  Äescli.  Stippt,  p.  XXT)  dies« 
JJie    Ürklaraug     scheint    durch    A2Wllodor    Ver-         Schwierigkeiten  erwogen  hat?] 

Koscher,  Lexikon  der  gT.  u.  rüm.  Mjthol.  II.  28 


8G7   Kadmos  (in  Thera,  Melos,  Seriphos)  Kadmos  (in  Rhodos,  Kreta)          868 

schon  im  Alteitum  mit  den  thebischen  Sparten  falls  einen  'Kadmeer'  als  oUi'azng  bekommen 

in  Zusammenhang  gebracht  zu  haben,  vgl.  auch  zu   haben,    vgl.    Tzetzes  oben  nr.  74   Sp.  860. 

Sp.  869,  41.    Aus  dorischer  Adelsfamilie  scheint  S.    0    Müller,    Orchomenos    "  318  f.     A.    En- 

auch  der  Tyrann  Kadmos   von  Kos,  Sohn  des  man-»,  Kypros  S.  4f.     Ethnographischen  Wert 

Skythes  von  Zankle  (Herod.  7,  163 f.   Suid.  s.  v.  (Wachsmuth,    St.   A.   409 ä)    wird    man    diesen 

EnixciQfiOS.     Ps.-Hippocr.  ep.  7),  zu  stammen.  Zeugnissen  daher  kaum  beimessen  dürfen. 

Vgl.  0.  Müller,  Bor.  ls,  S.  171 2  u.  ö.  (verfehlt  Rhodos.     85.     Zeno  Bhod.  bei  Diodor  5, 

Lonnz,   Epicharm.  60fl'.),    Stein   zu  Herod.  7,  58  (F.  H.  G.  3   p.  177)    [imqov  Si  vGzzgov  .  . 

163ff.  p.  166.  (nach  Danaos)   KuSpog  b  'Ayr]vogog  ditzozuX- 

83.  Thera.  Herod.  4,  147  tjv  äz  6  @rjgag  10  uivog  vztb  xov  ßaoiXzag  Kixxd  £ijxr]0iv  tjjc. 
oi'xog,  yivog  zäv  Kaäfiziog,  tijs  firjzgbg  aäzX-  Evgäin]g  HctziTiXzvczv  zig  xr\v  'PoSictv  ks^ei- 
cpzbg  xoloi  AgiGxoSr\(x,ov  iraiol  Evgva&ivz'C  xat  fiacfizvog  S'lo%BQÖ>s  .  .  Kai  nznotiqfiivog  zv^äg 
flgoY.Xzi ,  iovzcov  dz  zxi  xäv  naCSiov  xovxcov  iSgveciß&ai  UoaziSävog  Izgüv,  6iaaa>9zlg 
vt\nltav ,  ZTtizgoTCoci'rjV  si%z  6  Brjgceg  ztjv  iv  tÖgvoazo  iictzv-  zi/v  vrjoov  xov  &zov  xovxov 
2tiüqt->]  ßaßü.rjlnv  av^rjd~ivxcov  dz  .  .  .  oi-x.  xifisvog  Ktti  xäv  $oivixaiv  dniXini  xivag  xovg 
zcprj  (izvsiv  iv  xfj  Auxzdai'fiovL,  äXX'  äno-  iTtifizXncouivovg.  [Dazu  gehört  der  ,,Phoi- 
7iXsvzcd-ai  ig  xovg  evyyzriag.  rjoctv  dz  iv  xfj  niker"  des  Ergeins  Athen.  8  p.  360  =  F.  H.  G. 
vvv  &riQTj  KaXzOjizvrj  vi]ecp,7tg6xzgov  dz  ÄaXXiezy  4  p.  405  mit  dem  gut  griechischen  Namen 
xfi  aizfj  xavirj ,  änoyovoi  Mz\ißXiugz<o  xov  Phalanthos;  seine  aus  epischer  Quelle  ge- 
rioixCXza  (nach  dem  lakonischen  Kadmos-  20  schöpfte  Legende  berührt  sich  mit  der  thes- 
Heroon  au  der  Tloiy.i'r/?  Vgl.  ob.  nr.  82)*)  äv-  salisch-boiotiscben  bei  Aristot.  Pseudepigr.  449 
ägog  &oivi*.oq.  Kädfiog  yäg  b  'Ayrjvogog  Ei-  p.  469  B.}.  ovzoi  dz  nctzafiiyzvzzg  'iaXvßioig 
gännv  Si^rjfizvog  tcqogzo%£  slg  xr\v  vvv  äizzzXzcuv  ßv[i7ZoXi,zzv6fisvoi  zovzot.g'  e'£  äv 
0r)QT]v  KaXzouivrjv  .  .  .  Y.azaXztnzi  .  .  .  iv  xij  tpuai  zovg  izgzig  xaxä  yivog  Siaäi %£- 
vTfita  zctvzn  äXXovg  xz  zäv  <Potvincov  «at  drj  GaTai  zag  tzgcoovvcte.  b  ä'ovv  Kdäfiog  -nal 
%ai  xäv  zcovzov  ovyyzvzcov  MifißXiagov  (da-  xtjv  AiväCav  'Afrnväv  izi^nazv  äva&rjfiaaiv, 
nach  Pausan.  3,  1,  7).  Ans  verwandter  iv  oig  r\v  %aXv.ovg  Xißrjg  d^iöXoyog  tiazzenzva- 
Quelle  Schul.  Find.  Pi/th.  4,  11  p.  344  B.  ßfizvog  zig  zbv  ägiaiov  gv&fiov  ovxog  3'  eijjej' 
Kdäpog  imßaXcov  *al  xr\v  vfjaov  olxLGag  ßco-  izciygacpr/v  <£>oiviY.iy.olg  ygäuuaGiv ,  a  (paet 
fiofs  lögvGaxo  Tlocziäcovog  -nctl  'A&rjvüg  (wie  in  30  Ttgmzav  e'k  ^oivly.yg  zig  xrjv  EXXriäa  xojxtclrjj- 
Rhodos  nr.  85).  Sicher  ist,  dafs  sich  das  von..  Die  pseudohistorischen  Ausführungen  bei 
Königsgescklecht  in  Thera  „Kadmeisch"  nannte;  Diodor  (Meursius,  Rhodos  llf.  17f.,  danach 
die  wahrscheinlich  konstruierte  Verbindung  bes.  Menge,  Urgeschichte  der  Insel  Rhodos 
mit  Sparta  können  wir  auf  sich  beruhen  S.  5f)  lassen  wir  beiseite.  Thatsache  ist, 
lassen.  Der  ältere  Oikist,  der  Kadmos-Genosse  dafs  die  Poseidonpriester  (vgl.  nr.  83)  zu  Ialy- 
Membliaros,  wird  auch  mit  dem  benachbarten  sos  (und  die  Athenepriester  zu  Lindos?)  als 
Anaphe  in  Beziehung  gesetzt  bei  Steph.  Bijz.  Kadmeer  galten.  *)  Wie  alt  und  fest  diese 
p.  444  M.  Mz fißXiagog,  vrjoog  nXr]Oiov  P>rjgag  Überzeugung  war,  lehrt  der  Eigenname 
(rjy  y.ul  'Avatpri,  änb  MziißX  idgov  xov  KaßtivXog  (-IXog),  den  ein  von  Pindar  (Isthm. 
Qrjguv  ol-ni]oavzog  &olviv.og  xäv  (izzd  40  fr.  2  p.  374)  und  Simonides  {Epigr.  154  p.  500) 
Kadpov  zvö,.  Danach  scheint  Membliaros  der  besungenes  Mitglied  der  rhodischen  Aristo- 
Eponym  der  gleichnamigen  Insel  zusein**),  wie  kratie  trug.  Hierdurch  erst  gewinnen  wir  den 
Seriphos  nr.  84.  Die  ganze  Sage  ist  älter  rechten  Gesichtspunkt  zur  Auffassung  der 
und  wohl  durch  epische  Quelle  vermittelt;  Phorbas-Sage  bei  Polyzelos  u.  Rhodos  in  Hyg. 
Kadmos  als  anlandender  Schiffshauptmann  Astron.  2,  111  (=  fr.  1  vol.  4  p.  481  31.) 
entspricht  der  Auffassung  des  „milesischen  und  Diod.  5,  58  (4,  69):  Die  Rhodier  sind 
Epos"  nr.  72  ff. ,  auf  das  wir  schon  oben  ver-  von  zahlreichen  Schlangen  und  einem  furcht- 
wiesen haben.  baren    Drachen    bedrängt;    auf   Geheifs    des 

Die  'Phoiniker'  auf  Thera  sind  also  rKad-  delphischen    Apollo    wird    Phorbas,    der 

meer',    daher     (trotz    Busolt,    Gr.    Gesch.    1,  so  S.  des  Lapithas  (Triops),  aus  Thessalien  herbei- 

176    und   v.  Gutschmid,    '  Phoenicia',    Encycl.  geholt,   der   das  Ungeheuer  bezwingt  (Müller, 

Brit.  805)  nicht  ethnographisch  verwendbar.  Minyer  p.  190):    Eine   wertvolle  Dublette   der 

Melos    und    Seriphos.     84.     Festus   s.   v.  Kadmos  -  Sage.  **) 

Melos  p.  124ff. :  dietn  est  a  Meto,  qui  a  Phoenice  Kretn.     86.    Über  Kreta  in  der  Vulgärsage 

(mit  Kadmos)  ad  eandem  fuerat  profectus,  vgl.  s.  oben  nr.  12  f.  u.  Bd.  1  Sp.  1410.  Eine  weitere 

Plin.    4,    12,    70     Melos    cum    oppido,    quam  Spur    lokaler    Beziehungen    bieten    zwei     (aus 

Aristides  (von  Milet,  F.  H.  G.  4  p.  325)  Mein-  noch   unbekannter   Quelle   geflossene)   Notizen 

blida  appdlat  [vgl.  Membliaros'],  Aristoteles  Ze-  später  Geographen  Solin.  11,  9  p.  81  f.  Momm- 

phyriam,  Gallimaclms  Mimalluta.    Steph.  Byz.  sen:  Gortynam  amnis  Lenaeus  (d.  h.  Lethaeus) 
s.  v.  Mfjkog  .  .  .  b&zv  xtvi  BvßXlgi-uXri&rj  (in  dem  60  praelerjluit  (vgl.  Strabo  10,  478),  quo  Europam 

auch    VOn   Aristides    benutzten    Epos)    änb    xäv  »)    Xeuerdiiig9    haben   selbst     Wachsmutli    (St.    A.  40Ö5) 

BvßXlvtov     $0lVLX(üV      dXXct     xcel    Zzqpvgice     -azX.  Töpfer,    AU.   Geneal.    300    dieser    Notiz  ethnographisch- 

Das     benachbarte     Seriphos     scheint     gleich-  historischen  Wert  zugestanden,    und  daran  die  weitere 

Folgerung   geknüpft,    dafs   auch    die    attischen   *fro£vixeg, 

)    Nach  0.  Müller,    Orch.    320,    vielmehr  'Buutwirker'  denen  der   Poseidonkult  erbeigentümlich    war,     ein    Ge- 

^ebenso  Studniczka,  ' Kyrene'  54].  schlecht  'phoinikischen  Ursprungs'  gewesen  seien. 

**)  [Vaa/s,   G.  g.    A.    18Ü0,  359  meint    daher  wohl  mit  **)  Der  Tyrann  Kadmos  von  Kos    gehört  wohl    {trotz 

Recht,    dieser    , Kadmeer'    sei   in    Thera    sekundär    und  Lorenz,  Epicharm.  G0 ff.)    eigentlich  nicht  hierher,  s.  oben 

gehöre  nach  Anaphe.]  nr.  82. 


8G9 


Kadmos  (in  Kreta) 


tauri  dorso  Gortynii  ferunt  vectitatam.     iidem 

Gortynii  et  f  Adymnum  (corr.  Atymnium)  Eu- 
ropae  fralrtm  etc.  Wegen  der  Bd.  1  Sp.  727  f. 
erörterten  Bezüge  der  Atymnios-Sage  zu  Milet 
ist  es  wahrscheinlich,  dafs  diese  Notizen  auf 
das  oben  Sp.  864  erschlossene  milesische  Epos 
zurückgehen.  Auffällig  und  noch  nicht  ge- 
nügend erklärt  ist  Vib.  Sequ.  Geogr.  L.  M. 
p.  149  B.  (p.  57  Hess.):  Lethaeus  (fons)  in- 
sulae  Gretae ,  ita  dictus  quod  Harmonia  10 
(m.  2 :  hermionia)  [Veneris  fdiaj  Cadmon  oblita 
dicitur.  Die  Legende  vom  Raube  der  Har- 
monia zu  Samothrake  ist  oben  nr.  64  behan- 
delt: wie  Harmonia  dort  in  gewissem  Sinne 
Europa  -vertritt  (H.  D.  Müller,  Myth.  d.  gr.  St. 
2,  320),  so  auch  hier.  An  eine  Korrektur  des 
Namens  darf  also  nicht  gedacht  werden,  _doch 
liefsen  sich  diese  beiden  verwandten  Über- 
lieferungen durch  Annahme  einer  Lücke  hinter 
Cadmon  ausgleichen  und  verbinden:  Cadmon  20 
(secuta  patriae  ibi~y  oblita  dicitur ,  vgl.  Meur- 
sius,  Greta  1,  10  p.  37;  2,6  p.  90;  4,  2 
p.  199.  Unger,  Theb.  Farad,  p.  146 f.*)  Über 
Europa  als  angebliche  Stammmutter  des  kre- 
tischen Herrschergeschlechts  vgl.  O.  Jahn, 
Benkschr.  d.  Wiener  Akademie  29  [1870] 
S.  24  f.  **)  Danach  ist  zu  beurteilen  Steph. 
Byz.  s.  'Izavög:  nbXig  iv  Kgrjzn,  änb  'Ixavov 
<I>oivixog  i]  zäv  KovQt)tav  svog.  Diese  Notiz 
ist  wohl  nur  auf  die  kretische  Kadmos-Sage  30 
zu  beziehen  (Hanos  als  Genosse  des  Kadmos) 
und  schwerlich  ethnographisch  zu  verwerten, 
wie  noch  Baudissin  (Stud.  s.  sem.  Bei. -Gesch. 
1,  180)  und  Knapp  (Philol.  48,  2  S.  500 3) 
gethan  haben.  Eine  Sondererklärung,  wie  sie 
Enmann  {Kypros  S.  4)  für  Itanos  zu  geben 
versucht  hat  (mit  Beziehung  auf  einen  Dai- 
mon  Phoinix  des  knossischen  Kultes,  Cauer, 
Delectus  "  nr.  121),  ist  kaum  von  nöten.  In 
echter  Lokal  Überlieferung  von  Kreta  hat  Kad-  40 
mos  selbst  hievnach  wenig  Anhalt.  Auf- 
fällig ist  es  nur,  dafs  auf  Kreta  neben  den 
Kureten  die  Sparten  auftreten,  bei  Steph.  Byz. 
s.  v.  2v.vXXi\ziov  (Meineke  2xvXXiov)'  opos 
Kqtitvs  ■  ■  ■  i'v&tt  (paaiv  uno&eo&ai  zovg  Kov- 
Qijzag  fitza.  xmv  EnuQzictzäv  (die  Formen 
wechseln  oft,  vgl.  Lobecl;,  Aglaoph.  p.  1146ff.) 
zbv  Aia.  Wie  denn  auch  die  Geburt  der  Ku- 
reten, ovg  "jXtog  ngäzos  ineiäiv  ösvÖQOtpvtlg 
üvctfiXaazüvzag  (P.  Lyr.  Gr.  3  p.  71325.  =  Ovid.  50 
Metam.  4,  282  largoque  satos  Curetas  ab 
imbri)  dem  Spartenmythus  nahe  verwandt 
ist  (s.  Lobeck  a.  a.  0.).***) 

*)  Den  scliünen  Münztypus  von  Gortyn,  der  ein  in 
den  Zweigen  eines  Baumes  sitzendes  Mädchen  zeigt,  hat 
0.  Jahn  a.  a.  O.  auf  Europe  bezogen;  Heibig  Bd.  1  Sp.  1416, 
Imhoof '- Blumer ,  Tier-  und  Pflanzenbilder  T.  10,  40  S.  63, 
0.  Rofsbaeh,  Rhein.  Mus.  -11,  436  ff.  sind  ihm  gefolgt: 
aber  konnte  man  nicht  an  eine  Nymphe  denken?  Vgl. 
auch  Imhoof  a.  a.  0.  10,  42  S.  63,  wo  ich  auch  lieber  die  60 
bedrohte  Nymphe,  die  iünzüq&oio  öi/a'Io/.iivoio  zorivuptov 
.  .  .  äv&ooe  däifV);;  {Nonn.  2,  92),  als  die  Artemis  von 
Myrea  erkennen  möchte. 

**)  Auch  Meursius  nimmt  eine  Lücke  an,  was  ja  schon 
der  auffallige  Accusativ  empfiehlt;  sein  von  Messet  u.  a. 
adoptierter  Vorschlag  Cadmi  'ciri  ibi>  oblita  schwebt 
in  der  Luft. 

***)  Die  problematische  Hosycbglosse :    Käö/Lto;-    Üoqv. 
Äöfo;.   aaniz.   Ku^-te;  (wozu  M.  Schmidt  y.ty.aafiivov  d'üou 


Kadmos  (in  Afrika,  Sidon,  Tyros)     870 

P  h  ö  n  i  c  i  s  c  h  e  s. 

Afrika.  87.  Scheinbar  vereinzelt  steht 
die  Notiz  bei  Hygin.  fab.  178  p.  34  Schm. 
(s.  oben  nr.  14  Sp.  833,  53):  Phoenix  in  Afri- 
cam  est  profectus  ibique  remansit;  inde  Afri 
Poeni  sunt  appellati.  Zu  kombinieren  ist  da- 
mit Steph.  Byz.  s.  v.  Kaoxrjäcav  (p.  363  JA.)- 
Uno  Kcegxridovog  <£>oiviv,og-  ixctXttzo  äi 
naivrj  noXig  «cfi  KaSfi-iia  Kai  Oi'vovaa  xal 
Ä'cntxaffy  {Sonny,  Philol.  48  [2]  S.  559f.).*) 
Die  Bezeichnung  mit  Kad'iiiic/.  ist  griechisch 
und  rnufs  sich  dadurch  erkären,  dafs  man  mit 
Phoinix  auch  Kadmos  auf  seinen  Irrfahrten 
dahinbrachte,  vielleicht  schon  in  dem  cmile- 
sischen  Epos',  spätestens  in  hellenistisch- 
römischer Zeit.  Vgl.  Tzets.  ad  Lycophr.  1206 
p.  958:  aXXog  de  naXiv  itszaQiv.bg  ygütpei  (vor- 
hin waren  die  Thebaica  des  Lykos  excerpiert)' 
Ztiig  ©'ißy  fltyslg  Aiyvnxav  ysvvä  ov  dvydzyg 
Äapjrr;:  <*<p'  töv  r\  zi  zhg  Alyv-mzov  rroXig 
@rjfin  £Y.Xr[&Y]  %al  r]  KctQ%rjSa>v  vitaog  u.  s.  w. 
Über  die  Beziehungen  zu  Libyen  und  Kyrene 
s.  oben    nr.    69  ff. 

Sidon  und  Tyros.  88.  Einen  Tempel  der 
Europa  in  Sidon  kennt  [LueianJ  de  dea  Syr.  4. 
Tb  'AyrpoQiov  xuXovaEvov  in  Tyros  erwähnt 
Arrhian  Exped.  2,  24,  2.  Aber  wie  der  Name 
Agenor  griechisch  (episch)  ist,  so  mufs  auch 
Sage  und  Kult  aus  Griechenland  stammen 
und  von  den  Einwohnern  nur  adoptiert  sein. 
Dafür,  dafs  das  Gebäude 
sich  wirklich  auf  den 
Vater  des  Kadmos  (nicht 
etwa  einen  anderen,  wie 
den  Arrh.  6,  17,  1  er- 
wähnten Agenor)  bezog, 
sprechen  neben  dem 
Europafest  ( Matal.  1 
p.  39)  die  Münzen  von 
Tyros  mit  ihren  viel- 
fachen Beziehungen  zur 
Kadmos  -  Sage.  **)  1) 
Eckhel  3,  389  =  Mion- 
net 5,  451,  747,  Abb. 
bei  Lajard,  Becherches  sur  le  eulte  de  Venus 
pl.  3B,  b  S.  164:  Kadmos  mit  Speer  und 
y.vvfj,  anscheinend  in  der  Pose  eines  Spen- 
denden, vor  ihm  (1.)  die  ßovg  6-nXäaaßa,  im 
Hintergrunde  Thor  und  Mauer  mit  &H\  BE 
gekennzeichnet;  unter  seinem  r.  Arme  eine 
Purpurschnecke.  Die  Abbildung  nach  dem  etwas 
abweichenden  Exemplar  der  Sammlung  Lüb- 
becke, auf  dem  die  Purpursebnecke  nach  r. 
unten  gerückt  ist.  ***)  2)  Mionn.  8,  310,  343 
(Trebon.  Gallus):  Anscheinend  Kadmos  und  Har- 
monia, in  der  Mitte  wohl  die  Purpurschnecke, 
im  Hintergründe  r.  die  Kuh,  Abb.  Sp.  871  nach 
einem  Exemplar  Imhoof-  Blumers.    3)  Mionnet 

Aesch.  Eum.  766  vergleicht)  hat  trotz  0.  Müller,  Orc/iom.2 
S.  212   mit    dem  Heros    direkt  schwerlich  etwas  zu  tlmu. 
*)  Kritik-  und  resultatlos  Grasberger,  Studien  z.  d.  gr. 
Ortsnamen    S.  94. 

**)  Für  freundliche  Auskunft  und  Zusendung  von 
Abgüssen  ist  Verf.  Herrn  Imhoof-  Blumer  sehr  zu  Danke 
verp  fliehtet. 

***)  Die  Purpurschnecke  wird  nicht  auf  eine  Legende, 
■wie  die  bei  Polt.  1,  45,  zu  deuten  sein,  sondern  ein  Wahr- 
zeichen von  Tyros  darstellen  sollen. 

28* 


(!)  Kadmos  spendend,  Münze 

von  Tyros,  nach  einem 

Gipsabgufs. 


871     Kadmos  (in  Afrika,  Sidon,  Tyros) 

5,  441,  693.  444,  708.  445,  715,  Abb.  naob 
einem  Exemplar  Imhoof- Blumers  (Volusian); 
ein  ähnliches  Stück  in  Neapel  Katal.  9255 
(Philipp.,  weniger  gut  erhalten).  R.  Kadmos 
mit  Speer  und  xvvfj ,  anscheinend  den  drei 
(auf  dem  Neapler  Exemplar  vier)  Männern 
etwas  überreichend;  in  der  Mitte  scharf  um- 
rissen   die    Purpurschnecke.      Imhoof   dachte 


Kadmos  (in  Ionien:  Priene,  Samos)    872 

ersten  mit  der  entsprechenden  Feier  von  Sanio- 
thrake  (nr.  62.  64)  zu  vergleichen.  Sehr  merk- 
würdig ist  die  Notiz  des  'Tryphon'  in  Plu- 
tarchs  Symposiaka  3,  1,  3  Tigioi  fiiv  'Ayr\vo- 
gCSn  (zweifellos  =  Kadmos,  vgl.  Bd.  1,  104), 
Mäyvrjtsg  Ss  Xsigcavi,  to«,  jrpraroig  largsvaai. 
Xeyofiivoig  Ü7tagxdg  «Ofujouci  ■  gi^ai  ydg  etat 
Y.cci  ßoTctvai,  dt  <av  laivzo  zovs  xa[i6vzag. 
Zur  Ergänzung  und  Erklärung  könnte  man 
10  den  Medea-Iason- Mythus  heranziehen,  wie  in 
nr.  26.  Aber  es  genügt  zur  Erklärung  wohl 
die  Thatsache,  dafs  der  Heros  überhaupt  als 
Kulturbringer  und  Erfinder  galt,  vgl.  nr.  105. 
Jedenfalls  haben  wir  auch  hier  griechische 
Anschauungen  vor  uns.  S.  Mannhardt,  W.  F. 
K.  2  S.  47.  48. 

Über   die  Beziehungen  zu  Libyen  und  Ky- 
rene  s.  oben  nr.  69  ff. 


7)  Kadmos  und  Harmonia,      8)  Kadmos  den  Griechen  eine 
Münze  Ton  Tyros,  nach  Schrifttafel   überreichend, 

einem  Gipsabgufs.  Münze  von  Tyros,  nach 

einem  Gipsabgufs. 

an  die  Snagtoi.  Head,  Hist.  num.  676  er- 
klärt 'K.  presenting  the  Greeks  with  the  aipha- 
bet' und  trifft  damit  wohl  das  Richtige.  Die 
Beischrift  des  Blumer&chen  Exemplars  ist  sicher 
6AAH<NEr>  KAA<MO£>  zu  ergänzen,  auch 
auf  dem  andern  meint  Verf.  6AAHN  EC  zu 
erkennen;  völlig  deutlich  ist  die  oblonge  Tafel,  30 
die  der  vorderste  "6AAHN  eben  von  Kadmos 
empfängt.  4)  Imhoof -Blumer  und  Keller, 
Tier-  und  Pflanzenbilder  12,  27  (Gordian): 
Kadmos  im  Kampfe  gegen  den  sich  auf- 
richtenden Drachen ,  wohl  zum  Steinwurf 
ausholend,  s.  oben  Sp.  827,  49.  —  WennlVbnjiOS 
sagt  40,  356:  Kai  ngoyovov  Söiiov  ilSi  'Ayrj- 
vogog  (Dionysos  in  Tyros)  idgaxer  avXdg  j  Kai 
&ülu[iov  Küäfioio  Kai  ag?rafiii>r]g  noti  vvficpng  J 
Evgamvg  äcpvXaKtov  idvaato  nctQ&svEÜiva  kzX.,  40 
so  knüpft  er  danach  an  wirklich  Bestehendes 
an.*)  Dafs  diese  Anschauungen  hier  schon  in 
hellenistischer  Zeit  völlig  populär  geworden 
waren,  hat  uns  neuerdings  das  merkwürdige 
Epigramm  auf  der  Basis  einer  Porträtstatue 
gezeigt,  die  ein  Mitglied  der  rhodischen  Kunst- 
schule, Timocharis  von  Eleuthernai  auf  Kreta, 
im  Auftrage  der  EiScovlav  möXig  angefertigt 
hatte  (Lebas -Waddington  6,  1866a  =  Kaibel, 
Epigr.  Gr.  932  p.  386)_:  äazcöy  ydg  ngdziczog  50 
dep  'EXXdSog  iitniKOV  svxog  \  äyaysg  slg  äya- 
tTcöv  o'ikov  'Ayrjvogiöäv.  |  av%££  xal  Gijßag 
KaSfirjiSog  [sgöv  dazv  |  SsgKÖfitvov  vixaig  sv- 
KXia  fiargönoXiv.  Die  Sidonier  sind  Ageno- 
riden  und  Sidon  ist  die  Mutterstadt  des  „Kad- 
meischen  Theben".  Ähnlich  Achill.  Tat.  1 
p.  37  ZlSojv  snl  fraXdzzn  izöXig,  'Aoovgiiav  f\ 
ftalaoBa,  ftrfzig  $>oiviv.cov  r)  noXig,  @r$uia>v  6 
dfmog  Ttaifjg  (folgt  die  vielberufene  Schilde- 
rung eines  Bildes  mit  dem  Europa -Raube).  60 
Griechisch  war  wohl  auch  das  Fest  der  Kaxr] 
ÖTpivtj,  das  der  entführten  Europa  galt  (Malal. 
Chron.  1,  31;   vgl.  Bd.  1  Sp.  1412):    es  ist  am 

*)  Gegen  den  Mifsbrauch ,  den  besonders  Movers  mit 
diosen  Notizen  getrieben  hat,  vgl.  die  einschneidende 
Kritik  von  //.  D.  Müller  1  p.  303.  Trotzdem  findet  Movers 
immer  wieder  Gläubige,  neuerdings  z.  B.  Saglio,  Dict. 
(I.  unt.  1.  2,  775. 


9)  Kadmos  im  Kampfe  mit 

dem  Drachen,  Münze  von 

Samos.     (Aus   Num.  Chron. 

m,  2,  13.) 


Ionien. 
Priene  und  Samos.  S9.  Die  Einwohner 
der  im  karischen  Hinterlande  gelegenen  Stadt 
Priene  hiefsen  nach  Hellanikos  Kadmeer: 
Hes.  2  p.  384  Äa6V<f>KH,  oi  IIgnr\vilg,  ä>s 
'EXXäviKog  (fr.  95.  F.  R.  G.  1  p.  58)  —  d.  h. 
die  Geschlechter  lei- 
teten sich  von  Kad- 
mos ab;  vgl.  die  an 
Böotien  anknüpfen- 
den Besiedelungs- 
sagen  Strab.  p.  633. 
Diog.  La.l,  83.  Paus. 
7,  2,  10  (Thrämer, 
Pergam.  129 f.  Len- 
schau,  De  reb.  Prien. 
p.  123.  Immisch,  Kla- 
ros  p.  129).  Ebenso 
heifst  die  Stadt  KdS- 
jiij  auf  Münzen  des 
2.  Jahrhunderts  v. 
Chr.   (Mionnet;  Ionie 

888,  Suppl.  1363.  Head,  Hist.  mumm.  p.  508) ; 
vgl.  Strabo  p.  636  (Eustath.  ad  Dion.perieg.  822) 
Xiyezai  ds  vno  zivtov 
i]  IJgirjvn  KdSfin. 

Durchaus  glaub- 
lich ist  es  schon 
hiernach,  dafs  die 
männliche ,  Steine 
gegen  einen  aufge- 
richteten Sgdxmv 
schleudernde  Figur 
auf  einer  samischen 
Münze  aus  der  Kaiser- 
zeit (Abb.  nach  Percy 
Gardner, Num.  chron. 
3  vol.  2,  T.  13  = 
Samos  and  Samian 
coins    S.  1— A.    1882 

T.6nr.6)  den  Kadmos  darstellt,  vgl.  Sp.  871,  34; 
ein  ähnliches  Stück  (Abb.  Z.  43  =  Add.  nr.  4) 
wird  man  auf  den  anlandenden  Kadmos  be- 
ziehen dürfen,  der  auf  gleichzeitigen  typi- 
schen Münzen  gerade  so  dargestellt  wird.  *) 
Dies  bestätigt   sich  auch  dadurch,    dafs  Asios 

*)  Dem  Verf.  ist  das  wegen  des  Schiffes  wahrschein- 
licher als  die  von  Gardner  S.  2S6  empfohlene  Beziehung 
auf  the  Emperor  Philip  or  his  son. 


10)  Kadmos  anlandend,  Münze 

von  Samos.     (Nach  Num. 

Chron.  m,  2  Add.  4.) 


873             Kadmos  (in  Ionien:  Milet)  Kadmos  (der  'Milesier')             874 

bei  Paus.  7,  4,  1   =   fr.    7   p.   413    Mkch.   (s.  vol.  2  p.  713.    Cramer,  Anecd.  Oxon.  4,  318  sq. 

oben  73  Sp.  860,  33)  Astypalaia,  die  Eponyme  ...    II.  Kdäaog,]  TlavöCovog  MiXrjeiog,  itrzogi- 

der   saniischen  Barg  und  Altstadt,   zur  T.   des  «ög,   6g  ngäzog  Kazd   zivag  evyygacprjv  i'ygaipt 

Phoinix  und  Schwester  der  Europe  macht  und  KazaXoydSrjv,  fuxpcö  vsaizsgog  'Ogcpicog  (v.  Gut- 

von   ihr   die   übrigen   Eponymen   der   Gegend  schmid    setzte    unglücklich    Pherekydes    ein)- 

ableitet:  evveza^s  äi  KzCaiv  MiXijzov  Kai  rjjg  oXrjg  'icoviag 

Oineu8  £V  filßMoig  S'  .  .  III.  Kdäfiog,}  'AgvsXdov,  MiXrj- 

|  Btog,  lozogiKog  vscozsgog.    zivsg  61   Kai  Avkiov 

Phoinix    Perimede  (Küster,  Avk[k\Ivov  codd.)  Kdäiiov   dviygaipav 

Maiandros  Poseidon_Astypalaia  Europe  10  i'aa>g  o-iy  iaziv   izsgoy  yiygacps  äs  zavza^  Xvaiy 

|                    |  igcoziKav  na&äv  S'.    «ort  '  AztiKag  [azogi'ag  is'. 

Samia.^ ^Ankaios,  'Leleger'könig  _   92.      Seit   C.   Müller  (F.  H.  G.    2   p.  2)    gilt 

I  der  „Logograph"  Kadmos  mit  Recht  als 
Enudos  samos  Haiitherses  Parthenope  mythische  Person  (vgl.  zuletzt  Lipshts,  Quaest. 
Vgl.  dazu  Gardner  a.  a.  0.  p.  208  ff.  284.  Da-  logogr.  8 f.  gegen  Heil,  und  Bühl,  Fleclceisens 
nach  ist  es  wohl  verständlich,  dafs  die  rätsei-  Jahrbb.  1888  137,  117  ff.  gegen  Lipsius,  mit 
haften  (legendarischen?)  samischen  Ansiedler  in  Unrecht  trotz  Christ,  L.  G.  ''  S.  277);  schon 
Oasis  (Herod.  3,  26)  ihren  Wohnsitz  Mattägtov  die  Zusammenstellung  mit  Aristeas  (s.  Bd.  1 
vijoog  nannten,  wie  nach  Armenidas  (Phot.  Sp.  2814)  lehrt,  dafs  wir  uns  hier  nicht  auf 
Suid.  s.  v.  =  fr.  3  F.  H.  G.  4  p.  339)  die  20  historischem  Boden  befinden ;  und  die  Über- 
Burg von  Theben  hiefs,  s.  0.  Müller,  Minyer-  lieferung  selbst  sagt  es,  wenn  sie  den  Mann 
p.  212.  mit  Orpheus  in  Verbindung  setzt.    Im  Grunde 

Milet.     90.     Als  'Kadmeer'   gelten  und  ist  er  wohl  mit  dem   epischen  Helden  iden- 

auf  Kadmos  oder  Genossen  des  Kadmos  führten  tisch.    Wenn  von  ihm  eine  v.zCaig  'icoviag  kol- 

sich    zurück    die     ersten    milesischen    Adels-  portiert   wurde ,    so    mag    das    ein   Machwerk 

geschlechter.      Vgl.  Her  od.   1,  146.    170,    wo  gewesen  sein,  wie  die  Tagebücher  des  Diktys 

Thaies  zb  yivog  dvixa&sv  <&olvi'£,  heifst  (ledig-  und  Dares,    oder  die  Dionysosgeschichten  des 

lieh    als    Nachkomme    des    Kadmos)*),     und  Linos  und  Thymoites.   Der  kzibz  r]g,  der  zugleich 

Diog.  Laert.  1,22   i]v  zoi'vvv  6   ®aXfig   .  .  .  i k  als    svgizrjg    zä>v    ygaau-dzcov    anerkannt   war, 

zäv  &r}Xi§äv,    ol    iloi  <t>oiviKig  svysviazazoi  30  erzählt    seine    Erlebnisse    und    wird    so    der 

zäv   dnb  Kääfiov  zov  'Ayr]vogog  (vgl.  Egi9rjXag  älteste  Historiker.  —  98.  Obendrein  läfst  sich 

ob.  nr.  66)  .  .  .  .  inoXizoygacpr'firjBav  (so  richtig  die    weitverbreitete    Ansicht,    dafs    „Kadmos 

Böper,  Piniol.  30,  563,  sc.  die   Theliden)  61  iv  der   Phoiniker"    die   Buchstaben   in  Griechen- 

MiXr\zco,    oze    r\X%rov   (Möper ,    r\X&s   Hds.)   avv  land    eingeführt    habe,    auf   milesische   Über- 

NsiXsco  iy.nsBovzfg  (Crusius,  Hds.    txnioovzi)  lieferung,    in    letzter    Instanz    auf   Hekataios, 

SotPÜajs**)'  10g  ö'  01  nXn'ovg  cpaat'v ,  l&ayivrjg  zurückleiten*),   vgl.  Hekataios   und  ZJionysius 

MiXriciog  i)v  Kai  yivovg  Xafingov,  was  mit  der  v.  Milet,    Beklier,    Anekd.    1     p.  783    (fr.  361. 

kadmeischen  Abstammung  völlig  im  Einklänge  F.  H.  G.   1  p.  29;  2  p.  5)  zäv  ezoi%sicav  svge- 

steht.    Das  hohe  Alter  und  die  Volkstümlichkeit  zi]v    äXXoi    zs   Kai  "Ecpogog   iv   divzigcp    Kd- 

dieser Überlieferungen  verbürgt  vor  allem  das  40  S/i-ov    cpaoi'    zrjg    (zivlg  Müller)   dh    4>oivfaa>v 

Kadmosgebirge   und    der  Kadmosflufs    (Strabo  svgicicog  ngbg  rjfiäg  diooxogov  (diduzogov  Böse, 

12,  578,  s.  Kadmos  I  oben  Sp.  824)  im  Hinter-  Aristot.  fr.   3  p.  316)  ycyivrja&ui,  tag  v.nX  Hgb- 

lande,    sowie    das    halbverschollene    'ionische  (Jotos   iv   zaig  'Iazogi'aig   Kai  'AgiazoziXrjg  (Ps.- 

Theben'   bei   Milet   (Theopomp.    Schal.    Eurip.  cp.  p.  472,  fr.  3  p.  316  B.)  Xiysi.  cpael  ydg  ozi 
Andr.  1,  Steph.  Byz.  s.v.);  denn  es  leuchtet  ein,       ^oivi-nig    fiiv   svgov  za   ozoi%fiu ,    KdSfiog    S\ 

dafs    diese    Örtlichkeiten   von    eingewanderten  rjyaysv    avza    s(g  'EXXdSa-    TLv&oäuigog    äh 

Griechen  benannt  sind,  in  Erinnerung  an   den  iv   zio   nsgl    aioi%aCatv    v.ai   i&iXXig   ö    JrjXiog 

heimischen    Heros,   ganz   wie  Aigyptos    und  i v  zeit  nsgi  %ogäv  (xgoviov  cod.)  ngb  Küäfiov 

Neleus-Neilos.  Aavaov    iiszav.oaiaca    avzcc    tpaaiv     tjrtfiap- 

91.     Eigenartig  ist  die  Überlieferung  über  50  zvgovai  xovtotg   v.ai   01  MiXrjaia-Ao\    avyyga- 

Kadmos  von  Milet,  den  ältesten 'Historiker'.  ipsig  'Ava^iiiavSgog  ku\  J lovvaiog  Kai   Ey.a- 

Vgl.  Dion.  V.  Halik.    ittgl   z.   GovhvS.    %ag.  23  zaiog,    oi)g   Kai    'AnoXXoSiogog    iv    vsäv  Kaza- 

p.  863  (von  den  ältesten  Historikern  sind  keine  Xoyi»  nagazifrtzai.  (~  JEphor.  Giern.  Strom.   1 

echten  Schriften  erhalten),    iv   01g   sleiv  oi'  zs  p.  362  Kadfiog  dl  6  <PoiviE,  r\v  b  zäv  ygaiifiä- 

Kääjj,ov   zov  MiXrjGtov    Kai  'Agieziov    zov  IJgo-  ziov    "EXXvfiiv     ivgizr\g ,      äg     qnqßiv    "Erpogog. 

Kovv7]aiov  kxX.  Ioseph.  c.  Apion.  1,  2.    Plin.  nat.  Schal.  Hom.  Z  185.  F.  H.  G.  1  p.  270.  Luc.  Voc. 

hist.  7,  205  historiam  Cadmus  Milesius  (instituit),  iud.  5).    Auch  Herod.  5,  58.  59   (s.  oben)  geht 

vor  allem  Suid.  2  _p.  9  Bh.  (s.  Hesych.  p.  133  Fl.)  von  Hekataios  aus **),  wenn  er  sagt :  01  <boiviKtg 

MSpof]   1.0  MiXyoiog,  svgsziig  zäv  yga/ifiä-  4)  Es  stlmmt  dazu  die  f(lhrelld8  Koll8i  welche  nach 

ziov    [andere  Gelehrte  beschränken  seine  lhatig-  60  den  überzeugenden  Darlegungen   von    ff.   Birschfeld   das 

keit,    z.   B.    der  Verf.    eines   Traktats    Über  die  milesische  Alphabet  einnimmt,  vgl.  Rhein.  Mus.  44,  466 f. — 

Buchstaben,    der    weifs,   dafs    Kädiiog   6   MlXr\-  In  einem  wichtigen,  bei  Müller  unvollständig  mitgeteilten 

Ciog    HQOoi&T]K£     (den     Buchstaben     des    Pala-  Fragmente   (358,    vgl.   Diels,  Hermes  22,  435)   behauptete 

medes)    zgi'a    &    cp    y,     s.    LeUtSCh,     Parocmionr.  Hekataios,   dafs   die  Namensform   Java    Iv   tf,   -/Qt'fiu  täv 

<t>OLviy.iov   sei:  auch  bei   Kadmos    mag    er   sich    auf    die 

*)  Das   betonte   E.    Meyer,   Philol.   48   (2)  S.  269f.     Der  Phönikier    selbst    berufen    haben,    die     den    griechischen 

richtigen  Auffassung  nahe  kam  ImmiscJi,  Klaras  129.  Helden  gern  adoptiert  haben  werden. 

**)  So  ist   der  von   Diels  (Archiv  2,    165 ff.)  aufgegebene  **)   Von  Herodot   war  wohl  Sophokles  angeregt,     wenn 

Passus   hergestellt  im   Sinne   von  E.  Meyer  S.  270  Anm.  er  von  ^oivixlotg  ygäfiftaai  sprach//-.  471  p.  244 .V.2. 


875       Kadmos  (im  hellen.-röni.  Epos)  Kadmos  (b.  Ovid  u.  Nonnos)         876 

ovxoi  01    bvv  KdäfMip   ävinöfisvoi,   xäv  TjOav  oi  oder    EvQcimzici    und    0rjßai-nd    schrieb,    vgl. 

rztpvQuCoi,  dlXct  iE   Tiollct   ....    tailjyayov  Schneider ,  Nieandrea  p.  33ff.)   wäre   die  Ein- 

SiSciGKulict  fg  xovg  EXlrjvag  ual  Sfj  v-cu  yoä\i-  führung    der     dienenden    Gefolgschaft    schon 

[iccra  .  .  niQioiy.eov  Si   otpictg  xä  noklä  xoixov  zuzutrauen.    Diesen  von  Ovid  schwerlich  direkt 

xov   xqovov  ^Ellrjvav  "iiovsg'    o'i  7taQct}.uß6vx8g  benutzten   Quelleu  *)    sind   oben   nr.    73.   74  ff. 

äiäa%i]  naoä   xwv  ifroivixcov  xä  ygä/ifiaxu,   fiB-  auch    die    Namen    der    gemordeten    Genossen 

zuQV&iiiaavcig   otptav   öliya    i^imvzo'    £<?£<»-  sowie    der    übrigen    kadmeischen    Eponymoi, 

[levoi  <5e  iqxxtiGctv  .  .  .  ioayayövzoiv  <&otvi'xa)v  lg  wie  Itanos,   Membliares  u.    s.  w.   verrnutungs- 

ti)v   E?.Xüäa  C&otjuxr/iK  ■xsnXriod'ca  .  .  .    Ebenso  weise  zugeschrieben  worden.**) 

können  im  milesischen  Religionswesen  weitere  10  Nounos.   9G.  Sehr  ausgedehnt  und  wunder- 

„Kadmeische"   Spuren  nachgewiesen   werden,  lieh  sind  die  einschlägigen  Partien  bei  Nonnos 

vgl.   Schol.  Apollon.  Ehod.   1,  1126   (F.  H.  G.  (einiges    schon   Bd.  1    Sp.   1832  f.).      Nur   die 

4  p.  448),  Et.  M.  s.  Ktjqvzsiov  (Lobeck,  Aglaoph.  Grundzüge  mögen  hier  wiedergegeben  werden, 

p.  11G6)  und  eleu  Artikel  Megaloi  Theoi,  Abscltn.  In    der    Darstellung     der     genealogischen 

Milet.      Auf    der    andern    Seite    zeigen    sich  Verhältnisse  folgt  Nonnos,    nicht  immer  kon- 

auch  sonst  in  ionischen  Legenden  Beziehungen  sequent   (2,  686  :  3,  296),    mythographisehen 

zwischen   Milet  und   dem   historischen  Phöni-  Traditionen,  vgl.  2,  682rf.  und  3,  276ff.  (Köhler 

zien,  vgl.  Steph.  Byz.  s.  v.  Bvßlog  nolig  3>oi-  S.  6fJ.    K.  ist  S.  des  Agenor,  Br.  der  Europe. 

viv.rjq   txgxcaoTcirrj   naaäv   anb  Bvß).rtg   xyg  Mi-  Seine  Brüder  sind  Kilix,  Thasos,  Phineus  (anders 

lr[xov  &vyaxoog  (wahrscheinlich  aus  der  Kavvov  20  2,  299,  s.  Kühler  S.  8),  Kepheus  (die  5  Brüder 

xTiGig  des  Apnllonios   von  Rhodos,  vgl.  Kanon  kommen   sonst  nicht  neben  einander    vor,    s. 

narr.  2   und   dazu  Höfer  p.  51  f.  109;    das  äl-  Köhler  S.  6).     Phoinix  ist  3,  396  sein  Oheim 

teste    Zeugnis  —    Demon.    Zeuob.    Ath.   2,  8,  als    Bruder    des    Agenor    (anders    2,  686). 

vgl.   Anal,  ad  paroem.    p.  113   —   datiert  den  Seine  Heimat  ist  Tyros,  wo  Dionysos  40,  356  ff . 

Schauplatz  nach  Euboia  zurück),   falsch  ver-  das   Haus   des  Agenor,    des   Kadmos  und   das 

wandt   von   Curlius,  Ionier   S.  16.   49.*)  Jungfrauengemach   der  Europe  aufsucht;   und 

VII.    Jüngere  litterarische  Bearbeitungen.  fchts  anderes  soll  es  heifsen,  wenn  Zeus  die 

b                                                    °  Europe    am   fsidonisehen  Ufer     sieht    (1,  46; 

Das  hellenistisch-römische  Epos.-**)  vgl_  3>  8o).  Damit  wird,  wie  schon  bei  den 
94.  Zahlreiche  Einzelzüge  aus  späteren  30  Mythographen  (Kanon,  Apottod.  2,  1,  5  u.  a.), 
Dichtungen  (des  Apollonios,  Kallimachos ,  Ni-  die  'aigyptische'  Herkunft  friedlich  verbunden. 
leander)  sind  oben  (nr.  50 ff.)  bereits  verwendet.  Agenor  sitzt  ursprünglich  in  Memphis,  dann 
Dem  Geiste  jüngerer  Erotik  entspricht  es,  im  aigvptischen  Theben,  und  zieht  (3,  297 ff.) 
wenn  K.  als  igäiisvog  des  Hermes  genannt  von  dort  nach  'Assyrien',  d.  h.  Phönizien  und 
wird  in  dem  Katalog  (s.  v.  Vilamoicitz,  Coinin.  Syrien.  —  97.  So  kennt  Kadmos  durch  seinen 
tjratnm.  2,  14)  bei  \lAician\  Charid.  9:  Namen,  Vater  auch  aigyptische  Kunst  und  geheime 
wie  PhanoMes,  sind  zur  Hand.  Die  beiden  Weisheit  und  bringt  die  lvvv%lag  xiksxäg,  Ai- 
ausführlichen  Darstellungen  des  Ovid  und  yvmiov  Jiovvoov  ogyia  (4,  270)  nach  Theben 
Nonnos,  die  wir  neben  dem  attischen  Drama  (s.  Herod.  2,  49).  Der  Seefahrt  kundig  als  Phö- 
bereits  zur  Rekonstruktion  der  ältesten  Quel-  10  nizier,  fährt  der  Held  von  Kilikien  nach  Sanio- 
len  herangezogen  haben,  verlangen  noch  thrake,  wo  er  am  zehnten  Tage  bei  eintreten- 
einen Überblick  im  Zusammenhang.  Ovid  3,  der  Windstille  landet  (vgl.  Ov.  12,  447).  Vom 
1  ff.  (Drachenkampf  u.  Stadtgrüudung)  4,  469.  Lärm  der  Korybanten  erwacht  er  früh  mor- 
ö62ff.  (Zug  nach  Illyrien)  erzählt  das  Schick-  gens.  Peitho ,  als  wassertragende  Jungfrau, 
sal  des  Kadmos  im  wesentlichen  überein-  führt  ihn  auf  Befehl  der  Aphrodite  zum  Pa- 
stimmend  mit  der  mythographisehen  laste  des  Königs  (homerische  Reminiscenzen,  s. 
Überlieferung,  mit  gelegentlichem  An-  Köhler  S.  Sf.),  der  von  Hephäst  der  Nymphe 
klänge  an  Euripides  (s.  oben  nr.  55.  48).***)  Elektra  erbaut  war.  Da  kommt  der  König 
Hervorzuheben  ist  das  Auftreten  von  ministri  der  Insel,  Emathiou  (sonst  Eetion,  s.  Bd.  1 
3,  .26 f.,  die  von  dem  Königssohne  zum  Wasser- 50  Sp.  1242),  S.  der  Elektra  und  Bruder  des 
holen  gesandt  und  vom  Drachen  getütet  werden,  Dardanos,  der  das  gegenüberliegende  Land 
sowie  die  abenteuerliche  Schilderung  des  Helden  besiedelt  hatte.  Die  Königinmutter  Elektra 
(5,  52  f.  tehnn  deeepta  leoni  |  pellis  erat  etc.)  —  wie  König  Emathion***)  nehmen  den  stattlichen 
95.  Dem  'ionischen  Epos',  in  welchem  Kad-  Helden  wohl  auf,  und  während  man  nach 
mos  als  Schiffshauptmann  erschien,  oder  einem  genossenem  Mahle  ins  Gespräch  vertieft  ist, 
Hellenisten,    wie  Nikander  (der  eine   Evgionrj  kommt,  nur  der  Elektra  sichtbar,  Hermes  mit 

der  Botschaft,  dafs  Harmonia,  die  T.  des  Ares 

*)  Bd.  1,  306  f.  mufste  wenigstens  auf  die  Ausführungen  und  ^  Aphrodite     die  bei  E    als  Pflegetochter 

von    Rohde    [Roman    S.  \)ö  f.)    Bezug    genommen    werden.  ,  A          i    •    i       j               •    i.-      -\                  -i.     j          tt   i_- 

**)     Auch     die     hellenistische    Plastik     hat    sieh    des  ^S^     d^     asiatischen     mit     der    Vlllgat- 
Themas    wiederholt    angenommen,  so   bildete   Antiphilos  60  tradltlOü)   ZU    Gaste    ist,     dem   KadmOS    als    Ge- 

dei  Ägypter  Kadmos    und   Europe   (Plin.    n.  h.   35,  11-1),  *)  Im  Einzelnen  bleiben  diese  Fragen,  wie  bei  Nonnos, 

vgl.  Brann,  Künstler gesch.  2,  218.  299.  392.  noch  offen. 

***)  Spiro  erklärt  das  p.  M  durch  Benutzung  des  Euri-  **)  Das   von   21,   Schmidt,    Philol.   23,    542 f.    mitgeteilte 

jiides  in    der  Quelle  des    Ovid.     Die  wörtlichen  Anklänge  Statiusscholion  ist  im  "Wesentlichen  von  Ovid  abhängig, 

hier    (s.    oben    nr.  5)    und    vielleicht    in    der    Sage    vom  ***)  3, 195ff.  wird  Dardanos  als  Stammvater  der  Römer 

Ende  des  Kadmos  sprechen  für  unmittelbare  Benutzung.  zum  Zögling    der  Dike    gemacht,    s.  Kühler    S.  7.      Auch 

Gegenstandslos   ist  Spiros    Polemik    gegen    Haupt    (p.  13),  'Emathion'    wird     mit     dem     gleichnamigen    Yater     des 

dem  es  nicht  eingefallen  ist,  das  Euripideische  Canticum  Romos    {Dion.    Hai.    1,    72)    zusammenhängen.       Er    ist 

als  Hauptquellö   für  Ovid   hinzustellen.  sonst  in  diesen  Sagen  nicht  nachzuweisen,  s.  Kohler  S.  7. 


877               Kadmos  (bei  Nonnos)  Kadmos  (b.  d.  Historikern)          87S 

rnahlin  zugedacht  sei.  —  98.  Harmonia  nimmt  (135  fl'.)   xqvgiov   oqjiov    .  ..   'Htpaiexov   eocpbv 

diese  Aussicht  erst  wenig  günstig  auf  (4,  35 ff.);  i'pyov;  vgl.  Diod.  4,  65.  —  103.  Es  fehlt,  gleich- 

aber  in   der  Nacht  stimmt  sie  Aphrodite  um,  falls  wie  bei  Dioäor,  der  auffüllige  Zug,  dafs 

in  der  Gewaudung  der  Peitho  und  der  Gestalt  K.  vor  der  Hochzeit  „ein  grofses  Jahr"  dienen 

der  Freundm  Peisinoe    an    ihr  Lager    tretend  mufs.     Wohl   aber   treibt   der    Zorn    des  Ares 

und     den    Fremdling     mit     dem     heimischen  (4,   417  ff.)    den  Kadmos    nach    Illyrien;    Dio- 

Hermes-Kadmilos   (4,  88  ff.)  oder  mit  Phoibos  nysos  selbst  rät  es  ihnen  46,  357  ff.    Nachdem 

vergleichend  (Lobeck,  Agjaoph.  1254ff.   Köhler  ein   Zeichen    (eine    Schlange    umwindet   beim 

S.  7).    Schon  am  andern  Tage  eilt  (unmotiviert)  Opfer  sein  und  der  Harmonia  Haupt)  es  längst 
Kadmos  mit  seiner  Braut  davon  (4,  213.  224ffi,  10  vorher  verkündet  hat  (44,  107ff.),    werden  sie 

vgl.  Apollon.  Iihod.  4,  54.  64ff.).  —  99.  Nach  schliefslich   „zu  Schlangen  versteinert":    eine 

der  Landung  in  Griechenland  zieht  der  Held,  Kontamination    zweier    Legenden ,    die    oben 

wie  Zeus  geheifsen  (2,  698),  nach  Delphi.    Es  nr.  54  behandelt  ist.  *)     Über  die  Episode  in 

folgt    der    bekannte  Orakelspruch    (4,  295  ff.);  Libyen   s.   nr.  69 f.      Vgl.    im   allgemeinen   B. 

von   der  Kuh  geführt  zieht  er   durch   Daulis,  Kühler,  Die  Dionysiaka  des  Nonnos  S.  6  ff.  39  ff. 

Panopeus,  Tanagra,  KorODeia,  Haliartos,  Thes-  .                                   . 

piai,  Plataiai  nach   cAonien'  u.  s.  w.    In  der  Lationalistisch-euherneristische 

Beschreibung    des   Drachenkampfes    V.  356  ff.  Darstellungen, 

tritt    die    Gefolgschaft    hervor ,     öaog    noXvg  Die    Historiker.      104.     Schon   Hekataios 

tansxo  Kaäfico    (V.  359),    wie   bei   Ovid;   nur  20  hatte    den    Kadmos     alB     einen     Mann    vom 

sind  es   keine  ministri.  —  100.  Athene   greift  Stamme  der   semitischen  Phoiniker  aufgefafst 

V.  393  ein  mit  einer  exhortatio;  die  Wahl  der  und     zum    'Erfinder'     oder     Vermittler     der 

Kampfmittel  dreht  sich  um:  erst  zerschmettert  Schrift,    vielleicht    auch    schon    zum    Schrift- 

der  Held  dem  Drachen   mit   einem    Felsblock  steller  gemacht,  s.  ob.  nr.  93  und  die  verwandten 

([iüqIiciqov,  V.  409)   das  Haupt,    dann  haut  er  Nachrichten  bei  Dioäor  (Dionys)  3,  67 ff.,  wo 

ihm  den  Kopf  ab  (V.  412 f.).    Ares  schreit  auf  Linos  die  nqä'%£ig  des  Dionysos  in  kadrneisch- 

vor  Zorn  —  %a>oy,ivov  81  |  K.  dXXorpvrjg  fifiilXs  pelasgischen  Buchstaben  aufschreibt  etc.    Diese 

wap'  'JXXvQiSog  acpvQa  yairjg  \   fcsivov   i'%tiv  tv-  Auffassung    blieb    für    die    Historiker    mafs- 

daX(ia    (eine    merkwürdige    Übereinstimmung  gebend.   Vgl.  Herodot  oben  nr.  75 ;  Charax  und 
mit   Ovid   3,   95ff.).     Die  aufsteigende  axd%vs  30  Hekataios    s.    oben    nr.   30,   und   in    gleichem 

uvzoX6%ivzog  Tiydvxuiv   (427)    bekämpft    Kad-  Geiste    Lueill   v.    Tarrhai  bei   Zenob.   v.    Ka- 

mos  nach  Kräften;  aber  erst  als  er  JlaXXdSog  dpiia  vCy.n  p.  97   Gott.:   zd  bk  <DoivUrjg  ygdii- 

hficpQOVi    ßovXy    j    yriysvicov    xiva   nixqov    iizfj-  fiaxa   ßovXöiisvog  Siaäod'fivai  xoig  "EXXrjdi  Kd- 

oipjjof  xctQrjvcov,   kommt  er  zum  Ziele,    indem  8pog  dvsiXs  Aivov  v.ai  uixbv  i'Sice  y^äftfiana 

sie     sich     im    Wechselmorde     töten.  *)       Die  inidiiy.vvixivov ,     ov    unsSüa%av     01     noXixai. 

Namen  der  Überlebenden  werden  (trotz  V.  404  Nicht    als   Rival ,    sondern    als    Schüler    wird 

nivxi    Xmmv   t,wovxag)    ebensowenig    genannt,  Linos  mit  Kadmos  in  Zusammenhang  gebracht 

wie  bei  Euripiäes  (Ovid  3,  126  nennt  Echion).  bei    Dioäor    3,   67 f.    (s.    auch    Isid.    Orig.    7, 

Jetzt   (5,  lff.)   opfert    er   die   delphische   Kuh.  73);    vgl.    Bcthe,    Quaest.    Diod.    mythogr.   26. 

Aber  nun  gilt  es,  die  Ureinwohner  zu  bezwingen  40  Solide,  Bhein.    3Itts.   36,   564.  —  105.  Herod. 

(vgl.  Baus.  9,  5,  1.   Konon.  37).  —  101.  Dann  2,    49    nv&sad-ai   8s   fioi   Soy.hi  txdXioxu    Mi- 

erst  beginnt  die   anbefohlene  Gründung  The-  Xdfiiiovg    zu    tziqI     xbv     Jiövvaov     [was    mit 

bens  (vgl.  darüber  bes.  Köhler  S.  10ff.).     Kai  ägyptischem     Brauche     übereinstimmt]    naget 

■jtoXig    'Aovir\    TvQiqg    ■noiy.iXXtxo    xi%vr\g    (56).  KdSfiov    zs  xov   Tvqlov    kui  xäv    avv   avziö 

.  .   £71zuti6qc»  nvXzwvi  ...  |  ovQavov  znzd^tavov  in    <&oivi-ATqg    dniKOfievcov     ig    zr\v     vvv    Botco- 

f  y    fiifiijößTO     xi%vrj ,    und    weiht    die    sieben  xiiqv    -naXioiiivriv    %wqt]v.       145    Aiovvam   fisv 

Thore  den  oigavloig  .  .  dXr]zaig,  den  Planeten  vvv    zä>    Ix    SsfisXrjg    xijg    KäSfiov    Xtyofiivio 

(V.  70  ff.):    das  erste    (Onkäische)    der    Mene-  xtX.      Herodot    drückt    hier    einfach    epische 

Athene,  das  zweite  dem  Hermes,  das  mittlere  Überlieferung  in  seiner  Weise  aus.    Ahnlich  er- 

(Elektrische)  dem  Helios,  das  fünfte  dem  Ares,  00  klären  sich  die  übrigen  EvQifjfiuxa  des  Kadmos  (auf 

das   dritte    der   Aphrodite ,    das    sechste    dem  eine  Zusammenstellung   in  der  Qrjßaimv  noXi- 

Zeus,  das  letzte  dem  Kronos.    Und  die  heilige  zsia  des  Aristoteles  zurückzuführen,  s.  Aristot. 

Stadt    Alyvnxlris    indXtooev    bfjKÖvvfiOv    aoxsi  Pseudepigr.    p.    472  B ).      Die    „Steinbrüche" 

'-*r;(3)js  |  TtoiY.iXov    äev.rj6ag    yßöviov  zvnov  laov  (Plin.   nat.    hist.    7,    57    lapieidinas    C.    Thebis 

OXvfimoj. — 102.  Jetzt  endlich  wird  die  Hochzeit  [invenit],    aut,    ut  Theophrastus ,    in  Phoenice. 

gefeiert.    Aphrodite  schmückt  den  Palast  des  Clern.  AI.  Str.  1,  16)  sind  wohl  aus  dem  Burg- 

Kadmos ,     Ares    tauzt    zum    Trompetenschall,  bau,  die  Erzgewinnung  (Hyg.  fab.  274  C.  ..  aes 

Apollon   und   die  Musen    spielen    und    singen,  Thebis  primum  inventum  condidit.)  vielleicht  aus 

Nike   und  Eros   führen   einen  Tanz   auf  —  tjv  der  Spartenrüstung  abgeleitet.    Ähnliches  unter 

8h   vorjeai   (120)   KdSfiov   baoi   %a\  Zfjva  fttjjg  60  nr.  78.      Wenn    Kadmos    nach    Nicom.  Geras, 

tpavovxa  xgani^?-    Aber  über  dem  Hochzeits-  harmon.  Pyth.  2  die  Lyra  einführt,  so  berührt 

gemach  geht  der  himmlische  Drache  auf,   ein  er  sich  wieder  mit  Hermes  (und  Amphion).  **) 
Bote    des   bevorstehenden  Geschickes  (121  ff.). 

Die  Götter  bringen  um  die  Wette  Geschenke,  *)  ptole,n-  HePh-  "•  *■  7  (K-  und  H-  in  LUweu  ver" 

Zeus,  Poseidon,  Hermes  ein  Skeptron,  Hephai-  wandolt)  steht  iaollert  und  kMul. wie  gewöhnlich,  beiseite 

■           -      -p,-     l            tt              ■            ml               *     i         i-j_  Relasseu  \verdeu. 

stos  ein  Diadem,  Hera  einen  Thron,  Aphrodite  „,  ZoSga  p  g>  9>  dor   dim  Ka(lmos  die  Verbreitung 

*)     Auf    andere    Übereinstimmuiigeii     mit    Euripides  der  Astronomie  in  Griechenland  zuschreibt,  hat  da3  wohl 

macht  aufmerksam  Spiro  p.  11  ff.  in  die  Nonnos- Stelle  1,  259  hineingelesen. 


879          Kadmos  (b.  d.  Historikern")  Kadrnos  (b.  d.  Komikern  u.  Euhemeros)   880 

—  106.  Androtion  fr.  28.  F.  H.  G.  1  p.  373.  der  Ort.  Absonderlich  Demophilos  (S.  des 
Schdl.  Find.  Isthm.  7,  13:  'AvSgozCav  äl  tpnoi.  Ephoros)  Schol.  Yen.  II.  13,  301  (F.  H.  G.  2 
rcvyövza  £y.  zrjg  3>oivtn7]Q  zov  KäSfiov  fiszd  p.  86)  Kai  ig-qpov  ysvso&ai  xrjv  ztaXiv  fiEggi 
ixaväv  B7togd§cov  v.azsXd'iiv  slg  ©f/ßag.  zrjg  KäSuov  äcpi^scog  (seit  der  Eroberung 
o&sv  Sid  zb  avu/itylg  Kai  OTiogdSvv  slvai,  Thebens  durch  Eurymachos  und  die  Phlegyer, 
Enagzol  snfaj&riaav.  oi  äs  @r]ßaioi  ti  nsgl  nach  dem  Tode  des  Zethos  und  Amphion). 
avzäv  ipEvdeäe  izsgazovgynaav.  (Die  folgenden  Die  Komödie  und  Euhemeros.  109. 
Fragmente  29.  30  bei  Schol.  Eur.  Phoen.  674.  Während  gleichzeitig  die  Tragödie  und  das 
Tzetz.  Eye.  1206  sind  lediglich  dünnere  jüngere  Epos,  trotz  mancher  Konzession  an  die 
Excerpte  des  Mitgeteilten;  aus  verwandten  10  historische  Auffassung*),  im  Geiste  der  Helden- 
Überlieferungen  Marm.  Far.  7  [12]  p.  4  Fl.  sage  und  in  steter  Fühlung  mit  dem  alten 
u.  A.).  Diod.  19,  53,  4  fiszd  ydg  zov  iitl  JsvKa-  Muster  die  Überlieferung  weiterbildeten  (s. 
Xicovog  v.azaxXvoiibv  KäSiiov  Kzt'cavzog  trjv  Ka-  oben  nr.  94  ff.),  zog  die  attische  Komödie  den 
Siiiiav  BvvfjX&sv  sn  avzrjv  Xabg  ov  zivig  aiv  Stoff  in  eine  niedere  Sphäre  herunter.  Vgl. 
Snagzbv  Ttgoonybgsvaav  Sid  zb  Tiavzarb&sv  Eubul.  Europe  fr.  34.  C.  A.  Fr.  2  p.  176  K. 
Gvvax&fivui. ,  zivsg  di  &t]ßocysvfj  Stä  zb  zr\v  vxl%s  Boliozwv  nbXiv  !  avSgäv  ägiezav  ia&ieiv 
KQxflv  «*  ^JJS  ngosiQiquivrjg  nbXstog  bvza  Sid  kzX.  (Parodie  des  Orakels  an  Kadmos,  vgl.  nr.  16; 
zbv  Kazav.Xvoubv  .  .  Siaonagfjvai.  zovg  ovv  dieselbe  Fabel  C.  A.  Fr.  vol.  1  p.  230.  610). 
tote  KazoiKiqcavzag  varsQOi  'Ey%BteEs  v.aza7to-  —  110.  Völlig  im  Geiste  der  Komödie  gehalten 
Xspirjcavzig  i^sßaXov,  ozs  Sr)  ovvsßr]  Mai  zovg  20  war  also  die  Darstellung  des  späten  Eponj'- 
mgl  KdSfiov  slg  'IXXvgtovg  sktcsosiv.  Vgl.  nr.  60.  mos    dieser    ganzen    Richtung.     Euhemeros 

—  107.  Kephalion  bei  Joann.  Matal,  p.  40  B.  bei  Athen.  14,  658  F  sv  zw  zgizca  rrjg  isgäg  dva- 
(fr.  4.  F.  H.  G.  3  p.  627  kti'Jei  $£  (Kadmos)  ygarpfig  zoi<&  tazogsC  äg  ZiScaviav  Xsybvzmv 
Kai  nöXiv  .  .  ,  fjVTiva  iv.dXovv  slg  i'Siov  bvoua  zovzo  (!),  on  KdSaog  u-dystgog  S>v  zov  ßaoi- 
KaSfisiav  Kai  ßaoiXsvsi  .  .  liest"  dvsxaXsoazo  Xsmg  Kai  nagaXaßcov  zrjv  'Aguoviav  avXrjzgi'äa 
Si  sk  ztig  il-OQias  zov  Tsigsoiav ,  Boiäziov  Kai  avzrjv  ovaav  zov  ßaoiXscog  ttpvys  ovv 
bvza  q)tl6coq>ov,  zov  9rjgoXszr]v,  bvza  nXovoiov  avzfi.  Es  ist  kein  Zufall,  dafs  Kadmos  hier 
. . . ,  folgt  eine  euhemeristische  Umgestaltung  als  Koch  erscheint  und  dafs  er  bei  Eubul.  die 
der  Kadmos  -  Sage.  Joann.  Antioch.  fr.  6.  „Fresserstadt"  gründet.**)  —  Ein  'syrophö- 
.F.  H.  G.  4  p.  544  =  Joannes  N~ic.  Notices  et  30  nizischer'  Handelsmann  (ifi-mogog)  ist  K.  dem 
Extraits  24  (1S83)  p.  371  f.  (echt  nach  Jo.  Momos  Lucians  (Deor.  conc.  4,  3  p.  529 R.)  und 
Boissevain,  Herrn.  22,  161  ff.):  t\  St  Aißvr)  als,  ,phönizischen  Trug"  betrachten  die  Drachen- 
yafirj&srea  TIoos  iSävi  rn>i(also  keinem  'Gott')  und  Spartensage  die  Grammatiker,  welche  bei 
z'zskiv  s|  ctotoS  Ttaiäag  y,  'Aytjvoga,  BfjXov  der  Erklärung  der  Phrase  tysvdog  <&oivikik6v 
Kai  'EvväXiov.  6  BfjXog  ya^fjoag  Ziärjv  daran  erinnern;  vgl.  Paus.  beiEustath.  p.  1757. 
Ecf^s  ovo  viovg,  Aiyvnzov  Kai  Javaöv  l|  Phot.  Schol.  Plat.  Rep.  414C  =  fr.  318  p.  216 
ov  Ai'yvnzog  Kai  Ziäav  covouäad-rjGav  (?),  ö  ös  Schw.  (vgl.  'Punica  fides'  und  Hom.  Od.  14, 
'Ayrjvcog  r'iyays  zrjv  Tvgäf  f'£  ov  Tvgog  288.  Hes.  v.  $>oiviK?XiKzr)g  =  com.  dub.  1293. 
iiöXig'    Kai   io%£V  viovg  S'  Kai  Qvyaziga  fii'av,  3  p.  623  K.). 

KdSfiov    QoiviKa  Zvgov    Kai  KiXiKa    xal  10        Parodisti sehe  Darstellungen  des  Mythus  auf 

Evgwnnv    Kai  iXa%ov  zag  e7icovvu.ovg  %cogag  Bildwerken  fehlen. 

(zrjvy  KaSfiBiav    \zr\v  Orjßnv^,    zrjv    <Poivt'KT)v, 

zriv  Zvgt'av ,    ziv   KiXiv.Cav   Kai  zrjv  Evgcinr]v.  ■"•    Zur  Deutung., 

Ttjv  JLvgtönrjv  äi  agnäoag  Tavgog  (bei  Müller  111.     Mit  grofser  Zähigkeit  hat  sich    aus 

falsch    klein    geschrieben),    ßaaiXsvg    Kgrjzrjg,  leicht  begreif  liehen  Gründen,  die  älteste,  schon 

t ziks  Mivcoa   kzX.  —    fr.    7    p.   545     diovvoog  von  den  Griechen  angebahnte  orientalisierende 

■noXtu-rjOag  Tlsv&ii  zm  i^aSiXcpa  dtcfiiog  rix&l'  Deutung  des  Mythus  erhalten,  die  aus  Kadmos 

Ayavrj   6h   smiBiv   aizovg  GntieaG&ai  ivwitiov  einen   orientalischen   Gott   oder  Heros  macht, 

zoi  naitnov  Kääfiov  kzX.\    ähnlich  Tzetz.  chil.  den    „Morgenländer"     ('gadmon') ,     der    das 

6,61,681  Tis v&ivg  .  .  .  ävngntiiviov  zäv  Xomäv  50  „Abendland"    ('ereV),    oder    den    Sonnengott 

lyyövoiv   zäv   zoi   Käätiov   ...    tag   ö'    r/Kovos  Melkart,    der    die   verschwundene  Mondgöttin 

Aiovvoov  i'yyovov  vo&ov  Kaö/iov  ävzinonlo&ai  Astarte  sucht  u.  s.  w.    So  neuerdings  besonders 

rrjg  äg%rfg  SsßfisC  Kgazr\oag  zovzov  kzX.  Movers, Brandts, Baiidissin,Lcnormant,Dunckcr, 

108.     Mit  Joannes  v.  Antiochien  und  Der-  Busolt  S.  51  (mit  Ansätzen  einer  richtigen  Auf- 

Jcylos  (Harmonia,  T.  des  Königs  Drakon,  oben  fassuug)  und  zuletzt  Hesselmcyer,  Die  Pelasgcr- 

nr.   22    Sp.    836)    berührt   sich    Palaiphatos   7  frage   S.  52   Anm.     Durch   die   oben  gegebene 

p.  276   W.    nsgl  Znagzmv   (König  Drakon),    7  Entwickelung   des  Materials   ist  diesen  Hypo- 

p.  277  W.  Ttigl  Etpiyyög  (Harmonia,  Schw.  des  thesen    von    vornherein    der   Boden   entzogen. 

Dr.),  16  p.  282  jrfot  zijg  Evgoinris  (der  Knosier  Die  ältesten  Zeugnisse   kennen  Kadmos   nur 

Tauros);    doch    lohnt    es    sich    nicht,    diesen  60  in  Boiotien    und    wissen  nichts  von  seinem 

Thorheiten   (vgl.   auch    Tzetz.   chil.    10,  409  ff.)  Verhältnis  zur  Furope  und  zum  Phoinix,  oder 

nachzugehen.      Gleichwertig     ist     Konon    37  gar   von   seinem  Phönikertume ;    vgl.  die   ver- 

p.   20  IL  *)      Auch   auf   die    Einzelheiten   der  nichtende    Kritik    der    JUows'schen    Vermu- 

chronologisch- genealogischen   Anordnung   (im  .           ,                                   , 

^     .        j        ^    n    ..     '\      •              1            •   i_  i  •          ■  1  i.  )  V^«l   z-    E.   die   Käduov  tdnoL    (d.  h.  Buchstaben) 

Kreise  der  9nßaiKa)  einzugehen,  ist  hier  nicht  ^jjaJLfcr,  At/,e„.  3  p.  S2»  =  p.  68 £  Sehn. 

*)  Eine  Polemik  gegeu  diese  Pseudohiatorie,  wie  ßie  **)  Es  ist  wohl  die  stärkste  Leistung  von  Movers,  dafs 

Spiro   p.  35  ff.  und    Enmann  S.  13    fuhren,    ist   aber  auch  er  selbst  den  Schwindel  des  yegtav  a?>aMv  ernst  genommen 

heute  uoch  nicht  überflüssig.  hat.    Vgl.  II.  D.  Müller  1_S.  302  ff. 


S81                  Kadmos  (Deutung)  Kadmos  (Urbedeutung  u.  Heimat)     882 

tungen  bei  H.D.  Müller  1,  299  ff.  —  112.  Eine  Boiotien  zurückweisen.  So  ist  Kadmos  vor 
bessere  Gestalt  empfängt  diese  Ansieht  bei  allem  Heros  Eponymos  der  Kadmeia, 
O.  Gruppe,  Die  gr.  Kulte  u.  Mythen  S.  162  f.  wie  Eekrops  der  Eponymos  der  attischen  Burg 
Nach  einer  mit  gewohnter  Schärfe  geführten  ist  (vgl.  Crusius,  Beitr.  z.  Myili.  S.  12  — 15). 
Kritik  der  qadmön  -  Hypothese  bemerkt  er  Die  Etymologie  bleibt  unsicher  und  ist,  wie 
S.  163:  „Man  leitete  Kadmos  aus  Tyros  ab,  gewöhnlich,  für  die  eigentliche  mythologische 
weil  er  oder  ein  mit  ihm  identificierter  Heros  und  mythographische  Arbeit  ohne  Bedeutung, 
dort  wirklich  verehrt  wurde."  Ob  das  aus-  Am  meisten  Anhänger  hat  immer  noch  die 
reicht,  um  die  Anknüpfung  an  Phönicien  Welckersche  Erklärung  KäSfios-xoaaog'*),  die 
(Tyros)  zu  erklären,  ist  zweifelhaft;  der  Kad-  10  aber  (wegen  des  ä)  sprachlich  Schwierig- 
mos-Agenor-Kult  in  Tyros  ist  schwerlich  keilen  macht  und  auch  sachlich  nicht  genügt, 
älter,  als  die  Hellenistenzeit,  sicher  griechi-  da  der  Held  schwerlich  nur  eine  „ethische 
sehen  Ursprungs  und  umgekehrt  aus  der  be-  Potenz"  ist.  Wenn  wir  K.  richtig  als  Epo- 
rühmten  Sage  herzuleiten.  Im  übrigen  sieht  nvmos  der  Kadmeia  aufgefafst  haben,  würde 
Gruppe  nach  den  Ausführungen  a.  a.  0.  S.  162  die  Deutung  von  den  Ortsnamen  KuSixtia  und 
und  den  Bemerkungen  in  der  Philol.  Wochenschr .  KdSfirj  ausgehen  müssen.  Bei  lVelckers  Ety- 
1883,  35,  Sp.  1092  in  Kadmos  einen  'degra-  mologie  müfste  man  „Herrensitz"  erklären, 
dierten  Gott';  der  Kern  des  Mythus,  „der  Baunaclcs  Versuch,  an  die  Wurzel  Sa/i-  (Ka- 
Kampf  mit  der  Schlange  der  Nacht",  „die  Suflu,  vgl.  "J - d firjc:) **)  anzuknüpfen,  gäbe 
Vermählung  mit  der  Himmelskönigin",  „die  20  die  durchaus  sinngemäfse  Bedeutung  „Zwing- 
Verwandlung  in  eine  Schlange"  ist  ein  Aus-  bürg"***);  für  -na-  iu  boiotischen  Ortsnamen 
druck  „für  die  täglichen  Schicksale  des  Sonnen-  ist  Ka-araUa  ein  gutes  Beispiel,  vgl.  auch 
gottes".  —  113.  Auf  ähnlichen  Pfaden  wandeln  Kar-aovla  (voü  Boiot-Ioniern  benannt,  wie 
andere  Meteorosophisten,  z.  B.  E.  H.  Meyer,  die  Stadt  Orjßr]  in  Kappadokien,  Stepli.  Byz. 
Achilleis  486  f.  Hier  wird  Kadmos  gar  ein  p.  313,  i°).  Ebenso  würde  sich  die  Kadmeer- 
,, Winddämon",  Harmonia  ist  die  Herrin  des  gründung  'EniSafivos  (vgl.  'Etz  - augia ,  'Eni- 
Regenbogens,  ein  Dublette  der  Iris-Eris  &cpvQioi,  'E-m-nvrtfiCSLoi ,  'Eiii-Y.ri(fiaaiä,  'Etci- 
u.  s.w.  Der  Hauptfehler  dieser  Anschauungen  Xvksiov)  erklären  lassen,  sowie  die  zta/ivco  im 
liegt  darin,  dafs  sie  die  Sage  als  gegebene  Stammbaume  des  Kadmos  oben  nr.  29.  Docli 
Einheit  auffassen  und  nachweislich  versc.hie-  30  das  alles  bleibt  hypothetisch.  Jedesfalls  aber 
denen  Zeiten  und  Orten  angehörige  Über-  darf  man  in  dem  Namen  der  Kadmeionen 
lieferungen  unter  einem  Gesichtspunkte  be-  oder  Kadmeer  ebenso  wenig  eine  ethno- 
trachten.  —  114.  Dafs  aber  in  der  That  in  die  graphische  Bedeutung  suchen,  wie  in  dem 
Kadmos- Sage  verblafste  Reminiscenzen  aus  der  Kekropiden;  er  ist  lediglich  eine  vor- 
Göttermythen  eingedrungen  sind,  soll  nicht  nehmere  Bezeichnung  der  Herrengeschlech- 
geleugnet  werden.  Schon  0.  Malier  und  nach  ter  von  Theben  (Crusius  a.  a.  0.).  —  116. 
ihm  H.  D.  Müller  haben  auf  Parallelen,  be-  Dafs  sich  auch  die  ältesten  mythischen  Be- 
sonders aus  der  Demeter-  und  Hermes -Reli-  Ziehungen  durchaus  auf  Theben  beschränken, 
gion,  hingewiesen  und  damit  die  Grundlage 
des   Mythus   blofszulegen   gemeint.     Verf.  hat  «0        *)  Welcher,  Kret.  Kol.  S.  23 f.,  vgl.  o.  Müller,  Proleg. 

sich     schon     früher    (a.   a.  0.)     diesen    Anschau-  151.    Fielt,  Personennamen    p.  180.    H.  D.  Müller,  InJogerm. 

ungen  im  ganzen  angeschlossen,   glaubte   dann  Sprachbau  S.  207.  Maafs,Gött.  gel.Anz.  1890,  349.  Die  semiti- 

aber    den   Keim-   und   Ausgangspunkt    auf  an-  sehen  Etymologieen  widerlegte   vor  0.  Gruppe  Neuhäuser, 

derer  Seite    suchen    zu  sollen    (Beitr.  zur  ar.  Cadm""s  p-  6it.  de38en  eie6M  Deutung  (zu  r.,\öm  = 

71  r  .i-l                T>  7-„*                 t        -<no/*      et      ^  *\         tt  procurator)  Omo  Möglichkeit  von  vielen  iBt. 

Mith.    u.    Heliqionsresch.     188G     S.    14).      Vor  »„    .     ,.  ..  s           j                 ■  ,    i      aT         j 

ny                   r               ,      J              ..,             t               i     -,  **)    Auch    yi-duotv       denn    80    wird    der    Name    des 

allem     mu^     auch     gegenüber     d]esen     beiden  Steinsehneiders    zu    lesen     sein:     Brunn,     Eünstlergesch. 

Forschern  —  zumal  gegenüber  II.  I).  Müller  2,  535  f. 

—  eine    schärfere   Sonderung    der    poetischen  ***)  Maa/s,   Gott.  gel.  An:.    1890    9,  349   weist  diese 

Quellen    betont    werden,     wie     sie     im    Vorher-  „grimmige    Etymologie"    mit    der   Bemerkung  ab:    „Wer 

gehenden  wenigstens  angebahnt  ist.     Von  be-  50  soDte   im  ^t"1*1111   8°   absurd    gewesen    sein,    einen 

Stimmten  litterarischen   Centren  aus   sind  Drachentoter  -Drachenniederbändiger'    zu   nennen    .  .  . 

Ain    T?Trtw,««4.«    J„_   o„,_                 _                 c   c  l           i  K.  ist  seinem  TVe3en  nach  viel  mehr,   als   ein    Drachen- 

ciie   Memente   der  bage   zusammenrrefafst  und  .  a   VH   ,.      >         »    w         „    ,'  .                      7 

.,              ,  .-,  ,    ,      n      .-P               ..                 •      n         i  nie  at-rh  mutiger     .  .  .         wenn    Maafs    Just    nur    an    den 

weitergebildet:   Zu  ihnen  müssen  Wir  durchzu-  'Drachenniederbändiger'    denkt,     so    ist    Baunack    daran 

dringen   suchen,   wenn  wir    die   geschichtlichen  m.  W.  unschuldig.   Einen  ahnlichen  Einfall  hatten  übri- 

und  traditionellen  Grundlagen ,  wie  die  kühnen  Kens,  was  Baunack  entgangen  zu  sein  scheint,  schon  alte 

Hülfskonstruktionen    der    Dichter    überblicken  Erklärer;  vgl.  Io.  Didk.,  Schal.  Theog.  987  p.  287 fl.  naqiaov 

und  verstehen  wollen.  *a  *y-   ftolifiov  v.uiamntw/.öta  tiini]    rüv  7tö?.toiv  zal 

I.  Urbedeutung  und  Heimat  des  Kadmos.  *«*<**•<»<*/•«*/»*»<»  awagnoXoroüai  «;..,_ders.  zu  940 

115.    Den  Ausgangspunkt  der  Sage  bestimmt  *«^"».  «**«*«*«*«?<>/»»'»  ^^«^«(0,  zu  975 

die  lhatsache    dafs    1)  die  ältesten  Zeugnisse  60  SeSa^aafiivoi  hnb  ttvoc oYvmQoü  lyttQovtm x*X.  Merk- 

und    Lokalzeichen   auf   das   boiotische    Theben,  würdig  ist  es,  dafs  das  Verbum  im  Hermeshymnus  Vs.  137 

insbesondere    auf    die    Burg,    sich     beschrän-  ov?.ozagnrai  itvglc  xattSüfirat'  nüt^fi  vom  opfernden 

ken   (nr.   1  ff.    31  ff.),    2)    in   historischer    Zeit    der  Hermes  gebracht   wird,   der  auf  Samothrake   den  Namen 

Name    KaS/ltia     (KaSfirj)     an     der     Burg     von  Kadm(il)os  trägt.    Übrigens  legen   diese  Thatsachen  die 

Theben    (und    von  Priene)  haftet  (nr.    31.     89),  Vermutung  nahe,  dafs  man  bei  der  Ka-Öfiiia  r(y.n  (oben 

,,„A     o\    ™« ~+:      l  ~    T>                       e   fr    l                 •   l  Pp-   861)    mit    dem    Wortsinne    spielen    wollte:    ähnliche 

und   3)  gennetische  Bezüge   auf  Kadmos  viel-  J  ,         -   ,        .  .         ,          .  ■     a    ■  -u    \       u  ^ 

pi'.v,          ,               ,...",            ^        ..  Kalauer   finden    sich   auch    sonst    im  Sprichworterschatz, 

lach    mit   anderen   boiotischen   Reminiscenzen  vgl.  Fleck.  Jahrb.  135  (1887)  657.  -  Die  Namen  Ehud,,,; 

Hand    in    Hand    gehen,     also     gleichfalls     auf  'OQixaäßo;  Bind  wohl  von  dem  Heroeunamen    abgeleitet. 


883     Kadmos  (Urbedeutung  u.  Heimat)  Kadmos  (Urbedeutung  u.  Heimat)     884 

ist  oben  nr.  lff.  bereits  hervorgehoben.    Wenn  Bd.  1  Sp.  2813 ff.).  —  120.  So  wird  $oivi%r\  als 

der  Held   die  Tochter   der  Landes-  und  Burg-  Heimat    des   Helden    immerhin   schon  in    den 

götter  Ares  und  Aphrodite  (vgl.  Tümpel  a.  a.  0.  älteren,  von  Euripides  und  Ecrodot  benutzten 

S.  653  ff.)    als  Braut  heimführt,    so   ist   darin  Dichtungen    angegeben    gewesen    sein.      Der 

zunächst  kaum  eine  tiefere  „allegorische"  Be-  Name    bezeichnet    ursprünglich ,    ähnlich   wie 

deutung  zu  suchen:  es  ist  eine  Theogamie  im  das    gleichfalls   mit    der  Apollon- Religion    in 

Geiste    boiotischen    Glaubens    und    Dichtens,  Zusammenhang    gesetzte   Avxia,    das   „Licht- 

wie  viele  andere  in  den  hesiodischen  Epen.  —  land",    das   „rote   Land",    als   das  Land   des 

117-    Viel  reicher  ausgebildet  ist  die  jüngere  Sonnenaufgangs.     Das   tritt  noch   deutlich    zu 

Sage   von  Kadmos    in  Theben,    deren  Urform  10  Tage  bei  Aischylos  Prom.  sol.  fr.  192  p.  64  2V.2 

aus  einer  Kombination  der  Kataloge  (nr.  4  ff.,  ipoi viy.oxsdov   x'  tgv&gäg  i&gbv  |  %evp.u 

11/15,   46  ff.)    und   einer   alten,    vielleicht   ho-  ftaldcang,   %a1Y.ov.iQu.vvbv  te  nag'  'Slutavä  \ 

rinthischen  Parallelquelle  (16  ff.  50 ff )  erschlossen  lipvav  navtozgörpov  Ai^t6nav\i'v'  b  .  ."'Hliog  . . 

werden  kann.     Hier  fällt  besonders  eins  auf:  ävanain,  und  in  einem  aus  alter  Dichterüber- 

die  mafsgebeude  Rolle,   die   das  delphische  lieferung  geschöpften  Artikel    des   Etym.   M. 

Orakel  spielt.     Das  Orakel  heifst  den  Heros  p.  797,  14  (vgl.  Trag.  Gr.  fr.  p.  639 -ZV.2)  jrpö- 

die   Burg    gründen    und    nach   Illyrien   ziehen  ztgov   of  &5ot'j'txfs   civ.ovv   ngbg  zfj    igv&gä 

(nr.  16.  46);  eiu  Raubzug  wider  das  Heiligtum  &uldcGn  y.al  ivxiv&iv  airoie  ro'vvoiiu.-   qpot- 

hat  die  Vernichtung  der  Encheleerscharen  zur  mKoCyäg  tfjv  %goiäv  ccnb  räv  nuguy.iiuivcav 

Fol.^e   (47);    nach   der  Erlegung   des   Drachen  20  avxoig   nszgäv   (nogyvgävy    oveäv     dtb    koi 

mufs  sich  der  Held,  wie  Apollon,  dem  delphi-  igv&gä  Xsyi rat*)  [das  Folgende  bei  Miller,  Mel. 

sehen  Brauche  der  Blutsühne  (U.  M ü'iler,  Proleg.  p.  302  im  Flor.]  y.al  nag'  EigmCSn  $oIviogÜ 

S.  304ff.)  fügen  (nr.  7).    Es  ist  klar,  dafs  nur  (j~yig  altir]  d'grjxai.  "Wie  wenig  ethnographisch 

in  Delphi  oder  unter  dem  Einflüsse  von  fest  bestimmt    diese   Begriffe   der   boiotischen 

Delphi   diese  Züge   entstehen   konnten.  Dichtung  noch  in  historischer  Zeit  waren,  zeigt 

Sie  umspannen  und  bestimmen  aber  das  Ganze  Korinna  Athen.  4, 174  F  =  fr.  27  p.  550  B.:  fj 

dergestalt,    dafs   man   (wie  bei  der  von   U.  v.  Kagi'a  3>oivly.tj  ixoclsizo,  mg  nagd  KogCvvn  yai 

Wüamoioüz  [Isyll.  Anh.]   hergestellten   Eoee)  Bay.xvliSn  iazlv  nvgttv  (s.  H.  D.  Müller  1,308). 

geradezu    ein     delphisches     Gedicht     als  Damit  hängt   es   zusammen,    dafs   der  „Baum 

Urquelle  vermuten  könnte.  —  118.  Der  Ver-  30  des  Morgenlandes",   die  Dattelpalme   (apoivt^), 

dacht  liegt  nahe  genug,  dafs  von  hier  aus,  in  dem  Gotte  von  Delphi  und  Delos  geweiht  war 

Erinnerung   an   das  Hauptdogma   von   Delphi,  (vgl.  Helm,  Rultuipfl.u.  Haustiere  4   S.  21Sff., 

auch  der  Drachenkampf  (nr.  5.18)  auf  den  Helden  der  nur  S.  488  die  Entwickelung  auf  den  Kopf 

übertragen  ist;    doch   läfst  sich  das  nicht  zur  stellt**):     unter    seinen    Zweigen,     d.   h.    im 

Gewifsheit  erheben;  die  Beziehungen  des  quell-  mythischen    &oiviv.r\ ,    war    er    geboren,    das 

hütenden    Drachen*)     zu    Ares    und    Erinys-  sonnige  Palmenland  war  seine  Heimat  für  die 

Tilphosa    sind    alt    und    selbständig.      Wenn  Zeit  wenigstens,    in  der  unsere  Epen  und  die 

die  zweite  Quelle  (nr.  22  ff.)  und  mit  ihr  viel-  homerischen    Hymnen    (vgl.   1,   117    äficpl    äi 
leicht   'Musaios'   (nr.  45)    den    Drachenkampf      q>oCviy.i  ßäli  nfjxss,  Theogn.  6)  entstanden  sind, 

als  Bedingung  hinstellt,  unter  der  Kadmos  die  40  Vgl.   auch   das  <&oiviy.£tov  neben  dem  <t>iy.£iov 

Hand  der  Göttertochter  gewinnt  (nr.  25 ff.),  so  bgog    Strabo    9,   410    in    Onchesmos    zwischen 

verwendet  sie  ein  weit  verbreitetes  Mythen- und  Theben  und   Delphi,    ®oiviy.rj  in   Epirus,    die 

Märchenmotiv  (Hahn,  gr.  M.  2,   49fi.,   Benfey,  Städte  und  Flüsse  <$oivi%  in  Lokris,  Thessalien, 

Orient  u.  Occident  2.  Laistner ,  Rätsel  der  Sphinx  Kreta.     In   dem   Tempel  von   Buto  sahen  die 

2,  26ff.)    in    durchaus    angemessener   Weise:  Milesier  (Hekataios  fr.  284,  den  Herodot  2,   157 

nur  läfst  sich  nicht  mit  voller  Sicherheit  aus-  [vgl.  TJiels,  Hermes  22,   421]   ausschreibt  und 

machen,    ob   dieser   Zusammenhang   zwischen  angreift)  ein  Apolloheiligtum,  weil  iwnicpvHaoi. 

Drachenkampf   und   Hochzeit    (wie   man   gern  iv  avzij  rpoiiiv.sg  av%voi.  ***)   Jene  Vermutungen 

annehmen  möchte)  ursprünglich  ist,  oder  eine  bestätigt  vielleicht  die  oben  nr.  75  angeführte 

nachträgliche  Verbesserung.  —  119.   Das  del-  50  Notiz  des  Herodot  5,  57,  dafs  die  „Phoiniker  mit 

phische  Heiligtum  hatte  den  Thebanern  ihren  Kadmos",  ehe  sie  nach  Euboia  gezogen  seien, 

Burgheros  entfremdet  und  als  Sendung  des  in  der  Tavaygiyrj  jicnpa  von  Boiotien  gesessen 

orakelspendenden   Gottes    dargestellt.     Woher  hätten.  Das  Tanagräerland  mufs  hiernach  in  den 

war  er  gekommen?   Alle  Genealogieen  weisen  Epen  zweiten    Stils,   die   Kadmos  als    Schiffs- 

uns  in   den  fernen  Südosten,    wo  man  auch  Hauptmann  auftreten  lassen,  die  Rolle  der  boio- 

die  ursprünglich  griechischen  Namen  und  Be-  tischen  Metropole    gespielt  haben.      Über   die 

griffe  Avyi'a,  Ai&iont'a,  $oiviy.rj,  NsiXog,  ®r}|3j],  einbegriffenen      Ortschaften     Mykalesos      und 

Ai'yvnzog,  'Egv&gd  ftdlaooa **)  fixierte.     Auch  Harma  (vgl.  Harmonia?)  in  der  Kadmos-Sage 

das   ist    ganz    im    Geiste    der    ausgebildeten  t)  Noch    bel  fferodol   bedeutct    ^    .,  erythrälscbe 

Apollon  -  Religion    gedacht.       Aus    den    fernen  60  Meer"     ganz     allgemein    die    „ südöstlichen    Teile     des 

Gegenden,     WO    der    Gott   während    seiner   Apo-  Oceans",  s.  Berc/er,  Gesc/i.  der  Erdk.  1,  20,  der  nur  S.  33f. 

deinie   weilt,    kommen    auch   die   von    ihm   ge-  Anm.    von    der    mythisch  -  poetischen    Unterlage     dieser 

sandten  Propheten  und  Heilbringer,  wie  Abaris  Begriffe  zu  gering  denkt. 

(Bypei'boieerland),    Ölen    (Lykien)    U.    S.    W.     (s.  **)    Die3QU    Zusammenhang     schlägt    zu    niedrig     an 

v                                        '                     s    J            '  Bätticlter,    Baumkultus  413  ff.  30.     [Vgl.    neuerdings   Diels, 

*)  Tgl.  Soph.fr.   20G  p.  179  Ar.2  fgitpovoi  xqijvii;  iprf-  Sibyll.  Bl.  57.    Murr,  Pflanzenwelt  in  der  Myfhol  48  ff.] 

?.ay.a  /ctQc'ttjv  otptv.  ***)  Wenn  Hekataios  weiter   berichtete,   dafs   die  Insel 

**)    Vgl.   Verh.  der   40.  PJn'lologenversammlung    in    Görlitz  schwimme    und    sich    bewege,     so    ist    hier    die    delifcbe 

S.  3G  und  in  diesem  Lexikon  Bd.  1   Sp.  2*17.  2S35.  Legende  auf  das  ähnliche  fremde  Lokal  übertragen. 


885     Kadmos  (Urbedeutung  u.  Heimat)  Kadmos  (u.  Europe;  Typhoeus)       886 

vgl.  ob.  Sp.  835,  1.  Nun  berichtet  Pausan.  9,  19  die  oben  nr.  29  rekonstruierte  Genealogie  noch 
zov  Ss  Evginov  zfjv  Evßoicxv  .  .  äitb  zrjg  Bot-  andere  boiotische  Lokalzeichen;  für  den  Kad- 
caziag  Sisi'gyovxog,  zrjg  zs  zlrjiirjzgog  sv  Ss^iä  rnosahnen  Ogyges  in  Boiotien  und  Aigyptos 
zö  isgov  zrjg  Mv-xalrjßiag  v.al  ölCyov  .  .  ist  schon  nr.  28  Zeugnismaterial  beigebracht; 
ngosl&ovxi  sazlv  Avlig'  ovofiao&i'ivai  Ss  räo  auf  seine  Tochter  Argiope  werden  wir  den 
zrjg 'Sl  y  v  y  o  v  ftvyazgog  cpaoiv  cevrrjv  [die  nach  Tisgi  Ttorauov  Molosvztx  iSgv[isvov  Agyicmov  zs 
der  oben  nr.  28  nachgewiesenen  Überlieferung  %ü>gav  ■xaf.fnu.svov  {Herod.  9,  57)  zwischen  Pia- 
eine Schwester  des  Kadmos  sein  würde],  taiai  und  Hysiai  beziehen  dürfen,  an  dem  sich 
vabg  Ss  'A  gzs  piSog  toxiv  ivzav&ce  ««(■  auch  ein  Demeter -Tempel  befand. 
äydXtiaza  li&ov  Isvxov  .  .  .  ipoivixsg  St  ngb  io  Kadinos  und  Europe;  Typhoeus.  —  121. 
zov  isgov  irscpvxccciv  ....  vifiovzai  Ss  Tava-  Schon  bei  diplomatisch-litterarischer  Betrach- 
ygaioi  zavzr\v  zs  zi\v  %mgav  xat  oe/;  Ttsgl  tungsweise  ist  es  erkennbar,  dafs  der  erste 
Mvv.ttlr\a6v  sozl  v.aV'Agfia.  Also  auch  in  diesem  Teil  der  epischen  Vulgär -Tradition  —  Kad- 
epischen  Ursitze  der  boiotischen  „Kadmeer"  mos  auf  der  Suche  nach  Europe  —  einen 
gab  es  einen  Palmenhain,  ein  „Phönicien"  selbständigen,  aber  arg  verstümmelten  Mythus 
in  eigentlichem  Sinne,  und  da  der  gut  grie-  darstellt.  Mit  dem  Eingreifen  des  Orakels 
chische  Held  Phoinix  (0.  Müller,  Orcho-  wird,  wie  in  vielen  ähnlichen  Fällen,  der  alte 
menos  "  112  f.)  ursprünglich  in  Boiotien  —  Faden  abgerissen  und  ein  neuer  angesponnen; 
wegen  seines  Vaters  Amyntor  ( K  266)  im  es  ist  das  eine  charakteristische  Eigentümlich- 
gräischen  Eleon  —  zu  Hause  ist,  wird  man  20  keit  vor  allem  der  delphischen  Legenden, 
seinen  Namen  von  diesen  Vorstellungen  der  in  der  sich  des  Gottes  souveräne  Überlegen- 
Apollon-Religion  ableiten  dürfen.*)  Auch  im  heit  manifestiert,  vgl.  in  der  Orakelsammlung 
nördlichen  Boiotien,  bei  Tegyra,  finden  wir  von  Sendefs  z.B.  nr.  15:  Paus.  10,  24,  2 
nahe  dem  Delos-Hügel  hinter  dem  Apollo-  nazgiSa  Si'Qr\ai  —  (irizgXg  Ss  zoi  saziv,  63: 
Tempel  die  Phoinix-Quelle,  vgl.  Plut.  Pdop.  Diod.  8,  13,  2.  70:  Diod.  8,  21  v.u\äv  zoi  zö 
16.  0.  Müller,  Orchom.  2  71.  Wenn  wir  end-  fisza^v  KoqCv&ov  koci  Eiyivmvog'  all'  ovv.  ol- 
lich  auf  der  Apolloinsel  Delos  neben  dem  xrjssig  %zl.  78:  Herod.  4,  155  Beirr'  snl  rpccvijv 
alten  heiligen  Palmbaum  auch  einem  Colle-  rjl&sg.  ava%  Ss  es  iotßog  'Anöllav  |  Ig  Aißvrtv 
gium  von  $>oivixsg  begegnen  (Bull,  de  corr.  nsfinsi  nzl.  84:  Herod.  1,  66  'AgtccSiqv  fi  al- 
Hell.  14,  429),  so  wird  auch  hier  die  Frage  er-  30  Xtlg  ...  ov  zoi  Smem  .  .  .  |  Säaca  zoi  Tsysrjv 
laubt  sein,  ob  dieser  Name  nicht  sowohl  eth-  v.zl.  In  der  That  führt  uns  jener  erste  Teil 
nographisch,  als  sakral  aufzufassen  ist.  in  einen  anderen  Zusammenhang.  Es  ist  kaum 
Aber  auch  die  Konkurrenzüberlieferung,  die  zu  bezweifeln,  dafs  er  eine  ßeminiscenz  an 
Kadmos  mit  Neilos  und  Aigyptos  in  Zu-  einen  alten  Hermes  -  Demeter  -  Persephone  - 
sammenhang  brachte  (nr.  29 ff.),  scheint  ihre  Mythus  enthält,  wie  besonders  H.  D.  3Iüller 
tiefsten  Wurzeln  in  boiotischem  Boden  zu  ausgeführt  hat  (a.  a.  0.  1,  235  ff.  2,  320  ff.).*) 
haben.  Dafs  der  Begriff  Aiyvnzog  Ursprung-  Noch  in  der  von  Grund  aus  neu  stilisierten 
lieh  griechisch  ist,  kann  nicht  bezweifelt  epischen  Redaktion  der  Europesage  schimmert 
werden;  die  ältere  Phase  finden  wir  bei  das  durch.  Zeus  ist  der  Unter weltsgott,  der 
Stephanus  von  Hyzanz  s.  v.  in  der  ällrj  40  Doppelgänger  des  Hades;  die  Höhle,  darin  er 
Ai'yvnzog  iii%ga ,  welche  Tümpel  nach  Kar-  die  Geraubte  verbirgt  und  gefangen  hält  — 
pathos  und  der  thrakischen  Küste  verlegt  durch  Drachen  und  Hund  bewacht,  s.  Unger, 
(Die  Aithiopenl  ander  u.  s.  w.  Fleck.  Jahrbb.  Theb.  Farad,  p.  399ff.  Robert,  Eratosth.  Caiast. 
Suppl.  16,  161  ff.  174);  ähnliche  Anschauungen  p.  166  ff.  Schneider,  Nicandr.  p.  125  —  ein 
bezeugt  die  Existenz  des  Neleus- Flusses  auf  Gegenbild  des  Unterweltsreiches,  vgl.  Crusius 
Euboia  (Aristot.  mir.  170  p.  59.  Antig.  84  b.  Ersch  u.  Gruber  S.  39.  41 31.  Usener,  Eh. 
p.  81  W.)  und  in  der  Hestiäotis  (Eudicus  bei  M.  23,337.  Hier,  wie  im  Typhoeuskampf 
Plin.  31,  2,  13,  in  beiden  Fällen  mit  einem  berührt  sich  Kadmos,  dem  die  thebische  Tra- 
cHieron' verbunden),  in  dem  das  von  denloniern  dition  (oben  nr.  31)  mit  dem  Demetertempel 
fortgetragene  griechische  Prototypon  des  Neilos  50  in  Zusammenhang  bringt,  aufs  engste  mit  dem 
zu  erkennen  ist;  die  Namen  Nvltvg —  Nsilog  boiotischen  Hermes  -  cKadmilos  '  und  mit 
—  Aiyvnzog  gehören  zusammen.  **)  Wie  $ot-  Demeter.  Das  sind  alte  boiotische  Elemente. 
viinq  zu  Apollon  mit  Artemis,  so  steht  Ai'yv-  Näheres  darüber  im  Artikel  Megaloi  theoi. 
jrrog  u.  s.  w.  mit  dem  zweiten  Hauptgotte  Im  übrigen  sind  der  gestrenge  König  Agenor 
Boiotiens,  Poseidon- Aigeus  (Proteus,  Nerens)  (episch -dichterischer  Name),  sowie  die  Kom- 
in engen  Beziehungen;  damit  mag  es  zusammen-  gin- Mutter  und  die  Geschwister,  die  ausziehen, 
hängen,  dafs  Kadmos  in  gewissen  Gruppen  um  die  Verlorene  zu  suchen,  und  nicht  wieder 
der  Überlieferung  (nr.  82  ff.)  in.  den  Kreis  des  heimkehren,  Figuren  im  naivsten  Märchenstil. 
Poseidonkultes  gezogen  wird.    Übrigens  bietet  Apollinische    (delphische?)    Legenden  -  Poesie 

60  scheint  hier   altheimische   Mythen    aus    einem 
*l  An  die  Lustraliniiuohe  de3  samothrakischen  Kultoä  fremden  Religionskreise  ohne  volles  Verständ- 
wollte schon  o.  Müller,  Orchom.  s.  454  den  Namen  *ofn£  nis  umgestaltet  und  neuen  Zwecken  dienstbar 
(zu  (fotviaam,  cp6ro;)    anschließen   [vgl.  jetzt  IT.  Diets,  gemacht    zu    haben.       Auffällig    ist    es,     dafs 
Sibyu.  m.  s.  70  Anm.]     Aber  ich  meine,  dafs  die  oben  Europe  in  Boiotien  wenig  lokale  Beziehungen 

empfohlene    Deutung    den     älteren    Anschauungen    eher  ij.t\i                 j        r<         jj              /     •     -u    '   j 

gerecht  wird  hat.    Doch  mag  der  Urund  davon  (wie  bei  den 

**)  [Pur   die  A'/yurtto?  fay.nic  in  Euboia  plädiert  jetzt  *)  Beiläufig  weise  ich  auf  die  wenig  beachtete  Sonder- 

mit  beachtenswerten  Gründen  E.  Maafs,  He  Aesch.  Suppl.  form  des  Argos-Herrnes -Mythus  hin  bei  Xantlt.  9.  F.  E.G. 

p.  XXII.  XXT7J  l  p   3S. 


887     Kadmos  (Gründungs-  u.  Spartensage)  Kadmos  (Gründungs-  u.  Spartensage)     888 

rhodischen  Aitbiopen)  ihre  sozusagen  trans-  ist  auch  die  Spartensage.  Snagxoi  (von 
scendentale  Bedeutung  gewesen  sein:  als  cnsigm  =* ysvväv,  s.  Mannhardt,  Myth.  Forsch. 
Unterweltsheroine  dachte  man  sie  sich  mehr  S.  351  ff.,  vgl.  patricn,  hidälgo)  sind  die  edlen, 
und  mehr  im  fernen  Norden  wohnend.  *)  Wenn  altansässigen  Geschlechter ,  die  Söhne  des 
also  nach  nr.  77  Kadmos  mit  Europe  sich  in  Landes;  dafs  sie  die  yata  ßiXatv'  äv£8a>v.EV 
Thrakien  verbindet,  so  liegt  das  durchaus  ist  eine  weitverbreitete  Anschauung  (vgl.  den 
innerhalb  boiotischer  Anschauungen.  Eines  der  alten  Lyriker  bei  Bergk,  P.  I.  gr.  3  p.  712  f. 
ältesten  boiotischen  Gedichte,  der  Hymnos  auf  und  dazu  H.  I).  Müller  1,  479  u.  ö.).  Indem 
den  delphischen  Apoll,  scheint  das  zu  bestä-  jener  metaphorische  Ausdruck  wörtlich 
tigen:  s.V.  73  und  113  (251  u.  291),  wo  Apollon  10  genommen  und  mit  der  Drachensage  (viel- 
als  sein  Herrschaftsgebiet  den  Peloponnes,  leicht,  wie  bei  der  Myrmidonenlegende,  unter 
Europe,  die  Inseln  bezeichnet.  Evgmn-q  ver-  volksetymologischem  Anschlufs  an  thessalisch- 
tritt  hier  die  nördlichen  Landschaften,  wie  boiotisch  -  euböische  Namen  wie  ©sg^mScov 
schon  bei  Hesychios  (Et.  G-ud.  220,  s.  Schneider,  Xalx<A8a>vXafauo8ovTtg)  kombiniert  wird,  bildet 
Nicandr.  34  ')  Evgmitr}  mit  %^Qa  zfjg  Svasmc:,  sich  die  Saat  der  Drachenzähne.  *)  —  124.  Zur 
cxotfij'jj  erklärt  wird.**)  Die  Annahme,  dafs  weiteren  Ausführung  der  Scene  dienten  (wie 
die  topographische  Verwertung  des  Wortes  oben  nr.  121)  anklingende  Elemente  aus  der 
in  diesen  Hymnenstellen  und  bei  dem  späten  Demeter-Religion.  Das  Umbrechen  des 
Hegesipp  (nr.  75)  durch  eine  berühmte  dich-  Ackers  hat  schon  H.  D.  Müller  2,  326  mit 
terische  Quelle,  wie  die  boiotischen  Kataloge,  20  dem  Festbrauche  der  Proerosien  und  dem 
angeregt  sei,  liegt  nahe  genug.  Umzüge  des  heiligen  Pfluges  in  Beziehung 
Die  Gfründnngslegende  nnd  die  Sparten-  gebracht:  die  Festsitte  findet  so  im  Gründungs- 
sage. —  122.  Wenn  Kadmos  dem  Orakel  zu-  mythus  ihr  Prototypon.  **)  Die  Richtigkeit 
folge  von  einer  Kuh  sich  zur  Siedelungsstätte  dieser  Auffassung  bestätigt  sich  besonders 
führen  läfst  (Parallelen  bei  Klausen,  Aen.  durch  eine  von  H.  D.  Müller  noch  übersehene 
S.  35 i.  Welcher,  Eret.  Kol.  S.  14.  166.  Abel,  Thatsache:  der  rätselhafte  (und  deshalb  von 
Maked.  S.  93  f.  Nissen,  Templum  132ff.),  so  Hellanikos  unterdrückte)  Kampf  der  Sparten 
ist  darin  schwerlich  der  Rest  eines  religiösen  unter  einander  läfst  sich  gleichfalls  als  Reflex 
Symbols  zu  erkennen,  sondern  eher  —  worauf  oder  Prototypon  eines  agrarischen  Festbrauches 
vor  allem  die  Erzählung  des  Ovid  führen  30  —  der  eleusinischen  ßaXXrjtvg,  der  troizeni- 
könnte  —  eine  etymologische  Legende  scheu  Xi&oßofa'u ,  der  rpvXomg  atvrj  des  De- 
zur  Erklärung  der  historischen  Namen  mcterhymnus  V.  265  ff.  —  auffassen.  (Näheres 
BoicoTLa,  Boicoroi,  Sr)ßai  Boicäziai.  Der  bei  Crusius,  Beitr.  z.  gr.  Myth.  S.  19  ff.)  Da- 
Vers  des  Orakels,  auf  den  man  besonderes  nach  scheint  es  nicht  zufällig  zu  sein,  dafs 
Gewicht  zu  lesen  pflegte  (die  Zeichnung  der  die  Tradition  dem  Helden  teils  beim  Drachen-, 
Kuh),  ist  eine  Entlehnung  aus  epischer  Quelle,  teils  beim  Spartenkampfe  (nr.  5.  19)  einen 
vgl.  oben  nr.  17.  Möglich  ist  freilich,  dafs  Stein  in  die  Hand  giebt.  Wie  gerade  Bolche 
ursprünglich  überhaupt  keine  tieferen  Ab-  Züge  in  die  Sage  dringen  konnten ,  erklärt 
sichten  vorlagen;  vgl.  nr.  75  und  die  ganz  die  alte  Verbindung  des  Kadmos  mit  der 
ähnliche  Ilos-Sage  bei  Apollod.  3,  12,  3  40  Demeter  Thesmophoros  (oben  nr.  121.  31).  Die 
(Hellanikos,  s.  Wellmann,  Comm.  Gryph.  p.  63),  alte  Dichtung  scheint  den  Wechselkampf  als 
sowie  den  Epimenidesroman  bei  Diog.  La.  1,  juaivsa&ai  dargestellt  zu  haben:  so  zwingt 
10,  110  (bei  der  Entsühnung  läfst  er  weifse  Epimenides  (vgl.  nr.  122)  durch  Zauber  seine 
und  schwarze  ngoßara  los,  7tgogoTKt,ag  roig  dxo-  Feinde,  sich  gegenseitig  umzubringen  (Iambl. 
?.ov&oig  iv&a  av  %aTu%Xivot  avräv  ?xkotoj>,  vit.  Pyth.  222),  und  in  einem  Mirakel  bei  Hero- 
frvsiv  iä  ngoariY.ovzt  ■9-frä).  Da  diese  Griindungs-  dot  5,  85  töteten  sieh  Leute,  die^  sich  am  Hei- 
legende der  allem  Anseheinenach  älteren  (honie-  ligen  vergreifen,  im  Wahnsinu  arf  noXtiiiovs. 
rischen)  Sage  von  Amphion  und  Zethos  —  trotz  Vielleicht  klingt  dieser  Spartenmord  noch  in 
späterer Vermittelungsversuche  (Bd.  1  Sp.  313  f.)  der  Oidipussage  nach. 

—  im  Grunde  Konkurrenz  macht  und  durchaus  50        Kadmos    bei    den    Illyriern.      125.     Die 

von   dem  apollinischen   Orakel   bedingt  wird,  boiotisch -euböische  Form  der  Sage  vertreten 

scheint  sie  im  Kreise  von  Delphi  entstan-  die   Kataloge   (oben    nr.  46  ff.).     Kadmos    und 

den  zusein.  —  123.  Eine  etymologische  Legende  *)  Daßl   Wer   nicht    eine    willkürliche,   irgend   einem 

Gewährsmann  zuzuschreibende  Etymologie  (wie  nr.  106  ff.), 

*)   [Diese  chthonische  Bedeutung  der  Europe  hat  neuer-  sondern    der  ginn    der   Legende    selbst    zu    erkennen    ist, 

dings  E.  Schwärt:  in  den  quaest.  Herod.   wieder  zu  Ehren  littst  Spiro  S.  9.  15  ans  den  Augen;  die  Schlüsse,  die  er 

gebracht.]  zieht,  schweben  in  der  Luft. 

**)    Eine    Ahnung    des    Richtigen     zuerst    bei     Vo/s,  **)  Eine  merkwürdige  Parallele  bietet  die  (vgl.  Brunn 

Myth.  Briefe  1,  87   (bei  Gemoll  nach  Franke  falsch  86),  ge-  bei  Ritschl,  Op.  3,  583)   etruskische    Tagessage.     Das    sah 

nauer  Völcker  in  einem   vergessenen  Aufsatze  Allg.  Litt.-  schon  Cemorin  de  die  nat.  4  p.  13  Jahn  (Varrof):   .  .  .  et  in 
Ztg.    1827    nr.  139    und  Buttmann,    Mythol.    2,  173    (dessen  60  Volchide  rel  Boeolia   consitis    anguis   dentibus   armati   spartoe 

weiteren  Ausführungen  man  jedoch    nicht   mehr  folgen  (folgt  die  Vulgärsage),  nee  non  in  agro  Tarquiniensi  puer 

kann);    nach  gleicher  Richtung    0.  Müller,  Orchom.   149  s  dicitur    divinus    exaratm    nomine    Tages,     qui    disciplinam 

und    H.    D.  Müller,    Myth.    2,    390  f.    [neuerdings   Boscher,  cecinerit    extispicii ,    quam    lucumones   tum   Etruriae  potentes 

Selene   S.  12S   Anm.  540];    nur  darf  der  Same  nicht  auf  ■xscripserunt.    Wir  haben  -wegen   der  „pelasgischen"  In- 

Boiotieu   beschrankt   werden.      Es    ist    eine    der    vielen  Schrift  von  Lemnos  auch  die  „Pelasger"  von  Samothrake 

Eigentümlichkeiten  der  neuesten  'erklärenden'  Hymnen-  als  Etrusker  anzusehen;  denkbar  wäre  es  demnach,  dafs 

Ausgabe,  dafs  sie  an  beiden  Stellen  die  platte  Schlimm-  sie  von  diesem  Hauptsitz  des  Kadmos  die  Legende  nach 

besserung    ijrtEtgov    aufgenommen   und    mit    grofsei  Em-  Westen  hinüber  getragen  hätten.     Siehe   Crusius,    Beitr. 

phase  vertreten  hat   (S.  160  f.).  S.  20  = 


Kadmos  (b.  d.  Illyriern)  Kadmos  (b.  d.  Dlyriern)             890 

Harinonia  werden  in  der  Heimat  (auf  der  sind,  vgl.  '~E%Ca>v),  oder  der  Pallantiden  und 
Kadmeia)  zu  Drachen  verwandelt:  d.  h.  Aigeuserben  erinnert  und  auf  durchaus  my- 
sie  sterben  und  leben  als  Heroen  (wohl  im  thischem,  und  zwar  boiotischem  Boden  ge- 
Demeter-Tempel, vgl.  Hes.  fr.  132.  Bohde,  wachsen  ist.  Der  rettende  Heros  in  Scklangen- 
Psyche  149  ff.)  fort;  nichts  anderes,  als  diese  gestalt  hat  ein  Gegenbild  nicht  nur  in  dem 
bekannteste  Anschauung  des  Ahnen-  und  eleischen  Sosipolis  {Paus.  6,  22,  1  ff.),  sondern 
Seelenkultes  (vgl.  zuletzt  A.  Marx,  Gr.  Mär-  vor  allem  in  dem  benachbarten  Kychreus 
chen  u.  s.  w.  98 ff.)  ist  hier  zu  suchen,  am  von  Salamis  (schon  bei  Hes.fr.  132  Bz.),  der 
allerwenigsten  das  „Schicksal  des  Sonnen-  wie  Kadmos  die  Insel  von  einem  Drachen 
gottes".  Die  Verbindung  mit  den  Illyriern  vo  befreite  (Apollod.  3,  12,  7.  Diod.  4,  72)  und 
und  'Encheleem'  scheint  wunderlich  genug.  in  der  Schlacht  bei  Salamis  einem  delphischen 
Wie  noch  bei  Herodot  das  Wort  'RkvQioi  einen  Orakel  zufolge  (Patts.  1,  37,  1)  selbst  in 
sehr  vagen  Sinn  hat  (B.  Unger  p.  22  sq.),  so  Drachengestalt  den  Griechen  beistand.*)  Es 
läfst  die  ältere  Überlieferungsschicht  diese  handelt  sich  hier  um  Vorstellungen  der  griechi- 
Örtlichkeiten  ganz  unbestimmt.  Nun  ist  sehen  Heroologie,  wie  sie  nach  Bohdes  Ausfüh- 
der  Name  'Ey%ilsioi  sicher,  'IXXvqloi.,  der  rungen  (Psyche  166  ff.)  besonders  von  der  del- 
keineswegs  blofs  im  NW.  haftet*),  wahr-  phischenPriesterschaftgepflegt  und  verbreitet 
scheinlich  griechischen  Ursprungs,  und  die  wurden.  Dem  Charakter  sagenhafter  Urein- 
Vermutung  liegt  nahe,  dafs  es  sich  auch  hier  wohner,  erdgeborener  'Giganten',  die  in  der 
um  eine  Fernübertragung  der  heimischen  20  Sage  stets  als  Barbaren  erscheinen,  entspricht 
Anschauungen  handelt,  die  von  den  helle-  die  Empörung  wider  die  Gottheit;  auch  dafür 
nischen  Kulturcentren  aus  immer  weitere  giebt  es  Parallelen  in  den  früheren  Abschnitten 
Kreise  zu  ziehen  und  erst  an  der  Grenze  derKadmos-Sage,  s.  oben  nr.  45 f.  Gutboiotisch 
der  jeweils  bekannten  ol-novfiivr]  Halt  zu  gedacht  ist  schliesslich  das  rettende  Dazwischen- 
machen  pflegen.  Es  ist  gute  Überlieferung,  treten  des  Ares  und  die  (eigentlich  tauto- 
wenn  Kephalion  (F.  IL.  G.  3  p.  630,  63,  vgl.  Jo-  logische)  Versetzung  auf  die  [iomuqwv  vf\eoi: 
annes  Damasc.  F.  H.  G.  4  p.  545,  8)  Enche-  hiefs  doch  nach  Armenidas  (bei  Phot.  Res. 
lea  als  Huifwj  an  Stelle  des  späteren  Theben  in  Suid.  s.  v.  =  fr.  3  F.  H.  G.  4  p.  338f.)  [uxuügav 
Boiotien  gelegen  nennt:  hcci  £var£a>g  'J[i<pia> v  »jjoog'  17  uKgonoliq  täv  iv  Boiaxla  @j]ßäv  xo 
6  IvQixög  KTtfst  nbXiv  fiaydlrjv  itavv,  30  izccXaiöv  (nach  alter  poetischer  Quelle,  vgl. 
xt)v  nQcprjv  [ibv  ovaav  «cüftrjf  Xsyofiivriv  auch  die  Insel  Aretias,  Bd.  1  Sp.  495  und  die 
'EyX  iXsitxv  tixl.  Dafs  dieser  Name  mit  dem  Aretias- Quelle;  eine  Parallele  oben  nr.  89 
Kopaissee  und  den  Kopais- Aalen  zusammen-  Sp.  873).  Vgl.  auch  K.  Tümpel,  Piniol.  48  (2), 
hängt  (nicht  mit  S%t$  und  £y%£lvg  =  draeo),  128  ff.  Schon  frühzeitig  wurde  diese  Sage  im 
hat  im  Gegensatz  zu  früheren  Vermutungen  fernen  Nordwesten  neu  lokalisiert,  (v.  Wilamo- 
des  Verfassers  (bei  Ersah  u.  Gruber  a.  a.  0.  icitz,  Hom.  Unters.  172  und  K.  Tümpel,  Be- 
S.  41  24  26)  K.  Tümpel  dargethan  (Beiträge  merkungen  u.  s.  w.  S.  22  f.).  Es  waren  verrnut- 
S.  22  ff.).  Den  Illyriernamen  auf  boiotischem  lieh  boiotisch-euböische  Volkselemente,  die 
Boden  nachzuweisen,  ist  noch  nicht  gelungen;  in  den  barbarischen  Anwohnern  des  Lychnitis- 
wenn  man  nicht  in  der  Bezeichnung  des  40  und  Labeatis- Sees  die  Encheleer,  in  ihren 
'Gründers'  als  IvgiKÖg  eine  schwache  (trotz-  Nachbarn  die  Illyrier  der  heimischen  Sage 
dem  von  Metzger  bei  Pauly  4,  112  gleichfalls  wiederfanden  (ähnlich  schon  C.  Müller,  Geogr. 
empfohlene)  Etymologie  des  Wortes  'illvgiog  Gr.  M.  1  p.  31  ff.)**);  dafür  sprechen  vor  allem 
erblicken  darf,  wonach  Amphion  der  Epony-  die  hier  fixierten  Namen  „ionisches  Meer"  und 
mos  der  neueren  „illyrisehen"  Bevölkerungs-  'Afiavxitx-'Aßavxt'g,  die  auf  (I)Aonien- Abantien, 
schicht  wäre.  —  126.  Wichtiger  sind  zwei  den  Ursitz  der  Grundbestandteile  des  histo- 
andere  Züge.  Die  'Encheleer',  die  ihrem  rischen  Ionierstammes ,  zurückweisen.  Ein 
Namen  nach  an  den  See  und  zu  'Ogyges'  irrationaler  Zug  ist  es,  dafs  das  Schlangen- 
gehören, sind  mit  den 'Illyriern',  den  benach-  Heroenpaar  auf  einem  Ochsengespann  fortzieht; 
harten  Nachkommen  des  Drachenzöglings  50  wenn  darin  eine  etymologische  Legende  zur 
(nr.  56;  vielleicht  leitet  auch  ihr  Name  dahin,  Erklärung  des  Namens  Bov&orj  zu  suchen 
vgl.  IXXd'g)  im  Kampfe.  Das  Heroenpaar,  selbst  ist  (s.  oben  nr.  46),  kannte  schon  ' Hesiod' 
in  Drachengestalt,  steht  ihnen  bei  und  ver-  die  Örtlichkeiten.  —  127.  In  der  Parallelquelle 
söhnt  die  streitenden  Parteien.  Das  ist  eine  (nr.  50  ff.)  sind  die  Lokalzeichen  zahlreicher 
Erzählung,  die  an  Sagen,  wie  die  vom  Kampfe  und  besser  erhalten;  die  Metamorphose  kommt 
der    SmtqxoC    (die    gleichfalls    Drachensöhne  ohne   beeinträchtigende    Konkurrenzzüge   (wie 

die    Versetzung    auf   die    (iuy.äQiav    vrteoi)    zu 

*)    So   erklärt    es    sich      dafs    bei    Herod.  9    42   'Mar-  jj        Geltung    als    dichterischer   Ausdruck   für 

donios    (d.  h.  Hekataios  v.  Milett  Tgl.  fr.  67  ff.  73  ff.)  einen  ° 

Orakelspruch  auf  die  Perser  bezieht,  den  Herodot  kennt  *)  P.  Meinhold,  De  rebus  Salaminiis  p.  G.  Heydernann, 
als  Es'Ik?.vQ  tov  c  te  y.ai  xiiv'Ey  %  eIeoiv  atoatbv  7tEnoo\-  60  'JÄlov  7tEO<Jt;  p.  12.     Rohde,  Psyche  183  T. 

fjLkvov.   Es  gab  eine  Überlieferung,  -wohl  kleinasiatischen  **)  Ebenso  haben  die  Griechen  —  die  Athener,  wie  es 

(milesischen)Ursprungs,  die  einen  Zusammenhang  zwischen  scheint  —  den  sagenhaften  Pelasgernamen  auf  die  Reste 

Ulyriern    und   Persern    annahm,    Tgl.    Scholl.  Arist.  Ate.  eines  Barbarenstammes  übertragen,   die  sie  am  Küsteu- 

1521    neiVü'jvtEg    öjanEQ  'H/.vQiot    y.Ey.qiyo-tEg]     .  .  .  TtEQt    äk  säum  und  auf  den  Inseln  des  ägeischen  Meeres  antrafen. 

fc^azijv    eioiv    ol    'ZUt/oic-t,    tivEC,    6e   ÜEQOidog   tpaalv  Verf.  hebt  das  hier  herTOr,   da  sein  Programm  über  die 

avtovc.    ol   yEwQyEiv  [tkv  ovy.  s/ovai  y>p',  Xfiateöovtec.  de  Kabiren    und   Pelasger    ohne    sein   Verschulden    mrvoll- 

tfjEcpovrai;   auch   die    Insel  Illyris    in  'Lykien'    iPlin.  ständig    bleiben    mufste     und    Tielfach     mifsTerstanden 

5,  31,  131;    Tgl.  Forcellini   s.  t.)   wird  Ton   den  benach-  ist.    Vgl.  Fleck.  Jahrb.   1881,   293".     Litt.   Cenlralbl.   1889, 

harten  Griechen  benannt  sein.  4,  124. 


891    Kadmos  (Seefahrer  in  Sarnothrake  etc.)  Kadmos  (Semit  u.  Buchstabenerfinder)   892 

den  Gräber-  und  Ahnenkult.    Zur  Quelle  leitet  Aphrodite*),    der  „gegenüberliegende"   nord- 

uns    eine    verwandte    Sage    von    Epidamnos.  westliche  Landstrich  von  Europe  (irr.  15. 121),  die 

Epigr.  Gr.  ed.  Kaibel  1054  p.  474  (z.  T.  nach  östlichen  Länder  von  den  Vorfahren  des  Kad- 

den  Lesungen   von   Unger  p.  48,   die  K.  wohl  mos  'Aain  Qoivit,  Ai'yvnzog  (mit  ©fjßai)  **)  und 

übersehen  hat):  A[Kp£a>v  jiovcaig  ki9Öqi]s  i'azjje  dem    urmilesischen   NijXsvg-NsiXos.     Es   sind 

exl  0r]ßr/g  \  z(C%Ba'    vvv  ö'  in'  sfiäg  nazQi'öog  milesische    Sagenreminiscenzen ,    welche    hier 

'IXXvgiotg    |    'AävXöyov    fioveuv    iiiftinaiv    nzX.,  den  Kahmen    für    die    neuen    ethnographisch- 

vgl.    Anna  Comn.  Alex.    p.  99  D    iv   iazigoig  geographischen  Beobachtungen  bilden  müssen. 

äl   xQÜvoig  (nach   der  Zerstörung  im  Pyrrlios-  Kadmos  der  Semit  und  Buchstabenerfinder. 
kriege),  cog  "EXXrjvig  cpceai   ncti   avzä   Sfj  zcc  iv  10  —  130.  Erst  in  Samos  und  Milet  wird  endlich 

zfj   TtoXsi  yXvnza   ygäfifiaza   (laQzvgovoiv,   vn  der  Begriff  Phönizien  und  Phönizier  mit 

'Autviovog    nui    Zij&ov   dvoLKoSofiTj&sloci   slg    o  seinen    Verwandten     in     der    uns    geläufigen 

vvv     ögäzcti     ojjjjfio:  *)    v.zX.     Wir    haben    hier  Weise  geographisch  und  ethnographisch 

vermutlich  alten  Aniphionkult  vor  uns,  und  im  fixiert  sein.    Hier,  scheint  es,  ward  Kadmos 

Anschlufs  daran  eine  Legende  aus  historischer  der  Semit  aus  Sidon  oder  Tyros.    Da  unsere 

Zeit,  ein  Abbild  der  unter  nr.  125  mitgeteilten  milesische   Quelle    die   Insel- Eponymoi   ange- 

von  Theben -Enchelea,  ähnlich   den  Kychreus-  führt  hat,  sind  sie  auch  Phönizier  geworden.***) 

sagen  auf  Salamis  (ob.  nr.  126)  oder  den  Hyper-  Ebenso   gehen   die   Nachrichten   von  den  Ku- 

boreerlegenden   in   Delphi   (Bd.  1    Sp.  28u9f.).  djifjia  y^änftatci,  der  Erfindung  der  Buchstaben 
Epidamnos  weist  aufKerkyra,  Kerkyra  auf  Ko-  20  durch  Kadmos   (oben   nr.  91  f.),   durchweg  auf 

rinth  zurück.    Die  Korinthier  beherrschten  seit  milesische  Quellen  zurück.    Sie  schliefsen  eine 

der  Besiedelung   von  Kerkyra   und   Apollonia  geschichtliche     Beobachtung     (Ursprung     der 

den  Küstensaum  jener  Gegenden;    danach  be-  griechischen     Schrift     aus     dem     semitischen 

stätigt  sich  die  Hypothese,  dafs  die  Parallel-  Orient)    an    die   historisch   umgedeutete   Sage 

quelle  (nr.  50)  ihre  Färbung  durch  korinthi-  an.     Vgl.  Sp.  871.     Doch    mag    auch    an    die 

sehe  Tradition  erhalten  hat.  tfoiviy.oyQcicpoij-)  auf kleinasiatischenlnschriften 

Kadmos    als    Seefahrer    iu    Samothrake,  erinnert  werden  (Athen.  Mitteil.  14,  254.    11, 

Libyen  und  Milet.  —  128.    Die  Anwesenheit  288),    deren    Name    auf   die    Palmblätter    als 

boiotischer  Volkselemente  in  Samothrake,  Lern-  Schreibmaterial  für  apollinische  Weissagungen 
nos.  Lesbos,  der  Troas  (Thebe)  ist  eine  That-  30  und   Tempelakten    gehn    wird    (Birt,   Bucliw. 

sache;  hierdurch  wird  die  Festlegung  der  Sag-e  51.   Diels,  Sibyll.  Bl.  S.  56 *).    Für  die  spätere 

bestimmt    (nr.   60  ff.).      Mythologisch    neu   ist  Zeit   war    dies    der    Kern   der  Kadmos  -  Sage, 

nur  der  äonuyiLog  der  Harmonia,  offenbar  ein  wie  es  denn  auch  auf  tyrischen  Münzen  (oben 

Brautraub,  der  aber  in  Anlehnung  an  alte  Be-  Sp.  S71a,  20)  zur  Darstellung  kommt. 
Ziehungen  zur  Demeter- Religion  zur  historisch-  131.    Die  übrigen,  mythologisch  wenig  er- 

pragmatischeu  Deutung  eines  Festbrauches  der  giebigen  Lokalbeziehungen  scheinen  meist  von 

Demeter-Mysterien  verwandt  wird  (nr.  62),  boiotisch- ionischen Bevölkerungselementenge- 

vgl.    den  Artikel    Megaloi  theoi   unter  Samo-  tragen   zu   sein  (nr.  75.   89  ff.   Khodos,  Priene, 

thrake.     Die   Hochzeit  in   Samothrake    ist   se-  Milet);  zum  kleinen  Teil  beruhen  sie  auf  Kon- 
kundär,  wenigstens  stimmt  sie  weder  zu  dem  40 

Brautraube,    noch    ZU    den    sonstigen   Angaben  *)    So  schlagend  richtig,  von  der  Koseform  Maipw, 

dieser  Gruppe.     Mvthologisch  wertvoller  ist  die  -if^ta  ausgehend,  Joh.  Baunack,  Stud.  a.  d.  Geb.  des  Gr. 

Hochzeitsfeier  in  Libyen  (69  ff.).    Dort  ist  der  "■  Ar-  *>  6üff-    thel  Eur°Pa  uin  "*  anderer  Meinung. 

alte    „Göttergarten"   'und     der     Charitenhügel,  --)l>^s  ans  dem  Ägyptischen  für  diese  Xamen  keine 

i       ,  *      j.     a     i         vi  ->      r     -i       i  tt  erträgliche     Deutung     beigebracht     ist,     bestätigte     mir 

dort    regiert   Aphrodite    und    freit    der   Heros  E  u*yer  allf  meine  °Anfra°e. 

die  Aphroditetochter  und  Cüantengenossm.  —  *,*,    [Auf   diesem   p^te    berühren    sich   die    Be- 

129.      Es     ist    klar,     dafs    diese    neue    Lokali-  sultate     des    Verfassers    mit     den    -weitblickenden    Ver- 

sierung  vou  einem  seefahrenden  Stamme  aus-  mutungen  von  u.  v.  Wilamowitz  (Hermes  21  s.  106',  vgl. 

gegangen    sein    mufs ,     wie   denn    in   all  diesen  Eum-    Otters.   139.     Herakles  1,  3S"   und  ilaaj's,    Hermes 

Überlieferungen     Kadmos      als      anlandender  50  23  s- 79')-    Nur  das  „Entstehen"  der  Figur  des  Kadmos 

Schiffshauptmann      erscheint.         Das      Ter-  ^  ^    °i«   ^"haupt  in   Kleinasien   kann   nicht   zu- 

.    r       1  .,      rij-ii  l-    j   x  gegeben    werden:     die    Grundlagen    sind    bui«tisch-del- 

mutungsweise  rekonstruierte  bedicht  verbindet  pMsch     BeS  0  muer>  0rchom  \12    B  D  m 

den   hohen   Norden   mit   dem    tiefsten   büden;  rf.  gr,  st.  1,  sosff.   Studmaia  S.  57.   Töpfer,  au.  Geneal. 

auch  dadurch  bestätigt  sich  unsere  auf  litterar-  294   wird    die    (nach    H.    D.   Müller  in   Kreta    vollzogene) 

historische    Erwägungen   gestützte    Vermutung,  Verknüpfung  des  K.  mit  dem  griechischen  Heros  Phoinix 

dafs    es    in    der    Sphäre    von    Milet    entstanden  und    dessen    „Gleichsetzung    mit     dem    Eponymos      des 

ist.      Als    Schlufsstein    folgendes:     Die  Griechen  Stammes"    als  Grund  seines  Phoinikertums  angenommen. 

—  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade  wir  mit  ?abei  bleibt  aber  als  .^"^f  «est  die  Frage,  wes- 

-,  1      ,         -i  ,  •       i  1         -l  rt    -,      •>■  halb     man    jenen     semitischen     Stamm      gut     griechisch 

w"un  T    ^trachten    m  klassischer  Zeit   die  Pnonizier  genamlt  tat     Auch   scheiut  \^os  ^cht 

Welt     durch     die     Augen     der     ionischen     GeO-  60  erst    von    den   Historikern    aus     dem     fernen     Osten   ab- 

graphen,    vor   allem   des   Hthataios  VOIl  MÜet;  geleitet  zu  sein;  die  Genealogieeu  (Kataloge)  haben  ähn- 

sollte   es  Zufall  sein,    dafs   die  geographische  liehen  Sinn.] 

Terminologie  in  den  wesentlichen  Zügen  durch  t)    Schon  im  Altertum  wurden  die  <t>oivixtjia  ynäu- 

diese    Fassung    der    Kadmos -Sage    bestimmt  >'aTa   so  Bedeutet,  vgl.  Phot.  (Suid.)  s.  v.:    Avöoi  xai 

wird?    Afrika  trägt  seinen  Namen  nach  jener  "iTs  r"  niff«'  (»•»«■fa  *aXelo»ai  Uyovaiv)  äxb 

am   Cnaritenhugel   waltenden   Gottin- Kölnern  ,■         V  -        <    '.   •«,     .  .s 

*)  Danach  wohl  Guil.  Ap])ul.  de  reb.  Norm.  4,   dessen  ststü^ot;-     2xdfllov    dh    .  .   .    anl   <Potvixy$    zits   Idxzai- 

Zeugnis   n'esseliwj  (Unger  S.  49)  beigebracht  hat.  covu;  ütä. 


893     Kadmos  (ethische  Tendenz  der  Sage)  KaineuS                          894 

struktion  und  i^emtaviepos  mythisch- dichteri-  Kadys  (Kaävg),  nach  Pamsay,  The  historical 

scher  Phantasie  (nr.  77  Thrakien,  nr.  85  Afrika;  geography  of  Asia  Minor  p.  147,  Bponym  der 

nr.  87  ff.   Tyros).      Mancherlei    Bezüge    bleiben  Stadt  Kadoi.     [Drexler.] 

problematisch,  z.  ß.  auf  Kreta  und  Sparta.  Kreta  '        Kaeira  (Kcistga),  die  Tochter  eines  Töpfers 

(nr.  85 ff.)  könnte  von  einem  ionischen  Dichter  zu  Milet.    Neleus,  der  Sohn  des  Kodros,  hatte 

als    Station   für  Kadmos -Europe    ebenso   frei  den   Orakelspruch   erbalten,    er    solle   sich   da 

gewählt  sein,  wie  Libyen  für  Harmonia;  doch  niederlassen,  wo  eine  Jungfrau  ihm  mit  Wasser 

beweist  die  der  alten  chthonischen  Bedeutung  genetzte  Erde   geben   würde.     Nach  Milet  ge- 

der  Heroine  entsprechende  Lokalität  der  Lethe-  kommen,   verlangte   er  von  Kaeira  Thon  zum 

quelle  (vgl.  Paus.  9,  39,  8)  das  Vorhandensein  10  Abdruck  eines  Siegels  und  erhielt  ihn,  worauf 

alter  Anhaltspunkte  im  Kultus;  auch  das  Auf-  er   Herr    von    Milet    wurde    und    drei    Städte 

treten  eines  Dämon  Phoinix  (ob.  Sp.  869,  38)  ist  gründete,  Tzetz.  L.  1379.     [Stoll.] 

merkwürdig  genug.    Bei  Sparta  liegt  der  Ver-  Kaiata  (Kaiärcc)  s.  Caieta  und  Strab.  233. 

dacht  nahe,  dafs  lediglich  der  anklingende  Name  Kaikias  s.  Windgötter. 

2mxgtr\  ('Saatland')  die  Sparten-  (und  Kadmos-)  Kaikos    (A'caxog),   1)    Stromgott   in   Mysien, 

Sage  hierher  gezogen   habe.     Bemerkenswert  Sohn    des   Okeanos   und  der  Tethys,    Hesiod. 

ist  es  aber,  dafs  in  der  spartanischen   Gruppe  Th.    343.      [Er    erscheint    gelagert,  kenntlich 

der    Kadmos -Überlieferungen    Kadmos    aufser  durch  die  Beischrift  KAIKOC,  auf  Münzen  von 

zu   Athene   zu  Poseidon   in  Kultbeziehungen  Pergamon (Trajan),  Mi.  2,  598,  961.  Head,  H.  N. 

steht,   während  er   sich  im  übrigen    mehr   an  20  p.  464;    Stratonikeia    Mysiae    (autonom,  Obv. 

Demeter  und_  Hermes  anschliefst.    Auch  kennt  Brustbild    der    CTPATONIKGIA),    Cat.    Huber 

die  epische  Überlieferung   manche  andere  Be-  nr.  623.    Head  p.  466.  Imhoof,  Griech.  Münzen, 

Ziehungen  zwischen  Boiotien  und  Lakedaimon.  p.     725     nr.    631     und    Akrasos    (Commodus), 

Die   gesamte   Tradition    von    der  Herkunft  Waddington,  See.  nuni.  1852  nr.  25,  der  Mion- 

des  Kadmos   aus   dem  Osten  fand   schliefslich  nets   (S.  7,  313,  7;  vgl.  4,  2,  8   nach  Sestini, 

bei   den  Kleinasiaten   und  Inselgriechen   auch  T).    N.   V.    p.   412    ohne   Flufsnamen)    falsche 

deswegen  Beifall  und  Pflege,  weil  sie  dadurch  Lesung  AYKOC  berichtigt.    Drexler.]  — 2)  Sohn 

Anschlufs    an    die    orientalischen    Völker    er-  des   Hermes    und   der  Nymphe  Okyrrhoü,  der 

reichten,   ja  geradezu  Nachkommen  der  alten  sich  nach  Ermordung  des  Timandros  aus  Furcht 

Landesheroen   wurden.     Das   Motiv    der    'Re-  30  vor  dessen  mächtigen  Verwandten  in  den  Flufs 

Vindikation'    hat   hier,   wie  in  allen  ähnlichen  Astraios  stürzte  und  diesem  den  Namen  Kaikos 

'Rückwanderungssagen'  (H.  T).  Müller,  Mytli.  gab,  Flut,  de  fluv.  21  {Müller,  Geogr.  gr.  min.  2 

d.gr.St.l  S.  29.  34.  73)  die  endliche  Fixierung  p.  660).  —  3)  Trojaner,    Gefährte  des  Aeneas, 

mitbestimmt.  Verg.  A.  1,  183.  9,  35.    [Stoll.]  —  [4)  Kolcher, 

Ethische    Tendenz.    —    132.    Schon    die  von  Lexanor  im  Kampfe  mit  den  Argonauten 

'delphische'  Form  der  Sage  hat  eine  religiös-  getötet:   Vol.  Fl.  6,  688.     Röscher.] 

ethische  Richtung:  Kadmos  ist  der  gottergebene  Kaiinis  (AWfus)  =  Horus  (s.  d.):   Flut,   de 

schicksalsgeprüfte  Held,  wie  Herakles.     Diese  Is.   et   Osir.  56:   xov   fiiv   ovv  'Slgov   flä&ctatv 

Züge  wird    besonders   Euripides   (nr.  48)   ver-  Kaifiiv  ngoaayogsvsiv,  onig  serlv   ögdiisvov 

tieft     und    verfeinert    haben.      Für    die    Ent-  40  (xia&rjtbv  yäg  xui  ogarov  6  koc/lioc.   [Röscher.  | 

stehungszeit    seines    Kadmos    giebt   es   leider  Kaineus  (Kaivsvg  „Bändiger"  nach  O.Müller, 

keine    festen  Anhaltspunkte.      Aber    die   Ver-  Orchomenos  2  191 ;  „Würger"  nach  Preller,  Gr. 

mutung  liegt  nahe,  dafs  er  nicht  zu  lange  vor  Myth.3  2,  11)  wird  bei  Hom.  A  264  und  Hesiod. 

die   dem   Stoffe   und  Geiste  nach    verwandten  aairig   TlgaKltovg    179    unter    den    gegen    die 

Bakchen    zu   setzen   ist;    der    Held,   der   lur.tu  Kentauren  kämpfenden  Lapithen  (s.  d.)  genannt. 

serieque  malorum  victus  sein  Vaterland  meidet  Hom.  B  746    nennt  unter   den  Anführern   aus 

und  sich  bei  nordischen  Barbaren  eine  andere  den   Lapithenstädten    (darunter    Uyrtone)    den 

Heimat   sucht,   war  der  gegebene   Träger  für  Leonteus,  Sohn  des  Koronos,   des  Sohnes  des 

Stimmungen,  die  den  bald  darauf  nach  Make-  Kaineus.    Die  Sage,  dafs  er  unverwundbar  von 

donien    übergesiedelten    Dichter   beherrschten  50  den   Kentauren  mit  Fichtenstänimen  bedeckt, 

ur.d  auch  bei  der  Menge  (vgl.  die  'Vögel'  und  „die  Erde   mit  geradem  Fufse   (d.  h.  aufrecht 

den  Phrynicheischen  'Monotropos')  Widerhall  stehend)  spaltend"   in   die  Tiefe  gefahren  sei, 

fanden.*)     [0.  Crusius.]  findet  sich  zuerst  bei  Pindar  (fr.  167  aus  Schol. 

Ap.   Rh.  1,  57;    vgl.   Plut.    de   absurd.  Stoic. 

*)  [Allerneuestens  sind  die  Hauptzüge  des  Kadmos-  opin.  C  1);  S.  Über  diese  Entrückung  E.  Bollde, 
Sage  untersucht  in  den  interessanten  Quaestiones  Seroäoteae  Psyche  S.  108.  Die  Bewälticuno*  des  Kaineus 
von  E.  Schwanz  (Rostock  1890),  die  der  Verf.  leider  erst  durcn  die  Kentauren  findet  °sich  bildlich  dar- 
erhielt, als  der  Satz  bereits  erheblich  gefordert  war.  Doch  te,lt  jn  Tempelskulpturen  des  5.  Jahrb.  : 
konnten  noch  einige iliuwi-m'  als  luusnoten  einlese  hauet  °  „  .  ,,.  ,*  -n  •  1  mi 
werden.  Bedenklich  ist  der  Versuch,  in  der  Encheleer-  auf  dem  westlichen  Friese  des  Theseion,  am 
Sage  historische  Keminiscenzen  aus  der  boiotischen  Ur-  60  Friese  des  Apollontempels  von  Phlgalia,  am 
geschichte  nachzuweisen.  —  0.  Gruppes  Programm  über  die  Athenetempel  in  Sunion,  Vgl.  auch  die  Fran- 
Kadmossage  konnte  gleichfalls  nicht  mehr  benützt  wer-  coisvase   (hier  inschriftl.  s.  Weizsäcker,  Phein. 

den.   Unter  den  bekannten  Voraussetzungen  meint  Gruppe  Mus.  33   S.    372  f.)    Und    andere    Vasenbilder   bei 

von    einer    genaueren    literarhistorischen    Ordnung    und  BouleZ,   OhoiX  de  V.  V.  11,  p.  48,  4.     Heydemann, 

Schätzung   der   Zeugnisse    absehen   zu   können;    er  bietet  ^.^     %        nn      54    M     ^       Wemicke,    Arch. 

dafür  eine  Rekonstruktion  eines  durchsichtigen  priuBter-  ,,,       Jnri_         ««..     /r\         w-            >     •      n        -n 

liehen  Mythus  (vgl.  oben  nr.  112),  die  mit  seinen  Gesamt-  Zt9-  1885  p.  261.  (Der  Kcavtvg  in  äesPaUSamaS 

anschauungen  steht  und  fällt.   Vgl.  K.  Tümpel,  Berl. pMM.  Beschreibung  des  Westgiebels  am  Zeustempel 

Wochensc/ir.  12,  1802,  t;25fl'.j  von  Olympia  5,  10,  8  beruht,   wie  die  Funde 


895 


Kaineus 


Kaineus 


896 


lehren,  auf  irrtümlicher  Erklärung;  vgl.  Treu 
im  Jahrb.  d,  arch.  Inst.  3,  182  f.).  Die  Ge- 
schichte von  der  Entrückung  des  Kaineus  wird 
wiederholt  von  Apoll.  Rh.  1 ,  59  ff.  (nach  ihm 


A.  6,  448.  Jüngeren  Ursprungs  mag  die 
Sage  sein ,  dafs  Kaineus ,  ursprünglich  eine 
Jungfrau,  Kainis  geheifsen,  von  Poseidon  als 
Geschenk  ihrer  Willfährigkeit  die  Erfüllung 
ihres  Wunsches,  ein  Mann 
und  unverwundbar  zu  wer- 
den, erhalten  habe.  So  er- 
zählen Nikandros  bei  Anton. 
Lib.  17,  Schol.  Ap.  Rh.  1,  57 
(ebenso  Schol.  11,  1,  264  = 
Eustath.  Hom.  A  264  p.  101, 
Hyg.  f.  14  p.  45,  5  Seh.), 
Verg.   Aen.    6 , 


Die  Kaineusgruppe  der  Francoisvase  (nach  den   Wiener   Vorlegeblättern  1S8S.    Taf.  III). 

Orph.  171  ff.  und  Schol.  II.  1,  264  =  Eust.  zu 
Hom.  A  264  p.  101.  Hyg.  f.  14  p.  45,  3  Seh,). 
Agatharchid.  de  mar.  r.  p.  114,  39 — 43.j  Ov. 


Die  Kaineusgruppe  vom  wostl.  Friese  des  Theseion  (nach  Baumeister.  Denlcm.  d.  kl.  Alt 
S.  17S2  Kg.  1S6S  =  Stuart-Recett,  Antia.  of  Athens  Hl  Taf.  21  ff.). 

Met.  12,  454  ff.  (dem  Dichter  eigentümlich  ist 
die  Verwandlung  in  einen  gelben  Vogel,  wohl 
den  Goldregenpfeifer*);  vgl.  darüber  Röscher, 
Gott.   gel.   Am.  1884    S.  155  f.).     Sern.  Verg. 

*)  [Röscher  a.  a.  0.  ,,"Wenn  nach  Or.  Met.  524  ff.   K.  in 


448  f.  und  Serv. 
z.  d.  St.  (wo- 
nach er  in  der 
Unterwelt  wie- 
der zu  einem 
Weibe  wurde) 
undOv.il/et.12, 
489  ff;  mehr  b. 

R,   Wagner, 

Epit.  Vatic.  ex 

Apollod.      bibl. 

p.  161.      Sprichwörtlich   wurde    argeorog   mg   ö 

Kaivsvg  Apost.  i,  19.    Man  erzählte  auch  von 

ihm,  dafs  er  mit  Apollon  zu  wetteifern  wagte 

und     seine     Lanze 

anzubeten      befahl 

(sprichwörtlich     to 

Kaiviag  äögv), 
Schol,  Ap.  Rh.  1,  57 
(Schol,  17.  1,  264  = 
Eust.  zu  ders.  St.). 
Nach  Hyg.  f.  242 
p.  135,  4  (Über- 
lieferung unsicher) 
würde  er  sich  selbst 
getötet  haben.  — 
Mit  seinem  Namen 
wird  eine  Komödie 
des  Antiphanes  bei 
Athen.  10  p.  433  c 
citiert;  vgl.  Meineke 
1,  325.  3,  58. 

Als     Sohn     des 

Elatos     bezeichnet 

ihn  Schol,  II.  1,  264 

und     Hyg.     f.     14 

p.   45,    3    (gleiche 

Quelle), /'.273  p.  28, 

19.  f.  242  p.  135,  4, 

auch    Ov.   Met.  12, 

189  (Elateiaproles). 

492  (Elateius).    Dafs  Gyrton  in  Thessalien  seine 

Heimat  gewesen,  bezeugen  Hom.  B  746.  Ap.  Rh. 

1,  57  ff.   (Hyg.  f.  14  p.  45,  2  ergänzt,  vgl.  p.  48 

Anblick   die   Gelbsucht  {'ixTsoo;)    heile;   daher  er  auch 
r/.Ttgo;  genannt  wurde:  Plin.  n.  h.  30,  11,  28  (94).     "Was 


einen  Vogel  mit  gelbem  Gefieder,  von  lauter  Stimme  (jn  war  natürlicher  als  einen  Vogel,  der  in  den  /ctoadga 
(clangor  ingens)  und  sehr  scheuem  Wesen  (daher  ihn 
Nestor  nur  einmal  erblickt  zu  haben  behauptet)  verwan- 
delt wird ,  so  pafst  dies  trefflich  auf  den  von  seinem 
Aufentbalte  in  den  ;faoa'Joca  [s.  Kentauren]  benannten 
Xagatigiug,  einen  gelbenVogel  mit  unangenehmer  lau- 
ter Stimme  und  von  sehr  scheuem  Wesen,  den  man  bei 
Tage  fast  nie  zu  sehen  bekommt  (vgl.  Aristot.  an.  hist. 
9,  9,  11).  Gemeint  ist  der  goldgelbe  Goldregenpfeifer 
(charaJriuB  pluvialis).     Man  glaubte  von  ihm,    dafs   sein 


lebt  und  durch  sein  Geschrei  deren  Füllung  durch  Regen- 
güsse anzeigt,  für  den  im  Kampfe  mit  den  tbessal.  xet~ 
fidggot  (s.  Kentauren)  verwandelten  Lapithenfürsten 
Kaineus  zu  halten?  Übrigens  ist  der  Goldregenpf oif er 
der  seinen  Namen  von  der  Ankündigung  grofser  Regen- 
güsse erhalten  hat  (vgl.  Nephele  die  Regenwolke  als 
Mutter  und  Beschützerin  der  Kentauren)  noch  immer 
häufig  in  Hellas,  wo  er  die  ganze  Regenzeit  zubringt. 
Vommsen,  Oriech.  Jahreszeiten  3,  2(i9.    Röscher.] 


897 


Kainis 


Kairos 


898 


not.  zu  p.  47,  23);  als  Thessaler  heifst  er 
Perrhaebue  bei  Ov.  Met.  12,  172,  Atraeides  (von 
der  Stadt  Atrax;  Anton.  Lib.  17:  Kuivlg  "dtgcc- 
KOg  ovaa  &vywtriQ  scheint  aus  'ArgaxiSrjg  der 
Vorlage  [Nikandros]  entstanden  zu  sein) 
bei  Ov.  Met.  12,  209,  Magnesius  bei 
Hyg.  f.  14  p.  45,  3.  —  Zum  Teil- 
nehmer an  der  kalydonischen  Jagd 
machen  ihn  Ov.  Met.  8,  305  und  Hyg.  f. 
173  p.  28, 19  (seinName  fehlt  bei  Apollod. 
1,  8,  2).  Nach  Schol.  Ap.  Bh.  1,  57 
hätte  Kaineus  an  dem  Argonautenzug 
teilgenommen;  doch  wird  A2)ollod.  1, 
9,  16  der  Argonaut  Kcuvsvs  ein  Sohn 
des  Koronos  genannt,  also  ein  Enkel 
des  älteren  Kaineus,  vgl.  Hyg.  f.  14 
bei  Seh.  in  der  Note  zu  p.  47,  23:  Cae- 
neus  alter  Coroni  filius  Gyrtone;  da- 
gegen wird  Koronos,  der  Sohn  des  Kai- 
neus, unter  den  Argonauten  genannt 
von  Ap.  Bh.  1,  57  ff.  (danach  Orph.  139. 
Hyg.  f.  14  p.  45,  2  nach  Konjektur). 
Koronos  heilst  auch  Sohn  des  Kaineus 
bei  Hom.  B  746.  Diod.  4,  37;  die  Namen 
anderer  Söhne  beruhen  auf  falschen 
Lesarten:  Hyg.  f.  14  p.  47  not.  zu  Z.  23 
„Focus  et  Priasus  Caenei  fdii  ex  Mag- 
nesia";  f.  242  p.  135,  7  ist  für  „Cly- 
menus  Caenei  filius"  zu  schreiben:  Cly- 
menus  Schoenei  filius;  Orph.  171  ist 
''Hrsiög  Kca.vqog''  falsch  überliefert 
(Buhnkcns  Verbesserung:  'nXsivbg  ä' 
av  Kctivsvg  «fpi'xsro'  ist  annehmbar). 
Apollod.  3,  10,  3  wird  ein  Bruder  des 
Kaineus,  Namens  "le%vg,  angeführt. 
[Seeliger.] 

Kainis  s.  Kaineus. 

Kairoi  {Kuiqol),  die  Jahreszeiten, 
sind  dargestellt  als  „eine  Frau  mit  zwei 
Kindern,  welche  ihr  Blumenkörbe  rei- 
chen", mit  der  Beischrift  KAAOI  KAIPOI 
auf  einem  figurenreichen  Mosaik  von 
Tegea,  Wochenschr.  f.  hlass.  Phil.  7. 
1890  Sp.  77  nach  Athenaeum  nr.  3235 
p.  567.  Ben.  Arch.  3"  ser.  T.  15  1890 
p.  270 — 271;  als  4  Kinder  mit  der  Bei- 
schrift ETTYXEIC  KAIPOI  auf  Münzen 
des  Caracalla  von  Laodikeia,  Head 
p.  566;  Mi.  4,  329  —  330,  776  nach  Vail- 
lant;  Mi.  S.  7,  588,  461  nach  Sestini, 
Mus.  Hederv.  2,  350.  19;  vgl.  Cavedoni, 
Spie.  num.  p.  242  Note  209 ,  der  den 
Typus  von  römischen  Kaisermünzen  mit 
der  Aufschrift  TEMPORVM  FELICIT AS 
(Ecl'hel  7  p.  33)  entlehnt  sein  läfst. 
Vgl.  d.  Art.  Hören.    [Drexler.] 

Kairos  (Kaigog),  1)  der  Gott  des 
günstigen  Augenblickes,  ist  wie  Nike, 
Eirene,  Plutos  u.  ä.  keine  urmythische, 
sondern  eine  jüngere,  durch  Verkörpe- 
rung einer  Idee  entstandene  Gottheit. 
Am  nächsten  steht  K.  dem  Hermes  als 
dem  Gott  der  Palaistra,  in  deren  Bereich 
jene  Idee  zuerst  Gestalt  gewonnen  hat; 
der  einzige  bezeugte  Kult  des  K.  knüpft  sich 
an  einen  Altar  in  Olympia,  der  am  Stadionein- 
gang dem  Altar  des  Hermes  Enagonios  gegen- 
überlag.  In  der  Litteratur  erscheint  K.  als  Gott 

Roscuer,  Lesikou  der  gr,  u   rüm.  Mytbol.   II. 


zuerst ineinem  Hymnos  des  Ion  von  Cltios(Patts. 
5,  14,  9),  der  sich  vielleicht  auf  die  Einsetzung 
jenes  Kultes  bezog  (Benndorf,  Üb.  eine  Statue 
des  Polyklet,  Festgabe  für  Ant.  Springer  S.  11). 


Darstellungen  des  Kairos.  Als  Schöpfer 
des  Kairosideals  hat  Lysipp  zu  gelten,  auch 
nachdem  es  bekannt  geworden  ist,  dafs  schon 
Polyklet  den  Gott  darstellte  in  einem  Werke, 

29 


899 


Kairos 


Kairos 


900 


das  mit  dem  von  Plinius  (N.  IL  34,  55)  ge- 
nannten nudus  talo  incessens  identisch  und 
dessen  Basis,  ein  in  der  Lage  des  glücklich- 
sten Wurfes  dargestellter  kolossaler  Astragal, 


H\\ 


Kairos,  Relief  von  Turin  (nach  Arch.  Zeitung  1S75.  Taf.  1  oben) 

iir  Olympia  wiedergefunden  worden  ist  {Benn- 
dorf  a.  a.  0.  S.  6  ff.).  Das  im  späteren  Alter- 
tum vielgerühmte  Werk  des  Lysipp,  das  man 


Kairos   und  Metanoiü,  Relief  in  Torcollo  (nach  Arch.  Zeitung  1S75.  Taf.  1  unten). 


für  ein  Relief  zu  halten  keinen  Grund  hat, 
ist  bezeugt  durch  Poseidippos,  Anth.  Plan.  4, 
275  (vgl.  Benndorf,  de  anthol.  Gracc.  epigramm. 
p.  44).   Kall istratos  stat-  6,    Himerios  ecl.  14,  1. 


Ccdren.  Comp.  last.  p.  322  C;  späte  Reliefs 
(s.  u.)  beschreiben  Ausonius  epigr.  33  (Peiper) 
und  Tsetz.  Chil.  8,  428.  Darnach  stellte  Lysipp 
den  K.  als  einen  eilenden,  mit.  Knöchelflügeln 
versehenen  nackten  Epheben  dar, 
entweder  auf  einer  Kugel  (so 
Kallistratos,  dessen  Zeugnis  Wol- 
ters, A.  Z.  43,  95  nicht  entkräf- 
tet), oder  mit  einem  Schermesser 
in  der  Rechten  (Posehlipp.).  Der 
in  späterer  Zeit  betonte  allegori- 
sierende  Zug,  dafs  der  Gott 
kahlen  Hinterkopf,  dagegen  lange 
Locken  um  Stirn  und  Schläfe 
hat,  kann,  mafsvoll  verwendet, 
schon  diesem  Werke  eigen  ge- 
wesen sein.  Raffinierte  Weiter- 
bildungen des  T}Tpus  fügen  im 
Widerspruch  zu  der  raschen  Be- 
wegung die  Waage  hinzu.  Die 
so  entstandene,  an  sich  ziemlich 
charakterlose  Figur  ging  auch  in 
Darstellungen  des  Tierkreises 
über,  z.  B.  D.  a.  K.  2,  64,  823; 
oder  sie  ersetzen  die  Kugel  durch 
geflügelte  Räder,  oder  lassen  K. 
auf  der  scharfen  Kante  eines 
Schermessers  (Phaedr.  5,  8,  wo- 
mit das  Sprichwort  ini  $vqov 
är.uijg  zu  vergleichen  ist)  oder 
eines  Steuerruders  laufen  (Gemme 
.4.  Z.  33,  Tfl.  2,  2).  Die  wich- 
tigste der  erhaltenen  Darstellungen  ist  das 
Turiner  Relief  A.  Z.  33,  Tfl.  1.  Baumeister, 
Denkmäler  S.  771,  von  dem  eine  sehr  frag- 
mentierte ,  aus  Athen 
stammende  Wiederho  - 
lung  A.  Z.  a.  a.  0.  Tfl.  2, 
4  abgebildet  ist;  später 
und  noch  viel  mehr  mit 
allegorischem  Beiwerk 
überladen  ist  das  Relief 
von  Torcello  A.  Z.  a.  a. 
0.  Baumeister  S.  772,  das 
wie  das  Epigramm  des 
Ausonius  K.  mit  derJVIe- 
tanoia  verbindet.  Über 
Fälschungen  s.  Curtius, 
A.  Z.  33,8;  ebd.  1  ff,  die 
letzte  ausführliche  Be- 
handlung des  Gegenstan- 
des; von  früherer  Litte- 
ratur  ist  Welcher  ad  Cal- 
listr.  p.  698.  Brunn,  K. 
G.  1,  361  zu  erwähnen. 
[Vgl.  Jahrb.  d.  Esl.  D. 
A.  Inst.  Arch.  Ans.  4 
p.  143:  Trendelenburg, 
Sarhophag- Belle f:  Über- 
raschung des  Ares  und 
der  Aphrodite  durch  He- 
lios u.  Hephaistos,  Miliin, 
Gral.  myth.  38,  168:  Ge- 
flügelte Jünglingsfigur, 
Fackel  in  der  Rechten,  einen  schermesser- 
ähnlichen  Gegenstand  in  der  Linken,  ent- 
eilend, sobald  Helios  das  Stelldichein  ver- 
raten hat ;  ferner  0.  Jaluis  Besprechung  d.  Belief s 


901                       Kaisareia  Kaiserkultus  (Vorstufen)           902 

v.  Torcello  (=  Baoul  Rochttle,  Monum.  ine'd.  ligion.     Haarlem   1877    p.  337) ,    war    in    den 

43,  2).     Ber.  d.  K.  Sachs.  Ges.  d.    W.  5.  1853  orientalischen  Monarchieen  des  Altertums    et- 

p.  49 — 59,  Tf.  4;  vgl.  Julius  Lessing,  De  Mortis  was#ganz  Gewöhnliches.    Sie  ist  bezeugt  sowohl 

vetercs  figura.    Bonn  1866  p.  50:   Kairos  fürAgypten  (Duncler,  Gesch.  d.  A.  I4  p.  139. 


auf  2   geflügelten   Rädern,   mit    Wage   in  der  Lenormant,  Hist.   anc.   des  peitples   de  Vorteilt 

L.  und  einem  Messer  von  (0.  Jahn  als  „Keule"  2  9  p.  38,  3  p.  24.   Brugsch-Bey,   Gesch.  Ägyp- 

gefafst)  in  der  erhobenen  R.   vorwärts   eilend,  tens  unter  den  Pharaonen.    Leipzig  1877  p.  32. 

von  einem  Jüngling   entschlossen   beim  Stirn-  Erman,   Äg.  u.  äg.  Leben  im  Altert,    p.  91  fl'., 

haar  gefafst,    während  hinter    ihm    ein  Alter  393  Anm.  2.   Maspero ,  Hist.  anc.  p.  58.   Perrot, 

vergeblich    die    L.   nach   ihm   ausstreckt    und  io  Hist.  de   l'art  dans   l'ant.    1    p.  25) ,    als    für 

mit   der    R.   betrübt   sich   an   den   Bart   fafst  Persien    (Spiegel,   Eranische  Altertumskde.   3 

und  hinter   diesem    abgewendet,    in    Schmerz  p.  600  ff.    Beurlier,   De  divinis  honoribus  quos 

versunken,   eine   weibliche   Gestalt,  die  Reue,  aeeeperunt  Alexander   M.    et   successores   eius. 

steht.  —  2)  Name  des  Rosses  des  Adrastos  bei  Paris  1890    p.  26    Anm.  2),    und   für   Indien 

Ant imachos  fr.  20  (ed.  Dübner)  =  Paus.  8,  25,  9:  Duncker  34  p.  152 — 153.    Feuerbach,  Erläute- 

»,*.              _,.»<—           ,„  runqen    und    Ergänzungen    zum     Wesen    des 

"'              ,         -      .•*<     v, '    '.    »,            „  Christentums.     Leipzig  1846   p.  450).     Für  die 

■nomrioxog   /Javawv  fco   aivtxm   nlaasv   muco  r>  •     \.            i     ■     j               i        rr            j-i          j 

v ■  -  '          r-n     7         v       ■        \               ■          \  Griechen,     bei    denen    der   Jtieroendienst    und 

Aaipov  tb  (Uliebner  Aatoov  xe)  xgocmvov  hui  ...          •'■            ,            .  ,•     ,         .     ,,.                  , 

*            v                 >i  /        n  i            •  spater    die     euhemenstische     Auflassung    der 

y  20  Gotter    der    Verehrung    der    Herrseher    einen 

V älclcenaer  will  in  Kqcliqov,  Jacobs  ad  anthol.  günstigen  Boden  schufen,  begann  nach  einigen 

Pal.  p.  445  in  Kiqxov  ändern,  wogegeu  Dübner  früheren  Anläufen,   wie   in  der  Feier  von  Ly- 

und    Jeschonnek,    De   nominibus   quae    Graeci  sanderfesten  durch  die  kleinasiatischen  Städte, 

peeudibus    domesticis    indiderunt.      Regimonti  mit  der  Errichtung  der  hellenistischen  Monar- 

1885  p.  53 — 54  Einspruch   erheben.     Letzterer  chieen    im   Orient   durch    Alexander   und    die 

vermutet:    Potest   n'omen   contr actum    esse    ex  Diadochen   der  Kultus   der  Könige   etwas  All- 

Äcnpo-OHCOTos  e.  g.  „qui  tempus  opportunum  (ad  tägliches   zu    werden   (Chr.    W.    Mitscherlich, 

vincendum)  speculatur".     Kaiqöv    stellt    Bergk  De   antiquissima   Graecorum   apotheosi   eiusque 

Lyr.  Gr.'6   p.  834   auch    in    Alkmans  Hymnos  ratione,  Göttingen  1809.    Erahner,  Grundlinien 

auf  die  Dioskuren  pag.  II  vs.  14  statt  des  band-  30  zur  Gesch.  d.  Verfalles  der  röm.  Staatsreligion. 

schriftlichen    Hßt?roi'     als    Pferdenamen    her.  Halle    1837    p.   32.       Welcher,    Gr.    Göiterl.   3 

Drexler.]     [Sauer.]  p.  294 ff.     Nitzsch,  De  apotheosis  apud  Graecos 

Kaisareia,    Stadtgöttin    von    Kaisareia    am  vidgatae  caussis.    Kiliae  1840  4".     Nägelsbach, 

Argaios.     Auf  Münzen  der  Stadt  erscheint  ihr  Nachhomer.  Theologie  p.  6,  p.  20 ff.  Feldbausch, 

getürmtes  Haupt,  Head  p.  633.  Mi.  S.  7,  706,  Episteln  des  Horaz.  3.  Anhang  zu  Ep.  2,  1,  16. 

289,   A  Cat.  of  engr.   gems  in  the  Brit.  Mus.  Über  die    Vergötterung  der  Menschen  bei  den 

p.  135   („Female  head   veiled,  wearing  Mount  Griechen  u.  Römern  bis  auf  die  Zeit  des  Augustus 

Argaios,  Gordian  HL");   oder   die   Göttin  in  [p.  220—232]  p.  220—228.    Schümann,  Griech. 

ganzer    Gestalt,    den    Berg    Argaios    haltend,  Altert.  23  p.  538—539;  vgl.  auch  Opusc.  acad. 

sitzend,   Iulia  Domna,    Mi.   4,   424,   123,   Or-  40  1  p.  352   und   zu   Plut.  Oleomen,  p.  225.     Chr. 

biana,  Mi.  4,  435,  202   (in   der  L.  Füllhorn);  Petersen,  Bei.   od.  Myth.,    Theol.   u.  Gottesver- 

stehend,   Iulia    Domna,    Mi.    S.    7,   682,    142;  ehrung   der   Griechen.     A.   Enc.   d.    W.    u.  K. 

Caracalla,  Mi.  4,  425,  134  (in  der  L.  Tropaion).  1.  Sect.  Bd.  82  p.  343—349.    Lehrs,  Pop.  Aufs.' 

Ein   Serpentin   des   Brit.   Mus.    zeigt   auf   der  p.  320ff.    Marquardt,  B.  St.-V.  3  p.  57  Anm.  5. 

einen  Seite  Helios   auf  dem  Viergespann,   auf  Beurlier   p.    1 — 6).      Alexander    M.    erhielt 

der  anderen  „City  of  Caesareia,  veiled  head  of  bei  Lebzeiten   und    nach  dem  Tode  göttliche 

in  profile  to  l.,  wearing  Mount  Argaios  as  a  Ehren,    Beurlier  a.   a.  0.   cap.  1.  2    p.  7  —  36. 

croion.     Lnscribed  6TTTXI  BOKONTf",   A  Cat.  D.  G.  Hogarth,   The  deification  of  Alexander 

of  engr.  gems  in  the  Brit.  Mus.  p.  135  nr.  1106.  the  Great ,  English  Historical  Beview  1877 
Gelagert,   in  der  L.   ein  Füllhorn,  die  R.   er- 50  p.  317  ff.    Lumbroso ,   L'Egitto    al    tempo   dei 

hoben,  nach   oben   schauend,  wo  Kaiser  Con-  Greci  e  dei  Bomani  p.  147 — 153  „Culto  e  sacer- 

stantius  (CONSTANTIVS  AVG)  mit  einem  Be-  dote  d'Alessandro"  und  „Biccrche  alessandrine 

gleiter  einen  Eber  '(EI0IAC)  im  Walde  spielst,  (Estr.   dalle   Memorie   della  B.  Acc.  delle  Sc. 

erscheint  sie   auf  einem  Sapphir,   der  sich  im  di  Torino    Ser.  2    Tom.  27.)    1871    p.  25  —  33 

vorigen  Jahrhundert  im  Besitz  des  Maren.  Rinuc-  „Del  sacerdote  d'Alessandro".   Eckhel,  D.  N.  V. 

cini  in  Florenz   befand,   Tanini,   Numismatum  4   p.   433.      Nicht    minder    fanden    Verehrung 

Lmp.    Born,    ab    Ansehno    Bandurio    editorum  die   Diadochen,   sowohl    die    Herrscher  von 

Supplementum.    Romae  1791.  2".    Titelvignette  Makedonien,  Beurlier  cap.  3  „de  divinis  hono- 

u.  Tb.  12  p.  304 — 306.    Du  Cangius,  De  Lmpp.  ribus  quos  Macedonum  reges  ptost  Alexandrum 

C.-P.  numis  p.  157;  vgl.  auch  0.  Schultz,  Die  60  aeeeperunt"    p.    36—46,    vgl.    H.     Usener,   Ein 

Ortsgottheiten  in  der  griech.-röm.  Kunst  (Berl.  Epigramm  von   Knidos,   Rh.    Mus.   N.  F.   29 

Studien  f.   kl.    Piniol,   u.   Arch.  8.  Bd.  3  Heft)  1874    p.  25ff.,    als    besonders    die    Ptolemäer 

p.  83._    [Drexler.]  in  Ägypten   (Beurlier    cap.   4  p.  46  —  85,   wo 

Kaiserkultus.     Die  göttliche  Verehrung  des  zahlreiche   Litteraturnachweise ,    Lepsius,  Ab- 

Herrschers,    die   wir  noch  jetzt  bei   verschie-  hdlgn.  der  Kgl.  Pr.  Ak.  d.    W.  1852  p.  483 ff. 

denen  Völkerschaften  treffen  (Waitz,  Anthro-  Wilcken,   Hermes    22    p.  1  — 16,     23    p.  602  ff. 

poloqie  der  Naturvölker   1  p.  463  —  465;    vgl.  Lumbroso,  Bicerche  aless.  p.  33— 42  „dei  sacer- 

J.  Happel,  Die  Anlage  des  Menschen  zur  Be-  dozio  e  nome  dei  Tolomei".    Bevillout,  Etudes 

29* 


903  Kaiserkultus  (Vorstuf.;  allg.  Darstellgen)  Kaiserkultus  (Caesar,  Octavianus)    904 

sur  divers  points  de  droit  et  cTMst.  ptolemaique.  Organisation  depuis  Auguste  jusqu'ä  Justinien. 

Paris  1884.  4°.  p.  LXXXVIIf.  Bevue  arch.  n.  s.  Paris  1891. 

34    1878     p.  328  ff.    u.   Eevue  egyptologique    1  Schon    in    der    republikanischen    Zeit    em- 

p.  15  —  22;    C.   W.   Huber,  Zur  alten  Kumis-  pfingen  die  Göttin  Roma  und  römische  Feld - 

matil;  Ägyptens  p.  HOff.  130.  133 — 135.  177ff.  herren  und  Prokonsuln  von  den  Griechen 

206.  212.  262.  264.  282fi'.;  vgl.  für  Einzelheiten:  Verehrung,  Hirschfehl  p.  3—4.  Boissier  p.  113. 

C.  Wescher,  Kote  sur  un  pretre  d' Alexandre  et  Preller  p.  770.    Mongault,  Dissertation  sur  les 

des  Ptolemees,  Bev.  arch.  1866  2  p.  156.  Aures,  honneurs  divins  qui  ont  este  rendus  aux  gou- 

Mtude  des  dimensions  du  temple  que  Ptolemee  verneurs   des  provinces  pendant   que   la  re'pu- 

Philadelphc a  fait  construire  surle  cap  Zc'phyrium  10  blique  romaine  subsistoit,  Mim.  de  l'Acad.  des 

en    l'honneur   de   Venus   Arsinoc ,    Bev.   arch.  Inscr.  et  B.-L.  (lSpe  ser.)  p.  353  —  369. 

1869  2  p.  377—391.    G.  C.  Ceccaldi,  Le  temple  Kühn  gingCaesar  vor.    Er  liefs  seine  Bild- 

de    Venus   Arsinoc   au   cap   Zephyrium ,    Bev.  säulen  in  Rom  und  den  Tempeln  des  Reichsunter 

arch.    1869    1    p.  268  —  272;    vgl.    Arch.  Zeit.  denen  der  Götter  aufstellen;  die  Inschrift  einer 

1866  p.  179.   Beade,  On  the  date  of  Cleopatras  Bildsäule  bezeichnete  ihn  als  Halbgott;   seine 

assumption  of  the  title  @EA  NESITEPA,  Kum.  Statue  im  Tempel  des  Quirinus  trug  die  Wid- 

Chron.   London  1839  1  p.  209 ff.    Burgon,  Ob-  nmng:    „Dem   unbesiegbaren  Gott".     Die  ludi 

servations   on    a   coin   of  Cleopatra   and  Marie  quinquennales    wurden    ihm    zu    Ehren     ein- 

Anthony   with    the    title   of  f)EA  NESITEPJ,  gesetzt,    das    Priesterkollegiuni    der    Luperci 

Kum.  Chron.  1  p.  I98ff.),  die  Seleukiden,  die  20  Iulii  für  ihn   eingerichtet;    in   seinem  letzten 

Herrscher  von  Commagene,  Armenien,  Baktrien,  Lebensjahr  ein  Tempel  ihm  als  Iuppiter  Iulius 

Parthien  (Welcher,  Griech.  Götterlehre  3  p.  310.  beschlossen,    ein   flamen   für   seinen  Kult  be- 

Spanhemius,  De  praestantia  et  usu  numismatum  stimmt,   der  Monat  Quintilis   nach  ihm  Iulius 

1,  1717  p.419ff.    G.  Hirschfeld,  Arch.  Zeit.  187 5  benannt,    Mommsen,   Rom.  Staatsrecht  2  2,  2 

p.  155.    M.  Holleaux,  Bull,  de  corr.  hell.   1885  p.  732.  Preller  p.  HO.' Boissier  p.  121  f.    Beur- 

p.  523 — 529.  Beurlier  cap.  5  „de  div.  hon.  quos  Her  p.  5  —  7.     Nach  seinem  Tode   wurde    ein 

aeeeperunt  Scleucidae"  p.   86  —  98.     Catalogue  Altar  auf  dem  Forum  an  der  Stelle,  wo  sein 

des  monnoies  grecques  de  la  bibliotheque  natio-  Leichnam    verbrannt   worden    war,    errichtet; 

nale.    E.  Babelon,  Les  rois  de  Syrie,  d'Armenie  Dolabella  zerstörte  ihn,  aber  bald  erhob  sich 

et  de  Commagene.  Paiis  1890.  p.  XVII.  LVI.  XCI.  30  an  seiner  Stelle  ein  Tempel.    Der  Komet,  der 

CXXXI.  CXXXIV  CLXX,  206.  207.     Beurlier  einige  Zeit  nach  Caesars  Tode  erschien,  wurde 

cap.  7    „de  div.  hon.  quos  acc.  reges  Comma-  als    ein    Zeichen     seiner    Vergöttlichung    be- 

genae"    p.  108  —  116.    Puchstein,  Sitzungsber.  trachtet  (vgl.  über  ihn  Preller  2  p.  427  Anm.  1. 

der   Kgl.   Pr.  AI:    1883    1   p.  29  ff.      Humann  Ecktet,  D.  K.  V.  6  p.  11.    Borghesi,  Oeuvres 

u.  Puchsiein,  Beisen  in  Kleinasien  und  Kord-  compl.  1  p.  105,  2  p.  142  — 143). 

Syrien,  Berlin  1890.  4°.  p.  335  —  344.     Babelon  Durch    Senats-  und   Volksbeschlufs  wurde 

p.  CCX1I.    Babelon  p.  216,  Tigranes  III  nr.  29.  der    grofse    Herrscher    unter    die    Götter    der 

Beurlier  cap.  8  „de div. hon.  regtnn Bactrianorum  römischen  Gemeinde  aufgenommen;  sein  Bild 

l'arthorumque"  p.  117 — 120.   Gardner,  Parthian  folgte  fernerhin  nicht  mehr  denen  der  übrigen 

Coinage    p.   6,    20,    63  —  65.      Cavedoni ,  Bull.  40  Angehörigen   der  gens  Iulia  bei  den  Leichen- 

arch.  napol.  n.  s.  7  p.  29.     A.  I).  Mordtmann,  begängnissen,  Mommsen  2 2,  2   p.  773.    Preller 

Über    die   persepolitanischen    Münzen,    Kum.  11.  771.  Boissier  p.  125 — 127.   Beurlier  p.  7 — 10. 

Zeitschr.  10  p.  207  —  208);    wie   nicht    minder  In  den  Kämpfen,  welche  dem  Tode  Caesars 

die  Attaliden  (Beurlier  cap.  6  p.  99-107  und  folgten, liefs  sich  Sextus  Pompejus  als  Sohn 

die  von  0.  Hirschfeld,  Sitzungsber.  d.  Kgl.  Pr.  des   Neptunus,  Antonius   als   Dionysos  ver- 

Al:.   1888  p.  834  Anm.  6  u.  7  angeführte  Lit-  ehren,   Preller  p.  782.    Boissier  p.  129  —  130. 

teratur;  für  Mithradates  d.  Gr.  von  Pontus  Beurlier  p.  10  —  13. 

vgl.   Boscher,  Sitzungsber.  d.  Kgl.  Sachs.  Ges.  Octavianus,  zur  Alleinherrschaft  gelangt, 

1891    p.   117   Anm.   45.     Th.  Beinach,  Mitltri-  wandelte   nicht    die   kühnen   Bahnen   Caesars. 

date  Eupator ,   Bev.    mim.    1887   p.   102   nr.  2,  50  Er  verbot  seine   göttliche   Verehrung  in  Rom. 

104,  105).  Doch   schon  durch  den  Namen  Augustus  (seit 

Für  den  römischen  Kaiserkultus  vgl.  von  all-  27  v.Chr.)   wurde   seine   Person   als   eine   den 

gemeinen  Darstellungen:  Petersen  a.  a.  0.  Göttern  ähnliche  bezeichnet,    De  la  Bleterie, 

p.  364 — 365.  G.  Boissier,  La  religion  rom.d'Au-  Diss.   on  Von  examine  ce  que  signifioit  le  nom 

guste  aux  Antonins   1  °.     Paris  1878    p.  117 —  d' Auguste  donne  ä  Ce'sar  Octavien  etc.,   Me'm. 

208.     Marquardt ,    Rom.    Staatsverwaltung    3  de  l'Acad.  des  Inscr.  et  B.-L.     (Pre  ser.)    19 

p.  89,   443  —  455.    Friedländer,  Darstellungen  p.  432  —  446.  Preller  p.  774.  Mommsen,  B.  St.-B. 

aus  der  Sittengeschichte  Borns   35  p.  512—516.  22,  1  p.  742  Aum.  2;   2%  2  p.  734,  748  —  750. 

Preller,  Rom.  Myth.   2.  Aufl.  p.  769  —  796  (wo-  Cliristoph  Schöner,    Über  die   Titulaturen  der 

nach  ich  meist  citiere)  =  3.  Aufl.  2   p.  425  —  go  röm.  Kaiser,  Acta  seminarii  philol.  Erlangen- 

453.  Madvig,  Verf.  u.   Veno,  des  röm.  Staats  1  sis  2  p.  459  ff.    Er  nannte  sich  Divi  Iulii  Filius, 

p.  550  —  552.    Keim,  Born  u.  das  Christentum.  Mommsen,  B.  St.-B.    2  -,   2    p.  734.      Ferner 

Berlin  1881    p.  72  —  81.    Beville,  Die  Religion  fügte   er  den   2  Lares    compitales  als   dritten 

zu   Rom   unter   den   Severern.      Leipzig    1888  den  genius  Augusti  zu,  welcher  göttliche  Ver- 

p.  29 — 38.    Otto  Hirschfeld,  Zur  Geschichte  des  ehrung  genofs,  Beurlier  p.  16.    Boissier  p.  137 

röm.   Kaiserkultus ,    Sitzungsber.   der  Kgl.  Pr.  —  143.    In  dem  Festlied  der  Salier  wurde  sein 

Ali.  d.   W.    1888   p.  833  —  862    und   als  S.-A.  Name    schon    bei    Lebzeiten    unter    die    der 

E.  Beurlier,  Le  eulte  imperial  son  histoire  et  Götter  aufgenommen,  Mommsen,  B.  St.-B.  2!, 


905          Kaiserkultus  (Octavianus)  Kaisei'kultus  (Octavianus)          906 

2   p.  734  u.  Anm.  2.     Der  Monat   Sextilis   er-  Compte  rendu  des  seances   et  trav.  de   Vacad. 

hielt    ihm    zu    Ehren    den    Namen    Augustus,  des  sc.  mor.  et  polit.  Inst,  de  Fr.    1880  p.  896 

Beurlier  p.   16.     In   den   östlichen   Provinzen  — 905.  de  Boissieu,  Inscr.  de  Lyon  p.  5,  82  fi'., 

gestattete    er    seine    göttliche   Verehrung    zu-  94f.,   114,   156,    269    und   Ainay.    Son   autcl, 

sammen  mit  der  der  dea  Roma,  so  in  Perga-  son  amphithedtre,  ses  martyrs.    Lyon  1864.    8°. 

mum    upd   Nicomedia,    aber    nur   den  Nicht-  Artaud,  Discours  sur  les  ntedaill.es  d' Auguste 

römern,  die  römischen  Bürger  in  Asien  durften  et   de    Tibere    au   revers    de    l'autel    de    Lyon. 

nur  Roma  und  den  divus  Iulius  verehren,   so  1820.    Aug.  Bernard,  Le  temple  d' Auguste  et 

in   Ephesus    und   Nicäa,    Beurlier   p.  17  —  18.  In   nationalite'  gauloise.     Lyon   1863.    4";    vgl. 

Hirschfeld  p.  5.    Marquardt  1  p.  374.    Momm-  10  Berliner  Bl.  f.  Münz-,  Siegel-  u.  Wappenkunde 

sen,  B.  St.-M.  22,  2  p.  733.    Hertzberg,  Gesch.  3  (1866)  p.  322.    E.-C.  Martin- Daussigny ,  No- 

Griechenlands  unter  d.  Herrsch,  d.  Römer    1  tice   sur    la    decouverte    des    restes    de    l'autel 

p.  520.  A.  Parisotti,  Evoluzione  del  tipo  di  Borna  d'  Auguste   d   Lyon.     Lyon    1863.      Musee   de 

nelle    rappresentanze    figurate    dell'    antichitä  Lyon.     A.  Allmer  et  P.  Lissard,  Inscriptions 

classica,  Archivio  della  r.  soc.  di  storia  patria  omt.  1  p.  3 — 12   nr.  1.  2.  3;   2  p.  4 — 134.    183 

11   1888  [p.  59  —  148]    2.  II  culto  della  Borna  — 184.     E.  Desjardins,  Geographie  hist.  et  ad- 

[p.  97  — 111]   p.  102.    Boscher,  Sitzungsber.  d.  ministratice  de  la  Gaule  rom.  3  p.  186 — 211. 

Sachs.    Ges.    d.    Wiss.     1891    S.    112ff.    1371t'.  Auch  in  Narbo  wurde  ihm  ein  Kultus  ein- 

P  Inder ,    Über  die  Cistophoren  und  die   kaiserl.  gerichtet,  Boissier  p.  131  — 132.  Lebigue,  Inscr. 

Silbermedaillons  der  röm.  Prov.   Asia,  Abhdlg.  20  de  l'Ara  Narbonensis,  Bev.  arch.  n.  s.  1882.  23 

d.  Kgl.  Pr.  AI;.  1852  p.   613  —  617    „Tempel  p.  76ff.     Hirschfeld  p.  8.     J.-B.  MAspoulet,  La 

der    Roma    und    des  Augustus"  Tfl.  4,  4 — 15;  lex  concilii  provinciae  Narbonensis  d'apres  les 

für  Ancyra:  E.  Guillaume,  Le  temple  de  Borne  travaux  recents,  Bullcrit.  1890  nr.  1.    Beurlier 

et  d' Auguste  ä  Ancyre,  R/v.  arch.  n.  ser.  22  p.  11 — 23.  Im  Gebiete  der  Ubier  erhob  sich  die 

p.  347;   23  p.  29.     Perrot,  Exploration  arche'ol.  ara  Ubiorum,  deren  Priestertum  im  Jahre  9  Segi- . 

de  la  Galatie  et  de  la  Bithynie.    Paris  1872.   2".  muud,  der  Sohn  des  Segestes,  vorstand,  Hirsch- 

p.  295—312,  PI.  XIII— XXXI.    de  Longpeiier,  feld  y.  9.  Mommsen,  B.  Gesch.  5  p.  32.    Preller 

Statue  du  temple  d' Auguste  ä  Ancyre  de  Galatie,  p.  773  Anm.  2.    J.  E.  Bau,   De   ara   Ubiorum 

Gaz.  arch.  7,  1881—1882  p.  73— 76  =  Oeuvres  3  libri  III  Traj.  ad  Rh    1738.  8".    Bitter,  Bonner 

p.  415 — 418,  PI.  8.  In  Athen  erbaute  man  kurz  30  Jahrbb.  H.  17   1851  p.  46 — 50.    J.  Freudenberg 

vor  Christi  Geburt  der  Roma  und  dem  Augustus  ebenda  H.  29/30   1860  p.  95 — 101.     Bergk.  Zur 

einen   Rundtempel   auf   der   Akropolis,   Beule,  Geschichte  und  Topogr.  der  Bhcinlande  p.  141. 

L' acropole  d' Athenes  2  p.  200  ff.  Bursian,  Geogr.  H.  Düntzer,  Die  Ara  Ubiorum,  Picks  Monats- 

von  Griechenland  1  p.  314.    Philologus  23   1866  Schrift   für   die  Gesch.   Westdeutschlands    1880 

p.  239  ff.     Berliner   Piniol.    Wochenschr.     1887  p.  455  f.     In  Tarraeo  wurde   ihm  von  den  Be- 

p.  1523.  Ant.  Denkm.  hrsg.  vom.  Ksl.  Deutschen  wohnern    der    Stadt    eine   Ara    bei    Lebzeiten 

Arch.  Inst.  1    Heft  3   Tfl.  25.  26.    Hertzberg  1  geweiht,   kurz  vor  seinem  Tode  von  der  Pro- 

p.  519,  wo   Anm.  90,  91   und  p.  520   Anm.  92  vinz  ein  Tempel,  Hübner,  Tarraeo,  Hermes  1 

weitere  Belege  für  den  Kaiserkult  in  Griechen-  p.  110 — 120  und  Römische  Herrschaft  in  West- 

land.     In  Cäsarea   (Samaria)   erbaute  Herodes  40  europa.    Berlin  1890.  p.  196fi.    Preller  p.  774. 

einen  Kaisertempel,   Beurlier  p.  25.    Parisotti  Boissier  p.  131.    Marquardt,  B.St.-V.  1  p.  372 

p.  103.     In    Alexandria    wo   schon  Cäsar  ver-  und  Eph.  epigr.  1872  p.  200  ff.     ./.  Jung  p.  22 

ehrt  worden  war,  diente   das  Kaisareion  oder  — 23.  Hirschfeld  p.  8.  Eckhel,D.  N.V.  1  p.  57 f. 

Augusteion  dem  Kulte' des  Augustus  und  seiner  In   Italien   duldete    er   wenigstens    in    den 

Nachfolger,   A.   C.    Merriam,    The   Caesareum  von    ihm   ausgeführten    Kolonieen    und    unter 

and  the  worship   of  Augustus   at  Alexandria,  seinem    speziellen   Schutz    stehenden    Städten 

Trans,  of  the  american  philological  association  seine  Verehrung  von  Gemeinde  wegen,  Hirsch- 

1883    14   p.  5  —  35;    vgl.   Proceedings  for  July  feld  p.  6.  Boissier  p.  122—133.   Preller  p.  774. 

1883  p.  IX — XI.   Neroutsos-Bey,  L'anc.  Alexan-  Mommsen,  B.  St.-R    2-,  2    p.  734  u.  Anm.  1. 

drie  p.  10—20  und  Bull,  de  corr.  hell.  2  p.  175ff. ;  50  Marquardt,  R.  St.-  V.  3  p.  445.    Beurlier  p.  17. 

vgl.  Mommsen,  Eph.  epigr.  4  p.  27  und  Suppl,  Parisotti  p.  103.  104.   Nissen,  Pompejan.  Stud. 

zu  C.  I.  L.  3  p.  1203.    Beurlier  p.  24.    Auch  in  p.  182  — 184,   270  —  275.     Noris ,    Cenotaphia 

den  Provinzen  des  Occidents  gestattete  er  seine  I'isana  Diss.  1  cap.  4  p.  50  —  58. 

Verehrung    bei    Lebzeiten.       Sechzig    Völker-  Als  Augustus  starb,  wurde  er  am  17.  Sept. 

schaffen    Galliens     errichteten    ihm    und    der  14   konsekriert,    ein  Tempel  auf  dem  Palatin 

Roma     einen    Altar    am     Zusammenflufs     der  von  Livia  und  Tiberius  gebaut,  aber  erst  von 

Rhone   und    der    Saone    im    Jahre  12   v.  Chr.,  Gaius   eingeweiht ,    die  Priesterschaft   der   so- 

Boissier  p.  131.    Preller  p.  773  Anm.  2.  Foustel  dales  Augustales   für  den  Kult  der  gens  Iulia 

de  Coidanges,   Hist.   des   institutions  politiques  gebildet,     ein    Samen    zu    Ehren    des    Divus 

de  l'anc.  France.  I.  partie.  Paris  1875,  livre  2,  60  Augustus  eingesetzt,  zu  den  schon  früher  ihm 

besprochen   von  H.  Schiller,  Jahresber.  üb.  d.  zu  Ehren  gefeierten  Festen,    den   ludi  Circen- 

Fortschr.d.cl.  A.  W.  Bd.  19  p.435  —  439.  Hirsch-  ses,    an    seinem   Geburtstag    (23.  Sept.),    den 

feld  a.  a.  0.  p.  7 — 8  und  Lyon  in  der  Römer-  Augustalia     (anläfslich     der    Rückkehr    nach 

zeit.   Wien  1878  p.  15—18.  Beurlier  p.  18  —  19.  Rom  nach  Ordnung  der  Provinzen  19  v.  Chr.), 

Mommsen,    Röm.  Gesch.    5    p.  84  —  89.    Jung,  die    ludi    Palatini    als    Privatfest    des    kaiser- 

Die    roman.    Landschaften    des    röm.    Beiches.  liehen    Hauses    eingerichtet,     Marquardt,    R. 

Innsbruck  1881  p.  222.    V.  Duruy,  La  politieque  St.-  V.  3  p.  448— 451.    Preller  p.  77 5.    Boissier 

des  empereurs  romains  ä  l'cgard  du  druidisme,  p.  146  —  148.    Beurlier  p.  28  —  30. 


907         Kaiserkultus  (^Tiberius  etc.)  Kaiserkultus  (Apotheose)           908 

Streng  hielt  Tiberius  auf  die  Pflege  des  hauses  erhielten  die  Ehre  der  Apotheose,  wie 

Kultus  des  Divus  Augustus.     Er  bestrafte  die  Drusilla    die    Schwester    des    Gaius,    Claudia 

Kyzikener    wegen    incuria    ceremoniarum   Au-  die    Tochter    Neros ,    Iulia    die    Tochter    des 

gusti,    Marquard ,   Cyzicus  u.  s.  Gebiet  p.  82.  Titus,   Marciana  die   Schwester  Trajans,  Ma- 

E.  Curtius,  Monatsber.  ä.  Kgl.  Br.  AI;,  d.  TI".  tidia    die   Mutter  der   Sabina    (Mommsen,  B. 

1874  p.  11.   Beurlier  p.  30  f.    Für  seine  eigene  St.-B.  2'2,  2  p.  805  Anm.  8),  Maesa  die  Grofs- 

Person   duldete  er  in  Rom  keinerlei  göttliche  mutter     des    Severus    Alexander,     Barschfeld 

Verehrung.    Den  Asiaten  erlaubte  er,  ihm  zu-  p.  13.     Domitilla,  die  Tochter  des  Vespasian, 

sammen  mit  seiner  Mutter  und  dem  Senat  in  wurde    konsekriert,    obgleich    Vespasian    bei 

Smyrna  einen  Tempel  zu  bauen,  der  Provinz  His-  10  ihrem  Tode  noch  nicht  Kaiser  war,  Mommsen 

pania  ulterior  schlug  er  es  ab;  Priester  des  Tibe-  2,  2  p.  805  Aum.  8.     Von   den  Prinzen   des 

rius  sind  im  Occident  nur  in  einigen  italischen  kaiserlichen    Hauses ,    von    denen    Gaius    und 

Städten  zu  finden,  Mommsen ,  B.  St.-B.  2'2,  2  Lucius  Caesares  nach  ihrem  Tod  einen  Tempel 

p.  734   Anm.  3.    Hirschfeld  p.  9  — 10;    für   die  in    Nemausus ,    Germanicus    und    Drusus   jun. 

Verehrung  des  Tiberius,   Drusus,   Germanicus  Priester  in  einigen  juliseh- augustischen  Kolo- 

und   dessen   Familie  im  Osten    s.  Hertzberg  2  nieen  Südfrankreichs  und  Spaniens  hatten,  ist 

p.  16 — 19.     Die  Konsekration   der  Livia  ver-  erst  Domitians  Sohn,  dann  der  Sohn  des  Gal- 

hinderte   er,    erst   durch    Claudius    wurde    sie  lienus,    der    Caesar   Valerianus,    und    Roniu- 

vollzogen,    Hirschfeld   p.  12.    Mommsen  22,  2  lus,     der    Sohn    des    Maxentius,     konsekriert 

p.  806  Anm.  9.     Er  selbst  wurde  ebensowenig  20  worden ,     Hirschfeld    p.   13  —  14.     Mommsen, 

konsekriert    wie    Gaius,    der    sich    in    wahn-  B.   St.-B.   2-,  2    p.  S06    Anm.   S    zu    p.  805. 

sinniger    Selbstvergötteruug    gefiel ,     Beurlier  Beurlier    p.  36.      Konsekriert  wurde  auch  der 

p.37 — 38.  Erst  der  blödsinnige  Claudius,  dem  Vater    des    Trajan,     Divus     Traianus     Pater, 

zu  Lebzeiten  ein  Tempel  in  Camoludunum  er-  und  Marinus,   der  Vater  des  Philippus  Arabs, 

.richtet   wurde,    erlangte   wieder  die  Ehre  der  Beurlier  p.  35.    Die  Konsekration  wurde  auch 

Konsekration,   die   dadurch  an  Ansehen  nicht  unter    den    christlichen    Kaisern    beibehalten, 

gewann,  Mommsen,  B.  St.-B.  25  p.  735.  Breiler  Für  die  Verehrung  des  Kaisers  bei  Lebzeiten 

p.  776.     Beurlier    p.  33;    vgl.    über    Senecas  that   einen  wichtigen  Schritt  Aurelian,   der 

Satire  die  Apokolokyntosis  Sierivale,  Gesch.  der  sich    auf   seinen  Münzen    als    deo    et  domino 

Bömer  unter  dem  Kaisertum   3   p.  431 — 434.  30  nato  Aureliano   Aug.    huldigen    liefs,    Eckhel, 

Sein  Kult  lag  den  Sodales  Augustales  ob,  die  H.  N.  V.  7  p.  482.    Mommsen,  B.  St.-B.  2Z,  2 

nun     offiziell     sodales    Augustales    Claudiales  p.  737  u.  Anm.  1. 

heifsen,    Marquardt   3   p.  451.     Nicht  konse-  Über    die    Bezeichnuug    der   konsekrierten 

kriert  wurden  Nero,  Galba,  Otho,  Vitellius;  wohl  Kaiser  als  Di  vi  siehe  Cardinali,  Hiplomi  im- 

aber  Vespasian,  zu  dessen  Kult  die  Sodales  periali  diprivilegj  aecordati  ai  militari.  Velletri 

Flaviales   eingesetzt   wurden,   die,    als    ihnen  1835.  4°.  p.  100—103. 

auch   die  Verehrung   des  apotheosierten  Titus  Über  die  Zahl  der  divi  und  divae  schwankt 

übertragen  wurde,    sodales  Flaviales   Titlales  man.     Listen  derselben  findet  man  bei  Mar- 

genannt  wurden,  Marquardt  3  p.  451.     Domi-  quardt  3  p.  446  —  447.    E.  Hesjardins,  Le  culte 

tian ,     welcher    sich    in    den    Schriftstücken,  40  des  divi  et  celui  de  Borne  et  d' Auguste,  Bevue 

welche  seine  Privatbeamten  in  seinem  Namen  de  phüol.,  de  litt,  et  d'hist.  anc.  3    1879  [p.  33 

abfafsten ,    als    dominus    et   deus   noster    be-  — 65]   p.  43 — 49.     Bobert  Mowat,  La  Domus 

zeichnen  liefs  (Feldbausch  p.  232),    ohne   dafs  Hivina  et  lesDivi,  Bull,  epigraphique  [5  1885 

diese  Bezeichnung  offizielle  Gültigkeit  erlangte  p.  121— 240.  308  —  316]  6  p.  31  — 36,  p.  137 

(Mommsen,  B.  St.-B.   2  5,   2  p.  736    Anm.  1),  „Essai   de   restitution   d'un   catalogue   gcne'ral 

wurde  nicht  konsekriert;  er  baute  das  templum  des  personnages  divinises  ä  Tepoque  imperial" 

Divornm  Vespasiani   et  Titi   und   machte   das  u.  Suppl.  6  p.  272  —  27S.    Beurlier,  Appendice 

Privathaus   des  Vespasian   zu   einem  templum  A   p.  325  —  331;    vgl.    auch  Marini ,    Atti  dei 

gentis  Flaviae,  Breuer  p.  778.    Nerva,  Tra-  Fratclli  Arvali  p.  387.   Hensen,  Acta  Fratrum 

jan,    Hadrian    erhielten    die    Konsekration,  50  An.  p.  148.    Mommsen,  B.  St.-B.  2-,  2  p.  805 

letzterer  nicht  ohne  anfänglichen  Widerstand  Anm.  7.  8.     Cagnat,    Cours  elementaire   d'epi- 

des    Senats;    zu    seinem   Dienste    wurden    die  graphie  c.  S  §  3   „Türe  des  empereurs  et  des 

sodales   Hadrianales    eingesetzt   (Marquardt  3  membres   de   la  famille  imp.  apres  leur  mort", 

p.  452,  Labus,  Museo  della  r.  acc.  di  Mantova  Bull,  epigr.  4  p.  246 — 248,   sowie  die  Konse- 

2  p.  50  Anm.),  1  wie  zum  Kulte  des  apotheo-  krationsmünzen   der    einzelnen    Kaiser   bei 

sierten    Antoninus  Pius    die   sodales    Auto-  Eckhel  und  Cohin. 

niniani,  die  für  dessen  Nachfolger  beibe-  Über  die  Apotheose  ist  eine  reiche  Litte- 
halten wurden,  Marquardt  3  p.  452 — 453.  ratur  vorhanden,  vgl.  Jo.  Alb.  Fabricius, 
Unter  diesen  knüpfte  Septimius  Severus,  Bibliographia  antiquaria  ed.  2  p.  268  —  269. 
der  auch  die  Konsekration  des  Commo-  60  Claudius  Guichard ,  Funerailles  et  diverses 
dus  und  Pertinax  beim  Senate  durch-  manieres  d'ensevelir  les  Bomains,  Grecs  et 
setzte,  insofern  an  die  eigentlichen  Anto-  autres  nations,  tant  anciennes  que  modernes. 
nine  an,  dafs  er  sich,  ähnlich  wie  Augustus  Lyon  1581.  4°.  Jo.  Kirchmann,  He  funere 
als  Sohn  des  Divus  Caesar,  als  divi  Marci  Boman.  L.  4  e.  13 ff.  Jac.  Gutherius,  He  iure 
filius  bezeichnete,  Mommsen,  B.  St.-B.  2e,  2  Manium  ...  libri  IIB  Paris  1615.  4°  über  II. 
p.  735  Anm.  3.  Wie  die  Kaiser  wurden  auch  Banvinius,  Commentarii  in  Fast.  L.  IL  Vos- 
die  Kaiserinnen  in  der  Regel  konsekriert.  sius,  He  idololatria  lib.  I  c.  12.  Jul.  Caes. 
Auch  einzelne  andere  Angehörige  des  Kaiser-  Bulenger ,    He   imp.   Born.    L.  I    c.  6.    7.    10. 


909  Kaiserkultus  (Apotheose)  Kaiserkultus  (Symbole  d.  Konsekration)     910 

Chr.  Cnorr  et  Beneä.  Hopferus,  Diss.  de  ant.  krationsmünzen  des  CaracaTla,  Zeitschr.  f.  Num. 

Bomanorum  numismatibus  consecrationem  illu-  2  1875  p.  280  und  Zu  den  Konsekrationsmünzen 

strantibus.    Lipsiae  1600.    4°.    van  Dale,  Sehe-  Caracallas  ebenda   p.  371.     Töchon    d'Anneci, 

diasma  de  consecrationibus  gentüium.     Joach.  Mein,  sur  les  medailles  de  Blarinus  frappe'es  ä 

Busse    et    Lev.    Cliristoph.    Hahn,    Apotheosis  Bhilippopolis ,  Mein,  de  l'ac.  des  inscr.  et  b.-l. 

imperatorum   Bomanorum.     Wittebergae  1662.  (n.  s.)  6  p.  523 — 559.  L'  apotheose  de  l'emp.  Con- 

4°.      J.    Columbus ,    De     apotheosi.      Holmiae  stantin    le   grand    exprimee   sur  une  medaille, 

1683.    8°.     Claudius  Nicasius,  De  numo  pan-  Journal    des  Savans    1681   p.   230  ff.      Chassot 

theo   Hadriani   imperatoris.     Lugd.    1690.    4°.  v.  Florencourt ,  Erklärung  der  rätselhaften  Um- 
Jo.   Burchard.    Menekenius ,    Bisputatio   hist.-  vi  Schriften  der  Konsekrationsmünzen  des  Romulus. 

philol.   Augustorum   Augustarumque    consecra-  Trier  1843.    de  Longpe'rier,  Kote  sur  les  monnaies 

tionem  ex  nummis  illustratam  sistens.    Lipsiae  de  Bomulus  fils  de  Maxence,  Bev.  num.  n.  s.  5 

1694.  4°  u.  in  Dissertation  es  academicae  p.  1  ff.  1860  p.  36  —  42  =  Oeuvres  2  p.  463—469. 
Hausotter,  Be  consecrationis  origine,  causis  et  Über  einige  Symbole  der  Konsekration 

ritibus  apud  Bomanos.   Geo  Pittorius,  Bibri  III  z.    B.    die   von   4  Elefanten    oder    4  Pferden 

tarn    exterarum    gentium    quam    Bomanorum.  gezogene  thensa,  bez.  (für   die  Kaiserinnen) 

Buonarruoti ,    Osservazioni    istoriche  sopra   al-  das  von  zwei  weiblichen  Maultieren  gezogene 

euni   medaglioni   ant.     Roma  1698.    4".    p.  42  Carpentum  s.   Gisb.  Cuperus ,  De  elephantis  in 

—  48,    171  —  172.     de>  Bossi   e  Maffei,   Gemme  rom.  3  [Sp.  1  —  264]  Exercit.  2  eap.  10  Sp.  217 
ant.  figurate.     3.   Roma   1708.    4°:    „Bagiona-  20  —  232.     Eckhel   8    p.  468.     Camillo   Silvestri, 

mento  sovra  due  medaglioni  d'Antonino  Bio  e  Lettera  sopra  una  medaglia  de  Livia  col  car- 

di  Faustina"  [p.    191  —  224]    speziell   p.   206  pento ,    Opusc.  scientifici   5    p.  139  f.     Keicton 

— 224.     Jo.   Daniel  Schoepflin,    De    apotheosi  and  Pullan,  A  hist.  of  the  discoveries  at  Hali- 

sive    conseeratione    imperatorum    Bomanorum.  carnassus,  Cnidus  and  Branchidae  2,  1  p.  248 

Argentorat.  1730.   4°.     A.  Scarin,  Apotheoseos  nummis  obviis  in  de  Sallengre,  Nov.  thes.  antiq. 

veterum    et    recentiorum   parallelismus.     Aboae  — 250    Aust    ob.    Bd.   2   Sp.  737  ff.;    über    den 

1732.   4°.    Grübet,  Diss.  de  conseeratione  prin-  Seheiterhaufen  Baoul-Bochette,   Blem.   d'arch. 

cipum.      Gottl.    Erdm.     Zeibich,     Observ.     ad  comparee.  1er  mem.     Sur  VHercule  assyrien  et 

num.  ant.  sacrae   p.   74  ff.     Eckhel,   D.  K.  V.  phenicien.    Paris   1848.    4°.     Append.   B.   Sur 
8   p.  461  —  473.     Basche,  Lex.  univ.  rei  num.  30  la  pyra,  comme   tgpe  de  monument  funeraire 

vet.  1,  2  .Sp.  796— 816  Suppl.2  Sp.  5— 23.  Ehr-  p.  388— 401;  über  den  Adler,  auf  dem  der  ver- 

mann,  Über  die  Apotheose   auf    einer   Gemme  klärte  Kaiser  zum  Himmel  getragen  wird,  Eckhel 

[modern]   s.  1.    1799.     Dissertazione  inedita  di  8  p.  467—469.    Grenzer,  Symbolik  Sa  p.  41 — 42. 

Stef.  Antonio  Morcelli,  con  aleune  annotazioni  Böttiger,  Ideen  zur  Kunstmythologie   2    p.  44 

del  Dott.  Gio.  Labus  sulV  Apoteosi  degli  Im-  —46;   Vorlesungen  über  Kunstmythologie  p.  68. 

peratori  Bomani,  Memorie  ModenesiT.  8  p.  447,  Karl  Sittl ,   Der  Adler  und  die  Weltkugel  als 

vgl.   Labus,    Museo  della    reale  accademia  di  Attribute  des  Zeus  in  der  grieeh.  u.  röm.  Kunst, 

Mantova   1   p.  97—99.     Guhl  u.  Koner,  Das  S.-A.   aus  Jahrbb.  f.  kl.  Phil.    Suppl.    Bd.  14 

Leben  der   Grieeh.  u.  Böm.2  p.  738 — 740.     J.  p.  38.     Von   Gemmen   mit  diesem  Typus  vgl. 
Sabotier,  Funerailles  chez  les  Bomains,  Bevue  40  den    Sardonys    in   Paris,    auf   welchem    man 

beige    de    numismatique    4e  ser.    tom.   6    1868  Gennanicus  dargestellt  sehen,  (Bernoulli,  Böm. 

[p.  369ff.],     speziell  p.  390—402  PI.  16.    J.  de  Ikonogr.  2,  1   p.  234,   wo  die  Litteratur   über 

Witte    ebenda    2.  ser.    tom.   2    1852   p.   338  ff.  dieses  Werk  angegeben  ist),   und  den  grofsen 

W.    Teuffei    u.    W.    Bein    s.   v.    Apotheosis   in  Cameo   in  Nancy,    auf  dem   man  Hadrian   er- 

Pauly's  B.-E.   1-   p.  1332 — 1334.      Marquardt,  kennen   will,    Mongez ,    Icon.   rom.    pl.   38,   7. 

B.  St.-V.  3  p.  445—448.    Daremberg  et  Saglio,  Bernoulli  2,1    p.  234    Anm.  2;    2,2    p.  127. 

Dict.  des  ant.  gr.  et  rom.  s.  v.  apotheosis  p.  323  Leon  Germain,  Le  came'e  ant.  de  la  bibliotheque 

—327.      Beurlier    Partie   1    eh.   2    p.  55  —  76  de  Nancy,    Bull,  monum.    1883    p.  458  —  464; 

„honneurs  divins  rendus  aux  empereurs  apres  Bull,  epigr.   3    p.  314.     Auch   am   Titusbogen 
leur  mort."                                                               50  ist   der   Kaiser    auf  dem   Adler    sitzend   dar- 

Für  einige  bestimmte  Kaiser  vgl.:  Joannes  gestellt,  Jacobus  de  Bubeis,  Arcus  triumphales 

Seobaldus  Fabricius,   C.  Iulius  Caesar  numis-  P.  1  tab.  6.    Bellori,  Vet.  arcus  August.   1690. 

maticus,  sive  diss.  historica,  Dionis  Cassii  .  .  Tab.  8.    Miliin,  Gatt.  myth.  pl.  CLXVH  bis,  677. 

commata,    C.   Iulii   Caesaris  ortum ,  dignitates,  3Iiiller-l]rieseler,  Dkm.  d.  a.  K.  1  Tfl.  65,  345b. 

connubia,  interitum,  rogum  et  apotheosin  com-  Duruy ,    Gesch.    d.    röm.    Keiiserzeit   2    p.  38. 

plexa     nomismatum     comparatione     illustrans.  Bernoulli  2,  2  p.  35  nr.  35.    Beurlier  p.  67.    . 
Londini  1678.    8°.    C.  Cavedoni,  Drusilla  divi-  Auf  der  Basis   der  Antoninussäule  werden 

nizzata  da  Caio  Caligola  col  nome  di  Panthea,  Antoninus  Pius   und  Faustina  von   einem  ge- 

Bull.    arch.    nap.     n.   s.    4     1855    p.    71  —  72.  flügelten   Genius   emporgetragen,   Vignoli, 

Wartinger ,  Domitians  Münze  auf  Tihis'  Ver-  60  Columna  Antonini  pii  p.  149  ff.  Zocga,  De  or.  et 

götterung  in  der  Münz-  u.  Med.- Sammig.  des  usu  obeliscorum   p.  59  —  60.     Seconda  lett.  del 

Joanneums ,   Steierm.  Zeitschr.   8   1827  p.  146.  sgr.  31.  A.  de  la  Chausse  sopra  la  col.  d'apoth.  di 

Const.  Landus,  In  D.  Antonini  Pii  consecra-  Ant.  P.  Napoli  1805.    Visconti,  Mus.  Pio-Clem. 

tionem  et   Claudii  Neronis  Caesaris   decursio-  5    p.   184    PI.  29.      Müller  -  Wieseler    1 ,    394. 

nem  Castorisque  et  PoUucis  numisma  explicatio.  K.  0.  Müller ,  Hdb.  d.  A.  d.  K.  §  191  p.  216. 

Mediolani  1556.  4".    Über  die  Konsekration  des  De  Fabris,  II  piedistallo  elella  col.  Ant.  1846.4°. 

Commodus  ein  Brief  von  Gcdland  in  D'Orville.  G.   B.   Piranesi,    Colonna    eretta    in   memoria 

Mise.  Tom.  6   p.  387.     v.  Sallet,    Die  Konse-  dclT    apoteosi   di  Antonino   Pio.     2°.     Miliin, 


911    Kaiserkultus  (Priester,  Kultd.  leb.  Kaiser)  Kaiserkultus  (d.  Provinzen  u.  Gemeinden)   912 

Myth.    Gall.     pl.    CLXXX    nr.    682.       Beber,  ancienne.     I.     Macon   1890.    4".    p.  334  —  356 

Ruinen  Borns  2.A.  p.  267.  Ad.  Philippi,  Über  PI.  32  —  35;    die    des    %oivbv   Mav-sSoviav    in 

die  rom.  Triumphalreliefe,  Abh.  d.  Kgl.  Sachs.  A  cat.  of  the  gr.  coins  in  the  Brit.  Mus.  Mace- 

Ges.    Phil. -hist.    Kl.     6     1872     p.   281  —  282.  donia  p.  22— 29  und  bei  v.  Sollet,  Beschreibung 

Duruy,  Gesch.  d.  r.  Kaisers.  2  p.  521.    Meri-  der  ant.  Münzen  [des  Kgl.  Preufs.  Münzkab.] 

vale  4  p.  534  —  535.    Lucy  Mitchell,  Hist.  of  Bd.  2.  Päonien,  Macedonien,  die  maced.  Könige 

anc.  sculpt.  p.  688.    Baumeister,  Dkm.  d.  Id.  A.  bis  Perdiccas  III.     Berlin    1889.  p.  25  —  29; 

p.  111.    Darembtrg  et  Saglio,  Biet,  des  ant.  1  die  des  hoivov  Bn&vvCag  bei  Warwick   Wroth, 

p.  325.  Ovtrbeck,  Gesch.  d.  gr.  Plast.  2 3  p.  473  f.  Cat.  of  grcek  coins  [in  the  Brit.  Mus.]  Pontus, 

Friederichs -Wolters,  Gipsabg.    nr.  1939.     La-  10  Paphlagonia,  Bithynia.     London  1889.  p.  104 

cour-Gayet,  Antonin  le  Pieux  p.  306.    Beur-  — 108,  PI.  XXIV;  hinsichtlich  der  der  übrigen 

Her  p.  67  u.  a.  m.    Die  ähnliehe  Vergötterungs-  Provinzen  Head,  H.  N.  Register  p.  769. 

scene  am  Arco  di   Portogallo   {Bighetti,    Garn-  Den  provinzialen  Kaiserkultus  leitete 

pidoglio    1    tav.   170    p.   176  — 177.      Philippi  der     provinziale     Kaiserpriester,    in    Spanien, 

p.  280  und  Anm.  33 ,    wo   weitere   Litteratur)  Gallia  Narbonensis,  dem  Alpengebiet  Samen,  in 

wird  gewöhnlich  auf  die  jüngere  Faustina,  von  Lugudunum,   Afrika,   den  Donauprovinzen  sa- 

G.  Braun,  Ruinen  u.  Museen  Borns  p.  124  auf  cerdos,   Hirschfdd  p.  17  — 18,  in  den  griechi- 

die   ältere    bezogen,   wogegen   sich   Bernoulli  sehen  Provinzen   aQxnQsvg  genannt,   dem   im 

2,  2.  p.  156  erklärt.  Orient,  Spanien,  Gallia  Narbonensis  seine  Ge- 

Über  die  Priester  der  konsekrierten  Kaiser  20  mahlin,  flaminiea,  der  bald  der  Kult  der  Kaiserin 

s.  Borghesi,   Oeuvres  3    p.  391  ff.    H.  Dessau,  zufiel,  zur   Seite   stand,   Hirschfeld  p.  17 — 19; 

De  sodalibus  et  ftaminibus  Augustalibus,  Eph.  vgl.  über  denselben  Marquardt  1  p.  367—369. 

epigr.    3    1877    p.  205  —  229.     Marquardt,   B.  Eph.  ep.  1  p.  200— 214.    Hirschfeld  p.  17—30. 

St.-V.  3  p.  449  —  455  =  2.  Aufl.  p.  469—475.  Bcurlier   partie  3    eh.  2    „Les  pretres  provin- 

Beurlier   2t:  partie   eh.  3   p.  77  —  97;    über  die  ciaux"   p.  120—154.     Uneinig  ist  man  über 

Tempel  Marquardt  3  p.  448.  Beurlicr,  App.B.  die  Frage,  ob  der  uQxitoivg  der  griechischen 

„Etüde  topographique  sur  les  temples  des  divi  Provinzen   identisch   ist   oder  nicht  mit  dem 

ä  Borne"  p.  332  —  346.  Beamten,    dessen   Titel   gebildet   wird   durch 

Der  Kultus   des  lebenden  Kaisers  er-  die  Ansetzung    von    -&QxriS    an    den    Namen 

streckte    sich    über    alle    Provinzen,    Beurlier  30  der  einzelnen  Provinzen   ('Aciäg%rjg,   TaXatäq- 

3epartie  „Leculte  provincial des empereurs"  p.  99  %r\q,   AvkiÜqxIS   etc.).     Nach   Eckhel  4    cap.  1 

— 154.  _Bo{ss(Vrp.l48 — 149.  Die  Landtage,  noivd,  §  6   „de  pontifieibus  ag%i£Q£ig,   ifpoiV    p.  203 

communia,    concilia    der   Provinzen   erhielten  — 206,  §  7  „de  asiarcha"  p.  207  —  212.     Wad- 

ihren    Mittelpunkt   im    Kaiserkultus,    s.    über  dington,   Asie    Min.   zu  nr.  885.     Perrot,   De 

dieselben:  C.  Menn,  über  die  rom.  Provinzial-  Galatia  provincia  p.  150 ff.;    Explor.  arch.  en 

Landtage.     Köln  u.  Neufs  1852.      Marquardt,  Galntie  p.  35  f.,   p.  199  —  201;    Melanges  arch. 

B.  St.-V.  1  p.  365  —  377  =  l2  p.  503  —  516  u.  p.  170    und    s.  v.    Asiarcha    in   Darcmberg   et 

Eph.  epigr.   1   1872   p.  204  —  214   „De  provin-  Saglio,  Dict.  1  p.  467  f.  sind  beide  verschieden, 

darum   romanarum   conciliis  et  sacerdotibus".  nach  Marquardt  1  p.  374  ff.  u.  Anm.  5.  Henzen, 

J.-B.  Mispoulet,  Les  institutions  politiques  des  40  Ann.  d.   Inst.    1863    p.  285.     Kuhn,  Verf.   d. 

Bomains.    2.    Paris  1883.    §  89  nr.  95  „assem-  rö'm,   Reichs    1    p.   107.     Lightfoot ,    Apostolic 

ble'es   nationales"    p.  99  —  103.     Daremberg   et  fathers  2    sect.  2    p.  987   identisch;    vgl.  auch 

Saglio,   Dict.  des  ant.    rom.   s.  v.   Communia,  die  Ansichten  von   Mommsen,  Böm.  Gesch.    5 

Concilia.     E.  Desjardins ,    Le    cidte   des    divi,  p.  318  —  320    und  bei    Benndorf  u.  Niemann, 

a.  a.  0.  p.  49  —  55.     Paul  Guiraud,  Les  assem-  Beisen  in  Lykien  1  p.  157.    Büchner,  De  neo- 

ble'es  provinciales  dans  l'empirc  romain.     Paris  coria  „Excursus  de  sacerdotibus  Asiae  provin- 

1887;  vgl.  dazu  Schiller,  Jahresbericht   üb.  die  ciae"  p.  116  —  132.     Monceaux,  De  communi 

Fortsein:  d.  kl.  A.-W.  Bd.  60.  Jahrg.  17.  1889.  Asiae    cap.  3    „de    summo    Asiae    sacerdote" 

Abt.  3  p.  376 — 378   und   F.  G.  Hardy,   Class.  p.  47  —  54   u.   cap.  4    „an  iidem  atque  summi 
Bevieio  3  p.  207  —  208.   Beurlier  partie  3  chap.  1  so  sactrdotes  Asiae  existimandi  sint  qui  dieuntur 

„Les  assemblees  provinciales"  p.  99 — 103.    Über  asiarchae?"  p.  55 — 67.  Guiraud  a.  a.  0.  p.  97ff. 

einige  Provinzen   speziell:    Paulus  Monceaux,  Churchill Babington, Kmn.Chron.  1866  p.  105 f. 

De   communi   Asiae    provinciae.      Paris  1885,  Beurlicr  p.  129  ff.     In  Ag3'pten,  welches  keine 

mit  der  Kecension   Bamsay's  Class.  Review  3  autonomen  Gemeinden  hatte,  fehlt  das  xoivöv. 

1889    p.  174  — 179.      A.  de   Barthelcmy ,   Les  An    der    Spitze    der    sämtlichen   Tempel    des 

assemblees  nationales  dans  les  Gaules,    Revue  Landes   stand  der  ixqx^Q^^'s  Ui.s^aväQ£io:g  xcel 

des    questions    hist.    1868.      E.   Barry,   Etudes  Alyinxov  näarig,    der   die  Stelle   des   sacerdos 

sur  le  cidte  provincial  de  Borne  et  des  Augustes  der  anderen  Provinzen  vertritt  und  dem  Kaiser- 

dans  la  Gaule  chevelue  et  dans  la province  nur-  kultus    vorstand,    Mommsen,   Rom.   Gesch.    5 
bonnaise.    Toulouse  1876.    Cl.  Pallu  de  Lessert,  m  p.  558  f.,   568    Anm.  1.     Wilcken,   Hermes   23 

Etudes   sur   le    droit  public   et    V Organisation  p.  601  —  603. 

sociale  de  T Afriquc  romaine.  lerfasc.   Lesassem-  Aber  auch  in   den  einzelnen  Gemeinden 

ble'es  provinciales.     Paris  1883    (Extr.  du  Bull.  blühte  der  Kaiserkultus,   und  hier  fanden  so- 

trimestriel  des  ant.  afric.  fasc.  7)  und  Nouoellcs  wohl   der  regierende  Kaiser  als  auch  die  divi 

observations  sur   les  assemblees  provinciales  et  und  divae  ihre  Verehrung  mit  Tempeln,  Priester- 

le    cidte    provincial    dans    l'Afrique    romaine.  schalt  und  Festspielen,   Boissier  p.  158  — 161. 

Paris    1891;    die   Münzen   des    koivöv   KQnräv  Beurlier    partie  4    „Culte    munieipal    des    em- 

bei  J.  N.  Svoronos,  Numismatique  de  la  Crete  percurs"  p.  155  —  255.     Über  die  Priester  der 


013  Kaiserkultus  {veaxöqoi,  Augustales)  Kaiserkultus  (Kultvereine)          914 

Municipien  s.  Herbst,  De  sacerdotibus  Roma-  observations  sur  les  Augustales ,   Bev.  arch.   3 

norum     municipalibus     quaestio     epigraphica.  1847  p.  635 — 648,  774 — 790.  A.  W.  Zumpt,  De 

Halis  Sax.  1883   p.  5—13,  20—37.    Desjardins  Augustalibus    et  seviris  Augustcd  ibus    commen- 

a.  a.  0.  p.  55  —  62.  Beurlier  4  eh.  2  „Les  pretres  tatio  epigraphica.  Berol.  1846.   4"   mit  Henzens 

munieipaux"  p.  168—193.    E.  Cicotti,  1  sacer-  Recension  in  Zeitschr.  f.  A.-W.  1848  Sp.  193  — 

doti  municipali  di  Spagna  e  qli  Augustali  nell'  215,289 — 317.  Marquardt,  über  die  Auciustcden, 

epoca  imp..  rom.,   Biv.  di  fdöl.    19     1890    p.  1  Z.  f.  A.-W.  1847  Sp.  499—503,  505—516  und 

—  84.  Hirschfeld,  I  sacerdosi  dei  munieipj  B.  St.  V.  3  p.  514 — 516.  Kaudet,  Delanoblesse 
romani  nell'  Africa,  Ann.  d.  Inst.    1866   p.  28  dies  les  Bomains,  Mein,  de  l'Inst.  Ac.  des  Inscr. 

—  77  und  Die  flamines  perpetui  in  Africa,  10  et  B.-L.  25  1866  p.  66  — 74.  Willems,  Le  droit 
Hermes  *Z§  1891  p.  150— 152.  Mommsen,  Album  public  rom.  p.  386.  Herzog,  Hist.  Galliae 
ordinis   Thamugadcnsis ,    Eph.    epigr.    3    p.    77  Narbon.  p.  196  — 197.    B.-J.-Armand  Houcloy, 

—  84;  über  die  Festspiele:  EcJihel  4  cap.  21  Le  droit  munieipal.  Paris  1876.  1  p.  174  — 176. 
„de  festis  ac  lucds"  p.  421 — 454.  Krause,  Nico-  Boissier  p.  161—  168,  loa.  Schmidt,  De  seviris 
koqos  §  21  „Ludi  solemnes  et  dies  festi  in  Augustalibus.  Hai.  Sax.  1878  mit  0.  Hirsch- 
nummis  civitatium  neoeorarum"  p.  75  —  78.  felis  Recension  in  Zeitschr.  f.  Osterr.  Gynm. 
Büchner,  De  neocoria  §2  „ele  ludis  in  civi-  1878  p.  289  ff.  und  deren  Übersetzung  von 
tatibus  neocoris  celebratis"  p.  61 — 69.  Beurlier  Allmer  in  Bull,  epigr.  de  la  Gaule  1  1881 
p.  161 — 169.  Spanhemius,  Epistola  5  „De  num-  p.  282  —  287,  sowie  Schillev's  Besprechung, 
mis,  in  quibus  certamina  cum  ZsvriQiict,  eaque  20  Jahresber.  üb.  d.  Fortsei»-,  d.  kl.  A.-W.  Bd.  19 
Bm.vsiv.LU,  olvi-niia,  (isycclu,  itgäza,  tum  cpiku-  p.  460 — 464.  J.-B.  Mispoulet,  Les  institutions 
deltpsiu  continentur"  im  Anhang  zu  Morcllius,  polit.  des  Bomains.  2.  L'administration.  Paris 
Specimen  univ.  rei  num.  ant.  Lipsiae  .1695  1S83  p.  141  —  142.  Preller  -  Jordan  2  p.  446 
p.  267  —  339.  Hertzberg  2  p.  11  Anm.  10,  10 a,  Anm.  2.  J.  Jung,  Die  vornan.  Landschaften 
10b;   p.  12   Anm.  12;   p.  337    Anm.  98;   p.  424  des  röm,    Beichs   p.  544  —  548.    Duvuy ,  Hist. 

—  425  Anm.  29  —  31;  3  p.  14  Anm.  9a,  das  des  Born.  5  p.  133  nr.  1.  Lemomiiev ,  Etüde 
Register  bei  Head  p.  794.  hist.  suv  la  condition  privee  des  affranchis  aux 

Im  Osten,  besonders  in  Kleinasien,  führten  trois  premiers  siccles  del'empire  rom.  Paris  1887. 

eine  Anzahl   Städte,   welche  Kaisertempel  be-  p.  267 ff.    A.  v.  Bremerstein,   Zu  einer  Gruppe 

saften,  den  Titel  vseo-nögoi.    Eine  Hauptfrage  30  von   Inschriften  der  Augustalen,  A.  E.  M.  11. 

hinsichtlich  des  Wesens  des  Neokorats  ist,  ob  es  1887  p.  240.     Mommsen,  B.  St.-B.  3,  1  p.  453 

zusammenhängt  mit  dein  Provinzialkultus,  oder  — 457.    Hirschfeld  p.  6 — 7  Anm.  28.  29.    Beur- 

ob  es  municipalen  Charakter  hat.    Für  ersteres  Her  p.  194 — 237.    Conradus  Nessling,  De  seviris 

ist  Marquardt  1  p.  367  und  Cyzicus  und  sein  Augustalibus.  Gissae  1891.  Laurentius  Schneider, 

Gebiet   p.   84  ff.    und    Büchner,    De   neocoria.  De  sevirum  Augustalium   muneribus  et  condi- 

Giessae    1888,     speziell    p.    30 — 61;     dieser  cione  publica.     Gissae  1891. 

nimmt  an,  dafs   die  Metropolen,  in  denen  die  Über    die    Verehrung     der    Kaiser     durch 

Provinzialtempel    der    Kaiser    sieh    befanden,  Vereine,   z.  B.   die  Epheben   in  Athen,   und 

jener,  dafs  die  Städte,  welche,  durch  Abgeord-  durch  Privatleute   s.  Beurlier  partie  5   „Culte 

nete    am    gemeinsamen   Provinzialkultus    teil-  40  rendu  aux  empereurs  par  les  Colleges  prives   et 

nahmen,  den  Titel  j'troxopot  führten;  für  letz-  les  particuliers"    p.  257  —  262.     Wie   sich   der 

teres    Monceaux,    De   communi  Asiae    cap.  2  Kaiserkultus  in  jeder  einzelnen  Stadt  gestaltet 

§  1  „Civitatum  Asiae  neocoratum  non  ad  pro-  hat,   kann  natürlich  nicht  ausgeführt  werden, 

vincialem    eultum    Bomae   et   Augusti,    sed   ad  vgl.  z.  B.   für   Cyzicus   Marquardt,  Cyzicus  u. 

municipalem  Augustorum  pertineve"  p.  18  —  27  s.   Gebiet.    Berlin  1836    p.  82,  84  ff.,  141  — 144, 

und  Beurlier   p.  4   eh.  4  „Le  nc'ocorat''  p.  238  150 — 157.    E.  Gurtiits,  Ehrendenlcmcd  der  Kyzi- 

— 255,  speziell  p.  246.      Im  übrigen  vgl.  über  l'cner  für  Antonia  Tryphaina  u.  ihre  Familie, 

das  Neokorat  die  bei  Fabricius,  Bibliographia  Monatsber.  d.  Kgl.  Pr.  Ak.  d,  W.    1874    (p.  7 

antiq.   ed.  2.    Hamb.  Lips.  1714.    4°.    p.  296  -  —17)    p.  11  —  14.    Beurlier  p.  166    Anm.   11; 

297    angeführten    älteren    Schriftsteller,    auch  50  Th.    Beinach,   Sur   l'e'poque   et   le   nombre   des 

Ctiperus,  Lettres  crit.   p.  484  ff.    Hist.  de  Vac.  neocorats  de  Cyzique,  Bev.  num.  3°  ser.  8.   1890 

des  inscr.  et  b.-l.  1   p.  60  —  62.    Pellerin,  Mel.  p.   244—252.      Perrot    et    Delbet,    Exploration 

2  p.  266.  Eclliel  4  cap.  7  p.  288—306.   Krause  arch.  de  la  Bithynie  et  de  la  Galatie  p.  76—81. 

in    Pauly  B.-E.   5   p.  534—537   s.  v.    neocori  Th.    Beinach,   Lettre  a  M.   le   Commandern-  J. 

und    desselben    Spezialabhandlung    NtwxoQog.  B.   de  Bossi  au   sujet  du   temple  d'Hadrien  ä 

Lipsiae  1844.  Cyzique,    Bull,    de    Corr.     Hell.     14.     (1890) 

In  den  einzelnen  Gemeinden  pflegte  aufser  p.  517  ff. ;  für  die  Städte  von  Gallia  Narbo- 
den Priestern  den  Kaiserkultus  besonders  das  nensis  Ed.  Beaudouin,  Le  culte  des  empereurs 
hauptsächlich  aus  Freigelassenen  zusammen-  dans  les  cite's  de  la  Gaule  Narb.  Grenoble 
gesetzte  Institut  der  August ales,  Seviri  Au-  60  1891 ;  für  Vienne  T.-C.  Delorme,  Descr.  dumusee 
guBtales,  Seviri  et  Augustales,  über  welches  de  Vienne pre'ce'de'e  de  recherches  hist.  sur  le  temple 
s.  Borghesi,  Iscrizioni  dalmatiche,  Bull.  d.  Inst.  d' Auguste  et  de  Livie.  Vienne  1841.  Allmer 
1842   p.  101  — 109  =  Oeuvres  compl.  4  p.  407  et  de  Terrebasse,  Insc.  ant.  et  du  moyen  dge 

—  421.     A.   E.  Egger,    Examen    critique    des  de  Vienne  I,  1  p.  11 — 25  nr.  3. 

historiens  anciens  de  la  vie  et  du  regne  d' Au-  Eine    hervorragende  Verehrung    fand    der 

guste.     Paris  1844.     App.  2.     Bech.   nouv.   sur  Genius  Augusti,   den  Augustus  den  beiden 

l'hist.  des  institutions  municipales  chez  les  Bo-  Lares   compitales   als  dritte  Gottheit  zugefügt 

melius.     Les  Augustales  p.  357  —  411  u.  Kouv.  hat.     Beim    Genius    des    Kaisers    wurde    ge- 


915  Kaiserkultus  (K.  des  Genius  Aug.  etc.)  Kaiserkultus  (d.  Kaiser  als  Deus)     916 

schworen    und    der    Meineid    bei    demselben  Erlang.  2    1S81    p.  496  —  497.    Beurlier  p.  53. 

streng   bestraft.      Der    genins    Augusti   wurde  Eckhel ,   D.  N.  V.   7    p.  181  —  182,   214,   323; 

auch    im    eacrarium   des  Hauses   verehrt;    die  8   p.  457  —  458.     F.  G.  Habel,  Ann.  d.   Ver.  f. 

Arvales    opferten    ihm    an    den    kaiserlichen  Nassauische   Altertumskunde    und    Geschiehts- 

Festtagen    zugleich    mit   iuppiter,    Inno    und  fgrselwng  2  1837  p.  183  Anm.  ***.  E.  H.  Tölken, 

Minerva,  s.  über  ihn  Preller  p.  495,  775  =  23  Über   die  Barstellung  der   Vorsehung  und  der 

p.  113   u.  Anm.  3.     Marquardt  3   p.  199,  443;  Ewigkeit  auf  röm.  Kaisermünzen.    Berlin  1844 

32  p.  127,  206  u.  Anm.  1.    Mommsen,  E.  St.-E.  (S.-A.    aus    Zeitschr.  für  Münz-,  Siegel-  und 

22,  2  p.  706  Anm.  2.  4;  p.  773  Anm.  3;  784  u.  Wappenkunde    Bd.  4    p.  161  —  194    Tfl.   7,  8). 

Anm.  5.    Schiller,  Gesch.  d.  röm.  Kaiserzeit  1  10  Hulseboos,  Die  Ewigkeit  d.  röm.  Kaisermünzen. 

p.  247.  Eeville  p.  31,  38.  Boissier  p.  137—143.  C.  L.  Visconti,  Di  rilievi  di  un'  aretta,  e  di 

E.  De$jardins,Ge'ogr.dela  Gaule  rom.  3  p.  212  ff.  un  gruppo  di  statue  esprimenti  il  concetto  della 

Beurlier  p.  45—64;  die  Aufsätze   von  Jordan,  eternitä,   Bull,   della  commiss.   arch.   comun.   3 

De  Larum  imaginibus  atque  cultu,  Ann.  d.  Inst.  1875   p.  221  —  238   tav.  20,5;  22;  23. 

1862   p.  300  —  339.    Eeifferscheiil ,   De  Darum  Heilig    gehalten    wurden    die    imagines 

picturis  Pompeianis,  Ann.  d.  Inst.   1863   p.  121  principum;  sie  hatten  Asylrecht,  Marquardt 

— 134.    Premier,  Über  Vesta,  Laren  u.  Genien,  32  p.  463    Anm.  3.     Beurlier    p.  53 — 54;    vgl. 

Philologus   24    p.  243 ff.    Birt  in   diesem  Lex.  Mommsen,   E.  St.-B.    22,  2    p.    736    Anm.  3. 

Bd.  1  Sp.  1617.  1626.    Visconti,  Mus.  Pie-Clcm.  Die    Aufstellung     der    Statue     des     lebenden 

4  p.  337 — 357  pl.  45.    Bernoulli  2,  1  p.  31.  58.  20  Kaisers   unter    den  Götterbildern    der  Tempel 

70.  Gatti,  L'ara  marmorea  dcl  vicus  Aescitleti,  anfänglich   verboten,    wurde   bald    etwas    Ge- 

Bidl.    della    commiss.    arch.    comun.     17     1889  wohnliches,   Mommsen,  E.  St.-E.  22,  2  p.  735 

p.  69 — 72  tav.  3.  u.  Anm.  2.   Beurlier  p.  53. 

Über     die      Zufügung     des     Beinamens  Was  vom  Kaiser  kommt  und  sich  auf  ihn 

Augustus  zu  den  Namen  von  Gottheiten  gehen  bezieht,    wurde   als    heilig   und    göttlich    be- 

die  Ansichten  auseinander.     Beurlier  p.  156 —  zeichnet,  z.  B.  divinae  litter ae ,  itgbv  Ttcddrtov 

157  bemerkt:   „Quelques  auteurs  ont  voulu  voir  ttgcorcitog   (pi'ay.og,    Beurlier   p.  52.     Die   Ado- 

dans   cette   epithete   une   simple    allusion   ä  la  ration,  schon  von  Elagabal  gefordert,  Beurlier 

reconstitution    du   eulte    des    dieux   lares   par  p.  54,   wurde   erst  von  Diocletian   eingeführt, 

Auguste,  mais  il  est  difficile  de  n'y  pas  voir  30  Bevjlle  p.  34. 

en,  meine  temps  un  hommagc  rendu  ä  l'em-  Über  Götterattribute  wie  die  Strahlen- 
pereur.  Le  seid  fait  qu'on  joignait  son  nom  kröne,  welche  zuerst  nur  das  Haupt  des  kon- 
ä  celui  de  divinites  respectees  de  tous  etait  de  sekrierten  Kaisers  zierte,  von  Nero  auf  Münzen 
•nature  ä  inspirer  pour  lui  wie  ve'neration  reli-  bereits  zu  Lebzeiten  getragen  wird,  s.  Scheg- 
gieuse."  Allmer,  Eevue  epigraphique  du  midi  kius  Anm.  zu  Vellejus  Paterculus  2,  59,  7. 
de  la  France  1  p.  57  zu  nr.  77  sagt:  „De  Eckhel,  D.  N.  V.  6  p.  269  —  270;  8  p.  459. 
meine  qu'en  raison  de  cette  association  [du  Mülin,  Monuments  inedits  ou  nouvellement  ex- 
Genie de  l'empereur  au  eulte  des  Lares  compi-  pliques  nr.  16  „Description  d'un  camee  du  cab. 
talesj  les  Lares  des  carrefours  de  Rome  avaient  de  la  bibliotheque  nat.  representant  Septime 
pris  le  nom  de  'Lares  Augustes'',  de  meine  les  40  Severe  et  sa  famille''  p.  178 — 187.  Stephani, 
divinites  locales  admises  au  rang  des  Lares  Nimbus  u.  Strahlenkranz  in  den  Werken  der 
publics  prirent  le  nom  de  divinites  Augustes."  alten  Kunst.  St.  Pctersbourg  1 859.  4°  (aus  Mem. 
Boissieu,  Inscr.  de  Egon  p.  48  drückt  sich,  de  l'Ac.  des  sc.  de  St.  Pe'tcrsb.  6.  se"r.  t.  9). 
nachdem  er  die  Reform  des  Religionswesens  H.  Schiller,  Geschichte  des  röm.  Kaiserreichs 
durch  Augustus  erwähnt  hat,  so  aus:  „De  la  unter  der  Regierung  des  Nero.  Berlin  1872. 
capitale,  cette  institution,  ä  la  fois  sociale  et  p.  310  —  312.  Mommsen,  B.  St.-E.  I2  p.  413 
religieuse,  s'etendit  dans  VItalie  et  dans  les  u.  A.  5,  414  u.  A.  1.  Beurlier  p.  48  —  50. 
pirovinces.  A  partir  de  cette  re forme,  opere'e  Direkt  den  Namen  deus  bei  Lebzeiten  an- 
par  le  plus  habile  politique  d'antiquite,  le  eulte  zunehmen  haben  die  Kaiser  auf  offiziellen 
des  grands  dieux,  comme  le  eulte  des  divinites  50  Denkmälern  wie  den  Münzen  vor  den  Zeiten 
inferieures,  semblent  se  confondre  dans  un  seid,  des  Aurelian  in  Rom  nicht  gewagt,  Beurlier 
celui  d' Auguste:  eulte  de  forme,  et  non  defoi;  p.  51  —  52.  Im  Osten  wurde  von  jeher  nicht 
flatterie  plutot  fpie  superstition.  De  la  le  titre  gekargt  mit  der  Bezeichnung  des  Herrschers 
d' Augustus  ou  d'Augusta,  aecole,  dans  le  plus  als  Qsög.  Aber  auch  in  Rom  war  die  Bezeich- 
grand  nombre  des  inscriptions  de  l'epoque  qui  nung  des  lebenden  Kaisers  als  Gott  oder  die 
nous   oecupe,  au  nom  des  anciennes  divinites."  Vergleichung  desselben  mitbestimmten  Göttern 

Auch  die  kaiserlichen  Tugenden,  wie  seitens   der  Privatschmeichelei,   besonders  im 

die   Providentia   Augusti,   die    Clementia   des  Munde    der   Dichter,    sowie    die    Darstellung 

Kaisers,  wurden  verehrt,  Beurlier  p.  53.  Boissier  der    Herrscher    als    Heroen    oder    Götter    in 

p.l37;dieGriechenhattenaufdieseWeisebereits  co  plastischen     Denkmälern     nichts     Ungewöhn- 

den  Statthaltern  geschmeichelt:   Cicero  Epist.  liebes,  s.  über  die  Bezeichnung  als  &&ög  vbcö- 

ad  Quintum  1,  1:  „in  Ulis  urbibus  cum  summo  rtpos,   &su  vseaziga   Letronne,   Eec.  des  inscr. 

imperio  et  potestate  versaris  in  quibus  tuas  vir-  gr.  et  lat.  de  l'Eggpte  1  nr.  12  p.  98  ff.,  p.  102 

tutes   consecratas   et    in   deorum    numero   collo-  Anm.    1;     für     Beilegung     eines     bestimmten 

catas  vides",  Boissier  p.  137  Anm.  1.  Götternamens  mit  Vorsetzung   von  viog,    via 

Auch  die  Aeternitas  des   Kaisers    wurde  Letronne  ebenda  p.  90  —  93  und  Bech.  p.  s.  ä 

verherrlicht,    Schoener ,    Über   die    Titulaturen  l'hist.  de  l'Eg.  p.  181  ff. ;  für  die  Gleichstellung 

der   röm.    Kaiser,    Acta   seminarii   philologici  der  Kaiser  mit  einzelnen  bestimmten  Göttern 


017           Kaiserkultus  (Titel  Deus)  Kaiserkultus  (Bildwerke)           918 

Gisbertus  Cuperus,  Apotheosis  vel  consecratio  lungen  der  Kaiser  als  Götter  und  Heroen  in 

Homeri.    Arastelod.  1683.    4°.   p.  285 f.     Span-  Statuen,  Reliefs,  Gemmen  u.  s.  w.  findet  man 

hemius,  Diss.  de  praest.  et  usu  num.  ant.  vol.  2.  reiches    Material     in    den    bekannten    ikono- 

Amst.  1717.   2°.  Diss.  12,  12  „De  Dei  in  genere,  graphischen  Werken  von  Mongez,  Iconographie 

et  nominatim  de  quorundam  deorum  nominibus  romaine.    Tresor  de  numismatiqiie  et  glyptique. 

in  nwmmis  imperatorum"  p.  489 — 497.   Eckhel  Gh.   Lenormant ,    Iconographie    des    empereurs 

8  p.  459  ff.   Carolus  Keilius,  Specimen  onomato-  rom.  et  de  leurs  familles,    Bemoulli,  Römische 

logi  Graeei.     Lipsiae  1840.     eap.  1     „Deorum  Ikonographie  Bd.  2;    vgl.   auch   K.  0.  Müller, 

nomina  hominibus  data"  [p.  1 — 34]  p.  11  —  12.  Hdbch.  d.  Arch.  d.  Kunst  §  199,  6ff.    v.  Duhn, 

Krause,  Nscoköqo?    §  3    p.  10—12.     Beurlier  10  Ann.   d.   Inst.    1879    p.    180  — 182.     Beurlier 

p.  155  — 156;    für   die   Annahme    des   Namens  p.  41 — 42. 

oder  der    Attribute  des    Hercules   de  Witte,  Von    einzelnen   Werken    sei    erwähnt    das 

Medailles  med.  de  Postume.  Paris  1845  (S.-A.  Relief  von  Ravenna,    Conze,  Die  Familie  des 

aus  Bev.  num.  1844)  p.  29 — 42;    Fröhner,  Les  Augustus,  ein  Relief  in  S.  Vitale  zu  Ravenna. 

medaillons  de  l'empvre  p.  41.  81—82.  245—246.  Halle  1867.     4°.     Bemoulli  2,  1    p.  254  — 260 

256—258.272;  speziell  für  Commodus  als  Her-  Tfl.  6;    die    Statue   des   Augustus    von    Prima 

eules  Eckhel  7  p.  125—126,  131.    Spanhemius  Porta,     Otto  Jahn,    Aus   der    Altertumswissen- 

p.  492.  Fröhnerv- 142-146.  Zürcher,  Commodus  Schaft  p.  285—304  Tfl.  6.    Bemoulli  2,  1  p.  24 

in   Büdinger,    Unters,    z.    riim.   Kaisergesch.    1  — 27  nr.  6  Fig.  2;   die  Halbfigar  des  Commo- 

p.  247 — 248.    Beurlier  p.  38 — 39;  für  den  Bei-  20  dus  mit  den  Attributen  des  Hercules  im  Kon- 

namen  Zivg   Letronne,  Inscr.  de  l'Eg.  1  p.  81  servatorenpalast ,     P.   E.    Visconti,    Commodo 

—  82  zu  nr.  9  u.  Rech.  p.  s.  A  l'hist.  de  l'Eg.  rappresentato  come  Ercole  Romano  busto  sino 
p.  161.  Hertzberq  2  p.  333  Anm.  82  (Hadrian);  al  torace,  Bull,  della  commiss.  arch.  munieip. 
für  einzelne  mit  bestimmten  Göttern  gleich-  3  1875  p.  3 — 15  tav.  1.  2.  Bemoulli  2,  2 
gestellte  Personen:  Augustus:  Krall,  Wiener  p.  229  —  230  nr.  1  Tfl.  61;  vgl.  p.  22S,  242  — 
Studien  5  p.  315  Anm.  Livia,  J.  Aschbach,  243,  253;  auch  C.  L.  Visconti,  Di  una  statua 
Livia,  Gemahlin  d.  Kaisers  Auqustus.  Denkschr.  quasi  colossale  rappr.  l'imp.  Traiano  Decio, 
d.  K.  K.  Ah.  d.  W.  Ph.-H.  Kl.  13.  Wien  1864.  Bull,  della  commiss.  arch.  comun.  7  1879 
[p.  29  —  84]  p.  56,  81  f.  Hertzberg  2  p.  13  u.  p.  128  —  141  tav.  19.  20.  Für  die  Gemmen 
Anm.  15.  A.  de  Ratich,  Ann.  cl.  Inst.  1847  so  s.  aufser  den  Ikonographieen  auch  King,  Ant. 
p.  282— 283;  Gaius,  W.  Hoeci,  Rom.  Gesch.  1,  3  gems  and  rings  1  p.  229  f.  Hervorragend 
p.  235  —  238.    Beurlier  p.  37 —  38.    Keim  p.  76  darunter     sind     der     grofse     Pariser     Cameo 

—  78;  Nero,  Eckhel  6  p.  269— 270,  275 f.,  278.  (Camee  de  la  Sainte  Chapelle) ,  über  den 
de  Witte  p.  30.  Spanhemius  p.  492.  Beurlier  ältere  Litteratur  giebt  Böttiger,  Kl.  Sehr.  2 
p.  38;  Domitian,  Keim  p.  78;  Hadrian,  Dürr,  p.  296  Anm.  *,  neuere  Bemoulli  2,1  p.  275 
Die  Reisen  des  Kaisers  Hadrian.  Wien  1881.  Anm.  1  Tfl.  30,  wozu  man  fügen  kann  King, 
Anhang  (p.  104  — 123)  passim.  Beurlier  p.  38  The  handbook  of  engraved  gems.  London  1866. 
Anm.  6;  über  die  Beinamen  Olympius  des  p.  57  —  60.  Ant.  gems  and  rings  2  PL  51. 
Hadrian   und   Commodus,    Spanhemius  p.  497  H.  Middleton,    The    engr.   gems    of   classical 

—  499.  Eclhel  6  p.  518,  7  p.  136-137.  Preller  40  times.  Cambridge  1891.'  p.  61.  Heydemann, 
p.  793.  Hertzberg  2  p.  332  Aum.  77,  p.  335  Pariser  Antiken  p.  66  —  68  nr.  1.  E."Babelon, 
Anm.  89,  p.  337  Anm.  96;  über  die  Beinamen  le  cabinet  des  antiques  de  la  bibliotheque  na- 
lovius  und  Hereulius  des  Diocletian  und  tionale.  Livr.  1  PL  1;  der  sehr  ähnliche  Cameo 
Maximian  und  anderer  Kaiser  jener  Zeit,  Span-  Hawkins,  Wieseler,  Über  einen  bisher  nicht  be- 
hemius  p.  495.  Eckhel  8  p.  8,  19  —  20.  Beurlier  kannten  Onyxcameo  mit  einer  Replik  der  Dar- 
p.  39 — 40,  347;  über  das  Beiwort  Soter:  lul.  Stellungen  auf  dem  oberen  u.  mittleren  Streifen, 
Cur.  Schlaegerus ,  Commentatio  de  diis  homini-  des  gr.  Pariser  Cameos  de  la  Sainte  Chapelle, 
busque  servatoribus  ex  numis  atque  marmori-  Gott.  Nachr.  1882  p.  709—793.  Bemoulli  2,  1 
bus  petustis.     Helmaestadii  1737.     4°.  p.  277  Fig.  45;  die  gemma  Augustea  in  Wien, 

Über   die  Vergleiche   der   Kaiser   mit   den  50  worüber   die   ältere   Litteratur   bei   W.  H.  E. 

Göttern  bei  den  Dichtern  s.  Alfr.  Finckc,  De  Koehler,  Über  3  Gemmen  der  K.  K.  Sammlung 

appellationibus  Caesarum  honorificis  et  adula-  zu  Wien,  Ges.  Sehr.  5  p.  24. 25,  die  neuere  bei 

toriis  usque  ad  Hadriani  aetatem  apud  scrip-  Bemoulli  2,  1    p.  262    Anm.   1   Tfl.  29,    wozu 

tores  Romanos  obviis.     Regimonti  1867;     spe-  kommt  King,  Ant.  gems  and  rings  2  PL  52,1. 

ziell    für    Augustus     Boissier     p.    134  —  137.  Pauckcr,  Über  die  gröfseren  Cameen  verschie- 

Feldbausch    p.   231  f.     Th.   Pluefs ,   Die  Gott-  clener  Sammlungen ,  insbesondere  über  die  s.  g. 

menschlich!; eit  u.  die  Wiedergeburt  des  Octavi-  Gemma    Augustea   zu    Wien,    Sitzungsber.    d. 

anus  Augustus,  Jahrbb.  f.  id.  Piniol.   Bd.  101.  kurländ.  Ges.  f.  Litt.  u.  Kunst  v.  7.  Nov.  1856. 

1870  p.  146  —  152.    Andr.  Weidner,  Commen-  F.  de  Mely ,  Le  grand  camee  de  Vienne,  Gas. 

tariolum    Horatianum.     Merseburg    1869.     4".  60  arch.    11     1886    p.    244  —  253   PI.  31;    für  die 

Bentley  zu  Horaz  ep.  2,  1,  16.    Passow ,  Leben  spätere   Zeit  s.   Fr.  Wieseler ,  Über  einige  be- 

des  Horaz  p.  CXV.    Kiefsling ,   Zu   Augustci-  achtenswerte  geschn.  Steine  des  4.  Jahrh.  n.  Chr. 

sehen  Dichtern  1881  p.  92,  w.ozu  vgl.  Premier,  Abt.  2,  1.     Gott.  1884.    4°   (aus  dem  31.  Bde. 

Jahresber.  üb.  d.  Mythol.  aus  d.  J.  1S76—1885  der  Denkschr.  d.  Ak.  d.  W.). 

=   Jahresber.    iib.    d.    Fortschr.   d.    kl.  A.-W.  Die    Darstellung    in    Gestalt    von    Göttern 

Supplt.-Bd.  (25.  Bd.)  p.  449.    0.  Jahn,  Aus  der  war  übrigens  nicht  auf  die  Kaiser  beschränkt, 

Altertumswissenschaft  p.  298  —  301.  0.  Jahn,    Aus  d.  A.-W.    p.  302.     Monumento 

Über  die  unzähligen  bildlichen  Darstel-  delV  apoteosi  fatta  in  Aquileja  ad  una  attrice 


019 


Kakasbos 


Kalamos 


920 


da  teatro.  Udine  1826.  E.  Le  Blant,  Lettre 
a  M.  le  baron  de  Witte  sur  un  sarcophagc  chre- 
tien  portant  l'image  des  Dioscures,  Gas.  arch. 
4  1878  p.  1—6,  PI.  1.  de  Wüte,  Lettre  ä  M. 
Fr.  Lenormant  sur  les  apothcoses  prive'es  dies 
les  anciens,  Gas.  arch.  4  1878  p.  6—8.  Mais 
n.  v.  Duhn,  Ant.  Bildwerke  in  Born  3  p.  266, 
Sachregister  s.  v.  Porträts.  Visconti,  Opere 
rarie  4  p.  223 — 228  nr.  LVI.  Personnage  ro- 
main  en  Mercure  dit  le  Germanicus.  Vor  allen 
wurde  der  schöne  Liebling  des  Hadrian,  An- 
tinoos,  unter  den  verschiedensten  Götter- 
gestalten abgebildet,  Weber,  Antiquitates 
Antinoi.  Gissae  1711.  4°.  Frangois  Xavier 
Bon,  Conjectures  sur  une  pierre  grave'e  repr. 
Vapothc'ose  d' Antinous,  Acad.  des  B.-L.  dre  se'r.) 
14  p.  117...  EclJiel,  D.  N.  V.  6  p.  528  —  639. 
Levesoiv,  Über  den  Antinous  dargestellt  in  den 
Kwnstdenkmälern  des  Altertums.  Berlin  1808. 
4".  Cavedoni,  Antinoo,  Bull.  arch.  napol.  n.  s. 
4  p.  158.  Gregorovius,  Kaiser  Hadrian  p.  267 
— 270.  Friedländer,  Darst.  aus  d.  Sittengesch. 
Borns.  36  p.  515—516.  Hertsberg  2  p.  345—348. 
Kenner,  Die  Mihissammlung  des  Stiftes  St.  Flo- 
rian. Wien  1871.  4".  p.  71—73.  r.  Sallct, 
Antinous- Hermes  auf  Münzen  von  Nicomedia, 
Zeitschr.  f.  Num.  5  1S78  p.  107.  Friedländer, 
Bepert.  p.  408.  Dietrichson,  Antinoos.  Christi- 
ania  1884. 

Über  die  Juden  und  Christen  als  Gegner 
des  Kaiserkultus  s.  Beurlier  Partie  6  „Les 
ilissidents  du  culte  imperial"  p.  263  —  281. 
Boissier  p.  181  —  182;  Fr.  Maafsen,  Über  d. 
Gründe  des  Kampfes  zwischen  dem  heidnisch- 
röm.  Staat  u.  d.  Christentum.  Wien  1882  u.  dazu 
//.  Schiller,  Jahresbericht  üb.  die  Fortsehr.  d. 
II.  A.-W.  Bd.  32  p.  526;  über  die  aufgeklärten 
Spötter  in  Rom  Boissier  p.  174  —  181 ;  über 
die  Fortdauer  des  Kaiserkultus  in  der  christ- 
lichen Zeit  Boissier  p.  182 — 182.  Waddington, 
Asie-Min.  p.  206  —  207  zu  nr.  628.  de  Bossi, 
Inscr.  urbis  Bomae  christianae  p.  X,  p.  XXV, 
p.  337  —  339  zu  nr.  767.  E.  Beurlier  Partie  7 
„Le  culte  imp.  apres  Constantin"  p.  283  —  317, 
sowie  Beurlier,  Les  vestiges  du  culte  imperial 
ä  By'ance  et  la  quereile  des  iconoclastes. 

Eine  gerechte  Würdigung  der  Kaiser- 
verehrung findet  man  bei  Be'uille  p.  37  f. 

[W.  Drexler.] 

Kakasbos,  kleinasiatischer,  in  Lykien  nach- 
weisbarer Gott,  welcher  zu  Pferde  dargestellt 
wurde.  Wir  kennen  ihn  aus  zwei  Reliefs. 
Das  eine  in  der  Sammlung  des  griechischen 
Vicekonsuls  Vitalis  in  Rhodos  „enthält  die  Dar- 
stellung  eines  Reiters  in  barbarischer  Tracht, 
nach  r.  reitend,  sein  Oberkörper  en  face ;  die 
R.  hebt  einen  kurzen  Stock.  Späte  Arbeit. 
Darunter  die  Inschrift:  Jioytvwg  |  MoXgrog 
Ovaar](ii  |  os  ||  Ka-naaßä  (oder  nach  Petersen 
Kanüeßco)  fvxrfv",  Loewy,  A.  E.  M.  7  p.  124, 
das  andere,  von  E.  Petersen  in  Lewissi  ent- 
deckt, zeigt  den  Gott  gleichfalls  zu  Rofs  r.  h., 
mit  Panzerschurz,  in  der  erhobenen  R.  einen 
undeutlichen  Gegenstand  (Blitzstrahl?)  und 
darunter  die  Inschrift  'Egfiaiog  Slg  \  KovvSaXi 
•frfrä  KctKaaß'ca  svvriv,   E.   Petersen    und    Felix 

v.  Lusclian,   Beisen  in    Lykien,    Milyas    und 


Kibyratis.  Wien  1889.  2°.  p.  3  Fig.  2  nr  3. 
Hierzu  gesellt  sich  ein  leider  nicht  näher  be- 
schriebenes Relief  der  Sammlung  des  Herrn 
A.  Mirzan  in  Narlikiöi  mit  der  Inschrift  MoXie- 
£0?  Tgci  yXov  Kaxüßco  iv%r)v,  vgl.  Movasiov  «ßi 
ßißXio&rjxrj  rfjg  \iv  2/ivQvn]  ivayyiXmijg  a%oXrjg. 
llsQioSog  SsvTSQct.  "Eros  ngätov  1875  —  76 
p.  30  nr.  qX'.  Das  Fehlen  des  e  beruht  wohl 
nur  auf  einem  Versehen  des  Abschreibers. 
10  In  A.  E.  M.  13  p.  126  habe  ich  darauf  hin- 
gewiesen, dafs  dieser  Göttername  auf  dem  Rs. 
einer  sog.  gnostischen  Gemme  (Montfaucon, 
L'ant.  expl.  2  PI.  173.  Kopp,  Paläogr.  crit. 
§  822—824  S.  299—303.  Wessely,  Eph.  Gr.  p.  22 
nr.  221)  unter  einem  auf  einer  Schlange  stehen- 
den Adler  in  der  Form  KAKAIBEYI  sich  findet. 

[Drexler.] 

Kakia  (Kornia),  Personifikation  der  «axja  in 
der  Allegorie  des  Prodikos  von  Herakles  am 
20  Scheidewege ;  Kenoph.  Memor.  2,  1, 29.  Lustin. 
Martyr.  apol.  2,  11.  Kebes  pinax  11.  17.  23. 
Bei  ihren  Freunden  heifst  sie  allerdings  nicht 
Kania,  sondern  Evdatfiovia  (Kenopli.  a.  a.  0. 26). 
Im  schol.  Rom.  Od.  13,  289,  wo  es  heifst: 
Ssvotpcäv  aal  TtXiaiXXcc  r;  'Jgysia  dictygdqjovoiv 
'.Vpstfjs  Kai  KaXoKayct&Lag  sinöva,  vermutet 
Nitssch  'Agstfig  not  Kcmictg,  doch  s.  Berglc, 
Poet.  lyr.  34,  381.     [Höfer.] 

Kakios  {Kaniog),  ein  vornehmer  Mann,  der 
so  auf  dem  palatinischen  Berge  wohnte  und  zu- 
gleich mit  Pinarios  den  Hercules  (s.  d.)  gastlich 
aufnahm.  Dafür  blieb  zu  Rom  das  Andenken 
beider;  das  vornehme  Geschlecht  der  Pinarier 
dauerte,  bis  in  späte  Zeiten,  nach  Kakios  aber 
wurde  die  steinerne  Treppe,  welche  von  dem 
Palatinus  zu  dem  Circus  maximus  und  dem 
Forum  boarium  hinabführte,  in  der  Nähe  von 
dem  damaligen  Hause  des  Kakios  (Atrium 
Caci,  Preller,  Begionen  d.  St.  Born  132),  Kaxta 
40  -/.li>a|  (Scala  Caci)  genannt,  Diod.  4,  21.  Ge- 
naueres ob.  Bd.  1   Sp.  2275 ff.  2284 ff.   2287. 

[StolL] 

Kakodaimoiiia  [KanoSaifiovCa),  Personifika- 
tion aus  dem  Pinax  des  Kebes  lOf. ;  vgl. 
K.  K.  Müller  in  der  Archäol.  Ztg.  42  (1884) 
S.  125  f.     [Röscher.] 

Kakos  (Ääxos)  =  Cacus  u.  Kakios  (s.  d.). 

Kalabros   (KäXaßQog),  Bruder   des  Tainaros 
(s.  cl);   Steph.   B.  s.   v.   TaCvagog.    Vgl.  Kalau- 
50  ros.     [Röscher.] 

Kalaino?  {KaXaivcö ?),  Gemahlin  des  Miletos, 
Nicaen.  ep.  6  v.  2  ed.  Brunck.  [Wohl  Kclaino; 
vgl.  Parth.  11.    Immisch.]     [Lorentz  ] 

Kalaios  s.  Kalaos. 

Kaiais  s.  Boreaden. 

Kalametis  s.  Klaametis. 

Kalamitcs  (KceXanivrig),  „ein  mythischer  Arzt 
und  attischer  Heros,  der  in  Athen  ein  Heilig- 
tum hatte",  Josef  Murr,  Die  Pflansenioelt  in 
go  der  griech.  Mythol.  p.  280  nach  Demosth.  or. 
XVIII,  129  und  Hesych.  s.  v.  KaXcciihng  ?jp<ds. 
[Apollonios  in  vita  Aeseh.  Beklccr,  an.  269,  7; 
vgl.  Suid.  bvofia  %vqiov.  Nach  schal.  Demosth. 
19,  249  (p.  419,  22)  war  sein  eigentlicher  Name 
Aristomachos;  vgl.  Bd.  lSp.  2865,  Z. 56 ff.  Höfer.] 
Vgl.  auch  Boscher,  D.  Heros  Adristas,  Jahrb. 
f.  11.  Piniol.  1881  S.  671.     [Drexler.] 

Kalamos   (KaXaiiog),  der  schöne   Sohn   des 


921                       Kalaos  Kalchas                       922 

Flufsgottes  Maiandros,  war  mit  Karpos  (s.  d.),  Aulis  sagte  er  die  Länge  des  Krieges  voraus, 

dem  Sonnendes  Zephyros  und  einer  der  Hören,  11.  2,  300  fi'.    Qu.  Sm.  6,  61.   8,  475.    Ov.  Met. 

einem     zarten j  Jüngling     von     ausnehmender  12,  1 1  ff.     Er   forderte   dort   die  Opferung  der 

Schönheit    durch    die    zärtlichste    Liebe    ver-  Iphigeneia   (s.    d.),   deutete   im   10.   Jahre   des 

bunden.     Als   beide   einst   zusammen   in   dem  Kriegs  den  Zorn  des  Apollon  (II.  1,  92)  und  gab 

Maiandros  badeten  und  Karpos  ertrank,  ward  den  Rat,  den  Helenos  zu  fangen  (Sero.  V.  Aen. 

Kalamos  in  seinem  Schmerz   in  ein  Schilfrohr  2,  166.  KononZi),  sowie  den  Neoptoleinos  von 

verwandelt;  Karpos  aber  ward  zur  Frucht  des  Skyros  und  den  Philoktetes  von  Leninos  zu  holen; 

Feldes,    die  jedes  Jahr  wiederkehrt,   Serv.   V.  Qu.   Sm.   6,   57  ff.    9,    327.      Zuletzt,     als    alle 

Ecl._b,  48.  Norm. Dionys.  11,370  —  481.    (Murr,  10  Kraft  und  Tapferkeit  gegen  Troja  nichts  half, 

Pflanzenwelt  p.  279 — 280.)    [Stoll.]  riet  er  zur  List  und  veranlafste  mit  Odysseus 

Kalaos    (KaXaög),    1)    Phryger,    Vater    des  die  Erbauung  des  hölzernen  Pferdes  (Qu.  Sm. 

Attes,  Hermesianax  b.  Paus,  7,  17,  5;  vgl.  Bd.  1  12,  3 ff.    Verg.  Aen.H,  185),  in  das  auch  er  kinein- 

Sp.  717,  Z.  52  f.  —  2)  ÄKAaos  Sohn  des  Thyestes,  stieg,   Tz.  Posthorn.  645.     Triphiod.   172.    Nach 

und  einer  Naiade,  Bruder  des  Aglaos  und  Orcho-  Eroberung  der  Stadt  offenbart  er  dem  Aineias 

menos,  schol.  Hur.  Or.  5  (v.  1.  KaXaiog).  —  So-  sein  künftiges   Schicksal   und   den  Ruhm   des 

pjhokles  fr.  144a  (Dindorf)  nennt   ihn  KdXiog;  zu  gründenden  Roms,    Qu.  Sm.  13,  333  ff.    Vor 

Tzetz.  Chil.  1,  449  KdXXaiog;  mant.  prov.  2,  94  dem  Abzug  der  Aehäer  fordert  er  die  Opferung 

KdXsvg.   Vgl.  Kallileon.  — [3)  =  TaXaög,  Vater  der  Polyxena,  Serv.  V.  Aen.  3,  322.  —  Durch 

des  Parthenopaios,   Schol.  zu  Soph.    Oed.   Col.  20  den  Sturm,  der  die  heimkehrenden  Aehäer  bei 

1320:  "Evioi  ov  x'ov  'AzaXdvzrjg  qoacl  Uuq&ivo-  Euboia  überfiel  und  zerstreute,  wurde  Kalchas 

naiov   ozoazivaai,   dXXd   z'ov  TaXaov  ,  ov  tvwi  mit  Idomeneus  und  Sthenelos   nach  Kolophon 

Sid    tov    v.    KaXabv   nqoaayooivovci,  xa-iroijrfp  verschlagen,  Schol.  Od.  13,  159.     Zumeist  aber 

'AqißzttQxas  o  TsyEßTTjs  -Aal  i>iXoiiXfig  ibzoqovoi,  wird   erzählt,   dafs   er  und   der  Seher  Amphi- 

ovy/ocupicov  dt  'Exazaiog  o  MiXriciog,  Ludwig  lochos,  sowie  Leonteus    Podaleirios  und  Poly- 

Mercklin,  Die  Talos-Sage  und  das  sardonische  poites,  sich  den  heimfahrenden  Achäern  nicht 

Lachen    (aus    den  Me'm.  des  sav.  etr.  T.  7)   St.  angeschlossen   hätten,  weil  die  Schiffe   durch 

Petersbourg  1851.   4".   p.  55    (19)    p.  109  (73).  die  lange  Dauer  des  Krieges  angefault  waren, 

Anm.  184.  Drexler.]     [Stoll  u.  Höfer.]  oder  weil  sie  den  Schiffbruch  bei  Euboia  vor- 

Kalaurcates  (KaXavQtdzrjg),  Beiname  des  auf  30  ausgesehen  und  zu  Land  von  Troja  abgezogen 

der  Insel  Kalauria  verehrten  Poseidon;  Boeckh  seien,    [Apollodori  JSpit.  Vat.  21,  25.      Wagn. 

in  den  Monatsber.  d.  Berl.  Akad.  1853  S.  570.  Exe.    Sabbait.,   Eh.    M.    46,   163.    174,    nebst 

573.  P/ittenberger,  Sylloge2d,12  p.  56.  Poseidon  Wagners  Curae  mythogr.  256  ff.,  290   und  Rli. 

hatte  Kalaureia  von  Apollo  gegen  Pytho  (oder  M.    46,    407.      Andere    Stelleu     bei    Immisch, 

von  Leto  gegen  Delos,  Strabo  8,  373)  einge-  Klaros {Jahrb.  Suppl. XVII)  160 ff.;  vgl. nament- 

tauscht;  Paus.  2,  33,  2.  10,5,6.    Slrdbo  8,  374.  lieh   Lykophr.   427  ff.    (nebst  Scholl,  u.   Tzetz.). 

Philostephanos  im  schol.  Apoll.  Ehod.  3,  1242.  Schol.  II.  2,  135.    Qu.  Sm.  14,  360.  366  u.  a. ; 

Eust.    zu    Dionys.    Perieg.    498.      Suid.    s.    v.  s.  auch  Amphilochos  (I  Sp.  305 ff.).    Immisch.] 

üvzß.zv;  vgl.  Agathem.  1,  5  p.  193   Gron.  Plut.  Dem  Kalchas  war  prophezeit  worden,  er  werde 

Pomp.  24;   Schneider   zu   Eallim.   fr.   221.     In  jo  sterben,  wenn  er  einen  besseren  Weissager  treffe, 

seinem  Tempel  war  eiu  Asyl,  Lucian.  Demosth.  als  er  selbst  sei  (Sophokles  in  der  Tragödie' EXiviqg 

enc.   46.     Pseudo-  Demosth.   ep.   2,   20   p.  1472.  unaizrjoig  nach  Strab.  14,  643);  wahrscheinlich 

[Vgl.  Earl  Eeil,  Inschriften  aus  Griechenland,  war   die  Prophezeiung  von  Helenos  in  Troja, 

Philologus,  Supplbd.  2  p.  622ff.  nr.  8,  wo   die  Welcher,  Gr.  Tr.  1,  123.    Den  besseren  Wahr- 

Litteratur  über  P.  K.  verzeichnet  ist.    Drexler.]  sager  traf  er  in  Kolophon  oder  vielmehr  in 

Vgl.  Kalauros.    [Höfer.]  Klaros  bei  Kolophon,  wo  das  alte  Orakel  des 

Kalaur[e]ia(Aa?.avpiof  oder  KaXavoaia),  eine  klarischen    Apollon   war.     Dies  war  der  dort 

Nymphe,    Uemahlin    des    Jndos,    Mutter    des  wohnende  Mopsos,  der  Sohn  der  Manto  und  des 

Ganges,  Pseud.-Plut.  de  fluv.  4,  1.    [Lorentz.]  Rhakios  od.  Lakios,  mit  dem  er  sich  in  einen 

Kalauros  (KdXavgog) ,    Sohn    des  Poseidon,  50  Seherwettstreit    einliefs    und    besiegt    wurde, 

nach    dem    die   Insel   Kalaureia   ihren   Namen  Infolge  davon  starb  er  vor  Trauer,  oder  er  gab 

hatte,  Steph.  B.  v.  KccXavQSia.    Vgl.  Kalabros.  sich  selbst  den  Tod.    Seine  Begleiter  begruben 

[Stoll.]  ihn  zu  Klaros.     Die  Rätsel,  die  dem  Kalchas 

Kalchas  (KüXxctg,  von  KuXxoiiva) ,  der  Sohn  das  Leben  kosteten,  haben  Hesiod  (in  der 
des  Thestor,  aus  Mykenai  oder  aus  Megara  Melampodie)  und  Pherekydes  aufbewahrt,  Strab. 
(Paus.  1,  43,  1),  „der  beste  der  Vogelschauer,  14,  642.  643.  Immisch  a.  a.  0.  Jung  ist  diese 
der  da  wufste  das  Gegenwärtige,  das  Zukünftige  Sage:  Kalchas,  mit  Mopsos  streitend,  weissagte 
und  das  Vergangene  und  den  Schiffen  der  dem  lykischen  König  Aniphiinachos,  der  das 
Aehäer  nach  Troja  Führer  war  durch  seine  Amt  des  Schiedsrichters  übte,  in  einem  bevor- 
von  Apollon  ihm  verliehene  Weissagung",  II.  eo  stehenden  Kriege  den  Sieg,  welchen  Mopsos 
1,  69.  Schol.  Ap.  Rh.  1,  139.  Hyg.  f.  97.  128.  ihm  absprach.  Mopsos  behielt  Recht  und 
Er  heifst  bei  Homer  fidvzig,  oiiovonöXog,  &io-  wurde  noch  mehr  geehrt;  aber  Kalchas  gab 
Ttgönog  oicoviBzrjg,  II.  1,  69.  92.  13,  70.  Nagels-  sich  den  Tod,  Eono>i  6;  (vgl.  Immisch  144 
bach,  Hom.  Thcol.  151  Anm.  u.  164.  Er  leitete  nr.  4.  Höfer,  Konon  88).  Auf  Euphorion  ist 
die  Aehäer  vor  dem  Krieg  und  während  des-  die  folgende  Sage  mit  einiger  Wahrschein- 
seiben, so  dafs  sie  zum  Ziele  kamen.  Er  ver-  lichkeit  zurückzuführen:  Als  Kalchas  im  Haine 
kündete,  dafs  ohne  Achilleus  Troja  nicht  ge-  des  Apollon  bei  Grynoi  im  Gebiet  von  Myrina 
nommen  werden  könne,  Apollod.  3,  13,  8.    Zu  in  Aiolis  Reben  pflanzte,  prophezeite  ihm  ein 


923                        Kalchas  Kaie                           924 

benachbarter  Weissager,  dafs  er  von  dem  Weine  hingen  des  K.  finden  sich  auf  dem  Gemälde  des 
nicht  trinken  werde.  Nachdem  der  Wein  ge-  Timanthes  (s.  Iphigeneia  n.  vgl.  Reibig,  Wand- 
keltert war,  lud  Kalchas  unter  andern  Gästen  gemälde  nr.  1304  u.  1305,  wo  auch  weitere 
auch  den  Weissager  ein.  Schon  hielt  Kalchas  Litteratur  angegeben  ist),  ferner  auf  der  Tabula 
den  vollen  Becher  in  der  Hand,  da  wiederholte  Iüaca  C.  I.  Gr.  6125;  vgl.  auch  Arch.  Ztg.  4, 
der  Seher  seine  Weissagung;  Kalchas  brach  286  (?).  9,  103*.  R]  [Stoll  und  Immisch.] 
darüber  in  Lachen  aus  und  erstickte,  bevor  er  Kalchedonia  (Kal%rj8ov£u),  von  Zeus  Mutter 
getrunken,  Serv.  V.  Ecl.  6,  72.  (G.  Schnitze,  des  Solymos,  von  dem  die  Solymer  stammten, 
Enphorionea  5 Off.  Knaack,  Jahrb.  1888  150ff.  Antimavhos  b.  Schal.  Od.  5,  283  =  fr.  16  b. 
Immisch  149.)  Kallinos  erzählte,  Kalchas  sei  10  Bergk,  P.  X.4  2,  292.  Bei  Steph.  B.  v.  ütaiSta 
in  Klaros  gestorben,  seine  Begleiter  aber,  heifst  sie  XaXSqvT].  [Stoll.] 
die  von  Troja  mit  ihm  gezogen,  seien  mit  Kahhiiiia  (Kul%ivia),  lochter  des  Königs 
Mopsos  über  den  Tauros  gezogen  und  zum  Leukippos  in  Sikyon,  welche  dem  Poseidon 
Teil  in  Pamphylien  geblieben,  zum  Teil  den  Peratos  gebar.  Leukippos  erzog  den 
weiter  gegangen  bis  nach  Kilikien ,  Syrien  Beratos  und  hinterliefs  ihm  die  Herrschaft, 
und  Phönikien,  Strab.  14,  668,  vgl.  Eerodot  Paus.  2,  5,  7.  Lauer,  System  391.  [Stoll.] 
7,  91.  Paus.  7,  3,  4.  Qu.  Sm.  14,  367.  Pam-  Kalchos  (KdX%og),  König  der  Daunier,  Ge- 
phylier,  die  mit  Kalchas  von  Troja  abzogen,  liebter  der  Kirke,  die  ihn  jedoch,  als  sie  mit 
bildeten  einen  Teil  der  Bevölkerung  von  Ery-  Odysseus  Umgang  pflog,  nicht  mehr  auf  ihre 
thrai,  Paiis.  7,  3,  4;  daher  das  Bild  des  20  Insel  liei's.  Seinem  Andringen  nachgebend, 
Kalchas  auf  einer  Münze  dieser  Stadt,  Mionn.  lud  sie  ihn  endlich  zum  Mahl  und  verzauberte 
3,  130.  [Die  Münze  zeigt  nicht  das  Bild  des  ihn  durch  vorgesetzte  Speisen.  Als  nach 
K.  sondern  den  Beamtennamen  KAAXAX.  einiger  Zeit  ein  Heer  der  Daunier,  den  König 
Dagegen  sieht  Svoronos,  'Ecprjfi.  <xqx-  1890  suchend,  bei  Kirke  erschien,  gab  sie  ihn  zu- 
Sp.  165 — 170.  Pinax  8,  29 — 31  das  Haupt  des  rück  gegen  das  Versprechen,  dafs  er  ihre  Insel 
Kalchas  (nr.  29)  und  das  seines  Sohnes  (nr.  30.  nie  mehr  betreten  und  von  jeglicher  Werbung 
31),  nach  welchem  laut  Hesych.  Mil.  §  21.  abstehen  wolle,  Parthen.  12.  (Vgl.  Kalchas.) 
F.  IL  G.  4  p.  150  Cbalkedon  benannt  ist,  auf  [Stoll.] 
älteren  Münzen  dieser  Stadt.  —  Ecktet  2  p  411.  Kaie (Kalrf),  1)  eineNereide,  C.  I. Gr. 4  nr.8406. 
Mi.  2  p.  421.  S.  5  p.  25.  Leake,  Num.  Hell,  so — [2)  Eine  der  3  Chariten  (=  Aglaia),  Schwester 
As.  Gr.  p.  40.  Head  p.  438  lassen  diese  Häupter  der  Pasithea  und  Euphrosyne,  von  Teiresias 
unbenannt,  während  WarvAck  M'roth,  C.  Gr.  [dem  Schüler  des  Cheiron  in  der  Mantik, 
C.  Brit.  Mus.  Pontus ,  Paphlagonia ,  Bithynia  Tümpel],  in  einem  Schönheitswettstreit  mit 
p.  124  an  Zeus  und  Apollon  denkt.  Drexler.]  Aphrodite  für  die  Schönste  erklärt.  [Als  Tei- 
Sophökles  in  der  oben  erwähnten  Tragödie  resias  von  der  erzürnten  Aphrodite  in  ein 
verlegte  mit  andern  den  Wettstreit  des  Kai-  altes  Tagelöhnerweib  verwandelt  wird,  spendet 
chas  und  Mopsos  und  seinen  Tod  nach  K.  diesem  zum  Tröste  schönes  Haupthaar  und 
Kilikien,  das  er  Painphylien  nannte,  Strab.  führt  es  nach  Kreta;  vgl.  'Nachträge'  zu  Bd.  II 
14,  643.  675.  In  Pisidien  soll  Kalchas  die  u.  'Araehnos'.  Tümpel]:  Sostratos  b.  Eustath. 
Stadt  Selge  gegründet  haben,  Strab.  12,  570.  40  zu  Rom.  x  492;  vgl.  R.  Wagner  im  Reimes  27 
Eustath.  Vionys.  Per. S58,  ebenso  lialcbedon  am  (1892)  S.  132  u.  136,  der  an  Rom.  2  382f.  er- 
thrakischen  Bosporos  (wohl  wegen  der  Namens-  innert.  Röscher.]  —  3)  [KAAH  als  Beischrift  einer 
ähnlichkeit,  richtiger  Maafs,  Herrn.  23,  619;  Bakchantin  fafst  Heydemann,  Satyr-  u. Bakchen- 
doch  vgl.  Immisch  15S  nr.  2),  Hesych.  Miles.  namen  A,  T,  W,  f.  y.  nicht  als  Namen  der- 
in  Müller,  hist.  gr.  fr.  4,  150,  21.  Auch  in  Italien,  selben  p.  12  Anm.  43;  vgl.  O.  Jahn,  Vasenbildcr 
in  demfrühzeitiggräcisiertenApulien  (Daunien),  p.  18  Anm.  27.  —  i)  Stephani,  Der  ausruhende 
zeigte  man  ein  Grab  und  ein  Tiaumorakel  des  Herakles  p.  16  sieht  auf  einem  Vasengemälde 
Kalchas  auf  dem  Gipfel  des  Hügels  Drion;  am  „den  Gedanken,  dafs  die  wahre  Glückseligkeit 
Fufse  desselben  war  das  Grab  des  Podaleirios.  in  reichlichem,  mit  Liebesgenufs  verbundenem 
Ebenso  war  in  Siris  in  Lucanien  ein  Grab  des  so  Mahle,  in  Gesundheit,  langem  Leben  und 
Sehers  Kalchas,  den  Herakles  durch  einenFaust-  Schönheit  besteht,  dadurch  ausgesprochen,  dafs 
schlag  getötet  haben  sollte,  doch  will  Tzetzes  Eudaimonia  von  Pandaisia  mit  herzuschweben- 
diesen  nicht  für  den  Thestoriden,  der  in  Argos  dem  Eros,  von  Hygieia,  Polyetes  und  Kaie  um- 
begraben  sei,  anerkennen:  Lykopin:  978  ff.  geben  ist";  ebenso  fassen  das  Bild  Minercini, 
1047ff.  nebst  Schol.  und  Tz.  Strabo  6,  284.  lllitstr.  di  im  vaso  di  Ruvo  1845  und  de  Witte, 
Preller,  Gr.  M.  2,  480.  482  f.  [Rohde,  Psyche  Eev.  arch.  2  p.  550  ff.  Elite  ceramogr.  2  p.  61. 
1,  175.  Immisch  158ff.  Wahrscheinlich  liegt  Ann.  dell'  Inst.  17  p.  414ff.  Auch  Heydemann, 
der  Sage  eine  Umbildung  des  einheimischen  Heroisierte  Genrebilder  auf  bemalten  Vasen, 
Königs  Kalchos  zu  Grunde  (vgl.  Kalchos).]  Commentationes  philol.  in  hon.  Tli.  Mommscni 
—  Tzetz.  Posthorn.  666  beschreibt  den  Kai-  CO  p.  164  Anm.  6  ist  nicht  abgeneigt  auf  dieser 
chas  als  klein  und  schmächtig,  von  weifser  zweifach  (Jahn,  Vasen  mit  Goldschmuck  Tf.  II, 
Haut,  mit  dichtem  grauem  Haar  und  ganz  1.  2  u.  3.  4  =  Brit.  Mus.  1263  u.  Dresd. 
weifsem  Bart.  —  Ein  Bruder  des  Kalchas  war  Antik.  88)  erhaltenen  Darstellung  xaln  hier 
Alkmaou,  II.  12,  394,  Schwestern  desselben  „im  Hinblick  auf  Hygieia  u.  s.  w.  ausnahms- 
Leukippe  und  Theonoü,  welche  ihr  Geschick  weise  als  weiblichen  Eigennamen  (vgl.  Antli. 
auch  nach  Kleinasien  führte,  Hyg.  f.  190.  Von  Palat.  7,  599  u.  a.)  zu  fassen  und  zu  deuten". 
Schol.  II.  13,45  wird  Kalchas  unter  die  Herolde  —  5)  Auf  einer  Hydria  fafst  de  Witte  KAUE  als 
vor  Troja  gerechnet.     [Bildliche  Darstel-  Namen  der   dargestellten  Amazone,   de  D'itte 


925 


Kaie  Thea 


Kalligeneia 


926 


Descr.  d'une  coli,  de  vases  peints  et  de  bronses 
provenawt  des  fouilles  de  l'Etrurie,  Paria  1837 
p.  92  nr.  145.  —  6)  Ebenso  hält  er  auf  einer 
Hydria  mit  Darstellung  von  drei  bestimmt 
durch  ihre  Attribute  als  Musen,  [TEJPYIXOPA, 
[0JAAEIA,  KAAAIOr[H]  charakterisierte  Frauen 
und  zwei  anderen,  von  denen  die  eine  ohne 
Beischrift  ist,  während  bei  der  anderen  KAAH 
steht,  dieses  für  den  Namen  der  Frau,  die  er  mit 
der  anderen  nicht  mit  einer  Beischrift  ver-  10 
sehenen,  gleichfalls  für  eine  Muse  erklärt, 
Cat.  d'objets  d'art  .  .  .  composant  la  coli,  de 
M.  Castellani.  Paris  1866  p.  21  nr.  50.  Cat. 
d'une  coli,  de  monum.  ant.  (de  M.  Paravey). 
Paris  1879  p.  20  nr.  42.     Drexler.]     [Lorentz.] 

Kaie  Tbea.  Eine  Inschrift  von  Ramleh 
lautet:     @sä    -AaVq  \  Iv    HavSoixn  \  Kai    ovv- 

M       ,W         ,  ,       ,  , 

väoig    |   &£otg  |    AfijMOVUQLOV   \    HqcoSov    actrj 
äv£&r)Y.£v,   F.  G.  Kennyon,  Class.  rev.  5   1891  2o 
p.   483;    vgl.    p.   486    und    Atlienaeum     1891, 
14.  Nov.     [Drexler.] 

Kaieon  (Kultmv),  Flufsgottheit,  erscheint  auf 
Münzen  der  Sabina  von  Smyrna,  mit  der  Bei- 
schrift KAA€ßN,  gelagert,  das  Füllhorn  in  der  R., 
den  1.  Arm  gestützt  auf  eiue  Urne,  Mi.  S.  3, 
341,  1694—1696;  vgl.  Note  a.  Cat.  de  Moustier 
p.  85  nr.  1305.  Head,  H.  N.  p.  510.      [Drexler.] 

Kaleos  s.  Kalaos. 

Kaieros  (Ä'a'Ar/gos),  ein  König,  von  welchem  so 
Alopekonnesos  den  Namen  Kaieros  hatte,  Steph. 

B.  s.  v.     [Stoll.] 

Kalesios  (KaXrj6iog),  Gefährte  des  Axylos 
vorTroja,  aus  Arisbe,  von  Diomedes  erschlagen, 
IL  6,  18.    Tzetz.  Rom.  113.     [Stoll.] 

Kaietor  (Kalrixiaq) ,  1)  Sohn  des  Klytios, 
Vetter  des  Hektor,  von  Aias  erlegt,  II.  15, 
419.   Paus.  10,  14,  2.    [Vgl.  die  Tabula  Iliaca: 

C.  I.  Gr.  6125.  R.]  —  2)  Vater  des  vor  llion 
von  Aineias  erschlagenen  Aphareus,  II.  13,  541.  40 

[Stoll.] 

Kaleus  s.  Kalaos. 

Kalia  s.  Kolias. 

Kaliadue  (KaXLÜSvr)),  eine  Nymphe,  die  dem 
Aigyptos  12  Söhne  gebar,  Apollod.  2,  1,  5  (b. 
Heyne  u.  C.  Müller  KaXiävärf).     [Stoll.] 

Kaliande  s.  Kaliadne. 

Kalias  (KaXuig),  Beiname  der  Aphrodite  in 
einer  samothrakischen  Inschrift  bei  Conze, 
Meise  auf  den  Inseln  des  thrakischen  Meeres  50 
p.  69,  nach  Usener,  Eh.  Mus.  N.  F.  23  1868 
p.  324  Anm.  16  „sicher  keine  KmXidg,  schwer- 
lich mit  K.  Keil  {Piniol.  XXIII  p.  614)  her- 
zuleiten von  naXid,  'Aphrodite  in  der  Grotte'". 
Vgl.  Kolias.     [Drexler.] 

Kalike  s.  Kalyke. 

Kallianassa  (KuXXiävaßea),  Nereide,  II.  18, 
46.  Hyg.  praef.  p.  29  Bunte.  Braun,  Gr. 
Götterl.  §  99.     [Stoll.] 

Kallianeira  (KaXXiäveiga),  Nereide,  II.  18,  co 
44.  Braun,  Gr.  Götterl.  §  99.     [Stoll.] 

Kalliaros  (KaXXiagog),  Sohn  des  Odoidokos 
und  der  Laonome,  nach  welchem  die  gleich- 
namige Stadt  der  opuntischen  Lokrer  benannt 
war,  Hellanikos  bei  Steph.  B.  s.  v.  Bei  Schol. 
11.2,  531  heifst  er  Kalliaraos,  Sohn  des 
Opus.    [Stoll.] 

Kalliaraos  =  Kalliaros  (s.  d.). 


Kallias  (KaXXi'ag),  1)  Sohn  des  Temenos,  Bruder 
der  Hyrnetho,  der  Gemahlin  der  Dei'phontes, 
Apollod.  2, 8, 5.  [Stoll.]  —  [2)  Name  eines  Satyros 
auf  einem  rotfig.  Kylix:  C.  I.  Gr.  7473.  Heyde- 
mann,Sat.-u BakchennamenS.W.  R.]  —  [3)KAA- 
AIAZ  KAAOX  neben  Theseus  u.  Antiope  auf  einer 
Vase  bezieht  Welcher ,  Hy perbor. -röm.  Stud.  auf 
Theseus,  „als  den  Helden,  dessen  Schönheit  die 
Amazone  gerührt  hat";  ihm  widerspricht  mit 
Recht  0.  Jahn,  Arcli.  Beitr.  p.  149.    Drexler.] 

Kal(l)icliora  (KaXXixoga),  beigeschriebener 
Name  einer  Nymphe  auf  einer  schwarzfigur. 
Vase,  welche  den  Kampf  des  Herakles  mit 
Triton  darstellt:  C.  I.  Gr.  7591.  [Röscher.] 
[Broendsted,  A  brief  description  of  thirty- 
two  ancient  greek  painted  vases.  London  1832 
p.  15  —  18  nr.  7.  Eine  Quelle  bei  Eleusis 
hiefs  Kallichoros,  Apollodor.  1,  5,  1;  Broendsted 
p.  16  Anm.  12.     Drexler.] 

Kallicliore  (KaXXixögrj),  eine  Bassaris,  Be- 
gleiterin des  Dionysos  nach  Indien ,  Nonn. 
Dlonys.  14,  221.     [Stoll.] 

Kallidike  (KuXliöUrf),  1)  Tochter  des  Danaos, 
vermählt  mit  dem  Aigyptiden  Pandion,  Apollod. 
2,  1,  5.  —  2)  Eine  der  Töchter  des  Fürsten 
Keleos  in  Eleusis,  Hom.  h.  in  Cer.  109.  — 
3)  Königin  der  Thesproter,  vermählt  mit  Odys- 
seus,  dem  sie  den  Pofypoites  gebiert,  ihren 
Nachfolger  in  der  Herrschaft,  Telegonie  des 
Eugammon  in  Prolä.  Chrestom.  (Schol.  in  Hom. 
11.  ed.  Bekker  p.  III).  Preller,  Gr.  Myth.  2, 468. 

[Stoll] 

Kalliergos  (KuXXCzgyog),  Beiname  der  Athena 
auf  einer  Weihinschrift  aus  Epidauros  'dd-nväg 
KalXiigyov  —  AnoXXäviog  .  .  .  7ivQoq>OQrJGag, 
Kabbadias  in  ephem.  arch.  1884  28  =  BaunacJc, 
Studien  auf  d.  Gebiete  des  Griech.  etc.  1,  102 
nr.  72.     [Höfer.] 

Kalligeneia  (KalXiytvi «2;  vgl.  Lobeck,  Para- 
lip.  p.  321),  eigentlich  Demeter  selbst  als  Mutter 
des  schönen  Kindes  (A'o'pr;)  und  Dämon  des 
Kindersegens;  oder  SaifimvTisglx.  A:\unxgav, Ari- 
stoph.  Thesmoph.  298  und  Schol.  Nonn.  6,  140 
(K.  Briv  svTiaiäa  xi&i]vr]v;  nach  Phot.  lex.  127, 
10  xgocpog),  die  Tochter  des  Zeus  und  der  De- 
meter, Phot.  lex.  127,  9;  oder  =  rty^l(r>l)  Apollod. 
bei  Phot.  lex.  a.  a.  0.;  oder  eine  Dienerin  und, 
Priesterin  der  Demeter,  C.  I.  Gr.  3  nr.  5432. 
Hesych.  s.  v.  Als  Schwur  gebräuchlich  war: 
[ia  trrv  KaXXiyivaav ,  Alciphr  2,  4.  Ihr  zu 
Ehren  wurde  das  Fest  der  KuXXiytvELcc  ge- 
feiert (xit  KaXXiyivua  &vsi,v),  Alciphr.  3,  39. 
Flut,  quaest.  graec.  31.  Preller,  Gr.  Myth.  1,  640 
Anm.  3.  Demeter  u.  Perseph.  S.  346  u.  Momms., 
HeortolSOlL  295;  vgl. Kolias.  [Lorentz.]  [Kalli- 
geneia will  Stephani  erkennen  in  einigen  in 
Südrufsland  gefundenen  Terracotten,  die  eine 
kleine  weibliche  Figur  auf  den  Schultern  bald 
einer,  bald  zweier  weiblichen,  von  ihm  im 
Widerspruch  gegen  Overbeck,  Demeter  u.  Kora 
p.  488  auf  Demeter  und  Kora  gedeuteten 
Figuren  getragen  zeigen,  C.  r.  p.  l'a.  1S76 
p.  184  ff.,  speziell  p.  203—204:  „dafs  aber  Kalli- 
geneia von  ihnen  auf  der  Schulter  getragen 
wird,  ist  .  .  .  nichts  anderes,  als  ein  Ausdruck 
für  die  engste,  natürlich  mit  sympathischer  Ge- 
sinnung verbundene  Zugehörigkeit";  s.  bes. 
auch  Usener,  Kallone,  Eh.  Mus.  N.  F.  23  (1 868) 


927                     Kallikarpos  Kallipolis                      928 

p.  329  Anm.  32,  p.  360.    Drexler.]    Der  Bedeu-  des  Ann.  de  VInst.  arch.  tom.  17)  Paris   1846. 

tung  nach  vgl.  Kalliteknos.  p.  17  u.  Note  2.   Gerhard,  Ges.  ah.  Äbh.  1  p.  55, 

Kallikarpos  (Ka.llh.aq%og) ,    Sohn  des   Ari-  p.  122  Anm.  106*;  107.   p.  137.  307  Anm    n. 

staios  (s.  d.),  Bruder  des  Charmos,  auf  Sardinien  Heydemann,  Mitteilungen  a.   d.  Antikensamm- 

geboren,  Diod.  Sic.  4,  82,  4.     [Lorentz.]  Jungen  in  Über-  u.  Mittelitalien  p.  116.    Kaum 

Kallikelados    (KaV.tKs?.aäog),  Beiname   des  mit  Recht  will  de  Witte,  Deser.  d'une  coli,  de 

Bakchos;  frg.  adesp.  115  b.  Bergk,   Poet.  lyr.  vases  peints  etbronzesant.provenant  des  fouilles 

34,  725;  Tgl.  den  Beinamen  Keladeinos  (Kala-  de     l'Etrurie.    Paris  1837.   p.   130  nr.   293  auf 

äsLvog)  Anth.  Pal.  9,  524.     [Höfer.]  einem   Spiegel  bei   Micali,  Storia  tav.    50,    1 

Kallikrates  (KctX\_l]i-Agazr]g),  beigeschriebe-  10  mit  der  Befreiung  des  Prometheus  (Prumathe) 
ner  Name  eines  der  von  Theseus  durch  die  durch  Kastor  (Castur)  und  CAl'AMICE  unter 
Erlegung  des  Minotauros  befreiten  athenischen  letzterem  statt  Herakles  den  Polydeukes  er- 
Jünglinge auf  einer  schwarzfigurigen  Amphora:  kennen.  Dresler.]  [Vgl.  ferner  die  von  Bergk, 
C.  1.  Gr.  7719.     [Röscher.]  poet.  lyr.   2 4  p.   418  angeführten   Stellen  und 

KaMikriie  (KaHr/.Qizri),  eine  Nymphe,  Tochter  aufserdem  Eur.  Herc.  für.  180.  582;   vgl.  49. 

der  Kyane,  Plat.  Theag.   125  d.  e.    [Lorentz.]  570.   681.   788.   961.    1046.   —  Lukian.  Piscat. 

Kaliilampetes  (ÄKHtAafiÄETTjs),  Beiname  des  31.     Anth.   Pal.   11,  269.      Plut.  de   exil.   18. 

Helios;  Andkreon  fr.  27  (25).     Etym.  M.  670.  Kikephoros  progymn.   bei    Walz,  rhet.   1,  491. 

19.     Cramer.  an.  Ox.  3,  389,  21.  390,  14.     Fa-  Suid.  s.  v.  'laß-,  Weihinschrift  an  den  Herakles 

vorin.  363;   ähnlich   y.alliquyyrig  Eur.  fr.  781,  20  KulXCvs ir.og    vom    Berge    Pagos    bei    Smyrna, 

11;  vgl.  Bd.  1  Sp.  2001,  51ff.     [Höfer.]  Mavesiov  «et  ßißl.  5  (188586),  S.  93  nr.  267; 

Kallileou    (KuXXtXitav),    der    sonst    Kalaos  vgl.  Larfeld  in  Bursian's  Jahresb.   66  (1891), 

(s.  d.  u.  Bd.  1  Sp.  714,  30)  genannte  Sohn  des  72.    Nach  Eesych.  s.  v.  hiefs  KalUvwog  auch 

Thyestes,  Bruder  des  Agoos  (s.  d.  im  Anhang)  ein   Tanz    inl   xy   zov    KiQßsQov    ävaycoyy.   — 

und  Orchomenos  (Apollodor.  bibl.  frg.  Vat.  ed.  2)  Beiname   des   Dionysos,  Eur.  Bakch.   1147 

Wagner  2,  10,  4).      [Steuding.]  vgl.-  1161.     Höfer.] 

Kallimaelios  (KAAAIMAXOS)  heifst  auf  einer  Kalliope  s.  Musen. 

Vase  von   Cumae   der  Begleiter  des   von    der  Kalliphaeia  s.  Ionides. 

Eos  verfolgten  Kephalos,  Bull. Napol.  1  Tav.  1.  KaUiphora  (KaX[l]t.q>6pa),  beigeschriebener 

Minervini  p.  5.    Avellino  p.  35ff.   Schultz,  Bitll.  30  Xame  eines  Rosses    des  Demophon  auf  einer 

delV  Inst.  1842  p.  9f.    Gerhard,  A.  Z.  1  p.  59f.  schwarzfig.  attischen  Amphora  in  Berlin;  Furt- 

0.  Jahn,   Arch.  Beitr.   p.   141.    Stepliani,  C.  r.  ivängler  nr.  1720.      [Röscher.]     [C  I.  G.  4154. 

p.  l'a.  1SG7  p.  88.    Franz  Winter,  Die  junge-  Jeschonnek  p.43. — Arthur  Schneider,  D.  troische 

ren  attischen  Vasen  p.  71,  XIV,  B  nr.  16.  Sagenkreis  in  der  ältesten  griech.  Kunst  p.  109 

[Drexler.]  schlieist    sich   Brunns   (Troische   Miscellen    3 

Kallinikos  (KuXXivixog),  Beiname  des  Hera-  p.  172)  Ansicht  an,  dafs   der  Maler  in   dieser 

kies  als  des  Beschützers  vor  allem  Übel,  Archil.  Scene  „wohl  weniger  den  troischen  Krieg  an 

bei  Schol.  Arist.  Acharn.  1227.   Apollod.  2,  6,  4.  sich,  als  die  Verherrlichung  zweier  athenischer 

ep.   bei  Diog.  Laert.  6,  2  nr.  6.    Suidas   s.  v.  Namen    im   Auge    hatte.     Ebenso    lautet    auf 

G.  I.  G.  2  nr.  2385.    Preller,  Gr.  Myth.  2,  236.  40  einer    schwarzfigurigen  Amphora   des   Exekias 

271.  272.     [Lorentz.]     [Aristid.    Ur.  in  Herc.  aus    Vulci    der   Name    eines    der    Pferde    am 

t.  1  p.  34.    Boeckh,  Expl.  Find.  p.  187.    S.  be-  Viergespann    des    Anchippos,    C.  I.  G.  8155; 

sonders  auch  die  Erklärungen  des  pompejani-  Jeschonnek  p.  43.      Derselbe  Name   auf  einer 

sehen  Graffito:  schwarzfigurigen  Vase  aus   S.  Agata  de'  Goti 

-     .  .          >        .,,             <rr       ,-  mit   dem  Auszuge    des   Amphiaraos    IC.  I.  G. 

0  rot;   Jtog  Ttaig  xocfJ.LViixog   Hoav.lng  _.„,       ■  A             tt- 7  7         oj    7     m          1000    o 

,r   „,  ,,.                   ,        .,      ■,     •  ,     '        .  <ill)  wird  von   Welcher,  Schulzeitunq  1832.  2 

L     J                          '  '   '  p.2l3f.  und  Gruneisen,  Altgricüi.  Bronz.  p.  64t. 

(Eaibel,  Epigr.  Gr.  1138)  von  Minervini,  Bull.  mit  Hinweis   auf  den  Peplos,   durch   welchen 

arch.  napol.  n.  s.  4  p.  33  —  35.  Buechclcr,  Rhein.  Thersandros  die  Eriphyle  zum  Verrat  an  Alk- 

Mus.   N.  F.    12  (1857)  p.  247  —  248.      Dilthcy,  50  maion  bestimmte,  auf  diese  bezogen,  dagegen 

Epigrammata  Graeca  in  muris  pieta.  Göttinger  von  Minervini,  Bull,   dell'   Inst.   1842  p.  44 ff. 

Lekiions-Katalog,  Wintersem.  1878/79  p.  3—10.  Bull.   arch.  napol.    2   p.  122.    0.   Jahn,  Arch. 

—  Minervini  p.  35  u.  Dilthey  p.  8  Anm.  1  stellen  Beitr.  p.  140   und  E.  Curtius,  C.  I.  G.  a.  a.  0. 

v.ullCviY.oq     gleich     dXst,Ua-/.og.      Das     löwen-  als  Name   eines  Rosses   des  "Agiozog  (Adrastos 

würgende  Bild  des  Herakles  erscheint  gernäfs  oder  Alkmaion)  erklärt.     [Drexler.] 

der  Vorschrift  des  Alexander  von   Trolles   de  Kallipüös  {KaU.icpäg),  einer  der  vielenNamen 

medicam.  not.   1.  x.  c.  1   auf  Amuletten  gegen  des   Sonnengottes    in    einer  Beschwörung  des 

die  Kolik,  Macarius,  Abraxas  ib.  XXII  nr.  89.  grofsen  Pariser  Zauberpapyrus,  Wessely,  Griech. 

90  p.  127.     Cli.  Lenormant,  Her.  arch.  3  (1846)  Zauberpapyrus    von    Paris  und   London  p.  59 

p.  510— 511  (mit  der  Aufschrift  ANAXOJPI  KOA€  60  vs.  594;  Dieterich,  Abraxas  p.  49.    [Drexler.] 

TO   AION   C€   AIOK6I   =   avayaQti,    %olri,   zo  Kallipolis  (KaXkinolig),  Sohn  des  Alkathoos, 

ftziov  öf  bids-Asi);  Edm.  Le  Blant ,  Bev.  arch.  Königs   in  Megara.     Als   die  Nachricht  kam, 

3e  ser.   3.    18S3   p.  43  nr.  10.      Auf  den  etrus-  dafs   sein    älterer    Bruder   Isehepolis    auf    der 

laschen    Spiegeln    bezeichnet    Calanice    nicht  kalydonischen  Jagd  umgekommen,  eilte  er  auf 

selten   den  Herakles,   Müller,  Hdb.   d.  A.  d.  die  Burg,  wo  sein  mit  dem  Unglück  noch  un- 

K.   §  390,   2.   410,    1.    Baoul-Bochette,    Me'm.  bekannter    Vater    dem    Apollou    opferte,    und 

sur  Atlas  p.  58 f.    ().  Jahn,  Lettre  ä  M.  J.  de  warf  die   Holzscheite   vom  Altar.     Der  Vater, 

Witte  sur  les  representations  d'Adonis  (Extr.  von  Zorn  erfafst,  erschlug  den  Sohn  mit  einem 


929                     KallirrLoe  Källis                        930 

Feuerbrand.  Sein  Grabmal  wurde  zu  Megara  multum  dicitur  rupti  amoris  clulce  flevisse  con- 
gezeigt,  Paus.  1,  42,  7.  43, .5.  [StolL]  sortium;  lianc  comocdiam  scripsit  Atines  Celer 
Kallirrhoe  (KaXXiQQÖri,  KuXligürf),  1)  Tochter  pueriliter",  s.  0  Jahn,  Arcli.  Beitr.  p.  331 
des  Okeanos  und  der  Tethys,  von  Chrysaor  — 332,  Anm.  9,  der  den  Namen  des  Dichters 
Mutter  des  Geryones  und  der  Echidna,  Hes.  für  unrichtig,  die  Angabe  einer  Komödie  für 
Theog.  288.  297.  351.  981.  Hom.  H.  in  Cer.  sehr  verdächtig  erklärt.  Drexler.]  —  4)  Toch- 
419.  Apollod.  2,  5,  10.  Tzcts.  L.  651.  Hyg.  ter  des  Maiandros,  zeugte  mit  Kar  den  Ala- 
praef.  extr.  f.  111.  Mit  Poseidon  zeugte  sie  bandos,  Steph.  B.  v.  'AXäßaväu,  [ —  5)  Toch- 
den  Minyas,  Tzets.  L.  874,  mit  Neilos  die  ter  des  thrakischen  Flufsgottes  Nestos;  Steph. 
Chione,  Serv.  V.  Aen.  4,  250,  nach  lydischer  10  B.  s.  v.  Biorovia.  R.]  —  6)  Tochter  des  Lykos, 
Sage  mit  Manes,  dem  ersten  König  der  Lyder,  Königs  in  Libyen,  welcher  den  nach  der  Zerstö- 
den  Kotys,  Dionys.  A.  B.  1,27.  —  2)  Tochter  rung  von  Troja  dorthin  verschlagenen  Diomedes 
des  Acheloos,  Gemahlin  des  Alkmaion,  Apollod.  fesselte,  um  ihn  dem  Ares  zu  opfern.  Die  Jung- 
3,  7,  5.  6.  Paus.  8,  24,  4,  s.  Alkmaion  und  frau,  von  Liebe  zu  dem  Helden  ergriffen,  befreite 
Amphoteros.  —  [Ihr Haupt, geziert  mit  Perlendia-  ihn;  aber  Diomedes  liefs  die  Wohltbäterin  im 
dem  und  Halsband,  erscheint  im  Quadratum  Stich  und  fuhr  davon,  worauf  diese  sich  erhängte, 
incusum  auf  dem  Rev.  von  Silbermönzen  des  Flut.  Paroli.  Gr.  et  B.  h.  23.  —  7)  Eine 
5.  Jahrhunderts  von  Stratos  mit  der  Aufschrift  Jungfrau  in  Kalydon.  Koresos,  ein  Priester  des 
£-T-R-A,  deren  Obv.  der  bärtige  Kopf  des  Dionysos,  warb  mit  heifser  Liebe  um  ihre 
Acheloos  mit  Stierohren  einnimmt,  Imhoof  20  Gunst,  wurde  aber  beständig  zurückgewiesen; 
Blumer ,  Die  Münzen  Akarnaniens ,  Num.  darum  wendete  er  sich  flehend  an  seinen  Gott, 
Zeitschr.  10  1878  p.  158  nr.  1  Tfl.  1,  20;  des-  und  dieser  liefs  nun  Wahnsinn  wie  eine  Pest 
gleichen  ohne  Schmuck,  Prokesch- Osten,  Abh.d.  unter  den  Einwohnern  wüten.  Das  dodonäische 
Berl.  AI;.  1845  Tfl.  3,  67.  Imhoof  p.  158  nr.  2  Orakel  weissagte,  damit  der  Zorn  des  Gottes 
Tfl.  1,  21.  C.  Gr.  C.  Brit.  Mus.  Thessaly  to  und  das  Übel  ende,  müsse  Kallirrhoe  oder 
Aetolia  p.  191  nr.  1  PL  29,  15.  Head  p.  281.  einer,  der  sich  für  sie  stelle,  von  Koresos  ge- 
Etwa  in  der  Zeit  von  400  —  350  sind  eben-  opfert  werden.  Schon  standen  das  Opfer  und 
daselbst  Bundesmünzen  mit  den  gleichen  der  Opferpriester  am  Altare  bereit,  da  wurde 
Typen  geschlagen;  die  Reversaufschrift  lautet  Koresos  aufs  neue  von  Liebe  ergriffen  und 
A-K;  das  Haupt  ist  hier  nach  C.  B.  Mus.  mit  30  tötete  sich  für  die  Jungfrau.  Diese  tötete 
einer  Taenia,  nach  Imhoof  mit  einem  Perlen-  sich  darauf,  von  Scham  und  Reue  ergriffen,  an 
diadem  geziert,  Imhoof  p.  14  nr.  1.  C.  G.  C.  einer  Quelle,  die  nach  ihr  benannt  wurde, 
Brit.  Mus.  Tliess.  p.  168  nr.  1  PI.  27,  1.  Head  Paus.  7,  21,  1.  Vgl.  Kall; mann,  Pausanias  der 
p.  282;  oder  der  Rev.  trägt  die  Aufschrift  Perieget  p.  133.  —  8)  Tochter  des  Phokos;  s. 
ATHMQN  und  das  Haupt  trägt  Ohrgehäng  und  Phokosi.  [ — 9) Tochter  des Piranthus, Schwester 
Halsband,  Imhoof  p.  14  nr.  2.  Head  p.  282.  des  Argos,  Arestorides  und  Triopas;  Hyg. f.  145  ; 
Auch  Bronzemünzen  des  4.  Jahrh.  zeigen  im  doch  vgl.  Kallithoe.  R.]  —  [10)  Quellnymphe  zu 
Obv.  wohl  das  Haupt  der  Kallirrhoe,  geziert  Tyros,  wie  Abarbarea  und  Drosere,  von  Dio- 
mit  der  Sphendone,  auf  dem  mit  der  Auf-  nysos  bewundert  und  von  Eros  mit  seinem 
schrift  T-TPATIQN  versehenen  Rev.  das  Haupt  40  Geschofs  entflammt,  Konnos  Dionys.  40,  359 ff. 
des  Acheloos,  C.  G.  C.  Brit.  Mus.  Thess.  p.  197  538ff.;  vgl.  Movers  2,  1  p.  230ff.  R.  Eoehler, 
nr.  2,  PI.  29,  16;  nr.  3.  Head  p.  282.  Von  Über  die  Dionysiaka  des  Nonnus  von  Pano- 
Head  p.  281  werden  Stratos  zuerteilt  auch  polis  p.  80 — 81.  Bmdissin,  Stud.  z.  semit.  Bei. 
die  Silbermünzen  mit  dem  Haupt  des  Ache-  2  p.  157 — 158;  letzterer  ist  indessen  geneigt 
loos  im  Obv.  und  F  im  Quadratum  incusum  Kallirrhoe  und  Drosere  für  eine  Erfindung  des 
mit  der  Umschrift  KAAAIPOA  im  Rev.,  Bev.  Nonnus  zu  halten.  Drexler.]  [Stoll.] 
num.  1859  IT.  1,  19a.  Berliner  Blätter  für  Kallis  (KaXXig  oder  KaXig),  eine  Bacchantin. 
Münz-,  Siegel-  u.  Wappenkunde  2  1865  Tfl.  13, 2.  Ihr  Kopf  ist  neben  dem  des  Dionysos  und 
Imhoof  -  Blumer  p.  145  f.  nr.  4,  5  Tfl.  1,  17.  zweier  Bacchantinnen  abgebildet  auf  einer 
C.  B.  Mus.  Thess.  p.  189  nr.  2  PL  29,  11;  So  schwarzfigurigen  Trinkschale  (Heydemann,  Sa- 
ni. 3;  und  mit  T  zwischen  zwei  Eichenzweigen  tyr-  und  Bakehennamen  S.  14)  und  auf  einer 
und  KAA  darunter  im  Rev.,  L.  Müller ,  TJnder-  Trinkschale  des  Euxitheos  {Heydemann  a.  a.  O. 
sogeise  at  graeake  Mynter,  der  have  Tegnet  T  S.  30).  C.  I.  Gr.  4  nr.  7446  b.  Archäol.  Zeug, 
til  Typ.  1857  Tfl.  1  nr.  2.  Imhoof  p.  147  nr.  8.  6,  1848  S.  220.  [Lorentz.]  [Auf  der  Vase  der 
G.  G.  C.  Brit.  Mus.  Thess.  p.  189  nr.  4  PL  29,  Coli.  Santangelo  aus  Capua:  Minervini,  Bull. 
12.  Head  p.  281,  die  J.  Friedländer,  Berl.  arch.  napol.  n.  s.  6  p.  191,  tav.  13.  Gerhard, 
Bl.  2  1865  p.  1  —  7  Oiniadai  zugewiesen  hatte,  Bull.  areh.  nap.  7  p.  9  —  11.  Gerhard,  über  die 
was  aber  bereits  das  Bedenken  Imhoofs  p.  151  Anthesterien,  Berlin  1858  p.  169.  204.  Tf.  1,  1.  2 
erregte.  Drexler.]  —  3)  Tochter  des  Ska-  =  Gl.  Gr.  7446b.  Heydemann,  Satyr-  u.  Bak- 
mandros,  Gemahlin  des  Tros,  Mutter  der  Kleo-  go  chennamen  p.  14  nr.  G  fafst  Frochner,  Choix 
patra,  des  Ilos,  Assarakos  und  Ganymedes,  de  vases  grecs  inedits  de  la  coli,  de  son  Altesse 
Apollod.  3, 12, 2.  Schot  II.  20,  232.  Nach  Dionys.  Imp.  le  Prince  Napoleon.  Paris  1867.  4".  p.  26 
A.  B.  1,  62  zeugte  sie  mit  Erichthonios  den  nr.  A  u.  p.  34  Note  4  KAAIS  als  Beinamen 
Tros.  —  [Mutter  des  Ganymedes  auch  nach<S'c7ioZ.  der  Athena:  ,,Je  m'etonne  que  jusqu'ä  present 
German.  283  p.  68.  sehol.  Stat.  Theb.  1,  548.  l'egide  bien  caracterise'e  de  Minerve  ait  ete 
Mylhogr.  Vatic.  2,  198.  Im  schol.  Pers.  1,  134  prise  pour  une  robe  brodee.  Le  nom  de  KcdXig 
heifst  es:  „Galliroe  nympha  fuit,  quam  Paris  doit  etre  une  epithete  comme  KaXXiazä,  hkXXi- 
ante    raptum    Helenae    habebat,    quae   desertn  fiogqcos,    KaXXiyivsta.      Minerve    fait   souvent 

Roscuer,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mytliol.    II.  30 


931 


Kallistagoras 


Kallisto 


932 


partie  du  cortege  bacchique,  de  plus  eile  est 
Vamie  intime  de  la  mere  de  Bacchus."  Auf 
einer  rotfigurigen  Vase  in  Athen  ist  KAAAIS 
einer  der  Gefährtinnen  der  Sappho  beigeschrie- 
ben, Maxime  Collignon,  Cat.  des  vases  peints 
du  muse'e  de  la  societe  arch.  d'Athenes.  Paris 
1878  p.  137  ff.  nr.  517;  auf  einer  Vase  in  Mün- 
chen (nr.  404)  einer  Troerin.     Drexler.] 

Kallistagoras  (KaXXiorayÖQag),  Saificov  siti- 
xrigwg   bei  den    Teniern,    Clem.   Alex.  Protr.  10 
p.  12  Sylb.,  J.  Geffken,  Hermes  25  1890  p.  94f. 

[Drexler.] 

Kalliste,  Beiname  der  Artemis  oder  Hekate, 
Usener,  Kallone,  Rh.  Mus.  N.  F.  23  1868  p.  325 

—  326.  Dilthey,  Rh,  Mus.  N.  F.  27  1872  p.  398. 

[Drexler.] 
Kallistheiies    tötete    seine  Tochter   Euboea 
nach  einem  Orakelspruch   im  Interesse   seines 
Vaterlandes.     Hygin,  f.  238.     [Röscher.] 

Kallisto  (KaXXiorco),  1)  Mutter  des  Arkas,  d.  20 
Stammvaters  der  Arkader.  Nach  anderer  (wohl 
tegeatischer)  Überlieferung  hiefs  sie  Megisto, 
Tochter  des  Keteus  (Ariaithos  b.  Hyg.  Astr. 
2,  1  u.  6),  oder  Themisto  (Istros  b.  Steph.  B. 
v.  'ÄQY.uS(a.  Clem.  Rom.  Recogn.  10,  21).  — 
Monographie  von  Reinhold  Franz,  De  Callistus 
fabula,  Leipz.  Stud.   XII  (1890). 

Genealogieen:  Nymphe  nach Hesiod (wohl 
richtiger  Eumelos)  b.  Apollod.  3,  8.  2,  2,  Tochter 
des  Nykteus  nach  Asios  ebd.,  T.  des  Keteus  30 
(durch  Übertragung  von  Megisto)  nach  Phere- 
l-ydes  ebd.  und  Schol.  Eurip.  Or.  1646,  T.  d. 
Lykaon  nach  Hesiod  b.  Eratosth.  Catast.  rel. 
ed.  Roh.  p.  50  (vgl.  Apollod.  a.  a.  0.,  wo  die 
Namen  EvfiriXog  u.  'HgloScq  ihre  Plätze  ge- 
tauscht zu  haben  scheinen)  und  bei  den  Spä- 
teren. Mutter  von  Zwillingen,  Arkas  u.  Pan, 
b.  Epimenides  (und  Aischylos?)  nach  Apollod, 
irfpt  dfäv  (vgl.  Roh.  Münzel,  Quaest.  mythogr. 
p.  16.    Franz  a.  a.  0.  p.  238 ff'.).  40 

Entwickelung  der  Sage:  Die  älteste 
Form  trägt  den  Namen  Hesiods:  K.,  die  jung- 
fräuliche Jagdgenossin  der  Artemis,  erleidet  von 
Zeus  Gewalt,  verheimlicht  es  aber  der  Göttin 
und  wird  daher ,  als  bei  einem  Bade  ihre 
Schwangerschaft  an  den  Tag  kommt ,  zur 
Strafe  von  ihr  in  eine  Bärin  verwandelt 
(Eratosth.  Catast.  1  p.  50  R,).  Als  solche  ge- 
langt sie  nach  dem  Lykaion,  wo  sie  den  Arkas 
gebiert  und  (auf  Befehl  des  Zeus)  von  Hermes  50 
genährt  wird  (Schol.  Ambr.  Theoer.  1,  123. 
Franz  p.  266  ff.),  der  ihr  Kind  seiner  Mutter 
Maia  auf  der  Kyllene  überbringt  (vgl.  die 
Münze  vou  Pheneos  Bd.  1  Sp.  533.  Apollod,  3, 
8,  2,  5.  Franz  p.  269  f.).  —  Über  die  KaXXiezd 
des  Aischylos  (frg.  98Är.s)  wissen  wir  nichts. 

—  Ein  neues  Motiv  erfand  Amphis  hinzu: 
dafs  Zeus  in  Gestalt  der  Artemis  sich  der  K. 
nahte  (Eratosth.  Cat.  1  p.  50  ff.  R,).  —  In  der 
arkadischen  Überlieferung  ist  die  Strafe  ver-  60 
ändert:  K.  wird  von  Artemis  erschossen.  So 
auf  den  Münzen  von  Orchomenos  (c.  370):  auf 
der  Vorderseite  Artemis  knieend,  den  abge- 
schossenen Bogen  haltend,  auf  der  Rückseite 
K. ,  die  Brust  von  einem  Pfeil  durchbohrt, 
zurücktaumelnd,  am  Boden  ein  kleines  Kind 
(Imhoof- Blumer ,  Monn.  gr.  tab.  E  10  und  9. 
Archaol.   Zeit.     1864     Tat'.  183,   4    und     1872 


p.  79,  4);  auf  den  etwa  gleichzeitigen  Di- 
drachmen  von  Pheneos:  Hermes  den  kleinen 
Arkas  davontragend  (s.  Bd.  1  Sp.  533);  als 
Grab  der  K.  galt  ein  hoher,  mit  allerhand 
Bäumen  bestandener  und  mit  einem  Heilig- 
tum der  "AQzsfiLg  KaXXiazrj  gekrönter  Erdhügel 
nahe  dem  Südwestabhang  des  Mainalos  (Paus. 
8,  35,  8).  Dieselbe  Version  im  Cert.  Hom.  et 
Hes.  111  Rz.  (Alkidamas)  und  b.  Apollod.  3, 
8,  2,  4.  —  Eine  3.  Version  mufs  an  Stelle  des 
Zorns  der  Artemis  die  Eifersucht  der  Hera 
gesetzt  haben:  diese  könnte  der  verderbten 
Stelle  Eurip.  Hei.  375ff.  zu  Grunde  liegen,  wo 
nicht  von  einer  Löwin ,  sondern  von  einer 
Bärin  die  Rede  ist  (Franz  p.  254).  —  Als  eine 
Vereinigung  dieser  und  der  arkadischen  Version 
mit  selbständig  erweitertem  Schlufs  stellt  sich 
die  Erzählung  des  Kallimachos  dar:  Hera,  als 
sie  die  an  ihr  begangene  Untreue  entdeckt, 
verwandelt  K.  in  eine  Bärin  und  veranlafst 
Artemis,  sie  als  wildes  Tier  zu  erschiefsen, 
worauf  Zeus  durch  Hermes  das  Kind  aus  dem 
Leibe  der  Mutter  nehmen  und  der  Maia  über- 
bringen läfst,  während  er  die  Bärin  selbst  an 
den  Himmel  versetzt  (Schol.  Yen.  A  Hom.  II. 
18,  487.  Eustath.  p.  1212.  Paus.  8,  3,  6;  An- 
spielungen Callim.  hymn.  in  Ion.  40.  Catull. 
66,  66.  Theoer.  1,  125).  Ein  späterer  Mytho- 
graph  liefs  nach  einem  der  Io-Sage  entnom- 
menen Motiv  Zeus  selbst  die  K.  verwandeln, 
um  sie  der  Eifersucht  der  Hera  zu  entziehen 
(Apollod.  3,  8,  2,  4.  Liban.  p.  1101.  Hyg.  Astr. 
2,  1  p.  31,  6  B.).  Ein  Katasterismenschreiber 
setzte  am  Schlüsse  für  Zeus  Artemis  ein  (Hyg. 
Astr.  2, 1  p.31,3J3.);  ein  anderer  fügte  den  Jagd- 
hund der  K.  als  kleine  Bärin  hinzu  (Schol. 
Arat.  27);  ein  dritter,  wie  es  scheint,  verband 
mit  der  Bärin  das  Sternbild  des  Löwen,  dessen 
Gestalt  Zeus  angenommen  habe  (Clem.  Rom. 
Homil.  5,  13).  Ein  unbekannter  Alexandriner 
dichtete  als  Erklärung,  warum  die  Bärin  nicht 
untergehe,  hinzu,  dafs  Hera  ihre  Amme  Tethys 
gebeten  habe,  ihre  Nebenbuhlerin  nicht  zum 
Bade  im  Ooean  zuzulassen  (Hyg.  f.  177.  Franz 
p.  327).  Istros  frg.  57  (vgl.  Hermes  19,  447 
A.  2)  übertrug  die  kallim.  Erzählung  auf  The- 
misto, Ariaithos  frg.  1  auf  Megisto  und  liefs 
dieser  daher  auch  ihren  Vater  Keteus  als  iyyö- 
vaaiv  an  den  Himmel  folgen.  —  Wieder  an  die 
hesiod.  Erzählung  anknüpfend  dichtete  Era- 
tosthenes  (Catast.  1.  8.  2  p.  52.  74.  56  R.) 
einen  neuen  Schlufs,  der  die  Lykaonsage  mit 
hineinzog  und  für  3  zusammengehörige  Stern- 
bilder die  Erklärung  gab:  K.  als  Bärin  wird 
von  flirten  eingefangen  und  mit  dem  Kinde 
ihrem  Vater  Lykaon  überbracht;  dieser  schlach- 
tet, als  einmal  Zeus  bei  ihm  einkehrt,  den 
Knaben  und  setzt  dessen  Fleisch  mit  anderem 
gemengt,  dem  Vater  als  Speise  vor;  Zeus  stöfst 
voll  Abscheu  das  Mahl  zurück,  zerschmettert 
das  Haus  mit  dem  Blitz  und  verwandelt  den 
Frevler  in  einen  Wolf;  den  Knaben  aber  ruft 
er  ins  Leben  zurück  und  übergiebt  ihn  einem 
Hirten;  herangewachsen  begegnet  derselbe  auf 
der  Jagd  seiner  Mutter  und  verfolgt  sie  in 
das  äßetzov  des  lyk.  Zeus;  als  infolge  dessen 
beide  getötet  werden  sollen,  werden  sie  von 
Zeus    entrückt    und    als   "Aqv.xog    (isydXn    und 


933 


Kallisto 


Kallisto 


934 


'AQKToepvXa^  unter  die  Sterne  versetzt;  Artemis, 
die  unterdes  den  Sachverhalt  erfahren,  fügt, 
um  ihre  frühere  Härte  wieder  gut  zu  machen, 
noch  die  '^fjxros  faxpa  hinzu.  —  Die  letzte 
Umgestaltung  erfährt  die  Sage  durch  Ovid 
(Metern.  2,  409  —  530  und  Fast.  2,  155—192), 
welcher  Hesiod-Amphis-Eratosthenes  mit  Kalli- 
machos  kontaminiert  und  den  später  erfundenen 
Schlufs   (Tethys)    erweitert:  E.,   die   als   Jagd- 


■Brit.  Mus.  Peloponnesus  S.  190  Taf.  XXXV, 
nr.  15,  Methydrion] ,  Hermes  mit  dem  Ar- 
kaskinde  [Pheneos],  Arkas  spielend  (Revue 
numism.  1865  t.  7,  5).  Ein  bei  Valencia  ge- 
fundenes silbernes  Gefäfs  aus  dem  3.  Jahrh. 
n.  Chr.  zeigt  Zeus  in  4  Liebesabenteuern,  an 
4.  Stelle  als  Artemis  der  K.  nahend  (Froehner, 
Masees  de  France  1873  t.  5).  —  Nicht  hierher- 
gehörig   ist    die    Bärin    auf   den    Münzen   von 


genossin  der  Diana  Keuschheit  gelobt,  wird  von  10  Mantineia  aus  dem  5.  Jahrb.  (Franz  p.  242  ff.), 


Münze   von    Orchomenos    in  Arkadien. 

Av. :  Artemis  knieend,  Rev.:  Kallisto 

vom  Pfeile  durchbohrt  und  Arkas  (nach 

Arch.  ZUj.  1861.  Taf.  183  nr.  4.) 


Iuppiter  in 
Gestalt  der 
Diana  über- 
rascht; bei 
einem  Bade 
als  schwan- 
ger erkannt, 
wird  sie  von 
Diana  ver- 
stofsen.nach 
Geburt  ihres 
Kindes  aber 
von  der  eifersüchtigen  Iuno  in  eine  Bärin  ver- 
wandelt; nach  15  Jahren  Umherirrens  begegnet 
sie  ihrem  Sohne;  als  dieser  den  Speer  auf  sie 
richtet,  werden  beide  von  Iuppiter  an  den 
Himmel  entrückt;  Iuno  aber  beredet  ihre 
Pflegeeltern  Oceanus 
und  Tethys,  ihre  Neben- 
buhlerin für  immer  vom 
Meere  auszuschliefsen. 
Von  Ovid  hängen  un 
mittelbar  oder  mittel- 
bar die  römischen  My- 
thographen  ab  (Argum. 
Ov.  Metam.  2,  5.  Hyg. 
f.  177,  Lact,  zu  Stat.  ThtV.' 
3,  685.  Myth.  Vat.  2,  58  f. 
Schol.  zu  Verg.  Georg.  1, 
246  u.  ö.  lsid.  Hisp.  Etym. 
3,  35),  auch  Tzetzes  zu  lies. 
Op.564.  — Eine  verschollene 
Überlieferung  scheint  an 
Stelle  des  Zeus  den  Apollo  n 
als  Vater  des  Arkas  bezeich- 
net zu  haben  (vgl.  Apollod.  3, 
2,  3.  Tzetzes  zu  LyJc.  478. 
Franz  p.  343).  —  Ganz  abwei- 
chend machte  Buris  frg.  26 
Orchomenos  zum  Vater  des 
Arkas  (vgl.  F.  H.  G.  2  p.  133) 

Kunstdar  Stellungen: 
Polygnot  stellte  auf  dem  Unter- 
weltsgemälde   in    der     delph. 
Lesche    K.    auf  einem    Bären- 
fell ruhend  dar  (Paus.  10,  31, 
10).      Auf    der    Akropolis    zu 
Athen  standen  die  Statuen  von 
K.  und  Io  nebeneinander,  beide 
von    Beinomenes    (Paus.    1,     25,     1) 
der    Schlacht    bei    Leuktra    weinten 
kader    (Paus.    10,    9,    5    nennt    fälschlich    die 
Tegeaten)    die    Statuen     der    K.,     des    Arkas 
u.  a.   nach   Delphi,    wovon   die   Weihinachrift 
erhalten    ist     (Mitt.    d.    d.    arch.     Inst.     1889 
S.    17).       Auf    arkad.    Münzen    des    4.    Jahrh. 
sind  dargestellt:  K.  vom  Pfeil  durchbohrt  [Or- 
chomenos;   vgl.   Catal.    of  greek  coins  in  the 


und  auf  Fälschung  beruhen  die  Darstellungen 
der  Poniatoivslci- Gemmen  (vgl.  Förster,  Raub 
u.  RückJc.  d.  P.   p.  116). 

Deutung:  Dafs  KaXXtßra  ursprünglich 
mit  Artemis  KaXXi'atrj,  unter  deren  Heiligtum 
man  sie  begraben  glaubte,  identisch  gewesen, 
ist  seit  0.  Müller,  Proleg.  p.  73  ff.  u.  Bor.  1", 
376  wohl  allgemein  angenommen.  Zur  Nymphe 
wurde  sie,  als  die  Vorstellung  von  der  jung- 
fräulichen (homer.)  Artemis  die  herrschende 
wurde  (s.  Artemis  Bd.  1  Sp.  579  f.).  Dafs  die 
Bärin  der  Artemis  in  Arkadien  heilig  war,  er- 
giebt  sich,  wenn  man  die  Sagen  von  K.  und 
Atalante,  beide  Gefährtinnen  der  Artemis  und 
einst  A.  selbst,  die  eine  in  eine  Bärin  ver- 
wandelt, die  andere  von  einer  Bärin  gesäugt, 
mit    dem     Symbol     von    Mantineia     auf    den 


Zeus  als  Artemis  der  Kallisto  nahend,  anwesend  Eros,  Relief  von  einem 
Silbergefäfs  (nach  Froehner,  Mus.  de  France  1873  T.  5). 


Nach  go  Münzen  des  5.  Jahrh.,  einer  Bärin,  zusammen- 
die  Ar-  hält  (Franz  p.  243  ff.).  Von  einem  Zusammen- 
hang des  Sternbildes  der  Bärin  mit  der  Sage 
(Lauer,  Syst.  d.  gr.  Myth.  p.  295  f.  Usener, 
Rh.  Mus.  23,  334.  Preller,  Gr.  Myth.  1  4,  305) 
kann  in  der  älteren  Zeit  keine  Rede  sein; 
derselbe  ist  erst  durch  Kallimachos  geschaffen. 
Das  ursprüngliche  Wesen  der  Göttin  ist  dunkel  : 
Mondgöttin  ist  sie  nach   Welcher,  Gr.  Götterl. 

30* 


935                     Kalliteknos  Kallone                        936 

1,   580,    Usener  a.   a.   0.,   Röscher,    Sehne   u.  Kallitoxos  (KaXXizot,og) ,  Beiname  des  Apol- 

Vmvandtes  S.  36,  146,   Immer  iv  ahr ,  Kulte  u.  Ion;  Aristeides  in  Rhet.  Graeci  Spengel  2,  511; 

Mythen  Arkadiens  1  S.  159 f.,  die  alle  von  dem  nachzutragen  zu  Bd.  1  Sp.  437,  Z.  62  ff.    Vgl. 

Namen    KaXXiaxai    ausgehen,    Erdgöttin    nach  Klytotoxos.    [Höfer.] 

Robert  b.  Preller,  Gr.  31.   I4,  304   A.  2,    der  Kallon  (KäXlmv),  Argiver,  Geliebter  des  in 

von   QsfLiBzä  ausgeht.     Anders  Lippe rt ,   Die  ein  Mädchen  verwandelten   Teiresias    (s.   d.); 

Relig.  d.  europ.  Kulturvölker  p.  381  u.  Görrcs,  den    Sohn    der    beiden   (Strabon)    machte    die 

Berl.  Stitd.  10  (1889).    [S.  auch  Bachofen,  Der  zürnende   Hera  zu   einem   Schieler.     Sostratos 

Bär  in  den  Religionen  des  Altertums  p.  15 — 24.  b.  Eustath.  z.  Hom.  -x  492.  Vgl.  Wagner, 
Auch  E.  Curtius,  Studien  zur  Geschichte  der  to  Hermes  27  (1892)  S.  132  u.  135.     [Röscher.] 

Artemis,  Sitzungsber.  der  K.  Pr.  Ah:  d.    W.  Kallone  (KaXXövri).    1)  Eine  von  H.   Usener 

1887  p.  8:   „In  Arkadien  ist  Artemis  Kallisto  {Kallone, im  Rhein.  Mus.  N.F.  23  1868  S.318ff.) 

als  Zeus'  Gattin  die  Landesmutter".    Drexler.]  aus  Piaton  (Symp.  p.  206D  Moiqa  ovv  xal  ElXiC- 

—  2)  Kallisto  oder  Phake  (3>ax»j)  hiefs  eine  &via  r\  KctXX6vr\  im\  zjj  yevsati;  lib.  ■xaXXovi]) 
Schwester  des  Odysseus  nach  Mnaseas  b.  Lysi-  mit  Billigung  0.  Jahns  (ed.  p.  55,  10)  sowie 
machos  (Athen.  4,  158  c.    Eustath.  p.  1572,  53).  aus  dem  Etym.  Gud.  Kaßigoi   (p.  289,  30)  <ä? 

—  3)  Priesterin  zu  Athen  zur  Zeit  von  Trojas  änXoi  Agißzorpdvrjg  iv  Eigrjinj  Xsyoiv  äXX'  si'  zig 
Fall  nach  Hellanikos  b.   Tzetz.  Posthorn.  776.  vfiäv    iv    Satiodgcix)]    zvyx<xvn.   \    fiifivi^uivog 

[Franz.]  vvv  sv^ocio  xctXXov  y  (sie!)   gewonnene  und  in 
Kalliteknos  (KaXXixtxvog)  heilst  1)  Apollon  20  Arist.   Frei.   277   mit  Änderung   vvv  i^agäa&s 

in  Pergamon   Aristid.   2,   708    (Dindorf);    er  KaXXovn  eingesetzte  Göttin  der  samothra- 

hatte   unter   diesem  Beinamen   einen    Tempel  kischen    Mysterien,     welche    in    den    er- 

Aristid.  1,  469.    0.  Müller ,  Archäol.  d.  Kunst  -  weiterten  Schollen  z.  d.  St.  (Suidas  ''AXX'  il  zig' 

516,  6.  —  Fränkel,  Die  Inschriften  von  Perga-  und  '^aiiod-gcexn')  unter  Billigung  Useners  als 

mon  p.  3,  der  über  den  dortigen  Apollonkultus  Hekate  Zerynthia  erklärt  wird.    Weitergehende 

handelt,    erklärt   diesen  Beinamen  des  Gottes  Untersuchungen  jedoch   werden   vielmehr   auf 

aus  seiner  Beziehung  zu  Asklepios.  —  2)  Leto  die  Göttin  der  „Schönheit"   selbst,  Aphrodite, 

und  Niobe  Luc.  elial.  deor.  16,  1;  vgl.  l'arthen.  führen,    die    sonst    neben    den    Kabeiren    als 

33.  —  3)  Die  Nereiden  Orph.  hymn.  23,  3.  [Der  Mittelpunkt  der  samothrakischen  Mysterien  er- 
Bedeutung  nach    vgl.   Kalligeneia   und   xaXXi-  30  scheint  und    von  Lykophron  (v.  119)   und  bei 

TtcaSa  Käßtigov   b.   Pindar ,  Poet.  lyr.  gr.  ed.  Suidas  ('ZrjQvvditt')  in  der  zerynthischen  rHe- 

Bergk"  p.  1060.    R.]     [Höfer.]  kate'   erkannt  wird. 

Kallithea  (KctXXi&ia),  Tochter  des  Choraios,  2)   Ein  von  den  Rhodiern  für  Kassiepeia 

von   Atj-s   Mutter   des   Lydos    und   Tyrrhenos,  scherzweise   gebrauchter  Name,    wohl    wegen 

Dionys.  1,  27.     [Stoll.]  ihres  Schönheitswettstreits  mit  den  cNereiden% 

Kallithoe  (KaXXt&örj),  1)  Tochter  des  Fürsten  nach    den   vom    Verf.    (Kallone,    in   Fleckeis. 

Keleos   zu  Eleusis,    Hom.  h.  in  Cer.  110.    —  Jahrb.    135    1887  S.  104)  behandelten  Glossen: 

2)  Erste  Priesterin  der  argivischen  Hera  (Bei-  Hesych.  KuX(X')övng'    slgü>v<{iK(ögy  'Püäioi,  sc. 

narne  der  Io),  Clem.  Strom.  1,  25  p.  418.  KaXXi-  avzi  zov  Kaoonnsiag  wegen  Suidas  Kaaaii- 
&via  heifst  sie  bei  Syncell.  p.  283.   Hieronym.  40  micf  7)  KaXXövn  (lib.  toIIo^') •  v.cti  (!)  övofia 

Chron.    ad    ann.   Abr.   376.     'Ia>   KaXXidvtooa  xvqlov.     Vgl.  den  Artikel  'Kassiepeia'  3. 

Hesych.    s.    v.    Welcker ,    Tril.    134f.     Preller,  3)  Auf  Lesbos  haftet  noch  heute  nördlich 

Gr.  M.  2,  40.     Gerhard,   Gr.   M.  1    §  216,  4.  vom  alten  -nolnog   zqg  KaXXov^g  der  Name  an 

2    §    793.     Vgl.   Io.    [Stoll.]      [Vgl.    besonders  einem   Gau,   in  byzantinischer   Zeit  an   einem 

Knaaek,   Quaest.,  Phaethonteae  (Piniol.  Unters.  cpgovgiov  KaXXovr]  (Kantakuzenos  Par.  p.  291  D, 

von  Kiefsling  u.  Wilamoieitz  Hft.  8  1886  p.  59  292  A;  20,  1,  479  Bonn.),  bei  dem  nach  (Myrsilos 

u.  Note  67.     Der  Vater  war  Peiras,  der  zuerst  bei)  Plut.  VII  Sap.  conv.  c.  9    (vgl.  de  sollert. 

der  Hera  in  Argos  ein  Holzbild  gestiftet  haben  anim.  c.  36  =  F.  H.  G.  4,  459,  12)  eine  nicht  be- 

soll,  Plutarch  de  Daeclal.  bei  Euseb.  praep.  er.  nannte  Jungfrau  durch  Wassersturz  den  Wasser- 
3,  8;    vgl.  n^igr/v  Vater    der  Io,    Hesiod.  fr.  50  gottheiten  geopfert  ward.  Denn  das  Lokal  dieses 

174   u.  Hygin  fab.  145:   ex  Pirantho   et  Colli-  Opfers,  das  (iseoyeiov  tgfia,  kann  nichts  anderes 

rhoe  Argus  Arestorides  Triopas,    was    Knaaek  als  jener  für  Lesbos  charakteristische  Golf  von 

in  Pirante  et   Callithoe  geändert  wissen  will.  Kalloni  sein.      Dann  würde  in  diesem  Mythos 

Der  Verfasser  der  Phoronis  fr.  4  A".  erwähnt  sie:  das  Mädchen  (oder  seine  Mutter)  etwa  cKallone' 

KaXXi&on  iiXsiäovxos  'OXvyiiLuäog  ßaoiXfnjg  geheifsen    haben;    und    obgleich    der    Mythos 

"Hgng  'Agysing,  rj  azifitxoioi  xki  Q-vßävoiei  ganz    in    den   Zusammenhang   der    Geschlech- 

ngwzn  Y.oaarjotv  mgi  Hiovct  ij.ay.gov  ärdaang.  tersage   und   des   Poseidon-Enalosmythos  ein- 

Ihr   Sohn    war   Trochilos,    schol.   Aratca   161:  wandernder     lakonischer     Penthiliden     (Anti- 

01  Se  (iv&oXoyot.  zov  'Hvio%ov  Xiyovaiv  flvai  kleides  bei  Athen.  11,  15  p.  466  C.  D,  781  C) 
&i'öaiXov  . .  .  Tgo%ilov  zov  KciXXi&iag  (scr.  KaXXi-  00  verflochten  ist,  so  wird  er  doch,  wie  der  Vater 

&viag   Knaaek)    itaiäög   zrjg  ngäzrig   iv  "Agyti  der  geopferten  Jungfrau,  Smintheus,  vorpenthi- 

yivof.iivrjg  iigBt'ag  agaa  7Tgoizov  ^v^avzog.  Vgl.  lidisch     sein.        Das     Wasseropfer     erhielten, 

auch    R.   Foerster,     Über    die    ältesten   Hera-  wenn    man   für   Nngrfi'dtg   den    einheimischen 

liilder.     Breslau  1868.  4".  p.  7  Anm.  43.  p.  10.  Terminus  einsetzt,  den  der  lesbische  Referent 

Engelmann,  De  Ione  p.  39  Note  20.    Drexler.]  des  Mythos,  3Iyrsilos,  gebraucht  haben  mufs, 

Kallltlijia,  -thyessa  ==  Kallithoe  (s.  &.).  die  Asvxo&bcil  (Et.  Mag.  p.  56,  45  =  F.  H.  G. 

Vgl.   Usener,  Kallone,  Rh.  Mus.  N.  F.  23  (1S68)  4,    459,    10).      Zu    ihnen    wird    die    geopferte 

p.  325.     [Drexler.]  Jungfrau  versammelt:  diese  ist  also  selbst  als 


937 


Kallone 


Kalybe 


938 


eine  Lenkothea  zu  bezeichnen  (PMlologus 
N.  F.  3  1890  S.  105  40,  112).  Ebenso  ist  auf 
Samothrake  die  Purpurbinde,  durch  welche  die 
Mysten  des  Aphrodite-Eallone-  und  Kabeiren- 
kults  die  Seegefahr  von  sich  fernhalten,  welcher 
bei  Aristophanes  durch  Kallone  der  reisende 
Herold  geweiht  wird,  nichts  anderes  als  der  aus 
der  Odyssee  bekannte  Zauberschleier  der  Leu- 
kothea  (Schal.  Apoll.  Eh.  1,  917.  Cnisius, 
'Kabiren'  S.  23  sl.  Beiträge  S.  23).  In  Ehodos 
endlich  dreht  sich  derselbe  Mythos,  welcher 
Aphrodites  Landung  berichtet,  um  den  Wasser- 
sprung der  Halia-Leukothea:  Diodoros  5,  55, 
kompiliert  über  den  grofsen  Apollodoros  (Bethe, 
Hermes  24  1889  S.  429)  aus  dem  Rhodier  Zenon 
und  anderen  (F.H.G.  3,  175).  Ist  aber  gerade 
die  Leukothea  von  Crusius  nach  0.  Müllers  Vor- 
gang als  heroische  Hypostase  der  Aphrodite 
für  die  tyrsenischen  Kabeirenmysterien  in 
Anspruch  genommen,  in  deren  Genealogieen 
als  Gattin  des  Hephaistos,  wie  sonst  Aphro- 
dite, eine  Kaßsiga  (=  Aphrodite)  erscheint 
('Kabeiren'  S.  21 ,5),  so  ist  die  rhodische 
„Käcpsiga,  Tochter  des  Okeanos  und  Pflegerin 
des  Poseidon",  welche  Strabon  dem  einen  Rho- 
dier entnimmt,  identisch  mit  der  Leukothea- 
Halia,  die  als  „Tochter  der  Thalatta  und  Gattin 
des  Poseidon"  in  der  anderen  rhodischen  Quelle 
Strabons  erschien;  Leukothea-Kapheira  aber 
ist  =  Aphrodite-Kabeira,  deren  Mutter  eben- 
falls Thalatta  war  (Isthmos:  Paus.  2,  1,  7; 
Athen:  Parthenon- Westgiebel?).  Pelasger,  die 
Träger  des  Aphrodite-(Kallone-)Kults  in  Thebai, 
und  unter  Führung  des  Kadmos  auf  Samo- 
thrake, sind  verbürgt  auf  Lesbos-Pelasgia 
(Philol.  N.  F.  2  1889  S.  125.  128  und  3  1890 
S.  707ff.  719  ff.),  wo  die  Sapphobiographie 
aus  dem  Aphroditemythos  gerade  um  das 
Motiv  des  Wassersprungs  vermehrt  wurde; 
ferner  auf  Rhodos  durch  die  Sage  von  der 
Landung  des  Kadmos  mit  dem  Kult  des  (Leu- 
kothea-Gatten)  Poseidon  und  Pelasgern  in 
lalysos-Achaia  (Diodoros  5,  58  nach  denselben 
Quellen  F.  H.  G.  3,  177  a);  vgl.  Dionys.  Hai. 
de  Dinarcho  c.  10.  Konon  c.  47),  jener  Stadt, 
die  durch  ihren  Kult  der  Alektrone-Elektryone 
(v.  Wilamowits ,  Hermes  14,  457)  im  Hinblick 
auf  Elektryon,  den  Sohn  der  Andromeda  von 
Perseus,  unter  den  rhodischen  Orten  das  meiste 
Anrecht  auf  den  Mythos  von  Kallone  und  das 
Wasseropfer  ihrer  Tochter  zu  haben  scheint. 
Endlich  ist  allen  drei  Inseln  gemeinsam  der 
Name  Aithiopia  (-ope)  und  die  Sage  von  der 
grofsen  Flut,  die  mit  dem  Wasseropfer  zu- 
sammenhängt. —  Da  nun 

4)  die  philistäische  loppe,  gleich  vor- 
sintflutlich wie  Kyrbe-Ialysos  (Buttmann, 
Mythol.  1,  137  zu  Diod.  5,  57)  und  überhaupt 
Rhodos,  und  später  berühmt  als  das  Lokal 
der  Andromedasage ,  den  damit  verflochtenen 
Kult  und jMythos  der  ins  Meer  springenden 
Atargatis-Derketo  hat,  von  welchem  schon 
Herodotos  den  Aphroditekult  herleitete,  da 
ferner  der  auf  Lesbos  (Troas)  und  Rhodos 
heimische  Smintheus  mit  Mänsekult,  -Symbol 
und  -sage  sich  genau  entsprechend  in  Philistäa 
(1  Samuel.  1,  6,  11 — 18)  und  der  Philisterstadt 
Pelusiurn  (Herodotos  2,  141,   vgl.  Strabon  13 


p.  604)  wiederfindet  (Aitlnopenl.  S.  200),  so 
erwähnte  Verf.  die  Möglichkeit  (ebda.  S.  141'", 
177.  200),  dafs  eine  Urverwandtschaft  zwischen 
ioppensischen  und  rhodisch-lesbisch-samothra- 
kischem  Wasserkult  vorliege.  Eine  Bestätigung 
hierfür  ist  die  Beobachtung  von  O.  Gruppe 
(' Aitliiopenmythen'' ,  PMlologus  N.  F.  1  1888 
S.  92),  dafs  der  einheimische  Name  der  Stadt 
Iapho,  nichts  anderes  bedeutet  als  „die 
in  Schönheit"  (s.  Gesenius,  Lexikon  s.  v.). 

[Tümpel.] 
Kailos  (KdlXog),  die  personificierte  Schön- 
heit,   der  die  Musen  den  mit  Kränzen  gefes- 
selten Eros  übergeben  (Anakreontea  19  [30]). 

[Höfer.] 

Kalokagathia  (Kalouaya9ia),  die  Personi- 
fikation aller  vollkommenen  menschlichen 
Eigenschaften;  Telesüla  im  Scliol.  Hom.  Od.  13, 
289;  vgl.  Kebes,  Pitvix  15  u.  Kakia.  [Höfer.] 
20  Kaloi  Daimoiies  (KaXol  6ui'[iovsg).  Ihnen  ist 
gewidmet  eine  Inschrift  von  Neapel:  KaXolg  \ 
äaCfioetv.  |  EXtvicov  ISiy  ftvyaxQl  Tv%?]fi  (nväv) 
lä,  fj(usQäv)  iß'  |  tnoiriaiv,  Kaibel,  Inscr.  Gr. 
Ital.  et  Sic.  813.      [Drexler.] 

Kalöpa  (KaXmna,  KAAOTTA)  auf  der  Vase 
G.  I.  Gr.  7711  mit  dem  Auszug  des  Aniphia- 
raos  wird  von  E.  Gurtius  u.  anderen  als  Name 
der  Eriphyle,  von  O.  Jahn,  Arch.  Beitr.  p.  14 
jedenfalls  richtiger  als  Pferdenamen  erklärt. 
30  [Drexler.] 

Kalos  (KdXcog),  Nebenform  für  TdXwg: 
Paus.  1,  21,  6:  Iovxiav  6s  'A&rivvaiv  ig  xijv 
ä-AQOTtoliv  dnö  xov  frsüzQOv  xi&cmxai  KdXmg' 
xovxov  rov  KdXcov  aösXcpfjg  7C(xiSa  bvxcc  nal 
rrjg  rsxvrjg  jia& rrzr\v  cpovevBag  JaiSaXog  ig 
Kqi]t7]v  i'cpvys  x.  x.  X.;  Suidas  s.  v.  LUgSi-xog 
isgov  Ttcegd  xfj  diigonoXsi.  EvnaXdfio}  yctQ 
iyivovxo  naiäsg  zlcüSuXog  hki  IJsqSi^  rjg  viig 
KdXcog'  co  cp&ovrjGaq  o  ducdaXog  xrjg  xs^vrig 
40  SQQiipsv  clvxov  naxa  xrjg  d-nQOTTÖXsayg  y..  x.  Z., 
L.  Mercklin,  Die  Talos-Sage  u.  das  sardo- 
nische Lachen  p.  53  (17),  p.  55  (19),  p.  109  (73), 
Anm.  163  u.  165;  [s.  ferner  Paus.  1,  26,  4;  zum 
Grabe  des  Kalos  vgl.  Baumeister,  Denkmäler 
194,1.     Höfer.]     [Drexler.] 

Kalpetos  (KdXnsxog),  Nachfolger  des  Kapys 
(dessen  Vorgänger  Kapetos  [s.  d.]  war)  in  der 
Königsherrschaft  von  Alba;  Dion.  Hai.  ant. 
B.  1,  71.  Diod.  Sic.  7,  4  =  Euseb.  chron. 
50  p.  210  f.  Mehr  bei  Klausen,  Aeneas  2,  953.  982. 
Schwegler,  jßörn.  Gesch.  1   S.  342  ff.    [Röscher.] 

Kaipos  (KdXnog),  Sohn  des  Numa,  Bruder 
des  Pompon,  Pinos,  Mamerkos,  Ahnherr  der 
Calpurnier;  Plut.  Numa  21  (vgl.  C.  I.  Gr. 
3989,  5).  Mehr  bei  Schivegler,  P.  G.  1  S.  343 
A.  2.    De  Vit,  Onom.  s.  v.  Calpus.     [Röscher.] 

Kalpyia  (?)  (KAATTYIA),  Beischrift  einer  ge- 
flügelten Göttin  auf  einer  rotfigurigen  Le- 
kythos,  Collignon,  Cat.  des  vases  peints  du 
go  muse'e  de  la  soc.  arch.  d'Athenes  p.  171  nr.  580: 
„Une  divinite  aile'e,  sans  doute  Nike,  vetue 
d'une  robe  flottante  et  d'un  chiton,  vole  vers 
la  droite,  les  mains  ouvertes  et  etendues.  Au- 
dessus,  on  lit  Tinscr.  suivante  (Voir  pl.  V  n°  30) : 
KAAlTriA."  [Drexler.] 

Kalybe (KaXvßrj),  1)  e.ineNymphe,  mit  welcher 
der  troische  König  Laomedon  den  Bukolion 
zeugte,    Apollod.  3,    12,  3,   vgl.   P.   6,  23.  — 


939                      Kalydnens  Kalypso                        940 

2)    Bejahrte    Priesterin    der    Iuno    zu    Ardea,  dem  Jüngling  Euathlos  ergriffen,  erflehte  von 

Verg.  Aen.  7,  419.     [StolL]  Aphrodite   die   Ehe  mit  demselben;   von  ihm 

Kalydneus    (Kalvävivs) ,     Kalydnios    (Ka-  verschmäht,   stürzte   sie   sieh   von  dem  leuka- 

XvSviog),    Beiname  des  Apollon  von  der  Insel  dischen    Felsen.      Sie    ward    in    einem    alten 

Kalydna  (Androtion  bei  Steph.  Byz.  s.  v.  Kä-  Vol'ksMei Kah/Jce  besungen,  Stesichoros  b.  Athen. 

Iväva).     [Höfer.]  14,  619d;  vgl.  Eustath.  II.  1236,  62.  Preller,  Gr. 

Kai  villi us   (Kdlvävog) ,  1)  Sohn  des  Uranos,  Myth.  1,  296.  —  6)  Eine  Bassaride,  Begleiterin 

der  erste  König  vonTheben,  Vorgänger  des  Ogy-  des   Dionysos    gegen   die   Inder,    Nonn.  Dion. 

gosjersollThebenzuerstummauertundumtürmt  14,  222.   29,  251.     [Vgl.  auch  die  Trinkschale 
haben,  wovon  Theben  KälvSva  und  KaXvSvov  10  bei  Heydemann,  Satyr-  u.  Bakchennavien  S.  29. 

rvQOig  hiefs,  Steph.  B.  v.  KälvSva.   Tzetz.  Lyli.  C.  1.  Gr.  7558.  E.]  —  7)  Nach  Schol.  II.  2,  104 

1209,  vgl.  1206  p.  962  Müll.  —  2)  Nach  einem  Ka-  soll  Pelops  Sohn  des  Hermes  und  der  Kalyke 

lydnos  waren  die  Inseln  Kalydnai  bei  Tenedos  sein,  Stark,  Niobe  416.  —  8)  S.  Kalyka.  [StolL] 

genannt,  Tzetz.  L.  25.   Steph.  B.  a.  a.  0.  [StolL]  Kalypso  (Kalvipco),  eine  Nymphe  (a  14;  £  14. 

Kalydon  (Kalvämv),  1)  Heros,  nach  welchem  57  u.ö.;  &£(i  e  92u.ö.;  äsivrj  S-fög  avdrjießa  u.  449  ; 
die  gleichnamige  ätolische  Stadt  benannt  war;  Siu  afsäcov  e  78  u.  ö.),  die  den  schiffbrüchigen 
Sohn  des  Aitolos  und  der  Pronoe,  einer  Tochter  Üdysseus  aufnimmt  und  sieben  Jahre  (n  259; 
des  Phorbas,  Bruder  des  Pleuron,  zeugte  mit  sechs,  Ovid.  ex  Pont.  4,  10,  13;  zehn,  Serv, 
Aiolia,  einer  Tochter  des  Amythaon,  die  Epikaste  Aen.  3,  678;  ein  Jahr,  Hyg.  f.  125)  auf  ihrer 
und  Protogeneia,  welche  dem  Ares  den  Osylos  ge-  so  Insel  zurückhält,  vergeblich  um  seine  dauernde 
bar,  Apöüod.  1,  7,  7.  —  Steph.  B.  s.  v.  nennt  Liebe  werbend  (a  15;  ävdytin  iaxsi  S  556  ff.; 
ihn  Sohn  des  Aitolos  oder  des  Endymion,  £  14;  fialanotei  xai  ai/ivlioiei  Xoyoiai  ftilysi 
Daimachos  aus  Plataia  bei  Schol.  II.  13,  218  «56;  Solotcaa  ^245;  aber  keine  cpag/xaKig ; 
Sohn  des  Pleuron,  Enkel  des  Aitolos,  Urenkel  vgl.  Schol.  T  zu  tj  245).  Sie  verheilst  ihm 
des  Endymion,  Bruder  des  Eures.  Nach  Ps-  Unsterblichkeit  (s  209;  r]  257;  ip  336;  vgl. 
l'hit.  de  fluv.  22,  1  u.  4  war  Kalydon,  Sohu  des  Mythogr.  318,  32  Westerm.),  vermag  aber  sein 
Thestios,  von  dem  Vater  wider  Willen  getötet  Heimweh  nicht  zu  bezwingen  (a  58  ff. ;  s  151  ff. ; 
worden,  der  sich  dann  aus  Keue  in  den  Flufs  t29ff.  Overbeck ,  Galerie  heroischer  Bildwerke 
Axenos  stürzte  und  diesem  den  Namen  Thestios  S.  753).  Hermes  überbringt  ihr  im  8.  Jahre  den 
gab  (d.  i.  der  spätere  Acheloos);  oder  Sohn  des  30  Befehl  der  Götter,  Odysseus  zu  entlassen 
Ares  und  der  Astynome,  der  in  einen  Felsen,  (s  112.  Pomp.  Wb.,  Mus.  Borb.  1,  32;  vgl. 
den  Berg  Kalydon  am  Acheloos,  verwandelt  Michaelis,  Arch.  Ztg.  1867,  14.  Gaedechens, 
wurde,  weil  er  die  Artemis  im  Bade  gesehen.  Ersch  u.  Gruber  2,  32,  200).  Sie  fügt  sich 
[StolL]  —  [2)  Heroine,  Personifikation  der  Stadt  ungern,  ist  aber  dem  Odysseus  beim  Bau  der  o%s- 
Kalydon,  welche  nach  Philostr.  jun.  im.  4  dem  äii]  behülflich  (e  163.  241ff.;  /;264;  geschnittene 
Kampfe  zwischen  Herakles  und  Acheloos  bei-  Steine;  vgl.  Ooerb.  a.  a.  O.  S%s3iri  =  Block- 
wohnt. Vgl.  Arch.  Ztg.  20,  319.  [Purgold,  schiff,  Bieusing,  Nautik  129 ff.),  auf  der  dieser 
Arch.  Bemerkungen  zu  Claudian  m.  Sidonius  zu  den  Phäaken  fährt  (vgl.  auch  Mythogr. 
p.  75.    Drexler.]     [Röscher.]  343,  24ff.   Westerm.). 

Kalydoiiisclie  Jagd  s.  Meleagros.  40        Kalypso  trägt  alle   Züge   einer  Nymphe: 

Kalyka  (Kalv-xa),  Nereidenname   auf  einer  Einsame  (n  246)  Wohnung  in  bebuschter  Grotte 

Vase  in  München,  O.Jahn,  Beschr.  d.  Vasens.  (E57ff.;  vgl.  Ath.   1,  16d.   Aelian.  hist.  an.  15, 

König  Ludwigs  2  p.  96  nr.  331  (HAVVKA  „was  28.  Bio  Chrys.  or.  2,  27  M.).  Weben  und  Singen 

an  Flamn  oder  TXavv.a  denken  Heise"  (Schlief,  (e61;  vgl.  Lehrs, Pop. Aufs.- 123  und B. Schmidt, 

aber  von  Brunn  im  Katal.   von  1871  Kalma  Volksleben  d.  Neugr.  1,  106).  Sie  heifst  vvficpn, 

gelesen),  „Rosenknospe",   Schlie,  Zu  den  Ky-  &ici  u.  s.  w.,  ifst  Nektar  und  Ambrosia  (e  199), 

prien.    Waren    1874.     4°.     p.    17    u.    Anm.   4.  vermag  Unsterblichkeit  zu  verleihen  und  kann 

Vgl.  Kalyke.     [Drexler.]  dem  Odysseus  einen  günstigen  Fahrwind  senden 

Kalykadnos,  Flufsgott,  erscheint  schwim-  (e  167.   269;    r\  266).     Gleichwohl  ist  sie  keine 
mend  zu  Füfsen  der  sitzenden  Stadtgöttin  von  60  in  Volksglauben  und  Sage  lebendig  wurzelnde 

Diokaisareia,    vor   welcher   Tyche    steht,    auf  Gestalt,    sondern   lediglich    poetische  Fiktion 

einer   Münze    des   Philippus   sen.  von   Diokai-  (weswegen     Vergleichungen     mit    Halia     und 

sareia,    Mi.   S.  7,  209,  236  nach  Scstini,  Leu.  sonstige   Deutungsversuche    in    sich   zerfallen; 

Num.  9   p.  52   tav.  3,  7.    Head  p.  602.     Doch  das  wichtigste  bei  Müllenhoff,  Deutsch.  Alt.  1, 

fügt    Head    dem    Namen    des    Flusses ,    den  30  ff.).     Die   ältere   Gestalt  der  Odysseusdich- 

Mionnet  unbenannt  läfst,  ein  Fragezeichen  zu.  tung  kannte  sie  nicht,   sondern  liefs  Od.  von 

[Drexler.]  Thrinakia   unmittelbar  nach  Scheria  gelangen 

Kalyke    (Kalvv.rj),    1)    Tochter  des  thessa-  (Spuren    bes.   t  273  ff.   u.   die  Erwähnung   der 

lischen  Aiolos  und  der  Enarete,  von  Aethlios  Heliosrinder   im  Prooemium   a  7  ff.).     Kalypso 
Mutter    des    Endymion,    Apollod.    1,   7,    3.    5.  cu  ist  nach  dem  Muster  der  Kirke,  deren  Doppel- 

Ilesiod  bei  Schol.  Ap.  Eh.  4,  57.  —  2)  Danaide,  gängerin  sie  ist,  frei  erfunden  und  der  Odyssee 

durchs  Los   dem  Lynkeus  zur  Ehe  bestimmt,  eingefügt,    um   den   Odysseusnostos   auf   zehn 

Apollod.  2,  1,  5.  —  3)  Tochter  des  Hekaton  (?),  Jahre   zu    dehnen.     Da    aber    gleichwohl    das 

zeugte  mit  Poseidon  den  Kyknos,  Ilyg.  f.  157. —  eigentliche   Kalypsolied    e   (Kalvipovg    avrqov 

i)  Stiefmutter  des  Tennes,   der  ein  Sohn  des  als  Rhapsodietitel:  Aelian.  v.  h.  13,  14)  formell 

Kyknos   war;   dieser  aber  war  Sohn   des  Po-  nicht  von  %  abhängig  ist  (wie  zu  zeigen  ver- 

seidon  und  der  Skamandrodike,   Schol.  II.  1,  suchten    Eayser ,  Hom.  Abh.   32  ff.  und  Niese, 

38.  —  5)  Eine  gewisse  Kalyke,  von  Liebe  zu  Entw.  d.  homer.  Poesie  174.  184ff.),  so  ist  an- 


941                       Kalypso  Kamareites                     942 

zunehmen,   dafs  das  Kalypsolied  nur  von  der  kalisierung  der  unbestimmten  Kalypsoinsel  ist 

Kirkesage   abhängt   und   vielmehr   seinerseits  bei  den  Alten  durch  für  uns  nicht  mehr  kontrol- 

das    Kirkelied,    wie    es    heute    vorliegt,    be-  lierbare  Voraussetzungen  geleitet  und  scheidet 

einflufst  hat  (so   v. Wilamovrite ,  Hom.    Unters.  sich  darnach  in  2  Richtungen:  1)  In  der  Nähe 

115  ff.).  von  Kreta:   a)  Antimachos:  'SlyvXiog  (zw.  Kreta 

Schon  die  Durchsichtigkeit  des  Namens  und  Kythera).  Er  führte  den  Namen  sogar 
Kalypso  (Occulina  nach  G.  Hermann,  die  Ver-  in  seine  i v.doaig  ein  (Scholl,  a  85).  b)  Kalli- 
bergerin)  beweist,  dafs  sie  in  Bezug  auf  machos:  Gaudos  bei  Kreta,  vgl.  fr.  524  Sehn. 
Sagenechtheit  mit  Kirke  nicht  Wettstreiten  sowie  Apollod.  n.  vswv  v.axal.  bei  Strabo  299. 
darf.  (Die  Alten  wandten  das  txvfiov  falsch:  10  c)  Eust.  zu  Dion.  Per.  823  (aus  Steph.  Byz. 
■/]  (ii]  ct7tJ.fi,  kccXvtcxovou  xö  dtavoovfisvqv,  Et.  M.  vgl.  p.  453,  5  Meineice):  XsyExai  Ss  kki  xfjv 
Gud.  Suid.,  wegen  doXösaoa  r\  245.  Über  son-  KaXvipovg  vf\Gov  MiXnxov  *lr]&rivui  noxs.  Auch 
stige  Allegorie  uad  Rationalisierang  der  Er-  hier  ist  wohl  vom  kretischen  Milet  auszugehen 
Zählung:  Herakl.  Alleg.  67  [ßchol.  ET  zu  (anders  v.  Wilamowitza,.  a.  0.  139).  2)  Gewöhn- 
£  85.  Eust.  1389,  40ff.j.  Diktys  6,  5.  Ioann.  lieh  suchte  man  die  Insel  im  Westmeer  (vgl. 
Antioch.  fr.  24,  10  [F.  H.  G.  4,  551].)  Der  Strab.  26.  Scholl,  s  100.  Wenn  bei  Eust.  1389, 
Name  ist  sonst  nicht  populär,  und  seine  Trä-  52  ff.  die  Solonische  'AxXavxCg  erscheint,  so  ist 
gerin  eignet  nur  der  Odyssee  oder  unmittel-  das  wohl  Irrtum,  hervorgerufen  durch  Strabo 
bar  abhängiger  Dichtung  (s.  u.).  Auch  in  der  20  und  102).  Dies  besonders  geläufig  seit  der 
späteren  Litteratur  und  Kunst  ist  K.  wenig  20  Lokalisierung  der  Odysseusabenteuer  in  Italien, 
bemerklich.  Die  mythologische  Neigung  der  a)  bei  Lakinion:  Shylax  13  (Plin.  3,  96;  all- 
mittleren Komödie  hat  sich  gelegentlich  ein-  gemeiner,  in  der  Nähe  von  Kroton:  lambl. 
mal  mit  ihr  beschäftigt  (Anaxilas  Kalypso,  vit.  Pyth.  57;  vgl.  Prohop.  bell.  Goth.  4,  22, 
Koch  2,  266;  von  demselben  eine  Kirke;  vgl.  628  c).  b)  Nviirpaia  (-rtapei  xä  'Aöqia,  Steph. 
Meineke,  Hist.  crit.  407.  Io.  Schmidt,  Ulixes  Byz.  s.  v.):  Ap.  Bh.  4,  574.  c)  Aeaea,  durch 
Com.  Jahrb.  Suppl.  16,  398).  Ein  hellenisti-  Verwechselung  mit  Kirke:  Prop.  4,  12,  31. 
sches  Epyllion  setzt  wohl  Ovid  Ars  am.  2,  Mela  2,  7,  18.  Hygin.  125  (vielleicht  Kor- 
123 ff.  voraus  (Keime  dazu  schon  bei  Homer;  ruptel).  d)  bei  Puteoli:  Cassius  Dio  48,  50 
vgl.  jti  390).  Auch  der  bei  Kalypso  der  Heimat  (Heroinenstandbild.  Dies  ist  die  einzige  Spur 
vergessende  Odysseus  wird  auf  ähnliche  Quellen  30  von  einer  Art  Kult.  Aber  nicht  alle  deuteten 
zurückzuführen  sein:    Philostr.  vit.  Ap.   Tyan.  das  Bild  auf  Kalypso). 

7,  10;  vgl.  auch  Lucian.  ver.  hi&t.  2,  36  (sowie  Von   diesen  italischen  Einflüssen  abhängig 

27.  29.  35).  —  Kalypsobilder  von  Nikias:  Plin.  sind  auch  die  Nachrichten  über  Kinder  des  Odys- 

35,   132.  seus   und  der  Kalypso.     Zuerst  TIesiod.  Theog. 

Der  Dichter  des  e  kennt  keinen  Vaters-  1017  (junger  Zusatz,  Füllstück  zwischen  Theo- 
namen der  Kalypso.  Daher  kann  sie  in  den  gonie  und  Katalog,  auch  sonst  unter  grofs- 
Katalog  bei  Hesiod.  Theog.  359  als  Okeanide  griechischem  Einflufs,  Kissen,  Ital.  Landcsk. 
aufgenommen  werden  (identisch  beide  schon  1,  5;  vgl.  Io.  Schmidt,  Ulixes  posthom.  I. 
für  die  Alten:  Schal.  V  zu  «52).  Aus  diesem  Berl.  1885,  33):  Nausithoos  (vgl.  r\  56)  und 
Katalog  die  Gespielin  der  Persephone,  Hymn.  40  Nausinoos,  beide  ohne  jede  Sagenbedeutung, 
in  Cer.  423  (vgl.  Gemolls  Ausg.  p.  308).  Bei  entfernt  nicht  zu  vergleichen  mit  dem  Kirke- 
Eurip.  Gycl.  264  ist  sie  vielmehr  Nereide.  söhn  Telegonos  (der  bei  Eust.  1796,  47  irr- 
Dies  ist  auch  die  Version  der  Vulgär  mythologie:  tümlich  der  Kalypso  gegeben  wird;  vgl.  v.  Wila- 
Apd.  1,  2,  7.  Ganz  vereinzelt  als  Hesperide  moieitz  a.  a.  0.  182  ff.).  Von  Hesiod  offenbar 
auf  der  Neapeler  Assteasvase,  Heydemann  2873.  abhängig  Pacuvius  fr.  ine.  40  Bibb.  (wo  filios 
Atlas  als  Vater  erst  ia  Stellen,  die  s  ausführen  tris  nicht  richtig  sein  kann).  Die  Vulgär- 
wollen, jedesfalls  kennen:  «52.  n  245.  Daher  tradition  nimmt  nur  einen  Sohn  Kalypsos  an, 
'AxXavxig  bei  Ap.  Bh.  4,  575;  vgl.  Schol.  P  Namens  Auson.  Die  Zeugnisse  (zumeist  auf 
Q  T  zu  s  29.  Paneg.  in  Messall.  77.  Priap.  Theun  zurückgehend)  siehe  ob.  Bd.  1  Sp.  734. 
68,  23  M.  v.  Wilamoivitz  a.  a.  0.  17.  (Singular  50  Hinzuzufügen  ist:  Scholl.  Dion.  Per.  78.  Schalt. 
als  Gemahlin  des  Atlas,  Eustath.  zu  Dion.  Marc,  zu  Lyhophr.  44.  Paulus  Epit.  Fest.  v. 
Per.  78  [aus  Steph.  Bys.  vgl.  p.  148  Mein.]  Ausoniam.  Auch  hier  ist,  wie  bei  der  Lokali- 
—  vgl.  auch  Tsetses  zu  Lylcophr.  174  [Helios]).  sierung  der  Insel,  Kalypso  mehrfach  mit  Kirke 
Beachtenswert  ist,  dafs  dieser  Erdichtung  ein  verwechselt.  [0.  Immisch.] 
Muttername  fehlt.  Erst  bei  Hygin.  fab.  p.  11,  Kamareites  (Kaaaastxiqg),  Name  des  Men 
19  Schm.  heifst  die  Mutter  Pleione.  Auch  auf  Münzen  von  Nysa,  Head  p.  552.  Boscher, 
lokal  ist  Kalypso  nicht  zu  fixieren :  denn  ihre  Die  Beiterstatue  Iulius  Caesars  auf  d.  Forum 
Insel  ist  von  Haus  aus  namenlos  (vgl.  bes.  lulium  (Ber.  d.  K.  S.  Ges.  d.  W.  1891)  p.  129. 
f  55).  J172  vtjaov  an  wyvyirjs  hindert  nichts,  Echhel  2  p.  587,  unter  Hadrian  (stehend  mit 
adjektivisch  zu  verstehen  (vgl.  v.  Wilamoioitz  60  Schale  und  Scepter),  Mi.  3,  365,  362;  Antoni- 
a.  a.  0.).  Als  Name  erscheint  'üyvyirj  erst  in  nus  Pius  (ebenso),  Mi.  S.  6,  520,  411  u.  Marc 
den  abhängigen  Partieen:  ij  244.  254.  (i  448.  Aurel  (stehend  zwischen  zwei  Löwen,  mit 
«85  (vgl.  a  50).  i/)  333.  Die  richtige  Deutung  Pinienapfel  u.  Scepter),  Mi.  S.  6,  520,  415. 
schon  bei  Steph.  Byz.  v.  'Slyvyia;  Scholl.  «85.  Der  Name  wird  mit  dem  arabischen  Qainar 
Eust.  1393,  31  (unabhängig  hiervon  und  für  =  Mond  in  Zusammenhang  gebracht,  Eclchel, 
die  Sage  irrelevant  ist  die  Frage  nach  Her-  D.  N.  V.  2  p.  187.  Numi  vct.  p.  16.  Wad- 
kunft  und  Bedeutung  des  Wortes  eoyvytog,  dington,  Asie-Min.  p.  216  nr.  7.  —  Pappado- 
Müllenhoff  a.  a.  0.   p.  61).     Die   gelehrte   Lo-  poulejs,  nigiyocupri  iytxv7zoiixdx<av  ciq%.  o<pQuyi- 


943 


Kamariiia 


Kam[mo]ris 


944 


SoXi&tav  ävBV.S6ttav.  Athen  1855.  4°.  p.  30 
nr.  559  möchte  zu  diesem  Namen  auch  er- 
gänzen die  Aufschrift  KAM  einer  Gemme,  auf 
der  erscheint:  „&sbg,  bg&iog,  q>ogü>v  %itmra, 
ngbg  agiaxfgäv ,  fii  Hiqjalrjv  ätixivaxrjv ,  %ga- 
xäv  xy  dgiaxigä  avBifiivrj ,  6id  xov  äfiov, 
liäexiya,  xrjv  §'  sxsgav  vipäv  i^ingbg,  xarcoth 
KAM.  i'awg  Xontbv  b  SLxovigbfiivog  sivcci  xo- 
my.og  xig  -S'fös  ävxioxoixog  xä  MrjvL"  [Drexler.] 

Kamarina  (Kafidgiva),  Tochter  des  Okeanos, 
Nymphe  des  Sees  Kamarina  an  der  Südküste 
von  Sicilien,  an  welchem  die  gleichnamige 
Stadt  lag,  Find,  OL  5,  2  (6)  und  die  Schol. 
Lehrs,  '  Popul.  Aufsätze  121  Anm.  [Stoll.] 
[Das  Haupt  der  Nymphe  Kamarina  erscheint 
auf  Silbermünzen  der  gleichnamigen  Stadt, 
von  vorn,  nach  1.  blickend,  mit  losem  Haar, 
Ohrring  und  Halsband,  mit  je  einem  Fisch  zu 
beiden  Seiten  des  Halses  (Rs.  Nike),  A  Cot. 
of  greek  coins  in  the  Brit.  3Ius.  Sicily  p.  37 
nr.  20,  oder  1.  h.  blickend,  mit  Sphendone, 
Ohrring  u.  Halsband  (Rs.  Nike?),  C.  G.  C.  B. 
M.  Sic.  p.  38  nr.  21.  22,  oder  mit  der  Bei- 
schrift AMI  AMAX,  mit  steingezierter  Sphen- 
done, Ohrring  u.  Halsband  (Ks.  Schwan  flie- 
gend über  Wellen,  worin  ein  Fisch),  a.  a.  0. 
Y>.  38  nr.  24.  25.  In  ganzer  Gestalt  erscheint 
sie,  mit  der  mehr  oder  weniger  vollständig 
erhaltenen  Beischrift  KAMAPINA,  auf  einem 
die  Flügel  ausbreitenden  Schwan  sitzend:  1.  h. 
schauend,  den  r.  Arm  um  den  Hals  des  Schwa- 
nes gelegt,  den  oberen  Teil  ihres  schleier- 
artig über  dem  Haupte  wehenden  Peplos, 
dessen  unterer  Teil  die  Kniee  bedeckt,  mit 
beiden  Händen  haltend;  unter  dem  Schwan 
Wellen  mit  Fisch;  r.  ein  Frisch,  a.a.  O.p.36  nr.  16; 
oder  ebenso,  ganz  bekleidet,  1.  h.  sehend,  auf 
dem  Schwan,  umgeben  von  3  Fischen,  a.  a.  0. 
p.  37  nr.  17;  oder  r.  h.  schauend,  bekleidet, 
auf  dem  1.  h.  schwimmenden  Schwan,  mit  der 
L.  den  schleierartig  über  dem  Haupte  wehen- 
den Peplos  haltend;  unter  dem  Schwan  Wellen 
mit  Fisch.  (Obv.  bei  allen  3  Darstellungen 
Haupt  des  Hipparis)  a.  a.  0.  p.  37  nr.  IS.  19. 
Read,  Ft.  N.   p.  113.       Drexler.] 

Kauiatos  (Kdjiazog)  nach  Kuibel,  Epigr. 
Gr.  1027  vs.  27  als  fttög  erwähnt  an  einer 
korrupten  Stelle  des  Kasseler  Asklepiospaian. 

[Drexler.] 

Kambles  (KäfißXrjg),  König  in  Lydien,  soll 
so  gefräfsig  gewesen  sein,  dafs  er  sogar  sein 
Weib  zerstückte  und  verzehrte,  weshalb  er- 
sieh nachher  den  Tod  gab,  Xanthos  b.  Athen. 
10,  415  c.  KafißXi'xag  heifst  er  bei  Nicol. 
Damasc.  p.  36  Ureili.  Müller,  Mit.  gr.  fr.  3, 
372,  28;  bei  Aelian  V.  II.  1,  27  Kdpßrjg,  bei 
Eustath.  Hom.  p.  1630, 15  Ka^ßvoig.  Die  beiden 
letzten  Namen  sind  in  KdixßXrjg  zu  ändern,  s. 
Iardanos.     f  Stoll.] 

Kambyse?  (Kajiövori?),  'Onovvzog  tjv  &vyd- 
Tjjp,  'HXsltov  ßaoiXicag,  rjv  'AgicxoriX  (js  Kafi- 
ßvoip*  xuXsi  (Scltol.  Bind.  Ol.  9,  86;  vgl. 
Aristot.  fr.  p.  280  (nr.  557)  ed.  Heits).  Nach 
anderen  Überlieferungen  (s.  Bindar  a.  a.  0. 
u.  d.  Schol.)  hiefs  sie  Protogeneia  (s.  d.)  oder 
Kabye  (s.  d.);  vgl.  Blut,  quaest.  Gr.  15:  <I>v- 
av.t'ov  xov  'Aiicpimvovog  vibg  rjv  Aoxgog,  ek  öl 
xovxov  Kai.  Kaßvrjg  Aoy.gog.     [Röscher.] 


Kanieiro  (Kaus  igd>),  eine  Tochter  des  Panda- 
reos,  mit  ihrer  Schwester  Klytie  von  Poly- 
gnotos  in  der  Lesche  zu  Delphi  gemalt  mit 
Blumen  bekränzt  und  mit  Würfeln  spielend, 
Baus.  10,  30,  1.     [Stoll.] 

Kameiros  (Kdusigog),  Sohn  des  Heliaden 
Kerkaphos  auf  Rhodos  und  der  Kydippe  oder 
Lysippe,  Bruder  des  Ialysos  und  Lindos.  Die 
drei  Brüder  teilten  sich  in  die  Insel  und  grün- 

io  deten  die  nach  ihnen  benannten  Städte,  Bind. 
Ol.  7,  73  (135)  u.  Schol  Eustath.  p.  315,  28. 
Diod.  5,  57.  Steph.  B.  s.  v.  —  Hyg.  f.  275  nennt 
Kameiros  Sohn  des  Helios,  Müller,  Aegin.  41  ff. 
Vgl.  Cic.  d.  nat.  deor.  3,  21,  24.     [Stoll.] 

Kauiephis  (Kdfirjcpig  oder  Kau,fiqug?),  ägyp- 
tische Gottheit,  bei  Stob.  Ecl.  p.  120  als  ngo- 
ndxcog  «et  ■Kavxav  Ttgoyiviaxtgog  (Jablonski, 
Banth.  Aeg.  1  p.  96)  bezeichnet.  Daniascius 
nzgl   agxäv,  Anecd.  Gr.   ed.  Wolf  t.  3   p.  261 

20  erwähnt  xbv  ngmxov  Kdfintpiv ,  sixa  xbv  dsv- 
ztgov  anb  xovxov,  zixcc  Kai  anb  xovxov  xov 
xgixov.  O  S\  vsaixsgog  'llgaioxog  xbv  xgixov 
ovo{MccGd~£vxa  KaiLTjtpiv,  anb  xov  naxgog  Kai 
rov  ndmiov,  xbv  ffXiov  eivai  tprjGtv.  Auf  diesen 
Gott  bezieht  man  auch  die  Notiz  des  Iam- 
blichus  de  myst.  8,  3  p.  262 — 263  ed.  Partheg: 
Kax'  aXXrjv  äi  xd'£,iv  ngoxdxxti  \'o  Epfiijs] 
frsbv  xbv  'Harjcp  xäv  snovgavCav  fttwv  r]yov- 
atvov ,    bv    qinai   vovv    civai  avxbv  lavxbv  vo- 

30  oijra  Kai  xdg  vofjßtig  eis  iavxbv  i-maxgs- 
cpovxa,  in  welchem  man  Kvijcp,  Chnum  erkennt, 
vgl.  Jablonslä,  Banth.  Aeg.  lib.  1  cap.  4  §  9 
p.  93  —  98  u.  über  Chnum  Bruasch,  Bei.  u. 
Myth.  d.  a.  Äg.  p.  65.  94,  112f.,  139,  141, 
146,  160  ff.,  191  ff.,  290  ff.,  298  ff.,  303  ff,  30Sff., 
502  ff.,  582  ff.  Der  y.vgtog  Äfu/qp  wird  angerufen 
bei  Wessely,  Eph.  Gr.  p.  20  nr.  171.  B.  B.  20  R. 

[Drexler.] 
Kamese  s.  Camese. 

40      Kameses  s.  Camese. 

KaniiUos  (KdgiXXog),  1)  Sohn  des  Hephaistos 
und  der  Kabeiro,  Vater  der  Kabeiren:  Alcusi- 
laos  b.  Strab.  10,  472:  'Anovoi'Xaog  d'  b  'Agystog 
in  Kaßsigovg  «ort  'HcpaCoxov  KdaiXXov  Xsysi, 
xov  <5e  xgiig  Kaßft'govg  k.t.X.  —  2)  =  Hermes: 
Iuba  b.  Blut.  Numa  7:  köj  xbv  'Eguijv  ovxutg 
tvioi  xäv  'EXXrjvmv  KdaiXXov  änb  xi)g  äta- 
■xovi'ag  7igoor]yög£vov.  Vgl.  Macrob.  S.  3,  8,  6: 
Statius    Tullianus    de    vocabulis    verum    libro 

DO  primo  ait  dixisse  Callimachum  Tuscos  Camil- 
lum  appellare  Mercurium,  quo  vocabulo  sig- 
nificant  praeministrum  deorum.  Vgl.  auch  Et. 
Gud.  p.  290.  Serv.  ad  V.  Aen.  9,  542.  S.  oben 
unter  Hermes  Bd.  1  Sp.  2352  und  unter  Kadmos. 
Conze,  Arch.Z.  1880  (38)  7  ff.  Lobeck ,  Aglaoph . 
III  §  7.  Neuhäuser,  Cadmilus  S.  49.  Keil, 
Bhilol.  2.  Suppl.-Bd.  1863  S.  601.  Vgl.  d.  Art. 
Megaloi  theoi.  [Röscher.] 

Kaiuiiieutes     (Kag.Lvivxrig),    Beiname     des 

60  Hephaistos,  Anonymi  Laurentiani  duodeeim 
deorum  epitheta  VI.  'Em'dtxa  'Hcpaiaxov  nr.  2 
in  Anecdota  varia  Graeca  et  Bat.  edd.  Schoell 
et  Studemund.  Vol.  1  S.  268.  [Drexler.] 
Kamise  =  Camese  (s.  d.). 
Kam[mo]ris  ( Kdfi[^o)gig) y  Beischrift  des 
einen  von  zwei  Männern  in  einem  Kahne  auf 
einer  Vase,  deren  Litteratur  von  Stephani,  G.  r. 
p.  l'a.  1805  p.  137  Anm.  1   verzeichnet  wird, 


945 


Kamos 


llandaios 


946 


wollen  Welcher,  Rh.  Mus.  N  F.  9  1854  p.  290  ff. 
Alte  Dkm.  6,  Tfl.  30,  1 ;  5  p.  345  u.  Minervini, 
Bull.  arch.  nap.  n.  s.  1  p.  144.  2  p.  14  als  Namen 
des  Odysseus  (Kdfifiogog)  erklären.  Dagegen 
sieht  Stephani,  der  den  Namen  Kctfiiiagt'g  liest, 
in  den  Männern  einfache  Fischer.  [Drexler.] 
Kamos  (LXX:  Xccuaig),  der  kriegerische 
Hauptgott  der  Moabiter ,  von  den  Griechen 
mit  Ares  identificiert ,  erscheint  auf  Münzen 
von  Rabbath-Moab  (Areopolis)  auf  einem  Ge- 
stell stehend,  in  der  L.  Schild  u.  Lanze,  in 
der  R.  das  geschwungene  Schwert,  E-cTchel, 
D.  N.  V.  3  p.  504  f.  Head  p.  687.  de  Saulcy, 
Num.  de  la  Terre  Sainte  p.  355  ff.  pl.  XX 
fig.  8—10.  Vgl.  über  diesen  Gott  Ed.  Meyer, 
Gesch.  d.  A.  p.  246  §  205.  Paul  Scholz,  Götzen- 
dienst u.  Zauberwesen  bei  den  alten  Hebräern 
u.  den  benachbarten  Völkern  p.  176  —  179. 
Baethgen ,  Beiträge  zur  semit.  Religionsqesch. 
p.  13,  15.  238,  256.  W.  Baudissin  in  Herzog- 
Plitts'  B.-E.  f.  prot.  Theol.  u.  Kirche  72  p.  636 
— 639  s.  v.  Kemoseh,  der  weitere  Litteratur- 
nachweise  giebt.  Übrigens  zweifelt  Baudissin, 
dafs  in  dem  Gott  von  fiabbath-Moab  der  alt- 
moabitische  Kamosch  zu  erkennen  sei  und  infolge 
dessen  auch  an  der  Richtigkeit  der  Erklärung 
des  letzteren  als  Kriegsgottes.     [Drexler.] 

KAMOS  statt  Käiiog,  Satyrname  auf  den 
2  Vasen  Millingen,  Vas.  Coghill  19.  Inglti- 
rami,  Vasi  fitt.  336.  C.  I.  G.  8379.  Heyde- 
mann,  Satyr-  u.  Bakchennamen  p.  21  nr.  b 
und  Tischbein,  Vas.  2,  44  (50).  Inghirami, 
Mo».  Etr.  5,  26.  Müller -Wieseler ,  Denhm.  d. 
a.  K.  22,  487.  C.  I.  G.  7462.  Heydnnann 
a.  a.  O.  p.  22,  d.  —  Visconti,  Mein,  dell'  Inst.  3 
p.  43  wollte  es  durch  xrjfiög,  labeo  erklären; 
O.Jahn,  Vasenbilder  p.  18  Anm.  21  u.  Welcher, 
Philostr.  Imag.  p.  214.  A.  D.  3  p.  125  halten 
es  für  eine  dorische  Form,  wogegen  sich  be- 
stimmt   Heydcmann    p.   21    Anm.   97    erklärt. 

[Drexler.] 

Kanipania  s.  Kampos. 

Kampaiios  (Ka/XTcavog)  Gründer  von  Kampos: 
St.  B.  s.v.  Kufi-nag;  vgl.  Schol.  Dion.  Per.  357 
und  d.  Art.  Kampos.     [Röscher.] 

Kampe  (Kda-rtg),  ein  Ungeheuer,  das  die 
Kyklopen  und  Hekatoneheiren  im  Tartaros  be- 
wachte. Zeus  tötete  es,  als  er  diese  zur  Hülfe 
gegen  die  Titanen  herbeiholte,  Apollod.  1,  2,  1. 
Ausführlich  wird  es  beschrieben  von  Norm. 
Dion.  18,  237  ff.  Vgl.  Diod.  3,  72.  Völcher, 
Iapet.  Geschl.  68.  [Ausführliches  darüber  b. 
Mayer,  Gig.  u.  Tit.  S.  232ff.,  der  auch  in  dem 
Ungeheuer  b.  Oe.  Fast.  3.  799 f.  die  Kampe 
erkennt.     Röscher.]     [Stoll.] 

Kampesos  Hat.  Campesus),  ein  Kolcher:  Val. 
Flacc.  5,  593.  6,  243.     [Röscher.] 

Kampos  (KdfiTtog),  1)  König  von  Epeiros; 
seine  Nachkommen  hiefsen  Kanrpolidai;  Ale- 
xarchos  und  Aristonihos  bei  Serv.  ad  Verg. 
Aen.  3,  334.  Nach  seiner  Tochter  Kampa- 
nia  ist  die  Landschaft  [vgl.  auch  Steph.  B. 
s.  v.  Kafiuavict  u.  Polyb.  31,  9.  R.]  benannt, 
Varro  bei  Serv.  a.  a.  0.;  andere  nennen  seine 
Tochter  Kestria,  Serv.  a.  a.  0.  —  2)  Vgl. 
schol.  Dion.  Per.  357  Kaunavol  ü'grjvzui  r]  dno 
KäiLiiov  r  dnb  Kafindvov  (s.  Kampanos) 
zwbg  ovzcog  ivofia^oiitvov.     [Höfer.] 


Kanaehe  {Kavdpi),  1)  =  Kanake  (s.  d.V  — 
2)  Hund  des  Aktaion:  Ov.  Met.  3,  217;  Hyg. 
f.  181;  vgl.  y.avu%r).     [Röscher. 1 

Kanake (Kavdxn,  auck7fo:jȊ;fr)),l)Tochterdes 
Aiolos  und  der  Enarete,  von  Poseidon  Mutter 
des  Opleus,  Nireus,  Epopeus.  Aloeus,  Triops, 
Apollod.  1,  7,  3.  4.  Diod.  5,  61.  Kallim.  h.  in 
Ger.  99.  Wegen  verbrecherischer  Liebe  zu 
ihrem  Bruder  Makareus   tötete   sie   ihr  Vater, 

10  oder  sie  mordete,  wieMakareus,  sich  selbst,  Hyg. 
f.  238.  242.  243.  Ov.  Her.  11.  Schol.  Plat.  Leq'g. 
8,  94,  20.  Stob.  Flor.  64,  35.  Sostratos  bei 
Plut.  Parall.  gr.  28.  Serv.  V.  Aen.  1,  75. 
Diese  berühmte  Liebe  bildete  den  Inhalt  der 
Tragödie  Aiolos  von  Eurinides,  welcher  Ov. 
Her.  11  gefolgt  ist;  Schol  Aristoph.  Nut.  1371. 
Ran.  849.  Welcher,  Gr.  ZV.  2.  860  ff.  Kauch, 
Traq.  gr.  fr.  p.  291  ff.  Der  Vater  ist  in  diesen 
Erzählungen  bald  derthessalische  Aiolos,  dessen 

■M  Gemahlin  Enarete,  bald  der  Windgott,  dessen 
Gem.  Amphithea,  Preller,  Gr.  M.  1,  520.  — 
[Kanake  erkennt  nach  Kalkmanns  (A.  Z.  1883 
Tfl.  7,  1  p.  51  ff.)  Vorgang  Vogel,  Scenen  euri- 
pideischer  Traqödien  in  qriechischen  Vasen- 
aemäldcn  p.  28  —  32  in  dem  Gemälde  einer 
Hydria  von  Canosa.  im  Besitz  der  Signora 
Petrone ,  während  Jatta  und  Heydemann  an 
Phaldra  denken.  Sie  liegt,  nach  Kalkmann, 
im    Sterben,    nach  Voqel   bereits   verschieden, 

00  auf  einer  Kline,  in  der  matt  herabhängpnden 
R.  das  Schwert  haltend,  womit  sie  sich  in  der 
Brust  eine  klaffende  Wunde  beigebracht  hat. 
Auf  einem  vatikanischen  Wandgemälde  (Baoul 
Rochette,  Feint,  ant.  PI.  1  p.  399.  Biondi, 
Momcm.  Amaranz.  tav.  2)  ist  sie  in  sitzender 
Haltung  dargestellt,  das  ihr  vom  Vater  ge- 
sandte Schwert  in  der  R. ,  vgl.  0.  Jahn,  Te- 
lephos  u.  Troilos.  Kiel  1841  p.  53  Anm.  56. 
Brunn,  Künstlerg.  2,  172.    Jahrb.  d.  arch.  Inst. 

40  3,  227.  Ganz  unsicher  ist  die  Deutung  auf  K. 
auf  einer  von  Margherita  Garden  bei  Bologna 
gefundenen  etruskischen  Stele,  deren  dritte 
Seite  zeigt:  „6  mythologische  Bilder:  Scylla, 
Circe,  Nereide  auf  Delphin,  Weib  mit  Dolch 
fCanace?),  Weib  mit  Blumen,  Jünsding  mit 
Flügeln,  in  Händen  Hammer,  Winkelmafs, 
Säge",  Wochenschr.  f.  kl.  Phil.  1890  Sp.  816, 
nach  Athenaeum  nr.  3262  p.  578.  Auf  einer 
Münze    von  Kyme,    Dumersan,  Gab.  Allier  de 

50  Hauteroehe  PI.  13,  27  will  Cavedoni,  Spie, 
num.  p.  157 — 158  unwahrscheinlich  Poseidon 
mit  Arne  oder  mit  Kanake  erkennen.  Drexler] 
2)  Ein  Hund  des  Aktaion,  Ov.  Met.  3,  217. 
Hyq.  f.  181.     [Stoll.] 

Kanastraios  (Kuvaazgatog)  wird  Hektor  ge- 
nannt bei  Lyhophr.  AI.  526  (uaiTiEg  ngb  nvg- 
yaiv  zbv  Kavaatgalov  fiiyav  \  syx<ögiov  yiyavza 
SvGtitväv  [Lo%lhv  \  i'xovTa);  siehe  Tzetzes  zu 
diesem  Verse:   „Kdvaozga,   ccxgcorrfgiov  Maui- 

60  dovtag  v.cd  Sgtlv.ng  ue&OQLOv,  ov  nlgoiov  co%tj- 
aav  oi  riyavxzg'  Kavctotgaiov  äs  vvv  liysi  zbv 
"E-nzoga,  Sid  zb  ysvvalov  Sib  Kai  sy%usgiov 
aizbv  slnsv"'     [Drexler.] 

Kandaios  (Kav Salog),  nach  Pausan.  bei 
Eustath.z.  Hom.  437, 12:  ix  zov  -naisiv  hui  äcäsiv 
("vgl.  auch  Tzetz.  lyhoph.  938)  Beiname  des 
Ares,  lyhophr.  1410  und  Schol.  =  Kavädcav 
Lyhophr.  328.  938.    [Nach  Tzetzes  zu  Lyhophr. 


947 


Kandalos 


Kanopos 


948 


328  ist  Kavddcov  Name  des  Orion  bei  den 
Boiotern,  vgl.  Ahrens,  Über  eine  loichtige  indo- 
germ.  Familie  v.  Götternamen,  Orient  u.  Occi- 
Jent  2  p.  7  —  8.  Drexler.]     [Lorentz.] 

Kandalos  (KüvSaXog),  einer  von  den  sieben 
Söhnen  des  Helios  und  der  Rhodos.  Er  floh 
von  Rhodos  nach  Kos,  nachdem  er  mit  den 
übrigen  Brüdern  den  Bruder  Tenages  gemordet, 
Schol.  Find.  Ol.  7,  131.  135.  Biod.  5,  56.  57. 
[Vgl.  Bethe,  Hermes 24  p.  431  Anm.  2.  Drexler.]  10 
Dibbelt,  Quaest.  Coae  mythol.  Greifswald  1891. 
S.  4.    fStoll.] 

Kandaon  =  Kandaios  (s.  d.). 

Kandarene  (KavSugrjvfi),  Beiname  der  Hera 
von  der  paphlagonisehen  Stadt  Kandara,  wo 
ein  Tempel  der  Hera  K.  stand,  Steph.  Bij:. 
s.  v.  KdvSaga.     [Drexler.] 

Kandaulas  (KavSavXag),  iydiseher  Name 
1)  des  Hermes,  Hesych.  Hipponax  bei  Tzetz. 
in  Cramers  anecd.  Öxon.  3.  351,  7  =  Bergt:  20 
24,  fr.  1 :  'Eqjjltj  xvväyxa,  Mijoviczl  KavdccvXa, 
cpiogcöv  tzatgs,  vgl.  Bd.  1  Sp.  2390,  Z.  43  ff. 
Kandaulas  bedeutet  nach  Tzetz.  a.  a.  0.  und 
Chiliad  6,  483  Hundswürger  {ev.vXonv  i-Azrig),  d.  i. 
ArgOstöter,  und  auch  Curtius,  Gr.  Etymologie' 
159  (vgl.  Höfers  Zeitschrift  1,  220)  leitet  das 
Wort  von  dem  griechischen  Stamm  «bo»,  kvv, 
lat.  can  ab;  nach  Hesych.  (s.  v.  Kvvdy%rj.  01 
di  zo  Kvvdyxa  uvzl  zov  y.Xs7tza)  bedeutet 
Kandaulas  Dieb  und  würde  in  diesem  Falle  so 
durch  das  folgende  q>cogäv  szaigs  erklärt 
werden.  —  2)  des  Herakles,  Hesych.  [s.  auch 
Baoul-Buchette,  Mcmoires  d'arch.  comp.  1.  Sur 
VHercule  assi/rien  et  phe'nicien  p.  283  Anm.  1. 
Drexler.]     [Höfer.] 

Kundulos  (KdvdovXog),  einer  der  Kerkopen 
(s.  d.),  Suid.  s.  v.  Ktguconsg,  der  sonst  ge- 
wöhnlich Andulos  heifst  ^AvSovXog) ,  Phot. 
158,  2.  Harpohat.  s.  v.  Kigv-mip.  Apostol.  9, 
64.  [Höfer.]  [Vgl.  AJirens,  Orient  u.  Occident  40 
2  p.  18 — 19:  ,,Die  erste  Form  des  Namens 
wird  bestätigt  durch  Hesych.  s.  v.  KdväcoXog, 
y.ctHovgyos,  Xrjezrjg,  die  man  mit  Recht  mit 
jenem  Kerkopen  in  Verbindung  gebracht  hat. 
KdvömXog  wird  die  richtigste  Form  sein." 
Drexler.] 

Kaudybos  (KdvSvßog),  Sohn  des  Deukalion, 
nach  welchem  die  lykisehe  Stadt  Kandyba 
benannt  war,  Steph.  B.  v.  KdvSvßa.     [Stoll.] 

Kanes  (Kdvng),   Sohn  des  Kephalos,   König  50 
der    Phylaker ,     vermählt    mit    Euadne ,     der 
Tochter  des  Pelias  und  Schwester  der  Alkestis 
und  der  Amphinome,   Biod.  4,  53;  vgl.  Bd.  1 
Sp.  1392,  7  ff.     [Höfer.] 

Kauethos  (Kdvij&og) ,  1)  Sohn  des  Lykaon, 
Apollod.  3,  8,  1.  —  2)  Sohn  des  Abas  auf 
Enböa,  nach  welchem  der  gleichnamige  Berg 
bei  Chalkis  benannt  war,  Vater  des  Argo- 
nauten Kanthos  (s.  d.);  Ap.  Bh.  1,  77  u.  Schol.  — 
3)  Vater  des  Skiron,  den  er  mit  Henioche,  T.  go 
des  Pittheus,  zeugte,  Flut.  Thes.  25.    [Stoll.] 

Kaiietonnessius(?),  Beiname  des  Mercurius 
auf  einer  bei  Berthouville  in  der  Norrnandie 
gefundenen  Inschrift  Beo  Mercurio  Kaneton- 
nessi(9).  Be  ~\Yal ,  Mythol.  septentrion.  mon. 
epigr.  335.     [Höfer.] 

Kanuökos  (?),  Beiname  des  Zeus  in  zwei  In- 
schriften   aus    dem    Tempel    des    Zeus    Pana- 


marios,  Beschamps,  Cousin,  B.  C.  H.  12.  1888 
p.  261  —  262  nr.  47.  48.  [du  Kawäiicp  hccI 
'Hga  -Aal  Nsiktj.  Höfer.]  Die  Herausgeber  be- 
merken dazu  p.  263:  „Ka.vvuv.oq  ou  Kavvaxäig 
est  Sans  doute  une  dctermination  antique  du  dieu 
national  [des  Cariens],  adore  sous  ce  nom,  dans 
un  sanctuaire  particulier.  II  se  peut  que  Kav- 
vmy.ä  soit  une  forme  indeclinable ,  comme  'Oao- 
ytäa,  epithete  de  Zeus  ä  Mylasa,  comme  Tidyov 
et  Kdgov,  surnoms  du  dieu  Min.  En  tout  cas, 
il  n'est  invraisemblable  de  supposer  im  nom  de 
Heu  tel  que  Kavvtov.a"-.  [Vgl.  Kariös,  Labran- 
deus,  Osogos,  Stratios,  Zenoposeidon.     Höfer.] 

[Drexler.] 

Kauobos  s.  Kanopos. 

Kauopitas  (Kavanizag),  1)  Beiname  des 
Sarapis  {KavanCxag  &sög),  Callimach.  epigr.  56 
p.  94  Schneider  =  Anth.  Pal.  6,  148;  vgh 
Strabo  17  p.  801  Käva  ßog  .  .  .  i'xovoa  zö 
zov  Zagdizidog  isgöv.  [Vgl.  über  den  Kultus 
des  Sarapis  in  Kanobos  Guigniaut,  Serapis  et 
son  angine  p.  22 ff.  Flew,  Be  Sarapide  p.  25. 
Bouche-Leclercq,  Hist.  de  la  dirination  dans 
l'ant.  3  p.  384.  E.  Braun,  Bassorilievo  di 
granito,  proveniente  dal  tempio  di  Canopo  de- 
dicato  a  Serapide  da  Tolomeo  Euergetes,  Bull, 
d.  List.  1849  p.  154  —  156.  Eine  Widmung 
aus    Alexandria    beginnt    Ji'i    'HXim    uBydXm 

,  ,        T        n  t] 

ZagämSi  [rrä]  sv  Kaveoßw.     Im  Sarapeion  zu 

Karthago  ist  eine  dem  iv  Kccvcößai  &sä>i  fis- 
yiazcoi  dargebrachte  Weihinschrift  gefunden 
worden,  C.  I.  L.  8,  1003.  Drexler.]  —  2)  Name 
des  Adonis  bei  Parthenios ,  Steph.  Byz.  s.  v. 
Bogved-svrjg.     [Höfer.] 

Kanopos  (Kccvanog,  nach  Et.  31.  489,  25 
die  allein  richtige  Schreibart,  aber  bei  den 
griech.  Schriftstellern  seltener  als  Kdvicßog, 
vgl.  Steph.  B.),  Steuermann  des  '  Menelaos, 
nach  welchem  die  kanopische  Mündung  des 
Nil  sowie  die  Insel  und  Stadt  Kanopos  be- 
nannt sein  sollten.  Als  Menelaos  bei  seiner 
Rückkehr  von  Troja  nach  Ägypten  gekommen 
war,  starb  Kanopos,  zu  welchem  Theonoe,  die 
Tochter  des  ägyptischen  Königs  Proteus,  wegen 
seiner  Schönheit  und  Jugend  eine  vergebliche 
Liebe  gefafst,  durch  den  Bifs  einer  Schlange 
auf  der  nach  ihm  benannten  Insel  und  wurde 
daselbst  von  Menelaos  und  Helena  begraben, 
Konon  8.  Bionys.  Per.  13  und  dazu  Eustath. 
Strab.  17,  801.  Steph.  B.  v.  Kdvamog.  KiJcandr. 
Ther.  309.  Tac.  Ann.  2,  60.  Dictys  2,  60. 
Mela  2,  6.  Serv.  V.  Ge.  4,  287.  Aen.  11,  263. 
Nach  späteren  christlichen  Schriftstellern  soll 
dieser  Kanopos  und  sein  WeibMenuthis  von  den 
Agyptiern  verehrt  worden  sein,  Epiphanius 
Ancorat.  §  10S.  Opp.  T.  2  p.  109  ed.  Petav. 
Bufin.  Hist.  Eccl.  2,  26.  Suid.  v.  Kävomog. 
Einen  ägyptischen  Gott  Kanopos  aber  gab  es 
nicht.  Nach  Flut.  Is.  et  Os.  22  war  Kanopos 
der  Steuermann  des  Osiris,  der  mit  seinem 
Schiffe  Argo  verstirnt  worden  sei,  und  auch 
Kauopos  sei  als  Stern  an  den  Himmel  versetzt 
worden,  d.  h.  als  der  Stern  Kanopos  am  Sternbild 
Eridanos,  das  auch  Nil  genannt  wurde,  Hi/g. 
P.  A.  2,  32.  Eratosth.  Catast.  37.  —  Müller, 
Orch.  111.  Preller,  Gr.Myth.  2,333,  1.  Schwenck, 
Myth.   d.  Ägypter  156  fi".  -    Haakh  in   Paulys 


949                      Kantharos  Kapaneus                      950 

■ 

B.-Enc.  v.  Canobus.   —  [Vgl.  auch  die  £agd-  profecti  Erizam  urbem  primo'  impetu  eeperunt) 

itsi,,  "lasi,  'Avovßai,  'Agno-ngdrsi,  Kuvani[co~)  ge-  bieten.     Eckhel,  D.  N.  V.  2  p.  581  bezeichnet 

weihte  Inschrift  von  Ambrakia  G.  I.  Gr.  1800.  R.]  das   Haupt   als   „Caput  Iovis",  und   Mommsen 

rStoll.]    \JablonsJci,  Panth.  Acg.  3  p.  131  — 154,  zu  G  I.  L.  3,  859  wäre  geneigt,  darin  den  in 

besonders   aber  Ebers,    Der   geschnitzte  Holz-  dieser    Inschrift    genannten    Iuppiter   Optimus 

sarg  des  Hatbastru,    Abh.   d.    K.   Sachs.    Ges.  Maximus   Erusenus    zu    erkennen,   wenn   nicht 

d.    W.    in    Leipzig    Bd.  21    p.   233  f.    —    Das  Waddington,  Bull.   arch.  de  l'Atheneum  franr. 

Gemälde  eines  Manuskripts   der  Theriaka  des  1855  p.  51  nach  sorgfältiger  Prüfung  der  Münze 

Nikandros  hinter  den  Versen  309  —  319  zeigt  erklärt  hätte,   dafs   darauf  nichts  deutlich  zu 
Kanoboa  mit  Nimbus  auf  dem  Ufersand  liegend,  10  erkennen   sei.     Auch  eine  Amphora  von  Nola 

den  Oberkörper  erhebend,  gestützt  auf  den  1.  mit  einem  Satyr  auf  Vorder-  u.  Rückseite  zeigt 

Ellenbogen;     neben    ihm    sich     windend    die  die  Aufschrift  EAOS,  die  de  Witte,   Cot.  d'ob- 

Schlange,   auf  welche  Helena,  gleichfalls  mit  jets  d'art  eomposant  la  coli,   de  M.    Castellani. 

Nimbus  am  Haupt,  losstürmt.    Ein  Mann  von  Paris  1866  p.  25   nr.  60   als   Schreibfehler  für 

der  Besatzung  des  Schiffes,    das   in   einer  der  KAAOC  anzusehen  geneigt  ist.     [Drexler.] 

Ecken  sichtbar  ist,   bewaffnet  mit  Schild  und  Kapaneus  (Kanavsvg),  Sohn  des  Hipponoos. 

Lanze,    sieht    der   Scene    zu,    E.   de   Chanot,  Bei    Homer    erscheint    er    nur    als    Vater    des 

Gas.   archeol.    2    1876    p.   34  —  35.     PL  11,  2.  Helden    Sthenelos,    Ilias    2,  564.    4,  403    mit 

Drexler.]  den  Epitheta   dyänleizog  und  xvd'dligog,    vgl. 

Kantharos  (Kdv&agog),  ein  attischer  Heros,  20  Eurip.    Iph.   Aul.   246.     In    der    Thebais    des 

nach    welchem    der  Kriegshafen    der   Athener  epischen  Cyklus  hatte  er  natürlich  auch  seine 

im    Peiraieus,     6    Kav&dgov    liarrv ,    benannt  Stelle,   vgl.    Welcher,  Ep.   Gykl.  2,  347.  359  f. 

war,  Aristoph.  Pac.  145  u.  Schol.     [Stoll.]  Stat.  Theb.  3,  604.    4,  176.    6,  731.  753.     Doch 

Kantuos  (Kdv&og),    1)  der  Sohn  des  Kane-  bieten  uns  die  Tragiker,  die  offenbar  aus  dem 

thos  aus  Euboia  (Kerinthos),  ein  Argonaut,  der  Epos  schöpfen,  einigen  Ersatz  für  dessen  Ver- 

in  Libyen  durch  die  Hand  des  Kaphauros  fiel:  lust,  vgl.  Aesch.,  Sieben  g.  Theb.  422  ff.    Soph. 

Apoll.  Rh.   1,  77  ff.   (darnach  Orph.   142.    Hyg.  O.    G.    1319.     Antig.    134  ff.     Eurip.    Phoeniss. 

/'.    14   p.  45,  15   Seh.  p.  48,  21    —    Kephalion  1191  ff.    1202.     Suppl.   496  ff.     Iph.    Aul.    246. 

statt  Kaphauros    genannt).     Tal.   Flacc.   (vgl.  Überall  erscheint  er  hier  als  einer  der  sieben 
1,    451  ff. ,    wo     er    Sohn    des    Abas    heifst),  30  argivischen  Fürsten,  die  mit  Polyneikes  gegen 

läfst    ihn    in    Kolchis    durch    die    Hand    des  Theben  zogen,    als  Held  von  riesenhafter  Ge- 

Gesandros    fallen,    6,    317  ff.,    vgl.   7,   422.    —  stalt  (yi'yag  Aesch.^ili.   Philostr.  Imaq.  2,  29) 

Nach   Schol.   Ap.  Eh.   1,  77   stand   sein  Name  und  frevelhaftem  Übermut.     Durchs   Los   fällt 

auch  im  Verzeichnis  der  Argonautika  des  Klean  ihm   der  Sturm    auf  Elektras  Thor  zu   (Aesch. 

von  Kurion.    —    [Nach  Maafs  im   Index  lect.  423.    Paus.    9,    8,    7).     Apollodor    nennt    das 

Gryphiswald.  1889  S.  VII   ist  Kanthos   eigent-  ogygische  Thor  (3,  6,  6,  1).     In  vermessenem 

lieh   der  Eponymos   der  Stadt  [AJkanthos   auf  Trotz  ruft   der   Riese,    selbst  des   Zeus  Blitz- 

der  Chalkidike,  einer  Kolonie  der  Euboier.   R.]  strahl    soll  ihn  nicht   hemmen,    die   Stadt  zu 

— ■  2)  Ein  Sohn  des  Aigyptios,  mit  der  Danaide  verbrennen.    Im  Schild  führt  er  bei  Aeschylos 
Hippothoe  verheiratet,  nach  Hyg.  f.  170  p.  33,  40  einen  Feuerträger  mit  brennender  Fackel  und 

6  Seil.     [Seeliger.]  dazu  die  Inschrift:  Tlgifioi  itbliv.    Er  legt  die 

Kanzaras?     r*«v£«e«S?)     vielleicht     Bei-  Sturmleiter  an,  als  deren  Erfinder  er  genannt 

name     des    Asklepios    in    folgender    Inschrift  w"d  <Fe^  £  2  V  ff"     T  scb,me?tert  lh* 

von  Komana:  CQTHPIA  I  CKÄHTTIÖ  I  KANZA  [  ™lt    semem   Blitzstrahl    nieder,    ayxuvna    b 

PAIAAPOC  I  YTTePGCIN  ;  OYTOYTI    OY.    Barn-  ™\  VL^Tr   ^t  "  v'S    nvW°£?q    (,So^- 

sag,  Inscriptions   of  Cilicia,   Cappadocia,    and  Ant  ^  dafs  sei?  Leioh°am  fUcite'  "s^" 

Pontus,  Journal  of  philology  11   (1882)   p.  159  VL?V   äi^  wnvovxn     Eur.   Suppl.   496,    ■» 

nr.  21  liest  Zazrjgt  'Acv.lnJo,  Klaget  legog  (?)  T^T?  Fhf°f-Im-  2<  2C9"    Übereinstimmend 

kt*.;  es  dürfte  aber  zu  lesen  sein  Kuv'rdg«"lL  \e ™h,tenft  ^odoros  3     6,  3    13,  6     6     1. 

b  *[']  50  3,  6,  7,  8.    Hyg.   f.  70.  71,    vgl.  Ovid   Met.  9, 

pos,   vgl.  für   die  Endung:  'Anollcav  Tvgiiivag  404.     Seine   Gemahlin  Euadne    (s.   d.    nr.  3), 

C.  I.  Gr.   3493.   3497,    Zeig  TIaniag   C.  I.  Gr.  des  Iphis  Tochter,  stürzt  sich  bei  der  Leichen- 

3817.     [Drexler.]  feier  in  die  Flammen  des  Scheiterhaufens,  Apd. 

KaosJ    Auf  einer  Münze  von  Eriza  (hei  Mi.  3,  7,  1,  3.     Mythogr.    graec.    ed.    Westermann 

3,  345,  248.    Boutkoivski,  Biet.  mim.    p.  603)  359,5.  Philostr.  Imag.  2, 30.   Sein  Grab  erwähnt 

ist    einem    bärtigen  Haupte   mit  Dreizack   da-  Earipides,  Suppl.  981.      Nach    anderer    Über- 

hinter  die  Beischrift  KAOC  gegeben.     Im  Re-  lieferung  soll  ihn  Asklepios  ins  Leben  zurück- 

gister    zum    ganzen  Werk    S.   9    p.   235    fal'st  gerufen  haben,   Apd.    3,   10,  3,   10.     [Die  von 

Mionnet  Kaos   als   Flufsnamen,  und  noch   im  K.  handelnden  Stellen  latein.  Schriftsteller  s. 
B.  C.  H.  1883  wird  von  jArgiixcag,  Ilegl  'Egi-  60  bei  De  Vit,  Gnom,  unter  Capaneus.    Röscher.] 

£qvmv  vofiiBadrmv  (p.  58—66)  KAOC  als  Flufs  Über  seine  Verwandtschaftsverhältnisse  wei- 

auf  Münzen  von  Eriza  nach  Sestini,  Class.  gen.  chen  die  Quellen  vielfach  von  einander  ab.    Als 

1821    p.  88    aufgeführt.     Die  Annahme,    dafs  sein  Sohn  erscheint  durchweg   Sthenelos,   als 

KAOC    einen    Flufsgott  darstelle,    stützt   sich  sein  Vater  Hipponoos,  Nachkomme  des  Proitos, 

auf    Livius    38,    14,     wo     als    Namen     eines  Schol.   Find.  Nem.  9,  30.    Schol.  Eur.  Phoen. 

Flusses    in    der    Nähe    von    Eriza    die    Hand-  181.     Seine   Mutter   heifst   Astynome   Hyg.   f. 

Schriften  Chaus  oder  Cahus  oder  Casus  (tertio  70,    oder  Laodike,    Tochter   des  Iphis,   Schol. 

inde   die   ad   Casum    amnem  perventum;   inde  Eur.  Phoen.  181.   Seine  Gemahlin  ist  Euadne, 


951 


Kapaneus 


Kapheira 


952 


Tochter  des  Iphi's  (es  sind  also  entweder  hier 
Verwechselungen  oder  mehrere  Träger  des 
Namens  Iphis  anzunehmen)  oder  Ianeira 
Schol.  Find.  Ol.  6,  46),  was  wohl  nur  ein 
anderer  Name  der  Euadne  ist. 

Bedeutung   des  Namens.     Nach    Pott, 
Ztschrift   f.    vgl. 


Kapaneus  vom  Blitze  getroffen, 

Gemmen  (nach  Ocerbeck,  Gal.  her. 

Bildw.  T.  V,  nr.  4,  u.  5 ;  Tgl.  ili- 

cati,  Mon.  t.  116  nr.  10  u.  11). 


Bildliche  Darstellungen,  a)  Litterarisch 
überlieferte:  1)  In  Delphi  Statuen  der  Sieben 
gegen  Theben,  von  Hypatodoros  und  Aristo- 
geiton,  darunter  auch  K.  Paus.  10,  10,  3.  2)  Ge- 
mälde im  Tempel  des  Kastor  und  Pollux  zu 
Ardea  Sero,  ad  Verg.  Aen.  1,  44.  3)  Gemälde 
des  Tauriskos,  Plin.  35,  40,  40.  —  b)  Erhaltene 
Bildwerke  s.  Overbeck,  Gal.  heroischer  Bildwerke 
S.  125-129 :  Taf.  5, 2  etrusk.  Aschenkiste,  Kapa- 
abzuleiten  von  10  neus  von  der  Leiter  stürzend,  Taf.  5, 3  ein  Sarder, 
■Hanüvrj,  was  nach  5,  4  u.  5  zwei  Gemmen,  wo  der  Blitzstrahl  im 
Nacken  des  Helden  erscheint,  Taf.  5,  6  Relief 
von  Villa  Albani  {Winckelmann ,  Mon.  med. 
nr.  109.  Zoega,  Bassirilievi  1,  47),  ferner  Over- 
beck a.  a.  O.  S.  148  f.  u.  Taf.  6,  9  Relief  mit 
zusammenfassender  Darstellung  der  Haupt- 
begebenheiten der  Theba'is,  worunter  auch 
Kapaneus  mit  der  Leiter,  endlich  ein  Relief 
von  Giölbaschi,  Benndorf.   Vorläufiger  Bericht 


Sprachforschq.  7, 
324  ist  der  Name 


Aristophanes  bei 
Athen.  10,  418  d 
tkessalische  Be- 
zeichnung für 
auaS,a  ist,  also 
etwa  Wagener, 
ein  Name,  der  sich 
für     einen    Sohn 


des  Hipponoos  20  45  a;  Wien.  Vorlegebl.  1889  Taf.  XL  Die  Deu- 
wohl  schicken  würde.  Nach  Hesych.  wäre  v.a-  tungdes  sogenannten  sterbenden  Alesander  auf 
ndvri  =  xqixCvt]  xvvrj,  wonach  der  Name  einen  Kapaneus  ist  längst  aufgegeben  und,  wie  die 
Helmträger  bedeuten  würde.  Aus  dem  Wortspiel       des   Kolossalkopfes    in  Neapel   ai   Studi,    den 

TTelcker,  Ep.  Gqkl. 
2,  360  Anm.  94  aufK. 
deutete,  durch  die 
richtigere  auf  einen 
sterbenden  Giganten 
ersetzt,  vgl.  K.  Lange, 
Arch.  Ztg.  1883  S.  81. 
[Auch  auf  Vasen 
kommt  K.  vor:  vgl. 
Neapel  nr.  3255  (in- 
schriftl.  bezeugt)  und 
Petersburg  nr.  523  (?) 
Röscher.]  Sogar  in 
Tänzen  wurde  Kapa- 
neus dargestellt,  Luc. 
epigr.  11,  254.  Salt. 
76.     [Weizsäcker.] 

Kapetos(Äair£To<;), 
1)  einer  der  Freier 
der  Hippodameia,  von 

Oinomaos  getötet, 
Paus.  6, 21, 7.  —  2)  Ca- 
petus,   Albanerkönig, 
Sohn  oder  Vater  des 
Kapys,  Lü\  1,  3.    Ov. 
Met.  14,  613.  Serv.  V. 
Aen.  10,  145.    Wahr- 
scheinlich    identisch 
mit   Calpetus ,   Diod. 
7,  4.   Ov.  Fast.  4,  46: 
aber    Dionys.    1 ,    71 
nennt    Kapetos    Vor- 
gänger ,     Kalpetos 
Nachfolger  desKapy  s. 
[Vgl.  De  Vit,  Onom. 
unter     Capetus     und 
Schwec/ler,  Rom.  G.  I 
S.  342f.  R.]     [Stoll.] 
Kapliauros   (A'a'opcrunos),   Sohn   des   Amphi- 
themis   oder   Garamas   und   einer    tritonischen 
Nymphe,  in  Libyen,   Enkel  des  Apollon  und 
der  Akakallis;  er  tötete  den  Argonauten  Kan- 
thos durch  einen  Steinwurf,  als  dieser  in  seine 
Schafherden  geraten,  Ap.  Eh.  4,  1490.  [Stoll.] 
Kapheira  (Kacpsiga),   Tochter  des  Okeanos, 


Kapaneus  (?)  sterbend,  Eelief  in  Villa  Albani  (nach   Winckelmann.  Mon.  ined. 
1,  109  =  Baumeister,  Denkm.  S.  1750  Kg.  1810). 

des  Namens  mit  %K7tvoieai  bei  JEurip.  (s.  o.) 
ergiebt  sich  nicht  eine  andere  AuffassuDg  der 
Bedeutung  des  Namens  im  allgemeinen,  son- 
dern nur  in  dem  betreffenden  Zusammenhang. 
VWüamowite  {Hermes  1891  S.  226)  deutet  K. 
als  Snancxvsvg;  vgl.  Lykoph.  652  mit  Bezug 
auf  KciraayictTTTSiv  itöXiv.     R.] 


953                        Kapheira  Kaphene                         954 

welche  auf  Rhodos  mit  den  Telehinen  den  soll  (vgl.  auch  Dionys.  Hai.  de  Dinarcho  10). 
ihnen  von  Rhea  anvertrauten  Poseidon  erzog,  Diese  sind  nicht  mit  Buttmann  (Mythol.  2,  41) 
[nach  einer  fragmentierten  Tradition  bei  Dio-  und  Gerhard  ( Ursprung  etc.  des  Poseidon, 
doros  5,  55  §  1,  zu  der  noch  aus  §  5  die  An-  Abh.  d.  Berliner  AJc.  d.  W.  1850)  als  Phöni- 
gabe  gehört:  yevia&ai  nuxu  xov  kcuqov  xov-  zier  oder  Karer  zu  verstehen,  sondern  als 
xov  iv  rofs  nQug  sa>  [ligsei  xf;g  vrjoov  roig  Thebaier,  welche  über  Argolis  (Menekrates  bei 
Klndsvxag  (s")  "Iyvrjxug  (hs.  yiyavxag).  *)  Ka-  Seh.  Pindar.  Ol.  2,  16.  Konon  47;  vgl.  Bohde, 
pheira  ist  identisch  mit  Halia  nr.  2  (s.  oben  Bhein.  Mus.  36  1881  S.  4331),  letzthin  viel- 
ßd.  1  Sp.  1819  f.**),  welche  als  Tochter  der  leicht  über  Athenai  (Menekrates)  kamen  und 
Thalassa,  Schwester  der  Teichinen,  den  Po-  10  von  Konon  korrekt  als  Pelasger  (d.  h.  Ein- 
seidon liebte  und  mit  ihm  erzeugte  7iaiäag  wanderer  aus  der  Urheimat  des  Aphrodite- 
Sf  aQQivag  ovg  (tpuoi)  nlrftrivai  ngoaricöovg  dienstes,  Thessalien,  speziell  Pela  bei  Orme- 
Suipovag  (Diod.  a.  a.  0.  §  4.  6).  Beide  Mythen-  nion)  bezeichnet  werden  (vgl.  Philol.  N.  F.  4 
traditionen,  die  bis  auf  den  Namen  der  Heroine  1891  S.  48  9);  3  1890  S.  715  und  S.  116  f. 
in  allen  wesentlichen  Punkten  sich  decken,  Es  ist  dasselbe  Volkstum,  welches  den  gleichen 
sind  von  Diodoros,  der  ihre  Identität  nicht  kabeirischen  Kultkomplex  auch  auf  die  thra- 
erkannte,  oberflächlich  kontaminiert  (Philol.  kischen  Inseln  übertragen  hat.  Als  diejenige 
N.  F.  4  1891  S.  43  ff.),  und  zwar  nach  einem  rhodische  Stadt,  wo  jener  kadmeische  Priester- 
Berichte  des  grofsen  Apollodoros  (Bethe,  Her-  kult  des  Poseidon  und,  wie  man  hinzusetzen 
nies  24  1889  S.  429).  Aus  beiden  Mythen-  20  darf,  der  aphrodisischen  Kapheira  haftete, 
formen  leuchtet  gleichermafsen  die  Beziehung  wird  bei  Diodoros  5,  58  Ialysos  genannt, 
auf  den  Kreis  der  Aphrodite  heraus.  Die  auf  und  damit  entfällt  als  unwahrscheinlich  die 
Rhodos  Kult  geniefsende  Halia  -  Leukothea  von  Lobeck  gewagte  Beziehung  auf  Kameiros 
einerseits  erfährt  die  Vergewaltigung  durch  (Agl.  2,  1184*:  Capheira  .  .  .  haud  dubie 
die  eigenen  Söhne  auf  Veranstaltung  der  ,  Cameira  dieta  ab  icrbe).  [K.  Tümpel.] 
Aphrodite,  die  über  die  6  proseoi'schen  dämo-  Kaphene  (Katpivq),  eine  karische  Jungfrau 
nischen  Igneten  eine  fiavia  schickte,  wie  ja  von  Kryassa  (=  Kryassos),  wo  sich  unter 
überhaupt  die  thebanisch-lemnisch-samothra-  Führung  des  Nyrnphaioa,  eines  durch  Schön- 
kische  Leukothea  schon  von  0.  Müller  (Etrus-  heit  ausgezeichneten  jungen  Mannes,  griechi- 
Tcer  1,  198;  2,  55.  Proleg.  S.  371;  vgl.  Preller-  30  sehe  Kolonisten  von  Melos  niedergelassen 
Plew  1,378)  als  Nebenfigur  des  Aphroditedienstes  hatten.  Als  diese  melische  Kolonie  binnen 
erkannt,  und  von  O.  Crusius  als  Aphrodite-  kurzer  Zeit  zu  grofser  Blüte  und  Macht  ge- 
hypostase  bezeichnet  ist  (Beiträge  s.  griech.  langt  war,  beschlossen  die  karischen  Bewohner 
Myth.  u.  Beligionsgesehichte ,  Progr.  Thoman.  von  Kryassa,  die  ihnen  lästig  gewordenen 
Leipzig  1886  S.  22 f.,  wegen  des  rettenden  Griechen  zu  vernichten,  und  luden  dieselben 
Zauberschleiers  =  der  TioQtpvQig  der  samothra-  zu  einem  Gelage  ein  [um  sie  bei  dieser  Ge- 
kischen  Kabeirenmysterien;  wozu  als  zweites,  legenheit  hinterlistig  zu  überfallen].  Doch 
der  Aphrodite  und  Leukothea  gemeinsames  Kaphene,  die  in  Nymphios  verliebt  war,  hatte 
Motiv  der  Wassersprung  und  als  drittes  die  ihrem  Geliebten  den  Plan  verraten.  Als  nun 
Vergewaltigung  durch  gigantische  Söhne  40  die  Boten  der  Karer  die  Einladung  über- 
kommt: Fleckeis.  Suppl.  16  1887  S.  197  f.  mit  brachten,  erwiderte  ihnen  Nymphios,  dafs  es 
Amn.  176.  178  und  Strabon  11  p.  495).  Ander-  bei  den  Griechen  Sitte  sei,  auch  ihre  Frauen 
seits  klingt  der  Name  KcKfiiqa  schwerlich  nur  zu  Gastmählern  mitzubringen.  Die  Melier  er- 
zufällig an  den  der  Kcußstga  oder  Kctßngco  an,  schienen  nun  zwar  selbst  unbewaffnet  beim 
die,  wiederum  auf  Samothrake,  als  Gattin  des  Schmause,aberjedeihrerFrauentrugeinSchwert 
Hephaist09  (Mutter  des  Kasmilos)  direkt  für  in  ihrem  Gewände  versteckt,  und  als  nun  mitten 
Aphrodite  eintritt:  AJcusilaos  und  Pherekydes  im  Schmause  den  Karern  das  Zeichen  zum 
bei  Strabon  p.  209;  vgl.  0.  Crusius,' Kabiren'  Überfalle  gegeben  wurde,  ergriffen  die  Grie- 
in  der  Allg.  Encyklop.  2.  Sekt.  32  S.  21 15.  chen  plötzlich,  ehe  die  Karer  sich  dessen 
Kapheira  ist  also  wohl  als  heroisierte  Aphro-  50  versahen,  die  von  ihren  Frauen  mitgebrachten 
dite-Kabeira  aufzufassen;  und  auch  der  Schwerter  und  töteten  ihre  arglistigen  Wirte, 
Kasmilos,  der  auf  Samothrake  die  Kabeira  als  worauf  sie  deren  Stadt  zerstörten  und  eine  andere 
Sohn  begleitet  (und  als  Kadrnos  die  Leuko-  Nsa  Kqvuoou  gründeten.  Kaphene  aber  wurde 
thea  zeugte),  scheint  auf  Rhodos  nicht  gefehlt  die  Gemahlin  des  Nymphios  und  erhielt  für  ihre 
zu  haben.  Wenigstens  kennt  daselbst  Dio-  That  den  gebührenden  Ehrenlohn.  Die  Legende 
doros  5,  58  (nach  Zenon  u.  a.)  Kadmeionen  steht  bei  Plutarch  de  mul.  virt.  7  p.  304  Dübn. 
(avv  KuSfitp  QoivMig);  ja  diese  gründeten  imd  u.  Polyaen.  8,  64  [vielleicht  nach  den  KagiKo: 
verwalteten  erblich  gerade  das  Priestertum  des  Apollonios,  der  die  Ktisis  von  Kryassos 
des  Poseidon,  den  Kapheira  aufgezogen  haben  behandelte:  Oeff'ken,  De  Stephano Byz.  p.  52  zu 

60  Frgm.  28;  vgl.  F.  Dümmler,  Athen.  Mitteil.  13 

*)  Für  die  Bd.  l  Sp.  1693  u.  Bd.  2  Sp.  in  fehlenden  1888  S.  301,  der  die  Sage  von  der  Gründung  der 

Artikel  Gnes,  -etea  und  Ignetes  steht  das  Material  Stadt  Nea-Kryassa  in Karien  durch  die  Melier  in 

hei  Lobeck,  Agi,  2,  lisss.   Boeck,  Kreta  l,  352.   Begehen,  weiterem  Zusammenhang  behandelt  und  diese 

De  Stephano  Byz.  cap.  n,  Doktordiss.  Göttingen  1S86  p.  44.  Wanderung  für  trotz  ihrer  dorischen  Etikette  für 

Tümpel  PMioi  N  f.  4  1891  s.  43  v  o  r  dorisch  hält.  Tümpel.]   J(«h^  macht  mich 

**)  Daäelhat  ist  zu   erganzen  „Tochter  der  Thalassa"  .        .            ,      ,                  i         l     ■   j?i-  "t         ^-a    -i 

,    ,  '    „          ,  r  „,  ,         iT,     -j         ■*  in  einer  dankenswerten  briet  liehen  Mitteilung1 

und   zu  tilgen,    dafs  Thalassa   den  Poseidon  mit  erzogen  ^        „         ,                                                    1      '      .            & 

habe.  —  Halia  m.  3  (Tochter  der  Sybaris )  und  nr.  4  darauf  aufmerksam,  dais  die  Legende  bei  Plut. 

(Tochter  des  Tyllos),  s.  in  den  Nachträgen  zu  Bd.  2.  a.  a.  0.    (vgl.    die    SchlufswOl'te    a'^lOV    OVV    Sya- 


955 


Kapheus 


Kapys 


956 


c&cti  rwv  yvva.iv.SiV  v.al  tr\v  <siianr\v  %a\  zo 
&dgaog)  etymologisch  auf  die  ouanij  der  dabei 
beteiligten  Frauen,  wohl  auch  der  Kaphene, 
zugespitzt  scheint,  so  dass  dem  aiziov  die- 
selbe Beziehung  zu  Grunde  läge  wie  der  Ety- 
mologie von  xnyrjvsg  (vgl.  Hcocpog)  =  schweig- 
sam, stumm  im  Etym.  Magn.        [Röscher.] 

Kapheus  (Kacpsvg),  bei  AUcman  frg.  72 
Bergk  (r)oy.s  rig  [o]xa(psvg  äväaccov)  zuerst 
richtig  eingesetzt  von  H.  Neumann  (bei  Bobert, 
Eratosth .  reliq.  p.  246  17),  wo  neuerdings  wieder 
Sitzler  (Die  Lyriker  Eumelos,  Terpander  und 
Älhman  etc.,  Festschrift  des  . . .  Gymn.  Karls- 
ruhe 1886  S.  54  oxacpsvg  stehen  lassen  und 
=  e-nanrav  erklären  will,  und  JE.  Silier  (in 
Bursians  Jahresbericht  über  die  griechischen 
Lyriker  und  Bukoliker  S.  171)  mit  Berufung 
auf  JSwrip.  frg.  700  Na.  (xconng  ävaeoav)  e-nci- 
(fsvg  (so)  als  Gen.  von  otacpos  =  Schilf  fafst. 
Vgl.  d.  Artikel  'Kepheus'.         [K.Tümpel.] 

Kappadokia  (Kctnita.8ov.ia),  die  Personifi- 
kation der  Provinz  Kappadokien ,  erseheint 
mit  der  Beiachrift  CAPPADOC1A  auf  Bronze- 
niüozen  Hadrians  stehend,  mit  der  Turmkrone, 
haltend  den  Berg  Argaios  und  eine  Standarte 
(Cohen  22,  121f.  200—211.  Cavcdoni,  Bull.  arch. 
napol.  n.  s.  4  p.  124  Dr.  9),  auf  Grofsbronzen 
des  Antoninus  Pius  stehend,  mit  der  Turm- 
krone, haltend  einen  Korb  und  eine  Standarte, 
zu  Füfsen   den  Argaios,    Cohen   2-,   282,  120. 

[Drexler.] 

Kappadox  (KannäSot,,  auch  Kanna.doY.og), 
Sohu  des  Assyriers  Ninyas,  Enkel  der  Semira- 
mis,  nach  welchem  Kappadokien  benannt  war, 
Eustath.  zu  Dionys.  Per.  772.  Steph.  B.  v. 
Kannaöonia.     [Stell.] 

Kappotas  (Kanncotag  =  Katanavrag,  Be- 
ruhiger),  Beiname  des  Zeus.  Der  Sage  nach  ge- 
nas Orestes  vom  Wahnsinn  auf  einem  [Meteor-?] 
Steine  sitzend,  welcher  Zs vg  xannarag  genannt 
wurde,  Pausan.  3,  22,  1.  Preiler-Bobert,  Gr. 
Myth.  1,  146.  [Vgl.  Overbeck,  Über  das  Kultus- 
objekt bei  den  Griechen  in  seinen  ältesten  Ge- 
staltungen, Her.  üb.  d.  Verh.  d.  K.  Sachs.  Ges. 
d.  W.  Ph.-H.  Kl.  16  1864  p.  144—145.   Drexler.] 

[Lorentz.] 
Kapros  (Kangög),  1)  Flul'sgott  auf  Münzen 
von  Atusa  in  Assyrien  aus  der  parthischen 
Periode,  zu  Füfsen  der  sitzenden  Stadtgöttin 
(„The  city  seated  on  rock  from  lohicli  issucs  a 
sicimming  Biver-god  the  Caprus ,  with  long 
goat's  horns") ,  Head  p.  690  nach  Gardner, 
Parthian  Colns  PL  7,  22.  —  2)  Flufsgott  auf 
Münzen  von  Laodikeia  Phrygiae.  Er  erscheint 
a)  auf  Münzen  Caracallas  in  menschlicher  Ge- 
stalt, mit  Lykos,  zu  Füfsen  der  von  drei  Kory- 
banten  umtanzten ,  das  Zeuskind  auf  dem  1. 
Arm  haltenden  Adrasteia,  neben  welcher  1.  der 
Genius  von  Laodikeia,  die  L.  aufs  Steuer  ge- 
stützt, steht,  während  oben  in  der  Luft  ein 
Adler  sichtbar  ist,  Imhoof,  Jahrb.  d.  Ksl.  D. 
Arch.  Inst.  3  1888  p.  290  nr.  2  Taf.  9  nr.  19; 
vgl.  Mi.  4,  330,  781.  782;  Cat.  Northwick 
nr.  1232.  Head  p.  566;  b)  ebenso  gelagert  in 
menschlicher  Gestalt  zusammen  mit  Lykos, 
beide  durch  die  Beischriften  KATTPOC  u.  AYKOC 
kenntlich  gemacht,  zu  Füfsen  der  sitzenden 
und   ein  Bild   des   Zeus  Laodikeus   haltenden 


AAOAIKGIA  auf  einer  Münze  des  Commodus, 
Mi.  4,  325,  754;  c)  als  Eber  (KATTPOC)  mit 
Lykos  (AYKOC)  als  Wolf  die  stehende  und  ein 
Bild  des  Zeus  Laodikeus  haltende  Laodikeia 
umgebend  auf  Münzen  der  Iulia  Domna,  Vail- 
lant,  N.  Gr.  p.  92.  Mi.  4,  327,  764.  Raver- 
camp, Mus.  Begin.  Christ,  p.  180  Tb.  26,  12 
(ohne  Angabe  der  Beischriften);  Sestini,  Mus. 
Chaudoir  p.  109  u.  Blas.  Hedervar.  2,  349,  18 

10  Tb.  27,  3.  Mi.  S.  7,  587,  460.  Head  p.  566. 
Gardner,  Greek  Biver -Worship ,  Trans,  of  the 
B.  Soc.  of  Lit.  of  the  united  Kingdom.  2d  ser. 
vol.  11  1878  p.  205f.  PI.  2,  2;  d)  sitzend  als 
Eber  gegenüber  dem  als  Wolf  dargestellten 
Lykos,  Head  p.  566,  auf  autonomen  (Obv. 
Haupt  der  Synkletos),  Mi.  4,  316,  700.  Streber, 
Nu/m.  nonnulla  Gr.  ex  mus.  regis  Bavariae 
hactenus  minus  aecurate  descripta.  München 
1835.   4°  (Akad.)  p.  248  Tb.  4,  10  und  Münzen 

20  des  Caracalla,  Mi.  4,  330,  783  aus  Vaillant, 
N.  Gr.  p.  101;  S.  7,  589,  465  nach  Bamus, 
Cat.  n.  vet.  mus.  reg.  Daniae  1,  228,  12 
Tb.  7,  11.  Die  Tiere  sind  in  den  früheren 
Beschreibungen  vielfach  falsch  benannt;  das 
Richtige  sahen  Cavedoni,  Spie.  num.  p.  241 
Anm.  208  u.  Streber  a.  a.  0.,  vgl.  auch  Bn- 
hoof,  Monn.  Gr.  p.  406  zu  nr.  125.  Gardner 
bemerkt  zu  dem  Typus:  ,,'This  may  be  a  mere 
punning  allusion  to  tlie  name  of  the  river,  as 

so  these  coins  are  of  a  very  lote  date,  but  we 
have  reason  to  (hink  thai  boars  clid  sometimes 
typify  the  violency  of  water  especially  as  wild 
boars  notoriously  haunt  swamps";  und  Adolf 
Gerber,  Naturpersonifikalion  in  Poesie  u.  Kunst 
der  Alten.  Leipzig  1883  (Jahrbb.  f.  kl.  Phil. 
Suppl.  Bd.  13)  p.  270:  „Ebenso  sahen  die 
Griechen  in  den  Flüssen  nicht  wirkliche  Stiere, 
Eber  oder  Widder,  sondern  nur  die  Wesens- 
gleichheit liefs  sie   solche   Benennungen  wäh- 

40  len";  vgl.  auch  E.  Curtias,  Peloponnesos  1 
p.  405  u.  Sitzungsber.  d.  Bert  Akad.  1888. 
S.  1228,  der  auch  (p.  388)  in  dem  erymanthi- 
schen  Eber  den  Flufs  Erymanthos  erkennt  u. 
durch  die  Namen  der  Wildbäche  Achajas 
Krios  (Bock)  und  Sys  (Eber)  ihre  heftige  und 
zerstörende  Natur  bezeichnet  sein  läfst  (s. 
Boscher,  Selene  u.  Vcrw.  S.  52  A.  206).  Aus 
der  slavischen  Mythologie  führt  Gardner 
p.  206    eine    Notiz    von    Karamsin,   Hist.    de 

50  Bussie  1  p.  114  an,  dafs,  wenn  ein  grofses 
Unheil  das  Slavenvolk  bedrohte,  der  Genius 
des  Sees  von  Rhetra  unter  der  Gestalt  eines 
wilden  Ebers  mit  furchtbarem  Grunzen  aus 
den  Wogen  emportauchte,  um  alsbald  wieder 
zu  verschwinden.     [Drexler.] 

Kapys  (Kdnvg),  1)  Sohn  des  Assarakos  und 
der  Hieronyme,  T.  des  Simoeis,  Nachkomme 
des  Dardanos,  Fürst  der  troischen  Dardaner; 
zeugte    mit    Themis,    der   T.    des    llos,    den 

60  Anchises,  II.  20,  239.   Apollod.  3,  12,  2.   Diod. 

4,  75.  Od.  fast.  4,  34.  T:etz.  L.  1232.  Serv. 
Verg.  A.   1,   272.  284.     Nach   Serv.   Verg.   A. 

5,  30  war  die  Troerin  Segesta  seine  Gemahlin 
und  Mutter  des  Anchises.     Bei  Dionys.  A.  B. 

1,  62  heifst  Klytodora,  T.  des  Laomedon, 
Mutter  des  Kapys,  der  mit  der  Nymphe  Nais 
den  Anchises  zeugt.  —  2)  Trojaner,  Verg.  Aen. 

2,  35  bei  der  Eroberung  Trojas  genannt;  nach 


957  Kar  Kariös  958 

Serv.   z.    d.   St.    war   er    ein   Verwandter    des  Karche    (K<xQxv)t    Tochter    des    Aigyptos, 

Aeneas    und    der    Gründer    von    Capua,    also  eines  Sohnes   des  Zeus   und   der  Thebe,   nach 

identisch  mit  nr.  3.  —  3)  Begleiter  des  Aeneas  welcher  die   „Insel"  Karchedon  benannt  war, 

der  in  Latium   mitkämpft,    Verg.  Aen.  1,  183.  Tzetz.  L.  1206  p.  958  Müll.     [Stoll.] 

9,  576,    derselbe,    von    welchem    Capua    ge-  Karchedon(Äcp^?)i?cöv),l)PhönikierausTyrus, 
gründet  und  benannt   sein   sollte,    Verg.  Aen.  der   21   Jahre   vor    dem   Fall  Trojas   mit   dem 

10,  145.  Steph.  B.  Kanva,  vgl.  Sero.  V.  Aen.  Tyrier  Ezoros  Karchedon  (Karthago)  gründete, 
1,  2.  242.  10,  145.  Dieser  Gründer  von  Capua  Philist.  b.  Euseb.  Can.  Chron.  nr.  804  {Müller, 
wird  auch  Samniter  genannt,  Serv.  V.  A.  10,  ldst.  gr.  fr.  1  p.  190,  50).  Steph.  B.  s.  v.  [Stoll.] 
145.  Liv.  4,  37.  Nach  Dionys.  1,  73  gründete  10  —  2)  Tochter  des  tyrischen  Herakles,  Gic.  de 
Romus  Capua  und  nannte  es  nach  seinen  troja-  nat.  deor.  3,  16,  42.  Vgl.  Karthago.  [Höfer.] 
nischen  Vorfahren.  [Das  Haupt  des  Kapys  er-  KaQfA6ovi<ov  öaifiiov,  d.  i.  Tanit,  wird 
kennt  Cavedoni,  Spie.  num.  p.  14  auf  dem  Obv.  zusammen  mit  'HqaY.lfjg  (Baal  Chamman)  und 
von  Münzen  von  Capua,  deren  Rs.  eine  einen  'ioXaog  (Eschmun)  als  höchste  Gottheit  der 
Knaben  säugende  Hirschkuh  zeigt,  M.  S.  1,  Karthager  bezeichnet  im  Vertrage  derselben 
236,  259.  T.  Combe,  Mus.  Brit.  Tb.  2  fig.  14.  mit  Philipp  von  Makedonien,  Polyb.  7,  9, 
Baoul-Bochette ,  Notice  des  fouilles  de  Capoue  2  —  3.  Bäthgen,  Beitr.  z.  semit.  Beligionsgesch . 
p.  94  —  95    hat  sich  Cavedonis   Erklärung   an-  p.  46.     [Drexler.] 

geschlossen;  dagegen  erkennen  Avellino,  Bull.  Kardys  (KdgSvg),  Vater  des  Klymenos,  ein 

arch.   napol.   1   p.    11    und    Friedländer,    Osli.  20  Kreter  aus  dem  Geschlechte  des  Herakles  Idaios, 

Münzen  p.  13  Telephos,  und  Cavedoni  selbst,  Paus.  5,  8,  1.     [Stoll.] 

Bull.  arch.  napol.  1   p.  72  pflichtet  ihnen  bei;  Karia  (KctQi'u),   1)  die   Personifikation  von 

Minervini,  Bull.   arch.   napol.   n.  s.    7    p.  170  Karien,  erscheint  auf  den  oben  Bd.  2  Sp.  35S 

will  Auge  erblicken;   Poole ,    Cat.  Gr.  C.  Brit.  angeführten    Münzen    des    Septimius    Severus 

Mus.  Italy  p.  83  nr.  14  beschreibt  den  Typus  von  Tarsos   zusammen  mit  Isauria   u.  Kilikia. 

nur  als  „Young  head,  r.,  wearing  sJciii  of  beast".  Auf   Münzen    von    Laodikeia    Phrygiae    sieht 

Drexler.]  —  4)  Begleiter  des  Aeneas  (vgl.  nr.  3);  man  Laodikeia  sitzend  zwischen  der  stehenden 

er  kam  mit  ihm   auf  seiner  Irrfahrt  nach  Ar-  <t>PYI""IA  u.  KAPIA,  Eclhel  3  p.  160.  Head,  IL 

kadien,  wo  sie  eine  Stadt  gründeten,  die  nach  N.  p.  566.  Mi.  4,  329,  775.  Caracalla  („«DPYriA, 

ihm    Kaphyae    oder    Kapyae    genannt    ward,  so  La  Plirygie  personnifie'e,  tutule'e  et  debout,  por- 

Dionys.  A.  B.  1,  49.    Strab.   13,   608.      Nach  tant  sur  la  m.  dr.  deux   simulacres;    en   face 

Steph.  B.  v.  Kacpvai  war  die  Stadt  nach  dem  KAPIA,   la  Carie,   egalement   debout  et  tutule'e, 

Vater  des  Anchises   benannt.   —   5)   Albaner-  tenant  dans  la  m.  dr.  des  e'pis,  et  dans  la  g. 

könig,  Liv.  1,  3.   'Verg.  Aen.  6,  768.    Dionys.  une   corne  d'abond.").     [Drexler.]    —    2)    Ver- 

A.  B.  1,  71.   Diod.  7,  4.    Tzetz.  L.  1232  p.  974  derbter  Name  einer  Höre  b.  Hygin  f.  183,  wo 

Müller.     Ov.  Met.   14,  613.    fast.  4,  45.     Auch  wahrscheinlich  Carpo  zu  lesen  ist.    [Röscher.] 
ihm    schreibt  man   die   Gründung  von   Capua  Kariös  (Kägiog),  1)  Sohn  des  Zeus  und  der 

zu,  Serv.   V.  Aen.   10,   145.     [Schivegler,  Böm.  Torrhebia,  der  an  einem  See,  der  später  nach 

Gesch.  1  S.  342 f.  A.  1  u.  2.    R.]     [Stoll.]  ihm  Torrhebia  benannt  wurde,  von  den  Nym- 

Kar  (Kay),  1)  nach  griechischer  Sage  Sohn  40  phen  in  der  Musik  unterrichtet  wurde  und  die 

des  Phoroneus,  erster  König  von  Megara,  nach  Lyder  die  pikn   ToQQTjßia   lehrte,  Nikol.  Dam. 

welchem   die   Burg   dieser   Stadt  Karia    hiefs.  bei  Steph.  Byz.   Töggrißog.    In   der  Landschaft 

Ihm  wurde   zu  Megara  die   Stiftung   des  De-  Torrhebis  befand   sich  auf   dem  Berge  Kariös 

rneterheiligtums,  des  sogenannten  Megaron  auf  sein  Heiligtum,  Hekataios  (?)  bei  Steph.  Byz.  a. 

der  Burg,  zugeschrieben,  Paus.  1,39,4.  1,40,5.  a.  O.  —  2)  Beiname  des  Zeus,  dessen  Tempel 

Steph.  B.   v.   Kaqia.     Sein  Grabmal   war    am  in  Mylasa  stand,  und  der  gemeinschaftlich  von 

Wege  von  Megara  nach  Korinth,  Paus.  1,  44,  den    Kariern,    Mysiern    und    Lydern    verehrt 

9.    —    2)    Nach    dem   Glauben    der    Karer    in  wurde,  Herod.  1,  171.    Strabo  14,  659.    Steph. 

Kleinasien   Stammherr  dieses  Volkes,    Bruder  Byz.  KagCa.  Ael.  nat.  an.  12,  30.   Waddington, 

des   Mysos   und   Lydos,   Herodot.  1,  171,   vgl.  so  Asie  min.  415.     Corr.  hell.    12    (1888)    p.  97 

Strab.   14,   659.      Sein    Grab    zu     Suagela    in  Anm.    p.  250    nr.  23.    p.  251    nr.  24.   25.   26. 

Karien,   Steph.  B.  v.  SovüyAa.     Gründer   der  15   (1891)   p.  209   nr.  151.     Strabo  a.  a.  0.   er- 

karischen  Stadt  Alabanda,  die  er  nach  seinem  wähnt  aufserdem  in  Mylasa  noch  einen  Kultus 

Sohne  Alabandos  benannte,  Steph.  B.  v.  'Alu-  des    Zeus   Osogos    (s.   d.) ,    Labrandeus   (s.   d.) 

ßavSa.    Ein  anderer  Sohn  hiefs  Idrieus  (s.  d.).  und  Stratios  (s.  d.).  —  Waddington  a.  a.  Ü.  setzt 

[Vgl.    auch    Plin.    n.  h.   7,  203:    Auguria    ex  den    Zeus    Kariös     von    Mylasa     dem     Zeus 

avibus    Car,   a  quo    Caria   appellata   (invenit).  Chrysaoreus  (Strabo  14,  660;  vgl.  Bd.  1  Sp.  900, 

Vgl.  Kremmer,  De  catalogisheurematum.  Leipzig  Z.  55 ff.)   von  Stratonikeia  gleich,   während  er 

1890.  S.  9  f.  61.    Röscher.]     [Stoll.]  den    Zeus    Labrandeus    und    Stratios    als    den 

C    Karaios  (Kaguiog)-  Zfis  tzuqu.  Boicorotg  ovtco  60  Nationalgott  von  Mylasa  und  den  Zeus  Osogos 

7TQoaayoQ£vezai,  mg  fisv  rivig  cpaai  diu  rb  vipw-  wiederum     als     Spezialgott     der    myiasischen 

J.6s  tivai,  änö  xov  «a'pa,  Hesych.  s.  v.  Kagaiog.  Phyle    Otorkondeis    (Zsvg    'Otcogy-ovSscor)    be- 

Man  hat  Kagaiog  in  Kugiog  umändern  wollen  zeichnet..  [Vgl.  über  die  karischenZeusgestalten 

nach    der  Glosse    des   Photios:    Kagiog    Zsvg-  A.  Maury,  Hist.  des  religions  de  la  Gr'ece  ant. 

sv  ©fCößU'cz  xal  BoiiaxCa,  vgl.  Welcher,  Aeschyl.  2   p.   18;   3  p.   139  —  144.    Jahn,  Arch.  Aufs. 

Trüogie  p.  136,  aber  Meineke,  Fr.  Comic.  Gr.  p.  41  f.     Overbecl; ,  Zeus   p.  268  —  271  und  die 

2  p.  85  hat  sich  dagegen  erklärt;  s.  O.  Jahn,  von  ihm  p.  268  Note  a  angegebene  Litteratur; 

Ann.  dell'  Inst.  1842  p.  210.     [Drexler.]  Preller,  Gr.  M.  I4  p.  141  Anm.  2;  über  einige 


959                        Karinos  Karnabon                      960 

interessante    karische   Zeustypen   auf  Münzen,  Karko    (Kaqv.ci),    ein    anderer    Name    für 

J.  Friedländer,    Zeus    Troios,   Zeus   Aseis   u.  Lamia    (s.  d.).     Vgl.    Hesych.    s.    v.    v.ctgxa- 

Zeus   Osogo,   Ztschr.   f.    Num.   2    1875  (p.  107  layia,  wo  wahrscheinlich  zu  lesen  ist:  Kagv.cö' 

— 112)   p.  109 ff.      Drexler.]      Auch   in   Athen  Aduiu-    Der  Name  hängt  wohl  mit  vägvctgog, 

ward   der  Zeus   Kariös   verehrt,  Herod.  5,  66;  v.dgv.aga,    v.ctQxctgoäovg  etc.  (Curtius,  Grdz.  d. 

vgl.   Kratin.  bei  Piut.  Per.   3;   zur  Erklärung  gr.  Etym.  °  144)    zusammen  und  bezieht  sich 

liierfür  weist  Stein  zu  Herod.  a.  a.  0.  auf  die  vielleicht    auf   die    scharfen    Zähne ,    die    der 

von  Strabo  (9,  397.  Paus.  1,  40,  6;  vgl.  Herod.  Lamia  ebenso  wie  den  Gorgonen  eigen  waren. 

1,  117)  bezeugte  Thatsache  hin,  dafs  Karer  einst  [Koscher.] 
bis  nach  Attika  vorgedrungen  seien.     [Höfer.]  10      Karcuanor  (KuQy.ti.vcoQ),  ein  kretischer  Sühn- 

Karinos  (Kctgiväg),    Beiname    des    Apollon  priester  zu  Tarrha,  Vater  des  Eubulos  und  des 

in    Megara ,     der    daselbst    in    Gestalt    eines  Sängers   Chrysothemis.      Er    sollte    nach    kre- 

Steines  verehrt  wurde,    Paus.  1,   44,   2.     Auf  tischer   Sage   Apollon  und   Artemis    von    dem 

um   300  v.  Chr.   geprägten  Bronzemünzen   der  Morde   des  Python  gereinigt,    und  Apollon  in 

Stadt    erscheint    ein    Ubelisk    zwischen    zwei  seinem  Hause  mit  der  Nymphe  Akakallis  üm- 

Delphinen,     den    man    als    Apollon    Kagivog  gang  gepflogen  haben,   Paus.  2,  7,  7.   2,  30,  3. 

deutet,  Head,  H.  N.  p.  270.    Imhoof-  Gardner,  10,  7,  2.  10,  16,  2.    Nach  Schol  Pind.  Hypoth. 

A  numismatic  commentary  on  Pausanias    p.  6  Pytli.  p.  298  Boeckh  reinigte  Chrysothemis  den 

PI.  A,  8.     Ein  ähnlicher 'Stein  wurde  in  Am-  Gott,   Müller,  Bor.  1,  207.  343."  Welcher,  Chr. 
brakia  als  Apollon  Ayvtsvg   verehrt    und    er-  20  Götterl.  1.  503.     [Stoll.] 

scheint  auf  Silbermünzen  dieser  Stadt,    Head  Kanne   (Kcigurt},    Tochter    des   Eubulos   (S. 

u.  Imhoof- Gardner  a.  a.  0.     [Drexler.]  der  Demeter,  Diod.;  S.  des  Karmanor,  Paus.); 

Karissai  (KugiaGui),   Name   von   Göttinnen.  zeugte    auf  Kreta    mit   Zeus    die   Britomartis, 

die  sonst  nicht  bekannt  sind,  auf  einer  myti-  Diod.  5,  76.    Paus.  2,  30,  3.     Nach  Ant.  Lib. 

lenäischen   Inschrift    tigsav   zäv  diav   'Et/j-  40    ist   sie   Tochter    des    Phoinix,    Sohns    des 

cpi!.av    y.al    Kctgieectv    v.al    igGoyögov    zäv  Agenor,   und   der  Kassiepeiä,   T.  des  Arabios. 

dyiataziöv    ywozagimv,    Bechtel,    Die    inschr.  In   Verg.   dir.  220  ist  sie   als  bejahrtes  Weib 

Denkm.  d.  äol.  Bial.  bei  Bezzenberger,   Bei-  zu  Megara  im  Dienste  des  Königs  Nisos  Amme 

träge  5,  124  =  Collitz,  Samml.  d.  griech.  Bial.-  seiner  Tochter  Skylla.     Sie  ist  als  Gefangene 
Inschr.  1,  232.    Durch  diese  Inschrift  wird  zn-  so  (v.  290)   dorthin    gebracht,    eine  Tochter   des 

gleich  die  von  Crusius  (Bd.  l  Sp.  1389,  Z.  37  ff.)  Ügygiers  Phoinix,  also  wohl  aus  Böotien,  wo- 

angezweifelte   und  durch  Konjektur  beseitigte  hin  Phoinix  mit  Kadmos  gekommen  sein  mag, 

Göttin  Etephila  gerettet,   die  sich  auch  auf  Heyne,   Exe.    zu   v.    220.    —    Schwende,   An- 

der  Bresosinschrift  (Bezzenberger  a.  a.  0.  5, 134.  deutungen  159  f.     Vgl.  Kassiepeiä.     [Stoll.] 

Collitz   a.  a.   0.   255)   findet:     zeig    'EzKcpilag  Karmeios   (Kaguitog),  Flufsgott,   erscheint, 

TIoGEtöcovog   Mvyra   v.u\    Mv^tag   v.al   zäv    cenet-  mit  der  Beischrift  KAPM6IOC,    unbärtig,    ge- 

Qairrjzcov  &iuv  ...  GvyTidgsdgov.    Such  Bechtel  lagert,    in   der  R.   ein   Füllhorn,   den  1.   Arm 

bei  Bezzenberger  a.  a.  0.  5,  124  sind  die  'Et;}-  auf  eine   Quellurne   gelehnt,    auf  einer  Münze 

cpiXai   =   'Erif^ilui,    die    „wahrhaft    freund-  des     Severus     Alesander     von    Hadrianopolis 
liehen'-   (vgl.    Evutvi'dsg),  ähnlich   wie    Hades  40  Phrygiae,  Head  p.  564.  Imhoof,  2\um.  Zeitschr. 

den    Beinamen  Evßovlsvg   (s.  d.   nr.  4)  führt.  16   1884  p.  291  zu  nr.  144  u.  Griech.  Münzen 

[Höfer.]  p.  737  nr.  687.     [Drexler.] 

Karkafoos  (Kagv.ußog),  Sohn  des  Perrhäber-  Karmeios    (KuQui)log),    göttlich    verehrter 

königs  Triopas.    Er  tötete  seinen  Vater  wegen  Berg,     Tac.   bist.   2,  78:    „Est  Iudaeam   inter 

seiner  grausamen  Tyrannei  und  erhielt  deshalb  Syriamoue  Carmelus,  ita  ooeant  montem  Deum- 

von    den    Bürgern    ein    Ehrengeschenk.      Als  oue,  nee  simulacrum  Deo  aut  templwn  situm 

Flüchtling    kam    er   nach   Brenthis   in   Troas,  tradidere  maiores:  aram  tantum  et  rerentiam." 

wurde  von  Tros  vom  Morde  gereinigt  und  er-  v.  Andrian,  Der  Höhcnkultus  asiatischer  und 

hielt  von  ihm  Grund  und  Boden,   auf  dem  er  europäischer  Völker.    Wien  1891  p.  257ff.;  vgl. 
die  Stadt  Zeleia  gründete.    Von  ihm  stammte  so  lo.  lac.  Bosius,  Epistola  de  Carmelo  monte  et 

Pandaros,   der  vor  Troja  kämpfte,    Schot  H.  deo  in  Taciti  et  Suetonii  locos.     Lipsiae  1752. 

4,  88.     Eiistath.   nennt  ihn   KctQvußctg.      [Über  4';  in  anderen  Quellen  wird  Kannelos  nur  als 

Kamabas  s.  Marauardt,  Cyzicus  p.  22.  Drexler.]  heilige  Stätte  erwähnt;  so  nennt  Micha  7,  14 

[StoD.]  Jahwe  den  einsam   auf  dem  Karniel  Wohnen- 

Karkinos   (KagnCvog,  Kagnivog),   1)   In  der  den.  und  Slylax,   Pcriplus  p.  42  ed.  Hudson 

späteren  euhemeristischen  Auffassung  erscheint  bezeichnet  den   Karmel    als    isgov   Jiog,    vgl. 

der  Krebs   (xagy.ivog),    der   in   der   Sage   von  Baudissin,    Stud.    z.    semit.    Beligionsgesch.  2 

der  lernäischen  Hydra  den  Herakles  (s.  d.)  zu  p.  228  Anm.  1:  p.  234,  240,  254.     [Drexler.] 

hindern  suchte,  als   ein  avr\q  fiiyag  zmv  loyvv  Karnabas  s.  Karkabos. 

y.al  7ioJ.syiv.6g  und  Bundesgenosse   des  Lernos  eo  Karnabon  {JCagvaßäv)  od.  besser  (harnabou 

(s.d.),   Namens   Karkinos.      Vgl.  Palaeph.   39.  (XaQvaßäv),  König  der  Geten.  der  den  Tripto- 

[Roscher.]     Nach   Tzetz.    Chiliad.   2,   239   war  lemos  (s.  d.)  zuerst  gastlich  aufnahm,  als  dieser 

er  Bundesgenosse  und  Freund  der  Lerna,  d.  h.  auf  Geheifs  der  Demeter  mit  seinem  Draehen- 

der  neun  gegen  Herakles  kämpfenden  Brüder.  wagen  durch  die  Welt  zog,  um  die  Menschen 

—  2)  Ein  Krebs,  der  den  Herakles  bei  dessen  den  Getreidebau  zu  lehren;  später  aber  stellte 

Kampfe  gegen  die  Hydra  in  den  Fufs  bifs,  von  Karnabon   dem   Triptolemos   nach   und  tötete 

ihm  aber  zertreten  wurde;  Hera  versetzte  ihn  einen  seiner  Drachen;  zur  Strafe  versetzte  ihn 

unter  die  Sterne,  Eratosth.  katast.  11.    [Höfer.]  Demeter  samt  dem  getöteten  Drachen  an  den 


9G1                       Karneios  Karneios                       962 

Himmel,  wo  er  nun  Ophiuchos  (Öipiovxoe)  Das  Fest  des  Gottes  (Kägviia)  dessen  Ur- 
heifst.  Sophokles  bei  Merodian.  tcsqI  fiov.  Xs$.  Sprung  von  der  spartanischen  Legende  auf 
p.  9,  29.  Hygin.  astr.  2,  14.  Lobeck,  Aglaoph.  die  Tötung  des  Sehers  Earnos  (s.  d.)  zurück- 
215.  1351;  vgl.  Theognostos  bei  Gramer,  an.  Ox.  geführt  wurde,  galt  nach  Thuc.  5,  54.  Paus. 
2,  29,  30.  30,  33.  [Mehr  b.  Knaack,  Jahrb.  f.  3,  13,  4  und  dem  Schol.  Theoer.  5,  83  als  eine 
kl.  Piniol.  1887  S.  318f.  Röscher]  [Höfer.]  allen  Doriern  gemeinsame  Feier  und  wurde 
Karneios  (Kägvetog),  Beiname  des  Apollon,  in  Sparta  alljährlich  vom  7.  bis  15.  Tage  des 
der  unter  diesem  Namen  einen  weit  verbreiteten  Monats  Karneios  gefeiert.  Der  Verlauf  des- 
Kult hatte.  Wahrscheinlich  ist  Karneios  oder  selben  war  nach  dem  freilich  spärlichen  und 
Karnos  (s.  d.)  ein  uralter  Gott,  der  mit  Apollon  10  verstümmelten  Quellenmaterial  folgender.  Es 
identifiziert  wurde.  Eine  lakonische  Inschrift  wurden  aus  jeder  Phyle  auf  vier  Jahre  fünf 
'erwähnt  den  Gott  Karneios  Oiketas  und  Kar-  unverheiratete  Männer,  die  sogen.  Karneaten, 
neios  Dromaieus  (C.  I.  G.  1446).  Der  Dienst  erlost,  die  das  Fest  besorgen  sollten  (Hes.  v. 
der  Karneios  wird  gewöhnlich  (mit  Kecht?)  Kagviätai.).  Der  fungierende  Priester  hiefs 
als  ein  gemeindorischer  aufgefafst  (Thuc.  5,  54,  Agetes  (Hes.  v.  dyvrrjg).  Ein  Mann,  der  Stem- 
wo  jedoch  nur  vom  Monat  Karneios  die  Rede  mata  trug  (vielleicht  der  genannte  Agetes), 
ist,  Paus.  3,  13,  4;  vgl.  Schol.  Theocrit.  5,  83);  wurde  von  jungen  Männern,  den  sogen.  Sta- 
jedenfalls  ist  er  nachweislich  in  mehreren  phylodromen,  indem  er  für  die  Stadt  gute 
dorischen  Staaten  verehrt  worden:  Argos  Wünsche  aussprach,  verfolgt.  Wenn  die  Sta- 
Schol.  Theoer.  5,  83;  Kaibel  Epigr.  gr.  465;  20  phylodromen  ihn  einholteu,  galt  dies  als  ein 
Thuc.  5,  54;  Sikyon  Paus.  2,  10,  2.  11,  2,  vgl.  gutes  Vorzeichen  für  die  Stadt,  das  Gegenteil 
Euseb.  Chron.  1,  175.  2,  56  Schoene;  Megara,  aber  als  schlimmes  (Bekkeri  Anekd.  1  p.  305, 
wenn  Apollon  Karinos  (Paus.  1,  44,  2)  mit  dem  25;  vgl.  Hes.  v.  araifvioägofioi).  Es  ist  an- 
Karneios  identisch  ist;  Knidos  Collitz-Bechtel,  zunehmen,  dafs  die  Staphylodromen  so  benannt 
SGD.  3527;  Kos  Paton  and  Hicks,  Inscr.  of  waren,  weil  sie  in  den  Händen  Traubenzweige 
Cos  38,  10,  21;  Kameiros  Bull.  corr.  hell.  1881,  hielten. 

337.    Journ.  of  hell.  stud.  4, 351;  TheraC  i\  G.  Dann    folgte   wahrscheinlich    der   gesellige 

2467,  2467 b,  vgl.  die  Belegstellen  unter  Kyrene;  Teil   des    Festes.      An   neun   Plätzen   wurden 

Kyrene  Find.  Pyth.  6,  75  (100)ff.  und  Schol.  Lauben  in  Zeltform  eingerichtet,   wo  je  neun 

Callim.  hymn.  in  Ap.  71ff.    Phit.  Quaest.  conv.  30  Männer,   die  drei  Phratrien  oder  besser  Oben 

8,  1,  2  p.  717D;  Messenien:  bei  Pharai  Paus.  repräsentierten,  zusammenspeisten,  wobei  alles 

4,  31,  1;    im  Karnasischen  Haine  Paus.  4,  33,  auf  das    Kommando    eines    Heroldes    geschah 

4;    vgl.    Sauppe,    Die   Mysterieninschrift,   von  (Demetrios  von  Skepsis  bei  Athen.  4,  141  e.  f). 

Andania  (Dittenb.,  Syll.   388).     Den  mit  dem  Natürlich   fand   bei    den   Karneien   ein    Opfer 

Kultus   des  Karneios   verknüpften  Monat  Kar-  statt,   von  dem  wir  nur  wissen,   dafs  in  Thu- 

neios ,     der    mit    dem    attischen    Metageitnion  rioi   ein  Widder  geopfert  wurde,    Theoer.  5, 

(Aug.-September)  zusammenfiel  (Plut.  Nik.  28),  82.      Im    Karnasischen    Haine    in    Messenien 

finden   wir   auf  Rhodos    0.    I.    G.    8518,   Kos  wurde    dem   Apollon  Karneios   ein   Eber   ge- 

Bull.  corr:  hell.  1884,  42,  Kalymna  Bull.  corr.  opfert,    Dittenb.,    Syll.    388.     Auch   kam   bei 

hell.    1884,  31,    Nisyros    Diltenberger,    Sylloge  40  dem    Feste     ein    musischer    Wettkampf    vor: 

195,  in  Knosos  auf  Kreta  Mon.  Antichi  1(1890),  Eur.  Ale.    445  ff.     Hellanikos   bei   Athen.    14, 

47,  vgl.  Bull.  corr.  hell.  1879,  293,  in  Syrakusai  635  e. 

Plut.  Nik.  28,  Tauromenion  G.  I.  G.  5640,  Gela  ■  In  Karneios  sehen  die  meisten  Forscher 
C.  I.  G.  5475,  Akragas  C.  I.  G.  5491;  viel-  einen  Gott  der  Weiden  und  Herden  (Ger- 
leicht gehört  hierher  auch  der  Monat  Carinus  hard,  Griech.  Myth.  1,  285.  289.  308.  Welcker, 
in  Byzanz,  vgl.  Preller- Robert,  Griech.  Mythol.  Griech.  Gö'tterl.  i,  469ff.  Preller-liobert,  Griech. 
1  S.  252  ff.  Für  Thurioi  wird  der  Dienst  des  Myth.  1,  251.  Gilbert,  Stud.  zur  altspart.  Gesch. 
Karneios  von  Theoer.  5,  83  bezeugt.  Vor  allem  45  u.  a.).  Andere  dagegen  betrachten  die 
aber  blühte  die  Verehrung  des  Gottes  in  La-  Karneien  als  ein  Erntefest  (Schoemann, 
konien:  Sparta  Paus.  3,  13,  3.  14,  6.  C.  I.  G.  50  Griech.  Altert.3  2,  459.  Mannhardt,  Ant.Wald- 
1446  (KÜQvsiog  Oi-nixag  und  dQofiixisvg);  Gy-  und  Feldkulte  255.  Boscher  in  diesem  Lexikon 
thion  Paus.  3,  21,  8;  Knakadion  Paus.  3,  24,  Bd.  1  Sp.  431).  Die  erstere  Annahme  stützt 
8.  Polyb.  5,  19;  Oitylos  Paus.  3,  25,  10;  Leuk-  sich  auf  die  Etymologie  des  Karneios  (von 
tra  Paus.  3,  26,  5;  Kardamyle  Paus.  3,  26,  7.  uagvog,  Schafbock,  Widder);  für  die  zweite 
Vom  Karneios  ist  der  bei  Paus.  3,  20,  9  er-  Ansicht  spricht  die  Rolle,  welche  die  Traube 
wähnte  Kgdvtog  2t£ii[iarictg,  dessen  heiliger  beim  Wettlauf  der  Staphylodromen  spielte, 
Bezirk  am  Wege  von  Sparta  nach  Arkadien  dann  der  Umstand,  dafs  das -Fest  in  die  Zeit 
lag,  wohl  nicht  zu  trennen.  Bemerkenswert  der  beginnenden  Weinernte  fiel,  und  vor  allem 
ist,  dafs  der  Kult. des  Gottes  vorwiegend  in  Analogieen  mit  sowohl  griechischen  wie  nord- 
Westlakonien ,  in  den  Taygetosgegenden  zu  60  und  mitteleuropäischen  Erntegebräuchen,  vgl. 
Hause  gewesen  ist,  wo  der  dorische  Einflufs  Mannhardt,  Ant.  Wcdd-  u.  Feldkalte  255ff.  u. 
niemals  sehr  stark  war.  Dagegen  deckt  sich  Mythologische  Forschungen  (passim).  Indessen 
die  Verbreitung  des  lakonischen  (und  messe-  lassen  sich  beide  Ansichten  sehr  gut  ver- 
nischen)  Karneioskultes  mit  derjenigen  der  einigen:  Karneios  ist  sowohl  ein  Herden- 
alten Minyer,  deren  Wohnsitze  besonders  in  und  Hirtengott,  wie  ein  Ernte-  oder  vielmehr 
den  Taygetosgegenden  zu  suchen  sind.  Viel-  Weinlesegott.  Er  gehört  ursprünglich  den 
leicht  gehört  Karneios  einem  noch  älteren  Hirten,  welche  neben  der  Viehzucht  auch 
Stamme  an.  Weinbau  trieben;  vgl.  die  Anfänge  des  Dio- 

Koscher,  Lexikon  der  gr.  n.  rom    Mythol.  II.  31 


963                        Karneios  Karneios                       964 

nysoskultes  in  Attika ,  die  aitolisclie  und  gvyu,azog  ngaeozzcti  (Kaibel,  anö  ^oezdyixazog 
ozol.-lokrische  Sage  von  QgiG&Evg,  dem  Berg-  Y.ijgvooszai  Hss.)  beweisen  nichts  anderes,  als 
mann,  durch  welchen  der  Weinbau  eingeführt  dafs  der  gesellige  Teil  des  Festes  nach  einer 
worden  sein  soll  (Athen.  2,  35  b.  Paus.  10,  bestimmten  Ordnung  gefeiert  wurde. 
38,  1).  Die  spartanische  Tradition  betrachtete  Die  Verehrung  des  Karneios  haben  die 
das  Fest  als  ein  Sühnfest  zur  Erinnerung  an  Spartiaten  von  der  vordorischen  Bevölkerung 
den  von  Hippotes  (Apollodor  2,  8,  3.  Conon  Lakoniens  übernommen.  Die  Zurückführ'ung 
26.  Schal.  Theoer.  5,  83)  oder  Aletes  (Schol.  der  Karneien  auf  die  Tötung  des  Karnos  bei 
Find.  Pyth.  5,  106.  Schol.  Oallim.  hymn.  Apoll.  der  Überfahrt  der  Dorier  von  Naupaktos  nach 
71)  erschlagenen  akarnanischen  Seher  Karnos  io  der  Peloponnesos  ist  wohl  nur  eine  aitio- 
(s.  d.).  Vielleicht  verträgt  sich  auch  diese  logische  Legende,  die  im  spartiatischen  Inter- 
Auffassung mit  der  Annahme  eines  Weinlese-  esse  erdichtet  wurde.  Auch  behauptete  sich 
festes,  denn  bekanntlich  sind  Erntefeste  und  daneben  die  alteinheimische  Tradition,  dal's 
Sühnopfer  häufig  miteinander  verbunden.  Zwar  Karneios  in  Sparta  vor  der  dorischen  Wan- 
besitzt  die  Sage  von  dem  auf  dem  Dorierzug  derunginr  Hause  des  Krios(s.d.)verehrt  worden 
erschlagenen  Karnos  einen  geringen  histo-  war,  Paus.  3,  13,  3.  Das  ist  übrigens  nicht 
risehen  Wert,  jedoch  ist  wohl  der  Zug  der  das  einzige  Beispiel  für  die  spartanische  Po- 
Sage  von  dem  Totschlagen  des  Karnos  auf  litik,  sich  die  alten  Landeskulte  anzueignen 
etwas  Faktisches,  d.  h.  auf  eiuen  Kultgebrauch  und  nach  der  Hauptstadt  zu  übertragen.  Wir 
beim  Karneienfeste,  zurückzuführen.  Es  ist  20  dürfen  also  in  Karneios  oder  vielmehr  Karnos 
nämlich  wahrscheinlich,  dafs  bei  diesem  Feste,  einen  alten  vordorischen  Gott  des  Hirten- 
wie  häufig  bei  Erntefesten,  ein  Karnos  als  lebens  und  der  Weinlese  sehen,  der  später 
Symbol  des  Erntedämons  getötet  wurde,  und  mit  dem  Apollon  identificiert  wurde.  Als 
vielleicht  ist  der  mit  azsagaza  geschmückte  solcher  berührt  er  sich  mit  seinem  Doppel- 
Mann,  der  von  den  Staphylodromen  verfolgt  ganger  Krios  (s.  d.),  der  auch  ein  altpelo- 
wurde,  ein  Vertreter  des  Erntedämons  Karnos,  ponnesischer  Gott  war  und  später  zu  den  Ti- 
vgl.  verwandte  Erntegebränche  in  Mitteleuropa  tanen  gezählt  wurde,  Paus.  3,  13,  3;  vgl.  Paris. 
bei  Mannhardt,  Mythol.  Forschungen  170ff.  7,  27,  11.  Callim.  Lav.  Minercae  40  u.  Schol. 
und  Hes.  v.  azfufiaziaiov  in  Verbindung  mit  M.  Mayer,  Giganten  u.  Titanen  59.  G.  Kirch- 
Hes.  v.  di'xrjlov  txzviimuci,  caoicoua,  li'dialov.  30  ner ,  Attica  et  Peloponnesiaca ,  Greifsw.  Diss. 
ävägiag.  ^cöSiov.  neegu  Aäxioaiv.  1890  p.  35  ff.  Dazu  stimmt,  dafs  im  karnasi- 
Unter  anderen  Analogieen  zu  den  Karneien  scheu  Haine  in  Messenien  Apollon  Karneios 
ist  besonders  die  troizenische  Überlieferung  und  Hermes  Kriophoros  gemeinsame  Ver- 
von  Orestes'  Sühnung  hervorzuheben.  Nach  ehrung  genossen,  Paus,  4,  33,  4. 
Paus.  2,  31,  8  lag  vor  dem  Heiligtum  des  Der  Name  Karneios  wird  .am  besten  von 
Apollon  Thearios  in  Troizen  ein  oiKoäegntia  xdgvog  =  Schafbock,  Widder,  abgeleitet  (andere 
'Ogeazov  v.a\ov(i£vov  exqvrj ,  wo  troizenische  Deutungen  bei  Paus.  3,  13,  4.  5.  Schol.  Theoer. 
Männer  (nach  Paus.  2,  31,  4  waren  es  neun)  5,  83.  Macrobius  1,  17,  48).  Karneios  ist  also 
den  Orestes  vom  Morde  der  Mutter  gereinigt  dem  Apollon  Kereates,  unter  dessen  Tempel 
haben  sollten;  zur  Erinnerung  daran  speisten  40  der  Flufs  Karnion  entsprang  (Paus.  8,  34,  5), 
ihre  Abkömmlinge  dort  zu  bestimmten  Zeiten.  und  dem  Apollon  Keraton  (Plut.  Thes.  21), 
Die  Reinigung  im  Zelte  und  die  Zahl  der  Keratinos  (Piut.  de  soll.  anim.  35.  Callim. 
neun  Männer  bieten  eine  Analogie  zu  dem  '  hymn.  in  Apoll.  61)  nahe  verwandt, 
lakonischen  Festbrauch  an  den  Karneien,  dafs  Im  allgemeinen  vgl.  die  Darstellungen  bei 
in  jedem  Zelt  neun  Männer  safsen  (vgl.  auch  O.  Müller,  Orchomenos  327 ff.  Welcher,  Griech. 
die  neun  Männer  und  neun  Weiber,  welche  Götterl.  1.  469  —  472.  Preller- Bobert,  Griech. 
in  Patrai  den  Dienst  des  Dionysos  Aisymnetes  Myth.  1,  250  —  252.  Über  die  Feier  der  Kar- 
versahen; Paus.  7,  20,  1).  Die  Ähnlichkeit  neien  Hermann,  Lehrb.  d.  gottesd.  Altertümer  - 
wird  noch  gröfser,  wenn  man  in  Betracht  349,  354 f.  Schoemann,  Griech.  Altert.  3  2,  458 ff. 
zieht,  dafs  der  von  den  Troizeniern  gesühnte  50  Mannhardt,  Ant.  Wald-  u.  Feldkidte  254  ff. 
Orestes  ('Ogiczrjg,  'Ogia&ivg,  der  Bergmann)  [Wide.] 
ursprünglich  ein  Gott  der  Hirten  und  Winzer  Karneios *)  (Kdgvaog),  1)  Sohn  des  Zeus  und 
war,  Welcher,  Kachtr.  zur  Aeschyl.  Tril.  186  ff.  der  Europe ,  Liebling  des  Apollon ,  Praxilla 
u.  211.  Lübbert,  Ind.  Schol.  Bonn,  per  mens.  bei  Paus.  3,  13,  5  und  im  schol.  Theoer.  5,  83 
aest.  1888  p.  19;  vgl.  die  Rolle,  welche  Orestes  =  fr.  7.  Bergk  4  p.  568.  Hesych,  wo  er  Kdgvog 
bei  den  attischen  Choen  spielte.  Dagegen  heifst.  —  Alhnan  im  schol.  Theoer.  a.  a.  O.  = 
entbehrt  die  geläufige,  auf  Demetrios  von  fr.  103  Bergk  4  p.  67  nennt  ihn  Kägviog  (Bergk 
Skepsis  bei  Athen.  4,  141  e  zurückgehende  vermutet  Kdgios)  und  einen  Trojaner.  Wenn 
Behauptung,  dafs  das  Karneienfest  einen  er  im  schol.  Theoer.  a.  a.  0.  auch  Sohn  der 
kriegerischen  Charakter  trug,  jeder  Stütze  in  60  Demeter  heifst,  so  beruht  dies  auf  einem  Irr- 
unserer  Überlieferung  von  den  dortigen  Fest-  tum  des  Scholiasten,  8.  Bergk  zu  Alkman  a.  a.  0. 
brauchen,  denn  die  von  diesem  Gewährsmann  Nach  Paus.  3, 13,  3.  4  und  Theopompos  im  schol. 
dafür  angezogenen  Gründe  sind  nicht  stich-  Tlicocr.  a.  a.  0.,  die  ihn  Kdgvog  nennen,  stammt 
haltig.  Die  Errichtung  der  Zelte  oder  Lauben, 
beweist  nichts,  weil  auch  unter  anderen  Völ-  .     ''>  f68"  A^fkeI , iat  S'eichseltig  von  zwei  «rsclue- 


denen  Seiten  geliefert  worden.     .Da  beide  Bearbeitungen 

völlig   unabhängig   von    einander   sind,  so   trägt    die  Ke- 

naung    vorkamen.      Auch    die     Worte    des    De-        daktiun  keju  Bedenken,  sie   neben   einander   abdrucken 


kern  derartige  Gebräuche  bei  den  Erntefeston 
häufig  vorkamen.  Auch  die  Worte  des  De- 
metrios bei  Athin.  4,  141  f.   navza  ze  cenö   v.n-       zu  lassen 


965  Karneios  Karneios  '    966 

er    aus    Akarnanien    und    ist    Wahrsager    im  80;  vgl.   Weil,  Athen.    MM.   2,  73f.  Enidos, 

Heere  der  Herakleiden,    wird   aber  von  ihnen  Waddington,  Inscr.   <V Asie  min.  1572.    Colliti, 

als    Spion    verdächtigt    und    erschlagen;     als  Samml.    d.    griech.    Dial.-Inschr.    3,   3527;    in 

seinen  Mörder  nennen  Paus,  und  schol.  Theoer.  Rhodos  und  in  Eos,  Corr.  hellen.  8,  42;  Ka- 

a.  a.  0.    den    Hippotes    (s.  d.    2.),    das    schol.  meiros,  Corr.  hell.  5,  337;  auf  einer  anderen 

Find.  Pyth.  6,  IOC  und  schol.  Callim.  2,  71  den  Inschrift  aus  Kameiros    heifst  es  'Aitollcavog 

Aletes.     Wenn  es  bei  Euseb.  praep.  ev.  5,  20,  3  Kagvitov    v.a.1   Mvlavxog,   Journ.   of  hell. 

heifst  diaxovTi'£si   Kdgvov   limoxnv  QvldvSgov  stud.  4  (1883)  35  nr.  10;  vgl.  Larfeld  in  Bur- 

zbv  Alxalov,  wobei  aus  dem  vorigen  Satz  als  sians  Jahresb.  66  (1891)  3;  Lindos,  Foueart, 
Subjekt  Temenos  zu  ergänzen  ist,  soll  man  da  xo  Inscr.  ined.   de  Vile  de  Rhodos   62;    vgl.  Corr. 

nicht    schreiben    SiaKovxi'Qsi   Kdgvov   'Innpxng  hell.  5,  338;  vielleicht  auch  inKnosos,  Corr. 

».  x.  l.'i   s.   Höfer  in   Fleckeisens   Jahrb.  1891,  hell.  3,  293.  298;  Eyrene,  Find.  Pyth.  5,  81. 

751  f.    Auch  im  E'ym.  M..  61,52  wird  Hippotes  Plut.  quaest.  conv.  8,  1,  2;   vgl.  schol.-  Callim.  • 

als  Mörder  genannt,   der    getötete  Seher  aber  2,  86;  in  Syrakus,   Plut.   Nilt.  28;  in  Phin- 

heifst    Kdgvig.      Um    den    wegen    des    Mordes  tias,    einer   Stiftung   von  Akragas,    Kaibel, 

zürnenden  Apollon  zu  versöhnen,  erweisen  die  Inscr.    Graecae   Sicil.   256;   in   Sybaris  [oder 

Herakleiden    dem   Karneios   (Karnos)  göttliche  vielmehr  Thurioi,  denn  der  a.  a.  0.  Sprechende 

Ehren  und  geben  dem  Gotte  selbst  denBeinamen  ist  Schafhirt  des  Thuriers  Sibyi'tas.    Wide.], 

Kdgvtiog.     Konon  narr.  26   nennt  den   K.  ein  Theokr.  5,  83. 

cpdafia  AnöXlcovog,  das   dem  Heere   der  Dorier  20        Über    das    im    Monat    Earneios    gefeierte 

folgte,  aber  von  Hippotes  erlegt  wurde.  —  2)  Bei-  Fest    der    Karneia    (Herod.   7,   206.    8,   72. 

name    des  Apollon   in   Sparta,    Find.  Pyth.  Thuk.  5,75.  76.    Für.  Alk.  449.   Theokr.  5,83 

5,  80   (106)  und  schul.  Callim.  hymn.  2,  71.  72.  und  schol.  Plut.  de  Her.  mal.  43.  instit.  Lacon. 

80.     Paus.   3,  14,   6.    Nonn.    16,  104.    Euseb.  17.    de  mus.  6.    schol.   Find.  a.  a.  0.    Athen.  4, 

praep.  eo.   5,  20,3.  4.      Schon  vor   dem   Ein-  141e.    14,  635e.    Bekker,  An.  234,  3.  305,25; 

dringen  der  Dorier  war  bei  den  Achaiern  der  vgl.  32, 18 ff.);  vgl.  Bd.  1  Sp.431,  Z.41ff.  Preller 

Kultus  des  KttQvfLog,   der   in  Sparta   den  Bei-  in  Paulys  Realencyklopädiel,  152 f.  und  Sauppe 

namen     Ohfaag    —    vgl.    auch    die    Inschrift  a.  a.  0.  261,  der.  sie  zu  den  uralten  Sommer- 

iigiav  .  .  Kctgvtiov  Olv-ixa  xai  Kugvsiov  Jgo-  festen  rechnet ,  can  denen  man  teils  das  Hin- 
fiaiiog,  C.  I.  Cr.  1,  1446  —  führte,  verbreitet,  30  welken    alles    Lebens    im    glühenden   Sonnen- 

Paus.  3,  13,  3.  4.  Der  Apollon  Earneios  ward  der  brande  betrauerte,  teils  die  für  Menschen  und 

Nationalgott  der  Dorier;  seine  Verehrung  nennt  Herden    Seuche    und    Tod    sendenden    Mächte 

Paus.  3,  26,  7   Jcognvaiv  hiiiiwgiov   und   der  zu  sühnen   suchte';    denn   der  Name  Earneios 

Monat  Kagvtlog  heifst  iigofii'ivict  Jcagitvoi,  Thuk.  hängt  weder  mit  dem  Wahrsager  Earnos  (s.  o.), 

5,  54.  Aufser  für  Sparta  [Belegstellen  s.  o.]  (da-  noch  mit  dem  Eornelkirschenbaum  (tgdv cua), 

selbst  sein  Tempel  xo  Kctgviiov,  Paus.  3,  13, 6)  ist  aus  dem  die  Griechen  das  hölzerne  Pferd  ge- 

seine  Verehrung  bezeugt  für  Gythion,  Paus.  zimmert  haben  sollten   (Paus.  3,  13,  6.     schol. 

3,  21,  8;  Las,  Fa,us.  3,  24,  8;  Oitylos,  Paus.  Theoer.  5,  83),  noch  mit  kquivccl  =  inixsliaai, 

3,25,10;   Leuktra,  3,26,5;   Eardamyle,  Demetriosim  schol.  Theoer.  a.a.O.  zusammen,  son- 

3,  26,  7;  ein  Kdgviov  in  der  Nähe  von  Asine  40  dem  er  bezeichnet  den  Apollon  als  Herden- 
erwähnt Polyb.  5,  19,  4;  in  Sikyon  durften  gott,\g\.Hesych.  -nag-  ngoßaxov. —  ndgcc-"l(av£g 
nur  die  Priester  seinen  Tempel  betreten,  Paus.  xd  ngößaxa.  —  -ndgvog'  -izgöfiuxov,  wie  zuerst 
2,  10,  2.  11,  2;  in  Argos  hiefs  Apollon  Ear-  Lobeck,  Paral.  74.  323.  Pathol.  serm.  graec.  1, 
neios  auch  Zeus  oder  Hegetor  (Hyr)xcag),  schol.  108  erkannt  hat,  vgl.  Hermann,  Gotlesd.  Altert. 
Theoer.  5,  83,  und  durch  eine  Inschrift  aus  53,33.  Welcher,  Götterlehre  1,471.  K.Schwenck 
Argos  sind  Kagvslai  9vaCai  bezeugt,  C.  I.  G.  im  Rhein.  Mus.  6  (1838),  575.  Sauppe  a.  a.  0. 
1,  1152.  Kaibel,  Epigr.  465;  vgl.  auch  Thuk.  261.  Preller  22,  198.  Curtius,  Etymol.  5  147 . 
5,  54;  in  Messenien  befand  sich  nahe  bei  Damit  hängt  auch  der  Name  des  Priesters 
Pharai  ein  Hain  des  Apollon  Karneios,  Paus.  des  Apollon  Karneios,  Krios  (Paus.  3,  13,  3) 

4,  31,  1,  und  in  dem  heiligen  Kypressenhain  50  und  das  Widderopfer  (Theokr.  5,  83)  zusammen, 
von  Andania,  dem  Karnasion  oder  Karneia-  vgl.  Bd.  1  Sp.  443,  Z.  64f.  Ausführlich  handelt 
sion,  wurden  ihm,  der  Demeter,  dem  Hermes,  in  neuerer  Zeit  über  die  Karneia  Fr.  Mezger 
den  Kabeiren  und  der  Kora  Mysterien  gefeiert,  bei  Ersch  und  Gruber  2.  Sektion  34.  Teil  S.  92f.; 
Paus.  4,  33,  4.  H.  Sauppe-,  Die  Mysterien-  nach  ihm  sind  sie  ursprünglich  ein  unter  der 
inschrift  aus  Andania,  Abhandl.  d.  Königl.  achäischen  Bevölkerung  der  Peloponnes  hei- 
Gesellsch:  d.  Wiss.  zu  Göltingen  8  (1860),  217ff.  misches  Hirten-  und  Bauernfest:  denn  1) 
260ff.  Le  Bas  2,  326a.  Dittenberger ,  Sylloge  bedeute  Kdgvnog  =  der  Gehörnte;  2)  sein 
388  p.  567  ff.  Auch  aufserhalb  der  Pelopon-  Kult  sei  durch  die  Aigiden  Ziegenmänner  (txi%) 
nes  war  der  Kultus  des  Gottes  verbreitet,  verbreitet  worden;  3)  verweist  er  auf  den  Seher 
vgl.  schol.  Theoer.  5,  83  xctvxnv  xt\v  sogxrjv  co  Krios  (Widder);  4)  auf  die  oxucpvXoSgönoi, 
(des  Apollon  Karneios)  oi  (i£xoiy.j]eavxtg  in  Bekker,  An.  305,  25;' die  eingewanderten  Dorier 
nslonovvriaov  iig  sxigag  nölzig  insxslovv,  so  hätten  aberihrenApollodienst  mitdern  vorgefun- 
in  Kalymna,  Neioton,  Anc.  Greek  inscr.  2,  denen  verschmolzen,  und  dadurch  hätte  das  Fest 
322  p.  100.  Corr.  hellen.  8,  31ff.  42;  Nisyros,  allmählich  einen  ganz  anderen  Charakter  an- 
Dittenberger ,  Sylloge  195  =  Collitz ,  JDial.-  genommen,  es  sei  ein  Kriegerfest  geworden; 
Inschr.  3,  3497,  Boss,  inscr.  ined.  2,  166;  die  näheren  Ausführungen  sowie.sonstige  Litte- 
Thera,  C.  I.  G.  2,  2467  (KagvrjCog).  2467b  ratur  s.  bei  Mezger  a,  a.  0.  Über  die  Form 
add.    p.  1087.»    Kdllim.   2,  74.    Find.    Pyth.  5,  Kagvticav  statt  Kagvsiogs.  Schneider,  Kallimach. 

31* 


967 


Karneos 


Karteria 


968 


1,  142.  —  3)  Beiname  des  Hvakinthos,  Koluth. 
rapt.  Hei.  235.     [Höfer.] 

Karneos  =  Karneios  (s.  d.). 

Karnis  (Kcigvig)  heifst  Etym.  M.  61,  52 
der  sonst  Karneios  (s.  d.  1.)  genannte  Seher; 
auch  hier  wird  der  Herakleide  Hippotes  als 
sein  Mörder  bezeichnet.     [Höfer.] 

Karnos  (Kdgvog,  Kägveiog),  1)  ein  apolli- 
nischer Seher  aus  Akarnanien  (wohl  wegen 
der  Namensähnlichkeit) ,  der  von  deni  Hera- 
kliden  Hippotes*)  erschlagen  wurde,  als  das 
dorische  Heer  im  Begriff  war  bei  Naupaktos 
•  nach  dem  Peloponnes  überzusetzen,  weshalb 
durch  den  Zorn  des  Apollon  eine  Pest  über 
das  Heer  kam;  seitdem  hatten  die  Dorier  den 
Brauch,  den  akarnanischen  Seher  zu  sühnen 
und  den  Apollon  Karneios  zu  ehren,  Paus.  3, 
13,  3.  Scliol.  Tlieocr.  5,  83.  Apollod.  2,  8,  3. 
Schol  Callim.  H.  in  Ap.  71.  Müller,  Bor.  1, 
60.  Preller,  Gr.  M.  1,  205,  2.  Karnos  oder 
Karneios,  nach  welchem  Ap.  Karneios  benannt 
sein  sollte,  heifst  auch  Sohn  des  Zeus  nnd 
der  Europa,  Liebling  des  Apollon,  aufgezogen 
von  Apollon  und  Leto,  Schol.  Theoer.  5,  83. 
Praxina  bei  Paus.  3,  13,  3.  Hesych.  v.  Kug- 
viiog  (Europa  scheint  auf  Theben  und  die 
thebanischen  Aigiden,  welche  die  Herakliden 
in  den  Peloponnes  begleiteten,  hinzuweisen, 
Welekeir,  Gr.  Götterl.  1,  472.  Stoll  bei  Pauly,  R. 
v.  Apollon  1,  2,  1263  -,  oder  auf  Kreta,  Preller, 
Gr.  M.  2,  116,  3).  —  Alkman  bei  Schol.  Theoer. 
5,  83  leitete  den  Beinamen  des  Ap.  Karneios 
von  Karneos,  einem  Trojaner,  her.  Der  Seher 
Karnos  ist  eine  Parallele  zu  dem  Seher  Apollon, 
der  die  Dorier  in  den  Peloponnes  geführt 
hatte  und  als  solcher  in  den  Karneen  gefeiert 
wurde.  Vgl.  Karneios.  —  2)  Sohn  des 
Phoinix,  nach  welchem  die  phönikische  Stadt 
Karne  genannt  wurde,  Istros  bei  Steph.  B.  v. 
Kdgvn.     [Stoll.] 

Karou  (Kägov),  Beiname  des  MHN  auf 
Münzen  von  Attuda,  Head  p.  559.  Sestini, 
Mus.  Sederv.  2,  339  nr.  3.  Lett.  num.  eont. 
6  p.  80.  Mi.  S.  7,  514,  193.  Mi.  4,  241,  282. 
A.  Maury,  Hist.  des  rel.  de  la  Grece  ant.  3 
p.  139  Note  4.  Waddington,  Asie  Min-  p.  216 
nr.  6.  Ed.  Meyer,  Gesch.  d.  A.  1  p.  304  §  254. 
Poscher,  Über  die  Reiterstatue  Julius  Cäsars 
p..  124  (Ber.  d.  Sachs.  Ges.  d.  Wiss.  1891). 
Der  Tempel  des  Men  Karou,  zu  dem  das  Dorf 
Menos  Korne  gehörte,  lag  zwischen  Karoura 
und  Attuda,  s.  Strabo  p.  579.  Athen.  2  p.  43  u. 
dazu  Ramsay,  A  historical  geography  of  Asia 
Minor  p.  135  nr.  5;  p.  137f.  nr.  31.    [Drexler.] 

Karpo  s.  Hören. 

Karpodotes  (Kagnodozng),  Beiname  des  Zeus 
auf  einer  Inschrift  aus  Prymnessos :  Ju  Msyiazco 
KagnoSozy  Athen.  Mut.  7,  134.  [Verbessert 
teilt  diese  Inschrift  mit  Ramsay  in  Tlic  histo- 
rical geography  of  Atia  Minor  p.  235:  Jil  Ms- 
yi'azco  Kagitoöozrj  S[u>  z?tgi  'ÖXvvnim  Fdiog  Tspi- 
i'ios  OiaXrig  svkceu.Evog  Hctd[t-\£QCüO£v.    Drexler.] 

[Höfer.] 

Karpoi?  (Kagnoil),  auf  einer  Inschrift  aus 
Ephesos,  in  der  vor  dem  jedesmaligen  Per- 
sonennamen   des    Priesters     der    Name     einer 

*)  Nach  Schol.  Pind.  Pylli.  5,  106  und  Schol.  Call.  It.  in 
Ap.  71  von  Aletes  erschlagen.      'Wide.] 


Gottheit  im  Genitiv  steht,  liest  Newton-Hicks, 
anc.  Greek  inscr.  in  the  Brit.  Mus.  3,  600, 
p.  221  f.  K~\ugnä>(v'})  Zcoaäg.  Hat  man  viel- 
leicht darunter  Daimonen  der  Fruchtbarkeit 
zu  verstehen?    [Höfer.] 

Karpoplioros  (KagTcocpögog),  Beiname  1)  der 
Demeter  und  Kora  in  Tegea,  Paus.  8,  53,  7. 
In  einer  freilich  arg  verstümmelten,  vermut- 
lich ans  Mytilene  stammenden  Inschrift  werden 

10  nach  Boeckhs  Erklärung  neben  Demeter  •frfoi 
xagnocpügoi  ial  TioXv-nägitoi  y.al  zsXietpögoi 
genannt,  C.  I.  GV.2175;  vgl.  2192.  Kagtto- 
epogog  ist  Beiname  der  Demeter  in  Ephesos, 
Dittenberger,  SyM.  Inscr.  Gr.  nr.  390  =  B.  C.  H. 
1877  p.  289  nr.  12.  Epidauros,  'Ecprjfi.  ägx- 
1883  p. -152  nr.  50;  p.  155  nr.  55;  Paros, 
C.  I.  Gr.  add.  2384f.;  vielleicht  auch  in  Pes- 
sinus,  wenn  im  C.  I.  Gr.  4082  0EA  HTPI. 
KAPTTO0  richtig  zu  Jrjfijrjzgi  xapo7rqp[op<»  er- 

20  gänzt  ist  und  man  nicht  vielmehr  in  Anbe- 
tracht, dafs  Pessinus  eine  Hauptkultstätte  der 
Kybele  ist,  0sä  Mr]zgl  Hagitoyöga  herzustellen 
hat.  —  2)  Karpophoros  ist  ferner  Beiname 
einer  unbestimmten,  von  Lechat  und  Radet 
auf  Isis   gedeuteten   Göttin  in   einer  Inschrift 

von  Hamamlü:    'A]7ioXX[6]do)go[g\ Ka]g- 

noq>6g[o)  |  v.az  £n]irayr;[i>,  B.  C.  PL.  12  (18S8) 
p.  194  nr.  4.  —  3)  Beiname  der  Ge  in  einem 
Orakelspruch   aus  Delphoi   an   die  Kyzikener, 

30  Corr.  hellen.  6,  454  nr.  87.  Beiname  der 
Ge  in  Athen,  C.  I.  A.  3,  16«  Tijs  Kag-no- 
epogov  xazci  fiavtiiav.  [Höfer.]  —  4)  Auch  ver- 
schiedene Kaiserinnen,  die  oft  als  Demeter 
verehrt  und  dargestellt  wurden,  hiefsen  so  (vgl. 
Wieseler ,  Über  einige  beaelitenswerte  geschn. 
Steine  des  vierten  Jahrhundeiis  n.  Chr.  (Abh. 
d.  K.  Ges.  d.  W.  zu  Göttingen  Bd.  32)  1885 
2,  1  p.  41  f.  u.  46 f.):  a)  der  'lovXitx  Zsßaori]  d.  i. 
Livia,  Eckhel,  D.  N.  V.  6  p.  153,  p.  168.  Bout- 

40  kowski,  Biet.  num.  Sp.  1650  nr.  2794.  Mi.  6, 
671,  404;  vgl.  Wieseler,  Über  einen  bisher 
nicht  bekannten  Onyxcameo  mit  einer  Replik 
der  Barstellungen  auf  dem  oberen  u.  d.  mitt- 
leren Streifen  des  grofsen  Pariser  Cameos  de  ■ 
la  Sainte-Cliapelle,  Gott.  Nachr.  1882  p.  763  f. 
Anm.  28.     Heydemann,  Pariser  Ant.  p.  67.  — 

b)  der  älteren  Agrippina,  Gemahlin  des  Ger- 
manicus,  die  als  &SÜ  AloXXg  Kagnocpögog  be- 
sonders  auf  Lesbos   verehrt  wurde,    C.  I.  Gr. 

50  3528  („in  Aeolia").  Cichorius,  Mut.  d.  K.  B. 
A.  Tust,  in  Athen  13  p.  63  nr.  13.  Epli.  epigr. 
2  p.  9;  vgl.  die  Münze  von  Mytilene,  welche 
sie  ©sä  AloXCg  nennt,  Eckhel  6  p.  214.  Mi:  3, 
49,  122.    S.  6,  65,-  89.    Boutkouski  Sp.  1650.  — 

c)  der  jüngeren  Agrippina,  Eckhel  6  p.  214  f. 
C.  I.  Gr.  2183  (wo  auf  die  ältere  Agrippina 
bezogen).  C.  /.  Gr.  zu  nr.  2960;  add.  2183  b.  — 

d)  vermutlich  der  Sabina,  die  in  einem  atti- 
schen Besehlufs   [iJ'fa]  svsgyizig  Kceg7z[o<pögo$ 

go  genannt  wird,  C.  I.  A.  3,  12.     [DrexlerJ 

Karpos  (Kctgnög);  ein  durch  seine  Schönheit 
ausgezeichneter  Jüngling,  Genosse  des  Kalamos 
(s.  d.).  Als  er  mit  diesem  um  dieWette  schwamm, 
ertrank  er,  Konn.  11,  385—481.     [Höfer.] 

Karleria  (Kagzsgia),  die  personificierte 
Standhaftigkeit,  mit  Tlsvia,  IJovog,  Zotpia  und 
'AvSgsia  zusammen  im  Gefolge  des  Aifiög 
(Lucian.  Tim.  31).     [Über   Kagzsgia   und  'Ey- 


969                       Karteron  Kasios                         970 

Kgäxsia  auf  dem   Pinax   des    Kebes  s.   K.  K.  kannten  Dienst  hatte.   Plierenikos  aus  Heraklea 

Müller,  Areh.  Ztg.   1884.  Bd.  42  Sp.  122  —  123.  hatte  gedichtet,  dafs  Oxylos,  S.  des  Orios,  mit 

Drexler.]     [Höfer.]  .  seiner   Schwester  Hamadryas  die  Hamadryade 

Karteron    (Kagxsgcov),     Sohn    des    Lykaon,  Karya    und    viele    andere    Hamadryaden    be- 

Apollod.  3,  8,  1,  s.  Lykaon.     [Stoll.]  stimmter  Bäume  erzeugt  habe,  Athen.  3,  78  b. 

Karthago,    Personifikation   der   Stadt   Kar-  Eustath.  p.  1964, 15.  [Stoll.]    [Vgl.  auch  Statins, 

tbago.    Eine  Inschrift  von  Tunis  lautet:  K]AR-  Theb.  4,   225;    über  das   Fest  Hes.   v.  Kdgva, 

THAGINI  •  PATRIAE  •  SVAE    |    [P]OMPEIVS  •  Kccgvdxsa,  Kagvätig,  vgl.  Diom:  Ars  gramm.  3 

FAVSTINVS.  Delattre  bemerkt  dazu:  „Les  deux  p.  486   Keil.   Lactant.  Placidus  ad  Stat.  Theb. 

premieres  lignes  qui  en  resteni,  montrent  que  cette  10  4,  225.  Wide.]    [S.  auch  Bötticher,  Baumkultus 

pierreportaitladedicaced'uncitoyendeCarthage  p.  264;  Murr,  Pflanzenwelt  -p.  36.  Drexler.] 

äsaPatrie,  Sans  doute,  personnifie'e  sous  les  traits  Karystos  (Kügvoxog),  Sohn  des  Cheiron  und 

d'une  Statue  dont  la  de'dicace   ornait  la  base",  der    Chariklo,    nach    welchem    Karystos    auf 

Bull,  epigr.  de  la  Gaule  1  1881  p.  217.    Diese  Euboia  benannt  sein  sollte,  Schol.  Pind.  Pyth. 

Behauptung  möge   dahingestellt   sein.     Sicher  4,   181.     Steph.   B.   s.   v.  Eustath.   p.   281,  10. 

haben   wir   die  Personifikation  Karthagos   auf  Anth.  Pal.  14,  68.     Er  heifst  Vater  des  Zarax, 

Münzen    des  Clodius  Macer,    auf   deren  Obv.  nach    welchem    der    gleichnamige    Berg    auf 

ihr    Haupt    mit    der    Mauerkrone    und    einem  Euboia  benannt  war,   Tzets.  L.  373.  580,  auch 

Füllhorn  dahinter  mit  der   Umschrift    L  ■  C  ■  Vater  des  Aristaios,  Schol.  Ap.  i?/(.2,498.  [Stoll.] 

MACRI  •  CARTHAGO   S  •  C.    (L.  Müller,  Nu-  20  [Vgl.  auch  Areh.  Z.  9,  399.    R.] 

mism.   d.    l'anc.   Afrique    2    p.  170  f.    nr.  381.  Kaseos  (Kdasog),  Beiname  eines  Gottes  auf 

Cohen    l2,  318,  11)    oder    L.    CLODI.   MACRI  einer  Inschrift  aus  Ulumbad  (dem  bithynischen 

CARTHAGO  S.  C.    (Cohen  318,  10)  erscheint.  Lopodion)  01  axgaxsvadfisvoi  iv  toig  xaxarpgdy.- 

Auf   Goldmünzen    des    Maximianus    Herculius  tois    •  ■  ■    £^i  An\i-r\xgiav    xov   AvaivXiiovg   iic- 

erscheint    als    stehende,    in    beiden    Händen       nctgiso) vi   Kacicoi   bv%tjv ,    Bull,  de 

Früchte  oder  Ähren  haltende  Prauengestalt  corr.  hell.  12  (1888)  p.  190.  Lechat - Radet 
die  FELIX  CARTHAGO,  Eckhel,  D.  N.  V.  a.  a.  O.  192  ergänzen  TIooHdäty  A'cgeW;  aller- 
8  p.  18.  Cohen  62  p.  504  nr.  107;  FELIX  dings  könne  man  auch  an  'An6Uto]vi  denken; 
KARTHAGO,  Cohen  62  p.  505  nr.  108;  auf  aber  bei  einem  von  glücklich  zurückgekehrten 
Goldmünzen  des  Maxentius  die  FELIX  30  Seeleuten  dargebrachten  Opfer  komme  doch 
KARTHAGO  ebenso  mit  Ähren  (?)  und  Wein-  wohl  Poseidon  in  erster  Linie  in  Frage.  Kä- 
beere,  Cohen  72,  173,  66.  Noch  auf  Silber-  cfog  sei  wahrscheinlich  ein  lokales  Epitheton, 
münzen  des  Vandalenkönigs  Hilderich  findet  ein  Zusammenhang  mit  K&oiog  aber,  dem 
sich  der  Typus  der  ährenhaltenden  FELIX  •  Beinamen  des  Zeus ,  sei  trotz  der  grofsen 
KART.,  Eckhel,  D.  N~.  V.  4  p.  138.  Auch  auf  Ähnlichkeit  wohl  nicht  anzunehmen.  [Höfer.] 
Bronzemünzen  des  Diocletian,  Eckhel  8  p.  11.  Kasios  (Kdaiog),  Beiname  einer  semiti- 
Colien  62,  464,  437.  438;  Maximianus  Heren-  sehen,  mit  Zeus  identifizierten  Gottheit.  Den 
lius,  Cohen  62,  546,  509.  510;  Constantius  Namen  bringt  Fr.  Lenormant,  seiner  Auffassung 
Chlorus,  Cohen  7S,  84,  270  —  272;  Galerius  des  Gottes  als  eines  „dieu-aerolitht"  gemäfs, 
Maximianus,  Cohen  72,  121,  190  — 192  mit  40  zusammen  mit  einer  Wurzel,  die  dem  hebr. 
der  Umschrift  SALVIS.  AVGG.  ET.  CAES.  qäcac  schneiden,  brechen,  qäcah  schneiden  zu 
AVCTA  oder  FEL.  KART,  und  auf  solchen  Grunde  liegt,  „en  rapportant  le  sens  primitif 
des  Flavius  Severus  IL,  Cohen  72,  138,  64.  65;  ä  Vexplosion  qui  aecompagne  et  precede  de 
Maximinus  Daza,  Cohen  7S,  157,  150;.  Maxen-  quelques  secondes  la  chute  de  tout  aerolithe", 
tius,  Cohen  72,  177,  103;  Constantinus  M.,  Lenormant,  Zeus  Casios,  Gas.  areh.  6  1880 
Cohen  72,  284,  479  mit  der  Umschrift  SAL-  p.  143;  vgl.  Les  betyles;  Bev.  de  l'hist.  des 
VIS  AVGG.  ET.  CAESS.  FEL.  KART,  sieht  rel.  3  p.  41,  Artikel  Casius  in  Daremberg 
man  die  in  beiden  Händen  Früchte  haltende  et  Saglio's  Dict.  des  ant.,  Lettres  assyriologiques 
Karthago.  Gleichfalls  stehend,  in  jeder  Hand  2  p.  118.  —  De  Vogüe,  Syrie  centrale,  Inscr.  semit. 
eine  Frucht  verschiedener  Art,  erscheint  sie  50  p.  104  erklärt  ihn  als  allgemeine  Bezeichnung 
auf  Gold-,  Silber-  und  Bronzemünzen  des  für  Höhe,  Bergspitze,  wörtlich  ,,das  Abge- 
Prätendenten  Alexander  mit  der  Aufschrift  schnittene";  Movers ,  Phoen.  1  p.  669  ganz 
INVICTA  ROMA  FEL.  KARTHAGO,  Cohen  verkehrt  als  'pp  isa  „Gott  der  Obsternte"; 
72,  185 f.,  3.  4.  6;  ebenso,  stehend  in  einem  Baudissin,  Stud.  z.  semit.  Beligionsgesch.  2 
Tempel  auf  Bronzemünzen  des  Maximianus  p.  239  als  ""pap  „Entseheider",  „Richter". 
Herculius,  Cohen  62,  501,  74  und  des  Maxen-  Seinem  Wesen  nach  hält  ihn  Lenormant,  Gaz. 
tius,  Cohen  1°,  171.  50  mit  der  Aufschrift  areh.  6  p.  143,  wie  schon  bemerkt,  für  „un  dien 
CONSERV ATORES  KART.  SVAE.  Cicero  de  foudre  ou  un  dieu-aerolithe";  Baudissin  p.  239  f. 
nat.  deor.  3,  16  bezeichnet  Karthago  als  Toch-  für  einen  Berggott  u.  p.  242  wegen  seiner  Ver- 
tex des  zu  Tyrus  verehrten  Herakles.  Vgl.  go  ehrung  auf  dem  Berge  für  einen  Himmelsgott, 
Karchedon.     [Drexler.]  „der   auch    speziell    als   Gewittergott    gedacht 

Karya  (Kagva),  Tochter  des  Dion,  Königs  werden  mochte";  Stark,  Gaza  p.  571  für  den 
in  Lakonien,  Geliebte  des  Dionysos,  der  sie  in  „Gott  der  wolkenumhüllten,  Regen  u.  Frucht- 
einen Nnfsbaum  (Kagva)  verwandelte,  Serv.  barkeit  bringenden,  aber  auch  von  dem  Soloriens 
Verg.  Ed.  8,  30;  s.  Dion.  Die  Fabel  hat  Be-  (6  ävioxmv  rjlwg),  den  alle  Syrer  verehren,  Zu- 
zug auf  das  Nnfsdorf  Karyai  im  nördlichen  erst  beschienenen  Berghöhen".  Als  Kasiu  er- 
Lakonien,  wo  Artemis  Karyatis  (vgl.  Stat.  Theb.  scheint  er  in  einer  hauranischen  Inschrift: 
4,  225,  und  namentlich  Paus.  3, 10,  8)  einen  be-  „Geheiligt  dem  Gotte  Kasiu",  de  Vogüe,  Syrie 


971                        Kasios  Kasios                        972 

centr.,  Inscr.  sein.  Hawaii  5.  Baethgen,  Beitr.  l'einp.  rom.  p.  90)  stellt  den  Kaiser  dar,  bekränzt 
z.  semit.  Btligionsgesch.  p.  103  und  in  einer  von  einer  bewaffneten  Figur  (Roma?)  dem  auf 
nabatäischen  Inschrift  auf  einem  scbwarzen  _  einem  Berg  sitzenden,  in  der  L.  den  Blitz- 
Basaltaltar  aus  Bosra:  „Dies  hat  dargebracht  strahl  haltenden  Iuppiter  eine  Victoria  über- 
Natarel,  Sohn  des  Natarel,  dem  Gotte  Kasiu",  reichend.  Fröhner  will  diesen  Typus  aus 
de  Yogüc  a.  a.  0.  Textes  nabate'ens  4.  Baethgen  einem  Besuch  des  L.  Verus  nach  Beendigung 
p.  103.  —  Lenormants  (G.  A.  3  p.__143)  Ableitung  des  Partherkrieges  beim  Zeus  Easios  von  Pe- 
des  Namens  der  idumäischen  Örtlichkeit  'Hi-  lusion  erklären.  Allein  von  einem  Aufenthalt 
rata-Qacai  auf  einem  Keilschrift- Prisma  des  des  Kaisers  in  Pelusion  ist  nichts  bekannt, 
Assurbanipal  (Smith,  Hist.  of  Assurbanipal  10  denn  die  von  Frühner  a.  a.  0.  Anm.  1  dafür 
p.  258.  Cuneiform  inscr.  of  West.  As.  t.  3  angeführte  Notiz  des  Julius  Capitolinus  vit. 
p.  XXIII  Prisme  A  Kol.  7  1.  118)  von  diesem  Verl  c.  8,  Veras  habe  in  Syrien  und  Alexandria 
Gottesnamen  Kasiu  ist  zu  gewagt.  Auch  den  Musiker  und  andere  Künstler  gekanft,  ist  kein 
von  de  Vogüe  Irqncioun  gelesenen  Namen  der  Beweis  dafür,  dafs  er  selbst  nach  Ägypten  ge- 
sebulonitischen  Stadt  (los.  19,  13)  erklärt  er  reist  ist.  Dagegen  ist  sein  Aufenthalt  in 
wenig  wahrscheinlich  als  Stadt  des  Gottes  Antiochia  während  des  Partherkrieges  hin- 
Kasiu,  während  Baudissin  p.  239  f.  Anm.  7  länglich  bezeugt  (2Ierivale  4  p.  520)  und  es 
ihn  mit  „Stadt  des  Führers"  (des  Schofeten)  liegt  nahe,  dafs  er  dem  Heiligtum  des  Gottes, 
übersetzt.  Ob  Lenormant,  G.  A.  6  p.  143.  welches  der  Stadt  benachbart  war,  die  ge- 
A.  Levy,  ZDMG  18  p.  631.  Paul  Scholz,  20  wohnlich  der  Ausgangspunkt  der  Operationen 
Götzendienst  und  Zauberwesen  bei  den  alten  für  einen  Partherfeldzug  war,  nach  glücklicher 
Hebräern  p.  144  Anm.  1  und  Baudissin  2  Beendigung  des  Krieges  seinen  Dank  abgestattet 
p.  239  den  Kasiu  mit  Recht  mit  dem  von  hat.  Julian  opferte  an  einem  Festtage  dem  Iup- 
Iosephus,  Amt.  iud.  15,  7,  9  als  einen  Gott  piter  auf  dem  Kasios,  Amin.  Marc.  20,  14,  4;  vgl. 
der  Idumäer  bezeichneten  A'off  identificieren,  Iul.Misopog.  p.  361  Spanh.  Baudissin  2  p.  241. 
lasse  ich  dahingestellt  sein.  Mit  zwei  Bergen  In  hellenistischerZeit  entstanden  eine  AnzahlFa- 
in  Vorderasien  ist  der  Kult  des  Zeus  Kasios  beln,  die  an  den  Bers  Kasios  anknüpften.  Philo 
verknüpft:  erstens  mit  dem  Kasios  bei  An-  Bgblius  leitet  den  Namen  des  Berges  Kassios 
tiocheia.  Auf  Münzen  von  Seleukeia,  dem  von  einem  Riesen  der  Urzeit  ab,  jF.  H.  Gr.  2,  7 
Hafen  von  Antiocheia,  erscheint  häufig  ein  30  p.  566.  Baudissin  p.  235,  p.  242.  Nach  Eu- 
Stein  in  einem  Tempel,  zuweilen  mit  einem  hemeros  bei  Euseb.  praep.  et).  2,  2  hat  Zeus 
Adler  darüber  und  meist  mit  der  Beischrift  auf  seinen  Reisen  den  Herrscher  von  Syrien, 
ZGYC  KACIOC  darunter,  Echhel  3  p.  325  f.  Kassios,  besucht  und  der  Berg  von  diesem 
JScad  p.  661.  Mi.  5,  276,  884,  277 f.,  891—899,  den  Namen  erhalten,  Baudissin  p.  241.  Nach 
279,  905;  ohne  Namen  904,  908  u.  280,  914.  Servius  zu  Aen.  3,  680  flieht  der  kretensische 
S.  8,  190f.,  293,  294,  298— 300;  ohne  Beischrift  Jüngling  Kyparissos  vor  Apollon  nach  dem 
297,  301.  Baudissin  2  p.  242  erklärt  den  Kasios,  wo  er  in  eine  Cypresse  verwandelt 
Stein  für  ein  Bild  des  heiligen  Berges,  Lenor-  wird,  Baudissin  p.  214,  p.  241.  —  Malalas  2 
mant,  G.  A.  6  p.  142.  Bev.  de  Vhist.  d.  rel.  3  p.  28  und  Synkellos  p.  237  ed.  Dind.  machen 
p.  52  —  53.  Art.  Casius  in  Darembirg- Saglio,  40  Kasos  und  Belos  zu  Söhnen  des  Inachos ,  die 
Dict.  des  ant.  für  einen  Aerolith,  in  dessen  Ge-  mit  Triptolemoa  eine  argivische  Kolonie  nach 
stalt  Zeus  Kasios  verehrt  wurde;  er  erinnert  Syrien  führen  und  Iopolis  oder  Ionopolis  (An- 
an  den  Donnerkeil,  der  dem  Seleukos  Nikator  tiocheia)  gründen.  Auch  Kreter  und  Kyprier 
den  Ort  der  zu  gründenden  Stadt  Seleukeia  an-  führt  nach  Malalas  8  p.  201  Kasios  nach 
gezeigt  hatte  und  der  nach  Appian  als  Gott  ver-  seiner  Vermählung  mit  Kitia,  der  Tochter  des 
ehrt  wurde,  App.  Sifl\  58.  Malalas  p.  199  Dind.  kyprischen  Königs  Salaminos,  dorthin,  Lenor- 
Eckhel  3  p.  326.  Dieser  Donnerkeil  erscheint  mant,  G.  A.  6  p.  144.  Baudissin  2  p.  242. 
bald  für  sich  allein,  bald  auf  einem  Tisch,  Die  andere  Kultstätte  des  Zeus  Kasios  ist  auf 
bald  ohne  Beischrift,  bald  mit  der  Beischrift  dem  Berge  Kasios  bei  Pelusion,  wo  nach 
ZGYC  K6PAYNIOC  -auf  den  Münzen  von  Se-  50  Baudissins  (2  p.  240)  Vermutung  phönikische 
leukeia,  Eckhel  3  p.  326.  Hcad  p.  661.  Mi.  5  Verehrer  ihm  ein  Heiligtum  errichteten.  Philo 
p.  572  —  580.  S.  8  p.  186— 190  (s.  Keraunios).  Byblius,  Fr.  H.  Gr.  2,  17  p.  568  erzählt,  die 
Auch  Baudissin  2  p.  242  ist  nicht  abgeneigt,  in  Nachkommen  der  Bioskuren,  identisch  mit  den 
Typus  und  Aufschrift  dieser  Münzen  Symbol  phönikischen  Kabiren,  hätten,  verschlagen  an 
und  Namen  des  Zeus  Kasios  zu  sehen.  Auf  dem  den  Berg  Kassios,  dort  ein  Heiligtum  ge- 
Berge Kasios  feierten  die  Antiochener  bei  An-  gründet.  Nach  Epiphanius ,  Ancoratus  e.  106 
Wesenheit  des  Seleukos  Nikator  ein  Fest,  p.  209  Dind.  ist  Kasios  ein  von  den  Pelusioten 
und  der  König  opferte  auf  demselben  dem  verehrter  Schiffsherr,  was  Bawlissin  2  p.  243 
Zeus  Kasios  und  befragte  ihn  über  die  Grün-  damit  erklärt,  dafs  die  Seefahrer  dem  Zeus 
düng  von  Seleukeia,  Slrabo  16,  2,  5.  Matal,  60  Kasios  ihre  Ehrfurcht  erwiesen.  Das  Heilig- 
p.  199.  Trajan  brachte  auf  dem  Berge  dem  tum  des  Zeus  Kasios  auf  dem  Berge  erwähnt 
Zeus  Weihgeschenke  dar,  Suidas  s.  v.  Kaaiov.  Strabon  16,  2,  33,  den  Namen  des  bei  Pelusion 
Als  Hadrian  ihn  bestieg,  um  den  Sonnen-  verehrten  Iuppiter  Casius  Lucan  Phars.  8, 
aufgang  zu  sehen,  tötete  ein  Blitz  Opfertier  858.  Baudissin  2  p.  242  —  243.  Nach  Achilles 
und  Priester,  Spart,  v.  Hadr.  c.  14.  Vielleicht  Tatius  3,  6  stellte  ein  heiliges  Standbild  des 
hat  auch  L.  Veras  dem  Zeus  Kasios  bei  Antiochia  Zeus  Kasios  in  Pelusium  ihn  als  Jüngling, 
seine  Huldigung  abgestattet.  Ein  Medaillon  ähnlich  dem  Apollon,  mit  einem  Granatapfel 
(Cohen  33,  197,  291.  Fröhfier,  Les  medaillons  de  in   der  Hand  dar,   Baudissin  a.  a.  0.     Wenn 


973                         Kasios  Kassandra                      974 

Lenormant,  G.  A.  p.  144  auf  Grund  dieses  Südlichen  Aufschrift  ZGYC  KACIOC,  seltener 
Symbols,  das  auch  dem"  Rimmön  eigen  war  (154,  576.  577)  ZCTC  KACCIOC,  oder  (159,  638 
(Lenormant,  Lettres  assyrioloyiques  2  p.  215),  M.-  Aurel)  nur  KACCIOC.  Den  Eaisermünzen 
vermutet,  man  habe  vielleicht  beide  Götter  "fehlt  meistens  die  Beischrift  (159,  639  M.  Aurel; 
assimiliert,  so  ist  dies  zu  kühn.  Haltlos  ist  160,  646  L.  Verus;  161,  652  Commodus;  163, 
auch  R.  Försters  (Die  Hochzeit  des  Zeus  und  671  —  674,  165,  C87  Caracalla;  166,  694  —  695 
der  Hera.  Winckelmann  -  Programm.  Breslau  Geta);  .vgl.  Lenormant,  Q.  A.  6  p.  144  Note  11, 
1867  p.  13)  Annahme,  er  halte  ihn,  um  ihn  der  die  von  Ecldicl,  Mionnet  und  Tloaxolatiag, 
seiner  Gemahlin  zu  reichen.  Die  Granate  er-  Kax.  xäv  <xq%.  vofi.  Keqhvqccs  k.  x.  X.  mit- 
scheint übrigens  auch  auf  Münzen  Hadrians  10  geteilten  Exemplare  verzeichnet.  Wie  Behr 
von  Pelusion,  Feuardent,  Fg.  anc.  2  p.  314  das  Heiligtum  in  Ansehen  stand,  beweisen 
nr.  3546.  3547.  Auf  Münzen  desselben  Herr-  auswärtige  Münzen,  so  von  Lakedaimon  und 
schers  sieht  man  einen  jugendlichen,  lang-  Knidos  (C.  G.  C.  B.  M.  Thess.  to  Aet.  p.  158 
gelockten  Kopf  mit  Diadem  und  ägyptischem  nr.  630,  631)  mit  dem  Gegenstempel  dtbg 
Kopfputz,  Feuardent  3545.  Gewöhnlich  be-  KaaCov ,  die  vermutlich  als  Weihegaben  an 
zeichnet  man  diese  Gottheit  als  Isis,  zu  wel-  den  Tempel  zu  betrachten  sind.  Aus  Epi- 
cher  ja  als  lvBiv.6y,og  die  langen  Locken  sehr  dauros  kennen  wir  die  Widmung:  Ja  Kaaiwi  \ 
gut  passen;  in  Anbetracht  aber  der  Notiz  des  'EXXnvoy.oäxrjg  Hociy.XslSov ,  'Eqtrju.  <xq%.  1883 
Achilles  Tatius  von  der  Apollonähnlichkeit  p.  87  nr.  22.  Bev.  arch.  1883  3e  ser.  1  p.  397. 
des  Bildes  des  Zeus  Kasios  und  in  Verbindung  20  lievue  des  renies  8  p.  310:  [(Ja  KaaCmi  EXXccvo- 
des  Umstandes,  dafs  dieses  Bild  eine  Granate  y.Qcixrjg'HQauXiiSov).  Baunacl;  (Stud.a.d.  Gebiete 
hielt  mit  dem  Vorkommen  der  Granate  auf  der  griech.u. and.  Sprachen  1,1,88)  erklärt  Käaiog 
Münzen  Hadrians  von  Pelusion  dürfte  viel-  a.usya9-ai-og  =  xa9%ägeiog, unter  welchemNamen 
leicht  die  Frage  nicht  ganz  abzuweisen  sein,  die  Eleer  den  Zeus  verehrten  (Paus.  5,  14,  8); 
ob  wir  nicht  in  dem  Kopfe  vielmehr  Zeus  wozu  vielleicht  passen  dürfte,  dafs  nach  Wide 
Kasios  zu  erblicken  haben;  auch  für  einen  (De  sacris  Troezeniorum  etc.  üpsala  1888  S.  8) 
dem  intonsns  Cynthius  ähnlichen  Gott  passen  Plinius  nur  die  Schreibung  Käooiog  kennt, 
die  Locken;  auch  ist  der  Kopfputz  verschieden  Nach  Tümpels  mir  brieflich  mitgeteilter  An- 
von  dem  gewönlich  der  Isis  gegebenen,  welcher  sieht  liefse  sich  zum  Verständnis  des  Namens 
in  der  Sonnenscheibe  zwischen  zwei  Hörnern  30  einerseits  an  das  Ji.bg  xcööiov  (von  -xäg  Schaf- 
besteht. Vielleicht  ein  Weihgeschenk  an  das  vliefs),  andererseits  an  das  sinnverwandte  he- 
Heiligtum  des  in  Pelusion  verehrten  Zeus  Kasios  sychische  nag  Fell  (vgl.  Hesych.  s.  v.  xuaaog  = 
haben  wir  in  dem  Bronzespiegel  der  ehemaligen  zottiges,  derbes  Uberkleid)  erinnern,  sodafs  Zivg 
Sammlung  Anastasy  im  Leidener  Museum,  das  Kao(a)iog  =  Z.  xcoSioyopog  wäre.  „Ja  man 
einen  ägyptischen  Kopfputz  und  die  Aufschrift  könnte  sich  den  epidaurischen  Zeus  sogar 
Jibg  KaaCov,  'A&r[väg  Amtiuvov  1 ' .  .  .  .  zeigt,  ebenso  gut  wie  mit  dein  Dioskodion  auch  mit  der 
C.  I.  Gr.  7044b.  Ganz  allein  dürfte  Brugsch,  Aigis  geschmückt  denken  als  Alyio%og.  Denn 
Dict.  ge'ogr.  p.  915  mit  seiner  Ansicht  näg  ist  nicht  wie  xäg  an  das  Schaf  gebunden, 
stehen,  dafs  der  Zeus  Kasios  von  Pelusion  sondern  kann  auch  einer  Ziege  eignen.  Die  An- 
ein  Amoo  sei.  —  Durch  Handelsbeziehungen  40  knüpfung  an  den  Gott  des  Kceeiov  bgog  würde 
mag  der  Kultus  des  Zeus  Kasios  nach  Kas-  dann  natürlich  sekundär  sein."  [?]  Röscher.  | 
siope  auf  Kerkyra  gelangt  sein ,  wo  nach  Über  die  mit  dem  Namen  des  Gottes  zusammen- 
Plin.  h.  n.  4,  12  (19),  152  ein  Tempel  Cassi  gesetzten  Personennamen  s.  Letronne,  Ann.  d. 
Iovis  stand.  Suetons  Notiz  (Nero  c.  22),  Nero  Inst.  1845  p.  300.  Vgl.  über  Zeus  Kuoiog  auch 
habe  den  Altar  Iovis  Cassii  zu  Kassiope  be-  Steudings  Artikel  Casius  oben  Bd.  1  Sp.  855  f. 
sucht,  bezieht  man  wohl  am  besten  nicht  mit  und  Overbccl:,  Kunstmythol.  Zeus  S.  3  —  4;  198. 
Lenormant,  Gaz.  arch.  6  p.  .144  auf  die  Stadt  214.  Vgl.  auch  Kassiepeia  u.  Kasos.  [Drexler.] 
Kassiope  (Kassiopia)  in  Epeiros,  sondern,  wie  Kasipliones  (Ka<u<p6vr]g),  Sohn  des  Odysseus 
dies  Preller  in  Paulys  It.-E.  2  p.  205  und  und  der  Kirke,  Bruder  des  Auson  und  des 
Bursian ,  Geogr.  von  Griechenland  2  p.  361  50  Telegonos,  Tzetz.  Chiliad.  5,  567.  Vgl.  Kassi- 
Anm.  4  thun,  auf  die  kerkyräische  Stadt  Kas-  phone.     [Höfer.] 

siope   (s.   d.  Art.  Kassiopeia).     Hier   sind  zwei  Kasinilos    (=    Kadmilos)    s.    Kamillos   und 

lateinische  Widmungen  an  Iuppiter  Casius  ge-  Kadmos.     [Boscher.] 

funden,  C.  I.  L. 3,  576.  577.   Procop  debello  Goth.  Kasos  (Kdaog),  Sohn  des  Kleomachos,  nach 

4,  22  p.  576  Dind.  erwähnt  ein  hier  beSndliches  dem  die  gleichnamige  kykladische  Insel  sowie 

aus  Steinen  zusammengesetztes  Schiff,  dasWeih-  der  Berg  und  die  Stadt  Kasion  in  der  Nähe  von 

geschenk  eines  Kaufmanns  an  Zeus  Kasios,  Bar-  Pelusium  benannt  waren,  Steph.  B.  v.  Kdeog  u. 

sian  a.  a.  O.    Die  Münzen  der  Stadt  zeigen  ihn  Kuoiov.     Vgl.  Kasios  u.  Kassiepeia.     [Stoll.] 

ganz   wie   den   hellenischen   Zeus    dargestellt,  Kasperia  (Kacitegia),  Gemahlin  des  Khoitos, 

thronend,   mit  dem  Scepter,   einige  auch  mit  go  des    Königs    der   Marrubier,    Stiefmutter    des 

Schale   und   Scepter    (Cat.   Gr.  C.  in  the  Brit.  Anchemolos,   von   diesem  entehrt,   Verg.  Aen. 

Mus.  Thessaly  to  Aetolia  p.  154  nr.  578  —  581),  10,  388  f.    Alexander  Polyhistor  bei   Serv.  zu 

oder  ohne  Attribute  (C.  G.  C.  B.  M.  Thess.  to  Verg.  a.  a.  0.;   vgl.  Bd.  1    Sp.  2863,   Z.  Uff. 

Aet.    nr.   582  —  584)    und    der    bald    im    Obv.  [Hängt   der   Name   etwa   mit    der   sabinischen 

(p.  155—156  nr.  598—608   PI.  25,  6—11),  bald  Stadt  Casperia  zusammen?    Vgl.  die  von  De 

im  Rs.  (p.  153  —  155    nr.  570  —  575,  582  —  597  Vit,  Onom.  s.  v.  Casperia  gesammelten  Stellen. 

PI.  25,  5-8    autonom;    p.   158    nr.  633.    634  Röscher.]     [Höfer.] 

PI.  26,   1  Antoninus  Pius;   p.  159   nr.  638)  be-  Kassandl'a  (KttcGuvSiiu),   1)  T.  des  Priamos 


975                       Kassandra  Kassandra                       976 

und  dar  Hekabe,  so  wie  Laodike  (Hout.  Z  -252)  nixoXwfxEvog  'Agyvgozo'gog   KccaadvSgnv   insXiv- 

gleichfalls    ftvyuzgäv    siSog    dgiGxi\    genannt  esv    d-novovz^oeiv    uhiezu    9iani^siv    Tgiösoai. 

(V365);  Othryoneus  forciert  sie  zur  Ehe  (dvd-  Myth.  lat.  ed.  Bode  1,  180  fidem  vera  dicenti 

eSvov)  indem  er  dafür  die  Griechen  aus  Troja"  sustulit,  vgl.  2,  196.    Apul.  op.  (ed.  Altenb.)  2 

zu    vertreiben    verspricht.      Als    Priainos    den  S.  112   incredita  vaticinia.      Tryphiod.  al.  'IX. 

Leichnam  Hektors  nach  der  Stadt  bringt,   ist  417    zx^v    ydg   'Autoklav    d(iq>6zigov    (idvziv    %' 

K.   die   erste,    welche   von   der   Burg   aus   das  uya&ryv  xai  uniozov  t&gxsv.    Gewöhnlich  wird 

Herannahen   des  Vaters   bemerkt  (Sl  699  ixiliq  für  sie  eine  ähnliche  Art  der  Weissagung  wie 

XgvasTj  'AcpgoSizrj)'   Von  Agamemnon  mit  nach  für  die  Pythia   in  Anspruch   genommen,  d.  h. 

Griechenland    geführt,    wird    sie    von   Klytai-  io  sie   weissagt  mentis    incitatione   et   permotionc 

mestra  dicht  neben-dem  sterbenden  König  ge-  divina   (Cic.  de  divin.   1,  40,  89;    vgl.  ebd.  1, 

tötet,    der    ihr    nicht    mehr   Hülfe   zu    leisten  31,  66   quid  oculis  rubere  Visa  es  derepente  ar- 

verrnag  (X  421).     Dazu   fügte  die   IXiov  Tlegaig  dentibus,    aus   dem   Alexander   des  Ennius,  1, 

(Ep.  gr.  fr.    ed.   Kinkel   S.  49)   die   Erzählung  39,  85  C'assandra  furens  und    2,  55,  112.     Sen. 

von   der  Gefangennahme   der   Kassandra.     Sie  Troad.  34),  während   ihr  Bruder  Helenos   au- 

hat,  als  die  Stadt  eingenommen  wird,  sich  in  guriis    die  ■  Zukunft    erkennt;    doch   wird    bei 

den   Tempel    der   Athena    geflüchtet   und    das  Hyg.  f.  128  unter  den  augures  auch  Cassandra 

Bild    der  Göttin    umklammert;    Aias,    Oileus'  Priami  filia  angeführt.    Als  Seherin  heifst  sie 

Sohn,   reifst   sie   mit  Gewalt   fort,   sodafs  das  fiavzinoXog   Edv-xii  Ettr'.  Hei;.  121;   dsamcpäog 

Bild     mit     umgerissen    wird;     wegen     dieses  20  v.  677;    apoißdg  v.  827;   ginzti  £av&äg  nlov.d- 

Frevels    wollen    die    Griechen    den  Aias    stei-  (iovg  %lcooo-AÖfico  ozscpdvco  ädapvag  Hocftjjarsiea, 

nigen,    der   aber   sucht  und  findet  Schutz  bei  ozuv  9eov  fiavzoavvoi  nvsvecoe'  dvdyv.ai,  Eur. 

dem  Altar    der    von    ihm    beleidigten    Göttin.  Ipli.   Aul.   757;    wegen    der   Dunkelheit    ihrer 

Die   Wegreifsung    der    Kass.    vom    Bilde    der  Orakel  wird   sie   bei   Lykophr.  Alex.  7    Ztplyt, 

Göttin  war  auch  auf  der  Kypsele  in  Olympia  genannt;  sie  selbst  bezeichnet  sich  wegen  des. 

dargestellt  (Paus.  5,  19,  5)  mit  der  Beischrift  Unheils,   das  sie  über  Agamemnon  bringt,  als 

Ai'ag  KaaoavOgav  an'  'Adavaiag  Aoxgbg  t'Axfi.  fxiav  zgi&v  'Eqlvvv  bei  Eur.    Troad.  457.     Sie 

Auch  in  der  Lesche  in  Delphi  hat  der  Mythus  erkennt  das  Unheil,  das  der  Stadt  durch  Paris 

der  Kass.  mehrfache  Berücksichtigung  gefunden;  droht,  und  fordert  auf,  ihn  zu  töten,   fisydXav 
zunächst   war   unter    den  toten  Troern  Kogoi-  30  ügidfiov  nuXsag  Xatßav,    Eur.  Andr.  297;   als 

pog   dargestellt  (Paus.  10,  27,   1    dyiy.ezo  inl  aber  Paris  Gefahr    läuft-  von   seinen   Brüdern 

zbv  KaaaävÖQctg  yäfiov,    also   wie  bei  Homer  getötet  zu  werden,  verkündet  sie,  dafs  er  ein 

Othryoneus,  vgl.    Verg.  Aen.  2,  343    iuvenisque  Sohn    des    Priarnos    ist,    sodafs    er    von    dein 

Coroebus  Ulis  ad  Troiam  forte  diebus  venerat,  König   anerkannt  wird,    Hyg.  f.  90.     Bei  der 

insano  Cassandrae  incensus  amore),  aufserdem  Ankunft    des   Paris    mit  Helena   weissagt    sie 

der  Schwur  des  Aias,  vermöge  dessen  er  sich  das   kommende  Unheil   nvxvd  Si  ziXXs  v.6fir\v, 

von   dem   ihm    vorgeworfenen  Verbrechen    an  xQva^rlv   ä'  £9orl&   xaXvnzgnv ,   viotpoizov   In' 

der  Kass.  reinigte;  Kassandra  safs  dabei,  das  dxgonoXt]og    ISovaa,    Koluth.    rapt.    Hei.    389. 

Bild    der  Athena   im   Schofse    haltend   (Paus.  Myth.    lat.    2,    196   cum  iam   adventu   Helenae 
10,  26,  3).    Auch  in  der  ozod  noi-xiXv  in  Athen  .10  Troiam  destruendam  praaliceret.     Sie- erkennt, 

war  eine  ähnliche  Scene  dargestellt,   01  ßaoi-  dafs  Priarnos   den  Leichnam  Hektors   zurück- 

Xeig  rj&QOiOfiivoi  ö'iä  zo  Ai'avzog  fg  Kaoodvdgav  briugt,  wie  bei  Homer,  Tzetz.  Hom.  410.     Be- 

zoXixrijia    (Paus.    1,   15,  3).     Während   Homer  sonders  gegen  die  Hereinbringung  des  hölzer- 

von  der  Sehergabe  der  Kassandra  nichts  weifs  nen   Pferdes   eifert   sie  mit  aller  Kraft,    doch 

(vgl.  Schol.  Hom.  H  699),    erscheint  sie  schon  umsonst,   Verg.  Aen.  2,  246,   Hyg.  f.  108  fides 

von  Pindar  ab  (Pyth.   11,  49  fidvzig  xöga)  als  ei  habita  non  est.  Quint.  Smyrn.  12,  526  dxov- 

Seherin,   die    aber  mit  ihren   Prophezeiungen  izo   d'  tx   rtvog   ai'arig  chg   dv&nmXiov   aikv   Zv'  • 

keinen    Glauben    findet.      Nach    Schol.   Hom.  äXyta  Tga>ai  yivtjrai.     Tryphiod.   S.X.  'IX.   358. 

H44   und   Eustath.  Hom.   11.  663,  40   wurden  Priarnos    schilt    sie    und   läfst   sie   schliefslich 
ihr,  als  sie  in  kindlichem  Alter  zusammen  mit  50  nach   der  Burg  bringen,   wo  sie  ihr  Schicksal 

Helenos,  ihrem  Zwillingsbruder,  im  Hain  des  beweint.    Dieser  Zug  ist  wohl  aus  Eykophrons 

Thymbiäischen    Apollon    zurückgelassen    war  Alexandra  entlehnt;  dort  schliefst  Priarnos  die 

(nach  B  L  V.  zu  Hom.  H  44    wird    nur  Hele-  Tochter   ein   olxizr\v   nagKxazaezijaag  dxovsiv 

nos    im    Tempel   des  Apollon,   Kassandra   da-  zCav    %gr\<s\Läv ,     onmg    dvctygatpofis'vog    ctvzovg 

gegen  in  dem  Tempel  der  Artemis  vergessen),  dnayynXrjavziä(Lykophr.Alex.Prooem.).   Nach 

durch  Schlangen  die  Ohren  gereinigt,  xdvzsv-  Verg.  Aen.  3,  183   hat   sie   dem  Anchises   ge- 

fti-v    rrjv    [lavxixrjv   dxgag    8z(Xia9rjeav;    oder  weissagt,  dafs  er  in  Italien  eine  Heimat  finden 

Apollon  verleiht  ihr   die  Seherkunst,   um   da-  wird;  vgl.  10,  68  Cassandrae  impulsus  furiis; 

für  ihre  Liebe  zu  gewinnen  (Apollod.  3,  12,  5).  sie  verkündet,  dafs  ihre  Verbindung  mit  Aga- 
Als   sie   sich    nach    Empfang    der    Seherkunst  uo  memnon  den  Griechen  böses  Leid  bringen  und 

weigert,    ihr  Versprechen   zu  erfüllen,   nimmt  dafs    Hekabe    in    Troja    sterben    wird,     Eur. 

der   Gott  ihren   Prophezeiungen  den  Glauben,  Troad.   356;     sie   wird    von    Hekabe    gesucht, 

vgl.  Aesch.  Ag.  1202.    Nach  Servius  Verg.  Aen.  um   einen  Traum  auszulegen,    Eur.  Hei.  88. 

2,  247    thut   er   dies  dadurch,    dafs   er  ihr  in  Auf    eine    im    Traum    erfolgte    Verkündigung 

den  Mund   speit.     Hyg.  f.  93   verbindet  beide  der   Kassandra   beruft    sich    auch    Beroe,    als 

Erzählungen,    den    Schlaf   im    Hain    und    die  sie   ihre  Genossinnen   beredet,  die  Schiffe  des 

Liebesverweigerung   der  Kassandra,    mit  ein-  Aeneas   anzuzünden,    Verg.  Aen.  5,  636.     Zu 

ander.     Vgl.    Orph.  lith.    759    avzoKctoiyviji-jv  spät    erkennen    die    Troerinnen,    nach    Quint. 


977                      Kassandra  Kassandra                      978 

Smyrn.  14,  395,   dafs  ihnen' die  Seherin  einst  gegeben  hatte.     Ebd.  v.  294  verlangt  Talthy- 

die  Wahrheit  vorausgesagt.    Als  Seherin  schil-  bios,  dafs  ihm  Kassandra  zur  Auslieferung  an 

dert  sie  auch  Christod.  descr.  stat.  189.  Agamemnon    aus    der   Mitte    der   Gefangenen 

Bei  der  Zerstörung  Trojas  flüchtet  sie  sich  übergeben  werde.  Durch  die  Verbindung  mit 
in  den  Tempel  der  Atbena  und  umfafst  hülfe-  ihr  wird  Agamemnon  der  troischen  Sache  ge- 
suchend das  Bild  der  Göttin;  dort  wird  sie  neigter,  er  versucht  in  Bezug  auf  Polyxena 
von  Aias,  üileus'  Sohn,  gefunden  und  weg-  u.  a.  den  Troern  günstig  zu  sein  (Eur.  Hek. 
gerissen;  hierbei  kommt  das  Bild  der  Göttin  120  u.  a.).  Polymestor,  der  von  den  Troerinnen 
mit  zum  Fall.  So  schon  in  der  'iXiov  itsgatg  des  Augenlichts  beraubt  ist,  verkündet  ihr  den 
(Ep.  gr.  fr.  ed.  Kinkel  S.  49)  und  auf  der  10  Tod  (Eur.  Hek.  1275).  Bei  der  Teilung  der 
Kypsele  in  Olympia,  Paus.  5,  19,  5,  ferner  in  troischen  Beute  erhält  Eurypylos  eine  Xdgvcc£, 
der  Lesche  von  Delphi  (Paus.  10,  26,  3)  und  welche  von  Aineias  zurückgelassen  sein  soll, 
in  der  Poikile  in  Athen,  Paus.  1,  15,  3;  vgl.  die  aber  nach  andern  von  Kassandra  hin- 
oben  Bd.  1  Sp.  135ff.  Auch  heiPhilostr.  her.  8,  2  geworfen  ist  als  cvßcpogd  xä  zbgovxi^EXXrjviov, 
wird  behauptet,  dafs  Aias  zwar  die  Kassandra  Paus.  7,  19,  7.  Die  Ankunft  der  Kassandra 
vom  Bilde  der  Göttin  weggerissen,  sonst  ihr  in  Mykenai  und  ihr  Tod  durch  Klytaimestra 
aber  keinerlei  Gewalt  angethan,  sondern  sie  ist  besonders  durch  Aischylos  im  Agamemnon 
'in  sein  Zelt  geführt  habe.  Dort  sei  sie  dem  behandelt.  Als  Hauptstück  der  Beute  ist  sie 
Agamemnon  vor  Augen  gekommen,  der,  sofort  dem  Griechenfürsten  zugefallen;  er  empfiehlt 
in  Liebe  zu  der  Seherin  entbrannt  (itgbg  ydg  20  sie  bei  seiner  Rückkehr  der  Klytaimestra 
xfj  utga  Y.al  v.axaaniTtxo  mzgü  xfjg  xi%vrig),  sie  (950  —  955).  Diese  gebietet  ihr  vom  Wagen 
weggeführt  habe;  um  sie  sicher  in  seinen  abzusteigen  und  verhelfst  ihr  milde  Knecht- 
Besitz  zu  bringen,  habe  er  dann  die  bekannten  schaff  (1035),  aber  Kassandra  bleibt  stumm 
Verleumdungen  gegen  Aias  ausgestreut.  Wie  auf  dem  Wagen  sitzen,  bis  Klytaimestra  zornig 
Kassandra  zu  den  Schiffen  geschleift  wird,  weggegangen  ist, '  erst  dann  beginnt  sie,  in 
schildert  Verg.  Aen.  2,  404;  vgl.  Tzetz.  Posthorn-.  wilder  Verzückung  Seufzer  und  Klagen  aus- 
735  KaaadvSgrjv  §'  Jk  v-nov  Aov.gbg  dwsiXito  zustofsen  (1072  — 1173),  Prophezeiungen,  die 
Ai'ag.  Hyg.  f.  116  ira  deorum,  quod  Cassan-  sie  in  ruhigerer  Rede  weiter  erläutert;  sie 
dram  Aiax  Locrus  a  signo  palladio  abripuerat,  erzählt,  wie  sie  den  Apollon,  dem  sie  Liebes- 
Dafs  Aias  die  Kassandra  im  Tempel  geschän-  30  genufs  versprochen ,  getäuscht  hat,  und  wie 
det  habe ,  ist  wahrscheinlich  erst  eine  Er-  infolge  dessen  ihre  Prophezeiungen  keinen 
findung  der  Alexandriner,  wohl  des  KaTli-  Glauben  mehr  gefunden  haben  (1202  —  1213). 
machos  (nach  Schol.  Hom.  IV  66;  vgl.  Lykopin:  Sie  zerreifst  ihr  Seherabzeichen  (1264)  und 
Alex.  358.  Tryphiod.  aX.  'IX.  358.  Ov.  am.  1,  verkündet  die  Rückkehr  des  Orestes  und  die 
7,17.  Propert.  5,  1,118),  wenngleich  Stellen  Rache,  die  er  nehmen  werde  (1280  —  1284. 
wie  Eur.  Troad.  70  in  Verbindung  mit  v.  170  1316).  Darauf  geht  sie  in  den  Palast,  trotz- 
glaublich machen  könnten,  dafs  diese  Wendung  dem  sie  vor  der  Mordluft,  welche  er  aus- 
der  Sage  älter  ist.  Die  Göttin  soll  aus  Scham  strömt,  zurückschaudert,  in  den  sicheren  Tod 
über  das  vor  ihren  Augen  Vorgehende  sich  (1330);  sie  stirbt  kvkvov  Slv.tjv  xbv  varaxov 
abgewandt  haben,  Strab.  6,  1,  14  dnoorgacpi]-  40  ßiXipaaa  9avdeiuov  yoov  (1444).  Seneca  hat 
vai  Xiyixai  xaxä  xöv  KuGadvSgng  ßiaaaov,  in  seinem  Agamemnon  dies  zu  verändern  und 
oder  sie  wendet  ihre  Augen  nach  oben  (Schol.  zu  überbieten  versucht.  Agamemnon  läfst  sie, 
Hom.  N  66.  Quint.  Smyrn.  13,  422);  später  weil  sie  mit  Prophezeien  nicht  aufhört,  ein- 
nimmt sie  an  Aias  oder  der  Gesamtheit  der  sperren  (v.  253.  793);  als  sie  zum  Tode  fort- 
kriechen (weil  sie  den  Aias  nicht  gestraft  geführt  wird  (v.  998),  bietet  sie  sich  freiwillig 
haben)  furchtbare  Rache,  Eur.  Troad.  70.  170.  dar,  um  den  im  Hades  Befindlichen  die  Nach- 
Eustath,  Hom.  Od.  1460,  19.  Quint.  Smyrn.  rieht  von  der  Rache  für  Trojas  Untergang  zu 
14,436.  Ov.  met.  14,468.  Myth.  lat.  ed.  Bode  bringen.  Nach  Pind.  Pyth.  11,  30  sendet 
1,  181.  3,  10,  6.  Zur  Sühnung  des  Verbrechens  Klytaimestra,  vnXrig  yvvd,  die  JagSaviSu  xö- 
müssen  die  Lokrer  tausend  Jahre  lang  durch  50  goev  LTgutfiov  noXim  %uXy.ö>  avv  'AyctfiEfivovut 
das  Los  bestimmte  Jungfrauen  nach  Troja  ipvxci  zum  Hades  hinab,  vgl.  v.  49.  Dafs  Aga- 
senden,  welche  dort  getötet  werden,  wenn  es  memnon  die  Kassandra  mitbringt,  wird  für 
ihnen  nicht  gelingt,  unbemerkt  zum  Tempel  der  Klytaimestra  der  Grund,  ihn  und  sie  zu  töten, 
Athene  zu  gelangen;  im  letzteren  Fall  werden  Athen.  13,  3  (556  c);  13,  10  (560  d).  Hyg.  f. 
sie  dort  Tempeldienerinnen,  Sßiol.  Hom.  NG&.  116.  117,  hier  beim  Opfer  (sacrificantem  securi 
Strab.  13,  1,  40.  Schol.  Lykophr.  Alex.  1141  cum  Cassnndra  interfecerunt) ,  während  Homer 
(wegen  der  ä&s uixoui^ia  'Aiavxog).  Vgl.  oben  sie  beim  Mahle  (Ä421),  Aischylos  beim  Bade 
Bd.  1  Sp.  135  ff.'  töten    läfst    (vgl.   Schol,   Lykophr.  Alex.    1108 

Durch   Beschlufs    der   Griechen    wird   Kas-  lyw    3i,    rprjoiv    rj    KaaadvSga ,    nXrjaiov    xr\g 

sandra  dem  Agamemnon   als  Beute  zuerkannt  60  nviXov    dvaigs9r)B0ixai).      An    die    homerische 

(Eur.   Troad.   Arg.),    der    sie    als    Gefangene  Schilderung   schliefst  sich   das   von  Phäostrat 

davonführt  (Quint.  Smyrn.   14,  20),  weil  er  zu  beschriebene  Bild  an  (imag.  2,  10);    vgl.  noch 

ihr  in  heftiger  Liebe  entbrannt  ist  (Hör.  carm.  Plut.  parall.  37  (315  A). 

2,4,  7  arsit  Atrides  media  in  triumpho  tirgine  In  Bezug  auf  ihr  Begräbnis  weissagt  Kas- 

rapta.   Seneca  Ag.  187).     Sie  wird  als  otoxiov  sandra    bei   Eur.    Troad.   448,    dafs    man    sie 

Aya\ii(x,vovoq,  Xi%og  bezeichnet  (Eur.  Troad.  44),  nackt  in  den  Giefsbach  werfen  und  den  wilden 

oder  als  cv.öxiu  .vviicpivxrjgia  (ebd.  v.  247),  ob-  Tieren  zum  Frafse  geben  werde,  xfjv  'AitoXXia- 

gleich   ihr  Apollon    als    ysgag    aXsy.xgov   £aidv  vog  Xdxgtv.    Man  darf  wohl  daraus  schliefsen, 


979 


Kassandra 


Kassandra 


980 


dafs  dem  Euripides  Sagen  über  eine  Grab- 
stätte der  Kassandra  in  Argos  oder  an  an- 
deren Stellen  nicht  bekannt  waren.  Pausanias 
(2,  16,  6)  zweifelt  dagegen,  ob  Kassandras  Grab 
in  Mykenai  oder  in  Amyklai  sei  [s.  Sp.  984 f.]; 
ihre  beiden  mit  Agamemnon  erzeugten  Kinder 
(Teledamos  und  Pelops)  seien  von  Aigisthos 
getötet  und  bei  Mykenai  bestattet  worden. 
Plut.  Agis  9  (799)  berichtet,  dafs  nach  einigen 
Kassandra  in  ©dXauca  gestorben  und  äid  xb 
näei  cpaiveiv  xü  fiavxila  Uaaiqiäa  genannt 
worden  sei.  Sie  wurde  in  Amyklai  verehrt,  in 
einem  sehenswerten  und  mit  Standbild  aus- 
gestatteten Tempel,  nach  Paus.  'S,  19,  6  unter 
dem  Namen  'AXs^dväga,  ebenso  in  Leuktra  (iu 
Sparta),  ebd.  3,  26,  5  [s.  unt.].  Die  Benennung 
'JXi^dvSga  bestätigt  auch  Hesychius  (s.  v. 
Kaoedväga).  Auf  ein  Heiligtum  in  Italien 
weist  Sehet.  Lykophr.  Alex.  1128  hin.  Sie 
wird  yXavxöimts  genannt  bei  Ibyc.  fr.  9  yXctv- 
ntöntda    KetoGdvd'gav,     igaonrXoxaiiov     xovgav 


Bild  des  Polygnotos  in  der  Lesche  zu  Delphi, 
der  Eid  des  Aias,  wodurch  er  sich  vor  den 
Grieehenfürsten  von  der  gegen  ihn  vorge- 
brachten Beschuldigung  reinigt;  Kassandra 
safs  dabei,  mit  dem  Bilde  der  Athena  im 
Schofse  (Paus.  10,  26,  3).  Lucian  (imag.  7) 
hebt  besonders  ocpgvcov  to  £nt7ig£7zhg  xtxl  xta- 
oeicöj'  rö  svigiv&ig  hervor,  oiav  xtjv  Kabodv- 
ägav  iv  xrt  Xzgxt)  i-noiriGs  xoig  JtXcpoig.    Auch 

lö  in  der  Poikile  zu  Athen  war  die  Versamm- 
lung der  Könige  und  Aias  in  Gegenwart  ge- 
fangener Frauen,  unter  denen  sich  Kassandra 
befand,  dargestellt  (Paus.  1,  15,  3).  Ob  das 
Gemälde  des  Theorus  (oder  Theon,  Brunn, 
Künstler  gesell.  2  S.  255),  welches  Plinius  er- 
wähnt (n.  h.  35,  144.  Iheorns  —  Cassandram 
quae  est  in  Concordiae  delubro)  ein  Einzel- 
gemälde  war  oder  eine  gröfsere  Scene  dar- 
stellte,   ist  nicht    auszumachen.      Ein    angeb- 

.'0  liches  Bild,  ziemlich  genau  an  Homer  (aber 
auch   an   Aisclajlos)    sich   anschliefsend ,    wird 


Kassandra  vor  Aias  fliehend  (nach  Benndorf,  Gr.  u.  sie.   Vas.   51,  1). 


rigidfi,pio  cpüuig  f'pjct  ßgoxäv;  eine  eingehende 
Schilderung  ihrer  Gestalt  giebt  Tzetz.  Posthorn. 
370.  Vgl.  noch  Lykophr.  Alex.  1462  und  Schol. 
Ihr  Name  ist  fast  gleichbedeutend  mit  Seherin, 
die  keinen  Glauben  fiudet,  geworden,  so  be- 
zeichnet Cic.  de  orat.  2,  66,  265  den  Sex. 
Titius  als  Kassandra,  und  bei  Petron.  sat.  74 
wird  Cassandra  caligaria  für  mulier  viridis  au- 
ilaciae  gesetzt.  Eine  thörichte  Etymologie  des 
Wortes  giebt  Tzetz.  prol.  zu  Lißophr.  S.  271 
naget  to  xÜolv  dvägeiov  i%nv  xbv  "Etixoga. 
aioXiy.cog  dt  ygdcptxui  dicc  ovo  gg.  Dafs  die 
Form  mit  gg  vor  der  mit  einem  o  den  Vorzug 
verdient ,  sucht  Böcldi  .  in  Notae  in  Find. 
S.  505  zu  beweisen.  (Vgl.  noch  Iuvenal.  sat. 
10,  262,  wo  Kassandra  als  Glied  der  Familie 
di 's  Priamos  genannt  wird.) 

Von  bildl.  Darstellungen  der  Kassandra 
aus  dem  Altertum  ist  die  Scene,  welche  auf  der 
Kypsele  nachgebildet  war,  mit  der  Umschrift 
AZus  KctGodvdgav  an  'A&uvctiag  Aoy.gog  tXv.ei 
(Paus.  5,    19,   5)   schon   erwähnt,    ebenso  das 


bei  Philostratos  (imag.  2,  10)  geschildert.  Aga- 
memnon ist  beim  Mahle  getötet;  mit  dem 
noch  blutwarmen  Beile  tritt  Klytaimestra  zur 

50  Kassandra,  die  durch  ihre  Tracht  als  Seherin 
bezeichnet  ist,  um  sie  zu  töten;  Kassandra 
scheint  im  -Begriff,  sich  auf  Agamemnon  zu 
werfen,  nachdem  sie  die  Zeichen  ihrer  Seher- 
würde sich  heruntergerissen  hat.  Eine  Statue 
der  Kassandra  als  Seherin  (old  xi  %£QitC^ovGa 
navvaxaxa  nr'jßccxa  ndxgr,g)  schildert  Christod. 
descr.  stat.  189.  Erwähnt  sei  noch,  dafs  bei 
Petr.  sat.  52  als  Verzierung  eines  Bechers 
Cassandra  oeeidit  filios  sicos,   et  pueri  mortui 

eo  iacent  sie  ut  vivere  putes  erwähnt  wird;  wahr- 
scheinlich war  der  Kindermord  der  Medea 
dargestellt. 

Von  den  aus  dem  Altertum  erhaltenen 
Darstellungen  der  Kassandra  sind  diejenigen, 
welche  andere  Momente  als  die  Verfolgung 
derselben  durch  Aias  oder  ihre  Wegreifsung 
vom  Bilde  der  Pallas  darstellen ,  verhältnis- 
mäfsig  selten.    Auf  den  Verkehr  der  Kassandra 


981 


Kassandra 


Kassandra 


982 


mit  Apollon  wird  ein  in  Herculaneum  ent- 
decktes Wandgemälde  bezogen  (s.Helbig,  Wand- 
gem.  S.  55  nr.  203  und  die  dort  angeführte 
Litteratur):  Apollon  steht  neben  einer  sitzen- 
den lorbeerbekränzten  Jungfrau ,  aber  die 
Deutung  ist  doch  sehr  unsicher,  mit  gleichem 
Recht  könnte  man  die  Jungfrau  auch  für 
Manto  halten.  Ebensowenig  sicher  scheint 
mir    die    Deutung    mehrerer    pornpejanischer 


Klein  in  den  Ann.  ä.  Inst.  1877  S.  246,  wozu 
Benndorf,  Griech.  u.  sie.  Vasenb.  S.  103 
Anm.  516  Nachträge  geliefert  hat.  Von  Denk- 
mälern, welche  seitdem  hinzugekommen  sind, 
ist  hervorzuheben  Arch.  Zeit.  1882  T.  8  nr.  2 
(ein  leider  ziemlich  stark  fragmentiertes  Terra- 
cottarelief  des  Berliner  Museums),  Arch.  Zeit. 
1885  S.  239  (eine  Lekythos  des  Brit.  Mus.  mit 
Hochrelief,    wohl    dasselbe    Gefäfs,    welches 


Bilder    (Sogliano,   Le  pitture  murali  campane  10  Heibig ,    Bull.     1880    S.   131   besprochen   hat), 

sowie  Ann.  d.  Inst.  1880  S.  27.    3Ion.  d.  Inst. 
11  T.  15  und  Bull.  d.  Inst.  1884  S.  208;    vgl. 
noch  Ann.  d.  Inst.  1885   S.  155.    Die  Darstel- 
lungen sondern  sich  in  zwei  .Gruppen,   erstens 
diejenige,  wo  Kassandra  vor  Aias 
fliehend      dargestellt      wird, 
eitens     diejenige ,     wo 
Kassandra   schon   beim 
Palladion    angelangt 
ist    und    dasselbe 
umfafst  hat.   Als 
Beispiel  für  die 
erste  Art  kann 
Benndorf,  Gr. 
u.sic.Vasenb. 
Taf.     51,    1 
gelten: 
Kassandra 
enteilt  mit 

weiten 
Schritten 

nach 
rechts,  in- 
dem sie 
sich    wäh- 
rend     des 
Laufens 
umblickt 
und   gegen 
ihren  Verfol- 
ger den  r.  Arm 
ausstreckt,  nach 
Athena   hin ,    die, 
wie    es   scheint,    in 
eigener  Gestalt,  nicht 
als   Statue,    mit    vorge- 
haltenem Schild  und  ge- 
zückter Lanze  dem  Ver- 
folger    entgegentritt. 
Dieser    hat    den    Schild 
fallen    lassen,    er    läuft 
mit    blofsem    Schwert    in   der    r.    Hand;    die 
Linke,-  in     welcher     er     die     Scheide     hält, 
streckt   er  nach   der  Kassandra   hin  aus;    vor 
ihm    bäumt    sich    die    Schlange     der   Athena 
auf,  um  ihn  zu  beifsen.    Links  davon  gewahrt 
man  einen  Greis  mit  Scepter,  der  klagend  die 
r.  Hand   aufs  Haupt  legt.     Zu   dieser   Gruppe 
gehört   auch  das  in  Orvieto  gefundene  Gefäfs 


nr.  628;  vgl.  Bull.  1874  S.  251;  ferner  Heibig, 
Wandg.  nr.  1391  u.  1391 b)  auf  Kassandra  als 
Seherin;  das  letztere  Bild  hat  durch  C.  Robert 
.eine  allseitig  genügende  Deutung  auf  die  Be- 
fragung der  erythräischen  Sibylle 
durch  Aeneas  gefunden.  Da- 
gegen ist  Kassandra  zu 
gegen  bei  der  Erken- 
nung des  Paris,  auf 
etruskisch.  Aschen 
kisten,  vgl.  Over 
beck,  Gal.  her. 
Bildiu.  S.  239 
Brunn,Bil.d. 
um.  etr.  11, 
24;  wahr- 
scheinlich 
mit  Recht 
wird    sie 

auch   in 

einer 

Figur 

eines  Bry- 

gosbildes 

erkannt, 

welches 
Bobert 
(Bild  und 
Lied  S.  91) 
aufdieRück- 
kehr  des  Paris 
vom  Ida  ins 
Vaterhaus  gedeu 
tet  hat,  während  ich 
(Boscher,  Lex.  Bd.  1 
Sp.  1968)  es  auf  die 
Heimkehr  von  Sparta  mit 
Helena  erkläre.  Als  Ks- 
oaväga  benannt  findet  sie 
sich  ferner  auf  einem 
schwarzfigurigen  Vasen- 
bild (Mon.  d.  Inst.  1855  T.  20)  beim  Auszug 
des  Hektor  gegenwärtig;  bei  der  Einholung 
des  dovQios'  Umtos  sucht  sie  mit  wild- 
erregten Gebärden  die  Troer  vom  Einzug  in 
das  Skäische  Thor  abzuhalten  auf  dem  un- 
tersten Streifen  der  Tabula  lliaca  (0.  Jahn, 
Bilderchroniken  T.  1);  vielleicht  ist  auch  Kas- 
sandra in   dem  Gemälde  bei  Heibig,   Wandg. 


Aias  und  Kassandra,  Vasenbild  {Ann.  d.  Inst. 
1877  tav.  d'agg.  N). 


nr.  1326  (und  dem  neuerdings  gefundenen  bei  60  (Bull.  1884  S.  208),  wo  zwei  Frauen  nach  ent- 


Vrlichs,  Das  höh.  Pferd  Würzb.  1881)  in  der 
Frau  vor  dem  Pallasbild  zu  erkennen.  Auf  der 
Tab.  lliaca  ist  Kassandra  noch  ein  zweites  Mal 
unter  den  gefangenen  Troerinnen  abgebildet. 
Bei  weitem  zahlreicher  sind  die  Monumente, 
welche  die  Gewaltthat  des  Aias  zur  Dar- 
stellung bringen;  sie  sind  aufgezählt  bei 
Overbecl,  Gal.  her.  Bildic.  S.  635—655  und  von 


gegengesetzter  liiehtung  fliehen ,  denn  dafs 
mit  der  einen  Kassandra  gemeint  ist,  scheint 
mir  durch  die  vom  Maler  nicht  verstandene 
und  deshalb  fehlerhaft  wiederholte  Inschrift 
KVSSVV  ziemlich  sicher  bewiesen  zu  werden. 
Über  die  Vereinigung  der  Verfolgung  der 
Kassandra  und  Helena  vgl.  Klein  in  Ann. 
1877  S.  2C0  und  Htydemann,  Ann.  1885  S.  155. 


983 


Kassandra 


Der  zweite  Typus,  Kassandra  am  Palla- 
dion von  Aias  ergriffen,  wird  am  besten  durch 
das  Ann.  1877  tav.  d'agg.-  N  abgebildete 
Vasengemälde  vertreten.  Kassandra,  durch 
Namensbeischrift  bezeichnet,  nackt  bis  auf 
einen  über  die  Schulter  geworfenen  Mantel 
(es  wird  dadurch  die  Eile  angedeutet,  iu 
welcher  sie  vom  Lager  hat  fliehen  müssen), 
mit  Binden  im  Haar,  die  sie  als  Seherin  be- 
zeichnen, umklammert  mit  beiden  Armen  das  i 
nach    Art    eines    Xoanon    mit    geschlossenen 


Kassandra 


984 


bar),  dieses  Typus  zeigt  eine  Vase  der  Ber- 
liner Sammlung  (Furtwängler,  Kat.  nr.  3863). 
Die  Deutung  eines  Becherreliefs  auf  Aias  und 
Kassandra ,  die  Kumanudis  aufgestellt '  hat 
(Eph.  arch.  1884  S.  64),  hat  C.  Robert 
{50.  Winckelmannsprogr.  1890  S.  43)  mit  Recht 
zurückgewiesen.  Öfter  ist  die  Scene  durch 
Zuschauer  erweitert;  so  sind  auf  der  Berliner 
Vase  1698  [Overbeck ,  Gal.  her.  Bildw.  26,  16) 
i  TIoXv^svi],  'Av&iXo%os  und  2y.aiuxvSQorpii.og  zu- 
gegen,    auf    nr.    1863     derselben    Sammlung 


W^.^^J^WJ^M^W 


o/^S/^^S/S^XS/^/S/^/S^^^g^S^/^/ 


Aias,  Kesandra  und  Priesterin,  Vaseubild  (nach  Overbeck,  Gal.  her.  Bildw.  T.  27,  1,  v,gl.  S.  7340). 


Füfsen  gebildete  Palladion,  welches  den  Schild 
an  die  1.  Schulter  hält  und  die  Lanze  zückt; 
von  rechts  kommt  Aias  heran  (Jiag) ,  mit 
Helm  auf  dem  Haupte,  Schild  und  Speer  in 
der  1.'  Hand  haltend;  indem  er  scheu,  fast  eo 
ängstlich  zum  Pallasbild  hinblickt,  sucht  er 
den  r.  Arm  der  Kassandra  von  der  Umschlin- 
gung des  Bildes  zu  lösen.  In  anderen  Dar- 
stellungen tritt  er  gewaltsamer  auf,  gewöhn- 
lich reifst  er  K.  an  den  Haaren  vom  Götter- 
bild fort,  vgl.  z.  B.  Overbeck,  Gal.  her.  Bildw. 
T.  27,  1.  Eine  verkürzte  Darstellung  (von 
Aias  ist  nur  die  1.  Hand  und  der  Schild  sicht- 


(Overbech  26,  15)  entfernt  sich  Hermes,  ein 
andermal  ist  die  Priesterin  zugegen  u.  a."  m. 
Auf  einem  Vasenbild  aus  Bologna  Mon.  d.  Inst. 
11  T.  15  ist  der  Frevel  an  Kassandra  mit  der 
Erkennungsscene  der  Aithra  durch  ihre  Enkel 
Akamas  und  Demophon  verbunden  (s.  diese  Art.). 
Die  Namensformen,  welche  der  Kassandra  auf 
diesen  Vasenbildern  gegeben  werden ,  sind 
KctcoctvSoa ,  Ksoctvdoct  oder  Ärjeavöga  und 
Karavöga.  Vgl.  noch  Agamemnon,  Aias,  He- 
lenos,  Paris  u.a.  —  [Die  Alexandra  zu  Amyklai 
ist  nach  LöschcJce  eine  besondere  Göttin  und 
wurde    erst    nachträglich    mit    der   troischen 


985 


Kassandros 


Kassiepeia 


9SG 


Kassandra  identifiziert  (Athen.  Mitteilungen 
3  S.  164f.).  Wahrscheinlich  geschah  dies, 
als  man  zu  der  Pindarischen  Nachricht,  dafs 
Kass.  zu  Amyklai  getötet  worden  sei  (Pyth. 
11,  17),  in  späterer  Zeit  ein  aufzeigbares  Denk- 
mal suchte.  Dies  fand  man  in  dem  sitzenden 
Tempelbilde  der  Alexandra,  welche  leierspielend 
dargestellt  war:  nur  erhalten  durch  ein  Relief 
aus  Amyklai  selbst,  auf  dem  drei  Ephoren  der 
(inschriftlich  benannten)  Göttin  Alexandra  ein 
Opfer  bringen.  Da  nach  Piwlar  Amyklai,  nach 
den  Tragikern  Mykenai  der  Todesort  war,  so 
zeigte  man  dem  fragenden  Reisenden  an  beiden 
Orten  ein  iivrjfia  KotGoüvdpag.  Weil  nun  (ivfifia 
sowohl  allgemein  'Denkmal,  Statue',  aber  im 
besonderen  'Grabdenkmal'  heifsen  kann,  so 
hatten  beide  Recht.  Über  den  etymologisch- 
mythologischen Gehalt  des  Namens  Kassandra 
vgl,  Hinrichs  im  Philologus  1885  S.  401 
(Helena -Kassandra    und  Skamander-Xanthos; 


Kreusa  am  Ausfiufs  des  Lindos  auf  der  Grenze 
von  Karien  und  Lykien  gebar,  Qu.  Sm.  8,  81. 

[StolL] 
Kassiepeia  (Kaaanitsia;  so  nach  den  besten 
Hss.  jetzt  überall  hergestellt,  vgl.  u.  nr.  3,  Ab- 
schnitt 'Name'  u.  Art.  'Kassiopeia';  Litteratur 
s.  Bd.  1  Sp.  347),  eine  bei  Homeros  fehlende,  erst 
von  Hesiodos  bezeugte  Heroine,  erscheint  bei 
diesem  und  sämtlichen  Späteren  in  drei  meist 

10  streng  unter  einander  geschiedenen  Beziehungen, 
von  denen  die  erste  und  letzte  die  wichtigsten 
sind:  1)  zum  Mythenkreis  des  Agenoriden 
Phoinix,  2)  zu  dem  des  Epaphos,  und  3)  zum 
Kephens-  und  Andromedamythos.  Nur  Phineus 
nnd  Arabos  bilden  zwischen  1  und  3  teilweise 
ein  Bindeglied». 

1)  K.  mit  Phoinix.  Hesiodos  frg.  53  KL 
aus  Schol.  Laurent.  ApoTlon.  Ehod.  2,  178: 
Gattin   des    Agenoriden   Phoinix,    Mutter    des 

20  Phineus;   wohingegen  derselbe  im  frg.  52  Ki. 


Aithra  mit  Akamas  und  Demophon  und  Aias  mit  Kassandra, 
Vasenbild  (nach  Mon.  d.  Inst.  XI  T.  15.     Ann.  d.  Inst.   1880  S.  28). 


über  die  Alexandra-Kassandra  vgl.  Deneken 
s.  v.  Heros  in  Boschers  Lex.  1,  Sp.  2449  unten, 
über  den  Streit  der  Amykläer  und  Mykenäer 
um  das  ftv^fio:  K.  vgl.  Beiger  in  der  Berliner 
philolog.  Wochenschr.  1891  Sp.  1282  flf.  Beiger.] 
—  2)  T.  des  Iobates,  des  Königs  von  Lydien, 
nach  Schol.  Hom.  Z  155.  Nachdem  Iobates  er- 
kannt hatte,  dafs  Bellerophontes  unschuldig 
war,  gab  er  ihm  rr/v  ISiav  d-vyaziga  Kaadvögav 
xai  Tijs  ßaat-lfiag  /loigäf  tiva.  r\  äe  igtoqlcl 
Tictga  AaiiXr]7tidärj  ev  TQaycoSovfi.ivoig.  Es  ist 
nicht  unwahrscheinlich,  dafs  Äsklepiades  aus 
dem  Iobates  des  Sophokles  geschöpft  hat,  dafs 
also  der  Name  KaeavSga  odor  KccecdvSqa  als 
Tochter  des  Iobates  auf  Sophokles  zurückgeht. 
.  Vgl.  Anteia,  Bellerophontes,  Iobates.  —  3)  Plin. 
n.  h.  6,  111  insula  contra  Persidem  sita. 

[Engelmann.] 
Kassandros  (Kdaaavdgog),  Vater  des  Menes, 
eines    Bundesgenossen    der    Troer,    den    ihm 


(aus  Schol.  A  IL  M  292),  wo  der  fehlende 
so  Kassiepeianame  aus  Schol.  A  II.  3  321.  Eustath. 
p.  989,  35  ff.  zu  ergänzen  ist,  die  Phoinixgattin 
K.  vielmehr  Mutter  der  Europa  nennt,  was 
Bd.  1  Sp.  1410  nicht  bemerkt  ist.  —  Bakchy- 
lides  frg.  56  Bgk.  (aus  Schol.  ABB  II.  M  292, 
vgl.  Schol.  A  II.  S  321)  =  Hesiod.  frg.  52.  — 
Pherekydes  (von  Leros)  frg.  41.  F.  H.  G.  1,  83 
(aus  Schol.  Apoll.  Rhod.  2,  178;  s.  u.  nr.  3) 
öfioi'cog  =  Hesiod.  frg.  53,  doch  mit  der  ge- 
naueren Angabe,  dass  K.  Tochter  des  Arabos 
60  und  Mutter  auch  des  Kilix  und  Doryklos  von 
Phoinix  ist,  Mutter  des  Atymnos  aber  infoige 
Ehebruchs  mit  Zeus.  —  Antimachos  (bei  Schol. 
ApoTlon.  Ehod.  2,  178.  frg.  fehlt  bei  Kinkel) 
=  Pherekydes  (nur  mit  Einschaltung  des  teu- 
messischen  Lokals  in  den  Europamythos,  frg. 
2 — 4);  ebenso  Asklepiades  (ebendaher,  F.H.  G. 
3,  302,  4).  —  Antoninus  Liberal.  40  {Wester- 
mann Mvd-oyg.  p.  235) :   Tochter  des  Arabios, 


987  Kassiepeia  Kassiepeia  988 

Gattin  des  Phoinix,  Sohnes  des  Agenor,  Mutter  2,  192  f.)  =  Anchiroe  a.  a.  0.  12,  15.  Die  Auf-" 
der  Karrne  (s.d.),  der  Mutter  der  kretischen  Brito-  nähme  des  Nildeltas  in  die  eigentlich  argo- 
martis.  —  Die  Genealogieen  weisen  nach  Land  lische  Epapkosgenealogie  wird,  ebensowie  die 
und  Inseln  von  Kar ieu,  das  BakchylidesQ'rg.  53  Verschmelzung  des  argolischen  Apis  mit  dem 
Bgk.)  und  Korinna  {frg-  27  Bgk.)  '  $oiviKr) '  ägyptischen,  eine  Folge  der  Ostfahrten  sein, 
nannten  (Athenaios  4  p.  174  F,  vgl.  H.H.  Müller,  welche  seit  der  Beschäftigung  karischer  und 
Myth.  1 ,  308  ff.) ;  davon  ist  $om|  der  Epo-  rhodischer  Söldner  unter  Psammetichs  Heer 
nynios  gewesen,  bevor  die  bis  auf  die  Neue-  in  der  ersten  Hälfte  des  7.  Jahrhunderts  (Kirch- 
ren (Movers,  Olshausen,  Brandes)  herab  ge-  hoff,  Studien3  41.  H.  I).  Müller,  Myth.  1,  56. 
billigte  Übertragung  auf  das  syrische  Land  der  io  Hirschfeld,  Rhein.  Mus.  42,  1887  S.  222)  die 
(ägypt.)  s.  g.  Fen(a)chu  Platz  griff  (s.  des  Unterz.  mit  argolischen  Heimatsagen  erfüllten  griechi- 
Aithiopenländer  des  Andromedamythos ,  Fleck-  sehen  Einwohner  des  ursprünglich  karischen 
eisens  Jb.,  Supplem.  16,  1887  S.  158).  In  Gebiets  der  sog.  Hexapolis  nach  dem  afrika- 
Karia-$osvni7j,  und  zwar  Miletos,  ist  auch  nischen  Nillande  machten.  Als  dasgrieckische 
Kadrnos(s.d.)einPhoinikergeworden(ü.TFiZamo-  Gebiet  aber,  welchem  vor  der  Übertragung 
Mute,  Homerische  Untersuchungen  1883  S.  139).  auf  das  ostafrikanische  Delta  sowohl  der  Name 
Dafs  auch  jener  Zug  der  Kassiepeiasage:  Zeus  Aiyvnzog  ursprünglich  eignete,  als  auch  die 
sei  in  Phoinix'  Gestalt  der  Kassiepeia  genaht  Epaphos  und  Iosage,  ist  jetzt  Euboia  von  E. 
(s.  Bd.  1  Sp.  727  nr.  1),  wegen  der  bedeutungs-  Maafs  überzeugend  nachgewiesen  (De  Aeschyli 
vollen  Übereinstimmung  mit  dem  gleichen  20  supplicibus  Ind.  Lect.  Gryph.  1890  S.  21  ff.), 
Motiv  in  der  rhodischen  (v.  Wüamowite,  wo  -zu  den  gegebenen  Nachweisen  noch  der 
Alektrone,  Hermes  14,  1879  S.  457)  Alkmene-  an  Aiyvnzog  erinnernde  Ai'ycov (- aüov)  von 
sage  (Zeus  in  Amphitryons  Gestalt  die  Alk-  Karystos  und-  der  Flufs  NnXtvg  [=  NnXtvg, 
mene  verführend),  zu  der  milesischen  Sarpedon-  .  NtiXtmg,  König  von  Aigyptos  =  NtlXog'i] 
sage  gehören  müsse,  sah  auch  JRobert  (Bild  treten  mag  (vgl.  dazu  auch  über  Thronie 
und  Lied  S.  1164B).    Die  kretische  Karme  (s.  d.)  Sp,  989). 

der  Britomartissage  und  Atymnos,  der  kretische  3)  K,  mit  Kepheus.  Als  Tochter  des 
Sonnenwagenheros  (Konnos  11,  129  ff.;  vgl.  Hermessohnes  Arabos  und  Gattin  des  Kepheus 
Knaack,  Quaest.  Fliaethont.  p.  14  sq.;  v.'Wua-  iv  xazaXoya  yvvcaxmv  Hesiods  (frg.  43  Ki.  aus 
mowitz,  Hermes  18,  18S3  S.  428  f.),  sind  durch  30  Strabon  1  p.  42  §  34,  vgl.  Eustath.  zu  Od.  ä 
die  Handels-  und  Kolonialbeziehungen  der  84  p.  1484,  63):  «at  Hovgrjv  'Agäßoio,  zbv  'Eq- 
karischen  Miletos  zu  Kreta  zu  Kindern  der  K.  fidaiv  ä-Aan^za  |  ytivazo  xal  QoovCn  hoiS^tj  Brj- 
geworden;  denn  Miletos  heifst  der  mythische  Xoio  avanzog.  Der  fehlende  Name  der  Kassie- 
Doppelgänger  des  Atymnos,  der  „aus"  Kreta  peia  wird  erschlossen  aus  der  Wiederholung 
„nach"  Karien  gewandert  sein  soll  (s.  Bd.  1  Schal.  Apollon.  Fhod.  2,  178,  wo  es  nach  Be- 
Sp.  727).  Der  troische  Doryklos  (S.  des  Pria-  rufung  auf  Asklepiades,  Antimachos,  Pherekydes 
mos,  IL  A  489f.)  und  der  thrakisch-bithynische  heifst:  I«  yüp  Kasan  nt  tag  zov  Agdßov 
Phineus  verdanken  ihre  Aufnahme  in  die  <Poiviy.i  yCvtzat  KlXi%  y.al  $ivtvg  »al  ztogvxXog, 
Phoinix-Kassiepeiagenealogie  der  milesischen  «ki  "Azviivog  iniiiXnoiv  und  Antonin.  Lib.  40 
Kolonisation  der  Pontosküsten,  und  Kilix  die  40  (s.o.  nr. 3).  —  Ovzojgäi  (wie  Hesiodos)  xai  Zznoi- 
seine  den  ostfahreuden  Rhodiern  aus  Milets  %OQog  (frg.  64  Bcrgk)  Xiyti,  fährt  Strabon 
Nachbarschaft,  welche  das  kilikische  Tarsos  fort  (a.  a.  0.  c.  31  §  24),  der  den  ganzen  Ab- 
besiedelten (Pompon.  Mela  1,  13;  vgl.  0.  Müller,  schnitt  aus  Apollodoros  iv  zä>  ittgl  vsSv  uaza- 
I)or.  1-,  113  f.).  I6ya>  citiert.  Dieser  brachte  die  Genealogie  in 
2)  K.  mit  Epaphos.  Hygin.  F.  149  nennt  einem  Exkurs  über  deu  Nostos  des  Menelaos 
nach  unbekannter  Quelle  als  Gattin  des  Epa-  (ö  84 ,  a  22)  und  seine  Abenteuer  bei  den 
phos  und  Mutter  der  Libye  statt  der  Heroine  Aithiopen  vor.  Der  'Agaßog  Hesiods  gehörte 
Memphis  (Apollod.  Bibl.  3,  1,  6;  s.  Bd.  1  nach  seiner  Überzeugung  also  zu  den  Ai&ioirtg 
Sp.  1278;  dazu  Schol.  Stat.  Tlieb.  4,  737.  Homers;  än'o  zovzov  (HoloSov)  xtü  r;  %<oga  rj 
Mythogr.  Vatic.  2,  75.  Isid.  Origg.  14,  15,  1)  50  vvv  Agaßia  -nalovaivri  r'iär]  zözt  (zu  Hesiods 
abweichend  die  Cassiopia,  hinter  deren  römi-  Zeit)  'Agaßia  olvofid^tzo,  v.axä  dt  zovg  iJQioag 
scher  Schreibung  vielmehr  die  griechische  (Bienelaos,  Homeros)  zv%6v  iacog  ovnco,  sondern 
Kaaßiintia  der  „arabisch-aithiopischen"  Mythen  Ai&ionia.  Mithin  waren  dem  Apollodoros 
(s.  aufser  o.  nr.  1  namentlich  u.  nr.  3)  zu  Kassiepeia  und  ihre  Tochter  Andromeda  (1  p.  43 
suchen  ist:  Epaphus  .  .  .  (in)  Aegypto  .  .  .  op-  genannt)  arabische  Aithiopinnen,  die  man 
pidum  primus  Memphim  et  alia  plura  con-  ebenso  wenig  nach  Ioppe  zu  verpflanzen  (fit' 
stituit  et  ex  Cassiopia  uxore  proereavit  dytiv  §  35)  berechtigt  sei,  wie  man  die  Ke- 
filiam  Libi/en,  a  qua  terra  est  nominata  (die  phenen  ihres  Gatten  Kepheus  (und  die  Erember 
ajiaij  Xt yojxt va  sind  hervorgehoben).  Die  Mehr-  und  Pygmaieu)  zu  einem  besonderen  aithio- 
zahl,  in  der  hier  die  von  Epaphos  gegründe-  CO  pischen  Stamme  stempeln  dürfe  (vgl.  Art. 
ten  Argeierstädte  in  Ägypten  erscheinen,  lehnt  'Iope',  und  übh.  Aithiopenländer  etc.  S.  135  ff 
sich  zwar  an  Pindaros  an:  nolXd  6'  Aiyvnzio  über  die  Kritik,  die  an  dieser  Auffassung 
zu  nazcomazo  ("AQyog)  dazt]  zaig  'Emxtpov  na-  Apollodors  nun  wiederum  Aristonikos  tziqI  zrjg 
l.dfiuig  '(N.  10,  5rt'.);  aber  die  Kassiepeia  ist  MtvtXäov  nlävng,  Strabon  p.  38  §  31,  und 
ohne  solchen  Vorgang,  vielmehr  erscheint  nur  nach  ihm  Strabon  selbst  übten).  Ihr  Gemahl 
als  neue  Variante  einer  Gattin  des  Epaphos  Kepheus  ist  als  König  der  Aithiopen  in  diesem 
und  Mutter  der  Libye  bei  Schol.  Fiat.  Tim.  dürftigen  Stemma  nicht  nachweisbar,  nur  sie 
12,  9:  Amphirrhoe,  nach   Biovers  (Phönis.  2,  selbst  heifst  Araberin,  d.  h.  Aithiopin,  und  hat 


989                      Kassiepeia  Kassiepeia                      990 

ihn  vielleicht  zu  einem  'Aithiopenkömg'  erst  Mesopotamiens  machten  (über  etwaige  Mit- 
gemacht. (Vgl.  Art.  'Eepheus'.)  Da  hier  Wirkung  des  Kassiepeianamens  bei  dieser  Lo- 
Eassiepeia  3  als  'Araberin'  bezeichnet  wird,  kalisierung  s.  den  Schlufs  d.  Art.).  Charakte- 
so  könnte  man  meinen,  sie  sei  verschieden  ristisch  für  die  Sophokleische  Darstellung  war 
von  E.  2  der  'Aigypterin'  von  Eaboia.  Doch  das  igicai  ntgl  xaHou;  xaig  Nngntaiv :  vgl. 
kommen  im  ursprünglichen  Sinne  beide  Be-  das  Argument  in  den  Eratosthenischen  Katastc- 
zeichnungen  auf  eine  hinaus.  Merkwürdiger-  rismen  16  (KaBcuntiu)  =  36  (xjjros),  Hygin. 
weise  hat  Apollodors  Eommentar  zum  home-  P.  A.  2,  10  (gloriata  sit).  Arat.  Phain.  186. 
rischen  Schiffskatalog  bei  Strabon  10  p.  447  Schol.  German.  Arat.  Phainom.  138,  9  Breysig, 
§  8,  vgl.  §  7)  sowohl  östlich  als  westlich  des  10  vgl.  Apöllod.  Bibl.  2,  4,3  (naaöiv  shai-ngiiaamv 
Euripos  (wie  östlich  und  westlich  des  roten  7ji'j;iy0f),  Hygin.  F.  64.  Liban.  31  (ras  Nr\gr\l- 
Meeres)  'Agaßtg  gekannt:  xcezifinvav  tv  zfj  Sag  v.dXXn  vimüv  Ivojii&zo  Kai  i'Xsysv)  und 
vt)ß(p  zö  dt  Tialcaov  Kai"Agaßig  01  KdSficp  avv-  Kikolaos  Progymn.  Westerm.  Mv&oyg.  p.  375 
ätaßävzsg;  und  auch  Piutarchos,  der  genaueste  nr.  40.  Phavorin.  s.  v.  (Bei  Schal.  Germanic. 
Kenner  boiotischen  Altertums,  bringt  (Thes.  5)  Arat.  ist  von  einer  einzigen  Nere'is  die  Rede 
die  auffallende  Nachricht,  dafs  nach  einigen  p.  173,  11.  19sq.).  Die  Verstirnung  der 
die  nordphokischen  und  euböischen  Abanten  K.  wird  aus  Sophokles  nicht  so  bestimmt  citiert 
ihre  der  Haartracht  der  euböischen  Eureten  wie  diejenige  des  «rJToc;  aber  da  in  dem  Erato- 
ähnelude  Haartracht  in'  'Agußwv  diSax&svzig  athenischen  KatasterismoslS  (vgl. 36)  derK. gerade 
angenommen  hatten  (vgl.  Bursian,  Quaest.  20  .Zbgpoxifys  0  zfjg  zgaymdiag*)  noi-qzfjg  cv  'Av- 
Eubo'ic.  p.  11.  Aithiopenländer  S.  180,  130a).  SgoiiiSa  ausgeschrieben  wird,  so  hat  Robert, 
Auch  ist  die  Mutter  der  E.,  Thronie,  keine  zugleich  bestimmt  durch  die  Beständigkeit, 
andere  als  die  Eponyme  xler  epiknemidisch-  mit  der  sich  die  Benennungen  der  Sternbilder 
lokrischen  Stadt  Thronion,  Namens  Thronia:  immer  erhalten  haben,  die  Verstirnung  für 
Schol.  D.  zu  IL  B.  533  Sgovtov]  äno  QgovCag  einen  integrierenden  Bestandteil  des  Mythos 
vvycprjg  ovz<og  wvofiaozui;  vgl.  Eustath.  z.  d.  St.  erklärt  (Arch.  Zeit.  S.  19  gegen  0.  Müller, 
p.  277,  44  avxb  fikv  ovk  iyxa&rjuivovg  ü%ei  Proleg.  S.  204).  Die  Astronomen  denken  sich 
rotis  itaXawvg  tlg  zöv  itgög  avzov  (avzfjg?)  E.  sitzend  inl  Siqigov  (Eratosth.;  Schol.  Ger- 
■noXvv  Xoyov ,  was  sehr  zu  bedauern  ist!  Die  manic.  Arat.  p.  139,  4:  sella  ävd.KXizog\  Theon: 
Beziehungen  Euboias  zu  Argolis  sind  alt  und  30  Ka&iSga  dg  SikXis,  Hygin.  P.  A.  2,  10:  sili- 
erklären  eine  frühzeitige  Aufnahme  dieser  quastrum,  Germanicus :  sella)  und  zwar  of  (i.iv 
euböisch-lokrischen  Anschauungen  in  den  ar-  (dazigeg  änozilovai)  nXäyioi  zag  %£igag  inzi- 
golischen  Mythenschatz  und  somit  die  weitere  zafxivag  (vgl.  Germanic.  Arat.  197  wie  Andro- 
Übertragung  durch  Argeier  und  Rhodier  nach  meda!),  01  Ss  Kazazigco  .  .  .  nöSag  {Theon.), 
dem  Osten.  —  Pherekydes  von  Leros  hat  in  und  in  der  Richtung,  dafs  sie  propter  im- 
seiner  ausführlichen  Darstellung  der  Per-  pietatem  vertente  se  mundo  resupinato  capite 
seussage  (vgl.  .F.  H.  G.  1,  75,  26  aus  Schol.  ferri  videtur  (Hygin.  P.  A.  2,  10).  —  In 
Apollon.  PJwd.  4,  1515.  1890  und  Pollux  des  Euripides  Tragödie  dagegen  spielte  E. 
10,  139  'Aogzr^gy)  die  Befreiung  der  Andro-  nur  eine  Nebenrolle.  In  den  erhaltenen  Frag- 
meda  gewifs  nicht  übergangen,  obgleich  diese  40  menten  (114 — 152  Nauck)  wird  ihr  Name 
für  uns  verloren  ist;  auch  ihm  war  E.  eine  ebensowenig  genannt  wie  in  der  Parodie  des 
Tochter  des  Arabos  (s.  0.).  —  Die  angeb-  Stückes  bei  Aristophanes  (Thesmophoriazusen); 
liehe  'Androrneda'  des  Phrynichos  beruht  aber  die  Argumente  nennen  die  K.  (Hygin.  P.A. 
sicherlich  nur  auf  einer  falschen  Kombination  2,  11;  vgl.  2,  10).  Nach  Bobert  (S.  21)  trat  E. 
der  Erklärer  zu  Aristoph.  Nub.  553  f.  (Suidas  erst  am  Schlufs  auf,  als  Andromeda  ihrem 
<&gvvixog  0  MsXav&ä,  vgl.  Bobert,  Arch.  Zeit.  Retter  Perseus  folgen  und  die  Eltern  verlassen 
36,  1878  S.  16 10)  und  Aithiopenl.  S.  178 12ä).  —  will  (Eratosth.  Kat.  17:  'A.  o.v%  il'Xhzo  z&  nazgl 
Sophokles  hat,  wie  es  scheint,  seine  Andro-  ovfj.fiivBLv  ovöe  zij  finzgi;  Hygin.  P.  A.  2,  11: 
meda  in  Mesopotamien  spielen  lassen,  wohin  neque  pater  Cepheus  neque  C.  mater  ab  ea  po- 
durch  die  Perserkriege  die  Aufmerksamkeit  so  tuerunt  impttrare  quin  parentes  ac  patriam  re- 
gelenkt  worden  war  und  der  Name  des  retten-  linquens  Persea  sequeretur ;  vgl.  Ennius  frg.  3, 
den  Helden  in  der  Andromeda- Eassiepeia-  nach  Euripides:  <[a)>  filiis  propter  te  obieeta 
sage,  Perseus,  noch  ganz  besonders  hinwies.  sum  innocens  Kerei,  wohl  von  Andromeda  zu 
Wenigstens  fühlt  man,  wenn  die  von  Ktesias  Eassiepeia  gesprochen  (anders  Feddc  p.  33 sla). 
(Hesych.  ZaXrjzbv  und  Zugrjzov)  als  ein  persi-  Euripides'  Darstellung  hat  die  spätere  Mytho- 
sches  Gewand  bezeichnete  adgarcig  im  frg.  139  graphie  ebenso  beherrscht  wie  vom  gleichen 
Dind.  der  SophoJcleischen  Andromeda  erscheint,  Zeitpunkt  an  Theopompos'  Verlegung  des  Schau- 
sich an  die  gleichzeitigen  Darstellungen  des  platzes  nach  Ioppe  die  geographisch-historische 
Hellanikos  und  Herodotos  erinnert,  welche  den  Litteratur.  Euripides  ist  der  erste,,  der  den 
Perseus  und  seinen  erstgeborenen  Sohn  von  60  Eepheus  ausdrücklich  als  Aithiopenkönig  be- 
der  Andromeda,  Perses  (-eus  II.),  mit  den  zeichnet  hat  (Argum.  in  Eratosth.  Katast.  15); 
Persern  der  Landschaft  Artaia,  den  Achai-  doch  mufs  er  ihn  mit  der  E.  zusammen  als  über 
mene(u)s,    Stammvater    des    Achaimenidenge- 

schlechts,    als    Sohn    des    Perses   mit   der   achäi-  *>  Ribbecks  Einwand  gegen  obige  Stelle  und  Versuch, 

1          /    •    •    1    '     1.      \  tt   -        i.j        tt           r       i.  die  SophokleiscJie  Andromeda  als  ein  Satyxspiel  zu  erweisen 

sehen  (aisialeischen)  Heimat  des  Urgroßvaters  , ' .     *'        „   ,„..,  .           .    „  .    ,  v,       .         , 

„      ,      »     =          ,  .    .      /                .      ,.              °    ,,     ,          .,  (Rom.  Trag.   S.  163)   ist   nach    Roberts   Gesenbenierkungen 

Eepheus  kombinierten   und   diesen   selbst  mit  (a.  a.  0.  s.  17")  ebenso  gegenstandslos  wie  Schaubachs 

seinen  Eephenen  zum  mythischen  Vertreter  der  Vorschlag  Zoipoxtf;  </-u\  Ev»ntiA<];>  ü  rij,-  znaymdiag  n. 

alten  ehaldäischen,  vorpersischen  Bevölkerung  zu  lesen. 


991                      Kassiepeia  Eassiepeia                     992 

westliche  Aithiopen  herrschend  gedacht  haben,  zeit  zwischen  300  v.  Chr.  und  den  rörni- 
da  er  das  y.rjrog  ans  dem  atlantischen  Meere  sehen  Nachdichtern  treten  originelle  Varian- 
hervortosen  läfst:  xijros  &oä^ov  s|  'ArXavTLKfjg  ten  auf,  wie  der  Zug,  dafs  K.  nicht  über 
äXög  (frg.  134  a  Kauck,  aus  Plutarch.  de  die  eigene  Schönheit  mit  den  Nereiden  ge- 
audiend.  poet.  5.  Philostrat.  d.  A.  Imagg.  1,  29:  stritten  habe,  sondern  über  die  Schönheit  ihrer 
xfjtog  'AxXavxmöv ,  vgl.  Robert,  Arch.  Zeitung  Tochter  (Hygin.  F.  64;  vgl.  die  Q-v/azi^a  ndvv 
S.  18).  Diese  Atlantis  hätten  Preller-Plew  nalr/v  bei  Konon  c.  40,  wo  freilich  Kass. 
G.  M.  1 3,  463  nicht  in  „das  grofse  Weltmeer"  fehlt,  sowie  Antiphilos,  Epigr.  Anth.  Plan. 
verflüchtigen  sollen,  denn  sie  wird  nie  im  147),  und  jene  andere  Abweichung,  dafs  sie 
Osten  liegend  gedacht.  Zu  dieser  westlichen  10  nicht  mit  den  Nereiden,  sondern  mit  Hera  den 
Ansetzung  war  JEuripides  durch  den  Vorgang  Schönheitswettkampf  einging  (Tzetz.  Byk.  836. 
des  Sikelioten  Stesichoros  veranlafst  worden,  838).  Ersteres  Motiv,  durch  welches  für  das 
der  zwar  seinerseits  nach  Strabons  (=  Apollo-  Schicksal  der  Andromeda  eine  wenigstens 
dors)  Zeugnis  die  Kassiepeia  in  Arabien  an-  objektive  Verschuldung  als  erklärende  Ur- 
setzte,  aber  doch  ein  anderes  Lokal  der  Per-  sache  geschaffen  wird  (Ribbeck,  Rom.  Trag. 
seusfahrt,  die  den  Kyprien  (frg.  21  Ki.)  zufolge  S.  172),  möchte  Fedde  (de  Perseo  et  Andro- 
von  den  Gorgonen  bewohnte  Sarpedonsinsel,  meda ,  Diss.  Breslau  1860  p.  37),  weil  an  die 
in  sein  heimatliches  „atlantisches"  Gewässer  Niobidensage  anlehnend,  einer  Tragödie  wie 
verlegt  hatte  (frg.  10  Bgk.  aus  Schol.  Apollon.  der  (freilich  fast  unbekannten,  ' 'Andromeda' 
Iihod.  1,  212,  vgl.  Aithiopenl.  ß.  204  f.).  So  20  des .  Lykophron  zuweisen,  letzteres  dem  ver- 
entstand  auch  hiusiohtlich  der  Ürtlichkeit  ein  lorenen  Referate  eines  Aristeides  (von  Mi- 
Gegensatz  zwischen  dem  west-aithiopischen,  letos?  F.  H.  G.  4,  324,  17)  oder  Prokopios,  da 
durch  Euripides  vertretenen  Mythos  von  der  die  anderen  beiden  von  Tzetzes  aufgerufenen 
K.r  den  Photios'  Einleitung  zu  Konon  (40,  Zeugen,  Iosephos  (B.  1.  3,  9,  3)  und  Libanios 
Westermann  Mv&oyg.  p.  143,  6)  als  'EXliqrav  (31.  32  p.  375  West.)  nichts  davon  erwähnen. 
(iv&og  charakterisiert,  und  den  jene  Parenthese  Aber  ein,  Irrtum  des  Tzetzes  ist  nicht  aus- 
im  Hermolaosexcerpt  des  Steph.  Byz.  'Iönrj  [Ar/-  geschlossen,  da  er  überhaupt  diese  Zeugen 
cpzag  rov  tictTctGTSQi.B&svzog,  ov  £6ti  yvvr\  Kaa-  vielmehr  für  den  Iopenrythos  aufbietet,  was 
oiiniiu  (sc.  cocjtfp)  of  "ElXvvsg  xaxajs  cpaaiv]  wenigstens  für  den  Libanios  ungerechtfertigt 
meint,  einerseits  —  und  anderseits  dem  orienta-  30  ist  (so  schon  M.  Gh.  G.  Müller  ed.  Schol. 
lischen,  von  Theopompos,  Konon,  Steph.  Byz.  Tzetz.  1811,  2,  821  -1).  Ebenso  liegt  ein  Irrtum 
u.  a.  vertretenen  Mythos  von  der  Kepheus-  Feddes  vor,  wenn  er  behauptet,  die  Angabe 
gattin  und  Andromedamutter  Iope  zu  Ioppe  des  cod.  Strozz.  Schol.  German.  Arat.  Ph.  197 
(vgl.  d.  Art.  'Iope',  'Kepheus',  sowie  Aithiopen-  (p.  139,  12  ff.  Breysig):  Andromeda  filia  fuit 
liinder  S.  144.  146  f.).  Weder  die  eine  noch  Cepliei  et  Cassiepeiae ,  quae  adamata  est  a  Cu- 
die  andere  Version  giebt  jedoch  den  eigent-  pidine,  beziehe  sich  auf  eine  Liebe  des  Eros 
liehen  älteren  „aithiopischen"  Schauplatz,  zur  Kassiepeia,  während  doch  die  Andromeda 
welcher  vielmehr'  in  der  später  so  genann-  gemeint  ist  (vgl.  darüber  Robert,'  Eratosth. 
ten  dorischen ,  ursprünglich  „phoinikischen"  Catast.  reliq.  p.  220).  An  Euripides  schliefst 
d.  h.  karischen  Hexapolis  zu  suchen  ist  (vgl.  40  sich  die  Andromeda  des  Ennius  an  (frg.  lff.; 
weiter  unten).  Die  Beweise  dafür,  dafs  die  Ribbeck,  Rom.  Trag.  S.  162.— 176.  Das  grie- 
alte  Zeit  mit  der  Heliosinsel  Rhodos  (der  chische  Vorbild,  der  gleichnamigen  Tragödie 
Meropsinsel  Kos)  den  Begriff  einer  Al&io-nia.  von  Livius  Andronicus  (Fedde  p.  9:  Sophokles 
verband,  s.  in  Aithiopenl.  S.  164  ff.  Ein  Be-  nach  Ribbeck,  R.  Trag.  S.  32,  der  die  Sopho- 
wufstsein  von  der  Zugehörigkeit  der  Kassiepeia  kleische  Andromeda  für  ein  Satyrspiel  fälsch- 
an  diese  jüngste  cDoris'  ist  vielleicht  noch  lieh  hält:  Euripides'!)  und  Accius  (frg.  1  —  14, 
bei  der  Quelle  des.  Nonnos  (43,  165  ff.)  erkenn-  Ribbeck,  Rom.  Trag.  S.  561 — 564;  nach  Fedde 
bar  gewesen,  wo  Poseidon,  seine  Wassergeister  p.  9  =  Sophokles)  ist  unbekannt.  —  Manilius 
auf  die  Aithiopen  des  Dionysos  hetzend,  droht:  Astron.  5,  538ff.  folgt  Ovid.  Zu  erwähnen 
die  aithiopischen  Söhne  der  Kassiepeia  von  50  ist  aufserdem  Luhianos,  Dial.  mar.  c.  14.*) 
Kepheus  sollten  zur  nachträglichen  Strafe  für  Der  Name  KaeaitniLa  wurde  von  den 
die  prahlerische  Rede  ihrer  Mutter  und  zur  Römern,  welche  sich  an  die  ihnen  nahe- 
Genugthuung  der  beleidigten  Nereiden  ge-  liegende  und  frühbekannte  kerkyräische  Stadt 
knechtet  und  der  Nereide  Doris  dargebracht  KaaCLonri  (und  vielleicht  deren  Heroine  Kaa- 
werden  (Al&iönav  8\  tfäXayyag  igvocaiz  k«1  oiönsia;  s.  d.)  erinnert  fühlten,  in  Cassiope 
oxCxag  'Ivääv  |  IrjtSa  Nrjgr)Täeaai,  xuiioyXoioooto  (Ovid.  Met.  4,  738.  Hygin.  F.  64)  verkürzt, 
ös  vv(iyr]g  |  JioQiäi  äovkta  rixva  «oui'ccarE  worin  ihnen  in  der  Kaiserzeit  Spätgriechen 
KaßßLB7iii'rjg  |  Ttoivrjv  oipixilsoTov).  —  Lyko-  wie  Antiphilos  folgten  (Kaaaiona  a.  a.  O.  v.  3). 
phron  (Suidas  s.  v.)  wird  in  seiner  sonst  un-  Sonst  konnte  neuerdings  fast  durchweg  auf 
bekannten  Tragödie  'Andromeda'  die  gleichen  GO  Grund  der  Hss.  die  echte  griechische  Schreibung 
Entlehnungen  ans  dem  Herakles-Hesionemythos  -inna  hergestellt  werden  (so  in  Buntes Hyginus, 
gehabt  haben  wie  in  der  'Alexandra'  (v.  838  ff. 

Vgl.    Tzetzes  Z.  d.  St:;    Perseus    vom   xijrog   ver-  ')  Hinsichtlich   der  DarsteUuRg  der  Kassiepeia  als 

schlungen,     zerstört     von     innen     dessen    Ein-  Mutter   der  Andromeda  in  der   Kunst   ist   zu  -s-erweiseu 

geweide);  aber  da  in  der  Alexandra  eine  Gattin  ™f  «<> /"":  Neapel  nr.  3225     Santangeio  nr  84  u. 

j        T.r      l                ■   i  j.                    j.    •   j.             1-p  j.      ■   i  '08  (vgl.  11,'ydemann.  D.  Vasensamrmungen  des  Museo  ssazw- 

des  Kepheus    nicht    genannt   ist,  so  lafst  sich  ,lote ,-n ^^  s. 5g0  637.  8Uf.).    Trentelmburg in d. Annali 

auch  hinsichtlich  der  'Andromeda'  über  diesen  ,,  !ml   1872  s  108-iso.    Baumeister,  Denkm.  d.  klass.  Alt. 

Punkt  nichts  ausmachen.  —  In  der  Zwischen-  s.  uaif.  n.  Fig.  1440.    [Röscher,] 


.  993                      Kassiepeia  Kassiepeia                      994 

Breysigs  Sehet.  Oermanici,  vgl.  auch  Gaedechens  Philol.  49,  N.  F.  3  S.  105.  112)  als  Bezeich- 
Art.  Kassiepeia  in  Ersch  und  Gruber,  B.-E.  2  nung  der  kabeirischen  Aphrodite  oder  ihrer 
Sekt.  34  S.  241).  Somit  ist  die  bisher  .ge-  Heroine  Leukothea  vor  und  wird  auch  auf 
bräuchliche  und  noch  jüngst  von  Gruppe  '  Rhodos  entweder  der  Aphrodite  selbst  gehört 
(Piniol.  K.  F.  1,  1888  S.  92)  ohne  Beweis  haben,  welche  die  einheimische  Sage  (bei 
festgehaltene  Etymologie  aus  naivvuai  und  Pindaros  Ol.  7,  14;  vgl.  v.  Wilamowits,  Ser- 
on- —  die  „durch  ihren  Anblick  glänzende"  mes  18,  1883  S.  429)  als  Gattin  des  Poseidon, 
(Pape-Benseler),  wenigstens  in  ihrem  zweiten  Mutter  der  Rhodos  kannte,  oder  der  Leukothea- 
Teile  hinfällig  geworden;  und  man  mufs  Halia-Kapheira,  welche  die  bei  Diodoros  (5,  55) 
vielmehr  annehmen,  dafs  der  Gedanke  an  10  nach  Zenon  u.  a.  (Apollodoros:  Bethe,  Hermes 
Hccivviicti  und  In-  mit  der  Bedeutung  „Prunk-  24,  1889  S.  429)  kontaminierten  Stemmata 
rednerin",  „Prahlerin"  jenen  Dichtern  vor-  (Philol.  N.  F.  4,  1891  S.  43)  als  Tochter  der 
schwebte,  welche  das  igioai,  ccvxtiv,  gloriari,  Aphrodite  von  Poseidon  angaben.  Die  eigaviia 
lootpaQi&iv  (Konnos  47,  448),  vo(ii£etv  xai  der  Rhodier  ist  also  verständlich:  sie  wollten  die 
Isyeiv  (NB.)  huXXii.  vwüv  NrjgrjiSag  zu  be-  Prahlerin  treffen,  welche  mit  ihrer  Verachtung 
tonen  nicht  müde  wurden,  so  dafs  sogar  ein  der  Nereustöchter  zugleich  die  sehaumgeborne 
Ovidiiis  und  Antiphilos,  trotz  ihrer  schlechten  Göttin  selbst  oder  ihre  mit  dem  Meergott  er- 
und  sinnverändernden  Schreibung  -ope  und  zeugte  Tochter  beleidigte.  Die  Verknüpfung 
-ömx,  unter  dem  Zwang  der  Überlieferung  sich  der  Kassiepeia  mit  der  Göttin  der  „Schön- 
gescheut haben,  diesen  charakteristischen  Zug  20  heit"  ist  also  eine  witzige  oder  rein  poetische, 
zu  unterschlagen;  Met.  4,  670:  immeritam  Gruppe  (Philol.  N.  F.  1  S.  93)  nimmt  s"ie 
matemae  pendere  linguae  \  Andromedam  (gegen  den  Wortlaut)  ernst,  um  mittels  einer 
poenas  .  .  .  iusserat  Amnion;  Antiphilos  v.  3:  Gleichung  Kaooiinttu  =  KaXlovr]  und  der 
Kaaaiönag  XtiXog  svt&y.vici.  Der  gelehrte  IS'on-  Etymologie  Iapho  (Narne  der  philistäischen 
nos  schöpfte  wiederum  die  echte  Schreibung  Stadt  'lonitiq)  phönizisch  =  _„die  Schönheit" 
-f'jrfia  aus  seiner  klassischen  Lektüre  und  zu-  KaoGio-iuLa  (sie)  als  eine  Übersetzung  von 
gleich  auch  das  (,;sogar  von  der  Nereide  Iapho  zu  erweisen.  Aber  eine  Heroine  Iapho 
Thetis  gefürchtete")  axö^a  Kuoaimziag  (41,  ist  nirgends  bezeugt  und  auch  aus  der  grieehi- 
236),  zr\g  Kcc-xoyXoJaaoio  vvarprjs  (43,  166).  sehen  'Ionij  (s.  d.)  nicht  zu  erschliefsen;  ferner 
Wenn  die  alten  Grammatiker  also  hätten  eine  30  stammt  die  rhodische  mit  Poseidon  verbundene 
Etymologie  geben  wollen,  so  hätte  nichts  Aphrodite  (Kallone)  nebst  Leukothea-Kapheira 
anderes  als  eine  Glosse,  wie  etwa  Kaooti-nEia-  (=  Kußiioa)  ebenso  wie  der  gleiche  Kult- 
Y.o(inr]y  öqo g,  xouTzoQ p /) fi co  v  oder  substanti-  komplex  auf  Lesbos  und  Samothrake-  wohl 
vischiiofi7z;oioy('K  herauskommenkönnen.  Lesen  vielmehr  aus  dem  kadmeischen  Thebai,4  wo 
wir  nun  aber  bei  Suidas  Kaaatineta'  r\  v.aX-  nach  Plut.  Apophth.  lac.  26  Leukothea.  die 
P.oi'tj,  so  ist  das  eben  nicht  eine  Etymologie  Kadmostochter,  ferner  der  onchestische  Posei- 
oder Zusammenstellung  zweier  synonymen  Sub-  don,  die  kadmeische  Aphrodite  und  Kabeiren 
stantive  „?j  Kaooiinna  —  rj  xccXlovri",  wie  verehrt  werden  (so  der  samothrakische ,  vgl. 
man  aus  dem  gedankenlosen  Zusatz  des  Suidas:  Crusius,  Beiträge  S.  22  f.;  der  lesbische,  vgl. 
Kai  (!)  övofia  hvqwv  geschlossen  hat;  Viel-  40  Lesbiaka  3,  Philologus  N.  F.  3,  1890  Heft  2); 
mehr  ist  in  beiden  zusammengeleimten  Glos-  und  zwar  der  rhodische  Kultkomplex,  weil 
semen  der  Eigenname  Kaoaiin^ia  das  Lemma,  Poseidon  das  Priesterturn  seines  rhodischen 
und  eine  Etymologie  so  wenig  beabsichtigt  Kults  (Ialysos)  stets  aus  den  avv  Kaäfim  <I>oi- 
wie  in  Hesych.  s.  v.  KaXövng,  die  der  Unterz.  vi-ueg,  d.  i.  Kadmeionen  (Diodor.  5,  58,  vgl. 
(Flecheisens  Jahrb.  135,  1887  S.  104),  den  Dionys.  Hol.  d.  Dinarch.  10),  seinen  Stiftern, 
Genetiv  des  glossierten  Textes  bewahrend,  er-  besetzt  erhielt,  die  über  Athenai  eingewandert 
gänzte:  KaX(iyovfjg'  ilgiov^i-nägy  'Pöäioi  (sc.  waren  (Menelcrates ,  Schal.  Pindar.  OL  2,  16, 
üvtl  toxi  'KaocisnsLag' ,  da  eine  Bezeichnung  F.  H.  G.  2,  344b.  Konon  47  p.  148  Westerm.),  ' 
%aX6vrjg  für  den  Typus  des  eigeov  sich  nicht  vielleicht  auch  über  Karien-$ou<ix(;  und  das 
hat  finden  lassen  (vgl.  Mibbech,  Über  den  Be-  so  kadmische  Miletos  (H.  D.  Müller,  Myth.  1, 
griff  des  siocov,  Bhein.  Mus.  31,  1876  S.  381  ff.).  308  f.  v.  Wilamowitz,  Hermes  7,  1874  S.  139. 
L>ie  beiden  einzeln  genommen  unverständlichen  E.  Maafs  ebda.  23,  1888  S.  79).  Ebenso  ver- 
Glossen bezeugen  sich  gegenseitig,  dafs  die  fehlt  ist  der  weitere  Vorschlag  Gruppes  (a.  a.  O. 
Rhodier,  d.  h.  vielleicht  nur:  ein  rhodischer  S.  95  ff.),  die  Derketo  (Atargatis)  von  foppe  in 
Dichter,  dem  .  jene  bei  Hesychios  erhaltene  der  rhodischen  Aphrodite  wiederzufinden,  und 
alte  Interlinearglosse  beigeschrieben  ward,  und  diese  der  Kassiepeia  gleichzusetzen.  Denn  die 
seine  Leser  in  scherzhafter  (spöttischer?)  Tochter  der  Derketo  (Semiramis)  wird  nicht, 
Weise  die  Bezeichnung  „Schönheit"  brauchten,  wie  die  Töchter  der  beiden  anderen,  dem 
und  zwar  für  die  Kassiepeia,  was  völlig  im  Wassertod  geweiht,  sondern  in  der  Wüste  aus- 
Einklang steht  mit  dem  karischen  Lokal-  «o  gesetzt;  und  von  der  Kassiepeia  ist  weder  eine 
kolorit  ihrer  Genealogie  und  der  Nonnianischen  Vergewaltigung  durch  ihre  Söhne  (wie  bei  der 
Bezeichnung  der  beleidigten  Nereiden  als  An-  rhodischen  Aphrodite)  noch  eine  unwürdige 
gehörige  der  „Doris".  Nun  kommt  der  Titel  Liebschaft  (wie  bei  der  Derketo)  bekannt  oder 
KaXXoviq  auf  Samothrake  (vgl.  TJsener,  Bhein.  gar  ein  Sprung  ins  Wasser  wie  bei  der  Muttei' 
Mus.  N.  F.  23,  1868  S.  318  ff. ;  vgl.  O.  Crusius,  Derketo.  Gruppe  selbst  wird  darum  schliefs- 
Beiträge  zur  griech.  Mythol.  und  Beligions-  lieh  dieser  Parallele  untreu,  um  lieber  Andro- 
geseh.  Progr.  Leipzig  Thomassch.  1886  S.  22  f.,  meda,  die  Tochter,  mit  den  beiden  Wasser- 
Aithiopenll.  S.  159)  und  Lesbos  (Lesbiaka  2.  Springerinnen:  Leukothea-Halia  (der  Tochter) 
Koscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.  II.  32 


995                       Kassiopa  Kastalios                       996 , 

und-  Derketo    (der    Mutter!),    zu    vergleichen  Namensähnlichkeit  mit  der  Kaaaii-mi ict  (s.  d.), 

(S.    97).      Die    Widersprüche,     welche     diese  ist  ausgeschlossen.  Doch  bliebe  dann  immer  noch 

Parallelisierungen  unter  einander  und  mit  der  die  Möglichkeit,  dafs  Kaaaionrj   nur  eine  dia- 

tJberlieferung    aufweisen,     sucht    Gruppe    zu  *  lektisch  verschiedene  westgriechische  Form  für 

paralysieren    durch    die    Formulierung    seiner  das   östliche   KaoaiiTtsicz    wäre,    im   Sinne    O. 

Hypothese:     dafs    der    Andromedamythos    nur  Gruppes  {Philo},  a.  0.  S.  92).    Kerkyra-Coreyra 

„als   eine  Fortsetzung   der  Leukotheasage   er-  (mit  ähnlichem  Vokalwechsel)   ist   von   Chal- 

funden  sei".  Mit  der  daraus  gefolgerten  weiteren  kidiern  kolonisiert,  und  in  nächster  Nähe  von 

Behauptung,  dafs  Kassiepeia  ursprünglich  nur  Chalkis  liegt  Thronion,  dessen  Heroine  Thronie 

die  Adoptivmutter  der  Andromeda  gewesen  sein  10  Mutter  der  Kassiepeia  heilst,  und  der  Euripos, 

könne,  die  eigentliche  Mutter  aber  Leukothea  an    dem   die   mythischen   Araber   ihres  Vaters 

sein  müsse,  und  dafs  Kepheus  ein  böser  Frevler  Arabos  wohnen.     Der  Schlüssel  liegt  wohl  in 

an  der  Leukothea  aus  der  Zahl  der  rhodischen  dem  von  Kerkyra  bis  zum  afrikanischen  Aigyp- 

Igneten  gewesen  sei,  schwindet  der  Boden  me-  tos  verbreiteten  Kult  des  Zeus  Kasios  (s.  Kasios), 

thodischer  Mythenerklärung  unter  den  Füfsen.  dessen  oft  vermutete  Beziehungen  zum  Namen 

Endlich  bedarf  auch  die  Behauptung,  der  alt-  der  Kassiepeia  oder  gar  des  Kadmos  trotz  Maafs 

testamentliche  Prophet  Iona  sei  in  seinem  Fisch-  {de  Aeschyli  Suppl.,  Ind.  lect.  Gryphisw.  1890 

abenteuer  eine  mifsverstandene  und  vermänn-  S.  25)  noch  ebenso  problematisch  bleiben,  wie 

lichte     weibliche     Heroine     Iona     (phöniz.  das  auffällige  Verschwinden  des  Kepheus  (5.) 

=Taube)=Semiramis,  mitsamt  dem,  was  daraus  20  aus  den  boiotisch-euböischen  Erinnerungen  (bis 

bald  für  die  Identität  mit  der  taubengenährten  auf  Schal.  BL  zu  II.  A  498).      [K.   Tümpel.] 

Semiramis,    bald   mit   deren    ins  Wasser    ge-  Kassios  s.  Kasios. 

stürzten  Mutter  Derketo  gefolgert  wird,  noch  Kassiphone  {KuaoLtpövr]),  Tochter  des  Odys- 

der  Begründung,   um  einigermafseu  glaubhaft  seus  und  der  Kirke,  Schwester  des  Telegonos. 

zu  erscheinen.   —   Über  die  ursächlichen  und  Der  von  Telegonos  irrtümlich   getötete,    von 

zeitlichen    Verhältnisse    bei    der    Übertragung  Kirke  wiedererweckte  Odysseus  vermählte  sie 

der  ursprünglich   rhodisch-karischen  K.   nach  mit  Telemachos,   den   sie  ermordete,   weil   er 

West  und  Ost  vgl.  im  allgemeinen  Art.  'Iöpe',  ihre  Mutter  Kirke  getötet,  Tzetz.  L.  798.  805. 

'Kepheus',  'Kephenen'.    Mitgewirkt  zu  habegi  808.  811.     Vgl.  Kasiphones.     [Stoll.] 

scheint  noch   der  im  ersten  Teil  des  Namens  so      Kassmia  {Kuocfiiu,   KASSMIA),   Bezeichnung 

liegende    Anklang    an    Kdoog,    Käaiog.    -lov.  der    Sphinx    auf   einer    attischen    Kanne    des 

Wenigstens  fand  sich  auf  dem  mesopotamischen  schönsten   Stils    der  2.  Hälfte  des    5.  Jahrb., 

Schauplatz   der  Sophokleischen   (Hellanikisch-  Jahrb.  des  Es.  D.  Arch.  Inst.  Arch.  Am.  1891 

Herodotischen)  Bearbeitung    eine    Insel   Kasos  p.   119.      Erwerbungen    des    Antiquariums    [in 

(Steph.  Byz.  s.  v.:  [j'ijcos]  ttigu  TLiooiSog  imi  Berlin]   nr.  17.     Zum  Vergleich   wird  daselbst 

jrtUig;  vgl.  den  einheimischen  Volksnamen  der  angeführt  die  Schreibung  Kdaajiog  statt  Kdd- 

Kaschu    =    Koeauioi  =  Kiaaioi,   Aithiopenil.  ftog  auf  einer  attischen  Amphora  des  späteren 

S.  186),  entsprechend  der  bei  Rhodos  gelegenen  schwarzfigurigen    Stils,    Wiener  Torlegeblätter 

Insel  Kasos;  ferner   war  das  aus  Achilles  Tat.  C,  7   nebst  Eretzschmers   Bemerkung  in  Zeit- 
(3,  6)   bekannte   Bild   des  Euanthes   von   dem  40  Schrift  f.  vergl.  Sprach  f.  Bd.  29  p.  429.  [Drexler.] 

Andiomedaabenteuer  gerade   auf  dem  ägypti-  KassillOS  =  Kadmos  (s.  d.). 

sehen  Kdaiov  opog  im  Tempel  des  Zeus  Kasios  Kassotis     {KaaaoTig),     eine     parnassisehe 

zu  sehen;  und  im  Westmeer  haben  wenigstens  Nymphe,  nach  welcher  die  begeisternde  Quelle 

die  Römer  (ungefähr  entsprechend  der  Stesi-  Kassotis  in  Delphi  benannt  war,  Paus.  10,  24,  5. 

chorisch-Euripideischen  Fixierung  in  der  west-  [Stoll.] 

liehen  Atlantis)  eine  Beziehung  auf  die  kerky-  Kastalia  {KaazaXia),  eine  delphische  Jung- 

räische     Stadt     des     Zeus -Kasios,     Kassiope,  frau,    welche,   vor  Apollon  flüchtend,   sieh  in 

herausgefühlt   {Aithiopcul.    S.  203).      Wirklich  die  nach  ihr  benannte  heilige  Weihequelle  zu 

hat  schon  die  griechische  Sage  den  Eponymos  Delphi  stürzte,  Lactant.  Stat.  Tlieb.  1,  697.  — 
der   Insel  Kasos  unter  die   argivischen  Kolo-  so  Panyasis  bei  Paus.  10,  8,  5  nannte  sie  Tochter 

nisten   der  Sporaden  gerechnet,   entsprechend  des  Acheloos.     Sie  war  Gemahliu  des  Delphos, 

der  Herkunft   des  Perseus  und   dem   späteren  Schal.  Eur.  Or.  1087.    Vgl.  Kastalios.    [Stoll.] 

Wohnsitz   der    Andromeda    (Kasos,    Sohn    des  — Die  Personifikation  der  Quelle  K.  will  Robert 

luaebos:  Paumnias  Damasc.    F.  H.  G.  4,  469.  in  der   einen   der   beiden  ruhig  stehenden  Ge- 

Aithiopenll.  S.  174);  doch  s.  Art.  'Kassiopeia'.  stalten  in  den  unteren  Ecken  des  Mittelfeldes 

[K.  Tümpel.]  des  Mosaiks  von  Portus  Magnus,  das  nach  ihm 

Kassiopa(A'a<7<Ho'jra)  =  Kassiepeia(s.d.'>,  J./i<*-  Leto  von  Aquilo  nach  Ortygia  getragen,  dar- 

philosmAnth.Planud.  147;  s.  Sp.992f.  [Höfer.]  stellt,   erblicken,   Jahrb.   d.  E.   D.  A.  Inst.  5 

Kassiope  {Kacaiont!),  Hygin.  f.  64.  Uvid.  Met.  1S90  Tfl.  5  p.  219.     [Drexler.] 
4,  738  =  Kassiepeia  nr.  3  (Sp.  992).     [Höfer.]  co      Kastalides  (KaotaXiStg),  Beiname  der  Musen 

Kassiopeia   (Cassiopeia),    nur    einmal   (vom  (s.  d.),  nach  der  Kastalisehen  Quelle  am  Parnas- 

Mythog.   Vatic.  1 ,  80)   bezeugt   als  Gattin  des  sos,  Theoer.  7,  148  u.  Schol.  Mart.  epigr.  4,  14, 

Oineus,  Mutter  des  Tydeus,  also  im  Zusammen-  1.    7,  12,   10.     [Lorentz.] 

hang  aitolischer  Mythen.   Der  Name  geht  wohl  Kastalios    {Kaaxdliog) ,    nach   welchem    die 

auf   die    kerkyräische    Stadt    Kaaaionrj    (Zeus  Quelle  Kastalia  benannt  sein  sollte,  war  1)  del- 

KctGLog),    deren    Landschaft    freilich    Kaaaio-  phischer  Autochthon,  Vater  der  Thyia,  die  mit 

■naia   heifst.     Ein   Irrtum    des   Mythographen  Apollon   den   Delphos   zeugte,    oder  Sohn   des 

in  .der    Schreibweise,    veranlafst    durch    die  Delphos  und  der  Kastalia  (s.  d.),  der  nach  des 


997                      Kastianeira  Katachthonioi                    998 

Vaters  Tod  die  Herrschaft  des  Landes  erhielt.  und  pultuke  (Polydeukes)  den  menle  (Menelaos) 

Sein  Sohn  war  Laphrios,  Paus.  7, 18,  6.  10,6,2.  und  melakre  (Meleagros);  s.   Gerhard,  Etr.  Sp. 

10,  8,  5.    Schol.  Eur.  Or.  1087.     Oder  er  war  t.  355.   Fabr.,  C.  I.  I.   108.    Conest,  Insc.  Etr. 

ein    Kreter,    der    eine    Kolonie    nach    Delphi  194,'  t.  59,   nr.  206  aa,      Der    andere    Spiegel 

führte,  Tzetz.  L.  208.    [Stoll.]  —  [2)  Beiname  aus  Perugia,  im  dortigen  Museum,  hat  in  ähn- 

des  Apollon,  der  als  Kaazalmg  angerufen  wird,  licher  Anordnung  zwischen  kastur  und  pultuke 

Parthey,  Zioei  grieeh.  Zauberpapyri  des  Berliner  als    Liebespaar    elinei    (Helena)    und    lamtmi 

3Iuseums  p.  46  Pap.  2  vs.  133  u.  140.  Drexler.]  (Laomedon,   wohl    als   Name 'des   Paris   nach 

Kastianeira   (Kctaziävaiga) ,    eine    Gemahlin  seinem  Grofsvater  [s.  d.]);  s.  Conestabile,  Bull. 

des  Priamos,  aus  Aisyme  in  Thrakien,  Mutter  10  1869,  47.    Monum.di  Per.  4,  468  nr.  695 — 1023, 

des  Gorgythion,  II.  8,  305.     [Stoll.]  t.  80,  1  u.  96,  1.    Fabr.,  Pr.  Spl.  252.  —  Ein 

Kastilia  (Kaazvia),  Beiname  der  Aphrodite  dritter  Spiegel,  1826  im  Gebiet  von  Chiusi 
von  dem  Berg  Kastnion  (Steph.  Byz.)  in  der  gefunden,  bietet  die  Namensform  kasutru 
pamphylisehen  Stadt  Aspendos,  Lykopin:  403.  (stärker  etruskisiert;  s.  Namen  wie  apatru, 
1234  und  Tzetz.  Aspendos  war  nach  Strabo  veratru,  fastntru,  und  zur  Einschiebung  des  u 
14,  667  eine  Kolonie  der  Argiver;  die  Argiver  z.  B.  pulufna  neben,  pulfna  u.  s.  w.).  Hier 
verehrten  aber  nach  Kallimaclios  oder  Zenodotos  wird  von  ihm  und  pulutuke  ein  zwischen 
b.  Athen.  96  A  Aphrodite  mit  Schweineopfern.  ihnen  stehender,  %alu%a&u  (Kalchas?)  benannter 
Nach  Kallimaclios,  Iamben  bei  Strabo  9,  438  =  Mann  in  der  Trunkenheit  gestützt  oder  be- 
fr.  82b  p.  238 tf.  ( Schtieider)  jedoch  bestanden  20  wältigt,  während  rechts  turan  (Aphrodite)  be- 
aphrodisische Schweineopfer  im  Kult  der  Käst-  schäftigt  ist,  links  Minerva  (der  Name  ist  zer- 
nietis  zu  Metropolis  in  Thessalien,  wohin  sie  stört)  ruhig  sitzend  zuschaut;  s.  Micali,  Stör. 
von  Onthyrion  verpflanzt  sein  sollte  (Strabon  t.  47,  1.  Gerh.,  Etr.  Sp.  t.  56,  1.  Lajard,  Ann. 
a,  a.  O.  [Kallimachos  widerspricht  sich  und  XXlIf  =  1851,  228.  Fabr.,  C.  I.  I.  479,  t.  30. 
korrigiert  an  der  zweiten  Stelle  die  erste:  —  Die  gewöhnliche  Form  des  sonst  häufig 
Schneider-]?.  356.  240.  Tümpel.]   Vgl.  Kastnietis.  auf  Spiegeln,  Gemmen  u.  s.  w.  vorkommenden 

[Höfer.]  Namens    ist    castur;    s.   Fabr.,    Gl.  It.  802  u. 

Kastnietis  (Kaozviijzig),  Beiname  der  Aphro-  2078.  Ind.  der  Spl.;  herzustellen  C.  I.  I.  304; 

dite  zu  Metropolis  in  der  Histiaiotis,   die  dort  vgl.  Corssen,  Etr.  1,  822.    Deecke,  Bezz.  Beitr. 

mit  Schweineopfern  verehrt  wurde,  Kallim.  b.  30  2,  168   nr.  62.     Er   kommt   mit   den  verschie- 

Strabon  9  p.  437  f.    Leake,  Travels  in  Northern  densten  Gottheiten,  Heroen  und  Heroinen  ver- 

Greece  4  p.  507.'    Engel,  Kypros  2  S.  156f.    Ihr  bunden  vor,   doch   am   häufigsten  mit  seinem 

Haupt  mit  einem  Vogel  (?)  zur  L,  bekränzt  von  Bruder  pultuke  (Polydeukes;  s.  d.);  ferner  mit 

Nike,  erscheint  auf  dem  Obv.  von  Silbermünzen  itas  (Idas;  s.  d.);  mit  calanice  (Kalliviuos  d.  i. 

der   Stadt,    Read,    H.   N.   p.   257.     C.   G.    G.  Herakles)   und  prmnafte  (Prometheus),    Fabr., 

B.  31.  Thess.  PI.  7,  8.      Auf  dem  Rs.  von  Sil-  C.  I.  I.  2505;   mit  menrva  (Minerva)  und  vile- 

bermünzen   sieht    man   sie   in   ganzer   Gestalt,  (Iolaos),    ebda    2054    quat. ;    mit    evas    (Eos), 

in  Chiton  und  Himation,  einen Thyrsos  haltend,  castra  (Kassandra)  und  capne  (Kapaneus),  ebda 

auf  einem  Felsen   unter  einem  Baum  sitzend,  2536  bis;  mit  arafta  (Ariadne),  aminft  (Amor), 

Head  p.  257.     C.  G.  C.  B.  M.  Tliess.  p.  36  nr.  1  40  eiasun    (Iason)   und  fu/luns  (Dionysos),   Fabr., 

PI.  7,  7;  auf  dem   der   Bronzemünzen   stehend,  Pr.  Spl.  374;  mit  latva  (Leda),  tuntle  (Tynda- 

in  Chiton  und   Himation,   eine   Taube   in    der  reos)  und  turan  (Aphrodite),  Frz.  Spl.  308  u.  s.  w.' 

R.,  vor  ihr  Eros,  Head  p,  257.  C.  G.  C.  B.  31.  Sehr   häufig   steht   er   auf  den  Bronzespiegeln 

p.  36   nr.  4   PI.  31,  6.     Zu  Neigebaurs   Notiz  seinem   Bruder    gegenüber    ohne    Namensbei- 

über   den  Fund   einer  „Venus  von  Terracotta,  schritten.    Merkwürdigerweise  haben  wir  sonst 

die  ein  Ferkel   an   den  Busen  drückt",  in  der  keine    Nachrichten    aus    dem    Altertum    über 

Nekropole  von  Tharros,  Arch.  Anz.  1858Sp.201*  den  Dienst  der  Dioskuren  in  Etrurieu;  s.  Dennis, 

bemerkt  E.  Gerhard   ebenda   Anm.**:    „Wäre  Ctt.  a.  Cem.  Is,  LVIII.     [Deecke.] 

beachtenswert     und     der    Aphrodite    Kastnia  Katachthonioi    Theoi    (Kazax^övioi  frtoi), 

(Gltd.  Myth.  §  378,  1  a)  vergleichbar,  wenn  die  50  die  Götter  der  Unterwelt  =  Chthonioi  (Bd.  1 

Figur  durch  Nacktheit   oder  sonst   als  aphro-  Sp.  907,  Z.  64ff.),  auf  einer  Inschrift  aus  dem 

tlisisch    gesichert    ist."     Bernoulli,    Aphrodite  kretischen    Lyktos,    Corr.    hell.    9    (1885),     25 

p.  363  Anm.  1 :  „Indessen  liegt  es  wohl  näher,  nr.  23.     Zwei  athenische  Inschriften   (C.  I.  G. 

in  der  sardinischen  Terracotta  eine  bekleidete  1,  916   und   add.   p.  919  =  C.  /.  A.   3,  1423. 

Figur    und    in    dem    Ferkel    ein     cerealisches  1424)  sind  geweiht  IlXovzatvt  Kai  z/rjftr/trpt  «ai 

Attribut    anzunehmen,   wie   u.  a.    bei   der   als  TLtQGtcpovn  kccl  'Eqivvvol  -Aal  itäoiv  xotqnctTu- 

eleusinische    Demeter    von    Lenormant    publi-  %&ovioi$  trfojs;  ebenso  C.  I.  G.  1,  916;  Arch. 

eierten  Figur  in  der  Arch.  Ztg.  1864.  Taf.  191."  epigr.,  Mitt.   aus  Oesterr.  9  (1885)   127  nr.  91. 

[Drexler.]  10  (1886)  242  nr.  8.    Gazette  archeol.  13  (1888;. 

Kastor  s.  Dioskuren  und  Kastur.  oo  Chronique  p.  47.     Auch  unter  der  Abkürzuug 

Kastores  (KdaroQfg,  Castores)  =  Dioskuren  &.  K.  sind  die  &ioi  Huxa%&öviot  zu  verstehen, 

(s.  d.)   Plin.   hist.   not.  5,  86.    10,  121.   34,  23.  G.  I.  Cr.  2,  1832;   vgl.   ferner  schol.  Find.  Ol. 

35,    27.    71.    93;    vgl.   Schneider,    Callimachea  13,  46;  sie  heifsen  auch  y.arax&övioi  d'ctiuovsg, 

2,  10.     De  Vit,  Onom.   unter  Castor.     [Höfer.J  Anth.  Pal.  7,  333,  [Ilv&uyoQov  xqvgü  Hitn  vs.  3, 

Kastur    (kastur),    etruskischer    Name    des  Melanges  greco-rom.  3  p.  549.    Drexler.];  &aal 

Kastor  auf  zwei  Bronzespiegeln.    Der  eine,  im  naxax&onai  bei  Apoll.     Bhod.  4,  1411.    Hades 

Florentiner   Museum,   schon   bei  Dempst,  Etr.  heifst   -AazoLx&oviog    Hesych.;     vgl.    Pollux    1, 

Beg.  t.  VII  (Bonarr.  22)   zeigt  zwischen   ihm  24      Dion.  Hai.  2,  10,  oder  Zeiis  narax&oviog, 


999                   KatacMbonioi  Kataibates                   1000 

Hom.  II.  9,  457.    Etym.  M.  409,  8.     Paus.  2,      'moni,  Wortes  p.  142   Fol.   Lond.  1G62);  in  the 

24,    4.      "iQtois    -xcezax&ovtoL    schol.    l'inä.   Ol.  language  of  the  Algonldns ,   her  name  is  iden- 

2,  104.    'Egivvg   Kaxax&ovi'a,  Etym.  M.  374,  5.  tical    ivüh   the    words  for  night,    death,    cold, 

[Eine    den    &ioig   Kuxax&ovioig   geweihte    In-  sleep,  and  water."  — 

schrift  verzeichnet  auch  Sterrett,- An  cpigraphi-  Die  oben  1  Sp.  348  nach  Schal.  Theoer.  Id. 

cal  journey   in  Asia    3Iinor  =   Papers   of  the  2,  12   erwähnte  "Ayyilog  (Hekate)  hiefs,  naeh- 

american  school  of  classical  studies  at  Athens.  dem   Zeus  sie   durch   die  Kabiren  hatte  reini- 

Vol.  2.    Boston  *18S8  p.  218   nr.  242;  eine  aus  gen   lassen,   KuTccx&ovia.     Waddington  zu  le 

Philippopolis  Millingen  'O  iv  Kcovar.  s'U.  cpiX.  Bas,  Voyage  arch.   en  Gr'ece  et  cn  Asie  Min., 

oi!ll.l873 — 74  p.  169  nach  Skordelis  =  Dumont,  10  Explic.  des  inscr.,  Asie  Min.  nr.  515   p.  141. 

Mel.   d'arch.    et   dipigr.    1892   p.  343   nr.  57 v.  Vgl.  Hekate. 

Häufig  ist  besonders  in  lykischen  Grabinschriften  Zu  Artikel  Chthonios  5,  oben  Bd.  1  Sp.  907 

die  Fluchformel  «pfiarcoAos  zoxai  aTioignarax^ro-  — 908  ist  nachzutragen  die  Anmerkung  5  von 

vwig,  Gustav  Hirschfeld,  Über  die  griechischen  Gustav    Wolff    zu    p.   112    von    Porphyrii   de 

Grabschriften,    welche    Geldstrafen    anordnen,  philosophia   ex   orae.  haurienda  librortan  reli- 

Königsberger  Studien  Heft  1  18S7   [p.  83 — 144]  quiac ,  wo  u.  a.  aus  Ariemidor  Oneir'oJcr.  2,  34 

p.  108,  p.  120,  B  nr.  13.   15.   36.   37.  45   [äpfia-  angeführt  wird:  x^ovioi  äs  Tllovrcov  Kai  fifpöf- 

xcoXbg  sgtcoi  &£ol$  y.azcix&ovLOis].  47.  50;  auch  (povn  y.al  dr}iif]xriQ  Kai  ^Enäzn  x^ovlcc  kkI'Eqiv- 

vntv&vvog    iaxai    ftioig    Kaxax&ovioig ,     B  43  vveg    Kai  Saifiovtg   oi  7i?gl    xovxovg  v.al  <l>6ßog 

(Aperlai);    hgÖGvlog  ■fftoig   ovgavioig  Kai  Kare-  20  Kai    dsi[jiog    .  .    xbv  "Aqi]   xtrj    [ilv    iv  xofg  iiti- 

X&ovioig,    B   14  (Pinara);    äasßfg  9eoig  Kaxa-  ysioig,  nr)  öf   iv  xoig  jjtroi'tots  KataxaKxi ov  . .  . 

X&ovioig,  B  1  (Telmissos),  Hirschfeld  p.  120—  Drexler.]     Vgl.  d.  Art.  Inferi.     [Höfer.] 

121   kommt  in  lykischen  Grabinschriften  mit  Katagaidioi    Theoi.       Eine    Inschrift    von 

Anordnung    von    Geldstrafen    vor.      Ben    von  Centuripae     lautet:       0eofg     Kaxa\yaidCoig. 

Preller,  Demeter  u.  Persephone  p.  187  zwischen  KoQvih'a   j    xQylozrl    la<-  9£-     £'£nasS   I    ^zrl  -*ß'i 

Zfis  -/.axax&oviog  und  Z.   jjtroi'tog   gezogenen  Kaibel,   Inscr.  Gr.  Ital.  et  Sicil.    581. 

Unterschied    stellt    in  Abrede    Bohde,  Psyche  [Drexler.] 

p.  191    Anm.  2.     dibg  Kaxa[x&oviov]    ergänzt  Katagusa  (Kaxdyovaa).     Bei  Plin.  n.  h    34, 

Sterrett,  The  Wolfe  expedition  to  Asia  Minor  69   heifst   es  von  Praxiteles:   Fecit  tarnen  ex 

=  Papers  of  the  american  school  of  class.  stud.  so  aere  pulcherriina  opera:   Proserpinae    raptum, 

at  Athens.  Vol.  3.  Boston  1888  in  dem  Würfel-  item    Catagusam  et  Liberum  .patrem   .... 

Orakel   von  Anabura   [p.  206-214    nr.  339 —  Hinsichtlich   der   sehr  verschiedenen  Deutung 

342]   p.  214,   D  vs.   16,   mit   Zustimmung   von  des  Ausdrucks   v.axdyovaa,  den   man  bald  auf 

Kaibel,  Hermes  23  p.  536,  537  Anm.  1.     Men  Demeter,   bald    auf   Hekate,    bald    auf   Kora, 

erhält  das  Beiwort  kkibj^.  in  Grabinschriften:  meist  aber  auf  die   Zurückführung    der  Kora 

von  Iconium:   ...  iäv  xig  x>)v  Gxr{lr]v  \  aäiKrjßii,  aus  der  Unterwelt  oder  auf  deren  Hinabführung 

Xsxola  jiivov   i'xoixo   [?fj;oi   xbv]  |  M^va   Kaxa-  in   das   Bereich   des  Hades   bezogen  hat,  vgl. 

X&äviov.  Badeta.  Paris,  B  G.  IL  10  1886  p.503f.  die    Darlegungen    und    Litteraturangaben   bei 

nr.6;  .  .  .  og  ä'  iav  £[7c]ioßiderixaL  r)  d\[ä]i.Kf,asi  Förster,    Baub    d.    Persephone    S.    104f.    und 

i'xoi  xbv   M~\i)va   Kaxax&övi  [o~\v   xe  xoXafii  vov,  40  bei  Overbcck,  Kunstmythol.  2  S.  433' [sowie  bei 

Sterrett,    An   epigr.    journey    to   Asia    Minor  Brenner,   Jahresber.  üb.   d.   Myth.   aus  d.   J. 

p.  200  nr.  211,  und  von   Derekieui:     .  .  .    iv-  1S76—1SS5  p.  264—265.  Drexler.]     [Röscher.] 

[o  QKi^öijiS&a]  ö'f  MTjvcC  Kaxax^oviov  slq  xovto  Kataibates   {Kaxaißuxng),    Beiname    1)  des 

[iviqijLsiov  [irjdiva  iiasXiitiv,  Sterrett,  The  Wolfe  Zeus,    Orph.  hymn.  19,  12.  15,  16.    Arist.  pax 

expedition  to  Asia  Minor  p.  174  nr.  284;  .vgl.  42.    Lylophr.   1370.    Klearch.   bei  Athen.   12, 

ebenda  p.  146  nr.  251,  wo  zu  [og  S\  av  k<3]<  522  f.  Pollux  1,  24.  9,  41.  Comut.  de  nat.  deor. 

K))arj   xo    (jLvijfia  Mijva   avm&sv   Kai  Kcex[a>&iv]  9   p.  28    Osann.       [Anecdota _  varia    Graeca   et 

'zu  ergänzen  sein  wird  kfxoX(o(ibvov  £%oi.  Latina  edd.  Schoell  et  Stademund  Vol.  1  p.  265. 

Der    Beiname    Kazax&oviog   wird    bei   Men  266.  274.  262.  Drexler.]  Der  Beiname  bezeichnet 

nicht  auffallen,  wenn  man  sich  erinnert,  dafs  50  den  Zeus  als  den  im  Blitz  und  Donner  herab- 

der  Mond  im  Glauben  vieler  Völker,  besonders  steigenden  Gott  anb  xov  Kaxaßaivsiv  xovxißxi 

als  Aufenthalt  der  abgeschiedenen  Seelen,  mit  Kaxa-niincnv  xovg  KEgavvovg,  Etym.  M.  494, 41; 

dem  Tode   in   Zusammenhang   gebracht  wird,  vgl.  Suidas,    der  neben   der   richtigen  Erklä- 

Boscher,  Selene  p.  90  f.   u.   Anm.  357.     Ettig.  ruug    aber   auch    die   falsche    giebt    dizb    xov 

Acheruntica,    Leipz.  Stud.    13    1891    p.  198 —  v.axaßaivr-AV    6/  i'^ata    xcöv    yvvaiKcov.      Dem 

200    „de  luna  animarum  sede".     F.  Schnitze.  Zeus  Kataibates  waren  die  BvnXvaia,  die  vom 

Der    Fetischismus    p.   248.     Bastian,    Ethnol.  Blitz  getroffenen  Orte,  heilig,-  Etym.  M.  341, 

Forschungen  2    p.  346.    Bastian,  Der  Papua  10.     Nach  Apollodor  im  schol.  Soph.  Oed.  Kol. 

p.  66*,   p.  319   Anm.  7.     Bastian,  Die   Völler-  705  hiefs    Zeus  Kataibates  auch  Morios  (s.  d.) 

stamme  des  östl.  Asiens   5    p.  437    Anm.  *    zu  eo  und  besafs  einen  Altar  bei  der  Akademia;  die 

p.  436;    6  p.   165.     Ztschr.  f.  Ethnol.  4   p.  374  Inschrift  -eines  Altares  (vgl.  Bevue  arche'ol.  16 

Anm.    2    zu    p.  373.      Waits,    Anthropol.    der  [1890],   235)    aus    Athen  trägt  die  Widmung 

Naturvölker  3  p.  197,  p   311  u.  a.  m. ;  vgl.  die  Jiog  Kaxaßaitov,  'Erprjiji.  dgxatol.  1889  61;  auch 
interessante  Notiz  von  Briidon,   The  myths  of      in  Olympia   war   ein   Altar   Kaxaißäxov   Jiög, 

the  neic  ivorld    p.  137:     ,,In   the  o:cult  philo-  Baus.  5,  14,  10.     Ein  Relief  aus  der  Nähe  von 

sophy  of  the  middle  ages  she  [the  moon  goddts]  Nauplia,   das  den  Zeus  darstellt,   der  mit  der 

was  „Chief  over  the  Night,    Darkness,    Bis',  R.  den  Blitz  schleudert,   während  die  L.  aus-' 

Death    and    the  Traters''     (Adrian   van    Hei-  gestreckt   ist,   trägt  die  Widmung  Jibg  Äga- 


1001                  •     Kataon  Kathegemon                  1002 

zaißdzov ,  Kophinitios   (in   der  Zeitung  Kaigoi  ■    Bonifikation  der  Unzucht:  "Hguv  zi  ol'Aanuaiav 

1890  nr.  476;  vgl.  Athen.  Mitt.   15   (1890),  233.  nata  Kazanvyoavviq.     [Höfer.] 

Revue  arcJieol.  a.   a.  0.   236,  Anm.  10)   meint,  Katarrhaktes     ( Kazaggäy-z-ng) ,      Flufsgott, 

dafs    ein    Versehen     des    Steinmetzen    (Kga-  erscheint  gelagert  auf  Münzen  des   L.    Verus 

zaißdzov   für   Kazaß.)    nicht  anzunehmen    sei,  (Loebbecke,   Zeitschi',  f.  Num.    12  1885    p.  326 

und    erblickt    in   Kgataißdzrig   ein   neues  Epi-  nr.   1)   und   des  Septimius  Severus  (Lealce,  N. 

theton   des    Zeus,    das   er   durch    Worte    wie  Hell.  As.  Gr.  p.  80)  von  Magydos,   Hcad,  H. 

xgcczaißoZog,y.gazcayvalog,y.gazai7tovg  zustutzen  N.  p.  584.     [Drexler.] 

sucht;    auch  bezieht   er   den  von  Paus.  2,  25,  Kataskopia(_ffarci:ffK07rtß),  Beiname  derAphro- 
10,   vgl.   Bd.  1    Sp.  2077,   Z.  61  ff.   erwähnten  10  dite   in  Troizen.     Ihr   Tempel   stand   oberhalb 

Kultus    des    Zeus    zu    Arachnaion    auf   dieses  des  Stadions  des  Hippolytos;  der  Name  Kaza- 

Epitheton.     Mag  man  nun  ein   Versehen   des  oy-onia  stammt  daher,  weil   von  dieser  Stelle 

Steinmetzen  annehmen   oder  nicht,   auf  jeden  aus  Phaidra  dem  Geliebten  bei  seinen  Übungen 

Fall    entspricht  Kgazaißdz-qg    inhaltlich    voll-  im  Stadion  zuzuschauen  pflegte  (Paus.  2,  32,  3, 

ständig   dem  Kazaißdzrjg.  —  Auch   dem  gött-  vgl.  Bd.  1  Sp.  2682,  Z.  57).   Auch  in  Athen  hatte 

lieh  verehrten  Dcmetrios  gab  die  Schmeichelei  Phaidra,  während  Hippolytos  in  Troizen  weilte, 

der  Athener   den  Beinamen   Kataibates,   Flut.  der  Aphrodite  einen  Tempel  geweiht,  von  dem 

TJemttr.  10.  Clem.  Alex,  protr.  16  p.  48  Potter.  aus    sie    den   Aufenthaltsort  ihres   Stiefsohnes 

[Die  Tarentiner  opferten  dem  Zeus  Eataibates,  erblicken  konnte;  Eur.Hipp.  30  (vaugy.azuipi.os) 
weil  ihre  Landsleute  wegen  ihrer  bei  der  Ein-  20  IMod.  Sic.  4,  62  (o&sv   rrv  nuftogäv  ilg  Tgoi- 

nähme    der    Iapygerstadt    Karbina     verübten  Jr/i'a).  [Nach  Wide,  De  sacris  Troezeniorum  etc. 

Frevel    vom    Blitz    erschlagen    wurden,    Athe-  Upsala  18S8  S.  32 f.  bezieht  sich  der  Name  K. 

■naeus    12    p.  522    (reo.    Kaibel   vol.  3  p.  153).  vielmehr  auf  die  „dea  marina,   quae  mare  de- 

Auf  den  Münzen  von  Cyrrhus  erscheint  Zeus  K.  spiciens    nautis    favet    et    consulif'.     Röscher.] 

mit    der   Beischrift   AIOC.   KATAIBATOY    oder  Stephani,    Compte-rendu     1861     127     will    in 

KATGBATOY,    sitzend 'auf  Felsen,    in   der   R.  der     dicht    versehleierten    Figur     auf     einem 

den  Blitzstrahl,  in  der  L.  die  Lanze,  oder  sein  Vasengemälde    (a.  a.  ü.    124  ff.    Taf.  5    nr.  1) 

Kultusbild  im  Tempel,  P.  Burmannus,   Yecti-  und    auf    drei   Marmorreliefs    (a.  a.  O.    120  f.) 

palia  populi   Born,    et   Zsvg   y.azaißdziqg ,    sive  die  Aphrodite  Kazaoy.onCa  erblicken.   Möglich, 
Iupiter     fulgurator     in    Cyrrhcstarum    numis.  30  dafs  die  auf  einer  Inschrift  aus  Troizen  [Bau- 

Traj.   Bat.  1700.   4°;   ed.  2.    Leidae  1734.     4".  nach,  Studien  1,  166.  171)  erwähnte  'jcpgoäiza 

Eehhel  3  p.  260.    Head  p.  654.    Overbech,  Zeus  ä   t'fi   ßaeeaig   mit   der   Kazao%onCa    identisch 

p.  214  —  215    Münztafel    3,    16.  17.     Dafs  der  ist;    freilich    gab    es    in    Troizen    noch    eine 

Widder   über   dem   Tempel   auf  Münze   nr.  17  Aphrodite  'Ay.gaia,  Pazis.  2,  32,  6  und  Nvucpt'a, 

nicht   als   Symbol   der  Wolke   aufzufassen  ist,  Paus.  2,  32,  7.     [Höfer.] 

wie   Overbech  will,  .sondern   als   Zeichen   des  Katliaroi  (Kairagoi).     Pausanias  (8,  44,  5) 

Zodiacus    hat  Eehhel   3    p.  260    u.   284 f.    aus  berichtet    von    Pallantion     in    Arkadien:    zä 

Manilius  Astron.  4,  747:  „Illum  etiam  venerata  locpm  äs  zä  iizig  zrjg  noXsiog  oaa  dtigonoXsi  zo 

colit  vicina  Propontis,  Et  Syriae  gentes,  et  laxo  dg%aiov  iygiövzo'   liimzai   ös  y.al  ig  rjfiäg  i'zi 
Persis  amictu"  bewiesen.     Drexler.]    Vgl.  zlibg  40  snl  -/.ogvqifj  zov  löyov  fttäv    isgöv.   iniyj.naig 

Kazaißdzov  aßazov  Class.  revieio  1891  288a.  —  pkv   Sr)  tazi  avzoig  Ku&agoi,  "7zigl  jisyiozcov 

2)    des    Hermes     als    Totenführers     bei     den  de   avxö&L.  v.a%e6zriy.aaiv   01   ogy.oi.    y.al   ovö- 

lihodiern   und  Athenern,    schal.  Aristoph.  pax  fiaza  filv  zäv  &eü>v  ovy.  i'caaiv,  7)  y.al  eiäözeg 

650;    vgl.    Bd.   1     Sp.   2375,    Z.   12.      Sp.  2356,  ovx  i&elovaiv    i^ayogeveiv    Ka&agovg   äe  ixi 

Z.  31  ff.  —  3)  des  Ächeron,  Eur.  Bahch.   1361;  zoimSe  äv  zig  y.lr]9fjvai  zev.fiuigoizo,  ö'zi  avzoig 

vgl.  Apoll.  Blwd.  2,  353.  Lyhophr.  70.    [Höfer.]  ov  y.azu  xavzd  0  Tldllag    e&voe,    y.a&ä    neu    o 

Kataon  (Ketzdtar),  Beiname  des  nach  Strabo  naz-qg  01  zä  Avxaim  rfii.    Nach  Immenvahr,  D. 

p.  537  in  ganz  Kappadokien  verehrten  Apollon.  Kulte  u.   Mythen  Arkadiens  1  S.  68.  91.  104. 

Cavedoni ,    Spie.   num.    p.  255    Note  217    will  119.  231  sind  die  Katharoi  von  Pallantion  den 
Apollon    Kataon    in    dem    von    Sestini,    Mus.  50  am    Tilphosion     bei    Haliartos     ebenfalls    als 

Hed.  2  p.  368   nr.  30   Tb.  29,  1    als  „Apollon  Schwurgottheiten     verehrten     Praxidikai 

nudus    ad    s.    stans    d.    ramum ,     s.    demissa  (s.  d.)   analog   zu   erklären    und  gehören    dem 

arcum"  beschriebenen  Typus  einer  Münze  von  Kult  der  in  Pallantion  zu  besonderem  Ansehen 

Kaisareia  erkennen.    Dagegen  will  Otto  Puch-  gelangten  Demeter-Erinys-   oder  der  Ka- 

stein,  Pseudöhethitische  Kunst.  Berlin  1890  p.  21  beiren -Religion  an.     [Röscher.] 

den   Apollon    Kataon    erkennen   in   der   Figur  Kathegemon  (Ka9rjysji(ov),    Beiname  1)  des 

auf  dem    mit    phantastischen   Attributen   ver-  Dionysos    in    Pergamon     auf    Inschriften, 

sehenen  Tier   der  Münzen  von  Tarsos  (Baoul-  Fränhel,  Die  Inschriften  von  Pergamon    221. 

Bochetle,   Me'moires   d'areh.   compare'e   I.     Sur  222.  236.     In   Inschriften    aus-  römischer    Zeit 
VHercule  Assyrien  et  Phenicien.  PI.  IV.     Im-  60  sind    dem    Dionysos    Kathegemon  Weihungen 

hoof,  3Ionn.  gr.  pl.  H,  14),  in  der  man  gewöhn-  in  Gemeinschaft  mit   einem  Thiasos    (Fränhel 

lieh  Sandan,  Babelon,   Les  rois  de  Syrie,  d'Ar-  a.  a.  U.  p.  127  zu  nr.  222.   Waddington,  Inscr. 

menie  et  de  Commagine.     Paris  1890.  p.  CLVI  d'Asic  min.  281.  Lüders,  Dionys.  Künstler  181) 

—  CLIX   „Le    tombeau    de   Sardanapale   (autel  dargebracht;    in   Inschr.   248    werden    zgiezn- 

de  Zeus  Dolichenus)"   den   Zeus  Jolt-xaiog   er-  giäeg    Ka&qye  jiovog    Jiovvoöv    erwähnt,    vgl. 

kennen  will.     [Drexler.]  Fränhel   p.    167.      E.    Curtius    im    Hermes    7 

Katapygosyne    (Kazanvyoavvri),    von  Krck  (1873)39.     Keivton-Hichs ,  anc.  inscr.  3  p.  230. 

tinos   bei  Flut.  Ferikl.  24,  10    gebildete  Per-  Der  Tempel  und  der  Kultus  dieses  Dionysos 


1003                     Kathetos  Kaukasos  ■                   1004 

wird    als    eine   Stiftung    des   Telephos    (s.  d.)  Kciroixiöioi  =  Penates;  %azoi-*CStog  &sög  — 

betrachtet,    Robert,    Pergamenischer  Telephon-  Lar,     Cyrilli,     Philoxeni    aliorwnque    veterum 

Fries  in  Jahrbuch  d.  Kais,  deutsch,  dreh.  Inst.  auctorum  glossaria  graeco-latiua  a  C.  Labbaeo 

3,  105  (Bild   des  Dionysos  K.  bei  Baumeister,  colleeta.  Lutet.  Paris.  1679.  2°  p.  101;  ebenda 

Denkm.  1260f.   Conze,  Zur  Topographie  von  Per-  p.  270:    Lares   familiäres,    rjgcosg    kutoi-hiSioi; 

gamon    9).      Auch     auf     einer     Inschrift     aus  p.  292:    Penates,    nazgmot    9sol,    tuxtoiv.ISloi; 

Thyateira  findet  sich  ein  fcgsvg  zov  Ka&i]-  vgl.   auch    G.    Wölff ,   Porphyrii  de  philos.   ex 

yspovos    Jiovvaov  ,    Bull,    de    corr.   hellen.    11  orac.  haur.  libr.   rel.  p.  113  Anm.  5  zu  p.  112: 

(1887),  102;   ferner  in  Teos,  C.  1.  G.  2,  3067.  „In  terrestrium  numero  Olympiodorus  in  Plat. 
3068a,  s.  Büclh  zu  2    p.  657.    Corr.  hellen.  4,  10  Alcibiadem  priorein  in  ipso  initio  refert  Klipa- 

170;    vgl.    auch    C.  I.   G.   4,    6829   und    Bd.  1  zägxag  Kai  tTii%v)Qiovg ,   nazgmovg,    scnoüjjot's, 

Sp.  1876,  Z.  66ff.  —  2)  des  Hermes  auf  einer  xazor*.i8i'ovg.iL      [Drexler.] 

Inschrift  aus  Sparta,  Bull,  de  corr.  hellen.  Katrens  (Kazgsvg),  erstgeborener  Sohn  des 
a.  a.  0.  223;  [=  Sterretb,  An  epigr.  journey  Minos  und  dessen  Nachfolger  in  der  Herrschaft 
in  Asia  Minor  p.  119  nr.  91;  Herbert  Weir  von  Kreta.  Seine  Mutter  war  Pasiphae*  oder 
Smith,  Class.  Bev.  3  1889  p.  330.  Drexler.].  Krete.  Er  war  Vater  der  Aerope,  Klymene, 
—  3)  ähnlich  heifst  Apollon  auf  einer  Apemos37ne  und  des  Althaimenes.  Aerope  und 
Inschrift  aus  Kalynma  7rgona&riy£[ia>v  &?6g,  Klymene  wurden  von  ihm  wegen  gemeiner 
Corr.  hellen.  8,  28.  —  4)  Artemis  auf  einer  In-  Leidenschaft  dem  Nauplios  übergeben,  damit 
schiift  aus  Ephesos  zfj  zs  ngoiiced-rjyizidi  zijg  20  er  sie  im  Meere  versenke;  dieser  aber  gab 
■jiolttijg  &sä  'AgzifiiSi  Neicton-Hicks  a.  a.  O.  3  Aerope  dem  Pleisthenes  zur  Ehe,  welchem  sie 
p.  147.  —  5)  ngoKaftriyhig  &tu  'Excizri  Inschrift  den  Agamemnon  und  Menelaos  gebar,  und 
aus  Sidyma  in  Lykien,  Benndorf- Biemann,  heiratete  selbst  die  Klymene,  die  von  ihm  Mutter 
Meisen  in  Lykien  und  Karlen  p.  68  nr.  43;  des  Oiax  und  Palamedes  wurde.  Über  Althai- 
vgl.  ebenda  p.  69  nr.  43  izpo  ny  szai  &soi  menes  und  Apemosyne  und  den  Tod  des 
"AQTtiiig  *ai  'Ancllav.  —  6)  bei  Plut.  Thes.  18  Katreus  s.  Althaiment-s,  ApolloJ.  3,  1,  2.  3,  2, 
'Aq/goSirnv  xcc&riysiJiova  noisCc&ai.  .Kai  naga-  1.  2.  Diod.  4,  60.  5,  59.  Schol.  Sopll.  Ai.  1291. 
xaXtiv  oi))'£fi7to(30v  ist  ita9rjyi[iciv  nicht  Bei-  Tzetz.  L.  384.  Die  Arkader  sagten,  dafs 
name.  [Höfer.]  Katreus,  ein  Sohn  des  Tegeates,  Enkel  des 
Kathetos  {Ka&r]zog)  verliebte  sich  in  Salia,  30  Lykaon,  aus  Arkadien  nach  Kreta  eingewan- 
die  schöne  Tochter  des  tuskischen  Königs  dert  sei,  Paus.  8,  53,  2.  Nach  Schol.  Od.  5, 
Annios,  als  er  sie  beim  Spiel  erblickte,  und  125  war  Iasion  Sohn  des  Katreus  und  der 
entführte  sie  nach  Rom.  Als  der  Vater  die  Phronia,  Gerhard.  Gr.  M.  2  §  729;  vgl.  Preller, 
Entführte  und  den  Entführer  nicht  einholen  Gr.  M.  2,  127  ff. ,  der  den  Katreus  für  den 
konnte,  sprang  er  aus  Verzweiflung  in  einen  Repräsentanten  der  phönikisch-karischen  Vor- 
Flufs  (TLugtovoiog  rcozatiog),  der  nun  nach  ihm  zeit,  namentlich  ihres  Unterliegens  unter  dem 
Anio  ('Avviiov)  benannt  wurde;  Kathetos  aber  Andrang  der  hellenischen  Ansiedlungen  er- 
erzeugte mit  der  Salia  den  Latinos  und  Salios,  klären  möchte.     [Stoll.J 

von  denen  die  edelsten  Geschlechter  ihren  Kaukaseus  (Kavxaesvg) ,"  Beiname  des 
Ursprung  ableiteten.  Apokryphe  Sage  bei  Ps.-  10  Apollon  von  dem  Hafen  Kaukasa  (Herod.  5, 
Plut.  paräll.'&O,  der  sich  auf  den  Milesier  33)  auf  Chios,  Dittenberger,  Sylloge  I.  G.  370, 
Aristeides(?)  und  Alexander  Polyhistor  (?)  be-  19  p.  537.  Ebenso  hat  auch  Artemis  den  Bei- 
ruft. Vgl.  Müller,  Fr  gm.  Mstor.  Graec.  3  namen  Kaukasis  (Kavv.aoi'g),  Dittenberger 
p.  230.     [Röscher.]  a.  a.  O.     [Höfer.] 

KatllOKOS   (Kd&omog),    Name   eines   Heros.  Kaukasos    (Kavxaeog),    1)    ein    Hirt,    von 

Thcognost.  bei  Gramer,  Anecd.  Oxon.  2,  59,  28.  Kronos  getötet;   Zeus  benannte  nach  ihm  das 

[Höfer.]  früher  Bogsov  Y.otzr]  geheifsene  Gebirge;  Klean- 

Katis  (Küzig)  nennt  Tzetzes  schol.  inLycophr.  thes   bei  Pseudo-Plut.   de  fluv.  5,  3.  —   2)  auf 

Cass.  v.  22  als  Sohn  des  Phrixos.  Aber  schon  der  rechten  Seitenfläche  eines  römischen 
Müller  in  seiner  Ausgabe  der  Schollen  1  p.  310  so  Sarkophags  (Bighetti  1,  75),  wo  die  Befreiung 

Note  27  und  Baou'l l  Bochette,  Hist.  de  Vetablisse-  des    Prometheus    durch    Herakles    dargestellt 

'  ment  des  colonies  grecques  2  p.  194  Note  1  er-  ist,    erblickt  Baumeister ,    Denkmäler    p.  1414 

kannten,   dafs   dort   an   Stelle   von  Kaxig  und  (vgl.  Abbild.  1568  C)  in  der  oberen  Ecke  den 

Sägog  herzustellen  ist  Kvziaaiogog.    [Drexler.]  gelagerten     Berggott     Kaukasos,     der     einen 

Katochos  (Kdzoxog),  Beiname  1)  der  Ge  auf  Zweig   (irrtümlich   statt  eines   Füllhorns,   wie 

einer   Bleitafel   mit  Verwünschungsformel   aus  Baumeister    meint)    im    rechten    Arme    trägt, 

einem  attischen  Grabe,  C.  I.  Gr.  53S.  —  2)  des  [Vgl.   über    dieses   (auch   bei    Bellori-Bartoli, 

Hermes  auf  einer  ähnlicheu  Bleiplatte,  C.  I.  Gr.  Admiranda   Born.    ant.    66.    67.      Montfaucon, 

539,  vgl.  Fr.  Lenormant,  Bh.  Mus.  N.  F.  9  Ant.  expl.  I,  1,  24;  I,  2,  131.  Miliin,  Gal. 
1854  p.  366f.  373;   C.  Wachsmuth,  Bh.  Mus.  ao  myth.  93,  383.   Müller -Wieseler,  Dkm.  I2,  72, 

N.   F.    18   1863   p.  560  —  561.     Den   Beinamen  405;  2,  65,  838,  b.    0.  Jahn,  Ann.  d.  Inst.  1847 

erklärt  Boeckh  zu  nr.  539:  „Haud  dubie  Terra  Tav.   d'agg.    Q.  B.  Be,   Scult.   del  Campidoglio 

et  Mercurius  xrtrojjot  dicti  sunt,  quod  necessitate  Tav.    176  —  177.      Milchhöfer ,    Die    Befreiung 

irrevocabili  detinent  defunctos  .  .  .  Sed  a  prae-  des  Prometheus.     42.  Berliner  Winckelmanns- 

stigiariim  sacerdotibus  vocis  vis  ad  KazaSiafiav  programm  p,  1,  Vignette  abgebildete)  Relief: 

rationem  translata  videtur,  ut  iam  xarojjof  &8oi  Wieseler ,     über    ein    Votirrelicf  aus    Mcgara 

essent  ii,   qui   defixos   a  viagis   homincs  dctine-  p.  28f.  Anm.  38  und  Einige  Bemerkungen  über 

rent."     [Drexler.]  die  Darstellung  der  Berggottheiten  in  der  klass. 


1005 


Kaiikon 


Kaüsios 


1006 


Kunst,  Gott.  Nachr.  1876  p.  72  f.  Müchhöfer 
a.  a.  0.  j5.  6 — 7.  0.  Schultz,  Die  Ortsgottheiten 
in  der  griech.  u.  rüm.  Kunst.  Berlin  1889  = 
Berliner  Stud.  f.  II.  Phil.  u.  Ärch.  Bd.  8  H.  3 
)).  78.  Den  Berggott  Kaukasus  erkennt  ferner 
Müchhöfer  a.  a.  0.,  bes.  p.  10  —  11,  mit  Zu- 
stimmung von  Schultz  p.  77  in  der  gelagerten 
Gestalt  eines  plastischen  Figurenbikles  aus 
Pergamon.  Drexler.]  [ —  3)  Name  eines  Kol- 
chers  bei   Val.  Fl.  6,  G41.    R.]     [Höfer.]  10 

Eunkon  (Kav-xtov),  1)  König  und  Heros  Epo- 
nymos  der  Kaukonen,  eines  altgrieehiseken 
Volksstammes,  der  an  der  Westseite  des  Pelo- 
ponneses  und  in  Arkadien  sowie  auch  in 
Kleinasien  safs.  Er  heifst  Sohn  des  Lykaon, 
Apollod.  3,  8,  1.  Tzetz.  L.  481,  ein  Arkader, 
Schol.  Od.  3,  366,  und  hatte  zu  Lepreos  in 
Triphylien  sein  Grab,  Paus.  5,  5,  4.  Der  Er- 
bauer von  Lepreon,  Lepreus  oder  Lepreos,  ist 
Sohn  des  Kaukon,  dessen  Vater  hier  Poseidon  20 
heifst,  und  der  Astydameia,  einer  Tochter  des 
Phorbas,  Athen.  .10,  412  a.  [Weiteres  s.  bei 
Töpfer,  Alt.  Geneal.  S.  215  ff.  Röscher.]  — 
2)  Nach  später  Sage  Eleusinier,  Sohn  des 
Kelainos,  Enkel  des  Erdgebornen  rhlyos; 
er  brachte  von  Eleusis  die  Orgien  der  grofsen 
Göttinnen  nach  Andania  in  Messenien  und 
wurde  von  den  Messeniern  als  Heros  ver- 
ehrt,   Paus.   4,    1,   4.    5.    4,    2,    4.    4,    26,    6.' 

4,  27,   4.      [Genaueres_  bei   Töpffer    a.    a.    O.-30 

5.  214f.  Koscher.]  —  Über  die  Sitze  der  Kau- 
konen s.  Deimling ,  Leleger  41.  97.  130  ff. 
Cartius,  Pelop.  1,  411,  2,  9.  75. 153.  [0.  Crusius 
bei  Ersch  und  Gruber,  Allg.  Encykl.  Sekt.  2 
Bd.  35  S.  23 ff.  Töpffer  a.  a.  0.  S.  216,  1.  223. 
236.     B.]     [Stoll.] 

KavXaxav ,    gnostische  Gottheit,    Epipha- 
nius  2,  34  Dind.    Wessely,  Ephesia  Grammata 
nr.  57;   nr.  64:    „Caulacau,   Philastrius  c.  33, 
Petavius  ad  Epiph.  c.  44,   Wetstenius  ad  Orig.  40 
p.  102."     [Drexler.] 

Kaulos  (KavXog),  Sohn  der  Amazone  Kleite, 
welcher  die  Stadt  Kauion  oder  Kaulonia  in 
l  Tuteritalien  gegründet  haben  soll,  Serv.  V.  Aen. 
3,553.  [Vgl.  Steph.Bys.  s.  v.  KavlwvCa:  änayäo 
tov  KavXävog  vatsgov  fitxiovoiiüo&r]  KavXcavt'a. 
Diesen  Kaulos  oder  Kauion  will  Panofka, 
Über  die  Münztypen  von  Kaulonia,  Arch.  Zei- 
tung 1  1843  [Sp.  165  —  175]  Sp.  174  erkennen 
in  der  eilenden,  zuweilen  an  den  Füfsen  ge-  50 
Äugelten,  in  den  Händen  einen  Zweig  halten- 
den Figur,  welche  auf  Münzen  von  Kaulonia 
eine  nackte  männKche,  in  der  erhobenen  R. 
einen  Zweig  haltende,  meist  für  Apollon  er- 
klärte Gestalt  mit  einem  Hirsch  zur  Seite, 
auf  der  ausgestreckten  L.  hält.  Soviel  mir 
bekannt  ist,  hat  sich  niemand  Panofkas  Deu- 
tung angeschlossen.  Die  verschiedensten  Ver- 
mutungen sind  über  die  Bedeutung  des  merk- 
würdigen Typus  aufgestellt  worden.  Um  nur  60 
einige  davon  anzuführen,  so  erkennen  unter 
einstimmiger  Deutung  der  Hauptfigur  als 
Apollon  in  der  kleinen  Gestalt  K.  0.  Müller, 
Hdb.  d.  Arch.  d.  K.  p.  516  und  Denhm.  d.  a.  . 
K  1,  14,  72  Orestes;  der  Duc  de  Luynes, 
Nouv.  ann.  de  la  sect.  franc.  de  l'inst.  arch.  1 
p.  426  Aristaios;  de  Witte,  Per.  num.  1845 
p.  400    Daphnis;     Raoul-Rcchctte,    Memoires 


numismatiques  et  d'antiquite.  Paris  1840.  4°: 
„  Observations  sur  le  type  des  monnaies  de 
Caulonia"  [p.  1  —  48]  p.  26ff.  den  Genius  der 
Lustration  'Ayvta^og  oder  Kaftagfiog ,  womit 
sich  einverstanden  erklärt  Cavedoni,  Bull.  d. 
Inst.  1842  p.  90  f. ;  Watkiss  Lloyd,  Num.  Chron. 
10  1847  p.  1  ff .  den  die  Luft  reinigenden  Wind 
auf  der  Hand  des  Apollon  Katharsios;  S.  Birch, 
Notes  on  types  of  Caulonia,  Num.  Chron.  8 
1845,46  [p.  163ff.]  p.  168  Hermes,  verfolgt  von 
Apollon;  Gardner,  Types  of  greek  Coins 
PI.  1,  1  p.  85 — 86  van  embodiment  of  the  %6Xog 
or  wrath  of  the  Apollo,  ivho  is  about  to  attack 
the  enemies  of  the  deity  ivith  swiftness  indica- 
ted  by  the  icings  of  his  feet,  and  an  energy 
corresjjonding  to  his  attitude''.  Avellino,  Giorn. 
num.  2  p.  24  und  Opuscoli  diversi  2  p.  110  f. 
sah  in  der  Hauptfigur  Dionysos,  in  der  kleinen 
Gestalt  OiozQog;  Stcinbücltcl  in  letzterer  einen 
Satyr  oder  Pan;  Streber,  Gel.  Anz.  d.  k.  b.  Ale. 
Juni  1837  nr.  128-129;  Intelligenzblatt  p.  1052, 
Sitzung  vom  14.  Jan.  1837  in  der  gröfseren 
Figur  Herakles,  heinikehrend  aus  dem  Lande 
der  Hyperboreer,  in  der  kleineren  einen  Ker- 
kopen.  Eckhel ,  Poolc ,  Head  verzichten  auf 
eine  Benennung.    Drexler.]    [Stoll.] 

Kauuos  (Kavvog),  Sohn  des  Miletos,  des  aus 
Kreta  gekommenen  Gründers  von  Milet,  und 
der  Eidothea,  Tochter  des  Eurytos  (Ant.  Lib.), 
oder  der  Tragasia,  Tochter  der  Kelaino  (Par- 
titen.), oder  der  Areia  (Schol.  Theoer.),  oder 
der  Kyanee,  Tochter  des  Maiandros  (Ovid.), 
oder  der  Doie,  Tochter  des  Maiandros  (Schol. 
Dion.  Per.  825),  Bruder  der  Byblis.  Bei  Norm. 
Dion.  13,  546  ff.  ist  Kaunos  Bruder  des  Miletos 
und  der  Byblis.  Die  Variationen  der  mit  den 
Traditionen  des  Aphroditekultus  in  der  Nähe 
von  Milet  zusammenhängenden  Sagen  von  der 
unglücklichen  Liebe  des  Geschwisterpaares 
Kaunos  und  Byblis  s.  unter  Byblis.  Kaunos 
entwich,  die  unnatürliche  Leidenschaft  der 
Schwester  fliehend,  oder  um  über  die  eigene 
Liebe  zu  der  Schwester  Herr  zu  werden,  aus 
dem  väterlichen  Hause  nach  Lykien,  wo  er 
die  Stadt  Kaunos  gründete,  Anton.  Lib.  30. 
Partiten.  11  (Meineke,  Anal.  Alex.  313).  Konon 
2.  Schol.  Theoer.  7,115.  Eustath.  zu  Dion.  Per. 
533.  Ov.  Met.  9,  453  —  665.  Hyg.  f.  243.  Steph. 
B.  v.  Kavvog.  [Mythoqr.  Vat.  1,  204.  R.] 
Hock,  Kreta  2,  313.  Preller,  Gr.  M.  1,  296. 
2,  135.  [E.  Rohde,  Der  griech.  Eoman  p.  95 
Anm.  1.  Drexler.]  Kavviog  igoig  wurde  sprich- 
wörtlich für  eine  krankhafte  unnatürliche 
Liebe,  Aristot.  Rltet.  2,  25.  Hesych.  u.  Suid. 
v.  Kavviog  tQiag.  Diogenian.  5,  71.  In  Lykien 
zeugte  Kaunos  mit  der  Nymphe  Pronoe'  den 
Aigialos,  und  dieser  gründete  eine  Stadt,  die 
er  nach  dem  Vater  Kaunos  nannte,  Kon.  2, 
vgl.   Partiten.  1.     [Stoll.] 

Kansnntlia  (Kavaäv&a),  ein  Daimon,  wel- 
chen Porphyrios  aus  einem  Bade  vertrieb, 
Eunapius,  Vitaephilosoph.  et  sophist.  Antverpiae 
1568  p.  17.  —  Maury,  Hist.  des  religions  de  la 
Grece  ant.  1  p.  158  Anm.  1  erklärt  den  Namen 
mit:  „brülant,  de'mon  atiquel  etait  attribuee  la 
vertu  de  cette  eau  thermale".     [Drexler.] 

Kaüsios  ( Kaovaiog ) ,  _  Beiname  des  Askle- 
pios    von    dem    arkadischen   Dorfe    Kaüs ,    in 


1007                 Kantus  Pates  Kaystros                 .     1008 

dessen  Nähe  ein  Tempel  des  Gottes  stand,  Kaystros  oder  Kaystrios  (A"«i'orpog,  Kav- 
Pcius.  8,25,1.  Steph.Byz.  s.v.  Kcxovg.  [Höfer.]  orgiog),  der  Gott  des  gleichnamigen  lydischen 
Kantus  Pates,  C.  I.  L.  8,  2228,  Bezeichnung  Flusses,  der  bei  Ephesos  mündete.  Er  war  der 
des  Mithras,  s.  oben  1  Sp.  857 f.  Die  Schrei-  Sohn  der  Amazone  Penthesileia  und  des  Achil- 
bung  mit  C  ist  die  gewöhnlichste,  auch  die  leus  und  hatte  mit  dem  Heros  Asios  an  dem 
mit  G  kommt  vor,  Orelli  2041:  DEO  |  GAVTO  1  Flufs  ein  Heroon  auf  der  Asischen  "Wiese, 
PAT,  C.  L.  Visconti,  Bull,  arcli.  mun.  2  1874  Serv.  V.  Aen.  11,  661.  Strdb.  14,  650.  Nach 
p.  234f.,  Tav.  XX:  G  P  |  PRIMVS  PATEll  Paus.  7,  2,  4  war  der  Plufsgott  Kaystros  Vater 
FECIT.  Zu  den  oben  nachgewiesenen  Pro-  des  Ephesos,  der  die  Stadt  Ephesos  und  den 
vinzen,  in  denen  der  Name  vorkommt,  tritt  10  dortigen  Tempel  der  Artemis  gründete.  Zu 
noch  Gallien,  wo  in  Vienne  sich  die  Inschrift  Askalon  heiratete  Kaystros  die  Derketo  und 
DEO  :  CAVTjE  findet,  C.  I.  L.  12,  1811,  Allmer  zeugte  mit  ihr  die  Semiramis,  Et.  M.  v.  Kdv- 
et  de  Terrebasse ,  Inscr.  ant.  et  du  moyen  dge  ctqos.  [Stoll.]  [Der  Flufsgott  Kaystros  kommt, 
de  Vienne  1,  2  p.  454  —  457.  Zu  den  dacischen  durch  die  Beischrift  KAYCTPOC  kenntlich  ge- 
Inschriften kommt  noch  A.  E.  M.  6  18S2  p.  103  macht,  häufig  auf  den  Münzen  von  Ephesos 
nr.  18:  S(oli)  I(nvicto)  M(ithrae)  C(autopati)  vor:  autonom,  Mi.  3,  91,  238  (mit  Schilfstengel 
Speel(ius)  ValefrianttS?]  und  p.  106  nr.  41:  in  der  R.,  den  1.  Arm  auf  der  Quellurne); 
Cautopati  sac(rwm)  Synetfms  adiut(or)  tabu-  Hadriau,  Mi.  3,  97,  277  (in  der  R.  Ähren,  in 
l(arii)  v.  s.  I.  m.  Über  das  Denkmal  zu  Fried-  der  L.  Füllhorn,  bei  ihm  Quellurne);  Commodus, 
berg'in  Hessen  (Hennen  5853)  handeln  Ph.  so  Mi.  3,  105,  329;  Gallienus,  Mi.  3,  125,  464; 
Dieffenbach,  Über  den  Gott  Cautopedes  und  Salouinus,  Mi.  3,  126,  470;  S.  6,  212,  893.  894. 
seine  Beziehung  zum  Mithrasdienste ,  Archiv  f.  — KAYCTPOCundKENXPEIOC  sollen  erscheinen 
Hess.  Gesch.  6,  2  1852  p.  243—262  u.  de  Bing,  gelagert  zu  Füfsen  des  Bildes  der  ephesischen 
Du  surnom  de  Cautopates  donne  ä  Mithra  sur  Artemis  unter  Antonin us  Pius,  Cat.  Huber  p.  53 
une  inscr.  de  Friedberg  1853.  Des  Altars  C.  nr.  574  uud  Septimius  Severus,  Mi.  S.  6,  155, 
I.  L.-  5,  5465  von  Rocca  d'Angera  gedenkt  497  nach  Vaillant;  vgl.  Mi.  3,  106,  335  nach 
A'  Garovaglio,  77  cxdto  di  Mitra  in  Lombardiu,  Sestini,  73.  TV.  V.  p.  330  und  Philippus  sen. 
Archivio  storico  lombardo  1890  p.  167.  Zu  der  .Mi.  3,  li9,  428  nach  Vaillant  (letztere  beide 
oben  angeführten  Ableitung  des  Namens  ohne  Beischrift).  Doch  erwähnt  Head  den 
kommen  noch  folgende:  de  Bing  erkennt  darin  30  Flufsnamen  Kenchreios  nicht;  auch  erscheint 
nach  Allmer  a.  a.  O.  2  p.  457  ,,les  mots  sanscrit  häufig  auf  Münzen  von  Ephesos  das  Kultus- 
et  persiaue  seigneur"  et  giti  „univers";  Garrucci,  bild  der  Artemis  Ephesia  so  zwischen  2  am 
Tre  sepolcri  con pitlure  ed  isarizioni  appartenenti  Boden  sitzenden  Kindern  (Apollon  und  Arte- 
alle  superstizioni  pagane  del  Bacco  Sabazio  mis  nach  Imhoof):  Septimius  Severus,  Sancle- 
e  del  Persidico  Mitra.  Napoli  1852  und  Les  meide  2  Tb.  24,  214  p.  2S5  =  Mi.  S.  6,  154, 
mysteres  du  syncretisme  phrygien  dans  les  cata- .  489 ;  J7Y.  S.  6,  15_6,  502 ;  Imhoof,  Monn.  Gr. 
combes  romaines  de  Pretextat  (Extr.  du  tome  285,  41;  286,  42;  Gordiauus  Pius,  Kenner, 
IV  des  mel.  d'arch.  d'hist.  et  de  litt.)  Paris  Die  Miinzsamml.  des  Stifts  St.  Florian  p.  118; 
1854.  2°.  p.  25  Anm.  4  zu  p.  .24  das  persische  Philippus  jun.,  Kenner  p.  118f.,  Tfi.  4,  5; 
ghoda  pat  „allmächtiger  Gott  und  König".  40  Gallienus,  Mi.  S.  6,  199,  799  nach  Beger,  Thes. 
Be'rille,  Die  Beligion  zu  Born  unter  den  Severern  Brandenb.  3  p.  159;  Säloninus,  Mi.  3,  125,  469), 
Leipzig  1888  p.  83  Anm.  6  bemerkt  über  Cauto  die  nach  Imhoof  nr.  42  Würfel  spielen,  wie 
Pati:  „Der  erste  dieser  Namen  scheint  der  zwei  Kinder  zu  Füfsen  des  Bildes  der  sami- 
Dativ  von  Cautes  (Felsen)  zu  sein.  Was  Pati  sehen  Hera  auf  einer  Münze  des  Salonmus 
betrifft,  so  könnte  es  von  pateo  oder  patesco  von  Samos,  Percy  Gardner,  Nvm.  chron.  Third 
abgeleitet  sein."  (£.  Visconti  a.  a.  0.  p.  234  Series  3  1882  p.  276  nr.  12,  PI.  5,  8;  vgl. 
bringt  den  Namen  Cautus  Pates  vermutungs-  Caracalla,  Mi.  S.  6,  420,  222.  Vielleicht  dür- 
weise  inZusammenhangmitdemFelsen (Cautes),  fen  wir  aber  in  diesen  Knöchel  spielenden 
aus  welchem  Mithras  hervorkommt,  erklärt  sich  Kiudern  Flufsgötter  erblicken;  wurden  doch 
aber  (Anm.  2)  nicht  einverstanden  mit  Labus,  60  auch  die  Nymphen  Würfel  spielend  dargestellt, 
der  auch  Cautes  allein  als  Bezeichnung  des  und  kann  man,  was  E.  Curtius,  Die  Plastik 
Mithras  fafst,  während  dasselbe  nach  ihm  der  Hellenen  an  Quellen  und  Brunnen,  Abh.  d. 
gleichbedeutend  mit  Petra  Genetrix  ist.  Da-  Berl.  AI:  d.  W.  1876  p.  162  von  letzteren 
gegen  hält  es  Maionica,  A.  E.  M.  2  1S78  p.  37  bemerkt,  dafs  eine  Darstellung  derselben  in 
Anm.  11  für  unsicher,  ob  die  Benennung  des  Gestalt  mit  Knöcheln  spielenden  Mädchen  „um 
Mithras  als  Cautus  Pates  mit  der  Petra  Gene-  so  näher  lag,  da  die  Wellen  mit  den  Steinen, 
tris  zusammenhängt.  Th.  NoldeTce  bei  Harn-  welche  ihr  Bett  füllen,  unaufhörlich  ihr  Spiel 
meran,  Zum  neuen  Mithräum  in  Heddernheim,  treiben"  wohl  auch  für  die  Flufsgötter  geltend 
Korrespondenzbl .  der  Westd.  Zeitschr.  f.  Gesch.  machen.  —  Früher  wollte  man  den  Kaystros 
u.  Kunst  6  18S7  Sp.  87  erklärt  pates  aus  dem  co  auch  erkennen  in  der  am  Boden  hingestreckten 
persischen  päta  „geschützt".  Hammeran  ver-  Figur  einer  Münze  des  Antoninus  Pius,  die 
mutet  deu  Kautopates  in  den  Fackelträgern  Zeus  vhwg  vom  Berge  herab  Regen  auf 
der  Mithrasdenkmäler;  7?.  Fröhlich,  der  AEM.  Ephesos  entsendend  darstellt,  Cat.  ~Grcau 
14  1891  p.  67  nr.  43.  44  aus  Aquincum  dem  PL  6,  4;  Head  p.  498.  Aber  schon  Wieseler, 
Deo  Cauti  und  Deo  Cautopati  dargebrachte  Giitt.  Nachr.  1876  p.  54  hat  hier  den  durch 
Widmungen  mitteilt,  will  den  Namen  Cautes  die  Beischrift  bezeichneten  Berggott  TT6IQN 
dem  einen,  Cautopate.s  dem  anderen  Fackel-  erkannt.  Ebenso  hat  Imhoof  den  TTCIfiN  fest- 
träger  beigelegt  wissen.     [Drexler.]  gestellt  auf  Münzen   des   Macrinus  (7177.  S.  6, 


1009                     Kazanes  Keb                         1010 

168,  586  nach  Sestini,  Mus.  Hed.  2,  170,  85,  ,ityo£'  (Lcpsius,  Äbh.  d.  Berliner  Ak.  1851 
Tb.  19,  4;  588,  Gab.  Millingen)  und  Severus  p.  170:  X^>°i")  -fiiz'  aixbv  Säg,  r'jTot,  "Agug,  ftjor' 
Alexander  (Jahrb.  d.  K.  JD.  A.  Inst.  3  1888  ov  Jifjß  zov  'Hlt'ov  (nach  Lepsius  a.  a.  0.  Anni.  1 
p.  294  nr.  1,  Tfl.  9,  25;  nr.  2,  Tfl.  9,  26)  in  einer  gehört  tot  'HlCov  hinter  Säg),  rjroi  Koövog. 
bis  dahin  für  Kaystroa  gehaltenen,  am  Boden  Gewöhnlich  wird  der  Name  Seb  gelesen, 
sitzenden,  ein  Bild  der  Artemis  Ephesia  auf  Für  den  Namen  Keb  oder  Geb  tritt  ein  Brugsch, 
der  R.  haltenden  und  den  1.  Arm  mit  dem  Zeitschr.  f.  äg.  Spr.-  u.  Altertumskunde  1886 
Füllhorn  an  Felsen  lehnenden  Figur,  hinter  p.  1  —  5,  während  Le  Page  Benouf,  Proceedings 
oder  über  der  sieh  ein  Berggrat  erhebt,  auf  ofthe  society  of  biblical  archaedlogy  1887  p.  83ff. 
dessen-  Höhe  ein  durchschossener  Eber  r.  h.  10  ,,The  name  of  the  God  Seb"  und  Wiedemann, 
flieht.'  —  Auf  der  puteolanischen  Basis  stützt  Beligion  der  alten  Ägypter  p.  121  diese  Schrei- 
neben dem  auf  einer  Säule  stehenden  Bilde  bung  für  irrtümlich  erklären.  Auch  Maspero, 
der  epbesischen  Artemis  EPHESOS  als  Ama-  'Revue  de  Vhist.  des  religions  9e  annce,  tome  18, 
zone  mit  entblöfster  rechter  Brust,  Turmkrone  1888  p.  274  Anm.  1  verwirft  Brugschs  Lesung 
auf  dem  Haupt,  Ähren-  und  Mohnbüschel  in  und  nennt  den  Gott  Sibou,  mit  der  Endung  u, 
der  erhobenen  R.  dargestellt,  den  1.  Fufs  auf  welche  Le  Page  Benouf,  Proceed.  Soc.  Bibl. 
die  bärtige  Maske  des  Kaystros,  O.  Jahn,  Arch.  1885  p.  152f.,  1887  p.  94 f.  als  „a  common 
Über  die  puteolanische  Basis,  Bei:  üb.  d.  Verh.  not  to  say  the  gener  dl  termijiation  of  masculine 
d.K.  Sachs.  Ges.  d.  W.  zu  Leipzig  1.851  p.llüff.,  names  in  the  Egyptian  language"  nachgewiesen 
speziell  p.  141 — 147,  Tfl.  3,  9.  —  Kaystros  er-  20  hat.  Brugsch  verteidigt  seine  Ansicht  Pro- 
scheint  ferner  auf  einer  autonomen  Münze  ceedings  1888,  5.  June  und  Die  Ägyptologie 
von  Dioshieron  Lydiae,  gelagert,  mit  Schilf-  p.  172  und  Le  Page  Benouf  entgegnet  ihm 
stengel  in  der  R.,  Füllhorn  in  der  L.  bei  der  von  neuem  Proceedings  12  1889,90  p.  363ff. 
Quellurne,  Mi.  S.  7,  343,  124.  Dafs  wir  ihn  Da  seb  oder  sbu  auch  der  Name  einer 
zu  erkennen  haben,  zeigt  die  Beischrift  KAY-  Gänseart  war,  wurde  der  Gott  mit  der  Gans 
CTPOC  .auf  einer  Münze  des  Mus.  Pembroke  identifiziert;  Seb  wurde  Nagaga  uer  „der  grofse 
Pars  2,  Tb.  8,  Mi.  4,  35,  181.  Die  angebliche  Gackerer"  genannt,  Le  Page  Benouf,  Vorles. 
Beischrift  KAYCTPOC  eines  Flufsgotts  auf  einer  über  Urspr.  u.  Entwicklung  der  Bei.  d.  alten 
Münze  des  Aelius  Caesar  von  Pergamon  bei  Mi.  Ag.  p.  103  f.  und  „Seb  the  great  cackler"  in 
-S'.  5,  438,  986  nach  Sestini,  Mus.  Hed.  2,  117,  46  30  den  Proceedings  7  1S84  p.  152—  iö&;' Brugsch, 
ist  wohl  verlesen  statt  KAIKOC  oder  KHT6I0C.  Bei.  u.  Myth.  d.  alten  Äg.  p.  171  f.,  Lanzone, 
Auch  den  auf  unter  Caracalla  (Mi.  S.  7,  339,  Dizionario  di  mitologia  egizia  p.  1008.  Die 
109  nach  Sestini,  L.  N.  Cont.  7,92,  42;  nr.  110  Gans  erscheint  zuweilen  „wie  ein  Wappen- 
nach Vaillant)  und  Geta  (Mi.  4,  32,  162  nach  zeichen"  auf  dem  Kopf  des  Seb,  Brugsch,  Bei. 
Vaillant;  S.  7,  340,  114.  115;  335,  90  nach  p.  172,  576  —  577.  Pierret,  Le  Pantheon  dg. 
Mus.  Sandern,  num.  sei.  3  p.  14,  Tb.  27,  259)  p.  54.  Wiedemann,  I).  Bei  d.  a.  Ag.  p.  122 
geprägten  Münzen  der  Kilbianer  vorkommen-  bemerkt:  „Sein  heiliges  Tier  war  die  Gans 
den  Flufsgott  nennt  Head  p.  549  Kaystros,  und  bisweilen  heifst  er  die  Gans,  welche  das 
doch  erscheint  auf  einer  Münze  des  Antoninus  Ei  legte,  aus  dem  die  Welt  entstand",  und  Lc 
Pius  neben  demselben  die  Beischrift  KIABOC,  40  Page  Benouf,  Vorlesungen  p.  104:  „Es  sind 
Imhoof,  Num.  Zeitschr.  Bd.  20  p.  6  nr.  2,  so  noch  Spuren  der  Mythe  von  einem  Weltenei 
dafs  wir  schwanken  können,  ob  wir  in  dem  vorhanden,  das  er  zerteilte  oder  ausbrütete." 
Unbenannten  Kaystros  oder  Kilbos  zu  erkennen  Im  Totenbuch  54,  1  wird  erwähnt  das  Ei  des 
haben.  Für  Kaystros  erklären  E.  M.  Ghanot  grofsen  Gackerers,  welches  Seb  von  der  Erde 
und  Imhoof  auch  den  in  einem  Manuskript  getrennt  (Le  PageBcnouf,  Proceedings  7  1884/85 
der  Tlieriaka  des  Nikandros  als  Jüngling  mit  p.  153)  oder  nach  Liebleins  Übersetzung  (ebd. 
Nimbus,  sitzendbei  einem  Wasserbeckengegen-  p.  99 — 100)  für  die  Erde  bereitet  oder  nach 
über  der  personificierten  Gemeinde  der  Be-  Brugsch,  Bei.  p.  172  auf  die  Erde  gelegt  hat. 
wohner  der  Kilbianischen  Ebene  dargestellten  In  den  Proceedings  a.  a.  O.  deutet  Le  Page  Benouf 
Flufsgott,  Gaz.  arch.-l  1876  p.  34— 36,  PL  11,1,  50  dieses  Ei  als  die  Sonne,  welche  sich  täglich 
Imhoof  a.  a.  O.  p.  3.     Drexler.]  vom  Rücken  der  Erde  zu  erheben  scheint. 

Kazanes  (Kaiavvg),  Flufsgott,  erscheint,  mit  Seb  ist  der  Erdgott;  die  Erde  wird  nicht 
der  Beischrift  KAZANHC,  gelagert  auf  dem  selten  „Rücken  des  Seb"  genannt,  J.  Lumichen, 
Revers  autonomer  Münzen  von  Themisonion,  Zeitschr.  f.  äg.'  Spr.'  1871  p.  91 — 93.  Le  Page 
Borvell,  Num.  Chr.  First  Ser.  8  p.  35  nr.  3.  Benouf,  Vorlesungen  p.  103.  Wiedemann,  Bei. 
Cat.  Borrell  1852  nr.  351.  Loebbecke,  Ztschr.  f.  p.  121.  Brugsch,  Bei.  p.  172,  179,  238,  577. 
Num.  12  1885  p.  348.  Head  p.  584.  Wadding-  Lanzone  p.  1007  f.  Er  heifst  „Herr  der  Nahrungs- 
tow, Bull,  archeol.  de  V Athenäum  francais  1  mittel",  Pierret,  Panth.  ig.  p.  54.  Seine  Ge- 
1855  p.  51  mit  Abbildung.     [Drexler.]  mahlin   ist   die  Himmelsgöttin   Nut.     Anfangs 

Keas  (Klag),    Vater   des   Troizenos,    Grofs-  60  lagen  beide   eng  vereint,   der   Gott  unter  der 

vater  des  Euphemos,  des  Führers  der  Kikonen  Göttin    in    beständiger  Umarmung,    Maspero, 

vor    Troja,     II.    2,    847.    Et.   M.    p.   498,   30.  Bevue  de   Vhist.   des  rel   9e  annee  t.  18,  1888 

Ghoirobosc.  Bekk.  An.  1183.     fStoll.]  p.  274.  Ähnlich  wie  im  neuseeländischen  Mythus 

Keb  (Krjß),  der  ägyptische  Erdgott  wird  von  Tanemahuta,  der  Gott  und  Vater  der  Wälder, 

Ioannes  Antiochenus  F.  H.  Gr.  4  p.  539,  I  21  sich  zwischen  Rangi,  den  Himmel,  und  Papa, 

mit  den  Worten  erwähnt:  Alyvmioi  tpaaiv  äg  die   Erde,    welche   dicht   aneinander  hafteten, 

Hcpaiavog    av-zäv    ißaoiksvasv    dicsiQovg    Tn>äs  drängt  und  den  Himmel  von  der  Erde  ernpor- 

^pöz'ous'  fiErö:   zovxov  "HXiog   b  'Hcpatarov   hrj  hebt  (Tylor,  Die  Anfänge  der  Kultur  1  p.  317), 


1011                      Kehren  Keäei                        1012 

so   schiebt  sich  Schu  zwischen   Seb   und  Nut  namen,  Hermes  23  p.  .617.    Gaede,  De  Demetrio 

und  hebt  den  Himmel  empor,  Maspero  a.  a.  0.  Scepsio  p.  28.   Drexler.]  [Stoll.]. 

Zahlreiche  Darstellungen  zeigen  Seb  am  Boden  Kebriones   (Äfßeiöxijs),   Sohn  des  Priamos, 

ausgestreckt    und   Nut,    zuweilen   d6n  Körper  Wagenlenker  seines  Halbbruders  Hektor,  von 

mit  Sternen  bedeckt,   über   ihn  'gebeugt,  mit  Patroklos  erlegt,  II.  8,  318.    11,  521.    16,  738. 

Händen  und  Füfsen  die  Erde  berührend,  Pierret,  Apollod.  3,  12,  5.   Eyg.  f.  90;  nach  der  Stadt 

Panth.  vg.  p.  22.    Brugsch,  Bei.  p.  578.  Lanzone  Kebrene  und  der  Landschaft  Kebrenia  benannt, 

Tav.  155—163.    Über  die  Dauer  der  Trennung,  Strab.   13,  596;    oder  umgekehrt,  Steph.  B.  v. 

nimmt  Maspero  a.  a.  0.  p.  275  an,  mögen  die  jCtfa-nvla.    [Er  ist  abgebildet  auf  einer  figuren- 
Ägypter    verschiedene    Vorstellungen    gehabt  10  reichen  Vase,   auf  welcher  der   Abschied   des 

haben.     Nach  Ansicht  der  einen  ist  sie   end-  Hektor    dargestellt    ist,    mit    der    Beischrift 

gültig,   nach   Ansicht   der   anderen   kehrt  Nut  Keßgiovctg,    Ann.    et   Monum.   dell'   Inst.  1855 

jede  Nacht  in  die  Arme   des  Gemahls  zurück,  tav.  XX.    Arch.  Z.  4  p.  302 f.  nr.  2.    de  Witte, 

um  am  anderen  Morgen  aufs  neue  durch  Schu  Etudes  sur  les  vases  peints.    Paris  1865  p.  12. 

von  ihm  getrennt  zu  werden  (s.  auch  Maspero,  45  —  46.  Drexler.]     [Stoll.] 

Bev.    de   Thist.    des   rel.    8e  annee   t.  15,  1887  Kebros    (Ksßgog),    Troer,    vor    Troja    von 

p.  276f.).  'Neoptolemos  erlegt,  Qu.  Sm.  10,  86.    [Stoll.] 

Sonst    ist   über  Seb    wenig    zu  bemerken.  Keclienös    (Ktxrjvcog).      Eine     Statue     des 

Unter  den  Königen  der  Götterdynastie  nimmt  Apollon  Ks%7]vc6g   erwähnt  Polemon  bei  dem. 
er  die  vierte  Stelle  ein,  Brugsch,  Bei.  p.  417,  2u  AI.  Protr.  p.  32.  Potter,  F.  E.  Gr.  3  p.  135,  70: 

578.     Wiedemann,    Bei.    p.    122.      Die     Texte  Ilolipcov  Ss  v.txiqvoTog'Anollavog  olStv  ayalgu, 

nennen  ihn  einen  erpä  der  Götter,  was   Jl'iede-  v.ctl  Sipoipuyov  itäXiv  'AnöXXmvog  aXXo  iv  "HXtSi 

■mann,  Bei.  p.  122  mit  Nomarch,  Brugsch,  Bei.  ngmgsvov.     Doch   beruht  diese  Angabe  nach 

p.  434,  578    niit   Thronfolger    übersetzt.      Als  Prellers    von    Müller    angeführter  Vermutung 

sein  Vater  wird  Schu  bezeichnet,   Wiedemann,  auf   einem   Irrtum    des    Clemens  AI.,    welcher 

Bei.   p.  122.    Brugsch,   Bei.   p.  297,  577,  579.  den  Apollon  mit   dem  Dionysos  Ksxvyiög  von 

Lanzone    p.    1007.     Aus   seiner   Ehe   mit   Nut  Sanios    verwechselt   habe.      Über  letzteren   s. 

gingen  hervor  Osiris,  Isis,  Set,  Nephthys  und  oben  Bd.  1    Sp.  1152    und    de   Witte,   Ann.  d. 

Hor-uer,    Brugsch,     Bei.    p.  411,   530f",    580.  Inst.  6  1834  p.  344  Anm.  7.     [Drexler.) 
Lanzone  p.  1007.                                                     30      Kedaliou  (KnSaXicov),  Lehrmeister  und  Ge- 

Über  seine   Beziehungen   zum  Totenkultus  hülfe    des   Hephaistos   in   der   Schmiedekunst, 

s.  Brugsch,  Bei.  p.  579f.     Lanzone  p.  1009f.;  Als   Hera    den   Hephaistos   geboren,    übergab 

über    die   Stätten    seiner   Verehrung   Lanzone  sie   ihn  in  Naxos   dem  Kedalion,   um  ihn  die 

p.  1011.  Schmiedekunst  zu    lehren,    Schol.  II.  14,  296. 

Seine  Identifikation  mit  Kronos  seitens  der  Eustath.  II.  p.  9S7,  7.  Das  in  Chios  ent- 
Griechen  erklärt  Wiedemann ,  Bei.  p.  122  aus  standene  Märchen  von  der  Blendung  des  Orion 
dem  Umstände,  dafs  er  „als  Vater  des  Osiris  Is.  d.)  durch  Oinopion  erzählt,  dafs  der  ge- 
älter ist  als  andere  Gottheiten"  während  blendete  Orion  nach  Leninps  zu  der  Esse  des 
Brugsch,  Bei.  p.  576  bemerkt:  Die  Form  Seb,  Hephaistos  gegangen  sei,  und  dieser  ihm  seinen 
gleichlautend  mit  dem  Worte  seb,  sib,  siu  für  40  Gehülfen  Kedalion  übergeben  habe,  damit  er 
Stern,  Zeit  und  die  Fünfzahl  [vgl.  hierüber  ihn  nach  dem  Sonnenaufgang  führe,  wo  er 
auch  E.  de  Bouge,  Kote  sur  les  noms  egypt.  sein  Augenlicht  wieder  erhalten  sollte.  Orion 
des  plan'etes,  Bull.  arch.  de  l'Atheneum  frang.  nahm  den  Führer  auf  die  Schulter  und  er- 
2  1856  p.  28]  liefert  den  Schlüssel  zu  den  reichte  seinen  Zweck,  Eratosth.  Kai.  32.  Schol. 
Varianten  in  der  Schreibung  seines  Namens  Arat.  v.  322  (wo  KvSaXiav).  Schol.  Kik.  Ther. 
und  der  Gleichstellung  des  ägyptischen  Gottes  15.  Eyg.  P.  A.  2,  34,  vgl.  Apollod.  1,  4,  3 
mit  dem  griechischen  Kronos.  Die  Angabe  mit  Heyne,  Kot.  crit.  u.  Obss.  p.  22.  Serv.  V. 
von  Brugsch,  Bei.  p.  585  —  610,  dafs  wir  in  Aen.  10,  763.  Ein  Gemälde  bei  Lnk.  d.  domo 
dem  Gotte  Sebek,  Suchos  eine  Lokalform  des  28:  Kedalion  auf  den  Schultern  des  blinden 
Seb  #-zu  sehen  haben,  vermag  ich,  unkundig  50  Orion,  Hephaistos  von  Lemnos  aus  ihnen  nach- 
des  Ägyptischen,  nicht  zu  kontrollieren.  Aller-  blickend.  Sophokles  hat  ein  Satyrdrama  Ke- 
dings  scheint  ebenso  wie  Seb  auch  Suchos  mit  dalion  geschrieben,  Kauck,  trag.  gr.  fr.  p.  160.  — 
Kronos  identifiziert  worden  zu  sein,  denn  in  Welcher,  Nachtr.  z.  Aeschyl.  Tril.  315:  Lauer, 
dem  „Saturne  voilc,  debout,  ä  g.,  la  tele  sur-  System  384.  Engel,  Q.  Nax.  p.  36.  Preller,  Gr. 
montce  d'un  disque,  un  crocodile  sur  la  dr.,  31.  1,  145.  369.  Dieser  erklärt  den  Namen: 
unc  faux  dans  la  g.'~  einer  alexandrinischen  Feuerbrand,  v.  y.aico,  inna  u.  öaio's,  Welcher: 
Kaisermünze  aus  dem  4.  Jahre  des  Antoninns  =  «)jdffM»i>;  vgl.  Völeker,  lapet.  Geschl.  115  f. 
Pius  (Feuardent  105,  1587.  Mi.  6,  218,  1464)  [vgl.  0.  Jahn,  Ber.  üb:  d.  Verh.  d.  K.  Sachs. 
dürfen  wir  wohl  auf  Grund  des  Krokodils  Ges.  d.  W.  Ph.-E.  Kl.  13  1861  p.  312 f.  Schol. 
Suchos  erkennen.     [Drexler.]                                 co  German.  v.  331.     Drexler.]     [Stoll.] 

Kehren  (Keßoijv),  Flufsgott  in  Troas,  Vater  Kedes  oder  Kades,  eine   durch  die  Ägypter 

der  Oinone,  der  Geliebten  des  Paris,  Apollod.  von     ihren     asiatischen    Nachbarn     entlehnte 

3,12,6.    Strab.    13,596.    Partiten.  4.     Tzetz.  Göttin,  erscheint  auf  Stelen  der  18.  u.  19.  Dy- 

Lyk.   57,    und    der   Asterope ,    welche  Aisakos  nastie  (in  Paris,  Turin  und  London)  nackt,  in 

(s.   d.)  heiratete,   Apollod.   3,   12,  5.     Bei    Üv.  der  einen  Hand  eine  oder  zwei  Schlangen,  in 

Met.   11,  769   hiefs   die   von   Aisakos    geliebte  der   anderen  ein  Blumenbüschel  haltend,    das 

Tochter   des   Kehren   Hesperie,    bei    Tzetz.   L.  Haupt  bald   ohne  Zier,  bald  mit  der  Sonnen- 

224  Merope.     [Vgl.   E.  Maafs,    Myth.  Kurz-  Scheibe   zwischen  den  Hörnern,   nach  Art  der 


1013 


Kedreatis 


Kekrops 


1014 


assyrischen  und  babylonischen  Gottheiten  auf 
einem  Löwen  stehend,  in  Mitten  von  Reschpu 
und  Chem,  s.  Perrot,  Hist.  de  Vart  dans  l'ani. 
1  p.  713  Fig.  480  nach  Willdnson  PI.  55.  Ed. 
Meyer  oben  s.  v.  Astarte  1  Sp.  653.  Lnjard, 
Sech,  sur  le  culte  du  cypres  pyramidal  PI.  11. 
Prisse  ä' Avenues,  Choix  de  monuments  cgyptiens 
PI.  37.  Pierret,  Panth.  ig.  p.  46.  Fr.  Lenor- 
mant,  Gag.  arch.  2  1876  p.  13.  LatizoneTav. 191, 
192,  1.  Da  in  der  Beischrift  nur  die  Konso-  10 
nanten  geschrieben  sind,  kann,  wie  Ed.  Meiler, 
Z.B.  M.  G.  31  1877  p.  728  bemerkt,  die  Vo- 
kalisätion  beliebig  lauten.  Meyer  selbst  liest 
Kadesch,  ebenso  wie  Pierret  a.  a.  0.  Perrot 
a.  a.  0.  p.  712.  Lanzone  p.  1195f.  de  Vogüc, 
Melanies  d'arche'ol.  Orient.  Paris  186S  p.  44. 
Thomas  Tylor ,  The  goddess  Kadesh  and  tlie 
Semitism  of  the  Hittites,  Academy  1890  6.  Sept. 
nr.  957  p.  203 f.;  hingegen  Wiedema/nn,  d.  Bei. 
d.  a.  Ag.  p.  83.  Fr.  Lenormant  a.  a.  0.  p.  13.  20 
Otto  Puchstein,  Pseudoheth /'tische  Kunst.  Berlin 
1890.  p.  17  Kedes;  endlich 3IasperoheiSaiidissin, 
Stud.  z.  semit.  Beliqionsqesch.  2  p.  31  Anm.  1 
und  Baudissin  selbst  Kodesch.  Hinsichtlich 
der  Bedeutung  des  Samens  bemerkt  Fr.  Lenor- 
mant p.  13  Anm.  7:  „Ce- nom,  purement  se'mi- 
tique,  fait  de  la  de'esse  Je  type  surnaturcl  des 
qedeschoih  ou  prostitue'es  sacre'es  gm  jouaient 
un  si  grand  role  dans  les  mltes  euphratiques 
et  Syriens";  vgl.  Baudissin  a.  a.  0.  p.  30 f.  30 
(„Für  die  Bedeutung  [von  C"tp]  „erhaben" 
[abgesondert]  als  ursprüngliche  kann  da- 
gegen geltend  gemacht  werden  der  jeden- 
falls alte  Name  einer  auf  ägyptischen  Denk- 
mälern vorkommenden  phönicisch-ägyptischen . 
Gottheit  Kodesch,  wenn  wir  hierin  einen  wirk- 
lichen, selbständigen  Gottesnamen  erkennen 
dürfen.")  Tylor  p.  203  schwankt,  ob  er  dem 
Wort  die  Bedeutung  ..heilig"  geben  oder  darin 
die  Übertragung  des  Namens  der  Stadt  Kadesch  40 
auf  die  Göttin  erblicken  soll.  Bedingungs- 
weise bringt  auch  Otto  Puchstein  p.  17  — 18 
den  Namen  der  Göttin  mit  dem  der  Stadt 
Kadesch  in  Verbindung.  („Falls  diese  Göttin 
in  der  Hethiterstadt  Qadesch  zu  Hause  ist, 
würde  bewiesen  sein,  dafs  die  alten  Hethiter 
sich  ihre  Götter  ebenso,  wie  die  Assyrier  vor- 
stellten.") Bestimmt  für  die  Stadtgöttin  von 
Kadesch  erklären  sie  de  Voqüe  p.  44,  Ed.  Mtyer 
oben  1  Sp.  653  und  Z.  B.  M.  G.  1877  p.  729,  50 
sowie  Wiedemann,  Bei.  p.  83.  Dagegen  be- 
merkt Baudissin  a.  a.  0.  p.  31  Anm.  1 :  „Aber  die 
Übertragung  des  Stadtnamens  auf  die  Gottheit 
ohne  weiteres  Epitheton  ist  doch  wenig  wahr- 
scheinlich, und  soviel  ich  weifs,  ohne  Analogie." 
Ihrem  Wesen  nach  erklären  sie  Ed.  Meyer  und 
Tylor  für  dieselbe  wie  Astarte,  Lanzone  p.  1196 
für  eine  Form  der  Hathor.  Die  ägyptischen 
Teste  bezeichnen  sie  als  „Kades  die  Herrin  des 
Himmels,  die  Königin  aller  Götter,  das  Auge  60 
der  Sonne,  welche  nicht  ihresgleichen  hat", 
„Kades  die  Herrin  des  Himmels,  die  Königin 
aller  Götter",  Lanzone  p.  1195  —  96.  [Drexler.] 
Kedreatis  (KsSgtärig),  Beiname  der  Aphro- 
dite im  arkadischen  Orchomenos,  in  dessen 
Nähe  sich  ihr  Bild  sv  v.iSga  ueyäh/  befand, 
Paus.  8,  13,  2.  [Immeru-ahr,  Kulte  it.  Mythen 
Arkadiens  1,  155.  R.]     [Höfer.] 


Keisos  (Ksieog),  der  älteste  Sohn  des  Teine- 
nos,  nach  diesem  Herrscher  von  Argos,  Feind 
seines  Schwagers  De'iphontes,  des  Gemahls 
der  Hyrnetho,  'Paus.  2,  19,  1.  2,  26,  2.  2,  28,  3. 
Nach  argjvischer  Sage  war  Phlias,  nach 
welchem  Phlius  benannt  worden,  sein  Sohn, 
Paus.   2,  12,  6,    s.    De'iphontes.     Müller,  Dor. 

1,  79  f.  Vater  des  Thestios,  Porphyr.  Tyr.  b. 
Müller,  Fr.  hist.  gr.  3  p.  690;  des  Maron, 
Satyros  fr.  21  b.  Müller  3  p.  165.  Über  die 
Schreibung  des  Namens  Ktioog,  Kiaog,  Kioaog, 
Kiocioq  etc.  s.  Müller  2  p.  8.  fr.  4  Anm.  5. 

[Stoll.J 

Kekoia  (Ksxoia),   Beiname   der  Artemis  in 

Rhodos  auf  Inschriften  aus  Lindos,  Corr.  hell. 

9,  lOOff.;  s.  die  von  Holhaux-Biehl  a.  a.  0.  101 

Anm.  angeführten  Stellen:   Bofs,   Arch.  Aufs. 

2,  594  f.  597.  604   nr.  4.  6.  8.   15.    Inscr.  ined. 

3,  272.  Foucart,  Lnscr.  ined.  de  Bhodos  62. 
65  f.  71,  Bofs,  Beisen  a.  d.  griech.  Ins.  3,  109; 
vgl.  Guerin .  Etüde  sur  I'ile  de  Bhodos  253. 
Biliotti,  L'ile  de  Bhodes  447.  [Siehe  auch 
Bev.  arch.  n.  s.  15  1867  p.  219  —  221  nr.  62. 
Kol.  1  Z.  2;  n.  s.  16  1867  p.  24  nr.  66,  Z.  3. 
Auch  als  "Agta/iig  sv  Ksv-oia  wird  sie  in 
den  Inschriften  bezeichnet,  Bofs,  Inscr.  Gr. 
ined.  2  p.  19  nr.  272.  Bev.  arch.  n.  s.  16 
1867  p.  23  nr.  60;  p.  30ff.  nr.  71.  —  Holleaux  u. 
Dichl,  Bull,  de  corr.  hell.  9  1885  p.  100  f. 
vermuten,  dafs  das  Kloster  zu  Artamiti  im 
Gebiet  von  Lindos  an  der  Stelle  des  Tempels 
der  Artemis  Kekoia  gelegen  sei.  Selivanov, 
Mitt.  d.  B.  A.  Inst.  Ath.  Abt.  16  1891 
p.  124  f.  hat  die  Stätte  und  den  Namen 
des  alten  Ki-noia  in  der  Ortlichkeit  'Eoqtio- 
Ksv.oiov  (Eiimotschetschiam)  im  Gebiet  von 
Lindos,  wo  die  im  B.  C.  3.  9  p.  99  mitgeteilte 
Inschrift  gefunden  worden  ist,  nachgewiesen. 
Drexler.]      [Höfer.] 

Ke[kropeia]  (KtlKgöirziaJ),  vielleicht  Bei- 
name der  Athena  in  einer  Inschrift  von  der 
athen.  Akropolis  {'A&rjv~\uia  Kl  .  .  .  . ,  Le  Bas 
1,  2  nr.  3.  Die  Ergänzung  von  Le  Bas,  der  die 
Athena  Alavtig  {Paus.  1,  42,  4)  vergleicht,  ist 
sehr  wahrscheinlich.  •   Vgl.  Kekrops.     [Höfer.] 

Kekropides  ( KnY.Qrmi§r\g) ,  Beiname  des 
Theseus,   Ovid.  Met.  8,  551.     [Lorentz.] 

Kekropis  (RtKoonig) ,  Tochter  des  Kekrops. 
Bei  Ovid  Met.  2,  806  wird  die  Aglauros  so 
genannt.  Cecropides  heifsen,  als  Athenerinnen, 
auch  die  beiden  Töchter  deB  Pandion,  Ovid. 
Met.  6,  667.     [Lorentz.] 

Kekrops  ( Kixpoil)) ,  attischer  Autochthon, 
von  Körper  halb  Mensch,  halb  Schlange  (di- 
(puris;  geminus,  Ovid.  Met.  2,  555;  biformis, 
Justin  2,  6,  7),  in  der  Vulgärtradition  erster 
König  von  Attika,  das  nach  ihm  statt  Akte 
Kekropia  umgenannt  wurde,  die  Einwohner 
KzY.Qoni$cu  (Herod.  8,  44;  vgl.  7,  141  v.  4). 
Eurip.  Phoen.  855;  Ion  296.  Aristoph.  Plut. 
773;  Equ.  1055;  später  als  poetischer  Aus- 
druck in  mannigfaltiger  Variation  beliebt, 
vgl.  Habron  tteqI  ■nuocaviqKov  bei  Steph.  Byz. 
v.  'Afrgvai  p.  34  Mein,  und  Steph.  Byz.  v. 
KfY.QOnia).  Von  Agraulos,  Tochter  des  Ak- 
taios,  ist  er  Vater  des  Erysiehthon,  der  Agrau- 
los (Aglauros),  Herse,  Pandrosos  (vereinzelt 
auch    Oreithyia,     Steph.    Byz.     v.    Eiovmog). 


1015                     Kekrops  Kekrops                      1016 

Unter   ihm    fand    die   &sä>v   sQig  über  Attikas  euboische    Kekropssage    (wohl    durch    Töpffer 

Besitz   statt.     Vgl.    Marm.  Par.    1.     Apd:  3,  a.  a.  0.  bewogen)  für  älter  als  Saec.  5.    Seine 

14,   lff.     Paus.   1,   2,  6.    Hyg.  fab.  48    p.  72  Auffassung   wird    aber    erst    von   Wichtigkeit 

Sehn.    Ant.  Lib.  6.    Tatian,  Adv.  Graec.  60  d  für  die  Beurteilung  der  Sage  von 

{Giern.  Strom.  1,  397  P).   Eüseb.  Cliron.  2  p.  6,  4)  Kekrops  in  Ägypten.     Da  nämlich  im 

22,  24,  27,  28  Seh,    Praep.  ev.  10,  9,8.    Schol  Hesiodischen   Aigimios   (fr.    3  Bz.;   vgl.  Strab. 

Aristoph.    Flut.    773    (Suid.    v.    KskqoiP    und  445")  der   sonst  in  Ägypten   geborene  Epaphos 

IlQoiiridsvg).  Tzetz.  zu  Lykopin:  111  und  CJtil.  in  Euboia  geboren  ward  und  bei  Stcph.  Byz.' 

5,  37  ff.  der  Artikel  Aiyvnxog  scbliefst:  saxi  Ss  «o:i  aXXn 

Ehe   auf  die    sagengesebichtliche   Geltung  10  Aiyvnxog  (uy.qü,   so    verlegt  Maafs    diese   A'i- 

des  Kekrops  eingegangen  werden  kann,  bedarf  yvmng    fiiKgü    nach    Euboia.      Dies    sei    auch 

es    der  kritischen   Loslösung  unechter  Tradi-  das  Ägypten ,  von  wo   Kekrops   eingewandert 

tionen.     Als  solche  sind  auszuscheiden:  wäre.      Aber     diese    Kombination     wird    von 

1)  Kekrops  IL,  der  Jüngere.  (Sohn  des  keiner  anderen  Seite  her  unterstützt.  Das 
Erechtheuä),  eine  chronographische  Erfindung  Gegenteil  ist  der  Fall.  Im  Aigimios  fand  . 
im  Interesse  der  attischen  Königsliste  (jünger  die  Befreiung  der  Io  vom  Panoptes  Argos 
als  Hellanikos?  KirchJwff',  Herrn.  8,  184  ff.;  offenbar  in  dem  euboischen  "Aqyovga  statt 
vgl.  aber  Busolt,  Gr.  Gesch.  1,  363).  Marm.  (Steph.  Byz.  s.  v.,  Gewährsmann  wohi  Aristo- 
Par.  16.  17.  Apd.  3,  15,  1,  5.  Paus.  1,5,3  teles  b  XctXxidsvg,  7rsgi  Evßoiag,  vgl.  Harp.  v. 
(vgl.    41,  6    und    Hesych..  s.   v.    sv    S'   Al'&via  so  "AgyovQcc  [Beider ,  Anecd.  443:  "AQyovou]).    Die 

|' Hemsterh. ,  M.  Schmidt,    Wentzel     s-rtiuXtiosig  Lage   des    Ortes   ist   mit  Sicherheit   auch   aus 

2,  13;     iv  Sagd-via    cod.]).     Schol.  B  L    zu  Demosth.  21, 164 (vgL  183  u.  Schaefer,  Dem.  2 2, 

B536;  desgl.  gemeint  bei  Paus.  9,  33,  1,  wo  80,    Usener,  Nachr.   d.  Gott.  Ges.   d.   W.    1892 

er    (wohl    versehentlich)     Sohn    des    Pandion  188)  nicht  zu  ermitteln  (Lolling  in  Iw.  Müllers 

heifst,  dessen  Vater  er  sonst  ist.  Hdb.  3,  192   sucht  ihn  nördlich   von    Chalkis 

2)  Kekrops  in  Böotien:  Strab.  407.  bei  Psachnä,  vgl.  Bwsian',  Gcogr.  2,  416).  Er 
Paus.  9,  24,  2.  Steph.  Byz.  v.  'A&fjvai  p.  35  war  aber  jedenfalls  chalkidisch,  d.  h.  der 
Mein.;  vgl.  0.  Müller,  Orch.  ■  51.  Diese  Dichter  des  Aigimios  behandelte  eine  speziell 
Überlieferung  hängt  durchaus  ab  von  der  chalkidische  Lokalsage  über  Io.  Da  nach 
Auffindung  von  Stadtüberresten  bei  Abzugs-  30  Strabo  (445)  in  dieser  Sage  Epaphos  von  Io 
arbeiten  am  Kopaissee  zur  Zeit  Alexanders  in  einer  Höhle  am  (sicherlich  auch  chalki- 
d.  Gr.  Die  Deutung  auf  Eleusis  und  Athen  disehen)  Ostufer  der  Insel  geboren  ward,  so 
am  Triton  (mit  Rücksicht  auf  die  Athena  von  konnte  hier  unmöglich  von  einer  Irrfahrt  der 
Koroneia?)  ging  ersichtlich  von  Athen  aus,  Io  die  Rede  sein,  sondern  (auch  die  von  Lo- 
die  Boioter  bezogen  die  Trümmer  auf  Orcho-  ,becl; ,  Agl.  1131  beigebrachte  und  auch  von 
menos  (Strab.  und  Steph.  gegen  Paus.),  wenn  Maafs  benutzte  Analogie  einer  euboischen 
auch  nicht  mit  Recht.  Bezeichnend  ist,  dafs  Herasage  legt  es  nahe)  Io  war  hier  von  Zeus 
ein  von  Paus.  9,  33,  1  erwähntes  und  offenbar  geraubt   und    in    jener    Uferhöhle    verborgen 

,  damit  zusammenhängendes  fu'fjua  in  Haliartos  (vgl.  auch  Europa  am  Teumesos).  Im.  Mittel- 
Kekrops  II.  gehörte.  Die  Fiktion  eines  atti-  -io  punkt  dieser  Lokalsage  von  der  Argiverin  Io 
sehen  Urrechtes  wurde  von  den  Athenern  ge-  steht  offenbar  "Agyovqa,  um  seines  mit  Argos 
wifs  auch  geltend  gemacht  bei  ihrem  erfolg-  verwandt  klingenden  Namens  willen  (wie  es 
reichen  Gesuch  an  die  Kömer  tun  Abtretung  denn  auch  von  dem  dort  getöteten  Panoptes 
des  Gebietes  von  Haliartos  an  Athen  (im  Per-  Argos  seinen  Namen  im  besonderen  abgeleitet 
seuskriege,  Pohjb.  30,  18.  Strab.  411).  Für  zu  haben  scheint.  Beachtenswert  ist  auch,  dafs 
ethnographische  Hypothesen  im  Sinne  0.  Müllers  umgekehrt  der  Name  Euboia  als  Bezeichnung 
(Orch."  116  ff.)  ist,  wie  man  sieht,  die  ganze  eines  Berges  beim  argivischen  Heraion  wieder- 
Tradition unverwendbar.            .  kehrt;  Paus.  2,  17,  1.    Strab.  449.    Möglicher- 

3)  Kekrops  in  Euboia.  Ms xcö-xnasv :  weise  entstand  die  chalkidische  Sage  überhaupt 
Paus.  1,  5,  3,  und  zwar  nach  'A&i]vai  diadsg  50  nur  aus  diesen  Homonymieen.  Es  ist  sogar  die 
(Strab.  446.  Steph.  Byz.  v.'A&ijvai  p:  34  Mein.);  von  Bwsian  früher  (Bei:  d.  sächs.  Ges.  d.  Wiss.. 
Euseb.  chron.  2  p.  26.  27  Seh.;  vgl.  0.  Müller,  1859  142)  vertretene  Ansicht  nicht  ganz  ausge- 
Orch.-  117.  Die  Sage  kann  nicht  wohl  vor  schlössen,  dafs  Argura  auch  an  der  Ostküste 
Athens  Ansprüchen  auf  Euboia  entstanden  lag  und  die  Grotte  Boö?  avXri  ganz  und  gar 
sein  (vgl.  den  506  von  Athen  im  lelantischen  zu  der  -Stadt  gehörte.  Bei  dieser  Sachlage 
Feld  eingeführten  Pallasdienst  [Aelian,  v.  lt.  6,  1,  würde  zunächst  jedermann  schliefsen  (welche 
mit  Bezug  auf  das  von  Herod.  5,77  Erzählte]),  Möglichkeit  auch  Maafs  offen  läfst):  die  im' 
vielleicht  erst  im  Zusammenhang  mit  der  Aigimios  dargestellte  Lokalsage  von  Argura 
grofsen  Kleruchie  in  Nordeuboia,  vom  Jahre  kannte  los  Flucht  nach  Ägypten  überhaupt 
445  (Thul:  1,  114).  Der  Name  Kekrops  in  eo  nicht.  Die  ganze  Blaafssche  Hypothese  hängt 
einer  euboischen  Genealogie  (Scholl.'  B  L  zu  also  ausschliefslich  an  den  obenerwähnten 
E536)  bezieht  sich  wiederum  auf  Kekrops  IL  Worten  des  Steph.  v.  Ai'yvnxog,  die  er  auf 
(nicht  beachtet  in  der  weitgreifenden  Kom-  jene  euboische__  itaquXCa  sich  beziehen  lässt. 
bination  von  Töpffer,  Att.  Geneal.  163  ff.).  Das  enboische  Ägypten  ist  also  aufserordentlich 
Der  echte  Autochthon  wanderte  (ursprünglich  zweifelhaft.  Al&ömov,  ein  Artemisheiligtum  an 
wenigstens)  gewifs  nicht  aus,  nur  sein  schatten-  der  jener  •  nagaXla  entgegengesetzten  Küste, 
haf'ter  Doppelgänger.  Maafs  freilich,  de  Aesch,  welches  ohne  jeden  Grund  von  Maafs  mit  AI- 
Siqipl.    (ind.  Gryph.   1890/91)    p.  22    hält    die  &t07tia  zusammengebracht  wird,   kann  diesen 


1017  Kekrops  Kekrops  1018 

Zweifel  nicht  mindern.  Von  hier  aus  also  von  Gauverband,  zum  Schutze  in  der  Kriegs- 
kann  die  Tradition  vorn  Ägypter  Kekrops,  gefahr  gegen  Karier  und  Boiotier,  Philoch.  fr. 
deren  endgültige  Vernichtung  0.  Maliers  Ver-  lt  (F.  H.  G.  1,  386);  vgl.  Steph.  Suid.  Et.  M. 
dienst  ist  (Prüll.  129.  175ff.  Oreh.2  99ff. ;  v.  'EndxQiu.  Bezeichnend  für  diese  Über- 
Gruppe,  griech.  Kulte  u.  Mythen  1,  164  gegen  lieferung  ist,  dafs  unter  den  Namen  auch  ein 
Ebers,  Ägypten  und  die  Bächer  Mos.  139;  bereits  vorhandener  Verband  wie  Tetrapolis, 
vgl.  Wachsmuth,  Stadt  Athen  1,  452),  nicht  ferner,  dafs  Eleusis  erscheint;  vgl.  auch  Tkuk. 
von  neuem  belebt  werden.  Thatsächlich  ist  2,  15  (Steph.  Byz.  s.  v.  'A-/.xr\).  Waehsmuth, 
auch  Kekrops  nicht  (wie  Danaos  und  Kstd-  Gesch.  d.  Stadt  Athen  1,  452.  v.  Wüamowitz, 
mos)  in  orientalische  Genealogieen  herein-  10  Aus  Kydalien  122  ff.  Gilbert,  Altatt.  Konun- 
gezogen.     Die     ägyptische    Herkunft    (schon  vcrf.  (Jb.  Suppl.  7)  204 ff. 

durch  Anknüpfung  an  das  verh'altnismäfsig  b)  Kekrops  als  &vQtxr)g:  1)  des  Städte- 
junge Sais  verdächtig)  ist  den  Tragikern  wie  baues:  Plin.  n.  h.  7,  194;  vgl.  Steph.  Byz.  v. 
auch  dem  ägyptisch  interessierten  Herodot  'A&rjvai,  p.  34  Mein.  2)  der  Sitte  die  Toten 
fremd.  Zuerst  erwähnt  Piaton  (Tim.  21 E;  zu  begraben:  Cic.  legg.  2,  25,  63.  3)  der 
vgl.  Kritias  110  A)  eine  Beziehung  zwischen  Volkszählung:  Philoch.  fr.  12  (=  schol.  Find. 
Athen  und  Sais  (Athena  =  Neith).  Kekrops  Ol.  9,  08).  4)  der  Schrift:  Tac.  ab  exe.  11,  14. 
wird  dabei  nicht  erwähnt,  doch  darf  nicht  c)  Eine  besondere  Gruppe  hierhergehöriger 
verschwiegen  werden,  dafs  der  im  Gespräche  Autoschediasmen  bilden  die  auf  Spekulation 
Angeredete  Amynandros  heifst,  vielleicht  also  20  über  den_Sinn  von  di(pvr)g  beruhenden  Nach- 
(ein  Zufall  ist  nicht  ausgeschlossen)  den  Amy-  richten  (Übersicht  bei  Euseb.  chron.  2  p.  24. 
nandriden  angehörte,  in  deren  Geschlecht  der  27  Seh.  Schol.  Ar.  Plut.  773  (Suid.).  Tzetzes 
Kult  des  Kekrops  erbte  (s.  tu).  Piaton  selbst  a.  a.  0.).  1)  Gesinnungswechsel  vom  milden 
neigte  also  hier  vielleicht  zu  jener  Auffassung  zum  grausamen  (ÖQCtKovxmSng)  Herrscher  (oder 
des  Kekrops;  wie  sehr  er  aber  damit  sich  im  umgekehrt):  Plut.  de  sera  num.  vind.  6.  Nahe 
Widerspruch  zur  herrschenden  Meinung  auch  verwandt  damit:  weil  er  seine  Unterthanen  dn'o 
noch  seiner  Zeit  sah,  zeigt  der  (zweifellos  dyoioxrjxog  slg  r)uipoxTjzo:  r]yaysv,  Suid.  Tzetz. 
platonische)  Menexenos  (245  D):  ov  ydg  IJi-  Milder  Herrscher:  Nonn.  JHon.  13,  151  Si- 
lorng  oväi  KdSfioi  ■  ovSs  Aiyvnroi  xs  «tu  Y-aanilog  ib.  36,  126;  vgl.  43,  126.  2)  Weil 
Javaol  ..  .  evvoiKovciv  ripiv ,  all'  avxol  "El-  30  er  die  Monogamie  ordnete,  die  Menschen 
Irj-vtg,  ov  yi^oßdpßupoi  oUovfiiv  (vgl.  Luk.  gleichsam  Sitpvsig  machte  (so  wohl  Ursprung; 
pteudolog.  11:  &dtxov  dv  xbv  EpEx&sa  xo:i  lieh  gemeint,  später  verschieden  gewendet). 
röv  Kixponu  ^ivovg  ditocpi'jvciig  v.cu  imqlvSag  Das  Ganze  wahrscheinlich  eine  Erfindung  des 
xmv  'A&nvü>i>.  Kekrops  als  Typus  des  Uradels:  galanten  Zeitalters,  zurückzuführen  auf  Klearch 
A.P.  11,  319,  5.  Luk.  Timm.  23;  vgl.  Ne-  von  Soloi  (Ath.  13,  55öc  =  fr.  49.  F.  II.  G. 
kyom.  16).  Alles  übrige  scheint  erst  ans  Piaton  2,  319;  vgl.'  Crusius,  Allg.  Ertcykl  2,  35,  114), 
(im  Tim.)  herausentwickelt  (vgl.  Procl.  z.  St.  dann  bei  Judin  2,  6,  7.  Charax  Perg.  fr.  10 
Theopomp.  fr.  172  (F.  H.  G.  1,  307);  günstiger  (rö  voyiyag  tx  Svoiv  (pveo&ut).  Ioann.  Antiocli. 
Boden  dafür  fand  sich  in  der  Ptolemäerzeit  fr.  13  (F.  H.  G.  4,  547).  Nonn.  Dion.  41,  384. 
(vgl.  Istros  Aiyvnxitav  d-noixtcti,  F.  II.  G.  1,  40  Tzetz.  Suidas  (wo  mifsverständlich:  dicpvrjg  = 
423).  xa  y\v  dvio  ctvSpög,  xd  öh  ndxco  yvvca-xog); 
Als  bestimmte  Tradition  über  Kekrops  vgl.  Tö'pffer,  AU.  Geneal.  147.  3)  Erklärung 
erscheint  die  Nachricht  nicht  früher  als  bei  durch  die  ägyptische  Einwanderung,  und  zwar 
Uiod.  Sic.  1,  28 ff.  (die  Lücke  ist  gar  nicht  entweder:  Svo  cpcovdg  r]v  rjOKriui-vo'g  (Euseb. 
anders  zu  ergänzen;  demnach  ist  nicht  Euseb.  vers.  Arm.  2  p.  24  Seh  Nonnos  in  Greg.  Naz. 
chron.  2, 24  Seh.  die  früheste  Stelle,  wie  Duncker  p.  374,  30  ff.  West.  Unklar  bei  Hirn.  or.  7,  4), 
5  3,  74  meinte).  Vgl.  Charax  Purg.  fr.  11  oder  ävsiv  nolixsiäv  yixaaxiav  (Diod.  1,  28). 
(.F.  H.  G.  3,  639.  Crusius,  Allg.  Encykl.  35,  .Nachdem  dies  alles  in  Ordnung  gebracht 
2,115).  Schol.  Aristoph.  Plut.  773  (Suid.  und  ist,  erübrigen  als  echte  Züge  der  Sage 
Tzetz.  a.  a.  0.).  Ioann.  Antiocli.  fr.  13  (F.  H.  50  i)  die  Autochthonie  (ynysvrig  oft,  z.  B. 
G.  4,  647).  Nonnos  in  Greg.  Naz.  p.  374,  30ff.  Lykopin:  111.  Ant.  Lib.  6.  Hyg.  fab.  48  p.  72 
West.  Schm.    Euseb.  praep.   eo.  10,   9,  8;    dpxtyovog 

5)  Vereinzeltes,  Unkontrollierbares,  Un-  Nonn.  Lion.  41,  59;  vgl.  sprichw.  indva  xoi 
sicheres:  Ksngonis'  1®qu  Qpdxiqg,  St.  Byz.  KtupOTiog:  Ath.  7,  285  e;  dp'£,dytvog  d-nb  Ki- 
s.  v.  KfAQOitici ,  wo  auch  ein  (sagengeschicht-  -xgcrcog:  Marin.  Pur.  init.  Straft.  397).  Kekrops 
lieh  nicht  in  Betracht  kommender),  örj/xog  hat  keinen  Vater  (Vulcanus  bei  Hygin.  fab. 
dieses  Namens  in  Thessalonich;  vgl.  Strab.  158  p.  14.  Schm.  ist  ein  durch  Erwähnung  des 
321.  —  Kixpönnov  (=  Assos?),  Steph.  Byz.  Erichthonios  veranlafster  Irrtum),  weshalb  es 
v.  'Aaeog.  —  Kekrops  „holding  trec" ,  Münze  auch  zweifelhaft  bleibt,  ob  bei  der  Erdgeburt 
von  Kyzikos  bei  Head  hist.  numm.  452.  —  eo  die  Göttin  Gaia  als  Mutter  gedacht  ist  (Ger- 
Kekrops  (er  selbst?)  im  kyprischen  Salamis:  hard,  Myth.  §  137).  Kekrops  zeugt  auch  ur- 
Porph.  de  abstin.  2,  51.  —  Verstirnung  als  sprünglich  kein  Geschlecht.  Sein  Weib  Agrau- 
Wassermann:  Hyg.  aslr.  2,  29.  los    ist"  sicher    erst    ans     der    gleichnamigen 

6)  Schliefslich  sind  zusammenzufassen  und  Tochter  erschlossen.  Die  Töchter  selbst  sind 
beiseite  zu  schieben  alle  Nachrichten  histo-  Hypostasen  der  Athena  und  können  ihm  ur- 
rischer  Tendenz,  welche  von  Kekrops  als  sprünglich  auch  nicht  gehören  (Töchter  des 
erstem  Landeskönig  von  Attika  ausgehen.  Aktaios  sind  sie  bei  Suid.  v.  Soira^i«  ypdy- 

a)  Stiftung   einer   Dodekapolis,    einer    Art  jxkxu),    Erysichthon  noch  weniger,   da   er  ur- 


1019 


Kekrops 


Kekrops 


1020 


sprünglioh  als  mythischer  Theore  nach  Prasiai 
gehört  und  erst  durch  Reception  des  delischen 
Apollonkultes  nach  Athen  gelangt  ist  (Tüpffer, 
Herrn.  23,  329).  Auch  leitet  sich  von  Kekrops 
kein  Adelsgeschlecht  ab  (Ktv.Q07ti§ai  in  diesem 
Sinne  irrtümlich  angenommen  von  Martha, 
Les  sacerdoces  Ath.  ibibl.  des  ecoles  franc.  26) 
146;  vgl.  Töpffir,  Att.  Geneal.  134).  Die  Ke- 
ryken  stehen  nur  durch  eine  der  drei  Töchter 


des  Erechtheions  (snl  zjj  ycovt'a  oder  Jui. 
zy  TiQOBtaaai  zfj  7i$bg  zov  Ksv.qotzlov,  C  .1. 
Att.  1 ,  322  a  col.  1,9  u.  ö.  Antiochos  (von 
SyraJeus?  vgl.  F.  H.  G.  1,  184;  4,  301.  Stiehle, 
Phil.  8,  611)  oder  Antilochos  bei  Clem.  protr. 
p.  39  P.  (Eusep.  praep.  eo.  2,6,  2.  Theodoret 
£U.izud-.&£Qun.  (MigneSS)  1017c.  Amob.adv. 
mit.  6,6);  vgl.  Bötticher,  Aach.  Ztg.  1855,101*. 
Jahn-  Michaelis,  Paus.  arc.  descr.  29.    Wachs- 


(wohl  Herse,  Kaibel,  Epigr.  1046)  mit  ihm  in  10  muth  a.  a.  0.    1,   450.     Bohde,  Psyche  1,  128. 


Verbindung;  vgl.  Töpff'er,  Att.  Genccd.  Sl. 
2)  Die  Schlangenfüfsigkeit,  der  eigent- 
liche Grund  der  Bezeichnung  Sicpvqg  (selbst 
von  Philoch.  verkannt,  fr.  10  (F.  H.  G.  1,  386): 
öt-a  urjnog  oco- 
uazog  ovzco  %a- 
Xovuevos).  Vgl. 


Gaia  übergiebt  den  kleinen  Erichthunios  der  Atbena,  anwesend  Kekrops 
(Thonrelief  nach  Arch.  Zeit%.  1S72  Taf.  63). 


Eurip.  Icn  1164  (nicht  =  Paus.  10,  10,  1; 
vgl.  E.  Ourtius,  Arch.  Zig.  1872  51  und  G. 
Hermann,  Ion  p.  119),  darnach  wohl  Nonn. 
Bion.  41,  59ff.  Ps.-Deinosth.  60,  30  (Tzets.). 
Lykophr.  111  (Tzets.).  Über  die  bildlichen 
Darstellungen  Stcphani ,  C.  R.  pour  1S72 
(1875)  p.  43 ff.,  sowie  Deneken  ob.  Bd.  1  Sp.  2469.' 
Aufser  der  hier  wiederholten  Berliner  Terra- 
kotta  ist   zu  vgl.   das  Bd.  1,  1306  abgebildete 


Hauptbild    einer  Vase    von   Corneto.     Abwei-  gu  Kekrops  auch  in  der  Darstellung  des  Westgiebels 


chend  ist  die  Darstellung  des  Kekrops  beim 
<  (reithyiaraube  auf  dem  Vb.  München  -376 
[Welcher,  A.D.  3,  144ff.);  vgl.  aber  auch  ebda. 
748  und  Athen  485  (Gollignon,  Bibl.  des  ecoles 
:;,  119  =  Heydemann,  griech.  Vb.  1,  1).  3) 
Kekrops  ist  r/gcog.  Aristoph.  Vesp.  438: 
r'iqcog  avat,  (Paus.  10,  10,  1).  Sein  Grab  und 
Heiligtum   befand  sich   an   der   SW.  -  Ecke 


Milchhöfer  in  E.  Curtius,  Stadtgesch.  v.  Athen 
p.  LI.  Nach  Eurip.  Ion  1400  scheint  Kekrops 
auch  an  den  Grotten  der  Nordseite  Kultanteil 
gehabt  zu  haben.  Der  Kult  gehörte  erblich 
dem  Geschlechte  der  Amy- 
nandriden  (noch  in  augustei- 
scher Zeit,  C.  1.  A.  3,  1276,  8. 
Hesych.  s.  v.  (Bofs,  Deinen 
24);  vgl.  Martha  a.  a.  O.  171. 
Töpffer  a.  a.  0.  160.  Über 
die  Art  des  Kultes  ist  nichts 
überliefert.  —  4)  Die  Be- 
ziehungen des  Kekrops  zu 
Vgl.  den  Artikel 
opeiaj.  Sein  Heilig- 
.st  nag  avzijv  xr\v 
v%ov  (Theodoret  a.  a. 
Besonders  deutlich 
diese  Beziehungen 
er  Erichthonios- 
Sage  hervor; 
vgl.  namentlich 
die  hier  ausBd.l 
Sp.  1577/8  wie- 
derholte Terra- 
cotta  (auch  das 
Vb.  oben  Bd.  1 
Sp.  1305).  Vor 
allem  aber  in 
der  Sage  vom 
Götterstreit 
um  Attika, 
bei  welcher 
freilich  das 
Schiedsrichter- 
amt d.  Kekrops 
nicht  einmütig 
überliefert  wird 
(die  Zeugnisse 
bei  Stephani  a. 


a.  0.  p.  64 ff.;  vgl.  namentlich  aufser  Xenoph. 
Mem.  3,  5,  10  [wo  of  ntgl  Kiv.qona  natürlich 
noch  nicht  nach  dem  von  Lehrs,  Quaest.  ep. 
28  ff.  entwickelten  Sprachgeb  rauche  soviel  als 
KexQoxp  ist],  Callim.  fr.  384  [Hecale?  vgl. 
Beizenstein,  Ind.  Eostoch.  1890/91  p.  15  nr.  26J 
und  die  Rationalisierung  bei  Varro  [inlibro 
humanarum  II;  vgl.  Schol.  Bob.  ad  Cic.  pro 
Sextio  p.  299  Orelli  in  Aug.  Civi  dei  18,  9).    Ob 


vom  Parthenon  in  dieser  Weise  vorkam,  ist 
streitig,  da  hier  nicht  eigentlich  die  xyioig, 
sondern  die  'igig  dargestellt  war  (vgl.  Petersen, 
Arch.  Ztg.  1876  116.  Herrn.  17,  130.  Bobert, 
Herrn.  16,  67 ff.  Overbeck,  Plastik  1%  298). 
Schliefslich  spricht  sich  die  Beziehung  za 
Atbena  auch  in  der  Nachricht  über  ein  von 
Kekrops  in  den  Poliastempel  gestiftetes  Holz- 


1021 


Kekrops 


Kekrops 


1022 


bild  des  Hermes  aus  (Paus.  1,  27,  1)  und  in 
der  von  Diod.  Sic.  5,  56  erzählten  Geschichte 
(aus  Apollodor?  vgl.  Bethe,  Herrn.  24,  429). 
Athena  ist  in  diesem  Verhältnis  von  ausge- 
sprochen agrarischem  Charakter  (vgl.  Roseher 
ob.  Bd.  1  Sp.  683),  wie  dieser  namentlich  an 
den  Töchtern  des  Kekrops  deutlich  ist  (vgl. 
Steph.  Byz.  v.  'Ay^ttvlrf).  Kekrops  selbst  als 
Pfleger  ländlichen  Kultes:  Philoch.  fr.  13 
(F.  H.  G.  1,  386).  Für  den  Regenheros,  den  10 
Forchhammer  (Arch.  Ztg.  1877  107)  aus  Ke- 
krops, und  für  die  Cisterne,  die  er  aus  dem 
Kekropiou  macht,  fehlt  in  der  Überlieferung 
jeder  Anhalt.  Aus  dem  Gesagten  geht  zu- 
gleich hervor,  dafs  die  überlieferten  Bezie- 
hungen Kekrops'  IL  zu  dem  Heiligtum  der 
Athena  Al'&via  in  der  Megaris  den  alten  Ke- 
krops nichts  angehen.  Denn  diese  Atbena 
war,  wie  ihr  Name  lehrt  (slg  al'&viav  d.7t£i- 


nur  diese  vier  verwendet  hat  (vgl.  Busölt,  Gr. 
Gesch.  1,  614ff.).  Kekrops  unter  den  Statuen 
der  t]qo)8s  e-jicovvuloi  in  Athen  und  Delphi, 
Paus.  1,  5,  1  ff.;  10,  10,  1.  Als  äg%r]y6g  seiner 
Phyle  geniefst  Kekrops  innerhalb  derselben 
einen  Ahnenkult  (vgl.  Rohde,  Psyche  1,  158fF.). 
Dieser  ist  aber  natürlich  eine  mit  der  Schöpfung 
dieser  Phyle  zugleich  getroffene  Einrichtung 
und  darf  daher  nicht  ohne  weiteres  in  die 
vorausliegende  Zeit  übertragen  werden. 

Zusammenfassung:  Für  die  älteste  Zeit 
haben   wir   es    also    mit  einem   Autochthonen, 
einem  als  schlangenfüfsig  gedachten  König  und 
Heros  zu  thun,  der  zu  den  ältesten  Kulten  der 
Burg  im  innigsten  Bezüge  steht.    Er  repräsen- 
tiert offenbar  eine  bestimmte,  die  kekropidische 
Epoche  Athens  (vgl.-E.  Curtius, Herrn.  25,  145), 
in  welcher  die  Einwohner  möglicherweise  wirk- 
lich KsxQOTiiäou,  die  Burg  jedenfalls  Khv.qonia 


Kekrops   beim    Streit    des  Poseidon  uod  der  Athena  um  Attika;  anwesend  links  Dionysos-Iakchos  und  Orts- 
nymphe (Pandrosos  r),  rechts  Amphitrite  (od.  Aphrodite?),  Hydria  vod  Kertsch  (nach  Comple  rendu   1S72  Taf.  I 

=  Baumeister,  Denkm.  S.  1395,  Big.  1542). 


XCtedSLBCt    Vnb     TU     ItTSQCt      hXQVIpS    TOV     KsKQOTta 

Kai  äisxotiiaBv  fi's  rä  Mtycega),  maritimer 
Natur.  Ein  Felsenriff  am  Meere  ist  ihr  heilig 
(Paus.  1 ,  5 ,  3) ,  und  es  brannte  wohl  ein 
Leuchtfeuer  daselbst  ((paaqiuQog,  Eust.  zu  Od. 
p.  1385,  65).  Aufser  den  genannten  Stellen: 
Paus.  1,  41,  6.  Hesych.  v.  i v  $'  Ai'&via.  Lykophr. 
359.  —  5)  Die  Beziehungen  des  Kekrops  zu 
Zsvg  'EQ-nsiog  und  "'Titccxog,  d.  h.  zum  äl- 
testen Burgkult,  wiederum  im  Bezirk  des  alten 
Königsschlosses  und  des  damit  wohl  eine  Ein- 
heit bildenden  Poliasheiligtums  (Paus.  8,  2,  3; 
1,  26,  5.  Euseb.  praep.  tv.  10,  9,  22.  thron.  2, 
24.  27  Seh.).  —  6)  Endlich  kann  als  ein  fester 
Punkt  für  die  Erklärung  der  Sage  gelten 
die  Stellung  des  Kekrops  in  der  älteren 
Königsliste,  die  vor  Theseus  nur  vier  Namen 
kennt  (vgl.  Schäfer ,  Quellenkunde  °  17).  Der 
kleisthenische  Phylenname  Kingonig  setzt  diese 
Überlieferung  über  Kekrops  schon  für  das 
6.  Jahrh.  voraus,  da  Kleisthenes  für  seine 
Phylen   von   Königsnamen   dieselben   vier  und 


hiefs  (Eurip.  Suppl.  658;  El.  1289. Mann. Par.S. 
Steph.  Byz.  v.  Kt-HQOTcCa.  Schol.  Ap.  Rh.  1,  95). 
Zunächst   entsteht   die  Frage,  ob  KsngoTfi  von 

50  Ksxgoniu  den  Namen  hat  (anon.  it.  antaztav 
p.  321,  5  West.  Buneker  53,  74),  oder  um- 
gekehrt (die  gewöhnt.  Überl.).  Die  Etymo- 
logie ist  mifslich:  schon  dem  Hekataios  klang 
der  Name  barbarisch  (Strab.  321).  Sehr  unsicher 
üt  (trotz  Prellers  Zustimmung,  Myth.  2  3,  136) 
die  Erklärung  von  G.  Curtius,  Grundz.  5  144: 
Vielschnitt ,  mit  Rücksicht  auf  xagnög  und 
xqwtilov  (Sichel),  wobei  das  Wesen  des  Erd- 
geistes  nicht  zum  Ausdruck  kommt.     Crusius 

60  a.  a.  O.  p.  116  deutet  in  lokalem  Sinne  (vgl. 
näga,  Kogiv&og  etc.,  und  zur  Bedeutung: 
'Axruwg,  Kgavaög  etc.)  Ks --ng-oit-Ca  =  hohe 
Warte,  wobei  indes  die  Annahme  einer  Re- 
duplikation Schwierigkeiten  bereitet.  Das 
Wahrscheinlichste  scheint  mir,  mit  Rücksicht 
auf  den  hervorstechenden  Zug  der  Misch- 
gestalt und  unter  Annahme  einer  sehr  ge- 
läufigen Metathesis  (vgl.  Kigncoip,  oft  mit  Ki- 


1023                     Kekrops  Kelaino                      1024 

«e'01/1  verwechselt,  z.  B.  bei  Hesycli.  v.  Ks-xQotp),  nach  Ed.  Meyers  gesunder  Kritik  der  attischen 
auszugehen  von  Kjpv.os  =  Schwanz  (vgl.  y.Cq-  Pelasger-Sage  nicht  mehr  geboten  {Phil.  N.  F.  2, 
hos,  King)  Curtius,  Grdz.5  158)  und  Äs xp-oir-s  466  ff.),  eher  thrakisch-barbarisch,  nach  Heha- 
'  demnach  von  seinem  geringelten  Drachen-  taios  bei  Stroh.  321;  vgl.  S~teph.  Byz.  v.  Ks- 
schwanz  benannt  zu  denken  (wie  ihn  die  %Q07tia.  Die  nächste  Analogie  zu  Kekrops 
Bilder  zeigen;  vgl.  Eurip.  Ion  1164:  A'e'xoo-  bietet,  wie  es  scheint,  der  Drache  Kychreus 
na  onslguiOLv  slXigaowa.  Die  beste  Analogie  von  Salamis.  [0.  Immisch.] 
würde  der  argivische  yrjyevrjs  KsQxcoip  bilden,  Kcladeine  (Ks XuSi ivrf) ,  Beiname  der  Arte- 
auf den  sich  Welcher,  Gr.  Götterl.  3,  108  be-  mis,  Anecdota  var.  Gr.  et  Lat.  edd.  Schoell  et 
zieht,  wenn  er  nicht  auf  einem  blolsen  Ver-  10  Studemund  1  p.  270.  277.  283,  den  sie  bereits 
sehen  beruhte;  vgl.  Apd.  2,  1,  3,  3.  Andere  bei  Homer  führt,  $551.  T70.  IL  183.  hymn. 
Deutungen  (lautlich  ähnlich  operierend)  bei  in  Ven.  (4),  16  u.  118.  hymn.  in  Dian.  (27), 
Gerhard,  Mythol.  §  754,  1).  11;  s.  Bilthey,  Die  Artemis  des  Apelles  u.  die 
Demnach  wäre  wohl  KtxQoip  der  primäre,  wilde  Jagd,  Eh.  Mus.  N.  F.  25  1870  [p.  321 
Kt-AQonlct  der  abgeleitete  Name.  Aber  auch,  — 336]  p.  328  Anm.  3.  Die  Seholien  zu  den 
wenn  diese  Etymologie  aus  dem  Spiele  bleibt,  angeführten  Homerstellen  erklären  das  Bei- 
darf man  aus  der  Thatsache,  dafs  Kekrops  wort  aus  dem  Jagdlärm,,  s.  p.  331.  [Drexler.] 
nicht  Ahnherr  eines  einzelnen  Geschlechtes  Keladon  (Ktlüdtov),  1)  Sohn  des  Miletos  und 
ist,  folgern,  dafs  er  der  als  „priesterlicher  der  Doie,  einer  Tochter  des  Maiandros,  Bruder 
Stammkönig"  gedachte  (ü.  Müller,  Grell."  so  des  Kaunos  und  der  Byblis,  Gründer  von  Milet, 
117)  jjoco?  f'jrcäj>t>ftos  eines  ganzen  Stammes  Schol.  Dion.  Per.  825.  —  2)  Ein  Lapithe,  von 
war,  der  nach  ihm  sich  selbst  KsxqoitiSdli,  seine  dem  Kentauren  Amykos  auf  der  Hochzeit  des 
Niederlassung  Ksxoom'a  benannte.  Dafs  der  Peirithoqs  erschlagen,  Ov.  Met.  12,  250.  — 
Kult,  den  Kekrops  bei  diesem  Stamme  genofs,  3)  Ein  Ägypter  aus  Mendes,  von  Perseus  auf 
gleichfalls  ein  Ahnenkult  war  (so  dafs  dessen  Hochzeit  erlegt,  Ov.  Met.  5,  144.  [Stoll.j 
sein  Kult  in  der  späteren  Phyle  seines  Na-1"  Kelaine  (Ä'fiauoj),  Tochter  des  Argivers 
mens  nur  eine  erneuernde  Umbildung  gewesen  Proitos,  Schwester  der  Elege.  Beide  Schwestern 
wäre),  scheint  schon  seine  Schlangengestalt  in  wurden  ton  Aphrodite  in  Wahnsinn  versetzt, 
Verbindung  mit  den  feststehenden  Thatsachen  Acl.  V.  H.  3,  42.  [Stoll.] 
des  Atmen-  und  Heroenknltes  nahe  zu  legen  do  Kelaineus  (Kslaiv^vg),  1)  Sohn  des  Elektryon 
(vgl.  oben  Deneken  Bd.  1  Sp.  2466).  Doch  ist  und  der  Anaxo,  Bruder  der  Alkmene,  Apollod. 
hier  die  Erkenntnis  verdunkelt  durch  die  2,  4,  5.  Tzetz.  L.  932.  —  [2)  Beiname  des 
Konkurrenz  des  Erechtheus  (mit  Kekrops  zu-  Dionysos  in  Apameia  Kibötos  auf  einer 
saminen  zu  den  echtesten  Gestalten  altattischer  Münze  mit  folgender  Darstellung:  „AIO- 
Überlieferung  gehörig;  vgl.  Welcher,  Arch.  Ztg.  NYCOC.  KEAAIN6TC.  Brustbild  d,es  bärtigen 
1852  496).  Erechtheus  lebt  als  p,v%iog,  als  Dionysos  mit  Gewandung  r.  Rev.  ATTAM6. 
oipig  ocxovpog,  in  Kultgemeinschaft  mit  Athena  TTAPA  CTPATONIKIANOY.  Zwei  Löwen  rechts 
in  dem  Allerheiligsten,  der  Krypta,  ihres  Tern-  vor  einem  Wagen,  auf  welchem  die  Cista 
pels,  zugleich  des  Königsschlosses  (vgl.  Bohde,  mystica  mit  rundem  Deckel,  ein  aufrecht 
Psyche  1,  126).  Kekrops,  gleichfalls  und  40  stehender  Thyrsos  und  eine  nach  vorn  ge- 
friiher  König,  gleichfalls  ein  JguxovTiäiig,  neigte  Fackel",  loebbecke,  Zeitschr.  f.  Num. 
gleichfalls  mit  innigen  Beziehungen  zu  Athena,  15  p.  49f.  Taf.  3,  13.  —  3)  Beiname  des  Zeus 
mnfs  sich  mit  einem  Plätzchen  an  der  Aufsen-  ebendaselbst  auf  Münzen  mit  dem  Kopf  des- 
ecke  des  Tempels  begnügen.  Dazu  kommt  selben  und  der  Beischrift  Z6YC  [KGJA6N6YC, 
die  nicht  bestimmt  genug  hervorzuhebende  Imhoof,  Griech.  Münzen,  Abh.  d.  1.  Kl.  d.  I: 
Thatsache,  dafs  das  ionische  Epos  als  Ver-  bayr.  Ah.  d.  W:  Bd.  18  Abt.  3  p.  729  nr.  651a. 
treter  der  Königsherrschaft  und  des  Athena-  Kat.  Ivanoff  nr.  574  (wo  falsch  Z6YC  A6N6YC) 
dienstes  der  Burg  nur  Erechtheus  nennt  und  in  einer  Inschrift  von  Apameia,  S.  Bei- 
und  Kekrops  ignoriert  (vgl.  bes.  B  546  ff.).  nach,  Bev.  man.  3e  ser.  12  1S88  p.  222.  Nach 
Der  Eindruck  ist  also  nicht  abzuweisen:  Ke-  r.ü  Bamsay  (Transact.  of  the  Aberdeen  ecclesio- 
krops  ist  aus  seiner  ehemaligen  Gel-  logical  society)  trat  an  Stelle  des  Tempels  des 
tung  zurückgedrängt  durch  Erech-  Zeus  Keleneus  im  4.  Jahrh.  eine  christliche 
theus,  dem  er  früher  gewifs  noch  viel  ahn-  Basilika,  S.  Beinach,  Bev.  arch.  3e  ser.  15 
lieber  gewesen  ist,  vielleicht  wie  Erechtheus  1890  p.  263.  Drexler.]  [Stoll.] 
von  der  Burgschlange  ursprünglich  nicht  ver-  Kolaiiio(Ä'fic:[i'co),  l)TochterdesDanaos,  ver- 
schieden (doch  folgt  es  sicher  weder  aus  mahlt  mit  dem  Aigyptiden  Hyperbios,  Apollod. 
Soph.  fr.  585  JV.2,  noch  aus  Eurip.fr.  930  N.2;  2,  1,  5.  Poseidon  zeugte  mit  ihr  den  Kelainos, 
schol.  Hermog.  Walz  7,  833;  vgl.  v. Wilamowitz,  Stroh.  12,  579.  —  2)  Tochter  des  Atlas  und  der 
Ans  Eydathen  141).  Dafs  in  dieser  Zurück-  Pleione,  eine  der  sieben  Pleiaden  (s.  d.),  Ov.  fast. 
drängung  des'Kekrops  das  Verhältnis  zweier  uo  4,  173.  Serv.  V.  Ge.  1,  138.  Hyg.  Praef.  p.  30 
verschiedener  Stämme  zum  Ausdruck  kommt,  Bunte,  f.  192.  Diod.  3,  60.  Poseidon  zeugte  mit 
von  welchen  der  eine  (der  ionische?)  über  den  ihr  den  Lykos,  Apollod.  3,  10,  1.  Hellanikos  b. 
anderen  die  Oberhand  gewann,  ist  längst  er-  Schol.  II.  18, 486  [vgl.  auch  Ov.  Heroid.  19,135 ff. 
kannt  und  wird  durch  die  schillernde  Theo-  Myth.Vat.  1,234.  Seliol.  ad  German.Arat.p.397 
krasie  bei  v.  W'ilamowitz  ä.  a.  0.  140  ff.  nicht  ed.  Eyss.  R.];  und  den  Eurypylos,  Schol.  Ap. 
von  neuem  in  Frage  gestellt.  Die  Kekropiden  Bh.  4,  1561;  den  Eur3'pylos  und  Triton,  Tsetz. 
pelasgisch  zu  nennen  (mit  0.  Müller  und  lyh.  886.  Schol.  Pind.  I'yth.  4,  57.  Oder 
Wachsmuth   a.  a.  0.  1,450),    scheint    freilich  Prometheus  zeugte  mit  ihr  den  Lykos  und  Chi- 


1025                     Kelainos  Keleos                       1026 

rnaireus,  Tzetz.  Lyk.  132.  219.  Heyne,  Apollod.  vertrieben  von  den  Heliossöhnen  Makareus 
Obss.  p.  273.  Müller,  Orch.  466.  Volcker,  Iapct.  (Eponym  der  arkadischen  oder  messenisehen 
Geschl.  75.  108.  240.  Gerhard,  Gr.  M.  2  §  834.  Makaria),  Auges  (=  dem  eleiscken  Heliossohn 
Stammtf.  2  p.  228  D.  4.  E.  1.  Preller,  Gr.  M.  Augeias,  -es)  und  Tbrinax  (Eponymos  von  Thri- 
1,  383.  —  3)  Tochter  des  Ergeus,  welche  dem  nakia  =  Peloponnesos,  v.  Wüamowtz,  Homer. 
Poseidon  den  Euphemos,  Lykos  und  Nykteus  Untersuch.  S.  169):  also  aus  der  Peloponne- 
gebar,  Hyg.  f.  157;  vgl.  nr.  2.  —  4)  Mutter  der  sos.  Nach  Eusebios  zu  1787  und  1737  a.  Ch. 
Tragasia,  der  Gemablin  des  Miletos,  dem  sie  und  Synlellos  p.  238,  12,  ähnlich  Orosius  1,  7 
den  Kaunos  und  die  Byblis  gebar,  Nikainctos  zu  1070  a.  u.  c.  (vgl.  Lübeck,  Ayl.  2  p.  1181, 
b.  Parfhen.  11  (vgl.  Kalaino).  —  5)  Tochter  10  1202,  1195b)  weichen  die  Teichinen  infolge  eines 
des  Hyamos,  eines  Sohns  des  Lykoros,  von  Kampfes  mit  Phoroneus,  Karyaten  und  Par- 
Apollon  Mutter  des  Delphos,  Paus.  10,  6,  2.  —  rhasiern,  wahrscheinlich  also  aus  Arkadien,  wo 
(!)  Eine  der  Harpyien  (s.  d.),  Verg.  Aen.  3,  211.  auch  die  in  die  telchinischen  Zauberkünste 
Serv.  Aen.  3,  209*.  Hyg.  Praef.  p.  31 B.  Tal.  verflochtene  Styx  fliefst.  Unweit  dieses  Grenz- 
Flacc.  4,  45:s.  499.  [Mylhogr.  V.  1,  111.  2,  13.  flusses  liegt  Triteia,  und  über  Acha'ia  geht 
3,  5,  5.  Claudian  20,  378.  R.]  —  7)  Eine  überhaupt  der  Strom  der  peloponnesischen 
Amazone,  von  Herakles  erlegt,  Diod.  4,  16.  —  Auswanderung  nach  Unteritalien  und  Rhodos. 
8)  [Eine  Quellnymphe_  Kelaino  wollen  Ch.  Le-  So  war  also  Kilßidug-  Kiluig  nach  Triteia 
normant  u.  de  Witte,  Elite  ce'ramogr.  2  PI.  64  wohl  aus  der  nordarkadischen  Telchinenheimat 
auf  einer  Vase  mit  Darstellung  der  Verurtei-  211  übertragen.  Vgl.  Kelmis.  [K.  Tümpel.] 
hing  des  Marsyas  erkennen  in  einer  Frau,  Keleflones  (Kiflrfövvsq),  bezaubernde  Sänge- 
weiche an  einen  Felsen  gelehnt  mit  über-  rinnen,  ähnlich  den  Seirenen.  Von  ihren  goldnen 
geschlagenen  Beinen  hinter  Marsyas  steht.  Bildern,  die  über  dem  Giebel  des  mythischen, 
Gerhard,  Ant.  Eildw.  Taf.  27  dachte  an  eine  von  Hephaistos  erbauten  ehernen  Tempels  zu 
Muse  oder  die  Ortsgöttin  Phrygiens,  Stephawi,  Delphi  sich  befunden  haben  sollten,  sang Pindar 
G.  r.  p.  l'a.  1S(>2  p.  131  nr.  2,  p.  137  ff.  an  in  einem  Paian  an  den  pythischen  Apollon  (fr. 
Apate.    Overbcelc  (Apollon  p.  439  nr.  15,  p.  442  25   p.  268   Boechh.    fr.   30  Bergh),     Paus.    10, 

—  443;  Atlas  Tfl.  24  nr.  23)  verwirft  die  bis-  5,  5.  Athen.  7,  290  e.  Eustath.  Od.  1689,  30. 
herigen  Deutungen,  ohne  selbst  eine  neue  zu  1709,  56.  —  Philostratos  V.  Apoll.  6,  11  nennt 
geben.     Drexler.]      [Stoll.  ]                                       30  sie    %qvGui  i'vyysg,    2iiQy]viov   tLva   iitrjxovcai. 

Kelainos  (KtXaivog),   1)  Sohn  des  Poseidon  tzii&co.     Huschjce  und   Boettiger  im  Neuen   T. 

und  der  Danaide  Kelaino,   Strab.  12,  579.  —  Merkur  1800,  2  p.  38 ff.    Boeclch  zu  Find.  1.  1. 

[Sein   Haupt    erscheint    mit    der    Binde    ge-  Lobeck,  Agl.  2,  906.     [Stephani,   C.  r.  p.  Ta. 

schmückt    mit    der   Beischrift   KGAAINOC    auf  1866    p.  19    Anm.  3,   p.  58.    H.  Schinder,  Die 

autonomen    Münzen     von    Apameia    Kibotos,  Sirenen.    Berlin  1868  p.  101.  Drexler.]    [Stoll.] 

Mi.  S.  7,  510,  146.    Imhoof,    Grieeh.  Münzen  Keleos,  (Kilsög),   1)  alter  König  in  Eleusis, 

p.   729    nr.   651  Taf.   12,   3.     Drexler.]      [Den  welcher    die   Demeter,   als    sie,   die  verlorene 

Berggott    des   KtXatvög    lotpog    erkennt    Ooer-  Tochter  suchend,  in  Eleusis  erschien,  in  seinem 

becle ,     Apollon     p.    467     in     einer     sitzenden  Hause    gastlich    aufnahm,    Hom.    H.   in   Cer. 

männlichen   Figur    auf   einem   Sarkophag  mit  40  Apollod.  1,  5,  1.  3,  14,  7.  Paus.  1,  39,  1.  Schol. 

der   Darstellung   des  Wettstreits    des   Apollon  Aristoph.   Egu.    698.    Serv.   V.   Georg.    1,    147. 

und    Marsyas,    Frühner ,    Notice  de   la   sculpt.  Philarg.    V.   Georg.    1,  165.    Hesych.  s.  v. ;  ein 

ant.  du  musee  imp.  du  Lciwre  p.  107 ff.  nr.  85.  altes  Thema  attischer  Gesänge,  Preller,  Dcm.u. 

Bio»,  d.   Inst.   4   tav.  18.     Overbech,  Apollon  Perseph.  106  Anm.  71.    Der  homerische  Hymnus 

p.  456,  A  nr.  8;  Atlas  Tfl.  25  nr.  9.     Drexler.]  auf  Demeter  erzählt,  wie  Demeter  in  der  Gestalt 

—  2)  Sohn  des  Phlyos,  eines  Erdgeborenen  zu  einer  trauernden  Frau  am  Jungfrauenbrunnen 
Eleusis,  Vater  des  Kaukon,  der  die  Mysterien  zuEleusis  vonden  Wasser  holenden  Töchtern  des 
der  grofsen  Göttinnen  von  Eleusis  nach  Mes-  Keleos  getroffen  und  in  ihr  väterliches  Haus  zu 
senien  brachte,  Paus.  4,  1,  4.     [Stoll.]  ihrer  Mutter  Metaneira  [od.  Neaira;  s.  unt.]  ge- 

Kelaithros   (Kilai&Qog),   Gründer  der  böo- so  führt  ward,  welche  ihr  als  einer  dienenden  Magd 

tischen  Stadt  Kelaithra  in  der  Nähe  von  Arne,  die  Pflege   ihres  jüngst   geborenen  Söhnchens 

Stepih.  B.  v.  KsXcti'd-Qct.     [Stoll.]  Demophon  (s.  d.)  übertrug.    Demeter  wollte  dem 

Kelbidas  (KilßiSag),  Gründer  der  archa-  Kind  durch  ihre  Wartung  und  Pflege  Unsterb- 
ischen  Stadt  Triteia,  angeblich  aus  dem  os-  lichkeit  und  ewige  Jugend  verschaffen,  wurde 
kischen  (unteritalischen)  Kyme  stammend  aber  durch  die  thörichte  Dazwischenkunft  der 
(Pausanias  7,  22,  4);  d.  h.  wohl  umgekehrt  Mutter  in  ihrem  Werke  unterbrochen  und  ver- 
mach der  Rück-  oder  Doppelwandernng) :  von  liefs  erzürnt  das  Haus.  Indem  sie  sich  jetzt  als 
Triteia  in  Achaia  aus  Kyme  besiedelnd,  wohl  Göttin  zu  erkennen  giebt,  befiehlt  sie  ihr  einen 
der  Vollname  zu  Ksluig,  dem  'Idäischen  Dak-  Tempel  zu  bauen;  Keleos  läfst  in  einer  so- 
tylen',  Begleiter  des  Damnameneus  und  Akmon  00  gleich  berufenen  Volksversammlung  den  Tem- 
(Phoronis  frg.  2  Ei.\  die  mit  der  Adresteie  pelbau  beschliefsen,  der  unter  dem  wunder- 
zusammen  aus  der  Sikyonia  und  Aigialeia  nach  thätigen  Beistand  der  Göttin  schnell  vollendet 
dem  Ida übertragen  sind  (vgl.  Pauly,  Rcalencykl.  wird  (v.  94 — 300).  Hier  nahm  Demeter  ihren 
3.  Aufl.  rAdrasteia')  =  Zy.ilt.iig,  dem  Bruder  Sitz,  und  bevor  sie  den  Ort  verliefs,  um  in 
des  Damnameneus  und  Lykos,  dem  arkadi-  den  Ülympos  zurückzukehren,  lehrte  sie  noch 
sehen  Teichine  bei  Nonnos  37,  334  und  be-  den  König  Keleos  und  die  ihm  beigeordneten 
sonders  14,  39ff.;  vgl.  Fleclccisen  JB.  20,  1891  Fürsten  Triptolemos,  Diokles  und  Eumolpos 
165  ff.  Diese  drei  Teichinen  werden  nach  Rhodos  die  Gebräuche  ihres  heiligen  Dienstes  (v.  473 

RoscnER,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.  II,  33 


ctiav 


1027  Keleos  Keleutlieia  1028 

—477).    Vgl.  Paus.  2,  14,  2.    [Vgl.  auch  Mann.  geehrt  (Clem.  Protr.  1  p.  39  Potter);  im  Heilig- 

Par.  C.  I.  Gr.   2374,   23 ff.:  '4cp'    ov   dr][irixriQ  tum  der  Metaneira  zu  Eleuais  in  der  Nähe  des 

äqif>iojjL£vr]  slg  Aft'tfvas  v-kquov   irpv[Ts]vEv  xctl  Brunnens,  an  welchem  Demeter  gesessen,  Paus. 

7tQ[6ii£iQa  i]nQci[x&n  jrgJraTjj  ö'[f i^avxcov  T]qi-  1 ,  39,  1.  2.   —    Preller,  Demet.   u.    Persephone 

nzoliiJLOv     toü     KsXsov     Kai     Nsaigag,     etj]  92  ff.    Griech.  Myth.  1,635.    Welcher,  Zeit  sehr. 

XHAÄAAT    ßctoiXEvovzog  'AS-rjvrjaiv  'Eoi%i)-£(og,  f.  a.  Kunst  127  f.      [B.  Feilster,  D.  Baub  u.  d. 

äcp  ov  TQi7iTo[X£[iog  ö  KbXsov  naondv]  Heitligsv  Rückkehr  d.  Peiseph.  1874  S.  30  ff.  Mannliardt, 

iv  xij  'Paqia  Y.alovy,svrj  EXsveivL  v.%1.    Eoscher.J  Mythol.    Forsch.    1884   S.  213ff.     Töpffer,  AU. 

In  v.  153  ff.  werden  die  eleusinisohen  Fürsten  Gcneal.  S.  45.  61.  101.  108.     Bildliche  Dar- 

Triptolemos,    Diokles,    Patyxeinos,   Eumolpos  10  Stellungen  des  Keleos  finden  sich  auf  Vasen 

und    Dolichos   genannt.      Über  das  Verhältnis  mit   der  Aussendung   des  Triptolemos:   so  auf 

dieser  ßaai%st$  zu  Keleos  s.  Ilgen  und  Vofs  zu  dem  Agrigentiner  Gefäfs  C.  I.  Gr.  7434b,  wo 

v.  97.    Preller,  Dem.  104  f.,  vgl.   Plut.  Sympos.  Äf'iEosund'ljriro'S'wi'inschriftlich  gesichert  sind; 

4,    4,    1.      \_Philochor.   fr.    28     Müller.']      Von  vielleicht    auch    auf    der    Petersburger    Vase 

dem    apokryphischen    Eumolpos    gab    es    ein  nr.  1207,  der  Münchener   nr.  336;  ferner  wohl 

Gedicht,   nach  welchem  der  mystische  Dienst  auf  Sarkophagen:   Förster,  Arch.  Ztg.  33,  82. 

zu    Eleusis   von    Demeter    den   Töchtern    des  Mehr  bei   Overbeck,  Eunstmythol.  Demeter  u. 

Keleos   übergeben   wurde,   Suid.  v.  EvpoXnog.  Kora  S.  530 ff.  542,  besonders  S.  546.    S.  auch 

Eudocia   p.  167,   vgl.  Paus.  1,  38,  3.     Preller,  Annali   d.    I.    1844    S.   149  ff.     1850    S.  113ff. 

Demet.   105.     Ihre  Namen  sind  im  homerischen  20  1856  S.  82.    Röscher.]    —  [Vgl.  auch  die  Epi- 

Hymnus   (109  f.)   Kallidike,   Kleisidike,    Demo  gramme  von  Lindos:  Loeivy,  A.  E.  M.  7  p.  126 

und  Kallithoe;  Pamphos  nannte  sie  Diogeneia,  — 130    nr.    56  =  Anthol.  ed.   Dübner  15,    11, 

Pammerope  und  Saisara,  Paus.  1,  38,  3,  welcher  Z.7ff.: 

sagt,  dafs  Homer  hierin  mit  Pamphos  überein-  .,   „  .       , „    ,      ,     „.„        ,       ,       ,T 

stimme,    eine    sehr   zu   bezweifelnde    Angabe,  rf8?"  *"*  ™SJ  laS™  A^mr,  noge  NiQivg 

welche    mancherlei  Vorschläge   zur  Änderung  «V^oxafzoe,  «n»  »«fwraoG  wnmw, 

des  Textes  des  homerischen  Hymnus  veranlafst  **?aeov  ^[^Xsoco  «ca.  Xk«<>«ho  x«r 

hat,  Vofs  zu  H.    Hymn.   Geier,    v.   474-478.  ««P*«"  a^''caL  zrlv  maWv  sXar'v 

Baumeister  zu  v.  109  ff.  Preller,  Demet.  68  Anm.  und  nr.  56 : 

u.  105.  —  Keleos  heifst  Sohn  des  Autochthonen  30  -,  <  >  „  „  ,  \  >  >  t 
Eleusis  und  gilt  also  für  den  ersten  König  von  ■•'']*T^l't'  "*  5  ?  ^F^!*?*  ^'^ 
Eleusis  (H.Hymn.Cerer.105.  Preller,Deml01),  Ba™°v  S  £»<«<?">S>  Tq^twv^Sos  AyXcoXccQrog. 
und  Eleusis  bleibt  immer  vorzugsweise  die  B.  Förster,  Der  Baub  u.  die  Bückkehr  der 
Stadt  des  Keleos,  Stat.  Theb.  12,  619.  Norm.  Persephone  p.  288.  Gh.  Lenormant  et  de  Witte, 
Dionys.  13,  185.  Spätere  Fabeln  bezeichnen  Elite  ce'ram.  3,  62.  Stephani,  G.  r.  p.  l'a.  1859 
ihn  als  einfachen  Hirten  und  Bauern,  Ov.  fast.  p.  75  f.  94.  104.  108;  p.  l'a.  1862  p.  34.  53. 
4,  507.  Verg.  Georg.  1,  165.  Sein  Name  hängt  Strube,  Studien  über  den  Bilderkreis  von  Eleu- 
wohl  zusammen  mit  Ktlsvco  (=  ttoCgavog,  H.  sis.  Leipz,  1870  p.  2  ff.  und  Suppl.  hrsg.  v. 
Hymn.  Gm:  96),  Methodios  b.  Et.  M.  59,  43.  Brunn.  Leipz.  1872.  4°  p.  8.  Drexler.]  —2)  Ein 
Schwende,  Andeutungen  114.  Dagegen  leitet  to-Kreter,  welcher  mit  Aigolios,  Lai'os  und  Kerberos 
ihn  Welcker  zu  Schwenck  von  xaiio  ab,  Preller,  (s.d.)  in  die  den  Göttern  und  Menschen  verwehrte 
Demet.  107,  72.  —  Demophon,  der  Sohn  des  Höhle  in  Kreta,  in  welcher  Zeus  geboren  worden 
Keleos,  tritt  in  den  späteren  Sagen  ganz  zu-  war  und  die  heiligen  Bienen,  die  Ernährerinnen 
rück,  und  an  seine  Stelle  tritt  Triptolemos  als  des  Zeus  sich  befanden,  eindrang,  um  Honig 
Sohn  des  Keleos  und  der  Metaneira  und  als  zu  rauben.  Als  sie  von  dem  Honig  nahmen 
Pflegling  und  begnadeter  Liebling  der  Demeter.  und  die  Wiege  des  Zeus  sahen,  sprangen  die 
Apollod.  1,  5, 3.  Paus.  1,  14,  2.  Bakchyl.b.  Schol.  ehernen  Rüstungen,  die  sie  angethan,  von 
Aristoph.  Ach.  47.  Oo.  fast.  4,  550.  Sern.  Verg.  ihrem  Leibe,  Zeus  donnerte  und  wollte  die 
Ge.  1,147.  163.  Philarg.  Verg.  Ge.  1,  165.  Nonn.  Räuber  mit  dem  Blitz  zerschmettern;  aber  die 
Dion.  19,  82.  Vofs  zu  H.  Hym.  Cer.  153 — 155,  50  Moiren  und  Themis  hinderten  ihn,  weil  an 
s.  Triptolemos.  —  Nach  Hyg.  f.  147  wollte  dem  heiligen  Orte  niemand  getötet  werden 
Keleos,  der  Fürst  von  Eleusis,  den  Triptolemos,  dürfe.  Daher  verwandelte  er  sie  in  die  Vögel 
Sohn  des  Eleusis,  als  er  von  seinen  Wunde-  gleiches  Namens,  welche  von  guter  Vor- 
rungen nach  Eleusis  zurückkehrte,  töten,  mufste  bedeutung  waren,  Ant.  Lib.  19.  An  dieser 
ihm  aber  auf  Anordnung  der  Demeter  die  Herr-  letztenStelle  nenntJUiio/mmsdenVogelMoloios, 
Schaft  abtreten.  Die  Geschichte  kam  wahr-  während  er  früher  den  Waffenmann  KsXsög  ge- 
scheinlich  in  dem  Triptolemos  des  Sophokles  nannt  hat.  Von  einem  Vogel  ms/Uös  spricht 
vor;  doch  will  Welcker,  Gr.  Trag.  1  p.  301  Aristot. H.A. 8, 5, 4.  Hesych.u.M.M. s.v.  [Stoll.] 
für  Keleos  Kepheus  setzen,  der  bei  Myth.  Vat.  Keleus  =  Kileus  (s.  d.). 
2,  99.  Schol.  Stat.  Hieb.  2,  382  genannt  wird;  60  Keleustauor  (KeXivcrdvaiQ),  Sohn  des  Hera- 
bei  Serv.  V.  Ge.  1,  19  heifst  er  Kephalos.  —  kies  von  der  Thespiade  Iphis,  Apollod.  2,  7,  8. 
Die  Phliasier  nannten  ihren  Ackerheros  Dys-  [StolL] 
aules,  der  ihnen  die  Demetermysterien  von  Keleutlieia  (Kelsvd-zia),  Beiname  der  Athena 
Eleusis  aus  gebracht  haben  sollte,  einen  Bruder  in  Sparta,  Paus.  3,  12,  4.  Odysseus  hatte  der 
des  Keleos,  nach  welchem  er  den  phliasischen  Athena  ein  Standbild  errichtet  und  diesem 
Flecken  Keleai  benannt  habe,  Paus.  2,  14,  2.  den  Namen  Keleuthia  gegeben,  nachdem  er 

Welcker  zu  Schwenck  304.     Keleos  und   seine  im  Wettlauf  vor  den   anderen  Freiern  (Paus. 

Töchter  wurden  zu  Eleusis  durch  Monumente  3,  13,  6)   die  Penelope  errungen;    auch  hatte 


1029                     Keleutheiai  Kenckreios                     1030 

er    der    Göttin    drei,    von    einander    getrennt  4,    282    war  Kelmis    ein    treuer   Pfleger    und 

stehende  Tempel  gestiftet,  Paus.  3, 12, 4.  [Höfer.]  Freund  des  kleinen  Zeus,   wurde   aber  später 

Kelentlieiai,    vgl.   Hesych.  KsXzv&siag   tag  von    ihm    wegen    irgend    eines   Vergehens    in 

ivoS[s~\tovg  äaiuovag.     Gemeint  scheinen    also  einen  harteu  Diamant  verwandelt.   Nonti.  Dion. 

weibliche   Dämonen,    die    ivoStoi   waren,    wie  14,  39.  23,  156  nennt  ihn  einen  Teichinen,  Loh., 

z.  B.  Hekate,  und  ihr  aus  den  Seelen  derVer-  Aglaoph,  2,  1177.  1181.  Schwende,  Andeutungen 
storbenen  bestehendes  Gefolge.     Vgl.  auch  die       172.     Preller,  Gr.  Mijth.  1,  644,  2.     [Kremmer, 

„dii  penates  et  viales  (=  animales)  bei  Sero.  De  catalogis  heurematum.  Leipzig  1890.  S.  29. 
z.  Verg.  A.  3,  168  und  Labeo  daselbst,  sowie  31.  Röscher.]  [Stoll.]  Bei  No)tn.  Dionys.  14, 
die  di  Bivii,  Trivii  u.  Quadrivii  der  römischen  10  39.  21,  195.   23,  156.   37,   164.    263.   290.   306. 

Inschriften.     [Röscher.]  334.  346.  452.  471  liest  man  gewöhnlich  2-nil- 

Kelentor   (K'cltvzcng),    Sohn    des   Agrios   in  (itg  statt  Kslfitg.   Nach  Hesych.  bedeutet  Kslfils' 

Kalydon,  der  mit  seinen  Brüdern  ihrem  Oheim  natg  ij  Ivxi&ov.    Von  Leuten,  die  sich  und  ihrer 

Oineus  die  Herrschaft  nahm  und   dem  Agrios  Kraft  allzuviel  zutrauten,  gebrauchte  mau  das 

gab.     Dafür   wurden   sie   von   dem   aus   Argos  Sprichwort    Kei./itg    iv   atdrjQoi     Plut.   a.  a.  0. 

kommenden  Diomedes,  dem  Enkel  des  Oineus,  Zenob.    4,  80.     Prelhcitz ,    Die    Teichinen    bei 

getötet,    mit    Ausnahme    von    Onchestos    und  Bezzenberger ,    Beiträge    15,    154    Anm.    leitet 

Thersites,    Apollod.    1,   8,    6.     Paus.   2,   25,   2.  den    Namen    Kilfiig   von   indogerm.     *kelmos 

Hyg.  f.  175,  s.  Agrios  nr.  6.     [Stoll.]  (nhd.  Helm)  =  'Helmschmied'  ab.    Vgl.  oben 

Kelkaia  (Ktlv.ata),  Beiname  der  Artemis  in  20  Kelbidas.     [Höfer.] 

Attica,  Arrian.  7,  19,  2.  C.  I.  G.  1947.    [Anecd.  Keltine  (KslTtvn),  s.  Keltos. 

rar.   Gr.  et  Lat.  edd.  Schoell  et  Studenmnd  1  Kelto  (ÄfArco),  s.  Keltos.     [Stoll.] 

p.  270.      Correspondance    inedite    du    comte  de  Keltos  (Kskrög),  1)  Sohn  des  Herakles,  den 

Caylus  arecle  P.  Paciaudi  1  p.LXVIf.  Drexler.]  er  mit  Keltine,  der  Tochter  des  Bretannos,  im 

Petersen,  Die  dreigestaltige  Hekate,  arch.  epigr.  Keltenlande   zeugte,   als  er  auf  der  Rückkehr 

Mut.  aus  Österr.  5   (1880),  21ff.   handelt  aus-  von    Erytheia    begriffen    war.      Das    keltische 

führlich    über    dieses    Epitheton    der   Artemis  Land  erhielt  seinen  Namen  von  Keltos,  Partiten. 

und  vermutet,    dafs   das  von  Arrian.  a.  a.  0.  30.    Nach  Et.  M.  s.  v.  Kskrot  zeugte  Herakles 

erwähnte  rijs  'Agriuiäog  rö  £'<?0£ ,  das  von  den  Keltos  mit  Kelto,  der  Tochter  des  Bretan- 
Xerxes  nach  Susa  entführt  und  von  Alexander  30  nos.      Bei    seinem    Abzug   hinterliefs    er    der 

dem    Grofsen     wieder     nach    Athen     zurück-  Kelto   seinen  Bogen,   mit  dem  Befehle,   wenn 

geschickt  worden  war,   das  älteste  athenische  ihr  Kind  ein  Sohn  sein  werde,  solle  er  König 

Bild   der   Artemis    Brauronia   und    dafs    diese  werden,  sobald  er  den  Bogen  spannen  könne, 

mit   der  Artemis   Kelkaia   identisch   sei.     Ein  Ebendaselbst  heifst  Keltos,  nach  welchem  das 

Hekataion    der    Sammlung    Modena    in    Wien  Keltenland   benannt  war,    Sohn   des  Herakles 

(abgebildet   arch.   epigr.    Mitt.    aus    Österr.    4  und   der   Sterope,    der  Tochter  des  Atlas.  — 

Tat'.  5,  1),  nach  Mommsen  {C.  I.  L.  3,  3156a)  2)    Kiktog,    ein    Phrygier,     Sohn    des    Meges, 

dalmatinischer  Herkunft,   trägt  die  Widmung  Enkel    des   Dymas,    zugleich   mit   Eubios   von 

Deanae  Cdceitidi  Flavius  Silvanus  pos.  —  Periboia  an  den  Ufern  des  Sangarios  (vgl.  H. 
Petersen  a.  a.  0.,  vgl.  9,  63,  erklärt  diese  als  40  16,  719)  geboren,  vor  Trojamit  seinem  Zwillings- 

Hekate  gebildete  Diana  Celceitis  für  dieselbe  bruder   von  Neoptolemos    erlegt,    Quint.  Sm. 

Göttin    wie    die    Kelkaia.      Ein    Tempel    der  7,  611.     [Stoll.] 

Artemis    Kelkaia    (Ktlytaiov)    findet    sich    auf  Kelusa  (Krjlovoa),  von  Poseidon  Mutter  des 

einer  Inschrift   ans   Nikopolis    (Epeiros)    hga-  peloponnesischen  Flufsgottes  Asopos,  Paus.  2, 

capivnv  zi\  ■frfcö  iv  Kzl-tatm,  Arch.  epigr.  Mitt.  12,  5.     [Stoll.] 

aus  Österr.   14   (1890),    113  nr.  1.     [Eine  Dar-  Kenaios  (Kijvatog),    1)  Sohn  des  Euphorion 

Stellung  der  Artemis  Kelkaia   haben  wir  viel-  oder  des  Elephoros,  nach  dem  das  Vorgebirge 

leicht   auf  einer    im    Mus.  Sanclement.  Num.  Kenaion   auf  Euboia  benannt  sein  soll,   schol. 

Sei  2  p.  183  Tab.  19,  118  mitgeteilten  Soph.  Track.  237.  —  2)  Beiname  des  Zeus 
Münze   des  Trajan   zu  sehen:    AYTOK  TPAIA-  50  von    diesem    Vorgebirge,    wo    ihm    Herakles 

NOC,  Caput  Traiani   cum  chlamyde  ad  pectus.  einen   Altar     (Kr/vaia    HQrjitlg    ßcouäv,    SojJh. 

Bs.  TT6AK6A  Diana  venatricis  habitu,  d.  telum  Track.  993)    errichtet   hatte   (Apollod.  2,  7,  7 ; 

e  pharetra    depromens ,    laeva    extenta    arcum  vgl.    Soph.    Track.    753  f.)    Aesch.    fr.    29    = 

gestans,  ad  pectus  canis  venaticus.     AE.  min.  Strabo    10,  447.     Soph.    Track.    238.     Shißax 

Es  liegt   die  Vermutung   nahe,  dafs   San  Cle-  peripl.    p.   51    Gronov.      Suid.    s.   v.    Kvvaiog. 

mente  falsch  TT6AK6A   statt    K€AK€A  gelesen  [Anecdota   varia   Gr.    et  Lat.    edd.  Schoell   et 

hat.   Drexler.]     [Höfer.]  Studenmnd    1     p.    265.     266.     274.       Drexler.] 

Kelmis  (Ktlfiig,  der  Heizer,  der  Schmelzer?),  Ovid  Met.  9,  136.    Bei  Steph.  Byz.  s.  v.  Karat 

einer  der  idäischen  Daktylen,  Phoronis  b.  Schol.  (Kavatog  Ztvg  ov  /jlovov  äno  xov  Kavatov, 
Ap.   Bh.   1,   1129.    Sophokles    (fr.   336   Nauck)  co  Ulla,  nal  anb  rijs  Kdvrig)  scheint  Kavatog  die 

b.  Zenob.  4,  80.    C.  I.  Gr.  2374.  Strab.  10,  473.  dorische   Form    für    Knvaiog    zu    sein.      Kurz 

Clem.  AI.  Strom.  1,  75.    Hesych.  s.  v.   —  Plut-  vor   seinem  Tode  opferte   Herakles   dem  Zeus 

arch.  Prov.  Alex,  sagt,  dafs  Kelmis  im  Ida  das  auf  dem   Kenaion,    Soph.    Track.   287.     Diotl. 

sprödeste  Eisen  bearbeitete.   In  der  korrupten  4,  37.  38;  Tzetz.  Lyk.  50.  51.  p.  348;   vgl.  die 

Stelle  des  Zenob.  scheint  gesagt  zu  sein,  dafs  von  Stephani,  Gompte  rendu  1869  180  angeführ- 

Kelmis  im  troischen   Ida  in  hartes  Eisen   ver-  ten   Stellen    und    die   Darstellung    des    Opfers 

wandelt  worden  sei,  weil  er   die  Mutter  Rhea  Bd.  1  Sp.  2235  Z.  55 ff.     [Höfer.] 

übermütig  behandelt    hatte.      Nach    Gv.  Met.  Keuchreios   (KtyxQttog),    1)  Flufsgott,    er- 

33* 


1031                       Kenchre'is  Kentauren  (Abstammung)         103^ 

scheint   auf  Münzen   des   Antoninus  Pius   von  Eenclll'is  {Ksy%q(g),  Tochter  des  Pieros,  mit 

Ephesos  zusammen  mit  Kaystros,  beide  durch  ihren    Schwestern    von    den    Musen    in    einen 

die  Beischriften  KAYCTPOC  •  KGNXPIOC  kennt-  Vogel  verwandelt,  Anton.  Lib.  9.     [Stoll] 

lieh  gemacht,   gelageit  zu  Füfsen   des  Bildes  Kendreisos  (?).     In  der  Inschrift  C.  I.  Gr. 

der  Artemis  Ephesia,    Andr.  Morellius,   Spe-  2049   wird    in  Philippopolis   eine   Phyle  Ktv- 

eimen   univ.    rei    numm.    ant.      Lipsiae    1695  dgiaeTg  erwähnt.     Boeekli  vermutet,   dafs  die- 

p.  120 — 121    Tab.   10,  5    („in  thesauro  Lamo-  selbe  nach  einer  Gottheit  benannt  worden  sei, 

nii").    Fckhel,  D.  N.  V.  2  p.  522.    Cot.  Huber  wie  die  Phyle  'Agtepiaiüg,  C.  I.  Gr.  2047.  2048. 

p.  53    nr.  574;    desgleichen    auf  Münzen    des  In  derselben  Stadt  wurden  Festspiele  Kendrei- 

Septimius  Severus,   Vaillant,  Num.  Gr.    p.  82  10  seia  gefeiert,  Eckhel,  I).  N.  V.  2  p.  44;  4  p.437. 

(„Fr.  Cameli"),   p.  344f.    Mi.  S.  6,  155,  497.  Sestini,  Mus.  Hedervar.  1  p.  74   nr.  44  Tb.  1 

Allein  kommt  er  vor  mit  der  Beischrift  K6N-  Fig.  14  (KENAPEICEIA  ■  TTY0IA).     Sestini,  Lett. 

XPIOC  unter  Hadrian,  Mi.  S.  6,  13S,  396  nach  num.  cont.  3  p.  35  =  Mus.  Hedervar.  1  p.  74 

Sestini,  Mus.  Hed.  2, 166,  52  =  Wiciay  nr.  7354,  nr.  43.     Wiczay  1    nr.  2456    Tab.  10    nr.  209 

und  unter  Severus  Alexander  mit  der 'Beischrift  (K6NAP6CIA   -"nTGIA).       Diese     K6NAP6CIA 

KENXP6IOC,  Mi.  3,  115,  398  (Cab.  Covsinery).  kommen    auch    vor    auf   Münzen    von   Nikaia, 

—  2)  Sohn    des    Poseidon,    Stepli.  Byz.   s.   v.  Head.  H.  N.  p.  443.     [Drexler.] 

KiyxQBiu,  s.  unten  d.  Art.  Zenehrias.    Als  zwei  Kentauren  (KtvzavQOL,  'lu7toyJvtavQoi). 

gelagerte    männliche    Fig-uren    erscheinen    die        T    „.     „  ,,  .,  . ,     .    

?,      D    .„,    ,.             ,       ,  °. ,        n..f                v  I.   Die  Mythen  von  ihrer  Abstammung. 

Personifikationen   der   beiden   Haien   von   Ko-  20                       J 

rinth,  Lechaion  und  Kenchreai,  nach  Mülingen  Hinsichtlich    ihrer   Abstammung    hat    man 

und    Gardner,    Countries    and    cities    in    an-  zwei    Klassen   von   Kentanren    zu    unter- 

citnt   art,  Journ.   of  hell.   stud.  9,  1888   p.  69  scheiden,    die    auch    ihrem    Wesen   und    Cha- 

beide  mit   einem  Ruder,    nach  Imhoof- Gard-  rakter    nach    sehr    wesentlich    von     einander 

ner,   Numism.  Commentary   on  Pattsanias  und  verschieden   sind.     In    die    erste   gehören   nur 

Head  die   eine   mit  einem  Puder,    die  andere  zwei:  Cheiron  und  Pholos.  —  Cheiron  (s.  d.) 

mit    einem   Anker   in    der   Hand,    zu    beiden  ist  der  Sohn  des  Kronos   (Saturnus)  und  der 

Seiten    der   Aphrodite    auf    Akrokorinth    auf  Phil[l]yra,    einer  Tochter    des   Okeanos,    und 

Münzen   des   Septimius   Severus    von   Korinth,  wird   daher  KqoviSng  und   <t>iXlvgiSng   (Phiiy- 

Mülingen,  Syll.  of  anc.  coins  p.  56f.  PI.  2,  30.  30  reius)  genannt  (Hes.  Th.  1002.   Eumelos  [?]  b. 

Imhoof -Gardner  p.  IS  nr.  7,2,  p.  26  sub  nr.  33  Schal,   z.  Ap.  Eh.  1,  554   [=  Fr.   ep.  gr.    ed. 

PI.  G.  134.    Head,  Cat.  of  Greek  Coins  [in  the  Kinkel  1  p.  8],    Find.  P.  3,  1  u.  4.   ib.  4,  103 

Brit.  Mus.]  Corinth  p.  85  nr.  652  PL  21,  14.  —  u.   112.    9,  31.    Kern.  3,  43  u.  47.    Ap.  Bh.  2, 

Gardner,  Journ.  of  h.  st.  a.  a.  O.   bemerkt  zu  1232  ff. ;  vgl.  ib.  1,  554.    ApoUod.  1,  2,  4.    Verg. 

der  Darstellung:    „it  would  seem  tliat  the  two  Geo.  3,  550.    Propert.  2,  1,  60.   Ov.  Met.  2,  676. 

are  personifications  of  Lechaeum  and  Cenchreae,  FaU.  5,  383  ff.  A.  A.  1,  11.   Schol.  Germ.  Arat. 

perhaps  in  the  persans  of  Leehes  and  Cenchrias  87  BX     Nach  Eumelos  (?)  a.  a.  O.  und  Phere- 

tico  sons  of  Poseidon  (Paus.  2,  2,  3),  tclw  were  kydes  b. Schol.  Ap.Bh.  2, 1232  ff.  wohnte  Kronos 

eponymous  heros   of  the  harbours."    Als   zwei  (s.  d.)  der  Philyra  in  Gestalt  eines  Rosses  *)  bei, 

langbekleidete    Nymphen,    stehend,   jede    ein  10  während   er   sich  nach  Ap.   Bh.  a.  a:  0.   und 

Ruder  in  der  Hand,  den  Arm  um  die  Schulter  Schol.   (vgl.   Verg.  Geo.  3,  92  ff.)  erst  dann  in 

der  anderen  gelesrt,  mit  der  Beischrift  LECH  ein  solches  verwandelte,  als  ihu  Rheia  mit  der 


^Ol  1 


und    CENCH    sind    die    Personifikationen    der  Philyra  auf  der  Insel  Phily reis**)  überraschte, 

beiden  Häfen  dargestellt  auf  einer  Münze  des  worauf   Philyra    aus    Scham   nach   Thessalien 

Hadrian  von  Korinth,  Imhoof- Gardner ,  Num.  entwich,   wo   sie    den  Cheiron    gebar.      Nach 

Comm.    on    Paus.    p.    15    nr.   7,    1    PL   C,   40.  Hyg.  f.  138   fand   die   Liebschaft    des   Kronos 

Gardner,  Journ.  of  h.  st.   9   p.  69.    Head,   C.  in  Thrakien  (Thessalien?  vgl.  Verg.  Geo.  3,  94 

Gr.  C.  Corinth  p.  75   nr.  595  PL  19,  15.    PH-  und  Philarg.  z.   Verg.   Geo.  3,  93)   statt,    und 

lostratus,    Imagg.    2,   17    beschreibt    ein     Ge-  Philyra  wurde  nach   der   Geburt   des   Cheiron 

mälde,  auf  welchem  Lechaion  in  Gestalt  eines  50  in  eine  Linde  verwandelt  (vgl.  Philarg.  a.  a.  0.). 

uiigciKiov  und  Kenchreai   in  Gestalt  mehrerer  Ganz  abweichend  ist  die  von  Suidas  in  seinen 

Mädchen  den  gelagerten  Isthmos  umgeben.  ThessaliJca  überlieferte  Genealogie  des  Cheiron, 

[Drexler.]  wonach  er  der  Sohn  des  Ixion  und  Bruder  des 

Kenclireis    (Ktyxgt'tg),   Gemahlin  des   assy-  Peirithoos   war   (Schol.  Ap.    Bh.   1,   554  u.  2, 

rischen  (und  kyprischen)  Königs  Kinyras,  Mutter  1231).     Wahrscheinlich  erklärt  sich  diese  Ab- 

der   Smyrna   oder  Myrrha,    Ov.    Met.   10,  435.  weichung   einfach   aus  der  Verwechselung  des 

Hyg.  58.     Lactant.  fab.  10,  9.     [Stoll. ]  Cheiron,  der  oft  schlechtweg  Ksvravgog  heifst, 

Kenchrias    (Ktyxg(ac),    Sohn    des   Poseidon  mit    Kivvavgog,    dem    Sohne    des   Ixion    und 

und   der  Peirene,   Bruder  des  Leehes.     Als  er  Stammvater  der  anderen  Kentauren  nach  Pin- 

von  Artemis   getötet  wurde  ,   entstand   aus   den  CO  *j  offenbar  um  die  Boragestalt  des  Cheiron  zu  erklären. 

Thränen     der    Mutter    die    korinthische    Quelle  **)  [Diese  'Insel    Philyreis'   ist    keine    andere  als   die 

Peirene.      Nach    den    beiden   Brüdern   erhielten  'Insel  Lakereia',  auf  -welcher   dasselbe  Paar  Philyra  nad 

die    korinthischen    Häfen    Kenchreai    und    Le-  Kronos  den  Aphros,  Vater  der  Aphrodite,  erzeugte :  C/iro- 

chaion     ihre     Namen       PüU^     2^3       ^      3      3  niion   Pasch,    p.  66    Bonn.    Joann.  Antioch.    F.H.G.  4,   541, 

Steph.  B.  v.  KlyiQsctl  wo  er  Kenehreios'heifst.'  *<  *  aus,  <&-rtoä>  f>»™*™»j    "«^lieh  die  thesaiische 

»ii                  i  ■      i      t-         i          -ii           i     t  Maat   Lakereia    an    der  Boibeia.      Die   Verlegung   in    den 

Auch  das  argohsche  Kenchreai  soll  nach  diesem  P(mto,  ist  durch  die  Homonymie  dea  pontischen  Voiks 

Sohne  der  Peirene  benannt  sein,  Paus.  2.  24,  8.  der  *a„„s  verschuldet.    Vgl.  Phiioiogw  N.  v.  3  1890 

Vülcl-cr,  Iapet.  Gesehl.  120.  189.     [Stoll]  s.  lifi.    Tümpel.] 


1033         Kentauren  (Abstammung)  Kentauren  ( Abstammung)         1034 

dar,  —  Pholos  (s.  d.)  dagegen,  der  Epony-  xivlg  öi  [cpaei]  iJot'AIAI  <(AIAI,  vgl.  Sp.  766,64; 
mos  des  Pholoegebirges  an  der  Grenze  von  767,  14.  20.47.  Tümpel^  Tgiova  (iiyiivat,  a'fia  dl 
Elis  und  Arkadien,  ist  nach  Apollod.  2,  5,  4  Y.ai  ll^yaaov  xbv  Ttxtqaxbv  %uxä  xrjv  avzriv 
(vgl.  Pind.  Fr.  57  B.  b.  Paus.  3,  25,  2)  der  vvuzct,  J§  äv  yivio&ai  Kivzctvgov,  äcp'  ov  ttoXv 
Sohn  des  Seilenos  und  einer  melisehen  Nymphe  nXjj&og  yivtxui.  —  [Dia  ist  selbst  Kentaurin. 
(vgl.  über  diese  lies.  Th.  187.  Callim.  hy.  in  Denn  1.  mufs  sie  Rofsgestalt  gehabt  haben,  wenn 
lov.  47.  Ap.  Ph.  2,  4  u.  Schol.  Tzetses  z.  Hes.  Zeus,  um  mit  ihr  den  Peirithoos  zu  erzeugen 
Op.  145.  Max. Mayer,  Gigant,  u.  Titan.  S.l4ff.).  'intim  huai.w%t\g  avzr]v  7ciQi&htv  mufste  (Eust. 
Beide,  Cheiron  und  Pholos,  sind  insofern  von  den  11.  A  265  p.  100,  45;  Et.  M.  p.  668,  16;  Nonn. 
übrigen  Kentauren  verschieden,  als  ihnen  einmil-  ;o  7,  125,  emend.  Welcher  Ep.  Cyel.  1,  21779, 
der,  gastlicher  Charakter  eigen  ist,  und  nament-  16,  241);  2.  floh  nach  dem  unglücklichen 
lieh  dem  Cheiron  (s.  d.)  allerlei  wohlthätige  Lapithenkanipf  Dia  mit  den  übrigen  Kentauren 
Künste  und  Thätigkeiten  zugeschrieben  werden  nach  Malea,  um  von  dort  allein  'umkehrend' 
(s.  jedoch  Sp.  1055  Anm.).  —  Ganz  anders  lautet  mit  Zeus  den  Peirithoos  zu  erzeugen:  Sah.  A 
die  Genealogie  der  übrigen  Kentauren,  D  Tl.  A  263,  wo  zu  bessern  ist:  . . .  Aanixtat, 
über  deren  Charakter  weiter  unten  gehandelt  diaxovßiv  ctvzovg  sts  MccXsav  oqoq  zrjg  IltXo- 
werden  soll.  Nach  I'indar  sind  dieselben  Söhne  novvrjoov  rj  §£  tTINI  (1.  ACa)  dvaargicpo- 
des  Kentauros  (bei  Tzctz.  Chil.  7,  40  u.  9,  477  jievr]  f.tixaßaX6vTi.  xi]v  cpvoiv  slg  innov  AIEMITH 
heifst  er  Imbros),  eines  frevelhaften,  weder  (1.  Au  l/w'yjj)  Kai  zbv  ngoeiQrjyivov  iyivvrjaz 
deD  Menschen  noch  den  Göttern  wohlgefälligen  20  ntigi&oov,  dg  o)voixcca9r]  änb  zov  ntgi&tlv 
Ungetüms,  das  die  Wolke  (NscpsXa)  gebar,  ütnea  öuoico&ivxa  xbv  ACa  iv  xä  fii'yvvadcti  zr\ 
welche  der  nach  der  Hera  lüsterne  Ixion  (s.d.)  nrjroj  avzov  (sc.  Aiu)*).  Tümpel.] — Mehrfach 
statt  dieser  umarmt  hatte.  Dieser  Kentauros  heifsen  die  Kentauren  nach  ihrer  Abstammung 
[hatte  nach  Schol  V  Od.  <p  303  seine  Doppel-  nubigenae(Verg.  4.7,674.8,  293.  Ov.  Jf.12,211. 
gestalt  nach  dem  doppelten  Vorbild  des  mensch-  541 .  Stat.  Th.  5,  263)  oder  Ixionidae  (Lucan.  6, 
liehen  Vaters  und  der  rofsgestaltigen  Mutter  386).  Schlicl'slich  müssen  wir  in  diesem  Zusam- 
[Tümpel.]  und  begattete  sich  mit  magnesischen  menhange  noch  der  verschiedenen  Kentauren- 
Stuten,  welche  am  Fufse  des  Pelion  weideten.  genealogieen  des  Nonnos  gedenken,  welcher 
So  entstanden  die  wunderbaren  Mischgestalten  im  14.  Buche  seiner  Dionysiaka  drei  Arten  von 
der  Kentauren,  welche  am  Unterkörper  den  30  Kentauren  unterscheidet,  die  alle  den  Dionysos 
Müttern,  am  Oberleibe  dem  Vater  ähnlich  sahen  auf  seinem  indischen  Zuge  begleiten.  Als 
{Pind.  P.  2,  42  ff.  u.  Schol.  Wagner,  Epitoma  ex  erste  Klasse  erwähnt  er  (v.  49 ff.)  den  Pholos 
Apollod.  biblioth.  p.  57.  148.  Lucan.  6,  385  f.  und  Cheiron  u.  s.  w.,  die  zweite  Klasse  sind 
Eust.  in  II.  102,  15.  Schol.  II.  1,  268;  vgl.  Hyg,  die  gehörnten**)  Kentauren  (144,  180;  vgl. 
f.  33  u.  34  u.  Schol.  Luc.  p.  56  ed.  Jacobitz).  20,224),  Söhne  derHyaden,  welche  ursprilng- 
Ganz  ähnlich  lautet  die  eine  der  Versionen,  lieh  Menschengestalt  besafsen,  aber  von  Hera 
welche  TJiodor  4,  69  f.  überliefert:  Ixion*)  habe  zur  Strafe  für  die  Bewachung  und  Pflege  dea 
mit  der  Wolke  nicht  einen,  sondern  mehrere,  neugeborenen  Dionysos***)  verwandelt  wurden 
undzwarmenschengestaltigeKentaurengezeugt,  (14,  143 — 192;  die  Namen  ihrer  12  Führer 
diese  aber  seien  auf  dem  Pelion  von  Nymphen  10  sind:  Spargeus,  Gleneus,  Eurybios,  Kepeus, 
aufgezogen  worden  und  hätten  sich  später  mit  Khiphonos,  Petraios,  Aisakos,  Orthaon,  Amphi- 
Stuten  vermischt,  aus  welchem  Verhältnisse  die  themis,  Faunos,  Phanes,Nomeion;  vgl.v.  186 ff.); 
mischgestaltigen  (SicpveZs)  Hippokentaurenent-  die  dritte  Klasse  endlich  bilden  die  (kyprischen) 
sprangen  seien.  Nach  der  zweiten  von  TJiodor  Söhne  des  Zeus  und  der  Gaia,  welche  aus 
a.  a.  O.  überlieferten  Version  dagegen  war  dem  Samen  entstanden,  den  der  in  Aphrodite 
Kentauros  der  Bruder  des  Lapithes  und  Sohn  verliebte  Zeus,  als  er  diese  vergeblich  ver- 
des  Apollon  und  der  Stilbe.  Endlich  gedenkt  folgte,  auf  die  Erde  fallen  liefs  (14,  193  ff.  vgl.  32, 
Diodor  noch  einer  euhemeristischen  Tradition,  72  ff.  5,  614). f)  [Hinsichtlich  der  sogen.  Seeken- 
wonach  die  Kentauren,   die   Söhne  des   Ixion 

und    der  Nephele,    gewöhnliche  Menschen    ge-  50  nügelpferden  und  Kentauren  aiuf  uralten  Gefärsfragmen- 

wesen     seien,     welche    zuerst    die    Kunst     des  ten  aus  Kairos   "nd    anderen  Bildwerken    (Müehhöfer 

Reitens  übten  und  infolge  dessen  vom  Mythus  ^n^ws™™^'  D'  "'  *  2'  590)  ZMammcu-   TeL 

als  mischgestaltig  (SlfVEtg)  aufgefafst  worden  n  ™  [Dasselbe  Zeus-Abenteuer,  in  3  Worte  zusammen- 
waren (TMod.  4,  70,  Vgl.  Palaeph.l.  Schol.  T  erg.  gezogen,  in  dem  von  HÖJer  (s.  ob.  1  Sp.  2(571,  JOff.)  un- 
Geo.  3,  115;  mehr  b.  Boeckh,  Schol.  in  Pind.  nötig  beanstandeten  Polypoites-Stemma  Eustath.  IL  l; 
[Tom.  2]  p.  319).      Sehr   merkwürdig   ist   die    in  738  p.332,  3G,    das    durch    ein   Komma    sich    teilen   läfst: 

den  Scholkn  [B(L)\  z.   II.   1,  266  überlieferte  nu/.vnoiriK  vlbs  rr«o<9öou,  Sv  'iw.i  Zib;  ■,,  i£  'Innaö«- 

Version,  welche  die  Mischgestalt  der  Kentauren  >'ei";-    E™"">>-  ersparte  sich  die  schon  vorher  (p.  100,  45 

aus  einer  in  derselben  Nacht  vollzogenen  Ver-  ™  \A.  2Ü5)   Begebene  Ergänzung  zu   „»  „.  z.    ,**,, 

■      1                ix-                  a     j        i_    a-       ij.         rt              /.^  uftütioZret;  y.ai  tityec  r>.    Jt,<  .     Tümpel. 1 

HllSChuns   des  Ixion    Und    dea  beflügelten  Pega-  60  ,,}  Gohörat'e  Kentauren  kommen  auch  in  Bildwerken 

SOS  mit  einer  Sklavin  [Dia]  au  erklären  Suchte**):  vor,  sogar  in  hocharchaischen  Ton  Kypros,   Ohnefalsch- 
Richter  im  „Ausland"  1891  S.  547;  vgl.  dazu  Nonn.  D.  5,  G14; 

*)  [Nach  Diodor  'Gatte  der  Dia,  Besitzer  von  Rossen,  Knaack  im  Hermes  25,  S2f. ;  ferner  Saunas  Memoria  d.  f.  A.  2, 

die  ihm  als  Entschädigung  für  die  vorenthalteuen  Braut-  518.  Benndorf,  Ant.  v.  Zürich  458  Taf.  S,  94  und  die  l'eters- 

geschenke  der  Schwiegervater  abpfändet'.     Tümpel.]  lmrger  Vase  nr.91G.  Stephan!,  C.  R.  p  Va.  1874  S.5  u.  S.  86,  3. 

**)  Vielleicht  hangt  dieser  Mythus  mit  der  Erscheinung  ***)  Vgl.   auch    den    Sarkophag   in   Paris   bei  Froehner, 

beflügelter    Kentauren    auf    assyrischen     Bildwerken    (s.  Notice  du  Louvre  1,295  u.  261  f. 

Sp.    1155)    uud   etiuskischen   Buccherovasen    (MtlchhÖfer,  1)  [Diese  Aphrodite  ist  wohl  die  thessalische  Apbros- 

Anf.  d.  Kunst  in  Gr.  76),  sowie  mit   der  Gruppierung  vun  tochtcr    aus    der   boiboischen    Lakereia,  die  in  die  Chei- 


1035   Kentauren  (.Kampf  m.  d.  Lapitlien)  Kentauren  (Kampf  m.  d.  Lapithen)   1036 

tauren   s.   d.  Art.   Ichtbyokentanren   u.  Triton.  Menschen  und  Kentauren  entstanden.  Auch  der 

Nur  beiläufig  sind  hier  noch  die  von  Lucian  (vera  Dichter  des  Heralclesschildcs  gedenkt  v.  178  ff. 

hist.  16.  18.  28)  erfundenen,  im  Solde  des  Phae-  der  Schlacht  der  lanzenschwingenden  {aly^irjtai; 

thon  stehenden  (geflügelten)  Nephelokentauren  vgl.  II.  12,  128)   Lapithen,    deren   9   Kaineus, 

zu  erwähnen,  als  deren  Führer  der  Schütze  aus  Dryas,   Peivithoos,    Hopleus,   Exadios,   Phale- 

dem  Tierkreise  fingiert  wird.     Auf  diese  Idee  ros,    Prolochos,    Mopsos,    Theseus    (s.   jedoch 

seheint  Lucian  durch  Ariitoph.  Nub.  346  (vgl.  Hermes    27,   374f.)   genannt  werden,  und    der 

Schal.)   und  Aristot.  n.  iwitvicov   3   (ed.  Berol.  9     mit    Fichten    (Härai)    bewehrten    Kentau- 

p.  461 b  20)    gekommen    zu    sein.      Mythische  ren  Petraios,  Asbolos,  Arktos,  Ureios,  Mimas, 

Bedeutung  haben  sie  natürlich  nie  gehabt.]       10  Perimedes,    Dryalos    und     der    2    Söhne    des 

IIa)  Kampf  mit  den  Lapithen  (thessa-  Peukeus.    Hinsichtlich  des   engen  Zusammen- 

lischer    Mythus;    vgl.    die    Münze    von    Ma-  banges  dieser  Schilderung  der  Kentaurenschlacht 

gnesia    Thessaliae     in    der    Arch.   Ztg.    1847  mit  den  ältesten  Vasengemälden  und  dem  Kypse- 

Taf.  10,  5).     Derselbe  fand  nach  der  gewöhn-  loskasten    vgl.    die    von   Meyer,  Gandharven- 

lichen    Überlieferung    vor    dem    Kampfe    mit  Kentauren  S.  39   u.   60  angeführte   Litteratur. 

Herakles    statt    (vgl.   Apollod.   2,   5,  4.    Schol.  Mit  grofser  Wahrscheinlichkeit  läfst  sich  ferner 

Pind.  P.  2,  85.    Schot.  11.  1,  263.    Ov.  Met.  12,  vermuten,  dafs  der  Kampf  der  Kentauren  und 

306  u.  535),  wonach  mehrere  später  von  Hera-  Lapithen    auch    in    den   verloren    gegangenen 

kies   erschlagene   Kentauren,    darunter  Pholos  Theteen  und  Kentauromachieen  (vgl.  Ael.  V.  H. 
und  Nessos,  den  Lapithen  entfliehen;  das  um-  20  11,  2)   eine  Rolle  spielte   (Meyer  a.  a.  O.  39). 

gekehrte    Zeitverhältnis    behauptet  hur   Schol.  Mehrere  Hindeutungen   auf  diese  Sage  finden 

IL  1,  266  und,  wie  es  scheint,  Herodor  b.  Plut.  sich  bei  Pindar  Fr.  147  (vgl.  Hör.  ca.  4,  2,  13) 

Tltcs.   30).     Die    ältesten    litterarischen   Zeug-  u.  148  Böckh,  aus  denen  hervorgeht,  dafs  die 

nisse  für  diesen  Kampf  finden  sich  bei  Homer.  Kentauren  sich  in  Wein  berauschten  und  den 

II.  1,  262  ff.   rühmt  Nestor    als   die    stärksten  unverwundbaren  Kaineus   mit  grünen  Fichten 

Menschen  der  Vorzeit  die  Lapithen  Peirithoos,  so   völlig  überschütteten,    dafs  er  aufrecht  in 

Dryas,  Kaineus,  Exadios  und  den  güttergleiehen  die  Erde   hinabsank.     Auf  die   bei  dieser  Ge- 

Polyphemos  und  sagt  ib.  267  von  diesen:  legenheit  hervortretende  Trunksucht  und  vßgtg 

xdgrißTOL  fisv  Icav  hcu  ytagtiazoig  sWvoi>ro  del'  Kentauren  beziehen  sich  ferner  Stellen  wie 
cpnaßlv*)  oQtßKoioiBL  y.ai  iKTtdyXcog  anölsa-  3Ü  Theogn. 541. Isoer.  10,26.  Verg.Geo. 2, 455 ff. Hör. 

Bav  ca.  1,  18,  8.    Von  den  Tragikern  scheint  nament- 

Von  Polypoites,  dem  Sohne  des  Peirithoos,  lieh  Aischylos  in  seinen  vielleicht  von  Ovid  (vgl. 

heifst   es   IL  2,  742  ff.   (s.  Mannhardt ,  A.   W.  ■afe*:T12'  m  u-  242  mit  ÄesA-  Fr-  178  u-  179 

u   F.  K.  46):  e"-  Nauck)  benutzten  Perrha%bidm  die  Lapithen- 

','  r,  <    .  T-r       „.       ,            ,     .    «,        „/  schlacht  behandelt  zu  haben  (vgl.  Welcher,  Aesch. 

«      v       -   r,       v  -     -     ,   ,           ,                       ■  Iril.  oo9.   Meier  a.  a.  U.  44.   Kur.  Audi.  791). 

"  ,     ,.,  •>     „  ,\ lv  r          ,    ,,„,      '        .,'  mner   euhemenstischen   Auffassung    der   Ken- 

zovg  o     ek  Llriliov  aas  v.ai  AlViksool  ntlaaaiv.  i.„,    ,_         j    ■,           i7„       j           -a    i        t       -j-u 

1  tauren   und   ihres   Kampfes   mit   den  Lapithen 

Od,  21,  295  ff.  wird  die  Entstehung  des  Zwistes  begegnen   wir   bei   Palaeph.   de  incred.  1    und 
erzählt.     Der  Kentaur  Eurytion   habe   sich  im  40  Apostol,  prov.  9,  73   (vgl.  Diod,  4,  70   u.   Serv. 

Hause  des  Peirithoos  mit  Wein  berauscht  und  ]T  Geo.  3,  115).     Ausführliche    Schilderungen 

in  semer  Raserei  allerlei^  Frevelthaten  verübt  der  Lapithenschlacht  finden  sich  erst  bei  Diodor 

(uaivöusvog  ««»'  t'pt&  öopov  »cm  Iteipt&ooto  4,  70  und  Ovid  Met.  12,  210  ff.,  zu  denen  noch 

v.  298),  wofür  er  von  den  Lapithen  durch  Ab-  Schol.  Pind.  F.  2,  85  u.  Schol  H.  1,  263  ff.    Ap. 

schneiden    seiner    Ohren    und    Nase    bestraft  itt.  l,ö9ff.    Epitoma  ex  Apollod.  biblioth.  ed. 

worden  sei*':).     So  sei  der  Streit  zwischen  den  Wagner  p.57f.  vgl.  p.147  (Kaineus).    Hyg.f.33. 

rongenealogie  verwickelt  ist;  s.  o.Sp.  1032*).  Die  Tendenz  Val.  Fl.  1,  140  ff.    SerD.Z.  Ver(J.  A.  7,  304.     Plut. 

dieses    Mythologcms    ist    etymologisch:    Kevtuvpog   von  TllCS.  30.    Orph.A.ill.   Lactant.  Z.  Stat.    Theb.2, 

xtvtüv  auQav,  wie  auch  das  Motiv  von  des  Ixions  Brunst  563.     Schol.  Lucian.   p.  251  Jacobitz.     Ml/thoijl: 
gegen  die  der  Hera  substituierte   tttgia  vtipü,/  dem  glei-  60   yat    ^  154,    162.   2,  108.   3,  6,   25.       TzctZ.  Chil. 

chen    Vordacht    etymologisierenden    Fabulierens    unter-  g    1000tf   u,  s    w    hinzukommen.     Nach  Diodor 

liegt,    welchen    schon    die    Alten    herausfühlten:  Et.  Gud.  1       „i.           1  ■       tt      a                     j                  j          n 

b.„    -n  E,   c.     r-    ,  .,     r,     ,  ov       ,„.,    .,„      t-,    ,,  verlaugten    die   Kentauren,    da    sie    derselben 

p.  31-1,  aO.  51.  54.     Eustaih.   IL    A    2Mj    p.  102,    20.     Lt.  M.  ...        ^L        .      r,    .    ..,                    *          rn  ,    ,     ^  tll 

P.503,  51;  vgl.  weicker,  Kl.  Sehr.  11,  18.    Tümpel.]  Abkunft  wie  Peirithoos  waren  [Schol.  V  Od.  <p 

*)  Mit  Becht    leitet   Wiiamowitz .    Eurip.   Seraki.   2  303  a.  E.  mit  Berufung  auf  Pindaros.    Tümpel.], 

S.  124  den  Ausdruck  yrp  statt  #,;o  aus  dem  thessalischen  von  diesem  einen  Teil  des  väterlichen  Erbes  und 

Dialekt  ab;  die  dialektische  Form  scheint  mit  der  Sage  gerieten    darüber  mit  den    Lapithen  in  Streit, 

gewandert  zu  sein.  Nach  Beendigung  desselben  lud  Peirithoos  zur 

**)  Ein  von  Heijdemaim  erläutertes,  die  Uberbringung  Fejer  8einer  Hochzeit  mit  Hippodameia  (Deida- 

von  HoclizL'itsgaben  an  Peirithoos  und  Hippodameia  (oder  _     -          n    r      -r,.    .     ™7    Ä     g)/,      rrr-    „    -u    4.„-„       „    u 

„  ,           ,„,   J?  .,  ,      .  „     „     „         ■      „7    j         ,j  meia   nach   Plut.  Ines.  30,  [Hippoboteia  nach 

Peluus  u.  Thotisr)  daratellenaes  Pompeian,  Wandgemälde  0  ,    ,      .     T.      .   _rt„    „...         ,Ln  Ttr  .          .            , 
s.  Arch.  Zig.  30  (1873)  Taf.  67.  2.  -  [Schal,  v zu  v.  303,  vgl.  ™  Schol  A  II.  A  2b3.  Tümpel.]  Laodameia  nach 

zu  295,  nennt    die  K.    ovyyerti;  des  Peirithoos,  um  deren  einer    Vase  Arch.   Ztg.    14,    löö'5.    29,    159.    C.  I. 

Toilnahme  an  seiner  Hochzeit  zu  erklären,  und  begründet  Gr.  8442  b),  der  Tochter   des   Butes   [auch   ein- 

(uuter    Berufung    auf  Pindaros)    des   Peirithoos    Liebes-  zusetzen     bei    PindarOS    fl/J.     Schol,     V    Od.    q> 

Werbung  um  die  'Kentaurin'  Hippodameia  (vgl.  Buttmann  303.    öfter  Kai  zav  Hiigi%OOV,  lni%lr\GW  'i&OVOQ 

z.  d.  St.  u.  Mythol.  2,  221ff.*)  durch  die  Analogie  seines  „-„    fo        Xaaßävsiv  b»sXei,<vS  yvvcciov  nupa 

Bruders   (Kentauros),  der,   kentaurengestaltig,   ebenfalls  '                               x  ' 

itoXläzis  InXnnla^e  raJg  y.ata  tb  iltihov   'innote.     Auch  (Sp,  1033,  24ff.;   103C,  (Uff.).     Auch   PeiTithoos    liebt  die 

dieser   habe   seine   uy.i).aotog   ogtiij    ?rpc^   tue   ovvovatag  Tochter  des   Keutaurenhäuptlings    als    Sohn  einer   Ken- 

vom  Vater  Ixion  über  die  'rofsgestaltige'  .Mutter  Nephele  taurin  (i>p.  1034,  5 — 22).     Tümpel.] 


1037   Kentauren  (Kampf  m.  d.  Lapitlien)  Kentanren  (Kampf  m.  d.  Lapithen)    1038 

tcöv  avyysväv  Ksvravpmv  xhv  tBAZIN  (1.  Bovra,  Kaineus  hervor,  den  drei  Kentauren  unter  Fels- 
wenn nicht  xüeiv?)  xov  iiQov%ovxoq  avxwv  stücken  und  Baumstämmen  zu  begraben  suchen 
(HS.  -öv)  7tag9ivov  'irnioSäusiav-  vgl.  auch  (s.  Abb.  1).  „Aber  es  fehlt  Eurytion  und  seine 
Buttmann  z.  d.  St.  Bei  Diodoros  las  man  früher  Frevelthat,  wie  auf  der  hesiodischen  Aspis,  und 
Bvorov  statt  Bovra.  Tümpel],  den  Theseus  und  damit  fehlen  die  Weiber,  deren  bedrohte  Schön- 
die  Kentauren  ein,  wobei  letztere  trunken  den  heit  dem  wilden  Kampf  einen  Hauptreiz  ver- 
anwesenden Franen  Gewalt  anzuthun  versuchten,  leiht.  Als  Waffen  führen  die  Kentauren  Äste 
In  dem  nun  folgenden  Kampfe  wurden  viele  und  Steine,  sie  haben  grofse  B'ärte,  borstig 
Kentauren  getötet,  die  übrigen  vertrieben.  über  der  Stirn  emporstehendes  Haar  und 
Jedoch  der  bald  darauf  von  den  sämtlichen  10  Satyrohren."  Der  menschliche  Oberkörper 
Kentauren  erneuerte  Kampf  war  für  die  La-  aber  sitzt  bei  ihnen,  abweichend  von  der  Dar- 
pithen  unglücklich;  viele  von  ihnen  wurden  Stellung  Cheirons  auf  derselben  Vase,  auf 
getötet,  die  übriggebliebenen  aber  nach  Pheneos  einem  vollständigen  Pferdeleib,  so  dafs  die 
in  Arkadien  und  Malea  vertrieben.  (Hier  scheint  Francoisvase  auf  der  Grenze  zwischen  der 
Diodor  den  alten  Mythus  willkürlich  entstellt  älteren  und  jüngeren  Kentaurenbildung  steht 
zu  haben,  da  z.  B.  Apollod.  2,  5,  4  u.  Schal.  (Meyer  a.  a.  0.  68  f.).  Ferner  müssen  wir  hier 
11.  1,  263  ausdrücklich  Malea  als  den  Ort  be-  gedenken  der  Figuren  des  westlichen  Giebel- 
zeichnen, wo  die  vertriebenen  Kentauren  felds  des  Zeustempels  von  Olympia,  welcher 
wohnten;  vgl.  auch  Apollod.  3,  9,  2,  wonach  noch  in  der  ersten  Hälfte  des  5.  Jahrhunderts 
Atalante  die  Kentauren  Rhoikos  und  Hylaios  20  vollendet  worden  ist.  Hier  erscheinen  die 
in  Arkadien  erlegte;  s.  a.uch Schol.  Pind.  P.  2,  85  Kentauren  als  Frauen-  und  Knabenräuber  (vgl. 
u.  dagegen  Verg.  A.  7,  304  u.  die  Erklärer  dieser  Funde  v. Olympia  herausg.  v.  Direktorium  S.  13  ff. 
Stelle.)  Durch  diesen  Erfolg  ermutigt,  hätten  T.  10.  Furticätigler,  Preufs.  Jahrb.  51,  375  ff. 
die  Kentanren,  aus  dem  Pholoegebirge  her-  Arch. Ztg. 38, 117.  Meyers,. a. 0.  72f.  E.Curtius, 
vorbrechend,  die  vorüberziehenden  Hellenen  Sitsungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Berl.  1883 
durch  Raub  und  Mord  bedrängt.  Die  bei  S.  115.  Wolters,  Gipsabgüsse  S.  128ff.  u.  134ff. 
weitem  anziehendste  und  schwungvollste  Schil-  wo  auch  die  übrige  Litteratur  bis  zum  Jahre 
derung  des  Lapithenkanrpfes  verdanken  wir  1885  zu  finden  ist.  Treu  im  Jahrb.  d.  arch.  I. 
aber  Ovid,  der  gewifs  vieles  älteren  Quellen  3  (1888)  S.  175ff.  Taf.  5  u.  6.  Flusch,  bei 
(z.  B.  Aischylos'  Perrhaibiden?)  und  glänzen-  30  Baumeister,  Den/ihn.  d.  kl.  Alt.  S.  1104  DD  ff.  u. 
den  Bildwerken  der  alexandrinisch-pergarneni-  Taf.  XXVII  Fig.  1273.  Sauer  u.  Treu  im  Jahrb. 
sehen  Epoche  entlehnte,  manches  auch  hinzu-  6  S.  88ff.  u.  S.  105ff.  Einige  Zeit  nach  den 
dichtete  und  einflocht,  wie  ■/..  B.  das  „fast  olympischen  Skulpturenund,wie  es  scheint,  unter 
sentimental  ausgemalte,  an  Zeuxis  (Luc.  Zeuse.  demunmittelbarenEinflufsderselben(i<Mr(i<;«)i(/- 
c.  3 — 6)  und  Plnlostratos  (Imag.  2,  3),  sowie  ler  a.  a.  0.  377)  entstanden  die  Metopen  des 
an  erhaltene  Bildwerke  (Müller,  Hdb.  §  138,  1.  athenischen  Parthenon,  welche  ebenfalls  Ken- 
Meyer  a.  a.  0.  79)  gemahnende  Liebesleben  tanrenkämpfe  darstellen  (Michaelis,  Parthenon 
des'  Kentaurenpaares  Kyllaros  und  Hylonome  T.III,  10.  12.  22.  25.  T.1T,  29.  Müller-Wieseler, 
(v.  393  ff.).  Zu  den  älteren  Zügen  des  Ge-  D.  a.  K.  1, 111  u.  112.  Meyer  a.  a.  0.  73),  sowie 
dichtes  gehört  z.B.  die  Erzählung  vom  trunkenen  40  der  Westfries  des  Theseion  in  Athen  (Müller- 
Eurytos,  der  sich  (v.  224)  an  der  Hippodameia  Wieseler,  Denkm.  a.  K.  1,  110),  auf  dem  die 
vergreifen  will  (vgl.  Od.  21,  295  ff),  ferner  das  Kaineusgruppe  bedeutungsvoll  hervortritt  (s. 
Schleudern  des  Altars  v.  258  ff.,  der  auch  auf  Kaineus).  Gewifs  mit  Recht  hat  man  vermutet, 
Vasenbildern  oft  erscheint  und  an  das  vor  dafs  die  sämtlichen  dieser  Epoche  angehörigen 
der  Hochzeit  versäumte  Aresopfer  erinnert  grofsartigen  Kentauromachieen  ebenso  wie  im 
(vgl.  Schol.  Pind.  P.  2,  85.  Aristid.  1,  368  pergamenischen  Zeitalter  die  Gigantomachieen 
T)ind.  Meyer  a.  a.  0.  76),  die  Verschüttung  und  zu  den  denkwürdigen  Kämpfen  der  Hellenen 
Verwandlung  des  Kaineus  (s.d.),  vor  allenDingen  gegen  die  Barbaren  gewissermafsen  mythische 
aber  die  56  Kentauren-  und  18  Lapithen-  Parallelen  bilden  sollten  (Meyer  a.  a.  0.  72  f. 
namen,  die  gewifs  zum  gröfsten  Teil  älterer  50  Gurtius,  Arch.  Ztg.  1883  S.  355).  Von  den 
Überlieferung  entstammen  (Röscher  in  Fleck-  olympischen  und  athenischen  Skulpturen  sind 
cisens  Jahrb.  1872  S.  421  ff.).  Im  Kampfe  be-  wiederum  die  des  Frieses  von  Phigalia  ab- 
dienen sich  die  Kentauren  der  Trinkgefäfse  hängig  (E.  0.  Müller,  Hdb.  119,  3.  Müller- 
(vgl.  Verg.  Geo.  2,  457),  eines  Leuchters,  der  Wieseler  a.  a.  0.  1,  123  b  u.  c),  nur  dafs 
Feuerbrände,  Bäume  und  Steine,  ferner  führen  hier,  der  fortgeschritteneren  Zeit  entsprechend, 
Lykotas  (v.  350)  und  Teleboas  (v.  443)  Wurf-  leidenschaftlichere  Bewegungen  und  drasti- 
spiefse,  Pyrakmos  ein  Beil  (v.  460);  ihre  schere  Motive  hervortreten.  Die  kürzlich  zu 
Kleidung  besteht  ans  Bären-,  Wolfs-  und  Gjölbaschi  in  Lykien  entdeckten  Friesreliefs 
Löwenfellen  (v.  319.  381.  430),  wofür  sich  teil-  sind  nach  Friederichs- Wolters,  Gipsabgüsse  etc. 
weise  aus  Bildwerken  Parallelen  anführen  60  nr.  993— 999  S.  315  ff.  ins  fünfte  Jahrhundert 
lassen  (s.  u.).  Unter  den  Bildwerken,  welche  zu  setzen.  In  betreff  der  Vasen  und  sonstigen 
den  Lapithenkainpf  darstellen,  sind  besonders  Bildwerke,  welche  die  Lapithenschlacht  dar- 
hervorzuheben: Die  Francoisvase  (Abb.  1),  auf  Btellen  und  mehrfach  von  den  vorerwähnten 
welcher  die  als  al%/j,rixai(Hes.äanis  178)  gerüste-  Skulpturen  abhängig  sind,  vgl.  Meyer  a.  a.  0. 
ten  Lapithen  gegen  die  Kentauren  Hylaios,  Ak-  74  und  75  f.  Mütter,  Hdb.  389,  3.  Brunn, 
rios,  Hasbolos,  Petraios,  Pyrrhos,  Melanchaites,  Künstler gesch.  1,  182.  2,  23.  101.  409.  0.  Jahn, 
Orosbios  kämpfen  (Weizsäcker,  Eh.  Mus.  32,  Beschr.  d.  Vasens.  g.  München  nr.  84. 86. 368  etc. 
373  f.).     Unter  den  Kämpfern  ragt  besonders  846.   1258  u.    s.  w.    Arch.  Ztg.  18    Taf.  139  f. 


103'J  Kentauren  (Kampf  m.  d.  Lapithen) 

E.  Cmtius,  Arch.  Ztg.  1883  S.  347  ff.  Taf.  17 
u.  18.  Müller -Wieselet-  a.  a.  0.  1,  83  u.  84  f. 
Hcydcmann,  Arch.  Ztg.  1871  S.  45  u.  54.  Der- 
selbe 3.  Hall.  Winckelmannsjprogr.  1879  S.  86 
nr.  86  Taf.  HI,  1. 

Kunstmythol.  Zusatz. 

[Den  Typus  der  ältesten  Ktntauren-La- 
pithendarstellungen  erkennen  wir  aus  Hes.  Sc. 
Herc.  178 ff.;  die  Kämpfer  standen  sich  hier  10 
nicht  paarweise,  sondern  in  Reihen  gegenüber, 
von  deren  primitiver  Gestaltung  sicilische  und 
etruskische  Reliefgefäfse  einen  Begriff  geben 
können  (Löschcke,  A.  Z.  1881,  44  f.  Sittl,  Jb. 
</.  I.  1887,  184).  Die  ältesten  erhaltenen  Dar- 
stellungen finden  sich  auf  einer  CävetanerHydria 
(A.  d.  Inst.  1863  Tav.  E).  welche  wahrschein- 
lich aus  einer  ionischen  Fabrik  stammt  (siehe 
Abbildung  2  und  vgl.  Diimmler ,  Böm.  Mitt. 
3,  16'Jff.)  und  der  attischen  Franeoisvase  (M.  20 
d.  I.  4,  56f;  Wiener  Vorlegchl.  1S88,  3);  siehe 
Abbildung    1.      In    beiden    Darstellungen    ist 


1)  Kaineusgruppe  aus  der  Kentaurornachie  der  Franeoisvase  (nach   Wiener  Vorlegebl.  1SSS,  3). 


die  Waffe  der  K.,  wie  bei  Hesioä,  der  Baum- 
stamm. In  Attika  gelangt  der  Gegenstand  zu 
grofser  Popularität,  die  seit  den  Perserkriegen, 
vermöge  der  naheliegenden  Beziehung  auf  die 
Niederwerfung  der  Barbaren,  ihren  Höhepunkt 
erreicht.  Von  Werken  der  Malerei  gehören 
hierher  Mikons  Wandgemälde  im  Theseion 
(Paus.  1,  17,  2)  und  mehrere  wertvolle  rf.  50 
Vasen,  worüber  Curtius,  A.  Z.  1S83,  34  zu  ver- 
gleichen ist.  Auch  die  älteste,  plastische  Be- 
handlung des  Themas,  die  westliche  Giebel- 
gruppe von  Olympia  (Jahrb.  d.  I.  3,  5.  6),  fügt 
sich  der  durch  jene  Monumente  vertretenen 
Typenreihe  ungezwungen  ein:  immer  entbrennt 
jetzt  der  Kampf  beim  Hochzeitsmahle  und  es 
fehlen  regelrechte  Waffen  (vgl.  Jahrb.  d.  I.  6 
S.  91  u.  S.  105  gegen  v.  Wilamoioits,  Herakles  1 
S.  305,  4).  Derselben  Typik  folgen  die  an  neuen  60 
und  schönen  Motiven  reiche,  aber  nicht  ganz 
gleichwertige  südl.  Reihe  derParthenonmetopen 
(Michaelis,  ParthenonTÜ  3  f.),  die  stürmisch  be- 
wegten Scenen  im  Westfries  des  sog.  Theseion 
(D.a.K.  1,  21,  110.  111),  der  von  einem  attischen 
Künstler  entworfene  Fries  von  Phigaleia 
(Staclcelbcrg,  Tempel  des  Apollon  Epikurios  20 
—29.    Aue.  Marbles  4,    1  —  10)    und    der    von 


Kentauren  (Kampf  m.  d.  Lapithen)   1040 

Sunion  (Ath.  Mitt.  9,  17  —  19,  vgl.  S.  347 
[Fabricius]).  Auch  wiederholte  sich  die  Dar- 
stellung als  Schmuck  der  Sohlen  des  Parthe- 
nos  (P/in.  N.  H.  36,  18),  und  nachträglich 
schmückte  Mys  den  Schild  der  Athena  Pro- 
machos  des  Pheidias  mit  einer  Kentauro- 
machie,  zu  der  Parrhasios  die  Zeichnung 
liefeite  (Paus.  1,  28,  2).  Starke  Abhängigkeit 
von  attischen  Motiven  zeigt  die  Kentauromachie 
des  Heroons  von  Gjölbaschi-Trysa  (Benndorf, 
Heroon  von  G-Tr.  taf.  17.  18.  23);  doch  wird 
hier  und  in  der  entwickelten  rotfig.  Vasen- 
malerei, von  Aristophanes  und  Erginos  (EJein, 
Vasen  m.  Meistersign.  S.  185,  2),  Polygnot 
(KlcinS.  199,  2)  und  den  Meistern  der  Münchener 
Vasen  368  und  805  (abg.  Dubois-Maisonneuve, 
43;  A.  Z.  18  Taf.  139)  das  Thema  ähnlich  wie 
am  Theseion  wieder  verallgemeinert  (vgl.  auch 
die  Ciste  Man.  d.  I.  Suppl.  17.  18);  nur  matte 
Nachklänge  geben  C.  B.  1873  Taf.  4,  1; 
Benndorf,  Gr.  u.  sicil.  Vasenb.  35  und  M.  A. 
d.  I.  1854,  Tfl.  16;  die  apul.  Vase  Berlin  3241 
(Gerhard,  apul.  Vb.  7),  der 
Grabstein  des  Metrodoros  v. 
Chios  Berlin  766.  In  der 
späteren  Malerei  erscheint 
der  Stoff  selten,  wie  das  Ge- 
mälde des  Hippens (Overbeck, 
S.  Q.  1960);  in  der  Überliefe- 
rung steht  das  schöne  Mono- 
chrom von  Her- 
culanum  (Hei- 
big, 1241,  Mus. 
Borb.  5, 4)  unter 
den  erhaltenen 

Monumenten 
vereinzelt  da 
(vgl.  Heibig, 
Untersuchungen 
S.  79  f.).  Un- 
bedeutende 
Darstellungen 
enthält  das  vatikanische  Mosaik  von  Otricoli 
(Pistolcsi,  il  Vat.  descr.  5,  102).  Auch  Sarko- 
phage steUen  den  Gegenstand  nichthäufig  dar ; 
s.  Visconti,  M.  P.  Cl.  5,  12.  Lebas-Beinach,  voy. 
arch.  100.  Ath.  Mitt.  2,  12,  besonders  aber 
M.  A.  d.  I.  1855,  TM.  19,  wo  die  Deutung  auf 
Herakles  durch  nichts  gesichert  ist;  das  Gleiche 
gilt  von  etruskischen  Aschenkisten  (Cone- 
stabilc.  dei  mon.  di  Perugia  67  ff.  Mus.  Greg. 
1,  94,  3)  und  Spiegeln  (Gerh.  309,  1).  Sauer.] 
II b)  Über  die  ebenfalls  in  Thessalien  spie- 
lende Sage  von  der  Bedrohung  des  Peleus 
durch  die  Kentauren  des  Pelion  und  dessen 
Rettung  durch  Cheiron  oder  Hermes  s.  den 
Art.  Peleus. 

III)  Herakles'  Kentavrrenkampf  (elisch- 
arkadischerMythus).*)  In  betreff  des  chrono- 

*)  Vgl.  in  betreff  des  nahen  Zusammenhangs  der 
Eleier  und  Thessaler  Bursian,  Geogr.  c.  Gr.  2,  272  f.  Wita- 
momitz,  Kurip.  HerakU's  2  S.  123  und  den  Artikel  'La- 
pithen'. Überhaupt  scheint  die  vorzugsweise  in  Thessa- 
lien, Elis  und  Arkadien  heimische  Kentaurensage  aioli- 
schon  Ursprungs  (vgl.  Kiepert.  Lehrt),  d.  allen  Geogr.  §  21S 
u.  unten  Sp.  ]  OSO  ff.  und  das  Ende  des  Artikels).  Augcias, 
der  König  von  Elis.  war  nach  einigen  Zeugnissen  ein 
Sohn  des  Phorbas   von  Oleuos    und  Enkel    des    Lapithes. 


1041   Kentauren  (Kampf  mit  Herakles) 

logischen  Verhältnisses  desselben  zum  Lapithen 
kämpf  s.  Sp.  1035.  Die  ältesten  leider  größten- 
teils nur  sehr  fragmentarisch  überlieferten  litte- 
rarischen Zeugnisse  finden  sieh  in  dem  Homer 
zugeschriebenen  kleinen  Gedichte  Kämvoq  r\ 
*£Qa(Liis  V.  17  f.,  wo  Cheiron  als  Anführer  der 
Kentauren  gefafst  wird,  bei  Stesichoros 
fr.  7  und  vielleicht  auch  in  den  Frag- 
menten der  Scrakleia  des  Panyasis 
(Epici  gr.  ed.  Kinkel  1,  255  ff.  nr.  4, 
12 — 14),  sicherlich  wird  aber  dieser 
Mythus  noch  in  vielen  älteren  Hera- 
Meen,  z.  B.  in  der  des  Peiza ndros  (Hesych . 
vovg  ov  nagä  KsvzavQOLBi),  behandelt 
worden  sein  (Meyer  a.  a.  0.  39  f. 
Stephani  C.  M.  p.  l'a.  1S73  S.  92 ff). 
Auch  im  griechischen  Drama  finden 
wir  nur  wenige  Anspielungen  auf  He- 
rakles' Besuch  bei  Pholos  und  seinen 
Kentaurenkampf.  So  z.  B.  bei  Sopliökles, 
der  Track.  1095  die  von  Herakles  be- 
siegten Kentauren  bezeichnet  als : 

diyvrj  z'  afiittTOv  i7i7ioßcii.iovu  argaröv 
&ijQ(äv  vßqiaxriv  avouov,  vizioojrov  (jt'av. 

Vgl.  v.  714ff.,  wo  es  heifst,  dafs  auch 
der  &&6s  Cheiron  dem  mit  dem  Blute 
der  lemäischen  Hydra  benetzten  Pfeile 
erlegen  sei.  Eigentümlich  ist  der 
Widerspruch ,  den  sich  JEuripides  im 
Herc.  furens  zu  schulden  kommen  läfst, 
indem  er  v.  182  den  Kentaurenkampf 
des  Herakles  auf  das  Pholoegebirge, 
v.  368  aber  (ebenso  wie  Polyaen.  Strat. 
1,  3,  1,  Myth.  Fat.  1,  61  u.  Tzetz.  z. 
I.ykophr.  670)  an  den  Peneios  und  auf 
den  Pelion  und  die  Homole  verlegt, 
was  auf  eine  Verwechselung  mit  dem 
Lokal  der  Lapithenschlacht  deutet, 
die  um  so  näher  lag,  als  es  ja  auch  in 
Elis,  in  der  Nähe  der  Pholoe,  einen 
Flufs  Namens  Peneios  gab.*)  Von 
Epicharmos  ist  uns  der  Titel  einer 
Komödie  'HguxXfjg  nctQa  <X>6la>  über- 
liefert, worin  die  Efslust  des  Heros 
in  lustiger  Weise  dargestellt  war. 
Nach  Theoler.  id.  7,  149  f.  u.  Schal,  war 
Cheiron  vor  dem  Beginn  des  Streites 
bei  der  Bewirtung  des  Herakles  durch 
Pholos  zugegen. 

Den  ersten  zusammenhängenden 
und  ausführlichen  Berichten  über  He- 
rakles' Kentaurenkampf  begegnen  wir 
erst  bei  Apollodor  und  Diodor,  welche 
in  der  Hauptsache  übereinstimmen, 
im  einzelnen  aber  besonderen ,  zum 
Teil  sehr  alten  Traditionen  folgen. 
Nach  Apollodor  2,  5,  4  wurde  Herakles, 
als  er,  um  den  erymanthischen  Eber  zu 
erjagen,  Pholoe**)  durchzog,  von  Pho- 

Ebenso    sollte    der    eüsclie    König   Endymion  (s.    d.)  aus 
Thessalien  stammen  u.  s.  w. 

*)  Nach  Lucan.  3,  108.  6,  388  ff.  7,  -149.  827  und  Stat. 
Ach.  1,  16S  u.  238  gab  es  freilich  auch  in  Thessalien  eine 
Pholoe;  vgl.  Scliol.  IL  2,  739.  Wie  es  scheint,  fufst  jedoch 
diese  Annahme  lediglich  auf  Eur.  Herc.  für.  a.  a.  O. 

**)  Auf  der  Pholoe  wächst  nach  Dloskor.  3,  6  (8)  das 
sogen,  xevtavgtov. 


Kentauren  (Kampf  mit  Herakles^    1042 

los,  dem  Sohne  des  Silenos  und  einer  meli- 
schen  Nymphe,  gastlich  aufgenommen  (vgl. 
die    Bildwerke    in    d.   Arch.    Z.    1865   S.  Sltf. 


u.  201.     Heydemann 
progr.   S.  95   nr.  47) 


rakle 


'.  Hall. 

Dieser 

gebratenes  Fleisch  vor 


Winckelmanns- 

setzte   dem  He- 
afs  selbst  aber 


nach  Kentaurenart  rohes  (vgl.  KevtavQovg  äuo- 
tpäyovg  Theogn.  541).  Als  Herakles  ihn  um  Wein 
bat,  sagte  Pholos,  er  fürchte  sich,  das  gemein- 
same Fafa  (ni&o;)  der  Kentauren  zu  öffnen,  that 
es  aber  dennoch,  als  Herakles  ihn  deshalb  be- 
ruhigte. Sobald  nun  die  Kentauren  den  Duft 
des  Weines  witterten,  kamen  sie  an  die  Höhle 


1043     Kentauren  (Kampf  mit  Herakles)  Kentauren  (Kampf  mit  Herakles")     1044 

des  Pholos  heran,  gerüstet  mit  Felssteinen  und  weiteren  Schicksalen  der  geflüchteten  Kentauren 
Fichtenstämmen.  Den  Anchios  ("Aß-nrog'i)  und  meldet  Diodor,  dafs  Homados  später  in  Ar- 
Agrios,  welche  zuerst  einzudringen  suchten,  ver-  kadien  von  Herakles  getötet  wurde,  weil  er 
l'agte  Herakles  mit  Feuerbränden,  die  übrigen  der  Halkyone,  der  Schwester  des  Eurystheus, 
trieb  er  mit  Pfeilscküssen  bis  nach  Malea  (oder  Gewalt  angethan  hatte.  Zum  Andenken  an 
MaXcu'ct in  Arkadien?  Vgl. Bursian.Geoar.v. Gr.  2,  Herakles'  Sieg  über  die  Kentauren  und  um 
•243, 1),  wosiebeiCheiron, dernachdemLapithen-  ihn  zugleich  vom  Morde  derselben  zu  reinigen, 
kämpfe  dorthin  entwichen  war,  Schutz  suchten.*)  stiftete  Demeter  die  kleinen  Mysterien  (Diod. 
Hier  durchbohrte  ein  Pfeil  den  Arm  des  Elatos  -1,  14:  etwas  anders  Apollod.  2,  5,  12).  In  betreff 
und  fuhr  in  das  Knie  des  Cheiron,  welcher  von  10  des  Eurytion  berichtet  Apollod.  2,  5,  5,  Herakles 
nun  an  an  einer  unheilbaren,  schmerzhaften  sei  nach  der  Reinigung  des  Augeiasstalles 
Wunde  litt  (vgl.  Tzetz.  Chil.  5,  123),  so  dafs  zum  Dexamenos  (s.  d.)  nach  Olenos  gekommen 
er  schliefslieh  gern  seine  Unsterblichkeit  preis-  (nach  anderen  war  Dexamenos  (s.  d.)  selbst  ein 
gab  (vgl.  Sopk.  Tr. 7141,  anders  und  zwar  wohl  Kentaur:  Schol.  Callim.  in  Del.  102.  G.  I.  Gr. 
nach  Autisilienes  [Eratosth.  Kat.  40;  vgl.  Schol.  7605;  vgl.  auch  Et.  M.  u.  Bovgu,  wo  der 
German.  Arat.  p.  419  Eyss.  Welcher.  El.  Sehr.  Kentaur  'Et,dSiog  ['?]  heifst).  Dieser  sei  gerade 
3,  8]  Ovid.  fast.  5,  387  ff).  Nach  Philostratos'  gezwnngen  worden,  seine  Tochter  Mnesimache 
Beroilcos  p.  328  =  vol.  II  p.  214  ed.  Teubn.  dem  Kentauren  Eurytion  zu  verloben,  und  habe 
u.  Tzetz.  Clnl.  5,  121  ff.  überredete  Asbolos  die  deu  Herakles  um  Hülfe  angerufen,  worauf 
anderen  Kentauren  zum  Kampfe  mit  Herakles  20  dieser  den  Kentauren  in  dem  Augenblicke,  wo 
und  wurde  dafür  von  diesem  gekreuzigt.  Die  er  seine  Braut  besuchen  wollte,  erlegte  (vgl.  auch 
übrigen  Kentauren  aber  entflohen  teils  in  das  Bäkdhyl.  b.  Schol.  Od.  ep  295  u.  Eustath.  p.  1909, 
Maleagebirge,  Eurytion  aber  nach  Pholoe  (/?01e-  61).  '  Nach  Diod.  4,  33  tötete  er  den  Eurytion 
nos  nach  Apollod.  2,5,5undZ>;'o<(.4,33),Nessosan  auf  der  Hochzeit  des  Azan  und  der  Hippolyte 
den  Euenosflufs,  die  andern  nahm  Poseidon  (der  Tochter  des  Dexamenos),  weil  der  Kentaur 
auf  (ei's  KaXväävct'}**)  slg  zä  Aivy.cöaia  opjj?)  dieser  Gewalt  anthun  wollte.  Nach  Hyg.  f. 
und  verbarg  sie  in  einem  Berge  (vgl.  die  Sage  33  (vgl.  31)  war  Deianeira,  die  Tochter  des 
von  Taphiassos  in  Aitolien  bei  Strab.  427).  Als  Dexamenos,  Braut  des  Herakles  und  wurde  in 
aber  Herakles  nach  Pholoe  zurückgekehrt  war,  dessen  Abwesenheit  von  Eurytion  umworben, 
traf  er  den  Pholos  in  Verwunderung  darüber,  30  Am  Hochzeitstage  aber  kehrte  Herakles  zurück, 
(die  unsichere  Lesart  läfst  sich  aus  Diodor  4,  tötete  den  Nebenbuhler  und  führte  seine  Braut 
12  verbessern),  dafs  ein  so  kleines  Ding,  wie  mit  sich  fort.  Nach  Paus.  7,  18,  1  gab  es 
ein  von  ihm  ans  einem  toten  Kentauren  ge-  eine  Elegie  des  Hermesianax  auf  Eurytion, 
zogener  Pfeil,  ein  so  gewaltiges  Wesen  ver-  welche  nach  Heynes  Vermutung  dem  Berichte 
nichten  könne.  Da  glitt  der  Pfeil  ihm  aus  Hygins  zu  Grunde  liegt.  Weitere,  aber  nichts 
der  Hand  und  fiel  ihm  in  den  Fufs,  worauf  er  NeuesbietendeDarstellungenoderErwähnuugen 
sofort  starb.  Nachdem  Herakles  den  Pholos  des  Herakleskampfes  s.  bei  Polyaen.  1,  3,  1.  Q. 
bestattet,  begab  er  sich  wieder  auf  die  Jagd  Sinyrii.  6,  273  ff.  7,  108  f.  Io.  Pedias.  de  lab. 
nach  dem  Eber.  Die  Abweichungen  und  Zu-  Here.  4.  Verg.  A.  8,  293  f.  G.  I.  Gr.  5984  f. 
sätze,  welche  uns  Diodor  4,  12  und  14  bietet,  40  Tzetz.  z.  Lykophr.  v.  070.  Beachtenswert  ist 
sind  kurz  folgende.  Bei  Diodor  ist  das  Fafs,  dagegen  die  bei  Paus.  5,  5,  10  erhaltene  Lokal- 
wie  auch  auf  Bildwerken,  eingegraben  [aaza-  sage  vom  Flusse  Anigros,  der  unweit  des  tri- 
KEgcocftEVOs),  Dionysos  hatte  es  einem  Ken-  pbylischen  Pylos  vom  Gebirge  Lapithos  herab- 
tauren  gegeben  mit  der  Weisung,  es  erst  beim  kommt.  Man  erzählte  nämlich,  dafs  Cheiron 
Erscheinen  des  Herakles  zu  ötlnen  (nach  Schol.  oder  ein  anderer  Kentaur  Namens  Pylenor 
'Theoer.  7,  149  zum  Lohne  dafür,  dafs  Pholos  (offenbar  Eponymos  von  Pylos\  vor  Herakles 
als  Schiedsrichter  zwischen  Dionysos  und  He-  fliehend,  seineWunde  in  diesem  Flusse  gewaschen 
phaistos  ersterem  die  Insel  Naxos  zugesprochen  und  dadurch  diesem  einen  üblen  Geruch*)  ver- 
hatte). Ferner  sind  bei  Diodor  die  Kentauren  liehen  habe  (vgl.  auch  die  Sage  von  den 
nicht  blofs  mit  ausgerissenen  Fichten  und  50  Schwefelquellen  des  Taphiassos  bei  Strab.  427 
Steinen ,  sondern  auch  mit  Fackeln  und  und  das  ähnliche  Motiv  der  Gigantensage  bei 
Schlaehtbeilen((3oi><jp<)j'(H  TtsXaxsig;  vgl. Dfötschke,  \Aristot.]  jc.&avix.  d-novafi.Ql.  Strab.  281  u.  245). 
Ant.  Bildw.  in  Oberit  2,  349 ;  mehr  b.  Stephani  Nach  Schol.  II.  2,  739  gründete  Herakles  die 
C.  R.  p.  l'a.  1S73  S.  99)  bewaffnet.  Hoch-  perrhaibische  Stadt  Elone  „ixl  tä  9-avä reo  Ksv- 
altertümlich  und  für  das  Wesen  der  Ken-  zuvgav".  Endlich  ist  noch  zu  erwähnen,  dafs  Ly- 
tauren  überaus  charakteristisch  ist  der  von  Jcophr.  v.  670  die  Seirenen  he vtuvqoktÖvol  nennt, 
Diodor  aufbewahrte  Zug,  dafs  Nephele,  die  wozu  Tzetzcs  bemerkt:  £7zsiSfj  of  Ksvtcivqoi 
Mutter  der  Kentauren,  ihre  Söhne  durch  ge-  dtaxd-tvxtg  äno  QsaectXiag  v<p'  'HpcmXsovg  etg 
waltige  Regengüsse  unterstützte,  welche  den  7151'  tcov  Hsiprivcov  v-fjaov  nupsyivovzo  -Aal  rij 
Herakles  umzureifsen  drohten,  den  vierfüfsigen  60  ääfj  ixsivav  &sXyou£voi  aiitoXovzo.  Vgl.  auch 
Ungetümen  aber  nichts   schadeten.     Von  den  Ptölem.  nov.  hist.  5  p.  192,  22  Westerm.  01  Ksv- 

rctvQoi   (pevyovrsg  *HpccxX£a  §ta  Tvqgtjvlccs  Xitic» 
*)  Vgl.  Theophr.  hist.  pl.   9,  15,  4 ff.,   wo  Pelion  und 

Arkadien  (namentlich  Ivleitoria,  Psophis,  Pheneos)  wegen  *)    Derartiges   übelriechendes  "Wasser   erinnerte  die 

ihres  Reichtums  an  Heilkrautern  gerühmt  werden.  Alten  an  Leichengestank;   vgl.  Philo    n.  utp&aQuius   r.oo- 

**)  Das  Taphiassosgebirge,  unter  dem  Nessos  und  die  jitov  I  ed.    Beniays   (Bai.  Akad.  1ST6  S.  267):    et  .ui;   7tQo; 

andern  Kentauren  ruhen  sollten,  lag  im  Gebiete  von  Ka-  chtttwv   (jtTiuoiTo  ru  üdwq  axivlftov   ia&hv  ou/    v(p     i;av- 

lydon  unmittelbar   am  Meere;   nicht   weit  davon  befand  ^t'as  VGXQov'tai;  [ivtaßaXfal  yovv  y.ctl  ävaivd ierator 

sich  das  Vorgebirge  Poseidion.  yivETat,  ota   \pu/i;v   cript;oijfi  ivo  v   ^töov. 


Kentauren  (Kampf  mit  Herakles)    104Ö 

schon  zwei  Pfeile  getroffen  haben,  einen  dritten 
nachsendet  (vgl.  Fig.  4;  E.  Curtius  in  d.  Abh.  d. 
Bcrl.  Ak.  1879  S.  22  f.  Funde  v.  Olympia  hrsg.v. 
d.  Dir.  d.  Ausgrab.  1882  S.  16.  Meyer  a.  a.  0. 
60  f.).  Von  Münzen  gehört  u.  a.  hierher  die 
röm.-carnpan.  bei  Babelon,  Monnaies  de  la  rep. 
1,  18.  Unter  den  verloren  gegangenen  Bild- 
werken dieses  Kreises  ist  vor  allem  der  Kypselos- 
kasten  zu  erwähnen,  welcher  nach  Paus.  5,  19,  9 
10  auch  TO^vovra  czvdgcc  KtVTUvgovg,  xovg  ä£  «ort 
uTt£Y.zov6xa    ifj    cLvrüiv    darstellt,    sodann,  der 


1045  Kentauren  (Kampf  mit  Herakles) 

diicp&dQrioav,    Q-sXx&tvrtg    inb    tijs   Sstgr/vcov 

riSvcptaviag  und   Apollod.  2,  5,  4,    wo   mehrere 

statt  'EksvBiva  og£i  Aivxmaia  ögrj  oder  Aevytco- 

alav  oqsi  (s.  ob.  Sp.  1043)  lesen  wollen  (s.  auch 

Sehrader,  D.  Sirenen  S.  59).     Wie   die  Ken- 
tauren- und  Seirenensage  zusammenflössen,  ist 

nicht  ganz  klar,  als  wahrscheinlich  aber  kann 

angenommen  werden,  dafs  [entweder  die  aitoli- 

schen  Kentauren  hier  gemeint  sind,  die  Nachbarn 

der  vom  Acheloos  entstammten  Seirenen;  vgl. 

1  Sp.  8,  23 ff.  (Tümpel);  oder  dafs]  die  Kentau- 
rensage der  Lokrer,  deren  Pflanzstädte 

Kyme  in  Aiolis  und  Campanien  waren, 

schon  in  sehr  früher  Zeit  nach  Italien 

wanderte  und   sich  hier  mit 

der  Seirenensage  vermischte 

(vgl.  Steph.  Byz. s.v.  3>gi'xiov). 

Nach    Aelian    V.    R.   9,    16 

scheint  die  Kentaurensage  in 
Italien 

sogar     ein- 
heimisch 

gewesen  zu 

sein,  da  der 

Stamm- 
vater     der 
Ausoner 

Mares  (= 
iTtno^iiyrjg 

nach      Ae- 
lian;    vgl. 

germ.  mar- 

ha ;      Fiele, 

Yi)l.  Wort.2 

831)     Ken- 
taurengestalt g 

habensoll.  Vgl 

die     alten     et 

sehen     Vasen, 

denen     häufig 

tauren  (auch   geflügelte) 

erscheinen,     sowie     den 

galoppierenden    Kentau- 
ren auf  den  Münzen  von 

Larinum;  Catal.  of  greek 

eoins  in   the  Brit.    Mus. 

Itahj    S.   71.      Was    die 

Bildwerke    des    Hera- 

kleskampfes  aulangt,  so 

vgl.  Müller,  Hdb.  410,  5. 

Meyer  a.  a.  0.  60  f.  62 f. 

64 f.  u.  77.  Jahn,  Vasens. 

in  München  nr.  55.  126. 

151.     156.     435  f.    650.     691.     746.    10S1     (vgl. 

auch  622.   1097)  u.  s.  w.     In  betreff  der  Eury- 

tionsage  vgl.  Jahn  a.  a.  0.  nr.  772  und  Meyer 

a.  a.  0.  77,  der  Gerhard,  Auserl.  gr.  V.  2,  121 

T.  117  f.    Benndorf,  Griech.   u.  sieil.   Vas.  68 

anführt.    Vgl.  auch  die  von  Ileydemann,  Vasens. 

in  Neapel  nr.  3089  (C.  I.  Gr.  7605)  geschilderte  60  KuiutmythoL  Zusatz   (vgl.   oben   Herakles 

Vase,  wo  Dexamenos  (s.  d.)  an  Stelle  des  Eury- 


3)  Fragment  einer  rotthonigen  Vase  von  Kameiros  (nach  Milchhöfer, 
An/,  d.  Kumt  Fig.  48). 


amykläische  Thron  mit  zwei,  wie  es  scheint, 
verschiedenen  Kentaurenkämpfen  des  Herakles, 
nämlich  mit  einer  naga  <$6icp  täv  Kevtavgoyv 
fidxi  (Paus.  3,  18,  10)  und  einer  'Hgceultovs 
ngbq'Ogt  iov  Kivtavgov  ficcxv  (ib.   16). 


tion  oder  Nessos  erscheint.  Eine  der  ältesten 
und  wertvollsten  Darstellungen  des  Herakles- 
kampfes ist  jedenfalls  das  Bd.  1  Sp.  564  unter 
Artemis  abgebildete  bronzene  Relief,  auf  dessen 
drittem  Streifen  der  knieende  Herakles  einem 
gewaltsam  den  Kopf  umwendenden,  mit  mensch- 
lichen Vorderbeinen  versehenen  Kentauren,  den 


in  d.  Kunst  Bd.  1  Sp.  2140.  2193 f.  2229f.). 

[Die  Darstellungen  der  Verfolgung  und 
Erlegung  der  Kentauren  durch  Herakles  sind 
in  der  archaischen  Kunst  die  vorherrschenden 
und  treten  erst_  in  den  Hintergrund,  als  die 
Lapithendarstellungen  beliebt  werden.  Schon 
die  ältesten  aller  erhaltenen  Kentauren- 
darstellungen  auf  rhodischen  Reliefvasen  (Salz- 


1047   Kentauren    Kampf  mit  Herakles") 

mann,  Ke'crop.  de  Camirus  26  f.  hier  wieder- 
holt nach  Milchhöfcr.  Auf.  d.  K.  Fig.  48)  lassen 
die  Deutung  auf  das  Heraklesabenteuer  zu, 
das  bestimmt  charakterisiert  zum  erstenmale 
in  dem  Bronzerelief  von  Olympia  uns  ent- 
gegentritt (Oarbius,  T>.  archaische  Bronzcrelief 
Tu.  1  f.  OlympialV,  3S;  s.  Abb.  4  u.  auch  Bd.  1 
Sp.  564).  Ob  die  ausführlichere  Darstellung 
am  Kypseloskasten  (Paus.  5,  19,  9)  den  Helden 
noch  in  dem  altertümlichen  Laufschema  oder 
wirklich  knieend  zeigte,  wie  es  später  üblich 
wird  (Furticängler,  A.  Z.  41  Sp.  157),  wissen 
wir  nicht;  die  des  arnykläiscken  Thrones 
scheint    auf   den    einfacheren    Typus    zurück- 


4)  Bronzerelief  aus  Olympia. 

zugreifen  (Paus.  3,  18,  16).  Dafs  auch  im 
Tempel  der  Athena  Chalkioikos  zu  Sparta  das 
Abenteuer  dargestellt  war,  ist  wahrscheinlich 
(Paus.  3,  17,  3V 

Von  Vasenbildern  stellt  das  älteste,  das 
einer  „protokorinthischen"  Lekythos  (Berlin 
336,  A.  Z.  1883,  Tfl.  10),  die  Scene  mit  köst- 
licher Naivetät  dar,  während  das  kvrenäische 
Vasenbild  A.  Z.  1881,  Tfl.  12  ziemlich  roh 
ist.  Von  korinthischer  Typik  abhängig  ist 
die  Darstellung  der  altattischen  Vase  des  Oiko- 
pheles;  Barlington,  Fine  Arts  Chib  18S8  pl.  1. 
Sonst  sind  zu  erwähnen  Berlin  1670  (Gerhard, 
A.  V.  119/20,  1),  ebd.  1737  (Gerhard,  Etr.  u. 
camp.   Yb.  13,  1),    wo   den  Kentauren  Kamen 


Kentauren  (Kampf  mit  Herakles1)    1048 

gegeben  werden,  deren  einer,  "AoßoXo;,  zu  Hesiod 
stimmt,  und  eine  Pariser  Amphora  Rom.  Mitt. 

2,  173,  6  (Bummler).  Vereinzelt  steht  nach 
Auffassung  und  Stil  München  151  (Micali, 
Storia  95);  vgl.  Diimmler,  Eöm.  Mitt.  2  p.  177, 
Anm.  1. 

Später  verliert  sich  der  primitive  Typus 
infolge  genauerer  Durchbildung  der  verschie- 
denen Kentaurenabenteuer  des  Herakles.  Aus- 
10  nahmen  erklären  sich  aus  Verkürzung  oder 
Verallgemeinerung  der  speziellen  Typen;  zu 
nennen  sind  hier  die  Vasen  München  55 
(Lützow,  Miinch.  Ant.  Tfl.  29),  Brit.  Mus.  1687 
(Passeri  2,  117),  wo  das  Schema  des  Antaios- 
kampfes  auf  unseren  Gegenstand  übertragen 
ist,  die  Marmorgruppe  in  äenTJf&cien (Dütschke 

3,  13S.  Gori,  Mus.  Flor.  3,  64),  die  albanische 
Marmorschale  (Zoega,  Bassiril.  2,  63),  das 
römische   Münzbild   Babelon,   Monnaies   de  la 

so  repuU.  1  S.  18. 

Individuellere  Ausbildung  erfuhr  der  uralte 
Herakles-Kentaurenkampf  schon  in  der  archai- 
schen Kunst  nach  zwei  Seiten,  indem  man  1)  die 
Darstellung  deutlich  als  das  Abenteuer  von 
Pholoi}  charakterisierte.  Dies  scheint  zuerst 
in  dem  Architravrelief  von  Assos  geschehen 
zu  sein  (abg.  Clarl;e,  Investigations  at  Assos 
PI.  15),  wo  die  hinter  dem  Herakles  zum  Vor- 
schein kommende  Gestalt  wahrscheinlich Pholos 

30  ist  (anders  Glarke  p  109).  Über  die  Zeit  dieser 
Bildwerke  gehen  die  Meinungen  weit  ausein- 
ander, worüber  Friederichs-Wolters,  Berl.  Gips- 
abg.  S.  8  zu  vergleichen  ist;  ich  möchte  sie 
in  die  erste  Hälfte  des  6.  Jahrb.  setzen.  Am 
amykläischen  Throne  (Paus.  3,  IS,  10)  war  die- 
selbe Scene  dargestellt.  Die  Vasenmalerei, 
und  zwar  häufiger  die  sf.,  stellte  sowohl  die 
Bewirtung  des  Herakles  durch  Pholos  als  die 
Vertreibung   der  übermütigen  Kentauren  dar; 

40  s.  Gerhard,  A.  V.  2,  119,20,  3.  5.  7.  A.  Z. 
1S65  Tfl.  102.  Mm.  Greg.  2,  39,  2  und  vgl. 
die  Liste  der  Darstellungen  bei  Stephani,  C.  E. 
1873  S.  94ff.  und  102f.  Besoudere  Beachtung 
verdient  das  Vasenbild  I.  H.  S.  1,  1,  wo  He- 
rakles die  lüsternen  Gesellen  mit  Bränden  ver- 
treibt ;  vgl.  Sidney  Cölcin  ibd.  p.  124  ff.  —  2)  Das 
Nessos-Heraklesabenteuer  s.  unter  5.  —  3)  Ganz 
vereinzelt  steht  die  burleske  Scene  des  feinen 
Vasenbildes  Mon.  Grecs  1876,  Tfl.  3  =  Wiener 

50  Vorlegcbl.  E  7 'S,  3,  wo  Herakles,  mit  Kike 
als  TVagenlenkerin ,  von  vier  betrübt  drein- 
schauenden Kentauren  gezogen  wird;  hier  hat 
wohl  sicher  das  Satyrspiel  eingewirkt.  Sauer.] 
IV)  Atalantes  Kentarirenkampf  (ar- 
kadische Sage).  Der  Kentaurenkampf  der 
Atalante  wird  zwar  erst  erwähnt  von  Kallim. 
in  Dian.  221  (vgl.  d.  Schol.),  ist  aber  wohl 
für  eine  alte  Lokalsage  zu  halten,  da  er  auch 
von   Apöllod.  3,  9,  1    [vgl.   Wagner,  Epitoma 

so  Vatic.  p.  46]  erzählt  wird.  Am  ausführlichsten 
berichtet  Ael.  V.  H.  13,  1  die  Sage,  freilich 
mit  starker  rhetorischer  Ausschmückung.  Alle 
drei  Quellen  stimmen  aber  sowohl  in  den 
Namen  der  beiden  Kentauren,  welche  der  Ata- 
lante Gewalt  anthun  wollten  (Hylaios  und 
Rhoikos  \Avv.og  codd.  Apollod.]).  als  auch  darin 
überein,  dafs  sie  dieselben  von  der  Jnngfrau  mit 
Pfeilen  erlegt  werden  lassen.  Aelian  schildert 


1049          Kentauren  (Nessossage)  Kentauren  (mit  Dionysos  u.  Eros)    1050 

in  drastischer  Weise  die  Trunkenheit  und  den  pl.  4,  wo  Stephani  p.  102  ff.  Näheres  über 
Übermut  der  beiden  lüsternen  Liebeswerber,  den  Gegenstand  giebt).  Auch  gehört  hierher 
welche,  brennende  Fichten  in  den  Händen  tra-  eine  in  der  pompejanischen  Wandmalerei  rnehr- 
gend,  mit  Fichtenkränzen  geschmückt,  der  in  fach  wiederholte  scnöne  Komposition:  Beispiel 
einer  Höhle  wohnenden  Atalante  zu  nahen  such-  Heibig  1146  {Mus.  Borb.  6,  36  u.  ö.).  Wo 
ten.  Nach  Propert.  1, 1,  13  wurde  der  die  Ata-  frauenraubende  Kentauren  weder  durch  In- 
lante  mit  seinen  Liebeswerbungen  verfolgende  Schriften  noch  durch  charakteristische  Neben- 
Meilanion  vom  Kentauren  Hylaios,  seinem  eifer-  personen  in  einen  bestimmten  Sagenkreis  ein- 
süchtigen Nebenbuhler,  durch  einen  Schlag  gereiht  werden,  handelt  es  sich  entweder  um 
mit  einem  Baumaste  verwundet.  Ein  ganz  10  die  in  archaischer  Zeit  heimische  Verbindung 
ähnliches  Motiv  scheint  den  obenunter  Iris  (s.d.)  von  Kentauren  und  Nymphen  (s.  unt.  VI)  oder 
behandelten  Vasenbildern  zugrunde  zu  liegen,  es  liegen,  wie  in  dem  schönen  Relief  Anc. 
welche  diese  Göttin  bald  von  Satyrn  bald  von  Marblcs  2,  15,  Auszüge  aus  dem  Lapithen- 
Kentauren  bedroht  werden  lassen.  oder  dem  Heraklesabenteuer  vor.     Sauer.] 

V)  Der  Mythus  von  Nessos  (aitolische  VI)  Die  Kentauren  in  Verbindung  mit 
Sage).      Ausführliches     darüber     siehe    unter  Dionysos  und  Eros  (spätere  Sage). 
Nessos,  Deianeira  und  Herakles.     Hier  nur  so  a)  Die  Verknüpfung  der  Kentaurensage  mit 
viel,  dafs  die  älteste  bekannte  Schilderung  des  dem  Mythus  des  Dionysos  läfst  sich  wohl  am 
Nessosabenteuers    dem    Archilochos    verdankt  besten  aus  der  schon  in  der  uralten  Lapithen- 
wird,    „dessen    fast    dramatisch    ausgeführtes  20  und  Pholoslegende  ausgesprochenen  Anschau- 
Gedicht  Sophokles    in    seinen    Trachinierinnen  ung  von  der  Trink-  und  Zechlust   der  Ne- 
vielleicht  benutzte'1  (s.  Schneidewin  im  Philol.  phelesöhne   erklären.     Diodor   (4,  12)    erzählt, 
1,   148  ff.    und   Einl.    zu    Soph.    Track.3    p.   6.  dafs  das  gemeinsame  Fafs  der  Kentauren,  das 
Schol.  Ap.  Rh.  1,  1212.    Bergk,  P.  L.  Gr.  Archil.  Pholos  in  Verwahrung  hatte,  diesem  von  Diö- 
fr.&Ou.  146.  Bio  Chrys.  Or.  60  T.  2,666.  Schol.  nysos  gegeben  worden  sei,  was  Schol.   Theoer. 
IL  $  237.     Vgl.  Soph.  Tr.  557  ff.  1241  f.  etc.).  7,  149  mit  dem  Schiedsspruch,  den  jener  Ken- 
Für  die  Deutung  des  Kentaurenmythus  ist  die  taur  in  betreff  der  Insel  Naxos  zu  Gunsten  des 
Sage  von  Nessos  insofern  wichtig,  als  daraus  Dionysos  gegeben  hatte,   zu  begründen  sucht, 
deutlich    eine    Beziehung    zu    einem    Flusse,  Die    erste   Andeutung    des    bakchischen   Ken- 
dem    Euenos    (dessen  nog&nsvg    Nessos    war),  30  taurenthiasos  giebt  uns   vielleicht  Eurip.  Iph. 
und  zu   den  übelriechenden  Schwefelquellen  Aul.   1058  ff.   in   der  Beschreibung  der  Peleus- 
des  aitolischen  Taphiassosberges  (offenbar  von  hochzeit    auf    dem    Kentaurengebirge    Pelion 
dem   xdcpog   des  Nessos   so   genannt;    vgl.  den  (1046)  mit  den  Worten:   dvd   6'  ilaxutOL   ote- 
Flufs  Ozon  b.  Schol.  II.  a.  a.  0.),  in  der  Nähe  tpavmSsi  xs  %X6u  Si'aaog  s'fiolsv  irnioßüxag  Kiv- 
des  ozolischen  Lokris,  hervorgeht  (vgl.  Strab.  xavQav    itti    Salxa    xdv    dsäv    xgccxrjQä    xs 
9,  427.   Plut.  Q.  Gr.  15.   Paus.  10,  38,  1.   Myr-  Bäxxov.     So  wurden  die  Kentauren   schliefs- 
silos  b.   Antig.  hüt.   mir.    129   (117  Westerm.).  lieh  zu  ständigen  Begleitern  des  Dionysos,  wie 
Schol.   II.  2,  527.    Bursian,  Giogr.  1,  134,  3.  das  namentlich  Nonnos  Dion.  14,  49  ff.   143  ff. 
Forchhammer,  Hellen.  17).  Übrigens  war  Nessos  193  ff.    ausgeführt    hat.      Doch    scheint    dieser 
auch  Name    eines   Flusses    in   Thrakien,    den  iO  späte    Epiker    in    diesem   Falle    weniger _  aus 
Curtius,  Grdz.b  243  f.  von  Wurzel  vtS  brüllen  litterarischer   als   aus    monumentaler  Über- 
ableitet, lieferung  geschöpft  zu  haben  ( Welcher,  Gb'tterl. 
[Herakles-Nessos.     Neben  dem  Pholos-  3,  152).     Zu  den  früheren   bildlichen  Darstel- 
abenteuer  fand  sich  am   amykläischen  Throne  lungen  dieser  Art  mag  das  bei  Müller-  Wieseler, 
(Paus.   3,    18,    12)    auch    die    Bestrafung    des  D.  a.  K.  2,  589  gegebene  Vasenbild  (4.  Jahrb.) 
Nessos,   welche   auch   fernerhin   zwar    minder  gehören,  welches  einen  mit  Schale  und  Fackel 
häufig  als  jenes,  aber  doch   nicht  selten  dar-  ausgestatteten    schreitenden    Kentauren     dar- 
gestellt    wird.      Die    Namen    des    Kentauren  stellt,  dem  ein  Satyr  (oder  Silen?)  vorausgeht, 
wechseln,  doch  scheint  es  nicht  geraten,  des-  Ebendort   ist   unter   nr.    588    ein    schreitender 
halb  besondere  Reihen  zu  unterscheiden.     Die  50  Kentaur  mit  Fichtenzweig  und  Tiinkgefäfs  ab- 
ältesten  Vasenbilder   finden   sich   auf  einer  gebildet  (vgl.  ib.  596).     Noch  bedeutend  älter 
altattischen  Amphora   (Ant  Denkmäler  1,   57;  als  diese  beiden  Darstellungen  scheint  das  bei 
mit    der    Beischriffc   Nix[x]og)    und    einer    aus  Jahn,   Vasensamml.  in  München,  unter  nr.  957 
der    Gegend  von    Tenea    stammenden    Schale  beschriebene  schwarzfigurige  Vasenbild  zu  sein: 
(Boß,  Arch.    Aufs.    2    S.  344,    Tfl.  2);  beide  „Ein    bärtiger    ithyphallischer    Satyr   .   .   ver- 
scheinen  auf  ein  älteres  Vorbild  zurückzugehen,  folgt  .  .  zwei  bärtige  Kentauren  mit  vollstän- 
in  welchem  Deianeira  nicht  wie  auf  der  Am-  digem  Menschenleib,  welche  die  Linke  erheben 
phora  fehlte,  und  Herakles  das  Schwert,  nicht  und  in  der  Rechten  eine  Tanne  halten."    Plin. 
die   Keule,  führte.     Auch   auf  Gerhard,  A.    V.  n.  h.  33,  154  f.  führt  von  Akragas,  einem  der 
117/18,  1.  2   und  Eoulez,  choix  de  vases   8,  2  «0  berühmtesten    Toreuten,    als    zu   Rhodos    im 
ist    Deianeira   mit    dargestellt.      Von  den    rf.  Tempel  des  Dionysos  befindlich,  Becher  mit 
Vasen  sind  zu  erwähnen  der  Pinax  Brit.  Mus.  932  der    Darstellung     von    Kentauren     und    Bak- 
(Inghirami ,   Vasi  fitt.   2,  119),   das   Innenbild  chantinnen    an   (vgl.   Müller- Wiesel er   2,  596). 
einer    Vase     des    Aristophanes     und    Erginos  „Auf   dem   Friese    des   Dionysosheiligtums    zu 
(Klein  S.  186),  besonders  aber  Petersburg  1787  Teos,  der  um  200  v.  Chr.  gearbeitet  sein  wird, 
(Antiquitc's  du  Bosphore  Cimmerien  53),  Neapel  prangt  der  ganze  moderne  bakchische  Olymp. 
3089  (Mus.  Borb.  5,  6),  wo  der  Kentaur  Dexa-  Neben   dem   gewöhnlichen  Gefolge  des  Wein- 
rnenos  beifst,  und  Petersburg  2016  (C.R.p.  1SG5  gotts,    dem  Pan  und  Seilen,    den  Satyrn  und 


1051   Kentauren  (mit  Dionysos  u.  Eros) 

Bakchanten ,  erscheint  das  Kentaurenvolk, 
Männer  und  Weiber  in  friedlichen  Gruppen, 
mit  Trinkgefäfsen  und  Fichtenzweigen  aus- 
gestattet. Ein  Kentaur  spielt  die  Leier  (Arch. 
Ztg.  33,  28  T.  5)."  Sehr  häufig  werden  in 
der  späteren  Zeit  Kentaurengespanne ,  welche 
den  Wagen  des  Dionysos  oder  der  Ariadne*) 
ziehen '(vgl.  Müller- Mieseier  2  T.  X  115  f.  T. 
XXXIII  377,  T.  XXXVI  422.  423.  T.  XXXVIII 
437.  Dütschke,  Ant.  Bildw.  in  Oberit.  1,  12.  23. 
26. 114.  Arch.  Ztg.  3  Tat'. 30. 22, 162. 17,97. Meyer, 
Gandharven  80  f.  Müller,  Hdb.  358,  6  u.  7). 
Die  hierher  gehörigen  Attribute  der  Kentauren 
sind  der  Thyrsos,  die  Lyra,  Flöte,  das  Tym- 
panon  und  die  Fackel  (vgl.  die  Schilderung 
der  Kentauren  als  ■Äay.aazai  bei  Ael.  V'.  H. 
13,  1).  So  kommt  es  wohl  auch,  dafs  mehrere 
der  von  Ovid  in  seinen  Metamorphosen  über- 
lieferten Kentaurennamen  sich  auf  Fackeln 
oder  Feuerbrände  beziehen :  rgvvi vg  (von  ygv- 
vog  12,  260),  Ilvgcufrog  (ib.  449)  und  Ilvgctnfiog 
(v.  460),  vielleicht  auch  ^X^ygaCog  (v.  378). 
S.  auch  Diod.  4,  12.  Von  besonderer  Anmut 
und  Schönheit  der  Komposition  sind  einige 
schon  von  Winckehnann  bewunderte  Gruppie- 
rungen von  Kentauren  und  Mainaden  oder 
Bakchantinnen  auf  pompejanischen  Gemälden 
{Müller,  Hdb.  389,  2.  Müller- Wieseler  2  T.  47 
nr.  594  f.  Dütschke  a.  a,  0.  168).  Die  Köpfe 
des  Kentauren  des  Aristeas  und  Papias  (Müller- 
Wieseler  2  T.  XL VII  598)  gleichen  ganz  denen 
von  Satyrn  (vgl.  auch  den  wundervollen  Kentau- 
renkopf im  röm.  Konservatorenpalast:  Abb.  15). 
b)  Ganz  ähnlich  wie  die  Beziehungen  der 
Kentauren  zu  Dionysos  aus  der  Trink-  und 
Zechlust,  erklärt  sich  ihre  Verbindung  mit 
Eros  aus  ihrer  ebenfalls  in  sehr  alten  Sagen 
(s.  ob.)  hervortretenden  Lüsternheit.  Doch 
scheint  diese  letztere  Verbindung  ausschliefs- 
lich  der  späteren  monumentalen  Tradition  an- 
zugehören, welche  für  uns  namentlich  durch 
Werke  derKunstschule  inAphrodisias  repräsen- 
tiert wird  (Brunn,  Künstlergesch.  1,  592 f.).  Am 
berühmtesten  sind  die  beiden  Kentauren  des 
Aristeas  und  Papias ,  wahrscheinlich  Kopieen 
eines  älteren  bedeutenden  Werkes  (Brunn 
a.  a.  0.).  „Dem  Älteren  von  beiden  sind  von 
einem  Eros  .  .  .  (welcher  in  dem  Pariser  Exem- 
plar erhalten  ist;  siehe  Frühner,  Notice  du 
Louvre  1,293  f.)  die  Hände  auf  den  Bücken 
gebunden;  er  ist  wehrlos  gemacht,  und  seine 
sonstige  Wildheit  erscheint  zu  schwermütiger 
Trauer  umgestimmt.  Aber  wie  die  Fessel 
nicht  hindert,  in  seinem  Körper  die  volle 
natürliche  Kraft  zu  erkennen,  so  schimmert 
auch  durch  die  augenblickliche  Melancholie 
die   angeborene  Wildheit   überall  durch.     Der 

*)  Ebenso  ziehen  Kentauren  öfters  auch  den  Wager. 
ihres  Überwinders  Herakles;  vgl.  z.  B.  Daremherg-Saglio, 
Dictionnaire  des  anliquitis  1  S.  1012  Anm.  38  und  die  Münze 
der  Aurelia  bei  Babelon,  Mann,  de  la  rep.  1  S.  240 f.;  s. 
Sp.  104-S  u.  1054.  Die  interessante  Münze  von  Kyzikos 
bei  Imltonf. Blumer,  Gr.  Münzen  S.  614  Taf.  VII,  3=  Müller- 
Wieseler,  D.  a.  K.  2,  101  und  115  stellt  wohl  nicht  Köre 
oder  Demeter,  sondern  Ariadne  dar  (vgl.  den  Dionysos 
auf  dem  Pantherwagen  b.  Ini/toof  a.  a.  O.  S.  615  Taf.  VII, 
d,  der  offenbar  das  Gegenstück  dazu  bildet).  Nur  ist 
hier  die  Hochzeitsfackel  statt  den  Kentauren  der  Ariadne 
in  die  Hände  gegeben. 


Kentauren  (erot.  u.  bakchiscke  Bildw.)    1052 

Jüngere  jubelt  und  höhnt  das  Schicksal  seines 
Genossen,  ohne  zu  bedenken,  dafs  Gleiches 
ihm  selbst  bevorsteht;  und  wir  glauben  schon 
in  seinem  Jubel  die  Ungefügigkeit  und  Un- 
bändigkeit zu  erkennen,  die  sich  seiner  im 
Gegensatz  zu  der  schwermütigen  Kesignation 
des  Älteren  bemächtigen  wird,  sobald  das 
Geschick  ihn  ereilt"  (vgl.  Müller- W.ieseler,  D. 
a.  K.  2,  597  und  598.  Baumeister,  Denkm.  1, 
10  127).  Weitere  hierher  gehörige  Bildwerke,  sogar 
mit  päderastischen  Darstellungen  (an  Hesych. 
KsvzctvQoi  .  .  .  Kdl  ot  nuiStQUGrai,  cmb  rov 
oqqoi'*)  [d.  i.  ravQov  =  Ttsgtvsov  =  rQcifiLäog: 
also  =  *nivTO-Toivgoi.  Tümpel.]  und  an  den 
knabenraubenden  Kentauren  des  olympischen 
Giebelfeldes  erinnernd)  s.  b.  Meyer,  Gandharv. 
81f.  Müller -Wieseler  2,  596.  671.  Arch.  Ztg. 
1848.  N.  F.  2,  353  ff.  Taf.  23.  Welcker,  A.  B. 
1,  318ff.).    Mats-Duhn,  Bildw.  in  Born  nr.  2296. 

20 

Kunstmythologischer  Zusatz. 
[Dafs  ein  erotisches  Element  wie  in  den 
Silenen  ursprünglich  auch  in  den  Kentauren 
steckte,  wird  am  deutlichstenbewiesen  durch  ar- 
chaische makedonische  Münzen,  wo  in  ganz  ähn- 
lichen Typen  nymphenraubende  Kentauren 
neben  Silenen  vorkommen; 
s.  D.  a.  K.  1,  17,  83 f.  Head, 
Catal.  of  Gr.  coins  in  the  Brit. 

30  Mus.  Maced.  p.  147  — 149, 
wonach  nebenstehende  Ab- 
bild. (5).  Auch  später,  als  die 
Kunst  besonders  die  trunkene 
Wut  und  die  tierische  Boheit 
dieser  Geschöpfe  betont,  bleibt 
jener  Zug  ihnen  eigen:  ihre 
Lüsternheit  ist  es,  welche  die  HeTÖIachCatolö/ 
Bache  sei  es  der  Lapithen,  greek  coins  in  the 
sei  es  des  Herakles  heraufbe-    Brit.   Mus.  Maced. 

40  schwört.      Wichtig     sind    in  s-  147)- 

dieser  Hinsicht  der  West- 
giebel von  Orympia  mit  den  weiber-  und 
dem  einen  knabenraubenden  Kentauren,  sowie 
die  Parthenonmetopen  und  der  Fries  von 
Phigaleia.  Dagegen  erklärt  sich  aus  einer  Ent- 
lehnung vdn  der  ursprünglich  verwandten, 
aber  harmloser  entwickelten  Silensnatur,  viel- 
leicht sogar  direkt  aus  einer  Anregung  des 
Satyrspiels,  da3  schöne  Florentiner  Vasenbild, 

50  wo  lüsterne  Kentauren  sich  an  Iris  (s.  d.) 
vergreifen  wollen  (I.  H.  S.  1,  3),  ein  würdiges 
Seitenstück  zu  dem  Satyrbild  des  Brygos  (M. 
d.  I.  9,  46). 

Dais  auch  die  Freude  am  Wein  ein  alter 
Charakterzug  der  Kentauren  ist,  beweist  die 
früh  dargestellte  Sage  von  Pholoc;  die  Kunst 
hat  sich  auch  diesen  Zug  für  das  Lapithen- 
abenteuer  zu  nutze  gemacht.  Sonst  bietet  die 
ältere  Kunst  wenig  sichere  Zeugnisse   für  Be- 

60  Ziehungen  zu  Dionysos  und  keines  von  der 
Beweiskraft  des  attischen  Vasenbildes  Benn- 
dorf,  Gr.  u.  sicil.  Vasenb.  8,  das  einen  Ken- 
tauren mit  einem  mächtigen  Trinkhorn  zeigt; 
München  957  ist  ein  so  flüchtiges  Machwerk, 
dafs  darauf  kein  Wert  zu  legen  ist.  Doch  er- 
klärt sich  aus  dem  Gesagten  zur  Genüge,  dafs 

*)  Vgl.  auch  Sclml.  in  Acscldn.  Tim.  §  52.  Bekker, 
Änecd.  389,  25. 


5)  Kentaur  eine 
Nymphe  raubend, 
Münze  der  Orres- 


1053   Kentauren  (erot.  u.  bakehiscke  Bildw.) 

bei  weiterer  Ausbildung  des  bakohischen  Thia- 
sos  die  Kentauren  in  diesen  aufgenommen 
wurden,  danach  ist  auch  das  unteritalische 
Vasenbild  I).  a.  K.  2,  589  zu  erklären. 

Das  erste  wichtige  Zeugnis  für  diese  neue 
Auffassung  bietet  der  (oder  die)  Becher  des 
Caelators  Akragas  im  Dionysostempel  zu  Rho- 
dos, doch  ist  der  Bericht  des  Plinius  (N.  H. 
33,  155)  so  summarisch,  dafs  wir  nicht  einmal 
wissen,  ob  die  Kentauren  und  Bakchantinnen 
in  einer  Darstellung  vereinigt  waren.  Es 
folgen,  frühestens  in  der  zweiten  Hälfte  des 
3.  Jahrh.,  die  jetzt  im  Konak  von  Sinyrna  be- 
findlichen Friesreliefe  des  Dionysostempels 
von  Teos   (A.  Z.  33,  Tfl.  5  t     vgl.  Hirschfeld 


Kentauren  (im  Orcus) 


1054 


G)  Satyrhaft  gebildeter  jugendlicher  Kentaur  des 
Aristeas  und  Papiaa  (Capitolin.  Museum). 

S.  29  f.),  flüchtige  Arbeiten  einer  schon  sinken- 
den Kunst,  aber  reich  an  hübschen  Motiven 
und  voll  kräftiger  bakchischer  Lust;  sehwache 
Spuren  ähnlicher  Auffassung  verrät  noch  das 
späte  Relief  M.  P.  Gl.  4,  21.  In  diese  oder 
nicht  viel  spätere  Zeit  wird  man  die  Erfindung 
der  bekannten  Kentauren  und  Kentaurinnen 
von  Pompeji  (Heibig  499—502.  Mus.  Borl.  3, 
20  f.  D.  a.  K.  2,  47,  594  f.)  setzen  dürfen;  ge- 
wisse sentimentale  Züge  sind  wohl  der  späteren 
Zeit  anzurechnen,  in  der  diese  Wiederholungen 
entstanden  (vgl.  Helbig,  Untersuchungen  S.  23  f.). 
Mit  dem  Eindringen  nämlieh  der  in  der 
späteren  hellenistischen  Welt  so  beliebt  ge- 
wordenen Eroten  verlieren  die  Kentauren  viel 
von  jenem  ausgesprochen  bakchischen  Cha- 
rakter; die  früher  derbsinnlichen  Gesellen 
verzehren  sich  in  verliebtem  Schmachten  und 


müssen  sich  von  den  mutwilligen  Eroten  quälen 
lassen,  oder  sie  erscheinen  in  idyllischer  Liebes- 
tändelei oder  gemütlichem  Familienleben  im 
Sinne  des  Zeuxis  und  seiner  Nachahmer  (s. 
unten  Abschn.  XII).  Die  erstere  Auffassung  ist 
durch  die  Kentauren  des  Aristeas  und  Papias 
und  ihre  Wiederholungen  vertreten,  deren 
wichtigste  die  Pariser  (Fröhner ,  Notice  299. 
D.  a.  K.  2,  47,  697)  ist;  vgl.  Brunn,  K.  G.  1, 

10  573.  Overbeck,  Plastik3  2,  409;  der  jugendliche 
Kentaur  des  capitolin.  Museums  ist  hier  ab- 
gebildet. Für  die  idyllische  Richtung  bieten 
schöne  Beispiele  die  Silberbecher  von  Pompeji 
(Mus.  Borb.  13,  49.  D.  a.  K.  2,  47,  596)  und 
Bernay  (Babelon,  Gabinet  des  medailles  pl.  14) 
und  ein  Marmorputeal  der  Sammlung  Jakobsen. 
Im  übrigen  sind  wir  fast  ausschliefslich  auf  die 
Sarkophage  angewiesen,  von  denen  man 
feinere  Individualisierung  nicht  erwarten  kann; 

20  genug,  dafs  die  Kentauren  hier  bei  allen  wich- 
tigen Ereignissen  im  Leben  des  Dionysos  sich 
unter  seinen  Thiasos  mischen.  Besonders  beliebt 
sind  sie  als  Gespann  des  Dionysos  und  der. 
Ariadue (ZoM/a,  Bassiril.2,11 ;  Neapel:  Gerhard, 
Ant.Bw.m,l;  MünchenlOO:  D.a.K. 2, 36, 422; 
Lateran  Benndorf- Schöne  373 :  M.  d.  I.  7,  80,  2 ; 
Pisa  Dütschke  1,  114:  Lasinio  124;  Verona 
Dütschke  4,  435:  Maffei  73,  1;  M.  P.  Ol.  4, 
22;  vgl.  auch  die  Gemmen  D.  a.  K.  2,  36,  423. 

30  10,116;  C.  B.  p.1881,  5,  17  und  die  Münzen 
ebd.  2,  10,  115.  33,  377);  auch  ziehen  sie 
den  Wagen  des  in  den  Thiasos  aufgenom- 
menen Herakles  (M.  P.  Ol.  4,  26.  M.  d.  I. 
1856  Tfl.  6),  was  an  das  schon  erwähnte 
Vasenbild  Mon.  grecs  1876  Tfl.  3  erinnert. 
Sie  beteiligen  sich,  was  gut  zu  ihrer  ursprüng- 
lichen Wildheit  pafst,  am  Kampfe  (Corlona, 
A.  Z.  1845  Tfl.  40  =  D.  a.  K.  2,  38,  443)  und 
teilen  den  Triumph  (Lateran  Benndorf- Schöne 

40  408:  M.  d.  I.  7,  80,  1).  Sogar  bei  der  Bestrafung 
des  Pentheus  erscheinen  sie,  auch  hier  gewifs 
als  Gespann  des  Gottes:  D.  a.  K.  2,  37,  437. 
Bei  der  Beliebtheit  bakchischer  Darstel- 
lungen für  heitere  Ausschmückung  von  Ge- 
räten und  Gefäfsen  konnte  es  nicht  fehlen, 
dafs  auch  die  Kentauren  zuletzt  ohne  tieferen 
Sinn  rein  dekorativ  verwandt  wurden.  Bei- 
spiele sind  ein  Altarrelief  M.  P.  Cl.  4,  25,  das 
Bronzekästchen  Lasinio,  Scult.  del  Campo  Santo 

50  24  (Dütschke  1,  168).  Hierher  gehören  auch 
die  als  Zierat  von  Gefäfsen  verwendeten  Ken- 
taurenprotomen  Michaelis,  Anc.  Marbles  Liver- 
pool 24.  Benndorf,  Antiken  von  Zürich  458 
Tfl.  8,  94;  ein  Prachtstück  dieser  Art  ist 
das  Kentaurenrbyton  auf  dem  berühmten  Sar- 
donyxkantharos  I).  a.  K.  2,  626a,  ähnlich  der 
silberne  Kentaur  in  Wien:  Arneth,  Die  ant. 
Gold-  «.  Silbermonumente  S.  6.     Sauer.] 

"VII)  Die  Kentauren  im  Orcus  (italiseh- 

60  etruskische  Sage?).  Vergil  (Aen.  6,  286ff.) 
und  dessen  Nachahmer  Statius  (Sdv.  5,  3, 
277  ff. ;  s.  auch  Sen.  Herc.  für.  782  ff.)  ver- 
setzen die  Kentauren  zusammen  mit  anderen 
Ungeheuern*),   der  Skylla,  dem  Briareus,  der 

*)  Aus  der  allgemeinen  Auffassung  der  Kentaureu 
als  Ungeheuer  erklärt  sich  wohl  auch  ihre  Verwendung 
als  unorüijnaia,  z.  B.  auf  Schilden.  Vgl.  Meyer,  Gan- 
dharveii  74  Anrn,  1.    S.  auch  Iloin.  ICüfilvo*  1)  xenafilEig  17, 


1055 


Kentauren  (im  Oreus^) 


Kentanren  'im  Orcus) 


1056 


Lernäischen  Schlange,  der  Chimaira,  den  Gor- 
gonen,  Harpyien  und  dem  Geryoneus  an  den 
Eingang  der  Unterwelt.  Einen  Anklang  an 
diese  Vorstellung  könnte  man  einerseits  in  der 
Sage  von  der  Gorgo,  die  nach  Odyss.  I  634 
(vgl.  auch  Ar.  Man.  475)  ebenfalls  in  der 
Unterwelt  weilt,  andrerseits  in  dem  Mythus 
von  den  Erinyen  und  von  Cheiron,  welcher 
seine    Unsterblichkeit    aufgab    und    an    Stelle 


neolscarabäus  bei  3Iüller-  Wieseler  1  nr.  324,  auf 
dem  sogar  ein  Kentaur  mit  Gorgonenantlitz,  Fit- 
tichen und  Vogelbeinen,  einen  Löwen  an 
den  Vordertatzen  aufrecht  haltend,  erscheint. 
Dieser,  ebenso  wie  der  geflügelte  Kentaur  der 
rhodischen  Scherbe  bei  Sahmann,  Necrop.  de 
Camiros  pl.  38,  und  der  Löwenkentaur  mit 
menschlichen  Vorderbeinen  auf  dem  Scara- 
bäns  des  Brit.  Mus.  bei  Keller,  Tiere  d.  Irfass. 


des    Prometheus     in     den    Hades    hinabstieg  10  Altert.   S.  338    erinnern    an  ähnliche   altorien- 


(Apollod.  2,  5,  4),  erblicken;  doch  findet  sich, 
soviel  ich  weifs,  bei  keinem  griechischen 
Schriftsteller  irgend  eine  bestimmte  Nach- 
richt über  den  Aufenthalt  der  sämtlichen 
Kentauren  im  Hades.  Dagegen  scheinen 
mehrere,  zum  Teil  alte,  etruskische  Bildwerke, 
welche  Kentauren  entweder  mit  Skylla  allein 
oder  mit  der  Chimaira  und  einer   geflügelten 


talische  Vorbilder;  vgl.  Perrot  (t  Chipies,  Hist. 
de  Vart  2  p.  580  ff.  3,  600.  604;  Lajard,  Culte 
de  Mithra  Taf.  LXVII,  19  u.  20  =  Cades  212 
u.  213.  Vgl.  auch  die  für  die  Anfänge  der  grie- 
chischen Kunst  überaus  wichtige  Stelle  des 
Berosos,   frgm.  1,   4   Müller:     rivio&at    q>rjd 

XQOVOV,     SV     Ip     ZO     7TCIV     GKOTOS     V.CU     vSlOg     £ivCtl 

«at  iv  zovzoig  £ä>a  tsgaräSr]  y.ai  iSiotpviig 
[Supvsig  Scalig.]  zag  [Sias  f'xov' 
za  'Qiooyoviio&ui.  'Av&gcönovg 
yag  Si7Zzigovg  yivvrj&rivai, 
ivfovg  Ss  Kai  zszganzigovg  v.al 
Singooiönovg  [vgl.  ob.  Bd.  2 
Sp.  777J'  Kai  owua  fisv  t'xovzag 
'iv,  y.£tpaXäg  Ss  Svo,  ävSgsiav 
zs  v.al  yvvaiv.siav,  v.al  aiSoiä  zs 
Sicca,  aggsv  v.al  &rtXv,  Hai  szs- 
govg  dvftgioTZOvg  zovg  piv  aiymv 
gv.sXj]  v.al  y.sgara  s%ovzag  [vgl. 
ob.  Bd. 2  Sp.  791],  zovg  Sa  irniö- 
noSag,  zovg  Ss  ib  6  tzi  Bio 
a  s v  (i s  O  1]  17! 71  Ol  v ,  ib  Ss 
sungoGirsv  a  v  &  giöncov ,  ovg 
imtov.svzavgovg  xr\v  iSsav 
sivai  v.xX.  ä>v  v.al  zag  siKÖvag 
sv  zip  zov  EijXov  v aä  av a- 
nsio&ai.  Dafs  diese  Worte 
des  Berosos  auf  Wahrheit  be- 
ruhen ,  lehren  die  erhaltenen 
Bildwerke ,  namentlich  auch 
der  (Figur  7)  nebenstehend 
abgebildete  assyrische  Ken- 
taur. Übrigens  lassen  sich 
kentanrenartige  Dämonen  auch 
bei  den  semitischen  Verwand- 
ten der  alten  Chaldäer*  den 
Frau  (Gorgo  oder  Artemis?)  zusammen  dar-  Hebräern  nachweisen.  Vgl.  Hesycli.  s.  v. 
stellen,  auf  italischen  oder  etruskischen  (orieu-  övovsvzavgof  nagä  'Av.vXa  zgi%iävzsg,  Sai- 
talischen?)  Ursprung  dieser  Vorstellung  hin-  fiovcov  zi  ysvog,  y.a&vXov  y.al  ayozsivov  zf] 
zudeuten  (vgl.  Müller-Wieseler,  D.  a.  K.  1,  283.  50  smipavsia,  onsg  Esisiv  [=  Siim;  Basilius  ad 
2,  593).  Vgl.  darüber  Rosther,  Gorgonen  28  ff. 
Anm.53.  Mei/cr&.&.O.  S.  82f.  Noch  rätselhafter 


■■:," 


7)  Geflügelter,  bogenschiefsender  Kentaur  =  Schütze  des  Tierkreises 
(nach  Perrot-Oripiez,  Bist,  de  Vart.  HI  S.  (504,  Fig.  112). 


ist  eine  etruskische  Buccherovase,  abgebildet 
(Fig.  8)  bei  Milcliluifer,  Anf.  d.  Kunst  in  Gr. 
76,  welche  einen  menschenbeinigen,  mit  Lanze 
und  Fichtenstamm  ausgerüsteten  Kentauren 
zeigt,  der,  hinter  zwei  ebenfalls  speerbewaff- 
neten, nackten  Männern  hergehend,  sich  einem 
bekleideten,  auf  einem  Thron  sitzenden  Herrscher 
(der  Unterwelt?   s.  Milchhöfer  a.  a.  O.  229    u.  go  Bildwerke  auf  die  Kentauren  im  Orcus  bezogen 


Esai.  XIII,  22  p.  253  D.  Procop.  in  Esai.  p.  215] 
lovo^iaoav  oi  zrjv 'EßQa'Ctirjv  cpiovrjv  fisxa^svzsg 
oi  loiizoi.  Vgl  auch  Sp.  1068  und  Nestle  bei  O. 
Crusius  im  Philolog.  N.  F.  4  S.  97  Anm.  6  und 
was  Aclian  de  not.  an.  17,  9  aus  Pythagoras  und 
Krates  von   der  bvoxsvzavga  (s.  d.)  berichtet. 

Kentauren  im  Orcus. 
[Vermutungsw-eise   sind   einige    etruskische 


Meyer  a.  a.  O.  60)  naht.  Vgl.  auch  die  oben 
erwähnten  italischen  und  etruskischen  Ken- 
tanrendarstellungen, die  viel  Eigentümliches, 
auf  verlorenen  (oriental.?)  Mythen  Beruhendes, 
z.  B.  auch  Beflügelung  und  Gruppierung  mit 
Pegasos  zeigen,   ferner  den    archaischen  Car- 

wo  die  Kentauren  (auch  Cheiron!)  in  einem  Fluche 
als  verderbliche  l'ngcheuer  erscheinen. 


worden:   Berliner  Vasen  1545   (Micali,   Storia 

19,  1);  1550  (Micali  20,  1);    1563  (vgl.  Micali 

20,  13>;  Grifi,  Mus.  Chiusino  1,  52.  S4;  D.  a. 
K.  1,  57,  283.  47,  593;  s.  d.  Abb.  nach  Milch- 
höfer, Anf.  Fig.  49.  Mythologische  Deutungen 
sind  hier  nicht  am  Platze;  es  handelt  sich  wohl 
um  willkürlich  und  beziehungslos  zusammen- 
gestellte, konventionelle  Bildertypen.     Sauer.] 


1057       Kentauren  (als  Sternbilder) 

VIII)  Kentauren  als  Sternbilder  (spätere, 
wohl  ans  Chaldaea  [s.  u.]  stammende  astro- 
nomische Sage  der  Alexandriner?). 

Die  erste  Erwähnung  eines  Sternbildes 
Namens  Ksvtavgog  findet  sich  bei  Aratos 
Phaen.  431  ff.  —  Hermippos  in  den  Schotten  z. 
v.  436  identiflciert  ihn  mit  Cheiron  (vgl. 
auch  Hyg.  P.  Astr.  2,  18  und  Seneca  Thyest. 
863  ff.),  auf  dessen  Jägerei  er  auch  ein  in 
der  Nähe  befindliches  Sternbild  Qrjoiov  be- 
zieht. Nach  Schol.  Amt.  436  u.  Hyg.  P-  Ast?: 
2,  38  wurde  Cheiron  wegen  seiner  Tugend 
und  Gerechtigkeit  von  Iuppiter  unter  die 
Sterne  versetzt.  Derselbe  soll  nämlich  an 
einem  Pfeile  des  Herakles  gestorben  sein,  der 
ihm,  als  dieser  ihn  besuchte,  in  den  Fufs  fiel. 
Dieselbe  Erzählung  s.  bei  Ov.  Fast.  5,  379  ff. 
Erat.  Kat.  40,  mit  einzelnen  Zusätzen  b.  Schol. 
Germ.  p.  419  Eyss.  (v.  417);  vgl.  p.  410  Eyss. 
(v.  291).  Das  Tier,  welches  das  Sternbild  des 
Kentauren  zu  halten  scheint,  wird  von  Hygin 
nicht  als  Jagdbeute,  sondern  als  Opfertier 
(hostia)  gedeutet,  welches  Cheiron  über  einen 
Altar    zu    halten    scheint.      Nach    andern   ist, 


8)  „Kentauren  im  Orcus".    Ton  einer  etrusk.  Bucchero- 
vase  'ililchhöfer,  An/,  d.  Kunst  S.  76  Fig.  49). 

wie  Hygin  hinzufügt,  unter  dem  Sternbild 
nicht  Cheiron,  sondern  Pholos  zu  verstehen. 
Dies  erklärt  sich  einfach  aus  dem  oben  an- 
geführten Mythus,  wonach  der  Pfeil  des  Hera- 
kles nicht  dem  Cheiron,  sondern  dem  Pholos 
in  den  Fufs  fiel  (vgl.  auch  Serv.  z.  V.  A.  8,  294). 
Ein  Sternbild  in  Gestalt  eines  Kentauren  er- 
scheint auch  (als  „Sagittarius")  auf  ägyptischen 
Zodiakalbildern  aus  der  Zeit  der  Ptolemäer  (so- 
wie auf  dem  att.  Festkalender,  den  Bötticlier  im 
Philolog.  v.  J.  1865  besprochen  hat).  „Der  jugend- 
liche ,  unbärtige  Kentaur  mit  vollem  Haupt- 
haar und  Haar  an  Bug  und  Beinen  trägt  einen 
Hasen  als  Jagdbeute  in  der  Rechten,  einen 
Bogen,  von  dem  nur  ein  Stück  erhalten  ist,  in 
der  Linken"  (J.  Overbeck,  Gr.  Eunstm.  1,  252  ff.). 
Vgl.  auch  Meyer  a.  a.  0.  82.  Müller,  Hdb. 
400,  5.  Müller-Wieseler,  D.  a.  K.  1,  407. 
2,  554.  785.  Fröhner,  Notice  de  la  sculpt.  ant. 
du  mus.  not.  da  Louvre  Paris  1878  p.  17.  25 
(vielleicht  dient  letzteres  Bildwerk,  das  nach 
Fröhner  ein  Wesen  halb  Löwe  [?J,  halb  Ken- 
taur darstellt,  zum  Verständnis  von  Müller- 
Wieseler  2,  599;  s.  auch Mats-Duhn,  Ant.  Bildw. 
in  Rom  nr.  3704').  Wenn  in  diesen  Bildwerken 
Koscher  ,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  U. 


Kentauren  (Wesen  und  Charakter)   1058 

der  Kentaur  mit  einem  Bogen  erscheint  (den 
nach  Hyg.  P.  Astr.  2,  27  und  Erat.  Kat.  28 
keiner  der  Kentauren  führt,  und  der  auch 
auf  sonstigen  echtgriechischen  Darstellungen 
nur  äufserst  selten  vorkommt,  vgl.  die  von 
Meyer  a.  a.  0.  81  angeführten  Monumente), 
so  wird  das,  wie  überhaupt  die  Versetzung 
des  Kentauren  (als  des  Schützen)  in  den 
Tierkreis,  wohl  auf  altchaldäischen  An- 
10  schauungen  beruhen  (s.  den  oben  Sp.  1056  ab- 
gebildeten altassyrischen  Kentauren,  der  ent- 
schieden den  Schützen  des  Tierkreises  dar- 
stellt und  unten  Sp.  1075). 

Kentauren  als  Sternbilder. 

[Darstellungen  bieten  die  nicht  seltenen 
Tierkreisbilder,  deren  ältestes  wohl  die  aus 
dem  11.  vorchristl.  Jahrhundert  stammende 
babylonische     Säule    mit    dem    als    Schützen 

20  zwischen  Skorpion  und  Steinbock  dargestellten 
Kentauren  ist;  Perrot  3,  604.  E.  H.  Meyer, 
Gott.  Gel.  Anz.  1888  S.  146.  Die  sonst  er- 
haltenen Darstellungen  sind  sämtlich  spät  z.  B. 
die  in  dem  athenischen  Festkalender  Lebas  21 
(Friederichs-Wolters  1909 f.);  andere  D.  a.  K. 
2,  44,  554.  61,  785.  A.  Z.  35  Tfl.  3;  spezifisch 
astrologisch  ist  D.  a.  K.  1,  172,  407.  Die  in- 
teressanteste Darstellung  zeigt  ein  Altar,  Bouil- 
lon, Mus.  d.  ant.  3,  autels  2.    Overbeck,  K.  M. 

30  Tfl.  3,  22.  Bemerkenswert  ist  auch  ein  Basis- 
relief der  V.  Casali,  Mats-Duhn  3704,  abgeb. 
Montfaucon,  Suppl.  4,  32,  2 ,  wo  der  Kentaur 
die  Jahreszeit  des  dargestellten  Kampfes  sym- 
bolisiert.    Sauer.] 

IX)  Wesen  und  Charakter  der  Ken- 
tauren.    Ihre  ursprüngliche  Bedeutung. 

a)  Die  ursprüngliche  Bedeutung  der  Ken- 
taurenkämpfe. Zu  den  charakteristischsten 
Merkmalen  des  griechischen  Bodens  gehört  es, 

40  dafs  „die  grofse  Mehrzahl  der  griechischen  Flüsse 
Cliefs-  oder  Wildbäche  sind  ([jrorafiol]  %£i- 
(lueQOi,  %aguSQai*),  EvctvXot,  torrentes),  die  sich  im 
Winter  mit  reifsendem  Ungestüm  von  den 
Bergen  herabstürzen  und  alles,  was  ihnen  in  den 
Weg  kommt,  mit  fortreifsen,  wogegen  man  in 
den  heifsen  Sommermonaten,  während  welcher 
es  in  Griechenland  mit  wenigen  Ausnahmen 
nie  regnet,  nichts  von  ihnen  erblickt  als  aus- 
getrocknete und  zerklüfteteSchluchten; 

50  oder  wenn  sie  wirkliche  Quellen  haben,  ist  der 
Wasserschatz  derselben  so  ärmlich,  dafs  kaum 
wenige  Tropfen  davon  im  Sommer  das  Meer 
erreichen"  (Bursian,  Geogr.  v.  Griechen!.  1,  7  **). 

*)  Oder  yctQaÜQOi ;  vgl.  ^Cdoaönog  als  Namen  mehrerer 
griechischen  Flüsse. 

**)  Vgl.  auch  Neumann-Partsch,  Phys.  Geogr.  v.  Gr.  29. 
86  f.  89.  E.  Curtius,  Ber.  d.  Berl.  Ak.  1888  S.  1215  ff.  Paus. 
2,  15,  5:  ovte  "Xvayog  vdojo  out*  ül?.og  TtaqiyElui  tum  .  .  . 
jtotaitöiv  u'tL  /.iij  voavtog  tov  &eov'  &£QOVg  6's  aüa  oipiatv 
60  io-rl  >tu  QEv/aa-ta.  Varro  r.  r.  1,  12:  torrentes  flitmi  pericu- 
losi  Ulis,  qui  in  humilibus  ac  cavis  locis  aedificia  habent. 
Philo  n.  ay&arjoUtg  y.öofiov  1  (ed.  Bernays,  Berl.  Ak.  1876 
S.  274f.):  otav  de  ya-tay.7-uaf.iog  [xataZa/ußavfl]  drtaaav 
t};v  vöatog  y.atofifiqlav  yatauüou  (püotv  aufrtyEvoJv  y.al 
XEt/idonaiv  rtotauwv  oü  7tÄi]up.tvqovvTU}v  ftorov  aV.a  y.al 
tb  y.a&Eatbg  7tqoau7tafjßaX?.övtu)v  iTjg  Znifiüotüig  y.al  'tag 
by&äg  ijtfj  ßlcc  7t a qa qqtjyvuvtwv  ?}  v7tEQ7tijd'vjV- 
Twv  avapäüEL  trj  Ttqbg  [tf)y.L0,eov  vipog'  ä&tv  vnEoßl.v- 
oavtag  eig  ti]v  napayti/.itv^v  uvaytio&ut  ntdiuaa  tijv  6e 

34 


1059   Kentauren  (Wesen  und  Charakter)  Kentanren  (Wesen  und  Charakter)   1060 

Fast  dieselbe  Erscheinung  gewahren  wir  in  Kanalisierung  Thessaliens  durch  die  Herstellung 
Sioilien  und  Italien,  dessen  meiste  Wasser-  der  äiüiQvii,  von  Ternpe  (Diod.  4,  18.  Lucan.  6, 
ädern  ebenfalls  nur  Giefsbäche  (fiumare)  sind.  347),  an  die  Sage  von  Pisa  in  Etrurien  (Strab. 
Im  Sommer  sind  dieselben  völlig  trocken  und  222),  an  den  Kampf  mit  der  Hydra  u.  s.  w.  (vgl. 
bilden  in  ihrem  untern  Teile  treffliche  Fahr-  K.  F.  Hermann,  Privatalt.  2,  23). 
wege,  die  sich  allmählich,  je  höher  man  hinauf-  Zu  denjenigen  Landschaften  Griechen- 
steigt,  immer  mehr  zu  Sautnwegen  verengen  lands,  welche  am  meisten  durch  solche  im 
und  tief  ins  Innere  des  Gebirges  hineinragen.  Winter  und  Frühjahr  von  den  Gebirgen  herab- 
in tiefen  Spalten,  den  gewaltigen  Krallen  kommende  Wildbäche  zu  leiden  haben,  ge- 
eines  Ungeheuers  gleich,  reifsen  in  der  Regen-  10  hört  der  weite,  rings  von  Gebirgen  um- 
zeit  die  Regengüsse  das  lose  Gestein  von  den  schlossene  Thalkessel  Thessaliens,  der 
steilen  Hängen.  Ganze  Berglehnen  setzen  sich  Wohnsitz  der  sagenberühmten  Lapithen  (s.  d.). 
dann  in  Bewegung  irnd  strömen,  flüssig  ge-  Von  den  zeitweilig  daselbst  vorkommenden 
worden,  mit  furchtbar  verwüstender  Kraft  dem  Überschwemmungen,  die  ebenso  plötzlich  ein- 
Meere zu,  die  Dämme  und  Mauern  zerbrechend  treten  wie  aufhören  (Vischer,  Erinnerungen 
und  die  Felder  und  Gärten  mit  Schutt  und  etc.  478),  sagt  Strabon  430:  zavza  ä'  iezl 
Geröll  füllend  (Nissen,  Ital.  Landeshunde  1,  t«  [itoa  zr)g  OizzaXlag,  tvdaiuoviozcizri  jjcopa, 
295.  Neumann  -  Partsch ,  Phys.  Geogr.  v.  Gr.  tiXtjv  bar]  noTctfioxXvazog  iaziv.  b  yctQ  il?j- 
S.  348f.  Fischer,  Beitr.  S.  8).  Zu  allen  Zeiten  vnbg  Siu  (iiagg  qia>v  v.al  itolUts  8t%b- 
haben  daher  die  Bewohner  solcher  von  wilden  20  g-s vog  Tzozagovg  viteQjreirai  jroHäms. 
Bergwassern  heimgesuchten  Gegenden  ihre  zb  de  naXaibv  Kai  tXigvci&zo,  äg  Xbyog,  zb 
Fluren  durch  Erbauung  von  Schutzdämmen  nsSiov  s«  zs  zäv  aXXav  ßsgäv  oqici  TtSQisigyb- 
und  Mauern  oder  durch  Anlegung  von  Ab-  usvov  k.t.X.  (vgl.  D iod.  4,  18.  Lucan.  6,  343ff.). 
zugskanälen  zu  bekämpfen  und  zu  bändigen  Im  folgenden  schildert  Strabon  die  Verhee- 
gesucht,  so  die  alten  Römer  im  nördlichen  rungen  des  Peneios,  welcher  den  Bewohnern 
Sicilien  und  die  Lombarden  in  der  Poebene  von  Larissa,  einer  von  Ision  und  Peiri- 
(Nissen  a.  a.  0.  300;  vgl.  Hör.  ep.  1,  14,  29.  thoos  bewohnten  Lapithenstadt  (Apostol.  9, 
2,  3,  67.  Tac.  a.  1,  76.  79.  Suet.  Oct.  30.  Mehr  73),  regelmäfsig  gutes  Ackerland  weg- 
bei  E.  Oartias,  Her.  d.  Berl.  Ak.  1888  S.  1223).  rifs,  wogegen  sie  sich  durch  Dammbauten 
Auch  in  Hellas  läfst  sich  die  Bekämpfung  30  (nctgaxoigaza)  zu  schützen  suchten  (440).  Von 
der  Wildbäche  und  ihrer  Überschwemmungen  der  Pelasgiotis  am  Fufse  des  Pelion  heifst  es 
seitens  der  Menschen  schon  in  den  ältesten  441:  äv  b  noit]z>ig  bXiytav  g.igvrizui  Sta  zb 
Zeiten  nachweisen.  So  kennt  schon  Homer  fii)  oi*ig&)]vki  nm  xäXXa  r)  cpavXmg  ohioargvca 
Flufsdämme  und  Schutzmauern,  welche  die  diu  zovg  kcctcckXvb ixovg  &XXoz'  aXXovg  yzvo- 
Verheerungen  der  xfigciggoi  abwehren  sollten;  g.ivovg  ....  IJinov&e  Se  ti  xolovzo  xat  ?; 
vgl.  II.  E  88  jjfifiäppi»,  os  t'  cohot  giav  ine-  Muyvt[zig  «.  z.  X.  (in  betreff  der  zahlreichen 
Saoos  ystpvgag  [=  Dämme;  vgl.  ngoaxoiotig  1]  ys-  Giefsbäche  des  Pelion  vgl.  Bursian,  Geogr.  v. 
q>vQco6st.g  b.  Strab.  1,  59;  vgl.  ib.  458],  zbv  8'  Gr.  1,  97*).  Dasselbe  ist  nach  Forchhammers 
ovz'  äg  zs  yicpvgca  isgyfiivaL  io%c(vöcootv,  ovz'  Hellenila  9  f.  auch  in  dem  die  südliche  Grenze 
aga  SQ-xict  i'oxti  aXmämv  sgi&nXhcov.  Herod.  40  Thessaliens  bildenden  Thale  des  Spercheios 
1,  189  u.  s.  w.  Man  denke  ferner  an  die  der  Fall,  wo  nach  Steph.  Bi/s.  (s.v.  (DgUiov)  der 
Thatsache,  dafs  bereits  in  der  Blütezeit  des  Kentaur  (X>gixiog  hauste:  „Im  Winter  ergiefsen 
Reiches  von  Orchomenos  die  Minyer  die  furcht-  sich  nicht  nur  die  unzähligen  Quellen,  welche 
baren,  ganze  Städte  zerstörenden  Überschwem-  in  den  Spercheios  ihren  Abflufs  haben,  reich- 
mungen  des  Kopaissees,  welche  durch  die  in  lieber,  sondern  es  häuft  sich  auch  durch  den 
diesen  einmündenden  Wildwasser  herbeigeführt  mehrere  Wochen,  ja  Monate  hindurch  herab- 
wurden (vgl.  II.  M  18  ff.),  durch  sorgfältige  stürzenden  Regen  und  durch  den  Schnee  der 
Reinigung  der  Abzugskanäle  und  Deichbauten  das  Thal  umgebenden  hohen  Gebirge  die 
bedeutend  einzuschränken  gewufst  haben,  und  Wassermasse  des  Flusses  in  dem  Grade,  dafs 
dafs  noch  Alexander  d.  Gr.  durch  Bohrung  50  er  nicht  nur  die  Sümpfe  an  seiner  Mündung 
grofsartiger  Stollen  die  gefährlichen  Über-  überfüllt,  sondern  auch  einen  grofsen  Teil  des 
schwemmungen  jenes  Sees  zu  beseitigen  ver-  im  Sommer  festen  Erdbodens  überschwemmt, 
sucht  hat  (Bursian  a.  a.  0.  1,  198  ff.  Forch-  so  dafs  sich  der  untere  Teil  des  Thaies  in 
Kammer,  Hellenika  160.  E.  Curtius ,  Bcr.  d.  Meer  verwandelt"  (vgl.  Newmann-I'artsch,  Phys. 
Berl  AI:  1888  S.  1223  f.).  Ferner  erinnere  ich  Geogr.  v.  Gr.  191  f.).  Bei  dieser  aufserordent- 
an  den  Kampf  des  Herakles  mit  Acheloos,  in  liehen  Bedeutung,  welche  die  ^Ei^appoi.  für 
welchem  man  schon  längst  eine  mythische  Sym-  viele  griechischen  Landschaften,  namentlich 
bolisierung  des  uralten  Kampfes  der  Kultur-  aber  für  Thessalien  haben,  dürfen  wir  wohl 
arbeit  gegen  die  verheerende  Macht  der  Strom-  auch  iu  der  griechischen  Mythologie,  besonders 
natur  erkannt  hat  (Nissen  a.  a.  0.  S.  300.  00  aber  in  den  Lokalsagen  der  von  Gebirgen  um- 
Prcller,  Gr.  M."  2,  245.  0.  Midier,  Orchom.1  66 f.;  schlossenen  und  durch  die  Überschwemmungen 
vgl.  Strab.  458.  Diod.  4,  35),  an  die  Damm-  der  Wildbäche  heimgesuchten  Thalebenen,  vor 
arbeiten  des  Herakles  zu  Pheneos  ( Visclier,  Er-  allem    in   den   Mythen  Thessaliens,    deutliche 

inncrungen.  aus  Griechenland  494 f.),  an  dessen 

*)  Vgl.  auch  die  Sage  von  dem  am  Otbrys  gelandeten 

to  /.chv   rtgürtov  eis  /usyaXas  Xijurag  viaviptndai  .  .  .  auß-ig  Deukalion  (s.  d.)  und  vom  yatay.Xva/^bs  Iv  &sooa?.ia  bei 

0     IrtLQQiovto;  [toü  vdatos]   .   .  .  eis  (.ttyE&os  a^avovs  ItE-  C-'dren .  1,  1-16,  17  Bonn. ,  sowie  Uerod.  S,  12    vdtog    un?.E- 

Zayovs  y.az.u  ttyv   rtoZXüiv  hvoioir   anoy.givaoDai.     Isid.  de  tuv...  fato  toü  HyZlou  ....   tjfißgog'ge  Zctfioos  y-al 

nat.  rer.  p.  74  (Becker).  $Ei<fiata  iayVQU  £s  &C(Xao<jav  WQfiiJfiiva. 


1061    Kentauren  (Wesen  und  Charakter)  Kentauren  'Wesen  und  Charakter)    1062 

BeEexe  der  soeben  im  allgemeinen  geschilder-  vergehender   Naturphänomene,   wie  z.  B.    den 

ten  wichtigen  und  augenfälligen  Naturerschei-  Giganten,    Kyklopen,    der  Gorgo,   der  Lernäi- 

nungen  suchen.  Wäre  es  doch  geradezu  wunder-  sehen    Hydra  und  der  Chimaira  (vgl.  Lukian, 

bar,  wenn  eine  so  häufige,  wenn  auch  bisher  Contempl.  23   äizo  &  vy  gv.  ovgi     y.al    noxaiioi 

von  mythologischer  Seite  noch  nicht  gebührend  öloi.     E.  Curtius    a.  a.   0.    1215).      Versuchen 

gewürdigte   Erscheinung   in   den    griechischen  wir    es    nun   im   folgenden   kurz    alle    wesent- 

Mythen   keine  Spur  zurückgelassen  hätte,   zu-  liehen    Züge     des    Kentaurenmythus    auf    die 

mal  da  die  Schilderungen  der  Wildbäche  in  der  schon   von   den   Alten   an   die   %£iiiuggoi   oder 

Litteratur  eine  so  hervorragende  Rolle  gespielt  xagadgai  (torrentes)  gemachten  Beobachtungen 

haben.     (Vgl.  z.  B.  Theoer.  22,  49:   t)vx£  tcsxqol  io  zurückzuführen. 

bloLiQO%oi  ovats  v.'oXtvSmv  %tiu,ciggovg  7ioxayi.bg  b)  Dafs  die  xiifiäggoi  TOn  den  Bergen 
fisydiag  -ns gii& ce  SCvaig  u.  s.w.).  Wir  finden  sie  plötzlich  niederströmen,  wenn  starke  Regen- 
unverkennbar wieder  in  der  Sage  von  den  Kentau-  güsse  aus  den  Wolken  niederfallen,  erhellt 
ren,  die  entschieden  am  reichsten  in  Thessalien  namentlich  aus  mehreren  herrlichen  Gleich- 
(vgl.  Ew.  E.  für.  373)  ausgebildet  worden  ist  und  nissen  Homers : 

an  sämtliche  dieses  Land  einschliefsenden  Ge-  /,„„      *      «>    .    » _-,'& 

,  .             ,        „  ,.          „           -n-    i         tt         i            i  A.  492:   wc    o     ottote    n/.riitaiv   noxaixog  «i- 

birge,  den  Pehon,  Ossa,  Pindos,  Homole  und  » ,'     „         ■    ' 

r^.-P     '             l       ••     cj.               1       •     i.       1                  1,                    1      •  OlOVOt     y.UXILGLV 

Othrys  geknüpft  erscheint,  dann  aber  auch  m  ,                    >    „                    ,      ,, 

...    ,J.     a /T-,      r     .,     i    m     1  •               t."       \    t?i-  ytuiaggovg    y.ax      ogiGqjiv     OTzee^o- 

Aitolien    Euenosthal,  Taphiassosgebirge),  Ehs  *    r  vv                       v    .  7    „    „     * 

j       «     1        v             »TM      1     -               1         1-        T)l      1                      1  UEVOC    dlUQ    ÜUÖOCO. 

und   Arkadien    (Pholoe,    vgl.    die  Pholos-  und  20           .   ...      t     ,.  »           r       '               '  rv '    , 

.,,                   ,      v  -,            !      ?„       .        »,           j  J   452:   coc    o     oxs    ysiuaggoi    nozctuoi    y.az 

Atalantesage),__  also    ebenfalls    in    (regenden,  *    v   ^          P,   ' 

welche  durch  Überschwemmungen  heimgesucht  ,             .               "     „»,.,           »5 

,          ,     i     .      t,                  £■     -i        -n            j.i    i  £ff  uLGya.yy.tiav  gvilIjccIIszov  onoiuov 

wurden    (vgl.    m   Bezug    auf    das    Euenosthal  '    '           «„  •  r                  r*  • 

V  Ö  CO  o 

Isambert,  Itineraire  de  V Orient  202  f.,  in  Bezug  .     ,             .  S         ,,       ,,         „ 

airt  Pnoloe  Tischer,  Erinucrunqen etc.  471 — 473  -                  r  '      .»          ' 

u.  Aeumann-Eartsch,  Flnis.   (xeoqr.  v.  Gr.  2d4.  .,  __     „~          .      -.     *   \. ,     '             -      ,  » 

„._                 ,     ,j,    „,r    '   „    ^    ■     -r,  J             c  \   ^  Ü  87:  ärws    yap    eft    ztioiov    Ttoxaum    n/.ri 

2o9,  s.  auch  ist.  ilf.  426,  9,  in  Bezug  auf  Arka-  '    "■      r  „           .        .   '  ■          ' 

dien   Vischer   478.  49o.  497.  Bursian,  Geoqr.  2,  ,                 ,    ->        r,        >    .^ 

1B5.  19off.)   und   von  aiohschen  Stammen  be-  A    r   yy''                 .     y 

wohnt  waren   (Kiepert,   Lehrb.   d.   alt.    Geoqr.  30                         .      ,,>     >-  >  »    '  ™  ?     '       , 

S  218;    s.   unten    ftp.  1084),   heimisch   ist.     Es  ",     '  "  '          y'r 

liegt    durchaus    in    der   JNatur    der   ysiuagooi,  M     i,.,     >    ,f        ,*           -»  > i     ,     „   , 

,  ,        ,.                  ,,•  ,      r   u  '     ',     V  91:   tlirovz      itanivrig,      ox       ■cTtiboiGi] 

gegen  welche  die  menschliche  Kulturarbeit  zu  =           ,'    ',,     ,             r-     ./ 

allen  Zeiten  angekämpft  hat,  dafs  sie,  einmal  '°s  °tlPQ0S. 

personificiert,  ähnlich  den  Dämonen  der  Wetter-  Vgl.   auch  LT  390  ff.   %uou6qui  .  .  .  gsovaca   J| 

wölken  (Giganten*),  Kyklopen,  Gorgonen,  Chi-  ogicov.     Lucr.    1,   281:     quam    laquam)    largis 

maira;  vgl.  Bd.  1  Sp.  76öfi.  unter  Bellerophon),  imbribus  äuget  montibus  ex  altis  magnus 

des   Wirbelsturmes    (Typhon)  u.  s.  w.    zu   ge-  decursus   aquai.     Verg.    Aen.   2,   305:    rapidus 

waltigen  Ungeheuern    werden    mufsten,    über  montano  flumine  torrens.      Ov.   fast.  2,  219 f. 

welche  jedoch  nach  heftigem  Ringen  die  per-  40  Von  den  Wildbächen  des  Pelion,  an  welche 

sonificierten  Mächte   der  Kultur,   Heroen  (He-  sich   der  uralte    Iasonmythus  knüpft,   handelt 

rakles,  Atalante)  und  Menschen  (Lapithen;  s.  d.)  Apoll.  Eh.  3,  69: 

triumphierten**).  Inder  kurzen  Dauer  ihrer  ver-  -..>,,, 

derblichen     lhatigkeit,     welche    nur    auf    die  T    /               ,               -               <■    ■-           i 

vrr-    i            j        tj              -it.       ,    .    u    ■  i    ,     ,  onpfa    v.tti    Gy.GTZiu.i    TTf  p( uriv.  e  f  s ,    ot    dt    y.az 

Wmter-    oder  Regenzeit    beschrankt   ist   (vgl.  *                                    *•  '   '         '      .     - 

Ci  V  T  CO  1' 

Sen.  Nat.  Q.  6,  7,  2:   ad  tempus  collectos  tor-  ,                             „ .      ,     .  , 

..         •    c  ,                          •     x                        .■  %  f  iiiagoOL  v.uvü:yr,oa  y.vlivooii'cvoi  wooiovzo. 

rentium  impetus,  guorum  vires  quam  repentmae  '     r    "              *'                  r         r  v 

tarn  breves.   ib.  T)icd.  10,  9,  2.   de  Benef.  6,  31,  7.  Der  berühmteste  unter  diesen  Bächen  war  der 

Ov.  Am.  3,  6,  105  f.),  liegt  natürlich  auch  ihre  "Avuvgog  {Ap.  Eh.  3,  67  u.  1,  9),  welcher  Name 

Kurzlebigkeit    begründet:    alle    Kentauren,  50  öfters  auch  geradezu  appellativ  im  Sinne  von 

selbst  Cheiron  nicht  ausgenommen,  sind  sterb-  ^Eifißppoug   gebraucht  wird   (vgl.  Hesiod.  scut. 

lieh,    ähneln    also   auch   in   dieser   Beziehung  Herc.  477f.  u.  Schdl.  z.  Ap.  Eh.  1,  9). 

entschieden  den  Repräsentanten  anderer  rasch  Schon  jetzt  mache   ich   auf  die  Parallelen 

Ksvx-avgog,  av-avgog,  i'71-avgog  (Hesyeh.),  iv- 
*)    Auch    bei   den  Giganten   acheint  man,    wie   der  avXog    (Hovi.),     ETt-CCvXog    (Hesgcli.)   —   %£iu,äg- 
Name    [XaoJaAQtii;   auf    dem    pergamen.    Gigantenfriese  govg,    %agdÖOU    aufmerksam.      Von    den    Wild- 
lehrt   (Bert.  Sitzungsber.  1889    S.  342),    an  die    Terheerende  wassern    des^PiudoS   handelt   SU.    It.    4,    522. 

Wirkung  der  Xaq&äjm  gedacht  zu  hahen;  vgl  auch  den  Eines  der  sichersten  Vorzeichen  der  Regen- 

ebenda  vorkommenden  YcpaplccyyEug  von  eperpaye  (acnlucntj  ..                     -,              ,.                >                ,    ,    ,           ■    , 

,    ,.          .           .       .  v  1.  7."        .    i     i     ttv.     •  gusse,  aus  denen  die  yeiuaggoi  entstehen,  ist 

und    die    auch    sonst    mehrfach    hervortretende    TJberem-  &.%*,,          ,   . ,  .          A     '      ">.            .    .  ,         } 

Stimmung   von    Giganten-    und   Kentaurennamen  (Mimas  60  die     Wolken blldung      an     Berggipfeln     (vgl. 

Agrios,  Eurytos).  Cornelius,    Meteor.   545).     Das   gilt    besonders 

**)  Vgl.  Eur.  Htrakl.  365ffi,  wo  die  durch  das  Nieder-  vom   Pelion   nach  Theopihr.   71.  Grpi.  22:    iäv  B7ZI 

Stampfen   der   thessal.  Fluren    seitens    der  Kentauren  he-  T0    TJt'jlLOV   rBtpiXr]    TZOOGl'Qv   .  .   .    vdcoo    GnfiaiVSl. 

wirkte    Unfruchtbarkeit    deutlich     hervorgehoben    wird.  (Jeriau   dasselbe   gilt^auch  von  den  Berggipfeln 

Wenn    WUamowilz,    Herakles   2,    121    hierin   keinen    alten  A;    ■             yom  Hymetto8    u,  s    w_    (vgl.    Theophr. 

%e7 IX *U!TT  erkenneniqwl "v3     „J*::: ■    y-  a.  a.  O.  20.   24.    ArehU.  fr.   56  B.    Kommen, 

in  Merc.  224f.   und    Kuuivoz  t.    19    anfser    acht    gelassen.  '             .                                    ' 

Über  das  Niederstampfen  blühender  Fluren  durch  Pferde  DelphÜM    %% ,    1).      Man    kann    Sich    daher   wohl 

vgl.  Long.  p.  ed.  Hercher  p.  310,  5.  denken,   wie   ängstlich   die  Bewohner  Thessa- 

34* 


1063   Kentauren  (Wolkensöline;i.  Geb.  haus.)  Kentauren  (sohlend.  Fels.  u.  Bäume  etc.)   1064 

Kens    beim    Beginn    der   Regenzeit   nach    der  N  137  ff.  'Exzag]  ävziy.gv  [isauoig,  öXooizgo- 

Spitze   des  Pelion  auszuschauen  pflegten,   um  ^os  o>s  änb  nszgng, 

zu  wissen,  wann  die  verderblichen  Wildbäche  Zv  zs  v.azct  ßtiipävqg   nozuu.bg  %si- 

(vgl.  neugr.  Y.av.ÖQgsvfia)  auf  ihre  Fluren  herab-  fiaggoog  äoi] 

brausen    würden.      Mythisch    gedacht    mufste  gq^ag    de-jisza    bfißgta   avaiäiog   l%- 

natürlich   die   Wolke    zur   Mutter    der    %zi-  fiara  nizgiqg, 

uaggoi  werden.     Vgl.   Find.   Ol.  10,  3:  vädzcov  vipi  S'   ava&giooxaiv    nszszai   uxvnisi 

üußgtmv,  naidcov  N f  cpiXag.    id.   Pißh.  6,  11:  Si  9'  vn  avzov  vXq  -nzX. 

Xtiuigiog   bußgog,   igißgouov  vsmiXtxg  azga-  „  „_     „.  ,       »  „,  -         ,„ 

>       >      /,  ol     t,  \    o/T  ■  ■  E  87     &vv£   vag    au   itidiov   ttozocuco    nXiiVovzi 

zog  a[i,eui%og.     btrao.  1,  30  o  .  .  .  .  xtiu>ctggovg  10  r       >  r' 

vizsgptpXqxai.   tods  otXXovg  nozauovg   ra   dum-  •  »       ,    -         ?.         '    's- 

t»s  f  tvai.  Alkiphr.  3,  16,  3  tnt l&wv  oi  oubgog  h    •     vv  ■  <  ,     *  ' 

ts  Toftc  nusgctg  ....  jtotoiuous  avojire»'  f«  ths  \       «=       «  >     »   T    T      i  >  > 

>  /   ,r    -      >    -      >    ,    t-     =  i-  TUV    $      0VT     a„   TE    ysmvgcu    ssgyatvai 

tt«propf  (CfS    TWV    OPCOJ'    iVSVVnaSV,    Ol    Ol'UW   Mit«-  y,  I  r  T     V  vir 

Gvgouivoi  iXvv  tTtsenaeavTO  v.ai  rovg  bovgovg  „   »     *         «  *.  »i      '  > 

jtaTf^coc«»',    (bcte    ftfai    nccvTa    LGoiteoa.  •  Vgl.  o,   •,  > 

auch  »S'opA.   Tc.   1095  f.     Hesycli.  s.  v.  rap«6'pat  ,,„  ,     >    ,.        ,      "  ^A    ,     0   ,         .  . 

und    hinsichtlich    der    plötzlichen  furchtbaren  '  „'    'ß  ^v    ./ 

Regengüsse  in  den  griechischen  Gebirgen  Neu-  ,, ,    »»        ,      ,°"".?°s'         ,  ,, 

°         T)       j      7        Tii  /-r  n        o     nn  Itolltt    O       VTl      KVZOV    IgVCC  MCTl/pUTS    %<XA. 

mann-ParUch,  Phys.  Geogr.  v.  Gr.  S.  66.  20  «.#  v'  ' 

c)  Den    vorstehenden    Darlegungen    ent-  "^ 

spricht  es  nun  genau,  wenn  die  Kentauren  als  $  282.  Arist.  Bitter  526  ff.  Demosth.  d.  cor. 
Söhne  äerNscpiXrj  galten  und  ausschlief-  153.  Tlieokr.  22,  49.  .4/).  i?7i.  4,  460  f.  Dion. 
lieh  auf  Gebirgen,  vor  allen  auf  den  Grenz-  Per.  1075.  Liier.  1,  283  ff.  Verg.  Aen.  2,  305. 
gebirgen  Thessaliens:  Pelion,  Pindos,  Othrys,  12,  524.  Ov.  Met.  8,  548.  1,  286.  Hör.  ca.  3, 
Ossa,  Homole,  ferner  auf  Oite,  PholoS  und  29,  33  ff.  Lucan.  6,  388  f.  Cälpurn.  ecl.  5,  48  f. 
Maleia  heimisch  gedacht  wurden  (vgl.  Fleck-  Aiühol.  Gr.  9,  278  etc.  Ein  bekannter  Wild- 
eisens  Jahrb.  1872  S.  424).  Schon  die  llias  bach  in  Attika  führte  den  charakteristischen 
{A  268)  nennt  sie  cprjgtg  oqcokcöoi,  ebenso  Namen  Kvy.loßögog,  weil  er  die  kreisförmigen, 
Hesiod.  fr.  110  Göttl.  Vgl.  Kur.  Iph.  A.  705.  so  um  die  Ölbäume  und  Weinstöcke  angelegten 
1046.  H.  für.  364.  Seil.  Herc.  f.  974  ff.  Hier-  Gräben  (xtJkäoi)  gewisserrnafsen  frafs  ( Wachs- 
her gehören  die  zum  Teil  uralten  Kentauren-  muth ,  Eh.  Mus.  1S89,  153).  Ein  anderer  in 
namen  Ovgsiog  ("Ognog,  Ögocßiog),  IJ^zgaiog,  Arkadien  hiefs  Bovipuyog.  Vgl.  auch  neugriech. 
'TXctiog('TXrjg),  niv-nfiSat,  Jgvalog,"E7.azog  etc.,  Namen  wie  Phonissa  und  Ga'idaropniktes  (E. 
welche  den  Wohnsitz  der  Kentauren  in  Bergen  Cwrtius  a.  a.  O.  1228). 

und  Bergwäldern   andeuten.     Zu  der  Deutung  e)   Diesen    Schilderungen  von    der    Felsen 

der  Kentauren   als  Wildbäche   pafst   es  ferner  schleudernden  und  Bäume  entwurzelnden  Kraft 

vortrefflich,  wenn  in  der  alten  Sage  bei  Diod.  der  Wildbäche   sind   diejenigen  Zeugnisse  aus 

4,  12  erzählt  wird,  dafs  Nephele,  die  Mutter  dem  Kentaurenmythus  gegenüberzustellen,  aus 

der  Kentauren,  diese  im  Kampfe  mit  Herakles  40  weichen  hervorgeht,  dafs  man  sich  die  Kentauren 

durch  starke  Regengüsse  unterstützt  habe.  Felsen*)  und  Bäume  schleudernd  dachte :Hes. 

Deutlich  blickt  der  natürliche  Hintergrund  des  seid.   Herc.    188:   Kzvzavgoi]   %QV6&ccg  ßXüzug 

Mythus  auch  noch  durch  folgende  Schilderung  iv  %tgelv  l'xovzsg.     Apoll.  Rh.   1,  64.     Apollod. 

Yergils  hindurch,  Aen.  7,  674:  2,  5,  4  nag^eav  oi,  K.  nizgaig  i>nXLBfiivoi  neu 

n        ,  ,.  ,.  ,.  kXazaig.     Diod.  4,   12.    Philostr.  im.  2,3.   O. 

Ceu   duo   nubiqenae   quom   vertice   montis  c,  °  ,_.,    _    .  '      .       tt- •.  „,.•'„  j;„ 

J  x  h      lt  omyrn.  6, 273.  7,  109  etc.   Hiermit  stimmen  die 

,  ,      .    ,-,      .  ■    77       7        nn        '  älteren  Vasenbilder,   in   denen   die  Kentauren 

aescendunt    Ventauri    Jriomolen    Othrynque  ,       ,  o.   •  J  D„ is        „  „„i,m: 

.     ,  *   l  durchweg  Steine  und  Baumstamme  schwingen, 

,.  ,  .,      ,.        f'falem  auffallend  überein  t Meyer, Gandharv.  66.  Milch- 

Imquentes  cursurapido   dnteuntibusmgcus  ^  .  (J         fr     g    >Ardh  y       18g4  Tf  g 

Suva  locum  et  magno  cednnt  virgulta  fragen.  1'T(  ^  \   ^    yrey.  erkennt  Dicüt  in  dem 

Vgl.  auch  Ap.  Eh.  1,  553.    Or.  Met.  3,  79  etc.  Mythus    von    der   Überschüttung   des   Kaineus 

Wie  wunderbar  stimmen  doch  solche  Schilde-  mit  Steinen   und  Bäumen   ein  prächtiges  Bild 

rungen  mit  den  homerischen  Schilderungen  der  der  furchtbaren  Anhäufungen  von  Felssteinen 

Xfi^aggoi  überein!  und   Baumstämmen,    welche    die    natürlichen 

d)  Häufig  wird  in  den  Schilderungen  der  Folgen  der  zu  Thale  gehenden  Wildwasser 
Wildbäche  hervorgehoben,  dafs  sie  mit  ge-  sind?**)  Wenn  Kaineus  {Ov.  M.  12,  524  ff.)  in 
waltiger  Kraft   (vgl.  II.  J  453.     Ov.  Met.  3,  „  _.      ..,    ..  ,     „  „  ..    _  ,  ,        . 

ö  v  „     x.,0  ,  .  *)  Eine    almuche    Rolle  -wie    die    I-elaeu   und    grofsen 

79.  1,  278)  grofse  1  eisen  und  ausgerissene  steine  ^  den  Betten  der  /Hfll;Q„m  spielen  dje  Meinen 

Bäume,    ja  _  ganze    Wälder    und    Hänge    mit  CO  steinchen  in  den  Betten  der  Quellen  und  Bache,  mit  denen 

sich  herabreifsen,    Dämme   und   Mauern   durch-  die  Naiaden  wie  knöchelspielende  Mädchen  ihr  anmuti- 

brechen  und  Menschen  und  Tieren,  nament-  ges  Spiel  treiben  (vgl.  E.  Curtius,  Abh.  d.  Beri.  Ak.  1876 

lieh   Rinderherden,   ja   sogar   ganzen   Städten  S.  162). 
sicheren   Unter°-an°-   bereiten      Vffl  **>  Von  eülem  kaukasischen  Gebirgsflusse  (dem  Terek) 

A  494  f.    „oU&   dt   ägvg    &&0&i    n0U«s    Si  **?  C"  «?»•  .*"•  *'  **  Z\\  1S91   "; 2*9  (2f >  S' V 

a,  r  „Der   unbändige  Terek,   welcher    sich  tobend    durch 

,        ,  Tf    ^^^S  ,  die  enge  Pforte  drängt.     Er  rollt  in  seinen  "Wassern  ge- 

torpSQtxat  Ttollov  ÖS  t     acpvaytrov    ffff  waltige  Steine  fort,    wo    sie    ihm  aber   zu   grofs  und 

uXoc    ßuXÄEL.  zu  mächtig  sind,   da   bäumt    er    sich    an    ihnen  auf  und 


1065  Kentauren  (sohleud.  Fels.u.  Bäume  ete.)  Kentauren  (trank-,  streit-, lärinsücht.  etc.)  1066 

einen  ^ajacffjio's  (Regenpfeifer)  verwandelt  wird,  Ghar.  23   uTto&vqG-Hovoi  .  .  .   v.ui  itoxaiiol  oloi. 

der  durch  sein  Geschrei  die  bevorstehende  Fül-  Wenn  Hom.  ep.  14  die  Kentauren   als  Zerstörer 

lun»  der  ^upaiJßat   mit  Regenwasser   anzeigt,  eines  Brennofens  gedacht  werden,  so  gilt  Ähn- 

so    stimmt   das   gut   zu   unserer   Deutung   der  liches  von  den  Wildbächen:  Herodian.  3,  3,  7. 

Kentauren  als  xaQÜdgai.     Vgl.  Gott.  gel.  Am.  Isoer.  10,  26. 

1884  S.  155  f.  und  oben  unter  Kaineus.  Als  Zer-  f)  Die  oft  hervorgehobene  Trinklust  und 
störer  eines  Töpferofens  treten  die  Kentauren  Trunkenheit  der  Kentauren  (Hom.  Od.  21, 
auf  Hom.  epigr.  14,  19:  xvnxoisv  xääs  i'gyct  295.  Find.  fr.  147.B.  Apollod.  2,  5,  4,  vgl.  die 
kkhms,  -ninxoi  äs  xdfin'os,  wo  xvnxio  trefflich  Münzen  von  Lete  bei  Imlwof- Blumer,  Monn. 
die  zerstörende  Stofskraft  der  Wildwasser  10  gr.  82,  welche  einen  Kentauren  zeigen,  der 
bezeichnet.*)  Als  mordlustige,  wilde  Gesellen,  einen  xcivdagos  hält,  etc.),  die  sich  zu  völliger 
welche  einsamen  Wanderern  in  wilden  Berg-  Raserei  steigert  (Hom.  Od.  21,  297  ff.  fiaivo- 
thälern  aullauern,  um  sie  zu  töten  und  roh  fisvog  v.a%  sgs^s.  Verg.  G.  5,  455  furentes 
zu  verzehren  (daher  äfiocpäyoi.  bei  Theogn.  Cent.  Stat.  Theb.  4, 534;  mehr  bei  E.  Curtius 
541),  erscheinen  die  Kentauren  in  der  alten  a.  a.  0.  S.  1228),  erklärt  sich  einfach  aus 
Peleussage.  Ihre  Gegner,  die  Lapithen  (s.  d.),  den  Ausdrücken  nkrfösiv,  fis&vsiv,  furere, 
sind  natürlich  als  die  Vertreter  der  in  den  saevire  u.  s.  w. ,  die  mau  von  dem  scheinbar 
gefährdeten  Ortschaften  und  Burgen  der  Ebene  trunkenen,  rasenden  Wesen  der  Wildbäche  ge- 
sefshaften  Bewohner  zudenken,  worauf  schon  die  brauchte.  Vgl.  Pind.fr.  90  B.:  ovv  x&ifiuoQm 
zahlreichen  von  bestimmten  Städten  Thessa-  20  ft  s& vio.  Antiphü.  b.  Brunck,  Anal.  2,  177, 
liens  abgeleiteten  Lapitheunamen  (s.  d.)  hin-  21:  [xsifMxggs^  t)  fis&vsig  ö/ißgoio.  IL  A  492: 
weisen  (vgl.  Isoer.  10,  26).  Herakles  aber  ist  7tlr'i&a>v  noxa^'og  .  .  kuxiibiv  ^EtfiKp^oug. 
auch  hier  wie  sonst  ein  Sonnengott,  da  er  die  Orakel  bei  Flut.  Mor.  p.  406 F  öpfftTrörat  = 
Kentauren  (wie  auch  die  lernäische  Hydra!)  noxaiioi.  II.  E  87.  Ov.  Met.  3,  571  (saevior 
mit  Pfeilen  und  Feuerbränden  (äalolg  ibat).  Verg.  Aen.  10,  603  (torrentis  aquae  .... 
Apollod.  2,  5,  4)**),  den  Symbolen  der  die  more  furens).  ib.  2,  496  etc.  Man  denke  an  den 
Xagaägai  (torrentes  von  torrere!)  rasch  aus-  von  Strab.  426  geschilderten  jjEifiappovs  Boa- 
trocknenden Sonnenstrahlen,  vernichtet.  Vgl.  7910s  oder  Mäv rjg  in  Lokris,  sowie  an  die  trnnk- 
Antiphil.  b.  Brunck,  Anal.  2,  177,  31:  süchtigen  Wassergeister   der  Slaven   (Ausland 

30  1888   S.  744).      Vgl.    auch   das    einigermafsen 

Aaßgonoäri  %s£(ittQQe,  xC  ärj  xoaov  ääs  Hogvaen,  verwandte    Bild    der    mit  leerer    Urne    zum 

xe£6v  ummXtlmv  i%vog  bäontoging;     ^    (  Wasserbecken    (Quelle)  kommenden    also    des 

OTpoucti  rjsXia>  es  v.s-Aav(isvov,  vaxig  slsyxsiv  Wassers   bedürftigen  Nymphen,  die   sonst  als 

jtol   yoviiiov  noxaiibv  »ai    vöüov***)   olStv  wasserspendend  gedacht  werden  (Curtius,  Abh. 

vämQ-  d.  Berl.  Ah  1876  S.  170). 

Oo.  Am.  3,  6,  105:  gj   Die  Streit-  und  Kampflust  der  Ken- 

At  tibi  pro  meritis,  opto,  non  candide  torrens,  tauren    erklärt    sich     einfach     aus     mehreren 

Sint  rapidi  soles  siccaque  semper  hiems!  schönen  Vergleichen  gewaltiger,  unaufhaltsam 

vordringender,  alle  Gegner  vernichtender  Krie- 
Auch  der  Zug  des  Kentaurenmythus,  dafs  die  m  ger  mit  den  %ziiiÜqqoi.    Vgl.  II.  A  492.  ä  452. 

cpfjgsg  ogsanmoi  ohne  Ausnahme  sterblich  sind  E  87.     Verg.  Aen.  12,  524  ff.,   den  Flufsnamen 

und  trotz  ihrer  Stärke  bald  überwunden  wer-  'OTtXCxng  u.  s.  w. 

den,  ist  in  der  Natur  der  xsijiäggoi  wohl  be-  h)   Oft    wird    das    Lärmen,     Tosen    und 

gründet,  deren  plötzliches  Erscheinen  und  Schreien  der  Kentauren  hervorgehoben.  Ich 
rasches   Verschwinden   (Forchhammer ,   JErhl.^      erinnere  nur  an  die  Namen  Jovitmv,  'EgCyäov- 

d.  Ilias  13),    wie   aus   zahlreichen   Zeugnissen  jcog,  Trfisßöag,  Bgöjiog,  r'0[iaöog,  Nsaeog  (Cur- 

erhellt,  einen  tiefen  Eindruck  auf  die  dichtende  tius,  Grds.5  244)   und  an  die  Schilderung  des 

Volksseele    machen    mufste.      Vgl.   II.    E    91  Kentaurenkampfes  bei  Diod.  4,  12.    Damit  ver- 

Xsi/xaggov]  sl&ovx'  £ £ctitLvrie,  oV  snißgien  gleiche  man  Stellen  wie  IL  J  455:  xäv  äs 
Jiog  bpßgog.     Fest.  352  s.  V.  Torrens   .  .  .signi-  50  xs    [%si(iaggiov]    xr\X6os    äovnov    sv    ovgseiv 

ficat    ...   fluvium  subitis  imbribus   concitatum,  s-ulvs    jrotftijv.     JV   140:    yixvnssi    äs    &'  vit 

qui    alioqui    siccitatibus    exarescit.     Sali.  avxov   vir].    IL  $   237.     Od.   x   515:   itoxaiiäv 

hist.  1, 12  Dietsch.  Sen.  Rat.   Q.  6,  7,  2.     Luc.  igiäovniov.     Ap.  Bh.   3,    71.      Verg.  Aen.  2, 

308.    7,  566.   12,  524  etc.    Artemidor  Oneir.  2, 

wälzt  sich  in  mahnen  artigen  Gebilden   über  sie  weg."  27.     Pollux    On.    6,    129    etc.       Ein     bekannter 

Das  ist  also  gewissermafsen  das  Bild  eines  kaukasischen  Wildbach  in   Arkadien   heifst  KsXtxäulV. 

Hippokeutauren.                              _  j\  Das  Epitheton  äiioway  og  bei  Theogn.  541 

•)  Vgl  auch  Isoer.  10,  26  KevawQovg  xou;  dW;    o,  ,      ,    Apoji0(L  o,  5,  4  und  den  Wildbach  KvkIo- 

■taysi   v.ai  gtauij    y.ai   toi/in    OMrevy.ovre;   tag   ttsv   eitöQ-  „  ?         ^       ■     ■»          c     •              ±~     n-    ^ 

9ow  *&s  r %tMov  ««FsV  faMouv  tS«,  «dl.o,.  ßoQO?)    wird   sofort   verständlich     wenn   man 
**)  Über  Waldbrände  als  naive  Mittel  gegen  Wüdbäche  e0  bedenkt,    dafs    die  Wildwasser_  häufag  lebende 

s.  /(.  </>  342  ff.    Auch  die  Lapithen  kämpfen  hie  und  da  Rinder  (vgl.  die  Namen  Bovrpäyog,  BoväoQog), 

mit  Feuerbränden:   Anh.   Zig.  1883  Tf.  18.    Hinsicht-  Pferde    (vgl.   den  ' [nirocpOQCCg),   wilde  Tiere   und 

lieh  der  Bekämpfung  der  lernäischen  Hydra  s.  Apollod.  Menschen  verschlingen.  V°d.  _Z7.  <l>  281  ff. 
2,  5,  2:  ßatältiV  f/Uaoi  7ts7lugojfi  ivot;  tfväyy.air^v  &£e2.&eiv 

. .  .  inexalioato  y.ai  aütö;  fioij&üv  töv 'IuZaov,  o;  /it'pog  ti  vvv   Ss   (is   Xsvyalsio    &ctvaxca   si'fiagxo    alävai 

y.atanQi](ja;  tfjg  eyyu;  u?.ijg,  tot;  SaXoTs  Iniv.aluy  SQ%&ivz'  sv  tisyali»  noxaiioy,  cognaiäa  ovopogßoi', 

tu;  ivatoXa;  töiv  uvaipvo/iivuv  xeipaXmv  ly.aiXutv  ävüvat.  %v   gei   x'    svavlog  änos'gay   %sifi,ü>VL  nsgüvxu. 
***)   Dieser  Ausdruck    erklärt  trefflich    die    to&sia    der 

Kentaureu.  312  ff.    Ov.  Met.  8,  553.   Hör.  c.  3,  29,  37.   Sil. 


1067         Kentauren  (rofsgestaltig)  Kentauren  (rofsgestaltig)         1068 

It.  4,  623  ff.  So  erklärt  sich  die  troische  und  (0.  Jahn,  Arch.  Ztg.  1862  S.  313  ff.  Taf.  167  f. 
vielleicht  auch  griechische  Sitte  (Gemoll,  EM.  E.  Curtius,  Berl,  Ak.  1876  S.  152.  Comut.  22. 
*.  d,  hom,  Ged.  3),  den  jjfijiiäpooi,  wenn  sie  an-  Eust.  z.  Dion.  Per.  431;  vgl.  Eur.  Ion  1261. 
geschwollen  und  gefährlich  waren,  lehende  Lehnerdt,  A.  Ztg.  1885  S.  105  fi.),  andererseits 
Tiere  (z.  B.  Pferde)  und  Kuchen  (in  Ge-  aus  dem  früher  als  Io  gedeuteten  Kopfe  eines 
stalt  von  Tieren?)  in  die  Wogen  zu  werfen  jugendlichen  Bergstroms  (Arch.  Z.  1874  S.  112; 
(vgl.  z.  B.  II.  &  132  vom  Skamandros,  der  oben  Bd.  1  Sp.  1489)  hervor.  Über  den  Zu- 
ganz als  xsifiuQQovs  zu  denken  ist,  Paus.  sammenhangderpferdefüfsigenSeilene(Quellen) 
10,  8,  10).  mitdenKent.  s.  Mitteil.  d.  arch.  Inst.  Böm.  Abt.  3 

k)  Die  Rofsge  st  alt  der  Kentauren  erklärt  io  (1888)  S.  169.  Übrigens  kommen  neben  den 
sich  wohl  am  besten  aus  dem  Vergleiche  des  Rofskentauren  {iitno-nivtavqoi)  hie  und  da  auch 
schnellen,  ungestümen,  sich  bäumen-  Eselkentauren  (övottsvxavgoi)  vor.  Vgl. 
den,  schnaubenden  und  schäumenden  Gramer,  Anecd.  Oxon.  4,  262,  20:  ovo-n.  ünb  xov 
Pferdes  mit  den  nozctfiol  %ti(iaggoi,  welche  eben-  czriftovs  ngog  zy  ueqiaXf)  av&ganog  ögüzui  xö 
falls  schäumen,  schnauben  und  ungestüm,  mit  S\  Xoinbv  bvog;  Hesych.  s.  v.  und  das  bvomv- 
hochgeheuden  Wogeu  (da,  wo  Unebenheiten  zctvga  genannte  Fabeltier  (Pgthag.  bei  Ael.h.  an. 
im  Bette  sich  finden),  raschen  Laufes  zu  Thale  17,9.  Man.  Phil,  de anim.propr.  1063ff.  C.I.Gr. 
strömen  (vgl.  Neumann, -Partseh,  Phijs.  Geogr.  6131b  (mit  Abbildung);  s.  Sp.  1056.  Auch  sonst 
v.  Gr.  255.  Curtius,  Berl.  Akad.  1876  S.  143).  ähnelt  der  Flufsgott  Acheloos  sehr  den  Ken- 
Man  denke  einerseits  an  den  bekannten  Ver-  20  tauren,  insofern  er  auf  schwarzfigurigen  Vasen 
gleich  der  Wogen  mit  Rossen  (ital.  cavalloni,  mit  dem  vollständigen  Oberkörper  eines  Mannes, 
engl,  white  horses;  Über  Land  und  Meer  mit  menschlichen  Armen,  Bart,  langen  Haar- 
Bd.  54  S.  702.  Brinkmann,  Metaphern  1,  299),  flechten,  Satyrohren-  und.  -Nase  (aber  mit 
andererseits  an  Gleichnisse,  in  denen  schnau-  Stierhörnern)  und  einem  vierfüfsigen  Stierleib 
bende,  rasch  dahinsprengende  Rosse  mit  den  ,,ganz  nach  Analogie  der  späteren  Ken- 
ytipaggoi  zusammengestellt  werden*):  II.  taurenbildung"  dargestellt  wird;  Lehnerdt, 
n  389  ff.  Vgl.  auch  spumosi  amnes  Verg.  A.  Arch.  Ztg.  1885  S.  105  ff.  u.  Taf.  6.  —  Gegen 
12,  524.  Ol'.  Met.  3,  571  spumeus  et  fervens  die  öfters  [nach  dem  Vorgänge  des  Palaipha- 
\torrens'].  ib.  1,280  ff.  Val.  El.  6,  390  f.  Curtius,  tos  1.  Plin.  n.  h.  7,  202.  Serv.  z.  Verg  Geo. 
Abh.  d.  Berl.  Akad,  1876  S.  143.  Hierzu  kommt  30  3,  115  von  Buttmann,  Mythol.  2,  221*.  O. 
noch,  dafs  in  Troja  angeschwollenen  Wildbächen  Müller,  Hdb.  d,  Arch,  §389.  Welcher ,  Ep. 
Pferde  geopfert  wurden,  zumal  da  diese  Cycl.  2,  217  mit  T9);  vgl.  auch  die  Litt,  bei 
Tiere  xmv  vdccxcov  xa  froXsqcc  xüvovei  und  <jpi-  Ebeling,  Lex.  Somer.  u.  'KivtavQoi'.  Tümpel.] 
Xolovxga  xki  cpiXvd'ga  sind  (Aristot.  de  an.  h.  W.  Müller,  Z.  Mythol.  d.  griech.  u.  deutschen 
8,  24).  Dieselbe  Opfersitte  ist  auch  von  den  Heldensage.  Heilbronn  1889.  S.  22  ff.  ausge- 
Persern  (Herod.  7,  113),  Parthern  (Tac.  ann.  sprochene  Deutung  der  Kentauren  als  Ver- 
6,  37),  Indern  {Philost/r.  v.  Ap.  Ty.  2,  19),  treter  eines  mythischen  Reitervolkes  macht 
Germanen  {Grimm,  Deut.  Myth.3  41.  89.  558  f.),  Wüamoicitz,  Euripides  Herakles  2  S.  124 
Slaven  (Ausland  1888  S.  744)  überliefert.  Die  mit  Recht  ihre  älteste  Bildung  mit  mensch- 
deutschen Wassergeister  nehmen  sogar  Rofs-  40  liehen  Vorderfüfsen  und  den  Umstand 
oder  Kentaurengestalt  an  (Simrock,  d.  M."  geltend,  dafs  sie  im  wilden  Waldgebirge 
469.  Bliiller,  Gesch.  d.altd.  Bei.  370  f.  Grimm,  D.  (wo  kein  Reitervolk  hausen  kann)  wohnen. 
J/.1  407.  Vemaleken,  Mythen  aus  Österr.  185.  Wenn  jedoch  Wilamoivitz  a.  a.  O.  gegen  die 
191).  Wie  die  Rosse  und  xsiP<xqqol  (Brunck,  Deutung  der  K.  als  Bergströme  behauptet,  dafs 
Anal.  2,  177,  31  laßgoitöäi]  %t ifiäggs.  Ben.  Dial,  die  Verwüstung  der  thessalisehen  Fluren  (Eur. 
10,  9,  2.  Verg.  A.  1,  317.  Sil  It.  2,  74.  3,  307),  'Herakl.  364ff.)  erst  eine  spätere  „Umbildung 
so  sind  auch  die  Kentauren  schnellfüfsig  und  Ausdeutung  der  Fabel  sei,  entstanden,  als 
(Hymn,  in  Merc.  225.  Isoer.  10,  26  A'.  xd%£i  das  Pferd  in  ihrem  Wesen  vorwog",  so  kann 
xai  era'«?;  dnvsyxövxsg.  Verg.  A.  7,  676).  Wahr-  man  dagegen  auf  Stellen  wie  Hom.  hy.  in  Merc. 
scheinlich  würde  man  sich  die  Kentauren  als  50  v.  224,  ferner  auf  die  alte  Sage  von  Nephele  als 
reine  Rosse  gedacht  haben ,  wenn  nicht  das  Mutter  der  Kentauren,  auf  ihr  Kämpfen  mit  aus- 
ihnen  zugeschriebene  Schleudern  von  Felsen  gerissenen  Bäumen  und  Felsen,  auf  ihre  teilweise 
und  Baumstämmen,  sowie  ihre  Geschicklich-  Pferdegestalt  u.  s.  w.  verweisen,  uralte  Charak- 
keit  im  Heilen  von  Wunden  (XsCqcov  von  terzüge,  die  sich  nicht  aus  der  von  W.  (nach 
%£ig;  s.  u.)  mit  Notwendigkeit  die  Vorstellung  dem  Vorgange  von  Vo/'s,  Blyth.  Briefe  2,  33 
menschlicher  Arme  und  Hände  erzeugt  hätte,  [71])  angenommenen  Deutung  als  „wilde  Wald- 
weiche  natürlich  wiederum  auf  die  Vorstellung  menschen"  sondern  eben  nur  aus  ihrer  Berg- 
eines menschlichen  Vorder-  oder  Oberleibes  stromnatur  erklären  lassen, 
führen  mufste  (vgl.  Eustath,  z.  II,  1051,  9  ff.).  1)  Wenn  in  dem  uralte  Anschauungen  ent- 
Dafs  man  sich  überhaupt  Flufsgötter  ken-  oo  haltenden  Hymnus  auf  Hermes  v.  224  die 
taurenartig  (mit  Stierleib  und  Menschen-  sonderbaren  Ful'sspuren  des  Hermes  den  un- 
kopf)  dachte,  geht  einerseits  aus  den  bekannten  geheuren  Fufsstapfen  eines  Kentauren  ver- 
Darstellungen des  Acheloos  und  anderer  Flüsse  glichen  werden  (baxi.g  xola  nsXiaga  ßißä  loci 

■nagnaXifioiBiv),  so  braucht  man  nur  an  die 

*)  „Der  ZoheniB-zkali  (=  Pfordeflufe)  in  Swanetien  furchtbaren    Löcher    und    Aufwühlungen    des 

Ji:U    diesi'n    ispmen    schon    im    Altertum,    wo    er     Innoz  r>i                     -ii                   iij.j.t         tut         j 

helfet.     Hat  er  den  Namen  erhalten  davon,  daft  er  hüpft  l,i°^S.    ?U    ^nken,    Welche    stets    den  Weg    der 

und  sich  gleichsam  bäumt  wie  ein  wildes  Kofs?"  C.  Halm  W  lldbächo    bezeichnen    (Fohjb.    4,    41). 

in  der  Beil.  .-.  Aiig.  Ztg.  1880  Nr.  235  S.  l.  in)  Vielfach  dachte  man  sich  die  Kentauren 


1069   Kentauren  (Räuber  u.  Mörder,  brünstig)  Kentauren  (ayoiot  etc.  Ärzte,  Jäger)    1070 


ebenso  wie  die  slawischen  Wasserdänionen 
(Ausland  1888  S.  744)  als  Räuber  und  Mörder 
(Xyozctl);  vgl.  Diod.  4,  70:  Tovg  Kivxuvqovg  ■  . 
ÖQficoixsvovg  I«  rrjg  (PoXörjg  lyfco&ai  zovg  tkxqiüv- 
tag  zäv'EXXr'irav  r.al  noXXovg  zär  TClQioinmv  äv- 
iXiiv.  Vgl.  nxichHesiod.fr.  110  Göttl.  und  Hom. 
Kdftivog  v.  17  ff.,  Hesych.  s.  V.  Kivxuvgoi.  InazaC. 
Gramer,  Anecd.  Par.  4,  60  üoy  sitpovzng 
....  Kai  oi  Kivzavpoi  ovrcog  imö  zivav  tcooo- 
rjyoQevdnouv  (=  äqysiotfovzai'i).  Eust.  in  IL  10 
102,  8.  Walirscheinlicb  gehört  hierher  der 
Kentaurenname  Aatpivg  ( =  latro),  wie  ich 
bereits  in  Fleckeisens  Jahrb.  1872  S.  426 
vermutet  habe.  Um  diesen  Zug  des  Mythus 
zu  verstehen,  brauche  ich  nur  an  die  zahl- 
reichen Dichterstellen  zu  erinnern,  in  denen 
von  dem  räuberischen  Charakter  der 
Wildbäche  die  Rede  ist.  Vgl.  z.  B.  Hör. 
c.  3,  29,  37:  stirpesque  raptas  et  pecus  et 
domus  volventis  una.  Verg.  Aen.  2,  499.  12,  20 
525.  Ov.  Met.  1,  286:  Cumque  satis  arbusta 
simul  pecudesquc  virosque  Tectaque  cumque  suis 
rapiunt  penetralia  sucris.  ib.  8,  550:  nee  te 
committe  rapaeibus  undis.  ib.  552:  Vidi  eonter- 
mina  ripae  cum  gregibus  stabula  alta  trahi. 
Tac.  ann.  1,  30  Signa  .  .  .  turbine  atque  unda 
(d.  i.  imbrium)  raptabantur.  Inc.  Poet.  b. 
Wernsdorf  P.  min.  3  p.  245  v.  25:  Saepe  domos 
etiam  saepe  addita  motnia  raptat.  Sil.  It.  4, 
522  ff.  Der  von  Herakles  gebändigte  Räuber  30 
Sauros  (Paus.  6,  21,  3  f.)  scheint  auch  einen 
Wildbach  zu  bedeuten. 

n)  Die  Lüsternheit  der  Kentauren  nach 
Weibern,  die  schon  in  den  ältesten  Sagen  her- 
vortritt und  später  die  Beziehungen  der  Ken- 
tauren zu  Eros  (s.  ob.)  und  zur  Päderastie  zur 
Folge  gehabt  hat*),  dürfte  sich  ursprünglich 
aus  ihrem  natürlichen  Verhältnisse  zu  den 
Dryaden,  den  Nymphen  der  von  deu  xfiiaiig- 
qoi  80  oft  bedrohten  und  fortgerissenen  Bäume  40 
und  Wälder,  und  zu  den  Naiaden,  den  Nym- 
phen der  Quellen,  die  in  den  Wogen  der  Flüsse 
und  Giefsbäche  verschwinden  (E.  Curtius  a.  a.  O. 
1225),  erklären.  Vgl.  aufser  Stellen  wie  II. 
Ai'äi.  Soph.Ant.  712  f.  Antipham.  8,138  Mein. 
Demosth.  in  Callicl.  10 — 14    p.    1274  ff.      Euer. 

1,  284.    Arr.  An.  6,  25,  5   u.   s.   w.    auch   die 
alte    sinnige    Sage    von   der   Errettung   einer 
solchen  von  einem  %£L(iaQpovg  bedrohten  Dryade 
durch  Arkas  (Eumelos  b.   Tsetz.  Lykophr.  480.  50 
Kinkel,  Ep.  gr.  fr.  1,  194;  vgl.  Schol.  Ap.  Eh. 

2,  477.  Schol.  Theoer.  id.  3, 13).  S.  auch  Brunck, 
Anal.  2,  177,  31,  wo  unter  den  von  dem  %ti- 
lidoQOvg  bedrohten  Nymphen  offenbar  Dryaden 
oder  Naiaden  zu  verstehen  sind.  Weitere  Be- 
ziehungen der  Kentauren  zu  den  Nymphen 
(z.  B.  zu  der  Philyra,  Chariklo,  Melie)  s.  unter 
q  Sp.  1071  f.  Auch  die  germanischen  Wasser- 
geister rauben  Jungfrauen  und  halteu  sie  bei 
sich  zurück  oder  überfallen  sie  mit  Gewalt  60 
(Müller,  Gesch.  d.  altd.  Bei.  374,  2).    Vielleicht 

*)  Vgl.  auch  die  Frauen  (Nymphen  ?)  raubenden  Ken- 
tauren (Fig.  5)  auf  alten  thrakischen  Münzen  (Imhoof-Blumer, 
Monn.  gr.  86.  Catal.  of  gr.  coins  in  the  Brit.  Mus.  Maced. 
147  ff.  Plln.  n.  7t.  36,  33:  'Centauri  Nymphas  gerentes  Arcesilae") 
und  die  rottigurige  den  Überfall  der  Iris  (s.  d.)  durch 
Kentauren  darstellende  Vase  Hellen.  Stud.  1  pl.  3.  Vgl. 
Arch.  Ztg.il,  347  T.  17  ff. 


hat  auf  diese  Vorstellung  von  den  K.  auch 
ihre  Auffassung  als  Alpwesen  mit  einge- 
wirkt; s.Iaistner,  D.Iiätsel  d.  Sphinx  1,  309  ff. 

O)  Dafs  die  dyqiozrig  (Eur.  Herc.  f.  364; 
vgl.  KEJTcn'ßixois-  äypoixcog,  äygiiag  Hesych. 
Arist.  ran.  38),  die  vßoig,  ävopCa  (Eur.  a. a. O. 
181,  Isoer.  10,  26.  Apostol.  9,  73),  endlich  die 
ßia  der  Kentauren  (vgl.  Soph.  Tr.  1096.  Stat. 
Theb.  6,  407)  sich  trefflich  aus  dem  natürlichen 
Charakter  der  Wildbäche  (vgl.  z.  B.  den  Boaygiog 
in  Lokris)  erklärt,  braucht  nicht  erst  im  Ein- 
zelnen bewiesen  zu  werden.  *) 

1>)  Sehr  merkwürdig  ist  es  endlich,  dafs 
auch  die  m  i  1  d  e  n  und  1  i  e  b  e  n  s  w  ü  r  d  i  g  e  n  Züge 
im  Charakter  einzelner  Kentauren,  namentlich 
des  Cheirou  (s.  d.),  sich  sehr  wohl  aus  der  Natur 
der  %agudgca  erklären  lassen :  ich  meine  dessen 
Beziehungen  zur  ärztlichen  Kunst  und  zur 
Jagd,  als  deren  Erfinder  und  Verbreiter  er 
in  vielen  alten  Sagen  auftritt.  Die  Funktion 
des  Cheiron  als  Arzt  und  Rhizotom  (vgl. 
Müller,  Hdb.  d.  Arch.3  §  389,  4.    Mannhardt, 

A.  W.  u.  F.  K.  47  f.)  hängt  offenbar  mit  den 
Heilkräutern  zusammen,  welche  im  Bereiche 
der  Kentauren,  namentlich  auf  dem  Pelion 
(vgl.  Dikaiarch  fr.  60  bei  Müller,  Fr.  hist.  Gr. 
2,  261  f.  Plin.  N.  H.  25,  94.  12,  31),  besonders 
aber  in  der  Pelethronischen  Schlucht  (Nik. 
Th.  505.  Anon.  in  Didots  Ausg.  des  Opp.  Nie. 
etc.  115  ff.)  und  überhaupt  in  den  juapadoM 
wachsen.  Das  gilt  namentlich  von  der  Wurzel 
des  Cheiron  (Xs igavog  gi^a,  Diosk.  3,  57  (50). 
Nik.  Th.  500  u.  Schol.),  auch  navänsiov  ge- 
nannt (Nik.  a.  a.  O.  508),  aber  auch  von  anderen 
Heilkräutern,  von  denen  Nik.  Th.  499  aus- 
drücklich sagt,  dafs  sie  gerade  an  denselben 
Stellen  wachsen,  wo  sich  giftiges  Gewürm  auf- 
zuhalten pflegt,  d.  h.  in  den  äqvuoi,  Xaaiwvtg 
und  ^afja'cVfjM  (vgl.  ib.  389  u.  489  ff.).  Das- 
selbe ist  der  Fall  beim  Elichrysos,  der  nach 
Diosc.  4,  57  tv  zqa%£Gi  v.ai  %c<qa&QO)dEGi  zoitotg 
wächst,  beim  Trisphyllon  (r)s  nov  iv  zprj%ovzi 
itaym  })  änoecpäyi  ßriooy  Nik.  Th.  521),  beim 
Strychnos  (bfioivvuog  zij  ttuvühi]),  der  sich  nach 
Theophr.  h.  pl.  9,  11,'  5  (vgl.  Nik.  Th.  878) 
iv  %agu&qa.ig  xci.  xoig  ixvijfiaotv  findet,  beim 
Agnos  (Chion.  fr.  2,  6,  2.  Mein.  Diosc.  1,  134), 
beim  Halimon  (Antiph.  fr.  3,  87.  Mein.  Diosc. 
1,  120)  u.  s.  w.  Das  Kivzavgiov  wächst  eben- 
falls in  der  Pelethronischen  Schlucht  (daher 
TttXt&oöviov  genannt)  oder  auf  der  Pholoe, 
dem  Sitze  der  Kentauren;  Diosc.  3,  8  (6).  —  Die 
Jagdlust  der  Kentanren,  die  besonders  häufig 
in  Vasenbildern  (vgl.  z.  B.  Jahn,  Yasens.  in 
München  573.  155.  380  etc.     Stephani,  Compte 

B.  p.  l'a.  1ST3  S.  99.  1807  S.  62  ff.  1862 
S.  71;  vgl.  auch  Opp.  Kyn.  2,  5  ff.  Meyer 
72.     78.     80ff.),    aber    auch    auf    dem    hoch- 

*)  Vgl.  Anlhol.  Gr.  9,  278,  3  /ff/iß  (■/tifiioQov)  umtos;; 
v.  6  (i?.oaugoü  /tü/nctto;.  Aisc/t.  Prom.  717  i&i;  <?'  'Vfigt- 
arijv  Ttotafxlv  ov  tpEväoyvvflov . . .  ov  yäg  eufiato;  nEoüv. 
Eerocl.  1,  189  nola/iü  vßoiaavti.  Themist.  or.  18  p.  221D 
710t.  aXatüva.  Die  Grabschrift  des  von  Herakles  gekreu- 
zigten, d.  h.  an  einer  Fichte  (nach  Art  des  Marsyas)  auf- 
gehängten AsboloB  (s.  oben  Sp.  1043)  lautete  nach  Fhilostr. 
Her.  p.  328  =  vol.  2   p.  214,  8    ed.  Teubn.t   "Aaßolo;  otke 

&ft~)V   ZQÜfJ.Ui)V    0711V    OUt     &V&QW7tWV  \   U&XOflOtO  XQ£[tC£Otb; 

Lijl1  tul-alto;  y.atü  Tteuy.i];  |  äy/siftcei  /(f')'a  öetTtvov  t}fte- 
tooffloig  y.oQÜr.eootv. 


1071   Kentauren  (Beziehungen  zu  Nymphen)  Kentauren  (Gesamt-  und  Einzelnamen)   1072 

archaischen  Halsband  (Fig.  10)  aus  Kameiros  fr.  tr.  gr}  S.  404—408.  Welcher,  I).  gr.  Trag. 
(Daremberg-Saglio,  Dict.  desant.  1,  1011  ff.  1285),  S.  848t').  Die  beiden  Namen  Okyroe  (=  die 
auf  dem  archaischen  Relief  in  Ince  Blundell  Hall  schnellfliefsende  Bergquelle)  und  Hippe  (Hippo) 
(Arch.  Z.  32,  31  Taf.  6),  auf  'hühattischen'  Ge-  lassen  keinen  Zweifel,  dafs  unter  der  Tochter 
fäfsen  {Jahrb.  d.  arcli.  I.  2,  41)  und  in  Gemälden  des  Cheiron  eigentlich  eine  Quellnymphe 
(z.  B.  des  Zeuxis;  vgl.  Fig.  14;  JBrwnn,  Künstlerg.  zu  verstehen  ist  (vgl.  die  Okeaniden  Hippo  b. 
2,  78.  Müller,  Hdb.3  §  389,  4)  dargestellt  ist,  Hes.  theog.  351  und  Okyxoe  b.  Hes.  theog.  351. 
hängt  nicht  blofs  mit  ihrem  Aufenthalte  in  360.  Hom.  hy.  in  Cer.  420.  Paus.  4,  30,  4  u.  s.  w. ; 
einsamen  Bergwäldern,  den  Sitzen  der  jagd-  vgl.  auch  die  Okeanide  Leukippe  hy.  in  Cer. 
baren  Tiere,  und  der  oft  zu  machenden  Be-  10  418.  Paus.  a.  a.  0.  Schoemann,  Opusc.  2,  148. 
obachtung  zusammen,  ^dafs  solche  Tiere  in  den  Vö'lcker,  Myth.  d.  Iapet.  Geschl.  146 f.  u.  s.  w.). 
XSiiidpQOi  und  ihren  Überschwemmungen  den  Dagegen  erklären  sich  die  Beziehungen  des 
Tod  finden,  indem  sie  in  den  Zweigen  der  Cheiron  zur  Philyra  und  des  Pholos  (s.  d.) 
von  den  Wildbächen  mit  fortgerissenen  Bäume  zu  einer  Melia  einfach  aus  dem  Wohnsitz 
hängenbleiben*)  (vgl. YogtinUb.Lamdu. Meer  dieser  Kentauren  in  Bergwäldern,  den 
Bd.51  S.  287.  lllustr.  Ztg.  1884  Bd. 82  S. 285  f.**),  Wohnsitzen  der  Baumnymphen.  Über  die 
sondern  erklärt  sich  auch  aus  der  grofsen  Be-  Kurotrophie,  welche  Cheiron  nach  Find.  P. 
deutung,  welche  die  zagäägai  im  trockenen  4,  103  (als  Quelldämon'?)  zusammen  mit  den 
Zustande  für  den  Jäger  haben;  denn  einer-  Quellnymphen  Chariklo  und  Philyra  (Hes.  Th. 
seits  sind  sie  die  natürlichen,  gebahuten  Pfade,  20  346  ff.  u.  Schal.)  ausübt,  ebenso  wie  der  Quell- 
auf denen  der  Hirte  zu  den  Alpen  (Scliol.  Nik.  därnon  Silenos,  der  Vater  des  Pholos,  das 
Tli.  28),  der  Jäger  zu  den  Schlupfwinkeln  der  Dionysoskind  pflegt,  vgl.  1\  A.  Voigt  in  der 
Jagdtiere  emporsteigt  (s.  oben  die  Sage  von  Allg.  Encylrf.  unter  'Kentauren'  S.  225. 
Arkas)***),  andrerseits  dienen  sie  diesen  selbst  X)  Gesamtnamen  und  Einzelnamen 
zum  sichern  Versteck  (vgl.  Hom.  hymn.  4,  124.  der  Kentauren.  Um  den  vielbehandelten  (vgl. 
Xen.  de  ven.  5,  16  u.  6,  5.  Suid.  u.  Zenob.  s.  Benseier,  Gr.  Eigcnu.  s.  v.  Buttmann ,  Le.vil. 
v.  ^ßpcögatog  Itcov).  2,  221.  Meyer,  Gandharreu  165),  aber  immer 
q)  Die  Beziehungen  des  Cheiron  und  noch  nicht  endgültig  erklärten  Namen  Ksv- 
Pholos  zu  Quell-  und  Baumnymphen.  tavgot  richtig  zu  verstehen,  rnufs  man,  glaube 
Die  Höhlen  und  Felsgrotten  (civzoa)  des  30  ich,  von  der  Erkenntnis  ausgehen,  dafs  die 
Pelion  und  der  Pholoe,  welche  die  natürlichen  Kentauren  Dämonen  der  Wildbäche  sind.  Da 
Endpunkte  der  £c:pß<5'o<u,  ßriaocti,  vän-q  (vgl.  diese  schon  bei  Homer  iv-txvloi  heifsen,  neben 
Find.  P.  3,  4.  Nik.  Ther.  440.  505.  Philostr.  welcher  Form  auch  tn-uvloq  (Hesych.)  und 
im.  2,  3  =  II  p.  343,  29 K.)  bilden,  galten  als  ^'n-avgog  Hesych.  (vgl.  auch  &v-avgog  und 
Wohnungen  des  Cheiron  und  Pholos  (Find.  avgov  pvaypövC.  171b.  Hesych.  ed. 31. Schmidt  1 
Pißh.  3,  63.  4,  102.  Isthm.  7,  41.  Theoer.  id.  p.  324)  erscheinen,  so  könnte  der  Name  Kiv- 
7,149.  Apollod.2,6,i.  Polyaen.  1,3, 1.  Hesych.  ravgog  recht  wohl  mit  avl-äv  (vgl.  Si-avX-og) 
s.  v.  uvtö%&cov  lazia.  Bursian,  Geogr.  von  =  Schlucht,  Hohlweg  etc.  (also  einem  Syn- 
Griechenl.  1,  97).  Da  nun  in  solchen  Höhlen  onymon  von  xagadga)  verwandt  und  mit  v.sv- 
häufig  Quellen  entspringen  (Od.  13,  103.  Find.  40  rsti»,  stechen,  durchstofsen  zusammengesetzt 
F.  4,  103.  Theoer.  7,  136f.  lerg.  A.  1,  166.  sein,  so  dafs  vJvxavoog  eigentlich  einen 
Dion.  Hai.  a.  B.  1,  79.  Paus.  10,  32,  5  u.  7.  durch  das  Stofsen  und  Drängen  seiner  Wellen 
Philostr.  a.  a.  O.  Q.  Smyrn,  6,  470 ff.  Porphyr.  Schluchten  und  natürliche  Kanäle  hervor- 
de  antra  ny.  6  u.  7;  vgl.  auch  die  ävzgidäss  bringenden  Bach  bezeichnen  würde  (vgl.  die 
vvfiqiai  b.  Preller,  Gr.  M.'-  1  S.  567  u.  569,  Ausdrücke  SiUY.67tT.ta,  diaggi',aato  und  [i-/.]xu- 
3),  so  dachte  man  sich  die  Kentauren  auch  gaögovv,  die  von  Wildbächen  gebraucht  wer- 
zu  Quellnj'mphen  und  Quelldämonen  den).*)  Die  Einzelnamen  der  Kentauren  (vgl. 
(den  pferdefüfsigen  Silenen)  in  naher  ver- 
wandtschaftlicher Beziehung  Stehend.  So  er-  *)  Vgl.  tvtitsiv  von  den  ein  Gebäude  zerstörenden 
klären  sich  wohl  am  einfachsten  die  Sagen  50  Ken"»"-™  bei  Hom.  epigr.  14.  XagaSQova&tu  Hemd,  bt- 
von  Pholos  als  Sohn  des  Seilenos  ,  von  der  ?«?«*?»»»  ^  tm*t*at,  b.  Balyb.  4,  41,9:  x^aggov, 
Najade  Chariklo  (s.  d.),  der  Gattin,  und  von  t6£v? f/J^.,  t/Qov;a  ä{  nüv  yho;  Si,s  xai  Y,1; 
Ukyroe  (Oe.Met.  2,  636Ü.  fiha  centaurt,  quam  xai  xi&ur,  tm/wosi;  äh  Ttowv.usvov  t,f).ir.ainai ,  äat' 
quoiidam  nympha  Chariclo,  \  fluminis  in  rapidi  AUoiovv  1%-iots  xal  /ur,6i  yivdiaxsiv  lr  ßga/tZ  xgivqi 

ripis    enisa     VOCavit    |    Ocyroen) ,     der    Tochter  roii,   avtov;  rijtov;.     Plut.  C.  Gracch.   7:    /eifiaogoi    äti- 

des  Cheiron.  die  in   ein  Bofs  verwandelt  und  xontov.   Schal.  Eur.  0r.  1377 :  tip  yt/r  diaQQi'jooovoi. 

demzufolge  Hippe  (s.  d.)  oder  Hippo  benannt  phUo  *■  i{f9-  *>>°t>ov  p.  265  Bernays:  näpvxt  ylgr,  S6a- 

worden  sein  sollte.    (Ov.  a.  a.  0.  675;  vgl.  die  T°;  «T*  *°i  ?'*"'?*, .""" ,  "f^ot^v  xa-tagaviavo« 

-r\                                    tJ       .    .1     1   ii/7       •          1       -Kr        7  Ta    M*v    £*oj<reiv    tr,  ßia   tu    ob   toi    oivs/si  tun-  ipsy.a- 

Fragmente  von  Eunpides  Melamppc  b.  Nauclc  iatfml&mmaa  y.Ja\vilv.    Ähnlich  gebraucht  der  La- 

*)  Geradeso  hängen  die  von  den  Kentauren,  nament-  ^0  teiner     die     A'erba    percutere    und    secare     von     Flüssen. 

Hch  von  Cheiron,  erjagten   Tiere    an    den   von   ihnen  ge-  Vgl.    Forchharimter,    Erkl.    d.    Ilias    9  f.     Hinsichtlich    der 

schulterten  Bäumen.  obigen  Etymologie  von  Ksrr-avooz  ist  noch  zu  bemerken, 

**)  Vgl.  auch  Ausland  1S8S  S.  744,  wo  von  den  grolsen  dafs   avZwv  nach  Curtius,   Grdz.5  3S7  u.  646  ebenso  wie 

Herden  ertrunkener  Pferde,  Kühe,  Schafe  und  Schweine  uuXlg    von  "Wurzel    au    oder   ob   abzuleiten   ist.     Da   nun 

die  Rede   ist,    welche    den   slavischen  "Wassergeistern  ge-  nach  G.  Meyer,  Gr.  Gr.   %  160  ff.  o  gewöhnlich  in  ).  (nicht 

hören.  umgekehrt  1)    übergeht,     so    ist    entweder    in   KivravQo;, 

***)  Vgl    Ausland  1891   S.  436°:  „Die  inneren  Verbin-  Kjtavaos  u.  uravooz  die  ältere  Form  -uv(tog  tax  -txvZog  er- 

dungswege  [Miriditiens]    sind  im  besten  Falle  die  Wild-  halten,   oder    dieses  -aUQog  ist  mit  Suffix   -qoz,   HvavXog, 

bäche."  auXtov   etc.   aber  mit  Suffix  -Xog  (Xojy)  gebildet.  —  Ganz 


1073         Kentauren  (Einzelnanien)  Kentauren  (Litteratur)  1074 

Ov.  Met.  12,  220  ff.)  habe  ich  ausführlich  in  Attribut  der  Fackel  (vgl.  Meyer,  Gandharven 
Fleckeisens  Jahrb.  1872,  421  ff.  behandelt.  Sie  78,  80.  Äel.  v.  h.  13,  1):  Gryneus,  Pyrakmos, 
lassen  sich  in  folgende  Gruppen  teilen:  11  direkt  Pyraithos  (Pyretos).  —  7)  Auf  individuelle  Eigen- 
auf Flufsnatur  hinweisende  (Eurytos,  Rhoitos,  schaffen  geben:  Asbolos  (wohl  einen  dunkel- 
Rhoikos,  Klanis,  Krenaios),  —  2)  solche,  die  sich  haarigen  Kentauren  bezeichnend,  vgl.  On.  Met. 
auf  die  Rofsgestalt  beziehen  (Hippasos,  Chro-  3,  218),  Melaneus,  Melanchaites,  Phaiokornes, 
mis,  Monychos,  Eyllaros),  —  3)  solche,  die  das  Pyrrhos*),  Irnbreu»,  Aphareus,  Peisenor,  Or- 
lärmende  und  geräuschvolle  Wesen  der  Ken-  neios,  Perimedes,  Dexamenos  (?),  Cheiron  (vgl. 
tauren  oder  Wildbäche  bezeichnen  sollen  (Du-  xngi£u>,  fic/Xa^oyjtg,  o'iiS^fip,  r)niag  xilgcts  tsl- 
pon  ,  Erigdupos,  Homados,  Teleboas  [zugleich  10  vat  von  Asklepios  als  Arzt  gesagt  Herodas 
Flufsnarne!],  Biomos,Nessos[auch  Flnfsname!]),  mimi.  4,18;  mehr  b.  Maafs,  Ind.Sehol.  Gryphisw. 
—  4)  Namen,  die  sich  auf  ihren  Wohnsitz  in  1890/91  S.  Xff).  —  8)  Gewöhnliche  Namen  sind: 
Bergen,  Wäldern  oder  an  bestimmten  Orten  Amphion,  Eurynomos,  Medon,  Echeklos  (Ov. 
beziehen  (Hyles,  Hylaios,  Hylonome,  Petraios,  Met.  12,  450).  'Für  Hodites  (Ov.  Met.  12,  457) 
Chthonios  [vgl.  Besych.  kvtox&oiv  toria.  Theoer.  ist  wohl  Orites  (vgl.  Oreios),  für  Isoples  (Diod. 
id.  7,  149],  Peukeidai,  Elatos,  Daphnis*),  Drya-  4,  12)  vielleicht  Isokies,  für  Argeios  (ib.)  wohl 
los,  Oreios,  Orosbios,  Phlegraios,  Abas,  Elops,  Agrios  zu  schreiben.  [Für  Kentaurinnen  er- 
Elymos,  Pholos,  Thaumas,  Argeios,  Phrikios  scheinend.  N.  Hylonome,  Dia  und  selbst  Hippo- 
(vgl.  den  Bach  ^pi'fos),  Pylenor),  —  5)  Namen,  dameia  (s.  o.  Dr.  I  u.  IIa),  als  rofsgestaltig 
die  sich  auf  den  wilden,  rohen  Charakter  der  20  Hippe  (-o),  wohl  auch  Chariklo  und  Okyroe 
Kentauren  beziehen  und  zum  Teil  von  wilden  (s.  o.  nr.  IS  a.  E.).  Tümpel.] 
Tieren  (Curtius,  Äbhand.  d.  Berl.  Ah.  1876  XI)  Litteratur.  In  erster  Linie  ist  hier  die 
S.  143)  entlehnt  sind:  Demoleon**),  Lykotas,  Ly-  reichhaltige  und  sehr  gediegene,  von  mir  in  den 
kabas,  Lykos,  Lykidas,  Ophion,  Bianor,  Iphinoos,  ersten  Abschnitten  viel  benutzte  Schrift  von  El. 
Mermeros,  Apheidas,  Styphelos,  Latreus  (vgl.  H.  Meyer, Gandharren-Keidauren,  Berlin  18S3  u. 
XißCTTqg),  Arktos,  Agrios  (vgl.  deiiFlufs  'Aygiavrn),  desselb.  Achilleis  ebd.  1887  S.  447f.  zu  nennen 
Phrixos  (=  Phrikios?),  Mimas***).  —  6)  Kriege-  (vgl.  meine  Rezension  in  den  Gott.  gel.  Ans.  1884 
rischen  Sinn,  Kampf-  und  Jagdlust  deuten  an:  S.  144  ff.),  aufserdem  Welcher,  Kl.  Sehr.  3.  3 ff., 
Antimachos.  Areios,Dorylas,Am}'kos,Nedymnos,  Kuhn,  Z.  f.  vgl.  Spr.  1,513.  Mannhnrdt,  Wald.-  u. 
Rhipheus,  Diktys,  Therensf).  —  Einige  gehen  so  Feldkulte  S.  88;  lOlf.  Die  Stromnatur  der  Ken- 
vielleicht  auf  die  Bewaffnung  der  Kentauren  tauren  vermutete  zuerst  Klausen,  Aeneas  495ff. 
mit   Feuerbränden    oder    auf  das    dionysische  (vgl.  auch  Preller,  Gr.  M.-  2,  16.    Wieseler  in 

Ersch  u.  Grubers  Enc.  1,  67  S.  183 b.    Rascher 

andere  Etymologieen  haben  aufgestellt:   Kuhn,   Zeitsdlr.  1,  in  FlcckeisenS  Jahrb.  1872,  421  ff.    Gült.   (Jil.AnS. 

513ff.   und   El.    H.    Meger  a.  a.    O.  S.  lff,    der    an   etymo-  a    a    Q.      Berl.   Philo!.    Wochenschr.    1885  S.    1  ff. 

logische  Verwandtschaft  mit  dem  indischen  Gandharm  18g7  g  1506ff  .  ahnlich  F.  A.  Voiqt  in  ElSCh 
denkt,   von    Fick,  Sprach?/  iuif.it    lrj3    aber    zurechtgewiesen  ri       i.  -r?         tt    „r   n    cc ,  a:     i         '        i         t- 

■  ■,     ,  „,  .  ,    T    „  .  *  u.   Grubers  Enc.  II,  35  S.  224fl    der  in  den  K. 

wird;    ferner   von    Christ,    Lautlehre   2(8:    xevtag  Co;    von  .....  '  ,  _,.,  A        .. 

scr.  arvan-Henner,   endlich  von  L.  Laistner ,    D.Rätsel  ,1.  wie  m   den  lhnen   verwandten  Sllenen   Quell- 

Sfhinx  1,  313ff.  Ztschr.  f.  d.  Ssterr.  Gymn.  1891  S.  711ff.,  dämonen  erkennt),  während  Meyer  und 
der  xsTtauQtov  (=  Erdgalle)  ebenso  wie  xivtavgog  von  40  Manrthardt    die   Kentauren   als  Winddämonen 

Wu.  quend,  queneih  beifsen,  ableiten   will  und   in  y.tv-  erklären,    eine   Deutung,   bei    welcher  freilich 

tavQtov  eine  „beifsende  bittere  Wurzel",  in  xcvtavQo;  Y[e]e  Züge  des  Mythus,  Z.  B.  die  Sterblichkeit, 
ein     beifsendes    Tier"    (vgl.    xvtiäctXor,    xfraöos)    erkennt.  k&     Zahl      Flägellosigkeit   der    (echtgriech.) 

Die   Alten    leitexen    dagegen    den   Namen    K&vtavpot    ge-  rr      l  j        o    i  1       j  p         r?   l  j 

-..,   u,      „         „ ..      ,       -         .,„      ,       -  -  ,    .  Kentauren,  das  Schleudern  grolser  reisen,  der 

wohnlich    von   XBVtEtv   und   tauQOS   ab  (Benseier,    Warterb.  ,,  „      . '.  .    ,_  ,  ^    .      ,  ,        T        .\, 

d.  gr.  Eigennamen  l,  6«  u.  Ebeiing,  Lex.  Homer,  u.  '  Kh-  Kampf  mit  den  als  Menschen  gedachten  Lapithen 

■tavgoi'),    erblickten    also    in    ihnen    entweder    Stier-  (s.d.),  die  mehrfache  Identität  von  Kentanren- und 

jäger  (vgl.  dagegen  namentlich  31.  Mayer  im  Jahrb.  d.  Flufsnamen,  die  Trinklust,  endlich  die  lokale 

archüoi.  Lnst.  1892  S.  78f.),  obwohl  eine  derartige  Funk-  Beschränkung  auf  Gebiete,  die  notorisch  nicht 

tion  der  K.  weder  in  der  älteren  Litteratur  noch  in  der  durch  Winde,  sondern  durch  Wildwasser 
älteren  Kunst  sich   sonst  nachweisen  läfst,   oder   nai-  50  yerheert    werden**),    unverständlich    bleiben 

OBoaotat    (s.   oben  VIb).      Viel    eher    hätten    die   Alten  /       -,      „   t  •!.*.,.  „j.        v.      71  r  ~     r\     ö     ae\ 

™  -a:  i,«„i    „  t  er     L       >     ■    1      •   ■■  ,    1    „r  (weitere  Litteratur  b.  Meyer  a.  a.   O.  S.  2 1.). 

im  Hinblick   auf  Besuch,   ai'oot-  layot   taavooi   (vgl.   M.  v       -t^^t,  ,^.     _.,.,,  *  „  ' 

Schmidt  z.  d.  st.)  mit  Bezug  auf  die  an  den  von  den  XI1)  Dle  Entwiekelung  des  Kentauren- 
K.  geschulterten  Bäumen  hängenden  HaBen  einen  Zu-  ideals  in  der  bildenden  Kunst.  Die  Ver- 
sammenhang mit  diesem  "Worte  vermuten  können.  Über  bindung  von  Menschen-  und  Tierkörpern  zuselt- 
die  andere  alte  Etymologie  des  Nephele-Ixiou-M.vthos  samen  Mischwesen  war  lange  vor  der  Ent- 
von  xertsiv  avgav  =  asniav  vttpilyv  s.  o.  nr.  i  a.  E.  u.  stehung  einer  eigentlich  griechischen  Kunst 
Eust.  ad  II.  102,  20. 

*)  Vgl.  die  Flufsnamen  'YXias,  "Yiai&og,  Jauno;,  *)  Vgl.   damit    Flufsnamen   wie    Me).u;,    MoXo;, 

Jaipvoü;,  &sXXlag  (von  (psV.f'j;  =  Korkeiche) ;  Angermann,  MoZoBtc;,  t/>oii'U,  Sav&oz. 

Progr.  v.  ileijsen  1883  S.  13.  **)  Ganz  besonders  spricht  dies  gegen  Meyers  Wind- 
**)    So    wird    z.  B.    der    nemeische    Löwe    mit    einem  60  hypothese,    dafs  reine  Ostwinde  in  Griechenland  über- 
durch    Überschwemmungen     verheerenden    Flusse     ver-  haupt   nur   eine    ganz  untergeordnete  Balle  spielen  (Ab- 
glichen 'Theoer.  id.  25,  201  itävra;  füg  rtusr\ae  bltxXifyiv  mann-Parisch,    Plnjs.  Geogr.    u.  Gr.  118.     Jsambert,  Itin.b), 
nota^dj;  in;  (XI;  äf.toto;  y.toü'Cs).  so  dafs,  wenn  wirklich  die  thessalischen  Kentauren  Wind- 
***)  ParaUele     Flufsnamen     sind:     Kängog,     Jiur,  dämonen  wären,  ihr  Wohnsitz  auf  dem  Pelion  im  Ost en 
^ivxoofta;,    Avxo; ,    '0(pt;,    Vqjioü;,      Taüoo;,     "EX.uipo;,  Thessaliens  ganz  unbegreiflich  wäre.    Überhaupt  zeichnet 
Boaygtog,    Tgayo;   u.  s.   w.      Angermann    a.  a.  O.    S.  9  ff .  sich  Thessalien  durch  zahlreiche  Üb  erschwemmungeu 
jB.  Curtius  a.  a.  O.  S.  1228.  und    als    Kesselthal    durch    verhältnismäfsige    Windstille 
t)   Mit  dem  Kentauren  Thereus    vgl.   den  Flufs  t)i\-  aus:  Lucan.  Fhars.  6,  341  ff.  370.  Seil.  Q.  nat.  4,  8.  Neumann- 
gnv,  mit  Antimachos  u.  s.  w.  den  Fluls  'OrtXttJi;.  Partseh  a.  a.  O.  S.  146. 


1075   Kentauren  (Entwicklung  d.Kent. -Ideals')       Kentauren  (Entwicklung d.  Kent.-Ideals)    1076 


im  Orient  so  oft  und  so  mannigfach  vollzogen 
worden,  dafs  es  schwer  fällt  in  der  Kentauren- 
bildung eine  völlig  selbständige  Leistung  der 
griechischen  Kunst  zu  sehen.  Andererseits 
darf  die  Existenz  selbst  des  ausgebildeten 
Kentaurentypus  in  der  babylonischen  Kunst 
(vgl.  Perrot  3  S.  604,  wiederholt  ob.  Sp.  1055. 
E.  H.  Meyer,  Gott.  Gel.  Ans.  1888  S.  146*) 
nicht  zu  der  Annahme  verleiten,  dafs  die 
griechische  Kunst  den  Kentaurentypus  als  10 
solchen  fertig  aus  dem  Orient  entlehnt  haben 
müsse.  Aus  schwachen  Reminiscenzen  jener 
reichen  Gestaltenwelt  und  fast  ganz  von  vorn 
beginnend  hat  die  griechische  Kunst  sehr  lang- 
sam ihren  Kentaurentypus  entwickelt.  Der 
sog.  geometrische  Stil  verbindet  den  vollstän- 
digen Menschenkörper  mit  einem  hinterwärts 
ganz  unorganisch  ansetzenden  Pferdeleib.  Auf 
dieser  ersten  Stufe  der  Entwicklung  stehen 
die  rottonigen  Vasen  mit  geprefsten  Reliefen  20 
aus  Kameiros  (Salzmann,  Necrop.  de  Com.  26  f., 
oben  [Fig.  3]  wiederholt  nach  Milchhöfer,  Anf. 
d.  K.  Fig.  48),  an  deren  Typus  sich  auch  die 
hauptsächlich  in  Sicilien  gefundene  ,,red-ware" 
(vgl.  Löschcke,  A.  Z.  1881,  40  ff.)  und  die  etrus- 
kiseken  Buccherovasen  (s.  unter  VII  Kent.  im 
Orcus),  sowie  Goldreliefe  von  Athen  und  Ko- 
rinth  (A.  Z.  42  Tfl.  9,  1;  8,  1)  anschliefsen. 
Auch  der  Kentaur  Carapanos, 
Dodone  19,  5  gehört  dem  geo-  30 
metrischen  Stil  an,  dessen 
feinste  Spielart,  den  „Dipylon- 
stil",  die  Bronzestatuette 
Olympia  4,  13,  215  vertritt. 

In  verschiedenem  Sinne 
haben  dann  neue  orientalische 
Einflüsse  eingewirkt.  Schon 
das  kyprische  Figürchen  eines 
gehörnten  Kentauren  (s.  d.  Ab- 
bild.) wird  man  sich  so  er-  40 
klären  müssen.  Die  Kentauren 
mit  Jagdbeute  auf  den  Gold- 
plättchen  von  Kameiros  (Salg- 
man.11,  Kecrop.  d.  Camirus  1, 
s.  die  Abbildung  10)  erinnern 
sowohl  inhaltlich  als  formell  an  orientalische 
Vorbilder  (so  z.  B.  Penot  2  S.  281 ,  F.  114) 
während  die  au  die  Dipylonvasen  anknüpfen- 
den „frühattischen"  Vasen  (Jb.  d.  I.  2  Tfl.  4) 
im  Typus  sich  selbständiger  zeigen  und  grie-  50 
chischer  wirken.  Wie  die  von  orientalischen 
Vorbildern  sich  allmählich  lossagende  Kunst 
Kentauren  bildet,  zeigt  das  Bronzerelief  von 
Olympia  (s.  Fig.  4  unter  III  Herakles'  Kentauren- 
kampf), dessen  Typus  jedoch  bei  weiterem 
Fortschritt  zu  naturalistischer  Darstellung  auch 
zu  keinem  besseren  Resultat  führte,  als  den 
liebevoll   ausgeführten  Kentaurenbildchen   der 

*)  Höchst  merkwürdig  ist  der  bisher  unerklärte  Typus 
des  dahiusprengenden,  den  Wagen  eines  Gottes  (?)  ziehen-  $0 
den ,  menschenküpfigen  Kosses  [cheval  androcepliale)  auf 
zahlreichen  altgallischen  Münzen ,  die  man  am  voll- 
standigsten  bei  Euqm  Elidier,  L'art  Gauloi*.  Paris  1SGS  bis 
1873,  I  p.  7.  38.  41f.  G0f  93.  II  Taf.  1.  6.  9.  14.  15.  16.  27. 
29.  ül  u.  s.  \v.  findet:  Tgl.  Head,  HisL  niim.  p.  D.  Ganz 
ahnlich  ist  die  Gestalt  des  oroxivtavqa  (s.  d.)  genannten 
Fabeltieres,  von  dem  bereits  Pythagoras  und  Krates 
gesprochen  haben  soUen  (Aetian  d.  nat.  an.  17,  D.  C.  I. 
Gr.  0131  b  m.  Abbildung).     Koscher. 


9)  Kyprischer,  ge- 
hörnter Kentaur 
(nach  Arcli.  An;. 
1880  S.  88). 


„protokorinthischen"  Vase  A.  Z.  41  Tfl.  10, 
wo  die  Mängel  des  Organismus  durch  die  An- 
wendung verschiedener  Farben  für  Tier-  und 
Menschenleib  noch  drastischer  vor  Augen  ge- 
führt werden.  Eine  bessere  Gesamtwirkung 
erzielt  sogar  das  sorglos  gearbeitete  Bild  I. 
H.  S.  1,  1.  Die  besten  und  jüngsten  schon 
dem  6.  Jahrh.  angehörenden  Vertreter  dieses 
älteren  Kentaurentypus  sind  zwei  Bronzen  von 
der  Akropolis ,  die  eine  abgebildet  bei  Hofs, 
Arch.  Aufs.  1  Tfl.  6,  die  andere  erwähnt  Ath. 
Mut.  1888  S.  108;  die  etruskische  Bronze 
M.  d.  I.  2,  29  (Fig.  11,  wiederholt  nach  Barem- 
herg-Saglio  Fig 
1283)  scheint  eine 
barocke  Umbil- 
dung dieses  Typus. 

Wann  und  wo 
dieser  Weg  ver- 
lassen und  die 
Unterordnung  des 
menschlichen  unter 
den  Tierleib  zuerst 
versucht  worden 
ist,  wissen  wir 
nicht;  schwerlich 
war  es  schon  am 
Kypseloskasten  ge- 
schehen, aus  dessen 
Beschreibung  bei 
Paus.  5, 19, 9  nichts 
Bestimmtes  folgt. 
Beide  Formen  ver- 
einigt finden  wir 
auf  dem  Fries  von 
Assos,  der  obeu  in 
die  erste  Hälfte  des  6.  Jahrhunderts  gesetzt 
wurde  (M.  d.  I.  3,  34.  ClarJce,  Investigations 
pl.  15.  20),  der  Francoisvase  (Fig.  1),  auf  der  nur 
Cheiron  mensehenleibig  ist,  der  allerdings, 
im  Unterschied  von  der  Masse  der  Kentau- 
ren, bis  in  die  spätere  Vasenmalerei  hinein 
diese  Gestalt  behält  ;z.  B.  Heydemann,  Gr.  Vh. 
7,  1.  M.  d.  I.  1,  37.  Schulz,  Amazonenvase  1 
und  vgl.  Cbeiron)  und  dem  kyrenäischen  Deinos 
A.  Z.  39  Tfl.  11  f.  Archaische  Gemmen  zeigen 
nur  den  entwickelten  Rofsleib  (A.Z.  41  Tfl.  16, 
16  und  noch  freier  A.  d.  I.  1885  t.  G  H  31. 
32);  ihnen  schliefsen  sich  die  oben  Sp.  1052 
citierten  makedonischen  Münzen  an.  Jeden- 
falls sind  beide  Formen  geraume  Zeit  neben- 
einander hergegangen;  auch  hat  man  es  ge- 
wagt, den  menschlichen  wie  den  Pferdeleib 
mit  Hufen  zu  versehen  (Fig.  2),  was  sich  aus  der 
ursprünglichen  Wesensgleichheit  vonKentauren 
und  Silenen  erklärt:  .4.  d.  I.  1863,  Tav.  E. 

Mit  dem  Ende  der  archaischen  Zeit  ist  der 
Sieg  der  Rofsgestalt  entschieden,  ihre  Durch- 
bildung jedoch  noch  nicht  vollendet;  bis  in 
die  Blütezeit  hinein  bleibt  die  Formbehand- 
lung eine  unsichere.  Sehr  deutlich  zeigt  dies 
ein  Relief  in  Ince  Blundell  Hall  (Michaelis, 
Aue.  Marlies  Ince  267  fig.  4  und  A.  Z.  1874 
Tfl.  6),  wo  die  Verbindung  von  Menschen-  und 
Rofsleib  vollkommen  mifsraten  ist  und  das 
Unorganische  auch  dieser  Verbindung  em- 
pfinden läfst  Glücklicher  sind  in  dieser  Hin- 
sicht  die   Kentauren    des    olympischen  West- 


10)  Goldschmuck  von  Kamei- 
ros (nach  Daremberg-Saglio 
Kg.  12S5). 


1077  Kentauren  (Entwicklung d.Kent. -Ideals)      Kentauren  (Entwicklung d.Kent. -Ideals)   1078 


giebels,  die  freilich  im  übrigen  durch  Gewalt- 
samkeiten  und   Härten    der  Formgebung   und 
Bewegung  stören,    während   die   Köpfe,    teils 
von  dem  wilden  Ausdruck  des  eben  erwähnten 
Reliefs,  teils  starr  und  maskenhaft,  das  Ringen 
nach    einer    Idealbildung    deutlich    bekunden. 
Ähnlich,  wenn  auch  etwas  milder,  sind  die  Ken- 
taurenköpfe  des   Theseionfrieses    (s.  Kaineus), 
während  die  Leiber  hier  wie  bei  einem  grofsenTeil 
derParthenonmetopen(Fig.  12)  noch  die  oben  er- 
wähnte unorganische  Bildung  aufweisen,  die  sich 
allerdings  öfters   auf  ein   wulstiges   Rudiment 
an  der  Verbindungsstelle  im  Rücken  reduciert; 
daneben  finden  sich  aber  auch  zum  erstenmale 
die  vollendetsten   Gebilde   (Anc.  31.  7,  3.  5.  9. 
10).    Dem  entsprechend  finden  sich  neben  den 
edelsten    Kopftypen,    die   nur   durch    das    zer- 
zauste Haar  und  den  Schmerz  einen  Zug  von 
Wildheit  erhalten    (Anc.  31.  7,  1  (s.  d.  Abb.). 
12.    17),    solche    voll    wildester    Grausamkeit 
(ibd.  8.  13),  zum  Teil  gleichsam  stilisiert  zu 
jenem  von  Olympia  her  bekannten  masken- 
haften Typus;  bei  anderen  ist  das  Tierische 
als  solches  wie  in  der  Aktion  auch  im  Kopfe 
betont  (s.  besonders  den  silenhaften  Kopf  ibd. 
11).     Der  Phigaleiafries  (s.  Kaineus)  ist  in 
dieser  Betonung  des  Tierischen  konsequenter 
und  voll  geistreicherEinzelheiten,  wennauch 
weniger  edel.     Zwei  Kopftypen  herrschen 
vor:  der  eine  sucht  das  Tierische  durch  den 
verwilderten  Ausdruck   des   Gesichtes   und 
das  flatternde  Haar  darzustellen,  der  andere 
nähert   sich   dem    Silenstypus,   indem    zum 
Glatzkopf    die   Tier-    (und    zwar    Pferde) 
Ohren  treten  (Stackeiberg  23.  Anc.  31.  4,  3; 
vgl.  die  Parthenonmetope  ibd.  7,  11);   die 
Stumpfnase   (s.   d.   Irisvase   J .    H.   S.    1,  3 
u.  oben  Sp.  345/346)  läfst  sich  jedoch  nicht 
ein  einziges   Mal  nachweisen. 

Das   in  Pheidias'   Umgebung   sicher   im 
Anschlufs  an  die  Schöpfungen  der  grofsen     .- 
Malerei  vollendete  Kentaurenideal  hat  zu- 
gleich mit  dem  Stoff  die  jüngere    Malerei 
in  anderem  Sinne  weitergebildet.     Die  er- 
wähnte Irisvase  hatte  den  unholden  Wesen 
eine    harmlose    Seite   abgewonnen,   indem   sie 
wohl  die  Lüsternheit  beibehielt,   dagegen   die 
freche   Gewaltsamkeit   milderte.      Von    einem 
anderen  Gesichtspunkte   aus   schuf  die  Tafel- 
malerei eine  zwar  nicht  im  Sinne  der  Pheidias- 
schen  Gestaltungen  innerlich  notwendige,  aber 
höchst  sinnreiche  und  liebenswürdige  Weiterbil- 
dung des  Kentaurenideals.    Zeuxis  erfand  den 
Typus  des  Kentauren  weib  es*)  und,  iudem  er 
„im  Widerstreit  mit  der  bisherigen  Kunstübung 
von  dem  Begriffe  des  Halbmenschlichen  aus- 
ging" (Brunn,  Pliilostr.Gem.  S.266),  schuf  er  das 
anmutige,  die  idyllische  Auffassung  einer  spä- 
teren Zeit  ankündigende  Bild   der  Kentauren- 


mann,  Terracotten  im  3Iuseo  Nagion.  z.  Neapel, 
7.  Hallesches  Winckelmannsprogr.  S.  12  ff.  und 
d.  Abbild,  einer  Florentiner  Gemme  Sp.  1079). 
Hinsichtlich  der  malerischen  Behandlung  rühmt 
Lukian  aufs  höchste,  wie  gut  Zeuxis  trotz  des 
Lächelns  die  Wildheit  in  dem  alten  Kentauren 
getroffen  und  wie  vorzüglich  er  die  Misch- 
gestalt bei  der  Kentaurin  dargestellt  habe.  Wie 
weit  in  letzterem  Punkte  koloristische  Fein- 
lü  heiteu  mitwirkten,  ist  nicht  sicher;  das  Ge- 
mälde des  Philostrat  2,  3,  das  auf  bedeutende 
Nachwirkung  des  Bildes  in  der  späteren  Malerei 
schliefsen  laust,  und  der  zweifarbige  Cheiron  des 
pompejanischen  Wandbildes  Heibig  202  (Bonos 
2,  25;  vgl.  p.  103  [55  der  Übersetzung]),  so- 
wie analoge  noch  kühnere  Versuche  der  Plastik 
(Kentaur  Doria  Matz-Dvihn  1611;  vgl.  B.  d.  I. 
1850  p.  72)  machen  es  sehr  wahrscheinlich 
(vgl.  Brunn,  K.  G.  2,  83.  I).  philostr.  Gemälde 
20  p.  205).  Auf  ähnliche  Kunstwerke  mag  Oviol, 
3Iet.  12,  395  ff.  in  der  Schilderung 
des  Kyllaros  anspielen. 

Das  von  Zeuxis  bis  zur  Grenze 
des   Möglichen    ausgebildete    Ken- 
taurenideal konnte   fernerhin  wohl 
modificiert,  nicht  aber  von  Grund 
aus  umgeschaffen  werden;  nahe  lag 
es  besonders,  das  Pathetische  oder 
Sentimen- 
tale ,     wozu 
die      inzwi- 
schen   voll- 
zogene Ver- 
bindung mit 

Dionysos 
und        Eros 
und  die  Ein- 
führung 


11)  Etruskischer  Bronze-Kentaur  des  älteren  Typus  (nach 
Darembery-Saglio,  Oictionn.  des  antiquites  I  S.  1011,  Fig   1283). 

jugendlicher  Kentauren  (erste  Beispiele:  Ger- 
hard, Apul.  Vasb.  7  und  Grabstein  des Metrodoros 
Berlin  766)  den  Anlafs  gab,  hervorzuheben. 
Ziemlich  vereinzelt  stehen,  als  Beispiel  der 
o  ersteren  Richtung,  zwei  Reliefe  der  helle- 
nistischen Zeit  Anc.  Marlies  2,  15,  das  wie 
die  Kentaurin  des  Zeuxis  die  spitzen  Satyr- 
ohren zeigt,  und  das  sehr  zerstörte  Untersuch, 
auf  Samothrake  1,  52.  Die  hellenistische  Zeit 
erfand  aber  andererseits,  wie  oben  unter  6 
erwähnt  wurde,  den  Typus,  der  uns  in  den 
Kentauren  des  Aristeas  und  Papias  und  ihren 
Verwandten,  unter  denen  Mus.  Chiaramonti 
2,  13  und  Arneth,  B.  ant.  Gold-  u.  Silbermon. 

erhalten  ist. 


familie  (Luc.  Zeuxis  4).  Wir  können  uns  von  der  60  in  Wien  S.  6  hervorzuheben  sind 

Stimmung  dieses  Bildes,  das  Lukian  genau  be-       Auch  der  Gedanke,   die   zu  Halbmenschen  er 


schreibt,  auch  aus  Werken  der  späteren  Kunst, 
besonders  Sarkophagreliefen,  eine  Vorstellung 
machen   (s.   die  Zusammenstellung  bei  Heyde- 

*)  Der  noch  ziemlich  strenge  Pariser  Intaglio  mit 
der  Figur  einer  raenschenbeinigen  Kentaurin  (Babelon, 
Cab.  d.  med.  513,  20)  ist  eben  wegen  jener  Bildung  ver- 
dachtig. 


höhten  Kentauren  im  Kampfe  mit  wilden  Tieren 
darzustellen,  erscheint  wie  eine  Fortbildung 
der  Idee  des  Zeuxis  (vgl.  Brunn,  K.  G.  2, 
83  und  Philostr.  Gemälde  S.  265  f.).  Das  schöne 
Berliner  Mosaik  (31.  d.  I.  4,  50),  die  Löwen- 
jagd Mus.  Borb.  3,  51  (Sp.  1081/2  wiederholt)  und 
die  Tierkämpfe  in  den  Stuccoreliefen  von  der 


1079   Kentauren  (abnorme  Bildungen) 


Via  Latina  ( 
Sarkophagen 
phagreliefs  2, 
dieser  Ideen, 
des  Dionysos 
kämpfen  und 


M.  d.  I.  6,  49)   und   später   auf 
(Gaz.  Arch.   1,  12;    Amt.  Sarko- 

6.    7)    beweisen   die  Popularität 

Wie  die  Kentauren  im  Dienste 

und    unter   der  Macht  des   Eros 

musicieren,   sich    ihres   Daseins 


lü)  Parthenonmetope  (nach  Baumeister,  Denkmäler  S.  1175,  Fig.  1364) 


freuen  und  gequält  werden,   zeigen  in  reicher 
Mannigfaltigkeit  die  unter  VI,  sowie  die   "von 
Heydemann  a.  a.  0.  angeführten  Monumente. 
XIII)  Abnorme  Bildungen  seien  nur  kurz 


13)  Gemme  in  Florenz  (nach  Darember>j-Sa<jlio  Fig.  12S6). 

erwähnt.  Geflügelte  Kentauren  sind  der 
griechischen  Kunst  fremd;  dagegen  hat  von 
orientalischen  Vorbildern  (s  den  oben  abgebil- 
deten babylonischen  Kentauren)  die  etruskische 
Kunst  die  Beflügelung  übernommen  (Bucchero- 
vase  Berlin  1556).  Das  Mischwesen  auf  der 
Gemme  D.  a.  K.  2,  599  scheint  ein  nach  Ana- 


Kentauren  (Lokale  der   Sagen)     1080 

logie  der  Kentaurengestalt  umgebildeter  Sphinx. 
—    Auch    gehörnte    Kentauren    weisen    auf 
orientalische  Vorbilder  zurück  (s.  das  kyprische 
Figürchen    unter    XII);    in   später   Kunst  tau- 
chen   sie   wieder  anf,    aber    rein  dekorativ;  s. 
Petersburg  916  und  Benndorf,  Ant.   v.  Zürich 
458   Tti.   8,  94.      Die    sonst 
--»---»-;n    nur     c|eu     Halbtieren     des 
Meeres  eigentümlichenBlatt- 
auswüchse  zeigen  die  Ken- 
tauren des  Sarkophags  Gaz. 
Arch.    1,    12.     In   gewissem 
Sinne  abnorm,  aber  nur  eine 
Konsequenz  der  Erotentän- 
deleien   der    Spätzeit,    sind 
Erotokentauren         oder 
Kentaureroten,    z.  B.  A.  Z. 
1848  Tu.  23.  —  Vgl.  Cheiron, 
wo  der  inzwischen  bekannt 
gewordene   Marmorkopf  M. 
d.  I.   12,  1  (vgl.  Krolcer,  A. 
d.  I.  1884  p.  50  ff.)  hinzuzu- 
fügen  ist:  s.   die  Abbildung 
Sp.  1083.     Sauer.] 

XIV.  Die  Lokale  der 
Lapithen-    und.    Kentau- 
rensage. 

Anhang. 

1"|  Thessalien.  Diese 
Landschaft  im  weitesten 
Sinne  genommen  kann  als 
die  eigentliche  Heimat  der 
Kentauren  und  Lapithen 
gelten.  Was  die  Kentau- 
ren betrifft,  so  bewohn- 
ten diese,  an  ihrer  Spitze 
Cheiron  (s.  d.),  nach  der 
ältesten  Tradition  bei  Homer 
(II.  2,  744.  16,  142  ff.  und 
Hesiod  ( Catal.  fr.  ed.  Göttling. 
nr.  110;  vgl.  Find.  Pyth.  2,  42  ff.)  das  waldige 
Peliongebirge*),  aus  welchem  sie  nach  II.  2, 
744  von  den  Lapithen  in  die  Nähe  des  Ge- 
bietes der  Aithiker  (an  den  Quellen  des  Pe- 
neios  am  Pindos;  vgl.  d.  Schoh  zu  H.  2,  744) 
vertrieben  sein  sollen;  erst  in  weit  späteren 
Quellen  werden  noch  andere  thessalische  Ge- 
50  birge  als  Wohnsitze  der  Kentauren  genannt; 
so  Homole  und  Othrys  (Eur.  H.  für.  370. 
Verg.  A.  7,  675.  Ov.  Met.  12,  513),  der  Ossa 
(Ov.  Met.  12,  319.  Stat.  Theb.  9,  220.  Solin 
68,  15  Mommsen),  der  Pindos  {Orph.  Arg.  382), 
das  Oitagebirge  (Schot.  11.  A  268)  und  dessen 
östliche  Fortsetzung,  das  unmittelbar  den  Ther- 
mopylen  benachbarte  (nach  Midier,  Dorier 
1,  42,  1  ursprünglich  dryopische)  <Z><ji'kioj>  (Bur- 
sian,  Geogr.  1,  186),  an  der  Greuze  von  Lokris, 

60  *)    Vom    Pelion    kommt     der    Flufs    AmyTOS     herab, 

an  welchem  eine  gleichnamige  Stadt  lag  {Bursian,  Geogr. 
v.  Gr.  1,  64.  99.  104),  deren  lelegische  Bewohner  nach 
der  euheraeristischen  Auffassung  bei  Steph.  Byz.  s.  v. 
"-iuvnoz  ICevtaupoi  und  j7l3loxhrtttvQOt  geheifsen  haben 
sollen,  wahrend  andere  die  Kentauren  mit  den  Ainianen 
identificierten  [Hasyctl.  8.  v.  htvrai  not).  [Wirklich  sollen 
die  Ainianeu,  genau  wie  die  Kentauren,  aus  dem  Dotion  zu 
den  Aithikern  vertrieben  worden  sein,  und  zwar  ebenfalls 
durch  die  Lapithen:  Piutardi.  quaest.  graec.  13.     Tümpel.] 


1081    Kentauren  (Lokale  der  Sagen) 

wo  nach  Steph.  Biß.  s.  v.  der  von  Herakles  ge- 
tötete Kentaur  Phrikios  hauste.   Nach  Hesychios 


Kentauren  (Lokale  der  Sagen)    1082 

SictcptvyovTic:   rmv  Kfvxavgow,  woraus  hervor- 
zugehen  scheint,    dafs    man   sich   den   Schau- 


Ä^,  \ 


war  JJvQQaia  ein  iotpo?  Iv  /tatim  oder  eine  fioigu 
T7js  ©töCßliKg  (vgl.  auch  Steph.  Bys.  s.  v. 
TLvqalu),  doxovci  öl  s(g  xuvzr\v  ■AUTatpvyftv  ol 


platz  des  Kentaurenkampfes  in  der  tiefsten, 
von  Überschwemmungen  am  meisten  heim- 
gesuchten Niederung  Thessaliens,  also  in  der 


1083     Kentauren  (Lokale  der  Sagen) 


Kentauren  (Lokale  der  Sagen)     1084 


Gegend  des  dotisohen  Gefildes  dachte  (Bursian, 
Geogr.  1,  63,  3.  Strab.  442.  Neumann- Partsch, 
Phys.  Geogr. v. Gr.  156).  Nach Sehol.  II. 2,739  soll 
Herakles  die  LapithenstadtElone  in  Perrhaibia 
inl  tcö  9ai'ocT(p  KivzavQcov  gegründet  haben, 
■wie  denn  überhaupt  nach  einigen  Quellen  auch 
der  Kampf  des  Herakles  mit  den  Kentauren 
in  Thessalien  stattfand  (vgl.  Mythogr.  Tat. 
ed.  Bode  1,  61;  s.  ob.).  Ziemlich  in  dieselbe 
Gegend,  aber  vorzugsweise  in  die  fruchtbare  10 
am  Fufte  des  Pelion,  der  Homole  und  Ossa, 
den  Überschwemmungen  am  meisten  aus- 
gesetzte Tiefebene  des  dotischen  Gefildes  (wo 
nach  Soph.  fr.  353  N.  Koronos  herrschte;  vgl. 
Bursian  1,  73)  verlegt  die  Sage  auch  die  Sitze 


15)  Kopf  des  Cheiron  im  Conservatorenpalast  zu  Eom 
(nach  M.  d.  I.  12,  1), 

der  Lapithen.  Die  in  dieser  Tiefebene  gelege- 
nen hauptsächlichsten  Lapithenstädte  wai'en: 
Argissa  oder  Argura  (=  Leontinoi,  Steph.  Byz. 
s.  v.  "jQyovQct),  einer  von  den  Sitzen  der  bei- 
den Lapithen  Leonteus  und  Polypoites  (II. 
2,  738  ff.),  Larissa,  der  Sitz  des  Ixion  und 
Peirithoos  (Apollod.  1,  8,  2.  Palaeph.  1.  Apostol. 
9,  73),  oder  des  Polyphemos  (Ap.  Bh.  1,  40),  eo 
ferner  Atrax,  die  Stammburg  des  Atrax  und 
Kaineus,  Gyrton,  Elateia,  der  Sitz  des  Elatos, 
Mopsion,  die  Stadt  des  Mopsos  u.  s.  w.  (s. 
d.  Art.  Lapithen).  Ferner  gelten  auch  die  im 
nördlichsten  Teile  von  Thessalien  gelegenen 
Städte  Orthe,  Elone,  Oloosson,  sodann  die 
Gegenden  am  Othrys  und  Pindos  als  zum  La- 


des  Olympos  (wo  Koronos  herrschte,  Diod.  4, 
37),  also  auch  Pierien*),  wird  hierzu  ge- 
rechnet werden  müssen,  wenigstens  seheint 
Eioneus  [bei  TJioäor.  IV,  69  Hesioneus],  Sohn 
des  Magnes,  Freier  der  Hippodameia  (Paus. 
0,  21,  11.  Schol.  Ein:  Plioen.  1760)  und 
Schwiegervater  des  Ixion  (Pherek.  b.  Schol. 
Ap.  Bh.  3,  62),  nach  Apollodor  Bruder  des 
Pieros,  Eponymos  des  von  Steph.  Byz.  als 
■nolig  izQog  rjj  üisgia  bezeichneten  'Hliov  ge- 
wesen zu  sein.  Hierzu  stimmt,  dafs  auf  sehr 
alten  um  500  v.  Chr.  in  der  Gegend  des 
Pangaion  (wo  nach  Herod.  7,  112;  vgl.  Thul;.  2, 
98;  vgl.  Pauhj,  Enc.  s.  v.  Pieria,  die  aus  ihrer 
Heimat  am  Olympos  vertriebenen  Pierer  wohn- 
ten) geschlagenen  Münzen  der  Ürreskier,  Zaie- 
lier  etc.  Kentauren  erscheinen,  welche  Frauen 
(Nymphen?)  rauben  (vgl.  Catalogue  of  the  greek 
coins  in  the  Brit.  Mus.  Maced.  S.  147  ff.). 
Vgl.  auch  die  Kentauren  auf  Münzen  des  in 
der  Nähe  gelegenen  Amphipolis  (Cat.  a.  a.  0. 
46  u.  50)  und  auf  sehr  alten  Münzen  von  Lete, 
welches  nördlich  von  Thessalonike  an  der  von 
Pierien  nach  dem  Pangaion  führenden  Strafte 
lag  (vgl.  die  Karte  zum  Catal.  a.  a.  0.  und  Im- 
hoof-Blumer,  Monnaies  gr.  S.  82).  Beachtens- 
wert erscheint,  dafs  nach  Hygin  (f.  138)  die 
Liebschaft  des  Kronos  und  der  Philyra  nach 
Thrakien  verlegt  wurde  und  dafs  einer  der 
bekanntesten  Kentauren  mit  dem  thrakisch- 
makedonischen  Fluft  Nessos  (vgl.  auch  den 
thessalischen  See  Niaccovi'g  bei  Larissa)  ho- 
monymist. Dafs  dieser  thrakische  Fluft  ebenso 
wie  der  thessalische  See  Nessonis  seiner  Um- 
gebung oft  durch  Überschwemmungen 
schadete,  erfahren  wir  aus  Strab.  331,44.  430,  2. 
Weist  etwa  der  von  Ocid  Met.  12,  334  erwähnte 
Kentaur  Helops  auf  die  von  Steph.  Byz.  s.  v. 
'EXXoitCa  erwähnte  Stadt  der  Doloper  am  Pin- 
dos, und  Elymos  (Oe.  a.  a.  0.  460)  auf  die  in 
der  Nähe  des  Gebietes  der  Aithiker  gelegene 
Landschaft  Elimia,  deren  Eponymos  nach 
Steph.  Byz.  s.  v.  'Elifiia   EXvuog  hieft? 

2a)  Euböa  (?).  Wie  schon  die  Alten  an- 
nehmen, hingen  die  Hestiaier  im  nördlichen 
Thessalien  mit  den  Bewohnern  von  Hestiaia  im 
nördlichen  Euböazusammen  (vgl.  Bursianßeogr. 
v.  Gr.  1,  50);  in  Eretria  wohnten  (thessalische) 
Minyer  (Bursian  2,  419),  in  Styra,  Karj'stos, 
Kythnos  Dryoper  (Dibbelt,  Q.  Coae  mythol. 
Gryphisic.  1S91  S.  43ff.).  Aus  dieser  That- 
sache  erklärt  es  sich  vielleicht,  dafs  einzelne 
Kentaurennamen,  z.  B.  'Ogößiog  (C.  I.  Gr.  S185) 
und  "Aßug  (Ov.  M.  12,  306)  auf  euböische 
Gegenden  hinweisen.  Orobios  scheint  mit 
Orobiai,  "Aßag  dagegen  mit  den  "Aßavzeg  auf 
Euböa  zusammenzuhängen.  Vgl.  auch  Karystos 
[den  Eponymos  des  der  Sage  nach  von  Dryopern 
(am  Spercheios)  gegründeten  Karystos]  als 
Sohn  des  Cheiron  und  der  Chariklo. 

2b)  Phokis  (?).  Hier  saften  bekanntlich 
thessalische  Phlegyer  unter  Phorbas  (Bursian  1, 

*)  Dafs  Pieria  und  Emathia  nicht  zu  Thrakien,  son- 
dern eher  zu  Thessalien  gerechnet  wurden ,  ersieht  man 
schon  aus  Hom.  IL  -T  225  ff.;  Tgl.  Riese,  Jahrb.  f.  kl.  Phil. 
1877  S.  227.  Vgl.  auch  den  Ort  Pierion  in  Thessalien 
(Tltuc.  5,  13),  nach  Ael.  h.  a.  3,  37  wohi  an  der  Nessonis 
liegend  (Bursian.  Geogr.  1,  73,  3). 


1085    Kentauren  (Lokale  der  Sagen)  Kentauren  (Lokale  der  Sagen)     1086 

158ff.  168.     Müller,  Orchom.1  188.  263)  sowie  6)  Arkadien.     Hinsichtlich  des  ursprüng- 

Dryoper    {Dibbelt    a.    a.    0.    46  f.).       Derselbe  lieh    wohl    zu    Arkadien     gehörigen    Pholoe- 

Name  (Phorbas)   spielt  bekanntlich  unter   den  gebirges    (vgl.    4>oi.o'?js   ovgsa    IiagoctatSog    b. 

Lapithen  eine  Rolle.     So  erklärt  es  sich  viel-  Stepjh.  Byz.  p.  509,  5  =  Schneider,   Callim.  2 

leicht,    wenn    Hygin    fab.  14    p.   43  B.  einen  p.   766)    s.    d.    vor.    Abschn.      Aufserdem    exi- 

der  Argonauten  Phocus  Caenei  filius  ex  Mag-  stierten  noch  an  anderen  Punkten  Arkadiens, 

nesia    nennt,    insofern    daraus    hervorzugehen  wie  es  scheint,  sehr  alte  Kentaurensagen.     So 

scheint,    dafs    der   Eponymos    von   Phokis   ein  sollte    die    im    südöstlichen    Arkadien    in    der 

Phlegyer  oder  Lapith  und  aus  Thessalien  ein-  Gegend  von  Tegea,  Mantineia  und  Methydrion 

gewandert  sein  sollte.                                               10  heimische  Atalante  die  beiden  Kentauren  Hylaios 

8)  Aitolien  und  Ozolisches  Lokris.  und  Rhoikos  (Lykos),  welche  ihr  Gewalt  anthun 
An  der  Grenze  dieser  beiden  Landschaften  lag  das  wollten,  in  Arkadien  erlegt  haben  (Kallim.  hy. 
Taphiassos-  oder  Taphiosgebirge  (Bursian,  3,  221  ff.  u.  Schul.  Ael.v.h.  13,  1).  Auch  von 
Geogr.  1,  134),  hv  co  rö  xov  Niaaov  avrifiu  dieser  Gegend,  namentlich  aber  von  dem  Ge- 
Kca  xmv  ciXXutv  KavravQoiv,  av  änb  ryg  öf/itf-  filde  Mantineias  ist  bekannt,  dafs  es,  wie  im 
Öovog  cpaoi  zb  vnb  zjj  Qifcrj  xov  Xocpov  iznoxio-  Altertum  so  auchjetzt  noch,  häufig  von  den  durch 
ysvov  övaääig  »cl  tfoöijißovg  i'iov  väao  qsiv  die  Wildbäche'*)  hervorgerufenen  Über- 
(Strab.  427,  8;  mehr  oben  Sp.  1044f.  und  schwemmungen  zu  leiden  hat  (vgl.  Bursian 
Sp.  1049,  [sowie  Lykaphr.  670  mit  Schol.  Ptol.  2,208.  Vischer,  Erinn. 343 ff.  Neumann-Partsch, 
Reph.  5  über  die  Kentauren  der  (aitolischen)  20  Phys.  Geogr.  v.  Gr.  250  f.)  Übrigens  sind  auch 
Seireneninsel.  Tümpel.]  1.  Ganz  in  der  Nähe  für  diesen  Teil  Arkadiens  thessalische  Ein- 
strömt der  häufige  Überschwemmungen  Süsse  anzunehmen,  da  Atalante  die  Enkelin 
bewirkende  (Isambert,  Bin.  de  V Orient  202  f.)  des  Minyas  (Apollod.  3,  9,  2)  und  des  ur- 
Flufs  Euenos,  dessen  Tiog&iJ.i'vg  der  Kentaur  sprüuglich  in  Thessalien  heimischen  Athamas 
Nessos  gewesen  sein  sollte.  Einer  der  von  sein  sollte.  Ferner  finden  wir  Spuren  von  Ken- 
Ovid  (Met.  12,  433)  aufgezählten  Teilnehmer  tauren-  und  Lapithenmythen  in  dem  ganz  beson- 
an  der  Lapithensehlacbt  heilst  Tectaphos  ders  von  periodischen  Überschwemmungen 
Olenides,  was  wohl  auf  die  alte  aitolische  heimgesuchten  Thalkessel  von  Pheneos  (Neu- 
stadt Olenos  hinweist  (Bursian,  Geogr.  1,  131).  mann- Bartsch  S.  252 — 254).  Denn  nach  Diodor 
Wahrscheinlich  stammt  die  ätolische  Kentauren- 30  (4,  70)  sollen  einige  Lapithen  nach  Pheneos 
sage  aus  Thessalien,  da  nicht  nur  Endymion,  und  Malea,  nach  Apollod.  2,  5,  4  Cheiron  und 
der  Vater  des  von  Elis  eingewanderten  Aitolos,  andere  Kentauren  von  den  Lapithen  aus  Thes- 
aus Thessalien  stammen  sollte  (Apollod.  1,  7,  salien  nach  Malea  (und  Arkadien)  vertrieben 
5),  sondern  auch  von  einer  Einwanderung  von  worden  sein  (vgl.  Schot.  II.  1,  263.  Immer- 
thessalischen  Aiolern  in  die  Gegend  von  Kaly-  wahr,  D.  Kulte  u.  Mythen  Arkadiens  1,  39  ff.). 
don  und  Pleuron  erzählt  wird  (Bursian  126,  2),  Esmufs  einstweilen  fraglich  bleiben,  ob  in  diesem 
wie  denn  auch  mehrere  Lapithen  (z.  B.  Peiri-  Falle  unter  Malea  das  bekannte  Vorgebirge 
thoos,  Kaineus,  Mopsos)  an  der  kalydonischen  Lakoniens  oder  der  arkadische  Ort  Malaia.  südl. 
Jagd  teilgenommen  haben  sollten.  von  Megalopolis  zu  verstehen  ist,  wie  Welcher 

4)  Elis  und  Triphylien.    Unmittelbar  an  40  annimmt.      Sodann    finden    sich    Spuren    von 

der  Grenze  von  Elis  und  Arkadien  und  wahr-  Kentaurensagen  auch  in   dem  Kesselthale  von 

scheinlich    mehr    zu   letzterem   gehörig,    liegt  Kleitor,  dem  Mittelpunkte  des  Azanengebietes, 

das  Pholoegebirge  „von  tiefen  (höhlenreichen)  denn    nach   Diod.   4,   33    wollte    der  Kentaur 

Schluchten   durchschnitten,    in   denen  die  Ge-  Eurytion  der  Braut  des  Azan  Gewalt   anthun, 

wässer  teils  nach  Süden  dem  (häufig  aus  seinen  wurde    aber   von   Herakles   erschlagen.      Auch 

Ufern  tretenden)  Alpheios  zufliefsen,  teils  sich  die  Münzen  von  Kleitor  zeigen  einen  Kentauren 

den  Weg  nach  dem  Tieflande  von  Elis  bahnen,  (Imhoof-Blumer,  Monn.  gr.  188.    Cat.  of  gr.  in 

das  sie,  zum  Peneios  vereinigt,  durchströmen"  the  Brit.    Mus.  Beloponn.   Tat.  33,  11).     End- 

(Vischer,  Erinn.  473.    Neumann- Partsch  259).  lieh  sollte  der  Kentaur  Homados  in  Arkadien 

Dieses   Pholoe    ist   der    Schauplatz    der    Sage  50  von  Herakles  erlegt  worden  sein,  weil  er  der 

von   Pholos   gewesen.      Südlich   vom  Alpheios  Alkyone  (s.d.),  Schwester  des  Eurystheus,  Gewalt 

liegt  das  Lapithas  (-os?) -Gebirge,  von  welchem  angethan  hatte  (Diod.  4,  12).    Wahrscheinlich 

der  übelriechende  Anigrosbach  (=  Minyeios)  ist  die  Mutter  des  Halirrhothios  aus  Mantineia 

herabkommt   (Bursian  2,   280).     Von    diesem  und  Gattin  des  Perieres  gemeint  (Schol.  Pind. 

Flusse  gab  es  eine  Lokalsage,  wonach  Cheiron  Ol.  10  [11],  83),   so   dafs   dieser  Mythus  wohl 

oder    der    Kentaur    Pylenor    (Eponymos    von  nach    Mantineia    (s.    0.)    gehört.       Die     hohe 

Pylos?j,   vor  Herakles   fliehend,   seine  Wunde  Popularität  der  Kentaurensage   in  ganz  Arka- 

in  diesem  Flusse  gewaschen  haben  sollte  (Parts.  dien  erhellt  übrigens  zur  Genüge   aus  den  im 

5,  5,  10).     Da  nun  in  Elis  eine  Einwanderung  5.    Jahrhundert     entstandenen     Darstellungen 

des  Lapithen  Phorbas  (Diod.  4,  69),  Sohnes  go  des   Frieses   des  Apollontempels  zu  Phigaleia. 
des  Lapithes,   und  der  ebenfalls  thessalischen 

Minyer  (Bursian 2,  272 ff.  Müller,  Orchom.  360)  *)  Vgl.  auch  folgende  (oaca  t,  68  aus  Arttinos 

erfolgt  sein  sollte,  SO  erklärt  sich  hieraus  leicht  stammende)    Schilderung    des   arkadischen    zatarj.voftog 

die  elische  Kentaurensage.  Die  grofse  Populari-  Os1   li  6S  bio/ißQla),  welcher  den  Iasos  und  Dardanos 

tat  des    Kentaurenmythus   in    Elis    ergiebt   sich  zur  Auswanderung  gezwungen  haben  soll,  hei  pion.  Bai. 

nn\           „              •           t^      ,    ,1                      i          n*  i_    i  o.nl.  R.  1,  61:    xataxXvauov    yeroutrov    utyu/.ov    tiboi 

schon   aus   seiner  Darstellung    an   dem  Gn-bel  <    >_/     \<        -     •    „  \-    >-  ■?       -o.       i  ÜA-t  -      ■  s 

j           ,            .                _,                          o                                v  thv  udpxadiav  zu  jlisv  7ttut.ee  e-^/^roicr?/  y.cu  TtOMov  yqovov 

des  olympischen  Zeustempels  und  aus  anderen  Ymgri;a»ai  Mmta  >}r,  „l  äh  äv»Qmtiot  öiy.ow  . . .'.  äv'u 


Bildwerken. 


tu  üoi]  yZio/ßoil  noQLLufnvoi  Taz  roor/icic  y..  t.  ?.. 


1087    Kentauren  (Lokale  der  Sagen)  Kentauren  (Lokale  der  Sagen)    1088 

6)  Malea.  Mehrfach  wird  die  „durch  zahl-  ros,  Periphas, Mopsos,  die  zugleich  der  tkessali- 
reiche  Katavothren  und  geschlossene  (also  von  sehen  und  derattischen  Sage  angehören  und  viel- 
Überschwemruungen  durch  Giefsbäche  heim-  leicht  'Dryoper'  waren,  1  'öpffer,Aus  d.  Anomia 
gesuchte)  Kesselthäler"  (Neumann-Partsch  30ff.  u.  40ff.  Anders  Kirchner,  Attica  et  Pelo- 
253)  ausgezeichnete  Halbinsel  (vgl.  Orph.  Arg.  ponnesiaca.  Greifswalder  Diss.  v.  1890  S.  6011'. 
20&Mcd.£rJTidog  axQijs  a^J.röi'ßs)  Malea  als  der  Ort  10°)  Ebenso  war  die  Kentaurensage  schon 
angegeben,  wo  Cheiron  und  andere  Kentauren  iu  sehr  alter  Zeit  auf  der  von  Argolis  aus 
nach  ihrer  Vertreibung  aus  Thessalien  durch  kolonisierten  Insel  Rho  dos  (Müller,  Dorier  1, 
die  Lapithen  gewohnt  haben  sollen  (Apollocl.  102  ff.  108)  höchst  populär.  Dies  ersieht  man 
2,  5,  4.  Schol.  IL  1,  263)  und  wohin  sich  auch  to  aus  zahlreichen  sehr  altertümlichen  rhodiseben 
mehrere  von  Herakles  aus  Pholoe  verjagte  Bildwerken  (aus  Kameiros);  vgl.  Fig.  10;  Meyer 
Kentauren  flüchteten  (Apollocl.  a.  a.  0.),  während  a.  a.  0.  59.  Milchhöfer ,  Anf.  d.  K.  S.  75  f. 
Malea  nach  Diod.  4,  70  umgekehrt  den  La-  Salzmann,  Ne'cropole  de  Camiros  pl.  38.  39. 
pithen  als  Zufluchtsort  diente.  Es  scheint  dem-  Daremberg-Saglio,  Dict.  des  ant.  s.  v.  Centauri. 
nach  auch  in  Lakonien  die  Kentaurensage  Auch  hier  ist  thessalischer  Einflufs  denkbar, 
heimisch  gewesen  zu  sein,  wozu  stimmt,  dafs  da  Phorbas,  der  Sohn  des  Lapithes,  nach  Rho- 
einerseits  sich  daselbst  auch  einzelne  Beste  dos,  der  Thessaler  Triopas,  ebenfalls  ein  Sohn 
altthessalischer  Stämme,  der  Minyer  und  La-  des  Lapithes  oder  des  Phorbas  (nach  anderen 
pithen  an  den  Abhängen  des  Taygetos  nach-  Vater  des  letzteren),  nach  dem  nahegelegenen 
weisen  lassen,  andererseits  die  Kentaurensagen  20  Knidos  gewandert  sein  sollte  (Diod.  5,  58; 
in  altlakonischen  Bildwerken,  z.  B.  dem  Throne  vgl.  ib.  61).  Hinsichtlich  der  Beziehungen 
von  Amyklai  (Paus.  3,  18,  9  ff.),  dargestellt  zwischen  Rhodos  und  Olenos  sowie  Bura  in 
waren,  also  in  Lakonien  populär  gewesen  sein  Achaja  s.  Tümpel  in  Fleckeisens  Jahrb.  Supjpl. 
müssen.     Vgl.   das   Lapithaion   auf  dem   Tay-  16   S.  156  f. 

getos  (Bursian,  Geogr.  2,  131)  und  hinsieht-  10b)  Dasselbe  wie  von  Rhodos  gilt  auch 
lieh  der  Minyer  Müller,  Orchom.  313.  Bursian  von  Kypros,  der  u.  a.  von  Arkadien  aus 
2  ,  108.  145.  Hcrod.  4,  145  ff.  Beachtenswert  kolonisierten  Insel,  auf  der  (bei  Aipeia)  eigen- 
erscheint in  diesem  Zusammenhange  eine  Notiz,  tümliche  archaische,  mit  Bart  und  Hörnern 
dafs  Pholos  der  Sohn  des  auf  Malea  (Malta-  ($.  oben)  versehene,  öfters  gorgonenhaften 
yovog  Pind.  fr.  57  B.)  geborenen  Silenos  und  30  Ausdruck  zeigende  Kentaurenidole  gefunden 
einer  melisehen  Nymphe  war  (Apollod.  2,  5,  4).  sind  (Jahrb.  d.  Arch.  Inst.  1889  Beiblatt  S.  88). 

7)  Achaja.  Nach  Apollod.  2,  5,  5  und  11)  Wenn  auf  dem  hochaltertümlichen 
Diod.  4,  33  erlegte  Herakles  den  Kentauren  Friese  des  Tempels  von  Assos  vor  Herakles 
Eurytion  zu  Olenos,  als  dieser  die  Tochter  fliehende  (nicht  stierjagende;  vgl.  M.  3Iayer, 
des  Dexamenos  (s.  d.)  freien  oder  ihr  Gewalt  Jahrb.  d.  Arch.  Inst.  7  (1892)  S.  78f.  Anm.  18) 
anthun  wollte.  Nach  anderen  Quellen  (vgl.  Kentauren  erscheinen,  so  erklärt  sich  dies 
C.  I.  Gr.  7605.  Schol.  Callim.  in  Del.  102.  Et.  möglicherweise  aus  der  indirekten  Verbin- 
31.  209,  42.  Callim.  ed.  Schneider  1  p.  277)  düng,  in  welcher  Assos  mit  Thessalien  ge- 
war  Dexamenos  ([H]exadios)  selbst  ein  Ken-  standen  haben  soll.  Denn  Assos  war  eine 
taur.  Wahrscheinlich  hängt  diese  Kentauren-  40  Kolonie  von  dem  gegenüberliegenden  Lesbos, 
sage  eng  mit  der  elisch-arkadischen  und  aito-  dessen  Eponymos  nach  Diod.  5,  81  ein  Sohn 
lischen  zusammen,  da  Olenos  ursprünglich  des  Lapithes  und  Enkel  des  Aiolos  sein  sollte, 
mit  zu  Elis  und  zum  Gebiet  der  Epeier  gehörte  Hinsichtlich  der  prähistorischen  Beziehungen 
(Bursian,  Geogr.  2,  322.  Schol.  Od.  <p  295).  zwischen  Lesbos  einerseits  und  Thessalien  und 

8)  Korinth.  Von  Wohnsitzen  der  Ken-  Arkadien  anderseits  vgl.  Tümpel,  Philolog. 
tauren  in  der  Gegend  von  Korinth  wissen  wir  N.  P.  2  S.  124ff ,  3  S.  llSff.  723ff. 

nichts,  dagegen  haben  die  Lapithen  entschie-  12)  Hinsichtlich  der  Vermischung  der  Ken- 

dene   Beziehungen   zu   Korinth,    insofern   nach  tauren-  und  Sirenensage  in  der  Nähe  des  itali- 

Herod.  5,  92  die  Kypseliden  ihren  Stammbaum  sehen  Kyme  s.  oben. 

auf   Kaineus    zurückführten.      Nicht    unwahr-  50        Auf    Grund     der     vorstehenden    Übersicht 

scheinlich  ist  daher  die  schon  von  O.  Müller,  können   wir  nunmehr  als   höchst  wahrschein- 

Handb.  d.  Arch.  §  57  ausgesprochene  Vermu-  liches  Resultat  aussprechen,  dafs  als  eigentliche 

tung,  dafs  die  an  dem  Kasten  des  Kypselos  dar-  Wohnsitze  der  Kentauren  nur  gebirgige  und 

gestellten  Kentaurensagen  mit  den  alten  Fami-  häufig   von    Überschwemmungen    heiin- 

lientraditionen  der  Kypseliden  zusammenhingen.  gesuchte  Gegenden  (Kesselthäler)  wie  Thessalien, 

9)  Ganz  Ähnliches  wie  von  Korinth  gilt  Arkadien,  Aitolien  anzusehen  sind,  und  dafs  über- 
auch  von  Attika,  wo  die  Perithoiden  und  haupt  in  der  ältesten  Zeit  die  Sage  von  den 
Philaiden  sich  lapithischer  Abstammung  rühm-  Kentauren  nur  da  heimisch  ist,  wo  nachweislich 
ten  (s.  Lapithen),  und  dessen  Nationalheros  thessalischeStämme(Lapithen,Minyer,Dryo- 
(Theseus)  Freund  des  Peirithoos  und  Teilnehmer  60  per,  s.  Dibbelt,  Quaest.  Coae  mythol.  Gryphisw. 
am  Kentaurenkanipfe  gewesen  sein  sollte.  Die  1891  S.  42 ff.  u.  Tüpffer,  Aus  d.  Anomia  42  f.)  ein- 
hohe Popularität,  welche  daselbst  die  Ken-  gewandert  sein  sollen  (Thessalien,  Euboia, 
taurensage  genofs,  erhellt  aus  vielen  gröfseren  Aitolien,  Elis,  Arkadien,  Lakonien,  Rhodos, 
und  kleineren  Bildwerken  am  Parthenon,  The-  Attika  etc.),  daher  als  eigentliche  Heimat  der 
seion,  der  Francoisvase  u.  s.  w.  (Meyer,  Ken-  Kentauren  in  erster  Linie  Thessalien,  in  zwei- 
tauren-Gandharven  S.  61  ff.).  Vgl.  über  die  ter  Arkadien  anzusehen  ist.  [Röscher.]*) 
thessalischen  Beziehungen  des  Kentauren-  »)  [Derjenige  thessalisehe  Stamm,  dem  ursprünglich 
kämpfers  TheseilS  ZU  PeiithoOS,  Phorbas,  Phale-  die   Kentauren -Vorstellung    geeignet    zu    haben    scheint. 


1089                  Kentaureroten  Kephalos  (Abkunft,  Heimat,  Mythen)    1090 

Kentaureroten  s    ob.  Sp.  1080.  der    einst   blühenden    Zwölfstadt  der  Paralia 

Kentaurides  (KsvTavgiäss),   weibliche  Ken-  im  "äufsersten  Osten  Attikas,  ansässig   (Phere- 

t.auren;  s.  oben  Sp.  1 0 7 7 ff.  n.  vgl.  Heydemann,  hydes  schal,   i.   321.    Apollod.  2,  4,  7.     Anton. 

7.  Hall.  Winclcelmannsprogr.  S.  12  f.  [Röscher.]  Lib.   41),    also    ohne    Zweifel    als    Eponymos 

Kentauros  (KevxavQOg)  s.  oben  Sp.  1032 f.  des  nordwestlieh  von  Thorikos  gelegenen  (vgl. 

Keos   (Kswg),    Sohn    des  Apollon   und    der  Milchhöfer,  Sits.-Ber.  d.  Berl.  Ale.  1887,  53) 

lihodoessa,  Eponymos  der  Insel  Keos,  Et.  M.  Demos  Kepkale,  der  wie  Thorikos  zur   aka- 

507,  54.   Steph.  B.  v.  Käs.     Er  kam  von  Nau-  mantischen  Phyle  gehörte,  {Welcher,  A.  D.  3, 

paktos  dorthin  (Lokrer  aus  Naupaktos  =  Kolo-  G0.    v.    Wilamowits,   Kydathen  125.  146;    vgl. 

nisten   von  Keos,   Bursian,  Geogr.  2,  409,  2),  10  auch  Suidas  Hspu/iEvetv)  und  als  Ahnherr  des 

Heiakleides  b.  Müller,  fr.  lüst.  gr.  2  p.  214,  9,  1.  attischen  Geschlechts  der   KscpcdiSai  (Hesych. 

[Stoll.]  s.  v.),   dessen  ursprüngliche   Zugehörigkeit   zu 

Kepens  (Krinevq),   Anführer  der  Kentauren,  Thorikos  nach  den  Untersuchungen  von  Töpffer, 

Nonn.  14,  188.     [Lorentz.]  Attische   Genealogie    S.   260 f.    nicht  mehr   be- 

Kephalion  (KtepaXimv),   ein  Hirt  in  Libyen,  zweifelt  werden   kann   (wie  bei  Maafs,  Anal. 

Sohn  des  Amphithemis  und  einer  tritonischen  Eratosth.  p.  IIS).    Als  Gemahl  der  Erechtheus- 

Nymphe,    der    die    Argonauten    Eribotes    und  tochter     Prokris     wird     er     auch     zu     Athen 

Kanthos  tötete,  weil  sie  seine  Herde  plündern  wohnhaft   gedacht   (Apollod.  2,  4,  7.    3,  15,  1. 

wollten,  Hyg.  f.  14  p.  44  Bunte.    Er  heif^t  bei  Ovid  Met.  7,  723)    und  geradezu   als   Athener 

Hygin  Bruder  des   Nasamon;    bei  Ap.  Eh.  4,  -20  (Kyklische   Thebais  bei  Phot.  u.  Suid.  Tevfirj- 

1496  dagegen  tötet  Nasamons  Bruder  Kaphau-  ata.  Schol.  V  IL  4,  330.  Nonn.  48,  680),  selbst 

ros  den  Kanthos  bei  der  Herde.     [Stoll.  ]  als  König  von  Athen   (Hyg.   /'.  48.  189.    Serv. 

Kephalos  (Kfcpulos).  ad  Georg.   1,   19),   oder   als   Sohn   des   atheni- 

.  sehen  Königs  Pandion  (Hyg.  f.  270)  bezeichnet. 

I.    Abkunft  und  Heimat.  Diea  war  eine  Fo!ge  der  von  pammias  x,  37,  6 

Nach  überwiegender  Angabe  war  Kephalos  berichteten   Ansiedelung    der  Kephaliden  mit 

der    Sohn    des    Deion    oder    Deioneus    (s.  ihren   apollinischen  Gentilheiligtümern   in  der 

„Deion"),  welcher,  von  Apollodor  1,9, 4  unter  den  Nähe  von  Athen  an  den  Abhängen  des  Aiga- 

Deukalioniden  aufgeführt,  Gemahl  der  Diomede  leos,    vgl.   Töpffer   a.   a.    O.     Nun   wurde   der 

und   König   von   Phokis   genannt  wird.     Ohne  30  Hymettos,  über   welchem   für  Athen  die  Mor- 

Rücksicht  auf  diese  phokische  Heimat  erscheint  genröte  erschien,  zum  Jagdgebiet  des  Kephalos 

er  dagegen  in  der  attischen  Sage  zu  Thorikos,  und  zum  Schauplatz  sowohl   der  Eos-   als  der 

Prokrissage  (Ovid  Met.  7,  702.   Art.  am.  3,  687), 

sind  die  Aioler,  und   die  Religion  die  aiolische  des  während  die  paralische  Sage  sich  diese  Vorgänge 

Helios  und  der  Hera,  wie  sie  II.  D.  Müller  skizziert  hat  am  Ostrand  von  Attika  gedacht  hatte.    Bei  der 

Viijtii.  d.  griech.  Stämme  2,  337 ff.,  l,  7.  248  ff.;  vgl.  Philo-  Zusammenstellung  dieser  ursprünglich  getrenn- 

*•.   B.  F.    4    [1891]    S.  618  ff.).     Nicht  nur    sind    in    den  ^    g               schien&  es    geeignet,    dem    VOU    Eos 

Kentaurenlandschat ten    gerade     die    Heliosheroen    Ixion  ,„..,    °         „      .     .           P        °               x...        •              ,,  • 

(mit  Sonnenrad  und  Roftgespann:  Vioäor.  4,  69),  Phae-  entführten  Kephalos  eine  andere  für  einen  atti- 

thon,  Angelas,  Aietes  (von  Kolchis-Euboia:  E.  Maafs.  scflen  Heros  passende  Abstammung   zu  geben 

Hermes  18SS  S.  699  ff.;  Götting.  Oei.  Am.  1890  S.  352)  u.a.  40  als  dem  Gemahl  der  Prokris,   und   so  machte 

sowie  berühmter  Helioskult  (am  Taygetos,  auf  Bhodos)  man  ersteren  zum  Sohn  des  Hermes  und  der 

mit    Rofsopfer     und    Rofsgespann    heimisch;     auch     die  Hers  e  (Apollod.  3,  14,  3.    Hyg.  f.  160,  WO  Kreusa 

Genealogie  zeigt  die  Kentauren  mit  Helios-Heroen  (Ixion,  st    Herse),    was    aber  dann  mit  Unrecht  auf  den 

Peirithoos  =  n^i-»oo;-M.  Mayer    Giganten  u.  Tit.  91,  prokrisgemahl    übertragen    wurde    (Ooid  Art. 

v.   Wilamowitz.    Homer.    Unters.  203  *),    Polypoitea  =  no/.v-  „     _„.     Drr          -   ft„.       ri°           TT             r   *    a       ^    -> 

,poka;:  Pape-Benseler  u.  a.)    und  Heraheroinen  verknüpft  3-    <2°-    HV9-  f-  **£■     Gegen  Heyne  (ad  Apollod. 

(Dia,  in  Phlius  =  Ganymeda,  in  Sikyon  =  Hebe,  ist  eine  1;  9.  *)>    der  zwei  Kephalos  annahm,  S.    II  elcker, 

Hera-Hypostase:    v.   Wilamowitz,   Herakles  1,  301  <■>;   Philo-  A.  D.  3,  58.     Die  attische  Heimat  des  Kephalos 

logus  a.  O.  S.  616).    Nephele,  des  Kentauros  andre  Mutter,  ist    also    aufser    Zweifel    trotz     seiner    Abstam- 

wird  sogar  vom  Mythos  selbst  als  Heraeidolon  bezeugt,  mung    vom   Phoker  Deion.      Versuche    zur  Er- 

Ixion  ist  beider  echter  Gatte,  ein  aiolischer  Helios  neben  50  klärung    der    letzteren    S.    bei    Töpffer  a.   a.   O. 

der  Hera;  Zeus,   der  achäische  Stammgott,  nur  fremder  o    oqq    Anm    -i  .   orr;    Anm     2 

Eindringling.     Die   Rofsgestalt  haben  aufser  Zeus  ,  der  '                             ' 

sie  erst  von  Ixion  haben  mufs,  Hippe  (-o),  Chariklo  und  jj     TV/Tirtri^n 

Okyroe(V),  Dia,  Nephele;  Ixion  ist    Besitzer  von  Rossen',  _                                 "         .         .       ' 

sein  Sohn  Peirithoos  zugleich  Sohn  und  Gatte  einer  Ken-  Die   Kephalossage    ist    in    ihrer   letzten   Ge- 

taurin;  denn  der  Name  der  Hippodameia  weist  diese  He-  stalt,    wie    sie    bei    Ovid   und    in   HyginS   Fabeln 

roine  dem  Kentaurengeschlecht  zu,  aus  dem  sie  erst  unter  vorliegt,       ein      novellenartig      ausgesponnenes 

dieLapithen  geraten  zu  sein  scheint  (Buttmann,  Mijth.  2  Mythengewebe,   in  welchem  die  attische  Pro- 

222f.).     Hochaltertümlicb,    und    wohl  durch  die  'niedere'  1„„"„„^™„    ,-l„„    tt~  ™    t*;i,1.-4-      „  ,    A~~    r;^l,    -il+~„~ 

.,., '       .         .       .       !_,....      ,,        ,  .    .      „  .  krissage   den  Kern    bildet,   an  den  sien  tiltere 

Mythologie    so  treu  bewahrt,  ist  der  Zug,  dals  das  Rofa  ,    ..?                ,T    .,                                 i  -     t              n 
hier    nicht,    wie    sonst    in    den  aiolischen  Heliosmythen,  Und  jüngere  Mythen    aus  verschiedenen  Sagen- 
ais Gespanntier  erscheint,  sondern  als  die  Tiergestalt  spuk-  60  kreisen   ansetzten.      Diese   Mythen   sind: 
hafter,  räuberischer  und  lüsterner  Menschen- (=  Toten-?)  1)    Der  Raub    d  e  S  K  ephal  O  S  dur  ch  E  O  S  , 

Seelen    in    die    Wildnis    Entrückter.     Verwandiungs-  zuerst  in  der   Theogonie  erwähnt,   dargestellt 

mythos,    also    Dualismus    einer   wechselnden   Tier-    und  oben    Unter    ,,Eos"    Bd.    1    Sp.    1268f.     1273f. 

Menschengestalt,  ist  ja    oft  im  Mythos    vorausgegangen,  2)    Die  Sage    VOUl    teumesisclien  FuellS 

bevor    die    Kunst    (hier   wohl   unter   Anregung    orientali-  ]autete  jQ  der  kyklischeri  Tebais  (bei  phot   un(J 

sener   A  orbilder  vom  KolsiiicuHclien)   nwv.    \  >:\  scbinulzung  „     ,  -,    _.                 ,    .**    «7    ■-,     t  -      mi      i                  t      -kt       1 

beider   in    ein    Mischgeschopf   versuchte,   und  den    mon-  ?Uld.  1  tvunotec) :  Weil  die  Thebaner  die  Nach- 

strösen  Typus    der   weiterarbeitenden  Mythenbildung   als  kommen  des   KadlUOS  vom    thron  ausschlössen, 

neues  Motiv  zurückgab.    Tümpel.]  schickten    ihnen    die    Götter    zur   Strafe    ein 

Koscher,  Lexikon  d.  gr.  u.  röm.  Mythol.    IT.  35 


1091    Kephalos  (Sage  v.  teunies.  Fuchs)  Keplialos  (in  der  att.  Prokrissage)    1092 

schlimmes  Tier,  den  teumesischen  Fuchs  (der  den   Berg,   um  zu   lauschen,    und   als   sie   ihn 

nach  dem  Ort  und  Berg  Teumesos  bei  Theben  dieselben  Worte  ausrufen  hörte,  lief  sie  auf  ihu 

benannt  (Paus.  9,  19,  1.  Steph.  B.  Tevfirjaeog),  zu,  Kephalos  aber  aufser  Fassung  (wohl  besser 

nach   der  Bestimmung   des  Schicksals   nie  er-  nach  dem  kürzer  gefafsten  Scliolion  z.  d.  St. : 

griffen  werden  konnte  und  von  den  Thebanern  in    der    Meinung,    ein    Wild    im   Gebüsch    zu 

jeden   Monat    einen    Knaben   zum    Frafs    ver-  hören)   warf   den  Speer,   den    er   in  der  Hand 

langte  (Apollod.   2,  4,  6.  7).     Kephalos    aber,  hatte,   nach   ihr   und  tötete  sie.     Er  liefs  nun 

Deions  Sohn,   aus  Athen,    besafs  einen  Hund,  den  Erechtheus   kommen   nnd   sorgte  für  eine 

dem  kein  Tier  entrinnen   konnte.     Zum  Dank  glänzende   Bestattung.      Dieser   Bericht   findet 

dafür   nun,    dafs  ihn  die   Thebaner  von   dem  10  sich   teils .  wörtlich ,   teils  in  erweiterter  Form 

unfreiwilligen  Morde  reinigten,  den  er  an  seiner  bei  Eustath.  ad  X  320. 

Gattin  Prokris  begangen,  jagte  er  mit  seinem  Die  Verschmelzung  der  Sagen  nr.  2  und  3 

unentrinnbaren  Hund   den   unfafsbaren   Fuchs.  wurde  dadurch  herbeigeführt,  dafs  Prokris  zur 

Dieser   ewigen  Jagd  wurde  bei  Teumesos  da-  Besitzerin  des  unentrinnbaren  Hundes  gemacht 

durch    ein    Ende    gemacht,     dafs    Hund    und  wurde  (bei  Apollod.  3,  15,  1.  2,  4,  7.    Eratosth. 

Fuchs  (von  Zeus,  Apollod.)  in  Stein  verwandelt  Catast.  33.    Hyg.  astr.  2,  35   nebst  den  damit 

wurden.     Der  Inhalt   der   Sage,    die    auch  in  zusammenhängenden  Schriften  bei  Robert,  Ca- 

nordeuropäischen   Märchen    wiederkehrt    (vgl.  tust.    p.  166 — 169).     Hier    wird    erzählt:    Aus 

Mannhardt,    Ant.    Wald-   und    Feldkulte    58)  Beschämung  über  ihre  Untreue  (die  bei  Apol- 

spricht  von  selbst  für   ein   hohes  Alter.     Am-  20  lodor   in    einem    gewöhnlichen    Ehebruch   mit 

pkitryon    erscheint   hier   noch   nicht    wie    bei  Pteleon,  nach  Töpffer  a.  a.  0.  S   258  dem  Heros 

Späteren    als    Vermittler    zwischen    den    The-  Eponymos  des  attischen  Demos  Ptelea,  um  den 

banern   und   Kephalos.     Der  Tod   der  Prokris  Preis  eines  goldenen  Stirnbands  besteht)  floh  sie 

ist  vorausgesetzt,    doch   steht   diese   mit   dem  zu  Minos  auf  Kreta.     Zum  Lohn  dafür,  dafs  sie 

Hund  noch   in   keiner    Verbindung,   so    wenig  diesen  von  seiner  häfslichen  Krankheit  heilte 

wie  in  der  folgenden  Prokrissage  selbst.  (Apollodor  wieder   gröber:    dafs  sie  ihm  trotz 

3)    Die  attische  Prokrissage  ist  zuerst  derselben  beiwohnte),  schenkte  ihr  Minos  den 

in  der  Kekyia  der  Odyssee,  und  zwar  in  einer  unentrinnbaren    Hund    und    den     unfehlbaren 

attischen  Interpolation  des  Frauenkatalogs  da-  Speer,  die  früher  der  Europa  angehört  hatten 

selbst  l  321  (vgl.   Wilamowits,  Kydaihen  225;  30  und  nun  durch  Prokris   an   Kephalos   kamen. 

Komposition  der  Odyssee  149)  erwähnt,  indem  In    beiden   Sagen   lag    ein  Anknüpfungspunkt 

hier  Prokris  in  einer  Weise  genannt  wird,  die  für   diese  Verschmelzung.     Der  wunderbare 

ihr   Schicksal   als   bekannt  voraussetzt.      Die-  Hund   gehört  auch  anderen  Sagenkreisen  an, 

selbe    galt    allgemein    für    eine    Tochter    des  und  besonders  spielte  der  von  Hephaistos  für 

Erechtheus  (vgl.   Apollod.  3,  15,  1);   dafs  sie  Zeus   gefertigte   auf  Kreta  im   dortigen  Zeus- 

bei   Hygin.   f.    189,   24   Tochter   des    Pandion,  kultus  eine  Rolle  (Anton.  Lib.  36).    Phcrekydes 

bei  Servius  ad  Aen.  6,  445  des  Iphiklos  heifst,  sprach   von   demselben  bei  der  Pandareossage 

beruht     auf    Verwechslung,     s.    Schwenck    in  (schal,   r   518),    ohne  ihn  mit   seiner  Prokris- 

Welckers  Bhein.  Mus.  6,  1838  S.  531.  Nach  sage  zu  verbinden.  Andere  aber  reihten  die 
der  ältesten  Fassung  bei  Pherekydes  (Schal.  I  40  Besitzer  des  wunderbaren  Hundes,  Zeus,  Europa, 
321;  vgl.  dazu  WilamomtZ,  Hermes  1883,  425)  Minos,  Prokris,  Kephalos,  aneinander,  so  Ni- 
lantet  die  Sage:  Kephalos,  des  Deioneus  Sohn,  kandros  (fr.  97  Schneider)  in  seinen  'Etsqoiov- 
heiratete  die  Erechtheustochter  Prokris  und  (itva,  und  vor  ihm  Istros,  auf  welchen  die  an- 
wohnte in  Thorai  (südlich   vom  Hymettos;  so  geführten    Stellen    bei    Apollodor,    Catast.    33 

Wilamoivitz  und  Töpffer,  Lesart  nicht  sicher).  u.  s.  w.  ohne  Zweifel  zurückzuführen  sind  (s. 
Um  die  Treue  seiner  jungen  Frau  auf  die  Robert  a.  a.  0.  Wilamowit:,  Hermes  1883,  424). 
Probe  zu  stellen,  ging  er  auf  S  Jahre  in  die  Europa,  welche,  den  Hund  (und  Speer)  zum 
Fremde  und  kehrte  dann  in  verstellter  Gestalt  Wächter  oder  als  Geschenk  erhält,  bildet 
und  mit  reichem  Schmuck  zurück,  um  dadurch  durch  ihre  Einschliefsung  in  der  Höhle  bei 
Prokris  zu  gewinnen,  die  auch  wirklich  teils  50  Teumesos  (Antim.  Tlieb.  fr.  3  Stall)  auch  wie- 
durch  den  Schmuck  teils  durch  die  Schönheit  der  eine  Anknüpfung  für  den  teumesischen 
des  Kephalos  sich  verleiten  liefs,  sich  ihm  zu  Fuchs.  Andrerseits  enthält  auch  die  Prokris- 
ergeben.  Jetzt  gab  er  sich  unter  Vorwürfen  sage  einen  Zug,  der  zur  Verbindung  mit  dem 
zu  erkennen,  doch  kam  es  zur  Versöhnung.  unentrinnbaren  Hunde  führt:  Prokris  ist 
Da  nun  Kephalos  häufig  auf  die  Jagd  ging,  Jägerin,  von  Xenojilion  Cyn.  13,  18  wird  sie 
schöpfte  Prokris  gegen  ihn  Verdacht  wegen  mit  Atalante  unter  den  berühmten  Jägerinnen, 
Untreue.  Sie  befragte  seinen  Diener,  und  dieser  von  Kallimachos  Dian.  209  unter  den  jagd- 
berichtete ,  Kephalos  rufe  oft  auf  einer  Berg-  liebenden  Begleiterinnen  der  Artemis  auf- 
spitze: Wolke,  erscheine!  (ci  vnpsln,  naga-  geführt.  Dies  tritt  auch  mehrfach  in  den  Dar- 
ytvov).*)     Prokris   begab   sich   nun   selbst   auf  60  Stellungen   der   Prokrissage   hervor:   bei   Ovid 

schweift  sie,   nachdem   sie   der  Untreue  über- 

*)  [unter   der  Bergspitze,  auf  der  Kephalos  jagt,  ist  führt   ist,  jagend    durch    die  Berge,    bei    AyOÜO- 

wahrseheinlich  der  westlich  von  Thorikos  und  Kephale  (jor  3>  ^  j  begleitet  sie  nach  der  Wieder- 
gelegene Hynieltos  zu  verstehen,  um  dessen  Spitze  öfterB 

früh    morgens  dünne  Nebelschleier  flattern,    welche  die  ist,  hegen  genau  denselben  "Wunsch  wie  Kephalos  (u>  vs- 

hoher    steigende    Sonne    bald    zerstreut.      Vgl.    Neumann.  <P&*1,  naoayivov),  weil  die  "Wolkenbilduug  am  Hymettos 

Bartsch,    Pliys.   Oeoar.    v.  tiriechenl.    S.  26  u.  12t.     Die  Be-  nach  langer  Dürre  in  der  Kegel  das  ersehnte  Vorzeichen 

wohner    der    attischen   Ebene    aber,    deren   Eeprasentant  des  Kegens   ist   (Neumann-P.  a.  a.  O.  S.  27.    A.  ilommsen, 

in    dieBem   FaUe    Kephalos,    der  Eponymos  von  Kephale,  Griech.  Jahreszeiten  1  u.  2  S.   140).     Koscher.] 


1093  Kephalos  (in  der  att.  Prokrissage)  Kepbalos  (vor  d.  Areopag)        1094 

Versöhnung  mit  Kephalos  diesen  auf  die  Jagd  ling  verkleidet   kehrt   sie   zu  Kephalos  zurück 

{fjv  yag  9ngsvrL-xri),   und  hierbei  tötet  sie  Ke-  und    jagt    mit    ihm    unerkannt;     ihn   ergreift 

phalos,   ohne    es   zu  wollen,    mit   dem    Speer.  heftiges  Verlangen  nach  dem  Besitz  des  wert- 

So  wird  denn  auch  die  Schenkung  des  Hundes  vollen  Hundes  und  Speers;  sie  verspricht  ihm 

durch   Minos   bei   Hyg.   astr.  2,  35    mit    ihrer  dieselben,   wenn   er   sich   ihr  zur  Knabenliebe 

Jagdliebe  begründet,  und  auch  sonst  erscheint  ergebe,  und  da  er  bereit  ist,  giebt  sie  sich  zu 

sie    als    Besitzerin     des    Hundes     (Athen.    12  erkennen.     Sie  versöhnen   sich,  und   Kephalos 

p.  553  b)  und  des  dazu  erdichteten  unfehlbaren  erhält  Hund   und   Speer.     Nun   folgt   der  Tod 

Speeres,  woher  das  sprichwörtliche  ügotigiSog  der  Prokris,   bei  Ovid  wiederum    übereinstim- 

aKovza,  Suid.  s.  v.  JEustath.  ad  X  3f>0.    Ebenso  10  mend  mit  Pherekydes,  aber  durch  ausführliche 

gut    aber    konnte    die    Schenkung    von    Hund  Gefühlsmalerei    erweitert,    in    doppelter    nur 

und   Speer,    wie   bei    Hyg.   f.   189,    Ovid    und  wenig    abweichender    Erzählung    Met.    7,    796 

Paus.  9,  19,  1,  auf  Artemis  zurückgeführt  wer-  und  Art.  am.  3,  686 — 746.     Hier  erscheint  zu- 

den,    die    auch    bei    Callim.    Dian.   207    einer  erst   das  tragische  Motiv,    dafs  Prokris  durch 

ihrer  Nymphen   einen   Hund   schenkt,   und   es  den  unfehlbaren  Speer,  ihr  eigenes  Geschenk, 

fragt    sich,    ob   Minos    oder  Artemis   das   Ur-  stirbt;  aus  Nephele  bei  Pherekydes  macht  Ovid 

sprüngliche    war.      Erwägt    man,    dafs    Istros  eine  Aura,  die  kühlende  Luft,  vgl.  Jahn,  Arch. 

der  Schüler  des  Kallimachos  war,  der  in  seinem  Bettr.  74--f.     Eine    günstige   Meinung    für    die 

Gedicht   auf  Artemis   von   Kreta   ausgeht  und  Darstellung  Orids  erweckt  die  Übereinstimmung 

Prokris  unter  den  kretischen  Nymphen  Brito-  20  mit  dem  attischen  Vasenbild,  das  den  Tod  der 

martis    und    Upis    aufführt,     60    möchte    man  Prokris  wiedergiebt,  s.  unten.     Bei  Hygin  ist 

glauben,  Istros  sei  hierdurch  veranlafst  worden,  die  von  Prokris  gefürchtete  Nebenbuhlerin  statt 

Prokris  nach  Kreta  und  mit  Minos  als  dem  Be-  Aura    wiederum    Aurora.      Die    Verwechslung 

sitzer   des  Hundes   in  Verbindung  zu  bringen.  dieser  beiden  hat  in  dem  Bericht  des  Servius 

In  die  Krankheitsgeschichte  des  Minos  scheint  (ad  Verg.  Aen.  6,  445  ed.  Thilo),  der  im  ganzen 

dann  Prokris  durch  eine  etymologische  Spielerei  dem    Ovid,    in   einer   Einzelheit   Hygin    folgt, 

hineingezogen  worden  zu  sein  (vgl.  Antun.  Lib.  heillose  Verwirrung  angerichtet.  Antoninus  Lib. 

41  ngörsgov  t£,i%QLvev).  erzählt  den  Tod  der  Prokris  gar  nicht,  sondern 

Endlich    wurde    auch    die    Sage   nr.  1   mit  schliefst    an    die   Versöhnung   und    die    Über- 

nr.    2    und    3    verbunden,    sehr   äufserlich   bei  30  lassung  des  Hundes  an  Kephalos  die  Geschichte 

Apollod.    1,   9,   4,    der    Kephalos    Gemahl    der  vom  teumesischen  Fuchs,  die  Ovid  vorher  ein- 

Prokris  und  Liebling  der  Eos  neben  einander  schiebt,  und  vom  Taphierzug  an. 

nennt,     zu    einem    Ganzen    verschmolzen    bei  4)   Kephalos    vor    dem    Areopag.     Der 

Hyg.   f.  189.     Ovid  Mit.  7,  690—862.    Anton.  Bericht  Apollodors  3,  15,  1,  der  manches  Eigen- 

Lib.  41  (Serv.  ad  Aen.  6,  445),  die  im  wesent-  tümliche  hat,  schliefst  die  Erzählung  vom  Tod 

liehen  übereinstimmen,  im  einzelnen  variieren,  der  Prokris   mit  den  Worten:   „und  Kephalos 

besonders    in   der   Motivierung,    die   bei   Ocid  wurde    vor    ein    Areopaggericht    gestellt    und 

am    feinsten    durchgearbeitet     ist.      Die    Er-  zu     ewiger    Verbannung     verurteilt."      Schon 

Zählung  beginnt  mit  der  glücklichen  Ehe  des  Hellanikos   hatte    unter    den    der  Sage    ange- 

Kephalos   und   der   Prokris,   wozu   Hygin   das  40  hörigen  Richtersprüchen  des  Areopag  den  Fall 

ausdrückliehe  Versprechen  gegenseitiger  Treue  des  Kephalos  aufgezählt  (Schal.  Hur.  Or.  1648), 

hinzufügt.     Kephalos  jagt  in  der  Morgenfrühe  doch  scheint  Apolludor  dies  nicht  aus  ihm  ge- 

auf   den   Höhen    des   Hymettos,    da   sieht  ihn  schöpft  zu  haben  (Robert,  Apoll,  p.  90).    Viel- 

Eos,   liebt  ihn   und  verlangt  Gegenliebe;   Ke-  leicht  aber   auch  nicht  aus  Istros   (fragm.  19, 

phalos  widersteht.    Eos  entläfst  ihn,  bei  Hygin  Müller,  Fr.H.Gr.  1  p.  420),  bei  welchem  die  Er- 

mit   den  Worten:   ich  will  nicht,   dafs  du  die  Zählung  von  Prokris'  Tod  mit  dem  feindseligen 

Treue   brichst,   wenn   Prokris    es   nicht   zuerst  Auftreten  des  Erechtheus  geschlossen  zu  haben 

thut.     Bei   Ovid  spricht  sie:  „behalte  Prokris,  scheint,  der  bei  der  Beerdigung  die  Lanze  ins 

Undankbarer,   aber   du  wirst  bereuen,   sie  be-  Grab  stiefs,  um  es  damit  als  das  eines  ßiuiag 

sessen  zu  haben",  wodurch  der  nun  in  Kephalos  50  cltiq%uvwv  zu  bezeichnen  (das  äögv  insvsynsiv 

aufsteigende    Verdacht    gegen    die    Treue    der  vgl.    Schümann,  Gr.  Altert.  2-,  541),   während 

Prokris    und    sein    Entschlufs,    diese    auf   die  bei  Pherckydes  (s.  oben)  sich  Erechtheus  ohne 

Probe  zu  stellen,  motiviert  wird.    Hierbei  hilft  derartige  Handlung  an  der  Bestattung  beteiligt. 

Eos,   besonders  bei  der  Verwandlung  des  Ke-  Die  Verbannung  des  Kephalos  aus  Athen  wird 

phalos,  tritt  aber  von  da  an  ganz  zurück.    Die  öfter   erwähnt,    um   dann   die   Begegnung  mit 

Verbindung   der   Eos    mit  Kephalos   mufs   bei  Amphitryon  anzuknüpfen,  Strab.  p.  456.  Paus. 

dieser  Verschmelzung  aufgegeben  werden  (bei  1,  37,  6.   Etym.  M.  507,  26.   Eustath.  p.  307,  5. 

Anton.  Lib.,  der  jene  beibehält,  zeigt  sich  der  —   Töpffer,  Attische  Geneal.    S.  258f.    hält  die 

Widerspruch);   dafs   man   das   schon  frühe  er-  Version   der   Sage   bei  Apollodor,   welche   die 

kannte,  beweisen  die  attischen  Vasenbilder;  s.  60  vom   Areopag    gerichtete   Blutschuld   des   Ke- 

Bd.  1  unter  „Eos"  Sp.  1269.  1275.    Hierauf  folgt  phalos  zum  Mittelpunkt  hat,  für  älter  als  die- 

die  Versuchung  der  Prokris,  nach  Pherekydes ;  jtmige   bei  Pherekydes,   welche   erst  durch  die 

dann  die  Trennung  und  Flucht  zu  Artemis  oder  Übersiedelung    der    Kephaliden    in    die   Nähe 

Minos  und  die  Schenkung  des  Hundes  Lailaps  von  Athen  entstanden   sei.     Vielmehr   ist  die- 

und  des  Speeres,  nach  Istros.    Nur  der  letzten  jenige  Version,  welche  den  Kephalos  vor  den 

Gestalt  der  Sage  (bei  Hygin  und  Anton.  Lib.;  Areopag  in  Athen  stellt,   als  die  spätere,  zum 

bei  Ovid,  wo  Kephalos  erzählt,  nur  angedeutet)  Ruhm  Athens  ersonnene  anzusehen, 

gehört  die  Rache   der  Prokris   an.     Als  Jung-  5)  Kephallenisehe  Sage  und  Taphier- 


1095   Kephalos  (kephallen.  Sage,  Taphierzug)  Kephalos  (u.  Klymene;  Deutung)    1096 

zug.     Kephalos   galt,   gewifs   nur  infolge   der  der  ersteren  den  Rücken  zuwendend,  weil  nach 

Namensgleichheit,  als   Eponymos  von  Kephal-  Pausanias  in  den  Nosten  gedichtet  war,  Kly- 

lenia  (früheste  Zeugnisse  Aristoteles  im  Etym.  mene,  Tochter  des  Minyas,  sei  mit  Kephalos, 

31.  144,  26  u.   Heraclid.  Polit.  fr.  27   Schmid),  Deions   Sohn,   verheiratet    gewesen   und  habe 

und    gewisse    Geschlechter   der    Insel    leiteten  ihm  einen  Sohn  Iphiklos  geboren.     Pausanias 

ihre  Herkunft   von   den  Söhnen   desselben   ab.  sucht    seinerseits    die    ursprünglich    sich    aus- 

Zur  Begründung   dieser   Meinung   bedurfte   es  sehliefsenden  Sagen  dahin  zu  vereinigen,   dafs 

der  Anknüpfung  an  die  attische  Kephalossage,  „allgemein  die  Ehe  mit  Prokris  für  die  frühere 

und  hierzu  bot  sich  der  von  Theben  aus  unter-  gelte".    Die  Namen  Klymene  und  Iphiklos  sind 

nommene    Zug    des    Amphitryon    gegen    die  10  auch    sonst    in   die   Kephalossage   verflochten, 

Taphier   dar,   an   welchem  man  den  Kephalos  s.    Wileimowitz,  Hermes  18,  423  und  oben, 
teilnehmen  liefs.     Dies  konnte  entweder  direkt  Die  Identität  des  Kephalos   im  Eosmythos 

durch  den  Aufenthalt  des  Kephalos  in  Theben  und  in  den  an  seine  Verbindung  mit  Prokris  sich 

nach  seiner  Verbannung  aus  Athen  geschehen  ansehliefsenden  Sagen   zeigt  sich  auch  in  der 

(so   bei  Paus.    1,   37,   6.     Eustath.   p.  308,  14)  übereinstimmenden  Auffassung   seiner   Person, 

oder   durch   Einschiebung   der  Sage   vom  teu-  In  beiden  erscheint  er  jung  und  schön  (j>eos 

mesischen  Fuchs,  indem  Amphitryon  nach  Athen  n«t  Kalos  «at  ävägsiog  Anton.  Lib.  41);  seine 

kam  und  Kephalos  durch  das  Versprechen  eines  Schönheit  spielt  ebenso  beim  Raub  durch  Eos 

Anteils  an  der  Taphierbeute  zur  Jagd  auf  den  (Patts.  1,  3,  1.  3,  8,  12)  als  in  der  Prokrissage 

teumesischen  Fuchs  und  zugleich  zum  Taphier- 20  (bei   Pherehydes)    eine  bedeutsame  Rolle;    bei 

zug  gewann,    wie  Apollodor  2,  4,  7  und  nach  Athen.  13    p.  566  d   und   Hyg.   /'.  270   wird   er 

ihm    Anton.   Lib.   41    erzählt.      Da   somit   die  unter  den  hkMigtoi  aufgeführt.   Ebenso  wesent- 

Verbindung   zwischen   der  Jagd    des  teumesi-  lieh  und  beiden  Sagen  gemeinsam  ist  der  Zug, 

sehen    Fuchses     und    dem    Taphierzug    nicht  dafs   Kephalos  Jäger   ist;    er   bildet  für   den 

wesentlich   ist ,    darf   die   Teilnahme    des   Ke-  Raub     der    Eos    wie    für    die    Schicksale    der 

phalos  an  letzterem,  wie  überhaupt  die  kephal-  Prokris,  ihre  Rache,  ihre  Eifersucht  und  ihren 

lenische  Sage,   als   späteres  Erzeugnis  der  Re-  Tod  die  Motivierung  und  Voraussetzung.    Auch 

flexion   angesehen   werden.     Über  den  Verlauf  auf  den  Bildwerken  mit  der  Verfolgung  durch 

des  Taphierzugs  s.  „Amphitryon"  Bd.  1  Sp.  323;  Eos    (s.    unten)    erscheint    er    mit    Hund    und 

die  auf  Kephalos  bezüglichen  Thatsachen,  dafs  30  Speer,  wenn  den  letzteren  hier  auch  noch  nicht 

er   für   seine  Teilnahme   die  Insel   Taphos   er-  dieselbe  Bedeutung  wie  in  der  Sage  von  Prokris 

hielt  und   dieselbe  nach  sich  Kephallenia  be-  und  vom  teumesischen  Fuchs  zukommt.    Auch 

nannte,  werden  oft  erwähnt,  aufser  dem  dort  X.enophon  Gyn.  1,  2   zählt  ihn  unter   den  be- 

Angeführten  Strab.  p.  456.  459.  461.  Epaphrod.  rühmten  Jägern  der  Sage  auf;  vgl.  Aelian  nat. 

in  Et.  31.  507,  26.  Stepli.  B.  p.  381,  18.  Eustath.  anim.  Epil. 
p.  307,  5.   308    14.     Hier  erzeugte   er  mit  Ly-  m     Deut 

sippe   vier   Bohne,    welche   lnr   die   Eponynioi 

der  vier  kephallenischen  Stämme  der  üqovooi,  Der  Raub  des  Kephalos  durch  die  Göttin  der 

Eapaiai,  Kqüvhoi,  TlaXfig  galten  (die  Namen  Morgenröte,    verglichen    mit    dem    ähnlichen 

der   Stämme    und   noch   mehr   die    der   Söhne  10  Schicksal  ihrer  andern  Lieblinge,  insbesondere 

sind  seh  wankend  überliefert);  Etym.  M.  p.  507,  die  Aufführung  jener  Begebenheit  mitten  unter 

26.  Steph.  B.  KgüvioL.    Andrerseits  leitete  auch  den  Erscheinungen  des  Sonnenaufgangs  auf  der 

ithakesische  Ortssage  das  Gesohlecht  des  Laer-  Vase  Mus.  Blacas  18  (abgeb.   Bd.  1  Sp.  2010), 

tes  von  ihm  ab,   mit  folgendem   Stammbaum:  führen  darauf,   einen  natürlichen  Vorgang  als 

Kephalos,  Keleus  (Kileus),   Arkeisios,   Laertes,  Grundlage   des  Kephal osmythos   zu  vermuten, 

vgl.  Eustath.  ad  B  631.    Sehol.  L  V  ad  B  173.  So  sah  Welcher  (A.  D.  3,  55)  in  Kephalos  das 

Arkeisios  galt  aber  auch  für  den  Sohn  des  Ke-  Dunkel,  welches  von  der  erscheinenden  Morgen- 

phalos,  entweder  von  Prokris  Hyg.  f.  189,  oder,  röte  entführt  wird;    O.  Jahn  (Arch.  Beitr.  77) 

nach  einer  eigentümlichen,  von  Aristoteles  be-  „die    Frühe    des    Morgens    vor    und    um    den 

zeugten  Sage,  von  einer  Bärin,   s.  „Arkeisios"  50  Sonnenaufgang,    in    ihren    verschiedenen    Er- 

Bd.   1    Sp.  554.    An  Kephallenia   knüpfte   sich  scheinungen,  wie  sie  sich  namentlich  auf  dem 

endlich  auch   die,  offenbar   der  Sappho   nach-  Berge   zeigen"   [ähnlich  Ch.  Ploix,  La  nature 

gebildete  Sage  vom  Sprung  des  Kephalos  vom  des  dieux.    Paris  1888  S.  235  ff.   R.],    letzteres 

Leukatischen  Felsen  aus  Liebe  zu  einem  Ptere-  auch    mit  Rücksicht    auf   die    Erzählung   von 

las  (?)  Strab.  p.  452.  461.    Schwende,  Welckers  Nephele    oder    Aura   im  Prokrismythos.     Um 

Lihein.  Mus.  6,  554.    Welcher,  A.  I).  3,  59.  —  auch  zugleich  den  letzteren  zu  erklären,  nimmt 

Töpffer  a.  a.  O.   S.  265   findet   darin   eine  Be-  Prcller  (Gr.  Myth.  2a,  145)  Kephalos   für  den 

ziehung  auf  einen   daselbst  üblichen  apollini-  Morgenstern,  Prokris  für  den  Mond,  während 

sehen  Sühngebrauch.  Max  Müller  (Essays  22,  78   Franche)  in   Ke- 

6)  Die  Verbindung  des  Kephalos  mit  60  phalos  die  aufgehende  Sonne  sieht,  die  ebenso 

Klymene,   Tochter  des  Minyas,   gehört  dem  zu  Prokris,  dem  Tau,  wie  zu  Eos  in  Beziehung 

Sagenkreis  der  Mi ny  er  an  und  ist  uns  nur  aus  stehe.      [Ganz  ähnlich   wie    M.    Müller   deutet 

der   Beschreibung   der  polygnotischen   Lesche  den   Mythus  von   Kephalos   und  Prokris   auch 

bei  Paus.  10,  29,  6  bekannt.    Polygnotos  folgte  Pohtes  (O  "HXios  Kazä  rois  Srjiicödsig  fivd-ovs- 

in  seiner  Darstellung  der  Unterwelt  der  honte-  'Er  'A&r)vais  1882  S.  25  ff.),  indem  er  sich  auf 

Tischen  Nehyia,  fügte  aber  auch  einzelnes  aus  ein    neugriechisches    aus    Attika    stammendes 

den  Kostoi  hinzu  (vgl.  Welcher,  Kl.  Schrift.  5,  Märchen  beruft,  das  ihm  die  wesentlichsten  Ele- 

66).    So  stellte  er  neben  Prokris  die  Klymene,  mente   der   Kephalossage   in  einfachster  Form 


1097 


Kephalos  (Deutung) 


Kephalos  (.Deutung) 


1098 


zu  enthalten  scheint  und  folgendermafsen 
lautet:  „6  "HXtog  navxgsvxrj  xr\  ZsXrivrj' 
xi\v  'TtiJQS  yvvaixa  Kai  xr[V  dyaitovot,  äXXd  xa! 
xrjv  gijXivz  TtaganoX-i.  /Sid  xovxo  oao  rjxov  ö 
"HXiog  's  xb  enLxi,  r/  £tl.  Siv  itpa&exo,  dXX' 
tficvs  Kgvfi^-ivi].  "H&eXs  oficog  vec  tßyy  Kai  avxr] 
v.OfjfiaraHt  e'|w  Kai  xr/gays  itoxs  9ä  'ßyr]  b 
avxgag  xr\g  yiaxi  rjrav  Kvvr\y bg  Kai  'nriyaive 
Ka&Tjusga  'g  xb  %vvr\yi.    "Oxav  nsgvays  b  HXiog 


gehörigen  astronomischen  Mythen  (K.  0.  Müller, 
Prolegom.  z.  Mythol.  196)  und  erlangte  durch 
Homer  allgemeine  Geltung,  Kephalos,  sein 
attisches  Ebenbild,  verlor  durch  seine  Herein- 
ziehung in  die  attische  Landessage  den  sideri- 
schen  Charakter.  Aber  aufser  seinem  Hund 
erinnert  noch  daran  die  Sage,  dafs  er  mit  Eos 
den  Phaethon  d.  h.  den  Morgenstern  erzeugt 
(Hes^  theog.  986.     Hyg.    astr.  2,  42),    der   aus 


fr 


\ 


■H'-T- 


niaco   ano   xa   ßovva,   aua  ätv  auovys  xa  ßr\-  10  der  Begegnung  des  schönen  Jägers  am  Nacht 

fiaxd  xov  Kvxxagi  i^7tai.b7iovXcofiav7]  mg  xa  '  Lidxta 

tioxs  &d   'ßyfj.    ~"Av  t'ßXsns  xr,v  dy.oXov&ia  xov,  \ 

xäg  durlvag,   i'fisvs   c«f jrao'fiei'jj  •   dfia   ivdvsxo  '-'A 

Kai  b  xiXzvxalog  dnb  xr\v  dv.oXov&ia  xov  ävbgog  '-- &■•__ T       ^'^ 

T7js,    i'ßyavs   xb  ngboartto  xvg  v.ai  E^aipfro  xbv 

v.ößfio.     'Afia   itdXiv    ißXsns    dnb  xa  ßovvd  xf/v 

aKoXov&Ca     iig    xrpi    uvaxoXrj,     eunaivs    ii£Ga. 

Exgi,    ^ovgs    Twvxoxs  KaXd  fxe  xov  dvxga   tt^s." 

Vgl.  auch  Boscher,  Seieneu.  Verwandtes  Kap.  10. 

Der  Mythus  vom  Raube  des  Kepha- 

los  durch  Eos  läfst  sich  mit  dessen  m 
Deutung   als  Sonne  leicht  in  Ein-  %' 
klang     bringen,     wenn     man     be-   \  V    Jär 
denkt,    dafs    Eos    nicht    blofs   die  '""'"''' 

Morgen-,   sondern  auchdie  Abend- 
röte bedeutet,  daher  ihre  Wohnung  schon    \ 
bei  Homer  (/*  1  ff.)  auf  die  westliche     \ 
Insel  Äiaia  verlegt  wird.  (Weiteres  unter       ■ 
„Eos"  Bd.  1  Sp.   1256  f.).     Röscher.]  v   ; 

In  den  astronomischen  Schriften,  die         fc'J 
wahrscheinlich  auf  einen  gelehrten  Ära-       j,*  ' 
toskommentar  zurückgehen,  [Enitodh.~\    '  W% 
Catasterism.   33    und    den    Germanicus-  ..-.'* 
scholien  b.  Bobert,  Eratosth. 

p.  166  f.,   schliefst  die  Er-  ,"  ■% 

Zählung  von   der  Jagd  des  ■  ■/' 

teumesisehen  Fuchses    da-  *       ..---' 

mit,    dafs  nur    der  Fuchs  -•:"    A?.y'        ? 

in    Stein   verwandelt,    der        ,»-''  *-.iyjf        i 
Hund   des    Kephalos    aber  / 
unter    die   Steine    versetzt 
wird.     Hieran   knüpft   der 
Verf.  der  Catasterismen  die 
Bemerkung:  „Manche  hal- 
ten diesen    Hund   für    den 
des  Orion,  der  zugleich  mit 
Orion     unter     die     Sterne 
versetzt  wurde",   also   für 
den  Sirius  (TZ.A'29);  ebenso 
Schol.     Sangermanens.     in 
Germern,  p.  167,  18  Breysig. 
Kephalos    hat    sogar    den 
Orion   aus  dem  Besitz  des 
Sirius  verdrängt,  indem  in 
den  Cataster.  und  bei  Hyg.  astr.  235  der  Kvcov 
(Sirius)  dem  Kephalos,  der  ngoKvav  dem  Orion 
zugeschrieben   wird.     Ist  aber   der   Jäger   Ke- 
phalos der  Besitzer  des  unsterblichen,  an  den 
Himmel    versetzten    Hundes    —    und    dafs    er, 


w 


r 


'W—^J: 


is& 


1)  Eos  den  Kephalos  raubend,  Terracotta  (nach  Arch.  Zcitg.  Ed.  33, 
Taf.  15  nr.  1). 


himmel  mit  der  Morgenröte  hervorgeht,  wofür 
die  Erzeugung  des  Heosphoros  durch  Eos  und 
Astraios  (Theog.  381)  nur  eine  Variante  ist. 
Endlich  erinnert  noch  daran  der  der  Keule 
des  Orion  und  unserem  „Jakobsstab"  ent- 
nicht   Prokris,    ursprünglich    der   Besitzer  ist,  60  sprechende    Speer    (vgl.    Wilamowitz,    Hermes 


lehrt  die  alte  teumesische  Sage  —  so  ist  er 
selbst  nichts  anderes  als  der  himmlische 
Jäger,  der  am  nächtlichen  Sternenhimmel 
glänzt.  Somit  ist  Kephalos  der  attische  Orion 
(vgl.  Robert,  Eratosth.  p.  244  A),  der  ja  eben- 
falls Jäger  ist  und  von  Eos  geraubt  wird. 
Orion,  der  Riese  des  Nachthimmels,  gehört  zu 
den   ursprünglichen,    dem    Volksglauben     an- 


18,  425),  der  natürlich  wie  der  Hund  zum 
Katasterismos  bestimmt  war.  Dem  Griechen 
gingen  die  Vorstellungen  eines  von  Jugend 
und  Schönheit  strahlenden  Jünglings  und  eines 
leuchtenden  Sterns  leicht  ineinander  über.  Wie 
auf  Vasenbildern  die  Sterne  als  Knaben,  Helios 
als  Strahlenhaupt  dargestellt  wurden,  so  wurde 
umgekehrt  auch  ein  schöner,  Liebe  erwecken- 


1099 


Kephalos  (Deutung) 


der  Jüngling  ein  „Stern"  genannt,  vgl.  Z  401 
nnd  das  Epigramm  Piatons  A.  P.  7,  670. 
Den  Morgenstern  dachte  man  sich  als  schönen 
Knaben,  und  Callim.  Del.  302  nennt  ihn  oiXog 
i&ii'gats  "Eontgof,  einen  „Krauskopf".  Darum 
wird  auch  der  Name  seines  Vaters  Kiqiul.os, 
der  von  xsrpalri  abzuleiten  ist  {Cartius,  Etym.b 
S.  148),  als  „Sternhaupt"  zu  deuten  sein,  um 
so  mehr,  da  bei  den  Sternbildern  zuerst  der 
einzelne,  grofse  Stern  den  Namen  eines  Men-  10 
sehen,  Tiers  u.  s.  w.  erhielt,  und  erst  in  der 
Folge  die  kleineren  Sterne  damit  zu  einem  Stern- 
bild verbunden  wurden;  vgl.  Robert,  Erotostk. 
p.  244. 

Die  Deutung  der  Prokris  auf  den  Mond, 
welche  von  Preller,  Gr.  Myth.  2-,  147  aus 
ihrem  Tod  hergeleitet  wurde  („ein  Bild  für 
den  sich  versteckenden  und  erblassenden  Mond, 


Kephalos  (in  der  Kunst)  1100 

sich  auch  die  Erzählung  von  der  Begegnung 
des  Kephalos  mit  der  Bärin  deuten,  welche 
nach  Useners  Ausführung  (S.  334)  eine  alte 
Vorstellung  für  die  Mondgöttin  war.  Manchen 
einzelnen  Zügen  der  Sage  wird  übrigens  keine 
tiefere  Bedeutung  beizulegen  sein,  so  z.  B.  der 
achtjährigen  Abwesenheit  des  Kephalos,  worin 
Tiiptf'er  a.  a.  O.  S.  260  den  Gedanken  einer 
Sühnefrist  findet,  den  er  mit  dem  im  Kepha- 
lidengeschlecht  heimischen  Apollodienst  in 
Verbindung  bringt. 

IV.    Kephalos  in  der  Kirnst. 

1)  Da  die  Sage  von  der  Entführung  schöner 
Jünglinge  durch  Eos  sich  aufser  der  attischen 
Kephalossage  auch  in  den  Mythen  anderer 
griechischer  Stämme,  von  Orion,  Tithonos, 
Kleitos,  wiederholt,  und  der  älteste  Kunsttypus 


2):  Eos  verfolgt  den  Kephalos,  Yasenbild  (nach  Millin,  Peint.  de  tases  II,  35). 


wenn  der  junge  Morgen  kommt"),  ist  von 
Usener,  liliein.  Mus.  1868,  337  [vgl.  Boscher, 
Selene  u.  Yrnvandtes  Kap.  10]  umfassender 
begründet  worden.  Nach  ihm  stellt  das 
Märchen  von  Prokris,  die  den  Gatten  meidet, 
zu  ihm  zurückkehrt  und  durch  ihn  stirbt,  das 
Gehen,  Wiederkehren  und  die  Verfinsterung 
des  Mondes  dar.  Darauf  bezieht  er  auch 
ihre  Verbindung  mit  Artemis,  das  goldene 
Stirnband  nnd  den  Hund  als  Tier  der  Hekate 
und  Symbol  des  Lichts.  Wenn  der  letztere 
auch  nicht  der  frühesten  Gestalt  der  Prokris- 
sage angehört  und  in  dieser  überhaupt  bald 
die  märchenhaften  Züge  überwiegen,  so  finden 
doch  die  wesentlichen  Bestandteile  derselben 
in  dieser  Deutung  ihre  ausreichende  Erklärung, 
und  namentlich  scheint  Prokris  als  Mond  auf- 
gefafst  gut  zu  dem  schöuen  Jäger  am  Sternen- 
himmel zu  stimmen,  dem  sie  bald  nahe  kommt, 
bald    entschwindet.      In    gleichem    Sinn    läfst 


dafür,  welcher  Eos  mit  dem  Knaben  in  den 
50  Armen  als  Gruppe  darstellte,  der  altioni- 
schen und  etruskischen ,  nicht  aber  der  alt- 
attischen  Kunst  angehörte,  so  können  diese 
Darstellungen  (aufgezählt  und  zum  Teil  ab- 
gebildet unter  „Eos"  Bd.  1  Sp.  1272 f.)  nicht 
mit  Sicherheit  auf  Kephalos  bezogen  wer- 
den. Nur  einmal,  am  amykläischen  Thron, 
ist  die  Benennung  Kephalos  durch  Paus.  3, 
18, 12  angegeben,  und  auf  der  Gruppe  von  Delos, 
die  vielleicht  unter  attischem  Einflufs  ent- 
60  standen  ist  (vgl.  Furtwängler,  Arch.  Ztg.  40, 
363)  ist  durch  den  Hund  auf  Kephalos  hin- 
gedeutet. Erst  seitdem  die  attische  Kunst 
diesen  Typus  übernahm,  ist  die  Beziehung  auf 
Kephalos  sicher.  Das  erste  Denkmal  dieser 
Art  ist  das  in  noch  etwas  altertümlichem, 
feierlichem  Stil  gehaltene  attische  Thonrelief 
Archäol.  Ztg.  33  Tf.  15,  1  (s.  Abbildung  1), 
welches  Curtius  (ebd.  S.  167)  der  kimonischen 


1101  Kephalos  (in  der  Kunst) 

Zeit  zuschreibt.  Kephalos  ist  hier  sowie  auf  den 
attischen  Vasenbildern,  welche  diesen  Typus 
wiedergeben  (s.  „Eos"),  der  attischen  Sage  ge- 
mäfs,  die  ihn  als  rüstigen  Jäger  auffafst,  zwar 
mit  jugendlich  schönem  Körper,  aber  erwachsen 
dargestellt,  im  Anschlufs  an  den  überlieferten 
Typus  jedoch  ohne  Attribute,  nur  mit  einer 
Binde  oder  einem  Kranz  im  Haar,  dem  hoch- 
zeitlichen Lorbeer  (über  die  Leier  dlon.  d. 
Inst.  3,  23,  1 ;  s.  unten),  und  in  der  traditio-  10 
nellen  Haltung,  dafs  er  den  rechten  Arm  um 
den  Nacken  der  Göttin  legt.  Wenn  er  ander- 
wärts auch  nicht,  wie  hier,  der  Göttin  ins 
Auge  blickt,  so  ergiebt  er  sich  doch  ruhig  in 
sein  Schicksal.  Auf  den  Vasen  wendet  sich 
die  Göttin  zuweilen  (vgl.  die  Abbildung  von 
M.  d.  I.  10,  39,  3,  Bd.  1  Sp.  1275)  rückwärts, 
offenbar  nach  andern  Personen,  aus  deren  Kreis 
sie  Kephalos  geraubt  hat,  wodurch  sich  die  ge- 


Kephalos  (in  der  Kunst)  1102 

die  Vase.B?r<crts  (abgeb.  Bd.  1  Sp.  2010),  wo  die 
Verfolgungsscene  unter  die  Naturerscheinungen 
des  Sonnenaufgangs  aufgenommen  ist.  Die  von 
O.  Jahn,  Arch.  Beitr.  93  gegebene  Aufzählung 
ist  von  Stephani  a.  a.  O.  S.  194  bis  auf  31 
vermehrt  worden.  In  diesem  Typus  geht  Eos 
mit  raschen  Schritten  auf  Kephalos  zu  und 
sucht  ihn  meist  mit  ausgestreckten  Händen 
zu  fassen,  während  dieser,  eine  jugendlich 
schlanke  Heroengestalt,  sich  eilig  ihrer  Ver- 
folgung entzieht,  indem  er  sich  meist  nach 
ihr  umwendet.  Hier  erscheint  er  vollständig 
als  Jäger  ausgerüstet,  mit  Chlamys,  dem  Pe- 
tasos  im  Nacken,  hohen  Jagdstiefeln,  oder  auch 
unbeschuht;  als  Jagdwaffe  hält  er  eine  oder 
zwei  Lanzen  in  den  Händen,  zuweilen  dazu 
noch  eine  Keule  (Roulez,  Clioix  de  vas.  Tf.  6) 
oder  auch  diese  allein  (Compte  rendu  a.  a.  0. 
Tf.  5,  3);    öfter  ist   er   von  seinem   Hund   be- 


3)  Tod  der  Prokris,  anwesend  Erechtheus.     Attisches  Vasenbild  (nach  MUlingen,  Anc.  im.  mon.  I.  Ser.  pl.  14). 


schlossene    Gruppe    auflöst,    um    in    die   Ver- 
folgungsscene überzugehen. 

2)  Der  attischen  Kunst  eigentümlich  da-  50 
gegen  scheint  die  Darstellung  vom  Raub  des 
Kephalos  durch  Eos  als  Verfolgungsscene, 
namentlich  insofern  hier  Kephalos  der  atti- 
schen Lokalsage  gemäfs  als  Jäger  erscheint 
(zweifelhaft  ist  in  Beziehung  auf  Alter  und 
Vorbild  die  einzige  Vase,  die  nicht  attisch 
und  rotfig.,  sondern  etruskisch  und  schwarzfig. 
ist,  Memorie  äelV  Inst.  2  Tf.  15,  1,  vgl.  Heibig 
p.  433  das.  und  Furtwängler ,  Arch.  Ztg.  40, 
350).  Dieser  Typus  war  seit  der  Mitte  des  eo 
5.  Jahrb.  im  rotfig.  Vasenstil  üblich,  vgl.  die 
Va?enbilder  Miliin,  Feint,  de  vas.  2,  35  (s.  Ab- 
bildung 2).  Stephani,  Compte  rendu  1872  Tf.  4, 
3.  5,  1.  3.  5  und  Winter,  Die  jungem  Vasen, 
Anhang  S.  öOf.  Die  hier  abgebildete  unddieVase 
Bull.  Nap.  1,  1  sind  die  einzigen  dieser  Gattung, 
auf  welchen  Eos  und  Kephalos  inschriftlich 
bezeugt  sind;   eben   solche  Sicherheit  gewährt 


gleitet  (VaseBlacas;  Mittingen,  Vas.  Cogh.  42). 
Mehrmals  sucht  er  ihr  im  Fliehen  Widerstand 
zu  leisten,  indem  er  einen  Stein  (Vase  Blacas 
und  M.  d.  Inst.  3,  30)  oder  den  Jagdspiefs 
gegen  sie  erhebt  (Compte  rendu  1872  Tf.  4,  3). 
Einmal  geht  sie  mit  einer  Tänia  auf  ihn  zu 
(Gerhard,  A.  V.  Tf.  160),  um  ihn  zu  schmücken, 
er  aber  weist  dieses  Liebeszeichen  von  sich. 
Die  Abneigung  erklärt  sich  aus  der  Einwirkung 
der  Prokrissage,  siehe  „Eos"  Bd.  1  Sp.  1269.  — 
Obgleich  in  der  Sage  Kephalos  als  einsamer 
Jäger  gedacht  ist,  haben  ihm  die  Vasenmaler 
häufig  einen  Jagdgefährten  (auf  der  Vase 
Bull.  Nap.  1,  1  Kulliixaxog ,  Compte  rendu 
a.  a.  O.  Tf.  5,  3  Tt&wvog  genannt)  oder  nach 
der  sonstigen  Darstellungsweise  von  Entfüh- 
rungsscenen  Freunde  und  Gespielen  beigegeben, 
aus  deren  Kreis  er  geraubt  wird,  wozu  noch, 
auf  der  Vorder- .  oder  Rückseite  der  Vasen, 
der  alte  Vater  kommt,  dem  die  Entführung 
gemeldet  wird,  vgl.  Jahn  a.  a.  0.  95.  Stephani 


1103          Kephalos  (in  der  Kunst)  Kephenes                       1104 

a.  a.  0.  196.    Hieran  reibt  sich  eine  zahlreiche  Same  auf  den  Hund  Lailaps,  vgl.  Bosset  a.  a.  0. 

Klasse    von    Vasenbildern,    auf   Vielehen    eine  nr.  42  u.  47.  Comic  num.  Hunter.  46, 22.  Catdl. 

geflügelte  Frau  in  ganz  ähnlicher  Weise  einen  a.  a.  0.   S.  90   Tf.  IS,  9  f.  S.  92.     Wegen  der 

Jüngling  mit  einer  Leier  (z.  B.  Millingen.  Vas.  Ähnlichkeit  mit  .jenem  Kephalos  auf  den  Mün- 

Cogh.   42),   zweimal    auch    mit    einem    Packet  zen  von  Pale  in  der  Stellung  wurde  eine  kleine 

Bücher  (Miliin,  Vas.  1,  48)  verfolgt,  vgl.  /07m  Brouzefigur  in  Paris,  Gazette  arehe'ol.  2  pl.  36 

a.  a.  0.  97.  Stepltani  a.  a.  0.  p.  199  und  neuer-  ebenfalls  auf  Kephalos  bezogen;  ob  mit  Recht, 

dings  die  Hermonaxvase,  Heibig,  Bull.  d.  Inst.  mufs  bei  der  Abwesenheit  aller  Attribute  frag- 

1873   p.  167;    auch    diese    Darstellungen    sind  lieh  bleiben.     [Rapp.] 

zum  Teil  ebenso  mit  Nebenpersonen  versehen.  10 ."    Kephenes  (Krjcp^vig,   fKrjcpfii'ai  nur  einmal 

Jahn  trug  Bedenken,  hierin   Kephalos   zu  er-  bei   Arrianos  in  Eustath.   zu   Dionys.  Perieg. 

kennen,   da   die  Sage   ihm  nicht  solche  Züge  1005,  F.  H.  G.  3,  601,  78,  wo  der  accus,  her- 

ephebischer  Bildung  verleihe;  Stephani  wollte  zustellen   ist:    zovg   ds    IIsQaag    .  .  .    Krjrpfjvds 

in   allen  diesen  Darstellungen  Tithonos  sehen  [Hs.   -vai]   noze    v.uXiia&aC  tpnoiv  'A.  —   Ocid 

(nach  der  Inschrift  Bull.  d.  Inst.  1848  p.  40);  Met. 4,  764 einmal Cepheni  proceres  adjektivisch, 

neuerdings   nimmt  man  ihn  einfach  als  einen  wonach   -wohl   Plinius  n.  h.  6,  10   [27f.]   sein 

mit    den    Attributen    des    musisch    gebildeten  Substantivum  Cepheni  [a'jra£  isy.]  schuf):  das 

attischen    Jünglings    ausgestatteten    Kephalos  Volk   des   Kepheus    in    der  Andromeda- Sage, 

(Heibig  a.  a.  0.    Furtwdngler ,  Areh.  Ztg.  40,  doch   in  unseren   Quellen   erst  seit  Herodotos 
350.    Bobert,  Bild  und  Lied  S.  32).                    20  und  Hellanilcos  auftretend.     Seitdem  wird  der 

3)  Kephalos  wurde  aber  auch  in  seiner  Ausdruck  promiscue  mit  Ai&i'onsg  gebraucht. 
Verbindung  mit  dem  attischen  Prokrismythus  ».  Wilamowitg  hat  einmal  (Homer.  Unters. 
dargestellt,  welcher  zu  den  aus  der  attischen  S.  152)  behauptet,  sie  seien  ursprünglich  in 
Landessage,  wahrscheinlich  von  Polygnotos  Tegea  zu  Haus.  Aber  diese  sinnreiche  Kom- 
(vgl.  oben  dessen  Prokris  in  der  Lesche  bination  der  stets  in  Mehrzahl  auftretenden 
von  Delphi,  und  Bobert,  Bild  u.  Lied  S.  2S),  K.  mit  den  50  Söhnen  des  Tegeaten  Kepbeus 
entnommenen  und  in  die  Vasenmalerei  des  kann  sich  einstweilen  auf  kein  direktes  oder 
5.  Jahrh.  übergegangenen  Stoffen  gehört.  indirektes  Zeugnis  berufen.  Ebensowenig  wird 
Kephalos  wird  hier  durchaus  wie  in  der  Eos-  in  den  erhaltenen  Zeugnissen  die  Bezeichnung 
sage  dargestellt,  ein  Beweis  für  die  schon  be-  so  K.  im  Zusammenhang  des  hesiodischen  Mythos 
gonnene  Verschmelzung  der  beiden  Sagen.  von  der  '  Araberin '  Kassiepeia  gebraucht,  gilt 
Auf  einer  Vase  des  „schönen"  Stils  bei  Mit-  also  nicht  für  die  Aithiopen  Arabiens  und  des 
lingen,  Ancient  unedited  monuments  Tf.  14  (s.  Nillandes  (nur  der  geschäftige  Polyhistor  bei 
Abbildung  3),  dem  einzigen  erhaltenen  Exem-  Steph.  Bijz.  Aißvnm  %ooqu  nolvcövvuog  zählt 
plar  dieses  Gegenstandes,  ist  der  Tod  der  unter  12  anderen  Namen  für  das  afrikanische 
Prokris  wiedergegeben  in  dem  (ganz  ebenso  von  Libyen  aufser  Ai&ioTtia  auch  Krjynvirj  auf;  und 
Ocid  Mit.  7,  840  geschilderten)  Augenblick,  Eustathios  zu  Dionys.  Per.  910.  G.  G.  M.  2,  375 
wo  sie,  von  dem  Speer  in  die  Brust  getroffen,  bat  aus  dem  Krjqifji'is  oi  Ai&ioneg  des  Steph. 
auf  einen  Felsen  niedersinkt,  indem  sie  sich  Bgz.  Aönn  auf  eigene  Faust  ein  A".  ot  Alyv- 
bemüht,  den  Speer  herauszuziehen,  während  40  iizioi  (!)  gemacht).  Auch  in  der  von  Theo- 
Kephalos,  der  herbeigeeilt  ist,  den  Irrtum  er-  pompös  abhängigen  ioppensischen  Kepheus- 
keunend  an  die  Stime  greift.  Er  erscheint  sage  ist  von  K.  nicht  die  Rede;  denn  bei 
ganz  wie  sonst  mit  Chlamys,  Petasos  und  Strabon  1  p.  42  §  36  steht  das  t&vog  Alftio- 
Keule  und  mit  dem  Hund  an  der  Leine,  Pro-  jrtxör  .  .  .  «Ho  Krjcprjvcov  in  einer  apollodo- 
kris  (in  Vorderansicht  und  deshalb  etwas  mifs-  rischen  Aufzählung  mythischer  'Aithiopen- 
lungen)  ebenfalls  als  Jägerin  in  amazonenhaft^r  Völker'  (Erember,  Pygmaien)  und  ist  von  dem, 
Tracht;  über  ihr  das  entschwebende  Eidolon  in  allerdings  demselben  Apollodoros  angehörigen 
Vogelgestalt.  Auf  die  Scene  eilt  ihr  Vater  Theopompos  -  Citat  über  Ioppe  p.  43  C  zu 
Erechtheus  zu,  um  dem  Kephalos  seine  That  trennen.  Dagegen  sind  in  dem  ostaithiopischen 
vorzuhalten  (vgl.  oben  Abschn.  II,  4).  —  Das  50  Mesopotamien ,  in  welchem  schon  Hesiodos 
von  Jahn,  Areh.  Beitr.  S.  72  auf  Kephalos  (frg.  44  Ki.)  und  Aischylos  (Suppl.  276)  bei 
und  Aura  (oben  Abschn.  II,  3)  gedeutete  pom-  den  Kaurßoßoay.oi  des  persischen  Meerbusens 
pejanische  Wandgemälde  bei  Zahn  2,  78  stellt  (vgl.  Strabon  16  p.  767f.  Aithiopenländer  etc., 
Selene  und  Endymion  dar,  vgl.  Heibig,  Fleclieisen  JB.  Suppl.  16  S.  181)  die  Aithio- 
Wandgem.  Campamens  nr.  960.  pen     der    Memnon-Sage    lokalisiert     hatten, 

4)  Auf  die  Sage,  welche  den  Kephalos  zum  durch  Herodotos  und  Hellanilos  oder  viel- 
Eponynios  der  Insel  Kephallenia  machte,  sind  mehr  ihren  gemeinsamen  Gewährsmann  (Sky- 
die  Münzen  der  kephallenischen  Stadt  Pale  lax?  vgl.  Aiihiope.nl.  S.  155)  auch  die  K. 
zurückzuführen,  auf  welchen  ein  Jüngling  mit  angesetzt  und  mit  dortigen  Ureinwohnern 
einer  Lanze,  inschriftlich  als  KeqiccXog  bezeieb-  60  identificiert  worden.  Ihnen  folgte  Apollodoros 
net,  auf  einem  Felsen  sitzt,  vgl.  Bosset,  Essai  (b.  Strabon  a.  a.  0.),  der  aQyoXiv.bg  oxtSictouög 
sur  les  me'daüles  des  iles  de  Ce'phalonie  Lond.  bei  Deinias  von  Argos  (F.  H.  G.  3,  25,  4: 
1815  Tf.  1  nr.  1 — 5.  Combe  num.  mus.  Britann.  Al&ionla  ixu?.i  izo  .  .  .xöze  Krjq>7]via,  mit  Er- 
Tf.  7,  22.  23.  Catal.  of  greek  coins  in  the  Brit.  wähnung  der  Perser,  des  Perseussohnes  Ery- 
Mus.  Peloponncsus  S.  84  f.  89.  91  Tf.  17,  lOff.  thras  tt.  der  "Egv^Qa  &äXaeaa),  Ovidiws, Nonnos. 
IS,  4.  Wahrscheinlich  ist  auch  die  schon  von  Weder  für  diese  örtliche  Beschränkung  auf 
Eckhel  angenommene  Beziehung  des  Wind-  Mesopotamien  noch  für  das  späte  Auftreten 
hunds    auf   den   Münzen   des    kephallenischen  des   Namens   ist   eine   Ursache   zu   entdecken. 


1105                     Kephenes  Kephones                      1106 

Dafs   die  Form  Krjcprjvtg  =  Drohnen  mit  Krj-  wären  Kepheus  und  die  Kephenen  zu  Ai&tOTtig 

cpsvg    selbst    weder    lautlich    noch    inhaltlich  entweder    in    der    Umgegend    der   Heliosstadt 

in    notwendigem    Zusammenhang     steht,     ist  Korinthos   geworden   oder   auf  der  Heliosinsel 

unten   (Kepheus  nr.  4)   bemerkt;    auch  dafs  in  Rhodos   oder  im   euböischen  XaXxig ,  dem  Ur- 

den    ethnographischen  Verhältnissen    Mesopo-  bild   der    sagenhaften   KoX%ig  (Maafs,   Hennef! 

tamiens   etwa   die   Ursache  für   das  Auftreten  1888  S.  699ff.,  Giitting.  gel.  Am.   1890  S.  362) 

des  Wortes  Kncprjvsg  bei   den  Historikern  des  und    der    Aia   des    Helios -Aietes- Mythos   der 

5.  Jahrhunderts  liegen  sollte,  ist  nach  dem  Argonautik.  Das  Urbild  der  Pindarischen 
Mafs  des  über  das  Zweistromland  Bekannten  %tXctt'vom£g  KoX%oi  hat  Maafs  in  euböischen 
nicht  anzunehmen.  Vielmehr  lassen  sich  als  10  Aithiopen  aus  dem  Al%iimiov  %mgiov  iv  Ev- 
mitwirkende  Ähnlichkeiten  nur  feststellen:  ßoia,7iXrjaiov  zov  Evginov  (Harpokration,  Steph. 
1.  die  Altertümlichkeit  sowohl  der  griechi-  Byz.  s.  v.,  u.  a.)  erschlossen.  An  der  Peraia 
sehen  Kepheusleute  als  auch  der  Ureinwohner  von  Chalkis  liegt  Thronion,  verknüpft  mit 
Chaldäas  (vor  der  Einwanderung  der  Chaldäer  Kepheus'  Gattin  Kassiepeia  (s.  d.  nr.  2),  und 
aus  Babylon);  2.  der  Fischerberuf;  3.  die  wohnen  die  nvggol  ra?s  oipiaiv'Av&rjdövioi,  (Ps.- 
Gefährdung  durch  Wasserfluten;  4.  die  Sitte,  Dikaiarch  1,  23,  F.H.G.  2,  259,  24;  vgl.  C. 
Sterbende  (d.  h.  noch  Lebende)  wie  Leichen  Müller  zu  Geogr.  Gr.  31  in.  1,  104,  24  und 
der  Flut  zum  Wegspülen  auszusetzen  (vgl.  zu  Aithiopenländer  S.  208),  welche  auf  die  Vor- 
den  aithiopischen  Ichthyophagen  Chaldaias  Stellung  von  Al&i'oizeg  am  Euripus  mitbestim- 
bei  Herodot  1,  200  und  Strabon  16  p.  746  §  20  20  mend  einwirken  konnten.  (Vgl.  auch  'Kepheus' 
das,  was  Agatharclu'das  G.  G.  M.  1,  137,  46  über  nr.  4.)  —  Obige  6  Kriterien  müssen  auch  an  jenem 
die  gedrosischen  sagt);  5.  der  Glaube  an  uns  nicht  näher  bekannten  kleinasiatischen 
opferempfangende  Nereiden  (so  die  der  roten  Volksstamm  beobachtet  worden  sein,  in  denen 
'Nerei'deninsel',  der  tQv&oa  &aXaeaa  bei  Plin.  der  griechische   Alexanderhistoriker   bei    Plin. 

6,  26(97)  die  mit  der  roten*)  Palmen-Insel  n.  h.  6,  16  (41)  und  10  (27f.)  die  Kephenen 
des  Erythrasgrabes  bei  Strabon  16  p.  766.  779  seiner*)  Heimatssage  wiedererkennen  wollte, 
identisch  ist)  sowie  an  heilige  Urwesen  in  so  dafs  er  dieselben  zwischen  Kommagene, 
Fischgestalt,  dem  y.rßog  entsprechend  (Berosos  Adiabene  und  Grofs-Arrnenien  (etwa  in  Sophene 
Chald.  1.  3.  F.  H.  G.  2,  496f.);  endlich  6.  der  und  Gordyene)  ansetzte  (vielleicht  war  es  der 
sog.  'aithiopische'  Charakter,  der  beim  meso-  30  Pharsalier  Kyrsilos  oder  der  Larisaier  Medios, 
potamischen  Urvolk,  z.  B.  von  Susiana  (Kie-  welche  beide  gelegentlich  des  Alexanderzuges 
pert,  AlteGeogr.  S.1412;  vgl.  E.  Meyer,  Gesch..  d.  griechische  Mythen  des  thessalischen  Arme- 
Altert.  1  S.  157ff.  Duncker ,  G.  d.  A.  I5  S.  247),  nion  in  der  armenischen  Gegend  von  Sophene 
feststeht  und,  wenngleich  in  anderem  Sinne,  auch  und  Adiabene  angeknüpft  hatten:  Strabon  11 
von  der  Bevölkerung  der  alten  Kepheusstädte  p.  530  §  12.  Script,  rer.  Alex.  M.  p.  127). 
Bura  und  Olenos  ausgesagt  werden  konnte:  Daselbst  fand  sich  (am  Ararat)  Flutsage,  und 
wenigstens  ist  in  der  hellenischen  Mythologie  zwar  in  Anknüpfung  an  die  Urzeit  (des  Xisu- 
von  jeher  die  Aithiopenvorstellung  untrennbar  thros- Noah),  Fischkult,  Kotvölker,  ja  sogar 
gewesen  vom  Heliosmythos  (so  schon  bei  der  aus  der  Heimat  vertraute  Minyername 
Homeros  y  1.  Mimnermos  frei.  11.  Bergk,  Ai-  40  (vgl.  Aithiopenländer  S.  192f.).  —  Aber  auch 
sehylos  frg.  192  und  besonders  eigentümlich  nach  Westen  war  (von  Euripides)  der  Per- 
Pindaros  Pyth.  4,  376  niXuCvamsg  KoX%oi  im  seus- Andromeda- Mythus  mit  Gorgonen  und 
Helios  -  Aietesmythos;  des  aithiopisch  -  helia-  in  Verknüpfung  mit  der  aus  Piaton  bekannten 
dischen  Tithonossohnes  Memnon  zu  geschwei-  Atlantis  übertragen  (vgl.  Aithiopenl.  S.  203  ff.); 
gen).  Helios  aber  beherrschte  einst  von  Akro-  und  wenngleich  bei  Euripides  der  Kephenen- 
Korinthos  aus  Weichbild  und  Golf;  einen  name  nicht  nachweisbar  ist,  verdient  doch 
Aethiops  rex  auf  dem  Isthmos  nennt  der  sog.  eine  auffällige  Übereinstimmung  der  atlan- 
Lactantius  zu  Stat.  Theb.  3,  478,  und  einen  tischen  Westaithiopen  mit  den  ausdrücklich 
sprichwörtlichen  Ktistes  Ai&ior!>  KogCv&iog  der  als  Kephenpn  bezeichneten  Ostaithiopen  Meso- 
Skepsier  frg.  73  Gaeelc  aus  Athen.  4  p.  167  D;  50  potamiens  Erwähnung,  weil  sie  Rückschlüsse 
vgl.  den  auf  dem  argolischen  Pron  begra-  auf  die  älteste  Vorstellung  von  den  kephe- 
benen  Melanchro(o)s  bei  Deinias,  F.  H.  G.  3,  nischen  Aithiopen  zuläfst:  Einkleidung  und 
24,  3  und  über  Al&io-usg  an  der  'Eaxaziwrig  Schmuck  mit  Exuvien  grofser  Fische  findet 
Xt'ji,vn  auf  dem  korinthischen  Isthmos  den  Art.  sich  bei  den  Westaithiopen  der  atlantischen 
Eschatiotis  unter  den 'Vorläufigen  Nachträgen'  Küste  (Strabon  17  p.  828),  bei  den  von  Gorgo 
Lieferung  24  Umschlag.  So  empfiehlt  sich  O.  und  Poseidon  abstammenden  Königspaaren  der 
Crusius'  Hypothese,  dafs  der  eigentliche  al&i'otp  Insel  Atlantis  (Ailiancs  H.  A.  15,  2)  und  im 
=  Helios  (mit  dem  brennenden  Antlitz)  sei,  und  Osten  bei  den  Urwesen  der'.Eowfrp«  ddlctceu  und 
nach  ihm  das  Heliosland  und  seine  Bewohner  ihren  Opferpriestern  (Berosos  bei  Synkellos 
Ai&ionia  und  Ai&Consg  genannt  seien.     Mithin  eo  und  Eusebios,  F.  H.  G.  2,  496,  3,   dazu  noch 

Helladins  bei  Phot.  bibl.  535 a,  34;  vgl.  Bkhm, 

*)  Mit   dieser   Erinnerung    an    die   rosige  'Pi'iSo;   geht  PI.    ]V.  B.    1  ,    61     Abbildung).    —    Auf    Rhodos, 
auffällig   noch    der    Anklang    an    Doris   Hand    in  Hand: 

Bei    der   Erythrasinsel  dwQu,    Einwohner  Joint.*!];,    und  *)    Oder    waren    die    dort    nach    dem    2.    Peraerkriege 

hei   loppe  Jüjna,    Einw.  Juqlti;;,    beides  bei  Steph.  Byz.  angesiedelten    'EgEtQlBTs   al  ävaonao&ävtEg    V7tl    Usoawv 

u.  d.  "Worten.    Strabon  16  p.  767   fafst  die  Erythrasinsel  (Strabon   16    p.  747)   die   Träger    dieser   Auffassung    und 

mit  Doxa,  Alexandros  iv  jlaio:  bei  Steph.  doigos  v*  ayy^ltxXoq  Vermittler  an  jenen   Historiker?    Nnch   dem   oben   Aus- 

z   *Io7lr]  zusammen.   Das  erleichterte  sehr  die  Anknüpfung  geführten  mufsten   diese    Leute    die   Kepheus-Kassiepeia- 

au  den  Kepheneninythos  der  dorischen  Hexapolis.  Kephenen-Aithiopon-Sago  gekannt  haben. 


1107     Kepheus  (y.  Tegea,  S.  des  Aleos)  Kepheus  (v.  Tegea,  S.  des  Aleos)    1108 

dem   einzigen   griechischen   Ort,    wo   sich  Er-  in  einer  der  verlorenen  (5?)  Strophen  des  nach 

inneruugen    an    Kassiepeia    und    den    Andro-  JBergk   p.   28    etwa    12-strophigen   Partheneion 

medamythos  (Lykophron)  mit  der  Vorstellung  (Papyros  MarietteP.  L.  G.  3*  frg.  23  p.  23  sqq.) 

von  Helios- Aithiopen  (und  den  Helios-Rosse-  gebildet  haben,   das  in   den  ersten  erhaltenen 

Stallungen)   kombiniert  vorfinden,   finden   sich  Strophen   die   Besiegung    der   Hippokoontiden 

Erinnerungen   an   eine   verderbliche,    vorweit-  behandelt,  freilich  nicht  durch  Herakles  (und 

liehe   Flut,   Poseidon-   und   Nerei'denknlt   (die  Kepheus?),  sondern  wie  es  scheint,  blofs  durch 

Doristöehter  Lykophrons  43,  165 ff.,  s.  oben  unter  dieDioskuren.  Jedenfalls  war  ein  anderer  Sagen- 

Kassiepeia;  vgl.  Aithiopenl.  S.  185f.)  ebenso  gut  kreis,   in   dem    ein  K.    vorkommt,   aufser  dem 
wiezn  Buraund  Helikeund  der  achaischen Küste  10  von   den  Hippokoontiden,   dem  Alkman,  nach 

überhaupt;    auch  Fischerbevölkerung  giebt  es  den   erhaltenen  Resten  zu  urteilen,   nicht  be- 

hier   wie   dort.  —  Namen    einzelner  K.  nennt  kannt,   und   es   scheint   vorderhand   nicht  rät- 

nur  Ovid;    als  proceres  hat  er  Lyncides  {Met.  lieh,  hier  den  K.  der  Andromedasage  (und  die 

4,  767),  den  post  regem  primua  Hodites  (5.  97),  Kephenen)   zu   sehen   (v.   Wilamowitz ,    Homer. 

Prothoenor    (98),    den    grandaevus    Emathiou  Unters.  1883  S.  152:  ,,K.  und  seine  Kephenen 

aequi    eultor    timidusque    deorum   (99 f.),    die  sind  eigentlich  in  Tegea  zu  Hause.").  —  Viel- 

Zwillinge    Broteas    und    Amnion  ,  (107),     den  leicht  nannten  auch  die  Erzähler  von  Herakles' 

Cereris  sacerdos  Ampycus  albenti  velatus  tem-  Besuch  bei  Aleos  in  Tegea  und  der  Erzeugung 

pore  vitta  (110 f.),  den  friedlichen  Sänger  und  des    Telepbos     mit    der    Aleostochter    Auge: 
Kitharspieler   lapetides   (111),    den    ferox  Ly-  20  Hekataios    (F.  H.  G.  1,   27,   345),    Sophokles 

cormas    (119),    Menaleus    (128),    den    reichen  'AXsäSai  frg.  98 — 112  Ddf.),   Euripides  (Avyn, 

Nasamonen  Dorylas  (129),  den  Kinyphrier  Pe-  frg.    114  — 152   Nauck  u.   a.   den   K.    —  Nach 

lates    (124),    wozu    als   Genossen  des   Perseus  Apollon.    Ehod.    A.    1,    161ff.    war    er   S.    des 

noch  Aconteus  (201)  und  wahrscheinlich  Abas  Aleos,  Bruder  des  Amphidamas  von  Apheidan- 

(126)   kommen.     Versteint  wird    nur   der  vor-  tion,  nach  Pausanias  8,  4,  8:  Bruder  auch  des 

letzte  aus  Versehen,  also  kein  Kephene;  viel-  Lykurgos,  nach  dessen  kinderlosem  Hinschei- 

mehr   mit    dieser   Ausnahme    nur   fremde   Ge-  den  die  Herrschaft  auf  ihn  und  seinen  Stamm 

nossen  des  Phineus,  worüber  s.  unter  Kepheus  übergeht;    8,  5,  1:   Vater  des  Aeropos,  Grofs- 

Sp.  1112,  48ff.     [K.  Tümpel.]  vater    des    Echenor;    nach    der   etymologisch- 
Kepheus  (Krjtftvg,  dor.  Kacptvg).    Vertreter  30  explikativen  Tempelsage  des  tegeatischen  tov 

dieses  Namens  erscheinen  in  den  Quellen  fünf,  'EgvfJiaTog  fcgov  (Paus.  8,  47,  5)  hatte  K.  von 

die   sieh   vorderhand  nicht   sämtlich   auf  eine  der    Athene    Polias    (nicht    der    Athene    Alea, 

einzige  mythische  Persönlichkeit  zurückführen  deren  tegeaiischer  Tempel  vielmehr  von  seinem 

lassen.     Dionysios  SJcytobrachion  (beim  Sehol.  Vater  Aleos  gegründet  war),   eine  Locke  von 

Apollon.  Ehod.  1,  162;  vgl.  Schwarte,  d.  Dion.  dem    Haar    der    Medusa    zum    Geschenke   be- 

Scyt.,  Diss.  Bonn  1880  p.  46  ')  unterschied  nur  kommen  ig  rpvluxriv  zrjg  nolsiog.  d.  i.  als  igvfia, 

zwei:  ovo  äs  etat  Knrpsig,  6  fiiv  'Alsov  (1),  ov  und  mit  der  Zusicherung,  dafs  Tegea  „die  ganze 

fivri^iovivei  'AnoXltiviog,   b   äi   'iztgog,   ov  gvn-  Zeit"  unerobert  bleiben   sollte.      Die  Apollod. 

fj,ovEv£L  'EXXdviv.og  iv  xä  -nsgl  'Ag-naSCac,  näm-  Bibl.,  welche  zu  dem  Vater  des  K.  (Aleos,  S. 
lieh  der  S.  des  Lykurgos  (2).    Er  hat  also  den  *o  des  Apheidas,  Königs  von  Tegea:  3,  9,  1  [2  f.], 

achaischen     K.     von    Bura     und    Golgoi     des  3,   vgl.   Scliol.    Apollon.  Eh.  1,  162)   auch   des 

Lykophron   (3)    sowie    den   mit  diesem    schon  K.    Mutter  nennt:   Neaira,    die  Pereustochter, 

von  den  Alten  kombinierten  Vater  der  Andro-  erzählt   den  Mythos  (2,  7,   3,  5)   so:   K.   hatte 

meda,    den    berühmten    'Aithiopenkönig'    (4),  von   Neaira  20  Söhne   und    1  Tochter  Sterope 

den   doch   derselbe  Hellanikos   ausführlich  be-  (1.  Aerope,  Mutter  des  Aeropos,  Schwedler,  De 

handelt  hatte,  entweder  nicht  gekannt  —  was  rebus  Tegeaticis,  Leipzig.  Studien  9  1886  S.  291); 

kaum  anzunehmen  ist  —  oder  .  mit  einem  der  er  weigerte  sich  anfangs,  mit  Herakles  gegen 

beiden  Arkader  identificiert,   worin  ihm  dann  die  lakonischen  Hippokoontiden  zu  ziehen,  aus 

Hellanikos  vorangegangen    sein    müfste.     Der  Furcht,    dafs    die    Ärgeier    Tegea    überfallen 
thespische  (6)   ist  wohl  mit  dem  4.  identisch.  50  könnten.    Aber  Herakles  giebt  eine  von  Athene 

1)  Die  absolut  älteste  Erwähnung  eines  K.  empfangene   Locke    {ßoGzgv%os;    ob    vielmehr 

findet    sich     bei    Alkman    (frg.    72    Bqk.    aus  Schlange?)  vom  Haupte    der    Gorgo    in    einer 

Cramer,  Anecd.   Oxon.  1  p.   159,  32):  ya-ns   w;  ehernen   Hydria  (vgl.   den.  Schlangentopf,   der 

c-Äacpfvg    (so!)   ävdaacov ,   von   U.  Neumann  in  in  die  pergamenische  Sage  vielleicht  aus  Tegea 

Robert sErntosthenisCatasterism.  reliqn.  p.246  lv)  durch  die  berühmte  Wanderung  der  Auge  und  des 

schon  1878  in  Kcirpsvg  verbessert,  was  Bergk,  Telephos  kam;  im  allgemeinen  s.  Poscher,  Jahrb. 

P.   L.  G.    3*,  1882   p.  60.  und   Hiller,   An/ho-  f. kl.  Phil.  1886,225ftV)  an  die  Tochter des  K,  Ae- 

logie  elc.   1890   p.  172   übersahen.     Das  Frag-  rope,  zum  Schutze  gegen  die  Argeier  (s.Sp.  1114). 

ment   scheint  metrisch  dem  Dioskurenbymnos  Auf  dem  Zuge  fällt  K.  mit  seinen  Söhnen,  von 
fremd   zu   sein,   der   stofflich   verwandt  ist   —  fio  denen  nach  Diodoros  4,  33  drei  leben  bleiben, 

er    behandelt    den    Anlafs    zu    des    Herakles  —    Die  Lokalsage    von   Kaphyai  in  Arkadien 

Rachezug  gegen   die   lakonischen   Hippokoon-  (bei  Paus.  8,  23,  3;  vgl.    Steph.    Byz.   Katfvui 

tiden  (frg.  15  B.),  an  dem  nach  späteren  Zeug-  .  .  .  äno  Krjcpscog,  richtiger  A'acpf  cog)  behauptete, 

nissen  (Apollod.  Bibl.  2,  7,  3,  5)  der  Aleossohn  dafs  in  dieser  Stadt  König  K,  Sohn  des  Aleos, 

Kepheus  aus   Tegea  mit   seineu  Söhnen  teil-  einst    athenischen    Schutzfiehenden,    die    von 

nahm.  —  Dagegen  könnte  frg.  72  den  9. Vers, also  Aigeus  vertrieben  worden  seien,   ein  Asyl  ge- 

den  Eingang  der  impSbg  (Crusius,  Commentat.  geben  habe.   Von  diesem  A"?jcp?r>c  sei  cfcovfj  räv 

O.   Ribbeckio   etc.    1888    p.  21,    und    brieflich)  'Aquaömv   die  Stadt  benannt.     Die   arkadische 


1109   Kepheus  (Sohn  des  Lykurgos;  Achaier)  Kepheus  (der  Andromedasage)     1110 

Namensform  des  Königs   war   also,   was  Pau-  gemeinschaftliche    ältere    Quelle,    nur    gründ- 

sanias  nicht  bemerkte,  dieselbe  wie  die  lako-  licher  als  jener,  ausgebeutet  haben.  Fragm.  160 

nische  bei  Alkman:  Kacpsvq.  aus  Persika  1  (bei Steph.Byz.XalSaioi.  F. E.G. 

2)  K.  der  Arkader  {Hellanikos  frg.  59  aus  1,  67)  läfst  K.,  rden  Vater  der  Andromeda, 
Schol.  Apollon.  Rhnd.  A.  1,  162.  F.H.  G.  1,  162);  welche  mit  Peraeus  (I)  den  S.  der  Danae  von 
nach  Dionys.  Skytobr.  (s.  o.)  vom  vorigen  ver-  Zeus  Perseus  (II)  erzeugte',  das  später  sogen, 
schieden,  war  nach  der  Apollocl.  Bibl.  (1,  8,  2,  Chaldaia  bewohnen,  aus  dem  die  nach  ihm 
4)  Sohn  des  Lykurgos,  Bruder  des  Ankaios,  benannten  Kephenen  (s.  d.)  erst  durch  die  aus 
Teilnehmer  an  der  kabydoniseken  Eberjagd;  Babylon  eindringenden  Cbaldäer  vertrieben 
nach  einem  anderen  Hellanikosfragment  (ohne  10  worden  seien  Krjq>za>s  ovv.ixi  £ävxog.  Den- 
Numnier  aus  Schol.  31  TA  zu  Eurip.  Phoiniss.  selben  Schauplatz  wählte,  wie  es  scheint, 
150)  Sohn  des  Poseidon,  nazfjg  i'Agyrjnov  Sophokles  in  der  'Andromeda'  (vgl.  frg.  139 
(s.  d.),  Vorfahr  des  Partben opaios.  Es  ist  Ddf.  und  dazu  Aithiopenl  ander  S.  132).  In 
zweifelhaft,  ob  wegen  des  Herodotisüien  (9,  26)  diesem  Drama  wurde  das  «/jrog  ausdrücklich 
Phegeus,  Vaters  des  Aeropos,  auch  hier  Aeropos  über  den  K.  geschickt  (Argument  in  den 
zu  ändern  ist  (bei  Pausan.  7,  4,  1  ist  ähnlich  Eratosthen.  Eata.sterism.S6:  «r/Tos  .  .  .  o  TToßft- 
Ankaios  selbst  als  Vater  mit  einer  Parthenope  Smv  tntuips  K^cpti),  obgleich  gerade  bei  Sopho- 
verknüpft).  kies    die    Verschuldung    seiner    eitlen    Gattin 

3)  K.  der  Achaier  wanderte  an'  'iHivov  |  Kassiepeia  (siehe  diese,  nr.3)  gegen  die  Wasser- 
dvurjs  tf  Bovqui'olgiv  rjystimv  czgazov  nach  20  geister  einen  breiten  Raum  einnahm.  Des  K. 
dem  kyprischen  Golgoi  {Lykophr.  Alex.  586  ff.)  Palast  bildete  wohl  den  Hintergrund  der 
zusammen  mit  Lakonern  unter  Praxandros  aus  Bühne,  im  Gegensatz  zu  der  Euripideischen 
Therapne  (=  Philostephanos  frg.  12  aus  Tzttz.  'Andromeda'  {Robert,  Ar  eh.  Zeit.  36,  1878 
z.  d.  St.  F.E.  G.  3,  31).  Er  dürfte  höchstens  S.  17;.  —  Die  erste  sichere  Bezeugung  des  K. 
mit  dem  Lykurgossohn1  K.  2.  identificiert  wer-  ah  eines  cAithiopen'  findet  sich  erst  bei 
den,  da  der  Aleossohn  1.,  wenigstens  der  Euripides  (Argument  in  den  Erat.  Eatast.  15: 
Hippokoontidensage  zufolge,  vor  Sparta  ge-  Ai&ionmv  ßaadivg),  ebenso  das  erste  sichere 
endet  haben  soll.  Nicht  unterschieden  hat  die  Zeugnis  für  seine  Verstirnung.  Dafs  Euripides 
pragmatisierende  Mythographie  der  Alten  ihn  im  Westen  suchte,  im  Gegensatz  zu  särnt- 
diesen  Achaier  von  dem  30  liehen    Früheren    und    Späteren,    beweist    die 

4)  Kepheus  der  Andromedasage.  Diesen  Bezeichnung  des  x?;tos  als  „atlantisch"  und 
mufs  zuerst  genannt  haben  Hesiodos  sv  xats-  „hervoitosend  aus  dem  Atlantischen  Meer" 
Xöyto  {frg.  43  Ei.  aus  Strabon  1  p.  42  C,  §  43;  (frg.  134a  =  Philostrat.  d.  Ä.  Imagg.  1,  29, 
vgl.  Eustathios  zu  Od.  ä  84  p.  1484,  63',  welcher  vgl.  Aithiopenländer  S.  131).  Er  nannte  den 
die  xovQT]  Agäßoio,  d.  i.  Kassiepeia  (s.  d.  nr.  3)  K.  nicht  Phoenicis  fdium ,  wie  Hyginus  be- 
im Zusammenhang  mit  -  der  Andromedasage  hauptet  {P.  A.  2,  9:  Euripides  cum  ceteris); 
nannte;  desgl.  Stesichoros  {frg.  64  ebendaher,  denn  solche  Zeugnisse  sowohl  für  die  ceteri 
P.  L.  G.  34,  226  Bergk)  und  Pherekydes  (frg.  wie  für  Em.  selbst  fehlen  (Salmasius  bei 
26  aus  Schol.  Apollon.  Rhod.  1,  1091.  F.  E.G.  Heyne  zu  Apollod.  p.  104);  auch  nicht  als 
1,  75).  Obgleich  direkte  Zeugnisse  nicht  vor-  40  Sohn  des  Belos,  Bruder  des  Phineus,  wie  die 
liegen,  so  ist  doch  aus  der  engen  Verbindung  Apollod.  Bibl.  (2,  1,  4)  behauptet.  Das  kann, 
mit  der  'Araberin'  Kassiepeia  zu  entnehmen,  wie  Robert  (Arch.  Zeit.  a.  a.  O.  S-  19)  nach- 
dafs  damals  Kepheus  ebenfalls  als  in  oder  bei  weist,  sich  jedenfalls  nur  auf  ein  anderes 
Arabien,  d.  i.  nach  des  grofsen  Apollodoros  Er-  Stück  des  Euripides  beziehen  und  nicht  auf 
klärung  (bei  Strabon  1  p.  42,  §  34)  in  Aithiopien,  die  'Andromeda',  da  sonst  'Andromeda  um 
wohnend  gedacht  ward;  denn  nach  dessen  Urteil  4  Generationen  älter  als  Perseus  gewesen 
hiefs  das  Land,  welches  Hesiodos  und  die  ande-  wäre,  und  sich  anderseits  Perseus  gegenüber 
ren  vz azsQoi  'Agaßice  nennen,  in  der  älteren  ho-  den  Vorwürfen  des  Kepheus  wegen  seiner 
merischen  Heroenzeit  Aidio-nia.  Das  hier  ge-  Stammfremdheit  auf  seine  Verwandtschaft  mit 
meinte  arabische  Aithiopien  ist  also  das  dem  so  ihm  hätte  berufen  können'  {frg.  142  verweigert 
Altertum  von  Ägypten  aus  bekannt  und  zu-  K.  seiner  Tochter  den  Perseus  zugleich  wegen 
gänglich  gewordene  Nubierland.  —  An  eine  dessen  unechter  Geburt).  K.  war  also  hier 
ganz  andere  Gegend  denkt  die  Pentekontaetie  wohl  S.  des  Agenor,  wie  bei  Nonnos  2,  680  ff. 
und  deren  Folgezeit.  Herodotos  7,  61  nennt  Aristophanes  persifliert  den  aithiopischen  Bar- 
zuerst  als  einen  Vater  oder  Vorfahren  des  K.  baren  des  Euripideischen  Dramas  ia  dem  Sky- 
den  Belos:  Knrpia  zov  BrjXov,  in  mangelnder  then  der  Tliesmophoriazusen.  —  Theopompos 
Übereinstimmung  mit  Hesiodos  (und  Stesicho-  (bei  Strabon  1  p.  42  f.;  vgl.  Art.  'Iope') 
ros);  denn  diesen  beiden  war  Belos  vielmehr  glaubte  die  Aussetzung  der  Andromeda  in 
(mittels  Thronie  und  Arabiosl  Urgrofsvater  der  loppe  lokalisieren  zu  sollen,  so  dafs  an  ihn 
Kassiepeia  gewesen,  seiner  Gattin!  Herodotos  60  und  seine  Nachfolger  die  Aufgabe  herantrat, 
weifs  noch,  dafs  K.  aiztxts  sgasvog  yövov  die  überkommene  Angabe  vom  arabiseb-aitbio- 
(d.  h.  nur  Vater  einer  Andromeda),  Schwieger-  pischen  Schauplatz  mit  diesem  neuen  Lokal 
vater  des  Perseus  (I),  Grofsvater  des  Perses  (II)  in  Einklang  zu  bringen.  Eonon  (c.  40  p.  143 
und  Beherrscher  der  Kephenes  (s.  d.)  war,  Westerm.)  läfst  den  K.  herrschen  zu  loppe  in 
welches  ein  älterer,  speziell  hellenischer  Name  Phoinike,  damals  Aithiopia  genannt,  ünö  zrjs 
für  die  Perser  sei.  Hellanikos,  sonst  später  vt«{r'  r/uäg  &aXuoa>jg  ui%Q'  'Agäßoiv  zmv  zozs  ngos 
schreibend,  ist  hier  ausführlicher  und  mufs  t>\v  igv&Qctv  &ülaacav  (iy.rjusvcov  =  Plinius 
entweder  den  Herodotos  beeinflufst  oder  eine  N.  H.  6,  183:   (Aithiopiam)  et  Syriae  imperi- 


1111     Kepheus  (der  Andromedasage)  Kepheus  (der  Andromedasage)      1112 

tasse    nostroqtie   littori   aetate   regis  Gephei    (in  319  ö&veiov  Tligan  xiXimv  yd(iov  Evgvfiiäovxi. 

Iope    Phoenicum).     Tacitus   (Hist.  5,    2):    Die  (Aglaopham.  p.  574pp).  —  Konon  (c.  40  p.  143 

Aithiopen   des   Kepheus   seien    aus   Afrika    (so  West.,     nach     unbekannter     euhemeristischer 

richtig  Stark,  Gaza  S.  41  gegen  Movers,  Phö-  Quelle)    hat    die    Neuerung,    dafs    K.    seinen 

niz.   2,   1,  288)    nach   Judaea    gewandert    und  Bruder   Phineus   als   Nebenbuhler  des  Perseus 

hätten   sich   dort   „als   Juden"  ('.)   angesiedelt.  begünstigt    (K.     und    Ph.     als    Brüder     auch 

Über  die  Etyrnologieen  von  'Ionn  aus  Jifr-ionrj,  Apollod.  Bibl.  2,  1,  4,  3),  nach  längerer  Über- 

ia  Tgl.  Art.  'Iope'.  —  Ähnlich  waren  andere  legung  jedoch  die  Tochter  dem  Freier  Phoinix 

bestrebt,    den    niesopotamisehen  K.  bei  Hero-  zuerkennt  unter  der  Bedingung,   dafs  derselbe 

dotos-Hel~lanil;os- Sophokles   mit    dem    achäisch-  10  zum  Schein  sie  entführe;   so   will  er  die  Vor- 

kyprischen    (Bura  und   Dynie   —    Golgoi)   des  würfe  des  Bruders  vermeiden.    Weder  Phineus 

Lykophron  (s.    o.    nr.   3)    zusammenzubringen;  noch  Phoinix  kamen  in  Euripidcs'  Andromeda 

so  Kikolaos  v.  Damask.  (im  Et.  M.  p.  180,  43.  vor.    —   Von   Lykophrons  Andromeda    {Suidas 

F.  H.  G.  3,  365):  'Axaifiinjg  .  .  .  ufos  ilfgoiaig  s.  v.),  auf  welche  Fedde  (p.  37)  Hygins  F.  64 

(II)'    ävöfiaotca   de    cinb  xov  slvcti  xov  itQOTtd-  von   K.   zurückführen    möchte,    ist    nichts   be- 

xoga    ctvTOv   cc-nb   xrtg  'A%atag,     Der   xcQonaxaQ  kannt.      Diese  Fab.  64  bietet  lauter  sonst  un- 

ist  nicht  =  Perseus  (I),  wie  C.  Müller,  F.  H.  G.  bezeugte  Züge:  Cepheust.'i  pater  cum  Agenore, 

a.  a.  0.   will*),   sondern  Kepheus   {Aithiopenl.  cuius  sponsa  fuit(!),  Perstum    clam  interficere 

S.    151  55);     die    'A%ata    ist    nicht    das    'Agyog  voluerunt.     Ille  cognita  re  Caput  Gorgonis  eis 

'A%uii*6v,  wie  wiederum  derselbe,   an  Perseus  20  ostendit  omnesgue(!)  ab  summa  specie  sunt  in- 

denkend  (P/eiiüas,  F.  H.  G.  3,  25,  4),  erklärt,  formati  in   saxum  —  bis  auf  die  Versteinerung 

sondern,   wenn   man   nicht    an    das   rhodische  von   Polydectes    sive   Proetus    herab.      Weder 

Kastell  'Axatu  zu  Ialysos  denken  will,  das  Land  hätte   Bibbeck   {Rom.    Trag.  S.  174)   hier  euri- 

Achaia  um  ßura  und  Dyme.    Die  Kombination  pideische    Nachahmung    (frg.    152)    vermuten 

ward    erleichtert    durch    den    Gleichklang    in  sollen,  noch   durfte    0.  Gruppe   gerade  diesen 

'A%ata  und  'A%cafi,bvris  und  führte  sogar  weiter  Winkelmythos  seiner  Deutung  (s.  u.)  zu  Grunde 

zur   Genealogie:     Achaimenes     S.    des    Aigeus  legen.   —    Ovid   hat  ebenfalls,  wie  Konon,  K. 

(d.  h.  Aigialeia):    Steph.  Byz.  'A%ai(i,svCa;   vgl.  als  Bruder   des   Phineus  {Met.  5,  12  f.).     Hier 

Bd.    1    Sp.   2861.      Nicht    blofs    aus    der    ver-  rüstet   K.   vielleicht  nach  Vorgang   des  Euri- 

mittelnden    geographischen    Lage,    den    kolo-  30  pides  {fr.  135 f.,  vgl.  Philostratos;  Bibbeck, Rom. 

nialen  Beziehungen  und  dem  rhodischen  Kastell  Trag.  S.  170)  zur  Hochzeit  (vgl.  auch  o.  Euphor. 

Achaia    ist    die    vermittelnde   Rolle   der   Insel  frg.  67)  ein  üppiges  Mahl,  an  welchem  die  kephe- 

Rhodos    als    einer  Zwischenstation   bei   dieser  nischen  Edeln  alle  teilnehmen  (4,  764 ff.  5, 1  ff.); 

östlichen   Mythenübertragung   zu    ersehliefsen,  er  nimmt  gegen  den  gewaltsam  eindringenden 

sondern  auch  daraus,  dafs  in  einem  rhodische  Phineus  und  dessen  indisch-assyrisch-baktritch- 

Lokalfärbung  tragenden  Mythologem  die  Acliae-  medisch  -  nabatäisch  -  chaonisches      Mischvolk 

meniae    urbes    erscheinen:    in    Oiids    {Met.    4,  seinen   Schwiegersohn  Perseus   und   seine  Ke- 

212  ff.)    angeblich    auf  Hesiodos   {frg.  44  Ei.)  phenen  in  lebhafter  Rede  in  Schutz  und  betet, 

zurückgehenden  Mythos     von    Leukothoe   und  als  die  Eindringlinge  im  Palast  trotzdem  den 

Helios  {Ovid:  Apollon),  in  welchem  die  koische  40  Waffenkampf  beginnen,   vor   den  Pforten  des 

Klymene  und  die  rhodische  Rhodos  vorkommen  Palastes   zu   den  Göttern   des  Gastrechts,   da- 

(vgl.   Aithiopenl.    S.    166  9S).      Auch    wenn    K.  mit  sie  die  Verletzung  desselben  rächen  (5, 43ff). 

'laaiSrig  heilst  (bei  Arat.  Phainom.  und  Germani-  Als  Perseus  die  letzten  200  Leute  des  Phineus 

cms  Arat.  v.  184),  zeigt  er  dieses  Schwanken  zwi-  (=  01   nuyi rxsg   big   XC&ovg   uv&qcotioi   sc.  des 

sehen   Argolis    (wo   Agenor  Bruder    des   Iasos  Entführers  Phoinix  bei  Konon  c  40)  und  aus 

ist),  Achaia  (wo  Paus.  7,  13,  7  eine  Stadt  Iasos  Versehen  auch  den  Akonteus  aus  dem  eigenen 

nennt)  und  dem karisch-triopisehenlasos,  dessen  Gefolge,     mit     dem     Gorgoneion    versteinert, 

gleichnamiger  Eponymos  {Steph.  B.  s.  v.),  S.  des  bleibt  K.  mit  den  Resten  seiner  Kephenen  (s.  d.) 

Triopas,   letzthin   mit   einem   der  vielen  pelo-  verschont;  und  es  war  ein  unglücklicher  Ein- 

ponnesischen  Heroen  Namens  Iasos   identisch  50  fall  0.  Gruppes  {Philul.  N.  F.  1,  97\  wenn  er 

sein  wird.  davon  ausging,  dafs  bei  Hygin  F.  64  Kepheus 

Auf  Tegea   führen    keine   dieser  rhodisch-  und  die  Kephenen  (!)  versteinert  würden,  und 

orientalischen  Beziehungen   zurück;   sogar  die  dies  zum  Beweis  dafür  nahm,   dafs  in  seinem 

unhistorische  {Bohde,  Bit,  Mus.  36,  1881  S.  432)  Namen    das    aramäische   keph  =  Fels   stecke. 

Althaimenessage   läfst   den  Katreus  =  Arche-  Damit   fällt    die   letzte   Stütze   seiner    gewalt- 

dios  (?),    Sohn   des   Tegeates   {Paus.  8,  53,  4),  samen    Kombination     des     Andromedamythos 

gleich    beim    Anlanden   auf  Rhodos   von   dem  mit    dem    rhodischen    Haliamythos,    in    wel- 

eigenen    Sohn   erschlagen   werden   {Diodor.   5,  chem   er   das   Y.ovtyui   v.axöt.   yijs   {Diod.  5,  55) 

59),  und  er  bekommt  nicht  wie  dieser  Heroen-  mit    der    angeblichen    Versteinerung    der    Ke- 

kult    auf   Rhodos.    —    K.   oder  Akrisios   oder  60  phenen,    und  die  Poseidonsöhne  dort  mit  den 

Zeus   rüsteten   dem   Perseus   die  Hochzeit  aus  Kephenen   hier  identificieren  will,   in  sich  zu- 

nach  Lobecks  Deutung  und  Lesung  des  Eupho-  sammen.  ■ —   Die  Apollod.  Bibl.  2,  1,   4,  3  hat 

rionfragmentes   67    Mein,    aus   Sclwl.   V.    11.  S  K.  als  Sohn  des  Agenorbruders  Belos  und  der 

Neilostochter  Anchirrhoe,  Bruder  des  Phineus, 

*)  Er  Hefa   sich  durch  die  Analogie  des  Scholion  zu  Danaos  und   Aigyptos;    Hiwin    P.  A.   2,   9    als 

Jjiunus.    Peneg.    v.    10o3    (ff.    G.    iL    2,    4o6  a      tauschen:  Q      ,          D,      .    .    SJi,                 ''?    „„„  a       ,    '  c      , 

tt  i    n      -t\  •-'./  v„      i        ■.  -       "     »    '  ,•„„  .  S.  des    Phoinix;   Aonnos   2,    6S2  ff   als   S.  des 

Knyiu:  ...  77('?o,,>.  (II  i  Muaoi.    K.  ist  zwar  nann„:  des  Agenor  und  Bruder  des  Kadmos,   Thasos.  Kilix, 

versc(u)s  n,  aber  n uoTtutai/j '  von  dessen  Sohn  Achaimenes.  Phineus,  und  eingewandert  in  südliches  Aithio- 


1113    Kepheus  (der  Andromedasage)  Kepheus  (von  Boiotien;  auf  Münzen)    1114 

peuland   (voxiqv   x&öva  Krjcpsvg  |  vciaaaxo  Kr\-  (vgl.  jedoch   den   Artikel  Kekrops);   und   auch 

cprjvcav  i-nirJQavog  Aixrionrjcov). —  K.  als  Aithiope  die   Nebenform    zu   Kqqisvg   (Kucpsvg),   Kijcpig 

sonst  noch  bei  Nikolaus  2,  6  und  Libanios  32,  (Käqug)  lebt   (aufser  in  Chios)   nur  in  Phokis, 

vgl.    Westermann  Mv&oyq.  p.  375,  40,  1.  2.  —  wo    sie    zweimal    (einmal    in    Tithoreia),   und 

Die  Verstirnung  des  Kepheus,  die  Robert  S.  19  in  Thespiai,  wo  sie  einmal  bezeugt  ist.    Wenn 

schon  Euripides    und   überhaupt   der   ältesten  hier   keine   Rückübertragnng   aus   Karien  und 

Form  des  Mythos  zuspricht,  giebt  Hygin  P.  A.  sekundäre  Lokalisation  vorliegt  (wie  beim  Phoi- 

2,  9.  3,  8  und  die  Eratosthen.  Katasterismen  15  nikion  des  Kaclmos  bei  Thebai),  so  hätten  wir 

(über   die   Parallelversionen   vgl.  Boberts  Aus-  hier  die  älteste  Heimat  des  Mythos  zu  suchen, 

gäbe    1878).      Ober   die    römischen   Tragödien  10  der  von  da  über  Euboia  nach  Argolis  and  weiter 

und  ihre  Vorbilder  s.  Art.  'Kassiepeia'!  übertragen  wäre  (vgl.  übh.  Art.  'Kassiepeia'). 

Der  Name   der   Kncptvg,    der,   wie   gesagt,  [Bewaffnet  mit  Helm,  Schild  und  Schwert 

nicht  mit  dem  aramäischen  Keph  (Suidas  Krj-  erscheint  Kepheus  (ganz  so  wie  Aias  der  Sohn 

cpäg)  =  Fels  zusammen  gebracht  werden  darf  des  Oileus  auf  Münzen  von  Opus,  Hcad  p.  285) 

(s.  o.),  wird  von  den  alten  Grammatikern  (über  auf   Silber-    und   Kupfermünzen   von    Tegea, 

das    abgeleitete    Kr,tprivsg    s.    d. )    mit    yacpbg  Khell,   Append.   alt.    Tab.   3,    12.     Eckhel,  D. 

(y.acpr)v,  v.r]cpr]v)  zusammengebracht,  ohne  dafs  N.  V.  2  p.  299.    C.  Combe,  Hhis.  Hunterianwm 

man  für   eine   Bedeutung  „Stumme"  oder  gar  Tab.  57,  5.    Mi.  2,  255,  71  und  S.  4,  292,  112. 

„Drohnen"  im  Mythos  irgend  welchen  Anhalts-  Sollin  et  Feuardent ,  Cat.   d'une   coli,   de  med. 

punkt    oder   sinnvollen   Erklärungsgrund    ent-  20  gr.    1,  264,  4159.    Bröndsted,    Voy.  et  rech.   2 

decken  könnte.     Am  nächsten  liegt  es  wohl,  p.  233.    Friedländer ,   Sitgungsber.  d.  Kgl.  Pr. 

an  einen  der  vielen  KrjcpLßabg-i'lüsse  zu  denken,  Ak.   zu  Berlin    1878    p.  451.     B.  Weil,    Z.  f. 

dessen  Epon'ymos  er  seiu  könnte;  K.  wäre  ein  Num.  9,    1882    p.  36   Tfl.  2,  9.     Cat.  Bompois 

Kurzname  für   das   Ethnikon  * Kr,<pieosvg   von  98,  1223.  Imhoof,  Monn.  Gr.  208,  278.  Imhoof- 

KrjcpLoeog  (ähnlich   das  lautliche  Verhältnis  Gardner,  Numism.  Comm.  on  Pausanias  p.  109. 

etwa  von  Töfuea:  Topicsvg;  Tojjlsvs).     In  Be-  Cat.    of  Gr.    Coins   in   the   Brit.    Mus.   Pelo- 

tracht  käme    wegen  des  Perseus  zunächst  der  ponnesus    p.  201    nr.   11  — 13    PI.  37,  14.    15. 

argolische   Kephissos;    wenn    man   an   K.    den  Head,  H.  N.  p.  380.  —   O.  Jahn,  Ar  eh.  Aufs. 

rAchaier'  denkt,  der  sikyonische,  der  freilich  p.  167 ff.  Tfl.  1,  5  deutete  den  Heros  als  Teie- 

weder   Bura  noch  Dyme    benachbart    ist;  der  30  phoa,   Urlichs,  Skopas  p.  36f.  als  Echemos. 

boiotisehe   aber,  wenn   man  eine   Gruppe  von  Auf  Bronzemünzen  mit  dem  bärtigen  Haupte 

Zeugnissen    berücksichtigt,    die    ich    hier    zu-  des    AAEOS   im   Obv.   ist    dargestellt   Athena, 

sammenstellen  möchte  unter  dem   Kepheus    die    Haare    der    Medusa    über- 

5)     Kepheus    von    Boiotien,     Vater    des  reichend,    welche    Sterope    in    einem   Gefäfs 

Thespeios,      des     Eponymos      von    Thespeiai  aufnimmt,    Eckhel,   D.  N.  V.  2   p.  299     Mil- 

(=    Thespiai):    Schol.    B    (L)    zu    II.   B   498  lingen,    Bec.    de   quelques   med.    grecques   ined. 

(@SG7iEictv]  ctiib  &i67t£iov  xov  Krjqitmg,  co  &v-  p.   53  ff.     de   Witte,    Cat.  Gre-ppo   p.  96   nr.  719 

yaxigig  rjactv  v'  (dem  Thespios  nämlich).    Man  (welcher   die  Figuren   falsch    als  Athena   und 

könnte    denken,    das    sei   nur   eine    spielende  Ares  deutet).   Bollin  et  Feuardent  1,  264,  4162. 

Kombination   der  50  Söhne   des   Kepheus  mit  40  Coli.  Bompois   98,  1225.     Cat.   of  Greek  Coins 

den  50  Töchtern  des  Thespios;  oder  aber  eine  in  the  Brit.  BIus.  Peloponnesus   p.  202   nr.  21 

Verwechselung  mit   dem  ßeoiiisvg  Narkissos,  PI.  37,  19.    Imhoof-  Gardner ,  Num.  Comm.  on 

Sohn  des  Krjcptaaog.    Jedoch  finden  sich  wirk-  Pausanias  p.   109   nr.  3   PI.  V,  23.      Derselbe 

lieh  in  Boiotien   auch   sonst  Anklänge  an  die  Typus  kommt  vor   auf  einer  Münze   des  Ela- 

Perseus-  und  Andromedasage.    Dafs  die  Mutter  gabal  von   Tegea,  Kenner ,  Die  ant.   Stanzen 

der   Kassiepeia,  Thronie,   sich  gerade  nur  im  des  Stifts  St.  Florian   p.  98   Tfl.  3,  12.     Auch 

epiknemidisch-lokrischen  Thronion,  die  Araber  ohne    Kepheus    wird     die    Überreichung    der 

ihres     Clrofsvaters    Arabos    (im    Gefolge     des  Haare  dargestellt,  Bollin  et  Feuardent  1,264, 

Kadmos   und    im    Zusammenhang    mit    Aban-  4160.  4161.    Num.  Chron.    1873   p.  116   nr.  70. 

ten)    gerade    in   Boiotien    und    Euboia    nach-  so  Imhoof -Gardner  a.  a.  0.  PI.  V,  22.  —  Kepheus, 

weisen  lassen,  ist  oben  (Kassiepeia  3.  Eingang)  Kassiopeia,  Andromeda,  Perseus  etc.  dargestellt 

bemerkt.     Perseus'  Sohn  Erythras   deckt   sich  am  Atlas  Farnesianus,  s.  bei  Gori,  Thcs.  gemm. 

mit    dem   Eponymos   von    boiotisch    Erythrai,  astrif.  3  p.  60f.  cap.  17  Tab.  3.     Drexler.J 

'Egv&gag  (s.    die   Nachträge    am  Schlüsse  des  [K.  Tümpel] 

2.  Bandes);  für  die  Graien  bietet  sich  sonst  keine  •_        Kephisso  (Kncpioacö,  Kr,cpi6c6),  Name  einer  der 

ursprüngliche  Lokalisation  aufser  in  der  tanagräi-  Musen  (s.  d.).    Der  Dichter  Eumelos  aus  Korinth 

sehen  Graia  und  dem  rgaiag  tdos  oder  axrt&og  (fr.  16  Marksch.)  b.  Tzetz.  zu  Ilesiod.  opp.  p.  23 

bei  Thebai;   und   die  Gorgonensage   haftet   an  Gaisf.   nahm   drei  Musen  an:    Kephisso,  Apol- 

Mykalessos  (Schol.   B  [L]  zu   II.    B   498   Mv-  lonis    (Hermann:    Achelois)    und   Borysthenis, 

■xaXrjOeög]  nctQU  xb  iy.tCas  rag  FoQyövag  il&ov-  60  von    denen    zwei   wenigstens   von  Flufsnamen 

aag    fivy.fieao&cu;    Eustath.    p.    266,    30    inei  abgeleitet  sind,   und   nannte   sie   Töchter   des 

yf  y ovvi'ag  rag  FoQyövag  v.xl.).    Vgl.  auch  das  Apollon.      G.  Hermann,  De  Musis  ftuvialibus 

boiotisehe  MiSia,  gleichnamig  der  argolischen  Epieharmi  et  Eumeli,  1819  (Opusc.  2,288 — .305). 

Perseusstadt.     Zum  Überflufs  hat  jetzt  Maafs  Buttmann,  Mytholog.  l,273ff.  Prdler,  Gr.  Myth. 

(de  Aeschyli  Supplicibus,  Ind.  lect.  Grypb.  1890  1,  406.  Madiger,  Die  Musen,  im  8.  Suppl.-B.  d. 

p.   24)    das    alte    Ai'yvnxog    der    hellenischen  Jahrbb.  f.  Mass.  Philol.  p.  281.     [Stoll] 

Kassiepeiasagen     (die     Aiyvnxog     luy.Qct     des  Kephissos  (KijCftoaog  und  Ktjcpioög),  der  Gott 

Steph.  Byz.)  mit  der  Insel  Euboia  identificiert  verschiedener  Flüsse  dieses  Namens,  in  Phokis 


1115                     Kephissos  Keraunios                     1116 

und  Böotieu,  in  Attika,  in  Argolis,  Sobn  des  nannt    waren    und    dem    die  Töpfer   opferten, 

Okeanos    und    der   Tethys,   Hyg.  praef.   p.  28  ein    Sobn    des    Dionysos     and    der    Ariadne, 

Bunte.     Der    argivische    Kephissos    hatte    ein  Paus.    1,    3,    1.    HarpoJcr.    Suid.    v.    Ksgafiig. 

Heiligtum  in  Argos,  Paus.  2,  20,  5.    Er  hatte  [Zu    0.  Jahn's   (Über    ein    Vasenbild,    welches 

mit  Phoroneus   und   den  Flufsgöttern  Inachos  eine   Töpferei    vorstellt,    Ber.    üb.    d.    Verh.    d. 

und    Asterion    bei    dem   Streite    des   Poseidon  Kgl.   Sachs.    Ges.    1854    [p.  27  —  49    Tfl.  1,   1] 

und    der  Hera   um  den  Besitz  des  argivischen  p.   45  ff.)    Deutung    einer    bärtigen    Maske    an 

Landes  der  Hera  das  Land  zugesprochen,  Paus.  einem    Ofen   auf  der  Münchener  Vase  nr.  731 

2,  15,  4.  Der  phokisch-böotische  Kephissos  als  eine  als  Apotropaion  dienende  Satyrmaske 
war  Vater  der  Nymphe  Lilaia  (Paus.  10,  33,  2.  10  bemerkt  Goettling ,  Carmen  Homeri  fornacale. 
Hesiod.  b.  Schal.  11.  2.  523),  der  Melaino,  der  Jenae  1860.  4"  p.  6:  „Crederem  si  aures  ca- 
Mutter  des  Delphos  (Paus.  10,  6,  2),  der  Daulis,  pitis  essent  acutae,  nunc  autein  larvam  esse 
(Paus.  10,  4,  5),  des  Eteoklos,  Königs  von  Orcho-  putaverim  Cerami  herois ,  qua  invidiosorum 
menos  (Hesiod.  b.  Schul.  Pind.  Ol.  Argum.),  noxiam  reprimi  posse  putabant  Athenienses. 
des  Euonymoa,  des  Vaters  der  Aulis,  Sehol.  Vgl.  auch  de  Witte,  Description  des  collections 
II.  2,  496.  Steph.  B.  v.  Avf.t'g.  Der  attische  d'antiquite's  conserrees  ä  l'hötel  Lambert.  Paris 
Kephissos  heilst  Vater  der  Diogeneia,  deren  188G.  4"  p.  5:  „Les  Grecs,  qui  etaient  dans 
Tochter  Praxithea  mit  Erechtheus  vermählt  Vhabitude  d'attribucr  les  inventions  utiles  ä 
war  (Apollod.  3,  15,  1),  Vater  des  Elieus ;  leurs  dieux,  ou  du  moins  ä  des  personnages 
dieser  zeugte  mit  Skias  den  Eunostos,  Heros  20  lieroiques  de  race  divine ,  disaient  que  Ceramos 
von  Tanagra.  Plut.  Qu.  Gr.  40.  In  dem  Tempel  etait  le  fils  de  Dionysos  et  d' 'Ariadne.  C'etait 
des  Amphiaraos  bei  Oropos  war  ihm  gemein-  de  lui  que  le  Ceramique  tirait  son  nom,  ce 
schaftlich  mit  den  Nymphen,  dem  Pan  und  quartier  d'Athenes  habite  par  les' potiers.  Ort 
dem  Acbeloos  ein  Teil  des  Altars  geheiligt,  peut  se  demander  pourquoi  Dionysos  etait  con- 
Paus.  1,  38,  2.  Kephissos  war  Vater  des  Nar-  sidere  comme  le  pere  du  heros,  protccteur  des 
kissos,  den  ihm  Leiriope  geboren,  Hyg.  f.  271.  potiers?  C'etait  sans  doute  pour  donner  ä  en- 
Ov.  Met.  3,  343.  —  [Über  Kephissos  am  West-  tendre  que  Von  conservait  le  vin  dans  des 
giebel  des  Parthenon  s.  Michaelis.  Parthenon  vaisseaux  de  terrc ,  et  que  des  coupes  de  terre 
p.  192  f.  E.  Petersen,  Die  Kunst  des  Pheidias  scrvaient  ä  porter  aux  leeres  la  liqueur  bac- 
p.  194—198.  A".  Bötticher,  Arch.  Z.  1871  p.  63.  30  cltique."    Drexler.]     [Stoll.] 

H.  Brunn,  D.  Bddw.  d.  Parthenon  u.  d    The-  Kerainyiites    (KrjQaiivvtrjg),    Beiname    des 

seion.  München  1874  (S.-A.  a.  d.  Silzungsber.  d.  Herakles,   Lykopin:    663;    vgl.    Tzetz.  z.  d.  St. 

philos.-philol.  Kl.  d.  k.  b.  AI:,  d.  W.   1874   II)  Ktjgctijtvvrqg  b  'Hgctxlrjg,   b  rag  xr/gag  ätäxiov 

p.  30.     Adolf  Gerber,   Katurpersonifikation  in  als^ixa-xog   yäq.      Zu    Herakles    üls£iy.cty.og   s. 

Poesie   u.  Kunst   der  Alten,    Jahrbb.   f.   klass.  Luc.  Gall.  2.    Fuqit.  32.    Alex.  4.     Anllt   Pal. 

Phil.  Suppltbd.  13  p.  277.    J.  Orerbeck,  Gesch.  9,441.    Sehol.  Apoll.  Bhod,  1,  1218;  'HgaKltovg 

d.    griech.    Plastik    l3    p.  309  —  310    Fig.  64.  AjicMu^Lxdxov  Inschrift  aus  Delos,  Corr.  hell. 

31.  Collignon,  Pheidias.    Paris   188G   p.  57.  58.  G,  342   nr.  53;   aus   Chaironeia  'HqkxXsl   äjrar- 

Gegen   die  Deutung  der  Eckfiguren  als  Flufs-  Af|<x«xro,  'J&rjvcuov  4,  377.     [Höfer.] 

gottheiten    soll    sich    nach    Otto    Schuh,    Die  40      Keraon  (Kegdcov),  Heros  des  Weinmischens 

Ortsgottheiten  der  griech,  u.  röm.  Kunst.   Berlin  (xfpäco),    welchem    zu   Sparta  die   Diener  bei 

1889  (Berliner  Stud.  f.  kl.  Phil.  u.  Arch.  8.  Bd.  den  Pheiditien   eine   Statue    errichtet   hatten, 

3.  Heft)  p.  15  Anm.  23a  erklären  Arnold  Walz,  wie  auch  dem  Matton  (tiatrai),  dem  Heros  des 
Über  die  Erklärung  der  Eckfiguren  am  Ost-  Brotbackens,  Polemon  b.  Athen.  2,  39c  und 
giebel  des  olympischen  Zeustempels  u.  am  West-  4,  173  f,  wo  statt  Matton  der  Heros  Daiton 
giebel  des  Parthenon  (Programm  des  Seminars  genannt  ist.  Töpjfer,  Alt.  Gen.  152.  [Stoll.] 
zu  Maulbronn  1887);  vgl.  auch  die  allgemeinen  Keras  Ainaltheias  s.  Amaltheia. 
Betrachtungen  von  O.  Schul:  a.  a.  O.  p.  20 —  Kerasos  (Kigaaog)  soll  zuerst  mit  dem  Flufs 
23.  Noch  nicht  einsehen  konnte  ich  H.  Blüm-  Acbeloos  in  Aitolien  den  Wein  gemischt 
ner,   Zum  icestl.  Giebelfelde   des   Parthenon   in  so  haben,  Hyg.  f.  274.     [Stoll.] 

Gesammelte  Studien  zur  Kunstgeschichte  gewid-  Keraulos  (KtgavXog),  Begleiter  des  Bakchos, 

met  A.Springer.  Leipzig  1885.  Drexler.]  [Stoll.]  G.  I.  Gr.  4  nr.  8184.     [Lorentz.] 

Ker  s.  Keres.  Kerannia  (KsquvvCa),  Name  einer  sonst  un- 

Kerambos(A"fpß:|ußos'),  ein  amOthrys  wohnen-  bekannten  Göttin,  die  neben  Ksgavviog  (==  Zeus) 

der  Mann,  der  sich  bei  der  deukalionischen  Flut  auf  einer  Inschrift  aus  Kition  erscheint,  xt %o- 

auf  einen  Berg  geflüchtet  hatte  und,  von  den  7.coy.ivov  xv%ot  rov  Kiguvvlov  .  .  .  av  zig  ßcily 

Nymphen  in  den  Käfer   xtpaußi'^    verwandelt,  y.ongta     v.B%oltouivrig     rvxoi     rrjs     K^gawictg, 

den  Wassern   entging,    Ov.   Met.  7,  353.     Vgl.  Waddington,    Inscr.    d'Asie   min.    2739;    vgl. 

Ant.  Lib.  22,  wo  der  in  den  Käfer  Verwandelte  Le  Bas  2  p.  209.     Vgl.  Keraunios.     [Höfer.J 

Terambos    (s.  d.)   heifst.     Auch   hier   ist   wohl  60      Kerauuios  (KsQavvtog),   Beiname  des  Zeus, 

mit  Rücksicht  auf  den  KeQ<iußv$  Kerambos  zu  s.    Anecd.    var.    Gr.    et    Lat.    edd.    Schoell    et 

lesen.     [Eine  Deutung  der  Sage  s.  b.  Laistner,  Studemund   1    p.  265.   266.   274.   281   und   die 

D.  Bätsei  d.  Sphinx  2,  200 f.     R.]      [Stoll.]  von  Höfer  s.  v.  Keraunos  anzuführenden  Stellen 

Keramnos?  (Ceraunus?),  Skythe  b.   Val.  Fl.  und    Inschriften,    zu    denen    man   noch   fügen 

6,  550.     [Röscher.]  kann    eine    Inschrift   aus    Melos,    'Ecpnu.    <X9%. 

Keranios  (Äf'pauos),  ein  attischer  Heros  der  nr.  3544  p.  1846.    K.  Keil,   Philologus,  Suppl. 

Töpfer  (-Kepcciitig),   nach   welchem   der   Demos  Bd.  2  p.  Gllf.  u.  eine  aus  Nikopolis  ad  Istrum, 

Kerameis    und   der  Kerameikos   zu  Athen  be-  A.  E.  M.  10  p.  242  nr.  7. 


1117                       Keraunios  Keraunos                     1118 

Der  von  Paus.  5,  14,  7  erwähnte  Altar  des  das  letzte  Wort  grofs  geschrieben  wissen,   in- 

Z.   Keraunios    in    Olympia    ist-  nach    Robert,  dem   die   Inschrift  von   Mantineia  ihn   zu   der 

Hermes  23   p.  430  Anm.  2   identisch   mit   dem  Vermutung  führt  „qu'il  faut  .  .  .   reconnaitre 

von  Paus.  5,  14,  10  (aus  einer  anderen  Quelle)  ici  la  mention  du  dieu   foudre".     Aus  Cyrillus 

angeführten  Altar  des  Zeus  Kataibates.  Gatech.  13   citiert  Eckhel,  D.  N.   V.   3   p.  326 

Für  Pergamon  kann  mau  zu  dem  inschrift-  die  Notiz:  „Die  Griechen  verehren  den  Blitz." 

liehen   Zeugnis    vergleichen    den    von    Mi.    8,  Über    den    entsprechenden  luppiter   Fulgur   s. 

617,  659  so  beschriebenen  Typus  einer  Münze  oben  Bd.  2  Sp.  656.   Wollte  man  mit  Stephani, 

des  Herennius  Etruscus:  „lupiter  assis,  tenant  C.   r.  p.   l'a.    1S72    p.   86    Anm.  4    den    blitz- 

un  foudre   dans   la  m.  dr.   et  la  haste  dans  la  10  schleudernden  Zeus  ohne  Beischrift  auf  Münzen 

g.;  en  face  Hercule  debout,   tenant   im  foudre  von  Petiha,  der  Bruttier  und  Lukaner  als  Zeus 

dans  la  m.  dr.  et  sa  massue  dans  la  g."'    und  Keraunios   bezeichnen,   so   könnte  man  dieses 

die    unter    Keteios    anzuführende    Münze    des  Beiwort  auch  auf  die  Zeusgestalten  unzähliger 

Commodus.  anderer    Städte    (s.   Pasche   2,  2     Sp.  1186  ff, 

Die  Inschrift  C.  I.  Gr.  3446   aus  Ghieuldiz  Suppl.  3  Sp.  259  ff.)  ausdehnen;  doch    ist   der 

ist,    wie   K.  Keil  a.'.  a.  0.   p.  609  ff.   nr.  5   be-  Blitz   ein   so   gewöhnliches  Attribut   des  Zeus, 

merkt,   identisch  mit    Waddington,  Aste  Min.  dafs    der   Typus    des   blitzwerfenden    Zeus   auf 

1674.     Wagner,   Inscr.  Gr.   rec.   en  Aste  min.  den  Münzen  einer  Stadt  noch  keinen  hinläng- 

p.  14f.    Hamilton,  Researches  in  Asia  Min.  2,  liehen    Beweis    für    die    Verehrung    desselben 

137.  140  p.  166f.  nr.  336.                                         20  als  Keraunios  daselbst  bietet.  Römische  Kaiser - 

Die  Inschrift  von  Tefeny  (B.  C.  H.  8,  503)  münzen  bezeichnen  zwar  zuweilen  (Diocletian) 

findet  sich  auch   bei  Sterrett,  An  epigraphical  den  blitzeschleudernden  Zeus    durch    die    Bei- 

journey  in  Asia  Min.  (nrs.  (56 — )58,  C,  15  p.  89.  schrift   als   Fulgerator,    aber    andere   dagegen 

Für  den  durch  Hesychios  bezeugten  Kultus  als  (Konservator,  Defensor  Salutis  Aug.,  Stator, 

des   Zeus   Keraunios   in   Seleukeia   lassen   sich  Victor,  luvenis.     (Vgl.  luppiter.)  — 

auch   Münzen    des    Caracalla   von   S.    mit   der  Über    andere    den    Zeus    als    Gewittergott 

Beischrift  Z6YC- K6PAYNIOC  zu  dem  auf  einem  charakterisierende  Beiwörter  s.  Preller  -  Robert 

heiligen  Tische  liegenden  Blitz  oder  Donnerkeil,  l4  p.  118  Anm.  1;  über  ctoTocmaiog  Fr.  Lenor- 

der   ohne   die  Beischrift  auch  auf  zahlreichen  mant,  Inscr.  grecque  d'Antandrus ,    Rev.  arch. 

anderen  Münzen  der  Stadt  vorkommt  (s.  z.  B.  3u  n.  s.  10,  1864.  p.  49 — 51.     [Drexler.] 

Noris,  Annus  et  epochae  Syromacedonum.  Lips.  Keraunobolia  die  Personifikation  der  Blitz- 

1696.   4°   p.  267  f.    Ch.  Lenormant,  Nouv.  galt.  schleuderung,     war    zusammen    mit    der    des 

myth.  p.  30  PI.  5,  17  u.  p.  56 — 58  zu  PI.  8,  13.  Donners,    Bronte,  und  der  des  Blitzleuchtens, 

Babelon,  Les  rois  de   Syrie,  d 'Armeide  et  de  Astrape,  auf  einem  Gemälde  des  A gelles  dar- 

Commugene.     Paris   1890     p.    105),    anführen.  gestellt,    welches   Plin.  n.  h.  35,  96   erwähnt. 

S.  Spardiemius ,  De  praest.  et  usu  man.  ant.  1.  Brunn,   Gesch.  d.  gr.  Künstler  2   p.  207   zieht 

Am.-t.    1717.     2°     p.   430  ff.,     speziell    p.  431.  zum  Vergleich   heran   ein  Gemälde  bei  Pliilo- 

Echhel,  D.N.  V.  3   p.  326.     Mi.  5,  279,  909.  stratus  1,  14,  worauf  bei  der  Feuergeburt  des 

910.   Ooerbeek,  Zeus  p.  215;  vgl.  auch  Appian,  Dionysos    „der   Donner   in    dräuender   Gestalt 

Syriaca  58  und  oben  s.  v.  Kasios.                       40  und  der  Blitz,  wie  er  Strahlen  aus  den  Au^en 

Die  Inschrift  von  Damaskos  (C.  I.  Gr.  4520)  entsendet",   zu  sehen  waren.     Dilthey ,  Rhein. 

verzeichnet    auch    Waddington ,    Syrie    2557a.  Mus.  N.  F.  25  p.  335  u.  Anm.  2  vermutet,  dafs 

Hinsichtlich   des   Zeus    Hsyuvvtog   in  Palmyra  die  von  Plinius  angeführten  Personifikationen 

bemerkt  Baethgen,   Beitr.   z.   sentit.  Religions-  auf  einem   Gemälde   mit   der  Darstellung   des 

geschickte   p.  82.    103,    dafs   man   in   ihm   den  blitzsehleuderndenAlexander angebrachtwaren. 

Baalschamen  zu  erkennen  habe.     In  dem  Ke-  [Drexler.] 

raunios  von  Kition  hat  man  den  Reschef  Hes  Keraunos    (Kcoavvog),    Beiname    des    Zeus 

sehen  wollen,  s.  Clermont  Ganneau,  Rtv.  arch.  auf  einer   Inschrift    aus  Mantinea   Jtbg   Ki- 

n.  s.  32,   1876   p.  381.    de   Vogile,  Mil.  d'arch.  Qctvvä,    Corr.   hell.  2,  515   nr.  1  =  Le  Bas  2, 

Orient,  p.  19.  Foucart,  Monum.  grecs  publ.  par  so  352 a.     Collitz ,  Samml.  d.  yriech.  Dial- Inschr. 

l'assoc.  pour   l'encouragement  des  etudes  gr.  en  1,  1197;  ähnlich  auf  einer  Inschrift  aus  Tegea 

France  nr.  4.    1875    p.  24;    vgl.  H.  R.  Lang,  rä   psyiazcp    v.al  ytagavvoßöXcp  z/ü,   C.  I.  G. 

Transact.  of  the    Roy.    Soc.    of  Liter,    of  the  1513   =    Collitz   a.  a.  0.    1,  1231;    vgl.   Luc. 

United  Kingdom.  2d  ser.  11,  1878  p.  33  Anm.  7,  Philoputr.  4.  —  Zeus  selbst  heilst  KtQavvLog 

und  über  die  Bedeutung  des  Namens  Keschef  in   Seleukia  (Hesych),    hatte   als   Ksgavvtog 

Hes  „der  mit  dem  Blitz",    „der,   welcher  den  einen  Altar  in  Olympia,  (Paus.  5,  14,  7;  vgl. 

Blitz    als    seinen    Pfeil    entsendet",    Baethgen  Orph.  hymn.  15,  9.  Tit.  zu  hyinn.  19)  und  wird 

p.  52.      Die    KtQu.vvlu    dürfte     vielleicht    die  erwähnt  auf  Inschriften   aus  Kition   C.  1.  G. 

'Anat'    sein,    welche    auf  Cypem    der  Athena  2,   2641,    aus  Lydien  2,   3445,    aus   Syrien 

(s.  Baethgen  p.  53)  gleichgestellt  wurde.             60  3,  4501.  4520  (Damaskos)   und   auf   einer  am 

Zu  der  Inschrift  von  Mantineia  vgl.  die  Fufse  des  Albanerberges  gefundenen  In- 
Abhandlung von  P.  Foucart,  Le  Zeus  Ke-  schlift  3,  5930;  vgl.  ob.  Sp.  656.  751.  756.  Zfis 
raunos  de  Mantine'e ,  Monum.  gr.  4,  1875  Kiuaivetog,  Bianor  in  Anth.  Pal.  1,  icJ.  Arist. 
p.  23  —  26  und  Henri  Weil,  Zeus  Keraunos,  de  mundo  7.  —  Ztvg  v.iQctvvoßQÖvzng,  Arist. pax 
Revue  arch.  n.  s.  32,  1876  p.  50 — 51.  Letzterer  376.  —  Ztig  y.bquvvovxos,  Phil.  sept.  mir.  3;  der 
will  bei  Hesiod,  Theog.  v.  886  f.  Blitz  selbst  heifst  zb  zov  Jtbgauvvztiyiov,  Hesych. 
Evetfiuptpag  d'  oft  %tQ<i\v  {ftv  iyy.az&&zo  vrfivv,  Zeus  heifst  ferner  Ktouvviog  in  derlydischen 
Jiiaag   ft?j   zi^y   nQazt^dxhoov   uXXa   xsquvvov  Landschaft    Maionia,      Waddington ,     Inscr. 


1119    Kerberos  (b.  Homer  und  Hesiod) 

d'Asie  min.  1674;  in  Thyateira,  Bull,  de 
corr.  hellen.  10  (1886),  401  nr.  4  (unter  der 
Inschrift  ist  ein  Blitz  eingemeifselt);  11  (1887), 
470  nr.  36;  auf  einer  Inschrift  aus  Tefeny  in 
Phrygien,  Corr.  hell.  8,  503;  in  Syrien, 
Waddingtön  a.  a.  0.  2195.  2631  (Palmyra); 
in  Pergamon,  Fränlel,  Die  Inschriften  von 
Fergamon  p.  134  nr.  232;  in  Thasos,  Jour- 
nal of  hellenic  studies  1887,  425  nr.  29;  auf 
Kaly  mna,  Inschrift  aus  dem  dortigen  Apollon- 
tempel,  Newton,  Anc.  Greek  inscr.  in  the  lirit. 
Mus.  2,  100  nr.  321;  auf  einer  Inschrift  aus 
Jeni  Nikup  (Thracien),  Arch.  epigr.  Mitteil. 
a.  Österr.  10  (1886)  242,  nr.  7,  ohne  Zeus  findet 
sich  Keraunios  neben  einer  Göttin  Keraunia  (s. 
d.)  auf  einer  Inschrift  aus  Kition,  Waddingtön 
a.a.O.  2739,  vgl.  2740;  auf  uuteritaliseben 
Schleuderbleien  vinn  Jibg  KtQuvviov,  Kaibel, 
Inscr.  Graec.  Siciliae  2407,  3  p.  608;  auf 
Münzen  von  Petilia,  der  Bruttier  und  der 
Lukaner,  Slepliani ,  Compte  rendu  1872,  86 
Amn.  4;  Goldmünze  des  Diocletian  ebenda  222. 
Vgl.  Keraunios.     [Höfer.] 

Kerberos  (A'f'ofitpoc).  1)  Ein  mythischer 
Honigdieb  in  Kreta,  der  in  einen  Vogel  ver- 
wandelt wird.  Darnach  die  Vogelart  xegfiiooi. 
Ant.  Lib.  19  (nach  der  Ornithogonie  der  Boio 
oder  des  Boios;  vgl.  Knaack.Anall.  AI.  Rom,  lff.). 
—  2)  Der  Hund  und  Thorhüter  des  Hades. 
Soph.  0.  C.  1572.  Eurip.  Herc.  1278.  Theokr. 
29,  38.  Apcl.  2,  5,  12,  8.  Schol.  Hes.  theog.  311. 
Tartareum  custodem:  Verg.  A.  6,  395;  vgl.  8, 
296.  Tib.  1,  3,  72.  Stat.  Hieb.  2,  53  (vgl.  8, 
56).  Sil.  It.  3,  35.  Doch  seheint  der  lanitor 
Orci  nicht  immer  Kerberos  zu  sein;  vgl. 
Spiro,  De  Eurip.  Phoen.  p.  55,  dessen  Be- 
merkung gut  berichtigt  und  ergänzt  wird  von 
Ettig,  Acheruntica,  Ipz.  Stud.  13,  407,  welcher 
feststellt,  dafs  jedenfalls  bei  lucau.  Phars. 
6,  702  der  lanitor  vom  Cerberus  unterschieden 
wird;  vgl.  Stat.  Silv.  3,  2,  112  (HermanubisV). 

Über  Kerberos  im  hom.  Epos  schol.  A  B 
Townl.  V  zu  0  368:  tj  äi.7rXri  ....  ort  nvva 
(ibvov  Xsysi,  A'f'pJjfDOV  öe  ovv.  oVofiaJft,  (hg  ot 
vsoizagoi.  oiSi  ös  zöv  %vva  v.al  zrrv  cpvciv 
ccvzov  (vgl.  Paus.  3,  25,  6).  Die  zwei  Stellen, 
auf  die  sich  dies  bezieht,  sind  beide  nicht 
sehr  alt:  ©368  (xvva  czvyioov  A'idao)  und 
X  623  (v.vva).  An  beiden  ist  Kerberos  erwähnt 
innerhalb  der  ihn  betreffenden  Höllenfahrt 
des  Herakles  (vgl.  Hygin.  251  p.  139  Schm.). 
Diese  gehört  offenbar  zum  ältesten  Bestände 
der  Herakles -Sagen  und  mufs  frühzeitig  ,poe- 
tisch  fixiert  gewesen  sein  (in  Argos?  vgl. 
■o.  Wüamowite,  Herakl.  1,  291.  301  ff.),  und 
zwar,  wie  es  scheint,  ursprünglich  vor  den 
Hesperidenäpfeln  (z.  B.  Soph.  Track.  1097), 
später  als  letztes  Abenteuer  (z.  B.  Eurip.  Herc. 
23  und  überwiegend  die  Mythographie) ,  vgl. 
v.  Wilamowitg  a.  a.  0.  304,  71,  sowie  Welcher, 
Kl.  Sehr.  1,  88.  Das  Genauere  gehört  in  den 
Artikel  Heroldes. 

Der  Name  Kerberos  begegnet  zuerst  bei 
Jlesiod.  Theog.  311:  A\  cofirjoziiv.  'Atäsm  %vi>a 
%aXv.t6apavov ,  77f vzrj-AovzaY.itpaXov.  (Im  Scho- 
lion  ist  zu  lesen:  ö  fiiv  üivSagog  ineezorza- 
v.EtpczXöv  tprjOiv  sivea  zöv  KtQßngov  (codd.:  Tv- 
epcoia;   durch  Verwechslung  mit  Ptjth.  1,  31), 


Kerberos  (b.  Stesichoros,  Pindar)    1120 

ovxog  <5t  ■asizriY.ovzecnitpaXov.  Vgl.  Schol. 
0368.  Schol.  Soph.  Trach.  1098.  Die  Zahl  der 
Köpfe  bei  Hesiod  offenbar  ovx  KQi&u,r)ziy.äg, 
aXX'  ävzi  zov  noXvHicpctXog  (wie  von  Typhoeus 
Schol.  Pind.  Pyth.  1,  31).  Daher  noch  Horaz 
carm.  2,  13,  34:  belaa  centieeps  (während  die 
Interpolation  3,  11,  17ff.  ganz  auffallend  einen 
Kopf  mit  os  trilingue  giebt).  Ahnlich  nannte 
Simonides    die    lernäische    Schlange    fünfzig- 

10  köpfig  {fr.  203  Be.*):  also  ein  dichterischer 
Ausdruck,  keine  Vorstellung  des  Volksglaubens, 
was  für  diese  älteste  Stelle  namentlicher  Er- 
wähnung des  K.  wohl  zu  bemerken  und  schon 
hier  scharf  zu  betonen  ist.  K.  ist  bei  Hesiod 
Sohn  des  Typhaon  und  der  Echidna  (vgl.  Soph. 
Trach.  1099.  Ovid.  Met.  7,  408  [während  10, 
22  3Ietlusaeum  monstrum  nicht  genealogisch 
gemeint  ist).  Hygin.  fab.  30.  151 ;  vgl.  p.  12, 
16  Schm.     Buk.  fugit.    31.     Quint.  Smyrn.    6, 

20  261].  Dadurch  sind  Kerberos'  Geschwister 
u.  a.  Orthros,  der  Hund  des  Geryon,  die  Hydra 
und  der  neme'ische  Löwe;  also  liegt  auch  bei 
Hesiod  die  Beziehung  zum  Abenteuerkreise 
des  Herakles  zu  Grunde.  Ganz  allgemein  da- 
gegen, als  Ausstattungsstück  der  Hadesschilde- 
rung, als  Thorhüter  vor  dem  Hause  des  Hades 
und  der  Persephone,  erscheint  K.  in  einer 
anderen  Stelle  der  Thtogonie,  und  hier  be- 
gegnet   der    berühmte    Zug    (769  ff.):     ig    fihv 

30  iövzag  Xaivsi  bu,ä>g  ovgf]  zs  xocl  ovaeiv  äjx- 
tpoziooieiv,  E'£iX{tslv  S'  ovx  avztg  iä  ndXiv, 
äXXd  Sokbvcov  'Eaxrisi,  ov  xf  Xäß-ijci  nvXscov 
t-xroofrsv  lovza.  Dies  liegt  auch  zu  Grunde 
dem  scherzhaften  Orakel  bei  Aristoph.  Equ. 
1030  ff.  (vgl.  1017ff.),  doch  vermischt  mit 
der  allgemeinen  Vorstellung  eines  tückischen 
Hundes:  oai'vtig  ääxvovoa;  s.  Schol.  zu  1031 
(vgl.  Lul:  de  luctu  4.  Quint.  6,  264.  Stat. 
Hieb.  2,  28:    saevus    et    intranti  populo,    mit 

40  ausdrücklicher  Abweichung.  Die  Vorstellung 
moditiciert  sich  später:  tacet  piis;  vgl.  Stat. 
Site.  5,  1,  26S;  2,  184;   3,  3,  26;  5,  3,  279). 

Die  fremde  und  doch  wohl  jüngere  Her- 
kunft der  zweiten  Hesiod- Stelle  erhellt  schon 
daraus,  dafs  ovaeiv  aixipozsQOiGiv  nicht  mehr 
50  Köpfe,  sondern  1  Kopf  voraussetzt. 

Vom  Kerberos  des  Stesichoros  steht  nur 
der  Titel  fest;  doch  enthielt  auch  dies  Gedicht 
wahrscheinlich    das   Herakles- Abenteuer   (vgl. 

so  Kleine,  Stes.  fr.  p.  70).  Pindar  verknüpfte 
das  Kerberos -Abenteuer  mit  dem  Acheloos- 
Kampf  und  nannte  K.  wahrscheinlich  bei 
dieser  Gelegenheit  100 köpfig,  wie  sp.  Horaz; 
vgl.  fr.  249  Be.4  (nach  der  von  Bergk  citierten 
Stelle  aus  Tert.  de  cor.  mil.  7  scheint  es,  als 
ob  bei  Pindar  auch  das  ai'ziov  der  Acherois 
[Olympia]  damit  in  Verbindung  stand;  vgl. 
Eratosth.  schol.  Theokr.  2,  121.  Paus.  5,  14, 
2  ff.    Et.  M.  v.  'Axiqcoi's). 

co  Für  die  ältere  Zeit  ergiebt  sich  also,  mit 
Ausnahme  der  für  jünger  anzusehenden  zweiten 
.ffesiod-Stelle,  dafs  K.  durchweg  mit  Herakles' 
Höllenfahrt  verbunden  erscheint.  Es  fragt 
sich  aber,  ob  er  auch  zu  diesem  Abenteuer 
von  jeher  gehörte.  Vgl.  Buttmann,  Mi/th.  1, 
261.  Welcher,  Götterlehre  2,776.  Ahrens/Philol. 
19,  415  ff.  H  D.  Müller,  Myth.  der  griech. 
Stämme  1,  156.     Cecil  Smith,   Joum.  of  hell. 


1121  Kerberos  (und  Herakles) 

stud,  4,  107 ff.  Valentin,  Orpheus  u.  Herakles 
in  d,  Unterwelt.  Berlin  1865  und  besonders 
AI  fr.  Emerson,  De  Hercule  Homerico  (Diss. 
Monach.  1881)  20ffi,  sowie  Ettig  a.  a.  0  391ff. 
und  oben  Bd.  1  Sp.  1782.  Es  baudelt  sich  um 
die  schon  im  Altertum  strittige  Auffassung 
von  £  395  ff. :  Kampf  des  Herakles  mit  Hades 
iv  icvlcp.  Aristarch,  der  iv  nvlco  für  iv  nvXn 
verstand,  dachte  auch  bei  diesem  Kampfe  an 
das  Kerberos -Abenteuer.  Doch  ist  von  Ker- 
beros hier  gar  nicht  die  Rede.  Dagegen  hat 
Pindar  Ol,  9,  29  ff.  eine  von  dem  Aristarcheer 
Didymus  zu  v.  43  natürlich  als  Licenz  ent- 
schuldigte Sage  im  Auge,  die  Herakles  in 
einem  Götterkampf  bei  Pylos  in  Gegensatz 
zu  Hades  setzt,  ohne  dafs  K.  der  Kampfpreis 
ist,  sondern  es  liegen  andere  Motive  zu 
Grunde  (vgl.  A  690 ff.  mit  Schol.,  sowie  Schol. 
zu  JE  392.  Apd.  2,  7,  3,  1;  1,  9,  9,  2.  Paus. 
6,  25,  2).  Diese  Sage  kannte  wohl  auch 
Panyassis  (vgl.  fr.  20.  21  Kink.;  die  sonsti- 
gen  Herakleenreste  sind  für   uns    unergiebig; 


Kerberos   (und  Herakles)  1122 

Dagegen  findet  sich  das  Kerberos -Aben- 
teuer (um  von  der  völlig  hysterogenen  Ver- 
schmelzung mit  der  Alkestis- Sage  beim  Myth. 
Vat.  1 ,  92  ganz  zu  schweigen)  schon  früh  in 
Verbindung  mit  der  Sage  von  der  Befreiung 
des  Theseus ,  dessen  Descensus  wenigstens 
schon  bei  Hesiod  vorkam  (Paus.  9,  31,  4.  Ettig 
278).  Nach  Welcher  (Gykl.  I2,  237 ff.)  enthielt 
die  Befreiung  des  Theseus  durch  den  Kerberos- 

10  holenden  Herakles  auch  die  Minyas;  doch  vgl. 
0.  Müller,  Orchr  12  (Welcher,  Cykl.  2-,  422  ff.). 
v.  Wilamowitz ,  Homer.  Untersuchungen  222ff. 
Bohle,  Psyche  1,  278.  Ettig  282 ff.  Überhaupt 
scheint  die  Befreiung  des  Theseu9  nie  von 
dem  Kerberos -Abenteuer  getrennt  gewesen 
zu  sein  (gegen  Zoega,  Bassiril.  2,  58 ff. ;  über 
Flut.  Thes.  30  vgl.  Ettig  408).  Auch  Pa- 
nyassis wird  diesen  Zusammenhang  gehabt 
haben;  vgl.  fr.  9  Ei.     Die  Verbindung  mit  der 

20  vorausgehenden  Mysterienweihe  des  Herakles 
(vgl  .bes  Diod,  4,25)  ist  wohl  attisch-  eleusinischen 
Ursprunges.     Ein   Gedicht   des    Musaios    (und 


vgl.  Ettig  394),  und  sie  fand  sich  in  den  he- 
siodischen  Katalogen  {fr.  33  Bz.).  Sie  be- 
steht für  sich,  und  est  ist  nicht  wahrschein- 
lich, dafs  das  Kerberos -Abenteuer  in  sie  erst 
später  hineingetragen  ward ,  sondern  auch 
dieses  bestand  für  sich.  Die  Auslegung  der 
Aristarcheer  aber  ist  eine  Hypothese  nach  be- 
kanntem Schema,  die  man  nicht  stützen  darf  50 
durch  die  hier  (Fig.  1)  wiederholte  Darstellung 
eines  schwarzfigurigen  Skyphos  aus  Argos,  auf 
der  allerdings  der  Kerberos  hol  ende  Herakles  den 
erschreckt  von  seinem  Thron  aufgesprungenen 
und  zur  Flucht  gewandten  Hades  mit  einem  Stein- 
wurf bedroht.  Denn  obwohl  die  mehrfach  be- 
zweifelte Echtheit  der  Darstellung  feststeht 
{Wieseler,  Abh.  d.  Gott.  Ges.  d.  W.  9,  49.  Klüg- 
mann, Bull.  1876,  116.  Jul.  Schneider,  Die  ztcölf 
Kämpfe  des  H.,  Diss.  Lips.  (ohne  Jahr),  24 ff.  60 
—  Conze,  Arch.  Ztg.  1880,  74.  0.  Bofsbach, 
Griech.  Antiken  in  Breslau  16),  so  hat  sie 
doch  mit  der  genannten  Sage  von  Hades' 
Verwundung  durch  Herakles  deshalb  nichts 
zu  thun,  weil  diese  nach  E  399  durch  einen 
Pfeilschufs  erfolgte.  Die  Abweichung  wäre 
um  so  auffallender,  als  Herakles  auf  dem 
Bilde  in  der  Rechten  den  Bogen  hält. 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.   Mythol.    II. 


Eugammon?)  wird  nach  Orph.  Arg.  24  angenom- 
men von  0.  Müller,  Dor.  ls,  423.  Auch  sonst 
kennt  die  orphische  Poesie  Herakles'  Höllen- 
fahrt, doch  ist^alles  Nähere  unsicher;  vgl. 
Serv.  A.  6,  392  (fr.  158  Abel)  und  Lobeck, 
Agl.  813.  Dafs  K.  eine  gewisse  Rolle  auch  in 
Orpheus'  Höllenfahrt  spielte,  dafür  scheint 
aufser  Verg.  G.  4,  483  auch  die  Darstellung 
der  Blacasschen  Vase  Arch.  Ztg.  1844  t.  14 
zu  sprechen,  auf  der  man  in  dem  Manne  mit 
Leier  und  Kranz,  der  Kerberos  hält,  Orpheus 
hat    erkennen    wollen.      Doch    vgl.     dagegen 

0.  Jahn,  Arch.  Ztg.  1867,  43  ff.  A.  Winkler, 
Bresl.  philol.  Abh.  3,  5,  76  (Aiakos  u.  Adonis?). 
Von  den  Tragikern  gehört  hierher  Eurip. 
Herc.  613.  Soph.  Phaedra  fr.  625  N."  (Ettig 
396).  Eurip.  (oder  Kritias)  Peirithus,  über 
den  zu  vgl.  2V.2  546ff.  Ettig  293.  Endlich 
Sennca  Hipp.  841  f.  Weiterbin  ist  zu  vgl. 
Axioch.  371  E.  Lykophr.  1327  (nebst  Scholl,  u. 
Tzetz.).  Diod,  4,  25f.  Apd.  2,  5,  12,  2.  Schol. 
Ap.  Bh.  1,  101,  sowie  Furtwängler  ob.  Bd.  1 
Sp.  2185.  Gerhard  deutet  auch  die  Zweige 
neben  der  Gestalt  des  Herakles  auf  dem  Ker- 
berosbilde A.  V.  2,  131  (=  Baumeister,  Denkm, 

1,  662.     Engelmann,  Ilias  t.  9,  48)   in  mysti- 

36 


1123         Kerberos  ^und  Herakles  Kerberos  (.und  Herakles)         1124 

scheni  Sinne  (vgl.  auch  Serv.  zu  A.  8,  276).  böotische  Lokalsage  (am  Laphystion)  nennt 
■v.  Wilamoicitz  bat  sogar  (zu  Eurip.  Her};.  612)  den  rückkebrenden  Herakles  Vaooip  (Paus.  9, 
angenommen,  dafs  zu  dieser  eleusinischen  34,  5),  nach  0.  Müller  (Dor.  1-,  423)  der  Ereu- 
Sagenversiou  die  eine  bequemere  Erfüllung  dige.  5)  Auch  die  thesprotisehe  Hadesregion 
der  Aufgabe  bringende  Intervention  der  Perse-  scheint  die  Sage  an  sich  gezogen  zu  haben, 
phone  gehöre  (vgl.  Flut.  Kik.  1.  —  Dargestellt  ohne  dafs  es  sich  doch  hierbei  in  Lokal-  und 
auf  dem  von  Tischbein,  Peintures  des  vases  Inbaltsgestaltung  um  etwas  Altertümliches 
Elr.  d' Hamilton  4  pl.  25  gezeichneten  Vasen-  handeln  müfste ,  wie  Otfr.  Müller  meinte 
bild?  Gehört  auch  Verg1.  A.  6,  396  hierher?).  (a.  a.  0.).  Die  darüber  uns  vorliegende  Tra- 
Sonst  mufs  H.  den  Hund  bezwingen,  und  10  dition  ist  durchweg  euhemeristisch,  vgl.  Ettig 
zwar  nach  Apd.  nuter  der  Bedingung,  jjcoßic  397.  Hier  ist  A'idoneus  ein  iJ olosserkönig 
d>v  si%sv  on?.av  xgarovvza,  nur  mit  S'ojpaj  und  Kerberos  sein  Hund  (E.  als  Hnndename 
und  Xeovtij  (vgl.  Scholl.  £395).  So  die  auch  sonst  bezeugt :  Fall.  5, 42),  dem  Peirithus, 
Vase  Altainura- Neapel  3222;  doch  vgl.  Wink-  der  des  Königs  Tochter  Köre  entführen  will, 
ler,  Bresl.  phil.  Abh.  3,  5,  26.  Bei  Seneca  H.  zum  Frafse  vorgeworfen  wird,  während  sein 
f.  800  (und  Qumtus  6,  265?)  führt  er  da-  Helfer  Theseus  gefesselt  und  erst  von  He- 
gegen die  Keule ,  die  auch  auf  den  alten  rakles  erlöst  wird.  So  erzählte  schon  Philo- 
Bildern  nicht  fehlt.  Doch  scheint  namentlich  choros  fr.  45  und  46  (F.  H.  G.  1  p.  391)  = 
das  Würgen  des  Tieres  ein  alter  Zug:  He-  Plut.  Thes.  31,  35  nebst  den  von  Müller  aus 
rakles  ist  v.vvay%rfi  so  gut  wie  Hermes  (Ahrens,  20  dem  armenischen  Eusebivs  und  Syncellus  an- 
Phil.  19,  405ff. ,  412).  Wenn  bei  Aristoph.  geführten  Stellen,  sowie  Paus.  1, 17,  4.  Aelian. 
Ean.  465  ff.  wirklich  Atenos  spricht  (vgl.  V.  H.  4,  5.  loann.  Antiocli.  1,  3  (F.  H  G.  4,  538). 
Schol.  465),  so  hatte  nach  469  auch  dieser  mit  Tzetzes  Chil.  2,  36,  406.  Alleg.  Od.  11,  145 ff. 
dem  Abenteuer  des  H.  irgendwie  zu  schaffen.  (1,  288  Matr.)  und  an  anderen  bei  Nauck, 
Als  Helferin  des  Herakles  erscheint  schon  Fragm.  trag.-  p.  547  abgedruckten  Stellen. 
llom.  @359ff.  Athene,  desgl.  auf  bildlichen  Weitere  Brechungen  der  Sage  in  derselben 
Darstellungen  (vgl.  Gerhard,  A.V.  t.  128 fi'.  und  rationalistischen  Richtung:  Anonym,  p.  322, 
oben  Bd.  1  Sp.  2205).  Auf  einer  Relief- Vase  19  W.  (verb.  von  Ettig  p.  398).  Heracl.  de 
aus  der  Nähe  von  Tenea  ist  sie  wenigstens  incred.  21  (p.  317  TF.).  Eustatli.  ad  II  717, 
durch  die  Eule  vertreten  (Samml.  Sab.  1  30  50 ff.  (der  das  Abenteuer  nach  Thrakien  ver- 
t.  24).  Um  so  sonderbarer  ist  Stat.  Th.  8,  legt).  Noch  sonderbarer  und  willkürlicher 
513  ff. ,  wo  Herakles  von  der  Göttin  sagt:  Palaeph.  40  und  das  jVöN»osdiegerna  bei 
Ipsa  heu  comes  invia  mecum  Tartara,  ni  Su-  Westermann,  Jlythogr.  p.  375  (38).  Rationa- 
peros  Acheron  excluderet ,  isses.  Dagegen  ist  listische  Erklärungen  der  Gestalt  des  K. 
X 626  Hermes  neben  Athene  Geleiter  des  seien  gleich  hier  mit  erwähnt.  Euseb.  pr.  er. 
Herakles.  Die  bildlichen  Darstellungen  des  3,  11:  der  3köpfige  v.vcov  bedeutet  die  v-vr^ig 
verschiedensten  Ursprunges  zeigen  auch  Her-  tcöj'  xagnäv  nach  y.azaßoXr],  vtzoSox>).  uvääoais; 
mes  allein  (vgl.  Furtuängler  a.  a.  0.),  so  noch  alberner  Heracl.  de  incr.  33  (319  IE.).  Eine 
Ganosa- München  849.  Ruvo- Karlsruhe  388.  rationalistische  Etymologie  (Schal.  Theo g.  311) 
Santangelo  709,  vor  allem  auch  der  „homeri-  40  ist  weiter  unten  zu  erwähnen.  6)  Besonders 
sehe  Becher'',  den  Robert  im  Winckelmanns-  merkwürdig  ist  die  Lokalisierung  des  Auf- 
programm 1890  (über  hom.  Bechtri  p.  86  ab-  stiegs  in  Herakleia  am  Pontos,  wo  die 
gebildet  und  besprochen  hat.  Hier  streckt  zugehörige  aeherusische  Höhle  noch  heute 
Hermes  „die  Rechte  wie  beschwichtigend  oder  nachweisbar  ist.  Vgl.  neben  Meineke,  Anal. 
beschwörend  über  die  mit  offenem  Racheu  Alex.  64  besonders  0.  Kümmel.  Htracleotica. 
erhobeuen  Köpfe  des  Kerberos".  Robert  hätte  Progr.  Plauen  i.  V.  1869  p.  48  ff.  Hit  dieser 
auf  Stat.  Theb.  2,  30  verweisen  können,  wo  Sage  steht  in  Verbindung  das  aiziov  des  in 
Hermes  gleichfalls  den  Höllenhund  bändigt  der  Nähe  beim  Dorfe  'Av.ovcu  wachsenden 
und  zwar  einschläfert:  Lethaeo  limine  mul-  Akonits  (aus  dem  Geifer  des  Kerberos),  mit 
cens.  Auf  den  obengenannten  unterit.  Vasen  5ü  verschiedenen  Erklärungen  des  Namens  selbst, 
ist  auch  Hekate  anwesend,  drohend  oder  Lokalpatriotisch  Herodor ,  Schol.  Ap.  Rh.  2, 
warnend.  Vgl.  auch  Santangelo  11.  354  [=/r.  25  (F.  H.  G.  2  p.  35 1;  vgl.  Müller, 
Das  Lokal  des  Abstiegs  ist  Tainaron  Dor.  1-,  423;  2-'j  450],  der  auch  die  Theseus- 
(Sophokles'  Satyrspiel  ~'HQay.Xi)g  int  Taeväga,  Sage  änderte  {Plut.  30).  Ferner:  Xenoph. 
vgl.  Xauck,  Fragm."  p.  178.  Eurip.  Herk.  23;  Anab.  6,  2,  2.  Ap.  Rh.  2,  353 ff.  734ff.  743. 
aufserdem  Apd.  und  Paus.  3,  25,  5 ff.  Strabo  Euphorion  iv  reo  SsvCco  (fr.  2S  Mein.;  doch 
363;  anderes  bei  Ettig  397).  Der  Aufstieg  vgl.  auch  Knaack,  Herrn.  25,  S7ff.  u.  Reizen- 
wird  1)  von  Seneca  Here.  f.  813  u.  a.  auch  in  stein,  Ind.  hct.  Rostoch.  1S90/91  p.  9).  A7- 
Tainaron  gedacht.  Daneben  mannigfaltige  kander  Alexiph.  13  (Scholl.).  Andron  r.  Teos 
Lokallegenden:  2)  Troizen,  beim  Heiligtum  60  fr.  1  (=  F.  H.  G.  2  p.  348).  Xymphis  fr.  2 
der  Artemis  Soteira  (Paus.  2,  31,  2.  Apd.  2,  (ib.  3  p.  13).  Dion.  Per.  788ff.  mit  den  Scholl. 
5,  12,  9.  loann.  Ptdiasim.  p.  354  TT7.).  —  und  Eust.,  der  Diodor  (14,  31)  und  Arrian 
3)  Im  nahen  Hermion  im  chthonischen  Be-  eitiert.  Quintus  Smyrn.  6,  470ff.  Ovid.  Met. 
zirk,  von  wo  der  Weg  zum  Hades  so  kurz  7,  406  ff.  415  ff.  Tal.  Flacc.  4,  595.  Pomp. 
ist,  dafs  sogar  das  vavXov  für  die  Toten  über-  Mela  1,  19,  7.  Plin.  n.  h.  27,  4  (vgl.  6,  4. 
flüssig  wird  (Strab.  373);  vgl.  Eurip.  Herk.  Solin  45).  Avien  960 ff.  Ammian  22,  8,  17. 
615  und  Paus.  2,  36,  10.  —  v.  Wilamouitz  2,165  Serviw  G.  2,  152.  Weiteres  über  dasAkonit 
hält  dies  Lokal  für  das  ursprüngliche.    4)  Eine  bei  Tlieop.  Ath.  3,  85  b.    Steph.  Ryz.  v.  'Av.ovul. 


1125 


Kerberos  (Gestalt) 


Kerberos  (Gestalt) 


1126 


Auson.  technop.  9,  9 ff.  Ettiq  3 15 ff.  Dazu  die 
von  Käminel  p.  49  und  Meaä,  Hist.  numm. 
443  genannten  Münzen  (auch  in  Kyzikos: 
Head  452).  Auch  das  Weingeschenk  der  He- 
rakleoten  in  Olympia  gehört  hierher:  Paus. 
5,  26,  6.  Soviel  vom  Aufstieg.  Der  Hund 
heult,  schäumt  oder  zittert  (vgl.  Verg.  A.  6, 
397  und  Seneca  Herc.  f.  813ff.\  Das  Licht' 
blendet  ihn  (Ovid.  Met.  7,  4M,  sowie  Seneca  l.  I. 


Auf  dem  argivischen  Napf  (Fig.  1)  hat  K. 
einen  Kopf  (altkorinthisch?);  altattisch  scheint 
die  zweiköpfige  Bildung  (schwarzfig.  Vasen, 
z.  B.  Petersb.  122;  München  153.406.  1206;  die 
Metope  ist  unsicher),  die  Dreiköpfigkeit  ist 
Furtwängler  nach  Mon.  dell'  Inst.  6,  36  geneigt, 
der  altionischen  Kunst  zuzusprechen.  Über 
ein  Mischwesen  (aus  Hund,  Wolf,  Löwe),  das 
den  Kerberos  des  Sarapis  darstellt,  vgl.Löschcke, 


Sehol.  Kik.  Alexiph.  13).    Dafs  sich  Eurystheus  10  Aus  d.   Unterwelt   10,    der  auf  Journ.  of  hell. 


aus  Furcht  vor  ihm  ins  Fafs  verkriecht  (wie 
beim  erymanthischen  Eber),  ist  vereinzelt  auf 
der  Vase  Mon.  dell'  Inst.  6,  36  zu  sehen, 
scheint  aber  sonst  nicht  bezeugt;  vgl.  Jul. 
Schneider  p.  47/48.  Nur  bei  Apd.  (und  Io. 
Pediasimos)  bringt  Herakles  den  Hund  auch 
zurück.  Von  der  Flucht  des  Tieres  durch  die 
argivische  Kynadra  spricht  v.  Wilamowitg  1, 
301:  das  beruht  auf  Eust.  Od.  1747,  10  ver- 
bunden mit  Hesych.  v.  iXcv&EQOv  vöcoq. 

Von  der  Gestalt  des  K.  herrschen  keines- 
wegs einmütige  Vorstellungen. 
Über  den  Vorrat  an  Bildern,  die 
wohl  ausschliefslich  das  Herakles- 
Abenteuer  darstellen,  ist  neben 
Gerhard,  A.  V.  2,  152ff.  (156) 
t.  129  —  131  und  Conze,  Annali 
1859  (31)  404,  sowie  Jul.  Schneider 
p.  44ff.  namentlich  auf  Furtwäng- 
lers  Artikel  (Bd.  1  Sp.  2205.  2229), 
und  bezüglich  der  unteritalischen 
Unterweltsvasen  ( Wiener  Vorlege- 
blätter Ser.  E  t.  1 — 6)  auf  Aug. 
Wmhlers  Arbeit  zu  verweisen,  Die 
Darstellungen  der  Unterwelt  auf 
unteritalischen  Vasen.  (Bresl  philol. 
Abhdlgn.  5)  1888.  bes.  p.  42 f.  50 ff. 
Dazu  Robert,  Homer.  Becher  86. 
Über  einen  Berliner  Cameo  mit  der 
Fesselung  des  K.  vgl.  Furtwängler 
im  Jahrb.   des  Inst.  3,  106  ff. 

Schon  der   Amykläische  Thron 
stellte     'Herakles     den     Kerberos 
führend '  dar  (Paus.  3,  18,  9).    Des- 
gleichen fehlt  das  Abenteuer  nicht 
auf  denMetopenvon01ympia(^lws<7r. 
4,  28)  und  am  sog.  Theseion  in  Athen  Mon.  dell' 
Inst.  10  t.  59;    vgl.  Julius,  Annali  1878  (50), 
193.     Hier   zerrt  der  Held  das  Tier  aus  einer 
Hö 


stud.  6,  292  verweist.  Man  wird  auf  dies 
Schwanken  bei  einer  für  die  primitive  Kunst 
schwierigen  Bildung  nicht  ein  entscheidendes 
Gewicht  legen  dürfen  (vgl.  Klügmann,  Bull. 
1876,  116.  Conze,  Annali  31,  399).  Dafs  es 
indessen  nur  aus  technischen  Gründen  sich 
erkläre,  ist  unmöglich.  ,,Man  sieht,  das 
Phantasiebild  vom  K.  hat  keine  festen  Um- 
risse, sondern  ist  im  Flus?e";  dieser  Satz 
20  löschckes  ist  wohl  zu  merken. 

Von   der   attischen  Tragödie  (Soph.  Trach. 


2)  Herakles  und  Kerberos,  von  einer  Vase  von  Canosa, 
wiederholt  aus  Bd.  1,  1326. 


1098.     Eurip.  Herk.  24.   611.    1278)  ab  ist  die 

Dreiköpfigkeit  mit  wenig  Ausnahmen  in  Wort 

und  Bild  durchgedrungen.     Schon  Altrens  war 

e  (auch  auf  einem  Sarkophag  in  Florenz  50  von    der    Unursprünglichkeit    dieser    vulgären 


angedeutet;  3,  77  Dütschke),  die  man  für  eine 
Andeutung  des  Hades  ansehen  kann  (doch  giebt 
es  auch  einen  besonderen  rönog  K&Qßtgtog  im 
Hades  selbst  (Hesych.  v.  Ä'fpßf'pioi,  zu  Ban. 
187),  den  sich  besonders  die  Späteren  als  eine 
Höhle  vorstellen:  Soph.  0.  C.  1572.  Verg.  A. 
6,  418;  8,  297.  Stat.  Th.  8,  97.  Sil.  13,  591ff. 
K.  ist  dort  angekettet;  er  zerreifst  seine  Bande 
(Sil.  a.  a   0.)  und  ist  nachts  als  echter  Ketten- 


Vorstellung  so  überzeugt,  dafs  er  sie  durch  eine 
Vermischung  des  dreiköpfigen  Geryones  mit 
seinem  Hunde  Orthros  erklären  wollte  (Phil. 
19,411). 

Eine  hellenistische  Schilderung  giebt  z.  B. 
Hermesianax  fr.  2,  10  ff.  Be.  Die  Stellen 
der  Römer  sind  schon  angeführt.  Es  findet 
sich  sogar  der  Ausdruck  Tricerberus  (Myth. 
Vat.   1,   92.     Serv.  A.  1,  133).     Auch   braucht 


hund  frei    (Prop.  5,  6,  90.     Sil.  2,  552).     Ein  60  man     Tgt-ndQrivog     schlechthin    für    Kerberos, 


Hundetorso,  wie  es  scheint  mit  Schlangen- 
schwanz, ist  kürzlich  an  der  Akropolis  ge- 
funden und  liegt  mir  in  Photographie  vor; 
doch  ist  die  Beziehung  auf  K.  nicht  sicher. 
Praxiteles  mufs  das  Abenteuer  im  Giebel  des 
thebanischen  Herakleions  dargestellt  haben 
(Paus.  9 ,  11,  6) ,  in  Alyzia  Lysipp  nach 
Strabo  459. 


Buk.  Philop.  1  (vgl.  auch  Pseudol.  29). 

Auch  abgesehen  von  der  Kopfzahl  ist  das 
Bild  von  Kerberos  schwankend.  Bald  ent- 
fernt sich  die  Darstellung  nicht  allzusehr 
von  den  natürlichen  Formen  eines  Hundes, 
bald  wird  das  Ungetüm  durch  Löwentatzen 
ausgezeichnet  (z.  B.  Ruvo  -  Karlsruhe  388). 
Häufig    sind    ihm     Schlangen    am    Leib    und 

36* 


11: 


Kerberos  (Gestalt) 


Kerberos  (Gestalt) 


1128 


besonders  am  Nacken  beigegeben  (vgl.  den 
Gxvcpog  von  Argos.3  31on.  6,  36.  Gerhard  t.  129 
u.  a.  m. ;  in  der  Litt,  bei  Plat.  Eep.  9,  588  c 
[Zusammenhang!],  Apd.  und  besonders  bei  den 
Römern,  vgl.  namentlich  Verg.  A.  6,  419.  Culex 
221.  Ovid.  Met.  10,  21.  Tibv.il.  1,  3,  71;  3,  4,  87. 
Seneea  Herc.  f.  785.  Horaz  carm.  3,  11,  17 
[interpol.]  u.  a.).  Auf  der  Hadesstatue  in  Villa 
Borghese    (abgebildet   Bd.   1     Sp.    1803)    wird 


L.  die  beiden  Hunde  an  der  spart.  Statuette 
(Arch.  Ztg.  1881  t.  17,  3),  die  er  für  einen 
ehthonischen  Zeus  hält.  So  sind  ihm  die 
zwei  Hündinnen  (weiblicher  Kerberos  auf  einem 
Scarab.  nachgewiesen  von  L.  p.  11  n.  29  u. 
p.  7)  die  Hüter  des  Unterweltsjafades,  und  die 
zwei  Hähne  hält  der  Jüngling,  d.  h.  der  Ver- 
■  storbene  selbst,  als  ä-norqonaia.  Hiermit 
würde  sich  die  hochaltertümliche  Vorstellung 


der   Leib    des   Hundes   nur    umwunden    von  10  von  zwei  Totenhunden  ergeben  und  diese  sich 


einer  Schlange,  die  nicht  mit  ihm  verwachsen 
ist.  Dies  ist  nach  Macrdb.  Sat.  1,  20,  13 ff. 
bei  dem  Sarapiscerberus  der  Fall.  Auch  der 
Schwanz  endigt  vielfach,  doch  nicht  immer, 
in  einen  Schlangenkopf  (vgl.  Apd.  und  Sil. 
13,  594.  Seneea  H.  f.  812).  Wie  bei  Apd. 
beifst  er  damit  den  Herakles  ins  Bein,  z.  B. 
auf  dem  vorstehenden 
Bilde  (Fig.  2),  sowie  auf 
den  Neapeler  Vasen 
Altamura  3222  und 
Santangelo  11. 

Diese    schwankende 
Gestalt,     der     ältesten 
Dichtung  wie  Bildnerei. 
soviel    wir    sehen,    mit 
einer      einzigen      Aus- 
nahme  nur   im  Zusam- 
menhangeines bestimm- 
ten Abenteuers  geläufig, 
war    sie    wirklich  -von 
Anfang  so,  wie  sie  das 
spätere  Altertum  kennt, 
eine    echte    Schöpfung 
des  religiösen  Glaubens? 
Die  Frage  wird  zumeist 
bejaht. 
I.  Auf 
Grund 
einer  An- 
sicht,  die 

K.    aui 

sprach- 
und    my- 

then ver- 
gleichen- 
dem 
Wege  als 
ein    uraltes    Erbstück 


)  angedeutete  Scene.     Von  einem  Thonsarkophag  aus  Klazomeuai  (nach 
Löschcke  „Aus  der  Unterwelt1'). 


fast  decken  mit  der  von  L.  p.  6ff.  beban- 
delten altindischen  Anschauung,  wonach  der 
Pfad  des  Yama  von  den  zwei  vieräugigen, 
bunten  Hunden  der  Sarama  belagert  ist,  die 
gelegentlich  auch  als  Boten  des  Todes  er- 
scheinen. Zum  Schutz  für  sie  erhalten  die 
Toten   cLTioiQO-itaiu   in    die    Hand,    die   Nieren 

des      Opfertieres, 
oder     auch    zwei 
Reisklumpen,  wo- 
mit sich    die   als- 
bald    zu     erwäh- 
nende griechische 
utXizovtxG         für 
Kerberos    verglei- 
chen  liefse.     Auf 
dem     Napf     von 
Argos,   meint  L., 
sei  die   ursprüng- 
liche       Zweizahl 
schlechthin      ver- 
einfacht,   die    alt- 
attische        Zwei- 
köpfigkeit      ent- 
stamme   mechani- 
scher Addition,  die 
vulgäre 
Dreiköp- 
figkeit 
der    ge- 
heimnis- 
vollen 
Macht 
der 
Trias.  So 
anspre- 
chend 
diese 


auch    der    griechischen       Ansieht  ist,  so  entbehrt  sie  doch  alles  Haltes. 
Phantasie  erweisen  will.    Vgl.  besonders  J.  ran  50  Vgl.DeneftewBd.  1  Sp.2586.  Buhde,  Psyche  1,281. 


den  Gheyn  S.  J.,  Le  mythe  de  Cerbere  =  Essais 
de  Mythologie  et  de  philo!,  comp.  Bruxelles  et 
Paris  1885,  68ff. ,  wo  sich  p.  89ff.  auch  eine 
interpretation  du  mythe  findet. 

Vorerst  sei  bemerkt,  dafs  an  semitische 
Übertragung  in  diesem  Falle  schwerlich  zu 
denken  ist.  In  den  beiden  Descensus  der  Keil- 
sehriftlitteratur  fehlt  ein  Kerberos.  Die  höchst 
unsichere    Spur   eines  Äquivalents   (auf  einem 


Arth.  Schneider ,  Prolegomena  zu  einer  neuen 
Galerie  heroischer  Büdw.  (Lpzg.  1890)  25fl?.  Die 
Deutung  der  lakonischen  Statuette  ist  ungewifs, 
die  Zweizahl  der  Hunde  kann  hier  der  Sym- 
metrie verdankt  werden.  Auf  dem  klazome- 
nischen  Bilde  scheint  ferner  der  Jüngling 
„eher  spielend  als  drohend",  und  L.  selbst 
hat  p.  4  die  entscheidende  Beobachtung  ge- 
macht,   dafs    der   Gestus    nicht    der    des    Ent- 


in Palmyra  gekauften  assyrischen  Hadesrelief)  60  gegeuhaltens,   sondern   der  des  Entziehens  ist 


hat  mir  A.  Jeremiaa  nachgewiesen;  vgl.  dessen 
,,Bab.-assyr.  Vorstellungen  vom  Leben  nach  dein 
Tode"  (Lpzg.  1887)  S.  80.  Dagegen  hat  weit- 
greifende Kombinationen  nach  anderer  Rich- 
tung hin  Löschcke  angestellt,  „Aus  der  Unter- 
welt",  Dorp.  Progr.  1888. 

Mit  dem  hier  wiederholten  Bilde  (Fig.  3)  eines 
klazomenischen     Thonsarkophags     kombiniert 


(was  sich  namentlich  in  dem  unwillkürlichen 
Höherhalten  der  nicht  zugleich  vom  Auge  be- 
herrschten linken  Hand  zeigt).  Also  kann  es 
sich  hier  gar  nicht  um  die  Hähne  als  licht- 
erweckende Vögel  handeln,  als  änoTQOitaia, 
die  „die  finstern,  schädlichen  Dämonen  ver- 
scheuchen". Somit  versinkt  das  Bild  ins 
Rätselhafte   zurück,   und   damit    verschwinden 


1120            Kerberos  (Bedeutung)  Kerberos  (Bedeutung)            1 1 3< ) 

die  Spuren  eines  Urzusamnienkangs  der  alt-  Das  Appellativum  ist  also  das  ursprüng- 
indischen  mit  der  griechischen  Anschauung.  liehe,  das  N.  P.  nur  ein  Gebilde  der  isländi- 
Diesen  Zusammenhang  hat  auch  die  Etymo-  sehen  Dichtung,  der  Höllenhund  Garmr  rufst 
logie  nicht  herzustellen  vermocht,  worüber  zu  nur  auf  der  Vpluspa- Stelle.  Trotz  dieses  un- 
vgl.  die  sorgfältige  Sammlung  und  Kritik  aller  günstigen  Thatbestandes  hat  Burige  (Studien 
dieser  Versuche  bei  0.  Gruppe,  Die  griech.  über  die  Entstehung  der  nordischen  Göttersage 
Kulte  und  Mythen  l,  113  f.  (van  d.  Gheyn  p.  1793)  die  Behauptung  wiederholt,  Garmr 
82  ff.).  Besonders  bekannt  ist  Kuhns  Gleich-  sei  einfache  nordische  Wiedergabe  des  Wortes 
setzung  von  Kigßegog  mit  Cabala  (vgl.  prakr.  Cerberus,  und  E.  H.  Meyer  (Volusp.  p.  181) 
gabbala  =  carbala  und  ved.  carrari),  der  10  meint  sogar,  dem  Fqfa«s/Ja- Dichter  habe  speziell 
„Bunte",  Name  des  einen  Sarameyahundes.  Verg.  A.  6,  417  vorgeschwebt.  Die  Kenntnis 
Dies  schien  besonders  passend,  weil  nach  dem  der  Aeneide  ist  aber  für  das  Alter  des  sicher 
Schol.  Nik.  Alexiph.  578  der  von  Nikander  noch  heidnischen  Dichters  fast  eine  Uninög- 
erwähnte  ,, stumme"  Frosch,  also  möglicher-  lichkeit.  Dazu  kommt  die  Übertragung  Ver- 
weise die  scheckig  gefleckte  Kröte,  Kerberos  berus  in  der  Praef.  der  Sn.  E.  1,7.  Garmr 
hiefs  (vgl.  auch  die  unter  nr.  1  erwähnte  scheint  vielmehr  ein  echt  nordisches  Wort 
Vogelart).  M.  Müller  denkt  an  cärearas  und  läfst  sich  zu  garma  stellen,  das  in  norw. 
(perniciosus).  Doch  schwebt  all  dies  in  der  Dialekten  vom  Brüllen  der  Tiere  gebraucht 
Luft.  Das  eranische  Äquivalent  (Zaringösh,  wird  (vgl.  gael.  gairm  Geschrei,  bret.  welsch. 
„aux  oreilles  jaunes",  Hüter  der  Brücke  Cin-  20  garm  Schrei)  und  also  ursprünglich  „Brüller 
vat;  vgl.  v.  d.  Gheyn  84)  ist  hysterogen  und  oder  Heuler"  heifst.  Das  Wort  ist  mithin  keine 
völlig  aufser  Rechnung  zu  setzen,  nach  Gruppe,  direkte  Übertragung  des  antiken;  ob  die 
der  sich  dafür  auf  Casartelli,  Phil.rel.  173  be-  Sache  von  Einflnfs  gewesen  ist,  scheint  zwar 
ruft.  Über  das  germanische  Analogon  hat  nicht  erwiesen,  doch  nicht  unmöglich, 
mir  mein  Kollege  E.  Mogh  etwa  folgendes  Für  uns  geht  hieraus  soviel  hervor,  dafs 
mitgeteilt:  Garmr  erscheint  in  den  nordi-  die  germanische  Mythologie  zwar  ein  Ana- 
schen  Quellen  als  Simplex  und  als  zweiter  Teil  logon  des  K.  kennt,  dafs  indessen  weder  für 
einiger  Composita.  1)  Simplex.  In  einer  Re-  eine  ursprüngliche  Hundsgestalt  des  Hades- 
frainstrophe  der  zeitlich  und  örtlich  noch  nicht  Wächters,  noch  überhaupt  für  die  Ursprüng- 
sicher fixierten  Vojuspa  (44.  49.  54.  58  Bugge):  30  lichkeit  dieser  Figur  eine  sichere  Gewähr 
„Laut  bellt  Garmr  vor   der  Felsenhöhle."     G.  vorliegt. 

ist    hier    Wächter    des    Unterweltseinganges.  Die  Versuche,  dem  K.  auf  sagenvergleichen- 

Nicht   genannt,    doch    gemeint   ist    er  in   der  dem  Wege  näher  zu  kommen,    scheitern  aber 

jüngeren,  möglicherweise  von  der  ersten  Stelle  auch  daran,    dafs   keine    zuverlässige    Etymo- 

abhängigen     Vegtamskviäa     (2/3) ,     wo     Odin  logie  des  griechischen  Wortes  vorliegt.    Nach 

beim   Eingange    ins   Totenreich    einem   Hunde  Hesyeh.    v.    Keoßzgog    (■x.iQßsQov.i'vävvos    cod.) 

begegnet,  „der  war  blutig  vorn  auf  der  Brust,  bedeutet    es    coxQog,     wozu     M.    Schmidt    auf 

und   des   Zaubers  Vater  heulte   er  lange  an".  maked.  y.tßfooog'    d>%oog  verweist.    Das  würde 

Interpoliert  ist  die  erst  saec.  12  oder  13  ent-  zu    der   fahlen    Farbe    der    Kröte    oder    eines 
standene   Strophe  Grimnismäl  44,    wo   G.    als  40  Vogels   sehr  wohl   stimmen.     Doch  hat   diese 

„der  trefflichste  der  Hunde"  aufgezählt  wird;  Bedeutung   vielleicht   ihren   Ursprung   nur    in 

gleichwohl    die    einzige    poetische    Stelle,    wo  sprichwörtlichen  Redensarten,  wie  tgiiiccQrivov 

Garmr    Nom.    Propr.    sein    mufs.     Doch    hat  vt&toteca  (von  Erschrockenen)  bei  Buk.  Philop. 

schon   die   Yqluspa-  Stelle   in  derselben  Weise  1;    vgl.    auch    Ksoßigtöv   xi   v-ito%&öviov   y.uv- 

der  Verfasser  der  pros.   Edda   aufgefafst,    der  rsiov,    Skymn.   239;    cerbereus  =■=  formidabilis 

beim    letzten    Götterkampfe    den    Garmr    mit  bei  Euer.  4,  733  (und  die  alte  Konjektur  cer- 

Tf/r  kämpfen  läfst,  so  dafs  jeder  den  anderen  berastris  bei  Cic.  ad  Att.  7,3,8).     Besonders 

tötet  (2,  291);   dies  ist  aber  ohne  mythischen  haben   sich    aber    die   alten   Grammatiker  um 

Boden,  erfunden  von  einem  Christen  um  1230.  die    Ktgßegioi    bei    Arist,    Ran.    187    bemüht. 
Dem   gegenüber   findet   sich   Garmr  öfter   als  so  In  den   Glossen   (Hesyeh.   Phot.   Et.  31.)   sind 

sicheres   Appellativum.      Innerhalb    der    eddi-  drei   Erklärungen   erkennbar:   1)    =  üo&t vslg, 

sehen   Dichtung    allerdings    nur    in    dem    erst  inferi,  Hesyeh.  (vgl.  auch  xtgßceld),  wohl  das 

aus  saee.  17  erhaltenen  Ejqlsvinnsmäl  (13,14),  Richtige.  2)  tokos  iv'jidov  Kigßigiog,  wohl  die 

wo  zwei  garmar,   Gifr  und  Geridic,  die  Burg  Höhle,  von  der  oben  die  Rede  war.  Doch  begriffe 

der  Menglpct  bewachen,  doch  um  so  öfter  von  man  alsdann  den  Plural  nicht.    3)  =  Kiiifizgioi, 

ca.  900  ab  in  den  skaldischen  Umschreibungen,  denn  KsgßagiOL.  glaubten  manche,  habe  Aristo- 

wie  „Garmr  der  Gluten"  (=  Feuer),   „Garmr  phanes  und  Sophokles  (fr.  957  N.2)  schon  bei 

der  Scheiden"  (=  Schwert)  u.  a.,    wobei   die  Hom.  A.  14  statt  Aiufisptoi  gelesen.  Deshalb  las 

allgemeine  Bedeutung  „Schädiger"  zu  Grunde  Aristareh  an  dieser  Stelle  nicht  Kt/xfisgi'cov,  son- 
liegt.     Ob   Hund   oder  Wolf   damit  gemeint  «o  dem  Ktoßintav  und  Krates  Ktoßboitov  (vgl.  die 

ist,    scheint  bei   der   nahen  Beziehung  beider  scholl,    zu    114,    sowie    zu    Ban.    187,    ferner 

Tiere    zu    einander   im    germanischen    Mythus  Hesyeh.    und    Et.  M.    513,   45).      Eine    Folge 

nicht   auszumachen.      Selbst  für   die    Vqluspa  dieser  Hypothesen  ist  Ksoßspia  als  fabelhafter 

gilt  dies.    2)  Composita.    Auch  hier  ist  festar-  Stadtname    (vgl.   Plin.   n.   h.    6,    18.     Hesyeh. 

garmr    =    Kettenhund    Appellativ,     während  Phot.).      Abgesehen    von    diesen    Beziehungen 

Mäna-garmr   in    der    Sn.    Edda    (2,   259)    ein  deB  Wortes  KigßiQog   zum  Namen  Kimmerien 

mythologisches  N.  P.  für  den  mondverfolgen-  liegen    aus    dem    Altertum    die    Etymologieen 

den  Wolf  darstellt.  vor:    K.  nagä  rö  rag  Kijpug  (=  ipv%üg)    s^siv 


1131             Kerberos  (Bedeutung)  Kerberos   (Bedeutung)            1132 

ngog  ßogäv  (Euseb.  pr.  ev.  3,  11,  8  oder  xsag  tos  deutet.  Es  bleibt  also  als  rituelles  Ele- 
ßagvvsiv.  Eust.  II.  717,  30,  oder  =  xgscoßögog  ment  nur  die  fizXizovzzu ,  die  man  den  zum 
(Serv.  A.  6.  395;  8,  297.  Law.  Lyd.  de  mens.  Hades  eingehenden  Toten  mitgab;  vgl.  Aristoph. 
3,  5;  vgl.  Benoist,  Virgile  1,  287).  Die  Ratio  Lysistr.  601.  Der  ausdrücklichen  Versicherung 
dieser  Erklärung  geht  aus  Schol.  Theog.  311  des  Scholiasten  (und  Suid.  v.  (iiXizoizzee)  cog 
(loann.  Dial:  alleg.  565  Gnisf.,  sowie  Flachs  f/s  röv  Kigßsgov  mit  Rohde  zu  mii'strauen 
Glossen  und  Schol.  391!  hervor:  K.  äh,  nago-  sehe  ich  keinen  Grund.  Denn  ihr  entsprechen 
eov  ot  vnb  oit-aiiov  xetzctTtovzigouavot  ßißgio-  offenbar  die  offae  bei  Vergil  (A.  6,  420:  melle 
onovrcii  zo  oif'nrp  ftToi  zrjv  ii>v%rjv  %al  iv  "AlSov  soporatam  et  medicatis  frugibus  offam)  und 
v.urayvvvzai  ("Ad-n  *occäyovrai  eodd).  Wohl  10  Apuleius  (met.  6,  18:  oft'as  polentae  mulso  con- 
wegen  der  Abstammung  von  Typhos;  vgl.  cretas),  mit  denen  die  Sibylle  und  Psyche 
Schoemann  <)p.  2,  197.  Damit  in  Zusammen-  (beim  Eingang  und  Ausgang)  das  Untier  ein- 
hang steht  dann  die  Erklärung  bei  Servius:  schläfern.  Vgl.  Lact.  Plac.  72,  28  Deuerl., 
Cerberus  terra  est,  i.  e.  consumplrix  omiiium  sowie  Hermann,  Ant.  Prii:3  368  nr.  3.  Ettig 
corporum.  Daher  dann  das  Herakles -Aben-  359  und  besonders  Friedländer,  Sittengesch. 
teuer  den  Sinn  gewinnt,  quia  omnes  cupidi-  15,488  und  501  (dänische  Parallele).  Darauf, 
tates  et  cuncta  vitia  terrena  contempsit  et  dafs  es  sich  hier  um  in  den  Hades  eindrin- 
domuit.  Deshalb  wirft  Virgil  bei  Dante  dem  gende  Lebende  handelt,  ist  trotz  Ap.  Met. 
Cerberus  zur  Beschwichtigung  Erde  zu  {Inf.  6,  19  kein  besonderes  Gewicht  zu  legen;  denn 
6,  25 ff. ;  doch  vgl.  auch  1,  103).  Über  neuere  20  es  ist  keineswegs  nur  eine  späte  Vorstellung, 
Etymologieen  ist  auf  Schoemann,  Op.  2,  197ff.  dafs  K.  zu  den  Schrecknissen  des  Hades 
und  Flach,  System  d.  hesiod.  Kosmotj  90  zu  gehört  und  die  Schatten  sowie  Menschen  von 
verweisen;  abgesehen  von  ägyptisch -serniti-  Fleisch  und  Blut  ohne  Unterschied,  auch  die 
sehen  Spielereien  seien  angeführt:  Hiscius.  Eintretenden,  bedroht  oder  gar  zerreifst 
xgtfitgog  G.  Hermann;  taiisgog  Völcker;  igt-  und  verschlingt.  Den  Glauben  daran  setzt 
ßegog  und  "Egeßog  Welcher,  Preller;  andere,  das  Herakles-Abenteuer  in  seiner  Gesamtheit, 
wie  Göttling  zu  Hesiod.  theog.  311,  denken  das  doch  auf  die  Überwindung  des  Todes- 
an  eine  onomatopoetische  Bildung  wie  ßdg-  Schreckens  hinauswill,  setzt  dann  später  Phi- 
ßctgog,  Kcigßavos,  xdgiagog  (was  bei  LuJc.  de  lochoros'  Version  über  Peirithoos'  Ende  voraus. 
luctti  4  Beiwort  des  K.  ist)  u.  s.  w.  Mit  Rück-  30  Bei  Sophokles  knurrt  E.  wenigstens  (offenbar 
sieht  auf  die  Bezeichnungen  einer  Frosch-  dem  Eintretenden  entgegen)  aus  seiner 
(Kröten?)-  und  einer  Vogelavt  scheint  die  ur-  Höhle  hervor  (gegen  Rohde  1,  281).  Von 
sprüngliche  Bedeutung  „fahl"  doch  noch  am  Aristophanes  {Pac.  313)  und  Piaton  (Schol  Pac.) 
meisten  wahrscheinlich.  Vielleicht  sind  N.  P.,  wird  Kleon  Kerberos  genannt,  offenbar  Stä  zb 
wie  Kißgr]v ,  Ksßgiovrjg  verwandt.  Der  Flufs-  xagaxädtg.  Vgl.  auch  Antipater  Thess.  A.  P. 
name  wenigstens  heifst  in  Euböa  Kigßrjg.  5,  30.  Er  gehört  zum  Inventar  des  Hades  an 
Auch  ist  wohl  zu  beachten,  dafs  es  die  Form  Schrecknissen;  vgl.  App.  epigr.  236,  4.  Lille. 
Kigßtlog  giebt;  vgl.  Kaibel ,  Inscr.  Graec.  It.  Philops.  24.  Dial.  Mort.  21.  Lucr.  3,  1011. 
1746,  4  (App.  epigr.  236,  4);  vgl.  -AtQßol.tlv  =  Gic.  Tusc.  1,  5,  10.  Einige  von  den  oben  ge- 
XoiSogeCv  ünazctv,  Hesych.  40  gebenen  Etymoloaieen  wurzeln  in  dieser  Vor- 
II.  Schlagen  also  die  Versuche,  Kerberos  Stellung.  Dazu  kommt  Ktgßcgoxi'vdvvog  = 
als  festausgebildetes  Stück  ursprünglicher  Tcegzagog,  Hesych.,  kommen  Stellen  wie  Plut. 
Hadesvorstellungen  der  Griechen  zu  erweisen,  oväi  ^fjv  %zl.  27  =  Mor.  1105A.  Luk.Katapl.%8; 
nach  diesen  Richtungen  bin  fehl,  so  mufs  Menipp.  14.  Artemid.  On.  2,  55.  A.  P.  11, 
als  andere  Instanz  der  Einflufs  in  Frage  143,  2  Vergil.  A  6,  401;  G.  4,  483.  Apuleins 
gezogen  werden,  den  die  Figur  des  Ker-  Met.  1,  15  fin.;  vgl.  Ettig  279.  Bei  Verg.  A. 
ber-os  etwa  auf  den  griechischen  Ritus  8,  297  ist  er  ossa  super  1  ecubans  dargestellt 
ausgeübt  hat.  Dafs  K.  den  Neugriechen,  (was  einige  nach  Servius  seltsamerweise  auf 
wenigstens  soweit  echtes  Volkstum  vorliegt,  die  ossa  Amphiarai  bezogen), 
fehlt  (_B.  Schmidt,  Volksleben  d.  Neugr.  245),  SO  Der  vom  Aristophanesscholiasten  gegebenen 
verschlägt  nichts.  Hier  hat  ja  Cbaron  alle  Einbeziehung  der  attischen  fiilizo iitxcc  in  den- 
Schrecken  der  Unterwelt  auf  sich  vereinigt.  selben  Vorstellungskreis  (der  sich  eben  durch 
Für  die  alte  Zeit  hat  aber  Löschcke  (a.  a.  0.  9)  sie  als  sicher  alt  erwiese)  stehen  nur  zwei 
behauptet,  dafs  bei  Soph.  0.  C.  1568ff.  nach  Bedenken  entgegen.  Erstens  würde  sich  ein 
der  Erwähnuni;  der  Erinyen  und  des  Kerberos  Widerspruch  zu  der  zweiten  Hesiod- Stelle  er- 
mit  dem  rätselhaften  m  Täs  real  xat  Tagtugov  geben,  der  zufolge  die  Eintretenden  kein  Be- 
Hesyehos  angerufen  wäre,  ein  Gott,  der  schwichtigungsmittel  brauchten,  zweitens  pafst 
neben  den  Semnai  am  Areopag  (am  Hades-  die  (itlizovzxa  nicht  für  den  höllischen  Hund, 
eingang!)  seinen  Kult  habe  und  der  in  der  sie  ist  das  feststehende  Opfer  für  chthonische 
Vorstellung  wurzele,  der  Höllenhund  ängstige  «0  Schlangen.  Man  bedurfte  ihrer  z.  B.,  wenn 
die  einziehenden  Toten  und  könne  nur  durch  man  zum  Trophonios  abstieg:  Nub.  507;  vgl. 
Vermittelung  des  Hesychos  besänftigt  werden.  Schol.  und  Suid.  v.  fx.ilizovz.zct.  Luk.  dial.  mort. 
Töpffer  (AU.  Genealogie  172)  hat  dann  ge-  3,  2.  Philostr.  v.  Ap.  8,  19  (jisüiyauza  tgirt- 
legentlich  der  Hesychidenfamilie  diesen  Ge-  zäv ,  S  xoig  -naxiovciv  zyrginzsi);  vgl.  auch 
danken  Löschckes  weiter  ausgeführt.    Dafs  in-  Rohde  a.  a.  0. 

des  auch  dieser  Teil  der  Ausführungen  Lösch-  Wir    beseitigen    die    zweite    Schwierigkeit 
ckes  unhaltbar  ist,  zeigt  Rohde,  Psyche.  1.  280,       zuerst    und     gewinnen     damit     zugleich     das 

der  die  Verse,  wie  der  Scholiast,  auf  Thana-  richtige  Urteil  über  Kerberos  überhaupt. 


1133            Kerberos  (Bedeutung)  Kerberos  (auf  Münz.  u.  in  Zanberpap.)    1134 

III.  Es  ist  auszugehen  von  der  bekannten  Opfergabe  stellt  also  einen  hochaltertüm- 
Erscheinnng,  dafs  die  Schlangen  teils  als  Ver-  liehen  Rest  derjenigen  älteren  Ansehau- 
körperung,  teils  als  Vertreter,  Boten,  Diener  ungen  dar,  die  auch  bei  Homer  (trotz  Ari- 
von  %&6viol  aller  Art  (Göttern,  Heroen,  Toten)  stareh)  selbst  in  den  verbältnismäfsig  jungen 
gedacht  werden;  vgl.  Deneken  im  Art.  Heros  Partieen  erhalten  sind.  Erst  aus  einer  be- 
Bd.  1  Sp.  2466  ff.  Rohde,  Pst/ehe  1,223.  Ettig  stimmten  Passung  des  Herakles -Abenteuers 
377.  Dafs  vor  allem  Hades  selbst  eine  solche  stammt  der  bei  Hesiod  zuerst  begegnende 
Schlange  haben  rnufste,  ist  von  vornherein  Name  des  Kerberos,  den  die  neugeschaffene 
anzunehmen.  Da  fällt  es  denn  schwer  ins  Mischgestalt  übernahm  (wertlos  leider  Plut. 
Gewicht,  dafs  Helataios  nach  Paus.  3,  25,  5  10  fluv.  16,  1:  A'.,  ov  tvioi  kuIovoi  $oßigov). 
erzählte:  oq>iv  Ini  Tctivctgcp  xgtx<p>ivai  Ssivöv,  Die  Mehrköpfigkeit  könnte  schon  der  Schlangen- 
■alri&rjvceL  äs"JiSov  «w«,  ort  SSst  xbv  8n%&£vxu  bildung  zu  eigen  gewesen  sein  (vgl.  •/..  B.  He- 
zs&vavat  nagavxiy.a  vnb  xov  lov.  y.cA  xovrov  rodot  9,  81).  Leuchtet  das  Gesagte  ein,  so 
fqprj  xov  otpiv  vTtb  'Hga-tliovg  üy&rivai  nag'  wird  der  andere  oben  bezeichnete  Einwand, 
Evgva&ict,  eineBemerkung,  die  auch  AieMesiod-  die  zweite  Hesiod-  Stelle,  von  selbst  hin- 
scholien  zu  Theoq.  311,  wenn  auch  namenlos,  fällig.  Denn  hat  der  Aristophanesscholiast  mit 
aus  dem  alten  Kerne  ihrer  guten  Gelehrsam-  seiner  Deutung  der  attischen  uslnovxxa  recht, 
keit  bewahrt  haben.  Helcataios  hat  zwar  sonst  so  ergiebt  sich  der  den  Eintretenden  an- 
rationalisiert (Diels,  Herrn.  22,  436ff.),  doch  wedelnde  und  nur  den  Austretenden  ver- 
kommt das  hier  nicht  in  Betracht,  da  er  ja  der  20  schlingende  Kerberos  ohne  weiteres  als  jün- 
ohnehin  zu  erwartenden  Volksvorstellung  ent-  gerea  Autoschediasma,  wie  es  sich  denn  auch 
spricht.  Dazu  kommt,  dafs  der  Name  für  eine  bezüglich  der  Kopfzahl  in  Gegensatz  zur  ersten 
solche  Schlange,  Hvtov  "AiSov,  von  ihm  aus  Stelle  setzt  und  seine  ganze  Umgebung  schon 
Homer  entnommen  ist  mit  richtigem  Gefühl  vielfach  angefochten  worden  ist.  Der  Dichter 
für  seine  echt  archaische  Farbe.  „Hund"  hascht  nach  Effekt,  nicht  eben  glücklich; 
bezeichnet  nämlich  im  archaischen  Stile  den  denn  ein  wedelnder  Höllenhund  ist  etwas 
Diener  überhaupt.  Die  Beispiele  sind  ge-  tpvxgov.  Lehrreich  ist  aber,  dafs  er  über- 
sammelt von  v.  Wilamowitz ,  Heroki.  2,  135  haupt  dies  Autoschediasma  wagen  konnte: 
(xvvsg  Jiög  oder  chgoipoixot  =  Greife,  Geier,  auch  das  beweist,  wie  wenig  fest  zu  seiner 
Adler;  xvmv  'Pias  =  Pan;  ^igascpovng  (des  30  Zeit  die  überhaupt  nicht  im  Volksglauben 
Mondes)  xvveg  =  die  Planeten;  xvvtg  Ka-nv-  wurzelnde  Gestalt  eines  höllischen  Hundes 
xov  (jir/tßds)  =  Erinyen.  Vgl.  namentlich  San.  war.  Zum  Schlufs  sei  noch  darauf  hinge- 
1287 ff.  So  heilst  auch  die  Sphinx,  die  Hydra  wiesen,  dafs  mit  unseren  Ausführungen  die 
v.vtav,  bei  Källimachos  archaistisch  Iris.  Diese  Möglichkeit,  Kerberos  mit  den  indischen  Hun- 
bildliche  Bezeichnungs weise  dringt  aber  durch  den  in  Verbindung  zu  setzen,  definitiv  abge- 
und  verwischt   die   ursprüngliche  Vorstellung.  schnitten  ist. 

Das  ist  deutlich  zu  verfolgen.  Es  stellt  sich  statt  Im  ganzen  vgl.  noch  Preller,  Grieeh.  Myth. 

der  Schlange  der  Hund  als  Symbol  des  Heros  2:!,  222  f.     Baumeister    im    Artikel     Unterwelt, 

auf    Bildwerken    ein;   vgl.    Furtwängler ,    Aih.  TJenkm.    3,    1922    und    F.  A.  Voigt   bei   Ersch 

Mitteilungen  7,    166   (der   die   Thatsache   gut  40  und  Gruber  2,  35,  263. 

ermittelt,  doch  sie  nicht  richtig   erklärt  hat).  [Über  Kerberos  auf  Münzen  s.F.  Bompois, 

Wie    ein    Diener    erscheint    auch    Kerberos,  Drachme   inedite  frappee  dans  l'Etrurie,  Sev. 

friedlich   an   das   rechte  Knie   des   thronenden  arch.   n.  s.  38,    1879  p.   28  —  34.  —  Natürlich 

Hades  (aus  Villa  Borghese)  angeschmiegt,  der  erscheint   Kerberos    auch    auf  den    magischen 

Bd.  1  Sp.  1803  abgebildet  ist.    Es  ist  dieselbe  Gemmen,    Lippert .    Daktyl.    2,    1,    20    p.   3. 

Darstellung,    die   Hund   und    Schlange   un-  L.  Maller,  Musee  Thorvaldsen  p.  185  nr.  1693 

verbunden   läfst,    und    also   noen    kräftig    auf  Mehrfach   wird  Kerberos   in  den   Zauber- 

die    ehemalige    Selbständigkeit    der   Schlange  papyri    erwähnt.      Im   grofsen    Pariser  Pap., 

hinweist.     Damit    gewinnt    die   bei   Paus,   im  Wessely ,    Grieeh.    Zauberpap.    aus  Paris   und 

Zusammenhang  mit   dem    Citat  aus  HeJcataios  50  London  wird  von  vs.  1872  an  ein  Liebeszauber 

erhaltene   antike   Gelehrsamkeit   über   Homers  mit   einem  aus  Wachs  bossierten  Hunde  mit- 

Verhältnis   zu   Kerberos    einen   tiefen   und  be-  geteilt   und   vs.   1911  ff.   Kerberos   bei   den  Er- 

deutsamen    Sinn:     ovdsv    xi     uällov    'Our/gov  henkten    und  Toten,    den    eines   gewaltsamen 

y.vva   xm   üv&gänco   avvxgorpov  f i'prjudroc,)]  sl  Todes  Gestorbenen   und  dem   heiligen  Haupte 

Sgänovxa  övxa  tiictlia£v"Ai§ov  -nvvct.    Den  Über-  der    unterirdischen    Götter    beschworen ,     die 

gang    von    der    Schlangen-    zur   Hundsgestalt  Geliebte  herbeizuführen.     Die  Beschwörung  an 

illustriert  das   wiederholt  betonte  Schwanken  Selene   vs.   2240  ff.  findet    statt   in   der   Nacht 

der  Vorstellung   bei   Dichtern   und   Künstlern.  iv  y  ngokvaaä  Kigßsgog  xs gccvvonXog ,  2261  — 

Auch    wird    man   nunmehr    das   Unorganische  2262;    und  der  Beschwörende  erklärt:    r/voi^ci 

der   Verbindung,    mit    dem    die    Mischgestalt  60  xctgxagov%ov    nlBt&gu    Ksgßigov,    2293  —  2294. 

z.  B.    auf   dem    argivischen   a-nvipog   sich   dar-  In    einer     anderen     Beschwörung     an    Selene 

Btellt,    nicht    ausschliefslich    dem   Ungeschick  vs.  2861f.  Orphica  ed.  Abel  p.  294  vs.  51  wird 

primitiver  Kunst  zuschreiben,  besonders  auch  Selene  angerufen:  Kigßsgov  iv  deofioieiv  ä'^fis 

im    Hinblick    auf    den    Kerberos    am    Hades  cpoXid'tooi    Sga-növzcov.      In    dem    Traktat  7g<? 

Borghose.      War    also    Kerberos    ursprünglich  n.gocprixig  xä  vidi  uvxfjg  heifst  es  in  der  einen 

die  Hadesschlange,  so  pafste  für  ihn  die  fifAi-  Fassung,  Coli,  des  anc.  alchimistes  grecs  publ. 

toüttk   in  Attika  so   gut  wie  sie  in  Lebadeia  pur    M.   Berthelot.      Texte    grec.     Paris   1888 

für  niemand  anders  gedacht  sein  kann.     Diese  I,  XIII,  13,  5  p.  30:  'Ogv.i^a>  ob  e£g  'Egfirjv,  uni 


1135                  Kerdemporos  Keres  d.  i.  Keren  (Litteratur)     1136 

"Avovßiv,  vluyjia  z&v  Ksgxögov,   Sgdxovza  zbv  sicher  auf  Hermes).     Gornut.  de  nat.  deor.   16 

tpvXaxa,  in  der  anderen,  I,  XIII  bis,  5   p.  34:  p.  74    Osann    erklärt  xsgäcäog  =   weuv   fiövog 

Ogxi^a    öf     ft's   'EQfifjv    xal  "Avovßiv    %cu    ilg  z&v   äXrjdiväv   xsgäwv   zoig   äv&gcönoig    ai'ziog 

vXayy,a   zov   xigxovgoßogov   Sgdxovzog  xal  xv-  civ.     [Anecilota  varia  Gr.   et  Lat.  edd.  Schoell 

wog    zgixtipdXov    zov    Kigßigov    zov    tpvXaxog  et  Studemund  1  p.  268.  279.   Drexler.]  [Höfer.] 

zov  "AiSov.     In  der  Traductiou   bemerkt  Her-  Kerdylas  (KsgävXag),  Beiname  des  Zeus  bei 

thelot  p.  32   Note  4   zu   Kerkoros:    „Her- Hör  Lykopin:   1092  (%ägtv  zivovzig  KtgdvXa  Aagvv- 

est  le  premier  prophete  d'Ammon;  c'est  le  nom  &i<?),  wozu  Tzetzes  (vgl.  auch  d.  Schol.  z.  d.  St.) 

d'un  personnage  historique  de  la  XXe  dynastie  bemerkt:    KigSvXag    xal    Aagvv&iog   inwvv(i.a 

(Dict.  d'Arch.  egypt.  de  Pierret).     Ici  il   est  10  zov  Jiög.     [Roseher.] 

devenu  un  personnage  infernal",    und   zu   dem  Kereatas  (Ktgidzag),  Beiname  des  Apollon 

dgdxcov  b  qptUag  p.  33  Note  1 :  „C'est  le  serpent  in   Mantineia;   Paus.  8,  34,  3;    vgl.  de  Witte, 

Ouroboros.     Dans    L   on  lit:    „le  hurlement  de  Reo.  num.  1864  p.  23  Anm.  2.     [Drexler.] 

Eerkouroboros  le  serpent,  et  du  einen  tricephale,  Kerebia   (Kqgfßia),    Gattin    des    Poseidon, 

Gerbere  gardien   de   VEnfer".  —    Kerkoros   et  Mutter  des  Diktys   und  Polydektes   von  Seri- 

Ouroboros   sont  ici   co-nfondus  en  un  seul  mot,  phos,   Tzetzes  zu  Lykophron  v.  838  (=  Natal. 

par   Verreur   du   copiste.     D'ailleurs  le  Iturle-  Com.  7,  18  p.  814;   Eudokia:  A'jjosfua).    Nach 

ment    du   serpent   n'a   pas   de    sens.      Cerbere  anderer   Sage   (Hesiod.  fr.   24   Ei.     Apollodor 

parait  avoir  e'tc  ajoute  en  raüon  de  l'ancien  Cod.   Bibl.   1,   9.   6)   sind  D.   und  P.  vielmehr 

mot,  gardien  (du  tcmple) ;  (voir  l'urticle  I,  V,  5),  20  Söhne   des  Magnes,   und   also   von   dort  nach 

qui  n'etait  plus   compris  et  qui  a  cte  applique  Seriphos  offenbar  über  Euboia  verschlagen,  da 

ä    VEnfer  par   l'un   des   copistes  dont  L   pro-  das  dortige  Karystos-Aigaia  nach  dem  rnagne- 

cede."     Die  Deutung    von    Kerkoros    als    Her-  sischen  Aig(ai)on,  Genossen  der  Thetis   (II.  A 

Hör  wird  wohl  niemand  befriedigen.  Drexler.]  407),  hiefs  (Bemerkungen  zur  Gr. Beligionsgesch. 

[0.  Immisch.]  Progr.  Neustettin  1887  S.  12 f.;  vgl.  Aithiopen- 

Kerdemporos   (KigS?f.ntogog),    Beiname  des  länder  etc.  S.  201  u.  A.   188).     In  Euboia  aber 

Hermes  bei  Orph.  hymn.  28,  6  und  auf  einer  In-  findet  sich  auch  der  einzige  an  K.  anklingende 

schritt   aus   Tefeny   in   Phrygien  'Epfioü   Afp-  Name:  der  Flufs  Kngivg  (Strab.  10  p.  449  C), 

äsvnogov,    Bull,     de    corr.    hell.    8,    504   [=  b.  Ps.-Aristot.    Mirab.   ausc.   170   Kigßrjg   gab 

Sterrett,  An  epigraphicat l  journey  in  Asia  Minor  30  wohl      einer     Flufsnymphe     *Ki]gsj--i'a     den 

p.  89  nr.  66 — 58.  C.  xx.];   vgl.  Bd.  1   Sp.  2381,  Namen;   er   ist  in  der  Nähe  von  Karystos  an 

Z.  50.     [Höfer.]  zusetzen;   vgl.  Bursian,  Geogr.  v.  Gr.  2,   402. 

Kerdeoii   (Ktgditov),    Beiname   des   Hermes  [E.  Tümpel.] 

wie   Kerdie   Ktgäir]   der   Peitho  bei  Herontlas  Kerenos.     Der  Apostel  Bartholomaeus  wird 

Mimiambi  7 ,  74  p.  53  Biicheler:'Egiii~i  zs  xtg-  auf  Grund   eines   von   ihm  in   der  Stadt  Elwa 

Sicov    xal    ev ,     xigdirj    IJci^oi.      S.     Crusius,  vollzogenen  Wunders  von  den  Bewohnern  der 

Unters,  zu  den  Mimiamben  des  Herondas  S.  140.  Stadt  gefragt,   ob   er  Kerenos  sei;   s.  Lipsius, 

[Drexler.]  Die   apokryphen   Apostelgeschichten  2,  2  p.  88, 

Kerdo    (Ksgäco),    Gemahlin    des    Phoroneus,  welcher  frageweise  annimmt,  dafs  mit  Kerenos 

die    am  Markte   zu  Argos   ein   Grabmal    hatte  40  Kronos  gemeint  sei.     [Drexler.] 

in    der    Nähe    eines    Tempels    des    Asklepios,  Keres  d.i. Kereu(Är,pfs),  Dämonen.  —  Litte- 

Paus.  2,  21,  1.   Preller,  Gr.  M.  2,  37.    Gerhard.  ratur   (abgesehen   von   den  bekannten  Hand- 

Gr.  M.  §  314,  4.   Panofka,  Asklep.  p.  35.  Stark,  büchern):    Nägelsbach,    Homerische    Theologie, 

Niobe  340.  341.     [Stoll.]  herausg.  von  Autenrieth  S.  83.  197  (Originalaus- 

Kerdoios   (Kigäotog  =  Kegääog),    Beiname  gäbe    1840   S.  62.   129).     Heffter,    Bei.   d.    Gr. 

1)    des    Apollon    auf    einer    thessalischen    In-  S.359.    Welcker,  Gr.  Götterlehre  1,  768  f.  3,  100. 

schrift.  Collitz,  Samml.  d.  griech.  Dial.-Inschr.  Crusius,  Allgem.  Encyklop.  2.  Sekt.  35  (1883) 

1,    345      p.    134,    22.     p.    135,    44:       iv    zb  265—267.     E.  H.  Meyer,  Indogermanische  My- 

isgbv    zov   'AnXoivog    rot    KsgSoiov     ebend.   1,  thtn    2.    Achilleis   (1887)    228.    232.    275  f.  299. 

372  =  C.  I.  G.  1766;    vgl.  Fick  bei  Bezzen-  50  L.  Laistner,  Das  Bätsei  der  Sphinx  (1889)  2, 

berger,    Beiträge    etc.     5,    19:    "AnXovvi    Ksg-  53.  430  f.    [E.  Bohde,  Psyche  (1890),  erst  nach 

doi'ov  Zovoinazgog  .  .   b  frvzag   ovi&fixs   [sgo-  der    Skizzierung    des    folgenden    Artikels    er- 

^iva/xoniaag     xal     ägxidovxvacpogiioag'     [und  schienen    und    noch    unvollständig,    legt  zum 

in  einer  Inschrift  aus  dem  Tempel  des  Apollon  erstenmale     urkundlich    die    Zusammenhänge 

Ptoos,  Bull,  de  Corr.  Hell.  14  1890  p.  46  nr.  12  dar,  in   die  diese  Gestalt  einzureihen  ist,  vgl. 

Z.  29  f.    xal    äva&sivca    uvzb    iv  zä>    hgcoi  zov  bes.  S.  218  f.] 

'AnoXXcovog  |  zov  Ktgdwiov;  vgl.  d&iiv  on  Lolling,  .      _.     TThprlipfprllT10. 

MM.   d.  K.  D.  Arch.  Inst,  in  Athen  8  p.  23  A'   Ue  U  Deruelerlulg- 

nr.  1  mitgeteilte  Epigramm  aus  Larissa  Z.  3.4:  *■  Homer. 

...          r--,     .    ,         „     c,  -      ,.                  ,  i;o      1.  In  den  meisten  Fällen  läfst  sich  das  Wort 

AI  zv   rag \ri  g  oaicog.    hsgotoi,  oaaoxgazftcov,  ,     ,     ■    „              ,       •   c    ,         ,         ,,   ,. 

"a  ™     r      vi     'i  i      $'t    '     i  r?^         'x  Kf19  hei  Homer   als  einlaches  Appellativum  in 

Av\it\£ii\a  Zi  imlE  o)   offo  «ai  PjViigazLOa.  1       d    j     4.            mim.         .    Sf  ,           ,  .. 

1    J  rl          J'        -1          b                    y  der  Bedeutung  „Tod,  Todesart,  Todesverhang- 

Drexler.]    Auch  bei  Lykopihr.  208  u.  schol.  heilst  nis"    erklären.     Dabei    steckt    aber    in   vielen 

A.  Higdmog.  —  2)  des  Hermes,  Lucian.  Tim.  41 ;  Bildern   und  "Wendungen   doch   schon   persön- 

vgl.  24.     Plut.  tranq.  an.    12     (rtöv  dfdiv   .  .  .  liehe  Auffassung.     Die  Zeugnisse,   die  in  dem 

0    ftfr    ivväliog,   b  äi  garrnog,   b  di  Ksgdmog  Homer-Lexikon  von  Ebeling-Capelle  zusammen- 

inovofia^tT.aL.     Da   Apollon   hier   schon   durch  gestellt  sind,  brauchen  wir  hier  nicht  vollstän- 

fiavzmog  bezeichnet  ist,  so  bezieht  sich  xsgdmog  dig  mitzuteilen;  wir  beschränken  uns  auf  eine 


1137                  Kerert  (Homer)  Keren  (Homer)                   1138 

Besprechung  der  bezeichnendsten  und  'leben-  Gestalt.    Sie  heilst  öXor\;  der  Mantel,  der  ihre 

digsten  Züge.  —  2.  Die  Eer  heilst  „schwarz"  Schultern   umflattert,    ist  von  Männerblut  ge- 

und  ist  allen  verhafst,  wie  der  Tod  selbst:  //.  rötet;  in  drei  verschiedenen  Abstufungen  (aov- 

r  454    laov    ydg    atpiv    itüeiv    cmr\%%ixo   Ktjqi  toj>  —  vsovzazov   —   zi&vrjäza)    kommt    ihre 

(islcävri  (Paris  den  Troern),   vgl.  A  228.   *P  78  grausige  Thätigkeit  zum  Ausdruck:  wobei  dem 

Krjg  azvyegrj.     Od.  q  500  'Avzt'voog  dt  [idXiazct  Dichter  eine  Darstellung  vorgeschwebt  haben 

HsXaivf]  Krjgl  f'oiKsv.  Sie  bezwingt  einen  jeden  mag,  wie  die  in  jeder  Klaue  ein  Opfer  davon- 

Sterblichen;  Od.  X  171.399:  tj's  vv  bs  Krjg  sSd-  schleppende  Harpyie  Bd.  1  Sp.  1847,  die  man 

fiaecf  zavrjXsyiog  ftavdxoio  (formelhaft);  nicht  wohl  auch  als  Ker  ansehen  könnte, 

einmal   der  Zeussohn  Herakles  vermochte   ihr  io  6.    Soweit    erscheint   die   Eer   lediglich   als 

zu  entrinnen  (II.  £  116  ff).    —    3.    Von  allen  raffende  Todesgöttin.   Es  finden  sich  aber 

Seiten  umlauern,  „umgähnen"  (Wli  Krjg  dficp-  auch  bei  Homer  Spuren  einer  allgemeineren 

£%txvs)   die   Keren    den    Menschen;    den    einen  Bedeutung.     Schon  bei  der  Geburt  wird  jeder 

treffen  sie  in  der  Schlacht,  den  andern  auf  dem  Sterbliche  seinerKer  zugeteilt.  So  klagt  die  ipvxrj 

Krankenlager,  den  dritten  auf  den  Fluten  des  nazgonXfjoq  W  78  dXX'  l/xs  jiiv  Krjg  |  tt(icpE%avs 

Meeres  (Ä170.  397)  £uni}g  ydg  Krjgsg  iqisezöceiv  azvyfgrj,  r\  nsg  Xd%s  y  £  ivöjxsvov  nsg.  Zwar 

ftavdzoio  |  fivgiai,  dg  ovx.  toxi  q>vys£v  ßgoxov  spitzt  sich  auch  diese  Wendung  auf  den  Tod 

ovä'  vnaXv^ai,  meint  Sarpedon  M  325:  da  hat  zu:    aber  Mensch   und  Ker  gehören    doch  von 

es  keinen  Sinn,  sein  Leben  ängstlich  zu  hüten.  Anfang  an,  auch  während  des  Lebens,  zusam- 

Der  gehetzte  Hektor  (X  102)  Kfjgag  ints&tpvytv  20  men.    Deutlicher  tritt  das  hervor  I  410  ^rjzrjg 

Qcivdzoio,  da  Apollon  ihm  beisteht,  aber  nur,  um  ydg    tf    (i£    yrjGi  .  .  .  öi%&adictq  Kfjgceg    cpsgs- 

ihnen  wenige  Minuten   später  anheimzufallen.  (isv  &avdzoio  ziXogSs:    Achill    hat  die  Wahl: 

Die  Keren  sind  in  solchen  Fällen  als  verfolgende  die  eine  Ker  giebt  ihm  ein  langes,  ruhmloses 

Dämonenscharen    gedacht,    wie    die    Erinyen  Leben  in  der  Heimat,    die  andere  ein  kurzes, 

und  Harpyien.     Ahnlich  heilst  es  B  302   ndv-  ruhmreiches    vor    Troja.      Die    Ker    bestimmt 

zsg..  ovg   firj    Krjgsg    "ißav   ftavdxoio  cpegoveai,  nicht    nur    den  Todesmoment:    sie    führt    den 

vollständiger   |  207  zvv  Krjgsg  sßav  &avdzoto  Helden  auch  auf  der  Lebensbahn.  —   7.  Zwar 

cpsgovoai   |    11g   'AtSao    Söfiovg.      Scharenweise  läfst  sich   dieser  Gedanke   mit   Stellen    wie  A 

ziehen   die  Keren   über  die  Erde  und  nehmen  416  ff.    2  95.    440  ff.     nicht    recht    vereinigen 

die  Geschiedenen  mit  sich  hinab  in  das  Reich  30  (Niese,  Entw.  d.  hom.  Poesie  S.  34').   Aber  eine 

des    Hades,    wo    sie    selbst  zu  Hause  sind  [s.  ähnliche    Anschauung    findet    sich    vereinzelt 

Bohde,  Psyche  9].  —    4.    Damit  löst  sich  das  auch    sonst.     So   scheint   auch   dem  Euchenor, 

alte   UTtogrifia    &   525.     Hektor    ruft:     svxofica  dem  Sohn  des  Sehers  Polyidos,  die  Wahl  frei- 

sXnofisvog  dit  z'  äXXoißiv  rs  &soietv  |  s^sXdctv  gestellt:    aber   sv   si$a>g    xtjq'    öXorjv   zieht   er 

sv&svds  Hvvug  xrjgsoaiipogrjzovg  (die  Griechen)  I  aus   '(N  665).     Auch    A  330  ff.    tritt    die    Krjg 

[ovg  Krjgsg  cpogsovai  tisXatvdiav  hml  vr\a>v].  Vs.  lange  vor  der  entscheidenden  Stunde  in  Thä- 

528,  von  Zenodot  weggelassen,  von  Aristarch  tigkeit.     Es  fallen  die  Söhne  des  Merops,  die 

athetiert,  ist  eine  Rhapsodenerklärung,  die  im  ihr  Vater  in  prophetischer  Ahnung  nicht  hatte 

Altertum  mafsgebend  geblieben  ist,  vgl.  Schol.  ausziehen   lassen  wollen:    zd>  ds  01  ovzi  |  nsi- 

Eustath.  Etym.  M.  Apollon.  Hesych.  zovg  vnb  40  &sod"r]V  Krjgsg  ydg  äyov  (in  den  Krieg)  fis- 

zrjg     üfiagfiivrig    fisxsvrjvsyasvovg.       Für    eine  Xavog   ftuvüroio    (daraus    B  833  f.),    wie    sonst 

solche   Thätigkeit    der   Keren   wird   man  aber  die   Motga    (E  614.   N  602)  (liXavog  ftavdxoio 

kein   zweites    homerisches  Beispiel  beibringen  (g  326).    —    8.    Auch  sonst  berührt  sich  Krjg 

können.     Die    Erklärung   ist   im    Geiste    einer  und  Motga.     Achill  antwortet   auf  die  Zumu- 

jüngeren  Zeit  gehalten,  in  der  die  Keren  wie-  tung  der  Thetis,    den  Hektor  zu  schonen,   da 

der  eine  selbständigere  und  bedeutendere  Stel-  sein  eigner  Tod  gleich  nach  dem  des  Feindes 

lung  gewonnen  hatten,  und  für  diese  von  Wert.  eintreten   werde,    2  115  ff.   Krjga   ä'  iyä   zozs 

Dem  Richtigen  nahe  kam  der  zweite  Interpret  Si %0/xiu  arntözs  xsv  äfj  |  Zsvg  t&sXrj  zsXeaui  r/S' 

(aiHo&rjaopsvovg    svfrsvds     vnö    zäv    Moigäv),  d&dvazoi  &10I  dXXof    oväs  ydg  oväs  ßCrj'Hga- 

nur   fafst   auch    er   den  Begriff  zu   allgemein.  50  xXrjog  cpvys  Kijgcc .  . ,   dXXd  s  Molg'  iSdfiaaes. 

Kr]g80ciq>6gT]zos  (eine  singulare  Bildung)  heilst  120  äg  Kai  tywv,  il  dr;  fioi  bfiot'ri  Moiga  zizv- 

einfach  „von  den  Keren  entrafft";  Hektor  hofft  v.tc/.i  |  Kfiaoiiai.  —   9.   Wie  hier  Zeus  und  die 

seine   Feinde  in   den  Tod   zu  jagen   («f)pf ggi-  Götter  über  der  Ker  walten,   so  geschieht  es 

cpogrixovg  „proleptisch",  d.  h.  prädikativ).  auch  X  200  ff.      Apollon  verleiht  dem  Hektor 

■">.  Solche  halb  erloschene  Züge  sind  es,  die  Kraft  und  weifs  sein  Todesstündlein  hinauszu- 

der  unter  die  jüngsten  Hände   zählende  Dich-  schieben.   Da  ergreift  Zeus  die  Schicksalswage 

ter    des    Schildes    2  534  ff.   bei  der  Beschrei-  und  legt  die  itijgs  hinein:   X  209  xat  tote  6'ij 

bung  der  Schlacht  wiederbelebt  und  zu  einem  xgvoiiu  nazr\g  Izizaivs  zdXctvzct,  \  iv  d'  frtiTEt 

kräftigen   Gesamtbilde   zu   ergänzen   versteht:  §vo  «f)ps  zavrjXsyiog  duvdzoio,  |  zr/v  ficv  'A%iX- 

sv  8'  "Egig,  sv  Ss  KvSoifiog  öfiiXsov,  iv  6'  6Xor\  m  Xijog,  zfjv  3'  "Exzogog  imTioäduoio,    tXv.i  de  (isgou 

Krjg,  |  [535]    dXXov    £a>bv    i'%ovG<x     vsovzarov,  Xaßwv  gsne  §'    JLv.zogog  oci'oiixov  7Jjxap,  |  a>%szo 

aXXov    dovzov,  j  dXXov    zE&vrjäza    nazd    fio&ov  d'    eig    'Atdcto'     Xütsv    Se    f    <&oißog    AnoXXav. 

iXks  noSoiiv,  |  slfiu  §'  e%'  dfirp'  äfiotai  datpot-  Die  schwerere,  also  gewaltigere  Ker  (fatum  bei 

vsov   al'uazi   cpwzmv.    \    wfii'Xsvv   S'    atazt    jeuot  Vergil  12,  725  ff.)  bringt  ihr  Opfer  ins  Verder- 

ßgozol  rfS'  e fxdxovzo,  |  vzxgovg  z' dXXrjXcov  i'gvov  ben:    das   ist  wohl  verständlich  (vgl.  Eustath. 

Y.azari&vr]äzag.    Unter  den  Dämonen,  die  wie  de  Thessal.  opusc.  p.  288,4),    sobald  man   nur 

Geier  über  das  Schlachtfeld  schweifen,  ist  die  die  moderne,  aus  Daniel  6,  27  abgeleitete  An- 

Ker  die   bedeutendste,   persönlich -lebendigste  schauung  fernhält.    An  persönliche  Auffassung 


1139  Keren  (Homer,  Hesiod)  Keren  (Hesiod)  1140 

des  Begriffs   zu   denken,    sind  wir  hier  wenig  dem     Seite    wäre    als    Bedeutung    anzusetzen 

geneigt:  die  Alten  empfanden  anders,  wie  sich  „von   der   Ker'  ernährt".     Es   giebt   eine   Eer, 

unten  herausstellen  wird.  —    10.   Dies  Wägen  die  dem  Mensehen  bei  der  Geburt  zufällt  und 

der  Kijgs  ist  nämlich  ein  fast  sprichwörtliches  ihn   in   den   Tod   geleitet   (oben   nr.  6f.):    von 

Bild,    das    immer    wieder    aufgenommen    und  da   bis   zu   dem  Gedanken,    dafs   die  Ker   des 

weitergebildet  ist.    Schon  in  der  Ilias  &  70  ff.  Menschen  pflegt,  wie  ein  Gott  oder  Genius,  ist 

taucht     eine     Dublette     auf.       Während    der  nur   ein  kleiner  Schritt.     Auch  bei  Semonides 

Schlacht,  um  Mittag,  ergreift  Zeus  die  goldne  ,, nährt"  eine  der  Keren,  die  sX-nCg,   den  Men- 

Wage:   sv  S'  szi&st,  Svo  nfjgs  xavylsysog  &a-  sehen,  fr.  1,  6  unten  nr.  23. 
vaxoto  |  Tgwmv  &'  imtoäüfKov  Kai  'Axaiäv  Xa^~  10       1^.    In  das  theogonische  System  der  böoti- 

ko%iz<bvoov,  s'Xks  Ss  pseoa  laßäv,  gsns  6' ai'ei-  sehen  Sängerschule  wird  die  Todes-Ker  einge- 

fiov  rjfiKp  'A%aiäv.  |  ai  fxiv'Axaiäv  nf/gsg  snl  fügt  Theog.  211  sq.    Nvi,  S'  szsks  azvysgöv  zs 

X&ovl  zzovXvßozsigr)  |  t£io&ril>,    Tgwmv  ds  ngbg  Mogov    v.al    Kfjga    piXaivav   (homerisch)  |  «al 

ovgavov    svgvv    dsg&sv.      Die    beiden    letzten  f)ävazov,     zsks    3'   "Tizvov,    szikzs    äs    tpvlov 

Verse    hat    bereits   Aristarch    (Ludwich,    A.8  'Ovsigcov    ovzlvl  xoiurj&SLOa  dsd  zsxs  Nv£  sgs- 

Textkritik  1,  284)  athetiert;    der  Widerspruch  ßswrj.     Der   schon   bei  Homer   lebendige    Ge- 

zwischen  Krjgs  und  y.fjgsg  läföt  sich  in  der  That  danke,    dafs  Schlaf  und  Tod  Brüder  seien  (C. 

nicht  mit  den  Hausmitteln  der  Xvztv.oi  (Porplt.)  Robert,  Thanatos  6  f.),  ist  hier  durch  Differen- 

wegschaffen.     Jede   Partei   (das   heben   auch  zierung   der   Begriffe   weiter   ausgeführt,    und 
die  Alten    gut    hervor)    hat   nach   v.  70    eine  20  sinnreich  genug  wird  die  Nacht  zu  ihrer  Mut- 

Ker:     o    äs    äiaousvaexrig    (der  Verfasser    von  ter  gemacht. —  14.  Neue  Züge  geben  v.217ff.: 

v.  73  f.)    s^sXaßs  jtoUiis  (Schol.  A  73  f.).    Und  v.al  Moi'gctg  v.al  Kijgag  sysivsxo  vr]Xso^zotvovg^ 

zwar    mit    gutem    Grunde:    es    giebt    keine  KXa&ä   zs  Ad%saCv  zs  Kai  "Azgo-nov,  ai'zs    ßgo- 

zweite     Stelle     bei     Homer,     wo     einer  zolat  \  ysivousvoiot    ölSovbiv  H%siv    üyct&ov   zs 

Mehrzahl   von    Personen  eine  Ker  zuge-  kccxÖv  ts'  |  [220]  alz'  dvägäv  zs  frsäv  nagai- 

schrieben  wird.  Man  könnte  eine  falsche  Über-  ßaaiag  sysziovcai  ]  oväiizoxs  Xrjyovei  &sal  äsi- 

tragnng    aus    X    annehmen   (s.  B.  Niese  a.  0.  volo    yöXoio,   \   ngCv   y'  dito   xm    ämaai    v.av.r\v 

S.66f.).    Bemerkenswert  bleibt  aber  auch  diese  oiziv    oazig    iudgxrj.     Man   pflegt  v.  218  f.    als 

Erweiterung    des    Begriffs.       Der    Diaskeuast  Interpolation   auszuscheiden,    da   später  905  f. 
kannte  die  vom  Einzelnen  losgelöste,  hyposta-  30  eine  andre  Genealogie  gegeben  wird.    Aber  die 

sierte     Ker,     die     in    andern     Überlieferungs-  ganze   Stelle   ist   eine   Dublette,   die   erst   der 

schichten  wirklich  nachweisbar  ist.  Redaktor  mit  dem  Vorhergehenden  verbunden 

haben  wird  (Köclüy).  Dadurch  verliert  sie 
II.  Besiod.  aber  nichts  an  Wert,  da  sie,  wie  verwandte 
11.  Bei  Hesiod  tritt  der  Ausdruck  „"Ker"  Einlagen  in  den  homerischen  Epen  und  Hym- 
tregen  Synonyme,  wie  ftdvaxog  und  uoiga.  auf-  nen,  aus  lebendiger  Rhapsodik  hervorgegangen 
fällig  zurück.  „Werke  und  Tage"  93:  Einst  sein  mufs.  V.  211  ist  die  Ker  lediglich  die 
lebten  die  Menschen  ohne  Übel,  ohne  schwere  allgemeine  Todesgöttin:  hier  ist  sie  ein  Rache- 
Arbeit  und  lästige  Krankheiten,  vovccov  z' dg-  dämon  geworden,  wie  die  eng  verwandte  Eri- 
yaXscov,  atz  dvägdai  v.r\gag  sdcoxav;  das  Weib  io  nys,  die  gleichfalls  die  Ttagaißaciag  bei  Men- 
liefs  die  Übel  (die  Keren?)  aus  dem  ntQ-og  sehen  und  Göttern  ahndet  und  als  „zürnende" 
entschlüpfen,  in  den  sie  gebannt  waren,  wie  Gottheit  dargestellt  wird.  Dieser  neue  Zug 
die  ipvxai  auf  der  Nr.  32  erwähnten  Vase,  die  wird  durch  delphischen  Einflufs  kanonisiert 
Winddämonen  des  Aiolos  oder  die  bösen  Gei-  sein.  Er  begegnet  uns  bei  den  Attikern,  wie 
ster  im  Märchen  (Tausend  und  Eine  Nacht,  bei  den  Hellenisten,  vor  allem  in  dem  alter- 
übers.  von  Habicht  11  S.  68,  22  S  186).  Hier  tümlichen  Koroibosmärchen,  das  direkt  an 
ist  -lirjg  einfach  =  „Tod  " ;  denn  an  Änderungen  Delphi  anknüpft,  s.  unten  nr.  41. 
wie  dg  .  .  Krjgsg  oder  dvögag  Krjgaiv  ist  nicht  15.  Derbere  und  härtere  Züge  zeigt  die  Ker 
zu  denken.  Das  ist  der  einzige  Fall  der  Ai-t  in  dem  jüngsten  „hesiodischen"  Gedichte,  der 
bei  Hesiod.  —  12.  Von  einer  ganz  neuen  Seite  50  Aspis.  Der  Dichter  des  Perseusschildes  kennt 
zeigt  sich  der  Begriff  „Ker"  in  dem  proble-  und  überbietet  die  späte  homerische  Darstel- 
matischen  Kiqgt.zgsq>rig,  in  einer  altertümlichen  lung  im  18.  Bnche  der  Ilias.  Auch  bei  ihm 
Formel  der  (auch  nach  Kirchhoff)  echten  walten  die  Keren  auf  dem  Schlachtfelde  (Aspis 
Bauernregeln  "Egya  417  f.  äfi  ydg  zözs  Zsigiog  Hes.  249  f.):  Kqgsg  Kvdvsai,  XsvKovg  dgaßsv- 
dcxr]g  \  ßaibv  vnsg  Kscpakfjg  Kngizgscpsmv  Bai  6ä ovzag,  j  Ssivwiroi  ßXoevgoC  zs,  äacpoLvoi 
uv&gcinav  \  sgxszui  r'ißdxtog  hxX.  Man  pflegt  z'  a-nlnxoi  zs  \  SfjgLv  s%ov  nsgl  Ttntxovxwv 
hier  „zum  Tode  bestimmt",  „dem  Tode  heim-  ndaai  8'  dg'  i'svzo  \  alua  fisXav  tiissiv  ov 
fällig"  zu  deuten.  Das  pafst  aber  schlecht  in  eis  ngäzov  ys  (isfidgnoi  ]  xsiusvov  ri  itmzövza 
den  Zusammenhang.  Die  zweite  alte  Stelle,  wo  vsovxazov  [2  535  sq.],  afitpi  fj,sv  avzä  \  ßaXX 
das  Wort  erscheint,  ist  das  oben  Sp.  834  be-  so  ovvy^ag  jisydXovg,  Tpvxfj  §'  'JtSögSs  xazjjsv 
handelt?  Kadmosorakel:  s'ax' dv  i'tnai  \  ßovxo-  [255]  Tdgzagov  sg  ngvösvir'.  ai  Ss  cpgsvag 
Xov  r}ds  (3das  xrjgizgtq>sog  JAsXdyovxog.  Auch  tvz'  dgsaavzo  ]  ai'fiazog  dvdgotisov,  xov  fiev 
hier  paTst  die  gewöhnliche  Deutung  so  wenig,  gtTizaoxov  pziiaaco ,  |  ai/>  §'  ofiaSov  Kai  fiäXov 
dafs  Unger  (Theban.  parad,  5)  dafür  den  Sinn  t&vvsov  uvzig  lovaui.  \  KXm&ä  xal  Aüy.teig 
Cirrhae  [in  Kirrha]  nutritus  forderte."  Nach  crpiv  sepsazaeav  r)  tisv  vcprjoocov  *  *  *"Azgonog 
Analogie  von  Kqgseaicpognzog  Krjglcpazog  (Hes.  0!'  zi  tzsXsv  asydXr]  ftsög,  dXX'  dga  r\ys  \  [260] 
=  oaoL  voam  xs&vr)y.aoi)  auf  der  einen,  von  xäv  ys  piv  dXXdaiv  Ttgotpsg^g  x' rjv  TigscßvxdxT} 
Jioxgicprig  JuzgsqiTjg  'Eg/iozgsgn]g    auf  der  an-  zs.  |  ndaaL  S'  dficp'  svl    tpazi    pdxTjv    Sgipsiav 


1141 


Keren  (Hesiod) 


i&evzo  ...  |  iv  ö'  ovv%ag  %£lqc(S  zs  froctosiag 
laäeavzo.  |  itäg  S'  'A%Xvg  siozrixii*)  87iiafivyigrj 
ze  %ai  aivi]  (folgt  eine  fast  groteske  Schilde- 
rung dieses  Scheusals).  In  den  Versen  258 — 
260  stehen  wieder  die  Moiren  neben  den  Ke- 
ren, wie  in  der  Theogonie  217  (nr.  14).  Das 
kann  kein  Zufall  sein;  es  spricht  sich  darin 
offenbar  der  Glaube  aus,  dal's  diese  Gestalten 
zusammen  gehören.  Stammen  die  (seit  G.  Her- 
mann ausgeschiedenen)  Verse  aus  einer  Du- 
blette, so  hat  der  redigierende  Dichter  diesem 
Glauben  gehuldigt,  dem  wir 
auch  im  späteren  Epos  be- 
gegnen (unten  nr.  51).  Das 
Auftreten  der  Achlys  („Todes- 
dunkel", nicht  „Trübsal",  wie 
Bd.  1,  66  erklart  wurde)  wird 
sich  aber  für  ihre  Ursprüng- 
lichkeit geltend  machen  lassen. 
16.  Mit  der  Darstellung  des 
Perseusschildes  berührt  sich 
der  inschriftlich  gesicherte 
Eerentypus  auf  der  Kypselos- 
lade,  Pausan.  5,  19,  6:  zäv 
Si     OiSinoSog    TtcciScav    TLolv- 


Keren  (Hesiod  und  andre  Epiker-)    1142 

den  Worten  äg  zbv  (isv  vitb  zov  nntoau-ivov 
nzl.  hat  mau  wohl  Worte  des  Pausanias  oder 
seiner  Quelle  zu  erkenneu  vermeint.  Wahr- 
scheinlich sind  sie  aber  (wie  schon  rpijfft  ver- 
muten läfst)  Paraphrasen  von  Epigrammversen, 
die  auf  dem  vierten  Streifen  der  Lade  sonst 
nie  fehlen  (etwa  avzr]  [ihv  Ktjq  i'oriv  xzl.). 
Aber  auch  in  diesem  Falle  hat  man  nicht 
das  Recht,  die  Ker  als  vr/lsoTcoivog  zu  fassen, 
10  wie  vielfach  geschehn  ist.  Sie  lauert  beim 
Zweikampf     auf     ihre     Beute,     wie     in     der 


Abb.  1)  "Wägen  der  yJjQe  ,    Lekythos  aus  Capua  (Brit.  Mus.)  (nach  Murray, 
Bist.  0/  Gr.  sculpt.  2  p.  28). 


VEi-Kti  nenzaniozi  sg  yovv  hnsi- 

aiv    'Ezfoulrjs.      zov    Uolvvtiuovg    äh    omc&8v 

sbztjksv  ödovzug  zs  [zig?  vgl.  Schubart,  JSpist. 

crit.  p.  XIX]  f  xovaa  ovSev  rifiiocDZtQovg  &rjQiov, 

•Aal  oi  -Aal  zäv  ££ipajj>  sigiv 

£TiiY.a(i7tlig  oi  cru^ts.    sni- 

yQafifia    [Subjekt]    6i    in' 

uvzr\      sivai     tprjOi     [nicht 

cpaoiv,   wie   Overbeck  u.  a. 

lesen]    Ktjqci,   wg   zov    (isv 

V710     ZOV     nSTtQlOfLlVOV ,    zov 

flolvvsUrj  [kaum  zu  tilgen  ], 
ümx%&£  vza ,  'EiZiovltl  äs 
ysvO(livrjs  y-ai  ovv  zip  Sixai'co 
zfjg  zeXsvzijg.  Das  unver- 
kennbare Zusammentreffen 
des  alten  Bildners  mit  dem 
Dichter  kann  erklärt  wer- 
den durch  Annahme  einer 
gemeinsamen  Quelle,  und 
diese  kann  die  Volksvor- 
stellung selbst  sein  oder 
ein  älteres  Epos,  etwa  eine 
Qrjßal'g.  Ebenso  gut  ist 
aber  direkte  Abhängigkeit 
des  einen  vom  andern  mög- 
lich, wie  Bie  Serqk  annimmt. 
Vielleicht  ist  hier,  wie  so 
oft,  die  Phantasie  des 
Dichters  befruchtet  durch 
einen  Bildner,  der  grelle, 
greifbare  Einzelheiten,  wie 
zahne  und  die  krummen  Krallen,  zum  ,,al 
legorischen  Ausdruck  einer  dem  dargestellten 
Wesen  innewohnenden  Eigenschaft"  gewisser- 
mafsen  als  Notbehelf  anwenden  mufste  (Mann- 
hardt,  Wald-  und  Feldkulte  2,  81).  Des  Künst- 
lers Bild  aber  pflegt  die  Volksanschauung  nicht 
zu  ignorieren,  sondern  sie  besonders  energisch 
zum  Ausdruck  zu  bringen.  Doch  würde  es 
verkehrt  sein,  diesen  grassen  Kerentypus  für 
den  allgemein  geltenden  zu  halten.  —  17.  In 
*)  Ähnlich  Berondas  1,  15  f.  von  rij^ag  and  ay.ta. 


Schlacht.  Ähnliche  Typen  sind  auf  spä- 
teren Kunstwerken,  besonders  auf  etruskischen 
Spiegeln,  nachzuweisen;  für  die  Ker  treten  auf 


)  Achill  und 
=  Reinach 


Memnon,  Kerostasie,    Nolanische  Vaae   bei  Miliin  1,  19 
p   15  (verkleinert  nach  Overbeck,  67.  h.  B.  22,  7). 


die     Raubtier-       ihnen  furienartige  Gestalten  ein,  wie  bei  Sta- 


tins Theb. 
her.  Bildw. 

III 


11,  136  ff.     S.    J.   Overbeck  ^  Galerie 
Taf.  5,  Text  S.  135  ff. 


Die  übrigen  alten  Epiker; 
Elegiker  nnd  Lyriker. 
18.  Die  Epikerfragmeute  bieten  kaum  Zeug- 
nisse, die  uns  neue  Züge  kennen  lehrten.  Er- 
wähnt sei  Hom.  epigr.  4,  13  f.  =  Biogr.  Gr. 
p.  7  W.  (vor  der  Herrschaft  der  elegischen 
Form  entstanden,  wie  die  Epigramme  der  Ky- 
pseloslade):  Kfjga  d'  sycö,  zrtv  fioi  9sog  ämaoe 


114c 


Kereu  ('Arktinos') 


ysivofisvep  7C£q,  |  xXrjooiicci  axQÜavxoc  cpsQmv  xi- 
zXtjoxi  &i>fiä :  xrjg  deckt  sich  hier  vollkommen 
mit  notfiov  (v.  12)  und  aiG?7  (v.  1).  —  19.  In 
der  Aethiopis  des  „Arktm,"*)  wurden  die  x>jpf 


Abb.  3)  Wagen  der  y.rtm,  Vasenbild  des  Htrzogs  von  Lnynes  (nach  Overbeck.  G.  h.  B.  22,  9), 


des  Memnon  und  Achilleus  beim  entscheiden- 
den Zweikampf  gewogen,  wie  in  der  Kerosta- 
sie  der  Ilias  (eine  Hypothese  von  Welcher,  Ep. 


Abb.  4)  AXJE   und   EFAS,  d.  h.  Achill  und  der  Eos 

Sohn,    von   Mercur    gewogen,  AVAV   [Apollon]    als 

Zuschauer.     Etruskischer  Spiegel  (nach   Miliin,  Ptini. 

d.  cases  I  Taf.  LXXII,  1). 

Cyel.  2,  175,  die  sich  glänzend  bestätigt  hat).  fi0 
Die  Schicksalswage  wird  in  dieser  Scene  noch 

")  Es  ist  auch  heute  noch  nicht  überflüssig ,  darauf 
hinzuweisen ,  wie  der  Name  Arktiu  im  lebendigen  Ge- 
brauch kein  Gegenstück  findet ,  sich  dagegen  mit  vielen 
sagenhaften  Namen  des  Stammbaums  (Teles  Nautes)  so 
gut  zuBammeureimt,  dafs  er  selbst  als  fingiert  angesehen 
werden  mufa.  Ähnlich  steht  es  mit  den  Namen  der 
meisten  andern  Epiker  der  ältesten  Zeit. 


Keren  (Elegiker  und  Meliker>     1144 

bei  Quintus  Smyrnaeus  2 ,  539  in  Bewegung 
gesetzt.  Auch  die  Vasenbilder  (aufgezählt  bei 
Hirsch,  De  anim.  imag.  19  f.)  sind,  wie  Robert 
(Bild  und  Lied  143  ff.)  wahrscheinlich  gemacht 
hat,    nicht  von  der 

Psychostasie    des 
Aeschylos  abhängig, 
sondern    von    einer 
epischen  Quelle  (vgl. 
auch    A.    Schneider, 

D.  tr.  Sagenkreis 
U2f.).  Deu  Aus- 
schlag giebt  die 
Sp.  1142  abgebildete, 
voräschyleische  Le- 
kythos  aus  Capua 
Abb.  1).  Die  Keren 
werden  durchweg 
nach  Art  der  ipv%aC 
oder  fi'ScaXa  darge- 
stellt, in  dem  ältesten 
Beispiele  (Abb.  1)  als 
nackte     (geflügelte) 

Figürchen  später 
auch  bekleidet  oder 
bewaffnet  (s.  Abb. 
2.  3.  Millin  1,  19. 
Bullet.  1865  p.  144 
=  Overbeclc,  G.  h. 
Bw.  22,  7.  9.  Abb  4 
nach  Gerhard.  Etr. 
Spiegel  2,  235,  1).  Dafs  bereits  Arktinos 
geradezu  die  ipv%ctl  habe  wägen  lassen  (Bobert 
145),  wird  sich  schwerlich  beweisen  lassen.  ■ 
20.  Auch  die  Elegiker  und  Meliker  arbeiten 
im  ganzen  mit  den  überkommenen  epischen 
Formeln,  vgl.  z.  B.  Tgrt.  11  p.  15  B.*:  I^pai» 
fiiv  tyvxitv  ftigsvog,  daväzov  äs  uiXcti'vag  \  Krj- 
Qctg  oucog  avyaig  r/fii'oto  cpiXag  (nach  einigen 
unter  nr.  2 f.  behandelten  Homerstellen).  Se- 
monides  fr.  94  (Epigramm  bei  Herodot,  s. 
Preger,  Inscr.  metr.  p.  16):  ixavxiog,  ög  xozs 
A'/Joag  iirtQxouivceg  oäqia  slSäg  |  ovh  i'xXrj 
ZTTUQtris  rjytgövctg  tiqoXittsiv  (oben  nr.  7  f.). — 
21.  Persönlich  zu  fassen  sind  die  Keren  in  . 
dem  Artemishymuus  bei  Theognis  13:  KßKag 
6'  ktto  A'/joag  aXaXxe ,  wohl  auch  in  dem  Ge- 
bet an  Zeus  xrjXov  §h  xanas  anb  Kfjgag  afiv- 
vui  |  yr)gcig  x'  ovlöfisvov  xai  9avixoio  xiXog. 
Die  Keren  sind  an  dieser  Stelle  der  all- 
gemeine Begriff,  Tod  und  Alter  die  Unterarten. 
Das  bestätigt  die  berühmte  MimnermossteWe, 
die  dem  Dichter  jener  Verse  vorgeschwebt 
haben  mag,  fr.  2,  5  ff.  p.  26  B.i:  .  .  .  av&saiv 
fj(3?js  i  TiQ7tög£Tra  .  .  .  KfjQsg  Si  7iaQsaxrjKciai 
usXcavca,  I  rj  fiev  f'xovea  xsXog  yr^Qceog  ägyce- 
Xiov,  |  r\  S  sxbqij  ftczvaxoio'  fiivvv&a  Si  yiyvt- 
xai  tjßrjg  j  xuQiiög  —  ein  durch  den  Kontrast 
wirkendes,  visionär  lebendiges  Bild:  der  Mensch 
Blumen  und  Früchte  suchend  (vgl.  Xei^äva  1146, 
14)  aber  neben  ihm  lauernd  die  beiden  schwarzen 
Spukgestalten,  Greisenalter  und  Tod.  In  solchen 
Fällen  ist  die  Machtbefugnis  der  Keren  wie- 
der unverkennbar  erweitert.  —  22.  So  kann 
es  kein  Wunder  nehmen,  dafs  humoristisch  die 
bösen  Geister  des  Trunkes  Keren  genannt 
werden,  Theogn.  837:  Stcaai  xoi  -noaiog  Kfj- 
geg  'dsiXoCoi  figoxoioiv  \  St'ipct  xi  XvaifisXrjg  xal 


1145  Keren  (Lyriker)  Keren  (attische  Zeit)  1146 

f.is9vaig  %aXsnfj.  Sehr  allgemein,  aber  wenig  avfmscpvgfisvrjv  Kai  dfirjxaviyoi.  Nach  solchen 
bezeichnend  heifst  es  auch  bei  Pindar  fr.  277  Stellen  auch  Ps.-Tim.  (ein  Hellenist?)  2  p.  547 
[246]  Kfjgsg  bXßodgs[iiiovsg  .  .  .  (isgi.iiva[idza>v  (S9M.)  zb  za>  Ttavzbg  oäu.a  dKTjgazov  ztäv  sv.zbg 
dXsyst-vcöv,  „die  im  Reichtum  genährten  Sor-  y.rjgtf>v.  10  p.  561  (UM.)  jioXXal  äs  Kagsg  Jcoäg. 
gengeister  "  (Bergks  Konjektur  6Xßo9gsixfx6-  Hipp.  Stob.  Flor.  108,  81  p.  98  31.  noXXal  KÜgsg 
vseai  ist  unnötig).  —  23.  Bei  Semonides  1,  20  Kaza  ndvza  zbv  ßiov  nscpvKavzt  (s.  nr.  29).  Alles 
p.  444  Bgk.*  ovzco  %av.äv  an'  oväsv  dXXd  ftv-  freilich  ohne  mythische  Färbung.  Wichtiger 
Qiat,  |  ßgozolai  Kfjgsg  KavsTZi'rpgaazoi.  ävat  \  Kai  Empedokhs  460  f.:  Die  Frommen  werden  schliefs- 
nfjfiaz'  iozi'v  erscheint  der  Ausdruck  ziemlich  lieh  &sol  zififjei  cpsgiazot,  |  d&avdzotg  aXXoiatv 
unpersönlich;  er  bezieht  sieh  auf  ilrclg  yfjgag  10  bfisoziot. .  .dn  oKrjgoi  [frei  von  der  Ker]  dzsi- 
voooi  "Jgrjg  usw.  (6.  11.  12  ff.),  die  dem  Hades  gstg.  18  f.:  .  .  .dzsgTisa  Jiräpoi',  |  sv&a  <&6vog 
seine  Opfertiere  zuführen  (v.  4  sehr.  "AiSrj  ßozd  zs  Közog  zs  -xai.  dXXcov  i'&vs  a  Krjgäv  |  av%^r\- 
t,coovaiv,  vgl.  Pallad.  Anth.  Pul.  10,  85,  Plaut.  gai  zs  Nbaot.  aci  Zfjtyisg  "Egya  ze  gsvezd  \ 
Gas.  2,1,12).  Auch  bei  Alkman  fr.  56  A  p.  55  B.  Azijg  av  Xsifiävd  zs  Kai  okozov  rjXdoKOvoiv. 
atpoig  däsXqiiäsotg  |  Kaga  Kai  epovov  ist  er  Die  Keren  sind  böse  Geister,  die  scharen- 
fast  appellativ  gebraucht;  interessant  ist  aber  weise  in  dem  irdischen  Jammerthale  umher- 
die  hier  und  öfter  überlieferte  Form  Kagav  ziehn  (fjX.  doch  wohl  zu  s&vsa);  wichtig  ist 
für  y.äga,  wie  man  mit  Bast  und  Ahrens  (dial.  es,  dafs  sie  zur  Ate  gestellt  werden.  Hier 
2  p.  140)  zu  korrigieren  pflegt,  s.  nr.  53.  59.  klingt  das  schon  bei  Hesiod  auftauchende  und 
—  24.  Weitaus  das  wichtigste  Zeugnis  dieser  20  wohl  in  Delphi  kanonisierte  Dogma  an,  dal's 
Gruppe  ist  Stesich.  fr.  93  p.  232  B.*  (Eustath.  die  Vollstreckerinnen  der  strafenden  Gerech 
772,3  =  Aristoph.  Byz.  Suet ,  cf.  Miller,  Me'l.  tigkeit .  Keren  sind.  —  26.  Es  stimmt  dazu 
p.  417):  Zzrjßixogog  äs,  tpaai,  zag  Kfjgag  [y.al  aufs  beste,  dafs  diese  Vorstellung  ein  Haupt- 
zdg  OKozdosig]  zsXxivag  Ttgocr/yogsvas.  Die  ein-  artikel  in  der  Theologie  der  attischen  Tra- 
geklammerten Worte  sind,  wie  schon  das  späte  giker  ist.  In  den  Hieben  gegen  Theben  des 
OY.OTcoeig  verrät,  ein  Glossem  (üy.ozoo)  byzant.  Aesthylus  1040  (1055)  klagt  der  Chor  über  die 
=  cpovivo):  Du  Cange  1395),  und  zwar  des  Eu-  (isyaXavy.oiY.al  (p&sgeiysvsig  Kfjgs g  'Egt  vis g, 
stathios  (vgl.  de  Thess.  capta  27  Op.  p.  275, 2  xarc  die  des  Oedipus  Geschlecht  vertilgt  hätten  mit 
dndzrjv  anozmas  agf').  Weshalb  bezeichnete  Stesi-  Wurzel  und  Stamm.  Apollon  der  Delphier 
choros  die  Keren  als  Teich  inen?  W.  Prell-  30  selbst  ist  der  Führer  der  Keren  bei  Sophokles 
witz  (Bezzenb.  Beitr.  15,  150)  geht  irre;  aber  auch  Oed.  B.  469  ff. :  svonXog  yag  sii  avzbv  snsv- 
Welcker  (Aesch.  Tril.  185)  kommt  übers  Raten  &gcioy.si  |  nvgl  yal  ozsgo7iaig  6  Jibg  ysvszag 
nicht  hinaus  („vielleicht  die  den  Freunden  das  (der  Herr  der  JsXcplg  nszga  v.  463)"  |  ästval  $' 
Leben  eines  Geliebten  mifsgönnenden  Keren").  dfi'  snovzai  \  Kfjgsg  dvanXdy.rjZOt.:  die  Keren 
Nach  einer  sehr  altertümlichen  und  volks-  sind  hier  unverkennbar  das  Erinyenheer. 
tümlichen  Vorstellung  pflegen  die  Teichinen  Wie  die  Keren  dort  den  Oedipus  als  Vater- 
mit  höllischen  Zaubermitteln  die  Saat  zu  ver-  mörder  hetzen,  so  verkünden  die  Dioskuren 
derben  (Pt,ut.  prov.  Alex.  1  p.  3  in.  A  :  zä  zfjg  bei  Euripides  Flektr.  1252  dem  Orestes  äsi- 
Zzvybg  väazi  zfjv  yitv  KaxaggaCvovzsg  dyovov  val  äs  Kfjgsg  0  ,  at  Kvvamiäsg  oTfat  (wie 
snoiovv,  ähnlich  Strabo  14  p.  654.  Nonnos  14,  43  sonst  die  Erinyen  heifsen),  [  zgoxrjXaxfiOovo'  sfi- 
46;  vgl.  Fleckeisens  Jahrb.  135  [1887]  p.  242.  fiavfj  nXavwusvov.  Auch  Euripides  Herakl.  870 
Zur  Quellenkunde  der  Paroemiographen  p.  301):  äsirä  fivv.äzai.  äs  Kfjgag  dvayaXäv  zag  Tag- 
insofern  hat  Laistner  (Bätsei  der  Sphinx  2  S.  zdgov  mag  hierher  gehören:  Herakles  ruft 
262)  gut  den  modernen  Bilwis-  oder  Bilmes-  durch  sein  rasendes  Beginnen  die  strafenden 
Schneider  verglichen.  Nun  vernichten  auch  Keren  aus  dem  Tartaros.  Ähnlich  heifst  bei 
die  Keren  die  Saat  nach  'Orpheus''  Lith.  269  Aesch.  Sept.  760  Zaov  zoz'  Olätnovv  ziov  zyjv 
Xvyyi,  av  ä'  sy.  izsäCov  gö&iov  dnösgys  £KÄa-  ä  gjza^dvägav  Kfjg  dq>sX6vza  jjüipas  die  zur 
£av  rjfiszsgov,  Kai  Krjgag  oaai  ozi%6a>vzai  Strafe  ins  Land  gesandte  Sphinx  die  „männer- 
sn  dygovg'  \  Kai  as  ydg  d&avdzatv  cpiXsst,  raubende  Ker".  Eine  Kritik  dieser  Lehren  bei 
voog  kzX.,  und  wie  ein  leiser  Nachhall  solchen  so  Eurip.  El.  1298  ff.  ntög  bvzs  &sä>  .  .  .  ovk 
Glaubens  wirkt  es,  wenn  Theophrast  de  caus.  rigKsadzrjv  Kfjgag  (isXd&goig;  |  JI.  poigav  dvdy- 
plant.  5,  10,  4  meint:  Kai  SKaezoi  xäv  zönwv  xtjs  fjysv  zb  %gsmv  \  <Poißov  %  deocpoi,  yXooearjg 
iäiug  s'%ovei  Kfjgag,  nämlich  für  die  Pflanzen.  svonai.  —  27.  So  wird  die  Ker  ganz  all- 
Wahrscheinlich  wufste  schon  Stesichoros  von  gemein  als  Unglücksdämon  gefafst,  wie 
bösem  Zauber,  den  die  Keren  auf  den  Äckern  schon  bei  Mimnermos.  Sie  steht  dann,  wie 
anrichten.  die   vrjXsÖTtoivog   bei  Hesiod,    im   Dienste   der 


IV.  Die  attische  Zeit. 


Mächte,  die  der  sittlichen  Weltordnung  warten 
und   für  Ausgleichung  von  Schuld   und  Strafe 


25.  Auch  bei  der  religiösen  Umwälzung,  die  Sorge  tragen:  denn  dafs  hierin  eine  Neu- 
sich im  sechsten  und  fünften  Jahrhundert  voll-  eo  Schöpfung  der  Attiker  zu  erkennen  sei,  wie  Vf. 
zog,  behaupten  die  Keren  ihren  Platz.  Demokrit.  früher  mit  Anderen  angenommen  hat  (a.  0. 
Stob.  Flor.  1,  40  (Fr.  Ph.  Gr.  1  p.  341  M.)  orä  S.  266a),  kann  nicht  mehr  als  wahrscheinlich 
öXiyag  Kfjgag  sv  za>  ßi'm  äiüesai,  cp&bvov  Kai  gelten.  In  Übereinstimmung  mit  solchen  Leh- 
ifjXov  y.al  ävßusvCrjv  .  .  .  TtoXXoiai  Kngai  zs  renbedeutet  Kfjg  bei  den  TragikernnichtnurTod, 
„    _.     ,  . ..          .,,  „,                    ,.      _ ,  sondern  auch  Unglück  und   Krankheit,  Fehler 

*)    Die     kühnen     Schlulstolgt-rungen,     die     Sdtwarts  T.       ■        -r17              „R,        ,,                    ->>>>/ 

(Prähütor.-anthropol.    Studien  211f.)  an   dieses  Wort   ge-  (ßwrtP-  Phoen.   9o0  *.sXaivav  Kqg     sn     o^ccaiv 

knüpft   hat   (nach   ihm   Laistner    a.   O.    205.    269),   hängen  ßaXoiV.    Aesch.  Ag.    206.    Soph.    Phllokt.  42.   1166 

also  in  der  Luft.  Kfjga  zdvä'   ftjrorpf vys iv.      Track.   133.  454). 


1147     Keren  (attische  Zeit;  Aristias) 


Keren  (attische  Zeit;  Kult)        1148 


28.  Doch  lassen  diese  Zeugnisse  kaum  ahnen, 
welche  Stelle  die  Kereu  im  attischen  Volks- 
glauben einnahmen.*)  Wichtiger  ist  die  That- 
sache,  dafs  Aristias  ein  Satyrdrarna  K^gsg 
schrieb.  Mit  einer  Mischung  von  Grauen  und 
Humor  müssen  die  Spukgestalten  von  ihm 
geschildert  sein**),  gleich  den  "Hgcoi  g  bei  den 
Komikern.  Die  Satyrn  werden  sich  mit  den 
Unholdiunen  eingelassen  haben,  wie  mit  Sphin- 


vvcicpctg  fifv  vu.iv  Krjgag  dvzidarx.  t%uv.  484 
™AiÖ7]v  vofii&ov  tzev&sqÖv,  xtjSog  niHgöv  (vgl. 
ron  Wilnmoivitz  S.  147).  —  29.  Auch  Pinto  de 
leg.  11  p.  937  D,  wo  man  gewöhnlich  das  Ap- 
pellativum  erkennt,  ziehe  ich  hierher:  nolläv 
de  uvzcov  xal  y.alwv  sv  z<o  tü)v  av&goincov  ßtoy 
zoig  nltiazoig  avzäv  oiov  Kf[gtg  £7Tin£q>vxa- 
aiv,  a'i  -nazccfiiaiv ovai  iE  xoi  y.axaggv- 
Tiociv qvgiv    avTtt.     Hai.   Si]    v.al    StHrj    ev  ccv~ 


gen  (Aesch.  Sphinx)   und   Lamien  (21/.   Mayer,  10  dgwitoig  näg  ov  xuXov  v.zl.    Parallelgestalten, 


Athen.  Mitt.  16,  300f.).  Die  bei  Athenaeus  15 
p.  686  (fr.  3  p.  727  N.)  citierten  Verse  avv- 
öitnvog  tj   trrntcujros  [iniKcouog  Dindorf,    kaum 


Abb.  ö)  Totenklage,  attische  Lekythos   (nach  Slonum.  8  T.  4.  5) 


richtig,  s.  Dion.  Chalk.  fr.  6,  1  f.J  r)  fia£u- 
ygezag  |  'AiSov  rgane^vg^  axgaztcc  vrjövv  t%(ov 
wird  man  freilich  eher  auf  Kerberos  oder 
Charon[vgl.  das  überlieferte  ixixionog]  beziehen 
müssen;  doch  könnten  auch  die  Krjgig  zu  den 
xvvsg  TQciTit gjjfs  ***)   des  Hades  gehören;    'At- 


wie  die  gespenstigen  Harpyien  und  Lamien, 
oder  die  Totenvögel  der  Aresinsel  {Apoll.  Bhod. 
189  ff.  Verg.  Aen.  3,  227.  Sero.  Am.  8,  300) 
besudeln  in  der  That  id  v.a\a  mit  ihrem 
Kot:  eine  Vorstellung,  die  schwerlich 
so  jung  ist,  wie  Bd.  1,  1844,  60  mit 
Jacobi  und  Vofs  angenommen  wird. 
Etwas  Ahnliches  scheint  Plato ,  doch 
wohl  aus  attischer  Überlieferung,  von 
den  Keren  gewufst  zu  haben. 

80.  Den  lebendigen  Glauben  des  atti- 
schen Volkes  lehrt  uns  aber  erst  dgr  Ku  1 1, 
die  Festsitte,  authentisch  kennen.  An 
das  attische  AnthesterienfeBt,  dessen 
letzten  Akt  ein  Opfer  für  den  chthoni- 
schen  Hermes  und  die  Seelen  der  Ver- 
storbenen bildete,  schlofs  sich,  gerade 
wie  an  die  Lemuralien  der  Römer  (Varro 
bei  Non.  p.  135)  ein  „Seelenaustreiben" 
an  [s.  jetzt  E.  Eohde,  Psyche  219].  Bei 
dieser  Ceremonie  (vgl.  Hymn.  Orph.  12, 
15  f.)  rief  man  den  als  gegenwärtig  ge- 
dachten Geistern  die  sprichwörtliche 
Formel  zu:  &vga^s,  Krjgsg,  ovv.  et' 
'Av&£ozi)qi.u  [die  Kägig  in  der  Vulgata 
der  Paroemiographen  sind  von  Demon 
eingeschwärzt,  s.  meine  Anal.  crit.  ad 
Puroemiogr.  p.  48  sq.  146].  *)  Didymos 
erklärt  das  treffend  bei  Phot.  1  p.  286 
Nb. :  cög  «ara  zrjv  nöliv  zoig  'Av&zazrj- 
gioig  zäv  Tpv%ü)v  7r£QisQ%o[iSvcov.  Un- 
verkennbar sind  die  A'ijpt  s  hier  die  ip  v  %  a  t, 
die  an  den  fiictgccl  j/iif'pat  (Phot.)  des 
mundus  patens  umgehenden  Seelen  der 
Verstorbenen.  —  31.  Das  ist  wirklich 
herrschender  Glaube  in  Athen  ge- 
wesen, wie  sich  —  abgesehn  von  den 
unten  zu  besprechenden  Parallelgestal- 
ten der  Erinyen  —  aus  dem  unzwei- 
deutigen Zeugnis  des  berufensten  Ver- 
treters attischer  Anschauungen,  des 
Aeschylus,  ergiebt.  Im  Epos  —  wahr- 
scheinlich auch  noch  bei  „Arktin"  —  wer- 
den die  «fjfjE  der  kämpfenden  Helden  ge- 
wogen; Aeschylus  in  der  ipvxoazaaia  (fr.  279  f. 
p.  88  N.")  setzte  dafür  die  ipvxui  Achills  und 
Memnons  ein,  nach  der  Ansicht  der  antiken 
Grammatiker  geradezu  durch  eine  falsche  Deu- 
tung'einer  Homerstelle  verleitet,    mit  der  die 


3ao  xvvig  nennt  sie  Apollonios  von  Rhodos  4, 

1666,  s.  unten  nr.  36.  Als  seine  Töchter  er-  ko  von  ihnen  grundsätzlich  beiseite  geschobene 
scheinen  sie  in  einer  schönen,  altertümlichen  Aethiopis  in  diesem  Punkte  übereingestimmt 
Stelle   des  Euripid 'es,  Herakl.  480  f.:    ry  zvxn 


*)  Vgl.  ron   Wilamouiilz,  Eurip.  Her.  2,  147. 
**)  Dafs   Tragödie  und  Satyrdrama  von  Festbräuchen 
des   Ahnenkultus    ausgegangen    8ind,    meine    ich   nach- 
weisen zu  können. 

***)  Oder  waren  sie  gar  umgekehrt  als   fiooa  gedacht? 
Vgl.  Porphyr.  Euaeb.  Praep.  ev.  3,  11,  IS,  unteu  nr.  r>S. 


*)  Meine  Ausführungen  in  der  A.E.,  die  im  ganzen 
wenig  Beachtung  gefunden  haben,  sind  angenommen  und 
weitergeführt  von  E.  Rolde  a.  O.  TU.  Koch  hat  die  Fassung 
Ijemons  unter  die  Komikerfragmente  (!)  eingereiht  (t.  3, 
fr.  548  p.  508)  und  polemisiert  p.  754  gegen  Didymus,  ohne 
über  diese  Fragen  orientiert  zu  sein;  sein  Einwand  ist 
oben  erledigt. 


1149 


Keren  (attische  Vasen*) 


Keren  (attische  Vasen) 


1150 


haben  wird.  Vgl.  Schal.  A.  11.  &  70  sv  ä' 
tti&si  Svo  ktjqs  . . ;]  ort  rüg  d'ccvavqtpÖQOvg 
[lOcgag  Xeyet'  6  äh  Alo-fyXog  vofiioccg  Ipyso&ttt 
rag  Tpv%ag,  inoirias  xr\v  Vv%oexaa£av  %rl.,  ähn- 
lich Schol.  BT.  zu  X  204.  Eustath.  p.  126(3,37. 
Plutarch  de  aud.  p*et.  2  p.  17  A.  In  der  Tnat 
wird  dem  Aeschylus  das  Sprachbewufstsein 
seiner  Zeit,  wie  es  in  dem  altattischen  Sprich- 
worte zu  Tage  tritt,  das  neue  wirksame  Bild 
des  Seelenwägens  an  die  Hand  gegeben  haben.*) 
32.  Wichtiger  noch  sind  die  lebendigen 
Zeugnisse,  die  uns  die  attische  Kleinkunst 
bietet.  Flatternde  kleine  Seelen-Keren  am  (im?) 
Grabhügel  neben  der  Schlange  des  ävägög 
äiiotp&LfiivoLo  zeigt  eine  zuletzt  von  P.  Wol- 
ters ,  Ath.  Mitt.  16,  379  besprochene  Leky- 
thos  (Abb.  5);  man  hat  in  ihnen  wohl  mit 
Recht  die  Seelen  verstorbener  Verwandten 
gesehn.  Der  Typus  entspricht  ziemlich  genau 
dem  auf  der  Kerostasie  archaischer  Vasen, 
s.  Abbildung  1.    Ähnliche  Lekythen  bei  Benn- 


l'hiloloijcnrers.  zu  Gera  1879  S.  115)  beschrie- 
benen Lekytbos  in  Jena  erkennen  dürfen: 
„Hermes  steht  vor  einem  Fal's;  aber  es  ist  kein 
Weinfafs,  denn  Seelen  flattern  an  der  Öffnung 
umher.  Sie  entströmen  derselben,  oder  stürzen 
sich  hinein  oder  klammern  sich  am  Rande  fest 
.  .  .  Das  Fafs  soll  -wohl  den  Eingang  der  Unter- 
welt bedeuten.  Davor  steht  Hermes,  nicht  nur 
mit    dem    -xriQvxiiov,    sondern    auch    mit    der 

o  odßdog  ...  Ob  die  Darstellung  des  Einganges 
derUnterweltdurchein  Fafs  absichtlicher  Humor 
ist  oder  nicht,  bleibt  unklar."  Man  wird  viel- 
leicht an  die  Sitte  erinnern  dürfen,  Gefäfse, 
oft  ohne  Boden,  auf  den  Grabern  anzubringen 
(s.  Abb.  5  und  dazu  P.  Wolters,  Ath.  Mitt. 
16,  386f.  Crusius,  Philol.  öl,  4,739);  auch  die 
grofsen  Dipylongefäfse  sind  Grabaufsätze  ge- 
wesen (MUchhöfer,  Ath.  Mitt.  5,  178,  Wolters 
a.  0.)*).  —    33.  Hiernach  haben  wir  das  Recht, 

:o  manche  nackte,  meist  geflügelte  Figuren  auf  den 
Kampfseenen  der  attischen   Vasenmalerei   als 


1           XI 

1         /■' 

BHJf                  / 

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S     if,    \\       9 

BpP^     Hi 

<r        ......                        -AV> 

Abb.  &)  Prothesis,  attische  Lekytbos  in  Wien  (nach  Benndorf,  gr.  u.  Sic.    Vasenb.  33). 


dorf,  Gr.  u.  sie.  Vasenb.  Taf.  14.  33:  kleine 
Flügelgestalten  neben  dem  Grabmal,  und  neben 
dem  auf  der  Bahre  liegenden  Toten,  s.  Abb.  6 
(B  33).  Für  die  Gebärde  der  Klage  vgl.  Tib.  1,  5, 
51  harte  volitent  animae  circum  sua  fata  querentes. 
Das  Gegenstück  zum  Seelenaustreiben,  das 
tyv%uy(ay£iv  durch  Hermes,  den  itQoyovog  der 
Wv%uye>yot  (Aesch.  Psych.  2TS  p.  87)  und  sei- 
nen geistermächtigen  Zauberstab  **)  (attischer 
Glaube  nach  Aristoph.  Av.  1555,  Plato  de 
leg.  10,909,  vgl.  das  römische  manes  elicere), 
werden  wir   auf  der  von  Gaedeehens  {Verh.  d. 

*)  Mau  könnte  auch  eine  Stelle  der  Theognidea ,  die 
Härtung  (Eteg.  1,  91)  dem  Solon  zugewiesen  hat,  hierher 
ziehen,  v.  207 f.  aV.ov  ö  ' ou  xatifiagyie  d'lxn'  &ävato;  ya(j 
avauSrfi  ngöa&sv  Iti'l  ^XetpaQoig  e&to  y.ißa  tpiqmv:  der 
Tod,  die  Seele  entführend,  ehe  die  Strafe  gekommen  ist. 
Aber  die  gewöhnliche  Erklärung  (der  Tod,  "Vernichtung 
bringend)  ist  möglieb  und  deshalb  vorzuziehen.  Vgl. 
aber  Kaibel,  Epigr.   Gr.  ex  lap.  coli.  415,  unten  nr.  ■14. 

**)  Die  fjüßdoi  macht'den  Hermes  nach  dem  Hymnus 
V.53Ö  uy.rjoioi ;  mau  ist  versucht  „fest  gegen  die  Ker"  zu 
übersetzen.  Hermes  ist  das  Prototyp  des  Opferpriesters 
und  Geisterbanners. 


Keren  zu  bezeichnen.  Das  schönste  Beispiel  ist 
wohl  das  zuletzt  von  P.  Hartwig ,  Journal  of 
Hellenic  studies  12  1891  340  feinsinnig  be- 
sprochene  Vasenfragment   Abb.  7  Sp.  1151/52. 

50  Ein  Krieger,  gewifs  ein  Heros,  ist  in  die  Kniee 
gebrochen;  auf  ihn  zu  flattert  ein  kleiner, 
nackter  Dämon  mit  mächtigen  Schwingen;  die 
rechte  Hand  hält  er  vor  den  geöffneten  Mund 
des  Verscheidenden,  die  linke  drückt  nach 
Hartwig  sein  Haupt  nieder,  was  mir  nicht 
ganz  sicher  scheint.  Schon  Klein  hat  in  der 
ersten  Ausgabe  des  Euphronios  S.  53  f.  das 
Richtige  geahnt,  ist  später  aber  durch  Ein- 
spruch von  archäologischer  Seite  (Kopp,  Arch. 

eo  Zeitung  1884  31  ff.)  daran  irre  geworden.  Die 
Seele  verläfst  durch  den  Mund  (wohl  auch 
durch  die  Augen)  den  menschlichen  Leib  (Bei- 
spiele bei  Crusius,  Unters,  zu  Herondas  S.  53  f. 
PJiein.  Mus.  46,  519):  in  diesem  Moment  sucht 

*)  [Erst  während  der  Korrektur  wird  mir  ein  Auf- 
satz von  0.  Kern,  ,,0?-pkischer  Totenkult"  (Aus  d.  Anomia  90  f.) 
zuganglich.  Die  Hypothese,  dafs  in  diesen  Vasengemälden 
orphische    Ideen    steckeu,    will    mir    nicht  einleuchten  ] 


1151  Keren  (attische  Vasen) 

sie  die  Flügelgestalt  zu  fassen.  Der  Maler 
hat  gewifs  die  epische  Ktjq  ftuvuroio  darstel- 
len wollen,  die  des  Helden  ipvxrj  mit  sich  fort- 
führt ins  Jenseits  (oben  nr.  3  f.).  —  34.  Ebenso 
richtig  hat  Robert  {Thematos,,  17)  auf  einer 
späteren  Darstellung  des  von  Athiopen  getra- 
genen Memnon  die  Ker  des  Epos  erkannt.  Die 
betreffende  Flügelfigur  mag  männlich  sein: 
das  ist  aber  bei  der  in  der  A.  E.  und  hier 
(vgl.  auch  Philo!.  50,  102 16)  entwickelten  Auf- 
fassung kein  Gegengrund.*)  Auch  auf  der 
Darstellung  vom  Tode  des  Priamos  und  Asty- 
anax  bei  Gerhard,  Auserl.  Yasenb.  Taf.  214  = 
Overbeck,  Gal.  her.  Bildw.  25,  23  wird  man  in 
dem  nackten  Figürchen,  das  auf  der  Volute 
des  Altars  hinter  dem  Haupte  des  Priamos  ba- 
lanciert, die  Ker  erblicken  dürfen.  Neoptole- 
mos  würgt  Priamos  mit  der  Linken  und  holt 
eben  mit  der  Rechten  zu  dem  tötenden 
Schlage  aus;  dem  entsprechend  erhebt  das 
nackte  Figürchen  die  rechte  Hand  gegen  das 
Haupt  des  Pri- 
amos, als 
wollte  sie  es 
niederdrücken. 
—  35.  Früher 
meinte  Vf.  vor 
allem'die  kleine 
Flügelfigur,  die 
auf  einer  Dar- 
stellung des 
Kampfes  zwi- 
schen Hera- 
kles und  Al- 
kyoneusauf den 
Giganten  los- 
stürmt, wie  um 

ihn  vollends  hinabzudrücken  (Tüchbein  3,  20. 
Miliin,  Gall.  Myth.  120,  459.  Ann.  d.  Inst.  5, 
tav.  D'  p.  310),  als  Ker  ansprechen  zu  sollen 
(A.  E.  2666).  Kopp  hat  a.  0.  42  unter  grofsem 
Beifall  für  Hypnos  plädiert;  dafs  mindestens  in 
diesem  einen  Falle  die  lebhafte  Bewegung  der 
Figur  seine  Auffassung  nicht  begünstigt,  scheint 
er  selbst  zu  empfinden.  Ich  halte  es  auch 
jetzt  noch  (mit  Hartwig  345  f.)  für  sehr  wahr- 
scheinlich, dafs  der  attische  Künstler  die  Ker 
darstellen  wollte.**) 

*)  Kopp  meint,  die  Darstellung  einer  Ker  müsse  der 
Beschreibung  des  Pausanias  oben  nr.  16  entsprechen 
{Arch.  Z.  42  1881  S.  42).  Der  Typus  des  Perseusschildes  und 
KypseloskaBtens  braucht  aber  nicht  der  einzigo  ge- 
wesen zu  sein. 
**)  Ob  die  Forderung,  dafs  die  Flügelgestalt  auf 
allen  Alkyoneusdarstellungen  einheitlich  zu  deuten  sei. 
aufrecht  zu  halten  ist?  Die  Figur  auf  dem  Kopfe  des 
Riesen  (Petersburger  Vase,  s.  Kopp  Sp.  42  Anm.)  lässt 
sich  gleichfalls  gut  als  Ker  auffassen,  vgl.  Theognis 
kein  Attiker?)  207  f.  frävaro?  yäp  äraidij:  tzq'g&ev 
ini  [SXewaQOL;  s~£ro  v.xX.  (a.  oben  nr.  31  *),  Eurip.  Phoen. 
150  y.rto  In  ußtua(JL  y.rl.  —  Manche  verwandte  Figuren  auf 
Vasen  anderer  Herkunft  (besonders  aus  Kyrene,  s.  Stud- 
niezka,  Kyrene  24)  habe  ich  mit  Absicht  aus  dem  Spiele 
gelassen,  da  es  noch  nicht  gelungen  ist,  für  ihre  Be- 
nennung in  der  Überlieferung  ähnliche  Anhaltspunkte 
nachzuweisen.  Sicher  ist  nur,  dafs  in  den  männlichen 
und  weiblichen  Flügeldämonen,  welche  die  Göttin  Kyrene 
umflattern  (a.  O.  S.  18,  Fig.  10),  Harpyien  und  Boreaden 
nicht  erblickt  werden  dürfen,  s.  Verf.  CentralMatt  1890 
1142.      Untersuchungen    zu   Herondas    143*.     Bemerkenswert 


Abb.  7)  Ker  über  einem  fallenden 

Krieger  (aus  dem  Journ.  o/  Hellen. 

stud.  12,  390). 


Keren  (die  Hellenisten ;  Apollonios  etc.)    1152 

V.  Die  Hellenisten. 
36.  Von  den  hellenistischen  Epikern  bietet 
Apollonios  von  Bhodos  den  interessantesten  St  off. 
Die  Apostrophe  4,  1485  Kdv&t,  ah  ä'  ovXofis- 
vai  Aißvv  svi  KfjQig  tXovro  zeigt  die  Keren 
unverkennbar  in  höchst  persönlicher  Auffas- 
sung. Das  bestätigt  sich  auch  sonst.  Die 
Hauptstelle  ist  4,  1665  ff.:  i'v&a  ä'  doiSfjaiv 
10  fitdiaoETO  [Medea  den  Talos],  fiiXits  St  Ä7J- 
pag  |  #»u  oßÖQOvg,  'ACSao  &oug  Kvvctg, 
al  7CSQI  Tcäaav  \  i]iga  §  ivevovaui  inl 
^moioiv  ayovzai.  Die  lebeuzehrenden  Keren, 
rHunde  des  Hades',  wie  die  Erinyen,  schwirren 
überall  in  der  Luft  umher  und  können  durch 
Zauber  auf  die  Menschen  gehetzt  werden  [so 
das  Schol.  richtig,  Merkels  Konjektur  ist  un- 
nütz]. Wie  ein  hellenistischer  Orpheotelest 
ruft  Medea  diese  Geister  rglg  fihv  doidaig, 
20  rg'ig  äe  litaig,  fasciniert  Talos  s%&oSoitoiaiv 
ö'fijxact  ....  Sit  S'  d'(är}Xa  äsixrjXa  (=  Krjgag, 
als  liSmXa?)  7iQotuXX£i>.  — 
37.  Dafs  hinter  dieser  Scene 
wirklich  die  Übung  helle- 
nistischen Glaubens  oder 
Aberglaubens  steht,  be- 
stätigen dieorphischen 
Hymnen,  deren  Bedeu- 
tung für  die  Religions- 
gesebichte  jener  Zeit 
betont  zu  haben  das 
grofse  Verdienst  B. 
Schöll's  ist  (Sat.  Saup- 
piana  176  ff.). 
Einige  Stellen  blei- 
ben innerhalb 
der  Grenzen 
des  alten  Epos, 
wie  verwandte 
Verse  der  for- 
phischen'  Ar- 
gonautica  und 
Lithica,  vgl. 
Hymn.  66  [As- 
fioXoig  Kazüyav  vylsiav  |  %a\ 
navav  vovaovg  ;xa'7.e7ro:§  &avdrOLO  r£  Kr/gag; 
88  [Ares],  17  ävay.£via>v  7iQoq>vyövzcc  y.6&ov 
KiiQag  tb  ßittiovg.  'Orph.'  Lith.  536  [542]  ff. 
rogyöva  ydg  IIsQoiji  .  .  .  Sa{ii)vca  |  nuQdivov 
50  ägyaXcrjr,  igtßcomda ,  -/.ijpo;  fisXaivav  I  av- 
&Q(ö7icov,  oiaiv  -/.iv  in'  dvögocpövco  ßdXtv  öofff. 
Argon.  1032  [1029]  s'x  ä'  hsXsPco  döXog  arvys- 
gög  y.ai  xrjQtg  cclövcu  \  Mrjdeirjg  vn  egeorog 
dyay.Xvrov  'Aipvgroio.  —  3S.  Wie  man  sich 
die  Keren  in  diesen  Kreisen  wirklich  noch  als 
lebendige,  umgehende  Geister  dachte,  zeigt 
besonders  die  schon  oben  nr.  24  angeführte 
und  mit  einem  Stesichoros-CitsA  kombinierte 
Stelle  der  Lithica  272  (269):  Kijgag,  oaui  ari- 
sto %6amzai    in'   äygovg.      Medea    hetzt    (indyn) 

ist  die  Zahl:  Fünf  weibliche  Gestalten  links  hinter  der 
Kyrene  (eine  zu  ergänzen),  drei  männliche  rechts  vor 
ihr  (Sludniczia  S.  25);  ob  das  den  fünf  Städten  (der'Penta- 
polis")  und  drei  Phylen  der  Kyrenaike  nur  zufällig  ent- 
spricht? Die  Flügeldämonen  strecken,  wie  bittend  oder 
empfangend ,  ihre  Hände  ans :  sind  es  die  Gaben  der 
Landesmutter,  die  sie  ihren  Schutzbefohlenen  austeilen 
sollen  ? 


klep.J,  4 


1153     Keren  (Ps.-Linos;  Apollonios)  Keren    Hellenisten;  Koroiboslegendej     1154 

diese   Dämonen    auf  ihr   Opfer:    so    berichtet  sie   noch   zu  gut  bei  Kräften  ist    und  sie  be- 

Plutarch    [d.  h.    Ephoros    oder    Theopompos,  zwingen  könnte. 

vgl.  39],  Lys.  17,  nach  hellenistischem  Glauben:  41.    In  derberer  Weise  verkörperte  diesen 

oi  tpgoviu.d>xaxoi  xösv  S7zagxiaxöiv  ..  äisfiagxv-  Gedanken    das    hochaltertümlicbe,    bei   Kalli- 

qovxo  xoig  scpogoig  o» orJio nofins lo&ai  nüv  machos    nachweisbare    Märchen    von   Koioibos 

xb    ägyvgwv    .  ■  .    nonsg    Kfigug    s  nay  cayi-  (Pausan.  1,  43,7),*;  der  eine  Ker  erlegte,  wie 

lio vg  [ein  Nachklang  bei  Synts.  Dion.  p.  38 F.,  Euthymos  einen  bösen  Heros  bezwang  [Bohde, 

unten  nr.  46],  und  eine  solche  Ceremonie,  dem  Psyche    180  f].      Psamathe    gebiert    ein    Kind 

attischen      '  Seelenauotreiben'       entsprechend,  von   Apollon,    setzt   es    aber    aus   Furcht    vor 

hat    wirklich    vor    Augen    der    Verfasser     des  10  ihrem  Vater    aus.      Der    Knabe    [Linus    nach 

12.  orphischen   Hymnus  'HgauXsovg,    wenn   er  Konon  19]  wird  von  Hunden  zerrissen  [,  Psa- 

den   Herakles    äXs£iv.uKog  V.  15  f.   bittet:    ||a-  mathe  nach  Konon  zum  Tode  verurteilt].  'JtioX- 

lacov  äs  xoxäg  üzag  v.Xctöov  iv  j;jpt  TiäMmv,  Xmv    äs    Agysioig    .  .  .  7tsu.nsi  üoivijv     xavxrjv 

Ttxnvoig  x'  ioßöXoi  g  Kfigag  %u\  snäg  cenö-  tois    notiSag    änb    zmv    u-rjzsgiav    (paolv 

nsa-ns    (Terminus    technicus;     vgl.    die    alte  agnäfcnv,    ig   b   Kogoißog   tg   %cigiv  'Agysioig 

Formel   Xxgiyy'  cmo^noyuTtsii ,   carm.  pop.  26  ipovsvsi    xfjv    Tloivqv.     yovtvoag    äs    {oi    yag 

3  p.  664  Byk.,  llesych.    änonojntslv    .  .  .    uito-  ävisi    acpäg    äsvxsga    snmsßovGu^vbaog  Xoitxai- 

Y.uftrigctodai;    vgl.    a.ir,uTisg,Tixai^    ÜTton6fi,7riiioi'  ö'wg)  Kogoißog    ixcov    j[X&sv    Ig  d sXcpovg   vcp- 

ai  änocpguÖsg  rjiisgai,  wie  die  fiiagal  in  Athen).  s^cov    dtuag    zä    9fä    zov    tpövov    xfjg    JloCvqg. 

Der   zum   Austreiben    der   bösen    Geister    be-  20  S.  Ovid  Ib.  573:  inque  tuos  ea  Pestis  eat,  quam 

nutzte   v.Xdäog   entspricht   genau   den    gußäoig,  dextra  Coroebi  |   Vicit,  u[jem  mistris  Argo- 

mit   denen   der   Priester   der  Demeter  Kidaria  licisque    tulit    (vgl.    Paus,    ig    %üqiv    'Agysioig 

xovg    vnoi&oviovg   Tratst.    (Pausan.  8,  15,   1);        _ww ).     Ausführlicher    in    direktem    An- 

wenn    die    Keren.  vom    'HgctuXrig    Kr^gaavvxrig  schlufs  an  Kallimachos:  Statins  Theb.  1,  562 ff.; 

(Lykophr.  663  mit  Sehol.)   mit  Pfeilen   verjagt  vgl.  G.  Knaack,  Anul.Alex.-B.om.   14 ff.   Höfer, 

werden  sollen,  denkt  sie  sich  der  Dichter  orten-  Konon  5  ff.     Dies   von   Apollon   gesandte   und 

bar  fliegend,  wie  die  stymphalischen  Vögpl,  die  von   der  Hand   des  Koroibos   erlegte  Scheusal 

sich   auch  in   anderer  Hinsicht   mit  ihnen  be-  heifst  Ker   in    dem    bei  Pausanias   benutzten 

rühren  (s.  oben  nr.  29).*)    —    39.  Als   gegen-  Epigramme  des  den  Mord  darstellenden  fivfjita 

wärtige  Geister,  die  durch  einen  xa&agfjiog  zu  30  (vgl.  die  Worte    iaxi  äs  MsyagsvGi  .  .  .  v.oivä 

vertreiben    sind,    kennt   die    Keren    auch    der  oficog  ovxu   zotg  'Agystcov,   Mifsverständnis   von 

hellenistische   Theurg,    der   sich  Linos  nennt,  V.  1),   Anth.  Pal.  7,  154:    sliil   äs   Ar/p    xvu- 

bei  Stobaeus  Floril.  5,  22   Kfjgag  aniooäfis-  ßov%o  s'  **)   b  äs  nxsivag  fis  Kogoißog'  ttsixai 

vog   7toX.vnrju.0vag ,    ai    zs  ßsßi]Xiav  \  6%7.ov  dt-  S    ää'  vrt    suoig  tiogg'i  äid  zginoäa  (Anspielung 

oiovßai  axaig  Tttg'indvxa  nsääßi    navxoiatg,  auf  die  Gründungslegende  von  Tripodiskos). — 

pogcpäv  laXhTtäv  dnazr^az'  s%ovgui  .  .  .  ovxog  42.  Das  anonyme  Epigramm  verrät  sich  durch 

ydg  as    xa&agubg    äv.r)giog  cöv  öoiioast,  1  si  seine  Stilisierung  als  Produkt  der  HcTlenisten- 

kev    äXTj&sirj    iitßijg    öXobv    ysvog    uvxütv.     Be-  zeit  (vgl.  den  gesuchten  Gegensatz  y.zsivag  — 

merkenswert   ist   die    sehr    allgemeine   Bedeu-  v.sizai);  es  könnte  von  Kallimachos  oder  viel- 

tung  des  Wortes,  unter  das  der  moralisierende  40  mehr   von  einem  Nachahmer  des  Kallimachos 

Poet  auch  die  vnävg  u.  ä.  einbegreift,  vgl.  oben  (Knaaclc  p.  26)  herrühren.    Kallimachos  selbst 

nr.  25.  mag  den  Ausdruck  Krjg  gebraucht  haben(/"r.  534 

40.  Ein  ungelöstes  Problem  (s.  Zuletzt  H.  de  etwa:    b  y.aväv   8aGnXr\xa  Kogoißog  |  ('Krjguy). 

la  Ville,  Apollon.  p.  237)    bietet   eine   andere  Statius   nennt  es   v.  597  f.   monstrum  infandis 

Apollonios- Stelle,    1,  <;89f.:  f\  (ilv   iyäv  (Po-  Acheronte   sub   imo    |    conceplum    Kumenidum 

lyxo)   si  v.ai  fis    xu   vvv    ixi  nscpgiiictüiv  \  Kr\-  thalamis   (vgl.  615);    es  hat  virginis  ora  pecto- 

gsg,   snsgxöfisvov   nov   biouai    sig    sxog    tfSrj    |  raque,  aber  aeternum  Stridens  a  vertice  suryit 

yaiav    icpsaasa&ai.      Weshalb    'fürchten'    die  et  ferrugineam   frontem  discriminat  unguis;  es 

Keren   die   alte  Polyxo?     Dübner   (bei  H.  de  pflegt  animas  a  stirpe  recentes    abripere  altri- 

la  Ville  a.  a.  0.)   erklärte:    'horrentem    ob  for-  50  cum   gremiis   morsaque  cruento  divesci  (vgl. 

mam  .  .  . ,  cf.  Plaut.  Epid.  Fastidium  Drei  .  . .'  Ki)gag  .  .  &vuoßbgovg  oben  36).  Wie  er  sie  trifft, 

Aber   das   wäre   eine   sonderbare  Selbstkritik:  lateri  duo  Corpora parvum  \  dependent  . .    Ferra- 

und  weshalb  sollte  es  im  nächsten  Jahre  anders  tique  ungues  tenero  sub  corde  tepeseunt  (vgl.  die 

werden   (H.   de   la  VÜle)1      Be   la  Tille  hat  nur  *j  Dieser  zu  Megara  begrabene  Koroibos  ist  mit  dem 

Verlegenheitsauskünfte     (soit    ä    cause    du    re-  eleischen  Olympioniken  (Paus.  5,  8,  6.  8,  26,  3)  ursprüng- 

SpCCt    .    ■  .  ,    SOit    danS     la    Crahlte    de    depetipler  Uch  Wal  identisch:   der  Bezwinger  der  Unholdin  kommt 

LemnoS),  die  sich  gegenseitig  aufheben.     ^Och  au8  der  Fremde,  wie  Oidipus,  und  ist  Olympionike,  wie 

Wir  sprechen  VOm  Todeskampf:    SO  haben  auch  Euthymos^  vielleicht   spricht   sich    das    in    den    Worten 

die    Alten    die     schlimme    Stunde    aufgefaßt  S  ^ine Solche T^  w^os^os  wixd  auch  die  «af- 

lhanatOS  und  Geras  müssen  im  Kample  mit  60  ,^vo..  gewesen  sein,  die  auf  dem  Grabmal  des  Midas 
Herakles  das  Feld  räumen,  und  Thanatos  atand  (s.  zuletzt  Preger,  Inscr.  Gr.  metr.  p.  lÄ8f.l.  Die;  be- 
wird von  Sisyphos  gar  gefesselt  (Bobertt  Tita-  kannten  Terse  -waren  in  zwei  griechische  Volksbücher 
natOS  S.  28  f.  V.  Wilamoivitz ,  Eurip.  Herakles  eingelegt,  in  die  Somerbiographie  und  (unter  dem  Kamen 
2,  174.  Hurtwiq,  Piniol.  50,  189).  Die  Keren  Kleobul»)  in  den  Novellencyklus  von  den  Sieben  Welsen. 
fürchten  also  die  PolyXO  als  Gegnerin,  weil  Damit  erklaren  sich  aüe  Schwierigkeiten  der  Überliefe 
J                          ö  ruBg,  denen  noch  17>ller  {Rh.  J/.  33,  o24)  und  Preger  (p.  196) 

*)  Manche    Herakles -Mythen    sind   Prototypa    dieser  ratlos  gegenüberstehen.    In  dem  verdienstlichen  Aufsatz 

Brauche  und  Anschauungen,    was  hier  nicht  weiter  ver-  von  Hiller   wird    manches   als   Schwindel  und   Fälschung 

folgt  werden  kann.  bezeichnet,  was  Dichtung  ist. 

Röscher,   Lexikon  der  gr.  u,  röm.  Mythol,    II.  3? 


1155   Keren  (d.  Hellenisten ;  Epigrammatiker)  Keren  (Hellenisten;  nach ehristl.  Epiker)    1156 

'.Harpyie'  mit  zwei  Opfern  Bd.  1  Sp.  1847).  nistischen  Prosa  liefern  keine  rechte  Ausbeute. 
Das  Bild,  dessen  einzelne  Züge  von  Statins  Erwähnt  sei  Theopomp.  fr.  77  (vol.  1  p.  291  M.): 
vergröbert  sein  mögen,  entspricht  im  ganzen  zooavzcti  Y.figsg  zcp  pico  nccgcms cpvxaoiv ,  cooze 
wirklich  der  Schilderung  in  der  Aanig  (oben  zbv  iv  zuig  fiajjats  9dvctzov  ctigszcözzgov  sivai 
nr.  15).  Die  Ker  ist  in  diesem  Märchen  ein  Sotcsiv  (aus  der  Rede  des  Silen):  xr/gfs  fast 
ha  lbm  enschliches  Wesen,  eine  Unholdin,  =  Trübsal,  Leiden,  im  Gegensatz  zum  gewalt- 
die  ein  rechter  Held  bezwingen  und  töten  samen  Tode  s  nr.  45.  Zur  Ergänzung  Plut.  Lys. 
kann,  wie  den  bösen  Heros  in  Temesa  oder  17,  oben  nr.  38.  Philon.  V.  31.  3  vol.  2  p.  158 M. 
den  Pestbringer  bei  Philostratos,  Apullon.  4,  10.  unag  ftr)  Tigoüciipctizo  (das  irdische  Feuer)  xov 
43.  Die  hellenistischen  Epiker  und  Elegiker,  10  ßcoiiov,  diu  zb  iivgiag  iocog  d.vuiibLidx&ai  xrigag, 
bis  herunter  zu  ihren  Nachahmern  in  nach-  worunter  hingemordete  Menschen  und  Tiere 
christlicher  Zeit,  verwenden  im  übrigen  eklek-  verstandeu  werden;  vgl.  p.  167  Y.rjgctirovoi 
tisch  die  vorhandenen  Elemente ;  solche  Stellen  %al  Sva&avazovai.  Dion.  Hai.  Ant.  R.  2, 
brauchen  hier  nicht  vollständig  aufgezählt  zu  2,  3  ngootivcti  äs  zivctg  ixiiozy  (der  Staats- 
werden. Sehr  gewöhnlich  ist  der  appellativische  formen)  xijpag  av Licpvzovg  (vgl.  nr.25).  8,01: 
Gebrauch  = 'Tod',  'Gift',  z.B.  Lykophr.  iynv-  ixetvtp  zavzag  b  öctiiiiov  zag  ctgezdg  %uQiadi- 
v.cooctr  xvjpo:  von  Kirke,  ■jzctxgbg  y.ijgct  iLttczevcov  itsvog  ezegctg ovv.  Evzv%£tg  Kijgctg  z£  xctt  etzetg 
cpövov  1120,  ähnlich  909.  1294;  czivd^cov  -nfjQccg  TtQoofjipt.  Plut.  De  frat.  am.  12  p.  484D: 
807;  vgl.  289.  Nikander  ther.  192  bcpiog  x?/pi-  ai  zv%ui  cpftövovg  iinzoiovacti  xai  £t[Xozvnictg, 
zgöcpov,  nach  dem  Sdwl.  =  frctvazozgöcpoi',  20  aia^ioza  voar'jiiaza  xai  Ki]gctg  ovv.  oiv.iaig 
oepicov  iniXccißecL  xijpa,  ther.  35.  411.  Alex.  536,  fiövov  cXXct  xai  noXiaiv  oXs&giovg.  Anton.  2 
väazi  xijpas  üXv^ctg,  ther.  540.  699.  862  (nicht  'Avzcavico  <?t  ...  z)]v  Kovgicovog  cpiXictv  xai 
bei  Kallimachos,  Theokrit,  Herondas,  was  be-  ovvr'i&tictv,  coensg  zivä  KrJQu,  Tcgocntoslv 
merkenswert  ist;  Schneiders  v.r]gi  für  nvgi  Xiyovai  (persönlich  empfunden;.  Synes.  Dion. 
Hymn.  4,  201,  ist  unnütz).  —  44.  Seltener  ist  p.  38  _P.  zovg  ein'  etvzcöv  ä'S,io%vzi  nciorjg  sXctv- 
die  Bedeutung  = 'Schicksal',  'Leben',  'Seele',  vso&eti  yfjg  xai  fraXäzzrjg,  mg  uvzag  Ki)getg 
aber  sie  findet  sich  bei  wichtigen  Zeugen  nöXicav  v.zX.,  an  das  Austreiben  der  Keren  oben 
volkstümlicher  Sprache.  Inscript.  Graec.  ex  nr.  38  anklingend.  An  diesen  Stellen  tritt 
lap.  coli.  603  p.  244  Kaib.  Evzvxovg  aiü^eov  die  Beziehung  auf  den  (gewaltsamen)  Tod 
xijpa  iiLvvv&ciöiov ,  415  p.  165  fi'xofft  xai  evi  30  ganz  zurück;  man  könnte  etwa  „böser  Geist" 
nfjQa  v.azce^ßsod'sig  [  =  dvixbv  äirorpih'ftfi'os  übersetzen, 
nach  Kaibelj  iviavzä.    Die  Gegensätze  bleiben 

immer  lebendig  (s.  nr.  53)  und  müssen  irgend-  VI.  Die  nachchristlichen  Epiker, 

wie  vermittelt  werden.  -  45.  Bemerkenswert  Qnintns  von  Smyrna, 

ist    sonst    etwa    Theodor.    Anill.   Pal.    7,  439:  47.   Bei  Konnos   und  seinen  Schülern  tritt 

ovzoj  di)  TLvXiov  zbv  'Ayr)vogog,  et-xgizs  Moigct  Name    und    Sache   wenig   hervor   (z.  B.  Dion. 

7ZQcoiov    I5     ijßctg    i'&gioctg    AioXicov,    \    Kfjgctg  32,  195  fSgctfiE  .  ..  K>jqcc  cpvycav).    Nur  Quintus 

smeotvGixoa  ßiov  Kvvetg  [schwerlich  'AtSov  nach  von  Smyrna   macht    eine    Ausnahme.     Allego- 

Apoll.  Bh.  u.  A.,  s.  Sp.  1146,  4]:  die  Keren  als  rische  Figuren  und  niedere  Dämonen   spielen 

Meute  der  Moira,  wie  die  Erinyen,  s.  nr.  26.  40  in    seinen    barock,    fast    römisch    stilisierten 

Diod.  Anth.  Pal.   7,   700:  ovzi   (i'   etvr)g,  o  Xa-  Schilderungen    überhaupt    eine    grofse    Rolle, 

yovai,  ■Huzsy.zctvsv  .  .  .,   äXXei  fis  Kr)gsg  ayovai  keine   aber,   auch   die  Moiren  nicht,    eine  be- 

(ispoQiievai:    die   vorbestimmten  Keren   ge-  deutendere,   als   die   Keren.     Diese  Thatsache 

radezu  im  Gegensatz  zum    gewaltsamen  ist  wenig  beachtet  und  verdient  hier  genauer 

Tode.  Arehias  Mityl.  ebd.  9,  111  baovg  alcova  behandelt  zu  werden.  —  48.  In  eiaigen  Fällen 

Xtnovzug  \   ungoiSiig    KtjqcZv    Xcizgig    siiagipi  kann  man  xi)p  als  Appellativ  auffassen,   z.  B. 

Mogog:    der  Tod    als   Diener    der   Keren,  1,  307  cpövov  r.al  xfjq    izi&tvzu.    10,  262  iiögov 

die   wiederum   nicht   selbst  mit  ihm  identisch  xki  x/;eo;s  aXv^cti.    In  weitaus  den  meisten  ist 

sind,  sondern  als  Schicksalsgöttinneu  aufgefafst  das  Wort  aber  entschieden  persönlich  gedacht, 

werden  müssen.    Antip.  ebd.  9,  269  .  .  .  ov  vs-  50  Vgl.  1,  309  f.   tieql  di   ocpLoi  Kijgig  |  Xi vyaXiai 

fnatjzov,    |   r)v    yao    vtiIq  ^pvxfjg'    <*XX'   iiiiXrias  azgcocpmvzo,   cpövov  ozovöevza  cpigovaai-,  neben 

Aiv.n.  |  vr\itv    b   fiiv,   zbv   S'  slXs  xvwv  äiöj'  Thanatos  und  Kj-doimos.    11,  llf.  üficp'  avzjjoi 

'ij  7cavaXdozcog  |   Krjgcöv    ovo'  vygco  navszai   iv  (den  Erinyen,  Eris  uud  En3'o)  §i  Krjgtg  dvai- 

nsXciysi:    hier   sind  die   Keren  wieder  Voll-  Sicx  ftvfiöv  ä'%ovcca  ]  ügyctXicog  lmxivovzo;   hier 
streckerinnen    der    Strafe;    Dike    selbst       und  öfter,  z.  ß.  5,  341'.,  wohl  unter  hesiodischem 

scheint,  wie  vielleicht  bei  Plato  (oben  nr.  14),  Einfiufs.     6,  427:  aoi  ay%i  ndgiozuzcti  ovXoy.ivri 

zu  ihnen  gezählt  zu  werden.*)     In  den  Beginn  Ä'jjp     TgcoCov  tu    ntöiov.    9,  190:    sXsv  äs  iiiv 

der    Hellenistenzeit    würde   endlich    wohl    die  ovXofiivrj  Kiqg.     11,449:    iztii-ys  yüg   ovXoiiivr] 

interessante    kyprische    Inschrift    D.-Coll.    68  Ki]g  |  »ai  Kvngig.     12,  473:  neönas  ydg   ovXo- 
(=  Hoffmann,   Dial.  1    p.  76f.)  gehören,   auf  60  fisvi]   Kr/g  |  xal  dtög   (vgl.    Ps.-Linos   nr.  39). 

der  Ahrens  (kl.  Sehr.  1,  267.  272)  das  epische  A'ryp  10,  428:  cos  fi'  bcptXov  zoze  Kfjgig  üvngstyavxa 

erkennen  wollte;  möglich  wäre  z.B.  äXX'  t'zvx'  uiXuivcti.     10,  304:    xa-xtig    K7rö   Kijgag    i'gvxt, 

ü  Kr\g  |  &scö  Kvfisgijvai  neivza  {Ki)g  =  Mo  iget):  vgl.   13,  154.      1,   172:    Xvyga'i   öe  (iiv  cözgvvs- 

doch   bleibt  Lesung   und    Erklärung   unsicher.  bkov  |  Kf]gsg  (die  Penthesilea),  ähnlich  1,  651. 

46.    Die    spärlichen    Reste    der   frühhelle-  2,  483.    8,  73.  1,  193  f.:  xaxa   noXXct  zizXrjKu  j 

*)  Die  sonst  angestrebte  clironologisehe  Ordnung  ist  taiäcOVoUv^VmP,    Ovg    flOl    Ttlgl   Ki)glg    i^ctQ- 

bei  diesen  Stellen  aufser  acht  gelassen,  da  ihre  Verfasser  ^""i,,  ähnlich   8,   192.     11,39.     1,204:     v.ctl    zo 

meist  mit  Keminiscenzeu  arbeiten.  (IE*  cög  IjjllXXoV    .  .   Ä;;pJS    VTtEHTSXs f I V.     13,    177: 


1157      Keren  (Quintus  von  Smyrna)  Keren  (christl.  Schriftsteller;  Byzantin.)  1158 

Kfjgsg  yäg  oi  rtgosrjxav  oXs&gov.    1,591:  öcpga  auch  eine  gute  tritt.     Achilleus  und  Mernnon 

as  Kfjgsg   djisiXixoi-   ü(icpt,%£a>vTca,    vgl.  5,  611  kämpfen   mit  einander;    die  Sympathieen    der 

K.'a.    d[i.<pt.%uvwaiv.     2,   13.    172:    Kfjgsg   ydg  Olympier  sind  geteilt,  2,  507tf. :  ual  vv  %s  Sri 

tt(LttXi%oi  eial  y.ul  f)fitv;  vgl.  14,  235.    7,  614f.:  fiayidgsGGtv  dpsiXixog  s'firtsGS   dfjgig,  |  si  (ii)  Vit' 

yflQag  ..  Kfjgsg  r    syyvg  sugi  ...    7,  127:  Kfj-  svvsGLrjGi    zii.bg    asyaXoßgsfiszao    |    Öoiai    ag' 

gag  äXsvöfisvot  ßzvysgdg;  vgl.   10,  37.    8,  139:  d(iq>ozsgoiGi  &swv  sndzsgirs  itagsGzov    510  Kfj- 

r]   as   itgbg  "Alba  Kfjgsg   äusiXixzoi    cpogsovatv.  gsg'   s  gs  fivaijj  psv   sßrj  itozX  Mifivovog  ijzog 

10,  330:  kslvov  ditocp&iasvoio  Kai  avzfj  |  Kfjgsg  [vgl.  11,  105],  |  cpaiägfj  8'  datp'  'AxiXfja  Sat- 
sitsGdai  (der  Oinone).  6,  498 f.:  dXX'  6zs  <Jr/  cpgovcf  zoi  o  soiSovzsg  [  d&dvazoi  asy'  av- 
adXa  itoXXoi  svsitXrjGavzo  KsXawag  \  Kfjgag  äv  10  aav  .  .  .  |  "Hgcosg  d'  tu.d%ovzo  .  .  .,  j  515  .  .  ov 
aifiazösvza  .  .  Kvöoifiov:  die  Gefallenen  als  ös  zi  Kfjgag  sitoixofisvag  svorjaav.  Dadurch, 
Nahrung  der  Keren.  Besonders  glänzend  1,  335,  dafs  dem  Achill  eine  'lichte  Ker'  zur  Seite 
wo  die  losstürmende  Penthesilea  mit  der  steht  (vgl.  die  'Egivvsg  fxsXatvai  und  XsvnaC, 
Ker  verglichen  wird :  335  ..'Agysioioi  jisya  qpgo-  Paus.  8,  34,  1),  ist  die  Entscheidung  gegeben; 
vsova'  svögovas  |  Krjgi  ßhjv  elnvEoc  noXvv  wenn  später  (540f.)  Eris  auch  noch  die  Schick- 
ä'  vnsddfivazo  Xuov  (vgl.  2,  266.  10,  251  dvrj-  salswage  zur  Hand  nimmt,  so  wirkt  ein  be- 
Xs'C  Krjgi  öajisvzsg).  —  49.  Soweit  sind  alt-  riihmtes  altes  Vorbild  störend  nach  (oben 
bekannte  epische  Phrasen  gebraucht  oder  ent-  nr.  19),  von  dem  sich  Quintus  nicht  ganz  frei 
wickelt.  Besonders  hervorzuheben  sind  folgende  gemacht  hatte.  Jedenfalls  sind  hier  die  Keren 
Stellen:  8,  109f.  Kanug  siti  Kfjgag  i'aXXs  |  öva-  20  Schicksalsgöttinnen,  die  teils  freund- 
fASVsoiv:  an  siziitsuitsiv,  sitdysiv  erinnernd,  lieh,  teils  feindlich  ins  Menschenleben 
oben  nr.  36f.  8,  324f.  v.s%dgovzo  ös  Kfjgsg    Kai  eingreifen,  wie  die  Moiren. 

Mögog   (vgl.   das   nr.  45  angeführte  Epigramm  So   gewinnen   die    Keren   am  Ausgang    der 

des  Archias).    Ahnlich  9,  145.  11,  151.  13,  126:  antiken    Litteratur    eine   Bedeutung,    wie    sie 

Xvygai  |  Kftgsg  ötjtipoög  sitsyfj&sov  öXXvjiivoiaiv.  kaum    ein    älterer    Gewährsmann     ihnen    zu- 

11,  105:  ovvs/.a  Kfjgsg  bfiäg  tpogiovzo  ßsXsavio  spricht.  Man  könnte  an  den  Binflufs  römischer 
Kaigiov  sig  Kgcdirjv.  Die  Keren  —  doch  wohl  Fata  und  Genii  denken.  Aber  es  wird  dem 
fliegend  vorgestellt,  wie  3,  43  —  dringen  mit  Leser  nicht  entgangen  sein,  dafs  alle  bei  Quin- 
dem  Geschofs  dem  Feinde  ins  Herz,  wie  tus  nachweisbaren  Eigenschaften  vereinzelt 
Eros  Anacreont.  12,  15.  Ahnlich  1,  273  uns-  30  schon  früher  auftreten.  Quintus  hat  sie  wie  in 
nXdyi&rj    ydg   6'iazbg   |    aXXy ,    oit-ij    [iiv   Kf/gsg  einem  Brennspiegel  gesammelt. 

dasCXixoi  i&vvsoKov.    sie  lenken  das  Geschofs 

vom  Ziele  ab.  —  50.   Doch  wirken  hier  die  VU.  Christliche  Schriftsteller.    Byzantiner. 

Keren    immerhin    noch    in    der   gewöhnlichen  52.  Wenn  die  Apologeten  mit  den  übrigen 

epischen  Weise  auf  dem  Schlachtfelde.     Aber  heidnischen  Dämonenscharen    auch  die   Keren 

sie    greifen    weiter    aus;     sie   verblenden    den  entlarven,    so    beweist    das    noch    nichts    für 

Menschen   und    spotten    seiner,    wie   Ate    und  ein  wirkliches  Fortleben  des  Begriffes,  s.  z.  B. 

Erinys,  wenn  die  Strafe  kommt.     Vgl.  3,  43  ff.  Clem.  Alex.  Protr.  64 C   ovös   fifjv  Kfjgag   oüdt 

o  ö'  dg'  ovzi  &sov  zgsasv  daßgozov  avöfjV  Eifiagfisvrjv  oii<Jt  Moi'gag  &sdg  ivölKcag  sgsizs. 
fjSij  yäg  oi  Kfjgsg  dfistXixot   d ficpsitottä vzo.  40  Ganz  lebendig   ist   der  Ausdruck  aber  an  den 

Die  Troer  gehn   3,   14f.  ins  Verderben,  otSj/tx'  andern  Stellen,   z.  B.    Clem.  Alex.  Protr.   62 C 

dga  Gfpt    |    Kfjgsg    sjii  ozsgvoiGt  ftgaGog  ßdXov,  dyvoia    alzia     fjSrj    y.azaGKSvaG&stGa    tw    rdtv 

und   nehmen    12,  523    den   Feind   auf,    Kijgsg  äv&gcÖTCaiv  ysvsi  Krjgäv  6Xs9giojv  nal  släciXmv 

ydg  nä-vzbiv  vaov  sxßaXov.   Böse  Keren  bringen  tJiiGzvyäv    .  .    htjXISu  xoig  sitopsvoig  aury  iv- 

alles  Unheil,  5,  535f.   zu  äh  itdvza  xaxai  dtd  aasfia^azo  &avdzov    fiaxgov.   —    53.   Aber  das 

Kfjgsg  iisvav.    5, ,601  f.   ag    üga  Kfjgsg  dvrjXsa  Wort  wurde  in  dieser  Spätzeit  auch  noch  formell 

ftvfiöv  s'xovaai  [  fjfi.iv  aiipa  ßdXovzo  Ivygä  sni  weiter  entwickelt,  kann  also  nicht  anfser  Kurs 

nsv&s'c  izsv&og.     10,  386  f.  dyov   ös   jis  Kfjgsg  gesetzt  sein.    Vgl.  TheopMl.  Corydall.  bei  Fabr. 

d<fvv.zoi  |  sig  'EXivijV,  klagt  der  reuige  Paris  Bibl.  Gr.  13  p.  723  /lovog  <ai'  xr'igag  vnsgrsgog 
vor  Oinone.    8,   10  ff.  dXXd  oi  sXTCcogi]  fisv  s'tjv  50  zmv   aXXcov    dndvzmv    snmfjgiov    bvzwv    (nach- 

svaXiywog    avgy    \    fnaipiäCy     Kfjgsg    dt    pdXa  gewiesen  von  liuhnken,  zu  Tim.  Lexik,  p.  18). 

6%sSbv  SGzrjV-vlai  |  noXXbv  HayxaXdaoKov  szoioia  Nil.  Episc.  sent.  246   (=   Op.  seilt,  p.  352   Or.) 

fitjzioavzL.    Kassandra  ruft  12,  646f. :   dXXd  fioi  dnsiga  zd  -nttzagvnaLvovza  zfjv  i\>v%tjv  xaxd  ansg 

ov  7LSL&SG&    .  .,  |  ovvsk     Egtvv  v  sg  uuga  ya-  sy.vl\paG&ui    ...    navzsXfäg    ovh    svsoztv    dno- 

fiov  xsxoXa>{isvai  aivoi  |  dfitp  'EXsvrjg  Kai  Kfj-  Xsinovzai    ydg    ...    navzX   &vrjtcö    nrjQUi'    Xco- 

gsg  dfisiXixot.  diGGOvai  j  Ttdvxrj  dvd  nzoXCs&gov:  cpfjGai  fisv  ydg  sinbg,  avaigs&fjvuL  äs    sig  dna% 

sie   sieht  die  Geister  leibhaft  durch  die  Stadt  dfifjxavov.    'Tim.'  lex.  Plat.  p.  18 B.  dxsgaLof 

schweben.    —    51.    Aber    auch    Eigenschaften  oi    s^o>   Hr'igug,   ähnlich   Suid.   Hesych.    Hr'igag' 

der  Moira  werden  der  Ker  beigelegt:  Dem  dKaftagaiag  (kaum  zu  ändern).  Apollon.  de  Pron. 
vnsgpogov  entspricht  xmsg  Kfjgag;  die  Keren  60  403,  oben  nr.  23.    Mit  vollem  Rechte  erkannte 

'spinnen'  selbst  das  Schicksal,   7,  289 f.  ov  ydg  also  liuhnken  a.  0.    eine   jüngere   Form   v.fjga 

vTtsg  Kfjgag  zig  vit'  "Agsi  ädftvazai  ävfjg'   \   si  =   Y.fjg    'Fehler',    'Tod',    die    Orelli,    Sindorf 

äs  fioi  ai'Gtptov  sgzi  Safj^isvai;  vgl.  11,  290  fifj  u.  a.    bei  jüngeren  Schriftstellern  nicht  hätten 

■Aal   vitsg  Kfjgdg   fn.iv   shj  &sög.     13,  234 f.    zb  beanstanden    dürfen;   in    das   Alkmanfragment 

asv  rtov  |  Kfjgsg  S7tsy.X(aaavzo.  Vgl.  dazu  die  ver-  (oben  nr.  23)  mag  sie  durch  einen  Byzantiner 

wandten  Hesiodstellen  oben  nr.  14.  15.    Es  kann  eingesetzt   sein.     Die  Gegenprobe  ermöglichen 

also  nicht  wunder  nehmen,  dafs  neben  die  böse  folgende   Zeugnisse  (nach   Du   Gange   p.  628): 

oder  finstere  (azvysgfj,    igsuvr),   (isXaiva)  Ker  Zacliar.  Pap.,  Obersetzung  von  Greg.  M.  Dial. 

37* 


1159     Keren   (Deutung;  moderne  Ansichten)  Keren  (Deutung;  die  alten  Theologen)    1160 

3,  18  ääiXcpös  xig   .  .   yvncicog  jioi  ovvavaazgi-  gang    ist    ohne    rechte    Nachfolge    geblieben. 

cpiiptvog  ..,  öozig   xi\v   ifirjv  xr)gav   hnegs-  Und    doch    führt   halbverschollene   alte  Über- 
jiaivsv,    rni    Urtext   des    Gregorius    M.:    qui       lieferung  selbst  nach  dieser  Richtung,  freilich 

nie    antäte    praeibat.     Ebenso    4,    49.     Arsen.  auf  ein  Ziel  zu,    das   Grimm   noch   nicht  im 

Synops.  p.  770.     Eine   itacistisehe  Nebenform  Auge  hatte. 

xsiQct   citiert  Hu   Gange  aus  einem  Cod.  Canon.  öti.     Die    griechischen     Grammatiker    und 

eccl.   Afric.  76:    ..    oi   inloxonoi    oi'xivcg    oiixs  Lexikographen  pflegen  durchweg  xö  xftg  durch 

HEipo:  (aetute)  oiixi  aa&ivcta  ovzs  Zivi  ßagvxega  ipv%ri  zu  erklären  (vgl.  Hes.  Said.  Hellad.  Phot. 

aväyxn    tunoöi&vxai  (vgl.    Canon.    126.    131),  Bibl.  279  p.  532a.  29  u.  s.  w.):  nicht  ohne  Grund, 

auch  verzeichnet  sie  aus  uyzantinischer  Quelle  10  da  dies  Wort,   anders  als  xagdia,  fast  durch- 

(vgl.  Cyrill.  63)  Hesych.  2  p.  455   (xtiga,  Cyr.  weg   übertragen   gebraucht    wird  für   'Sinn', 

richtiger  xtiga);  docü  ist  sie  weniger  gut  be-  'Gefühl',    'Seele';     doch    wird    auch    xgaöüj- 

legt.     Offenbar  sind  diese  Zeugnisse  mit  jeuen  xagäia   vereinzelt   ebenso   verwandt,    vgl.  So- 

hellenistischen     zusammenzustellen,     wo     xr)g  phokl.  Ant.    1105.     Eurip.  HcraM.    833    (dazu 

'Leben',    'Lebenszeit"    bedeutet    (xriga   fiivvv-  e.  Wilamovj ii« 2  p.  204)  und  besonders  Meleay. 

V-ctöuv  oben  nr.  44).     Auch  in  dieser  Spätzeit  Anth.  Pal.  12,  147    ßaivs    tiäXiv    .  .  .    xgaöin. 

also  hat  das  Wort,  so  völlig  es  seinen  mythi-  Analer,  29  p.  314  Byk. :  xgaduj  $1  givög  üxgig  \ 

sehen  Gehalt  eingebüfst  hat,  noch  jene  rätsei-  ävsßcavs   (d.  h.    mihi  anima   in  naso   esse,   s. 

hatte  Doppelfunktion ,  auf  die  wir  wiederholt  Wochenschr.    f.   kl.  Philo!.    1891    432).      Man 

hingewiesen    haben   und    die   unsere   Deutung  20  fufste  also  das  Wort  gern  abstrakt  auf,  ohne 

auch  erklären  mufs,  wenn  sie  befriedigen  soll.  die   physische  Bedeutung    mit    zu    empfinden: 

sehr  begreiflich,  da  ursprünglich  die  Bewegung, 

B.    Zur  Deutung.    Parallelen  und  Ana-  das  zuckende  Leben   damit  bezeichnet  wurde, 

logieen.  (Jas  man  jn  ,jem  pochenden  Muskel  verspürte. 

54.  Die  bisherigen  Deutungen  zerfallen  in  Das  Herz  gilt  als  Sitz  des  Geistes,  auch  des 
zwei  Gruppen.  Entweder  das  Appellativum  ^yifiovixöv,  nicht  nur  bei  den  Römern,  sondern 
'Tod'  ist  das  prius  und  wird,  wie  Eris  und  auch  bei  den  Griechen,  beim  Volke  (Crusius, 
Kydoiinos,  durch  poetischePer.-onifikation,  wohl  Fleck.  Jahrbb.  1889,  654),  wie  bei  den  Philo- 
erst  durch  den  Dichter  des  Achilleusschildes,  sophen  (Hirzel,  Unters,  s.  Cic.  2,  136.  152. 
zur  mythologischen  Figur  erhoben.  Hierher  30  titein,  Psych,  d.  Stoa  1,  135).  —  57.  Die  herr- 
gehört  vor  allem  1  Yelcker's ,  noch  von  Cur-  sehende,  an  Homer  gebildete  Grammatiker- 
tius,  Grunds,  d.  Etym.  53  S.  147  u.  Laistner,  Büts.  schule  pflegte  nun  freilich  xö  xrig  und  i)  Äijg 
(2,  53.  431)  gebilligte  Herleitung  von  xsigio;  zu  trennen.  Vgl.  die  Polemik  gegen  Äscliylus 
y.i\q  soll  „den  Akt,  sozusagen  den  Treff  des  oben  nr.  31.  Hesych.  KHP'  7tsgia7noy.£vov  Kai 
Todes",  bezeichnen  (Welcher,  Gr.  Gölterlehre  oväszigwg  Xtyöfitvov  ij  ipv%rj'  ö^vxorov^Livov 
1,  708 f.)  Ähnlich  die  meisten  anderen,  wie  äi  Mai  &riXvxü>g  ixqxgö/xivov  r/  ftavaxrjcpogog 
Gerhard,  Mythol  §  575,  Nägelsbach  a.O.,  Niese,  noiga,  i)  &dvazog.  Etym.  M.  p.  511  Äi,p,  ntgi- 
zuletzt  ü.  H.  Meyer  (S.  275f.),  der  „Todes-  entafiivwg  oijuaivBi  xi[V  Thvyi\v ,  yivovg  ovde- 
augenblick"  übersetzt  und  meint,  dafs  das  zsgov  yCvszav  (ycig)  nagä  xö  xiag,  o  Sj\Xoi  av- 
Wort  die  Entwickelung  vom  Appellativ  zur  io  zr\v  xr\v  ipvprv  ...Ä";Jd,  ö^vzövag,  yi vovg&riXvxoö, 
allegorischen  Fjgur  in  den  von  ihm  glücklich  xcti  ayfiaivti  zrtv  &avaxrj(p6gor  jioCgav.  Herod. 
geschiedenen  'Stilen'  „vor  unsern  Augen  11.  Br.  zu  J  46  7te<h  x/jpi'  xö  xijgi  ovösxtgov 
durchmache".  Diese  auf  den  ersten  Blick  öxav  ?/,  ropoirEpicjrärat ■  ix  yäg  xov  xiag 
sehr  emleuchtende  Autfassung  wird  den  Ober-  BvvriXiiTtxuf  ozav  öi  9i]Xvxöv  y,  6$vvtzai. 
lieferuugsthatsachen  nicht  gerecht;  sie  mufs  Die  Begründung  des  Accentes  beweist,  dals 
zahlreiche  Züge ,  die  schon  im  alten  Epos  wir  es  nicht  mit  der  Aufnahme  einer  sprach- 
nachweisbar  sind  und  später  immer  ener-  liehen  Thatsache,  sondern  mit  einer  Theorie 
gischer  hervortreten,  als  sekundäre,  eigentlich  zu  thun  haben,  und  zwar  mit  einer  falschen, 
sinnlose  Interpolationen  beiseite  schieben.  da  die   alte  Form   xf,g   sicher   nicht  aus  xsag 

55.  Umgekehrt  ist  es  auch  denisbar,  dafs  60  entstanden  ist  (Curtius,  Grunde.  39  p.  143); 
die  Ker  eine  im  Volksglauben  wurzelnde  natürlicher  wäre  (nach  Analogieen  bei  Hero- 
mythische  Gestalt  ist,  die  erst  nachträg-  dian  1  p.  398  L.)  auch  hier  die  Oxytonierung. 
lieh,  durch  häutige  'metonymische'  Über-  58.  Es  gab  aber  auch  Gelehrte,  die  xhy 
tiagung,  zu  einem  Appellativum  herabsank  Mfyoa,  wie  xö  «>;?,  mit  ipv%i)  erklärten.  Vgl. 
oder  nur  von  einem  solchen  den  Namen  eut-  z.  B.  Hesych.  s.  v.  xr/ga'  tyvj,)ii>.  &ävaxov  (von 
lehnte.  Dabin  gehört  wohl  der  Vorschlag  Schmidt  ist  grundlos  der  Nominativ  eingesetzt, 
Leo  Meyers,  einen  angeblichen  indischen  mit  Änderung  an  drei  Stellen!),  x/jpfs'  i/'u^at. 
Todesgott  Kala  mit  der  Ker  gleichzusetzen  ovtitpogai,  /xotpai  &aiaxrjcpögoi.  Hellenistische 
(Kuhns  Zcitsdir.  5  S.  375;,  oder  der  verwandte  Theologen  waren  es,  die,  wie  Aschylus ,  Krjg 
Versuch  Maurys  (Hist.  des  rel.  1  p.  286),  das  60  und  tyv%r]  ohne  weiteres  gleichsetzten,  s.  Poe- 
Wort  von  sauskr.  kal.  'zuteilen'  (Ä>;p  =  Motpa)  phyr.  bei  Euseb.  praep.  evany.  3,  8,  11.  p.  110  A 
abzuleiten.  Solche  Sprünge  pflegen  wir  nicht  ov  yag  netgee  xö  xag  xijgag  t%£iv  ßogäv,  o 
mehr  zu  machen.  Auch  Grimm  glaubte  an  ö ijXoi  zag  ipv%dg,  xexX^zai  xvcov  (verkürzt?), 
eine  mythisch -religiöse  Substanz  der  Gestalt,  äXXä  nagä  zb  xvsCv,  ?/  ^opijyos  ö  IlXovzmv  xzX. 
wenn  er  sie  mit  den  Valkyrien  gleichsetzte  Die  abenteuerliche  Etymologie  von  Kerberos 
(-D.  Myth.   1,  240.  J354).*)     Auch   dieser    Vor-  [s.    0.    Gruppe,    Dte  gr.   Kulte    113.     Bohde, 

',  Aul ■  dm  nordischen ' Sturmriesen'  Käri  und  ähnliche  Psyche  280  Anm.]    wird  verworfen,   die  Erklä- 

Auklange  wird  man  hoffentlich  nicht  zurückkommen.  rung   von  Krtgag  durch  ipvxdg  dagegen  gilt  als 


1161                Keren  (=  Seelen")  Keren  (und  Erinyen)              11R2 

etwas  Selbstverständliches.  —  59.  Diese  For-  ansuchte  Seele  als  vvy.Ttgi'g  (Xaigtcpäv,  vgl. 
scher  konnten  sich  auf  den  Sprachgebrauch  Vs.  1296);  man  kannte  also  den  Glauben,  dafs 
der  Attiker  und  auch  hellenistischer  Dichter  die  umgehende  Seele,  der  „Nachzehrer ",  als 
berufen,  und  scheinen  das  in  der  That  gethan  Fledermaus  (vvv.xigi'g,  ßiifrc,  OTpi'yf,  vgl.  C. 
zu  haben.  Die  Zeugnisse  geben  ihnen  Recht.  WacJismwth,  Das  alte  Griechenland  im  neuen 
Die  Umdeutung-  der  xfjpES  in  tyviai  bei  Äschy-  1 1 4 f . )  erscheint,  den  vielleicht  auch  schon  die 
los  (nr.  31)  zeigt,  dafs  jene  Bedeutung  im  zweite  Nekyia  (m  6  ff.)  voraussetzt.  Das  wirft 
Sprachbewufstsein  noch  lebendig  war;  der  at-  auf  die  eigentümliche  Darstellung  der  Seelen- 
tische Anthesterienvers  &vgu£i  Krjgzg  (=  ipv-  Keren  auf  den  attischen  Lekythoi  ein  helles 
Xal  ■nsQisQxöasvat,  oben  nr.  30)  bietet  eine  10  Licht. *)  —  63.  Auch  sonst  entspricht  das 
Bestätigung,  die  um  so  weniger  angezweifelt  vorherrschend  finstere  Bild  der  Keren  dem, 
werden  darf,  als  Sprichwörter  und  religiöse  was  besonders  die  niederen  Kreise  des  Volkes 
Formeln  das  Ursprüngliche  auch  sonst  zu  be-  von  den  Verstorbenen  glaubten,  die  xaitovv 
wahren  pflegen  (s.  Rutherford,  Zur  Gesch.  des  iroiuoi  ukV.ov  i;  ivsgysrsiv  (Grusius,  T)e 
Atticismus  365.  389f.).  Auch  in  einem  Grab-  Bahr.  att.  235 f.  Usener,  Rhein.  Mus.  29, 
epigramm  der  Hellenistenzeit  (oben  nr.  44)  ist  41 1  [jetzt  Deveken  Bd.  1  Sp.  2478.  Rohdc, 
die  alte  Bedeutung  zu  erkennen.  Wir  haben  Psyche  225ff.]).  Dafs  Mifswnchs  und  Krank- 
also  die  Form  xr/pFg,  75  x?jp  fauch  y.rjga,  s  oben  heit  von  einem  zürnenden  Heros,  einer  ge- 
nr.  53.  Lübeck,  Paralip.  p.  145.  Du Cange  s.  v.)  kränkten  Seele  verhängt  wird,  erzählen  zahl- 
neben zb  xriQ  zu  stellen  und  als  Bereicherung  20  lose  Legenden,  vgl.  Bd.  1  Sp.2477f.  —  64.  Ganz 
unseres  Lexikons  zu  registrieren.  —  60.  Hier-  vereinzelt  liefsen  sich  neutrale,  ja  freundliche 
mit  ist  die  Sachlage  völlig  verändert.  Wir  Züge  nachweisen.  Die  Ker  nährt  den  Men- 
haben  nun  zunächst  zu  fragen,  ob  mit  den  sehen  (nr.  11);  aufser  den  schwarzen  giebt  es 
xrjgig  in  dieser  Bedeutung  die  mythischen,  auch  weifse  Keren  (nr.  52).  Unter  der  Ker, 
ganz  namensgleichen  Kfigpg  nicht  auch  dem  die  den  Menschen  lü%f  yetvoiiivov  neg,  scheint 
Wesen  nach  verwandt  sein  können.  Und  in  Homer  zwar  nur  die  Todesgöttin  zu  verstehen 
der  That  werden  die  Hauptzüge  der  Keren-  (nr.  6);  aber  hier  und  in  den  Siyß-üäiai  Krjg^g 
Vorstellung  im  volkstümlichen  Glauben  oder  (nr.  7)  spürt  man  doch  noch  etwas  von  einer 
Aberglauben  der  Griechen  auch  den  Seelen  andern  Auffassung,  in  der  die  Ker  der  äat- 
der  Abgeschiedenen  beigelegt.  so  ficov  des  Menschen  im  eigentlichsten  Sinne 
6).  Die  Keren  werden  meist  als  unheimliche,  ist.  So  finden  sich  auch  in  dem  Seelenglauben 
finstere  Dämonen  gedacht,  die  dem  Menschen  freundlichere  Züge;  die  umgehenden  Seelen 
den  Tod  bringen  und  sich  wohl  gar  an  seinem  bringen  ihren  Freunden  Glück  ins  Haus,  und 
Blute  letzen  (nr.  15  u.  ö.).  Auch  MifswachB  und  der  Heros  wird  zum  Schutzgeist  für  die  Stadt 
andere  Not  können  sie  über  den  Menschen  \Rohde  a  a.  0.  Deneken  Bd.  1  Sp.  2481].  Das 
verhängen  (nr. 24).  Nach  einer  über  den  ganzen  hesiodische  xr/piTpf<j»j?  wird  sich  kaum  besser 
Erdkreis  verbreiteten,  hochaltertfimlichen  An-  erläutern  lassen,  als  durch  Hippolcr.  nsgl  ivv- 
schauung  sind  es  nun  wirklich  die  Seelen  der  nvltov  2  p.  14  K. :  änb  yctg  zäv  dno&a- 
Verstorbenen  seihst,  welche  die  Überlebenden  vövtojv  a[  tgoq>al  -/.cd  av^rjosig;  über  ähn- 
nach  sich  ziehen  in  das  freudlose  Jenseits.  40  liehe  Gedanken  bei  Späteren  s.  .7.  Burckhardt , 
Dieser  Gedanke  ist  bei  den  Römern  noch  Constnntin  222  [E.  Rohrle  226f.J. 
ganz  lebendig  (Ovid.  Fast.  2,  545 ff.);  bei  den  65.  Erst  jetzt  wird  auch  eine  Reihe  ab- 
Griechen findet  er  sich  nicht  nur  im  späteren  geleiteter  Ausdrücke  recht  verständlich,  wie 
Aberglauben  (Rnhde,  Rom.  387 '.  Rhein.  Mus.  der  Doppelgebrauch  von  y.ngai'vm*'*)  (oben 
32,  329),  sondern  ist  schon  für  die  älteste  Zeit  Sp.  1156  v.Wüamowitg,  Enrip.Hera7cl.iy  152), 
zu  erschliefsen  aus  den  in  epischen  Iliaden,  äv.rjoarog  (Valckenaer  zu  Eurip.  Hippol.  1114), 
behandelten  Sagen  von  Protesilaos  und  von  äv.ngaoiog  ccxrigiog  (feige,  leblos,  frei  vom  Tode, 
Polyxena,  die  der  Schatten  des  Neoptolemos  Ps -Phocyl.  99.  Hom.  Hymn.  2  [3],  530,  72), 
als  Totenopfer  fordert,  sowie  aus  der  Pa-  Hesych.  IniKrjgaivsiv  smdvaiinvivsa&ca,  sni- 
trokleia  und  der  Totenbeschwörungs-Scene  der  50  x7jpos  =  i-rcifiolgLog,  vn6-*.rigog  =  uiag6g(Eippokr . 
Nekyia  Ä45f.  Blutgierig,  wie  die  Keren,  drän-  -ntgl  hgrig  vovaov  p.  303,  nicht  'mit  Wachs 
gen  sich  die  Schatten  zur  ctiua-xovgta  um  die  überzogen'  [PassowJ,  sondern  mit  der  Ker  be- 
Opfergrube,  und  erst  wenn  sie  daraus  ge-  haftet  und  dadurch  verunreinigt,  Gegensatz 
trunken  haben,  erhalten  sie  Leben  und  Bewufst-  äyvög)  Vor  allem  aber  bewährt  sich  unsere 
sein  wieder.  Hier  haben  wir  bereits  die  Grund-  Deutung  bei  einem  Vergleich  der  mythischen 
idee  des  Vampyrismus,  der  in  antiken  Ge-  Gestalten,  die  sich  mit  den  Keren  berühren.  — 
spenstergeschichten  (Phleyon,  Mirab.1,  Goethes  66.  Obenan  stehen  die  Erinyen.  Wer  an- 
Braut  von  Korinth),  wie  im  neugriechischen  nimmt,  dafs  die  Erinyen  ursprünglich  Gewitter- 
Volksaberglauben  die  vornehmste  Rolle  spielt.  wölken  bedeutet  hätten,  legt  den  Nachdruck 
—  62.  In  Attika,  wo  die  Keven  mächtig  her-  bo  auf  die  verkehrte  Seite  und  verwechselt  die 
vortreten,    sind    auch    diese    Gedanken    recht 

im   Schwange.       Oedipus    hofft  als    fvämv     ...  *)  [Die   obi?en  Ausführungen    habe   ich    im   wesent- 

vi-avg    .    .    das     &s gubv    alacc    der    Thebaner    ZU  liehen    schon  vor   zehn  Jahren  in  der   A.  F..  267  gegeben, 

trinken    (Sopll.    Oed     Col.    622)-    in    der    Toten-  "Während  der  Revision  dieses  Artikels  Bind  die   Arbeiten 

beschwörung  bei  Aristophanes  Av.  1555f.  (wohl  VOn  Den"ken  lI?d  bs80nde"  iie  Hauptkapitel  des  Buches 

■   i  ,                      i*    i    nw c          n  a?              i                   i         -i  von  Ro?i</>>  erschienen,  woraus  man  noch  manches  weitere 

nicht  nur  nach;.  35f,  «,  6  ff.,  sondern  auch  mit  TVtaü  entlenllen  kann_: 

Rucksicht  auf  die  Wv%aymyoi  des  Aschylos;  vgl.  **j  Kngiim  wird  zu  xi/pto  gehören,  obgleich  Hesj/eli. 

1555)  kommt  ngog  xb    Xv&gnr  rrjg  x«fi7jlou  die  ixxBxijgiaifihii  mit  igu  ri,;  tpir/tj;  yeyovvtu  erklärt. 


1163             Keren   (und  Erinyen)  Keren  (u.  Teichinen,  Moiren,  Harpyien)    1164 

Form  mit  dem  WeseD,  über  das  schon  von  man-  verfolgt  werden  soll,  obgleich  oder  weil  es 
ehern  alten  Theologen  richtiger  geurteilt  wurde,  in  die  Fragen  nach  dem  Ursprung  der  Tragö- 
Doeh  ist  die  von  Rapp  1,  1311  ff.  gegebene  um-  die  hineinführen  würde.  Auch  der  Opfer- 
sichtige Zusammenstellung  der  Hauptzüge  auch  ritus  und  die  Art,  wie  die  Erinyen  durch  das 
für  unsere  Zwecke  verwendbar.  Die  Erinyen  xdcaa  (Eurip.  El  1221.  Aesch  Eum.)  aus 
sind  aiXaivai  zg  to  näv  (1,  1311,  40),  sie  der  Erde  aufsteigen  und  in  sie  zurückgehen, 
raffen  (£vvo>gmi£ovoi)  den  Verfolgten  beflügelt  entspricht  genau  den  parallelen  Elementen 
durch  die  Lüfte  fort  (1311,  9.  59);  sie  sind  im  Seelenkult.  Die  geflügelten  Dämonen  auf 
Todesgöttinnen  (1328),  die  das  Blut  ihres  attischen  LnkYthen,  die  den  Sgcivcov,  den  Ver- 
Opfers schlürfen  (1328,  s.  bes.  Aesch.  Agam.  10  treter  des  Verstorbenen  (Bd.  1  Sp.  2467),  um- 
1187);  sie  verursachen  Unfruchtbarkeit  im  flattern,  hat  man  richtig  als  Geister  der  Ver- 
Hause,  wie  auf  den  Ackern,  gleich  den  Keren  wandten  angesprochen  (nr.  32);  wenn  der  Tod 
und  Teichinen  1 1311,  59.  1322);  sie  verhängen  des  ävö'gbg  änocpftiuhoio  widerrechtlich  er- 
über  den  Menschen  Raserei  und  Verblendung  folgte,  würden  es  seine  Krjgeg  'Egivvsg  sein. 
(1315.  13231)  und  treten  als  strafende  Gewalten  69.  Die  Kijgsg  Tsl%Vvsg  bei  Stesichoros 
neben  Dike  und  Moira  (1321  f.  1323).  Aber  (oben  24)  sind  sprachlich  ebenso  aufzufassen, 
sie  sind  nicht  nur  böse  Dämonen:  jtävxa  xd  Es  sind  durch  Zauberkraft  schädigende  Seelen 
■xctx'  dv&gwnovg  i'Xaxov\xg\.Kr,g  . .  fia^f]  Siinsiv  'Hexengeister'.  Von  hieraus  wird  man  den 
(Aesch.  Eum.  930).  Wer  sie  versöhnt  hat,  dem  Telchiuenlegenden  besser  beikommen,  als  es 
erscheinen  sie  als  Eumeniden  in  weifser Licht-  20  zuletzt  Freiheit:  gelungen  ist.  Fördernde  Ge- 
gestalt  (Paus.  8,  34,  3;  s.  Bd.  1  Sp.  1331),  wie  Sichtspunkte  bei  L.  Laistner,  Bätsei  d  Sphinx 
es  eine  gute,  helle  Ker  giebt.  So  decken  sich  2  S.  262ff.,  dem  ich  aber  in  den  S  265 ff.  ge- 
die  Erinyen-Eumeniden  im  Umrisse  vollständig  gebenenEtymologieen  nicht  folgen  kann, 
mit  den  Keren.  —  67.  Damit  ist  das  Rätsel  70.  Ähnliche  Bezüge  würden  sich  in  den 
der  Kijqeq  'Egivvsg  'nr.  26)  gelöst,  das  Rapp  Überlieferungen  von  den  Moiren  (und  Ne- 
Bd.  1  Sp.  1327,  42  f.  beiseite  gelassen  hat.  ineseis)  nachweisen  lassen,  die,  ursprünglich 
KriQtg  ist  das  Nomen,  'Egivvsg  oder  EvfisviSts,  Schutzgeister  —  Stxt'fiovtg  in  eigentlichsten 
die  ,, Zürnenden"  und  ,, Holdgesinnten",  das  Sinne  —  des  einzelnen  Menschen*),  von  der 
Attribut.  Die  KT]g?g  'Eqivvbs  sind  die  Dichtung,  wie  die  Ker.  in  eine  höhere  Spare 
zürnenden  Seelen,  die  dem  Mörder,  der  ao  neben  Dike  und  die  Götter  erhoben  werden; 
ihrem  Amte  vorgreift  und  vnlg  Möqov  oder  der  moderne  griechische  Glaube  kennt  die 
vn\g  Kfjgag  (nr.  51)  eine  Psyche  ins  Jenseits  'Miren'  noch  ganz  in  der  ältesten  Weiße,  an 
befördert,  mit  schweren  Strafen  heimsuchen:  den  Einzelnen  gebunden  (s.  zuletzt  Thumb, 
Vorstellungen,  deren  klassische  Fixierung  nach-  Ztschr.  d.  V.  f.  Volkskunde  2,  286).  Die  Moira 
weislich  die  Apollon- Religion  vollzogen  hat.  ist  im  Grunde  die  zugeteilte  Ker  selbst;  so 
Über  igiivfir  =  zürnen  vgl.  0.  Hoffmann,  Die  erklärt  es  sich,  dafs  sich  im  Epos  die  beiden 
gr.Dial.  1, 102,  derdas Wortzurfe.-rw  (lat.  rivi-  Ausdrücke  ablösen  (oben  nr.  8).  oder  wie  ein 
nus,  riealis)  stellt  und  eine  Urform  *i  gij--vva>  paar  zusammengehörige  Gestalten,  gleich  den 
konstruiert.  Was  man  Euphemismus  zu  nennen  Erinyen  und  Eumeniden,  nebeneinander  stehn 
pflegte,  im  Widerspruch  mit  der  Oresteslegende  40  (nr.  14f.)  —  71.  Einen  weitern  Synonymtypus 
und  dem  religiösesten  griechischen  Dichter,  bietet  die  griechische  Mythologie  in  den  Har- 
Aschylos,  bezeichnet  in  der  That  etwas  wesent-  pyien,  deren  eigentlichste  Aufgabe  es  ist,  die 
lieh  anderes:  die  Eumeniden  sind  die  rver-  Seelen  in  die  Unterwelt  zu  entraffen.  Es  sind 
söhnten'  Geister,  die  den  Menschen  nun  Segen  die  in  den  &vs XXai  dahinfahrenden  „raubenden" 
spenden,  wie  früher  Fluch.*)  —  68.  Erst  jetzt  Keren,  die  von  den  Dichtern  als  Töchter  oder 
sind  die  ältesten  Zeugnisse  über  die  Erinyen  Dienerinnen  zur  „zürnenden"  Ker  gestellt 
wirklich  verständlich  geworden.  Od.  X  279f.  werden  (bereits  Od.  v  66.  77f.  [Rohde,  Psyche 
xä  8'  [OlSfaoSi]  uXyeu  xdXXnt'  onieoco  |  TtoXXn.  66]V  Charakteristische  Einzelheiten  sind  schon 
fidX',  ogcci  te  nvxgog  'Egivvtg  inx&Xior-  oben  nr.  29  nachgewiesen;  im  übrigen  vgl. 
aiv,  ähnlich  ß  135  sjrfi  firixrjg  axvytgdg  dgri-  50  Bd.  1  Sp.  1842 ff.  —  72.  Auch  die  Einderseelen 
asx'  'Egivvg*)  |  oi'nov  dnfgxouivg.  Aesch.  entführenden  Stringen  und  Gellen  ('=  'AysXXdl 
Sept.  887  7Tttxg6g  ..  nbxvi  'Egivvg  lniv.ga.viv.  Baunack,  Stud.  63*),  die  Sphingen,  Sirenen, 
Soph.  Oed.  C.  1434  xäv  xs  xovä'  'Egtvvmv.  Lamien,  Empusen  und  ähnliche  Gestalten  des 
Wie  kann  man  von  eines  Menschen  Erinyen  Aberglaubens  stammen  aus  dieser  Familie;  nur 
sprechen?  Bd.  1  Sp.  1322  wird  keine  Antwort  ist  bei  ihnen  ein  Zug  ganz  einseitig  ausgeprägt, 
gegeben.  Es  sind  die  Ahnengeister,  die  Seelen  Bemerkenswert  ist,  dafs  auch  Sphingen  und 
der  abgeschiedenen  Blutsverwandten,  Sirenen  vereinzelt  in  männlicher  Bildung  dar- 
denen  die  Blutrache  gerade  so  gut  obliegt,  gestellt  werden,  wie  die  Ker.  Die  jetzt  auf 
wie  den  Überlebenden.  Das  spricht  wiederum  der  Hand  liegende  Lösung  ist  schon  im  Philo- 
Aschylus  ganz  deutlich  aus  im  Agamemnon  so  logus  50,  10216  gegeben.  —  73.  Schlitfslich  sei 
1 1 8  7  f .  -xal  iitjv  nsmoKag  ...  |  ßgöxsiov  alua  noch  auf  Herondas  1,  17  f.  hingewiesen:  to 
xeöfios  fv  do'fioic  fiivFi  ...  avyyövmv  'Egi-  yctg  yijgag  |  fjiiscxg  na&iXKCi  XV  ffxtij  (=  der 
vviov.  Überhaupt  ist  der  «röuog  der  jagenden  Todesdämon)  nag{ax7]xtv.  av.id  tritt  in  dieser 
Erinyen  eine  Spiegelung  der  ibvr&v  TTfoupro- 
pivew    (oben   nr.  30);    was   hier   nicht    weiter  '  s°  ?'.'*£*-??  !ü            ™f'  ^^  5  T 

v  pereon  beschrankte  Bedeutung  von  sudatfxiov  o/.piooatfimr 

*l  Eine  Hauptkraft  in  diesem  Yorstellungskreise  ist  duodatfufvr    xay.oöac/uatr.      Die    Worte    tvtvyi];    övotv/ij: 

der   znuberhaft  wirkende,    beschwörende  Fluch,    der  die  setzen   slelcbfalls  eine  dämonische  Tv/'ij  voraus:  Phllein. 

Erinyen  entfesselt  {vgl.  Area  als  Erinyen  genossen  .  fr.   10. 


1165  Keren  (italische  u.  moderne  Analogieen)  Kerkopen                       116(i 

Redensart  für  das  sonst  übliche  h/jo  ein  (s.  oben  Nachtr.  3,  266f.  Mannhardt,  Myth.  Forsch.  366. 

3.  21.  51  und  Unters,  zu  Her.S.5);  unverkertn-  W.  F.K.  1,45.52.  Tglor,  Anfänge  der  Kultur 
bar  hat  der  Begriff  tyv%-r)  vermittelt,  vgl.  das  2,  11 1  ff.  192 ff.  200ff.  Die  Fylgja  wird  mitge- 
römische  umbra.  Bei  den  modernen  Griechen  boren,  wie  Kr)g  SaCfimv  Tv%n  (Philem.  fr.  10. 
ist  ein  verwandter  Gebrauch  von  i'eniog  (=  Men.  fr.  205)  genius.  Dafs  ihr  Sitz  die  Seknn- 
CHta)  nachzuweisen,  s.  die  trefflichen  Aus-  dinen  sein  können,  weifs  der  moderne  Aber- 
führungen von  B.  Schmidt,  Das  Volksleben  der  glaube,  wie  der  antike  (Lamprid.  Anton.  Dia- 
Neugriechen  S.  181  (Y.aXol'GmioTos  =  sväaiuav  dum.  4.  J'hilol.  46,  627);  nach  vornehmeren 
u.s.  w.).  Auch  für  die  Alten  ist  das  anzunehmen:  Anschauungen  ist  es  wohl  auch  ein  neu  auf- 
was  für  die  Beurteilung  von  Paus  8,  38,  6.  10  tretender  Stern  (Usener ,  Belig.  Unters.  76  f. 
Plut.  Qu.  Gr.  39  wichtig  ist  (der  vom  Menschen  Mannhardt.  Germ.  Mythen  S.  3103).  Bei  den 
geworfene  Schatten  als  Sitz  des  Schutzgeistes  Germanen  haben  diese  Vorstellungen  im 
[s.  jetzt  Boscher,  Fleck.  Jahrbb.  145  [1892],  ganzen  einen  freundlicheren  Charakter,  wäh- 
702f.]).  Nach  neuerem  Aberglauben  mufs  rend  bei  modernen  Orientalen  der ,, mitgeborene 
der  Mensch,  der  seinen  'Doppelgänger'  sieht,  Begleiter  aus  dem  Geisterreich"  meist  als 
binnen  Jahresfrist  sterben  (Wuttke,  Volksabergl.  mifsgünstiger,  böser  Geist  gilt,  ganz  wie  die 
§322,  s.  Grimm,  K.LT.M.  44,  177  n.  Anm.):  homerische  Ker.  S.  Mannhardt,  Myth.  Forsch. 
eine  ähnliche  Vorstellung  scheint  auch  durch  366.  Doch  kennt  auch  die  nordische  Über- 
die  Formel  bei  Herondas  durchzuschimmern.  lieferung   böse,    'schwarze'    Fylgjen,    die   die 

74.  Die  frappantesten  Parallelen  bietet  aber  so  Helden  in  den  Tod  locken.  Die  Nomen  und 
die  römische  Religion  und  Folklore,  in  der  Valkyrien  stehn  mit  ihnen  in  engster  Ver- 
gerade diese  primitivsten  Elemente  der  Mytho-  wandtschaft.  S.  Mannhardt,  Germ.  Mythen  306. 
logie  besonders  gut  erhalten  sind.  Den  Keren  513  ff.  Grimm,  D.  M . 4  339  ff.  So  bewährt 
und  ihren  Verwandten  entsprechen  ziemlich  sich  der  schöne  Gedanke  Grimms,  von  dem 
genau  die  Di  Manes,  La  res,  Lemures,  die  gleich-  wir  oben  ausgegangen  sind.  [0.  Crusius.] 
falls  die  Seelen  ins  Jenseits  hinüberführen  (Di-  6  Kerkaphos  (Keg-xcccpog),  1)  einer  der  sieben 
lieber  des  Todes  unverkennbar  z.  B.  bei  Vergil.  Söhne  des  Helios  und  der  Rhode  oder  Rhodos, 
Catal.  11/14),  aber  auch  das  Gedeihn  oder  der  die  Kydippe,  Tochter  seines  Bruders  Ochi- 
Verkiimmern  der  Acker  wie  der  Familie  mos,  heiratete  und  diesem  in  der  Herrschaft 
verursachen  (Tibull.  1,  10,  15.  1,  1.  20  u.  ö.).  30  von  Rhodos  folgte.  Seine  Söhne  Ialysos,  Lin- 
Oer  besonders  in  Grabschriften  ständig  daneben  dos  und  Kameiros  teilten  sich  in  die  Hen- 
erscheinende  Genius  i  luno)  ist  die  Psyche  schaff  der  Insel  und  gründeten  die  gleieh- 
selbst  oder  die  Einzel -Moira  (vgl.  auch  die  namigen  Städte,  Diod.  5,  56.  57.  Schol.  Find. 
Ker.  die  dem  Menschen  ysivopivto  icbo  zu-  Ol.  7,  131.  132.  135  (Hellanikos).  Eustath.  Rom. 
geteilt  wird).  Das  griechische  al  'Egivvsg  p.  315,  29.  Strab.  14,  654.  Steph.  B.  v.  Kafii- 
arjrgog,  OlSCitoSog  findet  an  dem  römischen  oog  und  AivSog.  Müller,  Aegin.  41  ff.  Nach 
di  Manes  matris ,  Hermetis  u.  s.  w.  (in  beiden  Midier,  fr-  hist.  gr.  L.  prolegg.  p.  37  bedeutet 
Fällen  der  Genetiv)  sein  genaues  Gegenbild ;  der  Name  den  Glänzenden  und  Strahlenden.  — 
die  Manen  wirken  auch  als  Furiae  [—  'Egi-  2)  Sohn  des  Aiolos  Vater  des  Ormenos,  des  Grün- 
vveg),  s.  Horaz  Eporl.  5,  92.  94.  40  ders  von  Ormenion  in  Thessalien,  Strab.  9,  638, 

75.  Die  übrigen  italischen  Stämme  scheinen  wo  auch  Kerphios  (s.  d.)  gelesen  wird.    [Stoll.] 
diesen  Anschauungen  einen  ebenso  vornehmen  .       Kerke  s.  Kerthe. 

Platz  in  ihren  Religionen  eingeräumt  zu  haben;  ,■       Kerkeis    (KsQ-xnig),    Tochter    des    Okeanos 

nur  läfst  die  Überlieferung  meist   kein  zuver-  und  der  Tethys,  Hes.  Theog.  355.  —  Schümann, 

sichtliches  Urteil  zu.     Für  die  oskische  Formel  Opusc.  Acad.  149  übersetzt  Strepera;  C  Müller, 

Keri  Arentikfai  (in  einer  Devotionsinschrift  bei  Prolegg.    zu   fragm.   hist.   gr.    1    p.  37   Anm.  4 

Zvetaieff,  Inscr.  Lt.inf.  p.  43f.  Bücheier,  Bh.  M.  Radiosa  oder  Splendida;    Braun,  Gr.  Götterl. 

33,  6.  296.   Umbrich  p.  80)   hat  man  das  make-  §  155   erklärt   sie   mit   Rücksicht    auf   die   sie 

donische  'Agävrieiv  'Epivvai  (Hes.)  verglichen;  umgebenden  Schwestern  Melobosis,  Polydore, 
man   könnte  dann  in  Keri  (meist  =  Cereri  er- 50  Pluto  als  die  fleifsige  Weberin  (y.eq*£s).   [Stoll.] 

klärf)  geradezu  Krjgi  suchen  und  diese  Gestalt  ,        Kerkestes  (Ktg-zJarng),    Sohn  des  Aigyptos, 

mit  der  Kr)g  'Egivvg  gleichsetzen  (oben  nr.  67);  vermählt  mit  der  Danaide  Dorion,  Apollod.  2, 

der    Ritus    der    unteritalischen     SziBiSaiaovfg  1,  5.     [Stoll.] 

scheint    hellenistisch    zu    sein    (s.    nr.  38  ff.).  Kerkios  (KsgxLog),  aus  Sparta,  Wagenlenker 

Schlieislich    soll    auch    die   Möglichkeit,    dafs  der    Dioskuren,    mit    Amphitos    Gründer    von 

Cerus  (Bd.  1  Sp.  869;  nachzutragen  Bitschi,  Op.  Dioskurias;  Amin.  Marcell.  22,  8.     [Lorentz.] 

4,  282)  zum  griechischen  Kr)a  (Kr]ga)  gehört,  Kerkope  (Kfgy.wnn),  Mutter  der  Kerkopen 
wenigstens  frageweise  erwähnt  werden.  Cerus  (s.  d.);  vgl.  Etym.  M.  s.  v.  Kigncontg  .  .  .  JkUtj- 
manus,  duonus  cerus  wäre  „guter  Geist".*)  &r)eav  6s    r)  Sict    to    xigSodeov    avtmv  y.al  tta- 

7(5.    Die    antike    Überlieferung   ist   in   sich  60  vovgyov  rj  äno   urptpbg  KigKoimnc.    [Röscher.] 

so  klar  und  vollständig,   dafs  wir  den  Glauben  ;        Kerkopen    (Kignmns g,   die   „Schwänzlinge", 

der    modernen   Völker    zur    Ergänzung    kaum  '   von   y-eg-nog).     Die   uns   nur  in   späterer  Üher- 

heranzuziehen     brauchen;       mancherlei     Ver-  lieferung  vollständig  erhaltene  Erzählung  lautet: 

wandtes  bei  Grimm,  D.  Myth.  2 ',  728  (830)  ff.  Zwei  Brüder,  Erzschelme,  Räuber  und  Betrüger, 

_                       .   .       _   .          ,  wurden    von    ihrer    Mutter    vor    dem    Melam- 

*)    Aus    der    FlügelKestalt    auf    dem    Ken    pocolom  .          r,    ..i                         i  .                       -, 

iRttJa,  Op.  4,  1S2  Tai >  9] ,  ist  kern   Schluß,  z.  ziehen,    da  P??08,    »f**™*:,     ^^    ersuchten      Sie     den 

solche  erotenartige  Figuren   auch  auf  den  verwandten  schlafenden  Helden  zu  berauben,  wurden  aber 

stücken  abgebildet  sind.  dabei  erwischt  und  mit  den  Beinen  an  einen 


1167 


Kerkopen 


Kerkopen 


1168 


Tragbalken  gebunden;  so  trug  sie  der  Held, 
die  Köpfe  nach  unten,  auf  den  Schultern 
fort.  In  dieser  Lage  hatten  sie  Mufse,  den 
nackten  Mann  zu  betrachten,  und  erkannten  in 
ihm  den  Mclampygos,  vor  dem  die  Mutter  sie 
gewarnt  hatte.  Ihre  spafshaften  Bemerkungen 
darüber  versetzten  jenen  in  so  gute  Laune,  dafs 

er  sie  laufen 
Hess  (vgl.  Flut, 
de  adul.  et  am. 
13  na!  yag  6 
'IlQaxlfjS  Afp 

KCOTjjl    ZLGl  .... 

iziontzo).  Am 

besten   ist 
diese     Erzäh- 
lung   überlie- 
fert b.Konnos, 
tarr.  ad  Greg. 


nuntische  Metope  (um  600  v.  Chr.)  und  mehrere 
altertümliche  Vasen,  die  von  Furtwängler  im 
Artikel  Herakles  Bd.  1  Sp.  2214  besprochen 
sind,  Darstellungen  nach  einem  feststehenden 
Typus  (s.  Abbild.  2):  der  ausschreitende  Held 
trägt  zwei  Zwerge  mit  den  Köpfen  nach  unten 
an  einer  Stange,  an  welche  die  Füfse  ge- 
bunden sind,  __auf  der  Schulter;  damit  steht 
in  völliger  Übereinstimmung  die  Sehilde- 
10  rung  z.  B.  in  Tzetz.  Chü.  v.  84  ff. :  ög  äficpco 
zovzovg  -/.tvraö^cov  xtu  ztov  noöav  dsGfirjöag 
dno  zov  oofiov  ze  ctvrov  -/.Qiuäeag  äurfozsgovg, 
zov  (ihv  peQCÖv  zäv  E-'LU7rpociTfi>,  zov  d'  f'x  zäv 
anLG&'twv,  st'xzzo  ovzco  z?,g  öäov  v.ctl  zrjg  ctvzov 
TtOQfi'ag.  oi'Tcu  Ss  ävTingoocoitoL  Kgsiidfisrot 
äXXijXoig  .  .  .  Nim  existierte  unter  dem  Namen 
Homers  ein  Scherzgedicht  (naiyvtov)  Ktgxconeg 
(Prolrf.  Chrestom.  in  der  Bekkerschen  Ausgabe 
der  Tliasscholien  p.  1.  Pseudo  Herod.  vitn  Ho- 
invect.    1,    39  20  meri  24  in  Westennamis  Biogr.  S.  12.   Harpo- 


Abb.  1)  Herakles  und  die  Kerkopen. 
Selinuntische  Metope  (nach  Seemann, 
Kunstlästor.   Bilderb.   1    Taf.  16  nr.  I). 


fert;  für  die  letztere  Lesart  entscheidet  sich 
Westermawn  im  Hinblick  auf  Schol.  Hom.  1,  453 
andere  für  Dion)  und  in  Tzetz  Chü.  5,  74  ff. 
kürzer  beiZcfiofc.5, 10  und  im  Cod.  CoisUn.  nr.  17" 


p  H0(Westei-  kration  s.  v.  A'fpxtujrfs),  dem  durch  Kombi- 
mann,  Mytho-  nation  der  Artikel  Ksgxwnsg  bei  Suidas  und 
gr.  S  375,=  Ha/rpokration  mit  Recht  folgendes  die  Kerkopen 
Eudokiay.il ;  schildernde  Bruchstück  zugeschrieben  wird: 
während  hier  U'fvozag  ijnsQOnrjug  diisq%avä  z'  tgy  ävvotxvzag 
der  Gewähre-  (überl.  EÜoavzctg)  iS,aizazi]zrjgag'  iroXXi)v  §'  sni 
mann  Dion  yaiav  t'ovzig  oVO'oMjroue  ändzctßxov  äXäusvoi 
genannt  wird,  rifiuza  nävza.  Die  Monumente  beweisen,  dafs 
ist  bei  Nonnos  der  Ursprung  dieses  Gedichtes,  dessen  Inhalt 
Dios  überlie-  30  unbedenklich  auf  die  Heraklessage  bezogen  wer- 
den darf,  über  das  7.  Jahrh.  hinaufreicht.  Der 
Kern   der  Erzählung 


Abb.  2)  Herakles  und  die  Kerkopen;  anwesend  Hermes  und   Athena.      Arcbaiscbe 
Amphora  (nach   Gerhard,  Auserl.    Vasenb.  2  T.  Uli). 


(die  Stelle  ist  abgedruckt  im  corp.  paroemiogr. 

I,  119),  an  letzterer  Stelle  mit  dem  auffallen 
den  Schlufs.  Herakles  habe  die  beiden  Schelme 
im  Zorn  getötet;  aufserdem  vgl.  Suid.  s.  v. 
MslafiTtvyov  zvxoig  (=  Photius  s.  v.  und  Apostol. 

II,  19)  und  Tzetz.  zu  Lyk.  91,  endlich  auch  die 
Anspielung  bei  Eunapius  vit.  Aedes,  p.  21  Boiss. 

Dafs     diese     Humoreske    aus    älterer    Zeit 
stammt,  beweisen  (Abb.  1)    die  bekannte  seli- 


besteht  in  der  sprich- 
wörtlich gewordenen 
mütterlichen  War- 
nung vor  dem  Melam- 

pygOS    (uij  TTtQlTV%£il 

gtlagnvya  b.Nonnos 
bez.  Eudokia  und  im 
cod.  Coisl  a.  a.  0. ; 
,uf)  ev  y?  uiXauzivyov 
zvxoig  bei  Zcnob.  5, 
10;  fitj  uiXaunvyov 
zvyyg  bei  Diogen.  6, 
38.  Greg.  Cypr'.Hosq. 
4,  33.  Leideixs.  2,  73; 
MtXafiTivyov  zv%otg 
bei  Suid.  Phot.  s  v. 
Apostol  11,  19;  Me- 
Xaunvyco  ovvzv%oibei 
Macar. 5,82;  otijrojfif- 
Xct^invytp  z^zv%i]Y.ctg 
bei  Zonaras  p.  1339; 
oi'7tco  MiXapniyca  iv- 
ztzv%r)nctT£  bei  Tzetz. 
Lyk.  91  —  bei  Suid. 
Phot.  Apostol  11,  19 
werden  die  Kerkopeu 
selbst  als  piEXafijtvyoi 
co  bezeichnet,  wenn  nicht  ein  Fehler  der  Überliefe- 
rung vorliegt).  Diese  Warnung  ist  bereits  von 
dem  Dichter  Archilochos  fr.  110  aus  Schol  Hom. 
„Q  315  in  der  Form  überliefert:  ^itj  ziv  fisXaunv- 
yov  rujfjjs;  doch  bemerkt  der  Scholiast,  dafs 
der  Dichter  die  Warnung  auf  einen  Adler 
dieser  Färbung; bezogen  habe,  und  Lobeck 
(Aglaopham.  p.  1299)  will  dies  dahin  verstehen, 
dufs  ein  solcher  Adler  zu  den  Unglücksvögeln 


1169                     Kerkopen  Kerkopen                      1170 

gehöre.  Wie  dem  auch  sei,  wahrscheinlicher  weehslung  mit  den  Poseidonsöhnen  Alebion 
ist  es,  dafs  die  sprichwörtlich  gewordene  und  Derkynos  (Apollod.  2,  5,  10,  vgl.  Diod. 
Warnung  der  Eerkopenmutter  von  Archilochos  4,  19,  3  und  die  Artikel  Alebion  und  Dcr- 
in  seinem  Sinne  verwendet  worden  ist,  als  dafs  Jcynos)  liegt  im  Schol.  Aesch.  2,  40  vor,  wo 
umgekehrt  erst  das  Sprichwort  die  Erzählung  die  Kerkopen  nach  Ligurien  (Aiyvrj  statt 
veranlafst  habe.  Wie  eng  die  Kerkopen  mit  Aißvrj  schlagt  Lobeck  a.  a.  0.  1300  mit  Recht 
dem  Melampygos  zusammenhängen ,  ergiebt  vor)  versetzt  werden.  Endlich  werden  sie 
sich  aus  einer  Stelle  des  Herodot  (7,  126).  wo  nach  den  Pitheknsen,  den  Inseln  an  der  cam- 
am  Steige  Anopaia  bei  den  Thermopylen  neben  panischen  Küste  (Pith.  in  Libyen  bei  Diod.  20, 
dem  Felsen  des  Melampygos  die  eSgat  der  10  58,  3,  dagegen  c.  44,  7;  vgl.  noch  Skyline  111 
Kerkopen  prwähnt  werden  (Lobeck  a.  a.  0.  1298  und  Steph.  Byz.  s.  v.),  in  einer  Überlieferung 
fafst  tdgai  =  iviSgai  „Hinterhalt";  aber  es  versetzt,  nach  der  die  Kerkopen  (Schwänz- 
handelt sich  um  Felsgebilde,  die  die  Volks-  linge)  wegen  ihrer  Schlechtigkeit  in  Affen 
phantasie  als  Kerkopensitze  oder  wohl  als  (wßfrjitoi)  verwandelt  worden  sein  sollen: 
sitzende  Kerkopen  deutete).  Xenagoras  {Müller,  fr.  h.  4,  526)  bei  Harpöler. 
Nach  der  oben  besprochenen  Herodotstelle  s.  v.  Ktgy.ontsg  (Suid.  und  Phot.  s.  v.).  Apostol. 
wäre  die  Kerkopensage  an  den  Thermopylen  9,64.  Schol.  Aeschin.  2,40.  Eustath.  1864,  66 
lokalisiert  gewesen,  einem  für  die  Sage  von  [vgl.  Keller  im  Ausland  1881  S.  261.  Röscher]. 
Wegelagerern  passenden  Orte.  Damit  läfst  Bei  Ovid  (Metamorph.  14,  91)  wird  diese  Ver- 
sich die  Überlieferung  vereinigen,  die  die  Ker-  20  Wandlung  dem  Zeus  zugeschrieben,  der  ihre 
kopen  ans  Oichalia  (auch  Eüboia)  stammen  betrügerische  Gesinnung  gehalst  habe;  bei 
und  in  Boiotien  ihr  Wesen  treiben  läfst.  So  anderen  Schriftstellern  lesen  wir,  dafs  die 
dichtete  ein  uns  sonst  unbekannter  Dioiimos  Kerkopen  Zeus  zu  täuschen  versucht  hätten 
(noch  citiert  b.  A'hen.  13,  603a:  iv  zjj  'HgcmXettt)  und  zur  Strafe  von  ihm  in  Stein  verwandelt 
in  den  'HganXtovg  ä&Xoi  (vgl.  Suid.  s.  v.  Evgv-  worden  seien.  Letztere  Überlieferung  wird  im 
ßazog  =  Apostol.  8,  12,  der  dritte  Vers  in  Schol.  Luc.  Alex.  4  (cod.  Vindob.  123)  auf 
falscher  Überlieferung  bei  Schol.  Luk.  Alex.  Pherekydes  zurückgeführt;  die  Lesart  ist  sehr 
c.  4):  KsQXaitcg,  toi  TtoXXä  -xazä  zgioäovg  na-  zweifelhaft,  Jacobit:  (4,  139)  schlägt  $fqf- 
tiovzeg  Boimrmv  givovzq'  "jivoq  S'  f'cav  Olva-  Y.gazrjg  vor.  Vgl.  aufserdem  Suid.  s.  v.  Kig- 
Xiri^g,  'PAög  r  Evgvßarög  tf,  äva  ßagvdaiaovig  30  xconsg:  oxj's  cpaeiv  änoXi&co&fjvai  Sia  zb  f'y^fi- 
ävdgig.  In  Bezug  auf  den  Aufenthaltsort,  giiv  änazr]aai  zbv  Ji'cc  (=  Eustath.  1864,  34) 
nicht  aber  auf  die  Namen  stimmt  mit  Diotimos  und  Zenob.  1,  5.  Die  Sage  kann  mit  der  Be- 
das  Scholion  zu  Luk.  Alex.  4  (Jacobitz  4,  139)  nennung  der  beiden  Felsen  an  den  Thermo- 
überein  (=  Bachmann,  Anecd.  2,  340  ohne  pylen  (s.  oben)  zusammenhängen;  jedenfalls 
Citate);  auch  Alkiphron  3,  20  nennt  Eurybatos  stammt  sowohl  sie  wie  die  von  den  Pithekusen 
einen  Oichalier;  sonst  weist  der  Name  Eury-  aus  späterer  Zeit;  nur  dieMelampygosgeschichte 
bates,  wie  wir  sehen  werden,  nach  Ephe-  erscheint  alt  und  im  östlichen  Mittelgriechen- 
sos; und  in  der  That  werden  die  Kerkopen  land  heimisch;  dort  und  nicht  in  Asien 
auch  Ephesier  genannt,  nämlich  bei  den  Par-  wird  wohl  auch  das  itaiyviov  entstanden  sein 
ömiographen  im  Artikel  ayogä  Kigynanmv  40  (Lobeck  a.  a.  0.  1297  spricht  die  Vermutung 
{Zenob.  1,  5.  Apostol.  1,18.  Diogen.  1,  3.  Greg.  aus,  dafs  dasselbe  den  Anhang  zu  dem  Epos 
Cypr.  1,  3).  Diese  Überlieferung  ist  aber  OlxaXi'ag  aXmaig  gebildet  habe).  Anders  urteilt 
schlechter  bezeugt  als  die  von  Oichalia,  viel-  Preller3  2,  230,  der  von  kleinasiatischen  Vor- 
leicht nur  durch  den  berüchtigten  Eurybates  bildern,  von  den  Handelsmärkten  zu  Sardes 
von  Ephesos  (s.  unten)  veranlafst;  sie  wird  und  Ephesos  redet,  ohne  dafs  die  Überlieferung 
auch  nicht  durch  Diodor  4,  3,  6  (=  Apollod.  genügenden  Anhalt  dazu  böte. 
2,  6,  3)  besonders  gestützt,  wo  erzählt  wird,  Wir  dürfen  annehmen,  dafs  schon  in  dem 
Herakles  habe  im  Dienste  der  Omphale  die  ,,homerischeu"  Scherzgedicht  die  beiden  Brüder 
Räuber  der  Umgegend  bestraft.  Unter  anderen  Namen  gehabt  haben.  Wie  sie  dort  geheifsen, 
werden  auch  die  Kerkopen  genannt,  von  denen  50  läfst  sich  nicht  mehr  feststellen,  da  die  späte 
er  einige  getötet,  andere  der  Omphale  lebend  Überlieferung  zwischen  verschiedenen  Namen 
überbracht  habe  (vgl.  Zenob.  4,  30  und  Dioyen.  schwankt.  In  dem  oben  besprochenen  Bruch- 
2,  100  s.  v.  KsgncoTtigsiv) ;  hier  werden  also  stücke  des  Diotimos  heifsen  die  Brüder  Olos 
mehr  als  zwei  Kerkopen  angenommen,  und  die  und  Eurybatos;  Olos  könnte  au  den  Aloaden 
Erzählung  ist  ihres  ursprünglichen  Charakters  (s.  d.)  Otos  erinnern;  die  Aloaden  Otos  und 
entkleidet.  (Die  Omphalesage  selbst  gehört  Ephialtes  sind  besonders  in  Thessalien  und 
vielleicht  ursprünglich  an  dpn  Oita.)  Auch  die  Boiotien  heimisch;  könnte  der  Name  Olos 
Bezeichnung  äyogä  Kigy.oiiiajv  gehört  nicht  nach  nicht  auch  falsch  überliefert  sein?  Eurybatos 
Ephesos,  sondern  nach  Athen,  wo  es  einen  oder  Eurybates__  sind  sprichwörtliche  Namen 
sog.  Spitzbubenmarkt  gab  ("vgl.  M'achsmuth,  Die  60  für  Diebe  und  Übelthäter,  diiher  wurde  auch 
Stadt  Athen  2,  1,  498):  Hesychius  s.  v.:  zo-rrog  zvgvßaziviafrut  im  Sinne  von  novngtveod-cti, 
nXrjaiov'HXiai'ag;  ebenso  Eustath.  zu  Hom.  ß  7  gebraucht  (Diog.  4,  76.  Suid.  s.  v.  Zonaras 
S.  1430,  32  und  zu  v.  552  S.  1669,  59;  vgl.  p.  921).  Alkiphron  3,  20  nennt  einen  Dieb 
noch  Galen,  zu  Hippokr.  Epidem.  bei  Kühn  aus  Oichalia  Eurybates;  Eurybatos  wird  neben 
(Medic.  graec.  op.)  17a,  616  und  643;  Diog.  Phrynondas  oder  allein  sprichwörtlich  für 
Laert.  9,  114.  Wahrscheinlich  hat  erst  dieser  novggoc  gebraucht  bei  .  Plat.  Protag.  p.  327"1, 
Ort  Veranlassung  zu  dem  sprichwörtlichen  Aus-  Demosth  18,  24.  Aeschin.  3,  137;  L-uk.  Alex.  4 
druck   ayogä    Ktgucozicav   gegeben.     Eine    Ver-  nennt  aufs  er  den   Kerkopen   noch   Eurybatos 


1171                      Kerkopen  Kerkopen                      1172 

und   Phrynondas ;    vgl.    auch   Apul.   Apol.  81:  s.  v.  uud  Apostol.  11,  19);  wertlos  ist  die  Notiz 

quis   Palamedes,    quis   Sisyphus ,    quis   deniquc  des   Etym.  M.    v.   xf'pxcojrfc:    sv-lrjO-gaecv  .... 

Eurybates  aut  Phrynondas  talcm  excogitavisset?  r;    &nb    (irjrgbg    K&gxcnitrjg    (BekJcer,    Anecd.    1, 

Aristoteles     (fr.    73     der    Berliner    Ausg.     aus  271,  21   KigY.coTtn:  ovoiiu  itaigctg).     Der  Name 

Apostol.    8,  12    =    Suid.    v.    Evgvßnrog;    vgl.  Theia  scheint  von  den  angegebenen  am  besten 

Gregor.  Corinth.  zu  Hcrmagor.  bei  Wals,  Bhet.  bezeugt. 

gr.  7,  2,  1277  und  Eustath.  p.  1864,  12  ff.)  hat  Die  Kerkopen  sind  mehrfach  in  der  grieehi- 
von  einem  schlauen  Dieb  Namens  Eurybates  sehen  Komödie  verwertet  worden  (Bekker, 
erzählt,  der  seinen  Wächtern  auf  listige  Weise  Anecd.  1,  271,  14  Xfpxa>i/>  6  litl  itnvnQio:  xra- 
zu  entrinnen  wufste;  aufser  diesem  wird  be-  10  acoSov fis vog) ;  allerdings  ist  es  nicht  bei  allen 
sonders  noch  der  Ephesier  Eurybates  (oder  Stücken  sicher,  ob  sie  das  Heraklesabenteuer 
Eurybatos)  angeführt,  der  an  dem  König  dargestellt  oder  unter  dem  Namen  der  Ker- 
Kroisos  zum  Verräter  wurde  (Ephoros  fr.  100  kopen  Lug  und  Trug  gegeißelt  haben;  das  erstere 
aus  Harpokr.  s.  v.  Evgvßüriig.  Apostol.  8,  12;  würde  wohl  mehr  der  Stoff  für  ein  Satyrdrama 
vgl.  Diod.  9  exe.  32.  Eustath.  und  Gregor.  gewesen  sein.  Am  häufigsten  citiert  werden 
a.  a.  0.  Schol.  Aeseh.  3,  137  und  Hesych.  s.  v.  die  Kigv.consg  des  Hcrmippos  (vgl.  Meineke,  fr. 
Jnuov.XsiSai  u.  a.  St.).  — Nikander  (bei  Apostol.  com.  1,  94.  2,  393);  Herakles  tritt  auf  in  den 
8,  12)  bezeichnet  einen  Eurybatos  aus  Aigina  Kigxanisg  des  Eiibulos  (Meineke  1,  363.  3,  229; 
(?  Überlieferung  unsicher)  als  Erzschurken.  vgl.  fr.  2  aus  Athen.  10,  417d);  die  SavTQiixi 
Alles  dies  kann  die  Echtheit  des  Kerkopen-  20  des  Piaton  führen  auch  den  Titel  Ksgytcaitsg 
namens  Eurybatos  nicht  stützen,  dürfte  sie  (Suid.  v.  THäraiv  und  Eudokia  p.  358;  vgl. 
vielmehr  im  Gegenteil  verdächtigen.  Im  Schol.  Meineice  1,  176.  2,  646);  die  Kigv-co-rtsg  des 
Luk.  Alex.  4  (=  Bachmann,  Anecd.  2,  340;  Menippos  (Suid.  s.  v.  Eudokia  p.  302)  beruhen 
vgl.  auch  Gramer,  Anecd.  3,  413)  werden  die  vielleicht  nur  auf  Verwechslung  mit  Hermippos 
Brüder  Sillos  (Syllos)  und  Triballos  genannt  (Meineke  1,  494).  Endlich  hat  Kratinos  der 
(diese  Namen  sind  auch  in  den  daselbst  angeführ-  Kigxwirig  in  seinen  Ag%ö.oxoi  Erwähnung  ge- 
fcen  Vers  des  Diotimos  geraten;  anders  urteilt  thau  (fr.  14  Meineke  2.  24  aus  Schol.  Luk. 
Meineke.  fragm.  com.  5,  15);  Sillos  bedeutet  Alex.  4  cod.  Vinriob).  Bergk ,  comment.  de 
den  Spötter,  Triballos  nach  Hesych.  s.  v.  den  com.  antiqu.  24  vermutet,  dafs  sie  bei  ihm 
Sykophanten.  Drittens  werden  die  Namen  An-  30  Sillos  und  Triballos  gebeifsen  haben, 
dulos  oder  Kandulos  und  Atlantos  (Atlas)  Die  Kerkopeu  werden  allgemein  als  novn- 
angeführt  und  als  Gewährsmann  dafür  Aischincs  goi,  ibsvßxai,  l^cnzKzrjtfigsg  und  xöXaxtg  ge- 
aus  Sardes  (tv  rnig  idußoig)  citiert  (Lobeck  schildert;  vgl.  aufser  dem  oben  citierten 
a.  a.  O.  p.  1302  schlägt  vor,  dafür  Aischrion  Homerfragment  Suidas,  Photius,  Hesychiuss.y., 
zu  setzen,  wogegen  sich  Bernhardy,  Gr.  I.3  Eustath.  Od.  1864.  32.  Tm  Etym.  M.  s.  v. 
2,  1,  546  ausspricht).  Andulos  und  Atlantos  wird  der  Name  deswegen  von  v.igSog  (Sia  xb 
geben  Harpokr.  s.  v.  KtgKcaip.  Apostol.  9,  64.  KsgSaliov)  abgeleitet;  vgl.  Festus  p.  56:  cer- 
Photius  s.  v.  Ksgy.aTrsg,  Kandulos  und  Atlas:  copa  Graeci  appellant  lucrari  undique  cupien- 
Suid.  s.  v.  Kigy.am?g.  Auf  Grund  von  Hesych.  tem,  cß(asi  nigdeovet,  quem  nos  quoqiic  lucrionem 
y.  KcivScoXog:  xctxovgyog  lyavqs  möchte  man  10  vocamus.  Daher  wurde  etyoget  Ksg-xconcov  (s. 
Kandulos  für  die  richtigere  Form  halten.  Es  oben)  sprichwörtlich  von  den  Schelmen  ge- 
bleiben noch  die  Namen  Passalos  (der  Nagel)  braucht  (Zenob.  1,  5.  Diogen.  1,  5.  Apostol 
und  Akmon  (der  Ambofs)  übrig,  welche  von  1,  18.  Gregor.  Cypr.  Mosqu.  1,  3  Macar.  1,  4) 
Nonnos  (s.  0.  =  Eudokia)  und  Tzctz.  Chil.  5,  und  asg-acoinXiiv  für  äizcträv  gesagt;  man  er- 
74  (hier  statt  Akmon  wohl  irrtümlich  Aklemon)  klärte  dabei  den  Ausdruck  etymologisierend 
überliefert  werdeu;  Akmon  ist  auch  der  Name  mit  v.sgy.co  irgoaccthsiv  (Zenob.  4,  50.  Diogen. 
eines  der  idäischen  Daktylen,  mit  denen  die  5,  51.  Apostol.  9,  64.  Gregor.  Cypr.  Leid.  2,  47. 
Kerkopen  ebenso  passend  zusammengestellt  wer-  Hesych.  s.  v.  Etym.  M.  s.  v.  Eustath.  Od. 
den  konnten,  wie  mit  den  Kyklopen  (Et.  M.  1S64,  32).  Endlich  lautet  bei  Aesop.  prov.  4 
MEßxcojrfs'  ovreo  Trgoxsgov  ty.alovvxo  01  Kvv.Xio-  50  (Paroew.  2,  228)  ein  Sprichwort:  Jjjrtöi'  'Eg- 
n?g)  oder  den  Teichinen  (Ael.  hist.  anim.  6,  58:  pf/r  yXvtliai  Kig%ona  (sie)  sylvifra. 
Ziavepov  xai  Kigv-äittov  «at  Til%fo(ov  ^gliorcti)  Über  die  Kerkopen  hat  am  besten  Lobeck, 
oder  den  Molioniden  (Tzet:.  Chil.  5,  76);  De  Cobalis  et  Cercopibvs,  wiederholt  im  Aglao- 
Lobcck  a.  a.  ü.  1296  vergleicht  sie  mit  den  phamus  p.  1296ff.,  gehandelt.  Über  die  Kunst- 
Kobaloi  (s.  d.);  sie  alle  sind  Vertreter  der  darstellungen  sind  zu  vergleichen  0.  Müller, 
niederen  Geisterwelt  in  der  griechischen  Sage.  Handbuch  d.  Arch.  §  411,  4  und  Dorier*  1, 
Auch  der  Name  der  Mutter,  die  eine  so  460.  Welcker,  Der  epische  Cyclus2  1,  383 
bedeutsame  Rolle  in  der  Kerkopensage  spielt,  Anm.  675.  Gerhard.  Auserl.  Vasenb.  2,  86  ff., 
wird  verschieden  angegeben.  Theia,  Tochter  besonders  aber  Benndorf,  Metopen  von  Selinunt 
desOkeanos,heifst  s\eZcnob.  5, 10.  Tzetz.zuLyk.  go  S  46  ("s.  auch  Heydemnnn  im  Jahrb.  d.  Arch. 
91.  Eustath.  Hom.  1864,  34  und  in  der  oben  Inst.  1  S.  281.  R.]  und  Furtwängler  im  Artikel 
angeführten  Erzählung  des  cod.  Coislin.  nr.  177,  Herakles  in  der  Kunst  Bd  1  Sp.  2214f.  und  2233, 
auch  im  Schol.  IL  m  315  nach  Lobecks  (p.  1299)  worauf  hier  verwiesen  werden  kann.  Mit  Un- 
Konjektur  (Szictg  viovg  für &iäaovg).  Memno-  recht  ist  früher  die  Darstellung  bei  Hancar- 
nis  heifst  ihr  Name  bei  Suid.  s.  v.  Kigv.coTr.sg.  ville3,  88  (Herakles  überbringt  dem  Eurystheus 
Tzets.Chil.  5,  77  und  Jfonnos  a.  a.  0.  (überl.  zwei  affenartige  Wesen  im  Käfig  =  Pygmäen?) 
Mrjuavig).  Verdorben  ist  wohl  die  Lesart  Aifivr\g  und  Millingen,  peint.  d.  ras.  pl.  35  (Satyrn 
viot  bei  Suid.  s.  v.  Mslafinvyov  tv%oig  (=  Phot.  entwenden  dem  Herakles  die  Waffen)   auf  die 


1173                    Kerkyaneus  Kerkyra                       1174 

Kerkopen  bezogen  worden;  zweifelhaft  bleibt  antichi  del  real  museo  Estense  del  Catajo  p.  92 f. 
auch  die  Deutung  der  Berliner  Vase  2359  bei  nr.  1151  auch  ein  anderes  Relief  als  „Ippotoo 
Furtwänciler  a.  a.  0.  (vgl.  0.  Jahn  im  Piniol.  27,  portato  dinnanzi  a  Cercione  dai  pastori  di  lui, 
17  ff.).  [Vgl.  auch  C.  D.  Hiülmann,  De  Cercopi-  che  sembrano  fra  se  contendcre",  findet  aber 
1ms  atque  Oyclopibus.  Col.  ad  Rhen.  1826.  Guhl,  nicht  den  Beifall  Stephani's,  Cr.  p.  l'a.  1864 
Ephesiaca  Berlin  1843  p.  1 36 — 138.195.  Ahrens,  p.  159  Anm.  1.  Zum  Artikel  Hippothoon  sei 
Kleine  Schrift.  1  p.  388  f.  F.  L.  Seitwärts,  Sonne,  hier  nachgetragen,  data  die  Darstellung  einer 
Mond  und  Sterne  p.  249ff.  Drexler.]  [Seeliger.]  Bleitessera:  ,,Equa  dm.  stans  puerum  laetans; 
IT erkyaneus  =  Kerkyon  (s.  d.  u.Kerkyoneus).  in  area  superne  noctua  dm.  stans;  ante  ccjunm 
Kerkyon  (Kegwcäv  oder  Ksgxvctvivg,  d.  i.  10  calathus"  von  Postolacca,  Ann.  d.  Inst.  1866 
Keg-xvovtvg;  s.  Wernicke ,  Jahrb.  d.  a.  I.  7,  p.  353  nr.  263,  p.  355  auf  diesen  Heros  be- 
208ff.),  t)Eleusinier,  Sohn  des  Poseidon  (oder  zogen  wird.  Ob  Stephani,  C.  r.  p.  l'a.  1864 
des  Hephaistos,  Hyq.  f.  38.  158.  238)  und  einer  p.  142  —  171  mit  Recht  Kerkyon,  Theseus, 
Toehterdes  Amphiktyon,HalbbrnderdesTripto-  Alope  auf  einem  Gorytos  dargestellt  sieht, 
lemos,  dessen  Vater  Raros  war  (Clwirilos  in  lasse  ich  dahingestellt  sein.  Drexler.]  —  2)Ar- 
seiner  Alope  b.  Paus.  1,  14,  2),  Vater  der  Alope,  kader  aus  Stymphalos,  Sohn  des  Agamedes, 
der  Mutter  des  attischen  Hippothoon;  ein  be-  Enkel  des  Stymphalos,  Vater  des  Hippothoos, 
rüchtigter  Räuber,  der  die  Fremden  zwang  mit  Paus.  8,  5,  3.  8,  45,  4.  Hya.  f.  173.  —  Charax 
ihm  zu  ringen  und  sie  tötete,  bis  Theseus  (s.  d.)  b.  Schol.  Aristoph.  Nub.  508  erzählt,  dafs  Aga- 
ihn  überwand  und  erschlug  (s.  auch  c  Alope').  so  medes,  Herrscher  von  Stymphalos,  die  Epikaste 
Paus.  1,5,  2.  1,39,3.  Byg.  f.S8. 187.  Plut.Thes.  heiratete,  die  ihm  den  Trophonios  als  Stief- 
11.  20.  Ziukian.  Tup.  trag.  21.  Ol).  Met.  7.  439.  söhn  zubrachte  und  in  der  Ehe  den  Kerkyon 
Tbis&09.  Stnt  Theb.  12,577.  Hellan. b.  Harpokr.  gebar.  Als  Agamedes,  Trophonios  und  Ker- 
p.  13,  7.  Schol.  Aristoph.  Av.  559.  Diod.  4,  59.  kyon  das  Schatzhaus  des  Augeias  in  Elis  be- 
Suid.  s.  v.  Preller.  Myth.  2.  290.  — Antimaehos  stahlen,  wurde  Agamedes  in  einer  Schlinge 
(fr..  37  Stoll,  20  Diibn.  bei  Schol.  Eurip.  Phoen.  gefangen  und  verlor  das  Leben.  Um  nicht 
150)  nennt  deu  Kerkyon  Sohn  des  Poseidon,  entdeckt  zu  werden,  hieb  Trophonios  dem 
Vater  der  Lysimache,  der  Mutter  des  Parthe-  Agamedes  den  Kopf  ab  und  floh  mit  Kerkyon 
nopaios.  Nach  Said.  v.  Movaaiog  ist  er  nachOrchomenos  inBöotien,  und  als  Augeiaa  sie 
Vater  des  Ekphantos,  Ahnherr  des  eleusi-  30  bis  hierher  verfolgen  liefs,  entwich  Trophonios 
nischen  Musaios.  Manche  identificieren  ihn  nach  Lebadeia,  Kerkyon  nach  Athen.  Die 
mit  nr.  2,  dem  Arkader,  wie  Plut.  Thes.  11.  Flucht  des  Kerkyon  aus  Arkadien  nach  Attika 
[0.  Jahn  hält  es  (Her.  d.  Sachs.  Ges.  1853  erwähnte  auch  Kallimachos  in  der  Ilekale,  in 
p.  139  Anm.  12)  nicht  für  unwahrscheinlich,  dem  von  Charax  angeführten  fr.  143  Bentl. 
dafs  die  naXcaazai  des  Pratinas  denselben  Müller,  Orchom.  95.  Preller,  Gr.  Myth.  2,  499. 
Stoff  wie  der  Kerkyon  des  Aischylos  behan-  [Stoll.] 
delten.  („Der  Ort,  wo  Kerkyon  die  Fremden  Kerkyoneus  (K^gKnov^vg),  1)  Beiname  des 
zu  ringen  zwang,  hiefs  -nctXaiaxga  Kegxvovoz  Apollon  auf  einer  Inschrift  isoevc:  'AnoXXasvog 
[Paus.  1,  39,  3],  die  Satyrn,  die  in  seine  Hand  KtQnvovicog,  C.  I.  A  3,  1203.  —  2)  =  Ab- 
geraten waren,  konnten  daher  wohl  Tialaiatai  40  Y.vavtvg.  d.  i.  Ksq-kvcdv  (s.  d.).  [Höfer.] 
genannt  werden". )  Von  Bildwerken,  welche  Kerkyra  und  Korkyra  (KiQ-xvQct,  Koqxvqu), 
den  Kampf  des  Theseus  und  Kerkyon  dar-  Tochtfr  des  phliasischen  Flnfsgottes  Asopos 
stellen,  ist  zu  nennen  eine  Metope  des  The-  und  der  Arkaderin  Metope,  von  Poseidon  auf 
seion,  Stuart,  Ant.  of  Athens  3,  1  PI.  13,  12.  die  nach  ihr  benannte  Insel  entführt,  wo  sie 
Marbles  of  the  Brit.  Mus.  Tom.  9  PL  21;  ihm  den  Phaiax  gebar,  Paus.  2,  5,  2.  5,  22,  4. 
[ Baumeister ,  Verikm.  d.  kl.  Alt.  Fig.  1864.  Schol.  Find.  Ol.  6,  144.  Ap.  Eli  4,  568.  Diod. 
Röscher.];  ferner  eine  Anzahl  Vasen,  welche  4,  72.  Hellanikos  b.  Steph.  B.  v.  #«(.«£.  Schol. 
Gerhard,  Auserlesene  Vasenbilder  3  p.  33  TA.  234  Od.  13.  130.  [Das  Haupt  der  Korkyra  erkennt 
verzeichnet  [s.  auch  Arch.  Ztg.  41  S.  11  f.  43,  258.  Gardner  auf  dem  Obv.  von  Bronzemünzen  von 
Baumeister  a.  a.  0.  Fig.  1873.  Jahrb.  d.  a.  I.  7,  50  Kerkyra:  ,,KOPKYPA  Head  of  Corcyral.,wearing 
208 f.];  [s.  ferner  0.  Wulff,  Zur  Tlieseussage.  wreath  of  ivy  and  earring.  jRs.  Wreath  of  ivy", 
Dorpat  1892:  2.  Die  Theseusathlen  auf  den  Cot.  ofGreek  Coins  [in  the  Brit.  Mus.]  Thessaly 
Metopen  des  sog.  Theseion  und  in  der  rotfig.  to  Aetolia  p.  132  nr.  290—294,  PI.  23,  15;  vgl. 
Vasenmalerei;  Heydemann,  Khein.  Mus.  1881  (ohne  Beischrift)  noetoXcixag,  KurdX.  tcöv  äox- 
p.  469  nr.  5.  Klein,  Die  gricch.  Vasen  mit  voyLeiiaToyv  Kig-nvQag,  AivxaSog  'i&citirjg  ... 
Meistersignaturen  p.  194  nr.  7;  die  Deutung  p.  20  nr.  221  ,.KicpctXi]  hauxrig  ßorgvei  jrtpi- 
der  Darstellung  eines  Gefäfsdeckels  auf  diesen  ßEßXrifisvr]  ng.  S.'1;  ferner  erkennt  es  de  Witte, 
Kampf  durch  de  Witte,  Descr.  d'une  coli,  de  Ont.  Gfreppo  p.  78  nr.  581  auf  dem  Obv.  einer 
vases  peints  et  bronzes  ant.  provenant  des  fouilles  kleinen  Silbermünze:  „ Tete  de  la  nymphe  Cor- 
de l'Etrurie.  Paris  1837  p.  66 f.  nr.  114  =  eo  cyra,  avec  le  diadtme,  ä  dr. ;  derriere  K.  i?s. 
Cat.  Beugnot  p.  43  nr.  44  wird  von  Stephani,  Grand  astre" ;  vgl.  Coli.  Bompois  80,  1003: 
C.  r.  p.  l'a.  1S67  p.  23  Anm.  4  verworfen.  „Tete  de  nymphe" ;  weiter  Gardner,  Bompois 
EinSarkophagreliefderVillaPanfilistelltdar  nnd  Postolakas  in  einem  mit  der  Stephane 
denkleinenHippothoon,  von  der  Amme  demKer-  oder  dem  Epheukranz  gezierten  Haupte  neben 
kyon  überbracht,  Stephani,  C.  r.  p.  l'a.  1863  dem  des  jugendlichen  Herakles  auf  dem  Obv. 
p.  187  nr.  64,  mit  Litteraturnach weisen,  und  von  Bronzemünzen,  deren  Rs.  das  Vorderteil 
p.  l'a.  1864  p.  159  —  165.  Fragweise  deutet  eines"  Schiffes  nnd  die  Beamtennamen  API- 
Cavedoni,  Indicazione  dci  principali  monumenti  ZTEAI     APIITQNOX     oder     <t>IAQTAZ     zeigt, 


1175                     Kerkysera  Kestrinos                      117fi 

C.  G.  C.  Brit.  Mus.  Thess.  p.  146  nr.  493—  498;  Sp.  71  ff.  Röscher.]  [—  2)  dichterische  Be- 
ll. 152  nr.  557 — 560;  Coli.  Bompois  r>.  SO  nr.  1010;  Zeichnung  der  Selene,  Manetho,  Apntelesmatica 
rioGToldxctg  p.  32  nr.  396 — 399;  p.  35f.  nr.  449  A'  282;  sowie  Beiwort  derselben,  Manetho 
— 451,  während  L.  Müller,  Muse'e  Thorvaldsen  ?'  138.  593.  640;  A'  271.  ISTonnus,  Dionysiaca 
p.  252  nr.  43.  44  und  Cohen,  Cat.  Greau  p.  110  23,  309:  rctvgocpvrig  Y.Egoseßtt  ßoäv  iXdzzigcc 
nr.  1299  vielmehr  Oraphale  erkennen  wollen.  SsXrjvrj;  vgl.  Boscher ,  Selene  p.  20  Amn.  64, 
Abzuweisen  dürfte  de  Wittes,  L.  Müllers,  B  oll  in  p.  123  Anm.  525;  Mgvrj  KtgofCGa.  Manetho 
et  Feuardents,  Cohens  Deutung  eines  belorbeer-  s' 44;  A'  26.  64.  Drexler.]  [Stoll.] 
ten  Hauptes  als  Korkyra  sein  für  den  Obv.  yon  Kerphios(?)  (Kigtpiog?):  zweifelhafter  Name 
Bronzemiinzen  mit  verschiedenen  Reverstypen:  10  eines  Sohnes  des  Aiolos,  Vaters  des  Ormenos, 
Dreizack,  L.  3Iüller  p.  95  nr.  508;  Bollin  et  des  Gründers  von  Ormenion  in  Thessalien: 
Fcuardent,  Cat.  d.'unc  coli,  de  med.  des  peuples  Beutet r.  Sceps.  b.  Strah.  438.  Andere  lesen 
et  villes  de  la  Grcce  1  p.  214  nr.  3260;  Amphora,  statt  KtgcpLoi>  Ksg-näcpov.  [Röscher.] 
L.  Müller  p.  253  nr.  49;  ArP6YC,  L.  Müller  Kerthe  (Ksg&rjX  Thespiade,  von  Herakles 
p.  252f.  nr.  47.  48;  Dionysos  auf  Panther,  L.  Mutter  des  Iobes,  Apollodor  2,  7,  8,  s.  oben 
Müder  p.  253  nr.  59;  ZEYC  KACIOC  (hier  mit  Bd.  2  Sp.  282.  Unwahrscheinlich  macht  Fr. 
der  Obv. -Aufschrift  KOPKYPA  und  einer  Leier  Lenormant ,  Gaz.  urch.  2  p.  126  und  Lettres 
vor  dem  Haupte),  L.  Müller  p.  252  nr.  45.  46:  assyriologigues  2  p.  190  zu  ihrem  Sohn  den 
de  Witte,  Cat.  Greppo  p.  79  nr.  588;  Cohen,  Iolos  =  Iolaos  und  bemerkt  über  ihren 
Cat.  Greau  p.  110  nr.  1300;  Bollin  et  Feuar-  20  Namen:  ,,On  en  fait  l'une  des  Thespiades, 
dent  I  p.  215  nr.  3261.  Hier  erkennt  Gardner  mais  il  est  impossible  de  nc  pas  etre  frappc 
wenigstens  für  den  zuletzt  angeführten  Typus  de  l'analogie  de  son  nom  avec  le  plie'nicien 
(p.  153f.  nr.  570 — 577)  vielmehr  Apollon,  wäk-  nip  „la  ville",  Clement  essentiel  du  nom  indi- 
rend  er  freilich  seinerseits  das  Haupt  der  gene  de  Carthage  P'ain  r^p  .Ja  rille  neuve"; 
Korkyra  sehen  will  in  der  belorbeerten  Büste  Certha  est,  du  reste,  comme  Carthada,  le  nom 
des  Obv.  von  Bronzemünzen  mit  dem  Revers-  d'un  des  quartiere  de  Carthage,  ,.la  cite"  par 
typus  eines  Schiffes  mit  Ruderern  und  der  excellence  (mp)  .  .  .  Le  Iolos,  fils  d'Heraclcs 
auf  Vorder-  und  Rückseite  erscheinenden  Auf-  tt  de  Certha,  me  parait  donc  avoir  du  etre  ä 
schritt  KOPKYPAICON.  Mit  Unrecht  auch  sehen  Vorigine  le  jeune  dien  carthaginois ,  fils  de 
L.  Müller  p.  253  nr.  52  und  de  Witte,  Cat.  30  Khammon  et  de  Tani.t ,  identifie  ä  la  cite 
Greppo    p.   79    nr.    591    Korkyra   in    der    von  qu'elle  prote'ge."     [Drexler.] 

TloeTo7.tiY.cic  (p.  37,  463.  467:   40,  489:   42,  501;  '    Kerillkos    (KsgovXKoa)     =     Apollon;     Suid. 

49,  543),  Gardner  (p.  159,  635,  PL  26,  2;  636;  s.  v.  K.  o  'Aitollcov.     Vgl.   auch    Hesi/ch.  s.  v. 

p.  160,  643—645;  649,  PL  26,  5;  650;  p.  161,  [Röscher.] 

653;  658;  p.  163,  674;  p.  165,  688,  PL  26,  13;  Kerus  =  Cerus  (s.  d.i. 

p.  166,  696.  697.  699)  und  Read,  ET.  N.  p.  277  Kerynes  (Ksgvvrjg),  Sohn  des  Temenos,  der 

als     Ares     erkannten     stehenden     Figur     auf  mit    seinem    Bruder    Phalkes    ihre    Schwester 

Münzen  verschiedener  Kaiser.    Drexler.]      [Die  Hyrnetho,  Gemahlin  des  Deüphontes,  Herrschers 

Insel     Korkyra     ist     ferner     dargestellt     auf  von  Epidauros,  rauben  wollte,  aber  von  diesem 

einem    Relief    (Corr.    hellen.    2    pl.    12):    vor  la  getötet  wurde,  Bans.  2,  28,  3;   s.  DeTphontes. 

einem  links  auf  einem  Felsen  sitzenden  bärti-  [Stoll.] 

gen  Mann,  in  dem  wir  wohl  eine  Personiflka-  Keryx    (Kfjovi;),    der    Stammvater    der   im 

tion  des  drjuog  rmv  'A%r\va(a>v  zu  sehen  haben,  eleusinischen  Dienste  thätigen  Familie  der  Ke- 

steht   eine   Frauengestalt   im    Peplos,    die  mit  ryken,    nach     der    Behauptung    der    Keryken 

der  rechten  Hand   ihren   Schleier   hebt,   wäh-  selbst  ein  Sohn  des  Hermes  und  der  Kekrops- 

rend  sie  die  linke  auf  die  Hüfte  stützt;  weiter  tochter   Aglauros,    und    nicht    des    Eumolpos, 

nach  rechts  steht  Atbena;  es  handelt  sich  um  wie  andere  sagten  (Paus.  1,  38,  3.   Hesjich.  und 

einen  Vertrag   zwischen   Athen   und    Kerkyra,  Suid.  v.  Kr)gv*£g),  Sohn   des   Eumolpos,   sowie 

Kiihler  in  C.  I.  A.  2,  496   p.  398.     Dumont  in  auch  Vater   eines   zweiten  Eumolpos,    Andrem 

Corr.  hellen,  a.  a.  0.  560.  562.  Höfer.]    [Stoll.]  50  b.  Schol.  Soph.  0.  C.  1051.  Bollux  8,  103.     Er 

Kerkysera   (Keg-nvaiga),    Name    des   Achil-  heifst  auch  Sohn  des  Hermes  und  der  Kekrops- 

leus,    als   er  verkleidet  unter  den  Jungfrauen  tochter  Pandrosos,  Androtion  b.   Phot.  p.  671, 

bei  Lykomedes  in  Skyros  lebte,  AristoniJcos  v.  16.     Schol.    Tl.    1,   334.      Loheck   Aal.    1,   213. 

Tarent  b.  Btol.  Eephaest.  Nov.  Hist.  1  p.  183  [Mehr  b.  Töpffer,  AH.  Genau.  25.  80ff.    Dittcn- 

Westermann.     [Stoll.]  herger  im   Hermes  20,  lff.  Röscher]     \Bohde, 

Keroessa  rKtgösaea.  die  Gehörnte'),  l"l  Tochter  _P.«/c^  p   120  Anm.  2.     Drexler.]     [Stoll.] 

der  Io  und   des   Zeus,    zu   Byzantion   auf  der  Kesandra  (KEIANAPA^  ==  Kassandra  (s.  d.), 

Halbinsel  Keras  geboren  und  von  der  Nymphe  Amphora  in  Wien,    p.  Sacken  u.   Kenner,  Die 

Semestra  aufgezogen,  von  Poseidon  Mutter  des  Sammlungen    d.     K.    K.    Münz-    u.    Antiken- 

Byzas,    des  Gründers   und  Königs  von  Byzan-  60  Kahinetfs  p.  199  nr.  100.     [Drexler.] 

tion;  auch  Mutter  des  Strombos,  der  den  Byzas  Kestria  (Keatgia),  Tochter  des  epirotischen 

und  die   Byzantier  bekriegte,  Steph.  B.  v.  Bv-  Königs   Campus,   Gemahlin   des   Helenos,    der 

tavtiov.    Eustath.  zu  T)ion.   Per    803.    Prokop.  r\i?  Chaoner  nach  seinem  Schwiegervater  Campi 

de  aed.  1,  5     Eesych.  Mil.  b.  Müller,  fr.  hist.  nannte,  Serv.  Verg.  A.  3,  334.     [Stoll.] 

nr.  4  p    148,  8.  9.  150,  20.  Müller.  Dm:  1,  120.  Kestrinos  (Kiatglvog),  Sohn  des  Helenos  und 

Prolegg.   133.     [Vgl.  auch  die  schönen  Münzen  der  Andromache,  der  die  Landschaft  Kestrine  in 

von   Byzanz   mit    dem    Bilde    der   'K.    in    der  Epirus  gewann  und  nach  sich  benannte,  Paus.  1, 

'Ecprip.   ägx-    1889   niv.   1    nr.  7  —  9    und   Text  11,  2.  2,  23,  6.    Steph.  B.  v.  Kafifiavia.    [Stoll.] 


-1177                      Kestros  Ketos                        1178 

Kestros  (Aiargog),  1)  Trojaner,  von  Neopto-  von  Pergauion,  K.  und  Selinos,  erkennt  Hubert 

lemos  vor  Troja  erlegt,  Qu.  Sm.  8, 298.  [Stoll.J  {Jahrb.  d.   arch.  Inst.   3  S.  94)   in  den  beiden 

—  [2)Flujfigott,  dargestellt  auf  Münzen  des  Marc  gelagerten  Männergestalten  einer  die  Gründung 

Aurel    (Waddingtun,    Mevue  num.  1852   p.  44  vonFcrgainondarstellendenPlattedespergamen. 

nr.  1)   und  Claudius  Gothicus   von   Sagalassos,  Telephosfrieses.  Röscher.]      [Drexler.J 

(Heilerin,  Eec.  3  p.  XX.    MdL  2  p.  368.    Eckhel,  Keten(Ä'fir/j'/i,  mythischer  König  von  Ägypten, 

D.  N.  V.  3  p.  25.  Mi.  3,  526,  133.   Head,  H.  N.  von  den  Griechen  mit  Proteus  (s.  d.)  identi- 

p.  592)  mit   der  Beischrift  KECTPOC  gelagert,  Meiert,   weil   von   ihm    erzählt  wurde,   dafs  er 

in   der  R.   ein  Rohrbüschel,   d,    1.   Ellenbogen  nvsv iiätav    i%av    i\x,nngiav    nun   ttjv    fioqcfiriv 

auf    der    Wasserurne.       Merkwürdig    ist    der  10  ^Bzu^äXlnv   öte    fitv    tig    '(,äcav   xvnovq  ots  d'i 

Typus  einer  Münze  des  Gallienus  bei  Imhoof,  eis  dsvägov  i)  nvg  ij  ti  täv  allu>v.     Diod.  Sic. 

Grieeh.  Münzen  p.  699   nr.  508:    „CAMAAAC-  1,  62.      Vgl.   Herod.    2,   112    und    Wiedemann, 

C6S2N.     Riesenhafte   (?)    männliche    Figur    in  Herod.  3.  Buch  S.  431ff.     [Röscher.] 

langem    Chiton,    der    die   r.   Seite    des    Ober-  Keteus  (Ktjzsvs),  Arkader,  Sohn  des  Parthis 

körpers   entblöl'st   läfst,    r.  h.    schreitend,   die  und  der  Archiloche,  Bruder  des  Paros;  zeugte 

R.,    wie    zum    Schlage    ausholend,    über    den  mit  Stilbe  die  Kallisto,  Schol.  Eur.   Or.   1642. 

Kopf  erhoben,    und  mit   der  L.   einen   neben  Pherekydes  b.  Apoüod.  3,  8,  2.    Oder  Sohn  des 

ihr  r.    h.    schreitenden    Stier    mit    erhobenem  Lykaon,  Vater  der  Megisto  (=■  Kallisto),  unter 

Schweif    an    einem     der    Hörner     packend",  die  Sterne  versetzt,    Ariaithos  b.  Hyg.  1'.  A. 

eine    Darstellung,    welche    mit  der  ßeischrift  20  2,  1  u.  6.   Heyne,  Obss.  Apoüod.  a.  a.  0.     [Vgl. 

KGjCjTPOC   auf  einer  Münze   des  Volusianus,  auch   Wolters  in  der  Arch.  Ztg.  43  S.  266  u. 

Imhoof  p.  700  nr.  509  Tfl.  2,  11.    Sestini,  Lett.  267   Anm.  4.   Röscher. j     \_Frane,  De  Callistus 

num.  cont.  8,  92   TU.  2,  11.    Mi.  3,  515,   129  fdb.  p.  305.  345f.    Drexler.J     [Stoll.J 

(falsch    „Femme    assise    sur   un   Hon   courant  Ketios  =  Keteios  (s.  d). 

ä  dr.")   wiederkehrt.     Imhoof  bemerkt  dazu:  Keto    (Ki)zm),    1)   Tochter   des   Pontos   und 

„Auf  den  Münzen  nr.  508  und  509  scheint  der  der    Gaia,     welche    mit    Phorkys    die    Graien, 

Stier    den   Plufs    darzustellen    und    von    einer  (Jorgonen  .und    den   Drachen   zeugte ,    der   die 

Gottheit,    die  nicht  Herakles    ist,    in   seinem  goldnen    Äpfel    bewachte,    Hes.    Theog.    238. 

Laufe   angehalten  oder  bekämpft  zu  werden."  270  ff.   333.    Apollod.    1,   2,   6.     2,   4,   2.     Hyg. 

Head,  H.  N.   p.  585  erkennt  fragweise  (s.  Ee-  30  praef.   p.  28  f.   Bunte.    Lucan.    Phars.    9,  646 ; 

gister  p.  801)   den   Kestros   auch    auf   Münzen  vgl.  Find.  Fyth.  12,  13.     Auch  gebar  sie  dem 

von  Perga  (Mi.  3,  463,  95,  Septimius  Severus),  Phorkys    die    Hesperiden,    Schol.    Ap.    Rh.   4, 

sowie    zu  Pulsen   der  Stadtgöttin   auf  Münzen  1399.   Gemahlin  des  Typhon  nannte  sie  Eupho- 

von    Sillyon,    p.   588    {Mi.   S.    7,   84  f.,  268.  rion    b.    Et.   M.    p.   396,    31.     Schümann,   Op. 

Sestini,    Lett.  num.   cont.    8    p.  89    nr.  9.    10,  Acad.   2,    176  ff.    181  ff.     Braun,    Gr.    Gotteil. 

Salonina).     Drexler.J  §  102  ff.    Preller,  Gr.  Myth.  1,  459.    Gerhard, 

Keteios   (Är/taos),   Flufsgott,   erscheint  zu-  Gr.  Myth.  1  §105.  Boscher,  Die  Gorgonen  23  f. — 

sammen    mit    Seleinos,     beide    kenntlich    ge-  i)  Eine  Nereide,   Apollod.  1,  2,  7.  —  3)  Eine 

macht  durch  die  Beischrift  CGACINOC  KHTGIOC  .Naiade,  vom  Geschlechte  des  Ukeanos,  Mutter 

auf  Münzen   des    Marc    Aurel   von   Peigamon,  40  des  Deriades,  Konn.   Dion.  26,    365.     [Stoll.J 

gelagert,  nach  Spanhemius  mit  einem  Eppich-  Keton  s.  Ketos  3. 

zweig  in  der  Hand,  zu  Füfsen  der  Statue  des  Ketos  (KBTOM),    1)  Beischrift  des  Seeunge- 

Asklepios,  Spanhemius,  De  pjratsl.  et  usu  num.  lieuers    [welches   die  Andromeda   verschlingen 

ant.    1    p.   507  —  508    (Kabinett    der    Königin  sollte;  vgl.  die  Stellen  bei  Nauclc,  Fr.  trag,  gr.1 

Christine  von  Schweden).     Yaülant,  Num.  Gr.  S.  312f.     Apollod.  2,  4,  3.  Roscher.J    auf  einer 

p.  55    (Kab.    des    Grofsherzogs    von    Tot>cana,  Amphora  aus  Caere  mit  der  Darstellung  der  Be- 

CEAE1NOC  KETIOC)  =  Eckhel,  D.  K.  V.  2  p.  472.  freiung  der  Andromeda  durch  Perseus,  Monum. 

Mi.  2,  602,  582.    Mi.  S.  5,  442,  1012  =  bestini,  d.   Inst.    10    tav.   52.    Löschckc ,  Ann.  d.  Inst. 

Descr.  N.   V.   p.  291   nr.  33  Tab.  7,  7    ^EAEI-  1878    p.   301-316.    liobert,  A.  Z.    1878  p.  16. 

NOYC  •  KHTEIOC).    Sestini,  Mus.  Hedeivar.  2,  50  Furtwängler,   Vasensammlung  im  Antiquarium 

118,  51  (CEAEINOYC  •  KHTEIOC).  Num.  Chiron.  nr.  1652.    Dumont  et  Chapilain ,  Les  ceramiques 

1882    p.  37    PI.  2,  3.      II.    M'roth,  Cat.  of  the  de  la  Grece  propre  p.  253f.    nr.  14.     Das  tote 

greek  coins  of  Mysiu  p.  146  nr.  287  (CGA6INO[CJ  Ungeheuer  glaubt  v.  Sollet,   Zeitschr.  f.  Num. 

KHTöOCj.     Cat.   Ivanoff  24,   222;  ebenso  auf  13,    1885   p.  7 3 f.   auf  einer  Münze  des  Valeria- 

Münzen  des  Marc  Aurel  zu  Füfsen  der  Tyehe,  nus   sen.   von   Koropisos   mit   der  Darstellung 

Pelltrin,  Suppl.  2  PI.  4,  2  p.  7 Off.  Mi.  2,  602,  des  Perseus  und  der  Andromeda  und  der  Re- 

583  (KHTIOC  •  C6AINOC).    Auf  einem  Medaillon  versaufschnft     KOPOTTaCeWN     "HC     KIHTGJN 

des  Commodus  soll  dargestellt  sein:  „Iuppiter  MTTPOTTO    zu    erkennen.     Er  vermutet,    dafs 

iuvenis  slans  inter  capita  Solis  et  Lunae,  dextra  das  jhjtos  das  gemeinsame  Abzeichen  der  Land- 

fulmen,  laeva  hastam  tenet:  in  imo  hinc  figura  60  schaft  Äiyng  ist.     Vgl.  auch  d.  Art.  Kepheus, 

Seiini,   Mine  Cetil,  fluviorum,  intermedia  lovis  Kephenes,Kassiepeia, lope, Perseus, Andromeda. 

aquila",  Morelltus,  Specimen  univ.    rei  numm.  —   2)    Auf    einer    Vase    mit    der    Darstellung 

ant.  13.33  Tab.  1,3.    Spanhemius,  Epistola  IV  der  Flucht    des    Perseus    vor    den    Gorgonen, 

ad   Morellium   p.  209,   238ff.     Gefsner,    Impp.  Ann.  d.  Inst.    1866   Tav.  R  p.  2a8ff.     Brunn, 

Tab.  123, 10.  Eckhel 2 p. 472.  Mi.  S.  5, 446,  1041.  Bull.  d.  Inst.  1865  p.  148  erkennt  Heydemann, 

Allein   mit   der   Beischrift  KHTEIOC   findet   er  Bhein.  Mus.  1881  p.  471  nr.  10   in   der   neben 

sich  auf  einer  Münze  des  Aelius  Caesar,  Wrotli  der    Meduse     befindlichen    Beischrift    OETOS 

p.  144  nr.  277,    PI.  28,  18.     [Beide  Flufsgötter  „<pETOI  (n<>os)  als  Bezeichnung  der  schreck- 


1179                      Ksv&ijveg  Kewan                        1180 

liehen  Medusa,  welche  nach  Hesiods  Theogonie  erklärt  worden  ist.  Auch  auf  der  Münze  des 
(270  ss.)  ja  eine  Tochter  der  Keto  war  und  Antiochos  XII.  ist  wohl  Hadad  zu  sehen, 
daher  als  f*ijros'  sehr  wohl  bezeichnet  wer-  BeidieserGelegenheitrnögeneinigeBildwerke 
den  konnte  (vgl.  dazu  ihre  Benennung  als  zu  Hadad  (Iuppiter  Heliopolitanus)  nachgetragen 
öslvov  nikmQOv  bei  Rom.  IL  5,  741  und  Od.  werden.  Auf  eiuem  1838  in  Marseille  gefun- 
11,  634.  Hes.  Heut.  233)".  —  [3)  Das  Meer-  denen  Marmorrelief,  welches  ins  Musee  Calvet 
ungeheuer,  welches  in  der  Hesionesage  (s.  zu  Avignon  gelangt  ist,  Stark,  Arch.  Anz. 
Hesione)  eine  Rolle  spielte,  nach  der  euherne-  1853  p.  365,  wollte  R.  Bazin,  Bev.  Arch.  3eser. 
ristischen  Auffassung  bei  Palaeph.  38  eigent-  8.  1886  p.  257  tf.  PI.  26  Artemis  Diktynna  dar- 
lieh ein  König  Krjrav.  —  4)  S.  Sternbilder.  10  gestellt  sehen,  während  Wolters,  American 
Röscher.]     [Drexler.]  Journ.    of  Arch.  6  1890  p.  65 ff.  Fig.  14  ZeÜs 

Ktvfhfjvss'  ot  w.cctu%&ovioi  öaigovss  Suidas.  'HXionoXiriß    erkannte.      Eine    Bronzestatuette 

Vgl.  Katachthonioi.     [Koscher.]  des   Gottes  im  Antiken-  und  Münzen-Kabinett 

Keutüonyiiios    (Kiv^ävvfiog) ,     Vater     des  am  Joauneum  zu  Graz  hat  W.  Gurlitt,  A. E. M. 

Menoitios    (s.    d.),    des   Wächters    der    Rinder  14.    1891   p.  120  —  125   bekannt  gemacht.     Zu 

des    Hades,   Apollod.  2,  5,  12;    vgl.   Wagmr,  der  oben  angeführten  Münze  des  Antiochus  XII. 

Epit.    Vatic.   p.   33.      Tzetz.    Chiliad.    2,    397.  bemerkt  Imlioof,  Monn.   gr.   p.  437,   dal's   der 

[Höfer.]  Typus   durch   die   beiden  Stiere   an  der  Basis 

Kewan,  der  Planet  Saturn,  assyrisch  Ka-ai-  an    die    Gottheiten    der   Münzen    von    Rhosos 

va-nu,    II  .  A.  I.  2,   32,   3   1.  25.     Lenonnant,  20  (Imhoof,  Monn.  gr.  p.  440  nr.  8.     Choix  PL  7, 

Essaidecommentairedesfragmentscosmogoniqucs  22s),   Hierapolis   in   der   Cyrrhestika,   Dion   in 

de   Be'rose   p.  373  Anm.   1  zu   p.  370.     Oppert,  der   Dekapolis   (Mi.   5,  322,  18—20.  Suppl.  8, 

Journ.  asiatique  1871  p.  445.   Sehrader,  Monats-  226,7;   de  Saulcg,  Numismatiaue  de  la  Terre 

berichte  d.  Berliner    Akad.    1880    p.    275    und  Saude  PI.  19,  9)  und  Neapolis  in  Samaria  (Mi. 

Die  Keilinschr.    u.   d.    A.    T.    2.  Aufl.   p.  443.  5,  501,  79—81;  503,  95.  96;  Suppl.  8,  348,  66. 

Arnos  5,  26   erwähnt  ihn   als  Sternengott  der  Sanclemetde  3  Tab.  38,  46)  erinnert.    Ich  habe 

Bewohner  des  Nordreichs.     Movers,  Phoen.  1  oben  gegen  Studniczkus   (A.  E.  M.   8   p.  61  f.) 

p.  289.     Lenormaut  a.  a.  O.  p.  124.     Schrader,  Bezeichnung  des  Götterbildes  auf  den  Münzen 

Theol.  Stud.   u.  Krit.    1874  p.  827   und  K.  u.  von  Neapolis  und  Eleutheropolis    als  Iuppiter 

d.  A.  I.    2.  Aufl.  p.  442 f.     Baethgen,  Beitr.  z.  30  Heliopolitanus  Bedenken  ausgesprochen.    Doch 

sentit.    Beligionsgesch.    p.   239.      Letzterer    be-  wirft  Gurlitt  a.  a.  0.  p.  122  Anm.  3  mit  Recht 

merkt:    „Sakkut   wie    Kevan    sind    assyrische  dagegen    ein,    dafs    wenn  Eckliel   den    Typus 

Gestirngottheiten,    welche   die    Israeliten    von  von  Neapolis  für  weiblich  gehalten  habe,  dies 

den  Assyrern  angenommen  hatten  und,  wie  es  nichts  gegen  Studniczkas  Deutung  beweise,  da 

scheint,   mit  ihrem   Moloch   (König)    und   der  auch  das  Lenormantsche  und  Bazinsche  Relief 

aramäischen    Gottesgestalt   Selem,    die    unter  und   die  Grazer  Statuette   früher   für  weiblich 

den   Israeliten  Anhänger  gehabt   haben   mufs,  angesehen  wurden.     Bei   einer  Durchsicht  der 

in    Verbindung    setzten,    sodafs    ein    Sakkut-  im  Berliner  Kabinett  befindlichen  Münzen  von 

Melek   und   ein   Kevan-Selem   entstand.''     Bei  Neapolis    bemerke   ich,    dafs    wenigstens    ein 

dfti  Ssabiern  wird  er  bezeugt  durch  JS'orberg,  to  Stück,    eine    Münze    des    Marc   Aurel,    sicher 

Cod.  JS'as.  p.  54.    Movers  p.  290.    Den  „Kewan,  eine  männliche  Statue,  mit  Kalathos  auf  dem 

welcher   seine  Kinder  f'rifst"    kennt  als  Gott-  Haupt,   Geifsel  in   der  R.,   zwei  Ähren  in  der 

heit   der   Syrer   der  h.   Ephraemius  II   p.  458.  L.,    unten    rechts    und   links    Vorderteil    eines 

Movers  a.  a.  0.     Lenonnant  a.   a.   0.   p.  124.  Zebu,  darstellt.    Von  Gemmen  führt  Studniczka 

Die     arabischen    Lexika    verzeichnen    Keiwan  a   a.  0.  p.  62  Anm.  6  an  die  bei  Lajard,  Culte 

als  Namen  des  Saturn,  Movers  und  Lenonnant  de  Venus  PL  3  B,  6;  5,  2;  14  A,  8  abgebildeten, 

a.   a.   U.      Den    Baal    Kevan     will     Babelon,  Es   dürften  hierher  aber  auch  noch   folgende 

Les  rois  de  Sgrie,  d'Annenie  et  de  Commagene  gehören:   Lajard,   Culte  de   Venus  PI.  14  G,  5. 

p.CLXXIIIerkennenauflolgenderTetradraehme  Jaspe  rouge,  Coli,  de  Montlezun:  Götterbild  mit 

des  Antiochos  XII  Dionysos  in  Dresden:  „Tete  so  Kalathos,    Strahlenkrone,   Geifsel    in    der  er- 

diademee  d' Antiochus  XII.  a  dr.  Bs.  BAXIAEftX  hobenen   R. ,   langer  Ahre(?)   in   der  L.,   zwei 

ANTIOXOY  EniOANOTI  QIAOTTATOPOI  KAA-  Stiervorderteilen     zu     Fülsen;      A     Catal.     of 

AINIKOY.     Divinitc  barbue,  de  face,  entre  deux  engr.   gems   in   the   Brit.    Mus.    London    1888 

taureaux  couches,  sur  une  base  ä  deux  degres.  p.  109  nr.  772:  Artemis  of  Ephesus,  with  modius 

Le  dieu  est  coiffe  d'un  bonnet  pointu,  vetu  d'un  on  head,  ears  of  com   m  r.   hand;  Jlail  in  l. 

chüon  long,  avec  unelatge  ceinture  nouee  autour  hand;  an  animal  at  each  side;  rüde  execution. 

du  Corps,  et  d'un  peplos  agrafe  sur  le  cou.    Ses  Sard.  ,-nr.  773:  Artemis  of  Epliesus  with  modius 

deux  mains  sonte'tendues;  dans  la  gaucheil  tient  on  head;  ear   of  com   in   l.   hand,   whip    in  r. 

«»  epi  avec  deux  feuilles.     Le  degre  superieur  hand;  at  her  feet,  tuo  diminutive  oxen.    Brown 

de  la  base  parait  porter  une  inscription.    Dans  go  Jasper.     Tgre    (man    beachte    die    Herkunft!). 

le  champ  ä  gauche,  le  monogr.  nr.  14S ;  ä  l'exergue,  Merkwürdigerweise  zeigt  ein  derartiges  Götter- 

la  date  A5KX  (=  an.  227).  Couronne  de  laurier  bild  mit  zwei  Ähren  in  der  R.,  Geifsel  in  der 

au  pourtour1'    =    Imhoof,    Monnaies  grecques  L.,  zwei  Stieren  zu  Füfsen  auf  einem  Karneol 

p.  437.    Babelon  erkennt  in  der  Figur  dieselbe  bei  Caglus,  Beeueil.  d'ant.  6  PI.  45,  1  drei  Köpfe, 

Gestalt,  welche  auf  Münzen  von  Hierapolis  in  sodafs  es  kaum  anders  als  mit  Gtrhard,  Ant. 

der  Cyrrhestica  erscheint  und   von  Six,  Num.  Bildw.   307,   36   p.  91,  3961'.   Hekate   benannt 

Chron.   N.    S.    18,    1878   p.   111,  120   für   Baal  werden   kann;   indessen   Petersen,    A.    E.   M. 

Kevan,  von  mir  oben   1   Sp.  19891'.  für  Hadad  5  p,   74t'. ,    DD,  f.    zweifelt    an     der    Echtheit 


1181  Keyx  Kibyras  1182 

des  Steines.  Vielleicht  beruht  auch  die  Drei-  Apollod.  2,  7,  7.  Auch  Hylas  heifst  ein  Sohn 
köpfigkeit  nur  auf  ein^m  Versehen  seitens  des  Keyx  bei  Ant.  Lib.  26.  Über  das  hesiodeische 
Caylus'  und  seines  Zeichners  infolge  schlechter  Gedicht  von  der  Hochzeit  des  Keyx,  welche 
Erhaltung  des  Steins.  Dals  derselbe  that-  er  wohl  einem  Sohn  oder  einer  Tochter  aus- 
sächlich beschädigt  ist,  zeigt  die  am  oberen  richtete  und  zu  welcher  Herakles  als  Freund  und 
Teile  auf  der  Abbildung  sichtbare  Abschabung,  naher  Verwandter  ungeladen  kam  (Athtn,  5, 178), 
welche  Petersen  irrig  für  den  Mond  in  Wolken  s.  Müller,  Dor.  1,457.  2,  481.  Preller,  Gr.  Myth. 
ansah.  Ferner  dürften  hierher  gehören  zwei  2,247  u.  248,  1.  —  Müller,  JDor.  1,  416.  Preller 
Gemmen  der  Bibliotheque  imperiale  bei  Cha-  2,  246  ff.  —  2)  Sohn  des  Heosphoros  und  der 
bouillet  p.  222  nr.  1616:  Ceres,  ou plutöt  Xoanon,  10  Nymphe  Philonis,  Gemahl  der  Alkyone,  einer- 
ou  simulacre  de  Ceres,  sur  une  base.  La  cleesse  Tochter  des  Windgottes  Aiolos.  Beide  Gatten 
est  repre'sentee  debout,  avec  le  modius,  eile  tient  nannten  einander  aus  Hochmut  Zeus  und  Hera 
d'une  main  un  fouet  et  de  l'autrc  des  e'pis  et  und  wurden  deshalb  zur  Strafe  in  Vögel  ver- 
de« pavots.  Cornaline  brülee.  Bapportee  de  wandelt,  Keyx  in  einen  Taucher  (xrjujj,  x>/'£), 
Syrie  [!! !]  par  M.  Guys  und  nr.  1677.  Meine  Alkyone  in  einen  Meereisvogel  (üIkvojv),  eine 
sujet.  Cornaline.  Das  Fehlen  der  Stiere  be-  aus  einem  alten  Naturmärchen  entstandene 
weist  nichts  gegen  unsere  Deutung;  bei  der  Geschichte,  Hyg.  f.  66.  Schol.  H.  9,  562.  Schal. 
Grazer  Statuette  fehlen  dieselben  gleichfalls.  Aristopih.  Av.  250.  Apollod.  1,  7,  4.  Ov.  Met. 
Der  von  Studniczka  schon  richtig  nach  der  11,  410 — 750.  Serc.  Verg.  Ge.  1,  399.  Dieser 
Abbildung  beiLajard,  Culte  de  Venus  PI.  14G,  15  20  Keyx  wird  öfter  mit  nr.  1  vermengt;  Ooid 
erkannte  Typus  des  Steins  der  Sammlung  z.  B.  und  Schol.  Aristuph.  nennen  ihn  König 
Mertens-  Schaff  hausen  wird  im  Cat.  of  engr.  von  Trachis ,  Apollodor  nennt  seine  Gattin 
gems  in  the  Brit.  Mus.  p.  109  nr.  775  irrig  Alkyone,  Tochter  des  thessalischen  Aiolos, 
beschrieben  als:  Artemis  of  Ephesus,  between  Preller,  Myth.  2,  248  ff.;  s.  Alkyone  nr.  3. 
Aphrodite  and  Athene,  all  Üiree  Standing  to  [Mehr  bei  De  Vit,  Gnom.  s.  v.  Ceyx.  Röscher.] 
front.  Artemis  icears  modius,  holds  flau  in  r.  [S.  auch  v.  Wilamomtz-MöUendorf,  Hermes 
hand,  and  ears  of  com  in  l.  hand;  at  her  feet  18  (1883)  p.  417  Anm.  2.  Mei'kwürdig  ist  die 
two  animals  ...  Onyx.  Mertens  and  Castellani  von  Alirens,  Kleine  Schriften  1  p.  504  —  505 
Colls;  cfr.  Raspe  p.  152  nr.  2057.  Soufre  de  gegebene  Zusammenstellung  von  Kifü^  (xt/|, 
Stosch  =  Winckelmann ,  Cat.  de  Stosch  p.  79.  3u  xerar/ij,  xaiiai;,  xafJaij,  xuvng,  xäß-rjs)  aus  xaj--ai; 
Ähnlich  scheint  zu  sein  ein  Diaspro  rosso  des  mit  'Aäog  und  tetvag  d.  i.  Adonis ,  und  von 
Museo  Borgiano  3.  cl.  9  div.  nr.  32b.  Doc.  mriQvXog,  xtigvlog,  hbiooq  mit  KiQig,  Kiggtg, 
ined.  3  p.  477:  Diana  Efesia  ...;  tiene  nell'  Kvgig,  d.  i.  gleichfalls  Adonis,  sowie  die  Deu- 
abbassata  destra  una  torcia  breve  (wohl  eine  tung  desselben  als  Morgenstern.  „Die  Sym- 
Ähre),  nell'  alzata  s.  un  flagro.  Intomo  al  sito  bolisierung  des  'Aäog  durch  diese  Seevögel 
delle  ginocchia  souo  due  bori  gibbosi  .  .  .  Alla  rührt  offenbar  daher,  dafs  man  sich  den  Mor- 
sua  destra  trovasi  Astarte,  alla  sinistra  Mer-  genstern  bei  seinem  Verschwinden  ins  Meer 
curio  ..."  stürzend  dachte  wie  einen  Tauchervogel." 
Wenigstens  erwähnt  sei  schliefslich  noch  Drexler.]  —  3)  Sohn  des  Hyllos  und  der  lole, 
der  im  Catalogue  des  ant.   gr.   rom.    . .  .   com-  40  Tzetz.  L.  804.     [Stoll.] 

posant  la  coli,  de  MM.  de  Fegervary  de  Pulsky  Kiauis  {Kiavig),  nach  J.  de  Wüte,  Etudes 
Paris  1868  p.  47  nr.  762  verzeichnete  Steiu:  sur  les  vases  ptints.  Paris  1865  p.  45  und 
Des  trois  grands  Dieux  de  la  Syrie,  assis  sur  Dumont  et  Chapluin,  Les  ceramiaues  de  la 
des  trönes  formes  de  Eons.  Sardoine,  wenn-  Grece  propre  p.  251  f.  Name  eines  der  Pferde 
gleich  man  sich  aus  der  allzu  knappen  Be-  des  Hektor  auf  einer  Vase  von  Caere  mit  Dar- 
schreibung kein  rechtes  Bild  der  darauf  dar-  Stellung  des  Abschieds  des  Hektor  von  seineu 
gestellten  Gottheiten  machen  kann.  [Drexler.]  kitern.  Im  C.  I.  Gr.  7379,  wo  der  Name 
Kevx  (Kr'iv^j,  1)  König  der  mit  den  Dorieru  Kvarig  gelesen  wird,  und  von  Luckenbach, 
verwandten  Malier  in  Trachis,  Freund  und  Das  Verhältnis  der  gtiecli.  Vasenbildcr  zu  den 
Verwandter  des  Herakles  (Bruderssohn  des  50  Gedichten  des  epischen  Kyklos  p.  544,  welcher 
Amphitryon,  Schol.  Soph.  Traclt.  39],  ein  treff-  richtig  Kianis  liest,  wird  das  Wort  als  Name 
licher,  von  den  Göttern  geliebter  Fürst,  Hesiod.  einer  der  der  Scene  beigegebenen  Jungfrauen 
Scut.  354.  472  ff.     Trachis,    das   Herakles    ge-  gefafst.     [Drexler.] 

gründet    (Steph.    B.    v.    Tquxis),    wurde    von  Kibyra  (CIBYRA),   beigeschriebener  Name 

diesem  öfter  besucht  und  war  längere  Zeit  der  einer  amazonenhaft  geschürzten  mit  Helm  und 

Wohnsitz   seiner   Familie,   Soph.  Trach.  Paus.  Lanze     ausgerüsteten     weibliehen    Figur,     der 

1,  32,  5.    Apollod.  2,  7,  6.   Diod.  4,  36.    Tzetz.  Personifikation  der  Stadt  Kibyra,  auf  der  sog. 

Lyk.  50.     Auch  des  Herakles  Kinder    fanden  puteolanischen   Basis;    vgl.    Ö.  Jahn,  Ber.   d. 

nach  dessen  Tod  Schutz  bei  Keyx;  doch  zwang  Sachs.  Ges.  d.  Wiss.  1851  S.  119ff.  u.  Taf.  I — 

ihn   die   Macht  des   Eurystneus,   sie   von   sich  6u  IV;   Baumeister,  Denkm.   d.   kl.  Alt.  S.  1295  ff. 

zu  lassen,  Apollod.  2,  8,  1.   Diod.  4,  57.   Heka-  Fig.  1441.    [Röscher.].     [Das  Haupt  der  Stadt- 

taios  bei  Longin.   de   suhl.   c.  27;   s.  Herakles  göttin  mit  Mauerkrone  und   Schleier   und  der 

und   Herakliden.     Seine  Tochter   Themistonoe'  Beischritt   KIBYPA    erscheint   auf  dem  Obvers 

war  mit  dem  Aressohn  Kykuos  vermählt,  und  autonomer   Münzen    der  Stadt  Kibyra,  Mi.  4, 

als  dieser  von  Herakles   im  Zweikampf  erlegt  ^58,   375.   S.    7,   533,   241.      Berliner   Cabinet 

worden  war,    begrub  Keyx  seine  Leiche,   Hes.  aus   Sammlung   von  Prokesch  Osten.     Drexler.] 
Scut.  356.  472  ff.    Hippasos,  ein  Sohn  des  Keyx,  [Höfer.] 

zog    mit    Herakles    gegen    Oichalia    und    fiel,  Kibyras    (KißvQug),    Bruder    des    Marsyas, 


1183  Kichyros  Kileus  1184 

Gründer  der  Stadt  Kibyra  in  Lydien,  Steph.  B.  das   xtulai    piv    raXlaixrj ,    vvv    äs    Bpiavxiyu) 

v.   Täßai.     [Stoll.]  genannte   Land   wird^ebd.    108    als    zu    ihrem 

Kichyros  (Kixvpog),   Sohn  eines  Königs  der  Gebiet    gehörig    bezeichnet.      Auch    Zsqqsiov 

Chaonen,   welcher   auf  der  Jagd  bei  der  Ver-  soll  dazu  gehören  (Herod.  7,  59),  ebenso  Zävn 

folgung   eines  Pardels   durch   den  Wurf  eines  nach    Hekataios   (Steph.  Byz.    298,   8).      Vgl. 

Speers   in   das  Dickicht   eine  darin  mit  ihrem  noch   Eustath.  ad  Muni.    1096,  5   u.  1615,   11. 

Geliebten  versteckte  Jungfrau  Anthippe  tötlich  Nach   Plin.  n.  h.   6,  55    wohnen   sie   dagegen 

traf,  vor  Schreck  vom  Rosse  fiel  und  umkam.  nördlich  von  den  Skythen.    Sie  sind  Thraker, 

Den  Ort,  wo  er  gestorben,  umgaben  die  Chaonen  nouiCAXovres  £<"S  gpotaig  xi)v  a^ipitoiv.    Ihren 

mit    einer    Mauer    und    nannten    die    so    ent-  10  Namen   haben    sie  erhalten   von   KUwv,    dem 

stehende  Stadt  Kichyros,  Parthen.  32.  Kichyros  Sohn  des  Apollon  und   der  Rbodope  (Et.  m. 

in  Epeiros  ist  das  alte  Ejjhyra.  [Stoll.]    [Sohn  513,  36).     Dessen  Sohn  ist  wieder  Biston,  nach 

des    Mermeros  ,    nach   dem   die   Stadt  Ephyra  Philostephanos ,    von    dem   das  Land  Biaxovin 

in   Epeiros  Kichyros   benannt  sein   soll,   schul.  den  Namen  hat  (Schal.  Apoll.  Rh.  2,  704).    Bei 

Find.  Nein.   7,  53.     Phylarch.    bei  Partiten.  32.  ihnen   wohnt    Boreas    mit   Oreithyia  (Ov.  met. 

Höfer.]  6,  710),    vor   allem  aber   weilt   dort  Orpheus 

Kidaria   (KiSagia),    Beiname    der    Demeter  (Ov.  met.  10,  2),  der  sogar  als  Herrscher  über 

(s.  d.)  zu  Pheneos  in  Arkadien,   Paus.  8,  15,  3.  das    Land     bezeichnet    wird    (Orph.    Arg.     77 

Vgl.  über  diesen  Kult  Immeruahr,  Kulte  u>id  BioxovCn    Kixovsaai    nolvpprivoieiv    dvaaemv). 

Mythen  Arkadiens  1,  126.     [Röscher.]  so  Er   lehrt  dort  die  Mysterien  (Diod.  5,  77,  4), 

Kikon  (Ki'kwv),   Eponymos   der  thrakischen  und     wird    von   den   Frauen   derselben   (nurus 

Kikonen  (s.  d.),  Vater  des  Biston,  Philostephanos  Ciconum  Ov.  met.  11,  3)  zerrissen,  per  Liberi 

b.  Schal.  Ap.  Rh.  2,  704.  —  Kikon,   der  Sohn  Sacra  simulata,   Serv.  ad  Verg.  Georg.  4,  520. 

des  Amythaon,   bei  Hesych.  s.  v.   scheint  dem  Strab.  7    fr.  18    vnö   xä  'OXvgitm    nokig   Alov, 

Iambographen   Mipponax    anzugehören,   s.    fr.  sx£L    8i    xcignv    nhqaiov   Iliimksiav    tvxai&a 

2  Bergk.     [Hinsichtlich    der   Kikonen    vgl.    0.  xov   'Opcpia   äiaxgCipai  cpctoi   zbv   Kixova.     Bei 

Crttsius   in   Ersch    und    Grubers   Enc.     unter  den  Kikonen  soll  er  auch  begraben  sein,  nach 

Kikon  u.  d.  Art.  Kikonen.     R.]     [Stoll.]  dem    Epigramm    (Bergk,  Lyr.  Gr.    2    S.  352): 

Kikonen (Ä'iKotfj),  ein  thrakisches  Volk,  wel-  dgifixa    xoveokvQhi'    Oläyqov    naiSa    fravovxa 

ches  vor  Troja   im   Bunde  mit  Priamos   gegen  30  Opcpia    iv    %copco    xää'   t&toav   Ki'y.ovsg.      Seit 

die  Griechen  kämpft  (Hom.  £846  Evrprjjiog  8'  Monier    (t  204)    hat    der   Wein    der    Kikonen 

Üqxos   Kiv.övav   t)v   alxg>nxdav  viog  Tpoit,i)voio  einen   vorzüglichen   Ruf,    vgl.   Said.    s.  v.  Ki- 

öioxQicpsog   KsciSceo),    ohne   irgendwie   hervor-  v.ovt'a  x^Qa  >""  Kmöviog  olvos,  er  wird  später 

zutreten.     Moni.  P  73  nimmt  Apollon,  um  mit  (nach  Et.  m.  443,  8)    für  thasischen  Wein  er- 

Hektor  zu   sprechen,   die  Gestalt   des  Mivxng,  klärt.     Im    Lande   der   Kikonen   ist   ein  Flufs, 

eines   ihrer    Führer,    an,    der    sonst   nicht   er-  quod  potum  saxea  reddit   Viscera,   quod   tactis 

wähnt    wird    (vgl.    den   Namen    des    Taphier-  mducit  marmora  rebus,  nach  Ov.  met.  15,  313; 

fürsten   in    Moni,   a  180).     Als    Odysseus    von  vgl.  Plin.  n.  lt.  2,  226  in  Ciconum  flumine  — 

Troja    die    Heimfahrt    antritt,     landet    er    zu-  lignum  deiectum  lapideo  cortice  obducitur.    Vgl. 

nächst    im    Lande    der    Kikonen    und    plün-  to  Abel,   Makedonien  vor   König   Philipp   (1847) 

dert  ihre  Stadt  lsmaros.     Während   die   Grie-  R.  70.   B.  Giseke,  Ihrakisch- pelasgische  Stämme 

chen,     in    Mifsachtung    der    Warnungen     des  der  Balkanhalbinsel    (1858)     S.   11.   109.     Vgl. 

Odysseus,    der    ihnen    geraten    mit    der    ge-  Kikon.     [Engelmann.] 

machten  Beute   sich   schleunigst  zu  entfernen,  Kilarios,  vielleicht  Bezeichnung  des  Helios, 

ein   Gelage   abhalten,   rufen   die  Kikonen  ihre  s.   Mesychios:  v.ikägiog   b  r'fiiog,   vgl.   de  Witte, 

Nachbarn,     die     auf    dem    Festland     wohnen  Rev.    mim.    1864    p.  21.     31.  Schmidt    schlägt 

(r'iTtEiQov     vaioixsg)     zu    Hülfe    und     schlagen  allerdings   vor:   „Forte   axiäkkiog'    6   'Anökkav 

am    anderen    Tage    im    harten,     den    ganzen  Macrob.  Sat.  1,  17".     [Drexler.] 
Tag  währenden  Kampfe  die  Griechen,  so  dafs  Kilbis  (Ki'lßig).   die  Stadtgöttin  der  Kilbis, 

von  jedem  Schiffe  sechs  getötet  werden  (Moni.  50  ist  abgebildet,   mit  einem  Turm  gekrönt,  auf 

1 39).      Aus    dem    Lande    der    Kikonen    führte  einem   Felsen    sitzend,    in    einer    Handschrift 

Odysseus  den  Wein,  vermöge  dessen  ihm  die  der  Theriaka  des  Kikandros  (zu  vs.  630 — 635), 

Betäubung    des    Polyphemos    gelang;     Maron,  Gas.  arch.    2,  1876    p.  34  —  36   Tfl.  11. 
des  Euanthes  Sohn,  Priester  des  Apollon,  hatte  [Drexler.] 

ihm    bei    der   Zerstörung   von   lsmaros   wegen  Kilbos  (Kikjiog),    Flufsgott,    dargestellt   auf 

der  ihm  und  seiner  Familie  zu  teil  gewordenen  einer  Münze   der  oberen  Kilbianer  (Antoninus 

Schonung    neben    anderen    Gaben    den    Wein  Pius),    mit  der  Beischrift   KIABOC,    gelagert, 

verehrt.     Vgl.    Hyg.  f.    125.     Nach    Tsetz.    in  im    1.    Arm    das    Füllhorn    und    darunter    den 

Lyc.  818  ist  "Iofiapog   r\   vvv   Isyousvrj  Magd-  umgestürzten     Wasserkrug,      lmhoof,     Num. 

vsia.     Vgl.    Steph    Byz.    ed.    Mein.    372,    11.  eo  ZeUschr.  20,  1888    p.  6   nr.  2.      Ein   Exemplar 

Eustath.  ad  Moni.  359,  13  Evüvfrns  8'  oi'xtjosv  dieser  Münze  befindet  sich  im  Berliner  Kabinett. 
iv   Kixoviy    Iva   Mugdvtia    xalhxui.      Herod.  I  Drexler.] 

techn.    2,   887,   37.     Schol.   Hom.    i  39.      Nach  Kileus    (KtUvg),    Grofsvater    des    Laertes, 

Strabo  7  fr.  58   liegt   das   Land   westlich   von  Vater  des  Arkeisios,  Sohn  des  Kephalos  (s.  d. 

Ainos;    vgl.    Plin.  n.  h.  4,  43   oppidum  Aenos  Bd.  2  Sp.  1095),  Enkel  des  Hermes;  vgl.  Schol. 

liberum,  Ciconum  quondam  regio.    Die  Kikonen  zu  Hom.  II.   B   173:   Maxi   äs  Aaipxov  xov  'Aq- 

werden  bei  Herod.  7,   110   unter  den  Völkern  xnaiov   xov   Kikscog   xov   Kecpdkoi'   xov   'Eppov 

genannt,     durch    welche    Xerxes    zieht;     auch  und    Tiipß'er ,    Att.   Geneal.    S.  85.    —   Eustath. 


1185                        Kilissa  Kimmerier                     1186 

ad  II. p.  307, 5  bietet  Krjlevg  statt Kiluvg.  Ist  hier  ist  anzunehmen,  dafs  Killas  bei  der  Heimkehr 

vielleicht  Ktlltvg  zu  lesen?     (Vgl.  Hesych.  u.  des  Pelops  von  Pisa  nach  Lydien  umgekommen 

Pliot.  s.v. KilXsiau.  Schol.  II.  B  631.)  [Röscher.]  ist;  s.  Preller,    Gr.  Myth.  2,  386.    Stark,  Niobe 

Kilissa  (Kilißoa),  Amme  des  Orestes,  Aesch.  401.416.  [Hubert,  Bild  und  Lied  p.  187  Anm.35. 

Clweph.  713  (K.J  und  Schol.;  bei  Pindar  [Pyth.  Knaack ,     Qunestiones    Phaethonteae    p.    57    u. 

11,  17  (25)]  heilst  sie  Arsinoe,  bei  Stesichoros  Anm.  62.    Drexler.]     [Dargestellt  ist  Killas  im 

im  Schol.  Aesch.  a.  a.  0.  =  fr.  41.     Bergk  3l  Ostgiebel  des  Zeustempels  von  Olympia:  Flusch 

p.  222  Laodameia.     [Höfer.]  b.  Baumeister,  Denkm.  d.  kl.  Alt.  S.  1104  AA; 

Kilix    {Kilig),    Sohn    des    Agenor    und    der  vgl.  Taf.  27  Fig.   1272  C.    Friedericiis- Wolters, 

Telephassa  (Argiope,  Hyg.),  Bruder  des  Kadmos  in  Gipsabgüsse  S.  123.  Röscher.]     [Stoll.] 

(s.  d.),  Phoinix,  Pbineus.   Wie  seine  Brüder  zum  Killeus  =  Rileus  (s.  d.). 

Aufsuchen  der  Schwester  Europa  ausgeschickt,  Killos  =  Killas  (s.  d.). 

liefs  er  sich  in  Kilikien  nieder,  das  nach  ihm  Kimmerier   (Kififisgiot).     Nach    Hom.   I  14 

benannt  ward,  \_Eurip.  Phrixos  fr.  816  Isauck.  wohnen    sie    ganz    im    Weiten    am    Okeanos, 

Röscher.]      Hcrodot   7,   91.    Apollod.  3,    1,  1.  dicht  beim  Eingang  zum  Hades  (oder  nach 

Hyg.    f.    178.     Eustath.   zu    Dion.     Per.    874.  Eustath.  ad  Hom.   1670,  49   im  Hades   selbst, 

Nonn.  Dion.  2,  685.   Serv.    V.  Aen.  3,  88.    Io.  daher  der  Name  KeQßifjioi),    yJsqi   Kai    vicpsly 

Antiuch.  b.  Müller,   fr.  hist.  gr.  4  p.  544,  15,  KlHalv/iitivoi,    so   dafs    sie    niemals    von    der 

der   die   Mutter   Tyro   nennt   und    den   Bruder  Sonne    beschienen   werden,    weder   beim   Auf- 
Syros  hinzufügt,  s.  Agenor.    Deimling,  Leleger  20  gang   noch    beim    Niedergang,    all'    inl    vhi, 

p.  14.    Oder  Enkel  des  Agenor,  Sohn  des  Phoi-  ölorj  zizuzai  Sulotav  ßgozolai.    Plut.  de  superst. 

nix  und  der  Kassiepeia  (s.  d.),  Tochter  des  Ära-  10  (169  P)  KifiutQCovg  ö'  ovöslg  slnav  äatßtCg, 

bos,  Bruder  des  Phineus  und  Doryklos,  Hesiod.  ozi  zbv  rfliov  ovo'  itvai  zonagänav  vofit^ovai. 

Pherekyd.  u.  a.  b.  Schol.  Ap.  Rh.  2,  178.    Vater  Tzetz.  ad  Lyc.  695.  1427    ffl-i'os  negl  zbv  &ks- 

des  Thasos,  Pherekyd.  b.  Apollod.  3,  1,  1 ;  vgl.  uvöv    Jdijpra    x£ xalvuuivov.       Anon.    de    Ulix. 

Steph.  B.  v.  Qdacog.     Vater  der  Thebe,  Diod.  err.    6.     Schol.   Hom.    x  86.     Cie.   acad.    2,   61 

5,  49.     Gründer  der  Stadt  Rhosos  in  Kilikien,  Cimmeriis   quidem   quibus    aspectum    solis   sive 

Pausan.  Damasc.  b.  Midier,  hist.  gr.  4  p.  469.  deus  aliquis  sice  natura  ademerat  sive  eius  loci 

In   einem  Kriege   gegen   die    Lykier   war   Sar-  quem  incolebant  situs,  ignes  tarnen  aderant  quo- 

pedon  sein  Bundesgenosse,  dem  er  einen  Teil  30  tum  Ulis  uti  lumine  licebat.    Vgl.  Nonn.  Dion. 

von  Lykien   überliefs,  Apollod.    3,  1,  2.    [Mehr  45,  269,   wo    ein    dunkles   Gemach   KifiptoCwv 

b.  DeVit,   Onomast.  s.  v.     Sein  Sohn   war  Py-  (iiurjua   Svoixßazov   genannt   wird.     Der   Um- 

lodes,   welcher  ignem    e   silice    invenit:   Plin.  stand,  dafs  Homer  die  Kimmerier  nach  Westen 

n.  h.  7,  198.   Röscher.]    [S.  auch  Pobert,  Bild  verpflanzt,   während    die   historischen  Kirnine- 

und  Lied  p.  116  Anm.  49.  50.  Drexler.]  [Stoll.]  rier  im  Osten  nördlich  vom  Schwarzen  Meere 

Killa   (Killa),    Tochter   des  Laomedon   und  wohnen,   führt   dazu   die  einen  als  einen  vom 

der Strymo  oder Plakia oder Leukrppe, Schwester  ganzen  Volk    losgesprengten    Teil    anzusehen; 

des  Priamos,  Apollod.  3,  12,  3.     Als  der  Seher  so  sagt  Plut.  Mar.   11  ro  Ttleiarov  avräv  xai 

Aisakos   mit  Bezug   auf  einen  Traum  der  mit  (iu%iua)TctTov    in     ioxäroig    olnovv    nagä    zr\v 

Paris   schwangeren  Hekabe   geweissagt    hatte,  40  f'ija  &älaaaav   yrjv   piv   v£jj,ia&ai   evoxiov  xul 

Mutter  und  Kind  müfsten,   um  Verderben  ab-  vloiörj    xai    Svaqliov    ndvziq    äiü    ßd&og    Kai 

zuwenden,  getötet  werden,  deutete  dies  Pria-  7tvy.vozrjza    ögontSv    v.zl.     Diese    werden    dann 

mos   fälschlich   auf  Killa  und   ihren   heimlich  mit  den  Kimbern   gleichgesetzt,   deren   Auf- 

mit     Thymoites     gezeugten     Sohn     Munippos  treten  jedenfalls  erst  zu  der  Vermutung  Ver- 

(Munitos),    der   an   demselben  Tage  mit  Paris  anlassung  gegeben   hat.     Auch  Diod.  5,  32,  4 

geboren  war,  und  tötete  sie,  Tzetz.  Lyk.  224.  314.  sieht  in  den  Kimbern  oder  Kelten  die  Nach- 

Vgl.  315,  wo  Killa  Schwester  der  Hekabe  heifst  kommen    der   Kimmerier,    ebenso    Poseidonios 

und  von  Priamos  Mutter  des  Munitos.    [Stoll.]  bei  Strab.   7,  2,  2.    Herod.  Techn.  rel.   1,  202, 

Killaios   (KillaCog),    Beiname   des   Apollon  27.    Steph.  Byz.  ethn.  9,5  s.  v.  "Aßgoi,  andere 

von  der  Ortschaft  Killa   in  der  Troas,   Strabo  50  (Diod.  5,  32,  4)  finden  sie  in  den  Iren  wieder. 

13  p.  612.  613.  618.  de  Witte,  Apollon  Cillaeus,  Auch   bei   Hesych.   lex.  s.  v.   werden   die  tzeqI 

Her.  num.  1864  p.  16 — 33     [Drexler.]  zöv  'SZ-xiaviiv  wohnenden  von  den  zu  den  Zv.v- 

Killas  (KCllag,   auch  KCllog),   Wagenführer  &ui    gerechneten    unterschieden.      Vgl.    noch 

des  Pelops,  der  nach  troizenischer  Sage  Sphai-  Strab.  1,  2,  9.  3,  2.  12. 

ros  hiefs,  Paus.  5,  10,  2.    Nach  Theopomp.  b.  Ganz  merkwürdig  und  wohl  nur  durch  die 

Schol.  IL  1,  38   fiel  Killos,   als   er  mit  Pelops  Nähe   anderer   Örtlichkeiten,    die   man  in  der 

aus  Lydien   nach  Pisa  zum  Wagenkampf  mit  Odyssee    erwähnt   glaubte,     hervorgerufen    ist 

Üinomaos  zog,  in  der  Gegend  von  Lesbos  ins  die  Überlieferung,    welche   die  Kimmerier  bei 

Meer  und  ertrank.    [Weitere  bedeutsame  Kom-  dem   lacus  Avernus  ansetzt.     Dort  erwähnt 

binationen    bei    Tümpel,    Philologus    N.    F.    3  60  Plin.   n.   li.    3,    61     ein     Cimmerium    oppidum 

S.  96ff.  besonders  Anm.  19.    Röscher.]    Pelops  quondam.     Strabon  5,  4,  5  (375)   erzählt  nach 

errichtete   ihm   in  Troas   ein   Grabmal,   baute  Ephoros,  dafs  sie  bei  Kyme  in  unterirdischen 

dabei  einen  Tempel  des  Apollon  Killaios  und  Häusern  wohnen,  die  sie  aQyü.Xag  nennen,  und 

gründete  die  Stadt  Killa.     Vgl.  Strab.  13,  613,  die   durch  unterirdische   Gänge   untereinander 

der  bemerkt,  dafs  Killos  in  dieser  Gegend  ge-  verbunden    sind.      Die    Fremden    werden    von 

herrscht  habe.     Theopomp  meint,   dafs  Killos  ihnen    in    das    pavxsiov   tief   unter    der    Erde 

auch  nach  seinem  Tode  noch  dem  Pelops  imWett-  aufgenommen.      Zi,v    äs  und     utzalltiag    Kai 

kämpf  beigestanden   zu   haben   scheine;   doch  änb  zäv  fiavzsvoufvwv  -aal  zov  ßaoilicog  äno- 

Koscher,  Lexikon  der  gr.  u.  rüm.  Mythol.  II.  38 


1191                      Kinyras  Kios                         1192 

p.  295).    Enge]  1,  205  ff.  228.    2,  106.    Movers  liehe    Reichtum    der    Insel    Kypros    und    des 

2,  2,  236.  241.     Teukros   kam   nach  dem  Fall  Priestergesehleehts  der  Kinyraden).    Er  genofs 

Trojas,    von    dem    Vater    Telamon    aus    dem  sein  Lebensglück  bis  in  hohes  Alter;  er  ward 

attischen  Salamis  vertrieben,  nach  Kypros  und  160  Jahre  alt  (Anakreon  b.  Plin.  H.  N.  7,  49. 

gründete    das    kyprische    Salamis,     vermählte  Engel    2,    107)    und    wurde   begraben  in   dem 

sich  mit  Eune,  der  Tochter  des  Kinyras.  und  Tempel    der    Aphrodite    in   Paphos,    wie    alle 

seine  Kachkommen  blieben  Könige  in  Salamis  seine  Nachkommen,  Clem.  Alu:.  Protr.  3  p.  13 

bis   in   späte   Zeiten:   Euagoras,   der  Athener-  Sylb.    Arnob.  6,  4  (Maller,  fr.  hist.  gr.  3  p   66 

freund,  betrachtete  sich  als  Nachkommen  des  fr.  1).    Schul.  Gregor.  Naz.  Carm.  p.  35.  Engel 

attischen  Teukros   und   des  Kinyras,   Paus.  1,  10  2,  108.  —  Kinyras  war  Vater  des  Adouis,  den 

3,-1.    2.  29,  4.    Engel  1,  212  ff.  —  Als  Stifter  er  ohne  sein  Wissen  mit  der  eigenen  Tochter 

des   Aphroditedienstes  auf  Kvpros  war   Kiny-  Myrrha   oder   Smyrna    zeugte,    s.   Adonis   und 

ras  auch    der   erste   Priester    der    Göttin    und  Smyrna,  Engel  2.  565.     Nach  der  Entdeckung 

vererbte    dieses    Priestertum    über    die    ganze  der  Blutschande   gab   er   sich  selbst  den  Tod, 

Insel   an   seine   Nachkommen,    die   Kinyraden,  Hyg.  f.  242.     Die   von  um   gegründete   Stadt 

welche    ihren    Sitz    in    Paphos    und    auch    in  Smyrna     benannte    er    nach    dieser    Tochter, 

Amathus    hatten;    auch    übten    sie   die   Weis-  Hyg.   f.  275.     Seine   50  Töchter  sprangen   ins 

sagung,    und  Kinyrüs  selbst  heilst  Weissager,  Meer,  nachdem  Apollon  ihn  getötet,  Schol.  II. 

Schal.    Find,    P.    2,    27.     Hesych.    Kivvgddai.  11.  20.     Nach  Ovid.  Met.  6,  98  (s.  d.  Erklärer 

Tacit.  Hist.  2,  3.    Clem.  Alex.  Strom.  1  p.  333  20  z  d.  St.)  wurden  seine  Töchter,  weil  sie  es  gewagt, 

Sylb.   Engel  1,  169  f.  2,  95  ff.  100  ff.  477  ff    Er  sich   über  Hera   zu   stellen,   von  dieser  in  die 

galt  namentlich  für  den  Urheber  der  in  diesem  Stufen  ihres  Tempels  verwandelt.   Eine  Tochter 

Kult    ausgebildeten    Festgesänge    und   Klage-  des  Kinyras,  Laodike,  gebar  dem  Elatos,  dem 

lieder    um    den    Tod    des   Adonis    und    wurde  Sohn  des  Arkas,  den  Stymphalos  und  Pereus, 

deshalb  unter  die  ältesten  Sänger  und  Musiker  Apollod.  3,  9,  1.     Der  Name   des   Kinyras   ist 

gezählt;  darum  war  er  Sohn  und  Liebling  des  in  diese  arkadische  Genealogie  durch  die  Ver- 

Apollon,  Find.   P.   2,    15  (27)    und   Schol.  27.  bindung Arkadiens  mitKypros  gekommen;  denn 

31.     Schol.  TheoJcr.  1,  109.    Midier.   Darier  1,  Agapenor,   der  Führer   der  Arkader  vor  llion 

348.     [Genaueres   bei   Stark,   Arch.    Zeitg.    28  II.  2,  609),  soll  sich  mit  seinem  Volke  in  Kypros 

S.  72  f.  Röscher.]     Sein  Name  Kinyras  ist  aus  so  niedergelassen     und     Neu -Paphos     gegründet 

dem    phoinikischen    Worte    kinnor,     das    ein  haben,  Lykophr.  478  ff.  u.  Tzetz.   Paus.  8,  5,  2; 

Saiteninstrument,    aber    auch     eine    klagende  vgl.   Aristot.  Pepl.  30  Bergk.    Engel  1 ,  225  ff. 

Doppelnöte    bezeichnete,     in    volksetymologi-  2,  125.  —  Meursius,  Cyprus  2,  9.  Engel,  Kypros 

schem   Anscklufs    an  v.iwqos   umgeformt:    die  1.    169  ff.    203  ff.    2,   94 — 136.    565  ff.    Movers, 

von  ihm  vertretene,  in  dem  asiatischen  Aphro-  Phönizier  1,  239  ff.    2.  2,  236  ff.    Heyne,  Obss. 

dite-    und    Adonisdienst    übliche    Musik     war  ad  Apollod.  p.  325  f.    Boeckh   zu   Schol.    Find. 

Flötenmusik  (Engel  2,  UOff.     Movers  1,  243).  314  f.   Expl.   Pind.  p.  244.    Preller,  Gr.  Myth. 

welche   im  Gegensatz   zu  dem  Saitenspiel  des  1,  2S4.  287.  292.    Gerhard,  Gr.  Myth.  1   §  365. 

Apollon  stand;  und  darum  entstand  von  ihm,  [Greve,   De   Adonide.     Diss.   Lips.  1877  S.  7f. 

wie  von  Marsyas,   die  Sage  von   einem  musi-  40  De  Vit,  On.  s.v.  Cemola- Stern,  Cypern  S.  22f. 

kaiischen  Wettstreit  mit  Apollon,  der  ihn  be-  40  f.  Röscher.]     [Fr.  Lenormant,   Lettres  assy- 

siegte  und  tötete,  Eustatli.  u.  Schol.  II.  20,  11.  riologiques  2  p.  255.     A.  Maury,  Hist.  des  rel. 

Kinyras  stiftete  die  Mysterien  und  nächtlichen  de   la   Grece   ant.   3   p.  202.      Bcmche'-Lcclercq, 

Orgien    der    asiatischen   Aphrodite    mit    ihren  Hist.    de    la    divination  .  dans    l'artt.    2    p.   56. 

unzüchtigen  Hierodulen,  von  denen  die  Kirchen-  Baudissin,  Stud.  2  p.  200.    M.  B.  James,  Journ. 

schriftsteiler   in   ihrer   Weise   berichten.    Iul.  of  hell.    stud.    9.    1888  p.  175ff.     A.  Enman, 

Firmicus  de  errore  prof.    religion.   p.    15    ed.  Kit.    Versuche   zur    ältesten    griech.   Gesch.   1. 

Ouzel.   Arnob.   4,   25;   vgl.    Clem.   Alex.  Protr.  Kypros  und  der  ürspirung  des  Aphroditekultes, 

c.  2  §  13  f.  p.  12.  13  Pott.  Engel  2,96.   Kinyras  Mem.   de   l'acad.    de   St.   Petersbourg.     7.  Se'r. 

war  ein  milder  Priesterkönig  (Pind.  F.  2,  15),  50  Tom.  34  nr.  13   1886  bes.  p.  54.  56  und  gegen 

kein   kriegerischer   Heros.      Auf   ihn  übertrug  ihn  F.  Back.  Jahresber.  üb.  d.  Fortsein:  d.  kl. 

man  auch  die  Anfänge  aller  Kultur  und  Gesittung  A.  TT.  Bd.  66  p.  330.  Drexler.]  [—  2)  Cinyras, 

von   Kypros;    er   eröffnete   die   für  Kypros    so  ein  Sklave  des  Akastos,  von  Neoptolemos  ge.- 

wichtigen  Metallgiuben,  lehrte  den  Erzbau  und  tötet,  Dictys  6,  8;  die  Handschriften  haben  Ty- 

die  Bearbeitung  des  Erzes  und  erfand  die  dazu  niras,  Syniras ;  s.  Dederich  z.d.  St.  Höfer.]  [Stoll.] 

nötigen     Werkzeuge,      Brecheisen,     Hammer,  "      Kiiiyros  (in  den  Handsehr.  Cinyrns,  Cinirus 

Zange  und  Ambos,  sogar  die  Dachziegel,  Plin.  b.  Sereius  Cunarus,  wofür  manche  auch  Ciny- 

H.  jV.   7,  57.   Engel  1,  204.    2,   105.    Movers  1,  ras  lesen  wollen),  Name  eines  Bundesgenossen 

242.     Als  Pflegling  und  Freund  und  Geliebter  des  Aeneas,  Bruder  des  Cupavo,  Anführer  der 

der    Aphrodite    (Schol.    Pind.    P.    2,   27)    war  tio  Ligurer  bei  Tergil  Aen.  10,  185  f;  (vgl.  Serv.  zu 

Kinyras   von   wanderbarer  Schönheit,   Hyg.  f.  d.  St.  und  die  erklärenden  und  kritischen  Aus- 

270.  Engel  2,  96,  und  sein  von  der  Göttin  ihm  gaben,  besonders  die  von  Bibbeck ;  auch  Jahn 

geschenkter  Reichtum  war  sprichwörtlich,  wie  zu  Macrob.  S.  5,  15,  4  n.  9).     [Röscher.] 

der  des  Midas,  Tyrt.  12,  6  Bergk.    Pind.  Kern.  .        Kios  (AVoc).  der  Gründer  von  Kios,  Aristoteles 

8,18(30).  Plat.  legg.  660e.  Lcutschu.  Schneidew.,  in   der  noXtrsia  Kiavmv    bei  Schol.  Apoll.  Bh. 

Paroemiogr.  1  p.  316.   Schal.  II.   11,  20.   Suid.  1,  1177;   vgl.   Schol.  1,  1346    (Et.  magn.  s.  v. 

v.  SagSavanuloc  u.  Karcsyr^iaaie  u.  a.   St.  b.  p.   512,   37.     Eustath.    :u  Dion.   Per.  806).     Er 

Engel  2,  99  (allbekannt  war  der  aufserordent-  soll   die   Stadt   als  Gefährte   des  Herakles   auf 


1193                         Kirib'  Kirke  (bei  Homer)              1194 

der  Rückfahrt  von  Kolehis  gegründet  haben,  berühren  will,  mit  gezücktem  Schwert  auf  sie 
Strab.  12  p.  564.  Sohn  des  Ölyrnpos  heilst  er  ein,  so  dafs  sie  fufsfällig  den  Helden  bittet; 
Schol.  TJieokr.  13,  30.  [Auf  einem  attischen  denn  sie  hat  in  ihm  Odysseus  erkannt,  den 
Relief,  auf  welchem  Athenaeinem  vor  ihr  stehen  ihr  Hermes  wiederholt  als  ihren  Bezwinger 
den  bärtigen  Mann  die  Rechte  reicht,  wodurch  verkündigt  hat  (v.  330  ff.).  Ihren  Liebes- 
der  Abschlufs  eines  Vertrags  zwischen  Athen  Werbungen  aber  folgt  er  nicht  eher,  als  bis 
und  einer  anderen  Stadt  zur  Darstellung  ge-  sie  ihm  geschworen,  keine  Hinterlist  mehr 
bracht  wird,  steht  über  dem  Kopfe  des  Mannes  üben  zu  wollen.  Vier  Mägde,  unsterbliche 
KIOZ.  Doch  glaubt  Schöne,  Oriech.  Reliefs  Nymphen  (Eustath.  z.  Od.  s  348;  vgl.  Apollon. 
Tfl.  9  Sp.  27 — 28  nr.  53  in  dem  Rifs  vor  dem  10  Eh.  4,  711  vrjiddtg  nponolot.  Lehrs,  Populäre 
Namen  ein  l  zu  erkennen,  so  dafs  "Iklos  zu  Aufs.-  S.  115.  Mannhardt,  Wald-  und  Feld- 
lesen wäre.  Bedenken  für  die  Deutung  auf  leulte  2,  33),  bedienen  das  Paar  beim  Mahl, 
Kios  erweckt  Schöne  anfserdem  der  Umstand,  nachdem  die  Göttin  den  Wunsch  des  Helden 
dafs  der  Mann  in  der  Tracht  eines  gewöhn-  erfüllt  und  seine  Gefährten  durch  Bestreichung 
liehen  Sterblichen  dargestellt  sei,  während  mit  einer  Zaubersalbe  (v.  392)  zurückverwandelt 
man  Kios,  den  Gründer  der  Stadt,  sich  nur  hat.  Nach  einjährigem  Aufenthalt  entläfst  K. 
in  Heroengestalt  denken  könne.  Freilich  sei  Odysseus  zu  der  Fahrt  in  die  Unterwelt,  wo 
auch  bei  der  Annahme,  es  habe  IKIOX  auf  er  nach  ihrem  Rate  den  Teiresias  über  die 
dem  Relief  gestanden,  „eine  Analogie  für  eine  Rückkehr  in  die  Heimat  befragen  soll.  Von 
solche  Vertretung  von  Ikos  der  athenischen  20  dort  nach  Aiaie  (11  1  ff.)  zurückgekehrt ,  um 
Stadtgöttin  gegenüber  durch  reinen  lkier'  die  Leiche  des  hier  verunglückten  Elpenor  zu 
nicht  nachweisbar".  Drexler.]  [Auf  dem  Revers  bestatten,  sieht  er  noch  einmal  die  Göttin, 
einer  Münze  derOrbiana  von  Kios  in  Bithynien  die  ihm  die  bevorstehenden  Gefahren  voraus- 
erscheint nach  dem  Catal.  of  greek  coins  in  sagt  und  ihn  darauf  mit  günstigem  Fahrwind 
the  Brit.  Mus.  Pontus  etc.  S.  135:  „youthful  (v.  149  f.)  entläfst.  [Eine  Hypothesis  der  ho~ 
male  figure,  naked,  seated  r.  on  rock,  adjusting  menschen  Dichtung  findet  sich  u.  a.  in  den 
sandal"  mit  der  Beischrift  KIA  NQN;  vgl.  Schol.  Aristoph.  Flut.  303,  besonders  aber  in 
PI.  29,  3,  worin  Warwick  Wroth  dc-n  Gründer  den  fragment.  Apollodori  Sabbaiticis  (Phein. 
von  Kios  erkennt;  vgl.  auch  Head,  Hist.  num.  3Ius.  46,  16lff.^  fr.  120a  S.  177,  31ff.  mit  der 
S.  440.  Röscher.]  [Seeliger.]  30  Abweichung  von  Homer,  dafs  die  Gefährten 
'Kiris  =  Adonis  (s.  d.).  in  Wölfe,  Schweine,  Esel  und  Löwen  verwan- 
Kirke  (Kiqxii  dor.  Ai@-A.ct;  die  alten  Ety-  delt  werden  (s.  dazu  Bio  Chrysost.  8  p.  134 
mologieen  =  Kiovöiact  oder  von  xspxt'g  im  und  die  Bildwerke);  vgl.  auch  Hyg.  f.  125. 
Elym.  M.  und  bei  Sui.das  sind  wertlos).  Myth.  Vat.  1,  15;  aus  der  Bearbeitung  des 
1)  Kirke  in  der  Odyssee.  Bei  Hom.  s  Livius  Andronicus  ist  ein  auf  K.  sich  be- 
135 ff.  wird  erzählt,  dafs  Odysseus  von  den  Lai-  ziehender  Vers  bei  Fest.  352,  22  erhalten; 
strygonen  auf  die  Insel  Aiaie  gekommen  sei,  wo  eine  Nacherzählung  bei  Ov.  Met.  14,  248  ff.]  — 
K.,  die  Schwester  des  Aietes,  die  Tochter  des  Kirchhoff,  Die  Homerische  Odyssee-  S.  287  ff., 
Helios  und  der  Okeanide  Perse  {Bes.  Theoy.  der  die  Gesänge  x  —  /x  zum  gröfseren  Teil 
956  f.  'Slv.iavivr\  LLsQBrjig),  wohnt.  Seine  vor- 40  einem  „jüngeren  Nostos"  zugewiesen  hat,  hält 
ausgeschickten  Gefährten  finden  die  Göttin  die  Gestalt  der  K.  nicht  für  eine  originale 
(v.  455  ätu  ftsdcov  u.  a.  St.;  nur  k  543  =  £  230  Schöpfung,  sondern  für  eine  Nachbildung  der 
vvficpq)  in  ihrer  Wohnung  aus  behanenen  Medeia  aus  der  Argonautenaage,  die  der  Ka- 
Steinen,  die  in  einem  Thale  auf  freiliegen-  lypso  (s.  d.)  zur  Seite  gestellt  sei.  Dieser  Ansicht 
dem  Platze  liegt,  umwandelt  von  Löwen  tritt  namentlich  Miillenhoff  bei  (Deutsche  Alter- 
und  Wölfen,  die  durch  den  Zaubertrank  der  tumskunde  1,  52 ff.),  indem  er  noch  andere  Ent- 
Göttin verwandelt  worden  sind  (v.  213  xovg  lehnungen  aus  der  Argonautensage  und  die 
avti)  ■/.ari&sX^v  iitil  xaxa  cpapticn'  iScoxsv,  Lokalisierung  der  Kirkesage  im  westlichen 
vgl.  v.  434  —  daher  v.  276  7ioi.vcpdQixay.og).  Meer  für  den  „jüngeren  Nostos"  annimmt. 
Singend  (v.  136  avdfjBoeu)  am  Webstuhl  50  Auch  r.Wilamotvitz  (Homerische  Untersuchungen 
sitzend  (v.  221  f.)  empfängt  K.  die  Helden,  S.  115  ff.)  weist  die  erhaltene  Dichtung  einem 
die  aufser  Euryloc.hos  ihrer  Einladung  arglos  '  ,. jüngeren  Nostos"  zu,  doch  mit  der  Ein- 
folgen  und  durch  einen  Mischtrank  von  pram-  schränkung,  dafs  dieser  auf  Grund  eines  älteren 
nischem  Wein  (vgl.  A  639.  Athen.  1  p.  10a.  Kirkegedichts  verfafst  sei;  die  Zauberin  K. 
30°)  und  Honig,  Mehl  und  Käse,  worin  sie  den  sei  eine  ursprüngliche  Schöpfung  der  griechi- 
Zaubersaft  geträufelt  hat,  der  die  Heimat  ver-  sehen  Sage.  Und  in  der  That,  man  mag  über 
gessen  läfst  (v.  236),  unter  Berührung  mit  dem  das  Alter  der  homerischen  Kirkeerzählung,  wie 
Zauberstab  (v.  238  ndßdm  ntnlriyvlu)  in  sie  vorliegt,  denken  wie  man  will,  die  Ur- 
Schweine, die  sich  ihres  Zustands  bewufst  sprünglich keit  des  Kirkemärchens  sollte  a.ufser 
bleiben  (v.  240  f.),  verwandelt  werden.  Von  60  Frage  stehen,  und  mag  Odysseus  von  Anfang 
Euiylochos  benachrichtigt  steigt  Odysseus,  an  in  dasselbe  verflochten  sein  oder  nicht, 
mit  Schwert  und  Bogen  bewaffnet,  vom  Strande  jedenfalls  steht  es  der  Odyssee  näher  als  der 
hinauf  und  empfängt  unterwegs  von  Hermes  Argonautensage  (s.  unter  4).  Kirke,  Agamede 
das  gegenwirkende  Kraut  Moly  (v.  305;  vgl.  (.4  741;  bei  Tlieokr.  2,  15  f.  und  Propert.  2,  4,  8: 
Theophr.  Hist.  PL  9,  15,  7.  Plin.  N.  H.  25,  26.  Perimede)  und  Medeia  (s.  d.)  sind  die  Zau- 
Eustalh. z.  Od. a. a.O.  Plut .  Mor.  369  e).  Sobleibt  herinnen  der  griechischen  Sage  (vgl.  Welcher, 
er  unempfindlich  gegen  die  Wirkungen  des  Kleine  Schriften  3,  20  ff.);  und  zwar  steht 
Tranks  und  dringt,  als  K.  ihn  mit  dem  Stabe  den   guten    Feen,    Agamede    und    Medeia    (s. 


1195 


Kirke  (bei  Homer) 


Kirke  'bei  Homer) 


1196 


das.  den  1.  und  8.  Abschnitt),  welche  über 
heilsame,  verjüngende  und  .'gegen  Wunden 
festmachende  Kräuter  verfügen,  die  arglistige 
Kirke  gegenüber,  die  mit  ihrem  Trank  Menschen 


g[fMM@HHJM3^BrMS 


Abb.  1)   Kirke,  Vase  von  Nola  (nach  Arch.  Zeitg.  1865  Taf.  19i). 


in  Tiere  zu  verwandeln  vermag.  Gerade  im 
Kirkemärchen  finden  wir  dieselben  Elemente, 
die  uns  aus  den  Zaubermärchen  anderer  Völker 
geläufig  sind:  den  einsamen  Palast,  den  Zauber- 


Abb.  2)  Bedrohung  der  Kirke  durch  Odysseus,  Vase  von  Vulci 
(nach  Monum.  d.  Inst.  5  Taf.  41). 


stab,  den  Zaubersaft,  die  Verwandlung,  die 
Rückverwandlung;  es  fehlt  nur  die  Zauber- 
formel, als  welche  das  fpjcEO  vvv  cvcpfövSs 
(v.  320)  nicht  gelten  kann.  Man  vergleiche 
z.    B.    mit    den    Künsten    der    Kirke    die    der 


Königin  Laba  in  Tausend  und  Eine  Nacht 
(Erzählung  vom  König  Beder,  510.  Nacht  u.  ff.), 
und  man  wird  überraschende  Analogieen  finden. 
Nicht  zufällig  scheint  es,  dafs  Kirke  die  Tochter 
des  Helios  (Myth.  Tat.  1,  204:  des 
Apollon)  heifst,  wie  Agamede  und  Me- 
deia  seine  Enkelinnen;  mit  dem  Kult 
der  dem  Helios  verbundenen  Selen e 
(K.  als  Priesterin  des  Helios  und  der 
Selene  bei  loh.  Antioehen.  fr.  24.  Müller, 
fr.  h.  4,  551)  steht  das  Zauberwesen 
im  engsten  Zusammenhang  (vgl.  Boscher, 
Selene  u.  Verwandtes  S.  84 ff.  99.  144.  147). 
Vielleicht  ist  K.  erst  als  Heliostochter 
in  Aia  (vgl.  u.  3  f.  und  die  Artikel  Aia 
und  Argonauten  Bd.  1  Sp.  510,  47)  lo- 
kalisiert, wahrscheinlich  erst  dadurch 
mit  Aietes  verbunden  worden;  diese 
Verbindung  mag  auch  den  Dichter  von 
u  69  ff.  veranlagt  haben,  der  allbekannten 
Argonautensage  zu  gedenken.  Es  lag 
daher  nahe,  die  genannten  Zauberinnen 
aus  Mondgöttinnen  abzuleiten,  wie  dies 
mehrfach  geschehen  ist;  vgl.  bes.  J.  F. 
Cerquand.  Etudes  de  Mythologiz  grecque. 
Ulybse  et  Circe.  Les  Sirenes.  Paris  1873; 
dieser  hält  wie  auch  Tümpel  im  Philol. 
N.  F.  2,  123.  4,  6l9ff.  Kirke  (etyinolog. 
mit  kvy.Xos.  cireus  „Kreis"  zu  verbin- 
den) für  eine  Mondgöttin,  Odysseus  für 
den  Sonnengott  (vgl.  v.Wilamoivitz.Hom. 
Unters.  S.  1141,  und  seinen  Aufenthalt 
bei  der  Zauberin  für  das  mythische  Bild 
der  Sonnenfinsternis,  S.  2Sff.  67ff.  7lff.:noch 
schwerer  läfst  sich  beweisen,  dafs  K.  ursprüng- 
lich eine  Unterweltsgöttin  gewesen  sei  {A.Kuhn, 
Die  Herabkunft  des  Feuers  S.  32  und  besonders 
H.  D.  Müller,  Mythologie  der  griech. 
^  Stämme  1 ,  158  Anm.  2).  Als  Zauberin 
wird  K.  angerufen  im  14.  hom.  Epigr. 
Käfitvog  j}  Kegautig  v.  15  ff:  dsvgo  xal 
'Hiliov  ftvyccTrJQ,  MoJ.vtpaguaiis  Kigtiq, 
aygia  cpdpuay.8  Balls.  —  Theokr.  2,  15. 
9,  36;  vgl.  KiQHUiu  pi'fa  Apollod.  3.  15, 
1  und  Nonn.  Dionys.  22,  77  xai  KiQy.ng 
v.vy.säva  S>  ov.XrtTOig  inctoiSccts.  Die 
meisten  Anspielungen  bei  griechischen 
Schriftstellern  beziehen  sich  auf  das 
Odysseusabenteuer;  man  liebte  es  na- 
mentlich, dasselbe  allegorisch-ethisch 
zu  deuten,  wie  auch  der  Name  K.  für 
eine  verführerische  Dirne  in  Anwendung 
kam:  z.  B.  Xenoph.  Mevior.  1,  3,  7; 
Deutung  der  Stoiker  bei  Athen.  1,  10e, 
Heraclit.  alleg.  homer.  c.  72  u.  a.  (vgl. 
E.  Weberin  Leipziger  Studien  11,  143 ff.); 
Arütoph.  Plut.  302  ff.  Anthol.  Pal.  10, 
50.  15,  12.  Plaut.  Epidic.  4,  2,  34. 
Etym.  M.  und  Suid.  Eine  humoristi- 
sche Behandlung  des  Odysseusaben- 
teuers  haben  wir  in  dem  Satyrdrarna 
des  Aischylos:  Kirke  (Nauch,  fr.  tr.  p.  27) 
anzunehmen.  [Zur  Litteratur  ist  noch 
hinzuzufügen:  B.  Broten,  The  myth  of  Kirke 
in  der  Academy  vom  19.  Jan.  1S^4.] 

Die  volkstümliche  Erzählung  hat  auch  in 
der  darstellenden  Kunst  Verwendung  ge- 
funden: vgl.  0.  Jahn,  Archäol.  Beiträge  S.  401  ff. 


1197 


Kirke  (bei  Homer) 


Kirke  (bei  Homer) 


1198 


und  Archäol  Zeit.  1865  S.  17  ff.  OverbecJc, 
Galerie  heroischer  Bildwerke  S.  778  ff.  Schlie, 
Der  troische  Sagenkreis  auf  etruskisclun  Aschen- 
kisten S.  182  ff.  G.  Kürte  in  der  Archäol.  Zeit. 
1876  (XXXIV)  S.  189  ff.  Engelmann,  Bilder- 
atlas zur  Odyssee  T.  VIII  und  IX).  Balte,  De 
■monumentis  ad  Odysseam  pertinent.  Be 
liner  Dissert.  1882. 'S.  17 ff.  An  der  soge- 
nannten Kypseloslade  zu  Olympia  (Paus. 
5,  19,  7)  sah  man  in  einer  Höhle  gelagert 
ein  Paar,  welches  Pausanias  wegen  der 
Vierzahl  der  Dienerinnen  als  Odysseus 
und  Kirke  erklärt.  Die  älteste  von 
den  erhaltenen  Vasen  ist  eine  aus 
Sicilien  ins  Berliner  Museum  ge- 
kommene Lekythos  (n.  2342)  mit 
schwarzen  Figuren  (Arch.  Zt. 
1876  T.  14,  daraus  in  Bau- 
meisters Denkmälern  d.  kl. 
Alt.  und  bei  Engelmann 
nr.  45):  Odysseus  nimmt  aus 
der  Hand  der  vor  ihm  sitzen- 
den Kirke  den  Becher,  das 
Schwert  zum  Angriff  bereit 
haltend.  Von  besonderem 
Interesse  sind  die  anwesen- 
den vier  Gefährten ,  die 
verschiedenen  Tierköp- 
fen das  Zeich' 
Verwandlung 
sich  tragen, 
gens     aber 

menschlicher 
Bildung    auch 
menschliche 
Teilnahme  an 
dem  Schick- 
sal  ihres 
Herrn    ver- 
raten.    Die 
freie        Be- 
handlung der 
Dichtung 
entspricht 
der  Gewohn- 
heit der  grie- 
chischen Male- 
rei ;     insbeson- 
dere ist  die  Ein- 
förmigkeit      der 
Tiergestalt  vermie 
den.  Die  Verwandh 
eines     Gefährten 
Kirke  stellt  eine  Amphora 
aus  Nola,  jetzt  im  Berliner 
Museum  (n.  1960.  =  Arch. 
Ztg.     1876     Taf.     13,     bei 
Engelmann  8,  44),  dar:  Die 
Zauberin  sitzt  mit  Skyphos 


Abb.  3)  Udysseus  u.  Kirke,  röm.  Lampe  (nach 
Arch.  Ztg.  1865  Taf.  194  Fig.  4). 


der  Kirke  mit   dem  Schwerte;   ein   am  Boden 
liegender  verwandelter  Gefährte  äufsert  in  der 
Haltung  seine  Teilnahme.    Die  Rückseite  stellt 
die  Ankunft  des  Odysseus  bei  Kirke  dar.    Eine 
schwarzfigurige    Vase    auf   Stift    Neuburg   bei 
Heidelberg,  die  auf  einer  Seite  die  Verwand- 
'ung    von    Menschen     in    Tiere     durch    eine 
sitzende    Person    darstellt,    ist    von    Stark 
in  der  Arch.  Ztg.  1876   S.  191  ff.    als    ge- 
fälscht verdächtigt     Eine  Kivkevase  (Ver- 
handlung der  Gefährten  und  Bedrohung 
der  Zauberin  durch  Odysseus)  in  Bologna 
findet  sich  beschrieben  im  Museo  ita- 
liano    di    antichüä   classica    vol.    2 
(1888)  p.  26.     Ein  pompejanisches 
Wandgemälde  nr.  1329   (Heibig; 
Zahn,  Wandgemälde  3,  44;  bei 
Overbeck  Taf.  32,   11.     Engel- 
mann Taf.  9,  47)  zeigt  eben- 
falls die  Bedrohung  der  Zau- 
berin, die  durch   einen  Nim- 
bus    als    Heliostochter     ge- 
kennzeichnet ist,   durch  den 
das  Schwert  ziehenden  Hel- 
den. Dazukommtvonden  von 
Würmann  veröffentlichten  es- 
linischenWandgemäl- 
as  Bild  auf  Taf.  5 
Engelmann   Taf. 
(43e),  auf  dem  sich 
zwei  Scenen  fin- 
den:    Empfang 
des     Odysseus 
durch    Kirke 
.    und  die  Be- 
1  drohung  der- 
selben. Fer- 
ner mehrere 
Reliefdar- 
stellungen: 
Die   Bilder- 
tafel    aus 
dem  Palast 
Rondinini(Ö. 
■Jahn,  Bilder- 
chronik. Taf.  4 
'  H.  Engelmann 
/Taf.   9,48)     mit 
/drei  Scenen:  der 
Begegnung       des 
Odysseus    mit    Her- 
,    der    Bedrohung 
rke  und  der  Erlö- 
sung der   Gefährten.    Hier, 
wie  auf  dem  esquilinischen 
Bilde    sind    Namen   beige- 
schrieben (G.   I.  Gr.   6130. 
6130b).    Ein  auderes  Relief 
einer    etruskisehen  Aschen- 


und  Stab  da,  den  sie  gegen  eine  u  davoneilenden  so  kiste    (Bochette,   Mon.  ined.  61,2,   abgebildet 


Mann  bewegt;  an  dessen  Kopf  und  Rücken  hat 
die  Verwandlung  bereits  begonnen.  Dengleichen 
Stoff  behandelt  eine  nolanische  Vase  im  Besitz 
des  Fürsten  von  Wittgenstein  (Wiesbaden,  Arch. 
Ztg.  1865  Taf.  194,  1,  21:  hier  eilt  Kirke  dem 
fliehenden  Gefährten  nach.  Eine  Vase  von  Vulci 
(Mon.  d.  inst.  5,  41.  Overbeck  Taf.  32,  1.  2)  zeigt 
auf  der  einen  Seite  (s.  Abbild.  2)  die  Bedrohung 


auch  bei  Baumeister  nr.  782,  vgl.  Schlie 
nr.  2),  giebt  die  Haltung  der  drei  verwandel- 
ten Gefährten  (Schaf,  Ochs  und  Pferd  [?]), 
mit  gutem  Humor  wieder.  —  Schlie  ver- 
zeichnet noch  3  Reliefs  von  etruskisehen 
Aschenkisten:  nr.  1  aus  Volterra-  in  Flo- 
renz n.  427,  nr.  3  aus  Volterra,  tomba  Inghi- 
rami    (verstümmelt);    nr.  4   ist   das   von  Jahn 


1199 


Kirke  (in  der  Telegonie) 


Kirke  (in  Italien) 


1200 


und  Overbeck  zurückgewiesene,  von  Brunn 
und  Schlie  hierher  bezogene  Relief  bei 
Micati,  Mon.  med.  49,  2  (Ann.  d.  inst.  1849 
tav,  D).  Ferner  ein  etruskischer  Spiegel 
(Ann.  dell.  Inst.  1852.  Tav.  d'agg.  H,  danach 
Engelmann  Taf.  8,  46;  eine  genauere  Ab- 
bildung nach  dem  Original  im  Louvre  hei 
Cerquand  a.  a.  0.  PI.  1):  Kirke  (Cerca), 
Odysseus  (Uthste)  und  Elpenor  iFelparun)  im 
Augenblick  der  Bedrohung;  zu  unterst  ein 
Schwein  mit  einem  menschlichen  Fufs;  das 
Relief  einer  römischen  Lampe  (Arcli.  Ztg.  1865, 
Taf.  194,  4);  Kirke  mit  Strahlenkrone,'  Odys- 
seus den  Griff  des  Schwertes  fassend ,  im 
Hintergrund  Tierköpfe;  eine  Kontorniatniünze 
(Fig.  4  =  Sabotier,  descr.  gen.  des  medaillons  con- 
torniates  Taf.  8,  13):  Kirke  mit  Strahlenkrone 
fufsfalliglvor  Odysseus,  im  Hintergrunde  Tier- 
gestalten;  endlich  (bei   Overbeck  nr.   58)  eine 

Gemme,   (Mittin, 
Gal.     Myth.    103, 
636):    Odysseus 
mit    dem    Kraute 
Moly. 

•2)  Kirke  in 
der  Telegonie 
(vgl.  Welcher,  Die 
griechischen  Tra- 
gödien 1,  240.  v. 
Wilamowitm,  Ho- 
merische Unter- 
suchungen 192  ff. 
Artik.  Telegonos). 
Telegonos  gilt 
nach  der_gewöhu- 
lichen  Überliefe- 
rung als  Sohn  des  Odysseus  und  der  Kirke: 
Hypothesis  der  Telegonie  bei  Proclus.  Hyq. 
f.  127.  Schol.  Hom.  X  134.  Eustath.  zu  x  323 
p.  1660,  7.  Schol.  Ar.  Plut.  303.  fragm. 
Apollod.  Sabbait.  im  Rhein.  Mus.  46,  178, 
9  und  fr.  121b  S.  181,  lff.  (wo  mit  Bücheier 
ctniXttvvsi  für  ccrtiXußi  und  Tgvyovog  für 
TnXtyovog  zu  schreiben  ist).  Serv.  Verg. 
Aen.  2,  44  u.  a.  St.  (Fälschlich  wird  bei 
Eustath.  zu  n  118  p.  1796,  49  Telegonos  ein 
Sohn  der  Kalypso  genannt;  umgekehrt  wird 
Nausithoos,  nach  Hes.  Theog.  1017  Sohn  der 
Kalypso,  bei  Syg.  f.  125  Sohn  der  Kirke 
genannt;  vgl.  über  die  Verwechslung  beider 
c.  Wilamowitz  a.  a.  0.  115  Aum.  3  und  Gerguand 
a.  a.  0.  7  not.  1).  Nach  Oppiaii,  Hai.  2,  497, 
hat  Kirke  ihrem  Sohn  die  verhängnisvolle,  von 
Hephaistoa  gefertigte  (dies  nach  Eustath.  zu 
X  133  p.  1676,  44)  Lanze  mit  dem  Rochenstachel 
übergeben,  mit  der  er  nachher  den  eignen 
Vater  tötete.  Die  Darstellung  dieser  Scene 
wird  in  einem  Vasenfragment  (Welcher,  A.  D. 
3,  Tafel  30,  2)  gefunden.  Vielleicht  stammt 
dieses  Motiv  aus  Sophokles,  der  im  OSve- 
aivg  ctHav&o-iiXrilj,  die  Telegonie  behandelte. 
Dagegen  mag  der  Zug,  dafs  Kirke  Odysseus 
durch  ihre  Kunst  wieder  aufgeweckt  habe, 
eine  spätere  Erfindung  sein:  Tzetz.  Lykophr. 
805.  —  An  den  Tod  des  Odysseus  knüpfte 
schon  das  Epos  neue  Verbindungen:  nach  der 
Telegonie  des  Kyrenäers  Eugammon  (Proklos- 
exc.)  soll  Telegonos  die  Penelope,  Telemachos 


Abb.  4)  Odysseus  und  Kirke, 

Kontomiat  (nach  Arcfi.  Zeitg. 

1S65  Taf.  IM  Fig.  3). 


Kirke  geheiratet  haben  (dasselbe  bei  Eustath. 
zu  7i  118  p.  1796,  53  aus  den  Nosteu\  —  Kirch- 
hoff, Philol.  15,  24  nimmt  Verwirrung  an  der 
Stelle  an;  anders  urteilt  v.  Wilamowits  a.  a.  0. 
S.  184  — ;  vgl.  noch  Tzetz.  Lyk.  805,  wo  die 
Verbindung  auf  die  Inseln  der  Seligen  ver- 
legt wird ;  dasselbe  könnte  auch  aus  dem 
Proklosexcerpt  der  Telegonie  gefolgert  werden, 
wo   es   heifst:    tj    S\  [sc.  Kigurf]    avTovg  d&a- 

w  vätovg  noLii  (vgl.  fragm.  Apollod.  a.  a.  0.), 
kci'i  avvoty.il .  tf]  fisv  IlrjviXoitT]  TrjXiyovog, 
KCq-atj  de  TnXiyaxog).  Die  Sage  kennt  aber 
auch  eine  Tochter  des  Odysseus  und  der 
Kirke,  Namens  Kassiphone  (oder  richtiger 
Kasiphone  d.  h.  die  Brudermörderin?);  auf 
diese  beziehen  sich  nach  den  alten  Erklärern 
die  Verse  bei  Lykophr.  80*  ff. :  Telemachos 
habe  seine  Gattin  (die  unsterbliche  Kirke !) 
getötet;   aber   den  Tod    der  Mutter  habe    an 

20  Telemachos  die  Schwester  gerächt;  vgl. 
Schol.  zu  v.  810:  raig  atpayatg  rijg  äSiXtpijg 
Kacaiifovrjg.  (Wenn  beim  Schol.  zu  v.  807 
und  Tzetz.  zu  Lykophr.  805  Kassiphone  die 
[zweite]  Frau  des  Telemachos  genaunt  wird, 
so  mag  dies  auf  später  Erfindung  oder  Mifs- 
verständnis  beruhen;  ans  Lykophron  ist 
nur  auf  ein  geschwisterliches  Verhältnis  zu 
schliefsen.)  —  Telegonos,  der  Sohn  der  Kirke, 
ist    bekanntlich    für    die    italische    Sage    be- 

30  deutungsvoll  als  Gründer  von  Tusculum  (Dion. 
Hol.  4,  45.  Liv.  1,  49.  Hör.  Epod.  1,  29  f. 
Prop.  2,  32,  4:  Aeaei  moenia  Telegoni  u.  a.) 
oder  Praeneste  (Plut.  Parallel.  41  u.  a.);  dies 
führt  uns  zu  der  Kirkesage  in  Italien. 

3)  Kirke  in  Italien.  Eine  vereinzelte 
Überlieferung  verlegt  das  Grab  der  Kirke  nach 
Griechenland  in  die  Bucht  von  Eleusis  auf 
eine  der  Pharmakusen  (Strab.  9,  395;  vgl.  da- 
mit das  skylläische  Vorgebirge  bei  Troizene!). 

40  Der  erste ,  der  Kirke  nach  Italien  versetzte, 
war  nach  Eratosthenes  (bei  Strab.  1  p.  23; 
vgl.  Schol.  Apoll.  Eh.  3,  311)  Hesiodos  (fr.  89, 
90  BzacJi).  Wenn  aber  in  den  Apollonios- 
scholien  (a.  a.  0.  fr.  91)  behauptet  wird,  dafs 
Apollonios,  „dem  Hesiodos  folgend",  Kirke  auf 
dem  Wagen  des  Helios  (vom  östlichen  Aia) 
nach  dem  tyrrhenischen  Meer  habe  gelangen 
lassen,  so  ist  die  Berufung  auf  Hesiodos  in 
diesem  Punkte   irrtümlich;  keine  Spur  deutet 

so  darauf  hin,  dafs  die  hesiodeische  Dichtung  Kirke 
mit  der  Argonautensage  verbunden  habe;  die 
Verbindung  der  Kirke  mit  Aietes  (Theog.  957) 
beruht  auf  den  homerischen  Andeutungen  (s. 
unter  1).  Dagegen  hat  die  hesiodeische  Dichtung, 
wenn  auch  jüngeren  Alters,  Kirke  bereits  mit 
den  italischen  Genealogieen  verknüpft  (Müllen- 
hoff  a.  a.  0.  S.  54  scheint  das  Alter  der  Stelle 
zu  überschätzen).  Im  Frauenkatalog  der  Tlicog. 
1011  ff.  (citiert  Schol.  Apoll.  Rh.  3, 200.  Etcstath. 

60  z.  II.  p.  1796.  Laur.  Lyd.  de  mens.  1,  4  p.  7 
Bkk.,  vielleicht  auch  von  Eratosthenes  a.  a.  0. 
berücksichtigt)  wird  berichtet,  Kirke  habe 
dem  Odysseus  den  Agrios  (?)  und  Latinos  ge- 
boren. Während  Preller  (R.  M.3  2,  308)  und 
Müllenlioff  S.  54  in  Agrios  den  Faunns  er- 
kennen wollen  (Kirke  als  Mutter  des  Faunus 
von  Zeus  bei  Norm.  13,  330  ff.),  haben  andere 
dafür  rgaiKov,  "aSqiov  und  zuletzt  Sittl  unter 


1201                Kirke  (in  Italien)  Kirke  (m  der  Argonautensage)     1202 

Zustimmung  von  Bzach  "Axqlov  vermutet  (s.  aus  Plin.  N.  LT.  3,  108  =  Faunus?).  Oder  an 
die  Ausgaben  von  Flach  und  Bzach  z.  d.  St.).  die  Stelle  der  Marica  von  Minturnae  an  der 
Latinus  als  Sobn  der  Kirke  und  des  Odysseus  Lirismündung,  vgl.  Lactant.  1,  21,  23.  Serv. 
wird  noch  bezeugt  durch  Ps.-Skymn.  227.  Verg.  Aen.  12,  164.  Jedenfalls  genofs  Kirke 
Serv.  Verg.  Aen.  12,  164.  Steph.  Byz.  s.  v.  religiöse  Verehrung,  Cic.  de  not.  dem:  3,  19, 
Ilgaivsaxog,  während  Hyg.  f.  127  Latinus  einen  48:  Circen  coloni  nostri  Circeienses  religiöse 
Sohn  des  Telemachos  und  der  Kirke  nennt;  cölunt.  Plin.  25,  10:  Itala  Circe  dis  adscripta. 
bei  Festus  p.  269  (aus  Kleinias?  Müller,  fr.  h.  Vgl.  Inscript.  Orelli  n.  1849.  Über  Gebräuche 
4,  366)  heilst  Italus  Sohn  des  Telemachos  und  von  S.  Feiice  (Circei)  s.  Capponi,  II promontorio 
der  Kirke.  Anders  lautet  die  Genealogie  des  10  Circeio.  Velletri  1856  p.  356. 
Xenagoras  (Dion.  Mal.  1,  72,  fr.  6;  daraus  Den  Palast  der  Zauberin  auf  Circei  hat 
Euseb.  Chron.  v.  205  Mai.  Sync.  p.  193  A.  Vergil  in  der  Aen.  7, 10 ff.  nach  dem  Vorbilde  der 
Steph.  Byz.  s.  v.  "Avxeiu):  Die  Söhne  des  Odyssee  geschildert:  Löwen,  Bären,  Wölfe  und 
Odysseus  und  der  Kirke  seien  Ronius,  Antias,  Schweine  heulen  in  der  Umgebung  (Ov.  Biet. 
Ardeas;  Plut.  Born.  2  nennt  dagegen  Romulus.  14,  10:  atria vanarum plena  ferarum) ;  im  fahlen 
(Vgl.  darüber  Stiehle  im  Piniol.  1849  S.  107  Mondlicht  leuchtet  das  Meer;  sie  selbst  sitzt 
und  1885  S.  167.  Schwegler,  Bonn.  Gesch.  1,  im  Palast,  der  von  duftendem  Cederholz  (Hom.  s 
403.)  Endlich  galt  auch  Auson  (s.  d.),  der  60  vom  Palast  der  Kalypso;  die  gleiche  Ver- 
Eponym  der  Ausonen,  durch  Verwechslung  mit  wechslung  bei  Plin.  Nat.  H.  13,  100)  erleuchtet 
Kalypso  (s.  oben  unter  2)  für  einen  Sohn  der  20  wird ,  am  Webstuhl.  (In  der  Weissagung  des 
Kirke  und  des  Odysseus:  Eustath.  Od.  p.  1379,  Helenes  3,  386  heilst  ihr  Wohnsitz:  Aeaeae  in- 
30.  Schol.  Dion.  Per.  78  u.  a.  sula  Circae.)  Eine  neue  italische  Sage  be- 
Hesiodos  verlegte  den  Wohnsitz  der  Kirke  gegnet  uns  Aen.  7,  190  f.:  unter  den  Ahnen- 
in  das  tyrrhenischeMeer(27jfO(/.  1016.  fr.  89.90);  bildern  im  Palaste  des  Latinus  zu  Laurentnm 
wenn  Euripides  (Troad.  437  f.)  Kirke:  Aiyvoxig  wird  auch  das  des  Picus  angeführt,  den  seine 
1)  aväv  (logtpdxgia  nennt,  so  will  er  damit  Gemahlin  Kirke  (vgl.  Vol.  Flacc.  7,  232)  in 
gewifs  nur  ihren  Aufenthalt  im  westlichen  den  Vogel  verwandelt  haben  soll.  Die  Ver- 
Meer andeuten  (vgl.  bei  Plin.  25,  10:  Circe  Wandlung  wird  ausführlich  von  Ov.  Met.  14, 
Itala).  Nach  Ps.-Skymn.  225  hiefsen  drei  320  ff.  erzählt,  nur  dafs  hier  Kirke  in  ver- 
kleine Inseln  vor  Misennm  Kig^ng  vr)aoi.;  aber  30  botener  Liebe  zu  Picus  entbrannt  ist.  Aemüius 
volkstümlich  geworden  ist  ihr  Aufenthalt  auf  Macer  hat  die  Sage  im  ersten  Buch  seiner 
dem  Vorgebirge  Circei,  Kiqkcciov  (das  früher  <  Irnithogonie  behandelt,  s.  Non.  Marc.  p.  518 
eine  Insel  gewesen  sein  sollte:  Theophr.  Hist.  s.  v.  Picumnus;  vgl.  noch  Serv.  Verg.  Aen. 
plant.  5,83.  Varro  bei  Serv.  Verg.  Aen.  3,386.  7,  190.  Sil.  Ital.  8,  440.  Mytli.  Vat.  1,  102. 
Plin.  N.  H.  3,  57.  2,  201.  Solin.  2,  22).  Theo-  2,  213;  zur  Deutung  W.  Mannhardt ,  Wald- 
phrastos  a.  a.  0.  ist  der  älteste  Gewährsmann  und  Feldkulte  2,  334  f.  —  Auch  sonst  wird 
dafür;  besonders  aber  Strab.  5  p.  232:  fisxä  St  Kirke  bei  römischen  Schriftstellern  häutig  ge- 
"Avziov  xb  Kignacöv  loxiv  ....  cpaot  St  v.al  nannt  (Ov.  Met.  4,  205:  homerische  Genealogie, 
Tcolvgoi^ov  slvai  (noXvqxxQaay.ov  Schol.  Apoll.  „Titanis"  Ov.  Met.  13,  968.  14,  14.  376.  Martial. 
Bh.  3,  311;  von  einem  cpäguay.ov  daselbst  40  epigr.  8,  36),  sei  es  in  Verbindung  mit  Odys- 
{Ps.-Aristot.  nsgi  &avfiaa.äv,ovGu.  c.  78  p.  835b,  seus,  wie  Varro,  De  gente  pop.  rom.  fr.  17  aus 
33)  .  .  .  £%si  Ss  7coXi'%viov  -teil  Kigy.rjg  isgbv  v.cti  August,  de  civ.  d.  18,16.  Verg.  ecl.  8,70  (=  CLL. 
'A&riväg  ßtapiöv,  Ssiy.vvg&ul  Ss  Y-ctl  quälr^v  xivä  4,  1982).  Hör.  Od.  1,  17,20  [vitrea  Circe).  Epod. 
tpaaiv  'Oäv'oascog  (citiert  Eustath.  Dion.  Per.  17,  17.  Epist.  1,  2,  23.  Tib.  4,  1,  61.  Prop.  4, 
692);  vgl.  Philostephanos  fr.  23  aus  Tzetz.  Lyk.  12,  27.  Ov.  A.  am.  2,  103.  Bern.  Am.  263  ff. 
1276.  Dion.  Bai.  4,  63.  Am  Kigxctiov  %vurde  Fast.  4,  70.  Stat.  Silv.  1,  3,  85  (vitrea  Circe), 
das  fivrjtia  des  Elpenor  gezeigt:  Theophr.  a.  a.  0.  seltener  als  Zauberin:  Tib.  2,  4,  55.  Ov. 
Ps.-Skylax  §  8.  Deutet  man  den  tarnen  etwa  Met.  14,  14;  als  Name  für  eine  Dirne  (vgl. 
mit  Pape-Benseler  s.  v.  als  Habicht-  oder  Plaut.  Epidic.  4,  2,  34):  Petron.  Sat.  127. 
Falkenstein,  den  die  Griechen  dem  Vorgebirge  50  129.   130. 

gegeben  hätten,  so  würde  die  Namensähnlich-  4)  Kirke  in  der  Argonautensage.  Im 
keit  den  Grund  zur  Lokalisation  der  Kirke  ge-  Gegensatz  zu  Müllenhoff  (Deutsche  Altertumsk. 
geben  haben;  oder  das  Vorgebirge  galt  von  1,  52ffJ,  welcher  geneigt  ist,  die  Argonauten- 
alters her  als  Sitz  einer  Zauberin  und  erhielt  sage  für  die  Vorlage  der  Odysseusabenteuer 
erst  von  der  mit  dieser  identificierten  Kirke  in  v.  zu  halten  (vgl.  Kirchhoff  a.  a.  0.  unter  1 
seinen  Namen  (die  Stadt  Circei  wird  von  Liv.  und     den    Art.    Argonauten    Bd.     1    Sp.    535, 

1,  56  in  der  Geschichte  des  Tarquinius  Superbus,  57  ff.),  ist  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dafs 

2,  39  in  der  des  Coriolanus  erwähnt).  Denn  mit  Kirke  in  dem  älteren  Teile  der  Argonauten- 
Recht  hat  Preller  (B.  M.3  1,  412)  behauptet,  sage  keinen  Platz  hat,  nur  eine  lästige Wieder- 
dafs  Kirke  vielfach  an  die  Stelle  altitalischer  00  holung  der  Medeia  sein  würde;  auch  die  Hypo- 
Göttinnen getreten  ist,  wie  der  Angitia,  die  these,  dafs  die  „korinthische"  Medeia  Kirke 
besonders  am  Fuciner  See  im  Marserlande  ver-  aus  dieser  Sage  verdrängt  habe ,  könnte  sich 
ehrt  wurde  (Cn.  Oellius  fr.  9  aus  Solin.  2,  28);  auf  keinen  Beweis  stützen.  Bei  Pindaros, 
dadurch  mag  sich  die  Überlieferung  bei  Plin.  Sophokles,  Herodoros  (s.  Arg.  Bd.  1  Sp.  536, 
N.  H.  1,  15.  26,  11.  Gell.  N.  A.  16,  11,  1.  22  ff.)  ist  Kirke  aus  der  Argonautensage  aus- 
Solin.  2,27  erklären,  dafs  die  Marser  behauptet  geschlossen;  auch  Hesiodos  fr.  91  darf  nach 
haben  sollen,  von  einem  Sohne  der  Kirke  ab-  dem  oben  (unter  3  zu  Anfang)  Gesagten  nicht 
zustammen  (etwa  von  Marsyas,  Cn.  Gellius  fr.  8  hierher  gezogen  werden.    Erst  in  der  alexandri- 


1203    Kirke   (in  der  Argonautensage)  Kisar                           1204 

nischen  Zeit,  als  man  die  Argonauten  auch  in  opfer  reinigt.  Als  aber  Medeia  Schuld  und 
das  westliche  Meer  führte,  ist  die  Kirkesage  Schicksal  gebeichtet  hat,  werden  sie  sofort 
unter  Benutzung  der  homerischen  Andeutungen  von  der  Göttin  entlassen.  (Kui'ze  Hypothesis 
mit  der  Argonautensage  verbunden  worden;  dieser  Erzählung  bei  Apollod.  a.  a.  0.).  Der 
wie  äufserlich  dies  aber  geschehen  ist,  beweist  Dichter  der  Orphika  (v.  1212 — 1243\  der  Kirke 
am  besten  die  Erzählung  des  Apollonios  Rhod.  eine  Tochter  des  Helios  (Hyperion)  und  der 
4,  659  ff. ,  in  der  Kirke  zur  Entsühnung  des  Asterope  (v.  1222)  nennt  und  ihr  Haupt  mit 
flüchtigen  Paares  benutzt  wird,  um  sofort  einer  Strahlenkrone  schmückt  (v.  1224  f.,  s.  die 
wieder  zu  verschwinden.  Auch  der  Name  bildlichen  Darstellungen  unter  1),  läfst  zwar 
AYpxßfoi'  oder  neSiov  AVpxTjs  in  Kolehis  darf  10  auch  nach  dem  Vorgange  des  Apollonios  das 
nicht  znm  Beweis  einer  älteren  Verbindung  blutbefleckte  Paar  zu  Kirke  gelangen,  aber 
angeführt  werden;  dieselben  Schriftsteller,  die  seinem  Plane  gemäfs  diese  die  Sühnung  ver- 
aus  einer  Anzahl  zweifelhafter,  von  ihnen  künst-  weigern  und  dem  Orpheus  übertragen,  der 
lieh  zurechtgemachterLokalüberlieferungen  und  sie  bei  dem  Vorgebirge  Malea  vornimmt 
Namensdeutungen  die  Fahrt  der  Argo  ins  west-  (v.  1371  ff.).  Aus  dem  Gesagten  dürfte  sich 
liehe  Meer  zu  beweisen  versuchten,  haben  uns  ergeben,  dafs  die  Verflechtung  der  Kirke  in 
auch  diesen  Namen  überliefert:  Timaios  fr.  9  die  Argonautensage  keine  Spur  alter  Über- 
aus SchoJ.  Apoll.  Eh.  2.  399  (vgl.  damit  fr.  6  lieferung  aufweist. 

aus   Diod.  4,  561).    wahrscheinlich    aber    auch  5)  Kirke  und  Glaukos.   Alesandrinischen 

Timagetos  und  Timonax  (s.  die  fragm.  aus  den  20  Charakter  trägt  auch  diese  Erzählung.    Skylla, 

Apolloniosscholien  bei  Müller,  fr.  h.  4,  519.  622);  von  Glaukos   (s.  das.  Bd.  1   Sp.  1684)  geliebt, 

vgl.   Apoll.  Rh.  2.  400  und   Schol.  Eustath.  z.  weist    seine    Werbung    zurück;    dieser    bittet 

Dion.  Per.  692.   Etym.  M.   Suid.  s.  v.   Plinius  Kirke   um   ein  Zaubermittel,   welches  ihm  die 

6,  13;  nach  Apollonios  auch  Val.  Flacc.  5,  327.  Liebe  der  Verschmähenden  gewinnen  soll.    Die 

6,  426.   7,  544:    Circaeus   cammis.     Am  eigen-  Zauberin,   die  ihrerseits  Glaukos  liebt,  mischt 

tümlichsten  handelte  von  Kirke  bei  den  Kolchern  aus  Eifersucht  in  das  Wasser,  worin  sich  Skylla 

(im  Taurenlande)  Dionysios  Skytobrachion.  des-  zu  baden  pflegt,  ihre  Gifte  und  verwandelt  sie 

sen  Erzählung  bei  Diod.  4,  45  (vgl.  Schol.  Ap.  in  das  Ungeheuer,  das  ihren  Namen  trägt.    So 

Rh.  3,  200)  vorliegt;   nach   ihm   ist  Kirke  die  hatte  vielleicht  die  Athenerin  Hedyle  (3.  Jahrh.) 

Tochter  des  Aietesund  der  Hekate,  Schwester  30  erzählt  (Athen.  7,  297b);  nach  alexandrinischer 

der   Medeia,    eine   berüchtigte   Zauberin    nach  Vorlage     dichtete    Ov.    Met.    14,    1 — 74;    vgl. 

dem  Beispiel  der  Mutter.    Mit  dem  König  der  Byg.  f.  199  (Myth.   Yat.  1,  8.   2,  169).     Serv. 

Sarmaten  verheiratet,  tötet  sie  diesen  und  be-  Yer9-   Ecl.   6,    74.    Aen.  3,  420.      Nach    einer 

geht  so  viele   Verbrechen,   dafs   sie   aus   dem  Überlieferung  bei  Serv.  Yery.  Ecl.  6.  74  (vgl. 

Lande   vertrieben   wird:   nach  einigen  soll  sie  Tzetz.  z.  Lyjc.  754)  ist  Poseidon  an  die  Stelle 

sie  mit  ihren  Frauen  auf  einer  einsamen  Insel  des  Glaukos  zu  setzen. 

des  Oeean  gelebt  haben  (dem  homerischen  6)  Kirke  und  Kalchos  (s.d.).  In  das  Ge- 
Aiaie?),  nach  anderen  nach  Circei  in  Italien  biet  des  Romans  fällt  die  Erzählung  bei  Parth. 
gewandert  sein.  Auch  Apollonios  Rhod.,  der  erot.  12:  Der  Daunierkönig  Kalchos  verliebt 
Kirke  nach  Homer  als  Tochter  des  Helios  und  40  sich  in  Kirke  und  darf  ihr  so  lange  dienen, 
der  Perse  bezeichnet  (4,  591)  berichtet  (3,  308ff.),  bis  Odysseus  kommt:  da  wehrt  sie  ihm  den 
dafs  Kirke  auf  dem  Wagen  ihres  Vaters  nach  Zutritt  zu  ihrer  Insel.  Als  er  in  seinen  zu- 
Tyrrhenien  gekommen  sei  (vgl.  4,  850  äatiji'  dringlichen  Werbungen  nicht  nachläfst,  ladetsie 
Alairpv  TvoarjvCSoQ  777^  t'poio;  nach  Apollonios  ihn  hinterlistig  zum  Mahl,  um  ihn  durch  ihre 
auch  Apollod.  1,  9.  24,  5.  Val.  Flacc.  7,  217  ff.  Zauberkräuter  in  ein  Schwein  zu  verwandeln; 
120).*)  AlsIasonnndMedeiaandemWohnsitzder  erst  die  drohende  Ankunft  der  Daunier  veran- 
Kirke  landen  (4,  661  fijov  Alairjg  liuEvct  y.Xv-  lafst  sie,  den  König  freizulassen.  [Seeliger.] 
zöv,  vgl.  LyJc.  1273  f.  rvgaiv  uans^räg  äucpi  KirpheiS  =  Kripheis  (s.d.). 
KiQv.aCov  väirreg  'AQyovg  te  nltivbv  ogaov  Alp-  Kirrha  (Kiq'ou).  Nymphe,  nach  welcher  die 
xrrv  fisyav  und  Schol.).  treffen  sie  dieselbe  am  50  gleichnamige  Stadt  in  Phokis  benannt  war, 
Gestade,  wohin  sie  durch  nächtliche  Träume  Paus.  10,  37,  4.  [Gerhard,  Arch.  Ztg.  23  S.  104 
erschreckt  gekommen  ist,-  um  sich  Haupt  und  u.  117  vermutet  K.  in  einer  Figur  auf  einer 
Gewänder  in  den  Fluten  des  Meeres  zu  waschen;  Vase  des  Brit.  Museums,  welche  Apollon  zu 
ihr  folgen  wilde  Gestalten,  aus  mancherlei  Delphi  mit  Nymphen  und  Thiasoten  darstellt, 
Leibern  verschieden  geformt ,  Gebilde  der  während  andere  sie  als  Opora  deuten  (vgl. 
feuchten  Erde.  Sie  will  die  Gefährten  Iasons  Taf.  202,  2).  fRoscher.l  [Stoll] 
in  ihren  Palast  locken;  aber  dieser  hält  sie  Kirris  (AYppu)  =  Kiris  (s.  Adonis). 
zurück  und  begiebt  sich  allein  mit  Medeia  Kisalaudenos  (KiaalccvSrjvog),  Beiname  des 
dahin;  hier  werfen  sie  sich  als  Schutzflehend e  Apollon  auf  einer  Inschrift  aus  Smyrna,  Kon- 
voi- den  Herd,  bis  Kirke  sie  durch  ein  Ferkel-  60  toleon  in  Mitt.  d.  deutschen  arch.  Inst.   14,  96 

nr.  28.  Auf  einer  anderen  Inschrift  aus  Smyrna 

*)  [Nach  Tyrrhenien  weist  wohl  auch  die  bisher  über-  heifst  der  Gott  KiOavloSdrjvös,  Kontoleon  a.  a.  O. 

siljcne  Notiz  beim  Schol.  z.   Tlieokr.  id.  2,.  15:  fti  xal  rvi  f»7.     Reinadl   in    Reime    archeol.    15    (1890),    288. 


■tili 


-E?.T;vaim   oQBi  üXfiovg  ätiy.vvovcri  -rf/c  Mydeias  rHöfer.l 

'Clgy.ns,  iv  oh  &•«» '*&  <fiqnaxa.  Wahrscheinlich          Kisar.     Nach  Damascius ,     Qtiaestiones   de 

ist  dieses  Htliivalov  •.■po:  identisch  mit  uemuxnor_f/./n;,'                     .            ■       •    ■•  j     t         tt-  t?              c    i  oo/» 

fP/B,  „  .    .,  i  .  ,    v  *     . .    ,       „,  ,,  T       v   ,      -',(  pnmis  princtpns  ed.  los.  Kam),    traneof.  1826 

i.Ftol.  3,  1,  4t  oei  der  etru?kischen  Stadt  Luna  (=  _e/r-  *                 *■             '  ,      ,          •         i         i     i     i       •      v 

..;,-  noU-,  b.  strab.  222  u.  Steph.  Br..  s.  v.).    Vgl.  Koscher,  V-  384    cap.  125  treten  in   der  babylonischen 

Seienc  u.  Verwandtes  s.  15.  e.]  Schöpfungssage  folgende  Wesen  auf: 


1205 


Kissa 


Kissios 


1206 


1.   Tav&t  Kai  Anaeäv. 

■  ' 

2..  M(av{iig. 

3.  Aa%r)  Kai  Aä%og. 

4.  Kieaägng  [so  schreibt  Schröder,  Die 
Keilinschriften  u.  das  A.  Test.  2.  Aufl.  p.  12 
den  bei  Dnmascius  im  Aceusativ  Kiaaaon 
lautenden  Namen]  Kai  "Acamgoc. 

5.  "Avog  Kai  'iXXivbq  (?)  Kai  "Aog. 

6.  xov  §£  Aov  Kai  <JavKwg  vtbg  b  BriXog. 
Damit    stimmt    im    wesentlichen    überein    die 
nordbabylonische     Fassung     der     Schöpfungs- 
sage, welche  Fritz  Hommel,   Deutsche  Rund- 
schau Bd.  68.  1891   p.  110  so  übersetzt: 
„Damals,   als  droben   der  Himmel  noch  nicht 

bekannt  war. 
Drunten  die  Fläche  noch   keinen  Namen  trug 
—  Der  Himmelsocean  (apsü)  aber,    der  Uran- 
fängliche, ihr  Erzeuger, 
(Und)  Chaos  =  Meergrund  (mummu-ti'  ämat), 

die  Gebärerin  ihrer  Aller, 
Strömten   mit  ihren  Wassern   (noch)   in  eines 

zusammen,  und 
Noch    war    kein    Getreidehalm    abgeschnitten 

worden,     ja    nicht    einmal    ein     Schilfrohr 

hervorgewachsen  — 
Damals,    als   von    den    Göttern    noch    keiner 

erschaffen, 
Ein  Name  noch  nicht  genannt,  kein  Geschick 

noch  bestimmt  war, 
Da    wurden    erst    erschaffen    die    Götter    (des 

Chaos), 
Lachmu  und  Lachämu  wurden  hervorgebracht, 

Bis  sie  aufwachsen  in 

Anschur  und  Kischur  wurden  geschaffen, 
Lang   wurden    (oder   machten    sie)    die    Tage 


Die  Götter  Anu,   Inlilla  (Bei)   und  Ka  wurden 

geschaffen." 
Hommel  a.  a.  0.  Anm.  2  erklärt  Anschur  und 
Kischur:  ..wörtlich  die  Himmelsschar  und  die 
Erdenschar,  das  sind  die  bösen  Geister  Himmels 
und  der  Erde;  später,  bei  den  Assvrern,  wurde 
aus  Anschur  (d.  i.  Anu  und  seine  HeerscharerO 
der  Gott  Aschur  oder  Assur".  Vgl.  zu  dieser 
Kosmosonie  auch  Fr.  Lenormant,  Gaz.  arch. 
2  p.  61.  Lettres  assyriologiques  2  p.  194  Anm.  1, 
Essai  de  Oommentaire  des  franmen's  cosmo- 
qoniques  de  Be'rnse  p.  64  und  Die  Magie  und 
Wahrsagek.  d.  Chaldäer.  Jena  1878  p.  114  ff., 
welcher  Sar  und  Kisar  als  ,,die  schaffende  Kraft 
in  der  Höhe  und  in  der' Tiefe"  erklärt.  Anders 
Jensen,  Kosmol.  d.  JBribyl.  S.  2  u.  268  ff. 

Eine   abweichende  sumerische  Schöpfungs- 
legende teilt  Hommel  a.  a.  0.  p.  108 ff.  mit. 

[Drexler.] 

Kissa  s.  Pieros.     [Stoll] 

Kissaia  (Kiaaai'a).  Beiname  der  Athena  in 
Epidauros,  Paus.  2,  29,  1.  Das  Fragment  einer 
Terracotta  (Panofka,  Terracotten  Taf.  7)  zeigt 
den  Helm  der  Göttin  mit  Epheu  bekränzt; 
offenbar  liegt  in  diesem  Namen  Beziehung  zu 
dem  bakchischen  Kreis,  vgl.  Xtephnni,  Compte 
rendu  1872,  37  (s-.  Kissos).     [Höfer.] 

Kisseis  (KiaBni?),  1)  eine  der  Hyaden  (Naia- 
den),  der  Pflegerinnen  des  Dionysos.  Hyg.  f.  182. 
Rüdiger,  D.  Musen,  8.  Suppl.-B.  d.  Jahrbb.  f. 
Mass.    Philol.    p.  368,   1.   —    2)    Tochter    des 


Kisseus,  Hekabe,  Verg.  Aen.  7,  320.  10,  705  u. 
Sfrv.  —  31  Tochter  des  Kisses,  Theano,  77.  6. 
299.     [Stoll.] 

Kisses    (Kiaahg,   aus   Kiaapag,    Schol.  z.    II. 

a.  a.  O.),  Vater  der  Theano,  der  Gemahlin  des 
Troers  Antenor.  König  in  Thrakien,  Tl.  11,  223. 
Strab.  7,  330.     [Stoll.] 

Kissens  (Kieoevg).  1)  König  in  Thrakien, 
Vater  der  Hekabe.  die  bei  Homer  Tochter  des 

i°  Dymas  (Tl.  16,  718)  heilst,  Eurip.  Heb.  3. 
Serv.  V.  Aen.  5,  535.  10,  507.  Apnllod.  3,  12,  5. 
Hyg.  f.  91.  111.  243.  249.  256.  Ennius,  Pacu- 
vius  und  Vergil  folgten  hierin  dem  Euripides, 
Serv.  V.  Aen.  7,  320.  Die  Gemahlin  des  Kisseus, 
Mutter  der  Hekabe  war  Telekleia,  Schol.  II. 
16,  718;  vgl.  Eustath.  II  p.  1083,  1,  s.  Müller, 
fr.  hist.  gr.  4  p.  347,  2.  Mehr  bei  De  Vit, 
Onom.  s.  v.  —  21  Sohn  des  Aigyptos,  ver- 
mählt   mit    der   Danaide    Antheleia,    Apnllod. 

20  2,  1,  5.  —  31  Krieger  des  Turnus,  Sohn  des 
Melampus.  von  Aeneas  erlegt,  Verg.  Aen.  10, 
317.  —  [4)  Beiname  des  Dionysos,  Suidas  s.  v., 
Murr, Die  Pflanzenwelt  in.  der  griech.  Mythologie 
p.  143.  —  5)  Beinahme  des  Apollon,  Murr 
p.  146  u.  Anm.  1:  Aristid.  Or.  25  p.  586. 
Aeseh.  frg.  411  =  Macrob.  Sat.  1,  18.  Über 
die  Beziehung  des  Apollon  zu  Dionysos  s.  u.  a. 
Fr.  Lenormant,  Rev.  num.  1864  p.  13.  de 
Witte,    Gnt.    d'une    coli,   de    vases    trouves    en 

30  Etrurie  p.  68  Note  3  und  Cab.  d'ant.  de 
M.  de  M(***mcmlr)  p.  2  nr.  2  Note  1.  Rhodische 
Münzen  zeigen  das  Haupt  des  Helios  mit 
Epheu  und  Trauben  geziert,  Cavedoni.  Spie. 
mm.  p.  194.  Bull.  d.'Inst.  1862  p.  236:  Dio 
Chrysostom.  Rhodiac.  p.  212  ed.  Aid.:  Kai  rbv 
fiiv  'AnbXXta  Kai  rbv  rrHXiov  v.al  rbv  Jiövvenv 
f'vtoi  cpaGiv  pivai  rbv  avzov'  Kai  vpeig  \a) 
'P6Stoi~\  ovxco  vopitsxe.     Drexler.]     [Stoll.] 

4(i      Kissia  (KlbbCo),  Mutter  des  Memnon,  Aischylos 

b.  Strab.  15,  728.  Steph.  B.  v.  Zovaa.  Wahr- 
scheinlich hat  Aischylos  die  Landschaft  Kissia, 
in  der  Susa  (Mtuvovog  Kri'ßua,  St.  B.)  lag,  die 
Mutter  des  Memnon  genannt.     [Stoll.] 

Kissios  (KICC10C),  Name  des  Apollon  auf 
einer  Münze  von  Alabanda,  welche  im  Obv. 
das  epheubekränzte  Haupt  des  Dionysos  zeigt. 
Apollon  ist  hier  dargestellt,  ebenso  wie  auf 
einer '  Münze    des    Britannicus    von    Alabanda 

so  (Mi.  S.  6,  439,  24  nach  Aless.  Visconti,  Med.  ant. 
ined.  Tab.  3  nr.  5.  Ztsehr.  f.  Num.  8,  1881 
p.  9  Tfl.  2  nr.  4,  vgl.  auch  die  Münze  des 
Maximus,  Eckhel,  Cat.  Mus.  Caes.  Vind.  1 
p.  177.  Mi.  3.  310,  41),  als  Jüngling  mit  dem 
Köcher  am  Rücken  und  dem  Bogen  in  der 
L.,  in  der  R.  einen  Vogel  haltend,  worin  Fried- 
länder einen  Raben  vermutet,  neben  ihm  ein 
Widder  als  Attribut  des  Herdengottes,  Fried- 
länder.  Ztsehr.    f.   Num.    8   p.  9   Tfl.  2   nr.  5. 

eo  Cat.  d'une  coli,  de  med.  grecqu.es  autonomes  et 
des  col.  rom.  forme'e  par  un  amateur  russe. 
Milan  1889  p.  137  nr.  1232.  (Obv.  angeblich 
..Puste  de  femme  ä  dr.").  —  Sestini,  Lett.  Num. 
Cont.  6  p.  30  nr.  8  und  nach  ihm  Mi.  S.  6,  436,  11. 
A.  Fabretti,  Regio  Museo  di  Torino.  Monde 
Greche.  Torino  1883.  4°.  p.  292  nr.  4199 
lasen  KICC€OC  und  hielten  den  Gott,  ebenso 
wie   Heydemann,    Satyr-    und    Bakcliennamcn 


1207 


Kisso 


KiThaiion 


1205 


p.  3".  irrig  für  Dionysos.  Den  Beinamen 
Y.iaacGxcei'rr^  erhält  Apollon  im  5.  Berliner 
Zauber  i>apyrus  vs.  98a  p.  45  ed.  Parth-.y,  wie 
auch  Dionvsos  das  Epitheton  xkhtoj-ki'ttj. 
Murr  p.  143  Anm.  4  führt.     [Drexler.] 

Kisso  \Kteaco),  eine  Bakehantin  im  Gefolge 
des  Dionysos,  Heydemann.  Saiyr-  und  BaJ:chen- 
namen  S.  1"2.  40.  Furticängler ,  Beil.  Tasen- 
samml.  nr.  2471.     [Xorentz.] 

Kissos  (Klaeog),  T)  Beiname  des  Dionysos  s.  10 
d.)  in  Aeharnai,  wo  zuerst  der  Epheu  (vgl. 
Diefbach,  flora  mythol.  64  ff.)  gewachsen  sein 
soll,  Paus.  1,  31,  6;  Tgl.  0.  I.  Gr.  4,  7461; 
ähnlich  heifst  der  Gott  [r.i'eoiog,  Münze  von 
Alabanda,  Zeitsdlr.  f.  Xumism.  S,  2,  5  S.  9. 
Röscher.],  xiaaößQvog,  Orph.  hymn.  30.  4: 
v. LaeoS trag.  Find,  fr.  75,  9.  Bergl:1  p.  394, 
doch  schreibt  Bergl;  dafür  jetzt  7.1550x0111;,- 
[Hom.  hymn.  25,  1.  Bofs,  Inscr.  ined.  2,  36 
nr.  135  =  Pangabe,  ant.  hell.  2.  1196  Jioivcco  20 
Kiaecv.oua Inschrift  aus  ArtesinesaofAmorgos1: 
AiOOoGT itpavog,  Anth.  Pa 7.9,524,  11:  y.icao- 
va-i'n;,-,  Protinas  b.  Athen.  14,  617b  =  fr.  1,16. 
Bergl:4  3,  559.  Elphantides  fr.  3.  Cratin.  bei 
Hephaest.  15.96:  y.tccoyaQr]g.  Orph.  hymn. 
52,  12.  xigsojk j'roi'.  Orpli.  Lith.  261.  Dem 
Dionysos  war  der  Ephen,  der  ihn  bei  seiner  Ge- 
burt schützend  umrankt  hatte  [Eur.  Phoen.  651 ; 
Tgl.  Arist.  Thesm.  999),  heilig  ( Chairemon  fr. 
5."  Eur.  fr.  202:  Tgl.  fr.  S9.  Soph.  Ant.  1131  . 
und  seine  Verehrer  bekränzten  sich  mit  Ephen, 
Eur.  Bahch.  82.  106.  205.  253.  323.  342.  1055. 
H-.l.  1360;  Tgl.  Analr.  108  p.  284  Bergl:*. 
Anth.  Pal.  7.  707.  Ein  Satyr  in  seinem  Ge- 
folge führt  selbst  den  Beinamen  Kioaov.öur,;. 
Anth.  Pal.  6.  56.  und  die  Bakehen  zäumen 
üie  Löwen  xlcgoSszoiq  texäSvöig,  Nonn. 
Dionys.  14,  262.  •  Vgl.  Kisseis.  Kissens.  Kisso. 

—  [2)  Jüngling  oder  Satyr  im  Gefolge  des 
Dionysos,  s.  Murr,  Die  Pflanzenwelt  in  der  ta 
griechischen  Mythologie  Innsbruck  1890.  p.  144: 
„Auf  den  Zügen  des  Dionysos  treffen  wir  den 
Jüngling  Kissos,  die  Personifikation  des  Epheus 
in  der  Begleitung  des  Gottes.  Derselbe  er- 
götzte alle  durch  seine  tollen  Sprünge  wo- 
mit auf  die  sich  überallhin  ausbreitenden 
Ranken  der  Pflanze  hingewiesen  ist  .  Terletzte 
sich  dabei  aber  einmal  so,  dafs  er  starb,  wo- 
rauf er  Tom  DionTsos  in  den  Epheu  Terwan- 
delt  wurde"  [Nonn.  10.  401.  405.  421.  430.  12.  50 
97.  190.  Geopon.  11,  29);  Tgl.  auch  de  Witte, 
Cah.  Durand  p.  38  nr.  111.  [Kicaog  logsvTijg 
Jioiiaov,  Rhet.  Graee.  ed.  Walz.  1  p.  270.  Höfer.] 

—  3)  Satymarne:  a)  KISOS  dreimal  aufeinerVa.se 
in  Berlin:  Gerhard.  Trinkschal,  u.  Gefäße  Tf.6.  7. 
C.  I.  G.  7461.  Heydemann,  Satyr-  u.  Baiclien- 
namen  p.  25  nr.  k.  Furtwängler,  Beschreibung 
der  Vasensammlung  im  Antiquarium  p.  712  f. 
nr.  2532.  Dumont  et  Chaplnin,  Les  ce'ramiqucs 
de  la  Griee  propre  p.  374  Note  4:  b)  KISSO 
Trinkschale  der  Sammlung  Dzialinshy ,  de 
Longperier ,  Bev.  arch.  n.  s.  17  p.  350  nr.  11.— 3 
Seydemann  a.  a.  0.  p.  32  nr.  X.  de  "Witte, 
Descr.  des  coli,  d'ant.  conservees  ä  l'hötel  Lam- 
hert  p.  93  —  94  PI.  28;  Tgl.  auch  de  Witte, 
Gat.  d'une  coli,  de  monum.  ant.  [de  M.  Para- 
reyj.  Paris  1879  p.  4  nr.  9:  Tasse  ä  deua 
anses.   Vülci.     ,.Z~n  homme  nu  et  barbu  tenant 


une  brauche  de  lierre  et  qui,  ä  cause  de  cet 
attrfbut,  peut  recevoir  le  nom  de  Cissos  (ziggö?, 
lierre).  J7  eit  pre'cede  dune  jeune  fille  (Hebei 
vetue  d'une  tunique  ialaire  richement  brode'e et  qui 
tient  une  coupe  ä  deua:  anses  et  une  couronne. 
En  ephehe  (Cyathos  cetu  d'une  chlamyde  et 
tenant  une  cenochoe,  verse  le  vin  dans  la  coupe 
tenue  par  la  jeune  fille1'  .  Im  CataJ.  e'trusque 
nr.  102  glaubten  de  Witte  und  Ch.  Lenormant 
in  dieser  Darstellung  eine  Scene  der  Kissotomoi 
(Tgl.  Murr  a.  a.  O.  p.  147)  erkennen  zu  dürfen. 
Natürlich  berechtigt  das  unendlich  häufige 
Attribut  des  Epheus  noch  nicht,  eine  Person 
Kissos  zu  nennen.  In  der  Pompa  des  Ptole- 
maios  D.  trugen  40  Satyrn  goldene  Epheu- 
kränze,  Murr  p.  145:  Tgl.  den  Epheukranz' auf 
dem  Haupt  eines  Satyrs  z.  B.  bei  de  Witte,  Notice 
sur  quelques  cases  peints  de  la  coli,  de  M.  Aless. 
Castellani.  Paris  1865  p.  22  nr.  28.  Minertrini, 
Descr.  di  aleuni  vasi  fitiili  ant.  della  coli. 
Jatta.  1.  DiTinitä  p.  39  nr.  9.  L.  Müller,  Descr. 
des  intailles  et  eamees  ant.  du  Musee  Thor- 
caldsen  p.  49  nr.  361:  Epheugewinde  um  den 
Schenkel  eines  Satyrs,  de  Witte,  Not.  s.  qqes. 
vases  p.  de  la__  coli,  de  M.  Aless.  Castetleini 
V.  29  f.  nr.  24  über  die  Bedeutung  des  Epheus 
im  griechischen  Mythus  und  Kultus  überhaupt 
s.  Murr,  Die  Pflanzenwelt  in  der  griechischen 
;  'ociie  v.  141 — 14?.  —  4'  FMsgoti  auf 
Münzen  von  Tomara  mit  der  Beischrift  K1CCOC. 
Hea'i   p.  554.     Drexler.1     IHöfer.] 

Kithairon  Ki&aigcai'' ),  König  Ton  Plataia, 
nach  welchem  der  gleichnamige  Berg  benannt 
worden  war,  Paus.  9.  1.2.  "Nach  Lactant. 
inst.  1 ,  22  war  der  K.  benannt  nach  der 
Kithar  des  Orpheus,  die  dort  zu  Ehren  des 
Dionysos  erklang.  Roseher.-  Kithairon.  ein 
schöner  Jüngling,  wurde  Ton  Tisiphone,  einer 
der  Erinyen,  deren  Liebe  er  Tersehmähte, 
durch  eine  aus  ihrem  Haare  genommene 
Schlange,  während  er  in  dem  Gebirge  seine 
Herde  weidete,  getötet  und  gab  so  dem  Berge. 
der  früher  Asterion  geheifsen.  seinen  Namen, 
Leon  v.Bycan:  [?)b.  Flut,  defluv.  2.2.  Kithairon 
und  Helikon  waren  Brüder  sehr  Terschiedenen 
Charakters.  Helikon  nrild  und  wohlwollend 
gegen  seine  Eltern.  Kithairon  habsüchtig  und 
begierig  nach  dem  Gute  der  Eltern,  weshalb 
er  den  Vater  tötete  und  den  Bruder  hinter- 
listig Ton  einem  Felsen  stürzte,  wobei  er  aber 
seilst  mit  hinabfiel.  Beide  wurden  zu  den 
gleichnamigen  Bergen',  der  Kithairon  wegen 
seiner  Gottlosigkeit  der  Aufenthalt  der  Erinyen. 
Helikon  der  Sitz  der  Musen .  Hermesianaj:  r.  Kyp- 
r  s(5  b.  Flui  :-  r'i/r.2.3.  Vgl.  Lokalgottheiten. 
ich  heifst  es  bei  Tsets.  Chiltad.  6,  918, 
der  den  Lysimachos  1  Lysanias  Ton  Eyrene? 
Tgl.  Müller  zu  Tsets.  Eykophr.  3,  151]  als 
Quelle  anführt.  Kithairon  und  Helikon  hätten 
sich  gegenseitig  getötet.  Höfer.]  ]Pinien- 
bekränzt,  einen  Schilfstengel  in  der  Hand, 
erscheint  nach  Frohner ,  Musee  du  Loucre, 
Notice  de  la  seulpt.  ant.  1  p.  129.  3  und 
seier,  Gott.  Nachr.  1876  p.  7lf  der  Berg- 
gott Kithairon  am  Pariser  Aktaionsarko- 
phag  in  der  Scene,  welche  die  Zerreifsung 
des  Aktaion  darstellt,  Clara;  2,  115.  68.  Eine 
gleichfalls    pinienbekränzte    Lokalgottheit    an 


1209                    Kithaironia  Klaria                         1210 

demselben  Sarkophag  in  der  Scene,  in  welcher  das   Füllhorn    in    der   L.   und    lehnt   sieh   auf 

Aktaion  Artemis  im  Bade  belauscht  (Clarac  2,  eine  Urne.     [Drexler.] 

114,  67)  wird  von  Fröhnir  p.  128,  2  auf  Grund  Kladeos  'KldSsog),  Gott  des  Flusses  Kla- 
der  ihr  beigegebenen  Wasserurne  als  Gott  deos,  welcher  Bild  und  Altar  bei  Olympia 
des  Flusses  Parthenios,  von  Wieseler  dagegen  hatte  und  nächst  dem  Alpheios  am  meisten 
p.  72  —  74  gleichfalls  als  Berggott  Kithairon  von  den  Eleern  verehrt  wurde,  Pausan.  5,  10,  7. 
gefafst.  Auf  einem  von  Phüostr.  Imug.  1,  14  Er  war  im  Ostgiebel  des  olympischen  Zeus- 
beschriebenen Gemälde  mit  der  Darstellung  tempels  liegend  dargestellt,  Archäol.  Ztg.  34 
der  Geburt  des  Dionysos  erscheint  der  trauernde  (1876)  S.  168  f.  175  f.  188.  37  (1879)  S.  118. 
Kithairon  nebst  Megaira,  vgl.  Brunn,  Die  10  [Baumeister,  Denkm.  d.  kl.  Alt.Fig.  1272  u.  1279. 
Phüostr.  Gemälde  gegen  K.  Friederichs  ver-  Friedericiis- Wolters,  Gipsabg.  S.  123  ff.  u.  126. 
teidigt  p.  270  —  271.  Wie  das  Vorkommen  Röscher.]  Aufserdem  findet  sich  sein  Bild 
von  Berggottheiten  in  der  griechischen  Kunst  auch  auf  einem  römischen  Alabastersarkophage, 
"überhaupt,  so  stellt  das  des  Kithairon  in  Ab-  Archäol.  Ztg.  11,  1853  S.  59.  [Lorentz.] 
rede  Gerber,  Die  Berge  in  der  Poesie  u.  Kunst  Kladon  (KXüSwv),  ein  Aithiope,  Begleiter  des 
der  Alten  p.  26.  28 f.  35.     Drexler.]     [Stoll.]  Memuon  im  trojanischen  Krieg,  Quint.  Sm.  2, 

Kithaironia  {KiftuiQwvCa),  Beiname  der  Hera,  365.     [Stoll.] 

Anonymi '  Laurentiani  XII deorum  epitheta  9,10  Klaia    (KXuia),    eine  Nymphe,    welche    auf 

in  Anecdota  var.   Gr.  et  lat.    edd.  Schoell  et  dem   Berge   Kalathion  im  Gebiet  des  lakoni- 

Studemund   1    p.  269.     Schol.    Eurip.    Pltoen.  20  irischen  Gerenia  ein  Heiligtum  und  eine  Grotte 

24  Bd.  1  p.  250  ed.  Schwarte:    ...   ovi  Ki&ai-  hatte,  Paus.  3,26,8.  Curtius,  Peloponn.  2,  286. 

gavi'ag  "Hgag    iatlv    iv    Gifiaig    isgöv.      Bethe,  [Stoll.] 

Tlieban.  Heldenlieder  p.  9.  10.    B.  Förster,  Die  Klaikorophos    {KXai-xogöcpog) ,    Name    eines 

Hochzeit  des   Zeus   und  der  Hau   p.  17,  p.  25  Heros    auf    einer    Inschrift    aus    Messenien, 

Anm   7;  vgl.  Paus.  9,  2,  3:  b  Sc  Ki»aigd>v  ro  Athen.  Mitteil.  16  (1891)  353.  —  Ad.  Wilhelm 

ogog  Jiog  izgbv  Ki&aigtaviov  icriv,  Minervini,  a.  a.  O.  354  bemerkt  dazu  „einen  Heros  Klaiv.o- 

Bull.  arch.  napol.  n.  s.  8  p.  lff.     [Drexler.]  görpog  nennt  eine  noch  unveröffentlichte  Inschrift, 

Kitliaironides(Ä('9'(«p<Dju6£ s),  weissagerische  welche  ich  im  Frühjahr  1890  im  Asklepiosheilig- 
Nymphen,  die  auf  dem  Kithairon  in  der  Nähe  tum  zu  Epidauros  gesehen  habe".  [Höfer.] 
von  Plataia  eine  heilige  Höhle  hatten,  Paus.  30  Klan  ins,  zweifelhafter  Name  eines  etruski- 
9,  3,  5.  Die  Höhle  hiel's  Sphragidion  und  die  sehen  Gottes,  von  C.  Pauli  in  der  Inschrift 
Nymphen  die  sphragitischen;  viele  der  An-  eines  bronzenen,  nackten,  bärtigen  Athleten 
wohner  hatten  einen  Wahrsagegeist,  und  man  von  Arezzo,  einst  beim  Vicomte  de  Jansee  ge- 
nannte sie  Begeisterte  der  Nymphen,  Plut.  funden:  mi  Maninil  „dies  (ist)  des  klanins"; 
Aristid.  11.    Sympos.  1,  10,  3.     [Stoll.]  s.    Conest.    Bull.    1862,   24;    Fabr.,    C.    I.    I. 

Kithara  s.  Sternbilder.  2608  bis.    Pauli,  Stud.  3,  83.  Altilal.  St.  1,  68. 

Kitliouea  (Ki&covea),  Beiname  der  Artemis,  Deecke,  Etr.  Fo.  5,  24,  nt.  89.     [Deecke.] 

Hesych.     Müller,    Dorier   1    p.  381.     Meineke,  Elanis    {Kldvig),   1)    ein  Kentaur,    auf  der 

Exercit.  1,  45.     [Vgl.  Schreiber,  Arch.  Zeitung  Hochzeit    des   Peirithoos   von   Peleus    getötet, 

41   1883  Sp.  292  Anm.  46;   s.  oben  1  Sp.  572.  40  Üv.  Met.   12,  379.  —  2)  Genosse  des  Phineus, 

573.     Bröndsted,   Reisen  -und    Untersuchungen  von  Perseus  erlegt,  Ov.  Met.  5,  140.     [Stoll.] 

in    Griechenland    2    p.  260ff.      Preller -Robert,  Klaria    (KXagia),    Beiname   der  Artemis   in 

Gr.  M.  I4,  p.  319.     Drexler.]     [Höfer.]  Kolophon,  dessen  Münzen   ihr  Bildnis  in  ähn- 

Kitios  (Arnos),  Gründer  und  Heros  Epony-  lieber  Gestalt   wie    das    der  Artemis   Ephesia 

mos   von  Kition,   Eust.   ad  Hom.  II.  813,  49;  zeigen.      Eine    Münze     des    Trajan    im     Brit. 

vgl.  Kittia.     [Höfer.]  ilfws.zeigt„KOAO<t>QNIQN  KAAPIA.  Gultus-image 

Kittia  (Kittia),  auch  Amyke  genannt,  Gattin  of  Artemis  Klariu ,  her   head   surmounted   by 

des    Kasos,    Tochter    des    kypriachen    Königs  modius  and  a  fillet  hanging  from  euch  ha/nd", 

Salaininos;    vgl.    Paris.    Damasc.    fr.    4   p.  469  Head,    Cat.   of  the  greek   coins   of  Ionia  p.  42 

3Iüller:  ö  Kdoog  ßaGiksve  riydyiTO  'A\t,vY.j[V  %r\v  50  nr.  44.     Ein  Exemplar  des  Trajan  im  Berliner 

v.ul  Kixziav  &vy<xt£Qct  ZaXapCvov  zov  Kvizqicov  Kabinett    und    bei   de  Longperier ,    Descr.   des 

ßaoiXicog.    Kai  ijWtoj'  jisr'  avtr/g  Krmgioi  iial  med.    du    cab.   de   M.    de  Magnoncour   p.  39  f. 

ä-nnoav  rr;v  är.QÖnol iv  (von  Antigonia).   Kai  te-  nr.  324  führt   die  Beischrift  APT6MIC  KAAPIA 

Xevtü  tj'Aiivht]  v.ai  izäcpr]  dnö  axaäitnv  rr/s  noliusg  KOACXhflNIA,    eines    im    Brit.    Mus.   APTGMIC 

q,  dt'  r\v  ixXrj&rj  17   %d>ga  'Afivv.t].     Das  Ganze  KAAPIA    KOAO  .  .,   Head,    Ionia   p.  42  nr.  45; 

macht    einen   durchaus    mythischen   Eindruck,  eine     Münze     desselben    Kaisers     im    Pariser 

da  die  Namen  durchweg  Eponymen  bestimmter  Kabinett    bei   Mi.    3,    77,    121    hat    die    Bei- 

Örtlichkeiten  zu  sein  scheinen.     [Boscher.]  schritt    APTCMIC  ■  KAAPI  •  KOAOOßN.      Diese 

Klaauietis(Ä'3aafK]Tis),  Tochter  des  Thespios,  Münze  ist  im  Berliner  Kabinett  in  zwei  Exein- 

von  Herakles  Mutter  des  Astybies,  Apollod.  2,  eo  plaren,   mit  dem  Gegenstempel   der  Biene  im 

7,  8.     Der   Name   ist  korrupt;   wahrscheinlich  Bev.,  mit  mangelhaft  erhaltenen  Aufschriften : 

=  Kalametis.     [Stoll.J  APT6MIC und    APT6MIC    KAAPI 

Kladeas  (Klaäiag),  Flufsgott  auf  Münzen  von  KOAO  ....  vertreten.      Vaillant,    Num.    Gr. 

Ephesos,  kenntlich   durch  die  Beischrift  KAA-  p.  28  ,.Duc  Vernol",  wonach  Mi.  S.  6,  100,  132 

A6AC,  Head,  H.  N.  p.  498.     Aber   Wadding-  las    KOAOOßNIßN    APTEMIC    KAAPI,    Sestini, 

ton,  Bev.  num.  1858  p.  166  beschreibt  ein  Ex.  Lett.   num.   cont.  8,  56,  1  =  Mi.  S.  6,  100,  134 

des    Domitian    mit    der    Beischrift    KAACEAC.  auf    einem    Münchener    wohl    schlecht    erhal- 

Der  gelagerte  Flufsgott  hält  Ähren  in  der  R.,  tenen     Exemplar     nur    APT6  ■  KOAO0ANIQN. 


1211  Klaria  Klarios  1212 

Mionnet' s  S.  6, 100,  131  Lesung  KOAO0QNIQN  daselbst  veranstaltet,  Karl  Graf  Lanckoronski, 

KAAPIOC    eines    Stückes    in    Paris    flöfst    mir  Städte  Pamphyliens  Bd.  2  p.  131 — 133,   p.  225 

wenig  Vertrauen  ein.     Dasselbe  gilt  von  dem  ur.    194   Z.    12.    13;    nr.    195    Z.   3  —  5;  p.  226 

angeblichen  KOAO$ßNlßl\l  .  KAAPIS2N  auf  einer  nr.200;  p  227  nr.  201;  nr.202Z.8— 10.  [Drexler.] 
Münze  des  Gordianus  Pius,  die  Mi.  S.  6,  105,  Klarios  (K/.aQiog),  Beiname  1)  des  Apollon 

159  nur  aus  Gefsner,  Impp.  177,  1  und  Tristan,  von  der  Stadt  Klaros  bei  Kolophon,  um  deren 

Comm.  hist.  2,  538  kennt.  Besitz    er    mit    den    anderen    Göttern    gelost 

Ein  Exemplar  des  Dornitian,  welches  Mi.  S.  haben    soll,     Eust.    zu    Dwnys.    l'trieg.    444. 

0,  100,  130  aus   VaiUant  p.  298  citiert,  scheint  Schul.  Nicaud.  Ther.  958.   Alexipharm.  11.     Als 

in   der  That   die   Aufschrift  APTEMIC  •  KOAO-  10  selbständiger    Name    findet    sich    Klarios    bei 

OSNIA  zu  führen;  denn  auch  im  Cat.  del.  mus.  Kallim.   hymn.    2,   70.     Clem.   Alex,   protr.    2 

naz.  di  Napoli.  Medaglüre.  I.  Num.  Gr.  p.  178  p.  10  Potter.   Euseb.  praep.  ev.  4,  2,  8.  5,  22,  1. 

nr.   8013    wird    als    Aufschrift    dieser    Münze  10,  4,  7.     Theodoret.  4  p.  263.     Maxim.  Tyr. 

KOAO<t>ßNIA  verzeichnet.  —   Ohne  auf  diss.  26.   Verg.  Aen.  3,  360;  öfters  mit  Apollon 

den  Typus   bezügliche  Beischrift  erscheint  das  verbunden,  Strabo  14,  642.    Anth.  Pal.  9,  525, 

Bildnis    der  Artemis   Klaria    auf  Münzen   der  11.  Euseb.  praep.  er.  5,  21,  6.   Tzetz.  Lyk.  1464. 

Otacüia,   Mi.    S.   6,    106,    165,     166.      Head,  Tacit.   ann.  12,  22.    Plin,  hist.   nat.  5,  29,  31. 

Ionia    p.   43   nr.   53    PL    8,    12    „Culttisimage  Auson.  eclog.  21  p.  103  Peiper.     Vita  Nicundri. 

of  Artemis   Klaria,    her   head    surmounted   by  Auf  einer  Grabinschrift   aus   Klaros    heilst   er 

modius,  and  her  hands  supported  by  two  props  20  Kläqios   Arj-cotäris,    Bull,   de   corr.   hellen.   10, 

standing  each  in  an  um?''   Die  Büste  der  Göttiu  554.    Athen.  Mitt.  11,  428;   bei  Paus.  8,29,4 

mit    Stephane,    an    der    Schulter    Bogen    und  ö  iv  Kldgca  &io$  oder  Klugtog  &to$,  Nikand. 

Köcher,  findet  sich   auf  dem   Obv.  autonomer  Älexiph.  11.    Ooid.  Met.  11,   413.     Ars  amat. 

Münzen  (Rev. Dioskureuhüte),  Head,  Ionia  p.  40  2,  80.     Klaros,    dessen   Fluren   er  vor  wilden 

nr.  40.  41  PI.  8,  9.    Eine  Münze  des  Caracalla  Tieren  schützt  (Nikand.  fr.  20),  ist  eine  seiner 

zeigt  „Apollo  Klarios  naked  to  waist,  seated  Lieblingsstätten  (Rom.  hymn.  1 ,  40.    Ananios 

l.,  holding  laurel  branch   and  resting  on  lyre;  fr.  1  Bergk*  p.  510.  Anakreont.  11  (13)  Bergh* 

before  him  Artemis,  Standing  l.,   looking  back,  p.  303.    Llionys.  Poieg.  445.    Uvid.  Met.  1,  516), 

clad   in  chiton  with   diplois   and  holding   long  und    berühmt    war    sein    dortiges    Orakel    (to 

torch;  befand  him  Nemesis,  standing  /.,  clad  in  30  Kldgiov,  Plut.  Pomp.  24),  s.  z.  T.  obige  Stellen 

long   chiton   and  peplos,    with   rigid   arm  bent,  und  Luc.  Alex.  8.  29.  43.  TJeor.  dial.  16,  1.  Bis 

plucking   chiton   at   breast,   and  holding   in   L,  accus.  1.  schol.  Apoll.  Rhod.  1,  308.    Tac.  annal. 

cubit  ruh",  Head,  Ionia  p.  42  nr.  47,  PI.  8, 11.  2,  54.  Macrob.  Sat.  1,  IS.  Plin.  hist.  nat.  2,  103. 

Auf  einem  Exemplar  des  Trajan  im  Münchner  106.     Stat.   'Hieb.    8,   199.     Pomp.  Mel.  1,  17, 

Kabinett  erscheint  folgender  Typus:  „KAAPIOC-  2.  Aristid.  1  p.  497  Dtndorf.    Euseb.  praep.  ev. 

KOAOOflNI  ■  Apollo  seminudus ,  capite  radiato,  5,  16,  1.  C.  I.  G.  2,  2342.  Scylax  p.  90  Gronov. 

ad  sin.  sedens,  dextra  extenta  lauri  ramum  et  ihm  zu  Ehren  wurden  in  Kolophon  (vgl.  die 

sigälum  Hianae  Clariae  sustintt;  sinistra  lyrae,  Weihinschritten   aus   dieser  Stadt,   C.  I.  G.  2, 

sellae  impositae,  innititur,  ante  tripus",  Streber,  3031.  Mitt.  d.  deutsch,  arch.  Inst.  14,  98  nr.  31, 

Numism.   nonnulla   Gr.    ex  Mus.   Iiegis  Bava-^iO  ebenso  ist  der  auf  einer  Inschrift  aus  Novoselo 

riae  hactenus  minus  accurate  descripta   p.  213,  [Bulgarien]    erwähnte  'AitolXav  KoXotpalvios 

Tab.  3,  9,    Sestini,  Lett.  Num.   Gont.  8,  56,  2,  mit  dem  Apollon  Klarios  identisch,  Arch.  epigr. 

Mi.S.  6,  100,  133  und  3,  77,  122.  Mitth.    aus    fester.    10   (1886),    147    Anm.  13) 

Über    die     Darstellungen     des    auf    dieser  Spiele,  tix  Kkdgia,  gefeiert,  Dittenbergtr,  Syl- 

Münze     absolut     als     KAAPIOC     bezeichneten  löge  400    p.  589;    auch    in  Athen    wurde    er 

Apollon  Klarios  s.  Eckltel,  T).N.  V.  2  p.  511  f.,  verehrt,  C.  I.  G.  1,  465  =  G.  I.  A.  3,  175  (auf 

Mi.  3    p.  95  ff.     S.  6  p.  75  ff.     Sestini   a.  a.  O.  eiuer   in   Athen   gefundenen  Inschrift   werden 

und    Mus.    Hedervar.   2    p.  159 — 161.     Streber  ebenfalls  KXuQia  erwähnt  iqnjft.  «jj^oüoA.   1884 

a.  a.  O.     Panofka,   Arch.   Ztg.   3    1845   p.  59.  22;  vgl.  Epigr.  Anth.  Pal.  ed.-  Cougny  p.  603r), 

Cavedoui,  Spicil.  num.  p.  163,  Note  155.     Cat.  50  und  in  Korinth   befand   sich   sein  Standbild, 

del  mus.  naz.  di  Napuli.     Medagliere  I.   Mon.  Paus.  2,  2,  8;  über  Münzen  mit  der  Darstellung 

Gr.   p.    178  f.     Mus.    Num.   Lavy    1    p.  205f.  des   Apollon   Klarios   s.   Spanheim  zu   Kallim. 

Leake,  Num.  Hell.  As.  Gr.  p.  441.  und  SuppL,  hymn.  2,  70.     G.    M'olff,   De  novissima  oracu- 

Asia    p.   40.      Regio   Museo    di    Torino    ordi-  lorum  aetoiep.  13.  .  Über  die  Stätte  des  Apollon- 

nato    e    descritto   da   A.  Fabretti.     F.  Bossi  e  tempels  zu  Klaros  handelt  Schmhardt,  Athen. 

B,.  V.  Lanzone,    Muneie  Greche.    Torino  1883.  Mitt.    11,   429 f.;    vgl.    A.    M.    Eontrier    tisql 

4°  p.  272  f.    Imhoof-Blumer,  Monn.  Gr.  p.  284  f.  KIüqov,  KoXotpävog,  Noxiov  in  fiova.  -aal  ßifiX. 

(nur   Köpfe).     Head,   H.   N.   p.  493  1.      Head,  r/js     tvayy.      axoXfis'      TttQiodog     3     (1879/80). 

Ionia  p.  36 — 46,  PI.  8.     Overbeck,  Apollon  p.  2  Sinyrna     1890.     p.     187  ff.       Immisch,    Klaros 

nr.  9—12,    Tä.  2,  7—10;    p.  154  nr.  41,  Tfl.  2,  60  17.   Supplbd.    zu    Fleckeisens    Jahrb.   p.  134ff. 

53;  p.  302  nr.  68,  Tfl. 4,  23  u.  a.  m.;  über  Apollon  Vgl.  auch  Lactant.  de  fals.  relig.  7.    Solin.  53. 

Klarios  überhaupt  s.  Bouche-Leclercq,  Hist.  de  C.  I.  L.  3,  2880  (üorinium,  Dalmatien).    C.I.L. 

la  divination  dans  l'ant.    3   p.  249  —  255  und  7,  633  (Britannien);  G.  I.  L.  8,  8361  (Numidien). 

Buresch,  Klaros.  Leipzig  1889.     Der   Gott  er-  S.  auch  Klaria. 

scheint  auch  auf  Münzen  des  bithynischen  Apa-  2)  des  Zeus,  Aesch.  Suppl.  346;   vom  Schol. 

meia  mit   der    Aufschrift    APOLLINI   CLAKi,  erklärt  durch  navtaTiaaL  y.Xri^äv  xul  xQctLvav 

Head,   H.   N.  p.  437.     In  Sagalassos   hatte  er  nach  Pape- Benseier  =  icpiaviog;  vgl.  Hesych. 

einen    Tempel,   und  ayävtg   Ki.ÜQ8ioi.    wurden  lUapts'    ccl  |jti   iöatfovg   to^a'pßj.     In   Tegea 


1213                       Klaros  Kleiduchos                    1214 

war   ein  Altar   des   Zeus   Klarios    zur  Erinne-  und  Kledon  zu,  Camill.  30  de  fort.  Born.  318,  46. 

rung   an   die  Verlosung   des  Landes  unter  die  Wyttenbach,  Epist.  crit.  p.  153  sq.    Vgl.  C.  Fr. 

Söhne   des  Arkas   {Paus.  8,  53,  9;   vgl.  Bd.  1  Hermann,  Gottesdienstl.  Altert.  §  38,  18.    S.  d. 

Sp.  553,   Z.  6),    und    sogar    in    Klaros    selbst  Art.   cPhenie'.     [llberg.] 

sollte  ein  Orakel  des  Zeus  Klarios  sein,  Eust.  Kledonios  {JZXrjSöviog),  Beiname  1)  des  Zeus, 

zu  Bionys.    Pertey.   444,    doch   liest    Immisch  Eust.  ad  Ilom.  11.  169,  28;  vgl.  Panomphaios. 

a.  a.  0.  p.  139  an  dieser  Stelle  mit  Pertz  Jio-  —  2)  des  Hermes  auf  einer  Weibinschrift,  die 

vvaov  KIuqlov  y-avzsiov  statt  z/ios  KXuqlov  ft.  sich   auf   einer    phänischen   Hermesstatue    aus 

—  Den  Namen  Klaros   selbst  hält  Schuchardt  Pergamon  befindet,   Egfir/s  Klsrjddviog,    M'ad- 

a.  a.  0.   433   für   ein   nichtgriechisches   Wort;  10  dington,  luscr.  d'Aiie  min.  1724a.    Waddiny- 

er  meint,    dal's    sowohl    der    Name    wie    der  ton  erklärt  den  Beinamen  als  '  qui  presaye  les 

Kultus   von   Klaros    in    vorgriechische    Zeiten  cvenanents,  ou   auquel  on  adresse  des  incoca- 

zurückreichen.     [Höfer.]  tions7.     [In   Pharai   hielten  sich  die  Befrager 

Klaros  (Älcigog),  Heros  eponvmos  der  Stadt  des  Hermes  Agoraios  beim  Weggang  die  Ohren 

Klaios    bei   Kolophon,    Tlteopompos   im  Schol.  zu;   wenn   sie    die   Agora    hinter   sich  hatten, 

Apoll.  Rhod.  1,  308;  nach  Euteknios,  Metapluus.  entfernten   sie    die   Hände   vom   Ohr,   und   die 

Nicand.  Alex.  11  ist  er  ein  Sohn  des  Apollon  erste     Stimme,    welche    an    dasselbe    schlug, 

und  der  Kreusa  und  Bruder  des  Khachios  und  hielten  sie  für  die  Antwort  des  Gottes,  Paus. 

soll  der  Stadt,  die  ihm  als  Erbe  (nXriQog)  zufiel,  7,  22.  2.  3.  —  Bouche- Leder  cq,  Eist,  de  la  div. 

den  Namen  Klaros  gegeben  haben.     [Höfer.  1     20  dans  l'ant.  2  p.  400   vermutet,   dal's  man  dem 

Klazomeue^in.afo/xtVr/).  Das  Haupt  der  Stadt-  Hermes      allgemein     diese     kledonomantische 

göttinKlazoinene  niit  der  Mauerkrone  erscheint  Weissagungsart    zuschrieb    und   dafs   so    auch 

auf  dem  Obv.  autonomer  Münzen  der  Stadt  Kla-  der  Beiname  KXeridoviog  zu  erklären  ist.    Ziein- 

zomenai  mit  der  Beischrift  KAAZOM6NH  (KAA-  lieh  kühn  vermutet  er  aufserdern:  „La  preseuce 

IOMGNHj,   Mi.  3,  69,  70.  71.     ,i'.  6,  91,  69  —  71.  de   cet   Hermes   ä   Pitane   permet    de  supposer 

74.    Mus.  num.  Lacy  1  p.  205  nr.  2254.   Rollin  que  le  sanetuaire  des  cledones  {KXrfiöviav  iigov) 

et  Feuardent,    Catal.   a"une    coli,  de  med.  des  «  Smyme,  c'est-ä-dire  en  im  Heu  peu,  distant 

rois  et  villes  de  Vanc.  Grece  2,  326,  5079.  Lcake,  de  Pitane,   etait  un  tvmple  de  Hermes  cousidere 

Num.    Hell.  As.   Gr.  p.  43.      Museo    regio   di  principalement ,    comme    dioinite     cledonoman- 

Torino.     Mon.    Greche    1883    p,  272    nr.  3921,  30  tique."     Über    die   Kledonomantik    s.   Bouche- 

Head,Cut.o/tliegreekcoinsofIoniar).30ar.lli,  Leclercq,  1  p.  154 — 160.     Drexler.]     [Höfer.] 

oder  0€A  •  KAAZOM6NH,  Mi.  3,  69.  72.    S.  6,  Kleeia   (KXina),    eine  der  Hyaden,  Hesiod. 

90,   98;     vgl.    Sestini,    Mus.   Hed.  2,   159,  31  {fr.  67  Lehrs)  bei  Schol.  Arat.  Phaen.  172. 

,,06A  ■  KAAZOMG.    Caput  mulubre  spicis  coro-  [Stoll.J 

natum  Liviae  ut   videtur  sub   Cereris  effigie."  Kleia  =  Kleio  (s.  d.). 

In    ganzer    Gestalt    mit  .  der    Beischrift  06A  •  Kleide   {Klsiörj),    eine   bakchische  Nymphe, 

KAAZOMGNH   ist  sie  sitzend,    in   der  R.   eine  welche  auf  Naxos  zugleich  mit  den  Nymphen 

Statue  haltend,  dargestellt  auf  Münzen  Trajans,  Philia  und  Koronis  den  ihnen  von  Zeus  über- 

Mi.  3,  72,  89  und  des  Valerianus  Sen.,  Mi.  3,  gebenen  kleinen  Dionysos  aufzog,  iJiod.  5,  52. 

74,102.    Eckhel,  D.  N.  V.  2  p.  510  (vgl.  Leake  «  [Vgl.     Koronides    und     Töpfter ,    Alt.    Geneal. 

a.  a.  0.,  Note)  bemerkt:   „Haud  dubie  Amazon  S.  105.    fl.]     [Stoll.J 

credita  fuerit,    et  simul   urbis   uuetor,  proinde  Kleidiulios  (KXs idov%og),  Beiname  vtrschie- 

divinos   Iwnores  naeta.     Gerte  Myrhina,   Cyme,  dener   Gottheiten,  s.    Wesseliny ,    Übserrationes 

Termins,    Smyrna    Amagones    codem   modo    in  1,  3.    Chr.  Gottlieb  Schuars,  He  deis  clavigeris, 

numis  proponuntur."     [Drexler.]  Altorfii  1728.  4°  und  Opitscula  p.  175 ff.  Böttiger, 

Kleadas  (KXsdöag),  Sohn  des  Hyllos,  Vater  Ideen    zur    Kunstntythol.     1     p.    248.      Jacobi, 

des  Aristomachos,   Schol.  Find.  Isthm.  7,  18;  Handwörterb.  p.  542.     Stephanus,  Thes.  Gr.  L. 

gewöhnlich  heilst  er  Kleodaios  (s.  d.).    [Höfer.]  s.  v.   xXtidovxog,   ÄXiCftgov,  KXintg.      0.  Jahn, 

Klearchos?  {KXtctgxogT)  =  Learchos  (s.  d.),  Ber.  üb.  d.    Verlt.   d.  Kgl.  Sachs.    Ges.  d.   W. 

Sohn  der  Ino   und   des  Athamas,   Bruder   des  50  1858  p.  HOf.   Tafel  u.  Hissen  zu  Pindar,  Pyth. 

Melikertes,  von  seinem  Vater  gemordet;  Schol.  8,  4.      Wolff  in   Porpjhyrius ,    Philos.  .ex   orac. 

IL  7,  86  cod.  D   (die   andern  Hss.   haben    Le-  haar.    rel.    p.   136   Aum.   1.     Den  Eros  nennt 

archos).    Et.  M.  24,  14.     Vgl.  Athamas,  Leu-  Ewrip.  Hippol.  539 ff.   xbv  zag  'Aygodhug  cpiX- 

kothea,  Learchos.     [Koscher.]  zdzmv  &aXdy,mv  xl7/öov%ov,  (Jrph.  hymn.  58,  4 ff. 

Kledon  (KX.riöcov,  övog),  Göttin  weissagender  ,              ,    ,„ 

Vorbedeutung,  insofern  diese  aus  einem  Laute,  ,<,,           ,        ,      ***™*  *W"S  n™«,„ 

einer    Stimme,    einer   Rede    vernehmlich    ist.  aL^°e  °»e«'"™'.    *ovzov,   Z»ovog,    r,S     oaoe 

Altäre    der   Kledon    erwähnt   Aristid.   40   t.    1  ,                             ...    ,„,     ,,  ifvrlr0L^ 

p.  754  Bind.,  an  denen  die  Verehrer  wünschen  »W|»««  «woytvrtl*  Pf«  fW*i  zlooxae- 

mg  svcpriuÖTttz'  dnovtiv.    In  Theben  weissagte  60  .  „>    n         „.                  ,    ,                     ,'I0S'     „s 

man  beim  Altar  des  Apollon  Spodios  aus  der-  r'd      oacl    Tocgzagog    tvgvg    iXst    novtog    & 

artigen  Anzeichen  {und  Klrfiovoiv),   besonders  a  l  0V7l0S- 

jedoch  in  Smyrna,  wo  sich  vor  der  Stadtmauer  Helios  wird  im  Hymnus  des  Proclus  1,  2ff. 

ein  Heiligtum   der  Kledones   befand,    Pausan.  (Orph.    rec.    Abel    p.    276f.)    angerufen    y.lvfri 

9,  11,  7.    Den  Tempel  des  Aius  Locutius  (s.  d.),  tpdovg  zapCa,  £auQ-n.iog,  m  avu,  izriyrjg  \  avrdg 

den  Camillus  an  der  Stelle  errichten  liefs,  wo  i%av  %Xr\Cba  v.zl.,  vgl.  Eapp  oben  1  Sp.  2023. 

vor  dem  Galliersturme   die    warnende  Stimme  Em   vielnamiger  Sonnengott   wird   im  grofsen 

gehört  worden,   schreibt  Plutarch   der  Pheme  Pariser    Zauberpapyrus     v.    588  ff.,    Bitterich, 


1215                   Kleiduchos  Kleiduchos                    1216 

Abraxas    p.   48   angeredet    xiigis    6    avvSrjaag  die   vcnzagicti    nvXai    sind   wohl   die   Wolken, 

izvtvixuzi,    zu    nvgivu    xXjjd-ga    zov    ovguvov.  vgl.  Boscher  oben  2  Sp.  45  Anm. *  und  NeTctar 

Über  lanus  (und  Portunus)  vgl.  Schwarz  und  Ambrosia  p.  19ff.). 

p.  3—5  (22—23).    Böttiger,  Ideen  1  p.  258—263.  Auch  die  ägyptische  Unterwelt  hatte  Thore. 

F.  L.  Sehwart»,  Sonne,  Mond  v,.  Sterne  p.  198f.  Nacli    dem    Buch    vom    Äm-Duat    („von  dem 

Boscher  oh.  2  Sp.  (24.  25),  29 ff.,  35.  40-42.  44 ff.  was   jst  ln  der  Tiefe")   zerfiel   das  Duat,  wel- 

Den  KäßsiQos  der  Münzen  von  Thessalo-  CÜCs  die  Nachtsonne  durchzog,  in  12  Teile,  in 

nike  führt   Schwärs  p.  19—22   nach   der  un-  welehe    man    durch   je    eine    Thür    gelangte, 

genauen  Abbildung  bei  Seguin,  Num.  seh  p.  16  Wiedemann,  Die  Religion  der  alten  Äg.  p.  47  ff 

unter    den   »ioi   xXuSovxoi   mit   Unrecht    auf.  10  Eine  zweite,  die  nächtliche  Sonnenfahrt  durch 

Nach  zahlreichen  Exemplaren  des  Brit,  Mus.,  die   Unterwelt  behandelnde  Schrift   führt  den 

Cat.  of  gr.  coins.  Macedonia  p.  113ff.   ist  der  Titel    „das    Buch    von    den    Thoren",    V'iede- 

fragliche  Gegenstand   in   der  R.    des  Kabeiros  man»  p.  55ff. 

nicht  ein  Schlüssel,  sondern  ein  wie  ein  Capri-  D;e  Thore  hatten  natürlich  Schlösser  (Orae. 

cornus  gestaltetes  Trrakhorn.  Sibyll.   2,   227f.   Bzach:  äftediy.roLO  v.al  üggrr 

Es  sind  eine  Anzahl  löwenköpfiger  Mithras-  xrov    tääuavzog  xlil&ga   nsXiogu  nvXäv   mxy- 

fignren   erhalten,    welche  den  Gott  mit  emem  yaXv.svzav   'ACSao,    Pariser    Zauberpap.     2261 

oder     zwei     Schlüsseln     ausgestattet     zeigen.  xXu&gov  Tagrugov.    Plato,  Axiochus  p.  371 B : 

Lajard,  Mem.  sur  un  bas-rehef  mithriaque  qui  Xa  de  -ngonvXa  zr)g  eis  HXovrcovog  bSov  oidrjooig 

a  e'te  de'couvert  ä  Vienne  {Isere),  Mein,  de  l'Ac.  20  Kxei'^e0ig  xal  r.Xsiclv  caXvgaza,).   Die  Schlüssel 

des  Inscr.  et  B.-L.   15,  2  1845  p.  201ff.,  PI.  1,  führt    Pluton,   der   nvlüo%os,   Plut.    de   Is.   et 

1.  2.      Beck,   sur    le   cultc    de    Mitlira.      Atlas  C)s.  c.  35,  nvlugrrjg  17.  8,  367.     Paus.  5,  20,  1 

PI.  70—73.     Hühner,  Denkmäler   des  Aleon  in  berichtet,  dafs  an  einer  Nebenseite  des  chrys- 

TorJc    und    Bonn,    Bonner    Jahrbb.    58    1876.  elephautinen  Tisches   des  Kolotes   sich  befän- 

Tf.  8,  p.  147— 154.  —  Lajard,  Bech.   p.   620  f.,  den:    W.ovzwv,    xal   Aiövvao;,   nsgaacpövn   te 

Mem.   sur   un  bas-rehef  mithr.   p.  254ff.   giebt  xaj  Nvficpui,  ßyuiguv  uvzäv  r]  traget  tpegovooe, 

folgende   Deutung    der    Schlüssel:    „Emblemes  %  gl  yj^sa-  e^ei  yug  Srj  6  TlXovzcov  v.Xsiv  xori 

tres-explicites  du  cid,  ces   clefs  sont,  n'en  dou-  xiyovatv   In    ctvzij   zbv  xuXovpsvov  aSrpi    xs- 

tons  pas,   l'une   la    clef  de   la  porte   du   soleil,  r.XstG&ai.  vitb  zov  'nXovzavog,  xul  ag  'inuvuoiv 

l'autre  la  clef  de  la  porte  de  la  lune.     Mithra  so  0vSslg  av&tg  *g  avzov.   vgl.  Brunn,  Gesch.  d. 

preside  au_  mustere  de  la  descente  et  de  l'ascen-  (jr_  Künstler  1  p.  243.     Bapp  oben  1  Sp.  1800. 

sion  des  ämes.     Selon   les  croyances  des  temps  Orpheus  Argon.  1370ff.  heilst  es: 

anciens,  les   ämes   descendent  sur   la   terre   ou  >.,>/•/          >   ,    „   , 

clans  les  voies  de  la  qeneration ,  par  la  porte  *           '      ?,         '   V  ...             ,     v  „    ,'     r,   -      ' 

,,7             77              "  .     .            ■  j              i7     j  owga  xsv  evzoaa   oteco  uyuy.Xsiroig  bueiXivoiv, 

de  la  lune;  eues  remontent  au  ciel  par  Celle  du  ,7V    ,               r       \  %     '.,             b  K                 ' 

7     .7          -r                7   ,  •                      .7            7          £  .                      j.  Ol     '/.Kl    VEQZ8QILÜV    vJ.mOßC    B70V01V     .... 

soleil.  Les  solstiees  sont  les  deux  epoques  fa-  ,  ...  *  "  _ '  "  *  , 
vorables  de  l'annee  pour  le  premier  de  ces  mou-  ^lJm  Taiuaron  Bohde,  Psyche  p.  198  Anm.  1. 
rements;  les  equinoxes,  pour  le  second";  vgl.  Prf.er  X  P-, 666  A,nm-  2'  AP"L  Met~  *<  18: 
über  diese  Thore  auch  die  ausführlichen  Be-  »uhl  spiraculum  Diüs  et  per  portas  hiante* 
merkungen  von  Lajard,  Mem.  sur  deux  bas-  40  monstratur  iter  mvium,  ein  te  limäe  transmeato 
reliefs  mithriaques  qui  ont  ete  decouverts  en  $"m<1  comnuserw,  lam  canale  directo  perges  ad 
Transi/h-anie.  Paris  1S40  (Betr.  de  la  2' partie  lPJa"<  °™  ''«i"«»',UIld  ^  ?leusis  Urph.  hymn. 
du  tome  XIV  des  Mem.  de  VAcad.  des  I.  et  18>  J5  ,To{h  n^  nvl"'JL(  Aläa0\  iWenn  aber 
B.-L.)  p.  49ff,  besonders  p.  59  „Ces  deux  partes  0rPh;  %»',»■  18',4f-  Pluton  anredet:t 
[du  ciel  par  lesquelles  les  ämes  descendent  et  ÜXovzcov  6's  HtxzsxHg  yaüjg  xXnidag  änäarjg,^ 
ascendentj  furent  appelees  tantöt  la  porte  de  IlXovrodozäv  ysvsrjv  ßgoziipy  v.agaoCg  ivtavzäv, 
la  lune  et  la  porte  du  soleil,  tantöt  la  porte  so  sind  hier  nicht  die  Schlüssel  des  Schatten- 
de Cancer  et  la  porte  du  capricorne ,  tantöt  reichs  gemeint,  sondern  der  Vers  bezeichnet 
enfin  la  porte  des  dieux  ou  la  voie  des  immor-  den  Pluton,  wie  der  Zusatz  zeigt,  als  Ver- 
tels,  et  la  porte  des  hommes  ou  la  voie  des  50  walter  des  fruchtbaren  Erdbodens.  Wie  Pluton 
mortels.  .  Mais  ces  diverses  denominations  ex-  hütet  die  Thore  und  führt  die  Schlüssel  zum 
priment  une  meme  idee;  et,  dans  la  doctrine  Hades  auch  Persephone,  s.  Orph.  hymn.  29,  4 
particuliere  des  mysteres  de  Mitlira,  elles  sc  t)  v.ur£%tig  'At'Scco  7zi'Xag  vnö  xzvftea  yaing, 
rattachent  indubitablement  au  dogme  du  Zend-  Apul.  Met.  11,  2  nocturnis  ululatibus  horrenda 
Avesta ,  suivant  lequel  cette  äivinite  reside  Proserpina,  triformi  facie  larvales  impetus  com- 
toujours  au  ciel  entre  le  soleil  et  la  lune  ou  les  primens  terraeque  claustra  cohibens,  Pariser 
deux  portes  du  monde".  Zauberpap.  v.  1403:  v.XtiSovxt  Tligascpaaaa 
Mit  Thoren  versehen  war  auch  die  Unter-  nagfrii'u.  Aufserdem  ist  y.ÄfuJot'jfOs  (C.  I.  Gr. 
weit,  Schwarz  p.  8—10.  Prelltr,  Gr.  Myth.  I3  6298  =  Eaibel,  Inscr.  Gr.  Sic.  et  It.  1746) 
p.  633.  Bapp  oben  1  Sp.  1781  (Verg.  Aen.  uo  und  nvXagbg  KXt'&gav  zäv  dudiav  (Pariser 
6,  552  Porta  adversa ,  ingens,  solidoque  ada-  Zauberpap.  vs.  1464  f.)  Aiakos,  siehe  die 
mante  columnae;  Hom.  IL  8,  15  eiärjgsiat  übrigen  Stellen  bei  Schwarz  p.  7 — 8.  Preller, 
TtvXar,  Sesiod,  Theog.  811  (iugii.c!:giai  jivXca;  Gr.  Myth.  I3  p.  663.  679  Anm.  3.  Wörner  ob.  1 
schwerlich  richtig  aber  ist  vtgzsgiai  nvXai,  wie  Sp.  112  und  besonders  Bohde,  Psyche  p.  285f. 
Herwerden ,  Mnemosyne  16  p.  330  mit  Zu-  in  Anm.  3  zu  p.  284.  Auch  der  Ianilor  sedis 
Stimmung  von  Dieterich,  Pap.  mag.  mus.  Lugd.  laxae,  qui  viscera  saevo  spargit  cani  bei  Lucan 
Bat.  p.  775  das  handschriftliche  vi-nzagiai  des  6,  702 f.  ist  wohl  am  ersten  Aiakos  und  nicht 
grofsen  Pariser  Zauberpapyrus  vs.  2534  lindert;  Kerberos,  wie  Burmann  anmerkt  oder  Anubis 


1217                   Kleiduchos  Kleiduchos                   1218 

(Hernianubis)  wie  Ettig,  Acheruntica,  Leipziger  dov%og  in  Eurip.  Iph.  in  Taur.  vs.  131  besser 

Stucl.  z.  kl.  Piniol.  13  1891  p.  407   vorschlägt.  mit  Klotz,   Weclüein,  Kvicala,  Sitzungsber.  d. 

Doch    kommt    auch    Anubis    als    yXuSoviog  K.    K.  Akad.  d.    Wiss.   zu,  Wien   Bd.  29   1858 

vor,  im  großen  Pariser  Zauberpapyr.  vs.  34011'.  p.  224  Iphigenia,  als  mit  Wesseling,  Markland, 

uvovßiöi   v.gaxaiw    ipigivft •    rag   xXidag    bxovxi  Seidler,   Meineke,   Anal.    Alex.    p.  108  Artemis 

tioj  »a9  aSov;  1466t'.  xltSovxs  xb  avovßi  cpvXai;.  zu  verstehen  ist. 

Ganz    unbekannte    Thürhüter    lehren    uns  Hekate    nennt   Orph.   hymn.    1,  7    Ttavxog 

auf  Kypros   gefundene  Defixionen   kennen,    so  kog/xou    xXr/dovxov    uvccaouv,    i'rothyraia   2,   5 

xov  siti  xov  nvXcovog  xov  Aäovg  ks  xaiv  %Xn-  yXrjSovx'  ivcivzTjts.  In  der  Inschrift  C.  I.  Gr. 
ftgav  (y.Xrfögmv)  xov  ovgavov  xbxayabvov  axbg-  10  2720  liest  Waddington  za  Asie  Min.  nr.  519  statt 

|fp|   norj^a  (varr.  sigr^a,  igrfea)  griüiyßcav  ag-  äaäocpogog   vielmehr    y.XbiSotpogog.      In  Lagina 

dctfiaxd'ovQ  TiQiOTZv  lau.ita.0bv  axbranza,  Procee-  fand  der  Hekate  zu  Ehren  eine  xXudos  äytayr] 

dings  of  the  Soc.  of  Uibl.  Arch.  13  1891  p.  174  (Newton,  A  last,   of  discov.    at   Halicamassus, 

—190  nr.  1    Z.  19ff.     3,  9ff.    5,  12 ff.     7,  13 ff.  Cnidus  and  Branchidae  2,  2  p.  790  nr.  96;  oder 

8,   10 ff.    9,  13ff.     10,  13tf.    11,  10 ff.    12,   12ff.  uXeidbg   nou-Tty    (Newton  2,  2   p.  792f.   nr.  97. 

14,    13ff-     15,    llff.    17,    llff.      Ebendaselbst  Bull,   de  Corr.  Hell.    11    p.  146   nr.  46)    statt; 

wird  angeführt  o  fteyag  aiaoxcoo  o  bgaycnv  xov  und    die   Inschriften   nennen   die   Namen   ver- 

Aäovg   xag   nvXag  5,  16f.    7,  18.    8,  14.    9,  8 f.  schiedener    Priesterinnen    (y.Xbtdocpogog,    Bull. 

10,  17.  11,  15.  12,  17.  14,  18.  15,  14f.  17,  16f.  de  Corr.  Hell.  11  p.  12  nr.  6;  p.  26  nr.  37; 
Der  Name  der  weiblichen  Gottheit,  welche  20  p.  28f.  nr.  41;  -xXbLdocpogovaa,  B.  ü.  H.  11  p.  31  f. 
nach  diesen  Defixionen  die  Schlüssel  des  Hades  nr.  45;  v.X-nSovxog,  B.  C.  H.  11  p.  160f.  nr.  70), 
führt  (77  xag  y.Xtdag  xov  A[dov.  .)  5a,  39.  8,  35.  welche  die  xlsidocpogia,  B.  C.  H.  11  p.  13  nr.  7 

11,  39.  15 a,  8  ist  leider  auf  keinem  Exemplar  guhabt  haben.  Der  Schlüssel  wird  bei  Por- 
erhalten, ph.yrius,  Philos.  ex  orac.  haur.  libr.  rel.  ed.  G. 

Proteus    wird     Orph.    hymn.    25,    1     an-  Wolff  p.  136  (aioXn   xi  yXblg  buov)  unter   den 

gerufen  als  novxov  xlriiöag    b'xovza.  ovußoXa    der   Hekate    aufgezählt,   vgl.   in   der 

Sar  apis  ist  nach  Aristides  Or.  8,  1  p.  92  Anrufung  der  Sei ene  im  großen  Pariser  Zauber- 

Bind.    yr\g    y.al   &aXdxxr]g,    cpai"bv    av    uoinxai,  papyrus   vs.  2292ff.:    xovzo   ydg    oov  Gv[ißuXoi> 

y.Xfjäag  byjnv.  xo  advSaXöv  cov   bv.gvtpa  y.al  v.XbiSa  y.gazä  y.xl. 

Athena   ist    die   Schlüsselbewahrerin    der  30  und  va.  2334ff. 

Stadt  Athen,  Aristoph.  Thesm.  1139ff. :  „„,-,.             «      ,   „  , 

M  2,ri(itiov  tgco  %alv.£ov  xo  aavaalov 

n  näXiv  r)u.£xbgav  sjjff,  xr\g   Tagxagovxov  cxbfifia  KXtig  KrjgvKLOV 

■Aal  v.gdzog  cpavtgbv  aovrj  goußog  oidrigovg  Kai  -avg>v  y.vdvbog 

nlnSoi'xög  T£  y.aXbixai.  nlei&gov  xgiyagov  eoxdga  7tvgovu.bvi] 

Von    Wesseling,    Observ.  1    p.  7    und    Meineke,  oy.oxog  ßv9og  cpib£  xagzdgov ^udvxgia 

Analcda  AI exänärina  p.  107  f.     Euphorio  68  ^0VG    ^vwg  daiaovag  x    bgacxwvg. 

wird  auch  der  Vers  des  Euphorion:  "Hxtg  ixbig  Hekatedarstellungen    mit    dem    Schlüssel   ver- 

yXnlSag  inL^bcpvgoio   AvfiaCng  auf  Athena   ge-  zeichnet  E.  Petersen,  A.E.M.  5   1881  p.  65ff. 

deutet,  da  Paus.  7,  18  ein  Heiligtum  und  Bild  40  Den  Beinamen  führt  die  Göttin  a!s  Wächterin 

dieser  Göttin  für  Dyme  bezeugt.  der  Thüren    überhaupt    (vgl.    Thryllitius .    De 

Ferner  kennt  Athena  die  Schlüssel  zum  Ge-  Deastris  cpuos  Gentilts  ad  fores statutre  colereque 

mache   der  Götter,  worin   der  Blitz  versiegelt  consuerunt.    Vitembergae  1711.   4°.   xufifxa  iß'. 

ist,  Aesch.  Eum.  791:  Schwarz  p.  28.     Steuding   oben   1    Sp.    1891), 

,-s        »i     i      '            ■       o.    -  besonders   auch   der  Pforten    des   Hades   (vgl. 

Hat  y-lndag  oiöa  oouaxav  uuvri  vtcov  j          o                           rr  1    ±                e      -         1 1  % 

>      t     '                 >      '     >        r      '  ,  den     Hymnus     an     Hekate     vs.    5     in    Abel  s 

bv  o)  v.bgavvug  baxiv   iawoayicabvog,  ,.     ,  •    J        „D„       .-„      „     t    ,f              ..          , 

Ti    '     '          '  Urp/uca  p.  289:  yXvvi  diaQbv^aaa  nvXag  *Xbi- 

vgl.  Schwarz  p.  24. 25.-  Schwartz,  Sonne,  Mond  xov  äääaavxog,  Steuding  oben  1  Sp.  1895.   E. 

und  Sterne  p.  198.    Wieseler,  Bonner  Jcdirbb.  5  Petersen  a.  a.  0.   p.  80:   „es  sind  die  Pforten 

p.  351.  353.     Welcker,  Aeschyl.   Trilogie  p.  279  50  zwischen   Himmel   und   Unterwelt,  welche  sie 

Anm.   481.     Bückert,  Der  Dienst  der  Athena  aus-  und  eingehend  öffnet  und  schliefst"). 

p.  49  Anm.  57.     Die   von   Plin.   n.  h.   34,  54  In     figürlicher    Bedeutung    sagt    Aristoph. 

erwähnte  cliduchus  des  Phidias  wollen  Welcher  Thesm.  976  von  Hera:  v.lySag  yäfiov  cpvläxtst, 

a.  a.  O.  und  Osann,  Arch.  Zeitung  8  p.  255  für  und  nennt  Pindar  Pyth.  8,  3 f.  die  Hesychia 

eine  Athenastatue,  Petersen,   Observ.   in  Plin.  ßovXäv  xb  neu  noXbficov  b'roiou  y.laiäag  vnbgxd- 

n.  h,  34,  19,  1    p.  6  und   Urlichs,  Chrest.  Plin.  xag,  vgl.  O.  Jahn  a.  a.  O.  p.  111. 

p.  317f.    sogar   für   die    berühmte   Promachos  Für   Kybele    ist    anzuführen    eine    kleine 

erklären,    während    Preller,    Arch.    Zeitung   4  asiatische   Terracotta,   welche   aus  der  Samm- 

p.  261  ff.     O.  Jahn,  Bei:  üb.   d.   Verh.  d.  Kgl.  lung    Gre'au,    Fröhner ,   Catcd.    Gre'au  nr.  707. 

Sachs.  Ges.  d.  W.  1858  p.  109  —  112  u.  Brunn,  60  Terres  cuites  d'Asie  PI.  4  ins   Berliner  Anti- 

Gesch.   d.  gr.  Künstler  1    p.   180   vielmehr   an  quarium   (Arch.  Anz.  1892    p.  106,   2    nr.   14) 

die  Statue  einer  Priesterin  denken,  für  welche  gelangt  ist.    Fröhner  deutet  den  Schlüssel  bei 

„der    Schlüssel    das    auszeichnende    Attribut"  Kybele   als   den  des  Tempels    oder  der  Stadt, 

war  (vgl.  für  den  Schlüssel  als  Abzeichen  von  welche    die   Göttin    besaß,    Furlwängler  legt 

Priesterinnen  Sparihemius  zu  Gallimaclius, hymn.  ihn  ihr  bei  als  Unterweltsgöttin.    Die  richtige 

in  Cer.  45,  vol.  2  p.  781  f.  ed.  Ernesti,  Schwarz  Erklärung   giebt    uns  Servius  ad  Aen.  10,  252 

p.  31 — 33,  wie  denn  z.  B.  Io  bei  Aesch.  Suppl.  an  die  Hand:  Terram  autem  conttat  esse  matrem 

299  y.Xnöovxog  "Hqag  heifst  und  unter  der  vXn-  deüm.      Unde   et    simulacrum   eins    cum    clavi 

RoscnER,  Lexikon  der  gr.  u   r8m.  Mythol.   II  39 


1219                       Kleinis  Kleitos                       1220 

pingitur.     Nam  terra  aperitur   verno,  Memali  S.V.  zovzov  KXaoawuov  $ipf v.  vorig  iazogti:- 

clauditur  tempore.  M.   D.  —  Bei  Apollod.  3,  13,  8    steht  in  den 

Die   Moiren  bezeichnet  Plutarch  de   gen.  meisten  Hss.  KXvzarvuog,  in  einer  KXaza>vvy.og. 

Socr.c.22.    Moralia  vol.  3  p.  528f.  Bernardakis  [Röscher.] 

als  y.lstäovxoi:   Tsooctgsg  S'   ela)v  öojk!  itccv-  Kleisithera   {K\hiot&r\eci.'i   Tohter  des   Ido- 

zcov,  Jrafjs  aiv  f\  Tigonn,  Hivqoiag  S'  rj  dsvzsga,  rneneus  und  der  Meda,    wai"  tou  ihrem  Vater 

yevioeag   o     17   zgizi],  rp&ogäg  S'  f]  rsXsvzata'  dessen  Pflegesohne,  dem  Leukos,    dem  Sohne 

avvSii  öi  rfj    iiiv  Sivzsga  zrjv  7cgc6zi]v  Moväg  des  Talos,  zur  Gemahlin  versprochen  worden: 

■/.uza    x6    dogazov ,   zi]v   dh   Ssvzsguv   zf]    xgCzn  aber   dieser   ermordete   sie   samt  ihrer  Mutter 

Xovg  y.uQ''   rjXiov.  ztjv  de  tgizrjv  Ttgög  zszdgznv  10  in     Abwesenheit     des     Idomeneus,     Lykophr. 

<&vGig  Kctra  aslr'ivriv.     Tmv  Si  cvtScejitov  s-nd-  1222.    Tzttz.  Lykophr.  121S.   1222.    Chüiad.  3, 

ezov  Molga  yXsiSov%og  Ai'dyy.jjg  dvydzrjg  yd&rj-  294.     [JEpitoma  Vaticana  ex  Apoüodori •  Biblio- 

zat.  toü  u-iv  ngcözov  Azgonog,  zov  #e  Ssvzsgov  tlieea    ed.   B.   Magna'   22,    5   p.   71,    wo   irrig 

KXco&ai,  zov  äs  ngbg  asXrtvi]i'  Adxsaig,  ntgl  r]v  KXeiaL&vga   statt   K).£ioi.&r)gu  steht,  s.   p.  110. 

7]  Kafiiirj  zffg  yevsasaig.  Drexler.]     Höfer.] 

Von    der   Peitho   heilst    es    figürlich   bei  Kleite   {KXsitTj   oder  Klsvcij,  Clite),   1)  Da- 

Pindar   Pyth.  9,  39   vol.  2,  2   p.  323  Boeckh:  naide,  mit   dem  Aigyptiden  Kleitos  vermählt, 

y.gvnzcii    y.Xct'1'Ssg    ivzl    aocpdg    Ilfifrovg    iigäv  Apollod.  2,  1,  5.  —  2)  Tochter  des  Weissagers 

yiXozdzcov,  0.  Jahn  p.  111.  Merops  aus  Perkote  in  Mysien,  Gemahlin  des 

Die  Tetras  wird  von  Nicomaclivs  Gcrasenus.  20  Kyzikos,     Königs    der    gleichnamigen    Stadt. 

Arithm.  theol.  bei  Photius,  Bibl.  p.  144  Beklier  Als  Kyzikos  (s.  d.l  kurz  nach  ihrer  Vermählung 

als  v.Xsi8ov%og  zrtg  qsvosag  bezeichnet,  s.  Hase  im   nächtlichen  Kampf   mit   den   befreundeten 

in  Stephanus  Thes.  s.  v.  y.XsiSovrog.   [Drexler.]  Argonauten  umkam,   erhängte    sie   sich    oder 

Kleinis  (KXsivig),  Gemahl  der  Harpe,  Vater  starb    vor  Trauer.     Aus    ihren  Thränen    oder 

des  Lykios,  Ortygios,  Harpasos  und  der  Arte-  den  Thränen   der   sie    beweinenden   Nymphen 

miehe,   ein   an  Herden  reicher  Mann,   der  bei  entstand    die   Quelle  Kleite,   Ap.   Eh.  1,  976. 

Babylon  wohnte,   von  den  Göttern,  besonders  1063  ff.    nebst    Schol.  Tal.  Place.  3,    11.   314. 

aber   von   Apollon    und    Artemis    geliebt.     Er  Orph.  Arg.  593  ff.    Parlhen.  2S.    Kon.  41.    Et. 

ging  öfter  mit  Apollon  zu   den  Hyperboreern,  31.  p.  518,  2.   3Iarcpiardt,  Cyzicus  u.  sein  Ge- 

und  da  er  gesehen,   dafs   diese   dem  Apollon  so  Mit  p.  41.    —    [Kleite    und    Kyzikos    erkennt 

Esel  opferten,  so  wollte  er  in  Babylon  dasselbe  Cavedoni,  Spicil.  num.  p.  139  auf  einer  Münze  des 

thun;    aber  Apollon  verwehrte  dies  unter  An-  Septimius  Severus  von  Kyzikos,  Mi.  2,  545,  214, 

drohung  des  Todes  und  verlangte  die  landes-  auf  welcher  Sestini,  Mus.  Hed.  2,  95,  IS  „Venus 

üblichen    Opfer    von    Schafen,    Kindern    und  seminuda  petrae  quadratae  insidens,  ante  quam 

Ziegen.    Aber  Lykios  und  Harpasos  gehorchten  stat  Mars  galeatus,  caetera  nudus"  dargestellt 

nicht.     Als  sie  die  Esel  zum  Altar   getrieben,  sieht.  Drexler.] — 3)  Gebar  von  Erylaos  am  Kai- 

um  das  Opfer  zu  vollziehen,  machte  Apollon  kos  in  Mysien  den  vor  Troia  gefallenen  Meilaniou, 

die  Tiere  rasend,    dafs  sie  den  Kleinis,   seine  den  Freund  des  Eurypylos,  des  Bundesgenossen 

Kinder  und  Diener   zu   zerfleischen  begannen.  der  Troer,  Quint.  Sm.  S,  121.  —  4)  Amazone, 

In  ihrer  Not  riefen   sie   die  Götter  um  Gnade  40  Mutter  des  Caulon,  Gründers  von  Caulonia  in 

an.    Poseidon  verwandelte  die  Harpe  und  den  Bruttium,    Serv.   V.   Aen.   3,  553.      Sie    selbst 

Harpasos   in   Falken,    Leto   und   Artemis    den  soll    nach    Italien    gekommen    sein    und    eine 

Kleinis   in   einen  Adler,   den  Lykios   in   einen  Stadt  Kleite  gegründet  haben,  Et.  M.  p.  517, 

Raben,  den  Ortygios  in  eine  Meise,  die  Arte-  54.   Said.  s.  v.    Vgl.  Klete.    —  5)  Bakchantin, 

miche  in  eine  mtpiy^,   einen  den  Göttern  und  Xonn.  Dion.  21,  77.    (Stoll.] 

Menschen   lieben   Vogel,   den   Hesychios  s.   v.  Kleito   {KXsiza),    1)   Mutter   des   vor   Troia 

mit    v.ogvSaXog    (Haubenlerche)    erklärt,    Auf.  kämpfenden     und     von    Eurypylos     getöteten 

Lib.  20.     [Stoll.]  Helios,   den  sie   am  gygäischen  See   geboren, 

Kleio  1)  s.  Musen.  —  2)  Nereide  oder  Okea-  Quint.  Sm.  11,  69.   —   2)  Tochter  des  Euenos 

nide;  Hyg.  f.  p.  29_Bm-.     Verg.  G.  4,  341.  ;o  und   der  Leukippe,   von  Poseidon  Mutter  des 

Kleiopatre  (KXfAOTidzgrj)  =  Kleopatra  (s.  d.).  Ampheres,    Herrschers    in    Atlantis    b.    Plat. 

Kleisidike  (KXuaiSUw),  Tochter  des  Keleos,  Kritias  113b ff.    [Stoll.] 

Königs    in  Eleusis,  und  der  Metaneira,   Hom.  ^     Kleitonvmos  =  Kleisonymos  (s.  d.). 

II.  in  Cer.  109;  s.  rKeleos'.     [Stoll.]  Kleitor   (KXsizag),    Sohn  des   Azan,   Enkel 

Kl[e]isonymos  (K),[i~\LGc6vv^,og),  jugendlicher  des   Arkas,   gründete   nach  Unterwerfung  von 

Sohn   des   Amphidamas   (s.  d.)   aus  Opus,  von  Kynosura  als  mächtigster  Fürst  des  arkadischen 

Patroklos  (s.  d.)  im  Streite   beim  Astralgalen-  Landes   die   Stadt  Kleitor  im    nordwestlichen 

spiel    aus    Versehen    (dy.ovGi'co   nzuC'ßuctzi)    ge-  Arkadien  als  Königssitz,  Paus.  8,  4,  3.  8,  21,  2. 

tötet.      Nach    Anderen    hiefs    er    Aias    (oder  Bei  Apollod.  3,8,1  und  Tzetz.  L.  481    ist  er 

Aianes,  Hs.  D.);  Eellanikos  beim  Schol.  A.  D.  üo  einer  der  50  Söhne  des  Lykaon,  s.  Müller,  fr. 

zu  II.  Ml,  wo  Belker  KXiccovvfiog  liest;   vgl.  bist,  gr.l  p.  31,  375.    Curtius,  Peloponn.  1.162. 

auch   Philosteph.    b.    Schol.    zu   II.  Tili,    wo  Gerhard,  Gr.  Myth.  2  Stammt  f.  p.  235  f.   |  Stoll.] 

Kleiaäwfi.og   oder   KXr,a.    überliefert    ist,  und  Kleitos  (KXsizog  und  KXeizog,  Clitus),  1)  Sohn 

IL   W  'So   nebst  Schol.   itaiäa  ydg  dvsiXsv  öv  des  Mantios,  wegen  seiner  Schönheit  von  Eos 

of  p\v  KXfiacövvfiov,  of  tff  Alavrj,  of  Sl  Avaav-  geraubt,    damit    er    unter    den   Unsterblichen 

ögov   y.KXila&aL    [rpoiaivX   dnsyzuvs    da    uvzöv  wohne,     Od.    15,    250.     Eustath.    p.    17S0,   50. 

nag'    '0%-gvovai    rä     ygauuctziozi]     äg    tpnaiv  Athen.  13,  566  d.    Braun,  Gr.  Götterl.  §  204.  — 

'Ali'gctvdgog   b    AizoiXög   sv    dezgoXoyiozutg.  Pherekydes  b.  Schol.  II.  13,  663  giebt  folgende 


1221                        Kleo  Kleola                       1222 

Reihe    des   Geschlechts:    Melainpus,    Mantios,  [Schal. Eurip. Orest. 990  Bd.  1  p.  196  ed. Schwarte. 

Kleitos,    Koiranos,    Polyidos.       [S,    auch    Th.  Drexler.]  —  5)  Gemahlin  des  Amyntor,  Mutter 

Panoßa,   Eos   et   Clitus,   Ann.   d.   Inst.    1847  des  Phoiuix  (vgl.  II.  9,  447  ff.) ,  Tsetz.  L.  421. 

p.  228  —  230.    Drexler.]   —  2)  Sohn  des  Polyi-  —  6)  Serv.    V.  Aen,  3,  209  nennt  die  Gemahlin 

dos.  Plierekydes  b.  Scliol.  IL  a.  a.  0.  (vgl.  nr.  1)  des  Phineus,  die  Tochter  des  Boreas  und  der 

fährt  fort: "dieser  Polyidos  zeugte  mit  Euryda-  Oreithyia,  Kleobnle  statt  Kleopatra.     [Stoll.] 

naeia,  Tochter  des  Phyleus,  Enkelin  des  Augeias,  Kleobulos    (Klsößovlog) ,    Troer,    von    dein 

den  Kleitos  und  Euchenor,   welche    mit    den  kleineren  Aias  getötet,  IL  16,  330.  [[Stoll.] 

Epigonen    Theben    eroberten    und    dann    mit  Kleoehareia   (Kltoxagtiu),  eine   lakonische 

Agamemnon   gen   Troia   zogen,   wo   Euchenor  10  Naiade,   welche  mit  dem  Autochthonen  Lelex 

von  Paris  getötet  ward.  —  3)  Sohn  des  Peisenor,  den  Eurotas  zeugte,  Apollod.  3,  10,  3.     [Nach 

ein  Troer,  Gefährte  des  Polydamas,  von  Teukros  Scliol.    Eurip.    Orest.    626    vol.    1    p.    161    ed. 

erlegt,    II.    15,    445;     vgl.    Hyg.    f.    115.     —  Schwarte  gebar   sie  Eurotas  und   Pelias   dem 

4)  Aigyptide,  vermählt  mit  der  Danaide  Kleite,  Mylea,  dem  Sohne  des  Lelex  und  der  Peridike. 

Apollod.  2,  1,  5.    Vgl.  Hyg.  f.  170,  wo  Clytus  Drexler.]     [Stoll.J 

(Clitus?)  mit  Autodike  vermählt  ist.  —  5)  König  Kleochos  [KXio%og),  Kreter,  Vater  der  Areia, 

der  Sithonen   in  Thrakien,   der   seine  Tochter  mit  welcher  Apollon  den  Miletos  zeugte,  den 

Chrysonoe  (oder  Torone,  Philarg.  zu  Verg.  G.  die   Mutter    aussetzte,    Kleochos    aber   rettete 

4,  390  f.)  dem  aus  Aigypten  kommenden  Proteus  und   aufzog,   Apollod.  3,  1,  2.    Schol.   Ap.  Rh* 

vermählte,  Kon.  35.    S.  Klitos.  —  6)  Geliebter  20  1,  185.    Er  lag  in  dem  milesisehen  Didymaion 

der  Pallene,  der  Tochter  des  Sithon,  Königs  im  begraben,   Amob.    adv.  nat.   6    p.    706.     Clem. 

thrakischen    Chersones.     Er   kämpfte    um    sie  AI.  Frotr.  3  p.  13  Sylb.   Euseb.  P.  E.  p.  71  D. 

auf  Veranlassung  ihres  Vaters  mit  Dryas  und  Müller,  fr.  hist.  gr.  2  p.  336,  5.     [Stoll.] 

siegte  mit  Hülfe  ihrer  List.     Als  jetzt  Sithon  Kleodaios   (KltoSaiog  und  KltodaCog,  auch 

die  Tochter  strafen  wollte,  ward  sie  von  Aphro-  Iiltadaiog,  Kltodag,  Kltdd'ag),  Sohn  des  Hyllos 

dite   entrückt.     Nach  Sithons  Tode  vermählte  und   der  lole,    Vater   des  Aristomachos,   fand 

sie    sich   mit   Kleitos,    der   mit  ihr   die   Herr-  bei   einem   Einfall   in   den  Peloponnes    seinen 

schaft  des  Landes  erhielt,  und  das  Land  wurde  Tod,  wie  sein  Vater  und   sein  Sohn,  Hcrodot 

nach  ihr  Pallene  genannt,  Kon.  10.  Parthen.  6.  6,  52.   7,  204.   Paus.  2,  7,  6.   Apollod.  2,  8,  2. 

Steph.  B.  v.  ncillr)vri.  —  7)  Säuger  des  Pria--30  Blöd.  7,  16.  Pldeg.  Tr all.,  Porphyr.  Tyr.,  Satyros 

mos,  Schol.  II.  24,  720.   —   8)  Sohn  des  Aga-  b.  Müller,  fr.  hist.  gr.  3  p.  165,  21.  603,  1.  690. 

mestor  und  einer  Nymphe,  Paphlagonier,  von  Schol.  Find.  I.  7,  18.  Ael.N.A.  12,  31.    Hesiod 

Podaleirios  vor  Troia  getötet,  Quint.  Sm.  6,  465.  b.  Schol.  Ap.  Rh.  1,  824.    Tzets.  L.  804  nennt 

[Stoll.  i  Temenos  Sohn  des  Kleodaios  und  der  Peridea. 

Kleo  =  Kleio  (s.  Musen).  Nach  Schol.  Venet.  Eurip.  Androm.  24  und  33 

Kleoboia   (Kltoßoia),   1)   Mutter   der  Eury-  war  Kleodaios    Vater   der  Leonassa,   der   Ge- 

themis,   der  Gemahlin   des  Aitoliers   Thestios,  mahlin    des   Neoptolemos    (Müller,   hist.  gr.  3 

Apollod.    1,    7,    10.    —    2)   Eine  Jungfrau   aus  p.  338,  13.    339,  14).     Zu  Sparta  hatte  er  ein 

Paros,  welche  von  da  die  Orgien  der  Demeter  Heroon,  Paus.  3,  15,  7.    Müller,  Dorier  1,  59. 

nach  Thasos   gebracht  haben   sollte.     In  dem  40  Wide,  Lalcon.  Kulte  45.  354.     [Stoll.] 

Gemälde    der    Unterwelt    in    der    Lesche    zu  Kleodike  (KXtodixv),  eine  gefangene  Troerin 

Delphi  war  sie  dargestellt,  wie    sie   die   Kiste  auf    dem    Gemälde    des    Polygnotos    von    der 

der  Demeter  auf  den  Knieen  hält,    Paus.   10,  Eroberung   Troias    in    der   Lesche    zu   Delphi. 

28,  1.  —  3)  Tochter  des  Kriasos  (S.  des  Argos)  Paus.  10,  26,  1   hält  den  Namen  für  eine  Er- 

und    der    Melantho,    Schwester    des    Phorbas,  lindung  des  Polygnot.     [Stoll.] 

Schol.  Eur.  Or.  920.  —  i)  Von  Heosphoros  im  Kleodora  (KltoSrnga),  1)  Danaide,  vermählt 

attischen  Thorikos  Mutter  der  Philonis,  deren  mit  dem  Aigyptiden  Lixos,  Apollod.  2,  1,  5.  — 

Sohn  Philammon  war,  Kon.  7.  —  5)  Gemahlin  2)  Nymphe,  Mutter  des  Parnassos  von  Poseidon 

des  milesisehen  Neleiden  Phobios,  die  es  ver-  oder  Kleopompos,   Paus.  10,  6,  1.     [Stoll.] 

geblich    versuchte,     einen    Jüngling    Antheus,  r>o  Kleodoros    (Kltödapog),    Sohn    des    Lernos 

der  im  Hause  des  Phobios  als  Geisel  war,  zu  und  der  Amphiale,  Rhodier,   vor  Troia  durch 

unerlaubter  Liebe   zu  verführen   und  ihn  des-  einen    Pfeil    des    Paris   getötet,    nachdem    er 

halb  tötete.     Sie   warf  ein  Rebhuhn  (oder  ein  durch  Polydamas  des  Schildes  beraubt  worden 

goldenes    Gefäfs,    Alexander    Aetol.)    in   einen  war,  Quint.  Sm.  15,  213  ff.     [Stoll.J 

Brunnen  und  bat    den  Antheus    es  zu  holen;  Kleodoxe    (Kltoöo'^ri),    Tochter    der    Niobe 

als    er    hinabgestiegen    war,    warf    sie    einen  und   des  Amphion,   Apollod.  3,  5,  6.    lactant. 

grofsen  Stein  auf  ihn.    Aus  Reue  erhängte  sie  zu  Stat.  Theb.  3,  198.    Mythogr.   Vatic.  1,  156. 

sich,  Aristoteles  b.  Parthen.  14,  wo  ein  längeres  Tzets.    Chil.    4,    141.    Hyg.    f.    11.    69.     Stark, 

Fragment  des   Alex.   Aetol.   folgt,   Müller,  fr.  Kiobe  96.     [Stoll.] 

hist.  gr.  2  p.  164,  199.     [Stoll.]                            eo  Kleola  (Kltola,  Kit  oll«),  Tochter  -des  Dias, 

Kleobnle  (Klsoßovlrf),  1)  von  Apollon  Mutter  von  Atreus  Mutter  des  Pleisthenes,  Schol.  Eur. 

des  Euripides,   Hyg.  f.   161.    —   2)  Gattin   des  Or.  5.     Oder:   Kleola,   des  Dias  Tochter,  war 

Aleos,  Königs  in  Tegea  (sonst  Neaira),  Mutter  Gemahlin    des     Pleisthenes    und    Mutter,  des 

des  Amphidamas  und  Kepheus,  Hyg.  f.  14  p.  42  Agamemnon,     Menelaos     und     der    Anaxibia, 

Bunte.  —  3)  Mutter  des  Böotiers  Le'itos,   der  Hesiod    (fr.   17    Lehrs)    b.     Tzets.    Exeges.    in 

vor  Troia  focht,  Hyg.  f.  97.  —  4)  Tochter  des  lliad.   p.   68,   20;    vgl.  Eustath.  H.  p.  21,  14. 

Aiolos   oder  Aipolos,   von  Hermes  Mutter  des  Welcher,  Gr.  Trag.  2,  678f.   Gerhard,  Gr.  Myth. 

Myrtilos,    Tzets.   L.    156.    162.     Hyg.   f.   224.  2  p.  243.    Prelhr,  Gr.  Myth.  2,  388.     [Stoll.] 

39* 


1223                      Kleolaos  Kleopatra                    1224 

Kleolaos  (KlsoXaog),   1)  Sohn  des  Herakles  Zetes  und  Kaiais  und  der  Chione,  aufgewachsen 

und  der  Thespiade  Argele,  Apollod.  2,  7,  8.  —  in  den  sturrnumbrausten  sarpedonisehen  Felsen, 

2)   Sohn   des  Herakles   und    einer  Sklavin  der  Gemahlin  des  Phineus  in  Salmydessos.     Nach 

Ompkale,    Biod.    4,    31.    —    3)    Gefährte    des  ihrem  Tode   oder  ihrer  Verstol'sung  heiratete 

Meges   vor   Troia,    von  Paris    getötet,   Quint.  Phineus    eine    zweite    Frau,    die    gewöhnlich 

Sm.  6,  634.     [Stoll.]  Idaia,  Tochter  des  Davdanos,  heifst;  diese  be- 

Kleoniachos(ÄlfoftK^og),  s.  'Kasos'.  [Stoll.]  wirkte   durch  Verleumdung,   dafs  Phineus  die 

Kleomede  (Klsojitidr]),  von  Paion  Mutter  des  beiden  Söhne  der  Kleopatra  blendete;  oder  sie 

Laophon,  der,  ein  Genosse  des  Asteropaios  selbst  blendete  sie  und  liefs  sie  im  Kerker 
vor  Troja,  von  Meriones  getötet  ward,  Quint.  10  schmachten,  Apollod.  3,  15,  2.  3.    Soph.  Antig. 

Sm.  6,  549.     [Stoll]  966  ff.   und   Schol   zu  v.  970.  977.  980.    Schol. 

Kleomedes     (A7fofir;<5>js),     aus    Astypalaia,  Ap.  Eh.  1,  211.    2,  140.   178.  207.  238.     Schol. 

tötete     in     der     72.     Ol.    im    Faustkampf    zu  Od.  12,  69.     Norm.  Bion.  2,  689.     Serv.    Verg. 

Olympia  seinen   Gegner  Ikkos    aus  Epidauros,  Aen.  3 ,  209.     Od.  Hein.  Am.  454.     Die   Söhne 

ward,     von    den    Kampfrichtern     des     Sieges  der  Kleopatra  heifsen  Plexippos  und  Pandion, 

verlustig   erklärt,    wahnsinnig,    rifa    in  -seiner  oder  Gerymbas  und  Aspondos,  oder  Parthenios 

Vaterstadt   eine   Schule   ein,    in   der  ungefähr  und  Krambos.    Ein  andrer  Name  ist  Oreitlryios, 

60  Kinder  umkamen,  und  floh,  von  den  Bürgern  wie   bei  Sehol.  Ap.  Eh.  2,  178   statt  Oryithos 

mit  Steinen  verfolgt,  in  den  Tempel  der  Athene,  zu  lesen.  Nach  Biod.  4,  43  f.  wurde  Kleopatra 
in    welchem    er   verschwand.     Das   delphische  20  bei  Phineus  in  Haft  gehalten,  ihre  Kinder  in 

Orakel  erklärte  ihn  für  den  letzten  der  Heroen,  Fesseln    grausam    gequält,    aber    Mutter    und 

dem  man  zu  opfern  habe,  Paus.  6,9,3.  [s.  Bd.  1  Kinder   von   den  Argonauten  befreit;   Phineus 

Sp.  2526,  Z.  2 Off.,  wo  nachzutragen  ist  Etiseb.  wurde  getötet,   die  Söhne  in  seine  Herrschaft 

praep.  ev.  5,  34,  2 ff.  Höfer.  |     [Vgl.  A.  Maury,  eingesetzt,  und  als  sie  nun  die  Argonauten  auf 

Hist.   des   rel.    de   la  Greee  ant.  1  p.  555..  560.  ihrem    Zuge   begleiteten,    überlieisen   sie    die 

JRohde,  Psyche  p.  167f.    Drexler.J     [Stoll.]  Herrschaft  der  Mutter  Kleopatra;   vgl.   Schol. 

Kleometra   (KleofirizQa),    mit   fMelacharis  Ap.  Eh.  2,  207.    Welcher,  Gr.   Trag.  1,  329  ff. 

{BM,   A:   xav    uev   luv,    übergeschrieben    %g)  Preller,  Gr.  Myth.  2,  149.  330.     Gerhard,  Gr. 

gesteinigt  und  wohl  mit  begraben  in  dem  Myth.  2  §  763  und  p.  231,  s.  'Phineus'  und 
Grabmal    der,   M.    auf   dem   Pron    von   Argos:  30  'Boreaden'.    —    2)  Tochter   des  Idas   und    der 

Beinias    von   Argos    frg.    3    aus    Schol.    AB  Marpessa,  einer  Tochter  des  Euenos,  von  den 

Eurip.  Orestes  872.     F.  H.  G.  3,  24,   wo  Ms-  Eltern   auch  Alkyone   genannt,   Gemahlin   des 

7.ay%Qog  geschrieben  ist;   wohl   ein  Liebespaar  Meleagros,    II.  9,  556   und   Sehol.  Apollod.  1, 

(aus  der  Aigyptiaden-Sage?    vgl.  den  einzigen  8,   2.     Paus.   4,  2,  5.      Nach    dem    Tode    des 

doppelt    aufgezählten    Danai'dennamen    Klto-  Meleagros  erhängte  sie  sich,  Apollod.  1,  8,  3. 

näzQu  in  Apollod.  Bibl.  2,  1,  5  und  die  Dunkel-  Preller  1,  219.   2,  304.  308.    Gerhard  2  p.  240, 

farbigkeit  der  Aigyptiaden:  M£}.ciyxQog  =  Mi-  s.  'Marpessa'  und  'Meleagros'.     [Nach  Kelules 

IdyZQovg  Cobet).  [Bei  Bictys  4,  22  wird  Cleo-  Vermutung  (Arch.  Ztg.  20,  292)  ist  K.  dar- 
mestra  als  Tochter  des  Tros,  Schwester  des  .  gestellt  auf  einer  Bronzecista  im  Berliner 
Ilos  und  Ganymedes  und  als  Mutter  des  Assa-  40  Museum;  s.  a.  a.  O.  Taf.  164/5.  Vgl.  Friederichs, 

rakos   (s.  d.)   genannt;   bei   Apollod.   3,    12,   2  Berlins  ant.  Bildw.  2  S.  128  nr.  540.     Gerhard 

heifst   sie   Kleopatra   (s.  d.   nr.   4),   aber  nicht  glaubt  sie  dargestellt  auf  einem  „den  Tod  des 

Mutter,  sondern  Schwester  des  Assarakos;  vgl.  Meleagros"    darstellenden  Relief  im  Vatikan: 

Bederich  ed.  Bictys  p.  460.  Höfer.]    [Tümpel.]  Arch.  Ztg.  8  S.  219ff.,  Tat'.  20,  2.    Wahrschein- 

Kleou  (KXscov),  1)  von  der  Insel  Syrne,  Ge-  lieh  findet  sie  sich  auch  auf  einer  rotfigurigen 

nosse   des   Nireus  vor  Troia ,    von   Polydamas  Vase    der   Sammlung    Santangelo    in    Neapel 

getötet,    Quint.  Sm.  11,  60.    —    2)    Sohn   des  (nr.  11  bei  Heydemann),  welche  den  Tod  des 

Pelops  und  der  Hippodameia,  Schol.  Für.  Or.  5 ;  Meleagros  vor  Augen  führt.  Röscher.]  —  3)  Zwei 

Kurzn'ame  für  Kleonos,  'Kleones'  und  'Kleo-  Töchter  des  Danaos,  die  eine  mit  Agenor,  die 
nymos'  (s.  d.).     [Stoll.]                                             50  andere  mit  Herrnos  vermählt,  Apollod.  2,  1,  5,  4 

Kleone   (KXscövrj),  Tochter  des  Asopos  und  u.  7.    Bei  Hyg.  f.  170  ist  eine  Danaide  Kleo- 

der  Metope,  nach  welcher  die  Stadt  Kleonai  in  patra     mit     dem    Aigyptiden     Metalkes    ver- 

Argolis  benannt  sein  sollte,  Biod.  4,  72.   Paus.  bunden.     —    4)    Tochter    des    Tros    und    der 

2,  15,  1.     [Stoll.]  Kalirrhoe  (T.  des  Skamandros),  Schwester  des 

Kleones  (KXscävrjg) ,  Sohn  des  Pelops,  nach  llos,    Assarakos    und   Ganymedes,   Apollod.  3, 

welchem  die  Stadt  Kleonai  in  Argolis  benannt  12,  2.  —  5)   Gemahlin  des  Kreters  Deukalion, 

sein  sollte,  Paus.  2,  15,  1.     [Stoll.]  Mutter    des    Idomeneus ,     Tzetz.    L.    431.    — 

Kleonos  (KXswvog),  Sohn  des  Pelops,  Txets.  (!)    Schwester    des    Midas,    Tzets.  L.  1397.   — 

Exeg.  in  Iliaä.  p.  68,  26.  Vgl.  Kleon.  [Lorentz.j  7)   Kleopatra  und  Periboia    waren   die   eisten 

Kleouymos   (Klscovvfiog),   Sohn  des  Pelops,  eo  Jungfrauen,   welche  die  Lokrer  zur  Sühne  des 

sefshaft  zu  Kleonai  in  Argolis,  wo  Atreus  ihn  Frevels  ihres  Aias  gegen  Athene  und  Kassandra 

als  Herrscher  eingesetzt  hatte.    Sein  Sohn  war  nach  Troia  schickten,  Tzetz.  1141.  [Epit.Vat.ex 

Anchises,   sein  Enkel  Echepolos    (IL  23,  296),  Apollod.   bibl.   ed.   B.  Wagner  23,  7.   Drexler.] 

Akusilaos  n.   Pherekyd.  b.   Schol.   II.   a.   a.  0.  Infolge  einer  Pestilenz  und  Hungersnot  hatten 

Vgl.  Kleon,  Kleones,  Kleonos.     [-61011.]  sie  auf  1000  Jahre  der  ilischen  Athene  jährlich  je 

Kleopatra  (KlsoTtäz^a,  bei  Ap.  Eh.  2,  239  zwei  Jungfrauen  zu  senden  gelobt,  welche,  wenn 

KlsiondtQix) ,   1)   Tochter   des  Boreas  und   der  sie  bei  ihrer  Ankunft  von  den  Iliern  ergriffen 

Ereehtheustochter    Oreithyia,    Schwester    des  wurden,  den  Tod  erlitten,  im  andern  Fall  aber 


1225 


Kleophema 


Klothes 


1226 


bis  in  ihr  hohes  Alter  die  niedrigsten  Dienste 
im  Tempel  der  ilisehen  Athene  -verrichten 
mufsten,  Fohfi.  12,  5.  Schol.  II.  13,  66.  Strah. 
13,  600.  Plut.  de  sei:  num.  rind.  12.  Ain. 
TaJct.  31.  —  [8)  Einer  der  hochzeitlichen  Dä- 
monen, der  personificiette  Adel,  um  den  edlen 
Stand  des  Brautpaares  anzudeuten,  mit  Peitho, 
Endaimonia,  Paidia  und  Eunomia  im  Gefolge 
von  Aphrodite  und  Eros  auf  einem  Vasenbilde, 
Wieseler  2,  296  d.  Baumeister,  Denkmäler  vi 
1302  1.     0.  I.  G.  8361.   Höfer.]     [Stoll.] 

Kleophema  (Klsoq>rnia),  Tochter  des  Malos 
(a.  d.)  und  der  Muse  Erato,  Gemahlin  des 
Phlegyas,  Mutter  der  Aigla  oder  Koronis,  Isyllos 
Paecm  43.     [Höfer.] 

Kleophile  (KXso<ptlri),  Gemahlin  des  arka- 
dischen Königs  Lykurgos,  Mutter  des  Ankaios, 
Epochos,  Amphidamas  und  Iasos.  Nach  andern 
hiefs  sie  Eurynome  (Apollod.  3,  9,  2),  oder 
Antinoe,  Schol.  Ap.  Eh.  1,  164.     [Stoll.]  20 

Kleopompos  (KitoTtoimog),  Vater  des  Par- 
nassos,  Pausan.  10,  6,  1.     [Lorentz.] 

Kle[o]ptoloine  (KUEfTOI'EME)  Name  einer 
Amazone  auf  einem  Dinos  der  Sammlung 
Campana  mit  Darstellung  des  Kampfes  des 
Herakles  gegen  die  Amazonen,  Cai.  Campana 
Ser.  2  nr.  27.  Dumont  et  Chaplain,  Les  ce'ra- 
miques  de  Ja  Grece  propre  p.  36.     [Drexler.] 

Kleostratos  (Kliöotgazog),  ein  Jüngling  zu 
Thespiai.  Als  ein  Drache,  dem  jährlich  ein  30 
Jüngling  als  Opfer  hingegeben  werden  mufste, 
?eine  Vaterstadt  heimsuchte,  tötete  er,  durchs 
Los  zum  Opfer  bestimmt,  das  Ungeheuer,  in- 
dem er  sich  in  einem  ehernen,  mit  Widerhaken 
besetzten  Panzer,  den  ihm  sein  Freund  Mene- 
stratos  hatte  fertigen  lassen,  von  demselben 
verschlingen  liefs.  Davon  erhielt  bei  den 
Thespiern  Zeus  den  Beinamen  Saotes,  d.i.  Retter, 
Paus.  9,  26,  5.     [Stoll.] 

Kleothera  (KXsoiri',Qu),  Tochter  des  Panda-  40 
reos  und  der  Harmothoe,  Schwester  der  Aedon 
und  Merope.  Früh  der  Eltern  beraubt,  wurden 
die.  drei  Schwestern  von  Aphrodite,  Athene 
und  Hera  erzogen,  dann  aber,  als  sie  Jung- 
frauen geworden,  ward  Aedon,  die  älteste,  dem 
Zethos  vermählt,  die  beiden  andern  wurden 
von  den  Harpyien  geraubt  und  den  Erinyen 
als  Dienerinnen  übergeben.  Schal.  Od.  19,  518. 
20,  66.  Eustath.  Od.  p.  1875,  15.  1883,  36.  Od.  20, 
66  ff.  —  Paus.  10,  30,  1  nennt  die  Töchter  des  50 
Tandareos  Kameiro  und  Klytie.     [Stoll.] 

Kleros  (KXiJQas),  als  Sohn  der  Tyche  bei 
Eurip.  fr.  979.     [Höfer.] 

Kleso  (JO.rjOco),  Tochter  des  Königs  Kleson 
(s.  d.)  zu  Megara,  welche  nach  megarischer  Sage 
mit  ihrer  Schwester  Tauropolis  die  Leiche  der 
ins  Meer  gesprungenen  Ino  an  der  megarischen 
Küste  auffand  und  bestattete,  Paus.  1,  42,  8. 
Deimling ,  Leleger  p.  155.     [Stoll.] 

Kleson  (JCZijecov),  Sohn  des  ans  Aigypten  eo 
nach  Megara  gekommenen  und  daselbst  zur 
Herrschaft  gelangten  Lelex,  Vater  des  Pylas, 
Grofsvater  des  Skiron,  Paus.  1,  39,  5.  1,  42,  S, 
s.  'Kleso'.  Sein  Sohn  heilst  auch  Pylos  und 
Pylon;  .er  kam  von  Megara  nach  Messenien 
uud  gründete  Pylos,  Paus.  4,  36,  1.  6,  22,  3. 
Deimling,  Leleger  p.  155.     [Stoll.] 

KlesonyniOS  (KXijaiävviiog  und  KXsiadi'viiog; 


bei  Apollod.  KXvnmvvuog  oder  KXvTmvvuog), 
Sohn  des  Amphidamas  in  Opus  (II.  23,  87),  als 
Knabe  von  dem  Knaben  Patroklos  beim  Würfel- 
spiel erschlagen,  weshalb  dieser  von  seinem  Vater 
Menoitios  nach  Phtkia  in  das  verwandte  Haus  des 
Peleus  gebracht  wurde,  Hellaninos  b.  Schol.  II. 
12,  1.  Pherekydes  b.  Sehol  II.  23,  87.  16,  14. 
Apollod.  3,  13,  8.  AndeTeJnannteu  den  Knaben 
Aianes    oder  Lysandros,    Schol.    11.   23,   86. 

[Stoll.] 

Kleta  (Kkr'izu),  1)  Name  einer  Charis  zu  Lake- 
daimon,  wo  man  nur  zwei  Chariten  (s.  d.)  hatte, 
Kleta  und  Phaenna,  Schall  und  Schimmer. 
Ihr  Tempel  war  am  Bach  Tiasa,  Patts.  3,  18,  4. 
Athen.  4,  139  b.  Curtius,  Peloponn.  2,  244. 
Wide,  Laie.  K.  211  ff.  [Nach  Schol  Eurip.  Orest. 
623  ist  sie  Gemahlin  des  Eurotas  und  Mutter 
der  Sparte.  Drexler.]  —  2)  ÄV.rjrr/,  Amazone, 
Amme  der  Penthesileia.  Als  sie  hörte,  dafs  diese 
vor  Troia  gefallen,  machte  sie  sich  auf,  dieselbe 
zu  suchen,  wurde  aber  nach  Italien  verschlagen, 
wo  sie  eine  Stadt  Klete  gründete.  Die  Köni- 
ginnen dieser  später  von  den  Krotoniaten  zer- 
störten Stadt  wurden  in  der  Folge  alle  KXircai 
genannt,  Tzetz.  Lyk.  995.  10C2  f.     Vgl.  Kleite. 

[Stoll] 

Kleloria  (KXrjtoQia),  Tochter  des  Acheloos. 
Eine  apokryphe  Sage  bei  Pstudoplutarch  de 
flue.  22,  1  lautet:  A%£Xcöog  ...  zjj  dvyazgl 
Klr^zogia  y.az  ayvoiav  Gvv£Q%6uevog  K«i  aftv^iia 
6vo%£&ilg  lavxöv  t'fiuXtv  ilg  ■nozuuöv  Biaziov, 
og  ün'   avzov  'A%.  fiizavoyäß&rj.     [Röscher.] 

Klio  =  Kleio  (s.  d.);  vgl.  C.  I.  Gr.  8075. 

Klisouymos  =  Kleisonymos  (s   d.). 

Klitos  (KXfzog),  König  der  Sithonen  in 
Thrakien,  C.  I.  Gr.  3  nr.  6125  =  Inscr.  Gr. 
Sic.  et  It.  ed.  Eaibel  nr.  1284,  s.  Kleitos. 

[Lorentz.] 

Klodones  (KXääcovig,  oder  b.  Resych.:  KXa- 
äävzg),  makedonische  Bezeichnung  der  Bak- 
chantinnen,  Plut.  Alex.  2.  Polyaen.  4, 1.  Hesycli. 
s.  v.  Suidas  s.  v.  Vgl.  Etym.  Magn.  521,  48. 
Preller,  Gr.  Myih.  1,  573.  [Vgl.  auch  Heuzty 
(t  Daumet,  3Iission  arch.  de  Macedoine  p.  217 
PI.  13,  1.  Drexler.]    [Lorentz.] 

Klonia  1  Klovia),  1)  Nymphe,  die  dem  Hy- 
rieus  den  Nykteus  und  Lykos  gebar,  Apollo,/. 
3,  10,  1.  Tzetz.  L.  328.  —  2)  Amazone  im  Ge- 
folge der  Penthesileia,  fällt  vor  Troia,  Quint. 
Sm.  1,  42.  230.  235.     [Stoll.] 

Klonios  (KXovwg),  1)  Sohn  des  Alegenor, 
Führer  der  Boioter  vor  Troia,  von  Agenor  ge- 
tötet, IL  2,  495.  15,  340.  Diod.  4,  67.  Hyg.  f. 
97.  113.  Mehr  bei  De  Vit,  on.  s.  v.  Unter  den 
Freiem  der  Helena  aufgezählt  von  Hyg.  /'. 
81.  —  2)  Sohn  des  Priamos,  Apollod.  3,  12,  5. 
—  8)  Zwei  Gelahrten  des  Aeneas,  Verg.  Acn. 
9,  574.    10,   749.     [Stoll.] 

Kloster  (KXcoazrjo),  Sohn  der  Arachne,  Er- 
fiuder  der  Spindel  (-/.Aoxrnjo)  zum  Spinnen  der 
Wolle,  Plin.  N.  H.  7,  57.     [Stoll] 

Klothaie  {KXcodctüi),  Beiwort  der  Mond- 
göttin im  Grofsen  Pariser  Zauberpapyrus 
vs.  2280;  vgl  vs.  2796  KXcoQ-a  v.al  Accxsoig 
i]ö'  "AzQonog  si,  zQiy.äoavs.  Vgl.  Klothes. 

[Drexler.] 

Klothes  (KXä&eg),  die  Spinnerinnen,  soviel 
wie  Moiqul  (s.d.),  die  dämonischen  Gewalten,  die 


1227                      Klotho  Klymenos                     1228 

dem  Menschen  das  Schicksal  bereiten,    Hom.  thenopaios    den    Epigonen    Thesimenes    oder 

Od.  7,  197  und  Schol.  Preller,  Gr.  Myth.  1,  434  Tlesimenes   zeugte,   Hyg.  f.  71.    —    [7)   Ania- 

[Lorentz.]  zone,  Hyg.  f.  163,  auch  auf  einer  rotfig.  Vase 

Klotho  s.  'Moiren'.  Fiorelli,  Bacc.  Cumana  tav.  8.   Kliigmann.]  — 

Klutins  (=  Klvziog),  Beiname  des  Apollon  in  8)  Zu  Athen  gab  es  einen  heiligen  Bezirk  des 

Delphi    nach   Henzens    sehr    wahrscheinlicher  Perseus  und  einen  Altar  der  Klymene  und  des 

Vermutung,    dafs    in    der  von  Moroni ,  Inscr.  Diktys,  welche  die  Retter  des  Perseus  hiefsen, 

Cyriaci  Ancon.  nr.  208  =  Muratori  29,  9   und  Paus.  2,  18,  1.    —    9)   Dienerin    der    Helena, 

von  Lebas,  Inscr.  gr.  et  lat.   rec.  en  Grece  et  welche   mit  dieser   zugleich   mit   Aithra,    der 

en  Asie  min.  2  nr.  891  Q  •  MINCIVS  ■  Q  ■  F  •  in  Mutter  des  Theseus,  nach  Troia  entführt  worden 

RVFVS   |   L  •  E  •  C  •  APOALINEI  •  KIVTIÜ  war.     Nach  Eroberung  der   Stadt  fiel   sie  als 

MER1TO  überlieferten  Inschrift   statt  KIVTIO  Beute    dem   Akamas,    Sohn  des  Theseus,   zu. 

vielmehr  KLVTIO  zu  lesen    sei,   Henzen-,  Rh.  Polygnot   hatte   sie   in    der  Lesehe  zu  Delphi 

Mus.  N.  F.  8  p.  465  und  Inscr.  Lat.  sei.  am-  unter  den  Gefangenen  gemalt,  11.  3,  144.  Dikt. 

plissima  coli.  3  nr.  5700.     [Drexler.]  1,  3.    5,  13.    Paus.  10,  26,  1;  vgl.  Ov.  Her.  16 

Klydon    (KXvScov,    Köchhj:    KldSmv),     ein  (17),  267.    Antimachos  nannte  sie  eine  Tochter 

Diener  des  Memnon,  Quint.  Smyrn.  2,  365.  des  Hippalkes,   Schol.   IL  3,  144.     [Vielleicht 

[Lorentz]  ist    sie    dargestellt    auf   der   Vivenziovase    in 

Klymene  (KXvy.ivn),  1)  Beiwort  der  Perse-  Neapel:   Baumeister,  Derikm.  S.  743  Fig.  795. 

phone;  vgl.  Dibbelt,  Quaest.  Coae  myth.  Greifs-  20  [Robert,  Bild  und  Lied  p.  73.]    Anders  Heyde- 

wald    1891.    S.   36  ff. ,     wo    auch    die    meisten  mann,   Vasens.    in  Neapel  nr.  2422   mit  Litte- 

Heroinen    dieses     Namens     besprochen     sind.  raturangaben.     Röscher.]     —     10)   Mutter   des 

[Röscher.]  —  2)  Tochter  des  Okeanos  und  der  Homer.     Paus.    10,    24,    3.    —    11)    Tochter 

Tethys.    Gemahlin    des    Iapetos    und    Mutter  des  Phegeus,  von  Hesiod  Mutter  des  Dichters 

des  Atlas,  Menoitios,  Epimetheus  und  Prome-  Stesichoros.    Aristoteles   b.    Tzetz.    zu   Hesiod. 

theus  Hesiod.  Tlieog.  351.  507  ff.    Hyg.  I'raef.  prooem.  P-  1  Gaisf.    Das  handschriftliche  Kzrr 

p.   29  Bunte.    Schol.   Aesch.  Prom.    347.    Verg.  iihr\  hat  Wyttenb.  nach  Proli.  ad  Erg.  268  in 

G.    4,    345.      Oder     Gemahlin     des     Prome-  KXvfiivrj korrigiert.  — 12)  [Hetäre?  Vgl.  Heydc- 

theu»,     Mutter    des    Hellen    und    Deukalion,  mann,  Vasensammlung  zu  Neapel  nr.  2296.  — 

Schol.  Bind.  Ol.  9,  68.  72.  79.  Schol  Od.  10,  2.  30  13)  Hetäre?     Vgl.  Heydemann  a.  a.  0.  .S.  705 

Dionys.  A.  B.  1,  17.    Sie  gebar  dem  Helios  den  nr.  311.  —  14)  Begleiterin   oder  Dienerin  der 

Phaethon   und   die  Heliaden  und  wurde  dann  Aphrodite  (vgl.    nr.  12   u.  13)   auf  einer  Vase 

mit  dem  Aithiopenkönig  Merops  vermählt,  Hyg.  in  Neapel;  Heydemann  a.  a.  0.  S.  70S  nr.  316. 

/'.  152.  156.  250.  Eurip:  fr.  771  Nauck  b.  Strab.  0.  I.   Gr.  8362b   u.   die   daselbst   angegebene 

1,  3:-:.    Lukian.  D.  I).  12.     Ov.  Met.  1,  756  ff.  Literatur.   —  15)   Vgl.   die   Petersburger  Vase 

2,  37  ff.  Serv.  V.  Aen.  10,  189.  Braun,  Gr.  nr.  1801e.  —  16)  Rätselhafte  Göttin (?),  welche 
Götterl.  §  149.  Schümann,  Op.  Ac.  2,  148.  Sie  mit  Eutychia  dem  Parisurteil  beiwohnt  auf 
wird  auch  Eteoklymene  (Schol.  Apoll.  Bh.  1,  einer  Ruveser  Vase  in  Karlsruhe;  Winnefeld, 
230)  oder  Periklvmene  genannt  (Hi/n.  f.  14).  Beschr.  etc.  nr.  259  (mit  Litteraturangaben). 
[S.  auch  Wieseler,  Bull.  d.  Inst.  1847  p.  20.  «  Overbeck,  Gal.  her.  Bildir.  S.  234ff.  C.  I.  Gr. 
Dütschke,  Ant.  Bildic.  in  Oberit.  4  nr.  442.  nr.  S400.  Röscher.]  —  Vgl.  Klyrnenos,  Peri- 
Drexler.]   —   3)   Tochter   des  Nereus   und   der  klymenos.     [Stoll.] 

Doris,   Hom.  II.    18,   47.     Hyg.  praef.  p.   29  Klymenos  (Klvfisro;).  DBeiwort  des  Hades 

B.  Braun,  Götterl.  §  99.    [Doch  will  Wölfflin,  (s.d.),  Athen.  14,  624  e  Kooav  Klvuivoio  alo%ov, 

Bh.  Mus.  1865  p.  293  statt  Clymene  Eulimene  aus    einem  Hymnus    des  Lasos  von  Hermione 

geschrieben  wissen.     Drexler.]   —   4)  Tochter  (Berglfr.  lyr.  S.  1109).  Kqllim.  fr.  478  Klvpsvov 

des    Minyas,   Gattin    des    Phylakos    oder    des  noli'&ivoio  äüuesota;  Etym.  Flor.  189.   Hesych. 

Kephalos,  Mutter   des  Iphiklos    und  der  Alki-  3,  35.     Et.  m.  521,  4   erklärt  b  neivtag  y.aXmv 

mede,     der     Mutter    des     Iason,     Hom.     Od.  Tigog    zavzöv    rj    6    vttsq    ■nävxtav    äxovö[ievog. 

11,  326  und  Schol.  dazu.    Hesiod  fr.  162.    Ap.  50  Et.   Gud.  329,  37    b  älnävatog,   dnb  xqv  fiij- 

Rh.  1,  233.    Schol.  Ap.  Rh.   1,  45.  230.    Hyg.  Stvog  y.lvitv,  wo  wohl  dXird.v£vrog  zu  schreiben 

/".  14.    Etistath.   p.    1689,   1.     Baus.   10,  29,  3.  ist.     Sidd.  s.  v.  1}  Sri  ituvzag  jiQoev.cxl.siTai  stg 

Dem  Arkader  lasos,  Sohn  des  Lykurgos,  gebar  iai'zbv,  >}  ö  vnb  ndvzcav  dv.ov6u.Bvog.    Vgl.  die 

sie  die  Atalante,  Apol/od.  3,  9,  2.  Auch  sie  wurde,  dort  angeführten  Epigramme,   oieiAnth.gr. 

wie    die    Okeanide,    Mutter   des  Phaethon  ge-  2,  39  dy.iO.iy.zoio  —  Klvuivoio  und  2,  260  K).v- 

nannt,  Hesiod.  b.  Eustath.  1689,  4,  wo  sie  auch  aivov  Xnaävsg;  Ov.  fast.   6,  757  und  Heinsius 

Tochter  des  Iphis  heifst,   Schol.  Od.  11,  326.  zu    der    Stelle.       Corp.    Inscr.    Gr.    409    (vgl. 

Müller,  Orchom.  257.  Buttmann,  Mythol.  2,  Müller,  Darier  1,  399).  1197.  1199.  1220. 
215  f.    Deimling,  Leleger  p.  134.     [Töpjfer,  Alt.       Unter  diesem  Beinamen  wurde  Pluto  besonders 

Geneal.  190,  256,  4.  258,  1.  R.]     [v.  M'ilamo-  t;o  in  Hermione  gemeinsam  mit  Demeter  und  Kora 

witz-Möllendorf,  Hermes  18  p.  423.     Drexler.]  verehrt,  vgl.  Preller,  Demeter  und  Persephone 

—  5)  Tochter  des  Kreters  Katreus,  zeugte  mit  57,3.  Arch.  Zeitg. 41  (1883),  225.  [Rohdc,  Psyche 

Nauplios   den  Palamedes,  Oiax.und  Nausime  195,2.  Dibbelt,  Quaest.  Coae  muthol.  Gryphisw. 

don,  Apollod.  2,  1,  5.  3,  2,  1.  2.     [Epit.  Vat.  1891.  S.  38ff.     Wide,  De  sacris  Troezen.    Her- 

ex  Apollod.  bibl.  ed.  R.    Wagner  22,  3.     Schol.  mionensium  etc.     Upsaliae  1888.    S.  45 ff.     R.] 

Eni:    Orest.    432    Bd.   1    p.   147   ed.   Sclnvartz.  [Bull,    de    Corr.   Hell.    13    18S9   p.   198   nr.  24. 

Drexler.]     Tztlz.   L.  384.    Preller,   Gr.    Myth.  wo    die    übrige    inschriftliche    Litteratur   ver- 

2,   128.    —    6)    Nymphe,    mit    welcher    Par-  zeichnet    ist.      Heydemann ,    Rh.    Mus.    1881. 


1229                     Klymenos  Klytaim(n)estra  (Namensform)    1230 

p.  465  f.     Drexler.]     Der  Tempel  daselbst  war  1,  8,  1.     Anton.    Lib.   transform.   2.     [Boulez, 

nach  Paus.  2,  35,  4  von  Blei,   de  pMl.,    d'hist.   et  d'ant.   3.      Bruxelles 

2)  KXvficvog,  dem  Solin  des  Phoroneus,  1842.  Hercule  chcs  Oene'e  p.  7.  Drexler.] 
undseinerSchwesterChthoniagegiüudet.  Schon  6)  S.  des  Schoineus  (Hyg.  f.  206)  oder  des 
Pausanias  erkennt  den  Zusammenhang  zwischen  Teleus  (Partiten,  erot.  13),  König  von  Arka- 
den angeblichen  Gründern  des  Tempels  und  dien,  oder  Argos,  erzeugt  mit  der  Epikaste 
den  darin  verehrten  Gottheiten,  er  sagt  ebd.  9  eine  Tochter  Harpalyke  (s.  d.);_er  verliebt  sich 
KXvyiavov  äh  ovy.  avägct  'Agyaiov  a/.&aiv  'iyaya  in  seine  Tochter,  und  durch  Überredung  der 
ig  'Egfiiöva  rjyovjica,  tov  ftaoi  äa  iczlv  Jjrt-  Amme  ovvagxazca  avzf/.  ,  Nachdem  er  sie 
%XrjOig  ovziva  a%ai  Xoyog  ßaaiXia  V7i6  yrjv  io  darauf  dem  Alastor,  einem!  Sohne  des  Neleus, 
alvat..  In  dem  Tempel  des  Klymenos  war  ein  zur  Ehe  gegeben,  eilt  er,  von  Reue  ergriffen, 
yrjg  £KGjia,  durch  welches  Herakles  den  Ker-  ihm  nach,  raubt  ihm  die  Harpalyke  und 
beros  heraufgeholt  haben  sollte,  vgl.  v.  Wila-  zwingt  sie,  ihm  weiter  zu  Willen  zu  sein. 
mou'itz.    Eurip.  Her.  2,  164.     S.  o.  Ohthonia.  Von    Hafs    erfüllt    wegen    dieser    Behandlung 

3)  Sohn  des  Kardys,  vom  Herakles  Idaios  tötet  sie  ihren  jüngeren  Bruder  (oder  ihren 
abstammend;  er  kommt  fünfzig  Jahre  nach  eigenen  mit  dem  Vater  erzeugten  Sohn,  Hyg. 
der  Deukalionischen  Flut  aus  Kreta  nach  /*.  206)  und  setzt  ihn  dem.  Vater  vor;  als 
Olympia,  wo  er  den  txymv  einrichtet  und  den  dieser  erkannte  was  er  gegessen  hat,  tötet  er 
Kureten  und  seinem  Vorfahren  Herakles  AI-  seine  Tochter  [Hyg.  f.  206.  238.  246.  253), 
t'äre  baut,  letzterem  unter  dem  Beinamen  20  oder  diese  wird  in  einen  Vogel  verwandelt, 
xagaozarrjg,  Paus.  5,8,1.  Endymion  macht  Partiten,  erot.  13.  Klymenos  tötet  sich  darauf 
seiner  Herrschaft  ein  Ende.  Auch  der  Altar  selbst,  vgl.  Hyg.  f.  242  Clymenus  ipse  sc  inter- 
der  "Hqu  OXvixni'a  wird  als  eine  Stiftung  des  fecit  quod  cum  fdia  coneubuerat.  Ein  Ano- 
Klynienos  bezeichnet ;  Paus.  5,  14,  8.  Wegen  nymus  ( Myth.  gr.  S.  348.  Paradox,  ed.  Westerm. 
seiner  Abstammung  aus  der  Stadt  Kydonia  S.  222)  läfst  die  Tochter  vor  der  Verübung 
in  Kreta  wird  das  Heiligtum  der  'Aftrivä  Kv-  der  Blutschuld  verwandelt  werden  (rpavyovaa 
onvta  in  der  Stadt  Phrixa  (Pisatis)  gleichfalls  x'ov  xov  nazgog  ä'goiza  y.az'  iXeov  A&nv&g  slg 
auf  ihn  zurückgeführt,  Paus.  6,  21,  6.  yXavy.cc  ,us  rtij.0Q(pa&rj)  ■  derselbe  versuchtauch, 

4-)  S.  des  Orchomenos.    Dieser  hatte  drei  wie  es  scheint,  indem  er  Klymenos  König  von 

Söhne,  'AonXnöäv  Klvpavög  xa  v.ai  'AticpiSoxog  30  Phokis  sein  läfst,  eine  Verschmelzung  zwischen 

&aoaidtjg,    nach  Hcsiod.  fr.   190   oder   Kattim.  Klymenos   nr.  6  und  4  herzustellen.     Vgl,  ob. 

fr.  an.  304.    Eustath.  ad  Hom.  272,  18.    Steph.  Bd.  1  Sp.  1837. 

Byz.  ethn.  135,  13;   vgl.  Theokr.  16,  105  und  7)  S.  des  Herakles  und  der  Megara,  eins 
Schol.      Klymenos,    König    von    Orchomenos,  der  Kinder,  die  vom  Vater  im  Wahnsinn  ge- 
wird   von    einem    Thebaner     (Perieres,     der  tötet  werden;    Pherekydes    (bei    Schol.    Find. 
Wagenlenker  des  Menoikeus,  nach  Apollod.  2,  Istlim.  4,  104)   nennt  Antimachos,   Klymenos, 
4,  11)    in    Onchestos    im   Hain    des    Poseidon  Glenos,  Therimachos,  Kreontiades. 
(J|  ccpoguf/s  fuv.päg  eis  aitav  arvuov  nQotxi&av-  S)  S.  des  Helios,  Vater  des  Phaethon  (die 
zag,    Paus.   9,  37,  1)    durch    einen    Steinwurf  Mutter  ist  Merope),  Hyg.  f.  154. 
getötet.      Dafür    nimmt    sein    Sohn    Erginos  40  9)  Gefährte   des  Phineus,    Ov.  Met.  5,  98; 
Bache    an    den    Thebanern    und    legt    ihnen  er  tötet  den  Hodites  im  Kampf. 
Tribut  auf,    den    sie   zahlen,    bis    sie   endlich  10)   Auf    der    Meidiasvase    ist    einer    der 
von  Herakles  befreit   werden.     S.   0.  Erginos  Jünglinge    Klymenos    benannt.      Nach    Arch. 
und   Arch.  Zeit.    1875    S.  20.     Nach  Apollod.  Zeit.  12  (1854)  S.  302  wird  dies  als  Appellativ 
2,  4,  11  wird  Klymenos  nur  verwundet;    r/ui-  des  Tkeseus  aufgefafst.    Die  Deutung  der  Vase 
&vr,g   stg  'Ogxöfiavov   -/.ouic&alg   iniG*r\Tizii   za-  ist  noch  nicht  mit  Sicherheit  gefunden. 
Xivz&v  'Eqyivtp    xth    7iKiäi    av.äiy.rjaca   xov    &d-  11)     Plin.   n.  h.    25,  70:    clymenus    a    rege 
vazov  avxov.    Nach  Schol.  Apoll.  Bh.  1,  185  ist  herba  appellata  est,    es  wird   vielfach  zu  Hei- 
dieser  Klymenos  Sohn  desPresbon;  Paus. 9, 37,  lungen   benutzt,   z.  B.   um    suspiria  zu   heilen 
1  vermittelt  zwischen  diesen  beiden  Überliefe-  so  (ebd.   20,   41)   u.  a.  m.,     Plin.   n.  h.    26,   77. 
rungen,    indem   er   erzählt,    dafs   Orchomenos  111.140.   —   12)  Argonaut;    Vol.  Fl.  1,  369  (= 
ohne    Kinder    zu    hinterlassen    gestorben    sei,  Klytios  6;  s.  d.).   —  Vgl.  noch  Klymene    und 
und  so  sei  die  Herrschaft  an  Klymenos,  S.  des  Periklymenos ,    Dibbelt,     Quacst.      Coae    myth. 
Piesbon,  (der    von    Phiixos    abstammt)    über-  Greifswald  1S91  S.  36.     [Engelmann.] 
gegangen.      Seine    Gattin    heilst   nach    Schol.  Klysonyraos    oder    Klytouymos    s.    'Kleso- 
Apoll.  Bh.  1,  185  Bov^vyi],  T.  des  Lykos,  oder  nymos'.     [Stoll] 

Budeia,  Eustath.  ad  Hom.  1076,  26.   Schol.  II.  Klytainiestra  =  Klytaimnestra  (s.  d.). 

16,  572;    vgl.    0.  Müller,   Orchomenos   S.  185.  Klytaim(ll)estra  (KXvxain[v]riazgct). 

Seine  Sühne  heifsen  Erginos,  Stration,  Anhon,  ,     _.     _,            ,        KT 

d  i„„          1    a                   \     ti         n    n~.    i        i  1.    Die  Form  des  Namens. 

Pyleos  und  Azeus,    nach  Paus.  9,  37,  1,    als  go 

Töchter    werden    genannt    Eurydike,    Nestors  Die    Schreibweise    KXvxaipriGzQu    findet 

Gattin   (Hom.  y  452   npeeßa   KXvfiivoio    Qvya-  sich  nach  den  Untersuchungen  von  P.  N.  Papa- 

xqöiv)  und  .Axia   (nach   dieser   ist   eine    Stadt  georgios,    Scholia    in   Soph.    trag.    vct.    p.  106 

bei    den    ozolischen   Lokrern   genannt,    Steph.  durchgängig  im  codtx  Laurentianus,  sowohl  in 

Byz.  ethn.  102,  2  s.  v.  'A^ia).     Vgl.  noch  Find.  den  Schollen  als  auch  im  Text  des  Sophokles 

Ol.   4,  21    KXvuivoto   aalSa;    Kallim.  fr.   197  (El  1368.  1473)  und  des  Aischylos  (Agam. 84. 

'EgyLvog  KXvixivov  fijo^os  av  czaSico.  245.    251.   563.       Choeph.    875.      Eum.    116  K.). 

5)  S.  des  Oiueus  und  der  Althaia,  Apollod.  Auch   Wecklein  schreibt   so  in  seiner  Ausgabe 


1231  Klytaim(n)estra  (Name)  Klytaim(n)estra (Eltern, Gatten, Kinder)   1232 

des  Aischylos;  s.  ferner  C.  I.  G.  4,  7701  =  Furt-  praef.  ad  Bygin.  fab.  51.     Die    altlateinisehe 

tuängler,  Berliner  VasenJcatalog  2184;  C.I.G.  Form  Cliteministra  führt  AI.  Schmitz,  Rhein. 

3,  6195  =  Kaibd,    Inscr.    Gracc.    Ital.   930;  Mus.  18  (1863),  130  aus  den  notae  Tironis  ac 

doch  giebt  letzterer  KXvzz urjozga  au.     Auf  Senecae  an.     Die    etruskische  Form    ist  Clu- 

einem  Skyphos  aus  Boiotien,  abgebildet  itprja.  thumustha,    Clutumsta    oder    Clutmsta, 

ag%.  3  (1887),  pinax  5,  1  liest  man  vier-  resp.  Fabretti  2156.  305.     Rathgeber  bei  Ersch  und 

fünfmal     KXvzaiprjCzga  ,     vgl.    Kumanudcs  Gruber  s.  v.  Orestes  p.  114  und  Antn.  64.    Ger- 

a.  a.  0.  rf.  73.     Auch  bei  Philodem,  de  rhetor.  hard,  Etrusk.  Spiegel  3,  221  Taf.  238.    Gesam- 

4  Col.  37  steht,  -wie  Spengel,  Abhdl.  cl.  philos.-  meltc  Abb,  1,  130  und  Anm.  168.  373,  6.    Over- 

philol.  Kl.  d.  K.  Bayr.  AI:,  d.  Wiss.  3  (1840),  10  becle  a.  a.  0.  703  f.    Corssen,  Über  die  Sprache 

294    bemerkt,   KXv  rat  uriazga.   und   Spengel  der  Etrusker  1,  828  f.    2,  5.    56.  88.  103.  119. 

hätte    nicht    a.   a.    0.     p.   243    KXvzaipvr)<szgix  127.   205.    257.   312     330.   335.    359.   375.   377. 

schreiben  sollen;  ähnlich  Klvzaip iotga  Ger-  409.491.    S.  Bugge,  Beiträge  zur  Erforsch,  der 

hard,  Etrusk.  und  campan.  Yasenbilder  Taf.  24.  etrusk.  Sprache  23  =  Etrush.  Forsch,  u.  Stud., 

Overbeck,   Bildioerke    zum   theb.    und    troisch.  herausg.  v.  Deeckei,  23.    Clutumita  Fabretti 

Heldenkreis    695    nr.   24.      Monum.    inediti    8  2549.    Gerhard,  Etrusk.  Spiegel  3,  221  Taf.  237. 

taf.  15,  1.     Bulletino  1865,   2 15.     Ferner  steht  Gesamm.  Abh.  1,  137.     Corssen  a.  a.  0.  1,  829. 

KXvzaiueazga   auf  der   1888   in   Capua   gefun-  2,  205. 

denen,  jetzt  in  der  Sammlung  van  Brantecihem  „  ,_,,,  „  ,.  , 
in  Brüssel  befindlichen  Vase  des  Xenotimos,  20  2  Eltern.  Geschwister.  Gatten.  Kinder. 
W.  Fröhner,  Catal.  of  obj.  of  Greek  Ceram.  Klytaimestra  ist  Tochter  des  Tyndareos 
art.  exhibited  in  1888.  Printed  for  the  Bur-  —  daher  TvvSctgCg  Ew.  El.  60.  806.  Aristot. 
lington  fine  arts  Club  1888  nr.  10  =  Antike  pepl.2  (11)  p.  344  Bergk\  Ovid.  Trist.  2,  396. 
Denkm.,  herausg.  v.  Kais.  arch.  Instit.  1  (1891)  Ars.  am.  2,  408.  Iuvenal.  6,  657  (611).  Senec. 
Taf.  59  ob.;  vgl.  ebenda  p.  51.  Daher  scheint  Ag.  162.  306.  897;  TvvSaglg  marg,  Eur.  Hek. 
die  von  Papagcorgios  in  seiner  Dissertation  127S.  TvvSaglg  xogy,  Eur.  Iph.  Taur.  1319. 
KlvTuiur'ioTga  non  KXvzaifivrjazga  (Berlin  1885)  El.  13;  Adiuuva  (nur  Lacaena  beifst  sie  Senec. 
ausgesprochene  Ansicht,  dafs  erstere  die  alte  Ag.  736)  TvvSagig.  Eur  Iph.  Taur.  806. 
und  richtige  Form  des  Namens  sei,  uuzweifel-  TvvSags i'ct  7zcxig,  Eur.  Iph.  Aul.  1532 ;  Tvv- 
haft  richtig;  der  Name  hängt  entschieden  mit  30  Sageia  &vyäzr]g,  Eur.  Iph.  Taur.  5.  Or.  374, 
i.irj6og,  (irjdoiiai  zusammen,  vgl.  Etym.  M.  vgl.  Hör.  sat.  1,  1,  100  fortissima  Tyndari- 
521,  17.  Etym.  Gud.  329,  15  n<xga  zb  y.Xvzov  darum;  im  Etym.  M.  282,  6  wird  man  unter  al 
xal  to  g.rjötü  zb  cpgovzigai  (vgl.  KXvzofirjSrjg,  Twäagiäig  Klytaimnestra  und  Helena  zu  ver- 
no).vui;(jza>g).  Auch  die  Etymologieen  der  Dich-  stehen  haben  —  und  der  L  e  d  a;  vgl.  Aijäcts  ytvs-  . 
ter  weisen  daraufhin:  i^riaazo  z'gyov  äfotf's,  fi-Xov,  Aesch.  Ag.  878.  Eur.  Iph.  Taur.  686. 
Hont.  Od.  11,  429;  in'  üvdgl  zovz'  ijArjoazo  110*6  (vgl.  inclitum  Ledae  genus  Senec.  Ag.  125. 
azvyog,  Aesch.  Choeph.  988;  vgl.  das  Verbum  Ledä  sota  ebend.  234);  Ar]Sag  i'gvog,  Eur.  Iph. 
v.Xvzaitivfjaca  Etym.  Gud.  390,  öS.  Sonst  fin-  Aul.  116.  Ar]Sag  v.ogri,  Eur.  Iph.  Aul.  856. 
den  sich  noch  folgende  Formen:  KXvzifi-  Iph.  'Taur.  210.  Ar/dag  dvydzrjg,  Eher.  Iph. 
vsozgu  C.  I.  G.  4,  8419.  Overbeck  a.  a.  0.  10  Aul.  1345.  —  Born.  Od.  24,  199.  Aesch.  Ag.83. 
679  nv.2.  KXvzou,vr}Gzga  Etym.  Gud.  329,  16.  Eur.  Iph.  Aul.  50.  593.  827.  1031.  1155.  Or.  497. 
Etym.  M.  461,  30.'  KXvzoßr}azgce  ebenda  521,  El-  116.  989.  Bellanikos  im  schol.  Eur.  Or.  1648. 
18.  Die  von  Papadopulos-Kerameus  aus  Apollod.  Apollod.  3,  10,  6.  Tzctz.  Lyk.  511.  Dio  Chrysost. 
frgm.  Sobb.  f.  119.  Rhein.  Jltis.  46  [1891]  or.  11  p.  .324.  Hygin.  fab.  77.  78.  80.  Auf 
175  notierte  Form  KXnzai  uv borget  lautet  falscher  Überlieferung  oder  einem  Versehen 
nach  der  neuen  Kollation  von  Diels,  Rhein.  des  Hyginus  beruht  es,  wenn  er  sie  fab.  240 
Mus.  a.  a.  0.  618  KXvztxiy..vr)ezga.  Auch  im  Thestii  filia  nennt.  Ihre  Geschwister  -waren 
Lateinischen  hat  man  die  Verbindung  von  aufser  den  Dioskuren  (s.d.)  und  der  Helena 
mn  gemieden;  lieius  Andronicus  v.  11  p.  2  (s.  d.)  Phoibe,  Eur.  Iph.  Aul.  50;  Timandra, 
Ribbeck  gebrauchte  (Tu(y)ternestra  mit  kurzer  50  die  Gemahlin  des  Echemos,  Hesiod  im  Schol. 
drittletzter  Silbe,  die  tich  sogar  uoch  bei  Eur.  Or.  249  (fr.  117).  Apollod.  3,  10,  6.  Paus. 
Auson.  epitapli.  her.  1  (218),  p.  73  Peipcr  findet;  8,  5,  1.  Tzetz.  Lyk.  511.  Serv.  Verg.  Aen.  8, 
so  haben  auch  bei  Rhet.  ad  Berenn.  1,  10,  17.  130;  Phylonoe  (Philonoe),  Apollod.  a.  a.  0. 
16,  26.  Quintd.  2,  17,  4.  3,  11,  4  Cic.  de  Vase  des  Xenotimos;  vgl.  Robert.  Arch.  Anz. 
off.  1,  31,  114  (vgl.  Heine  z.  d.  St.).  Iuvenal.  1889  143;  ferner  Athenag.  suppl.  pro  Christ.  1. 
6,  656  (611  Ribbeck).  Sergii  explan,  in  Donat.  Ihr  Gemahl  ist  Agamemnon,  Hom.  II.  1,  113. 
bei  Keil,  Gram.  Lat.  4,  490,  21.  Sencca  Agam.  Od.  3,266.  11,422.  Aesch.  Ag.  246.  578.  Eur. 
p.  212.  215.  220.  236  cd.  Lto  not.  crit.  die  Iph.  Aul.  50.  417.  820.  El.  1018.  Iph.  Taur.  22. 
besten  Handschriften  das  n  nicht.  Meister  in  Or.  20.  71.  Andr.  884.  Apollod.  a.  a.  0.  Bio 
der  Ausgabe  des  Dietys  und  Thilo  und  Hagen  co  Chrysost.  or.  11  p.  327.  or.  15  p.  466.  Hygin. 
in  der  des  Servius  (Verg.  Aen.  3,  331.  4,  471.  /'.  78.  117;  ihm  gebiert  sie  die  Chrysothemis 
8,  130.  11,  267.  268)  schreiben  gleichfalls  (s.  d.),  die  Elektra  (s.  d.),  den  Orestes  (s.  d.) 
Clytemestra,  s.  Ritschi,  Opusc. philol.  2,  497 f.  und  die  Iphianassa  und  Iphigeneia  (s.  d.) 
502.  Hibbeck  in  Fleckeisens  Jahrb.  77  (1858],  Wie  Iphigeneia  Tochter  des  Agamemnon  und 
195  =  Ritschi  a.  a.  0.  517:  „Vielleicht  ist  das  der  Chryseis  heilst  (Bd.  1  Sp.  902  Z.  18  ff.)  oder 
n  uie  von  einem  römischen  Schriftsteller  ge-  als  Tochter  des  Theseus  und  der  Helena  be- 
braucht worden."  S.  Flcckeisen,  Fünfzig  Artikel  zeichnet  wird,  die  Klytaimestra  ihrem  Gemahl 
für  lat.  Rechtschreibung  p.  13  u.  vgl.  M.  Schmidt  untergeschoben    habe    (Bd.  1    Sp.  1935,  19  ff. 


1233        Klytaim(n)estra  (in  Aulis)  Klytaim(n)estra  (in  der  Telephossage)    1234 

Bd.  2  Sp.  302,  1  fF.     Wilamowite  im  Hermes  18  Caere,  Gerhard,  Etrusk.  Spieg.  4,  5  p.  4  Taf.  385, 

[1883],  258  ff.),    so   berichtet  Servius  ad  Verg.  vgl.  Arch.  Anz.  1864,  287  mit  den  Inschriften 

Aen.  11,  268,   Orestes  sei  der  Sohn  des  Mene-  Talmithe  (Palamedes),  Clumsta,  Uthste  (Odys- 

laos  und  der  Helena  gewesen.     Eine  offenbar  seus),    Menle    (Menelaos)    stellt  nach  Gerhard 

erst    von    Euripides    (Iph.  Aul.  11 50  ff.    Eust.  a.  a.  0.  34  vielleicht  „die  um  das  Leben  ihrer 

ad  Hom.  Od.  1693,  12.    Schal  Hom.  Od.  11,  430)  Tochter    besorgte,   bei   dem    erfahrenen   Pala- 

erfundene   Sage   läfst   die  Klytairnestra   zuerst  medes   Rat  und   Hilfe    suchende    Klytaimestra 

mit  Tantalos,  dem  Sohne  des  Thyestes  oder  dar",    während   Odysseus    und   Menelaos    sich 

des    Broteas    (Gerhard,    Rhein.  Mus.  8  [18511,  über   das   Opfer    der  Iphigeneia   verständigen; 
130)  vermählt  sein,  Paus.  2,  22,  3;   aber  Aga-  10  eine  Vase  aus  Caere  mit  denselben  vier  Figuren, 

memnon   tötete   den  Tantalos   und   eutrifs  der  Brunn    im   Bulletino  1865,  243  f.     Auf   etrus- 

Klytaimestra  ihren  mit  jenem  gezeugten  Sohn,  kischen  Aschenkisten   (beschrieben   von  Schlie 

Ew.  a.  a.  0.     Paus.   2,    18,  2.    In   dem   neu-  a.  a.  0.  60  ff.),    wo   das   Opfer   der  Iphigeneia 

gefundenen    Fragment     Sabb.    des    Apollodor  dargestellt  ist,   findet  sich  Klytaimestra  meist 

(Rhein.    Mus.   46,    166)  'Ayuuifivtov    ...   yauei  knieend   und   die  Arme   flehend    ausstreckend, 

TvvdcxgEco  frvyavzQa  Klvraiuvrjßzgav,  zov  npö-  so  nr.  6  (vgl.  Braun,    II  sacrifizio    d' Ifigenia, 

tsqov  avzfis  avSoa   Tavzalov  Qviazov  avv  zcö  bassorilievo   d'urna  Etrusco   spiegato ,    Perugia 

naidl  xTSLVcivTog  wird  xrsivag   zu  schreiben  1840.      0.  Jahn,    Das    Opfer    der    Iphigeneia, 

sein.   Von  den  Dioskuren  bedrängt  (Bd.  1  Sp.  91  arehäol.  Beiträge  392.     Overbeclc,  Bildwerke  des 

Z.  61  ff.    Sp.  1162   Z.  38  ff.)   wird  Agamemnon  20  thebischen  u.  troischen  Heldenkreises  323)  nr.  7, 

von  Tyndareos    geschützt.    Eur.    1155  f.;   und  10.   15.   16.   18.  19.  20.  21;  dagegen  ist  sie  auf 

dieser  giebt  ihm  die  Klytaimestra  wider  ihren  nr.  15  und  17  stehend  dargestellt. 

Willen  zum  Weibe,  Eur.  1149;    ähnlich  heifst  Über     die     liolle     Klytaimestras     in     der 

es  bei  Bio  Ghrys.  or.  11   p.  325.    er.  61  p.  316,  Telephossage  sind  die  litterarischen  Quellen 

Agamemnon  habe    die   Klytaimestra   nur    aus  höchst  dürftig.    Hygin.  fdb.  101  erzählt,  Telc- 

Furcht  vor  den  Dioskuren  geheiratet  (s.  unten  phos,  von  Achilleus  in  der  Schlacht  am  Kaikos 

Sp.  1239  Z.  29ff.).  verwundet,  kommt  auf  die  Antwort  des  Orakels, 

_     _.,        .                  .                      „  dafs   ihn    nur   derjenige,    der   ihn    verwundet, 

3.    Klytaimestra  m  Aulis.     Rolle  in   der  heilen    k8nnej    zu    Agamemnon    und    ergreift 

Telephossage.                             30  monjtu  Cly temnestrae  den  kleinen  Orestes 

Nach    der    Entfahrung    der    Helena    durch  mit  der  Drohung,  ihn  zu  töten,  wenn  er  nicht 

Paris  schickte  sie  durch  Palamedes,  Menelaos  Heilung  erlange ;  offenbar  stammt  diese  Version 

und  Odysseus   dieser  einen  Brief,  um  sie  zur  der  Sage    aus    dem   Telephos    des   Euripides, 

Rückkehr    zu    bewegen,     Tzetz.  proleg.  Alleg.  s.  0.  Jahn,    Telephos   und    Troilos   21  f.;    die 

Iliad.    405 ;     während    der    Abwesenheit    des  Schrift  von  C.  Pilling,  Quomodi  Telepld  fabu- 

Menelaos    und    der    Helena    nimmt    sie    sich  lam  et  scriptores  et  artifices  reter  es  traetaverint, 

deren  Tochter   Hermione    an,    Eur.   Or.  1310.  Halle  1S86,   habe   ich  nicht   einsehen  können. 

Als    die    Griechen   in  Aulis    durch    den  Zorn  Nach    Jahns  a.   a.   0.,    von    Overbeclc  a.  a.  0. 

der  Artemis  zurückgehalten  werden,  wird  sie  298,  Anm.  14.  301  gebilligter  Ansicht   ist  das 

durch     einen    Brief   Agamemnons    (Eur.    Iph.  40  Einverständnis  der  Klytaimestra  mit  Telephos 

Aul.  99.   361)     oder    durch     Odysseus    (Tzetz.  und  ihr  Rat    (ävaaaa  npüyovg   zoväs  v.ai  ßov- 

Anteh.  194,  vgl.  DictysX,  20.    Eur.  Iph.  Taur.  Xevtiarog  heifst  sie  bei  Eur.  fr.  704)  aus  dem 

25)  oder  durch  Odysseus  und  Diomedes  (Hygin.  Schmerz    und    dem    Rachegefühl    wegen    der 

/'.  98)    oder    durch    Odysseus    und    Talthybios  Opferung    ihrer    Tochter    zu    erklären;     nach 

(Apollod.  epit.  Vat.  17,  8  =  frgm.  Sabb.  Rhein.  Vater   (Untersuchungen    über   die   dramatische 

Mus.    46,    168)    aus    Argos    (Eur.    Iph.    Aul.  Poesie  der  Griechen  54  ff. ,    vgl.  Schlie  a.  a.  0. 

112.    328)    unter    dem    Vorwahl,    Iphigeneia  58)   ist    diese  Verabredung  Klytaimestras   mit 

solle    an   Achilleus    verheiratet   werden   (Eur.  Telephos  daraus  zu   erklären,    dafs   das  Opfer 

Iph.   Aul.  100.    364.      Sophokles    bei     Plwtius  der  Iphigeneia  wohl  gefordert,  aber  noch  nicht 

p.  410,  10    und   Suidas  s.  v.  res v&spos,   So2>h.  so  vollstreckt   sei  und  Klytaimestra   hoffe,   Tele- 

El.  1020  ff.)  samt  der  Tochter  nach  Aulis  ge-  phos  werde  die  Griechen,  auch  ohne  dafs  das 

lockt,  Eur.  Iph.  Aul.  417.  593.  Nach  einigen  der  Opfer    vollzogen    werde,    nach    Troia    führen, 

erwähnten  Stellen  (Apollod.  a.  a.  0.  Eur.  Iph.  Auf  Kunstwerken,    fast    durchgehends    etrus- 

25)  begleitet  sie  jedoch  die  Tochter  nicht.    Die  kischen    Aschenkisten     mit    Ausnahme     eines 

Ankunft  Klytaimestr-as  mit  Iphigeneia  und  dem  Vasenbildes    (Miliin,    Gal.    Myth.   163,    610. 

kleinen  Orestes  im  Griechenlager  nach  des  Euri-  Overbeclc  a.  a.  0.  299.    0.  Jahn,  Arch.  Zeit.  15 

pides  Iphigeneia  in  Aulis  sowie  spätere  Scenen  [1857],  93)    und    eines    silbernen    Trinkhornes 

aus  diesem  Drama  sind   dargestellt  auf  einem  aus   Kertsch   (Antiquites    du   Bosphore  Cimme- 

boiotischen  Skyphos  !qp>jfi.  üo%.  3  (1887),  pin.  rienpl.  36;  Arch.  Zeit,  a,  a.  0.  Taf.  107, 1  u.  Jahn 

5,  1,  vgl.  Kumanudes  a.  a.  0.  70  ff.    Robert  im  co  ebenda  p.  91  f.;  vgl.  Baumeister,  Dcnkm.  172G), 

Arehäol.  Anz.  1889,  119.     Agamemnon  will  ihr  tritt  Klytaimestra   zwischen  Agamemnon  und 

alles  verheimlichen,   bis   das   Opfer  vollzogen  den   von    ihm    mit    dem    Schwerte    bedrohten 

sei  (Eur.  Iph.  Aul.  539),  und  sie    daher  nach  Telephos,  Schlie  a.  a.  0.  41  ff  nr.  5.  6.  8.  13, 

Argos  zurücksenden,  ebend.  731.  743,  doch  sie  14.    11;     letzteres     Monument     ist    abgebildet 

weigert  sich  entschieden  732  ff.     Über  Klytai-  Rochette,  Man.  ined.  pl.  67,  2.    Overbeclc  a.  a.  0. 

mestra    in    Aulis    s.  Friedr.  Schlie,   Die  Dar-  Taf.  13,  11.     Baumeüter  p.  1726  nr.  1808;    in 

Stellungen  des  troischen  Sageri/creises  auf  e'rus-  ähnlicher  Weise    umschlingt    sie   den   anstür- 

kischen   Aschenkisten  78  ff.      Ein    Spiegel    aus  menden    Agamemnon   mit    beiden   Armen  auf 


1235    Klytaim(n)estra  (u.  Aigisthos)  Klytaim(n)estra  (b.  Mord  d.  Agarn.)     1236 

einer    späten    "Vase    aus    Curnä;    Heydemann,  liefs  nur  seine  Entfernung  zu,  Eust.  ad  Hom. 

Keapler  Vasenkatalog,  Eaccolta  Cumana  nr.  141  Od.  1466,  62  ■ —  gebracht,  folgte  sie  ihm  willig 

p.  852.  Arch.  Zeit.  a.  a.  0.  Taf.  106.  Bau-  (s&ilovaa)  in  sein  Haus,  Od.  3,  270ff.  Athen.  1, 
meister  p.  1725  nr.  1S07;  abg.  Fiorelli,  Vasi  14b.  Auf  einem  Krater  (ob  echt?)  im  Museum  zu 
cumani  14.     Bull.  Kap.  N.  S.  5,  10,  18.     Auf      Neapel  ist  eine  Liebesscene  zwischen  Aigisthos 

manchen  Reliefs    ist   sie    sogar    in   die   Kniee  und  Klytaimestra  dargestellt. — Homer  entschul- 

gesunken   und   sucht   fufsfällig  ihren  Gemahl  digt  (vgl.  Robert  a.a.O.  163)  gewissermafsen  den 

zurückzuhalten,    Sehlie    a.    a.    0.    nr.    12.    15.  Treubruch  der  Klytaimestra:  ozs  Sri  g.iv  Mo ipu 

16.    17;    letzteres    bei    Overbeck     Taf.     13,     6.  &säv  iniärios  daufivat,  Od.  3,  269,  vgl.  Aisch. 

Auch  bei  der  Heilung   des  Telephos  erscheint  io  Choeph.  903.  —  Hesiod  (fr.  117)  und  Stesichoros 

Klytaimestra,  Arch.  Zeit.  7  (1849),  Taf.  8.  Sehlie  fr.  26  Bergki  216,  vgl.  Pnws.  3,  15,  11  erzählten, 

a.  a.  0.   p.  46  nr.  18..    Overbeck   a.   a.    0.  307,  dafs  Aphrodite  aus  Zorn  über  ein  von  Tynda- 

vgl.  Jahn,    Die  Heilung   des   Telephos,  Arch.  reos  vergessenes  Opfer  dessen  Töchtern  üblen 

Zeit.  a.  a.  0.  p.  83:  „Sie  erhebt  die  Hand  mit  Ruf  geschaffen  (vgl.  Eur.  Or.  249  f.  541)  und 

einer  deutenden  Gebärde,  als  wolle  sie  den  sie  d'Lyaiiovg  te  -acu  zQiyäaovg  xal  kLTtsauvoQag 
erzürnten  Gemahl   durch   die   Hinweisung  auf      gemacht  habe. 

das    glückliche    Ende    versöhnen,    das    durch  Auch  an  der  Ermordung  des  Agamemnon 

ihren  gefährlichen  Rat  nun  doch  erreicht  sei."  hat  sie,    wenigstens  in   der  ältesten  Fassung 

Höchst  wahrscheinlich  war  Klytaimestra  auch  des  Epos,  keinen  Anteil,  sie  ist  „Mitwisserin, 

auf  dem  pergamenischen  Telephosfries  als  hei  20  aber  nicht  Mitthäterin  des  Mordes",   Wüamo- 

der  Heilung   des  Telephos   (Fragment    abgeb.  ivits,  Hom.  Unters.  154.    Robert  163.    Aigisthos 

Jcriirb.  d.  kais.  deutsch.  Inst.  2  [1887],  251,  F)  tötet  den  Agamemnon,  Hom.  Od.  3,  194.  303  f. 

anwesend  dargestellt,  vgl.  Eobert  a.  a.  0.  253.  4,  529  ff. ;  erst  in  der  Nckyia  und  den  späteren 

.     „     ,  „,.    .             ,  .    .   ,,                      ,    ,  Teilen  des  Epos  erscheint  sie  als  Teilnehmerin 

4.    Verhältnis  zu  Aigisthos.     Mord  des  des  Mordeg  (Aigisthos  mordet  den  Agamemnon 

Agamemnon.  ^    ovXopsvr)    äAojura,    Od.  11,  410,    vgl.  den 

Litteratur:  Wilamoicitz, Homerische  Unter-  [später  eingeschobenen]  Vers  4,  92:  äölco  ov- 

suchungen  154ff.    Die  beiden  Elektren,  Hermes  lon-svng    alb%oio.    11,  430:    ■x.ovQiSCta   z£v£,ctGa 

18(1883),    214  ff.      Schncideivin-Kauck,    Ein-  Tiöozitpövov.  24,  200:  -novQiätov  xzsivccou  nöoiv 

leitung   zu    Soph.  Elektro.     Robert.    Bild   und  so  24,  97:    Jiyio&ov    inö    %£oel    y.ctl    ovlo^ivrjg 

Lied  163  ff.    Aug.  Mau,  Zu  Euripides  Elektro,  ccX6%oio,  vgl.  Arist.  pepl.  1  (10)  p.  344  Be rgk  *. 

in  Commentat.  philol.  in  honorem  Theod.  Momm-  Dio    Chrysost.  or.  66  p.  349.      Sero,   ad  Yerg. 

senii  291  ff.    E.  Kahle,  Fabidae,  quae  de  caede  Aen.  3,  331.   4,  471.    Vell.  Paterc.  1,  1,  2.  Plut. 

Agamemnonis  et  vindieta  Orestis  feruntur  apucl  par.37.  Kalt  wendet  ( WilamowiU,  Hom.  Unters. 

Graecorum  poetas ,   quomodo   inter  se   differant  157  f.)  sie  sich  von  dem  sterbenden  Gatten  ab 

(Progr.  Gymnas.  Allenstein  1880).     Lauczisky,  und   drückt  ihm   nicht   einmal  die  Augen   zu, 

Die   Sage  von  Agamemnons    Ermordimg   und  Od,  11,  424  ff.     Dio    Chrysost.   or.  74    p.  401. 

dem  Rächer  Orestes   in   der  griechischen  Poesie  Unrichtig  (vgl.  Hom.  Od.  4,  532)  heifst  es  bei 

(Progr.   Gymn.   Nikolsburg  1887/88).     Crusius  Serv.  ad  Yerg.  Aen.  11,  267:  seeundum  Ho- 

bei  Erschu.  Grubcr  s.v.  Klyt.   Glaser,  Klytaem-  40  merum    Clytemestra   Agamemnoni    oecurrit 

nestra    in    der   griechischen    Dichtung    (Progr.  ad  litus  et  illic  cum  suseeptum  cum   adultero 

Gymnas.  Büdingen  1890)  und  die  das.  p.  11  Anm.  inter  epulas   oecurrit.     Über   Klytaimestra  als 

angeführte  Litteratur.   Wecklein,  Einleitung  zur  Mörderin  der  Kassandra   s.  ob.  Sp.  978,  20  ff. 

Oresteia.    Wide,  Lakon.  Kulte  333ff.  Auf  dem  Gemälde   des  Philostratos  2,  10,    wo 

Die  Schuld  der  Klytaimestra  ist  bei  Homer,  ausdrücklich  erwähnt  wird,  dafs  der  Mord  der 

wenigstens   in   den  ältesten   Teilen  des  Epos,  Kassandra  bei  Nacht   stattfand,    wird  Klytai- 

weit    geringer    als    im    Drama.      Agamemnon  mestra  folgend  .-nuafsen  geschildert :  £epzczr]ii£v 

hatte    vor    seiner    Abfahrt    nach    Troia    einen  itvzy  (Kassandra)  usza   rov  n£Xiv.sag   (lari-nbv 

Sänger  —  er   hiefs  Chariades    oder  Demo-  ßlinovan  xal  osaoßrjuivt]  rag  %aizag  ■nalrQct%£ia 

dokos    oder    Glaukos,    Eust.   ad   Hom.  Od.  50  zrjv  wXivtp;. 

1466,  55.  Schol.  Hom.  Od.  3,  267  und  war  von  Ganz  anders  ist  der  Charakter  der  Klytai- 
Agamemnon-  aus  Pytho  mitgebracht  worden,  mestra  bei  Aischylos  gezeichnet:  „die  von 
Demetrios  Phalereus  a.  a.  0.;  nach  Timolaos  Natur  gutartige,  aber  schwache  und  den  Ver- 
ebenda  (vgl.  Schol.  Hom.  Od,  1,  325)  war  er  führungskünsten  des  Aigisthos  nicht  gewachsene 
ein  Bruder  des  Phemios  —  an  die  Seite  Kly-  Frau,  die  bei  Homer  Klytaimnestta  ist,  wird 
taimestras  gestellt,  um  sie  zu  hüten  und  zu  umgewandelt  in  das  leidenschaftliche  von  Liebe 
wahren,  Hom.  Od.  3,  267  f.  Vielleicht  ist  der  und  Hafs  und  Eifersucht  bis  ins  Innerste  be- 
Augenblick, wo  Agamemnon  in  Gegenwart  wegte,  listige  und  thatkräftige  Weib",  Eobcrt 
der  Klytaimestra  dem  Sänger  seine  Weisungen  164.  Wie  Robert  170.  176  ff.  (vgl.  Wilamoieits , 
erteilt,  auf  einem  Relief  im  Vatikan  (llochette,  go  Hom.  Unters.  156.  Crusius  a.  a.  0.)  nach- 
Mon,  med.  1,  118  pl.  29,  1.  Ooerbeck  a.  a.  0.  gewiesen  hat,  ist  diese  Umgestaltung  des 
678  f.)  zu  erkennen.  Lange  sträubt  sie  sich  Mythos  auf  des  Stesichoros  Oresteia  (über 
gegen  des  Aigisthos  Werben:  cpoioi  -/erp  y.sxQtjz'  die  Oresteia  des  Xanthos,  des  angeblichen 
dyeid-fjBLv,  Od.  3,  266,  vgl.  Sencca  Ag.  110  f.  Vorgängers  des  Stesichoros  [Aelian,  «.  h.  4, 
lieuit  pudicos  eoniugis  quondam  toros  et  seeptra  26.  Athen.  12,  513  A.  Berglc*  p.  204]  siehe 
casta  vidua  tutari  fide.  Erst  als  Aigisthos  den  Robert  p.  173  ff.)  zurückzuführen.  Bei  Ai- 
SäDger  nach  einer  wüsten  Insel  —  er  wollte  sehylos  ist  nicht  (Ag.  1605  f.  1615)  Aigisthos, 
ihn  töten,  aber  Klytaimestra  verhinderte  es  und  sondern    Klytaimestra   die   Hauptthäterin   und 


1237     Klytaim(n)estra  (b.  Mord  d.  Agam.)  Klytairo(n)estra  (b.  Mord  d.  Agam.)      1238 

Hauptschuldige:  sie  stellt  den  Wächter  aus,  dem  Beil  in  der  Hand  auf  die  Thür  des  Bade- 
uni rechtzeitig  Agamemnons  Ankunft  zu  er-  gemachs,  in  dem  sich  Agamemnon  befindet, 
fahren,  Ag.  11.  26,  heuchelt  Freude  über  des  zueilend,  auf  einer  Kylis  im  Berliner  Museum, 
Gatten  Rückkehr,  Ag.  565,  schickt  ihm  einen  Fv/rtwängler,  Berliner  Vasenkatalog  2301.  Arch. 
Boten  entgegen,  er  solle  in  die  Arme  seiner  Zeit.  1854  Taf.  66.  Jahn,  ebenda  233.  Robert 
„treuen  Gattin"  (584),  eilen  (582  ff.),  begrüfst  p.'150.  178.  Ob  das  Vasenbild  (MiUin,  Peint. 
ihn  mit  verstellter  Herzlichkeit,  824  ff.  11 82 ff.  de  ras.  1,  58),  das  einen  jugendlichen  mit 
1194,  lockt  ihn  ins  Bad  (i'vvdoov  zsv%og,  doXocpc-  Helm  und  Schild  bewaffneten  Krieger  darstellt, 
rog  Xeßgg  1082 f.)  1501  und  umstrickt  ihn  durch  der  ins  Knie  gesunken  ist  und  auf  den  eine 
ein  unentwirrbares,  einem  Fischernetze  glei- 10  Frau  mit  einem  Beil  heranstürmt,  auf  Aga- 
chendes  Gewand.  Vgl.  änsiQov  ä/itpißXriazQOv,  memnon  und  Klytaimestra  zu  deuten  sei,  ist 
coaniQ  lyß vmv,  Ag.  1336.  uficpi'ßXriazaov,  Choeph.  ungewifs,  Overbeck  a.  a.  0.  680  nr.  3.  Bau- 
479.  äjirj%ctvov  ziyvrpiu  y.al  Svesv.Svzov,  Aesih.  meister,  D.  22;  auf  einer  Amphora  (Overbeck 
im  Schal.  Eur.  Or.  25  =  fr.  365 ;  iv  nsirXotoiv  Taf.  28,  4).  die  wahrscheinlich  hierher  gehört, 
Xaßovau  g,n%avr)ituxi,  Ag.  1081.  vcpctvzoig  sv  schwingt  Klytaimestra  ein  Stuhlbein  [oder  eine 
itinXoig,  Ag.  1551.  nociv  äzitincp  niQißaXovo  Mörserkeule?  Röscher]  gegen  den  von  einem 
vcpciGfiKzi,  Eur.  Or.  25.  äziogovi  ÖatääXco  Jüngern  Manne  (nicht  Aigisthos)  niedergeworfe- 
■tti nXm,  Euni.  624  f.  ■now.iXoig  ctyQsvu,ixoiv  ebend.  nen  und  mit  einem  Hackmesser  angegriffenen 
456  und  Schal.  ägayrng  iv  vrpciauazL,  Ag.  1454.  Agamemnon.  Overbeck  a.  a.  0.  p.  681  will 
1477.  äoXioig  ßooycov  egv-taiv,  Eur.  El.  154.  20  hierin  die  Version  der  Sage  erblicken,  nach 
ßovXivzoiaiv  sv  v.aXvfiuaaiv ,  Choeph.  481.  der  Klytaimestra  sieh  zum  Morde  Agamemnons 
niSaig  äyaXyisvzoLg ,  ebend.  480  und  Schol.  zg  der  Sklaven  oder  Gefangenen  bedient  habe, 
ctSit ^odsvzco  ic&ijzi  •  -noSivävzov  8goizr,g  v-azct-  und  sieht  eine  Andeutung  hiervon  bei  Soph. 
a-xrjvmfia,  ägy.vg  xal  noSiazggc-g  ztinXov,  Choeph.  El.  1351  f.  Ganz  sicher  ist  Klytaimestra  beim 
995  ff.  ivSvaaaa  zbv  avSqa  yizävct  navzc{%6%iv  Gattenmord  nur  auf  etruskischen  Reliefs  nach- 
vqictogivov,  loh.  Antioch.  fr.  25  Müller,  fr.  bist.  weisbar;  auf  einer  Aschenkiste  in  Paris  (abgeb. 
Graec.  4,  551  yizävcc  ayuga  nal  azoäyrfXov  Röchelte,  Mon.  med.  1,29.  Overbeck  Taf.  28, 3, 
Apolloä.  epit.  Tat.  23,  10  p.  75  Wagner  =  vgl.  p.  682.  Baumeister  p.  21  nr.  22,  vgl.  Schlie 
frgm.  Sabb.  f.  119.  Rhein.  Mus.  46  (1891\  a.  a.  0.  156  nr.  2)  ist  Klytaimestra  rechts 
175.  %izävcc  xscpuXrjg  v.ai  yjiQcöv  (fi>/Tf  30  durch  die  geöffnete  Saalthür  hereingestürzt 
yjiQmv  fi/jzs  TQctyi'iXov,  Tzetz.  Byk.  1099)  und  schwingt  über  ihrem  Haupte  eine  Fufs- 
ovk  iyovzu  t£o§ov ,  Schol.  rec.  Soph.  El.  194,  bank  gegen  Agamemnon,  der  in  das  netzartige 
vgl.  Thomas  Mag.  hgpoth.  Eur.  Or.  vestis  Gewand  verstrickt  mit  einem  Beine  auf  einem 
clauso  capite,  Serv.  ad  Verg.  Aen.  11,  267,  vgl.  Altar  kniet,  während  von  links  Aigisthos  mit 
Seneca  Ag.  888  ff.  —  Sie  versetzt  ihm  dann  mit  dem  Schwerte  heranstürmt  und  ihn  bereits 
dem  Beil  (Kväpottagg  TtsXtiivg  von  ihr  selbst  am  Haupte  ergriffen  hat;  eine  ähnliche  Dar- 
genannt, Choeph.  882,  vgl.  Pind.  Pyth.  11,  20  Stellung  auf  einer  Urne  aus  Chiusi,  Annali 
[30].  Arist.  Thesmoph.  "560  und  Schol  Soph.  1868,  tav.  flagg.  N.  Schlie,  ebend.  331  ff. 
El.  99.  485.  Eur.  El.  160.  279.  1159  f.  Sek.  Conestabile  im  Bulletino  1865,  257,  vgl.  Bau- 
1279.  Lylcophr.  1105.  Philostr.  a.  a.  0.  Borat.  40  meister,  D.  p.  21;  etwas  abweichend  die  zwei 
sat.  1,  1,  99.  Iuvenal.  6,  657.  Seneca  Ag. 46.  Reliefs  bei  Overbeck  p.  683.  Schlie,  Darstell. 
897.  Robertzt.  177)  zwei  Schläge  auf  das  Haupt,  d.  troischen  Sagenkr.  p.  155  nr.  1  und  p.  156 
Ag.  1338.  1297.1458.1482.1490.  Choeph.  304;  nr.  3,  wo  Klytaimestra  den  auf  einer  Kline 
dem  zu  Boden  gestürzten  giebt  sie  noch  beim  Festmahl  liegenden  und  von  Aigisthos 
einen  dritten  Schlag,  xov  y.aza  y&ovbg  "AiSov  mit  dem  Schwerte  bedrohten  Agamemnon 
vexamv  ocazfjQog  Bvv.zaicev  jff'piv,  Ag.  1340  f.  gleichfalls  mit  einer  Fulsbank  angreift.  Auf 
Schon  Stesichoros  hatte  die  Kopfwunde  des  dem  Gemälde  des  Philostratos  2,  10  ist  Aga- 
Agamemnon  erwähnt,  fr.  42.  Robert  p.  171;  memnon  von  Klytaimestra  bereits  getötet, 
ebenso  Soph.  El.  99.  Eur.  Or.  497.  Dafs  Kly-  Dem  toten  Gemahl  liefs  Klytaimestra  Arme 
taimestra  den  Agamemnon  im  Bade  ermordete,  00  und  Füfse  (oder  den  Kopf  Achill  Tat.  1,  8) 
sagt  Aischylos  auch  Eum.  457.  623.  Choeph.  abschneiden,  um  ihn  an  der  Rückkehr  aus 
478.  1068.  Soph.  El.  445.  Eur.  Or.  367.  El.  157.  dem  Grabe  zu  hindern  und  ihm  die  Rache  un- 
1148.  Lykophr.  1108  und  Tzetr..  z.  d.  St.;  da-  möglich  zu  machen,  Aesch.  Choeph.  427  und 
gegen  tötet  sie  ihn  beim  Mahle  nach  Soph.  El.  Schol.  Soph.  El.  445  und  Nauck  z.  d.  St.;  vgl. 
195  und  Nauck  z.  d.  St.  203.  284.  Bio  Chrysost.  Suchier,  Über  d.  ethische  Bedeutung  d.  Sophokl. 
or.  74  p.  401.  Iuvenal.  8,217.  Serv.  ad  Verg.  Tragödie  Elektro,  Progr.  Gymnas.  Rinteln 
Aen.  11,  267,  vgl.  Senec.  Ag.  885;  oder  beim  (1885)  p.  9 f.;  nach  Schol.  A'seh.  Eum.  457 
Opfer,  Hyg.  f.  117,  vgl.  Bio  Chrys.  und  Serv.  liefs  sie  seinen  nackten  Leichnam  den  Bürgern 
a.  a.  0.  Ausnahmsweise  wird  in  der  Tragödie  zeigen,  vgl.  die  Prophezeiung  der  Kassandra, 
Aigisthos  als  Mithelfer  beim  Morde  be-  00  Eur.  Troad.  446  f.,  Agamemnon  werde  schmäh- 
zeichnet, Eur.  El  10.  87.  124.  165.  319.  599.  lieh  des  Nachts  bestattet  werden,  vgl.  Aesch. 
763.  869.  885.  914  ff.  Soph.  El  587  f.,  vgl.  34.  Ag.  1513.  Als  Motiv  zur  That,  deren  sie  sich 
358.816.955.  Senec.  Ag.  884;  andere  Stellen,  soaar  rühmt  (Aesch.  Ag.  1348.  1511  f.)  be- 
wo  nur  Klytaimestra  als  Mörderin  bezeichnet  zeichnet  Pind.  Pyth.  11,  22  (35)  entweder 
wird,  sind:  Eur.  Andr.  1027.  Iph.  Tanr.  552.  Schmerz  über  die  Opferung  der  Iphigeneia 
Soph.El.125.  Eur.  ElAOSS.  Theodektesh.  Arist.  oder  ihre  verbrecherische  Liebe  zu  Aigisthos 
Rhet.  2,  24  fr.  5  p.  624  Nauck.  Dargestellt  ist  (oder  Eifersucht  auf  Kassandra,  vgl.  Eur. 
Klytaimestra,  in  wilder  Hast  und  Aufregung  mit  El   1032.     Athen.   13,  556c).     Bei    Aischylos 


1239       Klytaim(n)estra  (ihr  Tod)  Kly(airn(n)estra  (ihr  Tod)        1240 

tritt  der  Rachegedanke  vollständig  in  den  (El.  28)  und  will  der  Tochter  bei  dem  von  ihr 
Vordergrund,  Agam.  1486  ff.  1514,  vgl.  Sopli.  geheuchelten  Wochenbett  beistehen,  El.  652. 
El.  531  ff.  592;  die  ehebrecherische  Liebe  656.  964.  1123  ff.  1132;  über  ihre  That  em- 
wird  nur  gestreift,  Choeph.  579  ff.  887.  S98  pflndet  sie  Scham  und  Reue,  El.  1105  ff.  642 f., 
vgl.  127f.;  der  Wunsch,  sich  zu  rächen,  hat  vgl.  Mau  a.  a.  0.  294.  Wüamowite,  Die  beiden 
sie  mit  Aigisthos,  dessen  Hauptbeweggrund  Elehtren  222.  230  ff. 
es  gleichfalls  ist,  Vergeltung  zu  üben,  Aq.  __,,,-,,  .  .  ,.„  . 
1554 ff.  verbunden,  vgl.  Hypoth.  Aesch.  Ag.:  5-  Tod  der  Klytaimestra.  EKfoXov  etc. 
ntmolwns  rs  Ai'yia&or  y.al  K7vzcauvr]ezQuv  skk-  Kurz  nach  Agamemnons  Ermordung  (Dietys 
zsqov  öuc%vqi'q6(isvov  jTfpt  zijg  ävaigtascog  io  6 ,  2)  gebiert  Klytaimestra  dem  Aigisthos  die 
ivi  v.Hpalaim,  zfjv  jihv  zij  dvuigiou  'Iqtiyi-  Erigone,  Apollod.  fr.  Sabb.  f.  119.  Rh.  Mus. 
rsi'ag,  zbv  Dt  raCg  zov  nazgbg  ©viazov  f'|  46  (1S91)  175.  Eygin.  f.  122.  Tsetz.  Lyjc.  1374. 
Uzgiag  cvfiq>oQais.  Bei  Sophokles,  der  über-  Dietys  a.  a.  O.  und  6,  4.  Iöhann.  Antioch.  fr.  25. 
haupt  die  Klytairuestra  von  den  Tragikern  am  C.  I.  G.  2,  2374  (marmor  Partum)  p.  301,  40. 
ungünstigsten  gezeichnet  hat  —  vgl.  ihre  Härte  Hesych.  s.  v.  Airipa.  Etym.  M.  42,  4.  loh. 
gegen  Elektra,  Soph.  El.  289.  393.  452.  597.  Matal,  p.  168;  vgl.  Kinaithon  bei  Paus.  2, 
814  f.  1181  ff.  1194.  1289.  1427;  sie  will  ihre  18,  6  [Apollod.  epit.  Vatic.  23,  14],  wo  sie  nur 
Tochter  sogar  in  ein  unterirdisches  Gewölbe  Tochter  des  Aigisthos  heifst,  vgl.  Roheit  185. 
einsperren  380  ff. ;  hat  den  kleinen  Orestes  er-  E.  Maa/s,  Analecta  Eratostheniea  132ff.  Da- 
morden wollen,  601f.  1133,  vgl.  296  f.  und  so  gegen  nennt  Ptolcm.  Heph.  4  p.  189  Wester- 
kann  bei  der  Kunde  von  seinem  Tode  nur  mann  die  Tochter  beider  Helena.  Ob  Klytai- 
mühsam  ihre  Freude  verhehlen  675.  706  f.  mestra  auch  Mutter  des  von  Eygin.  f.  122.  124 
803  ff.  1153.  1295;  da  sie  immer  seine  Rache  nur  Aegisthi  filius  genannten  Aletes  ist,  bleibt 
gefürchtet  7S0  ff. ;  um  ihr  schuldbeladenes  Ge-  fraglich;  doch  scheint  auf  mehrere  Kinder  hin- 
wissen zu  beruhigen,  bringt  sie  allmonatlich  zudeuten  Eur.  El.  62.  626.  Soph.  El.  589. 
an  Agamemnons  Todestage  Opfer  dar,  278 ff.  Über  sieben  Jahre  (Hom.  Od.  3,  305.  Yell. 
—  erscheint  lediglich  ihre  verbrecherische  Paterc.  1,  1,  3)  hat  sie  an  der  Seite  des  Ai- 
Liebe  als  Beweggrund  97.  197.  272.  492  f.  562.  gisthos  gelebt,  als  Orestes  erscheint,  um  den 
587.  594.  652,  vgl.  Eur.  Or.  26_f.  558.  Senee.  Vater  zu  rächen  )]zoi  6  (Orestes)  zbv  (Aigisthos) 
/V.  66  vol.  3  p.  431  ed.  Haa^e.  Über  Klytaim-  30  xzu'rag  äca'vv  zarpov  Aqyeioiaiv  [i^zoog  zs 
nestra  speciell  bei  Sophokles  vgl.  Braungarten,  azvysgiig  toxi  uvältidog  Aiyia&oio,  Od.  309f. 
Die  sittliche  Anschauung  u.  d.  Charalderzeich-  Während  Welcher  I  Episch.  Cyklas  1,  298,  vgl. 
nung  nach  ihren  Motiven  und  Tendenzen  in  Kahle  a.  a.  O.  5)  aus  v.  310  schliefst,  dafs 
Sophokles  Elektra  (Progr.  Gyninas.  Mies  1884)  Homer  von  dem  Muttermorde  des  Orestes 
Sff.  Suchier  a.a.O.  10ff.;  über  die  Klytaim-  wufste,  und  Schlie  a.  a.  O.  166  meint,  der  Dichter 
nestra  bei  Sophokles  und  Euripides,  Vahlen  habe  sich  gescheut,  nähere  Umstände  hiervon 
im  Hermes  1891,  352ff.  —  Bei  Eur.  Or.  anzugeben,  glaubt  Robert  163,  der  Muttermord 
576ff.  ist  es  Furcht  vor  Strafe,  bei  Seneca  Ag.  hätte  von  Homer  unbedingt  erwähnt  werden 
166  ff.  Zorn  über  die  Opferung  der  Iphige-  müssen  (vgl.  Schöne,  Einleitung  zu  Eur.  Iph. 
neia,  Eifersucht  auf  Chryseis  und  Kassandra;  -io  Taur.  p.  110),  und  nimmt  einen  Selbstmord 
noch  anders  Dio  Chrys.  or.  61  p.  317  "Jyaui-  (gebilligt  von  Crusius  a.  a.  0.  253  Anm.  3; 
yvav  Siu  Ti/j»  ccQyrjii  tnuiQoiitvog  zr:v  KXvzai-  vgl.  Baumeister  1112)  der  Klytaimestra  aus 
lj.vi',czpav  ^ziuaasv,  coozs  dqXov  i)v  ozi  ovr.  Scham  und  Verzweiflung  au.  v.  IVilamowitz, 
äfi^oivzo  ällr]\cov,  dXX'  iooizo  zoictvzct  o%i§bv  Hom.  Unters.  154  f.  Anm.  15  streicht  v.  310, 
bizoia  avvsnsasv.  Auf  die  Tragödie  geht  wohl  da  Klytaimestras  Erwähnung  der  Telemachie 
auch  die  Erzählung  zurück,  Oiax,  der  Sohn  widerspreche;  vgl.  auch  Schol.  Hom.  Od.  1,300 
des  Nauplios,  habe,  um  den  Tod  seines  Bruders  ovx  oläsv  b  jioijjtjjs  zbv  KXvzcnyvriazQcig  vztb 
Palamedes  zu  rächen,  der  Klytaimestra  die  zov  naiSbg  ubgor.  Vielleicht  stellt  das  alter- 
erlogene Nachricht  gebracht,  dafs  Agamemnon  tümliche  Relief  aus  Aricia  (abg.  Arch.  Zeit. 
die  Kassandra  zum  Kebsweibe  genommen  und  so  1849  Taf.  11,  1.  Overbeck  28,  8.  Baumeister 
ihr  vorgezogen  habe  (Hygin.f.  117.  Dietys  6,2,  p.  1112  nr.  1309;  vgl.  Jahrbuch  d.  K.  d.  arch. 
vgl.  Johann.  Antioch.  fr.  25.  Eur.  Or.  432.  Inst.  3,  245)  diese  älteste  Auffassung  dar; 
Paus.  1,  22,  6.  Robert  182  ff.),  oder  Nauplios  Klytaimestra  sucht  den  Orestes,  der  dem  zu 
selbst  habe  die  Frauen  mehrerer  griechischer-  Boden  gesunkenen  Aigisthos  einen  zweiten 
Helden,  darunter  auch  die  Klytaimestra,  ver-  Stofs  beizubringen  im  liegriffe  steht,  mit  der 
führt  (wodurch,  ist  nicht  gesagt;  vielleicht  1.  Hand  zurückzuhalten;  freilich  erblickt  Ovcr- 
durch  dasselbe  Mittel  wie  Oiax?),  mit  anderen  beck  p.  697  auch  hierin  schon  eine  verhüllte 
Ehebruch  zu  treiben,  Tzetz.  Lyk.  384  p.  572.  Andeutung  des  Muttermordes;  dagegen  Bau- 
1093  p.  928.  Apollod.  epit.  Vai.  22,  4.  —  Bei  meister  a.  a.  0.  Vielleicht  war  auch  auf  der 
Euripides  erscheint  Klytaimestra  in  besserem  co  jetzt  verschollenen  Trinkschale  des  Kachrylion 
Lichte.  Obwohl  Agamemnon  ihr  schweres  (Welcker,  Annali  1853  278  Anm.  1.  Overbeck 
Unrecht  zugefügt  (ob.  Sp.  1232  Z.  61),  war  sie  695.  Robert  a.  a.  0.  149.  158f.)  eine  ähnliche 
ihm  stets  eine  treue  gehorsame  Gattin,  Iph.  Scene  dargestellt.  Die  Vasenbilder,  die  nur 
^li(7.  1158  ff.  726.  633;  fast  rührend  ist  ihre  die  Tötung  des  Aigisthos  darstellen  und  den 
Liebe  zu  Iphigeneia  (ebend.  628.  728  ff  886.  Muttermord  beiseite  lassen,  hat  zusanrmen- 
902.  1434  ff.  1461)  und  zu  Orestes  (622  ff.  Iph.  gestellt  Schlie  a.  a,  0.  168  Anm.  1.  Ob  das 
Taur.  234);  sie  hat  die  Elektra  vor  dem  ihr  verstümmelte  Marmorbasrelief  des  Museums 
von     Aigisthos     zugedachten     Tode     gerettet  zu    Konstantinopel    (Gazette  arch.    11    [1886] 


1241        Klytaim(n)estra  (ihr  Tod)  Klytaim(n)estra  (ibr  Tod)       1242 

pl.  1;  vgl.  Sorlin  Dorigny  a.a.O.  p.  1  ff.)  hier-  2)  Kelebe  aus  Certosa  {Bulletino  1872   110 

her   gehört,    kann   nicht   entschieden   weiden.  nr.  78);     fast    dieselbe    Darstellung;    nur    hat 

Bei   Stesichoros   und   den   Tragikern  erscheint  Klytaimestra    das  Beil    zum    Schlag    erhoben, 

(mit    verschwindenden    Ausnahmen,    s.   unten  Brisio  a.  a.  0.  nennt  den  sie  am  Streiche  hin- 

Sp.  1243  Z.  32)    Orestes   als   Vollstrecker    der  dernden    Mann    Pylades;    doch    dürfte    dafür 

Rache    an    Klytaimestra.      Diese    träumt    bei  nach    Analogie    von    nr.   1    Talthybios    einzu- 

Stesichoros  {fr.  42),   ihr  nahe  eine  Drache  mit  setzen  sein. 

blutigem   Haupte,    aber  plötzlich   stand   Aga-  3)    Vorderseite    einer    Amphora    in    Wien 

memnon  (auf  diesen,  nicht  auf  Orestes  [Schnei-  {Sacken- Kenner  5  nr.  240;  abg.  Miliin,  Peint. 

dewin  a.  a.  0.  IG j   wird   mit  Robert  171  ßaOL-  10  de  vas.  2,  24.   Gal.  Myth.  170,  614  [vgl.  Robot 

Isvg  muodtvi'dug   zu   beziehen   sein)  vor  ihr;  150  Anm.  1].   Arch.  Zeit.  12  [1854]  Taf.  66,  1 

aus   seiner  Umarmung   (vgl.  die  schöne  Kom-  [von   Jahn,  Arch.  Zeit.  a.  a.  0.  231  ff.    früher 

bination  von  Robert  171.  178)  gebiert  sie  einen  auf  Merope  und  Kresphontes  bezogen])   stellt 

Drachen,    Acsch.   Coeph.    514.   921  f.,    der,    als  nur   die  Gruppe   Talthybios   und   Klytaimestra 

sie  ihm  die  Brust  reicht,   mit  der  Milch  Blut  dar,  Robert  p.  158.    Heydemann,  Jahrb.  cl.  K. 

sangt,   Coeph.   520.  533.     Auch   bei   Sophokles  D.  arch.  Instit.  1  (1886),  310,  31. 

träumt    sie     von     einer    zweiten    Vermählung  4)  Stamnos  im  Berliner  Museum  (0.  I.  G. 

mit  Agamemnon;  dieser  habe  dann  sein  altes  4,  7701.     Furttcängler ,   Berliner   Vasenkatalog 

Scepter   auf  den  Herd  gepflanzt,    ein  frischer  2184.    Welcher,  Annali  1S53  278ff.  Jahn,  Arch. 

Zweig    sei    daraus    hervorgesprofst    und    habe  20  Zeit.  1860  43f.   Robert  149ff.;  abgeb.  Gerhard, 

das  ganze  Mykenerland  überschattet,  El.  41 7 ff.  Etrush.  Vastnb.  24   p.  35ff.    Annali  1853   tav. 

Durch  diesen  Traum   erschreckt  {Choeph..  510.  d'agg.  H.    Overbech  28,  10  p.  695f.    Bawneitter 

522.     Soph.    El.    410.    636.    C44)     schickt    sie  p.  1113  nr.  1310).     Klytaimestra  schwingt  das 

Elektra  (bei  Sophokles   Chrysothemis,    El.  Doppelbeil   über   dem  Haupte   gegen  Orestes; 

326.  406)   mit   Spenden  zum  Grabe   Agamem-  doch    fehlt    hier  der  eingreifende   Talthybios, 

nons,    Choeph.   80  ff.   502  ff.     Es   folgt  die  Er-  den  jedoch  die  Phantasie  des  Betrachters  sofort 

kennung    der    Geschwister     und    die    Verab-  ergänzen  konnte,  Robert  156. 

redung    zur    Rache.      Bei   Aischylos    {Choeph.  5)    Amphora    (abg.    Monum.    ined.    5,   56. 

655ff.;  vgl.  834)  bringt  Orestes  der  Klytaimestra  Welcher,  Alte  TJenkm.  5  Taf.  18,  der  die  Dar- 

die  Nachricht  von  seinem  Tode,  bei  Sophokles  so  Stellung  p.  287  f.    Annali  1854  274ff.   auf  die 

{El.  1113)   die   Urne    mit    seiner    angeblichen  den  Aigisthos  mit  dem  Beil  angreifende  Elek- 

Asche;    letztere   Scene    will    Overbech    (693  f.  tra,   auf  Klytaimestras  Schatten   und  die  drei 

Taf.  29,  6;  vgl.  Baumeister  1112  1.)  auf  einem  Erinyen  bezog),   ähnliche  Darstellung  wie  die 

Krater  erkennen.     Während  Klytaimestra,  die  vorige,   nur   dafs  Klytaimestra   (vgl.  Bulletino 

allein  im  Hause  ist  {El.  1309.  1368),   bei  So-  1851  55)  rechts  hinter  Aigisthos  mit  dem  Beil 

phohles  vor  Aigisthos  fällt,  El.  1410ff.  Thomas  herbeieilt,  gegen  den  von  links  Orestes  heran- 

Mag.  Ew.  Or.  Hypoth.,  wird  sie  bei  Aischylos  stürmt,  Benndorf,  Annali  1865  218 ff.    Robert 

und  Euripides  (hier  von  Elektra  in  das  Haus  152  f. 

ihres    Gemahls,    des    niykenischen    Landedel-  Weit    zahlreicher    sind    die    Darstellungen 

mannes,  gelockt,  El.  1139)  nach  jenem  getötet,  40  des   Muttermordes    selbst.     Theoros    malte   ab 

Choeph.  862.  870.  880 ff.    Eur.  El.  763.  1165 ff.;  Oreste    viatrem    et    Aegisthum    i-nterfici,    Plin. 

vgl.   Eur.  Iph.   Taur.  79.  556.  715.  940.  1007.  35,   144;     Theon    eine    'Ogioxov    finTgoy-tovia, 

1033.     Or.  29.    74.   165.    285.   562.    1235.     Bio  Plut.  de  aucl.  poet.  3,  wohl  dasselbe  Gemälde, 

Chrys.   or.   68    p.   349.      Apollod.    frgm.    Sabb,  das  Plin.  a.  a.  0.  Orestis  insania  nennt;   viel- 

Rliein.  Mus.  46,  175.    Nach  Hygin.  f.  119  fand  leicht   sind  beide  Künstler   eine   und   dieselbe 

ihre  Ermordung  des  Nachts  statt;  wenigstens  Person,    Brunn,    Gesch.    d.   griech.    Künstler  - 

auf  den  Abend  weist  auch  Aesch.  Choeph.  641  2,  171  f. 

hin.     Ein   etwas   früherer  Moment,    der   zwar  Die  um  ihr  Leben  flehende  und  dem  Sohne 

litterarisch  nicht  ausdrücklich  bezeugt  ist,  wo-  die   entblöfste  Brust   zeigende  {Aesch.  Choeph. 

rauf   aber  noch   der  Ausruf   der  Klytaimestra  50  889  ff.     Eur.  El.  1206  ff.     Or.  527.  568.  827  ff. 

8oin  r.ig  ävdQO-/.[if[Ta  7iii.sy.vv  ag  ru%og,  Aesch.  841;    vgl.    Soph.   El.    1410)   Klytaimestra    fin- 

Choeph.  882  hinzudeuten  scheint,  ist  auf  meh-  det   sich   auf  dem  Wandgemälde   aus  casa  di 

reren  Vasenbildern,    denen    die    Sagenversion  Sirico    {Heibig    nr.    1300)    dargestellt,    Arch. 

des  Stesichoros  zu  Grunde  liegt  {Robert  180),  Zeit.  41  (1883)  Taf.  9,  1.   Robert  ebenda  259f., 

dargestellt:  die  ihrem  Buhlen  mit  dem  Beil  gegen  der  es  auf  das  Original  des  Theon  zurückführt, 

Orestes  zu  Hülfe  eilende  Klytaimestra,  und  zwar  (ob  jedoch  nach  Robert  a.  a.  0.   das  Gemälde 

1)  auf  einer  Vase  aus  Caere  (abgeb.  Monum.  auf  Aesch.  Choeph.   889  ff.   zurückgeht,   scheint 

ined.  8  tav.  15, 1.  Robert  p.  154.  Baumeister,  D.  mir  fraglich;  mit  gleicher  Wahrscheinlichkeit 

p.  1114  nr.  1311.  0. Benndorf,  La  finedi  Egisto  e  läfst  sich  ü,n  Euripid.es;  s.  obigeStellen,  denken); 

Glitemnestra,  Annali  1865  212ff.  Bulletino  1865  60  auf   einem   etruskischen   Spiegel,    abgeb.  Ger- 

215).     Klytaimestra  (alle  Personen  sind  durch  hard,  Etr.  Spieg.  2,  237  (nicht  137,  wie  Over- 

Beischrift  kenntlich)   eilt  mit   dem  Beil,    das  bech  p.  704  nr.  38  notiert)  und  Gerhard  ebenda 

sie  gesenkt  hält,  auf  den  durch  den  Warnungs-  3,  221;  knieend  und  den  rechten  Arm  flehend 

ruf  der  Chrysothernis   aufmerksam  gemachten  gegen  den  Sohn  ausstreckend,  der  mit  der  R. 

Orestes,  der  dem  Aigisthos  schon  zwei  Wunden  ihr  Haupt  gefafst  hat,   Braun,   Oreste,  stretto 

beigebracht  hat,  zu;   doch  Talthybios  hindert  cd  parricidio   dal  Fato;    vgl.   Bulletino   1842 

sie  an  dem  beabsichtigten  Schlage,  indem  er  47ff.    Gerhard  a.  a.  0.  Taf.  2,  238.  3,  221;   auf 

ihre  linke  Hand  und  das  Beil  ergreift.  beiden  Spiegeln  sind  die  Namen  beigeschrieben. 


1243        Klytaim(n)estra  (ihr  Tod)  Klytaim(n)estra  (ihr  Eidolon)     1244 

Ähnliche  Darstellung  auf  einer  Trinksehale  aus  vor  Charon,  um  in  die  Unterwelt  einzugehen, 
Nola,  Catal.  of  the  Greek  Vases  in  the  Brit.  auf  einem  Sarkophag,  Benndorf,  Annali  1865 
Mus.  nr.  979  =  Arch.  Ans.  10  (185-2),  184.  233.  Ihr  und  des  Aigisthos  Grab  befand  sieh 
Elytairnestra  vor  Orestes  an  einen  Altar  ge-  aul'serhalb  der  Mauer  vonMykenai,  Püms.  2, 16,7; 
flüchtet,  auf  drei  etruskischen  Aschenkisten,  vgl.  Eur.  Or.  94f.  114.  471.  611.  79S  (avi^a). 
Schlie  a.a.O.  161  f.  nr.  9.  159  nr.  1  (abg. Overbeck  1185.  1215.  1321.  1325. 1434  (xvijißog)  Et.M.  282, 
27,  7,  der  die  Darstellung  jedoch  p.  653f.  auf  6 ff . ;  doch  spielt  der  Orestes  des  Euripides  in 
Eassandra  und  Aias  bezieht),  p.  160  nr.  2.  Auf  Avgos,  vgl.  buch. Beiger, Beil. Philol.  Wochenschr. 
dem  Bd.  1  Sp.  153f.  abgebildeten  Sarkophag  11  (1S91),  1281f.  Ein  Bild  oder  eine  Bildsäule 
(vgl.  aufser  den  Sp.  153  Z.  2  ff.  gegebenen  Be-  10  (shuav)  der  Elytaimestra  zeigte  man  zu  Amy- 
legen  die  von  Stephani ,  Compte-rend.  1863  klai,  Paus.  3,  19,  C.  Beiger  a.  a.  0.  1316.  Das 
181  nr.  36  angeführte  Litteratur  und  Monum.  Schattenbild  Elytaimestras ,  das  bei 
ined.  8  tav.  15,  2)  sucht  die  Amme  die  Uly-  Aesch.  Eum.  94  ff.  die  schlafenden  Erinyen 
taimestra  vor  dem  Streich  des  Orestes  zu  weckt,  ist  in  direktem  Anschlufs  au  die 
schützen,  vgl.  Overbeck  p.  701.  Auf  etrus-  Dichtung  des  Aischylos  dargestellt  auf  einem 
kischen  Aschenkisten  zieht  Orestes  die  ste-  Oxybaphon  (abg.  Monum.  ined.  4,  48.  Over- 
hende  Klytaimestra  mit  einem  kräftigen  Ruck  heck  29,  7  p.  714.  Baumeister  p.  1117  nr.  1314), 
au  sich,  Schlie  160f.  nr.  4  — 6,  oder  sie  ist  Bulletmo  1844  84.  de  Witte,  Annali  1847  418ff. 
schon  niedergestürzt,  nr.  7.  8;  auf  nr.  3  sitzt  Welcher  ebend.  1853  275.  Stephani,  Gompte- 
sie  auf  dem  Bücken  eines  unter  ihr  liegenden  20  rend.  1863  270.  Wernicke,  Arch.  Zeit.  42  (1884), 
männlichen  Leichnams;  oder  sie  wird  auf  207;  ebenso  erscheint  ihr  Schatten  auf  einer 
hohem  Ruhebett  liegend  von  Orestes  ange-  Amphora  mit  der  Darstellung  von  Orests 
griffen,  Overbeck  702 f.  Andere  Darstellungen,  Sühnung  (abg.  Overbeck  29,  9.  Baumeister 
Bullet.  1848,  74;  1849,  8;  auf  einem  etruskischen  p.  1118  nr.  1315),  Overbeck  712  ff.  Stephani 
Spiegel,  Gerhard  4,  5  p.  8.  Orioli  im  Bulltt.  a.  a.  O.  1863  273.  Wernicke  a.  a.  0.  202;  auf 
1850  31  ff.  Orestes  stöfst  ihr  das  Schwert  in  dem  Vasenbild  Bd.  1  Sp.  1331/32  (=  Overbeck 
den  Nacken  (Namen  beigeschrieben),  Overbeck  29,  2.  Baumeister  1116  nr.  1313)  werden  wir 
703  nr.  37.  Schlie  162  nr.  10.  Die  geschehene  in  dem  im  Spiegel  erscheinenden  Gesicht  trotz 
That  zeigen,  ungefähr  wie  Lucian.  de  dorn.  23  Overbeck  (p.  706;  vgl.  Bd.  1  Sp.  1333  Z.  66) 
schildert  (Klvtaijj.vrjOtQa  rjär]  dv^rj-cai  «al  Jjr'  30  das  Antlitz  Elytaimestras  zu  erkennen  haben, 
.  svv^g  zivog  rjfiLyvfivQs  jrpdxftrat  k.  x.  X.),  meh-  vgl.  Heydemann,  Vasens.  d.  Mus.Naz.  z.  Neapel 
rere  römische  Sarkophage,  Overbeck  700  ff.  nr.  1984  und  aufser  der  dort  angegebenen  Litte- 
nr.  27  —  34;  einer  davon,  der  im  Museo  Pio-  ratur  Wernicke  a.  a.  0.  199  Anm.  3.  In  ahn-' 
Clementino  (5,  22),  abg.  Overbeck  29,  1  =  Bau-  licher  Weise  hat  bei  Eur.  Iph.  Taur.  289  der 
meister  p.  1115  nr.  1312,  Litteratur  bei  Stephani,  wahnsinnige  Orestes  die  Vision,  dafs  eine 
Compte-rend.  1863  181  nr.  35;  fast  genau  stimmt  Erinys  seine  Mutter  in  den  Armen  trage,  um 
damit  überein  die  Reliefdarstellung  auf  der  sie  auf  ihn  herabzuschmettern.  Von  sonstigen, 
Vorderseite  eines  Sarkophags  im  Dom  zu  Hu-  oben  nicht  eingereihten  Darstellungen  der 
sillos,  Arch.  Zeit.  29,  167.  Stephani  a.  a.  0.  Klytaimestra  sind  noch  zu  erwähnen  die  auf 
1881  91.  Elytaimestra  tot  und  halbnackt  40  einer  Byxis  im  brit.  Mus.:  'Helena  sitzend 
auf  einem  hohen  Altar  liegend ,  -Schlie  p.  163  mit  ihrem  Arbeitskorbe,  dabei  stehen  Eassan- 
nr.  11  p.  170.  dra  und  Klytaimestra',  Arch.  Zeit.  32,  113. 
Abweichend  wird  Pylades  (Tlvlääijg  jrpcö-  Auf  der  schon  oben  erwähnten  Vase  des  Xeno- 
zog  ixQL&rj  inl  zä  Klvzaiavr'jOtgag  cpüva)  als  timos  (vgl.  Antike  Denkm.  etc.  a.  a.  0.  p.  51) 
Mörder  der  Klytaimestra  genannt,  Schot.  Arist.  ist  Klytaimestra  nebst  Tyndareos  und  Leda 
nub.  623;  vgl.  Luc.  am.  47  üucp'zEQoi  (Orest.  (alle  Personen  sind  durch  Beischrift  kenntlich) 
uncl  Pyl.)  KlvzuiiivijezQuv  ctvygovp,  und  Eur.  als  erwartungsvolle  Zuschauerin  bei  der  be- 
Or.  1235  sagt  Pylades  riipdfir/v  d'  iyco  t,Lipovg.  vorstehenden  Eigeburt  der  Helena  dargestellt; 
Wenn  schliefslich  Serv.  ad  Verg.  Aen.  11,  268  neben  dem  auf  einem  Altar  liegenden  Ei  sitzt 
berichtet  ouidam  clieunt  Clytemestram  non  50  der  Adler  des  Zeus;  Elytaimestra  selbst  trägt 
manu  fdii,  sed  iudicum  sententia  peremptam,  einen  Ärmelchiton  und  Mantel,  das  Haar  um- 
so möchte  ich  hierin  eine  weitere  Ausführung  bunden  und  'hinten  in  einen  Schopf  gefafst' 
der  Worte  des  Tyndareos  Eur.  Or.  539  all'  und  erhebt  verwundert  die  rechte  Hand.  Sollten 
oujji  TiQog  xovS'  n'tiög  r]v  avrrjv  &ccv£iv  finden;  wir  hiernach  vielleicht  auf  dem  etruskischen 
möglich,  dafs  ein  Tragiker  nach  Euripides  aus  Spiegel,  welcher  ebenfalls  —  nur  in  Gegen- 
diesen  Worten  den  Anlafs  nahm,  eine  Gerichts-  wart  von  einer  gröfseren  Anzahl  Personen  — 
Verhandlung  gegen  Klytaimestra  stattfinden  die  Geburt  der  Helena  behandelt  (abg.  Gaz. 
zu  lassen,  die  der  Verhandlung  gegen  Orestes  arch.  1877  Taf.  3.  Kekule,  Über  ein  griech. 
(Eur.  Or.  877  ff.)  nachgebildet  war.  Als  Blut-  Vasengemälde  im  akad.  Kunstmuseum  su  Bonn 
rächer  für  Klytaimestra  trat  Tyndareos  auf  bei  00  p.  24  und  die  dort  angeführte  Litteratur)  in 
Eur.  Orestes.  Apollod.  frgm.  Sabb.  Bhein.  Mus.  der  zwischen  Turan  (Aphrodite)  und  Poltuce 
46,  175,  oder  ihre  Tochter  Erigone,  Apollod.  (Polydeukes)  stehenden  weiblichen  Figur,  der 
a.  a.  0.  Dictys  6,  4,  oder  ihr  Vetter  Perilaos,  einzigen  der  ganzen  Gruppe  ohne  Namens- 
Paus.  8,  34,  4;  näheres  unter  Orestes.  beischrift,  welche  die  mannigfachste  Deutung 
Bestattet  ward  Klytaimestra  von  Orestes,  (näheres  bei  Kekule  a.  a.  0.  25 f.)  erfahren  hat, 
Hom.  Od.  3,  310  (s.  aber  Sp.  1240  Z.  32).  Eur.  auch  Klytaimestra  zu  erblicken  haben?  Ein 
Or.  402;  vgl.  422,  oder  von  Menelaos  und  Gemälde  Klytaimestra  von  Tauriskos  ohne 
Helena,  Eur.  El.  1278  ff.    Sie   und   Aigisthos  nähere    Angabe    bei    PI  in.    35,   114.     Brunn 


1245                         Klyte  Klytia                        1246 

a.  a.  0.  1',  330.  2a,  193.  200.  Klytaiuiestra  (?)  zeigte  sich  ihr  dann  (in  seiner  göttlichen  Ge- 
mit  Helena,  Menelaos  und  Aphrodite  auf  der  stalt,  und  Leukothea  konnte  ihm  nicht  wider- 
Insel der  Seligen,  Gerhard,  Etrusk.  Spieg.  stehen.  Klytia,  die  alles  erfährt,  entdeckt  aus 
3,  209;  abg.  2,  7  Taf.  218.  Zur  Darstellung  gekränkter  Liebe  und  glühender  Eifersucht 
der  Klytaimestra  im  allgemeinen  vgl.  E.  Braun,  dem  Vater  den  Fehltritt  seiner  Tochter.  Dieser 
Grundrifs  der  DenJcmaücunde  (  =  Hyperbor.-  läfst  sie  lebendig  begraben  und  türmt  einen 
Rom.  Stud.  f.  Archäol.  2  =  Arch.  Nachlaß  Hügel  schweren  Sandes  über  die  Gruft;  zu 
aus  Bom)  p.  69.  spät  öffnet  Helios  mit  seinen  Strahlen  das 
Als  Person  tritt  Klytaimestra  auf  in  des  Grab;  er  vermag  die  Geliebte  nicht  mehr  ins 
Aischylos  Agamemnon ,  Choephoren  und  (als  10  Leben  zurückzurufen,  aber  zum  Gedächtnis  an 
Schattenbild)  in  den  Eumenidtn.  bei  Sophokles  sie  läfst  er  auf  ihrem  Grabhügel  die  Weihrauch- 
in der  Elektra  und  Iphigeneia  (=  Kljtaimestra:  stände  emporwachsen.  Aber  der  Verrat  der 
Nauck  fr.  Trag.  Graec.  p.  1  Gl)  fr.  293a.  294.  Klytia  hatte  für  sie  nicht  den  gehofften  Er- 
310  Dindorf,  bei  Euripides  in  der  Elektra  und  folg.  Helios  wendet  sich  von  ihr,  und  in  ver- 
Iphig.  Aul.,  in  dem  Aigisthus  des  Livius  schmähter  Liebe  welkt  sie  dahin;  unter  freiem 
Andronicus  Bibbcck  fr.  scen.  Bom.  poes.  243 ff.  Himmel  sitzt  sie  in  leichtem  Gewände  und 
und  in  dem  gleichnamigen  Stücke  (=  Clytaem-  mit  aufgelösten  Haaren;  neun  Tage  lang  bringt 
nestra)  des  Attius,  Bibbcck  a.  a.  0.  1 1 7 ff.  298,  sie  nicht  Speise  noch  Trank  über  ihre  Lippen, 
bei  Seneca  im  Agamemnon.  Die  Ermordung  der  Tau  des  Feldes  und  ihre  Thränen  sind 
der  Klytaimestra,  von  Aristoteles  (ars  poet.  14)  20  ihre  einzige  Nahrung,  aber  immer  schaut  sie 
als  echt  tragisches  Motiv  bezeichnet,  fand  sich  zu  Helios  empor  und  verfolgt  seinen  Lauf  mit 
auch  in  dem  Orestes  des  Karkinos  (Nauck  ihren  Blicken.  Da  fühlt  sie  auf  einmal  ihre 
a.  a.  0.  620)  und  in  dem  Dulorestes  oder  Chrijses  Glieder  an  den  Boden  gebannt,  ein  Teil  ihres 
des  Pacuvius,  Bibbeck  a.  a.  0.  283.  Ein  Klv-  Leibes  wird  in  ein  blafsgrünes,  der  andere  in 
raiuvriazQag  iy/daiov  sollen Isokrates.  Anonym.  rotes  Kraut  verwandelt,  uud  eine  veilchen- 
vit.  Isoer.  ed.  Benseier  2,  275  und  der  Sophist  ähnliche  Blume  bedeckt  ihr  Antlitz  (Alpen- 
Polykrates,  Quintil.  2,  17,  4  geschrieben  haben  Veilchen?  Wegewart?);  aber  auch  jetzt  noch 
vgl.  Philodem,  de  rhet.  a.  a.  0.;  und  Klvzctia-  wendet  sie  immer  dem  geliebten  Gotte  sich 
vriacqaq  Tiucogia  wurde  in  Täuzen  dargestellt,  zu;  Ovid.  Met.  4,  206 — 270.  Dieses  schöne 
Luc.  de  Salt.  43.  —  Der  Plural  Klvxaiuvricroai  30  Volksmärchen  ist  von  Mannhardt ,  Klytia 
dient  neben  'Aiqotiui  und  Z&bvoßoiui  zur  Be-  (Sammlung  gemeinverständl.  Vorträge,  herausg. 
Zeichnung  von  ehebrecherischen  Weibern,  Bio  von  Virchow  und  r.  Holtzendorff;  vgl.  Crusius 
Clirys.  or.  74  p.  399;  vgl.  Clytaemestrae  und  bei  Ersch  und  Giuber  s.  v.  und  die  p.  255 
Medeae  bei  Serg.  explan,  in  Bonat.  4,  490,  21,  Anm.  1  gegebene  Litteratur)  folgendermafsen 
und  die  sittenlose  Clodia  heifst  quadrantaria  gedeutet  worden:  Klytia,  „die  gepriesene  Jung- 
(vgl.  Cic.  pro  Cael.  26,  62)  Clytaemestra;  frau",  die  Geliebte  des  Helios,  ist  die  ßlumen- 
Caelius  bei  Quint.  8,  6,  53.  Weshalb  der  Dich-  göttin  des  Frühlings ;  aber  der  Gott  verläfst 
ter  Nikostratos  den  Beinamen  Klytaimestra  sie  um  Leukotheas  willen,  der  weifsschimmern- 
führte,  Diog.  Laert.  4,  3.  4,  18,  ist  unbekannt.  den    Mondgöttin,    der    Gebieterin    der    zwölf 

[Höfer.]       40  Monate  (vgl.  oben  die  zwölf  Dienerinnen).    In 

Klyte  (Klvzrfj,  Herodiani  Technici  Beliquiae  der  Gestalt   ihrer  Mutter,   der  Nacht,  kommt 

coli.  A.  Lentz  Tom.  2   p.  1   nr.   1.     Schot,  ad  er  Abends  zu  ihr,  aber  Leukothea  stirbt,  sobald 

Eurip.  Hippolyt.  408:  'Hooiäiavög  iv  xm  fiovo-  sich  der  Gott  in   seiner  wahren  Gestalt  zeigt, 

ßi'plm  nsQi  -/.vgiaiv  v.al  ini&itaiv  tuet  ngoeriyo-  d.  h.  sobald  der  Tag  anbricht.     Crusius  a.  a.  0. 

qixcüv    Xiysi    zivui    xäg    ngärov    'noQVEVGu.cuq  billigt  diese  Auffassung  der  Leukothea,  möchte 

ftvyaTiQag  EvqvtivIov,  ov  xov  Ktpov,  aXXa  allov  jedoch  die  Klytia  nicht  als  Blumengöttin  des 

xivög'  z'gti   <5'e   xa   övöuKxa   avxäv  Mootpi]  aal  Frühlings  gedeutet  wissen,  sondern  neigt  mehr 

Klvxrj.     [Drexler.]  zu    der  Ansicht,   dafs    sie    im   ursprünglichen 

Klytemestra  (Kivxs[ir]axqa),  Inscr.  Gr.  Sic.  Volksmärchen  nur   eine  namenlose,  sterbliche 

et   Itcd.  ed.   Kaibel   930   =   C.  I.  Gr.  6195  =  so  Jungfrau  gewesen,  und  dafs  erst  der  griechische 

Klytaimnestra  (s.  d.).   Dieses  ist  auch  die  älteste  Dichter,    der    die    Sage    von   Leukothea    und 

latinisierte    Form     des     Namens,     Fleckeisen,  Klytia   verband,   ihr  diesen  Namen,  vielleicht 

Fünfzig  Artikel.     Bei  den  Tragikern  kommt  mit  Beziehung  auf  die  gleichnamige  Okeanide 

die  Form  KlvxutfirjexQa  vor,  s.  Stolz,  Wiener  (Hes.    Thsog.   352)    gegeben.     Die    angebliehe 

Stud.  12  1890  p.  31—35.     [Drexler.]  Büste  der  Klytia  im  Britischen  Museum  (Ellis, 

Klytia    (KXvxia,    Mvxir]),    1)    Tochter    des  Townley  Gallery  1,  9f.   2,  20)  steht  in  keiner 

Pandareos,   mit  ihrer  Schwester  Kameiro  von  Beziehung    zu    unserem   Mythus,    sondern   ist 

Polygnot  in  der  Lesche  zu  Delphi  dargestellt,  das     Idealportrait     einer    jungen    vornehmen 

Paus.  10,  30,  1.    —    2)   Tochter  des  Okeanos  Piönierin;  s.  Crusius  a.  a.  0.  256 f.  [Höfer.]  —4) 

und  der  Tethys,  Hes.  Theog.  352.  Hyg.  Praef.  eo  Tochter  des  Merops,  Gemahlin  des  Eurypylos, 

p.  28  Bunte.  Schoemann,  Op.Ac.2,  148.  Braun,  Königs  in  Kos,  der  von  Herakles  getötet  ward, 

Gr.  Götterl.  §  151.   —  [3)  Geliebte   des   Helios  Mutter  des  Chalkon  und  Antagoras.     Sie  und 

(vielleicht   identisch    mit  nr.   2),    von    diesem  ihr  Gatte  sollen  die  Demeter  auf  ihren  Irren  in 

verlassen,    als  er   seine   Neigung    der  schönen  Kos  aufgenommen  haben,  Theokr.  Id.  7,  5  u. 

Leukothea   schenkte.     Diese   war    die  Tochter  Schol.  —  5)  Tochter  des  Amphidamas,  Gemahlin 

des  Königs   Orchamos   und   der  Eurynome;   in  des  Tantalos,  Mutter  des  Pelops,  Pherckyd.  b. 

der  Gestalt   der  Mutter  nahte   sich    der  Gott  Schol.Eur.Or.il.   Stark,  Niobe 426.  —  6)  Toch- 

der  Jungfrau,  entfernte  ihre  zwölf  Dienerinnen,  ter  der  Niobe,  Pherek.  b.  Schol.  Eur.  Phocn.  162. 


1247 


Klytides 


Klyto 


1248 


Stark,  Kiobe  96.  —  7)  Kebsweib  des  Arnyntor, 
des  Vaters  des  Phoinix,  Schol  II.  9,  448.  TzeU. 
L.  421.    [Näheres  Bd.  1  S.  2672  Z.  20ff.  Höfer.] 

—  8)  Gemahlin  des  Kandaules,  Ptol.  Heph.  b. 
Phot.  cod.  190  p.  150  (p.  192  Westerm., 
Mythogr.).     [Stoll.] 

Klytides  (JilvxiSi];),  1)  Beiname  des  Peiraios 
(s.  d.)  als  Sohn  des  Klytios  oder  Klytos  (s. 
Hesych.  s.  v.  Klvziäiy  Klvzov  izai");  Hom.  Od. 
o  540.  —  2)  ein  Joloip  KlvrCSrjg  wird  nach 
//.  A  302  von  Hektor  getötet  (vgl.  die  Schol. 
z.  d.  St.).  —  3)  Klvv([ä]Sai,  Wahrsager- 
geschlecht in  Elis;  das  sich  von  Klytios  (s.  d. 
nr.  4),  dem  Sohne  des  Alkmaion  und  Enkel 
des  Arnphiaraos  und  weiterhin  von  Melampus 
ableitete;  Paus.  6, 17,6;  vgl.  App.  Anthol.  Pal. 
nr.  371:  Tai'  ä'  iiQoyXcaaacov  Kkvziöäv  ysvos 
svxouat  slvai,  ucimg,  an'  loo&icov  aiua  Mi- 
XainzoöiSciv.  Zu  diesen  Klytiaden  gehörte 
nach  Hcrod.  9,  33  auch  der  Seher  Tisamenos. 

—  4)  Geschlecht  auf  Chios,  deren  agaC  er- 
wähnt werden;  Bittenbcrger,  Syll.  I.  Gr.  360. 
Töpffer,  Alt.  Gen.  S.  139,  3.     [  Röscher.] 

Klytios  [Klvtiog,  Klvtiog,  Et.  M.  521,  12), 
1)  Gigant,  im  Kampf  der  Giganten  gegen  die 
Olympier  von  Hekate  oder  Hephaistos  mit 
glühenden  Eisenmassen  getötet,  Apollod.  1,  6,  2. 
Mehr  b.  Max.  Mayer,  Gig.  u.  Titanen  S.  185. 
203.  Gerhard,  Trinkschalen  Tf.  10.  11.  Elite 
ceram.  1  p.  160.  —  2)  Sohn  des  Laomedon, 
Bruder  des  Priamos,  Vater  des  Kaietor  und 
der  Prokleia,  der  Gemahlin  des  Kyknos, 
Königs  in  dem  troischen  Kolonai,  II.  20,  238. 
15,  419.  Apollod.  3,  12,  3.  Paus.  10,  14,  2. 
Pronoe,  Tochter  des  Klytios,  gebar  dem 
Panthoos  den  Polydamas,*  Sc/io?.  II.  12,  211. 
Die  Gemahlin  des  Klytios  hiefs  Laothoe,  Tzetz. 
Hom.i'Al.  Klytios  hiefsen  noch  mehrere  Trojaner, 
11.3,  147.  Verg.Aen.  9,  774.  10,  129.  325.  11,  666 
[s.  unten!].  —  3)  Ein  Athener,  dessen  Tochter 
Pheno  denLamedon,  König  in  Sikyon,  heiratete, 
Paus.  2,  6,  2.  —  4)  .Sohn  des  Alkmaion  und 
einer  Tochter  des  Phegeus  in  Psophis,  Enkel 
des  Arnphiaraos,  zog  von  Psophis  nach  Elis, 
wo  das  olympische  Sehergeschlecht  der  Kly- 
tiaden sich  von  ihm  ableitete,  Paus.  6,  17,  4. 
Müller,  Dorier  1,  253.  Eckermann,  Melampus 
122.  [Vgl.  A.  Maury,  Eist,  des  rel.  de  la 
Gri-ce  ant.  2  p.  3S7  u.  Anm.  6.  p.  447  Anui  1. 
E.  Beule',  Archives  desmiss.  scientif.  1851  p.  566. 
Körte,  Der  Ostgiebel  des  Zeustempels  in  Olympia, 
Berliner  Philol.  Wochenschr.  1892  nr.  30—33. 
Arch.  An:.  1892  p.  144.  Bouche- Leelercg, 
Hist.  de  la  divination  dans  l'ant.  2  p.  69.  70. 
Ob  mit  den  elischen  Klytiaden  in  Zusammen- 
hang stehen  die  in  einer  Inschrift  von  Chios 
erwähnten  KkvTidctt,  läfst  der  Herausgeber  der 
Inschrift  Sourias,  Mitt.  d.  k.  IJ.  Arch.  Inst, 
in  Athen  3  p.  203 — 207,  unentschieden,  s.  Klytides. 
Drexler.]  [Bull  de  corr.  hell.  3,  54ff.  Höfer.]  - 
5)  Ithakesier,  Vater  des  Peiraios,  eines  Freun- 
des des  Telemachos,  Od.  16,  327.  15,  540.  Eust. 
ad  Hom.  Od.  1790,  55.  Der  von  Hektor  erlegte 
Dolops  (II.  11,  302)  kann  ein  Sohn  dieses 
Klytios  (Klytos?)  sein  (s.  Klytides).  —  0)  Sohn 
des  Eurytos  aus  Oichalia  und  der  Antiope 
(oder  Antioche),  Bruder  des  Iphitos,  Argo- 
naut, Hcsiod  (fr.  45  Lehrs)  und  Aristökrates 


b.  Schol.  Soph.  Trach,  263.  Ap.  Bh.  1,  86 
(u.  Schol).  2,  117.  Hyg.  f.  14  p.  40  Bunte, 
von  Aietes  getötet,  Hyg.  f.  14  p.  415.; 
[statt  huius  filius  Clytius  ab  Aeeta  interf'ectus 
est  wird  man  mit  Robert.  Jahrb.  d.  Kais.  D. 
arch.  Inst.  3  [1S88]  53  zu  lesen  haben  huius 
filius  Clytius,  ab  hoc  Aretus  interfectus 
est;  vgl.  Apoll.  Bhod.2,  114ff.  und  schol.  Bd.  1 
S.  495  Z.  54;   es   liegt  hier    ein   Fall  vor,  wo 

10  seltenere  Namen  durch  allgemein  bekannte 
ersetzt  werden.  Über  die  Darstellung  des 
Klytios  auf  der  Meidiasvase  (ob.  Bd.  1  Sp.  2602. 
C.  I.  Gr.  4,  S4S7.  Britischer  Vasenkatalog  2, 
11  nr.  1264.  Arch.  Ztg.  16  [1858],  130)  s. 
Gerhard,  Abh.  d.  K.  Akad.  d.  Wissensch.  1839 
295  ff.  Gesammelte  Abhandl  1,  lS8f.  Th.  Pyl. 
Arch.  Ztg.  12  (1854),  301.  Vgl.  nr.  14.  Höfer.] 
Oder  er  kam  bei  der  Eroberung  von  Oichalia 
durch  Herakles  um,  Diod.  4,  37.    Schol  Soph. 

äo  Trach.  352.  [Nach  dem  Bilde  der  Miinch.  Vase 
nr.  125  =  Gerhard,  Auserl.  V.  237  war  dieser 
Klytios  auch  Teilnehmer  an  der  kalydonischen 
Eberjagd.  Vgl.  nr.  15  u.  Klymenosl2.  Röscher.] 
—  [  TYelcker,  Ercole  ospite  in  casa  di  Eurito  re 
d'Oichalia.  '  Ann.  d.  Inst.  1859  p.  243ff. 
Dumont  et  Chaplain,  Les  ce'ramiques  de  la 
Grece  propre  p.  246.  Drexler.]  —  7)  Sohn 
des  Agriopas,  Enkel  des  Kyklops  (s.  d.),  im  Heere 
des    Eumolpos    gegen    Eleusis;    fiel    zugleich 

su  mit  Immarados,  dem  Sohn  des  Eumolpos,  und 
Egremos,  dem  Sohn  des  Eurynomos,  Schol  II 
18,  483.  Lobeck.  Agl  1,  209.  —  S)  Gefährte 
des  Phineus,  von  Perseus  getötet,  Oc.  Met.  5, 
140.  —  9)  Begleiter  des  Dionysos  nach  Indien, 
Konn.  Bion.  28,  66.  —  [10)  Knappe  des  Tydeus, 
bei  der  Ermordung  der  Ismene  durch  Tydeus 
zugegen  auf  einer  korinthischen  Vase  Mon.  d. 
Inst.  6  tav.  14.  Wiener  Vorlegeblätter  Ser.  3 
T.  8.  1,  2.    Welcker,  Alte  Btnkm.  5  T.  14  S.  253. 

40  Robert,  Bild  und  Lied  20.  S.  Klytos  5.  Höfer.]  — 
[ll)Barbar(Skythe?  Perser'?), Teilnehmer  an  der 
auf  der  Petersburger  Vase  nr.  1790  dargestell- 
ten (mythischen?)  Eberjagd.  —  12)  Vgl.  Verg. 
A.  10,  129  und  325.  —  13)  S.  d.  Naubolos, 
Vater  des  Nauplios;  Schol.  Veron.  ad  Verg.  A. 
2,  82.  Röscher.]  --  [14)  KAYTIOZ  vor  der 
thronenden  YHEA  stehend  auf  der  Meidias- 
vase, 0.  Jahn,  Ber.  üb.  d.  Verh.  d.  K.  Sachs. 
Ges.  d.  W.ph.  h.  Kl.  6  1854  p.  265  Anm.  105. 

so  C.  1.  Gr.  8487.  W.  Klein,  Die  griech.  Vasen 
mit  Miistersignaturcn ,  Benkschr.  d.  K.  Ak.  d. 
W.  pi'-  '<•  -&-'?■  32.  Bd.  2.  Abt.  1882  p.  197,  wo 
die  Litteratur  über  die  Meidiasvase  verzeich- 
net ist.  Vgl.  ob.  nr.  6.  —  15)  cpWTIO?,  Be- 
gleiter des  Peleus  auf  einer  Vase  in  München, 
auf  der  Peleus  und  Atalante  im  Begriff  mit 
einander  zu  lingen  dargestellt  sind,  Gerhard, 
Auserl. Vasenb.  T.  237.  0.  Jahn,Beschr.  d.  Vasens. 
König  Ludwigs  p.  38  nr.  125.     C.  I.  Gr.    7382. 

60  Drexler.]  —  [16)  Beiname  Apollons;  s.  Klutius. 
Koscher.]  —  17)  S.  Klytos  u.  Klytides.     [StolL] 
Kiytippe  (K?.vzi7inrj),  Tochter  des  Thespios, 
die  dem  Herakles  den  Eurykapys  gebar,  Apol- 
lod. 2,  7,  8.     [Stoll.] 

Klyto  (KXvtco),  eine  Bakchantin,  dargestellt 
auf  einer  Arnphora  tanzend,  mit  6  Satyrn  und 
5  Bakchantinnen,  Heydemann,  Satyr-  u.  Bak- 
chennamen  S.  28.  C.  I.  Gr.  4  nr.  7459.  [Lorentz.] 


1249                      Klytodora  Knuphis  (Namensfornien  etc.)     1250 

Klytodora    (KlvzoScögu) ,   1)    Gemahlin    des  S.  120,  dafs  auch   Kvccyevg,  'der  Bocksmann', 

Minyas,  dem  sie  den  Presbon,  die  Periklymene  eine    Hypostase    des    Dionysos    sei,   dem   von 

und  Eteoklymene  gebar,  Schol.  Ap.  Bh.  1,  230.  —  Ziegenhirten  und  Weinbauern  Bocksopfer  dar- 

2)  Tochter  des  Laomedon,   welche  dem  Assa-  gebracht  wurden.     [Röscher.] 

rakos  den  Kap'ys  gebar,  Dionys.  A.  B.  1,  62.  Kiieinis  (Kvfjitig),  Amazone,  Gefährtin  Pen- 

[Stoll.]  thesileias,  Tzetz.  Posth.  181.     [Klügmann.] 

Klytomeiles  (KXvxof-triär]g),  Sohn  des  Buops,  Kneph  =  Knuphis  (s.  d.). 

Grieche,  von  dem  jugendlichen  Nestor  bei  den  Knopos  s.  Kodros. 

[.eichenspielen    des    Epeers    Amarynkens    im  Knuphis,  Kvovtptg  (Cramer,  Anecd.  Oxon.  3 
Faustkampf  besiegt,  II.  23,  634.     [Stoll.]           io  p.  171  u.  Strabo  17,  817),  Xvovßig   (C.  I.  Gr. 

Klytometis    (KXv  1 6  [i.r,z  ig),    Beiname     1)  des  4893.  4862);  Xvovßco  (Proceedings  of  the  Society 

Ilephaistos,  Hom.  hymn.  19,  1.  —  2)  des  As-  of  Biblical  Archaeology  9  p.  204);  Xvovfiig  (Pa- 

klepios    auf    einer    Inschrift    aus    Epidauros,  pyri,    Wiedemann,  Herodots  2.  Buch  p.  198), 

Ao-Hl-quiä    -nXvtoarjTiSi    'AcpQixavbg     b     isgsvg,  Kvrjcp  (Plut.  de  Is.  et  Os.  c.  22,  Euseb.  praep. 

Kabbadias    in    Epliem.    arch.    1883,   88;    vgl.  ev.  3,  11)   sind  die  griechischen  Schreibungen 

C.   I.   G.   5973  c    und    die    Weihintchrift    aus  des  ägyptischen  Gottesnamens  Chnum(Chnumu, 

Menschieh   (Ptolemais)   TLaiüva  nXvx6(ir]xiv  .  .  .  Chnemu),   für   den  sich  in   einer  meroitischen 

AtjTOiär)v   zxazov  Bevue  urche'ol.  13  (1889),  71.  Inschrift  auch  Knufi  findet  (Lepsius ,   l'ber  die 

Nach  Baunack,  Studien  a.  d.  Gebiete  d.  Griech.  Gotter    der    vier    Elemente  p.  223   Anm.  6   zu 

1,  88    hat    Asklepios    diesen    Beinamen    von  20  p.  222;  vgl.  Wiedemann  a.  a.  0.  p.  197).     Rei- 

seinen  Wunderknren.      [S.   auch   Dilthey ,   Bit.  nisch,  Die  ägypt.  Bildwerke  in  Miramar  p.  214 

Mus.  N.  F.  27  1872  p.  390.   Drexler.]    [Höfer.]  Aum.  1  und  Wiedemann  a.  a.  O.  p.  198  halten 

Klytoneos   (KlvzövTjog) ,   1)    Sohn   des  Alki-  auch  den  Kafiricprjg  des  Stobaeus  ecl.  1,  52,  Kagrj- 

noos,  Königs  der  Phaiaken,  siegt  im  Wettlauf,  epig  (s.d.)  des  Damasdus  p. 386  ed.  Kopp,  Wiede- 

Od.  8,  119 ff.     [Zur  Erklärung  des  Namens  vgl.  mann  aufserdem  den  'Hfiricp  des  Iamblichos  7,3 

schol.    Hom.    Od.    8,    124   (piqaiv    xb   ovofia   ix  für  identisch  mit  Kneph,  während  Ed.  Xaville, 

rov    hXvtov   elvai   %aza  zag   vr\ag.     Höfer.]   —  ha  litanic  du  Soleil.   Leipzig  1875  4°  p.  18  in 

2)  Sohn  des  Naubolos,  Vater  des  Argonauten  'H[irj<p    eine     griechische     Umschreibung     des 

Nauplios , '  Ap.   Eh.    1,    134    und    Schol.;    vgl.  ägyptischen  Wortes  Tenit  „das  All"  vermutet. 

Inttrpr.  Verg.  Aen.  2,  82.   [Stoll.]                          30  Chnum  ist  die  Lokalgottheit  des  Katar- 

Klytonymos    (KXvzcowfiog  =  KXvocowfiog),  rbaktengebietes,  des  1.  oberägyptischen  Gaues 

Sohn  des  Amphidamas,  getötet  von  Patroklos,  mit  der  Hauptstadt  Elephantine.     Maspero 

Apollod.  3,  13,  8.     [Lorentz.]  vermutet  in  ihm  eine  Nilgottheit  („un  dieu  du 

Klytos   {KXvxog),    1)  Gefährte   des  Phineus,  Nil"),  Btvue  de  l'hist.  des  religions  19  p.  42; 

von  Perseus  erlegt,  Ov.  Met.  5,  87.  —  2)  Sohn  (vgl.  die  Abbildung  bei  Lanzone,  Die.  di  mitol. 

des  Atheners  Pallas,  Brader  des  Bntes;   beide  egizia  Tav.  337,  2:  Chnum  mit  beiden  Händen 

Brüder  wurden  von  den  Athenern  mit  Kepha-  Wasser  ausgiefsend).     Seine   nägsögoi  in  dem 

los    zu    Aiakos    geschickt,    um    Hülfe    gegen  erwähnten   Gebiet  waren  die   Göttinnen    Satis 

Minos  zu  erbitten,  Ov.  Met.  7,  500.  —  3)  Sohn  und  Anukis,   welche   die  Griechen    mit    Hera 

des  Aigyptos,  mit  der  Danaide  Autodike  ver-  40  und  Hestia  verglichen,  C.  I.  Gr.  4893,  C.  I.  L. 

mahlt,  Eyy.  f.  170.    Ein  Aigyptide  Kleitos  b.  3,  75.    Wiedemann,  Die  Meligion  der  alten  Äg. 

Apollod.   2,   1,   5.   —    4)  Sohn    des    Temenos,  p_,  73.    Brugsch,  Religion  u.  Mythol.  der  alten 

König  von  Argos,  Hyg.  f.  124.     Vgl.  Keisos.  —  Äg.  p.  299 — 303.  —  Maspero  a.  a.  O.  p.  42;  vgl. 

[5)  Klytos,  Knappe  des  Tydeus  auf  einer  Vase  Maspero,    Cat.    du    musee    ig.    de    Marseille. 

im   Louvre    mit    der    Ermordung    der    Ismene  Paris  1880  p.  128  giebt  von   ihnen  diese  Deu- 

durch  Tydeus,  Mon.  d.  Inst.  6  Tav.  14.     Welelcer,  tung:    „Elles    sont   deux    fees    des    eaux,    dont 

A.  D.  5   p.  253 ff.     Catcdoghi  del  Museo  Cam-  l'une  Anouquit,  'la  serreuse' ,  hante  les  rochers 

pana  2  nr.  49.    Dumont  et  Cliaplain,  Les  cera-  aui  resserrent  et   mattrisent   l'eau   de  Khnou- 

miques  de  la  Grece  propre  p.  249  nr.  1.  Robert,  mou,    dont   l'autre   Satit,   'l'archere',    lance  le 

Bild  tend  Lied  p.  20,    der   ihn  aber   Klytios  50  courant  de  Khnoumou  ä  travers  les  rochers  avec 

nennt.  Drexler.]  —  Vgl.  Klytides  und  Klytios  10.  la  rapidite  de  la  fliehe."  —  Brugsch,  Bei.  p.  302, 

[Stoll.]  Die  Ägyptologie  p.  175  sieht  in   ersterer  „das 

Klytotoxos  (KXvxözo^og),  steht   absolut  für  die    Felder    umfangende,    nährende    und    be- 

Apollon  bei  Nonn.  Dionys.   1,   330.    12,   245.  fruchtende  Wasser  des  Nil",  in  letzterer  (Bei. 

248.    29,  115.    36,  110;    '%Xvxozo£og   'AnbXXav ,  p.  300)    „die    Nilschwelle,    welche    nach     der 

Hom.  LI.  4,  102.    Od.  17,  494.  21,  267.    Nonn.  Sonnenwende  (Cbnum-Ra)  eintritt,  sobald  der 

Dionys.  33,  163.     [Höfer.]  «.  Sirius,  d.  i.  die  Göttin  Sopdit,   Soptit,  Sothis, 

Kuageus  (Kvayivg),  Name   eines  Lakoniers,  in  der  Sonnennähe  am  ersten  Tage  des  sothi- 

üer  in    der   Kultlegende   der  Artemis   Knagia  sehen  Kalenderjahres  aufgeht", 

eine  Rolle  spielte.    Nach  Paus.  3,  18,  4  wurde  so  Häufig  erhält  Chnum  in  den  hieroglyphi- 

Knageus  nach  Kreta  verkauft  und  verrichtete  sehen  Inschriften  den  Beinamen  'der  Herr  von 

dort  in   einem  Artemistempel   Sklavendienste,  Qebh',  Brugsch,  Diel,  geogr.  p.  823  ff.  s.  v.  QeB, 

bis  es  ihm  gelang,  mit  der  Priesterin,  die  das  Bei.   p.  205;    Beinisch   p.  216;    E.   A.   Wallis 

Kultbild    mitnahm,   zu   entfliehen.      Da    diese  Budge,  Pioceedings  of  the  Soc.  of  Bibl.  Arch. 

Legende  der  Sage  von  Orestes,  Iphigeneia  und  1887/88  10  p.  26,  p.  28;  Maspero,  Rev.  de  Vhist. 

Artemis   Orthia   ähnlich  und   in  Orestes   viel-  des  relig.  19  1889  p.  42;  vgl.  18  1888  p.  269  f. 

leicht  eine   dionysosähnliche  Göttergestalt  zu  Qebh  ist  nach  Brugsch,  Bei.  p.  295  n.Dümichen, 

erblicken  ist,   so   vermutet    Wide,  hak.  Kulte  Gesch.  Ägyptens  p.  32  Anm.  *  eine  Örtlichkeit 

Roscuek,   Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.    II.  40 


1251     Knuphis  (Herr  von  Quebh,  Seti,  Senem)  Knuphis  (Latopolis,  Hypselites  etc.)     1252 

auf  Elephantine.  Ferner  führt  er  die  Titel 
Chnurnu  neb  ib  (Lepsius,  Dkm.  6,  69,  163), 
Chnum  neb  ab  (Villi.  4 ,  24)  d.  i.  Cbnum  der 
Herr  von  Elephantine  [Brugsch,  Dict.  geogr. 
p.  111  s.  v.  'AB,  'IB,  Lanzone,-  Dizionario  eli 
mitologia  egizia  p,  965,  Wiedemann ,  Herodots 
2.  Buch  p.  118),  griechisch  Xvovßm  Neßtrjß; 
Proc.  1886/87  9  p.  202— 205,  Classicäl  Review  1 
p.  4,  Wochenschr.  f.  kl.  Fhilol.  5  1888  Sp.  1178  f., 
Wilcken,  Jahrb.  d.  Ksl.  D.  Arch.  Inst.  4,  Arch.  10 
Anz.  p.  115  —  117.  Des  von  Sirabo  p.  817  er- 
wähnten Tempels  des  Cbnum  auf  Elephantine 
wird  in  der  oben  angeführten  Inschrift  Proc.  9 
p.  203  Z.  23  als  des  Xvovßslov  gedacht.  Diener 
des  Gottes  Chnum  von  Elephantine  erwähnen 
bereits  Grabschriften  von  Syene  aus  der  Zeit 
der  6.  u.  12.  Dynastie,  E.  A.Wallis  Budge,  Proc. 
1887/88  10  [p.  4—40]  p.  16.  25—37.  Maspero, 
Rapport  ä  V  Institut  Egyptien  sur  les  fouillcs 
et  travaux  executes  en  Egypte  pendant  l'hiver  20 
de  18S5—1SS6  (Extr.  du  Bull,  de  l'Inst.  Eg.  de 
l'annee  1SS6).  Le  Caire  1887  p.  33 ff.  Eine 
Inschrift  auf  dem  unteren  Stück  eiues  Obelisken 
auf  Elephantine  besagt:  „  .  .  .  Thuthmosis  III. 
Er  hat  dies  gemacht  zu  seinem  Gedächtnis 
seinem  Vater,  dem  Gotte  Hnum,  indem  er  ihm 
ein  Obeliskenpaar  aus  Syenit  an  der  ersten 
Feier  des  dreifsigjährigen  Regierungsjubiläums 
machen  liefs",  Brugsch,  Thcs.  Inscr.  Aeg.  5, 
p.  XXI,  p.  1220.  30 

Von  seiner  Verein  ung  auf  der  Insel  Sohel, 
Sehel,  dem  alten  Sati,  Seti,  wo  besonders  Anu- 
kit  einen  Kult  hatte  (Brugsch,  Bei.  p.  302, 
Biet,  geogr.  p.  1331,  Thes.  Inscr.  Aeg.  5  p.  XIX, 
1216  nr.  i,  k,  in,  o,  r,  s,  p.  1216  nr.  bb ,  ee, 
p.  XX,  1216  nr.  gg),  beifst  er  zuweilen  „Chnum, 
Herr  der  Insel  Seti",  so  in  der  Inschrift  bei 
Brugsch,  Thes.  Inscr.  Aeg.  p.  XIX,  1214  nr.  aa, 
einem  .,Proskynema  vor  dem  Gott  Hnum,  Herrn 
der  Insel  Seti  durch  die  Propheten  des  theba-  4,0 
nischen  Gottes  Montu:  Anmemes  und  Arne- 
nemhet".  Die  von  den  Gvvuyovzig  iv  Zrfzsi, 
%>l  zov  diovvGav  vifiM,ßaaiXiBxai  den  Gottheiten 
Xvovßsi   zä   xcil  "Jfificovi,    Sdzn  zrj    v.ai    Hqci, 

'AvQVV.il    ZJI     Y.UI    'EOZICI,    ri£TSßJtO!IJ,lVZSl    ZG)    V.CII 

JlOVVGG)  ,  n^zsvoi'jzti  ZCti  YMl  KqOVOJ  ,  IJszsv- 
o)jv£[i]  zip  Kort  Egusi,  &soi?  utyüXoig  xo'i.  zoig 
atloiq  zoig  snl  toü  KazaQav.rov  dauioaiv  dar- 
gebrachte Stele  C.  I.  Gr.  4893  wird  erläutert 
von  Brugsch,  Dict.  geogr.  p.  1331,  Thes.  Inscr.  50 
Aeg.  5  p.  XX.  ritztv-,  ptn  bedeutet  „der 
welcher  in",  und  ist  eine  jüngere  Form  für 
das  gleichbedeutende  hnt,  hnti;  der  in  Amenti 
6  «tu  diovvaog  ist  Osiris,  der  in  Seti  6  xo:! 
Koovog  ist  Qeb,  der  in  Senem  6  xcni  'Egfiijs  ist 
Thot. 

Von  seinem  Kultus  auf  der  Insel  Senem, 
Senmut,  dem  beutigen  Begeh,  Bigeh  heifst 
Chnum  öfter  der  Herr  von  Senem,  Brugsch, 
Dict.  geogr.  p.  727,  lanzone  p.  962  f.,  Brugsch,  60 
Thes.  Inscr.  Aeg.  5  p.  XX,  1217,  Bigeh,  nr.  a, 
fe),  h;  vgl.  p.  XXI,  1218,  Konosso  nr.  a. 

Eine  zweite  Hauptverehrungsstätte  des 
Cbnum  war  die  im  3.  oberägyptischen  Gau 
gelegene  Stadt  Sen,  Seni,  Latopolis,  jetzt 
Esne,  Brugsch,  Dict.  geogr.  p.  720  ff.  s.  v.  Seift, 
SeNI  Dümiclien,  Gesch.  Ägyptens  p.  55  ff.,  die 
auch  Pa-Chnum,  Wohnung  des  Chnum  genannt 


wurde,  Brugsch,  Dict.  geogr.  p.  583  s.  v.  PI- 
llNUM;  vgl.  p.  584  s.  v.  Ha-1iKCM,  p.  585  s.  v. 

SA- TN  SA  (^mim).  J.  de  Bouge,  Monn.  des 
nomes  de  t'Eg.,  Bev.  num.  n.  s.  15  p.  9  nr.  1, 
vgl.  Töchon  p.  63  erkennt  ihn  auf  Münzen  des 
Nomos  Latopolites  in  einer  nackten  Gestalt 
mit  Scepter  in  der  L.,  dem  Fisch  Latus  auf 
der  R.  und  der  Sonnenscheibe  zwischen  Hör- 
nern auf  dem  Haupte.  Seine  Gemahlin  war  hier 
die  Göttin  Nebuu-t,  „das  All",  eine  Form  der 
Neit,  wie  denn  Esne  auch  Pa  Neit  res  „die  Stadt 
der  Neit  im  Südreiche"  genannt  wurde;  und 
das  Kind  beider  war  Kahi  oder  Hi-ka,  Dü- 
miclien p.  57,  Brugsch,  Dict.  geogr.  p.  721  f., 
Lanzone  p.  351  ff.,  D.  Mallet,  Le  eultede  Neit 
ä  Suis  p.  133  — 135.  Auch  mehrere  Örtlich- 
keiten im  Gebiet  von  Esne  hatten  Tempel  des 
Chnum,  darunter  die  von  Ptolemäus  4,  5,  73 
erwähnte  Stadt  Chnubis,  deren  Zusammenhang 
mit  dem  Gotte  Chnum  ich  (Mythol.  Beitr.  1 
p.  61  Anm.  1),  unter  unrichtiger  Ansetzung  der 
Lage,  fälschlich  gegen  Steuding  (oben  1  Sp.  897) 
in  Abrede  gestellt  habe,  s.  Dümiclien  p.  61  f., 
Brugsch,  Dict.  geogr.  p.  712  ff.  s.  v.  SMeN  u. 
p.  747  s.  v.  Sollet. 

Auch  in  Schas-hotep,  der  Metropole  des 
11.  oberägyptischen  Gaues,  des  Hypselites  der 
griechisch-römischen  Periode,  wurde  er  verehrt. 
Der  heilige  Name  dieser  Stadt  war  Pi-chnumu 
neb  schas-botepu  „Wohnung  des  Chnum,  des 
Herin  von  Schas-hotep",  Brugsch,  Dict.  geogr. 
p.  583.  Er  wurde  dort  betrachtet  als  eine 
Lokalform  des  Osiris,  als  „Chnum  . . .  der  herr- 
liche Widder  des  Osiris  in  der  Stadt  Hypselis, 
der  König  der  Götter",  Brugsch,  Bei.  p.  292  f., 
Dict.  geogr.  p.  795,  Lanzone  p.  961.  Münzen 
des  Nomos  Hypselite3  zeigen  diesen  Widder 
entweder  allein  (unter  Hadrian),  Töchon,  Rech, 
sur  les  med.  des  nomes  de  l'Egypte-p.  100,  J.  de 
Bouge,  Monn.  des  nomes  de  TEyypte,  Bev. 
num.  1874/77  n.  s.  15  p.  20  nr.  3  oder  (unter 
Hadrian)  auf  der  Hand  einer  weiblichen  Gott- 
heit (Isis,  oder  Hathor) ,  Töchon  p.  98  f.,  Feu- 
ardent,  Eg.  anc.  2  p  302  nr.  3516,  J.  de  Bouge 
a.  a.  0.  p.  20  nr.  1.  2  u.  „Les  personnages  sur 
les  monn.  des  nomes",  Annuaire  de  la  societe 
frang.  de  numismatique  et  d'arche'ologie  15  1891 
p.  108  (gegen  Fröhner,  Le  nome  sur.  les  monn. 
d'Eg."  ebenda  14  1890  p.  288).  Über  seine 
sonstigen,  besonders  in  Oberägypten  und  Nubien 
gelegenen  Verehrungsstätten  s.  Lanzone  p.  962 
bis  966. 

In  Mittelägypten  ist  eine  Form  des  Chnum  der 
in  Herakleopolis  Magna  verehrte  Her-schef, 
'Jgoixeprig,  s.  oben  s.  v.  Har - schafet ,  Brugsch, 
Bei.  p.  303  —  308,  Dict.  geogr.  p.  601,  Wiede- 
mann, Herodots  2.  Buch  p.  205,  Maspero,  Bev. 
de  l'hist.  des  rel.  19  p.  41  Anm.  1. 

In  späterer  Zeit  verschmolz  Cnnum  mit  Ra 
und  Amon,  Beinisch  p.  21411'.,  Birch  inBonomi 
and  Arundale,  Egyptian  antieruities  in  the 
British  Museum  p.  9.  10,  Lepsius,  Zeitschr.  f. 
äg.  Spr.  1877  p.  12  f.,  Grebaut,  Hymne  ä  Am- 
mon-Ba.  Paris  1874  p.  134  ff.,  Pierret,  Le  pan- 
theoneg.  p.9,  Brugsch,  Bd.  290  ff.,  V.v.Straufs 
u.  Tomey,  Der  altäg.  Götterglaube  1  p.  368  F., 
Wiedemann,  Die  Bei.  der  alten  Äg.  p.  72.    Im 


1253     Knuphis  (vermischt  mit  Ra  u.  Amon) 

Kuhzimmer  des  Setigrabes  sagt  Ra(Z.85)  „seine 
Seele  sei  die  Seele  des  Chmim",  v.  Straufs  1 
p.  369;  Chnum  heifst  ba  n  rä  die  Seele  (oder 
der  Widder)  des  Ra,  Mariette,  Denderah  i,  83, 
oder  ba  än#  n  rä  die  lebende  Seele  des  Ra, 
Brugsch ,  Uict.  geogr.  p.  480,  v.  Bergmann, 
Hierogl.  Inschriften  gesammelt  während  einer 
im  Winter  1S77/78  unternommenen  Reise  in 
Ägypten.  Wien  1879.  4"  p.  30  f.  Häufig  nahm 
er  zu  seinen  wagereeht  vom  Kopfe  abstehenden 
Hörnern  die  nach  unten  gebogenen  des  Amon 
an  (s.  Fig.  2).  Eine  alexandrinische  Münze  des 
Antoninus  Pius  (Zoega,  Numi  aeg.  Tab.  22  Fig.  2 
p.  394  nr.  446  b)  zeigt  das  Haupt  des  Sarapis 
über  einem  bei  einem  Altar  stehenden  Widder, 
dessen  Kopf  die  Sonnenscheibe  über  den  Hör- 
nern des  Chnum  und  Amon  trägt;  eine  andere 
alexandrinische  Münze  des  AntoninusPius^oeV/a 
Tab.  10,  18,  p,  174  nr.  98,  Mionnet  6,  222,  1429, 
Feuardent,  Eg.  ang.  2,  107,   1608)   zeigt  das 


Knuphis  (als  Schöpfer) 


1254 


1)  Chnum  mit  der  Henkelvase,  welche  zur  Schreibung 

seines  Namena  dient,  auf  dem  Haupte  (uach  Lanzone, 

Diz.  di  mitol.  egiz.  Tay.  337,  3). 

Haupt  des  Sarapis  ausgestattet  mit  Modius, 
Strahlenkranz  und  den  Hörnern  des  Chnum  und 
Amon,  also  eine  Vereinigung  der  Gottheiten 
Sarapis-Osiris,  Chnum  und  Amon. 

Über  dfe  Bedeutung  des  Wortes  Chnum 
sagt  Dienlichen  a.  a.  0.  p.  55  (und  nach  ihm  Ober- 
ziner,  II  eulto  del  Sole  presso  gli  antichi  orien- 
tali  Vol.  1  p.  72 f.):  „Das  mit  dem  Zeichen 
der  Henkelvase  geschriebene  Wort  chnum  hat 
in  den  Inschriften  folgende  Bedeutungen: 
c  mischen  —  durch  Mischung  die  Substanzen 
vereinigen  —  denselben  durch  Zusammen- 
fügung  Gestalt  verleihen,  formen,  bilden  — 
und  einen  Gegenstand  mit  etwas  erfüllen', 
von  der  Gottheit  gebraucht,  rmit  Lebensodem 
versehen'.  Diese  verschiedenen  Bedeutungen 
des  Wortes  enthüllen  uns  das  Wesen  des 
Gottes  Chnum.  Man  dachte  sich  ihn  als  die 
in  der  ewigen  Materie  wirkende  Kraft,  als  den 
dieselbe  mischenden,  sie  zu  Gestalten  formenden 
und  diesen  Gebilden  Leben  gebenden  Gott"; 
und    Brugsch,   Hierogl. -Dcmot.    Wörterbuch  3 


p.  1099  verzeichnet  als  Bedeutung  von  %num, 
jtnum,  pemu  „der  Architekt,  der  Baumeister, 
par  Exe,  der  Weltbaumeister,  der  Bildner"; 
vgl.  Brugsch,  Die  Ägyptologie  p.  175,  v.  Strauß  1 
p.  370. 

Diese  seine  schöpferische  Thätigkeit 
wird  sehr  oft  bezeugt.  Noch  Euseb.  depraep.  ev. 
3,  11  berichtet  von  dem  d'nfiLOVQybg,  ov  Kvr)cp 
oi    Alyvnxioi     TTQOGuyoqEvovGiv:    xbv    öl    tTeov 

10  xovxov  ey.  xov  Gxoyaxog  izqoieg&ui  cpaGiv 
(nach  Lepsius,  Über  die  Götter  der  4  Elemente 
beiden  Äg.,  Abh.  d.  Berliner  Akad.  1856  p.  191 
Anm.  1  ein  symbolischer  Ausdruck)  äbv ,  t| 
ov  ytvvÜG&ai  &EOV ,  ov  avxol  nooGayoQEVovGi 
<t>&ä ,  oi  dh  "EXXnvEg  "HcpaiGxov,  EgynvEVEiv  äi 
xö  äbv  xbv  v.oguov;  vgl.  dazu  E.  Lefebure, 
L'oeuf  dans  la  rcligion  e'gyptienne ,  Bev.  de 
l'hist.  des  religions  8eannee,  tome  16  1887  p.  18, 
Pierret,  Dict.  cl'arch.  eg.  p.  374,  E.  de  Rouge, 

20  Notice  sommaire  des  monuments  eg.  nouv.  ed.  1876 
p.  123,  Brugsch,  Bei.  p.  161.  291.  298.  Maspero, 
Catal.  du  musee  eg.  de  Marseille  p.  129. 

Ein  Bild  des  Chnum  von  Elephantine  wird 
bei  Euseb.  depraep.  ev.  3,  12  so  beschrieben: 
Marc;  Se  xtjv  'EXEtfavxivrrv  itöXiv  xtXL(ir]xai 
äyaXua,  ntiiXaOfi'cVov  jiev,  äXX'  dvÖQEi'y.EXov  v.ai 
y.fx&t}p.tvov ,  kvocvovv  xe  xitv  zQoiav,  HEtpaXrjv 
öe  KQioi  HSv.zriu.Evov,  Kai  ßaaCXstov,  KEQaxa 
xgdyEia    (Sp.   1256*)    e'%ov,    oig  etiegxi  KvxXog 

3o  ölgxoe törjg,  y.ad'rjtoa  öl  itcxQfx-AELyEvov  KEgau-Etov 
äyysiov,  Ecp  ob  av^gornov  ävcmlaoGEiv.  dnXoi 
dl  aTtb  fl£V  xov  y.Qiov  TTQOGMtov  £%eiv  y.al  aiybg 
»f'jero,  xrjv  ev  v.quö  gvvoÖov  r/Xiov  %al  GsXrj- 
vng'  xb  öe  Im  -/.vavov  %oo)u.a,  oxt  z'dguyojybg  ev 
GvvoSa  7]  GEXr\vr[;  vgl.  dazu  für  den  letzten  Satz 
Brugsch,  Bei.  p.  242  f.  p.  290  f.  An  der  Töpfer- 
scheibe aber  stellt  ihn  die  Abbildung  (=  Fig.  2) 
bei  Lanzone,  Tav.  336  hg.  3  dar.  Ferner  in  einer 
Darstellung    auf   Philae    bildet    er    auf  einer 

w  Töpferscheibe  die  Glieder  des  Osiris  mit  der 
ßeischrift:  „Chnum  arbeitet  an  der  Töpfer- 
scheibe, er  baut  die  Glieder  des  Osiris",  Eo- 
sellini, Monumenti  da  eulto  22,  Beinisch  p.  217, 
Wiedemann,  Heroclots  2.  Buch  p.  198.  In  einer 
Inschrift  aus  der  Zeit  des  Tiberius  wird  zu 
dem  bei  der  Töpferscheibe  sitzenden  Gott  ge- 
sagt: „Es  wird  zu  dir  gebracht  diese  Töpfer- 
scheibe da  auf  deinen  Wunsch.  Es  formt  darauf 
deine  Majestät  die  Götter  und  Menschen.    Das 

50  ist  das  Gleichnis  für  den  giofsen  Gott  als  den 
uranfänglichen  Bildner  dieser  Welt  mit  seinen 
Händen",  Brugsch,  Bei.  p.  113,  Thes.  Inscr. 
Aeg.  4  p.  732  f.,  v.  Straufs  1  p.  369  f.  Auf  der 
Stele  des  S'hot-pitri  in  Boulaq  sagt  der  Ver- 
storbene vom  König  Amenomhäit  III. :  „Das  ist 
ein  Gott  Chnum ,  welcher  formt  alle  Glieder, 
ein  Schöpfer,  welcher  hervorbringt  die  sinn- 
begabten Wesen",  Maspero,  Guide  du  visiteur 
au  musee  de  Boulaq  p.  71  f.  nr.  127.     In  Beit- 

oo  el- Wally  heifst  Ramses  III.  „der  gute  Gott, 
der  Sohn  des  Chnum,  der  ihn  geformt  hat  mit 
seinen  eigenen  Händen",  Lepsius,  LJkm.  177,  a, 
Beinisch,  p.  217,  Lauth,  Sitzungsber.  d.  philos.- 
philol.  u.  hist.  Kl.  d.  /.'.  b.  Ale.  d.  W.  r.u  München 
Jg.  1875.  Bd.  2  p.  98.  In  der  märchenhaften  Er- 
zählung von  den  beiden  Brüdern  (aus  der 
Zeit  der  19.  Dynastie)  verfertigt  Chnum  auf 
Befehl  des  Ra-Harmachis  dem  jüngeren  Bruder 

40* 


1255       Knuphis  (als  Schöpfer  etc.) 

eine  Frau,  G.  Maspero,  Les  contes  populaires 
de  l'Egypte  ancienne  p.  17.  Die  Inschrift  an  der 
Statue  des  Nesahor  im  Louvre  bezeichnet  Chnum 
als  „Schöpfer,  Verfertiger  der  Götter  und 
Menschen,  Herr  der  Gewässer",  JE.  de  Rouge, 
Notice  des  monuments  expose's  dans  la  galcrie 
d'cihtiquites  e'g.  7e  ed.  p.  44  nr.  90.  In  Dendera 
heifster„Vf ri'ertiger  der  Menschen,  Urheber  der 
Götter,  Vater  des  Anfangs",  Marictte,  Dend.  2, 37, 
Pierret.  Essai  sur  la  mythol.  e'g.  p.  26,  Lan- 
zone  p.  957;  in  Philae  „Urheber  dessen  was  da 
ist,  Schöpfer  der  Weseu,  Anfang  der  Formen, 
Vater  der  Väter,  Mutter  der  Mütter"  (Pierret, 
Essai  p.26,  Lanzone  p,  957),  oder  nach  Brugschs 
Übersetzung  (Thes.  Inscr.  Aeg.  4  p.  733)  „der 
Geist,  die  Urkraft,  der  Urheber  dessen,  was 
da  ist,  der  Schöpfer  dessen,  was  da  sein  wird, 


2)  Chnum  an  der  Töpferscheibe   (nach  Lanzone. 
Diz.  di  mitol.  egiz.  Tav.  336,  3). 

der  Anfang  dessen,  was  da  war,  der  Urvater 
und  die  Urmutter";  ebenda  „Chnum -lia  auf 
dem  Gebiete  von  Elephantine,  der  Vater  der 
Götter,  das  Seiende  er  selber,  der  Former  der 
Menschen,  der  Bildner  der  Götter",  Brugsch, 
Thes.  Inscr.  Aeg.  4  p.  733,  Pierret,  Essai  p.26, 
Lan:one  p.  957;  nach  Cliampollioti,  JXoticcs  1, 
G82  „Vater  der  Väter  der  Götter  und  der 
Göttinnen,  Herr  des  Werdens  in  sich,  Urheber 
des  Himmels,  der  Erde,  der  Unterwelt,  des 
Wassers  und  der  Berge'1,  Pierret,  Essai  p.  26, 
Panth.  ig.  p.  9,  Lanzone  p.  957  f.,  Mattet,  Le 
eulte  de  Neit  ä  Sais  p.  203.  Zahlreiche  der- 
artige Chnum  als  kosmogouische  Gottheit 
feiernde  Inschriften  hat  Brugsch,  Thes.  Inscr. 
Aeg.  4  p.  625  —  671  besonders  aus  Esne  zu- 
sammengestellt. U.  a.  heifst  Chnum  in  der  auf 
p.  626  mitgeteilten  Inschrift  ü,  p.  649  „der, 
welcher   den  Himmel   gemacht  hat,   die   Erde 


Knuphis  (bildl.  Darstellung)       1256 

gegründet,  das  Wasser  hervorkommen  liefs, 
die  Berge  geschaffen  hat,  welcher  gemacht 
hat,  was  da  ist  und  entstehen  liefs,  was  sich 
zeigt",  in  Inschrift  A  auf  Seite  651  ,  p.  652 
„der  Bildner  der  Sterne ,  der  Schöpfer  der 
Götter,  das  Seiende  selber,  der  ungeborene, 
dessen  Wesen  niemand  erkennt,  dem  niemand 
voran  steht.  Das  ist  ihr  Vater,  der  ihren  Leib 
entstehen  liefs.    Er  hat  gebaut  die  Götter  und 

10  er  hat  gemodelt  die  Göttinnen,  er  hat  erschaffen 
Mann  und  Frau,  die  Vögel,  Fische,  die  wilden 
Tiere,  die  zahme  Herde  und  allerlei  Gewürm, 
gleichwie  er  ihr  Vater  ist.  Er  schuf  sie  am 
Anfang  und  sie  gingen  in  ihrer  Gesamtheit 
aus  ihm  hervor,  denn  er  ist  die  Neunheit,  die 
das  All  geschaffen  hat  und  was  da  ist  erzeugt 
hat.  Er  hing  den  Himmel  auf,  gründete  die 
Erde,  machte  da  das  Wasser  und  schuf  die 
grofse  Wasserfläche  u.  s.  w."     Die  Architrav- 

20  Inschrift  linker  Hand  über  der  Facade  des 
Tempels  von  Esne  (p.  628)  sagt  von  ihm:  „Er 
hat  den  Himmel  gestützt  als  ein  Dach  für 
seine  Seele,  er  hat  die  Tiefe  entstehen  lassen 
um  seinen  Leib  zu  verbergen,  dieser  herliche 
Gott  Chnum-Rä  der  Herr  von  Esne,  der  grofse 
Gott,  der  Herr  der  Stadt  So^t."  Auf  der  Stele 
von  Neapel  (S.  632)  heifst  es  p.  669 f.:  „An- 
rufung an  den  Herrn  der  Götter  Xnuni  rä,  den 
König  des  Südens  und  des  Nordens,    den  Ge- 

30  bieter  der  Erde,  Sonnenaufgang  und  Erheller 
der  Welt,  an  das  rechte  Auge,  nämlich  die 
Sonnenscheibe,  und  an  das  linke  Auge,  näm- 
lich den  Mond,  an  ihn,  dessen  Geist  der  Sonnen- 
strahl ist  und  aus  dessen  Nase  der  Lufthauch 
hervorkommt,  um  alles  zu  beleben." 

Über  seine  Rolle  im  Totenkult  s.  v.  Siraufs 
1  p  367  f.  Vgl.  auch  Deveria,  Bull,  de  la  soc. 
imp.  des  antiqiiaires  de  France  1857  p.  113 
und  Wiedemann,  Bonner  Jahrbb.  Heft  78,  1884 

40  p.  120.  Pierret,  Le  Uwe  des  worts.  Index 
analytique  s.  v.  Noum  p.  629. 

Dargestellt  wurde  er  gewöhnlich  als 
widderköpfiger  Mann  mit  horizontal  nach  beiden 
Seiten  vom  Kopfe  abstehenden  cBocks'  -hörnern 
([vgl.  die  Identifieierung  des  Widder-  oder 
Bocksgottes  Chnum  mit  dem  Allgott  Pan  der 
Orphiker  in  meinem  Aufsatze  Flecheisens 
Jahrb.  1892  S.  472  ff.  B.*)],  Lepsius,  Ztschr. 
f.  äg.  Spr.  1877  p.  12,  Lanzone  Tav.  337,  1.  2.  4), 

50  worüber  sich  zuweilen  der  Krug  erhebt,  welcher 
dazu  dient,  seinen  Namen  zu  schreiben  (Lan- 
zone Tav.  337,  3),  zuweilen  die  Krone  Atef 
(Lanzone  Tav.  336,1),  zuweilen  die  Krone,  welche 
gebildet  wird  aus  einem  Binsen  bündel  mit  zwei 
Straufsenfedern  zur  Seite  und  einem  Discus 
oben  (Bonomi  and  Arundale  PL  5  Fig.  11,  Pier- 
ret, Panth.  e'g.  p.  10),  oder  einem  Discus  oben 
und  unten,  Lanzone  Tav.  336,  3,  Brugsch,  Bei. 
p.  294,  Beinisch  p.  218  Fig.  26,  Lumichen,  Gesch. 

60  d.  alten  Ag.  p.  32 ,  Ebers ,  Cicerone  durch  das 
alte  u.  neue  Ag.  2  p.  319;  vgl.  die  Beschreibung 

*)  Dafs  die  beiden  Widder-  oder  Bocksgötter  Mendes 
und  Chnum,  in  denen  die  Griechen  ihren  Pan  erblickten, 
von  den  Orphikeru  und  Stoikern  zum  AU-Pan  gemacht 
wurden,  habe  ich  auch  in  meiner  kleinen  Abhandlung 
über  Pan  als  Allgott,  die  demnächst  in  der  Festschrift 
zu  Ehren  Juli.  Ocerbechs  (Leipzig  1S93)  erscheinen  -wird,  zu 
erweisen  versucht.    Vgl.  auch  ob.  Sp.  1251,  20  ff.    [Röscher] 


1257       Knuphis  (bildl.  Darstellung) 

bei  Euseb.,  Praep.  ci>.  3,  11:  %ov  SnuiovQyov, 
ov  Kvfjcp  of  AlyvTtrioi  TcqoaayoQSVoveiv,  av- 
9gamofiäri,  xr\v  S\  %$oiav  ex  Yvavov  [isXavog 
£%ovxu.  Y.QUTOVVTU  gcovrjv  [ich  schlage  vor  zu 
lesen  'Qa>r\v,  das  Zeichen  des  Lebens  änj;  oder 
on^  -f-,  über  welches  vgl.  Wiedemann,  Die 
Bei.  d.  a.  Äg.  p.  157f.  und  Ebers,  Sinnbild- 
liches. Die  koptische  Kunst  und  ihre  Symbole. 
Leipzig   1892   p.  8;    s.    die    Abbildungen    des 

Chnum  bei  Lanzune  Tav.  336,  1.  2.  4.  337,  1.  10  zb  itQunxiY.bv  xov  liouY.og.  Darstellungen  einer 
3.  4]  Kai  ßYrjnzQOV  £tcl  Si  zrjg  Y.£q>ceXijs  tcxiqvv 
ßaailsLov  TitQixsifisvov  (s.  Fig.  3).  Widderköpfig 
zusammen  mit  dem  sperberköpfigen  Horos  zeigt 
ihn  eine  Bronze  der  griechischen  Periode  in 
Marseille,  G.  Maspero,  Catalogue  du  muse'e 
egyptien  de  Marseille  p.  142  nr.  646:  „Hör  ä 
Ute  d'epervier,  surmonte  du  psklient,  et  Klinou- 
mou  ä  Ute  de  belier,  surmonte'e  du  disque,  sont 
assis  entre  deux  uraeus  coiffees  l'une  du  diademe 


Knuphis  (als  Schlange)  1258 

le  col.  Le  champ  est  seme  d'e'toilcs  et  de  signes  ca- 
balistiques.  Sur  le  revers,  signes  cabalistiques." 
Mit  menschlichem  Haupte  ist  er  dargestellt  bei 
Lanzone  Tav.  336,  2,  sperberköpfig  mit  der 
Binsenkrone  ebenda  336,  4.  Sanchuniathon  bei 
Euseb.  Praep.  ev.  1, 10  sagt  von  der  Schlange: 
0oiiiv.Bg  äi  avzb  aytz&bv  daiixova  Y.ulovoiv 
öfioiag  Y.ai  Aiyvnzioi  Kvrjrp  tnovoud^ovoi, 
TCQOszi&iaai  Si  avzä   i£Qa%og  Y.erpakrjv,  v.al  äiä 


Schlange  mit  Sperberkopf  kommen  unter  den 
ägyptischen  Denkmälern  vor.  Maspero,  Guide 
du  visiteur  au  muse'e  de  Boulaq  p.  184  nr.  2627 
verzeichnet  eine  Bronze  „Uraeus  ä  tete  d'eper- 
vier, surmonte  du  disque  solaire",  indessen  er 
erklärt  diese  Gestalt  als  „un  des  genies  de  l'en- 
fer,  secourable  aux  bons,  terrible  aux  mechants", 
während  er  auf  Kneph  folgendes 
Denkmal    bezieht:    Cat.  du   musiie 


rouge,    l'autre   du    diademe    blanc.      Un  petit  20  ig.    de   Marseille 


Calcaire  blanc 
14.  Tete   de  ser 
joufflu.     G'est 
voit  si  souvent 
pierres  gnostiq 
serpent  de  Knep, 
Dieselbe     ErkL 
rung  wie  von  dei 
sperberköpfigen 


komme  agenouille  präsente  un  plat  Charge  de 
neuf  pains  qu'il  porte  ä  deux  bras  sur  la  tete. 
Le  tout  pose  sur  un  chnpiteau  campaniforme." 
Eine  merkwürdige  Bronzestatuette  besehreibt 
G.  Maspero,  Catalogue  du  mnsee  egyptien  de 
Marseille  p.  131  nr.  562:  .,Kknoumou-pnnthee. 
LI  a  deux  Utes;  l'une  de  belier  par  äevant, 
l'autre  ä  Ute  de  chacal  par  derriere.  Le  pkcülus, 
erige  vigoureusement,  se  termine  par  une  petite 
tete  de  belier;  une  queue  d'epervier  pend  au  dos,  30  Schlange  triebt 
deux  serpents  s'enroulent  aux  pieds.  Ce  joli  für  Uräen  m 
personnage  bände  un  arc  et  seprepare  ä  de'cocher 
une  ßeche  contre  les  ennemis  de  son  possesseur. 
—  Epoque  greco-romaine."  Dafs  Chnum  auch 
zur  Abwehr  gegen  die  schädlichen  Einwir- 
kungen böser  Mächte  verwendet  wurde,  lehrt 
die  -  Anrufung  an  ihn  im  Pa.ryrus  magique 
Harris,  Chabas,  Melanges  e'gyptologiques  ser.  3. 
2,  1873.  Nouv.  traduetion  du  pap.  mag  Harris 
p.  260  PI.  7  ligne  4: 

Viens  ä  moi!   viens  ä  moi! 

0  image  des  millions  de  millions.' 

0  Noum,  fils  unique, 

Congu  hier,  enfante  aujourd'hui! 

Celai  dont  je  sais  le  nom, 

Celui  qui  a  soixante-dix-sept  yeux, 

Celui  qui  a  soixante-dix-sept  oreilles, 


Löwinnen- 
kopf   a.    a.    0 
p.  184    nr.  2628 
p.   186   nr.  2652 
p    32  f.      Pierret 
Panth.    e'g.     be 
merkt    hinsichtl 
der  Abbild,  eine 
40     Schlange  mit 
Löwenkopf:  „L, 
fiyure     ci-dessus. 
agrandissement 
d'un  amuleUe 
Inpis      du 
Louvre, 
re'sume 


3)  Chnum  sperberküpfig  (nach  Lanzone, 
iequation  Uiz.  di  mitol.  egiz.  tav.  336,  4). 

wozu  Ckabas  die  Erklärung  giebt:   Noum  ou      gu'ü   y    a 

Clmumis   est   Ammon-Soleil   dans   son  role  de  50  entre    le    symbolisme   des    uraeus   et   celui   de 


createur  de  Veau.  Ses  77  yeux  correspondent 
aux  77  clivinites  relatees  dans  l'une  des  ad- 
jurations  precalentes ;  il  est  congu  le  soir  et 
enfante  le  matin,  par  ce  qu'il  nest  autre  que 
Ea  ou  le  Soleil.  Seltsam  sind  auch  die  Ge- 
stalten zweier  Amulette,  wenn  anders  m 
ihnen  wirklich  Chnum  zu  erkennen  sein 
sollte:  Coli,  de  M.  de  Montigny.  Pierres  gravees. 
Paris  1887  p.  44  nr.  576:   „Noum  ( Chnouphis) 


la  de'esse  leontocephale:  les  uraeus  sevissent 
et  brulent  comme  la  lumiere  dont  la  deesse 
leontocephale  personnifie  l'ardeur  et  la  force." 
Eine  solche  aufgerichtete ,  löwenköpfige, 
meist  mit  Strahlen  um  das  Haupt  versehene 
Schlange  findet  sich  nun  mit  der  Beischrift: 
XNOYBIC,  XNOYOIC,  XNOTMIC  u.  ä.  auf  zahl- 
reichen s.  g.  gnostischen  Gemmen.  Ich  habe 
Mythol.   Beitr.  1  p.  61  ff.   Anm.   1    eine   grofse 


ithypkallique  eoiffe  de  plumes  et  debout  sur  un  tso  Anzahl     derselben     zusammengestellt.       Eine 


crocodile.  LI  a  la  Ute  et  les  jambes  d'un  belier, 
ses  bras  sont  remplaces  par  des  serpents  et 
portent,  Tun  un  flambeau,  T autre  une  coiffure 
isiaque.  Bs.  Leg.  magique  en  six  lignes,  lettres 
grecques  barbares.  Jaspe  rouge  et  noir"  und 
Coli.  A.  Raife  p.  97  nr.  702:  „Jaspe  vert.  L'eon 
Chnoubis,  crioce'phale ,  en  gaine,  debout  sur  un 
serpent  ä  deux  Utes  qu'il  lient  de  chaque  mainpar 


findet  man  bei  Athanasius  Kirckerus,  Arith- 
mologia  sire  de  dbditis  numerorum  mysteriis. 
Romae  1665.  4°.  p.  200  fig.  13;  eine  andere 
bei  Fabretti,  Lnscr.  ant.  quae  in  aedibus 
paternis  asservantur  p.  535.  Mehrere  bildet 
ab  Hammer,  Mysterium  Baphomctis  revela- 
tum,  Mines  de  TUrient.  Tom.  6.  Vienne  1818. 
2°.  PI.  4,  1 — 4.     Eine  Gemme   aus  Cumae  mit 


1259      Knuphis  (als  löwenköpf.  Schlange) 

der  löwenköpfigen  Schlange   im  Obv.  vmd  der 
Aufschrift  XNOYMC  oder  nach  der  Abbildung 
XNOYMC  d.  i.  wohl  XNOYM6  im  Rev.  wird  be- 
handelt in  der  Schrift:  „Su  la  figura  e  l'iseri- 
zione  egigiana   incise  in   uno  smeraldo   antico 
lettera   di  Bernardo    Quaranta  al  .  .  .   Teodoro 
Monticüli."   Napoli  1826  4°,  und  der  Verfasser 
erwähnt  (p.  4  Note  1),  dafs  „infinite  gemme  di 
questa  specie  si  trovano  dappertutto  e  neue  pro- 
vincie  di  Napioli    cd   in    quelle  della    Sicilia". 
Eine   Gemme    aus    dem    Besitz    des    Viscount 
Strangford  (s.  Fig.  4)  teilt  mit  B.  Wahh,An  essay 
on  cmcient  coins,  medals,  and  gems,  as  ülustrating 
the  progress   of  Christianity  in  the  early  ages. 
London  1828  p.  38—45  Fig.  2.    Im  British  Mu- 
seum. A  guide  to  the  first  and  second  egyptian 
rooms    1874    wird    verzeichnet    p.  115   G.   17: 
„Sard;  oval.  The  lion-headed,  radiated  serpent 
of  Chnoumis ,  with  the  inscription  in  Hebrew, 
'  1  am  Chnoumis,  the 
cternal  Sun';  and  in 
Greek,  'the  ooerthro- 
wer  of  giants  or  de- 
mons ' ;  the  name  Iao 
and  another  Gnostic 
words"   und   p.   116, 
G.    260:     „Plasma; 
oval:  radiated  lion- 
headed       snal;e       of 
Chnoumis ,    and    in- 
scription, '  Chnumis, 
Nabis,        Bitnnous, 
ewater      for     thiri-t, 
bread  for  hunger,  fire 
for  cold' ,  in  Greek." 
Von     Fiedler ,     Die 
Daktyliothek  des  Herrn  Peter  Leven  in 
Köln,  Bonner  Jahrbb.    Heft    14   1849 
p.  22  nr.  35  wird  beschrieben  :  „Schwar- 
zer Jaspis,   Abraxas-Gemme.     Auf  der 
unteren  Seite   sieben    Sterne,    auf  der 
oberen  eine  Figur  mit  drei  Gesichtern 
und  sechs  ausgestreckten  Armen,  welche 
Fackeln  halten  [Hekate],  ihr  zur  Rech-    i)  Die  löwenküpSge 
ten  erhebt  sich  der  ägyptische  Chnuphi   Chnuphis-Schiange, 
oder  die  Agathodämonschlange,  auf  der     Chrysopras  (nach 
linken   Seite    steht   der  kleine   Harpo-     Wam>  Ar,  esmy  on 

ancient  coins  etc. 


Harpo  - 

krates  mit  dem  Füllhorn,  den  Zeigefinger 
der  R.  an  den  Mund  haltend";  genau 


Knuphis  (Dekangottheit)         1260 

dalle  parti  di  Beggio   Tiina  ortodossa  e  l'altra 
gnostica.    Modena  1852  p.  9,  Stephani,  Nimbus 
und  Strahlenkranz  p.  88  f.  denken  an   Erzeug- 
nisse der  Gnostiker.    J.  Henry  Middleton,  The 
engraved  gems  of  classical  times  with  a  cata- 
logue  of  the  gems  in  the  Fitzwilliam  Museum, 
Cambridge  1891  p.  XXII  nr.  106  sagt  über  eine 
von   ihm    so    beschriebene    derartige   Gemme: 
„Gnostic  scarabaeoid  on  green  plasma:  on  the 
10  front  the  leite  Egyptian  sun-god  Chnubis,  repre- 
sented  as  a  serpent  with  lion's  head  surrounded  by 
rays  of  light.     On  the  back  is  the  hieroglyphic 
4i-  surrounded  by  the  legend  XN0VB1C":  „Tlie 
whole  is  a  common  type  of  Egyptian  gern  during 
the  Boman  Gnostic  period,  3rd  and  4m  centuries 
A.  D.     The  name  of  tliis  deity  is  written  va- 
riously  as  XNOYOII,  XNOYMII  and  KNHH>:  he 
appears  to  he  a  late  development  of  the  early 
Egyptian  deity  Chnemu,  the   World-Creator  or 
Mouldtr.  .   .   .   with 
the  Gnostics  he  was 
a  form  ofHor-Apdflo 
the     Demiurgos     or 
Spirit  lohich  pervades 
the     universe."      In 
Wirklichkeit  ist  der 
Chnumis  dieser  Gem- 
men nicht   der   alte 
kosmogonische  Gott 
Chnum, sondern  viel- 
mehr eine  ägyptische 
Dekangottheit. 
Nach  Brugsch ,   Die 
Agyptol.  p.  317,  399 
und  Wiedemann,  Die 
Bei.  d.  alt.  lg.  p.  147 
nehmen  in  der  Astronomie  der  Ägypter 
vor   Einführung    des   griechischen   Zo- 
diacus   36  Dekansternbilder   die  Stelle 
desselben   ein.     Der  ägyptische  Monat 
zerfiel  in  drei  Reihen  von  je   10  Tagen 
und  jeder   dieser   Reihen   stand   nach 
Pierret,  Dict.  d'arch.  e'g.   p.  171  s.   v. 
Dccons;  vgl.  Lepsius,  Die  Chronol.  der 
Ag.  p.  97  ein  Dekan  vor.    Der  mensch- 
liche   Körper    zerfiel    in  36   Teile   und 
jedem   dieser  Teile   stand   ein  Dekan- 
sternbild vor,  Wiedemann  p.  147.    Die 
Namen  der  ägyptischen  Dekane  gingen 


PI.  2) 


dieselbe  Darstellung  wird  verzeichnet  auf  einem  50  in  die  Astrologischen  Schriften  der  Griechen  über. 


Härnatit  der  ehemaligen  Sammlung  des  Herrn 
Magnan  de  la  Boquette  von  Lajard,  Me'm.  sur 
un  basrelief  mithriaque  qui  a  e'te  dc'couvert  ä 
Vienne  (Iscre),  Mein,  de  l'Ac.  des  Inscr.  et  B.-J^. 
tome  15,  2e  partie  1845  p.  256  Note  1.  Häufig 
erscheint  diese  löwenköpfige  Schlange  auch  auf 
den  oben  2  Sp.  465  ff.  besprochenen  Gemmen 
mit  der  Aufschrift  OPCOPIOY0;  über  das  Vor- 
kommen der  Schlange  mit  Strahlenkranz  oder 
Nimbus  und  angeblichem  Löwenhaupt  auf  den  60  classica 
Münzen  niedermösischer  und  thrakischer  Städte 
s.  Drexler,  Myth.  Beitr.  1  p.  61  ff.  —  Jablonski, 
Panth.  Aeg.  Lib.  1  c.  4  p.  89  sah  in  den  in  Rede 
stehenden  Gemmen  Denkmäler  der  Gnostiker 
und  meinte,  unter  der  Schlange  sei  Christus 
zu  verstehen.  Auch  Lcemans  zu  Horapollo 
Hierogl.  1,  64  p  293,  Quaranta,  Cavedoni,  Dichi- 
arazione  di  due  antiche  gemme  incise  provenienti 


Begonnen  vom  Zeichen  des  Widders  als  der  xt- 
qietlr)  xov  noofiov  finden  sie  sich  bei  Hephästion 
von  Hieben  tcsqi  xccTaQxäv,  dessen  Text  vor 
kurzem  von  A.  Engelbrecht,  Hephästion  von 
Theben  u.  sein  astrolog.  Compendium.  Wien  1887 
p.63ff.  herausgegeben  ist,  nachdem  schon  Sal- 
masius,  De  annis  climactericis  gelegentlich  Aus- 
züge daraus  gegeben  hatte,  sowie  in  dem  von 
Pitra    im    5.  Bande    seiner   Analecta  Sacra   et 


spicilegio  Solesmensi  parata  Abt.  2 
p.  284  ff.  edierten  s.  g.  heiligen  Buche  des 
Hermes  an  Asklepios  zu  je  drei  an  die  12  Zeichen 
des  Zodiacus  verteilt.  Nach  Hephästion  p.  52 
sind  die  3  Dekane  des  viertenTierkreis-Zeichens, 
des  Krebses:  aw&ig  ö  jrprärog,  alz  6  ösvt^qos, 
jji'ODfüs  b  xqhog,  die  3  Dekane  des  fünften 
Zeichens,  des  Löwen  (p.  54):  xag%vovyig  b  ngw- 
tos,     'r\nr]    b    dsvTtgog ,    tpavnr]    b    rgizog;    nach 


1261  Knuphis  (Dekangottheit)  Knuphis  (Dekangottheit)  1262 

Psciido- Hermes  p.  287  ist  dem  entsprechend  der  iioqlov,   onsg   ftg   Kagöiav  Kai  xd   ntgl   avxf]v 

10.  Dekan  Zco&sig,  der  11.  Ovcptei'x  (im  Vien-  Kaxavotixai,  i'axiv  oinog  'HXCov  .  .  .,  p.  54:  of  öl 

nensis   OvögiaCx),  der  12.  Xvovcp  (Vienn.  Kvov-  öty.avol  avxov  rofiV  x^Ql^ovgig  4  JipräTOg,  jj7r*j 

ipoß),  der  13.  .Yvo?|ttog  (Vienn.   Xvovjii'zrjg ,  am  ö   (JftiTffJog,  cpovTirj  b  xgt'zog'   ö  ysvvcofisvog  ovv 

Rand  Xvovp.ntis),  der  14.  'tili,  der  15.  cpdxixi.  siel   xov   ngcoxov   vnb   byXav   öogvcpoguzai   Kai 

Die    Namen    des    Doppeldekans    Kvovjie    und  aKovo9rjoixai   yal   saxai    ö^vg    y.ui    dyaxacpgb- 

itgaKvovfi    lesen    wir    auf   einem     ägyptischen  vr]xog,  ivsQyszäv  xoiig  vnoxuOGOfhivovg  Kai  tzoX- 

in  griechischer  Sprache  abgefafsten  Horoskop,  Xovg  OKsndasi  yal  Kxrjaezai,  svsTzt'tpoyog  öl  äid 

welches   Goodiciu  in    Cliabas'   Mclanges  e'gyp-  yvvaiw  xd  öl  ongtia  at>Toü  «'firjjtfjg  xi\v  r(Xi- 
tologiqucs     Ser.     2      1864     p.     294  —  306     mit-  10  niav,  xd  ngbacanov  chgalog,  igv&gög,  oi  6cp9aX- 

geteilt  hat,   p.  303  —  304,   PI.  3  1.  35.      XPA-  fioi  gtydXoi,  svgivog,  ai  yv^cvai  Xsxtxai,  nbvog 

XNOTBIC  finden  wir  auf  einer  Gemme  bei  Raspe  l'axai  ntgl  xr\v  noöa  y.al   innv8vu.dzcoaig  avxco 

nr.  556,  Kopp,   Palaeogr.  crit.  3  p.  257  §  213,  iezaf  oi  öl  zov  &iov  KXifiay.xrjgzg  i'xog  a\  icc , 

p.  387  §  330.    In  den  ägyptischen  Denkmälern  v.y' ,  Xß',  fis',  vi,',  %&',  oß' ,  od',  nn' ' ;  und  durch 

entsprechen  den  6  erwähnten  Dekannamen  die  Pseudo  -  Hermes   p.  287:    JcnöiKazog    ötKavog. 

6   Namen,     welche    Lepsius ,     Chronol.    p.   71  Ovzog  bvoga  i%£i  Xvovcp,  uogcprjv  öl  -regbeconov 

(wonach  E.   de  "Rouge ,    Rev.    arch.   6    1849/50  Sv&v  yvvaiycav  dnoozgafinivcov  dXXrjXcar,  cov  xb 

p.  533)   liest:    Suti;    Sit;    Knemnt   und    Knem;  'iv   itsgiy.n'utvov   ziiXiov ,    xb  öl   äXXo  ßaaiXeiov. 

Cher-Knemut  und  Cher-Knem;  He-tet;    Pehu-  'Ecp'    ivbg    rgaxrjXov  ntgißißXrixai   öl    Kai  ögd- 
tet;  Brugsch,  Thes.  Inscr.  Aeg.  Abt.  1.    Astron.  20  «ojrfg,  xb  öl  oXov  iazlv  ozrj&agbv,  inl  ßdehcag 

u.    astrol.    Inschriften    der    altüg.    Denkmäler.  iniKeifiEvov.   Kvgitvu  öl  xov  cnXrjvbg.    rXvipov 

Leipzig  1883  4°  p.  156   (nach  jüngeren  ägyp-  ovv  xovxov  iv  Xifrqt  ä%ccxr]  xou  vitofrElg  ßoxdvrjv 

tischen  Listen):  sopdet  oder  sati;  s'eta,  set,  Sit;  ccpatgiziv,  KazayXfieov  iv  co  ßovXti,  y.al  cpögti 

knum;  jjar-knurn;   hä-t'et;  Brugsch,  Die  Ägyp-  ixay.dgtov  ßorftrjtiu.    Tgieöiv.azog  ösyavbg,  Xiov- 

tologie   p.  340:    Sopde    oder   Sot'i;    Sit;    Knum;  tos  ngäxog.    Ovxog  bvoua  £%£i  Xvoiniog,  fiogqprjv 

Har-Knum;  Hec-det;  Phu-det.  In  älteren  Dekan-  öi  Xiovxongbaconov ,   &y.xivag  i'xmv  riXiaxäg,  xb 

listen  steht  an  Stelle  des  Sternbildes  sit,  se&u,  o'e    oXov    axöfia    bcpiwg    Tivgosidovg,   ava    dia- 

siöhi  („die  Schildkröte,  die  beiden  Schildkröten")  zizgafiiitvov.     Kvgitvei  8h  xäv  ytvofiivoiv  -na- 

der  Dekan  Tpä  Kenmut,  Brugsch,  Thes.  Inscr.  &äv  ntgl  xr\v  %agbiav.     rXvipov  ovv  xovxov  iv 

Aeg.  1   p    113,   155,   172;    und  Knum  und  jjar-  30  Xifro)  d%dxv,  %al  vno&ilg  ßoxdvrjv  XzovxoTtbdrjv, 

knum    führen    in    ihnen    den   Namen   Kenmut  v.axav.Xiioov  iv  10  ßovXet,  yal  cpbgit,  d7i£%6u.tvog 

und  ^r-^pd-kenmut;    auch  lassen  zwei  dieser  ihäv   6xgov%äv.     Deutlich  wird   hier   Xvovfiog 

älteren    Listen    %x  -  ^pd  -  kenmut    vor    Kenmut  genau    entsprechend     der    Gestalt    der    zahl- 

vorangehen,  Brugsch,  Thes.  Inscr.  Aeg.  1  p.  155.  reichen   Gemmen   mit  Chnubis-Darstellungen 

Tpä  bedeutet   nach    Brugsch:    „Kopf,    Spitze,  beschrieben.     Ea  kann    demnach   kein  Zweifel 

oberster  Teil,  im  Gegensatz  zu  dem  ^er-^ep-ir  sein,     dafs    dieselben     nicht     als     Denkmäler 

genannten  Körperteil,  wahrscheinlich  die  Nabel-  gnostischer  Sekten,  sondern  einfach  als  (heid- 

gegend    des    Bauches    bezeichnend",    Brugsch  nische)  Amulette  anzusehen  sind.  Aufserdem 

a.  a.  O.  p.  153.    Offenbar  bildeten  ursprünglich  nennt   Celsus  bei    Origenes  8  p.  416  unter  den 

Tpä  Kenmut,  ^r-jjpd-kennmt  und  Kenmut  zu-  40  Vorstehern  der   36   Teile  des  Körpers,  welche 

sammen  ein  Sternbild,  Brugsch  a.  a.  O.    Von  den  den  ihnen  untergeordneten  Körperteil  auf  An- 

Dekanen  xvovfiig  und  y_agyvov\iig(IIepliästion)=  rufung    hin    heilen,    den    xvov\t'riv    un[l    Xva~ 

Xvovcp  und  Xj'o-i'fios  (Pseudo-Hermes)  erfahren  xvovilrlvi  worin  wir  sofort  die   beiden   Dekan- 

wir   nun    durch    Hephästion    in    dem   Kapitel  namen  xvovu.ig  und  x<xQ%vovLLig  wiedererkennen. 

xtigl  xr/g  xäv  ScoSiy.az7]u.ogi'cov  övouaai'ag  xs  Kai  Ahnlich   wie   unter   dem    Namen   des    Hermes 

äwäfiicos  p.  52   folgendes:    Tb    Öl    xov    Kag-  ging  unter  dem  eines  ägyptischen  Königs  Ne- 

yivov  öüiSiyaxrjtibgiov,  b  iig  oxij&og  y.al  nXtv-  chepso  eine  Schrift  über  die  Einflüsse  der  De- 

gdg    [sc.    xov   v.6ojiov]    7zaQaXau.ßävsxai,    i'axiv  kane   auf  die   Krankheiten   des  Körpers,   Fir- 

oiv.og  ZtXrjvris  .  .  .  oi  äl   xgtlg   aijrotj   öinavol  micus  Mat.  1.  4  c.  16,  E.  Riefs,  Nechepsonis  et 

oco&lg  6  ngäxog,  rix  b  Sivxigog,  xrovcitg  ö  xgt-  50  Petosiridis  fragmenta ,   Philologus   Suppltbd.  6 

tos,    und   von  dem  unter  xvovtlt's   geborenen  p.  379,  28:  Sic  et  Necepso,  Aegypti  iustissimus 

p.  53  b  S\  inl  xov  xgi'xov  [sc.  Smavov~\  yivvca-  imperator,  optimus  quoque  astronomus  per  ipsos 

fisvog  i'axai  cpgoviiiog  v.al  xgacprjGtxai  dy tvvcog  decanos  omnia  vitia  valetudines  collegit ,  osten- 

y.al  Siaßxr]ozi  xovg  yoviig  &avdxcp  v.al  fizicößsi  dens ,  quam   valetudinem  quis  decanus  efficeret, 

xd  Ttaxgcjia  v.al  toxca  cptXöcpiXog  y.al  ya%o-jta&r]asi  quia  una  natura  ab  alia  vincitur  unusque  deus 

inl  zrjg  vsoxrjxog.     iv    8h  xoig   v.axd    ywainag  ab  altera     Aus  dieser  Schrift  erwähnt  Galenus 

tpoyovg  i'E,£i  Kai  iv  axgaxicaxiKfj  7tgd^si  dia'Qr^asi  nsgl  zr/g  xäv   dnXäv  cpagfidncov  Kgdasmg  1.   10, 

yal  XT/ipsi  aiörjgov  ntigav  Kai  ioxdxov  dya&ov  18,  tom.   12  p.  207  ed.  Kühn.  Riefs  a.  a.  O.  29 

xEv'gsxav    xd   Öl    erjfiiiu    avzov    uinrj    tßixCa,  das  uns  beschäftigende  Amulett:  'Evxi&iaoi  öl 

svxgacprig,  Xinagög,  £av&bg,  XivKog,  al  ocpgvig  6u  Kai  öav.xvXico  avzbv  [sc.  zbv  10:07111']    s'vioi  y.al 

[ifydXai ,   zd    axrjirr]  irXaxia,    Ttgoydaxwg    Sarai,  yXvcpovaiv    iv    avxm    xov    xdg    dxxtvag    i'xovza 

Ttovovg  i^Bi  Trzgl  zd  G7iXdy%va '  slal  öl  of  kXl-  ögaKovxa ,    y.a&dne g    Kai    0    ßaotXtvg   iVf^f tycog 

[laKzrjgeg    frag    ö\    £',    iß',   kö' ,   Xy' ,    (i&',   |y',  i'ygaipsv  iv  xfj  xiaBagioy.atÖEKaxrj  ßißXca;  ebenso 

I81',  oß',  7ES-.     fir)  Xav&uvizco  öl,   mg   slKozwg  Aetius  Tetrab.  1  serm.  2  c.  36:  quidam  annulis 

s(g    cpvXaKxr]giov    xov    ßxoudxov    nagaöixovxai  iaspidem  viridem  includunt  et  draconem  radios 

xov   %vovjilv    01g  Kvgiov  bvxa   xov  axij&ovg  zov  liabentem  in  ipsa  sculpunt  ex  praeeepto  Necepsi 

jtöfffioti,   mc9-d)s   'r\  öiai'grjdig  zcov    £cp<)t'a>v  itegi-  regis,  qui  prosit  ventriculo.    Auch  Marcellus  20, 

i%ti;  und  p.  53:  Tb  öl  zov  Aiovzog  öcoÖEyaxq-  98,  Ric.  Heim,  De  rebus  magicis  Marctlli  me- 


1263         Knuphis  (als  Amulett)  Kobis                           1264 

dici  in  Schedae  philologae  Hermanno  Usener  a  cisme  PL  2  B  Fig.  2  zeigt  auf  der  einen  Seite 
sodalibus  seminarii  regit  Bonnensis  oblatae.  das  Bild  des  Käfers  mit  der  Umschrift  ©CO 
Bonn  1891  p.  125  kennt  dieses  Amulett:  Ad  XNOY<t>l,  auf  der  anderen  die  löwenköpfige 
stomachi  dolorem  remedium  physicum  sie:  in  Schlange  mit  Strahlenkranz,  umgeben  von 
iaspide  exculpe  draconem  radiatum,  ut  hibeut  7  Sternen.  Ferner,  unendlich  häufig  tritt  auf 
septem  retdios  et  Claude  auro  et  utere  in  collo.  den  Chnubisgemmen  ein  Zeichen  auf,  welches 
Die  Aufschriften  verschie  Jener  Gemmen  mit  der  man  mit  3  lateinischen  S,  die  von  einer 
löwenköpfigen  Schlange  (wie  <t>YAAZON  YTEIH  Linie  in  der  Mitte  geschnitten  werden  —  trois 
CTOMAXON  TTPOKAOY;  rEirANTOTTAIKTA  •  S  barres  nennen  es  Fröhner,  Coli  de  Montigny, 
BAPO'YHA  ■  COPI  ■  OPMO  ATTAAAEON  TO  TTEP1-  10  Pierres  grave'es.  Paris  1887  p.  42  nr.  565,  p.  43 
TO  •  CTOMAXON  -TTA0OC-  [TOY-TTACXONTOC,  nr.  568.  571,  p.  44  nr.  577  und  Chabouillet,  Descr. 
Drexler,  My'h.  Btitr.  1  p.  64  Anm.l  zu  p.  61)  be-  des  antiquite's  et  objets  d'art  composant  le  cab.  de 
stätigen  die  Angaben  der  Autoren  über  die  medi-  M.  Louis  Foidd.  Paris  1861  2°  p.  53  nr.  1120  — 
zinische  Kraft,  welche  man  diesem  Amulett  bei-  vergleichen  kann  (s.  Fig.  4).  Bio.  Heim,  In- 
legte. Auch  die  Aufschriften  rEIPANTOTTAIKTA,  cantamenta  magica  Graeca  Latina  p.  480Aum.  3, 
nrANTOPHKTA,nrANTOA£TIPA  verschiedener  welcher  dieses  Zeichen  in  der  Beschreibung 
dieser  Steine  erklären  sich  leicht,  wenn  wir  des  Marcellus  24,  7:  in  lapide"  iaspide  Phrygia 
uns  erinnern  an  den  nicht  auf  Ägypten  (Ebers,  aerizusa  si  nota  infra  scripta  insculpta  fuerit 
Ztsclir.  f.  äg.  Spr.  1873  p.  45,  Maspero,  Gesch.  id  est  555 ,  et  collo  dolentis  latus  fuerit  sus- 
d.  morgenländ.  Völker  im  Altertum  p.  81)  be-  20  pensus,  mire  proderit  erkennt,  schreibt  es  den 
schränkten,  sondern  über  die  ganze  Welt  ver-  Gnostikern  zu.  Dies  ist  weiter  nichts  als 
breiteten  Aberglauben,  welcher  die  Krankheiten  eine  den  Ägyptern  entlehnte  Darstellung  des 
den  Einflüssen  böser  Dämonen  zuschreibt;  vgl.  Chnubis.  In  Edfu  und  Dendera  ist  die  De- 
z.  B.  Sic.  Heim,  Incantamenta  magica  Graeca  kadengottheit  Knum  dargestellt  als  eine  auf- 
Latina.  Lipsiae  1892  [=  Jalirbb.  f.  hl.  Phil.  recht  stehende  Schlange,  welche  von  3  wago- 
Suppltbd.  19  p.  465  —  492]  p.  476  ff.  Evoca-  recht  liegenden  Schlangen  geschnitten  wird, 
tiones  morborum.  Sorlin  Dorigny ,  Phylactere  Brugsch,  Tltes.  Inscr.  Aeg.  1  p.  18  nr.  1,  p.  24 
alexandrin  contre  les  epistaxis,  Ecvue  des  e'tudes  nr.  1.  Letronne,  Oeuvres  choisies.  2e  ser.  tom.  2 
greeques  4,  1891  p.  2S7 — 296,  bes.  p.  295  und  PL  2.  Offenbar  auf  ägyptische  Einflüsse  geht 
Schlumberger,  Amulettes  byzantins  andern  desti-  30  auch  die  Wahl  der  Steine,  auf  welche  die 
'  ne's  ä  combattre  les  malefices  et  maladies,  Bev.  Dekane  zu  gravieren  sind,  zurück.  Von  Pscudo- 
des  e'tud.  gr.  5,  1892  p.  73—93,  bes.  p.  74  (der  Hermes  wird  genau  bei  jedem  Dekan  die 
Krankheitidämon  als  niedergestreckte  Frau  Steinart  für  das  anzufertigende  Amulett  an- 
dargestellt). V.  Fossel,  Volksmedicin  und  gegeben.  In  Dendera  werden  den  einzelnen 
medizinischer  Aberglaube  in  Steiermark  2.  Aufl.  Dekaden  bestimmte  Metall-  und  Mineralien- 
Graz  1886  p.  9.  M.  Hoefler ,  Volksmedicin  u.  namen  beigeschrieben,  Brugieh,  Thes.  Inscr. 
Aberglaube  in  Oberbayerns  Gegenwart  u.  Ver-  Aeg.  1  p.  17  ff.  Für  die  Dekade  Knum  ist  es 
gangenheit.  München  1888  p.  lf.  Grimm,  das  Mineral  hemag,  was  Brugsch  p.  24  und 
Deutsche  Mythol.  24  p.  965  ff.  Mannhardt,  Her  Lepsius,  Metalle  p.  57  Anm.  3  mit  roter  Jaspis 
BaumkuUus  der  Germanen ,  Register  p.  632  40  übersetzen,  während  Frederick  C.  H.  Wendel, 
s.  v.  Krankheiten.  Kuhn,  Indische  u.  germa-  Über  die  in  altägyptischen  Texten  erwähnten 
nische  Segenssprüche,  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprach-  Bau-  und  Edelsteine.  Leipzig  1888  p.  107 
forschung  13  p.  72,  p.  118  ff.  Fr.  S.  Kraufs,  — 109  darin  lieber  den  Amethyst  erkennen 
Volksglaube  u.  relig.  Brauch  der  Südslaven  möchte.  Grünen  Jaspis  fordert  Kechepso,  Jaspis 
p.  39,  41.  H.  v.  Wlislocki,  Aus  dem  inneren  ohne  nähere  Bezeichnung  der  Farbe  Marcellus, 
Lebender  Zigeuner.  Berlin  1892  p.4ff..  Bastian,  Achat  Pseudo-Hermesfür  das  Chnubis-Amulett. 
Völkerstämme  am  Brahmaputra  p.73.  Bastian,  Vgl.  Kamephis.  [Drexler.] 
Die  Völker  des  östl.  Asiens  2  p.  103,  418;  3  Koalemos  (KoäXsfios),  der  Gott  der  Dumm- 
p.  269  ff.  B.  Hagen,  Beiträge  zur  Kenntnis  heit,  Aristoph.  equ.  221;  s.  Kock  z.  d.  St. 
der  Battareligion,  Tijdschrift  voor  indische  50  [Höfer.] 
taal-,  land-  en  volkenkunde  Bd.  28  p.  531.  KoßaXoi ,  ungestaltete,  neckische  und 
541.  J.  Wellhausen,  Skizzen  u.  Vorarbeiten  possenhafte  Kobolde  oder  Dämonen  aus  der 
Heft  3.  Beste  arabisch.  Heidentums  p.  140;  143  späteren  bakchischen  Schar,  zu  der  Gattung 
Anm.  3.  11".  Schneider,  Die  Bcligion  ä.  afrik.  der  Satyrn  gehörig,  Harpokrat.  s.  v.  Schol. 
Naturvölker  p.  116.  125.  131  ff.  137 f.  145.  148  f.  Aristoph.  Plut.  279.  Natal.  Com.  Myth.  5,  13 
158ff.  234.  Tylor,  Die  Anfänge  der  Kultur  p.  485.  Lobeck,  De  Cob.  .et  Cercop.  1S20. 
Sachregister  2  p.  459  s.  v.  Dämonen,  p.  464  Aglaoph.  2,  1296.  1308  —  1329.  Preller,  Griech. 
s.  v.  Krankheit.  Pettigrew,  On  superstitions  Myth.  1,  600,  1.  Vgl.  Kerkopen.  [StolL] 
connected  ivith  tlie  history  and  praetice  «f  medi-  Kobis  (Äcößig),  Sohn  des  Kyknos,  samt 
eine  and  surgery.  London  1854  p.  65  u.  a.  m.  60  seinem  Bruder  Korianos  und  seiner  Schwester 
Manche  Einzelheiten  dieser  Gemmen  er-  Glauke  von  den  Griechen  als  Geisel  mitgeführt; 
klären  sich  durch  Vergleichung  mit  den  ägyp-  Dictys  2,  13.  Bei  Joh.  Malal.  p.  125  werden 
tischen  Denkmälern.  Beispielsweise  wird  das  als  Kinder  des  Kyknos  Kcoßng,  Kov.aQxog, 
Zodiakalzeichen  des  Krebses  bei  den  Ägyptern  D.avnrj  genannt;  vgl.  Deelerieh,  Dictys  p.  408; 
durch  das  Bild  eines  Käfers  ausgedrückt,  nach  Tzetz.  proleg.  alleg.  Iliad.  876  heifsen 
Brugsch,  Die  Ägyptologie  p.  346.  Xvov\ii<i  ist  sie  Kapos  nnd  Käxctgrog  und  werden  von 
nach  Hephästion  der  3.  Dekan  des  Krebses.  Diomedes  getötet;  ihre  Schwester  Glauke 
Eine  Gemme  bei  Matter,  Hist.  crit.  du  gnosti-  heilst  nach  Tzetz.  a.  a.  O.  auch  Laodike.  [Höfer.] 


1265 


Kodone 


Koiranos 


1266 


.  Kodone  (KxoSävn),  1)  Arkaderin,  Tochter  des 
Aineias,  Schwester  der  Anthemüne,  Agathyllos 
b.  IHonys.  A.  JS.  1,  49.  [Robert,  Arch.  Ztg. 
37,  24  f.  R.]  —  2)  Eine  Mänade,  Norm.  Dio'ii. 
30,  213.     [Stoll.| 

Kodros  (Köägog),  Sohn  des  Melanthos 
(Pausan.  7,  25,  2),  der  letzte  König  von 
Athen,  Vater  des  Androklos,  des  Gründers  von 
Epbesos,  Pherekyd.  b.  Strab.  14,  632,  des  Neleus, 
des  Gründers  von  Milet,  Herod.  9,97.  Aelian.  v. 
hist.  8,  5.  Hellem,  b.  Harpocr.  s.  v.  'Eqv&qccioi, 
des  Nauklos,  Strab.  14,  633,  des  Kydrelos, 
Strabo  a.  a.  0.  und  des  Knopos,  Strabo  a.  a.  0. 
Der  Ort,  wo  er  von  den  Peloponnesiern  ge- 
tötet worden  war,  wurde  noch  später  gezeigt, 
Pausan.  1,  19,  5.  [Vgl.  auch  die  das  Heilig- 
tum des  Kodros,  des  Neleus  und  der  Basile 
betreffende  Inschrift  v.  J.  418  v.  Chr.,  die 
Kumanudis  in  der  'Ecprjfi.  veröffentlicht  hat: 
Arch.  Ztg.  1885  S.  162  f.  E.  Curtius,  Sitsqsber. 
d.  Beil.  Ak.  1885  S.  437 ff.  Röscher.]  Seine 
Statue  wird  bei  Pausan.  10, 10,  1  erwähnt.  Eine 
Grabinschrift  auf  Kodros  s.  in  der  Arch.  Ztu.  24 
1866  S.  183*.  Eaibel  1083,  eine  Weihinschritt 
auf  einer  Granitschale  Arcli.  Ztg.  4  S.  246. 
[Vgl.  auch  die  schöne  Abbildung  auf  der 
Kodrosschale  in  Bologna  Baumeister,  Derikm. 
nr.  2148  p.  1999.  Höfer.]  [Weiteres  über 
Kodros,  namentlich  über  daB  Sagenhafte  in 
seiner  Geschichte,  bei  Busolt,  Griecli.  Gesch.  1 
S.  72,  3  u.  S.  400 f.  S.  auch  Tupfer,  AU.  Gen. 
229 ff.  Wüamowitz,  Aus Kydathen  99.  Röscher.] 
[E.  Braun,  Die  Schale  des  Kodros.  Gotha 
1843.  2".     Drexler.]     [Lorentz.] 

Kogamis,  Flufsgott,  kenntlich  gemacht 
durch  die  Beischrift  KOrAMIC,  auf  einer  auto- 
nomen Münze  von  Philadelpheia  Lydiae,  Loeb- 
becke,  Zeitschr.  f.  Nvm.  15  1887  p.  48    [Drexler.] 

Koia  (Koia),  Amazone,  Steph.  Byz.  v.  @t- 
ßalg;  vgl.   Kynua.     [Klügmann.] 

Koiautis  (Koiavxig) ,  d.  i.  Tochter  des  Koios, 
heifst  Leto  Orpli.  hymn.  34  (35),  2.  Schal. 
Kallim.  hymn.  4,  50;  sie  wird  auch  genannt 
Koie'is  (Koim'g)  Kallim.  hymn.  4,  150  und 
schol.  oder  Koiogenes  (KoioyivTqg);  Pindar  bei 
Strabo  10,485  =  frgm.  88  (58),  2.     [Höfer.] 

Koiuia  (Koivia),  Amazone,  Steph.  Byz.  v. 
Gißatg;  vgl.  Kynna.     [Klügmann.] 

Koinos  Theos  (Koivbg  ■9-sos),  eine  Inschrift 
aus  Gasr  Mezuar  in  Xordafrika  ist  dem  Km- 
vw  ©fco  geweiht,  Ephem.  epigr.  5  (1884),  463; 

vgl.  den  »oi»os  ■frsös  LTargcoos  'Anöllav  in 
Rhodiapolis,  Petersen-Luschan,  Reisen  in  Ly- 
kien,  Milyns  und  Kibyratis  p.  103  nr.  2  B; 
p.  104  nr.  3  F.  Thanatos  heifst  v.oivbg  d'aipcov 
G.  I.  G.  3,  4137  ;  zu  xoivog  '-Epfiijs  s.  Bd.  1 
Sp.  2381  Z.  20 ff.  und  Arist.  rhet.  2,  26.  Diod. 
Sic.  5,  75  Lukian.  nav.  12.  Plut.  philos.  cum 
princ.  2.     [Höfer.] 

Koiogeues  (geneia)  =  Koiantis  (s.  d.). 

Koios  (Koiog,  lat.  Coeus),  Sohn  desUranos  und 
der  Gaia,  einer  der  Titanen,  zeugte  mit  Phoibe 
die  Leto  und  Aateria,  Hes.  Theog.  134.  404  ff. 
Apollod.  1,  1,  8.  Diod.  6,  66.  67.  Orph.  fr.  8, 
26  (Lob.  Agl.  1,  505).  Ilyg.  praef.  p.  29  Bunte. 
Schot  LI.  14,  274.  Tzetz.  L  1175.  Paus.  4, 
33,  6.    Korn.  E.   in  Ap.  Del.  62.     Ap.  Bh.  2, 


710.  Od.  Mit.  6, 185.  Unter  den  Giganten  wird  er 
aufgeführt  Hyg.  praef.  p.  27  B.  Verg.  Ge.  1,  279. 
Aen.  4, 179  u.  Sero.  z.  d.  St.  Sero.  V.  Aen.  10,  565. 
Propert.  2 ,  1 ,  39.  Über  Ableitung  und  Be- 
deutung des  Wortes  sind  die  Meinungen  sehr 
verschieden:  Comut.  c.  17  p.  176  Gale  (noio- 
tjjs),  s.  ebend.  Osann  p.  294.  Et.  M.  s.  v.  (tcoi- 
otjjs  od.  v.  Hotiv  =  vosiv).  Meinelle,  Anal. 
Alex.  p.  121  (v.oäv  =  fieSsLv).  G.  Hermann, 
io  De  theol.  Gr.  ant.  p.  174  ff.  (Turbulus  v.  xeAb), 
später  de  Apoll,  et  Dian.  Opusc.  7  p.  297 
(Conglobator,  «f'ra,  %tie&ai,  xota).  Schoemanv , 
Ojmsc.  Ac.  2,  101  ff.  (xatra).  Ebenso  Welcher, 
Griech.  Götkrl.  1,  278  ff.  Müller,  Dor.  1,  310. 
Lauer,  System  159.  249.  Preller,  Gr.  Myth. 
1,  41,  1  (-naiai  od.  Koilog  =  coelimi).  Stoll, 
Antimach.  fr.  83  p.  91  und  Pott,  Zeitschr.  f. 
tergl.  Spr.  5,  299.  Stud.  z.  gr.  Myth,  in  Jahrb. 
f.  klass.  Phil.  1859  Suppl.  p.  323  f.  (xoCXog). 
•M  Braun,  Gr.  Götterl.  §  219  .  (vgl.  Athen.  10, 
455  d).  Gerhard,  Gr.  M.  1  §  196  („Besänftiger"). 
[Stoll.]  —  K.  ist  einer  der  Titanen  in  der  von 
Hesiocl.  Theog.  134  zusammengestellten  Familie, 
welche  keine  Beziehung  zum  Titanenkampf  hat 
—  mit  Ausnahme  des  Kronos  —  und  zum  Teil 
alte  Götternamen  verwertet.'  Jvoios  steht  an 
der  Spitze,  wie  es  scheint  als  Ältester ;  er  er- 
zeugt (v.  404)  mit  seiner  Schwester  Phoibe  die 
Leto  und  Asterie.  Anderwärts  scheint  er  mit 
so  Kynnes  zusammen  ein  Bruderpaar  gebildet  zu 
haben;  s.  unter  Kynnes.  In  den  Namen  der 
kleinen  peloponneBischen  Nachbarflüsse  Koios 
und  Elektra  müssen  wir,  wie  in  dem  achäischen 
Krios,  die  der  Titanen  wiedererkennen;  Elektra 
ist  Tochter  des  Atlas.  Koios  kommt  später 
auch  als  Mannesname  in  Elis  vor.  Zur  Er- 
klärung des  Namens  erfanden  die  alten  Gramma- 
tiker (Etym.  M.  523 ,  50)  ein  Verbum  notiv, 
welches  soviel  wie  voi iv  sein  sollte.  Etwas  ge- 
•10  schickter  versuchten  Andere  es  mit  einem 
Äolismus  und  dachten  an  noiog  als  die  Qualität. 
Auf  den  richtigen  Weg  leitet  die  antike  Er- 
klärung des  clttai,  Xsyoacvov  Kola  als  ecpctigct 
und  die  Übersetzung  Polus,  welche  die  La- 
teiner von  Koios  geben.  Dies  führt  auf  -noiXog, 
coelum  vermittelt  durch  *xotj-og  und  Iuno 
Covella,  welche  letztere  wie  Iuno  Coelestis 
als  die  Himmlische  zu  verstehen  sein  wird, 
wenn  auch  immerhin  als  Mondgöttin  (Preller- 
ei) Jordan,  Rom.  Myth.  1,  272),  doch  gewifs  nicht 
von  der  „ausgehöhlten"  Form  des  Halbmondes. 
In  Rhodos  gab  es  neben  der  Elektra-Alektrona 
auch  eine  Artemis  iv  Ks-noia  und  Ker.oia  (s.  d.), 
gebildet  wie  'A-Ka-ndXXig;  manche  der  Alten 
brachten  auch  Kos  damit  zusammen.  „Das 
Nähere  b.  Mayer,  Gig.  u.  Tit.  S.  57-62.  Über 
die  Personifikationen  und  Träger  des  Himmels- 
gewölbes s.  das.  S.  87-90.  [Maxim.  Mayer.] 
Koiranos  (KoiQavog),  1)  Sohn  des  Äbas, 
co  Enkel  des  Melampus,  Vater  des  Polyidos, 
Apollod.  3,  3,  1.  Paus.  1,  43,  5.  Pind.  Ol. 
13,  75.  Soph.  fr.  358  Kauck.  Tzetz.  L.  811. 
Hyg.  f.  128.  136.  251.  —  Pherekyd.  b.  Schol.  II. 
13,  663  giebt  folgende  Geschlechtsfolge:  Me- 
hvnrpus,  Mantios,  Kleitos,  Koiranos,  Polyidos. 
-  2)  Sohn  des  Polyidos,  Vater  des  Euehenor, 
Paus.  1,  43,  5.  —  3)  Wagenlenker  des  Meri- 
ones,    aus   Lyktos    in    Kreta,    vor   Troja   von 


1267 


Koiron 


Kolchis 


1268 


Hektor  getötet,  II.  17,  611.  —  4)  Lykier,  vor 
Troja  von  Odysseus  getötet,  II.  5,  677.  Tzetz. 
Hom.  97;  Sohn  des  Hippasos,  Genosse  des 
Sarpedon,  Ov.  Met.  13,  257.  —  5)  Ein  Milesier, 
kaufte  von  Fischern  einen  gefangenen  Del- 
phin und  liefs  ihn  wieder  ins  Wasser.  Als  er 
später  bei  Mykonos  Schiffbruch  litt  und  alle 
umkamen,  wurde  er  allein  von  einem  Delphin 
gerettet,  und  als  er  hochbetagt  zu  Milet  ge- 
storben war  und  der  Leichenzug  in  der  Nähe 
des  Hafens  vorbeikam,  erschien  eine  Menge 
Delphine  im  Hafen  und  nahm  gleichsam  teil 
an  der  Bestattung,  Athen.  13,  606 e.  Ael.  de 
nat.  an.  8,  3.  Plut.  de  sollert.  anim.  p.  985  a.  — 
[6)  KoiQctvoe  findet  sich  nicht  selten  als  Bei- 
name von  Göttern,  so  des  Bolmarkoth  C. 
I.  G.  3,  4536.  Kaibel  epigr.  835  (vgl.  Bd.  1 
Sp.  749),  des  Hades  C.  I.  G.  3,  6201;  des 
Osiris  (v-oioavog  a&avdrwv)  C.  I.  G.  2,  3724; 
des  Thanatos  (y.oiQavog  Scciiiovcov)  Eur.  All'. 
1140;  des  Asklepios  (y.oiqccvos  laäv)  C.  I.  G. 
1,  511  =  0.  I.  A.  3,  171;  der  M u s  e n  -  Orph. 
in  scJiol.  Apoll.  Bhod.  3,  1;  auch  für  Isis 
wollte  Reinach,  Revue  critique  1887,  2  p.  13 
den  Beinamen  Koigavog  in  Ansprach  nehmen; 
dagegen  aber  Homolle,  Bull,  de  corr.  hell.  15 
(1891)  626.     Höfer.]     [Stoll.] 

Koiron  (Koi'gav),  Sohn  des  Triptolemos, 
Bruder  des  Krokon  (s.  d.),  Bekker  An.  273,  7; 
nach  ihm  war  das  athenische  Geschlecht  der 
Koigant'ätxi  (bei  Suidas  Kvgcovidcti)  benannt, 
Lykurg,  bei  Sarpökrat. ;  vgl.  jedoch  Ruhnken, 
Bist,  crit.  orat.  Graec.  339 f.  ed.  Friedemann. 
[Genaueres  b.  Topffer,  Att.  Geneal.  104ff. 
Röscher.]     [Böfer.] 

Koitos  (Koirog).  Beiname  des  Apollon,  oti 
crciQfioyovog  ö  ijXiog  ycsl  cvvovaiag  ahiog,  cog 
v.ul  gcooyövos  Isysrai,  Tzetz.  Lykophr.  426. 

[Höfer.] 

Kokalos  (KmYalog) ,  König  der  Sikaner  in 
der  sicilischen  Stadt  Kamikos,  der  späteren 
Burg  von  Agrigent,  welche  ihm  Daidalos  zu 
einer  uneinnehmbaren  Feste  machte.  Dai- 
dalos hatte,  nachdem  er  dem  Minos  ent- 
flohen, bei  ihm  Aufnahme  und  Schutz  ge- 
funden, und  als  Minos  mit  Heeresmacht  kam 
und  die  Auslieferung  desselben  forderte,  wurde 
er  von  Kokalos  oder  seinen  Töchtern  im  Bade 
durch  heifses  Wasser  getötet,  Diod.  4,  76.  78. 
79.  5,  78.  Herodot  7,  170.  Paus.  1,  21.  6.  7, 
4,  5.  Sträb.  6,  273.  279.  Kallimach.  u.  Philo- 
steph.  b.  Schal.  IL  2,  145.  Ephor.  u.  Philist. 
b.  Theon  Progymn.  p.  16  Seins.  Konon  25. 
Schol.  Find.  Nem.  4,  95.  Hyg.  f.  40.  44. 
Athen.  1,  10  e.  Ov.  Met.  8,  261.  Steph.  Byz.  v. 
KctjUKog.  Welcher,  Gr.  Tr.  1,  431.  Nach 
Eustath.  1817,  40  soll  auch  Daidalos  durch 
die  Töchter  des  Kokalos  umgekommen  sein, 
Preller,  Gr.  Myth.  2,  122.     [Stoll.] 

Kokarkos  (-artos)  s.  Kobis. 

Kokkoka  (Ko-ay.ioy.ci) ,  Beiname  der  Artemis 
im  Haine  Alias  bei  Olympia,  Pausan.  5,  5,  4 
(vgl.   Lobeck,   Path.  serm.  gr.  prol.  p.  323). 

[Lorentz.] 

Kokytos  (KcoYvrög),  bei  Homer  nur  an  einer 
Stelle  späteren  Ursprungs  (Od.  10,  513)  als 
Flufs  der  Unterwelt  erwähnt,  der,  ein  Aus- 
flufs  der  Styx,  zugleich  mit  Pyriphlegethon  in 


den  Acheron  sich  ergiefst,  JS'itzsch,  Anm.  &. 
Odyss.  3  p.  156 ff.  Bei  Verg.  Aen.  6,  296 
flieist  der  Acheron  in  den  Kokytos,  einen  lang- 
sam fliefsenden  sumpfigen  Strom  (Verg.  Ge. 
4,  478.  Borat.  Carm.  2,  14,  18),  der,  die  Unter- 
welt umfliefsend,  mit  ihm  den  stygischen  See 
bildet,  Aen.  6,  134.  323;  vgl.  Lukian.  de 
luclu  3.  Sein  Name  bezeichnet  ihn  als  den 
Flufs    des    Weinens    und    Klagens    (y.coy-vsiv), 

io  Cornut.  c.  35  p.  235  Gate.  Suid.  v.  Krjg.  Et. 
M.  v.  Kcoy.vTog;  Tsetz.  L.  705.  Schol.  Od.  10, 
514.  Eustath.  p.  1667,  40.  Er  nimmt  die 
Toten  auf  zur  Qual.  Während  der  Pyriphlege- 
thon als  norcifiög  &£q[i6tcczos  durch  seine  Hitze 
die  Sünder  quält,  thut  dies  Kokytos  als  tcot. 
ipvxQÖrciTog  durch  seine  Kälte,  Suid.  v.  'Hlv- 
aov  TtzSi'ov;  vgl.  Plat.  Phaedon  113  c  ff.  Lehrs, 
Popul.  Aufs.  308  f.  Wie  Acheron  und  Styx 
bezeichnet  er  überhaupt  die  Unterwelt,  Eurip. 

20  Ale.  458.  Eoraz.  a.  a.O.  Kokytos  war  ein  Neben- 
flufs  des  Acheron  im  Lande  der  Thesproter, 
und  manche  nehmen  an ,  dafs  er  mit  diesem 
in  die  Unterwelt  verlegt  worden  sei,  s.  Ache- 
ron und  Paus.  1,  17,  5.     [Stoll.] 

Kolainis  (Kolcavig) ,  Beiname  der  Artemis 
in  Myrrhinus  in  Attika,  Paus.  1,  31,  5.  Aristoph. 
av.  873  und  schol.;  ihr  Bild:  Paus.  1,  31,  4; 
sie  ist  benannt  nach  Kolainos  (Paus.  1,  31,  5. 
Besych.),  dem  Sohne  des  Heimes,  der  ihr  infolge 

so  Orakelspruches  ein  Heiligtum  errichtete,  Bei- 
lanikos  und  Phanoclemos  im  schol.  Arist.  a.  a.  O. 
Nach  Euphronios  ebendas.  wurde  sie  in  Ama- 
rynthos  verehrt  und  hatte  ihren  Namen  davon, 
dafs  ihr  hier  Agamemnon  einen  Widder  ohne 
Hörner  (y.qwv  y.6Xov)  opferte.  Bei  Theognost. 
in  Gram,  aneed.  Oxon.  2,  66,  30  heifst  sie  Ko- 
laivCa  und  ist  ebenfalls  nach  Kolainos  be- 
nannt. Auch  inschriftlich  ist  die  A.  Kolainis 
bezeugt  C.  I.  A.  3,  360  p.  87;  ebenda  2,  575  ein 

40  hghv  'Agzifiiäog  KoXcavi'dog;  ebenda  216:  z/e'ij- 
Ttoiva  "Agzifii  Kolaivi.  Die  von  E.  Curtius, 
Sitzungsber.  d.  X.  Preufs.  Ak.  d.  Wiss.  1887 
p.  1168  erwähnte  A.  KolaivCg,  die  sich  G.  I.A. 
2,  571  finden  soll,  existiert  nicht.  [Vgl.  auch 
Tüpff'er,  Att.  Geneal.  S.  217,  der  Kolainos  mit 
Kelainos,  Vater  des  Kaukon,  identificiert.  R.] 
Vgl.  auch  Kolainos.     [Höfer.] 

Kolainos  (KoXanog),  ein  alter  König  in 
Attika,   der  noch  vor  Kekrops   herrschte,  ein 

50  Abkömmling  des  Hermes,  soll  in  dem  attischen 
Demos  Myrrhinus  einen  Tempel  der  Artemis 
Kolainis  gegründet  haben,  Paus.  1,  31,  3. 
Schol.  Aristoph.  Av.  873.  Phavorin.  u.  Suid. 
v.  KoXcavig.  Er  führte  eine  attische  Kolonie 
nach  der  Stadt  Kolonides  in  Messenien,  Paus. 
4,  34,  5.     Vgl.  Kolainis.     [Stoll.] 

Kolakeia  (KoXaY^ia) ,  die  personificierte 
Schmeichelei,  das  Gegenteil  der  Pkilia  (3>rtia), 
Hio  Chrys.  or.  1  p.  71  R.     Eebes  pinax  8. 

eo  [Höfer.] 

Kolaxes  (Kokä^rjg),  König  der  Bisalter, 
den  Zeus  in  Skythien  mit  einer  Schlangen- 
mmphe  zeugte,  Val.  Fl.  6,  48;  vgl.  Herodot 
4,'  5.  9.     [Stoll.] 

Kolchis  (Kol%ig) .  1)  absolut  =  Medeia, 
Eurip.  Med.  133.  Lykopin:  887  und  Tzetz. 
-/..  d.  St.  Anth.  9,346.  Anth.  Planud.  137.  138. 
141;    vgl.   Simonides    im   schol.   Eur.  Med.   20 


1269                      Kolchos  Kolias                       1270 

=  Bergk  34  p.  411.  Hör.  epod.  16,  58.  Luv.  vov  offenbar  ein  Verderbnis  aus  Tvgggvov  ist) 
6,  643.  Prop.  2,  1,  54.  3,  14,  11.  32,  8.  überlieferter  aitiologiseher  Gründungssage:  va- 
4,  10,  9  (Müller),  Mart.  cpigr.  5,  53,  1.  10,  ög  lexi  xgg  'Arpgodt'xr]g  ovxa  y.aXovasvog  dnö 
35,  5;  vgl.  10,  4,  2.  Stat.silv.  2,  1,  141.  Auson.  xov  avfißsßr^/.oxog  xgv  ngoagyogiav  XcifSäv  vi- 
epigr.  22  p.  429  ed.  Peiper;  vgl.  Schot  Theoer.  avlag  ydg  xig  'Axxiy.bg  dXovg  vizb  Tvggvv  äv 
2,  16.  Skamon  bei  dem.  Alex.  Strom.  1,  76.  v.al  ätßuoixrjg  SovXivmv  itagavxä  EQus&tiagg 
—  [2i  Auf  einer  Silbermünze  des  von  Pom-  avxov  xf;g  ftvyaxgbg  xov  i'xovxog  val  üno- 
pejus  eingesetzten  Dynasten  Aristarchos  von  Xvadcgg  -gX^sv  sig  xrtv  oiv.iiav  ovxag  iXsv- 
Kolchis  erseheint  nach  Fox,  Engravings  of  dsgw&tt'g,  v.al  ev xagioxrjgiov  xrj  'Aygobixy  rrjs 
rare  greek  coins  2  p.  I  nr.  1  „Female  seateel,  10  oaxriglag  sjt!  xfjg  äxrijs,  dq>'  gg  ggndyg,  vabv 
loith  a  high  conical  cap,  her  right  hanil  resting  idgvoaxo,  KmXidSa  <5t  Tigoa^yögsvas  xbv  xbxtov 
on  a  eluij  in  her  left  the  tympanum"  oder  dnb  xäv  v.äXav,  a  iv  xoig  Ssofioig  v.axt- 
nach  B.  de  Koehne,  Numism.  Chron.  1877  p.  2  Ttovtixo.  —  Bei  Aristophanes ,  dem  ältesten 
,,A  woman  seated  on  a  high-hackcd  throne  Zeugen  für  den  Kult,  und  bei  Dionysios Perieg. 
turned  to  the  right,  on  her  head  the  Phrygian  v.  592  heifst  die  Göttin  einfach  Kai  tag  (vgl. 
cap.  Her  right  hand  reposes  on  an  objeet,  im-  Arist.  nuh.  52  Sandvrig,  Xarpvyiiov,  KaXidctog, 
perfeethj  defined  Cmay  he  an  oar  or  a  ruäderi,  ravExvXXidog  [seil,  ojouo«].  Lysistr.  1  dXX'  ?£ 
white  her  left  hand  sastains  a  vase  which  is  xig  sig  Hav.%iiov  avxag  iv.dXtasv],  g ' g  Tlavog, 
placed  on  her  knees." —  Prokescfo- Osten,  Arch.  g'rii  KcoXidä' ,  g'g  FsvexvXXi'Sog) ,  doch  er- 
Ztg.  7  (1849)  Sp.  28  nr.  1  hält  diese  Gestalt  so  fahren  wir  aus  zahlreichen  anderweitigen  Zeug- 
ganz unwahrscheinlich  für  den  Flufs  Phasis;  nissen,  dafs  es  sich  in  diesem  Falle  um  eine 
Cavedoni,  Bull,  areh.napol.n.s.7  1858  p.  28  für  Aphrodite  handelt,  oder  dafs  man  die  K. 
Medeia;  v.  Sallet ,  Ztschr.  f.  Num.  3  1876  wenigstens  später  mit  dieser  identifi eierte 
p.  60;  vgl.  5  1878  p.  226  f.  frageweise  für  Ky-  (Schal,  z.  Arist.  nuh.  52.  z.  Lysistr.  2.  Strato. 
bele;  de  Koehne  a.  a.  O.  p.  9  und  Descr.  du  398.  Eustath.  z.  Dion.  Per.  591.  Hcsych.  Har- 
musr'e  de  feu  le  prince  Ba"ile  Kotschoubey  pokrat.  Suid.  Et.  M.  Phot.  s.  v.  KaXidg.  G.  I. 
Vol.  1  p.  430  für  die  Personifikation  von  Kol-  AU.  3,  339  'Aq>g[oS~]ix\gg']  KmXidd[og].  Steph. 
chis.     Drexler.]     [Höfer.]  Byz.  s.  v.  KaXidg.  Schol.  z.  Lucian.  amor.  42. 

Kolchos   (KoXyog),   Sohn   des  Phasis,   nach  Paus.  1,  1,  5),    Für  die  Beurteilung  des  Wesens 

welchem  die  Kolchier  benannt  waren,  Mnaseas  30  dieser  Aphrodite   ist  besonders   ihre   stehende 

Patr.  b.  Schol.  Theokr.  13,  75.     [Stoll.]  Verbindung  mit  der  Genetyllis  wichtig  (vgl. 

Koliades   (KcoliäSsg),    1)  =  Aphrodite  Ko-  Aristoph.  nuh.  52.   Lysistr.  2),  d.  h.  einer  den 

lias    und    die    mit    ihr    zusammen    verehrten  Eileithyien  oder  den  phokäischen  rsvva'td e  g 

Genetyllides;  s.  Kolias. —  2)  KmXtdSsg  vviiqiai,  (Paus.   1,   1,  5)   entsprechenden   Entbindungs- 

vielleicht   die  Nymphen    des  Vorgebirges   Ko-  göttin    (vgl.   Schol.  Arist.  nuh.  52    ot  (lzv  xäv 

lias  in  Attika  (vgl.  Aristaenet.  epist.  3  vg  xdg  itsgl   xgv  'Atpgodi'xrjv   d^iovai   &iäv   gi'av   sivai 

v.oAidSag  vificpag,    oder    sollte  hier  etwa    y.oi-  Std  xo  ysv  iotwg  avxgv  hivai  xoig  dv%gumoig 

Xddag   zu    lesen    sein?     Vgl.  Hesych.   s.   v.   y.oi-  alxiav  7tgoiaxauivrjV   xäv  yducov  Ktti  xäv  inl 

XdSeg'  nsSCa.  Xißddtg).     [Röscher.]  coig  yd uoig  ixvaxggicov.  Schol.  Arist.  Lysistr. 

Kolias  (KcoXtdg),   eine  Göttin,   die  auf  dem  40  2),  die  nach  Hesychius  (s.  v.   rtvsxvXXtg)  auch 

gleichnamigen  Vorgebirge  (dv.gu  KaXidg,  Paus.  der  Hekate    ähnlich   war   und   wie    diese   mit 

1,  1,  5),  südlich  von  Phaleron,  in  unmittelbarer  Hundeopfern  verehrt  wurde  (ioiv.vi~a  xg  'Ev.d- 

Nähe  von  Halimus  und  dem  südlichsten  Teile  xr\.    äib   v.u\   xavxn  y.vvctg  ngoixi^&aav.    toxi 

des   Hymettos    (vgl.   über    die   Lage    Bursian,  S\    'gsvty.g    fttöc.     v.ai   sogxfj    xäv   yvvaixäv). 

Geogr.  v.  Griechenl.  1  S.  361.   Curtius-JKaupert,  Wenn  hie  und  da  (vgl.  Aristoph.  Thesm.  130 

Karten  v.  Attika   Heft  2   S.  2 f.)   in  einem  be-  ä   noxviai    VivfxvXXiSsg  und   Schol.  z.    d.    St.: 

sonderen,   mit  einem    uyuXua   (Paus.  1,  1,  5)  xivig   Sh   nsgi   xr]v  "Agxsuiv  cfctaiv  civxug  xäv 

geschmückten  Tempel  (vaög,  Schol.  Arist.  nuh.  xoy.ixäv  irpogovg.  Alkiphr.  epist.  3,  11  v.uivovg 

52;   isgöv ,  Schol.  Aristoph.  Lys.  2),   der   nach  ineiadysiv  &iovg  —  KaXidSag  -g  rtvsxvXXi'Sag. 

Schol.  Arist.   nuh.   a.  a.  0.,    wenn   die   Lesart  50  Lucian.  amor.  42  KmXiäSag  v.ai  rtvtxvXXCSug. 

richtig    ist,    ebenfalls    Kcolidg    hiefs,    wie    es  Paus.    1,   1,   5    KcolidSog    äs    saxiv    ivxavda 

scheint,    ausschliefslich   von    Frauen   als  Vor-  'AcpgoSixgg   ctyeeXua   v.cä    rsvtxvXXCStg   6vouut,6- 

steherin  der  Hochzeiten  und  Geburten  (s.  fitvai  &sai.    Sonä   Si   v.al   <frcov.ai£vei  raig   iv 

unten!)  hoch  verehrt  wurde.     Der  Xame  Kco-  'Icovicc   &iug    dg  -auXovoi  rzvvutdug   stvai   xaig 

Xidg  wurde  von  den  Alten  verschieden  erklärt:  irti   KcaXidSi  xdg   avxdg.     Hesych.   s.  v.   yivs- 

entweder  aus  der  Ähnlichkeit  des  Vorgebirges  xvXXCSag-  Öaiuovag)  von  mehreren  Genetylli- 

mit  einem  v.äXov  dv&gäitov  (Eustath.  z.  Dion.  des   oder  Koliades   die  Rede  ist,    so   fragt   es 

Perieg.  591  u.  z.    LI.  p.  324,  4.    Schol.  z.  Op-  sich,    ob   in  diesem   Falle   nach  Analogie   der 

pian.   Hai.    1,   239;    vgl.    auch    Tzetz.  z.  Lyk.  ebenfalls    pluralisch    auftretenden    Eileithyien 

867  und  Hesych.  s.  v.  v.äXw  izöäeg,  axiXr]  v..r.X.)  60  und    Gennaides    mehrere    Begleiterinnen    der 

oder  aus  einer  Legende,  nach  der  ein  Habicht  Aphrodite  Kolias    zu   verstehen   sind   oder   ob 

(Rabe)  dem  opfernden  Ion  eine  y.aX.r\  entführt  und  die  letztere  selbst  mitgemeint  ist.    Mir  ist  das 

nach    dem  Vorgebirge  Kolias   getragen  haben  letztere   wahrscheinlich,  und   zwar   nicht  blofs 

sollte  (Schol.  Arist.  nuh.   52     Suid.  u.  Et.  M.  wegen  des  neben  rtvtxvXXCStg  vorkommenden 

s.  v.   Kcalidg;    Eustath.  z.  Dion.   Perieg.  591),  Ausdrucks    KaXiddsg,    worunter    offenbar    die 

oder  endlich   mittelst  folgender  von  Schol.  z.  ganze  Gruppe   der  in_  dem  Tempel  auf  Ko- 

Aristoph.  nuh.  52.     Suid.  u.  Et.  M.    s.  v.  Km-  lias    verehrten    Göttinnen    zu    verstehen    ist, 

Xidg  (vgl.  auch  Tzetz.  z.  Lyk.  867,  wo  xvgdv-  sondern  auch  wegen  des  ausdrücklichen  Zeug- 


1271                       Kolias  Kolias                       1272 

nisses  des  Schal,  zu  Arist.  nub.  52  rtvizvXXig  ist  aber  genau  dieselbe  aitiplogische  Grün- 
r\  rfii  ytviosag  i'tpogog  'Aqigoäinj;  vgl.  auch  dungssage,  die  auch  von  dem  Tempel  der 
Schöl,  z.  Lucian.  amor.  42  [KaXidSag  v.ai  Kolias  berichtet  wird ,  so  dafs  "wir ,  wenn 
rtvizvXXCäag]  sni&tza.  zavza  'ArpQoäizng.  Fer-  Tzetzts  sich  nicht  geirrt  hat,  die  kyprische 
ner  ist  von  grofser  Bedeutung  für  das  Ver-  KaXüzig  unbedenklich  mit  der  attischen  Ko- 
ständnis  der  Kolias  und  der  Genetyllis  die  lias  identifizieren  dürfen,  eine  Annahme,  die 
Verbindung,  in  welcher  der  Kult  dieser  Göt-  auch  durch  die  von  Herodot  (7,  91;  vgl.  Solon 
tinnen  mit  der  in  dem  unmittelbar  benach-  fr.  19  B.  b.  Plut.  vit.  Seil.  26)  bezeugten  atti- 
barten  Demetertempel  abgehaltenen  Thesmo-  sehen  Kolonisten  auf  Kypros  gerechtfertigt 
phorienfeier  zu  Halimus  stand  (vgl.  Hcsych.  10  wird.  Endlich  scheint  noch  hierher  zu  ge- 
s.  v.  KcoXicig  ....  fim  äs  xal  z/r/ftTj-rpos  hpbv  hören  die  Aphrodite  Kalias  (A^POAITHI 
civzo&i  -hoXvgzvXov;  Bursian,  Geogr.  1,361,2  KAAIAdl)  einer  Inschrift,  welche  Ganze  auf 
und  s.  auch  den  Artikel  Kalligeneia).  Vgl.  Samothrake  gefunden  und  in  seinen  Meisen 
über  die  Mysterienfeier  zu  Halimus  aufser  an-  auf  d.  Inseln  des  thrak.  Meeres  S.  69  Taf.  16, 
tiken  Zeugnissen  wie  Plutarcli.  i\  Solonis  8.  10  veröffentlicht  hat.  Denn  da  a  und  co  öfters 
Pohjaen.  20,  2  und  dem  Orakel  b.  Hei  od.  8,  im  Austausch  mit  einander  stehen  (vgl.  z.  B. 
96.  Strab.  391.  Anthol.  Pal.  9,509.  Eustath.  Käfiog  —  Käfioc,  ftc'rtog —  fl-räxos,  Halößufrgov — 
z.  Dion.  Per.  591  (wo  unter  den  KcoXidäig  y.co?.oßa&gov;  mehr  b.  Gust.  Meyer,  Gr.  Gr.  §  49), 
yvvaiKig  höchst  wahrscheinlich  die  Thesmo-  so  könnte  die  samothrakische  Kalias  in  der 
phoriazusen  gemeint  sind),  auch  Preller,  De-  20  That  mit  der  attischen  Kolias  identisch  sein.  Für 
meter  und  Persephone  S.  340  Anm.  20  —  23.  diese  Gleichsetzung  sprechen  auch,  wie  nanient- 
K.  Fr.  Hermann,  Gottesd.  AH.  §  56,  15.  lieh  Crusius,  Progr.  der  Leipziger  Thomasschule 
A.  Mommsen,  Heortol.  298.  Was  das  Priester-  1886  S.  16ff.  dargelegt  hat,  bestimmte  histo- 
tum  der  Kolias  betrifft,  so  vermutet  Töpffer,  rische  Gründe,  insofern  nicht  nur  am  Hymettos 
AU.  Genealogie  S.  301,  dafs  das  von  Hcsycläus  (wo  nach  einem  Zeugnisse  des  Kratinos  fr.  102 
erwähnte  Geschlecht  der  Kmluig  (yivog  £&a-  p.  64  AT.  eine  Aphrodite  KaXid  *)  (KaXXia)  ver- 
yivüv,  oitiQ  [rji']  iy.  KcoXi'udog)  das  erbliche  ehrt  wurde;  s.  Crusiusa.&.O.  S.  17,  1),  also  nicht 
Gentilpriestertum  der  Aphrodite  verwaltet  weit  von  Kolias,  sondern  auch  in  Samothrake 
habe,  deren  Priesterin  wir  durch  ihren  Ehren-  der  Stamm  der  tyrsenischen  Pelasger  an- 
sitz  im  Dionysostheater  kennen  (G.  I.  4.3,339  30  sässig  gewesen  ist,  zu  dessen  ältestem  Reli- 
'^qcie[off]i'r[>)s]  KmXiäö[og]).  Vielleicht  war  gionsbesitz,  abgesehen  von  den  Kabiren  und 
der  Kult  der  Kolias  auch  weiter  verbreitet.  Hermes,  auch  Demeter  und  Aphrodite, 
So  ist  bei  dem  Heiligtum  der  Artemis  Aphaia  also  gerade  die  auf  Kolias  verehrten  Gott- 
auf der  dem  Vorgebirge  Kolias  gegenüber-  heiten,  gehörten.  Da  nun  in  der  oben  be- 
liegenden Insel  Aigin a  folgende  archaische  richteten  Gründungslegende  von  Kolias  die 
Inschrift  gefunden  worden  (Roehl ,  Inscr.  Gr.  Liebe  einer  tyrsenischen  Jungfrau  zu  einem 
antig.  352):  \zä  &?ü  rä  iv]  KwXid  äaig  AßXC-  attischen  Jüngling  eine  so  charakteristische 
av  S7zoir]0£  AXziuov,  und  bei  der  geringen  Rolle  spielt  und  Hcsychius  (s.  ob.)  die  Vsve- 
Entfernung  der  Insel  vom  Vorgebirge  Kolias  tvXXi'g  ausdrücklich  als  ^sviktj  &tög  bezeich- 
wäre  in  der  That  eine  Identität  der  &sd  iv  40  net,  so  werden  wir  in  der  That  kaum  umhin 
KcoXtddcag  (wo  KmXtdäai  =  KcaXiai  oder  Kca-  können,  Crusius'  Hypothese  von  der  tyrseni- 
üiffs  und  der  Name  der  Bewohner  wie  oft  sehen  Herkunft  der  Kolias  für  wohl  begründet 
statt  des  Ortsnamens  gesetzt  sein  könnte)  sehr  zu  halten.  Ist  aber  diese  Annahme  gerecht- 
wohl  möglich.  —  Ferner  scheinen  die  Worte  fertigt,  so  bleibt  es  natürlich  zweifelhaft,  ob 
Strabons  398  nsgl  äh  'Ar  dep Xvez  6  v  iazi  hk!  zö  der  Name  Kolias  griechischen  oder  barba- 
nuvilovY.cil  zo  zrjg  KcoXtdSogArpQoSi'zijg  ISQOV  y.zX.  rischen  Ursprungs  ist. 

dafür  zu  sprechen,  dafs  auch  bei  Anaphlystos  ein  Litteratur:    De  Witte,  Nouvelles  anndles 

Koliasheiligtum  sich  befand,  doch  ist  in  diesem  de  V Institut  1  p.  75  ff.  [vgl.  das  daselbst  pl.  A  1 

Falle  auch  recht  wohl  ein  Irrtum  des  Strabon  (p.  82,  3)  mitgeteilte,  mit  Modius,  Bogen  und 

möglich,  zumal  da  er,  wie  die  folgenden  Worte  50  drei   Figürchen  (Genetyllides?)    auf  der  Hand 

lehren,   mindestens  den  Fehler  begangen  hat,  versehene    Bild    der    Kolias)'      [Der    Deutung 

das  fragliche  Koliasheiligtum  bei  Anaphlystos  de   Witte's    stimmt    zu    aufser    Gerhard  ■  auch 

mit   dem   viel   weiter   nördlich   gelegenen   bei  Beide,   Les  monnaies  d'Athenes  p.   364  —  368. 

Halimus,   das   in  der  Geschichte  der  Salamis-  Sie  ist  indesseu  irrig.     Es  ist  Apollon  Dclios 

Schlacht    eine   Bolle    spielte,    zu   verwechseln  mit     den    Chariten;     vgl.     C.    Combe ,    Mus. 

(vgl.  Bursian,  Geogr.  1,  357,  2).     Ferner  wird  Hunter  Tab.  11,  14.   Sestini,  Descr.  d'alc.  med. 

die  von  J.ylophron  (v.  867)  erwähnte  KcoXäzig,  dal  Museo  del  Princ.  di  Danimarca  p.  17  nr.  3. 

<\    h.  nach  der  Erklärung  der  Scholien  Aphro-  Mi.  2,  127,  167.   S.  3,  559, 167;  Baoul-Bocliette, 

dite,  von  Tzetzes  z.  d.  St.  folgendermafsen  er-  Lettre    ä    Schorn.      Paris    1845    p.    198 — 203. 

klärt:     r/    Aq>QO§lzr\    y.a.1    zifiäzai    iv    Kvngco.  co  Cavedoni,    Osservazioni  sopra   le  ant.   man.  di 

KcoXäzig    Ss    inXil&r],    im   zig   vtaviag  vnö  Xy-  Atene.     Modena    1836  p.  17  nr.  34  und  Nuovi 

oxäv  7}  vnö  zvqÜvvov  \TvQQ7jväv'>  s.  ob.]  Kctza-  studi  intorno  alle  mon.  ant.  di  Atene.   Modena 

e%td-tlg  ex  xwv  iidtXaiv  ....  iSi&rj.    17  S\  &v-  1859  p.  36'.  37.    Wieseler,  Der  Apollon  Stroga- 

ydzrjQ  f]  toü  ccQiiXyazov  1]  zov  rvptivvov  [Ti'Q-  noff  und  der  Apollon  vom  Belvedere  p.  79 — 90. 

Qr,vov'i]    {naOTreioct    avrov    Kai    uiyeiaa    zovzoj 

>     .,      J       ^    ,    /         tj~.     R\   3  .          ~,~  '    ,.      ,        T.  '  *)    vgl.   hiermit  auch   die    als   Aphrodite -KaliaB   ge- 

aiTtXvosv    avzov.     O   d^AyQoäizrjg   isqov    Ka>-  deut6t6    KaU&   äer   zu   Hiera   auf  Lesbo8   gefullden6n 

Xaziöog    töoyectzo^   iigsvxctQLOrictv    nvzrjg,    oxl  Biesosinschrift :    Tümpel,  Philol.   N.  F.  3   1890  S.  735;  i 

dfdsfiivov  ovza  iv.  zäv  KcöXcoi'  iogveazo.     Das  is9i  s.  567  Anm.  6. 


1273                   Koliorgon  Kolpoi                      1274 

Furhvängler ,    Arch.  Ztg.    1882    Sp.   331  —  32.  Kolonos  (KoXavog),   1)  der  Heros  Eponymos 

Imhoof  and  Gardner,  Numism.  Commentary  on  des    gleichnamigen    Demos    und    Hügels    bei 

Pausanias  p.  144  PL  CC,  11  —  14.    Head,  H.  N.  Athen,  Soph.  0.  C.   59.     C.  Fr.  Hermann,  De 

p.  321  und   Cat.   of  greek  coins  [in  tlte  Brit.  sacris  Coloni  etc.    Marb.  1837.  —  2)  Ein  tana- 

Mus.]  Attiea  p.  72—73  nr.  496-498,  PI.  11,  8.  gräiseher  Heros,  Vater  der  Oehna,  des  Eche- 

J.  de  Witte,   Types  de  medailles  grecques  —  mos,  Leon  und  Bukolos,  Plut.  Quaest.  gr.  40; 

Venus  Colins.    Revue  num.  1S38  p.  166.   Beule,  s.  Eunostos.     [Stoll  ] 

Les  monnaies  d' Athene»  p.  365 — 368.   Stephani,  Kolontus  (KoXövTitg),  ein  Argiver,    der  die 

Compte-rendu    p.  l'a.    1873   p.    10—16;    1S7Ö  nach    Argos    gekommene    Demeter    ungeehrt 

p.  63;    1876  p.   204;    1880    p.    116.    117.     H.  10  von  sieh  wies  und  deshalb  mit  seinem  Hause 

Usener,  Kallone.   Rhein.   Mus.   N.   F.  20,  1868  verbrannte,  Paus.  2,  35,  3;   s.  Chthonia  nr.  1. 

p.  359.   Drexler.].     Engel,  Kypros  2,  328 f.  482.  [Stoll.] 

Gerhard ,  Gr.  Mythol.   §363,  2b.    C.   Lugebil,  Kolophouia,  1)  Tochter  des  Erechtheus,  Hyg. 

De  Venere  Coliade  Genetyllide,  Petersburg  1858.  /".  238,  hier  ist  indes   zu   schreiben  Chthonia. 

Welcher,    Götterl.   2,   714.  3,  206f.     Stephani,  — [2)  "Jqts tiig  KoXocpavla,  Legende  einer  Münze 

0.  B.  p.  l'a.  1875  S.  74  A.  3.     Preller- Robert,  des  Domitian  von  Kolophon  Eckhel,   d.  n.  2, 

Gr.  M.  1,  349.  377,  4.    Crusius  a.  a.  0.  512;  dieser  Beiname  der  Artemis  ist  aus  ihrer 

[Röscher.]  Eultusgemeinschaft     mit    Apollon,    der    Kolo- 

Koliorgon    (KoXiögyav),    Beiname    der   Ar-  phonios  (s.  d.  u.  Art.  KLirios)  heifst,  zu  erklären; 

temis  und  des  Apollon  auf  einer  Inschrift  ans  20  ebenso  findet  sich  auf  Kaisermünzen  vou  Kolo- 

Stratonikeia  'Jatt/udt  Kai  'AnoXXcovi  Koliogyrnv,  phon  die  Legende  "AQTtfiig   KXagia-  Eckhel  a. 

Corr.  hell.  12  (1888),  266    nr.  50.     Deschamps-  a.  0.     Head,  hist.  num.  494.     Höfer.]    [Stoll.] 

Cousin  a.  a.  0.   erblicken  in  Koliorgon  nicht  Kolophonios,  IJarav  KoXocpoivie  $oi|3e  wird 

einen  Genetiv,   sondern  ein  indeklinables,   lo-  Apollon    angerufen    im     2.    Berliner    Zauber- 

kales   Epitheton;    vgl.    das   Ethnikon    Kolioq-  papyrus  vs.  132;    ebenda  vs.  82a   als    iv  KoXo- 

yivg,  Corr.  hell.  15  (1891)   p.  208  nr.  148.  cpä[v]i    valiov;    vgl.   vs.   139   Klägis   "AtzoXXov. 

[Höfer.]  In  einer  sehr  lückenhaften  Inschrift  von  Sliven, 

Kollos    (KoXXog),    wahrscheinlich    Ahnherr  ergänzt  v.Har tel  Z.  6 — 7:  y.aza  xQiil'SlJ-ovg  zov[g 

des  attischen  Geschlechtes  der  KoXXtäai  (Hes.).  .  .  .'AnoXX]eovog  KoXotfia\yiov,  A.  E.  M.  10,  1886 

Vgl.  Töpffer,  Att.  Geneal.  310.     [Röscher.]  30  p.  147  f.   Anm.  13.     Über  Kolorpcavia  als  Bei- 

Kollytos  s.  Kolyttos.  wort  der  Artemis  s.  ob.  u.  s.  v.Klaria.    \_Theo- 

Koloene  (KoXorjvrj),  Beiname  der  Artemis  doret.  Graec.  affecl.  cur.  10  p.  964  ed.  Schul:, 
von  dem  früher  Gygaia  (s.  oben  s.  v.  Gygaie),  vgl.  p.  950.  Vgl.  Klarios.  Höfer.]  |  Drexler.] 
später  Koloe  genannten,  40  Stadien  von  Sardeis  Kolossaeus  (KoXoooaBvg?),  vielleicht  Bei- 
entfernten See,  wo  ein  hochheiliger  Tempel  name  des  Zeus  auf  einer  Inschrift  aus  Kö- 
der  Göttin    stand,    Strabon   p.  626.     Die    von  lossai,  Bull,  de  cor),  hell  11   (1887),  354;   er- 

Strabon  mitgeteilte  Notiz,  dafs  an  den  Festen       halten  ist  nur  totj  Jtog  Ko QEta; 

der  Göttin  die  %aXu&oi  tanzten,  verteidigt  letzteres  Wort  hat  schon  Clerc  a.  a.  0.  zu 
Groslcurd  in  seiner  Übersetzung  2  p.  624  Anm.  6:  tigsta  ergänzt;  zur  Vervollständigung  des 
,,Es  sind  die  von  Jungfrauen  {y.avrjcpogoi)  bei  40  Beinamens  des  Zeus  schlage  ich,  da  die  In- 
feierlichen Aufzügen  auf  dem  Kopfe  getrage-  schrift  aus  Kolossai  stammt,  das  durch 
nen  Opfer-  oder  Fruchtkörbe  (vgl.  Kallim.  h.  Suidas  bezeugte  KoXooaasvg  vor;  man  könnte 
in  Ctr.  1),  welche,  um  dem  Gaukelei  liebenden  allerdings  auch  an  KoXoaanvog  (Strabo  12,  578. 
Aberglauben  Spiel  und  Nahrung  zu  geben,  an  C.  I.  G.  3,  4380  k  add.  p.  1168.  Waddington, 
diesem  Feste  der  Artemis  von  den  abgerich-  Inscr.  d'Asie  min.  1220.  Eckhel,  d.  n.  3,  147 f.) 
teten  Mädchen  leicht  in  eine  tanzähnliche  Be-  denken.  [Höfer.] 
wegung  gesetzt  werden  konnten,  welche  dann  Kolotis  (KtoXäzig),  s.  Kolias. 
der  Göttin  zugeschrieben  wurde."  Ohne  hin-  Kolpia--  (KoXTtiag  ,  phoinikischer  Windgott, 
reichenden  Grund  sieht  Cavedoni,  Spicil.  num.  Gemahl  der  Baau  (s.  d.)  oder  Baaut,  Vater 
p.  223  in  der  mit  Köcher  und  Bogen  versehe-  50  des  Aion  (s.  d.)  und  Protogonos,  Philo  Bybl. 
nen  Büste  der  Artemis  auf  Münzen  von  Sardeis  bei  Euseb.  praep.  ev.  1,  10,  7.  [S.  besonders 
(Eckhel,  Cat.  Mus.  Caes.  Vinclob.  1  p.  193  nr.  1;  Baudissin,  Studien  s.  semit.  Religiqnsgesch. 
Sestini,  Mus.  Hed.  2  p.  316  nr.  1)  die  der  Ar-  1  p.  13,  der  den  Namen  KoXnia  in  Überein- 
temis  Koloene.  Derselbe  will  in  der  „Femme  Stimmung  mit  Roth,  Gesch.  uns.  abendl.  Philos. 
assise,  tenant  dans  la  m.  dr.  wie  couronne  et  1  p.  251.  Delitzsch,  Genesis  4.  Aufl.  p.  69. 
dans  la  g.  un  roseau,  le  coude  g.  appuye  sur  Schröder,  Die  phoen.  Sprache  p.  86  u.  Bunscn, 
des  rochers"  einer  Münze  der  Iulia  Maesa  von  Bibelwerk  5  p.  299  aus  rPE  Vlp  „lautbarer 
Sardeis  (Mi.  4,  135,  770)  den  Genius  des  Sees  Hauch"  erklärt.  Drexler.]  [Vgl.  auch  Gruppe, 
KoXorj  erkennen.     [Drexler.]  Griech.   Culte  u.  Mythen  1,  355.  Röscher.] 

Koloiiatas  (KoXavärcfg) ,  Beiname  des   Dio-  co                                                                 [Höfer.] 

nysos   von   dem   Ort  Kolona   in   Lakedaimon;  Kolpoi,  KOATTOI,  die  Personifikationen  der 

sein  Tempel  befand  sich  gegenüber  dem  Altar  Thäler  sind  dargestellt  auf  Münzen  des  Maxi- 

der  Dioskuren  äfipovlioi ;   neben  dem  Tempel  mus    von    Magnesia   ad   Maeandium    als    drei 

lag  da3  Tf'fif»og  eines  Heros,  der  dem  Diony-  Xymphen  mit  Wasserurnen,  die  eine  stehend, 

sos  den  Weg  nach  Sparta  gezeigt  haben  sollte;  die  beiden  anderen  gelagert,  Mi  S.  6,  250,  1102; 

ihm   und   dem  Gott  opferten  Jungfrauen,    die  Mus.  Theupoli   p.  1039,    Head,   H.  N.  p.  502. 

Dionysiades  und  Leukippides,    Paus.  3,  13,  5.  Auf  einem   Exemplar    des   Philippus   sen.   bei 

Wide,  Ldkon.  Kulte  160.  296.     [Höfer  ]  Lcake,  Num.  Hell.  As.  Gr.  p.  79,  der  die  Münze 


1275                     Kolymbas  Kombe  (von  Chalkis)            1276 

dem  lydischen  Magnesia   zuweist   und  infolge  Heroine.      Nach   Biodoros   4,  72;     Steph.  Byz. 

dessen    die  Thäler   des   Sipylos    hier  personi-  XuXxts;    Eustath.  Homer  p.  279,  7  u.  a.  (vgl. 

ficiert  sieht,  sind  statt  3  vielmehr  4  Nymphen,  Artikel  Chalkis)  ward  sie  sonst  Chalkis  ge- 

davon  2  mit  Wasserurnen,  dargestellt.  [Drexler.]  nannt,     war     also     Heroine     der     euboisohen 

Kolymbas  {Kolviißag),    eine    der   Pieriden,  Stadt  Chalkis:  Hekataios  frg.  105  aus  Steph. 

in  einen  Vogel  verwandelt,    Ant.  Lib.  9;    s.  Byz.  (vgl.  H.  BieJs,  Hermes  22  S.  442)  XuXvXg 

Pieros.     [Stoll.]  .   .   .    ExÄr/trjj    äs    äno    Köfißrjg    xrjg  XalnCäoq 

Kolyttos  {Kolvxxog,  auch  Kollvxog),  Heros  xakovjisvng  (s.  Sludniczka,  Athen.  Mut.  2 
Eponymos  des  athenischen  Demos  gleichen  1887  S.  280  f.  und  vgl.  den  vielleicht  auch 
Namens,  Vater  des  Diomos,  des  Heros  Epo-  10  chalkidischen  Künstlernamen  (Kyövßog  auf  der 
nymos  des  benachbarten  Demos  Diomeia,  der  Basis  einer  Hermesstatue:  Athen.  Mitt.  13 
ein  Liebling  des  von  Kolyttos  gastlich  auf-  1888  S.  114f.).  —  Nach  'eubo'ischen  Schrift- 
genommenen Herakles  wurde,  Steph.  Byz.  v.  stellern'  und  Aristos  von  Salamis  {frg.  5. 
JtofiBicc;  Hesych.  diopeig.     [Stoll.]  Müller,   Script,    rcr.    Alex.   Mag.    p.  154    bei 

Komaitho  {Kofxai&cö),  1)  Tochter  des  Ptere-  Zenob.  cent.  6,  50)  soll  Kombe  ihren  Namen  Xal- 
laos,  Königs  der  Taphier  oder  Teleboer,  der  xi'g  (gleich  Kadmos  und  den  Kureten)  von  der 
von  Ampbitryon  bekriegt  ward,  aber  unbe-  Anfertigung  eherner  Waffen  erhalten  haben, 
siegbar  war  durch  ein  goldenes  Haar,  das  er  auch  -nQcaxrjv  avvoiia)accaav  ccvägi  iy.axov  itai- 
durch  die  Gunst  des  Poseidon  auf  seinem  äav  ysvto&at,  (iijtiqcc.  Sie  war  also  eine 
Haupte  trug.  Komaitho  schnitt  aus  Liebe  zu  20  rerste  Menschenmutter'  in  lokaler  Stammsage. 
Ampbitryon  oder  dessen  Bundesgenossen  Ke-  Den  Namen  des  hier  vermifsten  Stammvaters 
phalos  dem  Vater  dieses  Haar  ab  und  tütete  nennt  Nonnos  (13,  135ff.):  Mit  £ä-x.og  (s.  d.) 
ihn  dadurch,  worauf  Amphitryon  Herr  ward  habe  sie  die  7  KoQvßavzig'  gezeugt  (=  Schol. 
über  alle  taphischen  Inseln.  Die  Komaitho  Viet.  II.  S291).  Mit  diesen  Sieben,  nämlich 
aber  tötete  er,  Apollod.  2,  4,  7.  Tzetz.  L.  932.  Prymneus,  Mimas,  Akmon,  Damneus,  Okythoos, 
934.  [Eine  Deutung  dieses  Mythus  hat  A.  Idaios,  Melisseus,  sei  die  [irixijQ  i-nxccToxog 
Schultz,  Jahrb.  f.  cl.  Phil.  1881  S.  305ff.  ver-  von  Sokos  aus  Euboia  (Chalkis)  nach  dem 
sucht.  Jedenfalls  ist  damit  zu  vergleichen  die  kretischen  Knosos  vertrieben.  Knosos  aber 
Sage  von  Nisos  und  Skylla  (s.  d.).  Röscher.]  gilt  als  Stadt  der  Kureten,  gleich  Chalkis, 
—  2)  Eine  schöne  jugendliche  Priesterin  30  und  soll  nach  Eusebios  (Chron.  p.  267)  auch 
der  Artemis  Triklaria  zu  Patrai  (Aroa)  in  von  einem  Kureten  gegründet  sein.  Sieben 
Achaia,  welche  sich  mit  einem  Jüngling  Me-  chalkidische  Kureten  verbergen  sich  also 
lanippos,  weil  die  beiderseitigen  Eltern  dem  unter  den  KoQvßuvxsg  des  Nonnos.  Nun 
Bunde  entgegen  waren,  in  dem  Tempel  der  liegt  aber  auf  Kreta  auch  jenes  Polyrrbenia, 
Göttin  vermählte.  Artemis  zürnte  und  schickte  wo  man  mit  xöpßri  die  Vogelgattung  %OQcavr\ 
Pest  und  Mifswachs  über  das  Land.  Das  del-  bezeichnete  {Hesych.  %6f.ißrj).  Mithin  wird 
phische  Orakel  gab  als  die  Ursache  des  Un-  auch'  die  chalkidische  Kombe  der  Verwand- 
heils das  Vergehen  des  Melanippos  und  der  lung  in  einen  krähenartigen  Vogel  ihren 
Komaitho  an;  auf  seine  Anordnung  wurden  Namen  verdanken  (so  auch  Studniczka  a. 
beide  der  Artemis  geopfert,  uud  in  der  Folge  40  a.  0.).  Wirklich  flieht  auch  die  aitolische 
mufsten  jährlich  die  schönste  Jungfrau  und  Combe  bei  Ovid  (s.  u.  nr.  2)  trepidantibus 
der  schönste  Knabe  der  Gemeinde  der  Göttin  alis,  also  in  Vogelgestalt.  Nun  hat  Lobeck 
geopfert  werden.  Dies  Menschenopfer  fand  in  v.vfißr\  das  Stammwort  zu  columba,  xo- 
sein  Ende,  als  von  Eurypylos  das  Bild  uud  Xvfißig,  -og  erkannt  und  es  so  mit  xu'fißij, 
der  Dienst  des  Dionysos  Aisymnetes  nach  v.vßrj  Kopf,  xvßdu  kopfüber,  HVjißrjxiäv  =  v.v- 
Patrai  gebracht  wurde,  Paus.  7,  19,  2 ff. ;  s.  ßiaxäv  'kopfüber  taueben'  zusammengebracht 
Schultz  a.  a.  0.  und  die  Art.  Eurypylos  und  Ai-  (vgl.  den  Vogel  xü;i(3i;).  So  ist  jene  hoqiÖvi] 
symnetes.  —  3)  Tochter  des  Tydeus,  welche  =  %6p,ßr\  Hcsychs  die  koqcovi]  zivuli'n  rMeer- 
dem  Aigialeus  den  Kyanippos  gebar,  Tryphiod.  krähe',  welche  nach  dem  Schol.  Homer.  a441 
159.  —  4)  s.  Kydnos.  —  [Bohde,  Ber  griech.  50  identisch  ist  mit  der  Tauchcrmöve  Xccgog  und 
Roman  p.  94  Anm.  1.     Drexler.]     [Stoll.]  aid-via  und  auch  das  oqvsov  IciQosiälg  %i%epog 

Komata*  {Ko^iäxag).  Nach  einer  unteritali-  mit  umfafst  (ebd.;  vgl.  Tzetz.  Lyl:  76,  837 
sehen  Sage  (von  Thurioi;  s.  Schol.  z.  Theoer.  und  Schol.  Nika/ndr.  Alexiph.  p.  206  Bübn.). 
7,  78)  opferte  ein  Hirt,  dessen  Herr  in  Thurioi  In  dieser  Gestalt  erscheinen  bei  Homeros  Her- 
wohnte, häufig  den  Musen.  Sein  Herr  schlofs  mes  und  Leukothea,  jener  1  50,  253  (iäpog), 
ihn  in  einen  Sarg  von  Cedernholz  ein,  um  zu  diese  «  441  (aidvlri);  vgl.  Lesbialca  111,  Philo- 
sehen,  ob  die  Musen  ihn  retten  würden.  Als  logus  N. P.  111  1890  S.  721  f.  Diese  beiden  Gott- 
nach  zwei  Monaten  der  Sarg  geöffnet  wurde,  heiten  sind  eine  völlig  deckende  Parallele 
fand  man  den  K.  lebendig.  Bienen  hatten  zu  Sokos  und  Kombe.  Denn  zunächst  ist 
ihn  mit  Honig  gefüttert.  Theoer.  7,  78  ff.  und  co  der  Name  Särnog  T  72  ein  Beiname  des 
Schol.      Vgl.    Röscher,   Nektar   und   Ambrosia  Hermes     und   für    einen    anderen    Gott    über- 

5.  72.     [Koscher.]  haupt  nie  in  Gebrauch  gewesen;   er  begleitet 
Kombe  {Kofxßri),  1)  Tochter  des  Asopos  und  ihn,  in  der  Form  -£«01x09,  nach  der  Insel  des 

der    Ladontocbter     Metope ,      Schwester     der  kabeirischen  Hermes,    Samotbrake,    wo   nach 

Tbebe  und  18  anderer  Schwestern,   sowie  des  ihm   das  Gebirge   Sacäy.r],   -rjg,   ja    die   ganze 

lsmenos    und   Pelagon    {Apollod.   Bibl.    3,    12,  Insel  Zaco-xt'g  heilst.    Die  kürzere  Namensform 

6,  5):   also   eine  mit  den  thebaischen  Flüssen  des    Zäm-nog-Sä'Hog    begegnet   in   jenem    Sä- 
Ladon     und     lsmenos     verknüpfte     boiotische  oiv,    -os,    der   nicht   blofs   in  Samotbrake   die 


1277             Kombe  (von  Chalkis)  Kombe  (von  Pleuron)             1278 

Kabeirenrnysterien  stiftete,  sondern  auch  in  und  diese  Schaumgeborene  ist  abermals  als 
deren  boiotisehen  Heimat,  zu  Lebadeia,  des  eine  Doppelgängerin  der  schaumentstiegenen 
Trophonioskultes  erster  Myste  war.  Die  Iden-  Leukothea  nach  0.  Müllers  Vorgang  (Etrusker 
tität  beider  von  Thebai  abhängigen  Dienste  1",  198.  2,  55.  Proll.  371;  vgl.  Preller  l3, 
hat  Crusius  im  Anschlufs  an  0.  Müller  (Orchr  378)  von  Crusius  erwiesen  (a.  a.  0.  S.  22.  232; 
p.  152  f.)  aus  den  'Egficti  =  KaäpiXoi.  und  der  vgl.  auch  Philostephan.  in  Schol.  Homer.  HSG: 
noQtpvQig,  dem  Schleierlinnen  der  homerischen  Aivv.o&ia  äiä  tbv  in  rjjs  ftaldoorig  drpgov, 
Leukothea  (ä&övrj),  das  in  beiden  Kulten  eine  und  Nonnos  9,  86).  Wie  die  Tauchermöve 
wichtige  Rolle  spielt,  erschlossen  (Beiträge  etc.  dazu  kommen  konnte,  zum  Sitz  einer  Meer- 
S.  23 ',  23°,  26").  £dwv  könnte  einfach  als  10  schaumgottbeit  zu  dienen,  zeigt  eine  Schiffer- 
Kurzform  mit  Zdmv.og  identisch  sein  {Preller,  erzählung  bei  Tsetses  (Lyk.  76;  vgl.  837):  Die 
Gr.  Myth.  I3,  322 5),  dann  wäre  die  Neben-  Äapos  -  Art  xtTrrpos  läfst  sich  von  Fischerkindern 
form  Ztägos  neben  -Säxog,  die  freilich  schlecht  mittels  hingeworfener  Flocken  Meerschaums 
bezeugt  ist,  aus  der  apostrophierten  Form  ganz  zahm  anlocken.  Von  den  Xdgoi  erzählen 
eines  Textes  wie  II.  A  450  (2ü%)  hergeleitet.  die  aus  guten  aristotelischen  Quellen  geflos- 
Doch  könnte  Eü>%og  auch  mittels  des  boio-  senen  Ixeutika  des  s.  g.  Oppianos  (2,  4  der 
tischen  Diminutiv -Suffixes  -(i.)xog  aus  Zdog  Paraphrase,  Gramer,  Anecd.  Par.  1,  2  p.  36f. 
ursprünglich  gebildet  sein  (nach  Apion  und  Ameis,  Poet.  Bucol.  1  p.  llöff.),  sie  seien  ur- 
Lobeck  vielmehr  von  Zdoixog).  So  oder  so  sprünglich  Heroen  und  Erfinder  der  &alaaaia 
aber  begleitet  Saos  -  Sokos  den  Kabeiren- 20  (Hermes?  Sokos?  Priapos?)  gewesen,  ja  die 
kult  von  Thebai  über  Lebadeia  und  wohl  gröfsere  Art  sei  noch  jetzt  'König'  über  die 
Chalkis  nach  Samothrake.  Thebai  steht  aber  anderen.  Die  Gewohnheit  des  Leichenfrafses 
auch  an  der  Spitze  der  Kombe- Genealogie,  in  erklärt,  wie  sie  Ahnen-  und  Heroen- Seelen- 
die  auch  Pelagon  aufgenommen  ist  (Sp.  1275, 66).  gehäuse  werden  konnten  (vgl.  Flcckeisens  Jahrb. 
Nun  sind  zwar  ohnehin  schon  die Pelasger  genug-  1887,  Suppl.  16  S.  213);  der  Name  Xdgog  ist, 
sam  als  Träger  des  kabeirischen  Hermeskultes  wie  Adgioa,  Xdgixog  pelasgisch  (Lesbiaka  3, 
mit   Leukothea    aus    Boiotieu   nach   den   thra-  722  f.). 

Irischen  Inseln  bezeugt  und  erwiesen;  aber  es  2)  Kombe  von  Pleuron  in  Aitolien, 
ist  doch  wertvoll,  dafs  der  Name  des  TlsXdyiav  'Otpidg  genannt,  eff'ugit  natorum  vulncra:  Ovid. 
dies  noch  extra  hier  für  Kombe  -  Leukothea  30  Met.  7 ,  382 ,  wo  sie  zusammen  genannt  wird 
bezeugt.  Er  ist  der  Eponymos  der  llsloiyoveg  mit  der  Kyknosmutter  Hyrie  am  gleichnamigen 
=  TlsXa-a-yoi  (=  -yovoi)  der  Pela- Geborenen  See.  Lobeck  (Agl.  1,  1135  Note)  und  Urlichs 
aus  der  thessalischen  Stadt  Pela  in  Pelas-  (Reisen  S.  197  3")  vermuteten  für  beide  Sagen 
giotis,  wie  Lesbiaka  3,  Philologus  N.  F.  III  Übertragung  aus  dem  bei  Aulis  gelegenen 
1890  S.  714f.  gezeigt  ist.  In  Chalkis  hat  sich  See  Hyria  und  der  euboiischen  Chalkis,  und 
bei  der  östlichen  Übertragung  des  pelaBgisck-  zwar  durch  Ovid;  wahrscheinlich  aber  waren 
kabirischen  Kultkomplexes  der  Weg  verzweigt:  beide  Sagen  schon  in  der  hellenistischen  Vor- 
ein Teil  überträgt  die  Namen  Hermes -Sokos  läge  verbunden,  und  ganz  sicher  waren  sie 
und  Leukothea  nach  Samothrake,  der  Pelasger-  schon  weit  früher  mit  vielem  anderen  (Üdys- 
insel;  ein  anderer  den  Pelasgernamen  sowie  40  seus-  Sage,  Namen  wie  Chalkis,  Halikarna  u.  a.) 
den  der  Kombe  und  ihrer  '  korybantiseheu '  durch  die  westfahrenden  Chalkidier  nach  Ai- 
Sönne  nach  Kreta,  nämlich  Knosos,  welches  tolien  übertragen.  K.  flieht  trepidantibus  alis, 
bei  Hom.  t177  gleichfalls  nach  den  S101  Tis-  also  in  Vogelgestalt.  Die  nati  sind  die  Pleu- 
Xaoyot  genannt  ist,  und  nach  Polyrrhenia,  das  ronischen  Kureten.  Zu  der  Bedrohung  der 
eine  der  90  Pelasgerstädte  gewesen  sein  kann;  Mutter  'Seekrähe'  durch  Verwundung  vgl. 
ein  dritter  den  Namen  der  Kombe  und  ihrer  man  die  Verscheuchung  der  gefräfsigen  See- 
Söhne  nach  Aitolien  (Ovid;  s.  u.  nr.  2).  Auch  vögel  (nkaiäsg)  des  Phineus  Curetum  more 
Samothrake  hatte  seine  c  Korybanten ' ,  die  clypeorum  et  hasiarum  sonitic  in  der  Argonau- 
ebenso  wie  die  knosisckeo  des  Nonnos  viel-  tik:  Hygin.  f.  20.  Setzt  man  Kombe  =  Leu- 
mehr Kureten  waren.  Dafs  diese  dreiver-  50  kothea  -  Aphrodite,  so  hat  man  Analogieen 
zweigte  Übertragung  der  Kombe  bezw.  Leuko-  in  der  Aphrodite  Apaturia  zu  Phanagoria,  die 
thea  aus  Chalkis  keine  Täuschung  sein  kann,  durch  Giganten  (ihre  Söhne?)  verfolgt  wird 
geht  daraus  hervor,  dafs  alle  4  Stellen  wich-  (Strabon  11  p.  495)  —  sowie  in  der  aphrodi- 
tige Fundorte  für  die  Kureten- Sage  sind.  Aus  sischen  Halia- Leukothea  zu  Rhodos,  welche 
dieser  vermittelnden  Stellung  von  Chalkis  in  von  ihren  Söhnen,  den  "lyvrjTtg  ngig  'da  oder 
der  Pelasgerwanderung  ergiebt  sich  auch  die  iiqoci)wol  Suifiovsg,  vergewaltigt  wird  und  ins 
bis  jetzt  problematische  Herkunft  des  Tlskaa-  Meer  'hinabtaucht,  aus  der  ihre  Beschützerin 
yiKov  (sd-vog),  das  Tlmkydides  (4,  109)  und  Aphrodite  im  gleichen  Mythos  auftaucht ;  Philol. 
Strabon  (7  frg.  35)  auf  der  thrakisch-chalki-  N.  F.  IV  1891  S.  43 ff.  Warum  die  aito- 
dischen  Akte  (Athos)  bezeugen:  es  stammt,  60  lische  Kombe  'Oyiäg  heifst,  ist  unaufgeklärt, 
wie  die  atho'ische  Stadt  Chalkis  (Eudoxos  bei  Lobeck  dachte  an  eine  rein  poetische  Erklärung 
Steph.  Byz.  s.  v.)  aus  der  euboiischen  Stadt  (a.  a.  0.)  'glänzend  wie  eine  Schlange'.  Welcher 
Chalkis.  —  Nach  einer  anderen  Pelasger-  erklärte  sie  besser  als  'Drachengemahlin' 
kolonie,  der  hellespon tischen,  ist  Hermes  zu-  (Tril.  S.  197 31T).  Pape-Bensehr  (Gr.  Eigen- 
sammen  mit  der  echt  kabeirischen  Aphrodite  namen)  hatten  s.  Kojißi]  anfänglich  Öqpiag  als 
übertragen  (als  Eltern  des  Priapos,  eines  'Tochter  des  Ophios'  erklärt,  fassen  aber 
phänischen  Pelasger-Hermes  mit  Verwandlung  später  dasselbe  Wort  s.  'Ocpidg  als  Ethnikon 
wieder  in  Idgog;  vgl.  Crusius  a.  a.  0.  S.  241.),  vom  aitolischen  Volksstamm  der  'Otpuig  (Stra- 


1279 


Kombe 


Komm  es 


1280 


bon  10  p.  451.  4(55)  oder  'Otpioriig  {Thuk.  3, 
100).  Damit  würde  W'elckers  Auffassung  sich 
vereinigen  lassen,  indem  man  dem  Eponynios 
derOphieis,  -oneis  als  Autochthonen  Schlangen - 
gestalt  gäbe.  Wirklich  war  ja  auch  bei  den 
(pelasgischen)  Pariern  am  Hellespontos,  den 
'Otftoyevsig,  der  Stammvater  ocpis  Gatte  einer 
Halie  (-Leukothea):  Strabon  13  p.  588  und 
Ailianos  N.A.  12,  39;  vgl.  Korais  u.  Schneider 
z.  d.  St.  Auch  an  Ophion,  den  theba'iseben  Be- 
gleiter des  Kadmos  (=  Sparte  Echion?  ej;jc 
=  oqp(s),  könnte  man  bei  dieser  ursprünglich 
boiotisch  -  theba'ischen  Sage  denken.  Die  Ent- 
scheidung wird  immer  von  der  Frage  ab- 
hängen, ob  hier  ein  pelasgisch- kabeirischer 
Hermes-  Trophonios-Sokos,  oder  ein  theba'isch- 
thrakischer  Ares  zu  gewärtigen  sei;  denn 
beiden  eignet  die  mythische  Schlange,  im 
letzteren  Falle  würde  eine  rätselhafte  Angabe 
Orids  ihre  Lösung  finden:  largo  sati  Curetes  : 
ab  imbri  {Met.  4,  282).  Hinter  dem  imber 
wird  sich  ein  Gatte  der  Komb?  verbergen, 
Namens  'Tng,  d.  h.  "TJ-r/g.  Das  wäre  ein  Epo- 
nymos  der  aitolischen,  aus  Boiotien  eingewan- 
derten "TJ-avrsg  ("Tavcsg),  der  Brüder  dei 
"Aßarzig  von  euboiisch  Chalkis  und  boiotisch 
"Aßa,  sowie  der  boiotischen  "Aovsg  ("Aj-ovtg). 
Alle  drei  Stämme  sind  Träger  des  Aresdienstes 
(vgl.  zuletzt  Fleckeisen Suppl.  16  1887  S.210f.)j 
derare'ische  Eponymos"'T^s  also  wäre  geeignet,  ; 
in  Drachengestalt  mit  Kombe  Oqidg  die  Kureten 
zu  zeugen ,  wie  sonst  der  mövengestaltige 
Sokos-Hermes.  (Dann  ständen  die  waffen- 
tanzenden Kogvßavzsg  als  y.bgot  "TJ-ctvzig  viel- 
leicht nicht  nur  mit  den"AßavT£g  otu&iv  y.ouo- 
oivztg,  sondern  sogar  mit  den  Kovgfjzsg  bni- 
crö'fi'  Y.011WVZIQ  [von  kei'qco,  hovqu  Arche- 
machos  von  Euboia  frg.  8  bei  Strabon  10  p.  465. 
F.  3.  G.  4,  415  |  in  engerem  thatsächlichen  Zu- 
sammenhang?). —  Pelasger  sind  in  Aitolien 
nicht  direkt  bezeugt  (das  AlzaXiav  in  der 
Notiz  des  Hieronymos  v.  Kardia  bei  Strabon 
5  p.  443  ist  längst  durch  das  richtige  hella- 
nikische  'Izaliav  ersetzt.) 

DervogelgestaltigenEponymeCombe-Ckalkis 
entspricht  der  Vogel  mit  ausgebreiteten  Flügeln, 
der  auf  den  ältesten  Münzen  von  Chalkis  aus  dem 
5.  Jahrh.  (Ana.  coins  of  Biit.  Mus. ,  Central 
Greeee  pl.  20,7  S.  109  nr.  26;  vgl.  Studniczka, 
Athen.  Mut.  1  1886  S.  93)  und  auf  den  Schil 
den  chalkidischer  "Vasen  als  Wappenzeichen 
erscheint;  er  ist  nach  Studniczka  vielleicht  ein 
redendes  Wappen  von  Chalkis,  also  eine  %ul%iq 
(a.  a.  0.  S.  93).  Er  nennt  ihn  adlerähnlich 
und  identifiziert  ihn  (wie  Athen.  Milt.  2,  280) 
mit  der  bgvi&i  Xiyvgij  .  .  .  r^v  z  iv  bgsaciv 
%a7.v.l$u  v.iy.irlG*ovOL  &sot,  dvSgsg  de  y.vuitöiv 
bei  Homeros  (S290f.V  Freilich  wird  diese 
von  den  Alten  nicht  als  v.ogdvrj  erklärt,  son- 
dern bald  als  yXavt,  (so  Suidas  s.  ^aXy.i'g)  oder 
wegen  des  Namens  y.vfitvSig  (den  StudniczJca 
für  urverwandt  mit  -/.  bfißrj  halten  möchte)  als 
schlanker  Gebirgsvogel  (Aristot.  H.  A.  9 ,  12. 
P/in.  10,  8,  10:  nocturnus  accipiter),  den  Cuvier 
und  Lenz,  Zoologie  zu  Plin.  als  Habichtseule 
erklären,  bald  als  eine  Art  Adler  (Aristoteles 
H.  A.  9,  32.  Suidas  b  chzog;  vgl.  überhaupt 
Kbeling-  Capelh's  Homerlexikon  u.  yulv.lg  und 


■/.vuLvSig).  Eigentümlich  ist  trotzdem,  dafs 
nicht  blofs  die  xöußn  von  Polyrrhenia  (= 
Kbußrt  von  Xalnig),  sondern  auch  die  y.vuiväig 
=  %ciX.v.!g  ihren  Namen  vom  '  Eintauchen ' 
erhalten  zu  haben  scheint:  nach  Boscher, 
G.  Curtius  Stud.  3,  137  von  v.vß-,  kvu-  (nach 
den  Homer -Scholien  vom  äsi  zrjv  y.ecpuXrjv 
vnb  zoi'g  xXäSovg  xqvxtsiv).    [Karl  Tümpel.] 

Kombike  (Koußiy.i)) ,  Beiname  der  Artemis 
auf  einer  Inschrift  aus  Patara  oder  Myra  in 
Lykien,  'AgzsiiiSi  Koußr/.f),  Archäöl.-epigr.  Mitt. 
aus  Osten:  7  (1883)|  124.  Locicy  a.  a.  0.  leitet 
das  Epitheton  von  der  lvkischen  Stadt  Koußu 
(Ptol.  5,  3,  5)  ab.  ^  [Höfer.] 

Kometes  (Kourjz^g),  1)  Thessalier  aus  der 
magne.-ischen  Stadt  Peirasia,  Vater  des  Ar- 
gouauten  A-terion,  Ap.  Rh.  1,  35.  Apollod.  1, 
9,  16.  Paus.  5,  17,  4  S.  nr.  5.  —  2)  Solin  des  Sthe- 
nelos,  welchem  Diomedes  bei  seiner  Fahrt 
nach  Troja  die  Aufsicht  über  sein  Haus  über- 
tragen hatte.  Aber  durch  die  Einwirkung  der 
dem  Di'jmedes  zürnenden  Aphrodite  wird  er 
treulos  und  buhlt  mit  der  Gemahlin  des  Dio- 
medes. Aigialeia.  Beide  treiben  den- zurück- 
gekehrten Diomedes  aus  dem  Lande,  Schol. 
Tl.  5,  412.  Kustath.  zu  ders.  Stelle  und  zu 
Dion.  Pa:  483.  Tzttz.  L.  603.  1093.  Serv. 
zu  Aen.  S,  9.  11,  268.  Apollod.  epit.  Yat.  22,4. 
Wagner,  Cur.  mythogr.  26Sf.  —  3)  Sohn  des 
Thestios,  Bruder  des  Prothoos  und  der  Althaia, 
Paus.  8,  45,  4.  [Er  war  von  Skopas  dar- 
gestellt im  Giebelfelde  des  Tempels  der  Athena 
Alea  in  Tegea  als  Teilnehmer  an  der  Kaly- 
donischen  Eberjagd;  Paus.  a.  a.  0.  Brunn, 
Kümtlergeseh.  1,  323.  Röscher.]  —  4)  Ältester 
Solin  des  Tisamenos,  der  nach  Kleinasien  aus- 
wanderte, Paus.  7,  6,  2.  Schol.  Vat.  Fkir.  Rhes. 
250.  —  5)  Einer  der  Lapithen  (s.  d.),  auf  der 
Hochzeit  des  Peirithoos  getötet,  vielleicht 
identisch  mit  nr.  1;  Oc.  Met.  12,  284.     [Stoll.] 

Kommatrene  [Kouuaynvr,),  diePeisonihkation 
der  Landschaft  Kommagene  ist  dargestellt  an 
dem  Deukmal  von  Nemrud-dagh  bei  Kjachta 
nördlich  von  Samosata,  welches  Antiochos  von 
Kommagene  errichtet  hat  als  Kultstätte  seiner 
Ahnen  und  der  Gottheiten  Zeus-Oromasdes, 
Apollon  -  llithras  -  Helios  -  Hermes,  Artagnes- 
Herakles-Ares  und  der  Landesgöttin  Komma- 
gene, s.  Puchstein,  Ber.  üb.  e.  Reise  in  Kur- 
i  distan,  Monalsber.  d.  Kgl.  Pr.  Ak.  d.  ^^.  zu 
Berlin  1883  [p.  29— 64]  p.  50  f.,  Inschrift,  IIa 
Z.  9  ff  :  Aioneg  \  wg  bgag  ^Jiög  zs  'P.gOLLÜGÖOv 
Kai  'AtzöX  Xcovog  Mt'&gov  W.i'ov  'Eguov  y.ci'i 
Agzu  yvov  'Hgay.Xicv;  "Agscag  ifirjg  zs  nuzgi'Sog 

navTgöqov  Kouuayni'rjg  &E07zg£  nr\  zctvza 
uyaXuaza  ■/.u&idgvadu.rjv  v..z.  X.;  vgl.  p.  56  u.  61. 
Humannu.  Puchsttin.Reis.  i.  Kleinas.u.Xordsyr. 
p.  258.  282.  295.  319f.  336.  348.  372.  [Drexler.] 

Kommes  (Kouarjg),  rätselhafter  Gott  in  einem 
i  griechischen  Zauberpapyrus  in  Berlin,  heraus- 
gegeben von  Parthey  in  den  Abhandl.  d.  Berl. 
Ak.  phil.hist.  Kl.  1S65  S.  153  Z.  118fi\,  der  (ab- 
gesehen von  dem  ägyptisch-magischen  Kauder- 
welsch) angerufen  wird  als  usyiazt  &?h  Kbu-fing. 
zrjv  rjuigciv  tpcoz(£<ov  ...  b  rrjniog  uvctzslXtov 
.  .  .  bXov  nbXov  8l[oft]eva>v  ...  b  iavzä  ovv- 
yivoutvog  v.ul  bvvaaovuivog  Ttgocav^ijza  y.ai 
TioXvifazi'eza    .  .  .    vödza>\-   (figiazs  &££  Koflinj 


1281         Komnaros  Komos          1282 

iCofijifj  .  .  .  6  fiiyioxog  Kai  lapjqbs  &tog  ...    Im  Gesang  und  Tanz  verbundene  und  in  sehwär- 

Folgenden  scheint  er  mit  dem  Tlaiav  Koloqxi-  mende    Umzüge    übergehende    Festgelage    re- 

viog  $oißog,  dem  'Anollav  KXäotog,  identificiert  präsentierend,    besonders    auf  Vasengem'älden 

zu    werden,    sodafs    er    im   wesentlichen    ein  dargestellt.    Auf  einem  Vasenbild  der  Hamil- 

Licht-    und  Sonnengott   gewesen    sein    dürfte  tauschen  Sammlung   (Tischbein,  Collect,  of  in- 

(vgl.    auch   die   vorhergehenden   Anrufungen).  gravings  etc.    t.  2    tab.  44.     Müller -Wieseler, 

Parthey   a.  a.  0.   S.  166   bemerkt   dazu:  „Zur  D.  A.  K.  1  Tfl.  41  nr.  473)  Komos,  die  bakchische 

Erklärung  dieses  sonst  unbekannten  Ausdrucks  Thalia   keck   und  begehrlich  fassend.     Komos 

(Ä'ofi,u(js)   läfst  sich   nur  anführen,  dals  einer  mit  der  Lyra,  Mus.  Borb.   2,  45.  —  Philostr. 

von  den  36  Dekanen,  welche  die  12  Zeichen  des  10  Imag.  1,  2  (vgl.  25)  beschreibt  ein  Gemälde,  auf 

Tierkreises  einnehmen,  der  dritte  im  Schützen,  welchem  er  trunken  und  müde  nach  dem  Fest- 

KofLiie   heifst.     Salm,  de  ann.  clim.  p.  612....  mahle  dargestellt  war,   mit  auf  die  Brust  ge- 

In  der  Dekanenliste  bei  Firmicus  (astron.  4,  16)  senktem  Haupte,  im  Stehen  schlummernd,  mit 

heifst   er   Chenen;   in    den    hieroglyphischen  gesenkter  Fackel  und  übergeschlagenen  Beinen, 

Texten  Kenemu.    Lepsius  Chron.  1  p.  68.  71".  Müller,    Handb.    d.   Arch.    §385,   7.    392,   1. 

Die  Charakteristik  des  Kommes  als  Licht-  und  Welcher  zu  Philostr.  Imag.  p.  202  —  215.    Alte 

Sonnengott,  seine  Identifizierung  mit  Apollon,  Denkm.  3,  125—135.  Stark,  Niobe  298.  Preller, 

endlich  die  Bezeichnung  als  vr\niog  ävaxillav  Gr.  Myth.  1,  556.  592  f.  Gerhard,  Gr.  Myth.  1 

machen  es   mir  wahrscheinlich,   dafs  Kommes  §  464,  2  §  466.   [Stoll.]    [Vgl.  ferner  das  schöne 

im  Grunde   mit  Horos   (s.  d.)  gleichbedeutend  2u  rotfig.  Vasenbild  bei  Gerhard,  Aiaerl.  V.  Taf.  56 

ist.      [Über    jenen    Dekan    s.    auch    Brugsch,  =  Baumeister,  Denkm.  S.  1301  Fig.  1443;  mehr 

Tlws.  inscr.    Aeg.  Abt.    1   p.  12.  148.  156.  162.  bei  Heydemann,  Satyr-  u.  Bakchennamen  S.  15 

163.     Im   s.   g.   h.  Buche   des  Hermes   an  As-  (Dionysos    giebt    dem   als   Satyrknabe   dar- 

klepios,  Pitra,  Anal.  sacr.  et  class.  5,  2  p.  290  gestellten     KOMOS      zu     trinken,      anwesend 

heilst   es   von    dem    33.  Dekan:    Obxog   bvotia  Ariadne  und  Tragodia);  den  Aryballos,  früher 

££Et  Xovovuog,   kuI  iaxiv  av%e<oitog  jrfpifjcoö-  in  Athen,  jetzt  in  Berlin  (nr.  2471),  beschrie- 

fiivog  änb   z&v    (lacxcov    egos  xmv  aoxQayalcov,  ben  von  Heydemann,  Satyr-  u.  Bakchennamen, 

inl  TJjs  Kscpalfig    t%mv   ßaeiltiov,   Kai   iv   [itv  5.  Hall.  Winclcelmannsprogr.  1880  S.  12  (nebst 

rij    äs^LÜ   jnfipl   v.axi%cav    vSqlohtjv,    iv    de    xfj  Litteraturangaben),   wo    KOMOS   als  Satyr  im 

svaivvfiü)    BnrjnrQov.     Kvqievsi    Si    ovxog    xäv  30  Thiasos    des   Dionysos    erscheint;    den    Krater 

TtQodrjlüi&svxcDv.     rXvtpov   ovv  xovxov  iv  XC&co  in  Neapel  (nr.  2369),   beschrieben  von  Heyde- 

ftTjdtxrö,   y.al   vitofttlg   ßozuvrjv   &VQei'ov,  xuxä-  mann   a.  a.  0.  S.  15   (KQMOS  leierspieiend  im 

v.lsiaov    iv    oo    ßovlu,    Kai    rpogii.      Dresler.]  Gefolge   des   Dionysos);  den   Krater  in    Wien, 

Vgl.  Knuphis.     [ßoscher.]  beschrieben   von   Heydemann   a.    a.    0.    S.  20 

Komnaros   (KaiuvuQog),    Beiname   des   Zeus  (bakchische     Liebesverfolgung,     in    der    zwei 

auf   einer    italischen    Inschrift    zä>    Au    Km-  Satyrn  Hedyoinos  und  KQMOX   heifsen);   des- 

ij,vc>Q(p    Kai    Ali  'Ei.sv&iQia>    vtisq   avxov    Kai  gleichen  in  Wien,  Heydemann  S.  20  (KQMOZ 

nolixäv  'loTtivcov,  C.  I.  G.  3,  5874.     [Höfer.]  mit   drei   andern  Satyrn  [darunter  Hedyoinos] 

Komodia  (KmiicpSia,  Comoedia),  die  personi-  im  Gefolge  des  Dionysos);  die  Amphora  in  der 
ficierte    K(ay,coSia    (vgl.     Komos),     dargestellt:  40  Sammlung  J.   de  Witte  zu  Paris,  Heydemann 

1)   auf  einem  Nolaner   Krater   der  Sammlung  a.  a.  0.  S.  21  (KOMOS  als  Satyr  flötenblasend, 

Coghill,    jetzt   im    Louvre,   als    Bakchantin  anwesend    eine    Bakchantin   und    ein    anderer 

und   Begleiterin   des   Dionysos,  welche  in  den  Satyr);  die  Coghillsche  Vase,  Heydemann  a.  a.  0. 

Händen  Kantharos  und  Thyrsos  trägt:  Heyde-  S.  21    (Dionysos    dem   Flötenspiel    des   Satyrs 

mann,   Satyr-   und   Bakchennamen,  Hallesches  KAMO£   [sie!]  lauschend   etc.);   die  Hamilton- 

Winckelmannsprogr.  1880  S.  16  (nebst  Littera-  sehe  Vase  bei  Heydemann  a.  a.  0.  S.  22  (KAMOZ 

turangaben);  U.  I.  Gr.  8356.  —  2)  in  einem  Ge-  mit  Oinos,  Eudia,  Thaleia  und  Pothos  schwär- 

mäldedes  Aetion,  Zeitgenossen  Alexanders  d.  Gr.,  mend   und  springend);  die  Amphora  im  Brit. 

nach  Plin.  n.  h.  35,  78:  [Aetjionis  sunt  nobiles  Museum  nr.  788,  Heydemann  S.  27  (der  Satyr 
picturae  Liber  pater,  item  Tragoedia  et  Comoedia :  50  KOMos  die  Doppelflöte   blasend);    die    Trink- 

etc.     Brunn,  Künstler gesch.   2,    245.  —  3)  auf  schale    im    Brit.    Museum    nr.    811*   (Götter- 

eineni  Relief  des  Archelaos  (Zeitgenossen  des  gelage,  darunter  Dionysos  und  Ariadne,  denen 

Tiberius),  sog.  'Apotheose  Homers' ;  vgl.  Brunn,  zur  Bedienung   der  Satyr  [K]QMOZ   zur   Seite 

Künstlergesch.   1,   584ff.     Baumeister,  Denkm.  steht);   die    Trinkschale   in    Berlin    (nr.    2532; 

1,112  Fig.  118.    Kortegarn,  De  tabula  Archelai.  KOMOS  als  Silen  vor   einer  Nymphe  tanzend, 

Bonn    1862    (hier  ist    K.    im    Armelkleid    der  Heydemann  a.  a.  0.  S.  25).    Siehe  die  genaue- 

Bühne    hinter    der  Tragodia    einherschreitend  ren  Litteraturangaben  bei  Heydemann  an  den 

dargestellt:  vgl.  Friederichs-Wolters,  Gipsabg.  angeführten    Stellen    und    S.   37.      Zu    diesen 

nr.  1629  mit  Litteraturangaben).  —  4)  Weib-  schon  von  Heydemann  gesammelten  Beispielen 
liehe  Herme  von  Marmor  in  dem  Theater  der  60  kommt  noch  hinzu  die  Berliner  Vase  nr.  2658 

Villa  Hadrians  mit   einer   andern   Herme   (=  (Komos  von  Knaben,  von  denen  einer  Käu.og, 

Tragödie?)    gefunden   (künstliche  hohe  Frisur,  ein  anderer  Uaiav  benannt  is,t),  das  Kelief  in 

Bekränzung  mit  Weinlaub);  Friederichs-Wolters  Villa  Albani  bei  Baumeister,   Denkm.    S.  701 

a.  a.  0.  nr.  1446  (mit  Litteraturangaben).  Vgl.  Fig.  759   =  Zoega ,  Bassiril.  1,  52  (Komos  [?] 

auch  Muller,  Hdb.  d.  Arch.  §  388,  5.  [Röscher.]  mit  Fackel  und  Weinkanne   nebst  den  Hören 

Könios  (Äräfjos,  dor.  Kä/xog),  bakchischer  Da-  und    andern  Gottheiten   einem    Hochzeitspaar 

mon,  zu  den  Satyrn  gehörig,   ein  Geselle  des  Gaben  darbringend).     Vgl.  Kamos.     Röscher.] 

bakchischen  Thiasos,  das  fröhliche,  mit  Musik,  Komos  s.  Kobis. 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.   II.  41 


1283                      Komyros  Kora  u.  Demeter  (Namen)       1284 

Komyros   (Koiivgog),   Beiname   des  Zeus  in  19,  1.     Pherekydes  nannte  ihn  Kynon,   Sclwl. 

Halikarnassos,  Tzetz.  Lyk.  459.   Auf  Inschriften  II.  19,  53.     [Stell.] 

aus   dem   Tempel   des   Zeus  Panamaros  (s.  d.)  Kopeoii  s.  Kopeus. 

zu   Stratonikeia   wird    öfter   ein  Koy.vgi.ov   er-  Kopeus  (Kconsvg),  Sohn  des  Apataleus,  der 

wähnt,  Butt,  de  corr.  hell.  11  (1887),  380.  381.  ein  Sohn  des  Onchestos,   Enkel  des  Poseidon 

385.  389  nr.  6;    ferner  /xvezrigia  zov  Koiivgiov  war;  Gründer  der  boiotischen  Stadt  Kopai.  Nach 

p.385;  Tgl.  380;    15  (1891),  186.  188;    ebenso  Steph.  B.  v.  Ktonat.  bei  Athen.  7,  296b  heilst 

9vp,ara  Kouigia  p.  387;   das  Fest,  die  Kofiv-  er  Vater  des  Meerdämons  Glaukos.    Der  Heros 

gia,   dauerten   zwei   Tage,    p.  380.  385;    vgl.  Kopeon  heilst  Gründer  v.  Kopai  b.  Schol.  II. 

Deschamps- Cousin   zu  p.  381    und    12  (1888),  10  2,  502.    Mütter,  Orchom.  238.     [Stoll.] 

91;  ebenso  15  (1S91),  202  nr.  143.  203,  nr.  144.  Kopreus    (Kongsvg) ,     1)    Dienstmann    des 

204,    nr.    145;    Athen.    Mitt.    16    (,1891)    414.  Eurystheus   in  Mykenai,    welchem    dieser    die 

Da    die    Komyria    mit    Mysterien    verbunden  Aufträge    an   Heiakies    inbetreff   der    Kämpfe 

waren   und    eine  Menge    von  Weihinschriften  zu  geben  pflegte,  weil  er  den  Gewaltigen  aus 

(Corr.   hellen.  12,  487 ff.)  erhalten  sind,  welche  Furcht   nicht    in    die   Stadt   hereinliefs.     Sein 

bekunden,  dals    dem    Zeus    Panamaros  (s.  d.)  Sohn   Periphetes   begleitete   den  Agamemnon 

von    seinen   Verehrern    das    Haupthaar    dar-  nach    Troja    und    fiel    durch    die    Hand    des 

gebracht  worden  ist,  so  ist  es  nicht  undenkbar,  Hektor,  besser  an  jeglicher  Mannestugend  als 

dafs    unter    diesen    Mysterien    die    dem    Zeus  der  viel  schlechtere  Vater,  II.  15,  638  ff.     Er 

Panamaros      dargebrachten     Weihungen     des  20  war  Sohn  des  Pelops  und  floh  wegen  des  Mordes 

Haares    zu    verstehen    sind,    vgl.    Deschamps-  des  Iphitos  aus  Elis  nach  Mykenai,  wo  er  von 

Cousin  a.  a.  0.  12,  487.  15,  174  ff.     [Höfer.]  Eurystheus  entsühnt  ward  und  wohnen   blieb, 

Konabos  (Kövußog),  von  xövaßog  =  Gerassel,  Apollod.  2,  5,  1.  Schol.  II.  15,  639.  In  den 
Lärm:  eines  von  den  vier  Rossen  des  Ares:  Rerakliden  des  Euripides  ward  Kopreus  als 
Q.  Smyrn.  S,  242  f.  Ai&a>v  Hai  $Aoyios,  Kora-  Herold  an  die  Athener  geschickt,  um  die  Aus- 
ßog,  ä'  iitl  zoibi  ^oßog  zs,  ||  zovg  Boghj  nsla-  lieferung  der  Herakliden  zu  fordern,  und 
äovzi  zins  ßloovgcomg  'Egwvvg  hzX.  Vgl.  hin-  trat  übermütig  und  gewaltthätig  auf.  Nach 
sichtlich  der  Vaterschaft  des  Boreas  ob.  Bd.  1  Philostrat.  Vitae  Sophist.  2,1,  550  trugen  die 
Sp.  804 f.;  hinsichtlich  des  Rofsnamens  Aiarcov  attischen  Epheben  bei  öffentlichen  Aufzügen 
ob.  Bd.  1  Sp.  200.  $loy£og  heifst  nach  Stcsich.  30  eiae  dunkle  Chlamys,  um  durch  dieses  Zeug- 
ZV.  1  Bergk  das  Rofs  des  Kastor  (vgl.  auch  nis  öffentlicher  Trauer  dem  Kopreus,  Herold 
das  Sonnenrofs  ^liycov  ob.  Bd.  1  Sp.  2006).  des  Eurystheus,  der  von  den  Athenern  getötet 
>P6ßog  ist  auch  nach  Antimach.  b.  Schol.  II.  worden  war,  Genugthuung  zu  leisten.  — 
13,  299  ein  Rofs  des  Ares,  während  der  Name  2)  Boioter,  Sohn  des  Haliartos,  König  in  der 
sonst  einen  Sohn  und  Begleiter  des  Ares  be-  Stadt  Haliartos;  er  erhielt  von  Poseidon  das 
zeichnet  (s.  Phobos).     [Röscher.]  in   dem    Gebiet    von  Haliartos   erzeugte   Rofs 

Kondyleatis    ( KovSvlsÜTig) ,     Beiname    der  Areion    (s.  d.)   und    gab    es    später    dem    He- 

Artemis  in  dem   arkadischen  Ort  Kondylea  rakles,  Schol.  IL  15,  639.  23,  346.  — ■  [3)  Heros 

(s.  E.  Curtius,   Sitzungsher.  d.  K.  Preufs.  Ak.  auf  einer  Inschrift   von  Teos  C.  I.  G.  2,  3069 

d.  Wiss.  1887,    1170),    die    auch   'Anuy%oy,iviq  40  p.  649.  Höfer.]  —  \Thraemer,  Pergamos  p.  64. 

hiefs,    s.  d.   Erzählung   bei  Paus.   S,  23,  6 f.;  Drexler.]     [Stoll.] 

vgl.    Kallimachos   bei    Clem.  Alex,   protr.    11  Koptites  s.  Lokalgottheiten, 

p.  32  Potter;  doch  unterscheidet  Clem.  a.  a.  0.  Kora  (Koga). 

hiervon   eine   andere  Artemis   Kovävlizig,    die  t»_-_-*. ,,„^i  -c- r-o „„„-u„„.v, 

.    ,r    ,,                      ,    ,         j      ro         i    TT  Demeter  und  Kora  (Fersepnonei. 
rn  Methymna  verehrt  wurde,  lo.  auch  Usener, 

Kallone,  Rh.  Mus.  N.  F.  23.  1868  p.  336  Anm.  56.  A-    Namen  nnd  Etymologie. 

Drexler.]  Immerwahr,  ArJc.Kultel,159.  [Höfer.]  Demeter  (dnyr'jzrig).  Neben  dieser  gewöhn- 

Koueides  =  Konnidas  (s.d.).  liehen  Namensform  findet  sich  auch  Arjfinzga,  am 

Konisalos  (KovioaXog),  ein  attischer  Dämon,  sichersten  bezeugt  in  der  Grabschrift  des  Heros 

wie   Orthanes    und  Tychon,    im    Gefolge    des  50  Phytalos   bei   Paus.    1,  37,  6,    wo   metrische 

Priapos    und    mit    demselben    Abzeichen    ver-  Gründe  jeden  Zweifel  heben;   unsicher  ist  die 

sehen,    Aristoph.   Lys.    982    und    Schol.    Plat.  Lesart  Rät.  2,  123.  Plat.  Cratiß.  404,  während 

Com.     b.    Athen.    10,   441  f.      Strab.     13,   588.  sie  fast  allgemein  angenommen  ist  für  Aristot. 

Resych.  u.   Suid.   s.  v.   Gerhard,  Gr.  Myth.   1  oec.  2,  1349, 15.  Diud.  1, 13,  4;  5,68,1.  Apollod. 

§501.    Vgl.  auch  Art.  Kotys  am  Ende.  [Stoll.]  1,  1,  5,  1.   5,  2,  2.    Schol.  Apoll.  Rh.  4,  998. 

Konnidas  (KavviSus),  Pädagog  des  Theseus  Clem.  AI.  Protr.  2,  15.    Suid.  s.  v.  u.  a. ;   vgl. 

in  Troizen,  welchem  die  Athener  am  Tage  vor  Lobeck,  Paralip.  S.  142,  Erweiterung  zu  dritir]- 

dem    Theseusfeste    einen    Widder    als    Toten-  znga,  Etym.  M.  281.     Cramer,  An.  gr.  2,  300. 

opfer  darbrachten,  Plut.  Thes.  4.    Bei  Resych.  —  AEMETPH   auf   der  Triptolemosschale  des 

heifst  er  Kov8iSrtg,  Mommsen ,  Reortolog.  280.  60  Hieron,  Mon.  d.  Inst.  9,  43,  ist  wohl  nur  ver- 

[Nach  Töpffer,  Att.  Geneal.  S.  310  (vgl.  172,  1)  schrieben;   Jaiiuzgu  in   einer   boiotischen  In- 

ist   er   vielleicht    der    Ahnherr    des    attischen  schritt  bei  Collit: ,  D.  I.    nr.  560.  —  Dorische 

Geschlechts  der  KovsCäai  (Hesych.).  R.]  [Stoll.]  Form  ist  jdafj.ärrjg  z.  B.  in  den  Inschriften  von 

Koon  (Kocov),  Troer,  Sohn  des  Antenor,  Hermione,  C.  I.  G.  1193ff.;  aus  Lakonien, 
Bruder  des  Iphidamas,  der  den  Agamemnon  1434.  1464;  Kreta,  2567.  2599;  Knidos. 
verwundete,  von  diesem  aber  erlegt  wurde,  Newton,  Ralicarn.  2  S.  71 5 ff. ;  auch  nicht- 
ig 11,  284.  19,  53.  Tzetz.  Rom.  194.  Dar-  dorische  Orte  bieten  diese  Form,  so  Manti- 
gestellt    am   Kasten    des   Kypselos,    Paus.   5,  neia,   Ltake,   Trav.  i.  Mor.  1,  112;    Tegea, 


1285       Kora  u.  Demeter  (Namen)  Kora  u.  Demeter  (Namen)        1286 

C.    I.    G.  1518;    Ambrysos   in   Phokis    1727  3)  von  daüo  —  y.alm;   dies  wurde   als  An- 

vmd  besonders  Boiotien;  s.  Dittenberger,  Inser.  spielung    auf    das    Fackelattribut    angesehen, 

Megar.  Orop.  Boeot.  1670,71.  1810.  2876.  3213.  Etym.  M.  263  extr.  265,  53.     So  ist  wohl  auch 

Die  meist  für  attisch  gehaltene  Kadmoshydria  die  eleusinische  Inschrift  dyoi  zu  verstehen. 

in  Berlin,  Furtwängler  2634  (Gerhard,  Etrusk.  Während  diese  Etymologieen  keinen  neuen 

und   campan.    Vasenb.   Taf.  C)  ist  aller  Wahr-  Verteidiger    gefunden    haben,     hatten   andere 

scheinlichkeit    nach   tarentinisch.     Lyriker  ein  besseres  Schicksal: 

und  Dramatiker  bevorzugen  die  dorische  Form,  Von    W.     da    geben;    SiSovea    ä>g    ftjjrijp, 

Find.  Ol.  6,  95.  Isthm.  1,  57.   6,  4.  Eur.  Fhoen.  Nahrungspenderin,     Plat.    Gratyl.    404°;    vgl. 

685.    Ar.  Flut.  555.  872.  —  Vereinzelt  steht  der  10  Polt  in  Kuhns  Zeitschr.  6  S.  118; 

Gen.  dafiazQog  in  einer  Inschrift  aus  Aigai  in  Die  Nebenform  JrjfirirsiQa  erklärt  Etym.  M. 

der  Aiolis,  Jahrb.  d.  arch.  Inst.  Suppl.  2  S.  42.  281,  9    als   Bändigerin.     Leo  Meyer,  Bemerk. 

Sehr    häufig,    besonders    im    eleusinischen  z.    alt.    Gesch.    d.    gr.   Myth.    S.  57    will    die 

Kulte,   war   die  Form  dnä,  für   die  eine  sehr  W.  yam,   djam,   dam   zum  Grunde   legen  und 

späte  Inschrift  aus  Eleusis  dnd  setzt,  C.  I.  G.  in    Demeter    die    dem    indischen    Totengotte 

434',    wie   es   auch  in  dieser  Form  dreimal  in  Yania  entsprechende  griechische  Form  finden, 

dem  Orakel  bei  Paus.  8,  42,  6  vorkommt,  vgl.  Mit  Recht  bemerkt  Mannhardt  a.  a.  0.  S.  283 

Etym.  M.  264,   8.    —    dnficS    bei   Suid.    s.  v. ;  hierzu,    dafs  man  kaum  den  Namen  dnafjzrjQ 

Zonar.  Lex.  501;   Etym.  M.  a.  a.  0.  — Preller,  in  ein  so  hohes  Alter  hinaufrücken  dürfe  und 

Demeter  und  Persephone   S.  135  Anm.  16  hält  20  dafs  Demeter  gewifs  nicht  ursprünglich  Unter- 

dies  für  den  angenommenen  Namen  Demeters  weltgöttin  war. 

im    orphischen  Hymnus  entsprechend  der  dag  dr\^i\z-i\Q   =  drujLoarjzrjg   bieten   Etym.  M. 

des  homerischen.  265,53.  Etym.  Gud.  140.  141.   Greg.  Cor.  752. — 

Die  Bedeutung  des  Namens  an  sich  hat  in  J.  Baunack,  Uli.  Mus.  1882  S.  475  hält  dafio- 
alter  wie  in  neuerer  Zeit  grofBe  Meinungs-  fir'iznQ  für  die  ursprüngliche  Form  und  Über- 
verschiedenheiten hervorgerufen;  eine  Zu-  setzt:  'Mutter  des  Landes';  ihm  stimmt  mit 
sammenstellung  und  Kritik  der  Versuche  s.  bei  Vorbehalt  zu  Crusius,  Beitr.  z.  gr.  Myth.  S.  16 
Mannhardt ,  Mythol.  Forsch.  S.  281  ff.  Im  Anm.  1.  Mag  auch  sprachlich  diese  Ableitung 
Altertume  fand  am  meisten  Beifall  die  Gleich-  möglich  sein,  so  ist  es  doch  bedenklich,  auf 
setzuug  von  dnufizriQ  und  rVjfirjtrjp,  die  Mutter  30  Demeter  schon  in  ältester  Zeit  den  mit  dfjuog 
Erde,  vgl.  Pott,  Indog.  Spr.  2  S.  386.  Der  verbundenen  Begriff  der  Beschränktheit  zu 
Ausruf  Sä,  Aisch.  From.  560.  Ag.  1072.  Eam.  übertragen,  der  weder  zu  ihrem  historischen 
835.  Arist.  Lys.  198  u.  öfters  wurde  als  die  Ursprünge  als  der  alten  Hauptgöttin  der  vor- 
dorische Form  für  Erde  betrachtet,  was  Ahrens,  homerischen  Periode  noch  zu  ihrer  späteren 
De  dial.  dor.  S.  80  unter  Zustimmung  von  Funktion  im  Götterstaate  der  griechischen 
G.  Curtius,  Etym.  2  S.  78  überzeugend  wider-  Vulgärmythologie  stimmt. 

legte.     Dafs  aber  eine  Nebenform  Sä  oder  Sfj  Von  der  kretischen  Form  Snai  für  %Qi&ai, 

existierte,    ob    dorisch    oder    nicht,    beweisen  Gerste,    stammte   der    Name    nach   Etym.    M. 

'EvvoaCSag    für   'EvvooCyaiog    bei    Find.   Pyth.  264,  9;    sprachlich   ist   es   als   ältere  dorische 

4,   58.    306    und     die    vvfLtpczi    'EvSnlSeg    bei  40  Form  für  Jac«   sehr  wohl  erklärlich,  und  den 

Hesych.  s.v.,  die  Landesnymphen  in  Kypros,  die  so  entstehenden  Begriff  'Kornmutter'  hat  Mann- 

den  Inselnymphen  von  Lesbos,  den  'Evvrjoiddsg  hardt  a.  a.  Ü.  S.  293ff.  sehr  scharfsinnig  abge- 

(Hesych.  s.  v.)    entsprechen,    unter  den    Alten  leitet.     Schon  Preller,  Demeter  u.  Fers.  S.  368 

erklären  auf  diese  Weise  den  Namen  Demeter  hatte  an  die  Aufnahme  dieser  alten  Etymologie 

Cic.  de  nat.  d.  2,  67;   vgl.  1,  40.    Phil,  de  vit.  gedacht;  vgl.  Crusius  a.  a.  0.     Jedenfalls    ist 

contempl.  1.    Orph.  bei  Diod.  1,  12,  4.  3,  62,  7.  diese  neben  FriiirjzrjQ  die  einzige,  welche  auf 

Schol.    Aesch.    Eum.    835.     Greg.    Cor.    p.   373  Wahrscheinlichkeit  Anspruch  machen  kann. 

(Schäfer).      Sext.    Empir.    adv.   math.    9,    189.  Andere   moderne   Erklärungsversuche,    wie 

Suid.  s.  v.  JrjßrjTTjQ;    Tzetz.  zu  Hes.  op.  et  d.  den  von  Sonne,  Kuhns  Zeitschr.  10,  133   und 

32.  Eustath.  ad  Od.  1528,  16.  Etym.  M.  264,9.  50  Lehrs,  Popul.  Aufs.    S.  97,   der  d.  von  Snfiog 

265,  63.  Etym.  Gud.  140.  141.    Gegen  neueren  mit   suff.   zng   ableitet,    von   Schümann,  Aesch. 

Skeptizismus    hat    diese    Ableitung    am    ener-  From.   S.  313   dri(ir]zng  =  diu  firjzrjg  =  fi-iü 

gischsten    Welcker,    Gr.    Götterl.    1    S.   385  ff.  firjzrjg,   von   Max  Müller,   Vorles.  üb.  d.  Wiss. 

verteidigt;     ihm     schlofs     sich     Preller  -  Pleiv ,  d.  Spr.  2   S.  474;    Kuhns  Zeitschr.  19,  43  und 

Griech.    Mythol.3   1,    618    an;   dagegen   s.   be-  von  Grafsmann,  Kuhns  Zeitschr.  16,  161:  d.  = 

sonders   Lehrs,   Popul.   Aufs.*   S.  279;  Mann-  Dyävä    mätar,    Himmelmutter,    erledigen    die 

hardt  a.  a.  0.  —  Andere  alte  Erklärungen  sind :  Widerlegungen  Mannhardts  a.  a.  0. 

1)  von  Sr'jco,  ich  werde  finden,  Etym.  M.  P  ersephone  heifst  bei  Hom er  stets  TTfpof- 
263,  51.  265,  53.  Eustath.  ad  II.  760,  32;  ad  Od.  (pövsia,  vgl.  Eustath.  ad  II.  763,  59.  Als  ältere 
1675,  18,  was  auf  das  Suchen  der  Tochter  oder  60  Form  nennt  Eustath.  a.  a.  0.  und  1665,  11 
die  Erfindung   der  Feldfrucht  bezogen   wurde;  <$£go£cp6vr],  die  sich  auch  bei  Find.  Ol.  14,  21. 

2)  von  Saia  =  Y.t7tzsB&ai,   was  Etym.  M.  Isthm.    7,  55.    Nem.    1,  14.    Pyth.   12,  2,    bei 

263,  53    auf    das    Pflügen    bezieht,    während  Simonid.   frgm.   127   findet,   allerdings   dorisch 

264,  9    erklärt    wird    ort   noXXijv   idyaos    yr\v  auf  a  auslautend;  ebenso  Inschriften  aus  Kreta 

zovte bzl  d'(f/toi/>£  ^tjZovBa  zr{V  9vyaz£Qa. (C.    I.    G.    2599)  und  von   den    nichtdorischen 

r)  czi  Xvrtovasvrj  —  idctiiTo   zr\v  ipvxyv.     Von  inseln  Chios  2237,  ferner  Melos  2439,  während 

demselben  Stamme  r]  nEusQioatvrj  izäeiv,  Tzetz.  $tQG£tf>övn   C.  I.  G.  405.  538.  800b.  808  (Attika) 

in  Lyc.  621;  und  2347°  (Melos);  ftigafcpövstav,  Orph.  //.41,5 

41* 


1287       Kora  u.  Demeter  (Namen)  Kora  u.  Demeter  (thessal.  Kulte)  1288 

bezeugtest.  —  Als  eigentlich  attische  Form  nennt  Plut.   Mor.    942  D   setzt   77.  =   $cocq)6gog.   — 
Moiris   ^>sggicpazza,  wie   die  Göttin   auch  in  Gornut.  28  leitet  es  von  tpigtiv  und  novog  ab. 
der  Sesselinschrift  des  Dionysostheaters  heifst,  Piaton,  Cratyl.  404  Iligaitfaaaa  =  $>igiitacpa 
C.  I.    A.    3,    293;    die    Dichter  bieten     meist  §iä  zr(v   snctqiijv   toü   cpiQoatvov   ist  natürlich 
Persephatta,   Aesch.  Choeph.   483.    Soph.  Ant.  nur  witzige  Spielerei.  —  Ganz  abweichend  ist 
894   (hier  liest  man  auch  Gsgotipazzcc).     Eur.  die  zweite  Erklärung  des  Etym.  Gud.  a.  a.  0.: 
Or.   964.    Phoen.  684.    Hei.  173.    Ar.    Thesm.  Ilegaivg  -xaXiizai  6  "Hliog  .  .  .  r\  avaSoaig  xnv 
287.     Man.  671.   ■ —   Die  von  Moiris  genannte  aizov,    r)  änb  zov  ifiiov  yivoixivrj. 
Form  war    nach  Fiat.  Cratyl.  404c  als  Euphe-  Die  neuere  Etymologie  hat  fast  einstimmig 
misrnus    beliebt;    das   kleine   Eleusinion   hiefs  10  wie  Plut.  a.  a.  0.  in  -yovrj ,  -<f,äaaa  den  Stamm 
populär    Qiggtyuzziov ,  F)em.  in  Con.  1259,  5.  cpa  des  Verbums  cpaiva  erkannt;    Welcher,  Gr. 
Hesych.    s.    v.    —    Das    Korafest    in    Kyzikos  Götterl.  1,  394.   Ebel  in  Kuhns  Zeitschr.  IS.  297 
heifst  bei  Plut.  Luc.  10  $8ggtcp<izziix.  —   Am  weist  auf  die  ähnliche  Bildung  im  Participiuin 
schwankendsten   ist   die  Form  des  Namens  in  iaaoo>   hin;  auch  Sonne   in  Kuhns  Zeitschr.  10 
den  Vasenbildern:  üegocpaza,  München  nr.  340  S.  133  stimmt  dem  bei.    Weit  schwieriger  ist  es 
=  Müller -Wieseler  2, 111;  nagaioqiaza,  Strube,  aber  für  die  beiden  ersten  Silben  eine  Erklärung 
Supplement  Taf.  3;    <Pcgoq>azzuy  Mon.  d.  Inst.  zu   finden.     Welcher  a.  a.  0.   denkt  an   q>iga> 
9    Taf.   43;     <I>FQtq>aGa,    0 verb eck ,    Atlas    zur  besonders    in    dem    „altertümlich   prägnanten 
K.  M.  Taf.   15,  24.     Bei  Gerhard,  Trinksch.  u.  Sinne    des   Nahrens"    (vgl.    yigßsig,    Orph.   h. 
Gef.  Taf.  H  lesen  wir  EPPEOA,  das  zu  LTtggs-  20  29,  16),   doch  ist  er  selbst  durch  dieses  „aus 
tpctzzu  zu  ergänzen  (C.  I.  G.  8348.    Kretschmer  beiden   passenden  Begriffen  gebildete  Compo- 
in  Kuhns  Zeitschr.  29  S.  450)  kein  Grund  vor-  situm"   nicht  befriedigt.     In  der  That  ist  für 
liegt;  hier  ist  wohl   eher    an  ein   Femininum  diese    älteste    Bezeichnung    eine    solche    Ver- 
zu  "Egzßog  zu  denken.  —  Als  lakonische  Form  quickung   der  Vegetations-  und   Lichtgottheit 
nennt  Hesych.  (s.  v.)  Ilrigsipövsio:;   ITjtigicpova  unmöglich    anzunehmen.       Auch    zwingt    die 
auf  einem  Helme  aus  dem  von  Sparta  besiedelten  zweimal  bezeugte  dorische  Form  LTrjgs-  bezw. 
Lokroi  Epizephyrioi,  Kaibel,   Insc.  gr.  Sic.  et  JTijpr-    einen    stärkeren    Stamm    anzunehmen, 
Ital.    631;     vgl.    Solmsen    in    Kuhns    Zeitschr.  aus     dem    durch    Kompensation    diese    Form 
29  S.  357,  der  diese  Form   als  Ableitung  vom  entstanden   ist.    —   Ganz   unmöglich  ist  auch 
Aoriststamme    erklärt,    während    Ahrens,   De  30  die   Erklärung    Försters    (a.  a.  0.  S.  278)   als 
dial.   dor.   S.   112   fitäoct  =  fiovaa   in  Parallele  •    Lichtzerstörerin,  von  nigdco,  bei  der  ursprüng- 
stellt,  vgl.  Gott.  Gel.  Anz.  1883  S.  128  [Fick).  liehen  Bedeutung  Persephones  als  Mondgöttin. 
Auch    für    diesen    Namen    liegen    die  ver-  —  Sonne  a.  a.  0.  nimmt   den  Gedanken   des 
schiedensten  Erklärungen    aus  dem  Altertume  Etym.   Gud.  wieder  auf  und  erkennt  in  IJagas 
vor.  Vgl.  Förster,  Baub  u.  Bückk.  d.  Persephone  die  W.  pars  (prsh)  „strömendes  Licht",  woraus 
S.  277  ff.     Volksetymologisch  wurde  die  zweite  er   dann  die  „lichtglänzende   Mondgöttin"    er- 
Hälfte  des   Wortes   -cpovrj   als   cpovsvovea    mit  hält,  die  einzige  bisher  (wenigstens  sprachlich) 
derHerrscherin  der  Unterwelt  in  Zusammenhang  befriedigende  Erklärung, 
gebracht,  und  das  Wort  hatte  dadurch  für  viele  _     _  ..   .....            ,  T    ,    ,              .       ... 

etwas    Unheimliches,    Piaton.    Cratyl.    404°.  «    B'    Kultstatten  und  Lokalsagen  der  beiden 

Cleanth.  bei   Plut.  Is.  et  Os.  66.     Orph.  hymn.  Göttinnen. 

29,   16    (Abel).     Etym.  M.    665,   47.    790,   52.  Zum  Ausgangspunkte  nehmen  wir  Thessa- 

Eustath.   ad   II.    763,   59;    ad   Od.    1665,   11.  lien,   wo   das   Dotische  Gefilde  Sitz   eines 

Etym.  Gud.  462,  58.  —  Orphica  und  Etym.  M.  alten  pelasgischen  Demeterkultes  ist.    Kattim. 

a.   a.   0.     leiten    die    erste    Hälfte    von    tpsga,  h.  in  Cer.  26  erwähnt  einen  heiligen  Hain  der 

qjigßco  ab,  und    deuten    dann  Phersephone  als  Göttin  daselbst  und  lokalisiert  auch  dort  den 

die  Göttin,  die  alles  bringt,  d.  h.  hervorbringt  Erysichthonmythus ,     vgl.    Diod.    Sic.    5,   61. 

und  wieder  dahinrafft.    Porphyr,  de  abst.  4,  16  Palaeph.  incred.  24.    Preller,  D.  u.  P.  S.  329  ff. 

erklärt    den    Namen    nagä    zo     tpigßsiv    irtv  Bd.  1   Sp.  1374. 

rpdzzctv.    —    Auch    Cleanthes    a.    a.    0.     sieht  50        Pherai.     Die   Fackelträgerin   auf  Münzen 

das    Verbum    epsgeo    darin,    doch    ist    es     bei  hält  Eckhel ,  D.  N.  2,  147  für  Demeter.     Vgl. 

ihm    tb    Sicc    Kagnäiv    tpsgöpisvov    Kai    epovsv-  Lobeck,  Aglaoph.  S.  1213. 

öfitvov    TtvtvfjLa.      Etym.   Gud.    a.    a.   0.    sagt  Pyrasos,  die  Weizenstadt  (Steph.  Byz.  s.v.) 

naga    zö  zovg  aTto&vriOKOvzag  ngbg  avzfjv  tps-  hat  nach  Homer  B  696    ein  drjtirjzgog  zifitvog. 

gsa&ai  r\zoi  zovg  cpovev&ivzag.    Eustath.  a.a.O.  Später    wurde    der    Ort    Demetrion    genannt, 

will  ein  &  einschieben  und  in  beiden  Bestand-  Strab.  9,  435.  Skyl.  64.  —  Strab.  a.  a.  0.   führt 

teilen    Synonyma   cp&ti'gsiv    und    cpovtvsiv    er-  ein  J/iur,zgog  äXoo;  Karl  ff  gbv  uyiov  daselbst  an. 

blicken;    für   die    Form    TltgaiipuGou    setzt   er  Inschrift  an  D.   und  K.    Bull,    de  corr.  hell.  15 

ipd^co   =  q>oviva>.    —    Wie    Cleanthes   denken  S.  562 ff.,  wo  auch  Hagnaios  und  Megalar- 

an  cpovzvto&ai  und  nicht  an  cpovsviiv  Teetz.  60  tios  für  P.  als  Monatsnamen  bezeugt  werden, 

zu   Hes.  op.  e.  d.   32.     Schol.  Hes.   Theog.   913  Thebai    (ThesB.).     Münzen   bei   Mionnet, 

und   ebenso  Ioan.  Biae.   und  Exeg.   z.  d.  St.;  Suppl.  3  S.  528  nr.  lOOff.     Overbeck,  K.  31.  2 

die   erste  Hälfte   des  Namens   wird  durch  ns-  S.  450,  6. 

gicaäg    erklärt;     doch    denkt     Tzetz.    an    die  Halos    in  der  fruchtbaren   grofsscholligen 

negieeol    cpövoi    y.ctl    nöltfioi    um    den    Besitz  Phthiotis    hat    einen    Monat  Dematros,   ferner 

von  Ackerland,   die   anderen  an  das  jährliche  einen  Monat  MsyaXdgziog,  der  an  die  D.  fieyä- 

Absterben  der  Vegetation.  —  Hesych.  s.v.  $sg-  Xagzog  von  Skolos  in  Boiotien  (Athen.  3,  109a; 

atcpövi la  sieht  darin  eine  tptgovoa  zo  äepsvog.  10,  4l6b)  erinnert,  um  so  mehr,  als  auch  ein 


1289  Kora  u.  Demeter  (thessal.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (boiot.  Kulte)   1290 

zweiter    Monatsname   'OßoXmiog   auf   die    ent-  Einen  Monat  Damatrioe  bezeugt  für  0.   Bull. 

sprechenden    Kultformen    des    Zeus    und    der  de  corr.  hell.  4  S.  537;  9  S.  412.     Dittenberger 

Demeter  in  Theben  weist,  und  auch  ein  dritter  a.   a.   0.  3172,    141.     Ohne   einen   bestimmten 

Monat  Hagnaios  diesem  Kreise   seinen  Namen  Ort  namhaft  zu  machen  sagt  Plut.  de  Is.  et  Os. 

verdankt;     Rev.     archc'ol.     1876,     1    S.    253ff.  69,  dafs  im  Monate  Damatrios,  dem  attischen 

(Heusey);    Berl.    Sitzungsber.    1887     S.     557 ff.  Pyanepsion,  die  boiotischen  Weiber  ein  Trauer- 

(Lolling);  vgl.   Bull,  de  corr.  hell.   11   S.  371  fest  der  Demeter  Achaia  begingen. 

(Foucart)  und  Jahrbb.  f.  kl.  Phil.  1892  S.  483  c)  Kopai  besafs  nach  Paus.  9,4,3  Tempel 

(Bischoff).  der  Demeter,    des   Dionysos   und   Serapis.     In 
Antron,  Hom.  h.  in  Cer.   491.                        10  der   Nähe    sollen    in  alten   Zeiten    ein    Athen 

Malis.     Anthela  hatte  nach  Hdt.  7,  200  und    ein    Eleusia    existiert    haben;     von    dort 

ein  Heiligtum  der  Demeter  Amphiktyonis,  die  stammt  die  Inschrift  zlufiazga  bei  Collitz,  D.  I. 

diesen    Namen    sowie   „Pylaia"    als   Schutz-  1,  560. 

göttin  des  Amphiktyonenbundes  führte.    Akri-  d)  Lebadeia.     Hier   wurden    die    Götter- 

sios,  der  Heros  der  pyläisch- delphischen  Am-  paare  Trophonios  und  Herkyna,  Zeus  Hyetios 

phiktyonie  wird  als  Stifter  eines  Tempels  der  und    Demeter    Europe   nebeneinander  verehrt, 

D.  Pylaia  in  den  Thermopylen  genannt,  Callim.  Paus.  9,  39,  4;    D.  galt   als   Amme   des   Tro- 

epigr.  40  (Schneider).   Strab.  8,420.  429.  Schol.  phonios.  —  Später  wurden  Demeter  und  Her- 

Hom.  TL  174.    Erotian  s.  v.  IJvXag,  vgl.  Schol.  kyna    zu    einer    Gottheit    verschmolzen,    Ly- 

Eur.  Or.   1094.     Bröndsted ,   Reisen  1    S.   112.  20  cophr.    AI.     153;     vgl.    Schol.    dazu.       Tzetzes 

Schümann,   Altert.   2    S.  32.     Gilbert,   Griech.  z.  d.  St.  schliefst  daraus,   dafs   Herkyna,    des 

Staatsalt.  2    S.  408.     Bürget,    Die  pyl.-delph,  Trophonios    Tochter,    den    Demeterdienst    in 

Amphikt.  S.  4.   Amphiktyonenmünze  bei  Head,  Lebadeia    begründet    habe.      Ein    Demeterfest 

Coins  of  the  A.    Tat.  22,  25.  'Egnijvia,  Hesych.  s.  v.,  ist  vielleicht  hierauf 

Lokris.    a)  Skarpheia  verehrte  eine  De-  zu  beziehen.     Vgl.   Tümpel,   Ares  und  Aphro- 

meter  Euryodeia,   Hesych.   s.  v.      Alter  Name  dite  in  Jahrb.  f.  kl.  Phil.  Suppl.  11  S.  717.   Kora 

der  Stadt  Eteonos  Strab.    9,   408.      In    einem  wird   unter   dem  Beinamen  Thera  neben  Zeus 

Demetertempel     daselbst    Grab    des    Oidipus,  Basileus  verehrt.    Erzählt  wurde,  dafs  Herkyna 

Schol.  Soph.  Oed.  Col.  91.  und    Kora    einst    zusammen    gespielt    hätten, 

b)  Opus.  Inschrift  im  Rhein.  Mus.  27  S.  614;  30  wobei  erstere  eine  Gans  entkommen  liefs. 
Collitz,  Dial.  Insch.  2,  1507.  Münzbilder  bei  Diese  setzte  sich  unter  einen  Stein,  von  wo 
Eckhel,  D.  N.  2  S.  192.  Persephonekopf  bei  sie  Kora  hervorholte,  und  an  dieser  Stelle 
Head  a.   a.  0.  Taf.  22,  24.  brach  dann  der  Flufs  Herkynna  hervor,  Paus. 

c)  Alponos:    Thesmophorienfeier,    Strab.  9,  39. 

1,  60.  e)  Koroneia.    —    —   Lapnai,aGa   JauaxQi, 

d)  Kolake.    Die  Inschrift  bei  Collitz,  D.  I.  TTtcuocpogv,  Dittenberger  a.  a.  0.  2876. 

2,  1490  nennt  eine  Priesterin  beider  Göttinnen.  f)  Anthedon.      Tempel    und    Bilder    der 

Phokis.     a)   Drymaia;    altes    Heiligtum  Demeter  und  Kora  in   der  Nähe  des  dortigen 

der   Demeter  Thesmophoros    mit   archaischem  Kabirentempels,   Paus.  9,  22,  5. 

Kultbilde  von  Marmor  und  jährlicher  Thesmo-  40  g)  Mykalessos.     Am  Meere   Tempel    der 

phorienfeier,    Paus.   10,  33,   12.     Steph.  Byz.  Demeter    Mykalessia,    der    jede    Nacht    ver- 

s.  v.  dpvfiiu.  schlössen   und    wieder    geöffnet    wurde    vom 

b)  Ambry  sos,  Weihinschrift,  C.  I.  G.  1727.  Maischen    Daktylen    Herakles.      Früchte,    die 

c)  Delphoi.  Die  Demeter  tQfiovxogA.Polem.  man  dem  Bilde  zu  Füisen  setzte,  blieben  das 
bei  Athen.  10,  416b  wollte  schon  Casaubonus,  ganze  Jahr  frisch,  Paus.  9,  19,  5.  27,  8.  — 
vgl. Preller,  Polemon  S. 71  in  onsoaovxos  ändern;  h)  Theben.  Demeter  Thesmophoros  ist 
ebenso  Tenormant  bei  Daremberg  et  Saglio  die  uralte  Stadtgöttin  von  Theben ,  deren 
S.  1024.  —  Preller,  D.  u.  P.  S.  321  erklärt  den  Heiligtum  auf  der  Burg  das  Haus  des  Kadmos 
Namen  weit  richtiger  durch  ein  attributives  war,  und  wo  deren  Kult  mit  entsprechenden 
kleines  Hermesidol  und  meint,  dafs  beide  50  Festen  oft  bezeugt  wird,  Paus.  10,  6,  5.  16,  5. 
Gottheiten  ihrer  Beziehung  zur  Schafzucht  Xen.  Hell.  5,  2,  29.  Plut.  Pelopid.  5.  Diod. 
wegen  verbunden  seien;  jedenfalls  sind  in  Sic.  17,  10.  Ael.  v.  h.  12,  57.  —  H.  D.  Müller, 
ihnen  die  alten  pelasgisch- kabirischen  Gott-  Mythöl.  d.  gr.  St.  2  S.  320  sieht  in  ihr  mit 
heiten  zu  erkennen,  vgl.  Crusius,  Beitr.  z.  gr.  Recht  die  alte  Gemahlin  des  Kadmos  -  Hermes, 
Myth.  S.  lOff.  Münzen  von  Delphi  mit  D.  bei  wodurch  „pelasgischer"  Ursprung  erwiesen  ist. 
Mionnet  Taf.  32,  5.    Müller -Wieseler  2  nr.  93.  Aus   der  Vulgärmythologie   wurde    ihr   Perse- 

d)  Steiris.  Kult  der  Demeter  Steiritis  bei  phone  als  Tochter  beigegeben,  so  dafs  Eurip. 
Paus.  10,35,10.  Die  Steinten  wollten  Athener  Phoen.  683ff.  die  Siävvfiai  &sal  Demeter, 
sein.  Der  Tempel  war  aus  Luftziegeln  erbaut;  Persephone  und  auch  Ge  als  die  vornehmsten 
das  Kultbild  aus  pentelischem  Marmor  stellte  60  Gottheiten  Thebens  nennt.  Nach  Euphor.  im 
die  Göttin  fackelhaltend  dar.  Ein  altes  Xoa-  Schol.  zu  dieser  Stelle  (frgm.  48  bei  Meineke) 
non,  durch  Binden  zusammengehalten,  war  zu  ist  Theben  das  Brautgeschenk  des  Zeus  an 
Pausanias'  Zeit  noch  verhanden.  Persephone,  vgl.  E.  Ü.  Müller,  Proleg.  S.  155 f. 

Boiotien.     a)    Chaironeia.      Monat    Da-  Als    Hauptgöttin    wurde    Demeter    mit    Zeus 

matrios,  Dittenberger,  Inscr.  Meg.  Orop.  Boeot.  Homolo'ios  als  Homoloia  verbunden,  Suid.  s.  v. 

3303  u.  a.  bfibolco'Coq.    Als  Stadtgöttin  hat  sie  auch  kriege- 

b)  Orchomenos.  Inschrift: zJafiarsgi  rischen  Charakter.   Pind,  Isthm.  7,  3  nennt  sie 

Koiaiqri  s7n,dafiv  —  Dittenberger  a.  a.  0.  3213.  laX-AÖ-Agozog,  und  ihr  werden   die  Schilde   von 


1291    Kora  u.  Demeter  (boiot.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (att.  Kulte)     1292 

Leuktra  (?)  geweiht,  Paus.  9,  16,  5.     Nur  auf  verhältnismäfsig   spät   von    aufsen    eingeführt 

sie    kann    sich    auch    das    Beiwort    ^iq)rt(f>6gog  worden,  so  dafs  er  auf  der  Burg  keine  Stätte 

beziehen,    Lycophr.  152;    vgl.   Tzetz.  z.  d.  St.  mehr  fand,    Demeters  Funktionen  waren  ehe- 

Dafs  Kora  hier  gleichfalls  den  Namen  arfCfio-  dem    in    Athenas    Händen,    vgl.    den   Artikel 

qpo'pos  führte,  ist  eine  sehr  scharfsinnige  Kon-  Buzyges.     Dicht  an  der  Burg  lag  der  Tempel 

jektur  Boeckhs,  Find.  frgm.  8.                     •  der  Demeter  Chloe   und   der  Ge  Kurotrophos, 

Dicht   bei  Theben   lagen   die   Ruinen   von  Paus.  1,  22,  3;    vgl.  Köhler  in  Mitt.  d.  ath. 

Potniai  mit  einem  Haine  der  beiden  Göttin-  Inst.   2    S.  177.   257.     C.   I.  A.    2,   375.    631. 

nen,  die  Tloxviai  hiefsen ;  die  Kultbilder  standen  3,   441;  di\x.  a.g%aioX.  1889  S.  130  nr.  4.  5 

am  Flusse.     Der  Kult  war   chthonisch;   in  die  10  (z/jjfujrpt    XXörj    xai    Kögv    ttjv    Kovgozgöcpov 

sogen,  iityagtx  wurden  Schweine  hinabgestofsen,  Eloidorog  ävi&rjutv  xaz'  bvsigov).    Am  6.  Thar- 

die   in  Dodona  wieder  hervorkommen  sollten,  gelion  wird   ihr  geopfert,  -Philocli.   im  Schol. 

Paus.  9,  8,  1.  Ar.  Lys.  835,   nach  Eupolis  im   Schol.   Soph. 

Vor  dem  Thore  Nei'stai  lag  ein  der  D.  Ka-  0.  C.  1600  ein  v.giog,  wozu  der  Scholiast  trr/ilEja 

beiria  und   der   Köre   heiliger  Hain,    den  nur  bemerkt.    Dafs  dies  Opfer  nicht  identisch  mit 

Eingeweihte  betreten  durften.    Dem  alten  Ka-  den  Chloeia  (Cornut.  28;  Hesych.  s.  v.  %Xoia), 

beiren  Prometheus  und  seinem  Sohne  Aitnaios  einem  heiteren  Frühlingsfeste,  sein  kann  (Band, 

soll   D.  sich   mystisch  offenbart  haben,    Paus.  Epikleidia    S.   22),  zeigt    Mommsen,    Heortol. 

9,  25,  5.  6.  —  Preller,  D.  u.  P.  S.  362  macht  aus  S.  9.  36.  54.  416. 

den    Kabeiroi    Gephyraier;    vgl.    dagegen   be-  20        Auch  am  Asklepieion  hatten  Demeter  und 

sonders  K.  0.  Müller,  Proleg.  S.  151  f.    Orcho-  Köre  Anteil,  vgl.  MM.  d.  ath.  Inst.  2  S.  243  f. 

menos-  S.  435 f.    Crusius ,  Beitr.  z.  gr.   Myth.  Taf.  18.     (Köhler).  Jahrb.   d.    Ver.  d.  AU.  im 

S.  11.  Mheinl.  87  S.  1.  Taf.  1.  2.  (Urlichs). 

i)  Thespiai.    Weihinschriften  an  Demeter,  Einen  Demetertempel   innerhalb   der  Stadt 

DMenberger   a.  a.   0.    1860;    an   Demeter   und  mit  Kultbildern   der  Demeter,    der  Kora   und 

Hermes,  Bull,  de  corr.  hell.  1890   S.  659.     De-  des    fackelhaltenden    Iakchos    von    der    Hand 

meterpriesterin,  Dittenberger  &.  a.  0.  1867,  2148;  des    älteren    Praxiteles    nennt    Paus.  1,  2,  4. 

MM.    d.  Athen.   Inst.   4   S.  191.     Monat   Da-  Clem.  AI.  Protr.  62. 

matrios,  Dittenberger  a.  a.  0.  1739.  Das  städtische  Eleusinion  (Thucyd.  2,  17; 

k)   Plataiai.      In   der    Stadt    ein   Tempel  30  Paus.  1,  14,  3.  Clem.  AI.  Protr.  3,45.    Arnob. 

der  Demeter  Eleusinia,  Paus.  9,  4,  3.    In  der  6,  6.  C.  I.  A.  3,  5,  11.     'Etp.  ägx-  1888  s-  l16! 

Nähe  befand  sich  ein  zweites  altes  Heiligtum  vgl.  Curtius,  Stadtgesch.  v.  Ath.  S.  XXVf.)  lag 

der  D.   Eleusinia    und    der  Köre,    welches  in  unten  an  der  Burg  in  der  Nähe  eines  von  Pausa- 

der   Schlacht   bei   Plataiai   eine  Rolle   spielte,  nias,  nach  Dörpfelds  neuester  Entdeckung  (Ath. 

Edt.  9,  67.   62.     Plut.  Arist.    11.     Die   Stätte  MM.  17  S.  92  f.)  vielleicht  mit  Recht  für  dieEnnea- 

des   letzteren   ist   in   der   Nähe    des   heutigen  krunos   des   Peisistratos   gehaltenen   Brunnen- 

Krekuki  ermittelt,  wo  Weihinschriften  an  De-  hauses;  vgl   Lolling  in  lio.  Müllers  Handbuch 

meter   gefunden    sind,    Bull,   de   corr.   hell.    2  3  S.  317.     Es  waren  zwei  Tempel,   einer   der 

S.    589    Taf.   26,   1.    3    S.   134  f.      DMenberger  Demeter   und  Kora,    der   andere   enthielt  das 

a.  a.  0.  1670ff.  40  Kultbild  des  Triptolemos.    Der  erstere  ist  wohl 

1)  S  k  0  1  o  s.      unvollendeter    Tempel    mit  identisch  mit  dem  Pherrephattion  bei  Demosth. 

ebensolchen  Kultbildern  der  beiden  Göttinnen,  in  Con.   1259,  5;  vgl.  Htsych.  s.  v.    Auch  ein 

Paus.    9,   4,   4.      Als    die   dort   üblichen   Bei-  Thesmophorion    hatte    Athen,    s.    Ar.   Thesm. 

namen  der  Demeter  nennt  Polemon  bei  Athen.  658   und    Schol.   Ar.    Thesm.   585;    seine   Lage 

3,  I09a.  10,  416b  (isydlagtog  und  (isyalofiugog.  ist  nicht  ganz  sicher.      Auf  der  Pnyx  nehmen 

m)  Tanagra.     Terrakotten,    Demeter  und  es  an  Preller,  D.  w.  P.  S.  341.    v.  Wilamoivitz, 

Kora  darstellend,  in  der  Nähe  gefunden,  Mitt.  Kydathen  S.  161.    Lolling  a.  a.  0.   S.  334. 

d.  Ath.  Inst.  3   S.  389.     Die  aus  ihrer  Heimat  Eine     Priesterin     J^urjrgog     Kovgorgoyov 

vertriebenen    Tanagräer    sollen    von    Demeter  'Axaiag   hatte   einen  Platz   im  Dionysostheater 

durch  einen  Traum  nach  Attika  gewiesen  wor-  50  C.  I.  A.  3,  373. 

den    sein    und    dort    zu    Aphidna    den    Kult  Aufserhalb  der  Stadt,  in  den  Deinen,  sind 

der  Demeter  'A%ccia  begründet  haben,  Etym.M.  zu  verzeichnen^ 

180,  35;  vgl.  Preller,  D.  u.  P.  S.  393;  Toepffer,  b)  Agrai.   Über  die  dort  gefeierten  kleinen 

Att.  Geneal.  S.  293 ff.  —  Tanagra  soll  Gephyva  Mysterien  siehe  unten  im  Abschnitte  Eleusinien. 

geheifsen  und  Demeter  verehrt  haben,  Hecat.  c)  Halimus.     Auf  dem  Vorgebirge  Kolias 

bei   Steph.   Biß.    s.    v.   Titpvgu.      Inschrift   an  Tempel   der    Demeter   Thesmophoros  und   der 

Kora  Bull.   d.   corr.  hell.   2   S.  589  Taf.  26,  2.  Kora,    Paus.   1,   31,   1;   Hesych.   s.  v.   Katlidg. 

Monat   Damatrios ,   Dittenberger   a.  a.   0.    505.  Über  das  daselbst  gefeierte  Fest  s.  unter  Thes- 

507.  523/24.  mophorien. 

Euboia.     In  Eretria  Thesmophorien,  an  60        d)  Prospalta.   Tempel  der  beiden  Göttin- 

denen   die  Weiber   das   Fleisch   in   der   Sonne  nen,  Paus.  1,  31,  1. 

braten    und    die    Kalligeneia    nicht    anrufen,  e)    Lakiadai.      Dort    hat    Demeter    dem 

Plut.    Quaest.    gr.    31.      Münze  bei  Mionnet  2  Heros    Phytalos    die    erste    Feige    geschenkt. 

S.  300  nr.  1—3.  Tempel  der  beiden  Göttinnen,  Paus.   1,  37,  2; 

Oropos.      Monat   Damatrios,   DMenberger  vgl.  Preller,  Ausgew.  Aufs.   S.   122.     Toepffer, 

a.  a.  0.  296.  340.  388.  Att.  Geneal.  S.  247  fi. 

Attika.    a)  Der  städtische  Demeterkult  ist  f)  Phlya.   Tempel  mit  Altären  der  Demeter 

trotz    des   Ansehens,    das    er   gewonnen,    erst  Anesidora,    des  Zeus  Ktesios,   der  Athene  Ti- 


1293     Kora  u.  Demeter  (att.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (peloponn.  Kulte)    1294 

throne,  der  Kora  Protogeneia  und  der  Semnen,  Sikyon  ist  als  das  alte  Mekone,  die  Mohn- 

Paus.  1,  31,  4.    Ein  Telesterion  der  Lykomiden  stadt,    ein  froher  Sitz  des  Demeterkultes;  vgl. 

daselbst   wird  von  Themistokles   ausgestattet,  Schöl.  Find.  Nem.    9,  123.     Preller,  D.  u.  P. 

Simonid.  bei  Flut.  Them.  1;   vgl.  Dittenberger  S.  113.    Ebert,  De  Cer.  Chth.   S.  33.     Sie  soll 

in  Hermes  20   S.  17f.      Toepffer,   Att.    Geneal.  den    Orthopolis,    den    Sohn    des    sikyonisehen 

S.  87,  209.  223.  Königs  Plemnaios  aufgezogen  haben,   der  ihr 

g)  Phaleron  hatte  einen  von  den  Persern  ein  Heiligtum  errichtete,  Paus.  2,  5,  8.  11,  2. 

eingeäscherten   Demetertempel,    der    noch    zu  Eleusinischer  Einflufs  giebt  sich,  wie  in  dieser 

Pausanias'  Zeit  als  Ruine  stand,  Paus.  1,  1,  4;  Legende,  auch  in  ihrem  sikyonisehen  Beiworte 
10,  35,  2.                                                                       10  incont'g  (inoTizi'gl),  Hesych.  s.  v.  kund,  das  frei- 

h)  Peiraieus.    Thesmophoriscben  Kult  be-  lieh    von    Crusius ,    Beitr.   z.   gr.   Myth.    nach 

zeugen  C.  I.  A.  2,  573  *>.  1059.    Weihung  einer  Baunacks   Vorgange   als    iniftcilaooiu    erklärt 

J.  buövoict,  'A&r'ivttiov  8  S.  296.  wird. 

i)  Erchia  war  ein    attischer  Demos    der  Zehn   Stadien  von   Sikyon  auf  dem  Wege 

Aigeischen  Phyle,  dessen  Eponym  Erchias  die  nach  Phlius  lag  ein  Hain  mit  dem  demetrischen 

Demeter    gastlich    aufgenommen    haben    soll,  Namen  Pyraia;  dort  wurden  in  einem  Tempel 

Steph.  Byz.  s.  v.  'Epjjt'a.  der    D.   Prostasia    und    der   Kora   Sonderfeste 

k)  Aphidna.  Das  hier  ansässige  Geschlecht  der   Männer  und  Weiber  gefeiert,   letztere  im 

der   Gephyraier  verehrte   als   Gentilgöttin  die  Nvficpcöv,   wo   sieb  Bilder   der  D.,   der  K.  und 
D.  Achaia   s.   Hdt.  5,  61;   Etym.    M.   180,  35;  20  des  Dionysos  befanden,  jPöms.  2,  11,  3. —  Münze: 

vgl.   Toepffer  a.  a.  0.  S.  296ff.  D.  sitzend  mit  Ähren,    Imhoof-Bumer,   Num. 

■1)  Rarion;  nach  diesem  Demos  führteDeme-  Comm.   on  Paus.  S.  31  Taf.  H  20. 

ter  das  Beiwort  'Pagiäg,  Steph.  Byz.  s.  v.  'Pdgiov.  Phlius,  das  frühere  Araithyrea,  Hom.  B571. 

m)  Skiros.     Fest  der  Demeter  und  Kora,  Strab.  8,  382.    In  einem  Tempel  auf  der  Burg 

Stej'h.  Byz.  s.  v.  Znigog;  Sehol.  Ar.  Eecl.  18;  befanden  sich  die  Agalmata  beider  Göttinnen 

Thesm.  384;  vgl.  Robert  im  Hermes  20  S.  360ff.  und   ein  altes  Bronzebild  der  Artemis,   Paus. 

Über  Eleusis  s.  den  Abschnitt  Eleusinien.  2,  13,  5.  —   Ein   zweiter  Demetertempel   mit 

JUegara.  Kar,  des  Phoroneus  Sohn,  gilt  äyalfiaza  dgxala  in  der  unteren  Stadt,  Paus. 
als  Stifter  des  megarischen  Demeterkultes,  a.  a.  0.  Der  Kult  der  Eleusinia  wurde  hier  an 
Paus.  1,  39,  5;  40,  6.  Demeter  ist  hier  alte  30  den  autochthonen  Aras,  welcher  durch  seinen 
Stadtgöttin,  deren  Heiligtum  auf  der  Burg  und  seiner  Kinder  Namen,  Aoros  und  Arai- 
(jdr'mr]TQog  .zl  ■KaXoviiivov  /isyagov)  der  Stadt  thyrea,  in  Beziehung  zu  Demeter  steht,  an- 
den  Namen  gegeben  haben  soll,  weshalb  die  geschlossen;  xal  ngb  zijg  ziXsziig,  r)v  zfj  zlr]- 
Megarer  sich  den  ältesten  Demeterdienst  zu-  fi-qzgt  ayovaiv,  "Agavza  -/ki  tovg  TcaCöag  -/.cdovaiv 
schrieben,  Paus.  1,  40,  6.  —  Jünger  ist  das  in  £nl  zag  anovSäg,  Paus.  2,  12,  5.  Dieser  Kult 
der  Unterstadt  liegende  Heiligtum  der  Thes-  wurde  ganz  nach  eleusinischem  Vorbilde  durch 
mophoros,  Paus.  1,  42,  7.  Im  Hafen  Nisaia  pentaeterische  Feste  in  Keleai  gefeiert,  und 
wird  die  ganz  spezifisch  megarische  Demeter  soll  von  Dysaules  nach  Phlius  gebracht  wor- 
Malophoros  (sonst  nur  noch  in  Byzanz  und  in  den  sein,  Paus.  2,  14,  2.  Orig.  Ref.  luxer.  5,  20. 
Selinus  nachweisbar)  verehrt,  die  als  Göttin  4o  Grab  des  Dysaules  und  des  Aras,  Paus.  2,  12,  5. 
der  Schafzucht  galt.  Paus.  1,  44,  4;  vgl.  Argos.  Auf  der  Burg  lag  der  Tempel  der 
Preller,  D.  u.  P.  S.  321  Anm.  14.  Hermann  Demeter  Pelasgis,  den  Pelaegos,  der  Sohn  des 
im  Piniol.  2  S.  263.  —  Sauppe,  Gott.  Nachr.  1871  Triopas,  begründet  haben  soll,  Paus.  2,  22,  2. 
S.  608  deutet  den  Beinamen  nach  Sehol.  Hom.  Später  verquickte  man  den  eleusinischen  Mythus 
/542  auf  die  Obstkultur.  damit,  indem  man  Demeter  bei  Pelasgos  Auf- 
Mysterienspiele der  megarischen  Frauen  nähme  finden  und  von  dessen  Tochter  Chry- 
am  Felsen  Anaklethra  oder  Anaklethris  sollten  santhis  den  Raub  der  Kora  erfahren  liei's. 
an  Demeters  Ausrasten  an  dieser  Stelle  wäh-  Eubuleus  und  Triptolemos  wurden  zu  Söhnen 
rend  der  Ttldvr\  erinnern,  Paus.  1,  43,  2.  Me-  des  Trochilos  und  einer  Eleusinierin  gemacht. 
thod.  in  Etym.  M.  s.  v.  'Avuv.lri&gig.                     50  Trochilos  soll  Hierophant  der  Demeter  gewesen 

Münzbilder    bei   Inilioof- Blumer ,   Numism.  und  von  Argos  nach  Eleusis  geflohen  sein,  Paus. 

Comment.  on  Pausan.  S.  7  Taf.  A  12.  13.  1,  14,  2.    Brennende  Fackeln  werden  der  Köre 

_  .  zu  Ehren   in   eine  Grube    geworfen,    Paus.  2, 

moponnes.  22;  g    _  Der  ^ch  der  Überlieferung  von  den 

Korinth.  Am  Abhänge  der  Burg  ein  Danaiden  aus  Ägypten  eingeführte  Kult  der 
Tempel  der  Demeter  und  Kora,  Paus.  2,  4,  6,  Thesmophoros  verfiel  unter  der  dorischen  Herr- 
ot' q>avigü  i%tav  äyuXuuzu.  Nach  Hesych  schaff,  Hdt.  2,  171;  vgl.  Plut.  de  Hcrod. 
führte   D.   in  Korinth    das   Beiwort   inoiKidtn.  malign.  13. 

Die    Göttinnen    befehlen    ihren    Priesterinnen  Demeter    Libye    oder    Libyssa    hatte    ein 

dem  Timoleon   nach  ihrer  heiligen  Insel  Sici-  co  Heiligtum    bei    Charadra ,    Polem.    im    Sehol. 

lien    zu    folgen,     Diod.    Sie.     16,    66.      Plut.  Arist.  Panath.  p.  88,  12.     Festus  s.  v.  Libycus 

Timol.  8.  —  Der  eleusinische  Kult  wurde  auch  (daher    Libycus     campus).       Argos    soll     den 

nach   Korinth   eingeführt;    P.  Licinius  Priscus  Weizensamen     aus     Libyen     haben     kommen 

luventius    errichtet    einen   Peribolus    um    den  lassen,    vgl.     Tzetz.    zu    Hes.    Dp.    et    d.    32. 

heiligen  Hain,  baut  einen  Tempel  für  Demeter,  Etym.  M.  s.  v.  Ziv^iSCa   (409,  28).     Ein  wei- 

Persephone,  Dionysos  und  Artemis   und   stellt  teres  Heiligtum   wurde    der  Demeter   auf  Be- 

das  durch  Erdbeben  zerstörte  Plutonion  wieder  fehl    des    delphischen    Orakels    dort   errichtet, 

her,  Maff'ei,  Mus.  Veron.  1,  39.  wo  Pyrrbos   im  Strafsenkampfe  gefallen  oder 


1295  Kora  u.  Demeter  (peloponn.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (peloponn.  Kulte)    1296 

von  Demeter  getötet  sein  sollte,  Paus.  1,13,8.  Über    dryopiseh-iiihryschen    Ursprung    dieses 

2,  21,  4.  Kultes  und  seine  Beziehungen  zum  Hyakinthos- 

Zwischen   Argos    und   Mykenai    ein    hypä-  mythus    vgl.  Wide,   Be  sacr.  Troez.  Sermion. 

thrales  Heiligtum   der  Demeter  Mysia,   Paus.  Epidaur.    Dpsala  1888. 

2,  18,  3;  vgl.  [Lvciuv  =  koqb io&ai  bei  Gornut.  28.  Demeter  Thermasia  hatte  einen  Tempel  in 
Bei  Argos  ein  Dorf  Mvarjg,  Sesych.  s.  v.  Gast-  der  Stadt  nach  Paus.  2,  34,  12,  einen  zweiten 
liehe  Aufnahme  der  Demeter  beim  Heros  auf  dem  Wege  nach  Troizen  am  Meere,  Paus. 
Mysos  s.  unter  Hermione  und  Pellene.  —  2,  34,  6.  12;  jetzt  liegt  an  der  Stelle  der 
Münzen:  D.  mit  Scepter,  Ähren,  Mohnköpfen  Hafen  Thermesi,  0.  Müller,  Dorier  2  S.  424. 
bei  Imh.-Blumer,  Num.  Comm.  on  Paus.  S.  38  10  In  der  alten  verfallenen  Stadt  gab  es  einen 
Taf.  K  39.  G6  1.  von  Feldsteinen  eingefriedigten  Platz  zur  Feier 

Lerna.     Eleusinischer  Kult  mit  Mysterien  der    eleusinischen    Mysterienspiele,     Paus.    2, 

der  Demeter  und  des  Dionysos,  Paus.  2,  37,  3;  34,  10.     Leute   von  Hernrione   sollen  Demeter 

als  Stifter  der  letzteren  galt  Philammon,   der  den  Raub  mitgeteilt  haben,   Apollod.  1,  6,  1. 

Polyhymnia  Sohn  nach  Pherekyd.  fr.  18  (Schol.  Schol.  Ar.  Equ.  384.    Zenob.  prov.  1,  7. 

Apoll.  Eh.  1,  23).  —   Lokalisierung  des  Kora-  Buporthmos,    Tempel    der    D.    und    K., 

raubes,  Paus.  2,  36,  7.  —  Auch  einen  Eingang  zur  Paus.  2,  34,  8. 

Unterwelt  nahm  man  hier  an,  Tzetz.  ad  Lyc.  212.  Bileoi,  desgleichen,  Paus.  2,  34,  6. 

Über  die  nahen  Beziehungen  dieses  Kultes  zu  Troizen   verehrte   in   der  Stadt    die    De- 

Eleusis    und    den   Zusammenhang    der  Hiero-  20  meter  und  Kora   ähnlichen  Gottheiten  Damia 

phantenfamilien   an   beiden    Orten   s.  C.  I.  A.  und  Ausesia  wie  Aigina;    s.    Bd.  1  Sp.  738  u. 

3,  718.  Preller,  D.  u.  P.  S.  211.  Tocpffer,  943.  Demeter  Amaia  erwähnt  Ps.  Flut.  Prov. 
Att.  Geneal.  S.  69f.  Demeter  heifst  hier  Pro-  Alex.  41.  Vor  der  Stadt  ein  von  Althepos,  dem 
symna  nach  einer  früheren  Ortschaft,  wie  Sohne  des  Poseidon,  begründeter  Tempel  der 
auch    Hera    dort    einen    Kult    besafs,    Strab.  Demeter  Thesmophoros,  Paus.  2,  32,  8. 

8,   373.     Wahrscheinlicher   ist   die    Erklärung  Didymoi,  Demetertempel  mit  einem  äyaX- 

als    Proslimna    und    der    Zusammenhang    mit  pa  ögftov,   Paus.  2,  36,  2. 

einem   das  gleiche  Beiwort  führenden  üiony-  Epidauros.     Hier  tritt  Demeter  in  Ver- 

sos,  Puttmann  in  den  Abh.  d.  Perl.  Ale.  1840  bindung  mit  dem   ihr   auch   in  Hermione   be- 

S.  339.    Mythol.  2  S.  102.    Inschrift  bei  Gruter  so  freundeten    Asklepios    auf.      D.    Karpophoros 

1,309,3:  Sacratae  apud Eleusinam  deo  JBaccho,  'Ecprjii.  agxcaoX.  1883  S.  153  nr.  50.     Inschrift 

Cereri  et  Corae,  sacratae  apud  Laemam    deo  ans  dem  Asklepieion:  'Aa-uXrjnicö.'Hniovy,  'EXsv- 

Libero   et   Cereri  et   Corae.     Demeterkopf  von  aivtaig  in  der  'EcprjU:  ßg^Kiol.  1883  S.  227;  vgl. 

dort,  Mitt.  d.  Ath.  Inst.  4  S.  189,  abgebildet  Blinkenberg,  Asklejnos  og  hans  freiender  S.  110. 

ebenda  8  Taf.  10,  vgl.  S.  196  ff.  (Furtwängler).  Bei  einer  Hungersnot  rät  das  delphische  Orakel 

Hermione    hatte    vor    allem    chthonischen  den    Epidauriem    äyaXy.aza    LÖQveaß&ai    Ai\- 

Knlt,    den    Klymenos    und     seine    Schwester  \xr\zQog  aal  KnQng  JafiCag  Kai  Avt,ncCug  Schol. 

Chthonia,  die  Kinder  des  Phoroneus,  auf  dem  Aristid.  46,  187,  16.     (Dindorf  3  S.  598). 

Pron    begründet    haben    sollen;    daselbst    der  Aigina.    Tempel  der  Thesmophoros,  Sdt. 

sehr   sehenswerte   Tempel.      Die    Argeier    be-  40  6,   91.      Wie    in   Troizen    wurden    auch    hier 

haupteten,    dafs    von    ihnen    dieser    Kult  be-  Damia  und  Auxesia  verehrt, 

gründet  sei.     Als  Demeter  auf  der  nXdvn  von  Lakonieii.    S.  jetzt  besonders   Wide,  Lab. 

Atheras   und   Mysios    zu    Argos    gastlich   auf-  Kulte  S.  171  ff.    Trotz  der  feindseligen  Haltung 

genommen  wurde,   hätte   sie   Kolontas    gegen  der   Dorier   hielt   sich   hier    der    Demeterkult 

den  Willen   seiner  Tochter   Chthonia   zurück-  sehr  zähe,  wie  besonders  aus  zahlreichen  von 

gewiesen.     Kolontas  und  sein  Haus  seien  von  Sesych  überlieferten  auf  den  lakonischen  De- 

üemeter  verbrannt  worden;    die  Chthonia  sei  meterdienst    bezüglichen    Ausdrücken    hervor- 

von    ihr    aber    nach    Hermione    gesandt    und  geht;  s.Ses.  v.  'Eksvoivicc,  'E7iixgrivai,'E7ti7ioXXd, 

habe    dort   ihr   Heiligtum    errichtet.     Jährlich  TQir'ißsgog  (Thesmophorien),   <f>Xoiri  (Beinamen 

wird  im  Sommer  das  hohe  Fest  der  Chthonia  50  der  Kora);    auch  ügoloyia   gehört  wohl  hier- 

oder  Chthoneia  gefeiert  unter  Teilnahme  von  her.     Zu  'EnmoXXd  vgl.  Crusius,   Beitr.  z.  gr. 

Männern,   Weibern   und   Kindern;    die  Opfer-  Mytli,  S.  21  Anm.  3. 

kühe  werden  von  Weibern  getötet.    Im  Tempel  a)  Sparta.     Tempel   der  Kore-Soteira  von 

Kultbilder  der  Athena  und  Demeter,   Paus.  2,  Orpheus,  nach  anderen  vom  Hyperboreer  Abaris 

35,  4ff;  (vgl.  Botticher,  Tektonik  2  S.  387.  407.  gestiftet,  Paus.  3,  13,  2;  vgl.  8,  31,  1. 

Mannhardt,  Mythol.  Forsch.  S.  64 ff.)    Ad.  nat.  Die  Demeter  Chthonia  ward  gleichfalls  von 

an.  11,  4.    G.  I.  G.  1193  =  Dittenberger,  Syll.  Orpheus  hergeleitet,  nach  Paus.  3,  14,  5  aber 

389.    Gegenüber   von   diesem  Tempel  lag   der  stammt  sie  aus   Hermione;  vgl.  C.  I.  G.  1464. 

des    Elymenos,    hinter  demselben   die    Felder  Ihr    werden    die    Totenopfer    gebracht,    Plut. 

des  Klymenos  und  des  Pluton  sowie  der  Teich  go  Lyc.   27.     Hades  und  Persephone   oft  auf  ar- 

Acherusia,    wo    ein   Abstieg   zum   Hades    sein  chaischen   spartanischen  Grabreliefen,  Mitt.  d. 

sollte,   Paus.  1,  35,  9  f.    Strab.  8,   373.     Kora  ath.   Inst.  2   S.    303 f.   Taf.  20—25.     Overbeck, 

führt   in   diesem   Kulte   den   Namen  Meliboia,  PI.3  1  S.  83;  abweichende  Erklärungen  s.  Bd.  1 

Lasos  bei  Athen.  14,  6246.   Inschriften  an  De-  Sp.  1795.    Mehr  b.   Wide,  Lak.  K.  S.  172. 

meter  Chthonia,  Klymenos  und  Kora   C.  I.  G.  b)  Amyklai.    Eine  Kora  des  Kallon  unter 

1194—1200;  ohne  Kora,  Bull,  de  corr.hell.  1889  einem  Dreifufse  neben  der  Aphrodite  und  der 

S.  198,  24;   an   Demeter,   Zeus   und   Asklepios  Artemis  des   Gitiadas   erwähnt   Paus.  3,  18,  8. 

1198;   vgl.  K.  0.  Müller,  Dorier  1  S.  403.  —  4,  14,  2.    Am  „Throne"  stehen  Demeter,  Hades 


1297   Kora  u.  Demeter  (peloponn.  Kulte)  Kora  n.  Demeter  (peloponn.  Kulte)   1298 

und  Kora  bei  der  Heraufholung  des  Hyakin-  Nebenkulte:    Im  Herateinpel  Demeter  und 

thos,  Paus.  3,  19,  4.     Weihinschriften  C.  I.  G.  Kora    einander    'gegenüber,     aufserdem     Plu- 

1434/5.  1440.  ton,     Dionysos,    Persephone    und     Nymphen, 

c)  Helos.  In  der  Nähe  der  Stadt,  in  den  Paus.  5,  17,  3.  20,  3.  —  Im  Weihgeschenke 
Ausläufern  des  Taygetos,  lag  ein  Eleusinion  des  Smikythos  sah  Paus.  5,  26,  2  noch  Kora. 
mit  einem  pelasgischen  Xoanon  des  Orpheus.  .  —  Im  alten  Gymnasion  von  Elis  Demeter 
Hier  soll  Asklepios  den  Herakles  geheilt  haben.  und  Kora  neben  Herakles,  Eros  und  Anteros, 
In  diesen  Tempel  wird  an  gewissen  Tagen  ein  Paus.  6,  23,  3. 

Korabild  aus  der  Stadt  getragen,  Paus.  3,  20,  Achaia.     a)  In  Aigion,   dem  Vororte  des 

5ff.    Ohne  Zweifel  hat  sich  hier  der  Kult  der  10  achaiischen  Bundes  Tempel  der  Demeter  Pan- 

Eleusinia  mit  einem  anderen  peloponnesischen  achaia,   der   Schutzgöttin    des    Bundes,    Paus. 

(der  Despoina?)  vermischt.  7,  24,  3.     Koretempel,  Paus.  7,  24,  2.    Münzen 

d)  Kainepolis,  das  alte  Tainaron,  hatte  des  Bundes  bei  Inihoof '-Blumer,  Num.  Comm.  on 
ein  usyagov  /Jr)firjzgog;  Abstieg  zum  Hades;  Paus.  S.  86  Taf.  Rl7,  18;  vgl.  Head,  Hist. 
Paus.  3,  25,  9;  vgl.  Claud.  de  rapt.  Pr.  1,  2.  —  Num.  S.  351.  Catal.  of  the  gr.  coins  of  the 
In  der  Nähe  Inschrift  an  Eleuthia,  Ath.  MM.  Brit.  Mus.  Pelopon.  Taf.  2,  15-20.  3,  1—14. 

1  S.  162.  b)  Patrai  wurde  früher  Aroe  genannt,  nach- 

e)  Aigila;  Demetertempel  mit  Sonderfesten  dem  Eumelos  den  Ackerbau  von  Triptolemos 
(thesmophorischen)  der  Weiber,  Paus.  4,  17,  1.  übernommen  (Etym.  M.  s.  v.  'Agoi]  147,  35).  Der 
Die  Priesterin  nimmt  an  dem  Mysterienfeste  20  Demetertempel  mufs  ursprünglich  der  Ge  ge- 
von  Andania  teil,  vgl.  die  Inschrift  von  Andania  hört  haben ,  die  darin  den  bevorzugten  Platz 
bei  Dittenberger,  Sylt.  388,  31.  zwischen  Demeter  und  Kora  innehatte;    auch 

f)  Gythion.  Demetertempel,  Paus.  3, 21, 8.  eine  Quelle  mit  iatrischem  Orakel  weist 
Ein  Charisterion  an  die  chtbonisch  aufgefafsten  darauf  hin  Paus.  7,  21,  11;  vgl.  Lenormant, 
Demeter  und  Köre  von  dort:  MM.  d.  ath.  In.it.  Revue  archeol.  1864   2   S.  386. 

2  S.  378.    Arch.  Zeit.   1883   S.  223   Taf.  13,  1.  c)  Antheia,    eine   Gründung    des    Tripto- 
Münze  im   Journ.  of  hell.  stud.  7   S.  66  nr.  6.  lemos,   Paus.  7,  18,  3,   hatte   einen  Kult  der 

Messenien.    In  Messene  Jr)(i.rizgog  itgov  Demeter  Poteriophoros   (Autocrates  bei  Athen, 

ayiov,  Paus.  4,  31,  9.  11,  460d);    wohl  scherzhafte  Bezeichnung  der 

Oichalia  (Stenykleros).     Im   Haine  Kar-  30  Demeter  mit  Füllhorn, 

nasion  Bilder  des  Apollon  Karnasios  und   des  d)  Bura.    Demetertempel;  neu  zr\   di\unxgi 

Hermes  Kriophoros;    bei  einer  Quelle  das  der  ioziv  io&rig,  Paus.  7,  25,  9.     Münze:  Archäol. 

Hagne   Köre,    Paus.  4,   33,  4.     Acht   Stadien  Zeitg.  1843  Taf.  9,  14;    1847   S.  138.    Imhoof- 

von  dort  entfernt  die  Trümmer  von  Blumer  a.  a.  O.  S.  88  Taf.  S.  1. 

Andania,    wo    die    nach    den    Eleusinien  e)  Pellene.   Sechzig  Stadien  von  der  Stadt 

bedeutendsten  Mysterien  der  grofsen  Göttinnen  Heiligtum    der    agrarischen    Demeter    Mysia. 

gefeiert  wurden.  Vgl.  Paus.  4,  1,  5  und  vor  allem  Siebentägiges  Fest;    am   dritten  Tage  werden 

die   Inschrift    von   Andania:   Sauppe,   Abh.   d.  alle   Männer,   ja   selbst   zcöv   xvviäv   zo    äggsv 

Gott.   Ges.  d.   Wiss.    1861    S.  219  ff;  Foucart-  entfernt;    am   vierten   Rückkehr    der    Männer 

Debets  2,  326 a;  Dittenberger,  Sylloge  388.  —  10  und   Neckereien  wie   am  Thesmophorienfeste, 

Über  die  Priesterfamilie  vgl.  Lobecl;  Aglaoph.  Paus.  7,  27,  9.    Preller,  D.  u.  P.  S.  338. 

p.  982.    Preller ,  D.  u.  P.    S.  148.    Bofsler,  De  Arkadien,  vgl.  besonders  Immerwahr,  Die 

gent  att.scccerd.S.39.  Töiiffcr,  Att.Gen.S.21i&.  Kulte  u.  Mythen  Arkadiens  1   S.  97ff.    Preller, 

Messenische  Münze  mit  Demeter  s.  im  Journ.  D.  u.  P.  S.  144ff.     Nach  Hdt.  2,  171  hat  sich 

of  hellen,  stud.   7    S.  70.     Head,  Coins  of  the  in  Arkadien  der  alte  peloponnesich-pelasgische 

Anc.  Taf.  23,  35.  Thesmophorosdienst  am  besten  erhalten.     Ein 

Elis.    Lepreon.    Demetertempel  aus  Luft-  agrarisches   Demeterfest  'AgnüSioi  wurde  nach 

ziegeln  ohne  Kultbild,   das   einzige  Heiligtum  Apollod.   bei    Steph.   Byz.    s.    v.  'Agxaäia  beim 

der  Stadt  nach  Paus.  5,  5,  6.  ersten  Sprossen  der  Saat  gefeiert.  —  Festspiele 

Pylos.  Chthonischer  hochangesehener  Kult  50  zu  Ehren   der  Köre   erwähnt  Sehol.   Find.    Ol. 

der  Demeter,  der  Kora  und  des  Hades;  in  der  7,  153;  vgl.  Boeckh,  Find.  2,  2  S.  470.    Natio- 

Nähe  der  Flufs  Acheron.    Zwischen  Pylos  und  naler  Kult  der  Despoina,  der  Tochter  der  De- 

Minthe   Haine   des    Hades   und   der    Demeter,  meter  und  des  Poseidon;  der  mystische  Name 

Stroh.  7,  344.  dieser  Göttin  ist  unbekannt,  Paus.  8,  37,  9. 

Olympia.  Beim  Leonidaion  Altar  der  Des-  a)  Pheneos.    Heiligtum  der  D.  Eleusinia. 

poinai;  weinlose  Opfer;  Paus.  5,  15,  4.  10.  Eine    der   eleusinischen    entsprechende  Weihe 

Am   Hippodrom  Tempel    der   D.  Chamyne  soll   Naos,    ein   Urenkel   des  Eumolpos,    ein- 

mit  Kultbildern    beider    Göttinnen;    hier    soll  geführt  haben.     Bei  dem  Tempel  befand  sich 

nach  dem  Raube  Hades  wieder  hinabgestiegen  das  sogen.  nizgcafia,  zwei  aufeinandergelegte 

sein  (xävnv   und   uvslv   der  Erde);    nach   an-  60  Steine,    aus   denen  jährlich   bei    einer  Nacht- 

deren   soll   dieses  Heiligtum   der  Demeter  aus  feier    die    Mysterienvorschrift    zur    Verlesung 

dem    Vermögen    eines    getöteten    pisatischen  herausgenommen  wird;   das  Petroma  war  das 

Aufrührers  Chamynos  gestiftet  sein,   Paus.  6,  gröfste    Heiligtum,     bei    dem    die    Pheneaten 

21,  1.     Die   Priesterin    der    D.   Chamyne    war  schworen.  Auf  diesem  ein  Aufsatz,  der  die  Maske 

das  einzige  Weib,  das  den  olympischen  Spielen  der  Demeter  Kidaria  enthielt,  von  uiäagig  Tur- 

zuschauen  durfte,  weshalb  das  Amt  wechselte,  ban,  Hesych.  Suid.  s.  v.   (>}  xo  argocpiov,  o  oi 

Paus.  6,  20,  9.     Mitt.   d.   ath.  Inst.  3   S.  227.  tsgstg   cpogovai);    vgl.    den    arkadischen    Tanz 

Arch.  Zeitg.  1876  S.  226.  »iäccQts,  Athen.  14,  631d.   Diese  nimmt  der  Prie- 


1299  Kora  u.  Demeter  (peloponn.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (peloponn.  Kulte)   1300 

ster  bei  den   grofsen  Mysterien  vor  und  nutet  Der    uralte  MythuB,    der    sich   ähnlich    schon 

gdßSois  -nara  Xöyov  Srj  ziva  Tovg  vtiox&oviovs,  in   den  Veden  findet  (s.  Kuhn  a.  a.  0.),  hatte 

Paus.  8,  15,  1 — 3.    Preller  a.  a.  0.  S.  169.  mit    Demeter    nichts    zu    thun,    sondern    be- 

Fünfzebn  Stadien  von  der  Stadt,  an  der  Eyl-  zog   sich    auf  das   Verhältnis    von    Erinys    zu 

lene,  Tempel  der  Demeter  Thesmia  mit  Myste-  Poseidon  bezw.  Ares   (in   der  analogen  boioti- 

rien.     Auf  der  TtXavn  soll   D.  in  Pheneos  von  scheu  Sage).   Erst  nach  Identißcierung  der  Des- 

Damithales  und  Trisaules  aufgenommen   sein,  poina    mit   Persephone   wurde   gewaltsam   aus 

denen  sie  die  Hülsenfrüchte  aufser  den  Bohnen  Erinys  eine  Demeter  Erinys  gemacht.  —  Münze 

schenkte;    diese   waren   dann   die    Stifter   des  bei  Imhoof-Blumer  a.  a.  0.  S.  102  Taf.  T  22. 

Dienstes,  Paus.  8,  15,  3.  4.  in        d)  Phigalia.   Die  Kultlegende  der  dortigen 

Bei  Pheneos  Abstieg  des  Hades.    Die  Phe-  D.  Melaina  entspricht  ganz  der  thelpusischen. 

neaten  zeigen  Demeter  den  Raub  an.    Sie  er-  Tochter    der  Demeter    und    des    Poseidon   ist 

halten   dafür   die   üblichen  Demetergaben  und  daselbst  Despoina.     Auf  der  Irre  soll  D.  sich 

die   Zusicherung,    dafs   nie   mehr   als   hundert  in  eine  Höhle  bei  Ph.  (vgl.  Conze  und  Michaelis 

Pheneaten  im  Kriege  fallen  sollen,  Con.  narr.  in  Ann.  dcll'  Inst.  1861  S.  53  ff.)  zurückgezogen 

15  (Westerm.  S.  130).  und  ein  schwarzes  Gewand  angelegt  haben.   Pan 

Der   Styxflufs    bei   Pheneos    war    von    der  sieht  sie  dort  und  berichtet  das  dem  Zeus,  der 

grollenden  Demeter  schwarz  gefärbt  nach  Ptol.  sie   durch   die  Moiren   zurückholen  läfst.     Die 

Heph.  3  (Westerm.  S.  186, 11);  \g).Ael.  «.«.10,40.  Phigalenser  stellen  ihr  ein  Kultbild  von  Holz 

Münzbilder  bei  Mionnet  2   S.  252   nr.  50ff.  20  in  der  Höhle  auf:    yvvaixl   äi    soi-nivai   zälXu 

Arch.  Zeitg.  1849  S.  95.    1876  S.  112.  rrlr/v    KsipctXyv.    xfcpctXl^    de    xki   Y.6jx,r]v   ii%tv 

b)  Kleitor.     Die  sehenswertesten  Tempel  i'mtov    xctl    Sgcexurrav    ra    v.ai    aXXcov    &t]qlwv 

waren  nach  Paus.  8,  21,  3  die  der  Demeter,  des  ?*.6vis  TiQootnicpv-HtGav  ty  ti£<paXij  %rX.    (Man 

Asklepios   und    der  Eileithyia.      Festspiele   zu  vgl.  die  Gorgo  des  Mus.  Borb.   13,  51.)     Paus. 

Koras  Ehren  vermutete  hier  Boeckh,  Pind.  2,  2  S,  5,  8.  42,  1  ff.    Über  das  Kultbild  des  Onatas 

S.    470.      Münzen    bei  Imhoof-Blumer,    Num.  vgl.  Petersen.  Krit.  Bern.  z.  alt.  Gesch.  d.  gr.  K. 

Comm.   on  Paus.  S.  98  Taf.  I,  9.  S.  34ff.,  der  alle  anderen  Ansichten  überzeugend 

e)  Thelpusa.    Tempel  der  D.  Eleusinia  mit  zurückweist.    —    Geweiht   werden    der    Göttin 

Kultbildern  der  beiden  Göttinnen  und  des  Diony-  Baumfrüchte,  Weintrauben,  Wachs   und  rohe 

sos  am  Ladou,   Paus.  8,  25,  2;  vgl.  Leonardos,  30  Wolle,    worüber   Öl   gegossen  wird,    Paus.  8, 

JiXt.  ÜQxaioX.  1891  S.  98ff.  42,  11.  Münzen  Imhoof-Blumer  a,  a.  0.  S.  107 

Demeter  Erinys  hat  ihr  Heiligtum  im  On-  Taf.  V  15  — 18. 

keion.    Als  die  Göttin  sich  auf  der  itXävr],  ihre  e)  Trapezus.   Jährliche  Mysterienfeier  für 

Tochter  suchend,  befand,  so  erzählt  der  eleu-  die  b-eal  piyuXai,  Paus.  8,  29,  1. 

sinisch    gefärbte    Lokalmytbus,    habe    Posei-  f)  Zoitia;    Tempel    (gemeinsamer?)    der 

don   ihr  nachgestellt.     Um   ihm    zu   entgehen,  Demeter  und  Artemis,  Paus.  8,  35,  7. 

habe  Demeter  sich  in  Rofsgestalt  den  Pferden  g)  Basilis.     Iu   der  verfallenen  Stadt  sah 

des  Landeskönigs  Onkeios,  eines  Apollonsohnes,  Paiis.    8,   29,   5    einen    Tempel    der    Demeter 

zugesellt.      Doch    auch    Poseidon    verwandelt  Eleusinia.     Am    Feste    derselben    fanden  von 

sich  in  ein  RoTs  und  bespringt  Demeter.    Diese  40  Kypselos     eingesetzte     Schönheitswettkämpfe 

zürnt  zuerst,  dann  nimmt  sie  ein  Sühnbad  im  statt,  Nicias  bei  Athen.  13,  609e. 

Ladon  und  wird  aus  der  grollenden  D.  Erinys  h)  Megalopolis.     Im   Mittelpunkte   des 

(oTt   xä>   &viiä>    xQfjB&at    y.aXovaiv    igtvvnv    ol  künstlich    geschaffenen    Göttersystemes    dieser 

'Agnaäeg)  die  D.  Lusia.    In  beiden  Formen  hat  Stadt   standen   Demeter   uud   Kora   als    grofse 

sie  grofse  akrolithe  Kultbilder;  das  der  Erinys  Göttinnen,  am  ähnlichsten  denen  von  Andania. 

trägt    Ciste    und    Fackel;    das    andere    wurde  An  sie  schlössen  sich  alle  anderen  an.   In  ihrem 

auch    für   Themis    gehalten.     Als   Kinder   Po-  mächtigen  Peribolos  Tempel  des  Zeus  Philios 

seidons    und    D.'s    gelten    eine    Tochter    mit  (Dionysos?),    der   Aphrodite    und   des   Hermes 

mystischem  Namen  und  das  Rofs  Areion  oder  und  Kultbilder  des  Hermes  Agetor,  des  Apol- 

Arion,  Paus.  8,  25,  4ff.    Callim.  frgm.  82  und  50  Ion,    der   Athena,    des    Poseidon,    des   Helios 

207    (Schneider).     Hesych.  s.  v.  v.   Apüov    und  Soter  und   des  Herakles;   Mysterienfeier  nach 

AovGia.   Apollod.  3,  6,  8,  4.  Tzets.  ad  Lyc.  152.  Vorbild  der  eleusinischen  in  einem  grofsen  Te- 

Schol.    ret.    Lyc.    1040.    1225.     Ptol.    Heph.    3  lesterion.     Kora  führte  den  Beinamen  Soteira, 

(Westerm.  S.  188).  Schol.  Hom.  ^346  (Lokali-  Paus.  8,  31,  lff. 

sierung  in   Boiotien,  wo  auch  nur  von  Erinys  Besonderer  Tempel  der  Kora,  der  für  Weiber 

die  Rede  ist).     Vgl.  Preller,  D.  u.  P.  S.  149 ff.  immer,   für  Männer  nur  einmal  im  Jahre  ge- 

K  0.  Müller.  Eumen.  S.  168.  Welcher,  Lp.  Gyh-  öffnet  ist,  Paus.  8,  31,  8. 

lus  S.  61;     Götterl.  2  S.  490.    Kuhn,  Zeitschr.  Fünf   Stadien    nordöstlich    von    der    Stadt 

f.  vergl.  Spr.  1  S.  443ff.   H.  D.  Muller,  Myth.  Tempel  der  D.  iv  cXsi,  nur  Weibern  zugäng- 

d.   gr.   St.  2   S.  414.     31.  Müller,   Vorles.  über  60  lieh,  wohl  thesmophorisch,  Paus.  8,  36,  6. 

Wiss.  d.  Spr.  2  S.  474.  Rosenberg,  Erin.  S.  24 ff.  i)  Phaidrion.    Fünfzehn  Stadien   entfernt 

E.  Petersen,  De  Ccrere  Phigal.  S.  lff.    Tümpel,  an    der    messenischen    Grenze    Hermaion    mit 

Ares  und   Aphrodite    in    Jahrb.    f    Id.    Piniol.  nicht  grofsen  Kultbildern  der  D.  und  der  Des- 

Suppl.  11  S.  710.    F.  A.  Voigt,  Ares  u.  Athena  poina,  Paus.  8,  35,  2. 

in  Leipz.  Studien   1881  S.  287ff.     Mannhardt,  k)  Lykosura   ist  die  Hauptstätte  für   den 

Myth.     Forsch.    S.   244ff.      Kalkmann,    Paus.  altarkadischen    Despoinadienst,     an    den    erst 

S.  19.    Gurlitt,  Pausan.  S.  86.     Wentzel,  'Em.-  der  Demeterdienst  angeschlossen  wurde,  Paus. 

y.Xr'iang  G  S.  19 ff.     Immerwdhf  a.  a.  0.  S.  113ff.  8,  27,  6.     Aufserhalb  der  Stadt  lag  das  grofse, 


1301    Kora  u.  Demeter  (kret.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (östl.  Inselkulte)     1302 

wohl  zu  Epameinondas'  Zeit  entstandene  Heilig-  Tzetz.    zu   Hes.   op.    et  d.  32;   vgl.   Preller,  D. 

tum  der  Despoina.    Der  Vortempel  gehörte  der  u.  P.  S.  27.    Hock,  Kreta  2   S.  81.     Kretischer 

faekelhaltenden  Artemis  Hegemone.     Im  Peri-  Mythus  vom  Dionysos-Sabazios,  Diod.  5,  75,  4. 

bolos  der  Tempel;  vor  demselben  Altäre  der  De-  Giern.  AI.  Protr.  15.    Norm.  Dion.  6;  vgl.  Ht'Jck, 

rneter,  der  Despoina  und  der  Megale  Meter.   Die  Kreta  3,  181. 

beiden   Sitzbilder  der  Demeter  und   der  Des-  a)  Knossos;  Weihen,  für  deren  Alter  ihre 

poina  aus  einem  Blocke  gearbeitet  von  Damo-  Öffentlichkeit   und   ihre  Allgemeinheit  im  Ge- 

phon.     Neben  Demeter   steht  Artemis,    neben  gensatze    zu   den  mystischen   Beschränkungen 

Despoina  Anytos.     Man   weiht   den  Göttinnen  der    eleusinischen    und    thrakisch-  orphischen 

Baumfrüchte  aufser  der  Granate.     Inschriften:  10  sprechen   soll,  Diod.  5,   77,   3.  —  Münzen  bei 

At\x.  äg%caol.   1890  S.  43  f.  Mionnet  2  S.  266  nr.  62ff. 

Für   die   Mysterien   war  ein   unterirdisches  b)  Olus;  Göttin  Eleusinia  und  Monat  Eleu- 

Megaron     bestimmt.       Mysterienvorschrift    in  sinios,  C.  I.  G.  2554;    vgl.  Bull.  d.  corr.  hell. 

einer  Säulenhalle  am  Eingange  des  Peribolos.  3  S.  308  Taf.  6. 

Blutige  Opfer,  bei  denen   den   Tieren  ein  be-  c)  Hierapytna.     Inschrift,   C.  I.  G.  2567. 

liebiges    Glied    abgehauen    wird.      Über    dem  2568.  2599  (?). 

Megaron  Hain   der  Despoina   mit  den  Altären  Rhodos.     Die    Rhodier    bekränzten    Kora 

vieler  Götter,  darunter  des  Poseidon  Hippios,  und    Artemis    mit    Asphodeloa,     der    heiligen 

Paus.  8,  37,  1 — 10.    Vgl.  Cut tius,  Pelop.  1  S.  296.  Pflanze   der   chthonischen   Götter,     Suid.  s.  v. 

1)  Pallantion.  Heiligtum  der  Demeter  und  20  äocpoStlog.  —  Demetrisch   war  jedenfalls    das 

Kora,    Paus.   8,  44,  5.     Heiligtum  der  D.  mit  Fest  der  Episkaphia,  Hesych.  s.v.;  vgl.  Heffter, 

weinlosen  Opfern  der  Weiber,  Dion.  Hai.  1,  33.  Rhodus    3   S.   154.    —    Monat    Thesmophorios 

m)  Tegea.     Tempel  beider   Göttinnen  als  C.  I.  G.  8518,  4.  15.   23b.   27   u.  a.;    Dumont, 

Karpophoroi   und   besonderer  Altar  der  Kora,  Inscr.  ceram.  S.  79,  18;  87,  77;  88,  84  u.  s.  w. 

Paus.  8,  53,  7.  —  Hain  der  Demeter,  Paus.  8,  Nisyros.  Terrakottastatuette  der  D.  daher, 

54,  5.  —   Gemeinsame   Priesterin   der  Athena  jetzt  im  JBerl.  Antiquarium  nr.  7612;  vgl.  Arch. 

Alea  und    der  Demeter,    Lebas - Foucart  337i.  Zeit.  1879  S.  105. 

—  Chthonischen   Kult  beweist  ein  Weihrelief  Kos.    Der  Demeter  als  Ackergöttin  werden 

an  D.  K.  und  Hades,  Mitt.  d.  ath.  Inst.  5,  69.  dort  die  Thalysien  gefeiert,   Theokr.  Id.  7.  — 

Arch.  Zeit.  1883  S.  225;  vgL  Mitt.  d.  ath.  Inst.  30  Stadtteil  Sitea  mit  einem  Damatrion,  Bull.  d. 

4,  168.  173  (Milchhöfer).  Über  einen  dort  ge-  corr.  hell.  5  S.  479.  Journ.  of  hell.  stud.  9 
fundenen  Demeterkopf  s.  de  Witte,  Gaz.  d.  B.  S.  324.  Opfervorschrift  ebd.  S.  335;  s.  auch 
Arts  1866.  2  S.  109.  Paton-Hicks,  Inscr.   of  Cos  nr.  37,  60.     Über 

n)  Mantineia,   Tempel  der  Demeter   und  dieDemeterpriesterinnen  s. Paton-Hicks  nr. 386. 

Kora,   in  dem  ewiges  Feuer  unterhalten  wird,  Die   Herond.    Mimiamb.   1,  56   genannte    Pro- 

Paus.  8,  9,  2.     Ein  Priesterinnenkollegium  der  cession    der    Mise    galt    höchstwahrscheinlich 

Göttinnen    (Lebas -Foucart  352 i)    ist    höchst-  der  Kora;    s.   unten   ihren   Kult  in   Pergamon 

wahrscheinlich  diesem  Tempel  zuzuteilen;  ein  und  den  Art.  Mise.   —   Aufnahme   der   irren- 

Megaron  wird  in  derselben  Inschrift   erwähnt.  den  Demeter  bei  Eurypylos  und  Klytia,  Scheit. 

Das  Koragion  war  einer  der  Göttinnen  ge-  »  Theokr  7,  5.     Vgl.  Dibbelt,  Quaest.  Coae  myth. 

weiht.      Die    Inschrift,    Lebas  -  Foucart  352  h.  Greifswalder  Diss.  1891  S.  65f.  vgl.  21  u.  38ff. 

spricht    immer    nur    von    cc    &sog.      Der    Kult  Kalymna.     Inschrift  bei  Neivton,  Anc.  gr. 

unterstand   einem  Priesterkollegium;    die  Lei-  inscr.  300. 

turgie   war   aber  Sache  der  Weiber.     In  einer  Thera  hat  den  Monat  Eleusinios,  Boeckh, 

mystischen    nofiTtri    wird    das   Bild   durch    die  Abh.  d.  Berl.  Ak.  1836   S.  81.     C.  I.   G.  2448. 

Stadt  in  das  Haus  der  Frau  getragen,  welche  Ortschaft  Eleusis  daselbst,  Ptol.  Geogr.  3, 15,  26. 

die  Leiturgie  zu  leisten  hat.  Immerwahr  a.a.O.  Mykonos,    Opfervorscbrift ,    'A&rjvaiov    2 

5.  125  will  den  Kult  der  Hermionensischen  S.  237.  Dittenberger,  Sylt.  373.  Am  12.  Posei- 
Chthonia  hier  wieder  erkennen.  Über Koguyziv  deon  sind  zu  opfern:  di]ar\xgi  Xlön  vtg  Svo 
und  Kogayög  s.  Ebert,  Suteluöv  S.  36.  —  50  iiaXliGTtvovBai  i]  txigu  lyy.vu.\a~\v.  Am  10.  Le- 
Kleine  Demeterherme  mit  Weihinschrift  bei  naion:  vn\g  xag7tov  ^r\ar\xgi  vv  sy-dvfiova 
Newton,  Anc.  gr.  inscr.  nr.  155.  —  Hain  der  D.,  ngiaxox6y.ov ,  Kügij  v.ängov  riXsov,  dCi  BovXsC 
Paus.  8,  10,  1.  —  In  der  nahen  Trümmerstadt  %olgov  ...  stg  äs  xr\v  iogxr^v  9vixo>  Mvxo- 
Nestane  feierten  die  Mantineer  Demeterfeste,  vidäcov  1)  ßovXo[(i]s[vrj]  ■x.al  zcöv  olv.ovaäv  ijt 
Paus.  8,  8,  1.  Mvxarcp  'öaai  int  Jrnir)xgct  xzxiltoxai,  vgl.  Mitt. 

0)  Kaphyai.     Münze   bei    Imhoof -Blumer  d.  ath.  Inst.    S.  8ff.  (Kern).    —    Münze:   deux 

a.  a.  0.  Taf.  T  15.  epis  joints  ensemble,  Mionnet  2  S.  320  nr.  63. 

_  ,.      ,       T       ,  Amoreos.     Jnarirpi   Kögn    dii    EvßovXti, 

Kulte  der  Inseln.  Mm  d  ag  Imt  f  £  334.  tf  s_  8ff_ 

Kreta.  Den  kretischen  Demeterkult  kennt  60  Paros  soll  vordem  u.  a.  auch  Demetrias 
Homer,  wenn  er  den  Schauplatz  des  Iasion-  und  Kabarnis  geheifsen  haben;  Kabarnos  er- 
mythus  dorthin  verlegt,  f  125;  vgl.  Hes.  theog.  zählte  D.  den  Raub,  Steph.  Byz.  s.  v.  IJügog; 
969.  Diod.  5,  77,  nach  denen  Plutos,  der  Priesterfamilie  Kabarnoi,  Hesych.  s.  v.;  vgl. 
Sohn  der  Demeter  und  des  Iason  auf  Kreta  C.  I.  G.  2384.  Den  parischen  Demeterkult  er- 
geboren wird.  —  Nach  Hom.  hymn.  Cer.  123  wähnt  Hom.  hymn.  in  Ger.  492.  Den  mystischen 
giebt  Demeter  vor,  aus  Kreta  zu  kommen,  vgl.  Kult  soll  Kleoboia  drei  Generationen  vor  Archi- 
Diod.  5,  77,  4.  Lokalisierung  des  Koraraubes  lochos  von  Paros  nach  Thasos  übertragen  haben, 
daselbst,  Bacchyl.  in  Schal.    Hes.  Theog.  914.  Paus.  10,28,3.  Thesmophoroskult,  Hdt.  2,  134. 


1303     Kora  u.  Demeter  (östl.  InseLkulte)  Kora  u.  Demeter  (aiol.,  ion.,  dor.  K)      1304 

Schal.  Aristid.  244,  4.    0.  I.  G.  2557.    In  einem  erwähnt  eine   Inschrift,   Mitt.  d.  ath.  Inst.  6 

parisehen  Agon  besang  Arehilochos  in  einem  S.  138.     Unter  demselben  Namen  Mise  ist  Kora 

Hyrnnos  den  Koraraub,    Schol.  Ar.  av.    1762.  mit  Dionysos  Thesmophoros  gepaart,  Orph.hymn. 

Demeter  führt  auf  P.  den  Namen  Here,    mit  42.     Der    Name    scheint    dem    Meterkulte    zu 

Köre  Herai,    Inschrift  des  Cyrianis  v.  Ancona  entstammen,  Hesych.  s.  v.  Micatig.    Vgl.  Mise, 

in   Bull.  d.  corr.  hell.  1  S.   135;   'Afrr\vaiov    5  Gambreion    hatte    ein    Thesmophorion, 

S.  15.    Jtjfirjrgog  Kctgnocpogov,    C.   I.  G.  23841.  C.  /.  G.  3562. 

Münze  bei  Overbeck,  K.  M.  3  Münztaf.  7,  1.  45.  Elaia.     Münzbilder    bei   Mionnet  3    S.  19 

Delos.     Megalartienfest  der  thesmophori-  nr.  89  —  91.  93.    Overbeck  a.  a.  0.  nr.  46. 
sehen  Gottheiten,  Semos  bei  Athen.  3, 109f.  Opfer  10        Aigai.     Über  den  dortigen  Demeter-  und 

einer  vg  ly%vpcov.  Bull,  de  corr.  hell.  6  S.  125.  Koretempel    s.    Bohn- Schuchardt ,    3.  Ergän- 

Keos.     Eine    Demeterpriesterin    "wird   bei  mungsh.   des  Jahrb.   d.  arch.  Inst.   S.  41  ff.     D. 

Bechtel,  Inschr.  d.  ion.  Dial.  nr.  48  erwähnt.  und  K.  werden  mit  vier  &col  avvvavoi  Terehrt, 

Syros.     Ehrendekret   für    eine    Priesterin  denen    vergoldete    silberne   Masken    von    drei 

täv  ovgavccov   &icSv  Jrifirixgqg  Kai  Kogctg  zäv  Mädchen  zu  weihen  sind.     Bemerkenswert  ist 

oeu-voTarmv,  C.  I.  G.  23+71.    Über  die  dortigen  in    der    betreffenden    Inschrift    die    aiolische 

Demeterfeste  mit  Fackelläufen  (C.I.G.  2347°.  Namensform  [J]c6[fi]ctTgog. 

Hofs    in   Jahns  Jahrb.    Suppl.   1    S.  216),  die  Kyme.     Demeter  mit  Fackeln,  Münze  bei 

aus    dem   Bheakulte    übernommen    sind,    vgl.  Mionnet  3  S.  9  nr.  54. 

Osann  in  Arch.  Zeit.  1850  S.  202.    Münze  bei  20  Ionia. 

Overbeck  a.  a.  0.  28.  Smyrna.     Thesmophorischer  Kult:  t]  avv- 

Samos.    Demeter  Enelyskis,  Hesych.  s.  v.;  oSog   xäv   uvaräv   xfjg   [itydlrjg  &icig   itgö   nö- 

dieKurotrophos(s.d.)  Vit.  Hom.RO  hält  Welcker,  Aecos  ©ECfioqpdpot)  J^rjxgog,  C.  1.  G.  3194.  — 

Zeitschr.    f.   Gesch.   u.   Ausl.  d.   a.   K.    S.  125  .Mysterien  der  Köre    nach   Mitt.  d.  ath.  Inst. 

für    Demeter;     doch    sind   hier    ohne    Zweifel  14  S.  95  nr.  25.  —  Tfjv  ägiav  nennt  Demeter 

attische  Einrichtungen  willkürlich  nach  Samos  eine  Münze  in  Sollet,  Zeitschr.  f.  Num.  4  S.  315  ; 

versetzt.  —  Im  Hause  der  Agoranomoi  Weih-  vgl.  Fränkel,  Arch.  Zeit.  1879  S.  30. 

bilder    der  Demeter  und   des  Dionysos,  Bull.  Erythrai.     Priesterin   der  Demeter  Thes- 

de  corr.  hell.  5,  479.  mophoros,    Bull,  de  corr.  hell.   4    S.  157.  160. 

Lesbos.      Demeter    dort    von    den    Land-  30  Kult  der  Demeter  und  Kora  und  einer  beson- 

leuten  verehrt,  Long.  4,  13.  deren  Demeter  §v  Kolwvaig,  Dittenberger,  Syll. 

a)Mytilene.  Hier  werden  die  Göttinnen  als  370,  47.  63.  71.  89   (U.v%-oxgr]axov).     Weihung 

■nagnocpogov,    noXvKctgnoi  und  xilierpugoi  ver-  der    sibyllinischen    Quellgrotte   an    D.   Thesm. 

ehrt,    C.   I.   G.    2175.      Mysterien    derselben  Mitt.  d.  ath.  Inst.  17  S.  18.    Münzen  bei  Mionnet 

C.  I.  G.  2177.  3  S.  132  nr.  536  f. 

b)Eresos.   Münzen  mit  Demeter,  Mionnet  3  Lebedos.     Münze   bei  Mionnet  3    S.  140 

S.  36  nr.  29 ff.;  Melanges  de  Numism.  3  Taf.  15,  nr.  588. 

204f.     Köre  bei  Mionnet  a.  a.  0.  nr.  38.  Ephesos.  Dem  eleusinischen  Kulte  standen 

c)  Nape,  Steph.  Byz.  s.v.  Ob  dieses  gerade  hier  Kodriden  als  Basileis  vor,  Strab.  14,  633. 
als  der  Schauplatz  des  Raubes  zu  denken  ist,  40  Nächtliche  Thesmophorien  der  Weiber,  Hdt. 
von  dem  Demad.  im  Schol.  Hes.  Thcog.  914  6,  16.  Jährliche  Mysterien  und  Opfer  zu- 
spricht, ist  unsicher.  inqxgi    Kccgnotpogip    «ort    Qecuotpögco    »ki   dsoig 

Lemnos.      D.    hatte    hier   ihre    Stätte    im  csßaozoig  bnb  räv  uvaräv,  Cyriacus  v.  Ancona; 

Kabirenkulte,  s.  den  Art.  Megaloi  Theoi..  Mit  s.  Bull,  de  corr.  hell.  1   S.  289   (Dittenberger, 

den  lemnischen  Nymphen  verbunden  erscheint  Syll.  390). 

Demeter  Schol.  Find.  Ol.  13,  73.  Magnesia,   Münzen  mitDemeter,  Mionnet 

Samothrake.     Iasion   ist  auf  Samothrake  3  S.  148  nr.  641f.;  mit  Darstellung  des  Kora- 

lokalisiert;  s.  den  Artikel  Iasion  Sp.  60f.    Hier  raubes    3    S.    150    nr.   650  f.    Suppl.    6    S.  240 

soll  Demeter  bei   der  Hochzeit   der  Harmonia  nr.  1050. 

das  Getreide  geschenkt  haben,  Biod.  5,  49,  1.  50  Panionion.     Münzen  mit  Koraraub,    Mi- 
Einsetzung    der    Demeter    in   die    kabirischen  onnet  3  S.  61  nr.  2.    Suppl.  6  S.  79  nr.  2f. 
Mysterien,  s.  Mnaseas  v.  Patrai  im  Schol.  Apoll.  Mykale.     Der  eleusinische  Kult  wird  hier 
Eh.  l,916f.    Midhr,  F.  H.  G.  3  S.  154.  Näheres  auf  Pasikles'    Sohn    Philistos,    der   mit    dem 
unter  Megaloi  Theoi.  Kodriden    Neileos    Milet    gründete,     zurück- 

Thasos    erhielt    seinen    thesmophorischen  geführt,  Hdt.  9,  97.  101.     Heiligtum  der  Pot- 

Kult  von  Paros,  Paus.  10,  28,  3.    Wegen  seiner  niai,  Hdt.  a.  a,  0. 

Fruchtbarkeit  heifst  es  zlrifiritigog  ätizr'i  Ttion.  Priene.   Ein  gewisser  Philiskos  weiht  eine 

Perieg.  523;  vgl.Eustath.  z.  d.  St.  (Müller.  Geogr.  Statue  des  ionischen  Kolonisteaheros  Androklos 

gr.  min.  2  S.  316)  und  Etym.  M.  s.  v.  "Slyvyog.  (Strab.  14,  632),  der  ihm  mit  den  thesmopho- 

60  rischen   Göttinnen   im  Traume   erschienen   ist, 

Ostküste  des  ägäischeii  Meeres.  q  /.  (7.  2907.    Münzen  bei  Mionnet  3  S.  108 

Aiolis.  nr.  301;  Imlwof-Blumer ,  Mon.gr.  S.  296.   Kora- 

Sigeion.    Anathem  an  Demeter  und  Köre,  raub  bei  Sestini,  Mus.  Fontana  2  Taf.  10,  16. 

C.  I.  G.  3636.  Milet.      Thesmophorisches    Weiberfest    in 

Kisthene,  von  Milesiern,  Erythraiern  und  einem   nahe   bei   der   Stadt   gelegenen   Heilig- 

Pariern  gegründet,   hat  Demetermünzen,    Mi-  turne,  Parthen.  8.  —  Steph.  Byz.  s.  v.  Müijrog 

onnet  2  S.  526  nr.  72f.  erzählte    wohl,    dafs   Demeter    dort    die  erste 

Pergamon.  Eine  Priesterin  der  Mise  Köre  Fichte  hervorgebracht.  — Soldaten  Alexanders, 


1305  Kora  u.  Demeter  (thrak.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (kleinasiat.  Kulte)      1306 

die  das  Kultbild  berauben  wollen,  werden  von  itafinavm   als  Göttin  der  Reife,    Hesych.  s.  v. 

der  Göttin  durch  Feuer  geblendet,  Lactant.  div.  Preller,  D.  n.  P.    S.  324.     Den  Demeterkult 

inst.  2,  7.  bei  den  umwohnenden  Mariandynen  soll  Hierax 

Doris.                         ,  gestiftet  haben,    Boios,  Orniih.  bei  Ant.  Lib. 

Halikarnas sos.     Über  den  dortigen  De-  Transf.  3. 

metertempel    und    die     daselbst     gefundenen  Kyzikos.    Hier    trat   besonders   die    Kora- 

Terrakotten  und  Inschriften   s.  Neiuton,  Halt-  Verehrung  hervor.    Kyzikos  als  IuttqoUlov  der 

carnass.  1  Taf.  45  —  47.  86,5.  2   S.  325ff.  694.  Kora  von  Zeus  geschenkt,  wie  sonstTheben  noch 

Münze    bei  Mionnet   3   S  347   nr.  260.      Eine  und  Akragas,  Appian.  bell.  Müh.  75;  vgl.  Müller, 

Demeter  sv  dgojMp  oder  ivägoiAco  Hesych.  s.  v.  10  Proleg.   S.  156 ff.    Ebert,   Ziy.eI.    S.  13.     Mar- 

Knidos  ist  das  alte  Triopion,  Schol.  Pind.  quardt,  Cyzikus  S.  121.   —    Ort    des   Raubes, 

Pyth.  2,  27;  über  die  Beziehungen  zu  Thessa-  Prop.   4,  22,  4  (Haupt -Vahlen).      Die    kleine 

lien,  Sicilien  und  den  dortigen  Demeterdiensten  Insel   Besbikos    gilt  als  Gründung   der   Perse- 

s.    K.   0.   Müller,   Proleg.    S.   161  ff.     Preller,  phone,  Agathocl.  bei  Steph.  Byz.  s.  v.  Biaßt%og. 

D.  u.  P.    S.  330.     Temenos  der  Demeter  und  Fest  der  Pherrephattia,    Plut.   Luc.    10;    vgl. 

Köre,  reich  an  plastischen  und  inschriftlichen  Marquardt,    Cyzikus    S.    119.     Köre  führt    im 

Denkmälern,  Newton,  Halicarn.  1    Taf.  53  ff.  kyzikenischen  Kulte  den  Namen  Soteira,  s.  die 

2  S.  375  ff.     Die  Inschriften  bei  Newton,  Trav.  Inschriften  des  Cyriacus  v.  Ancona  im  Bull,  de 

and  disc.   S.  713  —  719.  732  —  745.     Über  eine  corr.  hell.  4  S.  473.    Mut.  d.  ath.  Inst.  9  S.  17. 

derselben  (714)  ZcoGxguxog  Aa%aQxov  zlüfiaxQi  20  DieMünzenzeigenPersephonemitdemetreischen 

Kovqu   nXovtavi   'Entaüx^  'Egjiä,    vgl.    auch  Attributen   und    der    Umschrift   Smxsiga   oder 

Preller,  Arch.  Zeit.  1861  S.  66;  Foucart,  Bull.  Kog-n  Zoyxuga,  Mionnet  3   S.  529 ff.   nr.   89 ff.; 

de    corr.    hell.    7  S.   402;    Overbeck,    K.    M.    3  Demeter   ebenda  Suppl.   5    S.  308  ff.  nr.  159 ff 

S.  695;  Athen.  Mut.  16  S.  6f.  {Kern).  Ooerbeck,   K.  M.  3    Münztaf.    7  nr.  16.  48.  — 

Von   der  Landschaft  Phrygia   minor  hiefs  ein 

Der  Worden.  seür  fruchtbarer  Teil  Ev-*ugit£iu,  ort  dr\\irixgi 

Makedonien.    Amphipolis  hat  die  Ähre  ncel  Jlovvvco  Zivg  xr\v  %a>gav  xr]v  xmv  Evxug- 

als  Münzzeichen,  Eckhel,  D.  N.  2,  66.  miatv  äoirj,  Steph.  Byz.  s.  v. 

Stoboi.     Münzen  mit  Koraraub,  Mionnet,  Priapos,  Kolonie  der  Milesier  und  Kyzi- 

Suppl.  3  S.  111  nr.  690f.    S.  116  nr.  719.            so  kener  (Strab.  13,  587).    Demeter  auf  Münzen, 

Philippoi.     Die  Ebene   westlich   von  der  Mionnet  2  S.  629  nr.  729f. 

•Stadt  bis  zum  Strymon  galt  als  das  Lokal  des  Parion,  Gründung  der  Milesier,  Erythraier 

Koraraubes,  Appian.  bell.  civ.   4,  105.  und  Insel -Parier,  hat  Demetermünzen,  Mionnet 

Thrakien.     Abdera.     Dreitägiges    Thes-  2  S.  573  nr.  372ff.  Overbeck  a.  a.  0.  nr.  11. 

mophorienfest.       Die    Weiber    verlassen     den  Lampsakos.     Anodos  der  Kora  auf  Mün- 

sterbenden  Demokrit  der  Feier  wegen,    Diog.  zen,  Millingen,  Anc.  coins.  of  gr.  cit.  Taf.  5,  7 

Laert.  9,  43.    Athen.  2,  46e.  =  Müller- Wieseler  2  Taf.  9,  109.    Vgl.  Förster. 

Bisanthe,  Samische  Kolonie.    Münzen  mit  Raub  u.  R.  d.  Fers.  S.  263.     Ooerbeck,  K.  M. 

Demeter,  Eckhel,  D.  N.  2,  25.  3  S.  664. 

Perinthos.    Münzen  bei  Mionnet  1   S.  401  40  Lydien.     Alte    Demeteridole    auf   Münzen 

nr.  258ff.  von    Sardes,     Maionia,     Gordus      Iulia, 

Byzantiou  hat  von  der  Mutterstadt  Me-  Aureliopolis  und  Silandos  s.  bei  Gerhard, 

gara   die    Malophoros    übernommen,    wie    aus  Ak.  Abhandl.  Taf.  59,  8.    Binder,  Abb.  d.Berl. 

dem    Monatsnamen    Malophorios    hervorgeht,  Ak.  1855  Taf.  8,  4.     Imhoof -Blumer ,  Mon.  gr. 

Papios'  Vocabular  im  Philologus  2  S.  240.  262  S.   386.    389.      Overbeck    a.  a.   0.   3    Münzt.  8, 

(Hermann).  —  Tempel  der  Demeter  und  Kora  1 — 4,  vgl.  S.413.  Revue  numism.  1884  Taf.  1,  1, 

mit    Gemälden     geschmückt;     Xoana     xe%vrjg  Sardes    und    Tripolis    haben   Demeter    auf 

üxQtßovs  oi5<j£j>  iiCqw  xäv  axgeov,  Dionys.  Byz.  Münzen  römischer  Zeit,  Mionnet  3  S.  391  nr.  511; 

p.  7,  5  (Wescher).   —   Münzen   bei  Mionnet  1  4  S.  118  nr.  673.  676. 

S.  377  nr.  85fiF.  Ann.  d.  Inst.  1834  Taf.  G  3.  4.  50  Münzen  der  Kaiserzeit  mit  Darstellung  des 

Head,  Coins  of  the  Anc.  Taf.  41,  3.  Koraraubes  haben  Hermokapelia,  Hermu- 

Kallatis.     Münzen  bei   Mionnet  1  S.  354  polis,    Thyateira,    Mostene,    Hyrkania, 

nr.  6ff.  Gordus  Iulia  s.   Förster,  Raub  u.  Rückk.  d. 

Olbia.      Zwischen    den     Mündungen    des  Pers.    S.  112f.,   Apollonis.     Münze    mit    der 

Borysthenes   und   Hypanis   eine  Halbinsel  'In-  suchenden  Demeter  s.  ebd.  S.  254. 

7i6lr)g  uxqri  mit  Demeterheiligtum,  Hdt.  4,53.  Phrygien.  Hierapolis,  Münze  mit  Kora- 

Münzen,  Mionnet  1   S.  349,  1.  raub  bei  Ovßrbcck,  K.  M.  3  Münzt,  9,  11. 

Pantikapaion.      Eine    Inschrift,    datiert  Kibyra.      Demeter    auf   Münze,    Ann.    d. 

a.Q%ovxog  Znagxöiiov  xov  Eifirjlov  (Ol.  119,  1  Inst.  1840   tav.  Q  7. 

— 124,  1;    vgl.    Grote,    Gesch.    Griechenlds.    6  60  Pessinus.     0sü    [drjuj^xQi   KaQ7ioq>[ÖQ(o), 

S.  722),  nennt  Demeter  Thesmophoros,  O.  I.  G.  C.  I.  G.  4082. 

2106;  andere  Inschrift  an  Demeter  G.I.  G.  2108.  Ankyra  hatte  Demeterkult  nach  C.  I.  G. 

Klein-Asien  (aufser  der  Ostküste  des  äg.  Meeres)  ^  Ikouion.    'AQZ<-mts  'A%*<,«e    «ifrou    x«W 

Ägypten.  T~s    äs-xafid^ov    xtxQuxÖQng    xs    9säg    nqoTtoXoL 

Kerasus.     Münzen   bei    Mionnet  2   S.  348  »ki  Jiovvaov,  G.  I.  G.  4000. 

nr.  101  f.  Earieu.  Tralles  führte  als  älteren  Namen 

Herakleia  Pont,   verehrte   eine  Demeter  Polyantheia,    hteph.    Byz.   s.    v.    Tgdi.Xig.    — 


1307   Kora  u.  Demeter  (ägypt.  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (westl.  Kolonieen)     1308 

Münzen    bei   Mionnet  4    S.  192,    1115;    Over-  Apollonia.    Münze  mit  Demeterkopf,  Mi- 

beck  a.  a.  0.  Münztaf.  8,  36.  onnet  2  S.  53  nr.  59;  Ähre  S.  29  nr.  7. 

Nysa  galt  wegen  Identificierung  mit  dem  Epeiros    zeigt    auf  Münzen    des    Pyrrhos 

Nysa  des  Hymnos  als  Ort  des  Raubes.   Zwischen  den  Demeterkopf  mit  Ährenkranz   und  Mohn, 

Tralles  und  Nysa  bei  Acharaka  war  in  einem  Mionnet  2  S.  63  nr.  14.  16ff.  31  ff.    Die  Kora- 

nysischen  Dorfe  ein  Plutonion,  Hain  und  Tempel  münzen  des  Pyrrhos  Overbeck  a.  a.  Ü.  Münzt.  7, 

des  Plnton  und  der  Köre.    Daselbst  auch  Höhle  40.  41  datieren  aus  seiner  sicilischen  Episode, 

des  Charon   mit  iatrischem  Inkubationsorakel  Kerkyra    soll    seinen    alten    Namen    Dre- 

und  jährlichen  Pesten,  Strab.  14,  649.    Münzen  pane   der  Sichel   der  Demeter  verdanken,   die 
mit  Koraraub  und  Demeter-  oder  Persephone-  10  sie   von   Hephaistos    erhielt,    um   die   Titanen 

köpf  oder  ihren  Symbolen,    Mionnet  3   S.  362  mähen    zu    lehren,    und    dann    dort    vergrub, 

nr.  342  ff.    Suppl.  6  S.  518   nr.  401.  403.    Over-  während   der   homerische    Name    Scheria   von 

beck    a.  a.  0.   nr.  7;   vgl.    Spanheim,  Callim.    2  dem   Zurückhalten   der  Flüsse   des  Pestlandes 

S.  667.    In  der  Nähe  Inschrift:  6  äfiuog  6  ZoXo-  durch  Poseidon  herkommen  soll,  den  Demeter 

i(ov  Kögy   Kai  nXovxuivi  dsois  nargmoig  ävi-  darum  gebeten,  Aristot.  bei  Schol.  Apoll.  Eh. 

&rjtnv  Bull.  corr.  hell.  7  S.  402.  4,  984.     Steph.  Byz.   s.  v.   Sx^gCa;    Tzetzes  zu 

Aphrodisias.     Einen  Priester  des  Pluton  Lyc.  763.  869.    Etym.  31.  s.  v.  dgenavri;   vgl. 

und  der  Kora  erwähnt  die  Inschrift  Move.  rijs  Preller,  D.  u.  P.  S.  359.  —  Münzen  s.  Mionnet 

Evayy.  6%oX.  1880  S.  180  vgl.  Bull,  de  corr.  hell.  2  S.  38.    Mon.  d.  Inst.  4,  31  nr.  37. 
a.  a.  0.  Münze  bei  Overbeck  a.  a.  0.  Münztaf.  7,  5.  2u        K  e  p  h  a  1 1  e  n  i  a.      Münze    bei    Mionnet   2 

Athymbra.     IIXovzwvi  «cu  Kog>]  ^JrjfiriTgi  S.  201  nr.  1. 

'EgfitC  "Avovßi,   in  Delos   gefunden,    Bull,   de  Unter  •  Italien.      Arpi    und    Butuntum. 

corr.  hell.   11  S.  274.  Münzen,  Eckhel,  B.  N.  1  S.  140ff.  Read,  Coins 

Antiocheia.  Münzen  bei  MionnetZ  S.  316  of  the  Anc.  Taf.  44,  13. 

nr.  68ff.  Tarent.     Kult  der   Demeter  im.lvGafi.ivri, 

Orthosia.    Koraraub  auf  Münzen,  Eckhel,  wohl  als  Geburtshelferin  zu  verstehen,  Hesych. 

Cat.  Mus.  Vinä.  1  Taf.  3,  18.  Mionnet  3  S.  374  s.  v.;  vgl.  Löschcke  in  d.  Arch.  Zeit.  1876  S.  111. 

nr.  415ff.    Suppl.  6  S.  530  nr.  461  ff.    Overbeck,  Metapont     hatte    besonders    ergiebigen 

K.  M.  3  S.  651.  Ackerbau  (Strab.  6,  264).   Münzen  mit  Demeter- 

Lagina.   Inschrift  bei  Newton,  Ealicam.  2  30  köpf  oder  Ähre  sehr  häufig,  z.  B.  Eckhel,  D.  N. 

S.  798.  1   S.  155.    Mon.  d.  Inst.  3  Taf.  35,  4.    Overbeck 

Sillyon     in     Pamphylien.      Inschrift    bei  a.  a.  0.  Münztaf.  7. 

Lanckoronski,  Pamph.  u.  Pisid.  1  nr.  60.  Kroton.     Pythagoras'    Haus    wurde   nach 

Tarsos.     Antiocheia  und    Gordys    (an  des  Philosophen  Tode  in  einen  Demetertempel 

der  Mündung  des  Tigres)  galten  als  Stiftungen  umgewandelt,  Timaeus  bei  Porph.  Vit.  Pyth.  4. 

des  argivischen  Triptolemos  und  seines  Sohnes  Thurioi.     Münzen    bei    Eckhel,   D.   N.   1 

Gordys,    Strab.  14,  673.    16,  747.  750.    Steph.  S.  164. 

Byz.   s.  v.    rogävaia.      Dafs   man   schon   früh  Petelia.      Münze    bei    Overbeck,    K.    M. 

die  Reisen  des  Triptolemos  so  weit  ausdehnte,  Münzt.  7  nr.  4. 

erhellt    aus    Sophocles  bei  Strab.   1,  27;    vgl.  40  Lokroi      Epizephyrioi ,       spartanische 

Preller,  I).  u.  P.  S.  300.  Kolonie    nach    Paus.   3,3,    1,    verehrte     vor- 

Kypros.      Demeter   Thesmophoros   nimmt  nehmlich   Persephone,   deren  prächtiger  Tem- 

für  Kypros  an  Ovid.  Met.  10,  434;  vgl.  Engel,  pel    mit    seinen    reichen    Schätzen    mehrfach 

Eypros  2  S.  653.     Eine  agxiigua  der  Demeter  in    Kriegszeiten    die   Habsucht   reizte,    Livius 

nennt  C.  I.  O.  2640.     Tempel   und   Statuette  29,  18.     Cic.   de  not.  d.  3,  83.     Diod.  Sic.  27, 

der  Demeter  Paralia  in  Kition,  Cesnola,  Cyprus  4,  2.    Dion.  Hai.  20,  9.    Suidas  s.  v.   IIvQQog; 

S.  50.  52.  Appian.  bell.  Samn.  12.    bell.  Hann.  55.    Lac- 

Ägypten.     Abgesehen  von   der  Identificie-  tarnt,   div.  inst.   2,  7.    —    Schönes   Terrakotta- 

rung  mit  Isis  (s.  d.)  trat  auch  der  griechische  relief:  Persephone  und  Hades  thronend,  Bull. 

Demeterdienst  sehr  stark  hervor.                           50  Nap.  5,  5.     Müller -Wieseler  2,  856.    Ann.  d. 

Alexandreia.    Eleusinien  in  Alexandreia,  Inst.    1847.     T.  d'a.  F;  vgl.  Mitt.  d.  ath.  Inst. 

Tacit.  hist.  4,   83.     Ortschaft    Eleusis    bei    A.,  2,  468.     Koraraub,   Bull.  Nap.  a.  a.  0.    Arch. 

Suid.  s.  v.  KaXXifiaxoc:.    Livius  45,  12.     Ptole-  Zeit.  1870   S.  77.     Overbeck,  Atlas  zur  K.  M. 

maios  Philadelphos  stiftete  den  Kalathosumzug  Taf.  18,  16.  17.     Münzbilder,  Mionnet  1  S.  197 

zu  Ehren   Demeters   als  Erntefeier  nach  athe-  nr.  926. 

nischem    Vorbilde,    Schol.   Callim.   in   Cer.   1;  Hipponion   (Vibo).     Hierher   soll   Kora 

vgl.  Eustath.  ad  Od.  1488,  60.   1627,  50.    Feier  aus   Sicilien    gekommen  sein,    um  Blumen    zu 

des  Koraraubes,  Schol.  Arat.  Ph.  150.  —  Thes-  suchen,    Strab.  6,  256.  —   Tempel    und   Kult- 

mophoreion  mit  jährlichen  Opferfesten,  Polyb.  bildet-  erwähnt  die  Inschrift  Orelh-Hensen  1476; 

15,  29,  8.                                                                   co  vgl.  Förster,  Paub  u.  Eückk.  d.  Pers.  S.  276. 

Arsinoe   hatte   ein   Thesmophorion,    Wü-  Elea  (Velia).     Griechischer  Demeterkult, 

cken    in    Zeitschr.   d.    Gesellsch.  f.   Erdk.    1887  der  vorbildlich    für   den   römischen   Cereskult 

S.   81;    ein  Eleusis   bei   Arsinoe,    Wücken  in  wurde,    Cic.  pro  Balb.    55.     Vol.  Max.    1,  1. 

Jahrb.  d.  arch.  Inst.  1889.    Anzeig.  S.  4.  Posidonia    (Paestum).      Verschiedene 

Terrakotten   bei   Gerhard,   A.  B.    W.   Taf.  36 

Der  Westen.  sollen  D.  ■aovQozg6q>og  darstellen;  vgl.  Bull.  d. 

Epidamnos.    Ähre  als  Müuzzeichen,   Mi-  Inst.  1829  S.  189  f.  Stephani,  C  B.  1859  S.  136  ff. 

onnet  2  S.  38  nr.  87;  S.  44  nr.  162.  Overbeck,  K.  M.  3  S.  488  ff. 


1309  Kora  u.  Demeter  (sicilische  Kulte)  Kora  u.  Demeter  (sicilisclie  Kulte)   1310 

Pomp  ei.   Wahrscheinlich  stammt  von  hier  dessen  Bräuche,  Nachahmung  des  ägxcciog  (3tos 

die  Inschrift  einer  Priesterin  der  Thesmophoros,  und  uiaxQoloyiai,  aus   der  Thesmophorienfeier 

C.  I.  G.  5865  =  Kaibel,  Inscr.  gr.  Sic.  et  Itdl.  von  Athen  und  Eretria  bekannt  sind;   s.  auch 

702.     Zu,  dieser   gehört  ein   Relief,    Demeter  Meraclid.  bei  Athen,  a.  a.  0.  und  Ebert,  2iksI. 

mit  Schale,  Messer  und  Kräutern  darstellend,  S.  19.   —   Als   sicilisches  Fest  der  Kora  nennt 

daneben    stehen    ein    Altar,    ein    Ferkel    und  Voll.    1,    37    ©aoya/xta    und    'Av&t ocpogict;    die 

ein  Korb,  Rinck  im  Kunstblatt  1828  S.  161.  ersteren  nennt  Schol.   Find.   Ol.   6,  160     äva- 

Neapolis.     Der  Kult    von  Neapel   genofs  KaXvuxijgici.      Die     Anthesphorien    sollen    der 

in   Rom    das    gleiche   Ansehen    wie    der   von  erste     Tag     der    Theogamien    gewesen     sein 

Velia,  Cic.  pro  Halb.  55.     Attische  Mysterien  10  nach    Ebert,  Sixel.    a.   a.   0.    —   Den   Dienst 

erwähnt    Stnt.   silv.   4,   8,   50.     Eine   Inschrift  an    der    Quelle   Kyane,    wo   Hades    mit   Kora 

nennt  eine Thesmophorospriesterin,  G.I.  G.  5799  hinabgefahren  sein  soll,  soll  Herakles  gestiftet 

=  Kaibel  a.  a.  0.  756a.  haben  zum  Danke  für  seine  Entsühnung:  t&vas 

Sicilien.      'AgiGztvoiGuv     evxdgnov     %&ovöq  xaig  &iaCg  fieyaXongmäg    nal    sig   x'r\v   Kvuvr;v 

nennt  Find.  Nem.  1,  20  Sicilien.     Infolge  der  xov  tiaXXtaxivovTa  xäv  xavgmv  nu&uyioag  v.axi- 

üppigen   Fruchtbarkeit   der   Insel   wurden  De-  bEi£,t   ftvnv   rot>s   iyxcogiovg  v.ax'  tviavxbv  xy 

meter    und    Persephone    in    kurzer    Zeit    die  Kögy    xkI   ngog   xfj  Kvdvn  Xce(j,7tgäg  äysiv  na- 

Hauptgottheiten   derselben,    so   dafs   bald   die  vi\yvgiv  xt  »al&vaiav,  Diod.  4,  23,  4.  5,  4,  2.  4 

Herkunft  vergessen  und  die  Wiege  des  Kultes  (Örjfioai'a   de  xavgovg  ßv&i'Qovoiv  iv  xy  Xtfivrf). 

hier    gesucht    wurde.      Auf    einem    attischen  so  —  Als  Ackergötfin  führt  Demeter  in  Syrakus 

Dekretrelief  von    Ol.  96,  4   wird  Demeter   als  die    Beinamen   Sito    und   Himalis,    Polem.   bei 

Vertreterin     Siciliens     der     attischen    Athena  Athen.  3,  109a.  10,  416b.    Ael.  v.  h.  1,  27;  über 

gegenübergestellt,  Schöne,  Griech.  Bei.  Taf.  7,  'Eg/iiövrj    als    Beinamen    sowohl    für   Demeter 

49;   vgl.  Kühler  in  Hermes  3  S.  157;    Mitt.  d.  wie    für    Kora    in    Syrakus   {Hesych.    s.  v.)    s. 

ath.  Inst.  1  S.  5;   F  rieder  ichs-Wolters  nr.  1159.  Crusius,  Beitr.  z.  gr.  Myth.  S.  14.   —  Münzen 

—  Sicilien  galt  als  das  Lieblingsland  beider  bei  Mionnet  1  S.  290  nr.  699 ff.  Head,  Coins  of 
Göttinnen,  Cic.  in  Verr.  4,  48;    Ovid.  Fast.  4,  Syrac.  Taf.  5,  4;  9,  1.  2;  11,  11. 

422;  Diod.  Sic.  5,  2,  3.  13,  30.    Die  Geburt  der  k)  Akrai  bestätigt  seinen   Demeterdienst, 

Göttinnen  hier  lokalisiert  bei  Aristot.  Mirab.  aufser    durch    Weihinschriften    an    die   Ayval 

83;  Cic.  in  Verr.  48;  vgl.  Ebert,  Sinei.  S.  11.  30  0eai,  C.  I.  G.  5431,   und   an   die  thesmopho- 

1m   Streite    mit   Hephaistos    soll   Demeter   Si-  rische  Kalligeneia,  C.  I.  G.  5432,  durch  Münzen, 

cilien  gewonnen  haben,  Schol.  Theokr.  Id.  1,  65.  s.   Mionnet  1    S.  209  nr.  7.     Ein   Koreion  er- 

— ■   Besonders   verbreitet  war   die   Auffassung,  wähnt  C.  I.  G.  5430  =  Kaibel,  Inscr.  gr.  Sic. 

dafs  Zeus  das  Land  der  Persephone  geschenkt  et  Ital.  217. 

{Find.  Nem.  1,  16.    Schol.   Find.  Pyth.  12,  1),  l)  Kamarina.     Terrakotten,   Demeter  mit 

und   zwar    als    ävaxdXvTizga    zu    ihrer   Hoch-  Attributen  darstellend,  bei  Kekule,  Sie  Terra- 

zeit  mit  Hades,  Diod.  Sic.  5,  2.  Flut.  Timol.  8.  kotten  von  Sicilien  S.  25  Taf.  4.  —  Münze  bei 

Schol.  Find.  Nem.    1,  16.    —    Als    Lokal    des  Eckhel,  D.  N.  1  S.  202. 

Koraraubes    nennt    im     allgemeinen    Sicilien  m)  Gela   empfing    chthonischen   Kult    von 

Flut.  Tim.  8.    Natürlich  ist  auch  den  Siciliern  40  Telos,  Hdt.  7,  153. 

zuerst    die    Gabe    des    Getreides    zu    teil    ge-  n)   Akragas,   Kolonie   von   Gela,    ist    bei 

worden,  ein  Anspruch,  der  mit  Rücksicht  auf  Find.  Pyth.  12,  1  tfregotcpövag  'iöog.    Brautgabe 

die   ausgezeichneten   Bodenverhältnisse  —  bei  des  Zeus  an  Persephone.  Schol.  Find.  Ol.  2,  IG. 

Leontinoi   und  anderwärts   sollte   der   Weizen  Polyain.    5,    1;     vgl.    K.    0.    Müller,    Froleg. 

sogar  wild  wachsen  —  auch  von  Fremden  an-  S.  155.     Ebert,   Ei-nsX.   S.   13.   —   Münzen  bei 

erkannt  wurde,  vgl.  Aristot.  Mirab.  83.    Diod.  Eckhel,  D.N.  1  S.  191.  Mionnet  1  S.  342  nr.  24. 

Sieb,  2,  4.    Claudian,  De raptu  Proserp.  1,  198.  o)  Selinus  hat  von  Megara  die   Demeter 

a — h)  Nur  durch  Münzen  ist  der  Demeter-  Malophoros  übernommen,  neben  welcher  Köre 

kult  nachweisbar  für  L e o n t i n o i ,  Torremuzza,  den    Namen    Pasikrateia    führt,    Inschr.    bei 

Sic.  num.  vet.  Taf.  41  nr.  4.  15  und  Mionnet  1  so  Benndorf,  Metop.  v.  Sei.  S.  27;    vgl.   Saappe, 

S.  248  nr.  334ff.;  Menai,  Torremuzza  a.  a.  0.  Göttinger  Nachr.   1871  S.  607;   Kaibel  a.  a.  0. 

Taf.  44,  2;    Kentoripa,    Tyndaris,   Ther-  268. 

mai,     Panormos,    Neeton    und    Entella,  p)  Drepanon  hat  den  Namen  von  der  Siehe' 

Mionnet  1  S.  231.  242.  263.  264.  328.  der  Demeter  nach  Serv.  ad  Verg.  Aen.  3,  707. 

i)  Syrakus.    Demeter  und  Persephone  wur-  q)  Tauromenion.   Inschrift,  C.  I.  G.  5643: 

den    hier    besonders    als    &sopocp6go)    verehrt.  Stetig  'Ayvccig  %ugiGxr)gtov. 

Im  ngoaaxsCov     xrjg    'j%gaSivng  {Diod.   14,  63)  r)Aitne.    Tempel  beider  Göttinnen,  welche 

—  nach  Cic.  in  Verr.  4,  119  in  der  Neapolis  —  von  Gelon  begonnen  werden,  aber  unvollendet 
lagen  die  von  Gelon  erbauten  {Diod.  11,  26)  blieben,  Diod.  11,  26,  7.  Die  Gegend  ist  viel- 
beiden  Tempel  der  Göttinnen  in  einem  xifisvog,  60  fach  mit  dem  Raube  verknüpft  worden.  Am 
Flut.  Dion.  56,  vgl.  Diod.  14,  70;  19,  5.  Com.  gleichnamigen  Berge  lassen  ihn  geschehen 
Nep.  Dio.  8.  Cavallari-Holm,  Top.  Arch.  di  Mosehos  3,  128.  Hyg.  fab.  146.  Schol.  Find. 
Sic.  183 f.,-  Lupus,  Stadt  Syrakus  S.  101  f.  —  Nem.  1,  16.  Philargyr.  ad  Verg.  Ecl.  3,  104. 
Thesmophorischen  Kult  bezeugen  Heraclid.  Demeter  zündet  ihre  Fackel  am  Aitna  an, 
bei  Athen.  14,  647a.  Flut.  Dion.  56.  Pscud.-  Diod.  4,  4,  3.  Beiname  der  D.  Alxvuia,  Ly- 
Plat.    epist.    7,  95.     —     Diod.   5,  4,   5.    6   er-  cophr.  153. 

zählt  von  einem  zehntägigen   mit  besonderem  s)  Katana.    Heiligtum  der  Demeter  Thes- 

Glanze  zu  Demeters  Ehren  gefeierten  Saatfeste,  mophoros     mit     sehr    altem    Kultbilde,     den 


1311    Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)  Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)   1312 

Männern  streng  verschlossen,  Cic.  in  Yerr.  4,  die  furchtbare  (inaivrj)  Herrscherin  der  Unter- 
99.  5,  187.  Lactant.  dir.  inst.  2,  4.  C.  1.  G.  weit,  1457.  569;  jt  491.  534.  Das  Verhältnis 
5675  b.  —  Ein  zweites  Heiligtum  lag  aufser-  von  Demeter  zu  Persephone  als  Mutter  und 
halb  der  Stadt,  C.  I.  G.  5649 e;  Kaibel  a.  a.  0.  Tochter  kennen  nur  der  späte  interpolierte 
449.  Eine  Persephone  Basilis  von  dort  bei  Vers  S  326  und  die  gleichfalls  späten  Nekyia, 
Muratori,  Thesaur.  1,  40,  3  (C.  I.  G.  5,  wo  P.  v.  217  als  dibg  &vydzriQ  bezeichnet  wird 
649  f.  Kaibel  a.  a.  0.  450).  und  die  milderen  Beiworte  c?y«vr/(vv.  213  226.635 
t)  Elina  hat  besonders  berühmten  Demeter-  oder  ay vri  v.  386)  führt;  v.  47  nennt  sie  inaivri, 
kult.  Hier  ,,eam  natam  esse  et  fruges  invenisse  ist  aber  wörtliche  Wiederholung  von  x  534. 
constat" ,  Cic.  Yerr.  4,  108 ff.,  wo  auch  von  10  Der  Mythus  setzt  die  Verschmelzung  zweier 
der  allgemeinen  Anerkennung  dieser  Präten-  alter  Gottheiten  voraus,  der  alten  aehäischen 
sion  die  Rede  ist.  Demeter  heifst  'Evvala  bei  Landesgöttin  Demeter,  der  Gefährtin  des  Zeus 
Lycophr.  153.  Vor  dem  Demetertempel,  den  (der  als  'Elsvaiviog  ihren  2s amen  teilt,  s.  Hesycli. 
auch  Strab.  6,  272  erwähnt,  mehrere  Statuen,  s.  v.  'Elevaiviog),  einer  der  Hera  vollkommen 
darunter  ein  hocharchaisches  Bronzebild,  ein  entsprechenden  Göttin  und  der  chthonischen 
Trjptolemos  und  eine  Demeter  vtv.ncpÖQog,  was  Genossin  des  alten  Klymenos-Hades,  deren  ur- 
nach  Bütticher,  Arch.  Zeit.  1857  S.  69  auf  einen  alter  Kult  noch  verhältnismäfsig  rein  und  nur 
cerealischen  Agon  deuten  soll.  Männer  dürfen  ganz  äufserlich  mit  der  Vulgärmythologie  Ver- 
den Tempel  nicht  betreten,  Lact.  cliv.  inst.  2,  4.  Bünden  in  Lebadeia  (Trophonios  —  Herkyna 
Dabei  auch  ein  Persephonetempel,  Cic  a.a.O.  2a  neben  Zeus  Hyetios — Demeter  Europe),Lakonien 
—  Enna  die  heilige  Stadt  dieser  Göttin,  der  und  in  dem  von  Lakonien  aus  besiedelten Lokfoi 
die  dortigen  Wiesen  zufielen,  als  Athena  Hi-  Epizephyrioi  zu  erkennen  ist.  —  Wenn  Förster 
mera  und  Artemis  Ortygia  in  Besitz  nahmen,  a.  a.  0.  für  das  hohe  Alter  des  Mythus  seine 
Diod.  5,  4,  1.  Von  diesen  Wiesen  am  See  allgemeine  Verbreitung  durch  die  ganze  grie- 
Pergus  raubt  sie  Hades  nach  Diod.  und  Cic.  chische  Welt  anführt,  so  waren  hierfür  doch  zwei 
a.  a.  0.  Ovid.  Met.  5,  385.  Fast.  4,  325.  Münz-  andere  Gesichtspunkte  entscheidend,  erstens  die 
bilder  bei  Mionnet  1  S.  233  nr.  207 ff.  tiefe  innere,  edle  Wahrheit  und  Schönheit 
Melite  hatte  Demeterkult  nach  der  Münze,  desselben  und  zweitens  die  grofse  Bedeutung, 
Mionnet  1  S.  342  nr.  24.  welche  die  der  Göttin  homonyme  Hauptkult- 
Afrika.  Kyrene.  Demeter  Thesmophoros  30  statte  Eleusis,  für  Athen  und  die  ganze  grie- 
wurde  hier  verehrt,  wie  aus  der  Geschichte  chische  Welt  schon  in  früher  Zeit  gewann, 
des  Battos  hervorgeht,  Suid.  s.  vv.  Q-ta^io-  Hdt.  8,  65.  Die  grofse  Verbreitung  des  Mythus 
cpögog  und  ocpaKtgiai.  ist  aber  eine  Thatsache  und  auch  dies,  dafs  man 
Karthago  führte  den  Kult  der  Göttinnen  allenthalben  die  Spuren  des  fremden  Importes 
ein,  als  es  während  des  Krieges  gegen  Dio-  zu  verwischen  suchte,  indem  man  lokale  Be- 
nysios  von  Syrakus,  Ol.  96,  3,  durch  einen  Ziehungen  in  ihn  verflocht.  Zu  beachten  ist 
Söldneraufstand  bedroht  war.  Die  Vornehmsten  aber  das  Fehlen  derartiger  Bestrebungen  in 
der  Karthager  und  der  dort  wohnenden  Griechen  Boiotien  und  Thessalien,  während  der  Isthmos, 
versahen  den  Dienst  ganz  in  gi'iechischer  Weise,  die  Peloponnes  und  die  Kolonieen  derartige 
Diod.  Sic.  14,  77,  5.  Münzen  mit  Demeter  oder  40  Lokaltraditionen  bieten.  Doch  immer  lassen 
Persephone,  Read,  Coins  of  the  Anc.  Taf.  26,  diese  Zusätze  das  Bestreben,  aus  dem  sie  her- 
37.  39;  47,  41  —  43;  59,  33 — 39.  vorgegangen  sind,  erkennen  und  wirken  un- 
organisch. Ebenso  wurde  in  der  weiteren  Aus- 
C.  Der  Mythus  vom  Raube  und  der  Rückkehr  bildung  des  Mythus  der  Zweck  verfolgt,  mög- 
der  Persephone.  lionst  ane  Eigenschaften  der  Gottheiten  darin 
Mehr  als  bei  irgend  einer  anderen  Gottheit  zum  Ausdrucke  kommen  zu  lassen,  alle  ihre 
steht  bei  Demeter  und  Persephone  ein  Mythus  Wesenheiten  darin  prototypisch  vorzubilden 
im  Mittelpunkte  ihrer  Religion.  Die  beiden  und  die  heiligen  Bräuche  des  Demeterkultes 
Göttinnen  gemeinsam  gezollteVerehrung,  welche  ätiologisch  darzustellen.  Dafs  diese  späteren 
in  späterer,  d.  h.  hellenischer  Zeit  an  fast  allen  50  Bestrebungen  aber  dem  einfachen  echten  My- 
Kultstätten  der  Demeter  die  vorherrschende  thus  fremd  sind,  geht  aus  der  verhältnismäfsig 
ist,  findet  ihren  vorzüglichsten  Ausdruck  in  treuesten  Überlieferung,  dem  homerischen  Rym- 
demselben.  Doch  ist  er  nicht  als  die  Ursprung-  nus  hervor,  in  dem  sie  zwar  auch  bemerkbar 
liehe  Grundlage  dieser  Religion  anzusehen,  und  sind,  aber  so  durchsichtig  und  klar,  dafs  man 
seine  Entstehung  in  so  frühe  Zeit  zu  verlegen,  sie  vielfach  unter  Verkennung  des  Zweckes  für 
wie  Förster,  Raub  und  Rüchh.  d.  Pers.  S.  5  spätere  Zusätze  hielt.  Bezeichnend  ist  auch, 
annimmt,  „als  das  Griechenvolk  noch  in  den  dafs  das  sonst  so  stark  hervorgehobene  Moment 
Ebenen  von  Asien  safs".  Dafs  Homer  den  der  Ährenübergabe  hier  fehlt.  Wir  geben  die 
Mythus  schon  gekannt,  wie  Welcher,  Griech.  Erzählung  des  Mythus  nach  dem  Hymnus  und 
Götterl.  1  S.  395;  2  S.  474  (s.  auch  Zeitschr.  f.  60  fügen  die  Varianten  der  Lokalsagen  und  dich- 
Gesch.  u.  Ausl.  d.    alt.  K.  S.  1.    K.  0.  Müller,  terischen  Zusätze  bei. 

Kl.  Sehr.  2,  91.   Rohde,  PsyclieS.  195 f.)  annahm,  Der  Raub  der  Persephone,  die  nach  orphi- 

und  wie  Preller,  Griech.  Myth.-  1  S.  593  gegen  scher    Sage    von    Demeter    weltentrückt    auf- 

seine  frühere  Ansicht,  Demeter  und  Persephone  gezogen  wird,    von  Kureten  und   Korybanten 

S.  5ff.,   zugab,   ist  abzuweisen   (vgl.  Pleic,   in  bewacht  (Argon.  1190f£;   Procl.  Theol.  Plat.  6, 

Preller,  Griech.  Myth.3  S.  623).    Bei  Romer  ist  371.  382;  in  Plat.  Cratyl.  62  =  Abel  frgm.  210) 

Demeter  nur  die  Göttin  des  Landbaues  (B  696;  und   in    durchsichtiger   Allegorie    webend    ge- 

E  500;    JV322;    *  76;   f  125)   und   Persephone  dacht  wurde   (Procl.   in   Plat.    Tim.  5,307  d; 


1313    Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)  Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)    1314 

in  Cratyl.  53;  Porphyr,  de  antr.  Nymph.  14;  Achill.  1,  824;  Auson.  ad  Theon.  4,  49;  Phi- 
Syrian  in  Ar.  Metaph,  850  b;  vgl.  die  Vulgari-  largyr.  ad  Verg.  Ed.  3,  104;  Mylh.  Vat.  2,  93; 
sierung  dieser  Motive  in  der  sicilischen  Sage  3,  7,  2)  und  Haiesos,  Columella  10,  268.  Aufser- 
b.  Diod.  Sic.  5,  3,  4 ;  Claudian.  de  rapt.  Pros.  1,  halb  Attikas  und  Siciliens  werden  genannt: 
247),  wird  von  Hades  im  Einverständnisse  mit  Kreta  von  Bacchylides  im  Schol.  Hes.  Theog. 
Zeus,  ohne  Demeters  Wissen  vollführt;  Hom,  914;  vgl.  Tzetz.  zu  Res.  Opp.  33;  Ps.-Eudoc. 
hymn.  v.  2;  Hes.  Theog.  914;  Hyg.  fab.  146;  p.  109  ( Villoison)  in  KQiqrrigrifxäi.i.ovixJ!m£}.iag; 
Claudian  a.  a.  0.  1,  216,  wo  allerdings  Zeus  Kyzikos  von  Prop.  4,  22,  4  ( Haupt- Vahlen), 
im  Banne  der  Moira  steht,  vgl.  Orph.  Argon.  Kr  enides,  das  spätere  Philip  r>oi,-vonAppian 
1195  (Saifiovog  aiarf);  Stat,  Theb.  8,  63  ff.  Durch  10  bell.  civ.  4,  105,  wohin  Gieseke  im  Philog.  Anzeig. 
thätiges  Eingreifen  mittels  des  Blitzes  trug  5,  245  das  Nysa  des  homerischen  Hymnus  ver- 
Zeus zum  Gelingen  des  Raubes  bei  nach  Hur.  legt,  vgl.  Förster  a.  a.  0.  S.  271. 
Hei.  1317;  vgl.  Apollod.  1,  5,  1.  Nur  poetische  Der  Raub  geht  vor  sich,  während  Persephone 
Umbildung  ist  es,  wenn  Ovid.  Metam.  5,  346  ff.  mit  den  Töchtern  des  Okeanos  Blumen  liest, 
die  Urheberschaft  des  Raubes  Aphrodite  zu-  und  Gaia  auf  Zeus'  Anstiften  einen  Nar- 
schreibt,  die  den  Hades  ihre  Macht  empfinden  kissos  von  wunderbarer  Pracht  hervorspriefsen 
lassen  will.  Mehr  oder  minder  ausgeschmückt  läfst.  Während  Persephone  staunend  in  den 
findet  sich  dies  Motiv  bei  Sil.  Ital.  14,  242;  Anblick  versunken  ist,  öffnet  sich  die  Erde; 
Seneca,  Herc.  Oet.  561;  Claudian  a.  a.  0.  1 ,  25;  auf  seinem  Gespanne  kommt  A'idoneus  auf  sie 
Myth,   Vat.  2,  95;  Lact.  Plac.  narr.  fab.  5,  6.  20  losgestürzt,   ergreift   und    entführt   sie,    Hom. 

Als  Ort  des  Raubes  werden  in  den  ältesten  hymn.  in  Cer.  1 — 20.    Die  Anthologie  ist  fast 

Quellen     geographisch     nachweisbare     Lokale  in  allen  Darstellungen  als  Gelegenheit  für  den 

nicht  genannt;  Hom.  hymn.  in  Ger.  v.  17  heifst  Raub  beibehalten,   Pamphos  bei  Paus.  9,  31,  9; 

er  Nvaiov  nidiov,  worin  Förster  a.  a.  0.  S.  268  Orph.  Argon.  1190;  Kicand.  bei  Athen. li,  683a; 

nach  Buhnkens  Vorgange,   gestützt  auf  Strab.  Ovid.  Fast.  4,  437;  Metam.  5,  391;  Strab  6,  256 ; 

14,  650,  das  karisebe  Nysa,   Vofs,  Erläut.  zum  Plut.  Quaest.  nat.  917  e;  Clem,  AI.  Protr.  2, 17; 

7(0?».  Hymn.  S.  12  die  gleichnamige  boiotische  Ps.-Arist.   Mir.    ausc.  836  b;   Athen.   12,  554  b; 

Ortschaft  am  Helikon  erkennen  will.   Richtiger  Schol.  Soph.  Oed.  Col.  674.    Aus  der  letzteren 

halten   es   für    ein   ideales   Lokal    Baumeister,  Stelle    geht    hervor,    dafs    die   Hervorhebung 

Hymn.Hom.S.283undBcrgk,Gr.iech.Litteraturg.  30  der  Narzisse   einem  alten  attischen  und  wohl 

1  S.  770  Anm.  70,    wenn  auch  die  Etymologie  auch    sonst    noch    verbreiteten    (vgl.    Hesych. 

Nveiov  =  vv%iov  ganz  unbegründet  ist.  —  In  s.  *".  daauzoiov  ccv&og  ouotov  vaQ%iaaoi)  Kult- 

der    orphischen    Dichtung    wurde    nach    Schol.  gebrauche    entsprach,    während    die    von    der 

Hes.  Theog.  914    der   Okeanos  angegeben.     In  sicilischen    Version   abhängigen   Darstellungen 

den    Argonautica  v.    1189  ff.    wird    eine    Insel  öfters  den  Reichtum  an  Veilchen  hervorheben, 

hinter   lerne    genannt,    was   sehr  an   Arlcmid.  wenn   sie   diesen   auch   nicht    eine    solch   ent- 

bei  Strab.  4,  198  erinnert:  vfjGov  -rtgog  xfj  Bql-  scheidende  Rolle  anweisen.   Den  Okeaniden  des 

rcivviv.ri  k<x9'  r)v  ofioia  xolg  iv  Zano&QctHi]  tziqI  Homeridenhymnus   entsprachen    in    der  orphi- 

xrjv  di)ur\TQGL  itoa-noihixui.  —  Wenn  nacb  De-  sehen  Fassung  die  Schwestern  (Argon,  a.  a.  0.), 

mades  im  Schol.  Hes.  Theog.  914  der  Raub  iv  40  womit    Euripides,    der    Athena   und    Artemis 

vanaig  stattgefunden  hat,   so   ist   mit  Preller,  nennt,  übereinstimmt,   und  wahrscheinlich  ist 

D.  u.  P.  S.  133  und  Förster  a.  a.  0.  S.  16  eher  das  Gleiche  aus  Diodor  für  die   sicilisehe  Ver- 

an  eine  allgemeine  Bezeichnung  zu  denken  als  sion    zu    folgern.      Für    die    Hinzufügung   der 

an  eine  bestimmte  Ortschaft  wie  etwa  das  les-  Aphrodite  ist  der  älteste  Beleg  auf  griechischem 

bische  Nape.  —  Attika  war  Lokal  des  Raubes  Boden,  in  dem  stark  orphisch  beeinflufsten  La- 

nach  Phanodemos  im  Schol.  Hes.  Theog.  914.  —  konien,  die  Heraufholung   des  Hyakinthos  am 

Die  alexandrinischen  Dichter  folgten  der  sici-  amykläischen  Throne,  wo  Aphrodite  mit  Athena 

lischen  Version,  welche  den  Kaub  auf  ihrer  und  Artemis   neben  Hades  Kora  und  Demeter 

Insel  lokalisierte,  und  auf  sie  geht  der  gröfste  erschien;   Paus.  3,  19,  4.  —  Wenn  auch  Ocid 

Teil  der  Angaben  zurück,   welche  diesen  Zug  so  in  beiden  Fällen  (Fast.  4  und  Metam.  5)  davon 

überliefern.   Der  früheste  einigermafsen  sichere  abweicht,  so  spricht,  abgesehen  von  den  litte- 

Beleg  hierfür  ist  allerdings  schon  Karkinos  bei  rarischen  Zeugnissen  wie  Hyg.  fab.  147;    Valer. 

Diod.  5,  5;  wie  Förster  S.  66  f.  nachweist,  der  Flacc.  Argon.  5,  345;  Stat.  Achill.  2,  150;  Lact. 

jüngere    Tragiker    dieses    Namens.     Vielleicht  PI.  Karr.  fab.   6,   6,    besonders    die    stehende 

ist    sogar    schon    Pind,    Ol.  6,  160    in  diesem  Anwesenheit  der  Göttinnen  in   den  römischen 

Sinne  zu  verstehen.  Allgemein  Sicilien  nennen  Sarkophagreliefen   hierfür,    s.   unten   über  die 

auch  Plut.  Timol.%,    Schol.  Her.    Theog.  914;  Kunstdarstellungen  des  Raubes.    Dafs  die  Göt- 

Slat.  Theb.  8,  61;  Schol.  Aristid.  Panath.  181b  tinnen  am  Raube  beteiligt  gewesen,  indem  sie 

(Frommel).      Bestimmte   Angaben    sind  Enna  Kora   aus   dem   Hause   zur  Anthologie  hinaus- 

(Cic.  inVerr.  4,  106;  Oo.  Met.  5,  385 (See Pergus);  60  lockten,  erzählte  die  orphische  Fassung  (Procl. 

Fast.  4,  422;  Diod,  Sic.  5,  3^  Sil.  Ital.  7,  688;  in  PI.  Tim.  5,  307;  vgl.  Argon.  1197  f.) ;   nach 

14,  242;  Claudian  a.  a.  0.  2,  112;  Pseud.-Arist.  Eurip.  Hei.  1315  ff.  scheinen  Athena  und.  Arte- 

Mir.  ausc.  836  b;  Solin  5,  15;  Arnob.  ade.  nat.  mis  sich  dem  Raube  widersetzt  zu  haben,  was 

1,  37;   Lact.   Inst.   div.  2,  4,  28;   Firm. _Mat.  sie  auch  bei  Claudian  a.  a.  0.  2,   205  f.  thun, 

de  err.  prof  rel.    7),    die    Gegend    am    Ätna  während  Aphrodite   bei  diesem  den  Raub  be- 

(Mosch,  3,  128;  Hyg.  fab.   146;   Plut.    Quaest,  günstigt;  vgl.  besonders  den  Sarkophag  Ooer- 

nat.  917  e;    Val.  Flacc.  Argon.  5,  344;   Schol.  heck,  Atlas  zur  Kunstmyth.  Taf.  18,  18  und  die 

Pind.  Kein.  1,  16;    Oppian,  Hai.  3,  489;  Stat.  Münze  von  Hyrkania  Ov.,  K.-M.  3  Münztaf  9,  9. 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.    II.  42 


1315  Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  E.) 

Nymphen  sind  Genossinnen  der  Kora  nach 
Porphyr,  d.  antr.  N.  7 ;  Colum.  de  cult.  hört.  263 ff.; 
Stat.  a.  a.  0.;  Tgl.  Paus.  5,  20,  3,  Seirenen 
nach  Hyg.  fab.  141;    Claudian  a.  a.  0.  3,  189. 

Hades  enteilt  nun  mit  der  Geraubten  und 
fährt  mit  ihr  zur  Unterwelt  hinab;  der  Ort 
des  Abstieges  ist  im  homerischen  Hymnus  nicht 
erhalten.  Er  lag  in  Attika  nahe  bei  Eleusis 
(nach  Paus.  1,  38,  5;  Schol.  Soph.  Oed.  Col.  1592; 
Urph.  hymn.  18,  12:  Srjfiov  'EXsveivog,  zö&msq 
nvlai  'Atäao;  Giern.  AI.  Protr.  2,  17;  Schol. 
Luc.  Dial.  mer.  2, 1  =  Rhein.  Mus.  1870  S.  549), 
und  ein  Teil  der  Herde  des  eleusinischen 
Sauhirten  Eubuleus  versank  mit,  vgl.  Lobeck, 
Aglaoph.  S.  829.  —  In  Sicilien  wird  der  Ab- 
stieg an  der  Quelle  Ky  ane  lokalisiert,  die  nach 
Diod.  5,  3  erst  bei  dieser  Gelegenheit  ent- 
standen sein  soll,  während  nach  anderen  Ky- 
ane  eine  Najade  war,  die  den  letzten  Versuch 
machte,  sich  Hades  entgegenzustellen  und  dafür 
von  ihm  in  Wasser  aufgelöst  wurde  oder  auch 
durch  den  Schmerz  in  Wasser  aufgelöst  wurde, 
Ovid.  Metern.  5,  410 ff.;  Claudian  a.  a.  0.  3,  246; 
Myth.  Vat.  2,  93;  Lact.  Plac.  Narr.  fab.  5,  6.  — 
Lokaltraditionen  verlegten  den  Abstieg  nach 
Lerna,  Pheneos,  Philippoi;  s. Lokalsagen. 

Demeter  hört  noch  die  verhallenden  Hilfe- 
rufe der  Tochter;  verzweifelt  reifst  sie  sich 
die  Binde  von  ihrem  Haupte,  hüllt  sich  in  ein 
schwarzes  Gewand  {Hom.  hymn.  in  Cer.  42;  vgl. 
Paus.  8,  42,  1)  und  eilt  suchend  über  Land  und 
Meer,  brennende,  nach  sicilischer  Überlieferung 
am  Aetna  angezündete  Fackeln  in  der  Hand 
(v.  48;  Ovid.  Fast.  4,  495;  Apd.  1,  5,  1;  Diod. 
5,42;  Seneca,  Hcrc.  für.  653;  Stat.  Hieb.  12, 
270;  Serv.  ad.  Verg.  Aen.  4,  609),  ohne  Speise 
und  Trank  zu  geniefsen  (v.  49  f.;  Kallim.h.  in 
Cer.  12;  Nih.  Alexiph,  130;  Schol  Eur.  Or.  964). 
Am  zehnten  Tage  begegnet  ihr  Hekate  und  fragt 
sie ,  wer  Persephone  geraubt,  da  sie  wohl  die 
Stimme  gehört,  den  Räuber  aber  nicht  gesehen 
habe.  Auf  ihren  Rat  steigt  Demeter  mit  ihr  zum 
Helios  hinauf,  der  ihr  den  Sachverhalt  mit- 
teilt. Obwohl  Helios  sie  tröstend  darauf  hin- 
weist, welch  grofser  Ehren  Persephone  jetzt 
als  Hades'  Gemahlin  teilhaftig  sei,  wird 
Demeters  Schmerz  durch  diese  Gewifshe.it  doch 
noch  vergröfseit.  Sie  meidet  den  Olymp  und  zur 
Unkenntlichkeit  entstellt  durchstreift  sie  in 
Gestalt  einer  alten  Frau  die  Erde,  v.  94 ; 
Pamphos  bei  Paus.  1,  39,  1 ;  Agatharchid.  bei 
Müller,  Geogr.  min.  1  S.  116.  Sie  kommt  so 
nach  Eleusis  und  rastet  dort  nach  Pamphos 
am  Blumenbrunnen  zwischen  Eleusis  und  Me- 
gara,  am  Jungfrauen-  oder  Schönreigenbrunnen 
nach  Hom.  hymn.  v.  99;  Nie.  Ther.  486;  Paus. 
1,  38,  6;  39,  1;  Apd.  1,  5,  1,  2;  auf  dem  lach- 
losen Steine,  Apd.  a.  a.  0.;  Ovid,  Fast.  4,  504; 
Schol.  Ar.  Equ.  785.  Die  Töchter  des  Keleos 
und  der  Metaneira  nahen  und  fragen  sie  nach 
der  Ursache  ihrer  Einsamkeit.  Die  Göttin 
giebt  vor,  Dos  zu  heifsen  und  aus  Kreta  von 
Räubern  entführt  zu  sein,  denen  sie  zu  Tho- 
rikos  entronnen  sei.  Sie  bietet  sich  den  Mädchen 
als  Dienerin  an,  da  sie  vielerlei  Künste  ver- 
stehe. Die  Mädchen  heifsen  sie  warten  und 
eilen  nach  Haus,  die  Mutter  zu  fragen,  ob  sie 
die  Fremde  als  Wärterin  für  den  kleinen  spät- 


Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)    1316 

geborenen  Sohn  ins  Haus  nehmen  wolle.  Hurtig 
kehren  sie  wieder  zurück  und  führen  die  Göttin 
mit  sieb  in  das  Haus  des  Keleos. 

Im  Hause  sitzt  Metaneira,  das  Kind  am 
Busen  haltend;  beim  Eintritte  der  hehren, 
strahlenden  göttlichen  Gestalt  erfolgt  sie  Ehr- 
furcht und  Scheu,  ja  bleiche  Furcht.  Sie  er- 
hebt sich  von  ihrem  Sitze  und  bietet  ihn  De- 
meter an,  die  ihn  jedoch  ausschlägt  und  einen 

10  von  der  Magd  herbeigebrachten  Sessel  ein- 
nimmt. Schweigend  sitzt  sie  so  und  denkt 
traurig  der  Tochter.  Da  unterbricht  die  Magd 
Iambe  mit  ihren  Späfsen  die  ernste  Stille  und 
bringt  die  Göttin  dazu  (v.  204) 
/j.siSfjGcci  ysXäeai  ts  ■x.al  i'Xaov  OYtiv  ftviiov. 
rj  Sr]  o£  Y.ctl  £7i£iza  fie&VGZSOOV  svad'  iv  igycxiQ, 
vgl.  Nile.  Alexiph.  131  mit  Schol.;  Apollod.  i, 
5,  1,  3;  Schol.  Eur.  Dr.;  Hesych  s.  v. ;  Etym. 
M.  s.  v. ;   Et.   Gud.  s.  v.   —  "Nun    bietet   ihr 

20  Metaneira  Wein  an;  Demeter  verlangt  aber 
den  Kykeon  aus  Gerste,  Wasser  und  Polei, 
vgl.  Schol.  Eur.  Or.  a.  a.  0.  Röscher,  Jahrb. 
f.  Öl.  Piniol.  1888  S.  522  ff.  Metaneira  reicht 
ihr  diesen  und,  nachdem  sie  sie  begrüfst  und 
ihr  Unglück  beklagt,  nimmt  sie  sie  als  Pflegerin 
ihres  Sohnes  an,  den  Demeter  treu  zu  hüten 
und  gegen  Bann  und  verderbliche  Kräuter  zu 
schützen  verspricht.  Der  Knabe,  Demophon, 
gedeiht  göttergleich ,  denn   sie   salbt  ihn  mit 

30  Ambrosia  und  läutert  ihn  nachts  im  Feuer; 
sie  hätte  ihm  sogar  Unsterblichkeit  und  ewige 
Jugend  verliehen,  wenn  nicht  Metaneira  in 
mifstrauischer  Neugier  sie  belauscht  hätte  und 
bei  dem  Anblicke  ihres  Sohnes  im  Feuer  in 
Klagen  ausgebrochen  wäre.  Demeter  erklärt 
ihre  Absicht  für  vereitelt,  offenbart  sich,  befiehlt 
ihr  einen  Tempel  und  Altar  zu  errichten:  v.  272 
KaXXiiOQOv  Ka&vTreQ&ev  £7tl  Ttoov^ovxi  v.oXavm 
und  verspricht,  die  Weihen   dort   einzusetzen. 

40  Als  Göttin  verläfst  sie  das  Haus.  Die  Nacht 
(navvv%icti)  verbringen  Metaneira  und  ihre 
Töchter  mit  Sühnungen;  am  nächsten  Tage 
wird  der  Tempelbau  in  Angriff  genommen: 
o  6'  äi^axo  dui'ixovog  ai'arj  (v.  300).  Demeter 
nimmt  ihn  in  Besitz  und  verharrt  hier  ge- 
sondert von  den  anderen  Göttern  in  ihrem  Grolle : 
oiSi  xl  yaia  onigfi'  äviet  (v.  306 f). 

Die  ätiologische  Natur  dieser  Erzählung 
liegt  auf  der  Hand;  die  Gründung  des  Tempels 

50  und  die  Einsetzung  der  später  üblichen  Bräuche, 
der  ulo%QoXoyCui  oder  ysq>vQioii,oi,  des  hvxeoiv 
und  der  7iavvv%iSsq  und  besonders  der  riXsxai 
werden  mythologisch  umschrieben,  aber  in 
nichts  wird  die  Übergabe  der  Feldfrucht  an- 
gedeutet; im  Gegenteile  wird  durch  v.  306  der 
Ackerbau  vorausgesetzt  (vgl.  Eurip.  Hei.  1326; 
Karkinos  bei  Diod.  5,  5),  der  in  allen  anderen 
Versionen  den  Gipfelpunkt  des  Mythus  bildet. 
Am  ähnlichsten  ist  der  Erzählung  des  Hym- 

60  nus  die  Fassung  bei  Ovid.  Fast.  4,  420  ff.,  nur 
ist  die  Reihenfolge  umgekehrt,  so  dafs  Demeter 
zuerst  auf  ihrem  Schlangenwagen  nach  Eleusis 
kommt  und  dort  von  Keleos,  einem  einfachen 
Landmanne,  und  seiner  Frau  Metaneira  auf- 
genommen wird.  Den  krankeD  Sohn  derselben, 
Triptolemos,  hält  Demeter  nachts  über  die 
Flamme  und  wird  durch  die  Dazwischenkunft 
der  Mutter  auch  hier  verhindert,  ihn  unsterb- 


1317   Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)  Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)    1318 

lieh  zu  machen;  sie  verspricht,  dafs  er  der-  durch  lykische  Bauern  (Serv.  ad  Verg.  Georg. 
einst  der  erste  Pflüger  und  Säer  sein  solle.  1,  378;  Blyth.  Vat.  1,  10;  2,  95),  die  ihr  das 
Sie  eilt  dann  weiter  durch  die  Welt,  die  Tochter  Wasser  trüben;  indessen  handelt  es  sich  aufser 
zu  suchen,  und  bei  den  Parrhasischen  Steinen  bei  Kolontas  hier  nur  um  alexandrinische  Meta- 
rät  ihr  Helike  (v.  581  ff.)  Helios  zu  fragen,  von  morphosendichtung.  Kleinere  ätiologische  Lo- 
welchern  sie  auch  die  nötige  Auskunft  erhält.  kaisagen  behaupteten,  dafs  der  Flufs  Pan- 
—  Die  meisten  anderen  Berichte  lassen  sie  tagias  auf  Sicilien  auf  Demeters  Geheifs  Ver- 
den Raub  in  Eleusis  erfahren*);  so  von  Ke-  stummt  wäre  (Serv.  ad  Verg.  Aen.  3,  689)  oder 
leos  Schol.  Aristid.  Panath.  181  b  (Fromme]);  dafs  sie  bei  Drepanon  ihre  Sichel  habe  fallen 
Schol.Ar. Equ. 698;  Myth.  Vat.  2,  96;  von  Trip-  10  lassen  (Serv.  a.  a.  0.  3,  307),  oder  dafs  am 
tolemos  Schol.  Arist.  a.  a.  0.;  Paus.  1,  14,  3;  Felsen  Anaklethra  bei  Megara  sie  nach  ihrer 
Claudian.  3,  52;  Nonu.  bei  Westermann,  Tochter  gerufen,  Paus.  1,  43,  2;  Method.  in  Et.M. 
Mythogr.  gr.  S.  367;  Tsets.  ad  Hes.  Opp.  33.  s.v.  —  Wie  man  in  allen  Zügen  der  Demeter  Be- 
Die  Aufnahme  bei  Keleos  berichten  aufserdem  Ziehungen  zum  Raube  suchte,  zeigt  auch  die 
noch  Pamph.  bei  Paus.  1,  39,  1;  Bacchyl.  im  später  sehr  beliebte  Herleitung  ihres  historischen 
Schol.  Ar.  Ach.  47;  Nie.  Ther.  486;  Apollod.  1,  5,  Beinamens  Aiuia  von  dem  a%oi  um  die  Tochter, 
11'.;  3,  14,  7,  1;  Hesych.  s.  v.  Ktleog;  Serv.  Plut.  Is.  et  Os.  69;  Hesych.  s.  vv.  'A%uiu  und 
und  Phüargyr.  ad  Verg.  Georg.  1,163;  Myth.  'A%&£ia;  Etym.  M.  s.v.;  Urions,  v. ;  Suid.  s.  v. ; 
Vat.  1,  18.  Statt  Keleos  wird  Eleusinos  ge-  Schol.  Ar.  Ach.  710;  Schol.  Nie.  Ther.  484.  Die 
nannt  von  Panyasis  bei  Apd.  1,  5,  2,  1 ;  Hyg.  fab.  20  in  ihrem  Kulte  üblichen  Schweineopfer  geben 
147;  Serv.  ad  Verg.  Georg.  1,  19;  Myth.  Vat.  Ovid.  Fast,  zu  der  Erfindung  Veranlassung,  dafs 
2,  97;  Ikaros  bei  Serviusa,.  a.O.;  Hippothoon  Schweine  die  Spur  des  Räubers  vertilgt  hatten, 
von  Nie.  Alexiph.  131  u.  Schol.  zu  d.  St.,  vgl.  das  Die  orphisehe  Version  (Lobeck,  Aglaoph. 
Vasenbild b.  Overbcck im  Atlas  zur.K.-M.Taf .  15,  S.  818ff.)  bietet  ganz  abweichende  Züge.  Die 
23.  Den  Sohn  Demophon  kennt  nur  Apollodor  freundlichen  eleusinischen  Wirte  der  Demeter 
noch,  doch  läfst  er  ihn  in  der  Feuerläuterung  beifsenDysaulesundBaubo,PuZayj7(.b.  Harpokr. 
umkommen,  während  nach  Hyg.  fdb.  147  der  neu-  s.  v.  JvaavXrjg;  ihre  Söhne  sind  Triptolemos,  Eu- 
gierige  Vater  entseelt  wird.  In  den  meisten  buleus  und£umolpos(?);  Paus.  1, 14, 3;  Clem.Al. 
Fällen  wird  der  Sohn  Triptolemos  genannt,  Protr.  2,  20;  Orph.  liymn. 41,  6;  nach  Askl&p. bei 
wie  einer  der  eleusinischen  Fürsten  im  home-  30  Harpokr.  a.a.O.  haben  sie  zwei  Töchter  Piotouoe 
Tischen  Hymnus  (vgl.  die  schwarzfigurigen  und  Nisa.  *)  Die  Feuerläuterung  fällt  ganz  fort. 
Vasenbilder)  und  wie  bei  Apd.  a.  a.  0.  der  In  den  Berichten  über  Demeters  Verweilen  im 
ältere  Sohn  des  Keleos,  der  von  Demeter  mit  Hause,  die  uns  nur  von  Kirchenvätern  über- 
der  Feldfrucht  beschenkt  wird,  und  auf  ihn  mittelt  werden  (Clem.  AI.  Protr.  2,  20  =  Euseb. 
werden  sowohl  Feuerläuterung  wie  Aussendung  Praep.  ev.  2,  3,  31  ff.;  Arnob.  adv.  nat.  5,26;  s.  fr. 
gehäuft.  Dafs  dieser  Glaube  zum  allgemeinen  215  bei  Abel),  wird  nur  von  dem  Anbieten  des 
in  Eleusis  wurde,  zeigt  auch  die  vom  fünften  Kykeon  und  von  den  zotigen  Späfsen  der  Baubo 
Jahrhundert  ab  stets  jugendliche,  fast  knaben-  erzählt,  mit  denen  diese  die  Göttin  so  heiter 
hafte  Erscheinung  des  Triptolemos  in  den  stimmt,  dafs  sie  schliefslich  den  Trank  nimmt. 
Kunstdarstellungen  (s.  unten).  —  Lokalpatriotis-  40  Über  die  Art  ihres  Spafses  vgl.  Ludwich  in 
mus  hat  sich  durch  mancherlei  Zusätze  und  Jahrbb.  f.  klass.  Phil.  1890  S.  51  ff.  Den  Raub 
Veränderungen  geltend  gemacht;  so  behaup-  teilen  die  Söhne  des  Dysaules  der  Göttin  mit: 
teten,  dafs  Demeter  bei  ihnen  den  Raub  er-  Eubuleus  nach  Orph.  liymn.  41,  6,  Eubuleus 
fahren  habe,  die  Bewohner  von  Hermione  und  Triptolemos  nach  Paus.  a.  a.  0.,  die  dafür 
(Apd.  1,  5,  1;  Schol.  Ar.  Equ.  782),  Kreta  das  Geschenk  des  Ackerbaues  erhalten.  Demeter 
(Steph.  JByz.  s.  v.  Tlugog),  Argos  (Paus.  1,  14,  3)  steigt  nun  zur  Unterwelt  hinab  (Orph.  a.  a.  0.; 
und  P h  e  n  e  0  s ;  Konon,  Narr.  15.  Vielfach  be-  Ovid.  Met.  5, 533 ;  s.  Förster  S.  86 ;  Hyg.  fab.  251) 
hauptete  man  auch  nur,  dafs  Demeter  an  den  be-  oder  entsendet  die  Korybanten,  die  aber  nicht 
treffenden  Orten  freundlich  aufgenommen  sei,  einmal  zur  Überwelt  zurückkehren  (Gramer, 
so  aufser  an  den  genannten  Orten  in  Kos,  Schol.  50  Anecd.  Ox.  1,  256;  Et.  M.  53, 15;  Et.  Gud.  338, 
Theokr.  Id.  7,  5.  —  In  Sikyon  wurde,  wie  es  20),  oder  Hekate;  Schol.  Theoer.  Id.  2,  12,  Von 
scheint,  eine  der  Demophon-  bezw.  Triptolemos-  Episoden  aus  der  nldvrj  berichtet  die  orphisehe 
sage  ähnliche  Legende  von  Orthopolis,  dem  Dichtung  nur  ihren  Zornesausbruch  gegen  den 
Sohne  des  Königs  Plemnaios,  erzählt,  Paus.  Baum  Minthe,  der  ehedem  grofs  und  fruchttra- 
2,  11,  2.  —  Doch  auch  von  Unfreundlichkeiten  gend  zu  einem  unfruchtbaren  Kraute  wurde, 
und  Zurückweisungen  der  Göttin  berichtete  Et.  Gud.  s.  v.  MCv&r)  (Orph.  frgm.  214  Abel). 
man,  so  besonders  in  Argos  von  Kolontas,  Die  Rückkehr  der  Kora  und  die  Versöh- 
Paits.  2,  35,  4  (s.  Lokalsagen),  von  der  Ver-  nung  der  Demeter  ist  Zeus'  Werk.  Nach  dem 
höhnung  durch  Ambas,  einen  S.  des  Keleos  homerischen  Hymnus  entsendet  er  erst  Iris,  dann 
und  der  Metaneira  (Schol.  Nie.  Ther.  484;  vgl.  60  alle  anderen  Götter;  aber  Demeter  weigert 
Forster  S.  81)  oder  den  Sohn  ihrer  freundlichen  sich,  eher  zurückzukehren  und  eher  Fiuchtbar- 
Wirtin  Misme  Askalabos  oder  Steiles  (Nie.  keit  der  Erde  wieder  zu  verleihen,  als  bis  sie  ihre 
bei  Ant.  Lib.  24;  Ovid.  Met.  5,  446  ff.;  Lact.  Tochter  zurückerhalten  habe;  v.  331  ff.  —  Zeus 
Narr.  fab.  5,  7,  vgl.  Bd.  1  Sp.  610),  oder  auch  *,  In  Nisa  sieht  }mi^  /Jym_  Mst  gr  ,  g  33g  den 

Korabeinamen  Mise  (s.  d.),  der  aufser  durch  Orph.h.  42,  3 

*)  Bedeutungslos   ist   natürlich    die   Fassung   bei  Oc.  aus  Pergamon  und  Kos    bekannt  ist.     Es   ist  dies  um 

Met.  5,  504  ff. ,    wonach    Arethusa,    die    bei   ihrem.    Laufe  so   "wahrscheinlicher,    als    auch    der    Name    der    anderen 

durch   die  Unterwelt  Persephone  bei  Hades  gesehen  hat,  Tochter    auffallend    an    einen  Korabeinamen,    Protogone 

den  Raub  mitteilt.  erinnert  (Paus.  1,  31,  4). 

42* 


1319    Kora  (Raub  u.  Rückkehr  d.  K.)  Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues)     1320 

entsendet  nun  Hermes  zu  Hades  mit  der  Auf-  Über  die  euhemeristisehen  Verunstaltungen 
forderung,  Persephone  wieder  an  die  Oberwelt  des  Mythus  s.  Förster  a.  a.  0.  S.  59. 
zu  entlassen.  Hades  gehorcht,  reicht  ihr  aber  Die  Deutung  dieses  Mythus  ist  fraglos  agra- 
heimlich  noch  einen  Granatkern  (v.  372),  um  risch,  wenn  auch  Persephone  in  früherer  Zeit 
sie  hierdurch  zur  Rückkehr  zu  ihm  zu  ver-  nichts  Agrarisches  an  sich  hatte ,  am  aller- 
pflichten. Auf  des  Hades1  Gespann  fährt  sie  wenigsten  bei  Homer,  und  ebensowenig  in  der 
mit  Hermes  zur  Mutter,  die  ihr  mitteilt,  dafs  ältesten  eleusinischen  Vorstellung;  s.  Preller, 
sie  infolge  des  Granatkernes  ein  Dritteil  des  Dem.  u.  Pers.  S. 8  f.;  Gr.  Myth.-l  S.  592.  Nach- 
Jahres bei  Hades  werde  zubringen  müssen.  Zu  dem  man  aber  zu  einer  gemeinsamen  Ver- 
ihnen  gesellt  sich  Hekate  (vgl.  Phtlodem  tciq'i  io  ehrung  der  beiden  chthonischen  Göttinnen, 
zvoeßstag  in  Jahrbb.  f.  Tu.  Phil.  1865  S.  524),  der  Erdgöttin  und  der  Mondgöttin  gekommen 
und  kurz  darauf  kommt  Rhea,  von  Zeus  ge-  war,  erfand  man  auch  bald  diese  „einfache 
sandt,  um  die  Göttinnen  in  den  Olymp  zurück-  und  schöne,  allgemein  verständliche  Natur- 
zuführen. Demeter  lehrt  erst  noch  die  Fürsten  allegorie"  (Strube,  Bildericreis  von  Eleusis 
von  Eleusis,  Triptolemos,  Diokles,  Eumolpos  S.  57):  Kora- Persephone  ist  das  Samenkorn, 
und  Keleos  die  heiligen  Bräuche  und  Weihen  das  ein  Dritteil  des  Jahres,  d.  h.  den  kurzen 
(v.474ff.)*),  und  dann  steigenMutter  und  Tochter  Winter  des  Südens  über,  verborgen  bleibt, 
zum  Olymp  hinauf.  und    nur  Mifsverständnis   konnte    das  Jahr  in 

Dafs  Demeter  ohne  die  teilweise  Rückgabe  zwei  gleiche  Teile  zerlegen.    Die  richtige  Deu- 

der  Tochter  nicht  versöhnt   werden  kann,  ist  20  tung    vertreten    schon  im  Altertume   Cleanth. 

klar,  wenn  auch   einige  Versionen  von   ihrer  bei    Plut.    de  Is.    et    Os.    66;    Cic.  de  nat.  d. 

Rückkehr  in    den   Olymp    erzählen,    ohne   die  2,  66 f.;    Varro  bei  Augustin.  de  civ.  d.  7,  20; 

Tochter  zu  erwähneu,   so  Eurip.  Hei.  1337  ff.,  Gornut.  28;  Sclwl.  Ar.  Vesp.  1438;  Schol.  Ees. 

wo  Chariten,  Musen  und  Aphrodite  die  Göttin  Thcog.  912  u.  s.   auch  Ioan.  Diac.  und  Alleg. 

durch  Spiel  und  Tanz  umschmeicheln  und  um-  z.   d.   St.;    Tzetz.    ad    Ees.    Opp.  32,  während 

stimmen,  und  im  Mythus  von  Phigalia  (Paus.  ■   von    anderer  Seite   Persephones  Verschwinden 

8,  42),  wo  den  von  Zeus  gesandten  Moiren  die  mit  den  Mondphasen  verglichen  wird,  wie  die 

Rückführung    gelingt.    —    Später    behauptete  Göttin  ja  auch  mit  Artemis  und  Hekate  identifi- 

man  sogar,   dafs  Persephone  gern   bei  ihrem  eiert  wurde,  Ennius  bei  Varro  de  1.  1.  5,  68; 

Gatten  habe  bleiben  wollen  {Verg.  Georg.  1,40;  30  Plut.  de  fac.  in  orb.  hm.  942,  35;  Porphyr,  d. 

Aen.  6,  402;  Colum.  10,  274),  und  dafs  Demeter  antr.  N.  18;  Serv.  ad  Verg.  Acn.  3.  73.  4,  ölt; 

sich  mitMohn  betäubt  habe,  um  ihren  Schmerz  6,  118;  ad  Ed.  3,  26;  ad  Georg.  1,  39;  Fulgent. 

zu  vergessen,  Serv.  ad  Verg.  Georg. 1,  78.  212;  Myth.  2,  19;  Myth.   Vat.  1,  7;  2,  100;  3.  7,  2. 

Myth.   Vat.    3,    71.     Nach    Lucan.    Phars.    6,  Vgl.  Förster  a.a.O.  S.24ff.  Boscher,  Selene  119ff. 

698ff.   wollte  Demeter  sogar  die  Tochter  gar  Litteratur:  Welcher,  Zeitschr.  f.  Gesch.  u, 

nicht   wiederhaben.      Doch    handelte    es    sich  Ausl.  d.  alt.  E.  S.1&.    Griech.  Götterl.2  S.474. 

hier   natürlich    nur    um    mehr    oder    weniger  Preller,  Demeter  und  Persephone  S.  56  ff.;  Griech 

geistreiche    Spielereien    ohne    mythologischen  Myth.-  S.  591  ff.     Förster,  Der  Baub  und  die 

Wert.   —  Selten  fehlt  das  Motiv,   dafs  Kora  Bückkehrd.  Persephone.  [Zimmermann,  De  Pros. 

durch  die  Annahme    des   Granatkernes   selbst  40  raptu  et  red.  Lingae.  1882.  Progr.  R.]  Vgl.  auch 

diese   Entscheidung   verschuldet,   und  die  An-  dieSehriftenüberd.homer. Hymnus  aufDemeter, 

zeige  durch  Askalaphos,  vgl.  Nie.  l'her.  484;  bes.    Vofs ,  Der  homer.  Eymnus  auf  Demeter, 

Apollod.  1,  5, 3  (vgl.  2,  6,  12);  Ovid.  Met  5,  536 ;  Mannhardt  in  Mythol.   Forschungen  S.  202  ff. 

.Seil',  ad   Verg.  Georg.  1,  39;  ad  Aen.  4,  462;  und  Gemoll,  Die  homer.  Hymnen  S.  276  ff;  bei 

Lact.  PL  Ncirr.  Fab.  5,  8;   vgl.  Bd.  1  Sp.  611.  letzterem  s.  die  Zusammenstellung  der  Litteratur. 
Das    Motiv,     dafs    Kora    zwei     Dritteile    des 

Jahres  an  der  Oberwelt,  eines  bei  Hades  zu-  D-  Demeter  und  Kora  als  Göttinnen 

bringen  sollte,  hat  sonst  nur  noch  Apollod,  1,  des  Landbanes. 

5,  3.     In  der  sieiliseh-alexandrinischen  Version  Preller,  Griech.  Myth.  I3  S.  630  nennt  den 

wurden    beiden    gleiche    Teile    zugesprochen,  50  Mythus    vom    Raube    und    der    Rückkehr    der 

Ovid.  Fast.  4,  614;  Met.  5,  567;  Hyg.fab.  146;  Persephone  mit  Recht  die  „centrale  Thatsache 

Serv.  ad  Verg.  Georg.  1,  39;  Myth.  Vat.  3,  72;  des  gesamten  Demeterdienstes".    Wie  die  Be- 

Die  Anodos  selbst  auf  weifsen  Rofsen  er-  deutung   des  Mythus  in   erster  Reihe   in   der 

wähnt  P'md.  Ol.  6,  160,  der  sie  bei  Syrakus  an-  Allegorie    von   dem    Entstehen   und  Vergehen 

nimmt;  Tzttz.  ad  Hes.  Opp.  32  (Ps.-Eucloc.  p.  109)  des  vegetativen  Lebens,  insbesondere  der  Brot- 

läfst   sie   bei   Eleusis   geschehen.     Nach  Orph.  frucht,  bestanden  hat,  so  ist  auch  Demeter  in  der 

hymn.  43,  6  ff.  wird  Kora  von  Moiren  und  Cha-  Vulgärreligion  für   immer  das  in  erster  Reihe 

riten   den   Hören   zugeführt,    die  ja   auch   bei  gebliebeu,   als   was   wir  sie   schon   bei  Homer 

ihrer  Anodos  auf  dem  Sarkophage  von  Wilton-  (s.  oben   Sp.  1311)  und  bei   Hesiod,  Op.  et  d. 

house   (Ovcrbeck,  Atlas  zur  K.-M.  Taf.  17,  3  go  465  ff.    getroffen    haben,    die    Schützerin    des 

vgl.  Förster  a.  a.  0.  S.  264)  sie  empfangen,  und  Ackerbaues,  die  Spenderin  der  Brotfrucht,  wel- 

mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  auch  in   dem  che  auch  in  vollkommen  prosaischer  Sprache 

Reliefe  Ludovisi  Bull.  Comunale  1887  Taf.  15  ;  oft  genug  zS-ffintgos  v.aqitög  (Hdt.  1, 193;  4,  198), 

Römische  Mitteil.  7  Taf.  2.  driy^rgiog  oder  drjiMriTQiuxbs  xagitös  bezw.  Plur. 

(OL  I.  G.  93,  19.    Acl.  Nat.  An.  17,  16.    Porph. 

'  eu£u  *«'  iw-  i*,/?o,,w  M(A»-  t,-a5s*\3  6-  The°P]\r-  Ca?s;  ?h  2-„4-  ,5;  Schal 

8;  (?'  ittV,jg  hgäv,  3;  t'  äfifiogo;,  oino»'  o,uoa„;  -£™<-    Ol.   9,  150.     Alex.  Aphrod.   Probl.  2,  68. 

a'iaav  üjf«  (p9l/tsvö;  neg  vno  Zi<pui  wQticm.  Geopon.   1,  12,  36.    Parocm.  gr.  Append.  4,  20. 


1321      Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues)  Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues)     1322 

Suid.  und  Zon.  s.v.)  heifsen  kann.    Poetischerer  doch   wuchs   es   wild   und   wurde   erst  von  D. 

Ausdruck  ist  Jrjovg  xagnög  bei  Ar.  Flut.  515;  entdeckt    (vgl.   Dioä.   5,  68.     Serv.  ad  Verg. 

JrjfirjTtsQos  ÜHtri,  Eom.  7V321;  *  76.    Ees.  Op.  Aen.  4,  58.     Etym.  M.  263,  55.     Etym.  Gud. 

et  d.  32.  597.  805.    Scut.  Eerc.  290     Orph.  Arg.  181,  17)    und   zur  Kulturpflanze    d.h.    i'iuzgog 

325.    Archias  in  Anthöl.  graec.  2,  98  (Jacobs);  gemacht,    indem    sie    die    Verrichtungen    des 

vgl.   auch    Dionys.  Perieg.   523    und    Eustath.  Landbaues,  den  Stier  einspannen  und  den  Boden 

z.  d.   St.;     Jnovg   öhtiJ,    Apoll.  Ehod.   3,  413.  durchackern     lehrte,     Biod.     a.   a.    0.     Verg. 

Etym.  M.  266,  2.  —  Jr]arjzgog  qngiaßtov  azä%yv  Georg.  1,  147.    Ovid.  Met.  5,  341.    Fast.  4,  403ff. 

sagt  Aeschyl.  fr  gm.  300  (Nauck-J  und  ähnlich  Egg.  fdb.  277.  Orpli.  h.  40,  7.  Serv.  ad  Verg. 
Anth.  gr.   3,  15.      Demeter   bezw.  Ceres   voll-  10  Georg.  1,  147.  163.     ad  Aen.  4,  402.     Philarg. 

kommen  metonymisch  für  Getreide   oder  Brot  ad  Verg.  Georg.  1,165.   Myth.  Vat.  1,  8  u.a.m. 

kommt  schon  in  dem  von  Eerodot  7,141  citierten  Die    Titanen    lehrt    sie    mähen    mit    der    ihr 

Orakel  vor;  spätere  Beispiele  sind  Orph.  frgm.  von   Hephaistos   geschenkten    Sichel,    Aristot. 

160  (Abel).    Antiph.  Byz.  in  Anth.  gr.  2,  171.  im   Schol.   Apoll.   Eh.   4,   984;    vgl.    TzetZ.  ad 

Plut.  de  Is.  et  Os.  66     Oppian.  Ealieut.  3,  463.  Eye.   869.     Als   Erfinderin    des    Pfluges   nennt 

Clem.  Alex.  Protr.  2,  26.    Serv.  ad  Verg.  Aen.  Sern,  ad  Aen.  a.  a.  0.,  wohl  nach  einer  stadt- 

1,  171.     Als   kyprischen   Ausdruck   für   ernten  athenischen  Lokaltradition,  allerdings  Athena. 

nennt  Eesych.  s.  v.  äafictzgifciv,  und  nach  dem-  Sicilien  und  Attika  machten  einander  den  Ruhm 

selben  ist  driurjzgtäg  eine  -agid-f]  t'E,aezi%og.  streitig,  zuerst  das  Geschenk  der  Demeter  er- 

Schon  die  beiden  Etymologieen,  welche  allein  20  halten  zu  haben,  vgl.  besonders  Diod.  Sic.  5,  69, 

als  verhältnismäfsig  berechtigt  gelten  können  während  Samothrakes  Anspruch  sich  keine  Gel- 

und   Demeter    als   Erdmutter    bezw.   Korn-  tung  verschaffte,  ebd.  6,  49.     Die  Verbreitung 

mutter  erklären,  weisen  auf  diesen  Kreis.  De-  der  Demetergaben  von  Athen  aus  ist  ein  von 

meter  ist  der  Gaia  verwandt,  aber  nur  skeptische  den    Panegyrikern    immer    aufs    neue    hervor- 

Spekulation  identificierte  sie  (wofür  das  älteste  gehobener  Ruhmestitel  ihrer  Stadt,  Xen.  Etil. 

Beispiel  Eurip.  Bacch.  274 ff.);  in  Wahrheit  ist  6,  3,  6.     Isoer.  Paneg.  25;    weitere  Belege  bei 

sie,   lebendiger  und  persönlicher,    die   in  der  Preller,  Eem.  u.  Pers.    1.  295.    —    Auch    die 

Erde  wohnende  treibende  Kraft,  wie  die  Stoiker  weitere  Verarbeitung  des  Getreides  wurde  auf 

sie  richtig  erkannt,  vgl.  bes.  Plut.  de  Is.  et  Demeter  zurückgeführt;  „Ceres  molere  doeuit 
Os.  40.    Cornut.  28.    Am  treffendsten  präzisiert  30  et  panem  conficere,"  heifst  es  Plin  h.  n.  7,  47. 

Ovid.  Fast.  1,  674  das  Verhältnis :  ,,Eaec  praebet  Unter  ihren  Beinamen  sprechen  dafür  besonders 

causam   frugibus,   illa    locum."     Offenbar   eine  'AXtzrjgi'a,    wobei    ihr   ein   Zeus  'AXizrjgiog    zur 

Gegenüberstellung  und  keine  Gleichsetzung  ist  Seite  steht  (Etym.  M.  65,  40.  Et.  Gud.  35,  23), 

auch  der  orp7t(se7je  Vers  bei  .Deorf.l,  12,  4  =  Euseb.  und   der    in    Syrakus    übliche   'iaaXig,    Athen. 

Praep.  ev.  3,  3,  4;  (frgm.  165  bei  Abel):  rij  urjzrig  3,  109a;   10,  416b;    14,  618d.    Eesych.  u.  Phot. 

nävttöv,  AruiriznQTtXovToäoxBiQu.  Im  homerischen  s.vv.'luceXi'a  und  'Ifiältov.    In  Demeters  Dienste 

Hymnus  auf  Demeter  wird  von  D.  gesagt  v.  469:  standen  jedenfalls  auch  die  äXezgi'dtg,  die  nach 

HctgTcdvcn^i  cpsgsoßtov  und  v.  471:  xagnöv  'vrjxe,  dem   Lexikographen    Pausanias    ai   z'ov    isgöv 

während  Mifswachs  als  Groll  der  Göttin  auf-  äXszov  ctlovoai  sind,  die  das  Mehl  für  die 
gefafst  wird;  vv.  306.  452.     Sie  ist  die  Anesi-  40  Opferknchen  bereiten,  Ps.-Eudocia  p.  35;  vgl. 

dora,    wie   sie   im  Kulte    des  attischen  Demos  Eesych.  s.  v.  äXszgt'ai.  —  Antip.  Thess.  in  Anth. 

Phlya  genannt  wird,  Paus.  1,  31,  4.    Den  Ähren  gr.  2,  119  läfst  die  mablenden  Sklavinnen  da- 

giebt  sie  Fülle  und  Reife,   Ees.  Op.  et  d.  466  von   singen,    wie   die   Nymphen   für   Demeter 

als  i'cpogog  zov  &igovg,   Suid.    s.  v.  byfiog,    in  hätten  das  Korn  mahlen  müssen.     Nach   dem 

welchem   Sinne   ihr  auch   ein  Dämon  Hadreus  fertigen  Brot  hiefs  sie  zu  Skolos  in  ßoiotien  (isyä- 

beigegeben  ist,  Etym.  M.  18,  36,  und  die  Hören  Xctgxog  und  (18 yaXofiagog,  Poletn.  b.  Athen,  a.  a.  0. 

ihr  beigesellt  werden,  Orph.  hymn.  29,  9.  43,  6 ;  Neben    dem    Getreide     wurden    auch    die 

Eiod.  Zon.  in  Anth.  gr.  2,80.  S.  oben  Sp.  1319  f.  Hülsenfrüchte  zur  |i)o«  rgocpij  gezählt  und 

Die  Gabe  der  Demeter  ist  die  |?j0a  Tpocprj,  unter  Demeters  Schutz  gestellt.  Galen,  in 
während  die  vyga,  d.  h.  Wein  und  Obst,  Üio-  50  Eippocr.  d.  morb.  ac.  1  p.  14d  zählt  als  dr\u,r\- 
nysos  verdankt  wird;  beide  sind  die  grofsen  zgta  anigficera  auf:  cpaytovg,  &sgfiiovg,  Xaxrvgovg, 
Wohlthäter  der  Menschheit,  Eur.  Bacch.  277  ff.  tXvfiov,  v.iy%gov,itiGov,  Igtßivftovg  v.ctl  oaa  &XXa 
Plut.  Quaest.  d.  Ar.  sign.  frgm.  7.  As2MSios  in  Ar.  zoiuvza  (über  die  Bedeutung  s.  V.  Eehn,  Kultur- 
Eth.Nicom.l,  12;  Schol.  Pind.Istlim.  6,  3.  Nonn.  pflanzen  u.  Eaust.'0  S.  176 ff.);  dieses  Geschenkes 
Eionys.  7,84;  45,  101;  47,  50.  Serv.  ad  Verg.  Ed.  rühmten  sich  speziell  die  Pheneaten  (Paus.  8, 
5,  79.  In  erster  Reihe  gehören  zu  dieser  £rjgä  15,  1);  nur  die  Bohne  war  aus  unbekannten 
zgotpf)  die  Getreidearten,  vor  allem  Weizen  und  Gründen  ausgenommen  und  ihr  Genufs  auch 
Gerste,  wie  besonders  aus  mehreren  Beinamen  den  eleusinischen  Mysten  verboten,  Paus.  1, 
dei  Göttin  hervorgeht  (s.  unt.).  In  welcher  Form  37,  4.  Purph.  d.  abst.  4,  16;  vgl.  Edt.  2,  37. 
Demeter  den  Menschen  ihr  Geschenk  hat  zu  teil  60  Diog.  Laert.  8,  19.  Lübeck,  Aglaoph.  S.  253ff.; 
werden  lassen,  wird  auf  verschiedene  Weise  an-  allerdings  fehlt  sie  in  dem  ausführlichen  Ver- 
gegeben. Sie  habe  es  selbst  angepflanzt,  heifst  zeichnisBe  der  verbotenen  Gerichte,  Schol.  Luk. 
es  im  Marm.  Par.  23.  Am  verbreitetsten  ist  die  Eial.  mer.  7,4  im  Rhein.  Mus.  25  S.  558.  — 
Version,  dafs  sie  den  Samen  Triptolemos  ge-  Die  für  Demeter  charakteristischste  Fruchtneben 
geben  und  diesen  auf  ihrem  Drachenwagen  aus-  dem  Getreide  ist  aber  der  Mohn,  der  ja  auch 
gesaudt  habe,  damit  er  allenthalben  das  Säen  auf  dem  Felde,  freilich  gewöhnlich  als  Un- 
lehren  solle,  s.  oben  und  den  Artikel  Tripto-  kraut,  neben  dem  Getreide  spriefst;  vgl.  Welcker, 
lemos.     Das  Getreide   war  schon  vorher  da,  Tageb.  einer  griech.  Eeise  2  S.  16.    Mannhardt, 


1323    Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues)  Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues)     1324 

Myth.  'Forsch.  S.  235.  Er  ist  ihr  dann  in  den  den  Zeus  Ckthonios  an  die  Seite  setzt,  so  gab  es 
Denkmälern  vielfach  mit  den  Ähren  zusammen  in  Athen  sogar  nach  C  I.  A.  3,  77  einen  Zeus 
als  Attribut  gegeben,  s.  besonders  die  Demeter  Georgos.  MitdemRegengotte,demZeusHyetios, 
Rondanini  (Sp.  1361)  und  vgl.  Callim.  h.in  Cer.  45.  finden  wir  sie  nicht  nur  in  Lebadeia  verbunden ; 
Thcocr.  Id.  7,  157.  In  Mekone,  der  Mohnstadt,  ganz  agrarisch  ist  auch  die  Zusammenstellung  bei 
dem  späteren  Sikyon.  soll  ihn  die  Göttin  entdeckt  Plut.  Sept.  sap.  conv.  15  von  Demeter  Proerosia, 
haben,  Etym.  M.  583,  55;  vgl.  Callim.  frgm.  Zeus  Ombrios  und  Poseidon  Phytalmios.  Der 
195  (Schneider).  Cereale  papaver,  Verg.  Georg.  Kranich,  überdessenBedeutungfürWetterund 
1,  212.  —  Serrius  z.  d.  St.  und  zu  Georg.  1,  78  Landbau  man  Heft.  Gp.  ttd.  448  und  Theokr.  10, 
läfst  Demeter  durch  Mohn  ihren  Schmerz  um  den  10  32  nachsehe,  ist  ihr  Herold,  Porph.  de  abst.  3,  5 ; 
Raub  der  Tochter  betäuben;  Verwandlungeines  vgl.  das  Vasenbild  bei  Gerhard,  A.  V.  46  = 
vonDemetergeliebtenAthenersMykon  (Mekon)  Overbech,  Atlas  z.  K.-M.  Taf.  15,  19.  Als  Tänd- 
ln Mohn  erzählt  Serv.  a.  a.  0.  —  Wenn  auch  die  liehe  Gottheit  wird  Demeter  genannt  von  Plut. 
Obstknltur,  und  sogar  ausdrücklich  die  Feige,  Quaest.  conv.  9,  14,  4.  Long.  Pastor.  4,  13. 
gewöhnlich  Dionysos  unterstellt  ist  (Sosib.  bei  Serv.  ad  Verg.  Ecl.  5,  79.  ad  Aen.  2,  713,  und 
Athen.  3,  78°.  Eust.  inOd.  1964,  15.  Hesych.s.v.  von  dem  Schwüre  bei  Demeter  sagt  Schol.  Ar. 
Zv-Hfürng),  ist  doch  die  Feige  nach  attischer  Plut.  64,  dafs  er  besonders  für  Landleute 
Überlieferung  auch  ein  Geschenk  Demeters  an  charakteristisch  sei.  Landleute,  welche  sich 
den  Heros  Phytalos  gewesen,  der  sie  im  Demos  arbeitsmüde  zur  Ruhe  setzen,  weihen  der  Göttin 
Lakiadai  aufgenommen,  Paus.  1,  37,  2;  siehe  20  ihre  Gerätschaften,  Antiph.  Byz.  in  Anth.  gr. 
Bofsler,  De  gent.  AU.  sac.  S.  51  f.  Bötticher,  2,  170.  Philipp.  Thessalon,  ebd.  2,  217.  Wie 
Baumkultus  S.  437  und  im  Philol.  22  S.  271.  vor  der  Saat,  so  wird  ihrer  natürlich  auch 
Nach  Toepff'er,  AU.  Geneal.  S.  247 ff.  ist  D.  hier  bei  der  Ernte  gedacht;  Korn  und  Hülsenfrüchte 
an  Stelle  der  alten  Landesgöttin  Athena  ge-  werden  ihr  geweiht,  Diod.Zon.  in  Anth.gr.  2,  80. 
treten,  während  Phytalos  der  Rest  des  mit  Unter  den  Festen,  welche  Demeter  in  Anlehnung 
dieser  verbundenen  Poseidon  Phytalmios  ist.  —  au  die  verschiedenen  Stadien  des  Landbaues  im 
Die  Weihung  von  Baumfrüchten  an  Demeter  Jahre  gefeiert  wurden,  sind  unsmehrere  nur  dem 
wird  für  Phigalia,  Lykosura  und  Myka-  Namen  nach  bekannt,  ohne  dafs  wir  auch  nur 
lessos  bezeugt.*)  —  Auch  die  Bienenzucht  angeben  können,  ob  es  staatliche  oder  private 
■wird  zu  den  Werken  der  Demeter  gerechnet.  30  Festlichkeiten  gewesen  sind.  Ganz  allgemeine 
Aus  dem  Leibe  einer  auf  dem  Isthmos  wohnen-  Namen  für  die  Erntefeste  sind  dalvoia  und 
den  Frau,  welche  von  den  anderen  Weibern  zer-  avy%o(iieTr'jgia\  s.  besonders  Schol.  Yen.  B. 
rissen  wurde,  weil  sie  die  ihr  von  Demeter  an-  Honi.  I  534  und  die  Belegstellen  bei  Stephanus 
vertrauten  Weihen  nicht  verraten  wollte,  sollen  s.  v.;  vgl.  Band,  De  Diipoliis  S.  35  ff. 
die  Bienen  entstanden  sein,  Serv.  ad  Verg.  Aen.  Unter  den  lokal  bestimmbaren  Festen  sind 
1,430.  Melissai  war  ein  Name  von  Priesterinnen  uns  näher  bekannt  vor  allem  einige  athenische, 
und  Mysten  der  Göttin,  Callim.  h.  in  Apoll.  110.  Vor  der  ersten  Aussaat  wurden  daselbst  die 
Porph.  Antr.  N.  18.  Schol.  Find.  Pyth.  4,  104.  Proerosien,  auch  Proarkturien  (Hesych. 
Schol.  Theoer.  15,  94,  und  usKiztiä^g  ein  Beiname  s.  v.  ngo^goata)  genannt,  gefeiert.  Hesych.  s.  vv. 
der  Kora,  Theoer.  Id.  15,  94.  Porph.  a.  a.  0.;  vgl.  40  ngorjgoßla,  Ttgaragoaiai,  ngrigoota;  Phot.  Suid. 
Boscher,  Nekt.  u.  Anibr.  S.  57.  Maafs,  De  Aesch.  Harpocr.  s.  v.  Etym.  M.  688,  44.  Bekker,  An. 
Suppl.  S.  37.  Wachs  wird  ihr  dargebracht  in  gr.  294.  Die  Kultlegende  derselben  besagt, 
Phigalia.  —  Endlich  wird  auch  Demeter  als  dafs  einst  bei  einer  ganz  Griechenland  (Schol. 
Herdenschützerin  angerufen,  Kallim.  H.in  Aristid.  Panath.  105,  18.  196,  12)  oder  gar  die 
Cer.  137  cpt'oßf  ßöctg,  qpf'pf  uäXa,  wobei  man  uäi.a  ganze  Welt  (Schol.  Ar.  Phit.  1065.  Equ.  726. 
mit  weit  gröfserem  Rechte  fürSchafe  als  für  Äpfel  Suid.  s.v.  Elgoßiävn;  Suid.  u.  Harpocr.  s.v. 
halten  wird,  ebenso  wie  die  Malophoros  von  "jßagi.g)  heimsuchenden  Hungersnot  (so  Scholl. 
Megara,  Selinunt  und  Byzanz  sicher  eine  Göttin  Ar.  Plut.  u.  Equ.  ohne  Zweifel  richtig,  die 
des  Herdensegens  ist.  Ein  Epitheton  ßortiga,  anderen  Quellen  machen  mifsverständlich  Xoi- 
Hirtin,  erwähnt  Niketas  bei  Westermann,  My-  50  (iog  aus  Xiftdg)  das  delphische  Orakel  (nach 
thogr.  gr.  S.  356.  Tavgonölog  heifst  sie  in  der  Phot.  a.  a.  0.  das  elische)  zur  Abwehr  des 
Inschrift  Dittenberger,  Inscr.  Meg.  Orop.  Boeot.  Übels  befohlen  habe,  von  allen  Orten  die  änag- 
2793  und  auf  Münzen  von  Tralles.  Auch  das  %al  nach  Athen  zu  bringen  (vgl.  die  Inschriften 
ihr  geltende  Priestertum  der  noitiividai,  das  Bull,  de  corr.  hell.  4  S.  226  und  "JBqpTjft.  ägy,. 
Toepffer,  AU.  Geneal.  S.  310f.  ganz  ohne  Be-  1883  S.  123),  die  von  den  Athenern  im  Namen 
rechtigung  in  Athen  lokalisiert,  deutet  darauf,  aller  als  Proerosien  der  Deo  zu  opfern  seien, 
Hesych.  s.  v.  —  Rohe  Schafwolle  wird  unter  ein  von  der  Rhetorik  mehrfach  berührtes 
den  Weihgaben  an  die  Demeter  von  Phigalia  Verdienst  Athens ,  Aristid.  Panath.  196. 
erwähnt,  Paus.  8,  42,  11.  Liban.  Corinth.  4  p.  367  (Eciske).  Die  Ein- 
Demeter wurde  ihren  Gaben  gemäfs  natürlich  no  Setzung  des  Festes  wird  von  den  verschie- 
am  meisten  vom  Land  Volke  verehrt.  Hes.  denen  Gewährsmännern  verschieden  datiert; 
Op.  et  d.  465ff.  weist  seinen  Bruder  Perses  an,  sie  schwankt  zwischen  Ol.  3,  21  und  53,  s.  Suid. 
Demeter  beim  Pflügen  schon  um  Gedeihen  der  und  Harpocr.  s.  v.  "Aßugig.  —  Mommsen, 
Saat  zu  bitten,  was  Arrian.  diss.  Epict.  3,  21, 12  Heortol.  S.  76  setzt  sie  nach  Sauppe,  Or.  AU. 
als  allgemeinen  Brauch  hinstellt,  s.  auch  Nie-  2,  271  in  solonische  Zeit  (Ol.  56)  und  nimmt 
arch.  in  Anth.  gr.  2,  351.  Wenn  Hes.  a.  a.  0.  ihr  als  ihren  Stifter  Epimenides  an;  er  sieht  in 
*)  Die  Quellennachweise  für  die  lokalen  Kulte  und  ^n  Proerosien  den  Ersatz  für  die  ursprüng- 
Eräuche  findet  man  im  Abschnitte  B  (Sp.  1S88— 1311).  liehe     agrarische    Bedeutung    der    Eleusmien 


1325     Kora  u.  Demeter  (Gott.  cl.  Landbaues)      Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues)     1326 

116.  Bekker,  An.  gr.  1,  384,  30),  war  auf  Weiber 
beschränkt  und  enthielt,  wie  die  Thesmophorien, 
derbzotige  Elemente.  Ein  Festzug  zu  Ehren 
Poseidons,  jedenfalls  des  Phytalmios,  gehörte  zu 
der  Feier  (Eust.  in  II.  772,25;  Bekker  a.  a.  0.). 
Die  Einführung  in  die  Mysterien  lag  einer  Prieste- 
rin aus  der  Familie  der  Philleiden  ob,  s.  Foucart 
a.  a.  0.  Toepffer,  Att.  Geneal.  S.  93;  auch  eine 
Lykomidenpriesterin  fungierte  dabei,  C.  /.  A. 

10  3,  895 ;  vgl.  Toepffer  a.  a.  0.  S.  213.  Die  Haupt- 
feier war  eine  grofse  Schmauserei:  Traoceziftsaei 
6e  xc\g  TQec7i£'£ag  ot  ctQyovxtg  y.cl  svSov  xtxxcc- 
XinövzEg  ioi"s  yvvai^lv,  ctvrol  %wgit,ovxai  ffco 
Stujiivovzsg ,  tniSu-Avifitvoi  roig  lniSrju.iovai 
nciGi  zag  ?)(X£poiis  TQOcpüg  naget  avxäv  svgs- 
9?,vai  v.al  näat  KaivoTurför^ai  xolg  äv&gcoTtotg 
nag'  avxow.  TtQOG-Astrat  6h  xaCg  zgant^aig  %a\ 
t«  nlay.ovvrog  y.axiaK€vaO(i£va  äticpoxigav  ys- 
vü>v   alSola    (Schol.  Luc.  a.  a.  0.).    —    In   der 

20  Stadt  wurden  die  Haloen  als  ausgelassen 
lustiges  Fest  mit  Schmausereien  und  Gaste- 
reien begangen,  bei  denen  auch  die  Hetären 
es  sich  wohl  sein  liefsen,  Luc.  Dial.  mer.  1,  1; 
7,  4.  Alciphr.  Epist.  1,  33.  39;  2,  3.  Im  übrigen 
s.  Hesych.  Suid.  Harp.  s.  v.  Etym.  M.  73  extr. 
Bekker,  An.  gr.  208,  22;  381,  14.  Eustath  ad  IL 
772,  25.  Bimer.  Or.  8,  3.  Max.  Tyr.  33  und 
vgl.  Lobeck,  Aglaoph.  S.  90.  Jacobs,  Verm.  Sehr.  4 
S.  504.   Preller,  D.  U.  P.  S.  328  und  bei  Pauly 

30  2,  1060;  3,  101.  Mommsen  a.  a.  0.  S.  320f. 
Delphika  S.  272  f.  Hermann-Stark  a.  a.  0.  57,  5. 
Stengel  a.  a.  0.  S.  161.  Fubensohn  a.  a.  0. 
S.  115  ff.  —  Nur  dem  Namen  nach  kennen  wir  das 
Epikleidienfest  {Hesych.  s.v.),  nach  Preller, 
Dem.  S.  326  gefeiert,  „wenn  die  Schlüssel  vor 
das  granarium  gelegt  wurden".  Band,  Epi- 
kleidien  ist  wohl  geneigt  es  auf  den  15.  Meta- 
geitnion  (C  /.  A.  3,  77)  zu  verlegen,  doch 
fehlt   bis  jetzt  noch   jeder  Nachweis   hierfür; 

40  s.  auch  Stengel  a.  a.  0.  S.  173. 

Demeter  als  Teilhaberin  an  Festen  anderer 
Götter  finden  wir  bei  den  Thargelien;  als 
Chloe  erhält  sie  am  6.  Monatstage  einen 
Widder,  s.  oben  Sp.  1292.  Auch  der  Anteil, 
den  sie  mit  ihrer  Tochter  an  den  Skirophorieu 
oder  Skiren  der  Athena  hat  (Steph.  By:.  s.  v. 
Schol.  Ar.  Eccl.  18.  Thesmi.  934),  ist  agrarischer 
Art.  Dafs  in  der  Feier  auf  den  Eoraraub  an- 
gespielc  wurde,    sagen  Clem.  AI.  Protr.  2,  17. 

50  Schol.  Luc.  Dial.  mer.  2,  1  im  Fhein.  Mus.  25 
S.  549  (Fohde);  vgl.  dazu  Preller,  D.  u.  P. 
S.  124.  Hermann- Stark  a.  a.  0.  61,14.  Momm- 
sen, Heort.  S.  492.  Botticher  im  Piniol.  22 
S.  238.  262  ff.  Eobert  im  Hermes  20  S.  349  ff. 
Bohde  ebd.  21  S.  116  ff.  Toepffer  a.  a.  0.  S.  119. 
Stengel  a.  a.  0.  S.  170.  —  Ein  athenisches 
Erntefest,  fv%agi<jxrigia,  nennt  Schol.  Find. 
Ol.  9,  150.  Von  Demeterfesten  anderer  Orte 
tragen  vorwiegend  agrarischen  Charakter   die 

6o  beiden  in  Syrakus  mit  Anknüpfung  an  den 
Koraraub  gefeierten  (Diod.  5,  4,  5  f.),  von 
denen  das  zweite  thesmophorisch  war.  Im 
übrigen  s.  die  in  Lakonien,  Arkadien,  My- 
konos,  Rhodos  und  Kos  gefeierten  Feste. 

Mythischen  Ausdruck  fand,  nächst  dem  Kora- 
raube,  die  Thätigkeit  Demeters  am  sprechendsten 
in  der  Erzählung  von  ihrer  Liebe  zum  Iasion 
und  der  Geburt  des  Plutos  (s.  oben  Sp.  59 ff.). 


„nach  deren  Vergeistigung".  Das  genaue  Datum 
ist  nicht  überliefert.  Wahrscheinlichkeit  hatte 
die  Vermutung  Mommsens  a.  a.  0.  S.  219,  dafs 
sie  vor  dem  7.  Pyanepsion,  d.  h.  der  Eiresione, 
stattgefunden  haben,  während  seine  neuere 
Annahme,  dafs  Proerosien  und  Eiresione  zu- 
sammenfallen (Bursians  Jahresb.  1889  3  S.  245) 
nicht  zu  billigen  ist.  Als  den  Hauptbestandteil 
des  Festes  haben  nach  M.  die  drei  heiligen  Pflü- 
gungen (Flut.  Praec.  conj.  42)  zu  gelten,  die 
stadtatbenische  (buzygische)  vnö  noliv ,  die 
eleu8inische  auf  dem  rarischen  Felde  und  die 
als  Kompromifs  bei  der  Vereinigung  von  Athen 
und  Eleusis  eingesetzte  dritte  bei  ^kiros,  vgl. 
darüber  Bossler,  De  gent.  att.  sacerdot.  S.  11. 
Bötticher  im  Piniol.  22  S.  262  ff.  Bobert  im 
Hermes  20  S.  378.  Toepffer,  Att.  Geneal.  S.  137  f. 
An  eine  dieser  Pflügungen  hat  sich  das  Fest 
wohl  sicher  angeschlossen,  vielleicht  an  die 
rarische,  die  K.  0.  Müller  bei  Ersch  u.  Gruber 

1,  33  S.  291  in  die  Eleusinien  setzt.  Dafs  die 
Feier  in  Eleusis  stattfand ,  lehren  Eurip. 
Suppl.  38  und  die  Ephebenioschrift,    C.  I.  A. 

2,  467  (Dittenberger,  Sylt.  347).  Vgl.  Preller, 
Dem.  u.  Pers.  S.  295.  Binek,  Fei.  d.  Hell.  2,  80. 
Hermann- Stark ,  Gottesd.  Alt.  56,  28.  Stengel, 
Kultusalt.  (Jio.  Müllers  Handb.  5,  3)  S.  173. 
Fubensohn,  Mysttrienheiligtümtr  S.  119. 

Im  Frühlinge,  beim  ersten  Sprossen  der 
Saat  (äg^ofisvcov  -/.agnäv  cpvtod'ai,  Irjyojros  t}Srj 
xov  ^aiftcö^os)  brachten  sämtliche  Beamten  (iv 
&Qxy  TtdvtBg)  das  Opfer  der  Procharisterien 
(fälschlich  auch  Proschaireterien  genannt)  dar. 
Es  trug  mystischen  Charakter,  bestand  in  Opfern 
an  Athena,  Demeter  und  Kora  und  hatte  zur 
Kultlegende  die  Anodos  der  Kora,  Suid.  s.  vv. 
TCQoajraiorirriQia  und  ngoragioxfigia;  Harpocr. 
s.v.  TtQoey_ctiQrixrjQt.a;  Bekker,  An.  gr.  1,  295,  3. 
Das  Fest  war  wohl  identisch  mit  dem  bei  Gornut. 
28  beschriebenen:  HzgX  6h  xo  'iag  xij  Xl6w  Ar\- 
(intgi  &V0VGI  fitxä  naidiäg  v.al  xagäg,  und  bil- 
dete eine  Vorfeier  oder  auch  den  ersten  Tag 
der  kleinen  Eleusinien;  jedenfalls  ist  der  An- 
thesterion  der  passendste  Monat  für  sie.  Vgl. 
Gerhard  im  Fhein.  Mus.  14  S.  148  u.  Ak.  Abh.  2 
S.  211.  217.  Kiefsling,  Lyc.  frgm.  108.  Sauppe, 
Or.  AU.  2,  266.  Hermann  -  Stark  a.  a.  0.  62,  6. 
Mommsen,  Heort.  S.  8.  44.  262.  Förster,  Faub 
u.  B.  d.  P.  S.  273.  Fobert-Preller,  Griech.  Myth. 
1  S.  207.  Band,  Epikltidien  S.  22.  Fobert  im 
Herines  20  S.  375.    Toepffer  a.  a.  0.  S.  103.  119. 

Wenn  wir  noch  einst  \v  eilen  von  Eleusinien  und 
Thesmophorien  absehen,  so  sind  als  das  dritte 
attische  grofse  Demeterfest  die  Haloen,  das  im 
Poseideon  stattfindende  Kelter-  und  Dreschfest 
zu  nennen;  für  den  von  Ahrens,  Bhein.  Mus.  17 
S.  332  und  Mommsen  a.  a.  Ü.  S.  320  angezwei- 
felten Poseideon  sprechen  aufser  Harpocr.  s.  v. 
'Aläa  einige  Inschriften:  'Eij.na.  <xg%aiol.  1883 
S.  119,  47  und  Foucart  in  Bull,  de  corr.  hell.  7 
S.  334.  515.  Die  Hauptquelle  für  dieses  Fest 
ist  das  von  E.  Bohde  im  Bhein.  Mus.  25  S.  557 
veröffentlichte  Schol.  Luc.  Dial.  mer.  7,  4;  da- 
nach sind  sie  ein  mit  Mysterien  verbundenes 
Fest  für  Dionysos,  Demeter  und  Kora,  das  in 
erster  Reihe  dem  Versuchen  des  jungen  Weines 
bestimmt  war.  Der  mystische  Teil  der  Feier 
fand  in  Eleusis  statt  (vgl.  Dcmosth.  in  Keaer. 


1327  Kora  u.  Demeter  (Gott.  d.  Landbaues^i  Kora  u.  Demeter  (Thesmophoros)      1328 

Auch  ihre  Rolle  im  Erysiehthonnrythos  (s.  Bd.  1  azaxvozgocpog,   Orph.  H.  40,  3;     nzuxvrjY.öaog, 

Sp.  1373ff.)  zeigt  sie  als  Spenderin  der  nähren-  Nonn.  1,  194,  heilst  sie  von  dem  Ährenkränze, 

den  Frucht.  ebendarum  auch  atayvo7iloy.au.og,    Orph.  Lith. 

Demeters- Verhältnis  zur  Fruchtbarkeit  und  242,  und  arayvoaritpavog,  Phil.  Thess.  in  Anth. 

zum  Landbaue  ist  in  allen  Einzelbeziehungen  gr.   2,   215;    vgl.    Hör.   ca.   saec.   30.   —  Von 

ganz  besonders  durch  eine  grofse  Anzahl  Bei-  der    grünenden    Saat    wird    sie    selbst    Chloe 

worte  bezeichnet  worden,  die  ihr   in  Poesie  genannt  im   Kulte  von  Athen   und  Mykonos, 

und  Kult  beigelegt  wurden,  s.  Preller,  D.  u.  P.  vgl.  auch  Eustath.  ad  II.  773,  2;  nach  Mann- 

S.  317 ff.    Guigniaut,  Bei.  de  l'Ant.  3  S.  636 ff.  hardt,    Myth.    Forsch.    S.    227    ist    dies    nur 

Welcher,  Gr.  Göfterl.  2,  469,   am  vollständig-  10  hypokoristische    Form    für    ylorjtpögog,    Schol. 

sten    bei    Band,    Epikleidien     S.    IS  ff.    und  Ar.  Lys.  835.     Euseb.  Praep.  ev.  3,  11.     Von 

Bruchmann,  Epitheta  deorum   S.  73ff.;    190ff.  der  Farbe  des  reifen  Getreides  heifst  sie  £av&rn 

Als  Mutter,  der  Gaia  am  nächsten  verwandt,  —  Hom.    E  500.     Hymn.  in  Cer.  302.     Eustath. 

u^zr,g    Trdvrcov     cpvzwv    ts     hki     £äa>v  a.  a.   O.;      Juvfl'oepujj«?,    Nonn.   Dion.    6,   113; 

nennt  sie  Philo,  De  vit.  contem.pl.  1  —   heifst  jartroy.ouTjj,  ebd.  11,  395  und  lateinisch  flava, 

sie  7ia{iur,TSLQa.  Orph.  hymn.  40,  1;   ßiov  naii-  Ovid.  Amor.  3,  10,  3.    Verg.  Georg.  1,  96;   vgl. 

jijjTCDß,  Nonn.  Dion.  19,  82,   von  dem  Leben,  Serv.  z.  d.  St.  und  Myth.  Vat.  3,  7,  1. 
das    sie    spendet,    gwoöozsiga    und    tpvai^oog,  Auf  das  Gedeihen  des  Getreides  bezieht  es 

Nicet.  bei  JVestermann,  Myth.  gr.  356.    Sie  ver-  sich  auch,  wenn  Demeter  eXr/yngig,  Sia  zb  vnb 

leiht  Reichtum,  TravSözsiga,  öXßiodäzig,  nXov-  20  zijg  zov  'HXiov  tXrjg  yrjgäv  in  allerdings  zweifel- 

zoäözsiga.    Orph.  hymn.  40   und   bei  Diod.  1,  los  falscher  Etymologie  genannt  wird  (Eustath. 

12,  4.     Sie  ist  als  die  Ernährerin  ßcoziäveiga,  ad  II.  1197.  52.  Hesych.  s,  v.  AxEigco)   oder  auch 

Nicet.  a.  a.  0.;    noXvq>ögßr],    Hes.  Theog.  912;  -/.avazig  und  üacptY.avazLg  (Hesych.  s.w.    Etym. 

itoXvzgotpog,    Callim.  Hymn.  6,  12;    cptgzoßtog,  M.  90,  32),  oder  wenn  die  am  Hermos  wohnen- 

Antiph.  Agr.  frgm.  1 ;  Sumia,  Scolion  bei  Athen.  den    Gorgonier   sie    als   Abwehrerin   des    dem 

15,694.     Schol.  Apoll.  Rh.  4,  998.     Nonn.  11,  Getreide     gefährlichen      Mehltaues      'Egvcißn 

213.     Paroem.  gr.  Append.  4,   20.   Suid.  s.  v.  nennen,  Etym.  Gud.  210,  25.  —  Eine  Gruppe 

ouitviog  f;    Etym.   31.   625,   46;   vgl.   788,   27.  von    Beinamen    ist    von    den    ländlichen  Ver- 

Et.  Gud.  428,  27;  s.  dazu  G.  Curtius,  Grund-  richtungen  entlehnt.    Als  Lehrerin  der  Aussaat 

Züge   S.    464.     —    Als    Senderin    des    Wachs-  30  ist  sie  £nBgu.iir],  Orph.  Hymn.  40,  15;  für  die 

tumes  ist  sie  Anesidora,  Paus.  1,  31,  2.    Plut.  Ernte  ist  sie  die  Sichelträgerin  Sgtnavrirpogog, 

Quaest.  conv.  9,  14,  4;  vgl.  Hesych.  s.  v.  'Avat,L-  Nonn.  Dion.  6,  104;  41,  23,  und  auch  die  troi- 

äiaga,  was  natürlich  nur  gekünstelte  Umformung  zenische  Amaia  kann  nur  als  Schnitterin  ver- 

ist,  und  Av'gi&alr^g,  Orph.  Hymn.  40.   Das  Erst-  standen    werden.      Nach    den    Garben    heifst 

lingsopfer  der  &aXvcia  empfängt  sie  als  daXvOLag,  Demeter  üuaXXocpogog,    Nonn.  Dion.    17,  153; 

Nonn.  Dion.  40,  347;   19,  86.     Als  Göttin  der  26,  244.    Eustath.  1162,  27,   und  äuaXXoTov.og, 

Reife  endlich  ist  sie  ägia  auf  einer  Münze  von  Nonn.  a.  a.  0.  31,  38;   45,  101;  48,  678;    auch 

Smyrna    und    ägncpögog    bei    Hom.  H.  in  Cer.  der  m.  E.  auf  Gerste  oilai  bezügliche  Name 

54.  192.  492.     Eustath.  ad  II.    1156,  60;    vgl.  'iovXti  wird  auf  „Garben"  bezogen.    Nach  den 

das  Scholion  bei  Ath.  15,  694  und  Diod.  Zon.  10  niovtg  oyuoi,   den  fetten  Schwaden  (Hom.  H. 

iu  Anth.  gr.  2,  80;  ferner  Tlay-navu,  Hesych.  s.  v.  in  Cer.  455),  nennt   sie    inoyutog   Addaios   in 

naunavov;  zsXtoyogog,  C.  I.  G.  2175.   Vgl.  auch  Anth.  gr.  2,  241;  vgl.  Suid.  s.  v.  oyiitog;  Orion. 

Bruchmann,  Epitheta   deorum.  s.  v.  z/7;ur/r?jp.  114,  32.   Eustath.  ad  II.   1161,  59.  —  Von  der 

Mit  zusammenfassendem  Namen  heifsen  ihre  Tenne  stammen  die  Namen  aXtoag  und  aXcoig, 

Gaben   atrog   und   sie   selbst  in   Syrakus  Sirä  Theokr.  7,  155  mit  Schol.  z.  d.  St.   Nonn.  30,  68 ; 

(in  Kos  lag  das  Damatrion  im  Stadtteile  Sitea).  ivalcoaia,  Hesych.  s.  v.;  äXaain,  Orph.  Hymn. 

Vom  v.agnog  ist  sie   (und   auch  Kora)   Y.agno-  40,  5;  tvgvüXais,  Nonn.  Dionys.  7,  82;  von  der 

rpogog,  Ar.  ran.  382.     Paus.  8,  53,  3,  und  in  Scheuer   ccogizig,    Orph.   a.  a.   0.;    7ioXvocogog, 

Inschriften  von  Paros,  Mytilene,  Ephesos  und  Addaios  a.  a.  0.;    von   der   Getreideschwinge 

Pessinus;     TtoXvy.agTtog ,     Theoer.    Id.    10,   42.  50  Xiv-uain,  Diod.  Zon.  in  Anth.  gr.  2,  80;  vom  Ge- 

Aristocles  bei  Ael.  nat.  an.    11,  4;     svv.agTcog,  treidemafse  endlich  TtovXvusdiuvog,  Kallim.  H. 

Philipp.  Thess.  in  Anth.  gr.  2,  233.     Niearch.  in  Cer.  2,  112.  — Die  auf  die  Brotbereitung  ab- 

ebd.  2,  351.    Nonn.  13,  189;  yXoÖY.agnog,  Orph.  zielenden  Beinamen  sind  bereits  oben  erwähnt. 
H.  40,  5;  v.aonoTioiög,  Eurip.  Blies.  964;  v.kojto- 

tÖxos,  Strat.  Sard.  in  Anth.  gr.  2,  374;  dyXa-  E.  Demeter  Thesmophoros  und  Thesmo- 

ov.agTiog,  Hom.  H.  in  Cer.  4.     Orph.  Ev%.  ng.  pnonen. 

Mova.  6.    Porph.  bei  Euseb.  Praep.  er.  5,  13;  Von  den  Formen,   unter  welchen   uns  De- 

<PsgEv.ctg-<Tog  heifst  Kora  Nonn.  31,   37.     Nach  meter  im  Kulte  entgegentritt,  ist  keine  andere 

dem  Weizen,  der  hauptsächlich  für  Griechen-  so   häufig    als   die  der  Thesmophoros,   der   in 

land  in  Betracht  kommenden  Getreideart,   ist  uo  gleicher    Eigenschaft     Persephone     beigesellt 

Demeter   q>iXÖ7tvgog   Phil.  Thess.   in  Anth.   gr.  wird  (Ar.  Thesm.  83.  282;    Eccl.  442;    Pindar. 

2,  217  und  Tivgoapogog,  Eur.  Phoen.  694,  wäh-  frgm.  8  Boechh;  Paus.  1,  31,  1;  Athen.  3,  109f; 

rend    auf   die    Gerste    durch    fridcogog,    Nicet.  C.  I.   G.  2907'i  während   der  mit   (Kora)  Mise 

a.  a.  0.  und  höchst  wahrscheinlich  auch  durch  verbundene     Dionysos    Thesmophoros     (Orph. 

OiXm  bezw.  'iovXä  (Semos  bei  Athen.  14,  618d.  Hymn.  42,  1)  wohl  nur  ein  singulärer  Einfall  ist. 

Schol.  Apoll.  Bh.  1,  972),    angespielt  wird.  —  In  Pheneos  wurde  Demeter  Thesmia  genannt  und 

Nach   den  Ähren   heifst  Demeter   nolvetaivg,  bei  Cornut.  28  Thesmothetis,  bei  Vergil.  Aen. 

Theokr.  10,  42;     cpsgiazayvg,    Nonn.  27,  338;  4,  58   I.egifera.    —    Aufser  für    Athen,    über 


1329    Kora  u.  Demeter  (Thesmophoros)  Kora  u.  Demeter  (Thesmophoros)    1330 

dessen  Thesmophorien  wir   am   besten  unter-  zeugung    und    Aufziehung    der    Kinder.      Oft 

richtet  sind,    linden    wir  solche   ausdrücklich  wird   die  Kindererzeugung  mit  der  Bestellung 

bezeugt,    oder    auch   durch   analoge   charakte-  des  Feldes  verglichen;   cniLQiLv,   ccqovv,  arare 

ristische  Kultgebräuche  angedeutet  in  Thessa-  werden  sehr  oft  für  die  menschliche  Begattung 

lien  für   Halos,    für    Alponos,    Drymaia;  gebraucht;    eine    grofse   Anzahl   Beispiele  bei 

in  Boiotien  für  Theben,  Orchomenos  und  Preller,  Dem.  v.  Fers.  S.  354ff.;  besonders  wich-. 

Koroneia;  ferner  für  Eretria,  Megara,  Si-  tig   Aeschyl.    Sept.    754;    Soph.    Oed.    Col.   149 

kyon,  Troizen,  Aigina,  Argos,  Lakonien  u.a.m.;  Eurip.  Phoen.  18;  Hom.  T303.  Gerade 

(speziell  noch  für  Aigila),  Achaja,  Pellene,  in  den  vordorischen  Kulten   spielen  diese  Be- 

Pheneos,    Megalopolis,    Pallantion   und  10  Ziehungen    eine    bedeutende    Rolle.     Den    Zu- 

Mantineia.     Von  den  Inseln  kannten  diesen  sammenhang    ihres    alten,    besonders   in   dem 

Kult  nach   unseren    Quellen    Delos,    Paros,  Binnenlande  der  Peloponnes  üblichen  Namens 

Samos,  Rhodos  und  Kypros(?).    Aus  Klein-  'EXev&ia ,    'Eltvoia,    'Elsv&m,    'Elivaivia    mit 

asien  sind  hier  Garnbreion,  Smyrna,  Ery-  ElXii&ia  weist  zur  Evidenz  nach  Toepffer,  Att. 

thrai,    Ephesos,    Priene    und    Milet    zu  Geneal.  S.  221.     Die    Identität    dieser   Göttin 

nennen.  In  dem  hellenistischen  Ägypten  nahm  mit   der  D.   Achaia    ist    nicht    zu    bezweifeln, 

Isis  (s.  d.)  auch  diese  Wesenseite  der  Demeter  und  merkwürdigerweise  nennt  uns  eine  Sessel- 

auf  (Diod.  Sic.  1,  14,  3),   neben  der  aber  die  inschrift  aus  dem  Dionysostheater  die  Priesterin 

griechische  Demeter  Thesmophoros  ihre  Stätte  der  JrjurizriQ  KovnozQÖcpog'j%aiu,  C.  I.  A.  3,  373. 

in    Alexandreia    und    Arsinoe    hatte.     Im  20  Auch  in   Samos    soll    die  KovQotqöcpog  (s.   d.) 

Norden    ist    dieselbe    für    Abdera    und    für  auf  thesmophorische  Art  verehrt  worden  sein, 

Pantikapaion     bezeugt.      Im    Westen     be-  Ps.-Hdt.  Vit.  Hom.  30;    indessen    scheint    das 

gegnen   wir  ihr  in  Tarent,   in  Pompei  und  nahe     Zusammenliegen     von     Apaturien  __  und 

in   Neapolis;    der   römische    Kult    der   Bona  Thesmophorien    nur    auf   willkürlicher    Über- 

Dea(s.d.)enthälthauptsächlichthesmophorische  tragung   athenischer  Verhältnisse  zu  beruhen. 

Elemente,  die  auch  in  einem  ieiunium  Cereris,  Der    samische  Beiname  'EvsXvoy.iq    sowie    der 

das    im    Oktober     zu    Amiternum     gefeiert  tarentinische  'Endvaafi.Bvri  sind  ebenso  auf  die 

wurde,   unverkennbar  sind,  Inscr.  regn.  Ntap.  geburtshelfende  Thätigkeit  der  Göttin  zu  be- 

S.  309;  vgl.    Welcher,  Gr.  Gütterl.  2  S.  510.  —  ziehen.     Im    Mythus    erscheint   D.    als    kovqo- 

Sehr  verbreitet  war  dieser  Kult  auch  in  Sicilien  30  zQoqiog  bei  Demophon,  Triptolemos  und  Ortho- 

(Heraclid.  bei  Athen.  14,  647a),  so  in  Syrakus,  polis;  über  einige  Terrakotten,  in  welchen  man 

Akrai,  Kattina  und  Enna,  vgl.  Ebert  2i%s-  D.  mit  dem  Iakchoskinde  als  v.ovqoxqorpog  er- 

J.toiv,    und   schliefslich   müssen  wir    ihn    auch  kennen  wollte,  s.  unten. 

noch  für  Kyrene  annehmen.  Erst  aus  dem  Beinamen  Thesmophoros  heraus 

Im    Grunde    genommen    ist    Demeter    als  wurde  Demeter  später  zur  Hüterin  der  Ge- 

Thesmophoros    ganz    dieselbe   Potenz  wie   die  setze  schlechthin  gemacht  und  als  solche  beson- 

Spenderin  der  Brotfrucht,  das  empfangende  ders  beimHeliasteneide  mit  Zeus  und  Apollonan- 

und    gebärende    weibliche     Prinzip     im  gerufen,  Demosth.  in  Callipp.  11;  in  Timocr.  151; 

Gegensatze  zu  dem  befruchtenden  männlichen,  Pollux,  On.  8,  122;  Dinarch  in  Schol.  Aeschin. 
d.h.  die  Gemahlin  des  Himmelsgottes,  mit  dem  40  Or.  1,  114;  vgl.  Ar.  Vesp.  629.  1442.     Auch  in 

vereint  sie  als  ältester  Kern  einer  vorhomeri-  Kreta  (G.  I.  G.  2567)  und  in  Syrakus  (Diodor 

sehen   Religion    anzusehen  ist    zu   jener  Zeit,  19,5;   Flut.  Dion.  56)  finden  wir  sie  als  Schwur- 

die    dem    durch    politische   Kompromisse   und  göttin,     sowie    auch     die    Erythraier    bei    ihr 

poetische  Fiktionen  geschaffenen  Götterstaate  schwören,  C.  I.  A.  1,  9. 

voraufging.    Es  ist  natürlich,  dafs  diese  Göttin  An   der   späteren   Auffassung   der  Thesmo- 

in  ganz  hervorragendem  Mafse  als  Schützerin  phoros  war  aber  nicht  nur  die  Ehegöttin  be- 

der  Frauen  und  ihrer  ehelichen  Rechte  galt,  teiligt;    auch    die    alte    grofse    Landesgöttin, 

wie     diese     Rechte     ja     auch     verschiedent-  welche  auf  den  Burgen  von  Theben  —  hier 

lieh   als  arsßfj.01   bezeichnet   werden,    so  Hom.  am  sichersten  als  Thesmophoros,  identisch  mit 

ip  296;    Soph.  Ant.  799;    Flut.  Conj.  praec.   1;  50  Harmonia,   vgl.  Preller,  D.  u.  F.  S.  359  ff.  — , 

Ael.  Var.  hist.  12,47;  Schol.  Aristid.  22  (ä&ioums  Megara,  Phlius  und  Argos  und  als  Schütze- 

GvyyivoiLbvrj);   Heliud.  1,  25.  —  'Cara  iuyavit  rin  der  Pyläischen  Amphiktyonie  (wie  auch  spä- 

corpora   connubiis',   sagt  von   dieser    Demeter  ter  des  achäischen  Bundes)  verehrt  wurde,  war 

Calvus  bei  Serv.  ad  Verg.  Aen.  4,  58.  —  Die  hierhinzugekommen.  Daraufberuhtdannebenso 

Priesterin    der    Demeter    vollzieht    die    Ehe-  wie   auf  der  falschen  Auffassung   des  Wortes 

schliefsung  (Flut.  a.  a.  O.)  oder  in  der  späteren  Thesmophoros  die  später  oft  wiederholte  Ver- 

ägyptisierenden  Zeit  das  Eultpersonal  der  Isis,  sion,    dafs  Demeter  überhaupt   zuerst  Gesetze 

Achill.  Tat.  5, 14;  Phot.Bibl.Vit.  Isid.hbl;  vgl.  gegeben  und  somit  als  Schöpferin  der  bürger- 

Lobeck,  Aglaoph.  S   650.    Dido  opfert  der  Ceres  liehen  Ordnung  anzusehen  sei,  Orph.  Arg.  27; 

legifera  als  Hochzeitsgöttin  bei  Verg.  Aen.  4,  58 ;  60  Kallim.  H.  in  Cer.  1 9 ;  Plin.  H .  N.  7, 1 9 1 ;  Cornut. 

Demeter    soll    einer  Hetäre   einen  Mann   ver-  28;   Diod.  Sic.  5,  5.  68;   Calvus    bei    Serv.    ad 

schaffen  bei  Alhiphr.  Ep.  2,  2;  vgl.  Freiler,  D.  Verg.  Aen.  4,28.*)    Eine  Demeter  biiovoiu  zov 

u.    F.    S.   353.      Eine    Hochzeit    der    Demeter  y.oivov  kennen  wir  aus   der  Inschrift  Bull,  de 

selbst    scheint    ätiologisch    zu    Grunde   gelegt  corr.    hell.   3    S.   5l0ff.     Auch   hier   wurde   als 

zu  sein,    Plaut.  Aulul.  2,   65,    vgl.   Serv.  ad  Vermittler  ihr  getreuer  Triptolemos,  der  spä- 

Verg.   Georg.    1,  344;    Macrob.   Sat.   3,    12.  —  tere   Unterweltsrichter,   genannt,  dessen    drei 

Als    Göttin    der   Weiblichkeit    sorgt  Demeter  «,  Et  Iegea  gancta3  docuit  et   cara  jugaTit  corpora 

thesmophoros  natürlich  besonders  für  die  Er-  connubüs  et  magnas  condidlt  urbes. 


1331   Kora  u.  Demeter  (Thesniophoros)  Kora  u.  Demeter  (Thesmopboros)   1332 

grundlegende  Satzungen  „yovi ig  ziiiäv",  „ftsovg  zeichnet;    auf  den    12.  fiel   er   nach  Sclwl.  Ar. 

■/.agnoig  äyäXlsiv"  und  .,£»«  ufj  eCvso&ai"  vor-  Thesm.   80;    Hesych.   s.   v.   avodog;    Phot.   s.  v. 

schrieben,  Hermippos  und  Xenohrates  bei  Por-  dseuocpogiaiv  rjuigai.    Aristoph.  Thesm.  80  wird 

p%yr.   de  abst.  4,  22.   —   Auch   als  Göttin  des  dieser  Tag  zgizrj  und  zugleich  fiierj  des  Festes 

richtigen  Maises  verehrte  man  sie,  vgl.  C.I.  G.  genannt;  letztere  Bezeichnung  auch  v.  375  und 

123;   in   Samos   stand   ihr  Bild  im  Hause  der  Athen.7, 807f.  —  Blommsen,  Hcortol.S  243 nimmt 

«yogccvöfioi  (Bull,  de  corr.  hell.  5  S.  479),   und  an,  dafs  zgizr\  den  3.  Tag  der  attischen  Woche  be- 

als  Mutter  der   Rhamnusischen  Nemesis   galt  zeichnet,  und  will  die  Ntjotilu  auf  den  13.  legen, 

sie  nach  Schol.  Eur.  Blies.  342.  —   In   ursäch-  was  bei  dem  entschiedenen  Widerspruche  der 

liehen  Zusammenhang  mit  dem  Ackerbau  setzte  10  Quellen  unzulässig  ist.     Als  sicher  können  wir 

man  die  Gabe  der  trsc/iot.   indem   man  durch  annehmen,   dafs   am    10.  Pyanopsion   auf  dem 

die    aus    der    neuen   Nahrung    entspringenden  Vorgebirge  Kolias  im  Demos  Halimus  ein  Fest 

neuen  Lebensbedingungen   die  friedliche  Ord-  der  athenischen  Weiber  gefeiert  wurde,  an  das 

nung    der    Besitzverhältnisse    begründete,    s.  sich  die  ctvoSog  in  die  Stadt  am  11.  anschlofs. 

Isoer.   Panegyr.  28;    Cornut.  a.  a.  0.;    Serv.  ad  Der  folgende  (12.)  Tag   wird   fiter]   oder   auch 

Verg.  a.  a.  0.;  Schol.  Clem.  AI.  2,  19;  Porphyr.  Ntjarsia  genannt  und  als  Schlufs  folgt  am  13. 

de  abst.  2,  12;   Schol.  Luc.  Dial.  mer.  2,  1  im  das    Kalliyivsia    genannte    Fest.     Durch    die 

Mh.  JUus.  25  S.  549;  vgl.  besonders  Preller,  D.  u.  Bezeichnung  fisarj  für  den  vorletzten  Tag  wer- 

P.  S.  350  f.;  K.  F.  Hermann,   Priv.-Alt.3  S.  100.  den  wir  auf  ein  dreitägiges  zu  Grunde  liegen- 

—  Schliefslich   galt  Demeter   als  Begründerin  20  des  Fest  geführt,  wie  es  u.  a.  auch  von  Abdera 

der  Civilisation  überhaupt,  der  die  Menschen  und  aus  Lakonien  bezeugt  ist.     Aus  der  Pro- 

sogar   erst   den    aufrechten   Gang   verdankten,  Zession  nach  Halimus  geht  aber  deutlich  her- 

Schol.  Find.  Ol.  9,  150;  Htym.  31.  743,  25.  vor,  dafs   dieses  Fest   erst  durch  ein  Kornpro- 

Die  weitverbreiteten  Feste  der  Demeter  mifs  d.h.  die  Zusammenlegung  eines  städtischen 
Thesmophoros  haben  ihren  Charakter  am  rein-  und  eines  Demenfestes  entstanden  ist.  Die 
sten  bewahrt,  und  nur  durch  sie  sind  wir  alte  städtische  Feier  wird  nur  dreitägig  ge- 
auch  im  stände,  die  Grundbedeutung  ihres  wesen  sein,  und  ihr  Mitteltag  wird  die  Be- 
Wesens festzustellen.  Allgemein  sind  die  Thes-  Zeichnung  fiiai]  im  Volksmunde  nicht  nur  in 
mophorien  ein  Weiberfest;  nach  Aristoph.  der  ältesten  Zeit  geführt,  sondern  auch  dann 
Eccl.  223  gehört  die  Thesmophorienfeier  zu  30  noch  beibehalten  haben,  als  dieses  Fest  um 
den  althergebrachten  Weiberbeschäftignngen  einen  Tag,  deu  10.  des  Monates,  vermehrt  wurde, 
wie  „ko.ehen,  backen  und  ehebrechen".  Mit  Nach  Ovid.  Met.  10,  434,  der  höchst  wahr- 
weicher Gefahr  für  einen  Mann  die  Belauschung  scheinlich  die  attische  Feier  oder  eine  dieser 
dieses  Weiberfestes  verbunden  war,  zeigen  am  nachgebildete  im  Auge  hat,  bereiten  sich  die 
drastischsten  die  Thesmophoriazusen  des  Aristo-  Frauen  durch  neuntägige  Enthaltsamkeit,  d.  h. 
phanes;  vgl.  auch  die  Geschichte  des  Battos  von  vom  1.  bis  zum  9.  Pyanopsion,  auf  das  Fest 
Kyrene,  derwegen  seiner  Neugier  von  den  Thes-  vor.  Als  antiorektisch  dienen  ihnen  hierzu 
mophoriazusen  entmannt  wurde,  Suidas  s.  vv.  verschiedene  Pflanzen;  Plin.  H.  N.  24,  59  nennt 
&ioaoq>6gog  und  GcpüxzgiUL.  Dafs  diese  Beschrän-  Keuschlamm,  vitex,  einen  der  Weide  ähnlichen 
kung  auf  die  Weiber  aber  nicht  nur  athenisch,  40  Baum,  d.  h.  griechisch  ayvog,  Ael.  Nat.  an.  9,26; 
sondern  eine  allgemein  übliche  Besonderheit  des  xovi>£a  nach  Schol.  Theoer.  4,  25  und  Schol.  Nie. 
Festes  war,  in  Boiotien  wie  in  der  Peloponnes,  in  Ther.  70 ;  v.vi coqov  nach  Hesych.  s  v.  —  Am  Vor- 
den  östlichen  Kolonieen  ebenso  wie  in  den  nörd-  abende  des  10.  Tages  —  Schol.  Ar.  Thesm.  834 
liehen  und  westlichen  wird  durch  eine  grofse  sagt  am  9.  —  begann  das  eigentliche  Fest  mit 
Anzahl  von  Zeugnissen  aller  Zeiten  bestätigt;  den  Stenia,  in  welchen  Scherz-  und  Schmäh- 
vgl.  Hit.  6,  16;  Xen.  Hellen.  5,  2,  29;  Cic.  in  reden  ein  wesentliches  Element  bildeten,  Eubul. 
Verr.  4,  99;  5,  187;  Parthen.  Erot.  8;  Plut.  bei  Phot.  s.  v.  Ezrjviu;  Hesych.  Suid.  s.  v.  Die 
Solan.  8.  Quaest.  graec.  31.  de  Is.  et  Os.  69;  Weiber  begeben  sich  noch  während  der  Nacht 
Paus.  1,  43,  2;  4,  17,  1;  8,  31,  8.  36,  6;  Diog.  in  den  Demos  Halimus,  wo  auf  dem  Vorge- 
Laert.  9,  43;  Epiphan.  1,  1092  a;  Athen.  2,  46*>;  50  birge  Kolias  (Hisych.  s.  v.  KcaXiäg)  ein  Afifirtzgog 
Ps.-Pliit.  Epist.  7,  94.  —  Aus  dieser  Beschrän-  ugov  nolvazvlov  lag.  Die  Feier  daselbst  fand 
kung  geht  aber  auch  am  klarsten  hervor,  dafs  am  10.  statt,  Schol.  Ar.  Thesm.  80;  Phot.  s.  v. 
das  Fest  nicht,  wie  man  früher  annahm,  der  JTSBuoepogi'cov  fliegen.,  welcher  diesen  Tag  als 
Gesetzgeberin  im  allgemeinen,  nicht  der  Gfouocpogia  schlechthin  oder  auch  als  frEopo- 
Schöpferin  und  Hüterin  der  bürgerlichen  Ord-  yogi'a  bezeichnet;  vgl.  Bohde  im  Bhein.  Mus. 
nung  gegolten  haben  kann,  sondern  nur  der  25  S.  551;  Bobert  im  Hermes  20  S.  374.  Über 
Wahrerin  der  Weiberrechte  im  Staate,  d.  h.  der  die  Details  ist  naturgemäfs  nur  sehr  wenig 
Göttin  der  gesetzlichen  Ehe.  Am  meisten  bekannt;  dafs  auch  Reigentänze  dazu  gehörten, 
wissen  wir  von  der  attischen  Feier,  während  behauptet  Plut.  Sol.  8;  vgl.  Polyaen.  Strat.  1,  20. 
nur  vereinzelte  Notizen  uns  ähnliche  Bräuche  60  Als  Halimusische  Mysterien  wird  das  Fest  von 
oder  auch  Abweichungen  von  anderen  Kult-  Clem.  AI.  Protr.  2,  34  und  Arnob.  5,  2  bezeich- 
stätten  berichten.  net;    ob   aber   eine   wirkliche   Einweihung   zur 

Die  Jahreszeit  war  die  der  Wintersaat,  der  Zulassung  erforderlich  war,  oder  die  Bezeich- 

Monat  Pyanopsion,   Plut.  vit.  Dem.  30;  de  Is.  nung   Mysterien   nur  vum   männlichen   Stand- 

et  Os.  69.    Der  Monatstag  des  Hauptfestes  und  punkte  aus  gewählt  ist  (Hilf.  2,  171;  vgl.  Plut. 

vorletzten    Festtages    Nrjeztia,    an    dem   auch  frgm.  ine.  84,  Däbner),  steht  dahin;  unbedingt 

die   aristophanische   Komödie  spielt,  wird  von  sicher  ist  eine  formelle  Weihe  nur  für  Smyrna 

Plut.  vit.  Dem.  30   unrichtig   als   der   16.   be-  bezeugt,  C.  I.  O.  3194,  und  die  dortige  Thesmo- 


1333      Kora  u.  Demeter  (Unterweltgött.)  Kora  u.  Demeter  (Unterweltgött.)       1334 

phoros  scheint  bereits  Züge  der  Kybele  in  sich  dem  finsteren  Hades.  Die  doppelte  Funktion  der 
aufgenommen  zu  haben.  —  Der  ll.Pyanopsion,  chthonischen  Gottheiten  —  ,, den  Lebenden  seg- 
der  erste  Tag  des  städtischen  Festes,  heifst  nensie  den  Anbau  des  Acker9,  die  ZuehtderFeld- 
avoSog  (Schol.  Ar.  Thesm.  80;  Phot.  a.  a.  0.;  fruchte  und  nehmen  die  Seelen  der  Toten  auf  in 
Hesych.  s.  v.  avoSog;  Alciphr.  JSpist.  3,39)  ent-  ihre  Tiefe",  Bohde,  Psyche  S.  191  (s.  auch  be- 
weder  nach  dem  Zuge  der  Weiber  von  Halimus  sonders  K.  0.  Müller  in  Ersch  u.  Gruber,  Allg. 
in  die  Stadt  oder  von  der  Prozession  nach  Encyld.  1,33  S.  292 ff.)  —  haftete  ursprünglich 
dem  auf  der  Pnyx  belegenen  Thesmophorion;  nur  an  Demeter  und  Zeus  Chthonios,  während 
s.  oben  Sp.  1292.  Stengel,  Kultusaltert.  S.  159  noch  Persephone  und  Hades  einseitig  als  die 
nimmt  an,  dafs  an  diesem  Tage  das  von  Isaios  10  furchtbaren  lebensfeindlichen  Herrscher  des 
3,80  erwähnte  Festmahl  stattfand,  welches  Totenreiches  galten.  Es  kreuzten  sich  also 
wohlhabende  Ehemänner  den  feiernden  Weibern  hier  zwei  verschiedene  Auffassungen  der  Unter- 
zu  geben  verpflichtet  waren.  —  Der  folgende  weit;  nach  der  einen  wurden  die  Toten  von 
12.  ist  die  bei  Aristophanes  geschilderte  Miarj  den  freundlichen  Spendern  des  Erdensegens 
oder  Nr)GT£i'a.  Dieser  Tag  wurde  als  Fasttag  aufgenommen,  nach  der  anderen  versanken 
begangen,  Ar.  Av.  1518;  Plut.  Dem.  30  (wo  sie  in  trost-  und  lichtlose  Nacht.  Man  setzte 
fälschlich  der  16.  genannt  ist);  Plut.  de  Is.  et  nunmehr  die  beiden  Unterweltgöttinnen  in  das 
Os.  69;  Schol.  Ar.  Thesm.  80;  Phot.  a.  a.  0.;  Verhältnis  von  Mutter  und  Tochter,  während 
Alciphr.  a.  a.  0.  —  Dafs  der  Eoraraub  wirklich  in  wahrscheinlich  älterer  Genealogie  Persephone 
mimisch  bei  dieser  Gelegenheit  aufgeführt  20  eine  Tochter  der  Styx,  Apollod.  1,  3,  1,  oder 
wurde,  sagt  Clem.  AI.  Protr.  2,  17,  und  nach  als  Daeira  (s.  d.)  eine  Schwester  derselben 
der  Analogie  von  Megara  (Paus.  1,  43,  2)  ist  es  hiefs  (vgl.  Preller,  Dem.  u.Pers.  S.  7  ff),  und  ent- 
auch  für  Attika  sehr  wahrscheinlich,  s.  Solide,  wickelte  daraus,  indem  man  die  Funktion  als 
Hermes  21  S.  125.  —  Auf  diesen  Tag  ist  auch  Totenbeherrscherin  fast  ausschliefslich  auf  die 
die  Versenkung  von  Schweinen  durch  einen  Tochterbeschränkte,  den  Mythus  vom  Koraraube. 
Erdspalt  in  einen  unterirdischen  Raum  (tizya-  Demeter  trat  in  dieser  Beziehung  immer 
gov)  zu  legen,  die  nach  Clim.  AI.  a.  a.  0.  an  mehr  zurück.  Es  ist  ein  gelehrter,  aber  ver- 
die  Versenkung  der  Schweine  des  Eubuleus  einzelter  Einfall  des  Dioscuridcs ,  wenn  er 
erinnern  sollte;  die  Reste  der  verwesten  Tiere  Anth.  graec.  1,499  statt  des  üblichen  iv"AiSov 
wurden  spätervon  den  uvrlrizoLcti  wieder  herauf-  30  einmal  $v  Jrjovg  sagt.  In  Athen  nannte  man 
geholt  und  sollten  der  Saat  Fruchtbarkeit  ver-  die  Toten  zf/jiKjrpt  101  nach  Plut.  de  fac.  in 
leihen,  Schol.  Luc.  dial.  mer.  2,  1  (Rhein.  Mus.  orb.  hm.  25.  In  Sparta  bildete  ein  Opfer  an 
25  S.  549).  Auch  wurden  aus  Teig  hergestellte  Demeter  den  Abschlufs  der  zwölftägigen  Trauer- 
pt,u7JficT«  SqukÖvtcov  -/.ctt  dvdgäv  oxrjuaTwv  zeit,  Plut.  Lyc.  27.  —  Ein  nach  Rom  über- 
versenkt. —  Von  dem  letzten  Tage  endlich  tragener  attischer  Brauch  war  es,  nach  der 
wissen  wir  nur,  dafs  er  KuV.iyivtiu  hiefs,  s.  Beerdigung  das  zugeschüttete  Grab  mit  Korn 
ob.  Sp.  926;  die  Tänze,  welche  aufser  anderen  zu  besäen,  Cic.  de  leg.  2,  63.  Dafs  die  in 
noch  zuletzt  Stengel  a.  a.  0.  an  ihm  nach  Pol!.  Rom  der  Ceres  dargebrachten  porca  praeci- 
On.  4,  100  stattfinden  läfst,  sind  weder  für  danea  und  praesentanea  (?),  Gellius,  Noct.  AU. 
diesen  Tag,  noch  überhaupt  für  die  Thesmo-  40  4,  6.  Festus  p.  273.  330  (Theicreivk)  der  Unter- 
phorien  bezeugt.  Aus  dem  Namen  folgt  nur,  weltgöttin  galten,  hat  Preller,  D.  u.  P.  S.  200 
dafs  es  sich  um  die  Erzeugung  einer  guten  richtig  erkannt,  s.  Bd.  1  Sp.  864 ff.  Als 
Nachkommenschaft  handelte,  und  aus  diesem  Schützerin  des  Grabes  finden  wir  Demeter 
Grunde  mag  an  ihm  auch  das  £r\(ila  (Hesych.  neben  Kora  und  den  chthonischen  Göttern 
s.  v.)  genannte  Opfer,  vxsq  räv  yivofisvcov,  (C.  I.  G.  26),  und  ein  anderes  Mal  neben  Plu- 
stattgefunden  haben;  so  wird  auch  Persephone  ton,  Persephone,  den  Erinven  und  den  übrigen 
C.  I.  G.  2388  angerufen:  unterirdischen  Göttern  (C.  I.  G.  916).  Die  In- 
V.a&i  näai  \j.av.ui<sv.  nolvXUaxn  Si  noXrj'i:  Schrift  ist  durch  die  bildliche  Darstellung  er- 
KOvQaig  Kai  KovQoig  roig  xai  iniooopivoig.  setzt  am  Denkmale  der  Haterier,  Benndorf- 
Von  Euboia  hebt  Plut.  Qu.  gr.  31  besonders  50  Schöne,  Lateran  nr.  359;  s.  Sp.  1341.  Als 
hervor,  dafs  die  KaXhyevsta  hier  nicht  an-  Unterweitgöttin  führt  Demeter  —  die  Genossin 
cremten  wurde.  deä  Zeus  Chthonios,  Hes.  op.  et  d.  465  —  den 

Die    neuere   Litteratur    über    das  Thesmo-  Beinamen  Chthonia  besonders  in  den  Kulten 

phorienfest  s.  bei  Stengel  a.  a.  0.  S.  158f.  von  Sparta  (Paus.  3,  14,  5)  und  Hermione  (s.  ob. 

Sp. 1295);  auch  Chamyne,  ihr  Beiname  in  Olym- 

F.  Demeter  und  Persephone  als  Göttinnen  der  p;ai  gehört  hierher.    Ein  Relief  aus  Gythion, 

Unterwelt.  auf  welchem  Demeter  und  Persephone  im  Typus 

Die  Unterwelt  ist  das  Gebiet,  auf  welchem  des  eleusinischen  Kultbildes  dargestellt  sind, 
sich  die  Annäherung  und  Verbindung  der  beiden  giebt  ihnen  den  Kerberos  bei.  —  Oft  ist  De- 
Göttinnen, der  Erd-  und  der  Mondgöttin,  voll-  60  meter  mit  Unterweltgöttern  im  Kulte  gepaart, 
zogen  hat.  Demeter  verkörperte  die  im  Erd  so  mit  Zeus  Buleus  oder  Eubuleus,  Tropho- 
inneren  wohnende  Triebkraft,  und  so  wurde  nios,  mit  Hades,  Hermes  und  dem  ursprünglich 
ihr  Sitz  dem  Totenreiche  benachbart  gedacht.  gleichfalls  chthonischen  Asklepios;  man  ver- 
In  ihr  erscheint  dieselbe  Wesensseite  der  chtho-  gleiche  die  Kulte  von  Lebadeia,  Eleusis, 
nischen  Götter,  welche  sich  in  dem  Namen  des  Korinth,  Hermione,  Epidauros,  Lako- 
UnterweltgottesPluton  ausspricht,  während  Per-  uien,  Pylos,  Kleitor,  Mykonos,  Arnor- 
sephone, die  Mondgöttin, aufdiedüstere  Seitedes  gos,  Knidos,  Athymbra  u.  a.  m.  —  Auch 
Totenreiches,  die  ewige  Nacht,  hinweist  gleich  unter  den  Kultgebräuchen  zu  Ehren  Demeters 


1335    Kora  u.  Demeter  (Unter weltgöttin)  Kora  u.  Demeter  (Unterweltgöttin)     1336 

finden  sich  so  manche,  die  auf  die  chthonischen  Die  Herrschaft  über  die  Toten  war  und 
Beziehungen  hinweisen.  Vorzüglich  wurde  die  blieb  in  der  Volksvorstellung  die  Hauptfunk- 
Göttin  an  Stätten  verehrt,  wo  ein  Eingang  in  tion  Persephones;  besonders  charakteristisch 
die  Unterwelt  gedacht  wurde,  so  in  Eleusis,  wird  sie  von  römischen  Dichtern  bezeichnet  als 
Tainaron,  Pheneos  und  zu  Syrakus  ander  Iuno  interna,  Verg.  Aen.  6,  138.  Stat.  Silv. 
Quelle  Kyane.  Die  Benutzung  unterirdischer  2,  1,  147.  C.L.L.  10,7576;  als  Iuno  Averna, 
Bäume  (iisyaga)  an  ihren  Festen,  wie  wir  sie  Ov.  Met.  14,  114.  Sil.  Ltal.  13,  601,  oder  als 
aus  Potniai  in  Boiotien,  aus  Lykosura  Iuno  Stygia,  Stat.  Theb.  4,  526;  in  einer  ähn- 
und  von  dem  athenischen  Thesmophorienfeste  liehen  Übertragung  heifst  sie  Ceres  inferna, 
kennen,  läfst  ebenfalls  die  Unterweltgöttin  in  10  Stat.  Theb.  5,  156,  und  Ceres  profunda, 
Demeter  erkennen.  ebda.  4,  460.  —  Der  Tod   des  Menschen  wird 

Schärfer  ausgebildet,  besonders  auch  durch  als   Persephones  Werk  angesehen,    Anth.  Gr. 

den  Mythus,  sind  diese  Beziehungen  bei  Perse-  2,  124   (Antip.   Thessal.).     Verg.  Aen.  4,  698. 

phone,  bei  welcher  aber  wiederum  der  Grund-  Stat.  Silv.  a.  a.  0.;    xarä   niXlvoiv   Jtanoivng 

begriff,   aus  dem  sich  jene   entwickelt  hatten,  steigen  die  Menschen  zum  Orcus  hinab,  C.L.G. 

vollständig  verblafste.    Abgesehen  vom  Namen  6657.  6653.  6685.    Als  Geleiter  der  abgeschie- 

zeigt  Persephone  nur  noch  wenig  Spuren  der  denen  Seelen  ist  Hermes   der  Bote  der  Perse- 

Mondgöttin;  bei Epieharm (bei Varro  del  l. 5,68)  phone  in  dem  Epigramme  b.  Kaibel,  Lnscr.  gr. 

führte  sie  den  Beinamen  Selene.   Nach  Aristocles  Sic.  et  Lt.    769.      /Torpa  (frsQßeqiovriv  =   in  der 

(bei  Poiph.  v. Pyth.il,  vgl.  dem.  AI. Strom.  5,51)  20  Unterwelt,  Anth.  gr.  2,  358  (Nicarch.);  3,  259. 

nannte  Pythagoras   die   Planeten  „Hunde    der  C.L.G.  SOS.    Kaibel  a.  a.  0.  641.    Recht  häufig 

Persephone".   Die  anderen  Mondgöttinnen  wur-  werden    Grab    bezw.    Unterwelt    als    ftciXctfiog, 

den  zu  Schwestern  der  Persephone  gemacht,  so  dä/ia,  ctvXr]  der  Persephone  bezeichnet,  Pindar 

Artemis  von  Aeschyl.  bei  Hdt.  2,  156 ,   Hekate  Ol.  14,  20.  Lsthm.  7,  55.    Anthol.  gr.  1,  145  (Si- 

von   Eurip.   Lern    1048.     Scliol.   Theoer.   2,  12.  monides) ;  1,  163  (Empedocles) ;  2,  313  (Lucian); 

Schol.  Ap.  Lthod.  3,  467;    vgl.  Poscher,  Selene  3,  291.  311.     C.  I.  G.  800b.  1653.  2237.  2439; 

S.  48;   über  den  orphischen  Synkretismus   von  vgl.  die  Wiesen,  Haine,  Gefilde  der  Persephone: 

Artemis,    Hekate   und    Persephone    (Procl.  in  Anth.  gr.2, 260  (Aristodicus).  Kaibel  a.  a.  0. 642. 

Cratyl.  112.    Schol.  Theoer.  2,  12);  vgl.  Lobeclc,  Wenn    nun    auch   Persephone   als   strenge, 

Aglaoph.  S.  543  ff.  —  Als  Unterweltkönigin  neben  30  finstere    Schattenkönigin    die    Strafen    in    der 

Hades  thronend   gewann   Persephones    Gestalt  Unterwelt   verhängt,    so   ist   sie   doch   andrer- 

wie  die  ihres  Gatten  mehr  im  Mythus  als  im  seits    wieder    die    leicht   zur   Milde    geneigte, 

Kulte  Bedeutung.    In  der  Llias  und  der  Odyssee  die    sie    besonders    in    den    Erzählungen    von 

ist  sie   die  furchtbare  Herrscherin  der  Unter-  Orpheus    und    Alkestis    bewährte;    siehe    die 

weit,    die  x  509  aXoia  niQO^rpovsiag    genannt  Artikel  Admetos,  Alkestis,  Eurydike  und 

wird;   sie  verleiht  dem  Teiresias  das  Bewufst-  Orpheus. 

sein,  x  495,  X  635.    Dafs  sie  besonders  über  die  Von  Attributen,    welche   Persephone   in 

Seelen  der  Weiber  herrseht,  betont  X  386.     Als  dieser  Bedeutung  charakterisieren,  ist  zunächst 

Erfüllerin   der  Verwünschungen    erscheint    sie  des  Hahnes,  des  den  chthonischen  Göttern,  und 

mit  ihrem  Gemahle  und  ihren  Dienerinnen,  den  40  darum   auch   dem  Asklepios,    heiligen  Vogels 

Erinyen  (Bd.  1   Sp.  454 ff.  569  ff.),  welche  nach  zu    gedenken.     Er    wird   ihr   und    dem   Hades 

orphiselier  Version  sogar  ihre  und  Hades'  Töchter  bezw.  den  unter  dem  Bilde  dieses  Götterpaares 

sind  (Orph.  hymn.  29,  6;  68,  7;  69,  3.    Serv.  ad  Verstorbenen    von   Adoranten    dargebracht    in 

Verg.  Aen.  1,  82);  ihre  Anrufung  bei  Verwün-  lakonischen  Reliefen  Athen.  Mitt.2  Taf.  20.  22; 

sehungen   bezeugt   auch  G.  L.  G.  538.  —  Das  auf  dem  mehrfach  erwähnten  Relief  von  Lokroi 

Gorgonenhaupt  hütet  sie,  X  634.  Epizephyrioi  hält  Persephone  ihn  als  Attribut 

Schon  frühzeitig  wird  aber  die  Gestalt  der  in  der  r.  Hand,  ebenso  in  einer  von  dort  stam- 
Persephone,  wie  auch  die  des  Hades  (s.  Bd.  1  inenden  Darstellung  des  Koraraubes,  Archäol. 
Sp.  1785ff.),  durch  die  Ankiudung  an  Demeter  Zeit.  1870  S.  77,  und  in  einigen  anderen  grofs- 
gemildert.  Auch  in  Darstellungen,  in  welchen  50  griechischen  Reliefen,  s.  Baethyen,  De  vi  ac 
sie  uns  als  Unterweltkönigin  entgegentritt,  signif.  galti  S.  19  ff.  Den  eleusinischen  Mysten 
wird  durch  das  Attribut  der  Ähren  schon  in  war  der  Genufs  seines  Fleisches  verboten,  Por- 
archaischer Zeit  die  segensreiche  Funktion  der  phyr.  de  abst.  4,  29.  —  Unter  den  Pflanzen 
chthonischen  Götter  angedeutet,  so  auf  dem  ist  der  Asphodelos  der  Persephone  heilig, 
Terrakottarelief  von  Lokroi  Epizephyrioi,  das  mit  welchem  die  Rhodier  ihr  und  der  Artemis 
sie  neben  Hades  thronend  zeigt  (s.  Bd.  1  (Hekate?)  Bild  bekränzten,  Suidas  s.  v.  «ogso- 
Sp.  1797),  und  auf  schwarzfigurigen  Vasen-  d'eXüg.  Die  Cypresse,  der  noch  heute  belieb- 
bildern  mit  der  Bestrafung  des  Sisyphos  teste  Gräberschmuck,  wird  als  ihr  Baum  be- 
(Gerhard,  A.  V.  B.  Taf.  40,  s  unten  Sp.  1343)  zeichnet  von  Serv.  Verg.  Aen.  3,  681;  der 
und  dem  Kerberosabenteuer  des  Herakles,  Gar-  60  Zusatz  des  Interpolators  „propter  luctum  mo- 
giulo,  Coli,  of  the  Nat.  Mus.  3  Taf.  30;  auch  rentium"  trifft  jedenfalls  das  Richtige,  vgl. 
ein  rotfig.  Vasenbild  des  Museo  Faina,  dem  Bötticher,  Baumkultus  S.  486ff. 
letztgenannten  sehr  ähnlich,  ist  hier  zu  er-  Die  mannigfachen  Beinamen,  mit  welchen 
wähnen.  Üafs  diese  Milderung  besonders  die  griechischen  Dichter  die  Gestalt  der  Unter- 
durch  den  Kult  von  Eleusis  ausgebildet  wurde,  weltkönigin  ausstatteten,  sind  gesammelt  von 
ist  höchst  wahrscheinlich;  doch  ist  diese  Vor-  Bruchmann,  Epitheta  deorum  S.  190ff. 
Stellung,  wie  das  Beispiel  von  Lokroi  beweist,  Besonders  wurden  die  Beziehungen  beider 
auch  unabhängig  von  diesem  nachweisbar  Göttinnen    zur   Unterwelt    in    den    Mysterien- 


1337  Kora  u.Demeter (Eleusiniau.Eleusinien)  Koran. Demeter (Eleusinia  u.  Eleusinien)  1338 

kulten  und  -lehren  hervorgehoben;  s.  darüber  In  Eleusis  finden  wir  die  mysteriöse  Form 

weiteres  im  Artikel  Mysterien.  dieses  Kultes  am  stärksten  ausgeprägt.    Auch 

in  der  Peloponnes  hatte  der  Demeterkult  diese 

G.  Demeter-Elensinia  und  Eleusinien.  Form  annehmen  müssen,  und  hier  wie  dort  ist 

Noch  K.  0.  Müller,  Eleusinien  bei  Ersch.  der  Ausgangspunkt  hiervon  darin  zu  suchen, 
u.  Gruber,  Ällg.  Encykl.  1,  33  S.  269  und  dafs  die  Demeterreligion  die  des  unterdrückten 
Welcher,  Gr.  Götterl.  2  S.  511  glaubten  an  die  Volksstammes  war.  Der  später  eintretende  Ver- 
alte Etymologie,  nach  welcher  Eleusis  seinen  fall  der  siegreichen,  eingeführten  Religion  hatte 
Namen  von  der  Ankunft  der  Demeter  an  diesem  zur  Folge,  dafs  man  sich  wieder  in  einem  meta- 
Orte erhalten  haben  sollte  (Aristid.  Panath.  10  physischen  Bedürfnisse  nach  anderen  Göttern 
p.  257.  Etym.  M.  329,  35;  Etym.  Guä.  p  181;  sehnte,  und  so  nahm  man  seine  Zuflucht  zu  den 
vgl.  auch  die  lokalpatriotische  Erklärung  von  den  Vorfahren  geknechteten.  Die  Heimlich- 
Diocl.  5,  69  kjtö  tov  nao'  EtEptor  tX&stv  xo  keit,  mit  welcher  sich  die  alte  Religion  in  den 
CTifpfia  xojiie&i v).  —  Weit  näher  kommt  dem  Jahren  der  Unterdrückung  notgedrungen  hatte 
Richtigen  wohl  eine  zweite  von  K.  0.  Müller  umgeben  müssen,  all  die  Abschliefsungs-  und 
a.  a.  0.  aufgestellte  Hypothese,  dafs  Eleusis  Vorsichtsmafsregeln  gab  man  aber  auch  jetzt 
in  Zusammenhang  _  mit  'HXvaiov ,  ivr\Xvair],  nicht  auf,  sondern  behielt  sie  als  religiöse  Formel 
ElXziftvia  stehe.  Über  die  Bedeutung  dieses  bei,  einBeweis,  wie  allmählich  nur  dieseReligion 
Appellativums  an  sich  wage  ich  keine  Ver-  Fortschritte  machte.  Der  Inhalt  dieser  Reli- 
mutung.  Der  Name  Eleusinia  für  die  Göttin  20  gion,  den  sie  natürlich  auch  erst  nach  und 
ist  aber  schwerlich  von  der  Stadt  abzuleiten,  nach  gewann,  spricht  gleichfalls  dafür,  dafs 
vielmehr  scheint  das  Verhältnis  von  "EXzvgii;  es  eine  Religion  der  Unterdrückten  war  (s. 
zu  'EXtvaivia  ein  gleiches  wie  das  von  'A%r[vca  den  Artikel  Mysterien!.  Charakteristisch 
zu  'A&rjvrj  [vgl.  Studniczka,  Kyrene  S.  143  f.:  hierfür  ist,  dafs  man  sich  in  Kreta  der  Offent- 
„auch  die  Griechen  gaben  ihren  Städten  oft  lichkeit  der  eleusinischen  Lehre  rühmte, 
einfach  den  Namen  ihrer  Schutzgötter."  Eleusis  ist  erst  mit  Athen  vereint  worden, 
Röscher.]  Man  hat  nun  lange  Zeit  hindurch  als  der  Mysteriendienst  schon  in  verhältnis- 
die  an  vielen  Orten  vorkommenden  Kulte  der  mäfsig  hoher  Blüte  stand.  Das  vornehmste 
Demeter  Eleusinia  für  Filialen  des  attischen  Geschlecht,  die  Eumolpiden,  versah  das  oberste 
Eleusis  gehalten.  Wenn  auch  derartige  Filia-  30  Priesteramt.  Doch  auch  der  Volksstamm,  dem 
len  durch  das  späterhin  immer  mehr  wachsende  dieses  angehörte,  ist  nicht  als  der  ursprüng- 
Ansehen  dieses  Kultes  entstanden,  wie  in  liehe  Träger  dieses  Gottesdienstes  anzusehen, 
Alexandreia,  Arsinoe,  Neapolis,  und  sondern  der  vor  ihnen  in  diesem  Lande  an- 
auch  Bräuche  von  Eleusis  auf  ältere  Demeter-  sässige,  der  von  ihnen  unterdrückt  zu  dieser 
kulte  infolge  der  politischen  und  geistigen  Form  hatte  greifen  müssen. 
Hegemonie  Athens  aufgepfropft  wurden,  wie  Das  allgemeine  Ansehen  des  eleusinischen 
in  Megara,  Phlius,  Pheneos,  Lerna,  so  Dienstes,  der  aber  durchaus  nicht  einseitiger 
ist  doch  die  peloponnesische  Eleusinia  uralt;  Mysterienkult  war,  sondern  u.a.  auch  gymnische, 
sie  ist  die  vor  der  dorischen  Wanderung  in  hippische  und  musische  Wettkämpfe  —  nach 
der  Peloponnes  verehrte  Demeter,  deren  Kulte  40  Aristid.  Panath.  182.  329;  Eleus.  450  sogar  die 
von  den  Dorern  nach  Udt.  2,  176  unterdrückt  ältesten  —  enthielt  (Find.  Ol.  9,  150;  12,  157 
wurden,  deren  eine  Funktion  die  Thesmophoros  Isthm.  1,  81.  Marm.  Par.  30.  C.  I.  A.  1,  332; 
darstellte.  Toepffer  {Alt.  Geneal.  S.  221)  er-  2,  402.  444.  446.  465.  467.  469.  470.  471.  479. 
kennt  unbestreitbar  richtig  die  Identität  der  481.  482;  'Ecprjti.  aQ%aioX.  1883  Tat".  11;  Bull. 
Demeter  Achaia  (z.  B.  Flut.  Is.  et  Os.  69;  de  eorr.  hell.  5  S.  231;  (vgl.  Mommsen,  Heortol. 
C.  I.  A.  3,  373),  der  alten  grofsen  Stammes-  S.  231.  264ff.;  Heisch,  De  mus.  Gr.  cert.  S.  65; 
göttin  der  Achäer,  mit  der  an  verschiedenen  Nebe,  De  myst.  Eleus.  temp.  Diss.  Hai.  8  S.  79fr.; 
Orten  der  Peloponnes,  besonders  Lakoniens,  Crusius,  Myth.  Beitr.  S.  16;  Stengel,  Sakralalt. 
unter  dem  Namen  EtXsi&via  (Paus.  3,  14,6,  S.  125)  mit  Gerste  als  Siegespreis  (Aristid.  Eleus. 
'EXtv&ia  Ath.  MM.  1,  162,  'EXsv&co,  Hesych.  50  450;  Schol.  Find.  Ol.  9,  150),  war  zur  Zeit  der 
s.  v.,  'EXsvaia,  Lebas-Foucart  162,  Demeter  Schlacht  von  Salamis  schon  ein  recht  bedeu- 
Eleusinia,  Paus.  3,  20,  1;  8,  15,  1;  25,  2),  ver-  tendes;  vgl.  Hdt.  8,  65.  Kurz  vorher  jedoch 
ehrten  Göttin,  der  in  Lakonieu  ein  äycov  hatte  noch  Kleomenes  rücksichtslos  die  heiligen 
&vfiiXi-n6g  mit  Namen  'EXsvoivia  gefeiert  wurde,  Bezirke  der  Göttinnen  verwüstet,  Hdt.  6,  75; 
Hesych.  s.  v.  Einen  hippischen  Sieg  in  den  Schol.  Ar.  Lys.  273.  Erst  mit  dem  Steigen  der 
'EXevvvta  erwähnt  die  archaische  Inschrift  des  athenischen  Macht  gewann  auch  der  eleusinische 
Damonon,  Höhl,  Inscr.  gr.  ant.  79;  Ath.  Milt.  Kult  an  Glanz  und  Ansehen;  über  das  Eleu- 
2    S.  318;    Wide,  Lalcon.  Kulte  S.  174.  198.  sinion  in  der  Stadt  s.  oben  Sp.  1292. 

Wie  bei  diesen  alten  peloponnesischen  Kulten  Eleusinischen   Kult   in   Attika  kennen  wir 

jede  Abhängigkeit  von  dem  attischen  Eleusis  60  ferner  aus   der  Vorstadt  Agrai,    in    welcher 

ausgeschlossen  ist,    so   mufs   mau  das  gleiche  späterhin   die   kleinen  Mysterien   als   eine  Art 

für  den  Eleusiniakult  von  Pia  taeae  annehmen,  Vorbereitung  auf  die  grofsen  gefeiert  wurden, 

ebenso   für   den   von  Kreta   und   Thera  mit  s.  besonders   Plut.  Dem.  26;   Schol.  Ar.    Flut. 

ihren  Monaten  Eleusinios  und  den  der  olunti-  845.     Wenn  auch  später  die  Figuren  der  Kora 

sehen  Eleusinia.    Auch  die  Kulte  von  Ephe-  und    des   Dionysos    mehr  hervortreten   (Steph. 

sos  und  Mykale  reichen  in  zu  hübe  Zeit  hinauf,  Byz.  s.  v."Ayoa),  so  zeigen  doch  die  Weihungs- 

als  dafs  man  etwa  einen  Einfluß  des  attischen  legenden    von    Herakles,    den   Dioskuren  und 

Eleusis  annehmen  könnte.  Asklepios  —    auch  die   Weihung  des  letztge- 


1339    Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)     1340 

nannten  gehört  nach  Agrai  und  nicht  naehEleusis,  des  Gymn.  von  Plön  1871)  S.  35ff.  -weist  über- 
sowie  der  Epidaurientag,  Phtlosir.  Vit.  Apoll.  zeugend  nach,  dafs  hier  die  Vorstellung  von 
4,  18.  Paus.  2,  26,  8  sicherlich  in  die  kleinen  der  Göttin  selbst  zu  der  Tradition  von  dem 
Mysterien  fiel  —  dafs  ursprünglich  diese  an  dem  Bilde  geführt  hat,  das  thatsächlich  niemals 
Kulte  in  Agrai  Anteil  hatten;  Ken.  Hell.  G,  3,  6;  existierte.  Es  liegt  diesem  fingierten  Bilde  aber 
Diod.  4,  14.  25;  Aristid.  Eleus.  417;  Tzetz.  auch  keine  reine  Demetervors'tellung  zu  Grunde, 
ad  Lyc.  1327;  Schal.  Ar.  Plut.  845.  1013.  sondern  eine  solche  von  der  Gorgo-Erinys. 
San.  501;  C.  I.  A.  3,  900;  über  Herakles  vgl.  die  erst  spät  durch  Demeter  aus  dem  dortigen 
besonders  Dettmer,  De  Hercule  Att.  S.  65 ff.  Mythos  verdrängt  wnrde;  eine  merkwürdige 
Wahrscheinlich  handelte  es  sich  hier  aber  ur-  io  Übereinstimmung  in  den  charakteristischsten 
sprünglich  um  den  idäischen  Daktylen  Herakles  Teilen  zeigt  das  späte  unteritalische  Vasen- 
wie  in  Mykalessos  und  Megalopolis  (Paus.  8,  bild  2Ius.  Horb.  13  Taf.  59.  während  die  phi- 
31,  1),  dessen  chthonisch-mystischer  Charakter  galische  Gemme  bei  Overbeck,  Gr.  Kunstmyth. 
am  besten  durch  Diod.  5,  64  belegt  wird;  vgl.  3  S.  683,  3  (danach  Milchhöfer,  Anf.  d.  Kunst  in 
ktriibe ,  Bilderkr.  v.  JEleus.  S.  51.  Der  Zu-  Griech.  S.  55  Fig.  44  a  i  höchst  unpassender- 
sammenhang  der  Dioskuren  mit  Demeter  und  weise  von  Gurlitt ,  Pausanias  S.  177  hierher 
Kora  hat  seine  vorzüglichste  Analogie  im  bezogen  wurde.  —  Auch  das  Bild  des  Onatas, 
Kulte  von  Samothrake,  während  ihre  Ter-  welches  später  das  alte  Xoanon  ersetzt  haben 
bindnng  mit  Asklepios  uns  in  Hermione,  Epi-  soll,  fristet  ein  prekäres  Dasein.  Pausanias, 
dauros  und  im  athenischen  Asklepieion  be-  20  der  von  ihm  gehört  hatte,  sah  es  nicht  mehr, 
gegnet  war,  so  dafs  sich  auch  der  Kult  von  Agrai  und  auch  in  der  Tradition  wufste  man  nur 
als  durchaus  gleichartig  mit  den  anderen  —  wenig  von  ihm;  nur  einer  der  ältesten  Leute 
mittelbar  oder  unmittelbar  —  in  höheres  Alter  hatte  einmal  gehört,  dafs  ungefähr  100  Jahre 
hinaufreichenden  Demeterkulten  erweist.  Über  vor  seiner  Zeit  die  Decke  eingefallen  wäre 
die  Lehren  und  die  Bräuche  des  Mysterien-  und  das  Bild  begraben  haben  mochte.  Wie 
kultes  s.  den  Artikel  Mysterien.  es  ausgesehen,  ist  aber  absolut  nicht  zu  mut- 
_  _,  ,  _  ,  „  mafsen;  vgl.  Petersen  a.  a.  0.  und  de  Cerere 
H.  Demeter  nnd  Persephone  m  der  Kunst.  PMgal,  wo  er  S.  1  die  ältere  Litteratur  giebt; 
I.  Archaische  Zeit.  Overbeck,  Plastik3  1  S.  114.  Derselbe, Kimstm. 
Es  ist  mit  unserem  Materiale  nicht  niög-  30  3,2  S.  409ff;  6S3f.  Mannhardt,Mythdl.  Forsch. 
lieh,  sich  eine  auch  nur  einigermafsen  voll-  S.  249.  Kalkmann,  Pausanias  S.  19f.  Gurlitt, 
ständige  Vorstellung  von  der  historischen  Ent-  Pausanias  S.  176f.  —  Wenn  es  von  anderen 
wickelung  dieser  Göttertypen  bis  zur  Blütezeit  auch  nicht  ausdrücklich  hervorgehoben  wird, 
der  attischen  Kunst  zu  konstruieren.  Denn  dafs  es  Sitzbilder  gewesen  seien,  wird  es 
abgesehen  von  seiner  Spärlichkeit  ist  dieses  gleichwohl,  der  ISTatur  der  Erdgöttinnen  ent- 
Material auch  so  heterogen,  dafs  die  einzelnen  sprechend,  für  die  alten  Bilder  von  Mutter 
kleineren  Denkmälergruppen  durchaus  in  keinen  und  Tochter  im  Heiligtume  der  D.  Chamyne 
Zusammenhang  zu  bringen  sind.  Die  Unter-  zu  Olympia  (Paus.  6,  21,  1)  und  höehstwahr- 
drückung  des  vordorischen  Demeterdienstes  an  scheinlieh  auch  für  die  drei  chthonischen  Gott- 
fast  allen  Orten  der  Pelopormes.  abgesehen  40  heiten  im  Tempel  der  D.  Mysia  bei  Argos  an- 
von  dem  in  seinen  Kulten  wenig  Prunk  ent-  genommen  werden  müssen,  Paus.  2,  18,  3.  — 
faltenden  Arkadien,  sowie  die  durch  den  ho-  Ein  Standbild  hingegen  war  wenigstens  höchst 
merischen  Einüufs  bewirkte  Degradierung  der  wahrscheinlich  das  eherne  Kultbild  der  De- 
alten Stammesgottheit  zur  Schützerin  des  we-  meter  im  Tempel  von  Enna,  das  Cicero  Verr. 
niger  angesehenen  Landbaues,  hatten  den  Kult  4,  109  mit  den  Worten:  „modica  amplitudine 
auf  möglichst  einfache  Formen  beschränkt,  aus  ac  singulari  opere,  cum  faeibus,  peranbiquum 
welchen  ihm  eigentlich  erst  der  Aufschwung  omnium  illorum  quae  sunt  in  fano  multo  anti- 
der  Mysterienkulte  wieder  heraushalf.  Darum  quissimitm"  beschreibt,  vgl.  Förster,  Raub  u. 
überwiegen  in  der  archaischen  Kunst  die  Werke  Bückk.  d.  P.  S.  100.  Overbeck,  K.-2I.  S.  413. 
der  Thouplastik  so  auffallend  über  die  der  50  685.  Die  Fackeln  beziehen  sich  natürlich  nicht 
grofsen  Kunst.  Von  der  letzteren  ist  schlecht-  auf  die  7i?.üvrn  sondern  auf  ihre  Verwendung 
weg  nichts  erhalten,  was  einigermafsen  mit  im  Kulte.  —  Auch  über  die  sonst  noch  nach- 
Sicherheit Anspruch  auf  die  Benennung  De-  weisbaren  Statuen  der  Kora  Paus.  3,  20,  7; 
meter  oder  Köre  machenkönnte.  Auch  die  litte-  4, 14,  2;  5,  26,  2)  läfst  sich  nichts  Xäheres  sagen, 
rarische  Tradition  gewährt  nur  schwache  Ganz  altertümliche  Idole  einer  sitzenden 
Ausbeute.  Archaisehe  Sitzbilder  beider  Göt-  Göttin  auf  lydischen  Münzen,  die  an  die 
tinnen  befanden  sich  zu  Phlius,  Paus.  2,  13,  5;  Stelle  eines  älteren  anikonischen  von  der  Art 
solche  von  Goldelfenbein  im  Heraion  zu  Olyni-  Gerhard,  Akad.  Abh.  Taf.  59, 1 2  traten,  erfordern 
pia.  Paus.  5, 17,  3.  Das  merkwürdigste  Demeter-  durch  die  demetreisehen  Attribute,  Mohn  und 
bild,  von  dem  wir  Kunde  haben,  soll  das  alte,  60  Ähre  oder  auch  Ähre  allein  die  Benennung 
schon  in  sehr  früher  Zeit  untergegangene  der  als  Demeter  oder  Persephone,  vgl.  Pinder, 
Demeter  Melaina  zu  Phigalia  gewesen  sein.  Abhandl.  der  Berl.  Akad.  1855  Taf.  8,  4.  Over- 
Pausanias  (8,  42,  4),  der  örtliche  Tradition  beck,  Kunstmyth.  3,  Münztaf.  8,  1  —  4;  sehr 
wiedergiebt,  schildert  die  Göttin  danach  als  ähnlich  sind  diesen  auch  die  Gemmenbilder 
auf  einem  Felsenrande  sitzend,  mit  Pferdekopf  bei  Gerhard,  A.  B.  TT.  Taf.  308.  19.  AJ:ad.  Abh. 
und  Mähne,  und  stattet  sie  mit  einer  ganzen  Taf.  59,  9.  10.  —  Xach  Eckhel ,  Doctr.  Num. 
Reihe  von  Tierattributen  aus.  Petersen,  Krit.  vet.S  S.  113.  117  ist  der  Kultverhältnisse  wegen 
Bemerk,  zur  alt.  Gesch.  d.  griech.  Kunst  (Progr.  der   Bezeichnung  Kora   der  Vorzug   zu  geben; 


1341     Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)     1342 


bestätigt  wird  dies  durch  eine  Münze  von 
Aureliopolis  in  Lydien  {Revue  numism.  1884 
Taf.  1,  1),  wo  die  neben  dieser  Figur  stehende 
Frau  evident  Demeter  ist.  Die  ganze  Charak- 
terisierung dieser  Idole  liegt  in  den  Wahr- 
zeichen. Unter  den  Abweichungen,  welche  die 
verschiedenen  Vertreter  dieser  Monumenten- 
klasse auszeichnen,  sind  die  bemerkenswertesten 
die  auf  den  Kopfschmuck  bezüglichen;  so  haben 
den  Schleier  über  den  Kopf  gezogen  Overbeck  10 
a.  a.  0.  nr.  3  und  4  und  ebenso  das  Münzbild 
von  Aureliopolis;  ungewifs  ist  es  bei  Overbeck 
a.  a.  0.  nr.  2.  Einen  eigenartigen  kalathos- 
ähnlichen  Kopfschmuck  haben  nr.  3  und  4, 
während  nr.  2  eine  Mondsichel  und  das  Münz- 
bild von  Aureliopolis  ein  Diadem  trägt.  Ein 
stehendes  Idol  mit  cerealischen  Attributen  findet 
sich  auf  einer  Münze  des  Demetrios  III.  von 
Syrien  {Overbeck  a.  a.  0.  nr.  5,  besser  bei  Percy 
Gardner ,  Catal.  of  Greek  coins.  Tlie  Seltucid  20 
kings  Taf.  26,  lOj.  In  dieser  gleichfalls  mit 
dem  Schleier  versehenen  Figur,  neben  der  r. 
und  1.  Ähren  sichtbar  sind,  handelt  es  sich  wohl 
sicher  um  Demeter.  Ein  ähnliches  Idol  auf  einer 
Münze  des  Königs  Antiochos  XII.  bei  Imhoof- 
Blumer ,  Momi,  gr.  Taf.  H  15  wird  von  dem 
Herausgeber  S.  437,  121  mit  Unrecht  für  männ- 
lich und  bärtig  gehalten;  in  der  Abbildung 
erscheint  es  weiblich  und  als  Isis  bekleidet. 

In  der  Terracottaplastik  unterschied  30 
Demeter  sich  auch  nicht  sonderlich  von  den 
anderen  Göttinnen.  Dem  Fundorte  nach  wird 
man  für  gewisse  aus  Eleusis  und  Sicilieu  stam- 
mende Figuren  am  ersten  zur  Bezeichnung 
Demeter  geneigt  sein  Die  stehende  eleusi- 
nische  Figur  {Jahrbuch  des  archäol.  Inst.  3 
S.  343  Fig.  2G)  ist  eines  der  primitivsten  Bei- 
spiele von  dem  Streben  nach  anthropomorpher 
Gestaltung;  der  Kalatbos,  das  Erntesymbol 
als  Kopfbedeckung,  unterstützt  hierbei  wesent-  40 
lieh  die  Benennung  Demeter;  nahe  verwandt 
ist  die  in  Tanagra  gefundene  Figur,  Heuzey, 
Terr.  cuites  du  Louvre  Taf.  17,  1.  Einer  schon 
etwas  vorgeschrittneren  Kunstübung  gehört 
die  gleichfalls  durch  den  Kalathos  als  Demeter 
wahrscheinliche  Figur  von  Thisbe  an,  Jahrbuch 
a.  a.  0.  Fig.  27.  Heuzey  a.  a.  0.  Taf.  17,  3. 

Demeter,  sitzend,  mit  Persephone  und  He- 
kate  (beide  stehend)  zu  ihren  Seiten  erkenne 
ich  in  einer  athenischen  Terracotta  bei  Stackel-  50 
berg,  Gräber  der  Hellenen  S.  43  =  Gerhard, 
Akad.  Abh.  Taf.  22,  1.  Demeter  thront  und 
trägt  um  das  Haupt  eine  reich  verzierte 
Stephane,  hinter  welcher  ein  Schleier  auf  ihre 
Schultern  herabfällt,  Details,  welche  sich  bei 
der  zu  ihrer  Rechten  stehenden  Köre  wieder- 
holen, während  Hekates  Tracht  einfacher  ist. 
Der  Demeterfigur  dieser  Gruppe  recht  ähnlich 
ist  Panofka,  Terrae,  d.  Berl.  Mus.  Taf.  2, 
gleichfalls  aus  Athen  stammend,  doch  wird  60 
die  Benennung  hier  weder  durch  die  Gestal- 
tung an  sich,  noch  durch  irgend  welche  Attri- 
bute gestützt. 

Die  entsprechenden  Figuren  aus  Sicilien, 
Sitzbilder  {Gerhard,  A.  B.  W.  Taf.  95  und  in 
gröfserer  Anzahl  bei  Kekule,  Die  Terracotten 
von  Sicilien  S.  17f.),  sind  in  ihren  Beziehungen 
zum  Demeterdienste   der   Insel  problematisch, 


wiewohl  die  Benennung  nicht  unwahrschein- 
lich ist.  Das  einzige  Charakteristikum,  welches 
sie  zu  bieten  scheinen,  der  Kalathos,  ist  aber 
in  Sicilien  als  Kopfschmuck  auch  für  Aphro- 
dite nachweisbar,  vgl.  Kekide  a.  a.  0.  Taf.  2,  3. 
—  Auf  weit  sichererem  Boden  stehen  wir  da- 
gegen, wenn  wir  die  stehenden  archaischen 
Terracottafigürchen  von  Kamarina  für  Demeter 
in  Anspruch  nehmen.  Beispiele  hierfür  bei 
Caylus,  Kecueil  6  Taf.  37.  Kekide  a.  a.  0. 
S.  25ff. ;  Taf.  4,  1 — 5.    Das  allen  diesen  Figuren 


1)    Terracotta  von  Kamarina  (nach  Kekule,  Die  Terrae. 
c.  Sic.  Taf.  4,  1). 

gemeinsame  Attribut  ist  das  Opferferkel,  das 
sie  teils  ans  einer  Hand  herunterhängen  lassen, 
teils  mit  beiden  Händen  vor  dem  Leibe  halten; 
ein  weiteres  Attribut,  Mohn  oder  Granate,  hält 
nur  Taf.  4  nr.  3.  Bekleidet  sind  sie  in_  der 
Mehrzahl  mit  dem  Chiton,  dessen  langer  Über- 
wurf bis  über  die  Kniee  hinabreicht;  um  den 
Rücken  ist  bei  einigen  noch  das  Himation 
geschlagen,  dessen  Enden  über  die  Schultern 
und  Arme  fallen.  Den  Kopfschmuck  bildet 
ein  niedriger  Kalathos,  unter  dem  das  lang 
herabfallende  Haar  bis  auf  die  Schultern  hinab- 
reicht.    Keine    dieser   Figuren   trägt   den   für 


1343     Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)     1344 


den  sitzenden  Typus  charakteristischen  Schleier. 
Der  Kopftypus  ist  -völlig  bedeutungslos.  —  Eine 
Sonderstellung  in  dieser  Gruppe  nimmt  (Abb.  1 ) 
durch  die  Gewandung  die  Figur 
nr.  1  bei  Kekule  .a.  a.  0.  Tat'.  4 
ein;  hier  ist  der  Überschlag  des 
Chitons  so  kurz,  dals  unter  ihm 
die  Gürtung  noch  zum  Vor- 
scheine kornrut.  Hierdurch  ent- 
steht eine  Ähnlichkeit  in  der 

Gewandung  mit  einem  beson- 
2)  Münze  von  Me-       ,  .    ,  f.  ,    .         .     , 

tapont  (Mch  o»«--  dei's  wichtigen  statuarischen 
beck.K.n. 3  Münzt.  Typus  der  Demeter,  der,  wie 
7,  7).  S.  Sp.  1344,5.    wir  unten  sehen  werden,  seine 

Verbreitung,  wenigstens  höchst 
wahrscheinlich,  einem  in  Eleusis  befindlichen 
Vorbilde  verdankte.  —  Nichts  hat  mit  diesem 
Typus  die  archaische   kleine  Figur  aus  Calta- 


3)  Tersephone  in  der  Unterwelt  (nach  Gerhard,  Auserl. 
Vasenbilder  Taf.  87).     S.  Sp.  1345,  15. 


girone  bei  KehuU  Taf.  3,  1  zu  schaffen,  welche 
in  der  R.  einen  Mohnkopf  (eher  als  Granat- 
apfel) hält  und  deshalb  Demeter  oder  Perse- 
phone  benannt  werden  mufs. 

Während  wir  —  vielleicht  abgesehen  von 
der  einen  Kamariner  Terrakotte  —  das  Ver- 
hältnis dieser  Denkmälergruppe  zur  grofsen 
Plastik  in  keiner  Weise  bestimmen  können, 
gewähren  uns  unter  den  Münztypen  einige 
wenigstens  für  den  Kopf  einen   gewissen  An- 


halt. Hier  ist  ohne  Zweifel  auf  statuarische 
Vorlage  zurückgegriffen  worden.  Wir  können 
uns  hier  ganz  auf  die  von  Ovcrbeck  auf  seiner 
Münztafel  7  getroffene  Auswahl  beschränken. 
Den  archaischsten  Eindruck  macht  nr.  7,  ein  Di- 
drachmon  von  Metapont  (Abb.  2).  Der  Revers 
enthält  die  auf  Metapontiner  Münzen  so'häufige 
Ähre,  während  die  neben  dem  Kopfe  sichtbare 
Fackel    mit    Querhölzern    für    diesen   die   Be- 

10  Zeichnung  Demeter  sichert.  Das  metapontische 
Kultbild  der  Göttin  wird,  wie  die  meisten 
litterarisch  überlieferten  Demeterbilder,  ein 
Sitzbild  gewesen  sein;  wenigstens  spricht  der 
Schleier  auf  der  Münze  dafür,  da  dieser  für 
den  sitzenden  Typus  besonders  charakteristisch 
ist.  Die  Ähren  im  Haare,  auf  den  übrigen 
Münzbildern  fast  ausnahmslos  vorhanden,  fehlen 
hier.  Die  Haartracht  —  eine  Lockenumrahmung 
der  Stirn  —  unterscheidet  diesen  Kopf  beson- 
ders von  allen  anderen,  bei  denen  das  Haar 
nach  hinten  zurückgestrichen  ist.  Die  nächst- 
älteste Münze  ist  wohl  die  von  Paros  (a.  a.  0. 
nr.  1);  sie  zeigt  schon  die  Haartracht,  wie 
sie  von  nun  an  für  deu  Schleiertypus  charak- 
teristisch wird,  und  schliefst  aufserdem  noch 
durch  den  Ährenkranz  jeden  Zweifel  an  der 
Benennung  aus.  Besondere  typische  Merk- 
male sind  in  der  Gesichtsbildung  nicht  enthalten ; 
es  sind  Köpfe,  welche  bei  anderen  Attributen, 
wie  die  meisten  weiblichen  Köpfe  der  archaischen 
Zeit,  auch  jede  andere  Benennung  zulassen  wür- 
den. Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  die  chro- 
nologische Reihenfolge  der  Overbeckschen  Typen 
1—12  fixieren,  wobei  nur  auf  das  Alter  des 
Typus,  nicht  auf  die  zufällige  Prägungszeit 
der  Münze  Rücksicht  genommen  wird.  Sie 
ist:  7,  1,  6,  3,  2,  11,  9,  10,  12,  5.  Nr.  4  und 
nr.  8  sind  so  schlechte  Stempel,  dafs  sie  eine 
derartige  Bestimmung  nicht  zulassen  und 
auch  für  die  Geschichte  des  Typus  unwesent- 
lich sind. 

Die  seh  warzfigurige  Vasenmalerei 
ist  zu  keiner  anderen  Charakterisierung  der 
Göttinnen  als  zu  der  ganz  äufserliehen  durch 
Beischriften  oder  redende  Attribute  gelangt.  Die 
Demeter  der  Francoisvase  (beste  Publikation 
Wien.Vorl.-Bl.  1888  Taf.  3),  durch  Beischrift 
kenntlich,  schreitet  neben  Hestia  und  Chariklo, 
nur  durchdas  ganz  bedeutungsloseGewandmuster 
von  ihnen  unterschieden.  Ihr  entspricht  genau 
die  inschriftlich  bezeichnete  Demeter  in  dem 
Vasenbilde  des  Sophilos,  Athen.  Mitt.  14 
Taf.  1.  Bei  der  Aussendung  des  Triptole- 
mos  erscheint  mir  die  Anwesenheit  der 
beiden  Göttinnen  gesichert  nur  auf  dem  sf. 
Vasenbilde,  Mus.  Gregor.  2,  40,  2  =  Ocer- 
beck,  Kunst- Myth.  Atlas  Taf.  15,  6,  und  auf 
der  unpublicierten  Vase  in  München  nr.  543. 
Im  ersteren  Bilde  sind  beide  Göttinnen  äufser- 

60  lieh  einander  vollkommen  gleich;  sie  tragen 
das  Scepter,  sind  schleierlos,  und  nur  durch 
eine  Blume  ist  die  Figur  1.  vor  der  anderen 
ausgezeichnet.  —  Demeter,  nur  durch  die  Bei- 
schrift  kenntlich,  ist  auf  einer  Hydria  der  ehe- 
mals Feolischen  Sammlung  in  Würzburg  (Ger- 
hard. A.  V.  B.  1  Taf.  40  =  El.  ceram.  3,  41) 
im  Begriffe  auf  einen  Wagen  zu  steigen,  neben 
welchem  Apollon  und  eine  mit  dem  Diadem 


1345   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  ältesten  Kunst)  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)     1346 

geschmückte    weibliche    Figur    stehen;     dem  schieden    jugendlich;     die     Anthologie     wird 

Wagen  vorauf  schreiten  Hermes  und  eine  in  der  hier   durch   den  Blumenkranz  im  Haare  ange- 

Tracht  der  Demeter  gleiche  weibliche   Figur.  deutet. 

Vermutungen   über   die  Bedeutung  des  Bildes  Aufserhalb  Lokroi  kommt  der  Raub  selbst 

s.  bei  Preller,  Griech.  Myth.1  S.  597.    Strube,  in   dieser   Periode   nur    auf   einer  streng  rot- 

Bilderkreis  von  Ehuds  S.  63.  figurigen  Amphora  aus  Nola  vor  (Museo  Na- 

Von  Demeter  getrennt  ist  Persephone  als  zionale    nr.  3091;    abgeb.    bei    Förster,    Baub 

Unter weltgöttin   öfter   dargestellt   worden.  und  Rückkehr   der  Perseph.    Taf.  2.     Overbeck 

Doch  hat  die  archaische  Kunst  hierbei  auch  das  a.a.O.   Taf.  18,  11).     Hier   ist    das    typische 

Verhältnis  zur  Mutter  insofern  betont,  als  sie  ihr  10  Schema    der    Liebesverfolgung    wie    z.   B.    bei 

das  Ahrenattribut  in  die  Hände  gab.     So  sitzt  Poseidon  und  Amymone   beibehalten,  und   nur 

sie,  allein  durch  dieses  Symbol  kenntlich,  ohne  durch   Scepter   und   Füllhorn   als   Plutons  At- 

jeden  königlichen  Schmuck   Hades   gegenüber  tribute    ist    die    individuelle    Benennung    der 

bei    der    Bestrafung    des    Sisyphos    in    einem  Figuren   ermöglicht.    —     Schliefslich    fällt    in 

schwarzfigurigen Bilde,  Gerhard,  Auserl.Vaseitb.  den    Kreis    des    Koraraubes     eine    archaische 

Taf.  87  =  Wiener  Vorl.-Bl.  Ser.  E   Taf.  6,  6.  Silbermünze    von    Enna,    welche    die    fackel- 

—  In  den  sf. Darstellungen  von  Herakles'  Hades-  haltende  Demeter  auf  einem  Viergespann  zeigt, 

fahrt  ist  sie  öfter  anwesend,  vgl.  J.  Schneider,  s.   R.  S:  Poole,  Catalogue  of  the  greek  coins. 

Der  Zwölfkampf  des  Herakles  S.  47.    Thronend  Sicily  S.  58. 

mit  Diadem  sitzt  sie  in  dem  Unterweltspalaste,  so 

Mus.  Greg.  2,  52,  2%    während   sie  mit  dem  IL   Die   Denkmäler   der   Blüte-  und    der 

Diadem    geschmückt    herbeieilt    auf   dem  Ge-  Verfallzeit  der  griechischen  Kunst, 

mälde  am  Halse  einer  sf.  Hydria  bei  Gerhard,  Für  die  wenigen  Darstellungen  der  Demeter 

Asuerl.  Vasenb.  Taf.  40.     Im  Unterweltpalaste  und  Kora  vou  der  Hand  bekannter  griechischer 

stehend,  ohne  Schmuck,  aber  durch  die  Ähren  Küustler   fehlen   uns   meist  die  monumentalen 

kenntlich  finden   wir  sie  auf  der  sf.  Amphora  Anknüpfungspunkte,  so  dafs  wir  uns  von  ihrer 

bei    Gargiulo,    Collection    of  the    Kat.  3Ius.  3  Gestaltung  keine  Vorstellung  machen  können. 

Taf.  30  (fehlt  bei  Heydemann  und  im  Museum  Dies  ist  der  Fall  für  die  Werke   des  älteren 

von  mir  nicht   gefunden)  und  in   einem  ahn-  und  des  jüngeren  Praxiteles.     Für  die  Gruppe 

liehen  Vasenbilde    der    Sammlung    Faina   zu  30  des    ersteren,     Demeter,     Kora    und    Iakchos 

Orvieto.  s.  Paus.  1,  2,  4.   Clem.  AI.  Protr.  (J2;   vgl.  dazu 

Chthonische  Beziehungen  hatte  eine  Reihe  Gott.  gel.  Anz.  1871  S.  610  (Benndorf).  ArchäoL- 

lakonischer  Reliefe,  die  Milchhöfer,  Athen.  epigr.  Mitt.  a.  Österr.  4  S.  lff.  (Klein).  Sitzungs- 

Mitteil.  2  Taf.  20  ff.   (vgl.  Overbeck,  Plastik*  1  her.  d.  Manch.  Ah.    1880    S.  435  ff.    (Brunn). 

S.   128ff.)    veröffentlicht    hat,   wobei   es    voll-  Overbeck,  K.-M.  3  S.  425f.    Plastik3  1  S.  379. 

kommen  unwesentlich  ist,  ob  das  Götterpaar  Kroker ,    Gleichnam.  griech.  K.    S.  45  f.      Die 

selbst   gemeint   ist,   oder  ob   die  Toten  unter  Gruppe    des    jüngeren    Praxiteles    hat    nach 

ihrem  Bilde  heroisiert  sind.    Persephone  thront  Plin.  n.  h.  36,  23  zu  seiner  Zeit  in  den  Servi- 

neben  Klymenos  -  Hades;  mit  der  einen  Hand  lianischen  Gärten  zu  Rom  gestanden  und  soll 

hält  sie  ihren  Sehleier,   in  der  anderen  einen  40  von   Flora,    Triptolemus    und    Ceres    gebildet 

Granatapfel.    Eine  ähnliche  Darstellung  bietet  worden  sein,  wo  Flora  jedenfalls  durch  Kora 

ein  weit  reiferes,  aber  immer  noch  archaisches  zu  ersetzen   ist,    mag  nun  schon  Plinius  sich 

Relief   von   Lokroi    Epizephyrioi    (abgebildet  geirrt  haben  oder  mag   eine  verderbte  Über- 

Bd.  1    Sp.  1797),    wo    für   Persephone    sich   ja  lieferung     anzunehmen     sein,     vgl.     Overbeck, 

auch  die  Form  77/;piqpoV[a]    wie  in  Sparta  ge-  K.-M.  3    S.  565.  * —    Im   Demetertempel  von 

funden  hat,  vgl.  ob.  Sp.  1287.    Die  Göttin  thront  Bura  war  nach   Paus.  7,  25,  9   eine  Marrnor- 

zur  Rechten  des  Gottes,  dem  Beschauer  näher  statue  der  Göttin  von  dem  Bildhauer  Eukleides 

als    dieser,    während    sie   in    den    lakonischen  von  Athen;  der  Zusatz  kuizt]  är\ixy\xQllaziv  ia&r'is 

Reliefen  stets  von  diesem  verdeckt  wurde.     Sie  bezieht  sich  aber  nicht  auf  die  selbstverständ- 

trägt   den  Chiton,  den  als  Schleier  über  den  50  liehe  Gewandung,  wie  Overbeck  a.  a.  0.  S.  432 

Kopf   gezogenen    Peplos    und    im    Haare    ein  meint,  sondern  wohl  auf  einen  Prunkpeplos,  mit 

Diadem.  Während  in  den  lakonischen  Reliefen  dem  die  Statue  bei  festlichen  Gelegenheiten  ge- 

die  Adoranten   einen  Hahn  darbrachten,    hält  schmückt  wurde.  —  Mehr  wird  man  in  kurzem 

ihn  Persephone  hier  in   der  R.  und  in  der  L.  von   den  Werken   des   messenischen   Künstlers 

die  Ähren.    Ist  hierdurch  schon  die  Auffassung  Damophon   sagen    können,    der    ungefähr   für 

der  Persephone  von  Lokroi  als  Demetertochter  Epameinondas  dasselbe  war,  was  Pheidias  für 

gewährleistet,  so  kommt  dies  auch  durch  da-  Perikles  gewesen.    Bruchstücke  seiner  Tempel- 

selbst  gefundene  Darstellungen  vom  Koraraube  bilder   für   die   Heiligtümer   der   Demeter  und 

zum  Ausdrucke.     In   einem   lokrischen  Reliefe  Despoina  von  Megalopolis  (Paus.  8,  31,  2)  und 

hält  der  unbärtige  Hades  die  durch  den  Hahn  60  Lykosura   (Paus.  8,  37,  3)   sind   aufgefunden, 

charakterisierte  Kora  umfafst  und   ist  im  Be-  vgl.  Jtlxiov  äp^caoA.  1889   S.  161ff.   170.  202; 

griffe   sie  auf  den  Wagen   za  heben  (Archäol.  1890  S.  15.  113,  aber  leider  noch  nicht  bekannt 

Ztg.  1870   S.  77.      Overbeck,   Atlas  zur  K.-M.  gemacht*),    so    dafs   wir    sie   noch    unberück- 

Taf.  18,  17).     Während  in  diesem  Reliefe  der  sichtigt  lassen  müssen. 

Kopf  der  Göttin   zerstört  ist,    bietet  ihn  uns  „Die  Aufgabe,  einen  stehenden  Typus,  ein 

ein  zweites  desselben  Fundortes  (Bull.  Nap.  5  Ideal   festzustellen   war    eine    andere   bei   der 

Taf.  5,  4.    Overbeck  a.  a.  0.  Taf.  18,  16);    Kora  Hera,  Athena,  Artemis  als  bei  der  ländlichen 

erscheint     hier    in    Formen     und    Tracht     ent-  *)  Auch  PhotograpMeen  sind  nicht  erreichbar. 

Röscher,  Lexikon   der  gr.  u.  röm.  Mythol.  II.  43 


1347  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)   134S 

Göttin,  die  sich  der  wirklichen  Haltung  und  bei  Brunn- Bruckmann  nr.  7;  die  Litteratur 
Tracht  attischer  Bürgerinnen  noch  ansckliefsen  bei  Kekule,  Theseion  nr.  67;  vgl.  Overbeck, 
durfte,  wie  sie  auch  noch  in  den  Werken  der  K.-3I.  3  S. 426  f.:  Friederichs-  Wolters  nr.  1182), 
jüngeren  attischen  Schule  thut."  In  diesen  welches,  obwohl  von  verschiedenen  Seiten 
Worten  hat  Welcher,  Alte  Denhn.  5  S.  118  die  Erklärung  der  Mittelfigur  als  Iakchos  vor- 
aufs  treffendste  die  Kunstmythologie  der  De-  geschlagen  wurde  (so  von  Pcrvanoglu,  Bull.  d. 
meter  zusammengefaßt ,  und  mit  demselben  Inst.  1869  S.  200 ,  Brunn,  Bull.  d.  Inst.  1860 
Rechte  läfst  sich  dieser  Satz  auch  auf  Kora  S.  69,  Welcher,  Ann.  d.  Inst.  1860  S.  454 ff. ; 
anwenden,  wenn  man  von  den  Unterweltdar-  Alte  Dcnhn.  V  S.  104  ff. ;  Baumeister ,  Denkm. 
Stellungen  absieht.  Beiden  Göttinnen  fehlt  10  d.  kl.  Alt.  1  S.  412),  doch  für  eine  sichere 
der  männliche  Zug,  durch  den  sich  Hera,  Darstellung  der  Aussendung  des  Triptolemos 
Athena  und  Artemis  von  ihrem  Geschlechte  gelten  darf.  Ein  Zweifel  darüber,  wie  sich 
emancipieren  und  welcher  ihrer  Erscheinung  die  Namen  hier  auf  die  beiden  weiblichen  Fi- 
einen  meist  unverkennbaren  Stempel  aufprägt.  guren  verteilen,  dürfte  jetzt  kaum  mehr  ob- 
Andererseits  boten  die  Ackergottheiten  auch  walten.  Die  Figur  links,  welche  in  der  Rechten 
kein  so  ausgesprochenes,  dankbares  Problem  einen  Gegenstand  hielt,  den  sie  dem  Knaben 
für  den  Künstler  wie  Aphrodite,  und  wenn  übergiebt,  kann  nur  Demeter  sein,  während 
auch  die  Ausbreitung  des  Demeterdienstes  die  die  Figur  rechts,  welche  mit  der  Rechten  dem 
künstlerischen  Kräfte  vielfach  "in  Anspruch  Knaben  einen  Kranz  aufsetzt  —  wenigstens  ist 
nahm,  so  hat  doch  das  Hinarbeiten  nach  dem  20  diese  Auffassung  ihrer  Handlung  die  plau- 
Ausdrucke  einer  religiösen  erhabenen  Idee  hier  sibelste  —  Kora  zu  nennen  ist.  Demeter 
nicht  zu  dem  Resultate  eines  kanonischen  trägt  einen  langen  ärmellosen  Chiton,  der 
Ideales  oder  weniger  in  den  zahlreichen  Ab-  in  starken,  steilen  Falten  herunterfällt; 
Wandlungen  und  Abstufungen  immer  erkenn-  ein  kleines  Mäntelchen,  dessen  Enden  auf 
barer  Typen  geführt.  Die  Zahl  der  heut  nach-  den  Schultern  aufliegen,  und  Sandalen  ver- 
weisbaren sicheren  Demeter- und  Koradenkmäler  vollständigen  die  Kleidung.  Das  Haupt  ist 
in  der  grofsen  Kunst  ist  recht  gering,  und  höchst  etwas  nach  der  Mittelfigur  hin  gesenkt.  Das 
charakteristisch  ist,  dafs  die  bei  anderen  Gott-  Haar  reicht  in  langen  regelmäfsig  gewellten 
heiten  so  wichtigen  Büsten  und  Köpfe  hier  Strähnen  bis  zur  Mitte  des  Halses  herab.  Die 
ganz  zurücktreten.  Es  is  sehr  wohl  möglich,  30  erhobene  linke  Hand  hält  ein  Scepter,  das  mit 
dafs  unter  den  unbestimmbaren  weiblichen  einer  stilisierten  Blüte  geklönt  ist,  während 
Köpfen  unserer  Museen  sich  eine  ganze  Anzahl  die  Rechte  das  Ährenbüschel  gehalten  hat, 
solcher  befinden,  die  einst  auf  Demeterstatuen  welches  Triptolemos  in  Empfang  nehmen  soll, 
gesessen  haben,  aber  getrennt  von  den  Statuen,  Rechts  steht  Kora,  welche  durchaus  nicht  als 
der  Attribute  bar,  fehlt  ihnen  alles  Individuelle,  mädchenhaft  gegenüber  der  matronalen  De- 
was  uns  zu  dieser  Benennung  berechtigen  meter  charakterisiert  ist.  Augenfällige  Unter- 
könnte. Versuchen  wir  es,  das  wenige  Sichere,  schiede,  wie  die  weichere  Fülle  des  Gesichtes 
was  wir  haben,  zu  vereinigen.  im  Gegensatze  zu  den  schrofferen,  trockneren 

Fast  allgemein  ist  anerkannt,  dafs  wir  im  Formen  der  Demeter,  und  der  gefällige  Flufs 
Parthenonostgiebel  in  den  Figuren  E  und  40  des  Gewaudes  im  Gegensatze  zu  den  Steilfalten 

F  bei  Michaelis   (abgeb.  u.    a.    bei    Michaelis,  der  anderen,    sind   nur  stilistischer  und  nicht 

Parthenon  Taf.   6  E.  F.;    Overbeck,  Atlas  zur  typologischer  Xatur;  mit  Recht  hat  Otto  Jahn, 

K.-M.  Taf.    14,    18;    Murray,    Hist.   of   anc.  Popul.  Aufs.   a.  d.   Alt.    S.  230  f.   auf  stilver- 

sculpt.  2  Taf.  4;  am  besten  bei  Eayet,  Monum.  schiedene    statuarische  Vorbilder  geschlossen. 

d.  l'art  ant.  1  nr.  32  und  bei  Brunn-Bricckmann  Höchstens  können  in  dem  zarten  freien  Halse 

nr.  188)   das  eleusinische  Göttinnenpaar  zu  er-  und  in  dem  weniger  festen  Schlüsse  des  Chi- 

kennen  haben,  vgl.  3Iichaelis,  Parthenon  S.  168;  tons  am  oberen   Rande  Hindeutungen   auf  die 

Petersen,  Kunst  des  Pliid.  S.  122  ff. ;   Overbeck,  gröfsere  Jugendlichkeit   dieser   Figur  erblickt 

Kunstmylh.  3  S.  422,   Plastik3  1  S.  305;   Mur-  werden.     Sie   trägt  einen    langen    feinfaltigen 

ray  a.  a.  O.  S.  72;  Kay  et  a.  a.  0.   Die  Göttinnen,  50  Chiton;  um  den  Unterleib  und  die  Beine  legt 

ganz  gleich  gekleidet,   sitzen  auf  viereckigen,  sich  das  Obergewand,   von   welchem   ein  lang 

lehnelosen  Stühlen;  die  eine,  von  allen  aulser  herabhängender  Zipfel  über  die  linke  Schulter 

Ray  et  Kora  genannt,  legt  die  1.  Hand  auf  die  fällt;    besonders    beachtenswert   ist    aber_  der 

r.   Schulter  der  anderen.     In    diesem   Motive,  dreieckige  Hima.tionzipfel,   welcher   als  Über- 

sowie  in  dem  Umstände,  dafs  man  die  Mutter  schlag  von   der  Gürtung  hinunterhängt.     Der 

der  Mitte   näher   setzte,   um  ihr  die  volleren,  Kopf  ist  noch  etwas  mehr  geneigt  als  der  De- 

mächtigeren  Formen  verleihen  zu  können,  liegen  rueters;    das  reiche    Haar  ist  im  Schöpfe  auf- 

die  jetzt  noch  allein  wahrnehmbaren  Merkmale  gebunden.     In  dem  1.  Arme  lehnt  eine  grofse 

einer  Unterscheidung;  früher  mögen  noch  solche  Fackel;  die  rechte  Hand  hält  sie  über  Tripto- 

durch  Attribute  hinzugekommen  sein.    Im  gan- co  lemos'  Haupt,  dem   sie,   nach   einem   Einsatz- 

zen  spricht  sich  aber  aus  dieser  Gruppe  die  Auf-  loche  zu  urteilen,  eben  einen  (bronzenen)  Kranz 

fassung  beider  Göttinnen  als  eines  Paares  aus,  aufgesetzt   hat.     Wie   die   Füfse   Demeters   so 

dessen  Elemente   völlig  gleichberechtigt  sind.  sind  auch  ihre  mit  Sandalen  bekleidet. 

Ungefähr  derselben  Zeit  wie  diese  Gruppe  Dafs  es  sich  hier  nicht  um   frei  für  dieses 

entstammt  (Abb.  4)  das  berühmte  Relief  von  Relief    erfundene    Typen,    sondern    um    Ver- 

Eleusis  (abg.  u.  a.  Mon.  d.  Inst.  6.  7  Taf.  45;  wendung  schon  vorhandener  handelt,   ergiebt 

Ber.  d.  sächs.  Ges.  d.  Wiss.  1861  Taf.  5;   Over-  sich   aus   ihrem  Vorkommen  in   mehreren   an- 

beck,  Atlas  zur  K.-M.  Taf.  14,  8;   am   besten  deren  Reliefen,  Vasenbildern  und  Statuen. 


1349   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)   1350 


Am  wenigsten  verkennbar  treten  beide 
Figuren  in  einem  athenischen  Reliefe,  Schöne, 
Gr.  Reliefs  Taf.  11  nr.  57,  auf,  das  von  Bruno 
Sauer  (nach  mündlicher  Mitteilung)  als  Tripto- 
lemosausseudung  richtig  erkannt  worden  ist. 
Demeter  (Rest  der  Beischrift  erhalten),  im  Chi- 
ton mit  Ober- 
schlag,      steht 

neben  dem 
Wagen,  von 
dem  Reste  eines 
Rades  und  eines 
Flügels  erhal- 
ten sind.  Wäh- 
rend sie  die 
Rechte        nach 

Triptolemos 
ausstreckt,  ist 
die  Linke  wie 
scepterhaltend 
erhoben ,  und 
auch  die  Stel- 
lung desFingers 

läfst    keinen 
Zweifel,      dafs 
dies  Motiv  zürn 
Grunde      liege, 

wenn     auch 
räumliche 
Schwierigkei- 
ten   dem     ent- 
gegen zu  stehen 
scheinen.   Kora 
ist  genau  so  ge- 
kleidet, wie  im 

eleusinischen 
Relief,  nur  ist 
das      Himation 
noch  einmal  um 
den  linken  Arm 

geschlagen; 
der  dreieckige 
Überschlag  fin- 
det sich  hier 
wie  dort.  Auch 
in  der  Kopfhal- 
tung stimmen 
beide  Figuren 
zu  denen  des 
anderenReliefs. 

Am    meisten 

weicht     die 
Haartracht   ab, 
die  bei   beiden 

Figuren  des 
athenischenRe- 
liefs  gleich  und 
bedeutungslos 
ist.     Auch  hier 

zeigt  Kora 
durchauskeinen 
mädchenhaften 

Charakter;  sie  erscheint  nur  durch  die  weni- 
ger gebieterische  Stellung,  das  weitere  Senken 
des  Hauptes  als  die  zweite  des  Paares.  — 
Unsicherer  ist  die  Bedeutung  eines  Münchener 
Reliefes,  Brunn,  Glyptothek  nr.  85;  abgebildet 
bei  Lützow,  Münchener  Antiken  Taf.  34,  Lebas- 


Reinach,  Mon.  Fig.  Taf.  19;  daselbst  S.  58  die 
Litteratur.  Wenn  auch  eine  Ergänzung  als 
Triptolemosaussendung  auf  berechtigten  Wider- 
spruch stofsen  würde ,  so  wird  man  doch 
bei  zwei  offenbar  zu  einander  gehörigen 
Göttinnen,     deren     intime     Beziehung     durch 


4)  Dometer,  Triptolemos,  Kora,  Relief  von  Eleusis.     Nach  Photographie. 


das  Auflegen  der  Hand  der  einen  auf  die 
Schulter  der  anderen  sich  kundgiebt,  zu- 
nächst an  die  beiden  Eleusinierinnen  denken. 
Hierzu  kommt,  dafs  beide,  soweit  die  Publi- 
kationen erkennen  lassen,  in  der  Kleidung  mit 
den    Figuren    der    vorher    genannten    Reliefe 

43* 


1351   Kora  u.  Demeter  (i.  J.  Kunst  cl.  Blütez.)      Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)  1352 


übereinstiuimen ;  Demeter  trägt  hier  wieder 
das  Umschlagtuch  wie  in  Eleusis.  Unentschie- 
den mufs  bleiben,  ob  die  Göttinnen  Fackeln 
oder  Scepter  halten;  jede  hält  diesen  Gegen- 
stand im  linken  Arme,  in  derselben  Weise  wie 
Kora  im  eleusinischen  Relief.  Der  liebevoll 
gesenkte  Blick  Demeters  scheint  auf  Adoranten 
zu  deuten,  welche  sich  den  Göttinnen  nahen. 
Die  Bezeichnung  als  Friesrelief  (Milchhoefer, 
Ath.  Mitt.  12  S.  316)  ist  abzulehnen.  Auch 
in  zwei  Asklepiosreliefen  (Ath.  Mitt.  4  Taf.  14. 
15;  s.  auch  Brunn-Bruckmann  nr.  62,  1)  sind 
die  hinter  Asklepios  stehenden  weiblichen  Fi- 
guren unverkennbare  Umbildungen  dieses  Ty- 
]jus,  und  man  braucht  nicht  das  mindeste  Be- 
denken zu  tragen,  ihnen  auch  wirklich  die 
Namen  Demeter  und  Kora  beizulegen.  In 
Athen  wurden  sie  mit  ihm  zusammen  verehrt, 
vgl.i'Sp.  1292,  ebenso  wie  iu  Epidauros,  dem 
Mutterkulte  des  athenischen  Asklepiosdienstes, 
vgl.  Sp.  1296. 

Auffallend  treu,  abgesehen  von  der  Haartracht 
ist  Demeters  Gestalt  in  einem  Votivreliefe 
des  Louvre  wiederholt  (Fröhner,  Not.  de 
seulpt.  nr.  63,  abgeb.  u.  a.  Panofka,  Gab.  Pour- 
tales  Taf.  18;  Overbeck,  Atlas  z.  K.-M.  Taf.  14,  2; 
Baumeister  a.  a.  0.  S.  416),  während  Kora  be- 
sonders in  der  Gewandung  stark  verändert  ist. 
Bemerkenswert  sind  hier  zwei  neue  Attribute, 
der  Kalathos  auf  dem  Haupte,  unter  welchem 
das  Haar  in  langen  bis  auf  die  Schultern 
herabreichenden  Locken  hervorquillt,  und  die 
Schale  in_der  rechten  Hand,  welche  hier  die 
Stelle  der  Ähren  des  eleusinischen  Reliefs  ein- 
nimmt. In  der  erhobenen  Linken  ist  das 
Scepter  zu  ergänzen.  —  Die  Koragestalt  des 
eleusinischen  Reliefs  wiederholt  das  athenische 
Heydemann,  Marmorbilder  in  Athen  nr.  96,  ab- 
gebildet bei  Lebas-Beinach,  Mon.  Fig.  Taf.  45,  1 ; 
Overbeclc  a.  a.  0.  Taf.  14,  6.  Die  Gewandung 
stimmt  genau;  die  Arme  sind  gebeugt  und  in 
jeder  Hand  hält  sie  eine  Fackel.  —  Sehr  ähn- 
lich ist  ferner  das  Würzburger  Relieffragment, 
Jahrb.  d.  Altertums  fr.  im  Bheinl.  87  Taf.  2  a. 
Auch  einige  Vasenbilder,  welche  die  Aus- 
sendung des  Triptolemos  darstellen,  zeigen 
unverkennbare  Anlehnung  an  die  Typen  des 
Reliefs.  Besonders  ist  hier  Overbeck  a.  a.  0. 
Taf.  15,  23  zu  nennen.  Demeter  trägt  nur  den 
Chiton;  wenigstens  ist  von  dem  kleinen  Tuche, 
welches  sie  iu  den  meistenWiederholungen  dieses 
Typus  trägt,  nichts  sichtbar;  mit  der  Rechten 
schenkt  sie  dem  Triptolemos  aus  einer  Oinochoe 
ein,  während  die  Linke  die  ähren  hält.  Kora  ent- 
spricht in  Kleidung  und  Attributen  genau  dem 
letzterwähnten  Relief.  In  einem  anderen  Bilde 
(Overbeclc  a.  a.  0.  nr.  24)  sind  die  Rollen  ver- 
tauscht. Demeter  ist  gekleidet,  wie  wir  es 
von  Kora  erwarten  würden;  nur  im  Haare 
trägt  sie  ein  hohes  Diadem;  da  sie  die  Ähren 
übergiebt,  kann  an  der  Benennung  kein  Zweifel 
sein.  Hinter  ihr  steht  Persephone  im  Chiton 
mit  einem  Umhange,  der,  etwas  gröfser  als  in 
dem  Relief,  auf  beiden  Seiten  sichtbar  ist, 
sowie  bei  der  Demeter  des  Münchener  Reliefs; 
am  nächsten  steht  dieser  die  gleichfalls  Kora 
zu  benennende  Figur  des  Triptolemosbildes 
Boulez,  Choix  de  vases  Taf.  4.    Der  eigentliche 


Koratypus  liegt  etwas  verwandelt,  aber  un- 
verkennbar, auch  in  der  Kora  des  Vasenbildes 
Overbeck  a.  a.  0.  nr.  10  vor  und  noch  klarer 
iu  der  neben  Pluton  stehenden  Figur  des  Vasen- 
bildes Overbeck  a.  a.  0.  nr.  31,  wenn  man  auch 
diese,  trotz  der  beiden  Fackeln,  nicht  wird 
Kora  nennen  dürfen,  da  dieser  Name  schon 
von  der  Scepterträgerin  zur  Linken  des  Wagens 
in  Anspruch  genommen  wird.  —  Der  Typus 
10  war  gerade  in  der  Zusammenstellung  der  beiden 


5)  Statue  dö9  capitolinisclieu  Museums  (nach  Baumeister, 
.  Denkmäler  1  S.  414).     S.  Sp.  1345. 

Figuren  so  beliebt,  dafs  er  auch  auf  Gegen- 
stände anderen  Inhaltes  überging,  allerdings 
60  mit  gröfseren  oder  geringeren  Veränderungen; 
so  vergleiche  man  das  Relief  der  Villa  Doria- 
Pamfili  bei  Winckelmann ,  Mon.  Ant.  Ined.  1, 
50;  Gerhard,  A.  B.  W.  82,  2,  oder  das  der 
Villa  Albani,  Morcelli-Fea- Visconti  m:  1020. 

Eine  solch  ausgiebige  Verwendung  dieser 
Typen  ist  natürlich  nur  durch  statuarische 
Vorbilder  erklärlich,  und  in  der  That  fehlt  es 
nicht  an  Statuen,   welche  diese  Annahme  be- 


1353   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)   1354 

stätigen.  Der  Demeterfigur,  wie  sie  das  eleusi-  Frohner,  Sculpt.  nr.  395,  Clarac  Taf.  321,  996. 
nische  Reliefund  besonders  das  des  Lonvre  bieten,  Keine  unter  diesen  ist  aber  von  irgendwelcher 
entspricht  am  meisten  eine  überlebensgrofse  Bedeutung  für  die  Rekonstruktion  des  Typus. 
Statue  im  Hauptsaale  des  capitoliniseben  Sie  weichen  mehr  oder  weniger  von  der  capi- 
Museums,  die  im  Jahre  1750  auf  dem  Aventin  tolinischen  Statue  in  der  Gürtung  und  dem 
gefunden  wurde  und  wohl  deshalb  meist  für  Überschlage  des  Chitons  ab;  einige,  so  die 
eine  Hera,  d.  h.  die  Iuno  Regina,  gehalten  wurde.  vatikanische  Statue  (Heibig,  Führer  nr.  297; 
S.  die  hauptsächlichste  Litteratur  bei  Heibig,  abgeb.  bei  Overbeek,  Atlas  Taf.  14,  22,  besser 
Führer  d.  d.  öffentl.  Samml.  nr.  503 ;  Clarac,  bei  Brunn-Bruclcmann  nr.  172),  und  eine  in 
Taf.  423,  749 ;  neueste  Abbildungen  bei  Overbeek  10  Madrid  (Hubner,  D.  ant.  Bildw.  i.  Span.  nr.  42  ; 
a.  a.  0.  Taf.  14,  20;  Baumeister  a.  a.  0.  1  abgeb.  Clarac  Taf.  410  F,  749  C)  modificieren 
S.  414. —  Overbeek,  Kwnstmyth.  3  S. 461  ff.  nahm  auch  noch  die  Stellung;  immer  bleibt  jedoch 
zuerst  die  Statue,  auf  jene  Reliefe  verweisend,  soviel  des  Gemeinsamen,  dafs  man  den  gleichen 
für  Demeter  in  Anspruch.  Die  Figur  stellt  un-  zum  Grunde  liegenden  Urtypus  herauserkennt, 
verkennbar  eine  grofse  Göttin  von  durchaus  Für  den  Kopftypus  kommt  lediglich  die  letzt- 
matronalen  Formen  dar,  so  dafs  nur  zwischen  erwähnte  vatikanische  Statue  in  Betracht,  da 
Hera,  Demeter  und  etwa  noch  Hestia  zu  wählen  nur  sie  noch  den  originalen  Kopf  in  wirklich 
war.  So  wie  ihr  zu  der  letzteren  das  Ältliche,  guter  Erhaltung  und  auch  ohne  Entfremdung 
Resignierte  fehlt,  so  entschieden  fehlt  ihr  zu  durch  Porträtzüge  bietet.  Sie  wiederholt  den 
Hera  das  Strenge,  Majestätische.  Selbst  Heibig  so  Typus  der  capitolinischen,  ist  aber  weit  lang- 
a.  a.  0.,  der  für  die  Bezeichnung  Hera  eintritt,  weiliger  und  trockener;  doch  zeigt  auch  sie 
hebt  die  Weichheit  in  den  Formen  und  die  Milde  den  Bronzechavakter,  der  sich  vor  allem  in  der 
des  Gesichtsausdruckes  hervor.  Der  Hauptein-  Haarbehandlung  und  in  den  Augen  bekundet, 
druck,  welchen  diese  Statue  macht,  ist  der  der  Wie  die  capitolinische  Statue  im  ganzen,  so 
Milde,  Leutseligkeit  und  Einfachheit,  alles  Eigen-  macht  ganz  besonders  der  Kopf  mit  seiner  wei- 
sehaften, welche  weit  besser  für  Demeter  als  chen,vollen,  sogarschonschwerenFormengebung 
für  Hera  passen.  Wenn  auch  das  Louvrerelief  den  Eindruck  mütterlicher  Freundlichkeit  und 
in  Tracht  und  Stellung  am  nächsten  steht,  ist  Gutmütigkeit,  ein  Zug,  der  jedenfalls  weit  besser 
doch  das  lange  vom  Kalathos  gekrönte  Locken-  für  Demeter  als  für  Hera  pafst;  am  nächsten 
haar  desselben  in  der  Statue  durch  die  einfachere  so  steht  die  attische  Münze  bei  R.  J.  Puole, 
TrachtdesschlichtaufgebundenenHaaresersetzt.  A  Catal.  o.  t.  gr.  coins  of  the  Br.  Mus.  Attika 
Aus  einigen  Einsatzlöchern  glaubte  Petersen,  Taf.  15,  11.  Von  Demeter  wurde  der  Typus 
Rom.  Mut.  4  S.  36  ff.  auf  ein  Diadem  schliefsen  auch  auf  verwandte  Gottheiten  übertragen; 
zu  sollen,  und  hierauf,  sowie  auf  die  Ähnlich-  das  bekannteste  Beispiel  hierfür,  allerdings 
keit  einiger  attischer  Urkundenreliefe  (Schöne,  mit  völlig  anderem  Kopfe  und  Vertauschung 
Gr.  Rel.  Taf.  X,  54  und  AeXr.  uqx-  1888  S.  124;  von  rechts  und  links,  ist  die  „Eirene"  des 
beide  wiederholt  bei  Petersen  a.  a.  0.  und  Kephisodot,  wenn  diese  nicht,  wie  die  Ver- 
bei  Heibig  a.  a.  0.)  gestützt,  trat  er  für  die  bindung  mit  Plutos  wahrscheinlich  macht,  von 
alte  Benennung  Hera  ein.  Indessen  ist  keines  vornherein  als  Demeter  aufgefafst  war  und 
von  beiden  bindend.  Das  Diadem  findet  sich  40  erst  später  zu  ihrer  jetzigen  Bezeichnung  ge- 
bei  Demeter  nicht  nur  in  einer  ganzen  Reihe  langte.  —  Die  Entstehung  dieses  Typus  setzt 
von  Vasenbildem,  sondern  auch  in  Statuen  Petersen  a.  a.  0.  zu  spät  an,  wenn  er  ihn  dem 
und  Reliefen,  vgl.  die  Demeter  Rondanini  Alkamenes  zuschreibt;  Puchstein  ,  Jahrb.  d. 
unten  Sp.  1361  f.,  das  Relief  aus  Eleusis,  Athen.  Tust.  5  S.  92  bestreitet  das  gemeinsame  Vor- 
Mitteil.  16  S.  4,  ferner  den  Sarkophag  Wilton-  bild  für  diesen  Typus;  doch  handelt  es  sich 
house  Overbeek,  Atlas  z.  K.M.  Taf.  16,  3.  Die  auch  nur  um  freie  Weiterbildung  und  nicht  um 
athenischen  Dekretreliefe  bestätigen  aber,  ob-  direkte  Kopieen.  Nach  der  Strenge  der  elen- 
gleich sie  unzweifelhaft  Hera  darstellen  wollen,  sinischen  Relieffigur  wird  man  die  Schaffung 
gerade  Overbecks  Annahme.  In  ihnen  stehen  sich  des  Typus  kaum  weiter  als  in  die  Mitte  des 
Hera  und  Athena  gegenüber,  und  für  Athena  so  fünften  Jahrhunderts  hinabrücken  dürfen, 
hat  schon  R.  v.  Schneider,  Jahrb.  d.  Kunst-  Auch  für  die  Korafigur  des  eleusinischen  Re- 
sammlungen  d.  allerh.  Kaiserh.  12  S.  74  darauf  liefs  liegen  statuarische  Repliken  vor,  deren 
hingewiesen,  dafs  sie  in  der  Tracht  völlig  mit  wichtigste  die  früher  als  Sappho  bezeichnete 
der  Kora  des  eleusinischen  Reliefs  überein-  Statue  des  sg.  Cafehauses  der  Villa  Albani  ist 
stimmt.  Wie  Athena  der  Tochter,  so  ent-  (Fea- Morcelli- Visconti  nr.  749;  Heibig ,  Führer 
spricht  nun  Hera  der  Mutter.  Dem  Verfertiger  nr.835;  abg.  Clarac  Taf.  936  F.  2264,'  Overbeek, 
der  Urkundenreliefe  haben  also,  als  er  an  die  Atlas  14, 11).  Gleich  nach  dem  Bekanntwerden 
Gewandung  seiner  Figur  ging,  bewufst  oder  des  eleusinischen  Reliefs,  wies  Brunn,  Bull,  de 
unbewufst,  dieselben  Statuen  vorgeschwebt,  Inst.  1860  S.  69  auf  die  Verwandtschaft  der 
welche  der  Künstler  des  eleusinischen  Reliefs  60  beiden  Figuren  hin  und  nannte  die  Statue 
wiedergegeben.  Ob  nun  die  rechte  Hand  Ähren  seiner  Auffassung  des  Reliefs  gemäfs  Demeter, 
gehalten  hat  oder  eine  Schale,  läfst  sich  nicht  Mit  Unrecht  behält  dies  Overbeek,  trotzdem  er 
entscheiden;  das  Louvrerelief  spricht  für  das  die  Relieffigur  Kora  nennt,  bei.  Wenn  auch 
letztere.  In  die  Linke  ist  ihr  ohne  Zweifel  die  Körperformen  nicht  direkt  jungfräulich 
das  Scepter  zu  geben.  —  Overbeek,  K.-M.  3  sind,  so  behauptet  Heibig  a.  a  0.  dies  doch 
S.  461  f.  nennt  noch  acht  Kepliken  dieses  Ty-  mit  gutem  Grunde  von  dem  Kopfe.  Es  ist  ein 
pus,  deren  Zahl  sich  sicher  noch  wird  ver-  idealer  jugendlicher  Kopf,  welcher  sich  in 
mehren  lassen,  z.  B.  durch  die  Pariser  Statuette  Zügen  und  Ausdrucke   ganz    von    dem  Kopfe 


1355  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)      Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)   1356 

Fehlen  von  Köpfen  und  Attributen  nicht  zu 
entscheiden.  Auch  auf  der  Kora  verwandte 
Figuren  findet  sich  dieser  Typus  übertragen, 
u.  a.  in  zwei  Tutela  genannten  Figuren:  Gaz. 
archeol.  1879  Taf.  2  und  29. 

Ein  jüngerer  Typus,  der  aber  von  vorn- 
herein beide  Göttinnen  zu  einer  Gruppe  ver- 
einigt, ist  der  in  neuester  Zeit  von  Otto  Kern, 
Ätk.  Mitteil.  17  S.  125  ff.   als   die   eleusinische 

10  Kultgruppe  nachgewiesene.  Den  Ausgangs- 
punkt bot  ein  in  Eleusis  gefundenes  Fragment 
einer  panathenäischen  Preisamphora,  auf  wel- 
chem die  Gruppe,  zweifellos  auf  einer  Säule 
stehend,  wiedergegeben  ist  (a.  a.  0.  S.  126 
Fig  1).  Unverkennbare  Nachahmungen  der- 
selben sind  mehrere  in  Eleusis  und  in  Athen 
gefundene  Votiv-  und  Urkundenreliefe ,  ferner 
eine  bis  auf  die  Köpfe  erhaltene  statuarische 
Gruppe,  s.  die  Abbildungen  bei  Kern  a.  a.  0. 

20  Fig.  2  —  9,    ferner  Athen.   Mut.  2   Taf.  18;   4 


m 


Y 


des  Reliefs  entfernt.  Das  Haar  ist  in  eine 
Haube  gesteckt,  wie  es  oft  in  Werken  des 
fünften  Jahrhunderts  vorkommt;  auch  die 
diesem  Typus  besonders  nahestehende  Kora  des 
Triptolemosbildes  Overbeck ,  Atlas  Taf.  15,  23 
weist  diesen  Zug  auf.  Eine  Replik  dieses  Typus 
ist  die  mit  einem  Kopfe  der  Athena  oder  Roma 
ergänzte  capitolinische  Statue  Heibig  a.  a  0. 
507,  abg.  bei  Schneider,  Jahrb.  d.  Kunsts.  d. 
allerh.  Kais.  12  S.  73.  Auch  hier  handelt  es 
sich  um  freie  Umbildung  eines  älteren  Typus, 
wie  aus  einer  reifarchaischen  Bronzestatuette  in 
Wien  (Abb.  6)  hervorgeht,  Sacken,  D.'ant.Brons. 
Taf.  6,  2;  B.  v.  Schneider  im  Jahrb.  d.  Kunst- 

samml.  d.  aUerh. 
Kaiserh.  1891  Tf.  6. 
Diese  Figur,  deren 
Haltung  steifer  ist 
als  die  der  Kora 
Albani  und  der 
eleusinischen  Re- 
lieffigur, stimmt 
besonders  in  den 
Einzelheiten  der 
Gewandung  mit 
diesen  völlig  über- 
ein. Die  Deutung 
als  Kora  wird  durch 
eine  im  Haare  be- 
findliche Blüte 
wesentlich  unter- 
stützt. Den  statua- 
rischen Urtypus 
scheint  die  Bronze 
aber  viel  reiner 
wiederzugeben  als 
jene.  Die  anzu- 
setzenden Unter- 
arme hatten  die- 
selbe Haltung  wie 
die  der  atheni- 
schen Relieffigur 
Sp.  1351,37  und  der 
nächststehenden 
VasenbiWer  und 
sind,  wie  E.  r. 
Schneider  a.  a.  0. 
S.  74  richtig  be- 
merkt hat,  mit  zwei 
Fackeln  zu  ergän- 
zen, wohl  im  Typus 
des  hochaltertüm- 
lichen Demeterbildes  von  Enna  (Cic.  in  Verr. 
4,  109),  während  bei  der  Statue  Albani  nur  in 
der  gesenkten  Linken,  entsprechend  der  Kora 
des  Triptolemosreliefs,  eine  Fackel  zu  ergänzen 
und  in  die  Rechte  ein  Büschel  Ähren  oder 
Blumen  zu  geben  ist,  vgl.  Heibig  a.  a.  0. 

Ob  die  zwei  Statuen  des  Neapler  Museums, 
welche  im  Gewände  vollständig  mit  der  Statue 
Albani  übereinstimmen  {Clarac Taf.  410D,  7420 
und  420  A,  727  B;  Overbeck,  K.-M.  3  S.  470 
nr.  22.  23),  auch  wirklich  Koradarstellungen 
gewesen  sind  oder  nur  in  diesem  Typus  ge- 
haltene Porträts,  wie  eine  Statue  aus  Kreta 
(Gaz.  archeol.  1876  Taf.  12)  und  die  des  La- 
terans (Benndorf-  Schöne  -nr.  207;  Clarac 
Taf.  936  E,   2307  B),   ist   bei   dem  gänzlichen 


40  \ 


(.1)   Kora,    Statuette   in  "Wien 

(nach  Jahrb.  d.  Kunstmmml.  d. 

aUerh.  Kaiserh.  1891  Taf  6). 


II» 

7)  Relief  aus  Eleusis  (nach  Athen.  Stitteil.  17  [1S3S] 
S.  129  Fig.  i). 


Taf.  20;  Archäol.  Zeit.  18S3  Taf.  13,  1;  Ab- 
iohandl  der  Berl.  Äk.  1846  S.  234  Taf.  1,1  = 
Beschreib,  d.  Berl.  Skulpt.  nr.  709;  auszusondern 
ist  Athen.  Mitt.  16  S.  4.  Die  von  Kern  auf- 
gestellte Reihe  wird  sich,  wie  dieser  selbst 
sagt,  noch  vermehren  lassen;  so  ist  ein  weiteres 
Beispiel  das  Relief  in  Catajo,  Dütschke,  Ant. 
Bildw.  in  Ub.-Ital.  5  nr.  673.  —  Auch  die 
Vasen  späteren  Stiles  mit  Mysteriendarstel- 
lungen hat  Kern  mit  Recht  herangezogen  und 
zu  den  bisher  bekannten,  bei  Overbeck,  Atlas 
60  Tafel  18,  18—20  und  Mon.  d.  Inst.  12  Taf.  35 
=  Catal.  Castellani  Taf.  2  abgebildeten,  eine 
der  letzteren  nahestehende  Darstellung  grie- 
chischen Fundortes  hinzugefügt  (S.  133).  Am 
charakteristischsten  ist  die  Art  der  Gruppierung. 
Demeter  sitzt,  meist  auf  der  sogenannten  Cista 
mystica,  und  neben  ihr  steht  nach  den  zuver- 
lässigsten Exemplaren  zu  urteilen,  zwei  Fackeln 
haltend,    Kora,    und    zwar    zur    Rechten    der 


1357   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)      Kora  n,  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)    1358 


Mutter,    sowohl   nach   dem  wichtigen]  Vasen- 
fragmente     (Fig    1)     wie     nach     der     statua- 
rischen  Replik    (Fig.   9).     Die    Reliefe  wech- 
seln   darin    und    richten    sich    nach    äufseren 
Bedingungen;  vor  allem  beugen   sie    einer  et- 
waigen   Verdeckung   der    Demeter    durch    die 
Korafignr   vor,   indem   sie   in   nach   rechts  ge- 
richteten    Kompositionen     die     Figuren     um- 
stellen   (Figg.   2   und   4).      In    einigen    Fallen 
wird     auch    die    Gruppe    auseinandergezogen 
und   Kora    vor   oder  hinter  Demeter    gestellt, 
vgl.   Figg.  3.   5.    6;   Athen.  Mitteil.   2  Taf.  18; 
auch    zur    Handlung    werden    sie    verbunden, 
so   Figur    7   und    Athen.    Mitteil.    4    Taf.    20. 
Die    Mysterienvasen    zeigen   Kora    stets 
zur   Linken    der    Mutter.      Demeter    er- 
scheint in   den   Reliefen  fast  immer   im 
Chiton  und   mit   dem   um  Unterleib  und 
Beine   geschlagenen  Himation,  das  dann 
über  den  Rücken  hinaufgezogen  ist  und 
über    beide    Schultern    hinabfällt.     Das 
nicht     zu     üppige     Haar     zeigt    keinen 
erwähnenswerten    Schmuck;     es    scheint 
von  einem  dünnen  Reife  oder  Bande  zu- 
sammengehalten,   während    es     in     den 
Mysterienbildern  meist  reichen  Schmuck 
trägt.     Die  eine  Hand,  ob  1.  oder  r.   ist 
schwankend,  hielt  jedenfalls  das  Scepter, 
hochaufgestützt  nach   Figg.   1.  3.  5   und 
Mon.  d.  Inst.   12   Taf.  35,  während  die 
anderen  Darstellungen,  in  denen  das  Scep- 
ter  erhalten   oder   zu   ergänzen  ist,   den 
Oberarm  senken  und  den  Unterarm  heben. 
—    Die    Gestalt   der    Kora   weist    schon 
gröfaere    Variationen    auf;   nicht   einmal 
demselben  Typus  folgt  sie  in  allen  Fällen; 
doch    darf  ihre   Gestalt   so ,    wie   sie    in 
der   Mehrzahl  derselben  (Figg.  1.  2.  6.  7; 
Ath.  Miit.  2  Taf.   18;  Berliner  Skulpturen 
nr.  709)  sich  findet,  als  die  dem  Kultbilde 
angehörige    gelten.      Dafs   dieser   Typus 
auch  mit  anderenDemeterfigureu  gruppiert 
oder   auch   selbständig  verwertet  wurJe, 
zeigen  mehrere  Reliefe,    0 verbeck,  Atlas 
Taf.  14,  2 — 5;   besonders  das  letzte  Bei- 
spiel ist  überzeugend.    Für  das  Kultbild 
werden  wir  die  beiden  Fackeln  annehmen 
müssen,    wie   wir    sie    in    verschiedenen 
Exemplaren  sehen.  —  In  Fig.  3  erinnert 
Kora  sehr  an  die  Demeter,  in  Fig.  4  an 
die  Kora  des  Triptolemosieliefs.  —  Sehr 
verändert    liegt    diese    Gruppe    in    dem 
Relief  einer  Marmorvase  (Abb.  8)  und  in 
mehreren      Terracottareliefen     italischen 
Fundortes  vor  (Bull,  comun.  7  Taf.  1 — 5; 
s.   auch    Agincourt,  Fr  gm.  en   terrecwte 
Taf.  8,  4;  Campana,  Opere  in  Plast.  1,  Taf.  17; 
Overheck,  Atlas  Taf.  16,  10).    Alle  diese  Reliefe 
stellen  oder   stellten  Scenen  des  eleusinischen 
Mysteriendienstes    dar;     die     heiligen     Hand- 
lungen gehen  in  Gegenwart  der  Göttinnen  vor 
sich,    denen    man   die    Form    ihres   heiligsten 
Kultbildes  verliehen  hat.     Auch  hier  sitzt  De- 
meter   auf    der    Ciste    und    Kora    steht   eine 
Fackel    haltend   hinter  ihr.      Über    die    Ciste 
ist   ein  Fell  gebreitet,    und    um   sie  und   De- 
meter   windet    sich  jedesmal    eine    Schlange. 
Die  Kleidung  der  Göttinnen-stimmt  im  wesent- 


1359     Kora  U.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)   1360 


Hohen  mit  der  Mehrheit  der  vorher  erwähn- 
ten Reliefe  überein,  nur  flattert  beiden 
Göttinnen  das  Ende  des  Himations  schleier- 
artig um  den  Kopf.  Vollständig  verändert 
ist  Demeters  Haartracht.  Das  Haar  ist  in 
der  Mitte  gescheitelt  und  an  den  Seiten 
nach  hinten  zurückgestrichen;  darunter  fallen 
aber  noch  lange,  bis  über  die  Schultern 
reichende  __ Locken  hinab;  in  der  Mitte  ziert 
es  ein  Ährenbündel.  Dafs  dieser  etwas 
jugendlich  erscheinende  Kopftypus  ein  in 
Unteritalien  für  Demeter  üblicher  gewesen  sei, 
geht  aus  dem  Kopfe  eines  schönen  Terracotta- 
reliefs  (Abb.  9)  hervor,  -welcher  durch  die  in  den 
Händen  gehaltenen  Büschel  von  Ähren,  Blüten 
und  Mohn  und  durch  das  Schlangenpaar  in 
seiner  Bedeutung  sicher  ist,  wenn  auch  im 
Haare  das  Ahrenbündel  fehlt  (Campana,  Op. 
in  Plast.  1  Taf.  16;  Overbecl;  Atlas  Taf.  16,  8), 
und  ebenso  aus  einigen  metapontinischen  Münz- 


huuderts  zu.  Der  Kopf  zeigt  in  Wangen  und 
Kinn  dieselbe  'weiche  Fülle  wie  die  capitoli- 
nische  Statue;  der  Ausdruck  des  Gesichtes 
ist  von  mütterlicher  Freundlichkeit.  Die  An- 
ordnung des  Haares  ist  ganz  singulär;  viel- 
leicht ist  sie  porträthaft  und  gehört  in  dieser 
Form  ebenso  dem  römischen  Kopisten  an  wie 
die  plastische  Angabe  von  Augenstern  und 
Pupille;    doch  gegen    die    von    Jacobsen,  Ny 

10  Carlsberg  Glyptothek  nr.  1223  ausgesprochene 
Auffassung  als  Porträtstatue  sprechen  aufser 
der  hierfür  unerhörten  rein  griechischen  Tracht 
des  ionischen  Chitons  mit  Überschlag  auch  die 
idealen  Formen  des  Gesichtes.  Eine  kleine 
Wiederholung  mit  nur  unbedeutenden  Modi- 
fikationen in  Stellung,  Gewand  und  Form  des 
Thrones  ist  eine  Statuette  des  capitolinischen 
Museums ,  nr.  37 ,  abgebildet  bei  Bighetti 
Taf.  230;  der  kleine  Mafsstab  und  die  geringe 

20  Güte   der    Arbeit    verbieten    weitere    Schlüsse 


9)  Tenacottarelief  (nach  Overbecl:  K.-3T.  Atlas  Taf.  16,  S 


bildern,  s.  Overbecl;  K.-M.  3  Münztaf.  7,  17.   18. 
30.  31. 

Der  Typus  der  sitzenden  Demeter,  unab- 
hängig von  der  eleusinischen  Kultgruppe,  liegt 
uns  nur  in  einer  verhältnismälsig  kleinen  Anzahl 
von  Monumenten  vor,  obgleich  die  litterarischen 
Notizen,  wie  wir  oben  gesehen  haben,  ihn  als 
das  Regelmäfsige  hätten  vermuten  lassen.  Eine 
einzige  dieser  Statuen  hat  zu  gleicher  Zeit 
noch  sowohl  den  originalen  Kopf  wie  auch  antike 
Attribute,  die  ehemals  Rondaninische,  jetzt  in  der 
Jacobsenschen  Glyptothek  zu  Kopenhagen  be- 
findliche Statue (Guattani,  Man.  ined.  1787  Nov. 
Taf.  2,  Clarac  Taf.  433,  786;  Müller-~\Vieseler2, 
Taf.  8,  87  ;  hier  (Abb.  10)  nach  Photographie  vom 
Originale  abgeb.).  Ergänzt  ist  von  wichtigeren 
Teilen  nur  der  rechte  Unterarm  mit  der  Fackel ; 
die  linke  Hand  mit  dem  Büschel  von  Ähren 
und  Mohn  war  gebrochen,  ist  aber  ohne 
Zweifel  antik  und  zugehörig,  vgl.  Winclelmann, 
Briefe  an  Bianconi  §  40.  Die  Einfachheit 
in  der  Gewandbehandlung  weist  das  Original 
dieser    Statue    dem    Ende    des    fünften    Jahr- 


aus diesem  Monumente.  Den  durch  das  Diadem 
und  den  Schleier  ausgezeichneten  Kopftypus 
hat  Helbig,  Führer  nr.  874  in  dem  meist  Hera 
genannten  Ludovisischen  Kopfe  wiedererkannt 

50  (Schreiber,  Villa  Ludovisi  nr.  78;  abgebildet 
bei  Overbecl;  Atlas  Taf.  9,  12,  in  diesem  Lexi- 
kon Bd.  1  Sp.  2126),  dessen  milder  Ausdruck 
selbst  allen  den  Gelehrten,  welche  ihn  Hera 
benannten,  aufgefallen  war,  vgl.  Schreiber  a.  a.  0. 
(der  die  ältere  Litteratur  zusammenstellt)  und 
Fr ieclerichs- Wolters,  Gipsabgüsse  nr.  1515.  Auf 
griechischem  Boden  vertritt  diesen  Typus  der 
jüngst  von  Otto  Kern  in  der  'Ecprjg.  ägxotioX. 
1S92   Taf.  6    veröffentlichte,    inschriftlich    als 

60  Demeter  gesicherte  Kopf  aus  Eleusis.  Eine 
kleine  Wiederholung  dieses  Typus  ist  auch  das 
hübsche  Sp.  1363  nach  Kelule,  Die  Terracotten 
von  Sicilien  Taf.  21,  2  wiederholte  Köpfchen. 

Von  den  übrigen  auf  Demeter  gedeuteten 
sitzenden  Figuren  ist  diese  Bezeichnung  ganz 
sicher  nur  für  die  knidische  Statue  (abgeb. 
u.a.  bei  Newton,  Haliearn.  1  Taf.  53;  Overbecl, 
Atlas  Taf.  14,  14;  Brunn  -  Bruclmann  nr.  65; 


1361   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.Blütez.)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blüte2.)    1362 


am  besten  bei  Bayet,  Mon.  de  Vart  ant.  2 
Taf.  49,  der  Kopf  bei  Brunn,  Griech.  Götterid. 
Taf.  4),  die  an  künstlerischem  Werte  ohne 
alle  Frage  den  ersten  Platz  unter  den  er- 
haltenen Demeterstatuen  einnimmt.  In  der 
Auffassung  unterscheidet  sie  sich  insofern  von 
allen  anderen,  als  in  ihr  weniger  die  gütige 
göttliche  Spenderin  des  Getreides  als  die  änu 
rrjg  cvfi<poQÜg  (Cltm.  AI.  Protr.  4,  57)  kennt- 
liche wehmütig  trauernde  Mutter  betont  ist, 
wie  sie  besonders  fein  Brunn  analysiert  hat. 
„Der  Künstler  schuf  einen  nicht  mehr  jugend- 
lichen ,  aber  auch  vom  Alter 
noch  nicht  berührten  Frauen- 
kopf, ohne  äufseren  Schmuck; 
denn  auch  ihr  Schleier  ist 
nicht  eigentlich  ein  Schmuck: 
einen  Witwenschleier  möchte 
ich  ihn  nennen.  In  den  Zügen 
des  Antlitzes  aber  mischt 
sich  mit  einer  unaus- 
sprechlichen Weichheit 
und  liebevollen  Milde 
der  Ausdruck  eines 
durch  die  Zeit  zwar  ge- 
milderten, aber  nicht 
vertilgten  Schmerzes, 
einer  sehnsuchtsvollen 
Wehmut"  (Verhandl.  d. 
29.  Piniol.  Versaminl. 
zu  Innsbruck  S.  36, 
vgl.  Transact.  of  the  B. 
soc.  of  litt.  10  S.  80  ff. 
Griechische  Götter- 
ideale S.  45).  Die 
knidische  Demeter 
ist  ein  fast  voll- 
kommen frei  vonTra- 
dition  geschaffenes 
Kunstwerk,  welches 
von  dem  bestehen- 
den Typus  nur  den 
allgemein  mütter- 
lichen Charakter, 
die  Verschleierung 
und  wohl  auch  die 
zu  ergänzenden  At- 
tribute übernom- 
men hat,  in  der 
Anordnung  des  Ge- 
wandes und  des 
Haares  aber  und  vor 
allem  in  der  Durch- 
bildung des  Ant- 
litzes   seinen    aller- 

eigensten  Weg  geht,  auf  dem  ihm,  soviel  wir 
zu  erkennen  vermögen,  niemand  vorange- 
gangen war  und  nur  wenige  gefolgt  sind. 
Von  den  Münzbildern,  welche  Demeter 
sitzend  (s.  Beispiele  bei  Overbeck,  K.  -  M. 
3  Münztaf.  8)  oder  ihren  Kopf  mit  Schleier 
zeigen  (s.  ebda.  Münztaf.  7,  1  — 12),  giebt 
keines  den  Typus  der  knidischen  Statue  wieder. 
Nahe  steht  vielleicht  der  jetzt  nicht  mehr 
nachweisbare  aus  Rhodos  stammende  Kopf 
Cayhts ,  Recucil  6  Taf.  46;  eine  direkte  oder 
indirekte  Abhängigkeit  vom  Kopfe  der  Kni- 
dierin  läfst  sich  auch  für  den  Kopf  der  sitzenden 


Demeter  in  dem  Reliefe  aus  Eleusis,  Athen. 
Mitteil.  16  S.  4,  behaupten,  wiewohl  in  der  Ge- 
wandung der  Verfertiger  des  Reliefs  einem 
leichteren  Vorbilde  gefolgt  war.  Nach  der 
Abbildung  zu  urteilen  stimmen  die  beiden 
Köpfe  besonders  in  dem  hohen  Stirndreiecke, 
dem  weitgeöffneten  Auge  und  in  der  Haar- 
tracht übeiein;  man  beachte  besonders  die 
lang  herabreichenden  Locken;  eine  nur  kleine 
lo  Änderung  ist  das  Diadem  der  Relieffigur.  Nach 
Kern,  Ath.  Mitteil.  17  S.  126  f.  gehört  dies 
Fragment  zum  Lakrateidesrelief  ('Ecprja.  apjjKioi. 
1886  Taf.  3).  Dem  Kopfe  des  Reliefs  ist  ver- 
wandt der  etwas  jugendlicher  erscheinende 
von  Apollonia  ( Mon.  grecs  de  Vassoc.  pour 
Tencourag.  1873  Taf.  1).  —  Die  knidische 
Statue  ist  ohne  Zweifel  der  jüngeren  atti- 
schen Blütezeit  zuzuweisen,  vgl.  Overbeck  a. 
a.  0.  S.  447.  456;  Plastik  H  S.148;  Friede- 
riciis-Wolters,  Abgüsse  nr.  1275.  —  Andere 
sitzende  Demeterfiguren,  die  ohne  Zweifel 
auf  statuarische  Vorbilder  zurückgehen,  fin- 
den sich  auf  dem  Reliefe  der  Uffizien 
(Dätschke  nr.  418;  abgeb.  Mon.  Ann.  e 
Bidl.  d.  Inst.  1854  Taf.  10,  danach  bei  Over- 
beck, Atlas  Taf.  14,  2),  dem  Sarkophage 
Wiltonhouse  (Overbeck  a. 
a.  0.  Taf.  16,  3)  und  der 
Silberschale  von  Aquileja 
(Arneth,  Gold  u.  Silbermon. 
Beil.  2  =  Ov.  a.  a.  0.  16, 
11);  besonders  die  letztere 
ähnelt  aufserordentlich  der 
als  „Terra  Mater"  be- 
zeichneten sitzenden  Sta- 
tuette des  Konservatoren- 
palastes, Heibig,  Führer 
nr.  551 ,  abgeb.  bei  Ocer- 
beck  a.  a.  0.  Taf.  14,  17. 
Hier  sind  auch  Münztypen 
'■  zu  beachten,  so  z.  B.  Over- 
.  beck,  K.-M.  3  Münztafel 
•;„  8,  10,  und  besonders  ver- 
7  gleiche  man  die  Demeter 
j  vom  Sarkophag  Wilton- 
|  house  mit  Cohen,  Med. 
Imper.  1  Taf.  8,  wo  sie  so- 
gar ,  entsprechend 
dem  eleusinischen 
Kultbilde,  auf  der 
„Cistamystica"  sitzt. 
Unter  den  Kora 
genannten  Figuren 
hat  ein  Typus  An- 
spruch auf besondere 
Beachtung,  der  in  mehreren  Exemplaren  vorlie- 
gende, besonders  aber  durch  eine  Neapler  Statue 
vertretene  Typus  der  jugendlichen  Göttin  in  ganz 
charakteristisch  mädchenhafter  Auffassung ; 
6o  abgeb.  bei  Overbeck,  Atlas  Taf.  15,  26.  Die  mit 
dem  Chiton  und  unterwärts  mit  dem  Himation 
bekleideten  Körperformen  sind  von  durchaus 
mädchenhaftem  Charakter,  und  in  noch  hervor- 
ragenderem Mafse  offenbart  sich  dieser  in 
dem  prächtigen  jugendfrischen  Kopfe,  der  die 
Schönheit  der  Aphrodite  mit  der  Elasticität 
der  Artemis  vereint.  Augen  und  Mund  haben 
sogar  einen  ziemlich  sinnlichen  Ausdruck,  der  zu 


10)  Demeter  Jacobsen  nach  Originalphotographie.   S.  Sp.  1359,  57 


1363   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)    1364 


der  bisher  wahrgenommenen  sanft  melancho- 
lischen Stimmung,  welche  in  den  Monumenten 
dieses  Kreises  vorherrscht,  im  Widerspruche 
steht.  Der  Ährenkranz  im  Haare  sichert  je- 
doch die  Benennung,  während  die  in  denHänden 
gehaltenen  Attribute  als  modern  nicht  ins  Ge- 
wicht fallen,  vgl.  Overbeck,  K.-3I.  3  S.  482. 
Hochwichtig  ist  diese  Statue  besonders  dadurch, 
dafs  in  ihrem  Kopfe  das  Vorbild  für  eine  grofse 


Chiton  und  einem  diesen  fast  völlig  verdecken- 
den Himation,  welches  schleierartig  über  Kopf 
und  Kalathos  gezogen  ist. 

Die  Demeter-  und  Korastatuen,  welche  Over- 
beck, K.-M.  3  S.  464  ff.  und  477  ff.  als  dritte 
bezw.  zweite  Klasse  aufzählt,  sind  durchweg 
römische  Porträtstatuen,  in  welchen  römische 
Frauen  und  Jungfrauen  sich  in  der  gewöhn- 
lichsten Tracht  ihrer  Zeit  mit  den  cerealischen 


Anzahl   der   schönsten  Münzbilder    erhalten  10  Attributen  darstellen  liefsen,  wie  ja  die  weib- 


ist*); am  glänzendstenwerden  diese  durch(Abb. 13) 
einTridraehmon  von  Syrakus  vertreten  {Overbeck 
a.a.O.  Münztaf.  7,  43),  dessen  ährenbekränzter 
Korakopf  sich  durch  seine  selbstbewufste,  ja  ge- 
radezu herausfordernde  Schönheit  auszeichnet. 
Dafs  dieser  Typus  sich  aber  langsam  stufenweise 
aus  einem  würdevolleren,  strengeren  entwickelt 
hat,  zeigen  die  am  gleichen  Orte  nr.  38 — 40 
publicierten  Münzen  des  Agathokles  und  des 


liehen  Mitglieder  der  kaiserlichen  Familien  sich 
als  Jrjfir'jTriQ  via  oder  Ceres  nova  (s.  z.  B.  C.  I.  G. 
1073.  2815.  6280)  feiern  liefsen. 

Unter  den  Werken  der  Kleinkunst  sind 
wohl  die  Terracotten  am  ersten  als  Nach- 
bildungen der  grofsen  Plastik  zu  fassen.  Als 
unbedingt  sichere  Darstellungen  der  Göttinnen 
werden  allerdings  nur  wenige  gelten  können 
im  Vergleich    zu   der   grofsen  Anzahl,   welche 


Pyrrhos;  andere  Beispiele  dieses  Typus  s.  bei  20  man  schon  dafür  erklärt  hat.    Beide  Göttinnen 


Head,  Coins  of  Syr.  Taf.  5,  4;  9,  12;  10,  3,  4 
—  Den  originalen  Kopf  hat  von  den  diesem  Ty- 
pus angehöri- 
gen  oder  nahe 
stehenden 
Denkmälern 
höchstens  noch 
die  marmorne 
Statuette  in 


Taf.   16,  27    s. 
Test      S.     482 
nr.  15.     Der 
Kopfsteht  dem 
der    eben    be- 
sprochenen 
Statue    ent- 
schieden nahe. 


ristischenZüge 
bei  der  Klein- 
heit der  Ver- 
hältnisse arg 
auch  der  Ähren- 


11)  Demeter,   Terracottakopf  (nach 

Xekule,  Die  Terrae,  v.  Sic.  Taf.  21,  2). 

S.  Sp.  1360,  63. 


und 


vernachlässigt   worden 
kränz  fehlt. 

DieNaehbildung  eines  anderen  statuarischeu 
Koratypus,  sogar  höchst  wahrscheinlich  eine 


vollkommen  gleichartig  neben  einander  thro- 
nend, meist  beide  verschleiert,  finden  wir  auf 
Terracotten  von  Praeneste,  Gerhard,  A.  B.  W. 
Taf.  2.  3.  Einen  Kaben,  den  sie  bei  sich  haben, 
mufs  man  für  Iakcbos  halten  und  danach  die 
Gruppen  für  Beweise  des  daselbst  eingedrun- 
genen eleusiniscben  Kultes  halten.  Ohne  die 
Iakchosfigur  sitzen  die  Göttinnen,  mit  Schleier 
und  Kalathos  auf  dem  Haupte,  neben  einander 
Neapel,  Over-  30  in  einer  Gruppe  ans  Cypern,  Heuzey,  Terres- 
beck ,  Atlas  cuites  du  Louvre  Taf.  16,  2.  —  Gruppen,  eine 
Göttin  mit  einem  Kinde  darstellend,  aus  Paestum 
(Gerhard,  A.  B.  W.  Taf.  96)  gelten  wohl  gleich- 
falls mit  Recht  für  Demeter;  vgl.  Overbeck 
a.  a.  0.  S.  488  f.  —  Weitere  unbezweifelbare 
Demeterdarstellungen  haben  wir  aus  Kaniarina, 
wo  der  Typus  der  stehenden  D.  mit  dem  Ferkel- 
attribute,  den  wir  schon  in  der  archaischen 
Zeit  gefunden  hatten,  in  freier  Weise  weiter 
indessen  sind  40  gebildet  wird;  zu  dem  alten  Attribute  tritt  als 
die  charakte-  neues  die  Fackel  hinzu;  auch  der  Kalathos  ist 
auffallender  geworden.  Beispiele  bei  Kekule 
a.  a.  0.  Taf.  4,  6.  7.  8.  —  Eine  schöne  Terracotta 
strengen  Stiles(Abb.  15),  sichernoch  dem  5.  Jahr- 
hundert angehörig,  mit  denselben  Attributen  in 
derGewanduug,  aber  ähnlicher  der  archaischen 
(s.  Sp.  1340)  soll  nach  Lenormant,  Archäol.  Zeit. 
1864  S.  196  f.  aus  Eleusis  stammen,  abg.  da- 
selbst Taf.  191;  Eeuzey  a.  a.  0.  Taf.  18bis,  2. 


Kultbildes,  liegt  in  einer  marmornen  Statuette  oo  Figuren,  denen  von  Kaniarina  ähnlieh,  aber  mit 


aus  Knidos  vor,  Newton,  Halicarn.  1  Taf.  57 
=  Overbeck,  Atlas  Taf.  15,  28,  vgl.  Text  S.  476. 
Von  den  beiden  Attributen  Kalathos  und  Blüte 
weist  das  letztere  auf  die  jüngere,  mädchenhafte 
Auffassung,  in  welcher  sie  als  Göttin  der  Blüte 
sich  von  ihrer  Mutter,  der  Göttin  der  Frucht, 
unterscheidet.     Bekleidet  ist    Kora    mit    dem 

*)  "Während    der  Korrektur   teilt  mir  Paul  Arndt  mit, 
dafs  er  nach  genauer  Untersuchung  den  Kopf  für  modern 

halt.  Man  vergleiche  die  emphatischen  Versicherungen  60  sind  beide  sehr  häufig,  V 
lioerbecks  S.  482:  „Ganz  entschieden  antik  und  auch  nicht, 
wie  Gerhard  meint,  gebrochen  oder  aufgesetzt,  sondern 
nie  getrennt  gewesen,  vielmehr  mit  dem  Körper  aus 
einem  Stücke  und  von  vollster  Echtheit  ist  der  Kopf, 
wie  die  genaueste  Untersuchung  in  unmittelbarer  Nähe 
mir  erwiesen  hat."  Trotz  dieser  Beteuerung  bin  ich  nun- 
mehr geneigt,  die  Ansicht  Arndts  für  die  wahrschein- 
lichere zu  halten.  Der  Ergänzer  hat  sich  dann  an  die 
Koraköpfe  der  sicilischen  Münzen  gehalten. 


halb  entblöl'stem  Oberkörper  (Gerhard  a.  a.  0. 
Taf.  99)  scheinen  nicht  die  Göttin  selbst,  son- 
dern Dienerinnen  derselben  darzustellen. 

In  der  rotfigurigen  Vasenmalerei  ist 
kein  prinzipieller  Unterschied  in  den  Bildungen 
von  Mutter  und  Tochter  wahrzunehmen,  abge- 
sehen von  den  wenigen  Fällen,  die  wir  im  Banne 
der  statuarischen  Darstellungen  stehend  ge- 
funden hatten.  In  den  Triptolemosdarstellungen 

die  Zusammen- 
stellungen von  Gerhard,  Akad.  Abhandl.  2 
S.  453  ff.;  Stephani,  C.  £.  pour  1S59  S.  83  ff. 
Strube,  Bilderkreis  von  Eleusis  S.  9  ff.  und 
Overbeck  a.  a.  0.  S.  534  ff. ;  die  Abbildungen  s. 
bei  Lenormant  und  de  Witt>\  El.  ce'r.  2  Taf.  47. 
50—64,  Overbeck,  Atlas  Taf.  15 f.;  eine  wei- 
tere Roiüez,  Choix  de  vases  Taf.  4.  —  Wenn 
sich  auch  immer  aus  dem  Zusammenhange  er- 


1365  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)      Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)   1366 

geben    wird,    wie    die    Benennungen    auf   die      andere  übertragen  liefsen.     Das  Verhältnis  ist 
beiden  Figuren  zu  verteilen  seien,  so  giebt  es      ein    relatives.     Ähren,    Fackel,    Scepter    und 


12)  Demeter  von  Knidos  (nach  Rayet,  ilon.  <le  Vart.  ant.  2  Tai  49)..    S.  Sp.   1361. 

doch  auffallend  wenig   Züge,   welche   nur  der      Diadem    können    als    Attribut    ebensogut    der 
einen    eignen    und   sich    nicht    auch    auf   die       Mutter  wie  der  Tochter  verliehen  werden;  in 


1367   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)      Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)  1368 


f*j8§y 


13)  Koia,  MüDze  von 
Syrakus  (uacli  Ocer- 
tjeck,  K.-M.  3  Münztaf. 
7,  43).    S.  Sp.  1363,  12. 


gleicher  Weise  •werden  beide  dem  Scheidenden 
einschenkend  dargestellt;  jedoch  eignen  Ähren 
und  Scepter  von  vornherein  der  Demeter, 
während  die  Fackel  und  das  Einschenken 
ursprünglich  Kennzeichen  Koras  sind.  Allein 
Demeter  eigentümlich  ist  die  Übergabe  der 
Ähren;  allein  Kora  eigentümlich  das  Attribut 
der  zwei  Fackeln  und  die 
Bekränzung  des  Triptole- 
mos  mit  Kranz  oder  Tänie. 
Vereinzelt  treten  als  De- 
meters  Attribute  der  Pflug 
und  der  Kranich  auf.  ..Eine 
Kombination  von  Ähren 
und  Scepter  sichert  die 
Benennung  Demeter,  eine 
solche  von  Fackel  und 
Einschenken  die  Deutung 
als  Kora.  Auf  diese  Weise 
wird  man  durch  die  Ab- 
wägung der  Kennzeichen 
beider  Figuren  gegen  einander  immer  das 
Richtige  treffen.  Zu  vergleichen  ist  auch  das 
Berliner  Vasenbild  mit  Kadmos'  Drachenkampf 
(FurtuängUr  nr.  2634;  s. Gerhard,  JOtrusk.-camp. 
VI.  Taf.  c,  Welcher,  Alte  Denhm.  3  Taf.  23). 
—  Auch  auf  andere  Art  suchten  die  Vasen- 
maler in  einzelnen  Fällen  die  Mutter  auszu- 
zeichnen. Das  Diadem  ist 
bei  weitem  prächtiger  bei 
Demeter  (z.  B.  Orerbech, 
Atlas  Taf.  15,  11.  22a.  24. 
31),  oder  es  wird  dieser 
der  matronale  Schleier  ver- 
liehen (ebda.  nr.  19).  Ganz 
besonders  hob  der  Vasen- 
maler Hieron  die  Haupt- 
göttin dieses  Mythus  durch 
gröfsere  Pracht  der  Gewan- 
dung hervor,  indem  er  ihr 
einen  mit  jagenden  Vierge- 
spannen, Eroten  u.  s.  w. 
reich  bestickten  Peplos  gab. 
(Abb.  16).  —  Durch  gröfsere 
Zartheit  der  Form  bei  der 
Tochter  wird  nur  selten 
eine  Unterscheidung  an- 
gestrebt; es  ist  versucht 
und  zum  gröfsten  Teile  er- 
reicht worden  in  den  besten 
Triptoleniosbildern,  welche 
wir  haben  (Overbech  a.  a.  0. 
nr.  11),  und  in  einem 
.--_-.■;  hier  zum  ersten  Male 
publicierten  Orvie- 
taner    Vasenbilde    in 

14)  Demeter,  Terracottastat.    Perugia  (Abb.  17). 

(nach  Kehiic.  D.  Terr.  c.  Sic.  Aus  den  vier  Trip- 
Taf.  4,  7).  S.  Sp.  1367,  44.  tolernosbildern  des 
unteritalischen 
Stiles  (Ortrbech  a.  a.  0.  Taf.  16,  13  —  16) 
sondert  sich  ein  Paar  aus,  das  die  Ähren- 
übergabe darstellt.  In  den  beiden  Exemplaren 
desselben  (ur.  14  und  15)  erscheint  Demeter, 
zweifelsohne  nach  demselben  Vorbilde  kopiert, 
nach  rechts  stehend  mit  zurückgesetztem  r. 
Spielbeine.  Die  1.  Hand  hält  eiüe.Fackel  mit 
Querhölzern ,    während  die  r.   die  Ähren  über- 


reicht. Das  Obergewand  ist  schleierartig  über 
den  Kopf  genommen  und  die  Übereinstimmung 
erstreckt  sich  sogar  auf  das  unten  in  dasselbe 
eingestickte  Blattornament.  Kora  ist  in  beiden 
Darstellungen  unsicher,  doch  wird  in  dem  einen 
Falle  die  den  Kranz  haltende  Figur  am  wahr- 
scheinlichsten so  bezeichnet  werden  dürfen.  — 
In  den  beiden  anderen  Darstellungen  ist  De- 
meter nur  ein  reichgeschmücktes  Weib  mit 
10  Scepter  und  Diadem. 

Die  Darstellungen  des  Koraraubes  (Over- 
bech a.  a.  0.  Taf.  17,  25—27),  zu  denen  sich  die 
in   diesen  Kreis   gehörige   Scene  .des  obersten 


80 


15)  Demeter,  Terracotta  von  Eleusis  (nach  Heuzey, 
Terresc.  d.  Lottere  Taf.  ist>ie).     S.  Sp.  1367,  36. 

Streifens  von  Mon.  d.  Inst.  2  Taf.  31  gesellt, 
folgen  einem  gemeinsamen  Typus.  Demeter 
erscheint  in  schwerer  Kleidung,  die  von  den 
Korperformen  wenig  erkennen  läfst,  während 
die  körperlichen  Reize  der  prächtig  geschmück- 
60  ten  Kora  noch  durch  das  Gewand  erkennbar 
sind.  Als  Attribut  führt  Demeter  die  für  ihre 
Irrfahrt  charakteristische  Fackel  mit  Quer- 
hölzern. —  Über  die  Erscheiuung  der  Göttinnen 
in  den  Mysterienbildern  s.  oben  Sp.  1356  f. 

Besonders  zu  betrachten  sind  die  Monumente, 
in  welchen  Persephones  Beziehungen  zur 
Unterwelt  betont  sind.  Soweit  wir  diese 
in  dem  Kreise  der  attischen  Kunst  finden,  er- 


1369   Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kirnst  d.  Blütez.)       Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst  d.  Blütez.)    1370 


scheint  Persephone  hier  als  die  jugendliche 
Göttin,  das  geraubte  Mädchen.  Die  Gruppe  des 
Parthenonwestgiebels  (B  C  bei  Michaelis, 
Parthenon  Tf.  7. 8 ;  s.  Brunn-Bruckmann  nr.  192), 
welche  gewöhnlich  auf  Kekrops  und  Pandrosos 
gedeutet  wurde,  mufs  nach  Wiederholungen 
derselben,  welche  in  Eleusis   in  der  Nähe  des 


den  Beherrschern  der  Unterwelt  eine  ruhig 
zuschauende,  trauliche  Gruppe.  Persephone, 
in  den  Formen  nahezu  mädchenhaft,  schlingt 
den  Arm  um  den  Nacken  des  Gemahls,  dem 
als  Erkennungszeichen,  wie  in  den  archaischen 
lakonischen  Reliefen,  die  Schlange  beigegeben 
ist.     Kopf  und    Attribute    Persephones   fehlen 


IG)  Aussendung  des  Triptolemos  (anwesend:  Eleusis).     Vase  des  Hieron 
(nach  Overbeck,  K.-if.  Atlas  Taf.  15,  22a.)     s.  Sp.  13G7,  26. 


Plutonion]  zum  Vorscheine  kamen,  nunmehr 
für  Hadesjund  Persephone  gelten.  Die  best- 
erhaltene derselben  (abgeb.  'Ecpijii.  &Q%caol. 
1890  Taf.  12)   weicht  nur  in   der   Gewandung 


leider  sowohl  in  der  Giebelgruppe  wie  in  ihren 
eleusinischen  Repliken.  —  So  wie  hier  er- 
scheint sie  auch  bei  den  Götterzusammenstel- 
lungen  der  Vasenbilder   als   jugendliche    Ge. 


17)  Aussendung  des  Triptolemos  (anwesend:  Keleos  und  Hermes). 
Unediert.     S.  Sp.  1367,  55. 


Vasenbild  in  Pe 


und  durch  das  Fehlen  der  Schlange  etwas  von 
dem  Vorbilde  ab.  Bei  der  genrehaften  Dar- 
stellungsweise ,  welche  sich  in  den  Seiten- 
gruppen dieses  Giebelfeldes,  gemäfs  dem  dort 
befolgten  Kompositionsprinzipe  (vgl.  Sauer  in 
Ath.  Mitt.  16  S.  91  ff.),  geltend  macht,  und  der 
freundlicheren  Auffassung  der  Unterwelts- 
götter in  der  Religion  von  Eleusis  wurde  aus 


mahlin  des  alten  Hades,  zuweilen  durch  eine  Blüte 
ausgezeichnet  und  abstechend  gegen  die  könig- 
liche reife  Erscheinung  der  Hera;  s.  Mus. 
Greg.  2  Taf.  21,  1,  Mm.  d.  Inst.  5  Taf.  49; 
6  Taf.  58,  2.  — Jugendlich  sind  auch  die  Formen 
einer  Marmorstatuette  des  Museo  Chiarainonti, 
abgeb.  bei  Overbeck,  Atlas  zur  K.-M.  Taf.  14,  16, 
vgl.  K.-M.  3  S.  473  f. ,   die  Overbeck  mit  Recht 


1371     Kora  u.  Demeter  (in  der  spät.  Kunst)       Kora  u.  Demeter  (in  der  spät.  Kunst)     1372 


wegen  des  Ährenattributes  und  des  als  Ker- 
beros zu  ergänzenden  Hundes  für  die  Unter- 
weltkönigin in  Anspruch  nahm.  Kopf  und 
Arme  sind  ergänzt;  ein  Teil  des  Ährenbüschels 
jedoch  antik. 

Späterer  Zeit  gehört  das  Relief  der  best- 
erhalteuen  columna  caelata  aus  Ephesos 
an  (abgeb.  u.  a.  Anh.  Zeit.  1873  Taf.  65.  66 
und  Orerbeck.  Plastik3  2  S.  97),  in  wel- 
chem Bobeit,  Thanatos  S.  36,  wie  es  scheint 
mit  Recht,  eine  Scene  des  Alkestismythos 
erkannte;  die  Bedenken  wenigstens,  mit  wel- 
chen Wolters,  Gipsabgüsse  nr.  1242  diese 
Deutung  in  Frage  stellt,  waren  schon  im 
voraus  von  Bobert  zurückgewiesen;  jeder 
Basis  entbehrt  aber  die  Deutuug  Bewndorfs 
als  Parisurteil  (Bull,  comun.  14  S.  60 f.; 
vgl.  Bobert,  Archäol.  Märchen  S.  160  ff.). 
Die  Erscheinung  Persephones  erinnert  hier  am 
meisten  an  Hera;  sie  steht  1.  von  dem  thro- 
nenden Gatten.  Der  Gegenstand,  den  sie  in 
den  Händen  hält,  ist  nicht  mehr  kenntlich; 
höchstwahrscheinlich   war  es   ein   bedeutungs- 


das  Diadem,  abgesehen  von  zwei  Bildern, 
Neapel  3222  (Mon.  d.  Inst.  8  Taf.  9  =  Wiener 
V.-B.  Ser.  E  Taf.  2)  und  Santangelo  709  {Arch. 
Ztg.  1884  Taf.  18  =  11'.  V.-B.  a.  a.  0.  Taf.  3,  2), 
in  welchen  auch  Hades  durch  die  Einfachheit 
der  Tracht  auffällt.  Ihr  gewöhnliches  Attribut 
ist  die  Fackel  mit  Querhölzern  ,  wie  wir  sie 
bei  Demeter  in  den  Darstellungen  des  Kora- 
raubes    gefunden    haben.      In    derselben    Er- 

10  scheiuung  begegnet  sie  uns  auch  auf  der 
Adonisvase  Santangelo  (nr.  702;  s.  Bull.  Nap. 
N.  S.  7  Taf.  9  =  Baumeister  S.  16)  und  ohne 
Fackel  in  der  gleichen  Situation  Mon.  d.  Inst. 
6  Taf.  42  B.  Bei  der  Fesselung  des  Theseus 
und  des  Peirithoos  durch  die  Erinyen  steht 
sie  mit  zwei  Fackeln  in  den  Händen,  s.  Jatta 
nr.  1094  (Arch.  Zeit.  1844  Taf.  15;  Müller- 
Wieseler  2  Taf.  68,  S62;  W.  V.-B.  Ser.  E  Taf. 
6,  4),   während   das   Scepter  ihr   in   zwei  Dar- 

20  Stellungen  (Santangelo  709  und  auf  der  grofsen 
Karlsruher  Vase    Mon.   d.   Inst.  2   Taf.  49  = 
W.   V.-B.  Ser.  E  Taf.  3,  1)  verliehen  ist. 
Darstellungen  auf  römischen  Sarkoph  agen 


ls)  Proaerpina,  Pluto,  Ceres,  Relief  vom  Denkmale  der  Haterier.     Nach  Photographie. 


loser  Schmuckgegenstand.  Der  Kopf  fehlt  leider 
der  Figur. 

Die  späteren  Monumente  heben  vor  allem 
die  Eigenschaft  Persephones  als  Königin  her- 
vor, indem  sie  sie  entweder  thronend  in  der 
Unterwelt  darstellen  oder  sie  mit  reicher 
matronaler  königlicher  Tracht  ausstatten,  so 
dafs  sie  am  ähnlichsten  der  Hera  erscheint. 
Neben  dem  Reliefe  Albani  (abgeb.  Welcher, 
Alte  Dcnkm.  2  Taf.  4,  7;  Müller  -  Wieseler  2 
Taf.  7,  76),  dessen  Frauengestalten  grofse  Ähn- 
lichkeit, wenn  auch  nicht  völlige  Überein- 
stimmung, mit  den  Figuren  des  ephesischen 
Reliefs  zeigen,  sind  hier  eine  Reihe  Wand- 
gemälde aus  etruskischen  Gräbern  zu  ver- 
gleichen (s.  Bd.  1  Sp.  1804  ff.;  Müller-Wieseler  2 
Taf.  67  nr.  855)  und  besonders  die  grofse  An- 
zahl der  Unterweltvasen,  zusammengestellt 
von  A.  Winkler,  Die  Darstellungen  der  Unterwelt 
auf  unteritalischen  Vasen;  die  meisten  der- 
selben sind  abgebildet  in  den  Wiener  Vor- 
IcgeblätternSer.E  Taf.  1 — 6;  eine  weitere  giebt 
ll  inkler  a.  a.  0.  Persephone  thront  entweder 
oder  steht  neben  dem  thronenden  Hades.  Sie 
ist  reich  gewandet,  gewöhnlich  mit  schleier- 
artig heraufgezogenem  Obergewand,  und  trägt 


bieten  keine  neuen  Züge  (vgl.  Müller-Wieseler  2 
Taf.  68,  858  f.),  ebensowenig  das  Wandgemälde 
aus  dem  Grabe  der  Nasonen,  ebda.  nr.  860. 
Interessant  ist  aber  das  Relief  von  den  Ha- 
teriergräbern,  welches  die  Unterweltgötter 
darstellt  und  zu  Pluto  und  ProserpinanoehMercur 
und  Ceres  hinzufügt,  eine  Zusammenstellung, 

50  die  auf  griechischem  Boden  in  einer  Inschrift 
von  Knidos,  vgl.  Sp.  1305,  vorliegt.  Mutter  und 
Tochter  sind  fast  gleich;  Gewand,  Haartracht 
und  Schleier  stimmen  übereiu,  nur  sind  die 
Formen  der  Tochter  doch  etwas  zarter.  Auch 
die  Attribute  sind  verschieden;  Ceres  hält  die 
Ähren  und  die  in  römischen  Monumenten  ihr 
hauptsächlich  zukommende  Fackel,  während 
Proserpina  durch  Blüten  und  Früchte  aus- 
gezeichnet ist,  vielleicht  im  Anschlüsse  an  die 

co  Piaxitelische  Darstellung  der  Kora,  die  aus 
diesem  Grunde  bei  Plin.  36,  23  zu  einer  Flora 
wurde;  vgl.  über  dies  Relief  Benndorf-Sehöne, 
Lateran  nr.  359;  Brunn  in  den  Ann.  d.  Inst. 
1849  S.  405 ff.;  abgeb.  Mon.  d.  Inst.  V  Taf.  7,  2; 
Overbeck,  Atlas  Taf.  14,  15. 

Unter  deu  Mythen  der  Göttinnen  haben  wir 
nur  die  auf  den  Raub  und  die  Rückkehr  der 
Persephone    bezüglichen    zu    betrachten    und 


1373  Kora  u.  Demeter  (i.d. Kunst: Raub d.K.)  Kora  u.  Demeter  (i.d. Kunst:  Raub  d.E.)    1374 

können  darin  uns  um  so  kürzer  fassen,  als  be-  Taf.   18,   14,    welches    den   Moment  des  Ver- 

sonders  für  die   Darstellungen  des  Raubes   in  Sinkens  darstellt. 

dem  Werke  von  R.  Förster,  Der  Raab  und  Denkmäler  des  grofsen  Kunstbetriebes  spie- 
die  Rückhehr  der  Persephone  die  Monumente  geln  sich  in  den  Münzen  wieder.  Die  bei 
zusammengestellt  und  geordnet  sind;  als  lllu-  Overbeck,  K.-  M.  3  Münztaf.  9,  8 — 13  reprodu- 
stration  kann  Overbeck,  Atlas  Taf.  17.  18  dienen,  eierten  lassen  mit  alleiniger  Ausnahme  von 
während  der  Text  hierzu  K.-M.  3  S.  590  ff.  nr.  12  dasselbe  Vorbild  deutlich  erkennen; 
im  wesentlichen  die  Ergebnisse  Försters  wieder-  übereinstimmend  sind  in  ihnen  die  sich  hoch- 
holt, bäumenden    Rosse ,    das    nimbusartig    Hades' 

Auch  bei  der  Darstellung  des  Raubes  10  Haupt  umgebende  Himation,  die  sich  nach 
fehlenunsalle  Anhaltspunkte  zur  Rekonstruktion  hinten  zurücklegende,  widerstrebende,  die 
der  Werke  der  grofsen  Künstler,  welche  ihn  dar-  Hände  ringende  Persepbone,  zu  welchen  in  den 
gestellt,  Praxiteles  und  Nikomachos,  Plin  n.  h.  beiden  gröfsten  Exemplaren  der  über  den 
34,  69;  35,  108;  vgl.  Förster  a.  a.  0.  S.  102 ff.;  Pferden  schwebende  Eros  hinzutritt.  Durch 
Overbeck  a.  a.  0.  S.  595 f.  Das  älteste  unter  letzteren,  sowie  auch  durch  die  kühne  Stellung 
den  erhaltenen  Monumenten  der  entwickelten  der  Pferde  scheint  mir  die  Malerei  als  Quelle 
griechischen  Kunst  ist  die  kleine  Giebelgruppe  gesichert.  In  der  hinter  dem  Wagen  sicht- 
eines  Sarkopbages  von  Tanagra,  publiciert  von  baren  Figur  der  Münzen  von  Hyrkania  (a.  a.  0. 
Curtins,  Abhandl.  d.  Berl.  Akad.  1878  S.  28  ff.  nr.  9)  erkennt  Förster  S.  110  die  mit  ge- 
Taf.  1.  Die  Mitte  wird  von  Hades'  Gespanne  »o  sohwungener  Lanze  den  Räuber  verfolgende 
eingenommen,  das  der  Gott  gerade  zu  besteigen  Athena.  Bedeutend  ruhiger  stellt  sich  die 
im  Begriffe  ist.  Mit  dem  linken  Arme  hält  er  Scene  in  den  Münzen  von  Nysa  und  Kasa 
Persephone  umfafst,  die  sich  vergeblich  wehrt  dar  (a.  a.  0.  nr.  7  u.  12);  die  Pferde  laufen  und 
nnd  die  Arme  flehend  nach  der  verfolgenden  springen  nicht  wie  in  den  vorigen ;  es  fehlt 
Mutter  ausstreckt.  Bekleidet  ist  sie  mit  dem  auch  das  wildflatternde  Gewand  des  Gottes, 
langen  ungegüi'teten  dorischen  Chiton,  dessen  während  Peisephones  Stellung  unverändert 
Spangung  auf  der  linken  Schulter  sich  bei  der  blieb.  Auf  der  Münze  von  Kasa  schieitet  Her- 
Heftigkeit  der  Bewegung  gelöst  hat,  ein  Mo-  mes  dem  Wagen  voran.  Für  diesen  Typus  ist 
tiv,  das  bei  einer  der  herbeieilenden  Ge-  eher  an  ein  plastisches  Vorbild  zu  denken; 
spielinnen  wiederholt  wird.  Demeter  ist  im  30  Förster  S.  111  erinnert  vorsichtig  an  Praxi- 
Gegensatze  zu  der  zarten  jungfräulichen  Kora  teles.  — 

durch  volle  matronale  Formen,  reiche  Ge-  Den  Münztypen  beider  Klassen  sind  sehr 
wandung  und  das  Diadem  ausgezeichnet.  Die  nahe  verwandt  die  Reliefe  mehrerer  römischer 
Figur  links  vom  Gespanne  ist  Athena,  welche  Grabsteine,  vgl.  Förster  a.  a.  0.  S.  113 ff.  und 
früher  einen  Helm,  wohl  aus  Bronze,  gehabt  Overbeck  a.  a.  O.  S.  643  ff.  Beispiele  sind  ab- 
haben mufs;  die  auf  sie  folgende  Figur  ist  gebildet  bei  Overbeck,  Atlas  Taf.  18,  1 — 3.  Zu 
vielleicht  Artemis  zu  benennen.  Die  linke  den  Hauptfiguren  Hades  und  Persephone  tritt 
Seite  des  Giebelfeldes  klang  in  ruhigen  Figuren  in  vereinzelten  Fällen  Hermes  bezw.  Eros, 
aus,  einer  Blumenleserin  und  einer  gelagerten  Dieselbe  Auffassung,  dafs  Persephone  sieh 
Nymphe,  die  von  Curthis  a.  a.  0.  S.  46  für  die  40  in  lebhaftem  Kampfe  dem  Entführer  zu  entwin- 
Ortsnymphe,  vielleicht  Nysa,  gehalten  wird.  den  suche,  vertreten  auch  ein  Wandgemälde 
Der  entgegengesetzte  Giebel  enthält  als  Pen-  und  ein  Mosaik.  Ersteres,  aus  Kertsch,  ist  ab- 
dant  den  Leukippideuraub  (s.  a.  a.  0.  Taf.  2).  gebildet  bei  Förster  a.  a.  0.  Taf.  1  =  Overbeck, 

Die  Vasenbil der  des  späteren  Stiles,  Attas  Taf.  18,  5.     Rechts  und   links   von  dem 

welche    den    Koraraub    darstellen,    sind   nicht  Hauptvorgange  sind   andere    Scenen  desselben 

zahlreich;  eines  derselben,  das  leider  arg  ver-  Mythus  dargestellt;  die  Überraschung  bei  der 

stümmelte,  Neapel  nr.  3256  (s.  Mon.  d.  Inst.  2  Anthologie   (zweifigurig;   Kora   zwischen   zwei 

Taf.  31    und   ohne  Ergänzung    Overbeck,  Atlas  Blumenkörben   sucht   zu   entfliehen;   Hades  zu 

Taf.  17,  25)  stellt  den  Raub  in  der  Scenerie  der  Fufs)   und   die   irrende   Demeter.     Das  Mosaik 
Anthologie   dar.     Die   drei   anderen,    Overbeck  50  ist  das  bei  Rom   vor  Porta  Portese  1885   ent- 

a.  a.  0.  26  a.  b  und  27  (vielleicht  sind  aber  die  deckte,  jetzt  im  capitolinischen  Museum  befind- 

beiden  ersteren  identisch),  beschränken  die  Dar-  liehe   und   im   Bull,   comun.    1885  S.  1711'.  be- 

stellung   auf  die  Hauptgruppe  zu  Wagen,  die  sebriebene.  Die  Hauptgruppe  ähnelt  am  meisten 

vorauseilende  Hekate  und  die  verfolgende  De-  den  Münzen  von  Hyrkania;    von  einer  verfol- 

meter;  in  den  vollständig  erhaltenen  Exemplaren  genden  Figur  ist  nur  der  untere  Teil  erhalten; 

nr.  26  a  (s.  auch  Millingen,  Anc.  uned.  Mon.  1  die   Pferde    {X&öviog,    'Eiitßtvg,    Zögxog    und 

Taf.  16  ;  Müller-  Wieseler  1  nr.  213)  und  nr.  27  (s.  Avyalo[g])  führt  der  vorausschreitende  Hermes, 

auch  Mon.  d.  Inst.  6  Taf.  42  A)  erwartet  noch  Am    Boden    sieht    man     eine     blumenlesende 

Hermes  bezw.   der  sitzende  Apollon   den  Zug;  Nymphe  im  Momente  des  ersten  Aufschreckens. 
Sterne  und  schwebende  Eroten  füllen  den  P^aum.  60  —  Nahe,  besonders  dem  letztgenannten  Monu- 

In  26  und  26  A  wendet  sich  Kora  (mit  Diadem,  mente,   steht   auch   die   bei    Overbeck   a.  a.  0. 

aber  ohne  Schleier)  flehend  nach  der  Mutter  um  S.  654  veröffentlichte  Ptdszkyscke  Gemme;  er- 

und  streckt  ihr  die  Hände  entgegen;  in  nr.  27  weitert  ist  die  Scene  hierdurch  die  verfolgende 

steht  sie  gelassen  neben  dem  Entführer,    und  Athena  und  Aphrodite. 

ihre  Ausstattung   ist  durch   den    Schleier  ver-  In  den  anderen  Wand  gemälden  und  Mosaiken 

vollständigt.     über    Demeters   Erscheinung   s.  liegt  Kora  meist  (vgl.  Förster  S.  223  ff. ;  Over- 

oben  Sp.  1368.     Ein  etruskisches  Fabrikat  ist  beck  S.  655  ff.)  gebrochen,  keines  Widerstandes 

Gerhard,  A.   V.  B.  Taf.  240  =  Overbeck,  Atlas  fähig  in  Hades' Ann.  Die  Scene  ist  verschiedent- 


1375  Korau.  Demeter  (i.  d.  Kunst:  Raub  d.E.)       Kora  u.  Demeter  (i.d.  Kunst:  Raub  d.E.)   137G 

lieh  durch  Hermes  bezw.  Eros  erweitert,  und  in 
einem  Falle  sehen  wir  hinter  dem  Wagen  noch 
die  Gefährtinnen  Koras  bei  der  Anthologie  (Over- 
beck, Attas  Taf.  18,  3).  Den  Raub  bei  der  Antho- 
logie stellt  aufser  dem  Eertscher  Bilde  noch 
ein  aus  Ostia  stammendes  Wandgemälde  des 
Lateran  vor  (Benndorf- Schöne,  nr.  591;  Mon.d. 
Just.  8  Taf.  28;  Overbeck  a.  a.  0.  nr.6);  die  Dar- 
stellung beschränkt  sich  auf  Hades,  der  aus  einem 

10  Erdspalt  ohne  Gespann  aufgestiegen  ist,  und 
der  zu  entfliehen  suchenden  Eora.  Am  Boden 
liegen  grofse  Mohnköpfe  oder  Granatäpfel, 
gleichsam  zur  Erklärung  der  Darstellung.  — 
Die  etruskischen  Aschenkisten  erweitern  die 
verfiaute  Hauptgruppe  mit  einer  ihrer  gewöhn- 
lichen Flügelgestalten,  auch  mit  Charon,  Her- 
mes oder  anderen  nicht  sicher  benennbaren 
Gestalten ,  vgl.  Fürster  S.  129  ff. ;  Overbeck 
S.  645  ff.  —  Abbildungen  s.  bei  Overbeck,  Atlas 

20  Taf.  18,  9.  10;  Inghirami ,  Mon.  etr.  Ser.  1 
Taf.  9.  53. 

Am  ausführlichsten  erscheint  der  Mythus 
in  den  römischen  Sarkophagreliefen,  deren 
grofse  Anzahl  von  Förster  S.  131  ff.  in  Gruppen 
gesondert  ist,  dem  Overbeck,  K.-M.3  S.  608 ff. 
sich  anschliefst.  Nachzutragen  wären  jetzt  ver- 
schiedene bei  Mate  -  Duhn  2  nr.  3058  ff.  ver- 
zeichnete. 

Die  stärkste  Gruppe  dieser  Sarkophagreliefe 

30  —  ungefähr  der  dritte  Teil  von  allen  —  stellt 
Pluton  dar,  der  sich  eben  mit  Persephone  auf 
das  in  Bewegung  befindliche,  zuweilen  schon 
in  der  Tiefe  verschwindende  Gespann  schwingt. 
Um  sein  Haupt  wölbt  sich  der  Mantel  wie  in 
den  Münzbildern.  Persephone  liegt  gebrochen 
und  willenlos  in  seiuem  Arme,  wie  in  den 
meisten  Wandbildern  und  Mosaiken.  Ihre  Ge- 
spielinnen sind  in  lebhafter  Bewegung;  Athena 
will  dem  Räuber  die  Beute  wieder  abnehmen, 

40  wird  aber  von  Aphrodite  am  Schildrande  er- 
fafst  und  zurückgehalten.  Dafs  die  Göttinnen 
Aphrodite  und  Artemis  zu  benennen  seien  und 
nicht  Okeaniden,  geht  aus  dem  Diadem  hervor, 
welches  eine  derselben  in  (Abb.  19)  dem  besten 
Sarkophage  dieses  Typus  (Ann.  d.  Inst.  1873  tav. 
d'agg.  E.  F  =  Overbeck,  Atlas  Taf.  17, 1)  trägt. 
Hermes  eilt,  die  Pferde  führend,  in  den  voll- 
ständigen Exemplaren  voran.  Unter  dem  Wagen 
ist,  wenn  dieser  nicht  gerade  versinkend  dar- 

no  gestellt  ist,  Gaia  gelagert.  Von  links  naht 
auf  einem  vou  Schlangen  gezogenen  Wagen 
Demeter,  den  Schleier  nimbusartig  über  dem 
Haupte,  in  einer  Hand  eine  Fackel  (auch  das 
Füllhorn  Gal.  Giustiniani  2  Taf.  79  soll  wohl 
eine  Fackel  sein).  Neben  Demeters  Gespann 
ist  gewöhnlich  eine  geflügelte  weibliche  Figur 
sichtbar,  deren  Benennung  nicht  festgestellt 
ist,  vgl.  Overbeck  a.  a.  0.  S.  613.  Abbildungen 
der  diesem   Typus    angehörigen  Sarkophage  s. 

60  bei  Overbeck,  Atlas  Taf.  18,  1—3.  5.  6;  Gal. 
Giustin.  2  Taf.  79 ;  Bull,  de  l'Acad.  de  St.  Petersb. 
18G8  S.  276,  2.  —  Bedeutendere  Abweichungen 
sind  in  ihnen  sehr  selten;  nur  Overbeck  a.  a.'  0. 
nr.  6  (vgl.  daselbst  S.  614 ff';  s.  auch  Müller- 
Wieseler  2  nr.  104)  ist  zu  beachten. 

Eine  andere  Gruppe ,  die  der  vorigen  aber 
iu  vielen  Zügen  ähnelt,  schiebt  zwischen  die 
beiden  Hauptteile  der  Darstellung,  die  Wagen 


1377  Kora  u.  Demeter  (i.d. Kunst:  Raub  d.K.)      Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst:  Anodos)   1378 


des  Hades  und  der  Demeter,  die  Überraschung 
bei  der  Anthologie,  in  der  natürlich  die  Ge- 
stalten des  Hades  und  der  Kora  wiederholt 
werden.  Beispiele  sind  bei  Overbeck  a.  a.  0. 
nr.  7 — 11.  19.  23.  24;  Albinana ,  Tarragona 
Tat.  16;  Farina,  Antico  sarcofago;  Mon.  Matth. 
3  Taf.  5;  Gal.  Gnistin.  2,  118.  Während  bei 
Overbeck  a.  a.  0.  nr.  7  Persephone  schon  fort- 
getragen wird,  kniet  sie  in  den  übrigen  Dar- 
stellungen am  Boden,  erschreckt  zu  dem  Räuber 
aufblickend,  der  eben  ihr  Spiel  unterbrochen 
hat.  Die  Hauptgruppe  hat  demgemäfs  einge- 
schränkt werden  müssen.  Meist  ist  von  den 
drei  Göttinnen  nur  Athena  übrig  geblieben,  die 
in  energischer  Anstrengung  die  Geraubte  zu 
befreien  sucht.  Persephone  sucht  in  der  aus 
den  Münzen  bekannten  Weise  sich  zu  befreien 
und  streckt  die  Arme  nach  hinten  aus,  aufser 
bei  Overbeck  nr.  23;  in  nr.  23  scheint  sie  willig 
dem  Entführer  zu  folgen.  Von  der  1.  Ecke  her 
kommt  wieder  Demeter  auf  ihrem  teils  von 
Schlangen,  teils  von  Pferden  gezogenen  Wagen. 
—  Eigenartige  Züge  weist  auf  der  gleichfalls 
zu  dieser  Gruppe  gehörige  Sarkophag  Over- 
beck nr.  17,  s.  auch  Zoe'ga,  Bassirilievi  2 
Taf.  47.  Die  Anthologie  ist  durch  Kora 
allein  dargestellt,  während  Hades  zu  er- 
gänzen ist.  Bei  dem  Raube  wiederholt 
sich  das  Motiv  der  ersten  Gruppe,  d.  h. 
Athena  versucht  Kora  zu  befreien,  während 
Aphrodite  sie  am  Schilde  erfafst;  neu  ist 
aber,  dafs  Artemis  Aphrodites  Hand  zu  ent- 
fernen sucht. 

Eine  andere  Reihe  der  Sarkophage  macht 
Athena  zur  müfsigen  Zuschauerin  des  Raubes. 
In  einem  Exemplare  wird  der  Vorgang  so 
wie  in  der  oben  besprochenen  ersten  Gruppe 
als  eine    Scene   gerätst,    Overbeck  a.  a.  0. 
nr.  18.     Kora  kniet  blumenlesend;  im  Vor- 
beifahren ergreift  sie  Hades,  während  Arte- 
mis   sie    festzuhalten    sucht.     Von   1.  naht 
Demeter  auf  ihrem  von  Pferden  gezogenen 
Wagen.     In  den  anderen  Exemplaren  sind 
wieder  die  drei  Scenen  neben  einander  ge- 
stellt: Demeter,  Anthologie  undEntführung. 
Die  Bewegung  der  Darstellung  geht  hier  immer 
von  r.  nach  1.,  bei  der  Anthologie  fehlt  Hades 
stets,  und  Athena  steht  am  1.  Ende  der  Dar- 
stellung.   Demeters  Wagen  ist  von  Schlangen 
gezogen    und    in    ihrer    Erscheinung    kommt 
immer    die    wilde  Hast  zum   Ausdrucke;   vgl. 
Overbeck  Taf.  18,  20-22. 

Von  Einzelscenen  dieses  Mythus  ist  die 
suchende  Demeter  oftmals  auf  Münzen 
späterer  Zeit  dargestellt  worden,  gewöhnlich  zu 
Wagen,  der  teils  von  Schlangen,  teils  von  Pfer- 
den gezogen  wird.  Im  ersteren  Falle  ist,  beson- 
ders in  kleineren  Exemplaren,  die  Entscheidung 
schwer,  ob  Triptolemos  oder  Demeter  gemeint 
ist.  Auch  die  zu  Fufs  mit  zwei  Fackeln 
schreitende  Demeter  ist  mit  Recht  als  die 
suchende  bezeichnet  worden.  Beispiele  siehe 
bei  Overbeck,  K.  -  M.  2  Münztaf.  9,  14  ff. ,  vgl. 
K.-M.  3  S.  658  ff.;    Förster  a.  a.  0.  S.  250  fr. 

Die  Rückforderung  der  Kora  von  Hades 
durch  Hermes  stellt  ein  unteritalisches  Vasen- 
gemälde der  Ermitage  (nr.  424)  dar,  vgl.  Bloch, 
Die  zuschauenden  Götter  S.28f. ;  Winkler,  Unter- 

Eoscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  II. 


weit  S.  65  ff.  Hades  sitzt  im  Unterweltspalaste 
auf  seinem  Throne,  Kora  steht  neben  ihm  und 
Hermes  richtet  einen  Auftrag  an  sie  aus.  Da 
andere  Figuren,  auf  welche  sich  dieser  be- 
ziehen könnte,  nicht  vorhanden  sind,  ist  diese 
sich  an  Hom.  hymn.  in  Cer.  v.  355  anlehnende 
Handlung  zu  erkennen.  Noch  zwei  andere 
Darstellungen,  von  denen  er  eine  in  Abbildung 
veröffentlicht,  bezieht  Winkler  a.  a.  0.  S.  69  ff. 

10  darauf;  doch  ist  in  ihnen  die  Handlung  nicht 
so  scharf  charakterisiert,  oder  es  fehlt  ihnen 
vielmehr  jede  Handlung,  um  diese  Situation 
erkennen  zu  lassen.  Dagegen  ist  sie  sicher  für 
eine  Schmalseite  des  Sarkophages  Rospigliosi, 
Ann.  d.  I.  1873  Taf.  E.  F  =  Overbeck,  Atlas 
Taf.  17,  3. 

Schliefslich  sind  noch  die  Darstellungen 
der  Anodos  der  Kora  aufzuführen.  Das  erste 
sichere    unter    diesen  Monumenten    war   ohne 

20  Frage  das  Vasenbild  del  Vasto,  abgeb.  bei 
Strubc-Brtum,  Suppl.  z.  Bilderkreis  v.  Eleusis 
Taf.  3,  danach  Overbeck,  Atlas  Taf.  18,  15  und 
Baumeister, Benkm.  1  S.423.  Persephone  {IJfqbco- 


20)  Anodos  der  Kora  (anwesend  Satyr,  Hermes, 

Hekate).     Vasenbild  in  Bologna    (nach  Museo  Italiano 

2  Taf.  1,  1). 

opotß)  steigt  reich  gewandet  mit  Diadem  aus 
der  Tiefe  herauf,  staunend  das  Licht  begrüfsend. 
Neben  ihr  steht  Hermes  (Houes);  ihr  voran 
leuchtet,   das   Haupt  zurückwendend,   Hekate 

50  (H-nati)  mit  zwei  Fackeln.  Rechts  steht  die 
Tochter  erwartend  Demeter  (Je^istsq),  mit  Scep- 
ter,  aber  ohne  jeden  Schmuck.  —  Aufsteigend  in 
einer  Höhle,  vor  welcher  sie  Hermes  erwartet, 
finden  wir  Kora  auf  einem  Dresdener  Krater, 
Jahrb.  d.  Inst.  1.  Anzeiger  S.  166;  die  Korafigur 
ist  der  der  Vase  del  Vasto  sehr  ähnlich.  Drei 
Pane  begrüfsen  erstaunt  die  Aufsteigende.  — 
An  diese  Darstellung  reiht  sich  eng  eine  weitere, 
welche    Paul    Hartwig    demnächst    veröffent- 

co  liehen  wird.  —  Schon  völlig  der  Tiefe  ent- 
stiegen ist  Kora  in  dem  Bologneser  Vasen- 
bilde (Abb.  20)  Museo  Italiano  2  Taf.  1, 1.  Sie 
ist  reich  gewandet,  trägt  Schleier  und  Diadem. 
Hermes,  bärtig,  führt  sie  an  der  Hand;  Hekate 
leuchtet  wiederum  sich  umblickend  mit  zwei 
Fackeln.  Demeter  fehlt.  Hinter  Kora  trägt  ein 
kleiner  Satyr  ihr  eine  Ciste  nach.  —  Unbezweifel- 
bar  ist  auch  die  Anodos  auf  Münzen  von  Lamp- 

41 


1379  Kora  u.  Demeter  (i.  d.  Kunst:  Anodos)  Koresos                       1380 

Bakos  und  Elaia,  s.  Müller- Wieseler  2,9,  109;  Sturz  von  einem  Felsen  um,  und  seine  Mutter 

vgl.  Förster  S.  263,  Overbeck  S.  665.   —    Über  erhängte    sich    aus    Trauer    an    einer    nahen 

die  zu  Wagen  auffahrende  Kora  auf  dem  Sarko-  Quelle.     Der  Fels  hiefs   seitdem  der  Fels  des 

phage    zu    Wiltonhouse    s.    besonders    Förster  Korax    (Od.    13,   408),    die    Quelle    Arethusa, 

und  Overbeck  a.  a.  0.  Eustath,    u.    Schal.  Od.    13,   408.     Hesych.  v. 

Für  die  Anodos  der  Kora  möchte  ich  auch  Kogcmog  nirgrj.  —    [3)  Vielleicht  Name  eines 

trotz  vielfach  geäufserten  Widerspruches    (zu-  Satyrs  auf  einer  schwarzfigurigen  Vase  C.  I.  G. 

letzt  von  Robert,  Archäol.  Märchen   S.  179  ff.)  4,  7459.  Höfer.]     [Indessen  Heydemann,  Satyr- 

die    Darstellungen    in    Anspruch    nehmen,    in  u.  Bakchennamen  p.  28  nr.  m  liest  den  Namen 

welchen  durch  Hackenschläge  die  Erde  geölf-  10  Choro  ('FORJ)  und  bemerkt  Anm.  149:  „Kiich- 

net  wird  und   eine   weibliche  Figur  mit  dem  hoff  [Sticd.  z.  gr.   Alphab.3  S.  111  nr.  3]  liest 

Kopfe   oder   dem   Oberkörper   aus   ihr   hervor-  Xiogcc  (so  auch  z.  B.  Kramer,  Styl  u.  Herkunft 

steigt;  es  handelt  sich  um  eine  schwarzfigurige  S.  61   Anm.  2)  oder  Xoga   .  .  . ;  aber  der  letzte 

Vase  Ravesteinschen  Besitzes  ( Welcher,  Ar.  D.  3  Buchstabe  ist  hier  wie  in  Xantho  mehr  0  als  A. 

Taf.  15,  1;    Ann.  d.  Inst.  1830  Tao.  d'agg.  J;  Im   C.  I.  Gr.  'fortasse  subest  Köga[£]'  —  ge- 

Fröhtier ,    Mus.   de  Fr.  Taf.  22),    eine  rf.   des  wifs  nicht."    Drexler.]  —  [4)  Nach  Aesehylus 

Louvre   (Fröhner  a.  a.  0.   Taf.  21    und    Clioix  bei  Pollux  6,  47   Name  eines  Hundes  des  Ak- 

de  vases  61  und  eine  rf.  in  Stockholm  (Weltleer,  taion,  s.  Baecker,  De  canum  nominibus  Graecis 

A.  D.  3  Taf.  15,  2;   Ann.  d.  I.   1830   Taf.  K);  p.  42.     Derselbe  liest  mit  Muneker  und  Bunte 

alle  drei  zusammen  bei  Robert ,  Arch.   Märch.  20  im  2.  Verzeichnis  der  Hunde   des  Aktaion  bei 

Taf.  6  (s.  auch  d.  Art.  Kyklopen).     Bei  keinem  Hyginus  181  statt  des  handschriftlichen  Coran: 

Mythus     war     so     wie     bei     dem     von     dem  Corax,  während  Dindorf  mit  Zustimmung  von 

Rauhe   und    der   Rückkehr  der  Kora   stets  die  Jcschonnek,  De  nominibus  quae  Graeci  peeudibus 

Naturbedeutung    in    der    Auffassung  lebendig  domesticis  indiderunt"p.  20  statt  Coran:  Charon 

geblieben.     Durch   die   Feldarbeit   kommt   die  lesen    will.     Andrerseits   wollen   Dindorf  und 

Frucht   aus    dem   dunkelen   Schofse  der   Erde  Jcschonnek  Corax  lesen  statt  des  bei  Hyginus 

hervor,   und   diese   Frucht  ist    Kora.     Sie   be-  handschriftlich    überlieferten    Borax,    welches 

grüfst  mit  einem  ähnlichen  Gestus  wie  in  dem  letztere   Bergk ,   Z.  f.  d.  A.-W.  8  1850  p.  404 

Vasenbilde  del  Vasto  das  Tageslicht,  zu  dem  und  Baecker  p.  52  verteidigen.  Drexler.]  —  [5) 

sie    hindurchgedrungen    ist.      In    der   ältesten  30  Name  eines  Hundes  auf  der  Francoisvase;   P. 

Darstellung  sind  es  auch  gewöhnliche  Menschen,  Kretzschmer ,  Kuhns  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprach- 

die  durch   ihre  Arbeit   das  Werk   vollbringen.  forschung   39    (1888),   405.    —   6)   Name    eines 

Die  späteren  Darstellungen  ersetzen  sie  durch  Pferdes    auf   einer    Vase    aus    Caere    mit  der 

Satyrn  bezw.  Pane,  wie  in  dem  Dresdener  und  Darstellung  von Hektors  Auszug,  Ci".  Gr.  4,  7379. 

dem  Hartwigschen  Vasenbilde;  die  hauptsäch-  Gerhard,  Arch.  Ztg.  4  (1846),  302.   Kretzschmer 

liebste    Litteratur    s.    bei    Robert  a.   a.   0.  —  a.  a.  0.  p.  168  nr.  27.  —  7)  Name  eines  anderen 

Schliefslich  will  ich  noch  der  Vermutung  Aus-  Pferdes  bei  einer  Eberjagd  auf  einer  Vase  im 

druck  geben,  dafs  das  Relief  Ludovisi;  Heibig,  Vatikan,  C.  I.  (7.4,  7374;  5.   Stephani,  Gompte- 

Führer   nr.    886,    (abgeb.    Bull,    comun.    1887  rendu   1867,    74   und   die   daselbst   angeführte 

Taf.  15  f.;   Rom.    Mitt.  7    Taf.   2)   die   Anodos  40  Litteratur.      Kretzschmer   a.  a.  0.    161   nr.  11. 

der    Kora    unter  Mitwirkung    der    Hören,    die  Höfer.]     [Stoll.] 

auch  nach  Orph.  hymn.  43,  6  (vgl.  29,  9)  als  ihre  Korazon  (Kcogd^av) ,    Beiname   der  Artemis 

Gespielinnen   bei  der  Anodos  anwesend   sind,  auf  einer  Inschrift   aus  dem  Tempel  des  Zeus 

(vgl.  auch   den  Sarkophage   von  Wiltonhouse)  Panamaros  in  Stratonikeia  'JgrifiiSi  Kcogd^cov 

in    leicht    verständlicher    Allegorie    darstellt.  xul  Arytol  v.a.1  'JirüXlcovi,  Corr.  hell.  12  (1888), 

Die  aus   dem  Meere    auftauchende   Aphrodite,  267  'AgzifiiSi.  Kaga^iav   tial  'AgzifiiSt  'Ecptaia. 

die    Petersen,   Rom.  MM.    7   S.   32  ff.   hier   zu  269.     Deschamps- Cousin  a.a.O.  267   sehen  in 

erkennen   vermeint,    erscheint   mir  unmöglich,  der  Artemis  Korazon    'la  eleesse   patronale   du 

da  die  Figur  weder  aus  detn  Meere  emportauclvt  bourg  de  Koraza',    vgl.    auch    Corr.   hell.    14 

noch  in  ihrer  ausgesprochenen  Keuschheit  für  50  (1890),  372.  375;    ein  Ethnikon  Äcoga'Qevg  und 

Aphrodite  pafst.  —  Wenig  sicher  ist  die  Deu-  Ätapajt's  ebenda  15  (1891),   183.     [Höfer.] 

tung  einiger  selinuntischer  Münzen  auf  Koras  Kordaka  (Kogöd-na),   Beiname   der  Artemis 

Begattung  durch  den  in  eine  Schlange  verwan-  in  Elis;  ihr  Tempel  war  ungefähr  ein  Stadion 

delten  Zeus,   s.  Imhoof -Blumer  bei  Benndorf,  von    dem   Grab   der   Freier  der  Hippodameia 

Metopen    von    Sei.    S.    77;    Overbeck,    K.-M.  3  (Bd.  1  Sp.  206S,  Z.  50)  entfernt;  der  Name  K. 

S.  668  f.  Münztaf.  9,  27a.b.         [Leo  Bloch.]  stammt    daher,    weil    hier    die    Begleiter    des 

Korakoi  (Kogay.oi),  gemeinsamer  Name  der  Pelops  zur  Feier  des  Sieges  ihres  Herrn  ihren 

von   den   Skythen   verehrten   Freunde    Orestes  heimischen    Tanz    (den     Hogäct^)    aufführten, 

und  Pylades.     Das  Nähere  s.  u.   Orestes.     Das  Paus.  6,  22,  1.     Stephani,  Compte-rendu   1865 

Wort   Kögaxoi    bedeutet    s.   v.    a.    tfiltoi   Sai-  co  31  Anm.  4  vermutet,  dafs  sich  die  Worte  des 

(lovig,  Lucian.  Toxar.  7.     [Höfer.]  Pausanias  a.  a.  0.  und  des  Didymos  im  Scliol. 

Koras   {KcgcigV),    Bruder   des    Catillus    und  Pind.    Ol.  3,  54    %cd   nag'  'HXti'oig  'Og&cociag 

Tiburtus ,  Enkel  des   Amphiaraos;   Verg.  Aen,  'AgzifiiSog  iigov,  ras  cpt]ai  Ji'Si'iiog  auf  einen  und 

7,  672.     S.  Näheres  unter  Catillus.     [Höfer.]  denselben  Kultus  beziehen.     [Höfer.] 

Korax  (Koga^),  1)  Sohn  des  Koronos,  Bruder  Köre  s.  Kora. 

des  Lamedon,  König  in  Sikyon,  Patts.  2,  5,  5.  Koresos,  1)  (Kügtßog)  Priester  des  Dionysos 

—  2)  Ithakesier,  Sohn  der  Arethusa.    Er  kam  zu  Kalydön,    gab   sich   als  Opfer  hin  für   die 

bei   der   Verfolgung    eines    Hasen    durch    den  Geliebte  Kalirrhoe,  s.  Kaliirrhoc  nr.  7.    Paus. 


1381                       Koretas  Kornopion                     1382 

7,  21,  1.  —  2)  Kogricog',  Autocbthon  im  ephe-  schlechte  des  Helios.,    Paus.  2,  3,  8.    2,   1,   1. 

sisehen  Lande,    gründete   mit  Ephesos,    dem  Im  Et.  M.  529,  47    heifst  er  Sohn  des  Mara- 

Sohne  des  Flusses  Kaystros,   den  Tempel  der  thon  oder  des  Pelops.     Die  Korinthier  sagten, 

ephesischen  Artemis.     Die   Stadt  wurde   nach  er  sei  Sohn  des  Zeus  gewesen,  und  man  bezog 

Ephesos  benannt,  Paus.  7,  2,  4.    Koiesos  oder  darauf  das  Sprichwort:   b  Aiog  Köoiv&og   von 

Eoressos  war  ein  Ort  und  Berg  im  ephesischen  solchen,    die   stets   dasselbe  sagen,    „das  alte 

Gebiet,  Uerodot.  5,  100.   Xenoph.  Hell.  1,  2,  7.  Einerlei",  Find.  Nem.  7,  105  (155).    Aristoph. 

Steph.  B.  v.  KoqriGGÜg.     [Stoll.J     [Er  erscheint  Ran.  439.    Ecclcs.  828.  fr.  434.    Plat.  Euthyd. 

auf  einer   Münze    des   Macrinus    von   Ephesos  p.  292  c.     Paus.  2,  1,  1.      Die  Sagen  von  der 
zusammen    mit    Androklos:     „Rev.   €<J>GCIßN  •  10  Entstehung    des    Sprichworts   b.    Schal.   Pind. 

KOPHCOC  ■  ANAPOKAOC.     Deux  heros  debout  a.  a.  0.  u.  Aristoph.  San.  439.     Da  er  kinder- 

se    donnant   la    main,    Tun   d'evx    iient    une  los  starb,  so  beriefen  die  Korinthier  die Medeia 

epc'e  sur  Vepaule  g.,  l'autre  le  pallium  et  ä  ses  aus  Iolkos  und  übergaben   ihr  die  Herrschaft, 

pieds  un   sanglier  couelie" ,   Mi.   3,   110,   370,  Paus.  2,  3,  8.     Nach  Nicol.  Damasc.  fr.  41   b. 

Head    p.    498';    Guhl,   Ephcsiaca   p.  131.    139.  Müller,  Hist.  gr.  3   p.  378   wurde  er  von  den 

Viel  häufiger  als  Koresos  erscheint  Androklos,  Korinthiern  hinterlistig  getötet,   worauf  Sisy- 

des   Kodros   Sohn,    der   jmGrrJs    von   Ephesos,  phos  die  Mörder  bestrafte  und  an  seiner  Statt 

auf  den  Münzen  der  Stadt,  mit  Beischrift  des  König    ward.      Eine    Tochter    des    Korinthos, 

Namens  ANAPOKAOC,    z.  B.  Mi.  3,  110,  369;  Sylea,  war  mit  Sinis,  dem  Sohne  des  Polype- 
S.  6, 146,  438;  168,587;  192,744;  Rerjio  Museo  20  mon,    vermählt,    Apollod.  3,  16,  2.     Gerhard, 

di  Torino.    Mon.   Gr.  p.  275   nr.  3965.     H(ad,  Gr.  Myih.  2   §  824   p.  237.   238.  —  [Stehend, 

Cat.  of  the  greeJc  coins  of  Ionia  p.  78  nr.  232;  in  jeder   Hand   ein   Steuerruder    haltend,   mit 

p.  94  hr.  316.     Ilist.  num.  498.     Drexler.]  der   Beischrift   CORINTHV8   ist    er   zu    sehen 

p     Koretas  (Kogy'jxag),  ein  Hirt,  der  zuerst  die  auf  einer  Münze  des  Marc  Aurel  von  Korintb, 

mantische    Höhle    zu    Delphi    entdeckt    haben  Locbbeclce,   Zeitschr.    f.   Num.    10    1883    p.  75 

sollte,   Plut.  de  def.  or.  42.     [Stoll.]  nr.  18.     Auf   einem    Bronzespiegel   sieht   man 

Korethon  {Kogä&aiv),  ein  Sohn  des  Lykaon,  KOPINOOI    als    bärtige    zeusähnliche    Gestalt 

Apollod.  3,  8,  1.     [Stoll.]  sitzeud   dargestellt,   die  B.    am   Scepter,    den 

Koria  (Kogi'a),  Beiname  1)  der  Atheua;  ihr  Oberkörper    nackt,    bekränzt    von    der    hinter 

Tempel  und  ihre   Bildsäule   befanden  sich  auf  30  ihm  stehenden  jugendlichen  Frauengestalt  der 

einem  Berggipfel  in  der  Nähe  der  arkadischen  AEYKAZ,  A.  Dawont,  Rev.  arch.  1872  p.  297  f. 

Stadt  Kleitoria,   Paus.  8,  21,  4;  nach  Cic.  de  und  Monum.  grees  publ.  par  Tassoc.  pour  Ven- 

nat.   deor.   3,   23,   59   gilt  Athena   K.    für  die  couragement    des    etudes    grecques    en    France 

Erfinderin   des   Viergespannes.     Vgl.   Koryphe.  Nr.  2  1873   p.  23—50,   PI.  3;    Mylonas,  'Ellrj- 

[Das  Haupt  der  Athena  erscheint  auf  den  Mün-  viv.u  y.kxokxqu.     Athen  1876.  4°  p.  17 — 21,  A' 

zen  von  Kleitor,  Imhoof- Blumer  and  Gardner,  nr.  3  und  'Aq%.  icprjfi.  1873,   Taf.  64,  p.  440  ff., 

Num.    comm.   on   Pausanias   p.  98.     Drexler.]  Gardner,  Countries   and  eitles    in  ancient  ait, 

—  2)  der  Artemis  in  Arkadien;  Proitos  hatte  Journ.  ofhell.  stud.  9  1888  p.  61 — 63;  O. Schultz, 

der  Artemis  Koria  einen  Tempel  geweiht,  weil  Die  Ortsgottheiten  in  der  griech.  und  röm.  Kunst 

sie  seine    wahnsinnigen    Töchter    (zitg    y.6gag)  40  p.  82.    Im  Festzug  des  Ptolemaios  IL  erschien 

hatte  genesen  lassen,  Kedlim.  hymn.  3,  234  und  Korinthos  in   weiblicher  Gestalt,  ein  goldenes 

Schot  3,236;  vgl.  d.  Art.  Himerasia.    [Höfer.]  Diadem  tragend,  neben  der  Statue  des  Königs, 

f     Korianos  s.  Kobis,  wo  nachzutragen  Joannes  Athen.  5,  197,  Gardner  p.  64.  Drexler.]  —  [Des 

Silceliota  ed.   Stary ,  Jahresber.  d.  k.  k.   ersten,  Korinthos  Gemahlin  ist  Gorge.  die  Tochter  des 

Staats-Gymn.  Graz  1892  p.  6:  vLovg  toü  Kv-kvov  Megareus,  die  sich  nach  der  Ermordung  ihrer 

Kioßnv  (mi.  oßriv)  -auI  K6v.cxqy.ov  (=  KoQiavov'i)  Kinder    in   den    See    Eschatiotis    stürzte,    der 

■hui  xr\v  &vyartqa  avzov  rictvxriv  (ms.  nXdy.av).  von  nun  an  nach  ihr  Gorgopis  hieis,  Kralinos 

[Höfer.]  bei  Mesych.  s.  v.  yociyärng.   Etym.  M.  384,  39. 

L  Korinnos  (Köpivvog),  epischer  Dichter  aus  Max.  Mayer,  Jahrb.  cl.  Kais.  D.  arch.  Inst. 
Ilion,  der  vor  Homer  gelebt  haben  und  zuerst,  50  7  (1892)  201.  —  Wenn  es  Mythogr.  Lat.  2,  192 
schon  während  des  trojanischen  Krieges,  äiellias  p.  138  Bode  heilst  Iuppiter  cum  Electra,  ^^an- 
geschrieben haben  soll,  und  zwar  in  den  von  Pala-  tis  fdia,  Corinthi  regis,  coneubuit.  Sed  ex 
medes  erfundenen  dorischen  Buchstaben;  denn  Joris  semine  natus  est  Dardanus,  ex  Corinthi 
er  war  ein  Schüler  des  Palamedes.  Auch  Iasius,  so  ist  an  beiden  Stellen  für  Corinthi 
schrieb  er  den  Krieg  des  Dardanos  gegen  die  zu  lesen  Corythi;  vgl.  ebenda  1,  135  p.  43: 
Paphlagonier.  Homer  soll  von  ihm  den  ganzen  Dardanus  de  love,  Iasius  de  Corytho  pro- 
Iuhalt  seiner  Poesie   genommen  haben,    Suid.  creaius  est.  —  2)  Sohn  der  My»tis  (s.  d.)  v.  1. 

•v.  KoQivvog.    Schol.  Nicand.  Thcr.  15.    [Stoll]  für   Koryrnbos   (s.  d.)    bei    Konn.    Dio>iys.    13, 

I     Korintllios   (KoQivftiog),    Sohn    des   Pelops  -  141.     Höfer.]     [Stoll.] 

und  der  Hippodameia,  Schol.  Eur.  Or.  5.   \_Tzetz.  go  Korkyne    ( KoQv.vviq),    Amme    der   Ariadne, 

Exeges.  II.  p.  68.   Mantiss.proverb.  2,  94  p.  773.  welche    mit    dieser   und   Theseus   nach   Naxos 

Höfer.]     [Stoll.]  kam,  wo  ihr  Grab  noch  in  später  Zeit  gezeigt 

(     Korinthos  (KaQiv&og),  1)  Gründer  und  König  wurde,    naxische   Schriftsteller   b.   Plut.  Tlies. 

der  Stadt  Korinth;   die   von   ihm   den   Namen  20.     [Stoll.] 

erhielt,  von  den  Korinthiern  nach  seinem  Tode  Korkyra   (Ädpuupa)  =  Kerkyra   (s.  d.). 

verehrt,    Schol.   Aristoph.   Ran.    439.     Herakl.  Kornopion  (KoQvonCav),  Beinamen  des  Hera- 

Porit.  fr.  5  b.   Müller,  Fr.  hist.  gr.  2  p.  212.  kies  bei  den  Oitaiern  der  Gegend  von  Trachis, 

Er   heilst  Sohn   des  Marathon,    aus   dem  Ge-  s.  Strabo  p.  613:    „So  werde  bei  den  Oitaiern 


44 


* 


1383                    Kornopion  Korone                      1384 

ein    von    den    pornopes    oder    Heuschrecken,  Dien   vous   rassasiera;   il.entend,   il  sait.   — 

welche  jene  Kornopes  nennen,  benannter  Hera-  Mettez   wie   Opposition   entre  eux   et  ce  qu'ils 

kies  Kornopion  verehrt  wegen  der   Befreiung  desirent.  —  Parte! ,  Dien  a  de'gage  vos  coeurs. 

von  den  Heuschrecken;    Ipoktonos  aber,   d.  i.  —  Lorsque  Vordre  sera  donne,  elles  s'en  iront 

der  Wurmtöter  bei  den  am  Mimas  wohnenden  confuses.  —   On  les  reläche  ensuite  au  milieu 

Erythraiern,    weil    er  die   den  Weiustock   au-  de  Vessaim  et  leur  arme'e  va  se  perdre  dans  une 

fressenden  Nagewürrner,  die  ipas  vernichtete;  autre  direction."    [Drexler.] 

und    wirklich   finde    sich   nur  bei   jenen   Ery-  Koroibos  (KÖQOißog),    1)  ein  edler  Jüngling 

thraiern  dieses  Tier  nicht.    Ferner  haben  die  aus  Argos.     Psamathe,    die  Tochter  des  argi- 

Rhodier,  welche  die  erysibe,  d.  i.  Weizenbrand,  10  vischen  Königs,  hatte  von  Apollon  einen  Sohn 

erythibe  aussprechen,    in   ihrem  Gebiet   einen  (Linos)  geboren  und  aus  Furcht  vor  dem  Vater 

Tempel     des    Apollon    Erythibios.      Bei    den  ausgesetzt    oder    einem    Hirten    ihres    Vaters 

Aiolern    in  Asia   wird,    weil    die   Boioter  die  übergeben,   dafs   er  ihn  aufziehe.     Die  Hunde 

parnopes,  d.  i.  Heuschrecken,  pornopes  nennen,  des  Hirten  aber  zerrissen  das  Kind,  und  auch 

ein  Monat  Pornopion  genannt  und  dem  Apollon  Psamathe  wurde  von  dem  Vater  getötet.    Des- 

Pornopion  ein  Opferfest  angestellt";  vgl.  Eu-  halb    schickte    Apollon    ein   Ungeheuer    Poine 

stath.  II.  34,  25.      Preller,    Gr.  M.  2S   p.  274  (eine  Pest),  welches  die  Kinder  hinraffte,   bis 

Anm.  4.     J.  Marshall,  Proceedings  of  the  soc.  Koroibos  es  tötete.    Da  aber  eine  zweite  Pest 

of    biblical    archaeology    8   p.  76  f.     Ebenfalls  nicht   nachliefs,    so    ging  Koroibos    freiwillig 

wegen  der  Vertilgung  der  Heuschrecken  ver-  20  nach   Delphi ,    um    für    den    Mord    der   Poine 

ehrten  die  Athener   einen  Apollon  Uagvomog,  dem  Apollon   zu   büfsen.      Die    Pythia    befahl 

Paus.  1,  24,  8.     In   späterer  Zeit  übernehmen  ihm,  nicht  nach  Argos  zurückzukehren,  sondern 

Heilige   mit  Gebeten   und   anderen  geistlichen  einen  Dreifufs   aus   dem  Tempel  aufzunehmen 

Waffen  die  Vertilgung  des  gefräfsigen  Insekts.  und  fortzutragen,  und  wo  dieser  ihm  entfalle, 

J.  B.  Friedreich,  Die  Symbolik   und  Mytho-  da  solle  er  dem  Apollon  einen  Tempel  erbauen 

logie  der  Natur  p.  625  Anm.  1  nennt  als  Heu-  und  wohnen  bleiben.    Im  Gebiete  von  Megara 

schreckenvertreiber    den    heiligen    Stephanus,  am  Gebirge  Gerania  entfiel  ihm  der  Dreifufs; 

Benedictus  Abbas,  Gregorius,  Benno  von  Osna-  hier  gründete  er  den  Flecken  Tripodiskoi  (191- 

brück.     Sie  wurden  mit  dem  Kirchenbann  be-  novg).     Auf  dem  Markte   zu  Megara  war   das 

legt    „nach    kontradiktorischer   Verhandlung  30  Grab  des  Koroibos,  und  auf  dem  Grabstein  war 

zwischen   dem   Anwalt   der  Bevölkerung  und  abgebildet,   wie   er  die  Poine  tötet,  Paus.  1, 

dem  Anwalt  der  angeklagten  Tiere.     Und  im  43,  7.   2,  19,  7.     Stat.   Theb.  1,  570ff.;    [Schol. 

16.  Jahrhundert  war   dieses  Verfahren  gegen  Ovid.  in  Ibim  573.    Mytlwgr.  Dat.  1,  168  p.  52 

Heuschrecken  so  allgemein  geworden,  dafs  der  Bode.     Schol.   Stat.   Theb.    1   p.   51.  55.  79.   6 

Überpräsident    des    Parlaments    der    Provence  p.  274  ed.  Cruceus.  Höfer.];  vgl.  Kon.  19.  Anthul. 

ihm  ein  eigenes  Gutachten  widmete,  und  erst  Pal.  7,  154.    Müller,  Darier  1,  295.  Preller,  Gr. 

der  Benediktiner  D.  Leonhard  Vairus  hat  sich  MytJi.    1,  379.     [Vgl.   oben   im   Artikel  Keren 

gegen  diese  Übung   ausgesprochen,   welche  er  Sp.  1154  die  lichtvolle  Erklärung  der  Legende 

für    abergläubisch,    gotteslästerlich    und    un-  von    Crusius.    R.]     [Vgl.   auch  Max.   Mayer, 

gereimt  hielt."     Karl  Friedrichs,   Mensch  u.  40  Jahrb.   d.  Kais.  D.  arch.  Inst.   7  (1892),  201. 

Person,  Ausland    1891    p.   315.    316.      Frank  Höfer.]       [Knaack,     Analecta      Alexandrino- 

Cowan,  Curious  facts  in  the  history  of  insects.  romana    1.     De  Callimachi  Lino  p.  24  —  28. 

Philadelphia  1865  p.  116  citiert  aus  „Purchas's  Drexler.]   —   2)   Phrygier,  Sohn  des  Mygdon; 

Pilgrims" :  „In  the  yeere  1603 ,  at  Fremona,  er  zog  dem  Priamos  zu  Hülfe,   um  die  Hand 

great  misery  happened  by  Grasse-hoppers ,  front  der  Kassandra  zu  erwerben,  fiel  aber  in  dem 

ivhich  Paes  freed  the  Catholikes ,    by  Betanies  nächtlichen   Kampf   bei  der   Erstürmung   von 

and  sprinkling  the  Fields  icith  Holy-uater ;  when  Troja  durch  Diomedes  oder  Neoptolemos  oder 

as  the  Fields  of  Heretikes  seuered  only  by  a  Peneleos,  Paus.  10,  27,  1.     Euripi.  Mhci.  539. 

Ditch,  were  spoyled  by  them."    Derselbe  führt  Quint.  Sm.  13,  169.    Verg.    Aen.  2,  34i.   407. 

an,  dafs  die  Tataren  der  Krim  zur  Vertreibung  50  424.     [Der  tote  Koroibos,  über  den  Aias,  der 

der  Heuschrecken  sich  Derwische   aus  Klein-  Sohn    des    Oileus,    wegschreitet,     dargestellt 

asien    kommen    liefsen;   „these  divines  prayed  auf  der  Vivenziovase;  Heydemann,  Keapler  V. 

around   the  mosques,  and,  as  a  Cham,  ordered  nr.  2422.    Baumeister,  Denkni.   Tat'.  14  nr.  795; 

water  to  bc  hung  out  on  the  minarets ,  which  vgl.  p.  742 r.    Höfer.]   —  3)  Ein  Athener,  der 

uith  the  prayers,  u-ere  meant  to  entice  a  species  die  Töpferwerkstätten   erfunden  haben  sollte, 

of  black  bird  to  come  in  multitudes  and  derour  Plin.  n.  h.  7,  57.     [Stoll.] 

the  Docusts."   Bei  den  Arabern  dient  ein  Gebet  Koronai  s.  Koronides, 

des    Propheten     um    Vernichtung    der    Heu-  Korone.       Auf    einer    Vase     in     München 

schrecken,  auf  ein  Papierblatt  geschrieben  und  (Bc'serve  e'tr.   p.  9,  28.     de  TYitte,  Descr.  d'une 

in    einem   Rohr  auf   dem  Felde   aufgepflanzt,  co  coli,  de  vases  peints  . .  provenant  des  fouilles 

zur  Abwehr  der  gefräfsigen  Tiere,  C.  deWmrloy,  de  TFtrurie  p.  63.  64  nr.  110.    Gerhard,  Auserl. 

La  Tradition  2  1888  p.  278.     Als  ein  anderes  Vasenbilder  3,  168.    O.  Jahn,  Beschreibung  der 

unfehlbares  Mittel  der  Araber  gegen  die  Ein-  Vasensamml.  König  Ludwigs  2  p.  141  nr.  410) 

bräche  der  Heuschrecken   verzeichnen  Warloy  hat  Theseus  eine  mit  langem  Chiton  und  Man- 

a.  a.  0.  und  Rolland,  Faune  popul.  de  la  France  tel  bekleidete  Frauengestalt,  Korone  (KOPONE), 

3  p.  294  aus  Daumas,  Le  Grand  De'sert:  „On  „die  ihren  r.  Arm  um  seinen  Nacken  legt  und 

prend  qiiatrc  sauterelles  et  Von  cerit  un  de  ces  seinen    Arm   zu   umfassen   sucht,   mit   beiden 

quatre  versets  du  Koran  sur  les  alles  de  chaeune:  Armen    um    den    Leib    gefafst    und    erhoben. 


1385                    Koroneus  Köronides                    1386 

Beide    sehen    auf   die    herbeieilende    Helena,  Ovid  der  Asche   entstiegene   geminos  iuvenes, 

-welche  mit  der  R.   die  Chlamys  des  Theseus,  quos  fama  Coronas  nominat!    Man  erwartet 

mit  der  L.  den  r.  Arm  der  Korone  fafst".  'Cornetas'  oder  doch  Coronos  (=  Kogwvovg) ; 
Hinter  ihr  sieht  man  Peirithoos.  Panofka,  aber  die  Überlieferung  ist  fest,  die  Konfusion 
Monatsber.   d.   Berl.  Ak.    1848   p.  90—99  hält       ursprünglich.  —  Kogdvr]  ist  ein  ausschließlich 

die   Scene  für  einen  Raub  Korones  als   einer  in  dem  Asklepiosmythus  festsitzender  Name, 

uns  zufällig  bezeugten  Theseusgeliebten.    Da-  wo   ihn  stets   ein  Weib  trägt  (s.  oben    Bd.  1 

gegen   will   Pyl,  Arch.  Ztg.   9    1851    Sp.  331  f.  Sp.  616,  Z.28— 48).    Wie  die  berühmte  Mutter 

den  Raub  der  Helena  durch  Theseus  erkennen  des  Asklepios  schon  die  Frucht  unterm  Herzen 

und   vermutet,  „dafs   diese  Korone    durch   die  10  trägt,   als   sie,    zugleich   mit  auderen  Frauen, 

Mythen    in    ein    Freundschaftsverhältnis    mit  getötet  wird,  und  wie  schon  der  Leichnam  auf 

Helena  gebracht  sein  könne"  und   „den  Raub  dem    Scheiterhaufen    verbrannt    werden    soll, 

ihrer  Freundin   zu   hindern    sucht".     Pyl  will  als  mitten   aus   der  Glut  des  Feuers  und  dem 

ferner  diese  Korone  dargestellt  sehen  auf  der  toten  Mutterleibe  Apollon  seinen  Sohn  rettet 

von    ihm    Taf.   XIX    abgebildeten,    Sp.   329ff.  und  entführt  (s.  o.  Bd.  1  Sp.  618,  Z.  28ff.),  so 

besprochenen    Vase    des     Berliner    Kabinetts,  schweben  hier,  genau  entsprechend,  2  (gemini) 

auf   welcher    indessen    Furticängler    nr.  3143  Söhne  aus  der  'mütterlichen  Asche'.    Auch  die 

Scene  B  nur   eine   einfache   Frauenverfolgung  Seuche    fehlt   im   grofsen   Asklepios -Koronis- 

erkennt,   sowie   Korone,  Helena,  Theseus  und  Mythos  nicht,  nur  tritt  sie  dort  nicht  vorher 

Tyndareos   auf  einem   ihm   durch   eine  Zeich-  20  als  Anlafs   zum  Sühnopfer,    sondern  zugleich 

nung  in  Gerhards  Besitz  bekannt  gewordenen  mit  diesem  als  Strafe   auf  (Find.  Pyth.  3,  52 

Stamnos.     [Drexler.]  u.  Sclwl.;  vgl.  überh.  zu  68,  66).   Abweichungen 

Koroneus   (Kogoivtvg),    Vater    der   Koronis  liegen  aufserdem  noch  darin,  dafs  Koronis  von 

(s.  d.)  Ov.  M.  2,  569.     [Stoll.]  dem   Raben   des   Apollon   oder   diesem   Gotte 

Koronides  (Kogmvt'ärjg),  Sohn   der  Koronis,  selbst  getötet  wird,  die  Koronides  sich  selbst 

Asklepios,    Ov.    Met.    15,    624,    Ibis    406    und  (naga  rrjv  nitida:  Ant.)  töten;  ferner  dafs  der 

Schot  405.     Prisclan.  Inst.  2,  34.    Grammatici  Koronissohn  Asklepios  auf  den  Pelion  zu  Chei- 

Lat.  ed.  Keil  2,  63.     [Höfer.]  ron  entrückt  wird,   der  ihn  erzieht,__  während 

Koronides  (KogwviSzg)  oder  Koronai  (Coro-  bei  Antoninus  aus  den  sterblichen  Überresten 
nae  =  Kogävai),  eine  nur  Boiotien  undAttika  30  (=  cinis?)  der  Koronides  zwei  Sterne  (=  Fun- 
eigene Doppelung  der  Koronis  (s.  d.),  dadurch  ken?)  als  Kometen  zum  Himmel  entschweben, 
merkwürdig,  dafs  sie,  ebenso  wie  das  Motiv  bei  Ovid:  jene  beiden  angeblich  'Coronae' 
von  der  Feuergeburt  eines  Gotteskindes,  zu-  genannten  'Zwillinge',  welche  der  mütter- 
gleich in  den  Asklepios-  und  in  den  Dionysos-  liehen  Asche  das  Totengeleit  geben.  Der 
Mythus  hinüberspielt.  —  1)  Zwei  Schwestern,  Hauptunterschied  freilich  ist  die  Zahl:  Denn 
Töchter  des  Orion,  Namens  Metioche  und  Me-  im  Koronismythos  erscheinen  nicht  zwei  -nogai 
nippe  (s.  d.),  waren  zu  Orchomenos  in  Boiotien  oder  zwei  xopex.,  sondern  nur  zwei  (d'iävfioi) 
durch  ein  Heiligtum  geehrt,  in  welchem  alljähr-  Hügel,  als  Wohnort  der  Koronis  am  Dotischen 
lieh  nogoi  «al  v.ögai  LiaXlyfiaxa  (psgovaiv.  So  Gefilde:  diese  müfsten  also  geradezu  als  'die 
erzählt  (laut  Glosse  angeblich  nach  Korinna's  40  beiden  Grabhügel  einer  Zweiheit  von  Koro- 
Hetcroia  und  Nikandros'  Heteroiumena)  Anto-  nides'  den  Mythos  angeregt  haben.  Endlich  ist 
ninus  Liberalis  (c.  25  p.  224  Westerm.)  von  Koronis  nie  'Oriontochter',  sondern  stets  T. 
den  Koronides,  während  Ovid  (Met.  13,  681  ff.)  des  Phlegyas  oder  Lapithes  (so  Eustath.  zu 
seine  Coronae  nach  Thebai,  der  ismenischen  IL  B  729)  gewesen.  Auch  sind  die  Komet- 
Stadt,  versetzt.  Sie  sterben  als  Sühnopfer  für  sterne  in  der  alten  Koronis -Sage  unerhört, 
ihr  Volk,  und  zwar  von  eigener  Hand  durch  2)  Schwurgöttinnen  bei  Dionysios  Skym- 
einen  Stich  in  die  Brust  (xtpxüJt,  Ovid:  telo);  naios  bei  Sclwl.  Lyk.  12471):  pa  ras  0totvov 
nach  Ant.  zur  Sühnung  an  die  igiovviovg&iovg  v-al  KogcoviSag  (Var.:  nogoviSag);  vgl.  Töpffer, 
oder  %%-ovlovg  SaC^iovag,  auf  Anraten  des  gor-  AU.  Geneal.  S.  105.  1141),  der  sie  mit  Aischy- 
tynischen  Apollon,  den  man  wegen  Abwen-  50  los'  Theoinos- Mainaden  identificiert  (ebendas. 
düng  einer  grofsen  Seuche  um  Rat  gebeten  Nauck,  F.  T.  G.  397)  und  nicht  nur  mit  dem 
hatte  (wovon  Ovid,  überhaupt  sehr  kurz,  Geschlechterkult  (nicht  dem  Namen!)  der  atti- 
nichts  weifs).  Des  weiteren  erzählt  A.:  Die  sehen  Koironiden,  sondern  mit  den  the- 
beiden  Mädchen  sanken  (igne  crematae,  O.)  in  baisch*)-orchomenischen  K.  (1)  in  Zusammen- 
die  Erdentiefen  hinab  (d.  h.  doch  wohl:  die  hang  bringt.  Wirklich  erscheint  unter  den 
vom  Scheiterhaufen  gesammelte  Asche  ward  drei  naxischen  Erzieherinnen  des  Dionysos- 
in einer  Urne  begraben).  Persephone  und  kindes  eine  Kogwvig,  wie  auch  unter  den  sieben 
Hades  aber,  welche  die  Leiber  jener  ver-  hyadischen  Erzieherinnen  des  theba'ischen  D. 
schwinden  liefsen  (rjtpüviaav) ,  schickten  doch  "T-ng  bei  Pherekydes  (F.  H.  G.  1,  84,  46).  Noch 
aus  Mitleid  (olnzsigavxeg,  O.:  ne  genus  inter-  60  auffälliger  ist  der  zweite  Name  der  dreiNaxie- 
eat)  in  rijg  yfjg  (O.:  de  virginea  favilla)  etari-  rinnen:  KltCSr]  (s.  d.);  er  erinnert  an  den  Stich 
gag  (O.:  iuvenes  gtminos!)  hervor  (ävr/viyxav 
—    exire),     die    zum    Himmel    hervorschweben  *)  Der  Künstler  Alcon,   welcher  bei  Ocid  auf  einem 

(und  nach   Ovid.   cineri  materno  ducere   vom-  BecIler  den  Coronae-Mythoa  darstellte,  ist  vielleicht  = 

,„\              »         *          /       «         '                \        '      '  dem   athenischen  Heros  Alkon    (s.  o.  Bd.  1  Sp.  249  nr.  4; 

*     <.'                            r  v                n-       -»f  h  j  i              i  anders  daselbst  zu  nr.  i),  welcher  als  Genosse  des  Askle- 

av&Q(D1tOL     KOfllJTas.       Die     Mädchen     aber:  pio3   am  PeUon  erzogen  ward.     Dann  hätte  man  einen 

■ngoaayogivovoi   S     ayxag  ot  Atolsig  a%gi  vvv  Anhaltspunkt    für    attischen    Ursprung   der    OoWischen 

Kogoiv idag    Ttag&svovg.      Statt  dessen    hat  Version. 


1337                     Koronios  Koronis                      loSh 

jrorpa  zi\v  Y-lziSa  rij  KSQxiSt  einer  Koronide  bei  Astr.  tötet  er  auch  den  Isehys;  oder  Zeus  er- 
Antonirtus.  (Der  dritten  Naxierin  freilieh  mit  schlägt  ihn  mit  dem  Blitz,  Hyg.  f.  202.  Ko- 
ibrem  uncharakteiistiseken  Namen  <Ddi'u  ent-  ronis  und  Isehys,  von  den  Pfeilen  des  ver- 
spricht keine  dritte  Koronide.)  Auf  die  Ahn-  folgenden  Apollon  getroffen,  Mnnum.  ined.  de 
liebkeit  zwischen  der  Feuergeburt  und  Rettung  V  Inst,  arclieöl.  Tom.  2  pl.  18.  Duc  de  Luyncs, 
des  Kindes  Asklepios  aus  Scheiterhaufen  und  Descript.  de  vas.  peints  pl.  6  u.  7.  Koronis 
verkohlendem  Mutterleichnam  mit  dem  gleichen  hatte  sieh  dem  Isehys  ergeben,  weil  sie  be- 
Sehicksal  des  Dionysoskindes  in  der  ebenfalls  fürchtete,  später  von  Apollon  verlassen  zu 
thebai'schen  Semele-Hye-Sage  macht  Voigt  werden,  Akusilaos  b.  Scliol.  Pind.  Pylh.  3,  24. 
aufmerksam  (s.  o.  Bd.  1  Sp.  1045,  Z.  14  ff.).  10  Nach  Pindar  erfährt  Apollon  ihre  Schuld  durch 
Dazu  tritt  nun  hier  die  Doppelparallele  der  seinen  allei  forschenden  Sinn,  während  schon 
beiden  Söhne  der  Koronides.  —  Die  Vermu-  von  Hesiod  (vgl.  Hyg.  f.  202.  P.  A.  2,  40. 
tung,  die  sich  aus  dieser  Betrachtung  ergiebt,  Apollod.  a.  a.  ü.  u.  A.)  erzählt  wird,  dafs  der 
ist:  1.  Die  Koronides  waren  schwanger,  als  habe,  der  ihm  heilige  Vcgel,  ihm  die  Nach- 
sie  sich   selbst   den  Tod  gaben  und  opferten;  rieht  brachte,    weshalb  er  von  dem  erzürnten 

2,  vielleicht  war  ein  Fehltritt  die  Ursache  der  Gott  aus  einem  weifsen  in  einen  schwarzen 
Schwangerschaft  und  somit  auch  des  Zornes  Vogel  verwandelt  ward.  Als  Wohnort  der 
der  Götter  und  also  auch  der  strafenden  Koronis  wird  von  Pindar  die  Stadt  Lakereia 
Seuche  gewesen;  3.  also  das  Selbstopfer  war  am  boibeischen  See  angegeben,  ein  Name,  der 
zugleich  als  eine  private  Bufse  in  der  ver-  20  entweder  auf  rauschende  Quellen,  oder,  wie 
lovenen  vollen  Form  des  Mythos  motiviert  auch  der  Name  Koronis,  auf  geschwätzige 
(damit  betrachte  ich  die  an  anderer  Stelle  Krähen  (ÄaKt'prJ«  Kogcävrj,  Hcs.  Erg.  747)  hin- 
von  mir  über  die  K.  gegebenen  Vermutungen  weist,  also  die  Kräbenstadt  bedeutet.  Die 
als  erledigt).     [K.  Tümpel.]  Krähe  aber  war  durch  ihr  langes  Leben  oder 

Koronios.     Im  Butt,  de   Corr.   Hell.  9  1885  auch  wegen  ihrer  Vorliebe  für  die  Höhen  und 

p.  426  nr.  39  (=  C.  I.  Gr.    Gracciae  septenU:  die  frisebe  Bergesluft  ein  Symbol  der  Gesund- 

Vol.  1  nr.  2873)  teilt  Foucart  folgende  Inschrift  heit,  Pi  eil  er,  Gr.  Myth.  1,423.  Über  Koronis  am 

von   Koroneia   mit:    'Hgäg   KaargUi  os  Avi.ov  boibeischen  See  s.  noch  Strab.  9,  442.  14,  647. 

toi'  |  vuciv  v.al  vä  9v  gcöuara  ävi&r)  xf  v  Kogca-  Auch  in  dem  thessalischen  Trikka   am  Flusse 

vi'coi.     Foucart   glaubt   in  Koronios  die  wahre  30  Letbaios   soll  Asklepios   geboren   sein,    Strab. 

Namensform  des  von  Paus.  9,  34,  7.  8.  Kogco-  14,  647;   vgl.  Hyg.  f.  14   p.  43.     Von   der   epi- 

»os   genannten   Gründers   der  Stadt  erkennen  damischen  Sage  wurde  die  Geburt  des  Askle- 

zu  sollen;    es    dürfte  aber  eher  der  Name  ab-  pios    in    die    Gegend    von   Epidauros    verlegt, 

solut  gebraucht  für  einen  in  Koroneia  Vorzugs-  wo  er  hochverehrt  ward;  Koronis  sollte  ihren 

weise  verehrten  Gott  sein.     [Drexler.]  Vater  Phlegyas    auf   einem   Raubzug    in    den 

Koronis  (Kogcovig),  1)  Tochter  des  Lapithen-  Peloponnes  begleitet  und  ihr  Kind  im  Gebiete 

königs  Phlegyas  (des  Lapithes,  Eustath.  11.  2,  von  Epidauros  heimlich  geboren  und  ausgesetzt 

729),  Mutter  des  Heilgottes  Asklepios.    Pindar  haben,  Paus.  2,  26,  4.     [Nach  dem  neugefun- 

erzählt  nach  dem  Vorgang  des  Hesiod  in  den  deuen  Hymnus  des  Epidauriers  Isyllos  (Ephem. 

Eden    (fr.   87    Lehrs    bei    Scliol.    Pind.    Pyth.  40  arch.   1S85  S.  69  ff.    Blaß  in  Flecheis.  Jahrb  /'. 

3,  14),  dafs  Koronis,  die  Tochter  des  thessa-  Philol.  1885  S.  S23f.  Wilamowitz,  Isyllos 
lischen  Fürsten  Phlegyas,  wohnhaft  in  dem  von  Epidauros)  hiefs  Koronis  eigentlich  Aigla 
dotischen  Gefilde  beim  boibeischen  See  am  und  war  die  Tochter  des  Phlegyas  und  der 
Fufse  des  Pelion,  mit  Apollon  den  Asklepios  Kleophema  (der  Tochter  des  Malos  und  der 
erzeugt  habe;  während  sie  aber  mit  dem  Muse  Erato);  Apollon  (Maleatas)  verliebte 
Götterkinde  noch  schwanger  ging,  gab  sie  sich  in  sie  im  Hause  des  Malos  (iv  Malov 
sich  im  Hause  des  Vaters  heimlich  einem  äouoig  nctg&sriav  ägav  zXvas).  Bei  der  Ge- 
Gastfreunde  aus  Arkadien ,  Isehys  (Valens),  burt  des  Asklepios  (s.  d.)  waren  (als  göttliche 
Sohn  des  Elatos,  hin,  der  übrigens  auch  nach  Helfer)  anwesend  Apollon  und  die  Moiren, 
Thessalien  versetzt  wird.  Deshalb  liefs  Apol-  50  namentlich  Lachesis.  Isyllos  leitet  den  Namen 
Ion  erzürnt  sie  durch  Artemis  erschiefsen,  und  Asklepios  von  Aigla  ab  (vgl.  Aigle  u.  Hesych. 
mit  ihr  starb  auch  eine  Menge  anderer  Frauen  s.  v.  JlyXä^g).  Röscher.]  [Eine  wunderliche  Deu- 
(von  einer  Pest  erzählte  auch  Pherckydcs  bei  tung  des  Mythus  giebt  A.  Eschiceiler ,  Über 
Scliol.  Pind.  Pyth.  3,  59.  64.  66).  Als  die  das  Wisch  und  den  Kamen  des  griechischen 
Leiche  der  Koronis  schon  auf  dem  Scheiter-  Heilgottes.  Leipzig  1886.  4°.  Back,  Jahresber. 
häufen  lag,  eilte  Apollon  (Hermes,  Paus.  2,  üb.  d,  Fortsein:  d.  Id.  A.-W.  Bd.  66  p.  340 
26,  5)  herbei,  entrifs  sein  Kind  der  sich  vor  referiert  den  Inhalt  der  mir  nicht  zugänglichen 
ihm  teilenden  Flamme  und  brachte  es  zur  Er-  Schrift  mit  den  Worten:  „Die  hochgelegene 
ziehung  dem  Kentauren  Cheiron  auf  dem  Pelion,  Berggegend  (Koronis)  wird  vom  Lichte  (Apollon) 
Pind.  Pyth.  3,  5  —  46  (10  —  81)  mit  Scliol.  00  geschwängert,  heimlich  aber  auch  vom  Wachs- 
llom.  Ilymn.  16  (in  Aescul.J.  2,  31  f.  Apollod.  3,  tumsgeist  (Tscbys)  beschlichen  und  stirbt  des- 
10,  3.    Paus.  2,  26,  5.    Äp.  Bh.  4,  617.    Diod.  halb  durch  das  Licht  oder  die  Wärme  (Arte- 

4,  71.  5,  74.  Ov.  Met.  2,  542 ff.  598ff.  Fast.  1,  mis).  Die  Frucht  (Asklepios)  würde  verdorren, 
291.  Serv.  V.  Aen.  6,  618.  Hyg.  f.  14  p.  43  käme  nicht  rettend  der  Regen  (Hermes,  Gott 
Bunte,  f.  161.  202.  224.  P.  Astr.  2,  40.  Cic.N.I).  der  Verdunkelung)  dazwischen,  um  einen  ge- 
3,  22,  56.  Nach  Oo.  Met.  Serv.  V.  Aen.  7,  761  sunden  Zustand  der  Atmosphäre  hervorzu- 
tötete  Apollon  selbst  die  Koronis,  nach  l'here-  rufen."  Drexler.]  Auch  in  dem  arkadischen 
kydes  b.  Scliol.  Pind.  Pyth.  3,  59  und  Hyg.  P.  Thelpusa,   wo   sich  ein  Heiligtum  des  Askle- 


13S9                      Koronis  Koronos                      1390 

pios  befand,  war  das  Kind  Asklepios  aus  3,  171 1>  p.  489.  G.  I.  G.  2,  3538;  auf  einer  Weih- 
gesetzt gefunden  worden,  Paus,  8,  25,  6.  Die  insclirift  an  Asklepios  KoqdviSi  tä  &Xeyvitu 
Arkader  scheinen  die  Koronis  auch  fur--sich  (aus  Menscbieh  [I'tolemais])  Sevue  areheol.  13 
zu  beanspruchen;  in  Ilom.  Hymn.  2,  31  heifst  (1889)  71;  vgl.  <S>Xeyvov  -äoxqiq  G.  I.  G.  3, 
sie  nach  der  wahrscheinlichsten  Lesart  -/.ovqj]  5974  =  Kaibel,  epigr.  add.  805 a  =  Inser. 
'At^avic;,  also  eine  Arkaderin,  s.  Baumeister  Graec.  Ital.  967.  dtlsyvrjis  Paus.  2,  26,  7; 
z.  d.  St.  p.  147.  Die  Messenier  behaupteten,  s.  auch  F.  A.  Voigt  bei  Ersch  und  Grubtr. 
dafs  Asklepios  bei  ihnen  in  dem  messenischen  Nach  0.  Jahn,  Areh.  Ztg.  11  (1853),  165  er- 
Trikka  geboren  sei  von  Arsinoe,  Tochter  des  kennt  de  Witte,  Cat.  Dar.  nr.  2152  p.  440  auf 
Leukippos;  aber  das  delphische  Orakel,  um  10  einer  archaischen  Vase  (Mon.  delV  Inst.  2,  18) 
die  Abkunft  des  Asklepios  befragt,  erklärte  den  Phlegyas  und  die  Koronis,  die  von 
nicht  Arsinoe  sondern  Koronis  für  seine  Mutter,  Keren  nach  Delphi  geschleppt  werden;  de 
Paus.  2,  26,  6.  4,3,2.  Asklepiades  b.  Schal.  Luynes  (Descript.  de  quelques  vases  peinls  pl.  8 
Find.  Pgth.  3,  14.  Aristeides  {Schal.  Pind.  p.  4;  vgl.  Elite  ceram.  2  pl.  59  p.  173)  erkennt 
a.  a.  0.)  sagt,  als  Jungfrau  habe  die  Tochter  darin  die  Koronis  und  den  Ischys,  die  von 
des  Leukippos  Koronis  geheifsen,  später  aber  Daimoneu  dem  Apollo  zugebracht  seiner  Rache 
Arsinoe,  und  SoTcrates  aus  Argos  (ibid.)  be-  entgegensehen.  Höfer.]  Vgl.  Koronides.  — 
hauptet,  Asklepios  sei  Sohn  der  Arsinoe,  aber  2)  Tochter  des  Koroneus  im  phokischen  Lande 
von  Koronis  als  Kind  angenommen.  Zu  Ti-  (Daulis),  von  ihrer  Schützeiin  Athene  auf 
tane  in  Sikyonia,  wo  ein  Asklepieion  war,  20  ihren  Hülferuf  in  eine  Krähe  verwandelt,  als 
befand  sich  ein  Holzbild  der  Koronis,  wel-  Poseidon  sie  mit  seiner  Liebe  verfolgte,  Ov. 
ches  man,  wenn  dem  Asklepios  geopfert  werden  Met.  2,  551  ff.  Gerhard,  Gr.  Myth.  1  §269, 
sollte,  in  den  Tempel  der  Athene  trug  und  2.  Preller,  Gr.  Myth.  1,  424.  Schwende,  Sinn- 
dort  verehrte,  Paus.  2,  11,  7.  Panofka,  Askle-  bilder  der  a.  Völker  239  f.  Vgl.  nr.  1.  — 
pios  u.  die  Asklepictden  p.  28.  Gurt.  Peloponn.  3)  Eine  der  Hyaden  oder  nysischen  oder  do- 
2,  503.  Bei  Schal.  11.  4,  195  und  Hyg.  f.  97  donäisehen  Nymphen,  der  Erzieherinnen  des 
p.  87  heifst  Machaon  Sohn  des  Asklepios  und  Dionysos,  Hesiad.  fr.  67.  Lehrs  b.  Schal.  Arat. 
der  (Arsinoe  oder)  Koronis  aus  Trikka.  —  Phacu.  172.  Hyg.  f.  182.  192.  P.  Astr.  2,  21. 
S.  Asklepios.  Iliyne,  Obss.  ad  Apollod.  p.  2767.  Schol.  II.  18,  486.  Pherekydes  (fr.  46.  Müller, 
Müller,  Orchom.  I98ff.  Völcker,  Tapet.  Geschl.  so  Fr.hist.gr.  lp.  84).  [Schol.  German.  Aratea p.  75 
176.  179.  Panofka,  Asklepios  u.  d.  Asklepiaden.  ed.  Breysig.  Höfer.]  In  Naxos  heifst  8ie  eine 
Beil.  Akad.  1845.  lauer,  System  281.  Preller,  einheimische  Nymphe,  welche  dort  mit  ihren 
Gr.  Myth.  1,  423f.  Gerhard,  Gr.  Myth.  1  Schwestern  Philia  und  Kleide  den  ihnen  von 
§  514.  [Auf  Münzen  der  Sabina  von  Pergamon  seinem  Vater  Zeus  übergebenen  Dionysos  auf- 
ist Koronis  stehend  dargestellt,  kenntlich  durch  zog,  Diod.  5,  52.  Der  auf  Naxos  wohnende 
die  Beischrift  KOPQNIC,  Mi.  2,  598 f.,  563.  564;  Thraker  Butes,  Bruder  des  Lykurgos,  hatte 
Num.  Chron.  1882  p.  36,  PI.  1,  13.  ,,1'his  fiyure  sie  in  dem  phthiotischen  Achaia,  als  sie  mit 
wears  a  long  yarment  reaching  to  the  fett,  and  den  dionysischen  Nymphen  ein  Fest  des  Dio- 
her  hend  is  vciled;  the  rigid  hand  is  raised  to  nysos  feierte,  geraubt  und  gezwungen  sich  ihm 
the  lejt  Shoulder,  her  left  bring  laid  straight  40  zu  vermählen,  weshalb  er  von  Dionysos  mitWahn- 
across  the  body  at  the  waist."  Warwick  Wroth,  sinn  gestraft  wurde  und  sieh  in  einen  Brunnen 
Cat.  of  the  greek  coins  of  Mysia  p.  144  nr.  274.  stürzte,  Diod.  5,  50.  Vgl.  Koronides.  — 
275  PI.  28,  16.  Gegen  Panofkas  (Asklepios  i)  Mutter  der  drei  Chariten  von  Dionysos, 
und  die  Asklepiaden  p.  28)  Deutung  des  mit  Nonn.  Dion.  48,  555.  —  [5)  Begleiterin  des 
menschlichem  Haupte,  Helm,  Schild  und  zwei  Theseus  auf  seiner  Rückkehr  von  Kreta  C.  I.  G. 
Lanzen  oder  nach  Babelon  zwei  Flöten  ver-  4,  S 185 b  p.  192.  —  (!)  Name  einer  Begleiterin 
sehenen  Vogels  auf  Münzen  des  L.Valerius  Acis-  des  Dionysos  auf  einer  Vase  C.  I.  G.  4,  7476, 
oulus  (Miceio,  Moncte  delle  ant.  famigliedi  Borna  vielleicht  identisch  mit  nr.  3.  Höfer,]  —  [Über 
tav.  47,  8)  als  Athena-Koronis  (vgl.  nr.  2)  s.  Ch.  die  verschiedenen  Koronides  s.  auch  J.  Boehlau, 
Lenormant,  Noicv.  gal.  myth.  p.  157.  de  Witte,  50  Butes  und  Koronis  in  Bonner  Studien.  Auf- 
Le  gc'ant  Valens  (Exlr.  de  la  Rev.  num.  1849)  Sätze  aus  der  Altertums  -Wissenschaft  II.  Kekulc 
p.  21.  Babelon,  Monn.  consul.  2  p.  516.  519.  .  .  .  gewidmet  von  seinen  Schülern.  Berlin 
520  nr.  18.  19,  welche  in  dem  Vogel  eine  1890  p.  126  — 138,  dessen  Ausführungen  Back 
Adlerart,  Valeria  (Plin.  h.  n.  10,  3,  3),  „l'aiglc  im  Jahrcsber.  üb.  die  Fortsein,  d.  kl.  A.-W. 
Valeria  qui  figure  sur  la  medaille  sous  la  meto,-  Bd.  66  p.  315  in  den  Satz  zusammenfafst:  „Die 
morpliose  wythologiqiie  cl'une  Sirene"  erkennen.  verschiedenen  'Koronis'  sucht  B.,  wie  dem 
—  S.  über  Koronis  auch  de  Witte  a.  a.  0.  p.  8,  9.  Ref.  scheint,  zum  Teil  mit  guten  Gründen  als 
Gurlitt,  Über  Pausauias  p.  173  ff.  Drexler.]  Ausnufs  einer  alten  thessalischen,  vorzugsweise 
[Vgl.  noch  0.  Müller,  Handb.  d.  J.re/<."394,  3  chthonischen  Göttin  Ai'yXri-KoQiivn  (Asklepios- 
p.  598.  Eckheljd.n.  2,  465.  Head  bist.  num.  464;  co  mutter  Aigle-Koronis,  Aigle  und  Korone  in 
vgl. ferner Lukian.Alex.  14, 38.  Theodoret.  Graec.  Phokis,  des  Theseus  Geliebte  Aigle  oder  Ko- 
affect.  cur.  8  p.  905  Schulz.  Schol.  Nikand.  ronis  u.  a.)  zu  erweisen,  wobei  er  den  Namen 
Ther.  685.  Oppian.  Ixeut.  1,  8.  Jäh.  Lydus  KoQcavn  als  Erweiterungsbildung  von  xögn  = 
de  mens.  4,  89.  Mythogr.  Lcd.  ed.  Bode  1,  46  cdie  Jungfrau'  und  das  Attribut  der  Krähe  als 
p.  17,  115  p.  37,  204  p.  64,  205  p.  65,  2,  22  alte  Volksetymologie  fafst".  Drexler.]  [Stoll] 
p.  81,  128  p.  118,  3,  8,  16  p.  209.  Schol.  Stat.  Koronos  (Köoon'og),  1)  einer  der  Lapithen 
Theo.  3  p.  144  ed.  Gruceus  Schol.  Ovid.  Ib.  405.  (s.  d.),  Sohn  des  Kaineus,  Vater  des  Leonteus, 
C.  I.  G.  1,  511  =  C.  1.  A.  3,    171.     C.  I.  A.  Hom.  B  746  (Apollod.  3,  10,  8).    Sophokles  in 


1391  Koropaios  Korykia  1392 

den  Arifiviai  bei  Steph.  s.  v.  Jtäziov:  b  Aaziivg  Koros   (A'öpos),  1)  der  personificierte  y.ogog, 

Aani&rig  Kögtovog.  —  Bei  Steph,  s.  v.  <I>iXutöui  d.  i.  Übermut,  Sohn  des  Hybris  (s.  d.)  in  einem 

wird  eine  Tochter  von  ihm,  Namens  Lysidike  alten   Orakel  des    „Bakis"   bei  Eerod.  8,  77: 

(Konj.  v.  Schulart  für  Avaidrj)  angeführt.    [Vgl.  Sia  JCv.n  eßiacai  Kgcczigbv  Kögov  "Tßgiog  viov 

Töpfler,    Attische    Genealogie   276.     B.]  —  Er  y.zl.  und  bei  Pindar,  Ol.  13,  10:  "Tßgiv,  Koqov 

wurde  von  Herakles   getötet,    als   er   an   der  ixaziga  9gaavuv&ov  (vgl.   d.  Schot,   z.  d.  St.). 

Spitze  der   Lapithen   den   Dorer  Aigimios  mit  Anders  Solon  frgm.  SBcrgk:   zi'y.zst  yäg  xogcg 

Krieg  überzog,    Diod.  4,  37,  (ebenso    Apollod.  [KogogT)    vßgiv    C'Tßgw?),    ozcxv    noXvg    bXßog 

2,  7,  7.  [G.  I.  G.  3,  5984c.    Über  den  Versuch,  snrjzai  und  Theogn.  153  zixzst  rot  xo'pos  vßgiv. 
den  Koronos   zum  Ahnherrn  der  eleusinischen  10  bzav    xcnträ    bXßog    inrjzai,      Mehr   bei  Berglc 

Koroniden  =  Koironiden  zumachen,  s.Toepffer,  P.  L.  Gr.    in   der    kritischen   Anmerkung   zu 

Attische  Genealogie  104  Anm.  1;  eine  Deutung  beiden  Stellen.  —  [2":  Coronia,  nomen  a  Coro 

des   Namens    Koronos    versucht  Pott,   Zahlen  Centauro  dictum,  a  quo  et  civitas  dicta,  quam 

von  kosmischer  Bedeutung,  Zeitschr.  f.   Völker-  (quem?)  reliqui  Ceniauri  velut  palum  cacdentes 

Psychologie  u.  Sprachwissenschaft  14  (1883),  18,  tirrae  affixerunt,  Schol.  Stat.   Thtb.   7  p.  326 

der  in   Kögcovog    (vgl.    y.ogavog,   -Aogtavig    von  Cruceus.      Die    Stelle    ist    dunkel.      Ist    statt 

krummhöruigem  Bindvieh  gebraucht*)  als  dem  Coro  vielleicht  Corono  (s.  d.  nr.  3)  zu  lesen? 

Sohne  des  Kaineus  (=  sich  wandelnder  Mond)  Aber   wie    kommt    Coronos    zur    Bezeichnung 

eine  Anspielung  auf  die  cornua  lunae  erblickt;  Kentauros?  Oder  ist  zu  lesen:  a  Corono 
anders  Pott  in  Kuhns  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprach-  20  Caenei   filio    ....    quem    (seil,    den    Caeneus)? 

forschung  6  (1857),  407.  410.    Bei  Orpli.  Argon.  Höfer.]     Vgl.  Kaineus.     [Boscher.] 
139   heifst  Koronos   Sohn   des   Alektor,  Ali-/.-  Korse  {Kogor^,  1)  Sklavin  eines  Binderhirten, 

zogiSrjg.   Höfer.]).     Zu   den  Argonauten   wurde  nach   welcher   die  Insel  Kogei'g  (Kvgvog,   Cor- 

er  gezählt  von  Sopihokles  in  den  Arjfiviai  a.  a.  0.  sica)    benannt    war,    Steph.   Byz.    v.    Kogotg. 

Apoll.   Eh.   1,  57ff.    (Orph.   139.     Eyg.    f.   14  Eustath.  Dion.  Per.  459.  —  [2)  In  dem  'Eni 

p.   45,    2    nach    Konjekt.),    er   fehlt  bei    Val.  JrjnvXov  überschriebenen  Epigramm  (Aristot. 

Flacc.  und  Apollod.  1,   9,   16,   wo  dafür  Kai-  pepl.  40  [25]):   JrjinvXov   y.6gar,g  svsiäiog  'Og- 

vsvg    Kogmvov    (vgl.  Eyg.  f.    14  p.  48  Seh.  in  ixsvioio  iivfjaa  zoS'  ivy.Xsivov   ysivazo    TXnno- 

der  Note  zu  p.  47,  23)  steht,  vgl.  Schol.  Apoll.  J.euos  schreibt  Sehneidewin  (vgl.  Berglc,  poet. 
Eh.   1,   57:    zivsg   8s  cpaai  Kaivia  ovunXivaai  30  lyr.   24,   351   dr\mvXav   Kögarjg   tvithiog    Og- 

zoig   'Jgyovavzaig,    ov    Kogavov.    —    2)   König  uiviov  zs  Mvijua  zöSs  y.Xblv'ov  Ssiuazo   TXrtnb- 

von  Sikyon,   Sohn  des  Apollon  und  der  Chry-  Xtuog.    Höfer.]     [Stoll.] 

sorthe,   Vater    des  Korax   und    des  Lamedon,  Korsymos  (Kögavuog),  Flufsgott,   sonst  un- 

Paus.  2,5,8.  6,3.    [Pott  in  Kuhns  Zeitschr.  f.  bekannt,   erscheint  gelagert   auf  Münzen  von 

vergl.   Sprachfonchung  9   (1860)   352.     Höfer.]  dem  karischeu  Aphrodisias  Eclchel,  E.  n.  2,  576; 

—  3)   Der  Gründer  von  Koroneia,   Sohn   des  vgl.   4,  314.  318.     [Dies  ist  eine  der  wenigen 

Thersandros,  Bruder  des  Haliartos,  Paus.  9,  34,  irrigen  Lesungen  Eckhels.    Der  Flufs,  welcher 

7  (Schol.  IL  2,  503.  Steph.  Byz.  s.  v.  Kogavsia.  auch  auf  den  Münzen  von  Antiochia  ad  Mae- 

Konn.  Eionys.  13,  79).  [Pott  in  Kuhns  Ztschr.  andrum  erscheint,  heifst  MOPCTNOC.  Eead, 
f.   vergl.   Sprachforschung  9   (1860),  345  Anm.  40  E.  N.  p.  520.    Finder,  Monatsber.  d.  Berl.  Ali. 

Höfer.] — i)  Vater  der  Anasirhoe,  der  Gemahlin  1S57  p.  476;  der  heutige  Name  dieses  Flusses 

des  Epeios  in  Elis,  Paus.  5,  1,  6.  —  5)  Vater  ist  Karasu,  G.  Eirschfeld,  Monatsber.   d.  Berl. 

der  Asteria,  der  Mutter  des  Idmon,  Pherekydes  AI;.  1879  p.  327.  Drexler.]     [Höfer.] 
bei   Schol.  Ap.  Eh.  1,  139.   —   [6)  Auf  einer  Korybanten  s.  Kureten. 

hispanischen  Inschrift  aus  der  Nähe  von  Crasto  Korybos   (Kogvßog),   oi'Sh   yag   oaiov   olpcu 

erscheint  ein  Gott  Coronus  C.  I.  L.  2  Sup2)l.  zfjv    aiziav   igiiv,   y.ivai'Sstav   Jiovvoov   y.aza- 

5562.  Höfer.]     [Seeliger.]  yogsvav,  nag'  baov  y.ca  6   yceXXbg  zov  ninog- 

Koropaios  (Xooo7raios),  Beiname  des  Apollon  vsvxözog     Kogvßov     Jiovvaov     vnouvr]u.a, 

vonderthessalischenStadtKorope,iYY7.'fiH</.77!iT.  uio&bv  zovzov  avzä  Jiovvaov  iy.zsxiy.bza, 
613  undheiStepih.Byz.  s.  v.  Kogonn.  TsachTlieon,  50  ZsasXrjg  ttjs  fir^gbg  pfpiiizgu  Schol.  Marc.  Luc. 

Pluiarchos  und  Demetrios  ( Chloros?)  bei  Steph.  de   dea  Syr.  28    p.  258    Jacobits.     Ist  dieser 

Byz.  a.  a.  0.   soll  jedoch  Apollon  nicht  Kogo-  Korybos  identisch  mit  Korymbos  (s.  d.)? 
naiog,     sondern    nach    der     euböischen    Stadt  [Höfer.] 

'Ogöntj  (='OgoßCa,  vgl.  Strabo  10,  445)  'Ogo-  Korydon  (KogvScov),  Gigant,  Sohn  der  Erde 

naiog  heifsen,  vgl.  Schol.  Nilcand.   Ther.   614.       und  des  Tartaros,  Eyg.  praef.  p.  27  Bunte. 
Aber  eine  Inschrift  (Lolling  in  Mitteil.  d.  deutsch.  [StoU.] 

arch.   Inst.   7,   71,    10.   16.  73,   6.   20.   25;   vgl.  Korykia    (Kcogvy.t'a),    eine   Nymphe,    nach 

285.  286  Anm.  und  Pomtow  in  d.  Jahrb.  f.  welcher  die  korykische  Höhle  am  Parnafs 
Mass.  Phil.  29  [1883],  359  f.)  bestätigt  ein  benannt  war.  Sie  zeugte  mit  Apollon  den 
Orakel  des  Apollon  Koropaios  auf  der  Halbinsel  60  Lykoros    oder    Lykoreus ,     den    Gründer    der 

Magnesia;  vgl.  Lolling  a.  a.  0.  7,  70.  A.  Ecichl,  parnassischen  Stadt  Lykoreia,  Paus.  10,  6,  2. 
-Der  Bundesstaat  der  Magneten  und  das  Orakel  10,  32,  2.  Schol.  Ap.  Eh.  2,  711.  [Vgl.  Bortticher, 
des  Apollon  Kogonuiog,  Progr.  d.  k.  k.  deutsch.  Arch.  Ztg.  16  (1858),  220f.  Höfer.]  Korykische 
Obergymu.  d.  Kleinseite  in  Prag  1890/91;  Nymphen  (Kagvy.i'äsg)  in  der  Mehrzahl,  Töchter 
vielleicht  hängt  auch  der  Monatsname  Kuro-  des  delphischen  Flusses  Pleistos,  bei  Ap.  Eh. 
pos  (C.  I.  G.  2,  1793)  mit  diesem  Apollon  2,  711.  Et.  M  676,  5.  Ov.  Met.  1,  320.  Aesch. 
zusammen;  vgl.  BOckh  im  C.  I.  G.  2  p.  3.  Eum.  22.   Corp.  Inscr.  nr.  1728.    Strab.  9,  417. 

[Höfer.]  Preller,  Gr.  Myth.  1,  596,  5.  —  Nonn.  Eion.  9, 


1393  Korykios 

287  spricht  von  KwgvitLdig  BÜY.%ai.  Bei  Ov. 
Her.  19  (20),  221,  wo  korykische  Nymphen  auf 
Keos  erwähnt  werden,  wird  man  mit  Butt- 
mann (Mythol.  2,  120 f.)  statt  Coryeiis  nym- 
phis  schreiben  müssen  Carthaeis.  [Kcogvy.iai 
vv/icpcu  Soph.  Ant.  1127.  Paus.  10,  32,  7;  vgl. 
Antigon.  Karyst.  141.  Philoxenos  fr.  14  Bergk 
34  p.  614.  Stcpli,  Byz.  s.  v.  Kcogvv.os.  Strab. 
9,  417.    Eur.Bakeh.  559  vgl.  mit  306ff.  Höfer.] 

[Stoll.l     ■ 

Korykios  (Kcogixiog),  1)  Beiname  des  Zeus 
in  einer  Widmung  an  Zeus  Korykios  Epineikios 
Tropaiouchos  Epikarpios  aus  Korykos,  Hicks, 
Journ.  ofhell.  stud.  1890  p.  242  nr.  26.  Beinach, 
Bcv.  arch.  3e  se'r.  14,  1892  p.  129  Note  8.  — 
[2)  des  Pan;  Oppian  hol.  3,  15  und  Schal.,  wo 
statt  Kcagv-xim  tä  iv  2iv.iXia  ztficapivcp  zu 
lesen  ist  KtXiY.ict.  Etym.  M.  551,  53;  vgl. 
Korykiotes.    Höfer.]      [Drexler.] 

Korykiotes  (Kwgvv.icotrig),  Beiname  des  Her- 
mes; Orph.  hytnn.  28,  8;  er  ward  in  Eorykos 
in  Kilikien  und  der  dort  befindlichen  kory- 
kischen  Grotte  verehrt;  'Egiiij  Kcogvnicav  vaicov 
noXiv  Archias  in  Anth.  Pal.  9,  91  und  das 
Lemma  ebenda  tte  'Eg(ir{V  zbv  iv  Kagv-nCa 
iv%r\v ;  vgl.  Pomp.  Mel.  1, 13 :  Specus  .  .  Corycius 
..augustus  et  vire  sacer  habitarique  a  deis 
et  digiius  et  creditus.  Schol.  Oppian.  Halieut. 
Kiogvv.iov  tigov  zov  'Egfiov.  [Beake,  Num. 
Hell.  As.  Greece  p.  46.  Eine  metrische  Wid- 
mung von  Statuen  des  Hermes  und  Pan  ans 
der  Höhle  von  Korykos  teilt  mit  Micks,  Joum. 
of  hell.  stud.  12  p.  240  nr.  24;  vgl.  Beinach, 
Rcv.  arch.  3e  se'r.  14,  1892  p.  129  Note  8. 
Drexler.]  Auf  autonomen  Münzen  von  Korykos 
erscheint  Hermes  stehend,  in  der  II.  eine  Schale, 
in  der  L.  ein  Füllhorn  haltend;  auf  der  Vor- 
derseite ein  Frauenkopf  mit  Mauerkrone  und 
der  Umschrift  Kcogvnicazäv ;  Eckhel,  Doctr.  num. 
>!r,  53.  Revue  numism.  1854.  13.  139.  Heacl, 
Uist.  num.  602.     [Höfer.] 

Korykos  {Koigvxog).  Nach  Monaldi,  Atti 
dell'  Accad.  Pont.  Born.  3,  70  (vgl.  Stephani, 
Compte  rendu  1861,  87)  repräsentiert  auf  einer 
unter  Maximus  in  Tarsos  geschlagenen  Münze, 
auf  der  Apollo  und  Hermes  einander  sich  die 
Hände  reichen,  der  erstere  Gott  die  Stadt 
Tarsos,  der  zweite  die  Stadt  Korykos.   [Höfer.] 

Korylos  (KögvXog),  ein  alter  König  in  Pa- 
phlagonien,  nach  weichem  der  Flecken  Kory- 
lcion   benannt  war,    Steph.  Byz.  v.  KogvXnov. 

[StolL] 

Korymbasos  {Kogvij,ßaaog),  Inder,  Gefährte 
des  Deriades,  Nonnos  Bion.  28,  51  ff.  [Röscher.] 

Korymbos  (Kagvp.ßog),  höchstwahrscheinlich 
ein  Dämon  im  Gefolge  des  Dionysos  auf  einer 
Inschrift  aus  Ephesos,  Neieton- Hicks,  Anc. 
Greek  inscr.  in  the  Brit.  Mus.  3,  600  p.  221  f. 
Korymbos  als  Sohn  der  Mystis  bei  Norm. 
Dionys.  13,  141;  vgl.  12,  292.  9,  120.  S.  auch 
Korybos.     [Höfer.] 

Korynaios  (Corynaeus),  1)  Name  eines  Tro- 
janers im  Gefolge  des  Aeneas,  von  Asilas  ge- 
tötet (Verg.  A.  6,  228.  9,  571).  —  2)  Ein  ande- 
rer Trojaner,  der  den  Ebusus  erlegte  (ib.  12, 
298  ff.).  Wahrscheinlich  sind  beide  als  Epo- 
nymoi  von  Coryna  (Mela  1,  89.  Plin.  n.  h. 
5,  117)  in  Ionien  anzusehen.     [Röscher.] 


Koryphe 


1394 


Korynetes  (Kogvvrizrjg),  1)  Gegner  des  The- 
seus  (s.  d.),  gewöhnlich  Periphetea  (s.  d.)  ge- 
nannt. —  2)  Beiname  des  Areithoos  (s.  d.). 

[Röscher.] 
Korynetides    {KogwrizCSqg),    Patronymikon 
zum  Vorigen,  Etym.  M.  210,  5.    Priscian.  Inst. 
2,  36.     Grammatici  Bat.  ed.  Keil  2,  36. 

[Höfer.] 
Koryntkos,   Beiname  des  Apollon  im  mes- 

10  senischen  Korone,  Paus.  4,  34,  4.  Er  wurde 
daselbst  als  Heilgott  verehrt;  vgl.  Gerhard, 
Gr.  M.  1  §  304,  3,  a,  p.  298  und  Kenner,  Die 
Münzsammlung  des  Stifts  St.  Florian  p.  125, 
welcher  den  Namen  von  y.ogvvn,  Keule,  Knüttel 
ableitet  und  (p.  124,  Taf.  4,  7)  eine  Münze  des 
Caracalla  von  Milet  publioiert,  auf  welcher 
Apollon  mit  der  Keule  unter  dem  linken  Arm 
dargestellt  ist.     [Drexler.] 

Koryphaios,   Beiname   des  Zeus  von  seiner 

20  Verehrung  auf  Höhen,  Gerhard,  Gr.  M.  1  p.  168, 
§  199,  3.  Münzen  von  Philadelpheia  Lydiae 
haben  im  Obv.  das  Haupt  des  Zeus  mit  der 
Beischrift  ZGYC  KOPY<J>AIOC,  Head,  H.  N. 
p.  552.  Mi.  4,  98,  533.  S.  7,  398,  370.  371. 
I^ealce,  Num.  Hell.  As.  Gr.  p.  99.  Ebendaselbst 
begegnet  er  in  einer  Inschrift:  Jü  Kogvyaü» 
diu  £u  ovcif^iov  NsavXsizrjv  \  nXovziav  IlXov- 
zi'wvog  |  Malmv  ft'jjr]»',  Mova.  v.al  BißX.  zfjg  [iv 
£(ivgvrf\   ivayy.  c%oXr)g,  Tilg.  1   p.  120.    Bayet, 

30  Bull,  'de  Corr.  Hell.  1  1877  p.  307;f.  Vgl. 
Orph.  h.  17,  13  og  vut'sig  y.ogvqjctig  in'  OvXvu- 
noio  xagrjvmv,  Murr,  Die  Gottheit  der  Grie- 
chen eds  Naturmacht  p.  40.  56,  sowie  Kogv- 
cpc'.ia  als  Beinamen  der  Artemis  oben  1 
Sp.  563.  [Beiname  des  Zeus  in  Korinth,  dem 
römischen KcnsriiXtog entsprechend,  Paus.2, 4,5. 
Auf  einer  Inschrift  aus  Seleukia  Pieriae  finden 
sich  tagstg  z/iös  'OXvfiniov  xsl  Jiog  Kogvrpaiov 
und  dibg  'OXvfxziiov  y.ui  zmv  &fü>v  zmv  ßoizrjgmv 

-10  Ktrf  diog  Kogvcpaiov  C.  I.  ff.  3,  4458;  nach 
Boeckh  a.  a.  O.  p.  216  stammt  die  letztere  Be- 
zeichnung von  dem  bei  Seleukia  gelegenem 
Kogvrpaiov  (Polyb.  5,  59,  4);  Zft's  Kogvcpaiog 
anch  Aristid.  or.  1  p.  11  Dindorf.  Höfer.] 

[Drexler.] 

Koryphasia     (Kogvcpaa'a) ,     Beiname     der 

Athena,  die  auf  dem  Vorgebirge  Koryphasion 

(in  der  Nähe  von  Pylos)  verehrt  wurde,  Paus. 

4,  36,  2.  Anth.  Pal  6,  129.     Vgl.  Koryphe. 

50  [Höfer.] 

Koryphe  (Kogvcp/i),  eine  Tochter  des  Oke- 
anos,  welche  dem  Zeus  die  vierte  Athene 
gebar,  die  in  Arkadien  Athene  Koria  hiefs 
und  für  die  Erfinderin  der  Wagen  galt,  Cic. 
d.  N.  D.  3,  23,  59,  eine  geistlose  Veränderung 
der  alten  Sage,  nach  welcher  Zeus  die  Athene 
ix  -xopixpijs  erzeugte,  Schoemann,  Opusc.  Ac.  2, 
163.  Bei  Kleitor  in  Arkadien  hatte  Athene 
Koria  einen  Tempel  inl  ogovg  xogvcprig,  Paus. 

60  8,  21,  3.  Die  auf  dem  messenischen  Vor- 
gebirge Koryphasion  verehrte  Athene  Kory- 
phasia, wie  Koria  eine  Innia,  war  nach  Giern. 
AI.  Protr.  2,  28  Tochter  des  Zeus  und  der 
Okeanide  Koryphe.  Mnaseas  nannte  die  A. 
iitnla  eine  Tochter  des  Poseidon  und  der 
Okeanide  Koryphe,  Harpokr.  v.  'Innia  'A&rjvä; 
vgl.  Et.  M.  474,  30.  JDarnach  ist  Bekker  an. 
350,  27   mg  Mvaaiag,  r)  noonäwvog  xal  Äoprjs 


1395                      Korys  Kos                        1396 

%r]g   Üx£«joü    ärwyarijg   'A&rivcc    rö    £q[icc    zäv  geschickt,    dafs    er    sie    auf    der    Fahrt   nach 

imtav  l'gtvQiv  zu  lesen  TToonäävoq  Kai  Kogv-  Troja  führe,  Tzetz.  L.  57.     Oder:  Als  Korythos 

qp  77s    y.%1.      Athena    Hippia(?)    vielleicht    dar-  im  Krieg  den  Trojanern  zu  Hülfe  kam,  fafste 

gestellt  auf  Münzen  von  Athen,  Catal.  of  Greek  Helena  zu   dem   Jüngling,    der  noch    schöner 

coins   in  the  Brit.  Mus.  Attika  p.  93.    Höfer.]  war  als  sein  Vater,  Liebe  und  ward  wieder  von 

Gerhard,  Gr.  M.  1  §  249,  5.   8.     Vgl.    Creuzer,  ihm  geliebt;  deshalb  tötete  ihn  Paris,  Hellani- 

Si/mb.    2,    782.       Völcker,    laptt.    Geschl.    172  kos  b.  Paithen.  34.     Nach  Konon  23   schickte 

Anm.      Welchr,   Gr.    Götterl.   2,   280.  291,  48.  ihn   Oinone   der  Helena  nach   Troja,  um   den 

[Immeriiahr,  Kulte  u.  Mythen  Arkadiens  1,  67.  Paris  zur  Eifersucht  zu  reizen  und  der  Helena 
Koscher.]     [Stoll.]                                                   10  ein  Unglück  zu  bereiten;  Paris  tötete  ihn.    Er 

Korys  (Kogvg),  ein  Iberer,  nach  welchem  die  wird   auch  unter  den  Söhnen  der  Helena  und 

von   ihm   erfundenen  Helme   -KOQV&tg   genannt  des  Paris  aufgezählt,  Tzetz.  L.  854.  Nikandros 

sein  sollen,  Schol.  Oppian.  Halieut.  2,  25.   Vgl.  b.  Parthen.  34.    Schol.  Od.  4,  11.  [Bull  d.  Inst. 

Korythos.     [Höfer.]  1845   p.  39.   Drexler,]     [Dictijs  5,  5  nennt  ihn 

Korythaios  (Kogv&ctLog),  Sohn  des  Paris  und  gleichfalls    einen    Sohn    des    Paris    und    der 

der  Helena,   Bruder   des   Bunimos   und  Idaios,  Helena,   läfst   ihu   aber   samt    seinen   Brüdern 

Johannes  Sikeliota  ed.  Stary,  Jahrcshcr.  d.  k.  k.  llunomos  und  Idaios  durch  den  Einsturz  einer 

ersten   Staats- Gymnas.      Graz    1892    p.    9;     s.  Zimmerdecke    erschlagen    werden;    vgl.    auch 

Korythos  3.     [Höfer.]  Tzetz.    Homer.    441.       Joh.     Maldia s    p.   140. 

Korythalcia    ( Kogv&dltiu),    1)   Amme   des  20  Cedrenus  p.  107  u.  cl.  Art.  Korythaios.    Höfer.] 

Apollon   zugleich   mit   Aletheia,    Flut.  Symp.  —  1)  Ein  Iberer,   Liebling   des   Heraklee,  Er- 

3,  9,2.    —    2)    KoQV&ulCa    oder   Kogv&aUia,  fiuder   des    Helms,    Ptol.    ILph.    2    p.    311;    s. 

Beiname    der    Artemis    zu    Sparta,    als    einer  Korys.  —  5)  Krieger  aus  Marmarike   zwischen 

Pflegerin  der  Kinder.     Am  Ammenfeste  Tidn-  Ägypten  und  Kyrene;  verwundete  auf  der  Hoch- 

viäta  trugen  die  Ammen  ihre  Knaben  zu  deren  zeit  des  Perseus  den  Libyer  Pelates,  Ov.  Met. 

Tempel,   Athen.  4,  139a.     Hermami,   Gottesd.  5,  125.   —    6)  Lapithe,  auf  der   Hochzeit  des 

Altert.  §  53,  24.     Müller,  Bor.  1,  379.    Lauer,  Peirithoos    von    dem    Kentauren    Rhoitos    ge- 

Sy  stein  301.    Preller,  Gr.  Myih.   1,  243.     Ger-  tötet,  Ov.  Met.  12,  290.  [—  7)  Eiu  Kyzikeuer, 

hard,  Gr.  Myth.  1  §332,5."   Welcher,  Griech   C  Vol.  Place.  Arp.   3,  99.     Höfer.]     [Stoll.] 
Götterl.  2,  392.    Lobeclc ,  Aal.  1,  670.  2,  1086;  30      Kos(A'cös),l)TochterdeserdgeborenenMerops 

s.  Artemis.    [Vgl.  Bd.  1  Sp.  2819,  Z.  18ff.  und  und    der   Echemeia,    nach   welcher    die    Insel 

ausserdem  Hesych.xoQv&aU'aTQiui  ai  xoQbvovoeti  Kos  benannt  war,  Steph.  Byz.  v.  Käg.   Et.  M. 

x>l  Kogv&akiu  frtä;  vgl.  ebend.  v.vgizroi.  Höfer.]  507,  56;   die  Insel  Kos   hiefs  Msgoni'g,   Steph. 

|  Wide,  Lakon.  Kulte  S.  123fi.  deutet  die  K.  als  Byz.  Thuk.   8,  41.   —    Man   sprach  auch  von 

Artemis  natSozgötp og.      Röscher.]     [Stoll.]  einem  Heros  Kos,  Et.  M.  741,  53.     [Vgl.  Steph. 

Korythou    (Kogv&äv),    Sohn    des   Priamos,  Byz.  Aiuovia.  Käg.    Auf  einer  von  Kontoleon, 

von  Idomeneus  getötet;   Dictys  4,  7;   die  Les-  Ath.  Mitt.  16  (1891)  409  publicierten,  aus  Kos 

art  ist  nicht  ganz   sicher  s.  Dederich  z.  d.  St.  stammenden    Inschrift   findet    sich    die   öfters 

[Höfer.]  wiederkehrende  Opferbestimmung  9i'6vrcav  . . 

Korythos  (KÖQv&og),  1)  Sohn  des  Zeus,  io  tä  nozsiäävi  y.ul  Ätö  (resp.  Km)  olv.  Zweimal 
Gemahl  der  Elektra,  der  Tochter  des  Atlas,  tritt  zu  den  genannten  Gottheiten  noch  (die 
Vater  des  Iasios  und  Dardanos,  die  von  Ita-  Inselheroine)  Rhodos  hinzu;  es  ist  kein  Zweifel, 
lien  aus  der  eine  nach  Troas,  der  andere  nach  dafs  wir  hier  der  Nymphe  Kos  als  Eponyme 
Samotbrake  gingen,  König  in  Tuskien,  Gründer  der  Insel  begegnen;  vgl.  Joh.  Tüpft'er,  Kölsches 
von  Kortona  (griech.  Korythos,  Verg.  Aen.  3,  Sakralgesetz,  athen.  Mitt.  a.  a.  O.  425ff.  und 
170),  Scrv.  Verg.  Aen.  3,  167.  170.  7,"  207.  209.  Bull,  de  corr.  hellen.  1S92,  162;  nicht  zugäng- 
10,  719;  vgl.  Verg.  Aen.  3,  163 ff.  [und  den  lieh  war  mir  Dibbelt,  Quaestiones  Coae  mytho- 
Aitikel  Korinthos  1  a.  E.  Höfer,]  Heyne,  Exe.  logae.  Greifswald  1892;  vgl.  Pcvue  archc'ol.  19 
zu  Verg.  Aen.  3,  167—171.  Müller,  Etrusk.  2,  (1892)  414  Anm.  9.  Höfer.]  —  [2)  edomi- 
276f.  Schwende,  Andeutungen  162,  1.  Völcker,  50  tische  Gottheit,  deren  Namen  in  den  edo- 
lapet.  Gisehl.  98.  172.  [Klausen,  Aeneas  u.  mitischen  Personennamen  Qausmalaka  (Kaus 
die  Penaten  1222  f.  Bobert  im  Jahrb.  d.  a.  I.  ist  König)  und  Qausgabri  (Kaus  ist  Held) 
3,  61,  16.  Röscher.]  —  2)  Epouymos  der  assyrischer  Inschriften  (Schröder,  Hie  Keil- 
Korytheer,  einer  der  alten  Komen  von  Tegea  Inschriften  u.  d.  A.  T.  2.  Aufl.  p.  79.  Baethgen, 
(Müller,  Hör.  2,  443).  Seine  Hirten  fanden  Beitr.  z.  sentit.  Beligionsgesch.  p.  11)  in  dem 
am  Gebirge  Parthenion  den  von  Auge  aus-  "roep  (Qos  hat  gegeben)  einer  nabatäischen 
gesetzten  Telephos,  den  er  aufzog,  Apollod.  Inschrift  aus  Hegr,  Euting ,  Nabat.  Inschr.  12, 1. 
3,  9,  1.  Hiod.  4,  33.  Müller,  Etrusk.  2,  277.  Baethgen  a.  a.  O.,  in  den  Namen  Koac'iöaQog 
Völcker,  Iapet.  Gcschl.  172.  182.  [Schwedler,  (Qos  ist  herrlich  oder  mächtig),  Koaßav'og 
De  rebus  Tegeaticis ,  Leipz.  Stud.  9  p.  266f.  CO  (Qos  hat  erbaut),  KösyrjQog  (Qos  ist  Patron 
Drexler.]  [Vgl.  jetzt  namentlich  Bobert  im  oder  Freund),  Koovdravog  (=  'jnsD'ip)  einer 
Jahrb  d.  arch.  Inst.  3,  61  f.  87 f.,  der  ihn  in  Inschrift  von  Memphis,  Miller,  Rev.  arch.  1870 
einer  die  Tötung  der  Aleaden  durch  Telephos  1  p.  109  ff. ,  Koaßdgcmog  (Qos  blitzt)  einer  In- 
darstellenden Platte  des  Pergamenischen  Tele-  schritt  aus  Kyrene,  C.  I.  Gr.  5149,  Pacho, 
phosfrieses  wiedererkennt.  Röscher.]  —  3)  Voyage  dans  la  3Iarmarique  et  la  Cyrenaique 
Sohn  des  Paris  und  der  Nymphe  Oinone,  Tl.  64,  enthalten  ist,  s.  Baethgen  a.  a.  O. 
von  dieser  in  ihrem  Zorn  gegen  den  treu-  und  Halevy,  Journ.  asiat.  18S2,  7e  seY.  19 
losen  Paris    und    die   Trojaner    den   Griechen  p.   488 — 489.     Hinsichtlich    des    Namens    des 


1397                      Kosko  Kotys                      1398 

Iduinäers  Koazoßagog  aus  dein  Gesehlechte  der  of  dh  AikXov  Kai  K69ov  dSiXqiov  cpaaiv.  ib.  321 : 

LegazsvGavzmv    zip    Äojf,     Jos.   Ant.   15,   7,  9  Kai  dnb  xäv  övofidziov  8i  ivkov  zb  ß  d  gßagov 

schwanken  die  Deutungen.    Titch,ZDMG  1849  sficpaCvszai'  KiKgoifj  nul  KoSgog  Kai  A'tKXog  Kai 

p.  201.     Blau,  ZDMG  25  p.  5G6  Anm.  5  und  Ko&og.     Plut.   q.  gr.  22:   zig  b  HaCSatv   zdtpog 

Mordlmann,  ZD31G  32  1878  p.  503  leiten  ihn  naga   XaXKtä svai;   Kö&og   Kai  "AgKXog  (sie!) 

von  Äofs  (Mordlmann:  =  von  Äojs  erschaffen)  of  3ov&ov  naiÖEg  stg  Evßotav  rrx.ov  olktJgovzss, 

ab;    llalc'vy  a.  a.  0.  p.  489  übersetzt  ihn  mit  izätp>]Gav  Si  naga  zijv  boov  K.  Kal'A.  oi  Sov- 

„verite  de  Baal".    Schradcr  a.  a.  0.  p.  613  da-  &ov   naCdig,  »)  ßaSi^ovGiv    iv,   nöXscog   inl   xbv 

gegen  vermutet,  dafs  Ko.-tobar  aus  Kosgobar,  Evginov  Kai  b  zonog  Tdcpog  naiSmv   naXeizai. 

Kosgabar  in  der  Aus>prache  verderbt  und  der  10  Scymn.  v.  574 ff. :  zbv  'Egsx&itog  öiaßdvza  Tldv- 

Name    mit    dem    Kausgabri    der   Keilinscbrift  äagov  xztoai    [rpaah~\  |]  nöXiv  atyiGznv   zäv  iv 

identisch    ist.      Das    Wesen    der    Gottheit    ist  avzfj  XaXxiba,  ||  AikXov  ä'  'Egizgiav,  bvz'  A&n- 

unbekannt.      Hale'vy  a.  a.   0.    p.  488    will    ihn  vaiov    yivsi,     ||    zbv     S'     ivaXi'av    Krjgtv&o  v 

mit    dem    in    dem   arabischen   Personennamen  aaavzwg  Ko&ov.    Theopomp.  (fr.  226)  b.  Steph. 

Imru'lqais   enthaltenen  Qais    zusammenstellen,  Byz.  s.  v.  'EXfv9ig'tg,  noXig  Boicoziag,  'Slganov 

über  welchen  vgl.  Beteiligen  p.   108.    Drexler.]  nXr\GLov ,   Ko&ov   -/ort   AikXov    ['Eynliov    codd.] 

Vgl.  Ko'qL                                                  [StolL]  [y.zia/Ma]  kzX.    Mehr  bei  Unger,  Theoana  para- 

Kosko  (Ä'oöHro),   eine  thebanische   Mainade  doxa    S.  300.     C.   Müller,    Geogr.  gr.   min.  2 

vom  Geschlechte  der  Kadmostochter  Ino  (yfi>fr/s  p.  219.    Vgl.  auch  Töpffcr,  Alt.  Geneal.  S.  164 

Elvovg  dnb  KaStj,rjEtrig),  welche  zusammen  mit  20  und    das    Geschlecht    der    Ko&iSai    in    Teos: 

Baubo  und  Thettale,  zwei  anderen  demselben  G.  I.  Gr.  2  nr.  3064,  27.     [Röscher.] 

Geschlechte  angehörenden  Mainaden,  auf  Grund  Kottos   s.  Aigaion  und  Hekatoneheiren,  wo 

eines   Orakels    des    delphischen    Apollon  vom  Maxim.  Mayer,  Giganten  u.  Titanen   S.  120ff. 

Demos   der  Stadt  Magnesia  am  Maiander  aus  nachzutragen  ist.     [Roseher.] 

Theben    nach    Magnesia    geholt    wurden,    um  Kotyleus  (KozvXtvg),  Beiname  des  Asklepios 

hier,  dem  Rat  des  Orakels  entsprechend,  bak-  in    Lakedaimon;    Herakles    hatte    ihm     einen 

einsehe  Orgien  und  Thiasoi  einzurichten  (ai'S'  Tempel   errichtet   und   dem   Gott   den  Namen 

v/isiv  Saßovai  Kai  ogyta  «bi  vöpiift    [ä'i]}a,  |  K.  gegeben,   weil   er  ihm   die   Hüftwunde   (zb 

Kai  &idoovg  BaK%oio  Ka&EtdgevGovGiv  iv  dozei),  zgavina  ig  zqv  kozvXtjv),    die   er   bei   seinem 

als  man  in  einer  durch  den  Wind  gebrochenen  30  ersten  Zuge  gegen  Hippokoon  erhalten,  geheilt 

Platane    ein    Bild     des    Dionysos    (dys  18 gv(j,a  hatte,   Patts.   3,   19,    7.      Nach   l'ott   in  Kuhns 

Jtovvcov)    gefunden   hatte.     Vgl.   die   von  S.  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprachforschung  9  (1860)  184 

Meinach  publicierte  Inschrift  in  der  Bevue  des  stammt    der    Name    wahrscheinlich    von    den 

Etudes   grecques    Paris    1890:    „Oracle    de    la  Fläschchon    (kozvXcxi)    mit   Heilsalben    oder 

Pylhie   .  .    adrtsse   ä   la   ville   de   Magnesie  du  Arzneitränken.     [Höfer.] 

Meandre".     Kontoleon,   MM.   d.  alh.  Inst.    15  Kotylos  (KözvXog),  Eponymos  des  KoziXaiov 

(1890)  S.  330.    Die  drei  Namen  Baubo,  Thettale  ogog   in  Euboia;  Archemachos   bei   HarpoJcrat. 

und  Kosko  sind  Belege  für  die  Thatsache,  dafs  177.     [Röscher.] 

in   den   orphisch-dionysischen  Kulten  späterer  Kotys,    Kozvg   oder   Kozvzoi    (richtiger    als 

Zeit    mannigfacher    Zauber    getrieben    wurde  40  Kotvrzoi,    s.  M.  Schmidt  zu   Hesych.  Kozvzd) 

(\g\.    zu   Baubo  pap.  Par.  2201.   2795.     pap.  —  beide  Formen  werden  z.  B.   von  Synesius 

Brit.   46,   493.     Orph.  frg.   216;   zu  Kosko  =  ep.  32   u.   44   neben    einander   gebraucht   und 

KoßKivöfiavztg  pap.  Par.  2303:  GKtvog  naXaibv  von    Schol.   Synes.    ep.  32.      Schol.    ad   Annae 

kÖokivÖv  fiov  avfißoXov  von  Hekate;  zu  Thettale  Alex.  p.  85,  3  als  gleichbedeutend  bezeichnet, 

die  thessalischen  Zauberinnen:  Boscher,  Seltne  weshalb  auch  die  Handschriften  häufig  seh wan- 

S.  88 f.).     S.  Bieterich,  Abraxas  S.  148 f.  ken,  s.  Krabinger  ad  Synes.  Culo.  Enc.  p.  85  c 

[Röscher.]  —   daneben    noch  Kozzio    für  Kozvzd    (Schol. 

Kosmetas  (Koc/inzäg),    Beiname   des   Zeus,  Theokr.  6,  40  TJübner),  war  1)  eine  Gottheit 

der  einen  Tempel  in  Lakedaimon  hatte,  Paus.  der  Thraker.     Nach  Aischylos  bei  Strabon 

"3,  17,  4.     [Höfer.]  50  p.  470  (Kozvog   zr\g    iv    zoig  'HSoivotg  Al<j%vXog 

Kotlionen,  Gemahlin  des  Eleusinos  (Eleusis),  fis^ivrizat)   gehört  sie  dem  thrakischen  Stamm 

Mutter  des  Triptolemos,  Hyg.  f.   147;  ebenso  der  Edonen  an,  Strabon  selbst  aber  bezeichnet 

bei  Schol.   Stat.  Hieb.  2,  382,   der  den  Hygin  ihren  Kultus  als  allgemein  thrakisch.     Indem 

ausgeschrieben.      Bei    Serv.    Verg.    Ge.    1,    19,  er  a.  a.  O.  von  der  Verbreitung  des  Orgiasmus 

der    fast    wörtlich    mit    Hyg.    übereinstimmt,  spricht,    bringt   er  mit  dem  griechischen  Dio- 

heifst   der  Name   Cyntinia,  bei   Myth.    Vat.  2,  nysosdienst  und  dem  der  phry-gisohen  Götter- 

96  Hionia.  Sämtliche  Namen  scheinen  korrupt.  mutter,    bei   welchen    dieselben   orgiastischen 

[StolL]  Gebräuche    und    Instrumente    in    Anwendung 

Kotto  s.  Kotys.  kämen,    die  Feste    der    thrakischen   Kotys  in 

JKoUios   (Kö&og),    Sohn   des   Xuthos    (s.  d.);  60  Zusammenhang:  zovzoig  (jenen  beiden  Kulten) 

Bruder   des  Aiklos  (und  Ellops),  Gründer  von  o"'    i'or/.s   Kai   zu  itagd   zoig   0gct£l  zä   zs   Ko- 

Chalkis,    Kerinthos,    Elentheris;    vgl.    Strab.  zvzzta   Kai  zd    BtvSiSeta.     Als   Beleg  hierfür 

p.  447:  dpcpizigat  f)i  (Chalcis  und  Eretria)  Ttgb  führt    er  die  Stelle  aus  Aischylos'  Edonen  an, 

zäv  TgtoiKwv  inz   'A&nvuCiav  iy.ziGaTai  Xiyovzai  wo  der  Dichter  mit  der  Erwähnung  der  Kotys 

■Aal  fiErc-T«  TgaiiKu  AnXoq  Kai  Ko9og  !§  'A&q-  und  ihrer  Diener  in  den  Worten:  GSfivd  Kozvg, 

vmv  bgg,rj%ivzig,  b  jisv  'Egizgiav   cokige   Ko%og  ogtia  ä'   bgyava  i'iovzig  „ehrwürdig  ist  Kotys 

äa   zi]v   XuX-aCS a..     ib.  445:    Kai  'EXXonia  ä'  und   die  Inhaber   der  Instrumente  des  Höhen- 

livonÜG&iq  (Euboea)  dnb  "EXXo7tog  zov  "Itovog;  dienstes"  (Kauck,  Trag.  fr.  Aesch.  56  schreibt: 


1399 


Kotys 


Kotys 


1400 


ctfivK  Korvrovg  ogyi'  i%ovttg)  unmittelbar  die 
Begleiter  des  Dionysos  verbinde:  „der  eine 
bläst  auf  der  Flöte  das  wabnsinnbringende 
Lied,  der  andere  lärmt  mit  den  Cj'mbeln,  dabei 
erscballt  das  Lied  zum  Saitenspiel,  dazwischen 
schreckliches  Stiergebrüll  von  versteckten  Mi- 
men und  des  Tympanons  Laut,  unterirdischem 
Donner  gleich."  Somit  -waren  die  Kotytien 
ein  orgiastiscbes ,  auf  Bergeshöheu  gefeiertes 
Fest,  dessen  Gebräuche  mit  dem  ekstatischen 
Dionysoskult  so  vieles  gemein  hatten,  dafs  zu 
einer  Schilderung  des  Kotysfestes  die  wesent- 
lichsten Züge  aus  jenem  verwendet  werden 
konnten.  Aber  auch  die  Verwandtschaft  der 
Kotytien  mit  phrygischen  Gebräuchen  betont 
Strabon  und  findet  sie  bei  der  Herkunft  der 
Phryger  von  den  Thrakern  natürlich,  p.  471: 
ravra  (die  Kotytien)  yag  Eotxf  roig  <&Qvy{oig' 
ko!  ovx  dnsLnög  yf ,  coansg  avrol  oi  $püyfs 
filgecxäv  cztzoixoi  claiv ,  ovzio  xcü  rä  ffpä 
iHsi&cv  /iiETei>7ivi%&ciL.  Aus  diesen  Worten 
schliefst  Fiel;,  Spracheinheit  der  Indogermanen 
409,  dafs  Kotys  auch  von  der  Phrygern  verehrt 
worden  sei.  Da  aber  Strabon  zuvor  die  Ko- 
tytien mit  dem  griechischen  Dionysoskultus 
und  dem  phrygischen  Kybeledienst  (nicht 
Kotysdienst)  wegen  der  gemeinsamen  orgia- 
stischen  Gebräuche  zusammengestellt  hat,  so 
ist  unter  rä  tsoä  doch  wohl  nur  der  Orgias- 
nius  zu  verstehen.  Als  Männername  war  aller- 
dings Kotys  in  Phrygien  ebensowohl  wie  in 
Thrakien  gebräuchlich  ( s.  Pape  -  Benseier, 
Lex.  der  Eigennamen)  und  hat  dieselbe  Be- 
deutung wie  der  Name  der  Göttin.  Schon 
das  Etym.  31.  396,  18.  599,  55  setzt  xörvg  = 
xöros,  und  auf  Grund  der  Zugehörigkeit  der 
Thraker  und  Phryger  zu  den  europäischen 
Indogermanen  zieht  auch  Fiel;  a.  a.  0.  422 
das  griechische  norcm  zürnen  und  den  alt- 
nordischen Götternamen  Hödhr  bei,  der  = 
ahd.  hadu,  das  in  Eigennamen  Krieg  bedeutet, 
wie  in  hadubrand,  haduwig  =  nhd.  Hedwig. 
Also  ist  Kotys  nach  Fiel:  „eine  Bellona,  Hadu- 
wig, Köxvg  als  Mannesname  bedeutet:  Käm- 
pfer, Krieger".  Damit  stimmt  überein,  dafs 
die  Artemis  der  Thraker,  welche  Herodot  5,  7. 
4,  33  als  die  einzige  weibliche  Gottheit  der- 
selben nennt,  besonders  als  Göttin  des  Krieges 
(Enyo  bei  Ammian.  27,  4)  und  der  Jagd  auf- 
gefafst  wurde.  Es  ist  die  Artemis  der  nörd- 
lichen Länder,  die  auch  als  die  Taurische  oder 
Pontische  bezeichnet  und  von  Strabon  12 
p.  535  geradezu  'Evvcö ,  von  den  Römern 
lllirtius,  Bell.  Alex.  66)  Bellona  genannt  wird. 
Zahlreiche  Reliefdarstellungen  in  Thrakien  aus 
römischer  Zeit  (bei  Heuziy,  Mission  de  Macc- 
doine  p.  80 f.)  sowie  thrakische  Münzen  (Mi- 
onnet I  von  Anchialus  nr.  58;  Deultum  nr.  130; 
Cola  nr.  15)  beweisen  ihre  Verehrung  und  zu- 
gleich die  Auffassung  derselben  als  Jagdgöttin, 
und  zwar  zuweilen  in  einem  Typus,  der  der 
kleinasiatischen  Artemis  Elaphebolos  nahe 
kommt,  vgl.  Rapp,  Beziehungen  des  Dionysos- 
Indtus  zu  Thrakien  und  Kleinasien  p.  32.  Da 
nun  eines  jener  Artemisreliefs,  Hcuzey  a.  a.  0. 
Taf.  4,  2,  die  Beischrift  COTO  trägt,  so  ist 
damit  die  Identität  der  thrakischen  Kotys  mit 
der  Jägerin  Artemis  klar  ausgesprochen,  mag 


nun  damit  jene  dritte  Namensform  Korrcö, 
oder,  wie  0.  Weise,  Piniol.  Bundschau  3 
S.  981  lieber  will,  ein  lateinischer  Dativ  von 
Cotys  gemeint  sein.  Dem  orgiastischen  Kultus 
der  makedonisch -taurischen  Artemis  (s.  Rapp 
a.  a.  0.  30.  33)  entsprechen  die  orgiastischen 
Kotytien  bei  Strabon,  und  beide  Kulte  stimmen 
auch  in  ihrer  eigentümlichen  Verschmelzung 
mit  dem   orgiastischen  Dionysoskultns  infolge 

10  gemeinsamer  Gebräuche  und  Kultusdiener  über- 
ein (ebendas.  S.  29.  35).  Hierauf  scheint  sich 
die  Darstellung  auf  einer  thrakischen  Münze 
bei  Liebe,  Gotha  num.  p.  202  zu  beziehen: 
eine  Bakchantin  mit  Tympanon  und  Maske 
auf  der  einen,  ein  weiblicher  Kopf  mit  mauer- 
kronenartigem Diadem  auf  der  anderen  Seite, 
also  wohl  Kotys  unter  der  Gestalt  einer  Ky- 
bele  (s.  unten).  Mit  Attributen  der  letzteren, 
Kopfaufsatz,  Schleier  und  Schale,  ist  auch  das 

20  Götterbild  auf  der  Vase,  Mon.  d.  Inst.  4,  16  (s. 
d.  Abbildung  unter  lylurgos)  versehen,  das 
wegen  der  bei  den  Edonen  spielenden  Hand- 
lung für  Kotys  angesehen  wird,  vgl.  Boulez, 
Annal.  d.  Inst.  1845  p.  117.  Welcher,  A.  D.  2, 
108.  Michaelis,  Annal.  1872  p.  251.  Wenn  somit 
Kotys  ohne  Zweifel  der  einheimische  Name 
der  von  den  Griechen  als  Artemis  bezeich- 
neten Kriegs-  und  Jagdgöttin  der  Thraker  ist, 
so  fragt  es  sich,  in  welchem  Verhältnis  sie  zu 

30  Bendis  steht.  Auch  diese  wird  (s.  d.  Artikel 
Bendis)  ausdrücklich  als  die  Artemis  der  Thraker 
und  als  eine  Jagd-  und  Kriegsgöttin  bezeichnet 
und  ihr  derselbe  orgiastische  Kultus  von  Stra- 
bon zugeschrieben,  der  die  Kotytien  und  Ben- 
dideen  so  zusammen  nennt,  dafs  alles  über 
jene  Gesagte,  wie  z.  B.  die  Ähnlichkeit  mit 
dem  phrygischen  Kybeledienst,  auch  für  diese 
gilt,  was  auch  dadurch  bestätigt  wird,  dafs 
beide  Feiern  als  Nachtfeste  mit  Anwendung  von 

io  Fackeln  geschildert  werden,  Juvenal  2,  91. 
Plat.  rcp.  1  p.  328.  Da  nun  Herodot  nur  eine 
weibliche  Gottheit  kennt,  so  werden  wir  (mit 
Gerhard,  Gr.  Myth.  §  330,  3)  in  Kotys 
und  Bendis  nur  eine  Gottheit  zu  erkennen 
haben,  deren  verschiedene  Namen  höchstens 
zwei  verschiedene  Seiten  ihres  Wesens  hervor- 
heben, die  Kotys  der  Edonen  die  Kriegsgöttin, 
Bendis  die  leuchtende  Mondgöttin. 

Die  Verpflanzung  des  Kotysdienstes 

50  auf  griechischen  Boden  hatte  in  der  Regel 
eine  Entstellung  desselben  zur  Folge.  Eine 
gewifs  ursprüngliche,  in  den  einfachsten  Kul- 
turverhältnissen begründete  Seite  der  Göttin 
lernen  wir  aber  aus  einem  sicilischen  Kotys- 
feste  kennen.  Plutarch,  Proverb.  78  erwähnt 
eine  Aortitis  Eopr»j  auf  Sicilien,  bei  welcher 
an  Baumzweigen  Gebäck  und  Obst  aufgehängt 
und  dann  dem  Volk  zur  Plünderung  preis- 
gegeben wurde,  woher  der  Name   des  Festes 

60  aonuya  Korvrioig.  Dies  ist  der  weitverbreitete 
Gebrauch  der  Repräsentation  des  Wachstums- 
genius durch  früchtebehangene  Zweige,  der 
sich  ebenso  in  Kleinasien  im  Kybele-  und 
Attisdienst  wie  in  Griechenland  unter  dem 
Namen  Eiresione  und  im  deutschen  Erntemai 
oder  Maibaum  wiederfindet,  vgl.  Mannhardt, 
Amt.  Wald-  u.  Feldlndte  256f.  Das  Herab- 
holen   der   Früchte    bedeutet    Aneignung    des 


1401                       Kotys  Kotys                        1402 

Fruchtsegens.  Wenn  dies  daiauf  hinweist,  Meineice  verneinen  es  und  halten  deshalb  den 
dafs  Kotys  auch  eine  Göttin  des  Erntesegens  Namen  Bänzai  nur  für  eine  Erdichtung  des 
war,  so  zeigen  die  im  eigentlichen  Griechen-  Eupolis.  Lobeck  hält  einen  Kotytokult  zu 
land  üblichen  Kotytien,  dafs  sie  überhaupt  als  Eupolis'  Zeit  für  ebenso  möglich  wie  die  Mr^ 
Göttin  der  schaffenden  Naturkraft  und  der  zgäa.  Den  Namen  Bkätcu  führen  die  Ge- 
Zeugung zu  denken  ist,  wie  Kybele  auch  die  nannten  meist  auf  Waschungen  im  Sinn  von 
zeugende  mit  der  zerstörenden  Kraft  und  dem  Reinigungen  zurück.  Die  zweite  Frage,  welche 
orgiastischen  Kultus  verbindet  Eiresione  und  Bolle  Alkibiades  in  dem  Stück  gespielt  habe, 
Maibaum  wurden  begossen  im  Sinn  eines  wird  dadurch  unklar,  dafs  das  Stück  zugleich 
Regenzaubers,  um  die  Wachstumsfülle  auf  die  10  gegen  den  Kotysdienst  in  Korinth  gerichtet 
Feldfrüchte  zu  übertragen,  zugleich  aber  auch  gewesen  sein  soll;  Eupolis  kann  aber  nicht 
die  Fruchtbarkeit  der  Menschen  zu  mehren.  zugleich  gegen  den  Kotysdienst  losgezogen 
Deshalb  findet  sich  die  Sitte  auch  bei  Hoch-  und  den  Alkibiades,  wie  man  meist  annimmt, 
Zeitsgebräuchen,  bei  Griechen  und  Germanen  wegen  Verhöhnung  ebendesselben  angegriffen 
(Mannhardt  a.  a.  0.  258),  woran  sich  die  sym-  haben.  Die  Kotysdiener  in  Athen  hat  man 
bolischen  Gebräuche  der  Mailehen  mit  Männern  sich  jedenfalls,  wie  schon  Lobeck  a.  a.  0.  1013. 
in  Weiberkleidung  anschliefsen,  vgl.  Mann-  1019  ausgesprochen  hat,  als  eine  Privatgenossen- 
hardt,  Baumkultus  S.  314.  377.  442.  Die  Grund-  schaft  zu  denken,  wenn  sich  auch  erst  um 
züge  dieser  Gebräuche  kehren  auch  in  den  400  n.  Chr.  bei  Synesius  die  Bezeichnung  &ie>- 
athenischen  Kotytien  wieder.  Auf  eine  20  aäzca  Kozvog  findet.  An  diese  knüpft  sich 
Wassertauche  weist  deutlich  der  Name  Baitzai  nun  allerdings  ein  so  schlimmer  Ruf,  dafs  die 
hin,  womit  die  Kotysdiener  zu  Athen  bezeich-  ursprünglich  nur  symbolisch  auf  das  Geschlecht- 
net werden;  aus  den  Cerimonien  aber,  mit  liehe  hindeutenden  Ceremonien  in  wirkliche 
welchen  der  für  Griechen  anstöfsige  Gebrauch  Zuchtlosigkeit  ausgeartet  zu  sein  scheinen, 
der  Weiberkleidung  verbunden  war,  entstanden  Unter  einem  &lccob>zt]s  Kozvog  versteht  Syne- 
jene  üblen  Nachreden,  welche  die  Kotytien  sius,  Calv.  encom.  p.  856  einen  Menschen,  der 
zu  einem  Dienst  geschlechtlicher  Aussehwei-  zoig  'l&vycilloig  c&QyictKtv,  und  einen  cinaedus; 
fung  stempelten.  Daher  die  Mifsverständnisse  aber  auch  hier  ist  der  Ursprung  erkennbar: 
in  den  Nachrichten  über  die  Kotytien  in  Athen.  es  ist  eigentlich  ein  Mensch,  welcher  der  un- 
Indem  Juvenal  die  schmähliche  Unsitte  von  30  natürlichen  Lust  frönt,  die  auf  der  Verwechs- 
Römern  geifselt,  welche  bei  heimlichen  Zu-  lung  der  Geschlechter  beruht,  und  der  diese 
sammenkünften  der  Bona  Dea  zu  Ehren  in  Täuschung  durch  weibische  Pflege  (besonders 
Weiberkleidung  Orgien  feierten,  vergleicht  er  des  Haares)  herbeizuführen  sucht  (to  &fßv 
damit  die  Kotytofeier  der  Baptai  zu  Athen,  xov  ytvovg  iKfiifirjaofiivoi).  Daher  setzt  tiy- 
Sat.  2,  91:  Talia  secreta  eoluerunt  orgia  taeda  nesius  epist.  44  dafür  auch  geradezu  rjfiiyvvog, 
Cecropiam  soliti  Baptae  lassare  Cotytto.  Hier-  was  wiederum  an  die  auch  von  Lobeck,  Agl. 
zu  bemerkt  das  Scholion:  Baptae  tilulus  libri,  1015  f.  und  Welcker ,  Gr.  Götterl.  2,  225  an- 
qxio  impudici  describuntur  ab  Eupolide,  qui  genommene  Verwandtschaft  der  Kotys  mit 
mducit  viros  Athenienses  ad  imitationem  femi-  den  androgynen  Kybele  erinnert,  deren  Kultur 
narum  saltantes  lassare  psaltriam  (bezieht  sich  40  aufser  dem  Ürgiasmus  auch  den  Maibaum  und 
wohl  auf  die  orgiastischen  Instrumente  bei  die  la^-nag  mit  dem  der  Kotys  gemein  hat, 
Strabon:  ipalfiög  ülula&i).  Baptae  ergo  molles,  s.  Mannhardt  a.  a.  0.  259.  261.  Auch  die 
quo  titulo  Eupolis  comoediam  scripsit,  ob  quam  Bapten  des  Eupolis  (frg.  7  Meinekej  enthalten 
ab  Alcibiade,  quem  inprimis  perstrinxerat,  ne-  eine  Anspielung  auf  Kybele  in  den  Worten: 
catus  est.  In  betreff  des  Alkibiades  vgl.  auch  all'  tgoltig  fis  ved  [iä  r-qv  diivydalfjv  (s.  ob. 
Platonius  negi  äiarpog&g  kiojicoS.  6.  Es  fanden  1  Sp.  719  Z.  43  u.  Schneidewin ,  Philol.  3,  258). 
also  bei  der  Kotysfeier  in  Athen  Aufführungen  Der  gegen  die  Diener  erhobene  Vorwurf  fiel  dann 
(saltantes)  von  Männern  in  Weiberkleidern  statt,  auch  schliefslieh  auf  die  Göttin  zurück:  Kotys 
die  deshalb  molles  und  impudici  genannt  werden;  wurde  zu  den  'Azziy.ol  v.ovi'aaloi,  den  Dämonen 
und  Eupolis  hat  dieselbe  in  seinen  Bü-nzut,  in  50  im  Gefolge  des  Priapos,  gerechnet,  Synes, 
einer  Weise  auf  die  Bühne  gebracht,  dafs  da-  ep.  32,  wozu  das  Schol.  hinzufügt:  Kozvzco 
bei  Alkibiades  verhöhnt  wurde.  Dafs  der  w.al  of  y.oviaaloi  ftiol  r)aav  ala%gäv  f'qoopoj, 
Kotysdienst  den  Inhalt  einer  Komödie  des  ebenso  Anecd.  Belle,  p.  24G  (=  L^ex.  rliet. 
Eupolis  bildete,  bestätigt  auch  Hesychius,  p.  249,  19):  El&vqxxlloi  ztltzri  zig  tzsqI  xov 
nur  ist  nach  ihm  die  Spitze  derselben  gegen  diövvaov  Hai  xy  Kiav.vzoi  (dieser  Schreibfehler 
die  Korinthier  gerichtet,  Hesych.  Kozvzat'  ö  findet  sich  öfter)  uyofiivr}.  Es  scheint,  dafs 
fitv  EvTtolig  aaz'  f^'9'os  zo  TtQog  zovg  Koqiv-  namentlich  der  Kotysdienst  zu  Korinth  (vgl. 
&iovg  cpoQZixov  ziva  halaovu  Siuzi&tzui.  Die  Lobeck,  Agl.  1021  f.)  zu  solchem  Tadel  Anlafs 
hieraus  entstehenden  Fragen  in  betreff  der  gab,  wie  ihn  schon  Eupolis  nach  Hesych.  Ko- 
Baptai  des  Eupolis  wurden  erörtert  von  Butt-  60  xvzti  aussprach,  der  die  dort  verehrte  Göttin 
mann,  Über  die  Kotyltia  und  die  Baptä,  als  Saifioiv  cpoQzixög  darstellte;  auch  Suidas 
Mythol.  2,  159  — 167.  Lobeck,  Agl.  p.  1007 —  (unter  Koxvg  und  &LaGmxr)g)  nennt  sie  ätxLficov 
1038.  Fritzsche,  Quaest.  Aristoph.  1  p.  202 f.  nagü  KoQLV&Coig  xifiiiiizvog,  irpoQog  xöiv  ale- 
Meineke,  Quaest.  scen.  1,  44  f.  und  Hist.  Crit.  XQC'1V-  Welche  Bewandtnis  es  mit  der  Ko- 
Comic.  Gr.  119 f.  Die  hier  in  Betracht  kom-  zvzca  dmQi'ct  9iög  b.  Schol.  Theokr.  6,  40  (Düb- 
mende  Hauptfrage  ist,  ob  man  den  Kotys-  ner) ,  hat,  ist  schwer  zu  sagen.  Sie  wird 
dienst  als  schon  zu  Eupolis'  Zeit  in  Athen  daselbst  auch  7]  nagä  JcoQiEvat,  zificofiivr] 
eingedrungen  annehmen  darf.     Buttmann  und  Koxxco   genannt  und   mit   Kotto,    der  Tochter 


1403                    Kotyt[t]o  Kranaia                      1404 

des    Timandreus    von    Korinth ,    identificiert,  Kragos  (Kgdyog),  1)  Sohn  des  Tremiles  und 

welche  nach  Hippostratos  den  Herakliden  hei  der  Nymphe  Praxidike,  Steph,  Byz.  s.  v.  Kgä- 

der    Eroberung    von    Korinth   bebülflich    war  yos  und  Panyasis  bei  Stejih.  Byz.  s.  v.  Tgsfiü.n, 

und   deshalb  von   ihnen  verehrt   wurde.     Das  der    aufserdem    als    seine   Brüder    den    Tloos, 

Schal.  Find.  Ol.  13,  66  nennt  auch  die  Tochter  Xanthos    und    Pinaros    nennt;     ein    Fragment 

des    Timandros    Kiazvrd.      Auf  Verehrung   in  einer  Inschrift  aus  dem  lykischen  Sidyma,  das 

Chios    weist    Synes.    Culv.    Enc.    p.   856    -n;  den  Polychar mos  als  seine  Quelle  bezeichnet, 

Xicov  &£ca  hin.    Die  Kotytien  in  Italien  end-  lautet  X\ov  y.cxl  Ugai,i8Ung,    l§  d>v  Tläog  xori 

lieh   werden   nur  wegen   der  schamlosen  Aus-  Kgäyog   v.al  llivaXog  (sie!)  dvrj-xov,    Benndorf- 

schweifungen    erwähnt,    Horat.  Epod.    17,  56  10  Niemann,  Reisen  in  Lykien  und  Karten  p.  77 

Cutyltia,  saenim  liberi  Gupidinis;  Virg.  Ca'al.  nr.   53  b;     seine    Gemahlin    war    Milye,     die 

5,  19:    Non   me  vocabis  pulchra  per   Cotyttia  Schwester   und    frühere   Gattin    des    Solymos, 

Ad  feriatos  fascinos,   erscheinen  aber  hier  als  Stepih.  Byz.   s.  v.  Milvai,    als    seine    Tochter 

Orgien   von   Frauen.      [ —  2)   Cotys,  ein  Kyzi-  wird  Chelidon  {XcXuSäv)  genannt,  Bcnndorf- 

kener,  Val.  Flace.  Arg.  3,  112.  Höfer.]   [ßapp.]  Niemann  a.  a.  0.   77    nr.   53  c;    nach    Kragos 

Kotyt[t]o  s.  Kotys.  soll   der  gleichnamige   feuerspeiende   Berg   in 

KoCe,  Gottheit  der  Idumäer  nach  Iosephus,  Lykien,  der  durch  die  Chiniaira-Sage  bekannt 

Ant.  15,  7,  9,    nach  Blau,    ZDMG   25   p.  566  ist    (Bcnndorf- Niemann    a.   a.    0.    83.     Bd.  1 

Anm.  5  und  Mordtmann,  ZDMG  1878  p.  563  Sp.  765,    Z.  8 ff.),   und   auf  dem  Kragos    nach 

identisch    mit    dem    von  Iosephus  c.  Ap.  2,  9  20  seinem  Tode  verehrt  wurde,  benannt  sein.   — 

erwähnten  idumäischen  Apollon.   Die  oben  s.  v.  2)    Beiuame    des    in    Lykien    verehrten    Zeus, 

Kos   2   angeführten  Personennamen   Koaßäqa-  Lykopin;  542   und  Tzeiz.  •/..  d.  St.     [Höfer.] 

mos  etc.  leiten  beide,   ebenso   wie  Fr.  Lenor-  Krambos  {Kgäfißog  oder  Kgdfißig),  s.  Kleo- 

mant,   Gaz.  arch.  6    1880  p.  143  von  A'oJe  ab.  patra  nr.  1.     [Stoll  ] 

Nach  Baethgen.  Beitr.  z.  sentit.  Beligionsgesch.  Krnmpsenos  (Kgautpniög),  Beiname  des  Zeus 

p.  11    sind   aber  Ko^s    und   Qos    verschiedene  auf    einer    Inschrift    aus    Mysien,    Kontoleon, 

Gottheiten.     Den  Äoji  findet  Tuch,  ZDMG  3  Mitteil.    d.  deutsch,  anh.   Inst.    14,  90    nr.  7. 

1849  p.  201;    vgl.  Schröder,  Keilinschriften  u.  Beinach  in  Revue  archeol,  15  (1890),  288. 

Geschichtsforschung  p.  79.     P.  de  Lagarde,  Ges.  [Höfer.] 

Ahh.  1866,    p.   58,  178.     Baethgen   p.  11— 12  ao  Kranae    (Kgavän),    Tochter    des    Kranaos 

wieder  in  dem  arabischen  Gewittergott  Qozah,  (s.  d.),   Apollod.   3,   14,    5.     Vgl.  Arch.  Ztg.  7 

von   dem   noch  jetzt  der  Regenbogen  „Bogen  S.  52*.     [Stoll.] 

des    Qozah"    heilst,    wogegen    Ernst    Meier,  Kranaia    (Kgavaia) ,    Beiname   der  Athens, 

ZDMG  17,  1863  p.  578  Einspruch  erhebt,  in-  die    auf  einem    Berge   bei   Elateia   in    Phokis 

dem  er  das  Wort  äoJe  vielmehr  einem  hebräi-  einen  Tempel  (xb  ugov  zäg  'A&aväg  ras  Kga- 

schen   ~2p   Entscheider,   Richter   entsprechen  vaiag,  Bull,  de  corr.  hell.  11  (1887),  338,  oder 

läfst.     Für  identisch  mit  Kasios,  Kasiu  halten  to  hgov  tag  'A&aväg  iv  Kguvaig,  ebend.  333. 

ihn  Baudissin,  Stud.  z.  semit.  Religionsgesch.  2  320)    hatte,    Paus.   10,   34,   7;    Weihinschrift 

p.  239,    der   den  Namen   des    letzteren  Gottes  'A&ttvü    Kgaväa,    Bull.  a.   a.  O.    318;    in    den 

gleichfalls  als  "^2p  Entscheider,  Richter  deutet,  40  Buchstaben  AK   auf  einem  geweihten    Diskos 

Scholz,  Götzendienst  und  Zauberwesen  bei  den  erblickt  P.  Paris,  Bull.  a.  a.  0.  416  eine  Ab- 

alten  Hebräern  p.  144  Anm.  1.  A.  Lery,  ZDMG  kürzung  von  'A&avä  Kgavaia;  sonstige  Weih- 

18  p.  631.     Fr.  Lenormant  a.  a.  0.  p.  143,  der  inschriften  bezeichnen   die  Göttin   einfach  als 

freilich  Kasiu    auch   für   identisch   mit    Qozah  &tog,   Bull.  a.  a.  0.  61,   als  'A&avä,    Bull,  de 

hält.  Ganz  unwahrscheinlich  identificiert-HYtaY/,  corr.  hell.  12  (1888),  38.  41  oder  norvioc  'A&u- 

Urgesch.  u.  Myth.  der   Philist.   p.  263  ff.  Ko^s  vcüu,  a.  a.  O.  11,  345.    Gegen  Welcher,  Griech. 

mit  der  arabischen  Göttin  'Uzza.     IDrexler.]  Götterl.  2,  294  Anm.  67  und   Gerhard,  Mytlwl. 

Kragaleus  (Kgayalivg),   Sohn   des   Dryops  253,  3.   4,    welche    die    Athena   Kranaia    als 

in    dem   dryopischen    Lande    bei    den   Bädern  'Helm-    oder   Hauptgöttin'    deuten,    s.    Paris 

des    Herakles    wohnend.      Während    er    seine  50  a.  a.  0.  11,  320,   der  den  Namen  auf  v.quvCov 

Rinder  weidete,   wurde  er,   ein  gerechter  und  =  Bergeshaupt  zurückführt  und  in  der  Athena 

kluger  Greis,   von  Apollon,   Artemis   und  He-  Kgcevcci'a   die   von   Bergeshöhe    aus    das   Land 

rakles  aufgefordert,  ihren  Streit  um  Amhrakia  schützende   Göttin   erblickt,    wie  ja   auch    die 

zu    entscheiden.      Er    sprach    die    Stadt    dem  Söhne  des  Polykles  die  Göttin  abwehrend  und 

Herakles  zu  und  wurde   deshalb  von  Apollon  kriegerisch  dargestellt  hatten,  Paus.  10,  34,  8; 

au   dem    Orte,    wo    er    eben   stand,    in   einen  vgl.  0.  Müller,  Archäol.  d.  Kunst2  539,  4.  Paris, 

Felsen  verwandelt.    Die  Ambrakioten  opferten  leiemple  d' Athena  Cranaia,  Corr.  hell.  11,  39 ff. 

ihm  jedesmal   nach   dem  Feste   des   Herakles,  Fouilles  cm   temple  d'Alhrna  C.   ebend.  405ff. 

Ant.  Lib.  4.     [Stoll.]  12,  37ff.     Vgl.  Revue  archeol,  20  (1892),   138f. 

Kragasos  (Kgäyacog),  Vater  der  Phylonome  oo  [Neuerdings     hat     Paris    seine  _Studien    zu- 

(oder  Philonome),  der  Gemahlin  des  troischen  sammengefafst  in   dem  Werke   Elate'e.  —  La 

Kyknos,    der   Stiefmutter   des   Tennes.,    Paus.  ville,  le  temple  d' Athena  Cranaia.     Paris  1892 

10,  14,  2.    Tzetz.  L.  232.    \_Apollod,  epit.   Vat.  =  Bibliotheque  des  ecoles   franc.   d'Athenes  et 

17,  10   p.  64  Wagner  heilst   er  Tgdyueog  (hei  de  Romc.  Fase.  60,   worin   er   den  Tempel    der 

Tzetz.  a.  a.  0.  Tgayävuaog);  Etym.  M.  763,  25  Athena  Kranaia  p.  71  —  206   bespricht  und  die 

nennt  ihn  gleichfalls  Tragasos,   seine  Tochter  Inschriften  von  Stadt  und  Heiligtum  in  App.  I 

(Movofii'a;  vgl.  den  Art.  Kyknos  nr.  3.  Höfer.]  p.  209—251,  die  im  Tempel  gefundeneu  Archi- 

[Stoll.]  tekturreste   von   Terracotta  in  App.  II  p.  253 


1405                  Kranaichme  Kranios                      140G 

—  '258,    die  ex-voto   in  App.  111  p.  259  —  298  Kranaos  (Koui/aog),  Autochthon  und  König 

verzeichnet.  von  Attika,  zu  dessen  Zeit  die  deukalionische 

Die   Reste    der   Statue    des   Titnokles    und  Flut  eintrat,  Nachfolger  des  Kekrops,-aus  der 

Timarchides   glaubt   Paris  p.  121  f.   in  einigen  Herrschaft  vertrieben  von   Amphiktyon,   dem 

im    Gemäuer    des    byzantinischen    Bauwerks,  Vorgänger  des  Erichthonios.     Nach  ihm  wur- 

welches  sich  an  der  Stätte  des  Tempels  erhob,  den   die  Einwohner  Attikas   Kranaer  genannt 

eingemauert    gefundenen    Bruchstücken    einer  {Ariitoph.  Av.  123;   nctidtg  Kouvuov,  Aeschyl. 

überlebensgroi'sen  Bildsäule  gefunden  zu  haben:  Eum.  993),    das   Land    und   die    Stadt   Athen 

„Voici  l'aspect  que  presentent  les  irois  morceaux  Kranae    (Aristoph.    Ach.     75     Koavau    nohg; 
raccorde's:  sur  wie  plaque  de  marbre  mal  de-  10  Lysistr.   481     Kgavad    die    Burg;     Pind.    Ol. 

grossie ,  qui  devait  etre  recouverte  de  me'tal  et  7,   82    'J&rjvai    KouvtxuC).      Mit    Pedias,    der 

engage'e  dans  une  caviti  du  piedestal,  s'elevent  Tochter   des    Menys    (od.  Mynes)    aus    Lake- 

les  plis  infcrieurs  d'une  rohe  de  femme,  tailles  daimon ,    zeugte   er   die    Kranai ,    Kranaichme 

dans  le  meme  bloc.    On  voit  que  l'etoffe  se  gonjle  und  Atthis,  nach  welcher  er  das  Land  Atthis 

sous  l'effet  du  vent  ou  d'une  marche  rapide,  et  oder  Attika  nannte,  Apollod.  3,  14,  5.  G.  1,  7,  2. 

ce  paquet  de  draperies  rejete  en  arriere  comme  Paus.  1,  2,  5.    Herodot  8,  44.    Strab.  9,  397. 

dans  les  Victoires  sertaithabiliment  a  equilibrer  Steph.  B.    v.    Koctväg;    Syncell.    p.   284.    297. 

V  inclinaison  de  la  figure  penclie'e  cn  avant.    Le  Mann.  Par.  ep.  4.    Suid.  v.  Koccvacöv.    Kr  war 

fragment    a    cnviron    un    melre    de  hauteur   et  die  Personifikation  des  rauhen  felsigen  Bodens 

s'arrete  audcssousdesgcnoux.   Nous  n'hesitons  20  von    Attika,     während    seine     Gattin    Pedias 

pas  ä  reconnaitre,  dans  ces  debris  si  humblcs,  (nsö(ov)   die   Ebene   vertrat.     Nach    manchen 

les   restes   de  V  Athena  Cranaia,  Oeuvre  des   fils  sollte  er  als  Schiedsrichter  zwischen  Poseidon 

de  Polycles,  syste'matiquement  brise'e  pour  servir  und  Athene   der   letzteren   das   attische  Land 

ä  des  constructions  barbares."  zugesprochen  haben,  Apollod.  3,  14,  1.     Sein 

Eine    Abbildung    dieser    Statue    erblicken  Grab    befand   sich   in    dem    attischen    Demos 

Prokesch  v.   Osten,  Abh.  d.  Kgl.  Prcufs.  Ale.  a.  Lamptrai,  Paus.  1,  31,  2.     Er  wurde  zu  Athen 

d.  I.  1845  Taf.  1,  24.    Müller-  Wieselet;  Denkm.  als  Heros   verehrt;    seine   Priester  nahm  man 

d.  a.  K.  2,  1,  20,  214 b.     Hcad,  H.  N.  p.  290.  aus  dem  Geschlechte  der  XagCSoct,  Hesych.  v. 

Paris    p.  122 ff.   und,    mit    einigen    Bedenken,  Xagiäai.     Ein   Sohn   des   Kranaos   war  Karos, 

auch   Overbeck,   Gesch.  d.  gr.  Plast.   23  p.  374  30  Hesych,  v.  Kgavctov  vtog.    Buttmann,  Mythol. 

in  der  Athena  einer  Bronzemünze  von  Elateia  2,  322.     Preller,  Gr.  Myth.   2,   139.    Gerhard, 

{Cat.  of  greek  coins  in  the  Brit.  Mus.  Central  Griech.  Myth.  2   §  752,  2.    753.     Stammtf.  H. 

Grecce  p.  31  nr.  1  PL  4,  26),  welche  Paris  p.  123  p.  231.     [Toepfl'er,  Att.  Geneal.   162.  307  t.   K.] 

(Abbildung  p.  122  Fig.  9)  so   beschreibt:  „Dr.  [Eust.  ad  Dionys.  Perieg.  423.    Gramer,  Anecd. 

Bucrane  de'corc  de  bandelettes  tombant  ä  droite  Paris.  2,  189.    Schal.  Arist.  Acharn.  75.    Schal, 

et  ä  gauche;  entre  les  cornes,  les  lettres  EA.  Arist.  av.  123.    Diogen.  Laert.  2,  6,  14.   lustin. 

Bs.    Athena   combaltant,   vue   de   trois   quarts,  2,  6,  8.     Kranaos   und  Amphiktyon   am   Par- 

marchaut  vers   la  droite,   la  jambe   gauche   en  thenonfries,  Welcker,  Arch.  Ztg.  10  (1852),  494 

arriere.    La  täte  est  casquee,  la  poitrine  couverte  nr.  5.    Schon  Eust.  a.  a.  O.  sagt  Kpavag  [isvroi 
de  l'egide.     Le  bras  gauche  porte  en  arant  du  40  g   'Aznug   ov   növov    entb   xov   Kquvuov,   otlla 

corps  un  bouclier  rond  dont  an  aperroit  l'ombo  v-ul   Stört   rgaztia   xui  16  tiIeiov  airgs  oqsgiv 

saillant.    Le  bras  droit,  rejete  en  arriere,  porte  imoTtSTTzorns;  vgl.  Stein  zu  Herod.  8,  44.    Aus- 

une  lance  oblique,  prete  ä  frapper.     La  taille  Jährlich  handelt  über  die  Namen  und  die  Be- 

est  mince  et  serree;  une  tunique  courte  tonibc  deutung     des    Kranaos     und    seiner    Töchter 

jusqu'ä  mi '  cuisses;   les  plis   d'une   longue  robe  Kranae  und  Kranaichme  Pott,  Kuhns  Zeitschr. 

talaire  flottent  en  arriere  et  autour  des  jambes.  f.  vergl.  Sprachforschung  9   (1860),   401 — 404. 

Freilich  erklären  Imhoof-Blumcr  and  Gardner,  Höfer.]     [Stoll.] 

Num.   comm.  on  Paus.    p.   124,    dafs,    in    An-  Kraneia  (Kpaveict,  Hartriegel),  eine  Hama- 

betracht  dessen,  dafs  aufser  dieser   von  ihnen  drj'ade,  welche  nach  einer  Dichtung  des  Phe- 

Pl.  Y  nr.  XV   abgebildeten  Athenadarstellung  50  renikos  aus  Heraklea  bei  Athen.  3,  78  Oxylos 

aucheineAthenainPalladionform(Pl.Ynr.XVI)  ("O-^vlog,    Lignosus),    der    Sohn    des    Orios 

auf  Münzen  von  Elateia  vorkommt,  es  unmög-  (Montanus),   mit  seiner  Schwester  Hamadryas 

lieh   sei,   zu    entscheiden,   welche   von   beiden  (Avborina)  gezeugt  hatte;  s.  Balanos  und Karya. 

Darstellungen  näher  an   das  Werk  der  Söhne  Schoemann ,  Opusc.  Ac.  2,  133.     [Stoll.] 

des  Polykles  herankomme.    Aufserdem  halten  !_    Kranides  (=  Krenides)  s.  Krenai. 

sie   die   Münzen  für  älter  als   diese  Künstler.  Kranios   (Koäviog),  1)  einer  der  Söhne  des 

Doch  setzt  Hcad  "  diese  von  Imhoof  u.  Gardner  Kephalos,    des   Eponymos    der    Insel    Kephal- 

dem   3.  vorchristl.   Jahrhundert  zugewiesenen  lenia.    Die  vier  Städte  auf  Kephallenia:  Krane, 

Münzen  ins  2te.     Drexler.]     [HöferJ  Same,  Pronnoi  und  Pale  (Thuk.  2,  30.     Tzetz. 

Z  Kraiiaiclime  {Kgavaiifirf),  Tochter  des  Kra-  «0  L.  791.    Bursian,  Geogr.  2,  373)   hatten  ihre 

naos  (s.  d.),   Apollod.  3,  14,  5.    Gerhard,  Gr.  Namen   von    den   vier   Söhnen   des   Kephalos 

Myth.  2  §  753,  2.     [Stoll.]  und  der  Lysippe:   Pronesos  (Pronos?),    Samos 

Kranaios,  Beiname  des  Hermes  auf  Kreta,  (Samaios,  Et.  M.),   Peleus  (Palaios)  und  Kra- 

s.  Halbherr,  Scoperte  nel  santuario  di  Hermes  mos  (Kraneos),   Steph.  B.  v.  Kquvioi;    Et.  M. 

Cremet},  Museo  ital.  di  ant.  class.  2  Sp.  913 —  507,  27 ff.   und  Sylburg  z.  d.  St.     [—  2)  Nach 

916  Tav.  14.    Sein  Heiligtum  befand  sich  beim  Paus.  3,20,9  befand  sich  am  Wege  von  Sparta 

jetzigen  Dorfe  Patsö,  Provinz  Amäri,  westlich  nach   Arkadien   ein  Kgaviov  xifisvog   .  .  .  titt- 

vom  Ida.     [Drexler.]  nlgeiv  Exefigaxi'ov  xai  Mvaiag  .  .  ifqov  'Agri- 


1407               Kranomegalene  Krataiis                      1408 

ftidog.     Nach   Wide,  Lakon.  Kulte  S.  78f.  und  ein  Buchstabe  zu  fehlen   scheint?     Haben  wir 

256  wäre  Kgecviog  mit  Apollon  Karneios  iden-  hier  eine   koische  Heroine   oder    die  sonst  un- 

tisch.     Röscher.]     [Stoll.]  bekannten  lokalen  Beiwörter  einer  Gottheit?" 

Kranomegalene  (KgavofityaXrjvri),  Beiname  [  Die  naheliegende  Änderung:  'E\y.utcu  ZzgazCai 

der  Kybele   auf  einer  Inschrift  aus  Bukareler  der  Epigraphiker  Rayet,  Inscriptions  de  l'ile  de 

in  Galatien  il//)f(H  KgavofisyctXriv ij  sv%tfv,  C.  I.  G.  Kos,  Annitaire  de  l'assoc.  pour  Vencour agement 

3,  4121.  Gnder  (vgl.  Boeckh  a.a.O.)  las  Mij-cql  des  etudes  grecques  en  France  9,  1875  p.  290 

[TQijxgäva    fiiydXn.      Auf   einer  Inschrift   aus  — 292  und  Paton  and  Hicks,  The  inscriptions 

Eskischehr  (Archaeol.  epigr.  MM.  aus   Österr.  of  Cos  p.  279— 280  nr.  388  wird  bestätigt  durch 

7,   177  ff.    nr.  23)    findet    sich    die    Widmung  10  eine    andere    koische    der   'Endzcc^t]    Sxguxlcti 

Mtjzqi  &eäv  KPA  OS  METAAOT.    v.  Borna-  (Rayet  p.  288 ff.  nr.  9.    Paton  and  Hicks  p.  261. 

szeicski  a.  a.  0.   liest   /inxgl   ■frfcäi'   v.gd[z]o(v)g  2C2  nr.  370)  dargebrachte  Widmung.   Drexler.] 

(xsydlov;  dagegen  erblickt  Mordtmann,  Atlien.  [Höfer.] 

MM.  10  (1885),  14  in  dieser  Gottheit  dieselbe  Krataia    (Kgazaia)    =   Krataiis    (s.  d.)   im 

wie  C.  I.  G.  a.  a.  O.  und   ergänzt  Kgct[v~\o  fis-  Schot.  Plat.  de  republ.  9  p.  419  ed.  Bekker,  wo 

yctXov  ,    findet    es    allerdings    selbst    auffällig,  es  heifst  Zmi'Un  di  Kgaztxiag  v.al  Tvggr]- 

dafs  bei  seiner  Deutung  danu  MEFAAOT  für  vov   rj  <I>6gr.ov,  ngogwnov  ~£%oveu  v.al  otigva 

METAAHS  steht.     [Höfer.]  yvvaiv.bg,  sx  Xuyovo^v  di  v.vväv  xtqxxXüg  f|  v.al 

Kranon  (Kgavcov),  Sohn  des  Pelasgos,  nach  noäag  SäSsva.  Diese  Stelle  stimmt  fast  wört- 
weichem die  Stadt  Kranon  (Krannon)  in  Thes-  20  lieh  überein  mit  Apollod.  frgm.  Sabb.  120b 
salia  Pelasgiotis  benannt  war,  Steph.  B.  v.  (Rhein.  Mus.  46  [1891],  p.  178):  ZxvXXa  Kga- 
Kgdvoiv.  Die  Stadt  soll  früher  Ephyra  ge-  zaiiöog  ftvydxng  v.al  Tgirjvov ,  rj  cpogxov 
heifsen  haben;  als  aber  Kranon,  der  Fürst  ngogmnov  i'%ovßa  xal  azigva  yvvatvög,  iv.  Xa- 
derselben,  bei  der  Werbung  um  die  Hand  yövaiv  äh  y.scpaXäg  £%  v.al  dwdixa  nöäag  v.vvöiv. 
der  Hippodameia  zu  Pisa  das  Leben  verlor,  Darnach  ist  bei  Apollod.  a.  a.  0.  zu  lesen  v.al 
nannten  die  Thessaler  ihm  zu  Ehren  ihre  Tvggnvov  -q  <I>6gy.ov,  ngogai-nov  t%ovaa  nzX. 
Stadt  Kranon,  Kineas  aus  Thessalien  b.  Schol.  Dafs  die  Lesart  Tvggnvov  die  richtige  ist, 
Find.  Pyth.  10,  85;  s.  Bd.  1  Sp.  2668,  Z.  42.  beweisen  Palaeph.  de  incred.  21_.     Apostol.  16, 

[Stoll.]  49:    Xiyovci   Titgl   SvvXXiqg    &g    jjy    Tvggnvia 

Kranto  (Kgavzco),  Tochter  des  Nereus  und  30  (iv  Tv  ggrjvCa  Palaeph.),  yvvr)  yikv  fif'^pt  toü 
der  Doris,  Apollod.  1,  2,  7.  Man  hat  ihren  öjtqxxXov,  xvväv  äs  ivziv&sv  avzfj  ngogntipv- 
Namen  in  dem  Katalog  der  Nereiden  des  v.aqi  xstpccXai,  weiter  wird  dann  in  eukeme- 
Hesiod  (Theog.  243ff.)  für  das  daselbst  zwei-  ristischer  Weise  erzählt,  dafs  Skylla  ein  See- 
mal vorkommende  Ilgmzcö,  entweder  V.  243  räuberschiff  der  Tyr rhener  gewesen  sei. 
oder  V.  248,  einsetzen  wollen,  Schotmann,  Tyrrhenos,  der  Sohn  des  Atys,  führte  be- 
Opusc.  Ac.  2,173.     [Stoll.]  kanntlich  die  Tyrrhener  aus  Lydien  nach  Italien 

Krantor  (Kgdvzcog),  Wattenträger  des  Peleus,  (Herod.  1,  94.    Strabo  5  p.  219.  221.    Dionys. 

in  dem  Kampfe  der  Lapithen  (s.  d.)  und  Kentau-  Hai.  1,  27.  28.     Eust.  ad.  Dionys.   Per.   347. 

reu  durch  einen  von  Demoleon  gegen  Theseus  Tac.  annal.  4,  55)  und  kam  so  auf  seiner  Fahrt 

geschleuderten  Fichtenstamm  getötet.    Amyn-  .10  auch  nach  Sicilien,  den  Schauplatz  des  Skylla- 

tor,  der  Vater  des  Phönix,  Fürst  der  Doloper,  mythus.     [Höfer.] 

hatte  ihn,  im  Kriege  besiegt,  dem  Peleus  als  Krataibates    s.    Kataibates;    vgl.    auch   die 

Pfand  und  Bürgschaft  übergeben,  Ov.  Met.  12,  Kaisermünzen  von  Kyrrhos  in  Syrien  mit  der 

361  ff.     [Stoll.]  Legende  Jiog  Kazaißdzov  oder  Kazeßdzov,  auf 

Kraon  (Kgdcov)  =  Kreon  (s.  d.)  auf  einer  denen   Zeus   dargestellt  ist  sitzend,  in  der  B. 

Vase  der  Sammlung  Jatta  in  Ruvo,  Arch.  Zeit.  den  Blitz,   in  der  L.   eine  Lanze   haltend,   zu 

28  (1871)  Taf.  40,  2.     Annali  1876  176.    Mon.  seinen  Füfsen  ein  Adler  Eckhel,  D.  n.  3,  260. 

ined.  10  Taf.  27.     [Höfer.]  llead,  Hist.  mim.  654;   Zevg  Kazatßdrrig  auch 

Krarios,  einheimische  Form  des  Beinamens  Aristid.  or.  1  p.  11  Dindorf.     [Höfer.] 

des  Zeus  Klarios  in  Tegea  (s.  ob.  2  Sp.  1212'.,  50      Krataigonos  (Kgazaiyövog),  Sohn  des  Psyllos 

wie  sich  aus  der  Form  Kgagiäzai  für  die  An-  und   der  Anchiroe,    begleitete   an   der   Spitze 

gehörigen   der   von   Paus.  8,  53,  6  KXagtmzig  libyscher  Völker  den  Dionysos  auf  dem  Zuge 

genannten  tegeatischen  Phyle  in  der  Inschrift  nach  Indien,  Nonn.  Dion.  13,  379.     [Stoll.] 

C.  I.  Gr.  1513.     Lebas   2,  338b.     Gauer,  Del.  Krataiis  (Kgdzaiig),  die  Mutter  der  Skylla, 

454  ergiebt,  s.  Schwedler,  De  rebus  Tegeaticis,  Hom.  Od.  12,  124.     Ov.  Met.  13,  749.     Nach 

I^eips.  Stud.  s.  kl.  Phil.   9   p.  277  —  284.     Den  Akusilaos    waren    Hekate    und    Phorkys    die 

von  Paus.  8,  53,  9  erwähnten  Hügel  (zö  %agiov  Eltern   der   Skylla;    Ap.  Rh.  4,  828  vereinigt 

tÖ  vipnXöv)   mit   der  Mehrzahl   der  Altäre  der  Akusilaos  und  Homer,   indem   er  Krataiis  nur 

Tegeaten,  der  nach  Zeus  Krarios  benannt  war  für    einen    anderen    Namen    der    Hekate    an- 

(xctXtizai    fiiv    Jiög   KXagi'ov),   hält   Schivcdler  co  nimmt,    Schol.   Ap.   Rh.    a.  a.  0.;     vgl.    Verg. 

für  den  heutigen  Hagios  Sosiis.     [Drexler.]  Cir.  66  und  das.  Heyne.     Semos  aus  Delos  b. 

KPATA.    Auf  einer  Inschrift  aus  Kos  findet  Schol.   Od.   12,   124    (Müller,    Fr.  hist.  gr.   4 

sich  nach  vorausgehendem  Namensverzeichnis  p.  495,  18a)  nennt  sie   eine   Tochter   der  He- 

von  Weihenden  die  Widmung  Kgdzct  Stgazta,  kate  und  des  Triton,  welche   mit  Deimos  die 

Roß,  Hellenika  1,  2  p.   95  nr.  18,   wozu  Ro'fs  Skylla    erzeugte.      Krataiis,    die    Mutter    der 

a.  a.  0.  bemerkt:  „Was  für  ein  Wesen  steckt  Skvlla,    heifst    ein    Flufs    in    der    Nähe    des 

...    in   dem    KPATAI    ZTPATIAI,   wofür   man  Skyllafelsen,  Hyg.  f.  199.    Plin.  n.  h.  3,  10,  73. 

auch  AKPATAI   lesen   könnte,    da  vor  dem  K  Solin.  2,  22.     Auch  Od.  11,  597   wurde   Kgu- 


1409                    Krateanos  Krathis                      1410 

zaug  von  manchen  alten  Erklärern  persönlich  sowie  zu  Dionysos -Phanes-Protogonos  bildet: 

genommen    als    ein    gewaltiger    Daimon,    ein  „überall  die  Beziehung  zu  der  Entstehung  des 

Daimon  der  Übergewalt,   der    den  Stein    des  Menschengeschlechts".    Vgl.  0.  Kern,  Hermes 

Sisyphos  wieder  zum  Rollen  brachte,  Eustath.  25  (1890)  S.  7  und  Kaibel  ebenda  S.  99. 

p.  1702,  37.     Nitzsch,  ErM.  Anm.  z.  Odyssee  [Röscher.] 

3  p.  323—326.  384.  Preller,  Gr.  Mytli.  1,  606 f.  Krater  s.  Sternbilder. 

[Im  frgm.   Sabbait.  Apollod.  f.   120  t.     Rhein.  Krates  (Kgäzrjg).  Nach  Iulian.  or.  6  p.  200  b 

Mus.   46   (1891),    178    ZxvXla   KgazuiiÖog  standen    an    manchen   Häusern    in    Athen    als 

&vyäzr\g  v.al  Tqitjvov  »j  cpogv.ov  ngögconov  Überschrift  die  Worte:  Ei'aodog  KgazrjZi  'Aya- 

i'xovou    v.ui    ozigva    yvvaiv.6g    schlägt    Papa-  10  &ä>  äaipovi.    Julian  und  mit  ihm  die  meisten 

dopulos-Kerameus    a.   a.    0.    vor   zu    schreiben  Ausleger  beziehen  diese  Inschrift  auf  den  Philo- 

ent weder    KgazaiCSog   &vyazrjg    Hai    Tv-  sophen  Krates,    den  man  dadurch  habe  ehren 

yävog  r)  <t>6gnov  hzX.  oder  nal  Tgiat'vov  hzI.  wollen.  Dagegen  erblickt  Alex.  Enmann,  Kypros 

Es  ist  aber  zu  schreiben  £xvlla  KgazaiCSog  u.  der  Ursprung  des  Aphroditekultus  S.  55  und 

frvyäzng  -aal  Tvggwvov  r}  $6g%av,  ngoaantov  Anm.  1  hier  die  Verwechslung  eines  obskuren 

i%ovaa  hzX.\  s.  Krataia;  vgl.  ferner  Alkiphron.  Lokalheros  mit  einer  berühmten  historischen 

ep.  1,  18,  3.    Nach  Mythogr.  Lat.  1,  3  p.  2  ed.  Person;    Krates  sei  ein  guter  Hausgeist,   ent- 

Bode  2,  169  p.  133  gebiert  Krataiis  von  Phor-  entsprechend   dem  deutschen  skrato,   skrat, 

kos  die  Skylla.    S.  auch  Pott  in  Kuhns  Ztsehr.  slavisch  skr  et,  finnisch  kratti  (Grimm,  Dtsche. 

f.  vergl.  Sprachforschung  6  (1857),  269.  Höfer.]  20  Myth.  p.  396  ff.),  der  noch  heute  bei  den  Esthen 

[Stoll]  als  glückbringender  Hausgeist  gelte;  auch  bei 

Krateanos  (Kgazsavog),  Beiname  des  Apollon  den  Slovenen  findet  sich  dieselbe  Anschauung 
auf  Weihreliefs  aus  Mysien,  Mordtmann  in  vom  Skrat;  vgl.  Pud.  Baumbach,  Zlatorog  95f.; 
Arch.  Zeit.  32,  162f. :  „Apollon  ist  als  Kitha-  dasselbe  Wesen  sei  demnach  auch  unter  dem 
rode  dargestellt  mit  der  Schale  auf  einen  ftvgi Ttavai%zr\g  bei  Plut.  quaest.  conv.  9,1,6 
Altar  libierend,  hinter  dem  ein  Baum  sich  und  I)iog.  L.  6,  5  nr.  2,  86  zu  verstehen, 
erhebt;  dem  Altar  naht  ein  Opferknabe  mit  [Höfer.] 
zwei  Widdern",  Benndorf -Niemann,  Meisen  in  Kratesis  (KgäzrjCig),  Personifikation  der  Herr- 
Lykien  u.  Karien  p.  154  Fig.  89  nr.  128;  vgl.  schaff,  dargestellt  als  Frau,  die  eine  Trophäe  und 
Petersen- Lusehan,  Meisen  in  Lykien,  Milyas  30  eine  Siegesgöttin  auf  der  Hand  trägt,  auf  einer 
und  Kibyratis  p.  9  nr.  18.  Zur  Erklärung  des  alexandrinischen  Münze  des  Galba  bei  Miliin, 
Beinamens  vgl.  Mordtmann  a.  a.  0.  und  Plew,  G.  M.  91,  355.  Baumeister,  Denkmäler  13041. 
Arch.  Zeit.  33,  113.  34,  43,  der  Kgaxiavög  von  [DiesenaufBillonmünzendesGalba(Zo(^a,ATM»H. 
einer  Stadt  Äguxzia,  vielleicht  von  der  in  Aeg.  Imp.  p.  33  nr.  2;  p.  34  nr.  17  Tab.  III,  5;  Mi. 
Bithynien  gelegenen  (Ptolem.  5,  1,  14),  ab-  6,  74,  257;  75,  265.  Feuardent,  L'Eg.  anc. 
leitet.  Gegen  Dethier ,  der  den  Apollon  Kra-  2,  33,  742,  751.  Poole,  Cat.  of  the  coins  of 
teanos  als  gehörnt  auffafst  (vgl.  Furüvängler  Alexandria  and  the  nomes.  Lohdon  1892  p.  23 
in  Bd.  1  Sp.  468,  Z.  7ff.),  s.  Benndorf  a.  a.  0.  nr.  194,  195,  PL  8,  196)  und  Otho  (Zoega  p.  39 
p.  154,  der  diese  Annahme  als  aus  einer  Ver-  nr.  8.  Mi.  6,  77,  279.  Feuardent  34  f.,  765. 
kennung  des  nogvfißog  des  Apollon  entstanden  40  Poole  p.  25  nr.  210)  vorkommenden  Typus  be- 
bezeichnet. [S.  auch  E.  Michon,  Basrelief  zeichnen  Mionnet  und  Feuardent  als  „Le 
voiif  ä  Apollon  (Kgaxsavog)  (Musee  du  Louvre),  genie  de  la  Victoire",  Read,  H.  N.  p.  722  als 
Bulletin  des  Musees  Tom.  2  1891  p.  322—324.  „Potestas  or  Virtus".  Eckhel,  1).  N.  V.  4  p.  35 
Dresler.]     Vgl.  Arch.  Anz.  7  (1892)-  25.  bemerkt:    „Nova    epigraphe ,    eaque    in    unis 

[Höfer.]  Alexandrinis,   quo  vocabulo  intelligendam  Po- 

Krateia  (KRATEIA),  beigeschriebener  Name  manorum  'Virtutem'  facile  mihi  convenit  cum 
einer  Frau,  wohl  einer  Göttin,  auf  einem  im  Spanhemio  (T.  I  p.  146)."  Auch  Poole  p.  LIV 
thebanischen  Kabirion  gefundenen  Vasenfrag-  beschliefst  seine  Besprechung  der  Darstellung 
ment  (vgl.  Winnefeld  in  d.  Mitteil.  d.  athen.  mit  den  Worten:  „It  seems  therefore  that  the 
Inst.  13  S.  421  u.  Taf.  9.  Meinach  in  Mevue  50  Alexandrian  type  Kratesis  rather  corresponds 
arche'ol.  15  [1890]  278),  das  eine  Liebes-  to  Virtus  than  represents  a  new  personification". 
scene  zwischen  MITOT  und  Krateia  darstellt,  Über  eine  von  ihm  p.  21  nr.  179,  180  ver- 
dienen der  kleine  TTRATOUAOH  die  Hände  zeichnete  Bronzemünze  des  Nero  mit  dem 
zusammenschlagend  zuschaut".  „Die  Deutung  Datum  LH  bemerkt  Poole  p.  LIV:  „Among  the 
der  Krateia  kann  keine  Schwierigkeiten  machen,  types  of  Nero  is  a  female  figure,  armed  with 
die  Personifikation  weiblicher  Kraft  wird  mit  Keimet  and  spear ,  holding  patcra  and  shield, 
Mitos  verbunden,  für  dessen  Erklärung  eine  wlio  is  probably  Virtus,  and  therefore  Kratesis 
Tabelle  orphischer  Allegorieen  zu  benutzen  or  Arete".  Drexler.]  [Höfer.] 
ist,  die  uns  Clemens  Alex.  Strom.  5,  49  p.  676  Kratliia  (Kgafrüi),  Beiname  der  Athena  von 
P.  (3,  39  Bind.),  Abel  fr.  253  aus  Epigenes'  60  dem  Flusse  Krathis,  an  dem,  in  der  Nähe  von 
Buch  nigl  TJjs  'Ogtfiuig  noirjascog  überliefert  Sybaris,  ein  ihr  von  Dorieus,  dem  Sohne  des 
hat."  Nach  Epigenes  soll  Orpheus  fiizog  Anaxandrides,  geweihter  Temenos  und  Tempel 
.allegorisch  für  C7cegfi,a  gesagt  haben  (vgl.  lag;  Herod.  5,  45.  Das  Haupt  der  Athena  auf 
Lobeck,  Aglaoph.  2,  837).  „Von  diesem  Paar  Münzen  von  Sybaris  Brit.  Mus.  Cat.  Ital. 
.  .  .  stammt  das  erste  Menschenkind  Prato-  p.  286.  Head,  Hist.  num.  p.  71.  [Höfer.] 
laos",  der  demnach  eine  Parallele  zu  Proteus,  Krathis  (KgäS-ig).  Der  Flufsgott  Krathis  ist 
dem  Vater  der  samothrakischen  Kabira,  zu  dargestellt  auf  der  Rückseite  einer  Münze  von 
den    Tritopatreis    Protokles    und    Protogonos,  Pandosia;    auf  der   Vorderseite   befindet   sich 

Roschep.,  Lexikon  der  gr.  li.  rüru.  Mythol.  II.  45 


1411                      Kratieus  Krenos                      1412 

das   Bild   der   Stadtgöttin   von   Pandosia,    ein  tbv  Ovgavbv  Kai  figaag  Kai  rjgcvaocag  Kai  Kgd- 

weiblicher    Kopf   mit    einem    Diadem;    beide  vag  Kai  nora^ovg  Kai  ftioitg  ndvxag  Kai  näaag. 

sind    durch    Beischrift   kenntlich;    das    Haupt  Bangabc,  Antiqu.  hellen.  2,  2477  p.  1029;  ebenso 

des   Flussgottes    ist    als    gehörnter  Jünglings-  Soph.  Oid.  Kol.  1333:  7tgbg  vvv  es  kqtjvcSv  Kai 

köpf  dargestellt.    Mionnet  1  nr.  927  (=  pl.  32  &säv  ofioyvicov  akä  und  Schol.  das.  Soph.  Aiax 

nr.   56).     Head,    Bist.    num.    p.  90.     v.  Sollet,  862.  Ant.Sii.  Man  kann  vergleichen  die  Nvficpui 

Zeitschr.  f.  Numism.  1,  216.     0.  Hoffmann  bei  Kgnvaiai  bei  Hom.  Od.  17,  240  und  auf  einer 

Collits,  Samml.  der  griecli.  Dial.-Inschr.  2,  1641.  römischen    Grabschrift,    G.    I.   G.   3,   6293  = 

Arch.  Ztg.  43  (1885),  12  Anm.  10.   [A  Cat.  ofthe  Anth.  Pal  Append.  2,  271  (Cougny),  die  Kga- 

greek  coins  in  the  Brit.  Mus.  Italy  p.  370  nr.  1  10  valai  bei   Theokr.    1,   22    (Nvfitpag   Kgnvaiag, 

„Biver   Krathis,   naked,  facing,   head   turned  Schol.    Theokr.    a.  a.  O.)    und    die    Kgaviäsg, 

toioards  l.,  [standing] ,  holding  in  extenäed  r.  3IoschosS,2d.  Kgnvi'Ssg Anth. Pal.  7,55.  [Höfer.] 

patera,andinl.olive-branch,  ivhich  leans  against  Kreiiaia  (Kgrtvaia),  1)  Beiname  der  Artemis 

his  Shoulder ;  at  Jus  feet  a  fish,  leaping  towards  in  einer  Beschwörungsformel,   nach   Welckers 

the  patera?  infieldl.,  KPAOSM".    Head,  Num.  Deutung  der  lateinischen  Buchstaben  KRNE; 

Chron.    1873   p.  98   nr.  12,    PI.  3,  8.     Gardner,  neben    Artemis    -wird    der    Christengott    und 

Types  of  greek  coins  PI.  1,  17.     Garrucci,  Le  Christos  selbst  angerufen,  ein  Beweis  für  das 

monete   dell'   Italia  antica.     Roma    1S85.    2".  Fortdauern    des    Artemiskultus    auch    in    die 

p.  154  Tav.  111,  5.    Auf  dem  Obv.  von  Bronze-  christliche   Zeit  hinein,   Arch.  Zeit.  4   (1846), 

münzen  von   Consentia    erscheint  ein  jugend-  20  260;  über  Artemis  als  Göttin  der  Quellen  etc. 

liches   männliches  Haupt,  bekränzt  mit  Rohr,  s.   Bd.  1   Sp.  560   Z.  6 ff.   —   2)  Personifikation 

mit  einem  kleinen  Hörn  auf  der  Stirn,  A  Cat.  des   Thores  Krenaiai   (nach   Brunn,    Gesch.  d. 

of  the    greek    coins  in  the   Brit.    Mus.   Baly  griech.  Künstler  2,  662  =  22,  451  Quellnymphe) 

p.  341  nr.  3.     Coli.  Santangelo  p.  58  nr.  6179.  in  Theben  auf   der  Vase   des  Asteas,    kennt- 

Mülingen,  Consid.  sur  lanum.de  Vanc.  Italic  lieh    durch    die     Beischrift    KPHNAIH,    neben 

p.  85  nr.  2.     Garrucci,  Le  monete  dell'  Italia  Thebe  und  dem  Flufsgott  Ismenos  Zuschauerin 

ant.  p.  170,  Tav.  117,  35.    Dieses  Haupt  erklärt  bei  dem  Kampfe  des  Kadmos  mit  dem  Drachen. 

Fiorelli,  Mon.  ined.  p.  15  nr.  14  u.   Garrucci,  Sie  trägt  breite   Stirnbinde,    ist  aber  nur  in 

Bull.  arch.  nap.  n.  1  p.  19  für  das  des  Krathis.  halber  Figur  dargestellt.    Heydemann  in  Arch. 
Head,  H.  N.  p.  79  für  das  des  Krathis  oder,  so  Zeit.  29   (1872),  36   Neapler  Vasen  3226  (vgl. 

auf  Grund  des  Taschenkrebses  der  Rückseite,  ebenda  Taf.   9,  3226.     C.   I.  G.  4,  8481),  abg. 

für  das  des  Karkines.     Auch  in  dem  stofsen-  Mittingen   Uned.   Anc.   Monum.    1,  27.     Mus. 

den,  verschieden  gedeuteten  Stier  der  Münzen  Borb.  14,  28;  vgl.  Welcher,  A.  D.  3,  387.    Per- 

Ton  Thurium  ist  Head,  H.  N.  p.  72  nicht  ab-  vanoglu,  Annali  1859,  153;  zu  den  nvlai  Kgn- 

geneigt  den  Krathis   zu   erkennen.     Drexler.]  vatai  (KgnvCSsg,  Apollod.  3,  6,  6)  s.  Eur.  Phoen. 

Vgl.  Flussgötter.     [Höfer.]  1123.  Aristodcmos  im  Schol.  zu  1156.  Paus.  9, 

Kratieus   (Kgaztsvg),    Vater  der  Anasibia,  8,  5.     Vielleicht  hat  das  Thor  seinen  Namen 

der    Gemahlin    des    Nestor,    Apollod.   1,   9,   9.  davon,   weil   es  nahe  bei   der    Quelle  Dirke 

[Pott  in  Kuhns  Zeitschr.   f.  vergl.   Sprachfor-  lag,   vgl.  Schol.   Kur.  Phoen.    1123.      Ulrichs, 

schung  9  (1860),  184.    Höfer.]     [Stoll.]               40  Topographie  von  Theben,  Abh.  d.  philos.  philo!. 

Kratistos  Theos  (Kgdriarog  ■9'eo's),  auf  einer  Classe  d.  K.  Bayr.  Akad.  d.  TP",  d.  W.  3  (1840), 

Inschrift  aus  Ephesos   ist  nach  Neicton-Hickt,  328.     Wilamoicitz ,  Die  sieben  Thore  Thebens, 

Ancient  inscr.  Greek  in  the  Brit.  Mus.  3,  500  Hermes  1891,  217.  221  f.     [Höfer.] 

p.  221  f.    zu   lesen    &]eov    Kga(ri(>zov?).     Viel-  Krenaios  (A'e7ji'o:ios'l,  1)  Dolione,  von  Idmon 

leicht  entspricht  dieser   Gott   dem  &sbg  vtyi-  getötet,    Tal.   Flacc.  3,  178.  [ —  2)  Sohn  des 

Gros  (s.  Hypsistos).     [Höfer.]  Faunus   und   der  Nymphe  Ismenis  (oder  einer 

Koärog  und  Bia,  Macht  und  Gewalt,  zwei  der  ismenischen  Nymphen),  von  Hippomedon 

kosmische  Potenzen,    Kinder   des    Pallas    und  erlegt,  Stat.  Theb.  9,  320 ff.,  356,  3S8;  der  Name 

der    Styx,    Geschwister    des    Z/yios    und    der  ist    recht    bezeichnend    für     den    Sohn    einer 

Niwrj,   stets   in  der  Nähe  und  im  Dienste  des  50  Naiade.     Höfer.]     [ —  3)  Einer  der  Kentauren 

Zeus,  dem  sie  mit  ihrer  Mutter  zum  Beistand  (s.  d.),  Ov.  Met.  12,  313.    Röscher.]    [Schultz.] 

kamen   gegen   die  Titanen,    Hesiod.  11%.    385.  Kreneis    (Kgr\vnig),    vielleicht    Name    einer 

397.   Apollod.  1,2,  4.  —  Hyg.  praef. -p.  30  Bunte  Okeanide    bei  Hes.  Thcog.  359;    andere  lesen 

nennt    sie  Potestas  und  Vis.     Im  Auftrag  des  Xgvantg  oder  Kgiaarfig.     Vgl.  Krenis.    [Höfer.] 

Zeus    fesseln    sie    den    Prometheus,    Aeschyl.  Krenis  (Kgi]i>ig),  eine  Nereide,  Hyg.  praef. 

Prom.  in.;   vgl.  Aeschyl.  Choeph.  241.    Braun,  p.   29    Bunte.      Der    Name    scheint    korrupt. 

Gr.   Götterl.  %  214.     Preller,  Gr.  Myth.  1,  48.  [Wölfflin,  Bhein.  3Ius.  1865  p.  293   liest  statt 

3.    Gerhard,  Gr.   Myth.   1   §  607.     [De  Witte,  der   3  Namen    Crenis,    Euridice,    Leucothoe: 

Le  geant  Valens  p.  17.  18.     S.  auch  Minervini,  Thetis,   Eunice,    Glaucothoe.     Drexler.]     Eine 

Bull.    arch.    napolet.    n.   s.  2,    1854   p.  71.  72.  60  Okeanide  Kgijvriig  (Hennann:  Xgvar^'g)  in  Hes. 

Drexler.]     [Vater   des  Iasion,   den  er  mit  der  Thcog.  359.      [Ich  halte    bei  Hygin.   a.  a.  0. 

Nymphe  Phronia  zeugte,  Creuzer,  Anecd.  Gracc.  den  Namen  Krenis  nicht  für  korrupt  und  ver- 

p.  52  und  Anm.  21.     Höfer.]     [Stoll.]  weise    auf  Priscian.   Inst.    7,  46.      Grammat. 

Krangasos  =  Kragasos  (s.  d.).  Lat.  ed.  Keil  2,  325.     Crenis,  nomen  proprium 

Kreios  =  Krios  (s.  Titanen).  nymphae,  Crenidis.  Höfer.]  Vgl.  Kreneis.  [Stoll.] 

Krenai  (Kgrjvai),  die  Quellen  als  Gottheiten  Krenos  (Kgrjvog),  einer  der  Herakliden,  be- 

in  einer  Eidesformel  auf  einer  Inschrift  von  rühmter  Seher,   Clem.    Alex.    Stromat.   1,  399 

Dreros:  ofivvco  tav  'Eatiav  .  .  .  «cä  tav  Väv  Kai  Poiter.     [Höfer.  ] 


1413 


Krenuchos 


Kreon 


1414 


Krenuchos  (Kqovovxos),  Beiname  des  Po- 
seidon (Gornut.  de  nat.  deor.  22  p.  129  Osann, 
[Schol.  Theoer.  17,  69.  Murr,  die  Gottheit  der 
Griechen  als  Natwrmackb.  Innsbruck  1892 
p.  50  Anm.  7.  Drexler.]\  von  Welcher,  Rhein. 
Mus.  1  (1833),  324  auf  die  Inschrift  KPENOXEI 
=  xQ-nvovxsi  einer  Volcenter  Vase  mit  der  Dar- 
stellung des  Poseidon  bezogen ;  vgl.  auch  Annali 
1831  p.  80,  188  nr.  788.  Osann  zu  Cornut. 
p.  314f.     [Höfer.] 

Kreon  (Kqscov),  1)  Sohn  des  Lykaithos 
(fälschlich  des  Menoeceus  bei  Hygin  fab.  25), 
König  von  Korinth ,  Vater  des  Hippotes 
(Diod.  4,  55;  vgl.  Schol.  Eurip.  Med.  20.  Hyy. 
fab.  27)  und  der  Kreusa  oder  Glauke  (s.  d.). 
Zur  Erziehung  hatte  ihm  Alkmeon  (s.  d.) 
seine  mit  Manto  erzeugten  Kinder  Amphi- 
lochos  und  Tisiphone  übergeben.  Aus  Eifer- 
sucht wurde  letztere  von  Kreons  Gemahlin 
verkauft  und  gelangte  zufällig,  ohne  erkannt 
zu  werden,  in  den  Besitz  des  Vaters,  Apollod. 
3,  7,  7.  Diese  Sage  ist  von  Euripides  in  der 
Tragödie  AXy.iiscdv  6  diu  Xoqiv&ov  behandelt 
worden,  wahrscheinlich  auch  von  Astydamas 
in  seinem  'Alv.uimv.  Welcher  vermutet  (die 
yriech.  Tragödien  2,  581),  Kreon  habe  sich, 
als  Alkmeon  seine  Kinder  zurückforderte, 
hochmütig  und  trotzig  benommen  und  sei 
dann  von  ihm  vertrieben  worden.  —  Zu  Kreon 
kommen  Iason  und  Medeia  (s.  d.),  wofür  nnsere 
älteste  Quelle  die  Oi%ciliag  alcoaig  des  Kreo- 
phylos  ist.  Nach  den  daraus  von  Didymos 
vermittelten  Angaben  (Schol.  Eur.  Med.  273) 
ermordete  Medeia  den  Kreon  durch  Zauber- 
mittel und  floh  darauf  nach  Athen,  nachdem 
sie  ihre  Kinder  an  den  Altar  der  Hera  Akraia 
gesetzt.  Euripides  und  seine  Nachahmer  lassen 
sie  von  Kreon  des  Landes  verwiesen  werden, 
worauf  sie  an  ihrer  Nebenbuhlerin  durch  Über- 
sendung von  vergifteten  Gewändern,  welche 
nach  dem  Anlegen  in  Brand  geraten,  Rache 
nimmt.  Kreon  geht  bei  der  Hilfeleistung  zu 
Grunde,  Eur.  Med.  1156  ff.  Senec.  Med.  879  ff. 
Einer  anderen  Darstellung  zufolge  werden 
Vater  und  Tochter  dadurch  getötet,  dafs 
Medeia  nächtlicher  "Weile  den  Königspalast 
in  Brand  steckt,  Diod.  4,  54;  [vgl.  ferner 
Apollod.  1,  9,  28.  Diodor.  4,  53.  Myfhogr. 
Graeci  ed.  Westermann  p.  345.  Plut.  de  amic. 
mult.  7.  Hör.  epod.  5,  64.  Ovid.  Heroid.  12, 
53.  Mythogr.  Lat.  2,  138  p.  122  ed.  Bode.  Schol. 
in  Ibivi  603.  Falsch  ist  Schol.  Stat.  Achill. 
1  p.  560  ed.  Gruceus:  ad  (vellus)  auferendum 
Iason  missus  a  Oreonte  est;  das  Schicksal  des 
Kreon  und  der  Glauke  ward  in  Tänzen  dar- 
gestellt, Luc.  de  Salt.  42.  Kreons  Gemahlin 
heifst  Merope  auf  der  Prachtvase  von  Canosa, 
auf  welcher  auch  beider  Sohn  Hipp  otes,  durch 
Beischrift  kenntlich,  erscheint  (abg.  Miliin,  Tom- 
beaux  de  Canose  Taf.  7.  Arch.  Ztg.  5  (1847), 
Taf.  3.  Baumeister,  DenJcm.  nr.  9S0  p.  903;  vgl. 
C.  I.  G.  4,  8424.  O.  Jahn,  Beschreibung  der 
Yasensammlung  in  d.  Pinakothek  in  München 
nr.  810  p.  261;  ebenders.,  Arch.  Ztg.  5  (1847), 
p.  33ff.;  25  (1867),  58.  Heydemann,  Vasens. 
d.  Mus.  Naz.  Neapel  p.  753  Anm.  2  zu  nr.  526. 
Baumeister  a.  a.  0.  p.  904):  Kreusa  ist  inner- 
halb   eines   tempelartigen   Gebäudes,   das   die 


Inschrift  Kgiövreia  (wohl  zu  ergänzen  olvÜv.toqu 
oder  Scouazcc)  trägt,  auf  einem  Thronsessel  zu- 
sammengesunken; zu  ihrer  Linken  steht  Kreon 
(nur  die  Buchstaben  .  .  SIN  erhalten)  mit 
weifsem  Haar  und  Bart,  „in  theatralischer 
Herrschertracht,  einem  langen  gestickten  Unter- 
gewand mit  Kreuzbändern  über  der  Brust, 
weitem  Mantel  und  Schuhen"  (vgl.  Heibig, 
Untersuch,  über  die  Campan.  Wandmalerei  178); 

10  er  umfafst  die  Tochter  mit  dem  linken  Arm, 
während  er  die  rechte  Hand,  der  das  mit  einem 
Adler  gezierte  Scepter  entsunken  ist,  in  Ver- 
zweiflung an  das  Haupt  legt;  hinter  ihm  eilt 
Merope  jammernd  mit  ausgestrecktem  linken 
Arm,  die  Rechte  an  den  Kopf  gelegt,  herbei, 
während  von  rechts  Hippotes  herzueilt,  um 
der  Schwester  den  todbringenden  Kopfschmuck 
abzureifsen.  Ein  ähnliches  Motiv  findet  sich 
auf    einer   Vase    der    Sammlung    Santangelo, 

20  Heydemann  a.  a.  0.  nr.  526  p.  752  (abg. 
Rochette,  Choix  de  peint.  p.  261  Vign.  14). 
0.  Jahn,  Arch.  Ztg.  25  (1867),  59:  Kreusa 
sinkt  zur  Erde  nieder,  mit  beiden  Händen  an 
den  Schleier  greifend;  neben  ihr  steht  ein 
Thron,  unten  ein  offenes  Kästchen;  sie  schaut 
sich  um  nach  einem  Mann  mit  weifsen  Haaren, 
in  Schuhen  und  Mantel  —  Kreon  — ,  der 
herbeieilt  und  die  R.  voll  Trauer  nach  ihr  aus- 
streckt.     Der   Untergang    Kreusas    in   Gegen- 

30  wart  Kreons  ist  öfters  auch  auf  Sarkophagreliefs 
dargestellt,  Dilthey ,  Sarcofaghi  di  Medea, 
Annali  1869  p.  5ff.  Tav.  d'agy.  A.  B.,  Kalk- 
mann, Arch.  Ztg.  41  (1883),  p.  112.  Bau- 
meister a.  a.  0.  906;  so  auf  dem  Medea-Sarko- 
phag  Lancelotti,  abg.  Winckelmann ,  Alte 
Denkmäler  der  Kunst,  übers,  von  Brunn  2 
Taf.  91  p.  13.  Conse,  Vorlegebl.  Ser.  2,  T.  2,  3; 
mit  diesem  Sarkophag  stimmt  ziemlich  genau 
überein  die  Darstellung  auf  einem  Sarkophag 

40  im  Lonvre  (Bouillon  3  basrel.  18,  2.  Clarac, 
Muse'e  de  Sculpture  2  p.  504ff.  pl.  204,  478. 
Baumeister  a.  a.  0.  nr.  982  p.  907 f.):  Kreusa 
im  Begriff,  sich  in  ihrem  Brautgemach  nieder- 
zulegen, schnellt  unter  der  Wirkung  des  Giftes 
mit  hochgestreckten  Armen  und  hintüberge- 
worfenem  Haupte  jäh  empor,  neben  ihr  steht 
Kreon,  der  die  linke  Hand  nach  dem  Haupte 
seiner  unglücklichen  Tochter  ausstreckt,  wäh- 
rend   er    mit    der   Rechten    verzweiflungsvoll 

50  ins  Haar  greift;  auf  manchen  Darstellungen 
schlägt  sogar  schon  die  lohende  Flamme  über 
das  Haupt  der  Kreusa  empor,  s.  Heydemann, 
Mitteilungen  aus  den  Antikensammlungen  in 
Ober-  u.  Mittelitalien,  3.  Hallisches  Winckel- 
mannsprogr.  8  nr.  9  und  Anm.  12.  Matz-Duhn, 
Antike  Bildtcerke  in  Rom  2,  nr.  3161.  3162  p. 
364  ff.  und  die  dort  angeführte  Litteratur. 
Dütschke,  Antike  Bildertcerke  in  Turin,  Brescia, 
Verona  u.  Mantua  =  Antike  Bildwerke  in  Ober- 

60  Hallen  4,  nr.  688  p.  310  ff.  und  die  daselbst  an- 
gegebene Litteratur.  ( Conze) ,  Beschreibung 
d.  antiken  Skulpturen  im  K.  Mus.  zu  Berlin 
nr.  843b  p.  531.  =  C.  Roheit,  Die  antiken 
Sarkophagreliefs  2  S.  713  ff.  Taf.  64,  200.  Bau- 
meister a.  a.  0.  907.  Eur.  Med.  1190.  Eine  Auf- 
zählung aller  bekannten  Medea- Sarkophage, 
auf  deren  Vorderseite  die  Darbringung  der 
Brautgeschenke   an  Kreusa   durch  die   Kinder 

45* 


1415          Kreon  Kreon          1416 

Medeas  und  der  Tod  Kreusas  in  Gegenwart  pides  in  den  Hiketiden  ausführt,  den  gefallenen 
Kreons  dargestellt  ist,  giebt  L.  v.  Urlichs,  Ein  Führern  das  Begräbnis  (in  den  Phoinissen 
Medea  -  Sarkophag ,  21,  Programm  des  von  giebt  er  ein  derartiges  Gebot  nur  bezüglich 
Wagnerschen  Kunstinstituts  (Würzburg  1SS8)  des  Polyneikes  1628  ff.)  und  forderte  von 
p.  4ff.;  ebenda  ist  die  Vorderseite  eines  1887  Theseus,  den  Adrastos  nicht  in  seinem  Lande 
in  Rom  gefundenen  Sarkophages  mit  gleicher  zu  dulden  (467  ff.).  Doch  Theseus  zieht  gegen 
Darstellung  abgebildet  p.  Off.  Höfer.]  —  ihn  und  erzwingt  die  Auslieferung  der  Leichen. 
2)  Sohn  des  Menoikeus,  übernahm  nach  Vgl.  Pausan.  1,  39,  2,  der  übrigens  angiebt, 
des  La'ios  Tode  die  Herrschaft  über  Theben,  Kreon  habe  nach  des  Eteokles  Tode  nur  als 
Apölloä.  3,  8,  1.  Hyg.  fab.  67.  Nachdem  viele  10  Vormund  von  dessen  Sohn  Laodamas  die 
Thebaner  der  Sphinx  zum  Opfer  gefallen  Herrschaft  geführt  (s.  ebend.  9,  5,  13.  10,  3). 
waren  und  diese"  auch  seinen  Sohn  Hainion  Die  Fabel  der  eiiripideischen  Phoinissen  findet 
getötet  hatte,  verhiefs  er  demjenigen,  welcher  sich  in  der  Thebais  des  Statins  wieder.  Dort 
das  Sphinxrätsel  lösen  würde,  den  Königs-  wird  Kreon  durch  Theseus  getötet,  der  von 
thron  und  die  Hand  der  Königswitwe,  seiner  Antigone  zu  Hilfe  gerufen  ist  (12,  767 ff.), 
Schwester  lokaste,  Eurip.  Phoeniss.  45  ff.  und  während  er  nach  des  Euripides  'HgatiXi]g  pai- 
Hypoth.  2.  Apollod.  3,  8,  6.  Beides  gewährte  vofisvog  (31  ff.  546)  durch  Lykos  von  Euboia 
er  dem  Oidipus,  wie  gleich  den  Tragikern  fällt,  der  nach  ihm  die  Herrschaft  übernimmt, 
Pherekyd.es  im  5.  Buche  berichtete,  F.  H.  G.  1,  85.  vgl.  Senec.  Hercul.  Für.  372.  (Kikolaos  Damas- 
Von  diesem  wurde  er  später  nach  Delphoi  so  kenos  fr.  20  [F.  H.  G.  3 ,  369]  läfst  den  Kreon 
gesandt,  um  den  Grund  der  thebanischen  Pest  nach  des  Herakles  Wahnsinn  noch  am  Leben 
zu  erforschen,  Soph.  Oed.B.  99  ff.  Sen.  Oed. 20-2S.  sein).  —  Henioche  und  Pyrrha  nennt  Paus.  9, 
Nach  der  Entdeckung  des  Frevels  vertraut  10,  3  als  Töchter  des  Kreon,  deren  Steinbilder 
Oidipus  seine  Töchter  Kreons  Obhut  an,  beim  Tempel  des  Apollon  Ismenios  in  Theben 
welcher  auch  als  Vormund  der  Söhne  die  standen.  Schon  von  Homer  wird  die  Kreons- 
Herrschaft  übernimmt,  Soph.  0.  B.  1462  ff.  tochter  Megara  erwähnt,  eine  Gemahlin  des 
1424  ff.  Nachdem  der  unglückliche  König  Herakles  (l  269  mit  den  Schol.  u.  Eastath.), 
später  das  Land  verlassen  und  in  Attika  Zu-  dieselbe  nennt  Pindar  Kreiontis,  Isthm.  3,  82 
flucht  gefunden  hatte,  suchte  ihn  Kreon,  der  (vgl.  d.  Schol.),  sie  tritt  in  des  Euripides  und 
ihn  erst  verbannt,  mit  Gewalt  nach  Theben  30  Seneca  Hercules  Furcns  auf,  Eur.  Herc.  Für.  9, 
zurückzuführen,  da  der  delphische  Gott  ge-  vgl.  die  Hypoth.,  Hyg.  fab.  32.  241.  Herakles 
weissagt,  auf  ihm  beruhe  Thebens  Heil,  Soph.  erhält  die  Megara  von  Kreon,  nachdem  er  für 
0.  C.  728  ff.  Theseus  vereitelte  sein  über-  Haimon  um  .Gnade  gebeten  (Hyg.  fab.  72. 
mutiges  Beginnen,  ebend.  887  ff.  Beim  Kampfe  Welcher,  Die  gricch.  Tragö'd.  2,  571.  696),  als 
der  Sieben  gegen  Theben  opferte  Kreon,  um  Preis  für  seinen  Beistand  gegen  die  Minyer, 
Ares  zu  versöhnen  und  die  Stadt  zu  retten,  Apollod.  2,  4,  11.  Seine  jüngste  Tochter  giebt 
auf  des  Teiresias  Rat  seinen  Sohn  Megareus,  Kreon  eben  deshalb  dem  Iphikles,  ebd.  — 
Soph.  Antig.  1302  f.  995.  Kraft  der  von  neuem  Während  Kreons  Herrschaft  kam  Amphitryon 
ihm  zugefallenen  Königswürde  verhängt  er  (s.  d.)  nach  Theben  und  wurde  von  ihm  ent- 
Grablosigkeit  über  den  Polyneikes  und  verur-  40  sühnt.  Er  forderte  von  Kreou  Unterstützung 
teilt  die  Antigone,  verliert  jedoch  dadurch  gegen  die  Taphier  oder  Teleboer,  worauf  der 
seinen  zweiten  Sohn  Haimon  und  seine  Ge-  König  in  Person  mit  auszog,  [nachdem  Am- 
mahlin  Eurydike.  Wie  Sophokles  die  Sage  phitryon  vorher  den  teumessischen  Fuchs 
überhaupt  und  Kreons  Charakter  je  nach  den  erlegt  hatte;  Apollod.  2,  4,  6.  Tzets.  Lykophr. 
Anforderungen  des  einzelnen  Stückes  poetisch  932  p.  8S5.  Nach  Timagoras  im  Schol.  Eur. 
frei  gestaltete,  ihn  im  König  Oidipus  mafsvoll  Phoeniss.  670  =  frg.  1  war  Kreon  neben  Pelor, 
und  selbstlos,  im  Oidipus  auf  Kolonos  tückisch  Echion,  Udaios,  Chthonios  und  Hyperenor  einer 
und  gewaltthätig,  in  der  Antigone  verblendet,  der  Sparten,  vgl.  Schol.  Stat.  Theb.  10  p.  468 
aber  imposant  schilderte,  so  hat  sich  auch  ed.  Cruceus  (Paris  1618)  Creon,  Menoecei  pater, 
Euripides  erhebliche  Abweichungen  erlaubt,  50  a  serpentibus  duxit  originem,  nach  Schol.  Hom. 
von  früherer  Version  sowohl,  als  auch  von  Od.  3,  267  ein  Zeitgenosse  des  Menelaos.  Sohn 
seiner  eigenen  Darstellung.  In  den  Phoinissen  des  Menoikeus  heifst  Kreon  ferner  Diod.  4,  67; 
verheifst  Teiresias  ebenfalls  den  Thebanern  Schol.  Eur.  Phoeniss.  942;  seine  Schwester 
Sieg,  wenn  Kreon  den  einen  seiner  Söhne,  lokaste  Schol.  Eur.  Phoeniss.  10.  942.  Bei  Diod. 
hier  Menoikeus  genannt,  dem  Ares  opfere  4,  64  Ad'i'og  ..  yrjaag  'Io-Kciotnv  rrjv  KQiovrog 
(911  ff.),  der  Vater  sucht  ihn  jedoch  in  Sichel--  scheint  lokaste  als  Tochter  des  Kreon  auf- 
heit  zu  bringen,  und  Menoikeus  tötet  sich  gefafst  zu  sein.  Des  Kreons  Gemahlin  ist 
selbst.  Erst  nach  dem  darauffolgenden  Wechsel-  Henioche,  Hesiod.  seilt.  83.  Schol.  Hom.  II.  14, 
morde  der  Brüder  wird  sodann  Oidipus,  der  323;  sein  Sohn  Megareus  erscheint  schon  Aesch. 
bis  dahin  in  Theben  verweilt  hatte,  durch  go  Sept.  457 K.,  Haimon  bei  Peisandros  und  Kinai- 
Kreon  vertrieben  und  verläfst  mit  Antigone  thon  im  Schol.  Eur.  Phoeniss.  1760.  Sein  Sohn 
das  Land.  Die  in  diesem  Stücke  hervor-  Menoikeus  opfert  sich  selbst  (Plut.  Pelop.  21. 
gehobene  Vaterliebe  des  Kreon  scheint  auch  Etym.  M.  67,  45.  Schol.  Aristid.  p.  113  Hin- 
in der  Antigone  des  Euripides  betont  gewesen  dorf.  Stat.  Theb.  10,  774ff.  Schol.  Stat.  Theb.  7 
zu  sein.  Dort  verzieh  der  König  der  Jung-  p.  324),  oder  er  wird  von  Kreon  geopfert; 
frau  und  gestattete  ihre  Vermählung  mit  Schol.  Aristid.  a.  a.  0.  Verderbt  ist  wohl 
Haimon  (s.  d.  Art.  Antigone).  Nach  dem  Ab-  Herodian.  zcfpi  äxvQoXoy.  bei  Boissonade,  Anecd. 
mge  der  Feinde  verweigerte  Kreon,  wie  Euri-  3, 269  Mtvotxtvg  ««'  Kqscov  Hctvzovg  äniy.rsivav. 


1417                       Kreon  Kreontiades                  1418 

—  Nach  JDiodor  4,  10  wollte  Kreon  zuerst  den  [1884],  Tat'.  19b,  vgl.  p.  267  und  Äich.  Ztg. 
Herakles,  welcher  die  Boten  des  Erginos  (s.  d.)  43  [1885],  71  dargestellt  war,  ist  zweifelhaft), 
beschimpft  und  verstümmelt  hatte,  an  diesen  ganz  im  Hintergrunde  ICMHNH ,  links  von 
ausliefern;  nach  dem  Sieg  des  Herakles  aber  Kreon  steht  unter  einem  tempelartigen  Ge- 
über die  Minyer  gab  er  ihm  seine  Tochter  bäude  HPAKAHZ,  der  mit  gegen  den  König 
Megara  (vgl.  Apollod.  2,  7,  8.  Schol.  Find.  ausgestreckter  Hand  zu  vermitteln  versucht 
Isthm.  3,  104.  Argum.  Eur.  Herc.  für.  Tzets.  für  die  links  von  ihm  stehende  gefesselte  und 
Lykophr.  38.  Mythogr.  Lat.  2,  158,  p.  129  ed.  von  einem  Wächter  geführte  ANTITONH;  hinter 
Bode)  zur  Frau  und  überliel's  ihm  die  .Regierung  Antigone  steht  ratlos  und  trauernd  AlMßN; 
Thebens.  Zu  der  von  ihm  verhängten  Ver-  10  vgl.  auch  C.  I.  G.  4,  8428.  Das  Vasenbild 
bannungdesOidipuss.,S'c7ioZ.^lm<i^.p.77.  Schol.  bei  Millingen,  Feint,  de  vases  p.  54  deutet 
Stat.  Theb.  p.  529;  sein  Verbot  der  Bestattung  Hirzel,  Arch.  Ztg.  1863,  70  auf  Antigone,  die 
desPolyneikesbez.derSiebens.b.Pftit.Dewost/j.  vor  Kreon  geführt  wird.  Eine  Parodie  auf 
29.  Demosth.  60,  8  p.  1391.  Über  Kreon  in  der  letztere  Scene  ist  abgebildet  und  besprochen 
Tragödie  vgl.  Aristot.  poet.  14.  Demosth.  18,  bei  Gerhard,  Ant.  Bildio.  73  S.  312f.  Panofka, 
180  p.  288.  Plato  ep.  2  p.  493  Hercher.  Plato,  Anndli  1847  Tav.  K  p.  216ff.  Welcher,  Arch. 
Alkib.  p.  151b.  Luc.  Menipp.  16.  De  merc.  Ztg.  1848,  333  =  A.  D.  3,  35,  1  S.  504ff. 
cond.  5.  Symons,  Die  Sage  vom  thebanischen  Wieseler,  Theaterg.  9,  7  S.  65  f.  Schreiber, 
Kreon  in  der  griech.  Poesie,  Inaug.-Diss.  Berlin  Kunsthist.  Bilderati.  4,  8.  Baumeister  a.  a.  0. 
o.  J.  F.  A.  Voigt  bei  Ersch  u.  Gruber  s.  v. —  20  nr.  87.  Heydemann,  Phlyakendarstellungen, 
Neben  der  Form  Kgiav  findet  sich  Kgsiwv  Jahrb.  d.  Kais.  D.  arch.  Inst.  1  (1886),  303  t:  vor 
(vgl.  Etym.  M.  537,  Gff.)  Hom.  Od.  11,  269.  II.  den  durch  Stephane  und  Scepterstab  als  Fürsten 
9,  84  vgl.  19,  240.  Hesiod.  seilt.  83;  vgl.  Find.  gekennzeichneten  Kreon  ist  Antigone  (hier  ein 
Isthm.  3,  82  (109).  Kinaithon  in  der  Oidipodeia  verkleideter  Greis)  geschleppt  worden.  Höfer.] 
(fr.  2)  im  Schol.  Eur.  Phoen.  1760;  Kgacov  auf  —  3)  Sohn  des  Herakles  von  einer  Tochter  des 
der  unten  zu  erwähnenden  Vase  der  Sammlung  Thespios,  Apollod.  2,  7,  8,  1.  —  4)  Vater  des 
Jatta  (vgl.  F.  Kretschmer  in  Eiduis  Ztschrft.  Lykomedes,  eines  Kriegers  vor  Ilios,  II.  I  84. 
f.  vgl  Sprachforsch.  29  [18S8],  416f.);  der  Plural  Paus.  10,  25,  6.  [Tzets.  arg.  et  alleg.  II.  9,  41 
Kgiovzsg  Luc.  Menipp.  16.  Darstellungen  in  in  Anecd.  Matranga  1,  86.  Höfer.]  [J.  Ilberg.] 
der  Kunst:  Auf  einer  etruskischen  Aschen-  30  Kreonteia  (Kgtövrtia).  Auf  der  unter 
kiste  im  Museum  zu  Volterra  (Overbeck,  Heroen-  Kreon  1  beschriebenen  Vase  aus  Canosa  wollen 
galerie  Taf.  6,  2  p.  134)  sucht  Kreon  in  dem  einige  Interpreten  in  der  Inschrift  Kgiovtsia 
Augenblick,  als  der  auf  einem  Altar  knieende  den  Namen  der  Kreonstochter  erkennen,  die 
Menoikeus  sich  das  Schwert  in  die  Brust  stofsen  im  Gegensatz  zu  den  anderen  Hauptpersonen 
will,  sich  von  seiner  Umgebung  loszumachen  nicht  durch  Beischrift  bezeichnet  ist,  Bau- 
und  6m$  den  Altar  hinzueilen;  an  seinen  Schild  meister,  Denkmäler  p.  903.     [Höfer.] 

lehnt  sich  lokaste.  —  Kreon  (?  oder  Teiresias?  Kreontiades    (KgtovzitxSiqq),    1)    Sohn    des 

oder  Oidipus?)  die  Sphinx  befragend  auf  einer  •  Herakles    und   der  Megara,    der  Tochter   des 

Lekythos  aus  Unteritalien  Brit.  Mus.  nr.  626.  Kreon;  Apollod.  2,  7,  8.  2,  4,  11.     Schol.  Hom. 

—  Vielleicht  ist  auf  dem  campanischen  Wand-  40  Od.  11,  269.  Schol.  Pind.  Isthm.  3,  104.  Wie 
gemälde  im  Museum  zu  Palermo  nach  Wie-  die  Angaben  über  die  Zahl  und  die  Namen 
seiers  Vermutung,  Theatergeb.  9,  1  p.  52  (vgl.  der  von  Herakles  mit  Megara  gezeugten  Knaben 
Helbig,  Wandgemälde  nr.  1467,  p.  351  f.)  das  auseinandergehen,  so  verschieden  sind  auch  die 
Ende  der  Scene  zwischen  Kreon  und  dem  Wach-  Erzählungen  über  ihr  Ende.  Asklepiiades  im 
terinder  Antigone  des  Sophokles  zu  erblicken.  —  Schol.  Hom.  Od.  a.  a.  0.  nennt  nur  den  Theri- 
Nach  einer  naeheuripideischen  Tragödie,  deren  machos  und  Kreontiades,  Dionysios  iv  ngtoria 
Inhalt  Hygin.  fab.  72  wiedergiebt,  ist  Kreon  KvxXcov  den  Therimachos  und  Deikoon,  s.  Schol. 
(KPAQN)  dargestellt  auf  einem  jungem  Vasen-  Pind.  a.  a.  0.;  Euripides  Herc.  f.  474  er- 
bilde  der  Sammlung  Jatta  in  Ruvo,  abgeb.  wähnt  drei,  aber  nicht  mit  Namen;  doch  hiefsen 
Monum.  ined.  10  Taf.  27.  Arch.  Ztg.  27  (1870)  50  sie  nach  Schol.  Pind.  a.  a.  0.  Therimachos, 
Taf.  40,  2.  Baumeister,  Denkmäler  nr.  88  p.  84;  Deikoon  und  Aristodemos;  bei  Apollod.  2,  4, 11 
vgl.  Heydemann,  Über  eine  nacheuripideische  werden  Therimachos,  Kreontiades,  Deikoon  er- 
Antigone,  Berlin  1868  und  Arch.  Ztg.  a.  a.  0.  wähnt;  zu  diesen  dreien  tritt  ebenda  2,  7,  8  noch 
p.  108 ff.  Klügmann,  Annali  1876,  176 ff.;  —  Deion  hinzu;  mit  letzterer  Überlieferung  stimmt 
eine  ganz  ähnliche  Darstellung  —  jedoch  ohne  Deinias  aus  Argos  im  Schol.  Find.  a.  a.  0. 
Namensbeischriften  —  findet  sich  auch  auf  überein.  Tsetz.  Lyk.  38  und  Schol.  Luc.  p.  58 
dem  oberen  Bilde  einer  Amphora  aus  dem  Jacobitz  führen  den  Onites  (Onytes),  Theri- 
apulischen  Ceglie,  Furtu-ängler,  Berl.  Vasen-  machos,  Demokoon  (=  Deikoon?)  und  Kreon- 
kataloq  3240;  abgeb.  Gerhard,  Apul.  Vasenb.  tiades  auf,  Pherekydes  endlich  im  Schol. 
Taf.  11  S.  15ff.  Arch.  Ztg.  28  (1870),  Taf.  40,  1.  60  Pind.  a.  a.  0.  nennt  den  Antimachos  (nach 
Heydemann,  ebenda  llOff.,  Helbig,  Untersuch.  Apollod.  2,  7,  8  Sohn  der  Thespiade  Nikippe), 
«6er  die  Campanische  Wandmalerei  178  und  den  Klymenos,  Glenos  (sonst  Sohn,  der  Deia- 
anm.  2):  er  trägt  reiche  Gewandung  und  ein  neira,  Apollod.  2,  7,  8.  Schol.  vet.  Soph.  Track. 
mit  einem  Adler  gekröntes  Scepter  und  steht  53.  Paus.  4,  30,  1),  den  Therimachos  und 
in  gebückter  Haltung  da,  rechts  von  ihm  ein  Kreontiades;  Baton  ebenda  zählt  sieben  auf, 
Knabe  (Maion?)  und  seine  Gemahlin  Eurydike  den  Polydoros,  Aniketos,  Mekistophonos, 
(ob  des  Kreon  Gemahlin  Eurydike  auch  auf  Patrokleus ,  Toxokleitos ,  Menebrontes  und 
der  Karlsruher  Unterweltsvase   Arch.  Ztg.  42  Chersibios.    Mythogr.  Lat.  2,  158,  p.  129  Bode 


1419                     Kreontias  Kresphontes                  1420 

nennt  den  Areas  (?)  und  den  Kreontiades,  Schot.  Kresia    (Kgnaia,    Beiname    1)   der  Artemis, 

Stat.  Theo.  4,  p.  194  ed.  Oruceus  (Paris  1618)  Diod.  Sic.  5,  77;  vgl.  den  Trimeter  C.I.G.3, 

den  Oxeus  und  Leonüades  (Kreontiades?),  Schol.  6797  avaaaav  'Ecpieov  Kgnatav  (pasacpogor.  — 

Stat.  Theo.  10,  p.  471   den  Oxeas  und  Kreon-  2)  der  Aphrodite  (Kypris)  nach  Meinekes  Kon- 

tiades.  —  Find.  Isthm.  3,  Sl  (107)  giebt  ihre  jektur  in  Anth.  Pal.  6,  211,  wo  früher  yvrjoi'cc 

Zahl  —  ohne   Namen  —   sogar  auf  acht  an.  stand    und   Brunei   Krrjcia    lesen    wollte;   s. 

Bei  Euripides  Herc.  f.  977ff;  (vgl.  Seneca  Ktesios  6.  —  3)  heifst  Phaidra  bei  Eur.  Hipp. 

989  ff.)  tötet  Herakles  in  der  Raserei  seine  und  372    itaig  KQiqeia.     [Höfer.] 

der  Megara  Söhne  durch  Pfeilschüsse,  nach  Kresios  {Kqr]aiog),  Beiname  1)  des  Dionysos 
Pherelcydes  bei    Schal.   Pind.  a.  a.  0.   wirft  10  in  Argos,  Paus.  2,  23,  7.  8.     Welcher,  Griech. 

er  sie   ins  Feuer  (bildliche  Darstellung  dieser  Gutterl.  2,  608.    Milchhöfer,  Die  Anfänge  der 

Szene  s.  Bd.  1  Sp.  2235  Z.  15  ff.  und  Melida,  Kunst  in  Griechenland  205  Anm.  1,  —  2)  des 

Sobre  los  vasos  griegos  del  Museo  ArqueoUgico  Minos,  Suidas  s.  v.  Kgrjeiog.  —  3)  Auf  einem 

National  p.  39).  Lysimachos  im  Schol.  Pind.  Sardonyx  in  der  Gemmensammlung  der  Flo- 

a.  a.  0.  erzählte,   nicht  Herakles  habe  sie  ge-  rentiner  Gallerie  (Gori  2,  tav.  14,  3)   mit  der 

tötet,  sondern  Fremde;  Sokrates  ebendanannte  Darstellung    eines    stehenden    Flügeljünglings 

den   Augeias,    noch    andere    den   Lykos   (vgl.  und  der  Umschrift  K6ICITAAOC  liest  Panofka, 

Schol.  Stat.  Theb.  4,  p.  194)  als  ihren  Mörder;  Talos,  der  Sohn  des  Kres,  Arch.  Zeit.  13  (1855), 

auch  Stesichoros  und  Pangasis  hatten  den  16  KgsiaitaXog  =  Kgriairakog  {Kqiizz  =  KQr]tn 
Tod  der  Heraklessöhne  erzählt;  Paus.  9,  11,  2.  20  Inschrift,  Revue  archeol.  20  [1892],  49)  und  er- 

Die   Thebaner   zeigten   in    ihren   Mauern    das  klärt    dies    Wort  =  KQnai(og)    Tälog  =  der 

Grabmal  der  letzteren  {Paus.  a.  a.  0.)  und  er-  Kretide  Talos.     [Höfer.] 

wiesen  ihnen  Heroenehren,  Pind.  Isthm.  a.  a.  0.  Kresphontes  (KgEOcpövxvg) ,  1)  Heraklide, 
Megara  und  zwei  ihrer  Söhne,  die  zum  Zeichen,  Sohn  des  Aristomaehos,  eroberte  an  der  Spitze 
dafs  sie  durch  gewaltsamen  Tod  umgekommen  der  Dorier  mit  seinen  Brüdern  Temenos  und 
sind,  mit  Blutstropfen  besprengt  sind,  in  der  Aristodemos  (oder  dessen  Söhnen  Prokies  und 
Unterwelt  befindlich  dargestellt  auf  der  Am-  Eurysthenes)  den  Peloponnes  und  erhielt  bei 
phora  Canosa-Münehen  849  (A.  Winkler,  Die  der  Teilung  des  eroberten  Landes  durchs  Los 
Darstellungen  der  Unterwelt  auf  unteritalischen  Messenien,  Apollod.  2,  S,  4.  Paus.  2,  18,  6. 
Vasen  =  Breslauer  philolog.  Abhandl.  3,  5;  p.  4  30  4,  3,  3.  4,  31,  9.  5,  3,  5.  Müller,  Dor.  1,  63. 
und  die  Anm.  1  gegebene  Litteratur  p.  12)  und  Preller,  Gr.  Myth.  2,  282  f.  Er  erhielt  dieses 
auf  der  Amphora  Altamura- Neapel  3222,  hier  beste  Land  durch  eine  List;  da  nämlich  Mes- 
durch  die  Beischriften  MErAPA  und  FHPA-  senien  für  das  dritte  Los  bestimmt  war,  so 
KAEIAAI  bezeichnet,  Winkler  a.  a.  0.  p.  l8und_  legte  Kresphontes  in  die  mit  Wasser  gefüllte 
anm.  2  p.  21  f.;  ebenso  auf  der  Amphora  Buvo-"  Losurne,  während  Temenos  und  die  Aristode- 
Karlsruhe  388,  Winkler  a.  a.  0.  13  und  Anm.  miden  für  sich  Steinchen  hineinwarfen^eine 
2.  15;  vgl.  auch  38;  ebendas.  Anm.  3,  p.  22 f.  weiche  Erdscholle,  die  im  Wasser  sich  auf- 
eine Sammlung  der  Stellen  über  den  Tod  der  löste,  so  dafs  zuerst  die  Steine  herausgegriffen 
Heraklessöhne,  deren  Namen  offenbar  meist  den  wurden  für  Argos  und  Lakedaimon.  Apollod. 
Epithetis  des  Vaters  entlehnt  sind.  —  2)  (Ägsi-  40  a.  a.  0.  Paus.  4,  5, 1.  [Auf  diese  List  des  Kres- 
ovTiäSrjg),  Sohn  des  Kreon,  Lykomedes,  Rom.  phontes  spielt  an  Soph.  Aiax  1285;  vgl.  Schol. 
IL  19,  240.     [Höfer.]  vet.  Soph.  a.  a.  0.     Pohjaen.  1,  6;    Suidas  s.  v. 

Kreontias  (Kgiovridg),  Beiname  der  Kreon-  äoaitsrng    r.XrtQog;    s.    auch    Steph.    Bys.    s.   v. 

tochter  Glauke  (Kreusa),  Paulus  Silentiarius  in  'Aväavia.   Solirat.  Epist.  30,  6  p.  630  Hercher. 

Anth.  Pal.  5,  288.     [Höfer.]  Skymn.  Perieg.   530.    Vell.  Paterc.  1,  2;   über 

Kres  (KQr)g),  Sohn  des  Zeus  und  einer  idä-  Darstellung  des  Kresphontes  in  der  Tragödie 

ischen  Nymphe,   oder  ein  Autochthon,   König  s.  Dem.  de  cor.  (18),  180.  —  Nach  Pott  in  Kuhns 

der  Eteokreter  auf  der  Insel  Kreta,    die  nach  Ztschrft.  f.  vgl.  Sprachforschung  6  (1857),  111 

ihm  benannt  ward,  Steph.  B.  v.  kgrjtrj  und  bedeutet  der  Name  Kresphontes  den,  der  selbst 
JcÖqiov.  Diod.  5,  64.    Ephoros  [vgl.  Ephori  frg.  50  bessere  (xpioGorsg)  besiegt  und  umbringt;  nach 

nr.  61  b.  Müller,  F.H.Gr.  I,  249.  ß.]  b.  Skymn.  Bugge,  ebenda  19  (1870)  soll  Kyso-cpöv-crig  aus 

546;  Vater  des  Talos,  Paus.  8,  53,  2.  Er  barg  den  Kgne-ipövTrjg,  KgnT-cpövzrjg  entstanden  sein. — 

von  Kronos  verfolgten  Zeus  in  dem  diktäiseben  Über  den  Tod  des  Kresphontes  und  die  Flucht 

Gebirg,   Arrian   b.   Eustath.   Diu».   Per.    498.  seiner  Söhne  zu  den  Lakedaimoniern  s.  Isokrat. 

[Giern.  Alex.  Stromat.  1  p.  380.  401  Potter;  er  6,  22.  23.  31.    Höfer.]     Oder  Temenos  wandte 

soll   den  Kretern  vor  Minos   Gesetze  gegeben  durch  eine  List  bei  der  Verlosung  dem  Kres- 

haben,  Schol.  Aristid.  p.  33 1  Dindorf;  vgl.  Etym.  phontes  Messenien  zu,  welches  ihm  Theras,  der 

31  538,  2;  nach  Georg.  Synkellos  1  p.  196,  236  Vormund  der  Aristodemiden ,   streitig  machte, 

(vgl.  Ptolem.  p.  185  Westermann),  der  wohl  ;ius  Paus.  4,  3,  3.  Auf  dem  Altar,  auf  welchem 
Arrian  (vgl.  Eust.  ad  Dionys.  Perieg.  a.  a.  0.)  60  die  Brüder  dem  Ahnherrn  Zeus  opferten,  fand 

schöpfte,    war    er    einer    der    Kureten    (nach  sich    für  Argos    eine  Kröte,    für  Sparta    eine 

Anax imanßcr  bei  Solin.  11,  5  p.  81  Mommsen,  Schlange,  für  Messenien   ein  Fuchs,   wodurch 

vgl.  Pliu.  h.  n.  4,  58,  König  der  Kureten),  ver-  der    Charakter    der    Völker    bezeichnet    war, 

barg   den  Zeus    und   zog   ihn    auf;    vgl.    auch  Apollod.2,8, 5.  Midier  a.  a.  0.  Kresphontes  teilte 

Tibull.  4,  1 ,  9  und  Kresios  nr.  3.  —  Der  homo  die    Landschaft   in   5  Bezirke    und   bestimmte 

Cres  bei  Auson.   Technopaign.   10,   20  p.  164  Stenyklaros    zum   Königssitz,    indem   er   über 

Peipcr   ist  Daidalos:   vgl.   Icarus   Cres   Solin.  die    übrigen    Städte    Unterkönige    setzte;    zu- 

11,  30  p.  86.    Höfer.]     [Stoll]  gleich    gab     er     den    Einheimischen     gleiche 


1421                       Kressa  Kretagenes                   1422 

Rechte  mit  den  Doriern.    Als  aber  die  Dorier  Krestone    (Kgrjazcövrj) ,    Tochter    des    Ares 

damit  unzufrieden  waren,  stiefs  er  diese  Ein-  und  der  Kyrene  (also  Schwester  des  Thrakers 

richtung    wieder    um    und    liefs    Stenyklaros  Biomedes,    Apollod.  2,  5,  8),     nach    welcher 

allein    als  Stadt    gelten    und    als   ausschlieft-  Thrakien  Krestone  benannt  war,  Tzetz.  L.  499, 

liehen    Wohnsitz    der    Dorier.     Das    verdrofs  [vielleicht  identisch  mit  der  Schal.  IL  2,  520 

wieder  die   Reichen    der   Landeinwohner,   die  erwähnten  Gattin  des  Tyrannos  [=  Tyrrhenos? 

auch    unwillig    waren    über    die   Bevorzugung  Vgl.  Eolias.  Koscher],  der  Mutter  des  Daulieus 

des    niederen    Volks.      Sie    ermordeten   daher  und   des  Krisos  (s.  d.).   Höfer.].     Ares  war  der 

den  König   mit    zweien    seiner  Söhne.     Poly-  Gott  von  Krestone,  ib.  930.  937.    [Stoll.] 

phontes  kam  zur  Herrschaft  und  nahm  Merope,  10       Kreta.      Auf    einer    kreisförmigen    Platte 

die    Witwe    des     Kresphontes,     wider    ihren  im   brit.  Museum  (abg.   Arch.  Zeit.  42  (1884), 

Willen  zum  Weibe.     Diese,   eine  Tochter  des  Taf.  2,  2,  beschrieben  von  Engelmann  a.  a.  0. 

Kypselos,    Königs    der  Arkader,    hatte    ihren  25f),    auf  der    ein  Meergott   nebst    drei    auf 

unmündigen    dritten    Sohn    Aipytos    gerettet  Delphinen  sitzenden  weiblichen   Seegottheiten 

und  ihrem  Vater  nach  Arkadien  zur  Erziehung  dargestellt  ist,  erblickt  Engelmann  a.  a.  0.  212 

gegeben.    Als  er  herangewachsen  war,  kehrte  in  den  drei  letzteren  die  Personifikationen  von 

er  nach  Messenien  zurück,    tötete   den  Poly-  Hellas,   von   der  Peloponnes  und  von  Kreta; 

phontes   und  nahm   die   väterliche   Herrschaft  früher  (a.  a.  0.  2G)  hatte  er  sie  als  Nereiden, 

wieder  in  Besitz.    Apollod.  2,  8,  5.    Ephoros  b.  Robert  a.  a.  0.  137  ff.  als  Personifikationen  der 

Strab.  8,  361.    Nikol.  Eamask.  fr.  39  [Müller  fr.  20  drei  Erdteile,  Libye,  Asia  und  Europe  gedeutet. 

hist.  gr.  3  p.  376).     Paus.  4,  3,  3.  4.  5.    8,  5,  4.  Vgl.  auch  den  Vers  des  Alexis  im  Schal.  Plat. 

8,  29,  4.    Hyg.  f.  137.  184.    Müller,  Bor.  1,  99.  p.  362,  Belclcer  tj  Aibg  Kgi^zg  zgoyog.    Auf  dem 

Öurtius,  Pelop.  2,124 f.    [Toepfi'ir,  AU.  Geneal.  Relief   der    dritten   Seite    der    ara    Capitolina 

232,  2.     Bit.  Mus.  42,  98.    Röscher.]     Ein  Bild  (abg.  Mus.  Capitol.  4,  7.    Weitere  Litteratur  s. 

des  Kresphontes  von  Omphalion  in  der  Stadt  bei  Overbeck,  Kunstmythologie ,  Zeus  328   und 

Messene  im  Tempel  der  Messene,  Paus.  4,  31,  9.  Anm.  f.)  wollte  Braun,   Vorschule  der  Kunst- 

[ Brunn,  Künstlergesch.   2,  201  f.     Roscher.J  —  mythologie  p.  4.    Ruinen   und    Museen   Roms 

Den  Inhalt  der  Tragödie  Kresphontes  von  Euri-  p.  187  in  der  Frauengestalt   mit  einer  Mauer- 

pides    [vgl.  G.  I.  Gr.  6047.    Röscher.]    liefert  kröne,    die   auf  einem  Throne  sitzt,  während 

Hyg.   f.    184:    Als   Polyphontes    nach   Errnor-  30  der  kleine  Zeus,   von  zwei  Kureten   umgeben, 

düng    des   Kresphontes    dessen  Weib    Merope  nach  dem  Euter  der  Ziege  Amaltheia   greift, 

zur  Ehe   gezwungen,    schickte   diese  heimlich  die  personifizierte  Insel  Kreta  sehen,  während 

ihren    unmündigen   Sohn    Telephontes    einem  andere  (s.  Overbeck  a.  a.  0.  328  f.)  sie  als  Rhea- 

Gastfreunde  in  Ätolien  und  rettete  ihn  so  vor  Kybele    oder    Adrasteia -  Nemesis    deuten.     S. 

den    Nachstellungen     des     Polyphontes.     Als  Krete  nr.  8.     [Höfer.] 

Jüngling  kam  Telephontes  unerkannt  nach  Kretagenes  (KgnzayBvrjg),  Beiname  des  Zeus, 
Messenien  zurück ,  um  den  Mord  des  Vaters  eine  Übersetzung  von  Marnas  (s.  d.) ,  unter 
und  seiner  Brüder  zu  rächen.  Von  Poly-  welchem  Namen  Zeus  in  Gaza  verehrt  wurde, 
phontes  als  Gast,  der  den  Telephontes  getötet  Steph.  Byz.  s.  v.  Va'Qa:  zov  Kgrizai'ov  Jibg  .  . 
habe,  freundlich  aufgenommen,  wurde  er  von  10  ov  .  .  .  ixälovv  Mccgväv,  £g[Lnv£vöii£vov  Kgiq- 
der  ihm  nach  dem  Leben  strebenden  Merope  zaytvr\-  Marcus  Eiaconus  vita  S.  Poiphyrii 
noch  zur  rechten  Zeit  erkannt  und  erschlug  (Acta  Sanct.  Rolland.  5,  655):  Marnion,  quod 
nun,  von  dieser  unterstützt,  den  Polyphontes  [templumj  dicebatar  Cretagenis  Iovis;  nach 
beim  Opfer,  worauf  er  die  väterliche  Herr-  letzterer  Stelle  soll  Marnas  den  Herrn  des 
schaft  wieder  gewann.  Nauck,  Trag.  gr.  fragm.  Regens  bedeuten  s.  Eckhel,  Doctr.  num.  3,  450 
p.  395—398.  Welcher,  Gr.  Trag.  2,  828—840.  und  aufser  den  daselbst  angeführten  Stellen 
Müller,  Bor.  1,  99,  1.  Lessing,  Dramaturgie  und  Münzen  mit  der  Legende  Magva.  FkJk 
36 — 50  (1,  289  —  400).  Ribbeck,  Rom.  Trag.  Epiphanius  Ancor.  p.  109  c:  Magväg  äovlog 
186  ff.  Scenen  aus  dieser  vortrefflichen  Tra-  'Aazsgiov  zov  Kggzbg  naga  Ta^uloig  (Marin. 
gödie  auf  Vasen  und  in  anderen  Bildwerken,  50  vit.  Prodi  19  p.  47  [p.  16  Boissonade]  Magväg 
Welcher  a.  a.  0.  835,  10.  0.  Jahn  b.  Ger-  ra^aiog)  auch  die  Inschrift  aus  dem  syrischen 
hard,  D.  u.  Forsch.  1854  n.  66.  Auch  Kanatha JuMccgvuzo)y.vgico,M'addiagtOH2iV2g. 
Ennius  schrieb  einen  Kresphontes ;  s.  Vahlen,  —  Kaisermünzen  von  Polyrrhenion  ( Kreta), 
Ennian.  poes.  rel.  p.  108  ff.  Ribbeck,  Trag.  lat.  auf  denen  unter  dem  lorbeerumkränzten  Haupte 
p.  25  ff.  Rom.  Trag.  186ff.  —  2)  Der  Sohn  des  Zeus  ein  Blitz  dargestellt  ist,  tragen  die 
deB  Kresphontes  nr.  1,  der  bei  Apollod.  u.  Paus.  Legende  TAN  (=  ZAN)  KPHTArENHX  TTOAYP 
Aipytos,  bei  Hyg.  f.  184  Telephontes  genannt  Eckhel  2,  301.  Head.  403;  dieselbe  Darstellung 
wird,  hiefs  in  der  erwähnten  Tragödie  des  Euri-  mit  der  Legende  TAN  KPETATENHI  IEPA  auf 
pides  Kresphontes,  was  schon  der  Titel  des  Kaisermünzen  von  Hierapytna,  Eckhel  2,  301. 
Stückes  bekundet,  Schol.  Aristot.  Eth.  Nie.  60  Head  p.  397.  Eine  kretische  Münze  des  Titas 
fol.  40b  (vgl.  Anecd.  Paris.  Vol.  1  p.  191,  3).  mit  der  Legende  Ze-ü?  Kg  inzay  e  v  rjg  stellt 
Epigr.  Cyzic.  in  Anthol.  Pal.  3,  5.  Müller,  Fr.  den  Gott  nackt  zwischen  sieben  Steinen  stehend 
hist.  gr.  3  p.  377,  7.  Nauck  a.  a.  0.  p.  395.  [Stoll.]  (vgl.  Bd.  1  Asterion)  und  den  Blitz  schleudernd 
Kressa  (Äp^öca),  1)  eine  Danaide,  mit  wel-  dar,  Eckhell,  301f.  Heady.  384.  382;  vgl.  auch 
eher  Apollon  die  Kureten  (s.  d.)  gezeugt  haben  Spanheim,  epist.  ad  Morell.  4  p.  239.  Zeus  Kreta- 
soll, Schol.  Tzetz.  Byk.  77  p.  369  Müller.  —  genes  auf  Münzen  von  Kydonia  s.  bei  Svoronos, 
2)  Beiname  der  Aerope  (s.  d.)  Eur.  Or.  18.  '£<pr;fi.  ägxceioX.  1889  p.  203  f.  Auf  zwei  Inschrif- 
1009.     Soph.  Aias  1295.     [Höfer.]  ten  aus  Mylasa  wird  ein  Priester  diog  Kgnzayz- 


1423                     Kretaios  Kretheus                     1424 

vovgr.al  Kovg-qzmv  erwähnt  (WaddingtO)i,  Inscr.  gemälde  nr.  1214,  p.  254),  das  den  Theseus  als 

d'Asie  min.  394.  406),   und   auf  einer  anderen  Erleger  des  Minotauros  inmitten  der  geretteten 

aus  dem  kretischen  Kydonia  liest  man  Zfjva  und  dankenden  athenischen  Jugend   darstellt, 

rbv  KgrjToyivi'a  (zur  Form  s.  Schmidt  in  Kuhns  ist  die  auf  einer  Erhöhung  sitzende  weibliche 

Ztschrft.  f.  vgl.  Sprachforschung  12  [1863]  221).  Göttergestalt    mit  Bogen,   Pfeil    und  Köcher, 

C.  I.  G.  2,  2554;    vgl.   auch  Mitt.  d.  deutsch.  deren  Kopf  leider  nicht  erhalten  ist,  mit  Jahn 

athen.  Inst.  14,  395,  s.  Kretaios.        [Höfer.]  a.  a.  0.;  vgl.  Baumeister  a.  a.  0.  1791  f.  gleich- 

Kretaios    (Kg^raios),     Beiname    des    Zeus  falls   als   Ortsgottheit  von  Kreta   aufzufassen. 

Steph.  Byz.  s.  v.  Tcifa;  vgl.  Iuppiter  Cretensis  Ferner  ist  Krete  dargestellt  kurzbekleidet,  vor 
Cic.  de  not.  deor.  3,  21,  53.    Schöl.  Germanic.  10  der  auf  einem  Altar  sitzenden  Pasiphae  stehend, 

Aratea  p.  59. 115  ed.  Breysig;  vielleicht  gehören  auf  dem  Belief  einer  etruskischen  Totenkiste, 

auch  hierher  die  Münzen  von  Aigion  in  Achaia  Bochette,  Mon.  ined.  67,  1.   Jalin  a.  a.  0.  —  Auf 

mit    der  Legende   KPHTAIOI,    die    den    Zeus  einem  Sarkophagfragment  im  Palazzo  Albani 

nackt.,  aufrecht  stehend  und  den  Blitz  schleu-  mit  der  Darstellung  der  Arbeiten  des  Herakles 

dernd   darstellen;  Näheres  bei  Eckhel,  JDoctr.  (Zoega ,  Bassir.  1,  75.  2,  53,  3S.    Matz-Duhn. 

num.  2,   236.    302;    vgl.    auch    Henry  chenrski,  Antike  Bildwerke  in  Born  p.  248,  nr.  2S79)  ist 

De   Iove    Cretico    Gymnas.-Progr.   Inowrazlaw  bei   der  Bändigung   des   kretischen  Stieres  in 

1879  (wertlos);  J.  Ehni,  Zeus  Dodone'en,  Zeus  der   am   Boden   liegenden   weiblichen   Gestalt 

Crc'tois  etc.  Genf  1880;  vgl.  Kretagenes.  —  (Eine  vielleicht  mit  Zoega  die  Heroine  Krete  zu  er- 
Münze des  Postumus  trägt  die  Legende  Herculi  20  kennen.     Vgl.  Kreta.     Höfer.]     [StolL] 

Cretensi  Eckhel,  Doct.  num.  7,  443.1   [Höfer.]  Kretheides    (K^ri&stSris),    11  Aison,    Apoll. 

Krete  (Kgfjzr]).  1)  eine  hesperidische  Nymphe,  Bhod.  3.  357.  —  2'  Jason,   Tal.  Flacc.  6.609. 

nach  welcher  Kreta  benannt  war.    Steph.  B.  —  3)  (Kgr,&s'i'äac'i  Neleus  (oder  Aison),    Pind. 

s.  v.  Plin.  H.  X.  4,  12,  20.    [Des  Plinius  Ge-  Pyth.  4,  152  (270).     [Höfer.] 

währsmann  ist  Dosiades,  derselbe  auch  bei  Solin.  Kretheis  (Kgrfiijtc).  1)  Hippolyte.  Tochter  des 

11,  5  p.  Sl  Mommsen.  Höfer.]  —  2)  Tochter  des  Kretheus  (s.  d.\  die  Gemahlin  des  Akastos  (Kgij- 

Asterios,  Gemahlin  des  Minos  ,  Asklepiades  b.  S'sis,  Find.  Xem.  5.  261,  nennt  Schol.  Pind.  Xem. 

Apollod.  3,  1,  2.  —  31  Tochter  des  Deukalion,  4,  SS  und  5,  (26)  46  Kretheis.  Tochter  des  Hippo- 

Schwester  des  Idomeneus,  Apollod.  3,  3,  1.  —  lytos;  vgl.  Schol.  Ap.  Bh.  1,  224:  Kretheis  oder, 
1)  Von  Helios  Mutter  der  Pasiphae,    der  Ge-  30  wie  manche   sagen,  Hippolyte,   Gemahlin  des 

mahlin    des    zweiten    Minos.    Diod.  4,  60.  —  Akastos  (s.  d.\  —  2)  Nymphe,  Suid.  v.  Kgrjdsvs. 

5)  Tochter  eines  Kureten,  heiratete   den  nach  S.  Kritheis  u.  Kritheus.     [Stoll.] 

Kreta  geflüchteten  Amnion,  der  sich  hier  eine  Kretheus  (SgTj&svs),    1)   Sohn   des    thessa- 

Herrschaft  gründete  und  der  bisher  Idaia  ge-  lischen  Aiolos  und  der  Enarete  (oder  der  Lao- 

nannten  Insel  nach  ihr  den  Namen  Kreta  gab,  dike,  Schol.  Od.  11,  237),  Bruder  des  Sisyphos, 

Diod.3,  71.  —  6)  Nymphe,  Schwester  der  Aia,  Athamas,    Salmoneus,     Dei'on.    Magnes    und 

Et.  M.  27,  24.  —  7i  Mutter  des  Kar  von  Zeus.  Perieres,    zeugte  mit   Tyro,    der  Tochter  des 

Ael.  n.  a.  12,  30.  [ —  S)  Die  Heroine  der  Insel  Salmoneus.  den  Aison,  Pheres  und  Amythaon, 

Krete,    durch  Beischrift   (Bulletino   1S68,   35)  Hom.  Od.  11,  235 ff.  25S.     Apollod.  1.  7,3.    1, 
bezeichnet,  ist  auf  der  Talosvase  [Bull.  Xap.  *o  9,  11.    Ap.  Bh.  3,  358  ff.    Schol.  Ap.  _R7i.  1, 49. 

3,  2,   6;    4,   6.      Arch.   Ztg.    1S46    Taf.  44.  45.  1,  121.  143.     2,  1162.  p.  532,  34  Keil.    Paus.  5, 

Baumeister,    Denkmäler    nr.    1804    p.   1722f.1  S,  1.     Hesiod  (fr.  23  Behrs)  b.  Tzetz.  L.  2S4  u. 

..epheubekränzt  im  wallenden  Gürtelkleide  mit  Schol.  Pind.  Pifth.  4,  252.      Schol.   Od.  10,  2. 

gesticktem    Überwürfe    dargestellt",    wie    sie  Neleus  und  Pelias,    welche  Tyro   vorher  von 

fliehend  in  höchster  Erregung  nach  dem  ster-  Poseidon    geboren,    waren    seine    Stiefsöhne, 

benden  Talos  zurückschaut,  Heydemann.  Arch.  Od.  11,  235  ff.     Paus.  4,  2,  3.     9,  36,  4.     Hag. 

Ztg.  26  (186S1,  65.    Dieselbe  Göttin  haben  wir  f.  12.     Tzetz.  B.  175.  872.    Diod.  4,  6S.    Scl'wl. 

auf  einer   rotfigurigen  Vase  des  Mus.  Naz.  zu  Od.  12, 69.  Auch  Talaos,  der  Vater  des  Adrastos, 

Neapel   (Heydemann   nr.  1767)    in  der  hinter  heilst  sein  Sohn,  Antimachos  b.  Paus.  S,  25,  5. 
Daidalos    (der    dem  Ikaros    —   neben   diesem  50  Eine    Tochter     des     Kretheus     ist    Hippolyte 

steht  Athene  —  eben  die  Flügel  angelegt  hat)  (Kretheis),  Gemahlin  des  Akastos,  Pind.  Xem. 

sitzenden  Frauengestalt  in   Schuhen,   Chiton,  5,  26.    4,  57;  Myrina,  die  Gemahlin  des  Leni- 

Kopftuch   und   Schmuck  zu  erblicken,   die  in  niers  Thoas,  Schol.  Ap.  Eh.  1,  601.    Seine  Ge- 

der  vorgestreckten  Hechten  eine  Schale  hält,  mahlin  heilst  Demodike  oder  Biadike  b.  Hag. 

während   sie  mit  der  Linken   den  Zipfel  ihres  P.  Astr.  2,  20.     Er  war  Stammvater  der  thes- 

Mantels  über  die  linke  Schulter  zieht;  dagegen  salischen  Minyer,  Gründer  von  Iolkos,  Apollod. 

wollte    Panofka ,   ZuftuchtsgottheiUn   284,    iu  1,  9,  11.     Tzetz.  L.  175,    oder   er    setzte  sich 

dieser  Gestalt  Artemis  Ikaria  erkennen.   Ferner  dort     fest     nach    Vertreibung     der    Pelasger, 

ist  die  Heroine  Krete   gleichfalls  bei  der  Be-  Schol.  II.  2,  591.    Müller,  Orchom.  254.   Prefler, 
flugelung   des  Ikaros    neben  Daidalos    gegen-  co  Gr.  Mytlt.2,SXii.    Gerhard,  Gr.  Myth.2  §653. 

wärtig  auf  einer  Gemme  {Mus.  Borb.  2,  28,  11  Deimling,    Beleg.    133.    227.     [Toepffer,    Att. 

sitzend,  in  leichter  Jägertracht  mit  Stiefeln.  Geneal.  181  i.    Röscher.]    [Vgl.  ferner  Pindar. 

phrvgischer    Mütze,    Bogen    und    Köcher,    0.  Path.  4,  143  (251).  EuripidesheiDicaearch.de 

Maller,  Handbuch  d.  Archäol.-  418.  1  p.  664.  statu  Graec.  22  (fr.  14).    Schol.  Apoll.  Bhod.  3, 

0.  Jahn,  Arch.  Aufs.  240  Anm.  9.     Auf  dem  359.  4,  1781.    Schol.  Tlieokrit.  3,  43.  45.    Val. 

campanischen  Wandgemälde  (Pitt,  di  Erc.  1,  5  Flacc.  Arg.  1,  42.  740.  2,  612.  5.  477.  S,  112. 
p.  25  Mus.  Borb.  10,  50.  Baumeister,  Denkmäler      Mythogr.  Bat.  2,  134,  p.  120  ed.  Bode.    Steph. 

nr.  1876  p.  1792.   Litteratur  bei  Heibig,  IVand-  Byz.  s.  v.  $sgai.    Bhianos  bei  Steph.  Byz.  s.  v. 


1425                   Krethiades  Kreusa                       1426 

'Afiv&aovia.     Pott  in  Kuhns  Ztschrft.   f.   vergl.  verheifsen.  Doroa  und  Achaios  geboren,  Eurip. 

Sprachforsch.  8  (1859),  174.  Höfer.]  —  2)  Ein  a.  a.  0.  1590  ff.  Apollod.  3, 15,  1,  3  (bei  Apollod. 

Kreter,   mit  dessen  Tochter  der  in  Kreta  ein-  1,  7,  3    wie  Paus.  7,  1,  2    wird    Ion    ungenau 

gewanderte  Tektamos,   Sohn  des  Doros,   den  als  Sohn  des  Xuthos  und  der  Kreusa  bezeichnet). 

Asterios  zeugte,  Diod.  4,  60.  —  3)  Ein  Genosse  IJctiSeg   £v£rfioio  Kgiovßrjg  heifsen  die  Ionier, 

des  Aeneas,  Freund   der  Musen,   von  Turnus  Nikanä.    Älexiph.  9,   vgl.    d.   Schol.     S.    auch 

erlegt,   Verg.  Aen.  9,  774.  —  4)   Ein  tapferer  Welcher,  Die  griech.  Tragödien  \,Z0\S.  2,  725ff. 

Arkader    auf   Seiten    des    Aeneas    im   Kampfe  —  Hermes    zeugte   mit  Kreusa   den   Kephalos 

gegen  Turnus,  von  diesem  getötet,  Verg.  Aen.  nach  Hygin  fab.  160.  [Vgl.  Toepffer.  AU.  Gen. 
12.  538.     [Stoll.]     Vgl.  Kritheus.                           10  257  und  Bd.  1  Sp.  2590  Z.  12f.   Curtius,  Griech. 

Krethiades   (Kgri&iüSrig),    Talaos    als    Sohn  Gesch.  V\  288.    Zur  Kreusa  in   des  Euripides 

des  Kretheus,  Dichter  der  Thebais  bei  Paus.  Ion  vgl.  Robert,  Jahrb.  d.  Kais.  I).  arch.  Inst. 

8,  24,  9.     [Höfer.l  2  (1887),  248.   Toepffer  a.  a.  0.  26S:  zur  Kreusa 
Kretho  (Kgri^rw),  eine  der  melischen  (Hesiod.  des  Sophokles  s.  Welcher,  Griech.  Trag.  1,391  ff. 

Theog.    187)    Nymphen.      Tzetz.    Theog.    102.  Toepffer  a.  a.  0.  268,  Anm.  1.     Kreusa  heifst 

Anecd.  Matranga  2,  580.     [Höfer.]  Tochter  des  Erechtheus  ferner  bei  Iambl.  vit. 

Kretlion  (Kgrj&wv),   Sohn   des   Diokles    aus  Pythag.  34,243  p.  169  Nauck;  Schol.  Aristid. 

dem  messenischen  Phere,  Zwillingsbruder  des  p.  28  Dindorf;  Tochter  des  Erechtheus,  Gattin 

Orsilochos  (Ortilochos),   mit  diesem  vor  Troja  des  Xuthos,  Mutter  des  Ion  und  Achaios;  Schol. 

von  Aineias  erschlagen,  II.  5,  542  ff.    Paus.  4,  20  Hom.  II.  1,  2.    Conon.  narr.  27.    Dafs  sie  von 

30,   2.     Tzetz.,    Homeric.    80.     [Tzetz.  arg.  et  Apollon  den  Ion  gebar,  sagen  ferner  Steph.  Bgz. 

alleg.  Iliad.  5,  77   in  Anecd.  Matranga  1,  68.  s.  v.  'icovCa  p.  343;   Schol.   Plat.  Euthyd.   453, 

Höfer.l     [Stoll.]  1 5  p.  369  Beider.  Schol.  Nikand.  Alexipharm.O. 

Kretis  {Kgrjtig).    Gorgones filiae  Phorci  Schol.  Arist.  Av.  1527.    Schol.  Arist.  Nub.  1468. 

et    Cretidis    Nymphae,    uno    invicem    oculo  Schol.  Aristid.  p.  28.  86  Dindorf;   vgl.  Vitruv. 

utentes,    Mythogr.  Tat.  2,   112,   p.  112   Bode.  4,1,4.  Aur.  Victor  de  orig.  gent.  Rom.  2.   Merk- 

Wie   man   sieht,    sind   Gorgonen    und    Graien  würdig  ist  Schol.  Hom.  II.  2,  107  (Anecd.  Ma- 

vermengt    worden.     Ist    statt    Cretidis    viel-  tranga  2  p.  461)  'Atgsvg  —  s%cav   I«  'Psovang 

leicht  Crataeidis  zu  Scheiben?  —  Nyruphae  (Kgsoveng)  rr/g  'Epf^fcos  &vyargög,  rj  cos  Tivtg 

Cretides  bei  Ovid.  Fast.  3,  444.     [Höfer.]            30  Tilsarogog,  Tj'Asgönrjg  rf,g  'Axgpiiicog  (Katgicag?) 

Kreusa  (Kgzovea),  1)  Tochter  der  Ge,  eine  'Ayau.ift.vova   liui.Mevilaov.     Über  die   Kgiov- 

thessalische  Na'is,   welche  dem  Flufsgotte  Pe-  ar\g  naideg  'Pä%iog  v.al  Klagog   bei   Euteknios 

neios    im    Pindosgebirge    den   Lapithenkönig  Paraphr.  Nikand.  Alexipharm.  11  s.  0.  Immisch, 

Hypseus    und    die    Stilbe    gebar,    Find.  Pyth.  Klaros,  Fleckeisens  Jahrbücher  17  (1890),  137. 

9,  1 5f.  u.  d.  Schol,  Diod.  4,  69.  Auf  eine  sonst  —  Nach  dem  Mythographen  bei  Westermann 
nicht  bezeugte  Sage,  nach  welcher  Peneios  p.  345  (vgl.  Paradox,  ed.  Westermann  p.  219) 
die  Kreusa  vor  Xanthos  (Xuthos  Heinsius),  töteten  sich  Kreusa  und  Chthonia  (vgl.  Photius 
dem  sie  versprochen  gewesen,  in  Phthia  ver-  397,  7.  Apostol.  14,  7)  aus  Schmerz  über  die 
borgen  habe,  spielt  Ovid  Amor.  3,  6,  31  an.  —  Opferung  der  Prokris  selbst.  —  Über  die  Dar- 
2)  Tochter  des  Erechtheus  und  der  Praxithea,  40  Stellung  der  Kreusa  neben  Erechtheus,  Erich- 
Apollod.  3,  15,  1  (Kekropstochter  nach  Schol.  thonios  und  Praxithea  am  Parthenonfriese  s. 
Apoll.  Ehod.  1,  211).  Beim  Opfertode  der  Welcher,  Arch.  Ztg.  10  (1852),  493;  vgl.  jedoch 
übrigen  Erechtheustöchter  im  eleusinischen  auch  Bd.  1  Sp.  1300  Z.  27  ff.  —  Auf  einer 
Kriege  gegen  Eumolpos  wurde  sie  geschont,  rotfigurigen  attischen  Lekythos  (abgeb.  Elite 
da  sie  sich  noch  im  zartesten  Kindesalter  be-  ce'ram.  2,  pl.  19  p.  47  f)  ist  vielleicht  die  dem 
fand,  Eurip.  Ion  277  ff.  Phanodemos  nannte  Apollo  kredenzende  Kreusa  dargestellt;  doch 
sie  unter  den  sechs  von  ihm  aufgezählten  deutet  Heydemann,  Mittheilungen  aus  d.  An- 
Erechtheiden  an  vierter  Stelle  (Suid.  s.  v.  tikensammlungen  in  Ober-  u.  Mittelitalien,  3., 
nag&ivoi,  F.U.  ff.  1,  366),  ApoTlodoi\_  a.  a.  0.  Höllisches  Winlcelmanwprogr.  p.  57,  nr.  1396  die 
weist  ihr  unter  vier  die  zweite  an.  Über  den  50  Frauengestalt  nicht  als  Kreusa,  sondern  als 
Tod  ihrer  Schwestern  s.  Schoemann,  Scholia  Artemis;  vgl.  auch  Elite  ce'ram.  a.  a.  0.  pl.  13 
inEurip.  Tonern  part.  4  (Opusc.  academ.  4,  HOf.)  (=  Gerhard,  Vasenb.  Taf.  24),  p.  13.  112f.  116). 
u.  d.  Artikel  Erechtheus.  Nachdem  Kreusa  zur  Kreusa,  das  Orakel  nach  dem  Schicksal  ihres 
Jungfrau  herangewachsen  war,  erlitt  sie  in  ausgesetzten  Sohnes,  des  Ion,  befragend  ist 
einer  Höhle  an  der  Nordseite  der  Akropolis  nach  lenormant-de  Witte,  Elite  ce'ram.  a.  a.  0. 
Gewalt  von  Apollon  und  gebar  den  Ion,  p.  142 f.  vielleicht  auf  dem  a.  a.  0.  pl.  46  ab- 
Eurip.  Ion  10  ff.  283  ff.  und  die  Eypothesis.  gebildeten  Vasengemälde  zu  erkennen.  Eine 
Das  Kind  setzte  sie  an  derselben  Stelle  in  wohl  auf  Eur.  Ion  1255  ff.  zurückgehende 
einem  Korbe  aus  (später  befand  sich  da-  Darstellung  auf  einer  Oinochoe  aus  Nola 
selbst  ein  Heiligtum  des  Apollon,  Paus.  1,  60  zeigt  Kreusa  langbekleidet  und  langgelockt 
28,  4),  Hermes  brachte  es  auf  Apollons  Be-  auf  einem  Altar  sitzend;  ihre  beiden  entblöfs- 
fehl  nach  Delphi,  wo  es  von  der  Priesterin  ten  Arme  streckt  sie  gegen  den  mit  dem 
erzogen  wurde.  S.  d.  Art.  Ion.  Kreusa  heiratete  Schwert  auf  sie  einstürmenden  Jüngling  (Ion) 
den  Xuthos,  der  ihre  Hand  zum  Lohne  für  aus;  dazwischen  steht  der  lorbeerbekränzte, 
Kriegsdienste  gegen  Euboia  erhielt.  Anfang-  gelockte  Apollon  im  Mantel,  Arch.  Ztg.  10  (1852) 
lieh  blieb  die  Ehe  kinderlos,  nach  einer  Wall-  Taf.  37,  1.  2  und  Gerhard,  ebenda  p.  401ff. 
fahrt  nach  Delphi,  woselbst  Kreusa  ihren  Sohn  Höfer.]  —  3)  Tochter  des  korinthischen  Königs 
wiederfand,    wurden  dem  Paare,    wie  Athena  Kreon.     S.  Glauke  nr.  4.    Mit  ihr   ist  Schol. 


1427 


Kreusa 


Kreusa 


1428 


Eurip.  Med.  19  die  athenische  Kreusa  ver- 
wechselt. Vgl.  F.  HG.  1,  361.  [Vgl.  ferner 
Plut.  de  amic.  mult.  7.  Paulus  Silentiar.  Anth. 
Pal.  5,  288.  Gaetulicus  ebenda  11,  411.  7,  354. 
Philippos  in  Anth.  Planud.  137.  Schal.  Für. 
Med.  405.  Seneca  Med.  495.  50S.  817.  922. 
Prop.  3,  8  (16),  30.  14  (21),  12.  Hör.  epod. 
5,  64.  Ovid.  Heroid.  12,  53 f.  Schol.  Stat.  Theo. 
5  p.  234.  237  ed.  Oruceus.  Ihr  Schicksal  ward 
in  Tänzen  dargestellt,  Luc.  sah.  42;  vgl.  80.  In 
betreff  der  Bildwerke,  die  ihren  Untergang 
darstellten,  ist  zu  verweisen  auf  Kreon  nr.  1. 
Auf  den  dort  erwähnten  Sarkophagen  ist  auch 
die  Überreichung  der  Hochzeitsgeschenke  an 
Kreusa  durch  die  Kinder  der  Medeia  dargestellt, 
Näheres  bei  v.  Urlichs  a.  a.  0.  [s.  Kreon  nr.  1] 
p.  9f.  Dilthey,  Annali  1S69,  5ff.  Matz-Duhn, 
Antike  Bildwerke  in  Born  2,  nr.  3163,  p.  367. 
Baumeister,  Denkmäler  p.  906.  Auf  drei  Sarko- 
phagen, unter  diesen  auf  dem  gleichfalls 
oben  erwähnten  Medea-Sarkophag  Lancelotti, 
ist  die  Vermählung  Iasons  mit  Kreusa  dar- 
gestellt. Dafs  auf  diesen  Darstellungen  nicht 
Medea,  wie  Stephan! ,  Compte  rendu  1861,  90 
Anm.  1  wollte,  als  Braut  zu  denken  ist,  er- 
hellt daraus,  dafs  sie  auf  einem  Relief  mit 
ihren  Kindern  selbst  zugegen  ist,  um  Ein- 
spruch gegen  die  Vermählung  zu  erheben, 
Baumeister  a.  a.  0.  —  Auf  dem  bei  Millingcn, 
Vases  grecs  pl.  41  =  Lenormant-de  Witte, 
Elite  des  Monuments  ceramogr.  4,  pl.  87  ab- 
gebildeten Vasengemälde  wollte  Fanofka, 
Neapels  antike  Bildtv.  nr.  59,  p.  353  f.  in  der 
auf  einem  reich  verzierten  Throne  sitzenden 
Frau  in  Schuhen,  Chiton  und  Kopfschleier,  die 
traurig  den  Kopf  senkt,  Kreusa  erkennen,  da- 
gegen ist  es  nach  Heydemann,  Die  Vasen- 
samml.  d.  Musco  Nazion.  zu  Neapel  no.  2900, 
p.  435  Aphrodite.  Höfer.]  —  4)  Tochter  des 
Priamos  und  der  Hekabe  (Apollod.  3,  12,  5. 
Hygin  fab.  90),  Gemahlin  des  Aineias.  Als 
solche  wurde  von  Lesehes  und  den  Kyprien 
Eurydike  bezeichnet ;  in  der  Beschreibung  der 
polygnotischen  Gemälde  in  der  delphischen 
Lesche  nennt  sie  Pausanias  10,  26,  1  Kreusa. 
Daselbst  war  sie  unter  den  gefangenen  Troerin- 
nen dargestellt.  Wie  sie  auf  der  Flucht  aus 
dem  brennenden  Troja  von  dem  Gemahle  ge- 
trennt wurde,  beschreibt  Vergil  Aen.  2,  736  ff. 
Als  er  nach  der  Stadt  zurückgeeilt  war,  um 
sie  zu  suchen,  erschien  ihm  ihr  Schatten  und 
verkündete,  dafs  die  grofse  Göttermutter  sie 
ihm  entrissen  habe,  788.  Auch  Aphrodite 
wurde  hieran  beteiligt  gedacht,  Paus.  a.  a.  0. 
S.  d.  Art.  Aineias.  —  Eine  andere  Version 
der  Sage  ist  hei  Lykophron,  Alex.  1263ff.  er- 
wähnt (vgl.  die  Schal,  und  Tzetzes  z.  d.  St. 
Aelian  Vur.  Hist.  3,  22),  nach  welcher  Aineias, 
dem  von  den  Siegern  die  Wahl  gelassen  ist, 
sein  Liebstes  mit  sich  zu  nehmen,  Weib  und 
Kinder  im  Stich  läfst  und  die  väterlichen 
Heiligtümer  sowie  seinen  greisen  Vater  rettet. 
Askanios  und  Euryleon  werden  in  den  Scholien 
a.  a.  0.  seine  und  der  Kreusa  Söhne  genannt. 
Der  in  dieser  Weise  berichtete  Hergang  wurde 
wohl  so  in  der  Gründungssage  von  Ainea  auf 
der  Chalkidike  überliefert,  einer  Kolonie  der 
Korinther,  da  Tzetzes  a.  a.  0.  die  auf  Aineias 


zurückgeführte  Ktisis  der  Stadt  und  den  dort 
erfolgten  Tod  des  Anchisea  im  unmittelbaren 
Anschlufs  mitteilt.  [Vgl.  ferner  Dion.  Hai. 
3,  31.  Liv.  1,  3,  2.  Aelian.  not.  an.  11,  16. 
Appian.  reg.  1.  Tzetz.  Theog.  407.  464.  515. 
Anecd.  Matranga  2  p.  591.  593.  595.  Georg. 
Cedren.  1  p.  23S  ed.  Bonn.  Johannes  Sikeliota 
ed.  Stary,  Jahresber.  d.  k.  k.  ersten  Staats- 
Gymnas.    Graz  1892,  p.  11.     Mythogr.  Bat.  1, 

10  204,  p.  63  Bode;  nach  Conon  narr.  41  zeugte 
Apollon  mit  der  Kreusa  den  Anios  (s.  d.).  — 
Bobert,  Arch.  Ztg.  37  (1S79),  23  findet  es  mehr 
als  unwahrscheinlich,  dafs  Polygnotos  mit  der 
Kreusa,  welche  er  auf  der  Iliupersis  in  Delphi 
unter  den  gefangenen  Troerinnen  malte,  die 
Gemahlin  des  Aineias,  wie  Paus.  10,  26,  1  an- 
nimmt, gemeint  habe;  denn  für  das  ionische 
Epos'  ist  die  Benennung  Kreusas  nirgends  be- 
zeugt;   vgl.  auch  Beth'e,  Vergilstudien ,  Ehem. 

20  Mm.  46  (1891),  518  Anm.  1.  Auch  Ennius  fr. 
34  Vahlen  (Cic.  de  div.  1,  20,  40  v.  3  nennt 
die  Gattin  des  Aineias  Eurydike.  Dargestellt 
ist  Kreusa  auf  einer  altertümlichen  Münze 
(Tetradrachrnon)  von  Aineia  in  Makedonien 
(Friedländer,  Monatsber.  d.  Beil.  Akad.  1878, 
759ff.  E.  Curtius,  Sitzungsber.  d.  Akad.  d. 
Wiss.  1882,  947.  Zeitschrift  für  Numism.  7, 
221.  Imhoof-Blumer,  Monn.  grecqu.  p.  62  nr.  6. 
Baumeister,    Denkmäler  nr.  1015  p.  937):   sie 

30  schreitet  vor  dem  den  kahlköpfigen  Anchises 
tragenden  Aineias  in  hastiger  Flucht  mit  em- 
porgeraft'tem  Gewände  einher  und  wendet  den 
Kopf  zu  der  ihr  folgenden  Gruppe  zurück;  auf 
ihrer  linken  Schulter  trägt  sie  ein  kleines 
Kind,  das  aber  höchst  wahrscheinlich,  wie 
Bobert,  Arch.  Ztg.  37  (1879),  24  nachweist, 
wegen  des  langen  Chitons,  womit  es  bekleidet 
ist,  nicht  ihr  Sohn  Askanios  ist,  sondern  eine 
der  Töchter  des  Aineias,    als  welche  Anthe- 

40  mone  (s.  d.),  Etias  (s.  d.)  und  Kodone  (s.  d.) 
genannt  werden.  Auf  einer  schwarzfigurigen 
Vase  von  Nola  (Elite  ce'ram.  1  p.  1S4,  2.  Annali 
1865,  374.  Bidletino  1S69,  145,  1.  Arch.  Ztg. 
1S79,  24  Anm.  3.  Furtwängler,  Berl.  Tasenkat. 
1S62)  schreitet  Kreusa  vor  dem  kleinen  As- 
kanios —  nach  Heydemann,  Hiupersis  31 
Anm.  1  ist  diese  Figur  nicht  Askanios,  sondern 
Personifikation  der  mit  Aineias  flüchtenden 
Troermenge    — ,    der   dem   Vater   vorausgeht, 

50  einher  im  Chiton  ohne  Ärmel,  den  Kopf  um- 
wendend, die  Linke  erhebend  und  mit  der 
Rechten  einen  langen  Stab  haltend;  doch  ist 
auf  dieser  Vase  nur  ihr  Oberkörper,  bis  zur 
Taille  sowie  ihre  Füfse  antik;  eine  ähnliche 
Darstellung  auf  einer  Amphora  aus  Vulci,  Brit. 
Mus.  nr.  595.  Auf  anderen  Darstellungen  (vgl. 
Ovcrbeck,  Heroengal.  656 ff.  Heydemann,  Hiu- 
persis 31  f.)  folgt  sie  dem  Aineias;  vgl.  Bau- 
meister a.  a.  0.  p.  31;  auf  einer  schwarzfiguri- 

60  gen  Vase  (Gerhard,  Auserl.  Vas.  Taf.  231,  1. 
Baumeister  a.  a.  0.  nr.  32)  steht  sie  noch  still 
hinter  dem  ausschreitenden  Gatten,  ihr  gegen- 
über steht  Aphrodite  und  scheint  ihr  Mut  ein- 
zusprechen. Über  Kreusa  auf  der  Tabula  Diaca 
s.  Mus.  Capit.  Tom.  4  P.  2  p.  354.  Baumeister 
a.  a.  0.  nr.  775  Taf.  13,  102  p.  719;  auch  hier 
folgt.  Kreusa  dem  Aineias,  während  Hermes 
als  Begleiter  vorausgeht.     Noch  andere   Dar- 


1429                      Kriasos  Krinis                       1430 

stellimgenderflüchtendenKreusas.bei/S'fe/)7jfiMM,  Krieg,  d.  i.  die  Personifikation  des  Krieges, 

Compterendu  1861,  73  und  die  dort  angegebene  s.  Bellum. 

Litteratur:  Gerhard,  Auserl.  Vasenbild.  Tut.  217.  Krimisa  (Kgiy.iGU,  Kgi'fiieaa),  Nymphe,  nach 

Overbecl:  Heroengall.  Taf.  27, 12;  ferner  Lenor-  welcher  die  Stadt  Krimisa  in  Unteritalien  be- 

mant-de  Witte,  Elite  des  Monuments  ceramogr.  nannt  war,  Steph.  B.  v.  Kgi'fiiaa.     [Stoll.] 

1  p.  184  m\  2  (Amphora  der  Sammlung  Torrusio  Krimisos  (Kgi/naög,  Kgiutaaog),  1)  Flufsgott 
in  Neapel).  0.  Jahn,  Beschreib,  d.  Vasens.  in  Sicilien,  der  in  der  Gestalt  eines  Bären 
König  Ludwigs  nr.  903  p.  290f.  nr.  1118  p.  325.  oder  Hundes  mit  der  nach  Sicilien  gelangten 
Kreusa  den  nach  ihr  den  Kopf  zurückwenden-  Troerin  Bgesta  oder  Segesta  den  Akestes 
den  flüchtigen  Aineias  anflehend,  in  Troia  zu  10  (Aigestes,  Egestos)  zeugte,  den  Gastfreund  des 
bleiben,  auf  einem  Relief  im  Museum  zu  Catajo,  Aeneas,  Verg.  Aen.  5,  38.  Serv.  Verg.  Aen.  1, 
Heydemann,  Mitteil.  a.  d.  Antikensamml.  in  550.  5,  30.  Tsetz.  L.  471.  953.  Hyg.  f.  273 
Ober-  u.  Mittelitalien,  3.  Haitisches  Winclcel-  p.  170  Bunte.  Vergil  und  Hygin  schreiben 
mannsprogr. p. 20  zu  nr.  111.  Die  von  Christodor.  Crinisus;  [vgl.  Bd.  1  S.  143  Z.  83  ff.  S.  2692 
ecphras.  147  beschriebene  Statue  der  Kreusa,  Z.  33ff.  und  ferner:  Mythogr.  Lat.  1,  137  p.  44 
welche,  den  Untergang  Trojas  beweinend,  ihr  ed. Bode2,  193  p.  138.  Alysaxaioi . .  cor  nognaxa 
Haupt  verhüllte,  war  vielleicht  in  Erinnerung  xai  rov  Kgifiiaabv  xal  zbv  T^X^iaabv  ävSgäv 
an  die  Erzählung  Vergils  gebildet,  Baumeister  si'äst  Tt-fiäaiv,Ael.i'.h."2,3S.  Höchst  wahrschein- 
a.  a.  O.  31,  r.  u.  Nicht  zugänglich  war  mir  lieh  ist  der  Flufsgott  Krimissos  dargestellt  auf 
M.  Ihm,  Die  Flucht  des  Aineias,  Jahrb.  des  20  Münzen  von  Segesta,  deren  Vorderseite  das 
Ver.  f.  Altertumsfreunde  im  Eheini.  Heft  93.  —  Haupt  der  Segesta  tragen;  er  ist  gebildet  als 
5)  Gemahlin  des  Kassandros,  eines  Bundes-  jugendlicher,  unbekleideter  Jäger,  von  zwei 
genossen  der  Troer  aus  Karien,  und  Mutter  Hunden  begleitet,  trägt  zwei  Wurfspiefse  in 
des  von  Neoptolemos  getöteten  Menes,  Quint.  der  Linken  und  stellt  den  linken  Fufs  auf 
Smyrn.  8,  22.  —  6)  Auf  einer  Vase  der  Baccolta  einen  Felsblock,  Head,  Mist.  num.  p.  145  nr.  89  ; 
Cumana  nr.  239  {Heydemann,  Hie  Vasensamm-  vgl.  auch  Eclchel,  Hoctr.  num.  1,  208.  234. 
lungen  des  Museo  Nasion.  zu  Neapel  p.  884),  Wolters,  Rom.  Mitteil.  4  (1889),  37  Anm.  3.  Sehr 
auf  welcher  der  Kampf  der  Amazonen  gegen  oft  erscheint  er  auf  Münzen  von  Segesta  in  der 
die  Griechen  unter  Theseus  dargestellt  ist,  ist  Gestalt  eines  Hundes  (Vorderseite:  das  Haupt 
der  einen  Amazone  der  Name  KPEOSA  bei-  30  der  Segesta),  Head  a.  a.  0.  p.  144  nr.  88p.  145  f. 
geschrieben;  sie  trägt  Chiton,  Panzer,  Wehr-  Catal.  of  the  Greelc  coins  in  theBrit.  Mus.  Sicily 
gehänge  und  Helm,  in  der  Bechten  die  Lanze;  p.  130 f.  Höfer.]  —  2)  Ein  Begleiter  des  Dio- 
auf  der  Flucht  hingestürzt  blickt  sie  um  und  nysos,  Nonn.  Dionys.  32,  234.  [Stoll.] 
erhebt  gegen  den  sie  verfolgenden  Phylakos  Krinakos  (Kgtvaxog,  wohl  =  Kgrjvuxog ;  vgl. 
(vgl.  Toepffer,  Att.  Geneal.  256)  zum  Schutze  Krinis,  Krinoeis),  Sohn  des  Zeus,  Vater  des 
den  Schild;  s.  auch  C.  I.  G.  4  praef.  p.  XVIII;  nach  Lesbos  gewanderten  Makareus  von  Olenos 
Klügmann,  Amazonen  51  und  die  von  Hey  de-  in  der  las,  dem  späteren  Achaia:  Hesiod.  frg.95 
mann  a.  a.  0.  885  angegebene  Litteratur.  KL  aus  Hiodor.  5, 81.  Da  Lesbos  die  eigentliche 
Dümmler,  Jahrb.  d.  Kais.  Deutsch,  arch.  Inst.  Manugog  nolig  ist  (II.  Sl  544),  wird  man  dort 

2  (1887),  173  Anm.  17  hebt  hervor,  dafs  die  40  die  Lokalisierung  versuchen  dürfen.  Dem  aus 
Namen  von  drei  der  Amazonen  —  Kreusa,  der  messenischen  Makarie  über  die  arkadische 
Klymene  und  Aristomache  ■ —  auf  Polygnots  (über  die  las)  und  über  Boiotien,  wo  an  Thebai 
Iliupersis  (Paus.  10,  26,  1)  Priamostöchtern  (s.  der  Name  Mcfudgoiv  vtjool  haftet,  nach  Lesbos 
aber  oben  den  Nachtrag  zu  Kreusa  4)  bei-  einwandernden  Makareus  (s.  d.  und  Philol. 
gelegt  waren.  —  7)  Etym.  M.  217,  26  Bvtüvziov  N.  F.  2  1889  p.  122  ff.;  vgl.  Armcnidas  bei 
.  .  sxlrför]  emb  Bvgavtog  rov  Kgsovang,  rrjg  Suidas,  F.  H.  G.  4,  339,  3)  würde  ganz  korrekt 
'Iovg  ftvyargbg  %ul  IlootiSoivog,  ist  statt  Kgs-  ein  lesbischer  Eponymos  K.  als  Vater  vor- 
ovang  zu  lesen  Ks gos dang;  vgl.  Bd.  1  Sp.  S41  gesetzt  sein.  An  die  boiotische  Zwischen- 
Z.  15  und  den  Artikel  Keroessa.    Höfer.]  Station  erinnert  eine  andere  Genealogie,  Schol.  V 

[J.  Ilberg.]  50  zu  II.  Sl  544:  K.  Vater  des  Makar,  Sohn  der 

Kriasos  (Kgiaaog),  1)  Sohn  des  Argos,  dessen  Alkyone,   vom  Poseidonsohn  Hyrieus  (Epony- 

Eltern  Zeus  und  Niobe  waren,  und  der  Euadne  mos  der  boiotischen  Seestadt).     Daraus,   dafs 

(T.   des  Strymon);   er  erhielt  von  dem  Vater  hier  zugleich  Mitylene  als  Mutter  des  Makar, 

die   Herrschaft   über   Argos.     Apollod.  2,  1,  2.  und  Gattin  des  Krinakos  genannt  ist,  geht  die 

Hyq.fWih.  Er  zeugte  mit Melantho  den  Phorbas  Zugehörigkeit  des  Krinakos  zu  Mytilene,  und 

und    die    Kleoboia,    Schol.    Eur.    Orest.    920.  somit    zu    Krinis    (Kurzform?)    und    Krinoeis 

Nach   Schol.  Eur.  Phoen.  1116   zeugte    Argos,  (s.  oben)  mit  Sicherheit  hervor.    Der  mysische 

des  Zeus  Sohn,  mit  der  Okeanide  Peitho  den  Xgivantärjg    (sein    Sohn?)    auf   der    mysischen 

Kriasos,  dieser  den  Eurythalion  und  Phorbas;  Münze  beiilßon.  2,  525  ist  unerklärt.   [Tümpel.] 

des  Phorbas  Sohn  war  Arestor,  der  Vater  des  co      Krinis  (Kgtvig),  nach  Polemon  (frg.  31  aus 

Argos   Panoptes.     [Vgl.   auch  Aristid.  or.   45  Schol.  AD  zu  IL  AM.   F.  H.  G.  1,  124;  vgl. 

p.  3  Dindorf.  Euseb.  Chronic.  1  p.  177f.  Schoene,  auch  Eustath.  z.  d.  St.  p.  34,  13ff.)  Stifter  und 

ebenda    Appendix    p.   214f.      Tatian.    or.    39.  Priester  des  Apollon-Smintheus -Heiligtums  iv 

Euseb.  praep.   ev.    10,  11,  16.     Schol.   Aristid.  Xgvcy    nölii   rrjg   MvcCag    (Eustath.:    wo   das 

p.  361.    Georg  Synkell.  1,  282  ed.  Bonn.  Höfer.]  Holzbild    von    der   Hand    des    Skopas    stand). 

—  2)  Sohn  des  Argasos,  Begleiter  des  Dionysos  Nach  der  Stiftungslegende  hatte  K.  einst  den 

nach    Indien,    in    der    Schlacht  von  üeriades  Zorn    des   Gottes    erregt,    so    dafs   dieser   die 

getötet,   Nonn.   Dion.  32,  187.     [Stoll.]  Ländereien  desselben    durch   Mäuse   (cfiivfroi) 


1431                         Krino  Kriophoros                    1432 

verwüsten  liefs.    Der  versöhnte  Gott  besuchte  'Eguov  rpsgovzu  v.gtbi'  Itu  tö>v  my.aiv  (über  das 

schliefslich  den  Oberhirten  des  K,  Ordes,  und  Tragen  desWidders  ijrjTcöi*  aiicovs.  Bd.  lSp.2395 

versprach,  von  diesem  gastfrei  aufgenommen,  Z.llff.;  vgl.  Studniczka,  Mitt.  d.  D.  arch.  Inst., 

Erlösung  von  der  Plage,    erschofs   selbst  mit  röm.  Abteil.,  6  [1891],  255)  geschaffen,   Paus. 

seinen  Pfeilen  die  Mäuse  und  trug  dann  dem  9,  22,  1.     Über    die   Statue   des   Hermes   von 

Ordes  auf,   rrjv  tnitp&vtiuv  ccvtov  änXwoai  rä  Kaiamis   s.  Bd.  1  Sp.  2390  Z.  2Sff.,   wo  Scherer 

Kql'vlSl,  worauf  die  Stiftung  und  Weihe  durch  für  die  Bartlosigkeit  des  Kalaruideischen  Hermes 

K.  erfolgte.    Andere  setzten  das  Ereignis  nach  eintritt;  ebenso  Friederichs  -Wolters,  Die  Gips- 

der  hellespontischen  Stadt  Sminthia  (nach  Eu-  abgiisse  antik.  Bildwerke  im  K.  Museum  zu  Berlin 

stathios  stellte  Chrysos  sich  freundlich  zu  Krinis,  10  nr.  418.  419   p.  164  f.     Dagegen  hält  Overbeck 

da  dieser  sein  ovvugsvg  war).  —  "OgSng  kann  auch  in  der  neuesten  Auflage  seiner  Geschichte 

nur  Eponymos  des  lesbischen  Berges  "OgSvfivog  der  griechischen  Plastikl4, (1893)  p.301f.  Anm.227 

sein;   und  wie  das  älteste  Chryse,   das  honie-  (vgl.  p.  280)  an  der  Ansicht  fest,  dafs  der  Hermes 

rische,  mit  dem  ältesten  Smintheion  am  Binnen-  des  Ealamis  bärtig  gewesen  sei.    Am  nächsten 

strande  von  Lesbos,  bei  Arisba,  zu  suchen  ist  scheint  das  Original  des  Ealamis   eine  Münze 

(Plülologus  N.  F..  3  1890   S.  89  —  120,  speziell  von  Tanagra  wiederzugeben,  s.  Bd.  1  Sp.  2396 

S.  103),  so  dürfte  K.  ein  ursprünglich  lesbischer  Z.  36ff.,  wo  nachzutragen  ist  Arch.  Zeit.  7  (1849) 

Lokalheros  sein,  dessen  Name  auf  den  Quellen-  Taf.  9  nr.  12.    Monumenti  inediti  11,  6,  5  links; 

reichtum  des  daselbst  fliefsenden  Baches  (sieben  vgl.  v.  Duhn,  Annali  1S79  p.  122  nr.  5.  Stephani, 

gröfsere,  ein  Dutzend  kleinere  Quellen)  geht:  20  Compte-rendu  1869,97.  Langl.  Griechische  Götter 

denn   Kgivig  —  Kgrjvig,   wie   KgivCSsg  =  Kgn-  und  Heldengestalten  p.  75.     Collignon,  Histoire 

in'Sig  (Steph,  Byz.  WvXla)  und  Kgt&scog  =  Kgrj-  de  la  sculpture  grecque  flg.  206,  p.  400;  doch  er- 

ftzeag.    Vgl.  (aufser  dem  Namen  des  lesbischen  scheint  nach  Overbeck  a.  a.  0.  die  Bartlosigkeit 

Dichters  Kgivayögag)  den  cidäischen  Daktylen'  des  Hermes  hier  zweifelhaft.    Dagegen  ist  nach 

Kgivotig  (s.  d.)  in  der  Legende  seines  anöyovog,  Stark,  Bei:  d.  K.  S.  Gesell,  d.  Wissensch.   12 

des   Lesbiers   Terpandros,    und   den   Kgivcnog  (1860),  16  der  Gott  auf  dieser  Münze  ganz  nackt 

als  Vater  des  (olenisch-)  lesbischen  Makareus,  und  jugendlich  dargestellt,  ohne  Flügelschuhe 

nach  welchem  Lesbos  homerisch  Md-aagognöXig  und  den  nach  hinten  herabhängenden  Mantel, 

heifst.     [Tümpel.]  Eine   Nachbildung    des    Hermes    des    Kaiamis 

Krino  {Kgivco),  1)  eine  der  Frauen  des  Da-  30  finden  wir  auch  noch  auf  anderen  Münzen  von 

naos,  Apollod.  2,  1,  5.  —  2)  Tochter  des  Troers  Tanagra  {Monumenti  inediti  11,  6,  5  rechts  und 

Antenor,    auf  dem  polygnotischen   Bilde   der  von  Duhn  a.  a.  0.    Catal.  of  Greck  coins  in  the 

Zerstörung    Trojas   in   der   Lesche    zu    Delphi  Brit.  Mus.,   Central  Greece    p.  64    nr.  51    und 

neben    ihrem    Vater    dargestellt    mit     einem  pl.  10  nr.  12.  de  Chanot,  Gazette  archeol.  4  (1878), 

kleinen  Kinde  im  Arm,  Paus.  10,  27,  2.  101  Anm.  6.     Read,  Hist.  num.  295.     Imhoof- 

[Stoll.]  Blumer,  Zur  Münzkunde  Boiotiens  und  des  pelop. 

Krinoeis  (Kgiröstg),  nach  dem  Schal.  V  zu  Argos,WienerKumismat. Zeitschrift  9,29.  Lewis, 
II.  -Y391  einer  der  idäischen  Daktylen,  wel-  Journal '  ofphilolog.i,  69).  P.Wolters,  Arch. Zeit. 
eher  zuerst  den  Musen  opferte,  Vorfahr  des  43  (1S85),  265  macht  darauf  aufmerksam,  dafs 
Lesbiers  Terpandros.  Die  Musen  werden  kaum  40  ein  gutes  Teil  von  dem  unbeholfen  steifen  Ein- 
die  helikonischen  sein  können,  die  sonst  in  druck,  den  die  Figur  des  Hermes  auf  diesen 
Asien  den  ersten  Kult  erhalten  haben  würden,  Münzen  macht,  der  aufserordentlichen  Ver- 
sondern die  7  lesbischen  Musen,  Dienerinnen  kleinerung  zuzuschreiben  ist.  In  ähnlicher 
des  (Krinakos- Sohnes)  Makareus,  und  auf  Les-  Bildung  zeigt  den  Hermes  eine  Münze  von 
bos  in  ehernen  Standbildern  ävet  ickvxu  %a  Aigina  {Monumenti  inediti  11,  6,  6  rechts;  vgl. 
isqci  rtfiwixsvai  {3Iyrsilos  frg.  4  aus  Clemens  von  Duhn  a.a.O.  122,6.  Stephani,  Compte-rendu 
Alex.  Protr.  p.  9,  24  Sylb.  F.  H.  G.  4,  457;  1869,  98  Anm.  1  =  Mionnet,  Suppl.  3,  603,  61. 
vgl.,  daselbst  fehlend,  Myrsßos  bei  Arnobius  Eckhel,  Doctr.  num.  2,  226.  Head  a.  a.  0.  334), 
adv.  gentes  3,  16  p.  121  Gal.).  Unter  die  Dak-  während  er  auf  einer  anderen  aiginetischen 
tylen  wird  er  wohl  erst  infolge  Übertragung  50  Münze  {Monumenti  inediti  11,  6,  6  links"i  schrei- 
lesbischer  Kolonisten  aufs  Festland  gekommen  tend  dargestellt  ist.  In  einer  kleinen  Marmor- 
sein.    [Tümpel.]  statue   der  Pembrokischen  Sammlung  in  Lon- 

Kriophagos  {Kgtoqxxyog),  Name  einer  Gott-  don  (abg.  Clorae,  Mus.  de  sculpt.  4,  177  pl.  658 

heit,  der  Widder  geopfert  wurden,  Hcsgch.  —  nr.  1545  b.     Midier -Wieseler,  D.  d.  a.  K.  2,  29 

Ähnlich     heifst    Artemis    von    den    ihr    dar-  nr.  324.    Panofka,  Die  Heilgötter  der  Griechen, 

gebrachten  Eberopfern  in  Samos  Kangotpayog,  Abhandl.  d.  K.  Akad.  d.  Wissensch.  zu  Berlin 

Hesych.,  und  Zeus  von  den  Ziegenopfern  Alyo-  1843  Taf.  1,  8  und  p.  267.    Langl  a.  a.  0.  p.  75. 

tpäyos;  Nikander  im  Et>im.  M.  27,  51.   Stephani,  Beeue  archeol.  nouv.  Serie  5    [1862]    pl.  8,  2. 

Compte  rendu  1869,  116.     [Höfer.]  Overbeck  a.  a.  0.  p.  278  Fig.  75)  hatte  Overbeck, 

Kriophoros  (Äptotpopos),  Beiname  des  Hermes  eo  Arch.  Zeit.  11  (1S53),  46  f.  womöglich  das  Original 

in  Tanagra,  wo  er  einen  Tempel  besafs.     Zur  des  Kaiamis  zu  erblicken  geglaubt;  Gesch.  d.gr. 

Zeit  einer  Pest  hatte  er  einen  Widder  um  die  Plastik  a.a.O.  gesteht  er  zwar  zu,  hierin  zu  weit 

Mauern   von  Tanagra   getragen    und   dadurch  gegangen  zu  sein,  hält  aber  immer  noch  an  der 

die   Seuche    gebannt;    zur   Erinnerung   hieran  Beziehung  der  Marmorstatne  auf  des  Kaiamis 

trug  an   dem  Feste   des  Hermes   der  schönste  Hermes  fest.    Ahnlich  bat  Conze,  Arch.  Anzeig. 

Ephebe   Tanagras  ein  Lamm   um  die  Mauern  21  (1864),  209   dieses  Werk  für  oberflächliche 

der  Stadt  (vgl.  aber  auch  unten  am  Ende  dieses  Arbeit   (ebenso  Michaelis,  Ancient  Marblcs  in 

Abschnittes),  und  Kaiamis  hatte  ein   uyalaa  Great  Britain   p.  702  nr.  144;   vgl.  Collignon 


1433 


Kriopkoros 


Kriophoros 


1434 


a.  a.  0.  p.  400)  eines  späteren  Kopisten  erklärt, 
in  der  aber  trotzdem  als  Eigentümlichkeiten 
des  Originals  die  starke  Angabe  der  kräftigen 
Armmuskeln  und  der  Knieformen  durchscheine; 
der  Kopf  gleiche  mit  der  dreifachen  schema- 
tischen Abteilung  des  Bartes  und  der  auf  jede 
Schulter  herabfallenden  langen  Locke  den  alter- 
tümlich gearbeiteten  bärtigen  Köpfen.  Ebenso 
will  Uverbeck,  Gesch.  d.  griech.  Plastik  280.  301 
'  das  Relief  eines  kleinen  Opferaltars  in  Athen 
(abg.  Annali  1869  [nicht  1879,  wie  OverbecJc  301 
angiebt],  Tav.  d'agg.  JK;  vgl.  Lützow  ebenda 
p.  254  ff.  Klein,  Annali  1875,  298.  v.  Sybel, 
Katalog  der  Skulpturen  zu  Athen  nr.  20  p.  5. 
Milchhöfer,  Die  Museen  Athens  p.  5  nr.  13. 
Baumeister,  Denkmäler  nr.  825  p.  773.  Langl 
a.  a.  0.  p.  75.  Collignon  a.  a.  0.  fig.  207  p.  401. 
Overbeck  a.  a.  0.  p.  279  Fig.  76  a)  auf  das  Werk 
des  Kaiamis  zurückführen;  dagegen  Friederichs- 
Wötters  a.  a.  0.  und  Scherer  a.  a.  0.  Z.  60  ff. 
Vielleicht  ist  Hermes  Kriophoros  auch  in  der 
von  Lützoiv,  Annali  41  (1869),  262  erwähnten 
archaisierenden  Statuette  von  Bargello  zu  er- 
blicken, Stephani, Gompte-rmäu  1869,  98  Anm.l. 
M.  A.  Veyries,  Les  figures  criophores  dorn  l'art 
grec,  l'art  greco  -romain  et  l'art  chretien  (Biblio- 
theque  des  e'coles  franraises  d'Athenes  et  de  Borne 
fasc.  39)  5, 2  note.  Das  Werk  von  Veyries  giebt 
das  relativ  vollständigsteVerzeichnis  der  widder- 
tragenden Figuren,  die  bis  ca.  1880  bekannt 
geworden  sind,  ist  aber  in  seinen  Citaten  öfters 
nicht  zuverlässig.  Der  Typus  des  Kalamideischen 
Hermes  (Collignon  a.  a.  0.  p.  399  meint,  dafs 
Kaiamis  diesen  Typus  nicht  selbständig  ge- 
schaffen, sondern  ihn  den  widdertragenden 
Eiguren  der  phoinikischen  und  kyprischen 
Kunst  entlehnt  habe)  kehrt  oft  wieder,  be- 
sonders häufig  als  Schmuck  auf  campanischen 
Urnen:  1)  Berliner  Museum,  abgeb.  Monumenti 
inediti  11,6,3;  der  Widdertiäger  allem  ebenda 
11,  6,  3a;  vgl.  Heibig,  Bulletino  1871,  117,  1. 
von  Dithn  a.  a.  0.  121,3;  vgl.  136,16.  —  2)  Samm- 
lung Bourgignon,  abgeb.  Monumenti  11,  6,  2; 
der  Widderträger  allein  ebenda  11,  6,  2  a;  vgl. 
Heibig  a.  a.  0.  118,  2.  von  Duhn  a.  a.  0.  120,  2; 
vgl.  136,15.  —  3)  Sammlung  Castellani,  abgeb. 
Monumenti  11,6,4;  vgl.  von  Duhn  a.a.O.  121,4; 
vgl.  137,  22.  —  4)  Museum  Dresden,  Hettner, 
Die  Bildwerke  der  Kö'nigl.  Antikensammlung  zu 
Dresden*  nr.109  p.49;  vgl.  Heibig  a.  a.  0.  118,3. 
von  Duhn  a.  a.  0.  136,  14).  Während  aber 
von  Duhn  a.  a.  0.  143  ff.  in  diesem  Widder- 
träger den  Hermes  nptoepöpog  (ebenso  Overbeck, 
Kunstmythologie ,  Apollon  366  f.)  erkennt  und 
für  ihn  auf  diesen  Aschenkisten  die  Bedeutung 
des  Hermes  x&oviog  in  Anspruch  nimmt,  er- 
klärt sich  Milchhöfer,  Die  Anfänge  der  Kunst 
in  Griechenland  2 14  ff.  entschieden  gegen  diese 
Ansicht.  Nach  ihm  ist  die  Verwendung  von 
Götterfiguren  als  Deckelgriff  an  sich  unwahr- 
scheinlich und  findet  auch  in  dem  übrigen 
Bronzeschmuck  ähnlicher  Gefäfse  keine  Ana- 
logie; dieser  Schmuck  hat  nur  eine  dekorative 
Bedeutung.  Dafs  man  als  solchen  gerade  einen 
KQioq>6gog  wählte,  hat  seinen  äufseren  Grund 
in  der  Form,  deren  T- artiges  Schema  sich  zu 
einem  Deckelgriff  besonders  eignete,  während 
inhaltlich  durch   die  Verbindung   von  Mensch 


und  Opfertier  die  Opferhandlung  angedeutet 
werden  soll.  S.  214  stellt  Milchhöfer  sodann 
die  Ansicht  auf,  dafs  sich  in  Tanagra  die 
Legende  von  der  Pest  (s.  oben)  und  der 
Typus  des  widdertragenden  Hermes  erst  aus 
jenem  Kultusbrauch  der  Prozession  des  widder- 
tragenden Epheben  entwickelt  habe.  Eben- 
sowenig erkennt  Milchhöfer  (Annali  1880,214; 
vgl.   Anfänge  der  Kunst  216)   in   der  antiken 

10  Bronze  von  Kreta  (jetzt  in  Berlin,  abgeb.  Annali 
a.  a.  0.  Tav.  d'agg.  S)  den  Hermes  xQiocpoQog 
oder  eine  sonstige  widdertragende  Gottheit, 
sondern  einen  gewöhnlichen  Menschen ,  der 
das  Tier  zum  Opfer  trage  (vgl.  auch  Overbeck, 
Kunstmythologie  a.  a.  0.  367),  während  Treu, 
Arch.  Zeit.  39  (1881),  251  die  Statuette  wiederum 
als  die  des  Hermes  Kriophoros  bezeichnet;  vgl. 
auch  Löschcke,  Arch.  Zeit.  39  (1881),  52  Anm.G2. 
Sicher    ist    die    Darstellung    des    Hermes 

20  Kriophoros  aber  auf  folgenden  Denkmälern 
—  nichts  Näheres  wissen  wir  über  den  Hermes 
Kriophoros  im  Haine  Karnasion  in  Messenien; 
Paus.  4,  33,  4  berichtet  nur  dtäv  äh  äyäXiiazcc 
'JaoXlcovog  iart  Kaqviiov  neu  Ep/xjjg  cptgcov 
Y.Qiov  beachtenswert  ist  jedoch  die  Verbindung 
des  widdertragenden  Hermes  mit  Apollon  Kar- 
neios,  worüber  Stark,  Arch.  Zeit.  26  (1868),  55 
und  unten  — ,  wiewohl  es  fraglich  ist,  ob  wir 
berechtigt  sind,  sie  auf  das  Werk  des  Kaiamis 

30  zurückzuführen:  1)  Innenbild  einer  Kylix  aus 
Volci  (abgeb.  Museo  Chiusino  Tav.  35  =  Lenor- 
mant-de  Witte,  Elite  des  Monuments  ceramogr. 
3  pl.  87  =  Panofka,  Die  Heilgötter  der  Griechen 
Taf.  1,7  =  Eigennamen  mit  xalog  Taf.  2  = 
Conze,  Heroen-  u.  Göttergestalten  Taf.  70,  1): 
Hermes,  bärtig,  mit  Kvvfj  und  Kerykeion,  trägt 
im  raschen  Lauf  den  Widder  auf  seinen 
Schultern.  Lenormant-de  Witte  a.  a.  0.  p.  253 
schliefst  aus  dieser  Bewegung  des  Gottes,  dafs 

40  er  den  Widder  gestohlen  habe,  während  Ste- 
phani, Campte  -  rendu  1876,  142  meint,  der 
Künstler  habe  diese  Stellung  nur  gewählt,  um 
den  Raum  der  kreisrunden  Fläche  durch  Aus- 
einanderspreizung  der  Beine  besser  zu  füllen. 
Die  Umschrift  lautet  EP1VAO  KALOS.  Lenor- 
mant  -de  Witte  a.a.O.  liest  dies  als  EiTVMOS 
(zu  Hermes  ipiovviog  vgl.  Boscher,  Hermes  der 
Windgott  80),  während  Panofka,  Heilgötter 
p.  267  in  EqiXog  —  so  liest  er  —  den  Namen 

so  des  Besitzers  sieht,  der  mit  tgiov  Wolle  zu- 
sammenhänge. —  2)  Schale  des  Sosias  aus 
Volci  (abgeb.  Monumenti  inediti  1 ,  24.  Ger- 
hard, Griech.  u.  Etrusk.  Trinkschalen  d.  K.  Mu- 
seums zu  Berlin  Taf.  6. 7  p.10.  Müller -Wieseler 
a.a.O.  1  Taf.  45,  210  a;  vgl.  O.Müller,  Annali 
4,  39.  Lenormant-de  Witte  a.  a.  0.  2  p.  305): 
Hermes  (S3MA3H)  neben  Amphitnte,  Hestia, 
Artemis  und  anderen  Göttern  tiägt  den  Widder 
auf  beiden  Händen  gegen  seine  Brust  gelehnt, 

60  während  er  zugleich  zwischen  den  Fingern  der 
Linken  das  Kerykeion  hält;  in  ähnlicher  Weise 
trägt  auf  einem  campanischen  Wandgemälde 
(abgeb.  Heibig,  23  Tafeln  z.  d.  Werke  Wand- 
gemälde Taf.  19  nr.  1261b;  vgl.  Heibig,  Wand- 
gemälde nr.  1261b  p.  270)  eine  der  Töchter  des 
Pelias  den  Widder,  an  welchem  das  Probe- 
stück der  Kunst  der  Medeia  gemacht  werden 
soll.  —  3)  Schwarzfigurige  etruskische  Amphora 


1435  Kriophoros  Krioplioros  1436 

späteren  Stils,  vielleicht  mit  der  Darstellung  the  orange  room,  Brit.  Mus.  (1871)  p.  6,  nur: 
des  Zuges  zum  Parisurteil:  Hermes,  der  sich  Hermes  Kriophoros.  Eine  kleine  Bronzestatue, 
nach  den  drei  Göttinnen  umschaut,  schreitet  darstellend  un  Mercurio  pastore  con  un'  artete 
voran  im  Mantel,  der  die  rechte  Brust  frei  in  spalla,  finde  ich  erwähnt  in  den  Osservazioni 
läfst,  und  in  Stiefeln;  in  der  Linken  trägt  er  istoriche  sopra  dlcuni  medaglioni  antichi  di 
das  Kerykeion  vorgestreckt,  in  der  Rechten  Cosimo  III  (Rom  1698),  Proemio  p.  12.  Eine 
hält  er  den  Strick ,  mit  welchem  dem  auf  kvprische  Bronze  ist  abgebildet  bei  Cesnola, 
seinen  Schultern  liegenden  Widder  die  Füfse  Salaminia  pl.  10,  5;  vgl.  p.  107.  Vielleicht 
zusammengebunden  sind  Furtwängler,  Berliner  gehört  hierher  auch  die  Bronze  im  Museum 
Vasenkatalog  2154a.  —  Von  Terracotten  io  zu  Cagliari,  de  Ja  Marmora,  Voyage  en  Sar-' 
sind  folgende  anzuführen:  1  und  2)  Zwei  Terra-  daigne  2,  327  ff.  pl.  30,  143,  sowie  die  Bronze 
cotten  aus  Tanagra,  fast  übereinstimmend  (die  von  Turin,  de  la  Marmora  a.  a.  0.  2,  327,  und 
eine  abgeb.  Gazette  arche'ol.  4  [1878],  101):  die  ebend.  p.  328  abgebildete  Bronze  des  Louvre, 
Hermes  nackt,  mit  Hvvrj  und  Chlamys,  die  von  wenn  wir  in  ihnen  nicht  vielleicht  eine  Dar- 
beiden Schultern  herabfällt,  de  Chanot,  Gazette  Stellung  des  Aristaios  (s.  unten)  zu  suchen 
arche'ol.  a.a.O.  —  3  u.  4)  ebenfalls  aus  Tanagra,  haben;  zweifelhaft  ist  es,  ob  auf  der  Gemme 
altertümlicher  Typus,  der  Gott  ist  unbärtig;  (Arch.  Anz.  9  [1851],  109)  Hermes  Kriophoros 
ein  Mantel  fällt  von  beiden  Schultern  herab,  oder  der  pastor  bonus  dargestellt  ist. 
Fröhner,  Sammlung  Greau,  Catal.  nr.  303  (jetzt  Über  den  Hermes  Kriophoros  des  Onatas 
in  Berlin),  Arch.  Anzeig.  7  (1892),  108  nr.  32.  20  ist  Bd.  1  Sp.  2395  Z.  51  — Sp.  2396  Z.  27  ge- 
Wohl nicht  identisch  mit  der  Bd.  1  S.  2397  sprochen.  Ich  trage  folgendes  nach:  Die  Terra- 
Z.  24  erwähnten?  —  5)  aus  Beyrüt,  jetzt  im  cotte  Annali  1858  tav.  d'agg.  0  ist  auch  ab- 
Brit.  Mus.:  Statuette  des  Hermes  Kriophoros,  gebildet  Revue  arche'ol.  5  pl.  8,  3  und  Conze, 
Jahrb.  d.  K.  D.  arch.  Inst.  3  (1888),  243.  —  6)  Heroen-  und  Göttergestalten  Taf.  70,  2;  vgl. 
Fragment  unbekannter  Herkunft,  Martha,  Cata-  Martha,  a.  a.  0.  nr.  264.  Overbeck,  Plastik  l4, 
logue  des  figurines  en  terre  cuite  du  muse'e  de  150.  291  Anm.  80.  Beule,  Gazette  des  Beaux- 
la  Socie'te  arche'ol.  d'Athenes  nr.  265  (Museums-  Arts  16  (1864),  541.  Eine  andere  sehr  schöne 
nummer  27);  nach  Milchhöfer ,  Die  Museen  Terracotte  aus  Thespiai,  die  der  erwähnten  in 
Athens,  Sammlung  d.  arch.  Gesellsch.  im  Var-  Gestalt  und  Gewandung  sehr  nahe  steht,  ist 
vakion  p.  821  „widdertragender  Hermes  im  30  abgebildet  Gazette  des  Beaux-Arts  21  (1866), 
strengen  Typus"  aus  Boiotien.  Eine  Kari-  113;  vgl.  de  Witte,  ebend.  112.  Was  die  R. 
katur  des  Hermes  Kriophoros,  eine  ko-  hielt,  ist  weder  aus  Abbildung  noch  Beschrei- 
mische  Person,  die,  den  Kopf  mit  einer  Maske  bung  zu  ersehen.  Bei  den  im  Kabirenheilig- 
vermummt,  auf  den  Schultern  einen  Widder  tum  bei  Theben  veranstalteten  Ausgrabungen 
trägt,  erwähnt  Martha  a.  a.  0.  923  (589).  —  ist  nach  dem  Bericht  von  Wolters,  Ath.  Mut. 
7)  aus  Terranova  (Geta),  Brit.  Mus.,  A  Guide  15  (1890),  359  ein  stark  verletztes  Figürchen 
to  the  second  vase  room  (1869)  p.  26  nr.  13  =  gefunden  worden,  einen  nackten  stehenden 
A.  Guide  etc.  [1878]  p.  18  nr.  144;  vgl.  deChanot  Jüngling  mit  einem  Lamm  unter  dem  Arm 
a.a.O.  163,  Typus  des  Kaiamis.  —  8)  aus  Lokris  darstellend,  von  grofser  Ähnlichkeit  mit  dem 
in  Unteritalien ,  Brit.  Mus.,  A.  Guide  to  the  40  bekannten  von  Conze,  Annali  1858  Taf.  0  zu- 
second  etc.  p.  41  nr.  9  =  A  Guide  etc.  [1878]  erst  bekannt  gemachten  Hermestypus.  'Von 
2  p.  78  nr.  172.  deChanot  a.  a.  0.  Bd.  1  Sp.2397  diesem,  fährt  Wolters  a.a.O.  fort,  sind  mehrere 
Z.29ff.  —  9)  Terracotte  aus  Süditalien  (de  Witte,  Exemplare  von  bedeutender  Gröfse  und  be- 
Choix  de  terre  -  cuites  antiques  du  cabinet  de  sonderer  Schönheit  gefunden  worden,  nament- 
M.  de  Janze  pl.  3  nr.  2)  weicht  insofern  ab,  als  lieh  einige  Köpfe  zeichnen  sich  durch  feine, 
Hermes,  uubärtig,  bloi'sen  Hauptes,  in  weiter,  strenge  Arbeit  und  gute  Erhaltung  aus.  Die- 
bis  zu  den  Füfsen  reichender  und  den  Vorder-  selben  gestatten  mit  gröfserer  Sicherheit,  als 
körper  offen  lassender  Chlaina  die  Füfse  des  dies  bisher  möglich  war,  die  Datierung  des 
Widders  nicht  wie  gewöhnlich  mit  den  Händen  Typus  in  die  erste  Hälfte  des  fünften  Jahr- 
gefafst  hält,  sondern  er  trägt  in  der  Linken  50  hunderts.  Hier  möchte  ich  nur  hervorheben, 
die  Börse  und  streckt  die  Rechte  mit  einer  dafs  ich  weder  bei  diesen  noch  bei  den  länger 
Redebewegung  aus,  während  derWidder,  dessen  bekannten  Exemplaren  eine  Stlengis  erkennen 
Füfse  durch  einen  über  die  Brust  des  Gottes  kann,  vielmehr  glaube,  dafs  die  gesenkte 
hängenden  Strick  gefesselt  sind,  auf  seinen  Rechte  einen  Zipfel  der  Chlamys  fafst.  Eine 
Schultern  liegt,  de  Chanot  a.  a.  0.  Stcpliani,  besondere  Beziehung  zu  dem  Hermes  Promachos 
Compte-rendu  1869  98.  —  10)  Eine  andere  Terra-  von  Tanagra  ist  also  nicht  vorhanden,  und  die 
cotte  im  Besitz  des  H.  Piot  führt  an  Murray,  Übereinstimmung  mit  dem  von  Onatas  für 
Histor.  of  Greelc  Sculpture  1 ,  187  Anm.  1  zu  seine  Statue  verwendeten  Typus  ist  eine  fast 
p.  186.  —  11)  Terracotte,  bei  den  Ausgrabungen  vollständige,  allerdings  ohne  dafs  damit  auch 
im  Kabirenheiligtum  bei  Theben  gefunden,  60  die  Sicherheit  einer  stilistischen  Verwandt- 
Athen.  MM.  15  (1890),  359;  nach  Wolters  a.  schaft  beider  Werke  erreicht  wäre'.  Vgl. 
a.  0.  ist  in  diesem  Falle  die  Unbärtigkeit  auch  Wolters  a.  a.  0.  361. 
sicher.  —  Fraglich  erscheint  es  Gerhard,  Arch.  Ferner  erscheint  Hermes  nicht  nur  als  Träger 
Anz.  11  (1853),  384,  ob  der  Metallspiegel,  dar-  eines  Widders,  sondern  er  trägt  zwei  Widder 
stellend  einen  Hermes  Kriophoros  im  Stile  des  auf  folgenden  Monumenten:  1)  Spiegelhalter 
Kaiamis,  echt  ist.  — Keine  nähere  Angabe  über  von  Bronze  im  Museum  Meermanno -Westree- 
die  Art  des  Widdertragens  findet  sich  ver-  nianum  (abgeb.  Bericht  d.  K.  S.  Gesellsch.  d. 
merkt  bei  der  etruskischen  Bronze,  A  Guide  to  Wissensch.  12  [1860]  Taf.  1):    Hermes,  nackt, 


1437                   Kriophoros  Kriophoros                   143S 

im  Ephebenalter,    mit  lang   auf  die   Schulter  38  (1880),  38,  auf  -welchem  aufser  Hermes  mit 

herabfallender    Haarmasse,     steht    auf    einem  dem    Kerykeion    in    der    rechten    und    einem 

Widderkopf  und  trägt  mit  beiden  Armen  einen  Widderkopf  (Carabella,  Hernie  archeol.  a.  a.  0. 

Tragbalken,    auf  dem   zwei   sich   den  Kücken  207   hatte   den  Gegenstand    für   eine   Muschel 

zukehrende  Widder  mit  gewundenen  Hörnern  oder    Börse    gehalten)    auf   der    linken    Hand 

liegen,  Stark  a.  a.  0.   p.  7 ff. ,   der  p.  17  sogar  noch  der  stiertragende  Herakles,  Dionysos  und 

meint,  dafs  man,  was  die  ganze  Körperbildung  die  Jagdbeute  tragende  Herbst-Hore  dargestellt 

des  Gottes   betreffe,  hier  vielleicht  mit  mehr  sind.      Von    Gemmen   sind    folgende    zu   er- 

Recht  an  jene  Ephebengestalt  des  Hermes  von  wähnen    1)  Karneol   mit  der  Künstlerinschrift 

Kaiamis  erinnern  dürfe,  als  bei  der  Pembroke-  10  DIOCKOYPlDOY    —    von    Stephani,     Compte 

sehen   Statue.    —    2)  Etruskische  Opferschale,  rendu  1869  92  allerdings  für  unecht  erklärt  — 

Gerhard,  Etrusk.  Spiegel  Taf.  30  nr.  2.  3  (Vorder-  (abgeb.  Bevue  archeol.  5  [1862]  pl.  8,  4.    Beule 

und  Hinteransicht)   p.  95:     über  einer  Flügel-  ebend.  p.  364  Anm.  3  und  die  dort  angeführte 

gestalt  (Sieges-  oder  Schicksalsgöttin'?   Seirene  Litteratur,    sowie    die    Kopie    der    Sammlung 

mit  Vogelleibe'?)  steht  Hermes,  der  zwei  Widder  Carlisle):  Hermes  trägt  in  der  R.  den  Herolds- 

mit  je  einer  unter  und  an  ihnen  sich  haltenden  stab,  in  derL.  den  Widderkopf  auf  einer  Schale. 

Gestalt  (vgl.   den   Polyphemosmythos)   stützt;  —  2)  Der  Gott,    auf  einen  Krug  tretend,    hat 

über  den  Widdern   erhebt   sich  ein  an  jedem  iu  der  L.  das  Kerykeion,  in  der  ausgestreckten 

Ende    mit    einem    bärtigen   Kopfe    verzierter  R.  den  Widderkopf,  Bevue  archeol.  a.a.O.  pl.  8, 5. 

Querstab.  —  3)  Etruskische  Opferschale,  Ger-  w  Beule  ebenda  p.  364.    Monges,  Gal.  de  Flor.  1 

hard  a.  a.  0.  Taf.  60,  2.  3  (Hinter-  und  Vorder-  pl.  35.   —   3)  Hermes  trägt  nach  verrichtetem 

ansieht)    p.  61:     Die  Gestalt    des    unbärtigen  Opfer  den  Widderkopf  auf  einer  Schale  mit 

Hermes,    die   den  Griff  der  mit  einem   gefiü-  der  L.  fort,    Müller-  Wieseler  2,  29,  321  p.  30. 

gelten  Heroldsstab  verzierten  Opferschale  bildet,  Unbegreiflicherweise   sagt  Veyries  a.a.O.   52 

steht  auf  einem  Widderkopf  und  hält  mit  jedem  nr.  14,    der   Gott    trage    in    der   Rechten    ein 

Arm    einen   Opferwidder.   —    4)  Vielleicht  ist  Messer;  das  Kerykeion  ist  ganz  deutlich;  vgl. 

Hermes   Kriophoros    auch    in    der  Gestalt    zu  jedoch   auch   Bd.  1    Sp.  2429   Z.  41.   —    4  und 

erblicken,    die   mit   emporgehobenen    Händen  5)  Zwei  Amethysten:  Hermes,  gegen  eine  Säule 

zwei  gegeneinanderliegende  Widder  als  Träger  gelehnt,   hält  in  der  R.  einen  einfachen  Stab, 

einer  metallenen  Opferschale  hält,   Verzeichnis  30  in  der  L.  den  Widderkopf,    M'inckelmann,  Dc- 

der  antiken  Münzen,   Bronzen,  Bleie,   Terra-  scriptum  des  pierres  gravees  du  feu  baron  de 

cotten  u.  s.  w.  im  Besitze  des  Geheimrats  Creuzer  Stosch  nr.  400.   401   p.  92.   —   6)  Ein  anderer 

in  Heidelberg  p.  18f.  nr.  17.  — ■    5)  Terracotte,  Stein    (Amethyst)    bildet    insofern    eine    Aus- 

Fröhner,  Die  griech.  Vasen  und  Terracotten  der  nähme,  als   er  den  Gott  nicht,  wie  sonst  alle 

Grofslterzogl.  Kunsthalle  zu  Karlsruhe   nr.  348  Kunstwerke,    aufrecht   stehend   darstellt,   son- 

p.  74:  Archaisches  Bild  des  Hermes  Kriophoros,  dem  auf  einem  Felsen  sitzend,  in  der  r.  Hand 

nackt    und    mit    beiden   Armen    ein    oblonges  das  Kerykeion,  in  der  1.  Hand  den  Widderkopf 

Architekturstück  tragend,    auf  dem  zwei   sich  haltend,  Winckelmann  a.  a.  0.  nr.  402  p.  92. — 

abgewandte  lagernde  Widder  sichtbar  sind.  —  7,8,9)  Hermes,  in  Petasos,  Chlamys  und  Schuhen, 

6)  Bronze  im  Louvre,  Veyries  a.  a.  0.  20  p.  9f.  40  hält  den  Widderkopf  in  einer  Opferschale,  in 

=  De  Longpe'rier ,  Notice  sur  les  bronzes  du  der  R.  einen  Stab,  mit  dem  er  auf  die  Schale 

Louvre  nr.  312  (mir  nicht  zur  Hand):    Mercure  zeigt  (Amethyste),   L.  Müller,  Description   des 

criophore,  debout, . .  nu  .  .  ses  pieds  reposent  sur  intailles  et   camees   antiques   du   Musee   Thor- 

une  pedmette.     De   ses   deux  mains   e'levees   le  valdsen  nr.  296.  297.  298  p.  42;  vgl.  auch  Bd.  1 

dicu  soutient,  au  dessns  de  sa  Ute,  deux  beliers  Sp.  2429  Z.  39.  —  10)  Hermes  trägt  den  Mantel 

couches  et  tourne's  en  sens  opposc.  —  7)  Etrus-  auf  der  1.  Schulter,  in  der  L.  den  Widderkopf, 

kischer    Bronzegriff,    auf    Majorka    gefunden,  in   der  R.   das   Kerykeion,   L.   Müller  a.  a.  0. 

nr.  1  sehr  ähnlich,  de  la  Marmora,  Voyage  en  nr.  295. —  11)  Ohne  nähere  Angabe  des  Tragens : ' 

Sardaigne  2,  536,  10   pl.  39,  10.   —    An   Stelle  Mercure  debout,  appuye  sur  um  cippe,  tenant 

der    vollständigen    Widder    treten    auch    nur  50  une  tete  de  be'lier.  Amethyste.   Chabouillet,  Catal. 

Widderköpfe,    so    auf   dem   Bronzegriff   eines  ge'neral  des  camees  de  la  biblioth.  imper.  p.  221 

Kasserols,  Stephani,  Compte  rendu  1877   p.  17  nr.  1605.    —    12)   Der   von  Beule   a.  a.  0.  363 

Taf.  1,  9:    Hermes,   nackt,   steht  mit  steif  zu-  Anm.  6  erwähnte  geschnittene  Stein  du  cabinet 

sammengehaltenen  Beinen  auf  einem  Widder-  de  V  Academie  de  Crotone,  Flangini,  Argon  di 

köpf  und  hält  mit  jedem  der  emporgestreckten  Apoll.  Prod.  1,  434.    —   Derselbe  Typus   findet 

Arme  einen  gelagerten  Widderkopf.    Viel  hau-  sich    auf   Münzen    von  Pergamon,    so    auf 

tiger   findet    sich   Hermes    als    Träger    eines  einer  Kupfermünze  des  Uadviav,  Imhoof-Blumer, 

Widderkopfes.    Zunächst  zu  erwähnen  ist  eine  Griechische  Münzen,  Abliandl.  d.  philos.-philol. 

archaische    Bronze    aus   Arkadien,    gefunden  Klasse  d.  K.  Bayr.  Akad.  d.  Wiss.   18    (1890) 

an  den  Ufern  des  Ladon  (abgeb.  Bevue  archeol.  oo  p.617  nr.178:  'Hermes'?  nackt,  linkshin  stehend, 

5   [1862]    pl.  8,  1;     vgl.    Beide    a.   a.  0.   361.  auf  der  Rechten  einen  Widderkopf  haltend,  im 

Arch.    Zeit.    15    (1863),    25*.    49):     Hermes,  1.  Arm  das   Gewand.      Fox,  Greek  coins  2,  37 

bärtig,    trägt    in    der    Linken    einen    Widder-  hielt  das  Attribut  der  r.  Hand  für  eine  Schlange, 

köpf;    die    erhobene    Rechte    hielt    wohl    das  Die  Figur  mit  dem  Widderkopf  auf  der  Hand 

Kerykeion,    wie    wir    ihm    in    gleicher    Dar-  kommt  auf  pergamenischem  Kupfer  noch  öfters 

Stellung  begegnen  auf  einem  bei  Kyzikos  ge-  vor,  z.B.  Mionnet,  Suppl.  5,  469,  1137,  wo  das 

fundenen  Glasgefäfs  (jetzt  in  Berlin),  abgeb.  Attribut   als  cöne  beschrieben  ist,   474,  1168.' 

Bevuc  archeol.  37  (1879)  pl.  7;   vgl.  Arch.  Zeit.  Da  mir  der  betreffende  Band  von  Mionnet  nicht 


1439 


Kriophoros 


Kriophoros 


1440 


vorliegt,  kann  ich  auch  nur  auf  Suppl.  5,  472, 
1159  verweisen,  citiert  von  Panofka,  Die  Heil- 
götter der  Griechen  267;  vgl.  Stephani,  Comptc- 
rendu  1869  92.  c Mercure  Criophore  debout  por- 
taixt  sur  la  main  dr.  une  tete  de  belier  et  tenant 
de  la  g.  son  caduce'e  et  la  penula;  en  face  Es- 
culape  debout  avec  ses  attributs.'  S.  ferner  Cat, 
of  greek  coins  in  the  Brit.  Mus.,  Mysia  143, 
271.  158,  334  und  Anm.  2  pl.  32,  3.  162,  346. 
347  pl.  32,  8.  Ähnlich  sieht  Panofka,  Arch. 
Zeit.  10  (1852),  510  auf  einer  von  Friedländer 
in  Pinders  Beiträgen  sur  Münzkunde  Taf.  5,  2 
publicierten  Erzmünze  von  Same  (vgl.  auch 
Friedländer,  Arch,  Zeit.  11  [1853],  45  f.)  und 
einer  anderen  Münze  von  Same  (Mionnct, 
Suppl.  5,  194,  71)  in  dem  schreitenden  Widder 
bez.  in  dem  Widder  auf  einem  Heroldsstab  das 
Symbol  des  Hermes  Kriophoros  (s.  auch  unten). 
Im  Anschlnfs  hieran  seien  auch  die  anderen 
Monumente  erwähnt,  auf  denen  Hermes,  wenn 
auch  nicht  als  Widderträger,  so  doch  in  enger 
Verbindung  mit  dem  Widder  dargestellt  ist: 
auf  einem  gelagerten  Widder  liegend,  Monu- 
menti  inediti  6,  67,  Gemälde  auf  einer  schwarz- 
figurigen  Lekythos  aus  Ruggieri,  Rom.  Mitteil, 
7  (1892),  184,  28  oder  sitzend  in  einer  Statue 
des  Grafen  Potocki,  Müller- Wieseler  2,  29,  322 
p.  30  =  Clarac  a.  a.  0.  4,  171,  1529;  pl.  656 
nr.  1529;  nach  Lauer,  Arch.  Zeit.  7  (1849),  24 
sind  diese  Darstellungen  nur  der  äufseren 
Gruppierung,  nicht  aber  dem  Sinne  nach  ver- 
schieden von  der  des  Hermes  Kriophoros,  vgl. 
auch  Ilcydemann,  Rom,  Mitteil.  4(1889),  312; 
oder  auf  dem  Widder  reitend  (Egpov  vivo- 
fuetat  tivai  oxifia  seil,  6  «piög,  Artemidor  2, 
12  p.  154  Beiß')  auf  einem  Stamnos  aus  Caere, 
Arch.  Zeit.  4  (1846),  286  nr.  22;  auf  Münzen, 
Osservasioni  istoriche  etc.  p.  41.  Imhoof- Blumer 
und  0.  Keller,  Thier-  und  Pflanzenbilder  auf 
Münzen  und  Gemmen  20,  20;  vielleicht  auch 
auf  einer  etruskischen  Thonschale  (abgebildet 
Gerhard,  Gesammelte  Abh.  Taf.  81),  Furt- 
Küngler,  Beschreib,  der  Vasensamml.  im  Anti- 
quar. 2727  p.  81,  während  Gerhard  a.  a.  0.  507  f. 
512  in  dem  Reiter  den  Phrixos  erblicken  wollte; 
auf  einer  Lampe  im  Museum  zu  Leyden  (nr.  514): 
Hermes,  mit  Kerykeion,  in  der  L.  mit  einem 
Beutel,  von  einem  Widder  über  Wellen  getragen, 
Arch,  Zeit.  7  (1849),  85*;  ferner  aufgeschnitte- 
nen Steinen,  Müller -Wieseler  2,  29,  323  p.  30. 
Miliin,  Gal.  Myth.  48,  213;  vgl.  Sauer  a.  a.  0. 
[Vinckelmann,  Bescription  ...  de  Stosch  396 
— 398  p.  92;  mehr  bei  Gerhard,  Auserl.  griech, 
Vasenb.  1,  70  Anm.  27;  auf  einem  mit  vier 
Widdern  bespannten  Wagen  fahrend,  ebd.  399. 
Hermes  mit  Hut,  Chlamys,  Kerykeion  und 
Flügelschuhen  vier  Widder  vor  sich  hertrei- 
bend auf  einer  schwarzfigurigen  Lekythos, 
Gerhard  a.  a.  0.  1 ,  70  Taf.  19,  2.  Die  Hand 
auf  den  Kopf  des  neben  ihm  stehenden  Thieres 
legend,  Terracotte  aus  Tanagra,  abgeb.  Bd.  1 
S.  2431,  vgl.  2394  Z.  51  ff.  Einen  Widder  an  den 
Hörnern  fassend:  auf  dem  Marmorrelief  derBar- 
berinischen  Kandelaberbasis  (abgeb.  Mus.  Pio- 
Clem.  4,  4  =  Müller- Wieseler2,2d,320);  Wieseler 
a.  a.  0.  30  faßte  hier  den  Hermes  als  Gott  des 
Kultus,  der  eine  Schale  zur  Spende  und  einen 
Widder    zum    Opfer   herbeibringe.      Dagegen 


möchte  Friederichs,  Berl.  ant.  Bildw.  1  nr.  739 
p.  453  die  Figur  des  Hermes  nur  ruhig  re- 
präsentierend auffassen;  die  trauliche  Verbin- 
dung des  Gottes  mit  seinem  Tiere  sei  ganz 
im  Charakter  der  altertümlichen  Kunst,  vgl. 
auch  Friederichs  a.  a.  0.  2  nr.  1823  p.  384  f.  und 
die  ähnliche  Gruppe  des  Hermes  mit  dem 
Ziegenbock  (abgeb.  Mus.  Capit.  4,  22.  Winckel- 
mann,  Monum.  ined.  nr.  5.    Gerhard,  Abbild. 

10  zu  d.  gesammelt.  Abhandl.  Taf.  16,  1.  Müller- 
Wieseler  2,  18,  197  p.  21),  Friederichs  a.  a.  0. 
1  nr.  69  p.  84  ff..  Auf  einem  Medaillon  des 
Antoninus  Pius  hält  der  Gott  in  der  L.  das 
Kerykeion,  mit  der  R  das  Hörn  des  springen- 
den Widders,  Numism.  Cimelii  üaes.  Vindob. 
2,  35,  1 ;  vgl.  Vaillant,  Protestant,  num.  3,  130. 
Auf  einem  Oxybaphon  (Mülin,  Vas.  peints 
1  pl.  51.  Galcr.  myth.  pl.  50,  212.  Lcnormant- 
de    Witte,    Elite    ceram.    3,   254   pl.  88)    trägt 

20  Hermes  in  der  1.  Hand  eine  Schale,  unter  dem 
1.  Arm  das  Kerykeion,  während  er  mit  der 
Rechten  einen  Bock  au  den  Hörnern  zu  einem 
Altar  zieht.  Eine  Münze  des  Commodus  von 
Pergamon  mit  ähnlicher  Darstellung  beschreibt 
Imhoof -  Blumer ,  Griechische  Münzen  a.a.O. 
Taf.  7,  9  p.  617  nr.  180:  Hermes,  nackt,  mit 
fliegender  Chlamys,  rechtshin  schreitend,  mit 
der  R.  einen  Widder  an  den  Vorderfüfsen  nach- 
ziehend, in  der  L.  den  Stab.    Vor  ihm  Widder- 

ao  köpf  auf  einer  Stele.  Ganz  entschieden  haben 
wir  darnach  auch  in  der  figure  nue,  marchant, 
et  tenant  de  la  maine  gauche  un  caducee,  tan- 
disque  de  la  maine  droite  eile  traine  un  belier 
einer  Münze  des  lydischen  Philadelphia,  Hist. 
abregee  du  cab.  des  mc'daill.  et  ant.  de  la  bi- 
blioth,  nationale  p.  135,  wo  auf  Villes  de  Pellerin 
1,  115  pl.  64,  69  verwiesen  wird,  den  Hermes  zu 
erkennen.  —  In  Korinth  war  eine  Statue  des 
sitzenden  Hermes,  neben  dem  ein  Widder  stand 

40  (%a\Kovg  KctTTi'ßisvos  iaziv  'Egfifjg,  ■itagiaxriv.s 
de  oi  xqios),  Paus.  2,  3,  4.  Die  gleiche  Dar- 
stellung findet  sich  auf  Münzen  von  Korinth, 
Gatdl.  of  greek  coins  in  the  Brit.  Mus.,  Corinth 
77,  607  pl.  20,  6,  von  Patrai,  Catal.  of  greek 
coins  etc.,  Peloponnesus  29,  46.  50  pl.  6,  7.  8, 
von  Philadelphia  Lydiae,  Imhoof -Blumer ,  Choix 
pl.  5,  84.  Monn.  grecqu.  387.  Interessant  ist 
die  Münze  des  Gailienus  mit  der  Legende 
Mercurio    Cons.    Aug.,    auf    der    ein    Widder 

50  dargestellt  ist,  dessen  Hinterleib  in  einen  Fisch 
endigt,  Eckhel,  Doctr.  num.  7,  398.  Hierher 
gehören  auch  die  Münzen  mit  der  Darstellung 
eines  Widders  oder  des  Vorderteiles  eines  sol- 
chen und  dem  Kerykeion  auf  der  einen,  dem 
Hermeskopf  auf  der  anderen  Seite,  so  auf 
Münzen  von  Pheneos,  Imhoof- Blumer,  Monn. 
grecqu.  205  nr.  255;  206  nr.  258;  vgl.  Usser- 
vazioni  istoriche  etc.  p.  41;  ähnliche  Darstellung 
auf    einer    Gemme,     Urlichs,   Verzeichnis    der 

go  Antikensamml.  der  Universität  Würzburg  2, 
13,  128.  Ein  Widder  springt  an  Hermes  hin- 
auf, Marmorstatue  der  Sammlung  Blundell, 
Clarac  4,  172  pl.  661,  1529a;  Hermes  sitzt 
auf  einem  Felsen,  zu  seiner  R.  lagert  ein 
Widder,  1.  steht  ein  Hahn,  Statue  im  Vatikan, 
Clarac  4, 162  pl.  655,  1508;  ähnliche  Darstellung 
auf  einer  Spiegelkapsel,  Friederichs,  Berlins 
antike   Bildw.   2,  570  p.  137,  auf  einer  Lampe, 


1441                   Kriophoros  Kriophoros                   1442 

Beger,  Thesaur.  Brandenburg.  3,448,   auf  ge-  Lenormant-deWitte, Elite  eiram.  3  pl.85  p.251  f. 

schnittenen  Steinen,  Winckelmann,  Descrip-  vgl.  221  steht  Hermes  der  Maia  gegenüber; 
tion  .  .  du  baron  de  Stosch  392  p.  91  (hier  aufser  hinter  Hermes  ein  Widder,  hinter  Maia  eine 
Hahn  und  Widder  noch  Skorpion  und  Schild-  Ziege.  Eine  Terracotte  aus  Tanagra  zeigt  den 
kröte)  und  die  von  Stephani,  Compte-rendtt  1869  Hermes  unbävtig,  mit  Chlamys  und  Hut,  ein 
95,  8  angeführten  Gemmen;  ferner  Chabouillet  Widder  unten  neben  ihm,  Arch.  Zeit.  41  (18S3), 
a.a.O.  nr.  1604  p.  221  (abgeb.  Mariette,  Traue  272.  Eine  Thonflgur  aus  Unteritalien,  Hermes 
des  pierres  gravees  2  pl.  29);  Urlichs  a.  a.  0.  2,  mit  Opferschale  und  einem  hiuter  ihm  stehen- 
10,  83;  vgl.  9,  81.  82;  vgl.  auch  die  Münze  den  Widder,  Arch.  Am.  23  (1865),  22  Anm.  41. 
Cohen^  p.54nr.  634.  535.  Widder  allein  neben  10  An  die  Stelle  des  Widders  tritt  auch  hier  der 
Hermes  auf  einem  Wandgemälde,  Heibig,  Wand-  Widderkopf,  z.  B.  auf  einem  geschnittenen 
gemäkle  nr.  357  p.  91  f.  und  dortige  Litteratur,  Stein  (Chabouillet  a.  a.  0.  1596  p.  219.  Mariette 
a,uf  Münzen  von  Mamertinoi,  Catal.  of  greek  a.a.O.  2  pl.  30),  oder  nur  das  Widderfell,  das 
coins  in  the  Brit.  Mus.,  Sicily  113,  47.  Hermes  z.  B.  bei  einer  Marmorstatue  aus  Florenz  über 
mit  Caduceus,  Börse  und  Widder  (ohne  nähere  einem  Stamm  hängt,  auf  den  sich  Hermes 
Angabe),  Statuette  aus  Megalopolis,  Athen.  stützt,  Friederichs,  Berlins  antike  BilJw.  1,667 
Mitteil.  4  (1879),  130.  Eine  Marmorstatuette  p.  391;  ja  Hermes,  neben  dem  ein  Bock  und  ein 
der  Hadrianischen  Zeit,  in  Kurtatsch  an  der  Hahn  dargestellt  sind,  trägt  selbst  Widder- 
Etsch  gefunden,  zeigt  den  Gott  mit  Flügeln  hörner  auf  einer  Silberarbeit  aus  dem  römischen 
an  den  Knöcheln,  die  Chlamys  ist  um  den  1.  »u  Kastell  bei  Neuwied,  Dorotv,  Denkmäler  germ. 
Arm  geschlagen,  die  abgebrochene  L.  hielt  und  röm.  Zeit  2  Taf.  14  =  Müller -Wieseler  2, 
das  Kerykeion,  die  R.  den  Beutel ;  am  1.  Fufse  29,  325  p.  30  =  Meyer,  Lexikon*  8,  431. 
steht  ein  zu  dem  Gott  emporsehender  Widder,  Auf  die  Statue  des  Hermes  Moschophoros 
Kenner,  Archiv  f.  österr.  Gesch.  38  (1867),  224  (Damalephoros,  de  Ghanot,  Gag.  archeol.  4, 102', 
nr.  81.  Conestabile,  Annali  1863,  452  ff.  Tav.  der,  bärtig  und  am  Oberkörper  nackt,  das  Kalb 
d'agg.  Q.  1.  Ähnlich  ist  die  von  Schreiber,  in  ebenderselben  Weise  trägt,  wie  nach  dem 
Die  antiken  Bildwerke  der  Villa  Ludovisi  in  Typus  des  Kaiamis  den  Widder,  ist  Bd.  1 
Born  148f.  nr.  135  beschriebene  Statuette:  Der  Sp.  2397  Z.  5 3 ff.  schon  hingewiesen;  ich  trage 
erhobene  r.  Arm  hielt  wohl  den  Beutel,  die  folgendes  nach:  abgeb.  Arch.  Zeit.  22  (1864) 
L.  schulterte  vielleicht  das  Kerykeion;  zur  R.  30  Taf.  187;  vgl.  Conze  ebend.  169  ff.;  vollstän- 
sitzt  ein  zu  dem  Gott  aufschauender  Widder.  diger  Murray,  Hist.  of  Greek  sculptwe  1  nr.  31 
Wahrscheinlich  ist  nach  Schreiber  a.  a.  0.  p.  188.  Athen.  Mitteil.  13  (1888)  p.  113;  vgl. 
149  Anm.  diese  Statuette  identisch  mit  der  von  Winter  ebend.  113ff.  Gazette  archeol.  13  (1888) 
Platner,  Beschreib.  Borns  3,  2  p.  590  im  Jahre  pl. 8  (vorzüglich!);  vgl.  Theoxenou  ebend.  29.  39. 
1836  auf  der  Treppe  des  Belvedere  bemerkten  Overbeck,  Gesch.  der  griech.  Plast.  I4  p.  188 
'kleinen  Statue  Merkurs,  bei  der  man  einen  Fig.  38,  der  sich  jedoch  p.  187  der  Ansicht  an- 
bei den  Bildsäulen  dieses  Gottes  nicht  häufig  schliefst,  dafs  eine  Beziehung  auf  Hermes,  wie 
vorkommenden  Widder  bemerkt'.  Eine  Bronze-  sie  z.B.  Stephani,  Compte  rendu  1869  97  f.  an- 
statuette  aus  Ruvo  stellt  den  Hermes  mit  dem  genommen  hatte,  nichtvorliegt;  vgl. auch  ferner 
Kerykeion  in  der  L.  dar,  die  abgebrochene  40  Bötticher,  Erklärendes  Verzeichnis  der  Abgüsse 
R.  hielt  die  Börse;  zu  seiner  R.  steht  ein  kleiner  d.  Beil.  Mus.-  (1872)  nr.  85.  Milchiwf  er ,  Lie 
Widder,  Heydemann,  Röm.  Mitteil.  4  (1889),  Museen  Athens  p.  55.  A.  Schneider ,  TJie 
312f.  Taf.  11.  Die  schöne  Wiener  Bronze  archaisch.  Marmorskulpturen  auf  der  Akropolis 
(v.  Sacken,  Die  antiken  Bronzen  des  k.  k.  Münz-  zu  Athen,  Verhandl.  der  40.  Philol.-Versamml. 
und  Autiken-Eabinetts  in  Wien  Taf.  20  p.  49)  in  Görlitz  (1890)  349ff.  Nach  v.Sybel,  Katalog 
zeigt  den  Hermes  sitzend  auf  einem  Felsstück,  der  Skulpturen  0U  Athen  nr.  5006p.  340  erkennen 
in  der  R.  wohl  das  gesenkte  Kerykeion  hal-  einige  in  der  Statue  nicht  den  Hermes,  sondern 
tend,  die  1.  Hand  auf  den  Beutel  gestützt,  wel-  den  Apollon  Nomios.  Noch  fraglicher  ist  es, 
chen  er  neben  sich  auf  den  Felsen  gelegt  hat;  ob  wir  die  archaische  Bronzestatuette  (abgeb. 
zu  seiner  R.  steht  ein  Widder,  zur  L.  ein  50  Friederichs,  Apollo  mit  dem  Lamm,  21. WTinckel- 
Ziegenbock;  auf  beiden  Tieren  ritt  je  ein  mannsprogr.  der  arch.  Gesellsch.  zu  Berlin  1861. 
Genius,  vgl.  den  von  einem  Widder  in  vollem  Overbeck,  Gesch.  der  griech.  Plast.  I4  Fig.  65,  1 
Lauf  getragenen  geflügelten  Eros,  Athen.  Mitt.  p.  245),  die  den  Gott  bartlos  als  Widderträger 
2,  421  nr.  262.  In  einer  Marmorstatuette  im  darstellt,  mit  „breiten,  aber  tief  hängenden 
Landesmuseum  zu  Agram  hält  der  nackte  Gott,  Schultern,  schmächtigem  Leibe,  schmalem 
der  in  der  L.  das  Kerykeion  trägt,  in  der  ge-  Becken,  symmetrisch  gestellten  und  gehal- 
senkten  R.  den  Beutel  zwischen  den  Hörnern  tenen  Beinen  und  Armen  und  ausdruckslosem 
des  zu  seinen  Füfscn  kauernden  Bockes,  Kopfe  mit  seiner  konventionellen  Perücke" 
Arcltäol.  epigr.  Mut.  aus  Österr.  3  (1879),  {Overbeck  a.  a.  0.  244),  als  die  des  Apollon  — 
166  nr.  7.  Interessant  ist  die  Verbindung  des  60  so  Overbeck  a.  a.  0.  Veyries  a.  a.  0.  15.  de  Ghanot 
Hermes  mit  Hygieia  auf  einem  römischen  Denk-  a.  a.  0.  102.  Friederichs  a.  a.  0.  und  Berlins  all- 
stem —  ein  monumentaler  Beleg  für  die  Bd.  1  tike  Bildwerke  2  nr.  1823  p.  384 f. ,  der  sich  vor 
Sp.  2379  Z.  42  angeführte  Stelle  aus  Comutus  allen  Dingen  auf  die  Bartlosigkeit  beruft  — 
—  wo  wir  neben  Hermes  den  Widder  und  zu  erklären  haben  oder  als  die  des  Hermes 
Hahn  finden,  Haug,  Die  römischen  Denksteine  Kriophoros,  wie  Stephani,  Compte-rendu  1869  97. 
des  Grofsherzogl.  Antiquariums  in  Mannheim  Heibig,  Bulletino  1871  119.  von  Duhn,  Annali 
(Progr.  Mannheim  1875/77)  p.  47  nr.  65;  vgl.  p.  19  1879  138  nr.  22  a,  vgl.  143  ff.,  und  früher  auch 
nr.  11.  Auf  einer  Ejäria,  (Gerhard,  Vasenb.  19,  1.  Overbeck,  Kunstmythologie,  Apollon  366. 

Röscher,  Lexikon  der  gr.  u.  röm.  Mythol.  ü.  46 


1443                   Kriophoros  Kriophoros                    1444 

Warum  gerade  der  Widder  so  eng  ver-  Kugeln  (Blitzen!)  auf  glühende  Kegel  schiebt; 
bunden  mit  Hermes  erseheint,  sagt  Paus.  2,3,  4  nach  einem  furchtbaren  Krach  verschwindet 
jruofCtJjv.E  öi  of  (dem  Hermes)  v.Qiog,  ozi  alles.  cEine  naturwahre  Beschreibung  des  Ge- 
'EQiifjg  fi äX iozcc  dov.si  &£<äv  icpogäv  v.al  witters ,  in  welcher  der  Vorgang ,  trotz  my- 
uv£,£iv  noCav  ug,  v.afrii  ärj  v.al  "Ourtqog  iv  thischer  Ausschmückung,  deutlich  genug  her- 
'iXiäSi  inoirtaiv  (14,489)'  vibv  Q^ögßavzog  no-  vortritt.  In  dem  Bock  erkenne  ich  die  heftigen 
Xvur{Xov,  zov  §a  y.äXieza  \  'Egusiag  Tocöiav  Zusammenstöfse,  eine  wahre  arietatio,  von 
tcpiXii  v.al  nzijoiv  oitaeee  (vgl.  Bd.  1  Sp.  2377).  Wind  und  Wetter,  vgl.  den  mythischen 
zov  d'i  lv  xzlizfj  MnzQog  ini'Eotifj  Xsyöaavov  A'ofoe.'  Vgl.  Lauer  a.  a.  0.  27,  der  auf  den 
■/.cd  zä>  v.qicö  Xoyov  iniozäjisvog  ov  Xsyco.  Also  10  gleichen  Wortstamm  in  v.hgavvög,  xigag  und 
es  ist  zunächst  Hermes  als  Schutzgott  der  «oiög  hinweist.  Schwarte,  Die  poetischen  jS'atur- 
Herden  (Bd.  1  Sp.  2378),  der  cdas  Tier,  das  er  anschauungen  d.  Griechen,  Römer  u.  Deutschen 
schützt  und  hegt,  traulich  auf  die  Schulter  2,  159f.  bringt  den  Hermes  Kriophoros,  der 
legt,  ganz  wie  im  Leben  der  Hirt  mit  seinem  den  Ort  umwandelt,  den  er  schützen  will, 
Schäfchen  verfährt',  Friederichs,  Berlins  ant.  mit  dem  herumziehenden  Gewitter  in  Zu- 
Bildu.  2  nr.  1823;  vgl.  Stark,  Bei:  d.  K.  S.  sammenhang.  Hermes  trägt  den  Widder  als 
Geseüsch.  d.Wissensch.  12  (1860),  16.  Arch.  Zeit.  eine  Art  Aigis  (Widder-Fell)  herum,  und 
26  (1868),  55;  darauf  weist  auch  der  schon  die  Menschen  ahmten  es  äufserlich  in  dem 
oben  erwähnte  Kultverein  des  Hermes  Krio-  Wahne  nach,  desselben  Nutzens  in  der  Not 
phoros  mit  Apollon  Karneios  im  Haine  Kar-  20  teilhaftig  zu  werden.  Nach  Conze,  Heroen- 
nasion  hin  {Paus.  4,  33,  4)  und  die  Bestimmung  und  Gottergestaltcn  34  mag  bei  der  Zuteilung 
der  Mysterieninschrift  von  Andania,  zu  des  Widders  zum  Hermes  aufsei"  der  Be- 
dessen  Gebiete  jener  Hain  gehörte,  &vadvzco  ziehung  auf  ihn  als  Herdengott  noch  eine 
zä  [ihv  z/ßfjarpt  avv  inizoY.c<,'Eo(iä  vi  v.qi6v,  zweite  Beziehung  mitgewirkt  haben.  'Wir 
MsyciXoig  &ioL~g  düiiaXiv  avv,  'AitoXXmvi  Rag-  sprechen  den  Kindern  von  Schäfchen  am 
vsta  v.utzqov,  Abltandl.  der  Gotting.  Gesellsch.  Himmel,  und  im  weifswolligen  Fell  die 
d.  II  iss.  8,233.  239.  Auch  hier  erscheint  Hermes  Wolke  zu  sehen,  entspricht  auch  altgriechi- 
wiederum  im  engen  Verein  mit  Apollon  Kar-  scher  Anschauung.  Wolken  und  Hegen  zu 
neios  und  ist,  wie  bei  Paus.  2,  3,  4  mit  den  erflehen,  gingen  Männer  mit  Schaffellen 
Mysterien  der  Göttermutter,  so  hier  mit  denen  30  zum  Peliongebirge  hinauf.  So  mag  einlv  atur- 
der  Demeter  verbunden.  Welche  Bolle  der  symbol  für  himmlische  Erscheinung  im 
Widder  bei  der  Mysterienfeier  spielte,  darüber  Widder  des  Hermes  wie  im  Bogen  der  Artemis 
sind  wir  nur  auf  Vermutungen  angewiesen.  verborgen  liegen,  wenn  man  bei  der  Bildform 
Steht  vielleicht  die  Erzählung  der  Tanagraier  auch  bald  nur  .  .  beim  Widder  des  Hermes  an  den 
bei  Paus. -9,  22, 1  damit  im  Zusammenhang?  —  gutenHirten  dachte.'  — Hermes  ist,  wieBoseher, 
Stark  a.a.O.  16  bezeichnet  den  Widder  als  Hermes  d.  'Windgott,  überzeugend  nachgewiesen 
Symbol  der  Herde  überhaupt  und  des  Weide-  hat,  der  Wind- und  Luftgott,  und  als  solcher 
lebena,  der  Zeugung,  des  Reichtums,  des  strö-  schnell  gedacht  (Bd.  1  Sp.  2360  Z.  56  11'.; 
menden  Kegens  und  Segens,  des  Sühneopfers;  •  Sp.  2367  Z.40if.);  daher  sind  ihm  der  schnelle 
ähnlich  sagt  Gerhard,  Phrixos  der  Herold,  40  Widder  (y.al  yag  za%v  zb  '£äov,  Artemid. 
Ges.  Abhandl.2,ö09:  Hermes,  dem  Sehöpfungs-  2,  12)  und  die  diesem  nahestehenden  Ziegen 
gott,  ist  der  Widder  beigeordnet  als  Ausdruck  (aiyag  heifsen  die  vom  Winde  aufgetürmten 
der  derben  Schöpfungskraft  früher  Natur-  und  hohen  Wogen,  Artemid.  a.  a.  0.,  £izaiyi'£siv 
Bildungszustände,  ein  Ausdruck,  von  detn  astro-  wird  vom  Daherfahren  des  Windes  gebraucht; 
nomi^che,  atmosphärische  oder  etwaige  andere  vgl.  auch  Schol.  Lucophr.  135)  heilig;  wir  haben 
Begriffe,  der  Widder  im  Tierkreis  ode.r  die  in  dem  Widder  das  Sinnbild  des  Windes  und 
Widderwolke  im  Dunstkreis,  wie  Forchhammer,  Wetters  —  ist  lautlich  im  Deutschen  ein 
Hellenika  1,  201  annimmt,  erst  abgeleitet  sein  Zusammenhang  zwischenWidder  und  Wetter 
können  ...  der  Widder  des  Hermes  ist ..  Symbol  (Gewitter)  anzunehmen?  —  zu  erblicken,  den 
der  Sonne  sowohl  als  des  Regens;  ....  er  war  50  der  Windgott  selbst  auf  seine  Schultern 
auch,  von  Hermes  im  Kreislauf  bewegt,  ein  nahm,  um  Tanagra  von  der  wohl  durch  ver- 
Pest und  Unheil  abwendendes  Sinnbild  pestete  Luft  entstandenen  Seuche  zu  be- 
des  kreisenden  Jahres.  Lauer,  Arch.  Zeit.  7  freien,  vgl.  Bd.  1  Sp.  2379;  zu  den  von  Boscher 
(1849),  25  sagt:  Dafs  aber  namentlich  der  a.  a.  0.  79f.  gesammelten  Stellen  über  die  luft- 
Hernies  Kriophoros  ein  Regen  bringen-  reinigende  Kraft  der  Winde  tüge  ich  die  schla- 
der,  folglich  der  Widder  ein  Symbol  der  gende  Inschrift  aus  Delos  hinzu  'Avsuoig  ün co- 
Wolke  sei,  zeigt  der  Gebrauch  der  Tanagraier,  Giv.uv.oig,  Newton,  Anc.  greek  inscr.  in  the 
die  zur  Abwehr  der  Pest  an   dem  Feste   des  Brit.  Mus.  2,  370. 

Hermes  einen  Widder  um  ihre  Mauern  trugen;  Andere  widdertragende  Gottheiten: 

Stephani,  Compte-rendu  1869  105  weist  auf  den  60  1)  Apollon  (s.  oben).   —   2)  Den  Aristaios 

engen  Zusammenhang  hin,  den  man  zwischen  erkennt    K.   Blondel    bei    Daremberg  -  Saglio, 

ZiegenundWidderneinerseits  und  Stürmen  Dictionnaire  des  antiauite's  greegues  et  romaines 

und    Gewitterwolken    andererseits    zu    be-  p.  425    s.  v.    Aristaeus   in   zwei    Bronzen    des 

merken  glaubte.     Pütt,  Zahlen  von  kosmischer  Louvre,  de  Longpe'rier,  Kotice  des  bronzes  ant. 

Bedeutung,    Zeitschrift   für   Völkerpsych.    und  du  Musee  de  Louvre  499.  450  (abgeb.  Darem- 

Sprachwiss.  14  (1883),  146  teilt  eine  Sage  aus  berg  a.  a.  0.  p.  424  nr.  519),  wo  er  in  der  Klei- 

Drübeck  mit,  in  der  ein  Ziegenbocksreiter  auf  düng  eines  jungen  Hirten  den  Widder  auf  der 

einer  Kegelbahn  erscheint  und  mit  glühenden  Schulter  trägt;  de  Chanot  a.  a.  0.  102  läfst  nur 


1445                        Krios  Kriseis                       1446 

die   Bronze  499^18   Aristaios    gelten,    nr.  500  beim   Schal,   zu   Tl.  A611:    navxa   xcc   eis   -ig 

ist  nach   ihm   a.  a.  0.   Anm.  2   der   christliche  \r\yovxu  .  - .  dnlvv.ä  6t,vvho9cti  ftiXti  oiuv  Kqi- 

bon  pasteur;  vgl.  auch  Veyries  a.  a.  0.  57 f.  —  9"?i's,  Bgiontg,  ®atg,  Actiq  -a.xX.    Lobeclc,  Parall. 

Welcher,   Griech.  Götterl.    1,  489    und   Blondel  197  will  statt  KQKpijig  KiQcpnl'g  lesen.    Noch 

a.  a.  0.  glaubten  den  Aristaios  auch  auf  einem  naher   scheint    mir   KQi&ntg  (s.  d.)   oder   Kqtj- 

Gemälde  —  nicht  Relief,  wie  beide  irrtümlich  d-rjt'g  (s.  d.)  zu  liegen.     [Röscher.  J 

(vgl.  auch  Bd.  1   Sp.  550  Z.  55 ff.)  angeben  —  Kris(s)a    (Kqig(o)u).      Auf    einer    schwarz  - 

aus   Kyrene   zu   erkennen    (abgeb.  Pacho,   Be-  figurigen  Hydria  der  Sammlung  Pourtales  (abg. 

lation  d'un   voyage  dans   la   Marmarique,    Ja  Lenormant-de    Witte,    Elite    des    Monuments 

Cyrenaigue  etc.  p.376  Atlas  pl. 51!;  doch  scheint  10  Ceramogr.    2   pl.  36C)    will    der    Herausgeber 

es,  wie  Pacho  a.  a.  0.    de  Chanot  a.  a.  0.  103  a.  a.  0.  p.  112  in   der  zwischen  Apollon   und 

Anm.  5  bemerken,  den  christlichen  guten  Hirten  Hermes  stehenden  Göttin  die  Stadtgöttin  von 

darzustellen;  darauf  weisen  wohl  auch  die  Fische,  Krissa   erkennen    und   ebenso   auf  einer   Vase 

die  es   im  Umkreise  umgeben.   —  3)  Widder-  der  Sammlung  Hamilton  (abg.  a.  a.  0.  pl.  74a, 

tragende   Seilene    a)  Bronze  aus   dem   alten  p.  225).     [Höfer.] 

Vienna,  abgeb.  Gaz.  archeol.  4  (1878)  pl.  6;  Krisainis  (K^iaafiig,  hie  und  da  auch  Kqio- 
vgl.  de  Chanot  ebend.  1 7  ff. ;  die  Brust  des  aaaig  und  Kicaaaig).  Suidas  sagt  s.  v.  Kgioapig. 
Trägers  wird  vom  Obergewand  freigelassen,  Käog.  ovxog  r\i>  TCokv&Qitiuaxog.  xovxa  cpaair 
vgl.  A.Schneider  a.  a.  0.  349  Anm.  2. —  b)  Ganz  ~iy%tlvv  &tiv  [tpav^vcu  Hesych.]  Kai  xb  v.al- 
ähnliche  Darstellung,  nur  ist  die  Brust  bedeckt,  20  kioxov  xäv  aQoßcixwv  agad^iv,  xal  xbv  Kgi- 
Bronze  im  Museum  zu  Florenz,  Gori,Mus.Htrusc.  aufiiv  uveIsiv  avxr]v.  tyuivoaivrjv  ä'  avxä  bvag 
pl.  65,  1.  2;  vgl.  de  Chanot  a.  a.  0.  100.  —  nelsvacci  Kaxa&dipai  avxr,v.  xbv  äh  firj  cpgovxi- 
c)  Bronze  im  Cabinet  des  medailles,  Clarac  aavxa  7ictyysvsi  änolia^ai.  Dieselbe  Geschichte 
pl.  726h,  1791  d;  von  Clarac  4,  374  als  Hirt  steht  auch  bei  Photios  p.  179,  10;  Hesych.  s.  v. 
bezeichnet;  es  ist  aber  entschieden  ein  Silen.  und  Zenobios  (4,  64  p.  102).  Der  Mythos  scheint 
—  d)  Bronze  der  Sammlung  Aug.  Dutuit,  Lc-  eine  Parallele  zu  sein  zu  der  Sage  vom  Kampf 
normant,  Antiq/uites  de  la  coli.  Dutuit  nr.  13  zwischen  dem  eingeborenen  Koer  Polybotes 
(abgeb.  Gag.  archeol.  5  (1879)  pl.  29;  vgl.  (s.  d.)  und  Poseidon.  Auch  Polybotes  wird 
de  Chanot  ebend.  210).  —  i)  Jugendlicher  vernichtet  (wie  Krisamis),  und  seine  Gegnerin, 
Pan,  ein  Böcklein  auf  den  Schultern  tragend,  30  die  iyxslvg,  ist  Repräsentantin  des  Poseidon 
Friederichs ,  Berlins  antike  Bildiv.  nr.  1968  und  mit  dessen  Kult  zugleich  über  Chalkis 
p.  420.  —  5)  Jugendliche  Gottheit,  a)  Bronze  aus  Boiotien  eingeführt  {Tümpel,  Philologus 
aus  dem  alten  Sidon  (Memoir.  de  l'Acad.  des  N.  F.  4  S.  628  mit  A.  56.  Bhein.  Mus.  46 
inscr.  20  2B  part.  pl.  4,  1;  —  b)  Altarrelief,  S.  548  f.).  Als  Mitkämpferin  des  Poseidon  gegen 
Mus.  Capit.  4  p.  77.  Memoir.  de  VAcad.  des  Polybotes  erkennt  Tümpel  die  tyxskvg  auf 
inscr.  a.  a.  0.  pl.  1,  2.  —  c)  Bronze  aus  Myrina,  zwei  Reliefdarstellungen  der  bei  Jekaterinoslaw 
abgeb.  Veyries  a.  a.  0.  60.  —  Lajard,  Arch.  gefundenen,  jetzt  in  Petersburg  befindlichen 
Anzeig.  9  (1851),  51  f.  nannte  das  widder-  Phalerä  (CompteBendup.  l.'a.  ISGö  T.  5.  über- 
tragende Kind  aus  Sidon  Eros  Kriophoros;  heck,  Kunstmyth.  Poseidon.  Text  S.  333  nr.  28), 
de  Chanot ,  Gaz.  archeol.  4,  103  sah  darin  eine  40  wo  eine  unter  den  Vorderfüfsen  des  Poseidon- 
jugendliche mystische  Gottheit,  und  Lenor-  rosses  sich  hoch  aufbäumende  Wasser- 
mant,  Gaz.  archeol.  4,  164ff.,  dem  sich  Veyries  schlänge  den  als   ganz  gerüsteten   Held  ge- 

a.  a.  0.  61  anschliefst,  den  Adonis.  Eine  bildeten  Giganten  in  das  Bein  zu  beifsen  oder 
andere  jugendliche  widdertragende  Fignr  —  sich  um  dasselbe  zu  schlingen  im  Begriff  ist 
ob  mythologisch?  —  ist  abgebildet  Gaz. archeol.  (a.  0.  622f.  627).  Die  syxtXvg  ist  hier  wie 
10  (1885)  pl.  25;  vgl.  Beinach  ebend.  214ff.  auf  einigen  von  M.  Mayer,  Gigant,  u.   Titan. 

[Höfer.]  190,  104  zusammengestellten  Denkmälern  und 
Krios  (Agios),  1)  ein  alter  König  in  Euböa,  vom  Lucan- Scholl asten  3,  189  als  draco  auf- 
dessen  Sohn  der  von  Apollon  getütete  über-  gefafst.  Vgl.  auch  Dibbelt,  Quaest.  Coae  mythol. 
mutige  Räuber  Python  war,  Paus.  10,  6,  3.  —  50  Dissert.  v.  Greifswald  1891  S.  14f.  [Ist  dieser 
2)  Sohn  des  Theokies,  Seher  zu  Sparta  zur  Krisamis  vielleicht  identisch  mit  Krisamis,  dem 
Zeit  der  Achäerherrschaft,  in  dessen  Hause  Könige  von  Kos,  dessen  Ahnherr  Asklepios 
der  Gott  Karneios  -  Oiketas  verehrt  ward.  war  und  von  welchem  der  berühmte  Arzt 
Er  verhalf  den  Doriem  zur  Erbauung  von  Hippokrates  Bein  Geschlecht  ableitete?  Hippo- 
Sparta,  Paus.  3,  13,  2.  3.  [Wide,  Lakon.  krat.  ep.%  epistologr.  ed.  Hercher  p.  289.  Höfer.J 
Kulte  84.  356.  R]  —  3)  Heros  Eponymos  [Röscher  u.  Tümpel.] 
des  attischen  Demos  Krioa,  Polemon  b.  Schal.  Krisea  Epidauios,  Beiname  der  Demeter  in 
Aristoph.  Av.  645.  —  4)  Pädagog  des  Phrixos,  einer  Inschrift  aus  dem  Dorfe  Degle  bei  Or- 
der diesen  vor  den  Nachstellungen  der  Stief-  chomenos,  C.  I.  Gr.  Graeciae  septentr.  1  nr.  3213: 
mutter  nach   Kolchis   rettete,    Dionys.    Mityl.  60  ZavfisiXa  Ilov&iovog  Jafiuxscii   KQiaqri  sntödfiv 

b.  Schal.  Ap.  Bh.  1,  256.  2,  1144.  4,  119.  177;  «ve'ö-eixe.     [Drexler.] 

vgl.  Diod.i,47.  Palaiphat.  Incredib. 31.  Müller,  Kriseis  (Kgiasig)  =  Chryseis,  auf  einer  Vase 

Orch.  172.     \Reraclit.  de  ineredibil.  24.    Schol.  aus   Suessula,    abg.    Gazette  archeol.   6    (1880) 

Lucian  p.  188  Jacobitz.    Georg.  Sytikell.  1  p.  304  pl.  7;  vgl.  Bulletino  1879  152;  hinter  ihr  steht 

ed.  Bonn.;  vgl.  auch  Jahrb.  d.K.D.  arch.  Inst.  ihr  Vater  Kriseus   (Kciiasvg),   der   auf  der  ta- 

3  (1888),  232.     Höfer.]    —  5)  =  Kreios,   einer  bula  Iliaca  ähnlich  Kgvang  heilst,  Inghirami, 

der  Titanen  (s.  d.).    Mayer,  Gigant.  58 f.  [Stoll.]  Gall.  Omer.  1  pl.  5.  J .  de  Witte,  Gazette  archeol. 

•  Kripheis2    (KQicprfig) ,    zweifelhafter    Name  a.  a.  0.  63  und  Anm.  3.     Lenormant,  Gazette 

46* 


1447                       Kriseus  Kritheis                     1448 

des  Beaux-Arts  21  (1880),  111.    P.  Kretschmer  die  von  Ulrichs,  Abh.  ~M.vmeh.Ak.  Phüos.-Philöl. 

in  Kuhns  Zeitschr.  f.  vergl.   Sprachforsch.  29  Kl.   3,   1    (1840)   S.  75ff. ;   sowie  Seisen  u.  F. 

(1888),  433  Anin.  2;  447  und  Anm.    Den  Raab  1  S.  19  nachgewiesen  ist:  Kirrha  war  die  Hafen- 

der  Chryseis  will  Frühner  (Terres  cuites  d'Asie  stadt   von   Krisa.  —   Natürlich  ist  der  Name 

de    la    collection   Greau    pl.  119;  vgl.   Gazette  des  Krisos  nach  der  Stadt  Krisa  gebildet,  als 

arch.    11   (1886),   296.     Bevue   arch.   19  (,1892),  deren  Stammheros  er  gedacht  war;  in  diesem 

153  Anm.)  auf  einer  Terracotte  erkennen.     Zur  Sinne  heifst  er  auch  ein  Sobn  des  Landesheros 

Etymologie  von  Chryseis  und  Chryses  s.   Pott  Phokos,  gerade  wie  sein  Bruder  Panopeus.   Der 

in    Kuhns   Zeitschr.    f.    vergl.   Sprachforsch.  9  Streit  mit  diesem   deutet  auf  die  alte  Feind- 

(1860),  178.     [Höfer.]                                                 10  schaff  zwischen  den  Krisäern  und  den  Phlegyern 

Kriseus  (Kqies  's)  =  Chryses,  s.  Bd.  1  Sp.  902  von  Panopeus,  vgl.  Paus.  10,  4,  1.  7,  1.  9,  36, 
Z.  42 ;  vgl.  auch  Gaz.  arch.  6  (1880)  pl.  7.  De  2.  0.  Müller,  Urchomenos  S.  184.  Preller,  Be- 
Witte, Gaz.  arch.  a.  a.  0.  p.  63  Anm.  3  ver-  richte  der  Sachs.  Ges.  d.  W.  1854  S.  119  ff. 
weist  auf  Inghirami,  Galt.  Omer.  1  pl.  5,  wo  (Vgl.  unter  Phakos,  Strophios,  Panopeus). 
er  KQvarjg  (?)  genannt  wird;  seine  Tochter  trägt  [Im  Schol.  Eur.  Troad.  9  Schwarte  (vgl.  Tzets. 
auf  obigem  Vasengemälde  die  Beischrift  Kgvesig  Lyk.  1070)  heifst  er  gleichfalls  Sohn  des  Phokos 
(sie!).     [Höfer.]  und  der  Asterodia,  Bruder  des  Panopeus  und 

Krisitha  (Crisitha).      Auf  einem  Praenesti-  Gründer  von  Krisa;  im  Schol.  Eier.  Or.   1233 

sehen   Spiegel  (abg.  Gerhard,  Etrusk.  Spiegel  wird  als  seine  Gemahlin  Kydragora,  die  Tochter 

331;    vgl    Bulletino    1859,    37f.      Arch.  Anz.  20  des     Areus,     genannt.      Vgl.     auch    Meineice, 

1860,   86f.     Gerhard,    Über   die  Metallspiegel  Sci/mni    Periegesis   p.  70f.     Gemoll   zu    Hom. 

der  Etrusker,  Berl.  Akad.    1859,  474  =   Ge-  Hymn.  in  Apoll.  269.     Höfer.]    [Weniger.] 

sammelte   akad.    Abhandl.    2,   301   nr.  331)   im  Kvithei's    ( Kgi&nLg,    auch    KQrjS-rjig),     eine 

Palast  Barberini  finden   sich   die  Beischriften  Nymphe,    "welche   bei  Smyrua  mit  dem  Flufs- 

Turan  (Venus),  Menle  (Menelaos),  Crisitha,  gott  Meles  den  Dichter  Homeros  zeugte,  wes- 

Eris,    lrisis,    Tebcrum    (Teuthun?     Tefcrun?).  halb   dieser   Melesigenes   heifst,   Cert.  Hesiodi 

Gerhard,  Etruslc.  Spiegel  4,  5  (Troischer  Sagen-  et  Hom.   1  u.  2    (p.  34,  10   Westerm.).     Genus 

kreis)  p.  25    erkennt    in    der  Darstellung   die  Hom.  27.  3    Westerm.     Tzetz.   in  lliad.   p.  8. 

beabsichtigte  Abreise  des  Menelaos  nach  Kreta,  Suid.  y."Opr{Qog.  Eine  Dryade  nennt  sie  Lv.kian 

von  der  ihm  Helena  abzuhalten  suche.    Denn  30  Demosth.   enc.   9.     Oder:   der  Kymäer  Apelles 

nach  Gerhard  a.  a.  0.  verbirgt  sich  unter  dem  gab   bei  seinem  Tode  die  Tochter  Krithe'is  in 

Namen    Crisitha    eben   nur   Helena:    „In    der  die    Obhut    seines    Bruders   Maiou;    der    aber 

That  dürfte  es  wenig  Bedenken  haben,  im  Namen  schwächte    sie    und    gab    sie    dem    Smyrnäer 

Crisitha  das  Prädikat  einer  'goldigen'  Helena,  Phemios  in  die  Ehe.     Sie  gebar,   als   sie  zum 

dem   bekannten  Beinamen   ihrer  Schutzgöttin,  Flusse   Meles    waschen    ging,     den    Homeros 

der 'goldigen' Aphrodite,  und  allem  Gold  hoch-  (Melesigenes),    Epihoros    bei   Plut.    de    vit.    et 

zeitlicher  Feier  nachgebildet,  zu  erkennen."  poesi  Hom.  c.  2.    Oder  Krithe'is  war  eine  Jung- 

[Höfer.]  trau  aus  los,   welche,    von   einem  Dämon  aus 

Krisos  (Kgioog),  Sohn  des  Aiakiden  Phokos  der    Umgebung    der    Musen    schwanger,    von 

nach  dem  Ependichter  Asios  bei  Paus.  2 ,  29,  40  Räubern  nach  Smyrna  gebracht  und  von  dem 

4  (Kinkel,    Epic.    Gr.    Fr.  1   p.  204);    Steph.  Lyderkönig     Maion     zum    Weibe     genommen 

B.   Kqlocc.  Schol.  Eur.    Or.   33.     Seine   Mutter  wurde.     Sie  gebar  den  Homer  am  Meles,  und 

heifst  Asteria   nach    Tzetzes   zu   Lykopin.   53,  da   sie   sogleich   nach    der    Geburt   starb,    so 

Asterodia  ebd.  zu  939.    Schol.  IL  2,520;  sie  ist  zog  Maion   den   Homer  wie   seinen  Sohn  auf, 

die  Tochter  des  De'ioneus  (s.  oben  s.  v.  Asterodia  Aristoteles    b.   Plut.    Vit.   Hom.    c.  3.    —    Ein 

und  Deion),  offenbar  dieselbe,  welche  bei  Apid.  Bild,  die  Liebe  der  Nymphe  Krithe'is  und  des 

1,  9,  4    Asteropeia    genannt   und    als    T.    des  Meles  darstellend,  bei  Pliilostr.  2,  8.   Welcher, 

Phokerkönigs  De'ion  und  der  Diomede,  T.  des  Ep.   Cykl.    1,   147  ff.     Lobeck,    Agl.   1,   322  f. 

Xuthos,  bezeichnet  wird.     Bei  schol.  II.  2,  520  Preller,  Gr.  Myth.  2,  494.    Gerhard  2  §  641,  4.  — 

heifst    sein  Vater  Tyrannos.     Sein  Zwillings-  do  [Nach  Pseudo-Hcrodot.   vit.   Hom.   lff.   zeugte 

bruder  "war  Panopeus   (s.  d.)  (Paus.  2,  29,  4.  Melanopos    (vgl.    Hcllanikos,    Damastes    und 

Schol.  Eur.  Or.  33),  mit  dem  er  sich  schon  im  Pherekydes  bei  Proclus  vit.  Hom.  p.  25  IVester- 

Mutterleibe   gestritten  haben   soll    (Tzetzes  zu  mann),  der  von  Magnesia  nach  Kynie  ausge- 

Lykophr.  939).     Bei  schol.  II.  2,  520  wird  Dau-  wandert  war  —  Melampus  nennt   ihn  Pott  in 

lieus  ein  Sohn  des  Tyrannos  und  der  Chrestone  Kuhns  Zeitschr.  f.  vergl.  Sprachforsch.  9  (1S60) 

genannt.     Danach    wäre    derselbe    ein   Halb-  1S2    —    mit    einer    Tochter    des    Ornyres    die 

bruder   des  Krisos.     Gemahlin  des  Krisos  war  Kritheis;   sterbend  empfiehlt  er  dieselbe  dem 

Antiphateia,  die  Tochter  des  Naubolos  (Schol.  Argiver  Kleanax.    Da  aber  Kritheis  von  einem 

Eur.  Or.  33),  beider  Sohn  Strophios,  der  Vater  (nicht   näher   bezeichneten)   Manne  schwanger 

des  Pylades  (Paus.  2,  29,  4.  Schol.  Eur.  Or.  33).  60  wird,   übergiebt  sie  Kleanax   seinem  Freunde, 

Krisos    erbaute    die   an   dem   Südabhange   des  dem  Boioter  Ismenias,  um  sie  nach  dem  eben 

Parnassos    über   einer   fruchtbaren   Ebene   ge-  von     Kymaiern    gegründeten    Smyrna    mitzu- 

legene  phokische  Stadt  Krisa  (Schol.  Eur.  Or.  nehmen.     Hier  gebiert  Kritheis   bei  der  Feier 

33),  welche  von  ihm  den  Namen  hat  (Steph.  B.  eines  Festes   am  Ufer  des  Flusses  Meles   den 

s.  v.  Schol.    II.  2,  520).     Die    Bemerkung    des  Homeros   und    nennt   ihn    daher   Melesigenes. 

schol.  Eur.  Or.  33,    dafs   er   Kirrha  gründete,  Bald  darauf  verläfst  sie  den  Ismenias  und  er- 

welches   früher   Krisa   geheifsen   habe,   beruht  nährt  sich  und  ihren  Sohn  durch  ihrer  Hände 

auf  einer  öfter  vorkommenden  Verwechselung,  Arbeit.      Der    Sruyrnaier   Phemios   (vgl.   Plut. 


1449                     Kritheus  Kromniyo(n)                  1450 

de  vita  et  poesi  Homeri  1,  2)   nimmt  sie   als  Reden  schrieben,  Paus.  1,  38,  2.  Beklier,  Anecd. 

Arbeiterin  in  sein  Haus  auf,  heiratet  sie  später  Lex.  Bhet.    p.  273.     Httipokr.    v.    KotgoivCSat. 

und  adoptiert  ihren  Sohn.  ■ —  Eine  Münze  von  Suid.   KvgcaviSai.      Eine   Tochter    des   Krokon 

Eyme    mit    der    Legende   "Ourjgog.      Kviiaimv  Meganeira  [statt  MEFavstgag  wird  mit  Horcher 

stellt  Eritheis   mit   Chiton   und   Himation   be-  METctvsi'gctg   zu  lesen   sein.     Höfer]   war  mit 

kleidet  dar;  das  letztere  hebt  sie  mit  der  R.,  Arkas   vermählt,    Apollod.    3,    9,   1.     Bofsler, 

in  der  L.  hält  sie  ein  Scepter;  Imhoof -Blumer,  De  gent.  et  fam.  Att.  sac.  p.  44.  Müller,  Eleu- 

Mon.    grec.    p.   273    nr.   224a;    eine    ähnliche  sintert.    §  7    (Ersch.    u.   Gruber   1,    33    p.    273). 

MünzemitgleieherDarstellungundderUmschrift  Gerhard,  Gr.  M.  1  §  432,  2.  Vofs  zu  Hom. 
Kgrj&iig  bei  Mionnet,  Suppl.  6,  15,  199.  Imhoof  10  LT.   in   Cer.    153.    474.      [Vgl    besonders   über 

a.  a.  0.    Head,  Mist.  mim.  479.    Höfer.]  [Stoll.]  Krokon  und   die  Krokoniden  Toepffer  a.  a.  0. 

Kritheus  (Kgtdtvg),  Sohn   des  Aiolos,  sonst  lOlff.   139   Anm.  1,    der  nachzuweisen   sucht, 

Krethens  (s.  d.)  genannt  Schol.  Hont.  IL  2,  591;  dafs  Krokon  nur  in  Eleusis  als  Sohn  des  Trip- 

auch    Schol.    Hom.    II.    10,   2    findet    sich   die  tolemos   galt,  anderswo  nicht;   aufser  zu  dem 

Lesart  Kgi&tvg;  ähnlich  kommt  Kgidr/tg  (s.  d.)  Demeterknlt  hatten  die  Krokoniden  auch  nahe 

neben  Kgrj&rfig   (s.  d.),  vor,  und   auf  einer  In-  Berührungspunkte    zum   Kultus    des   Dionysos 

schritt  C.  I.  G.  1,  1120  findet  sich  der  Personen-  und   der   Hestia,    Toepffer   a.a.O.  105f.    107  f. 

narne  Kgrjxrtvg  neben  Kgt&tvg.     [Höfer.]  Höfer.]     [Stoll.] 

Kritlion    (Kgt&cov).    Vater    des    Ithagenes,  Krokos  (Kgoy.og) ,   ein  Jüngling,   der  wegen 

Grofsvater  des  Melanopos  ('s.  Eritheis);  Pseudo-  20  seiner  unglücklichen  Liebe  zur  Smilax  in  eine 

Herod.  vita  Hont.  1.     [Höfer.]  Safranstaude  verwandelt  wurde;  Smilax  wurde 

Kritobule  (Kgizoßov Xrj),  Mutter  des  Thrakers  die    gleichnamige    Pflanze,    Ov.   Met.    4,   283. 

Pangaios  von  Ares,  Flut,  de  fluv.  3,  2.     [Stoll.]  Serc.   Yerg.  Ge.   4,  182.     Konn.  TJion.  12,  86. 

Kritolaos  (Kgnäluos),   Sohn   des   Hiketaon,  Galen  t.  13  p.  608.    [Crocus  auricomans,  Auson. 

Gemahl  der  Aristomache,    einer  Tochter  des  Ctipid.  cruc.  11  p.  110  Peipcr.     Plin.  n.  h.  16, 

Priamos,    Stesicltoros  in  den  Nöazot,  bei  Paus.  154.    Dierbach,  Flora  3iythologica  130 f.;  vgl. 

10,  26,  1  =  /';•.  33   Bergk  34  p.  219.     [Höfer.]  201.     Höfer.]    [Stoll.] 

Kritomedeia    (KgizotirjStia),    Tochter    des  Krommyon,  -o?  (Kgo[ifivcov,  -tat).     Auf  der 

Danaos,  vermählt  mit  Antipaphos,  Hyg.  f.  170.  Durisschale   (Brit.  Mus.   824  abgeb.   Gerhard, 

[Stoll.]  30  Auserl.  Vasenb.  3  Taf.  234  =  Baumeister,  Den/ihm. 

Kroismos  (Kgotou-og),  ein  Troer,  von  Meges  nr.  1873  p.  1789)  erkennt  P.  J.  Meyer,  Duris- 

erlegt,  IL  15,  523.    [Tzetz.  arg.  et  alleg.  II.  9,  schalen,  Arch.  Ztg.  41  (1883),   19   Anm.  41   in 

41  in  Anecd.  Matranga  1,  86.     Höfer.]  [Stoll.]  der  ältlichen  Frau,  die  mit  lebhafter  Bewegung 

Krokale    (Kgoy.ä?.rj),    Tochter    des    Flusses  der  Hände  und  dem  Ausdruck  des  Schreckens 

Ismenos,   Nymphe  und   Dienerin  der  Artemis,  die  von  Theseus  bereits  mit  dem  Speere  durch- 

Ov.  Met.  3,  169;   [s.  Pütt  in  Kuhns  Zeitschr.  f.  bohrte  und  von  dem  Helden  mit  dem  Schwerte 

vergl. Sprachforsch.  6(1857), 411.  Höfer.]  [Stoll.]  angegriffene  krommyonische   Sau  zu  schützen 

Krokalos  s.  Krotalos.  sucht,  die  Vertreterin  von  Krommyon;  ähnlich 

Ejokeates   (Kgonscizag),   Beiname   des   Zeus  hatte   schon  Gerhard  a.  a.  0.,   (vgl.    I'anofktt, 

von  dem  bei  Gytheion  in  Lakonien  gelegenen  40  Arch.  Zeitg.  15,  87.    Baumeister  a.  a.  0.  p.  1787) 

Flecken  Krokeai,  wo  eine  steinerne  Statue  des  sie  als  Ortsnymphe  von  Krommyon  bezeichnet 

Gottes  stand,  Paus.  3,  21,  4.     [Höfer.]  und  sie  Phaia  genannt,  indem  er  meinte,  dafs 

Krokodike    (Kgoy.odiy.rj),     eine    thrakische  von   dem   Wildschwein    —    denn   <I>uiu    {<&aia 

Jungfrau,  in  Zauber  und  Beschwörung  erfahren  Steph.   Byz.   s.  v.    Ti))   Flut.    Thes.   9.     Steph. 

wie  Medeia  und  Agamede,  Arrian  bei  Eustath.  Byz.  s.  v.  Kgstxfivmv  war  der  eigentliche  Name 

Dionys.  Per.  322.     Eustath.  Hom.  p.  881,  60.  der  krommyonischen  Sau  —  der  Name  Phaia 

1493,  48.  1657,  53.     [Stoll.]  auch   auf   die   Ortsnymphe   übergegangen   sei. 

Krokon  (Kgov.mv),   ein   alter  König  im  Ge-  Gegen   diese  Auffassung   erhebt   31.  Lehnerdt, 

biet  von  Eleusis,  der  an  der  Grenze  des  athe-  Arch.  Ztg.  43   (1885),    116  f.   lebhaften  "Wider- 

nischen    Gebietes    seinen    Sitz    an    der    Stelle  50  sprach;   er   sagt:  „Man  hat  diese   Frau   Phaia 

hatte,   welche   noch  zu  Pausattiai'   Zeit  Kgo-  genannt  und   in  ihr  die  Nymphe   der  Gegend 

y.tovog    ßuoO.ttu    hiefs.     Er    hatte    zum  Weibe  um  Krommyon  gesehen,   welche  ihr  Tier  vor 

Saisara,    die  Tochter   des   Keleos,    war   Sohn  dem  Helden  zu  schützen   suche.     Das   erstere 

des   Triptolemos   und   hatte    den  Koiron    zum  ganz    ohne    Grund    ....     Die    ungewöhnliche 

unehelichen  Bruder.     Diese  Brüder  waren  die  Darstellung  einer  Nymphe  als  einer  alten  Frau 

Ahnherren   der  athenischen,    mit   dem   eleusi-  könnte  mit  dem  Namen  des  Tieres  <Pcad  „die 

nischen  Demeterkult  in  Beziehung   stehenden  Graue"   [darauf  hatte  schon  Panofka  a.  a.  0. 

Priestergeschlechter    Kgoy.wvidai    und    Koigca-  aufmerksam   gemacht)    zusammenhängen,    ob- 

vi'Sai,  von  denen  die  Krokoniden  in  gröfserer  wohl  es  wahrscheinlicher  ist,  dafs  wir  hier  eine 

Ehre    standen.      Der    Name    Krokon    ist    her-  60  Lücke    in    unserer  Überlieferung   anzunehmen 

genommen  vom  Umbinden  priesterlicher  Wolle.  haben."      Diese    Lücke    ist    glücklicherweise 

[Ol  fivazci  ygoy-tj  y.uxaSovvzai  zr)v  äs^iäv  ^fi(ja  jetzt  ausgefüllt  durch  die  von  P.  VJagncr  her- 

KOfL    zöv    ägiBzzgov   TiöSa ,    y-al   xovzo    Xiyszcu  ausgegebene   Epit.    Vat.   Apollod.    1,  1    p.  54: 

xgoyovv;   Bekker,    an.    1,  273.     Photius  s.  v.  zgixtjv   ly.raivsv   (Theseus)    iv  Kgofi^vmvi   avv 

v.goy.ovv;  vgl.  Toepffer,  Att.  Geneal.  103.  25.  zr)v  v.alov fjLavrjv  Qaiav   imo  (ccitb    Wagner, 

Höfer.]     Beide  Geschlechter  hatten  über  irgend  Comm.  Bibb.  p.  144)   zr)g  Q-gitpäang   ygaög 

eine  priesterliche  Funktion  einen  Rechtsstreit,  avxrjv.    Also  die  Amme  der  krommyonischen 

für  welchen  Lykurg  (oder  Philinos)  und  Dinarch  Sau  haben   wir  auf  obiger  Darstellung  sowie 


1451 


Krommyo(n) 


Kronos  (bei  Homer) 


1452 


auf  den  folgenden  zu  erblicken:  1)  rotfigurige 
Trinksehale  im  Museo  civico  zu  Verona,  abg. 
Ärch.  Zig.  43  Taf.  7,  lb  [hier  ist  die  Sau  noch 
unverletzt;  die  Amme  streckt  die  Rechte  zur 
Abwehr  vor,  während  sie  sich  mit  der  Linken 
auf  einen  langen  Stab  stützt:  ihr  Nacken  ist 
gebeugt] ;  —  2)  rotfigurige  attische  Vase  Brit. 
Mus.  824*  abg.  Joum.  of  hell.  stud.  2  (1880) 
pl.  10;  —  3)  ebensolche  Brit.  Mus.  825.  Cat. 
Dur.  348;  vgl.  Conze,  Nuove  Memoire  dell' 
Instit.  418;  —  4)  Sammlung  Camino  (1845)  75; 
—  5)  Brit.  Mus.  826.  De  Witte,  Description 
d'une  Collection  de  Vases  Peints  et  Bronzes 
Antiques  provenant  des  Fouilles  de  TEtrurie 
nr.  111  p.  65;  vgl.  0.  Jahn,  Ärch.  Ztg.  23,  23 
Anm.  3.  W.  Gurlitt,  Das  Alter  der  Bildwerke 
und  die  Bauzeit  des  sog.  Theseion  in  Athen 
42  ff.  52  f.  und  die  dort  angeführte  Litteratur. 
Lehnerdt,  Arch.  Ztg.  43, 116  Anm.  21.  M.  Mayer, 
ebd.  125).  —  6)  Brit.  Mus.,  A  Guide  to  the  first 
vase  room  (1879)  p.  22  nr.  125  und  als  solche 
mufste  sie  natürlich  als  ältliche  Frau  gezeichnet 
werden.*)  Richtig  ist  daher  auch  offenbar  trotz 
Jahns  Widerspruch  Arch.  Ztg.  23,  19  die  von 
Fanofka  gegebene  Deutung  der  in  Nocera  ausge- 
grabenen, von  Minervini,  Bull.  arch.  Kap.  5 
Taf.6,  2  publiciertenLekythosmitrotenFiguren, 
auf  dem  eine  Frau  einem  herbeieilenden  Schweine 
aus  einer  Schale  Futter  streut:  es  ist,  wenn 
auch  nicht  die  Ortsnymphe  von  Krommyon, 
wie  Panofka  wollte  —  Phaia,  die  Amme  der 
krommyonischen  Sau.  —  Der  Kampf  des 
Theseus  mit  letzterer  war  auch  dargestellt  auf 
den  Metopen  des  sog.  Theseions;  die  leider 
nur  verstümmelt  erhaltene  Reliefdarstellung 
(abg.  Stuart,  Ant.  of  Athens  3,  1  pl.  13,  4. 
Müller-Wieseler,  D.  d.  a.  K.  1,  20.  108.  Bau- 
meister a.  a.  0.  nr.  1866  p.  1781;  vgl.  p.  1791. 
Gurlitt  a.  a.  0.  34.  53  und  Anm.  1)  zeigt  das 
Ungetümsich  gegen denHeldenanfbäumend und 
seine  Vorderfüfae  auf  dessen  Hüfte  setzend; 
weiteres  ist  nicht  zu  erkennen.  Die  Sau  selbstwar 
von  Echidna,  die  ia  als  Mutter  vieler  mythischer 
Tiere  (Bd.  1  Sp.  1212  Z.  46  ff.)  gilt,  und  Typhon 
gezeugt,  Apollod.  a.  a.  0.;  nach  Strabo  8,  380 
(daraus  z.  T.  Steph.  Bijz.  s.  v.  Kgifi^vaiv)  war 
sie  die  Mutter  des  kalydonischen  Ebers,  nach 
Favorinus  bei  Steph.  Byz.  a.  a.  0.  aufserdem 
auch  noch  Mutter  des  erymanthischen  Ebers. 
Erst  nachdem  ihr  viele  Menschen  zum  Opfer 
gefallen  waren  (Diod.  Sic.  4,  59),  wurde  sie  von 
Theseus  erlegt,  s.  aufser  den  bereits  angeführten 
Stellen  noch  Eur.  Suppl.  316.  Pinto  Ladies 
26.  Flut.  Gryll.  (brut.  rat.)  4.  Ol-.  Met.  7, 
435.  Auson.  epist.  14,  40  p.  246  Peiper;  bei 
Patts.  2,  1,  3  KQOfivriv  .  .  .  tvxav&a  TQatpfjvai 
cpaßi  %a\  räv  Xtyojj,ivo>v  0rjßscos  v.zl.  sehreibt 
Panofka  a.  a.  0.  rgutp^vai  <&cciciv  avv,  ähn- 
lich Hase  bei  Schubart  praef.  p.  9.  —  Plut. 
Tlies.  9  erwähnt  die  euhemeristische  Deutung, 
Phaia  sei  nicht  ein  Tier,  sondern  ein  räube- 
risches, mörderisches  und  ausschweifendes 
Weib  in  Krommyon  gewesen  und  habe  daher 
den  Namen  Svg  erhalten;  daher  wollte  C. 
Smith,  Joum.  of  hell.  stud.  a.  a.  0.  62  in 
der  Nebeneinanderstellung  von  Weib  und  Tier 
auf  den  oben  angeführten  Vasen  einen  Hin- 
*)  Vgl.  auch  Bethe,  Arch.  Am.  1893  S.  S.     [Koscher.] 


weis  auf  diesen  Bericht  des  Plutarch,  gewisser- 
mafsen  eine  Vereinigung  der  tierischen  und 
menschlichen  Natur,  finden;  aber  mit  Recht 
hat  Lehnerdt  a.  a.  0.  117  Anm.  24  darauf 
hingewiesen,  dafs  diese  Annahme  schon  dos- 
halb unstatthaft  ist,  weil  wir  es  bei  Plutarch 
nicht  mit  einem  wirklichen  Mythos,  sondern 
nur  mit  einer  späteren  pragmatischen  Um- 
deutung  zu  thun  haben.    Vgl.  Kromos.  [Höfer.] 

10  Kroinna  ( Kgäuva),  1)  Auf  Münzen  der  Stadt 
Kronina  in  Paphlagonien  erscheint  ein  weib- 
licher Kopf,  geschmückt  mit  Mauerkrone,  Ohr- 
gehenke  und  Halsband,  durch  die  Legende 
KPQMNA  bezeichnet,  Catal.  of  Greek  coins.  Brit. 
Mus.  Pontus  etc.  p.  90.  91  pl.  21  nr.  1.  2.  3.  4 
und  als  the  Tyche  of  the  city  gedeutet;  da- 
gegen nennt  Head,  Hist.  man.  433  Kromna 
eine  Amazone  und  Gründerin  der  obigen 
Stadt;    s.    auch  Eckhe't ',    Doetr.   num.  3,   368. 

20  Imhoof-Blumer,  Mon.  grccques  p.  230  nr.  12.  — 
2)  Kgöpvr],  eine  der  melischen  (Hesiod.  Theog. 
187)  Nymphen,  Tzetz.  Theog.  102  in  Anecd. 
Matranga  2,  580.     [Höfer.] 

ErOmnOS  {Kgä(Lvog),  Sohn  des  Lykaon, 
Heros  Eponymos  der  arkadischen  Stadt  Kromna, 
die  auch  Kromnos  oder  Kromnai  hiefs.  Steph. 
Byz.  s.  v.  Kgüu.vu  p.  3S8.  Bei  Paus.  S,  3,  4 
heilst  er  Kromos  (Kgäf.iog).     [Höfer.] 

Kronios  1)  s.  Kromnos.  —  2)  Kgöuog,  Sohn 

30  des  Poseidon,  von  welchem  der  korinthische 
Ort  Kromyon  den  Namen  hatte,  Paus.  2,  1,  3. 

[Stoll.] 
Rronides,     Kronion,     -ios,     s.     Kronos 
Sp.  1461  ff. 

Kronios  (Kgöviog),  1)  Sohn  des  Zeus  und 
der  rhodisehen  Nymphe  Himalia,  Bruder  des 
Spartaios  und  Kytos,  Diod.  5,  55.  Himalia 
die  Müllerin,  Göttin  des  Erdesegens,  Spartaios 
der  Säer,  Kronios  der  Reifer,  Kytos  der  Bäcker 

40  oder  der  Speicherer,  Beffter,  Götterdienste  auf 
Iihodos  3,  25 ff.  Preller,  Gr.  Myth.  1,  498.  — 
2)  Freier  der  Hippodameia,  von  Oinomaos  ge- 
tötet. Paus.  6,  21,  7.  Schol.  Find.  Ol.  1,  127. 
[—  3)  =  KgoviStjg  (Zeus)  Pindar.  Nem.  6,  61 
(105).  Höfer.]  [Stoll.] 
Kronos  (Ä'c-öfoj).*) 

I.  Homer.    Titanomachie.     Hesiod.    Inseln 
der  Seligen.     Goldenes  Zeitalter. 

1.  „In  der  Ilias  heifst  Hypnos  die  Here  ihm 
schwören  bei  dem  Styx,   mit  der  einen  Hand 

*)  Inhaltsübersicht. 
I.  Homer.    Titanomachie.   Hesiod.   Inseln  der  Seligen. 

Goldenes  Zeitalter. 
II.  Von  Kronos  Entsprossene. 
TTT.  Weitere  Entwickelung   in  Litteratur  und  Legende. 

(Kuher/ieros.      Orphiker.) 
IV.  Kronos  alu    umoris   et  jriqoris  deus :  als  Planet,  mit 

Geburtsgöttin. 
V.  Örtliche  Sagen   und    Legenden.     Höhlenschlaf  und 
-Orakel.     Verhältnis  zum  Heroenkult. 
VI.  Herakles  und  Kronos. 
jjO     VII.  Der     orientalische    Kronos.      1.    Dicerse    Gottheiten. 
2.  Der  xog.   Moloch. 
VIII.  Griechische  Kultstätten.     1.  Olympia-Rhodos-Böotien. 
2.    Kyrene.      3.    Athen    (Exkurs:    Meilichos).     4.    Der 
delphische  Stein. 
IX.  Herkunft  des  Kronos.    1.  Allgemeines.    2.  Der  phry- 
ffische  Kronos.     3.  PelasgiscJter  Kronos? 
X.  Erklärung    des    Mythus.      1.     Das    Verschlingen    der 
Kinder.     2.  Verstümmelung  des  Uranos.    Trennung  von 
der  Erde.     3.  Die  Harpe. 
XI.  Etymologie. 
XII.  Bildwerke. 


50 


1453      Kronos  (Ilias,  Titanoniachie)  Kronos  (bei  Hesiod)              1454 

die  Erde  mit  der  anderen  das  Meer  umfassend,  dem  Buche  über  Gig.  u.  Tit.  gegebenen  Nach- 
damit  ihnen  Zeugen  seien  alle  die  Götter  weise  kurz  verwiesen  werden, 
unten,  die  um  den  Kronos  sind;  und  sie  Wenn  irgendwo  die  Volkssage  gegen  die 
schwur  bei  allen  den  untertartarischen  Göttern,  Kunstdichtung  angerufen  werden  mufs,  so  ist 
welche  Titanen  genannt  werden  ("14,  271 — 274.  es  hier.  Das  Volk  hat  zwischen  Riesen  und 
278).  Zeus  aber  sagt  zu  Poseidon,  er  habe  Titanen  eigentlich  nie  unterschieden.  [Wie 
für  sich  wohl  gethan,  dafs  er  sich  ins  Meer  die  bei  Homer  überwiegende  Auffassung  der 
zurückgezogen  vor  seinem  Zorn  und  seinen  Titanen  als  Vorfahren  der  Olympier  zu  ver- 
Armen;  denn  des  Kampfs  mit  ihm  (W^rjs)  stehen  sei,  und  was  es  mit  dem  Eid  bei  ihnen 
seien  auch  andere  inne  geworden,  welche  die  10  und  der  Styx  für  eine  Bewandtnis  habe,  darüber 
unterirdischen  Götter  seien  (sviQtsQOi).  die  um  glaubt  Verf.  jetzt  einige  zur  Ergänzung  des 
Kronos  (15,  221 — 228).  Dem  Ares,  der  ihm  Früheren  unentbehrliche  Aufschlüsse  gewonnen 
Vorwürfe  macht,  antwortet  er,  wäre  er  nicht  zu  haben:  s.  Kap.  IX,  1  und  §  28,  28a] 
sein  eigner  Sohn,  so  würde  er  längst  tiefer  Schon  Hesiod,  der  zum  Teil  über  viel 
drunten  sein  als  die  Uranionen  (5,  896  — 898).  ältere  Traditionen  verfügt,  aber  ohne  seinen 
Uranionen,  obgleich  der  Ausdruck  sonst  die  Stoff  immer  zu  bemeistern  und  geistig  zu 
himmlischen  Götter  bedeutet,  sind  hier  ....  durchdringen,  beging  die  sinnwidrige  Ver- 
die  Titanen,  Kronos  und  die  um  ihn,  genannt,  Schiebung  der  Parteien  (wohl  durch  die  Homer- 
ais Söhne  des  Uranos,  üraniden,  wie  auch  ein  stelle  A  401  verleitet),  dafs  er  die  wüsten  Gewal- 
Scholiast  bemerkt  (15,  225),  und  wie  die  Theo-  20  ten  der  Hekatoncheiren  und  Kyklopen  nicht 
gonie  sie  sowohl  als  die  anderen  Kinder  von  gegen,  sondern  für  den  Olymp  kämpfen  liefs 
Uranos  und  Gaia  .  .  nennt  (644.  502).  Der  Here  und  zwar  gegen  so  harmlose  Titanen  wie 
sagt  Zeus,  nach  ihrem  Zorn  frage  er  nicht,  Okeanos,  Tethys,  Rhea,  Koios,  Kreios,  Mne- 
auch  nicht  wenn  sie  zu  den  letzten  Grenzen  mosyne,  Themis:  eine  Verschiebung,  welche 
der  Erde  und  des  Pontos  gehe  (nämlich  wenn  erst  in  späteren  Epochen  auf  Grund  besserer 
sie  dort  sich  Hülfsgenossen  suchen  wollte),  Überlieferung  oder  gesünderen  Menschenver- 
wo  Iapetos  zumal  und  Kronos  sitzen  und  weder  Standes  wieder  ausgeglichen  wurde.  Nicht 
im  Sonnenlichte  noch  in  Lüften  sich  ergötzen,  blofs  die  Hundertarme,  denen  die  kyklische 
umher  aber  der  tiefe  Tartaros  ist  [sie  in  Titanomachie  zuerst  wieder  den  richtigen  Platz 
seine  tiefen  Wände  wie  in  einen  Kerker  ein-  30  anwies,  sondern  auch  die  Kyklopen  (s.  d.)  sind 
schliefst"  (8,  477 — 481  nach  Welcher ,  Götter!.  Titanen,  wie  aus  solchen  Überlieferungen  her- 
1,  262)].  vorleuchtet,  die  sich  von  dem  Odysseemärchen 
Das  ist  alles  was  wir  erfahren.  Eb  genügt  mit  ihren  gutmütigen  Menschenfressern  un- 
gerade in  eine  mäfsig  ausgebildete  Titanen-  abhängig  erhielten  und  die  Sturmdämonen 
fabel  hineinzublicken,  wo  heftig  gekämpft  und  des  Donners  und  Blitzes  rein  erkennen  lassen 
der  unterliegende  Teil  in  unabsehbare  Tiefen  (Gig.  104.  113 — 120).  Die  Titanen,  _  welche  auf 
an  den  Grenzen  der  Welt  verbannt  wurde.  Euboia  wohnten,  nach  anderer  Überlieferung 
Bei  dieser  Gelegenheit  wird  es  doch  wohl  ge-  Kyklopen  geheifsen,  sind  keine  anderen  als 
wesen  sein,  wo  dem  Riesen  Briareos-Aigaion  jene  Riesen,  die  von  jener  Insel  nach  der 
jene  Fesseln  angelegt  wurden,  die  ihm  A  401  40  Argolis  kamen,  die  gewaltigen  Mauern  zu 
Thetis  zu  einem  speziellen  Zwecke  vorüber-  türmen  (ib.  125  ff.).  Auch  dafs  die  Riesen 
gehend  löst;  man  müfste  denn  in  nargög  S'  unter  feuerspeienden  Bergen  oder  unter  dem 
ov  r\iv  äfisivcöv  eine  Andeutung  sehen,  dafs  Meeresgrunde  gefesselt  liegen,  unfähig  sich 
der  Vater  Uranos  ihn  in  die  Tiefe  gestofsen,  wiederum  zu  empören,  war  eine  Vorstellung, 
wie  bei  Hesiod.  Es  ist  das  wahrscheinlich  ein  deren  Alter  wir  nicht  nach  den  sehr  dispa- 
wertvoller  Rest  der  Titanomachie  und  giebt  raten  litterarischen  Quellen  bemessen  dürfen 
uns  über  manches  was  Homer  verschweigt  zu  {Gig.  207  ff.). 

denken:  zugleich  ein  Wink,  wie  die  Wesen  Aufser  den  phantastischen  Vorstellungen 
wohl  ausgesehen  haben  mögen,  die  kurz  als  von  Meeres-  und  Gewitterriesen,  die  sich 
Genossen  des  Kronos  erwähnt  werden.  Das  50  manchmal  vermischen  {Gig.  u.  Tit.  126  f.;  vgl. 
mufsten  in  den  Augen  des  aufhorchenden  Volkes  Kuhnert,  Gott.  gel.  Am.  1888  p.  414),  giebt  es 
schlechte  Götter  sein,  deren  Gegner  auch  nur  noch  eine  dritte  Art  Titanen,  diejenigen,  an 
gleichen  Kalibers  waren  wie  sie  selbst:  un-  welchen  der  Namen  am  unbedingtesten  und 
geheure  Gewalten,  Riesen  der  Vorzeit  sind  es,  festesten  gehaftet  hat;  das  sind  die  Sonnen- 
mit  denen  in  den  Sagen  anderer  Völker  die  und  Gestirngötter.  Dieser  Teil  der  Titanen- 
herrschenden Götter  einst  gerungen  und  die  mythologie  war  am  leichtesten  zu  durch- 
sie  bezwungen.  So  ungefähr  müssen  auch  die  schauen  und  ist  A.  Mommsen  JDelph.  36  nicht 
griechischen  Fabeln  gelautet  haben,  deren  entgangen.*)  Aus  diesem  Element  hat  Hesiod 
disiecta  membra  uns  überall  entgegentreten;  einen  grofsen  Teil  seiner  Titanenfamilien  ent- 
in der  thessalischen  Bergtürmung  durch  die  60  lehnt;  doch  liegen  auch  der  ersten  Gruppe 
Aloaden,  in  den  vielartigen  Riesen  von  Ky-  alte  Naturgötter  zu  Grunde  {Gig.  107 — 114. 
zikos  und  Besbikos,  die  etwas  vermenschlicht  120.  138). 

in    der    Odyssee    als    Lästrygonen    wiederauf-  In   der  kyklischen  Titanomachie   des 

tauchen  {Gig.  u.  Tit.  126),  in  den  %eigoyäatogf  e  JEumclos  oäer  Arktinos  war  von  dem  elementaren 

oder  Kyklopen  Lykiens  und  der  Argolis  {ib.  125)  Charakter    solcher    Kämpfe    nichts    mehr    zu 


und  anderen  Einzelsagen,  deren  Elemente 
sehliefslich  die  Gigantomachie  zusammenzu- 
fassen strebte.     Es  kann  hier  nur  auf  die  in      übrigens  unten  Sp.  102s. 


.  *)  Dafs   seine   Folgerungen    irrig   sind,   ergiebt  sich 

schließlich     die     Gigantomachie    zusammenzu-        hoffentlich  aus   m.  Buche    'Giganten   und  Titanen.     Vgl. 


1455             Kronos  (bei  Hesiod)  Kronos  (b.  d.  Orphikern  u.  Pindar)   1456 

spüren:  nur  dafs  Briareos  an  seiner  richtigen  göttlichen  Pytko  befestigte,  unter  des  Par- 
Stelle,  d.  h.  gegen  die  Götter,  stand.  Sonst  nasses  Gründen,  ein  Zeichen  zu  sein  hinfür, 
bewegte  sie  sich,  den  Rüstungen  nach  zu  ur-  ein  Wunder  den  sterblichen  Menschen  (459  — 
teilen,  ganz  in  den  üblich  gewordenen  Formen  509)."  —  Später  führt  das  Gedicht  den.  man 
der  Heroenkämpfe.  Dem  entspricht  es,  dafs  weifs  nicht  wie,  entstandenen  Kampf  des  Kronos 
bei  Aischylos  der  Titanenkampf  nicht  mehr  und  der  Seinigen  mit  den  Olympiern  vor, 
in  dem  Aufeinanderplatzen  vorweltlich  er  Kräfte,  der  damit  endet,  dafs  jene  in  den  unendlich 
dem  Ringen  der  Stärksten  gegen  noch  Stärkere,  tiefen  Tartaros  gesperrt,  gefesselt  und  von  den 
begründet  ist  (Homer  und  Hesiod  geben  über-  Hekatoncheiren  bewacht  werden.  Hesiod  ist 
haupt  nicht  an,  wie  der  Kampf  entstand^,  10  unsere  einzige  Quelle  für  die  sehr  eigen- 
sondern in  einem  politischen  Zwist,  einer  tümliche  Kronos-Mythologie,  und  Apollodors 
czäaig,  worin  ein  Teil  der  Götterwelt  sich  JBiblioilieJs  in  ihren  Eingangskapiteln  giebt 
gegen  die  Herrschaft  des  Kronos  auflehnt  und  davon ,  wie  von  der  ganzen  Theogonie,  nur 
den  Zeus  auf  den  Schild  erhebt.  Wie  sich  eine  Überarbeitung,  die  in  Gig.  u.  Tit.  229  ff. 
damit  der  Gigantenkampf  und  die  Teilnahme  näher  geprüft  ist.  (Die  Beziehung  auf  die 
des  Herakles  verband,  Momente,  die  der  mit  Orphiker  ist  aufzugeben), 
jenem  Epos  gutbekannte  Euripides  und  lange  3.  Seitdem,  bis  ins  3.  Jahrhunderthinein,  hört 
zuvor  die  Bildwerke  bezeugen,  ist  eine  noch  man  wenig  von  Kronos  und  der  Titanenwelt, 
unerledigte  Frage.  zumal   die   Gigantomachie    der  Phantasie   des 

Soviel    über    die    Titanomachie,    die   über  20  Volkes  und  der  Künstler  eine  dankbarere  Form 

Natur  und  Person  des  Kronos  selber  so   gut  der  Götterkämpfe  darbot.    Xur  die  inzwischen 

wie  gar  nichts  lehrt;    uiyag  und  txyv.vXoui'jzrjg  aufgekommenen  orphischen  Sekten,  deren 

sind  seine  einzigen  homerischen  Beiworte.  Litteratur  eine  mehr  parallele  Strömimg  zu  Hc- 

2.  Iu  dessen  Jlythen  führt  uns  Hesiod  und  siods  Theogonie  als  eine  Fortsetzung  derselben 

damit  in  eine  ganz  fremdartige  Welt.    Kronos,  darstellen,  erinnerten  sich  des  alten  Götterherr- 

der   jüngste    unter    seinen    Geschwistern    und  schers    und    brachten    ihn    wieder    zu    Ehren, 

wie  es  scheint  mehr  an  die  Mutter  attacbiert,  Er   wurde   als  der  ewig  junge,  nie  ergrauende 

hafst  seinen  Vater  Uranos,  der  seine  ältesten  (Fr.  43,  dies  wohl  erst  später  aus  Widerspruch 

Kinder,  die  Riesen,   in  den  Schofs  der  Mutter  gegen    den    volkstümlichen     senilen    Kronos) 

Gaia    zurückstiefs ,    aus    Furcht,  sie   möchten  30  Herrscher  jener   Gefilde   angenommen,    wohiu 

stärker  werden   als   er   selbst.     Von  Gaia  er-  nach    der    Lehre    dieser   Kreise    das    fromme 

mutigt,    die    zu    diesem    Zwecke    eine    grofse  Menschenkind   nach   dem   Tode  wandert,    um 

Sichel  geschaffen,  lauert  Kronos  —  die  anderen  mit  deu  dort  fortlebenden  Heroen,  wie  Hesiod 

Titanen  beben  vor  dem  Frevel  zurück  —  dem  Erga  165  ff.  ^169   ist  Interpolation),   oder  den 

Vater    auf,    und    als    dieser    sich    nächtlicher  Resten    des    goldenen  Zeitalters,    wie    andere 

Weile     wieder     der    Ehegattin     nähern    will,  sagten    (Komiker,    Horaz  Epod.   16,  63;    vgl. 

schneidet  er    ihm    die   Zeugungsteile    ab   und  Varro  B.  E.  3,  1,  5),  vereint  zn  werden:  0001 

wirft  sie  hinterrücks  ins  Meer.    Dafs  die  nun-  S'  izbXuaoctv  sgzgi'g  |  txuzsQco&i  [nivo>vvig  änb 

mehr    zu    erwartende    Befreiung    der    Riesen  ndanav    aSh.av    £%slv  \  ipv%ar ,     tzsiXav    dibg 

unterbleibt,    ist   eine    der   vielen    Schiefheiten  40  bSbv  Traget  Kgovov  zvgaiv  h'9u  gaxcigav  ] 

des   Gedichtes,    auf  dessen   kritische  Analyse  väaov   mKsavt'äsg  |  ctvgcu  nsgiTtvioieiv  v.zl.    "6g- 

an    dieser    Stelle    nicht    eingegangen    werden  fiotct    zäv    %^9aS    üraitXixovTi   «al    v.ttpceXäg 

kann.   „Kronos  hinwiederum"  (ich  benutze  auch  ßovXaig  £v   6g&ctLGi   'PctSctuciv&vog'    bv    rrazrjg 

hier   Welckers   vortreffliche  Paraphrasen)  „hat  i'x^i  Kgövog   tzotfiov   ctvzä   nügiSgov  |  Ttöatg  b 

von  Gaia  und  dem  sternigen  Himmel  erfahren,  tzuvzcov    'Psag    imigzazov    £%oiaag    ftgövov.    \ 

dafs  ihm  bestimmt  sei,  von  einem  Sohn  unter-  Ür/Xivg  rs   xcel  KäSfiog  iv   xoCaiv  äXiyovzai.'  | 

drückt   zu  werden:    darum   verschlingt   er  die  'A%illuc  z'  svsix    iml  Zrjvbg  rjzog  ■  lizaig  insias 

Söhne,  so  wie  einer  geboren  wird,  damit  kein  [iijrr^g.    So  Find.  01.  2,  124;  vgl.  BöcJch,  Expl. 

anderer    der    edlen  Uranionen    die    königliche  p.  130.  Zeus  hiefs  es,  hatte  den  Titanen,  Kronos 

Würde   unter  den  Unsterblichen  habe.     Rhea  50  voran,  ihrer  Ketten  gelöst,   wie   dies  Pindar 

berät   sich    mit   ihren   Eltern,    der   Erde    und  F.  4,  291   ausspricht  und  Aeschyl.  fr.  190  V.s 

dem  sternigen  Himmel,   wie  sie  den  jüngsten  im    gelösten    Prometheus,    wo    der    Chor    der 

Sohn  vor  ihrem  Gatten  Kronos  retten  und  die  Titanen    auftritt,   voraussetzt.       So    wollte   es 

Rache    der  verschlungenen   Kinder    an    ihrem  das    geläuterte,    dem   Volksglauben    abholde 

Vater    nehmen    möchte.     Die    Eltern    sandten  religiöse    Bedürfnis    jener    Kreise;    wenn   ihre 

sie,    als   sie    den   Zeus    gebären    sollte,    nach  Seele    Frieden   finden  wollte  in  und  mit   der 

Lyktos,  einer  fetten  Ortschaft  Kretas,  wo  sie  Gottheit,    mufste    zuerst    aus    deren    eigenen 

den  Zeus  gebiert  und   in  einer  hohen  Grotte  Regionen    jeder     Zwist     verbannt    sein,    vor 

des  waldigen  Aigaion    verbirgt.     Dem  Kronos  allem      das     anstöfsige     Mifsverhältnis     zwi- 

aber  übergiebt  sie  zum  Verschlingen  einen  in  6u  sehen    Vater   und    Sohn.     Hätte    diese    Lehre 

Windeln  gewickelten  Stein,  den  dieser  ahnungs-  in    weiteren    Kreisen    Geltung   gewonnen,    so 

los  in  seinen  Bauch  niederläfst.    Rasch  .wuchsen  würde  es  dem  Sokrates  hei  Ptnton  nicht  mög- 

Kraft  und  Glieder  des  Zeus,  Kronos  aber,  nach  lieh    sein    mit    dem    hesiodisch  -  homerischen 

der   Gaia  sinnreichen  Eingebungen  überlistet,  Familienzwist  zu  polemischen  Zwecken  zu  ope- 
gab    seine   Erzeugten   wieder  zurück,    besiegt       rieren.    Wären  sie  andererseits  ein  wirklicher 

durch  Künste  und  Gewalt  des  Sohnes.    Zuerst  Bestandteil  der  Mysterien  und  nicht  blofs  ein 

spie  er  aus  den  Stein,  den  zuletzt  verschlunge-  litterarisches  Produkt  gewesen,  so  hätten  nicht 

nen,    welchen  Zeus   auf  der  weiten  Erde   im  die   Komödiendichter  sich   der  Sache   be- 


1457         Kronos  (b.  d.  Komikern)  Kronos  (König  d.  gold.  Zeit)      1458 

mächtigen  können,  um  das  Leben  des  goldenen  selber  nicht  entging,  als  aus  solchen  scheinbar 
Geschlechts  oder  Zeitalters  (welches  im  6.  Jahrb.  unbedeutenden  Umständen,  wie  z.B.  dafs  Kronos 
wohl  mehr  nach  dem  Epos  noch  ganz  ernst  niemals  in  seiner  Götterherrschaft  geschildert 
genommen  wurde,  s.  unt.  §  6)  ins  Schlaraffen-  wird,  was  man  ja  auch  im  alten  Epos  ver- 
rnäfsige,  den  Charakter  des  uralten  Kronos  in  mifst,  sondern  wie  eine  Art  irdischer  König, 
den  eines  altmodischen  apathischen  Jammer-  Die  Bezeichnung  ßacilsvg,  die,  wenn  sie  Zeus 
greises  zu  verzerren.  —  4.  Allerdings  trug  dazu  einmal  erhält,  einen  ganz  anderen  Klang  hat, 
das  Fest  der  Kronien  nicht  wenig  bei,  ein  je  scheint  bei  Kronos  stereotyp  zu  sein.  Ich  be- 
länger je  mehr  mit  Fastnachtsfreuden  aus-  ginne  mit  sputen  Stellen,  die  nur  als  Nachhall 
gestattetes  Fest,  von  welchem  wir  erst  seit  10  Bedeutung  haben.  Michael.  Glyc.  Annal.  2, 
diesen  Zeiten  hören,  und  dessen  Ursprung  noch  129C  p.  243  ed.  Bonn,  der  Script.  Byz.  Kgövog 
genauer  betrachtet  sein  will.  Homer  und  —  irpcöros  xaxiSst^z  xb  ßaoilivitv;  ebenso 
Hesiod  waren  damit  aber  nicht  beseitigt,  und  Anonym,  in  Script.  Byz.  loh.  Malal.  p.  17. 
beiderlei  Vorstellungen,  die  vom  gestürzten  Iulian  Conviv.  317  B  slxct  ytvofiiviqg  atconfjg  b 
Weltherrscher  im  Tartaros  und  die  von  dem  ßaoiXsvg  Kgövog —  &avfid^siv  Eqp?j  kxX.  ib.  317  D 
glücklichen  Leben  unter  Kronos,  welches  fast  ä  ßaoiXsv  Kgövs  kk!  Zsv  näxsg.  Sibyll.  3, 
sprichwörtlich  wurde,  gingen  unvermittelt  110  xcl  ßaat'Xsvas  Kgövog  v.xX.  Dion.  Hai. 
neben  einander  her;  ein  Gegensatz,  den  sich  1,  36  eoxl  Ss  xig  v.ai  ixsgog  Xöyog  vitö  xäv 
der  Komiker  Pherekrates  nicht  hat  entgehen  iTn%(ogiav  tiv&oXoyovusvog,  d>s  ngb  t/;s  Atbg 
lassen:  Metalles  fr.  1.  Dort  bricht  auf  eine  20  ctg%rjQ  b  Kgövog  iv  xr\  yfj  xavxy  ävvaaxsvasis 
jener  Schilderungen  die  zuhörende  Person  los:  (von  Zeus  wird  dergleichen  Erdenresidenz  nicht 
was  machst  du  mir  den  Mund  wäfsrig,  oi'u'  berichtet)  v.ai  b  Xsyö(i.svog  vn'  iy.£tvov  ßiog 
a>g  dnoXsig  (i  tvxavnrcc  diargißova'  sxi,  mxgbv  "aitaoi  Sai])iXr\g  %xX.  Nach  Cliarax  fr.  16.  17 
Kolvfißüv  mg  t%8x'  slg  xbv  Tdgtagov  (über  die  (Müller,  Fr.  Hist.  Gr.  III)  gründet  er  als  ßaoi- 
Lesart  Kaibel  z.  Athen.  6,  269a,  Meineke,  Fr.  Xsvg  Städte,  sein  Reich  erstreckt  Bich  von 
Com.2,  1  p.303).  Dazu  bemerkt  Meineke  a.  a.  0.  Libyen  bis  an  die  Säulen  von  Gades  etc.;  vgl. 
303:  insolens  —  Tartari  nomine  appellari  bea-  Diod.  5,  66  xbv  ftsw  ovv  Kgövov  övxa  ngsoßv- 
tam  illam  omnibusque  bonis  affluentem  pio-  xaxov  (unter  den  Geschwistern)  ßuoiliu  yzvi- 
rum  sedem.  Dem  gelehrten  Kritiker  entging,  edcu.  Diod.  3,  61  Svvaaxhvoai  ds  cpaai  xbv 
dafs  im  Kontrast  die  Seele  des  Witzes  liegt.  30  Kgövov  y.ccxd  ZihsXiuv  nal  Aißvijv.  1x1  §£  xr\v 
Auch  die  gute  Darstellung  E.  Grafs,  Ad  aureae  'ixaXiav  -Aal  xb  ovvöXov  iv  xotg  ngbg  loitegav 
aetatis  fabulam  synib.  62  ff.  (Leipz.  Stud.  8)  läfst  xöitoig  ovGxijoao&ai  xrjv  ßaßiXiiav.  Diese  An- 
diesen  Pnnkt  nicht  recht  erkennen.  xoXvjiß&v,  schauung  hat  ihre  Wurzeln  nicht  blofs  in  dem 
woran  Meineke  gleichfalls  Anstofs  nimmt,  Rationalismus,  der  z.  B.  Kronos  als  König  von 
bezieht  sich  einfach  darauf,  dafs  der  tiefe  Kreta  darstellte.  Wie  alt  sie  sei,  ersieht  man 
Tartaros  an  den  Rändern  der  vom  Okeanos  aus  Ttrtullian  de  coron.  7:  Saturmim  Phere- 
umflossenen  Erde  liegt,  ebenso  wie  die  Inseln  cydes  ante  omnes  refert  coronatum  (vgl.  Bild- 
der  Seligen  selbst.  —  Vorwiegend  durch  die  werke  2  a.  E.);  sie  hängt  eng  mit  den  Lehren  vom 
Komiker  also  erlangte  damals  Kronos  eine  goldenen  Geschlecht  zusammen,  Varro  de 
Popularität,  die  er  im  Ernste  nie  besessen:  40  re  nist.  3,  1,  5  nee  sine  causa  Terram  eandem 
derart,  dafs  für  allerhand  Altmodisches,  Alt-  appellabaut  niatrem  et  Cererem  [d.  i.  drj- 
väterisches  Kgovnöv  gesagt  wurde*)  (Aristoph.  fijjr/jp],  et  qui  eam  colerent  piam  et  utilem 
Plut.  581.  Athen.  3,  113a;  Alexis  fr.  62  Kock ;  agere  vitam  credebant  atque  eos  solos  reliquos 
vgl.  Athen.  9,  403  f),  und  noch  in  späteren  Zeiten  esse  ex  stirpe  Saturni  regis;  worauf  wir  so- 
sehr alte  Leute  wie  der  Philosoph  Diodor  den  gleich  noch  zurückkommen.  Plato  legg.  4,  713 
Beinamen  Kronos  führten.  S.  besonders  Aristoph.  findet  einen  Vorzug  des  goldenen  Zeitalters 
Wolle.  929.  Wesp.  1480.  Plat.  Euthyd.  287  darin,  dafs  die  Könige  der  damaligen  Mensch- 
b.  Hypcrid.  fr.  252  =  279  (Blass),  die  Lexica  und  heit  nicht  dieser  gleichartig,  sondern  höheren 
Parömiogr.  v.  Kgövoi  und  Kgövov  nvyrj.  Auth.  Schlages,  Götter  gewesen  seien.  Vgl.  Plat. 
P.  16,  237.  Sehr  selten  findet  man  Kronos  als  50  Politic.  269  A  rrjv  yi  ßaeü.iCav  r)v  rtg'gt  Kgövog 
wirklichen  Gott  erwähnt:  Aristoph.  Vögel  noV.mv  dv.r\v.öau,hv ,  vgl.  276A.  Nach  Pindar, 
586  r)v  r\yävxai  es  ftibv,  el  j  ßi'ov,  as  Si  haben  wir  gesehen,  steigen  die  Frommen  zur 
Tf[v ,  cl  Kgövov,  of  Iloosidwv,  wobei  die  Burg  des  Kronos  hinan.  Wann  hat  man  je 
Zusammenstellung  mit  Vij  durch  den  Kult  am  von  Zeus  gehört,  dafs  dieser  in  einer  xvgiug, 
Olympieion  inspiriert  sein  könnte,  vgl.  jedoch  einem  Turm  oder  Schlosse  wohne;  die  olyrn- 
ib.  479;  oder  etwas  später  bei  dem  Pytha-  pischen  Götter  wohnen  in  den  Wolken  oder 
goreer  Philolaos ,  welcher  xijv  xov  xgiyövov  den  luftigen  Scapccx'  ÖXv[mov.  Hier  ist  das 
ymviuv  xixtagaiv  ävs&wHi  ftsoig,  Kgövco  not  Terrain  bedeutend  niedriger  genommen;  wie 
"Alöw  -/.uVAgsi  y.al  duoviem  (Mullach,  Fr.  pliil.2  ein  irdischer  König  wohnt  Kronos  hinter 
p.  5).  Vgl.  auch  Empedokl.  v.  416  Midi.  60  Mauern  und  Zinnen.  Dafs  dies  alles  auf 
5.  Wie  wenig  ernst  man  es  mit  dem  Glauben  orphiseke  Lehre  zurückgeht,  auch  wenn  jener 
nahm,  dafs  Kronos  einstmals  höchster  Gott  ge-  Pherekydes  nicht  der  Orphiker,  sondern  der 
wesen  sei**),  ist  ijiekt  sowohl  aus  den  Frivoli-  Logograph  sein  sollte,  ersieht  man  aus  Lactant.